<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>prose_history</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Jakes</last-name></author><book-title>Himmel und H�lle</book-title><annotation><subtitle id="bookmark1">Inhaltsangabe</subtitle><p>Endlich ist das entsetzliche Ringen vor�ber, ist der furchtbare B�rgerkrieg zwischen den Nord- und S�dstaaten Amerikas beendet. Der Norden hat gesiegt, wenn auch zu einem hohen, blutigen Preis: 600.000 Menschen mu�ten auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen.</p><p>Zwar ist die menschenverachtende und unw�rdige Sklaverei abgeschafft, und der Norden erhebt zu Recht mit Stolz sein Haupt. Aber trotz des Kriegsendes scheinen die Parteien unvers�hnt. Der S�den droht in Verbitterung und Hoffnungslosigkeit zu erstarren, sich von der Dem�tigung und der ruinierten Wirtschaft nicht mehr zu erholen. In Washington herrscht ein skrupelloses Regime, der Ku-Klux-Klan, ein verbrecherischer Geheimbund, wirft seine bedrohlichen Schatten auf die Zukunft.</p><p>Und doch verliert die Nation nicht den Mut, gewinnt Hoffnungslosigkeit nicht die Oberhand. Es gilt, Neuland zu betreten, den Westen zu erobern, ein neues Kapitel der amerikanischen Geschichte zu beginnen. Mit dabei bei dieser ebenso faszinierenden wie grausamen Epoche der Eroberung des Wilden Westens sind die Familien Hazard aus Pennsylvania und Main aus South Carolina, Familien, in denen sich die Geschicke Amerikas spiegeln.</p><empty-line/><p>Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel &gt;Heaven and Hell&lt; bei Harcourt Brace Jovanovich, Publishers, New York and London</p><p>Ins Deutsche �bertragen von Odette Anne Br�ndli</p><p>Mit Ausnahme der historischen Gestalten sind s�mtliche Figuren dieses Romans Gesch�pfe der Phantasie des Autors. Jede �hnlichkeit mit Lebenden oder Toten ist rein zuf�llig.</p><p>� 1982 by John Jakes � 1984 der deutschsprachigen Ausgabe</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><sequence name="Fackeln im Sturm" number="3"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2015-09-05">05.09.2015</date><id>81FCC757-660E-4981-A8E9-592F59C425DE</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>1984</year></publish-info></description><body><section><empty-line/><empty-line/><p>F�r all meine Freunde bei Harcourt Brace Jovanovich.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>Personenverzeichnis</strong></p><p>Mit Ausnahme der historischen Gestalten sind alle Figuren in diesem Roman frei erfunden. Jede �hnlichkeit mit realen Menschen aus Vergangenheit oder Gegenwart ist zuf�llig.</p><subtitle><emphasis>Die Hazards</emphasis></subtitle><p><emphasis>George����� </emphasis>Stahlindustrieller in Lehigh Station, Pennsylvania.</p><p><emphasis>Constance</emphasis>� Georges Frau.</p><p><emphasis>Stanley</emphasis>����� Ein farbloser Beamter in Washington mit wachsender Neigung zum Alkohol.</p><p><emphasis>Isabel</emphasis>������� Stanleys ehrgeizige Frau.</p><p><emphasis>Billy��������� </emphasis>Berufsoffizier, sucht nach dem B�rgerkrieg sein Gl�ck als Bauunternehmer in Kalifornien.</p><p><emphasis>Brett, geb. Main�������</emphasis>Billys Frau.</p><p><emphasis>Virgilia��</emphasis>���� Militante Verfechterin der Gleichberechtigung f�r Schwarze.</p><empty-line/><subtitle><emphasis>Die Mains</emphasis></subtitle><p><emphasis>Cooper</emphasis>������� Erbe der Main-Plantage in South Carolina, Beamter in Charleston.</p><p><emphasis>Judith���� </emphasis>��� Coopers Frau.</p><p><emphasis>Marie-Louise</emphasis>�� Judiths und Coopers halbw�chsige Tochter.</p><p><emphasis>Charles</emphasis>��� Coopers Cousin, hat als Berufsoffizier auf der Seite der Sezession gek�mpft, wurde deshalb aus der US-Armee ausgeschlossen.</p><p><emphasis>Madeline</emphasis>���� Witwe von Coopers im Krieg gefallenem Bruder Orry, Verwalterin der Main-Plantage.</p><p><emphasis>Ashton</emphasis>�������� Das versto�ene schwarze Schaf der Familie, schreckt vor nichts zur�ck, um sich zu r�chen.</p><empty-line/><subtitle><emphasis>Weitere wichtige Personen</emphasis></subtitle><p><emphasis>Elkanah Bent����� </emphasis>Intimfeind der Familien Main und Hazard, hat nach einer schweren Kopfverletzung den Verstand verloren.</p><p><emphasis>Willa Parker������ </emphasis>Eine junge Schauspielerin, die alles daransetzt, um Charles Main sein Kriegstrauma bew�ltigen zu helfen.</p><p><emphasis>Desmond LaMotte</emphasis>����� Ein Tanzlehrer alter Schule, Verwandter von Madeline Mains erstem Mann, will eine alte Schmach seiner Familie r�chen.</p><p><emphasis>Scipio Brown</emphasis>������ Ein schwarzer Lehrer und Kinderheimleiter, alter Bekannter Virgilia Hazards.</p><p><emphasis>Theo German����� </emphasis>Ein junger US-Offizier im Dienst in South Carolina, findet gro�e Sympathie bei Marie-Louise Main.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p>Prolog</p><p id="bookmark4"><strong>Die gro�e Parade 1865</strong></p></title><p>... <emphasis>Friede, Friede rufend, wenn es keinen Frieden gibt.</emphasis></p><p>JEREMIAS 6,14; 8,11</p><empty-line/><p>Die ganze Nacht hindurch regnete es in Washington. Kurz vor Tagesanbruch des 23. Mai - ein Dienstag - erwachte George Hazard in seiner Suite im Willard-Hotel. Er legte eine Hand auf die warme Schulter seiner Frau und lauschte.</p><p>Kein Regen mehr.</p><p>Die Stille war ein gutes Omen f�r diesen Feiertag. Heute morgen begann eine neue �ra, eine �ra des Friedens, mit einer geretteten Union.</p><p>Warum hatte er dann dieses Gef�hl drohenden Unheils?</p><p>George glitt aus dem Bett. Das Flanellnachthemd umflatterte seine behaarten Waden, als er sich aus dem Zimmer stahl. George war jetzt einundvierzig, ein untersetzter Mann mit kr�ftigen Schultern, dessen unterdurchschnittliche Gr��e ihm bei seinen Klassenkameraden in West Point den Spitznamen &gt;Stumpf&lt; eingetragen hatte. Grau durchsetzte sein dunkles Haar und den sauber gestutzten Bart, den er wie so viele andere noch trug, um zu zeigen, da� er in der Armee gedient hatte.</p><p>Er schlurfte ins Wohnzimmer, das mit Zeitungen und Zeitschriften �bers�t war; gestern abend war er zu m�de gewesen, um sie noch aufzuheben. Er begann sie einzusammeln und zu stapeln, wobei er sich bem�hte, so leise wie m�glich zu sein. Im zweiten und dritten Schlafzimmer schliefen seine Kinder. William Hazard III. war im Januar sechzehn geworden. Ende des Jahres w�rde Patricia dieses Alter erreichen. Das vierte Schlafzimmer geh�rte Georges j�ngerem Bruder Billy und dessen Frau Brett. Billy w�rde heute in der Parade mitmarschieren, hatte aber die Erlaubnis erhalten, die Nacht au�erhalb des Pionierlagers von Fort Berry zu verbringen.</p><p>Die Zeitungen und Zeitschriften schienen Georges d�stere Vorahnung verspotten zu wollen. Die <emphasis>New York Times,</emphasis> die <emphasis>Tribune,</emphasis> der <emphasis>Washington Star,</emphasis> die letzten Ausgaben von <emphasis>Army</emphasis> und <emphasis>Navy Journal</emphasis> h�rten sich alle gleicherma�en triumphierend an. W�hrend er auf dem Nebentisch einen sauberen Stapel auft�rmte, stachen ihm die S�tze ins Auge:</p><p><emphasis>Obwohl unser gigantischer Krieg erst seit einigen Tagen beendet ist, haben wir bereits mit der Aufl�sung der gro�artigen Unionsarmee begonnen ...</emphasis></p><p><emphasis>Sie hat die Rebellion zerschmettert, die Union gerettet und f�r sich und uns ein Land gewonnen ...</emphasis></p><p><emphasis>Das Kriegsministerium hat angeordnet, sechshunderttausend Blankoentlassungen auf Pergamentpapier zu drucken ...</emphasis></p><p><emphasis>Unsere selbstbewu�te Republik entl��t ihre Armeen, schickt ihre treuen Soldaten heim, schlie�t ihre Rekrutierungszelte, hebt ihre Materialkontrakte auf und bereitet sich darauf vor, den d�steren Pfad des Krieges zu verlassen, um die breite, helle Stra�e des Friedens zu beschreiten .</emphasis></p><p>Die Feierlichkeiten daf�r fanden heute und morgen statt: eine gro�e Parade von Grants Potomac-Armee und Uncle Billy Shermans rauhbeiniger Armee des Westens. Grants M�nner w�rden heute marschieren; Shermans Truppen morgen. Shermans Wes-terner taten Grants M�nner aus dem Osten sp�ttisch als &gt;Pa-pierkragen&lt; ab. Vielleicht w�rden die Westerner ihre Parade mit K�hen und Ziegenb�cken, Mulis und Kampfh�hnen abhalten, die sie in ihr Camp an den Ufern des Potomac mitgebracht hatten.</p><p>Nicht alle M�nner, die in den Krieg gezogen waren, w�rden mitmarschieren. Einige ruhten, getrennt von ihren Lieben, f�r immer in der Erde, so wie Georges bester Freund Orry. George und Orry hatten sich 1842 als Rekruten in West Point kennengelernt. Gemeinsam hatten sie als Soldaten in Mexiko gek�mpft und sich ihre Freundschaft �ber die Kapitulation von Fort Sumter hinaus bewahrt, in deren Folge der Krieg sie auf verschiedene Seiten stellte. In dessen letzten Tagen fand Orry den Tod bei Petersburg. Nicht in der Schlacht - er fiel der dummen, sinnlosen, rachs�chtigen Kugel eines verwundeten Unionssoldaten zum Opfer, dem er hatte helfen wollen.</p><p>Einige der jungen M�nner, die der Krieg alt gemacht hatte, zogen immer noch �ber die Stra�en des S�dens, auf dem Heimweg zu Not und Elend und Armut in einem Land, das vom Hunger und von den Feuern der Eroberungsbataillone beherrscht wurde. Andere sa�en noch in nordw�rts fahrenden Z�gen, an K�rper und Geist verst�mmelt von den Kloaken, die als Rebellengef�ngnisse herhalten mu�ten. Manch einer der konf�-derierten Soldaten war nach Mexiko verschwunden oder weiter nach Westen gegangen, um seine unsichtbaren Wunden zu vergessen. Orrys junger Cousin Charles hatte den Weg nach Westen gew�hlt.</p><p>F�r viele andere hatte der Krieg in Schmach und Schande geendet. Das galt in erster Linie f�r Jeff Davis, der sich nach Ir-winville, Georgia, gefl�chtet hatte. Viele Zeitungen des Nordens behaupteten, er habe der Gefangennahme zu entgehen versucht, indem er sich unter einem Damenkleid versteckte. Wie immer auch die Wahrheit lauten mochte, f�r gewisse Elemente im Norden war Gef�ngnis f�r Davis bei weitem nicht ausreichend. Sie schrien nach dem Strick.</p><p>George z�ndete sich eine seiner teuren kubanischen Zigarren an und ging hin�ber zu den Fenstern mit Blick auf die Pennsyl-vania Avenue. Von der Suite aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Route, die die heutige Parade nehmen w�rde, doch er hatte Sonderkarten f�r die Trib�ne direkt hinter dem Pr�sidenten. Vorsichtig schob er ein Fenster hoch.</p><p>Der Himmel war wolkenlos. Er lehnte sich vor, um den Zigarrenrauch hinauszulassen; �berall an den drei- und vierst�ckigen Geb�uden der Avenue hingen patriotische Flaggen. Lebhaftere Dekorationen hatten endlich die Trauert�cher verdr�ngt, die man allerorten nach Lincolns Ermordung hatte sehen k�nnen.</p><p>Ein scharlachrotes Lichtband �ber dem Becken des Potomac markierte den Horizont. Unten auf der schlammigen Avenue begannen sich Vehikel, Reiter und Fu�g�nger in Bewegung zu setzen. George sah zu, wie eine schwarze Familie - Eltern und f�nf Kinder - in Richtung des Pr�sidentenparks eilte. F�r sie gab es mehr als nur das Kriegsende zu feiern. Der dreizehnte Nachtrag zur Verfassung garantierte ihnen, da� die Sklaverei f�r immer abgeschafft war; die Staaten mu�ten ihn nur noch ratifizieren, um ihn zum Gesetz zu erheben.</p><p>Ein heller werdender Himmel, ein Farbenspiel von Rot, Wei� und Blau und kein Regen mehr - warum wich unter solch g�nstigen Voraussetzungen seine dunkle Vorahnung nicht?</p><p>Es lag an den Familien, entschied er, den Mains und den Ha-zards. Sie hatten den Krieg �berlebt, aber sie hatten schwer gelitten. Virgilia, seine Schwester, geh�rte nicht mehr zur Familie; ihr Extremismus hatte sie in ein selbstgew�hltes inneres Exil getrieben. Das war besonders traurig, da Virgilia direkt hier in Washington lebte, wenn auch George ihren genauen Aufenthaltsort nicht kannte.</p><p>Dann gab es da noch seinen �lteren Bruder Stanley; ein inkompetenter Mann, der durch Kriegsprofite skrupellos einen gewaltigen Geldberg angeh�uft hatte. Trotz seines Erfolges -oder vielleicht gerade deswegen - war Stanley ein S�ufer.</p><p>Bei den Mains sah es nicht besser aus. Orrys Schwester Ash-ton war irgendwo im Westen verschwunden, nachdem sie an einer erfolglosen Verschw�rung zum Sturz der Davis-Regierung zugunsten einer extremeren Regierung beteiligt gewesen war. Orrys Bruder Cooper, der in England f�r das Marineministerium der Konf�derierten t�tig gewesen war, hatte seinen einzigen Sohn Judah verloren, als ihr Schiff auf der R�ckfahrt vor Fort Fisher von einem Blockadeschiff der Union versenkt worden war.</p><p>Und dann war da noch Madeline, die Witwe seines besten Freundes Orry, die sich der schweren Aufgabe gegen�bersah, ihr Leben und die abgebrannte Plantage am Ashley River in der N�he von Charleston neu aufzubauen. George hatte ihr einen Kreditbrief �ber vierzigtausend Dollar gegeben, auf die Bank, die mehrheitlich ihm geh�rte. Er hatte gehofft, da� sie um weitere Betr�ge bitten w�rde; der gr��te Teil der urspr�nglichen Summe war f�r die Zinsen zweier Darlehen und f�r Bundessteuern ben�tigt worden; au�erdem hatte sie verhindern m�ssen, da� der Besitz von Agenten des Schatzamts, die bereits den S�den �berzogen, konfisziert und weiterverkauft wurde. Trotzdem hatte sich Madeline nicht bei ihm gemeldet, und das beunruhigte ihn.</p><p>Selbst zu dieser fr�hen Stunde herrschte sehr reger Fuhrver-kehr auf der Avenue. Es war ein denkw�rdiger Tag, und wenn er dem Himmel und der sanften Brise trauen konnte, dann w�rde es auch ein wundersch�ner Tag werden. Warum war er dann nicht in der Lage, dieses Gef�hl nahenden Unheils zu bannen, nachdem er nun seine Bef�rchtungen, was die beiden Familien anbelangte, beim Namen genannt hatte?</p><p>Die Hazards nahmen ein schnelles Fr�hst�ck zu sich. Vor allem Brett wirkte besonders gl�cklich und aufgeregt, dachte George mit einem gewissen Neid. In wenigen Wochen wollte Billy sein Entlassungsgesuch einreichen. Dann w�rden die beiden an Bord eines Schiffes nach San Francisco gehen. Sie hatten zwar Kalifornien nie gesehen, f�hlten sich aber durch Schilderungen des Klimas, der Landschaft und die unbegrenzten M�glichkeiten angezogen. Billy wollte dort eine eigene Baufirma gr�nden. So wie sein Freund Charles Main, mit dem zusammen er West Point absolviert hatte - inspiriert von George und Orry -, wollte er so weit wie m�glich von den narbenbedeckten Schlachtfeldern weg, wo Amerikaner gegen Amerikaner gek�mpft hatten.</p><p>Das Paar hatte es eilig mit dieser Reise. Brett ging mit ihrem ersten Kind schwanger. Billy hatte es George vertraulich mitgeteilt; der Anstand gebot, da� �ber eine Schwangerschaft nicht gesprochen wurde, nicht einmal unter Familienmitgliedern. Wenn die Zeit einer Frau gekommen war und ihr Bauch sich deutlich rundete, dann taten die Leute so, als w�rden sie nichts bemerken. Beim zweiten Kind erz�hlten die Eltern dem Erstgeborenen oft genug, da� der Doktor das Baby in einer Flasche gebracht habe. George und Constance hielten die meisten der Schicklichkeitsnormen ein, auch wenn sie viele f�r albern hielten, doch auf die Geschichte mit der Flasche hatten sie sich nie eingelassen.</p><p>Gegen acht Uhr f�nfzehn erreichte die Familie ihren Trib�nenabschnitt. Sie nahmen zwischen Reportern, Kongre�abgeordneten, Richtern des Obersten Gerichtshofs und hohen Armee- und Marineoffizieren Platz. Zu ihrer Linken zog sich die Avenue um das Schatzamt in der Fifteenth Street; hinter der Biegung lag der lange Anstieg der Stra�e zum Kapitol.</p><p>Zu ihrer Rechten dr�ngten sich, soweit der Blick reichte, Menschen hinter Barrikaden, hingen aus Fenstern und sa�en auf D�chern und durchh�ngenden Baum�sten. Direkt gegen�ber stand der �berdachte Pavillon f�r die G�ste von Pr�sident Johnson, zu denen die Gener�le Grant und Sheridan und Stanley Hazards Arbeitgeber, Kriegsminister Stanton, geh�ren w�rden. An der vorderen Dachlinie des Pavillons hingen zwischen Wimpeln und Immergr�n Banner mit den Namen der Unionssiege: ATLANTA und ANTIETAM, GETTYSBURG und SPOTSYLVANIA und viele andere.</p><p>Viertel vor neun war immer noch nichts vom Pr�sidenten zu sehen. Ein Meer von Klatsch umsp�lte zur Zeit den derben, ungehobelten Mann. Die Leute meinten, da� es ihm an Takt fehle; au�erdem war er ein schwerer Trinker. Und er war recht ordin�r - nun, das zumindest stimmte. Andrew Johnson, ein Schneider und sp�terer Senator, hatte als Sohn eines Kneipenkellners selbst f�r seine Bildung sorgen m�ssen, jedoch besa� er nicht Lincolns F�higkeit, die schlichte Herkunft zu seinem pers�nlichen Vorteil auszunutzen. George kannte Johnson. Er hielt ihn f�r einen schroffen, starrsinnigen Mann, der der Verfassung in beinahe religi�ser Weise ergeben war. Das allein brachte ihn schon in Widerspruch zu den Radikalen Republikanern, die die Verfassung gerne nach ihrem Wunsch interpretiert h�tten, um so ihre Vision der Gesellschaft durchzusetzen.</p><p>George war in vielen Punkten mit den Radikalen einer Meinung, wozu auch die B�rgerrechte und das Wahlrecht f�r geeignete M�nner beider Rassen geh�rten. Doch immer h�ufiger fand er die Motive und die Taktiken der Radikalen absto�end. Viele von ihnen machten kein Geheimnis aus ihrer Absicht, den Schwarzen allein daf�r das Stimmrecht zu gew�hren, da� die Republikaner zur Mehrheitspartei wurden, und so die traditionell demokratische Herrschaft �ber das Land zu brechen. Die Radikalen trugen den Besiegten gegen�ber Feindseligkeit zur Schau, was sich allerdings auch auf alle anderen Gruppierungen erstreckte, die sie f�r ideologisch unrein hielten.</p><p>Pr�sident Johnson und die Radikalen standen sich in einem zunehmend heftiger werdenden Kampf um den Wiederaufbau der Union gegen�ber. Der Streit war nicht neu. Lincoln hatte 1862 seinen Louisiana-Plan vorgelegt, den er sp�ter noch erweiterte, um die Wiederaufnahme eines jeden abtr�nnigen Staates zu erm�glichen, falls ein &gt;nennenswerter Kern&lt; von W�hlern -lediglich zehn Prozent der 1860 zugelassenen - ein Loyalit�tsgel�bde ablegte und eine Pro-Union-Regierung einsetzte.</p><p>Im Juli 1864 hatten die Radikalen Republikaner mit einer Gesetzesvorlage zur�ckgeschlagen, die von Senator Ben Wade aus Ohio und dem Abgeordneten Henry Davis aus Maryland eingebracht worden war. Darin wurde ein wesentlich sch�rferer Wiederaufbauplan umrissen, einschlie�lich der Ma�nahme, da� �ber die geschlagene Konf�deration das Milit�rrecht verh�ngt werden sollte. Das Gesetz schob dem Kongre� die Kontrolle �ber den Wiederaufbau zu. Anfang 1865 hatte Tennessee eine Regierung entsprechend dem Lincoln-Plan gebildet, angef�hrt von einem Nationalrepublikaner namens Brownlow. Die Radikalen im Kongre� verweigerten den gew�hlten Repr�sentanten dieser Regierung die Anerkennung.</p><p>Andrew Johnson beschuldigte Jefferson Davis, die Ermordung Lincolns im Ford's Theatre &gt;inspiriert und herbeigef�hrt&lt; zu haben. Er erhob die obligaten scharfen Anklagen gegen den S�den, beharrte aber auch darauf, Lincolns gem��igtes Programm durchzuf�hren. Erst vor kurzem hatte George geh�rt, da� Johnson beabsichtigte, das Programm im Sommer und Herbst mittels Pr�sidentenerla� durchzusetzen. Da der Kongre� Sitzungspause hatte und erst wieder sp�t im Jahr zusammentreten w�rde und da Johnson ganz gewi� keine Sondersitzung einberufen w�rde, konnte er den Radikalen einen Strich durch die Rechnung machen.</p><p>Die politische Windrichtung wies also auf Gegenschl�ge der Radikalen hin. Eine von Georges Missionen in Washington bestand darin, einem m�chtigen Politiker aus Pennsylvania seine Ansichten darzulegen. Er spendete der Partei j�hrlich so viel, da� er sich dazu berechtigt f�hlte. Vielleicht konnte er sogar etwas Gutes bewirken.</p><p>�Papa, da ist Tante Isabel�, sagte Patricia hinter ihm.</p><p>George entdeckte Stanleys Frau, die aus der Pr�sidentenloge winkte. Er zog eine Grimasse und winkte zur�ck. �Sie wollte sichergehen, da� wir sie auch gesehen haben.�</p><p>Brett l�chelte. Constance t�tschelte seine Hand. �Komm, George, sei nicht geh�ssig. Du w�rdest mit Stanley nicht den Platz tauschen wollen.�</p><p>George zuckte die Schultern und lie� seine Blicke weiterhin �ber die Menge schweifen, auf der Suche nach dem Kongre�abgeordneten aus seinem Staat, mit dem er sprechen wollte. W�hrend er damit besch�ftigt war, griff Constance in ihre Tasche nach einem Bonbon. Ihr rotes Haar kringelte sich gl�nzend unter dem modischen Strohhut hervor. Sie besa� noch immer diese helle irische Lieblichkeit, doch seit ihrer Hochzeit - gegen Ende des Mexikanischen Krieges - hatte sie drei�ig Pfund zugenommen. George st�rte es nicht; er betrachtete das Gewicht als ein Zeichen von Zufriedenheit.</p><p>P�nktlich um neun donnerte beim Kapitol eine Kanone los. Kurz darauf h�rten die Hazards in der Ferne eine Blaskapelle <emphasis>When Johnny Comes Marching Home</emphasis> spielen. Dann vernahmen sie, wie unsichtbare Tausende den Paradeeinheiten hinter der Biegung zujubelten. Bald schon marschierten die ersten Soldaten um die Ecke beim Schatzamt, und alle sprangen auf, klatschten und schrien hurra.</p><p>Der wie ein Gelehrter wirkende General George Meade f�hrte die Parade an; unter stehenden Ovationen ritt er auf den Pr�sidentenpavillon zu. Auf den B�umen sitzende kleine Jungs beugten sich weit vor, um zu klatschen, und w�ren beinahe abgest�rzt. Meade salutierte vor den W�rdentr�gern mit seinem S�bel bis jetzt waren weder Grant noch Johnson erschienen -, dann �bergab er sein Pferd einem Corporal und setzte sich zu ihnen.</p><p>Frauen jubelten. M�nner weinten ganz offen, ein M�dchenchor sang und streute Blumen auf die Stra�e. Die Sonne lie� die Alabasterkuppel des Kapitols in wei�em Feuer aufgl�hen, als General Wesley Merritt die Dritte Division heranf�hrte. Der regul�re Befehlshaber, Little Phil Sheridan, war bereits unterwegs zum Golf von Mexiko, um dort seinen Dienst anzutreten. Als die Dritte erschien, sprang selbst William auf, der ansonsten die �bliche Verachtung der Heranwachsenden f�r fast alles und jedes zeigte, und pfiff und klatschte.</p><p>Zugweise, jeweils sechzehn Reiter nebeneinander, so zog mit blitzenden S�beln Sheridans Kavallerie vor�ber. Die Kavalleristen mit ihren frisch gestutzten B�rten sahen sauber und ordentlich aus und zeigten kaum Anzeichen von Kriegsm�digkeit. Viele von ihnen hatten G�nsebl�mchen oder Veilchen in die M�ndungen ihrer geschulterten Karabiner gesteckt.</p><p>Jeder Dienstgrad senkte den S�bel vor dem Pr�sidenten, der endlich mit entschuldigendem Gesichtsausdruck zusammen mit General Grant den Pavillon betreten hatte. George h�rte, wie eine Frau einige Reihen hinter ihm laut fragte, ob Johnson bereits betrunken sei.</p><p>Staubwolken stiegen auf. Der Geruch von Pferde�pfeln wurde st�rker. Dann h�rte George von der Fifteenth Street her aufbrausenden Jubel: �Custer! Custer! Custer!�</p><p>Und da kam er, auf seinem zierlich die Hufe setzenden Braunen, Don Juan: der &gt;Boy General&lt; - schulterlange Locken, blond mit r�tlichem Unterton, scharlachfarbenes Halstuch, goldene Sporen, den breitkrempigen Hut als Dank f�r den Jubel gezogen. Nur wenige Unionsoffiziere hatten �ffentlichkeit und Presse so f�r sich eingenommen. George Armstrong Custer war der J�ngste in West Point gewesen, Brigadier mit dreiundzwanzig, Generalmajor mit vierundzwanzig. Zw�lf Pferde waren unter ihm zusammengeschossen worden. Er war furchtlos oder tollk�hn, je nach Betrachtungsweise. Es hie�, er wolle Pr�sident werden, nachdem sich Ulysses Grant um das Amt beworben hatte. Falls er das wirklich wollte - und falls ihm das ber�hmte &gt;Custer-Gl�ck&lt; treu blieb und die �ffentlichkeit ihn nicht verga� -, dann w�rde er es wahrscheinlich auch erreichen.</p><p>Der Boy General f�hrte seine Kavalleristen mit den roten Halst�chern an, w�hrend seine Regimentskapelle <emphasis>Garry Owen</emphasis> spielte. Die Schulm�dchen dr�ngten heran, bereit, wieder zu singen. Sie warfen Blumen. Nahe der Pr�sidententrib�ne streckte Custer seine behandschuhte Hand aus, um eine Blume zu fangen. Die pl�tzliche Bewegung erschreckte den Braunen. Er ging durch.</p><p>George erhaschte einen Blick auf Custers w�tendes Gesicht, als der Braune auf die Seventeenth Street zuraste. Als Custer Don Juan wieder unter Kontrolle hatte, fand er es unm�glich, gegen den Strom von M�nnern und Pferden anzureiten, um Johnson seinen Salut zu entrichten. Wutentbrannt ritt er weiter. Nichts da mit Custers Gl�ck heute morgen, dachte George, w�hrend er sich eine Zigarre anz�ndete. Die Stra�e des Erfolgs war nicht glatt und eben. Gott sei Dank zielte sein Ehrgeiz nicht auf ein hohes Amt ab.</p><p>Wenn er sich recht an das Programm erinnerte, dann w�rde es noch eine Weile dauern, bis die Pioniere erschienen. Er entschuldigte sich und machte sich erneut auf die Suche nach dem Politiker, den er in der Menschenmenge zu entdecken hoffte.</p><p>Er fand ihn unter den B�umen hinter der Sondertrib�ne. Der Kongre�abgeordnete Thaddeus Stevens, Republikaner von Lancaster und vielleicht der herausragendste Mann unter den Radikalen, war �ber siebzig, doch noch immer umgab ihn eine Aura urw�chsiger Kraft.</p><p>Weder sein Klumpfu� noch seine deutlich erkennbare, h��liche, dunkelbraune Per�cke konnten sie zerst�ren. Seine strengen Gesichtsz�ge beeindruckten noch mehr, da er weder einen Backen- noch einen Schnurrbart trug.</p><p>Stevens beendete sein Gespr�ch. Seine beiden Bewunderer tippten an ihre H�te und entfernten sich. George trat mit ausgestreckter Hand vor. �Hallo, Thad.�</p><p>�George. Gro�artig, dich zu sehen. Ich h�rte, du habest die Uniform ausgezogen.�</p><p>�Und bin wieder in Lehigh Station, um die Hazard-Werke zu leiten. Hast du einen Moment Zeit? Ich w�rde mich gern mal von Republikaner zu Republikaner mit dir unterhalten.�</p><p>�Sicher doch�, sagte Stevens. Ein Vorhang fiel �ber seine dunkelblauen Augen. George hatte das fr�her schon erlebt, wenn Politiker in Deckung gingen.</p><p>�Ich wollte dir nur sagen, da� ich daf�r bin, Mr. Johnsons Programm eine Chance zu geben.�</p><p>Stevens sch�rzte die Lippen. �Ich verstehe deine Besorgnis. Ich wei�, da� du unten in Carolina Freunde hast.�</p><p>Mein Gott, der Mann hatte eine Art, einen mit seiner Offenheit aus dem Gleichgewicht zu bringen. George w�nschte, er w�re zehn Zentimeter gr��er, um nicht aufschauen zu m�ssen. �Ja, das stimmt. Die Familie meines besten Freundes, der den Krieg nicht �berlebt hat. Ich mu� zur Verteidigung der Familie sagen, da� ich sie nicht f�r Aristokraten halte. Oder f�r Kriminelle.�</p><p>�Sie sind beides, wenn sie Schwarze als Sklaven gehalten haben.�</p><p>�Thad, bitte, la� mich ausreden.�</p><p>�Nat�rlich.� Stevens Tonfall war nicht mehr freundlich.</p><p>�Vor einigen Jahren war ich der Meinung, da� �bereifrige Politiker auf beiden Seiten diesen Krieg unn�tigerweise provoziert h�tten. Jahr um Jahr dachte ich �ber diese Frage nach und kam zu dem Schlu�, da� ich mich get�uscht hatte. So schrecklich es auch war, der Krieg mu�te ausgek�mpft werden. Eine allm�hliche friedliche Emanzipation h�tte niemals stattgefunden. Die Leute mit den traditionellen Interessen h�tten die Sklaverei am Leben erhalten.�</p><p>�Vollkommen richtig. Mit ihrer Kooperation und Ermutigung importierten und verkauften die Sklavenh�ndler Schwarze aus Kuba und von den Westindischen Inseln noch lange, nachdem der Kongre� den Handel 1807 verboten hatte.�</p><p>�Mich interessiert die Gegenwart im Augenblick mehr. Der Krieg ist vorbei, und es darf niemals einen weiteren Krieg geben. Die Kosten an Leben und Besitz sind einfach zu hoch. Der Krieg macht jeden Versuch materiellen Fortschritts zunichte.�</p><p>�Ah, das ist es�, sagte Stevens mit einem frostigen L�cheln. �Das neue Glaubensbekenntnis des Gesch�ftsmannes. Ich bin mir dieser Woge �konomischen Pazifismus im Norden wohl bewu�t. Ich m�chte nichts damit zu tun haben.�</p><p>George fuhr zornig auf. �Und warum nicht? Sollst du nicht deine republikanische W�hlerschaft repr�sentieren?�</p><p>�Repr�sentieren, ja. Gehorchen, nein. Mein Gewissen ist meine einzige Leitlinie.� Er legte George eine Hand auf die Schulter und blickte auf ihn herab; allein wie er den Kopf neigte, wirkte irgendwie herablassend. �Ich m�chte nicht unh�flich erscheinen, George. Ich wei�, da� du dem Staat und den nationalen Organisationen gro�e Spenden zukommen l��t. Deine Laufbahn im Krieg ist untadelig, dessen bin ich mir wohl bewu�t. Ungl�cklicherweise �ndert das nichts an meinen Ansichten, was den s�dlichen Sklavenstaat anbelangt. Alle, die dieser Klasse angeh�ren oder sie unterst�tzen, sind Verr�ter an unserer Nation. Sie residieren momentan nicht in souver�nen Staaten, sondern in eroberten Provinzen. Sie verdienen h�rteste Bestrafung.�</p><p>In seinen Augen sah George das Licht des wahren Glaubens, des heiligen Krieges aufblitzen. Zyniker witterten hinter diesem Fanatismus sch�bige Motive. Sie verkn�pften Stevens' Kreuzzug f�r die Rechte der Neger mit seiner Haush�lterin in Lancaster und Washington, Mrs. Lydia Smith, einer h�bschen Witwe und Mulattin. Sie verbanden die Brandschatzung seiner Eisenwerke in Chambersburg durch Jubal Earlys Soldaten mit seinem Ha� auf alle Dinge des S�dens. George war von diesen Erkl�rungen nicht �berzeugt; er hielt Stevens f�r einen ehrlichen, wenn auch extremen Idealisten. Es hatte ihn nie �berrascht, da� Stevens und seine Schwester Virgilia gute Freunde waren.</p><p>Trotzdem repr�sentierte der Kongre�abgeordnete keineswegs das gesamte Spektrum der republikanischen Meinung. George sagte scharf: �Ich dachte, die Exekutive f�hre das Kommando beim Wiederaufbau des S�dens.�</p><p>�Nein, Sir. Das ist das Vorrecht des Kongresses. Mr. Johnson war ein Narr, als er seine Absicht verk�ndete, Regierungsbefehle zu erlassen. Das hat gro�e Feindseligkeit bei meinen Kollegen ausgel�st, und du kannst versichert sein, da� wir diesen Unfug korrigieren werden, wenn wir uns wieder versammeln. Der Kongre� wird es nicht dulden, da� seine Rechte vereinnahmt werden.� Stevens h�mmerte die Spitze seines Stocks gegen den Boden. �Ich werde es nicht dulden.�</p><p>�Aber Johnson tut lediglich das, was Abraham Lincoln ...�</p><p>�Lincoln ist tot�, sagte Stevens, bevor er den Satz beenden konnte.</p><p>Rot anlaufend sagte George: �Also gut. Welches Programm w�rdest du bef�rworten?�</p><p>�Eine vollkommene Rekonstruktion der s�dstaatlichen Institutionen und Gebr�uche durch Okkupation, Konfiskation und durch das reinigende Feuer des Gesetzes. Solch ein Programm mag kraftlose Gem�ter erschrecken und schwache Nerven ersch�ttern, aber es ist notwendig und gerechtfertigt.� Georges Gesicht r�tete sich noch st�rker. �Genauer gesagt, ich w�nsche harte Strafen f�r Verr�ter in hohen �mtern. Ich bin nicht zufrieden damit, da� Jeff Davis in Fortress Monroe eingesperrt ist. Ich w�nsche seine Exekution. Ich w�nsche, da� jedem Mann, der die Armee oder die Marine verlassen hat, um sich in den Dienst der Rebellion zu stellen, die Amnestie verweigert wird.� Mit gemischten Gef�hlen dachte George an Charles. �Und ich bestehe auf den vollst�ndigen B�rgerrechten f�r alle Neger. Ich fordere das Wahlrecht f�r jeden in Frage kommenden schwarzen Mann.�</p><p>�Daf�r w�rden sie dich sogar in Pennsylvania mit Steinen bewerfen. Wei�e glauben einfach nicht, da� Schwarze gleichwertige Menschen sind. Das mag falsch sein - was ich auch glaube -, aber es ist nun mal Realit�t. Dein Plan wird nicht funktionieren.�</p><p>�Gerechtigkeit wird nicht funktionieren, George? Gleichheit wird nicht funktionieren? Das k�mmert mich nicht. Das sind meine �berzeugungen. F�r sie werde ich k�mpfen. In Fragen moralischer Prinzipien kann es keine Kompromisse geben.�</p><p>�Verdammt noch mal, ich weigere mich, das zu akzeptieren. Und eine ganze Menge Nordstaatler denken genauso �ber .�</p><p>Aber der Kongre�abgeordnete hatte sich bereits neuen Bewunderern zugewandt.</p><p>Das Bataillon des Pioniercorps der Potomac-Armee marschierte die Pennsylvania Avenue hinunter auf den Pr�sidentenpavillon zu, acht Kompanien in schicken neuen Uniformen, die die ver-dreckten Fetzen, die sie w�hrend der letzten Tage des VirginiaFeldzuges getragen hatten, ersetzten. An den G�rteln der H�lfte der M�nner schwangen kurze Spaten, Symbole ihrer gef�hrlichen Eins�tze - Br�ckenbau, Stra�eninstandsetzung -, h�ufig genug unter feindlichem Feuer, das zu erwidern sie viel zu besch�ftigt gewesen waren.</p><p>Billy Hazard, mit sauber gestutztem Bart, marschierte voller Stolz und Energie zwischen ihnen unter der hei�en Sonne dahin; seine gut heilende Brustwunde schmerzte fast nicht mehr. Er blickte hin�ber zu der Trib�ne, wo seine Familie sitzen sollte. Er entdeckte das liebliche, strahlende Gesicht seiner Frau, als sie ihm zuwinkte. Dann bemerkte er seinen Bruder und w�re beinahe aus dem Gleichschritt gekommen. George starrte mit grimmigem Gesicht abwesend vor sich hin.</p><p>Unter den lautstarken Kl�ngen der Milit�rkapelle marschierten die Pioniere in einem Blumenregen, der �ber ihnen niederging, an der Sondertrib�ne vorbei. Auch Constance merkte, da� etwas nicht stimmte. Als Billy vorbei war, erkundigte sie sich danach.</p><p>�Oh, ich habe endlich Thad Stevens gefunden, das ist alles.�</p><p>�Das ist nicht alles, das sehe ich dir doch an. Erz�hl's mir.�</p><p>George schaute seine Frau an; wieder dr�ckte ihn die Ahnung nahenden Unheils wie ein schweres Gewicht nieder. Die Vorah-nung stand nicht in direktem Zusammenhang mit Stevens, doch war er ein Teil des ganzen Mosaiks.</p><p>Ein �hnliches Gef�hl hatte George im April 1861 �berkommen, als er zugesehen hatte, wie ein Haus in Lehigh Station bis auf die Grundmauern niederbrannte. Er hatte in die Flammen gestarrt und in einer Art Vision die ganze Nation brennen sehen und sich vor der Zukunft gef�rchtet. Diese Furcht war nicht unbegr�ndet gewesen. Er hatte Orry verloren, die Mains hatten Mont Royal verloren, der Krieg hatte Hunderttausende von Leben gekostet und beinahe das Band zwischen den Familien zerrissen. Seine jetzige Vorahnung unterschied sich kaum von der damaligen.</p><p>Achselzuckend versuchte er die Sache vor Constance herunterzuspielen. �Ich brachte meine Ansichten zum Ausdruck, und er wischte sie ziemlich b�sartig beiseite. Er will den S�den bluten lassen und die Kontrolle des Kongresses �ber den Wiederaufbau.� George versuchte einen Gef�hlsausbruch zu vermeiden, schaffte es aber nicht. �Constance, Stevens ist bereit, Mr. Johnson den Krieg zu erkl�ren, um seine Vorstellungen durchzusetzen. Und ich dachte, die Zeit f�r die Wiedervereinigung der Union sei gekommen. Unsere Familie hat wei� Gott genug gelitten und geblutet. Genau wie Orrys Familie.�</p><p>Constance seufzte, auf der Suche nach einer M�glichkeit, seinen Kummer zu lindern. Mit einem gezwungenen L�cheln auf ihrem rundlichen Gesicht sagte sie: �Liebster, schlie�lich geht es hier trotz allem nur um Politik.�</p><p>�Nein. Es ist viel mehr als das. Ich war der Meinung, wir feierten, weil der Krieg vorbei ist. Stevens hat mich eines Besseren belehrt. Der Krieg f�ngt erst an.�</p><p>Und George war sich nicht sicher, ob die Familien, von vier Jahren Krieg bereits angeschlagen und verwundet, noch einen weiteren �berleben konnten.</p></section><section><title><p id="bookmark5">Erstes Buch</p><p><strong>In aussichtsloser Lage</strong></p></title><section><p><emphasis>Wir alle sind der Meinung, da� abgefallene Staaten nicht mehr in ihrer eigentlichen Beziehung zur Union stehen und da� es das ausschlie�liche Ziel der Regierung sein mu�, sowohl in ziviler als auch in milit�rischer Hinsicht diese Beziehung wiederherzustellen. Ich glaube, dies ist nicht nur m�glich, sondern l��t sich sogar leichter erreichen, wenn wir gar nicht in Betracht ziehen, da� diese Staaten zu irgendeinem Zeitpunkt nicht zur Union geh�rt haben. Sind sie wieder sicher zu Hause gelandet, so spielt es keine Rolle mehr, ob sie je weggewesen waren.</emphasis></p><p>Letzte �ffentliche Rede von Abraham Lincoln</p><p>von einem Balkon des Wei�en Hauses, 11. April 1865</p><empty-line/><p><emphasis>Zertretet die Verr�ter. Tretet die Verr�ter in den Staub.</emphasis></p><p>Kongre�abgeordneter Thaddeus Stevens nach Lincolns Ermordung, 1865</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>1</strong></p></title><p>�berall um ihn herum schossen Flammens�ulen in den Himmel. Der Kampf hatte zuerst das trockene Unterholz, dann die B�ume in Brand gesetzt. Der Rauch trieb ihm die Tr�nen in die Augen, so da� er die feindlichen Sch�tzen kaum sehen konnte.</p><p>Charles Main beugte sich tief �ber den Nacken von Sport, seinem Grauen, schwenkte seinen Strohhut und br�llte: �Hah! Hah!� Vor ihm galoppierten mit flatternden M�hnen zwanzig herrliche Kavalleriepferde, zuerst in die eine, dann in die andere Richtung, auf der Flucht vor der Hitze und dem roten Flammenwirbel.�</p><p>�Wir m�ssen verhindern, da� sie wenden�, schrie Charles hin�ber zu Ab Woolner, den er in dem dichten Rauch nicht sehen konnte. Gewehrsch�sse bellten. Eine verschwommene Gestalt links von ihm kippte aus dem Sattel.</p><p>Konnten Sie es schaffen? Sie <emphasis>mu�ten</emphasis> es schaffen. Die Armee ben�tigte dringend diese gestohlenen G�ule.</p><p>Hinter einem umgest�rzten Baumstamm sprang ein bulliger Sergeant im Blau der Union hoch. Er brachte sein Gewehr in Anschlag und jagte der Stute, die die Herde anf�hrte, eine Kugel in den Kopf. Sie stie� eine Art Bellen aus und brach zusammen. Ein Brauner hinter ihr stolperte und ging ebenfalls zu Boden. Im Weitergaloppieren h�rte Charles das Splittern von Knochen. Ein Grinsen legte sich �ber das ru�ige Gesicht des Sergeants. Er scho� dem Braunen ein Loch in den Kopf.</p><p>Die Hitze versengte Charles' Gesicht. Der Rauch blendete ihn. Ab und die anderen M�nner des graugekleideten Sto�trupps hatte er vollst�ndig aus den Augen verloren. Nur die Notwendigkeit, die Tiere zu General Hampton zu bringen, trieb ihn weiter durch das Inferno, in dem sich Feuer und Sonnenlicht vermischten.</p><p>Seine Lungen schmerzten, schrien nach Luft. Er glaubte vor sich eine L�cke zu sehen, die das Ende des brennenden Waldes markierte. Er setzte die Sporen ein; Sport reagierte sofort. �Ab, geradeaus. Siehst du's?�</p><p>Keine Antwort, nur noch mehr Sch�sse, noch mehr Schreie, noch mehr Ger�usche von Pferden und M�nnern, die in die brennenden Bl�tter st�rzten, die wie ein Teppich den Boden bedeckten. Charles dr�ckte sich den Hut fest auf den Kopf, ri� seinen 44er Armeecolt hoch und zog mit dem Daumen den Hammer zur�ck. Vor ihm versperrten drei Unionssoldaten mit erhobenen Bajonetten den Fluchtweg. Vor den heranst�rmenden Pferden wichen sie zur Seite. Ein Soldat rammte einem Schecken sein Bajonett in den Bauch. Eine Blutfont�ne �bersch�ttete ihn. Mit einem schrillen, herzzerrei�enden Wiehern ging der Schecke zu Boden.</p><p>Diese unglaubliche Brutalit�t Tieren gegen�ber raubte Charles fast den Verstand. Er feuerte zweimal, aber Sport galoppierte �ber derart unebenes Gel�nde, da� er auf keinen Treffer hoffen durfte. Inmitten der rasenden Herde suchten sich die drei Unionssoldaten ihre Ziele. Eine Kugel traf Sport direkt zwischen den Augen; Blut spritzte �ber Charles' Gesicht. Er schrie wie ein Wahnsinniger auf, als die Vorderbeine des Grauen einknickten und er nach vorn st�rzte.</p><p>Er landete hart und stemmte sich benommen auf H�nde und Knie. Ein weiterer grinsender Unionssoldat stie� mit seinem Bajonett zu. Charles hatte den Eindruck von orangem Licht, so grell, da� man gar nicht hinschauen konnte, und einer derart intensiven Hitze, da� er zu sp�ren glaubte, wie sie seine Haut versengte. Der Unionssoldat rammte Charles das Bajonett in den Bauch und zog es nach oben, ri� ihn vom Nabel bis zum Brustbein auf.</p><p>Ein zweiter Soldat dr�ckte Charles einen Gewehrlauf gegen den Kopf. Charles h�rte die Explosion, sp�rte die Wucht des Aufpralls - dann wurde der Wald dunkel.</p><p>�Mr. Charles ...�</p><p>�Geradeaus, Ab! Der einzige Weg, der rausf�hrt!�</p><p>�Mr. Charles, Sir, wachen Sie auf!�</p><p>Er schlug die Augen auf, sah die Silhouette einer Frau vor dunkelrotem Licht. Er rang nach Luft, schlug um sich. Rotes Licht. Der Wald brannte.</p><p>Nein. Das Licht stammte von den roten Schalen der Gasgl�hk�rper im Salon. Es gab kein Feuer, keine Hitze. Immer noch benommen sagte er: �Augusta?�</p><p>�Oh nein, Sir�, sagte sie traurig. �Ich bin's, Maureen. Sie haben so geschrien, da� ich dachte, Sie h�tten irgendeinen Anfall.�</p><p>Charles richtete sich auf und schob sich das dunkle Haar aus der schwei�bedeckten Stirn. Seine Haare waren schon eine ganze Weile nicht mehr geschnitten worden. Sie ringelten sich �ber den Kragen seines verwaschenen blauen Hemdes. Obwohl er erst neunundzwanzig war, hatte sein gutes Aussehen unter Entbehrungen und Verzweiflung gelitten.</p><p>Auf der anderen Seite des Salons der Suite im &gt;Grand Prairie Hotel&lt;, Chicago, sah er seinen Revolvergurt auf einem Sitzkissen liegen, in dem sein Colt steckte. Den Colt zierte eine Gravur mit einer Szene, in der Indianer gegen Armeedragoner k�mpften. �ber der Lehne des gleichen Stuhls hing sein Umh�ngemantel, zusammengesetzt aus Flicken von zimtfarbenen S�dstaatenhosen, Pelzm�nteln, Unions�berziehern und gelben und scharlachroten Bettdecken. St�ck f�r St�ck hatte er ihn sich w�hrend des Krieges gen�ht, um sich warm zu halten.</p><p>�Ein schlechter Traum�, sagte er. �Habe ich Gus geweckt?�</p><p>�Nein, Sir. Ihr Sohn schl�ft tief und fest. Tut mir leid wegen Ihres Alptraums.�</p><p>�Ich h�tte es gleich merken m�ssen. Ab Woolner kam darin vor. Und mein Pferd Sport. Sie sind beide tot.� Er rieb sich die Augen. �Bin schon wieder in Ordnung, Maureen. Danke.�</p><p>Zweifelnd sagte sie: �Jawohl, Sir�, und schlich auf Zehenspitzen hinaus.</p><p>In Ordnung, dachte er. Wie konnte er jemals wieder in Ordnung sein? Er hatte alles im Krieg verloren, denn er hatte Augu-sta Barclay verloren. Sie war bei der Geburt seines Sohnes gestorben, von dessen Existenz er erst nach ihrem Tod erfahren hatte.</p><p>Der Traum hielt ihn immer noch in seinem Bann. Er konnte den brennenden Wald sehen und riechen, so wie damals die Wildnis gebrannt hatte. Er konnte sp�ren, wie die Hitze sein Blut zum Kochen brachte. Es war ein typischer Traum. Er war ein ausgebrannter Mann, der im Wachzustand von zwei bohrenden Fragen gequ�lt wurde: Wo konnte er f�r sich selbst Frieden finden? Wo war sein Platz in einem Land, das sich nicht mehr im Kriegszustand befand? Seine einzige Antwort auf beide Fragen lautete: nirgendwo.</p><p>Wieder strich er sich die Haare zur�ck und schwankte zu der Anrichte, um sich einen kr�ftigen Drink einzuschenken. Der Sonnenuntergang tauchte die D�cher der Randolph Street, die vom Eckfenster aus zu sehen waren, in ein r�tliches Licht. Er leerte gerade, immer noch bem�ht, seinen Alptraum abzusch�tteln, seinen Drink, als Augustas Onkel, Brigadier Jack Duncan, durch das Foyer auf ihn zukam.</p><p>Seine ersten Worte waren: �Charlie, ich habe schlechte Nachrichten.�</p><p>Brevetbrigadier Duncan war ein untersetzter Mann mit grauen Kraushaaren und ger�teten Wangen. In voller Montur machte er einen gro�artigen Eindruck: Frack, Degeng�rtel, Bandelier, Sch�rpe mit dar�bergefalteten Handschuhen, Chapeau mit schwarzseidener Kokarde. Sein tats�chlicher Rang auf seinem neuen Posten bei der Milit�rdivision von Mississippi mit Hauptquartier in Chicago war Captain. Die meisten Offizierspatente aus Kriegszeiten waren heruntergestuft worden, aber wie alle anderen auch hatte Duncan ein Recht darauf, mit seinem h�heren Rang angesprochen zu werden. Er trug den einen Silberstern eines Brigadiers auf seinen Epauletten, klagte aber �ber die gro�e Verwirrung, die in bezug auf R�nge, Titel, Insignien und Uniformen in der Nachkriegsarmee herrschte.</p><p>Charles wartete darauf, da� er weitersprach, und z�ndete sich inzwischen einen Zigarrenstummel an. Duncan legte seinen Hut beiseite und schenkte sich einen Drink ein. �Ich war den ganzen Nachmittag �ber bei der Division, Charlie. John Pope wird von Bill Sherman als Kommandant abgel�st.�</p><p>�Ist das die schlechte Nachricht?�</p><p>Duncan sch�ttelte den Kopf. �Wir haben immer noch eine Million M�nner unter Waffen, aber n�chstes Jahr um diese Zeit werden wir mit Gl�ck gerade noch f�nfundzwanzigtausend haben. Als Teil dieser Reduktion werden das Erste bis Sechste Freiwillige Infanterieregiment ausgemustert.�</p><p>�Die ganzen bekehrten Yankees?� Dabei handelte es sich um konf�derierte Gefangene, die sich der Unionsarmee angeschlossen hatten, um dem Gef�ngnis zu entgehen.</p><p>�Bis zum letzten Mann. Sie haben �brigens ihre Aufgabe recht ordentlich erf�llt. Sie haben die Sioux davon abgehalten, die Siedler in Minnesota niederzumetzeln, sie haben vom Feind zerst�rte Telegraphenleitungen wiederaufgebaut, Forts bemannt und den Postdienst aufrechterhalten und bewacht. Aber das ist nun alles vorbei.�</p><p>Charles ging hin�ber zum Fenster. �Verdammt noch mal, Jack, ich habe den ganzen weiten Weg hierher gemacht, um mich einem dieser Regimenter anzuschlie�en.�</p><p>�Ich wei�. Aber die T�ren sind nun verschlossen.�</p><p>Charles drehte sich um, und sein Gesicht war so verzweifelt und elend, da� Duncan tiefbewegt war. Dieser Mann aus South Carolina, der sich des Kindes seiner Nichte angenommen hatte, war ein guter Mann. Aber wie so viele andere auch hatte ihn das Ende des Krieges, der ihn vier Jahre lang v�llig ausgef�llt hatte, schmerzlich aus der Bahn geworfen.</p><p>�Na gut�, sagte Charles. �Dann werde ich vermutlich B�den wischen m�ssen. Oder L�cher buddeln.�</p><p>�Es g�be noch einen Weg, wenn dir das einen Versuch wert ist.� Charles wartete. �Die regul�re Kavallerie.�</p><p>�Teufel auch, das ist unm�glich. Die Amnestie schlie�t WestPoint-Absolventen aus, die die Seiten gewechselt haben.�</p><p>�Das l��t sich umgehen.� Bevor Charles eine Frage stellen konnte, fuhr er fort: �Es gibt einen �berschu� an Offizieren, aber es fehlt an qualifizierten Mannschaftsdienstgraden. Du bist ein guter Reiter und ein erstklassiger Soldat - solltest du ja wohl auch mit deiner West-Point-Ausbildung. Sie ziehen dich mit Sicherheit all den irischen Emigranten und einarmigen Wunderkindern und entsprungenen Str�flingen vor.�</p><p>Charles kaute nachdenklich auf seiner Zigarre herum. �Was ist mit meinem Jungen?�</p><p>�Nun, es bleibt bei dem Arrangement, auf das wir uns bereits geeinigt hatten. Maureen und ich behalten Gus, bis du mit der Ausbildung fertig bist und auf irgendeinen Posten versetzt wirst. Mit etwas Gl�ck - wenn du beispielsweise in Fort Leaven-worth oder Fort Riley landest - kannst du die Frau eines Unteroffiziers als Kinderm�dchen anheuern. Wenn nicht, dann kann er beliebig lange bei uns bleiben. Ich liebe den Jungen. Ich w�rde jeden Mann erschie�en, der ihn schief anschaut.�</p><p>�Ich auch.� Charles sinnierte weiter. �Mir bleibt kaum eine Wahl, was? Bei den Regul�ren anmustern oder nach Hause gehen, von Cousine Madelines Barmherzigkeit leben und mein restliches Leben lang Kriegsgeschichten erz�hlen.� Er kaute grimmig auf seiner Zigarre herum. Er warf Duncan einen r�tselhaften Blick zu und erkundigte sich: �Bist du sicher, da� sie mich bei den Regul�ren nehmen?�</p><p>�Charlie, Hunderte von ehemaligen Reb... �h, Konf�derierten treten in die Armee ein. Du mu�t nur das tun, was sie auch tun.�</p><p>�Und was ist das?�</p><p>�Wenn du anmusterst, l�g auf Teufel komm raus.�</p><p>�Der N�chste�, sagte der Rekrutierungssergeant.</p><p>Charles ging zu dem fleckigen Tisch, unter dem ein stinkender Spucknapf stand. Nebenan schrie ein Mann auf, als der Barbier ihm einen Zahn ausri�.</p><p>Der Unteroffizier roch nach Gin, sah aus, als h�tte er das Pensionsalter bereits um zwanzig Jahre �berschritten, und erledigte alles im Zeitlupentempo. Charles hatte schon eine Stunde gewartet, w�hrend der Sergeant zwei glut�ugige junge M�nner abfertigte, von denen keiner englisch sprach. Der eine beantwortete s�mtliche Fragen, indem er sich gegen die Brust schlug und ausrief: �Budapest, Budapest!� Der andere klopfte sich gegen die Brust und rief: �United States Merica.� M�ge Gott der Armee gn�dig sein.</p><p>Der Sergeant dr�ckte an seiner ge�derten Nase herum. �Bevor wir anfangen, tu mir einen Gefallen. Pack diese scheu�liche Ansammlung von Lumpen, oder was immer es auch sein mag, und bef�rdere sie nach drau�en. Schaut gr��lich aus und riecht wie Schafschei�e.�</p><p>Vor Wut kochend faltete Charles seinen Umh�ngemantel zusammen und legte ihn ordentlich drau�en vor der T�r auf den Boden. Zur�ck am Tisch sah er zu, wie der Sergeant seine Feder in die Tinte tauchte.</p><p>�Du wei�t ja, die Verpflichtung geht auf f�nf Jahre.�</p><p>Charles nickte.</p><p>�Infanterie oder Kavallerie?�</p><p>�Kavallerie.�</p><p>Das eine Wort verriet ihn. Feindselig sagte der Sergeant: �S�d-staatler?�</p><p>�South Carolina.�</p><p>Der Sergeant griff nach einem Papierstapel. �Name?�</p><p>Dar�ber hatte Charles lange nachgedacht. Er brauchte einen Namen, der dem seinen �hnelte, damit er ganz nat�rlich reagierte, wenn er angesprochen wurde. �Charles May.�</p><p>�May, May.� Der Sergeant bl�tterte die Papiere durch und legte sie schlie�lich beiseite. Auf Charles' fragenden Blick antwortete er: �Liste mit West-Point-Absolventen. Hat das Divisionshauptquartier ausgebr�tet.� Er musterte Charles' sch�bige Klamotten. �Mu�t dir keine Sorgen machen, da� man dich irrt�mlich f�r einen dieser Jungs h�lt, sch�tze ich. Also, irgendwelche milit�rischen Erfahrungen?�</p><p>�Berittene Legion Wade Hampton. Sp�ter ...�</p><p>�Wade Hampton gen�gt.� Der Sergeant schrieb es auf. �H�chster Dienstgrad?�</p><p>Er f�hlte sich nicht wohl dabei, aber er befolgte Duncans Rat. �Corporal.�</p><p>�Kannst du das beweisen?�</p><p>�Ich kann gar nichts beweisen. Meine Papiere sind in Rich-mond verbrannt.�</p><p>Der Sergeant schnaufte. �Das ist verdammt bequem f�r euch Rebellen. Na ja, wir k�nnen nicht w�hlerisch sein. Seit Chiving-ton letztes Jahr mit Schwarzer Kessels Cheyenne abgerechnet hat, spielen die verfluchten Pr�rieindianer verr�ckt.�</p><p>Die &gt;Abrechnung&lt;, wie es der Sergeant formuliert hatte, entsprach nicht gerade den Fakten, die Charles kannte. In der N�he von Denver war eine Gruppe von Auswanderern von Indianern niedergemetzelt worden. Ein ehemaliger Prediger, Colonel J.M. Chivington, hatte in Colorado eine Freiwilligentruppe zusammengestellt, die einen Gegenschlag gegen ein CheyenneDorf am Sand Creek f�hrten, obwohl nicht der geringste Beweis existierte, da� der H�uptling des Dorfes, Schwarzer Kessel, oder seine Leute f�r den �berfall verantwortlich waren. Von den dreihundert Leuten, die Chivingtons M�nner am Sand Creek t�teten, waren zweihundertf�nfundzwanzig Frauen und Kinder. Dieser �berfall hatte viele Menschen im Land emp�rt, aber der Sergeant geh�rte offenbar nicht zu ihnen.</p><p>Der Zahnarztpatient kreischte erneut auf. �Nein�, sinnierte der Sergeant, w�hrend seine Feder �ber das Papier kratzte, �wir k�nnen kein bi�chen w�hlerisch sein. Wir m�ssen so ziemlich alles nehmen, was sich sehen l��t.� Ein Blick zu Charles. �Verr�ter eingeschlossen.�</p><p>Charles k�mpfte seinen Zorn nieder. Wenn er weitermachte -und er mu�te weitermachen; er war Soldat, etwas anderes hatte er nicht gelernt -, dann w�rde er wahrscheinlich das Thema Verr�ter in allen Variationen zu h�ren bekommen. Er gew�hnte sich besser gleich daran, sich das klaglos anzuh�ren.</p><p>�Kannst du lesen oder schreiben?�</p><p>�Beides.�</p><p>Der Rekrutierungssergeant brachte tats�chlich ein L�cheln zustande. �Das ist gut, obwohl es, verdammt noch mal, keine Rolle spielt. Die wesentlichen Merkmale hast du. Mindestens einen Arm, ein Bein, und du atmest noch. Unterschreib hier.�</p><p>Die Glocke der Lokomotive l�utete. Maureen z�gerte. �Sir -Brigadier - alle Fahrg�ste einsteigen.�</p><p>Inmitten der �ber den Bahnsteig ziehenden Rauchschwaden umarmte Charles seinen zu einem B�ndel verpackten Sohn. Der kleine Gus, mittlerweile sechs Monate alt, kr�mmte sich in einer Kolik. Maureen s�ugte das Baby immer noch, und zum erstenmal reagierte es schlecht darauf.</p><p>�Ich will nicht, da� er mich vergi�t, Jack.�</p><p>�Deswegen habe ich ja die Daguerreotypie von dir machen lassen. Wenn er ein bi�chen �lter ist, zeige ich ihm das Bild und sage Papa dazu.�</p><p>Sanft legte Charles seinen Sohn zur�ck in die Arme der Haush�lterin, die, wie er vermutete, auch die Ehefrau ohne Trauschein war. �Pa�t gut auf den Kleinen auf.�</p><p>�Die Annahme, wir k�nnten das nicht tun, grenzt fast schon an Beleidigung�, sagte Maureen, das Kind wiegend.</p><p>Duncan umklammerte Charles' Hand. �Geh mit Gott und denk daran, halte deine Zunge und dein Temperament im Zaum. Vor dir liegen ein paar harte Monate.�</p><p>�Ich schaffs schon, Jack. Ich kann f�r jedermann den Soldaten spielen, sogar f�r die Yankees.�</p><p>Die Pfeife schrillte. Vom letzten Waggon aus gab der Schaffner das Signal und br�llte nach vorn zum Lokomotivf�hrer: �Abfahrt! Abfahrt!� Charles sprang auf die Stufen des ZweiteKlasse-Waggons und wankte, als der Zug losschnaufte. Er war froh um den aufsteigenden Dampf, der verhinderte, da� sie seine Augen sehen konnten, als der Zug den Bahnhof verlie�.</p><p>Charles hing in seinem Sitz. Wegen seines d�steren Aussehens hatte sich niemand neben ihn gesetzt; den abgetragenen Strohhut hatte er tief in die Stirn gezogen, sein Umh�ngemantel lag neben ihm. Auf seinen Knien ruhte ungelesen eine Ausgabe der <emphasis>National Police Gazette.</emphasis></p><p>Dunkle Regenstreifen krochen diagonal �ber das Fenster. Sturm und Nacht verbargen alles, was dahinter lag. Er kaute an einem vertrockneten Br�tchen, das er einem H�ndler im Gang abgekauft hatte, und sp�rte die alte hilflose Leere in sich aufsteigen.</p><p>Er bl�tterte die Seiten der <emphasis>New York Times</emphasis> durch, die ein Fahrgast zur�ckgelassen hatte, der an der letzten Station ausgestiegen war. Die Annoncen erregten seine Aufmerksamkeit: phantastische Angebote f�r Brillen, Korsetts, den Luxus auf K�stendampfschiffen. Eine Annonce offerierte ein Tonikum gegen das Leid. Er schob die Zeitung beiseite. Ein Jammer, da� es nicht so einfach war.</p><p>Unbewu�t begann er eine kleine Melodie vor sich hin zu pfeifen, die ihm vor ein paar Wochen in den Sinn gekommen war und nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Das Gepfeife machte eine kr�ftige Frau auf der anderen Seite des Ganges munter. Der Kopf ihrer plumpen Tochter ruhte in ihrem Scho�. Die Frau �berwand ihre Hemmungen und sprach Charles an.</p><p>�Sir, das ist eine wunderbare Melodie. Ist es vielleicht zuf�llig eine von Miss Jenny Linds Nummern?�</p><p>Charles schob seinen Hut zur�ck. �Nein. Ist mir selber nur so in den Sinn gekommen.�</p><p>�Oh, ich dachte, es m�sse von ihr stammen. Wir sammeln die Noten all ihrer ber�hmten Nummern. Ursula kann sie ganz herrlich spielen.�</p><p>�Das bezweifle ich nicht.� Trotz seiner guten Absichten klang es kurz und schroff.</p><p>�Sir, falls Sie mir die Bemerkung erlauben�, sie deutete auf die <emphasis>Gazette</emphasis> auf seinen Knien, �was Sie da lesen, ist keine christliche Literatur. Bitte, nehmen Sie das hier. Sie werden es erbaulicher finden.�</p><p>Sie reichte ihm ein kleines Pamphlet, das er noch von den Camps in Kriegszeiten kannte. Eine der kleinen religi�sen Ermahnungen der amerikanischen Traktatgesellschaft.</p><p>�Danke�, sagte er und begann zu lesen:</p><p><emphasis>Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, hiernach steht dir der Himmel offen, und die Engel Gottes werden herniedersteigen</emphasis> ...</p><p>Verbittert blickte Charles wieder zum Fenster hinaus. Er sah keine Engel, keinen Himmel, nichts als die grenzenlose Finsternis der Pr�rie von Illinois und den Regen - wahrscheinlich Vorboten einer Zukunft, so d�ster wie die Vergangenheit. Duncan hatte zweifellos recht, da� harte Zeiten vor ihm lagen. Er sank noch tiefer in sich zusammen und sah zu, wie die Finsternis drau�en vor�berflog.</p><p>Leise begann er die kleine Melodie zu summen, die wundersch�ne Pastellbilder von Mont Royal heraufbeschwor - sauberer, herrlicher, gr��er, als es je gewesen war, bevor es niederbrannte. Die kleine Melodie erz�hlte ihm von dieser verlorenen Heimat, von seiner verlorenen Liebe und von allem, was er in den vier blutigen Purpurtraumjahren der Konf�deration verloren hatte. Sie sang ihm von Gef�hlen und einem Gl�ck, von dem er mit Sicherheit wu�te, da� er es nie wieder erleben w�rde.</p><p>ANZEIGE</p><p>AN ALLE, DIE LEIDEN Es erscheint fast unglaublich, da� die Menschen weiterhin leiden, wenn solch ein Heilmittel wie PLANTATION BITTERS f�r sie erreichbar ist. Personen, die an Kopfschmerzen, Depressionen, Sodbrennen, Schmerzen in der Seite, am R�cken oder im Bauch, an Kr�mpfen, schlechtem Atem oder anderen Symptomen des schrecklichen Monsters Verdauungsst�rung leiden, sind freundlich eingeladen, dieses Heilmittel zu testen.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Juni 1865. Liebster Orry, ich beginne mit diesen Aufzeichnungen, weil ich mit Dir reden mu�. Zu sagen, da� ich ohne Dich haltlos treibe, da� ich mit Schmerzen lebe, beschreibt auch nicht ann�hernd meinen Zustand. Ich werde mich bem�hen, Selbstmitleid von diesen Seiten fernzuhalten, aber ich wei�, es wird mir nicht immer gelingen.</emphasis></p><p><emphasis>Ein winziger Teil von mir freut sich dar�ber, da� Du nicht hier bist und so den Niedergang unserer geliebten Heimat nicht mit ansehen mu�t. Das ganze Ausma� dieses Ruins wird erst allm�hlich sichtbar. South Carolina schickte ungef�hr 70.000 M�nner in diesen unseligen Krieg; mehr als ein Viertel davon wurden get�tet, die h�chste Verlustquote aller Staaten, wie es hei�t.</emphasis></p><p><emphasis>Bis zu 200.000 befreite Neger schw�rmen nun �berall herum. Das ist die halbe Bev�lkerung des Staates oder mehr. Auf der Flu�stra�e traf ich letzte Woche Maum Ruth, die fr�her dem verstorbenen Francis LaMotte geh�rte. Sie hielt einen alten Mehlsack so sorgsam fest, da� ich mich erkundigte, was er enthielt. �Hab' die Freiheit hier drin, und werd' sie nicht mehr loslassen.� Voll Trauer und Zorn ging ich davon. Wie falsch war es doch von uns, da� wir unseren Schwarzen keine Bildung zukommen lie�en. Sie sind hilflos dieser neuen Welt ausgeliefert, in die ein merkw�rdiger Friede sie geschleudert hat.</emphasis></p><p><emphasis>&gt;Unsere&lt; Schwarzen - ich denke gerade �ber diese zuf�llige Wortwahl nach. Es klingt herablassend, und ich bin verge�lich. Ich geh�re zu ihnen - in Carolina gilt man als Schwarzer, wenn man zu einem Achtel Negerblut in den Adern hat.</emphasis></p><p><emphasis>Was Deine Schwester Ashton so ha�erf�llt in Richmond �ber mich erz�hlt hat, ist nun im ganzen Bezirk bekannt. In den letzten Wochen wurde das allerdings mit keinem Wort erw�hnt, wof�r ich Dir zu danken habe. Du erfreust Dich h�chster Achtung, und man trauert aufrichtig um Dich .</emphasis></p><p><emphasis>Wir haben vier Reisfelder bepflanzt. Wir sollten eine ordentliche kleine Ernte zum Verkaufen haben, falls es einen K�ufer gibt. Andy, Jane und ich arbeiten jeden Tag auf den Feldern.</emphasis></p><p><emphasis>Ein Pastor der Afrikanischen Methodistenkirche traute Andy und Jane letzten Monat. Sie haben einen neuen Nachnamen angenommen. Andy wollte Lincoln, aber Jane weigerte sich; den Namen haben sich schon zu viele ehemalige Sklaven ausgesucht. Statt dessen hei�en sie jetzt Sherman, eine Wahl, mit der sie sich bei der wei�en Bev�lkerung nicht unbedingt beliebt machen werden! Aber sie sind freie Menschen. Es ist ihr gutes Recht, sich den Namen zuzulegen, der ihnen gef�llt.</emphasis></p><p><emphasis>Das Pinienhaus, als Ersatz f�r das von Cuffey und Jones und ihrem Abschaum niedergebrannte Herrenhaus gebaut, hat einen neuen wei�en Anstrich bekommen. Jane kommt jeden Abend zu mir hoch, w�hrend Andy unerm�dlich an den Kalkm�rtelw�nden ihrer neuen H�tte arbeitet; wir unterhalten uns oder flicken die Lumpen, die als Ersatz f�r anst�ndige Kleidung dienen - und manchmal tauchen wir sogar in unsere &gt;Bibliothek&lt;. Sie besteht aus einem &gt;Godey's-Lady's-Buch&lt; von 1863 und den letzten zehn Seiten eines</emphasis> Southern Literary Messenger.</p><p><emphasis>Jane spricht oft von der Gr�ndung einer Schule, sie wollte sogar das neue &gt;B�ro f�r befreite Sklaven&lt; bitten, uns bei der Suche nach einem Lehrer behilflich zu sein. Ich habe diese Aufgabe �bernommen - ich f�hle mich dazu verpflichtet, trotz des Unwillens, den das sicherlich hervorrufen wird. In der Bitternis der Niederlage sind nur sehr wenige Wei�e bereit, jenen zu helfen, die durch Lincolns Feder und Shermans Schwert befreit wurden.</emphasis></p><p><emphasis>Bevor wir jedoch an eine Schule denken k�nnen, m�ssen wir erst mal ans �berleben denken. Der Reis reicht f�r unseren Lebensunterhalt nicht aus. Ich wei�, da� der gute George Hazard uns unbegrenzten Kredit einr�umen w�rde, aber ich halte es f�r Schw�che, ihn darum zu bitten. In dieser Hinsicht bin ich ganz bestimmt eine S�dstaatlerin - voll von halsstarrigem Stolz.</emphasis></p><p><emphasis>Vielleicht k�nnen wir Holz von den Pinien- und Zypressenhainen verkaufen, die es auf Mont Royal im �berflu� gibt. Ich habe keine Ahnung, wie man eine S�gem�hle betreibt, aber ich kann es lernen. Wir w�rden Ger�te ben�tigen, was eine weitere Hypothek bedeutete. Die Banken in Charleston �ffnen vielleicht bald schon wieder ihre Pforten - sowohl Gen. Williams als auch Leverett Daw-kins, unser alter nationalrepublikanischer Freund, haben w�hrend des Krieges in britischen Sterling spekuliert und die Gewinne in einer ausl�ndischen Bank deponiert. Damit nun wollen sie das kommerzielle Blut wieder durch die Adern des flachen Landes pumpen. Wenn Leveretts Bank aufmacht, werde ich mich an ihn wenden.</emphasis></p><p><emphasis>Ich mu� au�erdem noch Arbeiter einstellen und frage mich, ob ich das kann. Die Sorge ist weitverbreitet, da� die Neger es vorziehen, ihre Freiheit zu genie�en, anstatt f�r ihre alten Besitzer, wie g�tig sie auch immer gewesen sein mochten, zu arbeiten. Ein qu�lendes Problem f�r den ganzen S�den.</emphasis></p><p><emphasis>Aber, mein liebster Orry, ich mu� Dir noch von meinem unwahrscheinlichen Traum erz�hlen - den zu verwirklichen ich mir vor allem anderen versprochen habe. Er wurde vor wenigen Tagen geboren, aus meiner Liebe zu Dir heraus und meiner Sehnsucht und meinem immerw�hrenden Stolz, Deine Frau zu sein ...</emphasis></p><p>In dieser Nacht verlie� Madeline, unf�hig zu schlafen, nach Mitternacht das wei�gekalkte Haus, das mittlerweile einen kleinen Fl�gel mit zwei Schlafzimmern besa�. Auch jetzt, wo sie auf die Vierzig zuging, war Orry Mains Witwe immer noch so vollbusig und schmalh�ftig wie zu der Zeit, als er sie auf der Flu�stra�e gerettet hatte, obwohl Alter und M�hsal ihr Gesicht zu zeichnen begannen.</p><p>Fast eine Stunde lang hatte sie geweint, hatte sich dessen gesch�mt, war aber machtlos dagegen gewesen. Nun eilte sie die weite Rasenfl�che hinunter, �ber ihr ein Mond, der blendend wei� �ber den B�umen am Ufer des Ashley River hing. An der Stelle, wo sich einst der Pier vorgeschoben hatte, schreckte sie einen wei�en Reiher auf. Der Vogel stieg auf und strich an dem gro�en, vollen Mond vorbei.</p><p>Sie wandte sich um und blickte �ber den Rasen zur�ck zu dem Haus unter den mit Moos bewachsenen Eichen. Eine Vision stieg in ihr auf, eine Vision des herrlichen Hauses, in dem sie und Orry als Mann und Frau gelebt hatten. Sie sah die eleganten S�ulen, die erleuchteten Fenster. Sie sah Kutschen vorfahren, lachende Herren und Damen aussteigen.</p><p>Ganz pl�tzlich war der Gedanke da. Er lie� ihr Herz so schnell schlagen, da� es fast schon schmerzte. Wo jetzt die armselige, wei�gekalkte H�tte stand, w�rde sie ein neues Mont Royal aufbauen. Ein wunderbares, gro�artiges Haus, das f�r immer als Erinnerung an ihren Mann und dessen G�te dienen sollte, eine Erinnerung an alles, was an der Main-Familie und ihrer gemeinsamen Vergangenheit gut war.</p><p>In einem Sturzbach von Gedanken scho� es ihr durch den Kopf, da� das Haus nicht eine genaue Nachahmung des verbrannten Herrenhauses werden d�rfte. Diese Art von Sch�nheit hatte - im Verborgenen - zuviel B�ses repr�sentiert. Obwohl die Mains gut zu ihren Sklaven gewesen waren, hatten sie sie doch zweifellos als Besitz gehalten und so ein System unterst�tzt, in dem Fesseln und Peitschen und Tod und Kastration f�r jene, die gen�gend Mut zur Flucht besa�en, an der Tagesordnung waren. Gegen Kriegsende hatte sich Orry von dem System so gut wie losgesagt; Cooper hatte es in j�ngeren Jahren ganz offen verdammt. Auch deshalb mu�te das neue Mont Royal wahrhaftig neu sein, denn eine neue Zeit war angebrochen. Ein neues Zeitalter.</p><p>Tr�nen stiegen ihr in die Augen. Madeline streckte ihre verschr�nkten H�nde dem Mond entgegen. �Irgendwie werde ich es schaffen. Dir zu Ehren.�</p><p>Sie sah es deutlich vor sich, das neue Haus, wie Ph�nix aus der Asche auferstanden. Wie eine b�uerliche Priesterin hob sie Kopf und H�nde irgendwelchen Gottheiten entgegen, die sie aus dem Sternengew�lbe des n�chtlichen Himmels �ber Carolina beobachten mochten. Sie sprach zu ihrem Mann dort zwischen den fernen Sternen:</p><p>�Ich schw�re beim Himmel, Orry. Ich werde es bauen - f�r dich!�</p><p><emphasis>�berraschender Besuch heute. General Wade Hampton, auf dem Heimweg von Charleston. Es hei�t, aufgrund seines Ranges und seiner Unbarmherzigkeit als Soldat werde es Jahre dauern, bis die Amnestie so umfassend sei, da� sie auch ihn einschlie�e.</emphasis></p><p><emphasis>Seine Kraft und seine heitere Gem�tsart erstaunen mich. Er hat so viel verloren - sein Bruder Frank und sein Sohn Preston sind in der Schlacht gefallen, 3.000 Sklaven dahin und sowohl Millwood als auch Sand Hills vom Feind niedergebrannt. Er haust in einer Aufseherh�tte in Sand Hills und kann der Anschuldigung nicht entgehen, da� er und nicht Sherman Columbia niedergebrannt habe, indem er Baumwollballen in Brand steckte, damit sie nicht den Yankee-Pl�nderern in die H�nde fielen.</emphasis></p><p><emphasis>Doch er zeigt sich von all dem nicht deprimiert, sondern bringt statt dessen seine Besorgnis um andere zum Ausdruck ...</emphasis></p><p>Wade Hampton sa� vor dem Pinienhaus auf einem Baumklotz, der als Stuhl diente. Lees �ltester Kavalleriekommandant, mittlerweile siebenundvierzig, bewegte sich mit einer gewissen Steifheit. F�nfmal war er auf dem Schlachtfeld verwundet worden. Nach seiner Heimkehr hatte er sich den gewaltigen Vollbart abrasiert und nur noch ein B�schel unter dem Mund stehen lassen, obwohl er nach wie vor den riesigen Schnurrbart und Backenbart trug. Unter einem alten Wollmantel steckte ein Revolver mit Elfenbeingriff in einem Pistolenhalfter.</p><p>�Kaffee mit Schu�, General�, sagte Madeline, als sie mit zwei dampfenden Blechtassen wieder in das gesprenkelte Sonnenlicht trat. �Zucker und etwas Kornwhisky - obwohl ich f�rchte, der Kaffee ist nichts weiter als ein Gebr�u aus ger�steten Eicheln.�</p><p>�Ich werde ihn trotzdem genie�en.� L�chelnd nahm Hampton seine Tasse. Madeline setzte sich auf eine Kiste, neben einen Strauch gelben Jasmin, den sie so liebte.</p><p>�Ich bin gekommen, um mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen�, sagte er zu ihr. �Mont Royal geh�rt nun Ihnen.�</p><p>�In gewissem Sinne ja. Ich besitze es nicht.�</p><p>Wade Hampton zog eine Augenbraue fragend in die H�he, und sie erkl�rte ihm, da� Tillet Main die Plantage seinen S�hnen Orry und Cooper gemeinsam hinterlassen hatte, trotz seiner langj�hrigen Meinungsverschiedenheit mit Cooper, was die Sklaverei anbelangte. Am Ende hatten Blutsbande und Tradition in Tillet die Oberhand gewonnen �ber Zorn und Ideologie. Wie den meisten M�nnern seines Alters und seiner Zeit waren Tillet seine S�hne wichtig, weil er seinen Besitz sch�tzte und die gesch�ftlichen und finanziellen F�higkeiten von Frauen gering achtete. Als er sein Testament schrieb, machte er sich lediglich die M�he, jeder seiner beiden T�chter, Ashton und Brett, eine gewisse Geldsumme zukommen zu lassen, in der Annahme, da� sie von ihren Ehem�nnern versorgt w�rden. Das Testament besagte weiter, da� im Falle des Todes eines Sohnes dessen Besitzanteil direkt an den Bruder fiel.</p><p>�Deshalb ist jetzt Cooper der Alleineigent�mer, aber er hat mir gro�z�gig erlaubt, hierzubleiben, schon allein Orrys wegen. Ich leite die Plantage und habe Anspruch auf den Gewinn, solange er der Besitzer ist und ich die Hypothekarzinsen zahle. Ich bin nat�rlich auch f�r alle laufenden Ausgaben zust�ndig, aber das versteht sich wohl von selbst.�</p><p>�Und Sie sind durch dieses Arrangement abgesichert? Ich meine, ist es legal und bindend?�</p><p>�Absolut. Einige Wochen nach Orrys Tod legte Cooper diese Vereinbarung schriftlich fest. Das Dokument macht die Sache unwiderruflich.�</p><p>�Nun, da ich wei�, wie sehr die Leute aus Carolina Familienbanden und Familienbesitz achten, nehme ich an, da� Mont Royal den Mains stets erhalten bleiben wird.�</p><p>�Ja, davon bin ich �berzeugt.� Das war ihr einziger, sicherer Halt. �Ungl�cklicherweise haben wir momentan weder irgendwelche Einnahmen, noch besteht Aussicht darauf. Auf Ihre Frage nach unserem Wohlergehen kann ich nur sagen, wir kommen schon irgendwie �ber die Runden.�</p><p>�Vermutlich darf keiner von uns zur Zeit mehr erwarten. Gegen Ende des Monats wird meine Tochter Sally Colonel Johnny Haskeil heiraten. Das ist wenigstens ein Lichtblick.� Er nippte an seiner Tasse. �K�stlich. Was haben Sie von Charles geh�rt?�</p><p>�Vor zwei Monaten bekam ich einen Brief. Er schrieb, er hoffe, wieder bei der Armee unterzukommen, drau�en im Westen.�</p><p>�Soviel ich wei�, tun das sehr viele Konf�derierte. Ich hoffe, sie behandeln ihn anst�ndig. Er war einer meiner besten Scouts. Iron Scouts, so nannten wir sie. Er wurde dem Namen gerecht, obwohl ich gestehen mu�, da� ich gegen Ende zu gelegentlich ein merkw�rdiges Benehmen bei ihm feststellte.�</p><p>Madeline nickte. �Es fiel mir auf, als er in diesem Fr�hjahr heimkam. Der Krieg hat ihn verletzt. Er verliebte sich in eine Frau in Virginia, die dann bei der Geburt seines Sohnes starb. Er hat den Jungen nun bei sich.�</p><p>�Eine Familie ist Balsam gegen den Schmerz�, murmelte Hampton. Er nahm einen weiteren Schluck. �Und jetzt sagen Sie mir, wie es Ihnen wirklich geht.�</p><p>�Wie ich schon sagte, General, wir �berleben. Niemand hat das Thema meiner Herkunft auf den Tisch gebracht, also bleibt mir wenigstens das erspart.�</p><p>Sie blickte ihn an, w�hrend sie sprach, wollte ihn auf die Probe stellen. Hamptons von der vielen frischen Luft gegerbtes Gesicht blieb unbewegt. �Nat�rlich habe ich davon geh�rt. Es spielt keine Rolle.�</p><p>�Ich danke Ihnen.�</p><p>�Madeline, ich habe nicht nur vorbeigeschaut, um mich nach Charles zu erkundigen, sondern ich wollte Ihnen auch ein Angebot machen. Wir alle befinden uns in einer schwierigen Situation, aber Sie m�ssen alleine damit fertig werden. Skrupellose M�nner beider Rassen treiben sich auf den Stra�en herum. Sollten Sie zu irgendeinem Zeitpunkt eine Zuflucht n�tig haben oder falls Sie sich mal von dem zu hart gewordenen �berlebenskampf ausruhen wollen, dann kommen Sie nach Columbia. Mein und Marys Heim steht Ihnen immer offen.�</p><p>�Das ist sehr freundlich�, sagte sie. �Glauben Sie nicht, da� es mit dem Chaos in South Carolina bald ein Ende haben wird?�</p><p>�Nein, nicht so bald. Aber wir k�nnen es beschleunigen, wenn wir unersch�tterlich f�r das eintreten, was richtig ist.�</p><p>Sie seufzte. �Und was ist das?�</p><p>Er blickte auf den glitzernden Flu�. �In Charleston haben mir einige Gentlemen das Kommando einer Expedition zur Gr�ndung einer Kolonie in Brasilien angetragen. Eine Sklavenhalterkolonie. Ich lehnte ab. Ich antwortete ihnen, dies hier sei meine Heimat und ich d�chte nicht l�nger in den Kategorien von Norden und S�den; f�r mich gibt es nur noch ein Amerika. Wir haben gek�mpft, wir haben verloren, das Thema einer getrennten Nation auf diesem Kontinent ist erledigt. Nichtsdestoweniger sind wir in South Carolina mit einem umfassenden Negerproblem konfrontiert. Ihr Status hat sich ge�ndert. Wie sollen wir uns verhalten? Nun, der Neger war uns als Sklave treu, also glaube ich, wir sollten ihn auch als freien Mann anst�ndig behandeln. Ihm Gerechtigkeit vor unseren Gerichtsh�fen zugestehen. Ihm das Wahlrecht geben, falls er daf�r in Frage kommt, so wie dem wei�en Manne auch. Wenn wir das tun, dann werden sich die herumstreunenden Horden aufl�sen, der Neger wird wieder South Carolina als seine Heimat und den wei�en Mann als seinen Freund betrachten.�</p><p>�Glauben Sie das wirklich, General?�</p><p>Er runzelte leicht die Stirn, vielleicht aus Ver�rgerung. �Jawohl, das tue ich. Nur volle Gerechtigkeit und Mitgef�hl k�nnen die Schuld dieses Staates mildern.�</p><p>�Ich mu� sagen, Sie bringen den Schwarzen gegen�ber mehr Gro�herzigkeit auf als die meisten anderen.�</p><p>�Nun, sie stellen f�r uns sowohl eine praktische als auch eine moralische Angelegenheit dar. Unsere L�ndereien sind zerst�rt, unsere H�user niedergebrannt, unser Geld und unsere Wertpapiere sind wertlos, und Soldaten haben vor unseren T�ren Quartier bezogen. Sollen wir alles noch schlimmer machen, indem wir so tun, als w�re unsere Sache nicht verloren? Da� sie sich selbst jetzt noch irgendwie halten kann? Ich glaube, wir haben von Anfang an f�r eine verlorene Sache gek�mpft. Ich hielt mich dem speziellen Konvent 1860 fern, weil ich die Sezession als unglaubliche Dummheit betrachtete. Sollen wir unsere Illusionen noch einmal durchleben? Sollen wir Repressionen geradezu provozieren, indem wir den ehrenhaften Bem�hungen, die Union wiederherzustellen, Widerstand leisten?�</p><p>�Sehr viele Leute m�chten Widerstand leisten�, sagte sie.</p><p>�Wenn Gentlemen wie Mr. Stevens und Mr. Sumner mich zu gesellschaftlicher Gleichheit mit den Negern zwingen wollen, dann werde ich auch Widerstand leisten. Doch jenseits davon k�nnen wir den Wiederaufbau schaffen, wenn Washington vern�nftig ist und wir vern�nftig sind. Wenn unsere Leute sich an ihre alten Narrheiten klammern, dann l�sen sie damit lediglich eine neue Form des Krieges aus.�</p><p>Wieder seufzte sie. �Ich hoffe, der gesunde Menschenverstand beh�lt die Oberhand, obwohl ich mir dessen nicht sicher bin.�</p><p>Hampton erhob sich und nahm ihre Hand in seine H�nde. �Vergessen Sie mein Angebot nicht. Eine Zuflucht, falls Sie je eine n�tig haben sollten.�</p><p>Impulsiv k��te sie ihn auf die Wange. �Sie sind ein g�tiger Mann, General. Gott segne Sie.�</p><p>Er bestieg seinen herrlichen Hengst und galoppierte davon; nach einer halben Meile, dort, wo der von B�umen ges�umte Weg auf die Flu�stra�e traf, entschwand er ihren Blicken.</p><p>Gegen Sonnenuntergang schlenderte Madeline durch das brachliegende Reisfeld und dachte �ber Hamptons Worte nach. F�r einen stolzen Mann, der eine schwere Niederlage erlitten hatte, blickte er bemerkenswert optimistisch in die Zukunft. Au�erdem hatte er recht mit dem, was er �ber die Schuld von South Carolina gesagt hatte. Falls der S�den seine traditionellen Verhaltensweisen wieder aufleben lie�, dann w�rden die Radikalen Republikaner nur zu gern zur�ckschlagen.</p><p>Mit den Sandalen, die sie sich aus ein paar Fetzen Leder und einem St�ck Schnur gebastelt hatte, stie� sie gegen etwas auf dem Boden. Mit beiden H�nden grub sie im sandigen Boden und legte einen gro�en Felsbrocken frei. Sie und die Shermans hatten beim Anbau der vier bepflanzten Reisfelder eine ganze Menge dieser Brocken entdeckt und sich dar�ber gewundert. Hier im Flachland gab es kaum Felsen.</p><p>Sie wischte die Erde ab. Der Brocken war gelblich, mit br�unlichen Streifen, und sah recht por�s aus. Mit einiger M�he brach sie ihn in der Mitte durch. Da sie noch nie einen dieser seltsamen Felsbrocken aufgebrochen hatte, traf sie der Gestank v�llig unvorbereitet. Sie begann zu w�rgen, warf die St�cke schnell weg und eilte zur�ck zum Pinienhaus; ihr Schatten flog tiefrot wie versch�ttetes Blut vor ihr �ber den Boden.</p><p><emphasis>Ich w�nschte, ich k�nnte wie Gen. H. glauben, da� unsere Leute erkennen, wie wichtig und von welch weitreichender praktischer Bedeutung es ist, da� wir den befreiten Schwarzen fair gegen�bertreten. Ich w�nschte, ich k�nnte glauben, da� die Menschen von Carolina die Niederlage und deren Folgen mit k�hlem Kopf betrachten. Ich kann es nicht. Eine d�stere Stimmung hat mich wieder �berkommen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie �berfiel mich, als ich einen dieser seltsamen Felsbrocken aufbrach, die Du mir vor dem Krieg gezeigt hast. Dieser Gestank! Selbst unser Land ist verrottet und verfault. Ich wertete das als ein Zeichen. Ich sah eine Zukunft voller Gift und Galle.</emphasis></p><p><emphasis>Verzeih mir, Orry; ich mu� aufh�ren, solche Sachen zu schreiben.</emphasis></p></section><section><title><p><strong>2</strong></p></title><p>�m Tage von Hamptons Besuch auf Mont Royal huschte eine junge Frau im abendlichen Zwielicht von New York City um eine Ecke in die Chambers Street. Mit einer Hand hielt sie ihren Hut fest, mit der anderen mit Unterschriften bedeckte Papierb�gen.</p><p>Diesiger Regen setzte ein. Hastig schob sie die Papiere unter ihren Arm. Vor ihr ragte die Markise von <emphasis>Wood's New Knickerbocker Theater,</emphasis> ihrem Ziel, auf. Das Theater war vor�bergehend zwischen zwei Produktionen geschlossen; sie war bereits zu sp�t dran f�r eine Probe, die der Eigent�mer auf halb acht angesetzt hatte.</p><p>Allerdings hatte ihre Versp�tung einen guten Grund. Sie hatte stets einen Grund, der immer genauso wichtig war wie ihr Beruf. Ihr Vater hatte sie so erzogen. Mit f�nfzehn Jahren hatte sie mit der aktiven Arbeit zur Abschaffung der Sklaverei begonnen; jetzt war sie neunzehn. Sie k�mpfte f�r die Gleichberechtigung der Frau, f�r das Stimmrecht und f�r fairere Scheidungsgesetze, obwohl sie selbst nie verheiratet gewesen war. Die Sache, f�r die sie sich momentan gerade einsetzte und f�r die sie den ganzen Nachmittag bei der Theatergemeinde Unterschriften gesammelt hatte, war die der Indianer - genauer gesagt die der Cheyenne, aus deren Reihen die Opfer des Sand-Creek-Massa-kers vom letzten Jahr stammten. In der Petition, die an den Kongre� und die f�r Indianerfragen zust�ndige Abteilung im Innenministerium geschickt werden sollte, wurden Wiedergutmachungen f�r Sand Creek und eine �chtung auf Dauer des &gt;Chivington-Verfahrens&lt; gefordert.</p><p>Sie bog nach links ab in die schwach erhellte Passage, die zur B�hnent�r f�hrte. Sie hatte erst anderthalb Wochen f�r Claudius Wood gearbeitet, aber bereits feststellen m�ssen, da� er ein erschreckendes Temperament besa�. Und er trank. Sie konnte es bei fast jeder Probe riechen.</p><p>Wood hatte sie am <emphasis>Arch Street Theater</emphasis> in Philadelphia in der Rolle der Rosalind gesehen und ihr eine Menge Geld geboten. Er mochte ungef�hr f�nfunddrei�ig sein; mit seinen vornehmen Manieren, seiner wunderbaren Stimme und seinem frechen, weltm�nnischen Benehmen hatte er sie bezaubert. Trotzdem bereute sie allm�hlich, da� sie Mrs. Drews Ensemble verlassen und bei Wood f�r eine volle Saison unterschrieben hatte.</p><p>Louisa Drew hatte sie gedr�ngt, das Engagement anzunehmen, und gemeint, es bedeute einen gro�en Schritt vorw�rts f�r sie. �Du bist eine erwachsene und t�chtige junge Frau, Willa. Aber denk daran, da� New York voll von groben, brutalen M�nnern ist. Hast du irgendwelche Freunde dort? Jemand, an den du dich notfalls wenden k�nntest?�</p><p>Sie �berlegte einen Moment. �Eddie Booth.�</p><p>�Du kennst Edwin Booth?�</p><p>�Oh ja. Er und mein Vater waren zusammen auf den Goldfeldern, als ich noch klein war und wir in St. Louis lebten. Ich habe Eddie im Laufe der Jahre �fter gesehen. Aber seit sein Bruder Johnny den Pr�sidenten get�tet hat, lebt er sehr zur�ckgezogen. Ich w�rde ihn niemals mit irgendeiner trivialen Angelegenheit bel�stigen.�</p><p>�Das nicht, aber im Notfall ist er wenigstens da.� Mrs. Drew z�gerte. �Sei vor Mr. Wood auf der Hut, Willa.�</p><p>Mehr wollte die �ltere Frau nicht herausr�cken. �Du wirst schon merken, was ich gemeint habe. Ich spreche ungern schlecht von jemandem aus unserer Branche. Aber einige Schauspielerinnen - die h�bscheren - haben Schwierigkeiten mit Wood. Selbstverst�ndlich sollst du dir deshalb nicht diese Chance entgehen lassen. Aber sei auf der Hut.�</p><p>Die junge Frau, die in solcher Eile durch die Passage lief, hie� Willa Parker. Sie war ein hochgewachsenes M�dchen mit langen Beinen, schlank genug f�r Hosenrollen, doch auch mit dem vollen, �ppigen, f�r eine Julia geeigneten Busen. Sie hatte weit auseinanderstehende, ganz leicht geschlitzte Augen, die ihr ein exotisches Aussehen gaben, und derart hellblondes Haar, da� es im Scheinwerferlicht auf der B�hne silbern schimmerte. Mrs. Drew bezeichnete Willa liebevoll als Gamin. Ihr charmanter irischer Ehemann John nannte sie &gt;meine sch�ne Fee&lt;.</p><p>Ihre Haut war weich und glatt, ihr Mund gro�z�gig; ihre Kinnlinie verlieh ihrem Gesicht einen Zug von Kraft und St�rke. Manchmal f�hlte sie sich wie vierzig, weil sie gerade drei war, als ihre Mutter starb, und vierzehn, als ihr Vater zu Grabe getragen wurde. Mit sechs Jahren hatte sie das erstemal auf der B�hne gestanden. Sie war das einzige Kind einer Frau, an die sie sich nicht erinnern konnte; ihr Vater war ein freidenkender, hart arbeitender Mann, den sie mit v�lliger Hingabe geliebt hatte, bis ihn in der Sturmszene von &gt;K�nig Lear&lt; eine Herzattacke dahingerafft hatte.</p><p>Peter Parker war einer jener Schauspieler gewesen, die voller Inbrunst und Begeisterung ihrem Beruf nachgingen, obwohl er schon als junger Mann erkannt hatte, da� sein Talent niemals ausreichen w�rde, um seinen Namen �ber dem Titel eines St�cks erscheinen zu lassen. In seiner Heimat England hatte er mit Kinderrollen begonnen und war dann in Erwachsenenrollen hineingewachsen. In seinen Zwanzigern hatte er zusammen mit dem leuchtenden Stern Kean gespielt, der ihn von der Klassik zu Keans pers�nlichem Naturalismus f�hrte, bei dem der Schauspieler dazu ermutigt wurde, alles zu tun, was die Rolle verlangte, sogar schreien und auf dem Boden herumkriechen.</p><p>Nach seinem ersten Engagement mit Kean gab er f�r immer seinen Geburtsnamen auf; Pott - Topf. Zu viele Wortsch�pfungen seiner Schauspielerkollegen, die er gar nicht lustig fand -Blumentopf, Nachttopf -, �berzeugten ihn davon, da� Parker ein praktischerer Name mit einem g�nstigeren Wiedererkennungswert w�re. Willa kannte den richtigen Familiennamen, der sie erheiterte, obwohl sie sich selbst von Anfang an als eine Parker betrachtet hatte.</p><p>Parker hatte seiner Tochter zahlreiche technische Tricks unterschiedlicher Schauspielstile weitergegeben. Dies schlo� die f�r Schauspieler typische Energie und Begeisterung ein, ein enzyklop�disches Wissen all des Aberglaubens, der am Theater �blich war, und den verhaltenen Optimismus, den man so dringend brauchte, um in dieser Branche zu �berleben. Jetzt, da sie durch den B�hneneingang trat, st�tzte sich Willa auf diesen Optimismus und redete sich ein, da� ihr Br�tchengeber nicht w�tend sein w�rde.</p><p>Drinnen im Halbdunkel k�mpfte sich der �ltliche Hausmeister in seinen Regenmantel. �Er ist im B�ro, Miss Parker. Und br�llt alle f�nf Minuten nach Ihnen.�</p><p>�Danke, Joe.� Das war also die Sache mit dem Optimismus. Der Hausmeister klapperte mit seinen Schl�sseln, bereit, abzuschlie�en. Er ging heute zeitig nach Hause. Vielleicht hatte Wood ihm den Abend freigegeben.</p><p>Willa st�rzte �ber die hintere B�hne, zwischen Stapeln unbe-malter Baumzweige hindurch, die f�r die n�chste Produktion ben�tigt wurden. Der weite, leere Raum roch nach frischem Holz, altem Make-up und Staub. Aus einer halb ge�ffneten T�r �ber ihr fiel Licht. Willa h�rte Woods tiefe Stimme:</p><p>�Ich gehe, und es ist vollbracht - die Glocke ruft mich. H�r nicht auf sie, Duncan; denn es ist eine Totenglocke - die dich in Himmel oder H�lle abberuft.� Dann wiederholte er: �... oder H�lle�, mit ver�nderter Modulation.</p><p>Willa stand bewegungslos vor dem B�ro; ein Schauer lief ihr �ber den R�cken. Ihr Arbeitgeber probte den Monolog eines der Hauptdarsteller. An diesem St�ck von Shakespeare klebte das Ungl�ck, so glaubten die meisten Schauspieler, obwohl einige anmerkten, da� darin eine Menge B�hnenk�mpfe vorkamen und die Ursachen f�r ein Loch im Kopf, einen b�sen Sturz oder einen gebrochenen Arm oder ein gebrochenes Bein im Text und nicht in den Sternen begr�ndet lagen. Doch der Aberglaube hielt sich hartn�ckig. Wie viele andere Schauspieler und Schauspielerinnen lachte Willa dar�ber, w�hrend sie gleichzeitig Respekt davor hatte. Niemals wiederholte sie irgendwelche Zeilen hinter der B�hne oder in der Garderobe oder im Aufenthaltsraum. Sie sprach immer nur von dem schottischen St�ck&lt;;</p><p>sprach man den Titel im Theater aus, dann beschwor man das Unheil f�rmlich herauf.</p><p>Sie blickte hinter sich in die Dunkelheit. Wo waren die anderen Ensemblemitglieder, die f�r die Probe hiersein sollten? In der Stille h�rte sie lediglich ein ganz leises Knirschen - vielleicht strich die Katze herum. Sie versp�rte den Drang fortzulaufen.</p><p>�Wer ist da?�</p><p>Claudius Woods Schatten lief ihm zur T�r voraus. Er ri� sie ganz auf, das Rechteck des Gaslichts vergr��erte sich und zeigte Willa mit der Petition in der Hand.</p><p>Woods Krawatte war gelockert, seine Weste aufgekn�pft, die �rmel hochgerollt. Er funkelte sie an. �Der Termin war um halb. Sie sind vierzig Minuten zu sp�t dran.�</p><p>�Mr. Wood, entschuldigen Sie bitte. Ich habe mich versp�tet.�</p><p>�Weshalb?� Er bemerkte die Papiere mit den Unterschriften. �Ein weiterer Ihrer radikalen Kreuzz�ge?� Sie erschrak, als er ihr die Petition aus der Hand ri�. �Oh, Jesus Christus. Die armen, elenden Indianer. Aber bitte nicht in der Zeit, f�r die ich bezahle. Kommen Sie, damit wir mit der Arbeit anfangen k�nnen.�</p><p>Irgendeine vage, undefinierbare Ahnung warnte sie - dr�ngte sie, aus dem lautlosen Theater und vor diesem bulligen Mann zu fl�chten, in dessen gutgeschnittenem Gesicht sich bereits ein Netz von Adern abzeichnete und dessen Nase mittlerweile eine klobige, schwammige Form angenommen hatte. Gleichzeitig aber wollte sie unbedingt die schwierige Rolle spielen, die er ihr angeboten hatte. Die Rolle verlangte nach einer �lteren, erfahrenen Schauspielerin. Sollte sie die Rolle meistern, dann w�rde sie das in ihrer Karriere einen geh�rigen Sprung nach vorn bringen.</p><p>Und trotzdem ...</p><p>�Kommt denn sonst niemand?�</p><p>�Heute abend nicht. Ich dachte, da� unsere gemeinsamen Szenen spezieller Aufmerksamkeit bed�rften.�</p><p>�K�nnten wir dann bitte auf der B�hne proben? Schlie�lich ist das das schottische St�ck.�</p><p>Unter seinem bellenden Gel�chter kam sie sich klein und albern vor.</p><p>�Sie glauben doch wohl nicht an diesen Unsinn, Willa. Sie sind doch so intelligent und vertreten so viele fortschrittliche Ideen.� Er bl�tterte die Papiere mit dem Fingernagel durch und gab sie ihr dann zur�ck. �Das St�ck hei�t &gt;Macbeth&lt;, und ich spreche den Text, wo immer es mir pa�t. Und jetzt kommen Sie rein, damit wir anfangen k�nnen.�</p><p>Er drehte sich um und ging zur�ck ins B�ro. Willa folgte ihm; ein Teil ihres Verstandes sagte ihr, da� er recht hatte, da� es kindisch von ihr war, sich wegen eines Aberglaubens Sorgen zu machen. Peter Parker allerdings h�tte sich gesorgt.</p><p>�ber ihr dr�hnte und donnerte es - der Sturm wurde schlimmer. Das Schauspielerkind in Willa war �berzeugt davon, da� sich b�se M�chte �ber der Chambers Street zusammenrotteten. Ihre H�nde wurden kalt, w�hrend sie ihrem Arbeitgeber folgte.</p><p>�Legen Sie Ihren Schal und Ihren Hut ab.� Wood schob St�hle beiseite, um auf dem sch�bigen Tisch Platz zu schaffen. Das B�ro war eine Deponie unterschiedlichster M�bel und unechter Gr�npflanzen in T�pfen aller Gr��en. Plakate von New-Kni-ckerbocker-Produktionen bedeckten die W�nde. Goldsmith, Moliere, Boucicault, Sophokles. Der Schreibtisch war mit Rechnungen, Manuskripten, Vertr�gen und Notizen �bers�t. Wood schob Macbeths emaillierten Dolch beiseite, ein metallenes Requisit mit stumpfer Spitze, und schenkte sich ein paar Fingerbreit Whisky aus einer Karaffe ein. Die gr�nen Glasschalen �ber den Gasbrennern schienen den Raum eher zu verdunkeln als zu erhellen.</p><p>Nerv�s legte Willa die Petition auf einen samtbezogenen Stuhl. Sie legte ihre Handschuhe darauf, dann Schal und Hut. Alles auf einen Haufen, f�r den Fall, da� sie die Sachen eilig an sich raffen mu�te. Mit zw�lf Jahren hatte sie schon recht erwachsen gewirkt, und die am Theater arbeitenden M�nner hatten auf ihre erwachende Sch�nheit reagiert. Sie hatte gelernt, sie mit ein paar gutgelaunten Worten abzuwehren und, falls notwendig, sogar ein bi�chen physische Kraft einzusetzen. Was das Weglaufen anbelangte, so war sie eine Expertin.</p><p>Wood schlenderte zur T�r und schlo� sie. �Also dann, meine Liebe. Erster Akt, siebte Szene.�</p><p>�Aber das haben wir doch gestern schon geprobt.�</p><p>�Ich bin damit noch nicht zufrieden.� Er kam auf sie zu. �Macbeths Schlo�.� Grinsend lie� er seine Handfl�che �ber ihren Seiden�rmel gleiten. �Fangen Sie in der Mitte von Lady Macbeths Monolog an, wo sie sagt: &gt;Ich habe gestillt&lt;.� Er geno� das letzte Wort. Das Gaslicht lie� seine feuchte Unterlippe aufleuchten. Willa bem�hte sich, Furcht und traurige Verzweiflung niederzuk�mpfen. Es war nun offensichtlich, so offensichtlich, was er die ganze Zeit gewollt und weshalb er sie engagiert hatte, wo doch so viele �ltere Schauspielerinnen verf�gbar gewesen w�ren. Mrs. Drew hatte alles versucht, um es ihr zu erkl�ren, ohne zu deutlich werden zu m�ssen. Sie f�hlte sich nicht geschmeichelt, sie war lediglich aufgebracht. Falls das der Preis f�r ihr Deb�t in New York war, dann w�rde sie ihn, verdammt noch mal, nicht bezahlen.</p><p>�Fangen Sie an�, wiederholte er mit rauher Stimme, die sie in Alarmbereitschaft versetzte. Wieder streichelte er ihren Arm. Sie versuchte zur�ckzuweichen. Er schob sich einfach vor und blies ihr seinen Bourbon-Atem ins Gesicht.</p><p>�Ich habe gestillt und wei� ...� Sie z�gerte. �Welch z�rtliches Gef�hl ist es, das Baby zu lieben, das meine Milch trinkt.�</p><p>�Wei�t du das jetzt?� Er beugte sich vor und k��te ihren Hals.</p><p>�Mr. Wood ...�</p><p>�Weiter.� Er packte sie bei den Schultern und sch�ttelte sie; das war der Moment, in dem sie das eiskalte Entsetzen �berkam. In seinen schwarzen Augen entdeckte sie etwas, das �ber reinen Zorn hinausging. Sie erkannte die Bereitschaft zu verletzen.</p><p>�Ich w�rde - noch als es l�chelnd ins Gesicht mir blickte, ihm entzogen meine Br�ste aus dem zarten Gaumen .�</p><p>Woods Hand glitt von ihrem Arm zu ihrer Brust, umschlo� sie. �Mir entziehst du sie nicht, was?�</p><p>Sie stampfte mit ihrem hohen Schn�rstiefel auf. �H�ren Sie, ich bin Schauspielerin. Behandeln Sie mich nicht wie ein Stra�enm�dchen.�</p><p>Er packte sie am Arm. �Ich zahle dein Gehalt. Du bist das, was ich dir befehle - einschlie�lich meine Hure.�</p><p>�Nein�, fauchte sie und ri� sich los. Er holte aus und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Der Schlag warf sie zu Boden.</p><p>�Du blondes Mistst�ck. Du gibst mir, was ich will.� Mit der linken Hand krallte er sich in ihr Haar; sie schrie auf, als er ihren Kopf hochri�. Seine rechte Faust h�mmerte auf ihre Schultern, wieder und wieder. ��berzeugt dich das?�</p><p>�Lassen Sie mich los. Sie sind betrunken - wahnsinnig ...�</p><p>�Halt's Maul!� Er schlug sie so hart, da� sie zur�ckflog und mit dem Kopf gegen den Schreibtisch knallte. �Zieh deine R�cke hoch!�</p><p>Lichter tanzten hinter ihren Augenlidern. Der Schmerz pochte. Sie griff nach oben, ihre Finger tasteten nach irgendeinem schweren Gegenstand auf der Schreibtischplatte. Er stand breitbeinig �ber ihr, kn�pfte sich die Hose auf. �Zieh sie hoch, verdammt noch mal, oder ich schlag' dich, da� du nicht mehr laufen kannst.�</p><p>Vor Angst au�er sich, fand sie etwas auf dem Schreibtisch -den Requisitendolch. Er griff nach ihrem Handgelenk, doch bevor er sie aufhalten konnte, stie� sie den Dolch nach unten. Obwohl die Spitze stumpf war, ging sie doch durch den Hosenstoff, weil sie mit aller Kraft zustie�. Sie sp�rte, wie der Dolch auf Fleisch traf und dann tiefer drang.</p><p>�Jesus�, sagte Wood und tastete mit beiden H�nden nach der Requisitenwaffe, die tief in seinen linken Oberschenkel eingedrungen war. Er ri� daran herum, machte sich die Finger blutig. �Jesus Christus, ich bringe dich um!�</p><p>Von Panik erf�llt stie� Willa mit beiden H�nden nach ihm, so da� er zur Seite fiel. Er br�llte und fluchte, als er �ber eine falsche Palme st�rzte. Sie kroch zu dem Stuhl, packte ihre Sachen und rannte aus dem B�ro in die Dunkelheit. An der T�r k�mpfte sie mit dem Riegel, ri� ihn zur�ck und fiel halb hinaus in den Regen, st�ndig in der Erwartung, einen Verfolger dicht hinter sich zu h�ren.</p><empty-line/><p><emphasis>Ich, ..., schw�re feierlich vor Gott dem Allm�chtigen, da� ich stets treu die Verfassung der Vereinigten Staaten und die Union der miteinander verbundenen Staaten st�tzen, sch�tzen und verteidigen will und da� ich, so gut ich kann, alle Gesetze und Proklamationen, die w�hrend der Rebellion in bezug auf die Emanzipation der Sklaven erlassen wurden, gewissenhaft unterst�tzen werde.</emphasis></p><p><emphasis>So wahr mir Gott helfe.</emphasis></p><p>Der Eid, der von allen Konf�derierten verlangt wurde, die die Amnestie des Pr�sidenten f�r sich in Anspruch nehmen wollten.</p><p>1865.</p></section><section><title><p id="bookmark6"><strong>3</strong></p></title><p>�Mu� ich diesen Eid leisten?� erkundigte sich Cooper Main. Er war den weiten Weg bis nach Columbia geritten, um sich �ber diese Sache zu informieren; nun �berkamen ihn pl�tzlich Zweifel.</p><p>�Wenn Sie die Amnestie in Anspruch nehmen wollen, ja�, sagte Anwalt Trezevant von der anderen Seite des wackligen Tisches, der als Schreibtisch diente. Sein richtiges B�ro war beim gro�en Feuer am 17. Februar abgebrannt, und so hatte er ein Zimmer �ber Reverdy Birds Leichenhalle im Osten der Stadt gemietet, die von den Flammen verschont geblieben war. Mr. Bird hatte sein Wohnzimmer in einen Laden verwandelt, in dem verst�mmelte Veteranen Korkf��e, Holzglieder und Glasaugen kaufen konnten. Das Stimmengewirr deutete auf gute Gesch�fte an diesem Morgen hin.</p><p>Cooper starrte auf den handgeschriebenen Eid. Er war ein schlaksiger Mann, der mit f�nfundvierzig schon eine Menge grauer Haare hatte. Der Mangel an Nahrungsmitteln hatte ihn hager werden lassen. Seine Arbeitstage, die bis zu sechzehn Stunden dauerten, hatten tiefe Schatten der M�digkeit unter seine tiefliegenden braunen Augen gemalt. Er schuftete, um die Lagerh�user, die Docks und die Handelsgesch�fte seiner Carolina Shipping Company in Charleston wiederaufzubauen.</p><p>�H�ren Sie, ich verstehe ja Ihre Abneigung�, sagte Trezevant. �Aber wenn sich General Lee so weit erniedrigen und den Eid ablegen kann, wie er es letzte Woche in Richmond getan hat, dann k�nnen Sie das auch.�</p><p>�Eine Amnestie bedeutet, da� man Unrecht getan hat. Ich habe nichts Unrechtes getan.�</p><p>�Da bin ich Ihrer Meinung, Cooper. Ungl�cklicherweise ist die Bundesregierung anderer Meinung. Wenn Sie Ihr Gesch�ft wiederaufbauen wollen, dann m�ssen Sie sich von dem Ballast befreien, dem Marineministerium der Konf�derierten gedient zu haben.� Cooper funkelte ihn an. Trezevant fuhr fort: �Ich bin pers�nlich nach Washington gefahren, und innerhalb gewisser Grenzen vertraue ich diesem Amnestievermittler, selbst wenn er Anwalt und obendrein noch Yankee ist.� Der bittere Humor fand keinen Widerhall. �Sein Name ist Jasper Dills. Er ist geldgierig, also wird Ihr Antrag vor vielen anderen auf dem Schreibtisch des f�r die Amnestie zust�ndigen Beamten und danach auf Mr. Johnsons Schreibtisch landen.�</p><p>�F�r wieviel?�</p><p>�Zweihundert Dollar, US-W�hrung oder das �quivalent in Sterling. Mein Honorar betr�gt f�nfzig Dollar.�</p><p>Cooper �berlegte eine Weile.</p><p>�Also gut. Geben Sie mir die Papiere.�</p><p>Sie unterhielten sich eine weitere halbe Stunde. Trezevant hatte all den Washingtoner Klatsch parat. Er erz�hlte, Johnson plane die Ernennung eines provisorischen Gouverneurs f�r South Carolina. Der Gouverneur w�rde eine konstitutionelle Versammlung einberufen und die gesetzgebende K�rperschaft wieder einsetzen, so wie sie sich vor dem Fall von Fort Sumter konstitutioniert hatte. Johnsons Wahl stellte keine �berraschung dar. Sie fiel auf Richter Benjamin Franklin Perry aus Greenville, vor dem Krieg ein erkl�rter Anh�nger der Union. Genau wie Lee hatte Perry gegen�ber seinem Staat seine Loyalit�t zum Ausdruck gebracht, trotz seines Abscheus vor der Sezession, indem er sagte: �Ihr werdet alle zum Teufel gehen - und ich gehe mit euch.�</p><p>�Zur Wiederzulassung mu� die Legislative Mr. Johnsons Forderungen nachkommen�, sagte Trezevant. �Beispielsweise offiziell die Sklaverei zu �chten.� Ein listiger Ausdruck tauchte auf seinem Gesicht auf. �Gleichzeitig ist die Legislative vielleicht in der Lage, die Nigger so anzupassen, da� wir wieder Arbeitskr�fte zur Verf�gung haben anstatt streunendes Gesindel.�</p><p>�Was hei�t anpassen?�</p><p>�Meine G�te - nennen wir es mal einen Verhaltenscode. Ich habe geh�rt, da� man in Mississippi auch daran denkt.�</p><p>�W�re ein solcher Code auch f�r Wei�e g�ltig?�</p><p>�Nur f�r befreite Sklaven.�</p><p>Cooper erkannte die Gefahr, die in einem solch provokativen Schritt lag, ohne sich an der ihm zugrunde liegenden Moral zu st�ren. Das Kriegsende hatte ihm, seiner Familie und seinem Staat ein reiches Ma� an Dem�tigungen und den vollst�ndigen Ruin gebracht. Er sorgte sich nicht mehr um den Zustand der daf�r verantwortlichen Menschen - der Menschen, denen der Krieg die Freiheit gebracht hatte.</p><p>Gegen Mittag trabte Coopers lahmer alter Gaul in s�d�stlicher Richtung nach Hause. Der Weg f�hrte direkt durch Columbia hindurch. Cooper konnte den Anblick kaum ertragen. Fast hundertzwanzig Blocks waren niedergebrannt. Der Geruch von verkohltem Holz hing immer noch schwer in der hei�en Luft dieses Junitages.</p><p>Die ungepflasterten Stra�en waren mit Abfall und zerbrochenen M�beln bedeckt. Von einem Wagen, der zum <emphasis>Bureau of Freedmen, Refugees and Abandoned Lands</emphasis> geh�rte, wurden Pakete mit Reis und Mehl an eine gro�e Menschenmenge, haupts�chlich Neger, verteilt. Andere Schwarze dr�ngten sich an den wenigen Stellen zusammen, wo der h�lzerne Gehsteig noch in Ordnung war. Cooper bemerkte milit�rische Uniformen und einige Gentlemen in Zivil, aber die Abwesenheit gutgekleideter wei�er Frauen stach deutlich ins Auge. Es war �berall das gleiche. Diese Frauen blieben im Haus, weil sie Soldaten ha�ten und sich vor den befreiten Negern f�rchteten. Coopers Frau Judith bildete hier die Ausnahme, was ihn ziemlich irritierte.</p><p>General Sherman hatte die Holzbr�cke �ber den Congaree River zerst�rt. Nur die Pfeiler waren �briggeblieben und standen nun im Strom wie rauchgeschw�rzte Grabsteine. Die langsame Fahrt der F�hre �ber den Flu� verschaffte Cooper einen langen Blick auf eines der wenigen Geb�ude, die vom Feuer verschont geblieben waren, das unfertige Parlamentsgeb�ude nahe dem Ostufer. In einer Granitwand legten drei Kanonenkugeln der Union - wie Punkte auf einem Blatt Papier - Zeugnis ab von Shermans Zorn.</p><p>Dieser Anblick lie� den �rger in Cooper hochsteigen, ebenso wie der niedergebrannte Bezirk, den er kurz nach Verlassen der F�hre erreichte. Er ritt am Rande einer Bahn verbrannter Erde entlang, eine Meile breit. Hier hatte zwischen brennenden Pinien Kilpatricks Kavallerie gepl�ndert und schwarzes, von einsamen Kaminen markiertes �dland zur�ckgelassen - Shermans W�chter, das war alles, was auf dem Weg dieses barbarischen Marsches von Heimen und H�usern �briggeblieben war.</p><p>Die Nacht verbrachte er in einem dreckigen Gasthaus au�erhalb der Stadt. Im Schankraum ging er jedem Gespr�ch aus dem Wege, h�rte aber angespannt den verarmten kleinen Gutsbesitzern zu, die um ihn herum tranken. Wenn man sie so h�rte, h�tte man meinen k�nnen, der S�den h�tte gewonnen oder w�re zumindest in der Lage, weiter f�r seine Sache zu k�mpfen.</p><p>Am n�chsten Morgen ritt er weiter, obwohl Hitze und Dunst einen weiteren hei�en Sommertag im Flachland versprachen. Er ritt �ber unbefestigte Stra�en, die nicht repariert worden waren, nachdem die Versorgungskonvois der Union sie aufgerissen hatten. Ein Farmer brauchte einen guten neuen Wagen, um durch die tiefen Rinnen in dem sandigen Boden zu kommen und seine Ernte zum Markt zu bringen - falls er eine Ernte hatte. Wahrscheinlich konnte der Farmer weder einen neuen Wagen noch das Geld daf�r auftreiben. Cooper kochte vor Wut.</p><p>Er hielt weiter auf Charleston und die K�ste zu und �berquerte einen Schienenstrang; s�mtliche Schienen waren verschwunden, und von den Schwellen waren nur einige wenige �briggeblieben. Er begegnete keinen Wei�en, sah jedoch zweimal Negerbanden, die durch die Felder zogen. Kurz hinter dem D�rfchen Chicora traf er auf seinem Weg zum Cooper River auf ein Dutzend schwarze M�nner und Frauen, die am Wegesrand wilde Kr�uter sammelten. Er griff in die Tasche seines alten Mantels und umklammerte die kleine Taschenpistole, die er extra f�r diese Reise gekauft hatte.</p><p>Die Schwarzen beobachteten, wie sich Cooper n�herte. Eine der Frauen trug ein rotes Samtkleid und eine ovale Anstecknadel. Wahrscheinlich von einer wei�en Herrin gestohlen, dachte Cooper. Die anderen waren mit Lumpen bekleidet. Cooper schwitzte und krallte sich an der verborgenen Pistole fest, aber sie lie�en ihn durch.</p><p>Ein gro�er Mann mit einem roten, zu einer M�tze zusammengebundenen Halstuch trat hinter ihm auf die Stra�e. �Du bist hier nicht mehr der Bo�, Captain.�</p><p>Cooper drehte sich um und funkelte ihn an. �Wer zum Teufel hat behauptet, ich sei's? Warum geht ihr nicht an die Arbeit und tut was N�tzliches?�</p><p>�M�ssen nicht arbeiten�, sagte die Frau im roten Samtkleid. �Kannst uns nicht zwingen und auspeitschen auch nicht. Nicht mehr. Wir sind frei.�</p><p>�Frei, euer Leben in Faulheit zu verschwenden. Frei, eure Freunde zu vergessen.�</p><p>�Freunde? Solche wie du, die uns eingesperrt hielten?� Der Mann mit dem Halstuch lachte h�misch. �Reite weiter, Cap-tain, bevor wir dich von dieser Schindm�hre ziehen und dir die Pr�gel verpassen, die <emphasis>wir</emphasis> fr�her kriegten.�</p><p>Cooper knirschte mit den Z�hnen. Er zog die kleine Pistole und zielte. Die Frau mit dem Samtkleid kreischte auf und tauchte in den Graben. Die anderen stoben auseinander, bis auf den Mann mit dem Halstuch, der auf Coopers Pferd zulief. Ganz pl�tzlich gewann Cooper seinen gesunden Menschenverstand zur�ck; er stie� dem Gaul die Stiefel in die Flanken und ritt los.</p><p>Fast zehn Minuten lang zitterte er. Trezevant hatte recht. Die Legislative mu�te etwas tun, um die befreiten Neger in den Griff zu kriegen. Freiheit war zur Anarchie geworden. Und ohne H�nde, die in der Hitze und Feuchtigkeit arbeiteten, w�rde der Krankheitszustand, in dem sich South Carolina befand, geradewegs zum Tod f�hren.</p><p>Sp�ter, als er sich wieder beruhigt hatte, begann er �ber die Arbeit nachzudenken, die bei der Reederei getan werden mu�te. Zum Gl�ck mu�te er sich nicht auch noch um Mont Royal sorgen. Schicklichkeit und Anstand hatten ihn veranla�t, mit Orrys Witwe ein Arrangement zu treffen; sie trug nun die ganze Verantwortung f�r die Plantage, deren Besitzer er war. In Madelines Adern flo� Negerblut, und jeder wu�te es, weil Ashton es in die ganze Welt hinausposaunt hatte, aber niemand k�mmerte sich um ihre Herkunft. Und so w�rde es auch bleiben, solange sie sich wie eine anst�ndige wei�e Frau auff�hrte.</p><p>Melancholische Visionen seiner j�ngeren Schwestern lenkten seine Gedanken von der Arbeit ab. Er sah Brett vor sich, verheiratet mit diesem Yankee Billy Hazard, die sich, wie sie in ihrem letzten Brief geschrieben hatte, auf dem Weg nach Kalifornien befand. Er sah Ashton, die sich auf eine groteske Verschw�rung zum Sturz der Regierung Davis eingelassen hatte. Sie war im Westen untergetaucht; er hielt sie f�r tot. Sein Kummer hielt sich durchaus in Grenzen, und er empfand auch keine Schuldgef�hle. Ashton war ein gemartertes M�dchen, mit all den pers�nlichen Schwierigkeiten, die Frauen von gro�er Sch�nheit und gro�em Ehrgeiz zu befallen scheinen. Ihre Moralvorstellungen waren schon immer verachtenswert gewesen.</p><p>Die Sonne versank hinter den Sandh�geln, und er schl�ngelte sich durch glitzernde Salzs�mpfe, fast schon zu Hause. Wie sehr er doch South Carolina und vor allem das Tiefland liebte! Der tragische Tod seines Sohnes hatte ihn zu einem loyalen Anh�nger gemacht, obwohl er seiner Meinung nach in allen Fragen gem��igte Ansichten vertrat, mit einer Ausnahme: wenn es um die ererbte �berlegenheit der wei�en Rasse ging und deren F�higkeit zu regieren. In zehn Minuten w�rde Cooper einem Mann begegnen, dessen S�dstaatenloyalit�t weit �ber alles hinausging, was er sich je vorgestellt hatte.</p><p>Sein Name war Desmond LaMotte. Er sah aus wie eine gewaltige Vogelscheuche, mit seltsam langen Beinen, die fast bis auf den Boden hingen, wenn er auf seinem Muli durch die S�mpfe nahe dem Cooper River ritt. Seine Arme waren genauso lang. Er hatte gekraustes, karottenfarbenes Haar mit einer verbl�ffenden wei�en Str�hne, die von der Stirn bis zum Hinterkopf lief. An dieser Str�hne war der Krieg schuld. Er trug einen sauber gestutzten Knebelbart in der Farbe seines Haars.</p><p>Er entstammte der alten Hugenottenrasse, die sowohl in der Hauptstadt als auch in der Plantagenaristokratie eine dominierende Rolle spielte. Seine verstorbene Mutter war eine Huger gewesen, ein Hugenottenname, der &gt;Judschi&lt; ausgesprochen wurde. Die meisten der jungen M�nner beider Familien waren dem Krieg zum Opfer gefallen.</p><p>Des war 1834 in Charleston geboren worden. Mit f�nfzehn Jahren hatte er seine Erwachsenengr��e von einem Meter neunzig erreicht. Bei gespreizten Fingern hatten seine H�nde eine Spannweite von f�nfundzwanzig Zentimetern. Seine F��e ma�en vierunddrei�ig Zentimeter von der Ferse bis zur gro�en Zehe. Also wollte er selbstverst�ndlich wie jeder trotzige junge Mann mit starkem Willen und solchen physischen Voraussetzungen Tanzlehrer werden.</p><p>Die Leute spotteten. Aber er war fest entschlossen und hatte Erfolg. Tanzlehrer war, vor allem im S�den, ein alter, ehrbarer Beruf. Bei den scheinheiligen Heuchlern in Neuengland zogen die Prediger stets gegen den gemischten Tanz zu Feld, ebenso wie gegen das Tanzen in Tavernen, den Maibaumtanz (der den Beigeschmack eines heidnischen Rituals besa�) oder �berhaupt irgendeinen Tanz, bei dem es auch zu essen und zu trinken gab. S�dstaatler hatten da modernere Ansichten aufgrund ihrer niveauvolleren Kultur, ihrer geistigen Verwandtschaft mit dem englischen Adel und ihres �konomischen Systems; die Sklaverei gab ihnen gen�gend Mu�e, um tanzen zu lernen. Sowohl Washington als auch Jefferson - nach Des' Meinung gro�artige M�nner, gro�artige S�dstaatler - hatten viel f�r den Tanz getan.</p><p>In seinen jungen Jahren zeigte Des LaMotte eine f�r einen Jungen ungew�hnliche Beweglichkeit, ganz gleich, ob es nun beim Reiten oder beim Hufeisenwerfen mit Charlestons freien Negerkindern war, was angesichts seines schnellen Wachstums besonders erstaunte. Seine Eltern erkannten diese F�higkeit, und da sie an den Segen von Tanzstunden f�r junge Gentlemen glaubten, bekam er mit elf Jahren seinen ersten Unterricht. Des verga� niemals die strengen Worte seines Tanzlehrers. Er hatte sie in seinem Ged�chtnis gespeichert und ben�tzte sie sp�ter bei seinen eigenen Sch�lern:</p><p>�Die Tanzschule ist kein Ort des Am�sements, sondern ein Ort der Erziehung. Und am Ende dieser Erziehung steht nicht, da� aus Ihnen ausgebildete T�nzer werden, sondern Sie sollen gute S�hne und T�chter, gute Ehem�nner und Ehefrauen, gute B�rger und gute Christen werden.�</p><p>In den f�nf Jahren vor dem Krieg hatte Des, gl�cklich mit Miss Sally Sue Means aus Charleston verheiratet, eine Schule in der King Street eingerichtet; seine Gesch�fte florierten bei den Plantagenbewohnern im Tiefland, durch das er dreimal j�hrlich - stets seinen Besuch im voraus in den Lokalzeitungen ank�ndigend - eine Rundreise startete. An Sch�lern fehlte es ihm nie. Er brachte den Jungs ein bi�chen Fechten bei, aber meist unterrichtete er Tanz: die traditionellen Quadrillen und Yorks und Reels, wobei sich die T�nzer in einer Reihe aufstellten; so wurde ihre Moral nicht durch �bertriebenen K�rperkontakt gef�hrdet. Au�erdem lehrte er die neueren, tollk�hneren Importe aus Europa, den Walzer und die Polka, enge T�nze, bei denen sich die Tanzenden in gef�hrlicher Intimit�t ins Gesicht sahen. Ein Geistlicher der Episkopalkirche in Charleston hatte gegen den Greuel gewettert, &gt;der es einem Mann, der weder der Verlobte noch der Ehemann war, erlaubte, seine Arme um eine Dame zu legen und leicht die Konturen ihrer Taille zu pressen&lt;. Des lachte dar�ber. Er hielt alle T�nze f�r moralisch, weil er auch sich selbst und all seine Sch�ler f�r moralisch hielt. Die f�nf Jahre, in denen er nach dem Standardbuch, Rambeaus &gt;Tanzlehrer&lt; -sein zerlesenes Exemplar befand sich in diesem Augenblick in seiner Satteltasche -, unterrichtet hatte, waren zauberhafte Jahre gewesen. Trotz der Verfechter der Sklavenbefreiung und der Kriegsdrohung veranstaltete er gro�artige B�lle und Plantagenfeste und beobachtete entz�ckt, wie attraktive wei�e M�nner und Frauen bei Kerzenschein von sieben Uhr abends bis drei oder vier Uhr morgens tanzten, ohne au�er Atem zu kommen. Gekr�nt wurde all das von der glorreichen Wintersaison in Charleston und dem gro�en Ball der prestigetr�chtigen St.-Ceci-lia-Gesellschaft.</p><p>Des' Kenntnisse des Tanzes waren sehr umfassend. Er hatte den Plankentanz der Grenzpioniere gesehen, bei dem zwei M�nner auf einem auf zwei F�ssern ruhenden Brett tanzten, bis einer herunterfiel. Auf den Plantagen hatte er den Tanz der Sklaven beobachtet, der seine Wurzeln in Afrika hatte und aus komplizierten Schritten unter Einsatz von Fersen und Zehenspitzen bestand, wobei mit Tierknochen der Rhythmus geschlagen wurde. Im allgemeinen verboten die Plantagenbesitzer ihren Sklaven den Gebrauch von Trommeln, aus Furcht, es k�nnten damit geheime Botschaften �ber Rebellionen und Brandanschl�ge �bermittelt werden.</p><p>Viele Stunden lang hatte er �ber einem Portr�t von Thomas D. Rice getr�umt, diesem gro�artigen wei�en T�nzer, der zu Beginn des Jahrhunderts sein Publikum mit der Verk�rperung des schwarzen Jim Crow zu Begeisterungsst�rmen hingerissen hatte. Des kannte das ganze Universum des amerikanischen Tanzes, doch den Leuten, die ihn bezahlten, gestand er, da� er nur die T�nze wirklich liebte, die er selber lehrte.</p><p>Der erste Kanonenschu� bei Fort Sumter zerfetzte sein Universum. Er schlo� sich sofort den Palmetto Rifles an, einer von seinem besten Freund, Captain Ferris Brixham, organisierten Einheit. Von den urspr�nglich achtzig M�nnern waren im April dieses Jahres nur noch drei �briggeblieben, als General Joe Johnston mit der letzten Armee der Konf�derierten bei Dur-ham Station, North Carolina, kapitulierte. In der Nacht vor der Kapitulation wurden Des und Ferris auf der Suche nach etwas E�barem von einem brutalen Yankee-Sergeant und vier seiner M�nner erwischt und bewu�tlos geschlagen. Des �berlebte; Fer-ris starb in seinen Armen, eine Stunde nachdem Offiziere die Kapitulation verk�ndet hatten. Ferris hinterlie� eine Frau und f�nf kleine Kinder.</p><p>Verbittert schlug sich Des bis nach Charleston durch, wo ihm ein f�nfundachtzigj�hriger Onkel mitteilte, da� Sally Sue im Januar an Lungenentz�ndung und Unterern�hrung gestorben sei. Als w�re das noch nicht genug, waren die LaMottes w�hrend des Krieges von Mitgliedern einer anderen Familie im Ashley-Bezirk mit Schimpf und Schande bedeckt worden. Das war mehr, als Des ertragen konnte. Sein Verstand setzte aus. Es kam ein Monat, von dem er nicht mehr die geringste Erinnerung besa�. Verwandte k�mmerten sich um ihn.</p><p>Jetzt ritt er auf seinem Maultier durch die S�mpfe, auf der Suche nach fr�heren Kunden oder Leuten, die sich Unterrichtsstunden f�r ihre Kinder leisten konnten. Er fand niemanden. Hinter ihm marschierte barfu� sein f�nfzigj�hriger Diener, ein arthritischer Schwarzer namens Juba; es war ein Sklavenname, der &gt;Musiker&lt; bedeutete. Des hatte gleich nach seiner Heimkehr Juba einen Vertrag �ber ein lebenslanges Dienstverh�ltnis unterschreiben lassen. Die neue Freiheit, die der legend�re &gt;Linkum&lt; ihnen beschert hatte, erschreckte Juba. Nur zu bereitwillig setzte er sein Zeichen unter das Papier, das er nicht lesen konnte.</p><p>Juba marschierte im Sonnenschein dahin, eine Hand auf dem Hinterteil des Mulis, auf dem ein Mann sa�, der nur zwei Ziele kannte: seinen Beruf, den er liebte, wieder in einer Welt auszu�ben, in der die Yankees die Aus�bung dieses Berufes fast unm�glich gemacht hatten, und jene zur Rechenschaft zu ziehen, die zu seinem Ungl�ck und dem seiner Familie und seiner Heimat beigetragen hatten.</p><p>Das war der Mann, der nun seiner Begegnung mit Cooper Main entgegenritt.</p><p>Eine ungef�hr 75 Zentimeter breite Gelbkieferplanke lag �ber einer Stelle des Salzsumpfes, die ansonsten unpassierbar gewesen w�re. Cooper erreichte das eine Ende der Planke, kurz bevor der linkische Bursche mit seinem kummervoll dreinschauenden Neger am anderen Ende ankam.</p><p>Einige Meter von dem �bergang entfernt sonnte sich ein Alligator auf einem trockenen kleinen H�gel. In den K�stens�mpfen kamen sie h�ufig vor. Bei diesem hier handelte es sich um ein ausgewachsenes Exemplar: zw�lf Fu� lang, wahrscheinlich f�nfhundert Pfund schwer. Aufgeschreckt von den St�renfrieden glitt er ins Wasser und tauchte unter. Nur seine Augen ragten aus dem Wasser und zeigten an, da� er langsam auf die Planke zuglitt. Wenn sie zu hungrig waren oder einen Menschen oder ein Tier als Bedrohung ansahen, konnten Alligatoren durchaus gef�hrlich werden.</p><p>Cooper bemerkte den Alligator. Schon als Kind hatte er diese Tiere oft genug zu Gesicht bekommen, aber ihr Anblick erschreckte ihn immer noch. Selbst jetzt qu�lten ihn gelegentlich Alptr�ume, in denen er ihre zahnstarrenden Kiefer vor sich sah. Er schauderte, als die Augen n�herglitten. Pl�tzlich tauchten sie weg, und der Alligator schwamm davon.</p><p>Cooper kam der junge Mann mit dem Knebelbart irgendwie bekannt vor, aber er wu�te nicht, wohin er ihn stecken sollte. Vom anderen Ende der Planke h�rte er ihn sagen: �Machen Sie Platz!�</p><p>Gereizt entgegnete Cooper: �Ich sehe keinen Grund ...�</p><p>�Ich wiederhole, Sir, machen Sie Platz.�</p><p>�Nein, Sir. Sie sind impertinent und anma�end. Au�erdem kenne ich Sie nicht.�</p><p>�Aber ich kenne Sie, Sir.� Der Blick des jungen Mannes verriet unterdr�ckte Wut, doch seine Stimme behielt den freundlichen Konversationston. Der Widerspruch lie� Coopers Nerven zucken.</p><p>�Sie sind Mr. Cooper Main aus Charleston. Die Carolina Shipping Company. Mont-Royal-Plantage. Desmond LaMotte, Sir.�</p><p>�Ah ja. Der Tanzlehrer.� Nachdem das gekl�rt war, trieb Coo-per sein Pferd �ber die Planke.</p><p>Es war, als w�rde man ein Streichholz in trockenes Gras werfen. Des jagte sein Muli voran. Hufe klapperten �ber die Planke. Das Maultier erschreckte Coopers Pferd, das zur Seite trat und st�rzte. Cooper drehte sich in der Luft, um nicht unter das Pferd zu kommen, und landete in den Untiefen neben seinem Pferd. Er k�mpfte sich unverletzt, aber schlammbedeckt wieder hoch.</p><p>�Was zum Teufel ist mit Ihnen los, LaMotte?�</p><p>�Schande, Sir. Schande, das ist es, was los ist. Oder versteht Ihre Familie nicht mehr die Bedeutung von Ehre? Sie mag so wenig greifbar sein wie das Sonnenlicht, spielt aber nichtsdestoweniger eine bedeutende Rolle im Leben.�</p><p>Cooper, tropfend und trotz Hitze fr�stelnd, fragte sich, ob er hier jemanden vor sich hatte, den der Krieg um den Verstand gebracht hatte. �Ich habe keine Ahnung, was um alles in der Welt Sie meinen.�</p><p>�Sir, ich beziehe mich auf die Trag�die, die Ihre Familie �ber Mitglieder meiner Familie gebracht hat.�</p><p>�Ich habe keinem einzigen LaMotte irgend etwas angetan.�</p><p>�Andere mit Ihrem Namen haben s�ndige Dinge getan. Sie alle haben die Ehre der LaMotte-Familie in den Schmutz gezogen, als sie zulie�en, da� Colonel Main meinem Cousin Justin H�rner aufsetzte. Vor meiner Heimkehr meuchelte Ihr entlaufener Sklave Cuffey meinen Cousin Francis.�</p><p>�Aber ich sage Ihnen doch, ich hatte damit nichts zu tun.�</p><p>�Wir �berlebenden haben einen Familienrat abgehalten�, unterbrach ihn Des. �Ich bin froh, da� ich Sie getroffen habe, denn das erspart es mir, Sie in Charleston suchen zu m�ssen.�</p><p>�Wozu?�</p><p>�Um Ihnen mitzuteilen, da� die LaMottes �bereingekommen sind, diese Ehrenschuld zu begleichen.�</p><p>�Sie reden Unsinn. Das Gesetz verbietet Duelle.�</p><p>�Ich spreche nicht von Duellen. Wir werden andere Mittel einsetzen - zu einem Zeitpunkt und an einem Ort unserer Wahl. Aber wir werden die Schuld begleichen.�</p><p>Cooper griff nach den Z�geln seines Pferdes. Von dem Tier und von Coopers Ellbogen tropfte das Wasser in das Schweigen hinein. Er h�tte sich gern �ber diesen wirren jungen Mann lustig gemacht, aber das, was er in LaMottes Augen sah, hielt ihn davon ab.</p><p>�Wir rechnen mit Ihnen ab, Mr. Main, oder wir rechnen mit der Niggerwitwe Ihres Bruders ab oder mit Ihnen beiden. Verlassen Sie sich darauf.�</p><p>Mit diesen Worten ritt er weiter; die Maultierhufe knallten auf der Planke wie Pistolensch�sse. Nachdem er wieder festen Boden erreicht hatte, folgte ihm sein Diener mit gesenktem Kopf, ohne auch nur einen Blick auf Cooper zu werfen.</p><p>Cooper schauderte erneut und f�hrte sein Pferd aus dem Wasser.</p><p>Sp�t abends erz�hlte er seiner Frau Judith in ihrem Haus in der Tradd Street von dem Vorfall. Judith lachte.</p><p>Das �rgerte ihn. �Er hat es ernst gemeint. Du hast ihn nicht gesehen; ich schon. Nicht jeder Mann, der in den Krieg zieht, kommt auch geistig gesund wieder zur�ck.� Er bemerkte weder ihren sorgenvollen Blick, noch erinnerte er sich an seine eigene Geistesverwirrung in den Wochen, nachdem sein Sohn ertrunken war.</p><p>�Ich werde Madeline schreiben und sie warnen�, sagte er.</p></section><section><title><p><strong>4</strong></p></title><p id="bookmark7"><strong>W</strong>illa erwachte pl�tzlich. Sie h�rte ein Ger�usch und eine Stimme; beides konnte sie nicht identifizieren.</p><p>Die Erinnerung kam zur�ck. Claudius Wood - der &gt;Mac-beth&lt;-Dolch. Im str�menden Regen war sie durch die Chambers Street geflohen. Um ein Haar w�re sie von dem Pferd einer schnellen Droschke</p><empty-line/><p>WINTER GARDEN</p><p>Broadway, zwischen Bleeker und Amity Street heute abend, Beginn 7 Uhr 30 RICHELIEU DIE VERSCHW�RUNG</p><p>DARSTELLER:</p><p>Edwin Booth, Charles Barron, J.H. Taylor, John Dyott, W.A. Donaldson, C. Kemble Mason, Miss Rose Eytange, Mrs. Marie Wilkins ...</p><empty-line/><p>�berrannt worden, als sie an einer Kreuzung ausrutschte und st�rzte. Erst nach vier Bl�cken hatte sie es gewagt, sich umzudrehen und die von Laternen schwach erhellte Stra�e zur�ckzublicken.</p><p>Von Wood nichts zu sehen. Kein Anzeichen irgendeiner Verfolgung. Sie hatte sich umgewandt und war weitergerannt.</p><p>Das Ger�usch stammte von einer Faust, die gegen ihre T�r h�mmerte. Die unbekannte Stimme geh�rte zu einem Mann.</p><p>�Miss Parker, die Hausbesitzerin sah sie heimkommen. �ffnen Sie die T�r, oder ich breche sie auf.�</p><p>�Eine gute T�r ruinieren? Das lasse ich nicht zu.�</p><p>Das war die Stimme der Harpyie, der die Pension geh�rte. Als Willa aus dem Regen der Stra�e hereingest�rzt gekommen war, hatte die Frau sie vom Speisezimmer aus ersp�ht, wo sie das Zepter �ber schlechtes Essen und die vier sch�bigen Gentlemen schwang, die die anderen Zimmer bewohnten.</p><p>Willa war vor diesen feindseligen Augen die Treppe hoch in ihr Schlafzimmer geflohen, dessen winziger Alkoven mit ihren B�chern, Theateraufzeichnungen und zwei Kleiderkoffern vollgestopft war. In der Sicherheit des Zimmers hatte sie den Riegel vorgeschoben und sich zitternd auf das Bett fallen lassen. So war sie fast eine Stunde lang lauschend liegengeblieben. Zum Schlu� hatte sie die Ersch�pfung einschlafen lassen.</p><p>Jetzt h�rte sie den Mann drau�en im Gang zu der Vermieterin sagen: �Sie haben da gar nichts zu bestimmen. Das M�dchen soll wegen eines Angriffs auf ihren Arbeitgeber verh�rt werden.� Wieder h�mmerte er gegen die T�r. �Miss Parker!�</p><p>Willa schlang die Arme um sich, wagte nicht zu atmen.</p><p>Der Mann br�llte: �Das ist eine Polizeiangelegenheit. Ich fordere Sie zum letztenmal auf, die T�r zu �ffnen.�</p><p>Sie war bereits angekleidet. Ein schneller Blick in den Alkoven zum Abschied von ihren wenigen Habseligkeiten, dann packte sie ihren Schal und schob das Fenster hoch. Der Mann h�rte es und rammte die Schulter gegen die T�r.</p><p>Nach Atem ringend und ihre Panik niederk�mpfend, kletterte Willa �ber den Fenstersims, lie� sich nach unten gleiten und lie� los. Sie st�rzte in die regnerische Finsternis. Ihr gequ�lter Aufschrei ging im Splittern der T�r unter.</p><p>�Oh Gott - mein Gott, noch nie in meinem Leben habe ich so was durchgemacht, Eddie.�</p><p>�Ruhig, ganz ruhig.� Er zog sie an seine Schultern. Sein Samtrock f�hlte sich angenehm an. W�hrend ihre Kleider trockneten, trug sie eine seiner Roben, goldfarben und recht bequem; er war ein verh�ltnism��ig kleiner Mann. Eine hellblonde Haarstr�hne war ihr in die Stirn gefallen. Ihre nackten Beine ruhten auf einem Stuhl. Ihren linken Kn�chel hatte er mit einer festen Bandage umwickelt. Sie hatte ihn sich beim Sprung in die Gasse verknackst und den ganzen Weg bis zu seinem Sandsteinhaus, 28 East Nineteenth Street, starke Schmerzen gehabt.</p><p>�Der Polizist h�tte mich beinahe erwischt. Wood hat ihn geschickt, oder?�</p><p>�Zweifellos�, sagte Booth. Er war zweiunddrei�ig, schlank und gutaussehend, mit einer vollen Stimme, die Kritiker als wundersames Instrument bezeichneten. In seinen ausdrucksvollen Augen lag ein st�ndiger Schmerz verborgen.</p><p>Der Regen trommelte gegen die hohen Fenster. Es war halb zwei Uhr morgens. Willa schauderte in der Seidenrobe, als Booth fortfuhr: �Wood ist ein �bler Geselle. Eine Schande f�r unseren Beruf. Er trinkt viel zuviel - darin bin ich Experte. Kombiniert mit seinem J�hzorn, hat das katastrophale Folgen. Letztes Jahr h�tte er beinahe einen Beleuchter zum Kr�ppel geschlagen, der die B�hne nicht haargenau so erleuchtete, wie er es w�nschte. Dann war da die Sache mit seiner verstorbenen Frau.�</p><p>�Ich wu�te nicht, da� er mal verheiratet war.�</p><p>�Er redet nicht dr�ber, mit Grund. Bei der �berfahrt zu einem Engagement in London rutschte sie bei schlechtem Wetter aus, st�rzte ins Meer und verschwand. Wood war der einzige Zeuge, obwohl ein Kabinensteward sp�ter aussagte, Helen Wood h�tte am Morgen des Ungl�cks Sch�rfungen an Wange und Arm gehabt, die sie mit Puder zu kaschieren versuchte. Mit anderen Worten, er hat sie verpr�gelt.�</p><p>�Er kann so ein charmanter Mann sein.� Willas Worte gingen in einem Seufzer unter. �Wie dumm ich doch war, mich davon einwickeln zu lassen!�</p><p>�Ganz und gar nicht. Mit seinem Charme h�lt er viele Leute zum Narren.� Booth t�tschelte ihre Schulter, erhob sich dann. Er trug schwarze Hosen und winzige Slipper; seine F��e waren kleiner als die ihren. �Du bist durchgefroren. Ich bringe dir einen Cognac. Ich habe eine Flasche da, auch wenn ich sie selbst nie anr�hre.�</p><p>Er trank nie Alkohol, wie sie wu�te. Als Booths Frau Mary 1863 im Sterben gelegen hatte, war er zu betrunken gewesen, um auf die Bitten von Freunden zu h�ren und zu ihr zu gehen. Dieser Teil seiner Vergangenheit belastete ihn fast ebenso stark wie der unselige Abend im Ford's Theater.</p><p>Willa starrte hinaus in den Regen, w�hrend Booth Cognac in einen Schwenker go� und ihn mit seinen H�nden anw�rmte. �Ich werde morgen losgehen und herauszufinden versuchen, was Wood nun unternimmt, nachdem du der Polizei entwischt bist.� Er reichte ihr den Schwenker. Der Cognac verbreitete eine wohlige W�rme in ihrem Innern und beruhigte ihren aufgew�hlten Magen. �Inzwischen w�rde ich mich nicht darauf verlassen, da� er die Sache auf sich beruhen l��t. Neben seinen anderen wunderbaren Charaktereigenschaften ist er auch noch rachs�chtig. Unter den �rtlichen Theatermanagern hat er viele Freunde. Zumindest wird er daf�r sorgen, da� du in New York keine Arbeit bekommst.�</p><p>Willa wackelte mit ihren nackten Zehen. Ihr Kn�chel schmerzte jetzt nicht mehr so stark. Im Kamin krachten die Scheite von Apfelb�umen und f�llten den Raum mit einem s��en Aroma. W�hrend sie ihren Cognac schl�rfte, starrte Booth melancholisch auf ein gerahmtes Foto, das auf der Marmorplatte eines Tisches stand: drei M�nner in r�mischen Togas waren darauf zu sehen. Es war eine Aufnahme aus der ber�hmten Vorstellung im November 1864, als er f�r einen Abend den Brutus und seine Br�der Johnny und June den Cassius und den Antonius gespielt hatten.</p><p>Sie stellte den Cognacschwenker beiseite. �Zur Arch Street kann ich nicht zur�ck, Eddie. Mrs. Drew hatte ihre Truppe zusammen. Sie sorgte gleich f�r Ersatz, nachdem ich ihr von meinen Pl�nen erz�hlt hatte.�</p><p>�Louisa h�tte dich vor Wood warnen sollen.�</p><p>�Indirekt hat sie das auch getan. Ich habe nur nicht darauf geachtet. Ich habe eine Menge Fehler, und einer der schlimmsten ist wohl, da� ich von jedermann nur gut denke. Das ist eine gef�hrliche Unzul�nglichkeit.�</p><p>�Nein, nein, das ist eine Tugend. Denk niemals anders!� Er t�tschelte ihre Hand. �Angenommen, New York bleibt dir von nun an verschlossen, kannst du anderswo arbeiten?�</p><p>�Du meinst, ob ich fortlaufen kann, irgendwohin? Fortlaufen ist stets das Heilmittel, das mir als erstes einf�llt. Und hinterher tut es mir immer leid. Ich hasse Feigheit.�</p><p>�Vorsicht hat nichts mit Feigheit zu tun. Ich sag's dir noch mal, das ist mehr als ein Streit im Schulhof. Denk einen Augenblick nach. Wohin kannst du gehen?�</p><p>Verloren sch�ttelte sie den Kopf. �Es gibt keinen einzigen -nun ja, doch. St. Louis. Ich habe ein Dauerangebot von einem alten Kollegen von Papa. Du kennst ihn. Du warst mit ihm und Papa auf Tournee in Kalifornien.�</p><p>�Sam Trump?� Endlich l�chelte Booth. �Amerikas Schauspie-leras? Ich wu�te nicht, da� Sam in St. Louis ist.�</p><p>�Er hat dort sein eigenes Theater, in Konkurrenz zu Dan De-Bar. Letzte Weihnachten schrieb er mir davon. Es klang so, als w�rde es f�r ihn nicht gut laufen.�</p><p>Booth ging zum Fenster. �Wahrscheinlich trinkt er. Das scheint der Fluch dieses Berufs zu sein.� Er wandte sich um. �St. Louis k�nnte allerdings eine ideale Zufluchtsst�tte sein. Ziemlich weit weg, aber eine gute Stadt f�rs Theater, seit Ludlow und Drake sich dort in den Zwanzigern niedergelassen hatten. F�r Tourneen steht einem das ganze Mississippital offen, und kein Konkurrenztheater bis Salt Lake City. Ich habe gern in St. Louis gespielt. Mein Vater ebenso.�</p><p>Er starrte hinaus in die Dunkelheit und l�chelte erneut.</p><p>�Wann immer er dort auftauchte, konnte er stets ein paar Cents sparen, weil er die Nebenrollen mit Schauspielern der Thespians, einer guten Amateurgruppe, besetzte. Ungl�cklicherweise gab er die Cents dann f�r eine weitere Flasche aus.� Er sch�ttelte die Erinnerung ab. �Aber was jetzt wichtiger ist, Sam Trump ist ein anst�ndiger Mann. Er w�re jetzt ein erfolgreicher Schauspieler, wenn er sich nicht mit Leib und Seele der K�rpertechnik von Forrest verschrieben h�tte. Sam hat den heroischen Stil zur Religion erhoben. Er zerrei�t ein gro�es Gef�hl nicht nur, er zertr�mmert es ein f�r allemal.�</p><p>Eine weitere nachdenkliche Pause, dann ein Nicken. �Ja, Sams Theater k�nnte gut laufen. Wer wei�? Vielleicht k�nntest du ihn zurechtbiegen?�</p><p>Ersch�pft und ungl�cklich sagte Willa: �Mu� ich mich jetzt auf der Stelle entscheiden?�</p><p>�Nein. Erst wenn wir herausgefunden haben, was Wood plant. Komm mit.� Er streckte seine Hand mit einer glatten, flie�enden Bewegung aus, die allein schon eine Auff�hrung wert gewesen w�re. �Ich zeige dir dein Zimmer. Ein ausgiebiger Schlaf wird Wunder wirken.�</p><p>Auf dem Weg hinaus warf er wieder einen Blick auf Johnnys Bild. Armer Eddie, dachte sie, du versteckst dich immer noch vor der Welt, weil so viele nach Rache schreien, obwohl Johnny aufgesp�rt und vor fast zwei Monaten in der N�he von Bowling Green in Virginia erschossen worden ist. Der Gedanke an die Last, die Booth zu tragen hatte, lie� sie ihr eigenes Ungl�ck vergessen, und dar�ber schlief sie ein.</p><p>Als sie am n�chsten Nachmittag gegen zwei erwachte, war ihr Freund verschwunden. Der Himmel drau�en war immer noch st�rmisch bew�lkt. Eine leichte Mahlzeit aus Fr�chten, schottischen Br�tchen und Marmelade war unten aufgebaut. Sie a� gerade mit sehr gutem Appetit, als sich der Hausschl�ssel drehte und er hereinmarschiert kam; er sah sehr verwegen aus mit Schlapphut und Operncape und Ebenholzstock.</p><p>�Ich f�rchte, ich habe schlechte Nachrichten. Wood hat einen Haftbefehl beantragt. Ich kaufe dir eine Fahrkarte und schie�e dir ein bi�chen Reisegeld vor. Du darfst deine Bank nicht besuchen. Oder deine Unterkunft.�</p><p>�Eddie, ich kann doch meine Sachen nicht zur�cklassen. Meine Sammlung der Werke von Mr. Dickens. All die Rollen, die ich gespielt habe, seit ich das erste Mal auf der B�hne stand -jedes St�ck ist von s�mtlichen Schauspielern unterschrieben, die mitgewirkt haben.�</p><p>Booth warf seinen Hut beiseite. �F�r dich mag das kostbar sein, aber das Gef�ngnis ist es nicht wert.�</p><p>�Oh Gott. Hat er wirklich ...?�</p><p>�Ja. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.�</p><p>Einen Tag sp�ter f�hrte er sie nach Anbruch der Dunkelheit aus dem Haus zu einer Mietdroschke, die schnell �ber Pflastersteine ratterte und dann durch Dreck und Schlamm zu einem Hudson-River-Pier. Er reichte ihr einen Koffer mit Kleidern, die er f�r sie gekauft hatte, gab ihr einen langen, liebevollen Ku� auf die Wange und murmelte, Gott m�ge sie besch�tzen. Sie ging an Bord der F�hre nach New Jersey; w�hrend der ganzen �berfahrt warf sie keinen Blick zur�ck. W�rde sie sich nur einmal umdrehen, das wu�te sie, dann w�rde sie in Tr�nen ausbrechen und mit dem n�chsten Boot zur�ckfahren - geradewegs der Katastrophe entgegen.</p><p>Als sie den Zug in Chicago verlie�, schickte sie Sam Trump ein Telegramm. Sie stieg in einem billigen Hotel ab und wartete auf seine Antwort, die am n�chsten Morgen im Telegraphenamt eintraf; nur zu gern w�rde er f�r Unterkunft und Verpflegung sorgen und ihr einen Platz in seinem kleinen festen Ensemble geben. F�r einen Mann, der dem Alkohol verfallen war, h�rte er sich erstaunlich zuversichtlich an. Ihre Anspannung war so gro�, da� sie das Offensichtliche �bersah: Er war ein Schauspieler.</p><p>Wie Willas Vater war auch Mr. Samuel Horatio Trump in England geboren worden, in Stoke-Newington. Mit zehn Jahren war er in die Vereinigten Staaten gekommen, aber er hatte sich gewissenhaft seinen einheimischen Akzent bewahrt, in dem Glauben, da� er viel zu seinem betr�chtlichen, durchaus verdienten Ruhm beitrug. Er hatte sich selbst zum Schauspieleras Amerikas ernannt, doch er war in der Branche auch unter dem Namen &gt;Schluchzender Sam&lt; bekannt, nicht nur, weil er auf ein Stichwort hin weinen konnte, sondern weil er das unvermeidlicherweise auch bis zum Exze� tat.</p><p>Er war vierundsechzig und gab f�nfzig zu. Ohne die Spezialstiefel, in die ein Schuster fast f�nf Zentimeter hohe Einlagen eingearbeitet hatte, ma� er gerade 165 Zentimeter. Er war ein rundlicher, onkelhafter Mann mit warmen, dunklen Augen und einem rollenden Gang, der sein B�uchlein wackeln lie�. Seine Garderobe war umfangreich, aber seit zwanzig Jahren aus der Mode. Produzenten, die Plagiate von Dickens auf die B�hne brachten, wollten ihn stets in der Rolle des Micawber sehen. Trump selbst hielt sich mehr f�r einen Karl den Gro�en oder -was seine Glaubw�rdigkeit beim Publikum wirklich strapazierte - einen Romeo.</p><p>Trump hatte in seinem Leben viele Frauen gekannt. In n�chternem oder sogar leicht angetrunkenem Zustand hatte er eine fr�hliche, gewinnende Art. Jedem, der es h�ren wollte, gestand er, da� er oft an gebrochenem Herzen gelitten hatte, doch in Wahrheit hatte Trump von sich aus jede romantische Aff�re beendet, in die er verstrickt gewesen war. Als junger Mann hatte er entschieden, da� die Verantwortung f�r eine Ehe ihn nur an einer Karriere hindern w�rde, die schlie�lich in internationaler Anerkennung gipfeln m��te. Bis jetzt war das allerdings noch nicht der Fall gewesen.</p><p>Zwar gaben auch Willa und viele andere aus der Branche sich dem Theateraberglauben hin, doch Trump hatte das zu einer hohen Kunstform entwickelt. Er weigerte sich, ein Seil um einen Stamm zu binden oder einen schielenden Schauspieler zu engagieren. Er trug niemals Gelb, probte nie an Sonntagen und befahl seinem Pf�rtner, streunende Hunde, die sich w�hrend einer Vorstellung der B�hnent�r n�herten, mit Steinen zu vertreiben. Stets lie� er den Vorhang wieder herunter, wenn er in den ersten f�nf Reihen einen rothaarigen Zuschauer entdeckte. Er trug einen blauwei�en, in Gold gefa�ten Mondstein als Krawattennadel und eine Chrysantheme - niemals eine gelbe - im Revers. Er zog nicht einmal in Erw�gung, das schottische St�ck auf die B�hne zu bringen oder darin aufzutreten.</p><p>Nur den Aberglauben, da� man nicht �ber die Zukunft sprechen durfte, wenn man das Unheil nicht anziehen wollte, mi�achtete er. Zu seinen Lieblingsworten geh�rten &gt;n�chste Woche&lt; und &gt;morgen&lt; und &gt;die n�chste Vorstellung&lt;, unvermeidlich in Verbindung mit Worten wie &gt;wichtiger Produzent im Publikum&lt; oder telegraphische Nachricht&lt; oder &gt;m�chte ein Engagement �ber ein volles Jahr&lt;.</p><p>Sein Theater, Trumps St.-Louis-Schauspielhaus, war von einem anderen Manager in der Nordwestecke der Third und Olive Street gebaut worden; die letztere Stra�e nannte Trump die Rue des Granges. Er hielt es f�r vornehmer, die urspr�nglichen franz�sischen Namen zu ben�tzen. Das Theater fa�te dreihundert Personen auf einzelnen Sitzen anstatt den sonst �blichen B�nken.</p><p>W�hrend der langen Fahrt nach St. Louis fand sich Willa mit dem ab, was im New Knickerbocker geschehen war. Vielleicht w�rde Wood in ein paar Jahren die Anklage fallen lassen, und sie konnte zur�ckkehren. Inzwischen w�rde sie sich, falls sein Arm doch �ber New York hinausreichte, als Mrs. Parker ausgeben. Sollte jemand nach einer alleinstehenden Frau suchen, so w�rde das verwirrend wirken und au�erdem unerw�nschte M�nner abschrecken. Willa Potts wollte sie sich allerdings doch nicht nennen.</p><p>Sie war verh�ltnism��ig gut gelaunt, als die F�hre in St. Louis anlegte. Im Theater fand sie Sam Trump, der gerade einen Wald als Hintergrund aufmalte. Er weinte, w�hrend sie sich umarmten und dramatisch abk��ten, dann machte er eine Flasche Champagner auf, die er sogleich alleine trank. Als die Flasche fast leer war, machte er ihr ein �berraschendes Gest�ndnis: �Der Optimismus in meiner telegraphischen Nachricht war vorget�uscht, mein liebes M�dchen. Du hast dich entschlossen, in ein in Tr�mmern liegendes Haus einzuziehen.�</p><p>�St. Louis erscheint mir recht wohlhabend, Sam.�</p><p>�Ich spreche von meinem Theater, Kind, von meinem Theater. Unser Publikumsbesuch ist zufriedenstellend. Gelegentlich haben wir sogar ein ausverkauftes Haus. Ich begreife einfach nicht, wieso mir kein Schilling in der Kasse bleibt.�</p><p>Willa sah einen der Gr�nde daf�r vor sich; er war aus gr�nem Glas und stand leer in einem Silbereimer.</p><p>Sam �berraschte sie ein zweitesmal, als er leise und mit niedergeschlagenem Gesichtsausdruck sagte: ����Dieses Gesch�ft braucht einen klareren Kopf, als ich ihn habe. Einen besseren Kopf als diesen grauen, gepr�gelten Sch�del.� Allerdings war er nur um die Ohren herum grau; den Rest hatte er mit einem scheu�lichen Schuhwichsenbraun eingef�rbt.</p><p>Er ergriff ihre Hand. �W�rdest du es eventuell in Betracht ziehen, neben deinen schauspielerischen Verpflichtungen das Theater zu managen? Du bist jung, aber du hast in dieser Branche schon sehr viele Erfahrungen gesammelt. Ich kann dir keinen Extralohn f�r diese Arbeit geben, aber als Kompensation verspreche ich dir, da� ich dich als Schauspielerin genauso gro� herausstelle wie mich selbst.� Mit gro�er Feierlichkeit f�gte er hinzu: �Wie einen Star.�</p><p>Sie lachte, wie sie es seit Tagen nicht mehr getan hatte. Diese Art von Arbeit hatte sie nie zuvor getan, aber soweit sie erkennen konnte, ben�tigte man dazu lediglich gesunden Menschenverstand, Flei� und ein Auge daf�r, was mit dem Geld geschah.</p><p>�Das ist ein verf�hrerisches Angebot, Sam. La� mich eine Nacht dar�ber schlafen.�</p><p>Am n�chsten Morgen begab sie sich in das B�ro des Theaters, einen Raum von der Gr��e und dem Charme eines H�hnerstalls. �ber der T�r war das unvermeidliche Hufeisen angenagelt. Sam Trump sa� da, den Kopf trostlos auf eine Hand gest�tzt, w�hrend er mit der anderen die schwarze Theaterkatze streichelte.</p><p>�Sam, ich nehme dein Angebot an unter einer Bedingung.�</p><p>Er �berh�rte das letzte Wort und rief: �Wunderbar!�</p><p>�H�r dir erst die Bedingung an. Meine erste Tat als Manager wird darin bestehen, dich auf ein festes Taschengeld zu setzen.</p><p>Das Theater wird f�r deinen Lebensunterhalt aufkommen, aber nicht f�r Whisky, Bier, Champagner oder Schnaps.�</p><p>Mit der Faust schlug er sich gegen die Brust. �Oh! Viel sch�rfer denn der Bi� einer Schlange!�</p><p>�Sam, ich habe gerade eben dieses Theater �bernommen. Willst du, da� ich k�ndige?�</p><p>�Nein, nein!�</p><p>�Dann bist du sofort auf Taschengeld gesetzt.�</p><p>�Werte Lady!� Sein Kinn sackte nach unten, verdeckte die Mondsteinkrawattennadel. �Ich h�re und gehorche.�</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Juli 1865. Die d�stere Stimmung ist verflogen. Harte Arbeit ist ein gutes Mittel gegen Melancholie.</emphasis></p><p><emphasis>Der Staat bleibt in Aufruhr. Richter Perry ist nun provisorischer Gouverneur. Er hat sich verpflichtet, Johnsons Programm durchzuf�hren; zu diesem Zweck hat er f�r den 13. September eine konstituierende Versammlung einberufen.</emphasis></p><p><emphasis>Von Hilton Head aus kommandiert Gen. Gillmore die neun Milit�rbezirke. In jedem dieser Bezirke ist eine Unionsgarnison stationiert, die in erster Linie die Aufgabe hat, Gewaltt�tigkeiten zwischen den Rassen zu verhindern. Einige der Soldaten in unserem Bezirk sind Neger, und viele meiner Nachbarn meinen w�tend, wir w�rden noch &gt;zu Tode geniggert&lt;. Ich glaube, das werden wir auch, bis wir unsere Differenzen gel�st haben und in Harmonie zusammenleben. Mein Herz, Orry, nicht meine Herkunft l��t mich glauben, da� der gro�e Test f�r die F�higkeit dieser Republik, das Versprechen auf Freiheit f�r alle Menschen einzul�sen, die Rassenfrage ist.</emphasis></p><p><emphasis>Ein merkw�rdiger Brief von Cooper. C. ist einem gewissen Desmond LaMotte begegnet, den ich nicht kenne. Dieser D.L., von Beruf Tanzlehrer, sagte, die LaMottes glaubten, ich h�tte Justin betrogen, und wollen Rache. Wie kann nach so viel Blutvergie�en und Entbehrungen nur jemand die Kraft f�r einen solchen Ha� aufbringen? Ich w�rde es f�r l�cherlich halten, wenn mich nicht Cooper gewarnt h�tte, es ernst zu nehmen. Er h�lt diesen D.L. f�r einen Fanatiker und damit f�r eine Bedrohung. Vielleicht ist er einer jener tragischen jungen M�nner, deren Nerven und Geist der Krieg zerst�rt hat. Ich werde bei Fremden Vorsicht walten lassen ...</emphasis></p><p><emphasis>Brutale Hitze. Aber wir haben unsere Reisernte eingebracht und daf�r ein bi�chen Geld bekommen. Bis jetzt wollen nur wenige Neger arbeiten. Viele sind damit besch�ftigt, in der Umgebung auf verlassenen Plantagen ihre alten Quartiere, wo sie als Sklaven gelebt haben, niederzurei�en, um neue Heime, wie klein und primitiv auch immer, als Embleme ihrer Freiheit zu errichten.</emphasis></p><p><emphasis>Andy und Jane bedr�ngen mich weiterhin wegen einer Schule f�r die befreiten Neger. Bald werden wir eine Entscheidung treffen. Risiken m�ssen gegeneinander abgewogen werden.</emphasis></p><p><emphasis>Gestern brauchte ich Lampen�l und ging zu dem alten Laden an der Summerton-Kreuzung. Ich nahm die Abk�rzung durch die leuchtend hellen S�mpfe, deren verborgene Pfade Du mir gezeigt hast. An der Kreuzung bot sich mir ein trauriges Schauspiel. Der Gettys-Bros.-Laden ist offen, aber sicherlich nicht mehr lange - die Regale sind leer. Der Platz ist jetzt kaum mehr als ein Unterschlupf f�r die Angeh�rigen dieser gro�en Familie; einer davon, ein einf�ltiger alter Mann mit einem Schrotgewehr, bewachte den Besitz ...</emphasis></p><p>Die Mittagssonne brannte auf die Summerton-Kreuzung. Drei gewaltige Eichen warfen ihren Schatten �ber den Laden mit seiner zerbrochenen Veranda. Ganz in der N�he dr�ngten sich dunkelgr�ne Palmlilien mit speerspitzenscharfen Wedeln dicht �ber dem Boden. Madeline stand da und betrachtete den alten Mann mit dem Gewehr am Rande der Veranda. Er trug dreckige Hosen; seine Unterw�sche diente als Hemd.</p><p>�Gibt hier nichts f�r Sie oder sonst jemanden�, sagte er.</p><p>Schwei� f�rbte den R�cken von Madelines verwaschenem Kleid dunkel. Der Saum war feucht und schlammig von ihrem Marsch durch die Salzs�mpfe. �Im Brunnen ist Wasser�, sagte sie. �K�nnte ich einen Schluck haben, bevor ich mich auf den R�ckweg mache?�</p><p>�Nein�, sagte das namenlose Mitglied des Gettys-Clans. �Holen Sie sich's aus den Brunnen, die Ihresgleichen geh�ren.� Er deutete auf die gelbbraune Stra�e, die sich in Richtung Mont Royal schl�ngelte.</p><p>�Vielen Dank f�r Ihre Freundlichkeit�, sagte sie, raffte ihren Rock hoch und trat in das blendend wei�e Licht hinaus.</p><p>Nach einer halben Meile begegnete sie auf der Stra�e einem Trupp von sechs schwarzen Soldaten, gef�hrt von einem wei�en Lieutenant mit einem unschuldigen Milchgesicht. Die M�nner rasteten in dem hitzegeschw�ngerten Schatten, die Kragen ge�ffnet, Gewehre und Feldflaschen abseits.</p><p>�Guten Tag, Ma'am�, sagte der junge Offizier und salutierte respektvoll.</p><p>�Guten Tag. Ein viel zu hei�er Tag f�r unterwegs.�</p><p>�Ja, aber wir m�ssen trotzdem nach Charleston zur�ckmarschieren. Ich w�nschte, ich k�nnte Ihnen Wasser anbieten, aber unsere Feldflaschen sind leer. Ich fragte diesen Kerl beim Laden, ob wir sie auff�llen d�rfen, aber er lie� es nicht zu.�</p><p>�Ich f�rchte, er ist kein sonderlich gro�z�giger Typ. Wenn Sie mir zu meiner Plantage folgen m�chten - sie ist ungef�hr zwei Meilen von hier entfernt und liegt direkt auf Ihrem Weg -, dann k�nnen Sie gern den Brunnen ben�tzen.�</p><p><emphasis>Es verfolgt mich also schon wieder. &gt;Ihresgleichen&lt;, hat der alte Mann gesagt. Cooper schrieb, auch der Tanzlehrer habe eine Anspielung auf meine Herkunft gemacht.</emphasis></p><p><emphasis>Gestern abend bin ich zu Fu� die Uferstra�e zur Kirche von St. Joseph von Arimathea gegangen, wo wir zusammen gebetet haben. Das letzte Mal bin ich kurz nach dem Brand des Herrenhauses dort gewesen. Vater Lovewell begr��te mich und lud mich ein, so lange in dem Familienkirchenstuhl zu meditieren, wie ich nur wollte.</emphasis></p><p><emphasis>Ich blieb eine Stunde lang sitzen und lie� mein Herz sprechen. So bald wie m�glich mu� ich in die Stadt reisen, um drei Dinge zu erledigen; eines dieser Dinge wird bestimmt solche Leute wie den Tanzlehrer und diesen alten Mr. Gettys provozieren. Von mir aus. Wenn man mich h�ngen will, ohne zu ber�cksichtigen, was ich tue, warum sollte ich z�gern, etwas zu tun, wof�r man wirklich geh�ngt werden kann? Orry, mein Liebster, die Gedanken an Dich und an meinen lieben Vater machen mir Mut. Beide habt Ihr Eurem Gewissen nie Fesseln anlegen lassen von der Furcht.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark8"><emphasis><strong>5</strong></emphasis></p></title><p>�shton stie� einen langgezogenen, wimmernden Schrei aus. Der Kunde, der sich auf ihr kr�mmte, reagierte darauf mit einem einf�ltigen, verz�ckten L�cheln. Einen Stock tiefer h�rte Ashtons Arbeitgeberin, Senora Vasquez-Reilly, den Aufschrei und prostete der Decke mit ihrem Glas Tequila zu.</p><p>Ashton ha�te das, was sie tat. Das hei�t, sie ha�te den Geschlechtsakt, wenn sie ihn um des reinen �berlebens willen auf sich nehmen mu�te. Es war unertr�glich, in dieser dreckigen Grenzstadt - Santa Fe im Territorium New Mexico - festzuh�ngen. Es war unvorstellbar, da� ihr nichts weiter als die Hurerei geblieben war. Mit St�hnen und Schreien brachte sie ihre Gef�hle zum Ausdruck.</p><p>Der Gentleman in mittleren Jahren, ein Witwer, der Vieh z�chtete, zog sich zur�ck, scheu ihrem Blick ausweichend. Bezahlt hatte er sie bereits; jetzt kleidete er sich schnell an, verbeugte sich und k��te ihre Hand. Sie l�chelte und sagte in z�gerndem Spanisch: �Kommen Sie bald wieder, Don Alfredo.�</p><p>�N�chste Woche, Senorita Brett. Sehr gern.�</p><p>Mein Gott, ich hasse Mexikaner, dachte sie, nachdem er das Zimmer verlassen hatte und sie die M�nzen z�hlte. Drei der vier M�nzen gingen an Senora Vasquez-Reilly, deren kr�ftiger Schwager daf�r sorgte, da� die drei M�dchen der Senora nicht betrogen. Ashton hatte im Fr�hsommer, als ihre Ersparnisse aufgebraucht waren, f�r die Senora zu arbeiten begonnen. Sie hatte es f�r einen guten Witz gehalten, sich Senorita Brett zu nennen. Der Witz w�re noch besser gewesen, wenn ihre s��e, pr�de Schwester davon gewu�t h�tte.</p><p>Ashton Main - sie sah sich selbst nicht l�nger als Mrs. Hun-toon - hatte beschlossen, wegen des Schatzes in Santa Fe zu bleiben. Irgendwo in dem von Apachen verseuchten �dland waren zwei Wagen verschwunden, und die M�nner, die sie von Virginia City gebracht hatten, waren niedergemetzelt worden. Der eine, ihr Ehemann James Huntoon, war kein Verlust gewesen. Der zweite Mann, ihr Liebhaber Lamar Powell, hatte vorgehabt, eine zweite Konf�deration im S�dwesten zu gr�nden, mit Ashton als Gemahlin an seiner Seite. Zur Finanzierung dieses Vorhabens hatte er einen Wagen mit falschem Boden mit Gold im Wert von dreihunderttausend Dollar beladen; das Gold hatte er aus dem Erz der Nevada-Mine gewonnen, die urspr�nglich seinem verstorbenen Bruder geh�rt hatte.</p><p>Das Massaker war von dem Fahrer eines Wagens gemeldet worden, der noch eine Handelsstation erreichte, kurz bevor er seinen Wunden erlag. Seinem schmerzgepeinigten, unzusammenh�ngenden Gestammel hatte man nicht entnehmen k�nnen, wo das Massaker stattgefunden hatte. Nur eine Person mochte jetzt �ber diese Information verf�gen: der F�hrer Col-lins, den Powell in Virginia City angeheuert hatte. Ger�chte besagten, er habe �berlebt, aber Gott allein mochte wissen, wo er sich befand.</p><p>Als sie von dem Massaker h�rte, hatte Ashton einen reichen G�nner in Santa Fe aufzutreiben versucht. Die in Frage kommenden Kandidaten waren alles andere als zahlreich. Die meisten waren verheiratet; sie mochten zwar die Senora besuchen, zeigten deswegen aber noch lange kein Interesse, ihre Ehefrauen sitzenzulassen. Und die Idee, in Fort Marcy einen Mann aufzutreiben, war ein Witz. Die Offiziere und M�nner der Garnison des heruntergekommenen Postens in der N�he des alten Gouverneurspalastes bekamen nicht einmal genug Geld, um ihre eigenen Gel�ste zu befriedigen, geschweige denn die einer Geliebten. Ihre Aussichten waren nicht besser als die eines Schweins, auf das ein Barbecue im Tiefland wartete. Nat�rlich h�tte sie nicht f�r die Senora arbeiten m�ssen, wenn sie sich hilfesuchend an ihren fr�mmelnden Bruder Cooper gewandt h�tte oder an die Schwester, deren Namen sie nur zu gern in den Schmutz zog; sogar an diese schlampige Achtelnegerin, die Orry geheiratet hatte, h�tte sie sich wenden k�nnen. Aber der Teufel sollte sie holen, wenn sie vor denen zu Kreuze kroch und um mildt�-tige Unterst�tzung bat. Sie wollte erst dann mit ihnen in Verbindung treten, wenn sie die Voraussetzungen dazu diktieren konnte.</p><p>Ashton zog ihre Arbeitskleidung an - ein gelbes Seidenkleid mit weiten, spitzenbesetzten Schulterstreifen, das �ber einer Bluse mit Puff�rmeln getragen werden sollte. Die Senora hatte ihr sowohl die Bluse als auch ein Korsett verweigert, damit die W�lbungen ihrer teilweise entbl��ten Br�ste die Kundschaft in Versuchung f�hrten. Das Kleid war zu der Zeit in Mode gewesen, als ihr Bruder Orry nach West Point gegangen war. Sie ha�te es so sehr wie die spr�de schwarze Mantilla, auf der die Senora bestand, und die Schuhe - Leder, scheu�lich gelb gef�rbt, spitzenbesetzt, mit d�nnen, hohen Abs�tzen.</p><p>Sie zupfte die Mantilla vor dem kleinen Spiegelscherben zurecht und fuhr sich mit der Hand �ber die linke Wange. Gott sei Dank waren die drei parallelen Kratzer kaum zu sehen. Rosa, eines der anderen M�dchen, hatte sie im Streit um einen Kunden angegriffen. Ehe die Senora sie auseinanderrei�en konnte, hatte Rosa Ashtons Gesicht �bel zerkratzt. Ashton hatte stundenlang �ber die blutigen Spuren der Fingern�gel geweint. Ihr K�rper und ihr Gesicht bildeten ihr Hauptkapital, waren die Waffen, die sie einsetzte, um das zu bekommen, was sie wollte.</p><p>Noch Wochen nach dem Kampf hatte sie Salbe auf die langsam heilenden Wunden geschmiert und sieben- oder achtmal t�glich ihr Gesicht im Spiegel betrachtet. Endlich war sie �berzeugt davon, da� kein Dauerschaden zur�ckbleiben w�rde. Und Rosa w�rde ihr nicht noch einmal Schwierigkeiten bereiten. Ashton trug jetzt in ihrem rechten Schuh eine zugespitzte Feile.</p><p>Gelegentliche Gedanken an die Mine in Nevada versch�rften nur ihre Gier. Geh�rte die Mine nicht auch ihr? Sie war mit La-mar Powell praktisch verheiratet gewesen. Nat�rlich sah sie sich zwei gewaltigen Hindernissen gegen�ber, wenn sie die Mine in ihren Besitz bringen wollte: Sie mu�te die Beh�rden davon �berzeugen, da� sie Mrs. Powell war; zuvor allerdings mu�te sie nach Virginia City gelangen. Ashton hielt sich selbst f�r eine starke, einfallsreiche junge Frau, aber sie war schlie�lich nicht verr�ckt. Ganz allein viele Hunderte von Meilen durch gef�hrliche Wildnis? Das war kaum zu schaffen. Statt dessen konzentrierte sie sich auf einen greifbareren Traum: die Wagen.</p><p>Sie mu�te sie nur <emphasis>finden!</emphasis> Sie war �berzeugt davon, da� die Apachen das Gold nicht gestohlen hatten. Es war sehr geschickt versteckt gewesen. Au�erdem waren sie unwissende Wilde, die keine Ahnung von dem Wert hatten. Mit dem Gold konnte sie sich viel mehr als nur materiellen Komfort leisten. Sie konnte sich eine Position und Macht kaufen. Die Macht, zur�ck nach South Carolina zu reisen, um auf eine Art und Weise, �ber die sie sich noch Gedanken machen mu�te, ihre offene Rechnung mit den Familienangeh�rigen zu begleichen, die sie zur�ckgesto�en hatten. Der Wunsch, sie alle in den Ruin zu treiben, f�llte sie ganz und gar aus.</p><p>Inzwischen hatte sie lediglich die Wahl zwischen Verhungern oder Huren. Also hurte sie. Und wartete. Und hoffte.</p><p>Die meisten Kunden der Senora liebten Ashtons wei�e, englische Haut, ihr S�dstaatengehabe und ihre Sprache, die sie der Wirkung halber noch �bertrieb. Heute abend allerdings, als sie mit gro�er Geste zur Cantina hinabstieg, war ihr Auftritt pure Verschwendung. Bis auf drei kartenspielende �ltere Vaqueros war niemand da.</p><p>Besonders nach Einbruch der Dunkelheit sah die Cantina ziemlich trostlos aus. Die Lampen tauchten alles in ein gelbliches Licht und enth�llten die Kugell�cher, Messerkerben, Whiskyflecke und all den Dreck auf M�beln, Fu�boden und an den Lehmw�nden. Die Senora sa� da und las in einer alten Zeitung von Mexico City. Ashton gab ihr die M�nzen.</p><p>Die Senora schenkte ihr ein L�cheln, bei dem ihr vorderer Goldzahn aufblitzte. <emphasis>�Gracias, querida.</emphasis> Bist du hungrig?�</p><p>Ashton zog einen Schmollmund. �Hungrig auf ein bi�chen Spa� an diesem f�rchterlichen Ort. Ich w�rde gern etwas Musik h�ren.�</p><p>Die Oberlippe und der feine Schnurrbart der Senora senkten sich und verdeckten den Goldzahn. �Ein Jammer. Einen Maria-chi kann ich mir nicht leisten.�</p><p>Ihr Schwager Luis, ein d�mmlicher Bulle von einem Mann, kam durch die Schwingt�ren hereinmarschiert. Das einzige, was er bei der Senora umsonst bekam, war Rosa, die str�hniges Haar hatte und seit ihrer Jugend von den Pocken gezeichnet war. Kurz nach Ashtons Arbeitsantritt hatte Luis sie zu betatschen versucht. Sie konnte seinen Geruch und sein schweinisches Benehmen nicht ertragen, und da sie bereits wu�te, da� er bei der Senora kaum Ansehen geno�, hatte sie ihn geschlagen. Er wollte gerade zur�ckschlagen, als die Senora eintrat und ihn mit Schimpfworten �bersch�ttete. Seitdem war Luis nicht mehr in Ashtons N�he gekommen, ohne ihr seine m�rrische Wut zu zeigen. Heute abend war es nicht anders. Er starrte sie an, w�hrend er Rosas Handgelenk packte. Er zerrte das M�dchen an der zu B�ro und Lagerraum f�hrenden T�r vorbei die Treppe hoch. Ashton rieb sich die linke Wange. Hoffentlich nimmt er sie so richtig wie ein Feldarbeiter her, dachte sie. Und hoffentlich verpa�t sie ihm eine Krankheit.</p><p>Der hei�e Wind blies Staub unter der Schwingt�r herein. Keine Kunden tauchten auf. Um halb elf sagte die Senora, Ashton k�nne zu Bett gehen. In der Finsternis ihres winzigen Zimmers lag sie da, lauschte den im Wind klappernden Fensterl�den und dachte wieder daran, die Senora zu berauben. Gelegentlich gaben Kunden eine Menge Geld in der Cantina aus, und im Laufe von einer Woche sammelte sich einiges an. Allerdings fiel ihr nicht ein, wie sie den Raub durchf�hren sollte. Und dann war da noch ein gro�es Risiko. Luis hatte ein schnelles Pferd und einige �ble Freunde. Wenn sie denen in die H�nde fiel, dann brachten sie sie wom�glich um oder - mindestens genauso schlimm - verst�mmelten sie.</p><p>Zorn und Hoffnungslosigkeit hinderten sie am Schlaf. Schlie�lich z�ndete sie die Lampe wieder an und griff unter das Bett nach dem Lackk�stchen. Auf dem Deckel stellten eingelegte Perlen eine Szene dar: ein japanisches P�rchen, in tiefes Nachdenken versunken, sa� vollbekleidet beim Tee. Klappte man den Deckel hoch und hielt ihn gegen das Licht, so sah man das P�rchen mit hochgerafften Kimonos kopulieren. Das gl�ckliche Gesicht der Frau zeigte ihre Reaktion auf den halb in ihr verborgenen, gewaltigen Penis des Gentleman.</p><p>Das K�stchen verbesserte stets Ashtons Laune. Es enthielt siebenundvierzig Kn�pfe, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hatte - West-Point-Uniformkn�pfe, Hosent�rchenkn�pfe. Jeder Knopf repr�sentierte einen Mann, den sie genossen oder zumindest benutzt hatte. Nur zwei ihrer Partner waren mit keinem Knopf in der Schachtel vertreten: der erste Junge, der sie genommen hatte, bevor sie mit ihrer Sammlung begann, und ihr schw�chlicher Ehemann Huntoon. In Santa Fe wuchs die Sammlung sehr rasch.</p><p>Einige Minuten lang betrachtete sie einen Knopf nach dem anderen, versuchte sich das dazugeh�rige Gesicht vorzustellen. Schlie�lich stellte sie das K�stchen beiseite und musterte ihren schwitzenden K�rper im Spiegel. Er war immer noch an den richtigen Stellen weich und sanft und dort fest, wo er es sein sollte, und die Fingernagelspuren in ihrem Gesicht waren kaum noch sichtbar. W�hrend sie sich so betrachtete, f�hlte sie neue Hoffnung in sich aufsteigen. Irgendwie w�rde sie mit Hilfe ihrer Sch�nheit diesem verfluchten Ort entrinnen.</p><p>Sie ging zu Bett und gab sich bald voller Genu� einem Traum hin, indem sie wiederholt Bretts Haut mit ihrer Feile piekte, bis das Blut hervorquoll.</p><p>Drei Abende sp�ter betrat ein derb gekleideter Wei�er die Can-tina. Er hatte einen Schnurrbart mit langen Spitzen und trug einen Revolver an der H�fte. Er kippte an der Bar zwei schnelle doppelte Whiskys und stelzte dann auf die beiden harten St�hle zu, wo Ashton und Rosa auf Kundschaft warteten. Das dritte M�dchen war oben an der Arbeit.</p><p>�Hallo, Miss Gelbschuh. Wie geht's dir denn so?�</p><p>�Mir geht's gut.�</p><p>�Wie hei�t du?�</p><p>�Brett.�</p><p>Er grinste. �H�re ich da den Akzent einer gefallenen Blume des S�dens?�</p><p>Sie legte den Kopf schief, flirtete mit den Augen. �Ich falle niemals, au�er wenn ich zuvor bezahlt werde. Da du meinen Namen wei�t, wie ist deiner?�</p><p>�Mein Vorname mag dir ein bi�chen komisch vorkommen. Ich hei�e Banquo, aus Mr. Shakespeares Trag�die &gt;Macbeth&lt;. Nachname Collins. Wenn ich mir noch ein paar Drinks geg�nnt habe, komme ich vielleicht zu dir.�</p><p>Er stolzierte zur Bar zur�ck, w�hrend Ashton sich an ihrem Stuhl festklammerte, um nicht herunterzufallen.</p><p>Banquo Collins schlug mit der Faust auf den Tresen. �Ich zahle f�r alle. Ich kann das Zehnfache ausgeben, ohne mir gro� Sorgen machen zu m�ssen.�</p><p>Die Senora pirschte sich an ihn heran. �K�hne Worte, mein Lieber.�</p><p>�Aber wahr, M�del. Ich kenne die Mine, wo der Schatz versteckt ist.�</p><p>�Ah, ich wu�te, da� es nur ein Scherz ist. Hier in der Gegend gibt's keine Minen.�</p><p>Collins st�rzte ein Glas von dem Fusel hinunter. �Ich buddle in keiner Drecksmine herum; meine Mine sind Wagen.�</p><p>�Wagen? Das ergibt keinen Sinn.�</p><p>�F�r mich schon.�</p><p>Er streckte die Arme aus und stampfte mit den Stiefeln auf dem Boden herum. �Warum gibt's hier keine Musik, nach der ein Mann tanzen kann?� Weil ihn alle beobachteten, entging ihnen der wilde Ausdruck auf Ashtons Gesicht. Das war der Mann - Powells F�hrer.</p><p>�Werde reich wie Midas�, erkl�rte er und kratzte sich zwischen den Beinen. Rosa begann sich heftig zur Schau zu stellen. Ashton holte die Feile aus ihrem Schuh und schob sie unter ihrem linken Arm durch. Rosa japste, als die Spitze sie traf.</p><p>�Der geh�rt mir�, fl�sterte Ashton. �Wenn du ihn nimmst, steche ich dir morgen ein Auge aus.�</p><p>Rosa wurde wei�. �Nimm ihn. Nimm ihn.�</p><p>�Werd' massenhaft Musik haben, wenn ich die Welt seh'. Rom, die Japaner ...� Collins r�lpste. �Aber nicht hier. Doch ein bi�chen Vergn�gen, sch�tz' ich, krieg' ich hier auch.�</p><p>Er schwankte auf die M�dchen zu. Ashton erhob sich. Wieder grinste er, packte ihre Hand und zog sie die Treppe hoch.</p><p>Nachdem sie die T�r verriegelt hatte, half sie ihm beim Ausziehen. Sie war so aufgeregt, da� sie an einem Knopf seines Ho-sent�rchens zu heftig zerrte. Der Knopf ri� ab und klapperte gegen die Wand. Er setzte sich aufs Bett, w�hrend sie ihm die Hosen hinunterzog. �War interessant, was du da unten erz�hlt hast�, sagte sie.</p><p>Er blinzelte, als h�tte er sie nicht geh�rt. �Wo kommst du her, Gelbschuh? Du bist doch keine Mexe?�</p><p>�Ich bin ein Carolina-Girl. Das Ungl�ck hat mich hierher verschlagen.� Nach einem tiefen Atemzug wagte sie den Sprung ins kalte Wasser. �Ein Ungl�ck, �ber das wir wohl beide etwas wissen.�</p><p>Trotz seiner Trunkenheit und seiner angeregten Verfassung lie�en ihn ihre Worte vorsichtig werden. �Quatschen wir, oder ficken wir?�</p><p>Sie beugte sich vor und bem�hte sich kurz um ihn, um seine Irritation zu verscheuchen. �Ich wollte nur wegen dieser Wagen fragen ...� Seine Hand krallte sich in ihr Haar. �Collins, ich bin auf deiner Seite. Ich wei�, was in diesen Wagen war.�</p><p>�Wie das?� W�tend ri� er an ihrem Haar. �Ich sagte, <emphasis>wie das?�</emphasis></p><p>�Bitte. Nicht so fest! So ist es besser.� Erschrocken lehnte sie sich zur�ck. Angenommen, er f�hlte sich wirklich bedroht? Angenommen, er beschlo�, sie zu t�ten? Dann dachte sie: Wenn du hierbleibst, bist du ohnehin so gut wie tot.</p><p>Sie sagte vorsichtig: �Ich wei� es, weil ich zu dem Mann in Beziehung stand, dem die Wagen geh�rten. Er war ein S�dstaat-ler, nicht wahr?�</p><p>Sein Blick gab es zu, bevor er es mit Worten abstreiten konnte. Sie klatschte in die H�nde. �Sicher war er das. Beide waren sie S�dstaatler. Und du hast sie von Virginia City aus gef�hrt.�</p><p>Sie zog die Schultertr�ger herunter und zeigte ihm ihre Br�ste, jetzt schon ger�tet und fest. Herr im Himmel, allein der Gedanke an das Gold versetzte sie in ungeheure Erregung.</p><p>�Wei�t du, wo die Wagen sind, Collins?�</p><p>Er grinste blo�.</p><p>�Du wei�t es. Und ich wei�, welche Ladung sie hatten. Mehr noch, ich wei�, woher das kam - und wie man an das Hundertfache, vielleicht an das Tausendfache davon herankommt.�</p><p>Sie entdeckte einen Schimmer von Interesse und n�tzte ihren Vorteil aus. �Ich rede von der Mine in Virginia City. Sie geh�rt mir. Mr. Powell, einer der get�teten M�nner, war der Besitzer, und ich bin mit ihm verwandt.�</p><p>�Du meinst, du kannst beweisen, da� sie dir geh�rt?�</p><p>Ohne zu z�gern oder ihren Gesichtsausdruck zu ver�ndern, sagte sie: �Mit absoluter Sicherheit. Du kriegst die H�lfte von dem, was in den Wagen ist, dann hilfst du mir, nach Nevada zu kommen, und ich teile ein noch wesentlich gr��eres Verm�gen mit dir.�</p><p>�Na klar doch - ein wesentlich gr��eres Verm�gen. Und es gibt auch sieben St�dte aus purem Gold, die hier in der Gegend nur darauf warten, gefunden zu werden - ganz egal, da� sie niemand entdeckt hat, seit die Spanier vor Hunderten von Jahren danach zu suchen begonnen haben.�</p><p>�Collins, mach dich nicht �ber mich lustig. Ich sage die Wahrheit. Wir m�ssen unsere Informationen zusammenlegen. Wenn wir das tun, dann werden wir so reich, da� dir schwindelt. Wir k�nnen die ganze Welt zusammen erleben. W�re das nicht aufregend, Liebling?� Ihre Zunge lieferte eine feuchte Demonstration ihrer Erregung.</p><p>Sekunden vergingen ohne Reaktion. Ihre Furcht kehrte zur�ck. Pl�tzlich lachte er. �Bei Gott, du bist ein schlaues M�del. Ebenso schlau wie hei�.�</p><p>�Sag, da� wir Partner sind, und ich zeige dir ein paar ganz spezielle Liebessachen. Das werde ich f�r niemanden sonst tun, egal, wieviel er zahlt.� Sie fl�sterte woll�stige, obsz�ne Worte in sein Ohr.</p><p>Wieder lachte er. �In Ordnung, Partner.�</p><p>�Ich komme�, rief sie, lie� Kleid und H�schen fallen und warf sich auf ihn.</p><p>Sie hielt ihr Wort, doch nach zehn Minuten forderten Alter und die Drinks ihren Tribut von ihm, und er fing an zu schnarchen.</p><p>Ashton zog die Laken hoch, rieb sich ab und glitt mit pochendem Herzen neben ihn. Endlich war ihre Geduld belohnt worden. Schlu� mit der Hurerei. Sie hatte den Mann, der das Gold hatte.</p><p>Die Phantasie malte Bilder von einem neuen Abendkleid. Der gro�artigsten Hotelsuite in New York City. Madeline, die sich kr�mmte, w�hrend Ashton ihr mit einem F�cher ins Gesicht schlug.</p><p>K�stliche Visionen. Bald schon w�rden sie Wahrheit werden. Sie schlief ein.</p><p>Sie erwachte, seinen Namen murmelnd. Keine Antwort.</p><p>Tageslicht filterte durch die Schlitze im Fensterladen. Sie tastete das Bett neben sich ab.</p><p>Leer. Kalt.</p><p>�Collins?�</p><p>Er hatte eine mit Bleistift geschriebene Notiz auf der alten Kommode zur�ckgelassen.</p><p><emphasis>Liebe kleine Miss Gelbschuh</emphasis></p><p><emphasis>Polier Deine Geschichte von der V.-City-&gt;Mine&lt; noch ein bi�chen auf. Vielleicht schluckt sie jemand. Aber ich wei� ja bereits, was in den Wagen war, weil ich's habe; allerdings habe ich nicht die Absicht zu teilen. Trotzdem sch�nen Dank f�r die Sonderbehandlung.</emphasis></p><p><emphasis>Goodbye,</emphasis></p><p><emphasis>BC</emphasis></p><p>Ashton kreischte. Sie kreischte, bis sie das ganze Haus aufgeweckt hatte - Rosa, die dritte Hure, die Senora, die hereingest�rmt kam und sie anbr�llte. Ashton spuckte ihr ins Gesicht. Die Senora schlug sie. Ashton schluchzte und kreischte weiter.</p><p>Zwei Tage sp�ter fand sie den Knopf, der von Banquo Collins' Hose abgesprungen war. Nachdem sie ihn untersucht und erneut geheult hatte, legte sie ihn in ihre Schachtel.</p><p>Teuflische Hitze senkte sich �ber Santa Fe. Die Leute bewegten sich so wenig wie m�glich. Jeden Abend sa� sie auf ihrem harten Stuhl, ohne zu wissen, was sie tun, wie sie entrinnen sollte.</p><p>Sie l�chelte nicht. Kein Kunde wollte sie. Senora Vasquez-Reil-ly begann zu klagen und drohte ihr mit Rausschmi�. Es k�mmerte sie nicht.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Juli 1865. Gestern in der Stadt gewesen. Shermans haben darauf bestanden, da� mich Andy f�hrt, um mich zu besch�tzen. Komisch, so im Wagen zufahren, wie eine wei�e Herrin mit ihrem Sklaven. W�hrend der Fahrt war es leicht, sich kurz in die alte Zeit zur�ckversetzt zu f�hlen.</emphasis></p><p><emphasis>In Charleston war das unm�glich. Von Coopers Firma in der Concord Street blickte man auf langgestreckte, leere Lagerh�user, wo Truthahngeier nisteten. Er war nicht da, also hinterlie� ich eine Nachricht, da� ich ihn sp�ter besuchen w�rde.</emphasis></p><p><emphasis>Nach dem gro�en Feuer von '61 ist kaum was wiederaufgebaut worden. Das verbrannte Gebiet sieht aus, als h�tte General Sherman es besucht. Ratten und wilde Hunde treiben sich zwischen geschw�rzten Kaminmauern und unkraut�berwucherten Fundamenten herum. Viele H�user in der N�he der Battery sind von Granaten besch�digt. Das Haus von Mr. Leverett Dawkins in East Bay ist jedoch verschont geblieben</emphasis> ...</p><p>Sollte es einen fetteren Mann als den alten Unionsanh�nger Dawkins geben, so war Madeline ihm jedenfalls noch nicht begegnet. Dawkins war um die F�nfzig und steckte in makelloser, speziell f�r ihn geschneiderter Kleidung; er hatte Schenkel so dick wie Wassermelonen und einen Bauch wie eine mit Drillingen schwanger gehende Frau. An der Salonwand hinter ihm hing die unvermeidliche Ansammlung von Portr�ts seiner Vorfahren. Als Madeline eintrat, sa� Dawkins bereits in seinem riesigen handgefertigten Stuhl und blickte �ber den Hafen auf die Ruinen von Fort Sumter. Er ha�te es, wenn ihn jemand dabei beobachtete, wie er lief oder sich setzte.</p><p>Sie erkundigte sich nach den Hypotheken von Mont Royal. Es gab zwei, die sich auf sechshunderttausend Dollar beliefen und von Banken in Atlanta gehalten wurden. Dawkins erkl�rte, seine eigene Palmetto-Bank w�rde bald er�ffnen und er w�rde seinen Vorstand bitten, die Hypotheken zu kaufen und zu konsolidieren. �Mont Royal ist eine gute Sicherheit. Ich m�chte die Papiere gern in der Hand haben.�</p><p>Sie beschrieb ihm die Idee mit der S�gem�hle. In dem Punkt war er weniger ermutigend.</p><p>�F�r solche Pl�ne werden wir kaum Darlehen lockermachen k�nnen. Vielleicht kann der Vorstand ein paar tausend Dollar f�r einen Schuppen, einige S�gegruben und die Jahresl�hne f�r einen Negerarbeitstrupp auftreiben. Falls Sie Neger finden k�nnen.�</p><p>�Ich hatte daran gedacht, Dampfmaschinen zu installieren und ...�</p><p>�Ausgeschlossen, wenn sie das Geld f�r den Kauf borgen m�ssen. Es gibt so viele, die mit dem Wiederaufbau beginnen m�chten und um Hilfe bitten. Dies ist ein verwundetes Land, Madeline. Schauen sie sich nur in der Stadt um.�</p><p>�Das habe ich getan. Nun, es ist sehr gro�z�gig von Ihnen, Leverett, mir bei den Hypotheken zu helfen.�</p><p>�Bitte, betrachten Sie das nicht als Wohlt�tigkeit. Die Plantage ist wertvoll - eine der besten in diesem Bezirk. Der Eigent�mer, Ihr Schwager, ist ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Und Sie als Verwalterin sind ebenfalls jedes Risiko wert. Eine ungemein verantwortungsbewu�te B�rgerin.�</p><p>Er meint, dachte sie traurig, ich sei keine Unruhestifterin. F�r wie verantwortlich w�rde er sie wohl halten, wenn er von ihrem n�chsten Besuch w��te?</p><p>... <emphasis>Es wird also nicht so flott vorangehen, wie ich hoffte.</emphasis></p><p><emphasis>Begab mich dann zum B�ro f�r befreite Negersklaven. Ein streits�chtiger kleiner Mann mit hartem Akzent, der sich Brevet Colonel Orpha C. Munro nannte, aus &gt;Vuh-mont&lt;, empfing mich. Sein offizieller Titel lautet &gt;Sub-Assistant Commissioner, Charleston Dis-trict&lt;.</emphasis></p><p><emphasis>Ich trug meine Bitte vor. Er meinte, er sei �berzeugt davon, das B�ro k�nne einen Lehrer finden. Er wird mich benachrichtigen. Ich verlie� das B�ro mit dem Gef�hl, ich h�tte eine kriminelle Tat begangen.</emphasis></p><p><emphasis>Als ich merkte, wie sp�t es war, schickte ich Andy alleine los und ging zur Tradd Street, um Judith vor meinem Treffen mit Cooper zu besuchen. Judith �berraschte mich mit der Mitteilung, Cooper sei nach dem Mittagessen zu Hause geblieben.</emphasis></p><p>�Anstatt zur�ck in die Firma zu gehen, blieb ich hier, um an den Sachen hier zu arbeiten�, sagte Cooper. Im braunen Gras des von Mauern umgebenen Gartens lagen Bleistiftskizzen eines Piers f�r die Carolina Shipping Company. Vom Haus her�ber drang eine z�gernde Version von Mozarts 21. Klavierkonzert, auf einem v�llig verstimmten Instrument gespielt.</p><p>Cooper wandte sich an seine Frau. �K�nnten wir Tee oder einen halbwegs vern�nftigen Ersatz daf�r haben?� Judith l�chelte und zog sich zur�ck. �Nun, Madeline, was steckt hinter diesem unerwarteten, erfreulichen Besuch?�</p><p>Sie setzte sich auf eine rostende, schwarz gestrichene Eisenbank. �Ich m�chte auf Mont Royal eine Schule gr�nden.�</p><p>Cooper wollte sich gerade nach den Skizzen b�cken; sein Kopf fuhr hoch, und er starrte sie an. Das dunkle Haar hing ihm in die blasse Stirn. Seine tiefliegenden Augen blickten vorsichtig. �Was f�r eine Art von Schule?�</p><p>�Eine Schule, in der all denen, die lernen wollen, Lesen und Rechnen beigebracht wird. Die befreiten Neger im Bezirk ben�tigen unbedingt eine Grundausbildung, wenn sie �berleben wollen.�</p><p>�Nein.� Cooper kn�llte s�mtliche Skizzen zusammen und warf den Ball unter einen Azaleenbusch. Sein Gesicht hatte sich ger�tet. �Nein. Das kann ich dir nicht erlauben.�</p><p>Genauso emotional sagte sie: �Ich frage dich nicht um Erlaubnis, ich erweise dir lediglich die H�flichkeit, dich �ber meine Absichten zu informieren.�</p><p>Ein flachbusiges junges M�dchen steckte ihren Kopf aus einem hohen Fenster im oberen Stock. �Papa, was schreist du denn so? Oh, Tante Madeline. Guten Tag.�</p><p>�Guten Tag, Marie-Louise.�</p><p>Coopers Tochter war dreizehn. Sie w�rde sich nie zu einer Sch�nheit entwickeln und schien sich dieses Mangels durchaus bewu�t zu sein; sie bem�hte sich sehr, das mit jungenhafter Energie und viel L�cheln wettzumachen. Die Leute mochten sie; Madeline bewunderte sie.</p><p>�Geh rein, und �be weiter�, schnappte Cooper.</p><p>Marie-Louise schluckte und zog sich zur�ck. Wieder ert�nte der Mozart. Die richtigen und die falschen T�ne hielten sich ungef�hr die Waage.</p><p>�Madeline, darf ich dich daran erinnern, da� die Wogen der Emotionen gegen Nigger und gegen die Leute, die sie unterst�tzen, sehr hoch gehen. Es w�re n�rrisch, diese Emotionen noch st�rker herauszufordern. Du kannst keine Schule er�ffnen.�</p><p>�Cooper, ich sag' es noch einmal, das ist nicht deine Entscheidung.� Sie versuchte ihn sanft zu behandeln, aber die Botschaft war unvermeidlich hart. �Du hast mir schriftlich das Management der Plantage �bertragen. Ich habe nicht die Absicht, zur�ckzustecken. Ich werde eine Schule gr�nden.�</p><p>Er schritt auf und ab, funkelte sie an. Dies war ein neuer, eindeutig unfreundlicher Cooper Main; diese Seite von ihm hatte sie noch nie zu sehen bekommen. Das Schweigen dehnte sich aus. Madeline versuchte die Sache zu �berspielen. �Ich hatte gehofft, dich auf meiner Seite zu finden. Bildung f�r Schwarze verst��t schlie�lich nicht mehr gegen das Gesetz.�</p><p>�Aber es ist unpopul�r.� Er z�gerte, platzte dann heraus: �Wenn du die Leute reizt, werden sie sich keine Zur�ckhaltung mehr auferlegen.�</p><p>�Zur�ckhaltung in welcher Beziehung?�</p><p>�In bezug auf dich! Jeder schaut nach der anderen Seite, tut so, als w�rst du nicht - na ja, du wei�t schon. Wenn du mit einer Schule anf�ngst, werden sie nicht mehr so tolerant sein.�</p><p>Madelines Gesicht war wei�. Sie hatte damit gerechnet, da� irgend jemand ihr irgendwann ihre Abstammung vorhalten w�rde, aber sie h�tte niemals erwartet, da� es ihr eigener Schwager sein k�nnte.</p><p>�Hier ist der Tee.�</p><p>Mit h�pfenden Locken trug Judith ein Tablett mit angeschlagenen Tassen und Untertassen die Treppen hinunter. Auf der letzten Stufe hielt sie inne, als sie den Sturm auf dem Gesicht ihres Mannes bemerkte.</p><p>�Ich f�rchte, Madeline mu� gehen�, sagte er. �Sie hat nur kurz hereingeschaut, um mir was �ber Mont Royal zu erz�hlen. Ich danke dir f�r deine H�flichkeit, Madeline. Zu deinem eigenen Besten, �ndere deine Meinung. Guten Tag.�</p><p>Er wandte ihr den R�cken zu und begann unter der Azalee nach den zusammengekn�llten Zeichnungen zu suchen. Judith lie� diese Unh�flichkeit regungslos auf der untersten Stufe erstarren. Madeline verbarg, wie verletzt sie war, t�tschelte Judiths Arm, eilte �ber die Eisenstufen nach oben und rannte aus dem Haus.</p><p>... <emphasis>Dabei bleibt's im Moment. Ich f�rchte, ich habe ihn mir zum Feind gemacht. Wenn es so ist, geliebter Orry, dann habe ich wenigstens seine Freundschaft um einer Sache willen verloren, die es wert ist.</emphasis></p><p><emphasis>Eine Nachricht ist gekommen! Gerade zwei Wochen nach meinem Besuch bei Col. Munro. Die Gesellschaft zur Hilfe der befreiten Negersklaven der Methodist Episcopal Church, Cincinnati, wird eine Lehrerin schicken. Ihr Name ist Prudence Chaffee.</emphasis></p><p><emphasis>Cooper schweigt. Noch kein Anzeichen von Vergeltung.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark9"><strong>6</strong></p></title><p>In Jefferson Barracks, Missouri, bildete die U.S. Army Kavallerierekruten aus. Das Ausbildungslager lag am Westufer des Mississippi, einige Meilen s�dlich von St. Louis.</p><p>Als Charles dort eintraf, untersuchte ihn ein Vertragsarzt auf falsche Z�hne, sichtbare Tumoren, Anzeichen von Geschlechtskrankheiten und Alkoholismus. F�r gesund erkl�rt, kommandierte man ihn weiter, zusammen mit einem fr�heren Korsettverk�ufer aus Hartford, der erkl�rte, er habe Sehnsucht nach dem gro�en Abenteuer, einem Rauhbein aus New York City, der kaum etwas sagte und wahrscheinlich vor einer ganzen Menge davonrannte, einem Zimmermann aus Indiana, der erkl�rte, er sei eines Morgens erwacht und habe festgestellt, da� er seine Frau hasse, einer Plaudertasche von einem Jungen, der sagte, er habe gelogen, was sein Alter anbelangte, und einem gutaussehenden Mann, der gar nichts sagte. Als die Rekruten bei einer heruntergekommenen Baracke ankamen, deutete ein wei�haariger Corporal auf den schweigsamen Mann.</p><p>�Franz�sische Fremdenlegion. Kann kaum ein Wort Englisch. Jesus Maria, kriegen wir nicht wirklich alle? Und das f�r verdammte dreizehn Dollar im Monat.� Er musterte Charles. �Ich hab' deine Papiere geseh'n. Reb, nicht wahr?�</p><p>In dem Punkt war Charles empfindlich. Wegen seines Akzentes hatte er schon mehrere scharfe Blicke auf sich gezogen und einmal sogar &gt;verdammter Verr�ter&lt; hinter seinem R�cken munkeln h�ren. Er h�tte gern geh�ssig reagiert, erinnerte sich jedoch an Jack Duncans Warnung und sagte blo�: �Ja.�</p><p>�Nun, das ist mir wurst. Mein Cousin Fielding war auch ein Rebell. Wenn du ein ebenso guter Soldat bist wie er, dann bringst du Uncle Sam mehr Nutzen als diese ganze verdammte Bande da. Viel Gl�ck.� Er trat einen Schritt zur�ck und br�llte: �Los, Leute! Hier rein, und sucht euch eine Schlafstelle. Beeilt euch! Dies ist verdammt noch mal kein Hotel.�</p><p>Charles legte einen Eid auf die Verfassung ab. Es machte ihm keine M�he, hatte er es doch bereits in West Point einmal getan. Und als der Krieg zu Ende war, hatte er beschlossen, seinen Sohn als Amerikaner zu erziehen, nicht als S�dstaatler.</p><p>Das viele Blau befremdete ihn. Die hellblauen Hosen mit den gelben Streifen und die langweiligen grauen Hemden erinnerten ihn an die Second Cavalry. Ebenso die Baracken mit ihrer schlechten Luft, den rauchigen Lampen, den schmalen Fenstern und den Ratten, die man nachts l�rmen h�rte. Dasselbe mit der Verpflegung: Wie gut kannte er den Armeezwieback und die z�hen Fleischbrocken zum Mittagessen, die am Abend in einer dicklichen Sauce ertr�nkt wurden. Das Fleisch schmeckte tats�chlich besser mit der Sauce, weil sie �berdeckte, da� es bereits leicht verdorben war. Jefferson Barracks erwies sich nicht so sehr als Trainingslager denn als Rekrutierungsstelle. Die Rekruten wurden ausgesandt, sobald die f�r ein Regiment ben�tigte Anzahl von Reservisten beisammen war. So konnte die Ausbildung zwei Monate oder zwei Tage dauern. Das sprach nicht gerade f�r die Nachkriegsarmee, dachte Charles.</p><p>Bei den meisten Ausbildern handelte es sich um �ltere Unteroffiziere, die die Zeit bis zu ihrer Pensionierung totschlugen. Charles gab sich viel M�he, vor ihren Augen einen unerfahrenen und ungeschickten Eindruck zu machen. W�hrend einer Reitstunde auf ungesatteltem Pferd fiel er absichtlich herunter.</p><p>Er m�hte sich durch den Waffenunterricht, und bei Schie��bungen traf er niemals den Bullen, sondern immer nur den Rand der Karte. Er kam damit durch, bis ein Ausbilder krank wurde und ein r�pelhafter Corporal namens Hans Hazen die Gruppe �bernahm. Er war ein �bler Bursche; einer der M�nner erz�hlte, er sei als Sergeant dreimal degradiert worden.</p><p>Hazen nahm Charles nach dem S�beldrill beiseite.</p><p>�Kavallerist May, ich hab' so das komische Gef�hl, du bist gar kein Militia-Mann aus Carolina. Du versuchst einen ungeschickten Eindruck zu machen, aber ich hab' ein paar deiner Bewegungen geseh'n, als du dachtest, ich schaute woanders hin.� Sein Kinn stie� vor, und er br�llte: �Wo bist du ausgebildet worden? West Point?�</p><p>Charles blickte auf ihn herab. �Wade Hampton Legion, Sir.�</p><p>Hazen wedelte mit einem Finger. �Wenn ich dich beim L�gen erwische, dann geht's dir dreckig. Ich hasse L�gner fast so wie die Snobs aus West Point - oder euch S�dstaatenjungs.�</p><p>�Jawohl, Sir�, sagte Charles laut. Er starrte Hazen weiter an. Hazen wandte zuerst den Blick ab, was ihn vor Zorn und Scham rot werden lie�.</p><p>�Ich will seh'n, aus was f�r 'nem Holz du geschnitzt bist. Hundert Runden im Reitring, auf die Schnelle. Jetzt sofort. Marsch!�</p><p>Corporal Hazen blieb ihm auf den Fersen, br�llte ihn an, kritisierte ihn, befragte ihn t�glich nach seiner Vergangenheit und zwang ihn zu immer neuen L�gen. Trotz Hazen - auf merkw�rdige Weise vielleicht gerade seinetwegen, denn Hazen erkannte einen erfahrenen Soldaten - war Charles froh, wieder in der Armee zu sein. Schon immer hatte er die verl��liche Routine von Trompetensignalen und Drill gemocht. Noch immer lief ihm eine G�nsehaut �ber den R�cken, wenn die Trompeten <emphasis>Boots and Saddles</emphasis> bliesen.</p><p>Er hielt sich abseits und suchte auch keinen Partner. Die meisten Soldaten taten sich zusammen, um sich gegenseitig ihre Arbeitslast zu erleichtern und ihr Elend zu teilen, aber er vermied das. Auf diese Weise �berlebte er drei Wochen, allerdings nicht ohne einige pl�tzliche Anf�lle von Verzweiflung. Gedanken an die Vergangenheit �berw�ltigten ihn, ein ausgebranntes Gef�hl machte sich in ihm breit, und er schimpfte sich einen Narren, weil er das Armeeblau �bergestreift hatte. In dieser Art von Stimmung verlie� er an einem Samstagabend das Lager und ging �ber die Hauptzugangsstra�e hin�ber zu der namenlosen Stadt aus Zelten und H�tten.</p><p>Hier lebten viele Unteroffiziere zusammen mit ihren Frauen, die im Lager W�sche wuschen, um den Sold aufzubessern. Hier verh�kerten Zivilisten fragw�rdigen Whisky in gro�en Zelten, f�gsame Osage-Indianer verkauften Bohnen und Kohl von ihren nahegelegenen Farmen, und elegante Gentlemen veranstalteten n�chtelange Poker- und Faropartien. Charles hatte sogar gesehen, wie einige d�mliche Rekruten ganz ernsthaft auf Drei-Karten-Monte oder auf die unter drei Patronenh�lsen versteckte Erbse gesetzt hatten.</p><p>Andere Zerstreuungen gab es in jedem Zelt, vor dem eine rote Laterne hing. Charles besuchte eines dieser Zelte und verbrachte eine halbe Stunde mit einer hausbackenen jungen Frau, die sich viel M�he gab, ihm zu gefallen. Physisch befriedigt marschierte er hinaus, doch die Erinnerungen an Gus Barclay und das Gef�hl, sie in den Schmutz gezogen zu haben, deprimierten ihn.</p><p>Zwei kleine Jungs rannten ihm nach, als er durch die Zeltstadt schlenderte. Sie verspotteten ihn mit einem kleinen Lied:</p><p><emphasis>�Soldat, Soldat, willst du arbeiten?</emphasis></p><p><emphasis>Nein, lieber verkauf ich mein Hemd...�</emphasis></p><p>Die �ffentlichkeit sch�tzte die Armee ganz gewi� hoch ein. Kaum war der Krieg zu Ende, da waren die Soldaten wieder zu unerw�nschtem Abschaum geworden. Nichts hatte sich ge�ndert.</p><p>Vier Wochen war er in Jefferson Barracks, als der Befehl kam: Er und sieben andere Rekruten hatten zw�lf Stunden Zeit; dann mu�ten sie an Bord eines Dampfschiffs, das den Missouri River nach Fort Leavenworth, Kansas, hochfuhr, durch den ganzen Staat Missouri hindurch. Im Jahre 1827 von Colonel Henry Leavenworth gegr�ndet, war das gro�e Lager am rechten Ufer des Flusses nun der wichtigste Milit�rposten im Westen. Es diente als Hauptquartier f�r den Missouri-Bezirk und als Versorgungslager f�r alle Forts zwischen Kansas und der Kontinentalscheide. Man sagte ihnen, da� sie in Leavenworth eine Transportm�glichkeit finden w�rden, die sie zum Dienst bei der Sixth Cavalry an der texanischen Nordgrenze bringen w�rde. Die Aussicht freute Charles. Die nat�rliche Sch�nheit von Texas hatte ihm sehr gefallen, als er vor dem Krieg in Camp Cooper stationiert gewesen war.</p><p>W�hrend ein Gewitter �ber den Baracken tobte, packte er seinen Reisesack und eine kleine, h�lzerne Feldkiste, in die er seine Armeekleidung gab. Er zog seine blaue Bluse mit dem Rollkragen an und setzte sein Kepi mit den gekreuzten Kavalleristens�beln auf. Das Unwetter verzog sich schnell, und er marschierte durch den leichten Regen zur Zeltstadt, eine fr�hliche Marschversion der kleinen Melodie vor sich hin pfeifend, die ihn an zu Hause erinnerte.</p><p>Der Sturm hatte einige der kleineren Zelte umgest�rzt und die Wege schlammig gemacht. Charles strebte auf das gr��te und hellste der Zelte zu, das Egyptian Palace, dessen Eigent�mer aus Cairo, Illinois, stammte. Das Zelt war sch�big. Ein St�ck Leinwand trennte eine Fl�che f�r Offiziere ab; der Rest war f�r Mannschaftsdienstgrade und Zivilisten. Der Whisky war billig und kratzte, doch Charles empfand eine besondere Zufriedenheit, w�hrend er ihn trank.</p><p>Er hatte gerade seinen zweiten Drink bestellt, da kam ein Trio l�rmender Unteroffiziere hereingeschwankt. Einer von ihnen war Corporal Hazen. Offensichtlich hatte er schon einige Zeit getrunken. Er entdeckte Charles am Ende der Bar und bemerkte, da� es hier stinke.</p><p>Charles starrte ihn an, bis er wegschaute und mit schriller Stimme eine Runde f�r seine Freunde orderte. Charles war dankbar, da� Hazen die Sache nicht auf die Spitze trieb. Er f�hlte sich einfach zu gut.</p><p>Dieser Zustand dauerte genau zehn Minuten.</p><p>Ein kleiner, leichtgebauter Mann, auf dem Weg zum Offizierseingang, sah im Vorbeigehen ein bekanntes Gesicht unter den Soldaten drinnen. Er schaute weg, machte drei weitere Schritte, blieb dann mit ge�ffnetem Mund stehen. Er wandte sich um und sp�hte in das verqualmte Zelt. - Kein Irrtum m�glich.</p><p>Sein Gesicht r�tete sich, als er das Zelt betrat. Die M�nner bemerkten seinen Gesichtsausdruck und verstummten.</p><p>In wiegendem, aggressivem Gang, der wahrscheinlich �berspielen sollte, da� er nur 175 Zentimeter ma�, stolzierte der Offizier auf das Ende der Bar zu. Seine Schultern waren straff zur�ckgezogen, wie bei jemandem, der gro�en Wert auf Armeeformalit�ten legt. Alles an ihm strotzte nur so vor Wichtigtuerei: die gewachsten Spitzen seines Schnurrbarts, sein makellos gestutzter Kinnbart.</p><p>Der gelbe Besatz und die Hosenstreifen zeigten, da� er zur Kavallerie geh�rte. Das silberverzierte Eichenblatt eines Lieutenants Colonel dekorierte seine Schulterstreifen. Er marschierte der Bar entlang; als er an einem bulligen, b�rtigen Zivilisten in Wildledermantel mit einer Truthahnfeder im Haar vorbeikam, stie� er versehentlich gegen den Arm des Mannes und versch�ttete dessen Whisky.</p><p>�He, du Arschloch�, sagte der Mann. Ein Hund zu seinen F��en reagierte auf den Ton und knurrte den Offizier an, der ohne Entschuldigung weiterging, fest den Griff seines Zierdegens umklammernd.</p><p>�Cap'n Venable, Sir�, h�rte Charles Hazen sagen, als der Offizier die drei Unteroffiziere erreichte. Das Silberblatt stammte also aus einer Ernennung aus Kriegszeiten.</p><p>�Hazen�, sagte der Mann und st�rmte weiter. Charles beobachtete ihn, und sein Nacken begann zu jucken. Er erkannte den Offizier nicht, doch irgend etwas an dem Mann beunruhigte ihn.</p><p>Zwei Schritte vor Charles stoppte Venable. �Ich hab' Sie von der Stra�e aus geseh'n, Private. Wie hei�en Sie?�</p><p>Charles versuchte den Akzent einzuordnen. Kein echter S�dstaatenakzent, aber �hnlich. Stammte er aus einem der Grenzstaaten? Er sagte: �Charles May, Sir.�</p><p>�Das ist eine verdammte L�ge.� Der Offizier ri� Charles das Whiskyglas aus der Hand und kippte ihm den Inhalt ins Gesicht.</p><p>Allgemeines Geschrei; dann genauso pl�tzlich allgemeines Schweigen. Whisky tropfte von Charles' Kinn auf den Tresen. Charles wollte den kleinen Gockel niederschlagen, hielt sich aber zur�ck, weil er nicht wu�te, was hier vor sich ging. Er war �berzeugt davon, da� es sich um einen Irrtum handelte.</p><p>�Captain�, begann er.</p><p>�Sie reden mich mit Colonel an. Und machen Sie sich nicht die M�he, noch weiter zu l�gen. Ihr Name ist nicht May. Sie hei�en Charles Main. Sie gingen 1857 von West Point ab, zwei Jahre vor mir. Sie und dieser verfluchte Reb Fitz Lee waren <emphasis>so</emphasis> miteinander.� Der Offizier hielt zwei Finger hoch. Sofort verband sich mit dem b�rtigen Gesicht eine Vergangenheit, an die sich Charles erinnerte. Er bluffte. �Sir, Sie irren sich.�</p><p>�Den Teufel tu' ich. Sie erinnern sich an mich, und ich erinnere mich an Sie. Henry Venable. Kentucky. Sie haben mich viermal wegen eines nicht aufger�umten Zimmers zum Rapport gemeldet.�</p><p>Selbst Hazen in seinem Rausch kriegte das mit. Er wischte sich die Nase und rief seinen Freunden zu: �Hab' ich's euch nicht gesagt? Hab' ich's nicht gerochen?� Er trat einen Schritt von der Bar zur�ck, f�r den Fall, da� Charles zum Ausgang zu rennen versuchte.</p><p>Charles wu�te nicht, wie er friedlich aus der Klemme herauskommen sollte. Weitere Erinnerungen kehrten zur�ck, einschlie�lich Venables Spitznamen &gt;Handsome&lt;, &gt;der Gutaussehendes f�r gew�hnlich voller Sarkasmus ausgesprochen. Niemand mochte den kleinen Bastard. Er war zu korrekt, ein fanatischer Perfektionist.</p><p>�Sie mu�ten l�gen, um wieder zur Kavallerie zu kommen�, sagte Venable. �West-Point-Absolventen sind von der Amnestie ausgeschlossen.�</p><p>�Colonel, ich mu� von irgendwas leben. Ich kenne nur den Soldatenberuf. Ich st�nde in Ihrer Schuld, wenn Sie �bersehen k�nnten ...�</p><p>�Verrat �bersehen? Ich will Ihnen mal was sagen. Es waren M�nner von Ihrer Seite - John Hunt Morgans M�nner -, die die Farm meiner Mutter �berfielen, w�hrend ich in General Shermans Stab diente. Diese M�nner trieben unser Vieh weg, brannten Haupthaus und Nebengeb�ude nieder, stachen meine Mutter mit S�beln nieder und begingen�, er err�tete und senkte die Stimme, �sexuelle Greueltaten an meiner zw�lfj�hrigen Schwester. Gott wei�, wie viele Male. Dann t�teten sie sie mit drei Kugeln.�</p><p>�Colonel, es tut mir leid, aber ich bin nicht f�r jeden konf�-derierten Partisanen verantwortlich, genausowenig wie Sie f�r Shermans Landstreicher verantwortlich sind. Das mit Ihrer Familie tut mir aufrichtig leid, aber .�</p><p>Venable knallte Charles die Hand auf die Schulter.</p><p>�H�ren Sie auf, wie ein verdammter Papagei st�ndig &gt;es tut mir leid&lt; zu sagen. Da� es Ihnen leid tut, damit wird die Rechnung nicht beglichen.�</p><p>Charles wischte sich Whisky von der Wange. Im Zelt war es sehr still. �Sto�en Sie mich nicht noch mal.�</p><p>Venable �berflog mit einem schnellen Blick die Menge, sah Hazen und dessen Freunde, die bereit waren, ihm zu helfen. Seine Finger kr�mmten sich, schlossen sich zu einer Faust. �Ich sto�e Sie, wann immer es mir gef�llt, Sie verfluchter Verr�ter.� Er schlug Charles in den Bauch.</p><p>Charles hatte mit dem Schlag nicht gerechnet. Er klappte nach vorn zusammen, umklammerte w�rgend seinen Bauch. Venable knallte ihm die Faust gegen den Kiefer, so da� er zur Seite taumelte. Hazen und die beiden anderen Unteroffiziere sprangen vor und packten den wankenden Charles.</p><p>Venable deutete auf den Zelteingang. Die Unteroffiziere zerrten Charles quer durch die Bar und warfen ihn nach drau�en, wo er im Schlamm landete.</p><p>Mittlerweile hatte Venable seinen Zierdegen abgelegt. Er �ffnete die polierten Kn�pfe und zog seinen Mantel aus. Zu der Menge um ihn herum sagte er: �Bevor dieser verlogene Reb wegen schlechter F�hrung rausgeschmissen wird, kriegt er noch was von mir auf den Weg mit. Wer dabei helfen will, kann mitkommen.�</p><p>Die meisten Soldaten und Zivilisten grinsten und klatschten, nur der bullige Mann in dem Wildledermantel sagte: �Schaut mir ein bi�chen unfair aus, Colonel.�</p><p>Venable drehte sich zu ihm. �Wenn Sie nicht mitmachen wollen, dann verhalten Sie sich ruhig. Sonst kriegen Sie noch dasselbe wie er.�</p><p>Der bullige Mann starrte ihn an und hielt seinen knurrenden Hund zur�ck, als Venable hinausmarschierte.</p><p>In dem leichten Regen m�hte sich Charles, aus dem Schlamm hochzukommen. Hazen flitzte an Venable vorbei, ri� Charles' Kopf an den Haaren hoch und schlug ihm mit der anderen Hand auf die Nase. Blut spritzte. Charles fiel auf den R�cken. Hazen trat ihn in den Bauch.</p><p>�Ich will ihn haben�, sagte Venable und stie� den Corporal beiseite. Er starrte auf Charles hinunter, der die H�nde gegen die Magengegend pre�te und sich hinzusetzen versuchte. Vena-bles Mund verzog sich b�sartig, als er mit dem rechten Stiefel ausholte. Er trat Charles in die Rippen.</p><p>Charles schrie auf und fiel zur Seite. Venable trat ihn ins Kreuz. Erregt sagte er: �Ein paar von euch richten ihn auf.�</p><p>Hazen und einer seiner Kumpel packten Charles unter den Armen und zerrten. Charles' Kopf summte. Seine Rippen schmerzten. F�r gew�hnlich konnte er recht gut auf sich aufpassen, aber der pl�tzliche Angriff hatte ihn �berrascht.</p><p>Als er wieder auf den F��en stand, ri� er sich von den an ihm h�ngenden Unteroffizieren los. Er war ganz schmierig vom Schlamm, der sich mit dem aus seiner Nase rinnenden Blut vermischte. Er schwankte in den Kreis der regennassen, meist lachenden Gesichter; kaum jemand zeigte die gnadenlose Wildheit, die Venable zur Schau trug. Charles wu�te, da� es mit seiner zweiten Chance in der Armee vorbei war. Er konnte jetzt nichts weiter tun, als noch ein bi�chen auszuteilen. Wie ein Bulle senkte er den Kopf.</p><p>Er griff Venable an, der zur�cksprang. Charles wirbelte herum und erwischte wie geplant den verbl�fften Hazen. Mit zusammengebissenen Z�hnen ri� er Hazens Kopf mit beiden H�nden nach unten, w�hrend er das Knie hochbrachte. Hazens Kiefer krachte wie ein explodierender Knallfrosch.</p><p>Kreischend taumelte der Corporal zur Seite. Einer der anderen Unteroffiziere warf sich von hinten auf ihn, knallte Charles die Handkante ins Genick. Charles schwankte. Venable schlug ihm zweimal gegen den Kopf und trat ihn zwischen die Beine. Charles flog in die Menge. Sie stie�en ihn wieder lachend und gr�lend nach vorn.</p><p>�Wo bleibt der alte Kampfgeist, Reb?�</p><p>�Kein Rebellenschrei mehr �brig, Reb?�</p><p>�Reicht ihn im Kreis rum, Jungs. Wir holen schon noch einen Schrei aus ihm raus.�</p><p>Und so fingen sie an; einer hielt ihn, w�hrend der Mann rechts davon zuschlug. Dann wurde er an den n�chsten Mann weitergereicht, und der Mann, der ihn festgehalten hatte, schlug jetzt zu. Als Charles zusammensackte, zerrten sie ihn wieder hoch. Sie wollten ihn gerade an den vierten Mann weitergeben, als jemand sagte: �La�t ihn in Ruhe.�</p><p>Venable fing an zu fluchen. Etwas Hartes und Kaltes glitt �ber seine Kehle, und aus dem Nichts scho� eine Hand unter seinem linken Arm durch hoch zu seinem Genick. Er war gefangen zwischen einer schwieligen Hand, die sich gegen sein Genick pre�te, und einer Hand, die ein gewaltiges Bowiemesser an seine Kehle hielt.</p><p>Es war der Mann in dem Wildledermantel. Er roch nach feuchtem Wildleder und Pferden. Ein Zivilist schnarrte: �Noch so ein verfluchter S�dstaatler.�</p><p>�Nein. Ich kenne diesen Burschen nicht. Aber nicht mal einen vierbeinigen K�ter w�rde man so behandeln. La�t ihn fallen.�</p><p>Die M�nner, die Charles festhielten, sahen Venable an. Mit dem Messer an seiner Kehle zwinkerte er ein paarmal rasch und fl�sterte: �Macht, was er sagt.� Die M�nner lie�en Charles los. Mit dem Gesicht nach unten schlug er zu Boden; Schlamm spritzte auf. Der b�rtige Mann lie� Venable mit einem ver�chtlichen Schubs los, der sofort wieder zu fluchen begann. Der B�rtige stoppte ihn, indem er die Spitze seines Bowie gegen Ve-nables Nasenspitze dr�ckte.</p><p>�Jederzeit, kleiner Mann. Wann immer du willst, Mann gegen Mann, ohne eine Kompanie, die dir hilft.�</p><p>Venable drohte dem im Schlamm liegenden Charles mit dem Finger. �Dieser Hundesohn ist fertig in der U.S. Army. Erledigt!�</p><p>Der b�rtige Mann drehte das Messer. Ein kleiner Tropfen Blut tauchte auf Venables Nase auf. �Verschwind, du Schleimer. Und zwar auf der Stelle.�</p><p>Venable zwinkerte und zwinkerte und brachte irgendwie ein h�misches L�cheln zustande. Er drehte sich um und hinkte zum Egyptian Palace zur�ck. �Folgt mir, Jungs. Die Runde geht auf mich.�</p><p>Sie lie�en ihn hochleben und schleppten Hazen nach drinnen, ohne sich umzublicken.</p><p>Es regnete nun st�rker. Der Mann im Wildledermantel schob sein Messer in die Scheide und sah zu, wie Charles sich hochk�mpfte, es nicht schaffte und wieder mit dem Gesicht in den Schlamm fiel.</p><p>Der Mann, der so um die F�nfzig sein mochte, ging auf die dem Wind abgewandte Seite des Zeltes. Der Hund, der hinter ihm trottete, war ziemlich gro�; sein Fell war grau und wei� mit schwarzen Markierungen. Sein linkes Auge war von einem schwarzen Kreis umgeben, wie die Augenklappe eines Piraten. Er sch�ttelte sich zweimal, verspr�hte Wasser. Dann jaulte er. Sein Herr sagte lediglich: �Halt die Klappe, Fen!�</p><p>Im Schatten des Zeltes stand ein gro�er, fetter f�nfzehnj�hriger Junge, bla� und bartlos. Er trug einen alten Wollmantel und kr�ftig geflickte Jeans. Seine klaren, dunklen Augen standen leicht schr�g, �ber seinen Augenbrauen und Ohren w�lbte sich sein Kopf viel gr��er hervor, rund und ganz oben fast flach.</p><p>Der Junge sah ver�ngstigt aus. Der Mann legte ihm eine Hand auf die Schulter. �Alles in Ordnung, Boy. Der Kampf ist vorbei. Du brauchst keine Angst zu haben.�</p><p>Der Junge umklammerte mit beiden H�nden die rechte Hand des �lteren Mannes, auf seinem Gesicht ein pathetischer Ausdruck von Dankbarkeit. Der Mann streckte die linke Hand aus und t�tschelte den Jungen beruhigend. �Tut mir leid, da� ich meinem Durst nachgegeben und dich hier drau�en habe warten lassen. Aber jetzt brauchst du keine Angst mehr zu haben.�</p><p>Der Junge beobachtete ihn, bem�hte sich zu verstehen. Auf dem Weg st�hnte Charles auf und rammte seine F�uste in den Schlamm. Er hob Kopf und Brust zwei Fu� vom Boden hoch und schaute tr�be auf den Sprecher. Der Mann im Wildledermantel wu�te, da� der Soldat ihn nicht sah.</p><p>�Hartn�ckiger Bursche�, sagte er. �Ne Menge Mumm. Und in die Armee kann er jetzt auf keinen Fall mehr. Vielleicht haben wir unseren Mann gefunden. Wenn nicht, dann k�nnen wir uns wenigstens wie gute Christenmenschen benehmen und ihm in unserem Tipi Unterkunft geben.�</p><p>Er dr�ckte die H�nde des Jungen nach unten und griff sanft nach einer Hand. �Komm, Boy. Hilf mir, ihn aufzusammeln.� Hand in Hand gingen sie los.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Juli 1865. Drei weitere Neger eingestellt, macht insgesamt sechs. Die Palmetto Bank hat 900 Dollar f�r Holzoperationen genehmigt. Gestern haben wir begonnen, die erste S�gegrube auszuheben. Andy S. leitet die Arbeit bis Mittag, f�llt mit zwei anderen M�nnern B�ume in dem gro�en Zypressenhain bis vier und bestellt dann sein eigenes Grundst�ck bis zum Einbruch der Dunkelheit. Jeder neue Arbeiter erh�lt f�nf Acres, seinen Lohn und einen Anteil von dem, was wir an Ernte oder Holz verkaufen.</emphasis></p><p><emphasis>Cassandra, Nemos Frau, erwartete mehr als f�nf Acres. Weinend zeigte sie mir ein B�ndel Grenzpf�hle, rot, wei� und blau bemalt. Die arme, arglose Frau hat ihren letzten Dollar daf�r gegeben. Der wei�e H�ndler, der ihr diesen b�sen Streich gespielt hat, ist l�ngst �ber alle Berge. Traurig und erstaunlich, wie die Not bei einigen das Beste zum Vorschein bringt, bei anderen das Schlimmste</emphasis> ...</p><p>�Bemalte Grenzpf�hle?� Johnson tobte.</p><p>�Jawohl, Mr. President. F�r zwei Dollar an Farbige in South Carolina verkauft.�</p><p>Andrew Johnson knallte den von einem Band zusammengehaltenen Bericht auf seinen Schreibtisch. �Mr. Hazard, das ist sch�ndlich.�</p><p>Der siebzehnte Pr�sident der Vereinigten Staaten war ein dunkelh�utiger Mann von achtundvierzig. Er befand sich in cholerischer Stimmung. Sein Besucher, Stanley Hazard, hielt ihn f�r p�belhaft. Was sonst konnte man von einem Hinterw�ldlerschneider erwarten, der kaum hatte lesen oder schreiben k�nnen, bevor es ihm seine Frau beigebracht hatte? Johnson war nicht einmal Republikaner. 1864 hatte er sich als Kandidat der National Union Party auf Lincolns Seite geschlagen.</p><p>Er mochte ein p�belhafter Demokrat sein, aber nichtsdestoweniger verlangte Andrew Johnson immer noch eine Erkl�rung. Seine schwarzen Augen gl�hten, als Stanley mit leicht zitternden H�nden nach dem Bericht griff. Stanley war einer von Edwin Stantons Abteilungsleitern im Kriegsministerium. Unter anderem war er f�r das B�ro f�r befreite Negersklaven zust�ndig, einen administrativen Zweig des Ministeriums.</p><p>�Jawohl, Sir, es ist sch�ndlich�, sagte er. �Ich kann Ihnen versichern, da� das B�ro damit nichts zu tun hatte. Weder Minister Stanton noch General Howard w�rden einen derart grausamen Scherz tolerieren.�</p><p>�Und was ist mit dem Ger�cht, durch das der Schwindel ausgel�st wurde? Jeder freie Neger da unten kriegt zu Weihnachten ein Maultier und vierzig Acres? Vierzig Acres - abzustecken in patriotischen Farben. Wer hat diese Geschichte verbreitet?�</p><p>Schwei� zeigte sich auf Stanleys bleichem, dicklichem Gesicht. Warum war Howard, Chef des B�ros, ausgerechnet jetzt fort, da er sich ins Pr�sidentenb�ro zitieren lassen mu�te? Warum konnte er nicht mit Nachdruck antworten oder sich wenigstens an einige von Howards religi�sen Platit�den erinnern? Er sehnte sich nach einem Drink.</p><p>�Nun, Herr Abteilungsleiter?�</p><p>�Sir�, Stanleys Stimme zitterte, �General Saxon versicherte mir, da� Agenten des B�ros in South Carolina nichts getan h�tten, was diesem Ger�cht eine Grundlage gegeben oder bei den Negern falsche Hoffnungen h�tte erwecken k�nnen.�</p><p>�Woher stammt es dann?�</p><p>�Soweit wir wissen, Sir, von einer beil�ufigen Bemerkung von ...� Er r�usperte sich. Er ha�te es, ein wichtiges Mitglied seiner eigenen Partei zu kritisieren, aber er mu�te an seinen Job denken, sosehr er ihn auch verabscheute. �Eine Bemerkung des Kongre�abgeordneten Stevens.�</p><p>Damit hatte er einen Pluspunkt errungen. Johnson schn�ffelte, als w�rde er verdorbenes Fleisch riechen. Stanley fuhr fort. �Er sagte etwas �ber Beschlagnahmung und Umverteilung von dreihundert Millionen Acres Rebellenland. Vielleicht ist dies Mr. Stevens' Wunsch, doch im B�ro existieren weder so ein Programm noch Pl�ne daf�r.�</p><p>�Und trotzdem breitete sich die Geschichte bis South Carolina aus, nicht wahr? Und erm�glichte es skrupellosen Gaunern, diese bemalten Grenzpf�hle im gro�en Stil zu verkaufen, nicht wahr? Ich glaube nicht, da� Sie das ganze Ausma� des Schadens erfassen, Hazard. Das Ger�cht mit den vierzig Acres und dem Maultier ist nicht nur eine grausame T�uschung der Neger, sondern es bringt auch genau die Wei�en gegen uns auf, die wir als Arbeitspartner zur�ckgewinnen wollen. Ich verabscheue die Klasse der Plantagenbesitzer genauso wie Sie ...� Mehr, dachte Stanley. Johnsons Ha� auf Aristokraten war Legende. �Aber die Verfassung sagt mir, da� sie niemals die Union verlassen haben, weil die Verfassung allein den reinen Akt der Sezession unm�glich macht.�</p><p>Er lehnte sich vor, wie ein fanatischer Schullehrer. �Deshalb besteht mein Programm f�r den S�den lediglich aus drei simplen Punkten. Die geschlagenen Staaten m�ssen die Kriegsschuld der Konf�derierten anerkennen. Sie m�ssen ihre Sezessionsabsichten verwerfen. Und sie m�ssen die Sklaverei �chten, indem sie den dreizehnten Zusatzartikel zur Verfassung ratifizieren. Mehr wird von ihnen nicht verlangt, weil die Bundesregierung, rein verfassungsm��ig, nicht mehr fordern kann. General Sherman hatte dies leider nicht begriffen, als er mit seinem Felderla� Nr. 15, der jetzt wieder - Gott dem Allm�chtigen sei Dank - aufgehoben ist, K�sten- und Flu�gebiete illegal konfiszierte. Ihr B�ro versteht das nicht. Ihr redet munter und fr�hlich vom Wahlrecht, wo es doch Sache des individuellen Staates ist, zu bestimmen, wer sich als W�hler qualifiziert. Und niemand scheint zu begreifen, da� wir mit der Drohung, ihr Land wegzugeben, die Herzen genau jener S�dstaatler noch weiter verh�rten, die wir wieder in unserem Stall haben wollen. Wollen Sie mir die Schuld daran geben, da� ich beunruhigt bin? Ich unterschreibe t�glich Hunderte von Begnadigungen, und dann erhalte ich <emphasis>diesen</emphasis> Report.�</p><p>�Mr. President, ich mu� bei allem Respekt wiederholen, da� das B�ro in keiner Weise verantwortlich ist f�r ...�</p><p>�Wer sonst hat das Versprechen mit diesen vierzig Acres in die Welt gesetzt? Da es keinen offensichtlichen Schuldigen gibt, mache ich das B�ro verantwortlich. Teilen Sie das freundlicherweise Mr. Stanton und General Howard mit. Und jetzt werden Sie mich entschuldigen.�</p><p>Momentan war Stanley Hazards Leben das pure Elend. Um es ertr�glich zu machen, genehmigte er sich regelm��ig schon vor acht Uhr morgens den ersten Drink. In seinem Schreibtisch in dem alten Geb�ude, in dem vor�bergehend das B�ro f�r befreite Negersklaven untergebracht war, hielt er zahlreiche Weine und Brandys unter Verschlu�. Trank er w�hrend des Tages zuviel und verstand deshalb eine Frage nicht oder stolperte oder lie� etwas fallen, so murmelte er stets die gleiche Entschuldigung: Er f�hlte sich schwach. Aber damit t�uschte er nur wenige.</p><p>Stanley hatte gen�gend Gr�nde, sich elend zu f�hlen. Vor Jahren hatte ihm sein j�ngerer Bruder George jegliche Kontrolle �ber die Eisenwerke der Familie entzogen. In seinem tiefsten Inneren wu�te Stanley, warum. Er war inkompetent.</p><p>Seine um zwei Jahre �ltere Frau war eine ehrgeizige Harpyie. Sie hatte ihm Zwillingss�hne geboren, Laban und Levi, die so oft in der Klemme steckten, da� Stanley ein Sonderkonto eingerichtet hatte, um Richter und Gef�ngnisbeamte zu bestechen und schwangere M�dchen zu bezahlen. Die Zwillinge waren achtzehn, und Stanley schaufelte verzweifelt Bestechungsgeld -Isabel bezeichnete es als &gt;philantropische Spenden&lt; - nach Yale und nach Dartmouth, um die Zulassung der Jungs zu erreichen und sie so aus dem Haus zu kriegen. Er konnte sie nicht ertragen.</p><p>Paradoxerweise konnte er auch den gewaltigen Reichtum weder ertragen noch mit ihm umgehen, den er w�hrend des Krieges mit dem Schuhgesch�ft angeh�uft hatte. Die Fabrik oben in Lynn stand nun zum Verkauf. Isabel beharrte darauf, da� sie aus dem Gesch�ft ausstiegen, weil jetzt bald wieder der alte Konkurrenzkampf herrschte. Stanley wu�te, da� er seinen Erfolg nicht verdient hatte.</p><p>Au�erdem hatte ihn seine ehemalige Geliebte, eine Music-Hall-K�nstlerin namens Jeannie Canary, verlassen, nachdem Isabel hinter die Beziehung gekommen war. Stanley war der Meinung, da� Jeannie ihn ohnehin verlassen h�tte. Viele andere Verehrer hatten ebensoviel Geld wie er, und er war kein guter Liebhaber; Stre� und Whisky machten es ihm unm�glich, oft genug einen hochzukriegen, um sie zu befriedigen. Das Ger�cht ging um, Miss Canary sei die Geliebte eines republikanischen Politikers, dessen Name allerdings nicht erw�hnt wurde.</p><p>Ein Leben voller Kampf und Leiden hatte Stanley nicht mehr eingebracht als eine Menge Geld und eine pr�tenti�se, in Pferde vernarrte Frau, der er jeden Abend in dem riesigen, wundersch�nen, verlorenen Speisezimmer in ihrem Herrenhaus in der I Street gegen�bersa�. Also trank er. Das lie� ihn �ber die Runden kommen, wenn er wach war. Und gn�digerweise schenkte es ihm auch den Schlaf.</p><p>�Johnson ist hinter dem B�ro her, nicht wahr, Stanley?�</p><p>�Ja. Er w�rde es gern abwracken. Er glaubt, wir mischen uns in Staatsrechte ein, wenn wir radikale Zielvorstellungen vertreten.�</p><p>�Ich denke, das kommt nicht �berraschend�, sinnierte Isabel. �Er ist Demokrat und trotz allem schlie�lich S�dstaatler. Ich wundere mich �ber das Land im S�den. Weshalb sollte man darum k�mpfen? Ist es so wertvoll?�</p><p>Stanley trank sein drittes Glas Champagner aus. �Im Augenblick nicht. Einige vom Schatzamt konfiszierte L�ndereien k�nnen praktisch f�r nichts gekauft werden. Auf lange Sicht sind sie nat�rlich sehr wertvoll. Landbesitz ist immer wertvoll. Und die gesamte S�dstaaten�konomie basiert auf dem Verkauf von Ernten. Sie besitzen keine Industrie, haben auch noch nie eine gehabt.�</p><p>Isabels Augen gl�nzten �ber den Kerzen. �Dann sollten wir uns vielleicht um Investitionen im S�den k�mmern, als Ersatz f�r die Fabrik.�</p><p>Er lehnte sich zur�ck, wie immer von ihrer Verwegenheit verbl�fft und der Art und Weise, wie ihr Geist seine F�nge in ein Opfer schlug, das er noch nicht einmal entdeckt hatte. �Willst du damit sagen, ich solle mich im Finanzministerium erkundigen?�</p><p>�Nein, Lieber. Das werde ich tun. Pers�nlich. Ich werde dich f�r eine Woche oder so verlassen - ich bin sicher, das stimmt dich ungemein traurig�, f�gte sie boshaft hinzu. Bei sich nannte er sie eine Hexe, l�chelte ein kr�nkliches L�cheln und schenkte sich ein weiteres Glas Champagner ein.</p><p><emphasis>Der alte Mr. Marvin, unser langj�hriger Freund in Green Pond, schaute vorbei, um sich zu verabschieden. Er ist verbittert, w�tend -bankrott. M�nner vom Schatzamt beschlagnahmten Sea-Island-Baumwolle im Wert von 15.000 Dollar, stempelten sie direkt vor seinen Entk�rnungsmaschinen als &gt;konf�derierte&lt; Ware und transportierten sie vor seinen Augen ab. Das passierte, weil er sich weigerte, das von dem Mann vom Schatzamt geforderte Bestechungsgeld zu zahlen. Der Yankee h�tte M. die Baumwolle verkaufen lassen, aber er h�tte die H�lfte des Profits an den Agenten abf�hren m�ssen.</emphasis></p><p><emphasis>�berall werden Land und Ernten von diesen zweibeinigen Geiern gestohlen. Marvins Nachbar verlor eine wunderbare Farm, Pride's Haven, als er 150 Dollar an ausstehenden Steuern nicht bezahlen konnte. Wir haben unseren Anteil an S�ndern hier unten, aber im Norden residieren auch nicht nur Heilige und Engel...</emphasis></p><p>Philo Trout, ein fr�hlicher, muskul�ser junger Mann, wartete in Charleston auf Isabels Dampfer. Aufgrund eines tropischen Sturms, der die Stadt mit sintflutartigem Regen �bersch�ttete, mu�ten sie ihre Reise ins Landesinnere um vierundzwanzig Stunden verschieben.</p><p>Nachdem sie losgefahren waren, m�hte sich Trouts Einsp�nner �ber die schlammigen Stra�en, und Isabel betrachtete die �berfluteten Felder zu beiden Seiten. Sie erkundigte sich nach dem stehenden Wasser. Trout sagte: �Sturmflut von den Fl�ssen, die den Gezeiten unterworfen sind. Das Salz wird diese Felder f�r einige Jahre vergiften.�</p><p>Damit war die Idee erledigt, deretwegen Isabel in den S�den gefahren war: Farmland in Carolina zu erwerben. Die regelm��ig wiederkehrenden St�rme bildeten f�r ihren Geschmack und f�r ihr Geld ein zu gro�es Risiko; allerdings erw�hnte sie das Trout gegen�ber nicht.</p><p>Auf der Uferstra�e am Ashley entlang wies er auf verschiedene Plantagen hin, Mont Royal eingeschlossen. Isabel reagierte mit lautlosem Abscheu, gab aber mit keinem Hinweis zu erkennen, da� sie die Eigent�mer kannte.</p><p>Einige Meilen weiter stoppte Trout den Einsp�nner an einer Kreuzung vor einem Laden. Auf einem schief h�ngenden Schild stand gettys bros. �ber die Eingangst�r hatte man ein Brett genagelt, auf das nur ein einziges Wort gemalt war:</p><p>GESCHLOSSEN.</p><p>Trout schob seinen Pflanzerstrohhut zur�ck und stemmte seinen Fu� gegen die St�tzleiste. �Das hier w�re eine interessante Sache, obwohl es nicht das ist, was Sie wollten. Doch aus dem kleinen Laden hier k�nnte man eine Menge Geld holen, ohne da� man sich je �ber das Salz in den Fl�ssen Sorgen machen m��te.�</p><p>Isabel r�mpfte die Nase. �Wie k�nnte ein solch armseliges Pl�tzchen profitabel sein?�</p><p>�Drei M�glichkeiten, Ma'am, immer vorausgesetzt, Sie haben das Kapital, um den Laden mit den n�tigen Waren zu versehen. Ich meine, richtiges Geld, nicht konf�deriertes Papier. Die �rtlichen Pflanzer brauchen G�ter, Werkzeuge, Rohstoffe, Saatgut. Zuerst einmal k�nnte der Laden zum Zeitpunkt des Verkaufs stark �berh�hte Preise nehmen. Aber die Pflanzer und befreiten Neger haben kein echtes Geld. Also k�nnte der Laden jeden Verkauf als Darlehen betrachten - einen von Ihnen festgesetzten Preis plus Zinsen, deren H�he Sie ebenfalls bestimmen. F�nfzig Prozent? Neunzig? Sie m�ssen darauf eingehen oder verhungern.�</p><p>Trotz der klebrigen Hitze in dem sumpfigen Land und den Insekten und dem Verwesungsgeruch entschied Isabel, da� sich die Reise gelohnt hatte.</p><p>�Sie erw�hnten eine dritte M�glichkeit, Mr. Trout?�</p><p>�Das stimmt. Um die Darlehen durch Ware abzusichern, verlangen Sie einen festgesetzten Prozentsatz der n�chsten Reisoder Baumwollernte.� Er grinste. �Ist das einfallsreich?�</p><p>�Mir w�re selbst nichts Besseres eingefallen.� Sie betupfte ihre feuchten Lippen. �Wer k�nnte einen solchen Laden f�hren?�</p><p>�Nun, Ma'am, wenn <emphasis>Sie</emphasis> den Laden kaufen, dann brauchen Sie zweifellos einen neuen Manager, da Ihr Mann mit dem B�ro und all dem zu tun hat. Randall Gettys, der Kerl, der den Laden vor der Schlie�ung leitete, ist ein ziemlicher Anh�nger der Sezession. Ich kenne ihn. Bliebe er, dann w�rde er - nur mal angenommen, er z�ge es auch nur in Erw�gung, an Nig..., �h, an Farbige was zu verkaufen - ihnen aus purem Trotz das Achtoder Zehnfache von dem berechnen, was er Wei�en berechnet.�</p><p>Isabel strahlte. �Na und, mein lieber Mr. Trout? Mein Mann und ich sind zwar Republikaner, aber die Vorurteile oder die Gesch�ftspolitik eines Ladenmanagers ist mir wirklich egal, wenn er damit Geld macht.�</p><p>�Oh, das k�nnte Randall Gettys, gar keine Frage. Er kennt jedermann hier in der Gegend. Hat mal fr�her eine kleine Zeitung f�r den Bezirk gedruckt. M�chte wieder damit anfangen.�</p><p>�Er mag den Negern das Zehnfache berechnen, solange es nur niemand in Washington mitbekommt und mein Mann und ich mit diesem Gesch�ft nicht in Verbindung gebracht werden. Das m��te man ihm nat�rlich nachdr�cklich klarmachen.�</p><p>�Randall und seine Sippe sind so verzweifelt, die w�rden auch einen Vertrag unterschreiben, Eis in der H�lle zu verkaufen.�</p><p>Isabel konnte ihre Erregung kaum verbergen. Wie �blich suchte und fand sie die Goldader, w�hrend Stanley zur�cklehnte.</p><p>�Das k�nnte alles arrangiert werden�, versicherte Trout. Er griff nach den Z�geln und wendete den Einsp�nner. �Bei der Notversteigerung n�chsten Monat kann ich den Besitz f�r Sie erwerben.�</p><p>Das Pferd trabte zur�ck, auf Mont Royal zu. Isabel wischte sich �ber das schwitzende Gesicht.</p><p>��ber einen Punkt m�ssen wir noch sprechen, Ma'am.�</p><p>�Ihren Lohn f�r Ihre Dienste - und Ihr Schweigen?�</p><p>�Ja, Ma'am.� Trouts sonniges Gesicht strahlte. �Wissen Sie, ich habe im Telegraphenamt in Dayton, Ohio, gearbeitet, bevor mein Onkel mir diesen Job verschaffte. In sechs Monaten habe ich mehr verdient, als ich mein ganzes Leben lang im Norden oben h�tte verdienen k�nnen.�</p><p>�Der S�den bietet allen gro�e M�glichkeiten, nicht wahr?� sagte Isabel, charmant und selbstzufrieden l�chelnd.</p><p><emphasis>Gettys Bros. hat wieder er�ffnet. Innen und au�en ein neuer wei�er Anstrich, frische Waren stapeln sich in Regalen und auf dem Fu�boden. Der junge Randall G. thront als Manager inmitten dieses neuen �berflusses. Aufs Dach hat er ein farbenpr�chtiges Schild gesetzt. Es zeigt eine bunte Flagge - die Schlachtfahne der Konf�derier-ten - und einen neuen Namen,</emphasis> the dixie store.</p><p><emphasis>Er weigert sich, �ber den pl�tzlichen Wandel seines Schicksals zu sprechen, also haben wir jetzt ein Geheimnis hier. Ich kann es nicht l�sen, will aber auch nicht viel Zeit darauf verschwenden. Du kennst meine Ansichten, was den fanatischen Mr. Gettys anbelangt.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark10"><strong>7</strong></p></title><p>Ein viel zu kurzer Besuch�, sagte George, seine Stimme �ber den allgemeinen L�rm erhebend, der durch die Gep�ckverladung zwei Waggons entfernt verursacht wurde. Er umarmte Brett. Trotz ihres weitgebauschten Rocks war er sich ihres Bauches bewu�t. �Pa� auf den Kleinen auf - und schaut zu, da� ihr rechtzeitig in San Francisco ankommt.�</p><p>Dampf fauchte um sie herum. Bretts nach Lavendel duftende Wange f�hlte sich feucht an, als sie sich gegen die seine pre�te. �Keine Sorge. Er wird als Kalifornier geboren werden.�</p><p>�Bist du dir sicher, da� es ein Er wird?� fragte Constance.</p><p>�Absolut sicher�, erwiderte Billy. Er sah sehr adrett aus in dem neuen dunkelgrauen Mantel, w�hrend Hosen und Krawatte von hellerem Grau waren. Er und Constance umarmten sich, dann waren die Damen an der Reihe. George sch�ttelte seinem Bruder die Hand.</p><p>�Ich kann es nicht verbergen, Billy. Mir w�re wohler, du w�rdest in Pennsylvania bleiben.�</p><p>�Zu viele Erinnerungen auf dieser Seite des Mississippi. Ich habe West Point immer geliebt, aber genau wie du habe ich das Armeeleben satt.� George h�rte die unausgesprochene Erg�nzung: und, was f�r Armeen jetzt hinausgeschickt werden.</p><p>�Gott sch�tze dich und alle anderen, George�, sagte Billy.</p><p>�Und dich und Brett und euern zu erwartenden Sohn. Da Constance das religi�seste Familienmitglied ist, werde ich sie bitten, um ruhige See zu beten, w�hrend ihr S�damerika und das Kap umsegelt.�</p><p>�Dort unten ist es Winter, aber wir werden's schon schaffen.�</p><p>Besser als ich es schaffe, dachte George mit tiefer Melancholie. Sie hielt ihn gepackt seit seiner Konfrontation mit Stevens in Washington und machte ihn in geradezu unvern�nftigem Ausma� nachdenklich und lethargisch.</p><p>Constance sagte: �Wenn euer Schiff l�nger als f�r ein paar Stunden im Hafen von Los Angeles festmacht, dann besucht bitte die Anwaltskanzlei meines Vaters und richtet ihm ganz liebe Gr��e von mir aus.�</p><p>�Machen wir auf jeden Fall�, nickte Billy.</p><p>Der Schaffner rief: �Alles einsteigen.� Aus einigen Schritten Entfernung winkte Patricia den Abreisenden zu. Williams Blick war auf ein attraktives M�dchen gerichtet, das auf den letzten Wagen zueilte. Durch ihr L�cheln hindurch zischte Patricia: �Wink, du unh�fliches Biest!� William streckte ihr die Zunge heraus und winkte.</p><p>Der Lehigh-Valley-Lokalzug setzte sich in Bewegung. George rannte neben Billy und Bretts Waggon den Bahnsteig entlang und rief: �Dr�ngt Madeline, ein weiteres Darlehen anzunehmen, falls sie es n�tig hat.�</p><p>�Werden wir�, rief Brett zur�ck.</p><p>�Billy, schick eine Nachricht, wenn ihr euch niedergelassen habt.�</p><p>�Versprochen�, schrie sein Bruder. Die Dampfpfeife schrillte. �Du gibst mir Bescheid, falls das Kriegsministerium Charles aufsp�rt.�</p><p>Georges Antwort war ein nachdr�ckliches Nicken. Der Zug rollte davon. Bis jetzt hatte das Ministerium zwei Briefe von Billy unbeantwortet gelassen, in denen er sich nach dem Aufenthaltsort seines besten Freundes erkundigte, der angeblich in der Kavallerie irgendwo im Westen diente.</p><p>George rannte schneller, wedelte mit seinem gl�nzenden Hut und br�llte andere Sachen, die niemand verstand. Constance rief ihn zur�ck. Der Zug verlie� den Bahnsteig und wurde schneller, folgte dem Flu� und dem alten Kanalbett. Billy und Brett verschwanden.</p><p>Wie George sie um ihre Jugend, ihre Unabh�ngigkeit beneidete. Doch er bewunderte auch ihren Mut, in einen Staat aufzubrechen, von dem sie lediglich in einem unzuverl�ssigen F�hrer gelesen hatten. Amerikanern ging es allerdings pr�chtig in Kalifornien. Vier Gesch�ftsleute sprengten und gruben sich durch die Sierras, um das Teilst�ck einer transkontinentalen Eisenbahnlinie zu bauen; in wenigen Jahren w�rde die Pazifikk�ste mit dem Rest des Landes verbunden sein. Billy war entschlossen, eine Baufirma zu gr�nden, und selbst Georges Versprechen einer sicheren und lukrativen Zukunft bei Hazards konnte ihn nicht davon abbringen.</p><p>�Verdammt�, sagte George und blieb am Ende des Bahnsteigs stehen. Er wischte sich die Augen, bevor er zu seiner Familie zur�ckkehrte. Er wu�te, was sein Bruder mit den Erinnerungen auf der Ostseite des Mississippi meinte. In einer Nacht, als alle schon zu Bett gegangen waren, hatten sie stundenlang dar�ber gesprochen. Der Krieg hatte sie beide ber�hrt - hatte sie ver�ndert, vielleicht sogar besch�digt, auf eine Art und Weise, die fundamental und in einigen F�llen jenseits jeglichen Verstehens war.</p><p>In tiefes Nachdenken versunken, ging George zu seiner Familie zur�ck. Constance sah, in welcher Verfassung er sich befand. Sie nahm seinen Arm, als sie zu dem lackierten Zweisp�nner zur�ckgingen, dessen Dach gegen die Augusthitze aufgeklappt war. Der Kutscher hielt den Hazards die T�r auf, nahm dann seinen Sitz ein und lie� die Peitsche �ber den K�pfen der beiden stattlichen Braunen knallen.</p><p>Meine Stadt, dachte George, als der Zweisp�nner auf die H�gelstra�e zurollte. Er besa� einen Hauptanteil an der Bank von Lehigh Station, das Station-House-Hotel zu seiner Linken und ungef�hr ein Drittel des Grundbesitzes innerhalb der Stadtgrenzen. Das meiste lag im Handelsbezirk entlang des Flusses, doch geh�rten ihm auch vierzehn gro�e Ziegelh�user an den h�hergelegenen Terrassenstra�en. Vorarbeiter von Hazards und einige reichere Kaufleute hatten sie gemietet.</p><p>Als die Kutsche weiterrollte, suchte George die Stra�en nach den drei Kriegsopfern der Stadt ab. Er entdeckte den blinden Jungen, der auf dem �berf�llten Gehsteig in der N�he von Pinckney Herberts Laden bettelte. Den Jungen mit dem Holzbein sah er nicht, doch einen Block weiter ersp�hte er Tom Hassler.</p><p>�Stopp, Jerome. Nur f�r einen Moment.�</p><p>Er sprang von der Kutsche. Patricia und William seufzten vor Ungeduld. Georges kurze Beine trugen ihn zu dem Jungen, dem er einen Job bei Hazards gegeben hatte, doch Tom war nicht in der Lage, die einfachsten Aufgaben auszuf�hren, und so schlurfte er jeden Tag durch Lehigh Station und klapperte mit einer Blechb�chse, in die seine Mutter Steinchen gegeben hatte, damit es sich so anh�rte, als h�tten andere bereits gespendet. George stopfte einen Zehn-Dollar-Schein in die B�chse. Der Anblick von Toms schlaffem Mund und den toten braunen Augen deprimierte ihn stets. Ebenso wie die beiden anderen verst�mmelten Veteranen der Stadt war Tom Hassler noch keine zwanzig.</p><p>�Wie geht's dir heute, Tom?�</p><p>Der leere Blick des Jungen wanderte von dem dunstigen Flu� zu den lorbeerbedeckten H�ngen auf der anderen Seite. �Fein, Sir. Warte auf Befehle von General Meade. Noch vor Anbruch der Dunkelheit werden die Rebs da dr�ben auf Seminary Ridge angreifen.�</p><p>�Das ist richtig, Tom. Du wirst's schon schaffen.�</p><p>Er wandte sich ab. Wie besch�mend, dieser Drang zu weinen, der ihn in letzter Zeit so oft �berfiel. Er kletterte in den Zweisp�nner und knallte die T�r zu; dem Blick seiner Frau wich er aus. Wie besch�mend! Was geht mit mir vor?</p><p>Was mit ihm geschah, das begriff er manchmal, war genau das, was mit seinem Bruder und Tausenden von anderen M�nnern geschehen war; m�chtige, unvertraute Emotionen im Kielwasser der Kapitulation. Alptr�ume. Gedanken an Freundschaften, geformt in der seltsam schwindelerregenden Atmosph�re des allgegenw�rtigen Todes. Erinnerungen an gute M�nner, dahingemetzelt in sinnlosen Scharm�tzeln, und an Narren und bleiche, zitternde Feiglinge, die durch Zufall oder durch vorget�uschte Krankheit am Abend vor der Schlacht �berlebten .</p><p>Was George und was Amerika zugesto�en war, das war ein vierj�hriger Kampf, wie ihn die Welt nie zuvor erlebt hatte. Nicht nur hatte Cousin den Cousin, Bruder den Bruder get�tet - das war nicht neu -, sondern die mechanisierten Waffen, die Eisenbahn, der Telegraph hatten der Kunst des Dahinschlach-tens eine neue Effektivit�t verliehen. Auf Wiesen und Auen und in malerischen Schluchten hatten Unschuldige den ersten modernen Krieg ausgefochten.</p><p>Es war ein Krieg, der sich nun hartn�ckig weigerte, George aus seinen F�ngen zu entlassen. Constance sah das in den schmerzerf�llten, verlorenen Augen ihres Mannes, als der Zweisp�nner die Serpentinenstra�e hoch auf Belvedere zufuhr, ihr Herrenhaus oben auf dem H�gel. Sie wollte ihn ber�hren, aber sie sp�rte, da� sein Schmerz jenseits ihrer Reichweite lag - vielleicht jenseits jeglicher Ber�hrung.</p><p>George verbrachte den Nachmittag in den Hazard-Werken. Die Firma hatte sich von der Kriegsproduktion fast vollkommen umgestellt auf die Fabrikation von Schmiedeeisen f�r architektonische Verzierungen, Gu�eisenteile f�r andere Produkte und -vielleicht das wichtigste von allem - Eisenbahnschienen. Fast alle Eisenbahnlinien des S�dens waren zerst�rt. Und im Westen hatten zwei Linien einen weiteren gewaltigen Markt geschaffen. Die Union Pacific entlang der Platte-Route und die Union Paci-fic, Eastern Division, Kansas - zwischen denen es trotz der �hnlichen Namen keine Verbindung gab -, lieferten sich ein Wettrennen auf den hundertsten Meridian zu. Derjenige, dessen Schienen den Meridian zuerst erreichte, gewann damit das Recht auf den Ausbau des restlichen Weges und die Verbindung mit der Central Pacific, die von Osten her auf Kalifornien zu baute.</p><p>George kam erst nach Hause, als die Familie bereits zu Abend gegessen hatte und nun um ihren neuen Schatz herumsa�, ein gro�es Piano, das Henry Steinweg und S�hne aus New York als Geschenk geschickt hatten. Hazards lieferte einen Gro�teil der Eisenbleche f�r die Pianos der Firma, die Steinways genannt wurden, da Steinweg den Namen f�r wohlklingender, kommerzieller und amerikanischer hielt. Steinweg hatte einen langen Weg hinter sich. Er kam von den blutigen Schlachtfeldern von Waterloo, wo er gegen Napoleon gek�mpft hatte. George mochte ihn.</p><p>Er begr��te die Familie. In der K�che fand er einige kalte Scheiben Fleisch; mehr brauchte er nicht zum Abendessen. Er setzte sich auf die Veranda, stellte einen Fu� aufs Gel�nder und schrieb Kommentare zu dem Bauplan eines Architekten f�r eine neue Gie�erei, die er in Pittsburgh bauen wollte. Die Stadt, an zwei Fl�ssen gelegen, die in den Ohio m�ndeten, w�rde mit Sicherheit innerhalb der n�chsten zehn Jahre zum Eisen- und Stahlzentrum der Nation werden. George wollte da schon im Anfangsstadium dabeisein.</p><p>George arbeitete, bis das Augustlicht verbla�te. Nebenan sah er die Laterne der Haush�lterin durch die lakenverh�ngten R�ume von Stanleys und Isabels Haus schweben. Die Besitzer waren selten anwesend. George vermi�te sie nicht.</p><p>Er stellte einige mathematische Berechnungen an, bei denen es um ein St�ck Land ging, das er f�r die neue Fabrik in Erw�gung zog. Viermal erhielt er ein falsches Ergebnis und warf schlie�lich die Papiere beiseite. Die vage, verschwommene, aber doch umfassende Melancholie �berfiel ihn erneut. Er kam sich alt und verbraucht vor, als er ins Haus schlenderte.</p><p>In der leeren Bibliothek blieb er stehen. Hinter ihm �ffnete sich eine T�r. �Ich glaubte dich hier geh�rt zu haben.� Als Constance seine Wange k��te, roch er die angenehme S��e von Schokolade. Sie hatte ihr rotes Haar hochgesteckt, ihr rundliches Gesicht leuchtete frisch gewaschen.</p><p>Sie musterte ihn. �Was ist los, Liebster?�</p><p>�Ich wei� nicht. Ich f�hle mich so verdammt elend, ohne da� ich dir den Grund daf�r sagen k�nnte.�</p><p>�Einige Gr�nde kann ich vermuten. Dein Bruder ist auf dem Weg nach der anderen Seite des Kontinents, und du f�hlst dich wahrscheinlich wie diese beiden M�nner, von denen du mir erz�hlt hast. Die M�nner im Willard-Hotel, die sich eingestanden, da� sie die Aufregung des Krieges vermissen.�</p><p>�Ich w�rde mich sch�men, einzugestehen, da� ich es vermisse, menschliche Wesen zu t�ten.�</p><p>�Nicht das T�ten. Ein erh�htes Lebensgef�hl, als w�rde man am Rande eines Abgrunds wandeln. Man braucht sich nicht zu sch�men, das zuzugeben, wenn es der Wahrheit entspricht. Das Gef�hl wird vor�bergehen.�</p><p>Er nickte, ohne es zu glauben. Dieses an Verzweiflung grenzende Gef�hl schien �berm�chtig.</p><p>�In ein paar Wochen wird es hier noch leerer werden�, sagte er. �William f�ngt in Yale an, und Patricia geht wieder zur�ck nach Bethlehem ins Internat.�</p><p>Mit ihrem k�hlen Handr�cken strich sie ihm �ber das b�rtige Gesicht. �Eltern sind immer traurig, wenn ihr Nachwuchs das erste Mal ausfliegt.� Sie nahm seinen Arm. �Komm, machen wir einen kleinen Spaziergang. Das wird dir guttun.�</p><p>Im hei�en Abendwind stiegen sie den H�gel hinter Belvedere hoch. Links unter ihnen warfen die Hoch�fen und Hallen und Lagerh�user der Hazard-Werke ihren roten Glanz gen Himmel.</p><p>Unerwartet f�hrte sie ihr Weg an einen Ort, den Constance gern vermieden h�tte, weil er ein Symbol f�r Entt�uschung und Verzweiflung war. Sie befanden sich an dem gro�en Krater, den ein Meteorit im Fr�hjahr 1861 geschlagen hatte, genau zu Kriegsbeginn.</p><p>George beugte sich �ber den Kraterrand und sp�hte hinunter. �Kein Grasblatt, noch nicht mal Unkraut. Ob die Erde vergiftet ist?� Er blickte den h�gelauf f�hrenden Pfad hoch. �Ich nehme an, hier ist Virgilia in der Nacht, in der sie das gesamte Silber aus dem Haus stahl, entlanggegangen.�</p><p>�George, es hilft nichts, sich blo� an die schlimmen Dinge zu erinnern.�</p><p>�Was gibt's denn sonst noch, verdammt noch mal? Orry ist tot. Tom Hassler marschiert durch die Stra�en mit einem Verstand, der nie mehr in Ordnung kommen wird. Wir haben nicht hart genug gegen den Kriegsausbruch gek�mpft, und nun haben wir die ganze verfluchte Sauerei geerbt. Es hei�t, da� die Sache des S�dens verloren ist. Nun, das trifft auch auf Amerika zu. Und auf unsere Familie. Und auf mich.�</p><p>Der Schlot scho� Funkenschauer in den Nachthimmel. Constance hielt ihn fest umarmt. �Oh, ich w�nschte, ich k�nnte diese Gef�hle vertreiben. Ich w�nschte, du w�rst nicht so schrecklich verletzt.�</p><p>�Es tut mir leid. Ich sch�me mich selbst dieser Gef�hle. Es ist nicht sehr m�nnlich.� Eine unterdr�ckte Verw�nschung murmelnd, vergrub er sein Gesicht in der warmen Beugung ihres Halses. Sie h�rte ihn sagen: �Irgendwie kann ich nichts dagegen tun.�</p><p>Lautlos betete sie zu dem Gott, an den sie so innig glaubte. Sie bat Ihn, die B�rde ihres Mannes zu erleichtern und die d�steren Schatten von seinem Geist zu nehmen. Sie flehte Ihn an, George keine neue Last, wie klein auch immer, aufzuladen. Sie f�rchtete um George.</p><p>Schweigend hielten sie sich umarmt; so standen sie eine lange Zeit auf dem verlassenen H�gel neben dem Krater.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>August 1865. Sie ist da! Miss Prudence Chajfee aus Ohio.</emphasis></p><p><emphasis>Sie ist dreiundzwanzig, sehr robust, stammt aus einer Farmerfamilie und bezeichnet sich ohne Selbstmitleid als schlichte, unscheinbare Person. Es stimmt. Ihr Gesicht ist rund, sie ist kr�ftig und untersetzt. Doch jedes Wort von ihr, jeder Ausdruck ist von einem wunderbaren Gl�hen durchdrungen. Das hat nichts mit unm�glicher Perfektion zu tun, sondern mit Hingabe - das innere Gl�hen jener seltenen Menschen, nach deren Dasein die Welt etwas besser geworden ist.</emphasis></p><p><emphasis>Ihr Vater mu� ein besonderer Mann gewesen sein, der sich nicht der weitverbreiteten Meinung unterwarf, da� Bildung f�r junge M�dchen Verschwendung ist - sogar gef�hrlich, da h�here Mathematik f�r das weibliche Gehirn zu belastend ist und die allgemeinen Wissenschaften zu grob und anst��ig sind. Zus�tzlich besitzt sie Gottvertrauen und eine gute Ausbildung, die sie im Western College f�r Frauen erhalten hat.</emphasis></p><p><emphasis>Sie kam mit einem Koffer voller Kleider, ihrer Bibel und einem halben Dutzend von McGuffeys Ausgew�hlten Werken&lt; hier an. Bei einer armseligen Reismahlzeit versuchte ich ihr gleich am ersten Abend ganz offen darzulegen, welchen Hindernissen wir uns gegen�bersehen, was vor allem die Nachbarn anbelangt.</emphasis></p><p><emphasis>Dazu sagte sie: �Mrs. Main, ich habe um eine solche Situation gebetet. Kein R�ckschlag kann mich entmutigen. Ich geh�re zu den wenigen Gl�cklichen, die Paulus im R�merbrief beschreibt: Jene, die gegen alle Hoffnung hofften.&lt; Ich bin hier, um zu unterrichten, und ich werde unterrichten.�</emphasis></p><p><emphasis>Orry, ich glaube, ich habe eine Vertraute gefunden - und eine Freundin.</emphasis></p><p><emphasis>... Prudence setzt mich weiterhin in Erstaunen. Habe sie heute morgen mit zum Schulhaus genommen, das bereits auf halbem Weg zu den verlassenen Sklavenquartieren im Bau ist. Lincoln - der Neger, den wir zuletzt eingestellt haben - deckt das Dach von Hand mit Zypressenlatten. Prudence meinte, das sei ihre Schule, also sollte sie auch ihren Anteil dazu beitragen. Worauf sie ihre R�cke sch�rzte, sie zusammenknotete und die Leiter hochkletterte. Lincoln schaute verbl�fft und verlegen drein, �berwand das aber schnell, als sie N�gel einzuschlagen begann, als h�tte sie nie etwas anderes gemacht. Sp�ter fragte ich sie danach.</emphasis></p><p><emphasis>�Papa hat es mir beigebracht. Er meinte, ich m�sse darauf vorbereitet sein, unter allen Umst�nden f�r mich selbst sorgen zu k�nnen. Ich glaube, er dachte - obwohl er es nie laut aussprach -, kein Mann w�rde je ein h��liches Entlein, noch dazu Anh�ngerin der Sklavenbefreiung, heiraten wollen. Vielleicht werde ich eines Tages heiraten, ich sagte ja, ich habe noch Hoffnung. Aber ob es nun so kommt oder nicht, es ist jedenfalls immer gut, wenn man was vom Zimmermannshandwerk versteht. Irgendwas N�tzliches zu lernen ist gut. Deshalb unterrichte ich.�</emphasis></p><p>... <emphasis>Heute morgen im Dixie Store gewesen, den ich seit der Wiederer�ffnung nicht mehr gesehen hatte. Hinter dem Tresen begr��te mich der rundliche Mr. Randall Gettys h�chstpers�nlich.</emphasis></p><p><emphasis>Beweise f�r seine literarischen Ambitionen standen deutlich sichtbar in einer alten Holzkiste am Fu�boden. Gebrauchte B�cher von Poe, Coleridge, die Romane von Gilmore Simms, alles wahrscheinlich von einem verarmten Landbesitzer billig erworben. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wer sie - auch wenn sie pro Exemplar nur f�nf Cent kosten - kaufen soll.</emphasis></p><p><emphasis>Beweise f�r Mr. Gettys' politische Ansichten waren noch augenf�lliger auf dem Tresen aufgebaut - ein ordentlicher Stapel von Exemplaren von &gt;Das Land, das wir lieben&lt;, eine von mehreren Publikationen, die dem traurigen Glauben anh�ngen, die Sache des S�dens sei noch nicht verloren ...</emphasis></p><p>Gettys legte eine �bertriebene H�flichkeit an den Tag, dr�ngte sich unangenehm dicht an Madeline. Seine runden, drahtgefa�ten Brillengl�ser funkelten. Ein gewaltiges wei�es Taschentuch bauschte sich aus der Brusttasche seines schmierigen Kittels. Selbst frisch rasiert verlieh ihm sein dunkler Bart ein verschwommen schmutziges Aussehen.</p><p>Madeline bemerkte die F�lle der Waren in den Regalen. �Ich wu�te gar nicht, da� Sie so gut versorgt sind. Und da� Sie das Kapital f�r diese Warenmengen haben.�</p><p>�Ein Verwandter in Greenville hat das Geld zur Verf�gung gestellt�, sagte Gettys glatt. Sie sah, da� er ihre Br�ste musterte, w�hrend er sich das Kinn mit dem Taschentuch abwischte. �Es ist mir ein ungemeines Vergn�gen, Sie begr��en zu d�rfen, Mrs. Main. Was haben Sie heute morgen f�r W�nsche?�</p><p>�Bis jetzt noch keine. Ich m�chte gern Ihre Preise wissen.� Sie deutete auf ein Fa�. �Dieses Saatgut zum Beispiel.�</p><p>�Einen Dollar pro Scheffel. Und ein Viertel der produzierten Ernte oder den Gegenwert in bar. F�r Farbige der doppelte Preis.�</p><p>�Randall, ich bin froh, da� der Laden wieder aufgemacht hat, aber ich glaube nicht, da� wir diese Art von Preistreiberei im Bezirk ertragen k�nnen.�</p><p>Sie sagte es ohne jede Erbitterung, doch es brachte ihn sofort in Rage. Er legte seine schleimige H�flichkeit ab. �Was wir nicht ertragen k�nnen, ist diese verfluchte Schule. Eine Schule f�r Nigger!�</p><p>�Und f�r jeden Wei�en, der sich weiterbilden will.�</p><p>Gettys ignorierte die Bemerkung. �Es ist eine Schande. Au�erdem ist es Verschwendung. Ein Nigger kann nichts lernen. Sein Gehirn ist zu klein. Er taugt nur dazu, unser Holz zu s�gen, unser Wasser zu sch�pfen, genau wie die Schrift es sagt. Wenn ein Nigger auch nur einen Funken Intelligenz besitzt, dann entz�ndet Bildung lediglich seine Urinstinkte und ruft Ha� auf die ihm �bergeordneten hervor.�</p><p>�Lieber Gott, Randall, ersparen Sie mir diese alte Litanei.�</p><p>�Nein, Ma'am�, rief er. �Das werde ich nicht. Wir haben den Krieg verloren, aber nicht den Verstand. Die wei�en B�rger dieses Bezirks werden nicht zulassen, da� sie afrikanisiert werden.�</p><p>M�de drehte sie sich um und ging zur T�r.</p><p>�Sie h�ren besser auf meine Worte�, br�llte er. �Sie haben eine faire Warnung gekriegt.�</p><p>Sie hatte ihm den R�cken zugewandt, und so konnte er ihr Gesicht nicht sehen. Ungl�cklich dachte sie an Coopers Brief �ber Desmond LaMotte. Wie viele w�rden sich gegen sie wenden?</p><p><emphasis>Samstag. Der Schuppen f�r die S�gem�hle fertig, an der Uferbank, so da� die St�mme verschifft werden k�nnen, falls dieser Dienst je wieder aufgenommen wird. Mit betr�chtlichem Stolz habe ich zugesehen, wie unsere beiden Mulis den ersten Zypressenstamm anschleppten. Lincoln auf ebener Erde, Fred unten in der Grube, so wurde der Stamm mit der zweih�ndigen S�ge gespalten. Die Methode ist antiquiert, die Arbeit kann einem das Kreuz brechen, doch bevor wir Dampfkraft haben, gibt es keine andere M�glichkeit. Es ist ein Anfang.</emphasis></p><p><emphasis>Prudence m�chte morgen die Kirche besuchen. Wir werden sie mitnehmen .</emphasis></p><p><emphasis>Heute morgen in der Kirche St. Joseph von Arimathea gewesen. Ich w�nschte, wir w�ren nicht gegangen</emphasis> ...</p><p>Als Madeline den Wagen anhielt und die Pferde festband, bemerkte sie, wie zwei M�nner der Kirchengemeinde ihre Zigarren fortwarfen und in die kleine, gekalkte Kirche huschten, in der schon Generationen von Episkopalfamilien aus dem Bezirk gebetet hatten.</p><p>Madeline und Prudence trugen ihre besten H�te. Sie n�herten sich der Doppelt�r. Die Musik der winzigen Kirchenorgel verstummte quietschend, als Vater Lovewell, ein recht onkelhafter Priester, in den Eingang trat. Hinter ihm drehten sich die Mitglieder der Kirchengemeinde auf den sonnenhellen B�nken um und starrten die beiden Frauen an. Madeline entdeckte viele Leute, die sie kannte. Sie sahen nicht freundlich aus.</p><p>�Mrs. Main ...� Die rosigen Wangen des Priesters gl�nzten vor Schwei�, der mehr und mehr seine Brille beschlagen lie�. Er senkte seine Stimme. �Das ist h�chst bedauerlich. Ich bin aufgefordert worden, Sie darauf aufmerksam zu machen, da�, �h, Farbige hier nicht beten d�rfen.�</p><p>�Farbige?� wiederholte sie, als h�tte er sie geschlagen.</p><p>�Richtig. Wir haben keine getrennten Balkons, und ich kann Sie nicht l�nger in die Familienloge lassen.� Sie sah, da� ihre Sitze, die zweiten von vorn links, leer waren. Ihre Selbstbeherrschung geriet ins Wanken.</p><p>�Ist das Ihr Ernst, Vater?�</p><p>�Ja. Ich w�nschte, es w�re nicht so, aber ...�</p><p>�Dann sind Sie ein b�sartiger Mann und haben nicht das Recht zu behaupten, Sie w�rden das Christentum praktizieren.�</p><p>Er brachte sein Gesicht dicht an das ihre und zischte: �Ich habe christliches Mitgef�hl f�r meine eigene Rasse. Ich habe kein Mitgef�hl f�r eine Bastardrasse, die Unruhe stiftet, Brandstiftungen plant, Ha� s�t und die teuflische Doktrin des schwarzen Republikanismus anbetet.�</p><p>Prudence schaute verbl�fft und �rgerlich drein. Madeline brachte ein strahlendes L�cheln zustande. �M�ge Gott Sie auf der Stelle erschlagen, Vater. Bevor ich mich wie irgend ... irgend ein Leprakranker verkrieche und verstecke, sehe ich Sie in der H�lle.�</p><p>�H�lle?� Das schwitzende, selbstzufriedene Gesicht zog sich zur�ck. Weiche, wei�e H�nde griffen nach der T�r. �Das bezweifle ich.�</p><p>�Oh doch. Sie haben sich gerade eben Ihren Platz reserviert.�</p><p>Die Kirchengemeinde brach in �rgerliches Gemurmel aus. Die T�r knallte zu.</p><p>�Komm�, sagte Madeline und trat mit dem Fu� ihren Rock beiseite, als sie herumwirbelte und auf den Wagen zumarschierte. Verwirrt eilte Prudence hinter ihr her.</p><p>�Was bedeutet das alles? Warum hat er dich als Farbige bezeichnet?�</p><p>Madeline seufzte. �Ich h�tte es dir bei deiner Ankunft sagen sollen. Ich erz�hle es dir auf der Heimfahrt. Wenn du willst, kannst du wieder abreisen. Und ich f�rchte, was Vater Lovewell da gemeint hat, war eine Kriegserkl�rung. Gegen Mont Royal, gegen die Schule, gegen mich.�</p><p>... <emphasis>Prudence wei� alles. Sie bleibt. Ich bete zu Gott, da� sie ihren Entschlu� nicht bereuen mu� oder deswegen zu Schaden kommt.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark11"><strong>8</strong></p></title><p><emphasis>C</emphasis>harles schlug die Augen auf, st�tzte sich auf beide H�nde, stemmte sich hoch. Ein unsichtbarer Hammer knallte gegen seine Stirn und warf ihn zur�ck. �Allm�chtiger.�</p><p>Er versuchte es noch einmal. Diesmal hatte er trotz seiner Schmerzen Erfolg.</p><p>Er starrte �ber das kleine Feuer hinweg, das in einer flachen Mulde im Boden flackerte. Hinter dem Feuer bog ein b�rtiger Mann mit einem wettergegerbten, dunkelbraunen Gesicht einen flexiblen Stock hin und her, bem�ht, ihn zu zerbrechen. Der Mann trug einen mit derart vielen Perlen beh�ngten Wildleder-mantel, da� man h�tte meinen k�nnen, er geh�re zu einer Gruppe Medizinm�nner, die �berall ihre Shows veranstalteten. Neben ihm lag ein gefleckter Hund und nagte an einem Knochen. Ein Junge mit geschlitzten Augen und einem deformierten Kopf sa� mit untergeschlagenen Beinen hinter dem Mann.</p><p>Charles stieg ein �bler Duft in die Nase. �Was zum Teufel stinkt hier so?�</p><p>�Haufen Kr�uter, mit einer Paste aus B�ffelhirn zerquetscht�, sagte der Mann. �Ich hab's auf die Stellen gerieben, wo sie dich am schlimmsten erwischt haben.�</p><p>Charles begann seine Umgebung wahrzunehmen. Er befand sich in einem Tipi aus H�uten, die �ber ein Dutzend AchtzehnFu�-Pfosten gespannt waren und so einen Kegel bildeten, mit einem Loch f�r den Rauchabzug oben an der Spitze. Er h�rte, wie der Regen gegen die H�ute klatschte.</p><p>�Richtig, das ist unser Tipi�, sagte der B�rtige. �In der Sprache der Dakota-Sioux bedeutet Tipi &gt;Platz-wo-ein-Mann-lebt&lt;.� Er zerbrach den Stock und reichte eine H�lfte �ber das Feuer. �Jer-ky. Wird dir guttun.�</p><p>Charles bi� ein St�ck von dem ger�ucherten B�ffelfleisch ab. �Danke. Hab' fr�her schon so was gegessen.�</p><p>�Oh�, sagte der Mann erfreut. �Du bist also nicht das erste Mal im Westen.�</p><p>�Vor dem Krieg diente ich bei Bob Lees Second Cavalry in Texas.�</p><p>Der Fremde grinste und entbl��te fleckige Z�hne. �Wird immer besser.� Charles ver�nderte seine Position; wieder schlug der Hammer zu. �H�r zu, an deiner Stelle w�rde ich keine schnellen Bewegungen machen. Du hast mehr blaue Flecken als ein schlechtes St�ck Fleisch. W�hrend du ohnm�chtig warst, habe ich mich ein bi�chen umgeh�rt. Der kleine Gockel, der dich zusammengeschlagen hat, hat dich beschuldigt, du habest dich davongemacht.�</p><p>�Desertion?�</p><p>�Yep. Gehst besser nicht zum Posten zur�ck.�</p><p>Das Schwindelgef�hl niederk�mpfend, richtete sich Charles auf. �Ich habe noch Sachen dort.� Der Fremde machte eine Handbewegung. Hinter sich entdeckte Charles seine Reisetasche.</p><p>�Bin reingegangen und hab's mitgenommen. Niemand hat ein Wort gesagt, bis auf den Jungen auf Wache, und der hat f�r 'nen Dollar in die andere Richtung geschaut. Wie hei�t du?�</p><p>�Charles Main.�</p><p>Der Mann streckte seine Hand �ber das Feuer. �Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Adolphus O. Jackson. Holzfu� f�r meine Freunde.�</p><p>Er schob seine Lederhose am rechten Bein hoch und klopfte gegen seinen Stiefel, was einen harten, h�lzernen Laut ergab. �Solide Eiche. Folge von einem kleinen Zusammensto� mit ein paar Utes, als ich vierzehn war. Mein Papa lebte da noch. Wir stellten Biberfallen auf in den �stlichen Ausl�ufern der Rocky Mountains. Eines Tages war ich allein drau�en und kam versehentlich in die Falle eines anderen Trappers. In dem Moment tauchten zuf�llig drei schlechtgelaunte Utes auf. Es hie�, entweder umgebracht zu werden oder aus dieser Falle rauszukommen. Ich nahm mein Messer und schaffte es, rauszukommen. Na ja, zumindest teilweise. Dann wurde ich ohnm�chtig. Gl�cklicherweise kam Papa vorbei. Er verjagte die Utes, holte mich raus und nahm mir den Fu� ab. Er rettete mich vor dem Verbluten.� Er sagte das so, als w�rde er �ber das B�ffelfleisch sprechen, an dem er kaute.</p><p>Charles wartete, bis seine Benommenheit verflog. �Ich bin Ihnen dankbar, Mr. Jackson. Ich war in der Kavallerie, bis dieser kleine Hundesohn mich entdeckte.�</p><p>�Nicht zu verkennen, da� er immer noch gegen euch S�dstaatenjungs k�mpft. Kannst �brigens ruhig du zu mir sagen.�</p><p>�Ich bin dir dankbar, da� du mich aufgenommen und zusammengeflickt hast. Ich werd' mich dann wieder auf die Socken machen und mir was suchen.�</p><p>�Bleib hier�, unterbrach ihn Jackson. �Bist noch nicht in der richtigen Verfassung.� Er puhlte in seinen Z�hnen. �Au�erdem hab' ich dich nicht nur aus dem Dreck gezogen, weil der Kampf einseitig war, mit dir auf der falschen Seite. Ich hab' dir einen Vorschlag zu machen.�</p><p>�Was f�r einen?�</p><p>�Gesch�ftlich.� Jackson entdeckte ein St�ckchen B�ffelfleisch im Gewirr seines wei�braunen Bartes. Er schnippte es weg und sagte: �Das hier ist die Jackson Trading Company. Mich kennst du bereits. Der feine Junge hinter mir ist mein Neffe Herschel. Ich sage Boy zu ihm. Ist einfacher. Als sein Papa in Louisville an Lungenentz�ndung starb, hatte er niemanden mehr, der sich um ihn k�mmerte. Er gibt sich viel M�he, aber er braucht jemanden, der f�r ihn sorgt.�</p><p>Holzfu� betrachtete den Jungen voller Zuneigung und Trauer. Dieser eine Blick war es, der Charles den Mann sympathisch machte. Jackson erinnerte ihn an Orry; auch dieser hatte einen Verwandten zu sich genommen und ihm Liebe und seinem Leben einen Sinn gegeben und so die Bitterkeit und D�sternis verjagt.</p><p>�Und das hier�, Jackson deutete auf den an seinem Knochen nagenden Hund, �ist Fenimore Cooper, kurz Fen genannt. Schaut nicht nach viel aus, das tun die Grenzland-Collies nie.</p><p>Aber du w�rst �berrascht, wieviel Gewicht er auf einer indianischen Schleifbahre ziehen kann.�</p><p>Jackson a� sein B�ffelfleisch auf. �Verstehst du, wir gehen auf regelm��ige Trips zu den <emphasis>Tsis-tsis-tas.�</emphasis> Er betonte die zweite Silbe.</p><p>�Was zum Teufel ist das?�</p><p>�Kommt drauf an, wen du fragst. Einige sagen, es bedeute &gt;unser Volk&lt; oder &gt;das Volk&lt; oder &gt;das Volk, das hierher geh�rt&lt;, um es grob zu �bersetzen. Die Sioux-�bersetzung ist <emphasis>Sha-hi-e-la,</emphasis> was soviel wie &gt;rote Sprache&lt; bedeutet. Fremde Sprache. Mit anderen Worten, Leute, die die Sioux nicht verstehen k�nnen.�</p><p>Jackson beobachtete seinen Gast mit einem fr�hlich �berlegenen L�cheln. Als er seinen Spa� gehabt hatte, fuhr er fort: �Wir handeln mit den s�dlichen Cheyenne. Wenn du ihren Namen so ausdr�ckst, dann versteht es jeder.� Er f�hrte eine Reihe schneller, geschmeidiger Gesten vor, rotierende Faust, ausgestreckte oder gekr�mmte Finger.</p><p>�Kenne ich�, sagte Charles. �Das ist Zeichensprache. Die Co-manchen in Texas benutzen sie.�</p><p>�Jawohl, Sir, die Lingua franca der St�mme. Gerade eben habe ich gesagt: Wir handeln mit Cheyenne im Indianerterritorium. Wir bringen Waren hin und nehmen Indianerpferde mit. Ist ein gutes Gesch�ft, allerdings nicht so gut, wie es sein k�nnte. Ich handle nicht mit Waffen oder schlechtem Schnaps.�</p><p>Mittlerweile hatte sich Charles einige Gedanken �ber das Angebot gemacht.</p><p>�Ein gutes Gesch�ft mag es vielleicht sein, aber auch ziemlich gef�hrlich.�</p><p>�Nur gelegentlich. Da drau�en gibt's zwei- bis dreihunderttausend Rote, aber weniger als ein Drittel davon sind auf dem Kriegspfad, und das auch nicht immer. Man kann ganz gut mit ihnen zurechtkommen, wenn sie wissen, da� man keine Angst hat.�</p><p>Er zupfte die Truthahnfeder aus seinem Haar und fuhr mit seinem Zeigefinger �ber das breite, eingeschnittene V. �Sie kennen die Bedeutung einer Feder, die auf die Art eingekerbt ist. Es hei�t, ich bin mal einem schlechten Indianer begegnet und habe ihm den Skalp genommen, damit er kein Leben nach dem Tod mehr hat, und dann hab' ich ihm die Kehle durchgeschnitten.�</p><p>�Das besagt die Feder?�</p><p>Jackson nickte.</p><p>�Hast du's getan?�</p><p>Jacksons sanfte Augen wichen seinem Blick nicht aus. �Zweimal.�</p><p>Charles schauderte. Vorsichtig legte Boy seinem Onkel eine Hand auf die Schulter; sein Gesicht verriet Stolz. Fen leckte tr�ge seine Vorderpfoten. Der Regen klatschte auf das Tipi. �Du hast was von einem Vorschlag gesagt.�</p><p>�Ich brauche einen Partner, der mir den R�cken freih�lt. Ich kann ihm alles �ber das Land beibringen, aber ich mu� ihm vertrauen, und er mu� ordentlich schie�en k�nnen.�</p><p>�Ich bin ein ganz guter Sch�tze. Ich habe ein paar Jahre bei General Wade Hamptons Scouts ge�bt.�</p><p>Holzfu� reagierte darauf mit begeistertem Nicken. �S�dstaatenkavallerie. Das ist eine erstklassige Empfehlung.�</p><p>�Brauchst du einen Mann mehr, oder ersetzt du einen?�</p><p>Wieder fuhr sich der H�ndler mit der Zunge �ber die Z�hne. �Sch�tze, hat keinen Zweck zu l�gen, falls wir zusammen reiten sollten. Beim letzten Trip hab' ich meinen Partner Dean verloren. Hat seine Finger nicht von einer Frau lassen k�nnen. Ihr Mann und einige seiner Freunde vom Roten Schild haben Hackfleisch aus Dean gemacht.�</p><p>Das B�ffelfleisch schien sich in Charles' Magen zusammenzuklumpen. �Was bedeutet Roter Schild?�</p><p>�Gemeinschaft der Cheyenne-Krieger. Gibt mehrere davon. Die Schilde, die Bogensehnen, die Hundem�nner - Hundesoldaten, wie sie manchmal genannt werden. Zu ihnen geh�ren ungef�hr die H�lfte der Krieger des Stammes. Wenn ein junger Mann f�nfzehn oder sechzehn Winter z�hlt, dann schlie�t er sich einer Gemeinschaft an, was so ziemlich die wichtigste Sache in seinem ganzen Leben ist. Mit diesen Gemeinschaften -das fing vor langer Zeit an. Die Legende erz�hlt, da� ein junger Cheyenne-Krieger namens Sweet Medicine, &gt;s��e Medizin&lt;, nach Norden zum Heiligen Berg gewandert sei, der wom�glich in den Black Hills liegt - niemand ist sich da wirklich sicher. Es hei�t, Sweet Medicine traf den Gro�en Geist oben auf dem Berg, und sie palaverten eine Weile. Der Geist befahl Sweet Me-dicine, zur�ckzugehen und die Gemeinschaften zum Schutz des Stammes zu gr�nden. Dann gab ihm der Geist all die Namen f�r die Gemeinschaften, die speziellen Ges�nge f�r jede Gruppe, wie sie sich zu kleiden haben - den ganzen Kram. Die Gemeinschaften werden immer noch so gef�hrt, wie Sweet Medicine es ihnen gesagt hat. Sie geben den Ton an, und das vergi�t man besser nicht. Selbst die vierundvierzig H�uptlinge im Stammesrat furzen nicht in den Wind, ohne da� die M�nner der Gemeinschaften ihr Okay dazu geben.�</p><p>�Was genau tun diese M�nner, au�er den Stamm herumzukommandieren?�</p><p>�Ihre wichtigste Aufgabe ist es, zur Zeit der B�ffeljagd im Camp f�r Ordnung zu sorgen. Sie halten die jungen Burschen in Reih und Glied, damit keiner pl�tzlich aufspringt und eine erstklassige Herde verscheucht.�</p><p>�Und ich w�re der Ersatz f�r einen Mann, der von diesen Leuten zerst�ckelt worden ist?�</p><p>�Jawohl, Sir. Ich will gar nicht so tun, als w�re da �berhaupt kein Risiko dabei. Aber man kriegt auch seinen Lohn daf�r. Der Anblick des saubersten, sch�nsten Landes, das Gott je erschaffen hat - und einige der sch�nsten M�dchen. Mit den meisten Cheyenne komme ich gut zurecht. Sie m�gen den alten Holzfu�.�</p><p>Mit einem z�rtlichen Gurgeln kniete Boy neben seinem Onkel nieder und streichelte dessen Bart. Jackson nahm Boys Hand zwischen seine H�nde und hielt sie fest. Der Junge sah zufrieden und gl�cklich aus.</p><p>�Um mal die Karten auf den Tisch zu legen�, sagte der H�ndler. �Im ersten Jahr geb' ich dir zwanzig Prozent von dem, was wir f�r die Pferde kriegen, die wir zur�ckbringen. Wenn du deinen Mann stehst, kriegst du pro Jahr zehn Prozent mehr, bis du bei der H�lfte bist. Bis dahin geh�ren alle Waren mir, und alles geht auf mein Risiko. Oh�, er grinste, �ich meine nat�rlich mit Ausnahme des Risikos f�r deinen Skalp und dein Leben. Was sagst du dazu?�</p><p>Charles sa� still da, unf�hig, jetzt schon etwas dazu zu sagen. Der Vorschlag des H�ndlers brachte gro�e, umfassende Ver�nderungen mit sich. Die Gegenwart von Boy lie� ihn an seinen Sohn denken. Schlo� er sich Jackson an, dann w�rde er den kleinen Gus manchmal monatelang nicht sehen. Das gefiel ihm ganz und gar nicht. Andererseits brauchte er Arbeit; er mu�te Geld verdienen. Und vor dem Krieg, w�hrend seiner Dienstzeit in Texas, hatte er geschworen, da� er zur�ckkehren und sich dort niederlassen w�rde. Er hatte sich in die Sch�nheit des Westens verliebt.</p><p>�Nun?�</p><p>�Ich w�rde gern dar�ber schlafen.� Er l�chelte. �Ich wei� wirklich nicht, ob ich mich daran gew�hnen kann, einen Mann Holzfu� zu nennen.�</p><p>�Das ist mir verdammt egal, solange du nur ordentlich schie�t.�</p><p>Kurz darauf rollte sich Charles in einem warmen B�ffelfellmantel neben dem ersterbenden Feuer zusammen. Er rutschte hin und her, bis er die Lage gefunden hatte, in der seine Wunden am wenigsten schmerzten, und schlief ein.</p><p>Anstatt von endlosen Pr�rieebenen oder wilden Indianern tr�umte er von Augusta Barclay. In den grauen, konturlosen Landschaften des Schlafes legte er seine H�nde auf ihren nackten K�rper. Dann dr�ngten sich andere Frauen vor, nahmen ihren Platz ein. Er erwachte, steif und zerschlagen, voller Reue und mit dem ausgebrannten Gef�hl der Heimatlosigkeit, schmerzlich verst�rkt durch den Abbruch seiner Armeelaufbahn.</p><p>Er hatte immer noch seine Zweifel, was Jacksons Angebot betraf. Es war besser als irgendein langweiliger, monotoner Job, aber es war schlicht und einfach auch gef�hrlich.</p><p>In Gedanken daran drehte er sich um. Seine Rippen schmerzten, und er st�hnte auf. Dieser Laut zog einen anderen nach sich; Fen wachte auf, trabte quer durch das Tipi und stellte sich neben seinen Kopf. Charles blieb regungslos liegen. W�rde der Hund ihn bei�en?</p><p>Fen senkte den Kopf. Seine rauhe, warme Zunge leckte dreimal �ber Charles' zerschlagenes Gesicht.</p><p>Gro�e Entscheidungen h�ngen oft von so kleinen Beweisen der Zuneigung ab.</p><p>�Gut, verdammt gut�, rief Holzfu�, als Charles ihm am Morgen zusagte. Der H�ndler w�hlte in einem Haufen Decken und mit Segeltuch umh�llten Packen, bis er zwei geschmeidige Gegenst�nde fand, die er seinem neuen Partner in die H�nde dr�ckte.</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Mokassins aus B�ffelleder. Von der Winterjagd. Da haben die B�ffel das dickste Fell. Man wendet's nach innen, siehst du? Die werden dich warm halten, dort, wo wir hingeh'n.�</p><p>Das Tipi f�llte sich mit den �ppigen D�ften von kochendem Kaffee und brutzelndem P�kelfleisch. Mit einem fast irren Ausdruck der Konzentration auf seinem Gesicht hockte Boy vor dem Feuer und hielt mit der behandschuhten Rechten die Bratpfanne �ber das Feuer.</p><p>�Ich werde ein Pferd brauchen�, sagte Charles.</p><p>�Ich hab' ein Ersatzpferd, das ich aus dem Indianerterritorium mitgebracht habe. Ein starrk�pfiger Sohn des Satans, den niemand kaufen w�rde. Wenn du ihn reiten kannst, kannst du ihn haben.�</p><p>�Mu� ich mich erst qualifizieren, um dein Partner zu werden?�</p><p>Der H�ndler schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an. �Darauf l�uft's hinaus.�</p><p>�Ich bin immer noch ziemlich zerschlagen. Einen wilden Gaul zu reiten wird's nicht besser machen.�</p><p>Achselzuckend stimmte Holzfu� zu. �Sch�tze, wir k�nnen ein paar Tage warten.�</p><p>Charles rieb seine schmerzenden Rippen und dachte dar�ber nach. �Nein. Bringen wir's hinter uns.�</p><p>Dichter Nebel verbarg das Gel�nde um Holzfu�' Tipi herum, das er westlich der Zeltstadt nahe Jefferson Barracks errichtet hatte. Der H�ndler f�hrte Charles zu dem Pferd, das in einiger Entfernung von den anderen Sattelpferden und Packmulis angebunden war. Das kleine, geschmeidige Pferd war schwarzwei� gescheckt, mit einer breiten Gesichtsblesse.</p><p>�Ich glaub', er ist ein Killer�, sagte Holzfu� und griff nach dem tiefh�ngenden Ast, an dem der Strick vom Zaumzeug festgebunden war. �Sollte ihn wohl besser erschie�en.�</p><p>�Pa� auf�, schrie Charles und stie� Jackson beiseite, als das Pferd sich aufb�umte. Die Vorderhufe wirbelten an der Stelle durch den Nebel, an der der H�ndler eben noch gestanden hatte.</p><p>�Verstehst du?� sagte er und rappelte sich wieder hoch. �Ich hab' ihn eingebrochen, aber niemand kann ihn reiten. Zweimal war ich schon dicht dran, ihm eine Kugel in den Kopf zu jagen.�</p><p>Charles f�hlte sich unbehaglich, angespannt. Er dachte an seinen letzten Ritt auf Sport in Virginia. Sport hatte Charles mit einer Feindeskugel im Leib in h�chstem Tempo und mit gr��ter Aufopferung in Sicherheit gebracht, w�hrend sein Blut in den Schnee spritzte. Sport war ein Pferd gewesen, das niemand gewollt hatte.</p><p>�Versuche nicht, ihn vor meinen Augen umzubringen�, sagte er. �Ich hab' im Krieg ein Kavalleriepferd verloren, einen feinen Grauen. Ich kann nicht zusehen, wie jemand ein Pferd verletzt.�</p><p>Trotzdem verstand er die Bef�rchtungen des H�ndlers. Der Schecke hatte Mord in den Augen. Doch Charles sah auch einige Tugenden. Leichtigkeit und Behendigkeit - er sch�tzte das Pferd auf ungef�hr tausend Pfund -, einen feinen Nacken und die kleinen Hufe und den kleinen Kopf, typisch f�r ein S�dstaatenpferd.</p><p>�Indianerpferd, sagtest du?�</p><p>�Yep. Die Armee macht sie kaputt. Stopft sie mit Korn voll, so da� sie vergessen, sich von Gras zu ern�hren. Macht sie schwach und langsam. Wird dem hier nicht passieren. Der lebt nicht so lang.�</p><p>�Warten wir's ab. Wo sind Sattel und Decke?�</p><p>Dichter Nebel wogte um sie herum. Holzfu� band den Strick wieder an den Baum. In lauschender Haltung n�herte sich Charles dem Schecken. �Ist ja gut�, sagte er, ihm die Decke �berwerfend. �Ist ja gut.�</p><p>Der Schecke hob den rechten Vorderhuf. Charles' Bauchdecke spannte sich. Der Huf senkte sich wieder, und der Schecke schnaufte aus. Charles sattelte ihn vorsichtig, Holzfu� einen �berraschten Blick zuwerfend, als das Gewicht des Sattels keine Gegenwehr ausl�ste. Er verstand das nicht. Vielleicht steckte in diesem wundersch�nen Kopf irgendein unauslotbarer Schu� Wahnsinn.</p><p>Er rollte die Steigb�gel aus und stieg langsam auf, sowohl aus Schmerz als auch aus Vorsicht. Der Schecke stand still, drehte nur den Kopf, um den Reiter ins Blickfeld zu kriegen. Aus der Ferne riefen vom Armeeposten Signalh�rner zum Morgenappell.</p><p>Ruhig sagte Charles: �Bind ihn los.�</p><p>Holzfu� duckte sich und kn�pfte den Strick hastig los. Charles nahm das Seil, wickelte es um eine Hand, zog einmal leicht.</p><p>W�hrend Charles urpl�tzlich gen Himmel scho�, sein linkes Bein verkr�mmt aus dem Steigb�gel gerissen wurde, dachte er, Jackson w�rde ihn t�ten m�ssen. Er zog dem Schecken eins �ber die Kruppe, als er runterkam, dann flog er in den Dreck; das Pferd wieherte und schlug aus. Nach dem Aufprall f�hlte er sich, als w�ren �berall in seinem K�rper Fackeln angez�ndet worden. Ein Huf ri� seine Stirn auf, bevor er zur Seite rollte und seinen Armeecolt zog. Wahnsinnige Schmerzen durchzuckten ihn, w�hrend er kniend mit beiden H�nden den Revolver in Anschlag brachte und darauf wartete, da� das Pferd erneut auf ihn losging.</p><p>Der Schecke schnaubte, stampfte, blieb aber stehen. Boy umklammerte von hinten die Taille seines Onkels, sp�hte zu dem Pferd und dem Mann mit dem Revolver hin�ber.</p><p>�Besser, du schie�t, Main.�</p><p>�Nein, erst wenn - Moment mal. Ist mir zuvor nicht aufgefallen. Siehst du den blutigen Schaum an seinem Maul?�</p><p>Gr�mlich verneinte Jackson das. Charles wu�te, da� M�nner in Jacksons Alter h�ufig Probleme mit den Augen hatten. Er steckte den Colt weg und n�herte sich vorsichtig dem Pferd.</p><p>�La� mich mal sehen�, sagte er mit bes�nftigender Stimme. �Bleib sch�n still, und la� mich sehen.� Sein Herz h�mmerte; in den Augen des Schecken lag wieder dieser m�rderische Ausdruck.</p><p>Aber er lie� es zu, da� Charles sanft seine Kiefer auseinanderzog und das blutige St�ck entbl��te. Vor lauter Erleichterung brach Charles in Gel�chter aus. �Komm her, und schau dir das an. Aber nicht so hastig.� Holzfu� schob sich hinter ihn. �Da hast du deinen Killer. Ein vereiterter Backenzahn. L��t man die Z�gel in Ruhe, dann ist mit ihm alles in Ordnung. Zieht man dran, spielt er verr�ckt.�</p><p>�Ist mir entgangen�, sagte Holzfu�. �Ist mir, verdammt noch mal, vollkommen entgangen.�</p><p>�Kann leicht passieren.� Charles zuckte mit den Schultern; er wollte dem �lteren Mann nicht sagen, da� er sich eine Brille kaufen sollte. �Sobald wir einen Pferdedoktor finden, der den Zahn hinkriegt, ist mit ihm wieder alles in Ordnung.�</p><p>�Du beh�ltst ihn also?�</p><p>�So war's abgemacht, oder? M�chtest du ihn streicheln, Boy? Kannst du ruhig.�</p><p>Holzfu�' Neffe dr�ngelte vor; eine freudige Beschwingtheit zeigte sich auf seinem wei�en Gesicht. Er ber�hrte den Schecken und l�chelte. Der H�ndler seufzte, die Anspannung l�ste sich.</p><p>�Dann mu�t du ihm einen Namen geben, Charlie.�</p><p>Charles stellte sich neben Boy, t�tschelte das Pferd und dachte kurz nach. �Hmm. Der Name sollte so sein, da� die Leute Respekt vor ihm haben und ihn nicht zum Narren halten. Sie brauchen ja nicht zu wissen, da� er ganz sanft ist.� Wieder t�tschelte er das Pferd. �Du hast gesagt, der Teufel h�tte ihn gezeugt. Ich werde ihn nach seinem Papa nennen. Satan.�</p><p>�Verdammt gut�, br�llte der H�ndler und h�pfte mit erstaunlicher Beweglichkeit in einer Art Tanz von seinem guten Fu� auf seinen k�nstlichen Fu�. �Verdammt gut, oh, verdammt gut. Der Trupp hier ist wieder im Gesch�ft.�</p><p>TRUMPS ST.-LOUIS-THEATER</p><p>Baldige Er�ffnung!</p><p>MR. SAMUEL HORATIO TRUMP, Esq.</p><p>&gt;Amerikas Schauspieleras&lt;</p><p>und Direkt von ihren triumphalen New Yorker Auftritten Die g�ttliche Mrs. Parker als Star in</p><p>STRASSEN DER SCHANDE</p><p>Ein <emphasis>absolut</emphasis> neues Melodram �ber das New Yorker Leben, ganz <emphasis>oben</emphasis> und ganz <emphasis>unten</emphasis> von H.T. Samuels in einer Bearbeitung von</p><p>MR. TRUMP</p><p>im Wechsel mit</p><p>S.H. TRUMPS</p><p>monumentaler &amp;�international ber�hmter Darstellung von</p><p>LEBEN UND STERBEN K�NIG RICHARDS III.</p><p>Zahlreiche Pl�tze f�r 50 Cent</p><p>KEIN PLATZ TEURER ALS 1 DOLLAR 50!!!</p></section><section><title><p id="bookmark12"><strong>9</strong></p></title><p>Nachdem Charles das Angebot von Holzfu� Jackson angenommen hatte, brachte der H�ndler den Schecken am n�chsten Tag zum Veterin�r. Er lie� Boy beim Pferdedoktor zur�ck und machte sich zusammen mit Charles auf in die Stadt. Um Soldaten aus Jefferson Barracks, die Charles vielleicht erkannt h�tten, aus dem Wege zu gehen, schlugen sie einen Bogen und ritten von Westen her in die Stadt. Der Collie rannte nebenher.</p><p>Zu Zeiten der ersten kreolischen Siedler war der Ort ein reines Pelzhandelszentrum gewesen, doch die Zeiten hatten sich ge�ndert. Auf der von Platanen und Linden ges�umten Stra�e kamen sie an Farmwagen vorbei, auf denen sich �pfel oder Korns�cke t�rmten. Sie ritten um zwei Farmer herum, die eine Schweineherde trieben, die laut quiekend mit ihrem charakteristischen Gestank die Luft verpesteten.</p><p>Kurz darauf tauchten D�cher vor ihnen auf, �ber denen eine graue Wolke hing. �Atme nicht zu tief durch in St. Lou�, riet Holzfu�. �Sie bauen mehr Gie�ereien und Gerbereien und M�hlen, als ich im Auge behalten kann. Ich glaube, Amerikanern ist es egal, ob sie am Fabrikrauch ersticken, solange sie nur reich dabei werden.�</p><p>Der Tag war hell und strahlend. Charles f�hlte sich gut. Die Auswirkungen der Pr�gel lie�en nach, und der Flickenmantel hielt ihn warm. Sein erster Eindruck von Holzfu� war richtig gewesen; der H�ndler war ein sympathischer Mann, dem man vertrauen konnte. Vielleicht w�rde sich seine Stimmung in den n�chsten Wochen heben, vielleicht mu�te er erst einmal ins Indianerterritorium reiten.</p><p>Sie ritten in das gesch�ftige Herz der Stadt, vorbei an alten kreolischen Steinh�usern, Grenzlandh�tten aus handgeschlagenen St�mmen und neueren H�usern aus Schnittholz mit quergeteilten T�ren, erbaut von den Angeh�rigen einer gro�en deutschen Kolonie. Ungef�hr hundertf�nfzigtausend Menschen lebten in St. Louis, sagte Holzfu�.</p><p>Als sie die Third Street erreichten, konnten sie bereits das Geschrei, den L�rm des Wagenverkehrs und der Schauerm�nner von dem anderthalb Meilen langen Uferdamm vor ihnen h�ren. Die Pfeife eines Flu�bootes schrillte, als Holzfu� Charles ein Banknotenb�ndel in die Hand dr�ckte.</p><p>�Ich k�mmere mich um unseren Warenvorrat, w�hrend du dir Winterkleidung kaufst. Und ein Messer. Au�erdem ein Gewehr, das dir pa�t, und massenhaft Munition. Knausere nicht. Da drau�en, wo wir hingehen, gibt's keinen Laden, und du w�rst verdammt ungl�cklich, wenn du ein Dutzend verr�ckte Cheyenne am Hals und keine Patronen mehr in der Tasche h�ttest, blo� weil du ein paar Pennies sparen wolltest. Oh�, er grinste, �kauf dir ein paar von den Zigarren, die du so magst. Ein bi�chen Vergn�gen braucht der Mensch in der Wildnis. Die Wintern�chte sind verflucht lang.�</p><p>Er winkte, bog vor einem Ochsenkarren an der Ecke links ab und war verschwunden.</p><p>Zehn Minuten sp�ter kam Charles mit drei Holzkistchen unter dem Arm aus einem Tabakladen in der Olive Street. Er schob sie in eine alte Satteltasche, die Holzfu� ihm gegeben hatte.</p><p>Eine Zigarre lie� er drau�en, um sie gleich zu rauchen. Als er sie anz�ndete, bemerkte er einen Armeeoffizier auf dem gegen�berliegenden Gehsteig. Er kannte den Namen des Offiziers nicht, erinnerte sich aber von Jefferson Barracks her an das Gesicht. Er blieb regungslos stehen. Das Streichholz brannte nieder, versengte seine Finger.</p><p>Der Offizier bog um die Ecke, ohne ihn zu sehen.</p><p>Charles atmete tief aus, schnippte das abgebrannte Streichholz weg und rieb sich die schmerzenden Finger am Bein. Mit dem zweiten Streichholz z�ndete er seine Zigarre an, als ein Wagen vor einem gro�en, zweist�ckigen Geb�ude an der Ecke hielt. Im zweiten Stock war eine Tafel so angebracht, da� man sie von beiden Stra�en aus lesen konnte; in roten Lettern stand da</p><p>TRUMPS ST.-LOUIS-THEATER.</p><p>Der Wagen war mit rohen Brettern beladen. Der Kutscher, ein Spitzbauch, der die vordere Krempe seines schwarzen Hutes hochgesteckt hatte, band die Z�gel an einen Pfosten und zog dem alten Karrengaul eins �ber, als er abstieg - eine unn�tige Gemeinheit, die Charles die Stirn runzeln lie�. Der Kutscher schaute m�rrisch drein, aber das war keine Entschuldigung.</p><p>Der Mann trat durch eine mit &gt;B�hne&lt; gekennzeichnete T�r. Er br�llte irgendwas, kam dann wieder heraus und begann die Bretter vom Wagen zu zerren. Er sah aus, als ha�te er seine Arbeit und die ganze Welt.</p><p>Eine schwarze Katze streunte aus dem Theater und n�herte sich dem Karrengaul. Das Pferd wieherte und wich seitlich aus. Die Katze machte einen krummen Buckel und fauchte. Das Pferd b�umte sich auf, wieherte wild und galoppierte auf die Stra�e, wo es beinahe einen Zusammensto� mit einem gr�nwei�en Hotelomnibus verursacht h�tte, der Passagiere und Gep�ck vom Uferdamm transportierte. Einer der Fahrg�ste lehnte sich hinaus, um den Gaul mit einem Schlag zu verscheuchen. Wieder stieg das Pferd hoch.</p><p>Als der Omnibus weiterratterte, lie� der Kutscher drei Bretter auf den Gehsteig fallen und schlug mit seinem schwarzen Hut auf das Hinterteil des Pferdes ein. �Du gottverdammter elender Klepper.� Wieder schlug er zu und wieder und wieder.</p><p>W�hrend er zusah, ver�nderte sich Charles' Gesichtsausdruck. Das Pferd schnappte nach seinem Peiniger. Der Kutscher griff unter den Sitz, holte eine Peitsche hervor und schlug wild auf den alten Gaul ein.</p><p>Um den Kopf seines Pferdes herum rannte Charles auf die Stra�e, konnte gerade noch einem Reiter ausweichen. Der Kutscher peitschte weiter. �Ich werd' dir's zeigen, mich bei�en zu wollen, du verfluchter Klepper.�</p><p>Ein Gentleman in Begleitung einer Lady verbat sich diese Ausdrucksweise. Der Kutscher wirbelte herum und bedrohte ihn mit der blutigen Peitsche. Der Mann zog die Frau schnell davon.</p><p>Das schw�chliche Aufb�umen des alten Gauls am�sierte den Kutscher. Wieder schlug er das Tier.</p><p>�Noch einen Schlag, und ich jage dir eine Kugel zwischen die Augen.�</p><p>Der Kutscher schaute auf und sah Charles vor sich auf dem Gehsteig, mit ausgestreckten H�nden den Armeecolt umklammernd. Charles Wangen waren tiefrot. Der Anblick der Peitschenstriemen versetzte ihn in Wut. Sein Herz h�mmerte, das Blut rauschte ihm in den Ohren. Er spannte den Schlagbolzen.</p><p>�Herrgott noch mal, das ist mein Pferd�, protestierte der Kutscher.</p><p>�Das ist blo� ein Tier. La� deine schlechte Laune an einem menschlichen Wesen aus.�</p><p>Vom Theatereingang links von Charles sagte eine Frauenstimme: �Was geht hier vor?� Charles machte den Fehler, einen Blick in ihre Richtung zu werfen, und der Kutscher zog ihm die Peitsche �ber die Schulter.</p><p>Charles taumelte zur�ck. Der Kutscher schlug ihm den Colt aus der Hand. Irgendwas explodierte in Charles' Kopf.</p><p>Er entri� dem Kutscher die erhobene Peitsche und schleuderte sie beiseite. Dann sprang er den Mann an und ri� ihn herunter auf den h�lzernen Gehsteig. Sein rechter Arm scho� vor und zur�ck. Jemand aus der sich ansammelnden Menschenmenge packte ihn bei den Schultern. �Schlu�! Aufh�ren!�</p><p>Charles h�mmerte weiter.</p><p>�Aufh�ren! Sie bringen ihn ja um.�</p><p>Zwei Mann schafften es, ihn wegzuzerren. Der rote Nebel in seinem Kopf lichtete sich, und er sah das zerschlagene, blutige Gesicht des auf dem R�cken liegenden Kutschers. Einer aus der Menge sagte zu dem Kutscher: �Du l�dst besser ab und verschwindest hier.�</p><p>Charles warf dem Kutscher ein blaues Halstuch aus seiner Ges��tasche zu. Der Mann stie� es beiseite und belegte Charles mit einem Schimpfnamen. Charles massierte seine schmerzende rechte Hand, w�hrend der Kutscher auf die Beine taumelte und die restlichen Bretter vom Wagen zu zerren begann.</p><p>�Ganz sch�ne Bestrafung wegen eines bi�chen Pr�gel f�rs Pferd�, sagte einer der Zuschauer zu Charles.</p><p>�Der Mann hat mich angegriffen.� Er starrte ihn an, bis der Zuschauer etwas murmelte und sich abwandte.</p><p>Die Frau sagte zu jemandem im Inneren des Theaters: �Arthur, hilf bitte beim Abladen des Holzes.� Charles wandte sich ihr zu; ihr Anblick traf ihn vollkommen unerwartet: eine Frau von vielleicht zwanzig Jahren, so h�bsch wie ein Bild, schlank, aber doch wohlgeformt, mit blauen Augen und so hellblondem Haar, da� es schon silbern gl�nzte. Sie trug ein schlichtes, gelbes, teilweise staubiges Kleid. In ihren Armen hielt sie die schwarze Katze.</p><p>�Diese streunende Katze hat das Pferd erschreckt. So fing das an.� Charles fielen seine Manieren ein, und er zog seinen alten Strohhut.</p><p>�Prosperity ist keine Streunerin. Sie geh�rt zum Theater.� Die junge Frau deutete auf die Tafel auf dem Geb�ude. �Ich bin Mrs. Parker.�</p><p>�Charles Main, Ma'am. Glauben Sie mir, ich gehe nicht immer gleich so in die Luft, nur wenn jemand ein Pferd mi�handelt.�</p><p>Ein breitschultriger Neger half dem Kutscher, die Bretter hineinzutragen. Es war schwer zu sagen, was den Kutscher verdrossener stimmte: die Pr�gel oder da� er mit einem Neger zusammenarbeiten mu�te.</p><p>Mrs. Parker sagte: �Nun, wenn das ein Fehler ist, dann wenigstens f�r einen guten Zweck.�</p><p>Charles reagierte auf die Bemerkung mit einem Nicken und setzte seinen Hut auf, bereit zum Gehen. Die junge Frau f�gte hinzu: �In unserem Aufenthaltsraum gibt's Wasser, wenn Sie sich die H�nde waschen m�chten.�</p><p>Er sah, da� seine H�nde blutverschmiert waren, als er sich nach seinem Revolver b�ckte. Irgend etwas in ihm weigerte sich, von einer Frau auch nur eine beil�ufige Gef�lligkeit anzunehmen, aber trotzdem sagte er: �Gut. Danke.�</p><p>Sie betraten die d�stere Fl�che hinter der B�hne. Mit seltsamen Schritten n�herte sich ein gewichtiger Mann von der B�hne, die im strahlenden Glanz der Kalklichter lag. Er ging vorn�bergebeugt; auf seinen R�cken hatte er ein gro�es Kissen wie einen Buckel gebunden. Die Zunge hing ihm aus dem Mundwinkel. Seine baumelnden H�nde schwangen wie ein Pendel hin und her. Auf einmal richtete er sich auf.</p><p>�Willa, wie soll ich mich auf den Winter meiner Unzufriedenheit konzentrieren, wenn hundert M��igg�nger vor meiner T�r einen Aufstand machen?�</p><p>�Es war kein Aufstand, Sam, nur eine kleine Diskussion. Mr. Main, mein Partner, Mr. Samuel Trump.� Sie deutete auf das Kissen. �Wir proben &gt;Richard der Dritte&lt;.� Charles dachte, das sei Shakespeare, wollte aber nicht durch eine Frage seine Unwissenheit verraten.</p><p>Trump sagte: �Habe ich die Ehre, einen Thespisj�nger, einen Kollegen, begr��en zu d�rfen, Sir?�</p><p>�Nein, Sir, ich f�rchte nicht. Ich bin H�ndler.� Es �berraschte ihn ein bi�chen, das zum erstenmal auszusprechen.</p><p>�Handeln Sie mit den Indianern?� fragte die junge Frau. Er bejahte. �Sie klingen wie ein S�dstaatler�, fuhr sie fort. �Haben Sie in der Armee gedient?�</p><p>�Das hab' ich. Ich ritt vier Jahre lang bei General Wade Hamptons Kavallerie.�</p><p>�Ein Gl�ck, da� Sie ohne Schramme davongekommen sind�, erkl�rte Trump. Charles hielt es f�r �berfl�ssig, einer derart albernen Feststellung zu widersprechen.</p><p>Mrs. Parker erz�hlte Trump, was drau�en geschehen war, wobei sie Charles schmeichelte und seinen brutalen Zornesausbruch verharmloste. �Ich habe Mr. Main gesagt, er k�nne sich im Aufenthaltsraum s�ubern.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Trump. �Falls Sie eine Auff�hrung unserer neuesten Produktion sehen m�chten, Sir, empfehle ich Ihnen fr�hzeitige Platzreservation. Ich rechne mit einem ausverkauften Theater, vielleicht bekommen wir sogar ein Angebot, mit dieser Produktion nach New York zu gehen.�</p><p>Willa schenkte ihm ein kl�gliches L�cheln. �Sam, du wei�t, das bedeutet Pech.�</p><p>Trump beachtete sie nicht. �Adieu, meine lieben Freunde. Meine Kunst ruft mich.� Mit baumelnden H�nden schob er sich wieder seitw�rts auf die B�hne und bellte: �Das grimm'ge Gesicht des Krieges hat seine Falten gegl�ttet ...�</p><p>�Hier entlang�, sagte Willa zu Charles.</p><p>Sie schlo� die T�r des gro�en, unaufger�umten Aufenthaltsraumes, um Prosperity f�r eine Weile einzusperren. Auf einem kleinen Sofa, an dem ein Bein fehlte, schnarchte ein Gentleman vor sich hin; die handgeschriebene Rolle bedeckte sein Gesicht.</p><p>Prosperity sprang auf seinen Bauch und begann sich zu putzen. Der Schauspieler r�hrte sich nicht.</p><p>Willa zeigte Charles ein Waschbecken mit sauberem Wasser, das auf einem Tisch zwischen Make-up-T�pfen, B�rsten und Puderdosen stand. Sie reichte ihm ein sauberes Handtuch.</p><p>�Danke.� Er war sich seiner eigenen Unbeholfenheit nur zu bewu�t. Seit Gus Barclays Tod hatte er die Gesellschaft von Frauen gemieden. Sein Besuch bei der Zeltstadthure war fast ohne Konversation abgelaufen.</p><p>Mit dem feuchten Handtuch s�uberte er seine H�nde vom Blut. Willa verschr�nkte ihre Arme und musterte ihn. �Wie nennen Sie dieses Kleidungsst�ck, das Sie da tragen? Ein Cape? Einen Poncho?�</p><p>�Das ist mein Zigeunermantel. Ich hab' ihn st�ckweise zusammengen�ht, zu der Zeit, als die Uniformen zerfetzt waren und Richmond keine neuen mehr schicken konnte.�</p><p>�Ich wei� wenig vom Krieg, nur das, was ich gelesen habe. Ich war erst f�nfzehn, als der Krieg begann.�</p><p>So jung. Er lie� das Handtuch neben dem Becken fallen; das Wasser hatte sich r�tlich gef�rbt. �Bevor Sie fragen, sage ich es Ihnen. Ich hab' nicht f�r die Sklaverei gek�mpft, und die Sezession war mir auch verdammt egal. Ich verlie� die U.S. Army. um f�r meinen Staat und das Heim meiner Familie zu k�mpfen.�</p><p>�Ja, Mr. Main, aber der Krieg ist vorbei. Es gibt keinen Grund, so angriffslustig zu reagieren.�</p><p>Er entschuldigte sich; er hatte selbst nicht bemerkt, da� er zornig klang. Es lag eine gewisse Ironie darin. Zu wie vielen M�nnern hatte <emphasis>er</emphasis> gesagt, da� der Krieg vor�ber sei?</p><p>�Es war eine schlimme Zeit, Mrs. Parker. L��t sich schwer vergessen.�</p><p>�Vielleicht hilft Ihnen etwas Erfreuliches dabei. Sie haben vorhin da drau�en eine menschliche Tat vollbracht. Sie haben eine Belohnung verdient. Ich w�rde Sie gern zum Abendessen einladen, wenn ich darf.�</p><p>Der Kiefer klappte ihm herunter. Sie lachte. �Ich habe Sie schockiert. Das war nicht meine Absicht. Sie m�ssen das Theater verstehen, Mr. Main. Es ist ein einsames Gesch�ft. Und deshalb klammern sich die Theaterleute aneinander. Da gibt es sehr wenig konventionelle Formalit�t. Wenn sich eine Schauspielerin nach einem freundschaftlichen Gespr�ch sehnt, dann ist es nicht sch�ndlich, wenn sie einen Kollegen darum bittet. Ich vermute, von au�en sieht es nicht so unschuldig aus. Kein Wunder, da� Prediger uns f�r ein loses, gef�hrliches Volk halten. Ich versichere Ihnen�, sie sagte es leichthin, aber doch gezielt, �ich bin weder das eine noch das andere.�</p><p>�Nun, ich k�nnte es mir auch nicht vorstellen, da Sie ja verheiratet sind.�</p><p>�Ah - Mrs. Parker. Das ist lediglich Bequemlichkeit. Das h�lt einige der M�nner, die sich am B�hneneingang dr�ngen, auf Distanz. Ich bin nicht verheiratet. Ich suche mir nur meine Freunde lieber selber aus.� Ihr L�cheln war warm und herzlich. �Ich wiederhole mein Angebot. M�chten Sie mir beim Abendessen Gesellschaft leisten? Sagen wir morgen abend? Heute abend proben wir.�</p><p>Beinahe h�tte er nein gesagt. Doch irgend etwas veranla�te ihn, das Gegenteil zu sagen. �Es w�re mir ein Vergn�gen.�</p><p>�Und kein Streit dar�ber, da� eine schlichte Frau die Rechnung zahlt?�</p><p>Er l�chelte. �Kein Streit.�</p><p>�Sieben Uhr dann? Das New Planter's House in der Fourth Street?�</p><p>�Gut. Ich werde versuchen, mich anst�ndig herzurichten.�</p><p>�Sie sehen gro�artig aus. Das Bild eines galanten Kavalleristen.� Sie schockte ihn mit ihrer lockeren Offenheit. �Bis morgen.�</p><p>�Jawohl. Ma'am.�</p><p>�Oh nein, bitte. Belassen wir es bei Willa und Charles.� Er nickte und marschierte hinaus.</p><p>W�hrend er von Laden zu Laden ging und die Sachen kaufte, die er ben�tigte, versuchte er sich dar�ber klarzuwerden, weshalb er sich auf diese Einladung zum Abendessen eingelassen hatte. War es schlicht der Hunger auf die Gesellschaft einer Frau? Oder die Art und Weise, wie sie sich ihm gen�hert hatte, mit unerwarteter Offenheit und in Umkehrung der �blichen Rollenverteilung? Er wu�te es nicht. Er wu�te lediglich, da� ihn die junge Schauspielerin faszinierte, und das beunruhigte ihn in zweierlei Hinsicht. Er f�hlte sich wegen Gus Barclay schuldig, und er war sich der potentiellen Schmerzen nur zu sehr bewu�t, die sogar in einer Freundschaft lagen.</p><p>�Sie hat dich gefragt?� rief Holzfu�, als Charles ihm davon erz�hlte.</p><p>�Ja. Sie ist nicht, nun, konventionell. Sie ist Schauspielerin.�</p><p>�Oh, jetzt kapiere ich. Dann n�tz die Sache aus, Charlie. Es hei�t, Schauspielerinnen seien immer gut f�r einen schnellen Sprung in die Laken.�</p><p>�Die nicht�, sagte er. Das geh�rte zu den wenigen Sachen, die er �ber Willa Parker mit einiger Gewi�heit sagen konnte.</p></section><section><title><p id="bookmark13"><strong>10</strong></p></title><p id="bookmark14">Wenn dieser blaue Cut blo� alt war, dann war der Atlantik nichts weiter als ein Teich. Der Cut aus zweiter Hand hatte Charles vier Dollar gekostet. �Das ist eindeutig ein Darlehen�, hatte Holzfu� gesagt. �Ich bin durchaus f�r Romanzen, aber ich finanziere sie nicht.� Der Tr�dler gab noch eine gebrauchte Krawatte dazu; Charles borgte sich einen weiteren Dollar von seinem neuen Partner und kaufte etwas Macassar�l. So herausgeputzt mit den langen, angeklebten Haaren kam er sich albern und geckenhaft vor.</p><p>Diese Meinung schienen auch zwei Neger in gr�ner Samtlivree zu teilen, die die G�ste am Eingang des eleganten New Plan-ter's House empfingen, dem zweiten Hotel in St. Louis, das diesen Namen trug. Charles �bergab einem Stallknecht sein Pferd und stolzierte zwischen den beiden T�rstehern hindurch. Sein scharfer Blick und seine d�stere Erscheinung lie�en ihnen jede Bemerkung �ber sein Aussehen in der Kehle steckenbleiben.</p><p>Willa erhob sich von einem der Pl�schsitze in der weitr�umigen Lobby. Ihr schnelles L�cheln d�mpfte seine Nervosit�t ein bi�chen. �Meine G�te�, sagte sie. �F�r einen Indianeragenten schauen Sie aber wirklich elegant aus.�</p><p>�Besonderer Anla�. Kommt bei mir ja nicht oft vor. Aber ich w�rde eher sagen, wenn hier jemand elegant ist, dann Sie.�</p><p>�Besten Dank, Sir.� Sie nahm seinen Arm und f�hrte ihn zum Speisesaal. Durch irgendeinen weiblichen Zauber, den er nicht begriff, funkelte sie f�rmlich vor jugendlicher Sch�nheit, auch wenn sie fast vollkommen schwarz gekleidet war: ihr Reifrock, ihr Seidenumhang, ihr kleiner Hut mit einer einzigen schwarzen Feder. Wei�e Spitze bauschte sich um ihre Kehle und s�umte ihre �rmel - gerade soviel, um einen aufregenden Kontrast zu schaffen.</p><p>Ein hochn�siger Oberkellner wollte sie hinter einen Topffarn neben den K�cheneingang setzen. �Nein, danke�, sagte Willa liebensw�rdig. �Ich bin Mrs. Parker von Trumps Theater. Ich schicke einen Gro�teil unseres Publikums zu Ihnen, damit sie Ihre K�che genie�en k�nnen. Ich habe nicht die Absicht, den schlechtesten Tisch zu nehmen. Den in der Mitte, bitte.�</p><p>Es war ein Tisch f�r vier Personen, doch der Mann war von ihrem Charme entwaffnet. Er dankte ihr �berschwenglich.</p><p>Die Verbindung von sanftem Gaslicht und den Kerzen auf den Tischen schuf trotz des vollbesetzten Saales eine intime Atmosph�re. Mehrere Gentlemen unterbrachen ihr Gespr�ch und warfen Willa bewundernde Blicke zu. Ihr schwarzes Kleid und ihre lebhaften blauen Augen wirkten bezaubernd, als sie Charles gegen�bersa�. Die Servietten in den Weinkelchen auf dem rosa Tischtuch zwischen ihnen �hnelten rosafarbenen Blumen.</p><p>�Ich passe nicht hierher�, fing er an.</p><p>�Unsinn. Sie sind der bestaussehende Bursche weit und breit. Also bitte, angeln Sie nicht weiter nach Komplimenten.�</p><p>Er wollte protestieren, als er merkte, da� sie ihn nur neckte. Der Kellner brachte die in Leder gebundenen Speisekarten. Charles erbleichte, als er die Weinkarte aufschlug.</p><p>�Alles franz�sisch. Zumindest halte ich es f�r franz�sisch.�</p><p>�Stimmt. Soll ich f�r uns bestellen?�</p><p>�W�r' wohl besser. Servieren sie hier Hafergr�tze oder Maisfladen?� Sie kicherte, was er auch beabsichtigt hatte. Allm�hlich begann er den Abend zu genie�en. Sie sagte: �Ich bezweifle es. Die Kalbsmedaillons sind immer gut. Und zuvor <emphasis>Escargots,</emphasis> denke ich.� Charles studierte sein Besteck, um seine Unwissenheit �ber die Natur von <emphasis>Escargots</emphasis> zu verbergen.</p><p>�M�gen Sie Rotwein?� erkundigte sie sich. �Sie haben hier einen Bordeaux aus dem kleinen Dorf Pomerol, der ist ganz vern�nftig.�</p><p>�Fein.� Der Kellner zog sich zur�ck. �Sie verstehen eine Menge von Speisen und Wein.�</p><p>�Schauspieler verbringen viel Zeit in Hotels. Ich w�re hilflos, wenn ich etwas anpflanzen oder einen Fisch fangen m��te.� Bei ihrem L�cheln f�hlte er sich wunderbar entspannt. Er warnte sich selbst, auf der Hut zu sein; die Erinnerung an Gus war noch zu frisch.</p><p>�Sie sind also bereit, ins Indianerterritorium aufzubrechen. Vielleicht wird es dieses Jahr da drau�en friedlich zugehen.� Er zog eine Zigarre halb aus seiner Tasche, schob sie dann wieder zur�ck. �Nein, rauchen Sie ruhig. Ich habe nichts gegen Zigarren.�</p><p>Er z�ndete die Zigarre an und sagte: �Sie halten sich �ber die Indianer auf dem laufenden?�</p><p>Er hatte es scherzhaft gemeint, doch ihre Antwort, �Oh, ja�, war durchaus ernsthaft. �In New York geh�rte ich zu einer Gruppe namens Indian Friendship Society. Wir schickten Memoranden an den Kongre�, in denen wir die Regierung aufforderten, das Massaker von Sand Creek zu verurteilen. Sind Sie damit vertraut?� Er bejahte. �Nun, die Alleinschuld daran tr�gt der wei�e Mann. Wir stehlen den Indianern das Land und schlachten sie dann ab, wenn sie sich dagegen wehren oder widersprechen. Die Beziehung des wei�en Mannes zu den einheimischen St�mmen ist eine sch�ndliche Geschichte des Betrugs, der Ungerechtigkeit, der gebrochenen Versprechen und mi�achteten Vertr�ge und unaussprechlicher Grausamkeiten.�</p><p>Charles bestaunte ehrf�rchtig ihre Kreuzfahrerleidenschaft. �Mein Partner w�re Ihrer Meinung�, sagte er. �Er mag die Cheyenne im S�den. Jedenfalls die meisten.�</p><p>�Und Sie?�</p><p>�Ich habe nur einige Erfahrungen mit ein paar Comanchen, drunten in Texas - und die waren jedenfalls alle scharf darauf, mich zu erschie�en.�</p><p>�Ich wei�, es ist unm�glich, die Expansion Richtung Westen aufzuhalten. Aber das darf nicht um den Preis der Ausl�schung der Urbev�lkerung geschehen. Gott sei Dank gibt es einige Anzeichen f�r einen Frieden. Dieser blutd�rstige General Dodge wollte tausend M�nner loslassen, die jeden Indianer entlang des Santa-Fe-Trails t�ten sollten, aber er wurde aufgehalten. Und gestern las ich in der <emphasis>Missouri Gazette,</emphasis> da� Colonel Jesse Leaven-worth, der Indianeragent, einen Waffenstillstand mit einigen der Indianer ausgehandelt hat, die zum Verwaltungsbereich seiner Upper Arkansas Agency geh�ren. Ist Ihnen klar, was das bedeutet?�</p><p>Sie beugte sich mit lebhaft ger�teten Wangen vor. �Es bedeutet, da� William Bent und Kit Carson und Senator Doolittle von Wisconsin eine echte Chance haben, bald schon eine Friedenskonferenz einzuberufen. Vielleicht bringen wir einmal einen Vertrag zustande, den beide Seiten einhalten werden.�</p><p>Der Kellner brachte kleine Silbergabeln und merkw�rdige, muschelartige Dinger, die in einem Halbkreis auf dem Teller angeordnet waren. Verbl�fft hob Charles die kleine Gabel.</p><p><emphasis>�Escargots�,</emphasis> sagte sie. �Schnecken.�</p><p>Er hustete und tastete nach seiner Zigarre in dem Kristallaschenbecher. Einige tiefe Z�ge lie�en ihn seine erste Begegnung mit Schnecken in dieser Form �berstehen.</p><p>Nachdem der Kellner den vollen, schweren Pomerol eingeschenkt und Charles ein Glas getrunken hatte, flo� die Unter-haltung lockerer dahin. Er erz�hlte Willa einiges von seinen Kriegserlebnissen und von seinem besten Freund Billy Hazard, den er aus dem Libby-Gef�ngnis gerettet hatte. Er beschrieb den Offizier namens Bent, der einen unerkl�rlichen Groll gegen seine und Billys Familie hegte. �Der Krieg hat ihn verschlungen. Ein weiteres Opfer vermutlich. Ich kann nicht behaupten, da� es mir leid tut.�</p><p>Sie tranken noch etwas Wein, dann wurde das Kalb serviert, appetitlich garniert mit leuchtend gelben K�rbisw�rfeln und gro�en Erbsenschoten. Mit offensichtlicher Emotion sprach er von anderen Dingen, von seiner bleibenden Liebe f�r Mont Royal - niedergebrannt, aber wieder im Aufbau begriffen - und der Zuneigung, die er seinem Cousin Orry entgegenbrachte, der ihn vor der Selbstzerst�rung bewahrt hatte.</p><p>Pl�tzlich sagte er: �Und was ist mit Ihnen? Ist dies Ihr Zuhause?�</p><p>Sie konzentrierte sich darauf, mit der Gabel ein St�ck Kalbfleisch zum Mund zu f�hren; sie hielt die Gabel in der linken Hand, was Charles bis jetzt nur bei Leuten von h�chster Kultiviertheit gesehen hatte. �Nein. Ich kam auf eine Anfrage von Sam Trump her, der mich gebeten hatte, sein Theater auf eine profitable Basis zu stellen. Er ist ein alter Freund meines Vaters. Der �brigens nicht Parker hie�, sondern Potts.� Sie verzog das Gesicht, und er lachte.</p><p>Sie unterhielten sich weiter. Charles verga�, wie bizarr sein angeklatschtes Haar aussehen mu�te oder wie unbehaglich er sich in dem ausgefransten Cut f�hlte. Der Wein glitt leicht die Kehle hinunter, d�mpfte das Kerzenlicht und untermalte ihre Sch�nheit. Ein Geigenspieler und ein Cellist, feierliche b�rtige Typen mit wei�en Krawatten und Schwalbenschw�nzen, begannen in einer Ecke pseudoklassische St�cke zu spielen.</p><p>�Wie kamen Sie als H�ndler nach St. Louis, Charles?�</p><p>�Eigentlich ...� Konnte er es wagen, ihr zu vertrauen? Er schaute in ihre blauen Augen. Ja. �Ich war nie zuvor drau�en. Ich bin ein West-Point-Absolvent, verstehen Sie. Nach dem Krieg ging ich wieder zur Armee, aber jemand in Jefferson Barracks erkannte mich - ein Mann, der zur gleichen Zeit wie ich die Akademie besuchte. Sie gaben mir einen Tritt, im wahrsten Sinne des Wortes. Nun, irgendwie mu�te ich Geld verdienen, um meinen Sohn .�</p><p>Sie lie� ihren L�ffel fallen. Er klapperte gegen den Rand ihres Tellers mit Blaubeeren in Sahne und fiel zu Boden. Charles sah, da� sie ver�rgert war. �Oh nein, warten Sie.� Ohne nachzudenken, scho� seine Hand �ber den Tisch und griff nach der ihren. �Ich habe Ihnen nichts vorgemacht. Ich habe tats�chlich einen Sohn, acht Monate alt. Seine Mutter starb bei seiner Geburt in Virginia.�</p><p>�Oh. Das tut mir aufrichtig leid.� Sie entspannte sich und griff nach dem neuen L�ffel, den der Kellner lautlos neben ihren Goldrandteller gelegt hatte. Den Blick auf das Dessert gerichtet, murmelte sie: �Es scheint so, als h�tten wir beide eine Vergangenheit, die etwas aus dem Rahmen f�llt.�</p><p>Er wunderte sich �ber den schmerzlichen Unterton in ihren Worten. Ein Mann gab den Musikern ein Trinkgeld, und sie spielten <emphasis>Lorena.</emphasis></p><p>Charles und Willa sahen sich an und lie�en die lieblich traurige Musik sprechen.</p><p>Die Nacht roch nach Holzrauch. Willa schlug einen Spaziergang auf dem Uferdamm vor, und sie schlenderten Arm in Arm dahin. Diesmal war sie nicht so vorsichtig; die seidene W�lbung ihres Busens dr�ckte leicht gegen seinen Arm. Er sp�rte seine starke k�rperliche Reaktion.</p><p>Sie gingen nach rechts, zwischen den Piers und den steinernen Lagerh�usern und den Handelsgeb�uden hindurch. Ein gelblicher Mond tarnte den Schmutz und milderte die scharfen Silhouetten der gro�en Kisten und F�sser, die auf ihre Verschiffung warteten. Ein Wachmann, der auf einer Tonne sa�, nahm seine Maispfeife aus dem Mund. �Abend.� Seine linke Hand ruhte weiterhin auf seiner Schrotflinte.</p><p>�Es war ein herrlicher Abend�, sagte Willa seufzend. �Da Sie bereits wissen, da� ich sehr direkt bin, kann ich Ihnen genausogut sagen, da� ich ihn gern wiederholen w�rde.�</p><p>Jetzt, dachte Charles. Schlu� damit. Bela� es dabei. Aber er hatte zuviel von dem �ppigen Pomerol getrunken.</p><p>�Ich auch.�</p><p>�Gut. Wie lange mu� ich warten?�</p><p>�Bis zum Fr�hjahr, sch�tze ich. Dann kommt Jackson mit den Pferden zur�ck, die er w�hrend des Winters gesammelt hat.�</p><p>�In Ordnung.� Die schwarze Feder auf ihrem Hut wippte, als sie nickte. �Ab 1. April n�chsten Jahres liegt f�r Sie am Schalter eine Eintrittskarte bereit. F�r jede Vorstellung ist ein Logensitz f�r Sie reserviert. Wenn ich Sie im Publikum sehe, wei� ich, die Zeit f�r das n�chste Abendessen ist gekommen.�</p><p>�Abgemacht. Sie sind sehr zuversichtlich, da� das Theater gedeihen wird.�</p><p>�Ich werde daf�r sorgen.� Es war keine Angeberei, sondern sie brachte lediglich ihre �berzeugung zum Ausdruck. �Wie so viele andere Schauspieler auch ist Sam ein liebenswerter, charmanter Mann, eitel und alles, was dazugeh�rt. Aber er hat eine Schw�che f�r Alkohol. Wenn ich ihn trocken halten kann und wir drei oder vier neue St�cke in unser Repertoire aufnehmen, vielleicht eine Kom�die von Moliere und noch eines dieser Melodramen, die Sam unter dem Namen Samuels schreibt - sie sind f�rchterlich, wirklich, aber das Publikum liebt sie, weil er genau wei�, wie er aufw�hlende Texte f�r sich selbst zu schreiben hat -, wenn wir all das bis zu Ihrer R�ckkehr zustande bringen, dann schaffen wir es. Dann mu� man dran denken, Weitere Schauspieler f�r eine Tourneetruppe zu engagieren.�</p><p>�F�r Ihre jungen Jahre sind Sie sehr entschlossen.�</p><p>Sie beobachtete den Flu�. Ein gro�er, wei�er Schaufelraddampfer stampfte den Missouri flu�auf; ein Perlenband bernsteinfarbener Lichter kennzeichnete das Kabinendeck.</p><p>�Ist das nicht ein sch�ner Anblick, Charles?�</p><p>�Ja, aber diese Kabinenlichter l�sen ein einsames Gef�hl in mir aus.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe so empfunden, seit ich klein war und mit meinem Vater durch fremde St�dte reiste, immer von dem Wunsch beseelt, eine der Lampen w�re entz�ndet worden, um uns willkommen zu hei�en - es ist sp�t�, sagte sie abrupt. �Wir sollten zur�ckgehen. Ich kontrolliere immer noch, ob Sam im Bett liegt, und zwar n�chtern. Wir proben morgen fr�h &gt;Stra-�en der Schande&lt;.�</p><p>In entspanntem Schweigen gingen sie zur�ck, durch die n�chtlichen Ger�usche von St. Louis: ein Mann und eine Frau, die sich stritten; ein Banjo spielte <emphasis>Old Folks at Home;</emphasis> Stra�enk�ter kl�fften und bellten sich wegen ein paar Abf�llen an. �Das ist eine h�bsche Melodie�, sagte sie, als sie sich dem Theater n�herten. �Wie hei�t sie?�</p><p>�Was meinen Sie?�</p><p>�Die Melodie, die Sie eben gesummt haben.� Sie wiederholte einige Noten.</p><p>�Ich habe gar nicht gemerkt - das ist blo� eine kleine Melodie, die ich erfunden hab', weil sie mich an zu Hause erinnert.�</p><p>�Das ist etwas, was ich nie hatte, ein echtes Zuhause.� Sie hielt vor der B�hnent�r und holte den Schl�ssel aus ihrem Seident�schchen. �Sam schl�ft im B�ro, und ich habe mein Lager oben im Dachgescho� aufgeschlagen. Spart die Kosten f�r Unterkunft, obwohl ich hoffe, in ein besseres Quartier umziehen zu k�nnen, wenn wir eine gute Saison schaffen.� Sie hob den Kopf, wartete. Charles beugte sich herab und gab ihr einen br�derlichen Ku�, wobei er kaum ihren Mundwinkel mit seinen Lippen ber�hrte. Ihre linke Hand scho� hoch und pre�te ganz kurz seinen Nacken.</p><p>�Passen Sie drau�en im Westen auf sich auf. Ich m�chte Sie im Fr�hjahr wiedersehen.�</p><p>�Willa ...� Er k�mpfte mit sich, aber es mu�te gesagt werden. �Sie sind offen und direkt. Ich will es auch sein. Ich lebe ein Einsiedlerleben, vor allem jetzt, wo die Mutter meines Sohnes nicht mehr ist. Ich will keine - Bindungen.�</p><p>Ausdruckslos fragte sie: �Schlie�t das auch Freundschaften ein?�</p><p>Das kam �berraschend; er konnte nur wiederholen: �Bindungen.�</p><p>�Warum m�chten Sie keine Bindungen?�</p><p>�Menschen werden dadurch verletzt. Einer Person st��t etwas zu, und die andere Person mu� eine schlimme Zeit durchmachen. Ich wollte damit nicht andeuten, da� Sie und ich - das hei�t .� Er r�usperte sich. �Ich mag Sie, Willa. Dabei sollten wir es belassen.�</p><p>�Ich habe nichts dagegen einzuwenden, Charles. Gute Nacht.�</p><p>Sie schlo� die T�r auf und verschwand. Er blieb drau�en stehen, starrte das vom Mondschein �bersp�lte Geb�ude an und gratulierte sich selbst, da� er im richtigen Augenblick den Mund aufgemacht hatte.</p><p>Aber wenn er die Sache so gut hinbekommen hatte, warum erf�llte es ihn dann mit Freude, sogar mit �berraschender Sehnsucht, wenn er an ihr Gesicht dachte, an den Druck ihrer Brust gegen seinen Arm, an die Dinge, die sie gesagt hatte?</p><p>Etwas in ihm war in Bewegung geraten, etwas Gef�hrliches.</p><p>Du wirst viel Zeit haben, dar�ber wegzukommen, sagte er sich, als er sich umdrehte und auf den Hotelstall zumarschierte.</p><p>In Trumps Theater lehnte sich Willa gegen die Eingangst�r. �Nun�, sagte sie, �es war ja nur ein kleiner Hoffnungsschimmer.�</p><p>Schon vor langer Zeit hatte sie erfahren, da� in dieser Welt Hoffnungen leicht und oft zerst�rt wurden. Sie richtete sich auf, wischte sich fl�chtig �ber die Augen und ging dann auf den Lichtspalt zu, der sich unter der B�rot�r zeigte. Sams Schnarchen ri� sie aus dem Zauber der Nacht und weg von dem gro�en S�dstaatler und den n�rrischen Phantasien des Abends.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>September 1865. Cooper ist begnadigt.</emphasis></p><p><emphasis>Das habe ich von Judith. Sie fuhr mit Marie-Louise von Charleston her, um sich nach unserem Wohlergehen zu erkundigen. Ich zeigte ihnen das fast vollendete Schulhaus und stellte ihnen Prudence vor, von der siebegeistert waren. Wegen der Schule will Cooper nicht mehr herkommen. Judith sagt, er beharre darauf, da� die einzig akzeptable Gesellschaftsordnung nur darin bestehen kann, die Farbigen f�r immer den Wei�en unterzuordnen. Er gesteht ihnen Freiheit, aber nicht Gleichheit zu. Eine Ansicht, die Judith traurig stimmt.</emphasis></p><p><emphasis>Judith lie� - sich unserer wachsenden Isolation wohl bewu�t - einige Zeitungen aus Charleston da. Der dreizehnte Zusatz zur Verfassung ist ratifiziert und ein Minderheitsantrag von dem provisorischen Gouverneur Perry abgelehnt worden, den Sklavenbesitzern Wiedergutmachung zukommen zu lassen und den Negern nur handwerkliche Arbeiten zu genehmigen. Perry: �Nein, es ist vorbei -f�r immer vorbei - und darf nie wieder zum Leben erweckt werden.�</emphasis></p><p><emphasis>Zwei von Johnsons Bedingungen sind also erf�llt. Die dritte, Anerkennung der Kriegsschuld, noch nicht. Perry: �Es w�re ein Tadel South Carolinas, da� ihre Verfassung weniger republikanisch ist als die irgendeines anderen Staates.�</emphasis></p><p><emphasis>Delegierte sprachen die Empfehlung aus, James Orr zum Gouverneur zu w�hlen. Ein gem��igter Mann, Gegner der Hitzk�pfe und einst Sprecher des Repr�sentantenhauses in Washington: ich erinnere mich, da� du ihn respektiert hast. Als Mitglied des konf�derierten Senats pl�dierte er f�r Friedensverhandlungen und sagte eine sichere milit�rische Niederlage voraus. Niemand wollte auf ihn h�ren.</emphasis></p><p><emphasis>Bei einem Gesuch um Nachsicht gegen�ber Mr. Davis prallten die Meinungen hart aufeinander. Der Delegierte Pickens dr�ckte es sehr deutlich aus: �Es steht uns nicht an, zu prahlen und zu schwadronieren - zu drohen und uns aufzublasen. Unser Staat und die Meinung der Welt verpflichten uns, Carolinas Wunden zu verbinden und das �l des Friedens darauf zu gie�en.�</emphasis></p><p><emphasis>Einige pfiffen ihn aus. Sollen wir denn ewig Gefangene der alten Traditionen, der alten Leidenschaften, der alten Fehler bleiben?</emphasis></p><p><emphasis>In der D�mmerung bei der Einfahrt zu unserer Stra�e ein merkw�rdiges P�ckchen gefunden. Keine Ahnung, wie es dorthin gekommen ist</emphasis> ...</p><p>Das Maultier erkannte den zusammengesunkenen Schwarzen und stupste ihn an. Juba schleppte seinen m�den, arthritischen K�rper �ber die Veranda des Dixie Store. Schmerzerf�llt umklammerte er den T�rrahmen. Die beiden wei�en M�nner nahmen seine Gegenwart fast eine Minute lang nicht zur Kenntnis.</p><p>Schlie�lich fragte LaMotte: �Hast du es dort gelassen, so wie ich es dir gesagt habe?� Seine Gr��e lie� den bebrillten Ladenbesitzer Gettys wie einen kleinen Jungen erscheinen.</p><p>�Yessir, Mist' Desmond. Niemand mich geseh'n, auch nicht.�</p><p>�Wart drau�en�, sagte Des.</p><p>�Ich hab' gedacht, Sir - hab' nichts gegessen seit dem Morgen.�</p><p>�In ein paar Stunden sind wir wieder in Charleston. Du kannst dort essen.�</p><p>Juba wu�te, da� es keinen Sinn hatte zu widersprechen. Er schob sich hinaus in die D�mmerung, mit einem elenden Gef�hl im Herzen.</p><p>Des sagte: �Als ich hier darauf wartete, da� mein Nigger den Auftrag ausf�hrt, h�tte ich nie erwartet, jemanden wie Ihnen zu begegnen, Gettys.�</p><p>�Es sieht so aus, als w�rden wir die gleichen �berzeugungen teilen, Mr. LaMotte.�</p><p>�Was Sie �ber Mont Royal sagten, verbl�fft mich. Ich h�tte nie gedacht, da� diese schwarze Hexe so unverfroren sein k�nnte. Man mu� sie aufhalten. Wenn Sie davon genauso felsenfest �berzeugt sind, dann sollten wir uns zusammentun.�</p><p>�Jawohl, Sir, ich bin felsenfest davon �berzeugt.�</p><p>Drau�en in der Dunkelheit lehnte Juba seinen schmerzenden Leib gegen eine Eiche. Sein Kopf war voll von traurigen Gedanken �ber die Herzlosigkeit, zu der manche Menschen f�hig waren.</p><p>Madeline hielt das mysteri�se P�ckchen auf Armesl�nge von sich, um die groben Buchstaben auf dem Packpapier besser lesen zu k�nnen. Die Brille, die sie dringend n�tig gehabt h�tte, konnte sie sich nicht leisten.</p><p>madeline main. Sie sah es ganz deutlich. Aus ihrem Schaukelstuhl auf der anderen Seite der Lampe sagte Prudence: �Was um alles in der Welt k�nnte das sein?�</p><p>�Schauen wir nach.�</p><p>Sie �ffnete das flache, viereckige P�ckchen. Eine alte, vergilbte Daguerreotypie kam zum Vorschein, ungef�hr f�nfundzwanzig Zentimeter hoch. Das Bild zeigte eine der h��lichsten schwarzen Frauen, die sie je gesehen hatte, eine Frau mit langem Unterkiefer und hervorstehenden Schneidez�hnen. Die Frau l�chelte zwar, aber es war ein eigenartiges, b�sartiges L�cheln. Die gesamte Kleidung der Frau - R�schenkleid, Spitzenhandschuhe, Federhut - war wei�, ebenso wie der ge�ffnete Sonnenschirm, den sie �ber die Schulter hielt.</p><p>Madeline sch�ttelte den Kopf. �Das mu� irgendeine Anspielung auf meine Herkunft sein, aber ich kenne diese Frau nicht.�</p><p>Sie legte die Daguerreotypie auf ein kleines Bord. Beide Frauen studierten das Bild. Je l�nger sie schauten, desto unheimlicher wurde das l�chelnde Gesicht. In dieser Nacht sah Madeline es in ihren Tr�umen deutlich vor sich.</p><p>Am n�chsten Tag kam Lincoln wegen eines Problems in der S�gegrube ins Haus. Er begann gerade zu sprechen, da bemerkte er die Daguerreotypie und verstummte. Madeline hielt den Atem an.</p><p>�Lincoln, kennst du diese Frau?�</p><p>�Nein - ich - ja.� Er wich ihrem Blick aus. �Hab' mal f�r sie gearbeitet, zwei Wochen lang. Konnte ihre Gemeinheiten nicht aushalten, hab' meine Sachen gepackt und bin fortgerannt.� Er sch�ttelte den Kopf. �Wie kommt das f�rchterliche Ding in das Haus?�</p><p>�Jemand hat es gestern abend auf den Weg gelegt. Wei�t du, warum?�</p><p>Wieder wich er ihrem Blick aus.</p><p>�Lincoln, du bist mein Freund. Du mu�t es mir sagen. Wer ist diese Frau?�</p><p>�Nennt sich Neil Whitebird. Bitte, Miss Madeline ...�</p><p>�Sprich weiter.�</p><p>�Nun, wo ich gearbeitet hab', bei ihr, war ein Ort, wo viel wei�e Gentlemen kamen und gingen zu allen Stunden.�</p><p>Er hatte nicht das Herz, noch mehr zu sagen. Madeline legte eine Hand an die Lippen, �rgerlich, besorgt, auch ver�ngstigt. Wer immer auch ihre anonymen Peiniger waren, sie wu�ten nicht nur, da� zu einem Achtel Negerblut in ihren Adern flo�, sondern auch, da� ihre Mutter eine Prostituierte gewesen war.</p><p><emphasis>Es hat keine weiteren &gt;Geschenke&lt; oder anderen Vorf�lle gegeben. Prudence dr�ngt mich, das Bild zu verbrennen. Ich beharre darauf, da� wir es behalten, eine st�ndige Erinnerung, da� wir auf der Hut sein m�ssen</emphasis> ...</p><p>... <emphasis>Eine volle Woche verstrich - alles ruhig. Gouverneur Orr hat die Legislative einberufen, und es gibt lebhafte Debatten �ber eine Reihe neuer Gesetze zugunsten der befreiten Schwarzen sowie zur Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Von den bis jetzt vorgeschlagenen Gesetzen halte ich nicht allzuviel. Das ist nichts weiter als das alte System, verkleidet in neuem Gewand. Wenn sich jene, die Feldarbeiter ben�tigen, durchsetzen und diese Vorschriften Gesetz werden, dann werden wir sicherlich den Zorn der Nordstaaten ernten.</emphasis></p><p>... <emphasis>Ein freudiger Tag. Zumindest begann er so. Prudence hat ihre ersten Sch�ler, den zw�lfj�hrigen Pride und den vierzehnj�hrigen Grant, die S�hne unseres befreiten Negersklaven Sim und dessen Frau Lydie. Als die Jungs noch Francis LaMotte geh�rten, hatten sie affektierte klassische Namen - Jason, Ulysses. Letzterer drehte den Spie� um und nannte sich nach einem weniger popul�ren Ulysses!</emphasis></p><p><emphasis>Noch herzbewegender, wir haben eine wei�e Sch�lerin. Dorrie Otis ist f�nfzehn. Auf Dr�ngen ihrer Mutter kam sie voller Scheu zu uns, zeigte sich aber sehr schnell begierig, die Bedeutung dieser merkw�rdigen gedruckten Zeichen in B�chern zu verstehen. Ihr Vater ist ein armer Farmer, der nie im Besitz von Sklaven war, aber mit dem System sympathisierte. Ich bin sehr froh, da� seine Frau die Schlacht gewonnen hat, das M�dchen zur Schule zu schicken.</emphasis></p><p><emphasis>Ein einziger Tag der Freude - mehr gestand man uns nicht zu ...</emphasis></p><p>�Wach auf, Madeline!� Prudence sch�ttelte sie erneut. Madeline h�rte einen Mann br�llen. �Nemo ist drau�en. Es brennt.�</p><p>�Oh mein Gott.�</p><p>Madeline erhob sich hastig aus dem Schaukelstuhl, rieb sich die Augen. Mit ungeschickten Fingern schlo� sie die vier obersten Kn�pfe ihres beschmutzten Kleides. Sie hatte sie wegen der feuchten Hitze ge�ffnet und war dann im Schaukelstuhl eingeschlafen.</p><p>Sie rannte zur offenen T�r. Drau�en im Lampenschein tauchte Nemo mit tr�nenverschmiertem Gesicht auf. Sie sah den erhellten Himmel. �Ist es die Schule?� Er nickte nur; sprechen konnte er nicht.</p><p>Barfu� rannte sie aus dem Haus die sandige Stra�e entlang zu den alten Sklavenquartieren. Prudence hielt mit ihr Schritt; die Feuchtigkeit klebte das Baumwollnachthemd an ihren �ppigen Busen und die breiten H�ften. Der helle Schein drang durch die B�ume und beleuchtete ihren Weg.</p><p>Gerade als sie das Schulhaus erreichten, st�rzte die letzte Wand in einem Funkenregen nach innen. Die Hitze sprang sie an wie ein wildes Tier.</p><p>Prudence schien das nicht zu bemerken. �All meine B�cher sind da drinnen. Und meine Bibel�, schrie sie.</p><p>�Du kannst da nicht rein�, sagte Madeline und zerrte sie zur�ck.</p><p>Prudence wehrte sich einen Augenblick, bevor sie aufgab. In ihren Augen lagen Schmerz und Ungl�ubigkeit, als sie in die Flammen starrte.</p><p>Hinter den beiden Frauen versammelten sich einige Schwarze: Andy und Nemo und Sim mit ihren Frauen. Pride und Grant schauten verwirrt und verloren drein.</p><p>�Hat jemand hier irgendeinen Fremden gesehen?� fragte Madeline. Niemand hatte etwas bemerkt. Sim erkl�rte, da� ihn der Schein des Feuers geweckt habe; er hatte einen leichten Schlaf.</p><p>Madeline marschierte auf und ab vor Zorn. Sie schleuderte eine feuchte Haarstr�hne aus der Stirn. �Randall Gettys hat mich vor der Er�ffnung der Schule gewarnt. Vermutlich hat er die Hand hier im Spiel. Allerdings w�rde er nicht selbst ein Feuer legen, denke ich. Ich halte ihn f�r einen absoluten Feigling. Er brauchte Komplizen.�</p><p>Sie behielt die B�ume in der unmittelbaren Umgebung im Auge, besorgt, da� sich das Feuer noch weiter ausbreiten k�nnte, was allerdings nicht geschah. Die Flammen konnten die abgeholzte Fl�che um das Geb�ude nicht �berspringen und fielen in sich zusammen, strahlten aber weiter eine intensive Hitze aus.</p><p>�Das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wer die Feinde sind. Nun, da l��t sich jetzt auch nichts dran �ndern. W�rde jemand von euch hoch zum Haus gehen und mir das Bild dieser schwarzen Frau bringen?�</p><p>Lincoln trat vor. �Ich gehe.�</p><p>Er eilte davon. Madeline ging weiter auf und ab. Sie konnte ihre nerv�se Erregung kaum unter Kontrolle halten. Prudence redete sanft auf die Schwarzen ein, sch�ttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern, weil sie deren Fragen nicht beantworten konnte.</p><p>Lincoln kam mit der Daguerreotypie von Neil Whitebird zur�ck. Madeline nahm sie und n�herte sich vorsichtig den gl�henden �berresten. �Das Feuer war das Werk derart sch�ndlicher M�nner, da� sie ihre Taten nur im Schutz der Dunkelheit ausf�hren k�nnen. Ich bin mir sicher, die gleichen M�nner haben mir das geschickt.� Sie streckte den Arm aus, zeigte ihnen das Gesicht der Prostituierten. �Das ist eine schwarze Frau von �blem Charakter. Die M�nner, die diese Schule niedergebrannt haben, sagen, schwarz sei gleichbedeutend mit b�se, b�se gleichbedeutend mit schwarz. Gott m�ge sie verfluchen. Wi�t ihr, warum sie mir gerade dieses Bild geschickt haben? Meine Mutter war eine Terzeronin.� Verbl�fftes Schweigen. �Mehr noch, w�hrend einer gewissen Zeit in ihrem Leben verkaufte sie sich an M�nner. Doch mein Vater betete sie an. Heiratete sie. Ich halte sie in Ehren. Ich bin stolz darauf, da� ihr Blut in meinen Adern flie�t. Euer Blut. Sie wollen, da� wir das f�r einen Makel halten, ihrem Blut unterlegen. Wir sollen uns in einer Ecke zusammenducken und sie segnen, wenn sie uns ein paar Abf�lle zuwerfen, wir sollen dankbar sein, wenn sie uns auspeitschen. Nun, ich sage, zur H�lle mit ihnen. Und das halte ich von ihnen und ihren Taktiken und ihren Drohungen.�</p><p>Sie ri� die Daguerreotypie mitten durch und schleuderte die St�cke in die Glut. Sie rauchten, kr�mmten sich, brannten und waren verschwunden.</p><p>Madelines Gesicht gl�hte rot im Feuerschein. Vor Hitze und Zorn lief ihr der Schwei� �bers Gesicht. �Falls ihr euch dar�ber wundern solltet, jawohl, das alles regt mich schrecklich auf, aber �ndern tut sich dadurch nichts. Wenn die Asche kalt ist, r�umen wir sie weg und beginnen mit dem Bau eines neuen Schulhauses.�</p><p><emphasis>Eines der &gt;Negergesetze&lt;, das die neue Legislative albernerweise in Kraft gesetzt hat, definiert eine farbige Person als einen Menschen, der mehr als ein Achtel Negerblut hat. Also bin ich ausgenommen. Liebster, ich glaube jedoch, da� das keine Auswirkungen auf meine Gegner haben wird.</emphasis></p><p><emphasis>Ich bin �berzeugt davon, da� Mr. Gettys zu ihnen geh�rt. K�nnte der Tanzlehrer ebenfalls einer von ihnen sein? Ich wei� es nicht, und es k�mmert mich auch nicht sonderlich. Sie haben uns den Krieg erkl�rt, mehr brauchen wir nicht zu wissen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich mu� Dir sagen, Liebster, da� ich schreckliche Angst habe. Ich bin nicht besonders mutig. Doch ich wurde so erzogen, da� ich zwischen richtig und falsch unterscheide und f�r das Recht eintrete.</emphasis></p><p><emphasis>Die Schule ist richtig. Der Traum von einem neuen Mont Royal ist richtig. Ich werde mich nicht unterwerfen. Sie werden mich t�ten m�ssen, wenn sie meine Pl�ne vereiteln wollen.</emphasis></p><p>EINIGE VORSCHRIFTEN AUS SOUTH CAROLINAS &gt;VERHALTENSKODEX F�R SCHWARZE&lt;</p><p>1865</p><p>Einem Neger ist es gestattet, Grund und Boden zu erwerben und zu behalten.</p><p>Einem Neger ist es gestattet, vor den Gerichten Gerechtigkeit zu suchen, zu klagen und verklagt zu werden und als Zeuge in all den F�llen aufzutreten, in die nur Neger verwickelt sind.</p><p>Einem Neger ist es gestattet zu heiraten; der Staat wird diese Ehe und die Legitimit�t der Kinder aus dieser Ehe anerkennen.</p><p>Einem Neger ist es nicht gestattet, eine Person anderer Rasse zu heiraten.</p><p>Einem Neger ist es nicht gestattet, ohne spezielle Lizenz, die 10 bis 100 Dollar im Jahr kostet, einer anderen T�tigkeit als Farmer oder Diener nachzugehen.</p><p>Ein Neger darf per Autorit�t eines Gerichtsoffiziellen ausgepeitscht und zur�ckgebracht werden, wenn er einem Herrn fortl�uft, bei dem er sich als Diener verdingt hat; ist er noch keine 18 Jahre, so ist er nur m��ig auszupeitschen.</p><p>Ein Neger darf sich keiner Milizeinheit anschlie�en oder eine Waffe besitzen, mit Ausnahme einer Vogelflinte.</p><p>Ein Neger wird zur Feldarbeit abgestellt, wenn er von einem Gerichtsoffiziellen der Landstreicherei f�r schuldig befunden worden ist.</p><p>Ein Neger wird des Staates verwiesen oder zu harter Fron verurteilt f�r alle Verbrechen, die nicht die Todesstrafe nach sich ziehen.</p><p>Ein Neger wird zum Tode verurteilt, wenn er zur Rebellion aufruft, in ein Haus einbricht, eine wei�e Frau k�rperlich bel�stigt oder ein Pferd, ein Maultier oder einen Ballen Baumwolle stiehlt.</p></section><section><title><p id="bookmark15"><strong>11</strong></p></title><p><emphasis>Lieber Jack,</emphasis> schrieb Charles, <emphasis>ich gehe mit einer Handelsgesellschaft f�r 6 Monate im Jahr in den Westen. Mein Partner sagt, Du kannst jederzeit in Ft. Riley, Kansas, eine Nachricht hinterlassen. Ich melde mich bei Dir, sobald ich zur�ck bin. Ich hoffe, mein Sohn bleibt gesund und wird sich an mich erinnern und macht Dir und Maureen nicht zuviel Arger. Gib ihm einen Extraku� von seinem &gt;Pa&lt;.</emphasis></p><p><emphasis>Ich mu� das tun, weil ich nicht mehr in der Armee bin. Ich hatte in Jefferson Barracks einigen Arger...</emphasis></p><empty-line/><p>Ein Spalt strahlend hellen Lichts lag zwischen dem Land und den dichten, grauen Wolken, die im Westen schwer nach unten dr�ckten. Dem Kalender nach war es noch Sommer, September, doch die regenfrische Vegetation und die k�hle Luft lie�en einen an den Herbst denken.</p><p>Die gesamte Jackson Trading Company kam aus dem Wald geritten, vornweg ein Dutzend schwer mit Waren beladene Mulis. Leinenpacken bargen S�ckchen mit Glasperlen in unterschiedlichen Gr��en; Holzfu� Jackson bevorzugte Rauten- und Triangelformen, so wie jene, die am Brustbesatz seines Mantels glitzerten und blitzten.</p><p>Der H�ndler hatte Charles erkl�rt, da� Cheyenne-Frauen Perlen w�nschten, um damit die Gew�nder zu verzieren, die sie fertigten. Die Wei�en hatten Glasperlen in den Westen eingef�hrt, und die Vorliebe daf�r war bereits weitverbreitet. Eine �ltere, traditionellere Zierde stellten die Stachelschweinborsten dar, die es am Mississippi im �berflu�, auf den trockenen Hochebenen, wohin sie gingen, aber h�chst selten gab.</p><p>Auch einige relativ sperrige Gegenst�nde brachte Jackson mit. Eiserne Hacken, die l�nger hielten als das mit Riemen an einem Stock befestigte Schulterblatt eines B�ffels. Haltbarkeit war ebenfalls ein Vorteil eines anderen Artikels, den er in gr��eren Mengen mitf�hrte - ein kleines eisernes Rechteck, bei dem eine lange Seite mit einer Feile zugeschliffen worden war. Das Werkzeug ersetzte ein �hnliches Ger�t aus Knochen, mit dem die Haare von der B�ffelhaut geschabt wurden, die dann in Kleidungsst�cke und Tipiabdeckungen gen�ht wurden.</p><p>Der H�ndler meinte, es g�be noch viele andere Dinge, die er verkaufen k�nnte, aber er zog es vor, sich auf einige wenige Gegenst�nde zu beschr�nken, deren Beliebtheit stetig gewachsen war. All diese G�ter waren f�r Frauen bestimmt, wurden aber von M�nnern mit der am weitesten verbreiteten indianischen W�hrung bezahlt - mit Pferden.</p><p>Charles nahm das alles in sich auf, zusammen mit Holzfu�' Erkl�rung f�r seinen Erfolg.</p><p>�Es gibt H�ndler im Fort, die verkaufen die gleichen Sachen wie ich, aber die Cheyenne w�rden nicht mal in ihre N�he gehen. Und umgekehrt. Ich bringe seit fast zwanzig Jahren Waren in die D�rfer.�</p><p>�Regeln die Indianeragenten nicht den Handel?�</p><p>Holzfu� spuckte einen Klumpen Kautabak aus und brachte auf diese Weise seine Ansicht �ber das Indianerb�ro des Innenministeriums zum Ausdruck. �Das w�rden sie sicher gern, weil die meisten von ihnen nichts weiter als geldgierige Taugenichtse sind, die am liebsten den ganzen Handel an sich rei�en w�rden. Ich hab' ein wachsames Auge auf sie. Wenn sie mich nicht finden, k�nnen sie mich nicht aufhalten. Die Cheyenne werden mich nicht verraten, aus dem gleichen Grund, aus dem ich noch meine Haare hab'. Ich bin ihr Freund.�</p><p>�Der sich aber ins Gegenteil verwandeln kann, wenn man ihn betr�gt, ja?� Charles deutete auf die eingekerbte Feder.</p><p>�Nun, ja, das auch.�</p><p>Zigarrenrauch kringelte sich an der Krempe von Charles' brandneuem, flachem Filzhut vorbei. Er sa� bequem auf Satan; auf die Schenkelinnenseiten seiner Jeans hatte er Streifen abgeschabter B�ffelhaut gen�ht. Der Schecke war wieder in guter Verfassung, doch Charles achtete trotzdem auf leichte Z�gelf�hrung; wenn immer m�glich leitete er ihn durch Druck von Hand und Knie. Satan reagierte schnell; er war intelligent. Charles hatte keine schlechte Wahl getroffen.</p><p>In der Sattelscheide steckte ein gl�nzend neues Spencer-Repetiergewehr, das sieben Patronen aus einem Magazin verfeuerte. Sein Zigeunermantel verbarg ein Bowiemesser von einem Fu� L�nge und ein scharfes Beil mit Pawnee-Verzierungen, Federn und Perlenschn�ren am Schaft. Er war besser ausger�stet als die US-Kavallerie, die sich mit Kriegsrestbest�nden zufriedengeben mu�te.</p><p>Die herbstliche Landschaft, die k�hlen Temperaturen und die sinkende Nacht lie�en ihn melancholisch werden. Holzfu� versuchte das mit lebhafter Unterhaltung zu verscheuchen.</p><p>�Wie geht's der kleinen Schauspielerin? Verschmachtet sie vor Sehnsucht?�</p><p>�Das bezweifle ich.�</p><p>�Hast du vor, sie wiederzusehen?�</p><p>�Vielleicht im Fr�hjahr.�</p><p>�Charlie, du hast so einen komischen Ausdruck in den Augen. Hab' ich fr�her schon bei M�nnern gesehen. Hast du eine andere Frau verloren?�</p><p>�Ja. In Virginia. Ich spreche nicht gern dar�ber.�</p><p>�Dann tun wir's auch nicht. Trotzdem ganz nett, da� du als Trost die kleine Schauspielerin hast.�</p><p>�Sie ist nichts weiter als eine Bekannte. Au�erdem kann eine Frau nicht durch eine andere ersetzt werden. K�nnen wir das Thema fallenlassen?�</p><p>�Sicher. Du wirst das sowieso bald vergessen. Wo wir hingehen, gibt's massenhaft andere Sachen, die deine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen werden.� Sein Tonfall dr�ckte aus, da� er damit nicht Am�sements, sondern Gefahren meinte.</p><p>Charles w�nschte sich, er k�nnte Gus Barclay wenigstens f�r kurze Zeit vergessen, aber er war dazu einfach nicht in der Lage. In seinem Herzen hegte er den Wunsch, da� sein Gewissen ihn etwas intensiver an Willa Parker denken lassen m�ge. Ihre bezaubernde Mischung aus Jugend und Weitl�ufigkeit, Idealismus und fr�hlicher Toleranz fesselte seine Phantasie. Vermutlich konnte es nicht schaden, wenn er bei seiner R�ckkehr die angebotene Eintrittskarte akzeptierte.</p><p>Falls er zur�ckkehrte.</p><p>Holzfu� schien zuversichtlich, doch vor ihnen lag ein weites, leeres Land. Und es gab keinen Zweifel, da� die St�mme aufgebracht waren �ber die Pr�senz der Armee und den st�ndigen Zustrom der Einwanderer nach Westen.</p><p>Fenimore Cooper wedelte mit dem Schwanz und rannte vor den Reitern hin und her; einmal scho� er nach links, dann nach rechts, aber stets kehrte er fr�hlich bellend wieder zur�ck. Charles fragte sich, ob der Hund sich dar�ber freute, da� er jetzt noch keine Stangenbahre ziehen mu�te.</p><p>Boy entdeckte in einem Geb�sch einen blauen H�her und klatschte vor Vergn�gen in die H�nde. Charles paffte seine Zigarre und t�tschelte Satan. Die Jackson Trading Company wurde in der gewaltigen Waldlandschaft kleiner und kleiner und verlor sich schlie�lich in der Dunkelheit.</p></section><section><title><p id="bookmark17"><strong>12</strong></p></title><p>Ein Gewitter grollte �ber Richmond. Regen st�rzte aus den <sub>�</sub>Dachrinnen des Spitals und klatschte gegen die Grabsteine des unmittelbar s�dlich davon gelegenen Shockoe-Friedhofs. Das Toben des Unwetters hielt die Patienten in dieser d�steren Septembernacht wach.</p><p>Ein Patient lag auf der Seite, die Knie an die Brust gezogen, von den Armen fest umklammert. Sein Feldbett stand ganz hinten in der Reihe, so da� er sein Gesicht der blanken Wand zuwenden und seine Gedanken verbergen konnte.</p><p>In dem dunklen Raum mit der hohen Decke drehten und wendeten sich die M�nner und st�hnten vor sich hin. Die Lampe einer Oberin schwebte wie ein Leuchtk�fer dahin. Ein junger Mann mit einem vollst�ndig wei�en Bart richtete sich pl�tzlich auf. �Unionskavallerie. Sheridans Kavallerie auf der linken Flanke!�</p><p>Die Oberin eilte an sein Bett. Ihre Stimme bes�nftigte ihn. brachte ihn zum Schweigen. Dann schwebte ihre Lampe wieder davon.</p><p>Im Krieg war das Spital ein Krankenhaus der Konf�derierten gewesen. Gegen Ende zu war es vor�bergehend zum Hauptquartier f�r das Virginia Military Institute geworden, das durch Phil Sheridans Kavallerie vom Shenandoah vertrieben worden war. Nach der Kapitulation waren verschiedene Fl�gel wieder zur Aufnahme geistig gest�rter Veteranen ge�ffnet worden, jener menschlichen Wracks, die von der Flut des Krieges an den Strand gesp�lt und dort vergessen worden waren. Momentan beherbergte das Spital ungef�hr f�nfzig solcher M�nner. Hunderte, vielleicht Tausende von ihnen dr�ngten sich in den verw�steten St�dten des S�dens und trieben sich ohne jede Hilfe auf den zerst�rten Stra�en herum.</p><p>Der Patient auf dem letzten Feldbett kr�mmte und wand sich. Ein vertrauter, stechender Schmerz bohrte sich tiefer und tiefer in seine Stirn. Er litt an diesem Schmerz und einem zerbrochenen, fast deformierten K�rper, seit seinem fast t�dlichen Sturz in ...</p><p><emphasis>In ...</emphasis></p><p>Gott, sie hatten auch seinen Geist zerst�rt. Er brauchte zehn Minuten, blo� um diesen Gedanken zu Ende zu denken.</p><p><emphasis>In den James River.</emphasis></p><p>Ja. Der James. Er und einige Mitverschw�rer hatten geplant, die Konf�deration von diesem unf�higen Jefferson Davis zu befreien. Sie waren entdeckt worden von einem Armeeoffizier namens .</p><p><emphasis>Namens...</emphasis></p><p>Ganz gleich, wie sehr er sich m�hte, es wollte nicht zur�ckkommen, obwohl er wu�te, da� es f�r ihn gute Gr�nde gab, diesen Mann zu hassen. In dem anschlie�enden Kampf nach der Aufdeckung der Verschw�rung hatte der Mann ihn aus einem Fenster �ber dem Flu� gesto�en.</p><p>Lebhaft erinnerte er sich an den Schock des Sturzes. Nie hatte er solche Schmerzen erdulden m�ssen. Felsen h�mmerten gegen seinen Kopf, sein Hinterteil und seine Beine, als er nach unten st�rzte und schlie�lich auf die Wasseroberfl�che aufschlug.</p><p>Er hatte einen wiederkehrenden Alptraum von dem, was dann geschah. Er versank, k�mpfte gegen die Str�mung an, um wieder an die Oberfl�che zu gelangen, und schaffte es nicht. Im Traum ertrank er. Die Realit�t war anders. Irgendwie hatte er sich durch eigene Bem�hung oder durch Zufall auf eine Uferbank flu�abw�rts geschleppt, eine Menge Wasser erbrochen und das Bewu�tsein verloren.</p><p>Seit dieser Nacht war er ein anderer Mensch geworden. Der Schmerz war nun sein st�ndiger Begleiter. Seltsame Lichter f�llten h�ufig seinen Kopf. Jetzt, inmitten des Unwetters, sah er sie wieder, gelbe und gr�ne Nadelblitze, die zu scharlachroten, blendend wei�en Sternen erbl�hten. Als w�re das noch nicht genug des Leidens, lie� ihn auch noch st�ndig sein Ged�chtnis im Stich.</p><p>Irgendwie hatte er Richmond erreicht und die gro�e Feuersbrunst �berlebt, die in der Nacht, als die konf�derierte Regierung st�rzte, einen Gro�teil der Stadt zerst�rte. Er hatte sich durchgeschlagen, indem er nachts durch die Stra�en schlich und Leute �berfiel. Sein letzter �berfall hatte ihm zwei Dollar und den h�bschen, wenn auch altmodischen Zylinderhut eingebracht, der jetzt auf dem Regalbrett �ber seinem Feldbett lag. L�ngere Zeitspannen mu�te er ohne Nahrung auskommen -zwei, drei Tage hintereinander. Dann klaffte eine L�cke in seiner Erinnerung, und danach war er in dem Spital aufgewacht. Sie sagten ihm, er sei auf der Stra�e zusammengebrochen.</p><p>Warum konnte er sich zu gewissen Zeiten an manche Dinge erinnern und an andere nicht? Dann wieder tauchten klar und deutlich neue Erinnerungen auf, w�hrend die alten stunden-, manchmal tagelang f�r ihn nicht mehr greifbar waren. Das alles war ein Teil dessen, was ihm angetan worden war von ...</p><p><emphasis>Von ...</emphasis></p><p>Es wollte ihm nicht einfallen.</p><p>Es regnete heftiger, ein Ger�usch wie ferner Trommelwirbel. Seine Hand kroch unter die Matratze wie eine blinde, wei�e Spinne, auf der Suche nach etwas, woran er sich erinnerte. Er f�hlte es, zerrte es hervor, pre�te es fest gegen sein schmutziges Nachthemd. Ein zerfleddertes Magazin, das man ihm w�hrend einer seiner helleren Perioden gegeben hatte. <emphasis>Harper's New Monthly</emphasis> vom Juli dieses Jahres.</p><p>Er erinnerte sich an einzelne Abs�tze, Schilderungen der gro�en Parade der Armeen von Grant und Sherman in Washington, die zwei Tage andauerte im ...</p><p><emphasis>Im</emphasis> ...</p><p>Mai, das war's.</p><p>Im Dunkeln ballte er seine Hand zur Faust. Ich h�tte auch marschieren sollen. Man hat mich daran gehindert. Man hat mich daran gehindert, die Rolle zu spielen, f�r die ich geboren war.</p><p>Er konnte es deutlich vor sich sehen. Er ritt einen wunderbaren Hengst, nahm den Jubel der Menge durch eine leichte Verbeugung entgegen, salutierte mit seinem S�bel vor Pr�sident Lincoln, ritt dann weiter auf seinem t�nzelnden Hengst, w�hrend die schwitzende, ehrfurchtergriffene Menge skandierte: <emphasis>�Bon-aparte. Bon-aparte.�</emphasis> Er war der amerikanische Bonaparte.</p><p>Nein, er <emphasis>h�tte</emphasis> es werden sollen. Sie hatten ihn daran gehindert, diese M�nner namens ...</p><p><emphasis>Namens...</emphasis></p><p>Sinnlos.</p><p>Aber eines Tages w�rde er sich an sie erinnern. Eines Tages. Und wenn es soweit war, dann mochte Gott ihnen gn�dig sein, ihnen und all denen, die zu ihnen geh�rten.</p><p>Den gr��ten Teil der Nacht lauschte er dem Trommeln des Regens. Gegen vier Uhr schlief er ein. Um sechs erwachte er, immer noch das zerfetzte <emphasis>Harper's-Magazin</emphasis> umklammernd. Obwohl er schmerzfrei war, f�hlte er sich elend und ungl�cklich. An den Grund daf�r konnte er sich nicht erinnern.</p><p>Er konnte sich nicht einmal an seinen eigenen Namen erinnern.</p></section></section><section><title><p id="bookmark18">Zweites Buch</p><p id="bookmark19"><strong>Eine Winterbilanz</strong></p></title><section><p><emphasis>Es ist bedauerlich, da� der Charakter des Indianers, wie ihn Cooper in seinen interessanten Romanen beschreibt, nicht sein wahrer Charakter ist. ... Der sch�nen Romantik beraubt, die wir ihm so lange zugestanden haben, von den einladenden Seiten des Romanciers auf die �rtlichkeiten �bertragen, wo wir gen�tigt sind, uns mit ihm auseinanderzusetzen, in seinem heimischen Dorf, auf dem Kriegspfad und bei �berf�llen auf unsere Grenzsiedlungen und Fahrtrouten, verliert der Indianer jeden Anspruch darauf, als</emphasis> edler <emphasis>roter Mann bezeichnet zu werden. Wir sehen ihn so, wie er ist und wie er immer gewesen ist... ein Wilder im wahrsten Sinne des Wortes.</emphasis></p><p>General G.A. Custer My Life on the Plains 1872-1874</p><empty-line/><p><emphasis>Ich wurde in der Pr�rie geboren, wo der Wind frei weht und wo nichts das Licht der Sonne bricht. Hier m�chte ich sterben und nicht innerhalb von W�nden und Mauern.</emphasis></p><p>Comanchen-H�uptling Zehn B�ren Mediane Lodge Creek 1867</p></section><section><title><p id="bookmark20"><strong>13</strong></p></title><p>Silberne Gischt spr�hte hoch, als sie in der blendenden Helle <emphasis>W</emphasis> des Morgens den Flu� durchquerten. Das mit Schlamm bedeckte Tal gl�nzte nach dem Regen. Indianer, die auf ihren Bohnen- und K�rbisfeldern arbeiteten, winkten mit ihren Hacken und schrien Begr��ungen. Stromaufw�rts, halb im Dunst verschwommen, standen die soliden, mit Rasenst�cken gedeckten Holzh�tten; auf ihrem Weg zu dieser Furt waren die H�ndler an dieser Indianersiedlung vorbeigekommen.</p><p>�Kansa�, sagte Holzfu�, und deutete auf die Feldarbeiter. �Werden auch Kaw genannt.� Er f�hrte seine Gef�hrten aus dem seichten Wasser in wogendes, fu�hohes Bartgras. �Sie kommen fast mit jedermann aus. Sch�tze, das hat vor langer Zeit mal f�r alle St�mme gegolten. Selbst f�r die Cheyenne, als sie noch in Minnesota oder wo auch immer lebten. Jetzt trifft das nicht mehr zu. Die Gr�nde daf�r wirst du bald sehen.�</p><p>Auf ihrem weiteren Weg nach Westen sahen sie die Gr�nde:</p><p>Westw�rts ziehende Auswandererwagen, deren wei�e Planen im Herbstwind flatterten.</p><p>Eine Kutsche der Butterfield-Overland-Express-Linie, die in einer Staubwolke auf der Smoky-Hill-Route dahindonnerte.</p><p>Ein Arbeitslager der Eisenbahn, mit aufgereihten Waggons auf Schienen, die mitten in einem Feld voller Disteln und Klee endeten.</p><p>�Das hier ist Stammesland, Charlie. Die Indianer sind daran gew�hnt, �berall herumzustreifen, so wie diese Araber auf der anderen Seite der Welt. Solange man zur�ckdenken kann, haben sie von der Freigebigkeit des Landes gelebt. Vor allem von der Jagd und den B�ffeln. Die Kansa zum Beispiel haben sich gewandelt, haben sich fest niedergelassen. Die Cheyenne nicht. Sie leben noch so wie fr�her. Also kann man ihnen nicht einfach ihr Land stehlen oder sie auf eine Farm abschieben und erwarten, da� sie einem daf�r die F��e k�ssen. Deshalb t�ten einige von ihnen Menschen. Hast du nicht dasselbe getan, als die Jungs von der Union �ber dein Land marschierten?�</p><p>�Jawohl, Sir�, sagte Charles; er verstand durchaus, was der H�ndler meinte.</p><p>In Topeka kaufte Holzfu� eine Ladung Blecht�pfe. �Die m�gen die Frauen lieber als grobe Lederbeutel oder zusammengen�hte B�ffelm�gen. Da k�nnen sie Wasser kochen, ohne das Theater, hei�e Steine reinwerfen zu m�ssen.�</p><p>Die neuen G�ter erforderten, da� nun Fen einen Teil der Last schleppte. Der Collie zog die Stangenbahre, auf der ihre Zeltstangen und die Abdeckung lagen. Stundenlang trabte er so dahin; nur an seiner heraush�ngenden Zunge konnte man sehen, wie er sich anstrengte.</p><p>Von einem Kavallerietrupp erfuhren sie, da� die gro�e Friedenskonferenz, von der Willa gesprochen hatte, unten am Little Arkansas begonnen hatte. Der Captain, der das Kommando f�hrte, sagte: �Ihr Jungs k�nntet ausnahmsweise mal einen friedlichen Winter erleben.�</p><p>�Verdammter Narr�, sagte Holzfu�, nachdem der Trupp weitergeritten war. In der frostigen Herbstluft schwitzte sein ger�tetes Gesicht �berraschend stark. �Der Captain ist auch einer von denen, die keine Ahnung haben, wie die St�mme funktionieren. Er denkt, wenn ein Friedensh�uptling wie Schwarzer Kessel, mit dem wir verhandeln werden, sein Zeichen unter einen Vertrag setzt, dann legen alle anderen die F��e hoch und packen ihre Waffen weg. Verflucht wenige kapieren, da� kein Indianer f�r alle Indianer spricht. War noch nie so und wird nie so sein.�</p><p>�Ich glaube, du hast eine ganz sch�n hohe Meinung von den s�dlichen Cheyenne.�</p><p>�Das habe ich, Charlie. Sie sind die besten Reiter der Welt. Au�erdem bin ich lange genug hier drau�en, um sie auch von einer anderen Seite zu kennen, nicht blo� als einen Haufen kupferfarbiger Wilder. Wenn ein Mann aus der Hundegemeinschaft die Frau eines Farmers vergewaltigt, dann kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit die Kavallerie an und erschie�t irgendeinen friedlichen alten H�uptling, weil ihnen der Unterschied nicht klar ist. Ich hatte Gl�ck; Papa hat mir beigebracht, jeden von ihnen als Einzelperson zu sehen. Es gibt Gute und Schlechte, wie bei allen anderen Menschen auch. Vor ein paar Jahren habe ich eine Indianerin so geliebt, da� ich sie zur Frau nehmen wollte. Sie starb, als sie einem kleinen M�dchen das Leben schenkte. Eine Woche sp�ter starb das Baby.�</p><p>Pl�tzlich hustete er; den Kopf vorgebeugt, die Kiefer zusammengebissen, so krallte er eine Hand in sein Hemd. Charles z�-gelte Satan, lehnte sich nach links und griff nach Holzfu�' Arm. �Was ist? Tut dir was weh?�</p><p>�Nichts .� Der alte H�ndler schnaufte tief durch. �Nicht der Rede wert.� Er keuchte mit tr�nenden Augen. �Mein Papa hatte ein schwaches Herz. Hat er mir vererbt. Mach dir deswegen keine Sorgen. Los, weiter geht's.�</p><p>Die niedrigen H�gel begannen auszulaufen, die Weiden und Pappeln wurden sp�rlicher. Sie ritten durch kurzes B�ffelgras; das einzige Anzeichen von Leben waren die Erdh�gel der schwarzschw�nzigen Pr�riehunde. Das Herbstlicht �berflutete alles, schuf eine neue Sch�nheit. Charles h�tte nicht direkt sagen k�nnen, da� er gl�cklich war, doch mit jedem Tag dachte er etwas weniger an Augusta Barclay.</p><p>�Okay, Charlie�, sagte Holzfu�, als sie die Smoky Hills durchquert hatten. �Zeit f�r dich, in die Schule zu gehen.�</p><p>�Du wei�t nie, wann du schnell sein mu�t, Charlie. Boy und ich, wir haben so lange ge�bt, bis wir das Tipi in zehn Minuten auf und in der halben Zeit abbauen konnten. Sch�tze, mit deiner Hilfe schaffen wir das noch schneller. Hast du bemerkt, da� der runde Eingang immer nach Osten schaut? Auf die Weise entgeht man den meisten der gro�en St�rme und Regeng�sse aus dem Westen, und du kriegst die Morgensonne ab. Au�erdem lassen sich die St�mme so gern daran erinnern, da� es der Gro�e Geist ist, der ihnen Licht und Nahrung schickt. Los, beeilen wir uns, Charlie. Wenn du dein Abendessen willst - in acht Minuten ist die Sonne weg.�</p><p>Der Schein des Feuers flackerte �ber die Rolle Messingdraht. Holzfu�' Haar, von Anfang an schon lang, war nun so gewachsen, da� man es flechten konnte. Er legte eine Windung Draht nach der anderen um den Zopf �ber seiner linken Schulter.</p><p>Charles kaute auf einem St�ck Pemmikan herum, einem Brocken gep�keltes B�ffelfleisch, nach Zugabe von Fett und Beeren geh�rtet. �Wenn du dich damit nicht rum�rgern willst, kannst du deine Haare mit meinem Messer schneiden.�</p><p>�Oh nein. Schneidest du einem Mann das Haar ab, dann nimmst du ihm sein Leben im Jenseits. Wenn ein Cheyenne je einen Haarschnitt verpa�t kriegt, dann verbrennt seine Frau die abgeschnittenen Haare, so da� niemand ein Unheil damit anrichten kann.�</p><p>Boy sprang aufgeregt in die H�he. �Stra�e! Stra�e!�</p><p>Charles' Blick folgte dem ausgestreckten Finger des Jungen zu dem Schleier der Sterne, der sich am Himmel ausbreitete. �Das ist die Milchstra�e, Boy.�</p><p>�Das ist die h�ngende Stra�e, Charlie�, sagte Holzfu�. �Der Trail, auf dem die Cheyenne in die geistige Welt reisen. Die Stra�e zum Ort der Toten.�</p><p>Der H�ndler streichelte seinen Neffen, um ihn zu beruhigen, �ffnete dann seine mit Stachelschweinborsten und bemalten Mustern verzierte B�ffelhauttasche. Er holte eine Rolle sauberer, weicher Tierhaut hervor, die er neben dem Feuer ausbreitete. Dann �ffnete er kleine T�pfchen mit roter und schwarzer Farbe, die er mit Spucke anfeuchtete. Zu Charles' �berraschung f�rderte er einen kleinen Malerpinsel zutage. Mit schwarzen Strichen begann er die obere linke Ecke der Haut zu bemalen. Eine Linie von drei Pferden und Reitern, durch Striche gekennzeichnet. Er beendete das Werk mit einer kleineren, vierbeinigen Figur im Vordergrund.</p><p>�Was um alles in der Welt soll das sein?� fragte Charles.</p><p>�Der Beginn unserer Winterbilanz. Eine Art Bildgeschichte �ber einen Winter im Leben eines Mannes. H�uptlinge und Krieger machen das.� Er grinste. �Ich sch�tze, die Jackson Trading Company ist wichtig genug, um sich dieses Jahr so was auch leisten zu k�nnen.�</p><p>Sie sahen eine B�ffelherde auf ihrer jahreszeitlich bedingten Wanderung nach S�den. An einem bis auf ein kleines Rinnsal ausgetrockneten Flu� warteten sie stundenlang, bis die Herde vor�bergezogen war. Von Anfang bis Ende ma� sie ungef�hr sechs bis sieben Meilen, bei einer Breite von gut einer Meile. Holzfu� deutete auf die alten Leitbullen.</p><p>�Ein Name, den die St�mme f�r den B�ffel haben, lautet Onkel. Da er ihnen so ziemlich alles bietet, was sie essen oder irgendwie verwenden k�nnen, meinen sie, da� er fast schon ein Verwandter ist.�</p><p>Unter einem h��lichen grauen, von silbernen Blitzen durchzuckten Himmel hielt Charles seinen Hut fest und betrachtete mit zusammengekniffenen Augen durch den wirbelnden Staub hindurch die acht jungen, mit Lanzen und Gewehren bewaffneten Indianer. Sie befanden sich in Rufweite, und Charles konnte sie deutlich br�llen h�ren: �Hundes�hne! Hundes�hne!�</p><p>Ein Krieger kniete auf dem R�cken seines Ponys, streckte ihnen sein Hinterteil entgegen und machte mit dem Daumen seiner rechten Hand die entsprechende Geste dazu. Holzfu� seufzte: �Wir bringen ihnen wirklich nur das Beste bei.�</p><p>Boy dr�ngte sein Pferd dicht an das seines Onkels heran. Mit trockenem Mund schob Charles die Spencer auf sein rechtes Bein. Ein Blitz ri� den Himmel von Osten nach Westen auf, gefolgt von fernem Donner. Hinter den Kriegern wogte eine Herde von mindestens f�nfzig wilden Hengsten, Stuten und Fohlen. Die wei�en M�nner hatten angehalten, als sie die Indianer entdeckten, die ihre Herde �ber niedrige H�gel trieben.</p><p>�Das ist Geld auf Hufen, diese Pferde da�, sagte Holzfu�. �Der Reichtum des Stammes. Sie werden nicht riskieren, die Herde zu verlieren, indem sie uns angreifen. Sie attackieren meist nur dann, wenn sie in gro�er �berzahl sind oder man in der Falle sitzt oder sie provoziert. Sie sind nah genug, um zu sehen, da� wir die Dinger hier haben.�</p><p>Er schwenkte sein Gewehr ein paarmal �ber seinem Kopf. Die Krieger antworteten mit drohend gesch�ttelten F�usten und weiteren Obsz�nit�ten. Als der Wind st�rker wurde und der Regen einsetzte, ritten sie mit ihrer Herde davon. Es dauerte zehn Minuten, bis Charles sich wieder beruhigt hatte. Im Krieg war er zwar auch nie frei von Furcht gewesen, aber hier drau�en war sie deutlicher, existentieller. Vielleicht lag es an der endlosen Ausdehnung nach allen Seiten. All das leere, einsame, wundersch�ne Land.</p><p>�Tauch weg, Charlie!� schrie Holzfu�. �Tauch weg und schie�!� Charles warf sich, die F��e in den Steigb�geln, nach links. Eine Sekunde lang war er, so zwischen Sattel und Gras h�ngend, w�hrend Satan weitergaloppierte, �berzeugt davon, da� er sich jeden Moment das Genick brechen w�rde.</p><p>Er brach es sich nicht. Seine Schenkel umklammerten den Pferdeleib, seine linke Hand scho� unter dem Hals des Schecken durch und h�ngte sich ein. So klebte er auf der linken Seite des Schecken, gesch�tzt von dem Pferdeleib, und versuchte die unter ihm dahinfliegende Pr�rie zu vergessen.</p><p>�Schie�!� bellte sein Lehrmeister. Er zog sich weit genug nach oben, um einen Schu� �ber den Widerrist des rasenden Pferdes hinweg abzugeben. Holzfu� br�llte seine Anerkennung. �Noch mal!�</p><p>Nach f�nf Sch�ssen gab sein Arm nach, und er st�rzte; im letzten Augenblick vor dem Aufprall erinnerte er sich daran, sich zu entspannen. Nach dem Sturz blieb er keuchend, halb bewu�tlos liegen.</p><p>Fen umkreiste ihn bellend. Boy h�pfte und klatschte ihm Beifall. Holzfu� zog ihn hoch, schlug ihm auf den R�cken, um ihm beim Atmen zu helfen. �Gut, Charlie. Besser als gut. Verdammt gut. Du besitzt ein angeborenes Talent f�r die �berlebensk�nste, die man in den Pr�rien braucht. Eine echte Gabe, wei� Gott.�</p><p>�Du meinst, es ist wichtig zu wissen, wie man hinter einem Pferd hervor schie�t?� fragte Charles einigerma�en skeptisch.</p><p>Holzfu� zuckte mit den Schultern. �Je mehr du kannst, desto besser sind deine Chancen, deinen Skalp zu retten, wenn ein paar wilde Cheyenne hinter uns her sind. Diesen kleinen Trick mit dem seitlichen Abkippen setzen sie gern ein. Bei ihnen ist das ein Spiel zu Pferd, mit gepolsterten Lanzen. Sie versuchen sich gegenseitig runterzusto�en. Irgendjemand mu� rausgekriegt haben, da� es viel sicherer ist, auch so zu schie�en. Wie f�hlst du dich?�</p><p>Satan kam zur�ckgetrottet, senkte den Kopf und blies Luft durch die N�stern. Charles l�chelte, �ber und �ber mit Staub bedeckt. �An allen Ecken und Enden zerschlagen. Ansonsten geht's mir bestens.�</p><p>�Gut. Ich denke, wir sollten es noch einmal probieren. Ich meine, schlie�lich bist du runtergefallen.�</p><p>An diesem Abend f�gte Holzfu� ihrer Winterbilanz eine weitere bildliche Darstellung hinzu. Die Strichfigur repr�sentierte Charles, der schie�end auf der Seite seines galoppierenden Pferdes hing. Stolz stieg in Charles auf, als der H�ndler ihm das fertige Bild zeigte. Zum erstenmal seit Wochen schlief er v�llig traumlos.</p><p>Sie ritten weiter nach S�den, immer noch als Sch�ler und Lehrer.</p><p>�Das hier bedeutet Cheyenne.� Holzfu� fuhr mehrmals schnell mit seinem rechten Zeigefinger �ber den linken. �In Wirklichkeit hei�t das gestreifter Pfeil, aber es bedeutet Cheyenne, weil sie gestreifte Truthahnfedern f�r ihre Pfeile ben�tzten.�</p><p>Charles ahmte das Zeichen einige Male nach. Dann schlo� Holzfu� seine Hand, lediglich der Zeigefinger und der kleine Finger waren ausgestreckt: �Pferd.�</p><p>Und die sich mit den Fingerspitzen ber�hrenden H�nde, ein umgekehrtes V: �Tipi.�</p><p>Je eine Faust an einer Schl�fe, mit ausgestreckten Zeigefingern: �Das Zeichen kannst du erraten.�</p><p>�B�ffel?�</p><p>�Gut, gut. Jetzt brauchst du nur noch tausend weitere Zeichen zu lernen, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger.�</p><p>Der Unterricht deckte die verschiedensten Themenbereiche ab. Holzfu� trieb sein Pferd einen leichten Abhang hinab, immer hin und her, ein st�ndiges Z-Muster.</p><p>�Ist ein Indianer zu weit entfernt, um dein Gesicht oder deine Waffen erkennen zu k�nnen, dann bedeutet dies, du kommst in friedlicher Absicht.�</p><p>Und w�hrend sie eine weitere wilde Pferdeherde am Horizont nach S�dosten ziehen sahen:</p><p>�Da drau�en, Charlie, mu�t du deine Begriffe und Vorstellungen umkehren. Die Regeln und Sitten des wei�en Mannes gelten da nicht. Wenn du beispielsweise in Topeka ein Pferd stiehlst, dann h�ngen sie dich auf. Wenn du hier zehn oder zwanzig St�ck von einer fremden Herde wegtreibst, dann ist das eine ungemein tapfere Tat. Wenn wir es lernen, mit den Indianern auf der Grundlage ihrer Denkweise zu verhandeln anstatt auf unserer, dann k�nnte es auf den Pr�rien echten Frieden geben.�</p><p>In dem stahlfarbenen Morgen neben einigen Spuren kniend:</p><p>�Was liest du daraus, Charlie?�</p><p>Er studierte die Abdr�cke, eine Anzahl von fast identischen Markierungen, die sich �berlappten und teilweise ausl�schten. Er warf einen Blick auf Fen, der vom Ziehen der Stangenbahre keuchte, schaute dann hinaus aufs flache, leere Land. �Stangenbahren. Eine ganze Menge davon, nach diesen Spuren zu urteilen. Ein Dorf.�</p><p>�Das ist es, was du denken sollst. Aber schau die zwei Meilen zur�ck, wo diese Spuren angefangen haben. Du wirst keine Hundeschei�e seh'n. Blo� Pferde�pfel. Keine Hunde, kein Dorf. Ein paar Krieger haben das gemacht, mit steinbeschwerten, an ihre H�fte gebundenen Stangen. Du zwinkerst ein paarmal mit den Augen, und schon haben sie dir ein Dorf vorgezaubert, gro� genug, um dich abzuschrecken. Furcht ist eine m�chtige Medizin. Sie kann dich dazu verf�hren, das zu sehen, was du erwartest, anstatt das, was ist. Schau.�</p><p>Er stellte sich in den Steigb�geln auf und deutete nach vorn. Auf einem H�gel im S�dosten sah Charles vier Reiter, so weit entfernt, da� ihre Gestalten wie Miniaturen wirkten.</p><p>�Da hast du dein ganzes Dorf. Wenn du blo� auf die Spuren achtetest, w�rdest du einen weiten Bogen drum machen, nicht wahr?�</p><p>Charles kam sich albern vor und lie� es sich auch anmerken. Holzfu� schlug ihm auf die Schulter, um anzudeuten, da� das alles zu seinem Lernproze� geh�rte. Dann feuerte er einen Schu� in die Luft. Der dr�hnende Knall rollte bis zu den fernen Reitern, die schnell aus ihrem Blickfeld trabten. Ebenso wie die anderen Lehrstunden brannte sich das wie ein wei�gl�hendes Eisen in Charles' Kopf.</p><p><emphasis>Furcht ist eine m�chtige Medizin. Sie kann dich dazu verf�hren, das zu sehen, was du erwartest, anstatt das, was ist.</emphasis></p><p>Als er an diesem Abend am Lagerfeuer den Vorfall mit roten und schwarzen Strichen ihrer Winterbilanz hinzuf�gte, sagte Holzfu� mit milder Stimme: �Du vergi�t sie allm�hlich ein bi�chen? Ich meine die, die du verloren hast?�</p><p>�Ein bi�chen.� Jetzt dachte er gelegentlich auch an Willa. �Daf�r bin ich dir dankbar.�</p><p>Holzfu� wedelte mit dem zierlichen Pinsel. �Geh�rt alles zum Job. Ich wu�te, ich mu� dich aus deinen tr�ben Stimmungen rei�en, wenn ich einen echten Partner haben will. Hier drau�en gibt's einfach zu viele interessante Sachen und viele Gefahren, als da� ein Mann in seinen Kummer versunken bleiben k�nnte. Man mu� auf der Hut sein, um seinen Skalp zu behalten.�</p><p>�Das glaube ich dir�, sagte Charles. Er lehnte sich auf seine Ellbogen zur�ck und sp�rte, von Feuer und Freundschaft gew�rmt, eine neue, wenn auch zerbrechliche Zufriedenheit. Er begann diesem Teil der Welt die gleiche Zuneigung entgegenzubringen, wie er sie damals f�r Texas empfunden hatte.</p><p>Ungef�hr eine Stunde vor Anbruch der Morgend�mmerung weckte ihn ein vertrauter Druck. Schon wieder mal zuviel von dem verdammten Kaffee getrunken.</p><p>So leise wie m�glich rollte er sich aus seinem B�ffelmantel. Das schwache Licht der gl�henden Asche in der Mitte des Tipis lie� seine Atemwolken sichtbar werden. Er kn�pfte die Riemen los und schl�pfte lautlos durch das runde Loch.</p><p>Er h�rte die Pferde und Maultiere in ihrer Reihe unruhig stampfen und fragte sich, warum. Die kalte, sternenklare Nacht lag ruhig da. Eines war sicher, Fen w�rde sich niemals bemerkbar machen, wenn hier irgendein Raubtier herumschlich. Er war alles andere als ein Wachhund.</p><p>Charles ging einem kleinen Bach entlang, weg von dem schwachen Schein im Inneren des Tipis. Er machte seine Hose, dann seine Unterhose auf. �ber das Wasser hinweg h�rte er eine Stimme.</p><p>Er h�rte auf zu pinkeln, zerrte seine Kleidung zurecht und griff automatisch nach seiner H�fte.</p><p>Der Colt war nicht da. Beim Schlafen legte er ihn neben den Kopf. Sein Bowiemesser hatte er allerdings in der G�rtelscheide stecken.</p><p>Er kroch zur�ck und sah die Silhouetten, die sich vor dem Feuer gegen die Tipiplane abzeichneten. Zwei Leute sa�en, eine dritte Person stand zwischen ihnen, in der Hand einen stumpfen Gegenstand.</p><p>Ein Revolver.</p><p>Charles fuhr sich mit der Zunge �ber die aufgesprungenen Lippen, blinzelte heftig, um den Schlaf zu vertreiben, und kroch auf das Tipi zu. Der Eindringling mu�te sich, ohne ihn zu sehen, in das Zelt geschlichen haben, kurz nachdem er es verlassen hatte. Jetzt sprach er gerade mit Boy.</p><p>�Du, lieg still, du fa�k�pfiger Idiot. Wenn du dich r�hrst, blas' ich dem alten Narren hier die Hirnpfanne in alle Winde.� Der Schattenri� des Mannes rammte den Revolver zur Demonstration gegen Holzfu�' Kopf. �Du verfluchter alter Kauz, ich will ein paar von deinen Waren. Und das gesamte Geld, das du hast.�</p><p>�Bi�chen fr�h in der Saison f�r Aasgeier, was?� bemerkte Holzfu�. Charles vermutete, da� er nicht ganz so ruhig war, wie er tat. �Ich dachte, Kerle wie du fressen den Winter durch Armeenahrung und verschwinden dann im Fr�hling.�</p><p>�Halt verdammt noch mal das Maul, au�er du willst, da� ich diesen schiel�ugigen Kretin erschie�e.�</p><p>Sehr ruhig sagte Holzfu�: �Nein, das will ich nicht.�</p><p>�Dann hol mir die Waren.�</p><p>�Die sind in den Reisetaschen. Drau�en.�</p><p>Der Mann stie� Holzfu� die Revolverm�ndung zwischen die Schultern.</p><p>�Geh'n wir.�</p></section><section><title><p id="bookmark21"><strong>14</strong></p></title><p>Charles zog sein Bowiemesser aus der Scheide. Sein Herz raste, als er auf das Tipi zuging. Ein paar lange Schritte brachten ihn neben das runde Loch, nur wenige Sekunden, bevor Holzfu� herauskroch.</p><p>Der H�ndler sp�rte Charles' Gegenwart, drehte aber nicht den Kopf, um ihn nicht zu verraten. Der Mann mit dem Revolver folgte ihm. Im Sternenschein erkannte Charles ein b�rtiges Gesicht, dann die �rmel mit den gelben Corporal-Streifen. Ein Deserteur, ganz klar.</p><p>�Bleib stehen, alter Mann�, sagte der Deserteur und richtete sich auf. Er war untersetzt, einen Kopf kleiner als der gewi� nicht gro�e Holzfu�. Gott allein mochte wissen, von welchem Fort er abgehauen war. Vielleicht von Larned oder von diesem neuen, Fort Dodge.</p><p>Charles verlagerte sein Gewicht, um zuschlagen zu k�nnen. Der Deserteur mu�te irgendwas geh�rt oder gesp�rt haben. Er wirbelte herum, sah Charles, feuerte.</p><p>Die Kugel versengte fast Charles' Wange und durchschlug dann die Tipiplane. Charles rammte das Messer in die blaue Bluse des Deserteurs und ri� es nach unten.</p><p>�Oh nein�, sagte der Soldat, sich auf die Zehenspitzen stellend. �Nein.� Eine Sekunde sp�ter stand er noch aufrecht, war aber bereits bewu�tlos. Seine Knie gaben nach, und er klatschte wie ein Lumpenb�ndel auf den mondhellen Boden. Charles hielt ihn f�r tot. Die stechenden Ausscheidungen des Todes waren gleich darauf wahrnehmbar.</p><p>Charles wischte sein Messer im Gras ab. �Was machen wir mit ihm?�</p><p>Holzfu� keuchte, als w�re er eine lange Strecke gerannt. �Wir �berlassen ihn ...�, keuchende Atemz�ge, �... den Geiern. Er hat nichts Besseres verdient.�</p><p>Fen kam jaulend aus der Dunkelheit getrottet; er wu�te, da� irgendwas nicht stimmte. Holzfu� t�tschelte ihn. �Das war saubere Arbeit mit dem Messer, Charlie. Du lernst schnell.� Er packte den blauen Uniformkragen, hob den Kopf des Toten an. Das Mondlicht lie� die leblosen Augen wie M�nzen aufleuchten. �Oder wu�test du schon, wie man solche Sachen erledigt?�</p><p>Mit einem B�schel Gras beendete Charles die S�uberung seines Messers. Er schob das Bowie zur�ck in die Scheide; mit der Handfl�che schlug er leicht gegen den Griff, der mit einem deutlichen Klicken auf die Scheide traf. Das war Antwort genug.</p><p>Im Tipi duckte sich Boy mit verschr�nkten Armen zusammen. Gro�e Tr�nen rollten ihm �bers Gesicht. Mittlerweile verstand Charles, wieso der Junge so reagierte. Es war nicht nur Furcht. Sein armer, unzul�nglicher Verstand begriff manchmal, da� sein Onkel sich einer harten Aufgabe oder schlimmen Situation gegen�bersah. Stets wollte er helfen, konnte aber an seine H�nde oder Beine nicht die richtigen Befehle schicken.</p><p>Zweimal zuvor hatte Charles ihn in zorniger Frustration weinen sehen.</p><p>Holzfu� nahm Boy in die Arme. Er streichelte und tr�stete ihn. Dann zerrte er an der Vorderseite seines eigenen Hemdes. Wieder fiel Charles das stark ger�tete Gesicht des H�ndlers auf. Holzfu� bemerkte den pr�fenden Blick.</p><p>�Ich hab? dir doch gesagt, es ist nichts�, murmelte er, fast genauso �rgerlich wie sein Neffe.</p><p>Charles verfolgte das Thema nicht weiter.</p><p>Anfang November begegnete die Jackson Trading Company einem halben Dutzend nach Norden ziehender Arapahoe. Alle hatten ihr Haar kr�ftig mit Fett eingeschmiert; der sichtbare Teil der Kopfhaut war rot bemalt.</p><p>Holzfu� unterhielt sich mit den Arapahoe in einer Mischung aus Zeichen, rudiment�rem Englisch und deren eigener Sprache. Einige Male h�rte Charles das Wort &gt;Moketavato&lt;, den Cheyenne-Namen f�r &gt;Schwarzer Kessel&lt;, den Friedensh�uptling, den Holzfu� bewunderte und respektierte.</p><p>Charles mu�te nicht viel von Indianern verstehen, um die Feindseligkeit der Arapahoe zu sp�ren. Sie kam in jeder Silbe, in jeder scharfen Geste und jedem grimmigen Blick zum Ausdruck. Trotzdem hockten sie in einem Halbkreis da und unterhielten sich fast eine Stunde lang mit Holzfu�.</p><p>�Ich versteh's nicht�, sagte Charles, nachdem die Arapahoe davongeritten waren. �Denen war doch schon unser Anblick verha�t.�</p><p>�Sicher.�</p><p>�Aber sie haben mit dir gesprochen.�</p><p>�Nun, wir haben nichts getan, was sie h�tte aufbringen k�nnen, also waren sie verpflichtet, uns anst�ndig zu behandeln.</p><p>Die meisten Indianer sind so. Allerdings nicht alle, also wiege dich nicht in Sicherheit.�</p><p>�Du hast mit ihnen �ber Schwarzer Kessel geredet.�</p><p>Holzfu� nickte. �Er und der Arapahoe-Friedensh�uptling Kleiner Rabe haben vor knapp zwei Wochen ihr Zeichen unter diesen Vertrag am Little Arkansas gesetzt. Der Vertrag steckt eine neue Reservation ab und gesteht jedem Cheyenne oder Ara-pahoe, der bereit ist, dort zu leben, eine Landparzelle zu. Wer bei Sand Creek einen Verwandten verloren hat, bekommt als Dreingabe hundertsechzig Acres. Die Regierung hat scharf auf jene Vorkommnisse reagiert; in diesem Winter schicken sie Bill Bent, einen guten Mann, in die D�rfer, der aufpassen soll, da� die Soldaten sich so was nicht noch mal leisten. Der Jammer dabei ist blo�, da� am Little Arkansas lediglich achtzig Cheyenne-Trupps waren; zweihundert weitere Stammesabteilungen streifen frei durch die Gegend, und denen gilt der Vertrag soviel wie einmal in den Wind gespuckt.�</p><p>Charles kratzte sich am Kinn; seine l�nger werdenden Bartstoppeln verwandelten sich allm�hlich in einen Bart. �Hast du herausgefunden, wo Schwarzer Kessel sein Lager aufgeschlagen hat?�</p><p>�Direkt vor uns am Cimarron. Genau dort wollte ich nach ihm suchen. Machen wir uns auf den Weg.�</p><p>Unter der Kante eines Steilhangs deutete Holzfu� auf die verstreuten Knochen. �B�ffelsturz. Sie wenden die Herde und treiben sie �ber die Klippe. Dauert nicht lang, da t�rmen sich hier unten die B�ffel mit gebrochenen Beinen, und die Krieger haben keine M�he, sie zu t�ten.� Zwei Tage waren seit ihrem Zusammentreffen mit den Arapahoe vergangen. An den windstillen Nachmittagen schneite es leicht; die Flocken schmolzen auf dem abgestorbenen Gras. Charles geno� die W�rme seiner Zigarre und versuchte sich vorzustellen, wie sein Sohn auf den ersten Anblick von Schnee reagieren w�rde. Er w�nschte sich sehr, sein Sohn k�nnte jetzt hiersein und das sehen ...</p><p>�Die Herde in den Abgrund treiben ist nat�rlich nicht so glorreich, wie den B�ffel in normaler Jagd zu t�ten. Aber wenn der Winter vor der T�r steht und sie bis dahin nicht gen�gend B�ffel erlegt haben, dann ist das die schnellste Methode, um ...� Er brach ab, wandte den Kopf. �Warte.�</p><p>Er rannte hoch zur Kante des Steilhangs. Dort kniete er nieder, die Handfl�chen gegen den Boden gepre�t.</p><p>�Was ist?� fragte Charles.</p><p>�Reiter. Kommen schnell n�her. Verdammt. Zwei Dutzend oder mehr. Ich hab' so den Verdacht, wir haben unser ganzes Gl�ck bei diesem r�uberischen Aasgeier aufgebraucht, Charlie.�</p><p>Charles rannte auf Satan zu und ri� die Spencer aus der Sattelhalterung. Holzfu� befahl ihm, das Gewehr wegzustecken.</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil wir erst mal sehen m�ssen, wer sie sind. Wenn du si-chergeh'n willst, da� sie dich umbringen, dann brauchst du nur einen Indianer ohne vorangegangenes Palaver erschie�en.�</p><p>Holzfu� marschierte oben den Rand des Steilhangs entlang, Daumen im Patroneng�rtel eingehakt; sein langsamer, schlendernder Gang war betont sorglos. In seinen Augen allerdings sah Charles andere Dinge. Er schob die Spencer zur�ck und schlo� sich seinem Partner an. Holzfu� winkte Boy an seine Seite, als Reiter auf nacktem Pferder�cken in weit auseinandergezogener Reihe auf sie zu galoppierten.</p><p>Die Indianer trugen Fransenhosen. Einige hatten sich scharlachrote Decken um die H�ften gebunden. Sechs von ihnen waren mit m�chtigen Adlerfedern geschm�ckt. Mit einigem Kummer entdeckte Charles au�erdem noch drei Kleidungsst�cke der Armee; zwei davon waren kurze Arbeitsjacken mit den hellblauen Aufschl�gen der Infanterie, das dritte St�ck war ein altmodischer Schwalbenschwanzmantel, mit dem Rot der Artillerie besetzt. Die Brust des Manteltr�gers schm�ckten Orden und Auszeichnungen.</p><p>Ein anderer Indianer, ein schlanker, d�nner, deutlich dunklerer Mann Mitte Zwanzig, trug ein riesiges Silberkreuz an einer Kette um den Hals. Str�hnen eines faserigen Materials hingen von seinen �rmeln und seinem Hirschledermantel. Fast alle diese dekorativen Str�hnen waren schwarz, auch wenn Charles dazwischen einige blonde und graue entdeckte. Er vermutete, da� das Kreuz ebenso wie die Armeekleidung gestohlen war.</p><p>�Oh Gott, Cheyenne�, murmelte Holzfu�. �Und obendrein noch M�nner der Hundegemeinschaft. Sie tragen zwar nicht ihre Abzeichen, aber den vorn kenne ich. Schlimmer h�tt's nicht kommen k�nnen.�</p><p>�Wer ist ...?�</p><p>Der Rest der Frage nach dem Anf�hrer ging unter, als die Cheyenne ihre Pferde durchz�gelten; die kleinen, runden Gl�ckchen, in die M�hnen ihrer Ponys geflochten, klingelten hell auf. Im Handel mit wei�en M�nnern erworbene Glocken, was auch f�r die Karabiner galt, die sie auf die Jackson Trading Company richteten. Au�er mit Gewehren waren die Indianer mit Pfeil und Bogen bewaffnet.</p><p>Fen zerrte knurrend an seinem Geschirr. Charles bi� auf seiner Zigarre herum, die durch sein hastiges Paffen auf einen Stummel heruntergebrannt war. Boy versteckte sich hinter seinem Onkel.</p><p>Der dunkelste Indianer, der das Kreuz um den Hals h�ngen hatte, schlug mit der Hand durch die Luft und br�llte die Fremden in seiner eigenen Sprache an. Er hatte ein feingeschnittenes, schmales, wenn auch ungew�hnlich strenges Gesicht. Die rote Farbe, mit der er und die anderen sich Gesicht und H�nde bemalt hatten, war auf seiner linken Wange mit besonderer Sorgfalt aufgetragen. Zwei breite Parallelstriche umrahmten eine langgezogene, wei�e Narbe, die sich in einer weiten Kurve von der Augenbraue �ber den Kiefer und dann in einem kleinen Aufw�rtsbogen zum linken Mundwinkel hinzog -ein Angelhaken.</p><p>Der Schnee fiel schneller. Die Cheyenne musterten Charles und seinen Partner, w�hrend ihr Anf�hrer seine Tirade fortsetzte. Gelegentlich verstand Charles ein Wort oder ein Zeichen. Holzfu�' Unterricht machte sich bemerkbar. Aber er brauchte weder die Zeichen- noch die Cheyenne-Sprache zu beherrschen, um zu verstehen, da� fast alle Bemerkungen des Anf�hrers zornig und b�sartig waren.</p><p>Hartn�ckig und ohne je die Stimme zu erheben, gab Holzfu� alle paar Sekunden eine Antwort. Der Anf�hrer redete gleichzeitig weiter. Charles h�rte, wie sein Partner erneut von Schwarzer Kessel sprach. Der junge Anf�hrer sch�ttelte den Kopf. Er und seine Freunde lachten.</p><p>Holzfu� seufzte. Seine Schultern sackten herab. Er hielt die rechte Hand hoch, um eine kurze Atempause bittend. Breiter grinsend schrie der Anf�hrer etwas, was Charles als Zustimmung wertete.</p><p>�Komm, Charlie.� Der H�ndler zog ihn in die Rinne. Karabinerm�ndungen schwangen herum, folgten ihnen. Holzfu� sah so deprimiert aus, wie Charles ihn noch nie zuvor gesehen hatte.</p><p>�N�tzt jetzt nicht mehr viel, aber ich habe mich geirrt. Wir h�tten nicht zuerst reden sollen. Diese Jungs sind auf Blut aus.�</p><p>�Ich dachte, sie greifen nicht an, au�er irgend jemand provoziert sie.�</p><p>�Davon geht man immer aus. Aber ich f�rchte, wir haben mit dem Anf�hrer dieser Bande Pech gehabt.� Er warf dem dunklen Indianer einen unfrohen Blick zu und fuhr fort: �Er ist ein Kriegsh�uptling und noch dazu ein m�chtig junger. Sein Name ist &gt;Mann-bereit-f�r-den-Kampf&lt;. Die Wei�en nennen ihn Narbengesicht. Chivingtons M�nner haben seine Mama bei Sand Creek get�tet. Sie haben ihr die Haare abgeschnitten. Ich meine, <emphasis>s�mtliche Haare.�</emphasis> Mit dem R�cken zu den Indianern griff er sich zwischen die Beine. �Dann haben sie das zusammen mit einer Menge anderer Skalps im Denver Theater aufgeh�ngt, wo Chivington seine Troph�en zur Schau stellte. Wei� nicht, wie Narbengesicht davon erfahren hat - vielleicht aus dritter oder vierter Hand. Eine Anzahl zahmer alter Indianer treiben sich in Denver rum; sie leben vom Betteln oder Stehlen. Aber ich wei� mit Sicherheit, da� er von der Schande seiner Mama erfahren hat, und das wird er weder vergessen noch verzeihen. Sch�tze, ich w�rd's auch nicht. Da� wir seine Gr�nde verstehen, hilft uns allerdings nicht viel weiter.�</p><p>�Was ist mit dem Vertrag?�</p><p>�Glaubst du, er gibt da auch nur einen Deut drauf? Ich hab' dir doch gesagt, die H�uptlinge haben den Vertrag nur f�r achtzig Familien unterschrieben.�</p><p>�Er hat eine Menge geredet. Was will er?�</p><p>�Narbengesicht und seine Freunde wollen uns ins Dorf bringen. Dann werden sie entscheiden, was mit uns geschehen soll.�</p><p>�Geht das nicht in Ordnung? Schlie�lich ist das doch das Dorf von Schwarzer Kessel, oder?�</p><p>Holzfu� sagte d�ster: �Schon, aber er ist noch nicht von der Vertragsunterzeichnung zur�ck. Er ist �berf�llig. Bis er wieder da ist, rei�t Narbengesicht das Maul auf. In gewisser Weise betrachtet er die Wei�en so, wie die Wei�en die Indianer betrachten. Kann Freund und Feind nicht voneinander unterscheiden, doch in seinem Fall will er das auch gar nicht.�</p><p>Charles' Inneres war k�lter als der fallende Schnee. �Was machen wir? Schnappen wir uns unsere Kanonen?�</p><p>Holzfu� drehte sich leicht, damit er seinen Neffen sehen konnte. Boy hatte seine Arme um seinen Brustkorb geschlungen; seine Augen waren riesig. �Wenn wir das tun, dann ist gleich alles vorbei. Im Dorf mag es auch vorbei sein, aber ich denke, wir gehen lieber mit, bevor wir uns hier eingraben. Boy kann sich gegen einen solchen Haufen nicht verteidigen. Vielleicht haben ein paar von den Frauen Mitleid mit ihm und halten die M�nner davon ab, ihn aufzuschlitzen.� Er seufzte. �Ist wirklich nicht fair, da� ich dich bitte, die Sache mit mir durchzustehen. Aber genau das tue ich.�</p><p>Charles nahm einen letzten Zug und schnippte dann seinen Zigarrenstummel zu den B�ffelknochen. Die Zigarre hatte besser als sonst geschmeckt. Vielleicht lag es daran, da� es wom�glich seine letzte Zigarre gewesen war.</p><p>�Du wei�t, da� ich bei dir bleibe.�</p><p>�In Ordnung. Danke.�</p><p>Der H�ndler ging, gefolgt von Charles, zu den Cheyenne zur�ck. Holzfu� teilte den Indianern mit schnellen Worten ihre Entscheidung mit, sie ohne Kampf zu begleiten. Die Krieger l�chelten, und Narbengesicht jaulte wie ein Hund, was Fen veranla�te, wie verr�ckt in seinem Geschirr herumzutanzen. Narbengesicht griff �ber seine Schulter in den K�cher und holte einen drei Fu� langen Stock hervor, eingewickelt in mit Stachelschweinborsten verziertes, rot gef�rbtes Hirschleder. Aufgemalte Augen zierten das eine Ende, Adlerfedern das andere. Afterklauen irgendeines Tieres verwandelten den Stock in eine Rassel, die Narbengesicht schwang, als er von seinem Pony sprang.</p><p>Er sprang vor, die Rassel sch�ttelnd. Ehe Charles ausweichen konnte, hatte Narbengesicht ihm die Rassel gegen die Wange geschlagen. Charles fluchte und hob die F�uste. Holzfu� hielt ihn zur�ck.</p><p>�Nicht, Charlie. Ich sagte, nicht. Er hat gerade einen Punkt f�r sich verbucht, etwas h�rter, als er beabsichtigte.�</p><p>Charles wu�te, da� man Punkte sammeln konnte, indem man einen �berw�ltigten Feind ber�hrte. Das f�rderte die Reputation eines Indianers. Aber den Zusammenhang der Dinge zu begreifen half ihnen nun mal nicht weiter und trug auch nicht dazu bei, ihre Besorgnis zu verringern.</p><p>Der dunkel�ugige Indianer warf den Kopf zur�ck und jaulte und bellte. Ein paar andere nahmen den Schrei auf, was Fen schier in den Wahnsinn trieb. Einer der Cheyenne zielte mit seinem Karabiner auf den Hund. Holzfu� packte Fen am Kragen und dr�ckte ihn nieder.</p><p>Charles stand regungslos, gleichzeitig voller Angst und Wut. Boy dr�ngte sich gegen ihn, versuchte seinen traurigen, verunstalteten Kopf in den Falten des Zigeunermantels zu verbergen. Drei Cheyenne stiegen ab und st�rzten sich zwischen die Packtiere; mit ihren Messern rissen sie die Leinens�cke auf. Ein Indianer frohlockte beim Anblick von Stachelschweinborsten. Er schnitt die Halteschn�re durch und warf die Stacheln in die Luft.</p><p>Ein anderer stach in einen Beutel, aus dem sich ein diamantener Wasserfall aus Glasperlen ergo�. Der Indianer legte die H�nde zusammen, fing sie auf, rannte dann zu seinen Freunden und gab jedem einige Perlen ab. Holzfu� hielt Fen zur�ck, bi� die Z�hne zusammen und sagte wieder und wieder: �Gottverflucht.�</p><p>Narbengesicht stolzierte zu dem H�ndler und knallte ihm die Rassel auf die Schulter; ein weiterer Punkt. Er bellte lauter denn je. Der Schnee sammelte sich auf Charles' Hutkrempe und schmolz auf seinen Augenbrauen, w�hrend ihn ein merkw�rdiges Gef�hl der Endg�ltigkeit �berkam. �hnliches hatte er zu Kriegszeiten am Vorabend einer Schlacht empfunden. Diese Vorahnung zog stets den Tod irgendeines Menschen nach sich.</p><p>�Sch�tze, es tut dir verdammt leid, da� du auf mich geh�rt hast�, murmelte Holzfu�.</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Nun, ich hab' immer gesagt, es gibt �berall Ausnahmen, aber anscheinend habe ich die Lektion selber nicht richtig gelernt. Ich bin ein sch�ner Lehrer.�</p><p>Fr�hlicher, als ihm zumute war, sagte Charles: �Jeder Lehrer kann mal einen Fehler machen.�</p><p>�Schon. Aber in dem Fall ist ein Fehler bereits ein Fehler zuviel. Tut mir leid, Charlie. Ich kann blo� hoffen, da� wir nicht in den ewigen Jagdgr�nden landen, noch bevor der Tag vor�ber ist.�</p><p>HINRICHTUNG VON WIRZ</p><p>Die letzten Szenen im Leben des Gef�ngnisaufsehers von Andersonville.</p><p>Letzte Bem�hung seines Anwalts, ein Gnadengesuch zu erwirken. Feste Haltung des Gefangenen bei Vollstreckung der</p><p>Todesstrafe.</p><p>Bis zum Schlu� beteuert er seine Unschuld und sieht seinem Schicksal gefa�t entgegen. Aufsehenerregender Versuch, ihn zu vergiften, ans Licht gekommen. Seine Frau steckte ihm eine Strychninpille zu.</p><p><emphasis>Zeitungsberichterstattung �ber den Tod des einzigen Amerikaners, der wegen Kriegsverbrechen hingerichtet wurde.</emphasis> November 1865</p><p id="bookmark22">MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>November 1865. �ber Nacht hat der k�hle Carolina-Winter den warmen, dunstigen Herbst verdr�ngt. Die Eichen reckten sich heute morgen aus dichtem, wei�em Nebel; die Luft riecht nach den salzigen Fluten des Meeres. Diese Sch�nheit im �berflu� l��t mich Dich noch schrecklich vermissen. Wie sehr w�nsche ich mir doch, die Realit�t w�re so friedvoll wie der Ausblick von meiner T�rschwelle. Wir sind knapp an Bargeld. Wagenachse zerbrochen. Ehe Andy sie repariert hat, k�nnen wir kein Holz nach Walterboro oder Charleston bringen und somit auch nichts verdienen. Habe Dawkins geschrieben und ihn um ein paar Wochen Aufschub f�r die viertelj�hrlichen Zahlungen gebeten. Bis jetzt noch keine Antwort.</emphasis></p><p><emphasis>Auch von Brett aus Kalifornien noch nichts. Sie wird vor Weihnachten niederkommen. Ich bete, da� sie eine leichte Geburt hat.</emphasis></p><p><emphasis>In 30 Tagen oder weniger wird die Schule wieder aufgebaut sein. Prudence h�lt inzwischen auf dem Rasen vor dem Haus den Unterricht ab. Ein weiterer R�ckschlag: Nach dem Feuer hat Burl Otis, Dorries Vater, ihr den Schulbesuch verboten. Er sympathisiert mit den unbekannten Brandstiftern oder hat Angst vor ihnen oder beides. Bin pers�nlich zu ihm gegangen, um mit ihm zu sprechen. Er verfluchte mich und nannte mich eine unruhestiftende Niggerin&lt;.</emphasis></p><p><emphasis>In Gettys' Laden ist zweimal ein rothaariger Mann gesehen worden. Der Tanzlehrer aus Charleston, wie man mir sagte. Es hei�t, er habe keine Sch�ler und lebe in k�mmerlichen Verh�ltnissen, was seine Bitterkeit noch verst�rkt. Aber wer lebt heutzutage schon anders in Carolina, von einigen Gaunern abgesehen?</emphasis></p><p>... <emphasis>Gettys, der typische Dilettant, h�lt sich nun f�r einen Journalisten. Hier habe ich ein Exemplar seiner neuen, armselig gedruckten kleinen Zeitung namens &gt;Der wei�e Blitz&lt;. Nur schnell einige der Schlagzeilen -</emphasis> die verlorene sache ist nicht verloren; kaukasi-</p><p>sche frau heiratet negerbarbier <emphasis>usw -, ehe ich sie verbrenne. �bles Zeug. Doppelt �bel, weil Gettys die Demokraten zu repr�sentieren behauptet. Wenn er es sich leisten kann, ein derartiges Schundbl�ttchen zu drucken, dann mu� sein Laden Wuchergewinne abwerfen. Ein zweiter Laden mit dem Namen Dixie hat an der Beau-fort-Charleston-Stra�e aufgemacht, und ich habe geh�rt, in Charleston solle ein dritter folgen. Gettys hat damit nichts zu tun. Kann mir nicht vorstellen, wer in South Carolina das Geld hat, um so was zu finanzieren</emphasis></p><p>.Der Verbannte reiste von Pennsylvania nach Washington, schroff und zynisch und trotz seiner Mi�geschicke zu Kriegszeiten zuversichtlich wie eh und je.</p><p>Simon Cameron, der die auf ihn entfallenen Stimmen beim Republikanerkonvent 1860 gegen einen Kabinettsposten verschachert hatte, geh�rte zu jenen ehrgeizigen, kaltherzigen Halunken, denen das Wort Niederlage fremd war. Als Kriegsminister hatte er mit seiner korrupten Praxis der Vergabe von Lieferungskontrakten einen Skandal verursacht. Lincoln hatte ihn sich vom Hals geschafft, indem er ihn als Botschafter an den russischen Hof versetzte, und das Repr�sentantenhaus hatte ihn wegen seiner korrupten Praktiken gema�regelt. Doch 1863 war er wieder zur�ck und versuchte in seinem Heimatstaat einen Senatssitz zu ergattern.</p><p>Nachdem dies fehlgeschlagen war, zog er sich nach Pennsylvania zur�ck und bem�hte sich, seine Staatskontakte auszubauen. �Man wird mich nicht ewig von der nationalen Regierung fernhalten k�nnen�, schrieb er an seinen Sch�ler und Wahlkampfsponsor Stanley Hazard, als er seinen gegenw�rtigen Besuch in Washington ank�ndigte.</p><p>Stanley lud den Bo� in den Concourse Club ein, in den er erst vor kurzem aufgrund seiner Freundschaft zu Senator Ben Wade und einigen anderen hohen Republikanern aufgenommen worden war. In den verschwenderisch ausgestatteten Clubr�umen im zweiten Stock lie�en sich Lehrer und Sch�ler in die tiefen Sessel neben einer Marmorb�ste von Sokrates sinken. �ltere Schwarze, die angewiesen waren, sich unterw�rfig zu benehmen, bedienten die Mitglieder. Einer von ihnen nahm Stanleys Bestellung entgegen und schlich auf Zehenspitzen davon. Cameron verlangte ohne weitere Umschweife eine Spende.</p><p>Das hatte Stanley erwartet. Er reagierte darauf mit einer Zuwendung von weiteren zwanzigtausend Dollar. Da es ihm an Talent fehlte, mu�te er sich Freundschaft und Karriere kaufen.</p><p>Obwohl es erst halb zw�lf vormittags war, sah Stanley bereits aufgedunsen und benebelt aus. �F�hle mich ziemlich schwach�, erkl�rte er.</p><p>Cameron sagte nichts darauf. �Wie gef�llt Ihnen Ihre Arbeit beim B�ro f�r befreite Neger?�</p><p>�Entsetzlich. Oliver Howard kann nicht vergessen, da� er Soldat ist. Die einzigen M�nner im B�ro, die sein Ohr haben, sind ehemalige Gener�le. Ich habe vor, Mr. Stanton mitzuteilen, da� ich versetzt werden m�chte. Der Jammer ist nur, ich wei� nicht, wohin, falls er zustimmt.�</p><p>�Haben Sie eine politische Aufgabe in Erw�gung gezogen?�</p><p>Stanleys Unterkiefer sackte herab.</p><p>�Ich meine es ernst. Sie w�ren ein gro�er Gewinn f�r das Haus.�</p><p>Ah, jetzt begriff er. Cameron spielte nicht auf seine F�higkeiten an. Stanley w�re nur deswegen ein gro�er Gewinn, weil er gro�z�gig spendete und die Anweisungen der Parteioberen nie in Frage stellte. Und Gehorsam war f�r ihn erste Pflicht, da er selbst keine einzige originelle Idee hervorbrachte, was den politischen Proze� anbelangte. Trotzdem begeisterte ihn innerhalb dieser Einschr�nkungen Camerons Vorschlag.</p><p>Der schwarze Kellner brachte die Drinks. Stanleys Glas enthielt die doppelte Menge von Camerons Glas. W�hrend sich Stanleys Phantasie noch auf einem H�henflug befand, brachte ihn Cameron wieder rauh auf den Boden der Tatsachen zur�ck.</p><p>�Sie wissen, mein Junge, Sie h�tten eine gro�artige Zukunft vor sich, w�re da nicht dieser eine riskante Punkt.�</p><p>�Damit m�ssen Sie George meinen.�</p><p>�Oh nein. Ihr Bruder ist harmlos. Idealisten sind immer harmlos, weil sie voller Skrupel stecken. In einer angespannten Situation behindern Skrupel einen Mann und machen seine Reaktionen absolut voraussagbar.� Camerons verschlagene Augen fixierten Stanley, w�hrend er murmelte: �Ich meinte Isabel.�</p><p>Stanley brauchte einige Momente, bis er das aufgenommen hatte. �Meine Frau ist ein ...?�</p><p>�Gr��eres Risiko. Tut mir leid, Stanley. Niemand bestreitet, da� Isabel eine clevere Frau ist. Aber sie geht den Leuten auf die Nerven. Sie beansprucht f�r sich zuviel Anerkennung f�r Ihren Erfolg - etwas, was die meisten M�nner absto�end finden.� Taktvoll �bersah Cameron das sich r�tende Gesicht seines Sch�lers; Stanley wu�te, da� diese Beschuldigungen der Wahrheit entsprachen.</p><p>�Es fehlt ihr an Taktgef�hl�, fuhr Cameron fort. �Ein kluger Politiker versteckt seine Feindschaften und protzt nicht mit ihnen. Was am schlimmsten ist, Isabel besitzt in dieser Stadt keine Glaubw�rdigkeit mehr. Niemand glaubt ihren Schmeicheleien, weil sie �berhaupt kein Geheimnis aus ihrem Ehrgeiz nach gesellschaftlicher Bedeutung und Ansehen macht.�</p><p>Mit einem schnellen Rundblick �berzeugte sich der Bo�, da� keine Lauscher in der N�he waren, dann senkte er die Stimme. �Aber falls Sie je - sagen wir: unabh�ngig? - werden sollten und das ohne einen Pers�nlichen Skandal abgeht, dann kann ich Ihnen fast die Nominierung f�r das Repr�sentantenhaus garantieren. Nominierung ist gleichbedeutend mit Wahl, daf�r sorgen wir schon.�</p><p>Verbl�fft sagte Stanley: �Ich w�re begeistert davon. Ich w�rde hart daf�r arbeiten, Simon. Aber ich bin seit Jahren mit Isabel verheiratet. Ich kenne sie. Sie ist eine sehr moralische Person. Sie w�rden nie erleben, da� sie in einen, �h, pers�nlichen Skandal verwickelt w�re.�</p><p>�Oh, das glaube ich Ihnen�, sagte Cameron aufrichtig. Er dachte an Isabels Gesicht; niemand w�rde sich daf�r interessieren.</p><p>�Aber ein Skandal, mein Junge, ist nicht auf verbotene Romanzen beschr�nkt. Ich habe Ger�chte �ber Isabel und eine gewisse Fabrik in Lynn, Massachusetts, geh�rt.�</p><p>Der alte Pirat. Er wu�te sehr wohl, da� Stanley gemeinsam mit seiner Frau Kriegsgewinne durch die Produktion minderwertiger Armeeschuhe erzielt hatte. Camerons Blick deutete an, da� die Wahrheit nicht unbedingt in Stein gemei�elt werden mu�te.</p><p>Der Gedanke, Isabel die Verachtung und die Kr�nkungen zur�ckzuzahlen, mit denen sie ihn gewohnheitsm��ig �berh�ufte, war sowohl neu als auch verlockend. Auf ihren Befehl hin hatte Stanley seine Geliebte aufgegeben. Isabel hatte ihm zahllose Dem�tigungen angetan - und hier sa� der Bo� und versprach ihm auch noch eine Belohnung, wenn er sie sich vom Hals schaffte.</p><p>Er wollte nicht zu begierig erscheinen. Er �bertrieb seinen Seufzer. �Bo�, es tut mir leid, aber das, was Sie da angedeutet haben, wird wohl nie geschehen. Falls es sich zuf�llig doch ergeben sollte, werde ich Sie sofort benachrichtigen.�</p><p>�Ich hoffe es. Gute, loyale Parteimitglieder sind schwer zu finden. Frauen andererseits gibt es �berall. Denken Sie dar�ber nach�, murmelte er und nippte an seinem Drink.</p><p>Nachdem Cameron gegangen war, konnte Stanley kaum seine Erregung verbergen. Der Bo� hatte eine T�r ge�ffnet, und er w�re am liebsten mit einem Satz durchgesprungen. Wie lie� sich das am besten verwirklichen?</p><p>Er lehnte die Essenseinladung eines Clubkameraden ab und speiste allein, stopfte die Nahrung nur so in sich hinein und sp�lte sie mit gro�en Schlucken Champagner hinunter. Zusammen mit dem Dessert - ein ganzes Viertel Blaubeerkuchen mit Cremesauce - kam auch die Inspiration. Er hatte eine narrensichere Methode gefunden, hinter Isabels R�cken zuzuschlagen und ihren Niedergang einzuleiten.</p><p>Gleichzeitig w�rde ihn das aus einer Situation befreien, die zwar profitabel war, die ihn aber in steter Angst vor einer m�glichen Blo�stellung hielt. Ein, vielleicht zwei Jahre konnte er weiterhin seine Gewinne einstreichen. Dann, zu einem Zeitpunkt seiner Wahl -</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte er, womit weder der Champagner noch der Kuchen gemeint war.</p><p>Bevor er den Concourse Club verlie�, setzte er den Plan in Gang. Dessen Schlichtheit verbl�ffte ihn, so wie ihn seine eigene Findigkeit erfreute. Vielleicht hatte er sich zu lange schon unter seinem Wert verkauft. Vielleicht war er gar nicht der Idiot, f�r den ihn George und Billy und Virgilia und Isabel hielten.</p><p>Dem �ltlichen Wei�en am Empfang des Clubs reichte er eine versiegelte Note. �Bitte, geben Sie das in sein Brieffach, damit er es erh�lt, wenn er das n�chste Mal vorbeischaut.�</p><p>�Ist es eilig, Mr. Hazard?�</p><p>�Oh nein, ganz und gar nicht�, sagte Stanley und wedelte l�ssig mit seinem Stock.</p><p>Der Pf�rtner studierte die Schrift auf dem Briefumschlag, w�hrend Stanley pfeifend die Treppe hinabging. <emphasis>Mr. J. Dills, Esq.</emphasis> Er schob den Umschlag in das richtige Fach; in den letzten paar Jahren, so ging es ihm durch den Kopf, hatte er Mr. Stan-ley Hazard mitten am Tag niemals so gut gelaunt und so n�chtern gesehen.</p><p><emphasis>Ein kurzer Brief von der Palmetto-Bank. Leverett D. schreibt, der Vorstand lasse nur dieses eine Mal eine versp�tete Zahlung zu. Er redet mich mit &gt;Mrs. Main&lt; an und nicht wie fr�her mit meinem Vornamen. Ich bin mir sicher, da� da die Schulangelegenheit dahintersteckt. Wir befinden uns tats�chlich am Vorabend des Winters</emphasis> ...</p></section><section><title><p id="bookmark23"><strong>15</strong></p></title><p>Der Sergeant von Fort Marcy ging um Mitternacht.</p><p>Ashton ber�hrte das zerw�hlte Bett. Noch warm. Ihr Gesicht verzerrte sich erst vor Ekel, dann vor Kummer. Sie setzte sich hin, den Kopf zwischen den H�nden, w�hrend Trostlosigkeit sie wie eine gro�e Woge �bersp�lte.</p><p>Sie ballte die H�nde. Du bist eine r�ckgratlose Memme. H�r auf damit.</p><p>Sinnlos. Mit jedem Kunden heute nacht - einem Mexikaner, dem die Manieren von Don Alfredo fehlten; einem einf�ltigen Fuhrknecht aus St. Louis; einem Soldaten - war der Punkt n�her ger�ckt, an dem sie am liebsten ihre Wut und ihre Frustration hinausgeschrien h�tte. Jetzt war November, und sie war bereit, loszurennen, ohne sich um das Risiko zu k�mmern, in der Wildnis zu verhungern oder vom Schwager der Senora eingefangen zu werden.</p><p>Sie weinte zehn Minuten. Dann, nachdem sie die Kerze ausgeblasen hatte, sprach sie zu Tillet Main; das hatte sie nicht mehr getan, seit sie vor langer Zeit zum letztenmal sein Grab besucht hatte.</p><p>�Ich wollte, da� du stolz auf mich bist, Papa. Es ist schwerer, wenn man eine Frau ist, aber mit Lamar Powell h�tte ich es beinahe geschafft. Aber beinahe ist nicht gut genug, nicht wahr? Es tut mir leid, Papa. Es tut mir wirklich leid .�</p><p>Wieder flossen die Tr�nen. Wellen von Ha� �berschwemmten sie. Gegen sich selbst gerichtet, gegen diesen Ort, gegen alles und jedes.</p><p>Das war am Dienstag. Am Freitag kam ein Mann herein und engagierte sie f�r die ganze Nacht.</p><p>Ein alter, sehr alter Mann. Sie war ganz unten angekommen.</p><p>�Schlie� das verdammte Fenster, M�dchen. Ein altes Wrack wie ich holt sich zu dieser Jahreszeit schnell was weg.�</p><p>Er stellte seinen zerbeulten Koffer mit Messingbeschl�gen ab. �Ich hoffe blo�, du bist hei�bl�tig. Ich m�chte mich richtig rankuscheln und gem�tlich eine Nacht durchschlafen.�</p><p>Oh Gott, was f�r ein widerlicher Typ, dachte Ashton. Mindestens sechzig. Ausdruckslose blaue Augen, graue Haare, die ihm kreuz und quer �ber Nacken und Ohren hingen, Gewicht h�chstens hundertzwanzig Pfund. Wenigstens machte er einen sauberen Eindruck - ihr einziger Trost.</p><p>Der alte Mann legte seinen sch�bigen Mantel ab, zerrte seine Hosentr�ger nach unten, zog Hosen und Schuhe aus. Er �ffnete seinen Musterkoffer, wobei ein Haufen bedruckter Bl�tter zum Vorschein kam; auf jedem Blatt war eine fette Frau zu sehen, die an einem Fl�gel sa�. Er w�hlte zwischen Handzetteln und schmutzigen W�schest�cken herum, bis er eine Whiskyflasche gefunden hatte.</p><p>�Gegen mein verfluchtes Rheuma.� Als er sich auf das Bett setzte, knackten seine Kniegelenke wie Knallfr�sche. �Ich bin zu alt f�r dieses Rumgereise quer durch die H�lle.� Er nahm einen Schluck Whisky.</p><p>Ashton setzte ihr sch�nstes professionelles L�cheln auf und sagte: �Wie hei�t du, Liebling?�</p><p>�Willard P. Fenway. Sag Will zu mir.�</p><p>Sie zeigte ihre Gr�bchen. �Das ist s��. Bist du richtig hei�, Will?�</p><p>�Nein. Und mit dem Liebling ist es auch nicht weit her. Ich habe dich f�r ein vern�nftiges Gespr�ch engagiert, ein paar Streicheleinheiten und einen ordentlichen, langen Schlaf.� Er sp�hte an der erhobenen Flasche vorbei. �Obwohl du ein umwerfender Anblick bist. Das gelbe Kleid, das du tr�gst, ist auch toll.�</p><p>�Will, soll das wirklich hei�en, du willst nicht ...?�</p><p>�Ficken? Nein. Brauchst nicht rot zu werden, das ist ein gutes, aufrechtes Wort. Die Leute, die sich �ber unfl�tige Sprache aufregen, tun f�r gew�hnlich noch viel schlimmere Dinge, blo� heimlich.� Er streckte sich aus und nahm einen weiteren Schluck. �Wie hei�t du?�</p><p>Aus einem ihr selbst unerkl�rlichen Grund konnte sie ihn nicht anl�gen. �Ashton. Ashton Main.�</p><p>�Du kommst aus dem S�den, was?�</p><p>�Ja, aber wag blo� nicht zu fragen, wie ich an einem solchen Ort landen konnte. Das h�re ich zwanzigmal die Woche.�</p><p>�Du kriegst soviel Nummern zusammen? Verdammt. Wunderbar, so jung zu sein. Bei mir ist das schon so lange her, da� ich fast die Einzelheiten vergessen h�tte.�</p><p>Ashton lachte ehrlich erheitert auf. Sie fand den alten Kauz sympathisch. Vielleicht hatte sie deswegen nicht gelogen. Sie setzte sich neben ihn und sagte: �Ich erz�hl' dir nur das. Ich bin hier in Santa Fe unerwartet Witwe geworden. Ich konnte nur in diesem H�llenloch hier Arbeit finden.�</p><p>�Aber du willst nicht ewig bleiben, he?�</p><p>�Nein, Sir.� Sie musterte den Koffer. �Bist du so eine Art Verk�ufer?�</p><p>�Hausierer ist das richtige Wort. Ich verhungere langsam dabei. Auf den gravierten Karten in meiner Tasche steht: Willard P. Fenway, Repr�sentant der Westterritorien, Hochstein-Pianowerke, Chicago.�</p><p>�Oh, das erkl�rt das Bild mit der dicken Lady. Sie verkaufen ein wunderbares Instrument. Ich sah Hochstein-Pianos in den besten H�usern von South Carolina. Ich bin dort aufgewachsen. Sag mal, hast du was dagegen, wenn ich mich f�rs Bett fertigmache?� Er dr�ngte sie, sich zu beeilen. �M�chtest du mich im Nachthemd oder nackt haben?�</p><p>�Letzteres, wenn es dich nicht st�rt. H�lt einen Mann w�rmer.�</p><p>Ashton zog sich weiter aus; ganz unerwartet machte ihr der Abend pl�tzlich Spa�. Fenway wedelte mit der leeren Flasche. �Mu� eine deiner Bemerkungen korrigieren. Ich verkaufe keine Hochsteins, ich versuche, welche zu verkaufen. Auf diesem Trip bin ich erst einen &gt;Artiste&lt; losgeworden - so hei�t das gro�e Modell, das auf dem Verkaufsbl�ttchen abgebildet ist. Hat ein Viehz�chter in El Paso gekauft, ein d�mlicher Klotz. Seine Frau kann keine Noten lesen, sondern wollte blo� was zum Angeben haben. Wahrscheinlich ist dies das einzige Instrument, das ich in Monaten verkaufe. Der Bo� hat mir ein Territorium aufgehalst, das aus der ganzen verdammten Nation westlich des Mississippi besteht, was bedeutet, da� sich meine potentielle Kundschaft aus Falschspielern, pleite gegangenen Minern, betrunkenen Soldaten, Indianern, armen Schollenbrechern, Greasern, Huren - nichts gegen dich - und ab und zu mal einer schwachsinnigen Ranchersfrau zusammensetzt. Sag mal, k�nntest du dich ein bi�chen beeilen, dich hinlegen und mich w�rmen?�</p><p>Sie blies das Licht aus, schl�pfte unter die Decke und schmiegte sich in die Beugung seines Armes. Er mochte alt und knochig sein, aber sein Fleisch war noch fest, und seine Hand auf ihrer Schulter wirkte kr�ftig. Das Reisen hatte ihn geh�rtet, vermutete sie. Seine Haut roch angenehm nach einem Pflanzen�l.</p><p>�Hier k�nntest du sicher ein Piano verkaufen. Vielleicht keinen Fl�gel, aber ein Spinett. Unsere Kunden schreien st�ndig nach Musik.�</p><p>�Daf�r w�rde ich keins von Hochstein kriegen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Der alte Hochstein ist ein Bibelleser. Fromm wie die S�nde in der �ffentlichkeit, vor allem in Gesellschaft des alten Maultiers, das er geheiratet hat. Glaub mir, wenn man mich lassen w�rde, ich k�nnte der H�lfte aller Freudenh�user in Illinois ein Hochstein-Piano aufschwatzen und mich zur Ruhe setzen.�</p><p>�Der Markt ist so gro�?�</p><p>�Indiana und Iowa noch dazu, dann k�nnte ich wie ein verdammter Herzog leben. Hochstein will sich aber nicht mit dem Bordellmarkt einlassen. Die Konkurrenz ebenfalls nicht - ahhh! Wohin gehst du?�</p><p>�Wir brauchen Licht. Wir m�ssen uns unterhalten.�</p><p>Ein Streichholz kratzte, ein Fl�mmchen erhellte den Raum. Sie packte die blaue Seidenrobe, ein Geschenk der Senora.</p><p>Fenway beschwerte sich, da� ihm kalt sei. Mit bes�nftigenden Lauten stopfte ihm Ashton die abgeschabte Decke unter das Kinn und setzte sich wieder. �Willard!�</p><p>�Will, verdammt noch mal. Ich hasse Willard.�</p><p>�Entschuldige, Will. Du hast gerade einen wunderbaren Einfall gehabt und wei�t es nicht. W�rdest du nicht gern diesem alten Mr. Hochstein einen Tritt ins verl�ngerte R�ckgrat geben? Und dabei noch eine Menge Geld rausschlagen?�</p><p>�Darauf kannst du wetten. Ich bin jetzt seit zweiundzwanzig Jahren sein Sklave. Aber .�</p><p>�W�rdest du daf�r ein kleines Risiko eingehen?�</p><p>Er dachte dar�ber nach. �Ich denke schon. Kommt drauf an, wie gro� das Risiko und wie gro� der Lohn daf�r ist.�</p><p>�Nun, du hast eben gesagt, du k�nntest wie ein Herzog leben, wenn du in drei Staaten Pianos an Freudenh�user verkaufen w�rdest. Und wenn du sie nun im ganzen Westen verkaufen w�rdest?�</p><p>Fenway konnte nur noch kr�chzen. �Mein Gott, M�del. Du sprichst von El Dorado.�</p><p>Sie klatschte in die H�nde. �Dachte ich mir. Will, wir werden Partner.�</p><p>�Partner? Ich bin noch keine zehn Minuten hier.�</p><p>�Oh, doch, das bist du, und wir sind Partner�, sagte sie, sehr nachdr�cklich mit dem Kopf nickend. �Wir steigen ins Pianogesch�ft ein. Du wei�t doch, wie Pianos hergestellt werden?�</p><p>�Sicher. F�r die Arbeit, die ich nicht selbst machen kann, k�nnte ich mir Leute suchen. Aber wo sollten zwei Pianobauer die vierzig- oder f�nfzigtausend Dollar auftreiben, die man f�r den Anfang braucht? Sag mir das mal.�</p><p>�Wir werden es in Virginia City auftreiben. Sobald du mir geholfen hast, von diesem verdammten Ort fortzukommen.�</p><p>Ashton beugte sich vor; ihre Br�ste pre�ten sich gegen den Seidenstoff. Zum erstenmal roch sie Fenways Atem. Nicht der �bliche Gullygeruch der meisten Kunden. Er hatte eine Gew�rznelke gekaut. Der Duft der Gew�rznelke vermischte sich angenehm mit dem Pflanzen�l. Der alte Bursche wurde ihr immer sympathischer.</p><p>�Verstehst du, Will, mein verstorbener Mann hatte Besitz in Virginia City. Eine Mine. Sie geh�rt mir. Wir m�ssen nur hinkommen.�</p><p>�Was denn, ah ja, nichts dabei�, sagte er. �Ist ja nur ein kleiner Sprung r�ber nach Virginia City. Kann ich eigentlich meinen Ohren noch trauen?�</p><p>�Aber sicher kannst du das. Oh, warte. Bist du irgendwie gebunden?�</p><p>�Du meinst Frauen? Nichts dergleichen. Ich hab' drei St�ck aufgearbeitet oder sie mich, da bin ich mir nicht sicher.� Er grinste. Unten zerbrach jemand ein M�belst�ck. Dann h�rte Ashton den �belt�ter schreien - Luis. Fenway entging der b�sartige Blick, der kurz in ihren Augen aufblitzte. �Du erz�hlst mir die Wahrheit? Dein Mann besa� eine Mine in Nevada?�</p><p>�Die Mexikanische Mine.�</p><p>�Ich bin dort gewesen. Ich kenne diese Mine. Eine verdammt gro�e Mine.�</p><p>�Ich will dich nicht anl�gen, Will. Ich habe keine Urkunde, mit der ich meinen Besitzanspruch nachweisen k�nnte. Auf der Heiratsurkunde steht zwar, da� ich Mrs. Lamar Powell bin, aber die ist in Richmond zur�ckgeblieben.�</p><p>�Wenn wir Frisco erreichen - ich kenne dort einen Burschen, der uns eine neue Urkunde drucken kann.� Ashton geno� es, wie seine Augen gl�nzten. Er begann die gro�e Chance zu erfassen. �Aber das reicht vielleicht noch nicht.�</p><p>Sie legte eine Hand auf ihre schwellende Brust. �Oh, ich habe gewisse M�glichkeiten, jemanden zu �berzeugen, der ein bi�chen kleinlich ist.�</p><p>Fenway, der langsam rot anlief, war au�er sich. �Sprich weiter, sprich weiter. Du magst verr�ckt sein, aber mir gef�llt das.�</p><p>�Der schwerste Teil - und das ist jetzt ernst gemeint, Will, kein Witz, der schwerste Teil wird sein, hier wegzukommen, raus aus Santa Fe. Die Senora, die Frau, der du das Geld gegeben hast, ist ein gemeines St�ck. Und Luis, ihr Schwager, ist noch schlimmer. Hast du ein Pferd?�</p><p>�Nein. Ich fahre mit den �berlandkutschen.�</p><p>�K�nntest du dr�ben in Fort Marcy vielleicht zwei Pferde kaufen?�</p><p>�Ja. Ich glaube, soviel habe ich noch.�</p><p>�Besitzt du eine Waffe?�</p><p>Sein Gesicht verlor schnell an Farbe. �Du meinst, bei der Sache kann auch geschossen werden?�</p><p>�Ich wei� es nicht. M�glich. Wir brauchen Nerven, wir brauchen Pferde, und wir brauchen eine geladene Waffe, blo� f�r den Notfall.�</p><p>�Nun.� Eine ge�derte Hand deutete auf den Musterkoffer. �W�hl mal unter diesen Verkaufsbl�ttchen. Dort liegt ein alter Allen-Revolver, gute f�nfundzwanzig Jahre alt, aber bei Reisenden sehr beliebt.� Er r�usperte sich. �Ich f�rchte, meiner ist nur zum Vorzeigen. Keine Munition.�</p><p>�Dann wirst du welche kaufen m�ssen.�</p><p>W�hrend er dar�ber nachdachte, brach unten der Streit wieder aus. Ein krachendes Ger�usch deutete an, da� hier einer einen Stuhl �ber den Sch�del bekommen hatte. Ashtons Mund verzog sich h��lich, als sie Luis bellen h�rte: <emphasis>�Vete, hijo de la chingada. Gonsalvo, y donde esta el cuchillo? Te voy a cortar los hue-vos.�</emphasis></p><p>Ein jaulender Schrei und h�mmernde Schritte signalisierten den R�ckzug des potentiellen Opfers. Fenways Augen quollen hervor.</p><p>�War das der Schwager?�</p><p>�K�mmere dich nicht drum. Wir werden mit ihm fertig -wenn wir eine geladene Waffe haben.�</p><p>�Aber ich bin ein friedlicher Mann. Ich kann mit einer geladenen Waffe gar nicht umgehen.�</p><p>Ashtons s��es L�cheln lenkte ihn von ihrem t�ckischen Blick ab. �Ich schon.� Sie streichelte seine mit wei�en Bartstoppeln bedeckte Wange. �Ich sch�tze, die Entscheidung liegt bei dir, mein Lieber. M�chtest du dich lieber sicher, aber arm durch den Westen schleppen, immer weiter und weiter, oder ein kleines Risiko eingehen und anschlie�end in Reichtum leben?�</p><p>Fenway nagte an seiner Unterlippe. In der Cantina unten erz�hlte Luis mit polternder, grollender Stimme noch einmal von seinem Triumph �ber den gefl�chteten Mann. Fenway starrte Ashton an und dachte: Das ist vielleicht eine Frau. Eine bemerkenswerte Frau.</p><p>Er gab sich keinen Illusionen bez�glich des M�dchens hin, das ihn hier so umschmeichelte. Auch verbarg sie nicht, was sie war. Sie schrieb es gro� und deutlich auf ihr Schild, und wem das nicht pa�te, der konnte sie gern haben. Er fand immer mehr Gefallen an dieser W�lfin im Schafspelz.</p><p>Sie gab ihm einen Ku� auf die Lippen. Ihr feuchter Mund war dem seinen ganz nahe, ihr warmer, erregter Atem strich �ber sein Gesicht, sie ber�hrte ihn mit ihrer Zungenspitze, w�hrend einer ihrer Finger mit seinem Ohr spielte. �Komm. Will, sag's mir. Armut oder Pianos?�</p><p>Sein Herz h�mmerte beim Gedanken an all die Reicht�mer -und beim Gedanken daran, das Leben zu verlieren.</p><p>�Zum Teufel damit. Versuchen wir's mit Pianos. Partner.�</p><p>Zwei Abende sp�ter, w�hrend ein verfr�hter Wintersturm �ber Santa Fe fegte, kehrte Will Fenway mit seinem Musterkoffer zur�ck, gerade so wie beim ersten Mal, als sie ihren Plan gefa�t hatten. Wilde Blicke um sich werfend, schlo� er die T�r und lehnte sich dagegen, w�hrend der Regen gegen die Fensterl�den klatschte. Ashton ri� ihm den Koffer aus der Hand und machte ihn auf dem Bett auf. �Hast du f�r die ganze Nacht gezahlt?�</p><p>�Nein. Konnte ich mir nicht mehr leisten.�</p><p>�Will�, fing sie an zu jammern, gereizt und nerv�s.</p><p>�H�r zu, ich halte das allm�hlich f�r eine verdammt bl�dsinnige Idee. Ich habe jeden Cent f�r Munition und f�r diese beiden Klepper ausgegeben, und jetzt spielen die Senora und ihr �bel aussehender Verwandter unten Karten. Wegen des Regens ist sonst niemand da. Sie werden jeden Laut h�ren.�</p><p>�Wir warten solange.�</p><p>Ashton holte den mehrl�ufigen Allen-Revolver aus dem ansonsten leeren Koffer. Sie drehte die L�ufe, um zu sehen, ob sie alle geladen waren, dann legte sie ihre wenigen Kleidungsst�cke in den Koffer. Sie besa� keinen Regenumhang und w�rde durch und durch na� werden; das lie� sich nicht �ndern.</p><p>Sie sp�rte einen dumpfen Druck in ihrer Brust, doch gleichzeitig war sie k�hl und gefa�t. Sie legte das orientalische K�stchen in den Koffer. �Wie lange haben wir?�</p><p>�Ich konnte nur f�r eine Stunde zahlen.�</p><p>�Das mu� reichen. Wir gehen die Hintertreppe hinunter durch den Lagerraum. Hast du ...?�</p><p>�Ja. Ich habe alles�, sagte er bissig. �Die Pferde sind in dem kleinen Schuppen hinten. Aber .�</p><p>�Nichts aber.� Ashton streichelte seine Stirn. Die Haut f�hlte sich nicht mehr k�hl an, sondern feucht und klamm. �Setz dich, Will. Wir warten, bis es ein bi�chen lauter geworden ist. Luis f�ngt zu l�rmen an, wenn er getrunken hat. Das klappt schon, hab nur Vertrauen zu mir.�</p><p>Aus einer Tasche seines alten Mantels holte Fenway eine silberne Uhr und lie� sie aufschnappen. Er legte sie aufs Bett. Beide starrten sie auf die schwarzen Zeiger. Zehn nach neun. Der gro�e Zeiger sprang weiter. Wieder eine Minute vergangen.</p><p>Ashton stand hinter ihm und massierte geschickt seinen verkrampften Nacken und seine Schultern. �Mach dir keine Sorgen. Wir kriegen das problemlos hin. Zwei so clevere Partner, wie wir es sind, kann niemand aufhalten.�</p><p>Vielleicht mit Ausnahme von Luis, der sich gerade so lautstark einen weiteren Drink einschenkte, da� Ashton und Fen-way die Flasche gegen das Glas schlagen h�rten.</p><p>Die Zeit verrann; pl�tzlich schien ihnen das Gl�ck auf geradezu wunderbare Weise hold zu sein. Mit lauter Baritonstimme begann Luis zu singen. Senora Vasquez-Reilly sagte: <emphasis>�No mefasti-dies�,</emphasis> aber er gr�hlte einfach weiter. F�nf Minuten sp�ter -neun Minuten vor zehn, die Stunde, zu der die Senora die Treppe hochsteigen und Will herausholen w�rde - �bert�nte schweres Donnergrollen die immer heftiger werdenden Regenschauer.</p><p>�Wir schaffen es, Will. Wir m�ssen los - jetzt.� Ashton band ihre Spitzenmantilla unter dem Kinn fest, ein hauchd�nnes Tuch, aber besser als nichts. Sie dr�ckte ihm den Koffer in die Hand, griff nach dem geladenen Allen-Revolver und �ffnete die T�r. Sie suchte den nur von einem Kerzenstummel in einem Halter schwach erhellten Flur ab, der direkt bis zu der dunklen Hintertreppe f�hrte. Nichts. Ashtons Atem ging schwer, als sie sich vorw�rts schob. Sie fl�sterte, den Mund an seinem Ohr: �Tritt vorsichtig auf. Einige Bretter quietschen, wenn du fest drauftrittst.�</p><p>Mit fast �bertriebener Vorsicht schlichen sie auf Zehenspitzen den Gang entlang, vorbei an der ersten geschlossenen T�r. Ash-ton h�rte das M�dchen drinnen schnarchen. Sie kamen an der zweiten, links liegenden T�r vorbei; von Rosa war kein Laut zu h�ren.</p><p>Auf der Treppe wagte Ashton etwas schneller zu gehen. Alles ging glatt, bis Fenway mit seinem ganzen Gewicht auf die erste Stufe trat, die ein Ger�usch von sich gab wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten ist.</p><p>Der Regen hatte nachgelassen. Das Ger�usch hallte nach. Ihr Gl�ck lie� sie nun im Stich.</p><p>Rosas T�r ging auf. Nackt trat sie auf den Gang hinaus, in der Hand ein Glas. Wegen des L�rms blickte sie sofort nach links - und sah sie.</p><p>Ihr Aufschrei war m�glicherweise noch in Fort Marcy zu h�ren. <emphasis>�Senora! Senora! La puta Brett, se huye!�</emphasis></p><p>�Das w�r's�, rief Ashton und packte Fenway am Rockaufschlag. �Jetzt renn, mein Lieber.�</p><p>Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte sie hinunter; bei einem Sturz h�tte sie sich sicher das Genick gebrochen.</p><p>Jetzt, wo sie entdeckt waren, half ihnen das Schicksal wie zum Hohn, ohne zu stolpern bis in den Lagerraum zu kommen. Rosa kreischte jedoch weiter, und jetzt trieb auch die Stimme der Senora Luis zur Eile an, gerade als sich Ashton durch den Irrgarten aus alten, zerbrochenen Kisten w�hlte.</p><p>Die T�r der Cantina ging auf. Ein bernsteinfarbenes Lichtrechteck erfa�te die Fl�chtlinge nahe der Hintert�r.</p><p>Luis st�rmte auf sie zu. Ashton dr�ckte ab. Durch den Rauch hindurch sah sie Luis zur Seite kippen. Dann entdeckte sie, wie sich die Senora in der Cantina das Blut von der Wange wischte. Blut, erzeugt durch herumfliegende Splitter; Ashtons Kugel hatte den T�rrahmen getroffen, und Luis war lediglich weggetaucht, um sein Fell in Sicherheit zu bringen.</p><p>�Komm, Will�, schrie Ashton, ri� die Hintert�r weit auf und sprang hinaus in Regen und Schlamm.</p><p>Fenway folgte keuchend. Er stie� sie nach links, knallte ihr dabei den Musterkoffer heftig gegen das Knie. Sie taumelte, w�re beinahe gefallen. Fenway kriegte ihren Ellbogen zu fassen und f�hrte sie. �Nicht mehr weit. Der kleine Schuppen. Da sind wir schon.�</p><p>Sie roch und h�rte die unruhigen Tiere. Luis erschien an der Hintert�r, eine Flut von Obsz�nit�ten aussto�end. Er sprang ins Freie, wollte ihnen nachrennen, als er mit dem rechten Fu� im Schlamm ausrutschte und der L�nge nach hinfiel. Seinem Aufschrei nach hielt Ashton es durchaus f�r m�glich, da� er sich irgendwas gebrochen hatte.</p><p>Er w�lzte sich auf die Seite, griff mit der linken Hand nach den Fl�chtlingen. Der schwache Schein eines Blitzes zeigte sein schlammverschmiertes Gesicht. Von der T�r aus kreischte die Senora: <emphasis>�Lev�ntate, Luis, Maldita seas. Lev�ntatey siguelos.�</emphasis></p><p><emphasis>�No puedo, puta, me pasa algo a la pierna.�</emphasis></p><p>�Steig um Himmels willen auf�, jammerte Fenway. Er sa� bereits im Sattel, den Griff des Koffers umklammernd. F�r Ashton schienen die paar Sekunden eine Ewigkeit zu dauern, w�hrend sie auf das Bild vor sich starrte: die Senora, die Luis aufforderte, aufzustehen, Luis, dessen ausgestreckte Hand nach ihnen tastete, w�hrend sein schmerzverzerrtes Gesicht zum Ausdruck brachte, da� er nicht aufstehen konnte.</p><p>In der Ewigkeit dieses Augenblicks zuckten all die kleinen und gro�en Schm�hungen, Beleidigungen und Unfreundlichkeiten durch Ashtons Kopf. Die Senora und Luis hatten ihr beide gleich viel angetan, aber Luis war n�her. Sie trat zwei Schritte auf ihn zu, zielte mit starrem Arm mit dem Revolver und jagte ihm eine Kugel in den Kopf.</p><p>Sie ritten klappernd �ber die leere, vom Regen gl�nzende Hauptplaza. Asthons Pferd war an der Spitze. Sie hatte ihren Rock zwischen die Schenkel hochgezogen und ritt tief geduckt im Herrensitz, st�ndig nach Hindernissen Ausschau haltend.</p><p>Hinter ihr schrie Fenway: �Warum hast du den Mann erschossen? Es gab keinen Grund, ihn zu erschie�en. Er lag schon am Boden.�</p><p>�Luis hat mich mi�handelt, ich habe ihn geha�t�, schrie sie �ber die Schulter zur�ck. Vor ihr traten ihr zwei Soldaten aus dem Fort in den Weg; ihre Gummiponchos gl�nzten im Schein der zuckenden Blitze. Einer zog den anderen gerade noch im letzten Moment zur�ck; beide fielen hin.</p><p>Auf Fenways regennassem Gesicht zeigte sich tiefer Abscheu, w�hrend er dahingaloppierte. Er wu�te, da� das kleine Flittchen aus Carolina ein Herz aus Stein besa�, aber nie h�tte er gedacht, da� sie so weit gehen und einen hilflosen Mann niederschie�en w�rde. Mit was f�r einer Kreatur hatte er sich da eingelassen? Vor Aufregung war ihm fast �bel; jetzt f�hlte er sich nicht mehr befreit, sondern hatte statt dessen das unbehagliche Gef�hl, in der Falle zu sitzen.</p><p>Ashton, von Kindheit an an Pferde gew�hnt, bot ihr ganzes reiterliches K�nnen auf; tief �ber den Nacken des Kleppers gebeugt, lie� sie sich nur vom gelegentlichen Schein eines Blitzes leiten. Sie ritt, als w�re der Teufel hinter ihr her und nichts vor ihr k�nnte sie aufhalten; ihr Partner f�hlte sich mitgeschleift, gefangen, im Sog ihrer unglaublichen Willensst�rke.</p><p>Er h�rte sie rufen: �Wir schaffen es, Honey. Wir lassen diese mexikanischen Hunde hinter uns. Reit nur zu!�</p><p>Vielleicht konnte er wirklich alle m�glichen Verfolger absch�tteln, dachte er, w�hrend sein Gaul �ber die glitschige Stra�e schlitterte, doch er bezweifelte, ob er je sie absch�tteln k�nnte. Es war zu sp�t; sie hatte ihn am Haken.</p><p>Und sie hatte einen Mord begangen.</p><p>Mit seiner Hilfe.</p><p>Der Deputy Marshall des Territoriums und der Kommandant von Fort Marcy befragten Senora Vasquez-Reilly, die ihnen sagte:</p><p>�Nat�rlich kann ich Ihnen sagen, wer meinen lieben, unschuldigen Schwager ermordet hat. Ich kann sie bis ins letzte Detail beschreiben. Ich habe immer meine Zweifel gehabt, ob sie mir ihren richtigen Namen gesagt hat. Es liegt also an Ihnen, ob Sie sie je erwischen.�</p></section><section><title><p id="bookmark24"><strong>16</strong></p></title><p>Im Spital in Richmond machte ein junger Doktor die Runde durch die Stationen, gef�hrt von der Oberin, Mrs. Pember. Der Doktor war neu hier, hatte sich freiwillig gemeldet wie die anderen auch, die sich um diese traurigen �berreste menschlichen Abfalls k�mmerten.</p><p>Gelegentlich warf ihm einer der Patienten einen leeren Blick zu, aber die meisten beachteten ihn nicht. Einer duckte sich neben seinem Feldbett zusammen und betastete mit den Fingerspitzen eine unsichtbare Wand. Ein anderer f�hrte ein lebhaftes, jedoch lautloses Gespr�ch mit unsichtbaren Zuh�rern. Ein dritter sa� mit verschr�nkten, untergeschobenen Armen da, wie in einer Zwangsjacke, und weinte ohne einen Laut.</p><p>Der Doktor diktierte der Oberin Anmerkungen, w�hrend er von Feldbett zu Feldbett schritt. In der N�he des Feldbetts ganz hinten sa� ein Mann zusammengesunken auf einer Packkiste am offenen Fenster. Selbst zu dieser sp�ten Jahreszeit stieg noch Rauch aus den niedergebrannten Stadtbezirken auf und verschleierte die ohnehin k�mmerliche Herbstsonne.</p><p>Der Mann auf der Kiste starrte aus dem Fenster nach S�dosten in Richtung des j�dischen Friedhofs, der vom Shockoe-Friedhof getrennt war. Seine Abscheu war un�bersehbar. Mit gesenkter Stimme sagte Mrs. Pember: �Wurde vor einigen Wochen bewu�tlos vor dem Rathaus gefunden.�</p><p>Der Doktor, bla� und von der Last seiner Besuchsrunden bereits ersch�pft, musterte den Mann mit einer Mischung aus Ekel und Sorge. Fr�her einmal mu�te der Patient eine gewisse physische Pr�senz gehabt haben; gro� genug war er. Nun sah er verfallen, geschrumpft aus. Hautstreifen deuteten auf eine fr�here Fettsucht hin. Nahrungsmangel hatte bis auf einen beachtlichen Bauch alles Fett weggeschmolzen.</p><p>Die linke Schulter des Patienten hing tiefer als seine rechte. Er war barfu�; unter einer schmierigen, alten, dem Spital gespendeten Samtrobe trug er das grobe Nachthemd des Krankenhauses. Auf seinem Kopf sa� ein zerbeulter Zylinderhut. Er funkelte Mrs. Pember und den Doktor an.</p><p>Immer noch fl�sternd sagte die Oberin: �Er behauptet, st�ndige Schmerzen zu haben.�</p><p>�Er sieht danach aus. Irgendeine Krankengeschichte?�</p><p>�Nur das, was er uns freiwillig erz�hlt. Manchmal redet er davon, da� er von einer hohen Klippe in den James River st�rzt. Dann wieder sagt er, sein Pferd h�tte ihn bei Five Forks abgeworfen, nachdem die Yankees die Linien von General Eppa Hunton durchbrochen hatten. Er sagte, er habe zu den Verst�rkungen geh�rt, die General Longstreet im Eiltempo von Richmond herangef�hrt hatte, allerdings zu sp�t zur Rettung von...�</p><p>�Ich wei� alles �ber den Fall von Richmond�, unterbrach sie der Arzt gereizt. �Besitzt er irgendwelche Papiere?�</p><p>�Sir, wie viele M�nner haben schon Papiere, nachdem die Regierung alles verbrannte und sich absetzte?�</p><p>Der Doktor gab ihr achselzuckend recht. Er n�herte sich dem Patienten. �Nun, Sir, wie geht's uns denn heute?�</p><p>�Captain. Es mu� Captain hei�en.�</p><p>�Captain wer?�</p><p>Eine lange Pause. �Ich kann mich nicht erinnern.�</p><p>Mrs. Pember trat vor. �Letzte Woche gab er als Namen Erasmus Bellingham an. Vorgestern nannte er sich Ezra Dayton.�</p><p>Der Patient starrte sie mit seinen seltsam gelbbraunen Augen an, in denen eine Spur von T�cke lag. Der Doktor sagte: �Bitte erz�hlen Sie uns, wie Sie sich heute morgen f�hlen, Sir.�</p><p>�Kann's nicht erwarten, hier rauszukommen.�</p><p>�Alles zu seiner Zeit. Aber solange Sie hier drin sind, erweisen Sie Mrs. Pember wenigstens die H�flichkeit, Ihren speckigen Hut abzunehmen.� Er griff nach dem Zylinder. Die Oberin stie� einen Warnschrei aus, als der Patient aufsprang und mit w�tender Gewalt die Packkiste nach dem Doktor schleuderte.</p><p>Die Kiste segelte �ber den Kopf des Doktors und knallte in den Gang. Der Patient st�rmte vor. Der Arzt sprang zur�ck, br�llte nach den Pflegern. Zwei kr�ftige Landburschen in fleckigen Kitteln kamen den Gang entlang gerannt, warfen sich auf den Mann und dr�ckten ihn auf sein Feldbett nieder. Obwohl Jugend und Kraft zu ihren Gunsten sprachen, wurden sie von den wirbelnden F�usten des Patienten �bel zugerichtet. Einen Pfleger traf er so hart, da� er aus dem Ohr blutete.</p><p>Schlie�lich �berw�ltigten sie ihn und banden seine Hand-und Fu�gelenke mit einem Seil an den eisernen Bettrahmen.</p><p>Mit bebenden Nerven beobachtete der Doktor sie vom Gang aus. �Dieser Mann ist ein Wahnsinniger.�</p><p>�Alle anderen �rzte sind Ihrer Meinung, Sir. Er ist eindeutig der schlimmste Fall im Spital.�</p><p>�Gewaltt�tig.� Der Doktor schauderte. �Der Zustand dieses Mannes wird sich niemals bessern.�</p><p>�Es ist ein Jammer, was der Krieg diesen M�nnern angetan hat.�</p><p>Er sagte, noch zornig �ber den Angriff: �Diese Stationen sind zu �berf�llt, als da� noch Raum f�r Mitleid w�re, Mrs. Pember. Wenn er sich beruhigt hat, geben Sie ihm zwangsweise Laudanum und ein starkes Abf�hrmittel. Morgen setzen Sie ihn auf die Stra�e. Wir brauchen den Platz f�r jemanden, dem wir helfen k�nnen.�</p><p>Am 3. April waren die h�chsten Regierungsbeamten der Konf�deration geflohen; das Feuer, gelegt am Abend des 3. Aprils, war vom Capitol Square bis zum Flu� gefegt und hatte dabei das kommerzielle Herz Richmonds niedergewalzt, Banken, Gesch�fte, Lagerh�user, Druckereien, ungef�hr tausend Geb�ude, verteilt auf zwanzig Bl�cke. Selbst der ausgedehnte Komplex der Gallego-Getreidem�hlen war verschwunden, ebenso wie die Eisenbahnbr�cke �ber den James.</p><p>Kaum einer von denen, die in den folgenden Monaten durch das verbrannte Gebiet marschierten, verga� diesen Anblick. Es war, als w�rde man die Oberfl�che einer Welt irgendwo im Universum durchstreifen, einer Welt, die sowohl fremd als auch qu�lend vertraut war. Ihre H�gel bestanden aus Bergen von Ziegeln und Kalkstein. Schwarzverkohlte Balken bildeten die Knochen fremdartiger, m�chtiger Bestien. Geb�uderuinen ragten empor wie die Grabmarkierungen einer fremden Rasse.</p><p>Zwei N�chte nach dem Vorfall im Spital stolperte der Patient durch die gewaltigen Gallego-Ruinen, zwischen M�hle und Ka-nawha-Kanal. Man hatte ihm die sch�bigsten Klamotten gegeben und ihn dann auf die Stra�e gesetzt. H�tte er sich nicht auf wichtigere Beute konzentrieren m�ssen, er h�tte es ihnen schon heimgezahlt.</p><p>An diesem Abend sah er viele Dinge mit gro�er Deutlichkeit. Er erinnerte sich in allen Einzelheiten an seine Phantasievorstellung, bei der Gro�en Parade mitzumarschieren. Au�erdem erinnerte er sich an die Namen jener, die ihn daran gehindert hatten, den ihm geb�hrenden Platz in der Milit�rgeschichte seines Landes einzunehmen.</p><p>Orry Main. George Hazard.</p><p>Oh Gott, was hatten ihm diese beiden angetan. Seit ihrer gemeinsamen Kadettenzeit in West Point hatten Hazard und Main regelm��ig konspiriert, um seine Pl�ne zu vereiteln. Jahr um Jahr war der eine oder der andere aufgetaucht, um ihn an seiner Karriere zu hindern. Sie waren geradezu schwindelerregend oft daf�r verantwortlich gewesen, da� man ihn mit Schimpf und Schande bedeckt hatte:</p><p>Sch�digung seiner Reputation im Mexikanischen Krieg. Anklage wegen Feigheit bei Shiloh Church. Strafversetzung nach New Orleans und Desertion nach Washington. Fehlschlag bei Lafayette Bakers Geheimpolizei und schlie�lich Desertion in den S�den, dessen Menschen und Prinzipien er stets verachtet hatte.</p><p><emphasis>Und schuld an all dem waren Main und Hazard. Deren b�sartige Charaktere. Ihre geheimen Verleumdungskampagnen hatten ihn ruiniert.</emphasis></p><p>Bevor er im Spital wieder zu sich gekommen war, hatte er irgendwann - an den genauen Zeitpunkt konnte er sich nicht mehr erinnern - in Richmond Nachforschungen �ber Main angestellt. Ein Veteran hatte ihm sagen k�nnen, da� Colonel Orry Main bei Petersburg den Tod gefunden hatte. Sein anderer Feind, Hazard, war h�chstwahrscheinlich noch am Leben. Und was genauso wichtig war, jeder der M�nner besa� nat�rlich eine Familie. Er erinnerte sich, da� er sich vor dem Krieg an einem der Mains in Texas zu r�chen versucht hatte. Charles - so hatte er gehei�en. Sicherlich gab es noch viele andere Verwandte.</p><p>Er bem�hte sich, jetzt nicht an all das zu denken und sich auf die Gallego-Ruinen zu konzentrieren. Nach einer Suche von einer Stunde hatte er, wie er glaubte, die richtige Stelle gefunden. Er kniete nieder und w�hlte sich durch den Schutt, das Ger�usch schnell flie�enden Wassers im Ohr. Es str�mte �ber ein gewaltiges M�hlrad, das sich nicht mehr drehte. Wie die meisten Dinge im S�den, so war auch das M�hlrad zerbrochen.</p><p>Beim Graben verletzte er sich die Finger an den scharfen Ziegelbrocken. Bald schon waren seine Finger mit Staub und Blut bedeckt. Doch er fand, was er vergraben hatte. Sein Ged�chtnis hatte ihn nicht vollkommen im Stich gelassen.</p><p>Er ging, das zusammengerollte �lgem�lde umklammernd, zu einer Stelle, die in helles Mondlicht getaucht war, und wischte dort den Staub von seinem Schatz. W�hrend er das Bild s�uberte, stie� der Schmerz wie eine spitze Ahle durch seine Stirn und begann sich tiefer und tiefer zu w�hlen. Winzige, nadelscharfe Blitze zuckten auf.</p><p>Er erinnerte sich an seinen Namen.</p><p>Er sagte ihn laut. In einem offenen Rechteck aufragender Mauern sa�en einige schwarze Siedler am Lagerfeuer; der L�rm erregte ihre Aufmerksamkeit. Einer kam her�bergeschlurft. Nach einem Blick auf das Gesicht des Mannes im Mondlicht zog er sich schnell wieder zur�ck.</p><p>Voller Inbrunst wiederholte der Mann den Namen.</p><p>�Elkanah Bent.�</p><p>Entlang der gespenstischen W�nde trieb d�nner, bitterer Rauch, der ihn zu w�rgen begann. Er hustete, w�hrend er die Erinnerung an das Gesicht auf dem Gem�lde heraufzubeschw�ren versuchte . versuchte .</p><p>Ja. Eine Terzeronenhure.</p><p>Woher hatte er ihr Portr�t?</p><p>Ja. Ein Bordell in New Orleans.</p><p>Das lieferte ihm den Hinweis auf eine noch bedeutsamere Erinnerung - seinen Lebenszweck. Vor Wochen hatte er sich dieser Sache verschrieben und sie dann w�hrend der schlimmen Zeit im Spital vergessen.</p><p>Sein Lebenszweck war der Krieg.</p><p>Der andere Krieg zur Befreiung des hinterh�ltigen Niggers, der damit auf die Ebene des �berlegenen wei�en Mannes gehoben werden sollte, war vor�ber und verloren. Sein Krieg war noch nicht vorbei. Bis jetzt hatte er seine Kr�fte, seinen strategischen Scharfsinn, seine �berlegene Intelligenz noch gar nicht eingesetzt, um den Krieg zu er�ffnen gegen die Familien der ...</p><p>Der ...</p><p>Main.</p><p>Hazard.</p><p>Sie zu bekriegen, sie leiden zu lassen, indem er die t�tete, die sie liebten - alte, junge -, einen nach dem anderen. Eine s��e, langsame Vernichtungskampagne, ausgef�hrt von dem amerikanischen Bonaparte.</p><p>�Bonaparte�, kreischte er dem Mond entgegen. �Bonapartes Meisterwerk!�</p><p>Die Siedler verlie�en ihr Feuer und zogen sich in die Finsternis zur�ck.</p><p>Er dr�ckte sich den Zylinder fest auf den Kopf und straffte seine h�ngenden Schultern, so gut es ging. Der Frack, den sie ihm gegeben hatten, sah im Mondschein alt und schmierig aus. Er machte eine exakte milit�rische Kehrtwendung und marschierte los, wie ein Mann, der nie auch nur einen Moment krank gewesen war.</p></section><section><title><p id="bookmark25"><strong>17</strong></p></title><p>Die Jackson Trading Company ritt, umzingelt von Narbengesicht und dessen Kriegern, auf das Dorf von Schwarzer Kessel zu. Die Indianer hatten den Wei�en die Waffen abgenommen. Charles hatte sich anfangs geweigert, dann aber nachgegeben, als Holzfu� darauf beharrte, da� es nur zu ihrem Besten w�re. �Liefere ihnen keinen Vorwand, uns zu t�ten, Charlie.�</p><p>Es wurde allm�hlich dunkel. Mit schneidender Sch�rfe trieb der Wind den Schnee in Charles' Gesicht. Pl�tzlich wurde ihm klar, was es mit dem str�hnigen Saum an Narbengesichts Mantel auf sich hatte.</p><p>�Ich h�tte es gleich erkennen m�ssen. In Texas hab' ich Skalpe gesehen. Das sind Haare�, sagte er zu Holzfu�.</p><p>�Richtig. Ein Mann der Hundegemeinschaft darf diese Art von Zierde tragen, wenn er sich oft genug ausgezeichnet und gen�gend Feinde get�tet hat.�</p><p>�Einige Haare sind blond. Es gibt keine blonden Indianer.�</p><p>�Ich sagte dir doch schon, Charlie, diesmal haben wir uns eine Menge Kummer aufgeladen.�</p><p>Die Aufmerksamkeit des H�ndlers pendelte zwischen Charles und Fen. Der Collie zerrte an seiner Stangenbahre und bellte und bellte. Zwei Krieger ritten vor, hoben ihre Lanzen zum Wurf.</p><p>�Tut das nicht�, br�llte Holzfu� mit rotem Gesicht. Die Krieger lachten und drehten ab, zufrieden mit der Reaktion.</p><p>Die Cheyenne spielten weiter mit ihren Gefangenen: Sie ritten dicht heran, ber�hrten sie mit H�nden und St�cken. Narbengesicht galoppierte neben ein Packmuli und ri� mit seiner Lanze einen weiteren Leinensack auf. In einer Kaskade st�rzten Glasperlen auf den schneebedeckten Boden.</p><p>Charles hob die Hand. Holzfu� hielt ihn zur�ck.</p><p>�Unsere Haare sind mehr wert als die Waren. Wir m�ssen uns damit abfinden, bis wir eine M�glichkeit entdeckt haben, uns herauszuwinden.�</p><p>Zuerst trafen sie auf acht Jungen in Fellen, die mit stumpfen Pfeilen nach Wild pirschten. Hinter dem n�chsten H�gelkamm entdeckten sie die Pferdeherde, ungef�hr hundert Ponys, von weiteren Jungen bewacht. Der Wind trug den Geruch von Holzrauch heran.</p><p>Holzfu� sagte ruhig: �Ganz gleich, was sie tun, werde nicht w�tend. Behalt die Nerven, und wenn ich dir pl�tzlich einen Hinweis gebe, befolg ihn sofort.� Charles nickte, obwohl ihm die Bedeutung der Worte des H�ndlers nicht ganz klar war.</p><p>Ihr Auftauchen im Dorf verursachte einen Aufruhr. Alte M�nner, M�tter mit Babys auf dem R�cken, M�dchen, Kinder, Hunde str�mten aus den Tipis und dr�ngten sich schnatternd um sie, in nicht gerade feindlicher Manier, dachte Charles. Feindselig war nur Narbengesicht. Er sprang vom Pferd und bedeutete ihnen, das gleiche zu tun.</p><p>Charles stieg ab. Er bemerkte am Boden festgepflockte B�ffelh�ute, w�hrend andere �ber senkrechte Rahmen gespannt waren, doch ansonsten war die Freiluftarbeit im Dorf wegen des schlechten Wetters eingestellt worden.</p><p>W�hrend er sich umschaute, begegnete er dem Blick eines M�dchens mit gro�en, ungemein neugierigen Augen. Sie hatte gleichm��ige, sogar zarte Gesichtsz�ge und gl�nzend schwarzes Haar. Sie schenkte ihm ein schnelles L�cheln, um zu zeigen, da� er im Dorf nicht nur Feinde hatte.</p><p>Narbengesichts Krieger dr�ngten sich um sie. Mit wirbelnden Zeichen und Geschrei ging Holzfu� zur Offensive �ber. �Moke-tavato! Ich will mit ihm sprechen.�</p><p>�Ich sagte dir, Schwarzer Kessel ist nicht hier�, erkl�rte Narbengesicht. �Es sind keine Friedensh�uptlinge da, die euch helfen k�nnten; nur Kriegsh�uptlinge.� Er wendete sich an seine M�nner. �Nehmt ihre G�ter.�</p><p>Der Indianer in der Kavalleriearbeitsjacke begann Charles' Satteltaschen aufzufetzen. Charles st�rzte sich auf ihn. Holzfu� schrie eine Warnung, und jemand hinter ihm schlug ihm einen Gewehrkolben �ber den Sch�del. Ein zweiter Schlag zwang ihn in die Knie. Die Menge br�llte. Fen knurrte. Narbengesicht versetzte dem Collie einen Tritt, der ihn aufjaulen lie�.</p><p>Die Krieger der Hundegemeinschaft dr�ngten sich um die Packtiere und rissen die S�cke auf, in denen sich die Eisenschaber, die Hacken und die Blecht�pfe befanden. Die Menge schob sich n�her heran. Um sie auf seine Seite zu ziehen, befahl Narbengesicht seinen M�nnern, die Handelswaren zu verteilen.</p><p>Frauen und Kinder dr�ngten vor und verlangten schreiend nach diesem oder jenem Gegenstand. Das junge M�dchen geh�rte zu den wenigen, die sich zur�ckhielten, wie Charles im Aufstehen bemerkte. Auf einigen Gesichtern zeigte sich Abscheu �ber diese Gier, doch die meisten Dorfbewohner achteten nicht darauf. Holzfu� schaute sich mit einem merkw�rdigen Ausdruck um, so, als h�tte er nie zuvor Tipis oder Cheyenne gesehen.</p><p>Pl�tzlich verk�ndete Narbengesicht: �Diese Wei�en sind Teufel, die uns �belwollen. Ihre Waren und ihr Leben geh�ren uns.� Seine M�nner gaben grunzende, zustimmende Laute von sich.</p><p>Jetzt legte Holzfu� seine Gedankenverlorenheit ab. �Narbengesicht, das ist einfach nicht recht. Das ist nicht die Art des Volkes.�</p><p>Narbengesicht straffte die Schultern. �Es ist meine Art.�</p><p>�Nichtsnutziger kleiner Schei�kerl�, sagte Holzfu�, laut genug, da� man es h�ren konnte. Narbengesicht verstand die Worte. Er machte eine Geste.</p><p>�T�tet sie.�</p><p>Charles' Magen schien eine halbe Meile durchzusacken. Holzfu� warf ihm einen scharfen Blick zu, packte Boys Hand und st�rzte nach vorn. Die pl�tzliche Bewegung �berraschte alle; der H�ndler und Boy konnten sich zwischen zwei Kriegern durchw�hlen. �Renn, Charlie. Hier entlang.�</p><p>Charles rannte.</p><p>Ein Beil mit Eisenklinge zischte an seinem Ohr vorbei. Frauen und alte M�nner kreischten auf. Charles st�rzte zwischen zwei verschreckten Gro�v�tern hindurch, weg von der Menge. Er verstand Holzfu�' pl�tzlichen Anfall von Feigheit nicht. Wozu sollte diese Flucht gut sein? Man w�rde sie sowieso gleich wieder schnappen.</p><p>Holzfu� streckte einen Arm aus und deutete auf ein reichverziertes Zelt, ein St�ck weiter unten auf der linken Seite. Ein kr�ftiger Indianer mit dunklem, zerfurchtem Gesicht stand mit verschr�nkten Armen vor dem Zelt; der Schnee schmolz auf seinem grauen Haar. Holzfu� tauchte, Boy hinter sich her zerrend, an ihm vorbei in das Tipi.</p><p>Charles rannte weiter. Er sp�rte, da� ihm Narbengesichts M�nner dicht auf den Fersen waren. So ein Bl�dsinn, dachte er. Gleich sa�en sie in einem Tipi in der Falle. Holzfu� mu�te den Verstand verloren haben.</p><p>Er raste auf den alten Cheyenne zu, in der Erwartung, aufgehalten zu werden. Der grauhaarige Indianer warf einen kurzen Blick auf den Tipi-Eingang und nickte. Mit einem hoffnungslosen Gef�hl im Herzen sprang Charles durch die ovale �ffnung. Augenblicklich stellte sich der Indianer davor.</p><p>Ein kleines Feuer in einer flachen Grube gab bei�enden Rauch, aber wenig W�rme von sich. Charles duckte sich in der kalten D�sternis zusammen, griff nach einer steinernen Hacke.</p><p>�Leg das weg, Charlie.�</p><p>�Was zum Teufel ist mit dir los? Sie stehen direkt davor.�</p><p>W�tende Stimmen best�tigten das. Die von Narbengesicht t�nte am lautesten. W�hrend er w�tend knurrte, sprach der �ltere Indianer mit ruhiger, leiser Stimme. In das Knurren mischte sich ein Unterton von Frustration.</p><p>�Wir brauchen jetzt keine Waffen�, sagte Holzfu�. Er deutete �ber seinen Kopf. Dort hing etwas, das eine gewisse �hnlichkeit mit einem aus einem B�ffelkopf hergestellten Hut besa�. Es war mit blauen Perlen verziert, die H�rner wiesen ein Muster leuchtender Farben auf.</p><p>�Das ist der B�ffelhut�, sagte Holzfu�. �Genauso heilig wie die vier Medizinpfeile. Der Hut wehrt Krankheiten ab, und wenn irgendein Narr ihn stiehlt, dann wird der B�ffel f�r immer verschwinden. Der alte Priester drau�en bewacht ihn Tag und Nacht. Keiner, der unter dem Hut Schutz sucht, darf bel�stigt werden.�</p><p>�Du meinst, das ist eine Zufluchtsst�tte, wie eine Kirche?�</p><p>�Ja. Narbengesicht darf uns nicht anr�hren.�</p><p>Charles' Schwei� trocknete, es wurde k�hl, und er schauderte zusammen. Ziemlich �berraschend stieg in ihm ein Gef�hl der Ver�rgerung auf. �H�r mal, seit dem Krieg bin ich auf keinen Kampf mehr scharf. Aber wenn ein Kampf beginnt, dann renne ich nicht gern weg.�</p><p>�Du meinst, es war feig, hier Zuflucht zu suchen?�</p><p>�Nun...�</p><p>W�hrend der Priester mit Narbengesicht diskutierte, sagte Holzfu�: �Habe ich dir nicht gesagt, da� du hier drau�en deine nat�rlichen Empfindungen umkehren mu�t? Was glaubst du, warum Narbengesicht so w�tend ist? Wir haben gerade das Gr��te getan - und ich meine das Allergr��te -, was ein Mann der Hundegemeinschaft tun kann. Wir waren geschlagen, sollten ermordet werden und sind davongekommen. Das ist gr��er als der gr��te Coup.�</p><p>Der Priester des B�ffelhutes b�ckte sich und betrat das Tipi. Der alte Indianer l�chelte auf freundliche, bewundernde Weise.</p><p>Der H�ndler und der Priester begr��ten einander in der Zeichensprache. �Kleiner B�r�, sagte Holzfu�, nickte und l�chelte. Der Priester sagte etwas in der Cheyenne-Sprache. Charles gegen�ber erkl�rte der H�ndler: �Er hat gerade eben meinen Namen ausgesprochen, Mann-mit-schlimmem-Bein.� Er wandte sich an Kleiner B�r: �Das hier ist mein Partner Charlie, und meinen Neffen Boy kennst du ja. Du wei�t, da� Narbengesicht gelogen hat, Kleiner B�r. Wir kommen immer in friedlicher Absicht, nur zum Handeln.�</p><p>Charles verstand, als Kleiner B�r sagte: �Ich wei�.�</p><p>�Wann kommt Schwarzer Kessel zur�ck?�</p><p>Der alte Indianer zuckte mit den Schultern. �Heute. Morgen. Ihr bleibt hier. E�t etwas. Ihr seid in Sicherheit.�</p><p>�Nichts dagegen, Kleiner B�r.� Holzfu� schlug Boy auf die Schulter. Boy grinste. Charles gab sich M�he, seine Einstellung neu zu ordnen, so wie Holzfu� es ihm geraten hatte.</p><p>�Mein Hund h�ngt noch im Zaumzeug, Kleiner B�r.�</p><p>�Ich werde ihn holen.�</p><p>�Sie haben unsere Waffen und Messer.�</p><p>�Ich werde sie finden.�</p><p>Der Priester ging. Bald lag Fen neben dem Feuer und w�lzte sich gl�cklich im Dreck.</p><p>Charles konnte sich nur schwer damit abfinden, da� sie sich durch Weglaufen mit Ruhm bedeckt hatten. Er dachte weiter dar�ber nach, w�hrend Kleiner B�r ihnen Beeren und Streifen ger�ucherten B�ffelfleisches servierte. Nach der Mahlzeit besorgte der Priester Felle und gewebte Kopfkissen.</p><p>Fr�hzeitig am n�chsten Morgen ritt Schwarzer Kessel mit einem Dutzend Krieger in das Dorf ein. Die Mitglieder der Jackson Trading Company konnten endlich wieder ins Freie.</p><p>Nach dem Schneefall war die Sonne wieder herausgekommen. Cheyenne aller Altersgruppen umringten sie, das h�bsche M�dchen eingeschlossen, das Charles aufgefallen war. Man l�chelte ihm zu, schlug ihm auf die Schultern, gr��te ihn mit �How!�, was er als Ausruf der Anerkennung interpretierte. Von Narbengesicht war nichts zu sehen.</p><p>Holzfu� blies sich auf wie ein Schauspieler vor einem jubelnden Publikum. Er grinste �ber das ganze Gesicht.</p><p>�Darum kommen wir nicht herum, Charlie. Wir sind Helden.�</p><p>Das bessere Wetter lie� die Aktivit�ten im Freien Wiederaufleben. Jungenbanden pirschten sich, mit stumpfen Pfeilen bewaffnet, an Hasen heran, als Training f�r die Stammesjagd im Erwachsenenalter. Frauen und M�dchen machten sich an ihre traditionellen Aufgaben und schabten H�ute, spannten sie auf Rahmen und behandelten sie mit Rauch.</p><p>Charles bemerkte eine Art Sch�lerinnen-Lehrerin-Verh�ltnis bei einer Gruppe von M�dchen und M�ttern, die einer viel �lteren Frau aufmerksam lauschten. Wie Holzfu� ihm sp�ter erkl�rte, handelte es sich hier um eine Lehrstunde durch ein Mitglied der Webergemeinschaft. F�r die Cheyenne besa�en dekorative Webstoffe eine gro�e religi�se Bedeutung; man mu�te sie in genau vorgeschriebener Weise herstellen. Nur Frauen, die in diese Gemeinschaft gew�hlt worden waren, durften diese Kunst lehren.</p><p>Eines Abends lud Schwarzer Kessel Holzfu�, Charles und Boy in seinen Wigwam ein. Aus Gespr�chen mit dem H�ndler wu�te Charles, da� die Cheyenne eine Anzahl von Friedensh�uptlingen hatten, M�nner, die ihre Tapferkeit und ihre Klugheit unter Beweis gestellt hatten und die nun den Stamm berieten, wenn er sich nicht im Kriegszustand befand. Holzfu� betonte, da� die Wei�en immer mit <emphasis>dem</emphasis> H�uptling verhandeln wollten, aber der existierte nicht. Es gab H�uptlinge f�r den Frieden und f�r den Krieg, ebenso wie einen H�uptling f�r jedes Camp - Schwarzer Kessel hatte diese Position auch in seinem Dorf inne -, und es gab die Anf�hrer der Kriegergemeinschaften. Sie alle regierten im Kollektiv den Stamm, der seit ewigen Zeiten ungef�hr dreitausend Seelen z�hlte. Der Stamm war nicht gewachsen, aber er war auch nicht durch Katastrophen, Hunger oder durch seine Feinde dezimiert worden. Charles' Respekt vor den Cheyenne wuchs weiter.</p><p>Der Friedensh�uptling Moketavato war ein gutgebauter Mann von ungef�hr sechzig, der seine Haarflechten mit Otterfellstreifen umwickelt hatte. Er hatte ernste Augen und ein lebhaftes, intelligentes Gesicht. Er trug die �blichen Leggings mit Lendenschurz und Hirschlederhemd mit zahlreichen Verzierungen; sein Kopfschmuck bestand aus Adlerfedern und drei geh�mmerten Silberm�nzen an einem Lederriemen. Nachdem sie sich alle gesetzt hatten, reichte er den wei�en M�nnern eine lange Friedenspfeife. Schon ein paar Z�ge machten Charles schwindelig. In seinem Kopf tauchten phantastische Farben und Formen auf, und er fragte sich, was f�r ein Kraut wohl in dem Pfeifenkopf brennen mochte.</p><p>Die stille, ruhige Frau des Friedensh�uptlings servierte eine herzhafte Schildkr�tensuppe und anschlie�end Sch�sseln mit einem wohlschmeckenden Stew. W�hrend sie a�en, entschuldigte sich Schwarzer Kessel f�r Narbengesichts Taten. �Der Verlust seiner Mutter hat ihm die Vernunft geraubt. Wir versuchen ihn im Zaum zu halten, aber es ist schwer. Doch eure Handelswaren und eure Tiere sind in Sicherheit.�</p><p>Holzfu� bedankte sich, und Charles schob sich, den Gebr�uchen entsprechend, mit den Fingern einen weiteren Fleischbrocken in den Mund. �Ein k�stliches Stew�, sagte er.</p><p>Schwarzer Kessel nahm das mit einem L�cheln zur Kenntnis. �Das beste Gericht meiner Frau, nur f�r Ehreng�ste.�</p><p>�Junger Hund�, sagte Holzfu�.</p><p>Um ein Haar h�tte sich Charles �bergeben. Er pre�te die Lippen zusammen und bem�hte sich um ein ausdrucksloses Gesicht, w�hrend er den Fleischbrocken gegen einige Widerst�nde hinunterw�rgte. Danach a� er nichts mehr, r�hrte nur in seiner Sch�ssel herum.</p><p>�Ich hoffe, der Vertrag, den du unterzeichnet hast, bedeutet f�r eine Weile Frieden�, sagte Holzfu�.</p><p>�Das ist auch meine Hoffnung. Viele vom Stamm glauben, Krieg w�re besser. Sie glauben, nur Krieg kann unser Land retten.� Er wandte sich leicht zur Seite, um Charles einzuschlie�en, und sprach noch langsamer. �Ich habe den Frieden stets f�r den besten Weg gehalten, und ich habe mich bem�ht, den Versprechungen des wei�en Mannes Glauben zu schenken. Dieser Weg ist immer noch mein Weg, obwohl mir seit Sand Creek immer weniger auf diesem Weg folgen wollen. Ich brachte den Stamm nach Sand Creek, weil der Soldatenh�uptling in Fort Lyon sagte, uns w�rde nichts geschehen, wenn wir uns dort friedlich niederlie�en. Wir taten das, und dann kam Chiving-ton. So habe ich jetzt keinen Grund, den Versprechungen zu glauben, keinen anderen Grund als meinen eigenen brennenden Wunsch nach Frieden. Deshalb habe ich die Feder wieder in die Hand genommen. Aus der Hoffnung heraus, nicht aus Vertrauen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Charles. Schwarzer Kessel war ihm sympathisch, und er sp�rte, da� dies auf Gegenseitigkeit beruhte.</p><p>Drau�en vor dem Tipi gl�hte das Lagerfeuer, und festliche Musik ert�nte. Charles neigte den Kopf. �Ist das eine Fl�te?�</p><p>�Ja, die Fl�te der Werbung�, sagte Schwarzer Kessel. �Sie wird vor dem n�chsten Tipi gespielt. Also mu� es Narbengesicht sein. Au�er dem Krieg hat er auch noch einige andere Interessen, was f�r uns andere ein Segen ist. La�t uns schauen.�</p><p>Sie traten hinaus in das Zwielicht und sahen Narbengesicht neben dem angrenzenden Tipi; er spielte auf einer handgefertigten Holzfl�te, w�hrend seine F��e sich in einer Art Tanz vor-und zur�ckbewegten. Schwarzer Kessel gr��te. Narbengesicht wollte den Gru� erwidern, sah die H�ndler und machte ein m�rrisches Gesicht. Er blies mehrere falsche T�ne, bis er wieder die richtige Melodie erwischte.</p><p>An seinem Leibriemen trug Narbengesicht eine Quaste aus wei�em Fell. Holzfu� deutete darauf. �Von einem Hirsch mit wei�em Wedel. Ist ein gro�er Liebeszauber.�</p><p>Ein gelblicher Hund rannte bellend vorbei. Fen machte sich, ebenfalls bellend, an die Verfolgung. Aus dem Tipi, vor dem Narbengesicht sein St�ndchen brachte, tauchte ein junges M�dchen auf - das gleiche M�dchen, das Charles am ersten Tag aufgefallen war. Er sah, wie eine Hand von innen das M�dchen stie�. Offensichtlich zwangen ihre Eltern sie, hinauszugehen, um den Freier zu begr��en.</p><p>�Sie ist das Kind meiner Schwester, Gr�nes Gras�, sagte Schwarzer Kessel zu Charles. �Sie z�hlt jetzt f�nfzehn Winter. Narbengesicht wirbt seit zwei Wintern um sie und mu� das noch zwei weitere tun, bevor sie eine seiner Frauen werden kann.�</p><p>Die sanften Rundungen der Br�ste des M�dchens zeigten, da� sie die Bezeichnung Frau durchaus schon verdiente. Sie trug Leggings und ein langes, geschm�cktes, kittelartiges Kleidungsst�ck, das bis zu ihrer H�fte hochgezogen war und sich vorne und hinten mittels eines zwischen den Beinen durchgezogenen Strickes bauschte. Faserb�schel des Strickes umschn�rten sie von der Taille bis zu den Knien; sie hoppelte mehr, als da� sie ging.</p><p>Schwarzer Kessel sah Charles' verwirrtes Gesicht. �Sie ist kein Kind mehr, aber noch nicht verheiratet. Bis sie Narbengesichts Frau ist, bindet ihr Vater ihr nachts den Strick zur Wahrung ihrer Unschuld um.�</p><p>Gr�nes Gras m�hte sich, Narbengesicht zuzul�cheln, aber ihr Herz war deutlich erkennbar nicht dabei. Narbengesicht schaute ungl�cklich drein und stampfte schneller mit seinen Mokassins. Dann bemerkte sie die Zuschauer. Ihre Reaktion auf Charles war unmittelbar und offensichtlich.</p><p>Seine ebenfalls. Die Pl�tzlichkeit �berraschte ihn. In der Hoffnung, da� man ihm nichts anmerkte, drehte er sich zur Seite, beunruhigt dar�ber, sich von einem so jungen M�dchen angezogen zu f�hlen. Er beruhigte sein Gewissen damit, da� er sich einredete, da� es nur an der Sch�nheit des M�dchens lag; seine relativ lange Enthaltsamkeit hatte diese Reaktion ausgel�st.</p><p>Schwarzer Kessel bemerkte den Blickwechsel und gluckste. �Ich h�rte, da� Gr�nes Gras dich mit Wohlgefallen betrachtet hat, Charles.�</p><p>Auch Narbengesicht bemerkte es. Er funkelte Charles an, trat zwischen die wei�en M�nner und das M�dchen, ihnen den R�cken zuwendend. Hastig redete er auf sie ein. Sie antwortete mit gleicher Geschwindigkeit und Schroffheit, irritierte und reizte ihn. Er �bersch�ttete sie mit weiteren Bitten. Sie warf den Kopf zur�ck, griff nach den R�ndern des Tipi-Eingangs und trat ein. Bevor sie verschwand, warf sie Charles einen weiteren liebes-trunkenen Blick zu.</p><p>Narbengesichts Z�ge verzerrten sich, eine schwarzkupferne Maske im Lichte des nahen Feuers. Mit einer Hand die Fl�te umklammernd, stampfte er davon.</p><p>Fen scho� ins Blickfeld, verfolgt von dem gelblichen Hund. Ein Baby br�llte. Holzfu� seufzte.</p><p>�Naja, ich wei�, da� es nicht deine Schuld ist. Aber jetzt hat dieser Schlagetot einen weiteren Grund, uns zu hassen.�</p><p>Am n�chsten Tag begannen sie mit dem Handel. Das Wetter wurde f�r die Fr�hwinterzeit ungew�hnlich warm und machte es m�glich, da� Holzfu� Boy in der D�mmerung zum Flu� f�hren konnte. Dort verpa�te der H�ndler, au�er Sicht der Tipis, seinem Neffen ein Bad, das dieser dringend n�tig hatte. Charles legte seine Kleider ab, watete in den Flu� und wusch sich ebenfalls von Kopf bis Fu�. Er f�hlte sich wie neugeboren.</p><p>Das Handeln besorgte einzig und allein Holzfu�. Charles holte die Waren, stellte sie zur Schau und k�mmerte sich um die Pferde, die sie daf�r bekamen. Je mehr Einzelheiten er �ber die komplexen Zusammenh�nge der Cheyenne-Gemeinschaft erfuhr, desto gr��er wurde sein Respekt vor dem Stamm. In gewissen Dingen blieben die Indianer primitiv; sanit�re Angelegenheiten wurden im Dorf sehr nachl�ssig gehandhabt. In anderen Bereichen fand Charles die Cheyenne bewundernswert; beispielsweise wenn es um die Erziehung der Jungen ging.</p><p>Die Cheyenne betrachteten das Mannesalter nicht als etwas Unvermeidliches, sondern als ein Privileg, das mit gro�er Verantwortung verbunden war. Abends wurden gelegentlich die Seiten des einen oder anderen Tipis hochgerollt; drinnen versammelten sich die Mitglieder einer der Kriegergemeinschaften in voller Bemalung und mit den Insignien ihrer Gemeinschaft geschm�ckt um das Feuer. Wie beabsichtigt, dr�ngten sich dann stets eine gro�e Anzahl Jungs um das jeweilige Tipi und sahen zu, wie die M�nner sprachen und tanzten und ein paar ihrer weniger geheimen Rituale durchf�hrten.</p><p>Acht Tage lang wurde flott und profitabel gehandelt. Am neunten Morgen erwachte Charles fr�hzeitig; drohende Regenwolken hingen am Himmel. Holzfu� wollte aufbrechen. Sie brachen ihr Tipi in sechs Minuten ab - Charles geno� das Spielchen, ihren eigenen Rekord zu schlagen -, und nach einem ausgedehnten Abschied von Schwarzer Kessel und den Dorf�ltesten ritten sie, vierzehn neue Ponys vor sich her treibend, nach S�den.</p><p>Der Wind roch warm und feucht. Die Tipis am Cimarron verschwanden hinter ihnen, ebenso wie die aufsteigenden d�nnen Rauchs�ulen. Charles sa� locker auf Satan und dachte an Gr�nes Gras, der er in dem kleinen Dorf h�ufig begegnet war. Ihr h�bsches Gesicht brachte bei jedem Zusammentreffen ihre Gef�hle deutlich zum Ausdruck. Sie war verliebt. Das schmeichelte einerseits seiner Eitelkeit, machte aber andererseits sein Eremitenleben noch schwerer ertr�glich. Eines Nachts hatte er einen erotischen Traum, in dem er bei dem M�dchen lag. Doch jedesmal, wenn er sie traf, tippte er lediglich an seinen Hut, l�chelte und murmelte einige Freundlichkeiten auf englisch. Er fragte sich, ob bei seiner R�ckkehr nach St. Louis Willa Parker vielleicht ...</p><p>�Pa� auf, Charlie.� Holzfu�' pl�tzliche Warnung ri� ihn aus seinen Tagtr�umen. Er zog seinen Colt, als ein berittener Indianer zwischen einigen Pappeln an einem Bachlauf hervorgesprengt kam. Einen Augenblick lang rechnete Charles damit, da� ein ganzer Trupp Krieger folgen w�rde, doch es kam kein weiterer Reiter mehr.</p><p>Der einsame Krieger galoppierte auf sie zu. Charles erkannte Narbengesicht.</p><p>D�ster sagte Holzfu�: �Er mu� m�chtig schnell und weit geritten sein, um vor uns hier zu sein. Den mu� ja ordentlich was zwacken - aber das ist wohl kaum eine �berraschung, he?�</p><p>Narbengesicht lie� sein Pony auf sie zutraben. Seine dunklen Augen richteten sich auf Charles. �Ich habe etwas zu sagen.�</p><p>�Nun, wir haben auch nicht angenommen, da� du hier rausgekommen bist, um dich an den Heilwassern zu laben�, sagte Holzfu�. Der Sarkasmus war bei dem Indianer fehl am Platz, der vom Pferd sprang und sich mit gespreizten Beinen in Positur stellte.</p><p>�Steig ab, Charlie�, sagte Holzfu� und kletterte vom Pferd. �M�ssen die Formalit�ten beachten, verdammt noch mal.�</p><p>Als die beiden H�ndler auf dem Boden standen, stampfte Narbengesicht mit dem Fu� auf.</p><p>�Ihr habt mich vor meinem Volk besch�mt.�</p><p>�Oh, Schei�e.� Holzfu� seufzte. �Du hast dich selbst besch�mt, Narbengesicht. Wir haben dir keinen Anla� gegeben, uns zu t�ten. Du wei�t es, und Schwarzer Kessel wu�te es, und wenn das deine Klage ist, warum .�</p><p>W�tend packte ihn Narbengesicht. �Wir treffen uns unter einem Strick. Du wirst dran h�ngen.� Sein Blick richtete sich auf Charles. �Und du.�</p><p>Mit dunkelrotem Gesicht sagte Holzfu�: �La� mein Hemd los.�</p><p>Narbengesicht verdrehte es noch mehr. Die eine Hand des H�ndlers scho� vor, erwischte den Riemen von Narbengesichts Lendenschurz und zerri� ihn. Narbengesicht schrie auf, lie� ihn los und sprang zur�ck, als h�tte ihn eine Schlange gebissen.</p><p>�Ja, was ist denn das?� rief Holzfu� in gespielter �berraschung. Er deutete auf Narbengesichts entbl��te Genitalien. �Ein Mann ist das bei Gott nicht.�</p><p>Narbengesicht kreischte auf und sprang Holzfu� an die Kehle. Charles ri� seinen Colt aus dem Gurt. �Stopp!�</p><p>Der Ruf lie� Narbengesicht erstarren, seine Finger nur Zentimeter von Holzfu�' Hals entfernt. Der H�ndler hielt Narbengesicht den Lendenschurz hin. �Wirst Schwierigkeiten haben, dem M�dchen ohne das hier den Hof zu machen.� Er stopfte sich den Schurz unter den G�rtel. �Jawohl, Sir, eine Menge Schwierigkeiten.�</p><p>Es war deutlich zu sehen, da� Narbengesicht um seinen Schurz k�mpfen wollte, doch Charles' Colt, auf seinen Kopf gerichtet, hielt ihn davon ab. Sehr ruhig sagte Holzfu�: �Und jetzt verschwindest du, bevor mein Partner eine Kugel dorthin jagt, wo mal deine Eier waren.�</p><p>Waren? Was zum Teufel ging hier vor?</p><p>Zum Beispiel Narbengesichts R�ckzug. Sein verzerrtes Gesicht wirkte eher scharlachrot als braun. Er schien kurz vor einer Explosion zu stehen, als er in die Luft sprang, ein Bein �ber den Pferder�cken schleuderte und davongaloppierte.</p><p>Charles atmete tief aus, als die Spannung nachlie�. �Erkl�r mir jetzt mal, was du getan hast.�</p><p>Holzfu� zog den Lendenschurz aus dem G�rtel. �Erinnerst du dich, was ich dir �bers Haareschneiden bei den Cheyenne erz�hlt habe? Das hier ist so �hnlich. Wenn du einem Mann den Schurz nimmst, dann verliert er sein Geschlecht. Er glaubt, er sei kein Mann mehr.�</p><p>Charles sah dem nach Norden galoppierenden Indianer nach. �Nun, jetzt sind wir quitt. Du hast ihm auch einen Grund gegeben, uns zu hassen.�</p><p>�Stimmt�, sagte der H�ndler, w�hrend die R�te aus seinem Gesicht wich. �Ziemlich d�mlich, nehme ich an.� Er schn�ffelte. �Hab's allerdings genossen.�</p><p>�Ich auch.�</p><p>Die beiden M�nner grinsten. Holzfu� schlug Charles auf die Schulter, streckte dann die flache Hand aus.</p><p>�Wird bald regnen. Machen wir uns auf die Socken, Boy.� Er stieg auf, meinte dann mit einem Schu� Ernsthaftigkeit: �Sch�tze, da� wir mit einiger Sicherheit den Bastard nicht zum letztenmal gesehen haben. Pa�t auf eure Haare auf.�</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Dezember 1865. Keine Nachricht von Brett. Und einen Mord im Bezirk.</emphasis></p><p><emphasis>In der vorletzten Nacht wurde Edward Woodvilles ehemaliger Sklave Tom mit drei Pistolenkugeln im Leib an der Uferstra�e unterhalb von Summerton gefunden. Col. O.C. Munro vom B�ro kam mit einem kleinen Trupp M�nner von Charleston, um die Sache zu untersuchen, aber ohne Ergebnis. Falls jemand im Bezirk den T�ter kennt, dann schweigt er. Eine wirkliche Trag�die. Letzte Woche war Tom hier zu Besuch, immer noch �bergl�cklich, von Woodville, einem �blen Herrn, befreit zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>Munro und seine M�nner blieben �ber Nacht auf. M.R. Munro inspizierte die neue Schule und notierte sich das bi�chen, das ich ihm �ber das Feuer sagen konnte. Er ist verpflichtet, Berichte �ber alle derartigen Schandtaten - sein Ausdruck - an seine Vorgesetzten nach Washington zu schicken. Er wird auch �ber den Mord an Tom berichten. Er bot mir an, f�r eine Weile zwei Soldaten zur Bewachung der Schule abzustellen. Ich lehnte ab, sagte aber, ich w�rde mich an ihn wenden, wenn wir wieder Schwierigkeiten bek�men ...</emphasis></p><p>... <emphasis>F�r n�chsten Samstag ist auf Six Oaks ein Turnier angek�ndigt, dort, wo Charles als junger Mann sein Duell austrug. Ich werde nicht gehen; Prudence konnte ich erst nach langer Diskussion dazu �berreden. Vor dem Krieg besuchte ich mit Justin einige Turniere - das hei�t, ich wurde mehr oder weniger hingeschleppt - und hielt sie stets f�r pomp�se Angelegenheiten. Junge M�nner zu Pferd, mit Federh�ten in Samt und Seide, die versuchen, die aufgeh�ngten Ringe mit ihren polierten Lanzen aufzuspie�en. Alle gaben sich hocht�nende mittelalterliche Namen. Sir Dies. Lord Das. Mit ihren gestreiften Pavillons und den gewaltigen V�llereien schienen diese Turniere typisch zu sein f�r die Gesellschaft, die der Krieg weggefegt hat.</emphasis></p><p><emphasis>Und wo, mein Liebster, wollen sie jetzt ihre jungen Ritter finden, wo so viele ebenso wie Du gefallen sind, in den W�ldern und auf den Feldern von Virginia ...?</emphasis></p><p>Ungef�hr f�nfzig Ladys und Gentlemen aus dem Bezirk versammelten sich auf der Lichtung bei Six Oaks, nahe am Flu�. Kutschen standen herum, Pferde wurden angebunden. Die wei�en Zuschauer beanspruchten zwei Drittel der offenen Fl�che f�r sich; der feuchte Grund direkt am Flu� war f�r die schwarzen Kutscher und Diener, die alle Arbeitsvertr�ge mit ihren Herren abgeschlossen hatten, abgeteilt worden.</p><p>Es war ein warmer Wintertag. Lange Lichtstreifen warfen Muster auf den braunen Boden, �ber den mittelalterliche Reiter in einer Linie galoppierten; ihre Lanzen waren auf die kleinen Holzringe gerichtet, die an Stricken von Baum�sten hingen.</p><p>Hufe donnerten. Der erste Reiter verfehlte alle Ringe. Der zweite ebenfalls. Der dritte, ein Graubart, spie�te erst einen, dann noch einen Ring auf. Ein altes Horn m�hte sich um die Imitation der Trompete eines Herolds. Die Menge bedachte den Sieger mit sporadischem Beifall.</p><p>W�hrend sich zwei weitere Reiter fertig machten, beklagte sich eine fette Frau, die den Sitz einer sch�bigen offenen Kutsche vollkommen ausf�llte, bei einem neben dem Vehikel stehenden Gentleman.</p><p>�Ich wiederhole, was ich schon Cousin Desmond in meinem letzten Brief schrieb, Randall. Es ist ein Wort, eine Frage. Wann?�</p><p>Ihre roten Lippen spuckten die Frage voller Geh�ssigkeit aus. Mrs. Asia LaMotte, eine der unz�hligen Cousinen von Francis und Justin, schwitzte trotz der milden Temperatur heftig und h�tte ein Bad dringend n�tig gehabt. In den Falten und Runzeln ihres Specknackens hatte der Schwei� den Puder zu winzigen K�gelchen geh�rtet. Randall Gettys hielt sie f�r eine widerliche alte Frau, lie� sich aber wegen der sozialen Stellung ihrer Familie und seiner Freundschaft zu Des nichts anmerken. Der arme Des, der in den Docks von Charleston Schauerarbeit -Niggerarbeit - leisten mu�te, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu k�nnen.</p><p>Gettys �berzeugte sich, da� ihn niemand belauschen konnte, bevor er sagte: �Asia, wir k�nnen nicht einfach am hellichten Tag nach Mont Royal marschieren und losschlagen. Das Feuer hat sie nicht in Angst und Schrecken versetzt. Diese Pest von einer Schule ist wieder ge�ffnet. Nat�rlich wollen wir, da� die Schule vernichtet und diese Schlampe bestraft wird, aber wir wollen doch deswegen nicht ins Gef�ngnis. Diese verfluchten Yankees vom B�ro schn�ffeln wegen des Mordes herum.�</p><p>Asia LaMotte war nicht �berzeugt. �Ihr seid alle Feiglinge. Hier fehlt ein Mann mit Courage.�</p><p>�Pardon, aber wir haben Courage - und damit meine ich deinen Cousin Des ebenso wie mich selbst. Was wir brauchen, ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat. So einen m�ssen wir finden, anheuern und ihn f�r uns die Kastanien aus dem Feuer holen lassen. Das bedeutet lediglich eine Verz�gerung, aber keine Aufgabe des Plans. Des ist so versessen darauf wie eh und je, Mrs. Main loszuwerden.�</p><p>�Dann soll er die Familie davon �berzeugen, indem er was unternimmt�, sagte Asia naser�mpfend.</p><p>�Ich sag' dir doch, wir brauchen ...�</p><p>Er kam nicht weiter. Ein Wei�er hatte sein Pferd nahe der Stra�e angebunden und schlenderte nun auf die schwarzen Zuschauer zu. Er war ein junger, gewaltt�tig wirkender Bursche, mit dunklem Bart, der sogar noch nach einer frischen Rasur zu sehen war, und einer Narbe auf der Stirn. Er sah selbstbewu�t, aber sehr �rmlich aus in seiner groben, grauen Kleidung, den alten Kavalleriestiefeln und einem breitkrempigen Hut. In seinem Hosenbund steckte ein Paar Leech-&amp;-Rigdon-Revolver Kaliber 36.</p><p>L�chelnd baute er sich vor einem der Schwarzen auf; es war Asia LaMottes Fahrer Poke. Der alte Poke trug eine Stoffm�tze auf seinem grauen Kopf. Der Fremde zog seine Revolver und richtete sie auf Poke.</p><p>�Ich hasse es einfach, wenn ein Nigger H�herstehenden nicht den n�tigen Respekt erweist. Nimm diese M�tze ab, Boy.�</p><p>Die Leute um Poke herum wichen zur�ck, lie�en den alten Mann isoliert und ver�ngstigt stehen. Die beiden neuen Wettk�mpfer hielten ihre Pferde zur�ck, wie alle anderen auch von dem kleinen Schauspiel fasziniert.</p><p>Sichtlich erheitert spannte der Fremde beide Schlagbolzen. �Ich sagte, nimm die M�tze ab.�</p><p>Zitternd gehorchte Poke.</p><p>�In Ordnung. Und jetzt erweise deinen aufrichtigen Respekt. Knie nieder.�</p><p>�Ich bin ein freier Mann�, fing Poke an.</p><p>Eine Revolverm�ndung ber�hrte Pokes Stirn. �Jawohl, Sir, frei genug, um zur H�lle zu fahren, wenn ich bis f�nf gez�hlt habe. Eins. Zwei. Drei.�</p><p>Als der Fremde vier sagte, kniete Poke nieder.</p><p>Der Fremde lachte, steckte seine Revolver weg. t�tschelte Pokes Kopf und nahm den Applaus von einigen der Zuschauer entgegen. Er schlenderte auf einen wei�haarigen Mann in sch�biger Kleidung zu. Vor �berraschung dr�ckte es Randall Gettys fast die Augen heraus, als der junge Mann den �lteren in ein Gespr�ch verwickelte.</p><p>�Ich m�chte wetten, das ist er�, fl�sterte Gettys. �Ich wette hundert Dollar.�</p><p>�Wer?� fragte Asia schmollend.</p><p>�Das Rauhbein, das Woodville angeheuert hat. Schau, die beiden tun ganz vertraut.� Er hatte recht; freundlich plaudernd hatte der Fremde dem alten Farmer einen Arm um die Schultern gelegt. Gettys sagte: �Jeder wu�te, da� Tom nicht mehr f�r Edward arbeiten w�rde, weil das B�ro Edwards Arbeitskontrakt abgelehnt hatte. Edward schwor, er w�rde jedem Wei�en f�nfzig Dollar geben, der den Nigger ordentlich bestrafte. Ich bin gleich wieder da.� Er eilte davon. Asia schaute ihm verwirrt nach.</p><p>Mit einem gro�en, wei�en Taschentuch aus seiner Brusttasche wischte sich Gettys die Stirn. Trotz des milden Wetters war er in schweren, dunkelgr�nen Samt gekleidet. Er n�herte sich Woodville und dem Fremden, der zu reden aufh�rte, seinen Daumen neben dem rechten Revolver einhakte und Gettys einen starren Blick zuwarf, der dessen Magen in einen Eisklumpen verwandelte.</p><p>Schwitzend und kriecherisch sprudelte Gettys hervor: �Wollte nur mal guten Tag sagen, Sir. Willkommen in unserem Bezirk. Ich bin Mr. Gettys. Ich f�hre den Laden an der Kreuzung und gebe unsere kleine Zeitung heraus, den &gt;Wei�en Blitz&lt;.�</p><p>�Sie k�nnen Randall vertrauen�, sagte Woodville. �Er ist ein braver Bursche.�</p><p>�Ich nehme Sie beim Wort�, sagte der Fremde. Er gab Gettys die Hand, fand dessen Hand weich und feucht und wischte sich die Handfl�che an seiner Hose ab. �Captain Jack Jolly. �briggeblieben von General Forrests Kavalleriebataillon.�</p><p>Die beiden berittenen M�nner trieben ihre Pferde auf die aufgeh�ngten Ringe zu. Die Menge br�llte, doch Gettys hatte nur Augen f�r den Fremden. �General Nathan Bedford?�</p><p>�Forrest. H�ren Sie schlecht, oder was?�</p><p>Gettys zuckte zur�ck und rang entschuldigend die H�nde.</p><p>Captain Jolly, vierundzwanzig Jahre, aber offensichtlich z�h und erfahren, keckerte. �Dieser Teufel Forrest, wie die verfluchten Yankees ihn nannten. Ich habe f�r ihn Nigger bei Fort Pil-low umgebracht und bin den Rest des Krieges an seiner Seite geritten. Der beste Soldat der Konf�deration, hat Joe Johnston gesagt. Er meinte, Forrest w�re die Nummer eins in der Armee geworden, wenn es ihm nicht an der formalen Ausbildung gefehlt h�tte.�</p><p>Gettys geriet in h�chste Erregung. �Haben Sie Verwandte in dieser Gegend, Captain Jolly?�</p><p>�Nein. Gibt nur meine Br�der und mich; wir treiben uns rum und schlagen Profit heraus, wo immer es m�glich ist.� Er l�-chelte Woodville an, der zu Boden schaute. Auch der Farmer l�chelte.</p><p>�Nun, das hier ist ein feiner Bezirk�, rief Gettys. �Eine Menge M�glichkeiten f�r M�nner mit Mut und Prinzipien. Vielleicht trinken Sie nach dem Turnier einen Schluck in meinem Laden, da kann ich Ihnen mehr erz�hlen. Wir brauchen Leute von Ihrem Kaliber, die uns gegen die verdammten Soldaten und das verdammte B�ro helfen und vor allem gegen die verdammten Niggerfreunde unter unseren eigenen Leuten, die sich auf deren Seite schlagen.�</p><p>�Zeigen Sie mir einen dieser Niggerfreunde�, sagte Captain Jack Jolly, �dann kann er schnell in meine Revolverm�ndungen schauen.�</p><p>Atemlos eilte Randall Gettys zu Asia LaMottes Kutsche zur�ck. �Ich mu� Des schreiben. Siehst du den Mann dort bei Edward? Ich mu� ihn zum Bleiben �berreden. Er ist f�hig, das zu tun, wor�ber wir gesprochen haben.�</p><p>Die fette, alte Frau starrte Gettys an, als w�rde er russisch sprechen. Das Horn dr�hnte erneut. �Verstehst du nicht?� fl�sterte er. �Wir haben den Wunsch, und er hat die n�tigen Nerven dazu. Gott hat uns ein Ausf�hrungsinstrument geschickt.�</p><p><emphasis>Eine telegraphische Nachricht von George! Von Charleston �berbracht. Nach kurzem Wochenbett erblickte Billys und Bretts Kind am 2. Dez. in San Francisco das Licht der Welt. Ein Sohn mit Namen George William. Welch segensreiches Geschenk.</emphasis></p><p><emphasis>Eine weitere Gabe ist der anhaltende Friede im Bezirk. Wir bleiben unbel�stigt, sogar unbemerkt. Prudence unterrichtet nun zwei erwachsene Frauen und einen Mann, zusammen mit sechs Kindern. Denjenigen, die unsere Schule hassen, mu� bekannt sein, da� wir jederzeit vom B�ro Soldaten anfordern k�nnen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich sp�re, da� wir au�er Gefahr sind. Ich bin dankbar daf�r: Ich bin m�de und m�chte in Ruhe meinen Traum verfolgen k�nnen ...</emphasis></p><empty-line/><p>_DAS ���GEHALT ���DES ���PR�SIDENTEN_</p><p>Der Finanzminister unterzeichnete heute eine Anweisung zugunsten von Mrs. lincoln �ber die Summe von 25.000 Dollar, weniger als der Betrag, den Mr. lincoln im letzten M�rz als Gehalt bekommen hat ...</p><p><emphasis>Zeitungsbericht, acht Monate nach der Ermordung</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark26"><strong>18</strong></p></title><p>Jasper Dills, Esquire, wurde am Freitag, dem 22. Dezember, vierundsiebzig, vier Tage nachdem der Au�enminister die Ratifizierung des 13. Nachtrags zur Verfassung verk�ndet hatte. Dills, kinderlos und seit f�nfzehn Jahren Witwer, besa� keine Verwandten, mit denen er den Geburtstag oder Weihnachten h�tte feiern k�nnen. Ihn st�rte das nicht. In seinem Leben spielten nur noch sehr wenige Dinge eine Rolle, mit Ausnahme seiner Anwaltspraxis, seiner Position als Washingtoner Repr�sentant gewisser gro�er New Yorker Finanzinteressen und dem endlosen, ewig faszinierenden Kampf um die Macht in der politischen Kommandozentrale der Nation.</p><p>In dem Herbst nach Appomattox mu�te er jedoch feststellen, da� seine Praxis schrumpfte. Einige seiner New Yorker Klienten wandten sich an j�ngere M�nner; andere F�lle, die den Weg in sein mit B�chern gef�lltes B�ro in der Seventh Street fanden, schienen immer trivialer zu werden. Gl�cklicherweise erhielt er weiterhin die Zahlungen f�r Bent. Das half ihm, die Mitgliederbeitr�ge f�r seine Clubs und die gelegentliche Flasche Mumm's bei seinen Hotelmahlzeiten zu bestreiten.</p><p>Schon vor langer Zeit hatte Dills sein Gewissen wegen der Zahlungen beruhigt. Zwei- oder dreimal j�hrlich schrieb er El-kanah Bents Mutter einen Brief, in dem er ihr versicherte, da� ihr illegitimer Sohn am Leben war. Nach Dills' letzter Erfindung verdiente Bent gut mit Baumwollanbau in Texas.</p><p>Die Frau verlangte von Dills nie Beweise f�r derartige Aussagen. Er besa� ihr Vertrauen, seit er sie vor Jahren das letztemal gesehen hatte, und darauf griff er nun zur�ck, weil er schlicht und einfach nicht wu�te, was aus Bent geworden war, seit ihn Colonel Lafayette Baker, Leiter der Geheimpolizei der Regierung, wegen �bertriebener Brutalit�t anl��lich einer Verhaftung rausgeworfen hatte. Bent war nach Virginia verschwunden, hatte sich wahrscheinlich als Deserteur auf die Seite der S�dstaaten geschlagen.</p><p>Sollte Bents Mutter das entdecken, dann w�rden die Unterst�tzungszahlungen eingestellt werden. Der j�hrliche Betrag bildete einen wesentlichen Teil seines Einkommens, deshalb erschreckte den Anwalt schon der blo�e Gedanke an diesen Verlust. Auf der anderen Seite bek�mmerte es ihn kein bi�chen, da� er mit Elkanah Bent pers�nlich nichts mehr zu tun hatte. Ein fettleibiger, unzufriedener N�rgler mit Verfolgungswahn. Stets gab Bent anderen die Schuld an seinem Versagen. Das �berraschte kaum: Bents verstorbener Vater, ein Washingtoner Lobbyist namens Starkwether, hatte sich als Mutter f�r seinen Sohn eine wenig gefestigte Frau ausgesucht. Sie stammte aus einer gro�en Grenzerfamilie, in der es bereits einige F�lle von Geistesgest�rtheit gegeben hatte.</p><p>Bents Mutter hatte ihren Sohn niemals anerkannt. Ein Farmerp�rchen, das ihn in Ohio aufgezogen hatte, hatte ihm seinen Namen gegeben. Von Ohio war er nach West Point gegangen, danach war Fehlschlag auf Fehlschlag gefolgt. Die Mutter war mittlerweile uralt, doch das spielte keine Rolle. Nichts spielte eine Rolle, solange sie nur Dills' L�gen akzeptierte und regelm��ig Bankanweisungen ausschrieb.</p><p>Um seinen hohen Lebensstandard halten zu k�nnen, hatte Dills in letzter Zeit gewisse andere Arbeiten �bernommen. Er bildete den Kanal, durch den f�nfhundert oder tausend Dollar zu diesem oder jenem Senator flie�en konnten, der bereit war, seinen Einflu� geltend zu machen, damit der jeweilige Bewerber eine Armeekommission erhielt. Dills kassierte Prozente daf�r, da� ein Politiker nicht pers�nlich in Erscheinung treten mu�te und vielleicht noch zusammen mit einem ehemaligen BrevetOberst oder Brigadier, verzweifelt auf der Suche nach Wiedereinstellung, gesehen wurde.</p><p>Dills war au�erdem noch Makler f�r Begnadigungen. Alle m�glichen Washingtoner hatten sich auf diesen Bereich gest�rzt, Frauen eingeschlossen, die au�er sexuellen Gef�lligkeiten nichts zu bieten hatten. Die juristische Ausbildung hatte Dills in die vorderste Front der Makler gebracht. Zus�tzlich halfen ihm seine Beziehungen zu angesehenen Demokraten und m�chtigen Republikanern. Im Augenblick lagen neununddrei�ig Begnadigungsgesuche auf seinem Schreibtisch.</p><p>Zu Beginn des Jahres hatte der Pr�sident ein Gesuch aus Charleston mit einem interessanten Namen vorgelegt: Main. Das war der Nachname eines der M�nner, die Bent f�r seine zahlreichen Fehlschl�ge verantwortlich machte. Obwohl der Vorname des Antragstellers Cooper und jener von Bents Feind Orry lautete, vermutete Dills eine Verbindung, da beide aus South Carolina stammten. Er war nie �ber Richmond hinaus nach S�den gekommen, sah aber den unteren Teil der S�dstaaten als ein gewaltiges Meer aus Cousins vor sich, alle durch Inzucht und Einheirat miteinander verwandt.</p><p>Die Natur schenkte Dills zu seinem Geburtstag einen Tag mit nassem Schneefall, eine weitere Garantie f�r ein leeres B�ro. Er sperrte zu und wanderte die drei Blocks zu den ged�mpften R�umen seines Lieblingsclubs, des &gt;Concourse&lt;. Er schlenderte durch den Club, bis er jemanden fand, den er recht gut kannte, einen republikanischen Abgeordneten.</p><p>�Wadsworth. Guten Morgen. Leisten Sie mir bei einem Whisky Gesellschaft?�</p><p>�F�r mich noch ein bi�chen fr�h, Jasper. Aber setzen Sie sich doch.�</p><p>Der Abgeordnete Wadsworth aus Kansas legte ein Exemplar des &gt;Star&lt; beiseite und bat den Kellner um einen Stuhl. Dills war ein winziger Mann, mit winzigen H�nden und F��en. In dem riesigen Stuhl glich er einem Kind.</p><p>Der Whisky wurde gebracht. Dills prostete seinem Clubfreund zu, bevor er einen Schluck nahm. �Was glauben Sie, wie die Sitzung wird?� Seine Frage bezog sich auf den 39. Kongre�, der zu Beginn des Monats zusammengerufen worden war.</p><p>�St�rmisch�, sagte Wadsworth. �Angelegenheiten, die bis auf Wade-Davis zur�ckgehen, sind immer noch nicht gel�st, und unsere Parteif�hrung ist entschlossen, das zu regeln.� Wade-Davis, ein Gesetzesantrag, der als Reaktion auf Lincolns gem��igten Wiederaufbauplan eingebracht worden war, stellte viel sch�rfere Forderungen an die Wiederzulassung der konf�derier-ten Staaten.</p><p>�St�rmisch, eh?� sinnierte Dills. �Ein reichlich dramatisches Wort.� Er dachte <emphasis>melodramatisch.</emphasis></p><p>�Aber vollkommen angebracht�, sagte der Kongre�abgeordnete. �Schauen Sie sich nur mal die bereits in Aktion befindlichen Kr�fte an.� Er z�hlte sie an den Fingern auf. �Sowohl im Repr�sentantenhaus als auch im Senat haben wir den gew�hlten Vertretern der Verr�terstaaten die Sitze mit Erfolg verweigert. Die Befolgung der wenigen Forderungen des Pr�sidenten reicht als Wiedergutmachung f�r das Verbrechen der Rebellion nicht aus. Das reicht nicht ann�hernd aus. Zweitens haben wir das Vereinigte Komitee f�r den Wiederaufbau gegr�ndet.�</p><p>�Das Komitee der F�nfzehn. Ein direkter Affront f�r Mr. Johnson. Doch sehen Sie es wirklich nur als einen radikalen Apparat? Die meisten der Mitglieder sind gem��igt oder konservativ. Senator Fessenden, der Vorsitzende, ist weit davon entfernt, radikal zu sein.�</p><p>�Oh, kommen Sie, Jasper. Mit Thad Stevens und Sam Stout im Komitee, haben Sie da noch irgendwelche Zweifel an der Richtung? Um fortzufahren�, er kippte einen weiteren Finger nach unten weg, �Lyman Trumbull bringt gerade ein Senatsgesetz zur Verl�ngerung und Ausweitung des B�ros f�r befreite Negersklaven ein. Wenn das den Pr�sidenten nicht provoziert, dann bin ich Marse Bob Lee.�</p><p>�Da gebe ich Ihnen recht�, sagte Dills nickend. Johnsons Opposition gegen das B�ro - auf der Basis, da� es die Rechte der einzelnen Staaten beeintr�chtigte - geh�rte zu den gro�en ewigen Streitpunkten seiner Regierung. Durch einen Klienten, einen reichen politischen Mitl�ufer namens Stanley Hazard, war Dills mit dem B�ro bestens vertraut. Dieser Mann war ein Angeh�riger der Pennsylvania-Familie, zu der auch George Hazard geh�rte, der zweite von Elkanah Bents erkl�rten Feinden. Stan-ley hatte Dills f�r juristische Geheimarbeiten engagiert, unter anderem daf�r, das Eigentumsrecht an einigen h�chst zweifelhaften Besitzt�mern abzukl�ren.</p><p>�Ein Freund von mir�, fuhr Dills fort, �der dem B�ro nahesteht, erz�hlt, da� sie alle m�glichen Horrorgeschichten aus dem S�den zu h�ren bekommen. Geschichten von Negern, die man mit Arbeitskontrakten hereinlegt, die in Wirklichkeit auf nichts anderes als auf Sklavenarbeit hinauslaufen.�</p><p>�Ja, genau�, sagte Wadsworth. �In Mississippi ist der Kodex f�r Schwarze in Kraft getreten. Neben anderen Dingen steht dort, da� ein Neger verhaftet, sogar geschlagen werden kann, wenn man ihn der Landstreicherei beschuldigt. Und wer bestimmt, was das ist? Wenn man den gleichen Gehsteig benutzt wie ein wei�er Mann? Oder nur durch eine Stadt kommt? Da unten, Jasper, das sind Narren, arrogante Narren. Anscheinend hat der Krieg sie nichts gelehrt. Jetzt m�ssen wir im Kongre� ihren weiteren Unterricht �bernehmen.�</p><p>�Johnson wird nicht aufh�ren, Widerstand zu leisten.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Und wenn man auf ihn zu sprechen kommt, dann erhebt sich auch gleich die zentrale Frage, mit der alle anderen verbunden sind. Wo ruht die politische Staatsgewalt? Meiner Meinung nach nicht beim Pr�sidenten oder seiner Armee. Milit�rische Eroberungen der Vereinigten Staaten, ganz gleich, ob ausl�ndischer oder inl�ndischer Natur, k�nnen nur vom Kongre� geleitet und beaufsichtigt werden. Ich glaube das, Thad Stevens glaubt das, Ben Wade glaubt das. Und wir haben im Kongre� eine Dreiviertelmehrheit, um unsere Ansicht durchzusetzen. Falls es sein mu�, auch �ber die Leiche von Mr. Johnsons politischer Zukunft�, schlo� Wadsworth mit selbstzufriedenem L�cheln.</p><p>�Dann reicht vielleicht Ihre Bezeichnung &gt;st�rmisch&lt; kaum aus. Sollen wir es Umsturz nennen?�</p><p>Wadsworth zuckte mit den Schultern. �Nennen Sie es, wie Sie wollen. Andrew Johnson steuert jedenfalls auf eine Katastrophe zu.�</p><p>Das Thema war ersch�pft. Wadsworth erhob sich und warf einen Blick auf seine Taschenuhr. �Mein lieber Jasper�, sagte er trocken, �ich habe vorhin gerade den Aushang am Schwarzen Brett gelesen. Herzlichen Gl�ckwunsch zum Geburtstag.�</p><p>Wadsworth brach auf; seine letzten Worte waren in diesem Jahr das einzige Geburtstagszeremoniell f�r Jasper Dills. Aber ganz egal, Dills war mit seinem Club, seinem Whisky und den Zahlungen von Bents Mutter zufrieden - und mit seinem Logenplatz f�r den anstehenden Kampf.</p><p>&gt;Umsturz&lt; mochte keine �bertreibung sein, dachte er. Wie Wadsworth gesagt hatte, man mu�te nur die beteiligten Kr�fte und die Eins�tze ber�cksichtigen. Sie waren gewaltig. Nicht weniger als die Legislatur und die Stimmen der S�dstaaten standen auf dem Spiel, was wiederum Kontrolle �ber Land und Reichtum des S�dens bedeutete. Im Rahmen von Dills Arbeit f�r Stanley Hazard hatte ihm sein einf�ltiger Klient einige Zahlen gezeigt, die sehr deutlich illustrierten, wie �ppig die Beute war.</p><p>Der zweite Drink befl�gelte seine Phantasie; Dills versuchte, die Ereignisse vorauszusehen. Die Sache mit dem B�ro f�r befreite Negersklaven konnte an den Rand eines neuen B�rgerkriegs f�hren, doch der arme T�lpel aus Tennessee w�rde von einem Stevens, einem Wade, einem Stout, einem Sumner ausman�vriert werden. Johnson wollte sich lediglich fair und der Verfassung entsprechend verhalten; die anderen wollten eine Minorit�tspartei in eine Regierungspartei verwandeln, wobei die Neger die entscheidenden Stimmen lieferten. Johnson k�mpfte, ebenso wie einige wenige der Radikalen, um Prinzipien. Doch die Radikalen als Gruppe k�mpften um eine lohnendere Sache: Sie wollten ihr eigenes Verlangen nach Macht befriedigen.</p><p>Pl�tzlich murmelte Dills l�chelnd: �Ein Zirkus. Das ist eine bessere Metapher als Wetter oder Krieg.� Sofort verfeinerte er es zu einem r�mischen Zirkus: Mr. Johnson, der Christ, umgeben von hungrigen L�wen.</p><p>Der Kongre� legte ein Gesetz vor; der Pr�sident verweigerte die Zustimmung, setzt dann aber durch Proklamation soviel davon in Kraft, wie ihm gerade zusagt ... Niemals ist die legislative Autorit�t des Volkes schlimmer verletzt worden ... Die Autorit�t des Kongresses steht an oberster Stelle und mu� respektiert werden.</p><p><emphasis>Aus dem Wade-Davis-Manifest.</emphasis></p><p>August 1864</p></section><section><title><p id="bookmark27"><strong>19</strong></p></title><p>Die Stimme drang bis in die entferntesten Ecken des Kongre�saals, bis zu den Sitzen auf der �berf�llten Galerie, einschlie�lich Virgilia Hazards Sitz in der vordersten Reihe. Es war der Morgen des 8. Januars 1866.</p><p>Virgilia hatte dem Sprecher schon oft zugeh�rt, doch auch jetzt noch brachte er es fertig, da� ihr ein Schauer �ber den R�cken lief. Jene, die den Kongre�abgeordneten Sam Stout, Republikaner aus Indiana, zum erstenmal h�rten, wunderten sich stets, da� eine so wunderbare Stimme aus einem so unansehnlichen K�rper kommen konnte.</p><p>Der Abgeordnete Stout war Virgilias Geliebter. Eine Zeitlang hatte er sie in einem Vier-Zimmer-H�uschen in der Thirteenth Street untergebracht. Er weigerte sich, mehr f�r sie zu tun, weigerte sich, sich in der �ffentlichkeit mit ihr sehen zu lassen, weil er mit einer flachbr�stigen Schlampe namens Emily verheiratet war und weil er von einem gewaltigen Ehrgeiz besessen war. Heute morgen befand er sich an der Schwelle zu einem gro�en Sprung nach oben. Seine Rede zielte darauf ab, jeden Zweifel an seinen Qualifikationen zu zerstreuen.</p><p>W�hrend der ersten zehn Minuten hatte er die vertrauten radikalen Positionen wiederholt. Es war ein Faktum, da� der S�den abgefallen war, und Lincoln hatte sich get�uscht, als er diesen Akt als verfassungsgem��e Unm�glichkeit bezeichnete. Durch den Abfall hatten die konf�derierten Staaten Selbstmord begangen&lt; und unterlagen nun den Bestimmungen, die f�r &gt;eroberte Provinzen&lt; galten. Virgilia kannte dieses Argument und die Schl�sselphrasen auswendig.</p><p>Die geballten F�uste auf das Podium gestemmt, so strebte Stout dem H�hepunkt seiner Rede entgegen. �Eine philosophische Kluft trennt diese beratende Versammlung vom Pr�sidenten. Diese Kluft ist so breit und tief, da� man sie nicht �berbr�cken kann, ja vielleicht gar nicht soll. Die Ansichten unseres Gegners, was die Verfassung und die damit verbundenen Prozesse anbelangt, dr�cken all das aus, was wir sch�rfstens zur�ckweisen - vor allem Nachsicht genau jenen Leuten gegen�ber, die um ein Haar diese Republik zerst�rt h�tten.�</p><p>An der Stelle erwartete er eine Reaktion und bekam sie auch. Mehrere Senatoren klatschten.</p><p>�Ich habe eine Vision f�r diese Nation�, sagte er, nachdem der Beifall abgeflaut war. �Eine Vision, die, wie ich f�rchte, der Pr�sident nicht teilt. In dieser Vision sehe ich ein starrsinniges, arrogantes Volk gedem�tigt und entmachtet, ich sehe, wie diese korrupte Gesellschaft gest�rzt wird, w�hrend ein anderes Volk, eine ganze Rasse, von erzwungener Ungleichheit zu einer neuen, rechtm��igen Position der vollen B�rgerschaft erhoben wird. Es ist eine Vision, die unter F�hrung dieses Kongresses erf�llt werden wird und mu�; jede Gruppe oder jedes Individuum, das dagegen zu opponieren wagt, soll mit Schimpf und Schande bedeckt werden. Der Fehdehandschuh ist hingeworfen worden. Gott segne und f�rdere den edlen Kreuzzug dieses Kongresses. Er wird uns sicher den Sieg schenken. Ich danke Ihnen.�</p><p>Virgilia klatschte stehend Beifall. Die Rede hatte nicht nur ihr Herz erw�rmt; sie konnte es kaum erwarten, mit Sam zu sprechen und ihn zu loben. Seit er ihr letzten Samstag den Entwurf vorgelesen hatte, war die offene Feindseligkeit gegen Johnson noch deutlicher zum Ausdruck gekommen. Sie klatschte so heftig, da� ihre H�nde schmerzten.</p><p>Georges Schwester war mittlerweile einundvierzig; sie besa� die weibliche, vollbusige Figur, die von der Mehrheit der M�nner als Idealfigur angesehen wurde. Der monatliche Unterhalt von ihrem Liebhaber versetzte sie in die Lage, sich gut zu kleiden. Sie hatte es gelernt, sich so zu schminken, da� die Gesichtsnarben, die von einer Pockenerkrankung aus ihrer Kindheit zur�ckgeblieben waren, kaum noch zu sehen waren.</p><p>Eine Woge von Bewunderern drohte Stout zu �berschwemmen. W�hrend sie ihn beobachtete, �berkam Virgilia eine vertraute Sehnsucht. Sie liebte Sam und hegte immer noch den Wunsch, ihn zu heiraten und ihm Kinder zu schenken, auch wenn ihr Alter und sein Ehrgeiz diesen Traum zur Aussichtslosigkeit verurteilten. Schlimmer noch, in letzter Zeit hatte sie einigen Klatsch geh�rt, da� er mit einer anderen Frau gesehen worden war. Sie versuchte, die Existenz dieses Ger�chts zu leugnen, indem sie ihn nicht zur Rede stellte. Ein ziemlich mi�gl�ckter Versuch.</p><p>Der Sprecher schlug mit dem Hammer zu und verk�ndete eine Unterbrechung. Virgilia k�mpfte sich nach unten, wo sie einige begeisterte Worte mit Senator Sumner austauschte. �Brillant�, erkl�rte er. �Trifft genau ins Schwarze.� Wie �blich verbot sein Tonfall jede abweichende Meinung.</p><p>Stout kam durch die T�r, die Kollegen hinter ihm, w�hrend sich vor ihm Journalisten und Gratulanten dr�ngten. Virgilia wollte mit den anderen zusammen auf ihn zust�rzen, hielt aber pl�tzlich mit h�mmerndem Herzen inne. Stouts Blick hatte sich kurz mit dem ihren getroffen und war dann ohne jedes Erkennen abgeglitten. Sie pre�te ihre behandschuhten H�nde zusammen und sah zu, wie ihr Geliebter in der Menge untertauchte.</p><p>Eine Stimme erschreckte sie. �War das nicht eine Alarmglocke, Virgilia? War das nicht ein Aufruf zum Krieg?�</p><p>Sie wandte sich um, m�hte sich ein L�cheln ab. �Und ob es das war, Thad. Wie geht's dir?�</p><p>�Viel besser, seit ich Sams Rede geh�rt habe. Die Spaltung zwischen Kongre� und Pr�sident liegt jetzt offen zutage. Johnson wird bald auf der Flucht sein.�</p><p>Virgilia hatte Thad Stevens bei einem Treffen im Fr�hjahr kennengelernt. Er kannte ihre Familie, und sie hatten gemeinsame Ideale. Bald schon war er ihr Vertrauter geworden; er war der einzige Mensch, dem sie von ihrer Beziehung zu Stout und ihrem fr�heren Verh�ltnis zu Grady, einem entsprungenen Sklaven, erz�hlt hatte. Stevens hatte aufgrund seiner Prinzipien und seiner gro�en Zuneigung zu Lydia Smith, seiner Mulattenhaush�lterin, gro�es Verst�ndnis daf�r.</p><p>Er f�hrte sie nach drau�en in den k�hlen, blassen Sonnenschein. Am anderen Ende der schlammigen Promenade erhob sich das unfertige Monument von George Washington. Stevens sagte: �Es ist weise von Gouverneur Morton, da� er Sam diesen Posten anvertraut.�</p><p>Freude belebte Virgilias Gesicht. �Du meinst, es ist endg�ltig?�</p><p>�Heute abend wird es das sein. Sam mu� das Komitee der F�nfzehn verlassen, weil wir neun Kongre�mitglieder brauchen, aber er wird unsere Arbeit weiterhin aus dem Hintergrund leiten.�</p><p>�Ich kann es kaum erwarten, ihm zu gratulieren.� Stout hatte versprochen, heute abend mit ihr zu essen.</p><p>�Ja, nun�, Stevens h�stelte; in seinen Augen lag eine merkw�rdige Verlegenheit. �Es w�re klug, von Sam in der n�chsten Zeit nicht zuviel zu erwarten. Die Einzelheiten der neuen Berufung werden ihn vollkommen beanspruchen.�</p><p>Virgilia h�rte die Warnung, war aber zu aufgeregt und ihrem Geliebten zu innig verbunden, um ernsthaft darauf zu achten.</p><p>Bei Kriegsausbruch hatte sich Virgilia, emotionell ersch�pft, treiben lassen. Der Kummer �ber ihren Verlust, verbunden mit zwanzig Jahren der Aktivit�t f�r die Abolitionistenbewegung, hatte sie ausgeh�hlt.</p><p>Kurz nach Beginn des Krieges war Virgilia in das Schwesterncorps der Union eingetreten. In einem Feldhospital hatte sie, getrieben von ihrem Wunsch nach Rache f�r Grady, einen verwundeten konf�derierten Soldaten verbluten lassen. Nur Sam Stouts verdeckte Intervention hatte ihr einen fast sicheren Gef�ngnisaufenthalt erspart. Danach waren sie ein Liebespaar geworden.</p><p>Zur damaligen Zeit hatte Virgilia geglaubt, da� ihre Handlungsweise gerechtfertigt sei. Sie hatte sich selbst als Soldat im Krieg gesehen, nicht als M�rderin. Ersch�pft von Reue und dem st�rker werdenden Wunsch, die Tat ungeschehen machen zu k�nnen, hatte sie in letzter Zeit zu einem neuen Idealismus gefunden; ein Idealismus, gereinigt durch die Schuld, mit der sie den Rest ihres Lebens verbringen mu�te.</p><p>Sie verachtete ihren Bruder George nicht l�nger wegen seiner Freundschaft zu Orry Main, auch nicht ihren Bruder Billy, weil er Brett geheiratet hatte. Sie hegte nicht mehr den Wunsch, den S�den zu strafen, so wie es Sam und andere Republikaner wollten. Es w�re schon Strafe genug, wenn einige der republikanischen Schl�sselgrunds�tze Gesetz w�rden. Das lie� sich am sogenannten Schwarzen Kodex ablesen, den einige Staaten in Kraft gesetzt hatten, um die Arbeit des B�ros f�r befreite Negersklaven zu durchkreuzen.</p><p>�ber all das dachte Virgilia nach, w�hrend sie auf dem Eisenofen in ihrem kleinen H�uschen eine Sauce anr�hrte. Bei Anbruch der D�mmerung hatte ein feiner, kalter Regen eingesetzt, gerade als ihre Uhr auf dem Kaminsims halb sechs geschlagen hatte. Nun schlug sie halb sieben. Immer noch kein Zeichen von .</p><p>Moment. Durch den klatschenden Regen hindurch h�rte sie das Knirschen von R�dern und das Ger�usch von Pferdehufen im Schlamm. Sie rannte zur Hintert�r, schob den Vorhang beiseite und beobachtete, wie Sams �berdachter Buggy in den kleinen Schuppen hinter dem Haus fuhr, sicher vor jeder Entdeckung von der Thirteenth Street aus. Einen Moment sp�ter kam der Kongre�mann auf das Haus zu. Virgilias L�cheln verbla�te. Er hatte das Pferd nicht ausgespannt.</p><p>Sie �ffnete die T�r, w�hrend er nach seinem Schl�ssel suchte. �Komm rein, Liebling. Gib mir deinen Hut. Was f�r eine scheu�liche Nacht.�</p><p>Er trat ein, ohne sie anzuschauen. Sie schlo� die T�r und sch�ttelte das Wasser von der Krempe seines Hutes. �Zieh deinen Umhang aus. Das Essen ist fertig in ...�</p><p>�Ist egal�, sagte er, immer noch ihrem Blick ausweichend. Er ging durch das kleine Speisezimmer nach vorn. Auf dem polierten Fu�boden blieb eine nasse Spur zur�ck. �Ich habe eine dringende Verabredung mit Ben Butler.�</p><p>�Heute abend? Was kann denn so dringend sein?�</p><p>Seine Ver�rgerung zeigte sich, als er sich die H�nde am Kamin im Wohnzimmer w�rmte. �Meine neuen Verantwortlichkeiten.� Er drehte sich um, als sie sich ihm n�herte; was sie in seinen dunklen Augen sah, lie� sie innehalten - genauer gesagt das, was sie nicht sah.</p><p>�Da Senator Ivey aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes seine Amtszeit nicht ableisten kann�, sagte Stout, �hat Gouverneur Morton meine Ernennung als Ersatz f�r Ivey verk�ndet. In zwei Jahren werde ich um meine Nominierung f�r eine volle Amtsperiode nachsuchen. In der Zwischenzeit werde ich in der Lage sein, unser Programm durchzusetzen und diesen verdammten Schneider aus Tennessee zu Fall zu bringen.�</p><p>Sie packte ihn an den Schultern und rief: �Senator Stout! Thad deutete es schon an. Oh, Sam, ich bin so stolz auf dich.�</p><p>�Es ist eine sehr gro�e Ehre. Und eine gro�e Verantwortung.�</p><p>Virgilia pre�te sich gegen ihn, geno� den Druck seines festen K�rpers gegen ihre Br�ste. Als sie die Arme um seine Taille schlang, sp�rte sie, wie er zur�ckwich.</p><p>Die wunderbare Stimme senkte sich. �Das verlangt nat�rlich nach gewissen �nderungen in meinem Leben.�</p><p>Langsam zog sie ihre H�nde zur�ck. �Was f�r �nderungen?� Er r�usperte sich und beobachtete das Feuer. �Hab wenigstens den Mut, mich dabei anzusehen, Sam.�</p><p>Er tat es; im Widerschein des Feuers sah sie seinen aufsteigenden Zorn. �Eine Beendigung dieser Treffen, zum Beispiel. Die Leute haben Wind davon bekommen, frag mich nicht, wie. Wahrscheinlich war es unvermeidlich. Klatsch ist Wasser auf die M�hlen dieser Stadt. Hier kann man nicht mal Zahnschmerzen f�r sich behalten. Wie auch immer, wenn man �ber den Senat hinaus auf ein h�heres Amt abzielt - eine Ambition, die ich, wie du dich erinnern wirst, niemals verborgen habe ...�</p><p>In das Schweigen hinein fl�sterte Virgilia: �Nur zu, Sam. Sprich weiter.�</p><p>�Um dieser Zukunft willen mu� ich die �ffentliche Seite meines Lebens mehr herausstellen. Ich mu� mich �fter mit Emily sehen lassen, so abscheulich das auch sein mag.�</p><p>�Ist es Emily?� unterbrach ihn Virgilia. �Oder jemand anderes? Auch ich habe Ger�chte geh�rt.�</p><p>�Diese Bemerkung ist deiner unw�rdig.�</p><p>�Vielleicht. Ich kann es nicht �ndern.�</p><p>�Ich habe es nicht n�tig, dir gegen�ber Erkl�rungen �ber mich oder meine Handlungen abzugeben. Das war Teil unserer Vereinbarung. Deshalb ziehe ich es vor, deine Frage nicht zu beantworten.�</p><p>Sie h�rte das Ger�usch des auf dem Eisenofen verbrutzelnden Schmorfleisches. Sie roch das verbrannte Fleisch und achtete nicht darauf. Stout reihte seine kurzen, kalten Worte aneinander.</p><p>�Diese Art von Reaktion habe ich fast von dir erwartet. Deshalb beschlo� ich, die Trennung so kurz wie m�glich zu gestalten. Ich werde den Gegenwert von sechs Monaten Unterhalt auf dein Konto �berweisen. Danach wirst du selbst f�r dich sorgen m�ssen.�</p><p>Er ging davon. Einen Augenblick sp�ter ri� sie sich selbst aus ihrer Erstarrung. �Und so endet es? Ein paar Worte und Schlu�?�</p><p>Er ging weiter, durch den Rauch des verkohlenden Fleisches hindurch. Virgilias Finger zerrten an ihrem Haar, l�sten Nadeln. Die Haare fielen ihr �ber die linke Schulter. Sie bemerkte es nicht.</p><p>�So behandelst du also jemand, der dir geholfen und dich beraten hat, Sam? Jemand, der sich um dich sorgte?�</p><p>Mit dem Hut in der Hand drehte er sich an der Hintert�r noch einmal um. In seinen Augen sah sie offene Feindseligkeit.</p><p>�Ich bin jetzt Senator der Vereinigten Staaten. Andere Leute haben gr��eren Anspruch auf mich.�</p><p>�Wer? Diese Variet�-Hure, von der die Leute reden? Gehst du jetzt dorthin, zu dieser Miss Canary? Sag's mir, Sam.� Kreischend rannte sie auf ihn zu. Ihre F�uste flogen nach oben. Stout erwischte ihre Handgelenke und zwang ihre Arme nach unten.</p><p>�Du schreist laut genug, da� man dich noch bei Willard h�ren kann. Ich kenne die Person nicht, von der du sprichst.� Sie verzog h�hnisch das Gesicht; die L�ge stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. �Und obwohl es dich nichts angeht, ich verbringe den Abend, wie ich dir sagte, mit Butler und einigen anderen Gentlemen. Es geht darum, wie wir Mr. Johnson au�er Gefecht setzen k�nnen.�</p><p>Er ri� die T�r auf. Der Regen war jetzt so stark, da� man den Schuppen hinten im Hof fast nicht mehr sehen konnte. �Und jetzt, Virgilia, l��t du mich vielleicht gehen, nachdem ich dir ausreichende Erkl�rungen geliefert habe. Ich wollte nicht auf diese Weise gehen. Unseligerweise hast du mich dazu gezwungen.� Er dr�ckte sich den Hut auf den Kopf und marschierte die Stufen hinab.</p><p>�Sam�, schrie sie, und noch einmal: �Sam!�, als er den Buggy bereits die Stra�e neben dem Haus entlangrattern lie�. Der Buggy bog nach rechts ab und war verschwunden.</p><p><emphasis>�Sam ...�</emphasis> Das Wort l�ste sich in einem Schluchzer auf. Sie warf beide Arme um den Verandapfosten, umarmte ihn, als w�re er ein lebendes Wesen.</p><p>Fr�hzeitig am n�chsten Nachmittag erkundigte sich Virgilia bei ihrer Bank nach ihrem Kontostand. Er hatte sich genau um den Betrag von sechs Monatszahlungen erh�ht.</p><p>Wie bet�ubt ging sie wieder hinaus in die kalte Wintersonne und lief, mit der B�rde der Gewi�heit belastet, den ganzen Weg zu Fu� nach Hause. Sie hatte Senator Samuel G. Stout, Republikaner aus Indiana, zum letztenmal gesehen - au�er nat�rlich, sie schlo� sich der allgemeinen Menge an, wenn er sprach, und h�rte ihm zu, wie jeder andere B�rger auch.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Februar 1866. Heute ein weiteres Paket mit alten &gt;Couriers&lt;. Das ist Judiths Freundlichkeit - und meine einzige Verbindung zur Welt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht gern auch darauf verzichten w�rde, so schlecht sind die Nachrichten - nichts als Streit und Bosheit, selbst im h�chsten Amt im Land. Vor einigen Abenden brachte eine Menschenmenge vor dem Wei�en Haus ein St�ndchen dar. Mr. Johnson ging hinaus, um ihnen zu danken, und hielt ganz impulsiv eine freie Rede, ein gef�hrliches Unterfangen f�r ihn. Er nannte Stevens, Sumner und den Abolitionisten Wendell</emphasis></p><p><emphasis>Phillips seine verschworenen Feinde. Kann derartige Unbesonnenheit etwas anderes als neue Feindseligkeit erzeugen?</emphasis></p><p><emphasis>M�rz 1866. Immer noch viel Unruhe im Bezirk; und Menschenmassen auf den Stra�en, vor allem am ersten Montag im Monat, der zum &gt;Verkaufstag&lt; geworden ist, an dem beschlagnahmtes Land unter den Hammer kommt, und zum &gt;Verlosungstag&lt;, an dem befreite Neger nach Charleston und anderen St�dten fahren, in der Hoffnung das B�ro werde Kleidung, Schuhe und Maisrationen verteilen. Sie kehren mit leeren H�nden zur�ck, wenn der leitende Beamte zu wenig Vorr�te hat oder die Menge f�r zu gro� oder &gt;un-wert&lt; erachtet.</emphasis></p><p><emphasis>Die Menge setzt sich aus Armen, Alten, Verkr�ppelten und Frauen ohne M�nner, aber mit Kindern zusammen, jedoch auch aus Wei�en, zu wertlos oder zu faul, um sich durch ehrliche Arbeit zu ern�hren. Wir haben auch solche Leute im Bezirk, ein j�mmerlicher Haufen namens Jolly. Ich habe ein paarmal ihre zerfetzten Zelte und ihre Lagerfeuer in den W�ldern nahe Summerton gesehen, als mich die verzweifelte Notwendigkeit zu Gettys Laden getrieben hat...</emphasis></p><p>Captain Jolly und seine Familie lie�en sich in einem Eichenhain nahe dem Dixie-Laden nieder. Die Familie bestand aus ihrem Patriarchen, dem jungen Jack, und seinen beiden verheirateten Br�dern, zwanzig und einundzwanzig Jahre alt, aber bereits mit viel Erfahrung, wie man ohne Arbeit �berleben konnte. Die Frau des �lteren war eine Hure aus Macon; die Frau des J�ngeren, f�nfzehn Jahre �lter als ihr Mann, stammte aus B�hmen, verstand kein Englisch und hatte Arme wie ein Kohlenarbeiter. Drei dreckverkrustete Kinder lebten bei den Jollys - keiner der Erwachsenen wu�te genau, wer der Vater welchen Kindes war -, und mehrere wilde Hunde trieben sich bei ihrem mit Abfall �bers�ten Camp herum.</p><p>Die Decken f�r ihre Zelte hatten sie mit gezogenem Revolver aus den Heimen befreiter Negersklaven geholt. Au�erdem besa�en sie ein Muli und einen Karren, beides auf die gleiche Art erworben. Vorr�te holten sie sich einfach aus Gettys Laden.</p><p>Captain Jolly war gerade auf dem Weg dorthin; er trat beiseite und tippte an seinen alten Schlapphut, als eine gutaussehende Frau mit gro�en Br�sten in einem Wagen Richtung Charleston vorbeifuhr. Jolly, von dem engen Kleid der Frau beeindruckt, verbeugte sich und rief hinter dem Wagen her, sie solle anhalten und sich von ihm ein bi�chen verw�hnen lassen. Die Frau warf ihm einen ver�chtlichen Blick zu und fuhr weiter. Ihr Temperament am�sierte Jolly, ihre Zur�ckweisung brachte ihn in Wut.</p><p>In Gettys' Laden fand er, was er suchte, eine gl�nzende neue �llampe. �Die gef�llt mir�, sagte er und schlenderte hinaus.</p><p>�Jolly, du machst mich noch bankrott�, rief Randall Gettys. �Die kostet vier Dollar.�</p><p>�Nicht f�r mich.� Er zog einen seiner Leech-&amp;-Rigdon-Revol-ver. �Stimmt's nicht?�</p><p>Gettys huschte hinter den Tresen. Er war ein Narr gewesen, Jolly mitsamt seiner sch�bigen Verwandtschaft einzuladen, sich am Ashley niederzulassen. Der Mann war so gef�hrlich wie ein tollw�tiger Hund und ungef�hr genauso sensibel. Er und seine Familie �berlebten dank Diebstahl und Maisrationen am Verlosungstag in Charleston. Eine der Frauen sagte die Zukunft voraus, und die Dame aus B�hmen verkaufte sich selbst, hatte er geh�rt.</p><p>�In Ordnung�, sagte Gettys; der Schwei� lie� seine Brillengl�ser beschlagen. �Aber ich f�hre ein Konto, denn mein Freund Des und ich wollen, da� du uns einen kleinen Dienst erweist. Wir haben ja schon dar�ber gesprochen.�</p><p>Jolly zeigte grinsend seine braunen Zahnst�mpfe. �Ich wollte, du w�rdest endlich sagen, wann. Ich werde langsam ungeduldig. Teufel auch, ich wei� noch nicht mal, wen ich um die Ecke bringen soll.�</p><p>�Sie war gerade eben hier. M��te eigentlich in ihrem Wagen auf der Stra�e an dir vorbeigekommen sein.�</p><p>�Die tolle schwarzhaarige Frau? Meine G�te, Gettys, die erledige ich umsonst, da erwarte ich keine Bezahlung. Vorausgesetzt, ich kann sie eine Stunde f�r mich haben, bevor ich ihr die Lebenslichter ausblase.�</p><p>Gettys wischte sich das feuchte Gesicht mit dem unvermeidlichen Taschentuch ab. �Des besteht darauf, da� wir auf einen geeigneten Vorwand warten. Wir wollen nicht, da� wieder diese verfluchten Soldaten vom B�ro �berall rumschn�ffeln und alles nach Washington melden, so wie sie es bei dem Mord an Tom getan haben.�</p><p>�Ich wei�, verdammt noch mal, nichts von einem Mord�, sagte Jolly; jetzt l�chelte er nicht mehr. �Wenn du das Thema noch einmal auf den Tisch bringst, dann gehen deine Lampen auch aus.�</p><p>Er kratzte sich zwischen den Beinen. �Was die andere Sache betrifft, gib mir einfach Bescheid. Ich erledige das glatt und sauber, ohne eine Spur zu hinterlassen. Und werde mich dabei auch noch gro�artig am�sieren.�</p><p><emphasis>Andrew J. nutzte sein Vetorecht, um den vom Kongre� so bezeichne-ten &gt;B�rgerrechtserla�&lt; zur�ckzuweisen. Soweit ich wei�, gesteht die Resolution den freien Negern ungehindert Zugang zu den Gerichten zu und erlaubt es den Bundesgerichten, F�lle an sich zu ziehen. In einem</emphasis> Courier <emphasis>habe ich einige der Einw�nde des Pr�sidenten gelesen. Er steht mit einer derart wilden Entschlossenheit hinter der Unantastbarkeit der &gt;Staatsrechte&lt;, genau wie James Huntoon vor der Rebellion</emphasis> ...</p><p><emphasis>Die Stra�en sind immer noch �berf�llt. M�nner und Frauen, vor Jahren durch Verkauf von ihren Lebenspartnern getrennt, durchstreifen den Staat in der Hoffnung, einen geliebten Menschen wiederzufinden. Der schwarze Strom flie�t Tag und Nacht.</emphasis></p><p><emphasis>Auch M.R. ist davon auf tragische Weise betroffen. Gestern tauchte ein Mann namens Foote auf. Er und nicht Nemo ist Cassandras Ehemann. Foote wurde '58 an Squire Revelle von Greenville verkauft, und Cassandra hatte die Hoffnung aufgegeben, ihn je wiederzusehen.</emphasis></p><p><emphasis>Doch Nemo ist der Vater ihres kleinen Jungen. Als Foote das entdeckte, zog er ein Messer und versuchte sie niederzustechen. Andy �berw�ltigte ihn und holte mich. Ich sagte ihnen, sie sollten die Sache friedlich regeln. Heute morgen war Nemo verschwunden. Foote hat sich hier niedergelassen, und Cassandra ist vollkommen durcheinander. Nimmt das Elend denn kein Ende?</emphasis></p><p><emphasis>April 1866. In Washington wird Geschichte geschrieben, steht in den Zeitungen. Pr�sident J.s Veto gegen die B�rgerrechtsresolution wurde im Kongre� �berstimmt. Nie zuvor war ein wichtiges Gesetz auf diese Weise durchgebracht worden, noch war ein amtierender Pr�sident derma�en gedem�tigt worden.</emphasis></p><p>... <emphasis>Wir bringen die Ernte des Kampfes Wei� gegen Schwarz ein. Die Stadt Memphis wurde durch einen dreit�gigen Aufruhr verw�stet; den H�hepunkt bildeten Konfrontationen zwischen Bundestruppen - Farbige - und w�tenden wei�en Polizisten. Mindestens 40 Tote, viele Verletzte, und der Aufstand ist immer noch nicht unter Kontrolle .</emphasis></p><p>... <emphasis>Der Aufruhr ist endlich vorbei. Ich bin sicher, das Komitee der F�nfzehn wird die Sache untersuchen. Col. Munro ist mit einem ans�ssigen Schwarzen nach Washington gefahren, um vor dem Komitee Zeugnis abzulegen</emphasis> ...</p><p>�Ich wei�, das ist sehr schwierig f�r Sie�, sagte Thaddeus Stevens. �Bitte sammeln Sie sich, und fahren Sie erst dann fort, wenn Sie wirklich bereit sind.�</p><p>Bei Stevens emotionsgeladenem Tonfall st�hnte der Abgeordnete Elihu Washburne aus Illinois auf. Der Kongre�mann aus Pennsylvania konnte ein Hearing so weit manipulieren, bis es einem tr�nen�berstr�mten Melodram zu �hneln begann; genau das tat er jetzt gerade mit dem �rmlich gekleideten Schwarzen, der an einem Tisch den Komiteemitgliedern gegen�bersa�. In einem Besucherstuhl hinter dem Komitee machte sich Senator Sam Stout eine Notiz �ber Washburnes ungeb�hrliches Benehmen; dar�ber mu�te er mit der F�hrung einmal sprechen.</p><p>Der Zeuge wischte sich mit den Handfl�chen �ber die Backen und fuhr m�hsam mit seiner Aussage fort:</p><p>�Gibt nicht mehr viel zu sagen, Sirs. Mein kleiner Bruder Tom, er sagte nein zu Mr. Woodvilles Kontrakt. Danach hatte er m�chtig Angst, aber Colonel Munro unten in Charleston hat ihm gesagt, es w�r' schlechter Kontrakt. Der Kontrakt sagt, Tom darf nicht von der Farm weg, ohne vorher den alten Woodville zu fragen. Und er mu� die ganze Zeit respektvoll und h�flich sein, sonst kriegt er keinen Lohn. Und er darf keine Hunde halten - Tom hat gern gejagt. Hatte zwei m�chtig feine Hunde.�</p><p>Der Zeuge schaute Stevens an. �Nur zu, Sir, wenn Sie dazu in der Lage sind�, forderte ihn Stevens sanft auf.</p><p>�Nun, wie ich schon sagte, der Colonel, er sagt Tom, er soll den Kontrakt nicht unterschreiben. Am n�chsten Tag geht Tom zur�ck und sagt's dem alten Woodville. An dem Abend kam Tom zum Abendessen r�ber, da hab' ich ihn das letzte Mal geseh'n. Er sagte, Woodville sei sehr w�tend auf ihn gewesen. Zwei Tage sp�ter haben sie Tom�, die Stimme des Zeugen brach, �haben sie Tom tot gefunden.�</p><p>Vom Nebenstuhl aus legte Orpha Munro dem weinenden Schwarzen einen Arm um die Schultern. Zum Schriftf�hrer sagte Stevens: �Sorgen Sie daf�r, da� im Protokoll klar zum Ausdruck kommt, da� der Mord eine Folge der Weigerung Toms war, unter derartigen Sklavenbedingungen zu arbeiten.�</p><p>�Ich mu� meinen Kollegen um Nachsicht bitten.� Senator Reverdy Johnson von Maryland wedelte mit seiner Feder. �Ich habe volles Mitgef�hl f�r den Verlust dieses Gentleman. Aber er hat keinen Beweis geliefert, da� ein Zusammenhang besteht zwischen dem unseligen Mord und den vorangegangenen Ereignissen.�</p><p>Stout funkelte den Demokraten an, einen Politiker von vornehmer Herkunft, der sich langsam zu einem Hemmschuh im Komitee entwickelte. Auch Stevens schaute drein, als st�nde er kurz vor einem cholerischen Anfall. �W�nschen Sie, da� dies ins Protokoll aufgenommen wird, Senator?�</p><p>�Das w�nsche ich, Sir.�</p><p>�Also gut�, sagte Stevens.</p><p>�Ich danke dem Gentleman aus Pennsylvania�, sagte Johnson zufrieden, jedoch ohne eine Spur von Dankbarkeit.</p><p>Egal, dachte Stout, seinen �rger hinunterschluckend. Er und Stevens und der Kern der republikanischen Idealisten im Kongre� waren sehr zufrieden mit den Zeugenaussagen, die vor dem Komitee gemacht worden waren. Aus einem Staat nach dem anderen waren die Zeugen - Schwarze und Beamte des B�ros - aufmarschiert und hatten von k�rperlichen und rechtlichen Mi�handlungen befreiter Neger berichtet, w�hrend der Pr�sident weiterhin darauf beharrte, da� der Kongre� nicht das Recht zur Intervention besitze.</p><p>Doch der Schneider aus Tennessee lieferte R�ckzugsgefechte, w�hrend die Sache der Republikaner durch Vorf�lle wie den Aufruhr in Memphis Auftrieb erhielt. Au�erdem hatte man bereits gegen einen m�glichen Gerichtshofentscheid vorgesorgt, der die B�rgerrechtsresolution f�r nicht verfassungsgem�� erkl�ren k�nnte, indem man einen vierzehnten Zusatz zur Verfassung vorbereitete, der die wesentlichen Garantien dieses Gesetzes rechtm��ig machen w�rde: Vollb�rgschaft f�r alle Schwarzen und die Verweigerung der offiziellen Anerkennung eines jeden Staates, der berechtigten M�nnern �ber einundzwanzig das Wahlrecht vorenthielt.</p><p>Der �ltere Zeuge hatte erneut die Fassung verloren. Er schluchzte in seine H�nde, trotz Munros Bem�hungen, ihn zu beruhigen. Stevens verlie� den Tisch. Stout erhob sich. Er und Stevens tauschten einen Blick aus, als letzterer hin�berging und dem Zeugen mitf�hlend eine Hand auf die Schulter legte.</p><p>Senator Johnson lie� sich deutlich anmerken, da� er Stevens Benehmen mi�billigte. Reporter im Hintergrund des Sitzungssaals kritzelten schnell mit. Gut, dachte Stout, w�hrend er auf die T�r zueilte. In den ihnen freundlich gesinnten Zeitungen w�rden sie morgen lesen k�nnen, da� Stevens und damit alle Republikaner den Kampf zur Unterst�tzung der Unterdr�ckten fortsetzen sollten.</p><p><emphasis>Juli 1866. Weitere Aufst�nde. Diesmal in New Orleans. Der</emphasis> Courier <emphasis>behauptet, mindestens 200 Tote.</emphasis></p><p><emphasis>Andrew J. legte sein Veto gegen Gesetzesvorlage ein, das B�ro f�r befreite Negersklaven fortzuf�hren. Es hei�t, das Veto werde sich nicht halten k�nnen, und so wird J. nach Mitteln und Wegen suchen, um zur�ckzuschlagen.</emphasis></p><p>... <emphasis>Er hat was gefunden. J. wies den vierzehnten Verfassungszusatz zur�ck und dr�ngte unseren Staat und die gesamten S�dstaaten, ihn nicht zu ratifizieren. Tennessee hat ihn daraufhin sofort ratifiziert, und Gouv. Brownlow - der &gt;Pastor&lt; - lie� in Washington ausrichten: �Meine besten Empfehlungen dem toten Hund im Wei�en Haus.�</emphasis></p><p><emphasis>Was kommt nun?</emphasis></p><p>ERMORDUNG EINES NEGERS DURCH GEN. FORREST</p><p>In einem Bericht aus Sunflower County, Miss., hei�t es, ein auf der Plantage von Gen. forrest besch�ftigter Neger habe gestern seine kranke Frau geschlagen und sei daraufhin von forrest zurechtgewiesen worden. Der Neger zog ein Messer und versuchte forrest zu t�ten, der nach einer Verwundung an der Hand eine Axt ergriff und den Neger umbrachte. Gen. forrest stellte sich anschlie�end dem Sheriff. Die Neger auf der Plantage rechtfertigen den Mord.</p></section><section><title><p id="bookmark28"><strong>20</strong></p></title><p>Holzfu� bereicherte die Winterbilanz um ein weiteres Bild: die Jackson Trading Company im Inneren eines Tipis unter einem winzigen B�ffelhut; davor malte er zwei Beile schwingende Strichm�nnchen, dazu ein drittes, das mit beiden H�n-den seine Lendengegend bedeckte. Wann immer Boy diesen Teil des Bildes betrachtete, legte er nach Art der Indianer die H�nde vor den Mund und kicherte.</p><p>Als der Schnee zu schmelzen begann, ritt ein wei�er Besucher in das Cheyenne-Dorf, in dem die H�ndler �berwintert hatten. Er wurde mit Rufen und breitem L�cheln begr��t. M�tter hoben ihre Babys hoch, damit sie den unter dem B�ffelfell sichtbaren schwarzen Rock ber�hren konnten. Holzfu� stellte Charles dem verwitterten, grauhaarigen Jesuitenmissionar vor.</p><p>Pater Pierre-Jean DeSmet war jetzt f�nfundsechzig, eine legend�re Gestalt. In Belgien geboren, war er als junger Mann nach Amerika emigriert. 1823 verlie� er das katholische Novizenhaus in der N�he von St. Louis und begann seine bemerkenswerte Karriere in der Wildnis. Er bekehrte die Indianer nicht nur, er wurde auch ihr Anh�nger. Einige seiner Reisen f�hrten ihn bis ins Willamette Valley. F�r die Sioux, die Schwarzfu�indianer, die Cheyenne und andere St�mme war er &gt;Schwarzkittel&lt;, ein Beichtvater, ein Vermittler, ein F�rsprecher in den Ratsversammlungen des wei�en Mannes, ein Freund.</p><p>Am abendlichen Lagerfeuer zeigte DeSmet viel Humor und ein umfassendes Wissen, was Indianerangelegenheiten betraf. Es gab keinen Zweifel, wem seine Loyalit�t geh�rte:</p><p>�Mr. Main, ich sage Ihnen, wenn die Indianer sich gegen die Wei�en vers�ndigen, dann nur, weil die Wei�en sich in gro�em Ausma� an ihnen vers�ndigt haben. Wenn sie zornig werden, dann nur, weil die Wei�en sie provoziert haben. Eine andere Erkl�rung akzeptiere ich nicht. Erst wenn Washington seine grausame Politik aufgibt, wird in den Pr�rien Frieden einkehren.�</p><p>�Wie stehen die Chancen, da� es so kommen wird, Pater?�</p><p>�J�mmerlich�, sagte DeSmet. �Gier ist oft st�rker als ein g�ttlicher Impuls. Aber das entmutigt mich nicht. Ich werde nach einem friedvollen K�nigreich streben, bis Gott mich zu sich ruft.�</p><p>Der gr��te Teil des Verkehrs westlich des Missouri spielte sich auf drei Stra�en ab. Der alte Overland Trail nach Oregon folgte dem Platte-Tal; eine neuere Verbindung, der Bozeman's Trail, zweigte hier zu den Goldfeldern von Montana ab. Der Santa Fe Trail verlief in s�d�stlicher Richtung nach New Mexico. Zwischen der n�rdlichen und der s�dlichen Route f�hrte die Smo-ky Hill Road am Flu� entlang in allgemein westlicher Richtung zu den Colorado-Minen.</p><p>Im Mai 1866 traf die Jackson Trading Company, immer noch drei�ig Meilen s�dlich von Smoky Hill, auf einen anderen Wei�en. Der Mann fuhr einen Planwagen, hatte das Haar geflochten und vorn so geschnitten und eingefettet, da� es in Borsten nach oben stand. Er war fett, mit einem Gesicht, das Charles an einen Weihnachtsmann erinnerte, der gerade von einer wochenlangen Sauftour zur�ckgekommen war. Er begr��te die H�ndler herzlich und lud sie ein, die Nacht in seinem Camp zu verbringen.</p><p>�Nein, danke. Wir sind in Eile, Glyn�, sagte Holzfu�, ohne zu l�cheln. Er gab seinen Gef�hrten ein Zeichen, weiterzureiten. Als sie an dem Wagen vorbei waren, blickte Charles �ber die Schulter zur�ck und sah zu seiner Verbl�ffung hinten aus dem Wagen ein Indianerm�dchen gucken, vielleicht vierzehn oder f�nfzehn Jahre alt. Er hatte den fl�chtigen Eindruck eines ehemals h�bschen M�dchens, dessen Sch�nheit durch zuviel Essen zerst�rt worden war; jetzt besa� sie die zahlreichen Kinne einer Frau in mittleren Jahren.</p><p>�War ja deutlich zu sehen, da� du den Mann nicht magst�, sagte Charles. �Konkurrenz, was?�</p><p>�Nicht f�r uns. Er handelt mit Schnaps und Waffen. Hei�t Septimus Glyn. Hat mal eine Zeitlang f�r die Upper Arkansas Agency gearbeitet. Selbst die Indianeragentur konnte ihn nicht ertragen. Er schleicht sich rum und verkauft lauter verbotene Sachen. Jede Saison sucht er sich ein junges M�del raus, verspricht ihr den Himmel auf Erden, gibt ihr Alkohol, bis sie sich daran gew�hnt hat, dann nimmt er sie mit. Wenn sie nur noch zum Huren taugt, verkauft er sie.�</p><p>�Ich habe ein M�dchen in dem Wagen gesehen.�</p><p>�Wundert mich nicht.� Angeekelt beschlo� Holzfu�, sich gar nicht erst umzudrehen. �Mu� eine Crow sein. Er hat sich die Haare im Crow-Stil geschnitten. Sie sind ein gutaussehendes Volk, aber bevor er mit ihr fertig ist, hat er sie l�ngst ruiniert, dieser elende Hurentreiber.�</p><p>Charles sah zu, wie der Wagen hinter einem H�gelkamm verschwand, und war froh, da� er nicht gezwungen war, mit Septimus Glyn n�here Bekanntschaft zu schlie�en. Wenn er Willa Parker wiedersah, mu�te er ihr erz�hlen, da� nicht alle Wei�en die Indianer ausbeuteten. Jackson tat es nicht, ebensowenig wie der Jesuitenpater. Er hoffte, da� diese kleine Information sie erfreuen w�rde. Er selbst wurde ihr gern eine Freude machen.</p><p>Mit ihren sechsundvierzig Ponys erreichten sie die Smoky Hill Route; sie hatten s�mtliche Waren verkauft. Holzfu� sagte wiederholt, sein neuer Partner habe ihm Gl�ck gebracht.</p><p>S�dlich von Smoky Hill hatten sie bis auf Glyn keinen Wei�en mehr zu Gesicht bekommen. Auf dem Trail jedoch mu�ten sie sich durch eine Flut von Kavallerietruppen, �berlandkutschen und Auswandererwagen nach Osten durchk�mpfen. Ein Zug von Wagen, die zu zweit und zu dritt nebeneinanderher fuhren, lie� ihnen keinen Spielraum, und so mu�ten die H�ndler staubschluckend ihre Packmulis und ihre Ponys zwischen den Wagen hindurchtreiben. Zweimal h�tten Ochsen Fen um ein Haar niedergetrampelt. Zwei wertvolle Ponys rannten davon.</p><p>Die H�ndler stoppten, nachdem sie zwischen den Wagen durch waren. Sie sahen aus, als h�tten sie ihre Gesichter in gelbes Mehl getaucht. Der verkrustete Staub lie� ihre Augen um so gr��er und wei�er erscheinen.</p><p>�Ich schw�r's bei Gott, Charlie, so fr�h in der Saison habe ich noch nie so viele Greenhorn-Wagen gesehen.�</p><p>�Und die Wagenz�ge werden die Sioux und die Cheyenne verr�ckt machen, nicht wahr?�</p><p>�Da hast du recht�, sagte Holzfu�.</p><p>Charles beobachtete, wie die Planen gen Westen schwankten. �Ich hatte ein merkw�rdiges Gef�hl, als diese Wagen uns keinen Platz machten. Ganz pl�tzlich begriff ich, wie sich die Indianer f�hlen.�</p><p>Drei�ig Meilen au�erhalb von Fort Riley, Kansas, sahen sie die ersten Markierungen f�r die Route der im Bau befindlichen Eisenbahn. Ein paar Meilen weiter kamen sie an Stapeln von Telegraphenstangen vorbei, die darauf warteten, eingegraben zu werden. Ein Stapel bestand nur noch aus Asche und verkohltem Holz. �Die St�mme m�gen den sprechenden Draht ungef�hr genauso gern wie die Siedler�, bemerkte Holzfu�.</p><p>Sie ritten weiter. Das Leben in der freien Natur hatte Charles wieder gegerbt und z�h gemacht; er f�hlte sich gut in Form und in Einklang mit seiner Umgebung. Das ausgebrannte, leere Gef�hl in seinem Inneren machte allm�hlich neuerwachter Energie und Lebenslust Platz. Wenn er noch nicht geheilt war, so hatte die Heilung doch schon begonnen.</p><p>Der Morgen war warm. Er zog seinen Zigeunermantel aus, rollte sich die �rmel hoch und z�ndete sich eine Zigarre an.</p><p>Acht weitere Fahrzeuge n�herten sich ihnen; es waren planenbedeckte US-Ambulanzen mit hohen R�dern, jeweils von zwei Pferden gezogen. Berittene Soldaten bildeten einen Verteidigungsring um die Wagen.</p><p>�Was zum Teufel ist das?� sagte Holzfu�.</p><p>Sie trieben ihre Maultiere und Ponys im Kreis zusammen und warteten. Die Ambulanzen stoppten. Ein Colonel sprang ab und begr��te sie. Ein zweiter Offizier sprang aus dem f�hrenden Wagen, ein sehniger Kerl mit einem scharfgeschnittenen Gesicht und borstigen roten, mit Grau vermischten Haaren. Sein Gesicht �berraschte Charles mehr als seine drei Sterne.</p><p>�Morgen�, sagte der General. �Wo kommen die Gentlemen her?�</p><p>�Aus dem Indianerterritorium�, sagte Holzfu�.</p><p>�Wir haben bei den Cheyenne �berwintert�, sagte Charles.</p><p>�Ich bin auf Inspektionstour. In was f�r einer Stimmung sind sie?�</p><p>�Nun�, sagte Holzfu� vorsichtig, �wenn man ber�cksichtigt, da� kein H�uptling oder Repr�sentant des Dorfes f�r alle sprechen kann, dann w�rde ich sagen, die Stimmung des Stammes ist schwankend. Schwarzer Kessel, der Friedensh�uptling, hat uns erz�hlt, da� er nicht wei�, wie lange er seine jungen M�nner noch zur�ckhalten kann.�</p><p>�Oh, tats�chlich?� sagte der General auffahrend. �Dann rede ich besser mit dieser Rothaut. Wenn hier drau�en noch ein einziger Wei�er skalpiert wird, dann kann ich meine M�nner auch nicht mehr zur�ckhalten.�</p><p>Danach beruhigte er sich wieder. Charles paffte seine Zigarre. Der General warf ihm einen scharfen Blick zu. �Habe ich da einen Hauch von S�dstaatenakzent entdeckt, Sir?�</p><p>�Mehr als nur einen Hauch, General. Ich bin f�r Wade Hampton geritten.�</p><p>�Ein t�chtiger Soldat. Sie m�gen Zigarren, Sir.� Charles nickte. �Ich ebenfalls. Rauchen Sie eine von meinen, w�hrend wir kochen.�</p><p>�Nein, danke, General. Ich kann's kaum erwarten, weiter nach Osten zu kommen und meinen Sohn zu besuchen.�</p><p>�Dann gute Reise.� Der sehnige Offizier salutierte l�ssig; er und der Colonel sprangen wieder auf die Wagen.</p><p>Kaum hatten sich die Pferde in Bewegung gesetzt, da sagte Holzfu�: �Du kennst den General?�</p><p>�Sicher. Das hei�t, ich habe Bilder gesehen. Seine Landstreicher haben ein ganz sch�nes St�ck meines Heimatstaates niedergebrannt.�</p><p>�Guter Gott, du willst doch nicht sagen, das war Uncle Billy Sherman?�</p><p>�Und ob ich das will. M�chte mal wissen, was der hier drau�en verloren hat.�</p><p>In Riley erhielten sie darauf eine Antwort. Seit dem Zeitpunkt, als Charles durch Chicago gekommen war, hatte Sherman die Mississippi-Division kommandiert. Er hatte sein Hauptquartier nach St. Louis verlegt und im M�rz dann Grant �berredet, ein Platte-Departement zu schaffen, um das sperrige Missouri-Departement zu begrenzen und so f�r beide innerhalb der Division eine bessere Verwaltung zu schaffen. Das mi�fiel allerdings John Pope, dem Kommandeur des Missouri-Departements.</p><p>Zu den reinen Fakten gab es nat�rlich die unvermeidlichen Ger�chte. Die gr��ere Verwaltungseinheit w�rde bald in Missouri-Division umbenannt werden. Sherman hielt den Kommandeur des Platte-Departements, St. George Cooke, mit seinen sechsundf�nfzig Jahren f�r zu alt. Er w�nschte, da� Pope durch Winfield Hancock, &gt;Superb&lt; Hancock von Gettysburg, ersetzt wurde. Er w�nschte, da� der Kongre� neue Infanterie- und Kavallerieregimenter genehmigte und sie in die westlichen Pr�rien abkommandierte, auch wenn sie zur Unterst�tzung der diesj�hrigen Wagenz�ge zu sp�t kommen w�rden.</p><p>Charles gelangte zu dem Schlu�, da� Sherman feste, haupts�chlich negative Ansichten �ber die Indianer hegte, jedoch in die sie betreffende Politik nicht verwickelt werden wollte. Sheriffs der Nation&lt;, das war Shermans Definition der Rolle der Armee. Pope war da schon emsiger. Er hatte darauf bestanden, da� sich die Auswandererz�ge organisierten, bevor sie solche Ausgangspunkte wie beispielsweise Leavenworth verlie�en. Andernfalls, sagte er, lehnten seine Regimenter jede Verantwortung ab.</p><p>Beim Marketender nahm Charles einen Brief von Duncan in Empfang. �Was denn, er ist ja jetzt viel n�her als bei meiner Abreise. Sie haben ihn im Januar nach Fort Leavenworth versetzt. Beeilen wir uns, und verkaufen wir die Pferde.�</p><p>Am 1. Juni hatten sie alle Tiere weg, was der Company etwas mehr als zweitausend Dollar eingebracht hatte. Die H�ndler ritten nach Osten und brachten in Topeka ihr Geld auf die Bank; jeder von ihnen behielt f�nfzig Dollar f�r pers�nliche Ausgaben. F�r die Winterbilanz malte Holzfu� drei S�cke mit dem Dollarzeichen. Er und Charles gaben sich die Hand, Charles umarmte Boy, und dann verabredeten sie sich f�r den 1. September.</p><p>Mit einem listigen Seitenblick sagte Holzfu�: �Gehst du noch irgendwo anders hin als nach Leavenworth? Blo� f�r den Fall, da� ich dich brauche.�</p><p>�Oh�, Charles schwang sich in Satans Sattel, �vielleicht St. Louis. La� mich mal richtig von einem Barbier bearbeiten.�</p><p>Sein Bart war lang und dicht gewachsen. �Sehe mir eine Show an. Erinnerst du dich, ich habe doch diese Schauspielerin kennengelernt.�</p><p>�Mmm, richtig. H�tt' ich beinah vergessen.� Charles l�chelte. �Diese leckere Freidenkerin, die sich den Teufel drum schert, was die Leute von ihr halten, wenn sie einen Burschen zum Abendessen einl�dt.�</p><p>�Genau die.�</p><p>�Du bist so ungeduldig gewesen, da dacht' ich mir schon, da� du was vorhast. Also um diese Augusta geht's.�</p><p>Pl�tzlich wieder schwerm�tig, sagte Charles: �Augusta war die Mutter meines Sohnes. Sie ist tot. Ich hab' ihren Namen niemals erw�hnt.�</p><p>�Wach nicht, aber du redest im Schlaf, Charlie. Ich dachte, es sei ein angenehmer Traum. Tut mir leid.�</p><p>�Schon gut.�</p><p>�Ich m�chte, da� du dich gut f�hlst. Du bist mein Freund. War schon verdammtes Gl�ck, da� wir uns bei Jefferson Barracks getroffen haben.�</p><p>�Das denk' ich auch.�</p><p>�Sag deinem Jungen guten Tag und la� dich nicht bei einem Kneipenstreit umbringen.�</p><p>�Ich doch nicht�, sagte Charles und ritt davon.</p><p>Von Leavenworth City f�hrte eine Stra�e nach Norden zum Milit�rbezirk. Charles trabte die zwei Meilen, vorbei an sauberen Farmen und dem Hauptquartier von Russell, Majors und Waddell, einer riesigen Enklave abgestellter Wagen, aufget�rmter Fracht, eingepferchter Ochsen, l�rmender Kutscher.</p><p>Der zehn Quadratmeilen umfassende Posten enthielt das Departement-Hauptquartier, Baracken und Unterk�nfte f�r sechs Kompanien und das gro�e Depot des Quartiermeisters, aus dem die Forts im Westen versorgt wurden. Col. Henry Leaven-worth hatte das urspr�ngliche Quartier 1827 am rechten Ufer des Missouri gegr�ndet, nahe dem Kaw-Zuflu�.</p><p>Jack Duncans Quartier war f�r Milit�rposten im Westen typisch. Spartanische R�ume mit einem alten Eisenofen und was immer auch der Bewohner f�r M�bel mitgebracht, gekauft oder aus Kisten und Brettern gebastelt hatte.</p><p>Charles konnte es nicht fassen, wie gro� sein Sohn seit dem letzten Herbst geworden war. Der kleine Gus marschierte so schnell und schwankend in Duncans Wohnzimmer herum, da� Charles st�ndig auf dem Sprung war, um den Jungen aufzufangen, wenn er st�rzte. Duncan am�sierte sich dar�ber.</p><p>�Ist nicht notwendig. Er steht verdammt fest auf den Beinen.�</p><p>Das war Charles schnell klar. �Er kennt mich nicht, Jack.�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Duncan streckte die Arme aus. �Gus, komm zum Onkel.� Der Junge kletterte, ohne zu z�gern, auf seinen Scho�. Duncan deutete auf den Besucher. �Das ist dein Vater. Willst du zu deinem Vater?�</p><p>Charles griff nach ihm. Gus br�llte.</p><p>�Ich glaube, es liegt an deinem Bart�, sagte Duncan.</p><p>Charles fand das nicht lustig. Eine Stunde lang m�hte er sich, Gus auf seine Knie zu locken. Als er es dann endlich geschafft hatte, klammerte sich sein Sohn kurz darauf schon an seine Daumen und lachte, als er Hoppe-hoppe-Reiter mit ihm spielte. Maureen kam aus der K�che und brachte ihre Mi�billigung zum Ausdruck. Charles h�rte nicht auf.</p><p>Duncan lehnte sich zur�ck und z�ndete seine Pfeife an. �Du schaust gut aus, Charles. Das Leben bekommt dir.�</p><p>�Ich vermisse Augusta, daran wird sich nie etwas �ndern. Ansonsten bin ich nie gl�cklicher gewesen.�</p><p>�Dieser Adolphus Jackson mu� ein feiner Kerl sein.�</p><p>�Es gibt keinen besseren.� Charles r�usperte sich. �Jack, ich mu� noch was �ber Augusta sagen. Na ja, eigentlich �ber eine Frau, die ich in St. Louis kennengelernt habe. Eine Schauspielerin in einem der Theater dort. Ich m�chte sie gern besuchen. Aber ich m�chte auch die Erinnerung an Gus nicht entehren.�</p><p>N�chtern sagte Duncan: �Du bist ein anst�ndiger, r�cksichtsvoller Mann. Es gibt viele, die keine Gedanken daran verschwenden w�rden. Ich erwarte nicht von dir, da� du dein restliches Leben wie ein Einsiedler verbringst. Auch Augusta w�rde das nicht wollen. Ein Mann braucht eine Frau, das ist eine feste Tatsache im Leben. Geh nach St. Louis, sobald du willst.�</p><p>�Ich danke dir, Jack.� Er strahlte Maureen an, die immer noch stirnrunzelnd seine zerlumpte Garderobe betrachtete, seinen zerzausten Bart und die Art und Weise, wie er mit seinem Sohn umging. Charles ignorierte sie einfach.</p><p>�Das Leben ist zu sch�n, um wahr zu sein�, sagte er und schaute seinen Sohn an, der allm�hlich seiner Mutter �hnlich zu sehen begann.</p><p>Duncan l�chelte. �Das freut mich. Lange genug traf genau das Gegenteil zu.�</p><p>Der Vorhang hob sich. Die Schauspieler reichten sich die H�nde und traten vor. Trump zog die anderen mit sich; er ri� sich die Holzf�llerm�tze vom Kopf, winkte damit dem Publikum zu und warf dann die gl�cksbringende Chrysantheme, die er an seinem schlichten Kittel getragen hatte, den Leuten zu. Ein fetter Mann fing sie auf, untersuchte sie und lie� sie dann zu Boden fallen.</p><p>Das Ensemble verbeugte sich erneut. Trump machte ganz allein eine dritte Verbeugung. Die Frau, die seine Gattin spielte, tauschte einen leidenden Blick mit Willa aus, die f�r ihre Rolle als jugendliche Liebhaberin eine h�bsche Robe mit hochange-setzter Taille trug. Das St�ck war Molieres &gt;Der eingebildete Kranke&lt;, &gt;erweitert und verbessert von Mr. Trump&lt;, wie es auf den Plakaten drau�en hie�.</p><p>Charles war es ziemlich egal, inwieweit Moliere von Trump umgeschrieben worden war. Wie die meisten anderen auch war er von Willa Parkers B�hnenpr�senz gefesselt. Von ihrem ersten Auftritt an hatte sie alle in Bann geschlagen, nicht mit konventioneller Sch�nheit, sondern mit einer nicht greifbaren Kraft, die das Auge fesselte. Vielleicht besa�en alle gro�en Darsteller diese Eigenschaft.</p><p>Charles streckte, immer noch klatschend, seine H�nde �ber das Gel�nder. Durch die Bewegung richtete sich Willas Aufmerksamkeit auf die Loge. Charles hatte sich ein Bad geleistet und sich den Bart stutzen lassen; au�erdem hatte er sich einen billigen braunen Gehrock und dazu passende Hosen gekauft. Willa sah ihn, erkannte ihn und reagierte, wie er glaubte, mit �berraschung und dann mit Freude.</p><p>Charles nickte l�chelnd. Pl�tzlich glitt Willas Blick zu der Loge auf der gegen�berliegenden Seite. Eine leere Loge, obwohl sich der Vorhang noch bewegte; offensichtlich mu�te jemand gerade gegangen sein.</p><p>Der B�hnenvorhang senkte sich, enth�llte aufgemalte Werbeschriften �ber Restaurants und Gesch�fte. Der Applaus erstarb. Das Publikum, bestehend aus M�nnern und einigen wenigen Damen in Begleitung, begann hinauszudr�ngen. Charles fragte sich, was oder wer diesen Ausdruck von Besorgnis auf Willas Gesicht hervorgerufen hatte.</p><p>Nerv�s eilte er auf den B�hneneingang zu, vor dem er letztes Jahr den Kutscher daran gehindert hatte, weiter auf sein Pferd einzuschlagen. Er gab dem Pf�rtner einen halben Dollar, wurde von hinten von anderen Gentlemen gesto�en, die ebenfalls hinein wollten. Wegen seiner Gr��e konnte Charles �ber die meisten Gratulanten, B�hnenarbeiter und Darsteller hinwegschauen.</p><p>Er sah Trump vor einem Korridor stehen, der zu den Garderoben f�hrte. Wer zu einem der anderen Schauspieler wollte, mu�te an Trump vorbei und ihm Komplimente machen.</p><p>Charles tat es mit �bertriebener Begeisterung. Mit vor Freude glasigen Augen sagte Trump: �Ich danke Ihnen, mein lieber Junge, ich danke Ihnen.� Braunes F�rbemittel sickerte hinter seinen Ohren hervor. �Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor. War es Boston? Ich hab's! Cincinnati.�</p><p>�St. Louis. Ich trage jetzt einen Bart.� Er streckte die Hand aus. �Charles Main.�</p><p>�Nat�rlich. Jetzt erinnere ich mich.� Was selbstverst�ndlich nicht stimmte. �Freut mich wahnsinnig, da� Sie unsere Vorstellung heute besucht haben. Ab morgen erwarte ich ausverkauftes Haus.� Sein Blick wanderte bereits auf der Suche nach dem n�chsten Bewunderer �ber Charles' Schulter. Charles schl�pfte vorbei; Trump roch nach Schwei�, aber nicht nach Alkohol. Willa mu�te ihn mit Erfolg ausgetrocknet haben. Bis auf die letzte rechts standen alle Garderobent�ren offen. Er vermutete, da� es sich dabei um ihre T�r handelte, denn ein kleiner, adrett gekleideter Mann wartete bereits davor.</p><p>Als Charles sich n�herte, drehte der Mann sich um. Charles erkannte sofort die unnat�rlich steife Pose, den getrimmten Kinnbart und die gewachsten Schnurrbartspitzen, die hochglanzpolierten Schuhe, die Kleidung ohne eine Knitterfalte.</p><p>Willas Bewunderer war der Mann, der ihn aus der Armee geworfen hatte: Captain Harry Venable.</p></section><section><title><p id="bookmark29"><strong>21</strong></p></title><p>Charles' Nerven waren zum Zerrei�en gespannt, als er auf V.&gt; Harry Venable zuging. Der elegante Offizier erkannte ihn offensichtlich nicht, bekam aber sofort Charles' Absicht mit. Charles studierte die auf der T�r aufgemalten Lettern, mrs. Parker. Er trat vor, um an die T�r zu klopfen, und Venable verstellte ihm den Weg.</p><p>�Entschuldigen Sie. Mrs. Parker ist besch�ftigt.�</p><p>Charles schaute hinunter in die eisigen Augen, neigte den Kopf, um den Gr��enunterschied zu betonen. �Fein. Das soll sie uns doch selbst sagen, ja?� Er langte �ber Venables Schulter und klopfte.</p><p>Venable lief scharlachrot an. Von drinnen rief Willa, er solle sich noch einen Moment gedulden. Venable sagte: �Wor�ber zum Teufel grinsen Sie?�</p><p>�Der h�bsche Harry Venable�, Charles begann die Kn�chel seiner linken Hand zu reiben, �West Point, Jahrgang '59.�</p><p>Verwirrt bem�hte sich Venable, den b�rtigen Fremden zu identifizieren. Charles fuhr fort: �Als wir uns das letztemal be-gegneten, hatten Sie einige Helfer dabei. Wie ich sehe, haben Sie jetzt keine. Falls es gewisse Meinungsverschiedenheiten gibt, k�nnen wir die diesmal vielleicht fair regeln.� Seine Z�hne gl�nzten zwischen seinem Bart, aber sein L�cheln war alles andere als freundlich. Er rieb sich weiter die Kn�chel. Venable erkannte ihn.</p><p>Dann flog die T�r auf. Willa st�rzte heraus und umarmte ihn schwungvoll. �Charles! Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich dich in der Loge sah!� Sie trat zur�ck, hielt ihn an den Armen fest und musterte ihn. Sie trug einen pastellfarbenen �berwurf, dekoriert mit durchsichtigen Schmetterlingen. Obwohl fest geg�rtet, verbarg er doch nicht ganz den Ansatz ihrer Br�ste. Ein Cremefleck gl�nzte auf ihrer Nase. Mit den silberblonden Haarstr�hnen sah sie ungek�mmt und wundersch�n aus.</p><p>�Komm doch rein, w�hrend ich mir das restliche Make-up entferne.� Damit zog sie ihn in die Garderobe.</p><p>Venable hatte w�hrenddessen stocksteif mit gestrafften Schultern dagestanden, unf�hig, seine Wut zu verbergen. Willa, ganz erstklassige Schauspielerin, l�chelte ihm zu und sagte anmutig: �Colonel, es tut mir leid, Ihnen wieder einen Korb geben zu m�ssen. Mr. Main und mich verbindet eine langj�hrige Beziehung. Ich bin sicher, Sie haben Verst�ndnis daf�r.�</p><p>Sie schlo� die T�r.</p><p>�Ich habe den langj�hrigen Wunsch, dieser kleinen Kr�te die Seele aus dem Leib zu pr�geln. Er ist derjenige, der mich in Jef-ferson Barracks erkannt hat.�</p><p>�Nun, er ist immer noch hier stationiert.� Willa nahm Nadeln vom Schminktisch und begann sich das Haar hochzustecken. In dem kleinen Raum herrschte ein wirres Durcheinander aus Kost�men, Stra�enkleidern, Make-up-T�pfen und B�rsten, Manuskripten, alles zus�tzlich reflektiert durch den Tischspiegel. �Er hat das St�ck vor vier Abenden gesehen und ist seitdem hinter mir her. Oh, Charles, du warst so lange weg.�</p><p>�Es ist ein weiter Weg ins Indianerterritorium.� Er merkte, da� er intensiver in ihre blauen Augen schaute, als er geplant hatte.</p><p>�Ich wei�. Ich dachte schon, du w�rdest nie zur�ckkommen. Als ich dich mitten im ersten Akt sah, w�re ich beinahe gegen diese Bank gerannt.�</p><p>�Ich nahm an, du habest mich erst beim Schlu�vorhang gesehen.�</p><p>�Oh, schon lange vorher. Ich habe ganze Zeilen ausgelassen.�</p><p>�Ist mir nicht aufgefallen.�</p><p>�Soll dir auch nicht auffallen.� Auf Zehenspitzen stehend gab sie ihm einen Ku� auf die Wange, umarmte ihn dann noch mal. Unter dem d�nnen Stoff f�hlte sich ihr K�rper weich und warm an. �Gehen wir vielleicht zusammen essen?�</p><p>�Unbedingt.� Er grinste. �Diesmal keine Schnecken.�</p><p>�Gut. Warte im Vorraum auf mich. In zwei Minuten bin ich fertig.� Erregung schwang in ihrer Stimme mit.</p><p>In der Halle war nichts von Venable zu sehen. Er f�hlte sich erleichtert; er war zu gut aufgelegt, um den Abend durch eine Schl�gerei zu zerst�ren. Er wu�te, da� er den kleinen Mann leicht verpr�geln konnte, also w�rde er nach einem Kampf unvermeidlich Schuldgef�hle bekommen.</p><p>Als Charles und Willa das Theater verlie�en, winkte sie Sam Trump zu, der in der Seitenkulisse stand, die Theaterkatze auf dem Arm. Trump unterbrach sein Gespr�ch mit einem B�hnenarbeiter und nickte ihnen zu. Er warf Charles einen merkw�rdigen Blick zu und sah ihnen nach, als sie durch die T�r auf die Olive Street hinausgingen.</p><p>Drau�en auf dem B�rgersteig blieb Charles aus irgendeinem Grund stehen. Sie sagte: �Was ist? Oh.� Jetzt sah sie ihn auch, auf der anderen Stra�enseite im Schatten des h�lzernen Indianerh�uptlings vor einem Tabakladen. Venable sah sich entdeckt, machte auf dem Absatz kehrt und eilte um die Ecke.</p><p>Willa schauderte. �Was f�r ein seltsamer Mensch.�</p><p>�Vielleicht l��t er sich nicht mehr blicken, jetzt, wo ich da bin.�</p><p>�Vorhin vor der Garderobe sah er einen Moment lang so aus, als wollte er dich umbringen, Charles.�</p><p>�Einmal hat er es versucht, es aber nicht geschafft.� Er t�tschelte die behandschuhte Hand auf seinem rechten Arm. �Ich bin f�rs Essen. Das New Planter's House?�</p><p>�Warum nicht? Es ist bequem. Ich bin dorthin gezogen. Jawohl, ich habe die B�hnenr�ume verlassen.� Arm in Arm schlenderten sie durch die n�chtlichen Stra�en. �Das Theater schreibt seit Februar schwarze Zahlen. Nicht �berragend, aber schwarz. Die Truppe hat eine lokale Anh�ngerschaft gewonnen, und so bot mir das Hotelmanagement R�ume zu erm��igtem Preis an. Offensichtlich sind Mr. Trump und Mrs. Parker nun in der ganzen Stadt willkommen.�</p><p>Er gluckste; der leichte Zynismus, den er aus ihren Worten herausgeh�rt hatte, brachte ihm ihre Reife zu Bewu�tsein. Er machte eine diesbez�gliche Bemerkung, als sie in dem vertrauten Speisesaal vor saftigen Wildbretsteaks sa�en. Diesmal hatte er bestellt.</p><p>�Du schmeichelst mir�, sagte sie.</p><p>�Nein. Ich sage die Wahrheit. Du bist nicht nur sehr - nun ja - weltgewandt f�r jemand deines Alters, sondern auch intelligenter als die meisten M�nner, die ich kenne.�</p><p>Mit einer kleinen Geste nahm sie das Lob zur Kenntnis. �Wenn das alles stimmt, wovon ich keineswegs �berzeugt bin, dann liegt es vielleicht daran, da� ich im Theater aufwuchs. Die Theaterst�cke, die ich kannte, machten mir Appetit auf andere B�cher. Und mein Vater war sehr liberal, was die Ausbildung von M�dchen anbelangte.�</p><p>Sie begannen dar�ber zu sprechen, was sie alles seit ihrer letzten Begegnung erlebt hatte. Trumps St.-Louis-Theater hatte nun sein st�ndiges Ensemble zusammen. �Die Schauspieler sind nun bereit, Vertr�ge f�r eine ganze Saison zu unterschreiben, weil ich sie davon �berzeugt habe, da� Sam nicht mehr den gesamten Gewinn vers�uft.� Die Truppe hatte nun ein Repertoire von vier St�cken und dachte �ber eine Tournee nach. �Wu�test du, da� es zwischen hier und Salt Lake City kein einziges anst�ndiges Theater gibt? Ich k�nnte mir vorstellen, da� all diese neuen St�dte, die entlang der Eisenbahn hochschie�en, geradezu ideal f�r eine Truppe mit eigenem Zelt w�ren.�</p><p>�Die Armeeposten ebenfalls�, sagte er. Ein Kellner schenkte duftenden schwarzen Kaffee aus einer Silberkanne ein. �Du liebst dieses Leben, nicht wahr?�</p><p>�Ja, das tue ich. Aber - jetzt werde ich schon wieder schamlos.� Ihre Wangen r�teten sich, als sie ihn anschaute. �W�hrend des Winters habe ich oft an dich gedacht.�</p><p>Dieser Blick entz�ndete etwas in ihm. Er wu�te, da� er nun den R�ckzug antreten sollte, konnte es aber nicht.</p><p>�Ich habe an dich gedacht, Willa.�</p><p>Sie legte ihre H�nde in den Scho�. Sehr ruhig sagte sie: �Ich wei� nicht, was du mit mir machst. Ich zittere wie das M�dchen in der Rolle der Naiven vor ihrem ersten Auftritt. Ich kann den Kaffee nicht trinken. Ich will nichts mehr.� Eine lange Pause. �W�rdest du mich in meine R�ume begleiten?�</p><p>�Ja. Sehr gern.�</p><p>Und so geschah es, viel fr�her, als er erwartet hatte, in dem kleinen, von dem Gaslicht im angrenzenden Wohnzimmer schwach erhellten Schlafzimmer. Voller Erwartung st�hnte sie ein bi�chen auf, als ihre H�nde sich auf die Suche begaben, �berall</p><p>Kleidung verstreuten. W�hrend sie ihr silbernes Haar l�ste und es aussch�ttelte, ber�hrte Charles zart und sanft erst die eine, dann die andere ihrer kleinen, festen Br�ste. �Oh, ich bin so froh, da� es dich in dieser Welt gibt, Charles�, sagte sie, bewegte sich unter ihm, zog ihn zu sich herab. Sie streichelte seine Brust, k��te seinen Hals, suchte seinen Mund. Er f�hlte Tr�nen des Gl�cks auf ihren Wangen.</p><p>�Ich bin gar kein richtig schamloses Frauenzimmer�, fl�sterte sie. �Es hat nur einen Mann gegeben, und da ist's auch nur zweimal passiert, aus Neugier. Es war nichts Halbes und nichts Ganzes, ich besitze also keine Erfahrung. Ich hoffe, das -�</p><p>�Psst�, sagte er und k��te sie. �Psst.�</p><p>Sie war weich und warm - dort, wo er in sie eindrang. Sie bog sich ihm entgegen, als sie ihren gemeinsamen Rhythmus fanden. Ihre Fersen und Waden hielten ihn fest, und er verga� jeden Gedanken an Verstrickungen. Er dachte an nichts weiter als an die offene W�rme dieser einzigartigen, leidenschaftlichen jungen Frau, die in seinem K�rper und seinem Geist das Licht der Liebe entz�ndet hatte.</p><p>Abrupt erwachte er. Er wu�te nicht, wo er war, schlug mit den Armen um sich, drehte sich um; durch die halboffene T�r sah er das vom Gaslicht erleuchtete Wohnzimmer. Seine Bewegungen weckten sie.</p><p>�Alles in Ordnung mit dir?�</p><p>�Ich hatte einen Traum.�</p><p>Zart dr�ckte sich ihre warme Nacktheit gegen ihn. Sie k��te seine Schulter. �War er schlimm?�</p><p>�Ich glaube schon. Habe ihn bereits vergessen.�</p><p>Nach einer Pause sagte sie: �Du hast ein paarmal was gerufen. Einen Namen.� Eine weitere Pause. �Nicht meinen.�</p><p>Erregt st�tzte er sich auf einen Ellbogen. �Nein, nein�, sagte sie, �es ist schon gut, Charles. Du mu�t dar�ber sprechen. Es gibt auch etwas, wor�ber ich sprechen mu�. Morgen�, murmelte sie, zog seinen R�cken gegen ihre nackten Br�ste, schlang die Arme um ihn und strich ihm sanft �ber die Augen.</p><p>Aus Gr�nden der Schicklichkeit kleidete er sich in den fr�hen Morgenstunden an und verlie� das Hotel. Er marschierte tollk�hn, sogar ziemlich l�rmend von der Treppe durch die Hotelhalle. Der Portier �ffnete ein Auge und schlo� es gleich wieder, da Charles offensichtlich nichts zu verbergen hatte.</p><p>Charles nahm sich ein Zimmer in einem billigeren Hotel und fuhr am sp�teren Morgen in einem gemieteten Buggy bei Willa vor. Sie hatte einen Lunchkorb gepackt. Sie fuhren flu�aufw�rts und picknickten in einem h�bschen Ulmen- und Platanenw�ldchen. Das W�ldchen roch nach Minze.</p><p>�Eine Frage, die mir ein bi�chen peinlich ist�, sagte Charles, w�hrend er half, den Korb auszupacken: dicke Wurstscheiben zwischen frischem Brot aus einer der �rtlichen deutschen B�ckereien, ein verkorkter Krug mit sch�umendem Ingwerbier. �Letzte Nacht, war da mein Bart ...? Das hei�t ...�</p><p>�Jawohl, so stachlig wie die Disteln dort dr�ben�, sagte sie neckend. �F�llt dir nicht der viele Puder auf? Du hast untilgbare Spuren deines skandal�sen Verhaltens hinterlassen.�</p><p>Sie dr�ckte sich an ihn, gab ihm einen kleinen Ku�. �Was ich ungemein genossen habe und nicht im geringsten bedaure.� Sie breitete im Schatten ein kariertes Tuch aus. Das Pferd ihres Einsp�nners zuckte mit dem Schwanz, um die Fliegen zu vertreiben. Ein stattlicher Heckraddampfer tauchte im Norden auf, mit Zielrichtung St. Louis. �Ich m�chte dir etwas mitteilen, damit wir keine Geheimnisse voreinander haben. Ich bin nicht ganz freiwillig zu Sams Theater gesto�en, obwohl ich jetzt sehr froh dar�ber bin. Ich war auf der Flucht vor einem Mann namens Claudius Wood.�</p><p>Sie erz�hlte die Geschichte von New York, dem Dolch von &gt;Macbeth&lt;, von Edwin Booths Freundlichkeit. Das gab ihm Gelegenheit, ihr von Augusta Barclay zu berichten und da� sie ein Liebespaar, aber nie verheiratet gewesen seien. Zum Schlu� blieb er ein bi�chen vage und sagte blo�, der Krieg habe sie getrennt, bevor sie starb. Er erw�hnte nichts davon, da� er die Trennung herbeigef�hrt hatte, um ihr Kummer und Schmerzen zu ersparen, falls er get�tet wurde. Ironischerweise war er derjenige, der kummerbeladen zur�ckgeblieben war, auf der Hut vor weiteren emotionalen Verstrickungen.</p><p>Und doch sa� er nun hier.</p><p>W�hrend sie picknickten, wanderte die Sonne weiter. In dem W�ldchen wurde es warm. Schwei� lief Charles �ber den Nacken.</p><p>Willa zog seinen Kopf auf ihren Scho�. Er fragte sie, ob er eine Zigarre rauchen d�rfe, z�ndete sich eine an und sagte dann: �Sag mir, wie du wirklich bist, Willa. Sag mir, was du magst und was nicht.�</p><p>Sie streichelte sanft seinen Bart und dachte dar�ber nach. �Ich mag den fr�hen Morgen. Ich mag die Art, wie sich mein Gesicht anf�hlt, nachdem ich es geschrubbt habe. Ich mag den Anblick schlafender Kinder und den Geschmack wilder Beeren. Ich mag Edgar Allan Poes Verse und Shakespeares Kom�dien. Paraden. Das Meer. Und ich liebe es ganz schamlos, auf der B�hne zu stehen, wenn das Publikum klatscht.� Sie beugte sich herab, um ihn auf die Stirn zu k�ssen. �Ich habe gerade entdeckt, da� ich gerne einschlafe, meine Arme um einen Mann geschlungen. Allerdings nicht irgendeinen Mann. Was die Dinge anbelangt, die ich nicht mag - nun, Dummheit zum Bei-spiel. Unn�tige Unfreundlichkeit in einer Welt, in der es bereits hart genug zugeht. Angeberei. Leute mit Geld, die glauben, ein Mensch werde durch Geld allein wertvoll. Aber vor allem anderen�, wieder ein sanfter Ku�, �mag ich dich. Ich glaube, ich liebe dich. Bei dir habe ich die Maske fallen lassen, die mein Pa mich aufzusetzen gelehrt hat, damit einem das Leben weniger Wunden schl�gt. Ich glaube, ich habe dich vom ersten Augenblick an geliebt.�</p><p>Er sagte nichts, hielt den Blick auf den Flu� gerichtet. Er f�hlte sich, als schwankte er am Rande eines tiefen Abgrunds entlang und k�nnte jeden Moment abst�rzen.</p><p>Sie k��ten sich, murmelten Unverst�ndliches, streichelten sich, bis ihr Atem so hei� wurde wie der strahlende Sommertag. �Liebe mich, Charles�, sagte sie, ihren Mund an seinem Ohr. �Jetzt und hier.�</p><p>�Willa, einmal ist einigerma�en sicher, aber - was ist, wenn du schwanger wirst?�</p><p>�Was bist du doch f�r ein merkw�rdiger Mann. Viele w�rden sich �berhaupt keine Gedanken dar�ber machen. Es gibt viel schlimmere Dinge. Ich w�rde dich nicht mit einem Baby in die Falle locken.� Sie bemerkte seine Reaktion. �Das sorgt dich.�</p><p>�Es �ngstigt mich. Ich k�nnte es nicht ertragen, jemanden zu verlieren, der mir am Herzen liegt. Einmal war genug.�</p><p>�Besser, es liegt einem niemand am Herzen?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt.�</p><p>�Gut. Also keine Schuldgef�hle. Was immer geschieht, es geschieht f�r den Moment.� Wieder k��te sie ihn.</p><p>Als er sie sanft nach hinten dr�ckte, auf die weiche Matte aus braunem Gras und Platanenbl�ttern, da wu�te er, da� sie schon zu weit gegangen waren, als da� noch einer von ihnen unverletzt h�tte entrinnen k�nnen.</p><p>Bis auf Proben oder Auff�hrungen verbrachten sie jede Stunde der n�chsten vier Tage gemeinsam.</p><p>Er berichtete ihr von seinen Erlebnissen bei der Jackson Trading Company und was er �ber Sitten und Gebr�uche der s�dlichen Cheyenne gelernt hatte; wie sein Respekt vor ihnen gewachsen war, ebenso seine Bewunderung vor F�hrern wie Schwarzer Kessel. Sie freute sich, da� er nicht mehr die typisch feindselige Haltung des wei�en Mannes einnahm, eine aus Gier und Mi�trauen erwachsene Einstellung.</p><p>�Wir f�rchten immer das, was wir nicht verstehen�, sagte sie.</p><p>Sie fanden ein Fotoatelier und nahmen f�r ein Portr�t Platz. �Schaut freundlich - freundlich!� schrie der Mann unter der schwarzen Kameraabdeckung hervor. Charles stand neben ihr, eine Hand auf ihre Schulter gelegt; sein Gesicht nahm einen feierlichen Ausdruck an. Willa kicherte aus Nervosit�t und Freude, und der Fotograf mu�te zehn Minuten warten, bis sie sich beruhigt hatte.</p><p>Sie wollte wissen, was f�r eine Sorte Mann er war, was er mochte. Nach der Samstagabendvorstellung von &gt;Richard III.&lt; lag er mit ihr im Bett, dachte eine Weile dar�ber nach und sagte:</p><p>�Ich mag Pferde, gute Zigarren, einen Sonnenuntergang mit einem Glas Whisky in der Hand. Genaugenommen mag ich alles, was ich bis jetzt vom Westen gesehen habe.</p><p>Ich mag die Kraft, die man in den meisten Schwarzen findet. Sie sind �berlebende, K�mpfer. Yankees w�rden nicht glauben, da� ein S�dstaatler so was sagt.</p><p>Ich liebe meine Familie. Ich liebe meinen Sohn. Ich liebe meinen besten Freund Billy, der mit seiner Frau nach Kalifornien gegangen ist.</p><p>Ich ha�te die letzten beiden Kriegsjahre und was sie den Menschen, mich eingeschlossen, angetan haben. Ich hasse die Politiker und die Salonpatrioten, die die Trommel schlugen, bis der Kampf begann. Sie mu�ten nie die Tage und N�chte der Schlacht durchleben, sie mu�ten nie �ber eine offene Wiese auf die feindlichen Stellungen vorst�rmen, sie mu�ten nie mit ansehen, wie ihre Freunde um sie herum fielen, pi�ten nie vor Angst in die Hosen - entschuldige�, sagte er, seine Stimme pl�tzlich leise und heiser.</p><p>Sie k��te seinen Mundwinkel. �Schon gut. Ich m�chte gern deinen Sohn kennenlernen. Darf ich Fort Leavenworth besuchen? Ich k�nnte mit einem Missouri-Dampfer kommen, vielleicht im August. Der August ist der schlechteste Theatermonat. Ich bin mir sicher, da� Sam mit einem Ersatz f�r mich einverstanden ist.�</p><p>Er f�rchtete die weiteren Verwicklungen, sagte aber trotzdem: �Ich w�rde mich freuen.�</p><p>Am Tag danach umarmte und k��te er sie am B�hneneingang und schwang sich dann auf Satan. Pl�tzlich tauchte Amerikas Schauspieleras auf und scheuchte Willa hinein, damit er vertraulich mit Charles sprechen konnte. Trump trat dicht an den t�nzelnden Schecken heran. �Was ich Ihnen zu sagen habe, Sir, ist ganz einfach. Sie m�gen vielleicht glauben, ich sei ein kraftloser Schw�chling, weil ich Schauspieler bin. Ganz im Gegenteil. Ich bin erst f�nfzig und im besten Alter.�</p><p>Er streckte mit geballter Faust seinen Unterarm empor. Charles h�tte gelacht, w�re nicht der ernste Gesichtsausdruck des Schauspielers gewesen. Trump packte Satans Zaumzeug und schob das Kinn vor.</p><p>�Willa hat sehr viel f�r Sie �brig, Mr. Main. Eine Marmorstatue k�nnte das sehen. Sch�n und gut. Sie ist ein wunderbares M�dchen und ich liebe sie wie meine eigene Tochter. Wenn Sie also nur mit ihr herumspielen - wenn Sie sie in irgendeiner Weise verletzen sollten und Gott sei mein Zeuge�, wieder die geballte Faust, �dann werde ich Sie zerschmettern, Sir. Ich werde Sie finden und zerschmettern.�</p><p>�Ich habe nicht vor, sie zu verletzen, Mr. Trump.�</p><p>Der Schauspieler lie� das Zaumzeug los. �Dann w�nsche ich Ihnen eine gute Reise. Mit meinem Segen.�</p><p>Aber in irgendeiner Weise w�rde er sie verletzen m�ssen, das wurde Charles klar, als er in westlicher Richtung aus der Stadt trabte. Er war in sie verliebt, und das verwirrte ihn; auf eine vage, verschwommene Art war er �rgerlich mit sich, da� er es soweit hatte kommen lassen, da� er <emphasis>gewollt</emphasis> hatte, da� es soweit kam. Doch das war nun der Fall. Also mu�te er es r�ckg�ngig machen, und zwar schon bald.</p></section><section><title><p id="bookmark30"><strong>22</strong></p></title><p>�ls Charles in Fort Leavenworth angekommen war, erz�hlte ihm Duncan, da� Johnson Ende Juli ein Gesetz unterzeichnet habe, durch das die Anzahl der Infanterieregimenter von neunzehn auf f�nfundvierzig angehoben w�rde; und was f�r den Westen mit seinen gewaltigen Entfernungen noch wichtiger war, die Kavallerieregimenter waren von sechs auf zehn verst�rkt worden.</p><p>Der Brigadier, der nun den olivgr�nen Besatz der Divisionsabteilung des Zahlmeisters trug, befand sich wegen der Neuigkeiten in heller Aufregung. �Das bedeutet, da� wir n�chstes Jahr gegen�ber den feindlichen St�mmen m�chtig auftrumpfen k�nnen.�</p><p>Charles kaute auf einer kalten Zigarre herum und sagte nichts. Wie Sherman, so glaubte auch Jack Duncan, da� die St�mme unweigerlich in Reservation getrieben werden mu�ten, wenn man den Westen f�r Siedler und den Handel sichermachen wollte. Duncan sah in dieser Besetzung von Indianerland nichts Unrechtes, und da Charles wu�te, da� er Duncans Einstellung nicht �ndern konnte, versuchte er es gar nicht erst. Statt dessen k�ndigte er Willas bevorstehenden Besuch an.</p><p>�Ah�, sagte Duncan l�chelnd.</p><p>�Was soll das hei�en - ah? Sie kommt nicht blo� mich besuchen. Sie m�chte sich Hallen anschauen, die die Truppe f�r eine Tournee mieten k�nnte.�</p><p>�Oh, nat�rlich�, sagte Duncan n�chtern. Es freute ihn, wie Charles auf jede Neckerei reagierte. Vielleicht wich die Verzweiflung allm�hlich von dem jungen Mann, die ihn so lange bedr�ckt hatte.</p><p>Willa kam Ende August an. Sie hatte bereits Kansas besucht -einige nannten die Stadt Kansas City -, das am gegen�berliegenden Ufer des Missouri lag. Sie meinte, Frank's Hall in Kansas g�be einen idealen Zuschauersaal ab.</p><p>Duncans Residenz im Offiziersquartier enthielt einen zus�tzlichen Raum, den Maureen ben�tzte. Hier schlief auch der kleine Gus in einem selbstgebastelten Kinderbettchen. Sie lud Willa ein, das Bett mit ihr zu teilen, was die junge Schauspielerin sofort akzeptierte. Maureen fand lobende Worte �ber Willas Anpassungsf�higkeit; tats�chlich f�gte sie sich auch nahtlos ein. Sie plauderte locker �ber Sam Trump und das Theater und lauschte aufmerksam den Erz�hlungen �ber das Armeeleben und das Indianerproblem. Sie verbarg nicht, da� sie auf Seiten der Indianer stand, gegen die gro�e Mehrheit der Siedler und der Berufsoffiziere der Armee. Es reizte Duncan nicht so sehr, wie Charles erwartet hatte. Der Brigadier diskutierte mit Willa, respektierte sie aber eindeutig als intelligenten Kontrahenten.</p><p>Am ersten Abend schenkte Duncan, nachdem sich die Frauen zur�ckgezogen hatten, zwei Whiskys im Wohnzimmer ein. Durch das offene Fenster drang der kr�ftige Sauerteiggeruch von der nahegelegenen B�ckerei. Ein paar Minuten lang beklagte sich Duncan �ber die Zahlmeisterabteilung. Es war eine undankbare Aufgabe; die Offiziere, die mit den L�hnen der Soldaten von Fort zu Fort unterwegs waren, konnten nie schnell genug reiten, um die M�nner zufriedenzustellen.</p><p>Unvermittelt sagte er: �Das ist eine nette junge Frau. Ein bi�chen sehr offen in ihren Vorstellungen, das ist klar. Aber sie w�re eine gro�artige .�</p><p>�Freundin�, sagte Charles, auf seine Zigarre bei�end.</p><p>�Genau.� Duncan beschlo�, Willas Sache im Augenblick nicht weiter zu f�rdern. Charles schaute wild und grimmig drein. Vielleicht war er doch noch nicht bereit f�r das normale Leben.</p><p>Am letzten Tag ihres Besuchs spazierten Charles und Willa im Schatten von Eichen und Pappeln an der Klippe oberhalb der Dampferanlegestelle des Forts entlang. Gus ritt auf den Schultern seines Vaters und betrachtete von seinem Thron aus mit gl�cklichen Augen die Welt. Sanfte Laute trieben durch die sonnt�gliche Luft: die fernen Anfeuerungsrufe der baseballspielenden Soldaten; das Klatschen der Wasserpumpe des Postdampfers.</p><p>Willa war nerv�s und ein bi�chen ungl�cklich. Hier im Fort war Charles weniger offen als in St. Louis. Sie liebte ihn, aber sie wu�te auch, da� sie es besser nicht so oft aussprach. Der d�stere, ersch�pfte Blick, der gelegentlich in seinen Augen auftauchte, besagte deutlich, da� er f�r eine tiefe emotionale Bindung noch nicht bereit war.</p><p>Doch sie war einfach nicht in der Lage, selbst Desinteresse vorzut�uschen. Im Schatten der in der leichten Brise raschelnden Bl�tter nahm sie Charles' Sohn in die Arme. Da ruhte er zufrieden, schaute �ber ihre Schulter auf die Eichh�rnchen in den �sten.</p><p>�Gus ist ein wunderbarer Junge�, sagte sie. �Du und seine Mutter, ihr habt einen feinen Sohn in die Welt gesetzt.�</p><p>�Danke.� Charles starrte auf den glitzernden Flu�, hundertf�nfzig Fu� unter ihnen. Der gesunde Menschenverstand sagte Willa, sie solle ihn nicht weiter bedr�ngen. Aber sie liebte ihn so sehr.</p><p>�Das war ein gro�artiger Besuch. Ich hoffe, ich werde wieder eingeladen.�</p><p>�Aber sicher, wenn es dir pa�t.�</p><p>Gus legte seinen Kopf auf Willas Schulter und steckte seinen Daumen in den Mund. Er schlo� die Augen, und sein Gesicht nahm einen weichen, gl�ckseligen Ausdruck an. Willa ber�hrte Charles' �rmel. �Du behandelst mich, als h�tten wir uns eben erst kennengelernt.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Das wollte ich nicht, Willa. Ich habe blo� so das Gef�hl, als wollten Jack und Maureen uns - na ja -zusammenbringen. Das ist nicht gut. �bern�chste Woche treffe ich mich mit Holzfu� in Fort Riley. Ich habe es zuvor schon gesagt: Der Handel ist nicht gerade die sicherste Arbeit, auch wenn die meisten der s�dlichen Cheyenne Freunde meines Partners sind. Ich m�chte mich nicht binden. Angenommen, wir ziehen in einer Saison los und kommen nie zur�ck. Es w�re dir gegen�ber nicht fair.�</p><p>Ihre blauen Augen funkelten. �Oh, komm, Charles. Das Leben steckt voller Risiken. Wen willst du wirklich schonen, mich oder dich?�</p><p>Er sah sie an. �Also gut. Mich. Ich m�chte nicht noch mal das durchmachen, was ich durchgemacht habe.�</p><p>�Glaubst du, ich bin so zart? Krank? Glaubst du, ich werde morgen zusammenbrechen und du verlierst mich? �brigens, ich bin nicht schwanger.� Der Gebrauch dieses unaussprechlichen Wortes schockierte ihn. �Ich habe schon einiges mitgemacht. Deine Ausrede taugt nichts.�</p><p>�Ich kann nicht anders.�</p><p>�Und ich dachte immer, Frauen seien das wankelm�tige Geschlecht.�</p><p>Er wandte sich ab, starrte wieder auf den Flu�. Die k�hle Brise f�chelte seinen Bart. Die tiefstehende Sonne lie� Willas Haare wie feines Wei�gold aufgl�hen. �Charles, was um Gottes willen hat dir der Krieg angetan?�</p><p>Er gab keine Antwort.</p><p>Seine steinerne Haltung brachte sie aus der Fassung, machte sie aber auch zugleich zornig. �Wir k�nnen Freunde sein gelegentlich mal ein Liebespaar -, sonst nichts?�</p><p>Er schaute sie an. �Ja.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, wie ich dazu stehe und ob es mir gef�llt. Ich werde es dir sagen, wenn du von deinem n�chsten Trip zur�ckkommst. Wenn du nichts dagegen hast, w�rde ich jetzt gern zum Quartier des Brigadiers zur�ckgehen. Es ist k�hl geworden.� Sie hob Gus hoch, reichte ihn seinem Vater und ging davon.</p><p>Sie ha�te es, da� der Besuch mit einem solchen Mi�ton enden sollte, aber das tat er. Als sie sich auf dem Landesteg verabschiedeten, k��te er sie auf die Wange, ein gutes St�ck entfernt von ihrem Mund. Er sagte nichts davon, ob er im Fr�hjahr zu Besuch nach St. Louis kommen w�rde, sondern dankte ihr lediglich f�r ihren Besuch. Der kleine Gus winkte und winkte, als sie an Bord des Heckraddampfers ging.</p><p>Der Dampfer w�hlte sich in die Str�mung, und Willa sah zu, wie Mann und Junge immer kleiner wurden. Charles schaute ungl�cklich und verwirrt drein. Genau so f�hlte sie sich auch.</p><p>Doch es lie� sich nicht leugnen, da� sie verliebt war. Sie w�rde also nicht aufgeben.</p><p>Es w�rde ein langer Winter werden.</p><p>Der August schwand dahin, und Charles wurde immer ungeduldiger. Er brach einen Tag zu zeitig auf; sein einziges Bedauern galt Gus. Der Junge nannte ihn nun Pa und kam bereitwillig in seine Arme. Charles war traurig, da� sich der ganze Proze� wiederholen w�rde und er sich im n�chsten Fr�hjahr erst wieder mit dem Jungen vertraut machen mu�te. Was Willa anbelangte, so versuchte er seine Gef�hle f�r sie zu unterdr�cken und hoffte, da� er ihr klargemacht hatte, da� jede engere Beziehung unm�glich war.</p><p>An einem sonnigen Nachmittag sagte er dem Brigadier und Maureen auf Wiedersehen. Maureens letzte Worte klangen scharf: �Sie sollten das M�dchen heiraten, Sir. Sie sagte, es gebe keinen Mr. Parker mehr, und sie ist eine gro�artige Person.�</p><p>Ziemlich schroff erwiderte Charles: �H�ndler geben keine guten Familienv�ter ab.�</p><p>Am ersten Tag kam er nicht so weit, wie er geplant hatte. Am sp�ten Nachmittag, w�hrend er durch Salt Creek Valley, Kicka-poo Township, ritt, verlor Satan ein Hufeisen. Als der �rtliche Schmied es ersetzt hatte, ging die Sonne unter. Charles logierte im Golden Rule House, �ber das Duncan voller Begeisterung gesprochen hatte:</p><p>�Es hat erst vor kurzem er�ffnet, aber es ist schon den ganzen Flu� rauf und runter ber�hmt. Der Besitzer ist ein gro�z�giger junger Bursche. Wenn er sich selbst ein paar hinter die Binde gegossen hat, berechnet er dir f�r deine Mahlzeit den halben Preis und schenkt dir den Whisky umsonst aus. Wenn er so weitermacht, wird er bald pleite sein. Aber solange es anh�lt, ist es ganz gro�artig.�</p><p>Es stimmte. In dem Haus herrschte eine l�rmige, gesellige Atmosph�re. Der Besitzer, obwohl erst zwanzig, geh�rte zu jenen Originalen, die dem Westen sein Flair gaben. Der junge Mann aus Kansas, der gegen sechs Uhr schon ganz ordentlich unter Alkoholeinflu� stand, unterhielt seine G�ste mit einer langen Geschichte, in der es darum ging, da� er einmal eine �berlandkutsche gefahren hatte und pl�tzlich von einer gewaltigen Sioux-Bande angegriffen worden war. Er behauptete, er habe sie mit einer Mischung aus gebr�llten Drohungen und Gewehrfeuer vertrieben und so die Kutsche mitsamt den Fahrg�sten gerettet.</p><p>Charles teilte sich einen Tisch mit einem riesigen, freundlichen Mann in seinem Alter, der sich als Henry Griffenstein vorstellte. Er sagte, er stamme aus einer der deutschen Siedlungen oberhalb des Missouri, bekannt als Kleines Rheinland.</p><p>�Meine Freunde nennen mich deshalb Dutch Henry. Momentan f�hre ich Wagen nach Santa Fe. Wer wei�, was ich n�chstes Jahr machen werde?�</p><p>Charles kaute an einem St�ck B�ffelsteak, deutete dann mit der Gabel auf den redefreudigen jungen Mann hinter der Bar. �Ich glaub' die Story zwar nicht, vor allem, da� er einen Haufen Sioux in die Flucht geschlagen hat, aber er ist ein verdammt guter Geschichtenerz�hler.�</p><p>�Und auch ein verdammt guter Kutschenfahrer�, sagte Dutch Henry. �Au�erdem hat er Frachtwagen gefahren und war Scout f�r die Armee. Mit vierzehn Jahren ist er Pony Express geritten - behauptet er.�</p><p>�Wie ist er ins Hotelgesch�ft gekommen?�</p><p>�Er und Louisa er�ffneten das Haus hier, nachdem sie sich im Januar zusammengetan hatten. Ich glaube nicht, da� er so lange durchh�lt. Er ist zu voll mit Ingwerbier. Von der Gabe des Mundwerks mal ganz abgesehen.�</p><p>�Kommt her, Jungs�, br�llte der junge Mann und winkte seine G�ste heran. �Ich erz�hle euch, wie's im Krieg bei der Se-venth Kansas Cavalry war. Jennison's Jayhawkers. Wirklich schwere Kaliber. Wir - wartet, erst noch eine Runde.�</p><p>Sichtbar schwankend schenkte er seinen Zuh�rern gro�z�gig Drinks ein. So wie er seinen Whisky kippte, sch�tzte Charles ihn selbst als schweres Kaliber ein.</p><p>�Wie war doch gleich sein Name?� fragte er Dutch Henry.</p><p>�Cody. Will F. Cody.�</p><p>Ein Packmuli hinter dem anderen, so ritt die Jackson Trading Company �ber die herbstliche Pr�rie, auf das Land hinter dem dunstigen blauen Horizont im S�den zu. Sie ritten neben dem gleichen zertrampelten B�ffelpfad, dem sie schon im letzten Jahr ins Indianerterritorium gefolgt waren. Im Nordwesten rasten dunkelgraue Wolken �ber den Himmel. Ungef�hr jede halbe Minute blitzte es in den Wolken wei� auf.</p><p>Das Land hier zog sich wellenf�rmig hin, eine Reihe sich erhebender H�gel, keiner h�her als sechs Fu�. Es war sp�ter Nachmittag. Vor zwei Tagen hatten sie ungef�hr zur gleichen Zeit die Smoky Hill Road �berquert, auf der immer noch Wagen nach Westen polterten, so schnell es ihre Fahrer schafften. In der k�hlen Septemberluft konnte man den Winter riechen. In Fort Riley hatte ein Offizier Charles erz�hlt, da� den Sommer �ber so ungef�hr hunderttausend Auswandererwagen durchgekommen sein mu�ten.</p><p>Der Wind wurde st�rker. Das trockene, spr�de Gramagras, das Satan bis an die Knie reichte, wogte und brodelte. Charles merkte, da� der Schecke nerv�s war. Die anderen Tiere ebenfalls, Fen eingeschlossen. Der Collie rannte st�ndig bellend in Kreisen vor ihnen herum.</p><p>Der Hund verschwand hinter dem n�chsten H�gelkamm. Nur die Bewegung des Grases markierte seine Spur. Charles stoppte, bemerkte noch mehr Bewegung im Gras. Es wogte, als w�rde ein unsichtbarer Mann auf sie zugerannt kommen.</p><p>�Es ist Fen�, sagte Holzfu�. �M�chte wissen, was zum Teufel er hat?� Er griff nach seinem Gewehrfutteral. �Boy, halt dich dicht an mich.�</p><p>Boy dr�ngte sein Pferd n�her an den H�ndler heran. �Ich schaue mal nach�, sagte Charles und ber�hrte Satan mit seinen Stiefelabs�tzen.</p><p>Der Schecke trottete ungef�hr f�nfzig Fu� bis zum H�gelkamm. Dreck und vom Wind gepeitschte Grashalme flogen Charles in die Augen. Er kniff sie zusammen und sch�tzte sie mit einer Hand, als er �ber den Kamm ritt.</p><p>Unten sa�en neun M�nner in einer Linie auf ihren Ponys und warteten.</p><p>Von der Mitte her starrte Narbengesicht zu ihm hoch. Er und die anderen trugen mit roter Farbe bemalte Leggings; auf Ge-sicht, Arme und nackte Brust hatten sie ebenfalls rote Farbe aufgetragen. Jeder trug eine Kappe der Hundegemeinschaft, mit einem schmalen, perlenbesetzten Band und den Federn eines Adlers und eines Raben; die Federn waren geb�ndelt und zusammengeschn�rt, so da� sie steil nach oben ragten. Jeder Mann hatte eine Pfeife aus Adlerknochen an einem Lederriemen um den Hals h�ngen und war mit Pfeil und Bogen sowie einem Gewehr oder einer Muskete bewaffnet, �ber und �ber mit Kriegsinsignien bemalt.</p><p>Narbengesicht sah, wie in Charles die Erkenntnis aufd�mmerte. Er grinste und schwenkte sein Gewehr auf und nieder. Die anderen bellten und heulten.</p><p>Holzfu� und Boy schlossen zu Charles auf. �Oh, mein Gott, Charlie, das ist kein Zufall. Ich h�tte ihm den Lendenschurz nicht abrei�en sollen. Er hat den ganzen Sommer auf uns gewartet. Er wu�te, da� wir wahrscheinlich auf diesem Weg zur�ckkehren w�rden.�</p><p>Charles wollte gerade fragen, ob sie eine Unterredung signalisieren sollten. Der Knall eines Indianergewehrs lie� allein die Idee schon n�rrisch erscheinen.</p><p>DIE TOUR DES PR�SIDENTEN</p><p>Auf dem Weg von Buffalo nach Cleveland.</p><p>Ein freudiges Auf-Wiedersehen von den Einwohnern von Buffalo.</p><p>Begeisterte Demonstrationen in Silver Creek und Erie.</p><p>Gro�e Feier bei den Western-Reserve-Radikalen.</p><p>Sondermeldung an die <emphasis>New York Times</emphasis> Cleveland, Ohio, Montag, 3. September</p><p>Die Begeisterung der Menschen w�chst, je l�nger die Tour der Truppe des Pr�sidenten dauert ...</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>September 1866. Sims Junge Pride brachte mir einen weiteren dieser �belriechenden Felsbrocken, diesmal von seinem eigenen Land. Ich sagte ihm, ich wisse nicht, was es sei. Mu� Cooper fragen, falls er sich je wieder herabl��t, uns zu besuchen</emphasis> ...</p><p><emphasis>Judith und Marie-Louise sind heute hier. M.-L. bl�ht und gedeiht! Sie ist jetzt schon stattlicher als ihre Mutter. Judith meint, sie sei in einen Jungen aus Charleston verknallt, aber C. h�lt sie f�r zu jung und erlaubt dem Jungen nicht, sie zu besuchen oder ihr kleine Geschenke zu schicken. Wenn M.-L. etwas �lter und selbstsicherer ist, dann werden sie und C. sicherlich miteinander Streit bekommen, wenn es um ihre Verehrer geht.</emphasis></p><p><emphasis>Judith sagt, C. lobe den Pr�sidenten, seit dieser beschlossen hat, sich gegen seine bei der Gesetzgebung erlittenen Niederlagen zu wehren und den Fall dem Volk vorzutragen. Johnson macht momentan gerade eine &gt;Goodwilltour&lt;, mit Grant und anderen Gener�len und W�rdentr�gern im Schlepptau.</emphasis></p><p>Andrew Johnson und seine Truppe fielen in Ohio ein, dem Heimatstaat von Ben Wade, Stanleys m�chtigem Freund und zeitweiligem Wohlt�ter. In Cleveland, das zu den gro�en Stationen der Tour z�hlte, wurde der Pr�sident von einer gro�en, freundlichen Menschenmenge am Bahnhof begr��t. Drau�en dr�ckte eine spezielle Dekoration �ber der Stra�e Unterst�tzung f�r seinen Besuch aus. &gt;die verfassung&lt;, hie� es da, Washington GR�NDETE SIE. LINCOLN VERTEIDIGTE SIE. JOHNSON WIRD SIE BEWAHREN^</p><p>Johnson zeigte sich erfreut. Von da an begann die Wende zum Schlechteren.</p><p>In der D�mmerung eilte der Boy General zusammen mit Au�enminister Seward den Korridor des Kennard-Hotels in Cleveland entlang. Am Nacken des Ministers waren immer noch die roten Narben von der Messerattacke zu sehen, die einer von John Wilkes Booths Mitverschw�rern gegen ihn gef�hrt hatte, am gleichen Abend, an dem Lincoln erschossen worden war.</p><p>Der Boy General war nerv�s. Das hier war Ben Wades Land; Radikalenland. Der Pr�sident hatte sich f�r den Schienenweg entschieden, weil er den Grundstein f�r ein Stephen-DouglasDenkmal in Chicago legen wollte. Hier stoppte er eigentlich nur, um die Republikaner zu attackieren.</p><p>Die Strategie h�tte wom�glich funktioniert, h�tte nicht ein gro�es Pressekontingent, einschlie�lich Mr. Gobrights von Associated Press, den Pr�sidenten begleitet. Die Reporter wollten bei jedem Stopp einen neuen Bericht losjagen, deshalb war es f�r Johnson unm�glich, jedesmal die gleiche vorbereitete Rede zu halten. So war er gezwungen, das zu tun, was er so schlecht konnte - aus dem Stegreif reden.</p><p>Die Spannung des Boy General zeigte sich in seinem federnden Schritt und den huschenden Blicken seiner blauen Augen. George Armstrong Custer, hager und von einer Aura schwung-voller Energie umgeben, trug einen gutgeschnittenen Zivilanzug, der seine schlanke Figur vorteilhaft zur Geltung brachte. Kleine, goldene Sporen klingelten an seinen polierten Stiefeln. Libbie dr�ngte ihn stets, Sporen zu tragen, um die Leute an seine Kriegserfolge zu erinnern.</p><p>Seine Heldentaten waren eine Zeitlang das Tagesthema im ganzen Land gewesen - ein verwegener Kavalleriegeneral mit einem bemerkenswerten Siegestalent. Custers Gl�ck, so hatte es jemand getauft. Wie ein Zauberstaub hatte es ihm w�hrend des ganzen Krieges angehangen und ihm Erfolg auf dem Schlachtfeld und Ruhm in der Presse eingebracht.</p><p>Dann kam der Friede, die Armee schrumpfte, und er verschwand in der Versenkung. Als er vor einigen Monaten aus der Armee ausgetreten war, hatte er den Rang eines Captain innegehabt.</p><p>Jetzt stand er am Anfang eines langen, aber zielgerichteten Weges, der ihn wieder ins Rampenlicht f�hren sollte. Bei einem wichtigen Treffen mit Kriegsminister Stanton hatte er f�r seinen loyalen Bruder Tom den Rang eines Captain und f�r sich den Rang eines Lieutenant Colonel herausgeschlagen. Beides galt f�r die neuen Regimenter im Westen. Bald schon w�rde er seinen Dienst bei der Seventh Cavalry aufnehmen.</p><p>Er hielt das f�r eine gute Gelegenheit, denn der Kommandeur des siebten Regiments, General Andrew Jackson Smith, war ein Veteran mit drei�ig Dienstjahren auf dem Buckel - ein alter, m�der, eitler Mann. Auf Smith lastete die Verantwortung f�r den ganzen Bezirk Upper Arkansas, und so nahm Custer an, da� er nicht jeden Tag das Kommando bei der Siebten f�hren konnte. Das waren die idealen Voraussetzungen f�r ihn, um sich ein eigenes Regiment aufzubauen.</p><p>Er betrachtete die Siebte allerdings nicht als Endziel. Politiker traten jetzt schon f�r Grant als Pr�sidentschaftskandidaten ein, und Libbie Custer hatte daf�r gesorgt, da� sich der Blick ihres Mannes ebenfalls auf dieses hohe Amt richtete. Er war fasziniert davon, stimmte allerdings mit Libbie darin �berein, da� er irgendwelche spektakul�ren milit�rischen Erfolge ben�tigte, die ihn wieder als hellen Stern erstrahlen lassen w�rden. In der Zwischenzeit konnte er seinen Ruf aufpolieren, indem er die Tour mit Johnson mitmachte. Zumindest hatte er das am Anfang geglaubt; jetzt hatte die Tour eine Wendung zum Schlechteren genommen.</p><p>Custers lange, wellige Lockenpracht umtanzte seine Schultern; sein Blick flog voraus auf die offenen T�ren des Salons. Er ersp�hte Minister Welles, Admiral Farragut und andere W�rdentr�ger. Unter der Vorgabe, sich nicht wohl zu f�hlen, war Grant schon nach Detroit vorausgeeilt. Insgeheim war Custer davon �berzeugt, da� die Indisposition von einer Flasche herr�hre -oder vielleicht von den Ger�chten, da� es in Cleveland �rger geben k�nnte.</p><p>Der siebenundzwanzigj�hrige Soldat hoffte, die Ger�chte w�rden sich als falsch erweisen. Ohio war sein Heimatstaat; er hatte die S�dstaatler schon immer gemocht, selbst wenn er gegen sie gek�mpft hatte. Er hatte ein Kommando in einem der neuen farbigen Regimenter, dem Neunten, glatt verweigert, und er hegte die �berzeugung, da� die Republikanische Partei lieber untergehen sollte, anstatt ihren Erfolg ausschlie�lich mit den Stimmen der Exsklaven zu suchen.</p><p>Nahe der Salont�ren sagte Custer zu Seward: �Glauben Sie, Herr Minister, man sollte den Pr�sidenten noch einmal zur Vorsicht mahnen? An Senator Doolittles Warnung erinnern?� In einem vertraulichen Memo hatte Doolittle festgestellt, da� Johnsons Feinde nie Vorteile aus seinen niedergeschriebenen Ansichten ziehen konnten, sondern stets nur aus seinen spontanen Antworten auf irgendwelche Fragen oder Angriffe.</p><p>�Ich werde mich darum k�mmern, George�, sagte Seward.</p><p>Sie betraten den Salon. Modisch gekleidete M�nner und Frauen umringten den Pr�sidenten und eine junge Frau, die eine gewisse �hnlichkeit mit ihm besa� - Mrs. Martha Patterson, seine Tochter. Sie hatte f�r Johnson die Rolle der Gastgeberin �bernommen, da dessen Frau Eliza invalid war.</p><p>W�hrend Seward sich an den Pr�sidenten heranschob, schlug Custer einen Bogen zu den hohen Fl�gelfenstern. Er studierte die Menge unten. Ungef�hr dreihundert, sch�tzte er, und es wurden laufend mehr. Er lauschte dem einheitlichen Stimmengewirr. L�rmend, aber nicht sonderlich freudig. Die Leute am Bahnhof hatten viel gelacht.</p><p>Er trat in die Mitte der Balkont�r. Wie erwartet, reagierte die Menge darauf.</p><p>�Da ist Custer!�</p><p>Das l�ste einige Pfiffe und Beifall aus. Er wollte gerade winken, hielt sich aber zur�ck, als er Buhrufe h�rte. Sein normalerweise r�tliches Gesicht verdunkelte sich, und er trat hastig zur�ck. Vielleicht sollte er, genau wie Grant, die Stadt verlassen.</p><p>Libbie schwebte in den Raum, zog wie stets die Aufmerksamkeit auf sich. Was f�r ein herrliches Wesen er doch geheiratet hatte, dachte er und ging auf sie zu. Lebhafte dunkle Augen, �ppiger Busen und eine Taille, um die sie andere Frauen beneideten.</p><p>Sie nahm seinen Arm und fl�sterte: �Wie ist die Menschenmenge, Autie?�</p><p>�Nicht freundlich. Wenn er mehr tut, als ihnen nur zu danken, dann ist er ein Narr.�</p><p>L�chelnd f�hrte er seine Frau zu der gro�en Gruppe. �Herr Pr�sident�, sagte er voller W�rme, �guten Abend!�</p><p>Die Menge in der St. Clair Street wurde allm�hlich ungeduldig. Die vor dem Kennard-Hotel gespannten Lampions warfen ein bl��liches Licht auf die emporgerichteten Gesichter, darunter viele h��liche Gesichter, in denen sich die �ble Stimmung widerspiegelte.</p><p>Ein Mann ganz hinten in der Menge beobachtete die Leute sorgf�ltig. Er trug einen sch�bigen Umhang und eine Armeem�tze der Union mit den gekreuzten Kanonen der Artillerie. Ein anderer Mann schl�pfte neben ihn. �Alle an Ort und Stelle�, sagte der zweite Mann.</p><p>�Gut. Ich hoffe, sie wissen, was sie zu tun haben.�</p><p>�Ich bin's noch mal mit ihnen durchgegangen, bevor ich sie bezahlt habe.�</p><p>Minister Seward erschien auf dem Balkon und k�ndigte den Pr�sidenten an. Der untersetzte, dunkelh�utige Andrew Johnson kam heraus und hob die Arme, um sich f�r den sp�rlichen Applaus zu bedanken.</p><p>�Meine Freunde und W�hler, ich danke Ihnen f�r den herzlichen Empfang in Cleveland. Ich habe nicht die Absicht, eine Rede zu halten.�</p><p>Der Mann mit der Feldm�tze grinste. Der Idiot sagte fast immer dasselbe, warf seinem Publikum ein Stichwort hin. Einer der angeheuerten M�nner nahm es auf. �Dann tu's halt nicht.�</p><p>Gel�chter. Klatschen. Johnson packte das Balkongel�nder. �Ihr Schreih�lse scheint mich �berallhin zu verfolgen. Bringt wenigstens soviel H�flichkeit -�</p><p>�Wo ist Grant?�</p><p>�Ich bedaure, da� General Grant nicht an meiner Seite sein kann. Er -� Gejohle verschluckte den Rest.</p><p>�Warum wollen Sie nicht, da� Farbige im S�den w�hlen k�nnen?� br�llte jemand.</p><p>Seward ber�hrte Johnson am �rmel, um ihn zu warnen. Der Pr�sident zog den Arm weg. �Kehrt erst mal vor eurer eigenen T�r!� schrie er. �La�t eure eigenen Neger hier in Ohio w�hlen, bevor ihr euch daf�r stark macht, das Wahlrecht im S�den zu verbreiten.�</p><p>Von verschiedenen Seiten begann es Zwischenrufe zu hageln:</p><p>�Du hast ja kein R�ckgrat.�</p><p>�Gef�ngnis ist zu gut f�r Jeff Davis!�</p><p>�H�ngt ihn. H�ngt ihn!�</p><p>Johnson explodierte. �Warum h�ngt ihr nicht Ben Wade?� Laute Buhrufe, die den Pr�sidenten nur befl�gelten. �Warum h�ngt ihr nicht Wendell Phillips und Thad Stevens, wenn ihr schon dabei seid? Ich sage euch eins. Ich habe Verr�ter im S�den bek�mpft, und ich bin bereit, sie auch im Norden zu bek�mpfen.�</p><p>�Du bist der Verr�ter!� �berbr�llte jemand das Gejohle und Gezische. �Du und deine National Union Party. Verr�ter!�</p><p>Die Schm�hung brachte den Pr�sidenten in Rage. Er drohte dem Mob mit einem Finger. �Wer immer das gesagt hat, er soll sich zeigen. Nein, nat�rlich wird er das nicht. Falls er jemanden erschie�en will, dann wird er das im Dunkeln tun, von hinten.�</p><p>Ein Tumult brach los. Johnson, der nun endg�ltig die Beherrschung verlor, �berschrie ihn:</p><p>�Das hat der Kongre� auf dem Gewissen. Der Kongre� hat euren Geist vergiftet, aber nichts getan, um die Union wiederherzustellen. Statt dessen teilen sie das amerikanische Volk, Eroberer gegen Eroberte, Republikaner gegen Demokraten, Wei�e gegen Schwarze. H�tte Abraham Lincoln das erlebt, dann m��te auch er die b�sartige Feindseligkeit der nach Macht gierenden radikalen Clique erdulden.� Au�er sich bem�hte sich Se-ward, ihn hineinzuziehen. �. dieser Kr�merseelen des Hasses, die nun den Kongre� und den Senat kontrollieren und die auch mich einzusch�chtern und zu kontrollieren versuchen.�</p><p>�L�gner!� br�llte jemand. Johnsons Kinnlade bewegte sich, aber in dem wachsenden L�rm konnte ihn niemand h�ren. Er sch�ttelte drohend eine Faust. �L�gner, L�gner�, skandierten sie unten, von Mal zu Mal lauter.</p><p>Hinten in der Menge erlaubte sich der Mann mit der Feldm�tze, der auf Anweisung einer Mittelsperson die Leute angeheuert hatte, ein L�cheln. Der Plan hatte perfekt funktioniert. Johnson tobte vor Wut; um Mitternacht w�rden die Reporter bereits jedes Wort dieses Debakels durchgegeben haben. Johnson war so n�rrisch zu glauben, er k�nne Wade ungestraft angreifen. Der Mann mit der Feldm�tze war �berzeugt davon, da� der Senator die St�rungen arrangiert und bezahlt hatte, obwohl es nat�rlich keine direkte Verbindung zu ihm gab. Daf�r waren schlie�lich Mittelsm�nner da.</p><p>�L�gner! L�gner! L�gner! L�gner!�</p><p>Das Gebr�ll hatte f�r ihn einen lieblichen Klang; es bedeutete einen gro�z�gigen Bonus. Der Mann mit der Feldm�tze entfernte sich eilig von der gr�hlenden Menge. Am Telegraphenschalter des Bahnhofs griff er zu Block und Bleistift und verk�ndete dem Mittelsmann, der ihn angeheuert hatte, seinen Erfolg. In die erste Zeile schrieb er in Druckbuchstaben</p><p>MR. S. HAZARD, WASHINGTON, D.C.</p><p><emphasis>...Es hat den Anschein, als w�rde Mr. Johnsons Tour in einer Katastrophe enden. Es ist traurig und merkw�rdig zugleich, da� dieses ersch�pfte Land der gro�e Preis ist, um den so heftig gek�mpft wird. Ein Krieg hat lediglich zum n�chsten gef�hrt...</emphasis></p><p><emphasis>... Letzte Nacht ein weiterer Attentatsversuch gegen die Schule.</emphasis></p><p><emphasis>Bei schlechtem Wetter werden die Fenster durch L�den gesch�tzt. Glas k�nnen wir uns nicht leisten. Wer immer f�r die Tat verant-w�rtlich ist, er scherte sich nicht um den L�rm, als er die Fensterl�den abri�. Es war ein stiller Abend, und der Krach drang bis zu Andys H�tte. Er rannte hin und st�rzte sich im Dunkeln auf den �belt�ter. Der Mann schlug ihn zusammen und floh. Sein Gesicht bekam Andy gar nicht zu sehen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht, wen ich verd�chtigen soll. Die heruntergekommenen wei�en Siedler nahe Summerton? Mr. Gettys? Dieser Tanzlehrer, der sich f�r einen Aristokraten h�lt? Unter den m�glichen Verd�chtigen scheinen alle Klassen der Wei�en repr�sentiert...</emphasis></p><p>Die meisten der schwarzen Stauer trugen nur ein Fa� die Planke hoch zu dem jeweiligen Dampfer, den sie gerade beluden. Des LaMotte, auf ihr Niveau hinabgedr�ckt, weil es immer noch keine besseren Familien gab, die ihn besch�ftigen konnten, schleppte zwei F�sser.</p><p>Er arbeitete in den Reithosen eines Gentleman, auch wenn diese dreckig und zerrissen waren. Auf jeder Schulter balancierte er ein Fa�. Nach seinen ersten Versuchen hatten die R�nder rote Blasen hinterlassen, die sp�ter bluteten. Narbengewebe hatte die Schultern jetzt hart und z�h gemacht.</p><p>Er verabscheute die Arbeit und all diese namenlosen, gesichtslosen Niggeranh�nger im Norden, die ihn dazu gezwungen hatten. Doch er hegte den verr�ckten Stolz, mehr zu tun und mehr zu schleppen als der st�rkste Nigger. Bald schon war er eine bekannte Figur in den Docks von Charleston, ein gewaltiger wei�er Mann mit schwellenden Armmuskeln und dem sauber gestutzten Bart eines reichen Pflanzers. Er weigerte sich, mit einem der schwarzen Schauerleute zu sprechen, falls nicht gerade irgendwelche Arbeitsumst�nde es unbedingt erforderlich machten. An seinem zweiten Arbeitstag h�tte er beinahe einen Schwarzen niedergeschlagen, der ihn wegen Beteiligung an einer</p><p>Schutzgemeinschaft der Hafenarbeiter ansprach; gleich zu Beginn machte der Schwarze einige Bemerkungen �ber einen Beerdigungsfonds, zu dem jeder w�chentlich soviel beitrug, da� notfalls die Beerdigungskosten gedeckt werden konnten.</p><p>Als Des das h�rte, sah er rot. Er unterdr�ckte seine m�rderischen Impulse, konnte sie aber nicht verscheuchen. Wie konnte dieser unwissende Afrikaner die subtilen Tiefen von Des' Zuneigung f�r seine Frau Sally Sue oder f�r seinen Kommandanten Ferris Brixham erfassen? Das waren die einzigen Beerdigungen, die Des etwas bedeuteten, die tief in sein Ged�chtnis eingemei�elt waren.</p><p>Der Vorfall ersch�tterte ihn, denn er war nahe daran gewesen, den Stauer umzubringen. Wie lange mochte es dauern, bis er sich wirklich auf einen von ihnen st�rzte? Ihm wurde klar, da� er durch seine Arbeit unter den freien Negern ein gef�hrliches Spiel mit seinem eigenen Leben spielte. Irgendwie k�mmerte ihn das nicht.</p><p>Unter der hei�en Herbstsonne von Carolina, die fast so warm wie im Sommer schien, schwitzte er ganze Salzb�che, als er wieder und wieder �ber die Planke zum K�stendampfer &gt;Sequoiah&lt; schwankte; die Muskeln unter seiner verbrannten Haut zuckten wie dicke Stricke. Nach au�en hin lie� er sich nichts von der schmerzhaften Anstrengung anmerken.</p><p>Anderes noch als diese Schmerzen peinigte ihn an diesem Morgen. Er hatte Nachricht von Gettys erhalten, in der es hie�, da� Captain Jolly, den sie mit dem Mord an Madeline Main beauftragen wollten, sich mit gestohlenem Whisky hatte vollau-fen lassen und dann losgezogen war, um die Schule niederzurei�en.</p><p>Idiot, dachte Des, vor Wut kochend. Er schulterte ein Fa� rechts, ein weiteres links. Seine Knie gaben ein bi�chen nach, als er dem Gewicht standzuhalten versuchte.</p><p>Er war mehr denn je darauf erpicht, die Mains in den Dreck zu treten, angefangen mit Colonel Orry Mains Witwe. Allerdings wollte er f�r dieses Verbrechen nicht seinen Hals riskieren. Und Mr. Cooper Main aus der Tradd Street besa� zwar keinen direkten Draht zu den Besatzungssoldaten, verf�gte jedoch immer noch �ber gen�gend Einflu�, um die Soldaten auf Des zu hetzen, falls er mi�trauisch wurde.</p><p>So hatte er sich all diese Wochen zur�ckgehalten und auf eine g�nstige Gelegenheit gewartet. Er glaubte, da� ein Niggeraufstand unvermeidlich war. In irgendeiner hei�en Nacht, angestachelt vom Alkohol und von den Agenten der Yankee-Regierung, w�rden die befreiten Neger Amok laufen. Es w�rde zu Brandschatzungen und Pl�nderungen kommen, und jeder Mann mit wei�er Haut k�nnte sein Heil nur noch in der Flucht suchen. Ein derartiger Ausbruch k�nnte ihm den Schutzschirm liefern, den er ben�tigte.</p><p>Und nun hatte Jolly die Aufmerksamkeit auf sich und Mont Royal gelenkt. Jolly war es gewohnt, das zu tun, was ihm pa�te; im Ashley-Bezirk terrorisierte er sowohl die Wei�en als auch die Nigger. Nun, mit der Main w�rde er nicht nach seinem eigenen Gutd�nken umspringen. Des hatte bereits eine Antwort an Gettys abgeschickt, in der er forderte, da� Jolly zur�ckgehalten werden mu�te und erst auf Anweisung loszuschlagen hatte.</p><p>�chzend und schwitzend k�mpfte sich Des die Planke hoch, machte einen schmerzhaften Schritt nach dem anderen. Ein Trio eleganter junger Damen mit Sonnenschirmen promenierte auf dem �berf�llten Kai; eine von ihnen, Miss Leamington von Leamington Hall, war seine Sch�lerin gewesen. Die abgetragenen Kleider zeugten von ihrer Armut, doch die l�ssige Arro-ganz ihrer Klasse - etwas, das Des verstand und sogar mit ihnen gemeinsam hatte - zeigte sich in den am�sierten Blicken, mit denen sie die Stauer musterten, und in ihrem lebhaften Geplauder.</p><p>Pl�tzlich hielt Miss Leamington inne. �Meine G�te. Ist das?� Des duckte sich, verbarg seinen Kopf hinter einem Fa�. �Nein, das kann nicht sein.�</p><p>�Was denn, Felicity? Was kann nicht sein?�</p><p>�Seht ihr den Wei�en dort, der F�sser wie ein Nigger schleppt? Einen Moment lang dachte ich, es sei mein alter Tanzlehrer, Mr. LaMotte. Aber Mr. LaMotte ist ein Wei�er durch und durch. Er w�rde sich nie auf diese Weise erniedrigen.�</p><p>Die jungen Damen gingen weiter, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen. Wer verschwendete auch schon einen zweiten Blick auf Dreck und Schwei�?</p><p>Das war am Freitag gewesen. Die Erinnerung an Miss Leaming-tons Abscheu hielt Des die ganze Nacht wach. Gegen vier Uhr schlief er auf seiner feuchten Matratze ein und erwachte ein paar Stunden zu sp�t f�r die Arbeit. Er zog sich an und eilte, ohne zu essen, zu den Docks; von der Meeting Street h�rte er das Gepl�rr einer kleinen Kapelle.</p><p>Eine Parade hinderte ihn daran, die Meeting Street zu �berqueren. Er sah Nigger in Formation marschieren, jeder in einem Gehrock aus wei�em Flanell mit blauem Besatz und dazu passenden wei�en Hosen. Sie waren in festlicher Stimmung, winkten und plauderten mit Leuten aus der Menge, die sich angesammelt hatte. An der Spitze der Parade trugen zwei Mann ein Banner:</p><p>CHARLESTOWNE VOL. FIRE CO.</p><p>NUMMER 2 &gt;SCHWARZER OPAL&lt;</p><p>Des stand in der dritten Reihe der Menge und warf w�tende Blicke um sich, als die Feuerwehrm�nner vor�berzogen. Hinter den Marschierern zogen mit Blumen geschm�ckte Pferde zwei Spritzen. Kleine amerikanische Flaggen waren an das polierte Messinggel�nder der Spritzen gebunden. Des ballte die H�nde zu F�usten. All diese schwarze Haut, diese Yankee-Flaggen - das war fast mehr, als er ertragen konnte.</p><p>Ein kr�ftiger Nigger mit gl�nzenden Backen winkte jemandem links von Des zu. �Wie geht's, Miss Sally? Sch�ner Morgen.�</p><p>Des wandte sich um. Der Name Sally hallte in seinem Kopf mit scharfem Echo nach. Er sah ein fettes, heruntergekommenes M�dchen vor sich, das mit einem Taschentuch einem Feuerwehrmann zuwinkte, der sie angrinste, als w�rde er am liebsten gleich auf der Stelle her�berkommen und ihr die R�cke hochziehen.</p><p>Miss Sally war ein wei�es M�dchen. Sie winkte und winkte mit ihrem Taschentuch, schenkte dem Nigger ihre Aufmerksamkeit, zog sich und ihre ganze Rasse in den Schmutz. Des hatte das Gef�hl, als w�rde ihm das pochende Blut in den Schl�fen jeden Moment den Sch�del sprengen.</p><p>Eine kleine, zu der Feuerwehr geh�rende Kapelle schlug mit den Trommelst�cken den Takt, und die Bl�ser setzten zu &gt;Hail, Columbia!&lt; an. Die wei�e Schlampe strahlte den Feuerwehrmann derma�en an, da� er ihr einen Ku� zuwarf.</p><p>Den sie erwiderte.</p><p>Des' gewaltige H�nde flogen hoch, krallten sich in die Schultern rechts und links, teilten die Menschenmauer. Jemand schrie vor Schmerz auf, als er auf die Stra�e st�rzte.</p><p>Dann verwandelte sich sein Geist in ein Flammenmeer, und er erinnerte sich an nichts mehr.</p><p><emphasis>Col. Munro war hier, inspizierte die Schule und beklagte sich dar�ber, da� er Berichte in zwei- und dreifacher Ausf�hrung wegen Ausschreitungen erstellen mu�te. Er lie� zwei junge Corporals, nette Jungs aus Maine, zur�ck, die die Schule f�r ein paar Tage bewachen sollen. Einer von ihnen meint, er w�rde sich gern in Carolina niederlassen; Klima und Leute seien so angenehm.</emphasis></p><p><emphasis>Bevor Munro in die Stadt zur�ckkehrte, gab er eine d�stere Warnung von sich, die ich hier zitiere: �Ich bin jetzt lange genug im Palmetto-Staat, um ein bi�chen was von den Gef�hlen der S�d-staatler zu verstehen. Soweit ich beobachtet habe, bringen die Wei�en dem Neger als Neger keine Feindschaft entgegen. In vielen Punkten m�gen sie ihn sogar. Doch wenn er sie als m�glicher Beamter, Geschworener, W�hler, politisch und sozial Gleichgestellter bedroht, dann geht das zu weit. Freiheit ist nicht der entscheidende Punkt, sondern Gleichberechtigung. Jede Person oder Institution, die das fordert, ist der Feind.�</emphasis></p><p><emphasis>�Vielleicht�, entgegnete ich. �Doch Prudence und ich werden die Schule weiterf�hren.�</emphasis></p><p><emphasis>�Dann kann ich Ihnen voraussagen, da� Sie weiterhin Arger haben werden�, sagte er. �Eines Tages wird das Ausma�e annehmen, denen weder mit Gl�ck noch mit Mut beizukommen ist.�</emphasis></p><p><emphasis>... Cooper schreibt, da� D. LaMotte im Gef�ngnis sitzt. Am Samstag griff er anscheinend ohne jede Provokation einen Farbigen der freiwilligen Feuerwehr an, worauf ihn die Beh�rden einsperrten. C. meinte, in letzter Zeit habe er so seine Zweifel �ber LaMottes Bereitschaft gehabt, seinen Drohungen Taten folgen zu lassen. Diese Zweifel seien nun zerstreut. F�r eine Weile haben wir nun jedoch, um C.s Ausdruck zu gebrauchen, &gt;einen Aufschub gewonnen.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark31"><strong>23</strong></p></title><p>Der Schu� aus dem Cheyenne-Gewehr zerfetzte das linke Auge von Holzfu�' Pferd. Unter einer Blutfont�ne st�rzte der H�ndler in das windgepeitschte Gras. Charles war bereits aus dem Sattel. Er schnappte sich seine Spencer und schickte Satan mit einem Klaps davon. Boy, von dem pl�tzlichen Angriff erregt, versuchte vergeblich vom Pferd aus die Packmulis unter Kontrolle zu halten.</p><p>�Runter, runter von deinem Pferd�, br�llte Charles. Die Cheyenne trieben ihre Ponys den H�gel hoch. Eine Kugel zupfte an Charles' Hutkrempe; der Hut segelte davon. Wieder schrie er Boy an, doch das Geheul der Indianer und der L�rm von den Mulis l�schten seine Worte aus. Nach ein paar Sekunden verstand Boy den Ausdruck auf Charles' Gesicht und rutschte ungeschickt zu Boden.</p><p>Holzfu� kniete nieder und scho� auf die Cheyenne, die sich dem H�gelkamm n�herten. Er verfehlte. Charles feuerte, als der Krieger neben Narbengesicht eine gefiederte Lanze schleuderte. Charles duckte sich. Seine Kugel fegte den Indianer aus dem Sattel.</p><p>�berall herrschte L�rm und Verwirrung. Ein paar Meilen weiter im Westen schlugen Blitze aus den sich n�hernden Sturmwolken in die trockene Pr�rie.</p><p>Boy schrie auf. Charles sah, wie er taumelte, seinen rechten, sich rot verf�rbenden �rmel umklammerte. Eine Lanze hatte ihn geritzt. Schmerz und Verwirrung lie�en ihm die Tr�nen �bers Gesicht laufen.</p><p>Holzfu� br�llte: �Hinter dir, Charlie!� und feuerte fast gleichzeitig sein langes Gewehr ab. Charles wirbelte herum und sah einen berittenen Cheyenne vor sich, der ihn gerade mit einer Kriegskeule niederschlagen wollte. Charles scho� auf das rotgemalte Gesicht, war aber nicht schnell genug, um den Schlag zu stoppen. Die Keule h�mmerte auf seine Schulter mit einer Wucht, die ihn zur Seite warf. Der Cheyenne sackte vom Pferd, sein Gesicht eine einzige blutige Masse.</p><p>Die Sturmwolken schoben sich �ber sie, als w�rde sich ein Augenlid �ber der Welt schlie�en. Donner grollte. Blitze zuckten. Der Westwind trug den Geruch von Rauch heran. Er sah, wie Narbengesicht vom Pferd aus mit seiner Lanze nach Holzfu� stach.</p><p>Die Cheyenne dr�ngten ihre Ponys dicht heran, allerdings schon mit etwas weniger Begeisterung, da einige von ihnen bereits gefallen waren. Holzfu� wich zur�ck; Narbengesichts Sto� ging daneben. Wieder stie� er zu. Der H�ndler packte sein Gewehr mit beiden H�nden und wehrte damit die Lanze ab. Sein Gesicht war heftig ger�tet.</p><p>Charles lud die Spencer durch, zielte auf Narbengesicht und dr�ckte ab. Das Gewehr hatte Ladehemmung.</p><p>Ein anderer Cheyenne ritt heran und rammte seine Lanze in Charles' rechten Arm. Er lie� die Spencer fallen, ri� sein Bowiemesser heraus und stie� dem Indianer die Klinge in die Seite. Der Indianer kreischte auf und fiel nach vorn �ber den Hals seines Ponys. Das Pferd raste mitsamt dem Indianer und dem herausragenden Messer davon.</p><p>Narbengesicht, wild entschlossen, Holzfu� endg�ltig den Garaus zu machen, trieb sein Pony wieder heran. Geschickt blockte Holzfu� seine St��e mit dem Gewehr ab, doch er mu�te dem Kampf allm�hlich Tribut zollen. Seine Wangen waren so dunkel wie Pflaumen.</p><p>Vor�bergehend sah Charles keinen Gegner vor sich. Gleich darauf erkannte er den Grund. Drei Cheyenne st�rzten sich auf die Maultiere und Boy. Weinend schlug der Junge nach ihnen, so als w�rde er Fliegen klatschen. Ein Krieger sprang vom Pferd und packte Boy. Wie von der Feder geschnellt sprang Fen aus seinem Versteck im Gras. Die Kiefer des Collies schlossen sich um den Unterarm des Cheyenne. Ein anderer Indianer schlug mit seinem Gewehrkolben auf den Hund ein.</p><p>Inmitten des Sturms und des Aufflammens der wei�en Blitze stie� Holzfu� einen merkw�rdig erstickten Schrei aus. Charles, der seinen Colt zog und sich duckte, als ein Cheyenne auf ihn scho�, sah seinen Partner taumeln und in das hohe Gras sinken. Holzfu� keuchte, als bek�me er nicht gen�gend Luft. Er zerrte an seinem perlengeschm�ckten Hemd, als wollte er etwas herausrei�en.</p><p>Charles erinnerte sich, da� er das Gesicht von Holzfu� schon �hnlich verf�rbt gesehen hatte. <emphasis>�Es ist nichts.�</emphasis> Doch es war was: ein Herzanfall, ausgel�st durch die gewaltige Belastung des Angriffs.</p><p>Narbengesicht hielt sein Beil in der hoch erhobenen Hand. Charles feuerte, gerade als Narbengesichts Pony wegt�nzelte. Die Kugel verfehlte ihr Ziel und traf das Beil. Charles sprang vor Holzfu�, um erneut zu schie�en. Tief geduckt jagte Narbengesicht sein Pony den Hang hinunter.</p><p>Blut sickerte aus Charles' Wunde. Er br�llte vor Frustration auf, ein wortloser, rauher Wutschrei, weil er von zwei Dingen gleichzeitig in Anspruch genommen wurde: Holzfu�, der mit beiden H�nden an seinem Hemd zerrte und Luft in die Lungen zu bekommen versuchte, und drei Cheyenne zu Fu�, die Boy hinter den n�chsten H�gelkamm schleppten. Fen jagte hinter ihnen her; Schaumflocken flogen von seinem Maul. Holzfu�' Finger rissen Perlen von seinem Hemd; sie gl�nzten und funkelten unter den aufflammenden Blitzen.</p><p>Beiden konnte Charles nicht helfen. Er entschied sich f�r Holzfu�, der ihm n�her und zudem unmittelbar vom Tode bedroht war.</p><p>Holzfu� schwankte nach hinten. Charles fing ihn mit der linken Hand auf, w�hrend er mit der Rechten auf den n�chsten Cheyenne feuerte. Wegen der Wunde zitterte und pochte sein Revolverarm. Die Kugel verfehlte ihr Ziel um einige Meter.</p><p>Die Cheyenne w�rden sie fertigmachen, also konnte Charles nichts weiter tun, als k�mpfend unterzugehen. Er kniete nieder und schob sein Knie unter den durchsackenden R�cken seines Partners. Der H�ndler stemmte sich dagegen; seine Augen waren weit ge�ffnet, seine H�nde fielen schlaff herab. Hilflos mu�te Charles zusehen, wie alle Farbe aus seinem Gesicht wich.</p><p>Holzfu� erkannte seinen Partner. Er versuchte Charles zu ber�hren, bekam aber die Hand nicht mehr hoch. Hinter dem H�gelkamm h�rte Fen pl�tzlich auf zu bellen, jaulte dann noch einmal auf.</p><p>Charles brachte sein Ohr nahe an Holzfu�' Mund. Er glaubte ein �Danke f�r alles� zu verstehen. Ein blendender Blitz l�schte alles andere aus. Als er wieder etwas erkennen konnte, w�ren ihm beinahe die Tr�nen gekommen. Holzfu�' Augen standen noch offen, aber kein Leben war mehr in ihnen.</p><p>Hinter dem H�gelkamm tauchten die drei Indianer wieder auf und fingen ihre Pferde ein. Dann trotteten sie auf Narbengesicht zu, der an der Stelle auf sie wartete, wo Charles die Indianer zuerst gesehen hatte.</p><p>Charles raste auf den Fleck zu, wo Boy verschwunden war. Der Sturm fegte ihm Gras und Erde in die Augen. Als Narbengesicht sah, da� sich Charles von Holzfu�' Leiche entfernte, gab er seinen restlichen Kriegern ein Zeichen; sie ritten auf die Stelle zu.</p><p>Charles kam an zwei Packmulis vorbei, die an ihren Schu�wunden verbluteten. Wieder zuckten Blitze auf. �Boy?� br�llte er und k�mpfte sich mit vor Schw�che zitternden Beinen den H�gel hoch. �Boy, gib Antwort!�</p><p>Die einzige Antwort war ein Blitzschlag. Gras rauchte, gl�hte orangefarben auf, dann schlugen Flammen empor. Allm�chtiger, das Ende der Welt, dachte Charles, w�hrend er den Hang hinab auf ein ausgetrocknetes Flu�bett zustolperte. Auf seiner Seite gl�nzte niedergetrampeltes Gras feucht und schwarz. Mitten in dem Blut lag etwas, was so formlos wie ein Kartoffelsack war.</p><p>�ber den H�gel hinter ihm zuckte ein Wall von Flammen, scharlach, orange, wei�. Der Wall breitete sich nach allen Seiten aus. In Texas hatte er einmal ein �hnliches Pr�riefeuer erlebt, das vierzig Quadratmeilen zerst�rt hatte.</p><p>Er erreichte das formlose Ding und starrte hinunter; der Schock hatte jedes Gef�hl in ihm abget�tet. Boy lag da, sein j�mmerlich deformierter Kopf ruhte in dem trockenen Flu�bett. Ein Messer hatte ihn von der Kehle bis zum Bauch aufgeschlitzt. Aus der Brusth�hlung, in der es bereits von Fliegen wimmelte, ragten die �berreste von Fen. Ein Bein, dessen Knochen aus dem Fell schaute; ein Teil der Schnauze und des Sch�dels, einschlie�lich eines Auges. Andere Teile lagen verstreut im Gras.</p><p>Charles starrte h�chstens f�nf Sekunden auf das Gemetzel, aber es h�tte genausogut auch ein Jahrhundert sein k�nnen.</p><p>Schlie�lich wandte er sich ab und m�hte sich wieder den H�gel mit der dahinter lodernden Feuerwand hoch. Holzfu� tot, Boy tot. Der n�chste werde ich sein, aber ich mu� diesen nar-bengesichtigen Bastard mitnehmen.</p><p>Von dem Kamm aus sah er Narbengesicht und f�nf andere in einiger Entfernung auf ihren Ponys sitzen; die wehenden Rauchfahnen lie�en sie verschwinden und wieder auftauchen. Die Cheyenne hatten ihre urspr�ngliche Position leicht nach S�den verlagert. Trotz des Rauches konnte Charles einen neuen Ausdruck auf ihren Gesichtern erkennen: Bedenken oder zumindest gewisse Zweifel. Das Feuer hatte sich bereits den halben Hang hochgearbeitet, auf dessen Kamm die Jackson Trading Company ihren letzten vergeblichen Kampf gek�mpft hatte.</p><p>Der Schwei� tropfte ihm vom Gesicht, als er auf die Stelle zustolperte, wo er Holzfu� zur�ckgelassen hatte. Das ist Sharps-burg, noch einmal von vorn, dachte er. Das ist das n�rdliche Virginia, wieder und wieder.</p><p>Hinter dem Rauchvorhang l�chelte Narbengesicht. Charles fragte sich, warum, w�hrend er sich Holzfu�' Leiche n�herte. Als er hinabschaute, begann er zu w�rgen.</p><p>Von aller Kleidung entbl��t lag der bleiche K�rper seines Partners da. Ein rotes Loch zwischen den Beinen war mit Fliegen �bers�t. Die blutigen Genitalien hatten sie ihm in den Mund gestopft. Auf die Augen hatten ihm die Cheyenne kleine Berge von Perlen geh�uft, die im Feuer funkelten.</p><p>�Ihr Bastarde�, br�llte Charles. �Ihr dreckigen, unmenschlichen Bastarde.�</p><p>Narbengesicht h�rte auf zu l�cheln. Charles richtete den Colt auf den Cheyenne-F�hrer, versuchte ihn mit beiden H�nden ruhig zu halten. Der Rauch wurde dichter, verbarg Narbengesicht und die anderen. Charles gab einen Schu� ab. Noch einen. Und noch einen. Bis die Trommel leer war.</p><p>Hinter dem Rauch und dem Feuer war mittlerweile von den Cheyenne nichts mehr zu sehen. Um Charles zu erreichen, mu�ten sie entweder durch das Feuer oder einen gro�en Bogen schlagen. B�iger Wind fauchte durch seine Haare. Das tobende Feuer am Hang erleuchtete sein verzerrtes Gesicht, als w�re es heller Tag.</p><p>Wieder teilte sich der Rauchvorhang. Die Cheyenne waren immer noch da. Keiner von Charles' Sch�ssen hatte getroffen. Narbengesicht trieb die anderen mit einem Zeichen nach vorn.</p><p>Ein Cheyenne nach dem anderen sch�ttelte den Kopf. Sie hatten keine Lust mehr, den tobenden Irren auf dem H�gelkamm, gesch�tzt von einer Wand aus Feuer und Rauch, anzugreifen. Auch wenn sie seine Worte nicht verstanden, so begriffen sie doch deren Bedeutung: �Los, kommt, zeigt mal, wie tapfer ihr seid! Ihr habt einen alten Mann und einen Jungen und einen Hund get�tet. Zeigt mal, was ihr mit mir anfangen k�nnt!�</p><p>Einer der widerstrebenden Cheyenne sch�ttelte wieder den Kopf, diesmal sehr nachdr�cklich. Das mi�fiel Narbengesicht. Er griff nach dem letzten Mann. Der Cheyenne schlug Narbengesichts Hand beiseite, zog sein Pferd herum und ritt in die st�rmische Finsternis hinein. Vier andere folgten ihm nacheinander. Allein gelassen warf Narbengesicht Charles einen ver�chtlichen Blick zu, bevor er sich dem allgemeinen R�ckzug anschlo�.</p><p>�Kommt zur�ck, verdammt noch mal. Ihr feigen Hundes�hne!� Alle Kraft verlie� ihn, als die Flammen erneut hochschlugen und die Indianer verbargen. Charles br�llte Narbengesicht nach: �Du verdienst es, von dieser Erde weggefegt zu werden, du und dein ganzer Stamm. Ich werde einen Weg finden, darauf kannst du dich verlassen.�</p><p><emphasis>Kannst du dich verlassen</emphasis> ... <emphasis>kannst du dich verlassen</emphasis> ...</p><p>Er drehte sich um. zog sich vor der Hitze und dem Feuerschein ein St�ck zur�ck. In seiner linken Hand baumelte Holzfu�' Satteltasche; er konnte sich nicht erinnern, sie vom toten Pferd seines Partners gerissen zu haben.</p><p>Die Sturmfront zog weiter nach Osten, nun schon Meilen entfernt. Ein leichter Regen setzte ein, nicht heftig genug, um das Feuer zu l�schen. Charles taumelte zwischen den toten Mulis herum, um zu sehen, was er sonst noch retten konnte. Zwei Mulis waren noch unverletzt am Leben. Ihre Z�gel in der Linken, k�mpfte er sich wieder den Hang hoch.</p><p>Das Feuer stoppte ihn. Die gro�e, scharlachfarbene Wand umkurvte nun den Haupth�gel und zog sich nach rechts bis zu dem Flu�bett hinunter, an dem Boy und Fen gestorben waren. W�hrend er zusah, verschlang das Feuer vollst�ndig den H�gel, auf dem Holzfu�' Leiche lag.</p><p>Er konnte sie nicht einmal beerdigen.</p><p>Tr�nen des Zorns liefen ihm �bers Gesicht.</p><p>Durch einen Gl�cksfall fand Charles seinen Schecken ungef�hr zwei Meilen nord�stlich von dem Feuer. Er ritt auf einem der beiden Maultiere und zog das andere hinter sich her. Ein breiter Stoffstreifen, den er aus seinen Hosen gerissen und mit einem Stock zusammengedreht hatte, hatte die Blutung an seinem rechten Arm gestoppt. Die Wunde schmerzte und mu�te versorgt werden, war aber nicht sehr gef�hrlich. Als er auf Satan traf, der wie aus Stein gehauen dastand, wechselte er in dessen Sattel �ber und ritt weiter nach Norden, seine Emotionen eine zuckende Masse aus Kummer und Wut. Bei Einbruch der Dunkelheit schlug er sein Lager auf. Er machte ein kleines Feuer und kaute dann ein bi�chen Pemmikan aus seiner eigenen Satteltasche. Zwei Bissen, und sein Magen schmerzte. Vier Bissen, und alles kam wieder hoch.</p><p>Nach dem Sturm klarte der Himmel auf. In der kalten Brise unter den leuchtenden Sternen kr�mmte er sich zitternd zusammen. Mit klammen Fingern �ffnete er Holzfu�' Satteltasche. Er fand die T�pfe mit den Farben und die zusammengerollte Winterbilanz. Er l�ste den Riemen und breitete sie vor seinen F��en aus.</p><p>Obwohl er sich den Grund daf�r nicht erkl�ren konnte, trieb ihn etwas dazu, den Versuch zu unternehmen, sie zu vollenden. Er �ffnete den Topf mit der schwarzen Farbe, befeuchtete den Pinsel und tauchte ihn ein.</p><p>Er studierte die verschiedenen Bilder, auch das mit der Zufluchtst�tte im B�ffelhut-Tipi. Wie er doch diesen Vorfall mi�verstanden hatte. Er hatte ihn f�lschlicherweise glauben lassen, die Cheyenne seien des Mitgef�hls f�hig. Das waren sie nicht. Nur die Heiligkeit des Objektes, des Hutes, hatte die H�ndler gerettet. Die Cheyenne ha�ten alle Wei�en, ganz egal, ob sie einen Grund daf�r hatten. Sie besa�en keine Gr�nde, die ausreichend gewesen w�ren, die Barbarei zu rechtfertigen, die er gerade erlebt hatte. Sie ha�ten einfach die Wei�en. Auf die gleiche Weise, wie er nun jeden einzelnen von ihnen ha�te.</p><p>M�hsam malte er drei sehr grobe Strichm�nnlein, aber die Flecken und Klumpen h�uften sich. Schlie�lich warf er den Pinsel ins Feuer, dann die Farben. Er fa�te das Panorama an den Ecken und studierte der Reihe nach jedes Bild, bis jeder Impuls zu weinen aus ihm herausgebrannt war. Er trauerte im-mer noch, aber die Trauer hatte sich verh�rtet. Sein eigenes Leben, das wiederaufzubauen er sich im vergangenen Winter so viel M�he gegeben hatte, war so schnell und sicher vernichtet worden wie das Gras in der Bahn des Pr�riefeuers.</p><p>Sharpsburg, noch einmal von vorn.</p><p>Der Norden Virginias, wieder und wieder.</p><p>Nichts �ndert sich.</p><p>Jesus Christus!</p><p>Er legte die Winterbilanz auf das Feuer und sah zu, wie sie verbrannte. Sie wollen t�ten. Das k�nnen sie haben, dachte er. Ich verstehe mehr vom T�ten als sie. Ich hatte f�nfhunderttausend erfahrene Lehrer.</p><p>Die Figuren des Panoramas f�rbten sich schwarz und verbrannten, w�hrend er sich jedes einzelne Bild einzupr�gen suchte.</p></section></section><section><title><p id="bookmark32">Drittes Buch</p><p id="bookmark33"><strong>Banditi</strong></p></title><section><p><emphasis>Ich bin gerade mit der Union Pacific Railway, E.D., von Fort Wallace zur�ckgekehrt. Entlang des ganzen Schienenstrangs sind die Indianer mit ihrem barbarischen Krieg besch�ftigt. Am Samstag wurden keine zwanzig Meilen von Fort Harker entfernt drei unserer M�nner get�tet und skalpiert ... Was kann man tun, um diesen Grausamkeiten ein Ende zu bereiten?</emphasis></p><p>John D. Perry Pr�sident der U.P.E.D., zum Gouverneur von Kansas 1867</p><empty-line/><p><emphasis>Die Unterzeichnung durch die H�uptlinge war eine reine Formalit�t. Kein Wort des Vertrags wurde ihnen vorgelesen</emphasis> ... <emphasis>Wer hat schuld, wenn so der Krieg kein Ende findet? Die Regierungskommissare.</emphasis></p><p>Henry M. Stanley New York Tribune nach Medicine Lodge Creek 1867</p><empty-line/><p><emphasis>Die Grenzlandbewohner behaupten stets, die Indianer seien auf dem Kriegspfad, und die Regierungskommissare und Indianeragenten behaupten, es herrsche Frieden; wir stehen mittendrin und werden von beiden Seiten beschimpft.</emphasis></p><p>Jahresbericht von General William T. Sherman 1867</p></section><section><title><p id="bookmark34"><strong>24</strong></p></title><p>Ein Gewitter tobte �ber den Himmel und lie� die Erde erbeben. Auf der �berfluteten Stra�e von Leavenworth City kam ein Reiter aus der Dunkelheit galoppiert.</p><p>Der m�de Wachposten trat in den Regen hinaus und hielt den Reiter an. Ein Blitz tauchte ihn in blendendes Wei�. Sein Schnurrbart hing herunter, sein voller, verfilzter Bart mu�te gestutzt werden. Ein ponchoartiges, aus Flicken zusammengesetztes Kleidungsst�ck hing ihm von den Schultern. Er kaute auf einem kalten Zigarrenstummel herum.</p><p>Von der Kappe des jungenhaften Wachpostens tropfte der Regen. �Nennen Sie Ihren Namen, und sagen Sie, was Sie hier im Armeeposten w�nschen.�</p><p>�Aus dem Weg.�</p><p>�Mister, ich befehle Ihnen, mir Ihren Namen und ...�</p><p>Schnell wie ein Lidschlag war ein Armeecolt in der Hand des Mannes. Mit einer einzigen flie�enden Bewegung richtete er sich auf die Stirn des Postens. Ein weiterer Blitz enth�llte die Augen des Mannes unter der Hutkrempe. Der Wachposten sah, da� in ihnen die H�lle tobte.</p><p>Erschrocken zog sich der Posten zum Wachh�uschen zur�ck. Seine lange Unterw�sche f�hlte sich pl�tzlich feucht an. Er winkte. �Passieren.�</p><p>Der Reiter galoppierte bereits weiter.</p><p>Der Regen trommelte aufs Dach. Jack Duncan schenkte Brandy ein. Charles nahm seinen Drink wortlos entgegen. Dem Brigadier gefiel das ganz und gar nicht, genausowenig wie das verwahrloste Aussehen seines �berraschungsgastes und die Ringe unter seinen Augen. Charles hatte Duncan mit seiner Ankunft um halb zwei Uhr morgens verbl�fft und dann noch einmal mit seiner Ank�ndigung, wieder in die Armee eintreten zu wollen.</p><p>�Ich dachte, dir reicht's.�</p><p>�Nein.� Charles warf den Kopf zur�ck und kippte den Brandy hinunter.</p><p>�Nun, Charles Main kann nicht eintreten. Ebensowenig Charles May, zuletzt in Jefferson Barracks.�</p><p>�Ich w�hle einen anderen Namen.�</p><p>�Charles, beruhige dich. Du bist ja au�er dir. Was ist passiert?�</p><p>Er knallte das leere Glas auf eine Packkiste, die als Tisch diente. �Adolphus Jackson hat mich durch eines der schlimmsten Jahre meines Lebens gebracht. Er hat mir mehr �ber die Pr�rie beigebracht, als ich dir in einer Woche erz�hlen k�nnte. Ich werde es den Bastarden heimzahlen, die ihn niedergemetzelt haben.�</p><p>Duncans vor M�digkeit aufgequollenes Gesicht zeigte Mi�billigung. Er zog seinen alten Morgenmantel zusammen und marschierte neben dem alten, jetzt kalten Eisenofen auf und ab. �Ich mache dir keinen Vorwurf, da� du zornig bist �ber das, was die Cheyenne getan haben. Allerdings halte ich das nicht f�r ein ideales Motiv, um ...�</p><p>�Ich empfinde ebenso�, unterbrach ihn Charles. �Sag mir einfach nur, ob ich eine Chance habe.�</p><p>Seine laute Stimme weckte Maureen. Durch die T�r ihres Zimmers drang eine schl�frige Frage. Mit der Sanftheit eines aufmerksamen Ehemannes sagte der Brigadier: �Schlaf nur weiter. Es ist nichts.� Charles starrte die geschlossene T�r an, erinnerte sich daran, da� einst Willa hier geschlafen hatte.</p><p>�Eine kleine Chance, nicht mehr�, beantwortete Duncan seine Frage. �Kennst du den Namen Grierson?�</p><p>�Ich kenne Griersons Sechste Illinois-Kavallerie. Die sind innerhalb von sechzehn Tagen auf Konf�derationsgebiet sechshundert Meilen geritten, um Pemberton wegzulocken, w�hrend Grant den Mississippi unterhalb Vicksburg �berquerte. Dieser Ritt war eines Jeb Stuart oder Wade Hampton w�rdig. Falls es sich um diesen Grierson handelt - der Mann w�re gut genug f�r unsere Seite gewesen.�</p><p>Duncan freute sich, da� Charles eine Spur schwarzen Humors aufbrachte. �Es ist dieser selbe Grierson. F�r einen Musiklehrer aus einer Kleinstadt, der Angst vor Pferden hatte, ist aus ihm ein verdammt guter Kavallerist geworden.�</p><p>�Angst wovor?� Charles konnte es nicht glauben.</p><p>�Es stimmt. Mit acht Jahren wurde er von einem Pony getreten. Die Narbe ist heute noch zu sehen.� Duncan ber�hrte seine rechte Wange. �Grierson kam vorgestern hier an, um auf die Rekruten seines neuen Regiments zu warten; eines von denen, die der Kongre� im Juli genehmigt hat. Grierson ist verzweifelt auf der Suche nach guten Offizieren, die f�hren und ausbilden k�nnen, aber niemand will in der Zehnten Kavallerie dienen. Die M�nner werden in New York, Philadelphia, Boston rekrutiert - der Abschaum des Gro�stadtproletariats. Meist Analphabeten.�</p><p>�Die Armee ist voll von Analphabeten.�</p><p>�Aber nicht von solchen. Griersons M�nner werden ausschlie�lich Schwarze sein.�</p><p>Das brachte Charles zum Schweigen. Er schenkte sich Brandy nach, �berlegte scharf.</p><p>Duncan erkl�rte, da� ein 9. Kavallerieregiment im Rahmen von Phil Sheridans Golfdivision zusammengestellt wurde; Shermans Division w�rde das Zehnte Regiment kriegen. �Grierson erz�hlte mir, die Anwerber h�tten bis jetzt erst einen Kavalleristen unter Vertrag nehmen k�nnen. Das Kriegsministerium besteht auf qualifizierten wei�en Offizieren, doch Unionsveteranen, die sich um ein Offizierspatent bewerben, m�chten es nicht im Zehnten. Kennst du George Custer?�</p><p>�Ja. Bei Brandy Station habe ich ihm kurz gegen�bergestanden. Es hei�t, er sei ein ruhms�chtiger Gockel, aber immerhin hat er Schlachten gewonnen.�</p><p>�Custer ist begierig, wieder die Uniform anzuziehen, aber ins Neunte Regiment w�rde er trotzdem nicht eintreten. Das ist typisch. Die Soldaten der Union haben zwar f�r den farbigen Mann gek�mpft, aber im gro�en und ganzen m�gen sie ihn nicht und wollen auch nichts mit ihm zu tun haben. Grierson ist da eine Ausnahme. Ein richtiger Idealist.�</p><p>�Was m��te ich tun, um ins Zehnte Regiment zu kommen?�</p><p>�Mehr, als nur den Wunsch zu �u�ern. Du brauchst Kriegserfahrung. Untersuchung durch einen speziellen Ausschu�. Und Begnadigung durch den Pr�sidenten. Auch f�r Charles Main, der die Milit�rakademie absolviert hat. Aber ich nehme nicht an, da� jemand wie du bereit ist, Neger zu kommandieren.�</p><p>�Wenn sie was taugen, warum nicht? Ich kenne die Schwarzen verdammt viel besser als die meisten Yankees.�</p><p>�Das werden Schwarze aus dem Norden sein. Als erstes werden sie deinen Akzent mitkriegen. Wird ihnen gar nicht gefallen.�</p><p>�Damit werde ich schon fertig.�</p><p>�Denk dar�ber nach, bevor du das sagst. Ein Schritt nach vorn, und du bist �ber die Klippe. Dann kannst du es dir nicht mehr anders �berlegen.�</p><p>�Verdammt noch mal, ich w�rde M�nner mit blauer Haut kommandieren, wenn sie Indianer umbringen k�nnen. Was f�r Chancen habe ich?�</p><p>Duncan starrte durch das Salonfenster hinaus in den scheu�lichen Regen, w�hrend er dar�ber nachdachte. �Ungef�hr fifty-fifty. Wenn Grierson dich nimmt, dann k�nnte er dir den Weg zu General Hancock von der Division ebnen. Ich ebenfalls.�</p><p>�K�nnte ich die Begnadigung bekommen?�</p><p>�Schon, wenn du in bezug auf deinen Dienstgrad als Scout bei Hampton l�gst. Stuf ihn ein bi�chen runter. Sag, du habest nicht zur festen Truppe geh�rt. Existieren Personalakten, die das widerlegen k�nnten?�</p><p>�Wahrscheinlich nicht. Es hei�t, die meisten seien in Rich-mond verbrannt.�</p><p>�Dann solltest du keine Schwierigkeiten haben. F�r eine Begnadigung brauchst du einen anderen Namen und die Dienste eines Maklers. Das wird so um die f�nfhundert Dollar kosten.�</p><p>Charles stie� etwas Obsz�nes hervor und lehnte sich zur�ck; die flackernde Flamme der �llampe beleuchtete eine Seite seines starren Gesichts.</p><p>�Ich bringe das Geld auf�, sagte der Brigadier. �Au�erdem kenne ich einen Spitzenmakler. Anwalt in Washington, namens Dills.� Pause. �Ich habe immer noch Bedenken, Charles. Ich wei�, da� du ein guter Soldat bist. Aber der Grund, aus dem du zur�ckkehrst, ist falsch.�</p><p>�Wann kann ich Grierson sehen?�</p><p>�Morgen, sch�tze ich.� Duncan r�usperte sich, schn�ffelte dann unmi�verst�ndlich. �Nachdem du gebadet hast.�</p><p>Weit entfernt grollte das Gewitter. Charles l�chelte. Es erinnerte Duncan an die Grimasse eines Totensch�dels.</p><p>Die Zehnte Kavallerie hatte an der Ostseite des Exerzierplatzes provisorische B�ros zugewiesen bekommen. Ein Captain in mittleren Jahren duckte sich mit der argw�hnischen Wachsamkeit eines Mannes, der eine Festung zu verteidigen hat, hinter seinem Schreibtisch zusammen. �ber heruntergezogene Mundwinkel senkte sich ein fast wei�er Schnurrbart.</p><p>�Kann ich zu ihm, Ike?�</p><p>�Ich denke schon, General Duncan.� Der Captain klopfte und betrat das innere B�ro.</p><p>Duncan neigte seinen Kopf in Richtung der geschlossenen T�r und sagte zu Charles: �Ike ist seit zwanzig Jahren in der Armee. Z�her Hund. Mehrfach ausgezeichnet.�</p><p>Der Captain tauchte wieder auf; die T�r lie� er offen. Der Brigadier sagte: �Das ist mein Schwiegersohn, Charles.� Sie hatten beschlossen, diesen Teil seines Namens beizubehalten. �Cap-tain Isaac Newton Bares Regimentsadjutant.�</p><p>�Stellvertretender Adjutant�, sagte Barnes mit Betonung.</p><p>Nachdem Duncan hineingegangen war und die T�r geschlossen hatte, sagte Charles: �Es ist mir ein Vergn�gen, Sir.� Es zahlte sich aus, einen Adjutanten mit Respekt zu behandeln; f�r gew�hnlich verf�gte er �ber mehr Macht als der kommandierende Offizier.</p><p>M�rrisch starrte Ike Barnes das Gewirr von Ordnern, Akten und Berichten auf seinem Schreibtisch an. Im Profil �hnelte er einem S - runde Schulter, konkaver R�cken, beachtlicher Bauch. Er kniff das rechte Auge leicht zusammen.</p><p>�Ich hasse diesen Job�, sagte er und setzte sich. �Ich bin Kavallerist, kein verfluchter B�rohengst. Sobald der Colonel jemanden findet, der d�mlich genug ist, diese verdammten Papiere herumzuschieben, bin ich bei der C-Kompanie.�</p><p>Ein atemloser Sergeant kam hereingest�rzt. �Captain! Zwei farbige Jungs an der Anlegestelle. Sie geh�ren Ihnen.�</p><p>�Zum Teufel noch mal, Sergeant, Sie wissen doch ganz genau, da� Sie innerhalb einer Meile von diesem B�ro nicht &gt;farbig&lt; zu sagen haben. Der Colonel wird nicht dulden, da� sein Regiment genauso wie im Krieg bezeichnet wird. Das hier ist nicht die Zehnte Farbige Kavallerie, das ist die Zehnte Kavallerie. Entschuldigen Sie mich�, bellte er zu Charles hin�ber, bevor er mit dem Unteroffizier hinausging. Sein massiver Bauch schien sich selbstt�tig zu bewegen, wie eine Art Ehrengarde. Charles brachte tats�chlich ein L�cheln zustande.</p><p>Nach zehn Minuten kam Duncan heraus. �Er ist interessiert. Erz�hl diesmal die Wahrheit, und schau zu, wie du klarkommst.� Er schlug Charles auf die Schultern. �Viel Gl�ck.�</p><p>Colonel Benjamin F. Griersons gewaltiger Bart und seine k�hne Nase verliehen ihm das Aussehen eines Piraten, was noch durch die Gesichtsnarbe verst�rkt wurde. Nachdem er Charles einen Platz angeboten hatte, legte er ein neues Blatt Papier auf seinen Schreibtisch.</p><p>�Ich will offen sein, Mr. Main. Ihr Interesse an der Zehnten bringt mehr als ein Problem mit sich. Bevor wir uns darum k�mmern, w�rde ich gerne wissen, weshalb Sie hier sind. Jack hat Ihnen erz�hlt, da� Unmengen f�higer Offiziere in dieser Armee die Idee eines Negerregimentes verabscheuen.�</p><p>�Er hat es mir erz�hlt, Sir. Ich bin hier, weil ich Soldat bin. Und das alles, was ich bin und kann. Die Cheyenne im S�den haben vor einigen Monaten meinen Partner und dessen Neffen get�tet.�</p><p>�Jack sprach davon. Es tut mir leid.�</p><p>�Danke. Ich will es den Cheyenne heimzahlen.�</p><p>�Nicht in meinem Regiment, Sir�, sagte Grierson mit einer Spur von Zorn in der Stimme. �Das Zehnte Regiment wird keine Politik machen, sondern sie nur ausf�hren. General Sherman hat uns die Aufgabe gestellt, f�r gr��ere milit�rische Pr�senz im Westen zu sorgen. Das ist eine rein defensive Aufgabe. Wir haben die Siedler, die Reisewege, die Eisenbahnbautrupps zu besch�tzen. Wir haben nicht anzugreifen, falls wir nicht selbst angegriffen werden.�</p><p>�Sir, es tut mir leid, da� ich ...�</p><p>�H�ren Sie mich an, Sir. Bevor wir unsere Aufgabe erf�llen k�nnen, m�ssen wir Stadtmenschen beibringen zu marschieren, reiten, schie�en und sich milit�risch einwandfrei zu benehmen. Und ich spreche von ungebildeten Menschen, Mr. Main - Gep�cktr�gern, Kellnern, Kutschern. Schwarze M�nner, die nie eine Chance auf einen anst�ndigen Beruf hatten. Ich habe die Absicht, aus diesen M�nnern gute Soldaten zu machen, auf die jeder Kommandant stolz sein k�nnte. Ich werde es auf die gleiche Art und Weise tun, wie ich fr�her meinen Musiksch�lern in Illinois die Tonleiter beigebracht habe. Mit strenger Disziplin und st�ndigem, erbarmungslosem Drill. Daf�r werden meine Offiziere zust�ndig sein. F�r pers�nliche Rachefeldz�ge werden sie keine Zeit haben.�</p><p>�Ich bedaure meine Bemerkung, Sir. Ich verstehe, was Sie meinen.�</p><p>�Gut�, sagte Grierson. �Andernfalls w�rde ich keine weitere Zeit auf Sie verschwenden.�</p><p>Er musterte Charles abw�gend und f�gte hinzu: �Nein, das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Ich unterhalte mich mit Ihnen nicht ganz freiwillig, sondern aus der vorhin erw�hnten puren Not heraus. Ich mu� jedoch gestehen, da� es mir etwas widerstrebt, einen S�dstaatler zu rekrutieren.�</p><p>Groll stieg in Charles auf, aber er verhielt sich still.</p><p>�Ich habe eine h�chst eigenartige Vision von diesem Land. Eigenartig in dem Sinne, da� sie offensichtlich nicht von Tausenden von Brevet Colonels und Generalen geteilt wird, die hinter einigen wenigen untergeordneten Offizierspatenten herjagen. Ich glaube w�rtlich an Mr. Jeffersons Erkl�rung, da� alle Menschen gleich geschaffen wurden; auch wenn das nicht auf Geist und K�rper und Umst�nde zutrifft, so doch zumindest, was ihre Chancen anbelangt. Ich glaube, wir haben - ganz gleich, ob das nun erkannt wird oder nicht - diesen Krieg ausgefochten, um die schwarze Rasse in diese Vision einzuschlie�en. Ich wei�, da� meine Vorstellung sich nicht gerade allgemeiner Beliebtheit erfreut. Viele meiner Offizierskollegen beschuldigen mich, ich w�rde sie - ihre eigenen Worte - &gt;zu Tode niggern&lt;. Soll es so sein. Die Vision mu� in erster Linie in diesem neuen Regiment zum Ausdruck kommen. Wenn das Regiment nicht funktioniert, dann funktioniert die Armee nicht, dann funktioniert Amerika nicht, dann funktioniert nichts. Deshalb m�ssen meine Offiziere freudig die zus�tzliche B�rde auf sich nehmen, zwischen ihren M�nnern und der extremen Feindseligkeit und den Vorurteilen, wie sie in der Armee grassieren, zu stehen.�</p><p>Sein Blick wich keinen Millimeter ab. �Sie stammen aus South Carolina. Mir ist das egal, <emphasis>au�er</emphasis> es bedeutet, Sie k�nnen nicht nach meinen Regeln leben. Wenn das der Fall ist, dann will ich Sie auch nicht.�</p><p>Sehr angespannt, weil er eine Zur�ckweisung bef�rchtete, sagte Charles: �Ich kann es, Sir.�</p><p>�Sie k�nnen offen und ehrlich mit Negersoldaten umgehen?�</p><p>�Mit den Schwarzen auf der Plantage, wo ich aufgewachsen bin, habe ich mich gut verstanden.�</p><p>Wieder die falsche Antwort. Ver�chtlich winkte Grierson ab. �Leibeigene, Mr. Main. Sklaven. Das ist hier unwesentlich.�</p><p>Charles' Stimme wurde etwas sch�rfer. �Lassen Sie es mich anders ausdr�cken, Sir. Nein, ich werde nicht mit jedem einzelnen Mann auskommen.� Grierson wollte etwas entgegnen, aber Charles sprach weiter. �Ich bin auch nicht mit allen wei�en M�nnern in der Wade-Hampton-Legion oder der Zweiten Kavallerie in Texas gut ausgekommen. Jede Truppe hat ihre Idioten und Dr�ckeberger. Diesen Typ von Mann habe ich stets gewarnt, aber immer nur einmal. Wenn er so weitermachte, habe ich ihn eingebuchtet. War dann immer noch nicht Schlu�, dann sorgte ich f�r seine Entlassung. Im Zehnten Regiment w�rde ich genauso handeln.� Er starrte Grierson an. �Wie ein Profi.�</p><p>Schweigen. Grierson starrte zur�ck. Pl�tzlich blitzte zwischen dem buschigen Schnurrbart und dem �ppigen Kinnbart ein L�cheln auf.</p><p>�Eine gute Antwort. Die Antwort eines Soldaten. Ich akzeptiere sie. Die M�nner der Zehnten werden aufgrund ihrer Leistung beurteilt, und nichts anderes.�</p><p>�Jawohl, Sir�, sagte Charles, obwohl ihm bei seiner schnellen Antwort ein bi�chen unbehaglich zumute wurde. Seine hastige Zustimmung r�hrte daher, da� er in ein Regiment eintreten wollte, in irgendein Regiment, und dieses hier suchte verzweifelt nach Offizieren. Doch er hatte ernste Bedenken, ob man aus Stadtnegern gute Soldaten machen konnte - genau die gleichen Bedenken, die er bei dem wei�en Abschaum in Jefferson Barracks gehabt hatte.</p><p>Grierson beugte sich vor. �Mr. Main, ich verabscheue L�gner und Betr�ger und werde mich doch so verhalten m�ssen. Sie ebenfalls, wenn der spezielle Untersuchungsausschu� Sie befragt. Zumindest ein Mitglied, Captain Krug, wird Ihnen schwer zusetzen. Er ha�t jeden Mann, der das Grau der Konf�deration getragen hat. Sein j�ngerer Bruder starb im Gef�ngnis von Andersonville.�</p><p>Charles nickte, pr�gte sich den Namen ein.</p><p>�Jetzt zu den Einzelheiten.� Grierson tauchte seine Feder ein. �Sie haben ein Begnadigungsgesuch eingereicht?�</p><p>�Der Brief wird heute noch geschrieben.�</p><p>�Ich bin �ber Ihre Erfahrungen in Jefferson Barracks informiert. Was f�r einen Namen sollen wir diesmal nehmen?�</p><p>�Ich denke, er sollte vertraut klingen, damit ich ganz normal darauf reagiere. Charles August. Der Name August ist f�r mich famili�r.�</p><p>�August. Gut.� Die Feder kratzte. �Was war Ihr h�chster Rang bei Hamptons Scouts?�</p><p>�Major.�</p><p>Grierson schrieb: <emphasis>�Kein Rang - irregul�rer Status (Scout).�</emphasis></p><p>�Wir vergessen am besten, da� Sie jemals West Point gesehen haben. Was glauben Sie, wie viele M�nner der Akademie w�rden Sie jetzt erkennen?�</p><p>�Jeder, der zu meiner Zeit dort war, sch�tze ich. So bin ich in Jefferson Barracks aufgeflogen.�</p><p>�Wer hat Sie identifiziert?�</p><p>�Ein Captain Venable.�</p><p>�Harry Venable? Ich kenne ihn. Ein ausgezeichneter Kavallerist, aber ein aufgeblasenes kleines Monster. Nun, das Risiko, da� Sie auf fr�here Klassenkameraden treffen, m�ssen wir einfach eingehen. N�chster Punkt. Meine Offiziere sollen zwei Jahre Erfahrung im Feld haben.�</p><p>�Das geht in Ordnung. Bei der Zweiten Kavallerie in Texas.�</p><p>Trocken sagte Grierson: �Das war, bevor Sie die Seiten wechselten. Vergessen wir Texas. Das Thema k�nnte sich bis zur</p><p>Akademie zur�ckverfolgen lassen.� Charles beobachtete die Bewegung der kratzenden Feder: <emphasis>�Fr�h. Erfahr. - 4 J. Freiw.�</emphasis></p><p>Sie unterhielten sich eine weitere Stunde. Zum Schlu� wu�te Grierson eine ganze Menge �ber Charles' Leben. Er erfuhr von Orry, dem Ersatzvater, von Charles' Schwierigkeiten mit Elka-nah Bent; von den entsetzlichen Eindr�cken von Sharpsburg, dem Verlust von Augusta Barclay, der verzweifelten Suche nach ihrem Sohn. Schlie�lich schob Grierson seine Notizen beiseite und gab Charles die Hand. Der H�ndedruck erschien Charles mehr zeremoniell denn freundschaftlich. Der Colonel hatte sein Urteil noch nicht gef�llt.</p><p>�Mein Adjutant wird Ihnen sagen, wie Sie sich auf den schriftlichen Test vorbereiten. Damit sollten Sie keine Probleme haben. Der Ausschu� ist eine andere Sache.� Grierson begleitete ihn zur T�r, strich sich �ber den Bart. �Tun Sie was f�r Ihre �u�ere Erscheinung. Stutzen Sie sich entweder den Bart, oder lassen Sie ihn ganz abrasieren.�</p><p>�Jawohl, Sir.� In alter West-Point-Manier betonte er das zweite Wort, lie� dann die rechte Hand im besten Kadettensalut vorschnellen. Grierson erwiderte den Gru� und entlie� ihn.</p><p>Nachdem sich die T�r geschlossen hatte, ging Grierson zu seinem Schreibtisch zur�ck. Einen Augenblick lang starrte er das daraufstehende Bild an, dann begann er einen Brief.</p><p><emphasis>Liebste Alice,</emphasis></p><p><emphasis>vielleicht habe ich heute einen guten Mann bekommen. Ein ehemaliger Rebell, der die Wilden ausl�schen m�chte. Wenn ich ihn durch die Untersuchung bringe und seine rachs�chtigen Impulse z�geln kann, dann mag das Regiment durchaus von ihm profitieren, denn bis jetzt ist mir noch kein qualifizierter Offizier begegnet, den nicht irgendein D�mon treibt .</emphasis></p><p>In dem Taschenspiegel, den Duncan ihm geliehen hatte, betrachtete Charles sein eingeseiftes Gesicht. Seit Monaten hatte er sich nicht mehr rasiert. Duncans Rasiermesser ri� und fetzte, als er seinen Bart in Angriff nahm.</p><p>Er dachte an Griersons Warnung, was den Pr�fungsausschu� anbelangte, w�hrend er das Rasiermesser k�hn nach unten zog. Die Klinge bi� durch den Bart und scharrte �ber seine Haut. Mit jedem Strich fielen Teile seines Bartes in das Becken. Ein neues, fast fremdes Gesicht tauchte auf. Mehr Furchen. Die Zeit hatte weitere Spuren eingegraben.</p><p>�Ah!� Er packte ein Handtuch und pre�te es auf seine blutende Wange. Als das Blut an der Schnittstelle allm�hlich gerann, schleuderte er das Handtuch beiseite und nahm die andere Gesichtsh�lfte in Angriff. Beim Gedanken an Holzfu�, Boy, Fen schnitt er sich ein zweites Mal tief, sp�rte es aber kaum.</p><empty-line/><p>Im allgemeinen sind die Beziehungen der angels�chsischen Rasse zu niedrigeren Rassen auf der ganzen Welt eine h�chst unerfreuliche Angelegenheit. Ob es sich um Hindus, australische Ureinwohner, Jamaikaner oder - in unserem Land - um Chinesen, Neger oder Indianer handelt, diese &gt;imperiale Rasse&lt; hat den Hang, die Schwachen zu zermalmen ... Was wir uns mit den Indianern leisten, ist eines der d�stersten Kapitel der modernen Geschichte. Erst verdr�ngen wir sie von ihrem Land, dann werden sie vergiftet von unseren Krankheiten und verdorben von unseren Lastern. Sie werden systematisch in die B�ffelgegenden abgedr�ngt, und nun l��t man sie nicht einmal mehr in den wilden Bergen, die an dieses Land grenzen, in Ruhe. Die Goldgr�ber t�ten und verjagen das Wild, auf dem ihre Existenz als J�ger gr�ndet.</p><p>Ein Kommentar in der <emphasis>New York Times</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark35"><strong>25</strong></p></title><p>Brigadier Duncan gab das Begnadigungsgesuch telegraphisch an den Anwalt Dills durch und �berwies das Geld an eine Washingtoner Bank. Er sandte einen sorgf�ltig formulierten Brief an General Sherman bei der Division, in dem er Griersons Bedarf an qualifizierten Offizieren und die au�erordentlichen F�higkeiten eines Charles August hervorhob. Charles fragte sich, wie Sherman wohl reagieren w�rde, wenn er w��te, da� es sich bei &gt;August&lt; um den ungek�mmten H�ndler handelte, dem er mitten in der Pr�rie begegnet war.</p><p>Charles nahm sich ein Zimmer in Leavenworth City, besuchte aber jeden Tag den Milit�rposten, um sich mit dem kleinen Gus wieder vertraut zu machen. Im Dezember w�rde der Junge zwei Jahre alt werden. Er konnte laufen, redete in bruchst�ckhaften S�tzen, begegnete dem gro�en, hageren Mann, der ihn auf Spazierg�nge mitnahm und der sich selbst Pa nannte, mit einer gewissen Reserve.</p><p>F�r gew�hnlich war Maureen bei diesen Spazierg�ngen dabei. Sie billigte es immer noch nicht, da� Charles die Elternrolle �bernommen hatte - schlie�lich war er blo� ein Mann -, doch seit seiner R�ckkehr hatte er ihr eine neue, unerfreuliche Seite seiner Pers�nlichkeit gezeigt. Auch jetzt, als sie am Nachmittag von einem Spaziergang am Flu� zur�ckkehrten, kam diese Seite wieder zum Vorschein. Charles und der kleine Gus marschierten Hand in Hand wie Soldaten. Der Junge liebte die abendlichen Paraden in Leavenworth und imitierte sie gern. Charles machte mit. Vor Duncans Haush�lterin marschierten sie beide flott den Weg entlang.</p><p>An Grenzposten versammelte sich stets eine gewisse Anzahl von Indianern, die von Almosen und niederen Dienstleistungen lebten. Sie gaben ihr Geld f�r Whisky aus und lie�en sich von den Wei�en l�cherliche Namen verpassen, wie Wurstnase, Fauler Mann, Fette Frau.</p><p>Fette Frau, ein ungeheuer dicker Sioux in alten Uniformhosen, kam Charles und seinem Sohn entgegen. Fette Frau stoppte, zwinkerte und streckte den Arm aus, um den l�chelnden Jungen unter dem Kinn zu kitzeln. Charles ballte die Faust und schlug ihn nieder.</p><p>Fette Frau jaulte auf und kroch davon. Gus umklammerte die Hand seines Vaters, warf ihm aber einen vorsichtigen, �ngstlichen Blick zu. Maureen konnte nicht schweigen. �Ein armer, harmloser Mann bedeutet keine Gefahr, Mr. Main.�</p><p>�Ich will nicht, da� dieser rote Abschaum meinen Jungen ber�hrt.�</p><p>�Papa, Papa!� Gus zerrte an seiner Hand. �Marsch!�</p><p>�Nein.� Charles zog seine Hand weg, packte dann Gus bei den Schultern und schob ihn den Pfad entlang. �Jetzt wird nicht mehr marschiert.�</p><p>Sp�ter, als Charles nach Leavenworth zur�ckgeritten war, vertraute sich die Haush�lterin dem in seiner Zinkbadewanne sitzenden Duncan an. �Seine Stimmungen wechseln wie das Wetter. Irgendein D�mon treibt ihn.�</p><p>�Er hat. Schreckliches durchgemacht. K�nntest du etwas tiefer schrubben, meine Liebe? Ah, ja.�</p><p>�Das wei� ich, General.� Selbst im Bett gebrauchte sie die formelle Anrede. �Aber wenn er das nicht �berwindet, dann wird sein Sohn ihn verachten. Augustus hat jetzt schon schreckliche Angst vor ihm.�</p><p>�Ich habe es bemerkt.� Duncan seufzte. �Ich wei� nicht, was da zu machen ist.�</p><p>Von dem Raum im Hauptquartier des Department konnte man nach Westen �ber den Exerzierplatz schauen. Der Tisch, an dem Charles sa�, stand den vorhanglosen Fenstern gegen�ber. Kein Zufall, entschied er. Genausowenig wie der Zeitpunkt. Die laut tickende Wanduhr zeigte halb sechs. Blendendes Licht stach ihm in die Augen und machte es ihm fast unm�glich, die f�nf M�nner zu erkennen, die an ihrem Tisch vor den Fenstern sa�en.</p><p>General Winfield Scott Hancock, U.S.M.A. 1844 und Kommandeur des Missouri-Department, leitete den Pr�fungsausschu�. Er war gro�, sah gut aus und machte einen gelassenen Eindruck; an der T�r hatte er Charles herzlich begr��t und ihm Gl�ck gew�nscht. Wie merkw�rdig, dachte Charles, einem Mann die Hand zu geben, der wahrscheinlich auch Cousin Orry die Hand gesch�ttelt hatte.</p><p>Links neben Hancock sa� General William Hoffman, Kommandant sowohl von der Dritten Infanterie als auch von Fort Leavenworth.</p><p>Links von Hoffman sa� der Offizier, den Charles f�rchtete: Captain Waldo Krug, schm�chtig, ernst dreinblickend und kahl, obwohl er kaum �lter als Charles war. Krug geh�rte zu Hoffmans Stab, trug den Silberstern eines Brevet Brigadier und wurde mit General tituliert. Er musterte Charles mit unverhohlener Feindseligkeit.</p><p>Rechts von Hancock sa� Captain I.N. Barnes; ein Major namens Coulter, ein schulmeisterlicher Mann mit ovalen Brillengl�sern, machte die Runde komplett. Direkt links von Charles hatte man eine Reihe St�hle f�r Besucher aufgestellt. Bis auf Duncan und Grierson war niemand gekommen.</p><p>Hancocks Blicke nach rechts und links forderten Ruhe. �Gentlemen, dies ist eine Anh�rung auf Ersuchen des Offizierskandidaten Charles August, der die schriftliche Pr�fung erfolgreich bestanden hat. Mit Bestnoten, wie ich hinzuf�gen m�chte.�</p><p>Sofort sagte Krug: �General Hancock, ich beantrage, die Sitzung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der Kandidat ist aufgrund seiner fr�heren Dienste f�r die Konf�deration nicht geeignet.�</p><p>B�rbei�ig sagte Hoffman: �Schlie�e mich an.� Er war U.S.M.A. 1829, Lees Klassenjahrgang, ein altes Schlachtro� aus den Kriegen gegen die Seminolen und die Mexikaner.</p><p>Hancock wandte ein, der Kandidat habe seine guten Absichten gezeigt, indem er den Eid geleistet und ein Begnadigungsgesuch eingereicht habe, genau wie General Lee. Das lie� Krug explodieren.</p><p>�Robert Lee wird <emphasis>niemals</emphasis> begnadigt werden, egal, wie oft er ein Gesuch einreicht. Das sollte auch f�r jeden Mann gelten, der sein Land verraten hat, und da schlie�e ich diesen Kandidaten ein.�</p><p>Coulter schob seine Brille tief auf die Nase. �Ich hatte den Eindruck, da� die Feindseligkeiten vor �ber einem Jahr beendet wurden und wir nun alle wieder Amerikaner sind. Ich denke, wir sollten den Krieg vergessen und .�</p><p>�Nein, Sir, keinen Augenblick lang werde ich den Hungertod meines Bruders vergessen�, sagte Krug.</p><p>Hancock klopfte auf den Tisch, um die Ordnung wiederherzustellen. �Gef�ngnisdirektor Wirz hat am Galgen f�r seine Verbrechen bezahlt. Er war der einzige Offizier, der so bestraft wurde, und wird wahrscheinlich auch der einzige bleiben.�</p><p>�Ich w�rde noch eine ganze Menge von ihnen aufh�ngen�, sagte Krug, den Blick auf Charles gerichtet.</p><p>�Captain�, sagte Hancock, �Sie h�ren entweder damit auf, oder Sie disqualifizieren sich selbst. Bei dieser Anh�rung werden wir uns auf die Qualifikationen des Kandidaten konzentrieren.�</p><p>Krug murmelte etwas Unverst�ndliches. Hancock r�usperte sich und schlug Charles' Akte auf. Obwohl es Herbst war, stach das Licht hei� in Charles' Augen. Er war nerv�ser, als er es je am Vorabend einer Schlacht gewesen war; bestimmt w�rde er alles verpatzen.</p><p>Er zwang sich, an Holzfu� und die Perlenh�ufchen auf seinen Augen zu denken. Sein Puls verlangsamte sich ein bi�chen. Er richtete sich so krampfhaft auf, da� sein R�cken schmerzte.</p><p>�Nennen Sie uns Ihren Namen�, sagte Hancock.</p><p>�Charles August.�</p><p>�Ich habe hier die Aussage von Colonel Grierson vorliegen. Darin hei�t es, Sie h�tten vier Jahre bei der konf�derierten Armee gedient. Bitte nennen Sie uns Ihre Einheit und Ihren Rang.�</p><p>�Scout Corps, Wade-Hampton-Legion. Sie ging sp�ter nach einigen Armeeumgestaltungen in gr��eren Kavalleriedivisionen auf. Doch die Scouts blieben Irregul�re, ohne Rang.� Die L�ge kam ihm glatt �ber die Lippen.</p><p>�Gibt es Aufzeichnungen, die das belegen k�nnen?� erkundigte sich Barnes.</p><p>�Ja. Ich nehme an, in Richmond.�</p><p>�Um Himmels willen�, sagte Krug. �Richmond! Jedermann wei�, da� die Rebs kein einziges Blatt Papier in Richmond zur�ckgelassen haben. Sie haben alles niedergebrannt. Wir wissen nicht einmal, wie viele Verr�ter sich unter falschem Namen eingeschlichen haben.�</p><p>Hancock sagte scharf: �Captain!�</p><p>�Tut mir leid, Sir. Ich bin dagegen. Absolut und vollst�ndig dagegen.�</p><p>Hoffman hob die Hand, und Hancock erteilte ihm das Wort. Bei�end sagte Hoffman zu dem Ausschu�: �Wenn wir die Akten dieses Gentleman nicht begutachten k�nnen, dann wird er uns die n�tigen Informationen liefern m�ssen. Ich w�rde gern seine politische Zugeh�rigkeit wissen.�</p><p>Darauf war Charles nicht vorbereitet. Grierson und Duncan beobachteten ihn besorgt. �Nun - Demokrat, Sir.�</p><p>�Demokrat.� Hoffman l�chelte. �Nat�rlich. Jeder mi�ratene Rebell bezeichnet sich als Demokrat. Jeder Mann, der Unionsgefangene ermordet hat, nennt sich Demokrat. Jeder Verr�ter, der gef�hrliche Sprengstoffe zusammenmischte, um St�dte des Nordens in die Luft zu jagen, oder der h�llische Pl�ne ausheckte, um diese St�dte mit Gelbfieber zu verseuchen, ist jetzt nichts weiter als ein &gt;Demokrat&lt;.�</p><p>Coulter sagte am�siert: �Wie ich sehe, ist der General mit der Kampfrhetorik von Gouverneur Morton aus Indiana recht vertraut. Doch diese Wahlkampfrede, aus der Sie gerade zitiert haben, war f�r Zivilisten gedacht, Sir. Ist das hier f�r uns wirklich von Bedeutung?�</p><p>Hoffman kochte vor Wut. Hancock sagte: �Nein. Ich beispielsweise bin der Meinung, da� Mr. August uns recht offen gegen�bertritt. Wir wissen, da� bereits Hunderte von Konf�de-rierten unter falschem Namen in der Armee der Vereinigten Staaten dienen.� Duncan fuhr zusammen, was seinen Stuhl zum Quietschen brachte. Griersons Interesse konzentrierte sich auf die Zimmerdecke. �Ich m�chte den Kandidaten fragen, ob er �ber irgendwelche milit�rischen Erfahrungen vor dem Krieg verf�gt. In der Akte steht nichts davon.�</p><p>Charles' Kehle wurde eng. Stand ihm der Schwei� auf der Stirn? Brachte die Sonne auf seinem Gesicht die T�uschung ans Licht? Colonel Grierson wandte seine Aufmerksamkeit seinen gl�nzend polierten Stiefeln zu. Hancock runzelte die Stirn.</p><p>�Mr. August, unsere Zeit ist kostbar. Antworten Sie bitte unverz�glich. Waren Sie vor dem Krieg beim Milit�r?�</p><p>Charles wog zwei Morde gegen eine weitere L�ge ab und sagte: �Nein, Sir.�</p><p>Eine halbe Stunde ging es so weiter, gelegentlich unterbrochen von einem �rgerlichen Einwand Krugs oder einer Frage von Hoffman, die schnell in eine republikanische Litanei �bergingen. Charles war schlaff, m�de und schwitzte heftig, als Han-cock ihn entlie�. Er, Duncan und Grierson gingen hinaus und schlossen die T�r.</p><p>�Sie werden genommen�, sagte Grierson voraus.</p><p>�Nein, das werde ich nicht. Ich habe es verpatzt.�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Sie haben sich gut gehalten. Aber ich mu� Ihnen etwas sagen, was ich bereits Jack gesagt habe. Wenn Sie je auffliegen, dann kann ich Ihnen nicht helfen. Das Regiment werde ich auf keinen Fall gef�hrden. Es kommt an erster Stelle. In allen anderen Dingen k�nnen Sie auf mich z�hlen.�</p><p>�Danke, Colonel. Aber ich glaube nicht, da� Sie sich Gedanken zu machen brauchen.�</p><p>Die T�r des Sitzungssaales ging auf. Ike Barnes trat heraus.</p><p>�Drei gegen zwei Stimmen zu Ihren Gunsten, abh�ngig von der Zustimmung des Department und einer Begnadigung.� Strahlend streckte Barnes die Hand aus. �Willkommen in der Zehnten, Mr. August.�</p><p>Charles �berquerte den Missouri mit der F�hre und ritt in bequemen Etappen nach St. Louis; er geno� die herbe, frische Luft und das Rotgold der Bl�tter. Der Kalender machte es Willa unm�glich, da� sie ihre Wiedervereinigung auch k�rperlich genie�en konnten, doch sie schliefen eng umschlungen in Willas Bett im New Planter's House.</p><p>Am Morgen k��ten sie sich und murmelten sich liebevolle Worte zu. Bevor er sich anzog, seifte er sein Gesicht ein, um sich die gestrigen Bartstoppeln abzuschaben. Er pfiff vor sich hin, als er das Rasiermesser ansetzte.</p><p>�Das ist h�bsch!� rief Willa von ihrem Ankleidetisch her. �Was ist das?�</p><p>�Das?� Er pfiff f�nf Noten. �Ist mir blo� so letztes Jahr eingefallen. Wann immer ich an Mont Royal denke, an all das, was ich vor dem Krieg liebte, dann h�re ich diese Melodie.�</p><p>�Im Theater steht ein Piano. W�rdest du es noch mal summen, wenn wir dort sind, damit ich es f�r dich niederschreiben kann?�</p><p>�Ja, nat�rlich.�</p><p>Und das tat sie dann auch.</p><p>�Das ist meine Melodie?� fragte er und starrte die Noten an, die f�r ihn keinen Sinn ergaben. Sie nickte. �Nun, wenn du es sagst. Ich hebe es als Andenken auf.� Sorgf�ltig faltete er das Papier. �Vielleicht kann ich aufh�ren, an die Vergangenheit zu denken. Ich habe statt dessen was Besseres gefunden.�</p><p>Er beugte sich hin�ber und k��te ihre Stirn. Sie schlo� die Augen und hielt seinen Arm fest.</p><p>W�hrend sie sich einige Stunden um das Theater k�mmerte, schlenderte er durch die gesch�ftigen Stra�en. Heute beunruhigte ihn die M�glichkeit einer st�rker werdenden Bindung nicht; er war viel zu aufgeregt wegen seines Offizierspatents. Willa teilte diese Erregung, bis er ihr bei einem sp�teren Spaziergang den Grund f�r seinen Wiedereintritt in die Armee nannte. Er beschrieb ihr den Untergang der Jackson Trading Company -wobei er ihr die obsz�nen Details ersparte - und den Ha�, den das bei ihm erzeugt hatte.</p><p>Willa reagierte heftig darauf, behielt ihre Meinung jedoch f�r sich, weil sie ihre Gef�hle f�r ihn �ber ihr Gewissen stellte. Das hatte sie nie zuvor getan - zumindest konnte sie sich nicht daran erinnern.</p><p>An diesem Abend zeigte sie ihm in ihrem Zimmer das gro�e, gerahmte Foto von ihnen beiden, das vor einem Jahr aufgenommen worden war. Willa auf der Samtcouch, Charles mit einer Hand auf ihrer Schulter. Am�siert meinte er, sie s�hen wie Objekte in einem Wachsfigurenkabinett aus. Sie gab ihm einen Klaps und sagte, als Rache w�rde sie ihm eine Kopie des Fotos aufzwingen. Er sagte, er h�tte nur zu gern eins, und meinte es sogar fast ernst.</p><p>Beim Fr�hst�ck erfuhr er noch etwas �ber sie. Am 25. Dezember hatte sie Geburtstag. �Leicht zu merken, aber schwer, jemanden zum Feiern zu kriegen. Ich bin eine f�rchterliche K�chin, aber einen schlichten Kuchen mit Zuckergu� schaffe ich schon. Meistens mu� ich mir sogar die Kerzen selber kaufen.� Er lachte.</p><p>Charles blieb drei weitere Tage in St. Louis. Jeden Abend besuchte er eine Vorstellung. Dann rief ihn Brigadier Duncan mit einer telegraphischen Nachricht zur�ck. Das Begnadigungsgesuch war genehmigt worden.</p><p>Willa weinte beim Abschied. Sie versprach, da� sie mit Sam bald auf Tournee gehen und ihn finden w�rde. Und ihn dann richtig lieben w�rde, was ihr diesmal nicht m�glich gewesen war. Er war bester Laune, als er fortritt.</p><p>Ein leichter Nieselregen setzte ein, als Willa vom Hotel zum Theater ging. In Gedanken war sie so mit Charles besch�ftigt, da� sie beinahe vergessen h�tte, ihren Schirm zu �ffnen.</p><p>Sie wu�te so viel und gleichzeitig doch so wenig �ber ihn. Sie sp�rte einen aufgestauten Zorn in ihm, eine ganz anders gelagerte Empfindung als die vom Krieg gepr�gte Haltung des letzten Jahres. Er hatte nun einen Feind. Deshalb hatte sie ihm auch nichts von der �rtlichen Indian Friendship Society erz�hlt.</p><p>Es gab sechs Mitglieder. Ein Qu�kerpaar, einen Prediger der Unitarier, eine �ltliche Leiterin einer Privatschule, die von Kindern reicher deutscher Kaufleute besucht wurde, der alternde jugendliche Liebhaber des Theaters, Tim Trueblood, und sie selbst. Charles w�re bestimmt nicht begeistert gewesen, wenn er von den Memoranden erfahren h�tte, die sie bereits an den Kongre� und ans Innenministerium geschickt hatten.</p><p>Im Theater angekommen, fand sie die B�hne verwaist, h�rte allerdings irgendwo Sams Stimme. Sie schlo� ihren Schirm und legte ihn auf den Souffleurstisch. Der B�hnenmanager kam hinter einer Stellwand hervorgeschossen.</p><p>�Nicht dorthin! Nicht dorthin! Wenn er das sieht, l�uft er Amok.�</p><p>�Richtig, hab' ich vergessen. Keine Schirme auf den Souffleurstisch. Ich kann nicht immer an jeden Aberglauben denken. Was macht er?�</p><p>�Er benimmt sich ein bi�chen merkw�rdig. Erst ist er mit dem Futternapf der Katze rumgerannt, und jetzt probt er im Aufenthaltsraum.�</p><p>�Er besteht darauf, den &gt;Hamlet&lt; zu spielen.� Sie und der B�hnenmanager tauschten ein nachsichtiges L�cheln aus; dann folgte sie dem Klang von Trumps vollt�nender Stimme. Beinahe w�re sie �ber eine Schale Milch gestolpert. Ganz in der N�he hatte sich die Katze Prosperity uninteressiert zusammengerollt. Willa runzelte die Stirn. Die Schale roch eigenartig. Sie nahm sie auf und schn�ffelte noch einmal.</p><p>Mit der Schale in der Hand marschierte sie in den Aufenthaltsraum, wo sie Sam bei seiner Probe vor dem gro�en Spiel st�rte. Trotz des Korsetts konnten die engen, schwarzen Hosen seine Korpulenz nicht verbergen. Er wirkte albern in diesem Kost�m, was noch durch die angesteckte gelbe Chrysantheme verst�rkt wurde.</p><p>�Mein liebes M�dchen�, fing er an, einen Daumen in die Augenh�hle eines Requisitensch�dels gehakt. Sein Gesicht verlor an Farbe, als ihm Willa die Schale mit ausgestrecktem Arm entgegenhielt.</p><p>�Von nun an f�ttere ich die Katze, Sam. Du mu�t die Schalen verwechselt haben. Das hier wird sie nicht anr�hren.� Willa f�hrte die Schale mit einem b�hnenreifen Schn�ffeln an ihrer Nase vorbei. �Katzen m�gen keinen Whisky.�</p><p>Trump w�re vor lauter Hast, an die Schale zu kommen, beinahe gest�rzt. �Das z�hlt nicht. Nur ein winziger Schluck, um mich f�r den Tag zu st�rken.�</p><p>�Steter Tropfen h�hlt den Stein. Ich habe mich schon gewundert, wieso du heute morgen so fr�hlich bist.� Sie stellte die Schale auf den Tisch und sagte: �R�hr sie blo� nicht an.�</p><p>Trump schlug sich bek�mmert gegen die Brust. �Nat�rlich nicht, meine Liebe.� Er warf ihr einen verstohlenen Blick zu, schob den Sch�del beiseite und legte ihr v�terlich einen Arm um die Schultern. �Du schaust ungl�cklich aus. Bin ich der Anla�?�</p><p>�Nein, nicht wirklich.�</p><p>�Dann ist also Charles abgereist.�</p><p>�Es ist mehr als nur der Abschied, Sam. Er hat wieder ein Offizierspatent in der Armee erhalten.�</p><p>�Die Armee ist der richtige Platz f�r ihn. Da kennt er sich aus.�</p><p>�Es ist der richtige Platz, aber aus dem falschen Grund.� Mit wenigen S�tzen beschrieb sie, was mit Holzfu� und Boy geschehen war. Als sie endete, war Trump bla� geworden. �Er will Vergeltung. Wenn er davon spricht, sp�rt man richtig den brennenden Zorn in ihm.�</p><p>Vorsichtig sagte Trump: �Dann ist das also das Ende f�r euch?�</p><p>�Oh nein.� Ein besch�mtes Schulterzucken. �Das sollte es sein, aber es ist zu sp�t. Ich liebe ihn. Ich wei�, da� es mir wahrscheinlich viel Kummer einbringen wird, aber ich kann nichts dagegen tun.�</p><p>Sie versuchte zu l�cheln, brach aber statt dessen in Tr�nen aus. Sam Trump nahm sie in die Arme und zog sie an sich; sanft t�tschelte er ihr mit beiden H�nden den R�cken, w�hrend sie schluchzte.</p><p>Die besten �berzieher und Gesch�ftsanz�ge, die Sie je in diesem Land gesehen haben.</p><p>BROKAW BROS.</p><p>Nr. 34 4th Av., und 62 Lafayette-Platz.</p><p>Eine sichere H�morrhoidenkur. Dr. Gilberts H�morrhoiden-Instrument kuriert die schlimmsten H�morrhoiden.</p><p>Postzusendung gegen 4 Dollar. Verkauf durch Drogisten. Vertreter �berall gesucht, j.b. romaine, Manager Nr. 575 Broadway, New York.</p><p>All unsere gro�en Gener�le, f�hrenden Staatsm�nner und prominenten Politiker kaufen ihre H�te bei knox's. Machen Sie es ihnen nach. Der gegenw�rtigen politischen Kampagne nach sind alle Dinge gleich; die Kandidaten, die ihre H�te bei knox's, Nr. 212 Broadway, kaufen, k�nnen sich ihrer Wahl sicher sein.</p></section><section><title><p id="bookmark36"><strong>26</strong></p></title><p>�Lieutenant August? Kommen Sie schnell.�</p><p>Charles scho� hinter seinem Schreibtisch hoch. �Hat sich jemand verletzt?�</p><p>�Nein, Sir�, keuchte der Rekrut. �Sie rei�en diese Zelte ab; vor einer Stunde haben Sie uns gesagt, wir sollen sie aufbauen. Man hat es ihnen befohlen.�</p><p>�Welcher d�mliche Unteroffizier ...?�</p><p>�Es ist irgendein General. Krig?�</p><p>�Krug. Verdammt.� Er schnappte sich seinen Hut. Ein wunderbarer Start f�r seinen dritten Tag in Uniform.</p><p>�Bei allem n�tigen Respekt, Captain, was geht hier vor?�</p><p>Krugs graue Augen durchbohrten ihn. �Sie haben mich mit General anzusprechen.�</p><p>In einem unkraut�berwucherten Feld, eine halbe Meile vor dem Haupttor, m�hten sich f�nf schwarze Rekruten, noch keiner von ihnen in Uniform, damit ab, zwei gro�e Zelte abzubrechen. Zeltbahnen verdeckten die umgest�rzten Pfosten. Mit rotem Gesicht deutete Charles auf die M�nner. �Warum bauen sie die Zelte ab?�</p><p>�Weil ich es ihnen befohlen habe. Sie haben unverz�glich auf den Grund westlich der Dampfpumpe �berzuwechseln.�</p><p>�Auf diesem Feld steht das Wasser.�</p><p>Krug schob das Kinn vor. �M��igen Sie Ihren Ton, Mister, oder ich bringe Sie zur Meldung. Drei Viertel der M�nner in diesem Posten w�rden Sie nur zu gerne gehen sehen.�</p><p>Die meisten meiner M�nner eingeschlossen, dachte Charles. Die f�nf Rekruten beobachteten ihn, als w�re er der alte Salem Jones, Mont Royals Aufseher vor dem Krieg. Mit knirschenden Z�hnen sagte er: �Die uns zugewiesenen Baracken General -sind mit Ratten, Flederm�usen, Schaben verseucht; ein einziger verdammter Zoo. W�hrend wir das Ungeziefer ausr�uchern, ben�tigen diese M�nner vor�bergehend Unterk�nfte. Weshalb sollen sie umziehen?�</p><p>�Weil General Hoffman heute morgen vorbeigeritten ist, August. Er schaut nicht gerne auf Niggersoldaten. Er m�chte sie au�er Sichtweite haben, wenn er nach Leavenworth City reitet oder von dort zur�ckkehrt. Ist das klar?�</p><p>Charles erinnerte sich an Griersons Warnung, was die Engstirnigkeit in der Armee anbelangte. �Sir, wenn Sie darauf bestehen, dann werden wir Bretter als Zeltb�den verlegen m�ssen. Wir werden Gehsteige bauen.�</p><p>�Keine Bretter. Sie schlafen auf der Erde. Das sind doch Soldaten, zumindest hat man uns das weisgemacht.�</p><p>�Warum zum Teufel sind Sie so w�tend auf mich, Krug?�</p><p>�Zwei Gr�nde, Mister. Zum einen halte ich Sie immer noch f�r einen Verr�ter. Zum anderen hat der Norden f�r die Erhaltung der Union gek�mpft, nicht f�r die Glorifizierung der Schwarzen. General Hoffman teilt diese Ansicht. Und jetzt bringen Sie diese M�nner in Bewegung.�</p><p>Charles n�herte sich den Rekruten. Schieferfarbene Wolken ballten sich am Himmel zusammen. Die Zeltbahnen schlugen und flatterten.</p><p>Die f�nf schwarzen M�nner starrten ihn an; ihr Ausdruck reichte von stoisch bis m�rrisch.</p><p>�Tut mir leid, M�nner. Sch�tze, ihr werdet vor�bergehend umziehen m�ssen. Ich versuche irgendwo ein bi�chen Holz aufzutreiben.�</p><p>Ein gro�er, walnu�brauner Mann trat vor. Potiphar Williams, ehemaliger Koch in einem Hotel in Pittsburgh. Er hatte als Erwachsener lesen und schreiben gelernt, um Rezepte zu verstehen und Speisekarten schreiben zu k�nnen. Charles hatte ihn als vielversprechend eingestuft.</p><p>Williams sagte: �Wir besorgen das Holz, Sir.�</p><p>�Es ist meine Aufgabe.�</p><p>�Wir brauchen keine Gef�lligkeiten von einem wei�en Mann, der f�r die Rebellen geritten ist.�</p><p>Steif sagte Charles: �Damit das klar ist. Ich bin nicht in den Krieg gezogen, um f�r die Erhaltung der Sklaverei oder der Konf�deration einzutreten. Ich habe f�r mein Heim in South Carolina gek�mpft.�</p><p>�Oh ja, Sir�, sagte Williams. �Mein Bruder und dessen Verwandtschaft in North Carolina, die hatten nur ein Heim, f�r das sie k�mpfen konnten, und das waren die Sklavenh�tten, in denen sie lebten.� Er drehte sich um. �Also los, Jungs. Packen wir zusammen, und tun wir, was der wei�e Mann uns befiehlt.�</p><p>Ike Barnes, bereits schlecht gelaunt, weil er gerade an H�morrhoiden litt, ging in die Luft, als Charles ihm von dem Vorfall berichtete. Grierson ging zu Hoffman. Der General weigerte sich, den Befehl r�ckg�ngig zu machen. Von dem Campieren auf dem feuchten Boden bekamen zwei Rekruten Lungenentz�ndung. Sie wurden ins Hospital geschickt, was drei wei�e Patienten veranla�te, das Krankenhaus unter Protest zu verlassen.</p><p>In der n�chsten Woche machte eine bunte Reisetruppe auf ihrem Weg nach Fort Riley Station. Die Truppe bestand aus zwei wei�en Frauen, einem ehemaligen Sklaven, der kochte, einem kleinen schwarzen Jockey aus Texas, vier Pferden, einschlie�lich eines Pa�g�ngers und einer Rennstute, und einigen Hunden: einem Greyhound, einem wei�en Bullterrier und mehreren Jagdhunden.</p><p>�Ist das hier ein Zirkus oder eine Armee?� grollte Barnes. �Was immer es ist, es ist jedenfalls eine verdammte Schande.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Grierson.</p><p>Die beiden standen zusammen mit Charles und einem Dutzend weiterer Neugieriger da und beobachteten den eleganten jungen Soldaten, der den Trupp f�hrte. W�hrend George Custer die Verladung seines Hengstes Phil Sheridan in einen Spezialwaggon der Bahn �berwachte, schrie er prahlerisch herum und machte seine Witzchen.</p><p>Aus Kriegszeiten erinnerte sich Charles noch sehr lebhaft an Custer. Er war immer noch geschniegelt: lange, flie�ende Haare, Walro�schnurrbart, leuchtend rotes Halstuch, goldene Sporen. Charles sagte zu Barnes: �Ich habe bei Brandy Station gegen ihn gek�mpft. Ich wei�, er k�mpft, um zu siegen, aber f�r meinen Geschmack ist er zu tollk�hn. Ich bin dankbar, da� ich nie unter ihm dienen mu�.�</p><p>Im Herbst kam es zu einem Erdrutschsieg der Republikaner bei den nationalen und staatlichen Wahlen. Johnsons katastrophale &gt;Tournee&lt; hatte sich gegen ihn und f�r die Radikalen ausgewirkt. Wenn sich der Kongre� wieder versammelte, w�rde der Verlauf des Wiederaufbaus sicherer denn je in republikanischer Hand sein.</p><p>In Fort Leavenworth begann Charles allm�hlich das Armeeleben zu genie�en, trotz gelegentlichen �rgers mit wei�en M�nnern wegen deren Vorurteile und trotz �rgers mit schwarzen M�nnern wegen seiner Herkunft. Er mochte die Einteilung der Tage durch Horn und Trompete, Trommel und Pfeife. Seit West Point war ihm das in Fleisch und Blut �bergegangen. In seiner M�nchsklause im Junggesellenquartier der Offiziere weckte ihn eine innere Uhr jeden Morgen um 4 Uhr 30, f�nfzehn Minuten vor dem Trompetensignal.</p><p>Jede Kompanie des Zehnten Regiments sollte neunundneunzig M�nner umfassen. Doch die Rekruten trafen so schleppend ein, da� Charles sich fragte, ob Grierson je ein Regiment in voller Sollst�rke haben w�rde. Es half dem Ruf des Zehnten Regiments nicht sonderlich, als ein Rekrut davonrannte und in Lea-venworth die Nachricht verbreitet wurde, da� es mit der nur aus Schwarzen bestehenden Neunten Kavallerie unten in San Antonio viel �rger gegeben hatte. Rekruten der Neunten hatten einen Zusammensto� mit der lokalen Polizei gehabt und einen Aufruhr in Gang gebracht. Viele von ihnen landeten im Gef�ngnis. �Wunderbar�, schnaubte Grierson, als er davon h�rte. �Genau das hat Hoffman noch gefehlt, um seine Meinung best�tigt zu sehen.�</p><p>Charles nahm freiwillig die Verantwortung f�r die Desertion auf sich. Der m�rrische Rekrut hatte eines der Pferde mi�handelt. Charles hatte ihn daran gehindert und ihm einen zus�tzlichen Arbeitsdienst aufgebrummt. �Sicher, die Haut von so einer Schindm�hre geht dir �ber die Haut von 'nem Nigger, du St�ck S�dstaatenschei�e�, hatte der Rekrut gesagt und ihm einen Schlag versetzt.</p><p>Charles mu�te von dem Schwarzen weggezerrt werden; um ein Haar h�tte er den Rekruten mit seinen F�usten umgebracht, hie� es sp�ter.</p><p>Zwei N�chte danach rannte der Rekrut davon. In Kansas City wurde er erkannt, wieder eingefangen und unehrenhaft aus der Armee ausgesto�en, was ihm lebensl�nglich anh�ngen w�rde.</p><p>Die C-Kompanie wurde gebildet. Ike Barnes wurde Kommandeur, und Floyd Hook, ein jungenhaftes Unschuldslamm, First Lieutenant. Charles kam an dritter Stelle. Floyd oder Charles bekamen gelegentlich von Barnes die Aufgabe �bertragen, neue M�nner willkommen zu hei�en. Charles bastelte sich eine kleine Ansprache zurecht.</p><p>�Willkommen in eurem neuen Heim, manchmal auch Arbeitshaus der Regierung genannt. Ihr werdet nicht nur lernen, hervorragende Kavalleristen zu werden, sondern k�nnt euch auch darauf freuen, Backsteine zu schleppen, W�nde zu malen und Holz zu hacken. Ab und zu wird man dabei auch als Brevet-Architekt bezeichnet.�</p><p>Die schwarzen Rekruten zeigten nie ein L�cheln. Es lag nicht an dem Wort Brevet, das wu�te Charles. Es war sein Akzent.</p><p>Geduldig brachte er jedem Neuling bei, wie man ein Paar Socken zusammenrollte und sie sich unters Hemd stopfte, um Schulterabsch�rfungen bei den Schie��bungen zu vermeiden. Er �berwachte die ersten Versuche, ein Pferd zu satteln und zu besteigen. Sobald die Rekruten nicht mehr herunterfielen, begann er mit dem Drill f�r Revolver und Gewehr. Er br�llte den M�nnern zu, sich Zeit zu lassen und ihre Waffen ruhig zu halten, w�hrend sie auf Zwiebackkisten schossen; anfangs gingen ihre Pferde im Schritt, dann im Trab und schlie�lich im Galopp.</p><p>�Ruhig - ruhig�, pflegte er zu br�llen. �Die Wahrscheinlichkeit ist gro�, da� ihr in eurem ganzen Armeeleben nur eine Schlacht mitbekommt. Aber an diesem Tag kann dieser Drill hier �ber Leben und Tod entscheiden.�</p><p>Die Offiziere wurden so was wie Ersatzv�ter, die die Neuen vor den Schikanen der Alten zu sch�tzen hatten - die Alten, das waren die, die vor einer Woche angekommen waren. Ein junger Neuank�mmling brach zusammen und heulte.</p><p>�Sie sagten mir, ich solle mir meine Butterzuteilung aus der Messe holen. Der Koch wird versuchen, sie f�r sich selber zu behalten, sagten sie. Also pa� auf. Ich gehe zu ihm und sagte: Gib mir meine Butter, und keine verdammte Widerrede.� Er schlug sich auf die Oberschenkel. �Es gibt keine Butterzuteilung.�</p><p>�Nein. Das ist ein alter Trick. H�r mal, jeder neue Mann wird auf den Arm genommen. Du bist jetzt durch. Du hast's �berstanden.�</p><p>�Aber die anderen nennen mich jetzt Butterkopf.�</p><p>�Wenn sie dir einen Spitznamen geben, dann zeigt das, da� sie dich m�gen.�</p><p>Der Rekrut wischte sich die Augen. �Ist das die Wahrheit?�</p><p>Charles l�chelte. �Die Wahrheit.� Angeh�rige der kleinen Offiziersgruppe des Zehnten Regiments wurden &gt;Eisenarsch&lt; und &gt;Der freundliche Floyd&lt; genannt.</p><p>�Was ist Ihr Spitzname, Cap'n?�</p><p>Das L�cheln wurde steif. �Lieutenant. Ich habe keinen.�</p><p>Der Dienst in der Zehnten hatte den Vorteil, da� er den kleinen Gus h�ufig sehen konnte. Charles schaffte es, ihn fast jeden Tag f�r ein paar Minuten zu besuchen. Der Junge f�hlte sich nun von seinem Vater nicht mehr so eingesch�chtert, da Charles' Haltung l�ngst nicht mehr so schroff war.</p><p>Weihnachten n�herte sich. Charles weigerte sich, irgendwelche Handarbeiten der Fort-Indianer zu kaufen, obwohl die mit Stachelschweinborsten und Perlen verzierten Artikel attraktiv und billig waren. Statt dessen kaufte er in Leavenworth ein. Er kaufte einen Satz B�rsten f�r Duncan, Parf�m f�r Maureen und Willa und ein Holzpferd f�r seinen Sohn.</p><p>Am 21. Dezember 1866, vier Tage vor Weihnachten, erhielt dann die Armee ein unerw�nschtes Pr�sent.</p><p>Fort Phil Kearny bewachte den Bozeman Trail, der zu den Goldfeldern von Montana f�hrte. Die blo�e Existenz des Forts stellte eine Provokation f�r die Sioux und die Cheyenne im Norden dar, die dieses Land f�r sich beanspruchten. Kriegsh�uptlinge mit bekannten Namen - Rote Wolke von den Sioux, R�mernase von den Cheyenne - griffen Kearny mit zweitausend Kriegern an.</p><p>William Fetterman, ein Captain, bei dem die Tollk�hnheit �ber die Vernunft siegte, meinte, er k�nne mit achtzig Mann die Linien der Angreifer durchbrechen. Er behauptete, er k�nnte sich durch die gesamte Sioux-Nation schlagen. So sammelte er seine M�nner, die einige Holzfuhren zur�ck zum Fort bewachen sollten, und die Armee hatte zu Weihnachten ihr Fetter-man-Massaker. Keiner der achtzig M�nner �berlebte.</p><p>Ein unbarmherziger Zug in Charles nahm die schlechten Nachrichten mit Befriedigung auf. Nach dem Massaker und dem sich anschlie�end erhebenden Rachegeschrei glaubte er, die Armee w�rde nun vielleicht gegen die s�dlichen St�mme vorgehen. Wenn es soweit war, w�rde er bereit sein.</p><p>Zu Weihnachten schickte ihm Willa ihr Foto in einer kleinen, gerahmten Fassung und eine goldbeschriftete Lederausgabe von &gt;Macbeth&lt; mit einer romantischen Inschrift, in der es hie�, da� ihr &gt;Pechst�ck&lt; zu einem Gl�cksbringer f�r sie geworden sei, da sie sich dadurch gefunden hatten. Den Geschenken lag ein Brief voller Z�rtlichkeiten bei.</p><p><emphasis>Mein liebster Charles,</emphasis></p><p><emphasis>ich werde mir M�he geben, daran zu denken, da� Dein neuer Nachname August lautet, und ich lege einen heiligen Eid ab, da� ich Deinen wirklichen Namen niemals laut aussprechen werde, obwohl er mir sehr am Herzen liegt...</emphasis></p><p>So ging es einige Abs�tze weiter; die Worte freuten und erw�rmten ihn trotz seiner unver�nderten Bedenken bez�glich irgendwelcher Bindungen. Kurz darauf bekam er handfest vorgef�hrt, da� er durchaus Gr�nde hatte, auf der Hut zu sein.</p><p><emphasis>Es wird viel �ber die Fetterman-Trag�die geredet. Ich bete, da� es deswegen nicht zu einem Vergeltungsschlag auf der ganzen Linie kommt. Ich kann nicht l�nger vor Dir verbergen, da� ich mich der �rtlichen Niederlassung der Indian Friendship Society angeschlossen habe, die Gerechtigkeit f�r jene durchzusetzen sucht, die so lange der Gier und den T�uschungsman�vern der Wei�en ausgesetzt waren. Ich lege Dir ein kleines Flugblatt der Gesellschaft bei, in der Hoffnung, Du findest es</emphasis> ...</p><p>An der Stelle warf er den Brief in Duncans Eisenofen, ohne ihn zu Ende zu lesen.</p><p>Am Weihnachtstag merkte er, da� er Willas einundzwanzigsten Geburtstag vergessen hatte.</p></section><section><title><p id="bookmark37"><strong>27</strong></p></title><p>Um seinen Schnitzer wiedergutzumachen, wandte sich Charles an Ike Barnes' winzige Frau Lovetta, deren Stimme, falls n�tig, so laut werden konnte wie eine Dampfpfeife. Lovet-ta nahm etwas von Charles' Sold und versprach, etwas zu suchen, was einer jungen Frau gefallen w�rde. Zwei Tage sp�ter kam sie mit einer reich mit Perlen verzierten indianischen Tasche mit Schulterriemen an. Der Anblick �rgerte ihn, doch er bedankte sich bei ihr und schickte das Geschenk mit einigen entschuldigenden Zeilen nach St. Louis.</p><p>Kurz nach Neujahr begannen alle in Leavenworth dar�ber zu reden, da� General Hancock im Fr�hjahr ins Feld ziehen w�rde, um den Indianern gegen�ber St�rke zu demonstrieren, vielleicht sogar, um jene zu bestrafen, die f�r das Fetterman-Massa-ker verantwortlich waren. Inzwischen gab Grierson allm�hlich die Hoffnung auf, sein Regiment jemals auf Sollst�rke zu bringen. Bis jetzt hatten sie nicht mehr als achtzig M�nner.</p><p>Fast alle mu�ten sie an Kaplan Grimes' Spezialunterricht teilnehmen. Das niedrige Niveau der Rekruten b�rdete den Offizieren zus�tzliche Lasten auf. Sie mu�ten sich um all den Papierkram k�mmern, den normalerweise die Unteroffiziere erledigten.</p><p>Trotzdem mu�te Charles widerstrebend zugeben, da� die Stadtjungs ihren Bildungsmangel durch ihre Begeisterung und ihren Eifer mehr als wettmachten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, benahmen sie sich ordentlich. Befehlsverweigerung, Trunkenheit und kleine Diebst�hle kamen weit weniger h�ufig vor als bei wei�en Soldaten. Charles vermutete, da� die Motivation dabei eine gro�e Rolle spielte. Die M�nner wollten Erfolg haben, sie hatten sich die Armee ausgesucht, anstatt sie als Zufluchtsst�tte zu betrachten.</p><p>Motivation und allgemeines Auftreten beeindruckten allerdings weder General Hoffman noch seinen Stab. Hoffman ordnete �berraschungsinspektionen der Baracken der Zehnten an und bestrafte dann die Soldaten wegen Schmutzes auf dem Boden oder Flecken an den W�nden. Durch die undichten T�ren und Fenster blies der Wind Schmutz herein. Die Flecken wurden durch undichte D�cher verursacht. Hoffman ignorierte alle Erkl�rungen und verweigerte jegliches Reparaturmaterial.</p><p>Der Kommandeur f�hrte einen erbarmungslosen Kampf gegen den &gt;Niggerabschaum&lt;. Wenn einer von Griersons Offizieren einem schreibkundigen Rekruten etwas Verantwortung �bertrug, dann schickte das Hauptquartier die Berichte des Mannes mit dem Vermerk <emphasis>Schlampig</emphasis> oder <emphasis>Nicht korrekt</emphasis> zur�ck. Auf Anordnung von Hoffman mu�te das Zehnte Regiment bei Inspektionsformationen mindestens f�nfzehn Meter von wei�en Einheiten entfernt antreten.</p><p>Bei den Pferden, die dem Zehnten Regiment zur Verf�gung gestellt wurden, handelte es sich um abgehalfterte Wracks aus dem Krieg, einige davon gute zw�lf Jahre alt. Als Grierson protestierte, meinte Hoffman achselzuckend: �Das Armeebudget ist angespannt, Colonel. Man verlangt von uns, die Waffen, Munition und Pferde zu nehmen, die bereits vorhanden sind. Ich w�rde sagen, diese Klepper sind gut genug f�r Nigger.�</p><p>�General, bei allem Respekt, ich verlange, da� meine M�nner nicht als ...�</p><p>�Ihre M�nner w�ren nicht mal hier, wenn der verdammte Kongre� nicht die Schwarzen verh�tscheln w�rde. Ich mu� niemanden verh�tscheln. Abtreten.�</p><p>In der Messe sagte Grierson zu seinen Offizieren: �Wir m�ssen dieses Regiment auf die Beine stellen und von diesem Posten hier verschwinden. Wenn nicht, dann wird etwas Furchtbares passieren. Ich bin kein gewaltt�tiger Mensch. Ich bin kein gottloser Mensch. Aber wenn wir hier noch l�nger bleiben, dann ist Hoffman tot. Ich bringe diesen bigotten Schei�kerl pers�nlich um.�</p><p>Charles lachte und schlo� sich dem allgemeinen Applaus an.</p><p>Grierson f�gte hinzu: �Wenn Alice w��te, wie sich Hoffman auf meinen Charakter und meine Ausdrucksweise auswirkt, sie w�rde sich glatt scheiden lassen.�</p><p>Barnes - oder &gt;der Alte&lt;, wie er allgemein genannt wurde - unterrichtete die C-Kompanie h�ufig in praktischen Dingen, die nicht zum offiziellen Armeerepertoire geh�rten.</p><p>�M�nner�, sagte er eines Tages und schritt, seinen Bauch voraus, die Reihen ab, �ihr sollt stolz auf eure Uniform sein. Das ist in Ordnung, solange wir hier im Fort sind.� Sein Blick huschte �ber die ernsten, aufmerksamen Gesichter, braun und bernsteinfarben, Mahagoni und Ebenholz. �Ich m�chte jedoch, da� sich jeder von euch eine neue Ausr�stung f�rs Feld besorgt. Es ist mir egal, wie's aussieht, solange es nur warm ist, locker sitzt und sich St�ck um St�ck ausziehen l��t, wenn die Sonne euch im eigenen Saft brutzeln l��t. F�r die Art von K�mpfen, in die wir verwickelt werden, belastet ihr euch besser nicht mit zus�tzlicher schwerer Ausr�stung. Also stellt euch eine neue Uniform zusammen - Hemd, Hose, Mantel, Hut. Kauft es euch. Feilscht darum. Wenn ihr es klaut, la�t euch nicht erwischen.�</p><p>Als wollte er die ganze Sache abschlie�en, strich er sich mit dem Zeigefinger �ber den Schnurrbart, f�gte dann jedoch noch hinzu: �Je weniger Regierungsblau ich bei dieser Truppe sehe, desto gl�cklicher bin ich.�</p><p>Wenn Charles gelegentlich mal eine freie Stunde hatte, ritt er nach Leavenworth City. Im Prairie Dog Saloon in der Main Street wurde ein wesentlich h�herprozentiger Whisky ausgeschenkt als das verw�sserte Zeug, das es an der Offiziersbar beim Kantinenwirt gab.</p><p>An einem sonnigen Samstag befand er sich auf dem Weg in die Stadt, als er Sch�sse h�rte. Bald darauf sah er einen teuer gekleideten Zivilisten, der sein Pferd neben der Stra�e angepflockt hatte, um in sicherer Entfernung einige Ziel�bungen zu machen. Charles stoppte und beobachtete, wie der Fremde mit einer Salve aus seinen beiden .44 Kaliber-Double-Action-Colts eine Reihe von zw�lf Flaschen abscho�.</p><p>Als das Echo der Sch�sse verhallte, rief Charles: �Das war ausgezeichnet.�</p><p>Der Sch�tze schlenderte herbei. Er war ungef�hr so alt wie Charles; mit Custer hatte er die langen Haare und den Schnurrbart gemeinsam. Dieses Erscheinungsbild wurde durch eine vorstehende Oberlippe gest�rt. Er trug einen rehbraunen Frack, eine gr�nseidene Weste und teure Stiefel.</p><p>�Danke�, sagte er. �Entdecke ich da nicht einen S�dstaatenklang in Ihrer Stimme, Sir?�</p><p>In der Frage lag eine gewisse Sch�rfe. Charles sagte: �Grenzbereich�</p><p>�Ah, ein Loyalist der Union. Ich komme aus Troy Grove, Illinois. La Salle County. Abolitionistenterritorium.� Er streckte die Hand aus, und Charles sch�ttelte sie. �Im Augenblick verdiene ich als Meldereiter f�r die Armee die Summe von sechzig Dollar im Monat. Ich hoffe, da� ich im Fr�hjahr bei General Hancock als Scout unterkomme.�</p><p>�Sie �ben viel, nicht wahr?�</p><p>�Drei, vier Stunden t�glich. Da steckt keine Magie dahinter, jemanden zu t�ten, der einen t�ten will. H�ngt in erster Linie von der Genauigkeit ab, plus ein paar Tricks. Halte immer auf den Kopf, nie auf die Brust. Ein Mann mit einer t�dlichen Brustwunde kann noch lange genug schie�en, um dich fertigzumachen.�</p><p>�Ich werde es mir merken. Nun, machen Sie weiter so, Mr. ...�</p><p>�Jim�, sagte der Fremde. �Einfach nur Jim.�</p><p>Im Prairie Dog Saloon erw�hnte Charles den stutzerhaft gekleideten Fremden. Der Barkeeper wurde bla�. �Oh Gott. Sie haben ihn doch nicht beleidigt, oder? Nein, ich sch�tze nicht, sonst w�ren Sie nicht hier.�</p><p>�Wie meinen Sie das? Er schien zu der h�flichen Sorte zu geh�ren.�</p><p>�Sagen Sie Duck Bill zu ihm, dann werden Sie schon sehen, wie h�flich er ist. Ein Mann nannte ihn so, und er scho� ihn nieder. Der Sch�tze hei�t J.B. Hickok.�</p><p>Charles kannte den Namen. Jedermann kannte den Namen dieses gef�rchteten Killers. �Er sagte, er sei momentan Meldereiter f�r die Armee.�</p><p>�Ja. Er und so ein prahlerischer Bursche namens Will Cody.�</p><p>Charles stie� einen leisen Pfiff aus. Er hatte mit einem der gef�hrlichsten M�nner im Grenzgebiet ein paar freundliche Worte gewechselt. Die Erw�hnung von Cody �berraschte ihn fast genauso. Das Golden Rule House des jungen Mannes aus Kansas hatte sich, genau wie Dutch Henry Griffenstein vorausgesagt hatte, nicht lange gehalten.</p><p>In der feuchten, nebligen Finsternis rannte Charles mit flatternden Nachthemdzipfeln auf die Laternen zu. Haare im Gesicht, Schlaf in den Augen, so rannte er, w�hrend die Furcht ihm den Mund trocken werden lie�, auf die Gruppe von Milit�rpolizisten �stlich vom Waffenlager zu.</p><p>Einer dieser M�nner hatte an seine T�r geh�mmert, um ihn zu wecken. Grierson war nirgendwo aufzutreiben. Der neue Ad-jutant, ein wiedereingestellter Offizier namens Woodward, war erst n�chste Woche f�llig. Ike Barnes und Lovetta machten einen Kurzurlaub in St. Louis, und Floyd lag mit einer Grippe im Bett.</p><p>Schwitzend erreichte Charles das halbe Dutzend M�nner, die mit ihren Laternen in einiger Entfernung von den Holzpf�hlen der Eisenbahnbr�cke �ber den Missouri standen. Das Metall ihrer Revolver und Karabiner gl�nzte.</p><p>�Sir, der Schwarze ist einer Ihrer M�nner�, sagte ein Corporal nach einem schlampigen Salut. �Er will sich nicht ergeben. Wir werden ihn erschie�en m�ssen.�</p><p>Am Rande des Lichtkegels kauerte Shem Wallis, einer der neuen Rekruten, hinter einem Pfosten; nur ein wei�es Auge und ein St�ck von seinem schwarzen Gesicht waren zu sehen.</p><p>�Lassen Sie mich mit ihm reden, Corporal.�</p><p>�Sir, egal ob Wei�er oder Nigger, wenn ein Soldat sich von der Truppe entfernt und Widerstand leistet, wenn er geschnappt wird, dann haben wir Befehl ...�</p><p>�Ich sagte, ich rede mit ihm.� Charles dr�ckte den Karabiner des Corporal nach unten und entfernte sich von den murrenden M�nnern.</p><p>Je n�her er an Wallis herankam, desto mehr sah er von ihm. Dazu geh�rten auch schwarze Finger, die eine Allin Conversion umklammerten, die von der Springfield-Waffenfabrik 1865 umgebaut und der Armee angedreht worden waren. Es handelte sich dabei um eine veraltete, einsch�ssige Waffe, aber einen Mann konnte man damit immer noch erledigen.</p><p>Wallis machte einen entschlossenen Eindruck. �Lieutenant, Sie bleiben dort. Ich hab's diesen wei�en Jungs schon gesagt, der erste, der mich �berw�ltigen will, f�hrt zur H�lle.�</p><p>Charles' Magen schmerzte. Sein Kopf ebenfalls. �Shem, h�r zu. Du h�ttest nicht versuchen sollen zu desertieren, nachdem du diesen Wachposten niedergeschlagen hattest. Aber du machst alles nur noch schlimmer.�</p><p>�Ich bin in die Armee eingetreten, weil ich auf das, was ich tat, stolz sein wollte!� schrie Wallis. �Ich bin nicht gekommen, um wieder wie ein Niggersklave mit einem Pinsel in den H�nden niederzuknien. Ich habe meinen ganzen Samstag damit zugebracht, den Zaun irgendeines Offiziers zu streichen, und dann kommt er raus, schaut sich das an und meint, jeder Trottel k�nnte das besser.�</p><p>Charles trat einen Schritt vor, dann noch einen. Sein Atem stand in wei�en Wolken um ihn herum. �Diese Art von Dienst ist eine der �blen Seiten in der Armee, Shem. Ich dachte, ich h�tte das klargemacht.�</p><p>�Das haben Sie. Ich will's blo� nicht mehr tun.�</p><p>Sechs Fu� von dem Pfosten entfernt streckte Charles die Hand aus. �Gib mir das Gewehr. Ich wei�, was an dir fri�t. Dieser endlose Winter. Jeder sp�rt das.�</p><p>Die alte Springfield richtete sich genau auf seine Brust. �Ich erschie�e Sie, Lieutenant.�</p><p>Einen Meter vor dem Pfosten blieb Charles stehen. �Also gut, damit w�re diese Kugel weg. Einen zweiten Schu� hast du nicht. Die Jungs hinter mir erledigen dich dann. Gib auf, Shem. Du wirst eine Weile im Arrest sitzen, aber das ist immer noch besser, als auf dem Friedhof zu liegen. Danach wirst du dorthin zur�ckkehren, wo du hingeh�rst. Du hast das Zeug zu einem guten Soldaten. Das meine ich ehrlich. Du bist ein guter Mann.�</p><p>Mit ausgestreckter Hand ging er langsam weiter. Wallis dr�ckte die Springfield gegen die Schulter. Zielte.</p><p>Charles sah, wie die M�ndung gr��er und gr��er wurde, je n�her er kam.</p><p>Gr��er.</p><p>Wallis' angespannter Oberk�rper bewegte sich. Charles verlagerte sein Gewicht, aber er wu�te, da� er der Kugel nicht mehr ausweichen konnte.</p><p>Die Springfield polterte zu Boden. Mit einem verlorenen St�hnen schlug Wallis beide H�nde vors Gesicht. Dann richtete er sich auf, trat hinter dem Pfosten hervor und hob die H�nde. Zwischen seinen Fingern konnte Charles noch ein bi�chen wei�e Farbe sehen.</p><p>Hancock verk�ndete seine Absicht, ins Feld zu ziehen, sobald sich das Wetter besserte. In der letzten Februarwoche teilte er eines Abends einer Versammlung von Offizieren des Postens mit, da� seine Soldaten aus Leavenworth durch M�nner von A.J. Smith's Siebenter Kavallerie verst�rkt w�rden. Diese kombinierten Kr�fte w�rden von Fort Riley aus ins Indianerland vorsto�en.</p><p>�Einige von Ihnen werden mich begleiten. Andere werden hierbleiben. Ihnen allen jedoch sollte das Ziel dieser Expedition klar sein. Ich habe Befehl von General Sherman, die Indianer einzusch�chtern und mich mit den wichtigen H�uptlingen zu treffen, um ihnen zu sagen, da� sie sich dieses Jahr von der Eisenbahn und den Wagenrouten fernzuhalten haben. Wenn sie darauf trotzig und herausfordernd reagieren und eine kriegsm��ige Haltung einnehmen, dann sollen sie ihren Krieg haben. Weder Aufs�ssigkeit noch Frechheit werden geduldet. Das ist jetzt die offizielle Regierungspolitik.�</p><p>In seinem n�chsten Brief an Willa schrieb Charles nichts von Regierungspolitik. Er vermutete, sie w�rde zeitig genug davon erfahren.</p><p>�Setzen Sie sich, Soldat�, sagte Charles zu Potiphar Williams. Mi�trauisch nahm der fr�here Koch auf dem Besucherstuhl Platz.</p><p>�Die C-Kompanie braucht einen First Sergeant. Lieutenant Hook und ich haben Sie vorgeschlagen, Captain Barnes hat zugestimmt, und ich freue mich, sagen zu k�nnen, da� Colonel Grierson unserer Empfehlung gefolgt ist. Sie kriegen den Job, nicht nur, weil Sie lesen und schreiben k�nnen, sondern weil Sie sich als guter Soldat erwiesen haben.�</p><p>Ganz kurz blitzte der Stolz in Williams auf, bevor er durch die alte, kaum verh�llte Feindseligkeit ersetzt wurde. �Sir, ich wei� das Angebot zu sch�tzen, kann es aber nicht annehmen.�</p><p>�Seien Sie nicht so verflucht halsstarrig. Ich wei�, da� Sie mich nicht m�gen. Das macht keinen Unterschied. Im Krieg habe ich mit einer Menge M�nner zusammen gedient, die ich nicht leiden konnte.� Williams r�usperte sich. Charles zwinkerte. �Moment mal. Geht es nur um mich oder um noch was anderes?�</p><p>�Es ist ...� Williams erstickte fast daran. �Das Sehen.�</p><p>�Was?�</p><p>Williams Schultern sanken herab. �Meine Augen sind schlecht. Das Gewehrschie�en auf ein Ziel macht mir keine Schwierigkeiten. Ich kann auch die Aufschrift auf der Standarte lesen, wenn sie ein St�ck entfernt ist. Aus der N�he aber - nun ja, ich habe die Hotelk�che unter anderem auch deshalb verlassen, weil ich beim Schneiden und Teilen nicht richtig sehen konnte. Beim Schneiden von Karotten oder Bohnen habe ich Blut und Wasser geschwitzt.� Er zeigte eine lange, blasse Messernarbe zwischen Daumen und Zeigefinger. Charles war die Narbe nie aufgefallen.</p><p>�Da gibt es eine einfache M�glichkeit, Williams. Lassen Sie sich vom Arzt eine Brille verpassen.�</p><p>Wieder ein unbehagliches Schweigen. ��h, Sir - ich kann mir keine Brille leisten. Ich schicke fast meinen ganzen Lohn an meine vier Br�der und Schwestern nach Pittsburgh.�</p><p>�Meine G�te, ich werde Ihnen das Geld leihen, und bitte keine Diskussion dar�ber.�</p><p>Williams musterte Charles lange und sorgf�ltig, dann fragte er: �Die wei�en Offiziere wollen mich wirklich als First Sergeant?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie auch?�</p><p>�Die Wahl war einstimmig.�</p><p>Williams blickte zur Seite. �Sie sind nicht so �bel, wie ich dachte. Was Sie f�r Shem Wallis getan haben, das war anst�ndig. Ich werde das Geld sobald wie m�glich zur�ckzahlen.�</p><p>�Gut. Eine kleine Warnung. Sie werden den Spitznamen Sterngucker kriegen. Jeder Kavallerist mit einer Brille ist ein Sterngucker.�</p><p>Williams dachte dar�ber nach. �Nun, ich denke, das ist immer noch besser als mein jetziger Spitzname.� Charles hob eine Augenbraue. �Von Potiphar sind die Jungs auf Pi�pott gekommen.�</p><p>Charles lachte. Williams ebenfalls. �Das ist eine eindeutige Verbesserung. Gratulation.� Charles streckte die Hand aus. �Sergeant.�</p><p>Williams runzelte die Stirn. Er studierte die wei�e Handfl�che und die Finger, dann nickte er leicht und sch�ttelte die Hand.</p><p>Es war der 1. M�rz 1867. General Winfield Scott Hancock, elegant und w�rdevoll aussehend, verlie� Fort Leavenworth.</p><p>Es war ein feuchter, kalter Morgen. Charles stand zwischen jubelnden Soldaten, Ehefrauen und Campgefolgschaft, die den Aufbruch beobachteten. Die Milit�rkapelle spielte alle g�ngigen Sachen, einschlie�lich des beliebten Marsches &gt;The Girl I Left Behind Me&lt;.</p><p>Die Fahnen der Nation, der Division und des Department wurden vorbeigetragen. Infanteriekompanien marschierten los. Von Pferden gezogene Wagen bef�rderten die leichten, zuverl�ssigen Zw�lfpf�nder Berghaubitzen. Die Segeltuchd�cher der Versorgungswagen segelten langsam wie Schoner vorbei.</p><p>Die Kolonne war nicht vollst�ndig mit dem Blau der Armee bekleidet. Spurensucher der Osage und der Delaware mischten sich unter einige Zivilisten, darunter auch Mr. Hickok, der in engen hirschledernen Reithosen und einer grellen, orangefarbenen Zuavejacke steckte. Seine beiden Revolver mit den Elfenbeingriffen trug er deutlich sichtbar. Hickoks Stute, Black Neil, t�nzelte flott dahin; hutschwenkend salutierte ihr Reiter vor der Menge. Als er Charles entdeckte, begr��te er ihn herzlich. Die Kavalleristen der C-Kompanie starrten Charles an, als h�tte er urpl�tzlich einen Heiligenschein bekommen.</p><p>Eine schwankende Ambulanz bef�rderte Mr. Davis, der f�r &gt;Harper's Monthly&lt; schrieb, und Mr. Henry Stanley, der den &gt;New York Herald&lt; und andere Zeitungen repr�sentierte. Die Gener�le Hancock und Sherman w�nschten eine gute Presse.</p><p>Der Alte spuckte aus und sagte zu Charles: �Wei�t du, was in einigen dieser Wagen ist? Pontonboote, bei Gott.�</p><p>�Pontonboote? Wozu?�</p><p>�Na, um Fl�sse �berqueren zu k�nnen. Wenn Hancock ein paar Indianer auf der anderen Flu�seite entdeckt, verstehst du, dann sollen die Indianer 'nen halben Tag warten, damit Hancock seine Pontonboote auslegen, �bersetzen und k�mpfen kann.� Wieder spuckte er aus. �Das zeigt, wieviel die vom Krieg in den Pr�rien verstehen. Das geht nicht gut, Charlie.�</p><p>PULASKI CITIZEN f.o. mccord, Lokalredakteur Pulaski, Tenn.</p><p>Freitag morgen, 29. M�rz 1867</p><p>was bedeutet das? - Die folgende mysteri�se Nachricht, &gt;Ach-tung&lt;, wurde gestern morgen fr�hzeitig unter unserer T�r gefunden; zweifellos wurde sie in der Nacht durchgeschoben. Will uns jemand damit etwas mitteilen, falls die Sache �berhaupt irgendeine Bedeutung hat? Was ist ein &gt;Ku-Klux-Klan&lt;, und wer ist dieser &gt;Gro�e Zyklop&lt;, der diese geheimnisvollen, gebieterischen Befehle erteilt? Kann uns jemand in dieser Angelegenheit Aufkl�rung geben? Hier ist der Befehl: �ACHTUNG - Der Ku-Klux-Klan wird sich an seinem gewohnten Treffpunkt versammeln, der &gt;H�hle&lt;, kommende Dienstagnacht, genau um Mitternacht, im Kost�m und mit den Waffen des Klans.</p><p>Befehl vom Gro�en Zyklopen. G.T.�</p><p>Erste Erw�hnung des Klans in der US-Presse</p><p>�Ich w�nschte trotzdem, wir k�nnten mit.�</p><p>�Willst dir ein paar rote Skalpe holen, was?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ike Barnes studierte das Gesicht seines Lieutenant; der kalte, starre Ausdruck gefiel ihm ganz und gar nicht. �Du wirst deine Chance kriegen�, sagte er, ohne seine Mi�billigung zu verbergen.</p></section><section><title><p id="bookmark38"><strong>28</strong></p></title><p>Charles war gerade Offizier vom Dienst, als ein weiterer Rekrut ankam. Auf den ersten Blick wirkte er nicht sonderlich auff�llig, ein kr�ftiger schwarzer Mann mit rundem Gesicht Ende Zwanzig, der all seine Habseligkeiten in einem gro�en Tuch zusammengebunden hatte. Ein schwarzseidenes Taschentuch bauschte sich in der Brusttasche seines alten Fracks, der ein Loch in einem Ellbogen hatte. Die Zehen seines linken Schuhs schauten ins Freie.</p><p>�Stillgestanden, w�hrend ich einige Informationen sammle.� Charles glaubte daran, da� man Rekruten schnell an den Armeeton gew�hnen mu�te. Er studierte die Papiere des Mannes. �Sie hei�en Magee?�</p><p>�Jawohl, Sir.� Der Rekrut grinste, das breiteste, sonnigste L�cheln, das Charles je bei einem menschlichen Wesen gesehen hatte. Das ansteckende L�cheln ri� ihn aus der tr�ben Stimmung, in die der morgendliche Regen ihn versetzt hatte. Das Leben mochte dem Mann in ein paar anderen Punkten einiges vorenthalten haben, doch diese Z�hne waren absolut perfekt.</p><p>�Wendell Phillips Magee�, f�gte er hinzu. �Mama nannte mich nach .�</p><p>�Ich wei߫, unterbrach Charles, �der Abolitionist.� Wieder studierte er die Papiere. �Sie haben sich in Chicago gemeldet.� Illinois mu�te ein langweiliger Staat sein. Eine Menge Leute gingen da weg; Leute wie Hickok und einige andere Revolverk�nstler wie Earp und Masterson, den Floyd Hook ihm gegen�ber erw�hnt hatte. �Was haben Sie in Chicago gemacht, Ma-gee?�</p><p>�Hausdiener in einem Saloon. B�den gewischt. Spuckn�pfe geleert.� Es klang nicht bitter, es war lediglich eine Feststellung. �Hab' von den G�sten ganz sch�n was abgekriegt, weil ich ein Nigger bin. Als meine Tante Flomella starb - die Schwester meiner Mama, meine einzige Verwandte -, bin ich auf einen Artikel in einer Zeitung aufmerksam geworden.�</p><p>�Sie k�nnen lesen, ja?�</p><p>�Jawohl, Sir, General.�</p><p>�Ich bin Lieutenant.�</p><p>�Jawohl, Sir, tut mir leid. Ich kann auch rechnen.� Der Rekrut hatte eine fr�hliche, lockere Art; Kritik sch�chterte ihn nicht ein. Seine schnellen Spr�che und sein breites L�cheln waren wom�glich als Verteidigung gegen die von ihm erw�hnten Schm�hungen gedacht. �In der Zeitung stand: &gt;Ihr jungen farbigen M�nner, zieht das Blaue der Armee an.&lt;� Magee �berraschte Charles damit, da� er pl�tzlich das schwarze Tuch aus seiner Brusttasche ri�. Mit dem rechten Zeigefinger stopfte er das Seidentuch in seine linke Faust. �Also sagte ich mir, Magee, sagte ich, das klingt gut, was?� Blitzschnell verschwand das Tuch. �Krempel dein ganzes Leben um. Schwarz zu Blau.� Er zupfte an der anderen Seite seiner Faust und zog ein langes Seidentuch hervor. In leuchtendem Blau.</p><p>Charles lachte. Entz�ckt schwenkte Magee das Tuch mit der rechten Hand, w�hrend er seine leere linke Handfl�che zeigte. �Schwarz zu Blau�, wiederholte er mit seinem verbl�ffenden Grinsen. �Ein ganz neues Leben, und froh bin ich dr�ber.� Er steckte das Tuch weg.</p><p>�Kennen Sie noch mehr solche Tricks?�</p><p>�Oh ja, Sir, General. Die ersten hab' ich von einem Barkeeper gelernt, kurz nachdem ich mit der Arbeit angefangen hatte. Da war ich so ungef�hr neun. Im Laufe der Jahre hab' ich eine ganze Menge aufgeschnappt. M�nzen, Karten, Tassen und B�lle. Ich hab' auch von Tricks gelesen. Damals, als die Ritter noch in ihren R�stungen herumritten, hatten sie Zauberer, wu�ten Sie das? Die Chinesen hatten vor ein paar tausend Jahren welche. Gibt einem Mann so das Gef�hl, als geh�re er zu einer guten alten Familie.� Ein weiteres Grinsen. �Verstehen Sie, was ich meine?�</p><p>Charles dachte an Hickok und dessen Revolver. Er sagte: �Sie m�ssen eine Menge �ben.�</p><p>�Jeden Tag. Die Zauberei hat mir schon viel Gutes eingebracht. Ich f�hrte einigen dieser gemeinen Bast. den M�nnern, die sich im Saloon herumtrieben, meine Tricks vor, und sie warfen mir eine M�nze oder zwei zu, anstatt mich in den Arsch zu treten, blo� weil ich ein Farbiger war.� Das L�cheln blieb, aber f�r einen kurzen Moment waren die Wunden darunter zu sehen.</p><p>�K�nnen Sie reiten?�</p><p>�Ich f�rchte nein, General. Aber ich werde es lernen. Ich bin m�chtig stolz, ein US-Soldat zu sein, und ich hab' vor, ein guter Soldat zu werden.�</p><p>�Ich glaube, das werden Sie.� Charles streckte die Hand zur �blichen Begr��ung aus. �Willkommen in der Zehnten Kavallerie, Magee.�</p><p>Das Regiment nahm den neuen Mann gut auf; beim Drill war er ein emsiger Sch�ler, immer gut aufgelegt und unterhaltsam. An Magees drittem Tag beim Regiment erschien Grierson zum morgendlichen Neun-Uhr-Appell bei den Baracken, blo� um Magee zuzuschauen. Als der Colonel einen Trick sehen wollte, produzierte Magee ein St�ck Schnur. �Funktioniert besser mit einem Seil, aber wer kann sich vom Lohn eines Hausdieners schon ein Seil leisten?�</p><p>�Vom Lohn eines Soldaten wirst du dir's auch nicht leisten k�nnen�, sagte Sergeant Sterngucker Williams. Der Kreis der M�nner brach in Gel�chter aus.</p><p>Magee legte die Schnur in einer Hand zu einer Schlinge zusammen und schnitt die nach unten h�ngende Schlaufe mit einem Taschenmesser durch. Dann nahm er die Einzelteile und knotete die durchschnittenen Enden zusammen. Er zeigte die Schnur in voller L�nge, spannte die Enden �ber seinem Kopf, um auf den Knoten in der Mitte aufmerksam zu machen. Dann wickelte er die Schnur in mehreren Windungen um seine linke Hand, tippte dagegen und spannte sie dann wieder. Die Schnur war aus einem St�ck, der Knoten war verschwunden.</p><p>Grierson applaudierte. �Das war sehr gut, Soldat. Wie haben Sie das gemacht?�</p><p>�Aber General, wenn ich Ihnen das verraten w�rde, dann w�rden Sie mich bald nicht mehr Magic Magee rufen, nicht wahr?�</p><p>�Das ist bereits sein Spitzname?� fl�sterte Floyd Hook Charles zu, der zur�ckfl�sterte: �Was hattest du erwartet?�</p><p>Haufen schmelzenden Schnees und ein gelegentlich milder Tag versprachen das Ende des Winters. Das Zehnte Regiment wuchs und machte mit der Ausbildung weiter. Barnes, Hook und Charles drillten ihre Kavalleristen, beendeten Schl�gereien, veranstalteten Razzien nach den Gl�cksspielen in den Baracken und beschlagnahmten W�rfel oder Kartenspiele, schrieben Briefe f�r die M�nner, h�rten sich Geschichten �ber Liebeskummer oder Familienprobleme an und beteten, der Tag m�ge kommen, an dem sie zum Einsatz im Westen losreiten w�rden. Die C-Kompanie hatte fast Sollst�rke erreicht. Charles konnte den Aufbruch kaum erwarten.</p><p>Kuriere brachten Berichte �ber Hancocks Feldzug ins Department-Hauptquartier. Hancock war s�dwestlich nach Fort Lar-ned an der Pawnee-Gabelung des Arkansas marschiert und hatte dort mit 1.400 Mann von der Siebzehnten Kavallerie, der Siebenunddrei�igsten Infanterie und der Vierten Artillerie sein Lager aufgeschlagen. Er schickte Lieutenant Colonel Edward Wyn-koop los, den ehemaligen Kommandanten von Fort Lyon und jetzt die Southern Agency befehlenden Mann des Innenministeriums, um die Indianer herzuholen, damit sie sich seine Warnungen anh�ren konnten. Dabei handelte es sich um Cheyenne und einige Oglala-Sioux, die zusammen in einem gro�en Tal lebten, f�nfunddrei�ig Meilen von der Pawnee-Gabelung flu�aufw�rts. Der Ausgang dieser Unterredung w�rde mit den n�chsten Berichten gemeldet werden.</p><p>Barnes meinte, da die Kompanie bald aufbrechen w�rde, k�nnte Charles St. Louis einen kurzen Besuch abstatten, falls er das w�nschte. Der April wurde w�rmer, und Charles ging an Bord eines Missouri-Bootes. Gleich nach seiner Ankunft am sp�ten Nachmittag und vor Willas abendlichem Auftritt als Ophelia liebten sie sich voller Inbrunst.</p><p>�Jetzt habe ich bestimmt meinen ganzen Text vergessen�, sagte sie lachend, als sie ihr Silberhaar wieder hochsteckte, das sich in der Hitze des Gefechts gel�st hatte. �Zumindest bin ich ausreichend entspannt, um die Wahnsinnigenszene zu spielen.� Sie k��te ihn auf den Mund. �Und sch�nen Dank auch, da� du an meinen Geburtstag gedacht hast. Ich meine nachtr�glich.�</p><p>Er gab ihr ein paar leichte Klapse auf den nackten Hintern, und sie fielen lachend und einander kitzelnd aus dem Bett.</p><p>Sie versprach, da� sie nach der Vorstellung mit einigen anderen Mitgliedern der Truppe zu Abend essen w�rden. Die f�nf Akte von &gt;Hamlet&lt; erschienen Charles unendlich lang. Sam Trump tobte und st�rmte durch die ruhigen Monologe des Prinzen und steigerte sich beim Schlu�duell in eine derartige Erregung hinein, da� er zweimal st�rzte, was einiges Gejohle hervorrief.</p><p>Trump rieb sich sein aufgeschlagenes Knie und bat, ihn beim Essen zu entschuldigen. So blieben noch Charles und Willa sowie der junge B�hnenmanager Finley und Trueblood �brig, der den jugendlichen Liebhaber nur noch mit Hilfe von gr��eren Mengen Gesichtspuder und Rouge spielen konnte. Finley erschien etwas zu sp�t in dem Biergarten unter freiem Himmel. Die anderen tranken bereits fr�hlich das dunkle deutsche Bier aus ihren Kr�gen. Finley verscheuchte den allgemeinen Frohsinn, indem er die neueste Ausgabe der <emphasis>Missouri Gazette</emphasis> herumzeigte.</p><p>�Hancock hat ein Indianerdorf niedergebrannt.�</p><p>�Was?� Die Fr�hlichkeit wich aus Willas hellen Augen.</p><p>�Hier steht's.� Finley tippte auf die Schlagzeile. �Die H�uptlinge wollten nicht zum Palaver kommen. Vielleicht hatten Hancocks Drohungen sie erschreckt, denn sie zogen sich mitsamt Frauen und Kindern zur�ck. Custer setzte ihnen nach und entdeckte eine niedergebrannte Postkutschenstation. Also brannte auch Hancock die leeren H�tten nieder - insgesamt zweihundertf�nfzig. Hier steht alles�, sagte er, setzte sich und gab dem Kellner einen Wink.</p><p>�Wann ist das passiert?� fragte Trueblood emp�rt.</p><p>Willa gl�ttete das Papier. �Am neunzehnten. Mein Gott, fast tausend Kleidungsst�cke zerst�rt, die Kochger�te, all die Sachen, die sie zur�ckgelassen haben. Wie herzlos. Wie emp�rend!�</p><p>Charles sagte: �Hancock ist ausger�ckt, um den H�uptlingen vor Augen zu f�hren, da� sie in diesem Sommer besser Frieden halten.�</p><p>�Und jetzt kann er sicher sein, da� sie das nicht tun werden.� Sie hielt ihm die Zeitung vor die Nase. �Lies selber. Es bestand absolut keine Verbindung zwischen dem Dorf, das Hancock zerst�rte, und der niedergebrannten Station.�</p><p>�Keine Verbindung, au�er da� alles Teil des gleichen Problems ist. Die H�uptlinge h�tten zum Palaver kommen sollen.�</p><p>�Wo General Hancock von Anfang an so anma�end war? Ich habe gelesen, was er so alles von sich gegeben hat, Charles. Bombastisch. Herausfordernd.�</p><p>�Schau, ich hab's satt, mir das anzuh�ren. Du wei�t, wie ich meinen Partner im Kampf gegen die Cheyenne verloren habe. Ein feiner Mann, der ihr Freund war, der nie jemandem ein Leid zugef�gt hatte, wenn man ihn in Ruhe lie�.�</p><p>�Und deshalb soll sich die Armee genauso brutal auff�hren? Brutalit�t bringt nur weitere Brutalit�ten hervor, Charles. Es dr�ckt die Armee auf das Niveau der wenigen Indianer herab, die gewaltt�tig reagieren.�</p><p>�Es sind mehr als nur einige wenige�, fing er an.</p><p>�Nun, �ber diese Sache wird Washington von der Gesellschaft einiges zu h�ren bekommen�, erkl�rte Trueblood. Er schnappte sich die Zeitung und schnaubte auf, als er nochmals den Bericht las.</p><p>Charles sagte: �Jeder Indianer ist ein potentieller M�rder, Willa. Das ist ihr Lebensstil. Genauso, wie sie ihre Opfer hinterher aufschneiden.�</p><p>�tzend sagte sie: �Bitte.� Sie schob ihren Teller beiseite. Im Licht der Papierlaternen des Biergartens blitzten ihre Augen auf. Der Aprilwind spielte mit einer ihrer Haarstr�hnen. Sie starrte Charles voller Abneigung an, stand dann ruckartig auf. �Ich bin fertig.�</p><p>Sie lie�en Finley und Trueblood in verlegenem Schweigen zur�ck. Charles nahm ihren Arm. Sie zog ihn weg. Auf dem Weg zum Hotel versuchte er mehrmals, ein Gespr�ch in Gang zu bringen. Jedesmal sch�ttelte sie stumm den Kopf; einmal sagte sie: �Bitte nicht. Dein blutd�rstiges Gerede h�ngt mir zum Hals heraus.�</p><p>Im Bett schliefen sie weder miteinander, noch ber�hrten sie sich nach einem oberfl�chlichen Gutenachtku�. Charles schlief schlecht. Am Morgen entschuldigten sich beide f�r ihre schlechte Laune, jedoch f�r nichts anderes. Er sah nicht ein, weshalb er sich �berhaupt entschuldigen sollte.</p><p>Sein Flu�boot legte um f�nf ab. Nach einer Probe am sp�ten Morgen sch�tzte Willa Kopfschmerzen vor und wollte ins Hotel zur�ckkehren. Charles zog sie in eine ruhige Ecke hinter der B�hne. �Das ist vielleicht f�r l�ngere Zeit das letzte Mal, da� wir uns sehen. Grierson schickt die C-Kompanie ins Feld.�</p><p>Tr�nen des Zorns traten ihr in die Augen, als sie sagte: �Ich hoffe, du findest jeden Tropfen Blut, auf den du so scharf bist - obwohl Gott allein wissen mag, weshalb du nach vier Jahren Krieg immer noch so scharf darauf bist.�</p><p>�Willa, ich habe es dir erkl�rt.�</p><p>�Ist auch egal. Ist v�llig egal, Charles. Wahrscheinlich ist es ganz gut, da� du f�r eine Weile von deinem kleinen Jungen wegkommst. Er ist zu jung, um zu lernen, wie man ha�t.�</p><p>Charles packte ihr Handgelenk. �Ich habe einen sehr guten Grund f�r meinen ...�</p><p>�F�r Barbarei gibt es nie einen guten Grund.� Sie machte sich steif, versuchte sich zu befreien, bis er sie loslie�. �Nicht f�r die Barbarei der M�nner, die deine Freunde umgebracht haben, aber auch nicht f�r deine. Auf Wiedersehen, Charles.�</p><p>Erstarrt sah er zu, wie sie herumwirbelte und ging. Er h�rte das laute Knallen der T�r zur Olive Street.</p><p>Brodelnder Zorn mischte sich mit Reue. Er ri� gerade ein Streichholz an seiner Stiefelsohle an, als Trump aus der Dunkelheit angewatschelt kam, ein fleckiges Handtuch �ber der nackten, blassen Schulter.</p><p>�Mir war so, als h�tte ich so was wie einen Streit geh�rt. Wieder mal die Indianerfrage.�</p><p>�Sie versteht einfach nicht ...�</p><p>�Sie versteht ihre eigene Position, und es ist ihr ernst damit. Das wei�t du seit vielen Monaten. Du hast sie zu weit getrieben und eine Entscheidung erzwungen. Mit der hattest du nicht gerechnet, he?� Der alte Schauspieler wischte sich etwas Puder von der Wange. �Wenigstens kann ich es mir sparen, dich niederschlagen zu m�ssen. Du hast ihr weh getan, aber du hast deine Strafe auch weg.�</p><p>�Red doch nicht wie ein verdammter Narr, Sam. Ich liebe sie.�</p><p>�Wirklich? Warum treibst du sie dann von dir?�</p><p>Er warf Charles einen forschenden Blick zu und entfernte sich.</p><p>Charles lehnte an der Bootsreling und beobachtete, wie die Lichter von St. Louis allm�hlich in der D�mmerung versanken.</p><p>Wasserkaskaden st�rzten rauschend �ber die Schaufelr�der am Heck.</p><p>Er hatte das getan, was Trump ihm vorgeworfen hatte, nicht wahr? Er hatte sie absichtlich vertrieben.</p><p>Warum? Weil er vor einem gr��eren Schmerz Angst hatte, wenn die Beziehung andauerte? Oder lag es wirklich daran, da� sie seine Besessenheit in bezug auf die Cheyenne ha�te? Zum Teufel, er wu�te es nicht.</p><p>Er dachte an ihre Augen und ihr Haar. An ihre Leidenschaft und ihre Z�rtlichkeit. An ihren Esprit und ihren Idealismus, so voller Energie und von Zeit und Realit�t noch unbeschadet. Sie war auf ihre Art so wunderbar wie Augusta Barclay, die er ebenfalls von sich getrieben hatte. Er sah sich selbst das Muster wiederholen, versuchte dann seine Schuldgef�hle durch Erinnerungen an Holzfu�, Boy und Fen auszul�schen.</p><p>Ich hab' recht, verdammt noch mal. Sie ist nicht realistisch. Wird es auch niemals sein.</p><p>Und doch sp�rte er, w�hrend er die fernen Sterne hoch �ber sich betrachtete, tief in seinem Inneren einen Kummer.</p><empty-line/><empty-line/><p>Hancock lie� das Dorf bewachen. Kurz nach neun Uhr ... wurde entdeckt, da� die Indianer das Dorf verlie�en . Cu-ster erhielt den Befehl, mit seinem Kommando - ungef�hr sechshundert M�nner der Siebten Kavallerie - das Dorf zu umzingeln, es aber weder zu betreten noch die Indianer anzugreifen. Das Umzingelungsman�ver wurde mit gro�er Geschwindigkeit durchgef�hrt; n�here Untersuchungen enth�llten..., da� Indianer das Dorf verlassen und sich Richtung Norden auf die Smoky Hills zur�ckgezogen hatten ... Custer erhielt den Befehl, sein Kommando auf den Aufbruch bei Tagesanbruch vorzubereiten, um die Indianer zu �berholen und sie zur R�ckkehr zu zwingen. Er f�hrte dieses Man�ver in gr��tem Tempo durch und erreichte Lookout Station auf Smoky Hill, als die Station noch brannte. Unter Aschehaufen entdeckte er dort die halb verbrannten Leichen der Stationsm�nner. Er schickte sofort einen Boten zu Hancock ... Nach Erhalt dieser Nachricht bekam Smith von Hancock den Befehl, das Indianerdorf niederzubrennen .</p><p>Theodore davis: <emphasis>&gt;Pr�riesommer&lt;</emphasis></p><p><emphasis>Harper's Magazine,</emphasis> 1868</p></section><section><title><p id="bookmark39"><strong>29</strong></p></title><p>�Hundesohn�, sagte Ike Barnes im Hereinst�rmen.</p><p>�Ich?� erkundigte sich Charles und lie� die Februarausgabe von &gt;Harper's Monthly&lt; in die Schreibtischschublade gleiten. Das Heft war in ganz Leavenworth wegen eines G.-W.-Nichols-Artikels �ber Hickok herumgegangen. Nichols hatte Hickoks Heldentaten aufgez�hlt, die er als Scout f�r General Sam Curtis im S�dwesten, als Soldat der Union bei Wilson's Creek und Pea Ridge und als Revolversch�tze, der seinesgleichen suchte, vollbracht hatte. Er berichtete, da� &gt;Wild Bill&lt;, wie er ihn nannte, mindestens zehn M�nner erschossen hatte. Obwohl niemand zu wissen schien, woher Hickok seinen Spitznamen hatte, hegte Charles keinen Zweifel, da� nach diesem Artikel der Name bald in ganz Amerika bekannt sein w�rde.</p><p>�Nein, nicht du. Versuch blo� keine Witze zu machen�, sagte Barnes. �Der Hundesohn, den ich meine, ist dieser Hundesohn Hoffman. Wenn wir morgen nach Riley aufbrechen, d�rfen wir unsere W�scherinnen nicht mitnehmen.�</p><p>Das schreckte Floyd Hook aus seinem D�sen hoch; er kleidete sich stets �u�erst penibel. �Warum zum Teufel nicht, Captain?�</p><p>�Weil Hoffman es so will, deshalb nicht. Die Frauen haben Befehl, den Posten nicht in den Wagen der C-Kompanie zu verlassen.�</p><p>Charles kratzte sich nachdenklich am Kinn. �Nun, wenn das ein Befehl ist, dann befolgen wir ihn auch. Bitten wir die Damen doch, da� sie vor dem Tor auf uns warten.�</p><p>Der Alte blinzelte. �Verdammt, Charlie, seit du aus St. Louis zur�ck bist, hast du dich aufgef�hrt wie ein tollw�tiger Hund, aber jetzt bin ich froh, da� ich dich hier behalten habe.�</p><p>Charles verbrachte den Abend mit Brigadier Duncan und dem kleinen Gus. Er tobte mit seinem Sohn herum, der vor Vergn�gen gurgelte; bevor er ins Bett ging, umarmte er seinen Vater lange.</p><p>Duncan erkundigte sich nach Willa. �Du hast sie kein einziges Mal erw�hnt.�</p><p>�Ihr geht es gut. Ist mit einem neuen Kreuzzug besch�ftigt.� Ohne weitere Erkl�rungen lie� er es dabei bewenden.</p><p>Der n�chste Tag d�mmerte herauf; der Himmel war klar und hell. Zweiundsiebzig M�nner, drei Offiziere und zwei Frauen der C-Kompanie machten sich bereit, Fort Leavenworth zu verlassen. Grierson sch�ttelte jedem Offizier die Hand. �Ich bin stolz auf diese Kompanie und dieses Regiment. Ich m�chte nur lange genug durchhalten, um euch M�nner im Feld zu f�hren. Wenn ich bis zum Herbst nicht von Hoffman wegkomme, dann begehe ich selber Fahnenflucht.�</p><p>�Tun Sie das nicht, Sir�, sagte Hook. �Wir schicken Lieutenant August, damit er Hoffman f�r Sie erschie�t. Er ist begierig darauf, jemanden zu erschie�en. Irgend jemanden.�</p><p>Charles, so b�sartig gelaunt wie ein hungriger Wolf, sagte nichts darauf.</p><p>Die Kompanie setzte sich in Bewegung. Charles stand neben Satan und t�tschelte ihn, w�hrend er zusah, wie die Kavalleristen auf ihren Pferden in Viererreihen vorbeizogen. Sie hatten sich den Vortrag des Alten �ber Felduniformen zu Herzen genommen. Charles entdeckte eine Vielzahl von Hemden - verbla�te graue Baumwolle, gelber Kersey, gr�ne Seide. Er sah Kavalleriehosen, Jeans, indianische Leggings. Er sah Kappen, Pelzm�tzen, Strohh�te, sogar einen mexikanischen Sombrero. Und er sah viele neue Bowiemesser und Handfeuerwaffen.</p><p>Charles selbst trug bequeme, gelbschwarz gestreifte Hosen und ein weiches Hirschlederhemd. Sein blaues Armeezeug hatte er in seinen Reisekoffer gestopft, zusammen mit seinem Zigeunermantel und einem neuen, mit Schaffell besetzten Wintermantel.</p><p>Magic Magee ritt vorbei, auf dem Kopf eine schwarze Melone mit einer Truthahnfeder. Er sah Charles und salutierte flott. In dem Moment, in dem seine Hand die Stirn ber�hrte, tauchte die Karodame zwischen seinem Zeigefinger und seinem Mittelfinger auf. Er schob die Karte unter seinen linken Arm, wo sie spurlos verschwand. Er lie� sein wunderbares L�cheln aufblitzen und ritt weiter.</p><p>Ein Reiter tauchte in dem aufgewirbelten Staub hinter dem Wagen auf, in dem Lovetta Barnes, Floyd Hooks verh�rmte junge Frau Dolores und deren kleine Tochter sa�en. Charles' Muskeln spannten sich, seine Hand glitt zu der Spencer im Sattelhalfter.</p><p>Waldo Krug hielt sein Pferd an. �Wo ist Barnes?�</p><p>�An der Spitze der Kolonne, Sir.�</p><p>�Nun, richten Sie ihm aus, daߠich�seine�Gaunerei�durch schaut habe. General Hoffman wird das in die Regimentsakte eintragen.�</p><p>Charles tat unschuldig. �Gaunerei, Sir?�</p><p>�Reden Sie nicht in diesem gottverdammten falschen Ton mit mir. Sie wissen genau, da� die W�scherinnen eindeutigen Befehl hatten, den Posten nicht zusammen mit der C-Kompanie zu verlassen.�</p><p>�Das haben sie auch nicht. Soviel�ich�wei�,�verlie�en�sie�den Posten vor einer Stunde. Wollen Sie�etwa sagen, die Armee�h�tte etwas dagegen, wenn wir sie h�flicherweise mitnehmen, falls wir sie zuf�llig auf der Stra�e treffen sollten?�</p><p>�Den ganzen Weg bis zum verfluchten Fort Riley?� Krugs Wangen verf�rbten sich. �Geben Sie mir eine Antwort, Sie Bastard.�</p><p>�H�ren Sie, Krug. Ich bin Soldat, genau wie ...�</p><p>�Schei�e. Sie sind ein Verr�ter. Sie sind eine Schande f�r die Uniform, die Sie sich weigern zu tragen. Wenn Grierson Sie nicht verh�tscheln w�rde, dann w�rde ich Sie deswegen zur Meldung bringen. Sie und diese Nigger. Schauen Sie doch hin -bunt zusammengew�rfelt wie ein Haufen sizilianische Banditti.�</p><p>Charles schwang sich in den Sattel. �Auf Wiedersehen. General!�</p><p>In Leavenworth City lud die C-Kompanie die W�scherinnen in einen Wagen. Jenseits der Stadt kamen sie durch einen G�rtel von Farmen, in deren fetter schwarzer Erde sich bereits gr�ne Sch��linge zeigten. Die wei�get�nchten H�user und Schuppen wirkten alt und dauerhaft, obwohl sie wahrscheinlich noch keine zehn Jahre alt waren.</p><p>Die Kompanie schwenkte von der Eisenbahn und der parallel laufenden Linie der Telegraphenpfosten ab. Wind kam auf und lie� die �ste der B�ume rauschen. �ber sanfte, unter Tausenden von Sonnenblumen verborgene H�gel, durch glitzernde B�che, an denen wilde Erdbeeren wuchsen, ritt die C-Kompanie durch ein Meer von Gras nach Westen.</p><p>Charles trug eine Reihe von Erinnerungen an Willa mit sich -und einen tiefen Schmerz. Er summte die kleine Melodie, die sie f�r ihn niedergeschrieben hatte. Er hatte die Noten sorgf�ltig in den Falten seines Zigeunermantels verpackt. An diesem Morgen stimmte ihn die Melodie unerkl�rlich traurig, also h�rte er auf zu summen und ritt schweigend weiter.</p><p>Die belebende Luft und das sonnenhelle Land milderten nach und nach seine Melancholie. Mit Baritonstimme sang er eines der s��traurigen Lieder, die er erstmals von der Sklavenkapelle geh�rt hatte, als er noch klein und sorglos gewesen war und nichts von der Welt und dem Leid, das in diesem Lied zum Ausdruck kam, verstanden hatte.</p><p><emphasis>I'm rollin', I'm rollin',</emphasis></p><p><emphasis>I'm a-rollin' through this unfriendly world...</emphasis></p><p>Hook trieb sein Pferd neben das seine.</p><p>�Wo hast du solche Trappersongs gelernt, Charlie?�</p><p>�Das ist kein Trappersong, das ist eine Hymne. Eine Sklavenhymne.�</p><p>�Du gibst ihr wirklich einen fr�hlichen Schwung. Freut mich, da� du zur Abwechslung mal gut gelaunt bist.�</p><p>Charles l�chelte und behielt seine Gedanken f�r sich.</p><p>Der Stiefel der Milit�rdiktatur zertritt unseren entkr�fteten Staat. Ihre Bajonette zwingen uns das neue Evangelium der Lust und der Rassenvermischung auf. Zu uns kommen die blaugekleideten Missionare des Zorns, ausgestattet mit neuer, ungeheurer Macht, um Ha� zu sch�ren und die Saat der Verdammung zu s�en . Sie winken mit ihrer von S�nden befleckten Bibel und ihrer Verfassung, befleckt mit Verbrechen und politischen Schikanen, und predigen nur einen Sermon: Radikalismus ... Wir sollten lieber den Antichrist pers�nlich willkommen hei�en als diese Sendboten der H�lle.</p><p>Leitartikel in <emphasis>The Ashley Thunderbolt</emphasis> Fr�hjahr 1867</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>April 1867. Der Kongre� hat das Ruder �bernommen. Das Wiederaufbaugesetz vom vergangenen Monat verwandelte die zehn unbu�fertigen Staaten in f�nf Milit�rbezirke. Die beiden Carolinas bilden den zweiten Bezirk. Stanton ernennt die Milit�rgouverneure. Wir haben den alten, kr�nkelnden Gen. Sickles. Wir werden erst dann wieder Teil der Union sein, wenn es einen neuen Konvent schwarzer ebenso wie wei�er W�hler gibt, eine neue Staatsregierung, die den Schwarzen das Stimmrecht sichert und die Anerkennung des 14. Verfassungszusatzes. Der &gt;Thunderbolt&lt; und selbst die besseren demokratischen Zeitungen klingen schrill, um nicht zu sagen gewaltt�tig, und weisen das alles zur�ck.</emphasis></p><p><emphasis>Solche Ereignisse scheinen vom Tagesablauf auf Mont Royal sehr weit entfernt zu sein. Im letzten Jahr haben zwei ordentliche Reisernten einen kleinen Gewinn eingebracht, den ich fast ausschlie�lich dazu verwendete, unsere Schulden bei Dawkins Bank zu senken. Die Bank zeigt sich jetzt absolut unnachgiebig, was versp�tete Zahlungen anbelangt. So was wird nicht mehr geduldet.</emphasis></p><p>... <emphasis>Yankee-Spekulanten fallen wie die biblischen Heuschrecken �ber uns her. Sie bringen Anleihen f�r den Bau von Eisenbahnlinien in Umlauf, die niemals erstellt werden, an Versteigerungstagen schnappen sie sich Land f�r 8 Cent, das einen Dollar wert ist, �bernehmen bankrotte Gesch�fte, von denen einst die Einheimischen lebten. Ein �berraschender Brief von Cooper, sehr knapp und kurz, in dem er mich davor warnt, in derartige Unternehmungen zu investieren, da es sich seiner Meinung nach meist um Betr�gereien handelt. In diesem Fall werde ich seinen Rat befolgen. Man kann einen ehrlichen Yankee nicht von einem Aasgeier unterscheiden.</emphasis></p><p>... <emphasis>Heute teilte mir der ehemalige Sklave Steven mit, da� er mit seiner Frau und seinen drei Kindern gehen wird. Traurig; er ist ein zuverl�ssiger, ordentlicher Arbeiter. Doch der Auswanderungsagent, dessen Wagen vor Gettys Laden steht, hat ihn mit seinen Versprechungen abgeworben: garantierte 12 Dollar pro Monat, eine H�tte, Garten und eine w�chentliche Ration von einem Viertelscheffel Mehl, zwei Pfund Speck, einem Topf Melasse und Brennholz - all das bekommt er irgendwo in Florida. Diese Werber f�r die Emigration in andere Staaten sind unsere zweite Plage.</emphasis></p><p>... <emphasis>Der Jolly-Klan, die Siedler, sind geblieben. Gelegentlich h�ren wir von einem Maultier, einer Ladung Maismehl oder einer Frau, die sich &gt;Captain&lt; Jack und seine einf�ltigen Br�der mit der Waffe in der Hand genommen haben. Sie diskriminieren niemanden. Sie suchen sich ihre Opfer unter beiden Rassen. Sie versetzen mich in Angst und Schrecken, vor allem der Alteste, der damit prahlt, beim Massaker in Ft. Pillow, Tenn., Nigger blo� so zum Vergn�gen nie-dergemetzelt&lt; zu haben.</emphasis></p><p><emphasis>Prudence sprach gestern abend davon, wie ungl�cklich sie �ber den Zustand der Schule sei...</emphasis></p><p>�Madeline, ich habe jetzt vierzehn Sch�ler, die mit dem Alphabet und dem Elementarbuch arbeiten; zwei k�nnten fast schon zum Lesebuch �bergehen, und Pride hat es bis zur zweiten arithmetischen Serie geschafft. Ich w�rde gern ein Geographiebuch f�r ihn kaufen und f�r die anderen Schiefertafeln. Wir haben gerade drei Tafeln f�r alle, das reicht nicht einmal ann�hernd.�</p><p>Den Kopf gesenkt, so spazierte Madeline nachdenklich mit der Lehrerin am Ufer des Ashley entlang. Es war ein Fr�hlingsabend, dunstig, voll von den schrillen Schreien der Nachtv�gel. F�r gew�hnlich beruhigte sie der Anblick des Wassers mit dem dichten Wald dahinter. Am heutigen Abend jedoch war es anders.</p><p>�Ich kann dir nur die Antwort geben, die du bereits kennst�, sagte sie. �Es ist kein Geld da.�</p><p>Ausnahmsweise schien die rundliche Lehrerin f�r einmal ihre christliche Geduld zu verlieren. �Dein Freund George Hazard hat genug davon.�</p><p>Madeline stoppte und sagte scharf: �Prudence, ich habe doch klar zum Ausdruck gebracht, da� ich Orrys besten Freund nicht anbetteln werde. Wenn wir es nicht schaffen, durch unsere eigene Initiative und unseren Einfallsreichtum zu �berleben, dann haben wir es nicht besser verdient.�</p><p>�Das klingt zwar edel, aber es hilft sehr wenig, jemandem ein bi�chen Bildung zu erm�glichen.�</p><p>�Es tut mir leid, da� du dich dar�ber �rgerst. Vielleicht bin ich im Unrecht, aber das ist nun mal meine Ansicht. Ich werde tun, was m�glich ist, sobald wir die erste Reisernte verkauft haben.�</p><p>�Ich kann nichts Unrechtes darin sehen, wenn man eine kleine Spende von einem sehr reichen Mann verlangt.�</p><p>�Nein�, sagte Madeline; gleichzeitig fragte sie sich voller Bitterkeit, wie sie je ihren Traum von einem neuen Mont Royal wahrmachen sollte, wenn sie nicht einmal ein paar notwendige Kleinigkeiten f�r die Schule kaufen konnte. �Wir werden einen anderen Weg finden, das verspreche ich dir.�</p><p>Prudence warf Madeline einen traurigen Blick zu. Schweigend kehrten die Frauen zu dem wei�get�nchten Haus zur�ck. Es dauerte eine Stunde, ehe sie wieder miteinander sprachen. Madeline fing zuerst an, doch auch Prudence schien nur darauf gewartet zu haben. Doch trotz ihrer Aussprache f�hlte Madeline die Hohlheit und Leere ihres Versprechens, als sie schlaflos vor Sorgen im Bett lag.</p><p><emphasis>Wer hofft entgegen aller Hoffnung.</emphasis> Prudence mochte trotz allem noch so ein Mensch sein. Sie nicht.</p></section><section><title><p id="bookmark40"><strong>30</strong></p></title><p>An einem regnerischen Samstag des gleichen Monats brachte eine Pferdedroschke Virgilia zu einem kleinen Backsteinhaus in der South B Street, hinter dem Kapitol. Sie wirkte matronenhaft und d�ster im Gegensatz zu den bl�henden Farben im Vorgarten.</p><p>Virgilias Gesicht war verh�rmt. Sie l�utete und umarmte Lydia Smith, die Haush�lterin, sehr herzlich. Sie folgte Lydia ins Wohnzimmer, wo ihr Freund vor einem silbernen Teegeschirr wartete.</p><p>�Thad!� Der Atem stockte ihr. Er sah wei� aus und viel �lter als bei ihrer letzten Begegnung, die bereits einige Monate zur�cklag. Mit gro�er M�he erhob er sich aus seinem Sessel.</p><p>Lydia schob die Vorh�nge zur�ck, um mehr von dem grauen Licht hereinzulassen, aber das lie� Stevens auch nicht besser aussehen. Die Haush�lterin entschuldigte sich. Stevens setzte sich wieder. Durch das Prasseln des Regens hindurch h�rte Vir-gilia seinen m�hsamen Atem.</p><p>�Tut mir leid, da� es so lange gedauert hat, bis ich deiner Einladung nachkommen konnte�, sagte sie. �F�r gew�hnlich arbeite ich jeden Samstag. Heute kam Miss Tivertons Neffe aus Baltimore zu Besuch. Er gab mir den Nachmittag frei.�</p><p>�Wie geht es der alten Dame? Du leistest ihr nun schon Gesellschaft seit - wie lange schon?�</p><p>�Zehn Monate.� Virgilia gab Sahne in ihren hei�en Tee. �N�chsten Dienstag feiert sie ihren neunzigsten Geburtstag.</p><p>Physisch ist sie ungemein belastbar. Aber ihr Geist ...� Ein Schulterzucken sagte alles.</p><p>�Was machst du mit ihr?�</p><p>�Meistens sitze ich bei ihr. Sorge daf�r, da� alles ordentlich ist. Mache sie sauber, wenn es sein mu�.� Als Antwort auf Stevens Grimasse sagte sie: �So schlimm ist es auch wieder nicht. In dem Feldhospital w�hrend des Krieges war es schlimmer.�</p><p>�Du nimmst es ziemlich gelassen hin. Und jetzt sag mir, wie dir wirklich zumute ist.�</p><p>Ein m�der Seufzer. �Ich hasse es. Die Monotonie ist entsetzlich. Im Schwesterncorps hatte ich mich daran gew�hnt, den Leuten dabei zu helfen, wieder gesund zu werden, aber Miss Ti-verton wird sich niemals mehr erholen. Ich bin nichts weiter als ein Leichenbestatter, aber ich kann wohl kaum w�hlerisch sein. Jobs f�r alleinstehende Frauen sind selten. Etwas anderes konnte ich nicht finden.�</p><p>�Vielleicht k�nnen wir dagegen was tun.� Er wollte noch etwas sagen, doch der silberne Teel�ffel glitt ihm aus der Hand. Er b�ckte sich, um ihn aufzuheben, und griff sich pl�tzlich an den R�cken. Langsam richtete er sich auf. �Mein Gott, Virgilia, es ist die H�lle, wenn man alt wird.�</p><p>�Du siehst nicht gut aus, Thad.�</p><p>�Das Klima in dieser Stadt verschlimmert mein Asthma. Das Atmen bereitet mir Probleme, und die meiste Zeit habe ich Kopfschmerzen. Ein Teil der Kopfschmerzen r�hrt zweifelsohne von dem Kampf mit diesem Narren im Wei�en Haus her.� Virgilia verfolgte diesen Kampf im &gt;Star&lt;, kam sich allerdings in Miss Tivertons weitr�umigem, verlassenem Haus drau�en in Georgetown sehr fern von alledem vor.</p><p>Der Kongre�abgeordnete lehnte sich ihr entgegen, seine Per�cke wie �blich leicht verrutscht, und sie begannen die letzten Ereignisse zu diskutieren. Sie �u�erte sich ver�chtlich �ber Minister Sewards Sieben-Millionen-Dollar-Narretei, den Ankauf des wertlosen, eisigen Territoriums Alaska von Ru�land. Stevens konnte Ger�chte weder best�tigen noch leugnen, da� Jef-ferson Davis nach Zahlung einer gewaltigen Kaution bald schon aus Fort Monroe entlassen w�rde, um auf seine Gerichtsverhandlung zu warten.</p><p>�Unser dringendstes Problem bleibt der S�den�, sagte Stevens. �Diese verfluchten Aristokraten in den Dixie-Legislativen weigern sich, die Staatskonvente einzuberufen, wie es von dem Wiederaufbaugesetz gefordert wird. Wir haben ein zweites Erg�nzungsgesetz durchgebracht, das es den Milit�rkommandanten der Bezirke erlaubt, geeignete Mittel zur Registrierung der W�hler einzusetzen, damit wir mit der Sache vorankommen. Bei jedem Schritt versucht uns Johnson zu hindern und zu hemmen. Er versteht einfach den Kernpunkt nicht.�</p><p>�Der ist?�</p><p>�Gleichberechtigung. Gleichberechtigung! Jeder Mann hat das gleiche Recht, und das Gesetz sollte ihm diese Rechte zusichern. Das gleiche Recht, das einen Afrikaner verurteilt oder freispricht, sollte einen wei�en Mann verurteilen oder freisprechen. Das ist das Gesetz Gottes, und es sollte auch das Gesetz dieses Landes sein, doch diese S�dstaatler ersticken an der Vorstellung, und Johnson lehnt es ab. Dabei m��te er auf unserer Seite stehen! Ich sage dir, Virgilia�, er hatte sich in eine derartige Erregung gesteigert, da� er Tee aus seiner Tasse versch�ttete, �dieser Mann treibt mich noch zur Verzweiflung. Er betreibt eine Obstruktionspolitik, die schon ans Kriminelle grenzt. Dagegen gibt es nur ein Heilmittel.�</p><p>�Und was ist das?�</p><p>�Wir m�ssen ihn loswerden.�</p><p>Ihre dunklen Augen weiteten sich in der verwaschenen D�mmerung. �Du meinst, er soll unter Anklage gestellt werden?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Mit welcher Beschuldigung?�</p><p>Endlich tauchte auf dem alten Falkengesicht ein L�cheln auf. �Oh, da finden wir schon was. Ben Butler und einige andere sind auf der Suche danach. Und das keinen Moment zu fr�h. Andrew Johnson ist der gef�hrlichste Pr�sident in der Geschichte dieser Republik.�</p><p>Gef�hrlich oder lediglich zu halsstarrig, um dem Kongre� die Macht zu �berlassen? Virgilia stellte ihrem Freund diese Frage nicht. Sie stellte fest, da� sie die ganze Angelegenheit �berraschenderweise kaum ber�hrte.</p><p>�Alle wichtigen Senatoren sind f�r eine Anklage�, fuhr Stevens fort. �Sam Stout ist einverstanden.�</p><p>Der Satz versickerte. Er wartete ab. Ruhig sagte sie: �Ich wei� es nicht. Ich sehe ihn nicht mehr.�</p><p>�Das h�rte ich.� Eine weitere Pause. �Sam glaubt, da� seine W�hlerbasis nun gesichert ist. Folglich hat er die Absicht ge�u�ert, sich von Emily scheiden zu lassen und irgend so ein Tanzhallenflittchen zu heiraten.�</p><p>�Mit Nachnamen hei�t sie Canary.� Es klang wie eine beil�ufige Konversation. Doch ihre H�nde zitterten; die Neuigkeit hatte sie wie ein Schlag getroffen. �Ich w�nsche ihm alles Gute.� Sie w�nschte ihn zur H�lle.</p><p>Stevens musterte sie. �Mit deiner gegenw�rtigen Situation bist du ganz und gar nicht zufrieden, was?�</p><p>�Nein. Ich bin nicht mehr die Kreuzritterin, die ich vor zehn Jahren war, aber wie ich schon sagte, ich komme mir mit der Pflege einer alten Frau, die nie mehr gesund werden wird, sehr isoliert und nutzlos vor.�</p><p>�Hast du Kontakt zu deiner Familie?�</p><p>Virgilia wich seinem Blick aus. �Nein. Ich f�rchte, sie - w�rden das nicht begr��en.� Sp�t nachts sehnte sie sich manchmal so sehr danach, da� ihr die Tr�nen kamen.</p><p>�Nun, meine Liebe, ich bat dich nicht nur zu mir, um dich zu sehen, sondern um auch einen eventuellen Stellungswechsel mit dir zu besprechen. Eine Position, die dir vielleicht befriedigender erscheint, weil du damit den unschuldigsten Opfern dieser verdammten Rebellen helfen w�rdest. Kindern.�</p><p>Zum zweitenmal verbl�ffte er sie. �Was f�r Kinder meinst du?�</p><p>�Ich zeige es dir. Bist du morgen besch�ftigt?�</p><p>�Nein. Die Sonntage habe ich f�r mich.� Ein melancholisches L�cheln. �F�r gew�hnlich habe ich nichts zu tun.�</p><p>�Kannst du dich um zwei bereithalten? Gut. Mein Fahrer und ich werden dich in Georgetown abholen.�</p><p>Am Ende eines von Fahrspuren zerfurchten Weges abseits der Tenth Street im heruntergekommenen Negro-Hill-Bezirk hielten Stevens und Virgilia vor einem wei�en, gepflegt wirkenden Haus. Auf der einen Seite waren zwei oder drei gro�e R�ume offenbar erst kurz zuvor angebaut worden, noch waren nicht alle W�nde gestrichen.</p><p>Nachdem die Kutsche angehalten hatte, �ffnete Stevens nicht gleich die T�r. �Was du da vor dir siehst, ist ein Waisenhaus f�r heimatlose Negerkinder. Die Kinder erhalten Unterkunft und Grundunterricht, bis sie bei Adoptiveltern untergebracht werden k�nnen. Ein Mann namens Scipio Brown hat das Waisenhaus gegr�ndet. Er leitete es pers�nlich, bis er sich einem farbigen Regiment anschlo�. Nach seiner Entlassung kehrte er zur�ck und fand mehr Waisenkinder denn je vor, haupts�chlich die Kinder von nach Norden geflohenen Sklaven, die irgendwie von ihren Eltern getrennt worden waren. Im letzten Monat heiratete Browns Assistentin, ein wei�es M�dchen, verantwortlich f�r den Unterricht der Kinder, und zog in den Westen.� Er brach ab. Die ganze Zeit schon hatte sie etwas sagen wollen.</p><p>�Thad, ich kenne Scipio Brown.�</p><p>�Tats�chlich! Ich zog die M�glichkeit in Betracht, aber ...�</p><p>Sie nickte. �Ich bin ihm w�hrend des Krieges auf Belvedere begegnet. Mein Bruder George hatte dort mit seiner Frau einen Ableger von Browns Waisenhaus eingerichtet. Sie nahmen alle Kinder auf, die er hier in Washington nicht mehr unterbringen konnte.�</p><p>�Dann bist du ja mit seiner Arbeit bestens vertraut. Gut. Bist du an der Stelle interessiert?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Nicht gerade eine begeisterte Antwort.�</p><p>�Tut mir leid. Es ist eine ehrliche Antwort.� Wie sollte sie ihm erkl�ren, da� sie kaum noch Begeisterung f�r irgendwas aufbrachte, nachdem Stout sie verlassen und sie sich ihrer Familie entfremdet hatte?</p><p>Er �ffnete die T�r der Kutsche. �Nun, ein kurzer Besuch kann ja nicht schaden.�</p><p>Auf seinen Stock gest�tzt, f�hrte er sie langsam ins Innere des Hauses. Er stellte sie den Dentons vor, einem schwarzen Paar in mittleren Jahren, die im Waisenhaus wohnten und f�r die gegenw�rtig zweiundzwanzig Kinder kochten und putzten.</p><p>Sieben der Jungen, eine l�rmende, fr�hliche Bande, waren Heranwachsende. Die anderen waren noch Kinder. Stevens kannte jeden mit Namen. �Hallo, Micah. Hallo, Mary Todd -Liberty - Jenny - Joseph.�</p><p>Er gluckste und machte viel Aufhebens um sie, ber�hrte H�nde, k��te Wangen, umarmte sie, als handle es sich um seine Enkel. Wieder einmal wurde Virgilia klar, da� Stevens nicht zu jenen Radikalen geh�rte, die Gleichheit nur aus politischen Gr�nden forderten.</p><p>�Und hier haben wir einen gutaussehenden Freund von mir.� Stevens mit seinem Klumpfu� drehte sich ungeschickt und hob lachend einen hellbraunen, sechsj�hrigen Jungen hoch. Der Junge trug ein sauberes, geflicktes Hemd und einen Overall.</p><p>�Das ist Tad.� Stevens herzte und k��te den Jungen. �Tad, das ist meine Freundin, Miss Hazard. Gibst du ihr die Hand?�</p><p>Feierlich, aber durchaus vor der fremden Frau auf der Hut, streckte Tad die Hand aus. Virgilia sp�rte, wie ihr unerwartet Tr�nen in die Augen stiegen.</p><p>�Wie geht es Ihnen, Miss Hazard?� sagte Tad sehr korrekt.</p><p>�Ich ...� Lieber Gott, sie brachte keinen Ton mehr heraus. Die �hnlichkeit war nicht �berw�ltigend, aber gro� genug, um einen tiefen Schmerz in ihr auszul�sen. Er h�tte das Kind von Grady, ihrem ermordeten Geliebten, sein k�nnen. Es kostete sie gewaltige Anstrengung, ihren Schock zu verbergen und zu sagen: �Mir geht es gut, danke. Dir hoffentlich auch.�</p><p>Der Junge grinste und nickte. Stevens t�tschelte ihn erneut und setzte ihn wieder ab. Er flitzte davon. Der Kongre�abgeordnete schn�ffelte in Richtung K�che, aus der ein angenehmer Duft drang. �Was steht da auf dem Herd, Mrs. Denton?�</p><p>�Gumbo zum Abendessen.�</p><p>Die Haust�r ging auf. Ein gro�er, bernsteinfarbener Mann trat ein und sch�ttelte die Regentropfen von seinem Hut. Er hatte breite Schultern wie ein Stauer und eine M�dchentaille. Virgilia sch�tzte, da� er jetzt so um die F�nfunddrei�ig sein mu�te. Ohne zu z�gern, reichte er ihr die Hand.</p><p>�Wie geht es Ihnen? Es freut mich sehr, Sie wiederzusehen.�</p><p>�Mr. Brown.� Sie l�chelte in der Erinnerung daran, da� sein gutes Aussehen sie schon damals angezogen hatte. Nun wirkte er erwachsener und bezauberte sie mit l�ssiger Herzlichkeit: �Ich bedaure, da� wir uns nur einmal in Lehigh Station getroffen haben. Danach habe ich oft von Ihnen geh�rt.�</p><p>�Nichts Erfreuliches, vermute ich.�</p><p>�Oh, das m�chte ich nicht behaupten.� Er l�chelte sie an. �Der Kongre�abgeordnete sagte mir, Sie seien vielleicht daran interessiert, beim Unterricht dieser Kinder zu helfen.�</p><p>�Nun ...�</p><p>�Ist das Gumbo, Mrs. Denton? Ich habe mein Mittagessen vers�umt. Leisten Sie mir Gesellschaft, Miss Hazard? Thad?�</p><p>�Drau�en ist es feucht, und Gumbo w�rmt mich immer auf�, sagte Stevens. �Ich nehme ein paar Bissen. Und du, Virgilia?�</p><p>Sie wu�te nicht, wie sie ablehnen sollte, und stellte fest, da� sie es auch gar nicht wollte. Sie setzten sich, die Sch�sseln mit der schmackhaften Suppe vor sich. W�hrend sie mit Brown und Stevens plauderte, irrte ihr Blick h�ufig zu dem kleinen, fr�hlichen Jungen ab, der sie so an Grady erinnerte. Der Anblick seines unschuldigen Gesichts, noch unber�hrt von den Grausamkeiten, die seine Hautfarbe provozieren w�rde, brachte sie erneut an den Rand der Tr�nen. Und dann kam ihr ein pl�tzlicher, verbl�ffender Gedanke. Sam war f�r sie verloren. Selbst zu Beginn ihrer Aff�re hatte sie gewu�t, da� sie ihn nicht ewig w�rde halten k�nnen. Vielleicht war es an der Zeit, die Verbitterung und den Kummer abzulegen. Vielleicht war es an der Zeit, sich um jemanden zu k�mmern, der von ihrer Liebe profitieren w�rde.</p><p>Wie eine pl�tzliche Erscheinung sah sie auf einmal den toten Soldaten im Feldhospital vor sich. Sie starrte ihre H�nde an. Andere konnten das Blut daran nicht sehen, aber sie schon. Dieses Blut w�rde sich nie abwaschen lassen. Aber sie konnte anfangen zu s�hnen.</p><p>Stevens l�ffelte die letzten Reste seiner Suppe und meinte, er habe am Sp�tnachmittag ein Treffen mit den Angeh�rigen des Komitees der F�nfzehn. Scipio Brown dr�ngte Virgilia nicht zu einer Antwort, zeigte jedoch deutlich, da� er sehr daran interessiert w�re, sie bei sich im Waisenhaus zu haben. Zum Abschied sch�ttelte er ihr kr�ftig die Hand. Er hatte eine direkte Art, in seinen Augen und seinem ganzen Auftreten lag Stolz. Sie mochte ihn.</p><p>In der auf die Stadtmitte zuschwankenden Kutsche legte Stevens beide H�nde auf den Knauf seines Stockes. Sie dachte dabei an einen L�wen. Ein alter L�we, aber immer noch von seinem Instinkt getrieben.</p><p>�Ich verliebe mich jedesmal neu, wenn ich diese Waisenkinder besuche, Virgilia.�</p><p>�Das kann ich verstehen. Sie sind sehr anziehend.�</p><p>�Und was h�ltst du von der Sache?�</p><p>�Viel, Thad. Sehr viel.�</p><p>Der alte Mann dr�ckte ihre Hand. �Du w�rst gut f�r sie. Ich glaube, sie w�ren auch gut f�r dich. Ich wei�, was du f�r Sam empfunden hast. Aber er geh�rt der Vergangenheit an, denke ich.�</p><p>Endlich kamen ihr die Tr�nen; Virgilia konnte nur nicken und sich abwenden.</p><p>An diesem Abend sagte sie in Georgetown Miss Tivertons Neffen h�flich, aber bestimmt Bescheid, da� sie ihre Stelle aufgeben w�rde.</p></section><section><title><p id="bookmark41"><strong>31</strong></p></title><p>Wie eine K�nigin, die aus ihrem Palast auftaucht, trat Ashton in den Junisonnenschein hinaus. Das Geb�ude, das sie eben verlassen hatte, war allerdings kein Palast, sondern ein Gasthaus in der Jackson Street, direkt am Rande von Chicagos �belster Gegend, einem Gewirr von H�tten und Schuppen, Conley's Patch genannt. Seit Monaten sa� Ashton nun schon in einem gro�en, dreckigen Einzelzimmer fest, zusammen mit Will Fenway und seinen Bergen von Konstruktionszeichnungen, Kostenkalkulationen, Lieferungsangeboten, Darlehensvertr�gen. Sie ha�te es.</p><p>Noch mehr ha�te sie die Anonymit�t, die Will ihr verordnet hatte, seit sie Santa Fe verlassen hatten. Sie wollte ein gemeinsames Foto machen lassen; er lehnte ab. Von ihr d�rften �berhaupt keine Bilder mehr gemacht werden, meinte er. Hatte ihr nicht die Senora in Santa Fe die Beh�rden wegen des Mordes an ihrem Schwager auf den Hals gehetzt? Wann immer Will das erw�hnte, trat ein merkw�rdiges Glitzern in seine w��rigen blauen Augen; ein Ausdruck, den Ashton nicht verstand.</p><p>An diesem Morgen, w�hrend sie sich von dem angenehmen Sonnenschein w�rmen lie�, �hnelte sie, wenn schon nicht einer K�nigin, so doch einer Frau von bester Herkunft. Ihr Kleid und der dazu passende Hut waren aus leuchtend roter Seide; allein in dem keilf�rmig zugeschnittenen Rock steckten zw�lf Meter Stoff. Eine aus sechs sprungfeder�hnlichen Dr�hten geformte Tourn�re hob ihren Rock hinten provokativ an. Diese Tourn�re war die neue Mode. Es war die reinste Tortur, das Ding an- und auszuziehen, aber ihr gefiel die Art und Weise, wie dadurch ihr Sex-Appeal betont wurde.</p><p>Ungl�cklicherweise geschah das am Rande von Conley's Patch am falschen Ort. Ein heruntergekommener, trief�ugiger Arbeiter kam auf sie zugeschwankt.</p><p>�Hallo, S��e.� Stinkend wie eine ganze Kneipe, blockierte er den Gehsteig. �Deinem Kleid nach bist du im Dienst, sch�tze ich. Wieviel?�</p><p>Ashton pre�te die Lippen zusammen. Mit ihrer zierlichen Hand im roten Handschuh schlug sie ihm den roten Sonnenschirm kr�ftig ins Gesicht. Dann hielt sie ihm die andere Hand unter die Nase. Unter dem Handschuh zeichneten sich die Umrisse eines m�chtigen Diamanteherings ab.</p><p>�Du dreckiger, ungebildeter Kerl. Ich bin eine anst�ndige verheiratete Frau.�</p><p>�F�r mich schaust du wie eine Hure aus.� Er griff nach ihr.</p><p>Ashton stie� ihm die Schirmspitze hart zwischen die Beine. Seine Augen schielten ganz f�rchterlich, als er zur�cktaumelte, mit beiden H�nden seine untere Partie umklammernd. Zwei besser gekleidete Gentlemen traten zwischen das heruntergekommene Wrack und Ashton.</p><p>�Ich danke Ihnen�, sagte sie mit ihrer lieblichsten Stimme. Sie tippten an ihre Melonen, w�hrend sie den Betrunkenen festhielten. Ashton rauschte weiter, auf die Van-Buren-Street-Br�cke zu. Sie war bereits zu sp�t, und an diesem wichtigen, um nicht zu sagen schicksalstr�chtigen Tag wollte sie auf keinen Fall zu sp�t kommen.</p><p>Im Weitereilen dachte sie �ber die ungeschickte Attacke nach. Zumindest war das ein Beweis daf�r, da� sie mit einunddrei�ig noch nichts von ihrem guten Aussehen eingeb��t hatte. Vielleicht sah sie jetzt sogar noch besser aus als fr�her. Das war allerdings auch das einzige, was sich verbessert hatte. Sie ha�te das Leben ohne einen Penny, das zu f�hren sie gezwungen war. Oft konnte sie es kaum glauben, wie weit sie und der griesgr�mige, knickerige alte Mann als Partner herumgekommen waren. Von Santa Fe nach San Francisco, dann Virginia City und schlie�lich Chicago.</p><p>So viele Pl�ne, so viele K�mpfe. Und ihre ganze Zukunft hing von diesen Pianozeichnungen ab, die Will angefertigt hatte, wieder und wieder, unz�hlige Male, manchmal bis drei oder vier Uhr morgens; er wertete seine eigenen Erfahrungen aus und suchte in obskuren deutschen und franz�sischen B�chern nach Produktionsdiagrammen und nach M�glichkeiten, hier oder dort einen Dime einzusparen.</p><p>Heute strebte alles dem H�hepunkt entgegen. Alles; das Geld, das sie von Virginia City mitgebracht hatten, knapp �ber hunderttausend Dollar in einer Packtasche. Die beiden Darlehen, die sie ausgehandelt hatten, um die Miete und die L�hne von Wills vier Arbeitern und dem Verk�ufer zu zahlen, den er von Hochstein abgeworben hatte. Um eines der Darlehen zu bekommen, hatte Ashton eine Nacht mit dem Bankier verbringen m�ssen, einem f�rchterlichen Mann mit einem Schweinebauch, der stundenlang auf ihr lag, ohne was zustande zu bringen.</p><p>Nachdem er sich f�nfzehn Minuten lang bem�ht hatte, war sie zu dem Entschlu� gelangt, da� sie keinen Hosenknopf des Bankiers f�r ihre Schatulle w�nschte. Den gr��ten Teil der Nacht lag sie da und starrte an seinem Kopf vorbei in die Dunkelheit. Sie sah sich herrlich gekleidet, reich und m�chtig, dank Wills Erfolg. Sie sah sich nach Mont Royal zur�ckkehren, sie sah eine Reihe von Konfrontationen mit der arroganten Madeline - jede dieser Phantasien war so gestaltet, da� sie Madeline verletzte und von dem Familienbesitz trieb, der rechtm��ig ihr, Ashton, geh�rte.</p><p>Oh, sie hatte eine Menge f�r Will Fenway und ihre gemeinsamen Pl�ne getan; da� sie von dem fetten, schwitzenden Bankier fast zu Tode gequetscht wurde, war nur ein Teil davon. Zuerst hatte sie einen Notar in San Francisco verf�hrt. Er war gar nicht so �bel, zwar reichlich hausbacken, aber potent. Sie brauchte lediglich eine Woche, um ihm eine gef�lschte Heiratsurkunde zu entlocken, die besagte, da� sie Mr. Lamar Powell am 1. Februar 1864 geheiratet hatte.</p><p>Obwohl sie aus reiner Bequemlichkeit den Namen Mrs. Willard P. Fenway angenommen hatte, war sie in Wirklichkeit mit einem Mann verheiratet, der ihres Wissens nach immer noch in Virginia City, Nevada, lebte. Ezra Leaming war ein rotgesichti-ger wei�haariger Witwer mit traurigen Augen ohne Familie. Er war sch�chtern und ein T�lpel, was Frauen anbelangte. Ashton mu�te ein scheinbar zuf�lliges Zusammentreffen arrangieren -eine kleine Ohnmacht auf der Stra�e - und so tun, als w�re sie selbst sehr sch�chtern und wegen des Todes von Mr. Powell bitterer Armut preisgegeben. Ihr blieb es �berlassen, daf�r zu sorgen, da� er ihr den Hof machte; sie f�llte Mr. Leaming mit einer ganzen Flasche Mumm's ab und brachte ihn so dazu, ihr einen Heiratsantrag zu machen.</p><p>Im Bett erwies sich Leaming als recht lebhafter Ehemann. Wesentlich lebhafter als der gute alte Will, der es nur einmal in San Francisco probiert und nach einer halben Stunde geseufzt hatte: �Das reicht. Ich schlafe gern mit dir, um mich zu w�rmen, wenn du nichts dagegen hast, aber f�r das andere, sch�tze ich, bin ich zu alt. Bleiben wir Partner. Was meinst du dazu?�</p><p>Ezra Leaming stahl sie einen Hosenknopf. W�hrend der acht Monate ihrer Ehe geno� er ihre Vorz�ge in reichem Ma�e. Er war der Chef des �rtlichen Sch�rfb�ros; nat�rlich war er nur zu gl�cklich, seiner lieben Frau dabei behilflich zu sein, ihren eindeutigen Besitzanspruch auf die Mexikanische Mine, Eigentum ihres verstorbenen Mannes, durchzusetzen. Schlie�lich konnte sie ihre Heiratsurkunde vorweisen, nicht wahr?</p><p>Ashton heuerte M�nner an, um die Mine wiederaufzumachen, die anfangs auch sehr vielversprechend aussah. Aus dem silberhaltigen Erz lie�en sich 103.000 Dollar herausholen, bevor die Ader ersch�pft war. Still und heimlich hob sie das Geld von ihrem Bankkonto ab, und sp�t nachts, als Ezra Leaming schnarchte, setzte sie sich mit Will Fenway, der sich w�hrend der Zeit in einem billigen Zimmer aufgehalten und ungeduldig Pianos gezeichnet hatte, in die n�chste Kutsche.</p><p>O ja, der Weg nach Chicago hatte durch ein wahres Labyrinth gef�hrt. Mit vielen Verwirrungen und Irritationen. Sie gab sich als Mrs. Fenway aus, war aber immer noch Mrs. Leaming. Als Will am Tag nach ihrer Ankunft in der Stadt sagte, sie d�rfe nicht zum Fotografen, warf sie einen Schuh nach ihm. Um ihm eins auszuwischen, marschierte sie am n�chsten Tag zu Field, Leitner und Co., einem vornehmen Bekleidungsgesch�ft in der State Street. Dort kaufte sie mit Geld von ihrem Bankkonto -Geld, das f�r die Pianofirma reserviert war - die scharlachroten Sachen, einschlie�lich der Tourn�re.</p><p>Will war w�tend. Er beschimpfte sie, wie sie ihn nie zuvor hatte schimpfen h�ren. Ashton erkannte, da� sie einem Mann begegnet war, dessen St�rke der ihren gleichkam. All die Sorgen und die Nachtarbeit hatten ihn alt und m�de werden lassen, aber weder ihre Sch�nheit noch ihr hoheitsvolles Benehmen sch�chterten ihn ein; auch da� sie auf seine Fl�che mit Schreien reagierte und sagte, sie werde ihn verlasen, brachte ihr nichts ein.</p><p>Er schlug sie. Nur einmal, aber so fest, da� sie auf das zerw�hlte Bett taumelte. Dann zeigte er ihr seine Faust. �Du machst weiter. Ich habe meine ganze Seele und dein ganzes Geld in diesen Plan gesteckt. Wenn dir all das egal ist, wenn du nicht mehr in dem Stil nach South Carolina zur�ck willst, von dem du immer gesprochen hast, dann geh einfach zur T�r raus. Ich behalte all das Geld, das wir verdienen, und dann suche ich mir eine andere Frau.�</p><p>Ashton stand wie vom Donner ger�hrt da. Sie bat und bettelte, weinte und erniedrigte sich, bis er sie wieder als Partnerin aufnahm. Seitdem hatte sie ihn weder ver�rgert noch herausgefordert.</p><p>Das war der Grund f�r ihre Eile, als sie von der Van Buren nach Westen auf die Holzbr�cke �ber den S�darm des Chicago River abbog. Wenn Fremde sie aufdringlich anstarrten, dann warf sie nur ver�chtlich den Kopf zur�ck. Ihr Herz geh�rte Will und dem, was er heute enth�llen w�rde.</p><p>Westlich des Flusses war Chicago fast schon ein Slum, mit seinen dicht gedr�ngten Kneipen, Holzlagerpl�tzen, S�gem�hlen, den Bootsmolen am Wasser und den trostlosen, billigen Wohnungen der vielen Iren und Schweden und B�hmen. Hier in der Canal Street f�hrte eine dunkle Treppe nach oben, vorbei an einem grob mit der Hand geschriebenen Schild, das auf fen-way's piano Company hinwies.</p><p>Atemlos hetzte sie nach oben auf den Speicher, wo sich Eisenrahmen t�rmten, Spulen unterschiedlich starken Klavierdrahtes, noch nicht zusammengebaute Geh�use von Schoenbaum aus New Jersey, Tasten von Seaverns in Massachusetts. Mit Ausnahme des Gesamtentwurfs war nichts an dem Piano Will Fenways Eigensch�pfung.</p><p>�Will, verzeih mir.� Zerknirscht eilte sie auf ihn zu. Die vier jungen M�nner in Ledersch�rzen und der stattliche Norvil Wat-less, der Verk�ufer, l�chelten und gr��ten sie, als sie die Arme um Wills Nacken schlang und ihn k��te. �Auf der Br�cke war so viel Verkehr. Ich mu�te zehn Minuten warten, bis ich hin�ber konnte.�</p><p>�Schon gut, ich habe gewartet�, sagte er nerv�s, w�hrend er mit den Fingern auf das unter einem Laken verborgene Objekt trommelte, das im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. �Sch�tze, wir sind alle da. Werfen wir mal einen Blick darauf.�</p><p>Sie bemerkte, wie seine Hand zitterte, als er das Tuch packte. Au�erdem bemerkte sie die roten R�nder tief in seinen Augen; er brauchte eine Brille, wollte sich aber keine kaufen. Doch seine Schultern strafften sich, als er eine auf Wirkung bedachte Pause einlegte, ehe er das Laken wegri�.</p><p>Die Arbeiter klatschten. �Allm�chtiger, was f�r eine Sch�nheit�, keuchte Norvil Watless. Selbst Ashton blieb der Atem weg.</p><p>Bei dem Piano handelte es sich um ein Klavier, das in Frankreich popul�r geworden war, da es sich gut in diese kleinen, im neuen Stil gehaltenen Pariser Wohnungen, <emphasis>appartements</emphasis> genannt, einf�gte. Das Geh�use bestand aus gl�nzendem, schw�rzlichem Holz mit breiter, rostfarbener Maserung. In alter englischer Schrift tauchte �ber der Tastatur in einer Goldblattgirlande der Name <emphasis>Fenway</emphasis> auf.</p><p>�Das ist ein wunderbares Rosenholzgeh�use�, begann Watless.</p><p>�Brasilianische Jacaranda�, unterbrach ihn Will. �Ist billiger. Aber Sie k�nnen trotzdem Rosenholz dazu sagen.�</p><p>Er strich �ber die glatte Oberfl�che; die M�digkeit schien von ihm abzufallen, als er Ashton erkl�rte: �F�r das Geld kann ich kein besseres bauen. Es hat einen vollen Eisenrahmen, kreuzsai-tige Skala.�</p><p>�Franz�sische Mechanik�, rief Watless. Ashton hatte gelernt, da� eine in Paris hergestellte Klaviermechanik gleichbedeutend mit guter Qualit�t war.</p><p>�Nein. Ich habe die Mechanik in den Vereinigten Staaten gekauft�, sagte Will. �Doch im Verkaufsprospekt steht, es sei im franz�sischen Stil gehalten, also sorgen Sie daf�r, da� man glaubt, es komme aus Paris. Schlie�lich z�hlt unsere Kundschaft ja auch nicht gerade zu den ehrlichsten Leuten der Welt.�</p><p>Ashton wollte etwas sagen, was ihn freute. �Du kannst stolz sein, Will.�</p><p>�Ich kann stolz, aber auch bankrott sein, wenn sie sich nicht verkauft. Es ist �brigens eine Sie - ich habe dieses Modell &gt;Ash-ton&lt; getauft.�</p><p>Sie quietschte �berrascht auf, f�hlte sich dann aber tats�chlich ger�hrt. Wieder umarmte sie ihn und sp�rte, wie sein K�rper ganz kurz m�de und ersch�pft gegen den ihren fiel. Er winkte. �Probieren Sie sie aus, Norvil.�</p><p>Der Verk�ufer zog sich einen Hocker heran, spreizte seine Finger und schlug dann z�gernd &gt;Camptown Races&lt; an.</p><p>�Lauter, Norvil�, sagte Will.</p><p>Norvil spielte lauter.</p><p>�Schneller.� Norvil steigerte das Tempo. Die Musik schien durch die geschlossene Front des Pianos mit einem leicht metallischen Klang zu dringen. Norvil wechselte zu &gt;Marching Through Georgia&lt; �ber. Man konnte praktisch die H�rner und die stampfenden F��e h�ren.</p><p>Einer der Arbeiter legte einen kleinen Tanz hin. �Verdammt, das ist 'n Klavier!�</p><p>�Richtig�, stimmte Will zu. �In einem Bordell schert man sich einen Dreck um s��e, sanfte T�ne. Man will Krach. Krach, Norvil!�</p><p>Gehorsam spielte Norvil einen Verdi-Chor. Entz�ckt klatschte Ashton mit ihren kleinen roten Handschuhen. Will warf ihr einen seltsamen, ernsten Seitenblick zu, dann sagte er: �Ich kann so viele bauen, wie Sie verkaufen k�nnen, Norvil, aber wenn Sie �berhaupt keins verkaufen, dann k�nnen Sie mich im Armenhaus besuchen, vorausgesetzt, die Lieferanten haben mich nicht schon zuvor erschlagen. Nun, ich denke, wir machen jetzt besser die Flasche Whisky auf, was?�</p><p>Ashton hatte noch keine Feier erlebt, die mit weniger Begeisterung angek�ndigt worden w�re. Der Gedanke, was passieren w�rde, wenn das Ashton-Klavier ein Fehlschlag wurde, lie� auch sie ein bi�chen ernst werden.</p><p>Nachdem Norvil und die Arbeiter die Flasche geleert hatten, gab Will ihnen den Rest des Tages frei und schlo� den Speicher ab. Die leere Flasche warf er in eine M�lltonne. �Die Karten sind ausgeteilt, Ashton. Wir k�nnen genausogut unser letztes Geld f�r ein gutes Steak im Caf� an der Ecke ausgeben.�</p><p>Sie war einverstanden. Keiner von ihnen sprach viel, bis sie zwischen Farnt�pfen in dichtem Zigarrenqualm unter ansonsten nur m�nnlichen G�sten sa�en, die ihr auffallendes Aussehen beglotzten.</p><p>Ihr roter Handschuh schlo� sich um seine Hand. �Will, was hat dich in diese tr�be Stimmung versetzt?�</p><p>Er wich ihrem Blick aus. �Das w�rde dich nicht interessieren.�</p><p>�Oh doch, das w�rde es.� Sie zog ein h�bsches Schmollm�nd-chen. �Doch!�</p><p>Der Blick seiner m�den, rotger�nderten Augen richtete sich auf sie. �Ich habe dir das nie gesagt, weil ich nie sicher war, da� wir so weit kommen w�rden. Aber es fri�t an mir, Ashton.�</p><p>�Was?� Ihr Schmollen wirkte jetzt erzwungen und nerv�s.</p><p>�Was?�</p><p>�Santa Fe.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Was mich beunruhigt, ist Santa Fe. Dieser Luis, den du erschossen hast, als es gar nicht mehr notwendig war.� �rger r�tete ihr Gesicht. Er packte ihr Handgelenk, und sie sp�rte die verborgene Kraft, die in diesem verfallenen alten Leib steckte. �La� mich ausreden. Dieser Mann bereitet mir Alptr�ume. Ich bin wei� Gott keine S�ule der Tugend. Und ich mag dich, ich mag dich wirklich. Ich mag deine Keckheit, dein Aussehen, deinen Mumm, deinen Ehrgeiz, den du nicht hinter einem Haufen schw�lstiger L�gen versteckst. Aber da ist ein gewisser Zug in dir, den dein Daddy aus dir h�tte herauspr�geln sollen. Ein �bler Zug. Der hat dich dazu gebracht, einen wehrlosen Mann zu erschie�en. Ob nun die Fenway-Pianos eine Katastrophe oder ein umwerfender Erfolg werden, ganz egal ...� Die n�chsten Worte kamen nach einigen schweren Atemz�gen, als m��te er eine Last heben. �Ich habe beschlossen, wenn du je wieder etwas derart Gemeines tust, dann sind wir fertig miteinander. Nein, komm mir jetzt nicht mit Argumenten. Keine Entschuldigungen. Du hast ihn ermordet.� Seine Stimme war leise, damit niemand sie belauschen konnte. Aber in ihren Ohren klang sie wie ein tobender, kalter Januarsturm.</p><p>Er zog seine Hand weg. �Wenn du so etwas noch mal tust, sind wir fertig, kapiert?�</p><p>Ihre erste Reaktion war erneuter Zorn. Huntoon hatte einst etwas �hnliches zu ihr gesagt, und sie hatte ihn verh�hnt und verspottet. Jetzt �ffnete sie ihren feuchten roten Mund, um dasselbe mit Will zu tun - und konnte es nicht.</p><p>Sie schauderte. Hastig ging sie ihre Chancen durch, dann senkte sie den Kopf.</p><p>�Ich habe verstanden.�</p><p>Er l�chelte. Ein ersch�pftes L�cheln, aber ein L�cheln. Er t�tschelte ihre Hand. �Gut. Jetzt f�hle ich mich besser. Bestellen wir. Oder besser noch, lassen wir den ganzen verdammten Tag sausen und besaufen uns. Entweder es ist alles vorbei, oder es f�ngt erst an. Ich habe alles gegeben. Du ebenfalls.�</p><p>Ihre Blicke trafen sich in einem merkw�rdigen, stillen Moment gegenseitigen Verstehens. Warum bewunderte sie diesen zerbrechlichen alten Mann? Weil er reinen Stahl in sich hatte? Weil er einen Befehl erteilen und daf�r sorgen konnte, da� sie ihn befolgte? Zu ihrer eigenen �berraschung wurden ihre Augen feucht.</p><p>�Ja, das haben wir. Trinken wir wie die K�nige, und dann gehen wir ins Bett.�</p><p>�Wahrscheinlich werde ich gleich einschlafen.�</p><p>�Das macht nichts. Ich halte dich warm.�</p><p>Das munterte ihn auf, und eine gewisse Heiterkeit kam bei ihm zum Vorschein, als er mit den Fingern nach dem Kellner schnippte. �Nun, warum nicht? Jetzt liegt alles bei Norvil. Bei Norvil und den Puffbesitzern dieser gro�artigen Vereinigten Staaten.�</p></section><section><title><p id="bookmark42"><strong>32</strong></p></title><p><emphasis>J</emphasis>emand ber�hrte seinen Fu�.</p><p>Charles war sofort hellwach; er fegte seinen schwarzen Hut vom Gesicht, w�hrend seine rechte Hand zum Colt schnellte.</p><p>Der Revolver fuhr hoch. Dann erkannte er Corporal Magee, auf dessen dunkles Gesicht die durch die abgestorbenen Pappelbl�tter fallenden Sonnenstrahlen ein Muster malten.</p><p>Charles' Herz beruhigte sich wieder. �Anrufen, nicht anfassen, wenn ich schlafe. Sonst kriegst du wom�glich eine Kugel verpa�t.�</p><p>�Tut mir leid, Sir. Wir haben Rauch gesichtet.�</p><p>Er deutete nach S�dwesten, wo das Band des Smoky Hill River im Mittagslicht wie aus Zinn gegossen gl�nzte. Eine d�nne, schwarze S�ule stand am Himmel. Charles raffte sich hoch und machte sich auf die Suche nach seinem Spurenleser.</p><p>Er patrouillierte mit seinem Zehn-Mann-Trupp vor Fort Harker einen F�nfundzwanzig-Meilen-Streifen entlang der Postkutschenroute s�dlich und westlich des Milit�rpostens. Jetzt hatten die Soldaten unter den B�umen am Flu� Schutz vor der Julihitze gesucht. Viel n�tzte es nicht. Das rote Tuch um Charles' Hals f�hlte sich wie ein nasser Lappen an. Seine nackte Brust gl�nzte vor Schwei�.</p><p>Der Spurenleser war ein Kiowa namens Gro�er Arm, den der Alte Charles zugewiesen hatte. Er war ein gutaussehender Indianer und ein geschickter Reiter, aber stets m�rrisch gestimmt. Barnes sagte, er stamme von einer Kiowa-Bande unten im n�rdlichen Texas, wo er vor einigen Jahren bei einer B�ffeljagd einen unverzeihlichen Fehler begangen hatte. Er war ungeduldig geworden, war vor den anderen J�gern losgest�rmt und hatte so die Herde in die Flucht geschlagen. Niemand hatte auch nur einen B�ffel erlegt. Die Besitzt�mer von Gro�er Arm wurden zerbrochen, und er wurde ausgesto�en. Zwei Winter hielt er das durch, dann trat er voller Ha� in den Dienst des wei�en Mannes - in seinem Fall war es ein Haufen Schwarzer oder B�ffelsoldaten, wie sie von den Pr�rieindianern genannt wurden, da das wollige Kraushaar der Schwarzen an ein B�ffelfell erinnerte.</p><p>�Was h�ltst du davon?� sagte Charles zu Gro�er Arm in gereiztem Tonfall. Der Kiowa, der nur mit Charles oder dessen M�nnern redete, wenn es unumg�nglich erschien, war ihm aus tiefstem Herzen zuwider.</p><p>Gro�er Arm antwortete mit einem f�r ihn typischen Achselzucken, dann zog er ein gl�nzendes Messingteleskop aus dem G�rtel. Er wollte es gerade �ffnen, als Charles es ihm aus der Hand schlug.</p><p>�Wie oft mu� ich dir das noch sagen? Dieses Ding leuchtet wie ein Spiegel. Was brennt da? Die n�chste Postkutschenstation?�</p><p>M�rrisch sch�ttelte Gro�er Arm den Kopf. �Zu nah f�r Station, mu� neue Farm sein. Nicht da letztes Mal, als ich Flu� ritt.�</p><p>Alarmiert br�llte Charles: �Wallis! Blase zum Aufsitzen!�</p><p>Nach Verb��ung seines Arrestes hatte Shem Wallis seinen Dienst wieder aufgenommen und ein gewisses Talent als Trompeter gezeigt. Jetzt blies er das Kommando in scharfen, dr�ngenden T�nen. Die schwarzen Kavalleristen rappelten sich fluchend auf. Charles teilte zwei Mann als Wache f�r den Versorgungswagen ein und rannte zu seinem angepflockten Schecken.</p><p>Trotz der Hitze z�ndete er sich eine Zigarre an. Die Nerven. Schwei� lief ihm �ber Brust und R�cken, als er an der Spitze der acht M�nner in Zweierreihe aus dem Schatten der B�ume trabte.</p><p>Das mit Rasenst�cken gedeckte Haus stand noch. Der Rauch stammte vom Gerippe eines Farmwagens. Charles lie� seine M�nner antreten, und sie n�herten sich mit schu�bereiten Gewehren und Revolvern. Die Krempe von Charles' schwarzem Hut warf einen scharfen, diagonalen Schatten �ber sein Gesicht.</p><p>Seine Blicke huschten hin und her. Pl�tzlich drang ihm ein �bler Geruch in die Nase. �Was zum Teufel ist das?�</p><p>Gro�er Arm wu�te offensichtlich Bescheid. �Schlimm�, sagte er.</p><p>Sie hielten am Rand des zertrampelten Hofes. Vom Pferder�cken aus las Charles die Spuren in dem zertretenen Gras neben dem kleinen, verdorrenden Gem�segarten des Siedlers. �Ich z�hle acht Ponys, vielleicht eins mehr.� Gro�er Arm grunzte zustimmend.</p><p>�Woher wei� er das?� murmelte einer seiner M�nner hinter ihm. Charles zog es vor, sie in st�ndiger Ehrfurcht vor seinen Pr�riekenntnissen zu halten; nie erz�hlte er davon, da� Holzfu� ihm alles beigebracht hatte und da� kaum ein Tag verging, an dem er nicht die eine oder andere Lektion verwenden konnte. Sie wu�ten nicht, da� es so einfach war. Wenn er sie richtig geformt hatte, dann w�rde er ihnen vielleicht einige Geheimnisse enth�llen und mit dem ernsthaften Unterricht beginnen. Doch noch war es nicht soweit.</p><p>Er lie� absitzen und schickte drei Zwei-Mann-Teams los, um den Boden in verschiedenen Richtungen abzusuchen. Er selbst f�hrte Magee, Gro�er Arm und einen weiteren Kavalleristen um das quadratische Haus herum, das aus Lehmziegeln mit einem Grasdach bestand. Hohe Gr�ser wuchsen aus den Rasenst�cken, ein Unkrautfeld gegen den hitzeflimmernden Himmel.</p><p>Der Gestank wurde schlimmer.</p><p>�Riecht wie gekochtes Fleisch�, sagte der Kavallerist.</p><p>Sie bogen um die hintere Hausecke und sahen vor sich auf dem Boden das, was von dem wei�en Siedler �briggeblieben war.</p><p>�Gott, sie haben Feuer auf ihm gemacht.�</p><p>Magee, der sich so leicht von nichts beeindrucken lie�, zeigte Verbl�ffung. �Das letzte Feuer auf seiner Brust.� Der andere Soldat rannte ins hohe Gras und �bergab sich.</p><p>Charles gab Magee einen Sto�. �Okay, gehen wir eine Schaufel holen.� Beide wollten sie so schnell wie m�glich von der Leiche wegkommen. Vorne sah er, wie Gro�er Arm mit seinem Teleskop gegen die T�r des Hauses stie�. �Um Himmels willen, geh da nicht rein, bis wir uns davon �berzeugt haben, da� es sicher .�</p><p>Er war noch mitten im Satz, als Gro�er Arm die T�r aufstie� und eintrat. Dr�hnender Donner schleuderte ihn wieder heraus. Von Rauchschwaden umgeben, landete er auf seinem R�cken. Aus einem Loch in der Brust seines Hirschlederhemdes quoll es rot hervor.</p><p>Charles dr�ckte sich seitlich neben der T�r gegen die Wand. �Wir sind Soldaten. Armee der Vereinigten Staaten. Nicht mehr schie�en.�</p><p>Er lauschte. Schwerer Atem. Dann ein Wimmern. Ein Schatten strich neben ihm �ber den Boden. Ein kreisender Geier.</p><p>�Nicht schie�en. Ich komme rein.�</p><p>Unter den Blicken der anderen atmete Charles tief durch und trat in den T�rrahmen. �Soldaten�, sagte er laut und schob sich in die fast undurchdringliche Dunkelheit hinein.</p><p>In einer Ecke inmitten zerbrochener M�bel lag die Frau des Siedlers, ein M�dchen mit kastanienbraunem Haar. Kleiderfetzen lagen um sie verstreut herum. Sie versuchte ihre Nacktheit zu verbergen, w�hrend ihre rechte Hand zitternd eine Pistole umklammerte. Charles warf nur einen kurzen Blick auf ihre feuchten Schenkel, aber es reichte, um sie zu dem�tigen. Er mu�te nicht fragen, was sie ihr angetan hatten.</p><p>Veilchenblaue Augen f�llten sich mit Tr�nen. �Eulus hat mir die Pistole gegeben. Ich sollte die letzte Kugel f�r mich selber aufheben. Sie haben mir die Waffe weggenommen, bevor sie -bevor sie - ist mit Eulus alles in Ordnung?�</p><p>Charles w�re am liebsten im Boden versunken. �Nein.�</p><p>Eine Art wahnsinnigen Elends blitzte in den veilchenblauen Augen auf. Ihre freie Hand glitt �ber ihre Schenkel, als wollte sie die Schandflecken wegwischen. Er versuchte seine Gef�hle unter Kontrolle zu bekommen und vern�nftig zu denken.</p><p>�H�ren Sie, es tut mir leid. Legen Sie sich hin, ich suche eine Decke f�r Sie. Dann holen wir unseren Wagen und bringen Sie - <emphasis>nicht!�</emphasis></p><p>Er st�rzte sich auf sie, aber zu sp�t. Seine ausgestreckte Hand fuhr einen Meter von ihr entfernt durch die Luft, als sie auf den Abzug der Pistole dr�ckte, die sie sich in den Mund geschoben hatte.</p><p>Magic Magee ber�hrte den K�rper von Gro�er Arm mit seinem perlenbesetzten Mokassin. �Ich bin ja nur ein Stadtjunge, Lieutenant, aber mir scheint, da� dieser F�hrtensucher hier sein Gesch�ft nicht besonders gut verstanden hat.�</p><p>Charles starrte zum wei�en Horizont hin�ber und bi� auf seiner kalten Zigarre herum. �Verdammter Narr. Verdammte Wilde. Verdammter Hancock.� Er wandte sich ab, um den in ihm tobenden Sturm an Emotionen zu verbergen.</p><p>Magee sagt zu Shem Wallis, dem die Tr�nen in den Augen standen: �Wird ein m�chtig langer Sommer.�</p><p>Vor kurzem war Hancocks Krieg, wie die Presse die Fr�hjahrsexpedition bezeichnete, zu Ende gegangen. Hancocks herausfordernde Demonstration der St�rke h�tte den Frieden f�rdern sollen; das impulsive Niederbrennen des Dorfes an der Pawnee-Ga-belung hatte f�r Krieg gesorgt. Die Pr�riest�mme betrachteten die Zerst�rung von Tipis, B�ffelfellkleidung und anderen pers�nlichen Besitzt�mern als Wiederholung von Sand Creek und als direkten Versto� gegen den Little-Arkansas-Vertrag.</p><p>Und sie schlugen zur�ck.</p><p>Banden junger Sioux und Cheyenne, gef�hrt von Hitzk�pfen wie Pawnee Killer und Narbengesicht, str�mten nach Kansas hinein und �berfielen Heimst�tten wie jene, die Charles gefunden hatte, brannten Postkutschenstationen nieder, st�rzten sich auf unbewaffnete Bautrupps der U.P.E.D., die in einem verzweifelten Wettrennen zum hundertsten Meridian ihre Schienen verlegten. Zwischen Fort Harker, der gegenw�rtigen Spitze des Schienenstrangs, und Fort Hays, einem noch primitiveren Milit�rposten sechzig Meilen westlich gelegen, weigerten sich die US-Trupps, ohne bewaffnete Schutztrupps zu arbeiten.</p><p>Von der Division aus erlie� Sherman den Befehl, Kavallerie-und Infanterie-Einheiten zur Bewachung der Trupps abzustellen. Die eigenen Sicherheitskr�fte der Eisenbahn, gef�hrt von einem ehemaligen Pinkerton-Agenten namens J.O. Hartree, verst�rkten die Armeekommandos. Hartree geno� den Ruf eines Killers, aber das reichte nicht aus, um die �berf�lle zu stoppen. Die Direktoren der Eisenbahn schrien nach weiteren M�nnern, weiteren Waffen. Gouverneur Crawford von Kansas schrie nach Schutz f�r seine B�rger und begann ein Sonderkavallerieregiment des Staates aufzubauen. Sherman wollte die Armee zum Einsatz bringen: �Wir d�rfen nicht in der Defensive bleiben. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit m�ssen wir sie verfolgen. Wir m�ssen die Gegend zwischen Platte und Arkansas von Indianern s�ubern.�</p><p>Das klang alles sch�n und gut, wenn man von der Reaktion all der Kongre�abgeordneten, B�rokraten, Prediger und Journalisten absah, die sich auf Seiten der Indianer schlugen und die jeder indianischen Untat eine zuvor erfolgte Untat der Wei�en unterschoben. Von Bostoner Kanzeln und New Yorker Redaktionsr�umen aus sprachen sie mit m�chtiger, �berzeugender Stimme. Sie nannten den Brand an der Pawnee-Gabelung einen feigen, provokativen Akt. Sie druckten Handzettel, veranstalteten Fackelumz�ge und schickten Unmengen von Memoranden an Pr�sident Johnson. Zu den st�rksten Tr�gern dieser Clique z�hlte Willas Indian Friendship Society - eine Tatsache, an die Charles nicht zu denken versuchte.</p><p>Ehe der Vorfall mit dem Siedlerpaar geschah, hatte er seinen Trupp mit einem guten Gef�hl in den Einsatz gef�hrt. Es war wesentlich besser, durch die Smoky Hills zu patrouillieren und Indianer zu jagen, als in den elenden, rattenverseuchten Schlammh�tten in Fort Harker zu hausen. Bald schon war ihm klargeworden, da� es einem kleinen Trupp an der n�tigen Feuerkraft fehlte, um gro�e, herumstreunende Kriegsbanden zu verfolgen und zu vernichten. Schlimmer noch, es war ihnen auch nicht erlaubt. Sie durften nur reagieren, nicht agieren. Je bewu�ter ihm diese Tatsache wurde, desto �bler wurde Charles' Laune; im Hochsommer sp�rte er das gleiche m�rderische Gef�hl in sich, das er bei der Entdeckung der Leichen von Boy und Jackson empfunden hatte.</p><p>Charles und seine M�nner hatten die �belkeitserregende Aufgabe �bernommen, die Siedler zu begraben und ihre wenigen Habseligkeiten durchzusehen, um sie identifizieren zu k�nnen. Sie hatten eine Bibel gefunden, allerdings ohne irgendeine Inschrift. Sie hatten nichts weiter als einen Namen, Eulus. Es war pure Ironie, da� angesichts dieser Metzelei die Friedensstifter vor�bergehend das Kommando �bernahmen. Senator Hender-son aus Missouri, ein m�chtiges Mitglied der Friedenslobby, brachte ein Gesetz ein, mit dem eine weitere Kommission bevollm�chtigt werden sollte, einen dauerhaften Frieden mit den Pr�rieindianern auszuhandeln.</p><p>Wie so viele in Uniform kam sich Charles verraten und verkauft vor; man hinderte ihn daran, einen Krieg zu gewinnen, der st�ndig unschuldige Opfer forderte wie den Siedler Eulus und dessen Frau. Charles glaubte, da� sich die Friedenslobby nicht ewig halten w�rde. Letzten Endes mu�te man die Armee loslassen, mit der Erlaubnis, den Kampf bis zum endg�ltigen Sieg fortzuf�hren. Dann w�rde sich ihm die Chance bieten, seinen Racheschwur wahrzumachen, den er �ber den verst�mmelten Leichen von Holzfu� und Boy abgelegt hatte.</p><p>W�hrend Charles mit der Leiche von Gro�er Arm nach Fort Harker zur�ckkehrte, sagte er sich, da� er eigentlich dankbar sein m�sse. Obwohl seine Schwarzen von ihren wei�en Br�dern verachtet wurden, h�tte er es anderswo wesentlich schlimmer treffen k�nnen. Zum Beispiel bei der Siebten Kavallerie.</p><p>Dieses Regiment wurde zwischen verschiedenen Parteien hin und her gerissen; es gab viel �rger. Custer hatte an Hancocks Expedition teilgenommen und war anschlie�end den Republi-can River hochgeschickt worden, um Indianer zu jagen. Eine Anzahl von ihm angeordneter Gewaltm�rsche hatte zu Massendesertionen gef�hrt. Eines Nachts verschwanden f�nfunddrei�ig M�nner. Voller Wut hatte Custer ihnen seinen Bruder Tom, einen Adjutanten und einen Major Elliot nachgehetzt, mit dem Befehl, jeden Mann zu erschie�en, den sie erwischten.</p><p>Die Verfolger schnappten f�nf Mann; drei davon wurden verwundet. Custer verweigerte ihnen eine Zeitlang jede medizinische Versorgung. Einer starb in Fort Wallace, und Charles h�rte, da� sich Custer r�hmte, bei ihm w�rden es sich potentielle Deserteure zweimal �berlegen, bevor sie fl�chteten.</p><p>Kurz vor ihrem Aufbruch zur Patrouille hatte Charles noch etwas �ber den Boy General geh�rt. Anscheinend hatte er Fort Wallace ohne Erlaubnis verlassen und war durch Fort Hays und Fort Harker gehetzt, um seine Frau aufzusuchen, deren Gesundheit und Sicherheit ihm Sorge bereiteten. Zus�tzlich zu dem Indianerproblem hing die Drohung einer Choleraepidemie in der Luft.</p><p>Captain Barnes betrachtete den st�mmigen Indianer mit gerunzelter Stirn. �Lieutenant August, hier ist dein neuer Spurenleser, Graue Eule.�</p><p>Charles rutschte das Herz in die Hosentasche. Im Vergleich zu diesem Galgenvogel war Gro�er Arm eine schillernde Pers�nlichkeit gewesen. Der Indianer mochte um die Vierzig sein und steckte trotz der Hitze in einem B�ffelfell. Er hatte breite, dunkle Backenknochen und eine Nase wie eine stumpfe Axt. Seine Flechten hatte er mit bemalten Hirschlederriemen zusammengebunden, aber davon abgesehen konnte Charles nichts entdecken, was einen Hinweis auf seinen Stamm gegeben h�tte. Ganz sicher geh�rte der F�hrtensucher weder zu den Delaware noch zu den Osage. Vielleicht irgendein Sioux-Zweig? Sehr verwirrend. Die Sioux befanden sich auf dem Kriegspfad.</p><p>Barnes bemerkte Charles' starren Blick und sagte: �Er geh�rt zu den s�dlichen Cheyenne. Seit ich hier drau�en bin, arbeitet er schon als Spurenleser f�r die Armee.�</p><p>�Ich will verdammt sein. Erz�hl mir blo� nicht, er hat auch eine B�ffelherde in die Flucht geschlagen.�</p><p>�Nein. Er kann sein Volk nicht leiden. Warum, will er nicht sagen.�</p><p>Charles sah ganz kurz den Schmerz in den Augen des F�hrtensuchers aufblitzen, zumindest bildete er sich das ein. Es war ein merkw�rdiges Gef�hl, �ber den Indianer zu sprechen, als w�re er gar nicht anwesend. �Na gut, komm mit, Graue Eule. Ich werde dich meinen M�nnern vorstellen.�</p><p>�Jawohl. Sch�nen Dank�, sagte Graue Eule. Charles fuhr herum. Der Cheyenne sprach deutlich und fast akzentfrei. Er mu�te viel Zeit unter Wei�en zugebracht haben. In einem Punkt war er jedenfalls besser als Gro�er Arm: Er gab Antwort, wenn man ihn etwas fragte, und zwar mehr als nur einige Worte. Er hatte jedoch ein anderes Problem. Er war nicht m�rrisch, aber er weigerte sich hartn�ckig zu l�cheln.</p><p>�Verstehst du, Magic�, sagte Charles zu seinem Corporal, �ich kann keine Leistung aus ihm rausholen, solange ich nicht an ihn herankomme. Und um an ihn heranzukommen, mu� ich einiges �ber ihn wissen. Was er will, was er mag, wer er wirklich ist. Zweimal habe ich ihn nach dem Grund gefragt, weshalb er sich von seinem Stamm abgewandt hat. Er weigert sich, es mir zu sagen. Wir stehen im Begriff, ein gutes Kommando aufzubauen. Ich will nicht, da� er das kaputtmacht, so wie Gro�er Arm. Wir m�ssen ihn herumkriegen. Der erste Schritt dazu ist, dieses steinerne Gesicht zu knacken. Ich denke, du bist der richtige Mann daf�r.�</p><p>�Ich m�chte dir eine kleine Geschichte erz�hlen�, sagte Magee. �Aber zuerst mu� ich was �berpr�fen. Soweit ich wei�, hast du dich eine Zeitlang bei den Forts herumgetrieben, richtig?�</p><p>Graue Eule nickte. Eingewickelt in sein B�ffelfell sa� er mit untergeschlagenen Beinen da und zeigte soviel Gef�hl wie ein Felsbrocken vom Grunde eines Flusses.</p><p>Der k�hler gewordene Wind lie� das Campfeuer aufflammen. Charles und seine M�nner waren �bereingekommen, Zelte in der Pr�rie zwischen Posten und Flu� aufzustellen, um nicht in diesen finsteren, stinkenden H�tten mit Ameisen, L�usen und Gott wei� was noch schlafen zu m�ssen.</p><p>�Dann wei�t du vielleicht auch, was das ist?� sagte Magee und holte ein abgenutztes Kartenspiel hervor. �Du hast Kavalleristen mit solchen Karten spielen sehen, nicht wahr?�</p><p>Ein weiteres Nicken.</p><p>�Du bist also sicher, da� du wei�t, was in so einem Kartenspiel steckt, ja?� Er breitete die Karten f�cherf�rmig aus. �Die Augen, die Bilder? Siehst du, es gibt vier verschiedene Arten von K�nigen, vier verschiedene .�</p><p>�Ich habe Karten gesehen�, unterbrach ihn Graue Eule; �rger blitzte kurz in seinen Augen auf.</p><p>�Also gut. Gut! Ich mu�te blo� herausfinden, ob du auch die volle Bedeutung der Geschichte, die ich dir erz�hlen werde, zu sch�tzen wei�t. Es ist eine gute Geschichte, denn sie zeigt, wie weit man es in dieser Armee bringen kann, wenn man den richtigen Ehrgeiz hat. Tats�chlich hei�t die Geschichte &gt;Der ehrgeizige Unteroffizier^�</p><p>Magee kniete vor Graue Eule nieder. �Dieser Unteroffizier, das war ein m�chtig flinker junger Bursche namens Jack.� Er drehte die oberste Karte um, den Karobuben. Wallis und ein weiterer Kavallerist schlenderten herbei, um zuzusehen. �Jack war ehrgeizig wie der Teufel. Er wollte Erster Sergeant werden und wurde auch bald bef�rdert.�</p><p>Magee winkte mit der Karte den Zuschauern zu. Charles sa� rauchend da und betrachtete am�siert die Darbietung.</p><p>�Der Jammer mit Jack war, da� er ein loses Mundwerk hatte. Er wurde einem der Offiziere gegen�ber frech, und sie degradierten ihn.� Er streckte die Karten aus. �Lieutenant? Verdeckt. Wohin Sie wollen.�</p><p>Charles nahm den Buben und steckte ihn mitten ins Kartenspiel. Magee legte den Sto� Karten auf seine Handfl�che. �Doch der alte Jack war immer noch ehrgeizig. Er schuftete schwer. Dauerte nicht lange, da machten sie ihn wieder zum Sergeant.�</p><p>Magee drehte die oberste Karte um. Der &gt;Jack of Diamonds&lt;, der Karobube.</p><p>Graue Eule schlo� kurz die Augen, das Blinzeln eines Reptils. Das feuerte Magee an.</p><p>�Der arme Jack - trotz seines Ehrgeizes hatte er das �bliche Problem, das wir Soldaten haben. Er nahm gern einen Schluck, und eines abends hatte er ein paar Schlucke zuviel. Er wurde zum zweitenmal degradiert.�</p><p>Auf ein Nicken von Magee hin nahm Wallis den Buben von oben und steckte ihn ins Spiel zur�ck. Wieder holte Magee den Buben als oberste Karte vom Sto�.</p><p>�Jack hatte auch viel f�r die Damen �brig. Er machte eine unschuldige Bemerkung, die die Frau eines Generals emp�rte, worauf er wieder degradiert wurde. Aber er war ehrgeizig.�</p><p>Wieder f�hrte Magee den Trick vor, was bei dem F�hrtensucher ein mehrmaliges Blinzeln zur Folge hatte.</p><p>�Sergeant Jack wurde so oft degradiert und arbeitete sich so oft wieder hoch, da� er zu einer Art Legende wurde. Jeder wollte so ein Stehaufm�nnchen werden wie Jack.� Er drehte die mittlerweile vertraute oberste Karte um und legte sie mit dem Bild nach unten ab. �Jedermann mochte Jacks unb�ndigen Ehrgeiz. Und wei�t du, was? Bald wurde die ganze Armee davon angesteckt. Selbst die F�hrtensucher.�</p><p>Er reichte Graue Eule das Kartenspiel, mit dem verdeckten Buben obenauf. Er bedeutete dem Indianer, die Karte zu nehmen und sie in das Spiel zur�ckzustecken. Mit heftig gerunzel-ter Stirn nahm Graue Eule die Karte, dachte eine Weile nach und schob sie dann vorsichtig ziemlich weit unten in den Kartensto�. Magee nahm die Karten, hielt sie so, da� alle sie sehen konnten, und schnippte die oberste Karte um.</p><p>Charles klatschte. Wallis pfiff. Ungl�ubig nahm Graue Eule den Karobuben und untersuchte ihn von beiden Seiten. Er bi� leicht darauf. Er bog die Karte um, schwenkte sie und schnippte mit dem Fingernagel dagegen. Magee wartete.</p><p>Graue Eule reichte die Karte zur�ck. Und l�chelte.</p><p>Ein Kavallerist warf weiteren B�ffelmist ins Feuer. Graue Eule schien so von Magee fasziniert zu sein, da� seine Zur�ckhaltung dahinschmolz. �Die Schamanen meines Volkes w�rden dich ehren.�</p><p>�Schamanen?� Magee kannte den Ausdruck nicht. �Soll das hei�en, es gibt Indianer, die auch so einen Hokuspokus praktizieren?�</p><p>Graue Eule kannte den Ausdruck Hokuspokus nicht. �Zauber? Ja. Sie haben sehr starken Zauber. Ich habe gesehen, wie sie wei�e Federn in wei�e Steine verwandelten. Ich habe gesehen, wie der K�rper eines Schamanen unsichtbar von einem Tipi ins andere gelangte, f�nfzig Schritt entfernt.�</p><p>Magee verzog das Gesicht. �Tunnel�, verk�ndete er. �Sie m�ssen irgendwie einen Tunnel ben�tzen.�</p><p>�Sie k�nnen sogar einem Mann den Kopf abschlagen und wieder draufsetzen. Unter den Cheyenne, die Wunder wirken, w�rst du ein gro�er Mann. Geehrt. Gef�rchtet.�</p><p>Magee warf einen nachdenklichen Blick auf sein Kartenspiel. Charles sagte zu ihm: �Denk dran, falls du jemals deine Haare retten mu�t.�</p><p>In Harker verbrachten sie eine Woche, um sich mit Proviant zu versorgen und die Ausr�stung der Pferde zu reparieren. Charles rechnete t�glich damit - zumindest w�nschte er es sich -, da� die Post einen Brief von Willa bringen w�rde. Kein Brief kam. Er schrieb selbst zwei Briefe, konnte dann aber den entschuldigenden Tonfall nicht ausstehen, der sich einschlich, und zerri� sie wieder. Statt dessen sandte er eine Nachricht an Brigadier Duncan und legte f�r den kleinen Gus eine Adlerfeder dazu.</p><p>Graue Eule redete jetzt mit Charles. Gelegentlich l�chelte er sogar. Sie kamen miteinander ganz gut aus. Der Spurenleser war auf seinem Gebiet ein Experte, wesentlich besser als Gro�er Arm, und f�hrte Befehle, ohne zu murren, aus. Doch Charles war dem Geheimnis, weshalb Graue Eule sein Volk verlassen hatte, immer noch keinen Schritt n�hergekommen. Bevor er das nicht wu�te, konnte er dem Cheyenne nicht vollst�ndig vertrauen.</p><p>Drei herumstreifende Rees querten ihren Weg. Das schlechtgelaunte Trio beschwerte sich �ber eine neue Whisky-Ranch, die einen halben Tagesritt nach S�den aufgemacht hatte. Die Besitzer - Halbblutbr�der - verkauften Waffen und Whisky, dessen Herkunft im dunkeln lag. Einer der Rees w�re beinahe an einer �berdosis Whisky gestorben.</p><p>Charles entschied, da� die Geschichte der Wahrheit entsprach, und so machte sich das Kommando auf den Weg nach S�den. Whisky-Ranches waren nichts weiter als schlichte Saloons drau�en in der Wildnis, betrieben von skrupellosen M�nnern, die davon profitierten, da� sie die Indianer bewaffneten und trunken machten. Die Soldaten fanden die Ranch zwischen einigen Sandh�geln, st�rmten sie, nachdem sie ein paar Salven abgefeuert hatten, und nahmen die Besitzer ohne Schwierigkeiten in Gewahrsam.</p><p>Die beiden sch�bigen H�ndler hatten auch noch die Gunst einer melancholischen, plumpen Comanchen-Frau verkauft, die Graue Eule erz�hlte, sie sei aus der H�tte ihres Mannes in Texas entf�hrt worden.</p><p>Als Charles erkl�rte, er werde die H�ndler zur�ck nach Fort Harker schicken und dem Indianerb�ro �bergeben, setzte der �ltere Bruder pl�tzlich zu einer Tirade �ber seine Angst vor dem Gef�ngnis an. Abrupt fuhr seine rechte Hand unter seinen Mantel. Charles jagte ihm eine Kugel in jedes Bein, bevor die Hand wieder auftauchte.</p><p>Magee kniete nieder und bog die schlaffen Finger des Mannes auf; er war ohnm�chtig geworden. Magee hielt ein B�ndel Banknoten in H�nden.</p><p>Charles untersuchte das Geld. �Eine Bestechung. Mit Geld der Konf�derierten, dieser verdammte Narr.� Er schleuderte das Papiergeld in die Luft. Der Pr�riewind wirbelte die Wolken wertlosen Reichtums nach oben. Den Blick auf den blutenden Mann gerichtet, sagte er: �Man kann nie wissen, was ein Mann unter seinem Mantel tr�gt.�</p><p>Sp�ter in der Nacht fl�sterte Wallis emp�rt Magee zu: �Er h�tte nicht auf diesen H�ndler schie�en m�ssen.�</p><p>�Doch, mu�te er�, sagte Magee; es war keine Entschuldigung, sondern lediglich eine Feststellung.</p><p>Charles lie� die Frau laufen und schickte die beiden Br�der mit zwei Mann Bewachung zur�ck nach Fort Harker. Die Soldaten brannten die Whisky-Ranch am 28. Juli nieder, dem gleichen Tag, an dem die Armee George A. Custer wegen Desertion vom Dienst unter Arrest stellte.</p><p>Die Kriegsfeuer breiteten sich �ber die s�dlichen Pr�rien aus und steckten auch den Norden an. Auf einer Wiese in der N�he von Fort C.F. Smith am Bozeman's Trail wehrten zweiunddrei�ig Soldaten und Zivilisten erfolgreich eine Attacke von mehreren hundert Cheyenne ab. Am n�chsten Tag ereignete sich ein �hnlicher Vorfall, der sp�ter als &gt;Wagenburg-Kampf&lt; bezeichnet wurde; eine kleine Gruppe aus Fort Phil Kearny schlug eine Sioux-Bande unter F�hrung von Rote Wolke in die Flucht.</p><p>In verst�ndlichem Stolz erh�hte die Armee bald schon die Anzahl der Cheyenne-Angreifer auf achthundert, die Zahl der Sioux auf tausend. Diese Vorf�lle brachten neues Selbstvertrauen. Die Pr�riest�mme waren nicht unbesiegbar. Sie waren nur un�berwindlich erschienen, weil regul�re Soldaten sich nicht an den indianischen Guerillakrieg gew�hnen konnten. Wenn die St�mme der konzentrierten Feuerkraft der Armee standhalten mu�ten, dann wurden sie aufgerieben.</p><p>Zur�ck in Fort Harker, bekam Charles all das zu h�ren und verfluchte sein Pech, da� er zur falschen Zeit bei der falschen Truppe war.</p><p>Nachtr�glich zeigte sich, da� der Tag der Wiesenschlacht f�r das Zehnte Regiment von noch gr��erer Bedeutung war. Cap-tain Armes und zweiunddrei�ig M�nner der F-Kompanie hatten einige Cheyenne den Saline hochgejagt und sie gefangen; anschlie�end hatten sie sich in einem �ber f�nfzehn Meilen hinziehenden Kampf den Weg freischie�en m�ssen. Bill Christy, ein allgemein beliebter kleiner Mann, der einst eine Farm in Pennsylvania gehabt hatte, fing sich einen t�dlichen Kopfschu� ein. Lovetta Barnes zerschnitt ein gro�es, schwarzgef�rbtes Tuch, der Alte verteilte die Streifen, und jeder Offizier und Soldat der C-Kompanie band sich einen davon um seinen linken �rmel. Andere Kompanien folgten dem Beispiel. Das Zehnte Regiment trauerte um seinen ersten Gefallenen.</p><p>Die Nachricht von dem bevorstehenden Umzug von Grier-sons Hauptquartier nach Fort Riley klang da schon ein bi�chen besser. Endlich w�rden er und seine M�nner dem bigotten General Hoffman entkommen.</p><p>Obwohl die �berf�lle auf die Eisenbahnlinie, die Postkutschenroute und einsame Heimst�tten anhielten, sah Charles seine Felle davonschwimmen. Die Friedenslobby hatte sich in Washington gehalten: Eine Friedenskommission war gebildet worden, und f�r den Herbst war eine Friedensexpedition geplant. Wieder bereitete er sich, auf seine Chance lauernd, darauf vor, sein Kommando hinauszuf�hren.</p><p>�Daf�r kommst du besser zur�ck�, sagte Barnes am Morgen ihres Aufbruchs. Er gab Charles einen Handzettel aus Lavendelpapier.</p><p>EINZIGE WESTERN-SONDERTOURNEE IN DIESER SAISON</p><p>Mr. SAM' L.H. TRUMP, Esq. &gt;Amerikas Schauspieleras&lt;</p><p>In einer vollst�ndigen Abendauff�hrung erheiternder und bewegender</p><p>SZENEN VON SHAKESPEARE</p><p><emphasis>assistiert von Mrs. Parker</emphasis> und anderen Mitgliedern dieser weltbekannten Theatertruppe aus St. Louis - Eintritt 50 Cent -Programm absolut geeignet f�r Frauen und Kinder</p><p>Charles erinnerte sich, da� Willa etwas von einer Tournee gesagt hatte. Sam Trumps Name war doppelt so gro� gesetzt wie der von Mr. Shakespeare. Bei der Zeile �ber Mrs. Parker brauchte man schon ein Vergr��erungsglas.</p><p>�Das ist sie, nicht wahr?� fragte der Alte. �Von der du vor einiger Zeit geredet hast?�</p><p>�Ja, das ist sie�, sagte Charles; sein L�cheln verbla�te.</p><p>�Nun, du hast meine Erlaubnis, das Kommando am Abend zuvor reinzubringen, wenn du nicht gerade in einer Klemme steckst.� Ganz unten auf dem Handzettel standen mit Tinte geschrieben die Worte <emphasis>Ft. Harker 3. Nov. - Ellsworth City 4. Nov.</emphasis></p><p>Und so ritt er an diesem Morgen mit dem Wissen hinaus, da� er Willa wiedersehen konnte, und dem Gef�hl, da� er sie sehen wollte. Er fragte sich, wie ein Wiedersehen �ber die B�hne gehen w�rde. Gl�cklich? Explosiv? W�rden sich die Schmerzen verst�rken, die ihn wie Zahnschmerzen begleiteten, seit er von ihr in St. Louis fortgeritten war?</p><p>Im November w�rde er das sicherlich erfahren.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>August 1867. Gen. D. Sickles ist zum bestgeha�ten Mann im Staat geworden. Er mischt sich in die Zivilgesetze ein - er erlaubt Negern den Zugang zu Jurys und �ffentlichen Transportmitteln. Aber was noch schlimmer ist (so hei�t es allgemein), er registriert befreite Negersklaven f�r die Wahl in den 109 Bezirken, in die S.C. nun aufgeteilt ist. Vielleicht h�lt sich Sickles nicht mehr lange. Es hei�t, da� Andrew J. ihn f�r zu radikal h�lt.</emphasis></p><p><emphasis>... Noch ein Yankee-Eindringling. Ein Mann namens Klawdell ist in den Bezirk gekommen, um eine Union League oder Loyal League zu gr�nden. Wie ich erfahren habe, wurde die Union League w�hrend des Kriegs im Norden gegr�ndet, um Lincoln und seinen Gener�len patriotische Unterst�tzung zukommen zu lassen. Patriotismus wird jetzt durch Politik ersetzt. Die neuen B�nde sollen zu Clubs zur Erziehung der Schwarzen in Regierungsangelegenheiten wie beispielsweise den Wahlen werden. Im Grunde ein durchaus aufrichtiges Anliegen - aber wird man den Schwarzen von der Demokratischen Partei ebenso berichten wie von der Republikanischen Partei? Ich bezweifle es.</emphasis></p><p><emphasis>Andy fragte mich, was ich davon hielte, wenn er zu einem dieser Treffen ginge. Ich erinnerte ihn daran, da� er meine Erlaubnis nicht ben�tigte, warnte ihn aber gleichzeitig davor, da� das wei�e Gesindel durch dieses letzte Beispiel radikaler Einmischung noch viel gewaltt�tiger werden k�nnte</emphasis> ...</p><p>Randall Gettys' Reaktion auf die Nachricht von einem politischen Organisator im Bezirk war genau die, die Madeline erwartet hatte. Wut und Zorn. Er konnte sich kaum auf seinen monatlichen Bericht �ber die Profite seines Dixie-Ladens konzentrieren. Den Bericht hatte er an eine Adresse in Washington, D.C., zu schicken, was auch f�r die Berichte der anderen 43 Dixie-L�den galt, die nun in South Carolina betrieben wurden.</p><p>Die Firma, an die Gettys seine Berichte, seine Warenbestellungen und zweimal im Jahr Geld�berweisungen sandte - die Profite des Ladens waren enorm -, nannte sich Mercantile Enterpri-ses. Er hatte keine Ahnung, was da f�r Leute dahintersteckten. Wer immer die Yankee-Besitzer sein mochten, sie hielten sich im dunkeln. Zweimal hatten sie ihm �ber einen Rechtsanwalt namens J. Dills, Esq., Anweisungen erteilt.</p><p>Gettys beendete seinen Bericht. Er warf einen Blick auf den schlecht gedruckten Wandkalender. Heute war Samstag. Er konnte mit einem flotten Verkauf von Whisky an Captain Jolly und einige der anderen Wei�en im Bezirk rechnen - vielleicht sogar mit etwas Spa�, falls ein Schwarzer so dumm sein sollte, sich heute - an dem anerkannten Vergn�gungstag des wei�en Mannes - in die N�he der Summerton-Kreuzung zu wagen.</p><p>Auf den unteren Rand des Kalenders hatte Gettys geschrieben: <emphasis>Des f�llig am 1. Okt.</emphasis> Sobald sein Freund entlassen war, w�rde er ihm als erstes von dieser Schandtat berichten, diesem Club f�r Nigger. Jetzt mu�te er sich erst einmal um die andere Korrespondenz k�mmern, die sich in den letzten Wochen angesammelt hatte. Da war eine pathetische Bitte von einem Verwandten, der Geld f�r eine Augenoperation ben�tigte. Gettys zerri� den Brief. Zwei sch�bige Rundbriefe von deutsch gef�hrten Ramschl�den warben f�r &gt;die besten G�ter und die vollst�ndigen Bibliotheken f�hrender Carolina-Familien zu Schleuderpreisen^ Gettys warf sie weg.</p><p>Ganz unten im Sto� fand Gettys einen Umschlag mit der Adresse von Sitwell Gettys, einem weiteren Verwandten. Sitwell war oben im York County, wo vielleicht die gl�hendsten S�dstaatenanh�nger wohnten, Schullehrer und loyaler Demokrat. Sitwell hatte einen ausgeschnittenen Artikel &gt;vom Pulaski, Tenn. Citizen, der dich vielleicht interessieren k�nnte&lt;, beigelegt.</p><p>Was auch der Fall war. In wenigen Abs�tzen wurde ein Gesellschafts- oder Sportclub der Wei�en beschrieben, der vor ein paar Monaten in Pulaski von mehreren Kriegsveteranen gegr�ndet worden war. Gettys' besonderes Interesse konzentrierte sich auf die Tatsache, da� die Mitglieder in phantastischen Kost�men, hinter denen sich ihre Gesichter verbargen, nachts durch die Gegend zogen. Sie besuchten zu frech gewordene Neger, gaben sich als wiederauferstandene Tote der Konf�derierten aus und versetzten die Schwarzen mit Erfolg in Angst und Schrecken.</p><p>Der Club hatte einen eigenartigen Namen. Wenn sich Randall recht an seine Schulzeiten erinnerte, dann bedeutete das Wort <emphasis>kuklos</emphasis> Kreis, wovon der Name der Organisation offensichtlich abgeleitet worden war. Mit wachsender Erregung las er den Artikel ein zweites Mal und spie�te ihn dann auf einen Nagel an der Wand. Sobald Des aus dem Gef�ngnis entlassen worden war, mu�te er ihm von diesem neuen Ku-Klux-Klan erz�hlen. F�r ihr eigenes Problem bot das eine verbl�ffend einfache L�sung: Anonymit�t. Mit Des' Billigung w�rde er sich bem�hen, weitere Einzelheiten in Erfahrung zu bringen.</p><p><emphasis>In Charleston. Bei Judith zu Hause. Marie-Louise hatte sich einen Tag von ihren Studien in Mrs. Allwick 's Female Academy freigenommen, einer von Dutzenden solcher Akademien, die in diesem Staat ihre Pforten ge�ffnet haben, um jungen Damen und Herren eine anst�ndige S�dstaatenerziehung unter (ausschlie�lich wei�en) Gleichgestellten zu bieten. M.-L. ist mit ihrem Vater zur Inspektion der Charleston &amp;�Savannah-Eisenbahn gefahren. Cooper geh�rt zu einer Gruppe von Investoren, die die Schuldscheine der zahlungsunf�higen Linie aufgekauft haben. Selbst f�r 30.000 Dollar ist das kein tolles Gesch�ft. Die Linie ist bankrott, die Schienen laufen ungef�hr 60 Meilen bis zum Coosawhatchie und enden am Charleston, wo eine F�hre ben�tigt w�rde; die Bockbr�cke �ber den Ashley ist noch nicht wieder aufgebaut worden.</emphasis></p><p><emphasis>Was auch f�r die herrliche Altstadt zutrifft, wie ich entdeckt habe. �berall fensterlose, mit Brettern vernagelte Geb�ude. Zerlumpte Neger faulenzen �berall herum, und Wei�e, die sich vor der Hibernion Hall herumtreiben, spucken Kautabak in der Gegend herum und p�beln Frauen an. Ich habe einen ins Gesicht geschlagen. H�tte er von meinem &gt;Rassenstatus&lt; gewu�t, dann h�tte ich ernsthafte Schwierigkeiten bekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Die Tradd Street bleibt eine Insel der Sauberkeit und der Ruhe, obwohl der faulige Gestank der Viehfutter transportierenden Nachtz�ge auch schon in Judiths K�che dringt. Wir sprachen �ber Sickles, was Judith zu der Bemerkung veranla�te, da� sie nun vollkommen an Coopers politischem Starrsinn verzweifelt .</emphasis></p><p>Die Glocke schepperte. Die Luft war schwer und feucht unter den dunkelgrauen Wolken. Cooper half Marie-Louise die zerbeulten Metallstufen zu dem einzigen Passagierwagen hoch.</p><p>Er ha�te es, zur�ck in den Waggon zu m�ssen. Die Hinfahrt war schon schlimm genug gewesen. Die H�lfte der Sitze und s�mtliche Glasscheiben fehlten. Der Wagen war auf seiner langsamen, ruckenden Fahrt nach S�den zur Coosawhatchie Station fast leer gewesen, aber Cooper stellte vom Wagenende aus fest, da� jeder Sitz von milit�rischen oder zivilen Fahrg�sten belegt war. Unter mehreren gro�en L�chern im Dach stand ganz vorne im Wagen eine riesige schwarze Frau mit einem B�ndel in der Hand und betrachtete sch�chtern die Sitze. Dieser verfluchte Sickles hatte es m�glich gemacht, da� sie zusammen mit wei�en Passagieren in einen Wagen durfte. Keiner der M�nner erhob sich, um ihr seinen Platz anzubieten.</p><p>Donnergrollen k�ndigte an, da� es bald regnen w�rde. Rostige Eisenr�der quietschten und kreischten, als die Lokomotive anruckte.</p><p>�Hier, lehn dich gegen diesen Teil der Wand�, sagte Cooper zu seiner Tochter. �Der ist sauberer als der Rest.�</p><p>Marie-Louise dankte ihm mit ihren dunklen Augen und wollte gerade ihre Position wechseln, als ein junger Zivilist mit blassem Gesicht, Schnurrbart und den lebhaften blauen Augen und hellen Haaren eines Deutschen oder Skandinaviers von seinem Sitz aufstand. Mit einer Geste bedeutete er der Schwarzen, sich zu setzen.</p><p>�ber das Quietschen der R�der hinweg h�rte Cooper das Ge-murre der anderen Fahrg�ste. Die Negerin sch�ttelte den Kopf. Der junge Mann l�chelte und machte eine deutlichere, dringendere Geste. Ihr B�ndel umklammernd, n�herte sich die Frau z�gernd dem Platz. Der Mann, der am Fenster sa�, gab sofort seinen Platz auf. Die sch�chterne Schwarze setzte sich.</p><p>Der Mann, der aufgestanden war, warf dem J�ngling einen zornigen Blick zu. Ein anderer Fahrgast auf der gegen�berliegenden Gangseite griff nach seinem Messer im G�rtel. Seine hagere Frau hielt seine Hand fest. Der junge Zivilist gr��te das Paar, indem er voller Ironie gegen seinen Hut tippte, und ging dann zum vorderen Ende des Wagens; dort lehnte er sich mit gekreuzten Armen an, ohne ein Anzeichen des Bedauerns �ber seinen Akt der H�flichkeit zu zeigen.</p><p>W�hrend der junge Mann sich bequem hinstellte, bemerkte er Marie-Louise am anderen Ende des Wagens. Cooper sah, wie seiner Tochter die R�te in die Wangen scho�. Dann bemerkte er, wie sich auf dem Gesicht des jungen Zivilisten deutliches Interesse abzeichnete.</p><p>Ein Donnergrollen. Durch die L�cher im Dach begann es kr�ftig zu regnen. �R�ck n�her�, sagte Cooper und �ffnete den Regenschirm, den er f�r einen solchen Notfall mitgenommen hatte.</p><p>Die meisten Passagiere wurden durchn��t, w�hrend der Zug der Charleston &amp;�Savannah-Linie gen Norden ratterte. Cooper starrte auf den Hinterkopf der Schwarzen. Er war emp�rt. Was w�rde als n�chstes kommen? Mischehen? Sickles und die Radikalen hatten die Absicht, die S�dstaatenzivilisation zu zerst�ren.</p><p>Den jungen Zivilisten verga� er nicht - genausowenig wie Marie-Louise, wenn auch aus v�llig unterschiedlichen Gr�nden.</p><p><emphasis>Sickles wird abgel�st. Vielleicht ist es gut so. Wir haben bereits gen�gend Vorw�nde f�r Gewalt.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>...</emphasis> Seit dem Vertrag von '65 haben die Cheyenne gegen das Volk der Vereinigten Staaten Krieg gef�hrt; die mit ihnen verb�ndeten Apachen und Arapahoe sind zum Teil ebenfalls in die aus diesem eingeschlagenen Kurs entstandenen Probleme verwickelt.</p><p>Ihre Jahreszahlungen sind zur�ckgehalten worden; sie versanken allm�hlich wieder in ihre wilden, barbarischen Sitten und Gebr�uche, als sie erfuhren, da� eine gewaltige Friedenskommission auf dem Weg in ihr Land ist, um all diese Schwierigkeiten zu bereinigen und die allgemeine Harmonie wiederherzustellen ...</p><p>Von unserem eigenen Korrespondenten The New York Times Freitag, 25. Oktober 1867</p></section><section><title><p id="bookmark43"><strong>33</strong></p></title><p>Es war die Zeit des Wandels. Das Pr�riegras f�rbte sich gelb, und die Bl�tter der Ulmen und Dattelpflaumenb�ume begannen in ihrer Farbenpracht aufzuflammen.</p><p>Es gab auch �nderungen im Kommando. �ber General Grant befahl Johnson den Gener�len Hancock und Sheridan, ihre Positionen zu tauschen. Hancock sollte wegen seines Abenteuers an der Pawnee-Gabelung diszipliniert werden, Sheridan wegen seiner zu strikten Durchsetzung des Wiederaufbaus im F�nften Milit�rbezirk in New Orleans; die Radikalen favorisierten ihn, aber ansonsten hatte er kaum Anh�nger in Washington.</p><p>Sheridan stattete den Pr�rien eine schnelle Inspektionstour ab, obwohl f�r ihn eigentlich ein verl�ngerter Urlaub anstand und er das volle Kommando erst sp�t im Winter �bernehmen w�rde. Charles wu�te einiges �ber den Yankee, Akademiejahrgang '53. Er war klein, von irischer Herkunft und beflei�igte sich unerm�dlich und sehr erfinderisch einer �blen Ausdrucksweise. Er war es gewohnt, Kriege zu f�hren und zu gewinnen. Charles fragte sich, wie der Kommandowechsel zu der herbstlichen Friedensinitiative pa�te, die von vielen in der Armee h�misch als &gt;Qu�kerpolitik&lt; bezeichnet wurde.</p><p>Im Schicksal gro�er Unternehmen gab es Ver�nderungen. Mittlerweile war klar, da� die Union Pacific in Nebraska als erste den hundertsten Meridian erreichen w�rde, wahrscheinlich im Oktober. Die U.P.E.D. hatte den Wettkampf verloren, und Charles h�rte, da� wahrscheinlich zw�lfhundert Leute arbeitslos werden w�rden. Das schlo� allerdings nicht die schie�freudigen Sicherheitskr�fte von J.O. Hartree ein, dessen M�nner in jedem Personenzug mitfuhren. Au�erdem sollte die Linie m�glicherweise einen etwas individuelleren Namen bekommen. &gt;Kansas Pacific&lt; wurde erw�hnt.</p><p>Es gab fundamentale Ver�nderungen in der stolzen, aber innerlich zerrissenen Siebten Kavallerie. Custer wurde nach Leavenworth beordert, wo ein Kriegsgericht auf ihn wartete aufgrund von Beschuldigungen, die einer seiner ver�rgerten Cap-tains, Bob West, und sein eigener Kommandeur A.J. Smith gegen ihn erhoben hatten. Die Anklagepunkte waren zahlreich, aber an den Kragen gehen konnte es ihm nur wegen Verlassens seines Kommandos in Fort Wallace, der Blitztour nach Osten, um Libbie zu suchen, und der Exekution der Deserteure. Charles h�rte, da� der Boy General dem Ausgang des Verfahrens zuversichtlich entgegensah und viel von seiner tiefen Religiosit�t sprach. Charles betrachtete das schon zynischer; wenn sie geschnappt wurden, dann h�llten sich die Gauner oft genug in die Flagge oder Proklamierten ihren christlichen Glauben.</p><p>Vor allem war es eine Zeit, die voller M�glichkeiten f�r einen Wandel der Pr�riearmee steckte. Sie mu�ten begrenzten Patrouillendienst verrichten, w�hrend die gro�e Friedenskommission, die noch nicht einmal ein einziges erfolgreiches Treffen mit den n�rdlichen Sioux zustande gebracht hatte, durch das herbstliche Kansas nach S�den zog, um einen weiteren Versuch bei den s�dlichen St�mmen zu starten.</p><p>Der Himmel war bl�ulich metallisch gef�rbt, als die Kavalkade Harker verlie�. Trommeln und Pfeifen spielten den Erkennungsmarsch &gt;Garry Owen&lt; der hundertf�nfzig Kavalleristen der Siebten, denen eine Infanterieabteilung folgte, wiederum gefolgt von der B-Batterie der Vierten Artillerie, die zwei neue Gatlings mit sich f�hrte. Charles fragte sich, ob eine Gatling mit ihren zehn L�ufen wirklich hundertf�nfzig Schu� in der Minute abfeuern konnte. Ike Barnes meinte, Gatlings w�rden sich schnell �berhitzen und dann Ladehemmung kriegen. Die Siebte hatte noch keine Gatling getestet; Custer bezeichnete sie als wertlose Spielzeuge, und A.J. Smith weigerte sich, die Munition f�r einen Schu�test zu genehmigen, weil er bef�rchtete, das Kriegsministerium k�nnte es ihm von seinem Lohn abziehen.</p><p>Die Regierungskommissare und ihr Zivilistengefolge sa�en in hochr�drigen, planenbedeckten Armeeambulanzen. Sieben Mann bildeten die Kommission: Senator J.B. Henderson aus Missouri, der die diesbez�gliche Gesetzesvorlage eingebracht hatte; der Kommissar f�r indianische Angelegenheiten, N.G. Taylor; Colonel Sam Tappan, der erste Mann in der Armee, der sich heftig f�r eine Untersuchung von Sand Creek eingesetzt hatte; General John Sanborn, einer der Unterzeichner des Little-Arkansas-Vertrages; der heikle General Alfred Terry, der das Dakota-Department kommandierte; und General C.C. Augur vom Platte-Department als Ersatz f�r Sherman, der nach Washington zur�ckbeordert worden war, um Grant Rede und Antwort zu stehen, nachdem er einige unbeherrschte Worte der Kritik an der Kommission ge�u�ert hatte. Das Kommando f�hrte General William Harney, ein wuchtiger, wei�b�rtiger Soldat mit einem beachtlichen Ruf als Indianerk�mpfer. Ein wirklich h�bscher, kriegerischer Haufen, der da die Feuer in den Pr�rien eind�mmen sollte, dachte Charles, w�hrend er beobachtete, wie die Karawane nach S�den auf Fort Larned zu verschwand.</p><p>Gouverneur Crawford befand sich ebenso wie Senator Ross bei der Expedition. Elf Reporter und ein Fotograf fuhren in Ambulanzen und Versorgungswagen mit, deren Gesamtzahl sich auf f�nfundsechzig belief. Die Wagen waren mit Handels-g�tern beladen, einschlie�lich Messern und Glasperlen, ausgemusterten Armeeuniformen, H�ten, Stiefeln und vierunddrei�ig alten Signalh�rnern - ein brillant d�mlicher Einfall von General Sanborn.</p><p>Charles sah zu, wie die Karawane verschwand, und fragte sich, was f�r unversch�mte, anma�ende Indianer ihnen �ber den Weg laufen w�rden. Cheyenne-Banden streiften immer noch durch Kansas, zerst�rten Postkutschenstationen und griffen Z�ge und Arbeitstrupps an.</p><p>Charles hatte keinen Zweifel, da� Narbengesicht und dessen Freunde unter ihnen waren. Wer w�rde zur�ckbleiben, um den Regierungs-Kommissaren vorzul�gen, da� sie mit ihren wenigen Stimmen f�r Hunderte von anderen Indianern sprachen?</p><p>Sein Name war Tr�umender Stein. Er war zerbrechlich und z�hlte achtzig Winter. Er besa� keinen einzigen Zahn mehr, und sein Haar �hnelte einigen d�nnen F�den grauer Wolle. Doch seine Augen blickten stolz, und sein Verstand hatte ihn nicht verlassen, wie das sonst bei alten M�nnern h�ufig der Fall war.</p><p>Er wurde Tr�umender Stein genannt, weil er in seiner Jugend Visionen gesucht hatte. Wenn er sich von allen anderen entfernte, fastete und zu dem Einen betete, der alle Dinge gemacht hatte, dann verschleierten sich seine Augen kurz, und daraufhin stiegen die unterschiedlich gro�en Steine in die Luft, blieben �ber ihm h�ngen und sprachen abwechselnd zu ihm �ber tiefsch�rfende, bedeutsame Angelegenheiten.</p><p>Steine waren, wie viele andere Naturobjekte auch, den Cheyenne heilig. Steine symbolisierten Best�ndigkeit, die unwandelbaren Wahrheiten des Lebens, die ewige Erde und den Einen, der all das aus dem Nichts geformt hatte. Tr�umender Stein hatte aus seiner Vision gelernt, da� im Vergleich zu diesen Dingen Ehrgeiz, Liebe, Ha� der Sterblichen nichts weiter waren als vom Sturm gepeitschte Grashalme.</p><p>Als er aus der Wildnis zur�ckkehrte, berichtete er dem Rat von seiner Vision. Die Alten waren beeindruckt. Da hatten sie einen jungen Mann vor sich, der eindeutig f�r ein spezielles Leben bestimmt war. Er wurde angewiesen, sich der Gemeinschaft der Bogensehnen anzuschlie�en, einer Gemeinschaft der Tapferen, der Reinen und der Unverheirateten, die es durchaus miteinander vereinbaren konnten, im Kampf Feinde zu t�ten und dann �ber Frieden und Stammesleben zu philosophieren.</p><p>Und so stieg er in diesen Reihen auf. Bogensehne, Bogensehnen-Gemeinschaftsf�hrer, Dorfh�uptling, als er f�r den Kampf zu alt geworden war, Friedensh�uptling, als er noch �lter geworden war. Im Oktober 1867 schlug er sein Tipi unter zweihundertf�nfzig anderen Tipis am Westrand des Beckens des Medi-cine Lodge Valley auf; hier hausten ungef�hr tausendf�nfhundert Cheyenne. Das Becken lag ungef�hr drei Tagesritte von dem Platz des Sonnentanzes entfernt, der von der gro�en Karawane der wei�en H�uptlinge benutzt werden sollte, die von Norden her herangezogen kam, um Frieden mit den F�nf s�dlichen St�mmen zu schlie�en.</p><p>Ungef�hr dreitausend Comanchen, Kiowa, Kiowa-Apachen und Arapahoe im Umkreis von zwanzig Meilen vom Vertragsort. Die Cheyenne kamen nicht so nahe heran wie die anderen St�mme, da sie gewisse einzigartige Erinnerungen hatten. Chi-vington. Sand Creek. Die Pawnee-Gabelung.</p><p>Die Friedensverhandlungen begannen nicht weit entfernt von der Grenzlinie zwischen Kansas und dem Indianerterritorium. Ein spezieller Abgesandter ritt den weiten Weg bis ins Cheyenne-Lager, um sie zu bitten, sich ebenfalls mit den wei�en H�uptlingen zu treffen. Nacheinander wurden alle R�te und W�rdentr�ger konsultiert. �Was h�ltst du davon, Tr�umender Stein?� wurde er gefragt.</p><p>�Wir sollten gehen�, sagte er. �Aber nicht der Geschenke wegen. Wir sollten gehen, weil es Dummheit ist, einen Krieg heraufzubeschw�ren, den wir nicht gewinnen k�nnen. Es gibt zu viele Wei�e. Wir sind zu wenige. Wenn wir nicht in Harmonie mit ihnen leben, dann werden sie uns zertrampeln.�</p><p>Er ha�te es, solch bittere Worte sprechen zu m�ssen, aber er glaubte daran. Ein abtr�nniger Whiskyh�ndler hatte Tr�umender Stein einmal ein Bild von einer Stadt des wei�en Mannes gezeigt: Es war eine Gravur der Fifth Avenue in New York, was Tr�umender Stein allerdings nicht wu�te. Er bedeckte lediglich seinen Mund und starrte mit herausquellenden Augen auf die unaussprechlichen Wunder, die er da sah. Und das war nur ein winziger Teil eines Dorfes des wei�en Mannes, hatte ihm der H�ndler erz�hlt, und es gab Hunderte solcher D�rfer.</p><p>Deshalb sprach sich Tr�umender Stein, der seine letzten Winter in Frieden verbringen wollte, f�r eine g�tliche Einigung aus. Einige andere, zu denen auch sein Freund, der Friedensh�uptling Schwarzer Kessel, geh�rte, stimmten dem zu. Einige Kriegsh�uptlinge jedoch waren anderer Meinung, ebenso wie die meisten der jungen M�nner, vor allem jene, die nach der F�hrung in den Soldatengemeinschaften griffen. Wenn Tr�umender Stein das halsstarrige Benehmen dieser Gruppe betrachtete, gelangte er zu dem traurigen Schlu�, da� das Alter nicht l�nger respektiert wurde und die traditionelle Stammesdisziplin allm�hlich zusammenbrach. Einer der am meisten gef�rchteten und bewunderten jungen M�nner, ohne jeden Zweifel tapfer, aber nach der Meinung von Tr�umender Stein unn�tig grausam, schwor, da� er sich niemals den wei�en H�uptlingen unterwerfen w�rde, solange noch ein Atemzug in ihm steckte.</p><p>Diese Worte von Mann-bereit-f�r-den-Krieg hatten besonderes Gewicht, denn es galt als sicher, da� er im Fr�hling bei der j�hrlichen Umgestaltung seiner Gemeinschaft zum Tr�ger der Hundeschnur gew�hlt werden w�rde. Die Hundeschnur war eine breite Sch�rpe aus gegerbter Tierhaut, ungef�hr neun Fu� lang und mit Farbe, Stachelschweinborsten und Adlerfedern dekoriert. Vier M�nner der Hundegemeinschaft wurden jedes Jahr aufgrund ihrer Tapferkeit mit dieser Sch�rpe, die sie auch im Kampf trugen, ausgezeichnet.</p><p>Mann-bereit-f�r-den-Krieg und andere junge M�nner wie er sprachen �berzeugender und eindringlicher als alte M�nner wie Tr�umender Stein. Und so hielten sich die Cheyenne abseits im Medicine Lodge Valley, w�hrend andere gro�e Indianerh�uptlinge - der zerbrechliche Satank, der stolz eine Medaille mit dem eingravierten Kopf von James Buchanan trug; der b�renhafte Santana, ein weiterer gef�rchteter Kiowa, der sich gern mit einem Offiziersmantel der US-Artillerie schm�ckte - ihre Abordnungen zum Konferenzort f�hrten, wo sie den bes�nftigenden Worten der wei�en H�uptlinge lauschten, ihr Zeichen unter ein Vertragspapier setzten, in dem ihnen noch mehr von ihrem Stammesland abverlangt wurde, worauf sie schlie�lich mit Waren aller Art und Waffen belohnt wurden.</p><p>Doch die Cheyenne blieben fern, obwohl es wegen der Geschenke sehr unterschiedliche Meinungen gab. Mann-bereit-f�r-den-Krieg spottete �ber die Vorstellung, sein Geburtsrecht f�r ein paar Ballen billigen Stoffes oder, wie er geh�rt hatte, defekte Revolver zu verkaufen. Tr�umender Stein gelangte zu dem traurigen Schlu�, da� sein Wunsch, seine letzten Winter in Frieden zu verbringen, wohl nicht in Erf�llung gehen w�rde.</p><p>Der Oktober warf l�ngere und k�hlere Schatten. Kurz bevor die wei�en H�uptlinge ihre gro�en Zelte abbrechen wollten, ritt zum letztenmal ein Bote in das Lager der Cheyenne und bat sie zum Konferenzort. Tr�umender Stein sprach sich fast die ganze Nacht daf�r aus. Schlie�lich waren ungef�hr vierhundert Mann bereit, der Einladung Folge zu leisten und der Verachtung der anderen zu trotzen, da ungef�hr f�nfzehnhundert Arapahoe ebenfalls hingingen.</p><p>Tr�umender Stein ritt zusammen mit einem ganzen Trupp zum Konferenzort, sorgf�ltig darauf bedacht, in der N�he seines weisen, guten Freundes Schwarzer Kessel zu bleiben und sich von einer Kriegerschar der Hundegemeinschaft fernzuhalten, die sich im letzten Moment entschlossen hatte, mitzukommen. �ber den Grund war sich Tr�umender Stein nicht ganz im klaren; wom�glich wollten sie ihre Waffen erg�nzen oder, noch wahrscheinlicher, �rger machen.</p><p>Im verblassenden, melancholischen Licht des sterbenden Tages erreichten die Cheyenne den Flu� und sahen auf der anderen Seite die gro�en Zelte, die Wagen und Pferde und die vielen blauen Uniformen. Die Hundesoldaten begannen sofort ihre Lanzen und Gewehre zu schwenken, zu heulen und zu johlen und zu singen. Einige donnerten in drohender Manier durch den Flu�. Der wei�b�rtige kommandierende H�uptling der Kommission streckte eine Hand in die Luft, um seine M�nner zur�ckzuhalten. Tr�umender Stein sah viele Armeegewehre gl�nzen, als die johlenden Krieger ihre Pferde durch den Flu� trieben. Im letzten Moment z�gelten sie durch und sch�ttelten sich vor Lachen �ber die besorgten Wei�en.</p><p>Der wei�b�rtige General senkte seinen Arm. Dort, unter seinem Zeltdach, hatte er w�hrend des Angriffs mit keiner Wimper gezuckt. Ein tapferer Krieger, entschied Tr�umender Stein.</p><p>Nach einem abendlichen Festmahl lagerten die Cheyenne neben dem viel gr��eren Trupp der Arapahoe. Am Morgen setzten sich die H�uptlinge der Cheyenne und der Arapahoe in weitem Halbkreis vor das Hauptzelt der Kommission, den wei�en H�uptlingen gegen�ber.</p><p>�ber einen Dolmetscher verk�ndeten die wei�en H�uptlinge ihre Botschaft; eine sehr vern�nftige Botschaft, wie Tr�umender Stein meinte.</p><p>�Wir haben b�se M�nner unter uns, die aus den Problemen auf beiden Seiten Profit schlagen m�chten, und diese b�sen M�nner suchen st�ndig den Krieg. Wir glauben jetzt, da� diese b�sen M�nner General Hancock im letzten Fr�hjahr hinterh�ltige L�gen erz�hlt haben.�</p><p>Die glatten Worte der wei�en H�uptlinge enthielten bittere Wahrheiten:</p><p>�Vielleicht haben einige eurer jungen Krieger mit mehr Blut als Hirn etwas dagegen, da� ihr mit uns Frieden schlie�t. Solche M�nner m�ssen ausgesto�en werden. Ihr Rat ist der Tod. Ein lange anhaltender Krieg kann nur mit der totalen Vernichtung der Indianer enden, weil ihre Zahl viel kleiner ist.�</p><p>Tr�umender Stein erinnerte sich an das Bild mit dem Dorf der Wei�en, das bis heute in seinen Alptr�umen auftauchte, und nickte Schwarzer Kessel zu, der zur�cknickte.</p><p>Es war weise von den wei�en H�uptlingen, da� sie den empfindlichsten Punkt ansprachen:</p><p>�Solange der B�ffel �ber die Pr�rie zieht, k�nnt ihr ihn jagen, vorausgesetzt, ihr haltet die am Little Arkansas abgeschlossenen Vertr�ge ein. Doch die B�ffelherden werden jedes Jahr weniger, ihre Zahl nimmt ab ...�</p><p>Ver�rgert unterbrach Tr�umender Stein: �Ich, frage die wei�en H�uptlinge, wessen Schuld das ist? Unsere jungen M�nner sagen, der B�ffel werde jetzt aus Spa� gejagt, nicht mehr, um Leben zu erhalten. Ihr braucht den B�ffel nicht wie wir zum Leben. Was sollen wir tun, wenn ihr uns den B�ffel raubt?�</p><p>Die wei�en H�uptlinge hielten eine traurige Antwort bereit: �Statt des B�ffels m��t ihr euch Herden von Ochsen, Schafe, Schweine halten, wie die wei�en M�nner.�</p><p>B�ffelh�uptling von den Cheyenne erhob sich und setzte zu einer hitzigen Entgegnung an:</p><p>�Wir sind keine Farmer. Wir entstammen der Pr�rie. Wir leben von ihr. Ihr glaubt, ihr tut sehr viel f�r uns, indem ihr uns Geschenke macht, doch selbst wenn ihr uns all die Waren geben w�rdet, die ihr uns geben k�nnt, dann w�rden wir trotzdem unser eigenes Leben vorziehen und so leben, wie wir es immer getan haben.�</p><p>Und als die wei�en H�uptlinge das Thema der �berf�lle auf Heimst�tten und Eisenbahnlinien anschnitten, war der Kleine Rabe von den Arapahoe darauf vorbereitet.</p><p>�Ihr seid es, die eure jungen M�nner in den Forts auf ihre Pflichten aufmerksam machen m��t. Sie sind wie Kinder. Ihr m��t sie daran hindern, wild herumzurennen. Das provoziert Krieg.�</p><p>Den Blaur�cken gefiel diese Rede ganz und gar nicht; einige hoben drohend ihre Waffen. Die wei�en H�uptlinge beruhigten sie. Der Tag schritt voran, und die Kampfeslust der Indianer lie� nach, w�hrend die Gier nach Geschenken und Waffen wuchs. Um sie in Versuchung zu f�hren, stellten die wei�en H�uptlinge ihre Bedingungen:</p><p>Die Arapahoe und die Cheyenne m�ssen sich aus Kansas zur�ckziehen und sich mit den drei anderen s�dlichen St�mmen in einem Spezialreservat von 48.000 Quadratmeilen, das vom Indianerterritorium abgegrenzt wird, niederlassen. Auf diesem Land w�rden die f�nf St�mme mit speziellen Indianeragenten als Vermittler leben. Geb�ude w�rden errichtet werden f�r ei-nen Arzt, einen Landwirtschaftsexperten, einen M�ller, einen Lehrer, einen Schmied und was sonst noch an Wei�en ben�tigt wurde, um aus einer Rasse von Nomaden Farmer zu machen. Au�erdem w�rde noch eine j�hrliche Gabe von den Wei�en V�tern hinzukommen.</p><p>Als Gegenleistung mu�ten die Indianer versprechen, ihre �berf�lle auf die Kutschen- und Eisenbahnlinien von Santa Fe, Smoky Hill und Platte River einzustellen. Sie mu�ten versprechen, sich aus Kansas fernzuhalten, obwohl ihnen erlaubt war, den B�ffel auf dem offenen Land unterhalb des Arkansas zu jagen, solange es noch B�ffelherden gab. Bei der Jagd durften sie sich einer Stra�e oder einem Fort nie mehr als zehn Meilen n�hern.</p><p>Wieder seufzte Tr�umender Stein. Wie konnten so wenige f�r so viele derartig umfassende �nderungen beschlie�en? Viele bedeutende H�uptlinge - Gro�er Bulle, Medizinpfeil, R�mernase - und Hunderte von Angeh�rigen des Volkes waren nicht da.</p><p>Doch letzten Endes wurde es so gemacht. Einige wenige H�uptlinge, in deren Bedauern sich die Erkenntnis der traurigen Realit�t mischte, stimmten schlie�lich zu. Sie setzten ihr Zeichen unter ein Dokument, das ihnen niemand vorgelesen oder �bersetzt hatte.</p><p>Nicht alle Unterzeichner des Vertragspapiers taten es frohen Herzens. B�ffelb�r tobte: �Nun, wenn ihr es ernst meint, dann meine ich es auch so.� Er dr�ckte die Feder so hart auf das Dokument, da� die Spitze abbrach.</p><p>Die Versammlung, die sich den ganzen Tag hingezogen hatte, war fast vorbei, und Tr�umender Stein h�rte bereits das aufgeregte Gerede �ber die Geschenke. Pl�tzlich sprang der wei�e H�uptling Terry auf und deutete.</p><p>Eine Staubfahne im Westen k�ndigte einen Reiter an, der auf das Lager neben dem Flu� zusprengte. Das Herz von Tr�umender Stein sank. Er erkannte Mann-bereit-f�r-den-Krieg.</p><p>Er kam in voller Kriegstracht, in einer Hand seine acht Fu� lange Lanze mit der blitzenden Stahlspitze, in der anderen seine Schlangenrassel mit den klickenden Afterklauen der Antilope. Er hatte sein Gesicht mit roter Farbe, vermischt mit B�ffelfett, bemalt; nur die lange, gekr�mmte Narbe hatte er ungef�rbt gelassen.</p><p>W�hrend die Soldaten um das Hauptzelt herum nach ihren Waffen griffen, sprang Narbengesicht von seinem Pony und marschierte zum Vertragstisch. Tr�umender Stein faltete die H�nde. Der Wind, pl�tzlich kalt wie im tiefen Winter, wehte ihm das Haar wie einen grauen Vorhang �ber die besorgten Augen.</p><p>Narbengesicht starrte die anderen M�nner seiner Gemeinschaft voller Verachtung an, die sich mit besch�mten Gesichtern zusammendr�ngten. Dann schleuderte er den sitzenden Cheyenne-H�uptlingen einen flammenden Blick entgegen. Es war klar, was er von ihnen dachte.</p><p>Er betrachtete kurz die ausgebreiteten Dokumente, die feinen Federn und silbernen Tintenbeh�lter. Er sprach, assistiert vom Dolmetscher, schnell und voller Leidenschaft:</p><p>�Dieses Papier ist das Werk von Teufeln, die das Volk verraten. Was taugt das Versprechen des wei�en Mannes? Das einzige Versprechen, das er h�lt, ist das Versprechen, unser Land zu stehlen. Und was taugen die Zeichen zahnloser alter Schw�chlinge, wie sie dort sitzen? Wie k�nnen sie Land weggeben, das der Gro�e Geist dem ganzen Volk gegeben hat? Sie k�nnen das nicht, und wir M�nner der Hundegemeinschaft werden das nicht zulassen. Wir werden den Krieg fortf�hren, bis alle wei�en Teufel und wei�en Frauen und wei�en Kinder tot sind.�</p><p>Die Regierungskommissare sprangen mit lauten Rufen auf. Narbengesicht lachte, entz�ckt von der Reaktion. Bevor ihn jemand aufhalten konnte, stie� er die Spitze seiner Lanze unter den Vertragstisch und kippte ihn um.</p><p>Dokumente flatterten. Federn fielen zu Boden. Tinte spritzte durch die Gegend. Irgend jemand feuerte einen Schu� ab, und ein �lterer Arapahoe kr�mmte sich. H�hnisch lachend ging Mann-bereit-f�r-den-Krieg mit langsamem, hochm�tigem Schritt zu seinem Pony zur�ck. Er schwang sich in den Sattel, warf den Kommissaren einen weiteren ver�chtlichen Blick zu, weil es ihnen an Mut fehlte, zur�ckzuschlagen, und ritt davon, auf das letzte Licht in den westlichen H�geln zu.</p><p>Voller Scham und Zorn schlug Schwarzer Kessel beide H�nde vors Gesicht. Tr�umender Stein sp�rte Tr�nen, die zu verbergen er sich nicht die M�he machte. Die anderen H�uptlinge schauten ungl�cklich und besorgt drein. Taylor, einer der wei�en H�uptlinge, schnarrte die M�nner an, die alles mitgeschrieben hatten.</p><p>�Streicht diese Rede aus euren Notizen�, sagte er ihnen. �Wessen Zeitung das druckt, wird keine Zulassung mehr westlich des Missouri bekommen. Dies ist eine erfolgreiche Konferenz. Berichtet auch dementsprechend.�</p><p>Es war eine Zeit des Wandels. Die s�dlichen Cheyenne zogen sich in ihre D�rfer am Cimarron zur�ck, um dort friedlich zu �berwintern, w�hrend sie auf ihren Umzug in das neue Reservat warteten. Charles h�rte von Narbengesichts flammender Rede, als das Kontingent des Siebten Regiments nach Fort Harker zur�ckkehrte. Au�erdem vernahm er, da� lediglich vier- oder f�nfhundert Cheyenne die dreitausend Mitglieder des Stammes repr�sentiert hatten. �Gut�, sagte er, w�hrend seine Augen wie die Spitze eines polierten Messers glitzerten. Seine Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.</p><p>Auf den Handzetteln f�r den bevorstehenden Besuch von Trumps Schauspielertruppe zeigte sich eine �nderung. Die Vorstellung in Fort Harker war gestrichen worden.</p><p>�Ich habe geh�rt, da� daf�r deine Freundin verantwortlich ist�, sagte Barnes zu Charles. �Sie hat entdeckt, da� die F�hrungsspitze keine Farbigen in die f�r Wei�e bestimmte Halle lassen wollte. Deine Freundin schrieb einen Brief, da� sie die Angelegenheit mit Trump besprochen habe und die Armee in Fort Harker k�nne sich zum Teufel scheren. Wenn du sie sehen willst, dann wirst du schon r�ber nach Ellsworth m�ssen.�</p><p>Typisch Willa, dachte er. Diese Kreuzzugsmentalit�t war ein untrennbarer Teil ihrer Pers�nlichkeit. Das war zwar nicht der Hauptgrund, aber immerhin einer der Gr�nde, weshalb er ihr fernbleiben wollte. Dann wieder erinnerte er sich an das silbriggoldige Gl�nzen ihres Haares, an ihre lebhaften fr�hlichen Augen und wie sie sich in seinen Armen anf�hlte.</p><p>Er wu�te, da� er nach Ellsworth gehen w�rde - und zum Teufel mit den Konsequenzen.</p><p>St. Louis, Freitag, 1. November</p><p>hon. o.h. browning, Minister des Inneren:</p><p>Bitte gratulieren Sie dem Pr�sidenten und dem Land zu dem umfassenden Erfolg der indianischen Friedenskommission. Dieser Erfolg gipfelte in einem am 28. Okt. abgeschlossenen</p><p>Vertrag mit den s�dlichen Cheyenne, dem einzigen Stamm, der in dieser Gegend auf dem Kriegspfad war. Mehr als 2.000 Cheyenne waren anwesend ...</p><p>(gezeichnet) n.g. taylor Regierungskommissar f�r Indianische Angelegenheiten und Pr�sident der Friedenskommission</p></section><section><title><p id="bookmark44"><strong>34</strong></p></title><p>Trumps Schauspieler traten in Frank's Hall, Kansas City, auf, setzten dann mit der F�hre �ber den Flu� und wiederholten ihre Darbietung am folgenden Abend in der Halle des Milit�rpostens Leavenworth. Die Truppe bestand aus Sam, Willa, Tim Trueblood und einer st�mmigen Charakterdarstellerin namens Miss Suplee. In einem gro�en Koffer waren ihre wenigen schlichten Requisiten und Kost�me untergebracht.</p><p>Brigadier Duncan besuchte die Shakespeare-Auff�hrung. Er hatte Willa eingeladen, bei Maureen zu bleiben, bis ihr Zug nach Fort Riley am n�chsten Nachmittag um f�nf Uhr abfuhr. �Ich denke, Sie m�chten gern meinen Gro�neffen sehen�, sagte er.</p><p>�Er ist ja wahnsinnig gewachsen�, sagte sie am n�chsten Tag. Duncan war gerade zum Mittagessen gekommen, das er hier statt in der Offiziersmesse zu sich nahm. Der kleine Gus kletterte st�ndig von seinem Stuhl. Freundlich, aber bestimmt wies Duncan ihn zur�ck.</p><p>�Gegen Ende des Jahres wird er drei.� Der Brigadier nahm einen L�ffel von der hei�en Schildkr�tensuppe, die Maureen gekocht hatte. Der Junge h�pfte wieder von seinem Stuhl und packte Willa bei der Hand. �Spazieren, Tante Willa?�</p><p>Sie bemerkte Duncans scharfen Blick, und ihr Gesicht r�tete sich. �Nach deinem Mittagsschl�fchen, nicht vorher.�</p><p>Maureen hob ihn hoch und trug ihn zu Bett. In uneingeschr�nktem Frohsinn schlug er mit Armen und Beinen um sich. Er kr�hte vergn�gt, als sich die T�r hinter ihm schlo�.</p><p>Duncan sagte: �Tante Willa.� Mit einem zustimmenden L�cheln neigte er den Kopf.</p><p>�Ich habe ihn nicht dazu veranla�t. Es war seine Idee.� Den Krach einer Truppe Berittener auf dem Exerzierplatz �bert�nend, sagte Duncan: �Sie w�ren gern mehr als nur seine Tante. F�r ihn w�re das gut. Und f�r seinen Vater auch.�</p><p>�Nun�, leicht nerv�s zuckte sie mit den Schultern, �das stimmt. Aber ich bin mir nicht sicher, was Charles dar�ber denkt. Er ist ein wunderbarer Mann, doch in ihm steckt ein seltsamer, fremder Zug.�</p><p>�Der Krieg.� Willa schaute den Brigadier mit ihren hellen Augen fragend an. �Der Krieg hat das einer Menge Soldaten angetan. Charles hat zus�tzlich noch das Massaker an einem Mann miterleben m�ssen, der sein Freund war.�</p><p>�Das verstehe ich. Ich wei� nur nicht, wie lange jemand die Vergangenheit als Entschuldigung f�r sein gegenw�rtiges Benehmen benutzen kann.�</p><p>Duncan runzelte die Stirn. �Bis die Geduld der anderen ersch�pft ist, denke ich. Geduld und auch Zuneigung.�</p><p>Sie konzentrierte sich darauf, ihre Serviette zu falten. �Das letztere niemals. Doch was die Geduld anbelangt - ich wei� nicht recht. Meine Geduld ist manchmal wirklich fast am Ende. Ich weigere mich, all das zu leugnen, an das ich glaube, blo� um Charles einen Gefallen zu tun.�</p><p>�Charles ist stark, genau wie du. Ob richtig oder falsch, er wird seinen Rachefeldzug gegen die Indianer nicht aufgeben.�</p><p>�Und ich hasse das. Ich hasse es f�r alles, was es verk�rpert und was es ihm antut.� Sie machte eine Pause. �Ich habe fast Angst, ihn in Ellsworth zu sehen.�</p><p>Die Hand des alten Soldaten schlo� sich �ber der ihren. Sie wandte sich ab, die Augen voller Tr�nen. Der Druck seiner kraftvollen Finger sagte, da� er ihre Angst verstand. Seine Augen sagten, da� sie Grund dazu hatte.</p><p>Charles' Kommando kam am Abend vor der Vorstellung zur�ck. Er fand Ike Barnes und Floyd Hook vor, die �ber Einzelheiten eines Clubs der C-Kompanie diskutierten, der nach dem Vorbild der Internationalen Guttempler, einer Gesellschaft zur F�rderung der Temperenz, aufgebaut werden sollte. In vielen Milit�rposten des Westens gab es solche Gruppen. Wie der Alte erkl�rte, war die allgemein in der Armee grassierende Trunksucht noch nicht bis in seine Truppe vorgedrungen, und der Club w�rde daf�r sorgen, da� es auch dabei blieb. First Sergeant Sternengucker Williams war f�r die Einberufung der Gr�ndungssitzung verantwortlich.</p><p>Der Gedanke, Willa wiederzusehen, machte Charles nerv�s, obwohl er es andererseits kaum erwarten konnte, sie zu sehen; er rasierte sich und putzte sich mit einer sauberen Uniform und einem gro�en gelben Halstuch heraus. Da sich Satan ausruhen sollte, nahm er ein anderes Kompaniepferd f�r den F�nf-Meilen-Ritt am Nordufer des Smoky Hill entlang. Beim Reiten pfiff er die Melodie vor sich hin, die Willa f�r ihn niedergeschrieben hatte. Seine Carolina-Musik, wie er sie bei sich nannte.</p><p>Ein Gro�teil des von der Ellsworth Town Company eingeebneten urspr�nglichen Bauplatzes war im Juni zerst�rt worden, als der normalerweise sanfte Smoky Hill �ber seine Ufer trat und die d�rftigen H�tten und L�den wegsp�lte. Kaum waren sie verschwunden, da kauften die Stadtgr�nder neues, h�her gelegenes Land im Nordwesten. Sie lie�en eine neue Parzelle in Salina eintragen, um dort neues Baugel�nde zu erschlie�en; bald zeigte sich, da� dies wahrscheinlich das richtige Ellsworth werden w�rde. Es hatte bereits seinen eigenen Bahnhof, als Erg�nzung des Bahnhofs von Fort Harker; der erste Zug war am 1. Juli von Osten her eingerollt.</p><p>Der Novemberabend war klar und kalt. Charles hatte sich in seinen knielangen B�ffelfellmantel geh�llt. Als er sich durch die vielen Wagen und Pferde der Hauptstra�e k�mpfte, bemerkte er ein Dutzend hintereinander fahrender Wagen. Rotfleckige Planen bauschten sich. Breite Streifen getrockneten Blutes markierten die Seiten der Wagen. Vor dem Wagen ritt ein junger Mann, den Charles erkannte. Der Reiter neben dem jungen Mann erkannte Charles.</p><p>�Wie geht's? Du bist Main. Wir sind uns im Golden Rule House begegnet.�</p><p>Charles war es nicht gew�hnt, seinen richtigen Namen zu h�ren, lie� sich aber nichts anmerken. �Ich erinnere mich. Du bist Griffenstein.� Er zog den Handschuh aus und gab ihm die Hand.</p><p>�Das hier ist mein Bo�, Mr. Cody.�</p><p>Charles gab auch dem jungen Mann die Hand. �Griffenstein meinte, Sie w�rden nicht im Hotelgesch�ft bleiben. Seid ihr J�ger f�r die Eisenbahn?� Der in der Luft h�ngende Blutgeruch war unverkennbar.</p><p>Cody sagte: �F�r Goddard Brothers, die Fleischlieferanten der Eisenbahn. Sie zahlen f�nfhundert im Monat, daf�r garantieren ich und meine Jungs, da� sie gen�gend B�ffelfleisch f�r ihre Mannschaften kriegen. Wir schie�en die B�ffel so schnell ab, da springt ein ganz sch�ner Profit heraus.�</p><p>Charles musterte die Wagen, deren stinkende Fracht sich in der Silhouette gegen den Himmel abzeichnete. Dutch Henry Griffenstein grinste. �Du wei�t gar nicht, was das Wort schnell bedeutet, bevor du nicht Buffalo Billy bei der Arbeit gesehen hast. In der Zeit, die wir anderen brauchen, um eine Winchester zu laden, legt er elf, zw�lf B�ffel um.�</p><p>�Ganz sch�n langweilig�, sagte Cody. �H�tte nichts dagegen, wieder als Scout zu arbeiten. Wir beeilen uns besser, Jungs. Ist bald dunkel.�</p><p>Er winkte die Wagen vor und ritt weiter. Dutch Henry grinste in seinen gewaltigen, brustlangen Bart. �Wenn du das Soldatenleben mal satt hast, Main, dann komm zu uns. Einen guten Sch�tzen k�nnen wir immer brauchen.�</p><p>Nachdem Dutch Henry davongetrabt war, sah sich Charles vorsichtig nach allen Seiten um, ob jemand vielleicht seinen Namen geh�rt haben k�nnte.</p><p><emphasis>�Unsere Festlichkeiten sind nun vorbei. In Luft, in d�nne Luft haben sich unsere Schauspieler aufgel�st.�</emphasis></p><p>Mit �berschwenglichen Gesten schleuderte Sam Trump Pros-peros Abschied dem Publikum entgegen. Diesen Teil hatten sie vom Ende des vierten Aktes des Maskenspiels entliehen. Trump war zuversichtlich, da� niemand es bemerken w�rde. Im Halbkreis angeordnete abgeschirmte Lampen beleuchteten die improvisierte B�hne. An Seilen aufgeh�ngte Decken dienten als Seitenvorh�nge. Der Speisesaal des noch unfertigen Drover-town-Hotels diente als Theater.</p><p>Charles war zu sp�t gekommen, um einen Sitz auf den f�r diesen Abend aufgestellten B�nken zu ergattern. Er stand hinten zwischen einigen anderen Offizieren aus dem Fort, ebenfalls Junggesellen. Vor ihm sa�en Offiziere, deren Frauen und schlicht gekleidete Einwohner der Stadt, aber kein einziger schwarzer Soldat.</p><p>�ber die K�pfe des Publikums hinweg entdeckte ihn Willa, kaum da� er hereingekommen war. Sofort unterlief ihr ein Versprecher bei Julias Text der Balkonszene. Sie spielte gegen Trumps heiterkeitserzeugenden Romeo an. Trump war nicht nur zu dick und zu alt, sondern er schlug sich auch noch an jeder romantischen Stelle mit beiden H�nden aufs Herz.</p><p>Das Publikum jedoch d�rstete nach Unterhaltung, war eindeutig von den Shakespeare-Ausz�gen begeistert und lauschte zwei Stunden lang sehr aufmerksam. W�hrend dieser Zeit mu�te lediglich ein beschwipster Kutscher entfernt werden.</p><p>Trump hatte kaum seine letzte Zeile gesprochen, da setzte er in Erwartung einer Ovation zu einer tiefen Verbeugung an. Er bekam sie. Willa, Trueblood und die st�mmige Charakterdarstellerin eilten hinter den Decken hervor. Alle reichten sich die H�nde und verbeugten sich. Ike Barnes' Frau sprang auf und schrie: �Bravo! Bravo!�, was Trump veranla�te, zu einer Soloverbeugung vorzutreten, wobei er eine Lampe umstie�. Ein Soldat in der vordersten Reihe verhinderte eine Katastrophe, indem er das auslaufende, aufflammende �l austrat. Trump achtete nicht darauf.</p><p>Jedesmal wenn sich Willa verbeugte, blieb ihr Blick auf Charles gerichtet. Er hielt seine H�nde hoch, damit sie ihn klatschen sehen konnte. Oh Gott, wie sch�n sie aussah; bei ihrem Anblick wurde ihm ganz warm ums Herz. F�r einen Augenblick sp�rte er Frieden; er f�hlte sich frei von Ha�, von seiner Vergangenheit - von all seinen Schmerzen.</p><p>Als sich das Publikum erhob, dr�ngte er zusammen mit anderen nach vorn, um dem Ensemble zu gratulieren. �Mein lieber Junge�, br�llte Trump, als er Charles ersp�hte; er st�rzte vor, um ihm die Hand zu sch�tteln. �Wie sch�n, dich hier zu haben. Ich bin froh, da� du diese Vorstellung gesehen hast. Diese Tournee ist ein einziger Triumph. Ich bin sicher, da� sie im Osten bereits von uns geh�rt haben. Wenn sie nach uns verlangen, werde ich den Rest der Tour absagen m�ssen.� Und damit wandte er sich dem n�chsten Bewunderer zu.</p><p>Charles eilte auf Willa zu, griff nach ihren Armen und k��te ihre Stirn. �Du warst wunderbar.�</p><p>Sie umarmte ihn. �Und du tust meinen Schauspielk�nsten ganz und gar nicht gut. Bringst du mich hier raus?�</p><p>�Auf der Stelle�, sagte er, ihre Hand umklammernd.</p><p>�Ich m�chte gern zu Fu� gehen�, sagte sie. Er machte sie auf die K�lte aufmerksam. �Ich habe einen alten, sehr warmen Wollmantel und einen Muff.�</p><p>Sie gingen hinaus, weg von dem unfertigen zweist�ckigen Drovertown-Hotel. Ganz pl�tzlich standen sie einer schwarzen Pr�rie gegen�ber; wei�e und gelbe Sterne funkelten am Himmel.</p><p>�Willst du nicht zum Abendessen gehen?� erkundigte er sich. �Bist du nicht nach all der Arbeit halb verhungert?�</p><p>�Sp�ter. Erst m�chte ich alles �ber dich wissen.� Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. �Alles in Ordnung mit dir?�</p><p>�Alles in Ordnung.� Sie hakte sich bei ihm ein. Er lobte sie daf�r, da� sie sich geweigert hatte, in Fort Harker zu spielen. �Sam sagte mir, die Tournee w�re ein Triumph. Du kannst mir die Wahrheit sagen.�</p><p>Sie lachte. �Fort Riley war mittelm��ig. Das Publikum war irgendwie daneben, vielleicht auch wir. Ich erwischte Sam, wie er kurz vor der Vorstellung zum Marketender schleichen wollte.�</p><p>�Habt ihr in Leavenworth gespielt?�</p><p>�Ja. Das Publikum dort war gut.�</p><p>�Hast du zuf�llig meinen Jungen gesehen?�</p><p>�Hab' ich. Er ist wundervoll, Charles. Sehr klug. Der Brigadier sagte, er habe sich selber an den Nachttopf gew�hnt, noch bevor er achtzehn Monate war.� Charles r�usperte sich. Sie lachte ein zweitesmal. �Oh, stimmt ja. Anst�ndige Damen erw�hnen Gentlemen gegen�ber solche Dinge nicht. Die Verruchtheit meines Berufs dringt wieder durch.�</p><p>Am�siert sagte er: �Ich kenne die Geschichte mit dem Nachttopf.�</p><p>�Das h�tte ich mir denken k�nnen. Der Brigadier meinte, f�r ihn sei es schwierig, mit Gus zurechtzukommen, weil er den Jungen anbetet und schrecklich verzieht, auch wenn er nicht die Absicht hat. Er zeigt ihm st�ndig dein Foto. Gus wei�, wer du bist. Er vermi�t dich.� Wieder dr�ckte sie seinen Arm. �Ich vermisse dich auch. Lad mich zum Essen ein, und traktier mich mit etwas Wein, dann zeige ich dir, wie sehr.�</p><p>Sie drehte sich um, stellte sich ihm in den Weg. Sie schlang einen Arm um seinen Nacken und zog ihn zu einem Ku� herunter. Er legte beide Arme um ihre Taille und sp�rte, wie ihr kalter Mund schnell warm wurde. Schweigend hielten sie sich umschlungen. Dann fing irgend etwas in Charles an, von ihr wegzustreben.</p><p>�Oh, <emphasis>wie</emphasis> ich dich vermi�t habe. Ich liebe dich, Charles. Ich kann nicht anders.� Sie machte keine Pause, verzichtete auf das �bliche Signal, da� er ihr dasselbe sagen sollte. �Vielleicht wirst du Gus jetzt �fter zu sehen bekommen. In den Pr�rien scheint alles friedlich zu sein.�</p><p>Sie gingen weiter, einen kleinen H�gel hoch. Oben angekommen stoppten sie, blickten ehrf�rchtig zu dem gewaltigen Sternenzelt empor.</p><p>Endlich antwortete er ihr. �Im Winter ist es immer friedlich.�</p><p>�Ja. Aber ich meine, da gibt es jetzt schlie�lich den Medicine-Lodge-Vertrag. Das sollte doch ...�</p><p>�Willa, fangen wir nicht damit an. Du wei�t doch, da� wir bei dem Thema Indianer immer Streit miteinander kriegen.� Wollte er Streit? Legte er deshalb eine gewisse Schroffheit in seine Stimme?</p><p>Sie h�rte es, und es reizte sie. �Warum sollten wir nicht dar�ber reden, Charles? Schlie�lich ist es ein bedeutsamer Vertrag.�</p><p>�Komm, komm. Kein Vertrag besitzt gro�e Bedeutung, und Medicine Lodge war noch schlimmer, weil nur einige wenige H�uptlinge unterzeichnet haben. Hast du die Artikel gelesen, die Mr. Stanley f�r die <emphasis>New York Tribune</emphasis> geschrieben hat? Diese d�mlichen Regierungskommissare haben Schwarzer Kessel und den anderen nicht mal den gesamten Vertrag vorgelesen. Die H�uptlinge wollten den Kommissaren gef�llig sein, sie wollten die Waren und die Waffen, also unterzeichneten sie.� Mittlerweile hatte sie ihm ihren Arm entzogen. �Sobald sie merken, was sie weggegeben haben, werden sie den Vertrag verwerfen. Falls die Krieger der Hundegemeinschaft sie nicht zuvor schon umgebracht haben.�</p><p>�Und das w�nschst du dir, vermute ich?� Sie sah ihn an, ihr Gesicht bla� und verschwommen im Sternenschein. Ihr Atem breitete sich als wei�e Wolke vor ihr aus.</p><p>�Ich will die M�nner, die meine Freunde get�tet haben. Ich w�nschte, du w�rdest damit nicht anfangen.�</p><p>�Ich fange damit an, weil mir an dir was liegt.�</p><p>�Ach, zum Teufel.� Er drehte sich weg.</p><p>�Du m�chtest, da� der Vertrag fehlschl�gt.� Sie begann die Beherrschung zu verlieren, was f�r sie sehr ungew�hnlich war; er h�rte es an ihrer schwankenden Stimme.</p><p>�Willa, ich habe dir gesagt, was ich will. Was das andere anbelangt, da befindest du dich immer noch auf der B�hne. Du tr�umst! Die Cheyenne werden nicht aufgeben, bevor sie nicht eingepfercht oder tot sind. Das mag nicht h�bsch klingen, das mag dir oder deinen Qu�kerfreunden nicht gefallen, denen das Herz beim Gedanken an einen Haufen Wilde blutet, mit denen sie nie was zu tun haben, aber so ist es nun mal. Du solltest allm�hlich aufwachen.�</p><p>�Ich bin hellwach, besten Dank. Ich dachte, du h�ttest dich vielleicht ein bi�chen ver�ndert. Du willst dem Vertrag keine Chance geben.�</p><p>�Weil es sinnlos ist. Henry Stanley hat das gesagt. General Sherman sagt das seit nunmehr zwei Jahren.�</p><p>�Und wenn deine Prophezeiungen wahr werden? Warum prophezeist du dann nicht mal zur Abwechslung Frieden?�</p><p>�Bei Gott, du bist die blindeste, unrealistischste ...�</p><p>�Du bist es, der blind ist, Charles. Du bist blind daf�r, was aus dir wird. Irgendeine ha�erf�llte Kreatur, die lebt, um zu t�ten. So einen Mann will ich nicht.�</p><p>�Keine Sorge, du hast ihn auch nicht auch wenn du verdammt eifrig hinter ihm her bist.�</p><p>Er br�llte. Sie schrie auf: �Du Bastard!� und schlug mit der flachen Hand nach ihm. Er wich aus und trat zur�ck. Er stand stocksteif, als er erkannte, da� sie weinte, w�hrend sie ihn verfluchte.</p><p>Wie ein T�lpel schaute er ihrer fliehenden Gestalt nach, die auf die ersten Lichter der Stadt zurannte. �Willa, warte. F�r eine Frau allein ist es nicht sicher!�</p><p>�Sei still!� schrie sie �ber die Schulter zur�ck. Sie blieb stehen, drehte ihm ihr Gesicht zu. �Du kannst dich nicht wie ein anst�ndiges menschliches Wesen benehmen. Du treibst alle von dir. Der Krieg ist daran schuld, sagte Duncan. Der Krieg, der Krieg ich habe den Krieg satt, und ich habe dich satt.�</p><p>Sie wandte sich um und rannte los. Er h�rte ihr Weinen. Das Ger�usch verklang langsam, dann verlor er ihre rennende Gestalt gegen die schwarzen Umrisse der Geb�ude aus den Augen.</p><p>Langsam ging er zu dem Gel�nder vor dem Drovertown-Ho-tel, wo er sein Pferd angebunden hatte. Er wollte gerade in den Sattel steigen, als jemand aus dem tiefen Schatten geschwankt kam. Der Mann hatte sich dort versteckt und auf ihn gewartet. Charles sprang von Panik erf�llt zur�ck, weil er seinen Revolver im Fort gelassen hatte. Als der Angreifer in das aus der n�chsten Saloont�r fallende Licht trat, sah Charles die Chrysantheme am Aufschlag und roch den Gin.</p><p>�Du verfluchter, �bler Kerl!� Sam Trumps Gesicht war ganz fleckig vor Zorn. Haarf�rbemittel lief �ber seine Schl�fen. Er hob die Faust, um sie Charles auf den Kopf zu schlagen. Charles bekam seinen Unterarm zu fassen und hielt ihn sich m�helos vom Leibe. Trump versuchte sich loszurei�en.</p><p>�La� los, verdammter Main, verdammter. Ich werde dir das verpassen, was ich dir versprochen habe, weil du dieser feinen jungen Frau weh getan hast.�</p><p>�Ich habe ihr nicht weh getan. Wir hatten blo� eine Meinungsverschiedenheit.�</p><p>�Das war mehr als eine Meinungsverschiedenheit. Sie kam schluchzend angerannt. Sie hat einen unersch�tterlichen Mut, aber ich habe sie noch nie so kaputt gesehen.� Er versuchte Charles das Knie zwischen die Beine zu rammen. Charles brachte ihn mit Leichtigkeit aus dem Gleichgewicht. Der Schauspieler schrie auf und landete auf dem Boden.</p><p>Trumps Atem kam in scharfen St��en. Er bewegte sich vorsichtig auf dem Boden, als h�tte er sich etwas verknackst. �Es mu� dir viel Befriedigung verschaffen, Leute zu verletzen, die schw�cher sind als du. Du bist nicht besser als diese Wilden, die du zu hassen vorgibst. Verschwinde aus meinem Blickfeld.�</p><p>Charles holte mit dem Stiefel aus, um den alten Narren zu treten. Dann siegte die Vernunft. Er schwang sich in den Sattel und trabte schnell die Stra�e entlang, gesch�ttelt von Zorn und Selbstbeschuldigungen. Falls noch irgendwas zwischen ihm und Willa Parker �briggeblieben war, dann war es jetzt dahin.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>November 1867. Unm�glich, mit dem Gettys-Laden Gesch�fte zu machen. Seine Wucherzinsen bleiben bei 70% und einem Anteil an der Ernte. Das sind seine Bedingungen f�r Wei�e. Schwarze werden abgewiesen.</emphasis></p><p><emphasis>... Die Ernennung von Gen. Edw. Canby zum Kommandeur des Milit�rbezirks hat die Leute etwas bes�nftigt. Er stammt aus Kentucky; nicht so hart wie der alte Sickles. Von Gen. Scott, der das staatliche B�ro leitet, hei�t es, er h�tte den Ehrgeiz, der n�chste Gouv. zu werden. Sehr merkw�rdig f�r einen Mann, der Carolina erstmals als Kriegsgefangener kennenlernte. Die Meinungen �ber ihn sind geteilt. Einige halten ihn f�r einen Opportunisten. Will er den Staat regieren, um ihn in aller Ruhe ausbeuten zu k�nnen?...</emphasis></p><p><emphasis>Unser Flirt mit dem Bankrott geht weiter. Ein sp�ter Sturm trieb die Salzflut den Ashley hoch. Unsere Reisernte wurde vernichtet. Die alte, dampfgetriebene S�ge, auf die ich so m�hsam gespart hatte, brach an ihrem zweiten Betriebstag. Reparaturen sind teuer. Um sie bezahlen zu k�nnen, werde ich Dawkins' n�chste Bankrate k�rzen m�ssen. Er wird dar�ber nicht gl�cklich sein.</emphasis></p><p><emphasis>Aber es gibt auch Brosamen an guten Nachrichten. Brett hat endlich geschrieben. Ihr kleiner Junge, G. W, w�chst und gedeiht im Klima von San Francisco. Nach einem harten, m�hevollen Jahr hat Billys Installationsfirma den Vertrag f�r die Errichtung der Wasser-, Gas- und Liftinstallationen in einem neuen Hotel bekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn ich von solchen Erfolgen h�re, gerate ich manchmal in Versuchung, hier alles aufzugeben und dr�ben noch mal von vorn anzufangen. Nur mein Versprechen, das ich dir gegeben habe, Orry -der Traum vom Wiederaufbau -, h�lt mich hier. Doch jeder Tag scheint die Verwirklichung dieses Traumes in weitere Ferne zu schieben</emphasis> ...</p><p>... <emphasis>Bald schon wird in einer speziellen Wahl entschieden, ob wir eine verfassunggebende Versammlung haben werden. Die Armee registriert weiterhin m�nnliche W�hler. Sind sie schwarz, dann unterweist sie der neue UL-Club, wie sie dieses Recht auszu�ben haben</emphasis> ...</p><p>In der herbstlichen D�mmerung eilte Andy Sherman durch das D�rfchen Summerton. Ein Soldat bei der W�hlerregistratur holte die amerikanische Flagge ein, die �ber der vom Milit�r �bernommenen verlassenen H�tte hing. Ganz in der N�he plauderte ein Corporal mit einem barf��igen wei�en M�dchen, das immer wieder eine Haarstr�hne um ihren Finger wickelte. Andy staunte. In manchen Punkten war es so, als h�tte es den Krieg nie gegeben.</p><p>In anderen Punkten blieb er n�chterne Realit�t. Von der dunklen Veranda aus verfolgte ihn jemand von einem Schaukelstuhl aus mit seinen Blicken. Das sterbende Licht blitzte noch einmal in den Brillengl�sern auf. Andy konnte die Feindseligkeit fast riechen.</p><p>Nachdem er eine weitere Meile marschiert war, bog er von der Uferstra�e in einen schmalen, baumbestandenen Weg ab. Der Mond hing nun als strahlender wei�er Kreis �ber den B�umen. Ein schwarzer Junge mit schlechten Z�hnen bewachte den Weg mit einer alten Flinte. Andy nickte ihm zu und wollte vorbeigehen. Der Junge versperrte ihm mit der Flinte den Weg und sagte d�mmlich: �Kennwort, Sherman.�</p><p>Kennwort - Andy fand es kindisch und erniedrigend. Ungl�cklicherweise genossen die meisten Clubmitglieder solche Dinge.</p><p>�Freiheit�, sagte er. �Lincoln. Liga.�</p><p>�Gott segne General Grant. Geh durch, Bruder.�</p><p>Er betrat die H�tte, nachdem er von Wesley, einem bulligen Schwarzen mit einer Pistole im G�rtel, inspiziert worden war. Wesley half dem Clubgr�nder, eine Aufgabe, f�r die er sich bestens eignete; er war ein Schl�gertyp.</p><p>Sie tauschten einen Blick voller gegenseitiger Abneigung aus. Dann ging Andy zu einer der hinteren B�nke. Ungef�hr zwanzig Personen, junge und alte, waren anwesend. Der Organisator nickte einen Gru� vom anderen Ende der H�tte, wo er unter einem gerahmten Portr�t von Lincoln stand.</p><p>Es gab nichts an Lyman Klawdell, was Andy beeindruckt h�tte. Weder die sch�bige Kleidung und die vorstehenden Z�hne noch die jaulende Yankee-Stimme oder der tiefgeschnallte Colt. Klawdell befahl, eine Laterne auszublasen, worauf nur noch eine einzige Kerze auf einer Kiste in der N�he des Portr�ts brannte. Die Kerze beleuchtete Klawdells Kinn und seine lange Nase von unten. Seine Augen gl�nzten in ihren tiefen schwarzen H�hlen. Das hatte eine unheimliche Wirkung, auf die manche mit nerv�sem Schaudern und Grinsen reagierten.</p><p>Klawdell schlug mit einem Hammer auf die Kiste. �Die Versammlung des Union League Club, Ashley-River-Bezirk, ist hiermit er�ffnet. Gelobet sei Gott, gelobet sei die Freiheit, gelobet sei die Republikanische Partei.�</p><p>�Amen�, sagten die Zuh�rer im Chor. Andy schwieg. Mu�te man als freier Mann auf ein Schl�sselwort reagieren?</p><p>�Boys!� Falls einer von den anderen das als Beleidigung wertete, so merkte Andy zumindest nichts davon. �Wir n�hern uns einem f�r South Carolina monumentalen Tag. Ich beziehe mich damit auf die spezielle Wahl zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung, die diesen Staat auf den richtigen Weg bringen wird. Wir brauchen diese Versammlung, um Mr. Johnson in die Schranken zu weisen�, St�hnen, h�hnische Zurufe, �der sich nicht gerade als Freund des schwarzen Mannes gezeigt hat. Er arbeitet weiterhin gegen den Kongre�, der versucht, euch eure Rechte zu garantieren.�</p><p>Andy sah Verwirrung auf vielen Gesichtern als Folge von Klawdells billigen Worten. Mu�te man Menschen verwirren, um sie zu beeindrucken?</p><p>�. der sich vor kurzem eine noch gr��ere Unversch�mtheit geleistet hat, als er einen eurer besten Freunde, den Ehrenwerten E.M. Stanton, Kriegsminister und loyaler Anh�nger eures geliebten Pr�sidenten Lincoln, entmachtete. Johnson will Stanton daran hindern, seinen Job zu tun, weil er ihn so gut macht. Es war Mr. Stanton, der die Soldaten geschickt hat, die euch besch�tzen. Wi�t ihr, was mit Johnson passieren wird?�</p><p>Die M�nner antworteten: �Nein.� Andy verzog das Gesicht. Klawdell schlug ein paarmal mit dem Hammer zu.</p><p>�Eure republikanischen Freunde werden Johnson den Hals umdrehen. Vielleicht werfen sie ihn sogar aus dem Amt.�</p><p>Applaus und Stampfen. �Schon gut, beruhigt euch�, schnappte Klawdell. �Wir haben hier zu Hause wichtige Gesch�fte zu erledigen. Wie viele von euch Jungs sind nach Summerton gegangen und haben sich zugunsten der Versammlung eintragen lassen?�</p><p>Bis auf Andy und einen alten Mann hoben alle die Hand. Klawdell mochte Andy nicht; er deutete mit dem Hammer auf ihn. �Erkl�r das mal, Sherman.�</p><p>Emp�rt sprang Andy auf. �Ich arbeite den ganzen Tag, blo� um zu �berleben. Abends kann man sich nicht mehr eintragen, und ich habe nur da Zeit.�</p><p>�Komm schon, raus mit der Wahrheit�, sagte Klawdell. �Diese Frau, die Mont Royal leitet, l��t dich nicht. Sie gibt vor, auf seiten der Farbigen zu sein, aber das ist sie nicht. Warum sprichst du nicht offen und klagst sie an?�</p><p>�Weil sie eine Freundin <emphasis>ist;</emphasis> ich werde keine L�gen �ber sie verbreiten.�</p><p>Klawdell leckte sich die Lippen. �Sherman, einigen dieser Jungs ging es vor einiger Zeit noch genauso mit ihren Herren. Wei�t du, was mit ihnen passiert ist?�</p><p>�Oh ja.� Er deutete auf Rafe Hicks, einen hellbraunen Jungen mit einem schmutzigen Kopfverband. �Ein paar von ihnen wurden in der Dunkelheit �berfallen und verpr�gelt.�</p><p>�Dann lerne was draus. Klag sie �ffentlich an.�</p><p>�Das werde ich nicht. Wenn das von mir verlangt wird, geh�re ich nicht mehr zu diesem Club.�</p><p>Er ging, innerlich angespannt, schnell zur T�r. Wesley blockierte seinen Weg; es zuckte ihm in den Fingern, seine Pistole zu ziehen. Andy stoppte, ballte seine H�nde zu F�usten und starrte Wesley an. Mit leiser Stimme sagte er: �Wenn du mich aufzuhalten versuchst, Wesley, dann wirst du gleich ein paar gebrochene Knochen haben. Oder Schlimmeres.�</p><p>Wesley fluchte und zog seine Pistole. Klawdell ri� seinen Revolver heraus und h�mmerte mit dem Kolben auf die Holzkiste. �Schon gut, schon gut, beruhigt euch. Wir brauchen deine Stimme dringender als einen Kampf, Sherman. Wenn du bereit bist, dich registrieren zu lassen.�</p><p>�Das bin ich. Ich mu� nur die Zeit dazu finden.�</p><p>�Dann wollen wir das andere vergessen.�</p><p>Andy warf ihm den gleichen durchdringenden Blick zu, mit dem er Wesley bedacht hatte. Dann kehrte er zu seiner Bank zur�ck. Andy sp�rte eine leichte Befriedigung, aber auch Bitterkeit. Die M�nner der Liga str�mten in den S�den - um bei der Erziehung der befreiten Neger behilflich zu sein, wie sie sagten. Aber mu�ten sie deshalb Mi�trauen, sogar Ha� gegen gute wei�e Freunde s�en?</p><p>Klawdell fuhr fort: �Dieser Sonderkonvent wird eine gro�artige Sache werden, Jungs. Aber er wird nie stattfinden, wenn nicht die Mehrheit der W�hler von South Carolina daf�r ist. Sherman und Newton m�ssen bis zum 19. November unterschrieben haben.�</p><p>Der alte Mann Newton sagte: �Aber wir m�ssen das in Summerton tun, Captain. Gettys und seine Freunde, wie dieser Cap-tain Jolly, die sagen, halt nicht in Summerton an, Nigger. Lauf gleich durch.�</p><p>�Was glaubst du, warum zwei Soldaten an der Kreuzung stehen, Newton? Nicht blo�, um dich zu registrieren. Die sorgen auch daf�r, da� sich niemand einmischt, wenn du's tust. Du kannst Gettys und seinen Kumpels sagen, sie sollen dich gef�lligst am Arsch lecken.�</p><p>Inmitten des aufbrandenden Gel�chters und Klatschens kr�mmte sich Andy innerlich zusammen. Der Tonfall lag hier v�llig daneben. Irgendwie wurden seine schwarzen Freunde und Nachbarn wie Kinder behandelt. Beinahe w�re er aufgestanden und endg�ltig gegangen. Nur das gr��ere Ziel des Clubs, wichtiger als Klawdells Benehmen, hielt ihn davon ab.</p><p>Klawdell bekam Andys Widerwillen mit und schlug einen gem��igteren Ton an. �Ich sage es noch einmal, Sherman - wir brauchen dich und Newton. Jede Stimme z�hlt. La�t euch registrieren. Bitte.�</p><p>Nun, das war schon besser. �Keine Sorge. Ich werde es tun.�</p><p>�Gelobet sei Gott!� rief Klawdell. Er steckte seinen Revolver weg und griff zum Hammer. �Also gut, dann raus mit der Sprache. Was ist die Partei des farbigen Mannes?�</p><p>Alle bis auf Andy sagten: �Unions-Republikaner.�</p><p>Wumm. �Wer sind eure Feinde?�</p><p>�Johnson. Demokraten.�</p><p>Wumm, wumm. �Wer will euch die Rechte stehlen, f�r die wir gek�mpft und geblutet haben, f�r die Abe Lincoln gestorben ist?�</p><p>�Demokraten!�</p><p>�Und jetzt sagt mir den Namen eurer wahren Freunde.�</p><p>Bei jedem Wort stampften sie auf. �Unions-Republikaner.�</p><p>�Wer wird diesen Staat �bernehmen?� Jetzt br�llte Klawdell. �Wer wird dieses ganze Land �bernehmen und es richtig f�hren?�</p><p>�Unions-Republikaner! Unions-Republikaner!� Das Gestampfe lie� die H�tte erbeben. Andy machte ein finsteres Gesicht, w�hrend die anderen klatschten und die H�tte mit ihrem L�rm f�llten. �Unions-Republikaner! <emphasis>Unions-Republikaner!�</emphasis> Einige der M�nner funkelten Andy zornig an. Er gab die Blicke genauso zornig zur�ck; der Teufel sollte ihn holen, wenn er sich wie ein abgerichteter Hund benahm. In schweigendem Protest blieb er weiterhin stocksteif sitzen.</p><p>Am n�chsten Tag erschien Andy eine Stunde vor Sonnenuntergang an der Summerton-Kreuzung. Mit schnellem Schritt n�herte er sich der flaggengeschm�ckten H�tte. Der Corporal trat heraus, sch�ttelte ihm die Hand und begleitete ihn hinein.</p><p>Durch das Fenster seines Ladens hatte Randall Gettys die Szene beobachtet. Als Andy zehn Minuten sp�ter wieder mit zufriedenem Gesicht auftauchte und sich auf den Heimweg machte, begann Gettys sofort einen Brief an Des in Charleston zu schreiben:</p><p><emphasis>Sie hat alle ihre Nigger registrieren lassen. Ich habe zur Vorsicht gedr�ngt, aber wir k�nnen nicht viel l�nger warten. Du kommst besser her, um alles zu besprechen.</emphasis></p><p>Dann schrieb er an seinen Cousin Sitwell oben im York County:</p><p><emphasis>Die pestartige Republikanische Liga hetzt alle �rtlichen Farbigen auf. Sie sind mehr als wir und werden uns auch bei den Wahlen in diesem Monat �berstimmen. Wir sind verzweifelt auf der Suche nach ein paar sicheren Methoden, mit denen wir sie einsch�chtern k�nnten. Hast du noch was von dieser Geheimgesellschaft in Tennessee geh�rt?</emphasis></p><p><emphasis>Die Wahl zur Einberufung eines Konvents wurde mit �berw�ltigender Mehrheit gewonnen. Ich denke, da� es daran auch nie einen Zweifel gegeben hat. Mindestens 80.000 Neger haben sich registrieren lassen und halb so viele Wei�e.</emphasis></p><p><emphasis>Das Milit�r hat Andy �berredet, sich als Delegierter aufstellen zu lassen, was er auch getan hat. Er wird im Januar nach Charleston gehen.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist unsere einzige gute Nachricht. Zwei Mi�ernten in diesem Jahr - die Dampfs�ge immer noch nicht repariert - Dawkins verlangt die Quartalszahlungen - wir stehen dichter vor dem Bankrott denn je. Gestern abend haben Prudence und ich wieder dar�ber diskutiert, ob ich wich an George H. wenden soll. Ich bin fest geblie-ben, frage mich aber, ob es richtig ist. Ist es nicht besser zu betteln, anstatt alles zu verlieren? Wie sehr ich mir doch w�nsche, du w�rst hier, um mir zu raten.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark45"><strong>35</strong></p></title><p>Charles, Graue Eule und weitere zehn Mann r�ckten wieder aus, um entlang der Eisenbahnlinie �stlich von Fort Harker zu patrouillieren. Auf diesem Abschnitt ereigneten sich Indianerangriffe zwar nicht so h�ufig wie zwischen Harker und Fort Hays im Westen, kamen aber doch vor.</p><p>Charles war dankbar, wieder im Einsatz zu sein. Es half ihm, seine Trauer, aber auch seinen Zorn �ber Willa in den Hintergrund zu dr�ngen. Von diesen Gef�hlen abgesehen ging es ihm gut. Er besa� ein gro�artiges Pferd; Satan war schnell, wurde unter Feuer nicht nerv�s und besa� eine unglaubliche Ausdauer. Er ritt den Schecken nun schon so lange, da� Pferd und Mann fast die Gedanken des anderen lesen konnten.</p><p>Genauso zufrieden war er mit seinen M�nnern. Er lie� sich bis ans Ende zur�ckfallen und inspizierte sie. In Zweierreihe kamen sie an ihm vorbei, jeder mit einem Messer an der linken H�fte, an der rechten den Revolver mit nach vorn gerichtetem Kolben. Nur ein Mann trug den regul�ren Patronengurt. Die anderen f�hrten ihre Patronen in selbstgen�hten Gurten mit. F�r ehemalige Stadtjungs waren sie eine wilde Bande; im Grunde �hnelten sie herumstreifenden, auf alle Eventualit�ten vorbereiteten Banditen.</p><p>Shem Wallis ritt vorbei. Charles h�rte, wie er zu Corporal Magic Magee sagte: �Gott, ist das hei�. Ich kann nicht glauben, da� wir November haben. Wann machen wir Mittagspause?�</p><p>�Bald�, sagte Magee. �Hier, pa� auf die M�nze auf.�</p><p>Charles rief Wallis zu: �Wir halten dort.� Er deutete auf ein kleines W�ldchen links vor ihnen. Da B�ume f�r gew�hnlich auf feuchtem, tiefliegenden Land wuchsen, fanden sie dort vielleicht einen Bach und Pappelrinde f�r die Pferde.</p><p>Charles lie� sich jetzt bis zu Graue Eule zur�ckfallen. Die M�nner mochten den Spurenleser; Magee war ganz begeistert von ihm, weil Graue Eule so ein gro�artiges Publikum f�r seine Tricks abgab. Charles wu�te immer noch nichts von seiner Vergangenheit, vor allem nicht, weshalb er sein Volk verlassen hatte. Der Spurenleser schien entspannt und gut gelaunt, also probierte Charles es noch einmal.</p><p>�Graue Eule, wenn du f�r mich als Spurenleser arbeitest, dann w�rde ich gern einiges �ber dich wissen. Erz�hl mir von deiner Familie.�</p><p>Der Indianer zog sich tiefer in sein B�ffelfell zur�ck. Trotz der Hitze zeigte sich auf seinem zerfurchten Gesicht kein Schwei�tropfen. Er dachte eine Weile nach, bevor er antwortete. �Mein Vater war ein gro�er Kriegsh�uptling namens Krummer R�cken. Meine Mutter war eine wei�e Frau, die er gefangen hatte. Es hie�, sie sei sch�n gewesen und habe helle Haare gehabt. Sie ist schon sehr lange tot.�</p><p>Diese �berraschende Information war ein erster Ansatzpunkt. �Noch weitere Verwandtschaft?�</p><p>�Nein. Vor acht Wintern ging meine Schwester in die ewigen Jagdgr�nde. Vor f�nf Jahren folgte ihr mein einziger Bruder.</p><p>Beide starben an der gleichen Krankheit. Die Krankheit, die wir gar nicht kannten, bevor euer Volk sie uns brachte.�</p><p>�Pocken?�</p><p>�Ja.� Graue Eule warf Charles einen langen Blick zu, den ein vages Schuldgef�hl �berkam. Der Indianer starrte nach vorn auf die Hitzewirbel.</p><p>Charles r�usperte sich. �Ich m�chte wirklich gern wissen, weshalb du bereit bist, f�r die Armee als Spurenleser zu arbeiten.�</p><p>�Als junger Mann suchte ich meine Vision, um ein Krieger zu werden und den Sinn meines Lebens zu finden. Im Schwitzzelt brannte ich das Gift des Zweifels und des Hasses und der Selbstsucht aus. Ich malte mein Gesicht wei�, um es zu reinigen, und ging, wie es Suchern vorgeschrieben ist, an einen gef�hrlichen Ort. Einen einsamen Ort, wo das Gras so hoch und trocken ist, da� der kleinste Funke ein gewaltiges Feuer entz�ndet, das mich verschlingen w�rde.�</p><p>Charles hielt den Atem an. Er ging voran.</p><p>�Drei Tage und N�chte lag ich in dem hohen Gras verborgen und rief nach meiner Vision. Ich a� nichts. Ich trank nichts. Ich wurde belohnt. Der Weise �ber uns, der Heilige Geist, den ihr Wei�en Gott nennt, begann aus den Wolken zu sprechen, aus den Steinen in einem Flu� und aus einer vorbeigleitenden Schlange. Ich sah mich selbst so hohl und glatt wie ein trockenes Rohr, bereit, gef�llt zu werden.</p><p>Dann bewegte sich Gott. Alle Gr�ser beugten sich, jeder Halm deutete nach Norden auf den uralten heiligen Berg. Im leeren Himmel tauchte ein Adler auf. Er strich knapp �ber meinen Kopf und flog nach Westen. Dann senkte sich aus der Mitte der Sonne eine gro�e Eule hernieder. Die Eule sprach eine Weile. Dann machte mich die Sonne blind.�</p><p>�Wurde die Eule zu deinem Geburtsvogel?�</p><p>Graue Eule zeigte sich �berrascht; Charles wu�te mehr von den Stammessitten, als er vermutet hatte. �Ja. Ich trage immer die Klaue einer gro�en Eule bei mir.� Er tippte gegen seinen Medizinbeutel, den er an seinem G�rtel befestigt hatte. �Und wenn ich darum bitte, erscheint stets eine gro�e Eule und leitet mich, wenn ich verloren oder verwirrt bin. Ich lernte den Sinn und Zweck meines Lebens von der Eule und dem Adler.�</p><p>�Und worin besteht der?�</p><p>�Dem Volk zu helfen, den richtigen Weg zu finden. Es zu den Winterlagern und den Zeremoniengr�nden f�r die gro�en Sommerfeste zu f�hren. Dem B�ffel mit dem Schnee nach S�den zu folgen und mit dem gr�nen Gras nach Norden. Als ich mit meiner Vision zur�ckkehrte, trug ich die Insignien eines Kriegers, doch danach folgte ich stets meinem Ziel.�</p><p>�Das Volk zu f�hren. Doch jetzt f�hrst du uns. Warum?�</p><p>Das Gesicht von Graue Eule wurde steinern. �Das Volk hat sich so weit von dem richtigen Weg entfernt, da� nicht mal Gott es zur�ckf�hren k�nnte. Es ist Zeit zu rasten. Soll ich diese B�ume dort vorn absuchen?�</p><p>Es war, als w�re in Trumps Theater der Vorhang gefallen. Frustriert nickte Charles. Der Cheyenne dr�ckte seinem Pony die Mokassins in die Flanken und trieb es auf das ferne W�ldchen zu.</p><p>Zehn Meilen weiter �stlich verlie� ein Personenzug das D�rfchen Solomon und fuhr nach Westen ins Saline County hinein. Im Frachtwaggon putzten zwei Mann ihre Waffen, w�hrend zwei andere Karten spielten.</p><p>In einem Zweite-Klasse-Wagen schaute eine junge Frau, die unterwegs zu ihrem Mann nach Fort Harker war, aus dem Fenster auf die kahle, �de Landschaft hinaus. Sie war noch nie west-lich des Mississippi gewesen. Ihr Ehemann war vor kurzem zur Siebten Kavallerie versetzt worden.</p><p>In dem Sitz vor ihr las ein Kavallerieoffizier sehr aufmerksam in einem Buch �ber Taktik. Am Ende des Wagens z�hlte der Schaffner die abgerissenen Fahrkarten. Die anderen Passagiere unterhielten sich oder d�sten vor sich hin; niemand warf einen zuf�lligen Blick auf die S�dseite des Zuges. Dort trieben zwanzig Berittene in einer Linie ihre Pferde einen flachen H�gel hinunter. Unten angekommen, galoppierten sie auf den Zug zu.</p><p>W�hrend sie auf Graue Eule warteten, zog Magee sein �bungsseil hervor. Er reichte das Seilst�ck dem Kavalleristen George Jubilee, dann �berkreuzte er seine Handgelenke und bat Jubilee, ihn zu fesseln.</p><p>�Richtig fest�, sagte Magee. Jubilee dr�ngte sein Pferd n�her an ihn heran und schlang das Seil mit �u�erster Konzentration mehrmals um Magees Handgelenke. Er merkte nicht, wie sich Magees R�ckgrat pl�tzlich versteifte, wie seine Unterarme zitterten und Adern auf den dunkelbraunen Handr�cken seiner F�uste auftauchten. Charles jedoch sah es von seiner Position aus; er hatte schon �fter Magees Entfesselungsk�nste erlebt und schaute genau hin. Fast unmerklich spannte Magee das Seil, w�hrend Jubilee seine letzten Schlingen legte und zweimal verknotete.</p><p>Jubilee lehnte sich in seinem Sattel zur�ck, zufrieden mit seinem Handwerk. Magee begann mit gebl�hten Nasenfl�geln seine H�nde in entgegengesetzten Richtungen zu drehen. Er grunzte einmal auf und pl�tzlich, schneller als Charles folgen konnte, waren seine H�nde frei. Das Seil war immer noch um sein linkes Handgelenk geknotet. Er hatte gerade gen�gend Spannung erzeugt, um eine Hand herausdrehen zu k�nnen.</p><p>Magee l�chelte tr�ge und zupfte an den Knoten, w�hrend Kavallerist Jubilee ihn verbl�fft anstarrte. Er war relativ neu in der Truppe und noch nicht an Magees Tricks gew�hnt.</p><p>Graue Eule kehrte nach zehn Minuten zur�ck. Er war bleicher, als Charles ihn je gesehen hatte.</p><p>�Wei�e sind dort vorbeigekommen�, sagte er mit unterdr�ckter Wut. �Unter den B�umen liegen tote M�nner und tote Pferde. Die Leichen sind ausgeraubt worden.�</p><p>Charles setzte sich an die Spitze und f�hrte seine Truppe zu dem W�ldchen. Aus einiger Entfernung schon sah er den Bach, mit dem er gerechnet hatte, ein sich schl�ngelndes gelbes Band am Nordrand des W�ldchens.</p><p>Ein widerlicher Geruch entstr�mte den blattlosen B�umen. Charles erkannte ihn sofort. Den gleichen Gestank hatte er bei Sharpsburg und Brandy Station und an anderen Orten gerochen, wo die Toten lange nach Feuereinstellung noch herumgelegen hatten. Einer seiner jungen M�nner beugte sich nach rechts aus dem Sattel; seine Schultern zuckten konvulsivisch.</p><p>Charles zog seinen S�bel aus der Scheide und gab das Haltzeichen. �Ich gehe als erster. Ich versorge inzwischen eure Pferde mit Wasser.�</p><p>Er stieg ab, nahm den S�bel in die linke Hand und zog seinen Colt. Vorsichtig n�herte er sich dem W�ldchen. Graue Eule folgte ihm, ohne um Erlaubnis zu fragen; Charles nahm ihn nur als einen durch das trockene Gras huschenden Schatten wahr.</p><p>Vom Rande des W�ldchens aus sah er ein totes Pferd, dann zwei weitere Pferde. Kriegspferde, die f�r gew�hnlich am Leben gelassen wurden, damit ihre Besitzer im Paradies gute Reittiere zur Verf�gung hatten. Das bedeutete, da� sie wahrscheinlich nicht von Indianern erschossen worden waren.</p><p>Er schluckte, machte einige weitere Schritte und entdeckte die drei verwesenden Leichen. Ihrer Kleidung beraubt, lagen sie zwischen zerbrochenen Teilen h�lzerner Plattformen. In der Mitte des W�ldchens standen immer noch senkrechte St�mme, die die Plattformen getragen hatten. Charles zwang sich, n�her an die nackten Leichen heranzugehen. Neben ihnen fand er zerbrochene, mit leuchtenden Farben bemalte Pfeile. Alles andere war gepl�ndert worden.</p><p>Er h�rte den Zorn in der Stimme von Graue Eule. �Wei�t du, was hier passiert ist?�</p><p>�Ja. Bei deinem Volk ist es Sitte, ihre Toten auf diese Begr�bnisplattformen zu legen, wenn der Winterboden zu hart zum Graben ist. Das hier waren besondere M�nner - Kriegsh�uptlinge, Lagerh�uptlinge, vielleicht Gemeinschaftsf�hrer -, da sie auf diese Weise beerdigt wurden, als der Boden nicht gefroren war.�</p><p>Da die Toten auf der Plattform dem Himmel n�her waren, konnten sie schneller die Stra�e zum Paradies beschreiten. Es geh�rte zu den Sitten der Cheyenne, den Toten auch noch pers�nliche Sch�tze, Waffen und ein Lieblingspferd mitzugeben, damit es dem Toten in dem Leben danach an nichts fehlen w�rde. Trotz seines Hasses auf die Cheyenne stellte Charles fest, da� ihm die Leichensch�ndung �belkeit bereitete.</p><p>�Schau genauer hin�, sagte Graue Eule zu ihm. Der F�hrtensucher stammelte fast vor Wut. �Geh hin. <emphasis>Schau!�</emphasis></p><p>Charles trat vor, blieb aber gleich wieder mit blassem Gesicht stehen. Nicht nur die Totenkleidung war verschwunden, sondern auch Fleischst�cke, herausgehackt aus Armen, Beinen und Rumpf. In den faustgro�en L�chern wimmelte es von Maden.</p><p>�Jesus Christus. Wozu?�</p><p>Graue Eule schrie: �K�der.� Er winkte wild in Richtung des Fl��chens. �Fischk�der. Ich habe das schon einmal erlebt. Ein Soldat der Siebten prahlte damit.� Aus den Augen von Graue Eule liefen die Tr�nen. Einen Augenblick lang dachte Charles, der Cheyenne w�rde sein Messer ziehen und ihn niederstechen. �Der wei�e Mann ist Dreck. Er begeht seine Heldentaten an den Toten.�</p><p>�Manchmal sind deine eigenen Leute ...�, fing er an, in Gedanken bei Holzfu� und Boy und dem M�dchen in dem Lehmhaus mit den veilchenblauen Augen. Er hielt inne, weil diese Grausamkeiten die Untaten hier nicht ungeschehen machen konnten.</p><p>Ein langgezogenes Pfeifen im Osten zerri� das Schweigen. Ein nach Westen fahrender Zug.</p><p>Graue Eule wandte sich ab und verlie� das W�ldchen. Es war ganz deutlich, da� er in diesem Moment Charles und alle anderen Wei�en ha�te. Warum zum Teufel arbeitete er dann f�r sie?</p><p>Aus der Ferne h�rte er schwache Explosionen. Er st�rzte aus dem W�ldchen, froh �ber die Ablenkung, und schwenkte den S�bel. �Aufsitzen. Das ist Gewehrfeuer.�</p><p>Drei Kavalleristen am Flu� hoben ihre nassen Gesichter, als er erneut br�llte: <emphasis>�Aufsitzen!�</emphasis> Er schwenkte noch einmal den S�bel �ber seinem Kopf und rannte auf Satan zu; durch den pl�tzlichen Einsatz wurden seine Emotionen gn�dig in den Hintergrund gedr�ngt.</p><p>Die Indianer teilten sich; die H�lfte von ihnen galoppierte um den letzten Waggon des keuchenden U.P.E.D.-Lokalzugs. Die parallelen Kolonnen griffen den Zug von beiden Seiten an.</p><p>In dem Zweite-Klasse-Abteil schaute die Frau des Sergeant aus dem Fenster und sah braunh�utige M�nner mit im Wind flatternden Haaren, die auf blankem Pferder�cken ritten. Einige hatten Gewehre, andere Jagdbogen. Vorne im Wagen sprang eine �ltere Frau auf und fiel dann in Ohnmacht. �Mein Gott, Lester, Cheyenne�, rief ein Mann seinem Reisebegleiter zu.</p><p>�Arapahoe�, sagte der Kavallerieoffizier auf dem Platz vor der Frau. �Man erkennt sie an den offenen Haaren.� Er ri� seinen Dienstrevolver heraus, zerbrach mit drei St��en seines Ellbogens das Fenster und feuerte. Die Kugel ging daneben.</p><p>Die Frau des Sergeant starrte ungl�ubig in ein wildes, bemaltes Gesicht, keine drei Fu� von ihr entfernt. Es war kein Mann, sondern ein Junge, h�chstens siebzehn oder achtzehn. Er ri� sein Gewehr hoch, w�hrend er sein rasendes Pony mit den Knien lenkte. Der Junge und die Frau starrten sich einen endlosen Augenblick lang an, nur die Fensterscheibe und der Gewehrlauf zwischen ihnen.</p><p>�Runter!� br�llte der Offizier mit dem rostbraunen Bart sie an. Er stand auf und zielte auf den Indianer. Der junge Krieger sah ihn und scho� zuerst. Der K�rper des Colonel wurde herumgerissen, er verdrehte die Augen und sank zu Boden.</p><p>Ein Mann schrie: �Wir werden alle sterben!�</p><p>�Den Teufel werden wir!� rief der Schaffner. �In dem Zug sind ein Paar M�nner der Eisenbahn versteckt.�</p><p>In dem Frachtwaggon verborgen lachte J.O. Hartree seinen drei Gef�hrten zu, als er die donnernden Hufe, die schrillen Schreie und die ersten Sch�sse h�rte. Er war ein rundlicher, relativ junger Mann, der mit seinem welligen Haar und dem langen, an den Spitzen gewachsten Schnurrbart auf eine sanfte Art und Weise ganz gut aussah. Er hatte ein frommes, unaufrichtiges L�cheln und t�ckische Augen.</p><p>�Turk, du stellst dich neben mich�, sagte er und streifte sich schnell gl�nzende Lederhandschuhe �ber. Er rollte die �rmel seines wei�en Seidenhemdes hoch und beugte die Knie, um sicher zu sein, da� er das richtige Gef�hl f�r den fahrenden Zug hatte. Wenn es losging, konnte er sich nicht mehr mit den H�nden festhalten.</p><p>Hartree und seine angeheuerten Scharfsch�tzen fuhren seit Wochen auf dieser Linie, in der Hoffnung, da� sich ihnen diese Chance einmal bieten w�rde. Den ganzen Sommer hindurch hatten die St�mme die Baustellen �berfallen, die Arbeiter terrorisiert und einige von ihnen niedergemetzelt, die sich dummerweise allein auf Abwege begeben hatten. Hartree hatte Befehl, den verdammten Roten klarzumachen, da� sie die Linie nicht ungestraft �berfallen konnten. Es war eine Aufgabe, die er geno�.</p><p>Er gl�ttete die Front seiner gr�nen, mit zwei Antilopen geschm�ckten Samtweste. �Red, wenn ich den Befehl gebe, dann schieb die T�r auf. Dann hilf Wingo beim Laden der Gewehre.� Auf dem Boden lagen acht m�chtige Sharps-B�ffelflinten vom Kaliber .45, vier f�r jeden Sch�tzen. J.O. Hartree plante sorgf�ltig.</p><p>Zwei Kugeln klatschten au�en gegen den Waggon. �ber den L�rm hinweg h�rte Hartree das Ger�usch brechenden Fensterglases. Die Passagiere wurden angegriffen. Nun, er w�rde diesem roten Abschaum eine echte �berraschung bereiten.</p><p>�Die ersten beiden Gewehre, Red. Spannt die H�hne. Turk, wenn du feuerst, bevor ich es sage, dann jage ich dir die erste Kugel in den Kopf.�</p><p>Charles und seine M�nner kamen �ber den n�chstgelegenen H�gel in Formation gest�rmt. Dichte Rauchwolken hingen �ber dem Zug. Heulende Indianer mit offenem Haar galoppierten nebenher. Die Indianer bemerkten die Kavalleristen und reagierten �berrascht und verwirrt darauf.</p><p>Der Zug befand sich ungef�hr eine Viertelmeile links von den Soldaten. Charles pre�te seine Knie gegen Satans Leib und bem�hte sich, seine Spencer ruhig zu halten; er wu�te, da� die Chance auf einen Treffer vom galoppierenden Pferd aus sehr klein war.</p><p>Ein Indianer schwang seinen Bogen nach oben und zielte auf Magic Magee, der links neben Charles ritt. Charles beugte sich hin�ber und schlug Magee gegen die Schulter. Magee schwankte einen Moment und rutschte nach vorn, tief �ber den Pferdenacken. Der Pfeil zischte durch die Luft, dort, wo eben noch seine Kehle gewesen war.</p><p>Magee raffte sich wieder hoch und warf Charles einen dankbaren Blick zu. Shem Wallis zielte und holte den Bogensch�tzen aus dem Sattel. Die Indianer verlangsamten ihr Tempo nun; sie waren zwar den Soldaten gegen�ber in der �berzahl, ihnen aber an Feuerkraft unterlegen. Charles br�llte seine Befehle, und die H�lfte der Kavalleristen bog ab, um auf der anderen Zugseite hinter den Indianern herzujagen.</p><p>Charles n�herte sich dem Zug, brachte die Spencer erneut in Anschlag. Dann geschah etwas, auf das die Soldaten �berhaupt nicht vorbereitet waren.</p><p>J.O. Hartree fuhr mit der Hand �ber den Lauf der Sharps und begann lautlos bis zehn zu z�hlen. Er h�rte, wie sich Pfeile in den Waggon bohrten. Er suchte festen Stand neben Turk und h�rte auf zu z�hlen.</p><p>��ffnen!�</p><p>Die T�r rollte quietschend auf. Die doppell�ufigen Sharps der beiden Scharfsch�tzen blitzten im Morgenlicht auf. Ein Arapahoe glotzte, als die M�nner der Eisenbahn so pl�tzlich auftauchten. Hartrees braune Augen funkelten, und sein frommes L�cheln wurde breiter. �Schie� sie nieder, Turk.�</p><p>Rauch und Donner brach aus der T�r des Frachtwaggons. Der indianische Gewehrsch�tze kippte vom R�cken seines Ponys und wurde sofort von den Pferden zweier Arapahoe niedergetrampelt.</p><p>Voller Unglauben sah Hartree hinter den galoppierenden Indianern einen Haufen dieser schwarzen Niggerkavalleristen auftauchen, verlottert wie Banditen. Die Soldaten und ihr wei�er Offizier, die nun neben dem Zug hergaloppierten, br�llten den Eisenbahnleuten zu, sie sollten das Schie�en einstellen, da sie sich direkt in der Feuerlinie befanden. Hartree ignorierte sie, reichte die hei�e B�ffelflinte nach hinten und erhielt eine andere. Sein n�chster Schu� ging fehl, blies aber einem Nigger den Strohhut vom Kopf, der sich sofort tief �ber sein Pferd duckte.</p><p>�Ich bin Ihnen was schuldig�, br�llte Magee, w�hrend er neben Charles galoppierte. �Dieser rote Bastard h�tte mich beinahe erwischt.�</p><p>Charles schrie zur�ck: �Diese Idioten im Zug bringen uns noch um.� Er pumpte die Spencer �ber seinem Kopf auf und nieder. �Feuer einstellen! Das ist ein Befehl! Feuer ...�</p><p>Der Sch�tze in der gr�nen Weste gab einen Schu� ab, um zu zeigen, was er von dem Befehl hielt. Die Arapahoe, die zwischen den Eisenbahnern und den galoppierenden Soldaten in der Falle sa�en, sch�tzten ihre Chancen ab; ihr Anf�hrer bedeutete ihnen, sich zur�ckfallen zu lassen. Bald schon befanden sich alle hinter dem Zug und versuchten den Kugeln der Kavalleristen von der anderen Seite zu entgehen. Sie erwiderten das Feuer kurz mit Pfeilen und Gewehrkugeln. Ein Indianer warf die Arme in die Luft und rutschte mit blut�berstr�mter Brust vom Pferd. Die anderen zogen sich unmittelbar darauf in Richtung S�den aus der Gefahrenzone zur�ck.</p><p>All das war in knapp zwei Minuten geschehen. Charles war w�tend. Seine erste vern�nftige Chance, Holzfu� zu r�chen, war so gut wie dahin, und er hatte keinen einzigen Indianer erwischt. Nicht einen.</p><p>�Sollen wir hinter ihnen her, Lieutenant August?� schrie einer seiner M�nner.</p><p>Charles h�tte die Frage gern bejaht, doch die Pflicht verlangte, da� er sich um den besch�digten Zug und die Verwundeten k�mmerte. Er nahm an, da� es welche gab. Er sah kein einziges Gesicht in den zerschossenen Fenstern des Waggons.</p><p>�Nein, verdammt noch mal. Wir verfolgen sie nicht.�</p><p>W�tend, weil die Soldaten ihm die Show verderben konnten, sagte J.O. Hartree: �Jemand soll die Notbremse ziehen. Stoppt den Zug. Ich will Gefangene.� Das Feuergefecht war so schnell vorbei, wie es begonnen hatte; der Zug ruckte, als die Bremsen griffen und das Tempo verlangsamten.</p><p>Charles und seine M�nner trieben ihre Pferde neben den Zug, der vor bemalten Pfeilen nur so starrte. In einer Dampfwolke, vermischt mit absinkendem Staub, kam die Rogers-Lokomotive zum Stehen. Charles beobachtete, wie der Mann mit der gr�nen Weste aus dem Frachtwagen sprang und auf ihn zu stolziert kam. Ein Blick auf das Gesicht des Mannes gen�gte Charles, um zu wissen, da� es �rger geben w�rde.</p></section><section><title><p id="bookmark46"><strong>36</strong></p></title><p id="bookmark47">Charles schob die Spencer zur�ck und trabte auf den Frachtwagen zu. Drei weitere Zivilisten sprangen heraus; eine �ble Bande. Der rundliche Mann mit den gl�nzenden Handschuhen und der gr�nen Samtweste f�hrte offensichtlich das Kommando. Charles gefiel er immer weniger.</p><p>�J.O. Hartree�, sagte der Mann, als h�tte der Name etwas zu bedeuten. Aus dem zerschossenen Wagen drangen die aufgeregten Stimmen der geschockten Fahrg�ste. Weil man ihn nicht erkannte, f�gte Hartree mi�gestimmt hinzu: �Chef der Eisenbahnsicherheitskr�fte.�</p><p>�Lieutenant August, Zehnte Kavallerie. Sie sind uns zuvorgekommen. Wir haben kaum einen Schu� abgegeben.� Sein Bedauern war offensichtlich.</p><p>�Wir fahren schon eine Zeitlang mit der Linie und warten auf die roten Bastarde. Sie haben ja gesehen, was f�r Feiglinge das sind.�</p><p>�Da befinden Sie sich im Irrtum, Mr. Hartree. Ein alter Freund von mir sagte mal, in der Pr�rie m�sse man seine Vorstellungen umkehren. Wenn meine Abteilung einen Mann verliert, dann schickt die Armee in einem Monat einen anderen. Wenn die Indianer einen Mann verlieren, dann dauert es f�nf bis zehn Jahre, bis ein Junge herangewachsen ist, um seinen Platz einzunehmen. Sie sind nicht feige, sondern lediglich verdammt vorsichtig.�</p><p>Es tat Charles gut, den Mann ein bi�chen von oben herab behandeln zu k�nnen, doch Hartree gefiel das ganz und gar nicht. �Sie brauchen mich nicht zu belehren�, sagte er. Eine aufgel�ste Frau schaute durch eines der zerbrochenen Fenster, entdeckte die schwarzen Soldaten und sank mit entsetztem Gesichtsausdruck wieder zur�ck. Hartree hob sch�tzend eine Hand und starrte mit zusammengekniffenen Augen gegen die Sonne nach Osten, durch den immer noch hinter dem Zug treibenden Staub hindurch.</p><p>�Boys, wenigstens einer von denen da hinten lebt noch. Bringt ihn her. Wir werden ein Exempel statuieren.�</p><p>�Wovon reden Sie?� fragte Charles. Hartree ignorierte ihn. Magee machte ein finsteres Gesicht und klopfte eine Beule aus seiner Melone.</p><p>Der Schaffner erschien auf der Wagenplattform. �Wir haben hier drinnen einen Verwundeten.�</p><p>Charles fragte: �Schlimm?�</p><p>�Fleischwunde. Er ist bei Bewu�tsein.�</p><p>�Ich sehe erst mal bei meinen eigenen M�nnern nach.� Kaum hatte er das gesagt, als Wallis vom Ende des Zuges, seine M�tze schwenkend, angeritten kam. �Lieutenant? Toby hat's erwischt. Ein Pfeil im Bein.� Charles fluchte. �Dort dr�ben liegt auch ein Indianer.�</p><p>Hartree sagte zu dem Scharfsch�tzen mit den roten Haaren: �Schnappt ihn euch.� Die anderen rannten los.</p><p>Charles �bergab seine Z�gel einem seiner Kavalleristen und trat dicht an Hartree heran. Inzwischen hatten Hartrees M�nner einen Arapahoe erreicht, der in der N�he des Bremswagens lag. Der Rotschopf trat ihn, rollte ihn herum, sch�ttelte den Kopf und ging weiter zu dem n�chsten Arapahoe, der, aus einer Schulterwunde blutend, auf H�nden und Knien kroch.</p><p>Der Indianer taumelte hoch und versuchte zu rennen. Rotschopf erwischte ihn und zerrte ihn zur�ck. Die beiden anderen Sch�tzen verschwanden hinter dem Zug auf der Suche nach dem anderen Krieger.</p><p>Einige M�nner tauchten an den Zugfenstern auf. Charles h�rte einige klatschende Ger�usche und eine besorgte Stimme. �Wach auf, May Belle. Dir fehlt nichts. Das sind doch blo� Niggersoldaten.�</p><p>Der verwundete Arapahoe kam, gesto�en von dem Rotschopf, auf Charles zugeschwankt. Blut flo� am Arm des Indianers herab und tropfte von seinen Fingern. Zu Fu� und verletzt machte der Krieger einen harmlosen, gew�hnlichen Eindruck. Einer von Hartrees M�nnern tauchte hinter dem Zug auf, einen Indianer schleppend. �Beinwunde!� br�llte der Mann. �Kann nicht laufen!�</p><p>�La� ihn fallen�, schrie Hartree zur�ck. �Du bist nicht seine verdammte Krankenschwester.� Der Mann lie� los, und der Indianer jaulte auf, als er auf den Boden knallte.</p><p>�H�ren Sie, Hartree�, sagte Charles. �Ich glaube, wir kl�ren das besser gleich mal. Es f�llt unter die Zust�ndigkeit der Armee, Gefangene nach Fort Harker zu bringen.�</p><p>�Das geht Sie �berhaupt nichts an, Mister. Dieser Abschaum hat Eisenbahnbesitz angegriffen.� Er packte das gl�nzende, schulterlange Haar des Arapahoe-Gefangenen und ri� daran. �Die Eisenbahn wird sich um sie k�mmern.� Er kauerte sich nieder und wischte sich den Handschuh an dem gelblichen Gras ab. �Verfluchte, verdreckte Bastarde.�</p><p>Hartrees Blicke huschten zwischen den blutenden Gefangenen und dem am Zugende auf dem R�cken liegenden Indianer hin und her. Ganz pl�tzlich schien er, seinen Mandarinschnurrbart streichend, einen Entschlu� gefa�t zu haben.</p><p>�Der hier ist in besserer Verfassung. Den lassen wir laufen, nachdem wir uns um seinen Freund gek�mmert haben. Ich will, da� dieser Junge hier mitkriegt, was wir mit den Roten anstellen, die Eisenbahnbesitz bedrohen. Ich will, da� er es den anderen erz�hlt. Turk, hol diese Weidepfl�cke aus meinem Koffer.�</p><p>Der Scharfsch�tze namens Turk kletterte zur�ck in den Frachtwaggon. Ein unangenehmes Gef�hl kroch in Charles hoch. Turk kam mit zwei scharfen Metallpf�hlen, die zum Anpflocken von Pferden dienten, wieder herausgesprungen. In der Hoffnung, keine Aufmerksamkeit zu erregen, schlenderte Charles langsam zu Magee zur�ck, der abgesessen war.</p><p>Hartree nahm die Weidepfl�cke. Vor dem verwundeten Arapahoe warf er sie hoch und fing sie wieder auf. Charles murmelte Magee etwas ins Ohr. Magee sagte: �Yessir, ich schau' mal nach, ob vorn jemand verletzt ist.� Mit seiner Springfield im Arm marschierte er auf die Lokomotive zu.</p><p>Weitere Passagiere schauten aus dem Waggon. Hartree wandte sich ihnen zu. �Gentlemen - und ganz besonders Ladys -, ich m�chte Sie h�flichst bitten, im Wagen zu bleiben, w�hrend ich mich um diese Wilden k�mmere. Ich habe die Absicht, einen von ihnen in der gleichen Weise zu bestrafen, in der sie mit wei�en Gefangenen umgehen. Von dieser Lektion werden alle Wei�en in Kansas profitieren.�</p><p>�Zur�ck, Hartree�, sagte Charles. �Ich habe Ihnen doch schon erkl�rt, da� dies Sache der Armee ist.�</p><p>Zwei von Hartrees Scharfsch�tzen hoben ihre B�ffelflinten. Hartree sagte: �Nein, Sir, das ist Sache der Eisenbahn. Mischen Sie sich nicht ein, sonst k�nnen Sie Ihrem kommandierenden Offizier erkl�ren, wie es zu ein paar toten Niggern gekommen ist.�</p><p>Ein Kavallerist griff zu seinem Revolver. Graue Eule hielt seine Hand fest. �Wir stehen auf der gleichen Seite. Zumindest sollte es so sein.�</p><p>Charles blickte zur Lokomotive. Magee war verschwunden. Hartree warf Turk die Weidepfl�cke zu. Der Schaffner umklammerte das Gel�nder der Plattform und sagte: �Mr. Hartree, das geht ein bi�chen zu weit.�</p><p>Hartree schrie: �Halt dein verdammtes Maul, sonst heben wir uns einen Pflock f�r dich auf. Turk?� Der Mann, der auf das Zugende zuging, drehte sich um. �Rei� zuerst seinen Lendenschurz runter. Red, bring dieses Dreckst�ck hier nach hinten, damit er zusehen kann.�</p><p>Der Arapahoe mit dem blutenden Arm wurde weggeschleift. Er sah krank aus. Charles schluckte seinen s�uerlichen Speichel.</p><p>Graue Eule blickte zum Zug. Pl�tzlich fiel ihm der Unterkiefer herunter. Charles warnte ihn mit einem Blick, dann sah er bewegungslos zu, wie erst eine Truthahnfeder und dann eine schwarze Melone �ber dem Dach des Frachtwaggons auftauchten. Magic Magee kletterte hoch, unbemerkt von Hartree oder den Fahrg�sten unter ihm.</p><p>Charles sp�rte, wie ihm der Schwei� von der Nase tropfte. Magee hob die Springfield an seine Schulter und nahm den R�cken der gr�nen Samtweste aufs Korn. Einer von Hartrees M�nnern am Ende des Zuges entdeckte Magee und schrie auf, gerade als Charles sagte: �Drehen Sie sich um, Mr. Hartree. Wenn Sie diesen Indianer kreuzigen, dann kostet es Sie das Leben.�</p><p>Hartree wirbelte herum, sah Magee, ballte die H�nde zu F�usten. �Schei�e.� Er warf seinen M�nnern einen Blick zu. Sie waren zu weit entfernt, um ihm etwas zu n�tzen. Charles zog seinen Armee-Colt und brachte ihn in Anschlag. Hartree wirbelte mit scharlachrotem Gesicht zur�ck.</p><p>�Sie Bastard, Sie, daf�r kriegt die Eisenbahn Sie am Arsch.�</p><p>Charles sagte zu seinen Kavalleristen: �Sammelt die drei ein, und bringt sie in den Frachtwaggon. Die Indianer k�nnen im Bremswagen mitfahren.�</p><p>Hartree lie� eine Schimpfkanonade los, bis die M�nner im Wagen protestierten. Magee gab Graue Eule ein Zeichen. Der F�hrtensucher lief vor und fing Magees Springfield auf. Magee h�ngte sich an das Dach des Wagens und lie� sich fallen.</p><p>�Gut gemacht�, sagte Charles zu ihm. �Jetzt k�nnen Sie den Schuldschein wieder zerrei�en.�</p><p>�Oh nein, Sir. Das war doch gar nichts. Ich stehe tief in Ihrer Schuld. Wann immer Sie Hilfe brauchen, ein Wort gen�gt.�</p><p>Emotionen stiegen in Charles auf. Bis jetzt hatte er gar nicht so richtig bemerkt, was f�r gute Soldaten aus den M�nnern geworden waren. Sie reagierten schnell, befolgten Befehle und taten ganz allgemein eine Menge mehr, als nur auf den Feind zu schie�en. Eine Woge von Stolz �berflutete ihn.</p><p>Magee �bernahm es, Hartree und dessen Scharfsch�tzen in den Frachtwaggon zu bef�rdern; nachdem er ihn geschlossen hatte, stellte er zwei Wachen davor. Drinnen konnte man den Sicherheitschef stampfen und fluchen h�ren.</p><p>Wieder bat der Schaffner Charles, er m�ge sich um den Verwundeten k�mmern.</p><p>�Steht es schlimm um ihn?�</p><p>�Nein, nicht schlimm.�</p><p>�Dann sehe ich erst nach meinem Mann.� Er war gereizt, weil er Dinge tun mu�te, die er gar nicht wollte: schie�w�tige Zivilisten im Zaum halten; verwundete Indianer retten. Alles, blo� nicht das, weshalb er wieder zur Armee gegangen war.</p><p>Er kletterte zur Plattform hoch, ohne den intensiven Blick zu bemerken, den Graue Eule ihm zuwarf - ein Blick, in dem neuer Respekt und neue Achtung lagen.</p><p>Kavallerist Washington Toby, ein schlaksiger Mulatte aus Philadelphia, lag neben dem Bremserh�uschen; seine sch�ne Hirschlederhose war blutgetr�nkt. Ein abgebrochener Pfeil ragte aus seinem Bein. Toby umklammerte sein Bein, w�hrend er vor Schmerzen fluchte und weinte.</p><p>�Leg dich zur�ck, Toby.� Charles versuchte, sich seine Besorgnis nicht anmerken zu lassen. �La� dein Bein los.�</p><p>Widerstrebend gehorchte Toby. Charles kniete nieder und zog sein Bowiemesser. Er verl�ngerte den Ri� im Wildleder auf mehr als einen Fu�. Seit die St�mme ihre steinernen Pfeilspitzen durch Spitzen aus Eisenblech ersetzt hatten, verursachten sie schreckliche Wunden. Wenn das Eisen auf einen Knochen traf, dann verformte es sich oft so, da� man es nur unter schlimmsten Qualen wieder entfernen konnte. Wenn die Pfeilspitze allerdings auf einen Muskel traf oder eine Ader ritzte ... Charles sagte zu einem der herumstehenden besorgten Kavalleristen: �Lauf zu Satan, und �ffne meine rechte Satteltasche. Bring mir den Kautabak, den du dort findest. Entspann dich, Toby. Du hast Gl�ck gehabt�, log er. �Ein Pfeil im Bein ist gar nichts. Wenn du einen Pfeil in den Bauch oder in die Brust verpa�t kriegst, dann spielen sie dir den Beerdigungsmarsch, noch bevor du ganz umgefallen bist.�</p><p>Tobys Mund verkrampfte sich, der traurige Versuch eines L�chelns. Schwei�tropfen erschienen auf seinem Gesicht. Charles zog das Wildleder von der Wunde weg und studierte den Pfeil.</p><p>�Nimm meinen linken Arm. Halt dich ganz fest.�</p><p>Der Kavallerist kam mit dem Kautabak zur�ckgerannt. Charles machte den Mund auf, und der Soldat steckte ihm den Tabak hinein. Charles begann heftig zu kauen, w�hrend er den Pfeilschaft sanft hin und her bewegte. Irgendwie schien er festzuh�ngen. Er �bte mehr Druck aus. Tobys Augen quollen hervor. Seine N�gel gruben sich fast durch Charles' Hemd.</p><p>�Ruhig, ruhig�, wiederholte Charles; wegen des Kautabaks klangen die Worte gequetscht. Toby grunzte schmerzerf�llt, hob dann seine Schultern vom Boden. �Dr�ckt ihn runter�, rief Charles. Zwei Soldaten hielten den Verwundeten fest.</p><p>Blut str�mte nun aus der Wunde. Er bewegte den Schaft weiter in eine Richtung, dann in die andere, vor und zur�ck, vor und zur�ck.</p><p>Er sp�rte, wie der Pfeil sich lockerte. Ein Klumpen, gro� wie ein Stein, formte sich in seiner Kehle. �Alles in Ordnung, Toby, in ein paar Minuten sind wir fertig.� Er redete, um die Aufmerksamkeit des Mannes abzulenken. �Halt blo� noch einige.� Er ri�. Washington Toby schrie auf und verlor das Bewu�tsein.</p><p>Charles sackte in sich zusammen. In seiner rechten Hand hielt er den Pfeilschaft mit der nur leicht verbogenen, blutigen Spitze. Kurz darauf schlug Toby die Augen auf. Noch v�llig benommen, begann er zu weinen.</p><p>�Nur zu, weine nur�, sagte Charles. �Ich wei�, es tut weh. Was ich jetzt tue, wird dir ein bi�chen helfen, bis wir ins Fort kommen. Tabak ist eine alte Pr�riemedizin f�r Wunden.�</p><p>Er spuckte mehrmals darauf, f�llte die Wunde mit brauner So�e. Er knetete die R�nder, um Blut und Tabaksaft gr�ndlich zu mischen. Das Blut spritzte nicht heraus, es kam auch kein dunkleres Blut. Der Pfeil hatte keinen gr��eren Schaden angerichtet.</p><p>Er legte eine Presse an und befahl seinen M�nnern, Toby in Decken zu wickeln und ihn an Bord des Zuges ruhen zu lassen. Einer der Kavalleristen, ein scheuer Junge namens Collet, schenkte Charles einen bewundernden Blick.</p><p>�Sie sind ein guter Offizier, Mist' August.�</p><p>Als er auf der anderen Seite des Zuges ankam, sagte Graue Eule zu ihm: �Ein Arapahoe ist tot. Sollen wir ihn liegenlassen?�</p><p>Charles fuhr sich �ber den Mund. Er wollte gerade ja sagen, �berlegte es sich dann aber anders. �Wenn du eine der Plattformen in dem W�ldchen reparieren kannst, dann leg ihn drauf. Da er bereits tot ist, k�nnen wir das schon f�r ihn tun. Ich halte den Zug so lange an.�</p><p>Graue Eule schaute ihn unbewegt an, drehte sich dann um und ging los.</p><p>�Lieutenant�, sagte der Schaffner mit einem klagenden Unterton in der Stimme, �Sie m�ssen sich die Zeit nehmen, den Verwundeten hier drin anzusehen. Ich glaube, er ist ganz in Ordnung, aber ich bin kein Doktor.�</p><p>Charles nickte und kletterte m�de die Metallstufen hoch. Die Zivilisten wichen zur�ck, um ihn durchzulassen. Zwischen zwei Sitzen ragten Stiefel und gelbgestreifte Kavalleriehosen in den Gang. Der Verwundete lehnte mit schlaff herabh�ngendem Arm an der Wand.</p><p>Einen Augenblick lang sah Charles nichts als die Wunde, ein feuchtes, rotes Loch im oberen �rmel. Dann betrachtete er den Mann etwas n�her; er sah ein feingeschnittenes Gesicht mit gletscherblauen Augen und rostfarbenem Schnurrbart und Bart. Weil so viel geschehen war, dauerte das Erkennen etwas l�nger. Es traf ihn, als er sich gerade hinknien wollte.</p><p>�Main�, sagte der Offizier. �Oder lieber May?�</p><p>�Mein Name ist ...� Er hielt inne. Es hatte keinen Sinn.</p><p>Vom Gang her sagte der Schaffner: �Der Name des Mannes ist Lieutenant August.�</p><p>�Den Teufel ist er.�</p><p>�Ich werde mir Ihre Wunde ansehen�, fing Charles an.</p><p>�R�hren Sie mich nicht an�, sagte Captain Harry Venable. �Sie stehen unter Arrest.�</p></section><section><title><p id="bookmark48"><strong>37</strong></p></title><p id="bookmark49">Generalmajor Philip Henry Sheridan, Missouri-Department, VJ zitierte Grierson nach Leavenworth. Die beiden M�nner trafen sich an dem Tag, an dem Sheridan seinen verl�ngerten Urlaub antrat.</p><p>Grierson kam herein, als Sheridan noch mit seinem Adjutanten, Colonel Crosby, konferierte. Sheridan war sechsunddrei�ig, Junggeselle, mit dunklem irischem Gesicht und rauhen Manieren; sein Mongolenschnurrbart und seine gelockten Haare verst�rkten diesen Eindruck noch. Er sch�chterte Grierson ein. Es war mehr als nur der Rang oder die traditionelle Spannung zwischen West-Point-Offizieren und Nicht-West-Point-Offizieren. Sheridan war bekannt f�r seinen Starrsinn und seine Unbarmherzigkeit.</p><p>�Bin gerade mit dem Report �ber das Zuggefecht fertig�, sagte er, nachdem er Griersons Salut erwidert hatte. �Setzen Sie sich.� Er schob seinem Adjutanten einen Sto� Papiere zu. �Telegraphieren Sie der Eisenbahn, sie sollen diesen verfluchten Idioten Hartree aus Kansas verschwinden lassen. Ich lasse es nicht zu, da� sich Vigilanten in Angelegenheiten der Armee der Vereinigten Staaten mischen.�</p><p>Colonel Crosby r�usperte sich. �Jawohl, General. Das ist allerdings ein heikles Thema. Die Eisenbahnaktion�re sind immer noch sehr erregt �ber die Bedrohung durch die Indianer.�</p><p>�Gottverdammt noch mal, Sam Grant und Cump Sherman haben mich an diesen Platz gestellt, damit ich mich um diese verfluchten Indianer k�mmere, und das werde ich auch. Ich habe f�r sie nichts �brig. Die einzigen guten Indianer, die ich je gesehen habe, waren tote Indianer. Befolgen Sie meine Anweisungen. Hartree hat zu verschwinden.�</p><p>Der Adjutant salutierte und zog sich zur�ck. Als sich die T�r geschlossen hatte, ging Sheridan zu dem Eisenofen, um sich die H�nde zu w�rmen. Es war Ende November, ein grauer, trostloser Tag.</p><p>�Grierson, ich kann absolut nichts f�r Charles Main tun. Harry Venable kam letztes Fr�hjahr in den Stab des Departments, um unter Winnie Hancock zu dienen. Ich mag den kleinen Schei�er nicht, aber er ist ein f�higer Soldat.�</p><p>�Main ist ein hervorragender Soldat.�</p><p>�Ja, aber er ist auch ein Rebell ohne Begnadigung, der in bezug auf seine Kriegserfahrungen und die Akademie gelogen hat. Zweimal.�</p><p>�Das zweite Mal hab' ich ihn dazu ermutigt, General. Er machte einen erstklassigen Eindruck auf mich, und ich wollte ihn f�r das Regiment. Mich trifft mindestens genausoviel Schuld.�</p><p>�Ich will kein weiteres verdammtes Wort h�ren. Und die letzten hab' ich auch nicht geh�rt. Ich bin mir Mains F�higkeiten durchaus bewu�t. Er kam kurz vor meiner Graduierung ins Sommerlager. Ungef�hr ein Jahr sp�ter h�rte ich, da� Bob Lee ihn f�r den besten Reiter im Kadetten-Corps hielt. Aber er mu� gehen.�</p><p>�Custer suspendieren sie lediglich f�r ein Jahr vom Dienst, und das angesichts all der Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden.�</p><p>�Colonel, ich will nichts mehr h�ren�, sagte der kleine Kommandeur. Seine schwarzen Augen bohrten sich in die des Kavalleristen. �Curly Custer k�mpfte f�r die Union. Und ich werde Ihnen noch was sagen. Er wirkt wie ein gottverdammter Magnet auf die M�nner. Sie schneiden sich gegenseitig die Kehle durch, um unter ihm dienen zu k�nnen.�</p><p>�Einige. Nicht die M�nner, die gegen ihn ausgesagt haben. Nicht sein eigener kommandierender Offizier.�</p><p>�W�rden Sie um Himmels willen den Mund halten? Ich kann Mains Arsch nicht retten auf der Basis von dem, was mit Cu-ster geschehen ist. Au�erdem will ich Curly so schnell wie m�glich wieder in meinem Department haben, weil dieser Schei�vertrag niemals halten wird. Und jetzt gehen Sie zur�ck zu Main, und sagen Sie ihm, da� es mir leid tut, er aber dankbar sein kann, da� es mir gelungen ist, ihn mit einer unehrenhaften Entlassung loszuwerden; drei Jahre versch�rftes Arbeitslager mit einer Eisenkugel am Bein w�ren f�r seinen Fall normal gewesen.�</p><p>Grierson erhob sich. �Jawohl, General. Ist das alles?�</p><p>Sheridans Gesichtsausdruck wurde sanfter, w�hrend er eine Zigarre zwischen seinen Handfl�chen rollte. �Ist das nicht genug? Abtreten.�</p><p>In Fort Harker teilte Grierson am n�chsten Tag Charles das Urteil mit, der in stoischem Schweigen vor ihm stand. Seit er in dem Zug auf Harry Venable gesto�en war, hatte er gewu�t, da� dieser Augenblick unausweichlich kommen w�rde.</p><p>�Ich habe Ihnen zuvor gesagt, da� ich Sie nicht retten kann, wenn Sie auffliegen, Charles. Ich hab's versucht. Ich habe mir verdammt viel M�he gegeben. Sie sind der einzige hundertprozentige Rebell in diesem Regiment, und trotzdem sind Sie der st�rkste Anh�nger dieser Neger.�</p><p>�Ich gew�hre ihnen keine besonderen Verg�nstigungen, Sir. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, sind sie gute Soldaten. Sie geben sich mehr M�he als die meisten anderen.�</p><p>�Das stimmt. In unserem ersten Jahr hatten wir die niedrigste Desertionsrate der gesamten Armee und die wenigsten Disziplinarvergehen. Ich sagte Ihnen, ich hatte eine Vision f�r die Zehnte, und Sie haben mir geholfen, diese Vision zu verwirklichen. Es tut mir nur verdammt leid, da� die Sache f�r Sie kein gutes Ende nimmt.�</p><p>�Ich sch�tze, heutzutage kann man einem Mann alles verzeihen, au�er da� er ein S�dstaatler ist.�</p><p>�Ihre Verbitterung ist verst�ndlich.� Er schwieg einen Moment. Charles sah zu, wie sich drau�en vor Griersons Fenster die Nacht herabsenkte. Im B�ro war es eiskalt. Es begann zu schneien. �Was werden Sie tun?�</p><p>�Ich wei� nicht. Mich besaufen. Arbeit suchen. Ein paar Cheyenne umbringen.�</p><p>�Dar�ber sind Sie immer noch nicht weg?�</p><p>�Dar�ber werde ich nie wegkommen.�</p><p>�Aber Sie haben die Arapahoe-Gefangenen gerettet.� Einer war einen Tag nach seiner Einlieferung in das Arrestlokal von Fort Harker gestorben. Der andere, der jegliche Nahrung verweigert hatte, lag auf der Krankenstation im Koma.</p><p>�Ich sagte umbringen, Sir. Ich habe nichts von foltern gesagt. Das ist ein Unterschied.�</p><p>Grierson studierte den gro�en, leicht bedrohlich wirkenden Soldaten mit den zornigen Augen. Dann strich er sich �ber seinen gewaltigen Bart und fragte: �Was ist mit Ihrem Sohn?�</p><p>�Er wird noch ein bi�chen auf Jack Duncans Wohlt�tigkeit angewiesen sein.�</p><p>�Nun, bleiben Sie mit ihm in Verbindung. Ein Mann kann den Verlust vieler Dinge ertragen, aber nicht den Verlust der Menschen, die er liebt.�</p><p>Charles zuckte mit den Schultern. �Vielleicht ist es bereits zu sp�t. Alles andere habe ich wei� Gott schon verloren.�</p><p>Weiteres Schweigen. Grierson konnte es kaum ertragen. Er vermied Charles' Blick, als er sagte: �Morgen fr�h m�ssen Sie vom Milit�rposten weg sein. Aber niemand wird was dagegen haben, wenn es etwas l�nger dauert, bis Sie auf Wiedersehen gesagt haben.�</p><p>�Es wird nicht l�nger dauern, Colonel. Ein schneller, sauberer Schlu�strich ist immer das beste.�</p><p>�Charles!�</p><p>�Habe ich Erlaubnis, mich zu entfernen, Colonel?�</p><p>Grierson nickte. Er erwiderte den Salut und sah zu, wie Charles eine Kehrtwendung machte und die T�r hinter sich schlo�. Dann lie� er sich auf seinen Stuhl fallen und starrte das gerahmte Photo seiner Frau an.</p><p>�Alice, manchmal hasse ich diese gottverdammte Welt.�</p><p>Der Schneefall wurde st�rker. Charles sammelte seine paar Habseligkeiten ein und drehte seine Abschiedsrunde. Die Wachen in der eisigen Dunkelheit setzten zu einem zackigen Salut an, der respektvoller auszufallen schien als je zuvor.</p><p>Im Offiziersquartier f�r Junggesellen verabschiedete er sich von Floyd Hook. Floyd war ungek�mmt und unrasiert. Er war eine Woche vor Charles von der Patrouille zur�ckgekehrt und hatte feststellen m�ssen, da� seine Frau mit einem Fahrer der Butterfield-Postkutsche durchgebrannt war. Die dreij�hrige Tochter hatte sie mitgenommen. Charles hatte geh�rt, da� Dolores Hook im letzten Jahr einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Manche Armeefrauen brachen unter den Sorgen und der Einsamkeit einfach zusammen. Auch Floyd sah so aus, als w�rde er kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Er roch nach Bier. Charles m�hte sich zehn Minuten lang ohne Erfolg, ihn aufzuheitern.</p><p>In den Quartieren f�r verheiratete Offiziere verabschiedete er sich von Ike Barnes und der kleinen Lovetta, die weinte und ihn wie eine Mutter in die Arme nahm. Der Alte, alles andere als redselig und stets �ngstlich darauf bedacht, nur ja keine Gef�hle zu zeigen, quetschte nichtsdestoweniger mehrmals Charles' Arm und drehte seinen Kopf weg.</p><p>Charles entdeckte Graue Eule, der in der Dunkelheit mit gekreuzten Beinen schlafend unter der Dachkante des Marketenders sa�. Der F�hrtenleser hatte sich in mehrere Decken und B�ffelfelle gewickelt; ein Fell bedeckte seinen Kopf wie eine M�nchskapuze. �Du wirst noch an Erk�ltung sterben�, warnte Charles ihn, nachdem er ihn geweckt hatte.</p><p>�Nein. Bis auf einen Blizzard ertrage ich jedes Wetter. Das habe ich mir vor langer Zeit beigebracht.� Graue Eule erhob sich, sch�ttelte die Felle und Decken ab. Er packte Charles an der Schulter und starrte ihm in die Augen. �Ich werde dich vermissen. Du bist ein guter Mann. Da� du die Gefangenen trotz deines Hasses verschont hast, das war gut.�</p><p>Bis auf ein m�des Achselzucken wu�te Charles darauf keine Antwort. Graue Eule stellte die gleiche Frage wie Grierson, und Charles antwortete: �Ich wei� nicht, was ich tun oder wohin ich gehen werde. Der Colonel hat mir die Spencer und Satan gelassen.�</p><p>�Ich glaube, wir sind uns sehr �hnlich�, sagte der F�hrtensucher. �Ausgesto�ene. Ich habe mich von meinem Volk getrennt, als sie ihren Weg verloren.�</p><p>Graue Eule beobachtete das Schneetreiben. �Wie mein Vater nahm ich eine gefangene wei�e Frau zum Weib. Ich behandelte sie gut und liebte sie sehr. Vor drei Wintern, w�hrend ich die M�nner der Gemeinschaften und die jungen Krieger zur Herde f�r die letzte Jagd des Jahres f�hrte, qu�lten einige eifers�chtige Squaws meine Frau mit scharfen St�cken. Sie verblutete, und niemand wollte die Frauen wegen ihrer Grausamkeit bestrafen. Der Bruder der Frau, die die anderen angestiftet hatte, ein ha�erf�llter Mann namens Narbengesicht, lobte sie und erz�hlte ihre Geschichte viele Male. Als ich zur�ckkehrte und all das sah, da wu�te ich, da� mein Volk zu weit vom Wege abgeirrt war, als da� ich es h�tte zur�ckf�hren k�nnen. So wandte ich mich f�r immer von ihnen ab. Doch wenn du dich je verirrst, Charles, und ich dich wieder auf sicheren Boden f�hren kann, dann werde ich das tun.�</p><p>�Danke�, sagte Charles kaum h�rbar. Er wollte die restlichen Verabschiedungen so schnell wie m�glich hinter sich bringen. Es begann zu sehr zu schmerzen.</p><p>Er umarmte Graue Eule und verlie� den Cheyenne, der sich wieder gegen die aus Baumst�mmen errichtete Wand des Marketenders dr�ckte. Nach einigen Schritten schaute er zur�ck. In der von Lampen erhellten Finsternis sah er Graue Eule, eingeh�llt in seine schneebedeckten Felle, wie einen seltsam verk�mmerten Strauch zusammengekauert dasitzen.</p><p>Bei diesem Wetter blieb den M�nnern der Zehnten keine andere Wahl, als in den stinkenden, engen H�tten, die in Fort Harker als Baracken dienten, Unterschlupf zu suchen. Charles bog um die Ecke einer H�tte, in der die meisten M�nner seines Kommandos hausten. Durch die Bohlent�r hindurch h�rte er Magic Magees Stimme.</p><p>Vorsichtig dr�ckte er die T�r ein paar Zentimeter auf. Im Lichte der �llampen sah er Magee auf dem Lehmboden knien. �Okay, Jungs, ihr seht, da� ich in dieser Hand drei ganz gew�hnliche Blechtassen habe, aus denen wir jeden Tag trinken. W�rdest du ein bi�chen zur�ckrutschen, Sergeant Williams? Ich brauche mehr Platz.�</p><p>Es war das erstemal seit l�ngerer Zeit, da� Charles wieder l�chelte. Er beobachtete, wie Magee eine Tasse nahm und sie mit schneller, flie�ender Bewegung verkehrt herum auf den Boden stellte. In der gleichen Weise stellte er die anderen Tassen daneben.</p><p>�Was ich euch jetzt zeigen werde, Jungs, ist eines der unglaublichsten Geheimnisse aller Zeiten. In Chicago hat mir jemand erz�hlt, da� es in irgendeinem alten Grab in �gypten Bilder von einem Magier gebe, der den gleichen Trick mit Tassen und einem Ball vorf�hrt. Hier ist der Ball. Eine gew�hnliche kleine Korkkugel.�</p><p>Er zeigte ihn zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, dann schob er ihn in die linke Hand oder tat zumindest so, wobei er ihn verschwinden lie�.</p><p>�Shem, wo ist der Ball?�</p><p>�Verschwunden�, sagte Wallis.</p><p>�Wohin verschwunden?�</p><p>�Wei� nicht.�</p><p>�Komm schon. Er ist auf Reisen gegangen.� Schwungvoll hob Magee die erste Tasse hoch; darunter kam der Ball zum Vorschein.</p><p>Er nahm den Ball, lie� ihn wieder in der Hand verschwinden und unter der zweiten Tasse auftauchen. Charles hatte den Trick oft genug gesehen, um das Geheimnis zu kennen: vier B�lle, in jeder Tasse einer; Magees Geschick beim Umdrehen der Tassen und dem schnellen Aufsetzen auf den harten Boden hinderten sie am Herausfallen. Magee fing wieder von vorn an, doch Williams hatte den Zug von der T�r gesp�rt, hob eine Hand und griff nach seiner Waffe. �Jemand drau�en?�</p><p>Charles stie� die T�r auf und trat ein. �Habe mir nur die Vorstellung angesehen. Ich ziehe los, Jungs. Den Mantel und die Kappe hab' ich euch mitgebracht. Verkauft die Sachen, und legt das Geld in die Kompaniekasse.�</p><p>Ein gemurmelter Dank, dann wurde es wieder still. Charles f�hlte sich genauso befangen wie die M�nner. Ihr L�cheln war traurig.</p><p>Charles r�usperte sich. Er war so unbeholfen und nerv�s wie damals in West Point, als er zum erstenmal an die Tafel gerufen wurde. �Ich wollte nur sagen - M�nner, ihr seid gute Soldaten. Jeder Offizier w�re�, er stockte, r�usperte sich erneut, �w�re stolz, euch zu f�hren.�</p><p>�Wir sind stolz, da� Sie uns gef�hrt haben�, sagte Shem Wallis. �Sie haben mit Ihnen ein schlechtes Gesch�ft gemacht, diese Gener�le.�</p><p>�Ja, nun, manchmal ist das Leben halt so. Nichts weiter als ein verdammt schlechtes Gesch�ft.� Er machte eine leichte Bewegung mit dem rechten Arm, in dessen Beuge sein Gewehr lag. �Wenigstens hat Colonel Grierson mir die Spencer und mein Pferd gelassen.�</p><p>Sternengucker erhob sich, rieb sich mit den Kn�cheln �ber den Mund. Z�gernd sagte Williams: �Da ich der erste war, der sich gegen Sie ausgesprochen hat, sollte ich auch der erste sein, der das alles zur�cknimmt. F�r einen S�dstaatler sind Sie ein echter wei�er Mann.�</p><p>Die Soldaten lachten �ber den unbeabsichtigten Rassismus in dieser Bemerkung. Charles l�chelte. Verlegen streckte Williams die Hand aus.</p><p>�Wir werden Sie vermissen, C.C.�</p><p>Charles' Hand blieb in der Luft h�ngen. �Was?�</p><p>�Er sagte C.C�, entgegnete Washington Toby. Sein Bein war noch bandagiert, aber er konnte damit laufen.</p><p>�Das bedeutet Cheyenne Charlie�, sagte Magee. �Cheyenne deswegen, weil Sie die so m�gen.�</p><p>�Hm. Cheyenne Charlie. Ich glaube, der Spitzname pa�t. Gef�llt mir. Vielen Dank.�</p><p>Er drehte sich um und wollte hinausgehen. �Sir? Hab' ich glatt vergessen�, sagte Williams und griff unter sein �u�eres Flanellhemd, von denen er zwei �ber der Armeebluse und seiner Unterw�sche trug. �Das liegt seit einer Woche in meinem Schreibtisch. Sch�tze, sie haben's reingetan, w�hrend wir die Eisenbahn abritten.�</p><p>Charles nahm den bla�grauen Umschlag mit der vertrauten Handschrift entgegen. Er tippte nachdenklich mit den Fingerspitzen dagegen, w�hrend seine Augen wieder zu Eis wurden.</p><p>�Danke. Gute Nacht�, sagte er und ging. Das letzte, was er h�rte, bevor er die T�r schlo�, war der Ruf von Magee:</p><p>�Und vergessen Sie nicht, ich bin Ihnen noch was schuldig.�</p><p>Bei dem Wachposten in der N�he des Stalles brannte ein Feuer gegen die klirrende K�lte. Charles ging auf die Flammen zu, die der Pr�riewand ihm horizontal entgegenpeitschte.</p><p>Als er am Feuer vorbeikam, warf er Willas Brief unge�ffnet in die Flammen. Dann verschwand er schnell in der Dunkelheit des Stalles. Zehn Minuten sp�ter h�rte der Wachposten Hufschl�ge im Schnee, die sich schnell entfernten.</p><p>HERBSTMODE 1867 DUPLEX-R�CKE</p><p>J.W. Bradleys gefeierte, patentierte Duplex-Ellipsenr�cke sind die widerstandsf�higsten, wirtschaftlichsten R�cke, die es gibt; jeder Reifen besteht aus zwei wunderbar geh�rteten Stahlfedern, raffiniert miteinander verflochten, und obwohl sie sehr flexibel und bequem f�r die Tr�gerin sind, geh�ren sie zu dem St�rksten und Leistungsf�higsten, was R�cke heutzutage aufzuweisen haben. Es gibt die modischsten und elegantesten Formen f�r</p><p>REZEPTION, PROMENADE, OPER, KIRCHE,</p><p>haus und f�r das strassenkleid ...</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Dezember 1867. Weihnachten steht vor der T�r, und wir sind dem Verhungern n�her denn je. Bald werde ich es allen sagen m�ssen Prudence, den Shermans, den anderen loyalen freien Negern. F�r den Cent, den wir verdienen, mu� ich zwei bezahlen. Wenn ich keinen Bittgang zu George H. antrete, sehe ich keine Alternative, als den Fehlschlag einzugestehen und Cooper zu informieren, da� es mir an der F�higkeit mangelt, Mont Royal erfolgreich zu leiten. Die Aussicht, diesen Ort verlassen zu m�ssen, ist ungemein schmerzlich. Doch Abdankung, falls dies die richtige Bezeichnung ist, scheint mir die einzige M�glichkeit zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube, Andy wird es von allen hier am schwersten treffen, wenn ich diesen Weg einschlage. Er ist stolz und aufgeregt, da� er als Konventdelegierter nach Charleston geht. Redet st�ndig davon</emphasis> ...</p><p>Auch Des LaMotte redete dar�ber, zusammen mit Gettys und Captain Jolly in Jollys Bruchbude.</p><p>Es war zwei Wochen vor Weihnachten; das Wetter war tr�b und regnerisch. Die Monate im Gef�ngnis hatten Des v�llig abmagern lassen. Im Gegensatz dazu sah Jolly gesund und munter aus; er trug einen neuen leinenen Staubmantel, den er einem Reisenden gestohlen hatte. Er war eifrig damit besch�ftigt, mit einem fettigen Lappen den Lauf eines seiner Leech &amp;�Rigdons zu putzen.</p><p>�Wir m�ssen ein bi�chen mehr tun als nur reden�, erkl�rte Des. In den Augen seines Freundes bemerkte Gettys tiefe Verletzung. Des erz�hlte so gut wie nichts von seiner Zeit hinter Gittern, aber es war ganz offensichtlich ein qu�lendes Erlebnis gewesen.</p><p>Jolly spuckte auf den Lauf und strich liebevoll mit dem Lumpen dar�ber. �Schei�e, das ist alles, was wir je tun, rumsitzen und quatschen. Sie schickt ihren Nigger zum Konvent. Warum schaue ich nicht mal bei ihm vorbei und schie�e ihn nieder?�</p><p>�Weil dann ein anderer geschickt wird oder dieses und jenes passiert, bis sie den ganzen Bezirk auf die Seite der Nigger gebracht hat.�</p><p>�LaMotte, das h�ngt mir zum Hals raus�, sagte Jolly. �Willst du sie loswerden oder nicht?�</p><p>�Das wei�t du ganz genau.�</p><p>�Dann tun wir's doch. Ansonsten bist du blo� ein zahnloser Hund, der bellt und nicht bei�t.�</p><p>Der gro�e Tanzlehrer ging Jolly an die Kehle. Der Captain dr�ckte die M�ndung seines Revolvers gegen Des' Handfl�che. Er grinste. �Nur zu. Versuch doch, mich zu erw�rgen. Ich jage dir eine Kugel durch die Hand in den Sch�del.�</p><p>Mit rotem Gesicht senkte Des die Hand. �Du kapierst einfach nicht, was? Ich will ihren Tod, aber ich m�chte daf�r nicht ins Gef�ngnis. Ich bin dort gewesen, im Gef�ngnis�, er schwitzte, �schreckliche Dinge k�nnen da einem intelligenten, sensiblen Menschen zusto�en. Absto�ende Dinge, die man nicht mal mit physischer St�rke verhindern kann.�</p><p>Gettys beschlo�, da� es an der Zeit war, Des aus seinem Elend zu erl�sen. Er zog ein P�ckchen aus seinem alten Mantel.</p><p>�Wenn ihr mit euerm Gestreite mal kurz aufh�ren k�nntet, dann h�tte ich vielleicht die Antwort f�r uns. Mein Cousin Sit-well machte den weiten Weg nach Nashville wegen einer geheimen Konklave.� Er bemerkte Jollys Verwirrung und geno� es, mit �berlegener Miene hinzuf�gen zu k�nnen: �Konvent, Cap-tain. Versammlung. Das hier hat er mitgebracht.�</p><p>Er hielt ein zerknittertes Plakat mit gro�er, k�hner �berschrift hoch, Tennessee tiger. Der Tiger, eine Stahlgravur, duckte sich wild und grimmig vor Gittern und Stangen. �Lies das Gedicht�, sagte Gettys und deutete darauf.</p><p>Des las laut vor. �<emphasis>Nigger und Liga-Leute, aus dem Weg. Wir sind Geburten der Nacht...�</emphasis> Captain Jollys Interesse erwachte. Des sagte: �Du meinst, in Tennessee sind derartige Publikationen erlaubt?�</p><p>�Und �hnliche Sachen an vielen anderen Orten, hat mir Sit-well berichtet. Du hast doch keine Namen gesehen, oder? Lies weiter.�</p><p><emphasis>�. Geburten der Nacht und verschwinden bei Tag. Wir fressen nichts anderes als Menschenfleisch. Und Nigger lieben wir am meisten ... der Ku-Klux-Klan.�</emphasis></p><p>Mit langsam d�mmerndem Verst�ndnis starrte Des die anderen an. �berlegen sagte Gettys zu Jolly: �Der Ku-Klux ist der Club, der die Nigger in Angst und Schrecken versetzt. Sitwell meint, inzwischen sei mehr daraus geworden. Eine Verteidigungsliga des wei�en Mannes. Klaverns schie�en �berall im S�den aus dem Boden.�</p><p>�Was ist das?� fragte Jolly.</p><p>�Klaverns? Das bedeutet Klan-H�hlen, eine �rtliche Niederlassung. Sie besitzen eine richtige Verfassung, genannt die Vorschrift, und eine ganze Menge toller Titel und Rituale. Und Ro-ben, Jolly. Roben, die das Gesicht eines Mannes verbergen.� Grinsend tippte er mit dem Plakat gegen den �rmel des Captain. �Wei�t du, wer durch den S�den zieht und bei der Gr�ndung des Klaverns hilft? Der F�hrer des Klans. Der Allm�chtige Hexenmeister. Dein alter Freund Forrest.�</p><p>�Bedford h�chstpers�nlich?� Jollys Stimme klang ergeben. Der Dienst in Forrests Kavallerie blieb der H�hepunkt seines Lebens; f�r einen Augenblick versank er in der Vergangenheit, erinnerte sich an ihre Schlachten. Durch schlimmste Gewitter und eisigen Hagel waren sie geritten, hatten stets dem Tod ins Auge geschaut und sich nie abgewandt, weil sie f�r die Sache der wei�en Rasse im Sattel sa�en.</p><p>Jolly verga� seine Umgebung, sah den General auf seinem gro�artigen Kriegsro�, King Philip, vor sich. Und die Nigger. Die jammernden, schreckensstarren Nigger von Fort Pillow. Nach dem Fall von Fort Pillow hatte Jolly pers�nlich mit der Waffe in der Hand sechs Niggersoldaten in ein Zelt getrieben und dann seinem Sergeant befohlen, es in Brand zu stecken. Jetzt, in diesem Moment, konnte er die Nigger schreien h�ren. Die Erinnerung brachte ein L�cheln auf sein Gesicht.</p><p>Gettys senkte seine Stimme und sagte: �Cousin Sitwells Freunde im York County haben Forrest eingeladen, ihnen bei der Gr�ndung einer Klavern behilflich zu sein. Ich w�rde meinen, wir k�nnten in Ashley so was auch gebrauchen.�</p><p>Des' Karottenhaar gl�hte im Schein der hinter ihm stehenden Kerosinlampe auf. �Kriegen wir Forrest her? K�nnten wir ihm eine telegraphische Nachricht schicken?�</p><p>�Jawohl. Und ich bezahle das aus den Profiten des Ladens�, sagte Gettys begeistert. �Ist gen�gend da. Wohin schicken wir die Nachricht?�</p><p>�Mississippi�, sagte Jolly. �Sunflower Landing. Das ist die Plantage des Generals in Coahoma County. Unterzeichne die Nachricht mit meinem Namen, Gettys - nein. Unterzeichne mit Captain Jackson Jerome Jolly. Der General wird kommen, wenn einer seiner Offiziere ihn ruft, das verspreche ich.�</p><p>Zufrieden lehnte er sich zur�ck. �Die Sache kommt endlich in Bewegung, Jungs. Bald k�nnen wir die Jagd er�ffnen auf hochn�sige Niggerfrauen.�</p><p><emphasis>Habe mich entschlossen, mit der Nachricht von Mont Royals Schulden erst eine Woche vor Weihnachten herauszur�cken. In Lambs, ein kurzes St�ck weiter den Flu� hinunter, hat man gerade eben eine �berraschende geologische Entdeckung gemacht. Der ganze Bezirk befindet sich in heller Aufregung. Mu� herausfinden, warum.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark50"><strong>38</strong></p></title><p>Durch ein Gewitter keuchte der Nachtzug das Lehigh Valley hoch. In der N�he von Bethlehem schlief Georges Anwalt, Jupiter Smith, ein; sein Klient sa� da und starrte aus dem Fenster in die regnerische Finsternis.</p><p>Die M�nner fuhren in einem Privatwaggon, der an das Zugende angeh�ngt worden war. Nach Georges W�nschen gebaut, besa� der Wagen rote Pl�schpolster, herrliche Holzt�felung und Glastrennw�nde. Vor Jahren hatte Stanley einen �hnlichen Wagen f�r die Hazards gekauft, der dann durch ein Eisenbahnungl�ck zerst�rt worden war. George hatte sich ver�chtlich �ber diese Verschwendung ge�u�ert, bis er dann vor einem Jahr einen gewissen Sinn darin zu sehen begann. Pittsburgh entwickelte sich schnell zum Eisen- und Stahlzentrum des Staates. George w�nschte, da� Hazard eine bedeutsame Rolle bei dieser Expansion spielte, und rechnete damit, diese Reise h�ufig unternehmen zu m�ssen. Er arbeitete hart und hatte deshalb seiner Meinung nach eine bequeme Fahrt verdient.</p><p>Der Zug hatte fast eine Stunde Versp�tung. G�hnend lehnte George die Stirn gegen das Fenster und beobachtete die Regentropfen auf der anderen Seite. Wenn nur der Lokomotivf�hrer etwas schneller fahren w�rde. Er war nun vier N�chte von zu Hause fort gewesen. Er kannte M�nner, die ihre Frauen f�r Wochen verlassen und die Zeit genie�en konnten. Er konnte das nicht. Er stellte sich Constance in ihrem warmen Bett in Belvedere vor. Bald w�rde er auch dort sein, er w�rde sich an sie schmiegen und sie im Schlaf festhalten.</p><p>Constance h�rte ein merkw�rdiges Ger�usch.</p><p>Sie legte ihre Haarb�rste beiseite, erhob sich und ging zu dem Fenster neben dem mit einem Baldachin versehenen Doppelbett. Sie wunderte sich �ber das Ger�usch, denn beide Kinder waren in der Schule, und ansonsten befand sich bis auf die Dienstboten in einem entfernten Fl�gel niemand im Haus.</p><p>Stirnrunzelnd stie� sie das Fenster ein St�ckchen auf. Blitze zuckten hinter den lorbeerbewachsenen Bergen auf. Die Hazard-Hoch�fen f�rbten den dunstigen Nachthimmel rot. Regen fegte herein, n��te ihr Gesicht und ihr gepudertes Dekollet�. Sie hatte das chinesische Seidennachthemd gew�hlt, weil George heute heimkam. Er war sp�t dran.</p><p>Sie starrte in den Sturm hinaus, versuchte sich an das Ger�usch zu erinnern. Es war schwierig. Sie nahm an, der Wind hatte irgend etwas gegen das Fenster geschleudert. Es befand sich zwar zweieinhalb Stockwerke �ber dem Rasen, aber es war ein heftiger Sturm.</p><p>Constance war m�de, aber zufrieden. Sie hatte den Abend in der K�che verbracht und geholfen, Kuchen f�r die Feiertage zu backen. �berall in Belvedere hingen die angenehmen D�fte, die an Weihnachten erinnerten. Sie freute sich auf die W�rme und die Festlichkeit der Weihnachtstage - die Kinder waren von der Schule zur�ck, die Familie war vereint.</p><p>Ein ferner Pfiff �bert�nte den Regen. Sie l�chelte. Das war sein Zug. Sie schlo� das Fenster, ohne es zu verriegeln, wie es ihre Gewohnheit war. Sie setzte sich wieder und fuhr sich weitere zwanzigmal mit der B�rste durch ihr gl�nzendes rotes Haar; dann betrachtete sie sich in typisch weiblicher Manier im Spiegel.</p><p>Nicht unattraktiv f�r ihr Alter, dachte Constance. Aber eindeutig �bergewichtig, mindestens drei�ig Pfund. An den meisten Tagen a� sie nur sehr m��ig, befl�gelt von dem Spiegelbild des vorangegangenen Abends. Und trotzdem nahm sie zu. Wer h�tte gedacht, da� ein gl�ckliches Leben derartige K�mpfe enthalten k�nnte?</p><p>Sie l�chelte schl�frig und streckte sich. In einer halben Stunde sollte George ebenfalls im Bett sein. Beim Gedanken an ihn richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf ein kleines Samtk�stchen zwischen ihren Kosmetiksachen. Er war so ein lieber, gro�z�giger Mann. Auch ohne besonderen Anla� machte er ihr gern Geschenke. In dem Samtk�stchen lag sein letztes Geschenk - Ohrringe.</p><p>Sie nahm sie heraus und hielt sie neben ihre Ohrl�ppchen. Sie dachte daran, wie sehr sie ihren Mann liebte, wie sch�n ihr Leben nun nach vier Jahren Krieg und Trennung war.</p><p>Sie schaute in den Spiegel und merkte nicht, wie sich das Fenster langsam �ffnete.</p><p>Der vollen Gewalt des Sturmes ausgesetzt, hing eine verkr�mmte Gestalt am Dach �ber dem Fenster, als Constance es beunruhigt �ffnete. Nachdem sie es wieder geschlossen hatte, blieb die Gestalt still wie ein Wasserspeier an einer Kathedrale h�ngen.</p><p>Unten, zwischen den verschwommenen Lichtern der Stadt am Fu�e des Berges, pfiff ein in den Bahnhof einfahrender Zug. Der Mann auf dem Dach achtete nicht darauf, war v�llig mit den kommenden Ereignissen besch�ftigt. Heute abend sollte sein jahrelanges Warten belohnt werden, all die Monate des Herumziehens und Planens sollten ihren H�hepunkt finden. Tagelang hatte er sich in der Stadt herumgetrieben und Fragen gestellt, hatte dann wieder gewartet, bis die Natur ihm zur Tarnung dieses Gewitter geschickt hatte. Heute abend w�rden die Schuldigen daf�r bezahlen, da� sie ihn gedem�tigt und verletzt hatten.</p><p>Die Kletterei zu dem Dachfenster hoch �ber schl�pfrige Dachrinnen, Ornamente und Fenstersimse hatte eine halbe Stunde in Anspruch genommen. Die glitschige N�sse hatte alles noch schwieriger gemacht, ebenso wie seine Erinnerungen an den Sturz in den James River, die f�rchterlichen Schmerzen, die seinen K�rper durchbohrt hatten, als er von Felsen zu Felsen gest�rzt war. Er war sehr stolz auf sich, da� er diese Erinnerungen �berwunden und die Kletterei erfolgreich hinter sich gebracht hatte.</p><p>Einige Augenblicke wartete er noch, dann griff er vom Dach aus zum Fenster. Er quetschte seine schmierigen Finger in den schmalen Spalt zwischen Rahmen und oberem Fensterrand. Ein Windsto� ri� ihm den gestohlenen Zylinder vom Kopf. Er schnappte danach, wobei sein rechter Fu� ausrutschte und �ber das Dach scharrte. Der Zylinder segelte davon. Er fluchte lautlos, mit zusammengebissenen Z�hnen. Das Ger�usch eines solchen Ausrutschers hatte vorhin Hazards Frau ans Fenster gebracht.</p><p>Verkrampft hing er da und wartete. Nichts geschah. Anscheinend hatte sie das zweite Scharren nicht geh�rt. Langsam kroch er neben dem Dachfenster herab und schob es mit gro�er Vorsicht auf.</p><p>Er sp�hte durch den schmalen Spalt und sah einen h�bsch m�blierten, von Gaslicht erhellten Raum vor sich. Hinter einem Baldachinbett sa� eine Frau vor einem Frisiertisch und hielt sich Ohrringe an die Ohren.</p><p>Er stie� das Fenster ganz auf, streckte ein verkr�ppeltes Bein �ber den Sims und sprang in das Zimmer.</p><p>Weichensteller mit Laternen koppelten den Privatwaggon ab. �ber den verschwommenen Lichtern der Stadt sah George oben auf der terrassenf�rmigen Anh�he die hell erleuchteten Fenster von Belvedere. Links von ihm schimmerte der Himmel rot; die Nachtschichten von Hazard liefen.</p><p>W�hrend er sich bereit machte, den Wagen zu verlassen, geno� er einen der seltenen Momente der Ruhe. In Pittsburgh hatten er und Jupe Smith Verhandlungen �ber den Ankauf der McNeely-Gie�erei gef�hrt. McNeely, ein gro�er Eisenfabrikant in Pennsylvania, war im Sp�tsommer gestorben, und George hatte die Gie�erei von den Erben zu kaufen versucht. Sie war f�r die Einf�hrung des neuen Bessemer-Verfahrens ideal geeignet.</p><p>Die Reise war erfolgreich gewesen. Er hatte McNeely in der Tasche, und hier in Lehigh Station wurde bei Hazard Tag und Nacht gearbeitet; die Produktion umfa�te alles von Eisenbahnschienen �ber Schmiedeeisen bis zu den Eisenrahmen f�r Fen-way, eine aufstrebende Pianofabrik in Chicago. George hatte ein gutes Gef�hl bei all dem, und nun sinnierte er �ber die momentane Stimmung im Norden. Der Norden erfreute sich eines Wachstums und eines Wohlstands, wie es sie bis jetzt noch nicht gegeben hatte. Aus der Asche war der industrielle Ph�nix triumphierend aufgestiegen.</p><p>Den Politikern hatten sie das nicht zu verdanken. George dankte Gott, da� er noch vor Kriegsende Washington verlassen hatte. Die jetzigen �blen Intrigen dort h�tte er nicht ertragen k�nnen. Bei einigen Gespr�chen, die er in Pittsburgh gef�hrt hatte, war deutlich geworden, da� viele B�rger den politischen Krieg allm�hlich satt hatten. Sie hatten Johnsons Tiraden �ber Verfassungsprinzipien ebenso satt wie die Man�ver der Radikalen, ihn unter Anklage zu stellen; leider hatten sie mittlerweile auch die Diskussionen �ber die Rechte der Neger satt.</p><p>Ungl�cklicherweise lie�en sich die Radikalen von all dem genausowenig beirren wie von den Wahlniederlagen in etlichen Staaten. Stanleys Kumpel und G�nner, Wade, war bereits zum Senatspr�sidenten ernannt worden. Wenn Johnson aus dem Amt entfernt werden konnte, dann bestanden gute Aussichten, da� der Kongre� ihn zum Pr�sidenten der Vereinigten Staaten machte.</p><p>Virgilias Freund Thad Stevens wollte Johnson aus dem Weg haben. Manche behaupteten, nichts anderes hielte den alten Radikalen noch am Leben. Stevens und seine Clique wollten Johnson wegen &gt;monstr�ser Machtanma�ung&lt; vor Gericht sehen; da� ihr erster diesbez�glicher Versuch vom Kongre� abgeschmettert worden war, bedeutete noch lange nicht, da� sie aufgaben. Mein Gott, wie b�sartig manche M�nner unter dogmatischem Einflu� doch wurden.</p><p>�Endlich�, st�hnte Jupe Smith und griff nach Reisetasche und Schirm. Es waren nur ein paar Meter vom Bahnsteig zu der wartenden Lehigh-Station-Droschke.</p><p>�Tut mir leid, da� wir uns versp�tet haben, Bud�, sagte George und sch�ttelte beim Einsteigen Wasser von seinem Hut. �Ein umgest�rzter Baum hat die Schienen f�r eine Stunde blockiert. Danke f�rs Warten.�</p><p>�Gern geschehen�, sagte Bud durch den Dachschlitz. ��brigens, Mr. Hazard, in den letzten Tagen hat sich ein Mann in der Stadt nach Ihnen erkundigt.�</p><p>George r�ckte zur Seite, um dem grummelnden Anwalt Platz zu machen. �Wer?�</p><p>�Hat seinen Namen nicht gesagt. Ziemlich komischer Vogel. Schaut aus, als w�re er im Krieg verkr�ppelt worden. Leon vom Station House Hotel hat ihm gesagt, Sie seien f�r eine Weile weg. Ich sch�tze, er ist blo� irgendein Kerl, der Ihnen was verkaufen will.�</p><p>�Davon gibt's wei� Gott genug.�</p><p>�Wenn dieses faszinierende Gespr�ch vorbei ist�, sagte Jupe, �w�rde ich gern zu Bett gehen. Ich bin ein alter Mann.�</p><p>�Da bist du nicht der einzige.� Georges Knochen schmerzten. War bei ihm eine Grippe im Anzug? Er gab Bud ein Zeichen, und die Droschke schwankte durch die fast leeren Stra�en.</p><p>Eben noch war der Spiegel leer gewesen, dann f�llte sein Bild ihn aus. Sie stie� sich vom Frisiertisch ab. Sie war so entsetzt, da� sie gar nicht bemerkte, wie ihr der Ohrring aus der linken Hand fiel. Die andere goldgefa�te Perlentr�ne baumelte an ihrem rechten Ohrl�ppchen.</p><p>Er sprang auf sie zu, pre�te ihr die linke Hand auf den Mund und stie� ihr sein rechtes Knie in den R�cken. �Sei still. Ein Wort, und ich bringe dich um.� Er bohrte sein Knie tiefer in ihren R�cken, um seine Worte zu unterstreichen. Es tat weh.</p><p>Panik legte ihren Verstand lahm. Ihr Blick irrte �ber das Bild im Spiegel, w�hrend sie sich bem�hte, etwas Sinn in das Ganze zu bringen. Wer war dieser stoppelb�rtige, fettb�uchige Unhold in der regennassen Kleidung? Seine Augen waren dunkel und verst�rt. Die N�gel seiner Hand auf ihrem Mund waren schwarz; er roch nach Dreck und Schwei�.</p><p>�Wei�t nicht, wer ich bin, was? Ich bin ein alter Freund.� Er kicherte. Speichel tropfte von seiner Unterlippe und hinterlie� einen dunklen Fleck auf ihrem Nachthemd. �Ein alter, alter Freund deines Mannes. Er und dieser kleine Speichellecker, sein Kumpel Main, die nannten mich unten in Mexiko Metzger. Metzger Bent.�</p><p>Unter seiner Hand schrie Constance auf - oder versuchte es zumindest. Sie kannte den Namen. George hielt Elkanah Bent f�r tot. Doch hier stand er und schob kichernd seine rechte Hand in seinen schmutzigen Mantel, an dem s�mtliche Kn�pfe fehlten. Er zog etwas ans Licht.</p><p>�Metzger bringen K�he um. Du bist besser sehr vorsichtig.�</p><p>Er klappte das Rasiermesser auf. Es funkelte im Gaslicht. Constance glaubte, ohnm�chtig zu werden. Nein, das durfte sie nicht. Ihr Geist schrie: <emphasis>George! Kinder!</emphasis></p><p>Nein. Sie waren nicht hier. Sie konnten ihr nicht helfen.</p><p>Qualvoll, aufreizend langsam lie� Bent das Rasiermesser an ihren Augen vorbei zu ihrer Kehle gleiten. Pl�tzlich ri� er das Messer nach oben.</p><p>Ein weiterer unterdr�ckter Schrei. Erst dann merkte Constance, da� er das Rasiermesser im letzten Moment gedreht hatte. Es war die stumpfe Seite, die sich gegen ihren Hals pre�te.</p><p>�Jetzt werde ich dir ein paar Fragen stellen, du bl�de Kuh. Wenn du schreist, bist du erledigt. Kapierst du, da� du still sein sollst? Wenn ja, dann zwinkere mit den Augen.�</p><p>Ihre Augen starrten sie riesengro� aus dem Spiegel an. Sie zwinkerte gleich viermal. Das Gaslicht blitzte auf dem Rasiermesser auf, als er es langsam wegnahm, gefolgt von seiner stinkenden Hand.</p><p>Constance w�re beinahe zusammengebrochen. �Bitte, oh Gott, bitte, tun Sie mir nichts.�</p><p>�Sag mir, was ich wissen will, und ich werde dir nichts tun.� Er trat zur�ck, machte jetzt einen fast freundlichen Eindruck. �Ich versprech's.�</p><p>Sie sch�mte sich ihrer Furcht, konnte sie aber nicht �berwinden. �Kann ich - kann ich Ihnen trauen?�</p><p>Er kicherte. �Was bleibt dir anderes �brig? Aber doch, ja, du kannst. Ich will nur einige Informationen. �ber die Leute, die mich ruiniert haben. �ber ihre Familien. Fangen wir mit dem Busenfreund deines Mannes an, Orry Main. Ist er wirklich bei Petersburg gestorben?�</p><p>�Ja.� Constance hielt ihre H�nde zwischen den Knien; ihre N�gel gruben sich in ihre Handfl�chen. �Ja, er ist tot.�</p><p>�Er hat eine Frau.�</p><p>Durfte sie Madeline oder irgendeine andere Person in Gefahr bringen? Sie starrte ihn mit offenem Mund an. Bent ri� an ihrem Haar. �Wir haben eine Abmachung. Keine Antworten�, er fuchtelte mit dem Rasiermesser dicht vor ihren Augen herum, �und alles ist vorbei.�</p><p>�Schon gut, schon gut.�</p><p>Er zog das Rasiermesser zur�ck. �Gef�llt mir schon besser. Ich m�chte einer unschuldigen Frau wirklich nichts antun m�ssen. Erz�hl mir von Mains Witwe. Wo ist sie?�</p><p>�Plantage Mont Royal. In der N�he von Charleston.�</p><p>Er grunzte. �Und dein eigener Mann?�</p><p>In diesem Moment auf dem Weg nach Belvedere, dachte Constance. Sie mu�te Bent in ein Gespr�ch verwickeln, ihn aufhal-ten, bis George kam. Der Zug war da; es konnte nicht mehr lange dauern. Oh Gott, und wenn er den Zug verpa�t hatte? Lieber Gott, wenn er ...?</p><p>�Meine Geduld ist nicht unersch�pflich.� Die linke Schulter des Mannes hing tiefer als seine rechte, was ihn irgendwie verletzlich wirken lie�. Merkw�rdig, da� sie im Gegensatz dazu nie eine schreckenerregendere Gestalt gesehen hatte.</p><p>�George�, sie fuhr sich mit der Zunge �ber die trockenen Lippen, �George ist gesch�ftlich in Pittsburgh.�</p><p>�Du hast Kinder.�</p><p>Neues, kaltes Entsetzen. Daran hatte sie nicht gedacht.</p><p>�Kinder�, schnarrte er.</p><p>�In der Schule. Beide.�</p><p>�Ich glaube, dein Mann hat einen Bruder.�</p><p>Welchen meinte er? Sie nannte besser den Namen des am weitesten Entfernten. �In Kalifornien. Mit seiner Frau und seinem Sohn.�</p><p>Es funktionierte. Der Mann reagierte entt�uscht. Nach weiteren Einzelheiten erkundigte er sich nicht. �Und da gab es noch einen Verwandten von Orry Main. Ein Soldat, dem ich in Texas begegnet bin. Sein Name war Charles. Wo steckt er?�</p><p>�Soviel ich wei�, wieder in der Armee, dr�ben in Kansas.� Sie war so ver�ngstigt, so verzweifelt bem�ht, ihm gef�llig zu sein und ihr Leben zu retten, da� sie jegliche Vorsicht verga�. �Er ist nach dem Krieg dort hingezogen, mit seinem kleinen Sohn.�</p><p>Pl�tzlich l�chelte der Mann. �Oh, er hat auch ein Kind. In welcher Truppe dient Charles?�</p><p>�In der US-Kavallerie. Ich wei� nicht genau, wo.�</p><p>�Kansas wird schon reichen. So viele Kinder. An Kinder hatte ich gar nicht gedacht. Sehr interessant.�</p><p>Constance stand wieder im Begriff, in unkontrolliertes Zittern auszubrechen. Dann trat zu ihrer Verbl�ffung der dreckige, regendurchn��te Mann zur�ck. �Danke. Ich glaube, du hast mir alles erz�hlt, was ich wissen mu�. Du warst mir eine gro�e Hilfe.�</p><p>Der Hysterie nahe, sackte sie in sich zusammen. �Ich danke Ihnen. Oh Gott, ich danke Ihnen.�</p><p>�Du kannst ruhig aufstehen, wenn du magst.�</p><p>�Danke, ich danke Ihnen vielmals.� Sie stemmte sich mit beiden Handfl�chen von ihrem Sitz hoch und schwankte auf die F��e; Tr�nen der Erleichterung, da� er ihr Leben schonen w�rde, str�mten aus ihren Augen. Er l�chelte und trat einen Schritt auf sie zu.</p><p>�Vorsichtig. Du schwankst ja.� Seine freie Hand griff nach ihrem Ellbogen. Fauliger Atem drang aus seinem Mund. Von einem Moment zum anderen verzerrte ein breites L�cheln sein Gesicht, seine Augen wurden gro� und gl�nzend.</p><p>�H�ndin.� Ein k�hler, silberner, federleichter Schnitt durchtrennte ihr die Kehle.</p><p>Er stand �ber sie gebeugt, beobachtete das str�mende Blut und umklammerte die riesige Erektion zwischen seinen Beinen. Er warf das Rasiermesser zu Boden, entdeckte dann den tr�nenf�rmigen Ohrring, den sie hatte fallen lassen, hob ihn auf, tauchte ihn in ihr Blut und l�chelte �ber das Rot in dem Gold. In weniger als einer Minute beendete er sein Werk und verlie� das Zimmer auf dem gleichen Weg, auf dem er gekommen war.</p><p>George sperrte die Haust�r auf. Die Droschke ratterte den H�gel hinab.</p><p>Summend stieg er, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die gro�e Treppe hinauf. Die freudige Erwartung lie� ihn lauter summen, als er durch den oberen Flur eilte. Der Regen h�mmerte schwer gegen das Haus. Er �ffnete die Schlafzimmert�r, sagte im Eintreten: �Constance, ich ...�</p><p>Der unglaubliche Anblick brachte ihn zum Schweigen. Er lie� seine Reisetasche fallen und rannte auf sie zu. Er griff nach ihr, um sie aufzuheben, �berzeugt davon, da� sie lediglich bewu�tlos war. Die Bedeutung des Blutes, das den Teppich durchtr�nkt hatte, die Bedeutung der gro�en Halswunde drang nicht bis in sein Bewu�tsein.</p><p>Er sah das offene Mansardenfenster, durch das der Regen hereintropfte und den Teppich durchweichte. Er sah einen der tr�nenf�rmigen Ohrringe, die er ihr geschenkt hatte, aber nicht den anderen.</p><p>Der Spiegel lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Er ging auf ihn zu; der Gestank des nassen Wollteppichs w�rgte ihn tief im Hals. Vier Buchstaben waren mit Blut auf den Spiegel geschrieben.</p><p>BENT</p><p>Er blickte vom Spiegel zum offenen Fenster und dann zu seiner regungslosen Frau. Der unterste Teil des T im Spiegel wuchs, schwoll an, Blut sammelte sich zu einem dicken Tropfen, der schlie�lich platzte. Das Blut sickerte tiefer, zog das T immer mehr in die L�nge.</p><p>�Ich dachte, er sei tot�, sagte George; er merkte nicht, da� er schrie.</p></section></section><section><title><p id="bookmark51">Viertes Buch</p><p id="bookmark52"><strong>Das Jahr der Heuschrecke</strong></p></title><section><p><emphasis>Intelligenz, Tugend und Patriotismus m�ssen bei allen Wahlen der Ignoranz, der Dummheit und der Bosheit weichen. Die �berlegene Rasse wird der minderwertigen Rasse Untertan gemacht</emphasis> ... <emphasis>Jene, die �ber keinen eigenen Besitz verf�gen, d�rfen Steuern erheben und Gelder bewilligen</emphasis> ... <emphasis>Gelder zur Unterst�tzung freier Schulen f�r die Ausbildung von Negerkindern, zur Unterst�tzung alter Neger in Armenh�usern und zur Unterst�tzung der Verbrecher in den Gef�ngnissen ..., all das wird zusammen mit einer st�ndigen Armee von Negersoldaten absolut zerst�rend sein und uns in den Ruin treiben ... Die wei�en Menschen unseres Staates werden das niemals stillschweigend dulden.</emphasis></p><p>Ein an den Kongre� gerichteter Protest von South Carolina, 1868</p><empty-line/><p><emphasis>Alles l�uft gut. Die Verfassung wird verteidigt und der Erzrenegat noch vor Ende der Woche aus dem Wei�en Haus getrieben.</emphasis></p><p>Telegramm an den republikanischen Konvent in New Hampshire, 1868</p></section><section><title><p id="bookmark53"><strong>39</strong></p></title><p>In dieser Nacht ging der Regen in Graupeln �ber. Am Morgen fielen die Temperaturen in den Keller. Eisige K�lte senkte sich �ber das Tal. Die Sonne versteckte sich hinter grauen, trostlosen Wolken.</p><p>Jupiter Smith k�mmerte sich um das Begr�bnis. George war dazu nicht in der Lage. Selbst in den schlimmsten Zeiten des Krieges hatte er etwas Derartiges nie durchgemacht. Er hatte keinen Appetit. Wenn er einen Happen zu sich nahm, dann kam er ihm gleich wieder hoch. Er litt unter st�ndigem Durchfall, die Art von Durchfall, an dem so viele M�nner in den Kriegslagern auf beiden Seiten gestorben waren.</p><p>Er schwankte zwischen dem Unglauben, da� Constance nicht mehr war, und Ausbr�chen von Kummer, die so lautstark wurden, da� er sich in einem Schlafzimmer einschlie�en mu�te -nicht in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer; das konnte er nicht mehr betreten -, bis die heftigen Emotionen sich selbst aufgezehrt hatten.</p><p>Lehigh Station bereitete sich auf das Weihnachtsfest vor, allerdings aufgrund des f�rchterlichen Ereignisses in dem Herrenhaus oben auf dem Berg mit weniger Freude und Ausgelassenheit als sonst. F�r George war die allgemeine Fr�mmigkeit dieser Jahreszeit nichts weiter als ein widerw�rtiger Scherz.</p><p>Der Weihnachtstag war d�ster und dunstig und in Belvedere freudlos. Patricia spielte einen Choral auf dem gro�en, gl�nzenden Steinway-Fl�gel. William, gesund und voller Energie nach einer ganzen Rudersaison in Yale, stand neben ihr und sang mit bem�hter Baritonstimme eine Strophe von &gt;God Rest Ye Merry, Gentleman&lt;. Er h�rte auf zu singen, als sich sein Vater von dem Stuhl erhob, auf dem er schweigend gesessen hatte, und den Raum verlie�.</p><p>Jupe Smith besuchte sie am sp�ten Nachmittag. Er teilte George mit, da� telegraphische Botschaften an alle Freunde und Verwandten geschickt worden waren. Er erw�hnte Patrick Flynn, Constances mittlerweile bejahrten Vater. �F�r ihn hab' ich als Todesursache Herzanfall angegeben. Ich sah keinen Sinn darin, dem alten Mann zu sagen, da� seine Tochter, �h .�</p><p>�Geschlachtet wurde?�</p><p>Jupe starrte den Boden an. George winkte ab und ging mit teilnahmsloser Miene zu der Kommode. Er w�hlte zwischen den Glaskaraffen herum, warf eine um. Er versuchte sich mit Bourbon zu betrinken. Den ganzen Nachmittag �ber hatte sein Magen das zur�ckgewiesen.</p><p>Er stellte die Karaffe wieder auf, kippte dabei Bourbon auf den gl�nzenden Fu�boden. �Wohin hast du die Nachricht f�r Charles Main geschickt?�</p><p>�An General Duncan in Fort Leavenworth.�</p><p>�Und was ist mit Billy? Virgilia? Madeline?�</p><p>�Ja. Ich habe jeden einzelnen von ihnen gewarnt, genau wie du es mir aufgetragen hast, George. Ich habe ihnen gesagt, da� jeder Angeh�rige der beiden Familien als Zielscheibe f�r Bent in Frage kommt, obwohl ich nicht wei�, ob das wahrscheinlich ist.�</p><p>�Wahrscheinlich oder nicht, es ist jedenfalls m�glich. Was ist mit dem Ohrring?�</p><p>�Ich habe ihn allen genau beschrieben. Eine Perle, mit einem wie eine Tr�ne geformten Goldkl�mpchen. Ich verstehe allerdings nicht ganz, warum ...�</p><p>�Ich will, da� sie �ber alles Bescheid wissen. Bents Erscheinung, soweit ich mich daran erinnere - alles.�</p><p>�Nun, ich habe mich um alles gek�mmert.�</p><p>George schenkte sich einen Drink ein. Sein Hemd stank, seine Rede war voller langer Pausen und unbeendeter Gedanken, und in seinen f�r gew�hnlich ruhigen dunklen Augen lag ein wildes Glitzern. Jupe entschlo� sich zu gehen.</p><p>�Er ist krank, Mr. Smith�, fl�sterte Patricia, als sie den Anwalt zur T�r brachte. �So merkw�rdig habe ich ihn noch nie erlebt.�</p><p>Bis zur Beerdigung, die zwei Tage vor Neujahr stattfand, hatte sich George wieder leicht erholt.</p><p>Madeline war den weiten Weg von South Carolina gekommen. Sie wirkte befangen und seltsam scheu. Sie war jetzt zweiundvierzig; ihr Haar hatte viele graue Str�hnen, die zu f�rben sie sich weigerte. Ihr Mantel und ihr Trauerkleid aus schwarzer Seide waren alt und sch�big. George hatte sie mit erzwungener Herzlichkeit begr��t und f�r einen Moment seine feuchte Wange gegen die ihre gedr�ckt. Sie glaubte nicht, da� er ihre �rmliche Erscheinung bemerkte. Daf�r war sie dankbar.</p><p>Virgilia kam aus Washington. Sie war h�bsch, aber nicht teuer gekleidet. In ihrer Gegenwart f�hlte sich George klein und schwach, wie der j�ngere Bruder, obwohl nur ein Jahr zwischen ihnen lag. Das neue Leben, das sie nun f�hrte, hatte viel von Virgilias altem Zorn ausgebrannt. Sie konnte George mit echtem Gef�hl umarmen und ihm ihr aufrichtiges Beileid ausdr�cken. Diese Wandlung verwirrte einige Einwohner der Stadt, die sich noch gut an die radikale Hexe fr�herer Jahre erinnerten.</p><p>Zur Totenmesse in St. Margaret's-in-the-Vale wurde die Familie von ungef�hr dreihundert M�nnern und Frauen aus der Stadt und von den Hazard-Werken begleitet, dann fuhren oder gingen sie in der Eisesk�lte zu dem Friedhof auf dem H�gel. Vater Toone, Constances Priester, sprach seine lateinische Litanei neben dem offenen Grab und machte dann das Zeichen des Kreuzes. Totengr�ber begannen, den silberverzierten Sarg abzusenken. Auf der anderen Seite schauten Stanley und Isabel mit unbehaglichem Gesichtsausdruck �berall hin, nur nicht zu dem trauernden Ehemann. Gl�cklicherweise hatten sie ihre abscheulichen Zwillinge nicht mitgebracht. Stanley war eindeutig betrunken, obwohl es gerade erst zwei Uhr nachmittags war.</p><p>Eine behandschuhte Hand ber�hrte von hinten Georges Arm. Ohne hinzusehen, griff er nach der Hand. Virgilia dr�ckte die Finger ihres Bruders. Die Menge begann sich aufzul�sen.</p><p>Der scharfe, kalte Wind peitschte den Saum von Vater Toones Kutte, als er sich George und den beiden weinenden Kindern n�herte. �Ich wei�, dies ist ein kummervoller Tag, George. Und doch m�ssen wir auf Gott vertrauen. Er bringt Sinn und Zweck in diese Welt und f�r alle seine Kreaturen, ganz gleich, wie sehr sich dieser Sinn hinter den Wolken des B�sen auch verbergen mag.�</p><p>George starrte den Priester an. Bleich und mit eingefallenen Wangen, hatte er eine starke �hnlichkeit mit Fotos des irrsinnigen Poe in den letzten Monaten seines Lebens, dachte Madeline. Mit steinernem Gesicht sagte er: �Entschuldigen Sie mich bitte, Vater.�</p><p>Die Hazards konnten sich der Verpflichtung nicht entziehen, die T�ren von Belvedere zu �ffnen und den Trauerg�sten Speis und Trank anzubieten. All die vielen Brote und Kuchen, die Schinken und saftigen Rindfleischst�cke, die normalerweise zu Weihnachten bereitet worden w�ren, wurden jetzt zum Leichenschmaus serviert. Der Alkohol lockerte die Zungen, und es dauerte nicht lange, bis Gruppen von G�sten zu l�rmen begannen; sogar vereinzeltes Gel�chter ert�nte.</p><p>George konnte es nicht ertragen. Er versteckte sich in der Bibliothek. Er hatte sich dort ungef�hr zwanzig Minuten aufgehalten, als die Schiebet�r zur�ckrollte und Virgilia und Madeline hereinkamen.</p><p>�Bist du in Ordnung?� fragte Virgilia und eilte auf ihn zu. Madeline schlo� die T�r und holte dann ihr schwarzes Taschentuch hervor. George sa� da, die Krawatte gel�st, und starrte die Frauen an.</p><p>�Ich wei� nicht, Jilly�, sagte er. Virgilia zuckte �berrascht zusammen; sie waren noch recht klein gewesen, als er das letzte-mal diesen kindischen Spitznamen gebraucht hatte. Pl�tzlich erhob er sich. �Was ihr zugesto�en ist, entzieht sich jeglicher Vernunft. Mein Gott, es ist der pure Wahnsinn.�</p><p>Virgilia seufzte. Sie wirkte sehr gesetzt und gepflegt im Gegensatz zu Madelines offensichtlicher Armut. Sie sagte: �Das gilt f�r die ganze Welt. Jeder Tag unseres Lebens, habe ich gelernt, besteht aus dummen Mi�geschicken und albernen Melodramen, aus Habgier und unn�tigem Leid. Wir vergessen es, wir maskieren es, wir versuchen es mit unseren K�nsten und Philosophien einzuordnen, oder wir bet�uben uns durch Ablenkungen - oder wir trinken wie der arme Stanley. Wir versuchen es durch unsere Religionen zu erkl�ren. Aber es ist immer da und uns sehr nahe, wie irgendeine arme, mi�gestaltete Bestie, die sich hinter einem hauchd�nnen Vorhang verbirgt. Gelegentlich wird der Vorhang heruntergerissen, und wir sind gezwungen, hinzusehen. Du wei�t das. Du bist im Krieg gewesen.�</p><p>�Zweimal. Ich dachte, ich h�tte meinen Teil zu sehen gekriegt.�</p><p>�Das Leben ist nicht so logisch, George. Manche sehen die Bestie nie. Manche sehen sie wieder und wieder, und es scheint �berhaupt kein Sinn darin zu liegen. Doch wenn wir hinschauen, dann geschieht etwas. Mir ist es mit Grady so gegangen, und ich habe Jahre gebraucht, um es zu begreifen. Die Kindheit geht zu Ende, das ist es, was geschieht. Eltern nennen das Erwachsenwerden, und sie gebrauchen diese Phrase viel zu beil�ufig. Erwachsenwerden hei�t, die Bestie anzuschauen und zu wissen, da� sie unsterblich ist und du nicht. Damit mu� man fertig werden.�</p><p>Mit gesenktem Kopf stand George vor dem Bibliothekstisch. Neben dem Meteoritenfragment und dem Lorbeerzweig lag ein schmutziger, alter Zylinder. Man hatte ihn auf dem Rasen unter dem Mansardenfenster gefunden, durch das Bent eingedrungen war. George schlug den Zylinder vom Tisch und fegte dabei auch versehentlich den Lorbeerzweig hinunter.</p><p>�Ich kann damit nicht fertig werden, Jilly. Ich kann es nicht.�</p><p>Madeline brach es das Herz. Sie wollte ihn in die Arme nehmen, ihn an sich ziehen und tr�sten. Die St�rke ihres Gef�hls f�r diesen Mann - den besten Freund ihres verstorbenen Gatten - �berraschte sie und machte sie ein bi�chen verlegen. Das Blut, das ihr in die Wangen scho�, verriet sie, aber die anderen bemerkten nichts davon. Schnell brachte sie sich wieder unter Kontrolle, indem sie sich abwandte und das Taschentuch gegen ihre Augen dr�ckte.</p><p>�Jilly�, er war nun ruhiger, �w�rdest du oder Madeline bitte Christopher Wotherspoon ausrichten, er m�ge zu mir kommen? Ich m�chte mit den Arrangements f�r meine Reise beginnen.�</p><p>Virgilia konnte es nicht glauben. �Heute nachmittag?�</p><p>�Warum nicht heute nachmittag? Du denkst doch nicht, da� ich da runter gehe und trinke und Witze rei�e, oder?�</p><p>�George, diese Leute sind deine Freunde. Sie benehmen sich absolut einwandfrei f�r einen Leichenschmaus.�</p><p>�Verdammt noch mal, halt mir keine Vortr�ge.� Die kurze Gemeinsamkeit, die mit dem Gebrauch des Namens Jilly begonnen hatte, war vor�ber. �Wotherspoon hatte eine Menge zu tun, um Hazard w�hrend meiner Abwesenheit zu leiten. Er und Jupe Smith m�ssen au�erdem mit dem Pittsburgh-Werk anfangen.�</p><p>�Ich wu�te nicht, da� du verreist�, sagte Madeline.</p><p>Ein teilnahmsloses Nicken. �Ich habe Gesch�fte in Washington. Danach - nun, ich bin mir noch nicht sicher. Vielleicht werde ich nach Europa gehen.�</p><p>�Was ist mit den Kindern?�</p><p>�Sie k�nnen das Schuljahr beenden und dann zu mir kommen.�</p><p>�Wohin?� fragte Virgilia.</p><p>�Wo immer ich dann bin.�</p><p>Madeline und Virgilia tauschten besorgte Blicke aus, w�hrend George den geknickten Lorbeerzweig aufhob. Ver�chtlich schleuderte er ihn in den kalten Kamin.</p><p>Sehr sp�t in dieser Nacht erwachte George. Er kam sich vor wie ein Kind, ver�ngstigt und zornig zugleich. �Warum hast du mir das angetan, Constance?� sagte er in die Dunkelheit hinein. �Warum hast du mich allein gelassen?�</p><p>Er schlug auf das Kissen, er schlug so lange, bis er zu weinen begann. Er f�hlte sich besch�mt und verloren. Er legte seinen Kopf auf das Kissen. Aus dem gest�rkten Stoff kroch ein Duft, ihr Duft, der Abdruck eines Menschen, der Bett und Kissen jahrelang mit ihm geteilt hatte. Sie war tot, aber sie lebte hier in vielen Dingen noch fort. Er wollte mit dem Weinen aufh�ren, aber er konnte es nicht. Er weinte, bis das erste graue Licht des Tages anbrach.</p><p>Alle Sheriffs und Stadtdetektive suchten nach Elkanah Bent. Als man ihn bis zum Neujahrstag immer noch nicht gefunden hatte, ging George davon aus, da� man ihn, wenn �berhaupt, so bald nicht finden w�rde.</p><p>Am zweiten Tag des neuen Jahres 1868 schaute George bei Jupe Smith vorbei und wies ihn an, den neuen Eisenbahnwagen zu verkaufen. Dann packte er einen Koffer und sagte der Dienerschaft und Patricia und William auf Wiedersehen. Die Kinder kamen sich hilflos und verloren vor. Konnte dieser kalte Mann mit den leeren Augen ihr Vater sein? William legte einen Arm um seine Schwester. Von einem Augenblick zum anderen f�hlte er sich um Jahre �lter.</p><p>George nahm wortlos den Mittagszug nach Philadelphia.</p><p>Im Kriegsministerium zeigte ein Captain namens Malcolm sein Mitgef�hl. Er erkundigte sich: �Und es gibt keine Spur von diesem Wahnsinnigen?�</p><p>�Keine. Er ist einfach verschwunden. Ich h�tte ihn erwischt, wenn dieser verdammte Zug keine Versp�tung gehabt h�tte.�</p><p>George hielt inne. Er versuchte, die Hand zu lockern, die die Lehne des Stuhls in Malcolms B�ro umklammerte. Langsam kehrte Farbe in Finger und Handgelenk zur�ck. Er w�nschte, er k�nnte dieses verfluchte Wenn aus seinem Geist verbannen. Es war unm�glich. Er w�nschte, er w�re Manns genug, das zu tun, wovon Virgilia gesprochen hatte: erwachsen werden, die Bestie anschauen. Er hatte sie angesehen, aber sie zerst�rte ihn.</p><p>Captain Malcolm erkannte, in welcher Verfassung sich sein Besucher befand, und schwieg. Malcolm selbst stand unter gro�em Stre�, so wie jeder andere Stabsoffizier auch, der das Pech hatte, in Washington stationiert zu sein. Nachdem Johnson Kriegsminister Stanton letzten August suspendiert hatte, befand sich das ganze Ministerium in Aufruhr. Da eine Suspension w�hrend einer Amtszeit ausdr�cklich untersagt war, leugnete Mr. Stanton, sowohl ein Radikaler als auch ein cleverer Anwalt, die G�ltigkeit der Amtsenthebung. Nichtsdestoweniger diente Grant mehr oder weniger widerstrebend als Interimsminister.</p><p>George sagte: �Ich habe die Pinkerton-Agentur beauftragt. Ich m�chte ihnen alle verf�gbaren Informationen zukommen lassen.�</p><p>�Ich lasse gerade von einem Mann die Personalakten des Generaladjutanten durchsehen. Ich werde mal schauen, wie weit er ist.�</p><p>Malcolm blieb zwanzig Minuten verschwunden. Dann kehrte er mit einer schmalen Akte zur�ck, die er auf seinen ohnehin schon �berh�uften Schreibtisch legte. �Ich f�rchte, viel haben wir nicht. Bent wurde der Feigheit beschuldigt, als er bei Shiloh vor�bergehend eine andere Einheit als seine eigene befehligte. In der Angelegenheit fehlte es an den letzten Beweisen, doch General Sherman veranla�te trotzdem eine Eintragung in seine Akte und versetzte ihn zur Strafe nach New Orleans. Dort blieb er bis zum Ende von General Butlers Dienstzeit.�</p><p>�Sonst nichts?�</p><p>Malcolm bl�tterte weiter. �Er hat einen Zwischenfall in einem Bordell verursacht, das einer Madam Conti geh�rte. Er wurde gefa�t, als er ein Gem�lde stahl, das sich in ihrem Besitz befand. Bevor Bent erneut angeklagt werden konnte, desertierte er. Ein Jahr sp�ter ist noch eine letzte Eintragung. Ein Mann, auf den Bents Beschreibung pa�t, arbeitete kurz f�r Colonel Bakers Detektiveinheit.�</p><p>George kannte die Arbeit von Colonel Lafayette Baker. Er erinnerte sich daran, da� Zeitungsredakteure ins Old-Capitol-Ge-f�ngnis geworfen worden waren, weil sie sich kritisch �ber den Krieg oder �ber Lincoln und sein Kabinett ge�u�ert hatten. �Sie meinen die von Mr. Stanton besch�ftigte Geheimpolizei?�</p><p>Malcolms Herzlichkeit verschwand. �Mr. Stanton? Dar�ber besitze ich keine Informationen, Sir. Zu dieser Behauptung kann ich nichts sagen.�</p><p>George hatte gen�gend B�rokraten erlebt, um den Selbstschutz hinter diesen Worten zu erkennen. Bitter sagte er: �Nat�rlich. Ist das alles?�</p><p>�So gut wie alles. Bent wurde zuletzt in Port Tobacco gesehen, wo er vermutlich seinen illegalen �bertritt in die Konf�deration vorbereitete. Dann verliert sich die Spur.�</p><p>�Ich danke Ihnen, Captain. Ich werde die Informationen an Pinkerton weitergeben.� Er f�gte eine h�fliche L�ge hinzu: �Sie waren mir eine gro�e Hilfe.�</p><p>Er sch�ttelte Malcolm die Hand und ging. Er sp�rte, wie es in seinen Eingeweiden w�hlte, und erreichte gerade noch das Willard-Hotel, bevor ihn die Magenbeschwerden mit voller Wucht �berfielen.</p><p>Virgilia schickte ihm einen Arzt. Der Mann verschrieb ihm ein Opiumpr�parat, das seinen Magen kr�ftigte, ihn aber nicht vor den pl�tzlichen Weinkr�mpfen bewahren konnte, die ihn in h�chst ungelegenen Momenten �berkamen. Er hatte einen derartigen Anfall, als er Virgilia zu einem Abschiedsessen in den Speisesaal des Willard f�hrte.</p><p>Mit ungeheurer Willensanstrengung bekam er sich wieder unter Kontrolle. Seine Schwester versuchte, ihn w�hrend der Mahlzeit abzulenken, indem sie ihm von ihrer Arbeit in Scipio Browns Heim f�r schwarze Waisenkinder erz�hlte. George h�rte kaum etwas davon und schlie�lich gar nichts mehr, als er die H�nde vors Gesicht schlug und erneut in Tr�nen ausbrach. Er sch�mte sich zu Tode, aber er konnte nicht dagegen ank�mpfen.</p><p>In seiner Suite dr�ckte ihn Virgilia fest an sich, bevor sie sich trennten. Ihre Arme f�hlten sich stark an, w�hrend er sich schwach, krank und wertlos vorkam. Sanft k��te sie ihn auf die Wange. �La� uns wissen, wo du bist, George. Und pa� bitte auf dich auf.�</p><p>Er hielt ihr die T�r auf; in dem schwachen Licht war sein Gesicht sehr bla�.</p><p>�Wozu?� sagte er.</p><p>Ohne Antwort ging sie davon.</p><p>In New York buchte er auf der &gt;Grand Turk&lt; eine Kabine erster Klasse nach Southampton. In London kannte er einen Makler, der �ber gute Kontakte in Europa und ganz besonders in der Schweiz verf�gte. Der Makler empfahl ihm Lausanne am Nordufer des Genfer Sees; er meinte, dort h�tten schon viele gesundheitlich angeschlagene amerikanische Million�re Genesung gefunden. George hatte ihm gegen�ber angedeutet, da� er einen ruhigen Zufluchtsort ben�tigte.</p><p>Im Zwielicht eines kalten, feuchten Januartages stand er an der Reling, zusammen mit anderen Passagieren der ersten Klasse, die winkten, plauderten, feierten. Ein Steward reichte ihm ein Glas Champagner. Er murmelte etwas, trank aber nicht. Abgrundtiefe Verzweiflung hielt ihn immer noch im Griff. Er hatte zwanzig Pfund verloren, was bei seiner Gr��e sehr viel war und ihn furchtbar abgezehrt aussehen lie�.</p><p>Schrill pfeifend und eine Rauchwolke hinter sich herziehend, verlie� der gro�e Dampfer das Dock und schob sich den Hudson hinunter, vorbei an den Jersey-Piers mit all ihren Schuppen. George ging zum Heck, den Pelzkragen seines Mantels gegen die K�lte hochgest�lpt. Mit erloschenen Augen sah er zu, wie Amerika hinter ihm versank. Er rechnete damit, es nie wiederzusehen.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Januar 1868. Zur�ck von Lehigh Station. Eine traurige Reise. George ist nicht mehr er selbst. Virgilia, nach langer Entfremdung mit der Familie wieder vereinigt - sie ist jetzt viel sanfter geworden -, sagte mir im vertraulichen Gespr�ch, da� sie um Georges geistige Stabilit�t f�rchte. G.s Anwalt Smith warnte uns, da� der M�rder Bent gegen jeden von uns losschlagen k�nnte. Es ist zu monstr�s, als da� man es glauben m�chte. Doch das Schicksal der armen Constance soll uns als Warnung dienen.</emphasis></p><p><emphasis>Hat mich �berrascht, da� der</emphasis> C'ston Courier <emphasis>einen Artikel �ber den Mord brachte - Judith hat ihn w�hrend meiner Abwesenheit an Prudence geschickt. Ich vermute, da� die Geschichte wegen ihres Sensationsgehalts weite Kreise gezogen hat. Bent wird als T�ter genannt.</emphasis></p><p><emphasis>Au�erdem ein Brief von einem Beaufort-Anwalt, der seinen baldigen Besuch ank�ndigt. Die Entdeckung bei Lambs, die immer noch Furore macht, wird auch unsere Rettung sein, behauptet er...</emphasis></p><p><emphasis>Geschrieben am 12ten. Andy bricht morgen nach C'ston auf zum Gro�en Konvent des Volkes von South Carolina&lt; - die gleiche Versammlung, die in Gettys �blem Bl�ttchen als &gt;schwarzbraunes Treffen bezeichnet wird. Obwohl ich es mir kaum leisten kann, habe ich in dem neuen Summerton-Ramschladen einen Dollar f�r Hosen und einen gebrauchten, aber noch ganz ordentlichen Gehrock ausgegeben. Die Sachen hab' ich A. geschenkt. Jane hat ihrem Mann noch weitere Sachen gen�ht, damit er sich seiner Kleidung nicht zu sch�men braucht.</emphasis></p><p><emphasis>Prudence hat eine alte, vierb�ndige Sammlung von Kents Kommentaren zum amerikanischen Gesetz gefunden und sie Andy geschenkt. A. m�chte unbedingt die Gesetze studieren und verstehen. Er verehrt ihre Macht, durch die seine Rasse gesch�tzt werden kann. Er studiert sie einzig und allein zur pers�nlichen Befriedigung, da er wei�, da� es selbst bei liberalster Regierung f�r einen Mann seiner Hautfarbe unwahrscheinlich ist, eine gewinnbringende Anwaltspraxis in Carolina zu betreiben. Tats�chlich stellt seine blo�e Anwesenheit bei dem Konvent, zusammen mit anderen seiner Rasse, eine Beleidigung f�r M�nner wie Gettys dar</emphasis> ...</p><p>Am 13. Januar brachte Judith kurz nach Mitternacht eine Kerze in das Arbeitszimmer ihres Mannes in der Tradd Street. Er sa� in einem Wust von Zeitungen da, seine Lesebrille auf der Nase und ein Buch im Scho�. Es war ein Buch, das sie ihn seit Jahren nicht mehr hatte aufschlagen sehen.</p><p>�Die Bibel, Cooper?�</p><p>Seine langen, wei�en Finger tippten auf das Reispapier.</p><p>�Exodus. Ich las gerade das Kapitel �ber die Plagen. Genau der Passende Lesestoff f�r diese Zeiten, findest du nicht?�</p><p>Von dem bitteren Unterton in seiner Stimme erschreckt, stellte Judith die Kerze ab und verschr�nkte ihre Arme �ber dem Nachthemd. Cooper las mit leiser Stimme aus der Bibel vor: �Und der Herr lie� den ganzen Tag und die ganze Nacht einen Ostwind wehen. Als der Morgen kam, waren die Heuschrecken da ... Sie fra�en alle Pflanzen, auch die Fr�chte an den B�umen, alles, was der Hagel verschont hatte. Weder auf den B�umen noch am Boden lie�en sie etwas Gr�nes �brig, im ganzen Lande �gypten.�</p><p>Er nahm die Brille ab. �Wir haben statt dessen Nordwind. Er tr�gt uns die Plage der Carolina-Abtr�nnigen heran, der YankeeAbenteurer, der ungebildeten Farbigen und all diese Leute werden sich morgen zu diesem Konvent zusammensetzen. Was f�r eine Aussicht! Radikalismus in all seiner Pracht!�</p><p>�Cooper, der Konvent mu� zusammentreten. Eine neue Verfassung ist der Preis f�r die Wiedereingliederung in die Union.�</p><p>�Und eine neue soziale Ordnung - ist das auch ein Preis, den wir zahlen m�ssen?� Er griff zur <emphasis>Daily News</emphasis> und las vor: �Der Demagoge regiert die Massen, und Gemeinheit und Ignoranz beherrschen die weitgespannten Interessen, die auf dem Spiel stehen. Die Delegierten m�gen durchaus ein Negertollhaus schaffen.� Er warf die Zeitung beiseite. �Dem kann ich nur zustimmen.�</p><p>�Aber wenn ich mich recht an die Bibel erinnere, dann kam kurz nach den Heuschrecken auch ein Westwind, der sie wieder ins Rote Meer zur�ckwarf.�</p><p>�Aber du erinnerst dich auch, was dann kam, nicht wahr? Die Plage der Finsternis. Und dann die Plage des Todes.�</p><p>Judith h�tte am liebsten geweint. Sie konnte nicht glauben, da� dieser verbrauchte, verbitterte Mann der gleiche Mensch war, den sie geheiratet hatte. Nur mit einer gewaltigen Willensanstrengung hielt sie jede Regung von ihrem Gesicht fern. �Hast du vor, einigen der Sitzungen beizuwohnen?� fragte sie.</p><p>�Lieber w�rde ich wilden Tieren zusehen. Lieber w�rde ich mich aufh�ngen lassen.�</p><p>Am Morgen brach er fr�hzeitig zu den B�ros der Carolina Shipping Company auf. Judith f�hlte sich traurig und hilflos. Allm�hlich wurde Cooper wirklich ein Fremder f�r sie. Mit Madeline wollte er �berhaupt nichts mehr zu tun haben.</p><p>Marie-Louise gab kaum eine bessere Gesellschaft f�r sie ab, wenn auch aus vollkommen anderen Gr�nden. Judith fand ihre Tochter an dem sonnigen E�tisch vor, das Kinn in die H�nde gest�tzt, das Fr�hst�ck unber�hrt, ihre Augen tr�umerisch auf irgendeine ferne Vision gerichtet. Sie vernachl�ssigte ihre Studien und redete fast nur noch �ber Jungs. Ganz besonders bewunderte Marie-Louise einige von General Canbys Besatzungssoldaten. Was immer die anderen Konsequenzen des Wiederaufbaus sein mochten, er beraubte Judith buchst�blich ihrer Familie.</p><p>Von den 124 Delegierten, die sich am 14. Januar versammelten, waren 76 schwarz. Nur 23 der wei�en Delegierten waren in Carolina zur Welt gekommen, doch eine ordentliche Anzahl von ihnen waren fr�her rechte Draufg�nger und Hei�sporne gewesen. Joe Crews hatte mit Sklaven gehandelt. J.M. Rutland hatte Geld f�r einen neuen Spazierstock gesammelt, als Preston Brooks seinen Stock �ber dem Kopf von Charles Sumner zerbrochen und ihn dabei um ein Haar umgebracht hatte. Franklin Moses hatte geholfen, die amerikanische Flagge nach der Kapitulation von Fort Sumter herunterzurei�en.</p><p>Andy sa� in seinem Gehrock zwischen den anderen Delegierten, den ersten Band von James Kents &gt;Kommentaren&lt; auf den Knien. Vor lauter Stolz, bei dem Konvent dabei zu sein, sa� er bolzengerade da, war gleichzeitig aber auch von tiefer Ehrfurcht ergriffen, die meisten anderen schwarzen Delegierten waren wesentlich gebildeter als er. Alonzo Ransier, schon als freier Neger geboren, hatte sich mit ihm lange �ber die sozialen Wandlungen unterhalten, die der Konvent mit sich bringen w�rde. Besonders einsch�chternd wirkte ein gutaussehender, gro�er, breiter Neger namens Francis Cardozo. Obwohl seine Haut die Farbe alten Elfenbeins hatte, setzte sich Cardozo, ein frei geborener Mulatte, stolz zu den schwarzen Delegierten. Er war ein Beispiel daf�r, was ein Mann aus sich machen konnte, wenn ihm alle M�glichkeiten offenstanden, dachte Andy. Cardozo hatte die Universit�t von Glasgow absolviert; fr�her hatte er einer Presbyterianerkirche in New Haven, Connecticut, vorgestanden.</p><p>Um seine Minderwertigkeitsgef�hle zu �berwinden, rief sich Andy h�ufig einige ernste Worte ins Ged�chtnis, die Jane ihm beim Abschied mit auf den Weg gegeben hatte. �Du bist so gut wie jeder von ihnen, du brauchst nur den Beweis daf�r anzutreten. In den Augen Gottes fangen alle mit gleichen Voraussetzungen an. Das hat Mr. Jefferson gesagt, und darum ging es im Krieg in Wirklichkeit. Es liegt an dir, ob du weiter vorn endest als dort, wo du begonnen hast.�</p><p>Sie umarmte ihn, k��te ihn und fl�sterte ihm zu: �Sorg daf�r, da� wir alle stolz auf dich sein k�nnen.� Beim Gedanken daran richtete er sich auf.</p><p>Es kam nicht zu dem vorhergesagten &gt;Negertollhaus&lt; unten im Sitzungssaal, obwohl der einstweilige Vorsitzende T.J. Robertson, ein angesehener Gesch�ftsmann mit gem��igten Ansichten, h�ufig seinen Hammer bet�tigen mu�te, um die begeisterten schwarzen Zuschauer oben auf der Galerie zum Schweigen zu bringen. Den meisten L�rm erzeugten die Mitglieder der Presse, haupts�chlich Yankees. Viele von ihnen hatten karierte Anz�ge und grelle Krawatten an. Andy sah, wie ein Reporter einen Tabaksaft auf den Boden spuckte, und versp�rte selbstzufriedene �berlegenheit. Zuvor hatte Cardozo zu ihm und eini-gen anderen schwarzen Delegierten gesagt: �Die Reporter sind hergekommen, um diesen Konvent gegen nordstaatliche Moral abzuw�gen. Sie werden unsere �u�erungen ebenso wie unser Benehmen bewerten. Also handeln Sie dementsprechend, Gentle-men.�</p><p>Robertsons Hammer rief die Halle zur Ordnung. �Bevor ich den Stuhl an unseren gro�artigen Freund Dr. Mackey abgebe�, das war ein weiterer angesehener Einheimischer, �m�chte ich die hier Versammelten gern an unser hochgestecktes Ziel erinnern. Wir sind hier, um eine gerechte, liberale Verfassung f�r den Palmetto-Staat zu entwerfen, eine Verfassung, die allen gleiche Rechte garantiert und uns die Wiedereingliederung in die Union erm�glicht.�</p><p>Die Zuschauer bekundeten ihr Einverst�ndnis. Wieder brachte Robertson sie mit dem Hammer zum Schweigen, ehe er fortfuhr:</p><p>�Wir behaupten nicht, �berm��ig weise oder tugendhaft zu sein. Wir nehmen jedoch f�r uns in Anspruch, da� wir dem fortschrittlichen Zeitgeist folgen ... m�gen wir k�hn genug, ehrlich genug, weise genug sein, um anst��ige, unw�rdige Gesetze und Gewohnheiten zu zertreten und so eine neue Gerechtigkeit in South Carolina ins Leben zu rufen. M�ge jeder Delegierte seine Gedanken und �u�erungen einzig und allein diesem Zweck unterordnen.�</p><p>Er meint meine Gedanken, sagte sich Andy. Gut, er w�rde seine Stimme erheben. Wenn er etwas Falsches sagte, dann w�rde er lernen. Wie konnte man sich ohne Fehler und Irrt�mer von dem, was man war, zu dem, was man werden wollte, erheben?</p><p>Er richtete sich hoch auf; seine Hand ruhte auf dem Gesetzestext. Eine Woge von Stolz belebte seinen Mut und stellte sein Selbstvertrauen wieder her.</p><p>�Nun, Ma'am�, sagte Mr. Edisto Topper von Beaufort, �dies ist der Grund, weshalb ich so dringend um ein Treffen gebeten habe.� Der adrette Anwalt stand neben Madeline in dem brachliegenden Reisfeld und zerbr�selte mit einer Hand einen blaugrauen Lehmklumpen.</p><p>Vor dem vertrauten Gestank trat Madeline einen Schritt zur�ck. �Ich habe das immer als unsere vergiftete Erde bezeichnet.�</p><p>Lachend lie� Topper die Lehmklumpen fallen. �Vergiftet mit Reicht�mern, Mrs. Main.� Er wandte sich an seinen dienstbeflissenen jungen Angestellten. �Sammeln Sie einige dieser Klumpen in die Tasche. Wir werden sie untersuchen lassen.�</p><p>Madelines Stirn gl�nzte vor Schwei�. Als Toppers Kutsche den Weg hochgerattert kam, war sie damit besch�ftigt gewesen, dem Pinienhaus einen frischen Anstrich zu verpassen. Wei�e Flecken zierten ihre H�nde und ihr verbla�tes Kleid.</p><p>�Ich kann es kaum glauben, Mr. Topper.�</p><p>�Glauben Sie es ruhig, gute Frau, glauben Sie es. Die Ger�chte sind wahr. Entlang der Fl�sse Ashley und Stone verbergen sich Mineralsch�tze, ebenso wie in den Flu�betten. Ihre sogenannte vergiftete Erde ist phosphathaltig.�</p><p>�Dann mu� das Phosphat doch schon seit Jahren hier gewesen sein.�</p><p>�Und keine Seele hat es erkannt, bis Dr. Ravenel aus Charleston im letzten Herbst einige Proben aus der Gegend von Lambs untersuchte.� Mit �berschwenglicher Geste umfa�te Topper die umliegenden Reisfelder. �In Mont Royal k�nnte das auf sechs-bis achthundert Tonnen Mergel pro Acre hinauslaufen. Hochgradiger Mergel - wesentlich ergiebiger als der Mergel von Virginia.�</p><p>�Das sind sehr willkommene Nachrichten. Aber ein bi�chen �berw�ltigend.�</p><p>Wieder lachte er und rieb sich die H�nde. �Verst�ndlich, verehrte Lady. Nach Jahren der Niederlagen und der Entbehrungen stehen wir buchst�blich vor der �konomischen Wiedergeburt dieses Teiles des Staates. Sie liegt in diesen �belriechenden Klumpen. Das ist der Duft des Geldes. Das ist der Geruch von D�ngemittel.�</p><p>Sie kehrten zu den selbstgebastelten St�hlen auf dem Rasen vor dem wei�get�nchten Haus zur�ck. Der Anwalt Topper holte aus seinem Koffer Berichte, Untersuchungsergebnisse, Gutachten, die er Madeline in die Hand dr�ckte und sie dr�ngte, jedes einzelne Wort zu lesen. �Es gibt schon einen Run, die Sch�rfrechte von den Landbesitzern zu kaufen. Ich repr�sentiere eine Gruppe von Investoren, die sich zu der Beaufort Phosphate Company zusammengeschlossen haben. Alles erstklassige S�dstaaten-Gentlemen, in Carolina geboren, wie ich selbst auch. Ich bin sicher, der Gedanke beruhigt Sie, wenn wir Gesch�fte miteinander machen.�</p><p>Madeline schob eine Str�hne ihres ergrauenden Haares zur�ck. �Falls, Mr. Topper. Falls.�</p><p>�Aber Sie haben bei der ganzen Angelegenheit nur Vorteile! Es ist unser Kapital, das auf dem Spiel steht, w�hrend Sie uns lediglich die vor�bergehende Nutzung Ihres Landes �berlassen. Wir k�mmern uns um alles. Wir heben die Erde aus, verlegen die Schienen f�r die von Pferden gezogenen Karren, installieren dampfgetriebene Waschanlagen, um Sand und Lehm auszuwaschen. Wir �bernehmen die volle Verantwortung f�r den Transport. Dann handeln wir einen vern�nftigen Verkaufspreis aus. Mr. Lewis und Mr. Klett haben bereits eine Verarbeitungsfirma unter Vertrag, die die Felsbrocken zertr�mmert und sie in kommerzielle D�ngemittel verwandelt. Bald schon werden Konkurrenzfirmen auftreten. Wir befinden uns in einer hervorragenden Ausgangsposition.�</p><p>Es klang alles zu perfekt. Sie suchte nach dem Haken. �Was ist mit den M�nnern, die die Felsbrocken ausgraben?�</p><p>�Ebenfalls unsere Sache. Wir heuern jeden verf�gbaren Nig... �h, freien Neger an. Wir zahlen ihnen f�nfundzwanzig Cent pro Quadratfu�, die Entfernung der Felsbrocken eingeschlossen.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. Topper schaute verwirrt drein. �Stimmt was nicht?�</p><p>�Und ob, Mr. Topper. �berall entlang des Flusses sind schwarze Familien am Verhungern, und da schlie�e ich Mont Royal nicht aus. Wenn Sie auf meinem Land sch�rfen wollen, dann werden Sie auch vern�nftige Jobs vergeben m�ssen. Sagen wir f�nfzig Cent pro Quadratfu�?�</p><p>Topper wurde bla�. �F�nfzig? Ich bin mir nicht sicher.�</p><p>�Dann sollte ich vielleicht mit jemand anderem verhandeln. Sie sagten etwas von Konkurrenz.�</p><p>Der Anwalt begann sich zu kr�mmen. �Irgendwas l��t sich da schon machen, verehrte Lady, da bin ich mir ganz sicher. Hier habe ich den Optionsvertrag mitgebracht. Ich h�tte gern noch heute morgen Ihre Unterschrift. Der f�r beide Seiten befriedigende, endg�ltige Vertrag folgt dann nach.� Er lie� sich von seinem Angestellten das zusammengefaltete Dokument geben. Es war recht umfangreich und wurde von gr�nem Gummiband zusammengehalten. Er entfaltete es, als handle es sich um eine Stra�enkarte nach El Dorado.</p><p>Madeline versuchte, ihre Erregung zu verbergen, w�hrend sie die eng beschriebenen, in gedrechselter Sprache gehaltenen Seiten �berflog, die durch gelegentlich eingestreutes Latein noch unverst�ndlicher wurden. Sie glaubte, den Sinn zu erfassen.</p><p>�Sagen Sie Ihrem Angestellten, er solle noch einen Satz �ber die vereinbarten L�hne der Arbeiter einf�gen, dann unterschreibe ich.�</p><p>�Soviel wir wissen, wird noch eine zweite Unterschrift ben�tigt.�</p><p>�Nein. Ich habe Vollmacht, f�r Cooper Main zu unterzeichnen.� Was sie dann auch mit zitternder Hand tat.</p><p><emphasis>Orry, Orry - unglaubliche Freude. Wir sind begnadigt worden! Zur Feier des Tages lud ich heute abend alle ins Haus zu Safranreis ein. Jane brachte einen Krug s��en Beerenweins mit, den sie aufgehoben hatte, und w�hrend der Vollmond am Himmel hochstieg, sangen und lachten und tanzten wir. Es w�re sch�n gewesen, wenn auch Andy h�tte hier sein k�nnen, doch er steckt mitten in seiner wichtigen Arbeit. Ich sehnte mich nach dir.</emphasis></p><p><emphasis>W�hrend ich diese Zeilen schreibe, leuchtet der Flu� wie wei�es Feuer. Selten ist es im Januar so warm gewesen. Vielleicht ist dieser Winter der Verzweiflung endlich vorbei. Das Beste von alldem ist, da� ich meinen Traum zum Leben erwecken kann, wenn tats�chlich im Boden von Mont Royal Reicht�mer verborgen liegen. Ich kann das Haus wieder aufbauen.</emphasis></p><p>Das Ger�usch eines sich von der Flu�stra�e n�hernden Reiters weckte sie am n�chsten Morgen. Sie wickelte sich in ihren alten Morgenmantel und eilte hinaus, um den Besucher zu empfangen. Sie glaubte ihren Augen nicht trauen zu k�nnen; es war Cooper, der da von einem schaumbedeckten Braunen sprang.</p><p>�Gestern abend gegen zehn wu�te ganz Charleston Bescheid. Alle spotten �ber uns.�</p><p>Verschlafen murmelte sie: �Wovon redest du eigentlich?�</p><p>�Von deinem verdammten Vertrag mit Beaufort Phosphate. Anscheinend bist du die einzige im Bezirk, die nicht wei�, wer hinter dieser Company steckt.�</p><p>�Einheimische, sagte der Anwalt.�</p><p>�Dieser Lump hat gelogen. Er ist der einzige aus South Carolina, der an der Sache beteiligt ist. Der Hauptaktion�r ist ein gottverdammter radikaler Senator, Samuel Stout. Du hast uns an einen Mann verkauft, der uns mit einer Hand auspeitscht und mit der anderen aussaugt.�</p><p><emphasis>...Ich konnte nichts tun, um ihn zu beschwichtigen. Er �bersch�ttete mich mit Beschimpfungen, lehnte jegliche Nahrung von mir ab, sprang sehr grob mit Prudence um und befahl mir, auf keinen Fall den offiziellen Vertrag zu unterschreiben. Ich sagte, ich w�rde einen Pakt mit dem Teufel unterschreiben, wenn ich dadurch das Land der Mains retten und unseren Negern Essen geben k�nnte. Er verfluchte mich, sprang auf sein ersch�pftes Pferd und ritt davon. Obwohl er von meinem Fehler profitieren wird, f�rchte ich, er ha�t mich jetzt mehr als je zuvor.</emphasis></p><p><emphasis>Februar 1868. Man rechnet damit, da� der Konvent fast 60 Tage dauert. Bis auf einen Dollar schickt Andy S. seine gesamten 11 Dollar, die er als Delegierter als Tagegeld erh�lt, an seine Frau. Abends arbeitet er im Mills House und zahlt einer schwarzen Familie Miete, damit er in ihrer H�tte �bernachten kann. Jane hat mir seinen letzten Brief gezeigt, einfach formuliert, aber in gutem, klarem Englisch verfa�t. Was f�r eine wunderbare Sache doch der menschliche Geist ist, wenn es ihm erlaubt ist, sich frei zu entfalten</emphasis> ...</p><p>Andy Sherman hatte das Gef�hl, noch nie so viel gelernt zu haben, vielleicht von der Zeit w�hrend des Krieges abgesehen, als Jane seine Lehrerin gewesen war. Am Morgen, wenn er sich f�r seine Delegiertenarbeit ankleidete, taten ihm alle Knochen weh von dem stundenlangen Knien beim Putzen der Hotelb�den. Aber irgendwie gen�gten ihm die paar Stunden Schlaf, genauso wie die eine volle Mahlzeit, die er sich t�glich erlaubte. Er n�hrte sich von dem Konvent und der Arbeit, die er hier leistete.</p><p>Er diskutierte viel mit Cardozo, dessen schnelle Auffassung und beeindruckende Rednergabe er bewunderte. �Sie haben recht, Sherman. Als Rasse sind wir zu zur�ckhaltend. Nur Bildung kann das verbessern. Wenn man sich jedoch die Geschichte dieses Staates betrachtet, dann glaube ich nicht, da� ein angemessenes �ffentliches Schulsystem vor 1875 funktionieren wird. Ich werde mich gegen den Verfassungszusatz aussprechen, da� nach 1875 jedem Mann im Wahlalter, der weder lesen noch schreiben kann, das Wahlrecht vorenthalten wird.�</p><p>Auch Andy sprach sich dagegen aus - zum erstenmal bei diesem Konvent meldete er sich zu Wort. Nerv�s, aber voller �berzeugung verlas er die kleine Rede, die er auf Papierfetzen immer wieder umformuliert hatte, bis sie zu seiner Zufriedenheit ausgefallen war. �Gentlemen, ich glaube, das Recht zu w�hlen mu� dem Weisen ebenso wie dem Unwissenden zugebilligt werden, dem B�sen ebenso wie dem Tugendhaften, sonst bedeutet die Idee des universellen Stimmrechts gar nichts.�</p><p>Die Bestimmung wurde mit 107 zu 2 Stimmen abgelehnt. Die Kopfsteuer, die Cardozo mit �tzenden Worten brandmarkte als den ersten Schritt, das aristokratische Element&lt; wieder an die Macht zu bringen, wurde mit 81 zu 21 abgeschmettert.</p><p><emphasis>Die Arbeit hat begonnen! Im ganzen Ashley-Bezirk wimmelt es nur so von Arbeitern, Anlegern und M�nnern von den neuen Verarbeitungsfabriken, die aus dem Boden geschossen sind. Nach fast drei Jahren Chaos und Armut steckt der Bezirk wieder voller Hoffnung</emphasis></p><p><emphasis>Unsere verbesserten Aussichten machen einen baldigen Besuch in Charleston notwendig - um die Last unserer Schulden zu erleichtern .</emphasis></p><p>Die Schwarzen auf Mont Royal besch�tzten Madeline, als w�re sie ein Kind. Sie beharrten darauf, da� jemand sie in die Stadt fuhr. Sie gab nach und entschied sich f�r Fred.</p><p>An einem k�hlen Februarmorgen hielten sie den Wagen an, kurz nachdem sie in die Uferstra�e eingebogen waren. Auf dem unbestellten Feld hinter dem Zaun schwang ein Trupp von drei�ig Schwarzen die Schaufel. Mit beflaggten Stangen war ein sechshundert Meter breites und tausend Meter langes Gebiet abgesteckt worden, das mit Gr�ben durchzogen werden sollte, um das Feld zu entw�ssern.</p><p>Sechs M�nner zerrten mit Seilen einen gewaltigen Stamm, um einen Pfad zur Mitte des Feldes zu walzen. Auf diesem Pfad w�rden schlie�lich Pferdewagen die gef�rderten Felsbrocken abtransportieren. Edisto Topper hatte Madeline davon in Kenntnis gesetzt, da� diese Art von Feldern bald �berall auf Mont Royal zu finden sein w�rde.</p><p>Hier war das erste. Sie musterte es stolz, als ein greller Lichtstrahl wie von einem reflektierenden Spiegel ihre Aufmerksamkeit erregte. Sie wandte sich um und sah ein St�ck weiter die Stra�e hinunter in Richtung Summerton einen Reiter. Am K�rperumfang und an den spiegelnden Brillengl�sern erkannte sie Gettys.</p><p>Einen Moment lang sa� der Ladenbesitzer sehr still, als w�rde er sie beobachten. Dann schnalzte er ver�chtlich mit dem Z�gel, wendete und trabte auf Summerton zu.</p><p>Madeline schauderte. Irgendwie schien ihr der Tag verdorben.</p><p>Es wurde noch schlimmer. In der Palmetto Bank in der Broad Street teilte ihr ein kahlk�pfiger Angestellter namens Crow mit, da� Mr. Dawkins den ganzen Tag �ber nicht erreichbar sei.</p><p>�Aber ich habe ihm doch geschrieben, da� ich komme. Es ist sehr wichtig, da� ich mit ihm spreche�, sagte sie.</p><p>Crow blieb k�hl. �Worum geht es?�</p><p>�Ich m�chte Arrangements treffen, um der Bank meine Hypothek eher als erforderlich zur�ckzuzahlen. Auf Mont Royal wird nach Phosphaten gesch�rft. Wir m��ten damit ein betr�chtliches Einkommen erzielen. All das hab' ich Leverett geschrieben.�</p><p>�Mr. Dawkins hat Ihren Brief erhalten.� Crows Mi�billigung �ber die vertrauliche Anrede war deutlich herauszuh�ren. �Ich bin angewiesen, Ihnen mitzuteilen, da� die Direktoren dieser Bank mit einer vorzeitigen R�ckzahlung nicht einverstanden sind. Die Hypothekarbedingungen geben uns das Recht, darauf zu bestehen, da� Sie weiterhin Ihre viertelj�hrlichen Zahlungen leisten.�</p><p>�F�r wie lange?�</p><p>��ber die gesamte Laufzeit hinweg.�</p><p>�Das sind Jahre. Wenn es um die Zinsen geht, dann bin ich nat�rlich gern bereit, sie zu zahlen.�</p><p>Mit geringsch�tziger Miene trat Crow einen Schritt zur�ck. �Es ist eine Sache der Politik unseres Hauses, Mrs. Main.�</p><p>�Welcher Politik? Mich an der Leine zu halten, damit Sie sie ganz nach Ihrem Belieben durchschneiden k�nnen?�</p><p>�Beziehen Sie sich auf eine vorzeitige Verfallserkl�rung der Hypothek unsererseits?�</p><p>�Ja. Ist das auch eine Sache der Politik?�</p><p>�Senken Sie bitte Ihre Stimme. Warum sollte die Palmetto Bank den Wunsch haben, Mont Royal vorzeitig die Hypothek zu k�ndigen? Es ist wertvolles Land, mit ungew�hnlich verbesserten Einkommensaussichten. Sie werfen da eine v�llig abseitige Frage auf.� Er �berlegte einen Moment und f�gte dann hinzu: �Nat�rlich kann die Bank den Vertrag k�ndigen, sollten Sie in Zahlungsverzug geraten. Doch in diesem Fall w�re der Leidtragende ja der Eigent�mer, Mr. Main. Ich bin �berzeugt davon, Sie m�chten nicht daf�r verantwortlich sein, da� Ihr Verwandter in eine derartige Lage ger�t.�</p><p>Die Drohung war ausgesprochen. Doch wie plump sie in ihrem Eifer, sie unter Kontrolle zu halten, vorgingen! War der ganze Staat, der ganze S�den bei dem Thema &gt;Afrikanisierung&lt; immer noch nicht bei Sinnen? Sicher, sie f�rchteten sich jetzt nicht mehr vor unwahrscheinlichen Verschw�rungen, Aufst�nden, Brandanschl�gen, Vergewaltigung wei�er Frauen .</p><p>Pl�tzlich erfa�te sie intuitiv den wirklichen, weniger dramatischen Grund: der Konvent. Da ging es um Wahlrecht und um Steuern; er bedrohte wei�es Geld. Wu�te Leverett Dawkins von ihrer Verbindung zu einem schwarzen Delegierten? Er mu�te wohl.</p><p>Crow stand hinter einem polierten Eichengel�nder mit einer darin eingelassenen T�r. Provoziert von seiner Zur�ckweisung, griff sie nach der T�r. �Ich bin eine gute Kundin dieser Bank, Mr. Crow. Ich bin weder mit Ihren Erkl�rungen zufrieden noch sehr gl�cklich �ber Ihre Unh�flichkeit. Ich werde das mit Leverett besprechen, ganz gleich, ob er nun besch�ftigt ist oder nicht.�</p><p>�Madam, das werden Sie nicht.� Crow hielt das T�rchen zu. �Bitte gehen Sie. Mr. Dawkins macht Sie darauf aufmerksam, da� Farbige hier nicht willkommen sind.�</p><p>Damit wandte er sich ab. Sie st�rzte davon; Tr�nen der Wut standen in ihren Augen.</p><p>... <emphasis>Der Schock, den ich in der Bank erlitten hab', l��t allm�hlich nach. Doch nicht die Dem�tigung - oder der Zorn.</emphasis></p><p><emphasis>M�rz 1868. Welche Verwirrung und welches Melodram! Vor zwei Monaten weigerte sich der Senat in einer Exekutivsitzung, der Amtsenthebung von Mr. Stanton zuzustimmen, worauf Gen. Grant zur�cktrat und Stanton die R�ckkehr in das Kriegsministerium erlaubte. Als Ersatz f�r Grant ernannte Johnson sofort Gen. Lorenzo Thomas, und Thomas br�stete sich, er w�rde notfalls Stanton auch mit Gewalt entfernen lassen - worauf sich Stanton buchst�blich in seinen eigenen R�umen verbarrikadierte und einen Haftbefehl gegen Thomas beantragte. Der Haftbefehl wurde bei einem Maskenball zugestellt!! All das w�re der richtige Stoff f�r eine komische Oper, wenn die Leidenschaften nicht t�dlich w�ren.</emphasis></p><p><emphasis>Doch das sind sie, und die W�lfe, die Johnson verfolgen, haben ihn zumindest in die Enge getrieben. Stout und seine Clique nennen J. den &gt;Erzrenegaten&lt; und beharren darauf, da� er Lincoln, die Verfassung, die Nation usw. verraten hat. Die Radikalen sind wild entschlossen, ihn vor Gericht zu bringen. Ich kann nicht glauben, da� man einen Pr�sidenten so dem�tigen kann. Doch viele genie�en diese Aussicht .</emphasis></p><p><emphasis>Andy gestern abend heimgekehrt. Der Konvent ist nach 53 Tagen auf unbestimmte Zeit vertagt worden, nachdem man f�r den April Sonderwahlen angesetzt hat, um die neue Verfassung zu ratifizieren und staatliche und nationale Repr�sentanten zu w�hlen .</emphasis></p><p><emphasis>Topper hier mit den Untersuchungsergebnissen. Ich hielt ihm seine T�uschung vor, was Stout als Eigent�mer der Firma anbelangt. Mit der k�hlen Arroganz, die man h�ufig bei kleinen M�nnern und Anw�lten findet, wischte er meine Anschuldigungen beiseite, indem er mir die auf der Untersuchung basierenden Profitberechnungen zeigte. Die Summen sind schwindelerregend .</emphasis></p><p>... <emphasis>Viel Aktivit�t im Bezirk. Tag und Nacht Reiter auf der Stra�e, bis sp�t in die Nacht schimmernde Laternen in den S�mpfen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich denke, entweder die Wahlkampagne oder der Zustrom der Landmesser, Minenexperten usw. Aber niemand findet eine wirkliche Erkl�rung f�r die Wandlung, die mit den Negern vorgegangen ist. Nur wenige l�cheln noch, und sie erschrecken leicht. Sie unterhalten sich oft in der schnellen Gullah-Sprache, die man kaum verstehen kann .</emphasis></p><p>... <emphasis>Jetzt bin ich mir sicher - sie haben Angst. Prudence hat es ebenfalls bemerkt. Warum?</emphasis></p><p>Der Allm�chtige Hexer kam bei Nacht.</p><p>In einem einsamen Eichenw�ldchen eine Meile von Summerton entfernt entz�ndeten sie einen Ring Fackeln. Frauen und Freundinnen hatten die Insignien entsprechend den brieflichen Anweisungen gen�ht. Das Unsichtbare Reich schrieb keine bestimmten Farben f�r die Insignien vor. Auf Des' Dr�ngen hin hatten sie Rot gew�hlt. Gettys hatte alle Sachen bezahlt.</p><p>General Nathan Bedford Forrest, knappe einsneunzig gro� und von m�chtigem K�rperbau, hatte einen dunklen Teint und graublaue Augen. In seinem welligen, schwarzen Haar und dem sauber gestutzten Kinnbart zeigten sich wei�e Str�hnen. Die M�nner, die hier die Weihe empfangen wollten, hatten den Eindruck, da� man ihn besser nicht herausforderte. Als er ihnen eine offizielle Kopie der Vorschrift �berreichte, der nationalen Verfassung, und ihnen erkl�rte, das Honorar daf�r betrage zehn Dollar, erhob niemand Einspruch.</p><p>Die Einzuweihenden standen in einer Linie. Um sie herum rauchten und zischten die Fackeln. Forrest ging von Mann zu Mann, inspizierte jeden einzelnen. Des war ganz benommen vor lauter Aufregung. Jack Jolly gab sich ziemlich selbstzufrieden; schlie�lich war das hier sein alter F�hrer. Gettys schwitzte, wenn auch bei weitem nicht so stark wie Vater Lovewell, der verstohlene Blicke in die Finsternis jenseits der Fackeln warf. Einer der beiden Farmer, die die Gruppe vervollst�ndigten, erkannte den Priester, den er jeden Sonntag in der Kirche sah.</p><p>Forrest begann mit seinen Instruktionen.</p><p>�Dies ist eine Institution der Menschlichkeit, der Gnade und des Patriotismus. Ihr Ursprung und ihre Organisationsprinzipien umfassen alles, was ritterlich im Benehmen, nobel im Gef�hl und heroisch im Geist ist. Da ich wei�, da� ihr bereits diesen Prinzipien gegen�ber eine Loyalit�tserkl�rung abgegeben habt, werde ich euch im Auftrag des Gro�en Drachens des K�nigreichs Carolina zehn Fragen stellen.�</p><p>Seine strengen Augen durchbohrten sie. �Habt ihr je der Radikalen Republikanischen Partei, der Union League oder der Gro�en Armee der Republik angeh�rt?�</p><p>Wie aus einem Mund antworteten sie: �Nein.�</p><p>�Seid ihr aufrichtig gegen die Gleichstellung der Neger, sowohl sozial als auch politisch?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Seid ihr f�r die Regierung des wei�en Mannes?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Seid ihr f�r konstitutionelle Freiheit und f�r eine auf gerechten Gesetzen basierende Regierung anstatt f�r eine Regierung der Gewalt und der Unterdr�ckung?�</p><p>�Ja.�</p><p>So ging es fast eine Stunde lang weiter. Die Lektionen:</p><p>�Wir sch�tzen die Schwachen, die Unschuldigen, die Wehrlosen gegen die Gesetzlosen, Gewaltt�tigen, Brutalen ... Wir dienen den Verletzten, den Leidenden, den Ungl�cklichen, wobei an allererster Stelle die Witwen und Waisen der Gefallenen der Konf�deration kommen.�</p><p>Die Vorschriften:</p><p>�Kein Ritual, kein H�ndedruck und kein Codewort darf absichtlich verraten werden, ebenso wie Urspr�nge, Pl�ne, Mysterien und andere Geheimnisse dieser Organisation. Bei jedem Verrat soll den Verr�ter die volle Strafe unseres Gesetzes treffen. Niemals soll der Name unserer Organisation von irgendeinem Mitglied niedergeschrieben werden. Bei gedruckten Verk�ndigungen soll die Identifizierung immer nur �ber ein, zwei oder drei Sternchen erfolgen.�</p><p>Die Amtseinsetzung:</p><p>Forrest hob eine Robe und eine sackartige Haube aus gl�nzendem Stoff vom Boden. Feierlich �bergab er sie Des.</p><p>�Ich statte dich hiermit mit Titel, Rechten und Privilegien der Gro�en Zyklopen aus sowie mit Titel, Rechten und Verantwortlichkeiten des Gro�en Titans dieses Bezirks.�</p><p>Zu Jolly: �Ich statte dich mit Titel, Rechten und Privilegien des Gro�en T�rken aus und befehle dir, den Zyklopen in jeder Hinsicht ein treuer Adjutant zu sein.�</p><p>�Jawohl, Sir, General.� Jolly nahm die Insignien entgegen; seine Augen funkelten in erwartungsvoller Vorfreude.</p><p>Gro�er W�chter, Gro�er Leutnant, Gro�er Sekret�r, Gro�er Schatzmeister - jedem Mann wurde Verantwortung �bertragen. Au�ergew�hnlich feierlich und mit einem Patriotismusgef�hl, wie er es seit seinem Abschied von den Palmetto Rifles nicht mehr empfunden hatte, legte Des die rote Robe und die Kapuze an. Die anderen taten es ihm nach.</p><p>Die Fackeln rauchten. General Forrest musterte die unter Kapuzen steckenden M�nner und l�chelte zufrieden.</p><p>�Ihr seid die neuesten Ritter unseres gro�en Kreuzzugs. Beginnt hier mit der S�uberung, auf eurer Heimaterde, wo das Gesicht des Feindes euch bekannt ist. Klan um Klan vereint in unserem gewaltigen Unsichtbaren Reich, so werden wir gemein-sam die verderbte Regierung von unserem Land fegen, das wir lieben.�</p><p>Des leckte sich die Lippen und atmete tief aus, was die Maske unter seinem Kinn flattern lie�. Wieder sp�rte er das Gewicht seines Zechkumpanen, Ferris Brixham, der tot in seinen Armen zusammensackte.</p><p>Jolly sp�rte den wiegenden Schritt eines Schlachtrosses und h�rte die Schreie der Sterbenden bei Fort Pillow.</p><p>Und Gettys bekam eine Erektion unter seiner Robe beim Gedanken an Orry Mains Witwe, die sie entf�hrten und an einen abgelegenen Ort wie diesen hier brachten und nackt auszogen, um sie je nach Lust und Laune zu bestrafen oder sich an ihr zu vergn�gen.</p><p>Es war fast unheimlich, wie Des seine Gedanken erriet. �Wir werden unser Land von gewissen wei�en M�nnern s�ubern, Randall�, fl�sterte er. �Und von einer gewissen Frau.�</p><empty-line/><p><emphasis>Sklaverei und Gef�ngnisstrafen f�r Schuldner sind f�r immer verboten.</emphasis></p><p><emphasis>Duelle werden f�r gesetzlos erkl�rt.</emphasis></p><p><emphasis>Scheidung wird legal. Das Eigentum einer verheirateten Frau darf nicht l�nger zur Deckung der Schulden ihres Mannes herangezogen werden.</emphasis></p><p><emphasis>K�nftig werden Gerichtsbezirke als &gt;Counties&lt; bezeichnet.</emphasis></p><p><emphasis>Ein f�r alle zug�ngliches, aus Steuermitteln finanziertes �ffentliches Schulsystem soll errichtet werden.</emphasis></p><p><emphasis>Keine Rassentrennung bei der B�rgerwehr.</emphasis></p><p><emphasis>Universelles Wahlrecht f�r alle erwachsenen M�nner, ungeachtet der Rasse.</emphasis></p><p><emphasis>Keiner Person sollen die B�rgerrechte entzogen werden wegen Verbrechen, die er w�hrend seiner Zeit als Sklave beging.</emphasis></p><p><emphasis>Unterscheidungen aufgrund der Rasse oder der Hautfarbe, ganz gleich in welchem Fall, werden verboten; alle Klassen von B�rgern sollen gleiche �ffentliche, legale und politische Privilegien f�r sich in Anspruch nehmen k�nnen.</emphasis></p><p>Einige Ausz�ge aus der 41 Abschnitte umfassenden Verfassung von South Carolina, 1868</p></section><section><title><p id="bookmark54"><strong>40</strong></p></title><p>Viele Dinge beunruhigten Marie-Louise Main im Fr�hling ihres f�nfzehnten Lebensjahres.</p><p>Nachts suchten sie lebhafte Tr�ume heim, in denen sie mit einer Reihe gutaussehender junger M�nner tanzte. Jeder dieser jungen M�nner hielt ihre Taille fest umschlungen und flirtete in einem Yankee-Akzent mit ihr, den sie auf eine verruchte Weise attraktiv fand. Jedes Gesicht war anders, doch alle jungen M�nner waren Offiziere in blauer Uniform mit gl�nzenden Goldkn�pfen. Jeder Traum endete gleich. Der junge Offizier wirbelte mit ihr davon zu irgendeinem dunklen Balkon oder Gartenpfad und beugte sich dann zu ihr herab, um sie leidenschaftlich zu k�ssen.</p><p>Worauf sie unweigerlich erwachte. Sie wu�te, warum. Sie hatte keine Ahnung, was nach einem Ku� kam.</p><p>Oh, eine allgemeine Vorstellung besa� sie schon. Sie hatte Tieren zugeschaut, und, nun ja, sie wu�te Bescheid. Aber sie hatte nicht die leiseste Ahnung, was f�r Gef�hle damit verbunden waren oder wie sie sich benehmen sollte. Mama hatte ihr einige Grundtatsachen erkl�rt, aber auf Fragen, wie sie reagieren sollte, hatte sie gesagt: �Dar�ber k�nnen wir reden, wenn du verlobt bist. Und das wird noch ein paar Jahre dauern.� Selbstverst�ndlich schnitt Marie-Louise des Thema gegen�ber Papa niemals an.</p><p>Ihre Unzul�nglichkeit beunruhigte sie, wenn sie sich mit ihren Altersgenossinnen verglich, den f�nf anderen jungen Damen ihrer Klasse in Mrs. Allwicks Akademie f�r junge Damen. W�hrend sie an der �bersetzung ausgew�hlter Passagen von Horaz arbeitete, schoben sich die anderen M�dchen Zettel zu oder unterhielten sich fl�sternd �ber ihre Liebhaber. Jede hatte davon mehrere oder behauptete es zumindest. Marie-Louise hatte keinen. Papa war die ganze Zeit �ber so grimmig und mit sich selbst besch�ftigt, da� er ihr nicht die leiseste Ermutigung zukommen lie�, was Jungs anbelangte. Nicht da� es wirklich eine Rolle gespielt h�tte. Sie kannte nicht einen Jungen, der Lust gehabt h�tte, ihr mit den �blichen kleinen Geschenken und Wohnzimmerbesuchen den Hof zu machen.</p><p>Sie fragte sich, ob ihr Aussehen an dieser ungl�cklichen Situation schuld war. Sie mu�te sich mit ihrer Gr��e und ihrer �berschlanken Figur abfinden. Von ihrer Mama hatte sie die dunkelblonden Locken und den gro�en Mund mit sch�nen Z�hnen geerbt. Ihr kleiner Busen mu�te ihr auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise von Papas Seite vererbt worden sein, Mama war flachbr�stig.</p><p>Wenn sie gut gelaunt war, hielt sie sich f�r einigerma�en h�bsch. Wenn sie etwas bedr�ckte - f�r gew�hnlich das Fehlen von Jungs in ihrem Leben -, dann war sie �berzeugt davon, da� sie wie ein Ackergaul aussah. Objektiv gesehen war sie eine attraktive junge Frau mit einem h�bschen Gesicht und einem nat�rlichen, herzlichen L�cheln, obwohl sie tats�chlich etwas zu gro� und zu d�nn war, um eine wahre Sch�nheit zu sein.</p><p>Auch ihr Vater beunruhigte Marie-Louise. Er war streng und l�chelte nie. Fr�her hatte sie sich in seiner Gegenwart wohl gef�hlt; jetzt nicht mehr. Das galt auch f�r Mama. Mama empfing gern Tante Madeline, wann immer sie in Charleston war, doch das ging nur tags�ber, wenn Marie-Louise in der Schule war. Papa lie� es nicht zu, da� Onkel Orrys Witwe zum Abendessen in der Tradd Street blieb oder sie besuchte, wenn er zu Hause war. Er gab keine Erkl�rung f�r sein intolerantes Benehmen ab, aber es schmerzte Marie-Louise, die ihre Tante sehr gern hatte.</p><p>Papa war das alles egal. Papa war nicht mehr er selbst, nicht mehr der Mann, an den sich Marie-Louise aus Kindertagen erinnerte. Er war mit allerlei pers�nlichen Angelegenheiten besch�ftigt. Beispielsweise ritt er zweimal im Monat nach Columbia. Er fungierte als einer der achtunddrei�ig Treuh�nder des alten South Carolina College, das nun seine Pforten wieder als Staatsuniversit�t mit zweiundzwanzig Studenten ge�ffnet hatte. �Wenn die Radikalen und General Canby uns in Ruhe lassen, dann k�nnten wir etwas aus dieser Institution machen.�</p><p>Marie-Louise kam nicht dahinter, was genau er daraus machen wollte, aber er war stolz auf seine Position als Treuh�nder und wild entschlossen, die Universit�t zu sch�tzen.</p><p>Papa hielt st�ndig kleine, zornige Reden bei den Mahlzeiten. Marie-Louise wu�te, da� der Staat sich in Aufruhr befand wegen einer neuen Verfassung, die irgendwas mit den �ffentlichen Schulen zu tun hatte, einem der Themen, �ber die sich Papa h�ufig auslie�. Eines Tages zeigte er einen Brief von General Wade Hampton vor. �Er sitzt einem Sonderkomitee vor, das einen Protestbrief an den Kongre� wegen dieser verdammenswer-ten Verfassung schreiben will.� Am n�chsten Abend wedelte er mit einem billigen Bl�ttchen herum und erkl�rte:</p><p><emphasis>�The Thunderbolt</emphasis> ist ein Schmutzblatt, aber in diesem Fall hat der Redakteur recht. Eine Eigentumssteuer von einem Tausendstel pro Dollar w�re Diebstahl. Der Schulplan ist nichts weiter als eine Sache der Unterst�tzungsempf�nger, angekurbelt von ungef�hr sechzig Negern, von denen die meisten Analphabeten sind, und f�nfzig wei�en M�nnern, bei denen es sich um Ausgesto�ene des Nordens oder S�dstaaten-Renegaten handelt. Ihr Herumgepfusche an der sozialen Ordnung wird diesen Staat moralisch und finanziell zerst�ren.�</p><p>Schlie�lich f�hlte sich Marie-Louise noch durch die Konkurrenz in der Akademie f�r junge Damen beunruhigt, wo sie Latein und Griechisch lernte (langweilig), dazu Algebra (ein Mysterium) und gesellschaftliches Betragen (was bei Jungs n�tzlich sein konnte; zumindest hatte man ihr das gesagt). Zum Abschlu� des Fr�hjahrssemesters plante Mrs. Allwick einen Abend mit Tanzdemonstrationen unter Aufsicht von Mr. LaMotte, der aushilfsweise als Tanzlehrer der Akademie fungierte. LaMotte war ein eigenartiger Mann mit einem m�chtigen K�rper, einer fast weiblichen Grazie und beunruhigenden Augen; sie schienen sich, wie Marie-Louise fand, stets auf eine andere Person zu richten als die, mit der er es gerade zu tun hatte.</p><p>LaMotte hielt den jungen Damen h�ufig flammende Reden �ber &gt;S�dstaatenweiblichkeit&lt;. Er sagte, sie repr�sentierten die sch�nsten Blumen des Landes und m��ten sich selbst gegen M�nner sch�tzen, die sie in den Schmutz ziehen wollten. Marie-Louise wu�te, da� &gt;in den Schmutz ziehen&lt; etwas mit dem physischen Zusammensein von M�nnern und Frauen zu tun hatte, aber wenn sie sich im Geiste noch weiter vorwagte, dann versank sie bald schon wieder in den Nebeln der Unwissenheit. Zwei ihrer Klassenkameradinnen kicherten bei solchen Anspielungen; sie verstanden alles oder taten zumindest so. Es machte sie so w�tend, da� sie am liebsten ausgespuckt h�tte.</p><p>Um das Programm auch f�r Eltern interessant zu gestalten, w�rde man eine gro�artige Darbietung geben. Eines der sechs M�dchen in Marie-Louises Klasse w�rde ausgew�hlt werden, um die h�ufig erw�hnte S�dstaatenweiblichkeit zu repr�sentieren. Mrs. Allwick w�rde die Auswahl treffen. Marie-Louise hatte entschieden, da� es die wichtigste Sache in ihrem Leben war, da� die Wahl auf sie fiel, gleich nach einem Jungen, der ihr den Hof machte. Allerdings f�rchtete sie, der Preis w�rde an eine dumme Kuh namens Sara Jane Oberdorf gehen, die behauptete, sieben Jungs w�rden ihr den Hof machen. Marie-Louise hatte drei davon gesehen. Einer war der Sohn eines Leichenbestatters, der gern �ber Beerdigungen sprach und Vergleiche zog. Ein anderer war der sch�chterne Sohn eines �rtlichen Beamten; er gab nie Antwort, wenn man ihn begr��te, sondern grunzte lediglich. Der dritte war ein so �bergewichtiger T�lpel, da� sein Genick wie bei manchen alten Damen herausquoll, die &gt;kropf-krank&lt; waren, wie es ihre Mutter bezeichnete. Aber zumindest atmeten und lebten diese drei Jungs und waren keine Wesen aus irgendeinem rosigen Traum.</p><p>Anfang April verlie� Marie-Louise eines Nachmittags die Schule um halb f�nf; als sie heraustrat, stellte sie fest, da� es heftig regnete. Im Hafen konnte sie nicht mal Fort Sumter sehen.</p><p>Ihre plappernden Freundinnen huschten zu in Kutschen wartenden Eltern oder Dienern. Marie-Louise packte ihren Vergil und ihr Algebrabuch fester und bereitete sich darauf vor, bis zur Tradd Street v�llig durchn��t zu sein. Dann bog ein vertrauter Zweisitzer um die Ecke von der South Battery, und Papa winkte mit seinem Stock mit Goldknauf.</p><p>�Ich war bei einer Komiteesitzung in Ravenels Haus. Ich sah, da� es zu regnen anfing, und dachte mir, ich erspare es dir, durchn��t zu werden. Steig ein. Ich mu� kurz beim Mills House vorbei, um einige Papiere abzugeben. Anschlie�end fahren wir heim.�</p><p>Marie-Louises Locken h�pften, als sie sich neben ihn unter das Dach des Zweisitzers schwang. Mit bewundernden Blicken schaute sie ihren blassen, m�de wirkenden Vater an. So viel Aufmerksamkeit hatte er ihr seit Monaten nicht mehr zukommen lassen.</p><p>Vor dem Hotel standen viele Kutschen und Reitpferde. Cooper fand einen freien Raum und befahl ihr zu warten. Er blieb l�nger weg als die versprochenen zehn Minuten.</p><p>Der Regen wurde schw�cher, die schnell treibenden Wolken zogen aufs Meer hinaus, durchbrochen von vereinzelten Sonnenstrahlen. W�hrend sie wartete, bemerkte sie eine kleine Ansammlung von M�nnern und Frauen, die einem Redner auf den Stufen der Hibernian Hall lauschten. Ganz in der N�he hielten andere M�nner Plakate hoch. Auf einem stand: <emphasis>Republikaner f�r freie Schulen.</emphasis></p><p>Gelangweilt verlie� Marie-Louise die Kutsche und schlenderte auf die Menge zu. Der heisere Sprecher, der wie ein Mulatte aussah, dr�ngte seine Zuh�rer, f�r die neue Staatsverfassung zu stimmen. Marie-Louise blieb hinter der Menge stehen. Die beiden M�nner direkt vor ihr waren unrasierte Farmertypen. Sie warfen ihr mi�trauische Blicke zu.</p><p>Pl�tzlich bemerkte sie ein St�ck links von ihr einen jungen Mann. Er trug einen rehbraunen Mantel, Reithosen und eine bauschige braune Krawatte. Er starrte sie an.</p><p>Beinahe w�re sie im Boden versunken. Sie erkannte das blasse Gesicht, das blonde Haar, den Schnurrbart und diese leuchtenden blauen Augen. Es war der junge Zivilist, der in dem Zug von Coosawhatchie der Negerin seinen Platz angeboten hatte.</p><p>Er l�chelte und tippte an seinen Hut. Marie-Louise l�chelte; sie mu�te feuerrot geworden sein. Heftig pre�te sie ihre B�cher gegen ihren Busen. Benahm sie sich wie eine absolute N�rrin?</p><p>�... und es steht jedem B�rger mit einem reinen Gewissen gut an, freie Schulen f�r South Carolina mit seiner Ja-Stimme zur Verfassung zu unterst�tzen, eine Woche von ...�</p><p>�Einen Moment!�</p><p>K�pfe fuhren herum. Marie-Louise wirbelte ebenfalls herum.</p><p>Der Schock lie� ihre Beine ganz schwach werden. Woher war Papa pl�tzlich so lautlos aufgetaucht? Nun, offensichtlich vom Mills House, w�hrend sie in die Betrachtung des jungen Mannes versunken war.</p><p>Cooper schob sich durch die Menge. �Ich bin ein B�rger mit einem Gewissen. Ich w�rde gern eine Frage stellen.�</p><p>�Jawohl, Sir, Mr. Main. Ich kenne Sie�, sagte der Redner leicht sp�ttisch. Marie-Louise warf dem jungen Mann einen Blick zu, versuchte auszudr�cken, da� Cooper ihr Vater war, aber nat�rlich konnte der junge Mann das nicht verstehen. Zur Menge gewandt, sagte der Sprecher: �Dieser Gentleman ist Gesch�ftsmann und Schiffsagent. Ein Demokrat.�</p><p>Wie vorauszusehen gewesen war, ging ein abf�lliges Gemurmel durch die Menge.</p><p>Als jemand sagte: �Zum Teufel mit ihm�, reagierte MarieLouise darauf mit zornigem Gesichtsausdruck. Wie konnten sie es wagen, so grob mit ihrem Vater umzuspringen?</p><p>Unter Einsatz seiner Ellbogen k�mpfte sich Cooper zu den Stufen der Hibernian Hall vor. Marie-Louise sah ihm an, da� er w�tend war. �Ich habe mir die sch�nen Phrasen angeh�rt, die dieser Gentleman als Teil seiner republikanischen Litanei absondert. Ich frage mich, ob irgendeiner von euch die wahren Kosten daf�r kennt?�</p><p>�Er soll das Maul halten�, br�llte einer der vor Marie-Louise stehenden M�nner.</p><p>�Nein�, sagte Cooper, �ich bin mir sicher, ihr kennt sie nicht. Deshalb darf ich die zartbesaiteten Idealisten daran erinnern, da� South Carolina fr�her, als es noch reich war, lediglich 75.000 Dollar im Jahr aus Verm�genssteuern zur Unterst�tzung der �ffentlichen Schulen aufbringen konnte. Ein Gro�teil des Geldes stammte aus der Besteuerung f�r schwarze Leibeigene.�</p><p>�Holt ihn runter�, br�llte der ungehobelte Bursche. MarieLouise h�tte am liebsten ihre R�cke gerafft und ihn mit ihrem spitzen Schuh getreten. Der Redner gab einigen zerlumpten Musikern ein Zeichen, die daraufhin &gt;The Battle Hymn of the Republic&lt; auf Querpfeifen zu spielen begannen.</p><p>�Verdammt noch mal, ich werde sagen, was ich zu sagen habe.� Coopers Gesicht hatte sich ger�tet. Marie-Louise erschrak. Sie sah nicht, da� der junge Mann sich aus der Menge dr�ngte, einen Bogen schlug und auf sie zukam.</p><p>Die Musik �bert�nend br�llte Cooper: �Das gewaltige, schlecht geplante Schulsystem kostet sch�tzungsweise fast eine Million Dollar im Jahr. Dieses Geld kann nur von Steuern kommen. Wenn ihr f�r die von Republikanern inspirierte Verfassung stimmt, dann legt ihr dem Staat eine untragbare Last auf. South Carolina liegt auf den Knien, versucht sich zu erheben. Dieses Schulsystem wird das Land f�r immer niederdr�cken.�</p><p>Eine Frau drohte ihm mit ihrem Sonnenschirm. �Es sind nicht die Steuern, die Sie hassen. Es sind die farbigen Menschen.�</p><p>Der ungehobelte Bursche br�llte: �Runter mit dir, oder wir ziehen dich runter!�</p><p>Marie-Louise �berlegte nicht, bevor sie handelte. Mit ihrem Vergil schlug sie dem Mann zweimal kr�ftig gegen die Schulter. �Lassen Sie ihn in Ruhe. Er hat das gleiche Recht zu sprechen wie Sie auch.�</p><p>Der Mann drehte sich um; sein Begleiter ebenfalls. MarieLouise betrachtete sie n�her und wurde starr vor Schreck. Der Schreihals hatte ein milchiges Auge und trug einen Goldring in seinem linken Ohr. Er warf einen Blick auf Marie-Louises Busen und grinste h�misch. �In Charleston lieben sie junge Konkubinen, was?� Er sprach mit einem harten Yankee-Akzent.</p><p>�H�ten Sie Ihre Zunge, Sir�, sagte eine leise Stimme neben ihr. Sie drehte sich um und sah den blau�ugigen Fremden vor sich. Er trat den beiden �lteren M�nnern ziemlich sorglos gegen�ber. �Ich glaube, der Gentleman, der da spricht, ist mit der jungen Dame verwandt. Entschuldigen Sie sich bei ihr.�</p><p>�Verdammt will ich sein, wenn ich mich bei irgendeiner S�d-staatlerin entschuldige. Warum stellst du dich auf ihre Seite, Sonny? Du klingst, als k�mst du aus dem Norden.�</p><p>�Chicago�, sagte er nickend. �Ich stelle mich auf ihre Seite, weil Sie die Manieren eines Schweines haben und der S�den den Respekt vor Frauen nicht allein gepachtet hat.�</p><p>�Kleiner Klugschei�er.� Der Mann mit dem tr�ben Auge holte mit der Faust aus. Eine Frau kreischte auf. Pl�tzlich zischte Coopers Stock auf den erhobenen Unterarm herab. Er schlug ein zweites Mal mit dem schweren Goldknauf zu, w�hrend der junge Mann Marie-Louise an der Taille fa�te, hochhob und sie abseits von dem Gedr�nge auf dem B�rgersteig wieder absetzte.</p><p>Schnell atmend hob der junge Mann verteidigungsbereit seine F�uste. Es war eine �berm��ig dramatische Pose, aber sie erregte Marie-Louise. Milchauge griff nach Cooper, der mit der Stockspitze nach ihm stie�. Die restliche Menge, obwohl Republikaner, wandte sich schnell gegen die beiden ungehobelten Burschen. Zahlreiche H�nde hielten sie zur�ck. Der Redner ebenso wie einige andere entschuldigten sich.</p><p>Cooper schob Milchauge mit seinem Stock beiseite. Der junge Mann senkte die F�uste. �Danke, Sir�, sagte Cooper zu ihm, sich den Rockaufschlag abwischend. Auf einmal konzentrierte sich sein Blick auf das Gesicht des jungen Mannes. Er runzelte die Stirn: �Wir sind uns bereits begegnet.�</p><p>�Nicht offiziell, Sir. Wir haben uns vor einiger Zeit im Zug von Coosawhatchie gesehen.�</p><p>�Ja.� Mit diesem einen Wort brachte Cooper ihn zum Schweigen. Die Menge begann sich zu zerstreuen. Der Redner und die Musiker zogen in einer improvisierten Parade die Meeting Street hinab. Einige andere schlossen sich ihnen an. Milchauge stand da und beobachtete Marie-Louise und ihre beiden Besch�tzer, bis sein Kumpan ihn wegzog.</p><p>Cooper verbeugte sich.</p><p>�Cooper Main, Sir. Ihr ergebener Diener.�</p><p>�Theo German, Sir. Der Ihre. Ich finde es bedauerlich, da� heute die Freiheit, anderer Meinung zu sein, nicht toleriert wurde.�</p><p>Cooper zeigte ihm ein k�hles Achselzucken. Marie-Louise erinnerte sich, wie Papa gekocht hatte, als der junge Nordstaatler der schwarzen Frau seinen Sitzplatz angeboten hatte. �Die neue Verfassung ist eine grimmige Angelegenheit, Mr. German. Unser �berleben h�ngt von ihrer Ablehnung ab.�</p><p>�Ich bin nichtsdestoweniger daf�r, Sir.�</p><p>�Das vermutete ich, Sir. Sie stammen nicht aus Carolina.�</p><p>�Nein, Sir, ich bin nur vor�bergehend hier, aufgrund meines, �h, Jobs. Ich wohne bei Mrs. Petrie in der Chalmers Street.�</p><p>Marie-Louise schaute an der Schulter von Papa vorbei in die blauen Augen von Theo German. Sie begriff, warum er seine Adresse genannt hatte. Cooper hegte einen �hnlichen Verdacht.</p><p>�Papa, du hast mich nicht vorgestellt.�</p><p>Mit eisiger Stimme sagte Cooper: �Meine Tochter, MarieLouise Main, die Sie so aufmerksam besch�tzt haben. Ich stehe in Ihrer Schuld.� Cooper fa�te ihren Ellenbogen. �Gehen wir?�</p><p>Die Wolken �ber der Meeting Street lie�en einige Sonnenstrahlen durch. Theo Germans Gesicht leuchtete auf wie das einer goldenen Statue. Marie-Louise f�hlte sich schwach.</p><p>Der junge Mann trat pl�tzlich einen Schritt vor. �Sir, ich frage mich, ob ich um Ihre Erlaubnis bitten d�rfte .�</p><p>Oh ja, dachte sie ganz benommen vor Gl�ck. Bevor er den Satz beenden konnte, stie� Cooper sie buchst�blich auf das Mills House zu. �Guten Tag, Mr. German.�</p><p>In der Kutsche schlug sie vor lauter Emp�rung mit ihren behandschuhten H�nden auf ihren Rock. �Papa, wie konntest du nur! Er wollte um Erlaubnis zu einem Besuch bitten.�</p><p>�Das dachte ich mir. Wir brauchen keine Yankee-Abenteurer, die die Tradd Street verschmutzen. Wom�glich ist er ein Organisator der Union League oder etwas noch Schlimmeres. Er hat sich wie ein Gentleman benommen. Aber das reicht nicht, um meiner Tochter den Hof zu machen. Ich sage dir Bescheid, wenn es daf�r an der Zeit ist.�</p><p>�Papa�, sagte sie, den Tr�nen nahe. Er ignorierte sie. Er lie� das Pferd antraben, nach S�den auf die Tradd Street zu. Sie rollten an dem jungen Theo German vorbei, der immer noch, eingeh�llt in goldenes Licht, vor der Hibernian Hall stand.</p><p>Chalmers Street, Chalmers Street, dachte sie und wollte ihm zuwinken, wagte es aber nicht. Ich bin eine erwachsene Frau. Ich lasse mir nicht vorschreiben, wen ich lieben darf. Mrs. Pet-rie, Chalmers Street.</p><p>Cooper hatte keine Ahnung, da� er soeben eine Revolte entfacht hatte.</p><p>Marie-Louise brachte zwei Tage damit zu, ihre Nachricht auf Lavendelpapier zu verfassen. Darin dankte sie Theo German weitschweifig, da� er ihre Ehre besch�tzt hatte, wie sie es formulierte. Schlie�lich f�gte sie noch einen letzten Absatz hinzu, nachdem sie die schlimmsten Konsequenzen abgewogen und sich vorgestellt hatte, wie sie damit fertig wurde, und lud ihn zu dem Fr�hjahrsfest von Mrs. Allwick ein: �Wenn Sie sich die M�he einer Antwort machen wollen, dann schicken Sie diese bitte an die Schule.� Mit diesen Worten schlo� ihre Botschaft. Sie unterzeichnete mit ihrem Namen, faltete das Papier und schrieb die Adresse der Schule auf die Au�enseite. Sie befeuchtete die Note mit einem schweren Blumenparf�m, bevor sie das Ganze versiegelte.</p><p>Der Neger, der alle m�glichen Arbeiten in der Schule erledigte, stellte das Briefchen ohne eine Frage zu. Am n�chsten Tag kam ein knapper, in k�hner Schrift gehaltener Brief zur�ck:</p><p><emphasis>Ich f�hle mich geehrt und nehme die Einladung an.</emphasis></p><p><emphasis>Ihr ergebener,</emphasis></p><p><emphasis>Brvt. Capt. Theo German</emphasis></p><p>�Captain!� rief sie und dr�ckte den Brief an ihre Brust. Dann war er also tats�chlich ein Yankee-Abenteurer. Wahrscheinlich einer dieser Exsoldaten, die gekommen waren, um zu rauben und zu pl�ndern, wie Papa es ausdr�ckte. Sie hoffte nur, da� er nicht bei Sherman gewesen war. Papa w�rde verr�ckt werden.</p><p>Sie z�hlte die Tage bis zu dem Fr�hjahrsfest, das eine Woche nach den Wahlen stattfand. General Canby stellte im ganzen Staat Soldaten f�r gef�hrdete Orte ab, um �bergriffe auf schwarze W�hler zu verhindern. Die neue Verfassung wurde mit ungef�hr siebzigtausend gegen zwanzigtausend Stimmen angenommen. Man h�tte meinen k�nnen, ein Hurrikan h�tte die</p><p>Tradd Street heimgesucht. �Nur sechs Demokraten sind f�r die einunddrei�ig Senatssitze des Staates gew�hlt worden! Und lediglich vierzehn demokratische Abgeordnete! Die anderen hundertzehn sind verdammte schwarze Republikaner!�</p><p>�Cooper, bitte fluche nicht vor deiner Tochter�, sagte Judith.</p><p>�Wir sind ruiniert. In einem Jahr werden wir bankrott sein.� Sein Zorn hielt sich bis zum Dienstagabend, dem Abend der Festveranstaltung.</p><p>Lampen und Kerzen lie�en Mrs. Allwicks Haus hell erstrahlen. St�hle waren �berall in dem altmodischen Salon aufgebaut; vor dem angrenzenden Speisesaal hing ein wei�er Gazevorhang.</p><p>Kichernde M�dchen mit Lorbeerkr�nzen und Bettlakenroben bauten sich um Sara Jane Oberdorf auf, die f�r die Rolle der S�dstaatenweiblichkeit auserw�hlt worden war.</p><p>Marie-Louise war das l�ngst egal. Sie zitterte vor Erwartung. Wenn das nicht die Liebe war, dann war es etwas ebenso Benebelndes und K�stliches. Sie brachte es kaum fertig, den Mund zu halten, als Mrs. Allwick ruhegebietend zischte.</p><p>Der Vorhang wurde weggezogen. Marie-Louise, die in steifer Pose neben den anderen M�dchen stand, suchte mit ihren Blicken das Publikum ab. Beinahe w�re sie in Ohnmacht gefallen. Was war sie doch f�r ein alberner Dummkopf! Sie hatte das Offensichtliche �bersehen und etwas vollkommen Falsches angenommen.</p><p>Alle St�hle waren von Eltern und Verwandten in bester Kleidung besetzt. Er war gezwungen, ganz hinten zu stehen, in der Fensternische, von der aus man auf die Stra�e herabsehen konnte. All die Lampen, die extra f�r dieses Programm hereingeschafft worden waren, lie�en ihn in seinem Armeeblau mit den gl�nzenden Metallkn�pfen f�rmlich erstrahlen. Es war kein Ex-Captain. Er <emphasis>war jetzt</emphasis> Captain.</p><p>Und dort, in der zweiten Reihe, sa� ihre Familie, Papa sichtlich aufgebracht. Er wu�te, da� sie ihm getrotzt hatte. Und das wegen eines Armeeoffiziers der Union. Wie sollte sie das je erkl�ren?</p><p>Sie verlor die Balance, stie� Sara Jane von der Kiste, auf der sie stand. Die S�dstaatenweiblichkeit flog in ihren Hofstaat und verstreute ihn kreuz und quer. Die Kinder im Publikum kreischten vor Lachen, die bildliche Darstellung endete im Chaos ... und der Abend fing gerade erst an.</p><p>Zum Abschlu� des Programms f�hrten die jungen Damen eine kunstvolle Quadrille vor. Am Ende sprangen einige Eltern auf, um zu applaudieren. Bald hatten sich alle erhoben. Der Vorhang ging wieder auf, und Mrs. Allwicks Sch�lerinnen nahmen mit einer Verbeugung die Ovation entgegen. Ein paar M�dchen kicherten; wegen ihres G�rtels hatte Sara Jane Schwierigkeiten, sich in der Taille zu biegen. W�hrend sie sich abm�hte, scho� sie m�rderische Seitenblicke in Marie-Louises Richtung. Coo-pers Tochter sah allerdings nur den jungen Offizier, der wild klatschte.</p><p>W�hrend sich das Publikum vermischte, griff Judith nach Coopers Arm, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Auf einer Seite des Salons stand Des LaMotte in wei�er Krawatte, einem dunkelgr�nen Wams und Kniehosen und starrte Cooper an, w�hrend er den Eltern, die ihm gratulierten, ein Danke zumurmelte.</p><p>�Cooper, ist das der Tanzlehrer, der ...�</p><p>�Genau der�, schnappte er. �Leere Drohungen, nichts weiter.�</p><p>�Er schaut aus, als w�rde er dich am liebsten kreuzigen.�</p><p>Cooper warf ihm einen Blick zu, dem LaMotte, ohne mit der Wimper zu zucken, standhielt. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder seinen Bewunderern, verbeugte sich und verteilte Handk�sse.</p><p>�Wir gehen�, rief Cooper seiner Tochter zu, die sich durch die Menge der Sch�ler und Eltern vor dem Vorhang dr�ngte. �Hol deinen Hut und deinen Schal.�</p><p>�Bitte, Papa, ich mu� noch mit jemandem sprechen.�</p><p>�Ich hab' ihn gesehen. Mit Canbys S�ldnern wollen wir nichts zu tun haben.�</p><p>Judith sagte: �Ich glaube, es ist unfair, ihr ein harmloses Gespr�ch von ein paar Minuten zu verweigern.�</p><p>�Ich entscheide, was harmlos ist und was nicht.� Cooper packte das Handgelenk seiner Tochter. �Wo sind deine Sachen?�</p><p>Marie-Louise verf�rbte sich. Am liebsten w�re sie auf der Stelle tot umgefallen. Captain German kam auf sie zu. Durch ihre aufsteigenden Tr�nen hindurch sah sie ihn pl�tzlich stoppen. Sie versuchte, sich loszurei�en, aber ihr Vater hielt sie fest.</p><p>Judith gab auf und eilte davon, um die Sachen ihrer Tochter zu holen. Augenblicke sp�ter schob Cooper Marie-Louise durch eine Nebent�r in eine Passage hinaus, die zur Legare Street f�hrte. Sie schluchzte laut.</p></section><section><title><p id="bookmark55"><strong>41</strong></p></title><p>Ein Mann von sechsundsiebzig ist zu alt f�r so was, dachte Jasper Dills. Seine Fahrt mit der Baltimore &amp;�Ohio war ein schlafloser Alptraum aus Rucken, Sto�en, Ru� und Dreck gewe-sen. Selbst ein Wagen der ersten Klasse war mit P�bel vollgestopft. Schwitzende Kr�mer, dr�ngelnde M�tter mit heulenden Kindern, elegante Gentlemen, die Opfer f�r ihre Kartenbetr�gereien suchten. Schrecklich, unertr�glich.</p><p>Doch er ertrug es, oder? Er war dem gebieterischen Ruf gefolgt, kaum da� er das Telegramm erhalten hatte. Er hatte seine Reisetasche gepackt und eine Fahrkarte gekauft, weil er die Konsequenzen einer Weigerung seinerseits f�rchtete.</p><p>In der Abendd�mmerung fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Es war ein milder Fr�hlingsabend; entlang der Route bis zur Ostseite der Stadt bl�hten �berall Blumen und B�ume. Gott, es war entsetzlich, jetzt von Washington weg zu m�ssen, wo sich der Vorhang zum letzten Akt des Dramas von Johnson und den Radikalen hob - die Senatsverhandlung gegen den Pr�sidenten mit elf Anklagepunkten. Nie zuvor in der Geschichte der Republik hatte es eine Gelegenheit gegeben, den Sturz eines amtierenden Pr�sidenten mitzuerleben.</p><p>Doch das Drama war fern und unpers�nlich, w�hrend dieses hier, falls man es als Drama bezeichnen wollte, sein Leben direkt ber�hrte. Auf dem ganzen Weg durch die bergige Finsternis von West Virginia hatte er sich andere Gr�nde f�r die Vorladung auszumalen versucht, neben dem einen Grund, den er bef�rchtete.</p><p>Am Bahnhof war Dills aus dem Zug gestiegen und beinahe an dem Gestank von Schweinen und noch mehr Schweinen erstickt. Ein europ�ischer Reisender hatte Cincinnati einmal als &gt;Monsterschweinerei&lt; bezeichnet und ihm den Spitznamen Por-kopolis verpa�t.</p><p>Die Droschke m�hte sich einen H�gel hoch und bog in eine gekr�mmte Sackgasse ein, wo sie stoppte. Zwischen der Sackgasse und dem Flu� ragte ein gewaltiges, im gotischen Stil erbautes Haus drohend wie ein Schlo� auf; die drei achteckigen T�rme zur Flu�seite hin verst�rkten diese Wirkung noch. Der Schmutz vieler Jahre hatte das grobe Steinwerk verf�rbt, Efeu hatte es �berwuchert. Viele Fenster im Erdgescho� waren mit Brettern vernagelt, eine ganze Menge kleiner, bunter Glasscheiben waren zerbrochen.</p><p>Hinter einem rostigen Eisenzaun zog sich ein unkraut�berwucherter Hof bis zum Eingang hin. Dills bemerkte dort eine im Schatten lauernde Gestalt. Nach f�nfundzwanzig Jahren doch nicht der gleiche verdammte Verwalter, dachte er, nahm seine Reisetasche und stieg aus der Kutsche. Er bezahlte den Fahrer und f�gte bedauernd ein reichliches Trinkgeld hinzu.</p><p>�Ich verdopple das, wenn Sie mich in einer Stunde wieder abholen kommen�, sagte er. Es war sch�ndlich, so viel Geld auszugeben, aber der Gedanke, hier drau�en ohne Transportmittel festzusitzen, entsetzte ihn. In der Ferne h�rte er das Lied eines Vogels, aber hier in der N�he des gro�en gotischen Hauses war kein einziger Vogel zu sehen. Er hatte das Gef�hl, an einem Ort der Toten gelandet zu sein.</p><p>�In Ordnung, Sir�, sagte der Fahrer. �Wu�te gar nicht, da� in diesem alten Schutthaufen noch jemand wohnt.� Und damit ratterte die Droschke den H�gel hinab.</p><p>Er h�rte den schlurfenden Schritt des alten Mannes. Es war tats�chlich der gleiche Verwalter, der immer noch f�r die Bewohnerin des Hauses arbeitete. Er war schlecht gekleidet und ging sehr geb�ckt; sein Alter lie� sich unm�glich sch�tzen, weil er ein Albino war, mit rotgef�rbten Augen und einer Haut, die fast so wei� war wie sein Haar.</p><p>Abgebrochene Fingern�gel wurden sichtbar, als er nach dem Tor griff, um es zu �ffnen. Rostige Angeln quietschten. Unter seiner dreckigen Kappe musterten seine roten Augen den Besucher, w�hrend er das Tor aufzog. Dills trat hindurch, und der Verwalter knallte das Tor wieder zu, ein Laut wie ein Akkord aus lauter falschen T�nen.</p><p>Sie waren den halben Weg hochgegangen; Dills zuckte heftig zusammen, als der Verwalter pl�tzlich hinter ihm sagte: �Sie ist Ihnen auf die Schliche gekommen.�</p><p>Er f�hlte sich zerbrechlich und sehr verwundbar. Sein Herz flatterte und raste. Er versuchte, etwas von der Abneigung zu mobilisieren, die w�hrend der langen, schmutzigen Reise in ihm aufgestiegen war. Er ben�tigte sie dringend, um das Kommende zu ertragen.</p><p>Ihr Zimmer lag in der Spitze des gr��ten achteckigen Turmes. �ber eine knarrende Treppe und durch einen Eingang in Form eines klassischen gotischen Torbogens gelangte er dorthin. Er war au�er Atem und kam sich klebrig und verschmutzt vor. Wenigstens ging hier oben ein Luftzug. Er sp�rte ihn, feucht und �belriechend, als er �ber den Steinboden auf die Gestalt zuschlurfte, die auf einem riesigen, geschnitzten Stuhl mit hoher R�ckenlehne sa�.</p><p>Der Stuhl war das einzige M�belst�ck neben einem zerbrochenen Spinnrad. Auf dem Boden standen Sch�sseln und Schalen, in denen ein Dutzend dicke, selbstgemachte Kerzen brannten, die die D�sternis etwas aufhellten und es ihm erm�glichten, die Gestalt auf dem Stuhl zu erkennen. Hinter ihr hatte man aus zwei eingeschlagenen Fenstern eine beeindruckende Aussicht auf den Ohio River und das dunkelblaue H�gelland von Kentucky. Barken mit schimmernden Laternen schoben sich langsam �ber den Flu�.</p><p>�Ich habe keinen Stuhl f�r Sie, Mr. Dills.� Ihr Ton dr�ckte aus, da� es sich dabei um eine Strafe handelte.</p><p>�Das macht �berhaupt nichts. Ich bin sofort gekommen, als mich Ihre Nachricht erreichte.�</p><p>�Das wundert mich nicht. Das wundert mich ganz und gar nicht - um die durch Lug und Trug erhaltene Pension zu sch�tzen.�</p><p>Sie griff unter ihren Stuhl. Er h�rte Glas klirren. Dann raschelte etwas. �Sie haben mich get�uscht. Gelegentlich holt mein Verwalter eine Lokalzeitung. Das hier hat er entdeckt. Sie haben mich get�uscht.�</p><p>�Darf ich dazu sagen ...�</p><p>�Sie sagten, Elkanah sei in Texas. Sie sagten, er sei ein reicher und angesehener Baumwollpflanzer. Ich habe Ihnen vertraut und Sie jahrelang auf der Basis dieser Information bezahlt. Und das ist Ihre Dankbarkeit? All diese Briefe, die die Wahrheit verbergen?�</p><p>Das zerbrechliche Herz in seiner Brust raste schneller; blinzelnd stellte Dills seine Reisetasche ab. �Darf ich das sehen?�</p><p>�Sie wissen bereits, was da steht.� Sie streckte die Hand aus; der Handr�cken war von dicken, blauen Adern �berzogen. Er nahm die Zeitung. In der allgemeinen Nachrichtenkolumne auf der Titelseite entdeckte er einen Artikel mit der �berschrift BIZARRER MORD IN PENNSYLVANIA.</p><p>Er �berflog den Absatz, bis er auf den Namen Elkanah Bent stie�. Er h�rte auf zu lesen und gab die Zeitung mit zitternder Hand zur�ck.</p><p>Die Frau hielt sie einen Moment fest und schleuderte sie dann von sich. Rational gesehen wu�te Dills, da� er von einer so alten Person kaum etwas zu bef�rchten hatte. Und doch hatte er Angst.</p><p>Das lag teilweise an dem Raum - die Kerzen in den fettigen T�mpeln geschmolzenen Talgs - und teilweise an der Frau. Sie wog kaum hundert Pfund und war zerst�rt vom Alter und von den unergr�ndlichen Emotionen, die in ihrem kranken Geist all die Jahre gew�tet hatten, so da� sie kaum noch menschlich aussah. Sie �hnelte mehr einer Wachsfigur, einem gespenstischen Museumsst�ck mit merkw�rdiger �hnlichkeit mit ihrem Albino-Verwalter. Sie puderte ihr Gesicht, sie puderte ihre Haare, sie puderte ihre H�nde, �ber allem lag eine dicke, wei�e Staubschicht. Sie bildete eine Art Kruste unter ihren lebendigen, alten, gelben Augen.</p><p>Die Jahre hatten ihre Augenbrauen verschwinden lassen. Knochige B�gen pre�ten sich gegen ihre fast durchsichtige Haut, als suchte der Sch�del einen Weg ans Licht.</p><p>Dills Versuch, seine Abneigung und seinen Widerwillen als Abwehrwaffe einzusetzen, war kl�glich gescheitert. Die gelben Augen, die ihn, ohne zu zwinkern, wie die Augen einer gepanzerten Echse anstarrten, erinnerten ihn an ihren Geisteszustand. Er kannte die Geschichte des Nervenleidens, das in ihrer Familie verbreitet war, aber das machte sie nicht weniger furchtein-fl��end. Am liebsten w�re er geflohen.</p><p>�Mein Sohn hat einen scheu�lichen Mord begangen. Warum?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, log Dills. �Ich kenne seine Beziehung zu dem Opfer nicht. Vielleicht eine zuf�llige Wahl.� Wozu sollte er versuchen, die Vendetta gegen Hazard und Main zu erkl�ren? Dills hatte sich das selbst niemals vern�nftig klarmachen k�nnen.</p><p>Er leckte sich �ber die rissigen Lippen. Irgendwo unter seinen F��en h�rte Dills das Huschen von Ratten.</p><p>�Sie teilten mir mit, Elkanah sei in Texas. Ich habe Brief um Brief .�</p><p>�Madam, ich wollte Ihnen die schmerzliche Wahrheit ersparen.�</p><p>Trockene Lippen teilten sich und entbl��ten gelbe Z�hne.</p><p>�Sie wollten sich den Verlust der Pension ersparen.�</p><p>�Nein, nein, das war es nicht.� Dills gab es auf. Die wahnsinnigen alten Augen, die Augen eines Inquisitors, durchschauten seinen Betrug. �Ja, das stimmt.�</p><p>Sie seufzte, schien in ihrem schweren, grausilbernen Kleid noch mehr zu schrumpfen. Gr�ner Schimmelpilz zierte den Spitzenbesatz, der gr��tenteils verrottet war. Das tiefgeschnittene Oberteil hing von ihrer ausgezehrten, stark gepuderten Brust herunter.</p><p>Ihre Lippen zitterten kurz, und eine ihrer haarlosen Augenbrauen hob sich, als sie sagte: �Das ist vielleicht Ihr erstes ehrliches Wort heute abend. Sie haben mich grausam betrogen, Dills. Eine Voraussetzung f�r die Pension war, da� Sie mit �u�erster Sorgfalt �ber Elkanah wachen.�</p><p>Seine Abneigung verschaffte sich endlich Luft. �Das habe ich auch getan, bis er es unm�glich machte mit seinem ...� Er unterdr�ckte das Wort verr�ckt. �. seinem fehlerhaften Betragen.�</p><p>�Aber es war eine Grundlage unserer Vereinbarung.�</p><p>�Ich w�rde es zu sch�tzen wissen, wenn Sie mir gegen�ber etwas weniger unfreundlich w�ren�, sagte er heftig. �Ich bin Ihrem Ruf aus reiner R�cksicht gefolgt.�</p><p>�Aus Furcht�, zischte sie. �Aus irgendeiner schwachsinnigen Hoffnung heraus, Sie k�nnten die Pension weiterhin beziehen.�</p><p>Er trat zur�ck; ihre gelben Z�hne waren voll sichtbar, wie bei einem tollw�tigen Hund. �Nun, das ist vorbei. In dem Zeitungsartikel steht, da� mein armer Elkanah irgendeine unselige Frau get�tet hat, aber niemand wei�, warum und wo er steckt, weil er schon vor Jahren untergetaucht ist. Das wu�ten Sie.�</p><p>Obwohl er noch Angst hatte, empfand Dills Erleichterung. Vielleicht waren seine Nerven zu stark belastet worden und konnten nichts mehr ertragen. �Das stimmt. Ich verstehe Ihre Ver�rgerung.�</p><p>�Ich liebte ihn. Ich liebte meinen Sohn. Ich liebte meinen armen Elkanah. Selbst wenn er Hunderte von Meilen entfernt war, selbst als er erwachsen war und ich keine Ahnung hatte, wie er aussah, wie seine Stimme klingen mochte.� Mit einer Hand fuhr sie an ihrem Gesicht vorbei. Ihre Finger waren unter den dreckverkrusteten Ringen aus Silber und Gold, bei denen einige Steine fehlten, kaum zu sehen. Es war eine merkw�rdig wischende Bewegung, als f�hlte sie sich von einer Spinnwebe bel�stigt, die er nicht sehen konnte. Es gab gen�gend Spinnweben hier.</p><p>�Nun�, sagte die Frau weniger giftig, �ich bin froh, endlich die Wahrheit zu wissen. Mein Sohn ist also nicht in Texas zu Reichtum gekommen?�</p><p>�Nein. Niemals.�</p><p>�Wo versteckt er sich, Dills?�</p><p>Ah, eine Chance, sie zu verletzen. Energisch sagte er: �Ich habe nicht die geringste Ahnung.�</p><p>�Wann haben Sie den Kontakt verloren?�</p><p>�Kurz vor Kriegsende. Er verlie� die Unionsarmee mit Schimpf und Schande. Er desertierte.�</p><p>�Oh, Gott. Mein armer Junge. Mein armer Elkanah.�</p><p>Wieder tastete sie unter ihrem Stuhl herum, tauchte mit ihrer Hand in die Spinnweben hinein. Sie f�rderte eine alte, gr�ne Weinflasche ans Licht, ebenso einen herrlichen Bleiglaskelch mit einem Sprung und einer dicken Schmutzpatina. Sie go� etwas dunkle Fl�ssigkeit in den Kelch, vielleicht Port oder Sherry, so braun wie Kaffee. Es roch nach verdorbenem Wein.</p><p>Sie nippte an dem Glas, ohne ihm etwas anzubieten. Nicht da� er das Dreckszeug anger�hrt h�tte. �Ich w�rde mich gern zur�ckziehen, Madam. Es war eine anstrengende Reise.�</p><p>Der Blick ihrer gelben Augen glitt �ber sein Gesicht und dann weiter. Aus einem Mundwinkel sickerte ihr die dunkelbraune Fl�ssigkeit und lief �ber ihr Kinn, wie ein schlammiger Bach durch Schnee. �Sie haben ja keine Ahnung, wie ich ihn geliebt habe. Wie sehr habe ich mir ein anst�ndiges Leben f�r ihn gew�nscht. Vor allem, weil er solch einen schrecklichen Start hatte.�</p><p>Was wollte sie ihm sagen? Ihr Blick suchte den seinen, fast mitleiderregend in der pl�tzlichen Bitte um Verst�ndnis. �Sie wissen Bescheid �ber meine Familie, Mr. Dills?�</p><p>�Ein bi�chen. Nur vom H�rensagen.�</p><p>�Es existiert als Erbanlage eine gewisse geistige Instabilit�t. Sie reicht viele Generationen zur�ck und hat sich stark ausgebreitet.�</p><p>Sogar bis ins Wei�e Haus, dachte er.</p><p>�Mein Vater litt darunter. Nach dem Tod meiner Mutter, als Heyward Starkwether mir den Hof zu machen begann, wurde mein Vater eifers�chtig. Ich war sein Lieblingskind. Heyward machte mir einen Antrag. Als ich meinem Vater mitteilte, da� ich ja sagen wollte, geriet er in unglaubliche Wut. Er hatte viel getrunken. Mein Vater war physisch ungemein stark.�</p><p>Dills hatte das Gef�hl, er sp�he in ein Grab. Auf eine perverse Weise f�hlte er sich fasziniert. Irgendwo pfiffen die Ratten; dazu kam noch ein leiserer Ton, als w�re ein Beutetier geschlagen worden.</p><p>�Erlauben Sie mir, den Rest zu erraten, Madam. Eine Hochzeit war zu dem Zeitpunkt bereits eine Notwendigkeit, ja? Sie trugen bereits Starkwethers Kind, das sp�ter nach den Farmern, die ihn aufzogen, den Namen Bent erhielt. Sie teilten Ihrem Vater Ihren Zustand mit, und er schlug Sie.�</p><p>Ein leeres L�cheln. Ihre rechte Hand baumelte �ber die Stuhllehne. Der schmutzige Kelch entglitt ihrer Hand, fiel zu Boden und zerbrach Sie achtete nicht darauf. �Ah - ah. Wenn es nur so einfach w�re. An dem Abend, an dem ich ihm von meinen Heiratsw�nschen erz�hlte, wandte mein Vater Gewalt an. Ihre weiteren Schlu�folgerungen stimmen nicht.� Er verstand nicht, wie sie das meinte. �Sp�ter wollte ich das ungeborene Kind t�ten. In einem seiner Wutanf�lle sagte mein Vater, er w�rde mich umbringen, wenn ich das t�te. Ich hatte zuviel Furcht vor ihm, um ihn herauszufordern. Gemeinsam - er zwang mich dazu, verstehen Sie - lie�en wir Starkwether kommen und �berzeugten ihn von seiner Verantwortung. Von seiner Schuld, wenn Sie so wollen. Ich vermute, er trug daran bis zu seinem Tod, der arme, ungl�ckselige Mann.�</p><p>Dills standen die Haare zu Berge. Allm�hlich fiel Licht in das modrige Grab.</p><p>�Wollen Sie damit sagen, Sie haben Starkwether betrogen, Madam?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Mein verstorbener Klient - Elkanah Bents G�nner und erkl�rter Vater - hatte mit dem Jungen gar nichts zu tun?�</p><p>�Heyward nahm an, er sei Elkanahs Vater. Wir haben ihn davon �berzeugt.�</p><p>�Aber er war es nicht?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Mit anderen Worten, w�hrend all dieser Jahre wurde mein Klient gen�tigt, diesen Jungen zu unterst�tzen?�</p><p>�Nicht gen�tigt, Mr. Dills. Nachdem er erst einmal davon �berzeugt war, da� Elkanah sein Kind war, half er ihm nat�rlich gern, wie es jeder Vater getan h�tte.�</p><p>�Wer war Bents Vater, Madam?�</p><p>Die gelben Augen, feucht und irre, reflektierten die Kerzen in dem Turmzimmer.</p><p>�Aber Mr. Dills�, sie kicherte, eine gr��liche Koketterie, �Sie wissen es doch. Ich sagte, er wandte k�rperliche Gewalt an.�</p><p>�Jesus Christus! Elkanahs Vater war ...�</p><p>�Mein Vater, Mr. Dills. Meiner.�</p><p>Der mit Stroh �bers�te steinerne Fu�boden schien unter Jasper Dills zu erbeben. Das rationale Fundament seiner Welt drohte einzust�rzen. �Auf Wiedersehen�, sagte er, ri� seine Reisetasche an sich und eilte zur T�r. �Auf Wiedersehen, Miss Todd.�</p><p>In der Sackgasse wartete er zitternd auf die R�ckkehr der Droschke. Jetzt verstand er Ursache und Ausma� von Elkanah Bents Geisteskrankheit. Die Pension k�mmerte ihn nicht mehr. Damit wollte er nichts mehr zu tun haben, genausowenig wie mit der Frau, die er betrogen hatte, oder mit Bent. Vor allem mit Bent, wo immer er auch sein mochte.</p><p>Endlich begriff Dills viel von dem, was ihm nie zuvor klargeworden war. Bents sinnloser Ha� gegen die Mains und Ha-zards, der ihn seit seinen Kadettenzeiten besch�ftigt hatte; die Brutalit�t des Mordes in Lehigh Station - Bent hatte das B�se geerbt.</p><p>Schwei�tropfen perlten �ber Dills Gesicht, als er sich daran erinnerte, wie oft er Bent kritisiert, zur�ckgewiesen und aus seinem B�ro geworfen hatte. H�tte er geahnt, was f�r ein Mensch Bent in Wirklichkeit war, dann h�tte er so was niemals getan.</p><p>Die Droschke kam nicht. Dills nahm seine Reisetasche auf und stolperte den H�gel hinunter, bis zu dem Gasthaus, in dem er vorsorglich ein Zimmer bestellt hatte. Eine Stunde sp�ter zahlte er dort einen Wahnsinnspreis f�r eine Zinkwanne voll hei�en Wassers.</p><p>Er sa� mit einem St�ck selbstgemachter Seife, so gelb wie ihre Augen, in der Wanne und f�hlte sich bis auf die Knochen schmutzig; er schrubbte und schrubbte seine runzelige Haut und dachte an Elkanah Bent, dessen Hirn, dessen Blut, dessen innerstes Ich schon vor der Geburt vergiftet worden war.</p><p>Von einem unerkl�rlichen Kummer erf�llt, lie� Dills sich in der Wanne zur�cksinken. M�ge Gott Erbarmen mit dem armen Bent haben, den er sicherlich nie wieder zu Gesicht bekommen w�rde. M�ge Gott noch mehr Erbarmen mit der Person haben, gegen die sich Bents Zorn als n�chstes richten w�rde.</p></section><section><title><p id="bookmark56"><strong>42</strong></p></title><p>N�rdlich von Washington an der Seventh Street Road bauten Farmer aus Maryland einmal w�chentlich Buden und Wagen f�r einen Markt unter freiem Himmel auf. Am letzten Samstag im M�rz, zwei Tage vor Beginn der Senatsverhandlung gegen den Pr�sidenten, gingen Virgilia und Scipio Brown auf den Markt, um Nahrungsmittel f�r das Waisenhaus einzukaufen. Brown fuhr den Buggy und trug das Geld bei sich; seine Hartn�ckigkeit, alle m�nnlichen Pflichten auf sich zu nehmen, am�sierte Virgilia. Die Blicke, die sie auf sich zogen, weil er schwarz und sie wei� war, schienen ihn nicht zu st�ren.</p><p>Sie schoben sich durch die �berv�lkerten Marktgassen hindurch, zwischen H�hnern und Ferkeln in Kisten. Sie diskutierten �ber das Thema, das Washington momentan am brennendsten interessierte.</p><p>�Er rei�t die Macht an sich, Virgilia. Schlimmer noch, er ist durch einen Meuchelm�rder, nicht durch das Volk an die Macht gekommen.�</p><p>�Da mu� man schon etwas deutlicher werden, um ihn verurteilen zu k�nnen.�</p><p>�Guter Gott, sie haben elf Anklagepunkte gegen ihn zusammengestellt.�</p><p>�Die ersten neun h�ngen alle mit Angelegenheiten seiner Amtszeit zusammen. Ben Butlers zehnter Artikel verurteilt Johnson wegen Reden, in denen er den Kongre� kritisiert hat. Ist die freie Rede nun ein Verbrechen oder ein Vergehen? Der elfte Artikel ist nichts weiter als eine Wundert�te.�</p><p>�Von deinem guten Freund, Mr. Stevens.�</p><p>�Trotzdem.� Sie hatten eine kleine Kreuzung erreicht. Ein Karren n�herte sich, auf dem sich Kisten mit Kaninchen t�rmten. �Ich bleibe bei meiner Meinung.�</p><p>Er sah, wie der Karren in eine Rinne geriet und seitlich wegkippte. Eine Schnur ri�, und der gewaltige Kistenstapel st�rzte auf sie zu. Er packte sie bei der Taille und schwang sie herum, weg von der Stelle, wo die Kisten herunterkrachten. Einige zerbrachen; Kaninchen fl�chteten in alle Richtungen. Der Fahrer rannte ihnen nach.</p><p>Ganz pl�tzlich wurde sich Virgilia der starken H�nde des Mulatten an ihrer Taille bewu�t - und der merkw�rdigen Intensit�t in seinen dunklen Augen. �hnliche Blicke hatte sie in letzter Zeit h�ufiger bemerkt. �Vielleicht machen wir uns besser auf die Suche nach Eiern und vergessen die Politik, Scipio. Ich m�chte nicht, da� unsere Freundschaft darunter zu leiden hat.�</p><p>�Ich auch nicht.� L�chelnd lie� er sie los. Sie bebte noch von der Ber�hrung seiner H�nde und war von dieser Reaktion mehr als nur ein bi�chen erschreckt.</p><p>Mit Armen, die von harter Arbeit kr�ftig geworden waren, r�hrte Virgilia mit dem gro�en Holzl�ffel in dem dampfenden Topf mit dicker Erbsensuppe herum. Es war der Mittag des n�chsten Tages. Auf der anderen Seite der K�che sa� Thad Stevens; auf seinem Scho� d�ste, den Daumen im Mund, ein kleiner, hellbrauner Junge. Virgilias Freund sah bla� und ersch�pft aus.</p><p>�Wirst du morgen bei der Verhandlungser�ffnung dabei sein?� fragte er.</p><p>�Ja. Danach werde ich so oft wie m�glich hingehen, ohne da� ich dabei meine Arbeit hier vernachl�ssige.�</p><p>�Vermutlich m�chtest du, da� er verurteilt wird.�</p><p>Widerstrebend sagte sie: �Ich glaube nicht. Er leugnet jedes Verbrechen.�</p><p>�Sein Leugnen wird durch sein vorangegangenes Benehmen widerlegt. Er hat Thomas geschickt, um Stanton abzul�sen.�</p><p>�Thomas hat versagt, also war es keine wirkliche Abl�sung, sondern nur der Versuch.�</p><p>�Du argumentierst langsam richtig juristisch, meine Liebe.� Er klang dabei nicht sehr gl�cklich; allerdings stimmte das ganze Durcheinander um Stanton mit Ausnahme der Anw�lte niemanden gl�cklich.</p><p>�Juristisch, Thad?� sagte sie. �Nein, ich bem�he mich nur, die Dinge fair zu betrachten.�</p><p>�Zum Teufel mit der Fairness. Ich will Johnson drau�en haben. Ich werde ihn jagen, bis er verschwunden ist.�</p><p>Sie lie� den gro�en Holzl�ffel am Kesselrand ruhen. Drau�en im Hof, wo eine milde M�rzsonne durch die nackten Zweige von zwei Kirschb�umen schien, tobte Scipio lachend mit mehreren Kindern herum. �Ganz gleich, ob er schuldig ist oder nicht?�</p><p>In seinem funkelnden Blick lag schon die Antwort. �Wir s�ubern das Land von diesem Mann und von allem, was er repr�sentiert, Virgilia. Nachsicht gegen�ber einer gesamten Klasse von Menschen, Menschen ohne Reue, die immer noch konspirieren, um diese Nation wieder zu dem zu machen, was sie vor drei�ig Jahren war, als die gesamte schwarze Bev�lkerung in Ketten lag und Mr. Calhoun arrogant mit der Sezession drohte, falls jemand zu widersprechen wagte. Wir haben sieben Leute, die die Anklagen gegen Johnson managen. Hast du eine Ahnung von dem gewaltigen Druck, der bereits gegen uns ausge�bt wird? Briefe. Feige Drohungen ...�</p><p>Er schreckte den Jungen auf seinem Scho� auf, als er ein zerknittertes gelbes Telegramm aus seiner Tasche zog. �Das hier kam aus Louisiana, das ist das einzige, was ich sicher wei�.�</p><p>Sie entfaltete es und las. stevens, bereite dich auf die Begegnung</p><p>MIT DEINEM GOTT VOR. DER R�CHER IST DIR AUF DEN FERSEN. EIN PLATZ IN DER H�LLE IST DIR SICHER. K.K.K.</p><p>Kopfsch�ttelnd gab sie das Papier zur�ck. Stevens' wachsbleiche Wangen zeigten ganz kurz ein bi�chen Farbe. �Der R�cher sitzt auch Mr. Johnson auf den Fersen. Ihm ist ein Schuldspruch sicher.�</p><p>Scipio rannte jubelnd in den Sonnenschein. Der freudige Laut stand in krassem Widerspruch zu den zornigen Augen des Kongre�abgeordneten. Sein Dogma hatte ihn eine Stra�e entlanggef�hrt, von der Virgilia abgebogen war. In ihr war kaum noch Ha�, doch in ihm tobte der Krieg weiter.</p><p>Am Montag, dem 30. M�rz, erschien sie eine Stunde bevor die T�ren zur Senatsgalerie ge�ffnet wurden. Als sie dann aufgingen, k�mpfte sie sich zwischen hastenden und sto�enden Menschen hindurch nach oben. Als der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, Salmon P. Chase, die Verhandlung er�ffnete, gab es keinen leeren Sitz und keine freie Stufe mehr auf der Galerie.</p><p>Vor Tagen hatte Chase den Senat als Gericht eingeschworen. Heute waren alle vierundf�nfzig Gesetzgeber, die die siebenundzwanzig Staaten repr�sentierten, anwesend. Seine Zuversicht bez�glich des Ausgangs der Verhandlung war �berall zitiert worden. Er glaubte, da� sie die sechsunddrei�ig Stimmen, die sie zur Verurteilung Johnsons in einem oder mehreren Anklagepunkten ben�tigten, problemlos erhalten w�rden.</p><p>Auf der Galerie ging es lautstark zu. Einige Zuschauer pfiffen und winkten mit Taschent�chern, als die Urheber der Pr�sidentenanklage, sieben Kongre�abgeordnete einschlie�lich des alten Thad mit schiefer Per�cke, ihre Pl�tze an einem Tisch mit hohen Stapeln von B�chern und Akten links von dem Vorsitzenden einnahmen. Die f�nf prominenten Anw�lte des Pr�sidenten sa�en ihnen auf der anderen Seite des Vorsitzenden gegen�ber. S�mtliche Senatoren waren in die ersten beiden Reihen gequetscht worden, dahinter dr�ngten sich Mitglieder des Repr�sentantenhauses. Reporter f�llten die hinteren G�nge, blockierten die T�ren und hatten jeden freien Platz an den W�nden mit Beschlag belegt.</p><p>Der Hauptankl�ger, der Abgeordnete Ben Butler aus Massachusetts, er�ffnete die Verhandlung mit einer dreist�ndigen flammenden Rede. Spoons Butler, die Bestie von New Orleans, war ein f�higer, gerissener Anwalt. Er l�ste einen Sturm winkender Taschent�cher und jubelnde Zustimmung aus, als er erkl�rte, da� Johnson ganz offenkundig schuldig war, Stanton gegen den Willen des Kongresses und w�hrend der Sitzungsperiode des Kongresses seines Amtes enthoben zu haben.</p><p>Virgilia sa� inmitten der unruhigen, l�rmenden Menge und schaute hinab auf Sam Stout; bis auf eine melancholische Leere empfand sie so gut wie nichts. Die Zeit bewirkte tats�chlich ei-nen Wandel in ihr und machte sie sanfter. Zu ihrer eigenen �berraschung konnte sie sich des �fteren nicht auf das Schauspiel unter ihr konzentrieren, sondern sah statt dessen Scipio Browns Augen vor sich, nachdem er sie vor dem Marktkarren gerettet hatte. Sie erinnerte sich, wie sich der feste Druck seiner H�nde an ihrer Taille angef�hlt hatte. Sie erinnerte sich gern daran.</p><p>Am 9. April hatten die Ankl�ger ihren Fall vorgetragen. Der H�hepunkt der Anklagedarstellung war vielleicht der Moment, als Butler ein rotgeflecktes Kleidungsst�ck hervorholte und es durch die Luft schwang. Er sagte, dies sei das Hemd eines Mannes aus Ohio, vom B�ro f�r befreite Negersklaven, den Klansm�nner in Mississippi ausgepeitscht h�tten. Am n�chsten Morgen hatte Washington eine neue Phrase f�r sein politisches Lexikon: man peitschte Antis�dstaatengef�hle auf, indem man das &gt;blutige Hemd schwenkte&lt;.</p><p>Johnsons Anw�lte pl�dierten hingegen f�r Freispruch. Wegen einer Masernepidemie verpa�te Virgilia viele dieser Aprilsitzungen. Sie bedauerte es nicht, als sie in den Zeitungen davon las. All diese Haarspaltereien �ber die Auslegung der Verfassung und diese endlosen Reden h�rten sich langweilig an. Sie fragte sich, wozu lange Reden notwendig waren. Die Sache schien doch klar genug. Johnsons Autorit�t war durch die zahlreichen Wiederaufbaugesetze herausgefordert worden, einschlie�lich des Amtsdauergesetzes, durch das dem Pr�sidenten untersagt wurde, Kabinettsmitglieder ihres Amtes zu entheben, die der Senat in ihrem Amt best�tigt hatte. In dieser Angelegenheit hatte Johnson keinen Zoll nachgegeben, um eine Entscheidung zu erzwingen.</p><p>Virgilia hielt das nicht nur f�r wichtig, sondern auch f�r notwendig. Weiterhin war Edwin Stanton nicht von Johnson, sondern von Lincoln ernannt worden, und es war in Lincolns Amtsperiode, nicht in Johnsons gewesen, da� der Senat diese Ernennung best�tigt hatte. Sie meinte, da� einiges daf�r spreche, da� Stanton gar nicht unter das Amtsdauergesetz fiel.</p><p>Jetzt begannen die langen, ausschweifenden Zusammenfassungen. Sie h�rte eine von William S. Groesbeck, einem redegewandten Anwalt aus Cincinnati. Er widmete sich Johnsons Charakter:</p><p>�Er ist ein Patriot. Er mag voller Fehler und Irrt�mer stecken, aber er liebt sein Land. Ich habe oft gesagt, da� jene, die im Norden leben, in sicherer Entfernung der Kriegsschaupl�tze, wenig davon wissen. Wir, die wir in den Grenzgebieten leben, wissen mehr davon . Unser Horizont war immer von Flammen ger�tet, und manchmal war der Brand so nahe, da� wir mit ausgestreckten H�nden die Hitze sp�ren konnten. Andrew Johnson lebte im Herzen der Feuersbrunst ... direkt im Hochofen des Krieges ..., und seine geh�rtete Kraft und St�rke lie� ihn in unersch�tterlicher Loyalit�t zur Union ausharren ... unzug�nglich f�r jeden Verrat. Wie kann er sich dann pl�tzlich, nach den Worten des Gentleman Mr. Boutwell aus Massachusetts, in einen Erzrenegaten verwandelt haben? Das ist doch l�cherlich.�</p><p>Vom Tisch der Ankl�ger funkelte ihn George S. Boutwell an.</p><p>Und so ging es weiter und weiter, mit Anklage, Verteidigung, Interpretation und theoretischen Er�rterungen. M�nner sprangen auf der Galerie von ihren Sitzen, einige jubelnd, andere protestierend. Virgilia sah vor Emp�rung ger�tete Gesichter, w�hrend andere Gesichter sie an Raubtiere denken lie�en -Raubtiere, die sich von Anschuldigungen n�hrten, ganz gleich, wie ausgefallen und l�cherlich sie sein mochten.</p><p>Pl�tzlich entdeckte sie auf der anderen Seite der Galerie zwei Gesichter, die ihr bis jetzt entgangen waren - ihren Bruder Stan-ley und dessen Frau Isabel. Virgilia hatte l�ngst jeden Kontakt zu ihnen verloren; keine Essenseinladungen in die I Street, keine Geburtstagsgr��e, nichts. In der Stadt h�rte sie h�ufig Stan-leys Namen, wenn auch nicht immer in schmeichelhafter Verbindung.</p><p>Isabel blickte Virgilia ohne jedes Erkennen an. Stanley war in die Geschehnisse unten im Saal vertieft. Wie aufgedunsen er aussieht, dachte Virgilia. Viel �lter als seine f�nfundvierzig Jahre. Seine Haut hatte eine ungesunde, gelbliche F�rbung.</p><p>Die Sitzung wurde unterbrochen. Im Gedr�nge auf der Treppe stie� Virgilia auf Stanley, der an der Wand lehnte und sich mit einem gro�en Taschentuch sein Gesicht abwischte. Sie stoppte eine Stufe �ber ihm, versuchte ihn vor der dr�ngenden Menge zu sch�tzen.</p><p>�Stanley?� sagte sie �ber den L�rm hinweg. Sie zupfte an seinem �rmel. �Ich habe dich vorhin schon gesehen. Ist mit dir alles in Ordnung?�</p><p>�Virgilia. Oh - ja, mir geht es gut.� Er schien abwesend, betrachtete die Leute, die sich an ihr vorbei die Treppe hinabdr�ngten. �Und dir?�</p><p>�Ich kann nicht klagen. Aber ich mache mir Sorgen um dich, Stanley. Du schaust krank aus. Es ist so lange her, seit wir miteinander gesprochen haben, und es gibt so viele unfreundliche Geschichten �ber dich.�</p><p>�Geschichten?� Er zuckte zur�ck, wie ein Verbrecher vor den Handschellen. �Was f�r Geschichten?�</p><p>Sie roch die Gew�rznelke, die er gekaut hatte. Welchen Duft wollte er damit verbergen? �Geschichten �ber Dinge, die du dir selbst antust. Ausgedehnte Trinkgelage.�</p><p>�L�gen.� Keuchend dr�ckte er seine schwitzende Stirn gegen den Marmor. �Verfluchte L�gen.�</p><p>Voller Mitleid mit ihm und seiner eigenen L�ge ber�hrte sie seinen �rmel. �Ich hoffe es. Du bist ein prominenter Mann, ungemein reich und erfolgreich. Du hast jetzt alles.�</p><p>�Vielleicht verdiene ich es nicht. Vielleicht bin ich nicht stolz auf das, was ich bin. Hast du je daran gedacht?�</p><p>Seine herausgesprudelten Worte verbl�fften sie. Stanley von Schuldgef�hlen geplagt? Warum? Von hinten griff jemand nach ihrer Schulter. Beinahe h�tte sie das Gleichgewicht verloren.</p><p>Nur ein paar Zentimeter von Virgilias Nase entfernt schien Isabels langes Pferdegesicht vor Zorn aufzuflammen. �La� ihn in Ruhe, du Schlampe. Stanley ist m�de, das ist alles. Wir haben dir nichts zu sagen. Aus dem Weg.�</p><p>Wie ein Offizier, der einen gemeinen Soldaten disziplinierte, packte sie den Arm ihres Mannes und stie� ihn die Treppe hinab. Mit den Ellbogen bahnte sie sich einen Weg. Stanley stand unsicher auf seinen Beinen. �ber seine Schulter hinweg warf er seiner Schwester einen hastigen, entschuldigenden Blick zu. Am Treppenabsatz waren er und Isabel verschwunden.</p><p>Virgilia dachte, da� sie ihren Bruder noch nie so krank, so gequ�lt gesehen hatte. Warum sollte sein Erfolg ihn soviel gekostet haben?</p><p>Die Res�mees gingen in der ersten Maiwoche zu Ende. Ganz Washington war von der Verhandlung betroffen. Einige be-zeichneten die Geschehnisse als das majest�tische Werk der Gerechtigkeit. Andere nannten es einen Zirkus. Wegen der Verhandlung ausgebrochene Schl�gereien wurden f�r die Polizei zur Routinearbeit. Mit jedem Zug str�mten weitere Spieler in die Stadt, f�llten die Hotels und schlossen Wetten auf das Urteil ab. Als der Vorsitzende Chase am Montag, dem 11. Mai, die T�ren schlo� und das Gericht sich zur geheimen Sitzung zur�ckzog, standen die Wetten zugunsten eines Freispruchs.</p><p>Im <emphasis>Star</emphasis> und in anderen Zeitungen hatte Sam Stout verk�ndet, da� die Spieler aufs falsche Pferd gesetzt hatten. Die zur Verurteilung n�tigen einunddrei�ig Stimmen in mindestens einem Anklagepunkt seien gesichert, sagte er. Gegen Ende der Woche w�rden noch sechs weitere Stimmen hinzukommen.</p><p>Am Donnerstag suchte Stevens Zuflucht im Waisenhaus. �Die verdammte Presse l��t mich nicht in Ruhe. Meine eigenen W�hler auch nicht.� Er sah noch m�der aus als beim letztenmal.</p><p>�Wie sieht es mit den Wahlstimmen aus?� fragte sie und schenkte ihm eine Tasse Kr�utertee ein. Seine ge�derte, mit Altersflecken �bers�te Hand zitterte, als er die Tasse anzuheben versuchte. Er gab es auf.</p><p>�F�nfunddrei�ig sind sicher. Alles h�ngt von einem Mann ab.�</p><p>�Wer ist der Mann?�</p><p>�Senator Ross.�</p><p>�Edmund Ross aus Kansas? Er ist ein �berzeugter Abolitionist.�</p><p>�War�, korrigierte Stevens voller Abscheu. �Ross beharrt darauf, da� er seinem Gewissen entsprechend w�hlt, auch wenn die Leute in Kansas ihn mit Telegrammen �berschwemmen, in denen steht, da� er erledigt ist, wenn er f�r Freispruch stimmt. Senator Pomeroy bearbeitet ihn. Ebenso das Union Congressio-nal Committee.� Diese Gruppe radikaler Senatoren und Abgeordneter war gegr�ndet worden, um daf�r zu sorgen, da� lokale Parteiorganisationen Druck auf unentschlossene Senatoren aus�bten. �Ross hat sogar Morddrohungen erhalten�, f�gte Stevens hinzu. �Damit steht er nicht allein.�</p><p>Mit ersch�pften Augen starrte er Virgilia an. �Wir m�ssen Ross auf unsere Seite ziehen, oder alles ist umsonst gewesen, und die Bourbonen erobern wieder den S�den.�</p><p>�Du darfst das Urteil nicht so furchtbar ernst nehmen, Thad. Dein Leben h�ngt davon nicht ab.�</p><p>�Und ob es das tut, Virgilia. Wenn wir eine Niederlage hinnehmen m�ssen, bin ich erledigt. Ich habe weder das Herz noch die Kraft, einen solchen Kampf erneut durchzustehen.�</p><p>Am Samstag, dem 16. Mai, vier Tage vor dem republikanischen Konvent, erwachte Virgilia noch vor Tagesanbruch und konnte nicht mehr einschlafen. Sie kleidete sich an und verlie� das H�uschen, in dem Stout sie einst ausgehalten hatte. Sie dachte daran umzuziehen, um sich von den Erinnerungen dieses Ortes freizumachen, doch das H�uschen geh�rte ihr, es war bequem, und sie konnte es sich von ihrem Gehalt im Waisenhaus leisten.</p><p>Sie schlenderte durch einen stillen Bezirk, wo die H�user kleiner und �rmlicher wurden. Bald hatte sie das Waisenhaus erreicht. �berraschenderweise war die Haust�r unversperrt. Es roch nach Kaffee, als sie die K�che betrat. Er sa� am Tisch.</p><p>�Scipio. Wieso bist du schon auf?�</p><p>�Konnte nicht schlafen. Ich bin froh, da� du hier bist. Wir m�ssen miteinander reden. Ich soll heute morgen Lewis zu seinen neuen Adoptiveltern in Hagerstown bringen.�</p><p>�Ich erinnere mich.� Dankend nahm sie eine Tasse Kaffee an. Seine Hand ber�hrte die ihre. Er reagierte, als h�tte er sich verbrannt.</p><p>�Mir w�re wohler, wenn du nicht zum Kapitol gingst�, sagte er.</p><p>�Ich mu�. Ich will das Urteil h�ren.�</p><p>�Es k�nnte gef�hrlich werden. Bei diesen gewaltigen Menschenmassen kann es leicht zum Aufruhr kommen.�</p><p>�Es ist sch�n, da� du dir Sorgen um mich machst, aber das mu�t du nicht.�</p><p>Er kam um den Tisch herum und schaute auf sie herab. Er schien sich jedes einzelne Wort herauszurei�en. �Ich mache mir aber Sorgen. Viel mehr, als du ahnen kannst.�</p><p>Ihre Blicke verhakten sich. Zitternd sp�rte sie es hei� in sich aufsteigen, knallte die Kaffeetasse auf den Holztisch und rannte hinaus. Sie war unf�hig, mit den Emotionen umzugehen, die er ihr so unerwartet enth�llt hatte, ebensowenig wie mit den Emotionen in ihrem eigenen Herzen.</p><p>�Das sind vierunddrei�ig�, fl�sterte der Fremde links von Virgi-lia. �Wahrscheinlich Waitman Willey aus West Virginia. Also h�ngt es von Ross ab.�</p><p>Der Vorsitzende Chase ergriff das Wort. �Senator Ross, wie lautet das Urteil? Ist der Beklagte, Andrew Johnson, Pr�sident der Vereinigten Staaten, schuldig oder nicht schuldig eines Amtsvergehens, wie ihm in diesem Anklagepunkt vorgeworfen wird?�</p><p>Da stand er, der unscheinbare Mann aus Kansas. Gegenw�rtig k�mpfte er, ein Veteran der Union und alter Anh�nger der Abo-litionistenbewegung, f�r die gewaltm��ige Entfernung der Indianerst�mme. Virgilia beobachtete Thad Stevens, der wei� vor Anspannung am Tisch der Ankl�ger sa�.</p><p>Ross r�usperte sich.</p><p>�Wie lautet Ihr Urteil?� wiederholte Chase.</p><p>�Nicht schuldig.�</p><p>Ein einziger Aufschrei der Galerie. Dann wilder Applaus, laute Buhrufe, ein Meer aus winkenden, wei�en Taschent�chern.</p><p>Stevens sackte mit geschlossenen Augen zur�ck. Ein Arm baumelte schlaff �ber die Lehne seines Stuhls.</p><p>Virgilia wu�te, da� diese Wahl die Entscheidung gebracht hatte. Der Kongre� hatte versucht, die Oberhand �ber die Exekutive zu gewinnen; vor einem Augenblick war dieser Versuch fehlgeschlagen. Was immer sich auch sonst noch ereignen mochte, der radikale Wiederaufbau war vorbei. Thad Stevens hatte das vorausgesagt, wenn es zum Freispruch k�me. Stevens' auf dem Stuhl zusammengesackter K�rper wiederholte das unzweideutig.</p><p>Auf den Stufen des Kapitols kreischten die Leute, tanzten und umarmten einander. Ein fleischiger Mann mit einer Melone packte Virgilia am Arm. �Old Andy hat's ihnen gegeben. Das ist schon einen Ku� wert.�</p><p>Sein Mund n�herte sich dem ihren, w�hrend er mit einer Hand nach ihrer Brust tastete. In dem Gedr�nge achtete niemand auf sie. Virgilia drehte sich seitlich weg, sa� aber in der Falle. �Du bist nicht f�r Andy?� grollte der Mann und zog sie an sich.</p><p>�Du verdammter S�ufer, la� sie in Ruh.�</p><p>Virgilia erkannte die Stimme, bevor sie ihn sah. Der fleischige Mann br�llte: �Du verfluchter Nigger hast mir gar nichts zu sagen!� Dann erwischte ihn Scipios Hand an der Kehle und hielt ihn fest, bis er zu w�rgen begann.</p><p>Die Feiernden br�llten, stie�en, leerten Flaschen und tanzten auf den Stufen. Scipio lie� den fleischigen Mann los. Er floh, so schnell es nur ging.</p><p>�Was ist mit Hagerstown?� rief Virgilia �ber den L�rm hinweg. �Hab' ich verschoben. Ich konnte dich doch nicht allein diesem Mob �berlassen. Allein der Gedanke daran lie� mich weder schlafen, noch konnte ich was essen.�</p><p>Ein paar Leute hinter ihm stolperten und dr�ckten gegen ihn. Er fiel auf sie zu. Sie hob die H�nde, um ihn aufzufangen, und fand sich in seinen Armen wieder. Eine wei�e Frau, ein brauner Mann. In dem Tumult k�mmerte sich niemand darum.</p><p>Er brachte seinen Mund dicht an ihr Ohr. �Hier ist der richtige Ort, um dir zu sagen, da� meine Bewunderung f�r dich im Laufe der Zeit immer gr��er geworden ist. Ich habe dir immer wieder zugeschaut, wie du mit den Kindern umgehst. Du bist eine sanfte, liebevolle Frau. Intelligent, voller Prinzipien.�</p><p>Sie wollte ihm von all den �blen Dingen in ihrer Vergangenheit erz�hlen. Etwas St�rkeres, Lebensbejahendes zerquetschte den Impuls. Menschen k�nnen sich �ndern.</p><p>�Und wundersch�n�, sagte Scipio Brown, seine Lippen an ihrem Ohr. Mit einem nerv�sen Lachen wehrte sie das ab, was ihn am�sierte. �Ist das alles wirklich eine so gro�e �berraschung f�r dich?�</p><p>�Ein paar Hinweise hatte ich schon.� Sie k�mpfte gegen das Gedr�nge in ihrem R�cken an. �Ich bemerkte die Blicke, die du mir zuwarfst. Aber es sprechen zu viele Dinge dagegen, Scipio, nicht nur die Hautfarbe. Da ist einmal mein Alter.�</p><p>Mit einer Hand ber�hrte sie ihr ergrauendes Haar. �Ich bin zehn Jahre �lter als du.�</p><p>�Warum solltest du dir deswegen Gedanken machen? Mich st�rt es nicht. Ich liebe dich, Virgilia. Der Buggy wartet. Komm mit mir.�</p><p>�Wohin?�</p><p>Einen Augenblick lang schien er nicht mehr so selbstsicher wie gewohnt zu sein. Er wirkte scheu, z�gerte, brachte aber schlie�lich heraus: �Ich dachte - wenn du nichts dagegen hast -, da� wir in deinem Haus allein sein k�nnten?�</p><p>Ihre Augen wurden feucht. Der Gedanke, da� jemand so viel f�r sie empfand, war �berw�ltigend. Gleichzeitig wu�te sie, da� tief in ihr sich seit langer Zeit schon �hnliche Gef�hle ger�hrt hatten. Sie hatte es sich bis jetzt nur nicht einzugestehen gewagt.</p><p>�Virgilia?�</p><p>�Ja, sehr gern�, sagte sie weich. Wegen des Tumultes konnte er die Worte nicht h�ren, aber er verstand auch so. Sie nahm seinen Arm. �Hinterher werde ich Fr�hst�ck f�r uns machen.�</p><p>PER�CKEN, TOUPETS UND HAARTEILE</p><p>Erstklassige Qualit�t. Haare f�rben und t�nen, s�mtliche Farben, bei batchelor's, Nr. 16 Bond St.</p><p>SINGER MANUFACTURING COMPANY</p><p>Die neuen Familienn�hmaschinen jetzt fertig; au�erdem Knopflochmaschinen.</p><p>Nr. 458 Broadway.</p><p>Passage in Kabine erster Klasse, zwanzig Dollar nach</p><p>SAVANNAH, GEORGIA</p><p>Jeden Samstag, von Pier Nr. 13, North River, in Verbindung mit Eisenbahntransport durch Georgia und Florida.</p><p>EMPIRE SIDE-WHEEL LINE</p><p>Das beliebte und schnelle Dampfschiff</p><p>MISSOURI</p><p>W. LOVELAND, <emphasis>Commander</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark57"><strong>43</strong></p></title><p>Drei Wochen nach dem Elternprogramm in Mrs. Allwicks Akademie endete das Semester. Zum letztenmal vor dem Herbst liefen die M�dchen l�rmend aus der T�r hinaus; es war 4 Uhr 30 an einem herrlichen Juninachmittag. Mehrere Verehrer warteten auf der breiten, k�hlen Veranda, darunter auch Sara Jane Oberdorfs Leichenbestatterlehrling.</p><p>Die Trag�die beim Auftritt hatte man Marie-Louise nicht verziehen. Sara Jane rauschte vorbei und sagte s��lich: �Wartet immer noch keiner? Nun, vielleicht in ein paar Jahren, wenn du erwachsen bist.� Sie klammerte sich an ihren jungen Mann. �Lyle. Wie reizend von dir, da� du mich abholst.�</p><p>Mit einem trostlosen Gef�hl im Herzen dr�ckte Marie-Louise die B�cher gegen ihren Busen und stieg mit gesenktem Kopf die schmiedeeisernen Stufen hinab, bis sie einen Schatten auf ihren Rock fallen sah. �Entschuldigung.� Sie trat einen Schritt zur Seite, blickte auf und lie� die B�cher fallen.</p><p>�Miss Main.� Theo German verbeugte sich und ri� sich den Strohhut mit der Pfauenfeder vom Kopf. Erneut trug er keine Uniform. �Erlauben Sie.� Er b�ckte sich, um die B�cher aufzuheben.</p><p>�Ich dachte ...� Rei� dich zusammen, du Memme. �Ich dachte, nach diesem f�rchterlichen Abend w�rden Sie nie mehr mit mir sprechen. Sie m�ssen gedacht haben, ich schneide Sie.�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht. Ich sah, da� Ihr Vater die Ursache daf�r war.� Er richtete sich auf und bot ihr seinen Arm. �Haben Sie Zeit f�r einen kleinen Spaziergang �ber die Battery?�</p><p>Wenn ich mich versp�te, wird Mama mich ausfragen. Und was ist, wenn Papa dahinterkommt?</p><p>Doch Coopers Verhalten an dem bewu�ten Abend hatte das Feuer der Rebellion in seiner Tochter entz�ndet; f�r den jungen Offizier war sie dadurch noch anziehender geworden. �Oh ja�, sagte sie.</p><p>Zuf�llig ber�hrte ihr Busen seinen Mantel�rmel. Sie f�hlte sich wie vom Blitz getroffen. L�chelnd nahm Theo das pl�tzliche Rosa ihrer Wangen zur Kenntnis. Auch seine Wangen hatten sich verf�rbt.</p><p>Die scharfen Nadelspitzen reflektierender Sonnenstrahlen tanzten �ber die Wasseroberfl�che des Hafens. M�wen folgten einem vom Atlantik hereintuckernden Fischf�nger. Drau�en auf Fort Sumter flatterte die Unionsfahne �ber den Ruinen in der kr�ftigen Brise. �Gehen Sie oft ohne Uniform in die Stadt?� erkundigte sich Marie-Louise, w�hrend sie sich verzweifelt an Mrs. Allwicks Konversationslektionen zu erinnern suchte.</p><p>Ihr ganzer Verstand f�hlte sich wie ein Topf Kleister an.</p><p>�Ja�, sagte er. �General Canby hat nichts dagegen, und es ist leichter so, die Leute zum Sprechen zu bringen. Auf diese Weise finde ich eher Zugang zu den Gef�hlen und Ansichten der lokalen Bev�lkerung. Nat�rlich gibt es ein paar Leute, die sich weigern, mit mir zu sprechen, nachdem sie mich reden h�rten.�</p><p>�Wegen Ihres Akzentes?�</p><p>Er lachte. �Ich habe keinen Akzent. Sie haben einen - den ich allerdings bezaubernd finde.�</p><p>�Oh, Mr. German - Captain German ...�</p><p>�Wie w�r's mit Theo?� sagte er; die freundliche Unschuld seiner Augen w�rmte sie. Marie-Louise war auf einen Schlag so verliebt, da� sie in Ekstase h�tte sterben und im Boden versinken k�nnen, direkt bis nach China.</p><p>�Gut. Aber dann m�ssen Sie Marie-Louise zu mir sagen.�</p><p>�Mit Vergn�gen.�</p><p>Die M�wen kreischten. Das junge Paar schlenderte unter den stattlichen alten B�umen nahe am Wasser entlang. Theo erz�hlte ihr, da� er vierundzwanzig war und zu Canbys Stab geh�rte. �An dem Tag im Zug befand ich mich auf einer Besichtigungstour. Der sch�nste Anblick, den ich zu sehen bekam, befand sich in diesem Eisenbahnwagen.�</p><p>�Papa war furchtbar w�tend, als Sie der Farbigen Ihren Platz gaben.� Sie seufzte. �Er ist immer noch im Krieg.�</p><p>�Ihr Vater und die H�lfte von Charleston. Doch die andere H�lfte ist hinrei�end. Ich bin nie zuvor S�dstaatlern begegnet, mit Ausnahme vieler Kriegsgefangener, die nat�rlich nicht gerade bester Stimmung waren. Ich finde, die S�dstaatler sind ein warmherziges, bezauberndes Volk. Und Carolina besitzt ein wunderbares Klima, vom Sommer mal abgesehen.�</p><p>�Was meinten Sie mit den Kriegsgefangenen?�</p><p>Er erkl�rte, da� er im letzten Kriegsjahr nach Camp Douglas versetzt worden war, dem riesigen Kriegsgefangenenlager s�dlich von Chicago. �Wir hatten Tausende von Insassen, aber nur einmal wurden Sch�sse abgefeuert, als ein halbes Dutzend Gefangener einen Ausbruch versuchten. Und nur einmal f�hlten wir uns wirklich in Gefahr, an einem Sonntag im November '64, als in Chicago die Ger�chte �berkochten, da� Geheimagenten der Konf�deration die Stadt in Brand stecken und unsere Gefangenen befreien w�rden. Nichts davon stimmte. Als das Gef�ngnis ein Jahr sp�ter seine Pforten zumachte, entschlo� ich mich, in der Armee zu bleiben und ein bi�chen was vom Land zu sehen. Zuvor bin ich nie aus Illinois herausgekommen.�</p><p>Wieder l�chelte er und ber�hrte leicht ihre behandschuhte Hand auf seinem Arm. �Ich habe Gl�ck gehabt, da� sie mich nach South Carolina schickten. Ich m�chte mich gern hier niederlassen und dem kalten Wetter f�r immer entfliehen.�</p><p>�Werden Sie f�r immer in der Armee bleiben?�</p><p>�Ich glaube nicht. Vor der Armee lernte ich in einer Anwaltskanzlei. Ich w�rde gern meine Studien beenden und als Anwalt arbeiten.� Marie-Louise bef�rchtete, sie k�nnte jeden Moment von der Promenade st�rzen und im Wasser ertrinken, wenn er weiterhin diese blauen Augen auf sie richtete.</p><p>Andere Verehrer schlenderten mit ihren Angebeteten vorbei. Ein alter Mann mit einem quietschenden zweir�drigen Karren kam auf sie zu. Er pries seine Waren mit einem musikalischen Sprechgesang an. �Kaufen Sie Melonen. S��e Wintermelonen.�</p><p>�M�chten Sie ein St�ck Melone?� fragte Theo. Vor lauter Nervosit�t brachte sie nur ein Lachen und ein Nicken zustande, aber ihn schien das nicht zu st�ren. Er kaufte dem Mann zwei St�cke ab und brachte sie zu der Eisenbank zur�ck, wo er ihre B�cher abgelegt hatte. Marie-Louise fa�te die Melone an dem um die Schale gewickelten Papier. So vorsichtig sie auch war, der Melonensaft tropfte nur so auf ihr Kinn. Sie f�hlte sich ge-dem�tigt.</p><p>Theo zog ein Taschentuch hervor. �Erlauben Sie.� Mit zarten Tupfern trocknete er ihr Kinn. Ihr K�rper erbebte bei jeder Ber�hrung.</p><p>�Ich hoffe, Sie halten mich nicht f�r zu aufdringlich, Miss Main.�</p><p>�Oh nein. Aber ich mu� Ihnen recht albern vorkommen mit meinem Geschw�tz und Gekicher. Es ist nur ...� Durfte sie es wagen? Ja, besser eine Erkl�rung riskieren, als ihn zu verlieren. �Ich habe keine Erfahrung mit Verehrern. Um ehrlich zu sein, ich hatte nie einen.�</p><p>Die Melone zwischen seinen Fingern tropfte. In dem k�hlen Schatten lehnte er sich ihr entgegen. �Darf ich sagen, da� es meine innigste Hoffnung ist, da� Sie nie einen anderen Verehrer n�tig haben werden?�</p><p>Diese Erkl�rung brachte sie an den Rand des Zusammenbruchs. Dann beugte er sich zu ihrer grenzenlosen Verbl�ffung schnell vor und ber�hrte mit seinen Lippen ihren Mundwinkel.</p><p>Ein umfassendes Schweigen h�llte sie ein. Der Gesang des Melonenmannes war verklungen, ebenso wie das Gekreisch der M�wen, ja selbst das rasende Klopfen ihres Herzens. Alle Nervosit�t fiel von ihr ab, wie sie so neben ihm stand und ihn anschaute, unwiderruflich ver�ndert. Ihre M�dchenjahre waren vor�ber.</p><p>Die Melonen in ihren H�nden tropften den gepflasterten Weg voll. Keiner von ihnen bemerkte es.</p><p>Nach und nach zwang sie sich selbst in die Realit�t zur�ck. Der Sonnenschein kam schon sehr schr�g �ber die gro�en Giebelh�user der South Battery. Es war sp�t.</p><p>�Ich mu� zur�ck zur Tradd Street.�</p><p>�Darf ich dich begleiten?�</p><p>�Aber sicher.� Diesmal war es kein unsicheres Getaste mehr, als sie ihren Arm in den seinen legte. Sie f�hlte sich locker und leicht; fraulich. Niemand schenkte ihnen Beachtung, als sie in dem weichen Fr�hlingslicht die Church entlanggingen.</p><p>�Ich m�chte, da� du meine Familie kennenlernst�, sagte Theo.</p><p>�Das m�chte ich auch.�</p><p>�Ich habe elf Br�der und Schwestern.�</p><p>�G�tiger Himmel!� rief sie.</p><p>Er grinste. �Ich liebe sie alle, aber im Haus war es immer ein bi�chen eng, und die Portionen am Tisch waren knapp. Vaters Gehalt reichte nicht aus, um so viele M�nder zu stopfen. Er ist ein lutheranischer Pfarrer.�</p><p>�Oh Gott. Nicht auch noch ein Abolitionist?�</p><p>�Doch, das war er.�</p><p>�Und ein Republikaner?�</p><p>�Ich f�rchte schon. Ich bin das zweitj�ngste Kind und mu�te deswegen immer auf dem Fu�boden schlafen. Wir hatten nicht gen�gend Betten. Deshalb bin ich auch in die Armee eingetreten. Um ein eigenes Bett zu haben und regelm��ige Mahlzeiten zu kriegen. Die Soldaten meckern st�ndig �ber schlechtes Essen und schlechte Matratzen. F�r mich ist es das Leben eines Prinzen.�</p><p>Sie sah, da� die Kreuzung zur Tradd Street nur noch einen Block entfernt war, und sagte schnell: �Ich bin genauso froh wie du, da� die Armee dich hierhergebracht hat, Theo.� Ihre eigene K�hnheit schockierte sie.</p><p>Im Weitergehen erz�hlte sie ihm von dem Verlust ihres Bruders vor der K�ste von North Carolina und den schlimmen Momenten im Meer, als sie f�rchtete, sie w�rden alle ertrinken. �Vor Judahs Tod war Vater bei weitem nicht so streng und hart. Damit ist ihm etwas widerfahren, wovon er sich nie mehr erholt hat.�</p><p>�Das ist tragisch. Es erkl�rt, weshalb er auf mich so reagiert hat. Ich hoffe, er stellt kein un�berwindliches Hindernis dar.� Im Schatten einer hohen Backsteinmauer drehte er sie zu sich und griff nach ihrer Hand. �Ich will in der richtigen Weise um dich werben. Warum runzelst du die Stirn?�</p><p>�Nun, es w�re viel einfacher, wenn du - wenn du nicht der w�rst, der du bist.�</p><p>�Wie in Mr. Shakespeares St�ck?�</p><p>�Wieso?�</p><p><emphasis>�Romeo, Romeo, warum bist du Romeo?</emphasis> Mit anderen Worten, warum bin ich Romeo, ein Montague? Ein Feind? Wird das wirklich eine Rolle spielen?�</p><p>Marie-Louise versank wirbelnd in den blauen Teichen seiner Augen, gab sich ihren Emotionen hin, die so heftig waren, da� sie glaubte, sie nicht ertragen zu k�nnen. �Nein�, erkl�rte sie, auf einmal ganz sicher, was sie wollte. �Nein, das wird es nicht.�</p><p>�Dein Vater?�</p><p>�Nein�, wiederholte sie zuversichtlich.</p><p>Er verlie� sie am Tor zu dem Haus in der Tradd Street, nachdem er versprochen hatte, ihr am kommenden Nachmittag einen formellen Besuch abzustatten. Noch ein H�ndedruck zum Abschied, dann war er verschwunden; sie blieb, einige Fu� �ber der irdischen Welt schwebend, zur�ck.</p><p>�Nein!� Cooper knallte seinen L�ffel gegen die Sch�ssel mit Lammstew. �Ich dulde nicht, da� irgendein Yankee-R�uber meiner Tochter den Hof macht.�</p><p>Marie-Louise fing an zu weinen.</p><p>Judith griff nach der Hand ihrer Tochter und dr�ckte sie. Zu ihrem Mann sagte sie: �Es ist eine vollkommen vern�nftige Bitte.�</p><p>�Wenn er ein S�dstaatler w�re. Einer von uns.�</p><p>�Tante Brett hat auch einen Yankee-Offizier geheiratet�, begann Marie-Louise.</p><p>�Ohne dadurch, soviel wir wissen, den Zusammenbruch der Zivilisation herbeizuf�hren�, bemerkte Judith.</p><p>Die Ironie war verschwendet. �Ich lasse nicht zu, da� irgendein feiger Hund von Canbys Stab bei meiner Familie herumschn�ffelt.�</p><p>�Das klingt so grob und h��lich!� rief Marie-Louise.</p><p>�So ist es nicht.�</p><p>�Bitte denk noch mal dr�ber nach, Cooper�, fing Judith an.</p><p>Ruckartig schob er seinen Stuhl zur�ck und erhob sich. �Ich soll dr�ber nachdenken, ob ich meiner Tochter erlauben soll, sich von einem Soldaten den Hof machen zu lassen, dessen Vater ein bibellesender Republikaner ist? Lieber noch h�tte ich diesen Burschen LaMotte in meinem Haus. Die Entscheidung ist endg�ltig. Ich mu� noch im Garten arbeiten, solange das Licht h�lt.�</p><p>Mit schnellen, harten Schritten verlie� er das Zimmer. Judith wappnete sich gegen eine neue Tr�nenflut. Statt dessen f�hlte sie sich �berrascht von dem, was sie in den Augen ihrer Tochter entdeckte. Ein lautloser Zorn, der f�r so ein junges M�dchen ganz und gar nicht typisch war.</p><p>Marie-Louise wischte sich �ber die Wangen. Sie starrte weiter auf die T�r, durch die ihr Vater verschwunden war.</p><p>Sp�ter, als es schon dunkel geworden war, ging Judith leise auf die Veranda mit Blick zum Garten hinaus. Insekten umkreisten die �llampe, die auf einem geflochtenen Tisch stand. Cooper war auf einem Stuhl neben dem Tisch eingeschlafen; seine Weste stand offen, die Krawatte hatte er gelockert.</p><p>Sie stieg �ber mit Zahlenkolonnen bedeckte Papiere hinweg und beugte sich �ber ihn, um ihn mit einem Ku� auf die Stirn zu wecken. Cooper ruckte nach oben, unsicher, wo er sich befand.</p><p>�Es ist fast zehn Uhr, Cooper. Marie-Louise ist direkt nach dem Essen nach oben auf ihr Zimmer gerannt. Seitdem habe ich keinen Laut mehr geh�rt. Ich denke, du solltest Frieden mit ihr schlie�en, falls das m�glich ist.�</p><p>�Ich habe nichts Unrechtes getan. Warum mu� ich ...?� Judiths Blick brachte ihn zum Schweigen. Sich die Augen reibend, stand er auf. �Also gut.�</p><p>Sie lauschte, wie er langsam die Treppe hochstieg, h�rte dann ein leises Klopfen. �Marie-Louise?� Sie schaute in den dunklen Garten hinaus, als er rufend die Treppe herabgest�rzt kam. �Sie ist weg.�</p><p>�Was sagst du da?�</p><p>�Sie mu� die Nebentreppe benutzt haben. Ihr Zimmer ist leer, die H�lfte ihrer Kleidung ist verschwunden. Sie ist weg!�</p><p>Die Insekten umkreisten die flackernde Lampe. Zum erstenmal seit langer Zeit lie� Judith ihrem Zorn freien Lauf. �Das ist deine Schuld. Du hast sie aus dem Haus getrieben.�</p><p>�Das ist unm�glich. Sie ist doch blo� ein M�dchen.�</p><p>�Im Heiratsalter, wenn ich dich daran erinnern darf. Viele M�dchen in South Carolina sind mit vierzehn Mutter. Du hast ihre Zuneigung zu diesem jungen Mann falsch eingesch�tzt. Seinetwegen - und deinetwegen - ist sie weggerannt.�</p><p>Ein ged�mpftes H�mmern drang durch die Nebel des Schlafes. Madeline hob langsam den Kopf, versuchte das Ger�usch einzuordnen. Sie h�rte, wie sich Prudence Chaffee im anderen Schlafzimmer bewegte.</p><p>Das H�mmern wurde lauter. �Bitte ... jemand ...�</p><p>Eine Frauenstimme. Madeline glaubte, sie m�sse die Stimme erkennen, tat es aber nicht. Sie war immer noch zu schl�frig. War es eine der Negerfrauen?</p><p>Prudence machte ihre Lampe an und brachte sie zur T�r von Madelines Raum. Ihr schlichtes, kr�ftiges Gesicht war hellwach, ihre Augen blickten besorgt. �Glaubst du, es gibt �rger mit der Schule?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Auf nackten F��en ging Madeline zur T�r. �Es ist mitten in der Nacht.�</p><p>In Wirklichkeit war fast Morgen, wie sie beim �ffnen der T�r entdeckte. Zwischen den hohen B�umen sah sie den gezackten, orangefarbenen Himmel. Gegen das Licht zeichnete sich eine zerzauste Gestalt auf der Veranda ab.</p><p>�Tante Madeline!�</p><p>Sie h�tte nicht erstaunter sein k�nnen, wenn Andrew Johnson pers�nlich vorbeigeschaut h�tte. �Marie-Louise! Was tust du denn hier?�</p><p>�Bitte la� mich rein, dann erkl�re ich alles. Ich bin die ganze Nacht marschiert.�</p><p>�Du bist den ganzen Weg von Charleston gelaufen?� rief Prudence. �Zw�lf Meilen, ganz allein, auf einer dunklen Stra�e? Hast du dir denn da gar keine Gedanken gemacht?�</p><p>Sofort war Madeline klar, da� etwas Schlimmes geschehen sein mu�te. Ein Todesfall? Ein Gewaltakt? Dann sah sie den zum Platzen gef�llten Koffer. Man packt keinen Koffer, um von einer Trag�die zu berichten.</p><p>�Da gibt es diesen Jungen. Papa hat verboten, da� er mir den Hof macht. Ich liebe ihn, Tante Madeline. Ich liebe ihn, und Papa ha�t ihn.�</p><p>Das also war es. Ein junges, verliebtes M�dchen tat viele gef�hrliche oder gedankenlose Dinge, wenn sie mit ihren eigenen Problemen besch�ftigt war. Sie erinnerte sich, wie es mit Orry gewesen war, wie romantische Gef�hle jeden Sinn f�rs Praktische und alle Furcht vor Gefahren weggefegt hatten.</p><p>�Darf ich bleiben, Tante Madeline? In die Tradd Street gehe ich nicht zur�ck.�</p><p>Dann w�rde es sicher �rger mit Cooper geben. Aber wegschicken konnte Madeline sie auch nicht. �Komm herein�, sagte sie und trat beiseite, um den atemlosen Fl�chtling willkommen zu hei�en.</p><p>WEISSE M�NNER - AN DIE WAFFEN!</p><p>Heute tagt die Bastard-&gt;Legislative&lt; in Columbia. Die wahnsinnigste, skrupelloseste und infamste Revolution in unserer Geschichte hat die Macht den H�nden der Rasse entrissen, die das Land besiedelt hat, und sie an ihre fr�heren Sklaven �bergeben, eine unwissende, korrupte Rasse.</p><p>Diese gesetzlose, elende Versammlung wird die besten und nobelsten Staaten unserer gro�en Schwesternschaft unter den gottlosen Hufen afrikanischer Wilder und Armeebriganten zertrampeln. Millionen freigeborener, edler M�nner und Frauen unseres Landes werden gezwungen, sich in die Gewalt von sabbernden, verlausten, den Teufel anbetenden Barbaren aus dem Dschungel und streunenden Freibeutern aus Cape Cod, Boston und der H�lle zu begeben.</p><p>Es ist f�nf vor zw�lf; es geht um unser Leben; unsere einzige Zuflucht ist die Gewalt der Waffen.</p><p>Sonderausgabe von the ashley thunderbolt 6. Juli 1868</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Juni 1868. Cooper hier, noch keine 24 Stunden, nachdem wir seine Tochter aufgenommen hatten. Schreckliche Szene ...</emphasis></p><p>�Wo ist sie? Ich verlange, da� du sie herbringst.�</p><p>Er stand Madeline auf dem Rasen vor dem wei�get�nchten Haus gegen�ber. Unten am Flu� keuchte die Dampfmaschine bei der S�gem�hle. Das Blatt einer Kreiss�ge jaulte auf, versuchte sich durch einen Eichenstamm zu bei�en.</p><p>�Sie befindet sich auf der Plantage. Es geht ihr gut, und sie m�chte eine Weile bei uns bleiben. Sie will ganz eindeutig keine weiteren Streitereien mit dir.�</p><p>�Mein Gott. Erst machst du Gesch�fte mit republikanischen Ausbeutern. Dann hetzt du meine Tochter gegen mich auf.�</p><p>�Marie-Louise ist in den Jungen verliebt, Cooper. Ich w�rde in der Tradd Street nach der Ursache ihres Trotzes suchen.�</p><p>�Zum Teufel mit dir, bring sie her!�</p><p>�Nein. Die Entscheidung zu gehen liegt bei ihr.�</p><p>�Bis sie erwachsen ist, hab' einzig und allein ich das legale Recht ...�</p><p>�Das legale Recht vielleicht, nicht das moralische. Sie ist fast sechzehn. Viele M�dchen sind schon vorher verheiratet und M�tter.� Madeline ging um ihn herum.</p><p>�Wenn das alles ist ...�</p><p>�Das ist es nicht. Ist dir bewu�t, da� es einen Ku-Klux in diesem Bezirk gibt?�</p><p>�Ich habe Ger�chte geh�rt. Beweise daf�r konnte ich keine finden.�</p><p>�Nun, ich wei� es aus bester Quelle. Die Gruppe hier f�hrt ein sogenanntes Totenbuch. Darin stehen die Namen jener, die den Klan beleidigt haben. Wei�t du, welcher Name ganz oben auf der ersten Seite steht? Deiner.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht.� Madelines erzwungene Ruhe lie� nichts von dem pl�tzlichen, krampfartigen Schmerz in ihrem Magen erkennen.</p><p>�Ich warne dich, diese M�nner sind gef�hrlich. Wenn sie herkommen, wenn deinetwegen meiner Tochter etwas geschieht, dann lasse ich dich nicht durch die Gerichte bestrafen. Das werde ich dann pers�nlich erledigen.�</p><p>Ein letztes Mal versuchte sie vern�nftig mit ihm zu reden. �Cooper, wir sollten nicht miteinander streiten. F�r Marie-Louise werden sich die Wogen schon gl�tten. Gib ihr eine Woche oder so. Und vergi� in der Zwischenzeit nicht, was uns verbindet. Wir sind eine Familie. Mein Mann war dein Bruder.�</p><p>�Sprich nicht von ihm. Er ist tot, und du bist das, was du immer warst - eine Au�enseiterin.�</p><p>Sie zuckte zur�ck, als h�tte er sie ins Gesicht geschlagen.</p><p>Seine Wut lie� ihn jegliche Beherrschung verlieren. �Ich verfluche den Tag, an dem ich dir vertraut habe. Da� ich dir die Verwaltung dieser Plantage �bertragen habe. Weil Orry dich hier haben wollte. Ich w�nschte bei Gott, ich k�nnte diese Vereinbarung zerrei�en und dich rauswerfen, denn genau das w�rde ich tun, Madeline. Ich w�rde es tun! Du bist es nicht mal wert, im Schatten meines Bruders zu stehen. Orry war ein wei�er Mann.�</p><p>Er rammte sich seinen Hut auf den Kopf und ging auf sein Pferd zu. Sein Gesicht war grau und eingefallen und ha�verzerrt, als er davonritt.</p><p><emphasis>Orry, ich kann nicht vergessen, was er sagte, oder dar�ber wegkommen. Ich sollte nicht lang und breit dar�ber schreiben. Ich m�chte nicht in Selbstmitleid verfallen. Doch er hat eine tiefe Wunde geschlagen</emphasis> ...</p><p>... <emphasis>Die Mine ist in vollem Betrieb. Endlich ein bi�chen Geld!</emphasis></p><p><emphasis>Mr. Jacob Lee, Savannah, ist die ganze Nacht durchgeritten, um sich heute morgen mit mir zu treffen. Er ist jung, eifrig und besitzt gute Empfehlungen als Architekt. In Atlanta aufgewachsen, wo er seine Eltern in Shermans Feuer verlor, wei� er kaum etwas vom Flachland und gar nichts von mir. Genau deswegen habe ich ihn eingestellt .</emphasis></p><p>Lee, klein und voller Energie, zeichnete mit seinem Kohlenstift einen schnellen Entwurf auf seinen Block. Sie hatte sich entschuldigt, da� sie mit den Begriffen der Architektur nicht vertraut war, und Mont Royals Umrisse skizziert, wie sie ihr im Ged�chtnis geblieben waren. Das hatte gen�gt.</p><p>�Die toskanische S�ulenordnung. Die St�tzpfeiler etwas freier von Ornamenten als die griechischen S�ulen. Schlichter, sauberer S�ulenknauf und S�ulengeb�lk - haben Sie es so in Erinnerung?�</p><p>Madeline fl�sterte, die H�nde zusammengepre�t: �Ja.�</p><p>�War die �u�ere Seitenwand so? Wei�?� Er setzte horizontale Linien hinter die Pfeiler.</p><p>Sie nickte. �Hohe Fenster, Mr. Lee. Meine Gr��e, vielleicht noch etwas gr��er.�</p><p>�Ungef�hr so?�</p><p>�Oh ja.� Sie konnte die Tr�nen nicht mehr zur�ckhalten. Auf seinem Block sah sie es endlich vor sich, geschaffen von einigen fachm�nnischen Strichen und ihrer eigenen Phantasie. Das zweite gro�e Haus. Das neue Mont Royal ...</p><p>Das Haus, in dem sie nach Coopers Worten ein Eindringling war.</p><p><emphasis>Juli 1868. Wir geh�ren wieder zur Union! Der Kongre� hat die neue Verfassung anerkannt, die staatliche Legislative hat sie ratifiziert, und wir wurden am 9. Juli wieder aufgenommen. Ein gro�er Anla� f�r �ffentliche Freude. Aber nichts dergleichen</emphasis> ...</p><p><emphasis>14. Verfassungszusatz ratifiziert. Andy ist sehr stolz. Er sagte: �Ich bin jetzt ein B�rger. Ich werde jeden Mann bek�mpfen, der mir das streitig machen will...�</emphasis></p><p><emphasis>Theo German kam gestern abend zu Besuch. Was f�r ein wunderbarer, aufrichtiger junger Mann. Er kam in voller Uniform und ganz allein - eine mutige Tat angesichts der Stimmung in der Nachbarschaft. Er hat den ganzen Morgen in der Schule verbracht. M.-L. hilft dort aus. Wenn ich solche Dinge noch richtig beurteilen kann, dann lieben sie einander wirklich. Wie sie allerdings ihre Beziehung auf Dauer gestalten wollen, ohne sich C. f�r immer zum Feind zu machen, wei� ich nicht</emphasis> ...</p><p><emphasis>Merkw�rdige Zeiten. Die Mixturen von M�nnern, die unser Leben kontrollieren, zeigt sich am deutlichsten bei unseren Kongre�abgeordneten. Die Senatoren sind Mr. Robertson (einer der ersten prominenten M�nner des Staates, der sich den Republikanern angeschlossen hat) und Mr. Sawyer aus Massachusetts, der zu uns gekommen war, um die Leitung der Grundschule in Charleston zu �bernehmen. Von unseren vier Abgeordneten stammen Corley und Goss aus Carolina, es spricht nicht viel f�r, aber auch nicht viel gegen sie. Whittemore ist ein Pastor der methodistischen Episkopalkirche aus Neuengland mit einer herrlichen Ba�stimme; es hei�t, sein m�chtiger Hymnengesang habe ihm geholfen, die Neger auf seine Seite zu bringen. Dann ist da noch der bemerkenswerte Christopher Columbus Brown, Organisator der staatlichen Republikaner und ehemaliger Gl�cksspieler. Er stand vor einem Kriegsgericht der Konf�deration und sa� zum Zeitpunkt der Kapitulation unter dem Verdacht des Mordes an seinem Kommandeur im Gef�ngnis von Charleston.</emphasis></p><p><emphasis>Gen. Canby sagt, die Umstrukturierung des Staates unter den Wiederaufbaugesetzen sei abgeschlossen. Die Regierungsgewalt geht vom Milit�r an die gew�hlten Zivilbeh�rden �ber. In Columbia haben wir Gen. Scott vom B�ro als Gouverneur, den Mulatten Mr.</emphasis></p><p><emphasis>Cardozo als Staatssekret�r und einen kalten, kultivierten Republikaner und Veteranen der Union, Mr. Chamberlain, als Justizminister. Chamberlain bringt f�r seinen Posten sowohl Universit�tsabschl�sse von Harward als auch von Yale mit, ebenso wie eine grunds�tzliche Abneigung gegen alle Demokraten.</emphasis></p><p><emphasis>Der bemerkenswerteste - oder je nach Standpunkt schlimmste -Anblick ist die neue Legislative.</emphasis></p><p>Cooper stand neben Hampton am Gel�nder der Galerie. Er war nach Columbia gekommen, um mit den F�hrern der Demokratischen Partei zu konferieren. Hampton hatte vorgeschlagen, sie sollten sich mal aus erster Hand informieren, indem sie einen Blick auf die Leute warfen, die jetzt den Staat kontrollierten. Vom ersten Augenblick an, als Hampton ihn in das immer noch nicht vollendete Parlamentsgeb�ude gef�hrt hatte, war er entsetzt gewesen.</p><p>Schmutz bedeckte die Flure. Die Tore des Hauses wurden von einem Neger mit gl�nzendem Gesicht bewacht, der auf einem gegen die Wand zur�ckgekippten Stuhl sa�. Beim Aufstieg zur Galerie entdeckte Cooper an der Marmorwand des Treppenhauses etwas, das wie ein gro�er Fleck getrockneten Blutes aussah.</p><p>Wie bet�ubt umklammerte er jetzt wieder das Gel�nder. Er hatte gewu�t, da� f�nfundsiebzig der hundertvierundzwanzig gew�hlten Repr�sentanten Neger waren, aber es war viel ein-dr�cklicher, sie alle in dem Saal versammelt zu sehen. Der Sprecher war schwarz. Sein Gehilfe ebenfalls. Anstelle der anst�ndigen wei�en Jungs, die fr�her als Pagen gedient hatten, sah Coo-per - �Mischlingskinder. Unglaublich.�</p><p>Viele der wei�en Gesetzgeber erkannte er. Einst Sklaven- und Plantagenbesitzer, waren sie nun eine verschwindende Minderheit gegen�ber den Schwarzen, die ihnen fr�her vielleicht geh�rt hatten. Was die Schwarzen anbelangte, so vermutete Cooper, stammte ihre einzige politische Bildung aus dem Geschw�tz der Union League. Diese M�nner w�rden Jahre brauchen, um die feine Kunst des Regierens zu beherrschen. Zuvor schon w�rde der Staat ruiniert sein.</p><p>Mit kummervollem Gesicht sagte Hampton: �Genug gesehen?�</p><p>�Jawohl, General.� Die beiden M�nner flohen zu den Galeriet�ren. �Der alte Spruch ist wahr geworden, was? Das Unterste ist zuoberst gekehrt worden.�</p><p>Im Korridor sagte Hampton: �Was dort drinnen geschieht, ist eine Travestie und eine Trag�die. Ich bin �berzeugt davon, da� wir South Carolina von solchen M�nnern erl�sen m�ssen, oder wir verlieren alles, was wir sch�tzen.�</p><p>�Ich bin der gleichen Meinung�, sagte Cooper. �Was immer n�tig ist, ich bin bereit, es zu tun.�</p><p><emphasis>August 1868. Old Stevens ist mit 76 gestorben. Ein ungemein verha�ter Mann in Carolina - obwohl ich dieses Gef�hl nicht teilen kann. Er liegt aufgebahrt mit einer Ehrengarde von Negerzuaven. Es gibt bereits Streit �ber seine Grabst�tte in Pennsylvania.</emphasis></p><p>Virgilia sah ihren alten Freund drei Stunden vor seinem Ende. Unter den wachsamen Augen von Schwester Loretta und Schwester Genevieve, zwei Nonnen vom protestantischen Hospital f�r Farbige, sa� sie da und hielt die Hand des alten Mannes.</p><p>Sie und Scipio nahmen den Zug nach Lancaster, um bei der Beerdigung dabei zu sein. W�hrend der Reise mu�ten sie die w�tenden Blicke und beleidigenden Bemerkungen anderer Fahrg�ste ertragen. An ihrem Ziel angekommen, hatte Virgilia zu k�mpfen, um ihren Kummer unter Kontrolle zu halten. Sie schaffte es, bis sie am Friedhof angekommen waren, wo ihr Freund zur letzten Ruhe gebettet werden sollte.</p><p>W�hrend seiner letzten Tage hatte Stevens lange �ber seine Grabst�tte nachgedacht. Weil es in Lancaster keine prominenten Friedh�fe gab, die die Leichen von Negern zugelassen h�tten, w�hlte er einen �rmlichen, kleinen Negerfriedhof. Nach seinem Wunsch sollte auf dem Grabstein stehen:</p><p>ICH HABE DIESEN ORT GEW�HLT UM NOCH IN MEINEM TOD F�R DIE PRINZIPIEN EINZUSTEHEN DIE ICH EIN LANGES LEBEN LANG GEPRIESEN HABE:</p><p>GLEICHHEIT F�R JEDEN MENSCHEN VOR SEINEM SCH�PFER</p><p>Als sie das sah, brach Virgilia in Tr�nen aus, ein gewaltiges Schluchzen entrang sich ihrer Brust, so wie vor langer Zeit, als sie allein Gradys Grab in der N�he von Harpers Ferry besucht hatte. Scipio legte einen Arm um sie. Es tr�stete sie, ebenso wie seine ruhigen Worte:</p><p>�Nur sehr wenige k�nnen von sich sagen, da� sie so gestorben sind, wie sie gelebt haben. Er war ein gro�er Mann.�</p><p>Virgilia pre�te sich an ihn. Seine Hand hielt ihre Schulter fest umklammert; keiner von ihnen beachtete die erstaunten Blicke, die sie auf sich zogen. Sie war froh, da� seine Hand bei ihr war. Sie hoffte, es w�rde immer so sein.</p><p><emphasis>Wie unversch�mt sie doch sind - der &gt;Klan&lt;. In Gettys'</emphasis> Thunderbolt <emphasis>hei�t es in einer kurzen Notiz, da� sie Freitagnacht eine Parade in Summerton veranstalten werden. Jeder, der gegen sie ist, wird gewarnt; wenn er sich nicht fernh�lt, riskiert er strenge Bestrafung.</emphasis></p><p><emphasis>Andy erkl�rte, da� er sich die Sache mal anschauen w�rde. Ich sagte nein. Er erwiderte, ich h�tte �ber seine Entscheidungen nicht zu verf�gen. Ich sagte, ich sei lediglich um seine Sicherheit besorgt, und bat ihn, mir zu versprechen, da� er auf M.R. bleiben w�rde. Ich wertete sein Schweigen als Zustimmung.</emphasis></p><p>Die schw�le Dunkelheit des Sommers machte schlaff und gereizt. Jane sa� an dem alten Tisch in ihrem Haus und deutete auf die Zeitung, die Andy gerade gelesen hatte; mit nerv�sen Bewegungen seiner Handfl�che gl�ttete er sie wieder und wieder, w�hrend er auf seiner Unterlippe herumkaute.</p><p>�Andy, da steht es. &gt;Alle illoyalen wei�en M�nner und LigaAnh�nger werden gewarnt, fernzubleiben.&lt; Was hast du davon?�</p><p>�Ich will sie mir ansehen. Im Krieg haben die Gener�le auf beiden Seiten den Feind stets ausgesp�ht.�</p><p>�Du hast Madeline dein Wort gegeben.�</p><p>�Ich habe geschwiegen. Das war kein Versprechen. Ich werde vorsichtig sein. Ich bin bald wieder zur�ck.�</p><p>Er k��te sie und schl�pfte aus dem Haus. Sie ber�hrte ihre Wange. Wie kalt sich seine Lippen angef�hlt hatten. Jane legte die H�nde zusammen und pre�te sie fest auf ihren Mund. Sie schlo� die Augen. �Andy - Andy.� Furcht und Schrecken lagen in ihrem Fl�stern.</p><p>Er schlug einen weiten Bogen durch die S�mpfe um Summerton herum, vertraute dabei darauf, da� er die begehbaren Pfade im Ged�chtnis hatte. Nur einmal rutschte er knietief ins Salzwasser.</p><p>Es war eine wolkenlose Nacht ohne jeden Wind. Eine dichte Dunstschicht verschleierte den Mond. Die Luft war voller Mos-kitos und winziger Insekten, die sein Ohr mit dem Ger�usch einer Kreiss�ge umschwirrten. Er h�rte Stimmen und Gel�chter, als er sich hinter Gettys' Laden an Summerton heranschlich.</p><p>Durch das Unterholz kroch er bis ans hintere Ende des DixieLadens. Von hier aus konnte er die vordere Veranda einsehen, auf der sich einige schlampige wei�e Frauen herumdr�ckten. Eine hatte ihr Kleid vorne ge�ffnet. Ein mageres Baby saugte an ihrer linken Brust. Das Gespr�ch der Frauen war laut und obsz�n.</p><p>Auf der anderen Seite der Stra�e sah Andy ein paar Kinder im Staub sitzen, zusammen mit einem Paar der �rmeren P�chter aus dem Bezirk. Pl�tzlich verstummte das Gerede. Die wei�en Leute richteten ihre Aufmerksamkeit auf etwas, was au�erhalb seines Blickfeldes vor dem Laden geschah.</p><p>Schwitzend beschlo� er, hinter eine gewaltige Eiche zu kriechen, die zehn Fu� von der Veranda entfernt stand. Dazu mu�te er eine offene, hellerleuchtete Fl�che �berwinden, doch die Leute schauten alle in die andere Richtung, die Stra�e hoch. Er z�hlte bis drei und scho� los. Eine Frau auf der Veranda h�rte ihn, doch bevor sie sich umgedreht hatte, dr�ckte er sich bereits flach gegen die rauhe Borke des Baumstamms. Er h�rte die Frau grunzen: �Wahrscheinlich irgendein Tier.�</p><p>Nach einer Zeit des Schweigens h�rte er schwache, rhythmische Ger�usche. Pferde oder Maultiere auf der staubigen Uferstra�e. An der Kreuzung br�llte jemand: �Hurra! Da kommen sie.�</p><p>Andy schob seinen Kopf hinter dem Baumstamm hervor, bis er die jetzt hellerleuchtete Kreuzung gut einsehen konnte; die H�lfte der Neuank�mmlinge trug rauchende Fackeln bei sich.</p><p>Er wu�te nur, da� es sich um M�nner handeln mu�te, mehr konnte er nicht erkennen. Sie trugen Roben und Kapuzen mit L�chern f�r die Augen. Die Kost�me waren aus irgendeinem gl�nzenden, blutfarbenen Stoff gen�ht. Er klammerte sich an den Stamm und beobachtete mit angehaltenem Atem weiter.</p><p>In Einerreihe ritten sie auf die Kreuzung. Der Anf�hrer hatte seine Robe auf der rechten Seite hochgezogen und hinter seinen G�rtel gestopft, in dem Patronen schimmerten. Der Kolben seines in einem Halfter steckenden Revolvers pendelte frei. Bei den anderen Reitern entdeckte Andy alte Flinten, ein antikes Sponton, sogar einige S�bel.</p><p>Die Hufe wirbelten Staub auf. Die Reiter umkreisten die Lichtung wieder und wieder; das Ganze wirkte um so erschreckender, weil es vollkommen lautlos geschah. Selbst die wei�en Schlampen und die P�chter schauten eingesch�chtert drein.</p><p>Der Anf�hrer brachte sein Pferd vor dem Dixie-Laden zum Stehen. Jetzt erst bemerkte Andy etwas, das er zuvor nicht gesehen hatte. Der zweite Mann schleppte auf seinem Sattel eine Art Holzkiste mit, teilweise unter seiner Robe verborgen. Die Kiste schien rechteckig zu sein, ungef�hr zwei Fu� lang, und bestand aus rohem Pinienholz.</p><p>Der F�hrer hob ein altes H�rrohr, wie es von Schwerh�rigen benutzt wurde, an den Mund und sprach hinein. Seine Stimme klang dadurch blechern und verzerrt.</p><p>�Die Ritter des Unsichtbaren Reiches versammeln sich. Feinde des wei�en Rittertums, h�tet euch. Eure Tage sind gez�hlt. Euer Tod ist gewi�.�</p><p>Das war billiger Kitsch, dar�ber war sich Andy im klaren.</p><p>Eine kindische Maskerade. Doch er konnte in die Herzen, wenn schon nicht in die Gesichter der Kapuzenm�nner sehen. Sie waren entschlossen und voller Ha�.</p><p>�Teilt es allen mit�, bellte der Anf�hrer durch das verbeulte Rohr. �Hier ist der erste, der unseren Zorn zu sp�ren bekommen wird.�</p><p>Der zweite Reiter warf die Kiste zu Boden. Der Deckel sprang auf. Eine Art Puppe kam zum Vorschein.</p><p>Der F�hrer gab ein Zeichen, und die Reihe der Reiter setzte sich in Bewegung. Andy entschied, da� er genug gesehen hatte. Er schlich sich durch die Yuccas zur�ck auf das dichte Geb�sch zu, aus dem er aufgetaucht war. Sein Fehler war, da� er �ber die Schulter schaute, um die Klansm�nner im Auge zu behalten.</p><p>Er trat zu nahe an eine Yuccapflanze heran. Die Spitze eines langen Blattes stach durch seine Hose in sein Bein, und er stie� einen Schmerzensschrei aus, nicht sehr laut, aber doch ausreichend, um die Aufmerksamkeit der Reiter auf sich zu lenken. Jemand br�llte etwas, Gewehre und Revolver wurden hochgerissen. Der Anf�hrer deutete auf den Schwarzen, der auf die B�ume zurannte.</p><p>Spitze Bl�tter bohrten sich in seine Beine, als zwei Kapuzenm�nner auf ihn zugeritten kamen. Keuchend rannte Andy schneller, hinaus aus dem Yuccageb�sch. Ein Musketenkolben knallte gegen seinen Sch�del und warf ihn auf die Knie.</p><p>Die M�nner stiegen ab und schleppten ihn zur Veranda. Die wei�e Frau, die das Baby gestillt hatte, beugte sich vor und spuckte ihn an. Sie stie�en ihn vor das Pferd des Anf�hrers.</p><p>�Nigger wurden vor dieser Versammlung gewarnt�, dr�hnte der Anf�hrer durch das H�rrohr. Er war eine erschreckende Gestalt, wie er so hoch �ber Andy aufragte in einer Robe, die in Flammen zu stehen schien. �Nigger, die dem Unsichtbaren Reich trotzen, bekommen, was sie verdienen.�</p><p>Ein anderer Klansmann zog ein gewaltiges Jagdmesser hervor. Die Klinge blitzte, als er das Messer drehte. �Rei�t ihm die Hosen runter. Du bist erledigt, Boy. Aus Niggerk�pfen und Niggereiern kochen wir Suppe.�</p><p>�Nein.� Der Anf�hrer schlug mit dem H�rrohr durch die Luft.</p><p>�Er soll den anderen erz�hlen, was er hier gesehen hat. Zeigt ihm den Sarg.�</p><p>Ein Mann ri� Andys Kopf herum, so da� er die auf dem Boden stehende offene Kiste sehen konnte. Durch das Samtkleid der groben Maish�lsenpuppe in der Kiste hatte man eine Kugel gejagt. Der F�hrer deutete auf geschw�rzte Buchstaben, die in den Sarg gebrannt worden waren. Krumme Buchstaben, aber lesbar.</p><p>�Einer soll ihm vorlesen, was da steht.�</p><p>�Ich kenne diesen Nigger�, sagte ein anderer Klansmann. �Er ist ein Mont-Royal-Nigger. Er kann selber lesen.� Obwohl der Sprecher versuchte, seine Stimme rauher klingen zu lassen, erkannte Andy doch Gettys.</p><p>Er war so ver�ngstigt, da� ihm alles vor Augen verschwamm.</p><p>Er mu�te seine inneren Muskeln krampfhaft anspannen, um sich nicht in die Hosen zu machen. Der Anf�hrer dr�hnte: �Also gut. Du erz�hlst dieser Frau, was du hier gesehen und gelesen hast, Nigger.� Wieder gab er ein Zeichen. Andy wurde losgelassen und erhielt einige Tritte.</p><p>Er taumelte los. Ein Revolver knallte viermal. Jedesmal zuckte er in der Erwartung, getroffen zu werden, heftig zusammen. Er rannte weiter, an den Yuccas vorbei auf den Wald zu. Zum Gl�ck fiel er nicht. Er drehte sich um, als er die B�ume erreichte; bl�ulicher Pulverdampf trieb �ber den Kapuzenm�nnern. Sie lachten �ber ihn. Er rannte in die Dunkelheit hinein.</p><p><emphasis>Konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Andy hat den Klan gesehen und was sie in den Sargdeckel gebrannt haben, dessen Inhalt ihr beabsichtigtes Opfer repr�sentieren sollte. Er hat es mir aufgeschrieben, mit zitternder Hand, w�hrend der Schwei� von seiner Stirn auf das alte braune Papier tropfte:</emphasis></p><p><emphasis>&gt;Zum Tode verurteilt und hingerichtet&lt; </emphasis></p><p><emphasis>die Niggerin</emphasis></p><p>MAIN</p></section><section><title><p id="bookmark58"><strong>44</strong></p></title><p>An diesem Tage erwachte Charles eine Stunde sp�ter als �blich - um f�nf Uhr nachmittags. Er griff unter sein Feldbett, entkorkte die Flasche und nahm den ersten Schluck, bevor er aus dem Bett stieg. Es war f�r ihn zur Gewohnheit geworden, den Tag so zu beginnen.</p><p>Es war Mitte August. Gleich hinter seinem Arbeitsplatz stand die H�tte, in der er schlief; sie war hei� und stickig. Und laut. Cowboys aus Texas br�llten und stampften auf dem Tanzboden des Hauptgeb�udes herum, w�hrend der Professor auf dem brandneuen Fenway-Klavier des Etablissements eine Polka spielte.</p><p>Nach dem zweiten Schluck erhob er sich widerstrebend. Angekleidet war er bereits; f�r gew�hnlich schlief er in seinen Sachen. Er hatte eine zw�lfst�ndige Nachtschicht als Rausschmei�er in &gt;Trooper Nell's&lt; vor sich. &gt;Nell's&lt; war eine gut florierende Tanzhalle mit Zimmern im ersten Stock f�r die Huren und deren Kunden. Sie lag in der Texas Street, zwischen Applejack und Pearl, s�dlich der Eisenbahnlinie. Wenn er aufmerksam lauschte, konnte er die Pferde und Kutschen h�ren, die die ausbezahlten Viehtreiber in den weniger respektablen Teil von Abilene brachten.</p><p>&gt;Trooper Nell's&lt; schlo� niemals. Abilene bl�hte auf und entwickelte sich schnell zu der beliebtesten Verladestation in Kansas. Joe McCoy, ein bescheidener Farmerjunge aus Illinois mit einem gut entwickelten Gesch�ftssinn, hatte alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen. Letztes Jahr hatte McCoy in seiner ersten Saison mit seinem zweihundertf�nfzig Acres gro�en Komplex aus Pferchen und Rampen ungef�hr f�nfunddrei�igtau-send St�ck Texasvieh an Bord der U.P.E.D. verladen. Diese zweite Saison versprach das Doppelte. Trotz der Probleme mit den Indianern w�hrend des Sommers str�mten die Herden bei Humbarger's Ford im S�den der Stadt durch den Smoky Hill. Fast jede Nacht mu�te Charles auf zahlreiche freigiebige, saufende Cowboys aufpassen, sobald sie au�er Rand und Band gerieten. Der Sheriff von Dickson County tat wenig. Er war von Beruf Kolonialwarenh�ndler, der mit Rowdies nicht umgehen konnte.</p><p>Charles ben�tzte seine Finger, um seinen langen Bart zu entwirren. Von einem Stuhl mit einem abgebrochenen Bein nahm er die Segeltuchh�lle, die er selbst gen�ht hatte, und schob die Spencer hinein. Das Gewehr und der tiefgeschnallte Colt d�mpften f�r gew�hnlich die Kampfeslust der Cowboys. Das hatte er von Wild Bill gelernt, der mittlerweile in Kansas zur Legende geworden war. Manchmal trug Hickock bis zu f�nf Waffen plus ein Messer bei sich. Auf diese Weise sch�chterte er M�nner ein, anstatt sie t�ten zu m�ssen. Charles hatte Wild Bill schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen; es hie�, er w�rde als Meldereiter f�r die Armee arbeiten.</p><p>Es war Charles' Pech, da� er nicht auch so einen Posten bekommen hatte. Seit seiner Entlassung aus dem Zehnten Regiment hatte er keinen Indianer mehr zu Gesicht bekommen.</p><p>Und dieses Jahr war wirklich daf�r geeignet. Die St�mme hatten ganz friedlich �berwintert. Doch dann hatten sich die Politiker �ber die H�he der Jahreszahlungen entsprechend den bei Medi-cine Lodge Creek ausgehandelten Bedingungen nicht einigen k�nnen. Nahrungsmittel, Gewehre und Munition wurden ebenfalls nicht ausgegeben. Im Fr�hling dann hatten sich die w�tenden Comanchen in Texas auf den Kriegspfad begeben. Dann waren die Cheyenne unter Gro�er Bulle, Narbengesicht und anderen Kriegsh�uptlingen in Kansas eingefallen, angeblich um ihre alten Feinde, die Pawnee, anzugreifen. Doch bald schon richteten sie ihre Feindseligkeiten gegen die Wei�en.</p><p>Agent Wynkoop konnte die Friedensh�uptlinge unter Kontrolle halten, aber nicht die jungen M�nner. Sheridan befand sich in Schwierigkeiten. Er verf�gte lediglich �ber 2.600 Infanteristen und Kavalleristen, mit denen er den �berf�llen Einhalt gebieten sollte. Er sandte Comstock und Grover, zwei erfahrene Scouts, aus, um den Frieden mit den Cheyenne wiederherzustellen. Eine Indianergruppe hie� die beiden M�nner willkommen und fiel dann ohne Warnung �ber sie her; Comstock wurde ermordet und Grover schwer verwundet, bevor er fl�chten konnte. Die Hinterh�ltigkeit �berraschte Charles nicht.</p><p>Er ha�te es, da� er diesen Schaupl�tzen so fern war. Doch er kannte keinen Trupp, der gegen die Indianer k�mpfte und ihn aufnehmen w�rde, und er war nicht n�rrisch genug, um allein als einsamer Scharfrichter loszuziehen. Also arbeitete er in Abi-lene und trank, w�hrend Zorn und Frustration in seinem Inneren wuchsen.</p><p>Er nahm noch einen Drink, dann verlie� er den Schuppen und trottete durch den mit M�ll �bers�ten Hinterhof auf das verschachtelte, zweist�ckige Geb�ude zu. Er hatte tief und fest geschlafen, aber wieder Alptr�ume gehabt. F�r gew�hnlich tr�umte er den alten Traum mit brennenden W�ldern, st�rzen-den Pferden, tr�umte, wie er langsam im Rauch erstickte. Letzte Nacht war es anders gewesen. In seinem Traum hatte Elkanah Bent einen gro�en Perlenohrring vor ihm geschwenkt, w�hrend er ihn mit einem gewaltigen Messer stach.</p><p>Anfang des Jahres hatte er �ber Jack Duncan eine telegraphische Botschaft erhalten, die ihn von dem Mord an George Ha-zards Frau in Kenntnis setzte. Bents langer Rachefeldzug gegen die beiden Familien hatte Charles nur in seiner �berzeugung best�rkt, da� die ganze Welt und die meisten ihrer Bewohner wertlos waren. Allerdings glaubte er nicht, da� sich Bent je auf seine F�hrte setzen w�rde. Charles hatte ihm in Texas vor dem Krieg einen zu gro�en Schrecken eingejagt.</p><p>Seit Januar war Charles nur zweimal in Leavenworth gewesen. Duncan behandelte ihn mit steifer Korrektheit, aber ohne jede Herzlichkeit. Er lie� Charles merken, da� er dessen Trinkereien nicht billigte. Charles hatte versucht, mit seinem Sohn zu spielen und zu reden, doch der Junge war ungern mit ihm allein und wollte st�ndig zu Maureen oder dem Brigadier zur�ck.</p><p>In Leavenworth warteten auch keine Briefe von Willa auf ihn. Er hatte ebenfalls nicht geschrieben.</p><p>Er befand sich in seiner �blichen m�rrischen, geh�ssigen Stimmung, als er die zerbrechliche Hintert�r aufri� und durch den dunklen Flur zu seiner Arbeit stelzte.</p><p>Der Professor h�mmerte auf das Fenway-Klavier ein. Auf dem Plankenboden tanzten zwei Cowboys mit zwei Huren. An drei Tischen sa�en Gruppen von l�rmenden, staubigen Trinkern. Charles bemerkte, da� ihn einige der Cowboys anstarrten, als er auf das Ende der f�nfzig Fu� langen, messingbeschlagenen Bar zuging.</p><p>�Schenk ein, Lem.� Der Bartender go� gehorsam einen Doppelten seines speziellen Bourbon ein. Charles kippte ihn hinunter; einen in der N�he sitzenden Cowboy, der einem anderen mit blondem Kraushaar etwas zufl�sterte, bemerkte er nicht. Der blonde Junge warf Charles einen ver�chtlichen Blick zu.</p><p>Es roch hier nach Spucke und S�gemehl, Zigarren und Trail-staub und nach Kuhfladen, in den jemand getreten war. F�r halb sechs war ganz sch�n was los, obwohl es nicht l�rmender als �blich zuging. Die Besitzerin, die eins f�nfzig gro�e Nellie Slingerland, kam die der Bar gegen�berliegende Treppe herab. Nellie war etwas �ber vierzig, trug stets hochgeschlossene lange Kleider und besa� den gr��ten Busen, den Charles je bei einer so kleinen Frau gesehen hatte. Ihre Augen waren hell und schauten berechnend drein, ihre Wangen waren von irgendeiner Kinderkrankheit her vernarbt. Nellie kostete doppelt soviel wie irgendeine der anderen Huren, doch f�r Charles tat sie es umsonst. Sie schliefen ein- oder zweimal in der Woche miteinander, f�r gew�hnlich tags�ber; Charles mu�te sich stets vorher betrinken. �Roll r�ber, du Bock�, pflegte sie zu sagen, und er schwang sich auf sie, drang in sie ein und st�tzte sich mit ausgestreckten Armen ab, w�hrend er es ihr besorgte. Sie schrie und st�hnte und h�pfte unter ihm. Weil er so gro� war, befand sich sein Kopf ein ganzes St�ck �ber dem ihren. Nie sah sie seine geschlossenen Augen oder den seltsam verzerrten Ausdruck auf seinem Gesicht. Stets versuchte er sich einzureden, es sei Willa. Es funktionierte nie.</p><p>�Wie geht's dir, Buck?� Nellies teure, handgearbeitete Stiefel knallten �ber den Boden, als sie sich ihm n�herte. Man nannte sie Trooper Nellie, weil sie sich weigerte, f�r irgendeinen Mann die Stiefel auszuziehen, Charles eingeschlossen. In Abilene gab es eine Menge Geschichten �ber sie: Sie war eine ehemalige Schullehrerin; auf ihrer Farm in der N�he von Xenia, Ohio, hatte sie ihren Mann seines Geldes wegen vergiftet; sie bevorzugte Frauen.</p><p>�Mir w�rd's besser gehen, wenn diese Hitze vorbei w�re�, sagte Charles. Er ha�te die Anrede &gt;Buck&lt;, so als w�re er irgendein Feldarbeiter. Doch sie bezahlte ihn, also fand er sich damit ab.</p><p>�Du schaust so m�rrisch aus, als k�nntest du einen Backstein verschlingen.�</p><p>�Hab' nicht besonders geschlafen.�</p><p>�Mal was ganz Neues�, sagte sie sarkastisch und griff nach dem Glas Limonade, das der Bartender aus ihrem Privatkrug eingegossen hatte. Sie trank keine harten Sachen. �Du bist ein verdammt guter Rausschmei�er, Buck, aber du l��t dir ziemlich deutlich anmerken, da� es dir nicht gef�llt. Ich fange langsam an zu glauben, du geh�rst nicht hierher.�</p><p>Sie nahm einen weiteren Schluck Limonade, w�hrend sie die G�ste musterte. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie dem Tisch, an dem der blonde Cowboy sa�. Der ganze L�rm ging auf sein Konto.</p><p>�Behalt diesen Haufen im Auge�, sagte sie. �Die Jungen machen den meisten �rger.�</p><p>Charles nickte und blieb mit dem R�cken gegen die Bar gelehnt stehen; �ber seine linke Schulter ragte der Lauf der Spencer. Kurz darauf schwankte der blonde Cowboy auf die Tanzfl�che und steuerte auf den Professor zu, wobei er Squirrel Tooth Jo und ihren Kunden grob aus dem Weg stie�. Er verlangte etwas. Der Professor schaute zweifelnd drein. Mit wildem Gesichtsausdruck knallte der Cowboy einige Goldst�cke auf die gl�nzende, schwarze Oberfl�che des Klaviers. Der Professor warf Nellie einen Blick zu und begann &gt;Dixie&lt; zu spielen.</p><p>Der blonde Cowboy stie� ein Kriegsgeschrei aus und schwenkte seinen Hut. Er stieg auf einen Stuhl und dann auf den Tisch, an dem seine Freunde sa�en. Nellie nickte Charles zu. Das bedeutete: Mach der Sache ein Ende.</p><p>Seit er erwacht war, �berkam ihn zum erstenmal ein angenehmes, erwartungsvolles Gef�hl. Ein grob gekleideter Mann stie� in diesem Moment die T�r von der Stra�e her auf, fing Charles' Blick ein und grinste. Der gro�e, b�rtige Bursche in mit Stachelschweinborsten verzierten Hosen und einem fransenbesetzten Wildledermantel kam ihm irgendwie bekannt vor, aber Charles wu�te nicht genau, woher. Er hatte andere Dinge im Kopf.</p><p>Am vorderen Ende der Bar hatte jemand ein halbes Glas Whisky stehenlassen. Charles st�rzte es herunter, griff dann �ber seine linke Schulter und holte die Spencer hervor. Er ging auf den Tisch zu, auf dem der Cowboy tanzte. Die anderen M�nner am Tisch h�rten auf zu reden und schoben ihre St�hle zur�ck. Die Stiefelabs�tze des Cowboys h�mmerten weiter auf den Tisch, der langsam splitterte.</p><p>�Da� du dir einen Drink kaufst, gibt dir noch nicht das Recht, die M�bel zu zerbrechen�, sagte Charles in erzwungenem Konversationston.</p><p>�Ich tanze gern. Mir gef�llt die Musik.� Der Cowboy war kein Texaner. Sein schwerer Akzent deutete auf den Baumwolls�den hin. Vielleicht Alabama.</p><p>�Die kannst du auch im Sitzen genie�en. Runter vom Tisch.�</p><p>�Wenn mir danach zumute ist, Soldat.�</p><p>Charles' Augenbrauen schossen in die H�he. Der Cowboy schenkte ihm ein verwaschenes, herausforderndes Grinsen. �Soldat, in einem Schuppen weiter die Stra�e hoch, hab' ich alles �ber dich erfahren. Hamptons Kavallerie, aber danach bist du wieder in die US-Armee gegangen. Daf�r w�rden wir dich in Mobile teeren.�</p><p>Charles verlor die Geduld und griff nach seinem Bein.</p><p>�Runter.�</p><p>Der Cowboy zog seinen Stiefel zur�ck und trat nach Charles, streifte seine linke Schulter und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Der Cowboy sprang vom Tisch, als Charles zur�cktaumelte.</p><p>Ein anderer Cowboy packte Charles' Spencer. Zwei weitere M�nner ergriffen seine Arme. Charles versetzte dem einen einen kr�ftigen Schlag und trieb ihn zur�ck. Vom Alkohol halb verr�ckt h�mmerte der blonde J�ngling zwei Schl�ge in Charles' Bauch.</p><p>Die Wucht ri� Charles aus dem Griff der M�nner. Er rutschte aus, sackte dann verkr�mmt in sich zusammen. Seine Spencer lag sechs Fu� entfernt.</p><p>�Haltet diesen verdammten Narren auf�, schrie Nellie, als der Cowboy seinen .44 Revolver zog.</p><p>Seine Freunde stoben auseinander. Eine ebensolche Fluchtbewegung leerte die Tanzfl�che. Der Cowboy feuerte, als Charles nach rechts rollte. Die Kugel schleuderte Splitter und Staub hoch.</p><p>Nellie kreischte: �Der Boden kostet dreihundert Dollar, du Hundesohn!�</p><p>Wieder zielte der Cowboy auf Charles. Etwas schlitterte �ber den Boden auf Charles rechte Hand zu. Er sah nur die Stiefel und die Hosen mit den Stachelschweinborsten des Mannes, der ihm die Spencer zugeschoben hatte. Bevor der Cowboy ein zweites Mal abdr�cken konnte, scho� Charles ihm in den Bauch.</p><p>Der Cowboy wurde zur�ckgeschleudert und landete auf dem Tisch, der krachend unter ihm zusammenbrach. Charles schwankte auf die Beine, schonte dabei das linke Bein, das er sich verrenkt hatte. Eine Hure kreischte; Squirrel Jo fiel in Ohnmacht. In das Schweigen hinein sagte Nellie: �Nun, ich sch�tze ...� Weiter kam sie nicht. Charles jagte eine zweite Kugel in den am Boden liegenden Cowboy. Der K�rper zuckte und rutschte ein St�ck weg. Charles feuerte ein drittes Mal. Wieder ri� es den K�rper weiter.</p><p>�H�r auf�, sagte Nellie und zerrte seinen Arm nach unten.</p><p>�Notwehr, Nellie.� Er zitterte, konnte seine Wut kaum unter Kontrolle halten.</p><p>�Beim erstenmal. Wozu die anderen Sch�sse? Du bist genauso schlimm wie irgendein verdammter Indianer.�</p><p>Charles starrte sie an, versuchte eine Antwort zu finden. Sein linkes Bein sackte weg, und er knallte auf den Boden.</p><p>Sie trugen ihn in den Schuppen und legten ihn auf das Feldbett. Nellie scheuchte den Barkeeper und den Hausdiener hinaus und betrachtete ihn n�chtern.</p><p>�Der Junge ist tot, Buck.�</p><p>Er sagte nichts.</p><p>�Du kannst hierbleiben, bis dein Bein besser ist, aber dann ist Schlu�. Ich wei�, da� du dich verteidigen mu�test, aber du h�ttest ihn nicht zu verst�mmeln brauchen. Das spricht sich rum. Ein Temperament wie das deine ist schlecht f�rs Gesch�ft. Tut mir leid.�</p><p>Mit steinernem Gesicht sah er zu, wie sie sich abwandte und hinausging. Verdammt noch mal, er hatte nur versucht, seine Haut zu retten -</p><p>Nein. Das war eine L�ge. Trooper Nellie hatte recht. Eine Kugel h�tte gereicht, um diesen n�rrischen, hitzk�pfigen Jungen zu erledigen, und er hatte es gewu�t. Warum konnte er diesen tobenden Zorn nicht loswerden, der ihn veranla�t hatte, die anderen Sch�sse abzufeuern?</p><p>Ein Klopfen. Er nahm den Unterarm von seinen Augen.</p><p>Die T�r ging auf. Gegen das verblassende Augustlicht erkannte er die Silhouette des b�rtigen Fremden.</p><p>�Griffenstein�, sagte der Mann in Wildleder.</p><p>�Ich erinnere mich. Dutch Henry.�</p><p>�Hat mich einiges gekostet, dich zu finden. Wie geht's dem Bein?�</p><p>�Tut weh. Wird eine Weile dauern, sch�tze ich.�</p><p>�H�r' ich ungern. Ich bin hundert Meilen geritten, den ganzen Weg von Hays.�</p><p>�Wozu?�</p><p>�Um dich anzuwerben.� Griffenstein zog sich eine alte Kiste heran und setzte sich. �Die Cheyenne spielen verr�ckt, und die Kavallerie jagt blo� hinter ihnen her, also hat Phil Sheridan beschlossen, in die Offensive zu gehen. Er hat einem seiner Adjutanten, Colonel Sandy Forsyth, den Befehl erteilt, f�nfzig erfahrene M�nner der Pr�rie anzuheuern, die losziehen und alle Wilden umbringen, die ihnen vor den Lauf kommen. Ich sagte, einen besseren Mann als dich k�nnten wir nicht finden. Du bist immer noch Tagesgespr�ch im Zehnten Regiment.�</p><p>M�rrisch sagte Charles: �Du meinst meinen Rausschmi�.�</p><p>�Nein, Sir. Sie reden dar�ber, wie du aus diesen Farbigen eine der besten Kavallerietruppen der Armee gemacht hast. Sie nennen deine alte Truppe nicht Barnes' Truppe, sie nennen sie Mains Truppe - nach deinem richtigen Namen -, und der Alte sagt Amen dazu.�</p><p>�Tats�chlich?� Charles packte sein schmerzendes Bein. �Hier, hilf mir mal. Ich wei�, da� ich aufstehen kann.�</p><p>Er versuchte es, fiel aber sofort wieder auf das Feldbett zur�ck. �Verdammt. Ich wollte, du w�rst einen Tag fr�her gekommen, Griffenstein.�</p><p>�Ich auch. Naja, dann beim n�chstenmal. So, wie die Roten brandschatzen und skalpieren, wird es noch einige Gelegenheiten geben. Dann kannst du mitmachen.�</p><p>�Verla� dich drauf�, sagte Charles.</p><p>�Wie finde ich dich?�</p><p>�Telegraphier an Brigadier Jack Duncan. Er ist beim Zahlmeister des Departements in Fort Leavenworth.�</p><p>�Ein Verwandter?�</p><p>Eine Bequemlichkeitsl�ge: �Schwiegervater.�</p><p>�Niemand hat mir gesagt, du seiest verheiratet.�</p><p>�Nicht mehr. Sie starb.�</p><p>Und du hast jeden Hauch von Gef�hl in der einzigen anderen Frau get�tet, die du ebenso geliebt hast.</p><p>Der gro�e Mann sagte: �Tut mir leid, das zu h�ren.� Mit einem kurzen Nicken tat Charles die Sache ab.</p><p>Sie gaben sich die Hand. Dutch Henry Griffenstein tippte an seinen Hut und zog die Lattent�r hinter sich zu; Charles blieb fluchend und frustriert zur�ck. In der Dunkelheit griff er nach der halbleeren Flasche unter seinem Feldbett.</p><p>Nellie Slingerland nahm die Entlassung nicht zur�ck. Charles war schlecht f�rs Gesch�ft. Trooper Nell's blieb fast die ganzen sieben Tage leer, die er in seinem Schuppen lag. Der Kr�mer, der zum Sheriff geworden war, schaute am letzten Tag vorbei und teilte ihm mit, da� ihn Zeugen entlastet h�tten; es war Notwehr gewesen.</p><p>Hinkend packte er seine wenigen Habseligkeiten zusammen. Nellie verabschiedete ihn nicht pers�nlich, sondern schickte ihm lediglich durch den Barkeeper zehn Dollar. Charles verwendete das Geld, um Satan aus einem Mietstall im anst�ndigen Teil der Stadt auszul�sen. In der sommerlichen Abendd�mmerung verlie� er Abilene und ritt nach Osten in die Dunkelheit hinein.</p></section><section><title><p id="bookmark59"><strong>45</strong></p></title><p>Als Willa v�llig aufgel�st ihren Text zum drittenmal verga�, sagte Sam Trump: �Zehn Minuten Pause, meine Damen und Herren.�</p><p>Er zog sie beiseite, zu der mit Kissen �bers�ten Plattform, die bei den Proben als Bett diente. Er dr�ckte sie auf den Bettrand, hinterlie� dabei tintige Abdr�cke am �rmel ihres gelben Kleides. Wegen der Septemberhitze zerflo� sein mohrenschwarzes Make-up.</p><p>�Meine Liebe, was ist los?� Er wu�te es ganz genau. Sie sah schlampig aus; ihr Silberhaar war stumpf und achtlos hochgesteckt. Er setzte sich neben sie; seine schwarzen Hosen und die schwarze Bluse waren feucht vom Schwei�. Die wei�e Chrysantheme, �ber seinem Herzen festgesteckt, war verwelkt. Die Katze Prosperity sprang auf seinen Scho� und schnurrte.</p><p>Sie schwieg, und er versuchte es noch einmal. �Liegt es am Wetter? Es gibt sicherlich bald einen Wechsel.�</p><p>�Das Wetter hat nichts damit zu tun. Ich kann mich einfach nicht auf meine Rolle konzentrieren.� Sie ber�hrte seine Hand. �Kannst du die Proben so lange aussetzen, da� ich schnell mal nach Leavenworth fahren kann?�</p><p>�Es sind noch keine drei�ig Tage her, da� du dort warst.�</p><p>�Aber dieses arme Kind braucht neben der Haush�lterin jemanden, der sich um es k�mmert. Der Brigadier ist manchmal wochenlang mit der Zahlmeisterei unterwegs. Gus k�nnte genausogut ein Waisenkind sein.�</p><p>Sam strich �ber Prosperitys glatten R�cken. Es war wichtig, da� er irgendeine M�glichkeit fand, Willa aus ihrer Melancholie zu rei�en. Das wurde mit jedem Tag schlimmer, raubte ihrer Darstellungskunst jegliche Energie. Er fa�te sich ein Herz und sagte: �Liebes M�dchen, ist es wirklich der kleine Junge, um den du dich sorgst? Oder ist es sein Vater?�</p><p>Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu. �Ich wei� nicht, wo sein Vater steckt. Au�erdem ist es mir v�llig egal.�</p><p>�Oh nein, nat�rlich nicht. &gt;Des Poeten Nahrung ist Liebe und Ruhm&lt;, sagte Mr. Shelley, und das trifft auch auf Schauspieler zu. Doch du willst mir erz�hlen, da� auf dich nur die H�lfte zutrifft.�</p><p>�Qu�l mich nicht, Sam. Sag einfach, da� du Grace ein paar Abende f�r mich proben l��t. Ich werde meine Rolle in &gt;Othello&lt; besser spielen k�nnen, wenn ich wei�, da� mit Gus alles in Ordnung ist.�</p><p>�Ich hasse es, die Proben zu verz�gern. Ich habe so eine Vorahnung, da� unsere neueste Produktion uns in h�chste H�hen tragen wird. Ich habe einigen New Yorker Managern telegraphiert und sie eingeladen.�</p><p>�Oh, um Himmels willen, Sam�, sagte sie, ihr Gesicht ganz untypisch feindselig. �Du wei�t doch, da� all diese wunderbaren Triumphe nur in deiner Phantasie existieren. Wir leben und sterben als Provinzschauspieler.�</p><p>Trump stand auf. Die Theaterkatze krallte sich in seine Bluse und hinterlie� einen langen Ri�. Tief verletzt starrte Trump seine Partnerin an. Willas blaue Augen f�llten sich mit Tr�nen.</p><p>�Tut mir leid, Sam. Es war gemein von mir, das zu sagen. Vergib mir.�</p><p>�Schon vergeben. Was deine Abwesenheit anbelangt, was bleibt mir schon f�r eine Wahl? Du l�ufst wie eine Schlafwandlerin durch deine Rollen. Wenn das durch eine weitere Fahrt nach Fort Leavenworth besser wird, dann fahr um Himmels willen. Und da wir gerade so offen sind, erlaube mir noch eine Bemerkung. Ich mochte den jungen Mann, als du ihn kennenlerntest. Jetzt mag ich ihn nicht mehr. Er hat dir weh getan. Selbst wenn er nicht da ist, tut er dir weh. Irgendwie reicht er bis in mein Theater und vergiftet alles.�</p><p>Willa schenkte ihm ein trauriges, halbes L�cheln. �So was nennt sich Liebe, Sam. Du hast auch deine Aff�ren gehabt.�</p><p>�Aber keine, die mich zerst�rt h�tte. Ich werde nicht zulassen, da� du daran zugrunde gehst.�</p><p>�Nein, Sam. Nur ein paar Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.�</p><p>�Gut�, sagte er mit Zweifel in der Stimme.</p><p>Bei jedem Halt sprangen die Passagiere des Zuges, mit dem Willa quer durch den Staat fuhr, hinaus, um sich die letzten Zeitungen zu besorgen. Eine Story aus dem �stlichen Colorado nahm fast die ganze Titelseite f�r sich in Anspruch. An der Ari-karee-Gabelung des Republican River war eine Spezialabteilung von Indianer jagenden Westm�nnern unter einem Colonel Forsyth von einem gewaltigen Cheyenne-Trupp �berrascht worden. Die Abteilung suchte Zuflucht auf einer Flu�insel mit d�nnem Baumbestand; dort setzten sie sich fest und k�mpften.</p><p>Es war unglaublich, wie sie Welle um Welle der angreifenden Indianer zur�ckschlugen; einigen Meldungen zufolge sollte es sich dabei um ann�hernd sechshundert Indianer gehandelt haben. In einer der Angriffswellen war ein ber�hmter Kriegsh�uptling namens Fledermaus mit einem gewaltigen Kriegskopfschmuck mitgeritten, dessen Medizin alle Kugeln von ihm ablenken sollte. Die Medizin versagte. Er wurde niedergeschossen, diese Fledermaus - von einigen auch R�mernase genannt.</p><p>Die Passagiere des Zuges genossen die Berichte �ber die Schlacht von Beecher's Island, so benannt zu Ehren eines jungen Armeeoffiziers, der dort gefallen war. �Sie sind in Sicherheit�, rief ein neben Willa sitzender Fahrgast und hielt ihr die Zeitung hin. �Die M�nner, die Forsyth nach Fort Wallace schickte, sind durchgekommen. Das Ersatzkommando fand sie immer noch eingeigelt auf der Insel vor; aus toten Pferden hatten sie sich Fleisch herausgeschnitten.�</p><p>�Wie viele haben sie umgebracht?� erkundigte sich ein anderer Passagier.</p><p>�Hier steht, es seien Hunderte gewesen.�</p><p>�Bei Gott, es sollte noch f�nfzig weitere solcher K�mpfe geben als Ausgleich f�r die armen Unschuldigen, die in diesem Sommer skalpiert worden sind.�</p><p>W�tend sagte Willa: �Sie erwarten, da� sich die Cheyenne friedlich verhalten, wenn man ihnen nicht mal schlichte Fairness und Ehrlichkeit zukommen l��t. Vor fast einem Jahr hat ihnen die Friedenskommission Nahrungsmittel und Waffen f�r die Jagd zugesagt. Der Sommer war fast vor�ber, als die Waffen ausgegeben wurden. Sollen sie etwa die Vertr�ge nicht brechen, wenn wir es st�ndig tun?�</p><p>Ihre Stimme verlor sich im Klicken der R�der. Die m�nnlichen Fahrg�ste starrten sie an, als h�tte sie die Cholera. Der Mann mit der Zeitung sagte zu den anderen: �Wu�te gar nicht, da� es Squaws gibt, die man f�r wei�e Frauen halten k�nnte. Ihr vielleicht, Jungs?�</p><p>Willa wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da beugte sich der Mann mit der Zeitung vor und spuckte einen gro�en Klumpen Kautabak auf den Boden.</p><p>In fr�heren Zeiten h�tte diese Art von Benehmen sie nur angestachelt, noch h�rter zu k�mpfen. Jetzt nicht. Sie f�hlte sich mutlos, kam sich sogar albern vor bei dieser Schlacht, die nicht gewonnen werden konnte.</p><p>Sie starrte aus dem Fenster auf St�lle und im Abendlicht grasendes Vieh. Sie versuchte die sarkastischen Scherze zu �berh�ren, die die M�nner weiterhin �ber sie machten. Sie f�hlte sich elend. <emphasis>Irgendwie vergiftete er alles.</emphasis></p><p>Vielleicht war ihr h�ufig unpraktischer Partner weiser, als sie geahnt hatte. Vielleicht sollte sie aufh�ren, hinter Tr�umen herzujagen. Vielleicht sollte dieser Besuch in Leavenworth ihr letzter sein.</p><p>�Nein, der Brigadier hat seit Wochen nichts mehr von ihm geh�rt�, sagte Maureen, als Willa an einem grauen, st�rmischen Morgen ankam.</p><p>�Ist der General hier?�</p><p>�Nein. Er ist wieder mit der Zahlmeisterei unterwegs.�</p><p>�Wo steckt Gus?�</p><p>�Ich lass' ihn hinten den Gem�segarten umhacken. Es ist nat�rlich nicht die richtige Jahreszeit daf�r - K�rbis und Kartoffeln haben wir bereits geerntet -, aber der arme Kleine mu� sich ja mit irgendwas besch�ftigen.�</p><p>�Was ihm fehlt, ist ein normales Leben.� Willa stellte ihren Koffer neben dem kalten Eisenofen ab. �Er braucht Schule, Eltern, ein eigenes Zuhause.�</p><p>�Daran gibt's keinen Zweifel�, sagte Maureen. Sie sah viel �lter aus; das rauhe Pr�riewetter hatte ihre Haut runzelig werden lassen. �Aber ich f�rchte, hier wird er diese Dinge nicht finden.�</p><p>Ein leises, ged�mpftes Heulen unterstrich ihr Gespr�ch. Die Haust�r klapperte in ihrem Rahmen. Maureen zerrte an ihrer Sch�rze. �Maria und Josef, manchmal hasse ich diesen Ort. Die Hitze. Diesen infernalischen Wind. Seit Wochen bl�st er nun schon.�</p><p>Willa ging zur Hintert�r. Von hier aus konnte sie den kleinen Gus beobachten, einen st�mmigen Jungen, der in einer Ecke des Gartens lustlos mit seiner Hacke in der Erde herumstocherte. Staub und Abf�lle wirbelten �ber den Garten und die nahegelegenen Geb�ude. Gus' kleiner, runder Hut drohte jeden Moment fortgeblasen zu werden.</p><p>Willa brach fast das Herz, als sie ihn von der offenen T�r aus beobachtete. Wie verloren er aussah! Geb�ckt wie ein kleiner alter Mann. Grabend, hackend - ohne Sinn und Zweck.</p><p>Sie trat hinaus. �Hallo, Gus.�</p><p>�Tante Willa!� Er lie� die Hacke fallen und rannte auf sie zu. Sie kniete nieder und umarmte ihn. Charles' Sohn war fast vier. Er hatte seinen Babyspeck verloren. Obwohl er viel an der frischen Luft war, hatte er eine helle, blasse Haut.</p><p>Trotz des Windes machte sie mit ihm einen Spaziergang entlang der Klippe �ber dem Flu�. Sie stellte Fragen, die er einsilbig beantwortete. Dann h�rte sie einen Ruf hinter sich und drehte sich um.</p><p>�Guter Gott.�</p><p>Charles kam den Pfad herabgeschwankt. �ber dem R�cken seines Zigeunermantels trug er eine Art Segeltuchbeutel, aus dem ein Gewehrlauf ragte. Sein Bart war lang und ungek�mmt.</p><p>Little Gus entdeckte seinen Vater, fing an zu strahlen und lief auf ihn zu. Er hatte die H�lfte der Strecke zur�ckgelegt, als Charles �ber einen Felsbrocken stolperte und st�rzte. Er konnte gerade noch die H�nde ausstrecken, sonst w�re er mit dem Gesicht auf den Boden geknallt.</p><p>Verwirrt blieb Gus stehen. Willas Gesicht spannte sich. Charles' Schwanken beim Aufstehen machte nur zu deutlich, da� er betrunken war.</p><p>�Hallo, Gus. Na komm, gib deinem Papa einen Ku�.�</p><p>Der Junge n�herte sich ihm, aber mit gebotener Vorsicht. Charles kauerte sich hin und nahm den Jungen in seine Arme. Gus drehte den Kopf weg; Willa sah, wie er die Augen schlo� und den Mund zusammenpre�te, als h�tte er Angst vor dem Mann, der ihn umarmte. Der Augenblick spontaner Freude war dahin.</p><p>Willa hielt ihren Federhut gegen den b�igen Wind fest. Dieser Wind trug ihr auch einen �ppigen Whiskyduft zu. Also doch betrunken. Gus l�ste sich schnell von Charles. Er schaute erleichtert drein.</p><p>Charles starrte sie fast unfreundlich an. �Hatte nicht erwartet, dich zu treffen. Was machst du hier?� Er sprach mit schwerer Zunge.</p><p>�Ich wollte Gus besuchen. Ich hatte nicht damit gerechnet, da� du hier bist.�</p><p>�Bin gerade angeritten gekommen. Gus, geh zur�ck zu Mau-reen. Ich mu� mit Willa reden.�</p><p>�Ich m�chte drau�en bleiben und spielen, Pa.�</p><p>Charles packte ihn an der Schulter, wirbelte ihn herum und gab ihm einen Sto� in Richtung der Offiziersh�user. �Widersprich mir nicht. Lauf.�</p><p>Little Gus sah aus, als w�rde er gleich in Tr�nen ausbrechen. Charles br�llte: �Lauf, verdammt noch mal!�</p><p>Gus rannte los. Willa h�tte Charles am liebsten geschlagen, ihn mit der Pferdepeitsche bearbeitet. Die Intensit�t ihres Gef�hls regte sie auf, weil sie wu�te, da� sie nicht so empfinden w�rde, wenn sie ihn nicht liebte.</p><p>Irgendwo beim Milit�rposten veranstaltete die Artillerie ein �bungsschie�en. Charles packte Willas Ellenbogen und drehte sie fast so grob herum wie den Jungen. Er stie� sie fast den unkraut�berwucherten Pfad zum Flu� hinunter. Um ihre Beherrschung ringend, sagte sie: �Wo bist du gewesen, Charles?�</p><p>�Oh, mu� ich dir das beantworten?�</p><p>�Um Himmels willen, ich bin neugierig, das ist alles. Kannst du nicht mal mehr eine h�fliche Frage erkennen?�</p><p>�Abilene�, murmelte er. �Bin in Abilene gewesen. Hatte dort einen Job, hab' ihn aber aufgegeben.�</p><p>�Was f�r einen Job?�</p><p>�W�rde dich nicht interessieren.�</p><p>Bei einigen Weiden nahe der Kante der Klippe hielt sie an, stellte sich ihm gegen�ber. Der Wind ri� gelbe Bl�tter von den Zweigen und trug sie in staubig graue Ferne davon.</p><p>Sie ha�te den Whiskygeruch, den Gestank seiner ungewaschenen Kleidung. Wieder wurde sie von ihren Emotionen �berw�ltigt.</p><p>�Warum bist du st�ndig so w�tend?� Sie dr�ckte ihre behandschuhten Handfl�chen gegen seinen Zigeunermantel, stellte sich auf Zehenspitzen und k��te ihn. Sein Bart kratzte. Genausogut h�tte sie einen Marmorblock k�ssen k�nnen.</p><p>�H�r mal, Willa!�</p><p>�Nein, du h�rst, Charles Main.� Irgend etwas warnte sie, ihre Gef�hle im Zaum zu halten, aber sie konnte nicht anders. �Glaubst du, ich bin aus reiner Barmherzigkeit hier? Ich liebe dich. Ich dachte, du h�ttest mich auch mal geliebt.� Sein Blick glitt an ihr vorbei, hin�ber zu dem vom Staub verschleierten Flu�. �Ich m�chte, da� du dieses wilde Leben aufgibst.�</p><p>�Ich bin hergekommen, um Gus zu besuchen, nicht um mir Vortr�ge anzuh�ren.�</p><p>�Nun, so ein Pech. Das wirst du dir jedenfalls anh�ren. Du geh�rst nicht in die Pr�rie. Such dir einen Job in Leavenworth. K�mmere dich um deinen Sohn. Du hast ihm einen Schrecken eingejagt. Du mu�t ihn zur�ckgewinnen. Erkennst du das denn nicht? Er braucht dich, Charles. Er braucht dich so, wie du vor zwei Jahren warst. Ich brauche dich so. Bitte.�</p><p>Er zerrte die Krempe seines schwarzen Hutes tief in die Stirn. �Ich bin noch nicht soweit, hierherzukommen. Ich habe noch einiges zu erledigen.�</p><p>�Diese verdammten Cheyenne!� Sie war den Tr�nen nahe.</p><p>�F�r die dein Herz blutet. K�mmere dich um deine Friend-ship Society und deine gottverdammten Petitionen.�</p><p>Noch keine Stunde hier und schon l�uft alles schief, dachte sie. �Warum schreist du mich an, Charles?�</p><p>�Weil ich nicht will, da� du dich in Dinge einmischst, die meinen Sohn betreffen.�</p><p>�Ich mag ihn!�</p><p>�Ich auch. Ich bin sein Vater.�</p><p>�Kein besonders guter.�</p><p>Er schlug sie mit der offenen Hand, nicht besonders fest, doch sie empfand einen unbeschreiblichen Schmerz.</p><p>Sie trat zur�ck, sich die Wange haltend. Der Wind trug ihren kleinen Federhut davon. Automatisch schnappte er mit einer Hand danach, doch der Hut segelte vorbei, trieb �ber den Rand der Klippe. In langsamen Spiralen segelte er auf den Missouri zu. �Oh�, sagte sie, ein kleiner, verlorener Laut. Dann schaute sie ihn wieder an. H�rte schimmerte in ihren blauen Augen auf.</p><p>�Du hast dich in einen absoluten Bastard verwandelt. Ich habe mich gefragt, warum das geschah. Ich habe sehr viel f�r dich �brig gehabt. Das ist vorbei. Auch dein Junge schreckt vor dir zur�ck, aber du bist zu dumm und zu betrunken, um das zu erkennen. Wenn du so weitermachst, dann wird er dich eines Tages hassen. Angst hat er jetzt schon genug vor dir.�</p><p>�Mein Gott, spielst du die �berlegene?� Er sagte es laut und ver�chtlich. �Zuerst hattest du alle Antworten, was die Indianer betraf. Alle falschen Antworten. Jetzt erz�hlst du mir, wie ich meinen Sohn zu erziehen habe. Ich brauche dich nicht. K�mmere dich um deine eigenen Probleme. Such dir irgendeinen anderen Mann, den du in dein Bett zerren kannst.�</p><p>�Fahr zur H�lle, Charles Main! Fahr zur H�lle! Nein!�</p><p>Sie sch�ttelte heftig den Kopf. �Du bist ja schon dort, du bist so tief gesunken, wie man nur sinken kann.�</p><p>W�tend griff er nach ihr. Sie duckte sich, rannte an ihm vorbei. �Willa!� Ein kurzer Blick zur�ck zeigte Charles ihr tr�nen-�berstr�mtes Gesicht. �Nur zu, lauf. Lauf doch!�</p><p>lauflauflauflauf - so hallte das Echo �ber den Flu�. In den wirbelnden Wolken von Bl�ttern und Staub tauchte es unter.</p><p>�Miss Willa, Sie sind doch gerade erst angekommen.�</p><p>�Ein Fehler, Maureen. Das war ein schrecklicher Fehler. K�mmern Sie sich um den armen Jungen. Sein Vater wird es nicht tun.�</p><p>Den ganzen Weg nach Leavenworth ging sie zu Fu�; eine Staubschicht bedeckte ihre Lider und Lippen und H�nde. Ein freundlicher Fahrkartenverk�ufer besorgte ihr eine Sch�ssel mit Wasser und einen sauberen Lappen. Mit dem 4-Uhr-Dampfer fuhr sie nach St. Louis.</p><p>Als sie, noch schmutzig von der Reise, Trumps Theater betrat, war der alte Schauspieler von ihrem munteren Wesen �berrascht. �Setz eine Probe an, Sam. Ich kann es kaum erwarten, an die Arbeit zu gehen. Wenn ich Gl�ck habe, sehe ich Mr. Main nie wieder.�</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>September 1868. Zwei Monate vor den Wahlen haben die KlanAktivit�ten in unserem Staat stark zugenommen. York County, an der Grenze von North Carolina, ist eine Brutst�tte. Auf eine bizarre Art und Weise hat der Klan die Phantasie der �ffentlichkeit angeregt. Als Theo das letztemal Marie-Louise hier besuchte, brachte er eine Dose &gt;Ku-Klux-Pfeifentabak&lt; mit. In C'ston sah er, da� Notenbl�tter eines Songs verkauft werden, der zu Ehren des Klans geschrieben wurde. In Columbia ehrt ein Baseball-Team namens Bleichgesichten diese Organisation �ffentlich.</emphasis></p><p><emphasis>Die Gruppe in Summerton bleibt sichtbar, hat aber noch nichts gegen uns unternommen. Manchmal wei� ich nicht, ob ich �ber diesen Pesthauch kost�mierter Fanatiker lachen oder vor ihnen zittern soll.</emphasis></p><p>Ridley, ein muskul�ser junger Schwarzer, legte seinen Arm um seine Frau. May war ein zierliches M�dchen. Allm�hlich konnte man erkennen, da� sie schwanger war.</p><p>Ridley hatte den ganzen Tag auf den Phosphatfeldern von Mont Royal gegraben und war ziemlich ersch�pft heimgekommen. Doch das Wetter war so angenehm, da� er May zu einem Spaziergang �berredet hatte. Er f�hlte sich gro�artig. Er verdiente anst�ndig und fing nun gerade an, sich ein eigenes Zweizimmerhaus aus Kalkm�rtel mit Hilfe seines Freundes Andy Sherman und einiger von Mr. Heely, dem wei�en Vormann des Mont-Royal-Arbeitstrupps, entliehener Werkzeuge zu bauen. Ridley war stolz darauf, all diese Dinge tun zu k�nnen und als freier Mann dort hinzugehen, wohin er wollte. Das schlo� auch Summerton ein, wo er beabsichtigte, f�r General U.S. Grant als</p><p>Pr�sident zu stimmen, wie Mr. Klawdell von der Liga es vorgeschlagen hatte.</p><p>Die letzte R�te des Tages verbla�te hinter dem dichten Wald, der an die Uferstra�e grenzte. Ridley und seine Frau gingen nebeneinander, als sie fernes Gejohle h�rten. May dr�ngte sich dicht an ihn. �Die Sonne ist weg. Wir sind zu weit gegangen.�</p><p>�Es war alles so friedlich, da� ich gar nicht aufgepa�t habe�, sagte Ridley, sich pl�tzlich der D�mmerung bewu�t. Er fa�te ihre Hand und schritt schneller aus; wegen ihres Zustandes konnte er sie nicht zu sehr dr�ngen. Pl�tzlich h�rten sie hinter sich Pferdegetrappel.</p><p>Ridley und seine Frau drehten sich um. Sie sahen Lichter �ber die Stra�e schweben und einen roten Schimmer. Dann h�rten sie das Geklirr von Zaumzeug. Reiter in Roben mit Fackeln.</p><p>�May, wir m�ssen rennen. Das sind diese Klansm�nner.�</p><p>Sie wandte sich wortlos um und rannte auf Mont Royal zu; ihre nackten F��e ber�hrten kaum den Boden. Er holte sie ein, und nebeneinander fl�chteten sie vor den trabenden Pferden. Ridleys Atem ging schneller; bald schon keuchte er. May st�hnte. Die Anstrengung war zuviel f�r sie.</p><p>Die vier Reiter trieben ihre Pferde zum Galopp. Schnell �berholten sie das schwarze Paar. Ridley und May sahen die Schatten der Klansm�nner hinter ihren Fackeln auf der Stra�e auftauchen. Zwei Reiter parierten ihre Pferde mitten in der Stra�e durch. Ridley und May waren eingekreist.</p><p>�Nigger, du wei�t, da� du in der Dunkelheit nichts mehr drau�en zu suchen hast�, sagte einer der Reiter. Alle vier hatten ihre scharlachroten Roben und Kapuzen an, die bei jeder Bewegung aufleuchteten. Ridley umklammerte Mays Schulter. Er war w�tend, aber er wollte die Reiter nicht provozieren; sie konnten May etwas antun.</p><p>�Wir sind gerade auf dem Heimweg, Gentlemen.�</p><p>�Gentlemen�, lachte ein anderer schallend auf. �Wir sind keine Gentlemen, wir sind die Teufel der H�lle, die aufr�hrerische Nigger hetzen.� Der Sprecher stieg ab und schlich auf sie zu. Hinter den L�chern der Kapuze sah Ridley blaue Augen, aber weder an der Stimme noch am K�rperbau erkannte er den Mann. Der Mann hielt Ridley einen Leech-&amp;-Rigdon Revolver unter die Nase. �Wo kommst du her, Boy? Antworte respektvoll.�</p><p>�Ein St�ck die Stra�e weiter runter. Von Mont Royal.�</p><p>�Oh, dann bist du einer von diesen Union-League-Niggern, der glaubt, er k�nne im November zur Wahl gehen. Du willst versuchen, diesen gottverdammten Grant ins Wei�e Haus zu bringen, nicht wahr, Niggerboy?�</p><p>Mays dunkle Augen blitzten vor Wut. �Jawohl, das wird er. Er ist ein freier B�rger und genausogut wie irgendeiner von ...�</p><p>�May, h�r auf�, bat Ridley.</p><p>�Wir sind die Agenten des Teufels und verlangen Respekt�, sagte der Mann und hob den Revolver, um das schwangere M�dchen zu schlagen.</p><p>Ridley sprang zwischen sie. �Renn, May!� schrie er. Seine H�nde schossen auf die Kehle des Kapuzenmannes zu. Der Mann feuerte eine Kugel ab. Es klang wie Donnergrollen.</p><p>�Jesus, Jack�, protestierte einer der anderen M�nner. Ridley sank auf die Knie; aus einer Wunde knapp �ber seinem G�rtel str�mte Blut auf sein Hemd. May schrie auf und sprang den Mann mit dem Revolver an. Anstatt zu schie�en, rammte er ihr seinen Ellenbogen in den gerundeten Bauch. Sie st�hnte und st�rzte mit dem R�cken auf die Stra�e, wo sie weinend liegenblieb.</p><p>Ihr verwaschenes Kleid hatte sich um ihre H�ften gewickelt. Sie trug saubere Baumwollschl�pfer, in denen sich pl�tzlich ein Blutfleck zeigte. Jack Jolly zerrte seine Maske herunter und starrte May angeekelt an. Einer der M�nner sagte: �Sie ist doch blo� ein M�dchen.�</p><p>Jolly zielte mit dem Revolver zwischen die Augenh�hlen der Kapuze des Mannes. �Du hast �berhaupt nichts zu sagen, Get-tys.� Ridley rollte langsam zur Seite, zitterte, blieb still liegen. Jolly grunzte zufrieden, zielte mit dem Revolver auf Mays Kopf und dr�ckte ab.</p><p>Ihr K�rper wurde herumgerissen. Die Explosion dr�hnte durch den Wald, scheuchte unsichtbare V�gel auf, die alarmiert hochstiegen. Jolly lachte und wischte sich mit dem Rand seiner Kapuze �ber das feuchte Kinn.</p><p>�Das ist eine Niggerstimme weniger, �ber die wir uns Sorgen machen m�ssen. Zwei, falls sie einen Jungen in ihrem Wanst hatte.�</p><p>�Keine Gewalt�, sagte Devin Heely, der kleine, rotb�rtige Ire, der von den Minenbetrieben in Charleston angeheuert worden war. �Die Beaufort Phosphate Company ist absolut gegen jede Gewalt. Es ist mein Job als Vorarbeiter .�</p><p>�Sie haben zwei unschuldige Menschen umgebracht�, rief Madeline. �Was schlagen Sie vor, wie wir mit derartigen tollw�tigen Hunden umgehen sollen? Sollen wir sie vielleicht zum Tee einladen, um die Sache mit ihnen zu besprechen?�</p><p>Schweigen, Heely kaute auf dem Stiel seiner Maiskolbenpfeife herum. Es war in der Abendd�mmerung, vierundzwanzig Stunden nach dem Doppelmord auf der Stra�e. Vor dem wei�get�nchten Haus brannte jede verf�gbare Laterne; alle auf den Phosphatfeldern besch�ftigten Schwarzen hatten sich in einem gro�en Halbkreis versammelt. Sie hatten auch ihre Frauen und Kinder mitgebracht. Ein Baby schrie. Die Mutter wiegte das Kind.</p><p>Prudence Chaffee und Andy Sherman sa�en nebeneinander auf der Veranda und beobachteten Madeline. Eine Frau in der Menge, Mays Schwester, weinte laut. Heely machte den Mund auf, um etwas zu sagen.</p><p>�Sie hat recht.�</p><p>Heely und alle anderen drehten sich um. Andy trat in die Mitte des erleuchteten Kreises. �Sie haben uns nur eine Wahl gelassen, so wie es in der US-Verfassung steht.�</p><p>�Wovon redest du, Sherman?� fragte Foote.</p><p>�Ich rede von dem, was in dem zweiten Verfassungszusatz steht. &gt;Das Recht des Volkes, Waffen zu tragen, darf nicht verletzt werden .&lt;�</p><p>�Gibt wieder mit seinem verdammten Gesetzesgelerne an�, murmelte jemand. Andy achtete nicht darauf.</p><p>�Ich rede davon, da� wir unsere eigene Miliz gr�nden. Jetzt sofort.�</p><p>�Du bist ein Narr�, sagte Heely. �Wenn es etwas gibt, was diese Klan-Jungs noch mehr hassen als die Liga, dann ist es eine Negermiliz. Ich bin dagegen.�</p><p>�Ich f�rchte, Sie haben da nichts mitzureden�, unterbrach ihn Madeline. �Ich denke, du hast recht, Andy. Wir m�ssen uns selber sch�tzen. Wenn diese Klansm�nner nach Mont Royal kommen, werden wir nicht mehr die Zeit haben, in Charleston Soldaten anzufordern.�</p><p>Jane fragte: �Woher sollen wir Gewehre kriegen?�</p><p>�Wir werden sie in der Stadt kaufen�, sagte Madeline.</p><p>�Wird das nicht sehr teuer sein?� erkundigte sich Prudence.</p><p>Madeline warf ihr einen merkw�rdigen, trauernden Blick zu, den weder Prudence noch Marie-Louise, noch sonst jemand verstand. �Ich k�nnte mir vorstellen, da� ich das Geld schon irgendwie auftreibe.�</p><p><emphasis>Habe Mr. J. Lee, dem Architekten, geschrieben und ihn gebeten, die Arbeit aufzuschieben. Das Geld f�r seine Dienste mu� anderweitig verwendet werden.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark60"><emphasis><strong>46</strong></emphasis></p></title><p>Das war die wahre Pr�rie. Nicht ein einziger Baum st�rte die makellose Linie des Horizontes. Es war der letzte Tag im Oktober, und der �ber den Boden fauchende, bei�ende Wind trug schon einen Hauch des kommenden Winters in sich. Ein stahlfarbener Himmel spannte sich �ber die leere, trostlose Weite.</p><p>Nahe dem Ufer eines sich dahinschl�ngelnden Bachlaufs tauchte ein winziges P�nktchen auf. Es wurde gr��er, wurde zu Reiter und Pferd - Charles und Satan. Unter dem Zigeunermantel trug er drei Hemden und fror immer noch. Der Saum des Mantels wirbelte klatschend um ihn herum. Der Lauf der Spencer ragte �ber seine linke Schulter.</p><p>Seine Augen suchten einen gro�en Bogen ab, konnten nichts entdecken. M�rrisch kaute er auf einer kalten Zigarre herum. Eine teuflische Zeit, um in den Krieg zu ziehen, dachte er. Doch wenn es einen Krieg geben sollte, dann wollte er dabei sein. Allein aus diesem Grund hatte er seinen letzten Job -Frachtverladungen im Eisenbahndepot in der N�he von Leaven-worth - aufgegeben und war bei bitterkaltem Herbstwetter �ber zweihundert Meilen geritten.</p><p>Es dauerte eine weitere halbe Stunde, bis Geb�ude aus Stein und Lehm am Horizont auftauchten. Endlich Fort Dodge. Bis jetzt hatte er Satan im Schritt gehen lassen. Nun trieb er ihn zu schnellem Trab an.</p><p>Erst sah er einen gro�en Wagenpark, dann berittene Trupps beim Drill. Hinter dem Fort ert�nte das Knallen vom Schie�training. Dies war kein in Routine erstickter Milit�rposten; daf�r gab es zu viele Aktivit�ten. Sein Blut geriet in Wallung.</p><p>Der Offizier vom Dienst warf dem reichlich d�steren Fremden einen mi�trauischen Blick zu und meinte, er k�nnte den Mann, nach dem er sich erkundigt hatte, wahrscheinlich beim Marketender finden. Charles bog hinter den St�llen nach S�den ab und ritt auf ein Lehmhaus mit flachem Dach zu, vor dem einige angebundene Pferde standen. Er stellte Satan dazu und ging hinein.</p><p>Dutch Henry Griffenstein spielte an einem alten, runden Tisch in der Ecke Karten. Vor ihm lag der gr��te Haufen Papiergeld. Die anderen drei an dem Spiel beteiligten Zivilisten kannte Charles nicht. Einer, ein unscheinbarer Mann mit wirrem Haar und einer Pfeife zwischen den Z�hnen, verstreute beim Mischen st�ndig die Karten. �Du bist zu betrunken, Joe�, sagte der Spieler zu seiner Linken und nahm ihm die Karten ab. Joe r�lpste und sackte in sich zusammen.</p><p>�Charlie�, rief Griffenstein und sprang auf. �Du hast das Telegramm bekommen.�</p><p>�Bin gleich am n�chsten Tag los.�</p><p>�Jungs�, sagte Dutch Henry und f�hrte ihn an den Tisch, �das ist Cheyenne Charlie Main. Charlie, das hier ist Stud Marshall, das Willow Roberts und hier�, seine Stimme nahm einen ehrerbietigen Klang an, als er den ungek�mmten Mann vorstellte, der ungef�hr zehn Jahre �lter als Charlie sein mochte, �unser Scout-Chef. California Joe Milner.�</p><p>California Joe, der kaum geradeaus sehen konnte, sch�ttelte Charles die Hand. Milner trug einen schmutzigen spanischen Sombrero und hatte einen r�tlichen Backenbart, der eine ganze Weile nicht mehr gestutzt worden war; insgesamt war er einer der schlampigsten Menschen, die Charles je gesehen hatte.</p><p>�Joe ist der Mann, f�r den ich arbeite, Charlie�, sagte Dutch Henry. �Und du jetzt auch.�</p><p>California Joe r�lpste. �Wenn der General sein Okay gibt.� Er sprach mit Akzent. Nichts Kultiviertes wie die elegante S�dstaatensprechweise, sondern mehr das nasale Jaulen der Grenzberge. Tennessee vielleicht oder Kentucky.</p><p>�Er meint Custer�, sagte Dutch Henry. �Wir haben mehr als einen General. Wir haben auch General Al Sully. Little Phil hat ihm das Kommando �ber das Siebte Regiment �bertragen, w�hrend Curly noch im Exil sa�. Hat ihn s�dlich vom Arkansas geschickt, um Indianer zu jagen. Hat sich dabei nicht gerade ausgezeichnet. Phil bat daraufhin Sherman, Curlys Strafe auszusetzen, damit wir einen Feldkommandeur haben, der wei�, wie gek�mpft wird. Custer und Sully sind beide Leutnant Colonels, aber Sullys Brevet ist nur das eines Leutnant General, deshalb behauptet Custer, er h�tte den h�heren Rang. Sie streiten die ganze Zeit herum.�</p><p>�Geht dich nichts an�, sagte California Joe zu Charles. �Ich berichte Custer und du ebenfalls, wenn er dich nimmt. Je als Scout im Indianerterritorium gewesen?�</p><p>�Ich war da �ber ein Jahr mit ein paar H�ndlern unterwegs. K�nnte nicht sagen, da� ich alles im Ged�chtnis habe.�</p><p>�Das spielt keine Rolle. Als Scout brauchst du eigentlich nur einen Taschenkompa� und ein bi�chen Mumm.�</p><p>�Mein Wort wird dir wohl gen�gen m�ssen, da� ich geeignet bin.�</p><p>California Joe lachte. �Du hast gesagt, er ist in Ordnung, Henry. Er ist in Ordnung. Main, geh zu Custer. Du findest ihn unten im neuen Camp am Bluff Creek, wo er seine Truppen drillt. Wenn er sein Okay gibt - der Lohn betr�gt f�nfzig Dollar im Monat.�</p><p>�Ich habe mein eigenes Pferd dabei.�</p><p>Ein weiterer R�lpser. �Dann sind's f�nfundsiebzig. Verdammt, ich brauche bald wieder einen kr�ftigen Schluck.�</p><p>Milners trunkene Possenrei�erei beeindruckte Charles nicht sonderlich. Dutch Henry bemerkte es und zupfte ihn am Arm.</p><p>�Ich brauche selbst einen Drink. Komm, Charlie, ich lade dich ein. Ich bin drau�en, Jungs.� Sie marschierten zu der Bar aus rohen Baumst�mmen. California Joe nahm sein neues Blatt auf und lie� drei Karten auf seine schmierige Hosen fallen.</p><p>�Das ist Custers ber�hmtes Scho�tierchen?� fragte Charles ungl�ubig.</p><p>Dutch Henry grinste. �Eins von den Zweibeinigen. Custer hat auch zwei seiner Hirschhunde mitgebracht, als Sherman es so einrichtete, da� er von Michigan zur�ck konnte. Hier geht's langsam los. Phil und Uncle Bill haben Grant endlich �berzeugt, da� wir den Krieg zu den Wilden tragen sollten. Offensive, nicht Defensive. Der Plan geht dahin, sie wieder in ihr Territorium zur�ckzutreiben und diejenigen umzubringen, die nicht friedlich in die Reservation gehen und dort bleiben.�</p><p>Charles leerte ein Glas scharfen Fusels in drei Schlucken. �Du willst sagen, das ist der Plan, wo der Winter vor der T�r steht?�</p><p>�Ich wei�, es klingt alles andere als vern�nftig, aber in Wirklichkeit ist es ganz sch�n clever von Little Phil. Die Wilden haben sich in ihren D�rfern niedergelassen, und du wei�t so gut wie ich, da� ihre Pferde vom Futtermangel schwach sind.�</p><p>�Ich hab' in Leavenworth was l�uten h�ren, da� Sherman geplant hatte, Sheridan schon letzten August loszuschicken.�</p><p>�Das stimmt, aber das verdammte Innenministerium hat ihm wieder eins ausgewischt. Die Friedenstauben haben die Armee zum Stillhalten gezwungen, bis ein sicheres Lager f�r die Wilden errichtet worden war, die niemanden bedrohen.�</p><p>Charles ri� mit dem Daumennagel ein Streichholz an. Hinter der Flamme kniff er die Augen zusammen und paffte dicke Rauchwolken aus der Stumpenzigarre. �Wo ist das Camp?�</p><p>�Fort Cobb. Satanta hat seine Kiowa bereits reingebracht. Zehn B�ren seine Comanchen. Einige Cheyenne wollten ebenfalls hinein, aber General Hazen hat sie weggeschickt, weil wir mit den Cheyenne nicht in Frieden leben. Die Cheyenne sind es, hinter denen wir her sind. Einige von ihnen haben schon wieder eine arme wei�e Frau entf�hrt, Mrs. Blinn, und ihren kleinen Jungen, dr�ben bei Fort Lynn, am 1. Oktober.�</p><p>�Wer waren die Cheyenneh�uptlinge, die nach Fort Cobb gingen?�</p><p>�Es war nur einer. Schwarzer Kessel.�</p><p>Charles nahm die Zigarre aus dem Mund. Er rollte sie zwischen den Fingern hin und her. �Und sie haben ihn nicht reingelassen? Von der ganzen Bande ist Schwarzer Kessel am harmlosesten.�</p><p>�Ein Cheyenne ist ein Cheyenne, so hat es jedenfalls Hazen gesehen.� Dutch Henry verstand nicht, weshalb Charles besorgt dreinschaute. Abgesehen davon war es ihm egal. Er schlug seinem Freund auf die Schulter. �Herrgott noch mal, Charlie, bei Beecher's Island hast du was verpa�t. Die R�cher Salomons haben sich ganz ordentlich verkauft.�</p><p>�So nennt ihr euch, R�cher Salomons?�</p><p>�Jawohl, Sir. Wir haben einen ganzen Haufen Indianer umgebracht. Aber es warten noch eine Menge andere. Cheyenne und Arapahoe ...�</p><p>�Die Armee sollte Schwarzer Kessel in Ruhe lassen.�</p><p>�He, ich dachte, du ha�t die ganze Bande.�</p><p>�Ihn nicht�, sagte Charlie unbehaglich. Ganz deutlich sah er Willas blaue Augen vor sich. Dutch Henry runzelte die Stirn.</p><p>�Charlie, ich sagte dir doch, niemand k�mmert sich darum, welche Cheyenne in Ordnung sind und welche nicht. In erster Linie geht's darum, sie zu t�ten. Wenn du was dagegen hast, vergi�t du die ganze Sache besser.�</p><p>Er dachte an Boy und Holzfu�, an den armen, geschlachteten Hund.</p><p>�Ich habe nichts dagegen.�</p><p>Er bestellte noch einen Drink. Der Rauch seiner Zigarre trieb an seinen Augen vorbei, die so kalt geworden waren wie der herbstliche Himmel.</p><p>Er verstand nicht, da� ein Schnapsfa� wie California Joe Mil-ner die Gunst von George Custer hatte gewinnen k�nnen, doch offensichtlich war das der Fall. Also sch�ttelte Charles dem Chef der Scouts die Hand, bevor er das Lehmgeb�ude verlie�. Gro�e Schneeflocken wirbelten um ihn herum. Der Himmel war fast schwarz. Ein Soldat tauchte vor ihm auf und dr�ckte ihm etwas in die Hand.</p><p>�Mit den besten Empfehlungen des &gt;W�hlt-Grant-zum-Pr�si-denten&lt;-Clubs dieses Postens, Sir.�</p><p>Charles betrachtete das Flugbl�ttchen mit der Gravur des Kandidaten. �Nein, danke.� Er gab es zur�ck.</p><p>�Sir, es ist die Pflicht eines jeden verantwortungsbewu�ten B�rgers zu w�hlen.�</p><p>�Ich hab' anderes zu tun�, sagte Charles. Der Junge mit der dunkelblauen Kappe sah seine Augen und verstummte.</p><p>Charles striegelte und f�tterte Satan, dann legte er sich in den St�llen von Fort Dodge schlafen. Am n�chsten Morgen versorgte er sich mit frischem Proviant und brach zu dem Lager der Siebten Kavallerie am Nordufer des Arkansas auf, ungef�hr zehn Meilen s�dlich des Forts. Immer noch wirbelten Schneeflocken aus dem schiefergrauen Himmel; bald schon war er wieder bis auf die Knochen durchfroren. Er hielt sich bei Laune, indem er die kleine Melodie pfiff, die ihn an zu Hause erinnerte.</p><p>Camp Sandy Forsyth war nach dem Kommandeur der R�cher Salomons benannt worden. Durch die D�sternis der fr�hen D�mmerung sah Charles die Lichter schimmern. Der Wachposten, der ihn anrief, meinte, er habe Gl�ck gehabt, da� er nicht ein paar Cheyenne in die H�nde gefallen war, die sich in letzter Zeit in der N�he des Lagers herumgetrieben h�tten. Charles zuckte die Achseln und sagte, er habe kein Anzeichen von Indianern gesehen. Er hatte so viel Pech gehabt, dachte er, da konnte er ruhig auch mal ein bi�chen Gl�ck haben.</p><p>Mit Erlaubnis des Unteroffiziers vom Dienst schlug er sein Nachtlager im Wagenpark auf. Nachdem er etwas Zwieback gekaut hatte, zog er die Ohrenklappen seiner Bisamm�tze herunter, sicherte sie mit einem Kinnriemen und rollte sich in seine Decken. Er war durstig, aber das Wasser in seiner Feldflasche war gefroren. Er f�hlte sich m�de, allein, deprimiert.</p><p>Was er dann kurz vor dem Wecksignal sah und h�rte, brachte sein Blut allerdings wieder in Wallung. Gewehrfeuer im gleichm��igen Rhythmus von Schie��bungen zog ihn auf die andere Seite des Zeltlagers. Er entdeckte ein Dutzend Kavalleristen, die auf Holzschie�scheiben feuerten. Er erkundigte sich bei einem alten Veteranen mit drei Streifen, was hier vor sich ging.</p><p>�Wenn wir auf die Wilden sto�en, dann will Old Curly auch sicher sein, da� wir sie niedermachen. Diese Jungs hier sind einige von den vierzig Mann, die er f�r seine Elitetruppe ausgesucht hat. Scharfsch�tzen. Leutnant Cooke f�hrt das Kommando.�</p><p>Charles setzte seinen Spaziergang fort. Das ganze Lager summte vor Aktivit�ten, ein sicheres Anzeichen f�r einen gr��eren Feldzug. Er z�hlte zwanzig Versorgungswagen und vierzig Ochsen.</p><p>H�mmer knallten auf hei�e Ambosse; Charles sah ein halbes Dutzend Hufschmiede, die damit besch�ftigt waren, eine ganze Menge Pferde neu zu beschlagen. Die Kapelle der Siebten �bte nach den Kl�ngen von &gt;Garry Owen&lt;. Ihre grauen Pferde erinnerten ihn an Sport.</p><p>Im Laufe des Nachmittags kamen ein weiteres halbes Dutzend Wagen an. Kurz nach f�nf Uhr durfte er das gro�e Zelt von Custer betreten.</p><p>�Still, Maida.� Custer t�tschelte den gro�en Hirschhund, der bei Charles' Anblick knurrend aufgesprungen war. Der General wusch sich gerade die H�nde; das Wasser in der Sch�ssel war immer noch klar, als er damit fertig war. Custer trocknete sich die H�nde und kam voller Energie auf ihn zu; sein L�cheln lie� die Z�hne unter dem r�tlich-goldenen Schnurrbart aufblitzen. Blaue Augen funkelten �ber den scharfen Bogen seiner Backenknochen. Als sie sich die H�nde sch�ttelten, roch Charles das Zimt�l auf Custers Locken.</p><p>�Mr. Main. Ich habe Sie erwartet. Bitte setzen Sie sich.�</p><p>�Jawohl, Sir, General. Danke.� Charles setzte sich auf einen Segeltuchstuhl. Auf Custers vollem Schreibtisch bemerkte er Zeitungen aus dem Osten. Eine mit schwarzer Tinte eingekreiste Schlagzeile stach ihm ins Auge. Sie hatte irgendwas zu tun mit Grants Pr�sidentschaftskampagne.</p><p>Custer musterte ihn, die Ellenbogen auf den Schreibtisch gest�tzt. Charles mu�te sich selbst erst wieder klarmachen, da� dieser weltber�hmte Soldat noch keine drei�ig Jahre alt war.</p><p>�Wir sind uns irgendwo schon mal begegnet�, sagte Custer.</p><p>�Sie haben recht, General. Wir standen uns auf verschiedenen Seiten bei Brandy Station gegen�ber.�</p><p>�Das ist es.� Custer lachte. �Ich erinnere mich, Sie haben mich ganz sch�n ins Schwitzen gebracht. Welche Einheit?�</p><p>�Wade Hamptons Legion.�</p><p>�Feiner Kavallerieoffizier, Hampton. Ich habe S�dstaatler schon immer gemocht.� Custer schlug eine Akte auf. �Sie kennen das allgemeine Ziel unserer Expedition, nehme ich an. Wir haben den Feind aufzusp�ren und anzugreifen, wenn er es am wenigsten erwartet; dabei versuchen wir, so viele Krieger wie nur irgend m�glich zu t�ten. Um den Satz von Senator Ross zu ben�tzen: Wir haben vor, uns den Frieden zu erobern.�</p><p>Charles nickte. Custer �berflog ein Aktenblatt. �Die Armee mu� eine gewisse Anziehungskraft f�r Sie besitzen. Wie ich sehe, haben Sie zweimal versucht, wieder reinzukommen, jedesmal unter einem anderen Namen.�</p><p>�Ich habe nichts anderes gelernt, General. Ich kam einige Jahre vor Ihnen nach West Point. Jahrgang '57.�</p><p>�Steht hier. Ich graduierte '61 durch die Gnade Gottes und den Fall von Fort Sumter.� Er schlo� die Akte. �Kennen Sie das Indianerterritorium?�</p><p>�Ihr Milner hat mich das schon gefragt. Ich war �ber ein Jahr mit ein paar Handelspartnern dort, die dann von den Cheyenne niedergemetzelt wurden.�</p><p>Die blauen Augen nagelten Charles fest. �Sie w�rden also nicht z�gern, wenn es darum geht, Wilde zu t�ten?�</p><p>�Nein, keine Sekunde.�</p><p>Doch irgend etwas st�rte ihn an seiner Antwort. Er entschied, der Grund daf�r sei der, da� man Schwarzer Kessel in Fort Cobb die Zuflucht verweigert hatte. Nun, die Chancen standen gut, da� die Expedition die Tipis des Friedensh�uptlings verfehlen w�rde. Das Indianerterritorium war ein weites, leeres Land.</p><p>�Griffenstein hat Sie f�r diesen Feldzug empfohlen. Sie beide haben zusammen gejagt?�</p><p>�Jawohl, Sir. Wir haben f�r Buffalo Bill Cody gearbeitet.�</p><p>�Sprechen Sie Cheyenne?�</p><p>�Einigerma�en.�</p><p>�Ich habe einen Mexikaner, der bei dem Stamm aufgewachsen ist. Sie k�nnen ihn unterst�tzen.� Er machte sich eine Notiz. �Jetzt zur�ck zu Ihren Erfahrungen. Wie gut kennen Sie das Indianerterritorium?�</p><p>�Ich habe Milner die exakte Wahrheit gesagt. In einem Teil davon bin ich gewesen. Jeder Mann, der mehr behauptet, ist ein L�gner. Der ganze westliche Teil ist nie systematisch erforscht worden. Die Salt-Gabelung vom Arkansas, die Canadiens - wei�e M�nner haben Abschnitte davon gesehen, das ist alles.�</p><p>�Das ist nur fair. Aufrichtigkeit ist mir lieber als L�gen.�</p><p>Nach ein paar weiteren Fragen nickte Custer. �Okay, Sie sind dabei. Ihre Befehle nehmen Sie von Milner oder von mir entgegen. Bei der ersten Befehlsverweigerung werden Sie diszipliniert.�</p><p>Ein Muskel an Charles' Kiefer zuckte. Er wu�te Bescheid �ber Custers ber�hmte Disziplinarverfahren. Darin enthalten waren solch illegale Bestrafungen wie kahlrasieren, auspeitschen, einsperren in eine Grube - und dann gab es nat�rlich noch Cu-sters Befehl an seine Untergebenen, Deserteure zu erschie�en.</p><p>Charles' Z�gern �rgerte Custer. �Hab' ich mich irgendwie unklar ausgedr�ckt, Mr. Main?�</p><p>�Nein, Sir. Alles klar.�</p><p>�Gut�, sagte Custer nicht mehr ganz so freundlich.</p><p>Charles wertete das als Entlassung. Im Aufstehen stie� er versehentlich den Zeitungsstapel vom Schreibtisch. Als er die Zeitungen von dem gefrorenen Boden aufsammelte, bemerkte er einige andere mit Tinte markierte Artikel. �Sie m�ssen sich f�r Politik interessieren.�</p><p>Custer warf ihm einen kalten Blick zu, w�hrend er sich erhob und seine Fransenhandschuhe anzog. �Ich mache kein Geheimnis daraus. Ich behalte General Grants Wahlkampagne genau im Auge, da einige bedeutende Leute im Osten vorgeschlagen haben, ich sollte in Erw�gung ziehen, ebenfalls zu kandidieren. Der Schritt von einem milit�rischen Sieg zur Pr�sidentschaft ist nicht so gro�, vorausgesetzt, es ist ein wichtiger Sieg, der gen�gend Schlagzeilen bekommt.� Charles fragte sich, wie stark das die Taktik beim Feldzug beeintr�chtigen mochte.</p><p>�Guten Abend, Sir�, sagte Custer, hob die Zeltbahn und folgte Charles nach drau�en. Ein Mann erregte Charles' Aufmerksamkeit, der gerade durch den Lampenschein vor dem Hauptquartier ging. Der leichte Schneefall lie� zwar keine gute Sicht zu, doch der rostbraune Bart und die steife Haltung waren unverkennbar.</p><p>Der Mann duckte sich in ein Zelt. Custer sagte: �Kennen Sie den Mann?�</p><p>�Ungl�cklicherweise ja.�</p><p>�Wenn Sie etwas gegen ihn haben, dann behalten Sie das f�r sich. General Sherman hat vor, sich uns anzuschlie�en. Eine Anzahl seiner Adjutanten vom Stab des Departements sind bereits hier. Captain Venable ist einer von ihnen.� Gezielt f�gte er hinzu: �Ein erstklassiger Offizier. F�hig und loyal.� <emphasis>Loyal.</emphasis> Das Wort best�tigte, was Charles zuvor schon geh�rt hatte: Man war entweder Custers Anh�nger oder sein Feind. Ein Mittelding gab es nicht.</p><p>�Jawohl, Sir�, sagte er.</p><p>�Entschuldigen Sie mich.� Aus der Art und Weise, wie der General ihm den R�cken zuwandte, konnte Charles schlie�en, da� er zum Schlu� nicht gerade den besten Eindruck auf Custer gemacht hatte.</p><p>Custer eilte in die Dunkelheit hinein. Schnee sammelte sich auf Charles' Schultern und seiner Hutkrempe. Venable. Guter Gott. Er erinnert sich, da� der Wachtposten bei seiner Ankunft eine Bemerkung �ber sein Gl�ck gemacht hatte. Jetzt schien es sich wieder von ihm abgewandt zu haben.</p></section><section><title><p id="bookmark61"><strong>47</strong></p></title><p>Er wartete oben auf dem Kutschsitz; der Wagen stand dicht an der Wand des Kornspeichers. �ber ihm an der Wand ragte das Bild eines gewaltigen Kopfes auf, der heroische Kopf eines Soldaten in Uniform, begrenzt von roten und blauen Farben, mit wei�en Sternen geschm�ckt, gib uns den frieden, stand in gro�en Lettern �ber dem Kopf. �hnlich gro� stand darunter:</p><p>GRANT.</p><p>Ein kalter Regen fiel aus dem Nachthimmel. Bent sa� da und starrte das Kandidatenportr�t an. Von Zeit zu Zeit schauderte er zusammen; die Novemberluft war so kalt wie Januar. Alle Angeh�rigen der kleinen Farmergemeinschaft von Grinnell sa�en sicher und warm hinter verschlossenen T�ren.</p><p>Drossel kam aus dem Kornspeicher, ein B�ndel Geld in seinen fetten Fingern. Drossel war ein Farmer, f�r den Bent gearbeitet hatte, seit er im Sp�tsommer auf diesen kleinen Weiler in Iowa gesto�en war. Drossel war kleiner als Bent, ein �lterer, aber robuster Mann. Er trat dicht an den Wagen heran, z�hlte einige Geldscheine ab und reichte sie hoch. �Ihr Lohn�, sagte er mit seinem starken Akzent.</p><p>�Ich danke Ihnen, Herr Drossel.� Herr und Frau Drossel sprachen sich ebenfalls so an, mit der Formalit�t der Alten Welt, und er hatte die Gewohnheit �bernommen.</p><p>Die Drossels waren kurz nach den politischen Unruhen im Europa des Jahres 1848 nach Amerika emigriert. Sie hatten im Poweshiek County, Iowa, fruchtbares Land und eine vielversprechende Zukunft gefunden. Sie waren Republikaner, Lutheraner; sanfte, flei�ige Menschen, die fraglos Bents Erkl�rung akzeptiert hatten, er sei ein Veteran der Union auf der Reise nach Westen, der in Colorado nach Verwandten suchen wollte. Er wollte wieder mit seiner Familie vereint sein, sagte er. Die Dros-sels verstanden dieses Verlangen und seine Einsamkeit. Gott hatte ihnen alles, nur keine Kinder geschenkt, hatte Bent von Frau Drossel an seinem dritten Tag auf der Farm beim Abendessen erfahren. Dabei hatte sie mit abgewandtem Gesicht geweint.</p><p>�Der letzte Rest der Ernte ist gut verkauft worden. Unsere Krippen sind f�r den Winter gef�llt. Folgen Sie mir ins Haus, Herr Dayton. Ich habe f�r diesen festlichen Abend einen besonderen Schnaps bereitgestellt.�</p><p>�Kein sehr festliches Wetter�, sagte Bent, die Geldrolle im Auge behaltend, die Drossel unter seinen sch�bigen Wollmantel steckte. Drossel war recht gewichtig, trug eine Halbbrille und hatte einen ordentlichen wei�en Bart von einem Ohr bis zum anderen. Seine Stiefel klatschten durch den Schlamm, als er auf einen vor Bent stehenden Wagen zuging. Bents Gedanken rasten, planten; er deutete auf ein anderes Poster an der Wand des Kornspeichers. Grants Plakat war dar�bergeklebt worden, und darunter waren nur noch die Buchstaben mour sichtbar.</p><p>�Ich nehme an, in diesem Teil von Iowa ist der demokratische Kandidat nicht sonderlich beliebt?�</p><p>�Tscha�, sagte Drossel, eine Art klickendes Ger�usch. Er dr�ckte sich seinen runden Wollhut auf den Kopf und kletterte �ber das Rad auf den Bock des ersten Wagens. �Was wissen wir denn von diesem Seymour? Ein New Yorker Gouverneur. Genausogut k�nnte er vom Mond kommen. Grant allerdings, Grant kennen wir. Grant ist ein Mann der ganzen Nation. Deswegen wurde er nominiert. Deswegen wird er gewinnen.�</p><p>�Aufgrund seiner Reputation�, sagte Bent; er sp�rte den ersten schmerzhaften Stich der spitzen Ahle zwischen seinen Augen. Winzige Lichtblitze begannen durch seinen Kopf zu schie�en. Milit�rischer Erfolg h�tte ihn bis ins h�chste Amt der Nation tragen k�nnen, wenn seine Feinde ihm nicht seine Armeekarriere zerst�rt h�tten.</p><p>Ruhig, dachte er. Bleib ganz ruhig. Der Gedanke an alte Wunden w�rde dieselben nur wieder aufrei�en. Niemals w�rden sie heilen. Er konnte nichts anderes tun, als weiterhin den Blutpreis f�r sie einzutreiben. So hatte er es in Lehigh Station getan, und bald w�rde er es bei seinem n�chsten, sorgf�ltig ausgew�hlten Opfer wieder tun.</p><p>�Herr Dayton, schlafen Sie?� Drossel scherzte, aber mit einer gewissen teutonischen Strenge. W�hrend der zur�ckliegenden Wochen harter Arbeit in den Kornfeldern hatte Drossel oft genug Bent befohlen, dieses oder jenes zu tun, und Bent w�re dem alten Mann beinahe an die Kehle gesprungen. Nur wegen des gr��eren Ziels - er brauchte das Geld, um seinen Rachefeldzug fortf�hren zu k�nnen - hatte er den heftigen Drang unterdr�cken k�nnen, Drossel an seinen eigenen Befehlen ersticken zu lassen.</p><p>�Es regnet sehr stark. Wir verschwenden Zeit. Frau Drossel wartet mit dem Festessen.�</p><p>In Bents Kopf verwandelte sich eine wei�e Lichterexplosion in ein warmes Rosa. Heute abend wird noch mehr warten, dachte er mit einem verschlagenen L�cheln, das Drossel nicht sah. Der alte Mann lie� die Z�gel �ber seinen Maultieren knallen und den Wagen in die Dunkelheit rollen, fort von den Lichtern der Farmergemeinschaft.</p><p>Die Drossels lebten eine halbe Stunde von Grinnell entfernt, im welligen H�gelland. Innerhalb von zwei Meilen gab es keinen Nachbarn; aufgrund der Topographie waren ihr h�bsches wei�es Haus und die St�lle aus der Entfernung kaum zu sehen.</p><p>Im Haus angekommen, zog sich Bent ein trockenes Hemd und trockene Socken an. Frau Drossel, die der knopf�ugigen Puppe eines kleinen M�dchens �hnelte und deren Mund nie stillstand, brachte dampfende Platten mit Schnitzeln und Rotkohl auf den h�bsch gedeckten Tisch. Herr Drossel bot seine verstaubte Flasche Schnaps an, als handle es sich um Champagner. Der hei�e, scharfe Pfefferminzgeschmack bes�nftigte Bents Nerven etwas; er w�rmte ihn und lie� ihn das eint�nige Ger�usch des Regens vergessen. Kurz darauf h�rte es auf zu regnen. Bent war dankbar. Das kam seinem Plan zugute.</p><p>�Es tut uns leid, da� Sie uns verlassen, Herr Dayton�, sagte Frau Drossel nach der Mahlzeit. �Es ist sehr einsam hier drau�en. Die langen Winterabende sind schwer zu f�llen.�</p><p>Dar�ber brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen, dachte Bent. Nur mit M�he brachte er ein Grunzen als Antwort hervor, weil sein Kopf so schmerzte. Als Drossel sich vom Tisch erhob, bemerkte Bent seine vom Bargeld ausgebeulte Hosentaschen. Der Farmer behielt das Geld bei sich, als er unten die Fensterhaken �berpr�fte und die T�ren absperrte. Bent sch�tzte M�digkeit vor und sagte gute Nacht.</p><p>�Gute Nacht, Herr Dayton�, sagte Frau Drossel und stellte sich impulsiv auf die Zehenspitzen, um seine stoppelige Wange zu k�ssen. Er mu�te sich beherrschen, um nicht angewidert zur�ckzuzucken. Ihre feuchten alten Augen machten ihn ganz krank. �Das hat gutgetan, Ihre Gesellschaft all die Wochen.�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte bleiben, Frau Drossel. Sie und Ihr Mann sind f�r mich wie eine Familie.� Hinter seinen Augen blitzten und explodierten die Lichter. Seine herabh�ngende Schulter pochte von der feuchten K�lte. �Ich werde Sie wirklich vermissen. Aber das Leben f�hrt einen jeden von uns eine andere Stra�e entlang.�</p><p>�Ja, welch ein Jammer�, rief sie, w�hrend er in einer Vision den h�llischen Glanz am Ende ihrer Stra�e vor sich sah. Beinahe h�tte er gekichert, behielt aber seinen frommen Gesichtsausdruck bei, als sie ihn t�tschelte. �Ich verstehe, da� Sie jene finden m�ssen, die Ihnen nahestehen.�</p><p>�Ja, ich bin ihnen schon recht nahe. Es kann nicht mehr lange dauern.�</p><p>�Gute Nacht, Herr Dayton�, rief Drossel, als Bent die enge, kleine Treppe hochkletterte. Als er die T�r zur Bodenkammer schlo�, h�rte er Drossels abschlie�ende Bemerkung: �Sie sind ein guter Mann.�</p><p>Anstatt sich ins Bett zu legen, zog er seinen Mantel wieder an und wickelte sich ein langes, wollenes Tuch um den Hals. Er zerrte seinen Koffer unter dem Bett hervor und inspizierte den Inhalt. Das tat er jeden Abend, eine Art abergl�ubisches Ritual, das ihm Erfolg garantieren sollte.</p><p>Das zusammengerollte Gem�lde lag unten am Boden unter einigen schmutzigen Kleidungsst�cken. Dann w�hlte er zwischen den Sachen herum, bis seine Finger den Tr�nenohrring ertasteten.</p><p>L�chelnd schlo� er den Koffer wieder. Aus einem Regal in der Ecke nahm er den verschmutzten Zylinderhut, den er gestohlen hatte, um den in Lehigh Station verlorenen Zylinder zu ersetzen. Er setzte ihn auf, dann zog er Handschuhe an, bei denen die meisten Fingerspitzen fehlten. Voll angekleidet lie� er sich auf dem Bettrand nieder, w�hrend die schmerzhafte Ahle sich tiefer und tiefer in seinen Sch�del bohrte und die blendend hellen, imagin�ren Lichter explodierten.</p><p>Unten h�rte er die Uhr im Schlafzimmer des alten Paares halb eins schlagen. Es war Zeit.</p><p>Er schlich die Treppe hinab und drehte langsam den T�rknauf. Er �ffnete und lauschte dem regelm��igen Atem der beiden Schl�fer. Er trat ein und schlo� mit einem leisen Klicken die T�r. Einen Augenblick sp�ter erf�llten unterdr�ckte, ged�mpfte Schreie das Haus.</p><p>Der Regen hatte aufgeh�rt, aber �berall war es noch feucht. Bent zitterte, als er aus dem Hof der Farm humpelte. Er bog nach links auf die nach Westen f�hrende Stra�e ab. Mit saugenden Ger�uschen klatschten seine Stiefel in den Schlamm.</p><p>Er marschierte eine Viertelmeile, bevor er sich sicher genug f�hlte, um anzuhalten und zur�ckzublicken. Seine linke Hand blieb in der Tasche; seine Finger streichelten z�rtlich �ber das gewaltige Geldb�ndel, das er Herrn Drossel abgenommen hatte. Seine erregte M�nnlichkeit pre�te sich von innen gegen das B�ndel.</p><p>�Ah!� Ein seliger Seufzer. Jetzt war das Farmerhaus nicht mehr nur ein Schatten in der Nacht. Im oberen Stockwerk gl�hte rosiges Licht hinter rauchenden Vorh�ngen auf. W�hrend er zusah, flammten die Vorh�nge auf.</p><p>Bent duckte sich am Stra�enrand zusammen, geno� die Vorfreude auf die k�stlichen Laute, die er einen Moment sp�ter h�rte. Das alte Paar. Bewu�tlos geschlagen, dann mit Streifen des Lakens sicher ans Bett gefesselt. Sie erwachten. Sp�rten die Hitze des Feuers, das er unten im Wohnzimmer entfacht hatte. F�hlte das Sengen und Knistern unter ihrem Bett - dem Bett, dem sie nicht entrinnen konnten.</p><p>Sie hatten ihn f�r solch einen <emphasis>guten</emphasis> Mann gehalten. Sie h�tten lernen sollen, da� es in dieser Schei�welt gef�hrlich war, der �u�eren Erscheinung zu trauen oder Fremden aufs Wort zu glauben.</p><p>Eines der oberen Fenster barst, dann ein anderes. Flammen schossen hinaus. Das Fauchen wurde von Schreien �bert�nt.</p><p>Bent wandte dem strahlenden Glanz den R�cken zu und beugte sich �ber seinen Koffer. Er holte den Tr�nenohrring mit seiner filigranen Goldfassung hervor. Ein paarmal strich er mit den Fingerspitzen �ber die Perle, was ihn jedesmal in heftigere sexuelle Erregung versetzte. Die Erinnerung an Constances zerfetzte Kehle war noch sehr lebhaft.</p><p>Von seinen Lippen spr�hten kleine Schaumflocken, als er sich den Ohrring in sein linkes Ohrl�ppchen bohrte. Es erfreute und am�sierte ihn, das Mahnzeichen der Bestrafung George Hazards zu tragen.</p><p>Er st�lpte sich den Zylinder auf den Kopf und humpelte westw�rts. Die h�pfende Perle fing das Licht des brennenden Farmhauses ein; es war, als hinge ein schillernder Tropfen geronnenen Blutes an seinem linken Ohr.</p><p>Bald schon verschwand der Schein des Feuers hinter dem Horizont, und er humpelte in die Dunkelheit hinein. Das gro�e Geldb�ndel und der Gedanke an sein n�chstes Opfer hielten ihn warm. Bald. Bald.</p><p>LEKTION XI</p><p>Jungen beim Spiel</p><p>Kannst du einen Drachen steigen lassen? Sieh, wie der Junge seinen Drachen steigen l��t. Er h�lt die Schnur fest, und der Wind tr�gt ihn hoch ...</p><p>Jungen rennen und spielen gern.</p><p>Aber sie d�rfen nicht grob sein. Brave Jungen spielen nicht in grober Weise, sondern passen auf, da� sie einander nicht weh tun.</p><p>Wenn Jungen spielen, m�ssen sie freundlich sein und d�rfen nicht schlecht gelaunt sein. Wenn du schlecht gelaunt bist, m�chten brave Jungs nicht mit dir spielen.</p><p>Wenn du hinf�llst, darfst du nicht weinen, sondern mu�t aufstehen und weiterrennen. Wenn du weinst, halten dich die anderen Jungs f�r ein Baby ...</p><p><emphasis>McGuffeys Ausgew�hltes Lesebuch f�r die erste Klasse</emphasis> 1836-1844</p><p id="bookmark62">MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Oktober 1868. Die Zivilbeh�rden finden keinen T�ter f�r den Mord an May und Ridley. Wie konnte ich nur etwas anderes annehmen? Gerechtigkeit k�nnte sich durchsetzen, wenn das Milit�r Nachforschungen anstellen w�rde, aber das d�rfen sie nicht. S.C. befindet sich im &gt;Wiederaufbau&lt;</emphasis> ...</p><p><emphasis>Theo hat eine alte Schiffsglocke in C'ston gekauft. Ich habe sie poliert und neben der Haust�r angenagelt, damit man damit - falls n�tig - Alarm schlagen kann. Wir haben jetzt unsere eigene Miliz im Ashley-Bezirk - ausschlie�lich Neger, die meisten von M.R. -, die Zwischenf�lle bei den Wahlen verhindern soll. Der Klan l��t sich h�ufig im Bezirk blicken. Die Situation bleibt sehr angespannt. Deshalb bewacht ein Mann jede Nacht dieses Haus. In einem zivilisierten Land, in einem Land, das in Frieden lebt, scheint das unvorstellbar. Und doch h�re ich den Wachmann patrouillieren, h�re seine nackten F��e �ber den Boden rascheln und wei�, das Unheil ist ganz real....</emphasis></p><p><emphasis>M.-L. wird teilnahmslos und gleichg�ltig in der Beengtheit, der sie hier unterworfen ist. Ihre Ausbildung wird vernachl�ssigt. Eine unbefriedigende Situation. Mu� etwas unternehmen</emphasis> ...</p><p>... <emphasis>November 1868. In der Stadt gewesen, am vorletzten Tag vor der Wahl. Habe eine Soldatenparade gesehen - marschierende Einheiten, die sich Jungs in Blau f�r Grant&lt; nannten.</emphasis></p><p><emphasis>Seymour, Grants Gegner, genie�t hier kaum Ansehen, doch Blair, der als sein Vizepr�sident kandidiert, ist der Liebling der wei�en B�rger. Blair bezeichnet die Wiederaufbauregierungen als &gt;Promena-denmischungen&lt;, verspricht lautstark, die &gt;Geburtsrechte&lt; des S�dens wiederherzustellen, und erkl�rt �ffentlich, die wei�e Rasse sei &gt;die einzige Rasse, die sich f�hig gezeigt hat, eine freie Regierung zu unterhaltene Kein Wunder, da� die Yankees sagen: �Kratz an einem</emphasis></p><p><emphasis>Demokraten, und ein Rebell kommt darunter zum Vorschein.� Judith sagt, sie f�rchtet sich, an Cooper zu kratzen, weil sie Angst vor der Wahrheit hat. Hinter diesem m�hsamen Scherz versteckt sich gro�e Besorgnis; C. ist ein fanatischer Anh�nger von Blair...</emphasis></p><p><emphasis>Alles vorbei. Grant ist gew�hlt. Im Dixie-Land hat Seymour lediglich Louisiana und Georgia hinter sich gebracht. Jeder in Frage kommende Mann auf M.R. hat gew�hlt, worauf ich sehr stolz bin</emphasis> ...</p><p><emphasis>Theo war zum Abendessen da. Ist gegangen, kurz bevor ich mich zum Schreiben dieser Zeilen niedersetzte. Zum erstenmal schnitten er und M.-L. das Thema Heirat an. Ich habe nichts dagegen, aber sie ist Coopers Kind. Wie lange kann ich es wagen, einer Sache Vorschub zu leisten, die mit Sicherheit viel Unfrieden - mu� Schlu� machen. L�rm drau�en ...</emphasis></p><p>Hintereinander bogen die Reiter von der Uferstra�e in den Weg. Ein bl��licher Mond lie� die L�ufe ihrer Waffen aufschimmern.</p><p>Langsam und leise ritten sie unter den B�umen hindurch und dann um das wei�e Haus herum. In einer Reihe bauten sie sich vor der Eingangst�r auf. Im Mondlicht schimmerten ihre Roben und Kapuzen fast schwarz. Die Guckl�cher reflektierten �berhaupt kein Licht.</p><p>Der Reiter in der Mitte hob seine alte Flinte. Der Mann rechts von ihm sah das Signal, ri� ein Streichholz an seinem Absatz an und hielt es an die �lgetr�nkte Fackel, die sofort aufflammte und das halbe Dutzend Reiter beleuchtete.</p><p>�Ruft sie heraus�, sagte der Mann ganz rechts in der Reihe. Der Reiter sa� dicht unter den tiefh�ngenden �sten einer riesigen, knorrigen Eiche auf seinem Pferd. Der obere Teil des Eichenstammes war unter Moos verborgen. Irgendein Vogel oder Eichh�rnchen bewegte sich dort mit leisem Rascheln. Der Reiter sp�hte nach oben, konnte aber nichts erkennen.</p><p>Der Mann in der Mitte hob ein altes H�rrohr. Pl�tzlich flog die Haust�r auf, und Madeline trat heraus; ihre linke Hand griff nach dem Seil der Schiffsglocke.</p><p>�Bleib stehen�, befahl der Mann mit dem H�rrohr und der Flinte. Madeline sah bla� aus, als sie den alten M�nnermorgenrock vorn zusammenraffte. Hinter ihr tauchten die st�mmige Schullehrerin und dann Marie-Louise auf.</p><p>�Wir sind die Ritter des Unsichtbaren Reiches�, sagte der Mann in der Mitte. Sein nerv�ses Pferd scheute.</p><p>Madeline �berraschte sie alle durch ihr Lachen. �Ihr seid kleine Jungs, die ihre Gesichter verstecken, weil sie Feiglinge sind. Ich erkenne Ihre langen Beine, Mr. LaMotte. Haben Sie wenigstens soviel Anstand, die Kapuze abzunehmen und sich wie ein Mann zu benehmen.�</p><p>Ein Klansmann auf der linken Seite raffte seine Robe hoch und griff mit beiden H�nden nach den Kolben seiner Revolver. �Bringen wir das verdammte Mistst�ck um. Ich bin nicht hier, um mit einer Niggerin zu diskutieren.�</p><p>Der Mann in der Mitte hob seine Flinte, um den Sprecher zum Schweigen zu bringen. Zu Madeline gewandt, sagte er: �Sie haben vierundzwanzig Stunden, um den Bezirk zu verlassen.� Die Fackel knisterte. Ein klickendes Ger�usch ert�nte, ein Gewehr wurde durchgeladen, und eine Stimme rechts hinter der Linie der Reiter dr�hnte:</p><p>�Nein, Sir. Noch nicht.�</p><p>Alle drehten sie sich um; Madelines Blick flog zu dem bemoosten Baum. Ein st�mmiger Schwarzer mit rundem Gesicht war auf einem dicken Ast zu sehen, der sich unter seinem Gewicht durchbog. Er stemmte die Schultern gegen einen h�heren Ast, damit er beide H�nde f�rs Gewehr frei hatte. Madeline erkannte den sanften, zur�ckhaltenden Foote. Sie hatte nicht gewu�t, wer heute nacht Wache hatte.</p><p>�Ich denke, ihr kehrt besser um und reitet davon�, sagte Foote.</p><p>�Jesus, das ist blo� ein Nigger�, protestierte der Mann mit den zwei Revolvern.</p><p>�Ein Nigger mit einem Repetiergewehr�, sagte ein anderer Klansmann. �Ich w�rde nichts �berst�rzen, Jack.�</p><p>�Keine Namen�, rief der Mann in der Mitte.</p><p>Marie-Louise wisperte an Madelines Schultern:</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> Mrs. Allwicks Tanzlehrer. Ich kenne seine Stimme.�</p><p>Madeline nickte mit zusammengepre�ten Lippen. Der Mann in der Mitte fing an: �Madam!� Madeline sprang vor und versuchte ihm die Kapuze vom Kopf zu rei�en.</p><p>Sein Pferd t�nzelte seitlich weg. Er schlug mit der Flinte nach Madeline, aber sie lie� sich nicht abhalten. Wieder sprang sie mit ausgestreckter Hand nach der Kapuze. Diesmal ri� sie sie herunter. Des LaMottes Gesicht wurde rot vor Wut.</p><p>�Na endlich. Der ber�chtigte Mr. LaMotte. Und mir bleibt von Ihrem Besuch wenigstens ein Souvenir.� Sie hielt die Kapuze in die H�he.</p><p>Alle hatten nur Augen f�r sie - die beiden anderen Frauen und die Klansm�nner und Foote auf dem durchsackenden Ast. W�hrenddessen hatte unbemerkt von allen anderen der eine Klansmann seine beiden Revolver gezogen. Er beugte den rechten Arm, legte den Lauf seines linken Revolvers darauf und dr�ckte ab.</p><p>Der Revolver donnerte los. Die Pferde wieherten und bockten. Foote bekam die Kugel in den linken Oberschenkel, wurde von dem Ast gefegt und verschwand hinter dem bemoosten Stamm.</p><p>�Foote!� schrie Madeline und rannte an den Pferden vorbei auf ihn zu. Vor ihr trieb der Reiter, der dem Baum am n�chsten war, seinen Gaul unter die Zweige. Ein weiterer Schu� dr�hnte. Madeline stoppte br�sk. �Foote!�</p><p>�Haltet die andere auf!� br�llte der Klansmann mit den Zwillingsrevolvern. Jack Jolly ri� sich die Kapuze vom Kopf und zielte auf Prudence, die nach dem zweiten Schu� hinausgest�rzt war. Die entstellende Narbe leuchtete wei� in seinem Gesicht.</p><p>Jolly z�gerte einen Moment, einer wei�en Frau eine Kugel zu verpassen. Dieses Z�gern nutzte Prudence aus, um nach dem Glockenseil zu greifen. LaMottes Schrei ging in dem hallenden Gedr�hne unter. Ein anderer Mann br�llte: �Das war's! Verschwinden wir!�</p><p>LaMotte schrie, die Augen ganz glasig vor Verwirrung, Madeline zu: �Sie haben vierundzwanzig Stunden. Verschwindet. Alle. Diese Lehrerin, die Niggermiliz ...�</p><p>Etwas in Madeline zerbrach. Wieder rannte sie auf LaMottes Pferd zu, packte es am Z�gel und schrie ihn mit der Stimme eines Dockarbeiters an: �Den Teufel werde ich! Das ist mein Land. Mein Zuhause. Ihr seid nichts weiter als ein Haufen Feiglinge, die sich f�rs Variet� verkleidet haben. Wenn ihr mich von Mont Royal runter haben wollt, dann m��t ihr mich schon umbringen. Anders werdet ihr mich nicht los.�</p><p>Das Pferd des Klansmanns links au�en begann zu stampfen. LaMotte warf seinen M�nnern besorgte Blicke zu. Jolly tobte vor Wut. �Wenn du Angst hast, eine Niggerin umzubringen, ich hab' keine.� Mit beiden Leech &amp;�Rigdons zielte er grinsend auf Madeline. �Hier hast du das Ticket ohne R�ckfahrkarte zum Bahnhof H�lle.�</p><p>Der Kapuzenmann neben ihm schlug ihm den Bruchteil einer Sekunde, bevor der Revolver losdonnerte, die Arme nach oben. Eine Kugel fuhr in die Dachschindeln, die andere irgendwo in die Dunkelheit. Die Klansm�nner waren jetzt in Panik, waren allerdings kaum ver�ngstigter als Madeline, die sich mit dem R�cken gegen das Haus geworfen hatte, �berzeugt davon, da� eine der Kugeln sie treffen w�rde.</p><p>�Das dulde ich nicht�, sagte der Mann, der Jolly eben gehindert hatte.</p><p>Voller Verbl�ffung h�rte Madeline zum erstenmal diese Stimme.</p><p>�Vater Lovewell? Mein Gott.�</p><p>�So tief werde ich nicht sinken�, sagte er. Jolly richtete die Revolver auf ihn. Unbeirrt griff der Priester wieder nach seinen Armen. �Schlu� damit, Jolly. Ich lasse es nicht zu, da� Frauen ermordet werden, nicht mal eine Farbige.�</p><p>�Du fr�mmelnder Schei�kerl!� schrie Jolly und ri� einen seiner Arme aus der Umklammerung. Er zielte auf Vater Lovewells Kapuze. Wieder schlug der Priester gegen Jollys Arm, bevor sich der Schu� l�ste. Die Kugel wirbelte unter dem Bauch von Vater Lovewells Stute eine Staubfont�ne auf. Als Antwort auf die Glocke riefen drau�en in der Dunkelheit M�nner durcheinander.</p><p>Vater Lovewell entri� Jolly einen Revolver. Jolly brachte seine andere Waffe in Anschlag. Sein nerv�ses Pferd stieg hoch und zwang ihn, mit dem Schu� noch zu warten. Vater Lovewell umklammerte mit beiden H�nden den Revolver und dr�ckte ab.</p><p>Jack Jolly richtete sich im Sattel auf, sackte dann nach vorn. Blut f�rbte die Front seiner gl�nzenden Robe dunkel und lief dann an den Flanken seines Pferdes herab. Die anderen Klansm�nner befanden sich nun in totaler Aufl�sung; Neger konnte man rennen und rufen h�ren.</p><p>Des LaMotte sah fuchsteufelswild aus, als er sein Pferd herumri� und davonsprengte. Bei dem Versuch, ihm zu folgen, behinderten sich die anderen Klansm�nner gegenseitig. Jollys Pferd galoppierte ganz am Schlu�; sein toter Reiter drohte jeden Moment herunterzufallen.</p><p>Madeline hatte Beine wie Pudding. Sie stemmte die H�nde gegen die wei�get�nchte Wand, um sich zu st�tzen. Bitterer Pulverdampf w�rgte sie. Der Fackelschein der Klansm�nner verbla�te.</p><p>�Alles in Ordnung? Wer hat geschossen?� Das war Andy, der von den alten Sklavenh�tten her angerast kam.</p><p>Madelines Nerven gaben pl�tzlich nach; sie fing an zu zittern. Die Haare fielen ihr in die Augen, als sie in die Dunkelheit unter den Baum rannte. �Foote. Oh, Foote!�</p><p>Bevor sie ihn erreichte, mu�te sie sich abwenden und sich heftig �bergeben.</p><p>Am Rande des dunklen Sumpfes beschwerten sie im Fackelschein Jack Jollys Leiche mit Steinen und lie�en sie ins Wasser gleiten.</p><p>�Sie haben ihn erschossen, und er fiel direkt beim Haus vom Pferd. Das ist die Geschichte�, sagte LaMotte heiser. �Wir konnten ihn nicht mitnehmen, weil sie von allen Seiten �ber uns herfielen. Keine Sorge, seine Verwandtschaft wird niemals nach Mont Royal gehen, um seine Leiche abzuholen.�</p><p>�Und wir gehen auch nicht mehr hin�, sagte Vater Lovewell.</p><p>�Und ob wir das tun �, sagte LaMotte. �Ich �bernehme die Verantwortung f�r das, was geschehen ist. Ich h�tte nie gedacht, da� sie einen Wachposten hinstellt. Aber ich lasse mich nicht von einer Frau unterkriegen. Noch dazu von einer Niggerfrau. Sie hat meine Cousine gedem�tigt, hat sie vernichtet.�</p><p>�Des, gib auf. Vater Lovewell hat recht.� Zum erstenmal machte Randall Gettys den Mund auf.</p><p>�Wenn ihr solche S�dstaatler seid, in Ordnung�, sagte LaMotte. Sein Gesicht war fast so rot wie sein Haar. Er war w�tend, weil Monate des Wartens wegen dieser einzigen verpfuschten Nacht umsonst gewesen waren. Doch er w�rde nicht aufgeben. �Sie wird nicht am Ashley bleiben und �berall herumstolzieren. Sie wird sterben. Ich verstecke mich f�r eine Weile, dann komme ich allein zur�ck, wenn ihr anderen zu feige seid.�</p><p>Niemand sagte etwas. Sie warfen ihre zischenden Fackeln in das Brackwasser und gingen auseinander; Jack Jolly blieb unter Wasser zur�ck, mit ein paar Fischen und Fr�schen und einem drei Fu� langen kleinen Alligator als Gesellschaft. Der Alligator schwamm dicht an ihn heran, �ffnete seinen Rachen und begann mit nadelscharfen Z�hnen an dem Gesicht herumzunagen.</p><p><emphasis>Wir haben Foote beerdigt. Cassandra untr�stlich. Sie verlor Nemo, als Foote zur�ckkehrte. Und jetzt das. Nichts, was ich sagte, half. Am sp�ten Nachmittag war sie verschwunden ...</emphasis></p><p>... <emphasis>Nach C'ston - nicht gerade mit Begeisterung. Mit kaltem Gesicht lauschte Cooper meiner Geschichte und meiner Versicherung, da� Prudence und seine eigene Tochter sie best�tigen k�nnten. Er war sichtlich ver�rgert, da� M.-L. der Gefahr so nahe gewesen war, beherrschte sich aber - noch. Was den Besuch des Klans anbelangte, so gab er mir den knappen Rat, die Sache zu vergessen, da kein Gericht in California sie verurteilen w�rde. Au�erdem w�rde Des' Familie ganz sicher Zeugen auftreiben, die bekundeten, da� er zu dem Zeitpunkt ganz woanders war. Vater Lovewells Anwesenheit w�rde ohnehin keiner glauben, Zeugen hin und her.</emphasis></p><p><emphasis>Cooper sagte, er sei sicher, da� es nicht zu weiteren Zwischenf�llen kommen w�rde. Ich wei� nicht, woher er diese Sicherheit nimmt. Pl�tzlich begann er mich dann heftig wegen Marie-Louise zu bedr�ngen. Ich gab nicht nach und meinte, sie k�nne, solange sie wollte, auf Mont Royal bleiben. Das l�ste eine Flut w�ster Beschuldigungen aus. Bevor es so schlimm wie beim letztenmal werden konnte, floh ich.</emphasis></p><p><emphasis>Orry, ich wei� nicht, was ich tun soll. Ich habe es so satt, Furcht zu haben und diese Furcht st�ndig unterdr�cken zu m�ssen ...</emphasis></p><p>�Ja, das verstehe ich�, sagte Jane, als Madeline ihr gegen�ber ihre Gef�hle zum Ausdruck brachte. �Mein Volk hat seit Generationen mit dieser Art von Furcht gelebt. Aber ich wei� nicht, ob Mr. Cooper recht damit hat, da� der Klan aufgegeben h�tte. Erinnern Sie sich, als Mr. Hazard gleich nach dem Krieg zu Besuch hier war? Ich sagte, bis zum letzten Sieg w�rde es noch jahrelange Schlachten geben. Ich glaube das immer noch.�</p><p>�Ich k�nnte zu General Hampton gehen. Er hat mir Hilfe versprochen.�</p><p>�Wie k�nnte er helfen? Er hat doch keine Truppen mehr, oder?�</p><p>Madeline sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich glaube, wir bleiben besser auf dem Posten�, sagte Jane. �Ein Mann wie LaMotte, der nimmt vielleicht eine Niederlage von einem Mann hin, der seiner Klasse angeh�rt, aber von einer Frau? Einer Farbigen? Ich m�chte wetten, eher verliert er den Verstand, bevor er das geschehen l��t.�</p><p>�Ich glaube, er hat ihn bereits verloren.�</p><p>Jane zuckte die Achseln. �Das war nicht die letzte Schlacht. Er wird zur�ckkommen.�</p></section></section><section><title><p id="bookmark63">F�nftes Buch </p><p><strong>Washita</strong></p></title><section><p><emphasis>Gib uns den Frieden.</emphasis></p><p>General Ulysses S. Grant Wahlkampagne 1868</p><empty-line/><p><emphasis>Als tapfere M�nner und Soldaten einer Regierung, deren Friedensbem�hungen sich ersch�pft haben, nehmen wir den Krieg an, den unsere Feinde begonnen haben, und sind entschlossen, diese unerfreuliche Pflicht einem endg�ltigen Ende zuzuf�hren.</emphasis></p><p>General Sherman zu General Sheridan 1868</p><empty-line/><p><emphasis>Wir sto�en in den S�den vor, auf die Antelope Hills zu, dann weiter zum Washita River, dem vermutlichen Winterlager der feindlichen St�mme; wir zerst�ren ihre D�rfer und t�ten ihre Ponys; wir t�ten und h�ngen alle Krieger und nehmen s�mtliche Frauen und Kinder mit</emphasis> ...</p><p>General Sheridan zu General Custer 1868</p></section><section><title><p id="bookmark64"><strong>48</strong></p></title><p>Von vier kl�ffenden Hunden gejagt, ritten die Scouts ein; Griffenstein, die Br�der Corbin und ein st�mmiger junger mexikanischer Dolmetscher, der bei den Cheyenne aufgewachsen war und die Sprache flie�end sprach. Sein Name lautete Ro-mero, also nannte ihn jeder selbstverst�ndlich Romeo.</p><p>California Joe ritt ein Maultier. Charles, der seine Ankunft beobachtete, sah ihn von einer Seite zur anderen schwanken und fr�hlich ins Leere l�cheln. �Besoffen wie ein Matrose�, sagte er sp�ter zu Dutch Henry. �Wieso findet sich Custer mit einem solchen Clown ab?�</p><p>Dutch Henry streichelte den Kopf eines Terriers mit wedelndem Stummelschw�nzchen. Im Camp gab es jetzt mindestens ein Dutzend streunender Hunde. �Ich habe so den Eindruck, da� der einzige starke Mann, den Custer sch�tzt, Custer selbst ist. Macht wohl keinen Unterschied, oder? Du wolltest Cheyenne umbringen. Custer ist auf dem besten Weg dazu.�</p><p>Der November kam mit einem Himmel wie dunkle Schieferplatten und bitterkalten Winden. In dem Camp am Nordufer des Arkansas ordnete Custer eine Verdoppelung der Schie��bungen an. Zweimal t�glich feuerten die M�nner des Siebten Regiments auf Ziele, die in einer Entfernung von hundert, zwei-hundert und dreihundert Metern aufgebaut worden waren. Cookes Scharfsch�tzen schauten h�ufig vorbei, um sich lustig zu machen und �berlegene Kommentare abzugeben.</p><p>Die Gener�le Sully und Custer riefen die Offiziere und Scouts zusammen, um die Strategie durchzusprechen, die Sheridan entwickelt und von Uncle Billy in der Division genehmigt bekommen hatte. Charles erkundigte sich fl�sternd bei Griffenstein, weshalb Harry Venable nicht anwesend war. Griffenstein meinte, Venable sei gerade im Begriff, eine schwere Grippe zu �berwinden.</p><p>General Sully, U.S.M.A. '41, war etwas �lter, als Orry jetzt gewesen w�re. Der General hatte einen ber�hmten Vater, Thomas Sully aus Philadelphia, Maler von Portr�ts und historischen Szenen; selbst ein Kunstbanause wie Charles kannte Sullys historische Darstellung von General Washingtons Passage �ber den Delaware.</p><p>Der Sohn des K�nstlers war ein kultivierter Mann, mit dem �blichen brustlangen Bart. Obwohl es ihm vor kurzem nicht gelungen war, irgendwelche Indianer s�dlich vom Arkansas aufzusp�ren und zu vernichten, besa� er eine erstklassige Reputation, die auf den Mexikanischen Krieg zur�ckging. Man hielt ihn f�r einen erfahrenen Indianerk�mpfer, da er die Sioux anl��lich der Minnesota-Rebellion von 1863 in die Black Hills zur�ckgetrieben hatte. Charles behielt Custer scharf im Auge; der Boy General konnte seine Abneigung gegen Sully nicht ganz verbergen. F�r beide war auf dieser Expedition kein Platz, entschied Charles.</p><p>Anhand von Karten erl�uterte Sully, da� drei Angriffskolonnen gleichzeitig in das Indianerterritorium vorsto�en w�rden. Ein gemischtes Kommando aus Infanterie- und Kavallerie marschierte von Fort Bascom, Territorium von New Mexico, nach Osten. Eine zweite Kolonne, die Kavallerietruppe der F�nften unter Brigadier Eugene Carr, w�rde von Fort Lyon, Colorado, aus nach S�dosten losschlagen, auf die Antelope Hills zu, ein markanter Punkt gerade jenseits des North Canadian.</p><p>Die zentrale Kolonne war die von Sully oder Custer, je nachdem, auf wessen Seite man stand. Das war die Hauptstreitmacht. Sie bestand aus elf Truppen des Siebten Regiments und f�nf Infanteriekompanien des Dritten, F�nften und Achtunddrei�igsten Regiments. Die Kolonne w�rde direkt nach S�den vorsto�en, eine Versorgungsbasis aufbauen, sie unter dem Schutz der Infanteristen zur�cklassen und dann weiter gegen jedes Lager der Cheyenne oder Arapahoe losschlagen, das sie auf dem Territorium finden konnten. Die anderen beiden Kolonnen fungierten als eine Art Treiber, die die Indianer in einer Zangenbewegung vor die Hauptstreitmacht jagen, sagte Sully. Charles entdeckte, da� all dies durch einige alte Freunde von ihm erm�glicht worden war.</p><p>�Deine Jungs von der Zehnten�, sagte Dutch Henry nach der Versammlung, �sind jetzt entlang des Smoky Hill postiert. Wenn sie nicht w�ren, w�rde Custer immer noch dort oben patrouillieren, anstatt hier unten dem Ruhm nachzujagen. Diese Schwarzen haben einen verdammt guten Ruf. Da ist jeder Mann ein besserer Soldat als all die wei�en Schnapsdrosseln in der Armee. Niemand gibt es gerne zu, aber es stimmt.�</p><p>Das brachte die Erinnerung an Magic Magee und Sternengucker Williams, an Old Man Barnes und Colonel Grierson zur�ck. Es brachte auch ein schmales, befriedigendes L�cheln auf Charles' Gesicht. Zum erstenmal seit langer Zeit.</p><p>Eines Abends, als Charles gerade am Feuer der Scouts ein sp�tes Essen zu sich nahm, blickte er auf und sah einen d�rren, gelblichen Hund vor sich, der ihn beobachtete. Charles kaute weiter an seinem St�ck Trockenfleisch. Der gelbe Hund, ein Streuner, den er zuvor schon bemerkt hatte, wedelte mit dem Schwanz und jaulte kl�glich.</p><p>�Was zum Teufel willst du?�</p><p>Joe Corbin auf der anderen Seite des Feuers lachte. �Das ist Old Bob. Er treibt sich �berall auf der Suche nach einem Versorgungsoffizier herum. Er denkt, jetzt hat er einen gefunden.�</p><p>�Nicht mich�, sagte Charles. Er kaute weiter. Old Bob sprang um ihn herum, wedelte mit dem Schwanz und gab Ger�usche von sich, die besser zu einem K�tzchen als zu einem Hund gepa�t h�tten. Die kummervollen gelblichbraunen Augen blieben stets auf Charles gerichtet. Schlie�lich sagte Charles: �Ach, zur H�lle mit dir�, nahm das St�ck Trockenfleisch aus dem Mund und warf es dem Bastard zu.</p><p>Von da an geh�rte Old Bob ihm.</p><p>Charles wollte mit der anhaltenden Spaltung in der Siebten Kavallerie nichts zu tun haben. Ungl�cklicherweise lie� sich das nicht vermeiden. Custer hatte viele Feinde, und die meisten sprachen ganz offen �ber ihre Gef�hle, ob man sie nun danach fragte oder nicht. Besonders erbittert �u�erte sich ein f�higer Brevet Colonel namens Fred Benteen, der die H-Kompanie unter seinem tats�chlichen Rang eines Captain kommandierte.</p><p>�La� dich durch sein cooles Benehmen nicht t�uschen, Charlie�, sagte er. �Unter der Oberfl�che nagt die Kriegsgerichtsverhandlung an ihm. Nat�rlich erz�hlt ihm die K�nigin von Saba st�ndig� - so wurde Libbie von Custers l�sternden Feinden genannt - �wie gro�artig er ist, unschuldig wie ein Lamm. Allerdings glaubte er das nicht ganz. Pa� auf, und du wirst merken, da� er zw�lf-, f�nfzehnmal am Tag losrennt und sich die H�nde w�scht. Kein Mann mit einem reinen Gewissen macht so was. Das mag Sheridans Feldzug sein, aber es ist Custers Spiel. Er tut alles nur f�r seine Reputation.�</p><p>Nat�rlich traten auch viele f�r Custer ein. Cooke von Cookes Scharfsch�tzen geh�rte zu seinen gl�hendsten Anh�ngern; ebenso Captain Louis Hamilton, Enkel von Alexander Hamilton. Es �berraschte nicht, da� an der Spitze dieser Bewegung der j�ngere Bruder des Generals stand, Brevet Colonel Tom Custer, First Lieutenant in der D-Kompanie. Charles lauschte all den Lobpreisungen der Anh�nger und nahm sie mit angemessenem Zynismus zur Kenntnis.</p><p>Trotz seiner blinden Loyalit�t fand er einen von Custers Anh�ngern ganz sympathisch. Der Mann hie� Joel Elliott. Er besa� eine offene, aufrichtige Art, und sein Mut wurde von niemandem in Frage gestellt. Ohne Beziehungen war er im Krieg vom einfachen Soldaten zum Captain aufgestiegen. 1864 war er mit den Seventh Indiana Volunteer Horse in Mississippi geritten und hatte einen Lungenschu� verpa�t bekommen. Auf wunderbare Weise erholte er sich davon und trat nach der Kapitulation wieder in die Armee ein, nachdem er das schwierige Offiziersexamen bestanden hatte. Er erreichte dabei eine so hohe Punktzahl, da� er im Majorsrang eingestellt wurde. Jetzt war er Custers Stellvertreter und f�hrte seine eigene, aus drei Kompanien bestehende Truppe. Auf Anhieb hatte Charles den Eindruck, da� Elliott ein guter Soldat war.</p><p>Es gab allerdings auch keinen Zweifel daran, wo Elliott stand.</p><p>�Der General ist ein Mann von untadeligem Charakter�, sagte er. �Vor Jahren hat er mit dem Trinken und Rauchen aufgeh�rt. Er flucht gelegentlich, aber sein Herz ist nicht dabei.�</p><p>�Er w�rde keine schwarzen Truppen kommandieren, aber ich habe geh�rt, da� er mit einer schwarzen Hure schl�ft.�</p><p>Elliott erstarrte. �Eine L�ge. Er ist Libbie treu.�</p><p>�Sicher. Sie baut ihn langsam als Pr�sidenten auf.�</p><p>�Charlie, er ist kein Politiker, er ist Soldat. Der beste Soldat, den ich je gekannt habe, weil er so aggressiv k�mpft.�</p><p>�Oh ja, ich habe geh�rt, wie aggressiv er war�, sagte Charles mit einem Nicken. �Seine Third Michigan hatte die h�chste Verlustquote aller Kavallerieeinheiten der Unionsarmee.�</p><p>�Beweist das nicht, wie tapfer er ist?�</p><p>�Oder tollk�hn. Irgendwann mal k�nnte ihn diese Tollk�hnheit das Leben kosten. Oder sein gesamtes Kommando.�</p><p>�Hoffentlich passiert das nicht bei diesem Feldzug. Ich will mir ein Brevet erk�mpfen. Ein Brevet oder einen Sarg, dazwischen gibt's nichts.�</p><p>Charles l�chelte traurig. Elliott nahm alles so ernst. Sie kamen miteinander aus, weil sie ohne pers�nliche Feindseligkeit diskutierten. Es war schwer zu glauben, da� Joel Elliott zu den drei M�nnern geh�rt hatte, die das ber�chtigte Deserteursquintett gejagt und eingefangen und drei davon erschossen hatten - auf Custers Befehl hin.</p><p>Nun, er mochte Elliott trotzdem. Der junge Offizier war bescheiden, voller Begeisterung, und vor allem war er ein Profi, der sich alles selber beigebracht hatte. Man konnte sich h�chst wahrscheinlich darauf verlassen, da� er Befehle ausf�hrte, selbst schlimme Befehle. In einem hei�en Kampf bedeutete das eine ganze Menge.</p><p>Das Wetter wurde schlechter, die Tage wurden dunkler; in den schwarzen, aufget�rmten Wolken im Norden lauerten St�rme. Die Drill�bungen gingen weiter. Hufschmiede k�mmerten sich um die Tiere und gaben jedem Mann ein Ersatzeisen f�r vorn und hinten sowie zus�tzliche N�gel mit, die in der Seitentasche untergebracht wurden.</p><p>Die Scouts wollten los. Sie hatten ihr eigenes Lager, das sie mit einer anderen Gruppe teilten, f�r die Charles nichts �brig hatte - elf Osage-F�hrtensucher, angef�hrt von ihren H�uptlingen Langes Seil und Kleiner Biber. Charles gefielen ihre Augen nicht, hinter denen sich Gott wei� was f�r verr�terische Gedanken und Pl�ne verbergen mochten, genausowenig wie ihre h��lichen Gesichter mit den platten Nasen und die Art und Weise, wie sie st�ndig ein gro�es Getue um ihre gewaltigen Bogen aus Apfelholz machten oder die wei�en Scouts um Zucker f�r ihren Kaffee anbettelten. Indianer waren verr�ckt nach s��em Kaffee. Sie gaben soviel Zucker in eine Tasse, da� sie schlie�lich einen br�unlichen Haufen hatten, den sie mehr a�en als tranken.</p><p>�Halt sie mir blo� vom Leib�, sagte Charles zu California Joe Milner, dessen richtiger Name Moses und nicht Joe war, wie er entdeckt hatte. Langes Seil war an Charles herangetreten - �Ich brauche Zucker� war das Beste, was er an Englisch aufzubieten hatte -, und Charles hatte gesagt, er solle sich zum Teufel scheren. Daraufhin hatte California Joe ihn zu sich gerufen.</p><p>�Du mu�t mit ihnen zusammen reiten, Main.�</p><p>�Ich reite mit ihnen. Deswegen mu� ich keinen gesellschaftlichen Umgang mit ihnen pflegen.�</p><p>California Joe hatte schon wieder einen sitzen und war deshalb nachgiebig gestimmt. �Nun, wenn's so ist, dann ist es eben so, sch�tze ich�, sagte er.</p><p>Charles k�mmerte sich um seine Ausr�stung, striegelte Satan und gab ihm eine Extraration, schnorrte Abf�lle f�r Old Bob und wartete. Gegen Ende der ersten Novemberwoche wurde der Himmel klar. Jedermann wertete das als Zeichen, da� sie bald aufbrechen w�rden.</p><p>Charles war bereit. Er f�hlte sich fit, vermi�te seinen Sohn, dachte �fter an Willa, als gut f�r ihn war - die Erinnerung an sie war schmerzhaft und voller Melancholie -, und hielt es f�r weise und nicht feige, da� er Harry Venable aus dem Weg ging.</p><p>Es war unvermeidlich, da� er Venable im Lager h�ufig aus der Ferne sah, wenn er f�r Milner irgendwelche Boteng�nge erledigte. Bei jeder dieser Gelegenheiten gelang es ihm, sich schnell zu entfernen oder davonzureiten. Nat�rlich wu�te er, da� irgendwann in naher Zukunft eine Konfrontation unumg�nglich war.</p><p>Am 11. November befand sich das ganze Lager in heller Aufregung wegen der neuen Befehle. Am n�chsten Tag marschierten sie los.</p><p>Der gewaltige, l�rmende Aufbruch begann im Morgengrauen. Es war ein Spektakel, wie Charles es seit dem Krieg nicht mehr gesehen hatte. Der Versorgungszug, der Winterkleidung, Nahrungsmittel und Futter mit sich f�hrte, war auf vierhundertf�nfzig wei�e Planwagen angewachsen, vor denen eine riesige, in vier Kolonnen aufgeteilte Kavalkade ritt. Zwei Kompanien des Siebten Regiments bildeten die Vorhut, zwei die Nachhut, der Rest teilte sich auf und sch�tzte die Flanken des Versorgungszugs. Die Infanterie sollte neben den Wagen marschieren, aber jeder rechnete damit, da� die faulen Infanteristen bald aufsitzen w�rden, was dann auch tats�chlich der Fall war.</p><p>Sully und einige andere Offiziere bauten sich am S�dufer des Arkansas auf, w�hrend die ersten Wagen ins Wasser fuhren. Die vielen Wagen mit ihren fluchenden Kutschern und den knallenden Peitschen erzeugten ein gewaltiges Get�se, noch verst�rkt durch Trompetensignale, das Knirschen des Zaumzeugs und das Bl�ken des Viehs, das zwischen den Wagen vorangetrieben wurde.</p><p>Custer, geschniegelt und ausgelassen, ritt mit seinem Trupp ganz vorne. Charles sah Custer auf seinem t�nzelnden Pferd am Nordufer, neben der Standarte des Siebten Regiments mit ihrem wilden Adler, der sich in scharfe, goldene Pfeile krallte. Die berittene Kapelle des Siebten Regiments spielte &gt;The Girl I Left Behind Me&lt; als Begleitmusik f�r die Furtdurchquerung.</p><p>Charles, Dutch Henry und zwei der Osage-Indianer galoppierten voraus und suchten einen Lagerplatz am Mulberry Creek, knappe f�nf Meilen von ihrem Ausgangspunkt entfernt. Sully und Custer hatten gemeinsam beschlossen, da� sie am ersten Tag nicht weiter vorsto�en w�rden, weil es mit den Wagen soviel Probleme gab.</p><p>Nachdem Charles sein Abendessen aus Bohnen und Zwieback gegessen hatte, lie� ihn das Gl�ck dann wieder im Stich.</p><p>Nach dem Tag im Sattel f�hlte er sich steif; er f�tterte Satan und legte ihm eine Decke gegen die Nachtk�lte �ber. Er ging auf das Camp der Scouts zu, als er eine vertraute Gestalt einen Pfad entlang kommen sah, der den seinen kreuzen w�rde. Nach dem Tagesmarsch sah Captain Harry Venable sauber und gepflegt aus. Der ewige Pr�riewind hob seinen Umhang an, als er Charles in den Weg trat.</p><p>�Main�, sagte er knapp. Seine Augen waren noch blauer, noch eisiger als diejenigen Custers. �Oder sollte ich besser May sagen? Vielleicht August? Was bevorzugen Sie diesmal?�</p><p>�Ich nehme an, das wissen Sie.�</p><p>�Das tue ich. Ich habe Sie bereits vor einer Woche entdeckt. Ich wei�, da� Sie mich ebenfalls gesehen haben. Ich dachte, angesichts vergangener Umst�nde w�ren Sie vielleicht klug genug, so schnell wie m�glich das Weite zu suchen.�</p><p>�Warum? Ich bin nicht in Uniform. California Joe hat mich angeheuert.�</p><p>�Sie unterstehen immer noch der Gerichtsbarkeit der Armee.�</p><p>Old Bob, der Charles wie �blich gefolgt war, ging auf Venable zu, um ihn zu beschn�ffeln. Venable trat nach ihm. Bob duckte sich und knurrte. Charles pfiff den Hund an seine Seite. Old Bob gehorchte, knurrte aber weiter.</p><p>�H�ren Sie, Venable, General Custer wei�, da� ich f�r die Konf�deration im Sattel sa�. Er hat nichts dagegen.�</p><p>�Bei Gott, aber <emphasis>ich</emphasis> habe etwas dagegen.� Venables rostbrauner Bart ruckte vor; sein Gesicht war b�sartig verzerrt. Old Bob knurrte lauter. Venable machte einen Schritt nach vorn. �Du rebellischer Hundesohn!�</p><p>Charles dr�ckte seine flache Hand gegen Venables dunkelblauen Umhang. �Tragen Sie Ihre Beschwerden dem General vor.�</p><p>Venable �berraschte Charles, indem er locker zur�cktrat. Ein r�tselhaftes L�cheln flog �ber sein Gesicht. �Oh nein. Ich habe kein Wort �ber unsere fr�here Begegnung verloren und werde es auch nicht tun. Diesmal will ich Sie selber haben. Da� Sie in Jefferson Barracks eins �ber Ihren d�mlichen Sch�del gekriegt haben, hat Sie anscheinend nicht entmutigt, ebensowenig die Entlassung, nachdem Sie sich in das Zehnte Regiment hineingelogen hatten. Diesmal werde ich etwas finden, was funktioniert. Etwas Dauerhaftes.�</p><p>�Gehen Sie zum Teufel�, sagte Charles. �Komm, Bob.�</p><p>Venable rannte ihm nach, doch Old Bobs Knurren brachte ihn zum Stehen. �Es ist Ihr Job, den Trail vor uns im Auge zu behalten�, rief Venable. �Aber vergessen Sie nicht, ich behalte Ihren R�cken im Auge, jede Minute.�</p><p>Die Drohung beunruhigte Charles mehr, als er sich eingestehen wollte. Er wollte mit jemandem dar�ber sprechen. Er zog Dutch Henry vom Feuer weg und beschrieb ihm mit wenigen Worten den Zusammensto�. �Wenn du mich also mit einer Kugel im R�cken findest, dann erledige diesen verdammten Yankee.�</p><p>Dutch Henry schaute verbl�fft drein. �Warum ist er hinter dir her?�</p><p>�Weil John Hunt Morgan seiner Mutter und seiner Schwester etwas angetan hat. Um Himmels willen, daf�r bin ich schlie�lich nicht verantwortlich.�</p><p>Der st�mmige Scout warf ihm einen eigenartigen Blick zu; in seinen Augen spiegelten sich die Lichtflecken des Campfeuers wider. �Nein. Und die Indianer, die wir jagen, haben h�chstwahrscheinlich auch nicht deine Partner niedergemetzelt. Aber du wirst sie trotzdem umbringen.�</p><p>�Henry, das ist ...�</p><p>�Was anderes? Hmm. Wenn du das sagst. Komm zur�ck zum Feuer. Es ist zu kalt, um hier drau�en zu palavern.�</p><p>Er stampfte auf die windgepeitschten Flammen zu; Charles blieb regungslos stehen und starrte mit einem seltsamen angespannten, fast verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht hinter ihm her.</p><p>Am 13. November n�herten sie sich Bluff Creek, wo Custer nach seinem Exil in Michigan wieder zu dem Regiment gesto�en war. Am folgenden Tag schafften sie es bis zum Bear Creek und Cimarron, und am Tag darauf erreichten sie das Indianerterritorium. Dort �berfiel sie ein winterlicher Nordsturm und lieferte ihnen einen unangenehmen Vorgeschmack auf das Kommende.</p><p>An der Beaver-Gabelung des North Canadian stie�en sie weiter nach Osten vor, fanden aber immer noch keine Spur von Indianern. Einen Tag sp�ter �nderte sich das. Charles und die Corbins entdeckten eine Furt mit den Spuren vieler Ponys, aber ohne Anzeichen von Schleppstangen. Ein Kriegstrupp. Sie galoppierten zur�ck, um zu berichten.</p><p>�Zwischen f�nfundsiebzig und hundertf�nfzig Krieger, in nord�stlicher Richtung unterwegs.�</p><p>�Um Siedlungen anzugreifen, Mr. Main?� erkundigte sich General Sully. Er hatte Offiziere und Scouts in seinem gro�en Hauptquartierszelt versammelt. Die Laternen beleuchteten Gesichter, auf denen sich Bartstoppeln, Schmutz und M�digkeit abzuzeichnen begannen. Venable dr�ckte sich im Hintergrund herum. Er verschr�nkte die Arme, ein Zeichen, da� er allem mi�traute, was Charles sagen mochte.</p><p>�Ich w��te keinen anderen Grund, weshalb sie im Winter das Indianerterritorium verlassen sollten, General.�</p><p>Custer trat vor, in Erwartung eines Kampfes fast zitternd. War es Zufall, da� er sich vor Sully schob und ihn teilweise verdeckte? �Wie alt sind die Spuren?� wollte er wissen.</p><p>Jack Corbin sagte lakonisch: �Zwei Tage, h�chstens.�</p><p>�Wenn wir in die Richtung vorgehen, aus der sie gekommen sind, m��ten wir also ihr Dorf finden, fast ohne Krieger. Wir k�nnten sie in einem Handstreich nehmen.�</p><p>�General Custer�, sagte Sully mit deutlicher Ironie, �das ist absurd. Glauben Sie auch nur einen Augenblick lang, da� eine so gro�e Milit�rstreitmacht wie die unsere, begleitet von solch einem gewaltigen Wagenzug, so tief ins Indianerland eindringen und unentdeckt bleiben k�nnte? Sie wissen, da� wir hier sind.�</p><p>Anstatt dar�ber zu diskutieren, sagte Custer: �Was meinen Sie, Main?�</p><p>Charles gefiel die pl�tzliche Verschiebung der Last der Verantwortung ganz und gar nicht, aber es hatte keinen Sinn, Sully anzul�gen, ganz gleich, ob er das nun pers�nlich nahm oder nicht. �Ich denke, es ist durchaus m�glich, da� niemand etwas von unserer Anwesenheit wei�. So sp�t im Jahr sind die Indianer nicht mehr viel unterwegs. Der Kriegstrupp bildet eine Ausnahme. Sie setzen einfach voraus, da� wir um diese Jahreszeit auch nicht losschlagen.�</p><p>�Sehen Sie?� rief Custer Sully zu. �Geben Sie mir einen Trupp.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber h�ren Sie ...�</p><p>�Erlaubnis verweigert�, sagte Sully.</p><p>Custer schwieg, aber niemand im Zelt konnte die pl�tzliche R�te seiner Wangen und seinen geh�ssigen Blick �bersehen. Er schien auch nicht die Absicht zu haben, das zu verbergen. Charles hatte den Eindruck, da� Sully diesen Vorfall noch bedauern w�rde.</p><p>�Mein Partner Jackson sagte immer, da� ein wei�er Mann hier drau�en seine Ansichten umkehren mu߫, sagte Charles zu Griffenstein nach der Versammlung. �Sully ist dazu nicht bereit. Immer der gleiche alte Armeetrott.� Er seufzte.</p><p>Charles und die Scouts schlugen einen Bogen nach S�den auf der Suche nach einem geeigneten Ort f�r die Versorgungsbasis. Sie fanden einen Platz ungef�hr eine Meile vor dem Zusammenflu� von Wolf Creek und Beaver Creek, die dann gemeinsam den North Canadian bildeten. Es gab Holz, gutes Wasser und Wild im �berflu�. Am 18. November erreichten die Voraustrupps des Siebten Regiments gegen Mittag den Ort.</p><p>Charles, Milner und die anderen Scouts ritten in die W�lder, um zu jagen, w�hrend die Infanterie B�ume f�r einen Palisadenzaun f�llte. Andere Arbeitstrupps gruben Brunnen und Latrinengr�ben oder m�hten das froststarre Gras, das als Pferdefutter dienen sollte.</p><p>Charles st�berte einen Schwarm wilder Truth�hne auf und erlegte drei mit seiner Spencer. California Joe, vor�bergehend n�chtern, t�tete eine B�ffelkuh; ein Dutzend weitere, die er mit seinem ersten Schu� in wilde Panik versetzt hatte, entgingen ihm allerdings. Die meisten Scouts brachten irgendeine Beute mit. Heute abend w�rde die Expedition besser essen als an den Tagen zuvor.</p><p>Das Versorgungscamp wuchs schnell; auf der einen Seite zog sich ein Palisadenzaun �ber hundertsechsundzwanzig Fu� hin, mit W�llen an beiden Ecken, und Blockh�usern mit Schie�scharten an den anderen Ecken. Palisadenst�mme sch�tzten die West- und S�dseite. Baracken�hnliche Lagergeb�ude dienten als Nord- und Ostw�lle. Die M�nner schlugen ihre Zelte au�erhalb auf, die entladenen Wagen blieben drinnen. Die Expedition hatte ihre Versorgungsbasis um hundert Meilen vorverlegt, von Fort Dodge aus gerechnet.</p><p>Charles h�rte, da� Custer und Sully fast st�ndig miteinander stritten. Custer war immer noch w�tend auf seinen Rivalen.</p><p>Eine Vorhut, bestehend aus wei�en Scouts und Kaw-F�hrten-lesern, tauchte im Norden auf und verk�ndete die Ankunft von General Sheridan und seiner dreihundert Mann starken Eskorte der Nineteenth Kansas Volunteer Cavalry. Custer sattelte und galoppierte los, um den Departement-Kommandeur zu begr��en. Bei Anbruch der Nacht stampfte Little Phil im Lager herum, sch�ttelte die H�nde und fluchte abscheulich �ber den grimmigen Hagelsturm, der seinen schnellen Vormarsch von Fort Hays gest�rt hatte. Sheridan besa� einen gedrungenen K�rper, mit schwarzen Augen und einem spitzen Mongolenschnurrbart. Charles hatte zwar noch nie einen Barkeeper aus der New Yorker Bowery gesehen, aber Little Phil entsprach seiner Vorstellung davon.</p><p>Sp�ter am Abend, als Charles zusammen mit den anderen Scouts am Lagerfeuer sa�, Old Bob schlafend an seinen Bauch gedr�ckt, h�rte er Musik. Er erkannte &gt;Marching Through Georgia&lt;.</p><p>�Was zum Teufel geht da vor, Henry?�</p><p>�Na ja, ich habe geh�rt, Old Curly h�tte seine Kapelle losgeschickt, um General Sheridan den Abend mit einer Serenade zu versch�nern. Erkennst du nicht die Melodie?� Er grinste. �Das St�ck sollte eigentlich &gt;Farewell, General Sully&lt; hei�en.�</p><p>Es war der sechste Tag nach dem Aufbruch vom Camp am Arkansas. General Sheridan �bernahm pers�nlich das Kommando; ganz �berraschend brachen auf einmal Sully und sein Stab zu ihrem Hauptquartier in Fort Harker auf. Es lie� sich unschwer sagen, welchem Kommentar Little Phil beim Streit um den h�heren Rang den R�cken gest�rkt hatte.</p><p>Die Quartiermeister begannen, an die M�nner des Siebten Regiments mit B�ffelfell besetzte M�ntel, hohe Leinenleggings, Pelzhandschuhe und Pelzm�tzen auszugeben. Sheridan befahl Custer, er solle mit seinen elf Kompanien am 23. November bei Tagesanbruch marschbereit sein.</p><p>Die ganze Nacht hindurch wurden Rationen und Munition ausgegeben. Pferde wurden inspiziert, untaugliche Pferde wurden ersetzt. Custer nahm sich ein neues Pferd, Dandy. Die besten Gespanne wurden vor die stabilsten Wagen gespannt, die mit Proviant f�r drei�ig Tage beladen wurden.</p><p>Nach Einbruch der Dunkelheit senkte sich eine merkw�rdige Stille �ber das Versorgungslager. Charles hatte ein �hnliches Schweigen vor Sharpsburg und mehrmals in Virginia erlebt. In diesen letzten Stunden vor dem ernsthaften Beginn eines Feldzuges war ein Mann gern allein mit sich oder seiner Bibel oder mit einem Stift, mit dem er, nur f�r den Fall der F�lle, einen Abschiedsbrief schrieb. Charles schrieb eine solche Nachricht f�r Duncan, der sie dann dem kleinen Gus vorlesen sollte. Er versiegelte den Brief gerade, als Dutch Henry in ihr gemeinsames Zelt gestampft kam.</p><p>�Rat mal, was wir drau�en haben.�</p><p>�Das �bliche. Wind.�</p><p>�Mehr als das.� Er hielt die Zeltklappe hoch. Charles sah die wei�en, treibenden Flocken. �Die Schneedecke w�chst schnell. Es hie�, das w�rde ein Winterkrieg. Ich will verdammt sein, wenn das ein Witz war.�</p><p>Old Bob schnarchte gelegentlich, doch Charles konnte nicht schlafen. Ungeduldig wartete er bereits eingeh�llt in seinen Zigeunermantel, als die Trompeter um vier Uhr zum Wecken bliesen.</p><p>Er vergewisserte sich, ob sein Kompa� auch sicher in der Tasche steckte - nicht mal die Osages wu�ten Genaueres �ber das Land s�dlich vom Versorgungslager -, und trat hinaus, w�hrend Dutch Henry sich noch wachzug�hnen versuchte. Der Wind heulte. Schnee peitschte seine nackte Haut. Vor dem Zelt war �ber zehn Zentimeter Schnee angetrieben worden. Kein verhei�ungsvoller Start.</p><p>General Custer, gleicherma�en zeitig wach, lie� sich Dandy satteln und ritt allein �ber das Campgel�nde, nur gefolgt von den beiden Hirschhunden Maida und Blucher. Dunkelheit und Schweigen h�llten ihn ein. Alles schlief.</p><p>Unbeeindruckt lie� er sich bei General Sheridan melden. Kurz darauf tauchte Little Phil aus seinem Zelt auf, zwei De-cken �ber seine lange Unterw�sche gewickelt. Eine Ordonnanz entz�ndete eine Laterne, w�hrend Custer sein unruhiges Pferd t�tschelte. Der Schnee kam fast horizontal angefegt. Die Augen noch schmal vom Schlaf, �hnelte Sheridan einem Chinesen.</p><p>�Was halten Sie von diesem Sturm, General?� fragte Sheridan.</p><p>�Sir, ich glaube, nichts k�nnte uns gelegener kommen. Wir brechen auf, die Indianer werden sich ruhig verhalten. Wenn der Schnee eine Woche h�lt, dann bringe ich Ihnen einige Skalpe.�</p><p>�Ich warte�, sagte Little Phil und erwiderte den Salut seines eifrigen Kommandeurs.</p><p>Die Trompeten bliesen zum Aufbruch. Wie �blich bildeten die Scouts die Spitze; ihre Pferde k�mpften sich durch den wachsenden Treibschnee. Der Wind fauchte. Man konnte kaum etwas h�ren, und die Ohrenklappen von Charles' Biberfellm�tze machten die Sache nur noch schlimmer. Er hatte mit Verbl�ffung zur Kenntnis genommen, da� Mr. DeBenneville Keim, ein zusammen mit Sheridan angereister Journalist, auf einen der in der Finsternis verschwundenen Versorgungswagen geklettert war. Vielleicht hatte Custer den Reporter davon �berzeugt, da� es bei seiner Expedition schon einige berichtenswerte Taten zu sehen geben w�rde.</p><p>Er glaubte seinen Namen geh�rt zu haben. Er hob seine linke Ohrenklappe. �Was gibt's?�</p><p>�Ich sagte�, br�llte Dutch Henry, �da� wir einen Beobachter von Sheridans Stab dabei haben. Er reitet irgendwo da hinten zusammen mit Old Curly. Rat mal, wer es ist.�</p><p>In der schneegepeitschten Dunkelheit sah Charles ganz deutlich Venables Augen vor sich; trotz der K�lte sp�rte er ein hei�es Prickeln auf seinem R�cken.</p></section><section><title><p id="bookmark65"><strong>49</strong></p></title><p>Als der Tag heraufd�mmerte, war die Welt wei�. Charles band sich ein Halstuch um die untere Gesichtsh�lfte, doch die Schneekristalle stachen immer noch schmerzhaft in die nackte Haut. Das unaufh�rliche Geheule und Gejaule des Sturms zerrte an seinen Nerven.</p><p>Schneekrusten bildeten sich an seinen Augenbrauen. Charles drehte sich um, konnte aber nichts erkennen, obwohl er M�nner hinter sich h�rte. Einer von ihnen br�llte, da� die Gespannfahrer, die mit ihren Wagen bereits eine Meile zur�ckgefallen waren, weiterhin an Boden verloren.</p><p>Griffenstein trieb sein Pferd neben ihn. Sie versuchten, Bemerkungen �ber den Sturm auszutauschen, aber es lohnte die Anstrengung nicht. Jeder Mann hielt einen Handschuh vor sein Gesicht; steifgefrorene Finger kr�mmten sich sch�tzend um die einzigen verl��lichen F�hrer in diesem Sturm - die Taschenkompasse. Die Nadeln wiesen ihnen den Weg nach S�den.</p><p>Gegen zwei Uhr nachmittags befahl Custer den Tageshalt. Die Kolonne hatte sich im Tal des Wolf Creek auseinandergezogen, das nach Charles' Sch�tzung nicht weiter als f�nfzehn Meilen von ihrem Ausgangspunkt entfernt lag. Pferde und M�nner waren so ersch�pft, als h�tten sie die doppelte Entfernung zur�ckgelegt. Niemand wu�te, ob sie die Wagen je wiedersehen w�rden.</p><p>Baumgruppen standen am Ufer des zugefrorenen Fl��chens; um die St�mme herum waren die Schneewehen f�nf bis sechs Fu� hoch. Unter den kahlen B�umen entdeckte Charles gro�e, dunkle, bewegungslose Formen, wie Statuen, die irgendein verr�ckter Bildhauer in die Wildnis gestellt hatte. Die Statuen erwiesen sich als B�ffel, die mit gesenktem Kopf dem Sturm trotzten. Erst der L�rm der �xte erweckte sie wieder zum Leben und lie� sie davontaumeln. Sch�tzen erlegten drei von ihnen.</p><p>Wie Ameisen auf einem wei�en Strand bewegten sich Charles und die anderen Scouts durch das verschneite W�ldchen. Sie gruben abgebrochene �ste aus, die aus Schneewehen herausragten, oder f�llten kleinere B�ume; zumindest w�rden sie Feuer machen k�nnen, um sich zu w�rmen, wenn sie schon wegen der verschwundenen Wagen nichts zu essen bekamen.</p><p>Charles und Dutch Henry t�rmten ihr Holz auf und gingen ihre Pferde f�ttern. Satan reagierte ausgehungert; er schlang seine kleine Haferration so gierig herunter, da� Charles dachte, der Schecke w�rde auch gleich noch seine Finger verschlingen.</p><p>Dann schaufelten sie, haupts�chlich mit den H�nden, Schnee weg, um sich einen Lagerplatz zu schaffen. Als der Schnee nur noch ein paar Zentimeter hoch lag, stampften sie ihn fest; einen besseren Boden w�rden sie nicht bekommen. Als sie ihr Zelt aufschlugen und davor ein Feuer in Gang brachten, schmolz nat�rlich der Schnee und durchweichte ihre Decken.</p><p>Als die Nacht anbrach, vernahm Charles lautes Knirschen und Klatschen - die Wagen und die Peitschen der Fahrer. General Custer ritt vorbei, gefolgt von Maida und Blucher.</p><p>Custers Wangen waren so rot wie verbrannte Haut.</p><p><emphasis>�... will jeden einzelnen dieser verdammten Dr�ckeberger von Kutschern in zwanzig Minuten in meinem ...�</emphasis></p><p>Der General verschwand hinter einem aufgeworfenen Schneeberg. Charles hatte ihn noch nie so schlecht gelaunt erlebt.</p><p>Old Bob, der sich den ganzen Tag �ber recht gut gehalten hatte, schien zu wissen, da� ihnen eine elende Nacht bevorstand. Er wich Charles nicht von der Seite und jaulte leise.</p><p>Sie packten ihre Pfannen aus, klappten die Griffe auf, schmolzen Schnee, kochten P�kelfleisch und brutzelten im Schweinefett aufgeweichte Zwiebackst�cke. Zusammen mit Kaffee ergab das eine ganz passable Mahlzeit, obwohl Charles immer noch durchfroren und von vielen Kleidungsschichten wundgescheuert war. Er erinnerte sich wieder und wieder daran, weshalb er hier war, stellte sich die Angeh�rigen der Jackson Trading Company so vor, wie er sie zuletzt gesehen hatte.</p><p>Captain Fred Benteen stampfte vorbei und murrte: �Gottverdammter Idiot.�</p><p>�Wer?� fragte Charles.</p><p>�Der General. Wi�t ihr, was er gerade getan hat?�</p><p>�Was?� erkundigte sich Griffenstein in einem Tonfall, der besagte, da� eine Massenexekution ihn nicht im geringsten �berraschen werde.</p><p>�Er hat alle Kutscher unter Arrest gestellt, weil sie so langsam waren. Morgen d�rfen sie ihre Wagen nicht fahren. Sie m�ssen laufen. Danach werden wir �berhaupt keine Wagen mehr haben.�</p><p>Er verschwand im Schneegest�ber. Old Bob jaulte, Charles rieb seine Schnauze und gab ihm ein St�ck gekochtes Schweinefleisch. Von diesem Moment an machte sich ein vages Unbehagen �ber den Ausgang der Expedition in ihm breit. Es hatte nichts mit der Gegenwart von Harry Venable zu tun.</p><p>Charles war aufgrund seiner Rebellenvergangenheit so etwas wie eine Kuriosit�t. Louis Hamilton, der junge Captain, der die A-Kompanie befehligte, kam nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Journalisten vorbei. Er stellte ihn als Reporter des &gt;New York Herald&lt; vor.</p><p>DeBenneville Keim wollte unbedingt mit Charles sprechen. Charles war alles andere als begeistert davon, schenkte ihm aber eine Tasse Kaffee ein, um sich gastfreundlich zu zeigen. Keim trank einen Schluck und zog dann ein kleines, abgeschabtes B�chlein aus seinem Mantel. Auf dem Buchr�cken war der Titel mit Goldbuchstaben eingepr�gt: <emphasis>Nach dem Krieg.</emphasis></p><p>�Ich habe Whitelaw Reid gelesen, Mr. Main. Sie waren in South Carolina, als Sumter fiel. Sagen Sie mir, was Sie von dieser Passage �ber Sullivan's Island halten.�</p><p>Er reichte Charles das Buch. Reid war ein bekannter Unionskorrespondent, der unter dem Namen Agate Kriegsberichte geschrieben hatte. Er war einer der ersten drei Journalisten in Richmond gewesen. Charles zwinkerte ein paarmal, als die schmelzenden Schneeflocken von seinen Augenbrauen auf die Buchseite fielen; dann begann er zu lesen:</p><p>�Hier wurden vor vier Jahren die ersten Kriegsbefestigungen gebaut. Hier st�rzten sich die schneidigen jungen Kavaliere, die arroganten S�dstaatler, die auf den Yankee-Abschaum ver�chtlich herabschauten, so begeistert in den Krieg, als handelte es sich um ein Picknick. Hier brachten die Boote aus Charleston jeden Tag f�r die luxusgewohnten jungen Captains und Lieutenants Champagnerkisten, unz�hlige Pasteten, F�sser mit rotem Bordeauxwein und Tausende von Havannazigarren. Hier, zwischen Festen, Tanzb�llen und Liebesabenteuern, st�rzten sich die jungen M�nner, die in der &gt;Gesellschaft&lt; von Newport und Saratoga den Ton angegeben hatten, in die Revolution, als w�re es ein Walzer .�</p><p>Keim legte ein rotes Notizb�chlein auf seine Knie. Die Seiten waren mit Kurzschriftgekritzel gef�llt. �Das ist eine sehr lebhafte Darstellung. War es wirklich so?�</p><p>Eine umfassende Trauer stieg in Charles auf. Er dachte an den armen Ambrose Pell. �Ja, aber es dauerte nicht lange. Und jetzt ist das alles l�ngst dahin. Es wird niemals zur�ckkommen.�</p><p>Er klappte das Buch zu und gab es Keim zur�ck. Ein merkw�rdiger, trostloser Ausdruck auf seinem Gesicht verbot jede weitere Frage; statt dessen wandte sich Keim an Dutch Henry. Charles streichelte Old Bob, damit er zu knurren aufh�rte.</p><p>Am n�chsten Tag ging der Marsch weiter; die bestraften Kutscher k�mpften sich zu Fu� voran. Der Sturm lie� nach. Der Himmel wurde klar, aber das brachte ein anderes Problem mit sich. Das Glei�en der Sonne auf den Schneefeldern war f�r die Augen fast unertr�glich.</p><p>Sie folgten dem Wolf Creek in s�dwestlicher Richtung, was es Charles erm�glichte, seinen Kompa� wegzustecken. Er ritt ein St�ck vor einigen der Osage-Indianer, die ���ihm ���unruhige ���Blicke</p><p>zuwarfen, weil er mit rauher, monotoner ���Stimme ���vor ���sich ���hin</p><p>sang:</p><p><emphasis>Das alte Schaf kennt die Stra�e,</emphasis></p><p><emphasis>Das alte Schaf kennt die Stra�e,</emphasis></p><p><emphasis>Das alte Schaf kennt die Stra�e</emphasis> ...</p><p><emphasis>Das junge Lamm mu� den Weg erst suchen.</emphasis></p><p>�Wo hast du das gelernt?� fragte Dutch Henry.</p><p>�Die Neger auf den K�steninseln singen es daheim. Ein Kirchenlied.�</p><p>�Bei dir h�rt es sich an, als gingen wir zu einer Beerdigung.�</p><p>�Ich habe ein komisches Gef�hl bei der Sache, Henry. Ein schlechtes Gef�hl.�</p><p>�Nun, du wolltest hier dabei sein.�</p><p>�Das wollte ich.� Charles zuckte die Achseln; vielleicht war er nichts weiter als ein verdammter Narr. Doch das Unbehagen blieb.</p><p>Ihre Marschroute sollte sie so weit flu�aufw�rts f�hren, da� sie dann nach S�den auf die Antelope Hills nahe dem North Canadian zuhalten konnten. Der Wolf Creek verlief bald schon in mehr westlicher Richtung. Ersch�pft von den vielen Schneewehen und halb blind von einer Sonne, die nicht warm genug war, um den Schnee zum Schmelzen zu bringen, taumelten sie in ein weiteres Lager auf einer Klippe �ber dem Flu�. Charles h�rte, da� einer der Kutscher einen Revolver auf Curly gerichtet hatte, der ihn in die Hoden getreten, eigenh�ndig entwaffnet und dann befohlen hatte, ihn mit verknoteten Seilen auszupeitschen. Griffenstein erz�hlte, Custer h�tte den Reporter kommen lassen und ihm befohlen, kein Wort �ber die Bestrafung zu schreiben, falls er die Expedition noch weiter begleiten wollte.</p><p>�Bi�chen d�mlich, einen Reporter so vor den Kopf zu sto�en, meinst du nicht, Charlie?�</p><p>�Nicht, wenn du auf der Hut bist. Nicht, wenn du eines Tages Pr�sident werden m�chtest.�</p><p>Am n�chsten Morgen wichen sie von ihrem Westkurs ab und gingen direkt in s�dlicher Richtung. Gelegentlich tauchten kleine Baumgruppen als dunkle Flecken am Horizont auf, wie Holzkohlenschmierer auf einem sauberen Zeichenblatt. Trotz dem tiefen Schnee lie� sich die Landschaftsform ungef�hr erkennen. Vom Wolf Creek aus stieg die Pr�rie bis zu einer Kammlinie an. Am Nachmittag hatten sie den Kamm �berquert; es ging wieder abw�rts. An diesem Abend schlugen sie ihr Lager ungef�hr eine Meile n�rdlich vom Canadian auf.</p><p>Charles und California Joe ritten ein St�ck den Flu� entlang. Er war betr�chtlich �ber seine Ufer getreten und str�mte schnell dahin; im Wasser wirbelten Eisbl�cke. Sie entdeckten eine Furt, die passierbar aussah. Joe Milner, der n�chterner war, als Charles ihn je zuvor gesehen hatte, trieb sein Maultier vorsichtig hinein. Pl�tzlich sank das Tier ein St�ck ein.</p><p>�Treibsand. Nun, gibt keine andere Stelle zum �bersetzen. Mu� auch so gehen.�</p><p>Nachdem er sich wieder herausgek�mpft hatte, kehrten sie zur�ck und erstatteten Bericht. Custer schien zufrieden zu sein. Dutch Henry sagte, Major Elliott sei bereits ohne Wagen mit drei Kompanien aufgebrochen, um das Tal des Canadian nach Indianern abzusuchen. Die Gebr�der Corbin und mehrere der Osage-Indianer seien mit Elliott mitgegangen. Zum Schlu� erinnerte Dutch Henry noch daran, da� morgen Donnerstag Erntedankfest w�re.</p><p>Charles war das ziemlich egal. Es war ein Feiertag des Nordens, und in dieser gefrorenen Ein�de w�rden keine Armeek�che das traditionelle gro�e Festmahl servieren.</p><p>Treibsand, eisiges Wasser und gef�hrliche Eisbl�cke, die einige Radspeichen zerschmetterten, waren der Grund, da� die Cana-dian-Durchquerung am Erntedankfesttag l�nger als drei Stunden dauerte. Alle Soldaten, Zivilisten und Indianer waren durchweicht und ersch�pft, als sie es endlich geschafft hatten, doch beim Anblick der Antelope Hills direkt vor ihnen lebten sie wieder auf. Da� sie dieses vertraute Gel�nde erreicht hatten, bewies doch, da� sie nicht ziellos durch die Gegend marschiert waren.</p><p>Die f�nf dichtgedr�ngten H�gel hatten eine H�he von hundertf�nfzig bis dreihundert Fu�. Zwei waren konisch, drei zogen sich l�nglich hin, und von dem h�chsten H�gel hatte man eine wunderbare Aussicht auf das ganze Land: im R�cken den sich windenden Canadian und vorne wellige Schneefelder, die bis weit hinter den Horizont zu reichen schienen.</p><p>Am fr�hen Nachmittag signalisierten Rufe die Ann�herung eines Reiters aus der Richtung, die Elliotts Kolonne eingeschlagen hatte. Trompeter riefen die Offiziere und Scouts zu Custers gro�em Zelt, wo allgemeine Erregung ausgebrochen war. Maida und Blucher sprangen herum und japsten. Custer verpa�te jedem Hund einen leichten Schlag mit seiner Reitpeitsche, und sie gaben keinen Laut mehr von sich.</p><p>�Wiederholen Sie alles f�r die Neuank�mmlinge, Jack�, sagte Custer.</p><p>�Major Elliott befindet sich ungef�hr zw�lf Meilen weiter am Nordufer. Dort ist eine Furt mit massenhaften Spuren. Ungef�hr hundertf�nfzig Indianer sind da durch, Richtung S�den mit leichter �stlicher Abzweigung. Die Spuren sind h�chstens einen Tag alt.�</p><p>Charles Finger begannen zu zucken. Aufgeregtes Gemurmel begr��te die Neuigkeit, und Custers rotes Gesicht strahlte f�rmlich. Harry Venable, dessen feindselige Blicke Charles nicht l�nger st�rten, sprach das Offensichtliche aus:</p><p>�Wenn wir unsere Richtung beibehalten und sie ebenfalls, dann kreuzen sie unsere F�hrte vor uns. Vielleicht heute noch.�</p><p>�Bei Gott�, sagte California Joe, leicht schwankend von einer kurz zuvor genossenen Erfrischung, �es ist Erntedankfest, und wir haben Custers Gl�ck.�</p><p>Einige der kriecherischen Offiziere riefen: �H�rt, h�rt!� und klatschten. Die Anti-Custer-M�nner einschlie�lich Benteen schauten grimmig drein. Custer selbst sah frisch und gest�rkt aus; er konnte keinen Moment stillstehen.</p><p>�Die M�nner sollen in zwanzig Minuten bereit f�r einen Nachtmarsch sein. Keine Zelte, keine Decken. Hundert Schu� pro Mann, etwas Kaffee und Zwieback, das ist alles. Wir nehmen sieben Wagen und eine Ambulanz mit. Der Rest des Versorgungszuges bleibt hier mit einer Kompanie und dem diensthabenden Offizier. Wo steckt er?�</p><p>�Hier, Sir.� Captain Louis Hamilton trat vor. Er schaute ungl�cklich drein. �Ich erbitte die Erlaubnis des Generals, mit der Truppe gehen zu d�rfen. Ich m�chte wetten, diese verdammten Indianer sind ganz nah an Ihrem Lager dran, und wir werden sie finden.�</p><p>�Ich freue mich �ber Ihren Enthusiasmus, Hamilton, und teile ihn.� Mittlerweile tanzte Custer fast schon im Zelt herum. Sein Blut war in Wallung, und das aller anderen auch. Charles fragte sich, warum er nach so vielen Jahren der Sehnsucht nach Rache diese Erregung nicht teilte.</p><p>Custer fuhr fort: �Wenn Sie in zwanzig Minuten einen Ersatz finden, k�nnen Sie mit uns kommen.�</p><p>�Jawohl, Sir!� rief Hamilton, wie ein Junge, der eine Handvoll Candy geschenkt bekommen hatte. Er flitzte hinaus, ohne zu salutieren. Alle lachten.</p><p>Zu Jack Corbin gewandt, sagte Custer: �Schaffen Sie es zur�ck zu Major Elliott?�</p><p>�Mit einem frischen Pferd schon, General.�</p><p>�Sagen Sie ihm, er soll die Verfolgung mit aller Energie fortsetzen. Unsere Wege sollten sich gegen Einbruch der Dunkelheit kreuzen. Teilen Sie ihm mit, da� er darauf achten soll.�</p><p>Corbin eilte davon. Custer entlie� die anderen. Es gab ein gewaltiges Gedr�nge beim Verlassen des Zeltes. Dutch Henry explodierte fast vor guter Laune. �Endlich kriegen wir das, wof�r wir gekommen sind, Charlie.�</p><p>In exakt zwanzig Minuten wurde zum Aufbruch geblasen. Die Truppen, elf Kompanien und Cookes Scharfsch�tzen, k�mpften sich wieder durch die hohen Schneewehen gen S�den vor. Hamilton war dabei; ein unter teilweiser Schneeblindheit leidender Offizier hatte sich bereit erkl�rt, das Kommando �ber die Wagen zu �bernehmen.</p><p>Das Wetter hatte sich etwas beruhigt; der Schnee schmolz. Nach einigen Stunden galoppierten Langes Seil und ein weiterer Osage an Charles vorbei und br�llten: �Mich finden! Mich finden!� Dutch Henry musterte den Weg vor ihnen. Charles dr�ngte Satan neben das Pferd des gro�en Mannes. Einige der streunenden Hunde sprangen bellend herum.</p><p>Sie hatten wirklich was gefunden. Die Spuren eines Indianertrupps, so gro�, wie Corbin gesagt hatte, waren deutlich zu sehen. Keine Spur von Schleppstangen. Also Krieger. Unterwegs zur Jagd oder zu einem letzten �berfall. Die F�hrte f�hrte durch das flache, baumlose Land in s�d�stlicher Richtung.</p><p>Gegen Ende des Tages begann sich die Landschaft erneut zu ver�ndern. Die Pr�rie senkte sich als endloser, sanfter Abhang auf einen baumbestandenen Horizont zu, der noch Meilen entfernt im Dunst lag. Custer schickte Griffenstein voraus mit dem Befehl, Elliott zu finden und dessen Vormarsch zu stoppen, bis die Hauptkolonne aufgeschlossen hatte. Als Treffpunkt sollte Elliott einen Ort w�hlen, wo es flie�endes Wasser und gen�gend Holz gab.</p><p>Charles sch�tzte die Zeit auf f�nf Uhr nachmittags, als sie den Waldrand erreichten. Sein Magen gurgelte und krampfte sich schmerzhaft zusammen. Er war �berzeugt davon, da� Satan genauso hungrig war; keines der Pferde hatte seit heute fr�h um vier etwas zu fressen bekommen. Charles hatte lediglich ein St�ck Zwieback heruntergew�rgt und sich beinahe einen Zahn daran ausgebissen. Ihm wurde klar, da� die Sache zu einem von Custers unbarmherzigen Gewaltm�rschen ausgeartet war.</p><p>Weiter und weiter ritten sie durch das Waldlabyrinth. Dunkelheit kam und erneute K�lte. Die aufgeweichten Schneewehen �berzogen sich mit einer harten Kruste, die unter jedem Huftritt splitterte; die Nacht schien von Musketenfeuer widerzuhallen. Hunde bellten, S�bel klirrten, M�nner fluchten, w�hrend sie bis sieben Uhr und noch l�nger marschierten.</p><p>Acht Uhr vorbei.</p><p>Gegen neun Uhr sah Charles ein organgefarbenes Gl�hen. Er bog um einen dunklen Baumstamm und entdeckte weitere gl�hende Punkte. Er trieb Satan an den Osage-Indianern vorbei auf eine Lichtung. Ein Wachposten rief ihn an, und Charles br�llte zur�ck: �General Custers Kolonne! Ist das Elliott?�</p><p>�Ja, wir sind hier.�</p><p>�Wir haben sie gefunden�, rief er zur�ck. Er h�rte Jubelrufe.</p><p>Major Elliotts drei Kompanien rasteten am Steilufer eines Flusses. Auf der S�dseite, die nat�rliche Deckung durch die Uferbank ausnutzend, brannten kleine Kochfeuer. Die Kolonne stieg ab und machte Rast. Die ausgelassene Feierstimmung erinnerte ihn an jene ersten fr�hlichen Tage, die Whitelaw Reid beschrieben hatte.</p><p>Captain Harry Venable ritt die Reihe ab mit der guten Nachricht: �Eine Stunde Rast. Sattel und Zaumzeug von den Pferden.�</p><p>Die Zeit schien wie im Fluge zu vergehen. Charles zerrte das Zaumzeug von seinem Schecken, trocknete ihn, so gut es ging, und gab ihm den Hafer, den er dabei hatte. Er f�tterte auch Dutch Henrys Pferd, w�hrend sein Freund Kaffee hei� machte.</p><p>Zusammen mit einigen St�ck Zwieback war das ihr �ppiges Erntedankfestmahl.</p><p>Punkt zehn wurde ohne Trompetensignal aufgebrochen. In Viererreihen bewegten sich die Kavalleristen das Steilufer hinab, durchquerten den Flu� und ritten die andere Seite wieder hoch. Die Schneefelder glitzerten in diamantener Pracht; ein leuchtender Mond stand am Himmel.</p><p>Kleiner Biber und ein weiterer Osage f�hrten die Kolonne zu Fu� an. Wegen des L�rms - des gewehrschu��hnlichen Krachens der Schneekruste - hatten die F�hrtensucher einen Vorsprung von vierhundert Metern vor der ersten gro�en Reitergruppe, zu der die anderen Osage-Indianer und die wei�en Scouts geh�rten, die alle in Einerreihe folgten. Custer ritt mit seiner Gruppe, umgeben von seinen kl�ffenden Hunden.</p><p>Charles dirigierte Satan auf einen gro�en, ungef�hr f�nf Fu� hohen Baumstumpf zu. Er zuckte zusammen, als sich der Stumpf pl�tzlich bewegte. Kleiner Biber hatte auf sie gewartet.</p><p>�Dorf�, sagte er.</p><p>Custer hatte das mitbekommen. �Was ist los?� rief er.</p><p>�Dorf nah.�</p><p>�Wie nah?�</p><p>�Nicht wissen. Aber Dorf <emphasis>ist</emphasis> da.�</p><p>Das indianische Spurenlesen war so tief in Mysterien verstrickt, da� Charles nie einen Versuch gemacht hatte, es zu verstehen. Graue Eule hatte dieses intuitive Wissen gehabt, und es war dumm von den Wei�en, das zu mi�achten. Custer tat es nicht.</p><p>�Sehr gut, Kleiner Biber. Geh wieder an deinen Platz. Und leise, leise.� In der Dunkelheit h�rte er ein paar Kavalleristen lachen und scherzen. Custer lie� sein Pferd herumwirbeln, wobei er beinahe einige Hunde zertrampelt h�tte. Charles sah das messerscharfe Profil seiner Nase gegen den mondhellen Himmel. �Kein Wort mehr. Von nun an schneid' ich jedem Mann die Kehle durch, der spricht.�</p><p>Charles zweifelte nicht, da� er genau das tun w�rde. Seine Nerven waren jetzt bis zum Zerrei�en gespannt. Das unbehagliche Gef�hl verst�rkte sich. Die schwarze Schlange der Reiter und Pferde schob sich weiter �ber die mondhelle Schneedecke vor, jetzt ohne Wagen oder die Ambulanz; Custer hatte sie zusammen mit Quartiermeister Lieutenant Bell zur�ckgelassen.</p><p>Sie schienen sich in einer Region zu befinden, in der die H�gelk�mme parallel zueinander von Osten nach Westen verliefen, mit schmalen T�lern dazwischen. S�ttel knirschten. Der Schnee krachte. Weit entfernt heulte ein Wolf; ein anderer antwortete.</p><p>Wieder stie�en sie auf zwei Osage-Indianer, die auf die Hauptkolonne warteten. �Riechen Feuer�, verk�ndete Kleiner Biber.</p><p>Custer zog Dandy herum, nachdem das Pferd beinahe auf Blucher getreten w�re. �Ich nicht.�</p><p>�Feuer�, beharrte der Indianer.</p><p>�Geht nachsehen. Griffenstein, Main, gehen Sie mit ihm.�</p><p>Charles pellte seine Handschuhe ab. Er zerrte das Halstuch von seinem Gesicht, damit er sich die Lippen lecken konnte, steif wie Holz und von schmerzhaften Rissen durchzogen.</p><p>Er griff �ber die Schulter und zog die Spencer aus dem Beutel. Die beiden wei�en M�nner nahmen Kleiner Biber in die Mitte und lie�en ihre Pferde im Schritt �ber ein Schneefeld auf einige weit auseinanderstehende B�ume zugehen.</p><p>�Da ist was�, sagte Charles leise. Er deutete auf einen orangefarbenen Fleck, kleiner und schw�cher als jene, die sie gesehen hatten, als sie Elliott entdeckten. Dutch Henry zog seine beiden Revolver und spannte sie. Charles hielt seine Spencer bereit.</p><p>Die Scouts trieben ihre Pferde zwischen die B�ume. Charles roch den Rauch jetzt deutlich. Das Feuer im Windschatten einiger dorniger B�sche war so gut wie erloschen.</p><p>Satan witterte etwas Merkw�rdiges, das ihm nicht gefiel. Charles t�tschelte den Schecken, um ihn zu beruhigen. Als er mit einem Stock in dem Feuer stocherte, flammte die Glut auf; in dem Schein konnten sie den Boden erkennen. Es war eine aufgew�hlte Masse aus Schnee und Matsch. Er trat in einen noch weichen Pferdeapfel. Das Aroma vermischte sich mit dem des Feuers.</p><p>�Eine Ponyherde hat hier tags�ber zu grasen versucht, Henry. Ich verwette mein Leben, da� die Pferdew�chter dieses Feuer hier unterhalten haben.�</p><p>�Also k�nnen wir nicht weiter als zwei, drei Meilen vom Dorf entfernt sein?�</p><p>�Richtig. Aber wessen Dorf?�</p><p>�Spielt das eine Rolle?�</p><p>Die Frage brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Das Unbehagen kehrte verst�rkt zur�ck. Kleiner Biber begann schlurfend zu tanzen und dazu leise zu murmeln und zu singen. Er witterte den bevorstehenden Kampf.</p><p>�Ich bring' dem General die guten Nachrichten�, sagte Dutch Henry und zog sein Pferd herum.</p><p>Custer schickte die beiden Scouts zu Fu� erneut vor. Charles' Mund f�hlte sich wie ein ausgetrockneter Gully an. Sein Pulsschlag h�mmerte schmerzhaft bis in seine Kehle.</p><p>�Vorsicht. Das schaut wie ein Steilabfall aus�, warnte Dutch Henry. Auf dem Bauch schoben sie sich bis an die Kante vor. Ein steiler Abhang lag vor ihnen; schwierig f�r die Pferde, wenn auch nicht unm�glich.</p><p>Sie starrten hinunter in das Tal eines seichten Flusses. �Mu� der Washita sein�, sagte Dutch Henry. Der Flu� lag direkt unter ihnen da, im Mondlicht silbern leuchtend. Er verlief ungef�hr von Ost nach West. Links von ihnen, ungef�hr zwei Meilen �stlich, schlug der Flu� einen Bogen nach Norden und verschwand hinter einigen H�geln.</p><p>Hinter einer offenen Fl�che auf der anderen Seite des Flusses deutete eine dunkle Masse auf dichteren Wald hin. Trotz des strahlend hellen Mondes und des unglaublichen Sternengefun-kels war sonst kaum etwas zu erkennen. Charles schn�ffelte. Auch Dutch Henry roch den Rauch von der anderen Flu�seite her.</p><p>Dr�ben im Wald bellte ein Hund. Charles h�tte es beinahe die Haare aufgestellt. Ein paar Sekunden sp�ter h�rte er das Schreien eines Babys.</p><p>�Von hier oben kann man die Zelte nicht sehen�, sagte Dutch Henry. �Wenn ich tiefer gehe, kann ich sie vielleicht als Silhouette gegen den Himmel erkennen.�</p><p>Er kroch den Hang hinunter; Charles blieb zur�ck, den st�rker werdenden Rauch in der Nase. Ein leises Klirren zeigte ihm pl�tzlich die Ponyherde, eine dunklere Masse, die von dem Wald fortstr�mte.</p><p>Kurz darauf kam Griffenstein wieder hochgekrochen. �Wir haben sie�, fl�sterte er. �Die Tipis stehen da hinten zwischen den Pappeln. Ungef�hr f�nfzig. Gehen wir.�</p><p>W�hrend sie sich davonstahlen, dachte Charles: F�nfzig. Aber zu wem geh�ren sie?</p><p>Custer hielt seine Taschenuhr ins Mondlicht. �Ungef�hr dreieinhalb Stunden bis zur Morgend�mmerung. Dann schlagen wir zu. Main, rufen Sie die Offiziere zusammen.�</p><p>In wenigen Minuten hatten sich alle versammelt. Custer teilte ihnen schnell mit, da� sie den Kriegstrupp bis zum Dorf verfolgt hatten, das sie im Morgengrauen angreifen w�rden. Char-les konnte h�ren, wie sich allgemeine Erregung ausbreitete. Ve-nable verga� sogar, ihm einen seiner einsch�chternden Blicke zuzuwerfen.</p><p>Mit unverhohlener Begeisterung entwarf Custer sofort einen improvisierten Plan. Er teilte seine siebenhundert M�nner in vier Abteilungen auf, wobei drei davon die Hauptkolonne unterst�tzen sollten, die den Angriff von dem Abhang aus, von dem Charles und Griffenstein das Dorf beobachtet hatten, f�hren w�rde. Eine der Abteilungen sollte, falls m�glich, einen vollst�ndigen Bogen um das Dorf schlagen. Mit den ersten Kl�ngen der Kapelle w�rde der allgemeine Angriff erfolgen. El-liotts und Thompsons Abteilungen sollten augenblicklich zu ihren Positionen aufbrechen.</p><p>�Die M�nner, die hierbleiben, k�nnen absitzen. Ich m�chte kein Wort h�ren, das �ber ein Fl�stern hinausgeht. Ansonsten kein Ger�usch. Niemand l�uft herum, niemand stampft mit den F��en, selbst wenn er am Erfrieren ist. Keine Streichh�lzer d�rfen f�r Pfeifen oder Zigarren angerissen werden. Jeder Mann, der diesen Befehlen nicht gehorcht, wird sich bei mir pers�nlich verantworten m�ssen. Venable, tun Sie mir einen Gefallen! Bringen Sie Maida und Blucher nach hinten, und �bergeben Sie sie der Obhut von Sergeant Major Kennedy, bis wir abmarschieren.�</p><p>Venable gefiel dieser untergeordnete Auftrag ganz und gar nicht, doch er widersprach nicht, sondern stie� lediglich einen leisen Pfiff aus. Die gut dressierten Hirschhunde folgten ihm. Custers Fransenhandschuh fa�te mit einer Bewegung die anderen Hunde in der N�he der Offiziere zusammen. �Main, Sie t�ten zusammen mit Griffenstein diese Streuner.�</p><p>Charles hatte das Gef�hl, als h�tte jemand ihm eine Nadel in den Kopf gebohrt. �Wie bitte, Sir?�</p><p>�Sie haben mich geh�rt. Wir wollen die �berraschung auf unserer Seite haben. Diese Hunde k�nnten uns verraten. Schafft sie uns vom Halse, auf der Stelle.�</p><p>Charles starrte, und Custer gab den Blick zur�ck, seine Augen schwarze H�hlen in der D�sternis. Dutch Henry legte Charles einen Handschuh auf die Schulter, entweder um ihn zu bes�nftigen oder um ihn zur�ckzuhalten. Captain Hamilton brachte die Dinge in Gang, indem er einigen Lieutenants befahl: �Holt Seile. Wir binden ihnen vorher die Schnauzen zu.�</p><p>Charles sprang in der Absicht auf Old Bob zu, ihn zu packen und nach hinten zu tragen. Custer schnappte: �Nein. Ich sagte, alle Hunde.�</p><p>�Ich tu's nicht.�</p><p>Custer warf ihm einen langen Blick zu. �Wir kriegen ein weiches Herz, was? �berwinden Sie das, bevor wir das Dorf angreifen.� Er stolzierte davon; seine winzigen Goldsporen blitzten im Mondschein.</p><p>�Geh weg. Schau nicht zu�, fl�sterte Dutch Henry.</p><p>Die Lieutenants kamen mit den Seilen angerannt. Die M�nner umzingelten die insgesamt zehn Hunde, und nach einigen K�mpfen und Jagden lagen alle gefesselt mit zusammengebundenen Schnauzen da. Charles ging ein St�ck in den Wald und lehnte sich gegen einen Baum, das Gesicht dem Dorf zugewandt. Er h�rte das Klirren, als die S�bel gezogen wurden. Dann ein rasendes Japsen, obwohl die Fesseln die Lautst�rke d�mpften. Das Japsen hielt eine Weile an, ebenso wie das Ger�usch der Pfoten, die wie wahnsinnig in den verkrusteten Schnee schlugen. Charles wu�te nicht, wer Old Bob die Kehle durchgeschnitten hatte, doch er sah den schlaffen, gelblichen Leib auf einem Haufen mit allen anderen liegen. Hastig ging er vorbei. Die Luft war fast kalt genug, um die bitteren Tr�nen in seinen Augen gefrieren zu lassen.</p><p>Der Flankentrupp zog los, um rechtzeitig bei Tagesanbruch in Position zu sein. Die M�nner der Hauptkolonne konnten noch etwas l�nger rasten. Regungslos standen, sa�en oder lagen die M�nner bei ihren Pferden. Einige wenige zogen sich die M�ntel �ber die K�pfe und versuchten zu schlafen. Die meisten waren daf�r zu angespannt.</p><p>Einige der Offiziere dr�ngten sich zusammen, fl�sterten in unterdr�ckter Erregung. Jack Corbins Pony begann zu stampfen und zu wiehern. Corbin konnte es nicht beruhigen. Charles ging hin�ber und dr�ckte dem Pony die N�stern zusammen, bis es wieder still war. Ein Cheyenne-Trick, den ihm Jackson beigebracht hatte. Corbin bedankte sich fl�sternd.</p><p>Charles duckte sich neben Satan zusammen, die Z�gel von einer Hand in die andere wechselnd. Irgend etwas in ihm stimmte nicht, ein gef�hrlich explosives Gef�hl dr�ngte hoch. California Joe versorgte sich mit etwas fl�ssigem Mut aus seinem anscheinend unersch�pflichen Vorrat. Er reichte den Krug an Dutch Henry weiter, der nach Offizieren Ausschau hielt, bevor er hastig trank. Milner bot Charles den Krug an. Charles sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du scheinst nicht gerade wild auf den Kampf zu sein�, bemerkte California Joe. �Sollte recht munter werden. Wenn wir sie �berraschen, sollten wir auch keine gro�en Probleme haben. Ich dachte, das ist's, was du willst. Ich dachte, deshalb hast du angeheuert. Cheyenne Charlie brennt darauf, ein paar Wilde umzubringen.�</p><p>�Halt's Maul�, sagte Charles. �La� mich in Ruh, oder ich ramm' dir den Krug in den Hals.�</p><p>Er stand auf und ging davon. �Was ist denn in den gefahren?� erkundigte sich California Joe.</p><p>Dutch Henry konnte nur mit den Schultern zucken.</p><p>Als der Mond hinter dem Wald verschwand, begann sich ein dichter Bodennebel auszubreiten, der recht unheimlich wirkte. Custer klappte seine Taschenuhr immer wieder auf und zu. Endlich war es soweit. Er steckte die Uhr weg und schob seine Webley-Bulldog-Revolver mit den Elfenbeingriffen in ihre Taschen. Dann erteilte er seine letzten Befehle: Provianttaschen bleiben zur�ck: Umh�nge und S�bel ebenfalls. Kein Schu� durfte abgefeuert werden, bis er das Signal gab.</p><p>Charles f�hlte sich schwerf�llig, schmutzig, m�de, als er das rechte Bein �ber Satans R�cken schwang. Custer sah, da� sich die Kolonne formiert hatte, winkte seinen Trompeter neben sich und trieb Dandy im Schritt zwischen den B�umen hindurch. Der Bodennebel wogte um die Knie des Tieres.</p><p>Pl�tzlich ging ein schwerer Atem durch die Reihen der M�nner. Charles wandte sich nach Osten, wo Dutch Henry hindeutete. �ber den B�umen gl�hte ein goldener Lichtfleck.</p><p>�Der Morgenstern�, sagte jemand.</p><p>Der Planet stieg strahlend am Himmel empor. Custers Gesicht schien etwas von dem ehrfurchterweckenden goldenen Licht aufzunehmen und widerzuspiegeln.</p><p>�Bei Gott�, sagte er in ehrf�rchtigem Ton. �Bei Gott. Diese Expedition steht unter einem guten Stern, das ist das Zeichen.�</p><p>Sie n�herten sich der gezackten Klippe oberhalb des Flusses. Das ged�mpfte Stampfen so vieler beschlagener Pferde klang Charles wie Donner in den Ohren. Sicherlich mu�te das schlafende Dorf irgendwie darauf reagieren. Und da kam es auch schon; ein Hund bellte. In den n�chsten Sekunden schlossen sich ihm ein weiteres halbes Dutzend Hunde an.</p><p>Custer hielt die rechte Hand empor und begann mit dem Abstieg. Dandy rutschte und schlitterte, erreichte jedoch den Flu� ohne Sturz. Andere machten sich ebenfalls an den Abstieg, die Scouts rechts von dem Trompeter, der die Kapelle nach unten f�hrte.</p><p>Charles hatte seinen Zigeunermantel hochgezogen; sein Armeecolt steckte griffbereit im G�rtel. Mit einer Hand hielt er die Spencer quer �ber seinen Knien. Langsam stieg die Kolonne, unterbrochen von gelegentlichen unterdr�ckten Fl�chen, zum Washita hinab. Unten am Flu�, wo das Wasser die Luft betr�chtlich abgek�hlt hatte, sah Charles die Pappeln auf der anderen Seite des Flusses aus einer neuen Perspektive. Gegen den blassen Himmel zeichneten sich die gekreuzten Stangen vieler Tipis ab.</p><p>Wessen Tipis?</p><p>�Trompeter!� begann Custer.</p><p>In den dunklen W�ldern hatte jemand einen Warnschu� abgefeuert. Custer stie� einen grimmigen Fluch aus. Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Von der offenen Fl�che jenseits des Flusses drang Gewieher her�ber, als w�ren viele Ponys pl�tzlich aufgeschreckt worden. Wahrscheinlich hatten sie die Pferde der Wei�en gewittert.</p><p>Von dem Hintergrund des dunklen Waldes l�ste sich ein Mann mit einem Gewehr und rannte auf den Flu� zu. Custer sah den Indianer kommen und hob einen seiner Revolver.</p><p>�Trompeter, das Angriffssignal!� schrie er und feuerte vom Pferder�cken aus. Der Indianer wurde zur�ckgeschleudert, das Gewehr flog ihm aus der Hand.</p><p>Der Trompeter blies zum Angriff. Rund um Charles herum br�llten und jubelten M�nner. Noch bevor der Trompeter zu Ende geblasen hatte, stimmte die Kapelle &gt;Garry Owen&lt; an, und die Siebte Kavallerie durchquerte den Washita, um gegen das Dorf loszuschlagen.</p></section><section><title><p id="bookmark66"><strong>50</strong></p></title><p>Satan trug Charles mit einigen gro�en S�tzen �ber den Wa-<emphasis>W</emphasis> shita. Er umklammerte die Flanken des Schecken mit den Knien, w�hrend eisiges Gischtwasser hochspritzte. Dann galoppierten sie die Uferbank hoch. Neben sich sah er Griffenstein, in jeder Faust einen Revolver, ein L�cheln auf dem b�rtigen Gesicht.</p><p>Der Tag brach an. Die ausgebleichten Fellabdeckungen der Tipis waren nun deutlich zwischen den Pappeln zu sehen. Das Bild war unverkennbar; es war ohne jeden Zweifel ein Cheyenne-Dorf. Rechts und links der Hauptstreitmacht griffen die Flankenkolonnen jubelnd und schreiend an. Charles h�rte sogar einen Rebellenschrei.</p><p>Die Erde erbebte unter den donnernden Hufen. Pl�tzlich stieg die Sonne �ber den Horizont; der Washita schimmerte �stlich des Dorfes in dem gro�en Bogen, wo er sich nach Norden wandte, orangefarben auf.</p><p>Die Cheyenne str�mten aus ihren Zelten, gerade als die Kavalleristen �ber sie hereinbrachen. Die M�nner versuchten, an ihre B�gen und Gewehre heranzukommen. Der Anblick der vielen Frauen und Kinder entsetzte Charles. Einige der verschlafenen Kleinen weinten. Die Frauen heulten vor Furcht auf. Hunde bellten und schnappten. Das pl�tzliche Gewehrfeuer der angreifenden Kavallerie verschlimmerte das Chaos noch.</p><p>Der Atem stand Charles in Wolken vor dem Mund. Er war noch f�nfzig Meter von den ersten Tipis entfernt, doch einige Kavalleristen hatten sie bereits erreicht. Einer erscho� einen Hund, der nach den Pferden schnappte. Ein anderer jagte einer grauhaarigen Gro�mutter eine Kugel in die Brust. Die Frauen kreischten lauter, w�hrend ihre M�nner vorw�rtstaumelten, um sie zu verteidigen. Gegen die berittenen blauen Linien hatten sie nicht die geringste Chance.</p><p>Der Angriff trug Charles einen Pfad zwischen mehreren Tipis entlang, aus deren Abzugsl�chern Rauch quoll. Mit krachenden Revolvern ritt Griffenstein vor ihm. Ein spindeld�rrer alter Mann, der sich mit einem verbla�ten roten Schild aus seiner Jugend verteidigte, starrte die Kavalleristen mit verst�ndnislosen Augen an. Dutch Henry jagte ihm eine Kugel in den offenen Mund. Ein gro�er Blutf�cher breitete sich hinter dem Mann aus und bespritzte sein Tipi wie Farbe.</p><p>Charles mu�te sich auf Satan verlassen, da� er nicht zwischen die in Panik geratenen Indianer fiel, die schreiend auf die Soldaten einzuschlagen versuchten. Sein Verstand schien wie bet�ubt. Die Spencer hatte er noch kein einziges Mal abgefeuert.</p><p>Satan trug ihn den Pfad entlang zur anderen Seite des Dorfes. Dort machte Charles kehrt und w�re beinahe durch eine Kollision mit zwei Kavalleristen, die das gleiche Man�ver ausf�hrten, aus dem Sattel geschleudert worden. In ihren Gesichtern, in ihren glitzernden Augen sah er eine Begierde, die nicht mehr zwischen Kriegern, Frauen und Kindern unterschied.</p><p>Pulverdampfschwaden durchzogen die Luft. Charles trieb Satan einen anderen Weg entlang. Die Gr��e des Dorfes mochte ihrer ersten Sch�tzung entsprechen, ungef�hr f�nfzig Tipis. Zu seiner Linken rissen drei Kavalleristen ein Zelt nieder. Darunter waren die schrillen Stimmen entsetzter Kinder zu vernehmen.</p><p>Das Angriffstempo wurde langsamer. Die M�nner der Abteilung, die das Dorf umrundet hatten, str�mten herein und vergr��erten die allgemeine Verwirrung. Direkt vor Charles kam eine Frau hinter einem Tipi hervorgerannt, eine schmutzige Frau mit offenen Haaren, die einen kleinen wei�en Jungen gegen ihre Schulter pre�te. Sch�tzend umklammerte sie den Kopf des Jungen. Ihre H�nde und ihr Gesicht waren vom Wetter leicht ger�tet; eine wei�e Frau.</p><p>Sie schrie den Soldaten zu: �Mein Name ist Blinn. Mrs. Blinn.� Die Entf�hrte, erinnerte sich Charles. �Bitte tut Willie nichts!� Eine Schu�salve lie� sie ruckartige Bewegungen wie eine Marionette vollf�hren. Dem kleinen Jungen fehlte der halbe Kopf, als er und seine Mutter in ein Tipi st�rzten und es niederrissen.</p><p>Charles stieg die �belkeit hei� in der Kehle hoch. Er jagte Satan an dem zerfetzten Tipi vorbei. Der erschossene Junge war nicht �lter als sein eigener Sohn.</p><p>Die Wege f�llten sich mit Kavalleristen, die trotz ihrer bockenden Pferde erregt um sich schossen. Charles sah einen Corporal mit einem blutigen �rmel; ansonsten schien niemand von der Armee was abbekommen zu haben. Zwischen den B�umen hindurch sp�hte er zu der offenen Fl�che hin�ber, die sie bei ihrem Angriff vom Flu� aus �berquert hatten. Auf dem h�chsten Gel�ndepunkt sa� Custer auf Dandy und beobachtete den Kampf durchs Fernglas.</p><p>Charles entdeckte Dutch Henry, der zwischen zwei Tipis auf einem von Kugeln durchsiebten Cheyenne kniete; mit einer Hand zerrte er den Kopf hoch, w�hrend er ihn mit der anderen skalpierte. Das Opfer lebte noch und kreischte. Sein Gesicht war zerfurcht und alt. Sechzig Winter oder mehr. Charles wandte sich ab.</p><p>Nicht alle Cheyenne waren so schwach und wehrlos. Gelegentlich sah er Jungs von zw�lf oder dreizehn Jahren, die mit Messern oder Lanzen in selbstm�rderische Duelle mit den Sol-daten verstrickt waren. Einer dieser Jungen sprang hinter einem Tipi hervor und stellte sich Charles entgegen. Er war barfu�, nur mit Leggings bekleidet. Von dem schwarzen Zopf �ber seinem rechten Ohr baumelte ein Erinnerungsst�ck an einen Kampf: ein Kreuz aus mattem Messing, von einem Riemen gehalten. Der Junge hatte ein feingeschnittenes Gesicht. Spuren von roter Farbe zierten seine Brust. Er war ein Junge, der in der Gemeinschaft des Roten Schildes aufgenommen werden sollte oder der das anstrebte und sich deshalb dementsprechend bemalte. All das ging Charles in den Sekunden durch den Sinn, die der Junge brauchte, um einen Pfeil auf die Sehne zu legen.</p><p>Charles hob die rechte Hand, benutzte die Zeichensprache, um dem Jungen zu sagen, er solle fl�chten. Das Gesicht des Jungen verzerrte sich vor Wut, als er den Pfeil von der Sehne schnellen lie�. Charles warf sich auf Satans linke Seite, der Pfeil segelte �ber ihn hinweg.</p><p>Er zog seinen linken Fu� aus dem Steigb�gel und sprang mit der Spencer zu Boden. Satan trottete zwischen den Tipis davon. In dem von Rauchschwaden durchzogenen W�ldchen, das vom st�ndigen Schreien und Wehklagen der Frauen nur so widerhallte, gestikulierte Charles mit dem Gewehr und rief in der Sprache der Cheyenne: �Lauf weg! Lauf weg, bevor sie dich t�ten!� Er wu�te nicht, weshalb er sein eigenes Leben aufs Spiel setzte, er wu�te nur, da� er sich nie an Greisen oder Kindern hatte r�chen wollen.</p><p>Der Junge wollte keine Gnade. Er legte den n�chsten Pfeil ein. Charles wich nach rechts aus, hoffte hinter das Tipi des Jungen zu kommen. Der Junge zog den Pfeil zur�ck. Charles rannte noch geduckt �ber die offene Fl�che. Er sah, wie sich die Bogensehne spannte. Ihm blieb keine Wahl. Er feuerte.</p><p>Die Kugel traf den Jungen aus n�chster N�he in den Bauch und ri� ihn vom Boden hoch. Er wirbelte herum und landete r�cklings in den gl�henden Kohlen eines Feuers. Sein Haar begann zu qualmen. Charles rannte auf ihn zu und zerrte ihn aus dem Feuer. Das Metallkreuz war bereits hei� und versengte ihm die Finger. Charles hatte einen bitteren Geschmack im Mund; Schwei� lief ihm in die Augen. Eine Welle von Phantasiebildern zeigte ihm Dinge, die der tote Junge nie sehen w�rde. Den n�chsten Pr�riefr�hling; einen weiteren Pr�riewinter. Die gro�e Bisonherde, die das Land bedeckte. Die bewundernden Augen der ersten Frau, die er nahm.</p><p>Aufgew�hlt ri� er das Messingkreuz aus dem Zopf des Jungen und rammte es in seine Tasche. Etwas in ihm verlangte, da� er ein Erinnerungsst�ck aufbewahrte an das, was er getan hatte.</p><p>Zu Fu� machte er sich auf die Suche nach Satan. Die Szenerie im Inneren des Dorfes war mittlerweile vollkommen chaotisch. Die Dorfmitte wurde von der Siebten gehalten. Kleine, vereinzelte Cheyenne-Gruppen hatten hinter B�umen und in flachen Gr�ben Deckung gesucht. Schnell formierten sich kleine Trupps, die ihr Feuer auf sie konzentrierten und sie t�teten oder aus der Deckung trieben. Frauen versuchten im Kugelhagel zu fliehen; einige hielten Babys an sich gepre�t, andere traten ihre Kleinen buchst�blich, um sie zur Eile anzutreiben. Wo immer die Frauen in einen Kavalleristentrupp liefen, gaben sie auf. Jedenfalls die meisten. Charles beobachtete eine fette alte Squaw, die sich mit einem kleinen Messer auf drei Soldaten st�rzte. Gewehrfeuer schleuderte sie zu Boden.</p><p>Er erwischte Satan, der laut wieherte; die merkw�rdigen Ger�che und der Schlachtenl�rm gefielen ihm ganz und gar nicht. Charles sa� auf und galoppierte auf die Seite des Dorfes, die sie zuerst angegriffen hatten. Dort glaubte er die Darstellungen an einem gro�en Tipi erkannt zu haben. Er wu�te, da� er sich nicht get�uscht hatte, als er zwei Indianer auf einem Pony von dem Tipi auf den sonnengesprenkelten Flu� zurasen sah. Selbst auf die Entfernung und durch den dichten Rauch hindurch erkannte er Schwarzer Kessel, der seine Frau vor sich sitzen hatte.</p><p>Ihr Pony erreichte das Ufer des Washita. Dort wurden sie von vier Kavalleristen eingeholt. Schwarzer Kessel hob um Gnade flehend die Hand. Eine Schu�salve fegte ihn und seine Frau vom Pony in den Flu�. Das erschrockene Pony trampelte auf der Frau herum, bevor es das andere Ufer erreichte.</p><p>�Jesus!� sagte Charles. Ein intensiver Ekel stieg in ihm auf. All seine Versprechungen der Vergangenheit und seine Rachsucht besch�mten ihn nun. Das h�tte Holzfu� Jackson nicht gewollt - Blutrache, die mit dem Leben von Kindern, M�ttern und dem Leben des Friedensh�uptlings eingetrieben wurde, der ein Freund der Jackson Trading Company gewesen war und sie vor Narbengesicht gesch�tzt hatte.</p><p>Er rammte die Spencer in die Sattelhalterung, senkte den Kopf und raste auf den Flu� zu.</p><p>Acht oder zehn Reiter galoppierten von hinten auf ihn zu, teilten sich, ritten den schlammigen Schnee aufschleudernd nach Osten. Ein grinsendes Gesicht drehte sich zu ihm um. �Da geht's dahin, Main - ein Brevet oder ein Sarg.� Jubelnd wie kleine Jungs galoppierten Major Elliott und seine Kavalleristen davon. Kurz darauf h�rte Charles im Osten sto�weises Gewehrfeuer.</p><p>Wieder lie� er Satan auf den Flu� zutraben. Auf der offenen Fl�che lagen gefallene Cheyenne, meist M�nner, fast alle tot. Er entdeckte eine Leiche in blauer Uniform. Der Mund stand offen, die Augen blickten starr in den zertrampelten Schnee. Louis Hamilton - der gebeten hatte, nicht bei den Wagen zur�ckbleiben zu m�ssen, wenn der Ruhm auf ihn wartete.</p><p>Ganz pl�tzlich sprang Satan �ber ein Hindernis. Charles schaute nach unten. Da lag Custers Blucher mit einem Pfeil in der Kehle.</p><p>Charles erreichte den Washita; er sch�tzte, da� seit dem Angriff ungef�hr zwanzig Minuten vergangen sein mu�ten. Das Gewehrfeuer lie� bereits nach. Die meisten Tipis im Dorf waren niedergerissen. Soldaten rannten hin und her, ohne noch sonderlich auf ihre Sicherheit zu achten; sie wu�ten, da� sie gewonnen hatten.</p><p>Er stieg ab und watete bis zur H�fte in das str�mende kalte Wasser. Auf halbem Weg befand sich eine Sandbank. Die Leichen von Schwarzer Kessel und seiner Frau waren dort angetrieben worden; ihr K�rper ruhte halb auf dem seinen. Ihr Hinterkopf ragte aus dem Wasser. Der Kopf des Friedensh�uptlings war ganz untergetaucht, das Gesicht schaute nach oben; wegen der Klarheit des Wassers war jede Falte deutlich zu erkennen.</p><p>Charles versp�rte einen heftigen Schmerz tief in seinem Magen. Daf�r hatte er sich erst dem Zehnten und dann dem Siebten Regiment angeschlossen? Um bei der Ermordung eines Mannes behilflich zu sein, der nichts weiter als Frieden im Sinn gehabt hatte, der lediglich versucht hatte, den Weg des wei�en Mannes zu gehen? An diesem klaren Wintermorgen am Washi-ta fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er f�hlte sich krank vor Schuld und Scham.</p><p>Er hob den wegen der nassen Kleidung sehr schweren K�rper der Frau an, trug sie ans Ufer und legte sie dort nieder. Dann stapfte er wieder ins Wasser, um Schwarzer Kessel zu holen. Jetzt konnte er die f�nf Schu�wunden des H�uptlings sehen, die von der Frau verborgen worden waren. Tr�nen traten ihm in die Augen.</p><p>Schwarzer Kessel war irgendwie leichter. Charles zerrte ihn aus dem eisigen Flachwasser und trug ihn taumelnd auf seinen Armen ans Ufer - direkt in den Schatten eines Reiters hinein.</p><p>Charles blickte auf. Captain Harry Venable zielte mit ausgestrecktem Arm auf Charles. Die Waffe war ein 1860er-Armee-colt mit einer Elfenbeineinlage am Kolben.</p><p>�Lassen Sie die Leichen liegen, wo sie gefallen sind, oder nehmen Sie ihnen die Skalpe.�</p><p>�Ich werde weder das eine noch das andere tun. Diese armen alten Menschen waren einst meine Freunde.�</p><p>�Sie kennen sie?�</p><p>�Das sehen Sie verdammt richtig. Das ist Schwarzer Kessel, der Friedensh�uptling. Er versuchte das Dorf in Sicherheit von Fort Cobb zu f�hren, und dieser verfluchte Narr Hazen wies ihn ab. Das ist nun seine Belohnung.� Jetzt lag der alte Indianer schwer in seinen Armen. �Schwarzer Kessel war mein Freund. Ich habe die Absicht, ihn zu beerdigen.�</p><p>Venable begann zu l�cheln. Jetzt hatte er Charles wegen Befehlsverweigerung dran. Er brachte den Colt in Anschlag. Das Wasser tropfte aus der Kleidung und den grauen Haaren von Schwarzer Kessel, sonst war kaum ein Laut zu h�ren.</p><p>Urpl�tzlich hallte die Morgenluft vom Sammelsignal wider. Venable wandte sich um und schaute zum Dorf. Berittene Kavalleristen und Soldaten zu Fu� folgten eilig dem Signal. Charles starrte in die M�ndung des Colts. Das ist nun das Ende, dachte er. Gleichzeitig war ihm klar, da� er Schwarzer Kessel fallen lassen, nach seinem Revolver greifen und die Welt von Harry Venable befreien konnte. Er r�hrte sich nicht.</p><p>Die Trompete verz�gerte Venables Schu� um ungef�hr f�nfzehn Sekunden. W�hrend dieser Zeitspanne galoppierte ein Reiter vorbei. Es war Griffenstein.</p><p>Er ri� sein Pferd herum und trieb es zwischen Charles und Harry Venable. �Bist du besoffen?� br�llte er Venable an und schlug ihm den Colt aus der Hand. �Wir bringen Roth�ute um, keine Wei�en.�</p><p>Ein anderer Offizier galoppierte auf die B�ume zu und schrie Venable an, er solle gef�lligst seinen Arsch bewegen. Dutch Henry verstand zwar den Hintergrund der Konfrontation nicht, erkannte aber den Ernst der Lage. Er behielt den kleinen Mann aus Kentucky scharf im Auge, als er abstieg, den Colt aufhob und ihn vorsichtig zur�ckgab. Charles legte Schwarzer Kessel langsam neben seine Frau in den zerw�hlten schlammigen Schnee.</p><p>Venable rammte seinen Revolver in das Halfter zur�ck, warf Charles einen Blick zu, der besagte, da� die Sache zwischen ihnen noch nicht ausgestanden war, und versetzte seinem Pferd einen Schlag mit den Z�geln. Zwischen den Leichen hindurch galoppierte er auf das Dorf zu.</p><p>�Was sollte dieser Schei�?� wollte Griffenstein wissen. Er schien nun wieder er selbst zu sein; sein Gesicht war nicht mehr so ger�tet wie vorhin, als Charles ihn mit dem Skalpmesser gesehen hatte. Der Skalp war mit seinem blutigen Haar an den Lederg�rtel des Scouts geknotet.</p><p>�Venable hat noch eine alte Rechnung mit mir offen.� Mehr sagte Charles nicht.</p><p>�Er h�lt sich wohl besser ein bi�chen zur�ck. Hier ist nicht der richtige Ort, um seinen Rachegef�hlen nachzugeben.�</p><p>F�r Charles hatten die Worte eine Bedeutung, die der Scout nicht erkennen konnte.</p><p>�Ich stehe in deiner Schuld, Henry�, sagte er.</p><p>�Ach was�, sagte Dutch Henry und wedelte abwehrend mit der Hand. �Kann doch nicht zusehen, wie ein Freund von so einem rotzigen Offizier eins verpa�t kriegt.� Mittlerweile sa� Charles wieder im Sattel; widerstrebend lie� er den H�uptling und dessen Frau liegen. Dutch Henry war in bester Laune, als sie ihre Pferde dem Sammelpunkt zutrieben. �War das nicht ein toller Kampf?�</p><p>Charles starrte ihn an. Der Zorn dr�ngte die Dankbarkeit zur�ck.</p><p>�Es war ein Massaker. Noch dazu an den falschen Leuten. Es ist eine gottverdammte Schande. Schau dir das an.� Er holte das Messingkreuz mit dem zerrissenen Lederriemen hervor. �Ich habe es einem jungen Burschen abgenommen. Das ganze Leben lag noch vor ihm. Ich mu�te ihn erschie�en, damit er mich nicht umbrachte.�</p><p>Griffenstein erfa�te die Tiefe von Charles' Gef�hlen nicht. Er griff nach dem Kreuz. �Jedenfalls hast du ein h�bsches Souvenir.�</p><p>Charles schlo� seine Finger zur Faust. �Glaubst du, deswegen hab' ich's genommen, du d�mlicher Ochse? Das hier ist kein Krieg. Das ist Gemetzel. Sand Creek noch mal von vorn.�</p><p>Die �berraschung des bulligen Scouts verwandelte sich in Ablehnung. �Werd erwachsen, Charlie. Die Dinge sind nun mal so, wie sie hier sind.�</p><p>�Schei� auf die Dinge, wie sie sind.�</p><p>Erneut ver�nderte sich Griffensteins Gesichtsausdruck. Er betrachtete Charles mit dem gleichen Abscheu, mit dem ein Mann einen Choleratr�ger betrachten mochte. �Sch�tze, hier trennen sich unsere Wege. Eigentlich sollte ich dir wegen dem, was du zu mir gesagt hast, den Kopf abrei�en. Sch�tze, ich werd's nicht tun, weil ich glaub', da� du verr�ckt geworden bist. Von jetzt an kannst du mit einem anderen reiten.�</p><p>Er galoppierte davon. Charles war es egal. Etwas in ihm war tot - war hier am Washita gestorben.</p><p>Im Dorf ging es lebhaft zu. Viele Soldaten ritten oder liefen herum und schnappten sich Souvenirs, bevor es verboten wurde. Charles sah Hemden und Hosen, von Skalps befleckt, die man den Toten heruntergerissen hatte. Ein junger Soldat zeigte seinen Freunden stolz zwei davon.</p><p>Am anderen Ende des Dorfes war die mehrere hundert Tiere z�hlende Ponyherde zusammengetrieben worden. Ungef�hr f�nfzig Frauen und Kinder waren gefangen worden; dazu kamen als Beute noch gro�e Mengen Waren. Eine Anzahl guter S�ttel, einschlie�lich einiger Armees�ttel; Hacken und B�ffelfellm�ntel; Waffen, Kugelformen und Blei; Hunderte von Pfund Tabak und Mehl und ein gro�er Wintervorrat an B�ffelfleisch. Als Charles herangetrabt kam, erteilte Custer gerade Befehl an Godfrey und seine K-Kompanie, die Beute zu sammeln und aufzulisten.</p><p>Den aufgeregten Gespr�chen um ihn herum entnahm Charles, da� mehrere hundert Indianer tot waren. Er bezweifelte es. Wenn in jedem Tipi die �blichen f�nf oder sechs Personen untergebracht waren, dann machte das insgesamt dreihundert Dorfbewohner. �berall lagen tote Indianer herum, aber niemals dreihundert. Viele Krieger mu�ten entkommen sein. Bei den Soldaten wu�te man bis jetzt nur von zwei Toten: Louis Hamilton und Corporal Cuddy von der B-Kompanie. Niemand konnte sagen, was aus Elliotts Abteilung geworden war.</p><p>Erneutes Gekreisch und Gejammer. Drei Osage-F�hrtensucher peitschten fr�hlich einige gefangene Frauen mit Ruten. �Sie versuchen zu rennen�, erkl�rte ein Osage. Er und die anderen peitschten heftiger auf die Frauen ein, trieben sie zu einer gr��eren, bereits unter Bewachung stehenden Gruppe. Charles erinnerte sich an die Zeit, die er bei dem Volk von Schwarzer Kessel verbracht hatte, und glaubte mehr als eine Frau zu erkennen. Eine Squaw mit dicken Z�pfen und blutender Wange schien ihn ebenfalls zu erkennen, doch sie war die einzige. Sie sagte nichts, doch ihr starrer Blick reichte aus, um ihm das Gef�hl zu geben, es w�rden Messer in seinem Bauch umgedreht.</p><p>�General.� Die scharfe Stimme geh�rte Romero, dem Dolmetscher. Er stie� eine verschmutzte Frau vor sich her. Sie krampf-te ihre H�nde ineinander und senkte den Kopf vor General Cu-ster, der immer noch frisch und energiegeladen wirkte. Charles fragte sich, wie das m�glich war; er selbst war ersch�pft und ganz benommen vor M�digkeit und Hunger.</p><p>�Diese Frau, sie sagte, sie Mahwissa, Schwester von Schwarzer Kessel�, sagte Romero. M�glich, obwohl Charles w�hrend seines Winters hier die Frau nie gesehen noch etwas von einer Schwester geh�rt hatte. �Sie sagt, das ist nicht einziges Dorf am Washita.�</p><p>�Wo sind die anderen?� fragte Custer in die pl�tzliche Stille hinein.</p><p>Romero entdeckte eine abgebrochene Lanze. Er stellte sich neben den General und malte ein umgekehrtes U in den Schlamm. Er zog beide Ausl�ufer des U nach au�en, dann bohrte er ein Loch unter den linken Balken. �Hier ist das Dorf von Schwarzer Kessel.� Aufw�rts in Richtung der Biegung des U stach er wieder zu. �Arapahoe hier.� Am Ende des zweiten Balkens ein weiterer Stich. �Mehr Cheyenne hier.� Zwei weitere Stiche nahe der Enden. �Noch mehr - auch Kiowa. Alles Winterlager. Flu�ab.�</p><p>General Custers gesunde Gesichtsfarbe war verschwunden. Er sah so bleich wie der Schnee auf den B�umen oben auf den Klippen aus. Charles glaubte zwischen diesen B�umen eine Bewegung entdeckt zu haben.</p><p>�Wie viele in den Camps?� fragte Custer.</p><p>Romero sprach in Cheyenne zu der Frau. Charles bekam genug von ihrer Antwort mit, um ein erneutes Fr�steln zu sp�ren. �Anzahl von f�nf- bis sechstausend.�</p><p>Das Schweigen h�tte einem Grab gut angestanden. Irgendwo jaulte ein Hund. Die lauschenden Soldaten, eben noch so l�rmend und ungest�m, tasteten nerv�s nach ihren Waffen.</p><p>Charles zeigte sich von den unerfreulichen Neuigkeiten nicht �berrascht. Custers hitziges Naturell zog den �rger praktisch an. Er hatte die Verfolgung und den Angriff unter der unbegr�ndeten Annahme durchgef�hrt, da� sie einen Kriegertrupp in ein isoliertes Dorf im Washita-Tal verfolgten. Der n�chtliche Gewaltmarsch hatte wenig Zeit f�r weitere �berlegungen gelassen: Gab es nur ein Dorf? War der Kriegertrupp tats�chlich in dieses oder vielleicht in ein anderes Dorf zur�ckgekehrt? Selbst jetzt hatten sie noch keine Antwort auf die zweite Frage. Charles dachte, da� er Custer nicht zu hart beurteilen durfte. Ihm waren die Fragen ebenfalls nicht in den Sinn gekommen, obwohl sie nach Romeros Enth�llungen erschreckend offensichtlich waren.</p><p>Man mu�te es Custer zugute halten, da� er sich keinerlei Best�rzung anmerken lie�. �Wir haben einen entscheidenden Sieg �ber den Feind errungen ...� Charles zog eine Grimasse. Zum erstenmal fiel ihm Keim auf. Der Reporter kritzelte in sein Notizbuch. �Wir werden mit der Zerst�rung dieses Dorfes fortfahren. Wir m�ssen unsere Pflichten erf�llen ohne das leiseste Anzeichen, da� wir von den anderen D�rfern wissen oder uns darum k�mmern. Sollte es weitere Indianer in der N�he geben, so kennen sie unsere St�rke nicht.�</p><p>Irgend jemand murmelte: �Sie wissen bei Gott, da� wir keine f�nftausend sind.�</p><p>�Der Feigling, der diese Bemerkung gemacht hat, soll vortreten.�</p><p>Niemand r�hrte sich. Das Gesicht des Generals r�tete sich erneut. Custer �ffnete den Mund, wahrscheinlich um seine Forderung nach einem Gest�ndnis zu wiederholen, als einer der Osa-ge-Indianer seine Aufmerksamkeit mit einer pl�tzlichen Geste auf den Abhang jenseits des Flusses auf sich lenkte. Drei Krieger, mit Schild und Lanze bewaffnet, kamen dort oben aus dem Wald geritten. Am Rande der Klippe hielten sie ihre Ponys an. Ganz in ihrer N�he glitten weitere Indianer ins Blickfeld.</p><p>Bald schon dr�ngten sie sich oben an den Klippen, und immer noch kamen weitere hinzu. Custer sagte, diese Expedition sei gesegnet, dachte Charles. Sie ist verflucht.</p></section><section><title><p id="bookmark67"><strong>51</strong></p></title><p>Der leichte Sieg stellte sich als gar nicht so leicht heraus. Gegen elf Uhr waren auf den Klippen jenseits des Washita Hunderte von bewaffneten Arapahoe und Cheyenne zu sehen. Custer sch�umte vor Wut, w�hrend die M�nner weiter die Beute zusammentrugen. Er hatte seine Fahne �ber einem improvisierten Hospital in der Dorfmitte aufgezogen. Von hier aus erteilte er Befehle, da� die M�nner zu einem Verteidigungsring innerhalb des Pappelwaldes ausschw�rmen sollten, falls die Indianer angriffen.</p><p>Was sie auch taten. Eine Bande von zwanzig Cheyenne galoppierte von der zwei Meilen nord�stlich gelegenen Flu�biegung heran. Sie kamen �ber die offene Fl�che zwischen den H�geln gefegt und feuerten in den Wald. Charles, der neben Romero stand, erwiderte das Feuer. Custer schritt die Verteidigungslinie ab und trieb die M�nner an.</p><p>�Zeigt euch nicht. Sie versuchen uns herauszulocken. Schie�t so wenig wie m�glich - wir sind knapp an Munition. Haltet durch. Sie werden nie in diese W�lder reiten.�</p><p>Das Klingeln seiner Goldsporen schien noch in der Luft zu liegen, nachdem er schon l�ngst weitergegangen war. Romero warf Charles einen freudlosen Blick zu; Custer hatte recht, was die Munition anbelangte. Wenn sie hier l�nger eingeschlossen blieben, konnten die Indianer angreifen, ohne Gefahr zu laufen, beschossen zu werden.</p><p>Charles schob sein vorletztes Magazin in die Spencer und wischte sich die Augen. Sie tr�nten vor M�digkeit und Rauch. Er sp�rte, da� ihn jemand beobachtete. Ein paar Schritte rechts von sich sah er Dutch Henry Griffenstein. Mit einem ver�chtlichen L�cheln sagte Griffenstein etwas zu dem Soldaten an seiner Seite. Der Kavallerist drehte sich um und starrte Charles an; Charles war sich dar�ber im klaren, da� er eine Gelegenheit finden mu�te, sich bei dem Scout daf�r zu entschuldigen, da� er ihn einen d�mlichen Ochsen genannt hatte.</p><p>Nach ihrem letzten Angriff galoppierten die Cheyenne davon. Ein Krieger kniete auf seinem Pony und dr�ckte sich den Daumen gegen sein Hinterteil. Keiner der M�nner in dem rauchgeschw�ngerten Wald hielt das f�r komisch.</p><p>Charles blieb zwei Stunden an seinem Platz. W�hrend dieser Zeit griffen ein halbes Dutzend Trupps von den H�hen aus an, obwohl keiner sich den B�umen n�herte. Custer hatte recht; die Indianer wollten sie auf die freie Fl�che locken.</p><p>Hinter der Verteidigungslinie waren andere Kavalleristen damit besch�ftigt, Tipis auseinanderzurei�en und die Stangen mit �xten zu zerhacken. California Joe schl�pfte von der anderen Seite des Waldes herein und berichtete, da� er weitere drei- bis vierhundert Indianerponys entdeckt hatte. �M�ssen jetzt insgesamt acht-, neunhundert sein, General�, h�rte Charles ihn zu Custer sagen, der erneut den Verteidigungsring abschritt.</p><p>Einer der Corbins l�ste Charles ab. Er stolperte hinter einen von Kugeln zerfetzten Baum, um seine schmerzhaft volle Blase zu erleichtern. Es half nicht viel. Er war d�ster gestimmt, voller Erinnerung daran, wie lebhaft und freundlich ein friedliches Cheyenne-Dorf sein konnte, mit Musik und Werberitualen und den Geschichten, die nach einem s�ndhaft gro�en Mahl am Feuer erz�hlt wurden. Im Gegensatz dazu war das Dorf von Schwarzer Kessel ein Friedhof, ein gepl�nderter Friedhof. Die Soldaten, die nicht in der Verteidigungslinie standen, t�rmten weiterhin G�ter aus den zerst�rten Tipis auf; Dutzende von B�ffelroben, Hunderte von bemalten Pfeilen.</p><p>�Bringen Sie das beiseite�, sagte Custer zu seiner Ordonnanz. Er deutete auf ein niedergerissenes Tipi. �Wenn die Abdeckung unbesch�digt ist, packen Sie es f�r mich ein. Dann legen Sie all diese verschiedenen Haufen zusammen, und stecken Sie das Ganze in Brand.� Charles h�rte deprimiert zu. Was Custer da tat, lief auf das Niederbrennen der Heime eines zivilisierten Volkes hinaus. Die Bewohner der Tipis w�rden - falls ihnen die Flucht gegl�ckt war - an Unterk�hlung sterben, wenn sie nicht anderswo Unterschlupf fanden. Er dachte, es w�re genug gewesen, die Cheyenne vor�bergehend aus ihrem Dorf zu vertreiben.</p><p>Custer sah das anders. Bald schossen auf der offenen Fl�che hinter dem Pappelwald die Flammen in die H�he und fra�en sich durch die gro�e Menge der niedergerissenen Tipis. Die Fellplanen erzeugten einen bitteren, dunklen Rauch, der sich wie eine Trauerfahne �ber den Winterhimmel hinzog.</p><p>Der General stellte einen Trupp zusammen, der von Joe Corbin und Griffenstein gef�hrt wurde. Als die Abteilung den Wald verlie�, erkundigte sich Charles bei Milner: �Wohin sind sie unterwegs?�</p><p>California Joe musterte ihn mi�trauisch; Griffenstein schien sich lang und breit �ber Charles' Verhalten ausgelassen zu haben. �Suchen Elliott.� Mehr sagte der Chef der Scouts nicht. Seine Sprache war wieder etwas undeutlich; offensichtlich war ihm sein Alkoholvorrat immer noch nicht ausgegangen.</p><p>�Wird auch Zeit, da� der General sich Sorgen um sie macht�, sagte Charles.</p><p>California Joe machte ein finsteres Gesicht. �Solche Meinungen beh�ltst du besser f�r dich, Mister.� Er ging davon.</p><p>Ein wilder, grimmiger Zorn, den er nicht unterdr�cken konnte, braute sich in Charles zusammen. Er umfa�te jeden wei�en Mann in dem Pappelwald, sich selbst eingeschlossen. W�hrend er an einem Zwieback nagte, seiner einzigen Nahrung heute, stieg pl�tzlich der Drang in ihm hoch, seinen Armeecolt zu nehmen und Custer zu erschie�en. Der n�rrische Impuls ging vorbei, aber nicht der Zorn. Er verabscheute das, was hier geschehen war.</p><p>Wie Ameisen bewegte sich eine Reihe von M�nnern mit allem, was sie nur an verwertbaren Gegenst�nden auftreiben konnten, auf das Feuer zu. W�hrend die Flammen immer h�her loderten, ert�nte pl�tzlich in der Verteidigungslinie Geschrei: �Bell kommt! Hier kommt Bell!� Charles und andere rannten an den Waldrand zur Flu�seite hin. Da kamen ihre sieben Wagen angeschwankt, nachdem sie eine Furt weiter oben durchquert haben mu�ten. Auf beiden Seiten des Wagenzuges galoppierten Cheyenne und Arapahoe und bepflasterten sie mit Pfeilen und Kugeln.</p><p>Die Kutscher erwiderten das Feuer. Ein Krieger st�rzte aus dem Sattel. Oben auf den Klippen versammelten sich weitere Kriegertrupps, um den Wagen den Weg abzuschneiden. Sie waren nicht schnell genug. Mit Lieutenant Jim Bell an der Spitze donnerten die Wagen in das W�ldchen. Funken schlugen aus den �berhitzten Radnaben. Bells Wagen versuchte einem Baum auszuweichen, geriet aber ins Schleudern und st�rzte um; die Ladung Munitionskisten knallte zu Boden. Die Kavalleristen rannten darauf zu und rissen die Kisten auf.</p><p>Bell taumelte mit ru�igem Gesicht und einem rauchenden Revolver in der Hand auf Custer zu. �Konnte keine weiteren Befehle abwarten, General. Ein Indianerhaufen �berraschte uns, und wir mu�ten uns zu der Furt flu�aufw�rts fl�chten.�</p><p>�Das haben Sie gut gemacht�, sagte Custer. �Jetzt haben wir die Munition, die wir brauchen.�</p><p>Die Ankunft der Wagen schien den Soldaten neuen Mut eingefl��t zu haben. Sie kletterten auf die Wagen und warfen weitere Munitionskisten auf den Boden. Das Feuer prasselte, die Maultiere und Kutscher machten eine Menge L�rm, die Cheyenne-Frauen klagten, die Kinder weinten, und die w�tenden Indianer gaben im Vorbeireiten Sch�sse ab - allm�hlich begann Charles zu glauben, da� er sich in irgendeinem Teil der H�lle befand, der f�r die Verdammten der US-Kavallerie reserviert war.</p><p>Noch mehr Unruhe. Der Suchtrupp ritt von Osten her ein. Bleiche, ver�ngstigte Kavalleristen sa�en ab und begannen sich aufgeregt zu unterhalten. Custer rannte auf sie zu, br�llte nach Ruhe. Charles' Blicke suchten den Trupp ab. Kein Griffenstein.</p><p>�Wie weit seid ihr vorgedrungen?� fragte Custer.</p><p>�Zwei oder drei Meilen�, sagte Joe Corbin. �Wir gerieten unter schweren Beschu� und kehrten um. Einen Mann haben wir verloren. Von Elliott keine Spur.�</p><p>�In Ordnung. Ich bin sicher, Sie haben Ihr Bestes gegeben�, sagte Custer. Sofort trat Captain Fred Benteen vor und baute sich vor ihm auf.</p><p>�General, dabei k�nnen wir es nicht bewenden lassen. Vielleicht sitzt Elliott irgendwo fest. Ich werde mit einem anderen Trupp ...�</p><p>�Nein!� Custer musterte die Klippen �ber dem Flu�, wo Indianerhorden auf und ab ritten, unruhig und rastlos, weil es ihnen nicht gelungen war, die Soldaten ins Freie zu locken. Cus-ter merkte, da� Benteen erneut protestieren wollte, und fuhr ihm scharf �ber den Mund: �Nein, Sie werden gar nichts. Nicht jetzt. Wir stecken in der Klemme, aus der wir uns erst befreien m�ssen.�</p><p>Auch Charles steckte in der Klemme. Er hatte einiges in Ordnung bringen wollen, und jetzt war es zu sp�t daf�r. Griffenstein w�rde nicht mehr zur�ckkommen. Ihm fiel auf, da� er sich zwar oft genug mit Dutch Henry unterhalten, sich aber nie nach dessen Familie erkundigt hatte. Griffenstein hatte auch nichts davon gesagt. Er war recht verschlossen gewesen; ein f�higer Westmann, der seine ganze Welt in sich trug. Sollte er irgendwo Verwandte haben, so konnte Charles sie nicht informieren.</p><p><emphasis>D�mlicher Ochse.</emphasis> Die Erinnerung an diese Worte l�ste ein Gef�hl in ihm aus, wie er es im letzten Kriegsjahr empfunden hatte. Er kam sich gemein und dreckig vor, bereit, jemanden zu verletzen.</p><p>Drei Uhr.</p><p>Custer sah verh�rmt aus, als er die Offiziere und Scouts zusammenrief: �Wir m�ssen uns darauf vorbereiten, hier herauszukommen. Es gibt einige Probleme. Wenn wir uns blo� zur�ckziehen, werden die Wilden uns verfolgen, und ich will keinen sich hinziehenden Kampf in der Dunkelheit. Die M�nner sind ersch�pft. Also werden wir es mit einer Finte versuchen. In ungef�hr einer Stunde treiben wir unsere Gefangenen zusammen und marschieren in dieser Richtung ab.� Die behandschuhte Hand deutete nach Nordosten. �In Schlachtordnung. So, als planten wir ein Dorf nach dem anderen einzunehmen. Wir werden ihnen Musik und eine Menge Selbstvertrauen vorspielen. Sie haben gesehen, was wir mit diesem Feindesnest hier angestellt haben. Ich denke, sie werden losrennen, um ihre eigenen Zelte zu sch�tzen. Wenn ich mich nicht t�usche, k�nnen wir dann bei voller Dunkelheit umkehren und nach Norden entwischen.�</p><p>Niemand erhob Einw�nde gegen diesen Plan oder lieferte auch nur einen Kommentar dazu; sie waren zu ausgelaugt, um Fragen zu stellen, und was Custer gesagt hatte, klang ganz vern�nftig.</p><p>Der General hatte Asche im Haar und im Schnurrbart. Einer seiner Backenknochen hatte einen Blutschmierer abbekommen. Seine gl�nzenden Augen musterten das immer noch brennende Feuer. Er f�gte hinzu: �Bevor wir gehen, m�ssen wir dieses Dorf vernichten. Vollst�ndig vernichten. Venable!�</p><p>�Sir?�</p><p>�Nehmen Sie sich ein paar M�nner, und holen Sie so viele Ponys aus der Herde, wie wir zum Transport der Gefangenen ben�tigen. Die anderen Gentlemen, Offiziere und Scouts, k�nnen sich dann ein Pferd ihrer Wahl aus der Herde holen. Dann m�chte ich, da� Godfrey - wo steckt Godfrey? - ah, Godfrey, dann �bernehmen Sie das Kommando.�</p><p>�Jawohl, Sir!� Lieutenant Godfrey wischte sich die Mundwinkel. In Charles' Ohren begann es zu rauschen, als sich seine schreckliche Vorahnung als richtig erwies.</p><p>�T�ten Sie die restlichen Pferde.�</p><p>�General - Sir - das sind mindestens achthundert Tiere.�</p><p>�Genau, Godfrey. Wir werden diesen verdammten roten M�rdern keine Ersatzpferde zur�cklassen. Alle werden get�tet.�</p><p>Der graue Tag war in einen von Feuern erhellten Alptraum versunken. Charles lehnte an einer Pappel und f�tterte den klickenden Zylinder seines Armeecolts mit Patronen.</p><p>Romero eilte vorbei. �Eh, Senor Charlie, hilf mal bei der Re-muda. Je schneller wir sie t�ten, desto schneller kommen wir hier raus.�</p><p>�La� ihn in Ruhe, Romero!� rief California Joe. Er war damit besch�ftigt, Dreck von einem Skalp zu klopfen, der ihm vom G�rtel gefallen war. �Charlie ist momentan nicht ganz bei sich.�</p><p>Das Rauschen in seinen Ohren hielt an. Schwankend ging er auf das gewaltige Feuer zu. Die Hitze trieb den Schwei� auf sein verdrecktes Gesicht. Er schlo� die Augen, erinnerte sich an Sports letzten Galopp in Virginia. Der frische Schnee war vom Herzblut des tapferen Grauen rot gesprenkelt gewesen, als er Charles in die Sicherheit der eigenen Linien zur�ckgetragen hatte.</p><p>Achthundert Pferde. Achthundert. Er konnte nicht glauben, da� jemand dazu f�hig war. Nicht nach all der Zerst�rung, die sie jetzt schon gesehen hatten.</p><p>Er taumelte am Feuer vorbei; seine rechte Wange wurde von der Hitze angesengt. Dann blieb er stehen und sah zu, wie Ve-nable f�nfundf�nfzig Pferde f�r die gefangenen Frauen und Kinder heraussuchte. Er und sein Trupp trieben die Tiere in eine hastig errichtete Umz�unung unter den B�umen. Anschlie�end schlossen sie sich Godfrey und seinen M�nnern an, die sich verteilt und die nerv�sen Ponys umzingelt hatten.</p><p>Lassos flogen durch die Luft. Ein Soldat warf die Schlinge �ber einen herrlichen Rotbraunen. Er schrie, da� jemand mit einem Messer kommen und dem Pony die Kehle durchschneiden solle. Das Pony stieg hoch und traf mit einem Huf den Soldaten an der Stirn. Blut str�mte ihm in die Augen. Er fiel auf den R�cken und w�re zertrampelt worden, h�tten ihn die anderen nicht schnell in Sicherheit gebracht.</p><p>F�nfzehn Minuten lang versuchten es Godfreys M�nner mit Lassos und Messern, doch die Pferde verabscheuten den Geruch der Soldaten und traten und bissen und b�umten sich auf. �Holt den General!� br�llte Godfrey. Charles stand immer noch neben dem Feuer und schaute zu.</p><p>General Custer kam auf Dandy zwischen den B�umen angetrabt. �Wir kommen nicht nah genug an sie heran, um ihnen die Kehle durchzuschneiden, General. Was sollen wir tun?�</p><p>�rgerlich sagte Custer: �Wir haben jetzt gen�gend Munition. Ben�tzt sie.� Er zog einen seiner Revolver und scho� zwei Ponys in den Kopf. Mit einem schrecklichen, bellenden Laut st�rzten sie zu Boden. �Mu� ich euch immer alles zeigen?� schrie Custer und h�tte beinahe Godfrey �ber den Haufen geritten.</p><p>�Gewehre!� kommandierte Godfrey. Die M�nner liefen los, um welche zu holen. Harry Venable kn�pfte seinen verdreckten Mantel auf, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben, und holte seinen Revolver hervor.</p><p>�Die M�nner mit Revolvern fangen an�, sagte Godfrey. �Sonst verbringen wir hier noch die ganze Nacht.�</p><p>Venable ging auf einen gutgebauten Braunen zu, in dessen schimmernden Augen sich das Feuer widerspiegelte. Er pre�te die Lippen zusammen wie ein Mann, der vor einer schwierigen Rechenaufgabe steht. Dann hielt er seinen Revolver dem Braunen vors Auge und dr�ckte ab. Hinter dem herrlichen Kopf spritzte Blut und Gewebe heraus.</p><p>Der Schu� hallte, lauter als der lauteste Pr�riedonner. Etwas wie eine Pulverladung explodierte in Charles' Gehirn. Ein rauhes, leises Ger�usch begann in seiner Kehle hochzusteigen, gewann an Lautst�rke, wurde zu einem langen, wilden Schrei. Er merkte nicht, da� er sich in Bewegung setzte.</p></section><section><title><p id="bookmark68"><strong>52</strong></p></title><p>Die Pferde fielen mit einer seltsam quallosen Grazie. Sie fielen seitlich aufeinander. Sie fielen unter den krachenden Salven jungenhafter Soldaten, die lachten oder br�llten: �Gut getroffen!� Die Soldaten knieten nieder und feuerten Kugel um Kugel in Schultern und Rippen, Brustk�rbe und B�uche. Das Blut flo� in Str�men, die gest�rzten Pferde bildeten ein sch�nes, ordentliches Muster. Dann verlor das Muster an Sch�nheit und Ordnung, weil achtzig Pferde gefallen waren, dann hundert, dann war kein Platz mehr zum Sterben, und so mu�ten einige kniend sterben. Und nirgendwohin konnten sie fliehen. Tiere, die am entfernten Rand der Herde ausbrachen, stie�en auf weitere Jungs mit Gewehren, einige mit der schmutzigwei�en Bl�sse der Ersch�pfung in den Gesichtern, andere schwach scherzend oder stoisch, w�hrend wiederum anderen ganz �bel von ihrem Tun war; auch von dieser Seite aus begann das gro�e T�ten, und bald umgab die sterbenden Tiere ein Kreis aus Feuer und Rauch wie ein gewaltiges Band. Statt des anf�nglichen Musters wuchs ein Berg gl�nzenden, stinkenden, sterbenden Pferdefleisches in die H�he; eine Erhebung, so unverkennbar wie einer der Antelope Hills; eine Erhebung, nicht von der Natur, sondern von Menschen erschaffen, da unten am Washita.</p><p>Charles rannte auf den Kreis der jungen Soldaten zu, die mit Revolver oder Gewehr im Anschlag knieten. Er packte einen an der Schulter. �Leg das weg. H�r auf. T�te keine hilflosen Tiere.� In seinen Ohren klang das vollkommen vern�nftig; er hatte keine Ahnung, da� seine Worte ein kreischender Aufschrei waren oder da� eine ungew�hnliche Kraft ihn vorantrieb, die es ihm erm�glichte, einen der Sch�tzen mit einem einfachen Griff beiseitezuschleudern.</p><p>Ein Soldat, dessen Augen so feucht und gl�nzend waren wie die der sterbenden Pferde, zuckte vor Charles zur�ck und rief den anderen eine Warnung zu: �Pa�t auf, Cheyenne Charlie ist verr�ckt geworden!�</p><p>Charles wunderte sich, warum der Soldat das gesagt hatte. Er wollte nichts weiter, als diesem Tiermord Einhalt gebieten, ein absolut vern�nftiger Wunsch.</p><p>�Auf die Seite. Ich k�mmere mich um ihn.� Charles erkannte die Stimme, noch bevor er Harry Venable zu Gesicht bekam; Harry Venable, klein und adrett trotz Hungers und M�digkeit und den M�hen des Gewaltmarsches.</p><p>�Sagen Sie ihnen, sie sollen aufh�ren, Venable.�</p><p>�Sie dreckiger, verr�ckter Idiot, wir f�hren die Befehle des Generals aus.�</p><p>Charles ballte die H�nde zu F�usten, schlug durch die Luft und kreischte jetzt wirklich los, weil das die einzige M�glichkeit schien, Venables einstudierte Rede zu durchbrechen. �La�t sie laufen. La�t sie laufen. Stoppt das Morden!�</p><p>Venable hob eine Hand. Sein makelloser, leicht einge�lter Colt mit dem Elfenbeingriff gl�nzte einen Fu� von Charles' Brust entfernt. Die Gewehre und Revolver feuerten ihre Salven ab; es klang, als w�rden Steine auf ein Wellblechdach geworfen. Der Gestank wurde st�rker. Mehr als ein Soldat wandte sich ab und �bergab sich.</p><p>Erbrochenes flog auf Venables rechten Stiefel, der bereits schlammverschmiert war. Der Spritzer brachte ihn auf. Er schlug Charles den Revolver ins Gesicht und ri� ihn nach unten; das Korn schnitt in Charles' Wange wie ein stumpfes Messer.</p><p>�Und jetzt verschwinden Sie, Main.�</p><p>Charles starrte ihn an, dann die sterbenden Pferde, dann wieder ihn. Er sprang ihn an - ein Fehler, denn Venable war darauf vorbereitet. �Haltet ihn�, schrie Venable den Soldaten zu, w�hrend sein Knie Charles zwischen den Beinen traf; ein ungeschickter Sto�, aber wirkungsvoll. Benommen vor Schmerz versuchte Charles nach Venable zu schlagen, aber er war zu langsam. Zwei Kavalleristen packten ihn an den Armen und rissen ihn zur�ck.</p><p>Venables blaue Augen funkelten. In seiner besten, sanftesten Kentucky-Stimme begl�ckw�nschte er die Soldaten: �Sehr gut, Sirs. Und jetzt haltet ihn fest.�</p><p>Er steckte seine Waffe weg und trat nahe an Charles heran. Dann schlug er ihm mit voller Wucht in den Magen. F�r einen so kleinen Mann war er sehr stark. Langsam kam Charles' Kopf hoch. Mit wilden Augen spuckte er Venable an, der sich den Speichel abwischte und Charles erneut zwischen die Beine schlug. Dann h�mmerte er eine Rechte an Charles' Kopf. Blut spritzte aus Charles' Nase. Er ging zu Boden, ohne etwas dagegen tun zu k�nnen.</p><p>Ein umfassendes Gef�hl der Niederlage h�llte ihn ein. Er mu�te aufstehen. Zur�ckschlagen. Er konnte es nicht; es war wie bei Jefferson Barracks.</p><p>Venable stand neben Charles, den Revolver auf ihn gerichtet. Trotz des L�rms der Waffen und der Pferde h�rte Charles, wie der Revolver gespannt wurde. Venable zielte auf sein Ohr.</p><p>�Sir�, sagte ein Soldat, �Sir, er ist erledigt. Griffenstein hat mir mal erz�hlt, da� er es nicht ertragen kann, wenn Pferde verletzt werden. Das T�ten ...� Charles konnte nicht sehen, welcher junge Soldat da gesprochen hatte, doch er sah Venables funkelndes Starren und h�rte, wie der energische Tonfall des Jungen dahinschwand, als er mit einem W�rgen hinzuf�gte: �Sir.�</p><p>Charles wu�te, da� er im n�chsten Moment get�tet werden w�rde. Er beobachtete, wie Venable sich nach Zeugen umblickte, von denen Charles nichts weiter als die blutbespritzten Stiefel sehen konnte. Venable z�gerte. Damit w�rde er nicht durchkommen.</p><p>�Schnappt euch den Hundesohn�, sagte er und rammte seinen Colt in das Halfter. �Du - und du. Stellt ihn auf die Beine, den verdammten Verr�ter. Darum soll sich der General k�mmern.�</p></section><section><title><p id="bookmark69"><strong>53</strong></p></title><p>Die beiden Soldaten schleppten ihn auf die Pappeln zu, wo ein neues Feuer nahe der Generalsstandarte entz�ndet worden war, um die allm�hlich hereinbrechende Dunkelheit aufzuhellen und W�rme zu spenden. Der Zorn, der in Charles getobt hatte, l�ste sich fast so schnell wieder auf, wie er gekommen war, und lie� ihn mit schmerzendem K�rper und dem vagen Bewu�tsein zur�ck, da� er versucht hatte, die Schl�chterei zu stoppen. Eine traurige Endg�ltigkeit senkte sich �ber ihn; er wu�te endlich, was er tun wollte. Nein, st�rker noch, was er um jeden Preis tun mu�te.</p><p>General Custer, der jugendlich und trotz seiner verschmutzten Uniform irgendwie flott und verwegen wirkte, war �ber die St�rung durch Venable ver�rgert. Er hatte sich mit California Joe unterhalten, der gerade sagte: �Nein, Sir, ich kann bis jetzt Sergeant Major Kennedy nicht finden.�</p><p>Custer wandte sich von dem lodernden Feuer ab; sein rechtes Knie war leicht gebeugt, seine linke Hand ruhte am S�belgriff. Stets schien er sich seiner Pose bewu�t zu sein.</p><p>�Was gibt's, Captain Venable? Schnell. In weniger als einer Stunde will ich abmarschieren.�</p><p>�Sir, dieser Mann, dieser verdammte Rebell, hat versucht, Ihre M�nner an ihrer Pflichterf�llung zu hindern. Er hat versucht, unsere Arbeit bei der Ponyherde zu verhindern.�</p><p>�Ihre Schl�chterei�, sagte Charles.</p><p>�Ihre zarten Empfindungen wehren sich dagegen, Mr. Main?� Custer kam auf Charles zu, sprach ihn an, als w�re sein eines Auge nicht zugeschwollen, als w�rde ihm kein Blut von der Wange tropfen und Rotz aus der Nase laufen. �Sie ziehen es vor, da� wir den Wilden gesunde Pferde zur�cklassen, damit sie sie im Fr�hjahr reiten und weitere Grausamkeiten begehen k�nnen? General Sheridan hat mir die Aufgabe �bertragen, die Cheyenne und Arapahoe zu bestrafen.�</p><p>�Schwarzer Kessel war ein Friedensh�uptling.�</p><p>�Das spielt keine Rolle. Meine Aufgabe ist es, diese Bedrohung des wei�en Volkes auszurotten.� Warum redete er so viel, fragte sich Charles. Vor wem rechtfertigte er seine Handlungen? Vor einem sch�bigen Scout mit fragw�rdigem Hintergrund hatte er das nicht n�tig. Trotz seiner Schmerzen sp�rte Charles ganz deutlich, da� sich Custer im klaren dar�ber war, was ihm der heutige Tag angetan hatte; ein Gesp�r daf�r, da� er sich bereits auf der Flucht befand. �Diese meine Pflicht habe ich heute erf�llt. Nur der totale Krieg wird den Frieden in die Pr�rien bringen.�</p><p>�Vielleicht, aber ich will damit nichts mehr zu tun haben.�</p><p>�Was? Was sagen Sie da?� Custer war �berrascht; seine blauen Augen schauten verwirrt, dann wieder �rgerlich drein.</p><p>�Ich sagte, mit Ihrer Art von Krieg will ich nichts mehr zu tun haben. Ich h�tte nicht anheuern sollen.�</p><p>�Wir h�tten Sie nicht nehmen d�rfen�, schlug Custer zur�ck. California Joe sah aus, als w�rde er jeden Moment im Boden versinken.</p><p>Charles setzte alles auf eine Karte. �Ich verabschiede mich. Wenn Sie mich aufhalten wollen, m�ssen Sie mich schon erschie�en. Oder jemandem den Befehl dazu geben.�</p><p>Venable sagte: �Ich w�re gern bereit zu ...�</p><p>�Seien Sie still!� schrie Custer. Sein Atem ging schnell, sein Gesicht war r�ter, als Charles es je zuvor gesehen hatte. �Ihr Vorschlag scheint mir etwas �berhastet, Mr. Main. Ich kann Sie sehr wohl erschie�en lassen. Zeugen Ihres rebellischen Betragens werden die Notwendigkeit bekunden .�</p><p>�Sie haben gen�gend �rger am Hals.� Das Blut in Charles' Bart formte einen Tropfen, der in den Schnee zwischen seinen Stiefeln fiel. Er versuchte die Ger�usche der regelm��igen Sch�sse und der sterbenden Pferde nicht zu h�ren. �Ich sah, wie Mrs. Blinn erschossen wurde. Ich sah, wie ihr Sohn erschossen wurde.�</p><p>�Ich habe es aus zuverl�ssiger Quelle, da� die Cheyenne die Frau ermordet haben.�</p><p>�Ihre M�nner haben die Frau erschossen. Das habe nicht nur ich, das haben auch andere gesehen.�</p><p>�Wir haben keinerlei Beweise, da� es sich bei der wei�en Frau um die entf�hrte Mrs. Blinn aus ...�</p><p>�Ich h�rte ihren Namen. Andere auch.� Charles stie� Custer weiter und weiter. Der Boy General geriet f�r einen Augenblick in Panik; Charles sah es an seinen leuchtenden blauen Augen. �Sie werden das nicht als Schlacht, sie werden es als Massaker bezeichnen. Babys mit Kugeln in den K�pfen. Frauen, von Soldaten der Vereinigten Staaten skalpiert. Eine wei�e Gefangene und ein Friedensh�uptling, ein alter Mann, ermordet. Keine sonderlich h�bsche Episode in einer Wahlkampfbiographie, meinen Sie nicht auch, General?�</p><p>George Custer trat einen halben Schritt zur�ck; das sagte alles.</p><p>Venable spuckte fast vor Frustration. �General Custer, niemand wird einem Mann glauben, der zweimal gelogen hat, um in die Armee zu kommen.�</p><p>Charles nickte. �Das ist richtig. Ich bin auch nicht daran interessiert, mit Zeitungsleuten zu reden, mit Mr. Keim oder sonst jemandem. Ich bin nicht daran interessiert, mich an jemandem zu r�chen. Zu lange schon bin ich dieser F�hrte gefolgt, und wohin hat es mich gebracht?� Niemand verstand, was er damit meinte.</p><p>Der Blick seiner brennenden Augen bewegte sich �ber das zerst�rte Dorf, �ber die Asche des gro�en Feuers, �ber den schrecklich bebenden Haufen toter und sterbender Pferde. �Heute morgen mu�te ich einen Jungen t�ten. Keinen Mann, einen Jungen. Ich werde ihn bis zu meinem Tod in meinen Alptr�umen sehen. Genau wie diesen obsz�nen Ort hier. Ich habe diese Armee satt. Ich habe Soldaten wie Sie satt, die in Ihrem Ehrgeiz �ber Leichen gehen. Und jetzt erschie�en Sie mich, oder lassen Sie mich gehen, Sie elendes Zerrbild eines menschlichen Wesens.�</p><p>Venable trat dazwischen, holte aus, um Charles die Faust auf den Kopf zu schlagen. �Lassen Sie ihn in Ruhe�, sagte Custer. Venable ri� es bei dem scharfen Befehl f�rmlich herum. Custer wischte sich �ber den Mund. �Lassen Sie ihn gehen. Wir haben schon genug zu erkl�ren.�</p><p>�General. Sie k�nnen doch nicht zulassen ...�</p><p>�Zum Teufel mit Ihnen, Captain Venable, halten Sie den Mund. Mr. Main!� Custer wedelte mit einem Finger vor Charles' Nase herum; seine Z�hne knirschten, als h�tte er die Kontrolle �ber sie verloren. �Ich gebe Ihnen f�nf Minuten, um �ber den Washita zu kommen. Wenn Sie in f�nf Minuten nicht n�rdlich des Flusses sind, dann lasse ich Sie von einem Trupp verfolgen und erschie�en. Sie sind eine Schande f�r die Armee und eine Schande f�r alle M�nner. Abtreten, Sir.�</p><p>�Jawohl, Sir!� Charles gab den Worten Gewicht, zog sie in die L�nge. �General - Custer.�</p><p>Einen gef�hrlichen Augenblick lang starrten sie sich an. Dann, wie zwei B�ren, die sich bis zur Ersch�pfung bek�mpft hatten, wandten sie sich beide gleichzeitig ab und gaben den Kampf auf.</p><p>Little Harry Venable gab nicht auf. Er folgte Charles zwischen den B�umen hindurch, was Charles mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis nahm. Custers Entscheidung hatte den Mann aus Kentucky zu so etwas wie einem kleinen Jungen gemacht, der es nicht mehr wagte, seine F�uste zu gebrauchen, sondern nur noch Schm�hungen aussto�en konnte. �Es ist ein langer Weg bis Fort Dodge. Hoffentlich erwischen dich die Wilden.� Das werden sie wahrscheinlich, dachte Charles. �Ich hoffe, sie schneiden dir das Herz bei lebendigem Leibe heraus.�</p><p>Charles stoppte. Venable atmete tief durch. Charles starrte ihn mit einem verzerrten Grinsen an. �Du hoffnungsloser kleiner Haufen Schei�e. Mein Krieg ist vorbei.�</p><p>�Was?�</p><p>Er drehte sich um und ging weiter. Er wu�te, da� Venable niemals seine Waffe ziehen w�rde.</p><p>Er fand Satan, band ihn los, t�tschelte ihn und schwang sich in den Sattel. Es mochte so gegen vier Uhr sein, doch der Novembernachmittag war stark bew�lkt und ungew�hnlich finster. Im Trab ritt er aus dem Cheyenne-Dorf hinaus; jede Bewegung des Schecken tat ihm weh. Das Fleisch um sein linkes Auge war aufgequollen, sein Blickfeld bis auf einen schmalen Schlitz eingeengt. Bei dem Ri� in seinem Gesicht konnte er nur warten, bis das Blut gerann. An dem Flu�, wo das Siebte Regiment auf Elliott gesto�en war, konnte er die Wunde auswaschen - falls er je soweit kam.</p><p>�ber die offene Fl�che kam ein Indianer auf ihn zu. Charles zog die Z�gel, griff nach der Spencer. Dann erkannte er einen der Osage-F�hrtensucher. Die Leggings des Indianers waren durchn��t. Stolz zeigte er, was er in der Hand hielt.</p><p>�Skalp von Schwarzer Kessel. In tiefes Wasser gesto�en. Er bald schlechtes Fleisch.�</p><p>�Du Bastard�, sagte Charles und ritt weiter.</p><p>Er durchquerte den Washita. Das Wasser reichte bis an seine Oberschenkel. Satan reckte den Kopf hoch. Als sie auf der anderen Seite waren, zitterte Charles, und seine Z�hne klapperten. Eine ferne Trompete blies zum Abmarsch. Mit geschlossenen Augen konnte er sich vorstellen, wie sich die verschiedenen Einheiten von Custers Kommando formierten.</p><p>Alle Indianer befanden sich nun flu�abw�rts; vielleicht war es auch nur so finster, da� er sie auf den Klippen nicht mehr sehen konnte. Als er �ber den Kamm ritt, von wo aus sie ihren Angriff gestartet hatten, h�rte er Custers Kapelle spielen. Er kannte das Lied aus dem Krieg. &gt;Ain't I Glad to Get Out of the Wilderness.&lt; (Ich bin so froh, aus der Wildnis hinauszukommen.)</p><p>Nein, er war nicht froh. Eine verheerende Wahrheit hatte ihn w�hrend der eisigen Flu�durchquerung �berfallen. Er geh�rte nicht mehr nach South Carolina. Er geh�rte nicht nach Kansas, wo er vielleicht Gem�se oder Milchk�he z�chten konnte. Und er geh�rte nicht in die US-Armee, so sehr er auch einige der M�nner mochte, die er im Zehnten Regiment kennengelernt hatte. Was die Soldaten zu tun hatten, war falsch. Vielleicht waren sie als Einzelpersonen keine Misset�ter, doch in der Masse schon. Er hatte gedacht, er k�nne das ertragen, was die Armee tun mu�te. Er hatte sich eingeredet, das sei n�tig, um Jackson zu r�chen. Und er hatte den weiten Weg bis an den Washita zur�ckgelegt, um herauszufinden, da� er sich im Irrtum befand. F�r ihn war auf der ganzen Welt kein Platz.</p><p>Pferd und Reiter wurden kleiner und kleiner, verschwanden in den Schneefeldern und der Dunkelheit des Indianerterritoriums.</p><p>Hauptquartier Siebte US-Kavallerie Washita River, Im Feld 28. November 1868</p><p>In der Erregung des Kampfes, ebenso wie in Selbstverteidigung, geschah es, da� einige der Squaws und Kinder verwundet oder get�tet wurden .</p><p>Eine wei�e Frau wurde im Moment unseres Angriffs von ihren Entf�hrern ermordet .</p><p>Der verzweifelte Charakter des Kampfes mag der Tatsache entnehmen zu sein, da� nach der Schlacht die Leichen von achtunddrei�ig Kriegern in einer kleinen Schlucht nahe des Dorfes, wo sie sich verschanzt hatten, gefunden wurden .</p><p>Nun habe ich die Verluste meines eigenen Kommandos zu melden.</p><p>Mit tiefem Bedauern mu� ich unter den Get�teten Major Joel H. Elliott und Capt. Louis W. Hamilton anf�hren sowie neunzehn Mannschaftsdienstgrade .</p><p>Auszug aus einem Report an</p><p>GENERAL SHERIDAN</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Dezember 1868. Custers Sieg �ber die Indianer macht immer noch Schlagzeilen. Ein Redakteur dichtet ihm den Mut eines L�wen an, ein anderer schreibt ver�chtlich �ber ihn, weil er Krieg gegen Un-schuldige&lt; f�hrt. Ich mag ihn nicht, ohne ihn je kennengelernt zu haben. Ich habe noch nie M�nner gemocht, die sich wie Pfauen aufspielen</emphasis> ...</p><p>... <emphasis>Zwei erm�dende Tage vor�ber. Mu�te endlos l�cheln, endlose Erkl�rungen abgeben, wie Mont Royal vor drei Jahren dem Ruin entronnen ist. Acht Kongre�mitglieder waren auf &gt;Inspektionstour&lt; hier (scheint sich dabei mehr um Ferien zu handeln - drei brachten ihre Frauen mit, die sich fast ebenso wichtigtuerisch auff�hrten wie ihre Ehem�nner). Der Mann, dem gegen�ber sich alle anderen ehrerbietig verhalten, Mr. Stout vom Senat, schwingt sich sogar bei beil�ufigen Gespr�chen zu gro�en Reden auf. Mir gefielen weder sein glattes Benehmen noch das Tempo und die Sicherheit, womit er Meinungen anzubieten hat - ja zu diesem, nein zu jenem, wobei ohne jedes Nachdenken in jeder Bemerkung radikale Politik zum Ausdruck kommt.</emphasis></p><p><emphasis>Was den Grund f�r den Besuch anbelangt, so vermute ich, da� M.R. allm�hlich den Ruf eines Vorzeigeobjekts bekommen hat, denn die Washingtoner inspizierten in erm�dender Weise alles und jedes: Phosphatfelder, S�gem�hle, Drill�bungen unserer Bezirksmiliz, die Andy kommandiert. Senator Stout sa� eine Stunde lang da, wie ein Sch�ler in Prudence Chaffees Klasse, nachdem er daf�r gesorgt hatte, da� zwei Journalisten aus seinem Begleittro� jede seiner Bemerkungen mitschrieben. Die Pest �ber alle Politiker.</emphasis></p><p><emphasis>Nicht gerade angenehm, da� die Radikalen sich die Plantage ausgesucht haben. Wir versuchen jede Aufmerksamkeit zu vermeiden und den f�r gew�hnlich damit verbundenen Arger...</emphasis></p><p><emphasis>Wieder steht ein einsames Weihnachtsfest vor der T�r. Bretts Brief aus Kalifornien dr�ckte �hnlich melancholische Gef�hle aus. Mit Billys Firma steht alles zum besten, sagt sie. Das Baby Clarissa ist vier Monate alt und bl�ht und gedeiht. Seit Mai von G. in der Schweiz keine Nachricht mehr. Das l�st gro�e Besorgnis aus ...</emphasis></p><p>George speiste zu seiner gewohnten Zeit um halb zwei. Das Palace war eines der besten Hotels von Lausanne und pflegte eine hervorragende K�che. Als Stammgast hatte er bei sch�nem Wetter seinen eigenen kleinen Tisch auf der Terrasse nahe dem Marmorgel�nder. Jetzt, da der Winter die Touristen aus der Schweiz vertrieben hatte, war er an einen Tisch im Inneren neben einem hohen Fenster umgezogen, von dem aus er die gleiche Terrasse �berschauen konnte. Von dem Fenster aus konnte er �ber den Stadtkern hinweg den Genfer See sehen, wo einer der schmucken kleinen Dampfer auf das S�dufer zustrebte. Die blasse Sonne stand schon ziemlich tief.</p><p>Ein paar abgestorbene Bl�tter wirbelten �ber die Terrasse. Er beendete seine Mahlzeit, eine ausgezeichnete Hummerterrine, leerte eine Flasche Wein, einen k�stlichen Montrachet, und verlie� den Tisch. Er durchquerte den Speisesaal und wechselte dabei einige h�fliche Worte mit drei Schweizer Bankiers, die hier regelm��ig a�en und auf ihn als Stammgast aufmerksam geworden waren.</p><p>Sie stellten h�ufig Spekulationen �ber den Amerikaner an. Sie wu�ten, da� er sehr reich war. Sie wu�ten, da� er mit Ausnahme der Dienerschaft allein in einer weitl�ufigen, ziemlich d�steren Villa auf den Jorat-H�hen lebte, von wo aus man einen gro�artigen Blick auf die Stadt hatte. Sie fragten sich, was ihm wohl zugesto�en sein mochte.</p><p>Sie sahen einen untersetzten kleinen Mann in den mittleren Jahren vor sich - George hatte seinen dreiundvierzigsten Geburtstag gehabt - mit wei�en Str�hnen in seinem sauber gestutzten dunklen Bart. Seine Haltung war sehr korrekt, und doch machte er einen niedergeschlagenen Eindruck. Mit nerv�sen Bewegungen rauchte er eine Menge starker Zigarren, die meisten nur zur H�lfte. Er schien alles zu besitzen und trotzdem zu leiden. Er war, anders als die meisten seiner Landsleute, die Lausanne besuchten, unnahbar. Die Touristen quatschten endlos; seine w�rmste Begr��ung bestand aus wenigen Worten.</p><p>Hatte seine Frau ihn verlassen? Hatte es irgendeinen Skandal gegeben? Ah, vielleicht war es das. Er besa� eine gewisse �hnlichkeit mit gravierten Portr�ts des neuen amerikanischen Pr�sidenten, General Grant. Konnte er ein in Ungnade gefallener Verwandter im Exil sein?</p><p>Es w�rde sein Geheimnis bleiben. Gentlemen schn�ffelten nicht.</p><p>An der T�r des Speisesaals unterhielt sich George kurz auf franz�sisch mit dem Oberkellner, gab ihm Trinkgeld, nahm Stock, Hut und Pelzmantel an sich und durchquerte die Lobby. Eine Erbin aus Athen, eine atemberaubende Frau mit olivfarbe-ner Haut, sehr teuer gekleidet, bemerkte ihn und hielt den Atem an; sie war erst vor kurzem Witwe geworden. W�hrend ein Tr�ger ihr Gep�ck sortierte, versuchte sie den Blick dieses imposanten Fremden einzufangen. Er bemerkte sie, ging aber weiter. Sie hatte das Gef�hl, als h�tte sie in einen verschneiten Teich im Herzen eines Winterwaldes geschaut. Dunkles Wasser und K�lte.</p><p>George ging die abfallende Stra�e hinunter zum B�ro des Immobilienmaklers, das direkt hinter der herrlichen gotischen Kathedrale von Notre Dame lag. Dort holte er die w�chentliche Post ab und marschierte in flottem Tempo wieder den H�gel hoch. Er brauchte mehr als eine Stunde bis zur Villa, aber es war seine einzige T�tigkeit in diesen Tagen, und er zwang sich dazu.</p><p>Die Villa besa� ebenfalls eine Terrasse, die man von einem h�bschen Arbeitszimmer aus �berblicken konnte. In dem Marmorkamin brannte bereits ein Feuer. Er zog sich einen Stuhl neben eine B�ste von Voltaire - Lausanne hatte zu seinen Lieblingsst�dten geh�rt - und ging die Post durch. Mit den beiden letzten Nummern der &gt;Nation&lt;, eines republikanischen Wochenmagazins, das '65 von Edwin Lawrence Godkin ins Leben gerufen worden war, fing er an. Das Magazin trat f�r eine ehrliche Regierung und b�rokratische Reformen ein. George strich einen Artikel an, den er sp�ter lesen wollte. Es ging darin um eine R�ckkehr zum Goldstandard als Heilmittel gegen die inflation�re Papierw�hrung, die w�hrend des Krieges in Umlauf gebracht worden war. Hartes gegen weiches Geld war ein leidenschaftliches Thema in seinem Heimatland.</p><p>Dann entfaltete er den dreiseitigen Bericht von Christopher Wotherspoon. Die Profite der Hazard-Eisenwerke waren erneut gestiegen. Sein Verwalter empfahl umfangreiche politische Spenden an jene Kongre�abgeordneten und Senatoren, die f�r umfassende Schutztarife f�r die Eisen- und Stahlindustrie eintraten. Er wollte das von George absegnen lassen.</p><p>Dann war da ein ziemlich trauriger Brief von Patricia, im September geschrieben, in dem sie sich nach seinen Weihnachtsw�nschen erkundigte. Ihm fiel nichts ein. Seine Kinder waren im Sommer nach Europa gekommen, doch ihr Besuch den ganzen Juli �ber war ihm endlos erschienen und, wie er vermutete, ihnen auch, da er sich f�r keinerlei Aktivit�ten interessierte. Eine Woche lang hatten sie sich etwas umgeschaut und dann jeden Tag stundenlang Rasentennis gespielt.</p><p>Jupiter Smith, der die w�chentliche Post zusammenpackte, hatte noch drei Exemplare von Mr. Greeleys &gt;New York Tri-bune&lt; mit angekreuzten Nachrichten aus der Finanzwelt hinzugegeben. Au�erdem war da noch eine kunstvoll beschriftete Einladung zu einem republikanischen Fest zur Feier von Grants Inauguration im M�rz und eine weitere Einladung zur Inauguration selbst. George warf beide ins Feuer.</p><p>Er schnitt eine seiner kubanischen Zigarren an, deren Import ihn fast sieben Dollar pro St�ck kostete, obwohl er auf solche Dinge l�ngst nicht mehr achtete. Er z�ndete die Zigarre an und stellte sich ans Fenster. Unterhalb der bezaubernden Stadt sah er einen wei�en Dampfer, der am sp�ten Nachmittag zur�ckkehrte. Von den Jorat-H�hen aus war er nichts weiter als ein kleiner Punkt, so wie er selbst auch.</p><p>Er dachte an Orrys Witwe, eine h�bsche, intelligente Frau. Er hoffte, da� Madeline die politischen St�rme im S�den durchstehen konnte. Er sp�rte einen Drang zu schreiben oder nachzuforschen. Er dachte an seinen eigenen Sohn William und dessen Entscheidung, Jura zu studieren; es war ihm mehr oder weniger gleichg�ltig. Er dachte an Sam Grant, einen Bekannten aus Kadettenzeiten, und fragte sich, ob er einen guten Pr�sidenten abgeben w�rde, da er �ber keine praktischen Erfahrungen verf�gte. Wahrscheinlich w�rde er versuchen die Regierung wie ein milit�risches Hauptquartier zu f�hren. Konnte das gutgehen? Mit einem leichten Schamgef�hl stellte er fest, da� ihn die Antworten im Grunde gar nicht interessierten, wenn es um Zukunftsfragen seines Landes ging.</p><p>Der Dampfer auf dem See war verschwunden. George blieb noch eine Weile am Fenster stehen, rauchte und starrte auf die gl�nzende Wasseroberfl�che. Er hatte festgestellt, da� es sehr angenehm war, nichts zu tun, nichts zu sagen, auf nichts zu reagieren; oder zumindest von allem so wenig wie m�glich zu tun, eben nur gerade das, was lebensnotwendig war. Auf diese Weise verfiel man zwar der Apathie, konnte aber auch nicht verletzt werden.</p><p><emphasis>Mr. Lee aus Savannah hat die endg�ltigen Pl�ne gebracht. Jetzt ist wieder genug Geld da. Die Arbeit wird gleich im neuen Jahr beginnen. Orry, es bricht mir das Herz, da� du nicht hier bist, um zu sehen .</emphasis></p><p><emphasis>Theo wieder hier, in Zivil. Eine nerv�se Unrast liegt �ber ihm.</emphasis></p><p><emphasis>�ber Marie-Louise auch.</emphasis></p><p>Vor jeder Beobachtung sicher, umarmte sich das Liebespaar in der kalten Abendluft im dichten Geb�sch, das dort wucherte, wo fr�her der richtige Garten gewesen war. Marie-Louise w�re beinahe in Ohnmacht gefallen, als Theos Zunge in ihren Mund glitt. Sie war erschrocken, zuckte aber nicht zur�ck. Sie schlang ihre H�nde hinter seinen Nacken und lehnte sich zur�ck, so da� sein Gewicht sich auf eine k�stlich s�ndige Weise gegen sie pre�te. Theos Lippen streiften �ber ihre Wange, ihre Kehle. Seine H�nde glitten an der Seite ihres Kleides auf und ab.</p><p>�Marie-Louise, ich kann nicht l�nger warten. Ich liebe dich.�</p><p>�Ich liebe dich auch, Theo. Ich bin genauso ungeduldig wie du.�</p><p>�Ich habe die L�sung gefunden. Sagen wir es ihr.�</p><p>�Heute abend?�</p><p>�Warum nicht? Sie wird uns helfen.�</p><p>�Ich wei� nicht. Es ist solch ein gewaltiger Schritt.�</p><p>Sehr ernst und liebevoll nahm er ihre rechte Hand zwischen die seinen. �Ich habe alles auf South Carolina gesetzt. Und auf dich. Wenn du dir genauso sicher bist, gibt es keinen Grund zu warten.�</p><p>�Ich bin mir sicher. Aber ich habe auch Angst.�</p><p>�Ich werde f�r uns beide sprechen. Du brauchst dich nur an meiner Hand festzuhalten.�</p><p>Marie-Louise hatte das Gef�hl, als w�rde sie durch einen gewaltigen, dunklen Raum st�rzen auf - ja, auf was zu? Auf etwas, das sie sich nur in ihrer Phantasie vorstellen konnte. Es w�rde Gl�ckseligkeit oder eine Katastrophe sein. Sie schwankte, und Theo st�tzte sie mit einer Hand, erheitert von ihrer m�dchen-haften Romantik, jedoch auch gleichzeitig verliebt in die Art und Weise, wie sie sich gab. Sie fl�sterte: �Also gut, sagen wir's ihr.�</p><p>Er jubelte auf und wirbelte sie an der Taille herum. Einen Augenblick sp�ter eilten sie �ber den dunklen Rasen auf das erleuchtete, wei�get�nchte Haus zu.</p><p>�Sie wollen Ihr Offizierspatent aufgeben?� fragte Madeline erstaunt.</p><p>�Ja. Ich habe meine Vorgesetzten gestern von meiner Absicht in Kenntnis gesetzt.�</p><p>W�hrend Theo sprach, stand Marie-Louise halb versteckt hinter ihm und klammerte sich an seine Hand, als w�re sie eine Rettungsleine. Das junge Paar war ins Haus geplatzt, gerade als Madeline die Baupl�ne auf dem Boden ausgebreitet hatte, um Prudence Einzelheiten des neuen, gro�en Hauses zu zeigen. In der Ecke lagen einige frischgeschnittene, als Weihnachtsdekoration gedachte Pinienzweige.</p><p>�Ich bin zu meiner Entscheidung auf der Basis von zwei Umst�nden gelangt�, sagte Theo mit einer Formalit�t, die sie zum L�cheln gebracht h�tte, w�re sein Plan nicht so umst�rzlerisch gewesen. �Erstens sagten Sie, Sie h�tten hier vor�bergehend Arbeit f�r mich.�</p><p>�Ja. Ich glaube, Sie w�rden einen ausgezeichneten Manager f�r die M�hlen- und Sch�rfarbeiten auf Mont Royal abgeben. Aber es war niemals meine Absicht, dadurch etwas heraufzubeschw�ren.�</p><p>�Das haben Sie auch nicht�, unterbrach er sie. �In erster Linie scheide ich aus dem zweiten Grund aus der Armee aus.� Er trat einen Schritt vor, platzte heraus: �Letzte Woche ...�</p><p>�Theo!� Sie zeigte auf den Boden. �Verzeihen Sie mir, aber Sie stehen auf dem neuen Mont Royal.�</p><p>�Oh nein! Es tut mir so leid!� Er sprang zur�ck, lie� MarieLouises Hand los und kniete nieder, um die Knitter glattzustreichen, die sein Stiefel auf der Zeichnung hinterlassen hatte. Prudence l�chelte. Madeline schalt sich selbst wegen ihrer Kleinlichkeit; ein weiteres Alterszeichen.</p><p>�So. Ist es wieder in Ordnung?�</p><p>�Ja. Es ist ja nichts passiert. Sie erw�hnten einen zweiten Umstand, der Ihre Entscheidung beeinflu�t h�tte.�</p><p>Er schluckte und wagte dann den Sprung ins kalte Wasser.</p><p>�Ich habe einen Armeekaplan in Savannah aufgetrieben, der bereit ist, uns zu trauen.�</p><p>Marie-Louise h�rte auf zu atmen. Sie griff wieder nach Theos Hand und hielt sie fest. Die vier Lampen im Zimmer warfen ein schonungsloses Licht auf Madelines h�bsches, aber zerfurchtes Gesicht. �Obwohl Marie-Louise das legale Alter noch nicht erreicht hat?�</p><p>Er nickte, zupfte erst an seiner Krawatte und dann an seinem Schnurrbart. �Ja. Der Kaplan - nun, er mag Rebellen nicht besonders. Ich habe ihm erz�hlt, da� Mr. Main im Marineministerium der Konf�deration gewesen war, und das reichte schon.�</p><p>Madeline lehnte sich stirnrunzelnd zur�ck. �Ihr habt mich in eine sehr unangenehme Lage gebracht. Eine derartige Herausforderung Coopers - und Judiths - kann ich nicht unterst�tzen.�</p><p>�Wir bitten Sie nicht, uns zu unterst�tzen�, fing Theo an.</p><p>�Gib uns nur einen Tag oder zwei�, bat Marie-Louise. �Sag Papa nichts, bis wir wieder zur�ck sind. Theo wird dann mit ihm reden.�</p><p>�Damit h�tte ich mich trotzdem mit euch verb�ndet, um ihn zu t�uschen.�</p><p>�Sagen Sie, Sie h�tten von nichts gewu�t�, entgegnete Theo.</p><p>�Marie-Louise verschwindet, und ich wei� von nichts?� Er erkannte, wie albern sein Vorschlag war, und err�tete. �Nein. Ich mu� darauf vorbereitet sein, einen Teil der Schuld auf mich zu nehmen.� Sie schwieg einen Moment. �Ich glaube nicht, da� mir das gef�llt.�</p><p>Den Tr�nen nahe, eilte Marie-Louise auf sie zu. �Wenn Theo zuerst mit Papa spricht, dann wei�t du genau, da� er nein sagen wird. Er wird nein sagen, bis die H�lle zufriert.�</p><p>�Marie-Louise�, sagte Theo entsetzt. Wohlerzogene M�dchen sagten solche Dinge nicht.</p><p>�Nun, es stimmt jedenfalls. Wenn du uns nicht gehen l��t, Tante Madeline, dann werden wir nie heiraten k�nnen. Niemals.�</p><p>Madeline musterte das Liebespaar. Konnte, durfte sie bei ihrem Nein bleiben? Marie-Louise hatte recht; Cooper w�rde nicht Vernunftgem�� reagieren. Aber wer war sie denn, da� sie beurteilen durfte, ob ihre Liebe aufrichtig und des dauernden Bandes einer Ehe wert war? War ihre erste Liebesaufwallung f�r Orry reif gewesen? Nein, bei weitem nicht.</p><p>�Nun, wahrscheinlich werde ich es bereuen. Aber ich bin nun mal unheilbar sentimental. Ich gebe euch achtundvierzig Stunden.� Prudence klatschte in die H�nde. �Au�erdem k�nnt ihr meinen eleganten Wagen als Brautkutsche ben�tzen�, f�gte sie mit schiefem L�cheln hinzu.</p><p><emphasis>Es ist vollbracht. Wie sie vor Erwartung gl�hten, als sie fortfuhren! Ich hoffe, ihre Liebe wird Theo st�rken, wenn er seinem Schwiegervater gegen�bersteht. Irgendwie werde ich den unvermeidlichen Sturm schon �berstehen. Ganz gleich, unter welchen Umst�nden, in Coopers Augen k�nnte ich ohnehin nicht tiefer sinken ...</emphasis></p><p><emphasis>N�chster Tag. Gegen Mittag haben zwei unserer Schwarzen den ersten Wagen mit Bauholz entladen. Von meinem Platz aus kann ich die Holzst��e sehen. Vielleicht k�nnen wir n�chste Weihnachten in dem neuen Haus feiern.</emphasis></p><p><emphasis>Oh, die Welt kommt wieder in Ordnung.L.</emphasis></p><p>�Ein Yankee-Soldat als Schwiegersohn kommt nicht in Frage!� br�llte Cooper seine Frau an, nachdem der junge Mann sein vorbereitetes Spr�chlein aufgesagt und nach Coopers Beschimpfung entt�uscht und erkennbar bla� das Haus wieder verlassen hatte. �Ich hetze ihm die Beh�rden auf den Hals. Es mu� irgendeine legale M�glichkeit geben, die Sache r�ckg�ngig zu machen.�</p><p>�Eine praktische M�glichkeit nicht�, sagte Judith. �Deine Tochter hat zwei N�chte mit ihm in Savannah verbracht.�</p><p>�Madeline trifft die Schuld.�</p><p>�Niemand hat schuld. Junge Leute verlieben sich.�</p><p>�Nicht mein einziges Kind, nicht mit einem r�uberischen Aasgeier.� Mit den Worten, da� er die Nacht in seinem B�ro verbringen w�rde, st�rmte er hinaus.</p><p>Gegen ein Uhr morgens wurde Judith durch ein Klopfen geweckt. Sie fand Cooper auf der Veranda vor. Zwei Bekannte hatten ihn von der Mills-House-Saloon-Bar heimgeschleppt, wo er den ganzen Abend �ber Bourbon getrunken hatte. Dann hatte er einem Armeemajor gegen�ber einige beleidigende Bemerkungen gemacht; wahrscheinlich h�tte er ihn auch noch angegriffen, wenn ihm nicht pl�tzlich der ganze Whisky hochgekommen w�re.</p><p>Mit einigen Entschuldigungen trugen die Gentlemen Judiths schlaffen und stinkenden Gatten nach oben. Sie folgte mit der Lampe. Sie brachte die Gentlemen hinaus, dann entkleidete sie Cooper und wusch ihn und setzte sich zu ihm, bis er gegen halb drei erwachte. Seine ersten Worte, die er nach einigem Gest�hn von sich gab, trafen sie wie ein Schlag:</p><p>�Soll sie doch in dem dreckigen Bett liegen, das sie sich mit diesem Yankee bereitet hat. Ich werde ihr die T�ren dieses Hauses nicht mehr �ffnen, nie mehr.�</p><p>Tr�nen des Zorns traten in ihre Augen. �Cooper, das geht zu weit. Du treibst deine d�mmliche Parteilichkeit ins L�cherliche. Ich lasse es nicht zu, da� du mich von meinem eigenen Kind trennst. Ich werde sie sehen, wann immer ich will.�</p><p>�Nicht hier!� kreischte er. �Ich werde den Dienern Anweisung geben, denen du besser nicht trotzt. Ich habe keine Tochter mehr.�</p><p>Er schleuderte die Bettdecke beiseite und schlidderte �ber den polierten Boden, um sich ins Becken zu �bergeben. Judith senkte kummervoll den Kopf.</p></section><section><title><p id="bookmark70"><strong>54</strong></p></title><p>Er sa� ganz hinten auf dem Stuhl in der dritten Loge, B�hnenseite rechts. Er hatte den Sitz gew�hlt, um nicht von den B�hnenlichtern erfa�t zu werden. Er wollte, da� sie ihn erst dann sah, wenn es ihm pa�te.</p><p>Sie lag auf dem Diwan auf der B�hne. Das Kissen, mit dem sie erstickt worden war, war zu Boden gefallen. Einmal entdeckte er ein unprofessionelles Zittern ihrer Augenlider. Ihr �ber die Schultern fallendes, silberblondes Haar leuchtete in dem lieblichen Glanz, an den er sich noch erinnerte. Er empfand keinerlei Zuneigung f�r sie. Seine linke Hand tastete nach seinem linken Oberschenkel, als k�nnte die Ber�hrung irgendwie den durchtrennten Muskel wiederherstellen, der es ihm unm�glich machte, in B�hnenduellen richtig zu springen oder romantische Rollen �berzeugend darzustellen.</p><p><emphasis>�Dann mu�t du sprechen von einem, dessen Liebe ...�</emphasis></p><p>Trumps Mohren-Make-up verlief in der Hitze auf der B�hne. Es lief in deutlichen Streifen, so da� sein Gesicht einem Zebrafell �hnelte.</p><p>Obwohl er bis zum Exze� schrie und tobte, war der Beobachter der Meinung, da� er insgesamt eine recht ordentliche Leistung bot. F�r die Provinz war die Produktion sogar ziemlich gut. Das hie�, gut in jeder Beziehung bis auf die Darstellung der Desdemona. Sie hatte ganz offensichtlich einen schlechten Abend.</p><p>Der Mann in der Loge besch�ftigte sich f�r sich selbst �berraschend mit dem Gedanken, da� Trumps &gt;Othello&lt; vielleicht auf passable Weise eine dreiw�chige L�cke im Programm des &gt;New Knickerbocker&lt; f�llen k�nnte. Mit einer neuen Hauptdarstellerin - Mrs. Parker w�rde nicht mehr in der Verfassung f�r einen Auftritt sein, nie wieder. Er schob eine Hand in seine linke Tasche und tastete nach den zu Fingerringen gebogenen Hufn�geln.</p><p><emphasis>�Ich nahm bei der Kehle den beschnittenen Hund und streckte ihn nieder - so.�</emphasis></p><p>Sam Trump durchbohrte sich mit dem B�hnendolch, taumelte in die eine, dann in die andere Richtung, die verkrampfte Hand erhoben, um t�dlichen Schmerz auszudr�cken.</p><p>Es war fast vorbei; noch vier Zeilen. Dann w�rde der wichtige Teil des abendlichen Dramas beginnen.</p><p><emphasis>�. kein anderer Weg als dieser!�</emphasis> schrie Sam und fiel mit ungew�hnlicher Wucht auf Willa. Er knallte auf ihre Rippen, da� ihr die Luft wegblieb und sie beinahe die Augen aufgerissen h�tte. Sie wand sich unter seiner schwitzenden Masse und zischte mit geschlossenen Lippen:</p><p>�Sam, dein Knie!�</p><p><emphasis>�Mir selbst das Leben nehmend, sterbend wegen eines Kusses.�</emphasis> Sein Kopf und sein Oberk�rper hoben sich und knallten ein zweitesmal herab. Sam z�gerte seine B�hnentode gern hinaus.</p><p>Es schien eine endlose Zeitspanne zu vergehen, bis der Vorhang fiel. Unabsichtlich bohrte Sam sein Knie in Willas Bauch, als er sich auf die Beine k�mpfte; die schwarze Farbe tropfte von seinem Kinn. �Bist du krank, meine Liebe? Das war nicht gut heute abend.� Er sprang davon, ohne eine Antwort abzuwarten. �Auf die Pl�tze. Pl�tze einnehmen!�</p><p>Sie nahm ihren Platz in der Reihe ein und verbeugte sich; mit einem Blick �berflog sie das h�chstens zu einem Drittel gef�llte Haus. Sehr armselig, selbst f�r den Januar. Der Vorhang fiel. Sam wartete hoffnungsvoll auf einen zweiten Vorhang, doch der Applaus war bereits verebbt. Die Schauspieler verlie�en die B�hne, ohne gro� miteinander zu reden. Alle wu�ten, da� es keine gute Vorstellung gewesen war. Willa sch�ttelte einfach nur den Kopf in Richtung Sam, gestand damit ihre Schuld ein und schlo� sich dem allgemeinen Exodus an.</p><p>Sie war schon beim Betreten des Theaters schlecht gelaunt gewesen.</p><p>Wenn sie einmal krank war, was selten genug vorkam, dann war schlechte Laune die unvermeidliche Folge davon. Seit drei Tagen litt sie an Magenbeschwerden. Am Abend fror sie und versp�rte einen dumpfen Schmerz in ihrer Mitte; das raubte ihrer Darstellung jegliche Energie und �berzeugung. Sam wischte sich mit seinem bestickten �rmel �ber das Gesicht und jagte hinter ihr her. �Willa, Liebste, wir m�ssen einfach mehr Leben hineinbringen.�</p><p>�Morgen�, unterbrach sie niedergedr�ckt. �Ich versprech's, Sam. Ich wei�, da� ich heute abend schlecht war. Tut mir leid. Ich m�chte gleich ins Hotel. Ich f�hle mich immer noch schrecklich. Gute Nacht.�</p><p>Der bullige Mann mit der grobporigen Knollennase verlie� die Loge und schlug den Seehundskragen seines Mantels hoch, um sein Gesicht zu verbergen. Nicht da� er einen der lauten groben Provinzler, aus denen sich das Publikum zusammensetzte, gekannt h�tte - oder jemand von der Schauspielertruppe, mit Ausnahme der Person, wegen der er hergekommen war.</p><p>Ohne Eile ging er die Treppe hinunter und blieb vor der Schautafel in der Vorhalle stehen. Fotos der K�nstler waren dort angeheftet. Er studierte das Foto, das Mrs. Parker zeigte. Der Name war ihm ger�chtweise in New York zu Ohren gekommen, dann hatte er ihn auf einem zerknitterten Handzettel von Trumps Theater gesehen, den ihm auf seine Bitte hin ein Bekannter mitgebracht hatte. Er hatte die lange Eisenbahnfahrt auf sich genommen, um Nachforschungen anzustellen. Seine Bem�hungen waren belohnt worden.</p><p>Er verlie� die erleuchtete Vorhalle, bog um die Ecke und �berquerte die Stra�e. Der durchtrennte Muskel lie� ihn auf Dauer hinken, was sich auch jetzt an seinem ungeschickten, schwankenden Gang zeigte.</p><p>Im Schlagschatten gegen�ber vom B�hneneingang wartete er. Nebel stieg vom Flu� auf und machte das Licht der Stra�enlaternen diffus. Ein Nebelhorn dr�hnte. Ihm wurde kalt, und er zog ein Paar gelbgef�rbte Handschuhe an. Dann holte er einen flachen Silberflakon aus seiner Innentasche und genehmigte sich einen Schluck Brandy. Die Flasche blitzte im Schein einer Stra�enlaterne auf. Das Licht enth�llte gro�e, in das Metall eingravierte Initialen: C.W. Claudius Wood.</p><p>Willa band ihr Cape zusammen, als sie aus der T�r auf die Olive Street hinauseilte. Sie f�hlte sich schmutzig und elend; baden und dann schlafen, mehr wollte sie nicht. Sie schob ihre H�nde in den Pelzmuff und bog mit klappernden Abs�tzen nach rechts. F�r gew�hnlich wartete sie auf einen der Schauspieler, der sie begleitete. Heute abend war sie zu ungeduldig. Es war eine wirklich miserable Vorstellung und eine miserable Weihnachtszeit gewesen. Nat�rlich hatte sie mitgesungen und Geschenke gemacht und sich am Fest des Ensembles auf der B�hne beteiligt. Doch wann immer sie l�chelte oder vergn�gt plauderte, schauspielerte sie; jede Minute spielte sie eine Rolle.</p><p>Pr�sident Johnsons Weihnachtsgabe f�r die Nation war eine bedingungslose Amnestie f�r alle Konf�derierten gewesen, die bis jetzt noch nicht begnadigt worden waren. Es war ein ganz besonderes Ereignis und kam vielleicht gleich nach der Kapitulation, doch f�r sie hatte es wenig Bedeutung. Ihr stand niemand mehr nahe, der von der Amnestie betroffen worden w�re. Es erinnerte sie lediglich an Charles, und ein Gef�hl bitterer Trauer stieg in ihr auf.</p><p>An der ersten Ecke stoppte sie, sp�rte irgendwie die - die Gegenwart einer Person ganz in ihrer N�he. Sie drehte sich um und musterte die Schatten auf der anderen Stra�enseite. Nichts.</p><p>Sie vernahm m�nnliche und weibliche Stimmen, als die Truppe das Theater einen Block hinter ihr verlie�. Wenn sie tr�delte, holte Sam sie vielleicht ein und hielt ihr wieder einen Vortrag. Also eilte sie weiter; es ging ihr so elend, da� sie kein anderes menschliches Wesen sehen oder sprechen wollte.</p><p>Wood verfolgte sie lautlos in sicherem Abstand. Als sie den Hotelblock erreichte, hielt Willa an und blickte erneut �ber ihre Schulter zur�ck. Wood blieb regungslos neben dem schwarzen Rechteck eines B�ckereifensters stehen.</p><p>Kaum ging sie weiter, da setzte er sich auch wieder in Bewegung. Bei jedem Schritt hinkte er seitlich, ein Kr�ppel, dem die Beweglichkeit und Ausstrahlung fehlten, die ein Hauptdarsteller ben�tigte. Nun, die Schuldige w�rde bald gefa�t sein und die gerechte Strafe erleiden. Durch das d�nne Handschuhleder hindurch dr�ckten sich in seiner Tasche die gefeilten K�pfe der zu Ringen gebogenen Hufn�gel tief in seine Fingerspitzen.</p><p>W�rme, Licht, der vertraute Geruch von staubigem Pl�sch und Spuckn�pfen. Willa war so m�de, da� sie fast taumelte. Sie ging durch die Halle auf die Marmortreppe zu. Ein schl�friger Nachtportier mit einer �ligen Haarlocke wie ein Fragezeichen erhob sich und hielt einen Finger hoch. �Mrs. Parker, ein Gentleman .� Ihr Rock verschwand am ersten Treppenabsatz. Ihre Schuhe knallten scharf auf dem Marmor. �. wartet auf Sie�, beendete er den Satz.</p><p>Selbstbewu�t durchquerte Wood die Halle; in der Hand hielt er den Schl�ssel seines eigenen Zimmers in einem anderen Hotel, so da� der am Marmorschalter lehnende Portier ihn sehen konnte. Der Portier studierte ihn, versuchte sich an ihn zu erinnern, konnte es nicht. Ein Gast, der sich eingetragen hatte, bevor er seinen Dienst angetreten hatte? So mu�te es sein. Einen so stark hinkenden Mann h�tte er nicht vergessen.</p><p>Der Portier drehte das G�stebuch, damit er die Seite mit den verschn�rkelten Unterschriften studieren konnte. Inzwischen hatte Wood bereits die Treppe erreicht. Kaum hatte er den ersten Absatz hinter sich und konnte von der Halle aus nicht mehr gesehen werden, da begann er zwei Stufen auf einmal zu nehmen, wobei er sich am Gel�nder hochzog. Sein Hinken behinderte ihn nicht; es war der Motor, der ihn durch das Halbdunkel nach oben trieb.</p><p>Sie bog nach links in den von Gaslicht erhellten Korridor ein, suchte nach ihrem Schl�ssel. Sie erreichte die T�r, steckte den Schl�ssel ins Schlo� und stellte verbl�fft fest, da� er sich nicht drehen lie�. Sie ber�hrte die T�r, ri� ihre blauen Augen auf. Unversperrt?</p><p>Er streifte die Hufnagelringe �ber Zeige-, Mittel- und Ringfinger seiner behandschuhten Hand und richtete sie so hin, da� die zugefeilten K�pfe der N�gel nach au�en ragten. Er dachte daran, da� er fetzen und rei�en, nicht schlagen mu�te, denn die K�pfe konnten sich genauso leicht durch das Handschuhleder bohren, wie sie ihr Gesicht zerfetzen w�rden.</p><p>Er erreichte den Treppenabsatz, sah sie an der T�r stehen. Schnell ging er auf sie zu und sagte: �Willa.�</p><p>Willa drehte sich um und sah den Mann auf sich zugehinkt kommen. Sie erkannte ihn sofort, obwohl er anders aussah -schwergewichtiger; und seine grobporige Nase war st�rker ger�tet. Er schwankte von einer Seite zur anderen wie eine Kinderpuppe, deren eines Bein besch�digt worden war.</p><p>Dann �berfiel es sie schlagartig. Das &gt;New Knickerbocker&lt;. Der &gt;Macbeth&lt;-Dolch. Sie hatte nicht gen�gend Distanz zwischen sich und ihn gelegt, und sie hatte ihm ein starkes Motiv geliefert, hinter ihr herzujagen: dieses Hinken, das f�r einen Hauptdarsteller t�dlich war. Was sie am meisten entsetzte, als er auf sie zugest�rmt kam, waren seine Augen. Sie waren gnadenlos.</p><p>�Nun�, sagte Wood und hielt vor ihr an. �Meine liebe Mrs. Parker. Meine liebe Desdemona.�</p><p>�Waren Sie im Publikum?�</p><p>Er nickte, leckte sich �ber die Lippen. �Sie waren miserabel, das wissen Sie ja. Ich f�rchte, es war Ihre letzte Hauptrolle. Wenn ich mit Ihnen fertig bin, k�nnen Sie nur noch alte Vetteln spielen.�</p><p>Sie roch seinen Brandy-Atem. Ihr erster Impuls war Flucht, doch Woods Masse und Gr��e sch�chterten sie ein. Bewegte sie sich, so w�rde er sich sofort auf sie st�rzen. Sie suchte den Korridor mit ihren Blicken ab.</p><p>�Nur zu�, sagte Wood am�siert. Er hob den gelben Handschuh, �ber dem er, wie es aussah, einen Ring aus gebogenen N�geln trug, die bl�ulichen K�pfe nach au�en. �Renn doch, schrei. Bevor irgendein Gast aufwacht und uns erreicht, h�ngt dir das Gesicht in Fetzen herunter. Und genau so soll es auch bleiben.� Seine Hand griff nach ihrer Kehle. �Die h�bsche Mrs. Parker. Jetzt ist sie gleich nicht mehr so h�bsch.�</p><p>Willa warf sich gegen die T�r. Sie ging auf, und Willa st�rzte r�cklings in das dunkle Zimmer, das nach verstaubten M�beln roch.</p><p>Wood schwang seine geballte rechte Hand mit den scharfen Nagelk�pfen gegen ihr Gesicht. Irgendein Eindringling, ein Fremder, der sich in dem Alkoven mit dem dunklen Fenster verborgen hatte, st�rzte �ber ihr vorbei. Sie sah ein blitzendes Auge, sah einen vielfarbigen wirbelnden Umhang. Konnte es sein? Als sie den schalen Geruch von kaltem Zigarrenrauch wahrnahm, wu�te sie, da� es so war.</p><p>�Ich h�rte Ihr �berhebliches Gerede drau�en�, sagte er. �Was wollen Sie von der jungen Dame?�</p><p>�Ein Gentleman wartet auf Sie�, hatte der Portier ihr zu sagen versucht. Ein Gentleman <emphasis>wartet.</emphasis> Er mu�te den Portier �berredet oder bestochen haben, damit er ihn mit dem Hauptschl�ssel hineinlie�. �Wir sind alte Freunde. Sie hat nichts dagegen.�</p><p>�Halten Sie sich raus�, tobte Wood, obwohl der Mann mit dem langen Bart in dem Flickenumhang ihn durch den Korridor bis an die Wand zur�ckgetrieben hatte.</p><p>�Charles�, rief sie aus dem Zimmer, �das ist Claudius Wood.�</p><p>�berrascht wandte er den Kopf. �Der Mann aus New York?�</p><p>Woods feuchte Augen traten hervor. In einem kurzen Moment hatte sich die Situation schlagartig ver�ndert. Er wollte nur noch fliehen. Sich auf die Beine k�mpfend, sagte Willa: �Ja. Er mu� mich irgendwie gefunden haben und - pa� auf!�</p><p>Wood schlug mit seiner rechten Faust nach dem Gesicht des Fremden. Obwohl der b�rtige Mann ersch�pft wirkte, war er behende und stark. Er wich dem Schlag seitlich aus, packte Woods ausgestreckten Arm und knallte dessen Faust mit voller Wucht gegen den T�rrahmen. Die gesch�rften Nagelk�pfe zerschnitten das gelbe Leder, schnitten in die Finger wie ein Messer in eine Wurst. Blut spritzte. Charles zog Wood an seinem Mantel heran und verpa�te ihm dann einen einzigen Schlag. Wood rutschte an der Wand herunter und blieb total erledigt auf dem Boden sitzen.</p><p>Der Nachtportier holte zwei Streifenpolizisten. Die Polizisten br�llten die sich im Flur dr�ngelnden G�ste an, brachten sie zum Schweigen, ignorierten ihre Fragen. Der j�ngere Polizist legte Wood Handschellen an; den anderen f�hrte Willa ins Wohnzimmer.</p><p>Der b�rtige Mann gab seinen Namen mit Charles Main an. Noch keine hiesige Adresse. Er war erst heute abend von Westen her in die Stadt geritten.</p><p>�Und Sie sind Mrs. Parker. Meine Frau und ich, wir haben Ihre Darstellung der Desdemona sehr genossen. Es ist ein sch�nes Gef�hl, da� die Kultur auch nach St. Louis gekommen ist�, sagte der �ltere Polizist, ganz verwirrt durch die Gegenwart einer Ber�hmtheit. Willas Aussage �ber Woods Angriff und Motiv mit Charles als Zeugen gen�gte den Polizisten, um sich von Woods Schuld zu �berzeugen. Im Flur murmelte Wood abwechselnd Obsz�nit�ten und tobte dann wieder wie ein Kind, was die Polizisten noch als weiteren Beweis daf�r werteten, da� die junge Frau und ihr b�rtiger Freund die Wahrheit gesagt hatten.</p><p>�Sie werden eine eidesstattliche Aussage unterschreiben m�ssen, Mrs. Parker�, sagte der Polizist. �Sie ebenfalls, Sir. Aber ich bezweifle, da� Sie heute abend noch ausgehen werden, oder?�</p><p>�Und morgen nicht weiter als bis zum Theater�, sagte sie.</p><p>�Kommen Sie zum Revier, sobald es Ihnen pa�t. Wir stellen den Angreifer unter Anklage und sperren ihn bis dahin ein.�</p><p>Und so l�ste sich die Bedrohung durch Wood in nichts auf. Die Polizisten f�hrten ihn ab; sein eleganter Mantel war mit seinem eigenen Blut verschmiert. Charles und Willa blieben in dem verstaubten Wohnzimmer zur�ck. Willa war so fassungslos und so gl�cklich, ihn zu sehen, da� sie am liebsten geweint h�tte.</p><p>�Oh, Charles�, war alles, was sie sagen konnte, ehe sie sich in seine Arme st�rzte.</p><p>Sie hatte noch ein bi�chen Weihnachtswhisky �brig und schenkte ihm ein Glas ein, um ihn aufzuw�rmen. Sie selbst nahm auch einen Schluck; er bes�nftigte den Schmerz in ihrem Magen ein bi�chen. Sie rollte sich auf der kleinen Couch zusammen und versuchte, ihn zum Reden zu bringen; in seinem Gesicht lag ein fremder, gehetzter Zug. �Wo bist du gewesen? Was hast du gemacht?�</p><p>�Ich habe etwas gemacht, das bewies, da� du recht hattest und ich unrecht.�</p><p>�Ich verstehe nicht. Ist dein Sohn ...?�</p><p>�Mit Gus ist alles in Ordnung. Ich mu� sagen, er kennt mich kaum. Ich war drei Tage bei ihm in Leavenworth, dann bin ich hergekommen, um dich zu suchen.� Er nahm ihre Hand. �Ich war im Indianerterritorium, als Scout f�r Custer. Ich mu� dir davon erz�hlen.�</p><p>Eine Stunde lang h�rte sie ihm zu. Es begann zu regnen, ein peitschender Wolkenbruch, der den Nebel vertrieb. Ein seltsamer, kalter Hauch umgab Charles, dachte sie; ein Hauch der fernen Pr�rie und des tiefen Winters, verst�rkt durch den schwachen Duft, den selbst seine stinkende Zigarre nicht �berdecken konnte. Er hatte ein Bad dringend n�tig, und ganz sicher mu�te sein Bart geschnitten werden.</p><p>Der Whisky w�rmte sie beide. Er unterbrach seine Geschichte an der Stelle, wo Custer und seine M�nner die Indianer oben auf den Klippen entdeckten, nachdem sie das Dorf eingenommen hatten. Er sagte, da� er gern mit ihr schlafen w�rde.</p><p>Err�tend sagte sie zu, doch er bemerkte ihr leichtes Z�gern und runzelte die Stirn. Sie erz�hlte ihm, da� sie w�hrend der letzten Tage krank gewesen war und sich immer noch nicht erholt hatte. Dann m�sse die Liebe eben warten, sagte er, doch seine Stimme war kalt. Sie f�hrte ihn ins Schlafzimmer. Er zog sich aus, w�hrend sie ihr Flanellnachthemd �berstreifte. Sie kletterten unter die Decke, und er legte den Arm um sie und redete weiter.</p><p>�Es war falsch von mir, hinter den Cheyenne herzujagen, einen Tod durch einen anderen auszugleichen. Schau, was es mir eingebracht hat.� Er hielt das matte Metallkreuz hoch, das an einem Lederriemen um seinen Hals hing. �Meine Rache bestand darin, einen Jungen von vierzehn oder f�nfzehn Jahren zu t�ten. Ist das nicht eine gro�artige Leistung?�</p><p>Mit der Hand strich sie �ber seine gefurchte Stirn. �Du bist also aus der Armee ausgeschieden.�</p><p>�F�r immer.�</p><p>�Und wohin willst du?�</p><p>�Ich sagte es dir schon, zu meinem Sohn. Und zu dir.�</p><p>�Und was nun?�</p><p>�Willa, ich wei� es nicht. Als ich das letzte Mal den Washita durchquerte, sagte ich mir, da� es f�r mich keinen Platz mehr gibt.�</p><p>�Ich werde einen finden.� Sie dr�ckte sich an ihn, strich mit der Hand durch das Gestr�pp seines Bartes. �Ich werde einen Platz f�r uns beide finden, wenn du mich nur l��t. Willst du?�</p><p>�Ich liebe dich, Willa. Ich will bei dir und meinem Jungen sein. Das ist alles, was ich will. Ich bin mir nur nicht sicher ...� Sein trostloser Blick zeigte den schrecklichen Zweifel. �Ich glaube nur, da� nicht einmal du einen Platz finden kannst. Ich wei� nicht, ob es irgendeinen Platz auf dieser Welt gibt, wo ich hingeh�re.�</p></section><section><title><p id="bookmark71"><strong>55</strong></p></title><p>Zwei Tage sp�ter bereitete Maureen in der kleinen K�che des Brigadequartiers Biskuitteig. W�hrend der Nacht hatte der Wind gedreht, die Wolken vom Himmel gefegt und ihnen warme, s�dliche Luft beschert. In dem kleinen Garten unter dem Fenster spiegelte sich die Sonne in T�mpeln geschmolzenen Schnees. Maureen hatte die T�r ge�ffnet, um von der frischen Brise die schalen Ger�che des Winters hinausblasen zu lassen.</p><p>Das Tauwetter im Januar lie� ihre Stimmung f�r gew�hnlich steigen. Heute morgen f�hlte sie sich immer noch elend. Sie f�hlte sich so, seit Mr. Charles vor einer Woche praktisch aus dem Nichts aufgetaucht war und verk�ndet hatte, da� mit dem Armeeleben Schlu� war. Er hatte erkl�rt, da� er diese Schauspielerin in St. Louis heiraten wollte, falls sie ihn nahm, und sich dann fest niederlassen werde, um den kleinen Gus aufzuziehen. Maureen h�rte den Jungen mit den Kl�tzchen spielen, die ihm Duncan zurechtges�gt hatte.</p><p>Maureen konnte Charles nicht verbieten, da� er seinen Sohn zu sich nahm, auch wenn sie alles an dem Mann mi�billigte, angefangen von seiner ordin�ren Kleidung bis zu seinen Zigarren, seinem J�hzorn, seiner unberechenbaren Art und Weise. Eine Minute hier, in der n�chsten Minute schon wieder weg. Drei N�chte war er geblieben, dann war er zu dieser Schauspielerin geritten.</p><p>Nein, sie konnte sich Charles nicht in den Weg stellen; er war der Vater des Kindes. Andererseits hatte Maureen stets gehofft, ja sogar fest damit gerechnet, da� die Erziehung des kleinen Gus ihr zufallen w�rde, da Charles daf�r zu wild und rastlos war. Jetzt war er zur�ckgekommen und wollte das Gegenteil beweisen.</p><p>Hatte er erst den Jungen zu sich genommen, dann w�rde ihr Traum, der Brigadier k�nnte ihre Beziehung durch einen Heiratsantrag legalisieren, nie Wirklichkeit werden. Fast schon hatte sie sich zu dem Entschlu� durchgerungen, Jack Ford zu heiraten, einen wei�haarigen Quartiermeister-Sergeant. Ford, ein irischer Witwer, liebte das Leben bei der Kavallerie, behauptete aber, sie fast ebenso zu lieben. Sie liebte ihn nicht, doch wenn sie ihn heiratete, w�rde in ihr Leben zumindest eine gewisse Sicherheit kommen.</p><p>Sie erwartete den Brigadier, der sich wieder auf einer seiner Zahltouren durch die Forts von Kansas befand, gegen Anbruch der Nacht zur�ck. Sie freute sich darauf. Sie liebte ihn, obwohl er nie ein diesbez�gliches Wort sagte; wahrscheinlich kam ihm das in Verbindung mit ihr gar nicht in den Sinn. Sie schnitt die Biskuits fertig und legte sie in Reihen auf das Eisenblech, um sie dann nach Sonnenuntergang in den Ofen zu schieben; die W�rme des Ofens w�rde die K�lte aus den sch�bigen Zimmern vertreiben.</p><p>Sie glaubte, ganz in der N�he einen Wagen zu h�ren. Sie sah zum Fenster hinaus, konnte aber nichts entdecken. Auf dem Fenstersims lag ein unhandlicher Allen-Revolver mit sechs L�ufen, den Duncan ihr kurz nach ihrer Ankunft in Kansas gekauft hatte. Der Allen stammte aus den vierziger Jahren, gen�gte aber f�r seinen Zweck. Bei einem Indianerangriff und drohender Vergewaltigung erwartete man von einer Frau, da� sie sich selbst eine Kugel gab. Die Wahrscheinlichkeit, da� die Cheyenne oder die Sioux einen so zivilisierten Posten wie Lea-venworth �berfallen w�rden, war geradezu l�cherlich gering, doch der Brauch hielt sich hartn�ckig; die meisten Armeefrauen hatten irgendwo eine geladene Waffe liegen.</p><p>Sie h�rte ein Ger�usch hinter sich. Gus war da. Sein Anblick, der ihr bald verwehrt bleiben w�rde, machte sie nur noch trauriger.</p><p>Charles' Sohn war jetzt vier. Bis auf die warmen, braunen Augen besa� der kr�ftige Junge keinerlei �hnlichkeit mit seinem Vater. Es waren eindeutig die Augen von Charles Main, doch sein Gesicht war eckiger. Das mu�te Gus von seiner Mutter, der Nichte des Brigadiers, mitbekommen haben, zusammen mit dem dunkelblonden Haar, das eine Haube dichter Locken bildete.</p><p>Gus war ein fr�hliches Kind; allerdings hatte er Angst vor seinem Vater, was Maureens Abneigung gegen Charles' R�ckkehr noch vergr��erte. Er besa� eine schnelle Auffassung. Maureen las ihm jeden Abend vor. Die meisten Buchstaben kannte er bereits.</p><p>�Reeny!� Das war sein Name f�r sie, abgeleitet von seinen ersten Versuchen, Maureen zu sagen. �Ich will raus und spielen.�</p><p>�Bist du auch warm genug angezogen?� Er nickte. �Also gut. Aber bleib im Garten, wo ich dich sehen kann. Pa� auf die Indianer auf.�</p><p>�Gibt keine Indianer, bis auf die alten, fetten Indianer, die rumsitzen.�</p><p>�Man kann nie wissen, Gus. Halt vorsichtshalber die Augen offen.�</p><p>Er seufzte nachsichtig und holte hinter der T�r sein Besenstielpferd hervor, das Duncan ihm vor einem Jahr zu Weihnachten gebastelt hatte. Das Pferd war goldfarben mit wei�er M�hne. Die aufgemalten Augen des geschnitzten Kopfes hatte Duncan erstaunlich realistisch hinbekommen.</p><p>Gus packte das Seil, das als Z�gel diente, und galoppierte bald schon neben dem kleinen Garten auf und ab, wobei er dem Besen mit einer imagin�ren Peitsche eins �berzog und dann mit der gleichen Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger wild um sich scho�. Maureen beobachtete den im Sonnenschein herumtobenden Jungen, und ihr wurde noch trauriger zumute. Er hatte sie so gl�cklich gemacht.</p><p>Sie ging in ihr Zimmer, um sich f�r f�nf Minuten niederzulegen. Vielleicht f�hlte sie sich so, weil bei ihr die Wechseljahre einsetzten; sie war keine junge Frau mehr. In ihrem Haar schimmerte es grau. Sie war sehr m�de. Aus den f�nf Minuten wurden f�nfzehn.</p><p>Gus hatte ungef�hr drei Dutzend wilde Indianer niedergemetzelt, als der Wagen knirschend hinter dem letzten Geb�ude in einer Reihe identischer H�user auftauchte. Der Hausierer wickelte die Z�gel um den Bremshebel, schaute sich um, als suchte er Kundschaft, und kletterte dann vom Kutschbock.</p><p>Little Gus stand da und beobachtete ihn. Das pl�tzliche Auftauchen des Wagens hatte ihn ein bi�chen erschreckt. Obwohl die Seite des Wagens nicht beschriftet war, wu�te er, da� er einem Hausierer geh�rte, da einige Blecht�pfe und Kessel am Fahrersitz baumelten. Jetzt war er mehr neugierig als ver�ngstigt, denn der grinsende Hausierer mit dem Zylinderhut hatte einen eleganten Stock mit einem gro�en, im Sonnenschein gl�nzenden Goldknauf bei sich. Au�erdem glitzerte noch etwas am linken Ohr des Hausierers. Es erinnerte Gus an �hnliche Verzierungen, die er an den Ohren der Offiziersfrauen gesehen hatte. Bei einem Mann hatte er so was noch nie gesehen.</p><p>Auf seinen Stock gest�tzt, kam der Hausierer auf den Jungen zu. Im Vorbeigehen schaute er bei jedem Haus ins r�ckw�rtige</p><p>Fenster, als w�re er weiterhin auf der Suche nach Damen, denen er seine Blecht�pfe verkaufen k�nnte. Die linke Schulter des Mannes hing etwas tiefer als seine rechte.</p><p>�Guten Morgen, mein Junge. Ich bin Mr. Dayton, Lieferant von Haushaltswaren. Wie hei�t du?�</p><p>�Gus Main.�</p><p>�Ist deine Mutter im Haus?�</p><p>�Hab' keine Mutter. Reeny pa�t auf mich auf.� Er rannte die Stufen hoch und sp�hte durch die T�r. Er konnte Maureen weder sehen noch h�ren. �Wei� nicht, wo sie ist. Sie hat Biskuits gemacht.�</p><p>Er blieb auf der untersten Stufe stehen. Ein schaler, �bler Geruch umgab den Hausierer, und etwas in seinen Augen verst�rte Gus; er wu�te selbst nicht, warum. Der Hausierer starrte ihn weiter an und rieb dabei den Goldknauf seines Stockes. Gus schluckte, krampfhaft �berlegend, was er sagen konnte.</p><p>Pl�tzlich deutete er auf den Kopf des Hausierers: �Was ist das?�</p><p>Der Hausierer strich �ber den Ohrring. �Oh, blo� ein kleines Geschenk von jemandem, der mir was schuldete. M�chtest du mein Maultier streicheln? Ist ein braves altes Muli. Er mag's, wenn man ihm die Ohren krault.�</p><p>Gus sch�ttelte den Kopf; mit diesem aufdringlichen Mann wollte er nichts zu tun haben. �Ich glaube nicht.�</p><p>�Oh, komm schon, streichle ihn, er ist ganz scharf darauf.� Ohne Vorwarnung packte der Hausierer seine Hand, so fest, da� Gus sofort wu�te, da� irgendwas nicht stimmte.</p><p>�Gus, wer ist da drau�en bei dir?� Es war Maureen. Die Stimme des Hausierers hatte sie aus ihrem Zimmer getrieben. Sie machte die T�r auf; der Anblick, der sich ihr bot, erschreckte sie, ohne da� sie wu�te, warum. Vielleicht lag es an den Augen des Fremden. Gl�nzend wie die des tollw�tigen Hundes, den sie einmal gesehen hatte. In seinem schmierigen, alten Frack sah er alles andere als respektabel aus. Er umklammerte Gus' Handgelenk so fest, da� die Finger ganz wei� wurden.</p><p>�Wer immer Sie sind, Sie lassen jetzt besser den Jungen los�, sagte sie und kam die Stufen herunter. Mit einem gewaltigen Grunzer hob der Mann seinen Stock und schlug ihn ihr �ber den Kopf.</p><p>Lautlos kippte Maureen in die K�che zur�ck. Der Hausierer ri� Gus hoch, klemmte ihn sich unter den Arm und hielt ihm mit der linken Hand den Mund zu. Der Junge war stark und trat um sich und versuchte zu schreien. Der Hausierer hatte kaum die Zeit, mit seinem Stock etwas in den Boden zu kratzen.</p><p>Durch schlammige Gartenbeete hinkte der Hausierer zur�ck zu seinem Wagen. Ganz pl�tzlich war er nicht mehr so zuversichtlich, da� sein Plan funktionieren w�rde, der auf zwei Grundpfeilern basierte: �berraschung und Terror.</p><p>Nachdem er �ber das Hauptquartier erst Charles und dann dessen Kind aufgesp�rt hatte - verbl�fft hatte er festgestellt, da� sich der Junge im gleichen Milit�rposten befand, wo er mit seinen Nachforschungen begonnen hatte -, war er darangegangen, einige sorgf�ltige Beobachtungen anzustellen. W�hrend der letzten beiden Tage hatte er alle Bewegungen in und um die Offiziersquartiere herum verfolgt.</p><p>Das war nicht schwer gewesen. Zivilisten konnten sich in Fort Leavenworth relativ frei bewegen. Es war ihm leichtgefallen, den Wachposten bei seiner ersten Ankunft hier davon zu �berzeugen, da� er ein Hausierer war. Er sah aus wie ein Hausierer, was er auch beabsichtigt hatte, als er mit dem Geld des toten Farmerpaares aus Iowa den Wagen kaufte und ausr�stete.</p><p>Lange Zeit hatte er gegeneinander abgewogen, ob die Nacht g�nstiger war als der Tag. Nachts befanden sich zu viele Offiziere in ihren Quartieren, w�hrend er es am Morgen lediglich mit Frauen zu tun hatte. Nat�rlich kam bei Tageslicht das zus�tzliche Risiko einer Entdeckung hinzu, doch �berraschung und Schock verlangsamten h�ufig die Reaktionen der Leute. Und so hatte er tollk�hn das Tageslicht gew�hlt, ein Handstreich, w�rdig des amerikanischen Bonaparte.</p><p>Jetzt f�hlte er sich nicht mehr so sicher. Der Junge versuchte ihn in die Hand zu bei�en. Der Hausierer pre�te fester, bis die unterdr�ckten Laute des Jungen Schmerz erkennen lie�en. �Ich breche dir das Genick, wenn du nicht ruhig bist�, fl�sterte der Hausierer.</p><p>Im vorletzten Haus der Reihe schaute das runde, ger�tete Gesicht einer alten Frau zum K�chenfenster hinaus. Erstaunen zeichnete sich darin ab. Die Frau rannte zur T�r. �Was machen Sie da mit dem Jungen des Brigadiers?�</p><p>Mittlerweile kletterte der Hausierer auf seinen Wagen. Er schleuderte den Jungen nach hinten und wickelte ihm einen langen Fetzen um Kopf und Mund, gerade ausreichend, um ihn stillzuhalten, bis sie den Posten verlassen hatten.</p><p>Besonders schwierig war es, das Maultier in einem normalen, gleichm��igen Schritt laufen zu lassen. Hinter sich h�rte er die Frau etwas rufen; er verlie� sich darauf, da� sie zuerst zu Dun-cans Haus laufen w�rde, um Maureen zu alarmieren.</p><p>Ein Trupp junger Kavalleristen trottete in entgegengesetzter Richtung vorbei; ihr Drill-Sergeant beschimpfte sie wegen ihrer Schlampigkeit. Der Hausierer h�rte seinen Gefangenen hinter dem Kutschbock treten und st�hnen. Er packte seinen Stock, drehte sich um und schlug dem Jungen zweimal den Goldknauf gegen den Kopf. Beim zweitenmal sackte der Junge schlaff zusammen.</p><p>Der Hausierer vergewisserte sich, da� der Junge noch atmete, dann wischte er einen Blutfleck von dem Knauf und trieb das Maultier auf das Wachh�uschen am Tor zu.</p><p>Drei�ig Sekunden sp�ter war er durch. Kurz darauf �berholte der Wagen drei Ochsenkarren, die Holz nach Leavenworth City transportierten. Der Wagen des Hausierers zog flott an ihnen vorbei und verschwand vor ihnen.</p><p>Charles beobachtete die tickende Uhr. Halb elf. Willa hatte versprochen, um elf Uhr f�nfzehn vom Theater zur�ck zu sein, also blieb ihm noch Zeit, etwas im &gt;St. Louis Democrat&lt; zu lesen.</p><p>In der Zeitung war ein erstaunlicher Brief abgedruckt, geschrieben von einem Captain Fred Benteen von der H-Kompa-nie. In dem Brief wurde Custer praktisch beschuldigt, Major Elliott und seine Abteilung an jenem Tag Ende November gleichg�ltig seinem Schicksal �berlassen zu haben. Nachdem ein Suchtrupp auf feindliches Feuer gesto�en war, hatte Custer kein weiteres Ersatzkommando mehr losgeschickt, sondern sich nur noch darum gek�mmert, sich vor den Indianern oben auf den Klippen in Sicherheit zu bringen. So, wie Charles ihn geh�rt hatte, war Custers Plan auch ausgef�hrt worden. Ein Marsch flu�abw�rts mit spielender Kapelle hatte die Indianer davon �berzeugt, da� die noch verbleibenden D�rfer angegriffen werden sollten. Die Indianer verteilten sich, um ihre jeweiligen D�rfer zu verteidigen. Custer machte auf dem Absatz kehrt und entkam sicher im Schutze der Dunkelheit. Elliotts Leiche und die Leichen der sechzehn gefallenen Soldaten blieben zur�ck.</p><p>�ber die Zahl der toten Indianer am Washita herrschte v�llige Unklarheit. Custer behauptete, es handle sich um hundertvierzig, lauter m�nnliche Erwachsene, die auf dem Schlachtfeld gez�hlt worden waren. Charles hatte nichts von einer derartigen Z�hlung bemerkt, solange er dort gewesen war. Sp�tere Berichte, die auf Angaben der &gt;Scouts&lt; zur�ckgingen, schraubten die Gesamtsumme auf zwanzig bis vierzig M�nner zur�ck, Schwarzer Kessel eingeschlossen, sowie eine ebenso gro�e Anzahl von Frauen und Kindern. Charles glaubte mehr den niedrigeren Zahlen; General Sully hatte erst k�rzlich zugegeben, da� Pr�riekommandeure f�r gew�hnlich die Anzahl der get�teten Wilden aufbliesen, um ihre milit�rischen F�higkeiten unter Beweis zu stellen und den Blutdurst der breiten �ffentlichkeit zu befriedigen.</p><p>Anfang Dezember waren General Sheridan und Custer an den Washita zur�ckgekehrt, wo sie die Leichen von Elliott und seinen M�nnern entdeckt hatten. Elliott lag mit dem Gesicht nach unten, zwei Kugeln im Kopf. Die anderen, alle entkleidet, waren verst�mmelt worden; einigen hatte man die Kehle durchgeschnitten, anderen den Kopf abgeschlagen.</p><p>Und hier spottete Benteen mit bitteren Worten �ber Custers Flucht; Custer, dem die Osage-Scouts den neuen Namen Kriechender Panther gegeben hatten; Custer, den die Friedenstauben als einen &gt;weiteren Chivington&lt; gei�elten - und das nicht ohne Berechtigung, dachte Charles. Er betastete das Messingkreuz, das er trug, um nicht zu vergessen, wozu ein Mann f�hig war, der ohne Mitleid, Menschlichkeit und Vernunft lebte.</p><p>Er konnte allerdings nicht glauben, da� Benteen den Brief f�r die �ffentlichkeit geschrieben hatte. Fred Benteen ha�te Custer, aber er war ein erfahrener Offizier, der die Regeln kannte. Charles war �berzeugt davon, da� die Zeitung auf irgendeine ungew�hnliche Weise in den Besitz des Briefes gekommen war. Die Befriedigung, die er dabei empfand, Benteens Anschuldigungen gedruckt zu sehen, beunruhigte ihn.</p><p>Er h�rte Schritte im Hotelflur und neigte den Kopf. Zehn Uhr vierzig. Zu fr�h f�r Willa.</p><p>Sie st�rzte ins Zimmer, das Gesicht noch voller Make-up. Er warf die Zeitung beiseite. �Was ist passiert, Willa?�</p><p>�Das kam ins Theater, f�r dich. Jemand schob es Sam auf der B�hne zu, und er stoppte die Vorstellung. Lie� den Vorhang runter.�</p><p>�Warum?� Es verwunderte Charles, da� eine telegraphische Nachricht einen derartigen Wirbel verursachen konnte.</p><p>�Lies es�, fl�sterte Willa. �Lies es einfach nur.�</p><p>DEIN JUNGE GESTERN MIT GEWALT ENTF�HRT.</p><p>ENTF�HRER VON MAUREEN GESEHEN,</p><p>KONNTE IHN NICHT AUFHALTEN.</p><p>ER KRATZTE EIN WORT IN DEN BODEN, B-E-N-T.</p><p>IST DAS NICHT DER MANN, DEN DU ERW�HNT HAST?</p><p>BEH�RDEN IN LEAVENWORTH CITY HABEN IHN NICHT ERWISCHT.</p><p>KOMME SOFORT.</p><p>DUNCAN</p><p>Charles mu�te es dreimal lesen, um es glauben zu k�nnen. Willa wirkte tief betroffen; sie beobachtete, wie die Skepsis von seinem Gesicht abbr�ckelte und einem erschreckenden Ausdruck Platz machte.</p><p>Vom Washita aus auf dem Weg nach Norden hatte Charles gedacht, da� er nun am Anfang einer langen, m�hsamen Kletterei zur�ck aus dem Schlund der H�lle stand. Jetzt wu�te er, da� er seine Klettertour falsch eingesch�tzt hatte. Der Washita war nicht die H�lle gewesen, sondern lediglich die Pforte zur H�lle; Sharpsburg war nicht die Pforte zur H�lle gewesen, ebensowenig wie Northern Virginia, sondern nur die Zufahrtsstra�e zur H�lle.</p><p>In seinem Kopf wirbelte alles durcheinander. Gedanken an Bents Ha�, Gus Barclays Tod, an sein Versagen als Vater.</p><p>W�re ich nur bei ihm gewesen.</p><p>Er starrte auf die Nachricht in seiner Hand. Er wu�te, wie die H�lle aussah. Er war da.</p></section></section><section><title><p id="bookmark72">Sechstes Buch</p><p id="bookmark73"><strong>Der Weg in die ewigen Jagdgr�nde</strong></p></title><section><p><emphasis>Du und ich, wir gehen heute beide heim auf einem Weg, den wir nicht kennen.</emphasis></p><p>Crow-Scout zu General Custer kurz vor Little Big Horn 1876</p></section><section><title><p id="bookmark74"><strong>56</strong></p></title><p><emphasis>C</emphasis>harles zog Satans Sattelgurt an. Der Schecke stampfte und warf den Kopf hoch. Er war ausgeruht und voller Tatendrang.</p><p>�Leb wohl, Willa.�</p><p>Zitternd in einen Schal geh�llt - das Januartauwetter war vor�ber -, war sie mit ihm durch die n�chtlichen Stra�en zum Stall gegangen. Eine Hure und deren Kunde, fast so betrunken, da� er nicht mehr stehen konnte, waren die einzigen menschlichen Wesen, die sie gesehen hatten. Eine Laterne brannte neben der Stallt�r. Vom Flu� her stieg schwerer, kalter Bodennebel auf.</p><p>�Wie lange wirst du weg sein?� fragte sie.</p><p>�Bis ich meinen Jungen gefunden habe.�</p><p>�Du sagtest, sie h�tten bereits die Spur von dem Entf�hrer verloren. Es kann sehr lange dauern.�</p><p>�Das ist mir egal. Ich finde ihn, und wenn es f�nf Jahre dauert. Oder zehn.�</p><p>Sie w�re beinahe in Tr�nen ausgebrochen, als sie sah, wie sehr er litt. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und k��te ihn, so fest sie konnte; sie umklammerte seine Arme durch den Zigeunermantel hindurch, als k�nnte sie ihm so Kraft schenken. Er konnte sie gebrauchen. Unausgesprochen hing die M�glichkeit in der Luft, da� Bent mit dem Jungen bereits das getan hatte, was er mit George Hazards Frau gemacht hatte.</p><p>�Komm zu mir zur�ck, Charles. Ich werde einen Platz f�r uns finden.�</p><p>Er antwortete nicht, sondern schwang sich in den Sattel und schaute sie einen Moment lang auf eine seltsame, traurige Art und Weise an. Mit seiner linken Hand ber�hrte er ihre Wange. Dann dr�ckte er Satan die Abs�tze in die Flanken, und Mann und Pferd schossen aus dem Stall in Nebel und Dunkelheit hinein und waren verschwunden. Mit leerem Blick starrte sie ihnen nach.</p><p>Sie blies die Laterne aus, schlo� das Tor und ging die acht Blocks zu ihrem Hotel zur�ck, ohne auf m�gliche Gefahren zu achten. Ein Gedanke kreiste in ihrem Kopf, wie eine dieser Dialogzeilen, �ber die ein Schauspieler endlos nachdachte, weil sie so schwierig zu sprechen oder zu interpretieren waren.</p><p>Warum hatte er nicht gesagt, da� er zur�ckkommen w�rde?</p><p>Schuldgef�hle und ein Nervenzusammenbruch hatten Maureen ins Bett gezwungen. Eine Opiumtinktur hielt sie in einem benebelten Zustand. Charles konnte sie durch die offene T�r sehen, w�hrend er R�hreier mit einem Biskuit in sich hineinschaufelte. Duncan, der Uniformhosen mit Hosentr�gern �ber einem langen Unterhemd trug, hatte die R�hreier zu lange auf dem Herd gelassen, so da� sie eine braune Kruste bekommen hatten. Charles bemerkte es gar nicht.</p><p>Sie waren die Geschichte unz�hlige Male durchgegangen, aber Duncan schien entschlossen, es noch einmal zu tun, als suche er immer noch nach einer Erkl�rung.</p><p>�Nur ein Verr�ckter kann auf die Idee kommen, ein Kind am helllichten Tag aus einem belebten Milit�rposten zu entf�hren.�</p><p>�Ich sagte dir ja schon, genau das ist er. Damals in Camp Cooper machten die anderen Offiziere der Zweiten Kavallerie Witze dar�ber, da� Bent sich f�r einen neuen Napoleon h�lt. Haben Napoleons Feinde ihn nicht ebenfalls als verr�ckt bezeichnet? Als Teufel? Ein gew�hnlicher Mann w�rde und k�nnte nicht tun, was er getan hat. Ich untersch�tze ihn nicht.�</p><p>Duncan spannte seinen Hosentr�ger mit dem linken Daumen. Das graue Haar fiel ihm in die Stirn. Er wandte sich dem Schlafzimmer zu; Maureen hatte in ihrem unruhigen Schlaf aufgeschrien. Es war wenige Minuten vor Mitternacht.</p><p>�Ich mu� schon sagen, du nimmst das alles recht gelassen.� Duncan war ersch�pft, was seine Stimme sch�rfer als beabsichtigt klingen lie�. �Es geht um deinen Sohn, nicht um irgendeine befestigte H�gelstellung, die verlorengegangen ist.�</p><p>Charles ri� an der Unterseite des Tisches ein Streichholz an und hielt es an den Zigarrenstummel zwischen seinen Z�hnen. �Was soll ich deiner Meinung nach tun, Jack? Herumtoben? Das hilft mir nicht bei der Suche nach Gus.�</p><p>�Du hast wirklich vor, Bent selber aufzusp�ren?�</p><p>�Glaubst du, ich sitze hier rum und warte darauf, da� er mir einen Brief schreibt und mitteilt, was er Gus angetan hat? Ich glaube, er will so viele Hazards und Mains leiden lassen, wie er nur kann. Ich mu� ihn finden.�</p><p>�Wie? Er kann sich auf Tausenden von Quadratmeilen verstecken.�</p><p>�Ich wei� nicht, wie ich es anstellen werde - ich werde es schaffen.�</p><p>�Ich glaube, es ist einfach nur vern�nftig, die - die M�glichkeit in Erw�gung zu ziehen, da� Bent vielleicht bereits ...�</p><p>�Sei still, Jack.� Charles war wei�. �Ich weigere mich, an diese M�glichkeit auch nur zu denken. Gus lebt.�</p><p>Duncans Blick irrte ab, voller Elend, voller Zweifel.</p><p>�Ja, er hat mir den Wagen und das Maultier verkauft�, sagte Steinfeld, ein lebhafter kleiner Mann, dem einer der Mietst�lle in Leavenworth City geh�rte. �Das hei�t, nach einigem Gefeilsche einigten wir uns auf ein Tauschgesch�ft. Zwei Pferde, Kavallerieersatz, aber stark und ausdauernd, gegen seinen Wagen und sein ersch�pftes Maultier. Die Blecht�pfe gab er noch dazu. Ich habe sie meiner Frau geschenkt. Er hatte nicht viel, nur das, was am Kutschbock hing.�</p><p>�Ich nehme an, mehr brauchte er auch nicht�, sagte Charles. �War der Junge bei ihm?� Steinfeld nickte. �Was haben Sie sonst noch bemerkt?�</p><p>�Er war sehr h�flich. Ein gebildeter Mann. Er schien irgendwie schief zu sein.� Steinfeld senkte leicht seine linke Schulter. �Das hei�t verkr�ppelt. Vielleicht eine Kriegsverletzung? Au�erdem fiel mir sein umfassender Wortschatz auf und der Perlenohrring, den er trug. Sehr eigenartig f�r einen Mann, solch einen Schmuck zu tragen, finden Sie nicht auch?�</p><p>�Nicht, wenn er Sie damit von anderen Dingen ablenken wollte. Ich danke Ihnen, Mr. Steinfeld.�</p><p>Steinfeld trat einen Schritt zur�ck, fort von einem Zorn, der so kalt war, da� er zu brennen schien.</p><p>Von Steinfeld kaufte Charles ein Ersatzpferd, eine rotbraune Fuchsstute, drei Jahre alt. Steinfeld versicherte, da� sie die n�tige Ausdauer f�r lange Ritte besitze.</p><p>Charles packte Lebensmittel und Munition zusammen und verlie� Leavenworth in einem heftigen Schneesturm. Er schlug die logische Richtung nach Westen ein und stoppte in Secon-dine, Tiblow, Fall Leaf, Lawrence. �berall stellte er Fragen. Bent war gesichtet worden, doch niemand hatte den Ohrring bemerkt. Zwei Leute erinnerten sich an einen Jungen mit lockigem, dunkelblondem Haar. Ein Caf�besitzer in Lawrence, der Bent ein B�ffelsteak serviert hatte, sagte, der Junge habe ersch�pft ausgesehen und kein Wort gesprochen. Er habe auch nichts gegessen; das hei�t, Bent habe ihm nichts gegeben.</p><p>Charles, der abwechselnd Satan und die Fuchsstute ritt, stie� durch die von dem Sturm zur�ckgelassenen Schneewehen weiter nach Westen vor. Er �berholte einen Zug mit Schneepflug, der zu beiden Seiten der Lokomotive gewaltige wei�e F�cher aufschleuderte. Buck Creek, Grantville, Topeka, Silver Lade, St. Mary's.</p><p>Nichts.</p><p>Wamego, St. George, Manhatten, Junction City.</p><p>Nichts.</p><p>Doch in Junction City h�rte er, da� Colonel Grierson in Fort Riley �berwinterte. Abteilungen des Zehnten Regiments verteilten sich auf St�dte und D�rfer entlang der Eisenbahnlinie, die sich nun �ber mehr als vierhundert Meilen bis nach Sheridan hinzog, einem winzigen �rtchen nahe der Grenze zu Colorado. Im Sp�tsommer waren die Arbeiten eingestellt worden; alle Arbeiter waren ausbezahlt und entlassen worden, bis die Bahnlinie eine Geldinfusion in Form einer neuen Regierungssubvention erhielt. Aller Ruhm und Glanz konzentrierte sich nun auf die Union Pacific und die Central Pacific, die irgendwo westlich von Denver aufeinandersto�en w�rden, sobald sich das Wetter gebessert hatte.</p><p>Charles ritt weiter. Der Schnee ging in Eisregen und dann in Regen �ber. Er schlief unter freiem Himmel oder in der Ecke eines Stalles, wenn er nichts daf�r bezahlen mu�te. Kansas Falls, Chapman Creek, Detroit, Abilene. Die Viehstadt hatte im Winter so gut wie dichtgemacht, doch stie� er dort wieder auf die F�hrte. Ein Mann, auf den Bents Beschreibung pa�te, hatte in Asher's General Store Mehl, Speck und Zwieback gekauft.</p><p>Asher war zuf�llig auch noch gelegentlich Hilfssheriff. Ein Bericht �ber die Entf�hrung war an jeden Sheriff im Staat durch-gegeben worden. Als Asher Bent bedient hatte, war von einem Kind nichts zu sehen gewesen, doch Bent war ihm entsprechend der Beschreibung sofort aufgefallen. Asher hatte seinen Revolver unter dem Ladentisch hervorgeholt und ihn verhaftet. Bent hatte die H�nde gehoben. Als Asher hinter dem Ladentisch hervortrat, packte Bent einen Spaten und schlug ihm die Schaufel �ber den Kopf. Die einzigen anderen Leute im Laden waren zwei schachspielende M�nner, die nicht reagierten. Bent war hinausgerannt und in Abilene nicht mehr gesehen worden.</p><p>�Knappe Sache�, sagte Asher zu Charles.</p><p>�Knapp ist nicht gut genug. Niemand hat meinen Jungen gesehen?�</p><p>Asher sch�ttelte den Kopf.</p><p>Solomon, Donmeyer, Salina, Bavaria, Brookville, Rockville, Elm Creek. Wenn er ungeduldig wurde, brauchte Charles nur daran zu denken, was er zu Beginn dieses Rittes beschlossen hatte. Es war besser, langsam und methodisch vorzugehen und Bent zu erwischen, als in der Eile etwas zu �bersehen und ihn so zu verlieren.</p><p>Aber auch so schaffte er es selten, mehr als zwei Stunden pro Nacht zu schlafen. Entweder die Nerven rissen ihn aus dem Schlaf oder dann Alptr�ume oder das brodelnde Fieber, das die h�ufige Unterk�hlung mit sich gebracht hatte. Bald schon zitterte er am ganzen Leib und stolperte wie ein Halbtoter durch die Gegend; sein bis auf Brustmitte gewachsener Bart war voll von Zwiebackkr�meln und winzigen Fetzen der gr�nen Au�enbl�tter seiner billigen Zigarren. Seine Augen schienen in seinem Sch�del verschwunden zu sein und hatten statt dessen nur die Illusion von zwei dunklen L�chern zur�ckgelassen. Er roch so �bel und sah so schlimm aus, da� anst�ndige Leute ihm in den St�dten, die er besuchte, um seine Fragen zu stellen, aus dem Weg gingen.</p><p>Und immer wieder die gleichen Antworten, die ihn langsam wahnsinnig machten.</p><p>�Nein, niemand, auf den die Beschreibung pa�t, ist hier durchgekommen.�</p><p>�Nein, hab' ich nicht gesehen.�</p><p>�Nein, tut mir leid.�</p><p>Es war Anfang M�rz, als er nach Ellsworth kam. Dort nahm er die F�hrte wieder auf, als w�re es ihm vorbestimmt.</p><p>�Er hat hier �bernachtet, ebenso wie sein Neffe, ein h�bsches Kind, aber vollkommen ersch�pft und halb krank, das kleine L�mmchen.� Sie war eine gewaltige, warmherzige Frau mit gro�en rosa Schinken als Unterarme, freundlichen Augen und dem Akzent der English Midlands. �Ich habe ihnen mein kleinstes Zimmer gegeben, und am n�chsten Morgen hat er zusammen mit meinen Pensionsg�sten gefr�hst�ckt. Ich erinnere mich daran, weil er unh�flicherweise seinen Zylinder am Tisch aufbehielt. Er wiederholte mehrmals, da� er ins Indianerterritorium gehen w�rde. Der Junge blieb oben. Der Mann sagte, er sei zu krank, um was zu essen, aber er sah mir nicht danach aus. Der Mann kam mir reichlich komisch vor. Ich hatte das Gef�hl, er wolle auffallen. Ein paar Stunden nach seinem Aufbruch bin ich zum Marshall gegangen, und der Marshall sagte mir, der Mann werde gesucht, weil er den Jungen entf�hrt hat. Der verdammte B�sewicht!�</p><p>Ein Junge, den Charles am Flu� traf, best�tigte ihre Geschichte. Charles ritt weitere zwanzig Meilen nach S�den, bevor er anhielt. Er blieb auf der Fuchsstute sitzen, in der Mitte eines kleinen Baches, der wegen der Schneeschmelze �ber seine Ufer getreten war. Die Pferde tranken durstig. Es regnete leicht; weit im Westen tauchte blauer Himmel zwischen den Wolken auf.</p><p>Charles dachte �ber die Situation nach. Jenseits des Cimar-ron, wo das Indianerterritorium begann, lagen Tausende von Quadratmeilen unerforschter Wildnis. Ein Mann riskierte sein Leben, wenn er sich allein da hineinwagte. Ein weiterer Beweis f�r Bents Wahnsinn, da� er da mit einem Kind eindringen wollte.</p><p>Nat�rlich konnte Bent in der Pension seine Geschichte auch nur aus Gr�nden der T�uschung erz�hlt haben. Vielleicht hatte er den Smoky Hill �berquert und war dann gleich wieder zur�ckgekehrt. Aber irgendwie glaubte Charles das nicht. Bent h�tte gleich nach Verlassen von Leavenworth untertauchen k�nnen, wenn er das vorgehabt h�tte. Statt dessen hatte er stets gerade genug Spuren hinterlassen, um Charles auf seiner F�hrte zu halten.</p><p>Vielleicht hatte Bent in Ellsworth mit seinem Ziel in der Annahme geprahlt, Charles w�rde jede weitere Verfolgung als zu gef�hrlich aufgeben. Vielleicht hatte Bent den Faden nur deshalb so lange abgespult, um ihn jetzt zu durchschneiden und lachend davonzureiten. Wenn er damit rechnete, dann hatte er sich get�uscht. Charles w�rde weiterreiten.</p><p>Allerdings nicht allein.</p><p>�Vergeltung auf Kosten eines Kindes?� sagte Benjamin Grierson. �Das ist unvorstellbar.�</p><p>�Das pa�t genau zu Bent.� Charles sa� auf einem harten Stuhl im B�ro des Hauptquartiers des Zehnten Regiments in Fort Riley. Alle Knochen taten ihm weh. Er war zu krank, um viel mehr als eine leichte Sentimentalit�t �ber diese Art von Heimkehr zu empfinden.</p><p>Colonel Grierson sah hagerer und grauer aus; die Anstrengungen des Pr�riedienstes machten sich bemerkbar. Doch Charles war noch nicht ganz eingetreten, da hatte er schon gesagt, da� das Regiment seine Erwartungen erf�llt und sogar �bertroffen hatte. Jetzt sagte er: �Was f�r Hilfe ben�tigen Sie? Jeder Mann in Barnes Truppe w�rde gern f�r Sie eintreten wegen dem, was man mit Ihnen gemacht hat. Ich ebenfalls. Wir haben nicht so viele gute Offiziere. Sie waren einer der besten.�</p><p>�Danke, Colonel.�</p><p>�Sie haben von Pr�sident Johnsons Weihnachtsamnestie geh�rt? Sie sind jetzt kein Rebell mehr, Charlie. Sie k�nnten zur�ckkommen.�</p><p>�Niemals.�</p><p>Darin lag eine derart grimmige Endg�ltigkeit, da� Grierson sofort sagte: �Also, was f�r Hilfe brauchen Sie?�</p><p>�Zwei M�nner, die bereit sind, mir beim Spurensuchen zu helfen. Um fair zu sein, Colonel, ich w�rde mit ihnen nach S�den gehen.�</p><p>�Wie weit? S�dlich vom Arkansas?�</p><p>�Falls Bent dahin geht.�</p><p>�Bei Medicine Lodge hat die Regierung versprochen, unautorisierte wei�e Personen vom Territorium fernzuhalten. Wilde Landvermesser, Whiskyh�ndler - die Armee sorgt daf�r, da� dieses Versprechen eingehalten wird.�</p><p>�Ich wei�. Dieses Verbot k�nnte der Grund sein, da� Bent sich im Territorium verstecken m�chte.�</p><p>�Sie sind auf sich allein gestellt, wenn Sie dort erwischt werden.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Wen immer Sie mitnehmen, Sie m�ssen ihnen zuerst sagen, wohin Sie gehen.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>�Sind Sie sicher, da� Bent dort ist?�</p><p>�So sicher man bei einem Mann mit derart verr�ckten Impulsen sein kann. Ich vermute, da� Bent sich bei den Cheyenne und Arapahoe und den abtr�nnigen H�ndlern verstecken will, weil sich dort niemand um ihn k�mmert, au�er sie bringen ihn um.�</p><p>�Was durchaus der Fall sein kann. Eure verfluchte Expedition zum Washita hat alles in Aufruhr versetzt. Sheridan hat den ganzen Winter daran gearbeitet, die St�mme so weit einzusch�chtern, da� sie vor der Regierung kapitulieren. Jetzt hat er die eine H�lfte der Indianer soweit, da� sie am Verhungern sind und auf seine Bedingungen eingehen wollen, w�hrend die andere H�lfte vollends blutd�rstig geworden ist. Carr und Evans sind noch drau�en im Einsatz. Custer ebenfalls. Er operiert von Camp Wichita aus.�</p><p>Charles mu�te das erst einmal verdauen. Das Camp lag �stlich der Berge gleichen Namens, tief im Territorium.</p><p>�Als Folge davon kann niemand sicher sein, wo sich die Hundekrieger verborgen haben. Sie bleiben in Bewegung, um den Truppen auszuweichen. Westlich der Berge sind sie sogar bis nach Texas vorgedrungen, wie wir geh�rt haben. Weder Sie noch die Armee k�nnen wissen, wo sie wieder auftauchen werden.�</p><p>�Ich werde daran denken.� Charles betastete das Messingkreuz, das an einem Lederriemen �ber seinem Zigeunermantel hing. Das Wetter hatte das Messing fast schwarz werden lassen; er hatte sich nicht die M�he gemacht, Grierson �ber den eigenartigen Schmuck aufzukl�ren. Charles machte nicht den Eindruck eines Mannes, der pl�tzlich religi�s geworden war, doch seine Finger spielten weiter mit dem Kreuz. �Noch eins, Colonel. Am Washita, das war nicht meine Expedition.�</p><p>�Sie meinen, Sie haben sie nicht geplant.�</p><p>�Ich bedaure, da� ich dort war. Ich habe die Zeitungen gesehen. Ich habe gelesen, was General Sheridan �ber Schwarzer Kessel gesagt hat. Eine verbrauchte alte Null. Der Anf�hrer aller M�rder und Vergewaltiger. Eine dreckige L�ge. Ich wei� Bescheid.�</p><p>Grierson machte keine Einw�nde. �Wen m�chten Sie?�</p><p>�Corporal Magee, wenn er m�chte. Graue Eule, wenn Sie auf ihn verzichten k�nnen.�</p><p>�Nehmen Sie die beiden mit�, sagte Grierson.</p><p>Fort Hays war ein primitiver Posten geblieben, einer der �rmlichsten in Kansas. Ike Barnes hatte hier in scheu�lichen Quartieren �berwintert, H�tten mit Steinkaminen, von denen der M�rtel br�ckelte. In Magees Sechs-Mann-Schuppen war das Grasdach so schwach, da� er und die anderen eine Ersatzzeltbahn daruntergespannt hatten, um herabfallenden Dreck, schmelzenden Schnee und gelegentlich eine Klapperschlange aufzufangen.</p><p>Eines sp�ten Abends, nachdem die Lichter gel�scht worden waren, sa� Magee auf seinem schmalen Feldbett inmitten des allgemeinen Geschnarches. Mit einem Lumpen rieb er Rostflecken vom Lauf einer alten deutschen Steinschlo�pistole vom Kaliber .35. Er hatte die Pistole f�r drei Dollar gekauft, nachdem er lange eine derartige Waffe gesucht hatte. Aus Lederfetzen hatte er einen Pulverbeutel gen�ht, der nun neben ihm auf der Decke lag, zusammen mit f�nf runden, bleifarbenen Kugeln, die genau in die Pistolenm�ndung pa�ten.</p><p>Er polierte so eifrig, da� er kaum darauf achtete, wie die T�r aufging; zusammen mit einem Regenschauer kam First Sergeant Williams in tropfendem Poncho herein.</p><p>Einer der Schl�fer richtete sich auf. �Schlie� die verfluchte T�r! Oh, Sarge, 'Tschuldigung.� Er legte sich wieder hin.</p><p>Die heruntergeschraubte Lampe lie� Williams Brille aufblitzen. �Das Licht sollte aus sein, Magee. Was machst du mit dieser alten Pistole?�</p><p>�Ja. Neue Pistole. Alter Trick.� Weitere Erkl�rungen gab er nicht ab.</p><p>�Na sch�n, komm mit raus�, sagte Williams. �Du wirst die Farbe des wei�en Mannes annehmen, wenn du siehst, wer wieder da ist.�</p><p>Magee zitterte in seiner Unterw�sche im Windschatten einer H�tte; Captain Barnes, der sich klugerweise einen Regenmantel umgeh�ngt hatte, hielt eine Laterne hoch, um den Besucher zu beleuchten. �Wie ein Gespenst aus der Finsternis aufgetaucht, Magic. Ist er nicht ein Anblick, den man im Ged�chtnis beh�lt?�</p><p>Der Alte hatte das als Kompliment gedacht, und Magic Ma-gees Gesicht bl�hte zu diesem strahlenden, einmaligen L�cheln auf. Dann sah er Charles' fiebernde Augenh�hlen und dessen schmutzige H�nde und hielt sein L�cheln zur�ck. Charles sagte: �Hallo, Magic.�</p><p>�Cheyenne Charlie. Ich werde verr�ckt.�</p><p>�Ziehen Sie Ihre Sachen an, Magic�, sagte Barnes. �Ich habe Lovetta geweckt, und sie hat Kaffee gemacht. Charles sagte, er braucht Hilfe. Er wird es Ihnen erz�hlen.�</p><p>�Sicher�, sagte Magee. �Du bist zum richtigen Mann gekommen, Charlie. Du hast immer noch was gut bei mir.�</p><p>Nachdem sich die M�nner unterhalten hatten, bekam Charles von Lovetta Barnes eine reichliche Mahlzeit vorgesetzt, und sie bereitete ihm ein Lager neben dem Feuer. Er schlief sechzehn Stunden durch und lie� sich auch vom Kommen und Gehen des Alten und dessen Frau nicht st�ren. Magic Magee hatte keine Sekunde gez�gert, ins Indianerterritorium aufzubrechen. Graue Eule ebensowenig. Beide M�nner sahen so aus wie fr�her, obwohl sie mehr und tiefere Falten im Gesicht zu haben schienen. Charles vermutete, da� man das auch von ihm sagen konnte.</p><p>Sie versorgten sich beim Marketender mit Proviant, und Charles kaufte noch zwei weitere Ersatzpferde. Am 15. M�rz brachen sie bei strahlend sch�nem Wetter auf; von Texas und vom Golf her wehte ein warmer Wind, als die F�hrtensucher den Smoky Hill durchquerten und nach S�den ritten. In ihrer ersten Nacht unter freiem Himmel schlief Charles schlecht. Er hatte einen Alptraum: Sie ritten zu dritt auf der Milchstra�e quer �ber den Himmel. Ihre Gesichter waren blutverschmiert, Tote auf dem Weg ins Jenseits.</p><p>INAUGURATION</p><p>Beginn einer neuen �ra des Friedens und des Wohlstands.</p><p>Ulysses S. Grant offiziell in das Amt als Pr�sident eingef�hrt.</p><p>Er h�lt eine kurze, charakteristische Rede. Eine auf Vertrauen basierende Eintreibung der Steuergelder gefordert.</p><p>Zeremonien gekennzeichnet von bisher un�bertroffener Begeisterung.</p><p>Sonderberichte an die <emphasis>New York Times,</emphasis> Washington, Donnerstag, 4. M�rz 1869</p><p>Die Zeremonien zur Inauguration von Gen. ulysses s. grant als achtzehnter Pr�sident der Vereinigten Staaten wurden heute mit einer derartigen Perfektion durchgef�hrt und zu einem solch brillanten Erfolg, da� man es als gl�ckverhei�endes Vorzeichen f�r die Regierung werten kann, die jetzt in so ernsthafte und patriotische H�nde �bergegangen ist.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>M�rz 1869. Grant ist Pr�sident. Die Feindseligkeit, die ihm hier entgegenschl�gt, ist verst�ndlich, doch die nationale Stimmung ist optimistisch. Da er milit�rische Feldz�ge so erfolgreich organisiert hat und so h�ufig von der Notwendigkeit des Friedens nach vier bitteren Jahren spricht, sind die Erwartungen in seine Pr�sidentschaft sehr hoch gespannt</emphasis> ...</p><p>Am 4. M�rz, noch vor der Morgend�mmerung, wurde die Hauptstadt von dem Ausl�ufer eines Schneesturms aus Nordosten betroffen. Stanley Hazard stand am Fenster seines Schlafzimmers im Herrenhaus in der I Street, kratzte sich an seinem betr�chtlichen Bauch und betrachtete das Schneegest�ber, die Schlammpf�tzen, den kriechenden Nebel. Was konnte sonst noch alles schiefgehen?</p><p>Andrew Johnson w�rde bei der Vereidigung nicht anwesend sein. Grant hatte Johnsons vorsichtige Friedensangebote im Kielwasser des Stanton-Streites ver�chtlich zur�ckgewiesen und verk�ndet, da� er weder mit Mr. Johnson in einer Kutsche fahren noch mit ihm sprechen w�rde. Das Kabinett zauderte. Sollte es zwei Kutschen geben? Zwei getrennte Prozessionen? Die Angelegenheit regelte sich von selbst, als sich Mr. Johnson entschlo�, w�hrend der Zeremonie in seinem B�ro zu bleiben, um dort einige letzte Dokumente zu unterschreiben und sich von den Kabinettsmitgliedern zu verabschieden.</p><p>Stanleys Elend war jedoch auf eine eher pers�nliche Ursache zur�ckzuf�hren. Den geschickten Man�vern seiner Frau, die noch in ihrem Bett schnarchte, hatte er es zu verdanken, da� er in das prestigetr�chtige Komitee f�r den Inaugurationsball berufen worden war. Das war gesellschaftlich gesehen ein gewaltiger Coup, und ein paar Tage lang hatte sich Stanley einf�ltigerweise auch dar�ber gefreut. Dann entdeckte er, da� die Organisation des Balles dem Bau einer Pyramide gleichkam.</p><p>Das Komitee konnte sich weder auf einen Veranstaltungsort einigen noch ein Anwesen finden, das gro� genug gewesen w�re, um die zu erwartende Menschenmenge zu fassen. In wachsender Verzweiflung hatten sich die Komiteemitglieder schlie�lich an den Kongre� gewandt und um Erlaubnis gebeten, den Rundbau des Kapitols ben�tzen zu d�rfen. Das Repr�sentantenhaus sprach sich daf�r aus, doch der Senat entschied sich nach viel leerem Gerede dagegen. Der gew�hlte Pr�sident schickte eine Note, in der es hie�, das sei in Ordnung, es st�re ihn nicht, wenn ihn niemand mit einem Ball ehre. Isabels Reaktion war typisch:</p><p>�Er geh�rt einfach zum P�bel. Wof�r h�lt er sich eigentlich, uns den besten Abend des Jahres rauben zu wollen?�</p><p>Unter dem Zwang, diesen besten Abend zustande zu bringen, hatten Stanley und seine Kollegen stundenlang hitzig debattiert. Sollte man es Ball oder Empfang nennen? Letzteres. Sollte der Eintritt zehn Dollar kosten (f�r einen Gentleman in Begleitung zweier Damen, f�r Essen und Tanzen) oder bescheidenere acht Dollar? Ersteres. Sollte Mr. Johnson trotz seines Streites mit Grant �ber die Stanton-Sache eingeladen werden? Er wurde nicht eingeladen.</p><p>Der Veranstaltungsort, der endlich gefunden wurde, war gro� genug - es handelte sich um den Nordfl�gel des Finanzministeriums -, aber nicht ideal, da er noch nicht fertig war. Stanley hatte den gr��ten Teil der vergangenen achtundvierzig Stunden dort verbracht. Sein feiner Anzug war mit M�rtelstaub und Farbflecken bedeckt, weil er Dutzende von Arbeitern beaufsichtigt hatte, die mit der Dekoration und Einrichtung der Partyr�ume besch�ftigt gewesen waren.</p><p>Er hatte gerade etwas �ber zwei Stunden geschlafen, und jetzt - noch ganz benommen vor lauter Ersch�pfung - hatte er dieses katastrophale Wetter vor Augen. Er war dem Selbstmord nah.</p><p>Er taumelte in sein B�ro und griff nach den Eintrittskarten f�r den Ball. Sie waren so gro� wie die Seiten eines Handelsal-manachs, verziert mit der Lithographie einer heroischen B�ste, in der die Gesichtsz�ge von Pr�sident Grant und von seinem Vizepr�sidenten Colfax miteinander vereinigt sein sollten. Die B�ste besa� weder �hnlichkeit mit dem einen noch mit dem anderen. �Abscheulich�, hatte Isabel dazu gesagt. Stanley hatte sie zwanzig Minuten lang jammernd zu �berzeugen gesucht, da� er damit nichts zu tun gehabt hatte.</p><p>Er schwang seinen Kopf zum Fenster herum wie ein gewaltiger Ochse im Joch. Er lauschte dem Nieselregen und w�nschte, er w�rde sich in einen Sturzbach verwandeln, der die Ereignisse des Tages und sein schlafendes Weib wegsp�lte.</p><p>Die Prozession zum Kapitol begann zehn Minuten vor elf. General Grant, ein kleiner, untersetzter Mann von siebenundvierzig Jahren, trug, wie alle anderen anwesenden Gentlemen auch, n�chternes amerikanisches Schwarz. Er fuhr in einer offenen Kutsche. Ungest�me Menschen, die die Polizeiabsperrung durchbrochen hatten, st�rzten auf die schlammige Stra�e und griffen in die Kutsche, um ihn zu ber�hren. Er schien nichts dagegen zu haben.</p><p>Seine Eskorte bestand aus acht Divisionen. Die Washington Grays Artillery aus Philadelphia, achtundvierzig Gesch�tze, marschierten. Die Philadelphia Fire Zouaves marschierten mit ihrer 22-Mann-Kapelle. Die Eagle Zouaves von Buffalo marschierten, ebenso wie die Lincoln Zouaves aus Washington, die Butler Zouaves aus Georgetown und die Lincoln Zouaves (farbig) aus Baltimore. Die letzteren waren strahlend gekleidet in wei�en Leggings und blauen Flanelljacken mit gelbem Besatz.</p><p>Die Hibernia Engine Company marschierte, zusammen mit der Naval Academy Band und der Regierungsfeuerwehr. Der Oberste Gerichtshof marschierte, ebenso wie das republikanische Exekutivkomitee aus Philadelphia, die Lancaster-Miliz und Ermentrout's City Band. Die Grant Invincibles von Kalifornien marschierten, zusammen mit der Territorialdelegation von Montana und dem Sechsten Bezirk des Republikanischen Clubs.</p><p>Das ganze Spektakel schien dem gew�hlten Pr�sidenten Grant zu gefallen. �ber Pr�sident Johnsons Reaktion l��t sich nichts sagen; er befand sich immer noch im Wei�en Haus und unterzeichnete Dokumente.</p><p>Zwischen zerfetzten Wolkenr�ndern tauchte gelegentlich blauer Himmel auf. Stanley brachte seine Frau zu ihren reservierten Pl�tzen, die sich direkt vor der �ber den Stufen an der Ostfront des Kapitols errichteten Plattform befanden. Die Plattform war mit Stuhlreihen best�ckt und mit Flaggen und Immergr�n festlich geschm�ckt.</p><p>�Wohin gehst du?� erkundigte sich Isabel. Ihre Jacke und ihr Rock waren pfirsichfarben. Dieses Jahr waren die Farben fr�hlicher.</p><p>�Ich mu� mich drinnen sehen lassen. Vielleicht kann ich dem General die Hand dr�cken.�</p><p>�Nimm mich mit.�</p><p>�Isabel, das ist viel zu gef�hrlich. Schau dir diesen z�gellosen Mob an. Au�erdem sind diese �ffentlichen Rituale prinzipiell nur f�r M�nner gedacht.�</p><p>Ihr Pferdegesicht zerknitterte. �Ebenso die Prozession, wie ich bemerkt habe.�</p><p>�Du klingst wie eine Suffragette.�</p><p>�Gott bewahre. Aber vergi� nur nicht, wer Mercantile Enterprise zum Erfolg verholfen hat!� Stanley kr�mmte sich mit erhobenen H�nden. <emphasis>�Und ein</emphasis> Auge auf die B�cher hatte, jede Expansion geleitet hat, darauf geachtet hat, da� unser gesch�tzter Gauner von Anwalt, dieser Dills, uns nicht alles gestohlen .�</p><p>�Bitte, Isabel, bitte�, fl�sterte er, w�hrend sein gelbliches Gesicht wei� wurde. �Sag solche Sachen nicht, nicht mal unter Fremden. Erw�hne die Firma nicht. Wir haben damit nichts zu tun, vergi� das nicht.�</p><p>Isabel wollte widersprechen, sah dann aber ein, da� er recht hatte, und sagte: �Gut. Aber du bleibst besser nicht lange weg.�</p><p>Mit der einen Hand seinen Hut, mit der anderen sein Spezialticket umklammernd, so dr�ngte sich Stanley durch die gewaltige, ausgelassene Menschenmenge auf den Stehpl�tzen. Er k�mpfte sich um berittene Marshalls herum und passierte einen Kordon der Capitol Police, die mit schweren Kn�ppeln ausger�stet war. Die perlengraue Krawatte hing ihm aus der dazu passenden Weste, als er endlich den l�rmenden Korridor hinter der Senatskammer erreichte.</p><p>Er eilte in den Senatssaal, konnte aber seinen Mentor, Ben Wade, nirgendwo erblicken. Die Galerien waren bereits mit Tausenden von Zuschauern vollgestopft. Er glaubte Virgilia zu erkennen, schaute aber schnell zur Seite. Er wollte keinen Kontakt mit ihr.</p><p>Er streifte zwischen den W�rdentr�gern umher und sch�ttelte H�nde, wie es sich schlie�lich f�r einen angeblich bedeutenden Anh�nger der Republikaner geh�rte. Die Menge der Goldlitzen sch�chterte ihn etwas ein - Sickles, Pleasonton, Dahlgren, Far-ragut, Thomas und Sherman waren bereits anwesend -, und er machte keinen Versuch, solch ber�hmte M�nner zu begr��en. Er gratulierte dem herrischen Mr. Sumner, der im Begriff stand, auf seine vierte Senatsperiode eingeschworen zu werden. Er begr��te Senator Cameron, der nun wieder ins Amt und an die Macht zur�ckgekehrt war; der Bo� benahm sich, als kenne er Stanley kaum.</p><p>Er ging zu Wades B�ro und dr�ckte sich an die geschlossene T�r heran. �Sorry, Sir�, sagte ein T�rw�chter, �Senator Wade hat sich mit General Grant bis zum Beginn der Zeremonie zur�ckgezogen.�</p><p>�Aber ich bin Mr. Stanley Hazard.�</p><p>�Ich wei߫, sagte der T�rw�chter. �Sie k�nnen nicht hinein.�</p><p>Grollend zog sich Stanley zur�ck.</p><p>Bevor er wieder hinausging, holte er einen flachen Silberflakon aus seiner Innentasche und st�rkte sich mit seinem f�nften Drink an diesem Morgen. Zur�ck an seinem Platz, erz�hlte er Isabel, er h�tte den gew�hlten Pr�sidenten getroffen. Er versprach, Isabel beim Ball vorzustellen.</p><p>�Das m�chte ich dir auch geraten haben.�</p><p>Die Menge erstreckte sich nach beiden Seiten; H�te wurden geworfen, es wurde gejohlt und gelegentlich aufgeschrien, wenn der Ast eines Baumes nachgab und die abwarf, unter deren Gewicht er gebrochen war. Gegen 12 Uhr 15 - ungef�hr zu der Zeit sollte sich Andrew Johnson von seinem Kabinett verabschieden und mit der Kutsche vom Wei�en Haus wegfahren tauchte die offizielle, f�r die Plattform bestimmte Gesellschaft aus dem Kapitol auf.</p><p>Grant machte in seinem schwarzen Anzug mit den strohfarbenen Handschuhen einen w�rdevollen Eindruck. Richter Chase sprach nerv�s den Eid vor. Grant legte ihn ab, beugte sich vor, um die Bibel zu k�ssen, und hielt dann eine kurze Ansprache. Isabels Kommentar zu dem ganzen Vorgang lautete: �Uninteressant. Langweilig.�</p><p>FRIEDEN</p><p>Das gro�artige Motto leuchtete im Dunkeln hoch �ber ihnen auf. Stanley stand da und bewunderte die Leistung des Komitees. Die spezielle Beleuchtung wurde von Gasstr�men quer �ber die Front des Finanzministeriums erzeugt. Entwurf und Bau waren teuer gewesen, doch der Effekt war spektakul�r. Hier konnten Washington und die ganze Welt sehen, wozu sich die Republikaner verpflichtet und was sie auf ihr Banner geschrieben hatten.</p><p>W�hrend Stanley glotzte, beklagte sich Isabel �ber die Verz�gerung. Sie hatten sich anderen formell gekleideten Paaren angeschlossen, die hineineilten.</p><p>Vom Balkon des gewaltigen Cash-Saales drangen die Kl�nge eines Streichorchesters. In der erhabenen Umgebung von Marmor aus Siena und Carrara war das allegorische Gem�lde &gt;Frie-den&lt; ausgestellt. Eine gro�e Menge dr�ngte sich um die Staffelei. Stanley und Isabel stie�en zuf�llig auf Mr. Stout, der gerade f�r eine volle Amtsperiode in den Senat zur�ckgekehrt war. An seinem Arm hing eine viel j�ngere Frau mit harten Augen und einem Saphirdiadem im Haar. Sehr k�hl sagte Stout zu ihnen:</p><p>�Ich glaube, Sie kennen meine Frau Jeannie?�</p><p>Isabel kochte vor Wut. Diese junge Frau war Stanleys Geliebte gewesen, bis Isabel dahintergekommen war und der Sache ein Ende bereitet hatte. Zu der Zeit war sie noch Jeannie Canary gewesen, eine Variet�s�ngerin.</p><p>�Ah, ja�, verwirrt r�ckte Stanley seine Krawatte zurecht, �ich hatte das Vergn�gen, ihre, �h, Darbietungen mehrfach zu genie�en.�</p><p>Stout bekam nicht sofort die unbeabsichtigte Zweideutigkeit mit. Dann jedoch r�tete sich sein Gesicht, als wollte er Stanley im n�chsten Moment zu einem altmodischen Duell herausfordern. Jeannie sah gleichfalls pikiert drein. Isabel zog ihren Mann fort. Ihre Augen waren feucht. Stanley zeigte sich erstaunt; seine Frau weinte niemals.</p><p>�Du dreckiger Bastard�, fl�sterte sie und blickte tr�nenblind geradeaus. Ausnahmsweise war Stanley zu verbl�fft, um diesen Augenblick genie�en zu k�nnen.</p><p>Danach weigerte sich Isabel, mit ihm zu sprechen. Essen und Trinken lehnte sie ebenso ab wie seine lahme Aufforderung zum Tanz. Sie folgte ihm, als Pr�sident Grant mit Mrs. Grant erschien und Stanley mit Dutzenden von anderen zur Begr��ung vorst�rzte. Sch�ndlicherweise befanden sich Stout und dessen Frau in Begleitung der Grants.</p><p>Schlie�lich waren Stanley und Isabel an der Reihe. Stanley murmelte ihre Namen, die Stout wiederholte. Isabel starrte ihren Mann feindselig an, w�hrend der Pr�sident Stanley die Hand gab.</p><p>�Ah ja, Mr. Hazard. Die Pennsylvania Hazards. Ich kenne Ihren Bruder George. Sie waren Verbindungsmann beim B�ro f�r befreite Negersklaven, nicht wahr?�</p><p>�Jawohl, Herr Pr�sident, bis Ende '67. Dann zog ich mich zur�ck, um mich um meine gesch�ftlichen Angelegenheiten zu k�mmern. Ich mu� sagen, Sir, Ihr Wirtschaftsprogramm ist durch und durch gesund.�</p><p>�Besten Dank, Sir�, sagte Grant und wandte sich dem n�chsten Paar zu.</p><p>Isabel war noch w�tender als zuvor. �Du verlogenes Mistst�ck. Du hast ihn heute morgen gar nicht getroffen.�</p><p>�Nein. Sie haben mich nicht in Wades B�ro gelassen.�</p><p>�F�r einen Abend hast du mich gen�gend gedem�tigt, Stan-ley.� Au�erdem hatte sie alle wichtigen Leute gesehen und war von allen gesehen worden. �Bring mich nach Hause.�</p><p>Vom Komitee der Manager war Stanley der erste, der ging.</p><p>Grant bemerkte es und sagte zu seiner Frau Julia: �Sehr sympathisch, dieser Hazard. Scheint mir ein intelligenter, verm�gender Mann zu sein.�</p><p>Senator Stout bekam die Worte mit. Wenn Mr. Grant das glaubt, dachte er, dann haben wir einen naiven T�lpel in unserem h�chsten Amt. M�ge Gott der Republik gn�dig sein.</p><p><emphasis>Marie-Louise und Theo haben sich endlich in einem winzigen H�uschen auf Sullivan's Island niedergelassen, das der Mann f�r sie aufgetrieben hat, der Theo einen besseren Job angeboten hat, als er auf Mont Royal h�tte bekommen k�nnen. Bei dem Mann handelt es sich um einen weiteren Yankee-Abenteurer.</emphasis></p><p><emphasis>Die Stadt ist gr��tenteils wieder aufgebaut worden, aber es bleibt noch viel zu tun. Naive Reisende, die den Pier betreten, werden immer noch gefragt: �M�chten Sie gern Mr. Calhouns Monument sehen?� Sagen sie ja, dann zeigt der Zyniker auf die Stadt.</emphasis></p><p><emphasis>Theos Arbeitgeber hat an dem langsamen Wiederaufbau mitgewirkt. Er kam im Herbst '65 an, erkannte, woran Bedarf bestand, und gr�ndete eine Firma zum Bau von neuen B�rgersteigen mit Randbefestigung. Seine Mannschaften f�llen und reparieren auch die zahlreichen Morast- und Granatl�cher.</emphasis></p><p><emphasis>Der Stra�enbau des Yankee floriert. Er hat gro�e, �rtliche Stadtkontrakte erhalten, ebenso in Georgetown und Florence. Theo ersetzt den ersten Vorarbeiter des Yankee, der mit einer Mulattin nach Brasilien durchgebrannt ist. Theo arbeitet 12-14 Stunden t�glich, 6 Tage pro Woche; er beaufsichtigt schwarze Arbeitstrupps und meint, da� er und M.-L. nun recht gl�cklich seien. Zuvor war das nicht der Fall. Nach ihrer R�ckkehr von Sav. und Coopers Zur�ckweisung lebten sie einige Wochen lang hier auf der Plantage in einer �rmlichen H�tte. Nur der Job, den ich ihnen gab, erlaubte es ihnen, zu �berleben. Theo war ein ausgezeichneter Aufseher, und ich habe ihn nicht gern gehen lassen, konnte es aber auch nicht verhindern.</emphasis></p><p><emphasis>Die Beziehung des jungen Paares zu C. hat sich jedoch nicht verbessert. C. will sie weder empfangen, noch erkennt er ihre Gegenwart in der Stadt an. Judith mu� ihre Tochter heimlich besuchen, genau wie mich. Ich gebe zu, da� der Krieg viele Leben zerst�rt hat, aber irgendwo kommt der Punkt, wo das Mitleid der Ungeduld weichen mu�. Cooper hat sich mit seiner neuen Politik und der Behandlung seiner Familie alle Sympathien verscherzt. Meine jedenfalls .</emphasis></p><p>... <emphasis>Letzte Nacht fiel Sims Junge Grant, mittlerweile ein junger Mann, dem Klan an der Kreuzung in die H�nde. Er und zwei Freunde von ihm wurden eine Stunde lang festgehalten; die Kapuzenm�nner zwangen sie zu etwas, was sie Tanzwettbewerb nannten.</emphasis></p><p><emphasis>Die drei wurden mit Waffen bedroht und mu�ten mit Wassereimern auf dem Kopf tanzen. Das klingt alles so kindisch, doch Grant kam v�llig verst�rt nach Hause. Wenigstens wurde er nicht verletzt. Letzte Woche wurde Joseph Steptoe von den gleichen M�nnern ausgepeitscht. Heftig blutend wurde er in ein mit gesalzenem Schweineschmalz beschmiertes Laken gewickelt und an der Stra�e liegengelassen. Er und seine Frau verschwanden am n�chsten Tag aus ihrer H�tte neben der Episkopalkirche und wurden seitdem nicht mehr gesehen. Joseph S. war ein Corporal der farbigen Bezirksmiliz. Auch Grant ist Mitglied.</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht, wie eine Bande M�nner gleichzeitig l�cherlich und bedrohlich wirken kann, aber genau das ist die verwirrende Art dieses &gt;Klans&lt;.</emphasis></p><p><emphasis>In C'ston gewesen, um Theo und M.-L. zu besuchen und noch mal mit Dawkins zu sprechen ...</emphasis></p><p>�Nein�, sagte der fette Mann. Zwischen der Korrespondenz und den mit Zahlen bedeckten Bl�ttern auf seinem Schreibtisch entdeckte Madeline ein billig gebundenes und gedrucktes B�chlein, &gt;Deine Schwester Sally&lt;. Sie hatte das B�chlein zuvor schon gesehen. Das Buch - ein Import von Mississippi - beschrieb in �bertriebener, v�llig �berzogener Weise, wie die Wei�en unter einer von Schwarzen dominierten Legislative dem Ruin entgegensehen w�rden. Gettys verkaufte das Buch in seinem Laden.</p><p>�Leverett�, sagte sie mit erzwungener Ruhe, �Mont Royal verdient Geld. Trotz des Wiederaufbaus des Hauses verf�ge ich �ber gen�gend Geld, um die Hypothek in wesentlich h�heren Jahresraten abzutragen. Ich hasse es, unn�tigerweise soviel Zinsen zu zahlen.�</p><p>Das B�ro war in dunklem Holz und dunkelgr�nem Pl�sch gehalten; Dawkins Spezialstuhl war mit diesem Material gepol-stert. �Ich kann nur die erkl�rte Politik der Bank wiederholen. Keine vorzeitigen R�ckzahlungen.� Er leckte sich die Lippen. �Wenn Sie sich weigern, ein bi�chen flexibel zu sein, dann tun wir das auch.�</p><p>�Flexibel.� Madeline sprach das Wort voller Bitterkeit aus. �Sie meinen, ich solle die Schule schlie�en. Sie waren einst ein liberaler Mann. Wieso sind Sie so gegen ...?�</p><p>�Weil diese Niggerschulen �berhaupt keine Schulen sind. Das sind Zentren f�r politische Aktionen. Alle Konservativen sind dagegen.� Konservativ war das Etikett, das sich die antirepublikanische Koalition aus Demokraten und ehemaligen Nationalrepublikanern angeheftet hatte.</p><p>�Wade Hampton unterh�lt eine Schule auf seiner Plantage. Er ist ein �berzeugter Konservativer.�</p><p>�Ja, aber gef�rbt von einigen ungl�cklichen Ansichten. Es ist sinnlos, �ber General Hampton zu reden. Er ist ein einmaliger Fall.�</p><p>Er meint, er sei unangreifbar - was ich nicht bin.</p><p>�Leverett, ich wollte, ich k�nnte es verstehen. Warum sind Sie so absolut dagegen, den Menschen eine anst�ndige Bildung zu geben?�</p><p>�Nicht Menschen. Niggern. Die Idee vergiftet South Carolina. Zuerst hatten wir diese Yankee-Weiber, die in St. Helena unterrichteten. Dann Ihre freie Schule. Jetzt haben wir die �ffentlichen Schulen. Als Folge davon haben wir nicht nur rachs�chtige, minderwertige Nigger, die uns zu regieren versuchen, sondern wir haben auch eine bedr�ckende Finanzlast in Form von anr�chigen Schulsteuern zu tragen.�</p><p>�Also l�uft es aufs Geld hinaus. Auf Habsucht.�</p><p>�Gerechtigkeit! Fairne�! Mit dem Absatz in der Staatsverfassung, der �ffentliche Schulen verlangt, habe ich nichts zu tun. Mr. Cooper Main ebenfalls nicht. Erst letzte Woche haben wir zusammen bei mir zu Hause gespeist, und ich kenne seine Einstellung. Und die verschiedenen Umst�nde, die daf�r verantwortlich sind�, f�gte er hinzu und warf ihr einen scharfen Blick zu. Sie nahm an, da� sich die Bemerkung des Bankiers auf Marie-Louises Ehe bezog.</p><p>�Ihr Schwager und ich stimmen vollkommen �berein, was die Schulen angeht�, fuhr Dawkins fort. �Da sie uns von der Bundesregierung aufgezwungen wurden, soll auch die Bundesregierung f�r sie bezahlen.�</p><p>�Ich bekomme kein Regierungsgeld, Leverett.�</p><p>�Aber soviel ich wei�, sind h�ufig Kleriker und B�rokraten der Yankees bei Ihnen zu Besuch, die Ihre Schule f�r ein Musterbeispiel an radikalem Unternehmungsgeist halten. Ich wundere mich, da� der Ku-Klux nicht noch mal zugeschlagen hat. Ich bin nicht f�r Gewalt, aber Sie werden sich schon selbst die Schuld geben m�ssen, wenn es dazu kommt.�</p><p><emphasis>Das sind also unsere Aussichten. Manchmal bete ich zu Gott, er m�ge mir alles vom Leibe halten, was in irgendeiner Beziehung zu &gt;dem Wiederaufbau steht!!</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark75"><strong>57</strong></p></title><p>�H�bsch?� sagte Bent. �H�bsch, Gus?� Er griff sich ans linke Ohr und sch�ttelte den Tr�nenohrring.</p><p>Das kleine Feuer prasselte im M�rzwind. Sie kampierten auf einem �den Hang in den Wichita Mountains, Granitgipfeln, die abrupt aus der Ebene emporstiegen. Vor zwei Tagen hatte Bent n�rdlich der Berge eine Kavalleriekolonne gesichtet, die von Osten nach Westen unterwegs war. Er hatte den kleinen Gus und den gesprenkelten Grauen zu Boden gezerrt, bis der Trupp verschwunden war. Erst heute abend hatte er es wieder gewagt, ein Feuer zu machen.</p><p>Er drehte dem Jungen seine linke Gesichtsh�lfte zu und klimperte erneut mit dem Ohrring. �Ist das nicht h�bsch?�</p><p>In seinem seit Tagen ungewaschenen Gesicht leuchteten Gus' Augen wie polierte braune Steine. Bents Erziehungsma�nahmen hatten ihre Spuren in diesen Augen hinterlassen, zusammen mit einer Schwellung an Gus' Kinn, seiner Stirn und einer Absch�rfung an seinem rechten Auge. Bent hielt den Jungen in st�ndiger Angst und vollkommener Abh�ngigkeit; der Vierj�hrige war dankbar f�r jeden Brocken Fleisch und jeden Schluck schalen Wassers, die ihm sein Entf�hrer bewilligte. Er hatte gelernt, da� der Zorn des Mannes schnell und ohne Grund aufflammen konnte.</p><p>Bent klimperte weiter mit dem Ohrring. Gus wu�te nicht, was sein Entf�hrer von ihm erwartete. Bent l�chelte, und der Junge dachte, er solle den Ohrring ber�hren. Vorsichtig hob er die Hand, streckte sie aus.</p><p>Bent schlug ihn so hart, da� er umfiel. Er ri� Gus an den Haaren wieder hoch, schlug ihm zweimal ins Gesicht. �B�ser Junge. Nicht anfassen. Wenn du ein b�ser Junge bist, wacht mein Freund auf.�</p><p>Aus der Tasche seines dreckigen Fracks holte er das Rasiermesser. Schnippte es auf. Mit offenem Mund zuckte Gus zur�ck. Er gab keinen Laut von sich; Bent schlug ihn, wenn er L�rm machte. Auch das Rasiermesser hatte er zuvor schon gesehen, war damit geritzt worden.</p><p>Im Schein des Lagerfeuers scho� die Klinge Silberblitze. Gus kr�mmte sich, rutschte auf seinem Hosenboden weiter zur�ck. Wieder l�chelte Bent. �Du wei�t, was mein Freund mit b�sen Jungen macht, nicht wahr? Er tut ihnen weh.�</p><p>Bent kniete sich hin, sein Arm scho� blitzschnell �ber das Feuer. Die Schneide des Rasiermessers huschte auf Gus' Kehle zu. Gus schrie auf und fiel zur Seite, bedeckte sein Gesicht. Im letzten Moment hatte Bent den Sto� abgefangen und die Klinge wenige Zentimeter vom Hals des Jungen entfernt gestoppt.</p><p>Gus' Schrei war so durchdringend, da� er ihm irgendwie den ganzen Spa� verdarb. In Bents Kopf hallten merkw�rdige Echos des Schreis wider. Er lie� das Rasiermesser fallen, rannte um das Feuer und sch�ttelte den Jungen an den Schultern. �Du bist wirklich ein b�ser Junge. Ich habe dir gesagt, du sollst keinen L�rm machen. Wenn du das nochmal tust, dann lass' ich dich von meinem Freund bei�en. Du wei�t, wie es ist, wenn er dich bei�t.�</p><p>Gus begann zu wimmern. Bent nahm seinen Zylinder ab und wischte sich mit dem �rmel �ber die gl�nzende Stirn; schmutzige Streifen blieben zur�ck. �Schon besser. Roll dich in die Decke, und schlaf, bevor ich meinen Freund bitte, dich zu bei�en, weil du so b�s warst.�</p><p>Leise und vorsichtig schlich Gus zu einer dreckigen Satteldecke. L�ngst schon waren die L�use von der Decke auf seinen K�rper und sein Haar �bergewechselt. Er zog die Decke bis zu den Augen hoch. Mit dem Daumenballen wischte Bent etwas Schmutz von dem Rasiermesser. In einem bestimmten Winkel blitzte die Klinge im Feuerschein auf und blendete Gus. Nach dem drittenmal versteckte sich der Junge unter der Decke.</p><p>Es war sehr befriedigend, dem Jungen weh zu tun. Jedesmal hatte Bent dabei das Gef�hl, auch Charles Main weh zu tun. Au�erdem hatte das einen praktischen Vorteil: Es unterband jegliche Fluchtversuche. Gus war gr�ndlich eingesch�chtert; er quatschte nicht, zeigte nicht die f�r einen Vierj�hrigen typische Energie. In wachem Zustand war er so schweigsam wie ein kranker alter Mann. Bent hatte ihn wie ein Pferd gebrochen. Er betrachtete das B�ndel unter der Decke. �Gut�, sagte er leise. �Gut.�</p><p>Der angepflockte Graue hatte sich vor einer halben Stunde niedergelegt und immer noch nicht wieder erhoben. Das Pferd sah Bent mit Augen an, die ihn an die des Jungen erinnerten. Es war ausgelaugt. Die Rippen waren deutlich zu sehen, und das Maul war wund. In den n�chsten Tagen w�rde Bent es erschie�en m�ssen; dann ging es zu Fu� weiter. Zumindest konnten sie das Fleisch essen.</p><p>Er setzte seinen Hut auf, zog seinen Revolver und zerrte seine eigene Decke �ber seine Beine. Es war Zeit, sich ein paar Gedanken �ber die Zukunft zu machen. Er brauchte einen Unterschlupf f�r die Sommermonate. Die Nahrungsmittel gingen ihm aus, und er sah sich der st�ndigen Bedrohung gegen�ber, von einer Armeepatrouille im Territorium erwischt zu werden, wo er nichts zu suchen hatte.</p><p>Eine Zeitlang hatte er quer durch Kansas absichtlich Spuren hinterlassen, um Gus' Vater zu qu�len; da hatte er sich um seine pers�nliche Sicherheit keine Gedanken gemacht. Dann war er gezwungen gewesen, diesen Ladenbesitzer in Abilene niederzuschlagen, und kurz darauf hatte er den Verdacht dieser fetten Schlampe erregt, der Besitzerin der Pension in Ellsworth City. An diesem Punkt hatte er beschlossen, da� die Sache das Risiko nicht mehr wert war. Charles Main wu�te, da� er den Jungen in seiner Gewalt hatte; das sollte einstweilen mal gen�gen. Er verwischte seine F�hrte, indem er sich nach S�den wandte, dem Territorium zu, wo er sich beliebig lange sicher verstecken konnte. Er war �berzeugt davon, da� Charles ihm wegen der damit verbundenen Gefahren niemals folgen w�rde.</p><p>Er starrte in dunkle Fernen und dachte daran, wie er zusammen mit Charles noch vor dem Krieg in der Zweiten Kavallerie gedient hatte. Charles war ein gutaussehender gro�er Bursche gewesen, mit den f�r S�dstaatler typischen, schmierigen guten Manieren. Bent hatte ihn anziehend genug gefunden, um ihm ein Freundschaftsangebot zu machen, das Charles zur�ckgewiesen hatte. Bent ha�te ihn deswegen um so mehr. Sein Blick irrte zu dem regungslosen H�uflein unter der Decke. Er war noch nicht fertig mit Gus - oder mit seinem Vater.</p><p>Am n�chsten Tag erscho� er den Grauen und zerlegte ihn. Als er darauf bestand, da� Gus halbgares Pferdefleisch essen sollte, leistete der Junge Widerstand. Bent pre�te ihm das Fleisch in den Mund, und Gus erbrach alles �ber Bents Stiefel. Er hatte schon die Klinge des Rasiermessers gegen Gus' Kehle gedr�ckt, ehe die Vernunft wieder die Oberhand gewann. Er brauchte den Jungen f�r seine sp�teren Pl�ne.</p><p>Er lie� den alten gestohlenen Sattel bei dem Pferdekadaver zur�ck und nahm nur die Satteltaschen mit. Er marschierte in westlicher Richtung los, weg von dem Berg, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten; der kleine Gus folgte links von ihm einen Schritt zur�ck, wie ein gut dressierter junger Hund.</p><p>Vermilion Creek m�ndete in den Elm Fork, manchmal auch Middle Fork genannt. Es war eine einsame Gegend west-nordwestlich von Fort Cobb, nach Bents Sch�tzung nicht weit von der texanischen Grenze entfernt.</p><p>Es gab hier eine Menge Wild - Kaninchen, Pr�rieh�hner, sogar einen Hirsch, den Bent mit seinem Schu� verfehlte. Hunger mu�ten sie keinen leiden; f�r gew�hnlich war er ein ausgezeichneter Sch�tze.</p><p>Bent begann die belebende Wirkung des Fr�hlingswetters zu sp�ren, w�hrend sie am Vermilion Creek flu�auf gingen. Der st�ndige Wind lie� die Felder mit wilden Veilchen wogen und trug einen rosa Bl�tenregen von Judasb�umen heran. Hoch �ber ihnen flogen Schw�rme von G�nsen nach Norden.</p><p>Eben noch hatte Bent das Rascheln von Gus' aufgerissenen Schuhen auf dem Schiefergestein geh�rt, dann herrschte Stille. Er drehte sich um und wollte den Jungen schlagen, unterlie� es dann aber. Gus schaute voraus, den Bach entlang. Einen Moment lang waren seine Augen frei von Furcht und voller Neugierde.</p><p>Bent wandte sich wieder um und hielt den Atem an. Ein hinter dem Horizont verborgenes Feuer sandte eine d�nne, graue Rauchs�ule in den klaren Himmel.</p><p>Indianer? Durchaus m�glich. Es konnte aber auch das Camp von B�ffelj�gern sein. Bent stie� Gus in das kn�cheltiefe Wasser. �Wasch dein Gesicht und deine H�nde. Wir m�ssen anst�ndig aussehen, falls wir auf wei�e M�nner treffen.�</p><p>Das Wasser, das durch Bents Finger flo�, f�rbte sich vom Dreck dunkel. Gus machte ihm alles nach, st�ndig auf der Hut vor irgendwelchen Anzeichen von Mi�fallen. Langsam verschwand der Schmutz aus dem Gesicht des Jungen, doch die Male der Schl�ge blieben.</p><p>Es war nicht blo� ein Camp, es war ein zivilisierter Au�enposten am Ufer des Fl��chens. Das Hauptgeb�ude, aus dem der Rauch aufstieg, war rechteckig, aus Lehmziegeln erbaut. Bent, der sich hinter einigen Eichen verborgen hatte, starrte verbl�fft die beiden Indianerponys an, die vor dem Eingang angebunden waren. Eine Seitent�r f�hrte in einen kleinen Pferch mit einem gro�en, dunkelbraunen Fuchs und zwei Maultieren. Dahinter war halb versteckt ein primitiver Stall zu sehen.</p><p>Pl�tzlich rief Gus: �Schau!� und zeigte mit dem Finger. Bent pre�te eine Hand auf Gus' Mund und verdrehte den Kopf des Jungen, bis er einen schmerzerf�llten Laut h�rte. Erst dann nahm Bent seine Hand wieder weg.</p><p>Das Tier, das Gus so in Aufregung versetzt hatte, erregte seine Neugier. Es war ein gut gef�tterter Waschb�r. Sein pelziger Bauch streifte den Boden, als er am Hauptgeb�ude vorbeitrottete. Hielt sich jemand den B�ren als Scho�tierchen?</p><p>Bent streifte die Satteltaschen von seiner Schulter und kn�pfte seinen alten Mantel auf. Er �berpr�fte seinen tiefgeschnallten Revolver und schnippte dann mit den Fingern. Sofort griff Gus nach seiner Hand.</p><p>Mann und Junge n�herten sich dem Geb�ude. Der Waschb�r entdeckte sie und rannte auf den Stall zu. Bent hielt vor der Eingangst�r an. Er h�rte Stimmen. Da er nicht als Streuner erschossen werden wollte, schrie er: �Hallo, da drinnen!�</p><p>�Hallo. Wer da?�</p><p>Die T�r �ffnete sich quietschend. Zuerst erschien die M�ndung einer Schrotflinte. Dann tauchte der dazugeh�rige Mann auf. Er war �rmlich gekleidet, hatte einen H�ngebauch und ein Gesicht, das Bent an einen erhitzten Weihnachtsmann erinnerte. Der Mann hatte sein Haar, mehr grau als wei�, in der Mitte gescheitelt und zu langen Z�pfen geflochten. Jede Flechte war am Ende mit einem Perlenband umwickelt. Kleine, in den rechten Zopf eingebundene Gl�ckchen klingelten.</p><p>�Mein Name ist Captain Dayton. Mein Neffe und ich haben uns verirrt. Wir sind nach Westen unterwegs.�</p><p>�Nicht durch das Indianerterritorium, wenn Sie das Gesetz kennen�, sagte der Mann, deutlich an Bents Worten zweifelnd.</p><p>�Wir sind nicht in Texas?�</p><p>�Da fehlen doch noch ein paar Meilen.� Der Mann suchte die Gegend hinter Bent ab, als hielte er Ausschau nach Soldaten. Wieder musterte er Bent. Er entschied, da� dieser Fremde mit dem Zylinderhut ebenso am Rande des Gesetzes stand wie er selbst.</p><p>Die Farbe kehrte wieder in die H�nde des Mannes zur�ck, als sich sein Griff um die Schrotflinte lockerte. �Ich bin Septimus Glyn. Das hier ist meine Ranch.�</p><p>Nicht gerade die Welt, dachte Bent. �Was bauen Sie an, Glyn?�</p><p>�Nichts. Ich verkaufe das, was das Indianerb�ro nicht verkauft.� Der Mann hatte eine anma�ende Art, schien jedoch nicht gef�hrlich zu sein. Das Gef�hl seiner pers�nlichen Bedeutung verlieh ihm zus�tzliche Energie. Wenn dieser ignorante H�ndler w��te, da� er mit dem amerikanischen Bonaparte sprach? Das w�rde ihn ganz ordentlich in Erstaunen versetzen.</p><p>�Ich habe etwas Geld, Glyn. Verkaufen Sie Nahrungsmittel?�</p><p>Glyn dachte noch einmal �ber Bents �berraschendes Auftauchen in dieser Wildnis nach. Er wu�te nicht, worauf der Mann aus war, entschied aber, da� ein Profit ein kleines Risiko wert war. �Ja, hab' ich. Und Whisky, falls Sie durstig sind. Hab' sogar noch was, was Ihnen vielleicht auch gef�llt.� Er trat beiseite. �Kommen Sie herein.�</p><p>Bent zog Gus mit sich. �H�bscher kleiner Bengel�, sagte Glyn. �Bi�chen verschrammt.�</p><p>�Ist vom Pferd gefallen.�</p><p>Glyn stellte keine Fragen.</p><p>Die M�blierung �berraschte Bent: zwei gro�e, runde, mit Flecken �bers�te Pinientische; St�hle; eine breite Planke, �ber F�sser gelegt, dahinter ein Bord mit einer Reihe von Flaschen ohne Etikett. Eine rote Decke hing als Vorhang vor einer T�r, die vielleicht zu den Wohnr�umen f�hrte.</p><p>An einem Tisch sa�en zwei Indianer vor einer braunen Flasche. Beide waren in mittleren Jahren. Der eine war sehr fett. Sie musterten Bent und den Jungen aus verquollenen, mi�trauischen Augen. �Das sind Caddoes�, sagte Glyn und legte die Schrotflinte auf seine provisorische Bar. �Harmlos. Ich jage alle Comanchen weg, die Whisky wollen. Sind zu unberechenbar.�</p><p>Das also war eine dieser illegalen Whisky-Ranches. Bent hatte geh�rt, da� eine Anzahl von ihnen im Territorium operierten. Sie lieferten Waffen, Stoffe, haupts�chlich aber den Whisky, den die Regierung den St�mmen vorzuenthalten versuchte.</p><p>Die rote Decke hob sich, und Bent sah etwas, was ihn vor Verbl�ffung erstarren lie�. Da stand ein hellbraunes Indianerm�dchen; ihr Wildlederkleid war vom Essen und Trinken verschmutzt. Zuerst dachte er, sie sei �ber drei�ig. Ihre Augen waren vom Schlaf noch ganz schmal, und ihr schwarzes Haar hing ihr ungek�mmt und wirr herunter. Ihr Gesicht war m�rrisch. Sie schob sich barfu� auf Glyn zu, strich ihr Haar vom rechten Auge zur�ck und musterte Bent ziemlich unversch�mt. Er bemerkte ihre vollen Br�ste unter dem Lederkleid und sp�rte ein unerwartetes Beben. Seit �ber einem Jahr hatte er keine Frau mehr gehabt oder gewollt.</p><p>Glyn schenkte eine klare Fl�ssigkeit aus einer Flasche ein. �Das ist meine Frau, Gr�nes Gras. Eine Cheyenne. Vor einem Jahr hab' ich sie aus ihrem Dorf mitgenommen. Sie wollte was von der Welt sehen, und ich hab' ihr gezeigt, wie die Welt aussieht, wenn man flach auf dem R�cken liegt. Sie z�hlt erst achtzehn Winter. Hat allerdings viel f�r Gin �brig. Hab' ich ihr beigebracht, und gewisse andere Sachen auch.� Glyn r�usperte sich. �Was ich sagen will - sie ist auch zu verkaufen.�</p><p>Bent senkte den Kopf. Er hatte bereits entschieden, da� er sie wollte. Allerdings hatte er nicht die Absicht, daf�r zu bezahlen.</p><p>Septimus Glyn stellte einige Scheiben kalten Wildbrets und Whisky auf den Tisch, der schmeckte, als w�re er mit Cayennepfeffer aufgem�belt worden. Bents Lippen brannten wie Feuer. �Wo kriegen Sie das Zeug her?�</p><p>�Von dr�ben aus Texas. Dunn's Station. Gibt dort ein paar Ranger, aber denen geh' ich aus dem Weg. Einmal im Monat mach' ich eine Tour durch die Indianerd�rfer. Sind nicht mehr viele �brig, seit die Armee eingedrungen ist. Die restliche Zeit schlag' ich mich hier durchs Leben. Sie haben mich aus dem B�ro rausgeworfen, aber mir gefiel das Land, also blieb ich. Vor allem v�gle ich gern Indianerfrauen. Sie riechen so sch�n nach Moschus. F�r zwei Dollar k�nnen Sie's selber feststellen.�</p><p>�Vielleicht sp�ter. Gus, i� was.� Der kleine Junge ri� Fleischfetzen ab und zwang sie sich in den Mund. Mit leidendem Gesicht kaute er.</p><p>Bent entschied, da� er seinen Unterschlupf gefunden hatte. �Wir wollen wirklich noch vor dem Winter nach Kalifornien. Aber wir k�nnten hier �bernachten, wenn Sie nichts dagegen haben.�</p><p>Glyn sch�ttelte den Kopf. �Schlaft im Stall oder in meinem Wagen. Steht hinten. Kostet einen Dollar.�</p><p>�In Ordnung�, sagte Bent. Er kramte einen Dollarschein aus seinem Mantel und gl�ttete ihn. Er gab ihn Glyn, ohne sich gro� Gedanken dar�ber zu machen; der Transfer war schlie�lich nur vor�bergehend.</p><p>Die alten Caddoes, heruntergekommene M�nner, die bis kurz vor dem Umfallen tranken, brachen vor Sonnenuntergang auf. Bent und der kleine Gus brachten ihre Decken in den alten Planwagen, der sauberer war als der Schuppen, der als Stall diente. Bent fuhr sich �fter mit der Hand zwischen die Beine; den gr��ten Teil des Nachmittags war er steif vor Erregung.</p><p>Er wartete mehrere Stunden, bis er es nicht mehr aushalten konnte, dann kroch er aus dem Wagen, ohne Gus zu wecken. Er �ffnete die Eingangst�r der Whisky-Ranch, die nur einmal kurz knarrte, was keine Rolle spielte, da hinter der roten Decke lautes St�hnen und Grunzen ert�nte. Bent zog seinen Revolver.</p><p>Er durchquerte den Hauptraum, geleitet von einem schwachen Gl�hen hinter dem Vorhang. Das Cheyenne-M�dchen stie� ein tiefes, lautes St�hnen aus. Bent sp�hte um den Rand der Decke. Im k�mmerlichen Schein einer Laterne sah er die schwitzende R�ckseite des M�dchens; sie sa� mit gegr�tschten Beinen �ber dem Whiskyh�ndler und pumpte auf und nieder, den Kopf zur�ckgeworfen, die Augen geschlossen. Glyn rieb ihre Br�ste. Seine beiden H�nde waren sichtbar; die Schrotflinte lehnte au�er Reichweite an der Wand. Gut. Jetzt kam es nur noch auf Geschwindigkeit an.</p><p>Bent ri� die Decke beiseite und war mit drei Schritten neben dem Bett. Gr�nes Gras kreischte auf, und Glyn quollen die Augen aus dem Kopf. Er wollte nach seiner Schrotflinte greifen, gab es aber gleich wieder auf. �Was zum Teufel haben Sie hier zu suchen, Dayton?�</p><p>�Ich will diesen Platz�, sagte er l�chelnd.</p><p>�Du verdammter Narr, du, der ist nicht zu verkaufen.�</p><p>Bent langte am Unterarm des Indianerm�dchens vorbei und jagte ihm eine Kugel in den Kopf, knapp oberhalb der Augen. Er zerrte die Leiche in den anderen Raum, kam dann wieder zur�ck, kn�pfte seine Hose auf und rollte sie auf den R�cken. Sie hatte viel zuviel Angst, um Widerstand zu leisten.</p><p>So �bernahm Bent die Whisky-Ranch. Zwei Tage sp�ter tauchten drei andere Caddoes auf. In gebrochenem Englisch erkundigten sie sich nach Glyn, den Bent eine halbe Meile entfernt beerdigt hatte. �Weg. Er hat mir alles verkauft.� Die Caddoes stellten keine weiteren Fragen. Bevor sie wieder gingen, hatte er ihnen Whisky f�r vier Dollar verkauft.</p><p>Gr�nes Gras schien es egal zu sein, wer ihr Mann war, solange er ihr nur Gin gab. Den billigsten, s��esten Gin, wie Bent nach einem Schluck entdeckte, den er gleich wieder ausspuckte. Septimus Glyn mu�te ein erstklassiger Verf�hrer gewesen sein, um das M�dchen so total zu korrumpieren. Eines Morgens verweigerte Bent ihr den Gin, um zu sehen, was passierte. Sie bettelte. Er gab nicht nach. Sie weinte. Er blieb immer noch bei seinem Nein. Sie sank auf die Knie und ri� an den Kn�pfen seiner Hose. Verbl�fft lie� er sich von ihr in seinem Glauben best�rken, da� alle Frauen verkommene Huren waren. W�hrend sie sich noch an seinen Beinen festklammerte, stie� er ihren Kopf zur�ck und go� ihr Gin in den Mund. Den Jungen, der in der T�r stand und sich mit einer Hand an der roten Decke festhielt, sah er nicht. Seine F��e waren nackt, sein graues Arbeitshemd starrte vor Dreck, seine Augen waren riesig in dem ausdruckslosen Gesicht.</p><p>Gegen Sonnenuntergang des siebten Tages begann sich Bent allm�hlich zu Hause zu f�hlen. Er hatte das ausgefranste, rissige �lgem�lde von Madeline Mains Mutter aufgeh�ngt und das Haus ges�ubert. Kurz bevor es dunkel wurde, trat er hinaus, den Arm um Gr�nes Gras gelegt. Ihre gro�e, weiche Brust pre�te sich gegen ihn, und ihre H�fte rieb sich provozierend an der seinen.</p><p>Little Gus, der die meiste Zeit sich selbst �berlassen blieb, hatte sich mit dem zahmen Waschb�ren angefreundet. In dem r�tlichen Abendlicht jagte er ihn am Bach entlang. Der Bach gl�nzte wie flie�endes Blut, und in der k�hlen Abendluft vernahm er einen Laut, den er schon lange nicht mehr geh�rt hatte; Little Gus' fr�hliches Lachen.</p><p>Nun, warum sollte er ihn nicht lachen lassen? Bald schon w�rde er keine Chance mehr dazu haben. Bent hatte nun seinen Plan gefa�t. Er w�rde noch einige Monate warten; vielleicht bis Herbst oder Anfang Winter. Bis dahin w�rde Charles Main versuchen, sich an den Gedanken zu gew�hnen, da� er seinen Sohn verloren hatte. Gerade dann, wenn er allm�hlich lernte, mit seinem Kummer umzugehen, w�rde Bent erneut zuschlagen und ihm Nachricht zukommen lassen, da� Gus noch fast ein ganzes Jahr gelebt hatte und erst vor kurzem get�tet worden war. Es w�rde ein zweischneidiger Tod sein, bei dem sich Schmerz mit Schuldgef�hlen mischte. Sein Lebtag lang w�rde Charles der Gedanke verfolgen, da� sein Sohn vielleicht noch leben k�nnte, wenn er die Suche nicht aufgegeben h�tte, wovon Bent inzwischen �berzeugt war. Nat�rlich mu�te er Teile der Leiche des Jungen liefern, um zu beweisen, da� er tot war. Sein Rasiermesser w�rde ihm da eine gro�e Hilfe sein.</p><p>Little Gus' Lachen klang durch die hereinbrechende Dunkelheit. Gr�nes Gras legte ihre Wange auf Bents rechte Schulter. Er war gl�cklich. Die Welt war gut.</p></section><section><title><p id="bookmark76"><strong>58</strong></p></title><p><emphasis>C</emphasis>harles bog um die Ecke und dr�ckte sich gegen die Vorderseite des Grasdachhauses. Seinen Revolver hielt er schu�bereit in Brusth�he. Eines der Pferde wieherte, ein ferner Laut. Graue Eule bewachte sie in einem Pappelw�ldchen, ungef�hr eine halbe Meile entfernt.</p><p>Charles roch kalte Asche. Ein Feuer war sorglos oder hastig zugesch�ttet worden. Die Pferde�pfel im Pferch waren mindestens einen Tag alt; beschlagene Pferde hatten den Boden aufgew�hlt. Niemand w�rde hier eine Farm aufbauen, sagte sich Charles. Sie hatten die Basis einiger abtr�nniger H�ndler gefunden.</p><p>Eine schlammige Stiefelspitze tauchte an der entfernten Hausecke auf. Magic Magee glitt um die Ecke und schob sich mit dem R�cken zur Wand voran. Das Nachmittagslicht verbla�te schnell und nahm eine seltsame gr�nlich-goldene F�rbung an. Von Westen her schoben sich die Wolken eines gewaltigen Sturms auf das Haus zu, wie ein am Himmel ausgerollter Teppich. Magee beobachtete Charles, wartete auf ein Zeichen. Der schwarze Mann trug seine Melone mit der Truthahnfeder; nichts an seiner Kleidung wies auf einen Soldaten hin.</p><p>Charles lauschte an der Plankent�r. Nur eine sehr laute Stimme h�tte das Toben des Sturms �bert�nen k�nnen. Er h�rte nichts. Der Wind trocknete den Schwei�, der sich in Charles' Bart sammelte. Magee kroch n�her heran, zur anderen Seite der T�r. Charles hielt drei Finger hoch, z�hlte dann lautlos. Bei drei sprang er vor die T�r und trat sie mit dem Stiefel auf. Ein gewaltiges, schweres Ding sauste aus der Dunkelheit direkt auf sein Gesicht zu. Er feuerte zweimal.</p><p>Das Echo der Sch�sse ging im Sturm unter. Magees Blick folgte dem Vogel, der dicht �ber Charles' Kopf gestrichen war. �Ein Helfer von Graue Eule.�</p><p>Die Eule verschwand in der dunklen Wolkenmasse. Mit schu�bereitem Colt sprang Charles ins Haus. Er roch Tabakrauch neben dem st�rkeren Aschegeruch. Jemand hatte Wasser �ber das Feuer gesch�ttet; er sah den Eimer. Alles deutete auf einen schnellen Aufbruch hin.</p><p>Er steckte den Revolver weg. �Sag Graue Eule, er soll die Pferde bringen. Wir k�nnen genausogut hier vor dem Sturm Schutz suchen.�</p><p>Magee nickte und ging. Es gab nichts zu sagen. Charles' Entmutigung war offensichtlich.</p><p>Der Regen fiel in h�mmernden Sturzb�chen. Sie zerkleinerten einen alten Stuhl und z�ndeten das Feuer wieder an. Es sorgte f�r etwas Licht, konnte aber die durchdringende Feuchtigkeit nicht vertreiben. Die Pferde wieherten. Die Blitze waren grell, der Donner ohrenbet�ubend.</p><p>Graue Eule kauerte in einer Ecke, seine Decke um sich gezogen. Er sah �lter aus. Vielleicht kam es Charles auch nur so vor, weil er sich selbst so f�hlte. Er nagte an einem St�ck Trockenfleisch und sah Magee zu, der mit einem alten Kartenspiel �bte.</p><p>Seit zweieinhalb Wochen suchten sie nun schon. Sie hatten einen Bogen nach S�dwesten geschlagen, um dem Versorgungslager auszuweichen, und schlie�lich dieses Haus hier am Wolf Creek entdeckt. Charles hatte gehofft, die Bewohner befragen zu k�nnen, aber wer immer sie auch gewesen sein mochten, sie waren ganz pl�tzlich aufgebrochen, was ihn nerv�s machte.</p><p>Der heftige Regen verst�rkte noch seine Mutlosigkeit. Er fiel Stunde um Stunde und w�rde alle Spuren fortschwemmen, die ihnen vielleicht h�tten weiterhelfen k�nnen.</p><p>Nachdem das Feuer erloschen war, lag Charles noch lange wach. Seine Phantasie gaukelte ihm Bilder seines Sohnes vor, dann wieder sah er Bent vor sich, der gerade George Hazards Frau ermordete und ihren Ohrring stahl. Dieses Detail erf�llte ihn, mehr als alles andere, mit gro�er Angst und Sorge. Vor Jahren in Texas war Bent wenigstens phasenweise geistig normal gewesen. Jetzt konnte man nicht einmal mehr das von ihm behaupten.</p><p>Am Morgen entdeckten sie, da� zwei der Pferde ihre Halterstricke zerrissen hatten und fortgelaufen waren.</p><p>Der Sturm hielt bis Mittag an und �berflutete tiefergelegene Stellen. Sie bereiteten gerade ihren Aufbruch vor, da fiel Charles der Gesichtsausdruck von Magee auf. Der schwarze Mann sattelte mit d�sterem Blick sein Pferd, was ihm gar nicht �hnlich sah.</p><p>Graue Eule n�herte sich mit einer gewissen Ehrerbietigkeit. �Wie lange suchen wir noch?�</p><p>�Bis ich was anderes sage.�</p><p>�Es gibt keine Spur, der wir folgen k�nnen. Der Mann und der Junge k�nnen �berallhin gegangen sein. Oder sie sind zur�ck.�</p><p>�Ich wei�, aber ich kann einfach nicht aufgeben. Kehr um, wenn du willst.� Groll schwang in seiner Stimme mit.</p><p>�Nein. Aber f�r Magee ist es nicht leicht, so lange fort zu sein.� Verwundert wartete Charles. �Er hat jetzt eine Squaw. Eine gute Delaware-Frau, deren Mann gestorben ist.�</p><p>�Bis er mir sagt, er will zur�ck, gehen wir weiter. Alle drei.�</p><p>Graue Eule empfand Schmerz f�r seinen Freund. Die Verfolgung war aussichtslos. Nicht einmal der geschickteste F�hrtenleser konnte einen Mann und ein Kind aufsp�ren, wenn die F�hrte so alt und das Land so gewaltig und voller Verstecke war.</p><p>Mit dem April kamen die Kr�hen und Kardinalv�gel. Nach jedem Schauer gab es Kr�ten in H�lle und F�lle. Die s�� duftende, bl�hende Fruchtbarkeit des Fr�hlings erbitterte Charles auf eine irrationale Art und Weise. Nachts versank er in schweren Schlaf mit zahllosen Tr�umen. Noch nie hatte er sich so ersch�pft gef�hlt, so ohne jede Hoffnung. Die Gespr�che zwischen den M�nnern waren l�ngst auf das �u�erste Minimum reduziert worden und drehten sich nur noch um den Plan f�r den Tag.</p><p>Eines fr�hen Morgens entdeckten sie in der Ferne eine der s�dlichen B�ffelherden, die mit dem warmen Wetter nach Norden zur�ckkehrten. Sie t�teten eine B�ffelkuh, stopften sich mit frisch gebratenem Fleisch voll und packten so viel ein, wie sie essen konnten, bevor es verdarb. Die Bussarde leisteten ihnen Gesellschaft, warteten auf ihren Aufbruch.</p><p>Der Zug der B�ffel erinnerte Charles an die unendliche Weite des Territoriums. Ein ganzes Armeecorps konnte hier durchziehen, ohne da� sie es bemerkten. Er hatte sich eingeredet, da� man das Territorium absuchen konnte, wie man ein Zimmer absuchte. Er war verzweifelt; er mu�te so denken. Jetzt erkannte er, wie l�cherlich das gewesen war. Er dachte nun realistischer. Das geh�rte sich so f�r einen Mann, der Partner bei der Jackson Trading Company gewesen war, doch es raubte ihm auch die Hoffnung.</p><p>Die Stimmung seiner Begleiter half ihm auch nicht. Magee war m�rrisch wegen der Delaware-Frau, und Graue Eule erging es nicht anders, weil er seine Begleiter nicht mit Erfolg f�hren konnte. Er versagte in dem Punkt, der den Sinn seines Lebens ausmachte.</p><p>Stundenlang ritten sie dahin, ohne zu sprechen, jeder in sich selbst versunken. Im S�den stiegen die Wichitas wie Monumente in einem flachen Feld empor. Sie hielten auf die tieferen H�nge der Westseite zu, wo sie Spuren im �berflu� fanden. Eine Menge Indianer hatten hier vor ungef�hr einer Woche ihre Tipis aufgebaut. So viele Indianer - nach Charles' Sch�tzung mehrere hundert -, da� Zeit und Wetter die Spuren noch nicht v�llig hatten verwischen k�nnen.</p><p>Nachdem sie die Nacht �ber kampiert hatten, machte sich Charles in dem taufunkelnden Morgen zu Fu� auf die Suche. Er entdeckte einen verrosteten Kessel; ein Druck mit dem Daumen machte sofort ein Loch in die d�nne Rostschicht. Es mu�te ein verarmtes Dorf gewesen sein, das hier gelagert hatte.</p><p>Graue Eule trottete heran. �Schau dir das an�, sagte er.</p><p>Charles folgte ihm zum Fu� des Berges, wo noch einige Spuren von Schleppstangen zu sehen waren. Er kniete nieder, um sie zu studieren. Zwischen den Stangenspuren sah er die Abdr�cke von Mokassins. Er strich mit den Fingern leicht �ber einen Abdruck, verwischte ihn fast. Der Abdruck geh�rte zu einer Frau, einer schwergewichtigen Frau; kein Mann w�rde Schleppstangen ziehen.</p><p>Charles schob seinen schwarzen Hut zur�ck und sprach das aus, was Graue Eule bereits wu�te. �Es gibt keine Hunde mehr. Sie haben sie gegessen. Sie sind am Verhungern. Sie sind nicht aus freiem Willen aufgebrochen; sie sind auf der Flucht. Von hier k�nnten sie nach S�den ziehen. Oder nach Westen, nach Texas. Vielleicht den ganzen Weg bis in den Llano.�</p><p>Graue Eule kannte den Llano - die gro�e W�ste; eine ungastliche Wildnis. �Westen�, nickte er.</p><p>Sie ritten mit etwas mehr Energie. Hier hatten sie endlich eine gr��ere Menschengruppe vor sich, von denen einige vielleicht einen wei�en Mann und einen Jungen gesehen hatten. Charles wu�te, da� jede Wahrscheinlichkeit dagegen sprach, aber zumindest war es ein Kr�melchen Hoffnung.</p><p>Sie konnten den Spuren eines so gro�en Zuges leicht folgen, bis zu der Nordgabelung des Red, dann anderthalb Tage weiter nach Nordwesten. Pl�tzlich stie�en sie auf ein Gewirr von F�hrten, die �berreste eines anderen Lagers und jenseits des Flusses von Hufen zertrampelte Erde, was darauf hindeutete, da� sich eine zweite gro�e Indianergruppe der ersten angeschlossen hatte.</p><p>Graue Eule verlie� sie f�r einen Tag und suchte im Norden und Osten nach Spuren. Er kehrte im Galopp zur�ck. �Von hier sind alle nach Osten�, sagte er. Trotz der Decke und des warmen Fr�hlingstages schwitzte er kein bi�chen.</p><p>Magee kratzte mit dem Fingernagel Vogeldreck von seiner Melone. �Macht nicht viel Sinn. Im Osten liegen die Forts.�</p><p>�Egal, sie haben die Richtung eingeschlagen.�</p><p>Charles hatte eine Ahnung. �Reiten wir ein St�ck den Flu� hoch. Mal sehen, ob wirklich alle nach Osten gegangen sind.�</p><p>Am n�chsten Morgen fanden sie eine Stelle, wo vielleicht drei�ig H�tten gestanden hatten. Am Tag danach fanden sie den Gro�vater.</p><p>Er ruhte in einem Pappelw�ldchen; einige wenige Besitzt�mer aus seinem Medizinbeutel - Federn, eine Klaue, eine Pfeife -waren um ihn herum verstreut. Der Gestank eines entz�ndeten, fauligen Beines drang durch sein B�ffelfell. Er war alt, sein Gesicht zerknittert wie braunes Packpapier. Er wu�te, da� sein Tod unmittelbar bevorstand, und zeigte keine Angst vor dem merkw�rdigen Trio. Graue Eule befragte ihn.</p><p>Sein Name war Starker Vogel. Er erkl�rte ihnen den Grund f�r die gro�e Wanderung nach Osten. Ungef�hr sechshundert Cheyenne unter den H�uptlingen Roter B�r, Graue Augen und Kleine Robe hatten sich entschlossen, sich lieber den Soldaten in Camp Wichita zu ergeben, als zu verhungern oder im Kugelhagel von General Schleichender Panther zu sterben, der das Territorium nach Widerstand leistenden Banden absuchte. Der Gro�vater geh�rte zu einer Gruppe, die sich mit Roter B�r davongemacht hatte.</p><p>�Drei�ig Zelte�, sagte er mit d�nner Stimme, w�hrend sich seine Augenlider zitternd schlossen. �Sie essen jetzt ihre Pferde.�</p><p>�Wo, Gro�vater?� fragte Graue Eule.</p><p>�Sie wollten hoch nach Sweet Water. Ob sie's getan haben, wei� ich nicht. Ich kenne dein Gesicht, ja? Du geh�rst zum Volk.�</p><p>Graue Eule schien eine schwere Last zu tragen. �Vor langer Zeit.�</p><p>�Das Alter hat mein Fleisch verrotten lassen. Ich konnte nicht mehr mithalten. Ich bat sie, mich zur�ckzulassen, ganz gleich, ob die Soldaten mich finden oder nicht. Helft ihr mir beim Sterben?�</p><p>Sie hackten �ste ab und bauten eine Beerdigungsplattform in einer der st�rksten Pappeln. Charles schleppte den alten Mann hoch, w�hrend Magee ihn von unten st�tzte. Der Gestank war kaum zu ertragen, aber Charles schaffte es, den Gro�vater niederzubetten, umgeben von seinen wenigen Besitzt�mern; die warme Sonne schien auf sein altes Gesicht, das gefa�t wirkte und nun sogar ein schl�friges L�cheln zeigte.</p><p>Als sie weiterritten, sagte Graue Eule: �Es war edel, ihm auf die Stra�e in die ewigen Jagdgr�nde zu helfen. Das war nicht die Tat des Mannes, den sie Cheyenne Charlie nannten. Der Mann, der so viele t�ten wollte.�</p><p>�Ich will jetzt nur noch eines�, sagte Charles. �Ich glaube, jetzt haben wir Gl�ck. Ich glaube, wir werden ihn finden.�</p><p>Wieder sprach die blinde Hoffnung aus ihm. Doch der Sonnenschein und der Fr�hling munterten ihn auf, ebenso wie die M�glichkeit, da� die Leute von Roter B�r vielleicht einen wei�en Mann gesehen hatten. Graue Eule warnte Charles und Magee, da� Roter B�r, nun ein Dorfh�uptling, fr�her ein hitziger, wilder Gemeinschaftsh�uptling des Roten Schildes gewesen war, was auch erkl�rte, warum er vor der Kapitulation zur�ckgeschreckt war.</p><p>Sie entdeckten das Dorf weit oben am rechten Ufer des Sweet Water. Die Cheyenne gaben sich keine M�he, sich zu verstecken. Kochfeuer schickten ihre Rauchs�ulen in den Mittagshimmel. Von einer Anh�he aus sah Charles durch sein Fernglas mehrere M�nner mit zerlumpten Tierfellen auf den K�pfen, die am Rande des Lagers in einem gro�en Kreis herumstampften. Der Wind trug die schwachen Laute einer von Hand geschlagenen Trommel heran.</p><p>Magee sp�hte durch das Fernglas. Ungew�hnlich scharf sagte er: �Was zum Teufel haben sie zu tanzen? Sind sie nicht am Verhungern?�</p><p>�Massaum�, sagte Graue Eule.</p><p>�Sprich englisch�, sagte Magee.</p><p>�Das ist der Name der Zeremonie�, erkl�rte Charles. �Sie legen einen bemalten B�ffelsch�del in einen Graben als Symbol f�r den Tag, an dem der B�ffel auf die Erde kam, und die T�nzer tun so, als w�ren sie Hirsch und Elch und Wolf und Fuchs. Die Zeremonie ist eine Bitte um Nahrung. Der alte Mann sagte, sie seien am Verhungern.�</p><p>Magee fuhr sich mit der Zunge �ber die oberen Z�hne. �Scheinen deswegen auch ganz sch�n au�er sich zu sein.�</p><p>�Du mu�t ja nicht mitkommen.�</p><p>�Oh, doch. Meinst du, ich habe bis hier durchgehalten, um jetzt den Feigling zu spielen, he? Irgend jemand hat mich nicht zu dieser Sorte Soldat ausgebildet.� Magee starrte in Charles' wilde, verst�rte Augen, auf den langen Bart, der fast bis zum Bauch reichte, und stie� pl�tzlich einen bek�mmerten Laut aus. �Tut mir leid, wenn ich mich m�rrisch anh�re. Ich glaube lediglich, all das ist hoffnungslos. Dein Junge ist tot, Charlie.�</p><p>�Das ist er nicht�, sagte Charles. �Graue Eule? Kommst du mit, oder bleibst du hier?�</p><p>�Wir gehen.� Der F�hrtensucher musterte mit unbehaglichem Gesichtsausdruck das Dorf. �Aber ladet zuerst die Gewehre.�</p><p>Es war ein herrlich milder Tag. Kein Tag f�r Trag�dien, f�r einen verschwundenen Sohn oder einen hungernden Magen. Der Wind trieb flauschige Wolken �ber den Himmel, die majest�tische, langsam dahinziehende Schatten warfen. Durch diese Schatten ritten sie hintereinander im Zickzackmuster, so wie Charles es von Jackson gelernt hatte.</p><p>Einer der mit einem Fell bekleideten T�nzer entdeckte sie zuerst. Er zeigte auf sie und stie� einen Schrei aus. Das Trommeln h�rte auf. M�nner, Frauen und Kinder st�rzten auf die Seite des Camps, der sich die Fremden n�herten. Die M�nner waren in mittleren Jahren oder �lter; die Krieger suchten zweifellos irgendwo nach Nahrung. Noch ein gutes St�ck au�er Rufweite sah Charles die Sonne auf Lanzenspitzen und Messerklingen blitzen. Nirgendwo sprangen Hunde herum. Die Tipis waren verwittert und zerrissen. Ein Hauch von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit lag �ber dem Dorf.</p><p>Der Wind blies ihnen immer noch ins Gesicht. Charles roch Abf�lle, Rauch und s�uerliche Leiber. Die abgezehrten, zornigen Gesichter hinter den T�nzern gefielen ihm ganz und gar nicht, genausowenig wie der trotzige, wilde Ausdruck auf dem Gesicht des kr�ftigen alten Kriegers, der mit seiner acht Fu� langen, roten Lanze und seinem runden, roten Schild aus B�ffelhaut auf sie zukam. Die H�rner seines Kopfschmucks waren rot, aber das Rot war verbla�t; er hatte sich in Kriegen ausgezeichnet, die viele Winter zur�cklagen.</p><p>Charles streckte seine Hand mit der Handfl�che nach oben aus und sprach den Indianer in dessen Sprache an.</p><p>�Wir kommen in Frieden.�</p><p>�Seid ihr J�ger?�</p><p>�Nein. Wir suchen nach einem kleinen Jungen, meinem Sohn.� Das l�ste Gefl�ster bei einigen Gro�m�ttern aus. Auch Magee bekam es mit und zog eine Augenbraue hoch. Diese halb verhungerten alten Frauen mit ihren w��rigen Augen reagierten so, als w��ten sie, wovon Charles sprach. �D�rfen wir f�r eine Weile ins Dorf kommen?�</p><p>H�uptling Roter B�r stie� seinen Schild vor. �Nein. Ich kenne den Mann neben dir. Er wandte sein Gesicht vom Volk ab, um den wei�en Teufeln in den Forts zu helfen. Ich kenne dich, Graue Eule�, rief er und sch�ttelte Schild und Lanze. Einer der T�nzer mit einem Fellfetzen auf dem Kopf duckte sich; seine Messerspitze beschrieb kleine, provozierende Kreise.</p><p>�Ihr seid Soldaten�, sagte der H�uptling.</p><p>Der H�uptling deutete mit seiner Lanze auf den F�hrtensucher und br�llte: �Soldaten! Holt Pfeifende Schlange aus dem Massaum-Zelt!�</p><p>Magee zog seine Spencer langsam vom Sattel hoch. �Nicht�, sagte Charles auf englisch. �Ein Schu�, und sie zerrei�en uns.�</p><p>�Schaut so aus, als t�ten sie das so oder so.� Ein leichtes Zittern schwang in Magees Stimme mit; Charles f�rchtete, da� er recht hatte. Mehr als hundert Menschen standen ihnen gegen�ber. Was physische Kraft anbelangte, so konnte keiner der Cheyenne ihnen das Wasser reichen. Hunger und Alter hatten sie geschw�cht. Zahlenm��ig jedoch hatten sie den Kampf schon gewonnen, noch bevor er begonnen hatte.</p><p>�Kennst du diese Pfeifende Schlange?� erkundigte sich Charles bei Graue Eule.</p><p>�Priester�, erwiderte Graue Eule fast unh�rbar. �H��liches Gesicht. Als junger Mann verbrannte er sich das Gesicht mit Feuer, um seine magischen Kr�fte zu beweisen. Selbst H�uptlinge wie Roter B�r f�rchten ihn. Das ist sehr �bel.�</p><p>Kleine Jungs flitzten vor, um die Pferde zu streicheln. Die Tiere t�nzelten nerv�s beiseite, lie�en sich nur m�hsam kontrollieren. Indianerm�tter kicherten und stie�en sich gegenseitig an, musterten die Spurenleser, als w�ren sie eine Fleischlieferung laut Vertrag. Charles wu�te nicht, was er tun sollte. Er hatte darauf gewettet, ein verdecktes As zu haben, und hatte dann eine Drei umgedreht.</p><p>Ein letzter Versuch. �H�uptling Roter B�r, ich wiederhole, wir wollen nur fragen, ob jemand in deinem Dorf einen wei�en Mann gesehen hat, der mit einem kleinen ...�</p><p>Die Menge teilte sich wie unter einem Beilhieb. Ein �ngstliches, ehrerbietiges Seufzen stieg auf. Der Blick des alten H�uptlings war merkw�rdig sp�ttisch. Der Priester, Pfeifende Schlange, kam den mit menschlichem Abfall �bers�ten Weg entlang.</p><p id="bookmark77">MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>April 1869. Die Schule hat einen neuen Globus, eine Weltkarte f�r die Wand und acht Sch�lerpulte als Ersatz f�r die selbstgemachten. Eine Gruppe angesehener Erzieher aus Connecticut plant einen Besuch f�r den n�chsten Monat. Prudence besteht darauf, da� wir die ganze Schule putzen und auf Hochglanz bringen.</emphasis></p><p><emphasis>Das Kreischen der S�gen und das Rattern der Minenkarren, das ich neben den lieblichen Ger�uschen des Hausbaus h�re, erinnern mich daran, da� wir uns jetzt auch Fenster f�r das Schulhaus leisten k�nnen anstelle der L�den. Andy wird sie einglasen. Prudence und ich und ein paar von den Jungen k�nnen die anderen Aufgaben abends erledigen. Die richtige Arbeit f�r einsame Frauen: anstrengend, erm�dend. Prudence, stark wie ein Fuhrknecht, wird jeden Monat ein bi�chen kr�ftiger. Obwohl sie immer noch ihre Lieblingspassagen zitiert, entdecke ich jetzt eine gewisse Traurigkeit in ihren Augen. Ich glaube, sie wei�, da� sie eine Jungfer bleiben wird - so wie ich eine Witwe bleiben werde. Zu arbeiten, bis der ganze K�rper schmerzt, scheint die beste Medizin gegen Einsamkeit.</emphasis></p><p><emphasis>Eine andere Art von Trauer teile ich mit Jane. Sie hat mir erz�hlt, da� sie trotz langj�hriger Bem�hungen kein Kind bekommen kann. Prudence, die Shermans, Orrys sinnloser Tod - all das scheint irgendwie miteinander verbunden. Legt es Zeugnis davon ab, da� uns nie ein gl�ckliches Leben garantiert wird, sondern nur das Leben selbst?</emphasis></p><p><emphasis>Bin einem jungen, �rmlich gekleideten Mann auf einem wei�en Pferd auf der Uferstra�e begegnet. Er gr��te nicht, starrte mich aber an, als w�rde er mich kennen. Trotz seiner Jugend lag ein grausamer Zug in seinem Gesicht. Er ist kein gutherziger Nordstaatler, der unsere Schule inspizieren will, vermute ich ... Andy sah ihn heute morgen.</emphasis></p><p><emphasis>Bin ihm wieder begegnet. Gr��te ihn. Er trieb sein wei�es Pferd auf mich zu, als wollte er mich niederreiten. Ich mu�te mich seitlich ins Unkraut werfen. Einen Augenblick lang blitzte sein Gesicht �ber mir auf, eine Inkarnation des Hasses ...</emphasis></p><p><emphasis>... Seit zwei Tagen keine Spur von ihm. Ich hoffe, er ist weitergeritten, um andere zu terrorisieren .</emphasis></p><p>Von dem kleinen Negerfriedhof au�erhalb von Charleston hatte man einen sch�nen Ausblick auf den Ashley. Der Boden um die Grabh�gel herum war ein modriger Teppich brauner, verfaulender Bl�tter. Str�u�e verwelkter Sonnenblumen, sogar br�unlicher L�wenzahn lagen auf den Gr�bern. Es war ein armseliger, verwahrloster Friedhof.</p><p>Des LaMotte betete kniend vor einem Holzkreuz, in das er eine kreisf�rmige Vertiefung geschnitzt und eine gesprungene Tafel eingepa�t hatte. �ber der Platte hatte er eine Inschrift in das Holzkreuz geschnitzt.</p><p>JUBA</p><p>Du warst treu in wenigen Dingen, so werde ich dich zum Herrscher �ber viele Dinge machen.</p><p>Matt. 25, 21</p><p>Wo die B�ume den Blick auf das Wasser freigaben, leuchtete ein silberfarbener Himmel in seltsam drohendem Glanz. Vom Atlantik her wehte ein st�rker werdender Nordostwind. F�r die Fr�hlingszeit war es zu kalt. Vielleicht sp�rte Des auch nur die Auswirkungen der verstreichenden Zeit und der Armut und seiner merkw�rdigen Unf�higkeit, mit seinem Feind abzurechnen. Nach der M�hsal des Krieges und den inzwischen verstrichenen Jahren sehnte er sich nicht mehr so wild und heftig nach Rache. Ehre war weniger wichtig als Brot oder das winzige Zim-merchen in der Stadt. &gt;LaMotte-Ehre&lt;, das hatte nun den komischen Klang eines Satzes in fremder Sprache, der sich unm�glich �bersetzen lie�.</p><p>Seine alten Bindungen an die Vergangenheit waren dahin. Fer-ris Brixham, tot. Sallie Sue, tot. Mrs. Asia LaMotte, tot; vor anderthalb Jahren hatte der Krebs ihr Inneres aufgefressen. Und jetzt Juba; der letzte. Gegen Ende zu war er so verkr�ppelt gewesen, da� er nicht mehr von seinem Lager hatte wegkriechen k�nnen. Des hatte ihn gef�ttert und gebadet und ges�ubert, als w�re er irgendein letztes, kostbares Relikt aus einem niedergerissenen Haus. Juba war im Schlaf gestorben, und Des hatte im Schein einer Kerze fast eine Stunde lang die Leiche angestarrt. Das Dahinscheiden seines Dieners erinnerte ihn daran, da� der menschliche K�rper auch so schon verg�nglich genug war, auch ohne da� man ihn absichtlich irgendwelchen Gefahren aussetzte. Der Hei�sporn, der sich Cooper Main auf der Plankenbr�cke gegen�bergestellt hatte, erschien ihm nun wie ein alberner, ferner Verwandter, der keine Ahnung von den Realit�ten des Lebens hatte und dessen Vorstellungen nicht l�nger Bestand hatten. Des war alt, er war krank; er hatte lange genug gek�mpft.</p><p>Er machte sich daran, aufzustehen. Das bedurfte einer geistigen Vorbereitung, weil er wu�te, da� seine Knie knirschen und schmerzen w�rden. Merkw�rdig, da� die gleichen arthritischen Beschwerden, die Juba gequ�lt hatten, nun auch ihn in viel j�ngeren Jahren befielen. Er konnte keinen einzigen Tanzschritt mehr grazi�s ausf�hren. Das war ein weiterer Teil seines Lebens, der vorbei war. Die Abnutzungserscheinungen der Jahre zeigten sich in den traurigen Linien seines Gesichts sowie in seinem Karottenhaar, das von den wei�en Str�hnen nun wie von einem Dreizack durchzogen wurde.</p><p>Er wollte sich gerade erheben, da h�rte er das Ger�usch von Pferdehufen im Friedhof. St�hnend stand er auf und drehte sich um. Er hatte mit irgendeinem schwarzen Siedler gerechnet und sah nun �berrascht einen wei�en Mann vor sich. Hinter dem Mann brodelten die Wolken wie schwarze Suppe in einem hei�en Kessel.</p><p>Der Fremde war jung, kaum mehr als zwanzig. Er trug einen alten, schwarzen Mantel mit hochgestelltem Kragen. Er hatte sich sorgf�ltig rasiert, aber sein schwarzer Bart schimmerte durch. Die Sonne hatte ihm Nase, Backenknochen und H�nde verbrannt. Als der junge Mann von seinem wei�lichen Pferd stieg, sah Des seinen Nacken. Rot von der Feldarbeit.</p><p>W�hrend der junge Mann auf Des zukam, nahm dieser weitere Einzelheiten wahr. Etwas stimmte nicht mit dem linken Auge des Fremden; es hatte den starren Ausdruck der Blindheit. Das Pferd lie� Des an die Offenbarung denken: <emphasis>Und der Name, den sie ihm gaben, lautete Tod.</emphasis></p><p>�Sie sind Desmond LaMotte?�</p><p>�Das bin ich, Sir.�</p><p>�Man sagte mir, ich w�rde Sie hier finden.�</p><p>Des wartete. Der Fremde strahlte eine unterdr�ckte, wilde Grausamkeit aus. Irgendwie pa�te das zu seinem rohen, roten Gesicht, den roten H�nden, dem roten Nacken, dem gespenstisch starrenden Auge. Der Anblick machte Des angst.</p><p>Er sah keine Waffe, doch seine langen Beine begannen zu zittern, als der Fremde die zahlreichen Taschen seines fadenscheinigen Mantels zu durchsuchen begann. �Ich bin Benjamin Ryan Tillman vom York County, Sir. Ich bin auf Anweisung hergeritten, um mit Ihnen zu sprechen.�</p><p>�York County.� Das war ein weiter Weg; noch �ber Columbia hinaus, nahe der Grenze zu North Carolina. �Ich kenne niemanden im York County.�</p><p>�Oh doch�, sagte Tillmann und streckte ihm das entgegen, was er endlich in seinen Taschen gefunden hatte - einen bereits vergilbten Zeitungsausschnitt. Die �berschrift verbl�ffte Des.</p><p>DER KU-KLUX Die �berreste von Detective Barmore entdeckt</p><p>Des' Furcht verst�rkte sich. Der Nordostwind ri� an der Ecke des Zeitungsartikels, der aus irgendeiner Zeitung in Nashville stammte. �Ich verstehe das nicht, Sir�, fing er an.</p><p>�Ich bin hier, um es Ihnen zu erkl�ren. In dem Bericht hei�t es, da� die Leiche des Mannes in einem W�ldchen gefunden wurde, zusammen mit einem leeren Notizbuch und einem Teil seiner K.-K.-K.-Ausr�stung.�</p><p>�Was hat das mit mir zu tun?�</p><p>�Ich bin hier, um Ihnen auch das zu erkl�ren. Dieser wei�e Mann, Barmore, hat dr�ben in Tennessee einen Befehl des Gro�en Drachen nicht ausgef�hrt.� Tillman nahm den Zeitungsausschnitt aus Des' blasser Hand. �Der Gro�e Drache von Carolina wollte Ihnen zeigen, da� das Unsichtbare Reich keinen Ungehorsam duldet.�</p><p>Des sp�rte pl�tzlich den heftigen Drang, Wasser zu lassen. Das gute Auge des Fremden glitzerte fanatisch. Der Wind, mittlerweile fast schon ein Sturm, fegte Bl�tter in wirbelnden Wolken an ihnen vorbei. Alte �ste knirschten und �chzten. Einer brach ab und segelte davon.</p><p>�Ich habe nie einen Befehl verweigert�, protestierte Des.</p><p>�Und Sie werden auch den nicht verweigern, den ich Ihnen jetzt erteilen werde. Ihre Gruppe kontrolliert den Bezirk nicht so, wie es sich geh�rt. Jedermann im Staat wei� Bescheid �ber diese Frau auf Mont Royal, die links und rechts Geld scheffelt mit ihrer S�gem�hle und ihrem Phosphat, w�hrend sie diese Niggerschule unterh�lt.�</p><p>Des' Magen schmerzte. �Wir haben versucht, die Schule niederzubrennen.�</p><p>�Versucht�, sagte Tillman; er spuckte das Wort so heftig aus, da� Des' Gesicht von kleinen Speicheltropfen �berspr�ht wurde. �Ein <emphasis>Versuch</emphasis> ist nicht gut genug. Ihr habt es verpatzt. Jetzt kommen die verdammten Yankee-Politiker und Bibelw�lzer runter, schauen sich die Schule an und loben sie. Das ist ein Gestank in der Nase gottesf�rchtiger wei�er M�nner. Sie m�ssen das beseitigen, LaMotte. Wenn nicht, dann werden Sie so enden wie Barmore in Tennessee.�</p><p>�Wissen Sie �berhaupt, wen Sie vor sich haben?� br�llte Des. �Ich habe im ganzen Krieg bei den Palmetto Rifles gek�mpft. Ein Eliteregiment. Was haben Sie getan? Zu Hause gesessen mit den anderen rotnackigen Farmerjungen?�</p><p>�Sie Schei�kerl von einem Charleston-Snob!� Wieder spuckte er; etwas ungemein Primitives und Gef�hrliches strahlte von ihm aus. �Zwei Jahre lag ich krank darnieder, versuchte gesund genug zu werden, um in die Armee einzutreten. Ich habe das Licht meines einen Auges verloren, zwei meiner Br�der sind an ihren Kriegsverletzungen gestorben, ein weiterer am Lagerfieber. Ich stehe unersch�tterlich f�r den S�den und die wei�e Rasse ein, und daf�r habe ich get�tet. Ich reite f�r den Klan im York County, und ich gebe Ihnen nur eine Warnung. Der Gro�e Drache und Carolina wollen hier unten Blut sehen. Niggerblut. Diese Main. Holen Sie Ihre Gruppe zusammen, erledigen Sie die Schule, erledigen Sie dieses Weib. Kapiert?�</p><p>�Ja-jawohl.�</p><p>�Das gilt auch f�r den Rest Ihrer Gruppe.�</p><p>�Glauben Sie mir, Tillman, ich will doch dasselbe wie Sie. Was der Klan will. Aber letztes Mal trafen wir auf Widerstand, und jetzt wird der Widerstand noch gr��er sein. Es gibt eine Negermiliz auf Mont Royal.�</p><p>�Niemand schert sich darum, ob s�mtliche Erzengel mit ihren Harfen und Heiligenscheinen auf Wache stehen�, sagte Tillman. �Entweder das Weib ist in drei�ig Tagen erledigt, oder Sie sind erledigt. Ich werde mit Vergn�gen zur�ckkommen, um das Urteil zu vollstrecken.�</p><p>Er starrte Des an, bis dieser wegschaute. Dann stopfte er mit einem h�hnischen Kichern den Zeitungsausschnitt in die Tasche von Des' Mantel, ging auf sein Pferd zu und schwang sich in den Sattel. �Guten Tag, Sir�, sagte er und ritt vom Friedhof; sein schwarzer Mantel hatte die gleiche Farbe wie der Himmel vor ihm.</p><p>Ersch�pft lehnte sich Des gegen einen Baum. Er las die Barmore-Story einmal, zweimal. Er bezweifelte nicht die Ernsthaftigkeit der Warnung seines Besuchers. Dieser Fremde, Benjamin Ryan Tillman aus dem York County, geh�rte zu den einsch�ch-terndsten menschlichen Wesen, denen er je begegnet war. Bei seinem Anblick mu�te Des an R�mer denken, die Christen niedermetzelten, und an spanische Inquisitoren. Carolina w�rde von diesem jungen Kerl noch h�ren, falls ihn die Neger nicht zuvor umbrachten, um sich selbst zu retten.</p><p>In dem heulenden Wind ritt er auf Jubas Maultier zur�ck nach Charleston.</p><p>Bei Einbruch der Dunkelheit machte er sich auf den Weg zum Dixie-Laden in Summerton. Dort befahl er Gettys, Sprengstoff zu kaufen. Gettys stotterte, das sei zu gef�hrlich. Des sagte ihm, er solle nach Savannah oder, falls notwendig, nach Augusta reiten. Er sagte ihm, es handle sich um einen Befehl des Klans. Er teilte ihm das Urteil des Klans mit, falls sie versagten. Danach machte Gettys keine weiteren Einw�nde.</p></section><section><title><p id="bookmark78"><strong>59</strong></p></title><p>Obwohl Pfeifende Schlange mindestens siebzig Winter z�hlte, bewegte er sich mit der Energie eines jungen Mannes. Nacken und Unterarme wirkten straff und sehnig. Sein schlohwei�es Haar war ganz schlicht in der Mitte geteilt und ohne jeden Schmuck zu Z�pfen geflochten. Er trug einen Lederkittel, den die Jahre stumpfgolden gef�rbt hatten. Ein schlichter Lederg�rtel hielt den Kittel in der Taille zusammen. In Brusth�he hielt er in der rechten Hand einen F�cher aus goldenen Adlerfedern, zwei Fu� von Spitze zu Spitze.</p><p>Charles konnte sich nicht entsinnen, je einen alten Mann mit einer derartigen Aura von St�rke und Kraft gesehen zu haben. Oder menschliche Augen, die so arrogant und unangenehm dreinblickten. Die rechte Iris war hinter aufgeworfenem, gef�lteltem Fleisch nur teilweise sichtbar. Narbengesicht hatte eine glatte Haut im Vergleich zu Pfeifende Schlange, der aussah, als w�re sein Fleisch von der Schl�fe bis zum Kiefer geschmolzen und anschlie�end zu harten Kanten und schroffen Furchen zusammengeschoben worden. Einkerbungen wie gro�e, verheilte Nagelwunden zerrissen die Fleischkanten. Der Mann sah abscheulich aus, was ihn um so st�rker wirken lie�.</p><p>�Sie sagen, sie suchen seinen Sohn�, erkl�rte Roter B�r dem Priester mit einem Nicken in Richtung Charles.</p><p>Pfeifende Schlange betrachtete ihn, f�chelte sich dabei mit einer kleinen Drehung seines knochigen Handgelenks Luft zu. Ein rundliches, kleines, nacktes Kind schwankte auf ihn zu, wollte nach ihm greifen. Mit �ngstlichen Augen ri� seine Mutter es zur�ck.</p><p>Der Priester wedelte mit dem F�cher in Richtung Magee. �B�ffelsoldat. T�tet sie.�</p><p>�Zum Teufel mit dir�, sagte Charles. �Es gibt auch noch andere schwarze M�nner in der Pr�rie au�er B�ffelsoldaten. Das ist mein Freund. Er kommt in Frieden. Ich auch. Wir suchen meinen kleinen Jungen. Ein anderer wei�er Mann hat ihn gestohlen. Ein gro�er Mann. Er tr�gt vielleicht Weibertand. Hier.�</p><p>Er zog an seinem Ohrl�ppchen. Ein �lterer Cheyenne bedeckte seinen Mund, w�hrend seine Augen hervorquollen. Charles h�rte das aufgeregte Gemurmel der Frauen, bevor Roter B�r sie mit einem Blick zum Schweigen brachte. Charles Magen verknotete sich. Sie hatten Bent gesehen.</p><p>Der Priester f�chelte sich. �T�tet sie.� Die braune Iris verschob sich in dem Narbengewebe. �Zuerst den dort, den Verr�ter an dem Volk.�</p><p>Das Pony von Graue Eule begann zu t�nzeln, als str�mten unsichtbare Kr�fte von dem Priester auf seine Feinde �ber. Das Pony wieherte. Graue Eule konnte es nur mit M�he kontrollieren. Sein Gesicht zeigte ein f�r ihn ungew�hnliches Gef�hl: Furcht.</p><p>Magee fl�sterte auf englisch aus dem Mundwinkel: �Was sagt dieser alte Bastard?�</p><p>�Er hat ihnen befohlen, uns zu t�ten.�</p><p>Magee schluckte. �Das lassen sie besser bleiben. Ich m�chte hier mit der Wolle auf meinem Kopf wieder rauskommen. Ich m�chte Sch�ne Augen wiedersehen.� Die Squaw, vermutete Charles. �Ich werde hier nicht ins Gras bei�en. Ich bin von niggerhassendem Saloonabschaum verpr�gelt ...�</p><p>Der Priester winkte mit seinem F�cher, rief in Cheyenne: �Schlu� mit dieser fremden Zunge.�</p><p>�Ich bin von wei�en Soldaten runtergemacht worden, die es nicht mal wert waren, die Stiefel eines echten Mannes zu putzen. Ich werde mich doch nicht von einem alten, f�cherwedelnden Indianer so einfach von der Erde fegen lassen!� Ein seltsamer, aus der Furcht geborener Zorn trieb Magee an. Er wedelte mit seiner Melone, so wie Pfeifende Schlange mit seinem F�cher gewedelt hatte. �Sag ihm, er soll es nicht wagen, einen Zauberer anzur�hren.�</p><p>�Einen was?� Charles war so verbl�fft, da� er den Rest nicht mehr herausbrachte.</p><p>�Der gr��te, gemeinste aller schwarzen Zauberer dieses Universums. Das bin ich!� Magee warf die Arme wie ein Prediger in die Luft; er befand sich wieder in Chicago, eingekreist, und nur sein Witz und seine Geistesgegenwart konnten verhindern, da� er verpr�gelt wurde.</p><p>Roter B�r wich vor ihm zur�ck. Ein fetter Gro�vater legte sch�tzend einen Arm um seine Frau. Magee wirkte unheilvoll, wie er da br�llend mit erhobenen Armen auf seinem Pferd sa�. �Ich werde dieses Dorf mit Wind, Hagel und Feuer dem Erdboden gleichmachen, wenn sie uns anr�hren oder uns nicht das sagen, was wir wissen wollen.� Ein Augenblick des Schweigens. Dann br�llte er Charles wie ein Hauptfeldwebel an: �Sag's ihnen, Charlie!�</p><p>Charles �bersetzte. Wo er z�gerte, beispielsweise bei dem Wort f�r Hagel, sprang Graue Eule helfend ein. Pfeifende Schlange f�chelte schneller. Roter B�r beobachtete den Priester, wartete auf dessen Reaktion; momentan hatte Pfeifende Schlange das Kommando. �Er ist ein gro�er Zauberer?� fragte Pfeifende Schlange.</p><p>�Der gr��te, den ich kenne�, sagte Charles und fragte sich, ob er verr�ckt geworden war. Doch was hatten sie f�r eine Alternative? H�chstens den sofortigen Tod.</p><p>�Ich bin der gr��te Zauberer�, sagte der Priester. Charles �bersetzte. Magee, mittlerweile ruhiger, schnaubte.</p><p>�Alter Angeber.�</p><p>�Nein�, sagte Charles und deutete auf Magee. �Er ist der Gr��te.�</p><p>Zum erstenmal l�chelte Pfeifende Schlange. Er besa� nur noch vier weit auseinanderstehende Z�hne im Oberkiefer. Sie sahen aus wie Fangz�hne, so als h�tte er sie zurechtgefeilt.</p><p>�Bringt sie ins Dorf�, sagte er zu Roter B�r. �Gebt ihnen zu essen. Nach Sonnenuntergang werden wir sehen, wer der gr��te Zauberer ist. Danach werden wir sie t�ten.�</p><p>�ber den Rand seines Federf�chers musterte er Magee. Er lachte auf, ein trockenes Kichern. Dann wandte er sich ab und marschierte majest�tisch ins Dorf zur�ck.</p><p>Magee schaute benommen drein. �Mein Gott, ich h�tte nie gedacht, da� er darauf eingehen w�rde.�</p><p>�Kannst du ihm was vorf�hren?� fl�sterte Charles.</p><p>�Ein paar Sachen hab' ich dabei, wie immer. Aber das ist nur Kleinkram. Dieser alte Indianer, der hat was an sich. So als w�rde der Teufel in seinem Ohr singen.�</p><p>�Er ist nur ein Mensch�, sagte Charles.</p><p>Graue Eule sch�ttelte den Kopf. �Er ist mehr als das. Er steht mit dem allm�chtigen Geist in Verbindung.�</p><p>�Lord�, sagte Magee. �Und ich habe nichts weiter als ein paar Saloontricks.�</p><p>Der Sonnenglanz �ber der Pr�rie wirkte pl�tzlich kostbar und wertvoll; dieser Morgen mochte der letzte sein, den sie je sehen w�rden.</p><p>Die Cheyenne brachten die drei in ein stinkendes Tipi und stellten ein paar alte M�nner als Wachposten davor. Eine Frau brachte Sch�sseln mit kaltem, ungenie�barem Stew. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit entz�ndeten die Dorfbewohner ein riesiges Feuer; Fl�te und Handtrommel machten Musik.</p><p>Eine Stunde ging mit Ges�ngen und T�nzen vorbei. Charles kaute auf seiner letzten Zigarre herum, hegte und pflegte die abergl�ubische Gewi�heit, da� sie hier nicht lebend herauskommen w�rden, wenn er sie rauchte. Graue Eule sa� in seine Decke gewickelt da, als w�rde er schlafen. Magee �ffnete seine Satteltaschen, w�hlte darin herum, machte Bestandsaufnahme, schlo� sie wieder; zehn Minuten sp�ter fing er damit wieder von vorn an. Das Trommeln wurde lauter. Charles sch�tzte, da� ungef�hr zwei Stunden vergangen sein mochten, als Magee aufsprang und gegen seine Satteltaschen trat. �Wie lange wollen sie uns noch auf die Folter spannen?�</p><p>Graue Eule hob den Kopf. Seine Augenlider hoben sich. �Der Priester will, da� du dich so f�hlst. Er kann dann ein anderes, ruhiges Gesicht zeigen.�</p><p>Magee blies die Backen auf. Charles sagte: �Ich wollte, ich h�tte uns nicht in diese Situation .�</p><p>�Das hab' ich getan�, sagte Magee fast knurrend. �Ich habe uns in diese Situation gebracht. Ich werd' uns auch wieder rausbringen. Selbst wenn ich blo� ein Niggerzauberer aus dem Saloon bin.�</p><p>Ein paar Minuten sp�ter wurden sie von den Wachen hinausgef�hrt. Schweigen senkte sich �ber den Menschenring um das Feuer herum. Die M�nner sa�en. Frauen und Kinder standen hinter ihnen.</p><p>Es war ein windstiller Abend. Die Flammen stiegen senkrecht empor, Funken schossen zu den Sternen hoch. Pfeifende Schlange sa� neben H�uptling Roter B�r. Letzterer zeigte ein verwaschenes L�cheln, als h�tte er getrunken. Pfeifende Schlange war gefa�t, wie Graue Eule es vorausgesagt hatte. Sein F�cher lag in seinem Scho�.</p><p>F�r Charles wurde ein Sitzplatz freigemacht. Roter B�r bedeutete ihm, sich zu setzen. Graue Eule wurde grob zu den Frauen gezerrt, eine weitere Strafe f�r seinen Verrat. Der Gro�vater links neben Charles zog ein Messer aus seinem G�rtel und pr�fte die Klinge, w�hrend er Charles starr ansah. Charles kaute auf seiner kalten Zigarre herum.</p><p>Roter B�r sagte: �Anfangen.�</p><p>Magee legte seine Satteltaschen flach auf den Boden. Charles betrachtete den Kreis um das Lagerfeuer wie eine Uhr. Magee befand sich auf zw�lf Uhr, Pfeifende Schlange auf neun Uhr, er selbst sa� auf drei Uhr und Graue Eule hinter ihm zwischen vier und f�nf.</p><p>Magee r�usperte sich, blies in seine H�nde, griff nach seiner Melone und lie� sie �ber die ganze L�nge seines Armes in seine Hand rollen. Ein alter Gro�vater lachte und klatschte. Pfeifende Schlange scho� ihm einen Blick zu. Er h�rte auf zu klatschen.</p><p>Magee, bereits schwei�gl�nzend, zog ein blaues Seidentuch aus einer Satteltasche und stopfte es in seine geschlossene Faust. Er sang dazu: �Kolonne rechts, Kolonne links, im Laufschritt, Hokuspokus.�</p><p>Roter B�r zeigte ein leichtes, neugieriges Stirnrunzeln. Pfeifende Schlange f�chelte. Charles' Magen wog mindestens zwanzig Pfund. Sie waren dem Untergang geweiht.</p><p>Magee zog ein schwarzes Tuch aus seiner Faust und �ffnete sie dann, um zu zeigen, da� sie leer war. Er wedelte mit dem Tuch wie ein Stierk�mpfer, f�hrte beide Seiten vor und setzte sich wieder. Pfeifende Schlange lie� sich herab, Charles einen Blick zuzuwerfen. Die vier gefeilten Z�hne blitzten in �berlegener Verachtung auf.</p><p>Pfeifende Schlange �bergab Roter B�r feierlich seinen F�cher. Er erhob sich. Unter seiner Robe holte er einen Beutel aus rotem Flanell hervor. Er drehte ihn um, zeigte beide Seiten, ballte ihn wieder zusammen. Dann begann er pl�tzlich mit einem Singsang und h�pfte dazu tanzend im Kreis herum. W�hrend er sang und tanzte, hielt er die oberen Ecken des Beutels mit Daumen und Zeigefinger jeder Hand.</p><p>Die K�pfe zweier Schlangen mit glitzernden Augen stiegen pl�tzlich aus dem Maul des Beutels. Die Leute japsten. F�r einen Augenblick war Charles verbl�fft. Dann, als die Schlangen wieder in den Beutel zur�cksanken, fiel ihm ihre mangelnde Beweglichkeit auf. Magee, der mit untergeschlagenen Beinen neben seinen Satteltaschen sa�, warf ihm einen angewiderten Blick zu. Auch er hatte die Schlangen als das erkannt, was sie waren: Schlangenhaut, �ber Holz geklebt.</p><p>Die Cheyenne jedoch hielten es f�r einen beeindruckenden Trick. Singend und tanzend drehte Pfeifende Schlange eine ganze Runde um das Feuer und f�hrte in jedem Viertel die sich aufb�umenden Schlangen vor. Er beendete die Runde und kn�llte den Beutel zusammen, bevor er sich setzte. Mit offensichtlicher Befriedigung f�chelte er sich Luft zu.</p><p>Die Gesichter der Cheyenne gl�nzten im Schein des Feuers. Die Atmosph�re eines beschwingten Wettkampfes war verschwunden. Pfeifende Schlange starrte den schwarzen Soldaten an, als w�re er ein Wild, das gekocht und verspeist werden sollte.</p><p>Magee f�rderte einen mit Stachelschweinborsten besetzten Beutel zutage. Dem Beutel entnahm er drei wei�e H�hnerfedern. Er steckte zwei davon in seinen Lederg�rtel und verwandelte die dritte in einen wei�en Stein. Er hielt den Stein in seinem Mund, w�hrend er die beiden anderen Federn verwandelte. Nacheinander nahm er die drei Steine aus seinem Mund, fuhr mit einer Hand dar�ber und verwandelte die Steine wieder in Federn. Als er wieder drei Federn im G�rtel stecken hatte, verbarg er sie unter einer Hand und strich mit der anderen dar�ber. Er �ffnete den Mund und holte drei Federn hervor. Er zeigte seine leeren H�nde, griff hinter den Kopf eines sitzenden Mannes und produzierte drei wei�e Steine.</p><p>Er musterte die Menge, wartete auf ein Zeichen der Verbl�ffung oder des Beifalls. Er schaute in harte, funkelnde Augen. Charles erkannte, da� Magee w�hrend des Tricks keine geheimnisvollen Worte oder irgendeinen Singsang von sich gegeben hatte. Mit niedergeschlagener Miene setzte sich der schwarze Soldat wieder hin.</p><p>Pfeifende Schlange erhob sich mit �berlegener Arroganz. Wieder reichte er dem Dorfh�uptling seinen F�cher. Er zeigte der Menge seine Handfl�chen; Charles sah die kr�ftigen Muskeln an seinen Unterarmen. Singend trat der Priester mit zur�ckgeworfenem Kopf dicht an das Feuer heran und hielt seine rechte Handfl�che direkt in die Flamme.</p><p>Langsam senkte er die linke Hand ab, bis sie sich neben der rechten befand. Sein Gesicht zeigte kein Anzeichen von Schmerz. Seine Stimme schwankte nicht. Magee sa� steif wie ein Pfosten da; in seinen Augen lagen Neugier und Bewunderung. Momentan hatte er vergessen, da� der Cheyenne ihn t�ten, ihm seine Wolle nehmen und in seinem Zelt aufh�ngen wollte. Der Zauber hatte ihn gepackt.</p><p>Ein gro�es Seufzen - <emphasis>�ah! ah!� -</emphasis> lief durch den Kreis, gefolgt von L�cheln, Grunzen und ver�chtlichen Blicken in Richtung der drei Eindringlinge. Langsam nahm Pfeifende Schlange seine linke Hand aus dem Feuer. Dann seine rechte Hand. Die wei�en H�rchen auf seinem Unterarm kringelten sich, winzige Rauchw�lkchen stiegen auf. Seine Handfl�chen zeigten keine Blasen, hatten sich nicht einmal verf�rbt.</p><p>Charles schaute Graue Eule an, dessen Gesicht soviel Ausdruck zeigte wie die Granitfelsen der Wichitas. Zweifellos versuchte er das zu verbergen, was sie alle ohnehin wu�ten. Magee warf Charles einen weiteren, fast schon entschuldigenden Blick zu. Charles l�chelte, als wollte er ihm sagen, er solle sich keine Sorgen machen. Magee stand mit bedr�cktem Gesichtsausdruck auf. Charles griff sich einen Zweig aus dem Feuer und z�ndete mit dem gl�henden Ende seine letzte Zigarre an.</p><p>Aus einer Satteltasche holte Magee einen Lederbeutel, den er vorsichtig auf den Boden legte. Dann nahm er ein kleines, handgeschnitztes Holzkistchen heraus, das er �ffnete und zur Schau stellte. Das Kistchen enthielt vier bleifarbene Kugeln, wie sie Charles seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Magee griff nach einer Kugel und plazierte sie sorgf�ltig zwischen seine Z�hne. Danach schlo� er die Kiste und stellte sie beiseite. Mit einer fl�ssigen Handbewegung ri� er einen Revolver aus der Satteltasche.</p><p>Mehrere Cheyenne sprangen auf, hielten ihre Messer und Lanzen bereit. Magee machte schnell das Friedenszeichen. Er balancierte den Revolver auf seiner Handfl�che und drehte sich langsam im Kreis, damit ihn alle sehen konnten. Wo hatte er nur einen alten Steinschlo�revolver aufgetrieben, wunderte sich Charles. Der Lauf wies keinen Rost auf. Magee hatte ihn sehr sorgf�ltig geputzt.</p><p>Mit langsamen, feierlichen Bewegungen �ffnete Magee den Lederbeutel, drehte ihn um und lie� Pulver in den Lauf rinnen. Pl�tzlich stampfte er zweimal mit dem rechten Fu� auf, als h�tte ihn ein Insekt gestochen. Genau wie die anderen schaute Charles nach unten und konnte nichts erkennen.</p><p>Magee stoppte den Flu� des Pulvers und warf den Beutel beiseite. Er entdeckte einen Flicken in seiner Tasche und wickelte ihn um die Kugel, die er zwischen den Z�hnen gehabt hatte. Er lie� Kugel und Flicken in den Lauf gleiten, l�ste den darunter festgeklemmten Ladestock und stopfte mit sorgf�ltig drehenden Bewegungen die Kugel fest. Dann bestreute er die Z�ndpfanne.</p><p>�ber Magees Backen liefen dicke Schwei�tropfen. Er wischte sich die H�nde an seinen Hosen ab. Dann gab er Charles ein Zeichen, sich zu erheben.</p><p>Verbl�fft folgte Charles dem Signal. Magee warf Roter B�r einen Blick zu. Die Aufmerksamkeit des H�uptlings konzentrierte sich auf ihn. Pfeifende Schlange bemerkte es und runzelte die Stirn. Sein F�cher bewegte sich schneller.</p><p>�Was ich zuvor gezeigt habe, war nur Spielerei�, sagte Magee. �Ich werde vor ihren Augen K�nig Tod t�ten. �bersetz es ihnen.�</p><p>�Magic, ich verstehe nicht, was ...�</p><p>�Sag's ihnen, Charlie.�</p><p>Er �bersetzte. H�nde fuhren hoch und bedeckten M�nder. Das Feuer krachte und rauchte. Wenn Schweigen Gewicht hatte, dann war dies erdr�ckend.</p><p>Magee machte eine pr�zise milit�rische Kehrtwendung. Mit seinen H�nden vollf�hrte er eine teilende Bewegung. Die vor ihm Sitzenden sprangen auf und schoben sich beiseite, bis ein Weg von einem Meter Breite frei war. Magee winkte Charles mit gekr�mmtem Finger heran. Er reichte Charles die Steinschlo�pistole und sah ihm fest und ernst in die Augen.</p><p>�Wenn ich es sage, dann erschie�t du mich.�</p><p>�Was?�</p><p>Magee brachte seinen Mund dicht an Charles' Ohr: �Du willst doch hier raus, oder? Dann tu's.� Er gab einen schmatzenden Laut von sich, als h�tte er dem wei�en Mann einen Ku� gegeben. Einige Cheyenne kicherten �ber die merkw�rdigen Sitten der Eindringlinge.</p><p>Magee dr�ckte die Krempe seiner Melone nach unten; der Schatten teilte seine Nase. In dem Schatten gl�nzten seine Augen wie Elfenbeinscheiben. Er machte zehn lange, schnelle Schritte den ger�umten Weg entlang, in der Haltung des perfekten Soldaten. Er hielt an, knallte die Hacken zusammen. Machte eine exakte Kehrtwendung. Er stand einen Fu� von einem Tipi mit einem gro�en, gezackten Loch in der Seite entfernt.</p><p>�Richte die Pistole auf mich, Charlie.�</p><p>Mein Gott, wie konnte er das?</p><p>�Charlie! Ziel auf meine Brust. Genau in die Mitte.�</p><p>Charles sp�rte, wie der Schwei� in seinen Bart lief. Pfeifende Schlange sprang auf; sein F�cher zuckte hin und her. Auch Roter B�r erhob sich. Charles spannte den Hahn. Magees Hemd sa� straff �ber Rippen und Bauch. Charles' Arm zitterte, als er ihn ausstreckte. Er konnte nicht - er w�rde nicht ...</p><p>Magic Magee sagte: �Jetzt.�</p><p>Er sagte es laut, ein Befehl. Charles reagierte auf den Tonfall ebenso wie auf das Wort. Er feuerte. Funken spr�hten, trafen die Z�ndpfanne, die Pistole knallte und ruckte nach oben.</p><p>Charles sah eine kleine Staubwolke aufsteigen, als h�tte irgend etwas Magees Brust einige Zentimeter unterhalb des Brustbeins getroffen. Magee taumelte einen langen Schritt zur�ck, schlo� die Augen, spreizte die H�nde; seine Finger bebten, als w�ren sie vom Blitz getroffen worden. Dann fielen seine Arme schlaff herunter. Er schlug die Augen auf. Der F�cher von Pfeifende Schlange hing leblos an seiner Seite.</p><p>�Wo ist die Kugel?� kreischte Pfeifende Schlange. �Wo hat sie getroffen?�</p><p>Mit Exerzierplatzstimme sagte Magee: �K�nig Tod ist tot. Ihr werdet unsere Fragen beantworten und uns ohne Harm ziehen lassen, oder ich werde K�nig Tod zur�ckholen, der auf den Winden des Hagels und des Feuers reitet und dieses Dorf vernichten wird.� Er br�llte: �Sag's ihnen!�</p><p>Charles �bersetzte schnell. Die Wachen von Graue Eule hatten sich von ihm zur�ckgezogen, von der gleichen tiefen Ehrfurcht ergriffen wie er selbst. W�hrend Charles die Worte ausspuckte, sich bem�hte, sie ebenso wild und grimmig wie bei Magee klingen zu lassen, musterte er das Hemd. Nirgendwo war ein Ri� zu sehen. Magee b�rstete sein Hemd ab, als h�tte ihn dort irgendwas gekitzelt.</p><p>Roter B�r lauschte den Drohungen und sagte sofort: �So sei es.� Pfeifende Schlange kreischte protestierend auf. Der Laut zerbrach den Zauber. Die Cheyenne st�rmten vorw�rts, dr�ngten sich um Magee, ber�hrten ihn, t�tschelten ihn, betasteten seine schwarzen Locken. K�nig Tod war tot, und inmitten der dr�ngenden, lachenden Menge blitzte das Banner seines Besiegers auf; das vertraute, gewaltige L�cheln von Magee, dem Zauberer.</p><p>Roter B�r machte eine Pfeife zurecht, w�hrend sich Graue Eule um die Pferde k�mmerte. Charles wollte nicht das Risiko eingehen, da� die nachgiebige Stimmung dahinschwand, er wollte keine Zeit und wom�glich das Leben verlieren. Doch das Zeremoniell erforderte, da� er sich mit Roter B�r ans Feuer setzte. Magee sa� rechts von ihm. Der Dorfh�uptling und mehrere der Stammes�ltesten lie�en die Pfeife herumgehen.</p><p>Roter B�r hatte Pfeifende Schlange gezwungen, sich der Gruppe anzuschlie�en. Als die Reihe an ihm war, reichte er die Pfeife weiter, ohne zu rauchen. Er griff sich eine Handvoll Asche vom Rand des Feuers und schleuderte sie auf Charles' gekreuzte Beine. Das graue Pulver best�ubte Charles' Hosen und Stiefel. Roter B�r stie� einen Ruf aus und beschimpfte den Priester, der lediglich seine H�nde abstaubte und die Arme verschr�nkte. Roter B�r schaute peinlich ber�hrt, Graue Eule emp�rt drein.</p><p>Da die Asche keinen Schaden angerichtet hatte, verga� Charles die Sache. Da er seine Zigarre schon aufgeraucht hatte, war er dankbar f�r einen tiefen Lungenzug aus der Pfeife, obwohl die unbekannte Gr�sermixtur, die die Cheyenne rauchten, ihn wie immer leicht benommen und euphorisch machte - in einer Situation wie der ihren nicht unbedingt empfehlenswert.</p><p>Roter B�r verhielt sich nicht nur h�flich, sondern auch respektvoll. Er bat Charles, noch einmal den wei�en Mann zu beschreiben, den er suchte, und sagte dann: �Ja, wir haben diesen Mann gesehen, zusammen mit einem Jungen. Auf der WhiskyRanch von Glyn, dem H�ndler, am Vermilion Creek. Glyn ist verschwunden, und sie wohnen dort. Ich werde euch den Weg erkl�ren.�</p><p>Er deutete nach S�den. Charles war vor lauter Erleichterung so benommen, da� seine Augen tr�nten.</p><p>Schweigend bildeten die Dorfbewohner eine lange Gasse, durch die sie davontrabten. Charles schaute zur�ck, �berzeugt davon, da� das Gl�ck sich jeden Moment von ihnen abwenden k�nnte. Hinter sich h�rte er Graue Eule lachen, ein tiefes, kehliges Lachen. Eine einsame Gestalt blieb, getrennt von den anderen, am Lagerfeuer zur�ck. Charles sah, wie Pfeifende Schlange seinen goldenen Federf�cher hob und ver�chtlich davonmarschierte.</p><p>Sie ritten die ganze Nacht durch, bevor Charles einen Stopp erlaubte. In der k�hlen Morgend�mmerung ruhten die ersch�pften M�nner neben den ersch�pften Pferden. Charles kniete neben seinem schwarzen Freund.</p><p>�Okay, ich wei�, da� du deine Geheimnisse nicht ausplauderst, aber diesmal wirst du's tun. Also, wie hast du das gemacht?�</p><p>Magee kicherte und holte das handgeschnitzte Holzkistchen hervor. Er entnahm ihm eine der runden, grauen Kugeln und hielt sie knapp au�erhalb von Charles' Reichweite. �Ein alter Magier auf der Durchreise hat mir in Chicago den Trick beigebracht. Wollte ihn schon immer einem Publikum vorf�hren, aber bis zu diesem Winter konnte ich mir die dazu n�tige Pistole nicht leisten. Habe mein Gehalt daf�r gespart. Zuerst hielt ich das Pulver knapp. Hat keiner gesehen, weil alle nach unten schauten, als ich so tat, als h�tte mich was gestochen. Ein kleines Ablenkungsman�ver. Aber das ist nur die eine H�lfte, ohne die der Trick nicht funktioniert.�</p><p>�Das hier ist eine solide Bleikugel.�</p><p>Magee grub seinen Fingernagel in die Pistolenkugel, deren Oberfl�che sofort nachgab. �Nein, das ist keine solide Kugel, das ist ein anderes Material, das ich kurz in geschmolzenes Blei getaucht habe.�</p><p>Er nahm die Kugel zwischen seine Handfl�chen und rieb sie kr�ftig. Dann zeigte er ihnen die zerbr�selten �berreste, br�unlichen Staub. �Der Rest ist nichts weiter als guter, alter Schlamm aus Kansas. Hart genug, um ein Haus zu bauen, aber nicht ann�hernd hart genug, um einen Mann zu t�ten.�</p><p>Er blies auf seine Handfl�che. Der Staub blitzte gegen die Sonne auf und verteilte sich auf dem Boden. Er lachte.</p><p>�Was h�ltst du davon, wenn wir jetzt losreiten und deinen Jungen holen?�</p><p>Eine Stunde sp�ter fiel Charles ein, da� er sich nach der Bedeutung der Asche auf seinen Stiefeln hatte erkundigen wollen. Sofort verlor Graue Eule seine gute Laune. Mit bek�mmertem Gesichtsausdruck ritt er dahin, bevor er nach einer Weile antwortete.</p><p>�Es ist ein Fluch. Wen die Asche ber�hrt, den wird auch Mi�erfolg und Tod ber�hren.�</p></section><section><title><p id="bookmark79"><strong>60</strong></p></title><p>Diesmal kamen sie von der Uferstra�e her angaloppiert. Ihnen lag mehr an �berraschung als an Lautlosigkeit. Ein Dutzend Schwarze, die zur Bezirksmiliz geh�rten, wohnten �ber das ganze Gebiet verteilt in Holzh�tten oder kleinen gekalkten H�uschen. Je weniger Zeit ihnen blieb, um mit ihren alten Musketen oder Flinten angerannt zu kommen, desto besser.</p><p>�ber diese Strategie waren sich die Klansm�nner einig, nachdem sie sich an der Kreuzung getroffen hatten.</p><p>Zaumzeug klirrte, S�ttel knirschten, und Hufe scharrten �ber die sandige Stra�e, als sie sich dem wei�get�nchten Haus n�herten, neben dem sich ein viel gr��erer, zweist�ckiger Bau mit Balken und Sparren erhob. Die Dachbalken zeichneten sich als schr�ge schwarze Linien gegen die Sterne und das Viertel des Mondes ab. Unter den wuchtigen B�umen trabten die Klansm�nner die Stra�e zu den alten Sklavenquartieren entlang. Im silbernen Licht des Himmels gl�nzten ihre Roben und Kapuzen. Ein kurzes St�ck rechts vor ihnen sahen sie die erleuchteten Fenster der Schule, hinter denen sich Menschen bewegten. Um so besser.</p><p>Des LaMotte, der neben Gettys an der Spitze der Kolonne ritt, sp�rte, wie sich eine segensreiche Ruhe �ber ihn senkte. Das war wie eine Heimkehr; wie das Anlegen eines Schiffes nach einer langen, ungewissen Seereise. In dieser Nacht w�rde alles ein Ende finden.</p><p>Die anderen Klansm�nner waren genauso zuversichtlich. Einer machte einen Scherz, und ein anderer lachte.</p><p>Revolver wurden unter den Roben hervorgeholt. H�hne gespannt. Ein Gewehrlauf schimmerte im Mondlicht. Des hielt sich beide H�nde frei. Er f�hrte das Kommando, und er hatte das Privileg, die Lunte zu dem Dynamit anzuz�nden.</p><p>�Sind die Ladys allm�hlich fertig?� fragte Andy; es war mehr ein G�hnen. �Mu� bald elf sein.� Er sa� an einem kleinen Pult mit eisernen Beinen, das zusammen mit anderen in einer Ecke stand. Mit dem R�cken lehnte er sich gegen die neue Tafel. Ein Band der &gt;Kommentare&lt; von Kent lag in seinem Scho�; einzelne Zeilen hatte er leicht mit einem Bleistift unterstrichen.</p><p>Vor f�nfzehn Minuten war er von ihrem H�uschen her�bergekommen, um Jane abzuholen. Sie, Prudence, Madeline und ein magerer, goldfarbener Elfj�hriger namens Esau hatten den Abend damit zugebracht, die Schule zu putzen - einschlie�lich der gl�nzenden neuen Fensterscheiben, die Andy am Abend zuvor eingesetzt hatte.</p><p>�Mir kommt's viel sp�ter vor.� Madeline richtete sich steif und verfroren auf. Der Saum ihres weinfarbenen Rockes war feucht. Sie lie� ihren Putzlumpen in einen Holzeimer fallen. In den Fenstern spiegelten sich zwei auf St�hlen stehende Lampen. �Machen wir Schlu�. Die M�bel k�nnen wir morgen wieder hinstellen.�</p><p>�Esau, es war sehr nett von dir, uns zu helfen�, sagte Jane und strich ihm �ber den Kopf. �Aber ein Junge in deinem Alter sollte jetzt l�ngst im Bett liegen. Andy und ich werden dich heimbringen.�</p><p>�Ich wollte helfen�, sagte der Junge. �Es ist meine Schule.�</p><p>Madeline l�chelte und schob eine graue Haarstr�hne aus ihrer Stirn. Sie war ersch�pft, aber es war kein unangenehmes Gef�hl. Den ganzen Abend hindurch hatten sie entspannt und locker zusammengearbeitet, und nun erstrahlte die Schule in neuem Glanz - bereit f�r die Besucher aus Connecticut.</p><p>Sie b�ckte sich nach dem Eimer. Ihr Blick fiel durch das vordere Fenster. Hinter den Reflektionen der Lampen schimmerte etwas Rotes. Sofort wu�te sie, wer sich da drau�en befand.</p><p>Sie konnte gerade noch sagen: �Sie sind da.� Ein Schu� aus einer Schrotflinte zerschmetterte das vordere Fenster. Eine Schrotkugel zupfte an Madelines �rmel, als sie sich neben der Eingangst�r gegen die Wand warf. Eine herumfliegende Glasscherbe ri� dem verst�rten Esau die Wange auf.</p><p>Madeline h�rte Pferde und M�nner, die das Wort �Nigger� br�llten, und sie wu�te, da� das Gef�hl des Friedens sie get�uscht hatte. Sie h�rten einen Mann rufen: �Z�nd das Dynamit!�</p><p>�Oh mein Gott�, sagte Jane.</p><p>Andy schleuderte sein Buch beiseite. �Jemand mu� die M�nner von der Miliz wecken. Ich �bernehme das. Miss Madeline, bringen Sie die anderen hinten raus.�</p><p>Mit brechender Stimme sagte Jane: �Nein, das wirst du nicht tun. Sie sind direkt vor der T�r.�</p><p>�Ich renne zwischen den B�umen neben der Stra�e entlang. Schlu� mit dem Gerede! Bewegt euch!� Er gab ihnen einen leichten Sto�, zuerst Madeline, dann Prudence, die von der Arbeit immer noch au�er Atem war; sie war zu kr�ftig, um weit rennen zu k�nnen. Madeline zog Esau an sich, umklammerte seinen Kopf mit einer Hand.</p><p>�Kommt raus, Nigger. Wenn ihr drin bleibt, werdet ihr sterben.�</p><p>Madeline erkannte die Stimme von Gettys. Andy schleuderte den Globus durch das Seitenfenster. Das Ablenkungsman�ver l�ste eine Salve auf dieser Stelle des Geb�udes aus. Andy nutzte den Krawall aus und zerbrach mit seinem Gesetzbuch das hintere Fenster. Wieder stie� er Madeline voran. �Beeilt euch!�</p><p>Jane blieb zur�ck; Tr�nen str�mten �ber ihre Wangen. Sie wu�te, was passieren konnte, wenn er Hilfe holte. Ihre dunklen Augen waren in lautloser Bitte auf ihn gerichtet. Sein Blick sagte nein. Er gab ihr einen schnellen Ku� auf die Wange und murmelte zum Abschied: �Vergi� nicht, da� ich dich liebe. Und jetzt los.�</p><p>Madeline kletterte durch das Fenster. Dann hob Prudence Esau durch die zackige �ffnung, und Madeline half ihm auf den Boden. Andy sprang durch das Seitenfenster und rannte in die Dunkelheit hinein.</p><p>Ein Klansmann schrie: �Da rennt einer.� Pferde wieherten. Mindestens zwei Reiter machten sich an die Verfolgung. Der Donner von drei Gewehrsch�ssen hallte durch die Nacht, kam als Echo zur�ck. Jane war gerade eben hinter Prudence auf den Boden gesprungen. Sie stie� einen schrecklichen, abgehackten Schrei aus, in dem sich Kummer und Schmerz mischten. Sie wu�te, er war tot.</p><p>�Das Dynamit!� br�llte jemand vorne.</p><p>�Brennt!� schrie ein anderer. Etwas klatschte drinnen auf und rollte �ber den Boden.</p><p>Madeline stie� Prudence vor sich her und zerrte Esau mit. �Weg von dem Geb�ude! Rennt!�</p><p>�Wohin?� japste Prudence.</p><p>�Geradeaus�, sagte Madeline. Direkt vor ihnen lag ein dichter G�rtel Wassereichen, zwischen denen stacheliger Yucca wuchs. Wenn sie diesen G�rtel durchbrechen konnten, hatten sie den Sumpf erreicht. Der Pfad durch den Sumpf war fest, aber schmal und selbst in hellem Tageslicht schwierig zu finden. F�r eine erfolgreiche Flucht brauchten sie Gl�ck und den hellen Mondenschein.</p><p>�Fa�t euch an den H�nden�, sagte sie und tastete nach Prudences plumpen Fingern, die vor Angst kalt und feucht waren. Mit der anderen Hand zog sie Esau in die Finsternis hinein, die sich wie eine Wand hinter der Schule auft�rmte.</p><p>Niedrige Yuccas bohren ihre Stacheln in Madelines Beine. Spanisches Moos strich �ber ihr Gesicht, wie drohende H�nde. Sie konnte nichts erkennen. Sie hatte vergessen, wie dicht und tief der Wald hier war.</p><p>Esau fing an zu weinen. Hinter ihnen brach eine feurige H�lle auf und �bersch�ttete die Nacht mit rotem Licht. Sie sp�rten die Ersch�tterung, als das Dynamit die Schule in die Luft jagte. Madeline sah ein halbes Pult durch den grellen Schein segeln, als w�re es ein Luftballon. Sie rannten weiter, h�rten hinter sich das Triumphgeschrei der Klansm�nner.</p><p>Madeline rannte schneller. Schmerz durchflutete ihre Brust, als ihr Atem immer m�hsamer ging. Die Schule war dahin. Andy war tot. Prudence weinte. �Ich kann nicht schneller, ich kann nicht.�</p><p>�Dann sterben wir alle.� Mit gro�er Willensanstrengung rannte Madeline durch ein Klettengestr�uch, das ihr den Saum zerri� und ihre Kn�chel zerkratzte. Aber sie waren durch die B�ume durch - und standen im flachen Wasser, vor ihnen der mondhelle Salzsumpf.</p><p>Sie suchte mit ihren Blicken den Sumpf ab, versuchte den Pfad nach Summerton zu erkennen. Sie war ihn oft gegangen, aber stets nur bei Tageslicht, und in ihrer Panik schien ihre Erinnerung sie nun im Stich zu lassen. Der sich im Wasser spiegelnde Mond und die Unkrautb�sche verwirrten sie noch mehr.</p><p>�Sie kommen�, fl�sterte Jane. Madeline h�rte es.</p><p>�Hier entlang.� Sie marschierte �ber eine schlammige Fl�che, insgeheim betend, ihre Erinnerung m�ge sie nicht t�uschen.</p><p>Zwei Klansm�nner zu Fu� zerrten Andys Leiche aus der Dunkelheit in den Feuerschein. Sein Hinterkopf fehlte, und sein Hemd war dunkelrot getr�nkt vom Kragen bis zur Taille. Des betrachtete die Leiche, dann ri� er sich die Kapuze herunter und rannte um die brennenden �berreste der Schule herum.</p><p>�Ich habe gesehen, wie sie zu den B�umen rannten.� Mit seinem alten Walker-Colt wedelte er in diese Richtung.</p><p>�Ich komme mit dir�, sagte Gettys unter seiner Kapuze hervor.</p><p>�Du bleibst hier und �bernimmst das Kommando �ber die anderen. Vielleicht tauchen ein paar Jungs von dieser Niggermiliz auf. Dann zieht ihr euch zur�ck und zerstreut euch.�</p><p>�Des�, Gettys jammerte wie ein Kind, dem ein Spielzeug verwehrt wurde, �ich habe genauso lange wie du darauf gewartet, endlich dieses Bastardweib erledigen zu k�nnen. Ich habe genauso viele Rechte ...�</p><p>Des rammte ihm die M�ndung des alten Colts unter das Kinn. �Du hast �berhaupt keine Rechte. Ich f�hre das Kommando.� Er mu�te sich beeilen. Er durfte sich jetzt nicht mehr um den Erfolg bringen lassen. Und da war immer noch Till-mans Warnung.</p><p>Gettys blieb stur. Wieder wollte er protestieren. Mit der Revolverhand schlug Des so hart auf Gettys' Kapuze, da� der Ladenbesitzer beinahe gest�rzt w�re. Gettys sah den irren Glanz in Des' Augen. Mit dem blassen Dreizack in seinem Karottenhaar sah er wie eine Art Teufel aus.</p><p>�Schon gut. Sie geh�ren dir.�</p><p>Madeline sp�rte, wie die anderen z�gerten; auch sie war unschl�ssig. Sie befanden sich in kn�cheltiefem Wasser, k�mpften sich �ber schlammigen Grund, der sie saugend festzuhalten versuchte. Die Spiegelungen des Mondes auf dem Wasser t�uschten das Auge. Irgendwo mu�te sie von dem schmalen Pfad abgewichen sein. Und Prudence stand kurz vor dem Zusammenbruch. Schluchzend stolperte sie dahin.</p><p>�Oh, Herr Jesus.� Das war Jane, die sich auf ein pl�tzliches Ger�usch hin umgedreht hatte. Madeline, die Esaus Hand fest umklammert hielt, blieb stehen.</p><p>Zuerst h�rte sie das Planschen ihres Verfolgers. Er gab sich keine M�he, leise zu sein. Dann sah sie ihn, eine gro�e, unbeholfene Gestalt mit riesigen H�nden. Eine dieser H�nde hielt einen Revolver.</p><p>�Euch Nigger hol' ich mir.� Die klare, kr�ftige Stimme rollte �ber den Sumpf. Ein erschrockener Reiher stieg aus dem Unkraut auf und flatterte davon. �Heute nacht werdet ihr sterben, alle werdet ihr sterben.�</p><p>Prudence st�hnte auf. Mitten im Wasser sank sie auf die Knie, die H�nde gefaltet, den Kopf gesenkt, und begann ein Gebet zu murmeln.</p><p>�Wirst du gleich aufstehen?� W�tend beugte sich Madeline �ber die Lehrerin. Nur das rettete sie, als Des in diesem Moment zwei Sch�sse abfeuerte. Esau fing wieder an zu weinen.</p><p>Madeline sch�ttelte Prudence. �Wenn du nicht aufstehst, dann t�tet er uns. Wir m�ssen weiter.�</p><p>Er kam auf sie zu, eine seltsame, schreckliche Vogelscheuche, die mit drohend erhobener Waffe durch den Sumpf tanzte. Die drei Frauen und der Junge fingen an zu rennen. Madelines Kummer wurde fast unertr�glich; heute nacht ging alles zu Ende. Die Schule, Andy, ihr eigenes Leben. Diese l�cherlichen Kapuzenm�nner besa�en immer noch die Macht zu zerst�ren.</p><p>Sie fand den Pfad. Zehn Meter folgte sie ihm, dann stolperte sie und verdrehte sich arg den Kn�chel. Prudence war schon wieder au�er Atem, wollte aufgeben. Jane ri� an Prudences Arm, wie wenn es sich um das Zugseil eines widerspenstigen Maultiers gehandelt h�tte. Die Nacht war friedlich bis auf den schweren Atem der Fliehenden und das gleichm��ige Planschen von LaMotte, der immer n�her kam. N�her. Noch n�her.</p><p>Er gab einen dritten Schu� ab. Prudence warf die Arme �ber den Kopf, dann st�rzte sie und verschwand unter der Wasseroberfl�che.</p><p>Jane b�ckte sich, tastete im Wasser herum. �Ich kann sie nicht finden. Ich kann nicht - doch, ich hab' sie.� St�hnend zerrte sie Kopf und Schultern der Lehrerin aus dem Wasser. Prudences Augen waren ohne jedes Leben. Madeline bi� auf ihre Fingerkn�chel; Prudences Hoffnungen waren vergeblich gewesen.</p><p>Esau schn�ffelte, m�hte sich, nicht zu weinen. Madeline packte seine Hand und zog ihn weiter. Sie weigerte sich, ihre eigene Exekution widerstandslos hinzunehmen, auch wenn sie wu�te, da� sie am Ende waren. Janes vom Mond erhelltes Gesicht zeigte, da� sie es ebenfalls wu�te. Mit Esau in der Mitte marschierten sie weiter, ein letzter trotziger Akt vor dem Untergang.</p><p>Zwischen dem Verfolger und der Stelle, wo Prudence gefallen war, schwamm der gro�e Alligator lautlos unter Wasser. Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze ma� er sechzehn Fu� und wog sechshundert Pfund. Seine dunklen Halbkugelaugen durchbrachen die Wasseroberfl�che. Es gab viel Unruhe im Wasser; direkt vor ihm lauerte etwas Bedrohliches. Die Schnauze des Alligators schob sich aus dem Wasser, als sich seine Kiefer �ffneten.</p><p>Des wu�te, da� sie ihm nicht mehr entrinnen konnten. Sie rannten nicht mehr, sondern liefen in einem Tempo, bei dem er sie in ein paar Minuten einholen w�rde. Er war klitschna� und schlammverschmiert, f�hlte sich aber gleichzeitig merkw�rdig beschwingt und heiter; er schien durch das Wasser zu tanzen, wie er viele Jahre lang �ber die polierten Tanzb�den der gro�en H�user getanzt hatte, die von den Yankees zerst�rt worden waren, zusammen mit allem anderen, was im S�den gut und sch�n gewesen war. Das wei�e Licht blitzte in seinem Kopf auf, scharfe Strahlen schossen von beiden Seiten heran und trafen sich hinter seinen Augen. Er f�hlte sich ekstatisch, gleichzeitig erfa�te ihn Sorge. Er schickte ein lautloses Gebet gen Himmel, diese Besorgnis zu beschwichtigen. �Oh Gott, halte das Licht zur�ck, bis ich sie erwischt habe. Gott, wenn Du mich je als Mitglied der von Dir auserw�hlten Rasse gesehen hast, dann schenke mir noch einige wenige Momente!�</p><p>Das wei�e Licht zischte und flackerte, verschlang die Dunkelheit in seinem Kopf. Er roch den Rauch von Kanonen. Er h�rte das Pfeifen von Granaten. Kreischend rannte er durch das Wasser, verga�, da� sich die Frauen nur knapp f�nfzig Fu� vor ihm befanden. Seine Schreie steckten voller Inbrunst, voller Freude: �Palmetto Rifles, vorw�rts! Feuer! Ruhm und Glorie f�r die Konf�deration!�</p><p>Etwas wie eine Keule traf ihn; der peitschende Schwanz eines riesigen Alligators. Des jagte eine Kugel in Richtung Mond, als er st�rzte. Dann, als sich die Kiefer des Alligators �ber seinem Leib schlossen, hatte er das Gef�hl, als w�rden Dutzende von gro�en N�geln in sein Fleisch getrieben. Der Alligator t�tete ihn in gewohnter Weise, hielt ihn im Schraubstock seiner Kiefer, bis er ertrunken war.</p><p>Erst dann durfte der K�rper wieder frei im Wasser treiben. Inmitten des Blutes, das sich im Sumpfwasser auszubreiten begann, fing der Alligator mit seiner Mahlzeit an, indem er Des' linkes Bein abbi�.</p><p>Rufe und Sch�sse �berraschten die Klansm�nner, die auf Des bei den rotgl�henden �berresten der Schule warteten, von denen ein dumpfes Licht und eine gewaltige Hitze ausgingen. Gettys h�rte, wie ihnen jemand befahl, die Waffen wegzuwerfen. �Zur Stra�e!� rief er und bohrte seinem Pferd die Hacken in die Seiten.</p><p>Weil er als erster die Flucht ergriff, hatte einer der Schwarzen mit seinem Milizgewehr freies Schu�feld. Als Gettys im Galopp in die Auffahrt einbog, traf ihn die Kugel in die Schulter und schleuderte ihn zur Seite. Er befreite seine F��e aus den Steigb�geln, entsetzt von dem Gedanken, mitgeschleift zu werden. Er fiel in ein dorniges Yucca-Gestr�pp, w�hrend die anderen Klansm�nner mit flatternden Roben vorbeigaloppierten. Gettys flehte: �La�t mich nicht zur�ck�, als die letzten Pferde vorbei waren.</p><p>Barf��ige M�nner n�herten sich ihm. Eine schwarze Hand ri� ihm die scharlachrote Kapuze herunter. Durch angelaufene Brillengl�ser starrte Gettys in sechs schwarze Gesichter und sechs Waffenm�ndungen und wurde ohnm�chtig.</p><p>�Ist ja gut, Esau�, sagte Madeline, bem�ht, den weinenden Jungen zu beruhigen. Es fiel ihr schwer, denn sie selbst war den Tr�nen nahe. Andy war tot, Prudence war tot - oh Gott, welch einen Preis mu�ten sie zahlen.</p><p>Pl�tzlich sah sie hinter sich ganz deutlich im Mondlicht das brodelnde, aufspritzende Wasser, dann blitzte ein Schuppenleib auf. Ganz kurz reckte sich ein Arm gen Himmel und versank wieder.</p><p>Jane dr�ckte ihre Wange gegen Madelines Gesicht und weinte.</p><p>Mit absoluter Klarheit sah sie Des LaMottes abgetrennte Hand die Wasseroberfl�che durchbrechen und wie eine gl�nzend wei�e Makrele dahintreiben. Irgend etwas schnappte danach, die Hand verschwand, und der Sumpf lag wieder glatt und still da.</p></section><section><title><p id="bookmark80"><strong>61</strong></p></title><p>Ein W�ldchen windgezauster Pecanob�ume beschattete die ^Kr�mmung des Vermilion Creek. Magee lehnte an einem Baum, seine Melone auf dem Boden vor seinen ausgestreckten Beinen. Mit einem harten Schnappen seines Handgelenks lie� er Karte um Karte in den Hut segeln. Keine Karte verfehlte ihr Ziel.</p><p>Satan und die beiden anderen Pferde waren an einen tiefh�ngenden Ast angebunden; Graue Eule hatte sein Pony zur�ckgelassen und den Braunen genommen. Charles hatte es sich nahe den B�umen am Ufer des pl�tschernden Baches gem�tlich gemacht. Die Sonne stand im Zenit. Es war ein milder Fr�hlingstag, und er schwitzte unter seinem Hemd und dem Zigeunermantel.</p><p>�ber ihm ragte ein blattloser Ast �ber das Fl��chen. Er studierte den Ast, sch�tzte seine St�rke ab. Der Aprilwind streichelte sein Gesicht und seinen Bart. F�r Angst und Tod war es ein viel zu sch�ner Tag.</p><p>�Pa� auf, Charlie!�</p><p>Magee nahm seine Karten aus der Melone und setzte den Hut auf, w�hrend er sich erhob. Sie h�rten Hufe durch das flache Wasser spritzen. Charles zog seinen Armeecolt. Graue Eule kam hinter einem dichten Weidengeb�sch hervorgetrabt, tief in seine Decke gewickelt. Der Braune schnaufte und gl�nzte vor Schwei�; einen so schweren Reiter war er nicht gewohnt.</p><p>Charles steckte seinen Revolver weg und rannte dem Spurenleser entgegen. �Hast du's gefunden?� Graue Eule nickte. �Wie weit entfernt?�</p><p>�Eine Meile, nicht weiter.� Der Cheyenne machte ein betont m�rrisches Gesicht. �Ich sah einen kleinen Jungen.�</p><p>Die Mittagssonne schien in Charles' Augen zu explodieren. Er f�hlte sich schwindelig. �Ist er in Ordnung?�</p><p>Graue Eule zeigte deutlich, da� er nicht antworten wollte. Er kaute auf seiner Unterlippe herum. �Ich sah ihn vor dem Haus sitzen und einen Waschb�ren f�ttern. Sein Gesicht ...� Graue Eule ber�hrte seine linke Wange. �Da sind Spuren. Jemand hat ihn geschlagen.�</p><p>Charles wischte sich �ber den Mund.</p><p>Magee stie� einen Stiefel in den Schiefer. �Ist sonst noch jemand da?�</p><p>�Ich sah einen alten Kiowa-Comanchen mit einem Whiskykrug rauskommen, auf sein Pony steigen und davonreiten. Dann sah ich eine Cheyenne-Frau zu einem kleinen Schuppen gehen, wo ich H�hnergegacker h�rte. Sie kam mit zwei Eiern zur�ck.�</p><p>�Er hat eine Squaw?� fragte Charles.</p><p>�Ja.� In den Augen des F�hrtensuchers lag Trauer. �Eine junge Frau. Sehr schmutzig und traurig.�</p><p>�Hast du Bent gesehen?� Graue Eule sch�ttelte den Kopf. �Und dich hat niemand gesehen - weder der Junge noch die Squaw?� Wieder sch�ttelte der F�hrtensucher den Kopf. �Bist du sicher?�</p><p>�Ja. In der N�he stehen ein paar Pfahleichen. Ein gutes Versteck.�</p><p>Magee rieb sich die H�nde, versuchte die ganze Sache wie eine ganz gew�hnliche Feld�bung zu betrachten. �Wir k�nnen von drei verschiedenen Seiten kommen.�</p><p>�Ich gehe allein�, sagte Charles.</p><p>�Das ist verdammter Bl�dsinn.�</p><p>�Allein�, sagte Charles mit einem Blick, der jeden weiteren Protest im Keim erstickte.</p><p>Er kehrte zu den B�umen zur�ck, wo er seinen Zigeunermantel auszog, ihn zusammenfaltete und auf den Boden legte. Er nahm die Spencer, �berpr�fte das Magazin, st�lpte sich den schwarzen Hut tief in die Augen und ging zu Magee und dem F�hrtensucher zur�ck.</p><p>�Ich passe schon auf mich auf, nur keine Sorge. Wenn Ihr Sch�sse h�rt, dann kommt schnell. Ansonsten bleibt ihr hier.�</p><p>Er sagte es im Kommandoton eines Offiziers, begleitet von einem herausfordernden Blick. Magee kochte. Graue Eule starrte voll d�sterer Vorahnungen auf das gl�nzende Wasser.</p><p>Er wird mich nicht erkennen, dachte Charles, w�hrend er am Ufer entlang marschierte. Er dachte dabei an Gus, aber es traf auch auf Elkanah Bent zu. Er konnte sich nicht vorstellen, wie Bent nach zehn Jahren aussehen mochte. Es war auch unwesentlich. Er wollte lediglich den Jungen in Sicherheit bringen. Das allein z�hlte: der Junge.</p><p>Die Fr�hlingsluft war so sanft wie die Hand einer Frau. Sie erinnerte ihn an �hnliche Tage im Norden Virginias, als Hunderte von armen Jungs auf sonnigen Wiesen gestorben waren. Diese Gedanken, zusammen mit dem, was Graue Eule �ber Gus' Aussehen gesagt hatte, gaben seiner Besorgnis neue Nahrung.</p><p>Ein St�ck voraus sah er die Pfahleichen. Dahinter entdeckte er einen Schlammziegelbau. Aus dem Kamin trieb Rauch. Charles glaubte, eine Kinderstimme zu h�ren. Seine Hand an der Spencer wurde wei�.</p><p>Er versuchte die Furcht abzusch�tteln. Unm�glich. Sein Herz h�mmerte so laut, da� es in seinen Ohren wie eine Indianertrommel klang. Er wu�te, da� er h�chstwahrscheinlich nur eine Chance bekommen w�rde, nicht mehr.</p><p>Er duckte sich hinter einer Pfahleiche zusammen. Beim Anblick seines Sohnes, der auf dem Boden sa� und den Waschb�ren mit Maiskolben f�tterte, w�ren ihm beinahe die Tr�nen gekommen. Der Waschb�r nahm einen Kolben zwischen die Vorderpfoten und richtete sich auf den Hinterbeinen auf, wie ein dicker kleiner Mann mit einer Gesichtsmaske, w�hrend er den Kolben fra�. Dann watschelte er hin�ber zu Gus, um sich den n�chsten zu holen. Der Junge f�tterte ihn ohne eine Spur von Freude in seinem traurigen Gesicht.</p><p>Selbst aus der Entfernung konnte Charles die vergrindeten Risse und Absch�rfungen in Gus' Gesicht sehen. Die F��e des Jungen waren so schmutzig, da� Charles im ersten Moment dachte, er trage graue Socken. Gus sa� im Dreck in der N�he der Eingangst�r der Whisky-Ranch. Die T�r war geschlossen.</p><p>Charles sah einen gutgebauten Braunen und zwei Maultiere in dem Pferch am Ende des Geb�udes. Er sah den Stall, aus dem die Squaw die Eier geholt hatte, und h�rte ein Huhn flattern und gackern. Das lauteste Ger�usch war das Gurgeln des Vermilion Creek.</p><p>Vor lauter Angst, einen Fehler zu machen, wagte er sich fast nicht mehr zu bewegen. Er versuchte zu vergessen, was auf dem Spiel stand, und bem�hte sich, die Situation als abstraktes Problem zu betrachten. Es half ein bi�chen. Er z�hlte bis f�nf und trat dann hinter der Eiche hervor, so da� sein Sohn ihn sehen konnte.</p><p>Gus sah ihn und ri� den Mund auf. Charles f�rchtete, er k�nnte schreien, und legte einen Finger an die Lippen.</p><p>Er wu�te nicht, ob der Junge ihn erkannte, einen Fremden mit Bart und tief eingesunkenen Augen, der pl�tzlich in der Wildnis auftauchte. Er blieb vollkommen still sitzen.</p><p>Gus lie� die Maisk�rner zu Boden rieseln, gab keinen Laut von sich.</p><p>Der Waschb�r schob sich vor und begann zu fressen. Mit allen Sinnen lauschte Charles nach anderen Ger�uschen - einer Stimme, dem Quietschen einer T�r. Er h�rte nur das Murmeln des Wassers. Er machte drei lange Schritte auf seinen Sohn zu und winkte mit einer Handbewegung: Komm her!</p><p>Gus starrte den Fremden �ngstlich an. Charles wollte losschreien, wollte ihm sagen, wer er war. Er wagte es nicht. Wieder winkte er. Und noch einmal.</p><p>Gus stand auf.</p><p>Charles jubelte innerlich. Dann wich der Junge langsam zum Geb�ude zur�ck, den Blick auf den Fremden gerichtet.</p><p>Oh Gott, er hat Angst. Er kennt mich immer noch nicht.</p><p>Gus machte einen Schritt zur Seite, bereit, ins Haus zu flitzen. Verzweifelt duckte sich Charles und legte die Spencer zu Boden. Dann breitete er die Arme aus. Die Muskeln waren so angespannt, da� seine Arme von der Schulter bis zum Handgelenk zitterten.</p><p>Irgendwie beruhigten die einladend ausgestreckten Arme den Jungen. Sein Gesichtsausdruck �nderte sich, zeigte ein z�gerndes L�cheln. Er hielt den Kopf leicht schief.</p><p>In lautem Fl�sterton sagte Charles: �Gus, ich bin's, dein Pa.�</p><p>Verwunderung zeichnete sich im Gesicht des Jungen ab. Er begann auf Charles zuzugehen.</p><p>Die Vordert�r der Whisky-Ranch knallte auf.</p><p>Bent trat g�hnend hinaus. Er trug einen alten Zylinder; an seinem linken Ohr hing Constance Hazards Ohrring. Sein Frack gl�nzte, als h�tte man mit einem Messer Fett aufgetragen. Er war �lter, dicker, mit Falten im Gesicht und buschigen Augenbrauen; dichtes, ungek�mmtes Haar verbarg seinen Nacken. Seine linke Schulter hing tiefer als die rechte.</p><p>Bent sah Charles, erkannte ihn aber nicht. Charles ri� die Spencer hoch und richtete sie auf Bents schmierige Weste, die von einem Knopf zusammengehalten wurde. �H�nde gut sichtbar halten�, sagte er laut.</p><p>Bent spreizte seine H�nde ab und betrachtete blinzelnd den wilden Mann mit dem Gewehr. Charles ging mit langsamen, vorsichtigen Schritten auf ihn zu. Bents zottige Augenbrauen schossen nach oben.</p><p>�Charles Main?�</p><p>�Richtig, du Bastard.�</p><p>�Charles Main. Ich h�tte nie gedacht, du w�rdest mir ins Territorium folgen.�</p><p>�Dein Fehler.� Charles verk�rzte die Entfernung zwischen der Pfahleiche und dem Haus, stoppte dann. �Ich wei�, was du mit George Hazards Frau gemacht hast.� Bent reagierte, trat �berrascht zur�ck. �Ich kann sehen, was du Gus angetan hast. Ich brauche kaum noch einen Vorwand, um dein Gehirn in der Gegend zu verspritzen. Also hol nicht mal tief Luft. Gus, komm her zu Pa. Jetzt!�</p><p>Er behielt mehr Bent als seinen Sohn im Auge. Der Junge konnte seine pl�tzliche Befreiung noch nicht fassen. Er machte probeweise einen Schritt auf seinen Vater zu. Zwei Schritte. Drei.</p><p>Eine Indianerfrau in einem schmutzigen Hirschlederkittel kam mit einem Nachttopf zur T�r hinaus. Ihr Gesicht zeigte einen schl�frigen, m�rrischen Ausdruck. Charles dachte, sie besitze eine gewisse �hnlichkeit mit jemandem, dem er w�hrend seiner Zeit mit Jackson begegnet war. Dann erkannte er mit Verbl�ffung, da� es Gr�nes Gras war.</p><p>Sie sah ihn, erkannte ihn, lie� den Nachttopf fallen und schrie auf. Gus wirbelte erschrocken herum. Bent machte einen Satz und hatte den Jungen.</p><p>Charles wollte nicht glauben, was er vor sich sah. Bent l�chelte, das alte, t�ckische L�cheln, an das sich Charles voller Abscheu erinnerte. Bents schmierige Hand schlo� sich um Gus' Hals. Seine andere Hand holte ein Rasiermesser aus seiner Tasche. Er lie� es aufschnappen und dr�ckte die schimmernde Klinge gegen Gus' Wange.</p><p>�Die Waffen weg, Main.� Charles starrte ihn an; hinter seiner Stirn h�mmerte ein dumpfer Schmerz. Bent drehte die Klinge. Die Kante pre�te sich in Gus' Wange. Der Junge schrie auf.</p><p>Bent hielt ihn fest. �Weg damit, oder ich schneide ihm die Kehle durch.�</p><p>Charles legte die Spencer vor sich zu Boden, dann seinen Armeecolt. �Jetzt das Messer.� Das Bowiemesser landete daneben. Bent geno� den Anblick des unbewaffneten Charles. Sein schmieriges Grinsen wurde breiter, fast herzlich. Sein Versagen lastete wie ein schwerer Granitblock auf Charles.</p><p>�Heb die Sachen auf, du Mistst�ck. Main, zur Seite mit dir! Weiter - noch weiter!�</p><p>Gr�nes Gras eilte in einer Art Kriechgang auf die Waffen zu. W�hrend sie sie aufsammelte, warf sie Charles einen bittenden Blick zu und sagte auf englisch zu ihm: �Er sagte, es sei der Junge von einem H�ndler, einem b�sen H�ndler.�</p><p>Charles zuckte hoffnungslos mit den Schultern. �Was tust du hier?�</p><p>�Sie geh�rte zu dem Besitzer dieser Ranch�, sagte Bent. �Ich verkaufe sie. F�r Gin bespringt sie Mensch oder Tier, aber du wirst das Vergn�gen nicht haben. Mit dir hab' ich anderes im Sinn.� Sein Gesicht verzerrte sich. Charles erinnerte sich, wie wahnsinnig er war. �Du Mistst�ck, beeil dich!�</p><p>Bent betrachtete Charles und kicherte. �Und jetzt, Main, jetzt werden wir diese unerwartete Wiedervereinigung feiern. Ich werde die Befehle geben. Du befolgst sie ganz genau, wenn du nicht willst, da� dieses Kind vor deinen Augen verblutet. Wenn ich sage: &gt;Vorw�rts marsch!&lt;, dann gehst du hier lang und machst zwei Schritte durch die T�r. Nicht einen oder drei, sondern zwei! Die ganze Zeit beh�ltst du die H�nde oben. Irgendein Fehler, irgendein Anzeichen von Ungehorsam, und ich schlitze ihn auf.�</p><p>Bent konnte seine gute Laune kaum unter Kontrolle halten. �Also gut. Vorw�rts - marsch!�</p><p>Mit erhobenen H�nden ging Charles auf das Haus zu.</p><p>Magee entfernte sich von den Pecanob�umen, sein Gewehr in der Armbeuge.</p><p>Graue Eule rief: �Er sagte warten.�</p><p>�Er ist schon zu lange weg.� Magee marschierte weiter.</p><p>�Warten. Das war sein Befehl.�</p><p>Magee z�gerte. Er blieb stehen. Nach einem m�rrischen Blick den Vermilion Creek hinunter drehte er um und marschierte langsam zu dem in seine Decke gewickelten F�hrtensucher zur�ck.</p></section><section><title><p id="bookmark81"><strong>62</strong></p></title><p>Der Raum erinnerte Charles an eine Marketenderkneipe. Auf dem Erdboden zeichneten sich die Spuren von Stiefeln, Mokassins und nackten F��en ab. Auf zwei Tischen standen die �berreste kalten Essens. Der Stuhl, auf den er sich auf Bents Befehl hinsetzen mu�te, �chzte und schwankte unter seinem Gewicht.</p><p>Dann sah er das schief aufgeh�ngte Portr�t. Er starrte die Frau ungef�hr zehn Sekunden lang an, bevor die Erkenntnis wie eine Granate in seinem Kopf explodierte.</p><p>�Dieses Bild!� Er hatte Schwierigkeiten, sich verst�ndlich auszudr�cken. Die Angst um Gus vernebelte seinen Verstand und verlangsamte seine Reaktionen. Der Anblick des Portr�ts schien ihn an irgendeinen unwirklichen Ort zu wirbeln, wo alles m�glich und nichts mehr normal war.</p><p>Mit M�he beendete er den Satz: �Wo hast du das Bild her?�</p><p>�Erkennst du es, ja?� Bent legte Messer, Spencer und Armeecolt auf die Tischplatte; das Rasiermesser behielt er in Griffweite.</p><p>�Die Frau meines Cousins Orry. Die �hnlichkeit ist nicht besonders.�</p><p>�Weil es sich um ihre Mutter handelt. Eine Hure in New Orleans. Eine Terzeronin.� Bent holte ein schweres Seil aus einer Schachtel unter dem Flaschenbord. �Du scheinst gar nicht �berrascht zu sein, da� sie eine Niggerin ist.�</p><p>�Ich wei�, da� Madeline schwarzes Blut hat. Aber ich h�tte nie erwartet, solch ein Bild zu sehen.�</p><p>�Oder mich zu finden, wage ich zu behaupten.� Bent war voll von falscher H�flichkeit. �H�nde zusammen und nach vorn strecken.�</p><p>Charles reagierte nicht. Bent schlug ihm die Faust ins Gesicht. Blut sickerte aus Charles' Nase. Er hob die H�nde, und Bent schlang das Seil um die Handgelenke.</p><p>Charles' Verstand war immer noch wie bet�ubt, von Zorn �berflutet gegen diesen Kr�ppel, der sich schwerf�llig bewegte. Auch auf sich selbst war er w�tend. Er hatte drau�en versagt. Sein Fehler w�rde ihn das Leben kosten. Das sagte ihm das fiebrige Gl�nzen in Elkanah Bents Augen, w�hrend Bent das Seil ein drittes und ein viertes Mal um seine Handgelenke schlang.</p><p>Na sch�n, sein Leben war verwirkt. Aber da war immer noch Gus.</p><p>Bents Gesicht war stark ger�tet. Constances Tr�nenohrring schwankte wie ein Pendel hin und her. Bent hatte sein Ohrl�ppchen durchstochen, damit der Ring hielt. Gr�nes Gras sa� ver-dreckt und traurig da und betrachtete Charles mit unverhohlenem Mitleid. Bei dem Blick str�ubten sich seine Nackenhaare. Sie wu�te, was kommen w�rde. Sie hielt Gus an sich gedr�ckt, sch�tzte ihn, solange sie konnte.</p><p>Der Junge schaute ihn mit so stumpfen Augen an, da� Charles am liebsten in Tr�nen ausgebrochen w�re. Die gleichen leblosen Augen hatte er bei jungen, verwundeten M�nnern in der Nacht nach Sharpsburg gesehen.</p><p>Doch Gus war noch keine f�nf Jahre alt.</p><p>Bent zog das Seil an und verknotete es. Charles hatte alle Muskeln angespannt, doch Magees Trick schien ihm nicht viel Spielraum eingebracht zu haben. Eine weitere Niederlage.</p><p>�Hast du eine Ahnung, f�r wen ich mich halte?� erkundigte sich Bent freundlich.</p><p>Charles lie� seinem Ha� freien Lauf: �Ja, Orry hat's mir erz�hlt. F�r den neuen Napoleon.� Er spuckte auf den Boden.</p><p>Bent knallte seine Faust in Charles' Gesicht. Gus versteckte sich hinter der H�fte von Gr�nes Gras.</p><p>Bent, laut schnaufend und nicht l�nger l�chelnd, sagte: �Hat er auch erz�hlt, da� er und Hazard mich auf der Akademie und in Mexiko ruiniert haben? Meinen Ruf durch L�gen zerst�rt haben? Meine Vorgesetzten gegen mich aufgehetzt haben? Ich wurde daf�r geboren, gro�e Armeen zu f�hren. Wie Alexander der Gro�e. Hannibal. Bonaparte. Deine Leute und die Hazards haben mich daran gehindert.�</p><p>Bent wischte sich den Speichel von der Lippe. Drau�en vor der geschlossenen T�r h�rte Charles Vogelgezwitscher. Von der kalten Asche im Herd ging ein vertrauter Holzgeruch aus.</p><p>Bent nahm das Rasiermesser und fuhr sich mit der Klinge leicht �ber die Daumenkuppe. Sein L�cheln kehrte zur�ck. Mit �berzeugender, eindringlicher Stimme sagte er: �Ich halte mich f�r den amerikanischen Bonaparte, und das ist durchaus gerechtfertigt. Aber ich bin gezwungen, st�ndig auf der Hut zu sein, weil jeder gro�e General von kleinen M�nnern belagert wird. Minderwertigen M�nnern, die eifers�chtig auf ihn sind und ihn in den Dreck ziehen wollen. Die seine Gr��e beschmutzen wollen. Die Mains sind so. Die Hazards sind so. Deshalb bin ich nicht nur der Kommandeur, sondern auch der Scharfrichter. Ich rotte die Verschw�rer aus. Die Verr�ter. Den Feind. Hazards. Mains. Bis sie alle tot sind.�</p><p>�La� meinen Jungen gehen, Bent. Er ist zu klein, um dir was tun zu k�nnen.�</p><p>�Oh nein, mein lieber Charles. Er ist ein Main. Ich habe stets beabsichtigt, ihn zu t�ten.� Gr�nes Gras stie� einen kleinen Laut aus und wandte den Kopf ab. �Ich hatte vor, mehrere Monate zu warten, bis du dich mit seinem Verlust abgefunden h�ttest. Dann, nachdem ich ihn get�tet h�tte ...�</p><p>�Sag das nicht vor ihm, verdammt noch mal.�</p><p>Bent ri� an Charles' Bart, zerrte ihn nach oben, zwang seinen Kopf zur�ck. Er dr�ckte das Rasiermesser gegen Charles' Kehle. �Ich sage, was mir gef�llt. Ich f�hre hier das Kommando.� Der Druck des Rasiermessers wurde st�rker. Charles sp�rte den Schmerz. Blut sickerte. Er schlo� die Augen.</p><p>Bent kicherte und zog das Messer zur�ck. Er s�uberte die Klinge am �rmel seines Mantels.</p><p>Erneut freundlich und nett sagte er: �Nachdem ich ihn erledigt h�tte, wollte ich dir gewisse - Teile schicken, damit du Bescheid wei�t. Ein paar Finger. Zehen. Vielleicht noch ein paar intimere Teile.�</p><p>�Du verfluchter Irrer�, pre�te Charles zwischen den Z�hnen hervor; nicht f�hig, sich l�nger zu beherrschen, fuhr er vom Stuhl hoch. Bent packte Gus an den Haaren. Der Junge schrie auf und schlug mit seinen kleinen F�usten gegen Bents Bein. Bent schleuderte ihn mit einem Schlag zu Boden, trat ihm in die Rippen. Gus rollte zur Seite und umklammerte wimmernd seinen Bauch.</p><p>�Steh auf, Junge!� Bents Stimme dr�hnte wie bei einem Priester der Wiederauferstehung. Wie viele Menschen lebten in diesem pervertierten K�rper? Wie viele Stimmen sprachen aus diesem wahnsinnigen Hirn? �Steh auf! Das ist ein direkter Befehl!�</p><p>�Nicht�, sagte das Cheyenne-M�dchen, �oh, nicht. Er ist so klein.�</p><p>Er knallte ihr die Faust in den Magen. Sie fiel gegen die Wand, versuchte sich an den groben St�mmen festzukrallen; ihre Knie scharrten durch den Dreck. �Du wirst als n�chste hingerichtet, wenn du noch ein Wort sagst.� Er schwenkte das Rasiermesser �ber seinem Kopf. �Hoch, Junge!�</p><p>Gus wimmerte wieder und schwankte hoch. Bent packte ihn, zog ihn gegen seine Beine, wobei er ihn gleichzeitig drehte. Er legte seine freie Hand unter Gus' Kinn und zerrte seinen Kopf mit einem Ruck zurecht, so da� sich Vater und Sohn ins Gesicht sehen konnten.</p><p>�Nach ihm und nach dir�, sagte Bent, �kommt die Familie von Hazards Bruder in Kalifornien dran. Ich l�sche euch alle aus, bevor ich erledigt bin. Denk daran, lieber Charles.�</p><p>Sanft, fast streichelnd zog er die Klinge �ber Gus' rechte Wange. Gus schrie auf. Ein Blutfaden wand sich �ber die blasse Haut.</p><p>�Denk daran, w�hrend der Scharfrichter die Befehle des Generals ausf�hrt.�</p><p>Magic Magee sagte: �Oh, Schei�e�, was Graue Eule �berraschte, denn Magee fluchte f�r gew�hnlich nie. Er sprang auf. �Seine Befehle sind mir egal. Irgendwas stimmt nicht.�</p><p>Graue Eule wollte ihn zur�ckrufen. Magee ging mit langen Schritten los. Graue Eule z�gerte nur einen Moment, bevor er hinter ihm her eilte.</p><p>Tr�nen str�mten aus Gus' Augen und vermischten sich mit dem Blut auf seiner Wange. Eine Wut, die ihn krank und schwach machte, f�llte Charles ganz und gar aus. Mit den Knien stemmte er seine H�nde auseinander. Das Seil sch�rfte den R�cken seiner Handgelenke. Pl�tzlich rutschte die linke Hand ein St�ckchen, wurde glitschig. Er blutete. Er zog die linke Hand an, doch der Teil knapp unterhalb der Kn�chel wollte nicht durch das Seil rutschen. Sinnlos. Sinnlos.</p><p>Magee legte eine Hand auf das Gel�nder des Pferchs. Der Braune und die Maultiere witterten ihn und warfen die K�pfe hoch. �Ruhig, ruhig�, sagte er. �Regt euch nicht auf. Ich mein's ja gut.�</p><p>Er glitt zwischen zwei Stangen hindurch. Der Braune wieherte. �La� das�, sagte Magee, der den verdammten Gaul am liebsten erschossen h�tte. Er nickte Graue Eule heftig zu, der sein Gewehr umklammerte und auf die Eingangst�r zuging. Magee hatte ihm gesagt, er solle warten, bis er ihn rief. Charles mu�te im Haus sein. Er befand sich weder in dem Stall noch in dem verlassenen H�ndlerwagen.</p><p>Magee hatte keine Ahnung, was er hinter der T�r vom Pferch aus vorfinden w�rde, hoffte aber, die T�r w�rde nicht direkt in den Hauptraum f�hren. Er schwitzte wie im August. Gerade, als er nach dem T�rhaken griff, kam ein fetter Waschb�r um die Ecke geschossen und richtete sich vor der T�r auf.</p><p>�Verschwind�, fl�sterte Magee. Er fuchtelte in der Luft herum. Der zahme Waschb�r wich nicht. Er wollte sich drinnen wahrscheinlich Futter holen und w�rde Magee dabei verraten.</p><p>Verwirrt blieb Magee ungef�hr f�nfzehn Sekunden still stehen. Dann h�rte er deutlich einen kleinen Jungen aufschreien. Mit d�sterem Gesicht zog er sein Messer. �Tut mir leid, Mister.� Er stach zu und t�tete den Waschb�r mit einem Stich.</p><p>Gus blutete an der Wange. Charles hoffte, der Junge w�rde ohnm�chtig werden, aber das war nicht der Fall. Gl�cklicherweise war Bents Kopf frei von Schmerzen und jenen merkw�rdigen, qu�lenden Lichtern. Die Befehle des Generals waren richtig und gerecht, und die Pflichten des Scharfrichters waren eine reine Freude. Er konnte es allerdings nicht l�nger hinausziehen. Der Schnitt - direkt vor den Augen des an seinen Fesseln zer-renden, halb wahnsinnigen Vaters - hatte bei ihm eine riesige, schmerzende Erektion ausgel�st. Er dr�ckte das Rasiermesser gegen Gus' Kehle.</p><p>Charles sah, wie sich der bl�uliche Lauf zwischen T�rrahmen und roter Decke hindurchschob. Aus diesem Teil des Hauses hatte er nicht einen einzigen Laut geh�rt. Magee sagte mit fester Stimme: �Mr. Bent! Sie drehen sich besser um und schauen sich mal diesen Revolver an.�</p><p>Einen endlosen, qualvollen Moment lang wu�te Charles, da� Bent jetzt Gus die Kehle durchschneiden w�rde. Statt dessen gehorchte er wie ein Soldat der Kommandostimme. Er drehte sich um. Magee trat hinter der Decke hervor.</p><p>Charles warf sich aus dem Stuhl und schleuderte Gus zu Boden. Bent bellte dumpf auf, erkannte seinen Fehler. Charles stolperte �ber seinen Sohn und st�rzte. Gr�nes Gras sprang Bent an und h�mmerte mit ihren F�usten auf ihn ein. Magee zielte, aber sie stand in der Schu�linie. Bent stie� sie von sich und ri� das Rasiermesser nach unten; er fetzte ihren Rock und ihre Oberschenkel auf. Sie schrie auf. Ein zweiter Sto� warf sie zu Boden. Bent st�rzte sich mit blitzender Klinge auf Charles.</p><p>Magee scho�. Die Kugel traf Bent von hinten in den linken Schenkel. Er drehte sich um die eigene Achse und fiel mit ausgestreckter Hand hin. Charles rollte sich, die Handgelenke immer noch gefesselt, �ber den Boden, zerrte das Rasiermesser aus Bents Hand und warf es weg. Magee br�llte etwas. Ein Lichtrechteck fiel �ber Charles und seinen Sohn. Graue Eule stand geduckt in der T�r, das Gewehr im Anschlag.</p><p>�Soll ich ihm den Rest geben?� fragte Magee. Bent starrte ihn an, merkte, da� er unbewaffnet in der Falle sa�.</p><p>�Nicht vor dem Jungen. Schneid mich los.�</p><p>Magee befreite Charles mit seinem blutbefleckten Messer. Zitternd kniete Charles nieder.</p><p>�Gus, ich bin's, dein Papa. Ich wei�, ich schaue furchtbar aus, aber ich bin dein Papa, Papa�, wiederholte er, mit besonderer Betonung auf dem P, als k�nnte dadurch die Verbindung wiederhergestellt werden.</p><p>Der Junge wich zur�ck. Aus seinen Augen starrte ein ver�ngstigtes, geistloses Tier. Charles breitete beide Arme aus, wie er es drau�en vor der T�r getan hatte. �Papa.�</p><p>Pl�tzlich kamen die Tr�nen; heftige Schluchzer sch�ttelten den Jungen. Er wimmerte auf und rannte auf Charles zu. Charles nahm ihn in die Arme und hielt ihn fest. Er hielt Gus eine lange Zeit, bis der kleine K�rper aufh�rte zu zittern.</p><p>Das aufgeschlitzte Bein von Gr�nes Gras blutete stark. Nach ihrem Sturz hatte sie das Bewu�tsein verloren. Magee streifte ihren Rock hoch und inspizierte die Wunde. Leidenschaftslos wie ein Arzt wischte er Blut von ihrem dichten Schamhaar. �Fr�her hab' ich Besoffene im Saloon verarztet, wenn sie mit Messern aufeinander losgegangen sind. Das hier kann ich abbinden. Eine Weile wird sie nur unter Schmerzen laufen k�nnen, aber ich denke, das kriegen wir wieder hin.�</p><p>Aus seinem Medizinbeutel holte Graue Eule einige Wurzeln, die er zerkr�melte und mit etwas Wasser mischte; drau�en auf einem flachen Stein machte er eine Paste daraus. Dann suchte er das kleine Zimmer ab und fand ein St�ck sauberes Tuch. Magee war damit besch�ftigt, Bents H�nde mit dem Seil zu fesseln, mit dem Charles gebunden gewesen war. Er drehte Bent die Arme auf den R�cken und achtete darauf, da� das Seil auch wirklich fest sa�. Er ging nicht sonderlich sanft mit Bent um.</p><p>�Was ist mit seinem Bein?� erkundigte sich Charles.</p><p>�Ein Streifschu�, nicht mehr. Am besten, wir k�mmern uns nicht drum. Geschieht ihm recht, wenn der Brand reinkommt.�</p><p>Graue Eule kniete neben dem ersch�pften Jungen nieder. Seine braunen H�nde waren unglaublich sanft, als er etwas von der graugr�nen Paste in die Wunde an der Wange schmierte. �Er mag eine Narbe behalten, so wie die Cheyenne-Jungen Narben vom Sonnentanz.�</p><p>�Die Haken vom Sonnentanz gehen in die Brust, nicht ins Gesicht.�</p><p>�Ja�, sagte der F�hrtensucher traurig. �Man kann nichts tun. Es wird heilen.�</p><p>�Selbst wenn es heilt, wird er f�r immer Narben davontragen�, sagte Charles.</p><p>Er steckte den Armeecolt in das Halfter, bandagierte sein vom Seil verbranntes Handgelenk und ging hinter die Bar, wo er ein weiteres Seil entdeckte. Er warf es sich �ber den linken Arm. Bent stand mit blutigem Hosenbein neben der T�r. Mit unterw�rfigem Gesichtsausdruck blinzelte er in den Sonnenschein.</p><p>Charles nahm zwei Schlucke von dem �blen Whisky in der Hoffnung, den Schock zu d�mpfen, der als unvermeidliche Folge des Kampfes kommen w�rde. Er ging hin�ber zu Bent. Nur mit M�he konnte er verhindern, da� er nicht einfach den Colt an Bents Kopf hielt und abdr�ckte.</p><p>�Magic, kommst du mit, ja? Bleib mit dem Jungen hier, Graue Eule.�</p><p>Bent kr�mmte sich im T�rrahmen. Ein zitronenfarbener Schmetterling gaukelte um seinen Kopf und flog davon. �Wohin bringt ihr mich?�</p><p>Die Sonne lie� das Goldfiligran von Constances Ohrring aufleuchten. Charles konnte nicht anders, er griff nach dem Ohrring und ri� ihn nach unten. Der Haken zerfetzte Bents Ohrl�ppchen. Er schrie auf und krachte gegen die T�r. Charles trat ihm in den Hintern, trieb ihn in das grelle Licht hinaus.</p><p>Die milde Luft konnte den Geschmack von Dreck und Schwei� und schlechtem Whisky nicht aus Charles' Mund vertreiben. Nie war dieses ausgebrannte Gef�hl so stark gewesen. Es schmerzte wie Pfeffer und Salz in einer Wunde.</p><p>Die Hand auf sein blutendes Ohr gepre�t, fragte Bent kriecherisch: �Bitte - wohin?�</p><p>�Du wei�er Abschaum�, sagt Magee, majest�tisch in seinem Zorn. �Du f�hrst zur H�lle!�</p><p>�Wohin?�</p><p>Charles beugte sich dicht zu ihm. �Waterloo.�</p><p><emphasis>KU-KLUX L�UFT AMOK.</emphasis></p><p><emphasis>Eine Nacht des Terrors am Ashley.</emphasis></p><p><emphasis>Die Mont-Royal-Schule zum zweitenmal zerst�rt.</emphasis></p><p><emphasis>Zwei Tote.</emphasis></p><p><emphasis>Pr�sident Grant bringt seine Emp�rung zum Ausdruck.</emphasis></p><p><emphasis>Verwundetem Klansmann die Maske vom Gesicht gerissen.</emphasis></p><p><emphasis>Sonderbericht von unserem Charleston-Korrespondenten</emphasis></p><p id="bookmark82">MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Mai 1869. Haben heute Prudence Chaffee und Andy Sherman beerdigt. Auf meinen und Janes Wunsch hin liegen sie Seite an Seite. Ich habe die Bibel gelesen, Johannes 14.</emphasis></p><p><emphasis>Vater Lovewell hat den Bezirk fluchtartig verlassen. Von der Leiche von Des L. keine Spur. Ich empfinde f�r ihn eher Trauer denn Ha�. Man hat mir erz�hlt, da� er die ganzen vier Jahre hindurch bei den Palmetto Rifles gedient hat. Danach k�mpfte er f�r zwielichtigere Sachen. Die Erhaltung der Sklaverei in anderer Form. Die �berlegenheit der wei�en Rasse. Die Ehre einer grausamen, arroganten Familie. M�ssen M�nner immer b�sen Ideen zum Opfer fallen, die sie in den Mantel einer verf�hrerischen Selbstgerechtigkeit h�llen?</emphasis> ...</p><p><emphasis>Mu� wieder an D.L. denken. Im Tode erregt er meine Neugier st�rker als zu der Zeit, da er uns bedrohte. Wie so viele andere auf beiden Seiten hat der Krieg ihn ver�ndert und letztendlich zerst�rt. Diese Art von Erfahrung k�nnte zum Mittelpunkt des Lebens f�r eine Generation oder l�nger werden. In Charleston reden die Leute immer noch dar�ber, wie der Krieg Cooper vernichtend geschlagen hat. Ich wei�, wie sehr dich Mexiko verwundet hat, mein Liebster. H�tte es nicht Sumter gegeben, die Sezession, Lee und all die anderen gro�en Ereignisse und Personen, die jetzt mit den falschen Farben der Romantik eingef�rbt werden, dann w�re D.L. vielleicht nicht dazu getrieben worden, seinen letzten, schicksalstr�chtigen Krieg gegen Mont Royal auszuk�mpfen.</emphasis></p><p><emphasis>Aber wie ich zuvor schon sagte, auch das Mitleid hat seine Grenzen. In der Angelegenheit des Klans will ich Gerechtigkeit. R. Gettys liegt immer noch halb bewu�tlos im Hospital von Charleston, und die Beh�rden reagieren viel zu langsam. Ein guter Freund sagte, ich k�nne mich jederzeit hilfesuchend an ihn wenden. Morgen werde ich nach Columbia fahren und eine Pistole als Begleitung mitnehmen ...</emphasis></p><p>Nichts war von Millwood oder Sand Hills �briggeblieben. Wade Hampton hatte seinen gesamten Landbesitz im Kielwasser des erzwungenen Bankrotts im vergangenen Dezember verloren. Steigende Steuern, sinkende Ernteertr�ge, Investitionen, wo man f�r den Dollar nur noch vierzig Cent bekam - all das kulminierte in einer einzigen katastrophalen Flutwelle. �ber eine Million Dollar Schulden hatten ihn in die Knie gezwungen.</p><p>Hampton und seine Frau Mary lebten nun in stark eingeschr�nkten Verh�ltnissen. Er hatte es gerade noch geschafft, ein bescheidenes H�uschen auf einem St�ckchen Land zu retten. Die Hamptons hie�en Madeline willkommen und bestanden darauf, da� sie die Nacht bei ihnen auf einem improvisierten Lager in dem Zimmer verbrachte, das der General als B�ro benutzte.</p><p>Hamptons Alter machte sich bemerkbar, aber er steckte noch immer voller Energie. W�hrend Mary den Tee servierte, zog er mit seiner Angel los. Nach einer Stunde kam er mit vier Brassen zum Abendessen zur�ck. Mary machte sich daran, die Fische auszunehmen, und Hampton lud Madeline in sein B�ro ein. Er machte auf dem mit Papieren �bers�ten Schreibtisch einen Platz f�r seine Tasse frei; dabei kam ihm ein Band mit Goldschrift in die Hand, den er ihr zeigte.</p><p>&gt;Protokolle des Demokratischen Nationalkonvents vom letzten Juli.&lt;</p><p>�Ich las, Sie seien Delegierter.�</p><p>Ohne Bitterkeit sagte er: �Die Republikaner bezeichneten es als den Rebellenkonvent. Bedford Forrest war ein Delegierter. Peter Sweeny, Vorstandsmitglied der Tammany-Gesellschaft ebenfalls - recht merkw�rdige Bettgenossen, aber so ist nun mal die Demokratische Partei.�</p><p>�Ich wollte mit Ihnen �ber General Forrest und seinen Klan sprechen. Ich m�chte, da� die Schuldigen bestraft werden.�</p><p>�Was haben die Beh�rden unternommen?�</p><p>�Bis jetzt noch nichts. Das ist nun �ber zwei Wochen her. Wenn zuviel Zeit vergeht, dann dr�ngen sich andere Dinge in den Vordergrund, und alles ger�t in Vergessenheit. Ich werde das nicht dulden. Meine Lehrerin und der freie Neger haben zumindest schlichte Gerechtigkeit als Andenken verdient.�</p><p>�Ich bin der gleichen Meinung. Ich werde Ihnen etwas �ber Forrest erz�hlen. Er ist bereit, seine Verbindung zum Klan zu leugnen und den Befehl zur Aufl�sung zu geben. Selbst f�r ihn ist die Sache zu weit gegangen.�</p><p>�Das ist kein Trost f�r Andys Witwe oder f�r die Br�der und Schwestern von Prudence Chaffee.�</p><p>�Ich verstehe Ihre Verbitterung. Grant verabscheut den Klan. Erlauben Sie mir, ihm zu schreiben. General Lee werde ich ebenfalls darum bitten. Wir haben eine gute Beziehung zueinander. Um der Investoren der kleinen Versicherungsgesellschaft willen, die ich in Atlanta organisiert habe, bat ich ihn, die Pr�sidentschaft zu �bernehmen. Er lehnte ab. Er ist als Vorsitzender des College oben in Lexington gl�cklich und zufrieden. Doch wir sind Freunde, und sein Wort hat Gewicht.� Sie sp�rte seine Melancholie, als er sich den Backenbart strich und sinnierte: �Ab und zu hat es schon was Gutes, ein altes Schlachtro� zu sein, das �berlebt hat.�</p><p>Als Randall Gettys seine Umgebung wieder bewu�t wahrzunehmen begann, besuchte ihn Colonel Orpha C. Munro. Die Oberschwester warnte ihn, er d�rfe nicht lange bleiben. Mit einem herben L�cheln versicherte er ihr, da� seine Mission nur wenig Zeit in Anspruch nehmen werde. �Ich bin auf Verlangen von Pr�sident Grant hier.�</p><p>Die Oberschwester baute einen Wandschirm auf, damit sie ungest�rt waren. Munro setzte sich neben das Bett. Gettys glich einem versch�chterten Kind. Das Bettlaken war unter seinem blassen Kinn festgestopft; seine plumpen Finger spielten nerv�s damit. Bei dem Kampf auf Mont Royal hatte er sich das rechte Brillenglas zerbrochen. Durch die Spr�nge im Brillenglas schaute er seinen Besucher an.</p><p>Mit tr�gerischer Freundlichkeit sagte Munro: �Es ist meine Pflicht, Sie davon in Kenntnis zu setzen, da� die kleine Handpresse in Ihrem Dixie-Laden, mit der Sie Ihre Zeitung druckten, beschlagnahmt worden ist. Jetzt k�nnen Sie das Gesch�ft, Ha� auszustreuen und zu verbreiten, nicht mehr betreiben, Mr. Gettys.�</p><p>Gettys wartete; er war sicher, da� noch Schlimmeres kommen w�rde.</p><p>�Ich w�rde Sie mit der Pferdepeitsche behandeln, wenn das erlaubt w�re. Ich w�rde das trotz Ihrer Verwundung machen, denn ich finde, da� Sie und Ihre Kumpanen es reichlich verdienen. Sie sind wie die dem Untergang geweihten Bourbonen von Frankreich - K�nige, zu arrogant, um die Vergangenheit zu vergessen, und zu dumm, um daraus zu lernen.�</p><p>Munro atmete tief durch, zwang sich zur Beherrschung. �Diese Behandlung ist mir jedoch leider verwehrt. Vermutlich ist es so am besten. Der Einsatz einer Pferdepeitsche w�rde mich auf Ihre Ebene herabziehen. Lassen Sie mich Ihnen statt dessen eine Frage stellen.� Ein harter, fast sadistischer Ausdruck trat in seine Augen. �Kennen Sie die Dry Tortugas?�</p><p>�Kleine Inseln, nicht wahr? Vor der K�ste Floridas.�</p><p>�Genau. Die Regierung schickt jetzt Carolina-H�ftlinge auf die Dry Tortugas. Ein gottverlassenes Fleckchen Erde, vor allem in den Sommermonaten. Sengende Hitze. Insekten und Ratten und Ungeziefer. Die W�rter sind kaum weniger verkommen als die Gefangenen.� Munro gl�ttete seine Handschuhe, die auf seinen Knien lagen. Er l�chelte. �Neue Gefangene sind gewissen -�h - Einf�hrungszeremonien unterworfen, w�hrend die W�rter wegschauen. Ohne gute Nerven und eine kr�ftige Konstitution �berlebt manchmal ein Gefangener die Pr�fung nicht, die, wie ich geh�rt habe, recht wild sein kann. Aber schlie�lich mu� man sich ja nicht wundern, wenn M�nner so zusammengepfercht sind, ohne Frauen.�</p><p>�Mein Gott, was hat das alles mit mir zu tun? Ich bin ein Gentleman.�</p><p>�Nichtsdestoweniger werden Sie auf die Dry Tortugas geschickt werden, wegen Mordes an Sherman und der Lehrerin Prudence Chaffee.�</p><p>�Ich habe sie nicht get�tet�, rief Gettys; seine Stimme wurde schrill. �Sie k�nnen mich nicht an so einen - einen bestialischen Ort schicken.�</p><p>�Wir k�nnen und wir werden. Auch wenn Sie die Verbrechen nicht pers�nlich begangen haben, so geh�rten Sie doch zu der gesetzlosen Verschw�rergruppe, die daf�r verantwortlich ist.�</p><p>Gettys' Hand scho� vor, umklammerte seinen mit Litzen besetzten �rmel. �Ich gebe Ihnen die Namen der Mitglieder unserer Gruppe. S�mtliche Namen.�</p><p>�Nun ja.� Munro r�usperte sich. �Als kooperativer Zeuge . das k�nnte die Sache in einem anderen Licht erscheinen lassen.� Er verbarg seine Erheiterung. Er hatte mit einer schnellen Kapitulation gerechnet. Er hatte sich ausf�hrlich �ber Randall Gettys' Charakter informiert.</p><p>Gettys' ger�tetes Gesicht schwitzte. �Wenn Sie mir das Gef�ngnis ersparen, verrate ich Ihnen noch etwas Wichtiges.�</p><p>Colonel Munro war verbl�fft. Vorsichtig sagte er: �Ja?�</p><p>�Ich werde Ihnen von den Dixie-L�den erz�hlen. Die Leute denken, es handle sich um eine S�dstaatengesellschaft. Ein paar alte Rebellen, die sich hinter einem Namen verstecken und Wucher betreiben. Nun .�</p><p>Gettys stemmte sich in den Kissen hoch, plapperte vor lauter Hast, seine Haut zu retten, einfach drauflos. �So ist es ganz und gar nicht. Die Eigent�mer, die Leute, die diesen Staat aussaugen, sind vielleicht die gleichen Leute, die sich als hochherzige Yankee-Reformer pr�sentieren. Mein Laden und all die anderen L�den geh�ren einer Firma namens Mercantile Enterprises. Ich schicke meine Abrechnungen nicht nach Memphis oder Atlanta, ich schicke sie an einen Yankee-Anwalt nach Washington, D.C. Ich gebe Ihnen seinen Namen und seine Adresse. Ich �bergebe Ihnen die B�cher. Reicht das, um mich vor den Dry Tor-tugas zu retten?�</p><p>Am Ende der Krankenstation rief ein junger Mann im Delirium nach seiner Nancy und nach Wasser. Colonel Orpha C. Munro fa�te sich wieder. �Ich glaube, es k�nnte reichen, Mr. Gettys. Ich glaube es wirklich.�</p><p><emphasis>Munro war kurz hier. Alle restlichen Mitglieder der Klansgruppe sind verhaftet. M. deutete an, da� er au�erdem noch einem Skandal auf der Spur sei, in den dieser Bezirk und Personen aus dem Norden verwickelt sind.</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark83"><strong>63</strong></p></title><p>Dent sagte: �Ihr wi�t ja nicht, was ihr tut.�</p><p>Charles und Magee beachteten ihn nicht. Charles hielt die Z�gel in der Hand, die er einem der Maultiere aus dem Pferch angelegt hatte. Magee sa� auf dem t�nzelnden Braunen und zog probeweise an dem Seil, das an dem �ber den Vermilion Creek ragenden Ast des Pecanobaumes hing. Ein paar strahlend wei�e W�lkchen trieben �ber den blauen Himmel nach Nordwesten. Es war ein sommerlicher, wunderbarer Tag.</p><p>�Runter mit dem Kopf�, sagte Magee.</p><p>Bent weigerte sich. Tr�nen rollten ihm �ber die Wangen in die Bartstoppeln. �Das w�re kriminell.�</p><p>Charles hatte das Jammern und Toben des Mannes satt. Er warf Magee einen Blick zu, worauf dieser Bents Zylinder hinunterschlug. Er landete verkehrt herum in dem Fl��chen. Magee ri� Bents Kopf an den Haaren herunter und streifte ihm die Schlinge �ber. Mit einem Ruck zog er die Schlinge straff.</p><p>Aus Bents zerrissenem Ohrl�ppchen sickerte immer noch Blut. Seine Wunde tr�nkte sein linkes Hosenbein. Er weinte nun, spuckte vor Wut und Selbstmitleid. �Ihr seid Abschaum, ignoranter Abschaum. Ihr raubt der Nation ihr gr��tes milit�risches Genie, du und dieser verkommene Nigger.�</p><p>�Herr im Himmel�, sagte Magee. Er war zu verbl�fft, um w�tend zu werden.</p><p>Bent sch�ttelte heftig den Kopf, als k�nnte er so die Seilschlinge loswerden. �Das k�nnt ihr nicht tun. Ihr k�nnt die Welt nicht eines neuen Bonaparte berauben.� Seine Stimme schallte so laut, da� die Kardinalsv�gel am Flu� erschreckt aufflatterten.</p><p>Charles zog seinen Colt und hielt die M�ndung dicht vor Bents Mund. �Halt's Maul.� Er schaute in Richtung der Whisky-Ranch, hoffte, da� die Schreie nicht so weit tragen w�rden. Sein Sohn und das Cheyenne-M�dchen hatten genug gelitten. Bent sah die entschlossenen Augen hinter dem Revolver und k�mpfte um seine Selbstbeherrschung. Er bi� sich auf die Lippe, doch die Tr�nen str�mten ihm weiter aus den Augen.</p><p>Der Pecanoast warf einen dunklen Schatten �ber Charles' Gesicht. Er wollte so nicht weitermachen. Er hatte das T�ten so satt. Er erinnerte sich daran, da� Bent eine Verpflichtung darstellte, die �ber das Pers�nliche hinausging. Er schuldete das Orry und George; vor allem George. Er schuldete es Gr�nes Gras und Gott wei� wie vielen anderen, denen Bent w�hrend der vergangenen f�nfundzwanzig Jahre Schlimmes angetan hatte.</p><p>Charles trat von dem Maultier zur�ck.</p><p>�Das k�nnt ihr nicht! Milit�risches Genie ist eine seltene Gabe ...�</p><p>Charles steckte den Armeecolt weg und spreizte die Finger seiner rechten Hand. Zwei Kardinalsv�gel, ein M�nnchen und ein Weibchen, flatterten aufgeregt �ber dem Fl��chen, von dem Geschrei erschreckt.</p><p>�Ihr t�tet Bonaparte!�</p><p>Er hob die Hand, um dem Maultier einen Schlag zu versetzen. Ein letzter Blick auf Bent, um sich zu vergewissern, da� alles Wirklichkeit war - dann bewegte sich seine Hand blitzschnell. Der Schlag klatschte laut. Der Braune warf den Kopf hoch, als das Maultier davonscho�. Das Seil summte unter der Spannung; Bents Gewicht lie� den Pecanoast �chzen.</p><p>Bent schien Charles von oben w�tend anzufunkeln, doch sein Genick war bereits gebrochen. Der Schatten seines Leibes pendelte langsam �ber Charles' Gesicht. Charles konnte den Anblick nicht l�nger ertragen und wandte sich ab.</p><p>�Ich fange das Maultier ein.�</p><p>�Das mach' ich schon�, sagte Magee sanft. �Geh du zur�ck zu deinem Jungen.�</p><p>In dem staubigen, orangefarbenen Abendrot sa� Charles auf einem Fa� und schaute auf das Fl��chen. Er trank den letzten Schluck von dem Kaffee, den Magee gemacht hatte. Der Soldat hatte eines der H�hner zubereitet, doch Charles hatte keinen Appetit. Statt des Fl��chens sah er Bents Augen vor sich, kurz bevor das Seil die letzte Note anstimmte. Bents Augen wurden zu einem Spiegel seines eigenen Lebens. In dem rachs�chtigen Bent erkannte er sich selbst, ein dem�tigendes Bild. Er war kein bi�chen besser. Er kippte den bitter schmeckenden Kaffee auf den Boden und ging hinein.</p><p>Er durchquerte das gro�e Zimmer, schob die rote Decke beiseite und betrachtete seinen Jungen, der auf einer alten Strohmatratze im Schlafzimmer lag. Er ging zu der Matratze. Selbst im Schlaf zeigte Gus' Gesicht einen verkniffenen, �ngstlichen Ausdruck. Charles ber�hrte den n�ssenden Schnitt an der linken Wange. Der Junge st�hnte und drehte sich um. Von Schuldgef�hlen geplagt, zog Charles seine Hand zur�ck. Er ging hinaus, lie� die rote Decke wieder fallen.</p><p>Graue Eule sa� am Tisch, eingewickelt in seine Decke, den Blick auf etwas weit jenseits der narbigen Holzplatte gerichtet. Magee ruhte mit �bereinandergeschlagenen Stiefeln auf einem Stuhl. Er kaute auf einem Zwieback herum; seine �bungskarten waren vor ihm ausgebreitet. Gr�nes Gras sa� auf einem F��-chen, die H�nde ineinander verschlungen und die Augen gesenkt. Sie sah alt und m�de und verzweifelt aus. Als Charles von drau�en hereingekommen war, hatte er sie mit einer Flasche von der Bar vorgefunden. Er hatte sie ihr weggenommen und drau�en ausgeleert; mit den anderen Flaschen hatte er das gleiche getan.</p><p>Jetzt ging er zu ihr hin�ber. Sie hob den Kopf, und f�r einen kurzen Moment sah er das junge, frische M�dchen vor sich, das Narbengesichts werbender Fl�te mit der kessen Zuversicht gelauscht hatte, die Welt geh�re ihr, einschlie�lich eines jeden Mannes, den sie sich auserkor. Er erinnerte sich an die liebes-trunkenen Blicke, die sie ihm in jenem Winter in dem Dorf von Schwarzer Kessel zugeworfen hatte. Irgendwie tat die Erinnerung weh.</p><p>Er sprach sie auf Cheyenne an: �Wie bist du hierhergekommen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und fing an zu weinen.</p><p>�Sag es mir, Gr�nes Gras.�</p><p>�Ich h�rte auf Versprechungen. Auf die L�gen und Versprechungen eines wei�en Mannes. Ich probierte das starke Getr�nk, das er mir gab, und wollte mehr davon.�</p><p>�Das war Bent?�</p><p>�Mister Glyn. Bent t�tete ihn.�</p><p>Er erinnerte sich vage an einen schmierigen H�ndler namens Glyn. Er war ihm begegnet, als er noch mit Jackson geritten war. Zweifellos handelte es sich um denselben Mann.</p><p>�La� mich den Verband sehen.�</p><p>In der Art, wie sie den Hirschlederrock nur ein kleines St�ckchen hochzog, lag ein fernes Echo m�dchenhafter Scheu. Die Bandage zeigte Blutflecken, w�rde aber bis morgen halten. Gr�nes Gras konnte mit dem verletzten Bein laufen, wenn auch nur unter Schmerzen. Das lenkte Charles Gedanken auf eine Verantwortung, die um so unvermeidlicher wurde, je l�nger er dar�ber nachdachte.</p><p>�Ich mu� dich zu deinem Stamm zur�ckbringen.�</p><p>Graue Eule richtete sich besorgt auf. In den Augen des M�dchens leuchtete Furcht auf. �Nein. Sie w�rden mich verachten. Was ich getan habe, war sch�ndlich.�</p><p>Charles sch�ttelte den Kopf. �Es gibt keinen Mann und keine Frau auf Gottes Erde, die nicht irgendeiner Sache wegen der Vergebung bed�rfen. Das n�chste Dorf ist das von Roter B�r. Ich bringe dich hin und rede mit ihm.�</p><p>Sie wollte protestieren, unterlie� es dann aber. Auch Graue Eule protestierte nicht. Anscheinend war die Idee ganz vern�nftig.</p><p>Magee raffte seine Karten zusammen. �Bin froh, da� wir hier verschwinden. Irgendwie ein �bler Ort.�</p><p>�Graue Eule und ich werden das M�dchen hinbringen�, sagte Charles zu ihm. �Du setzt Gus auf eines dieser Maultiere und reitest mit ihm direkt zu Brigadier Jack Duncan in Fort Leavenworth. Wirst du das tun?�</p><p>Magee runzelte die Stirn. �Ich wei� nicht recht, Charlie. Ohne deinen Magier lasse ich dich ungern zur�ck zu diesen Indianern gehen. Pfeifende Schlange sinnt vielleicht auf Rache.�</p><p>�Es wird keinen �rger mehr geben.� Es schwang mehr Hoffnung als Gewi�heit in seiner Stimme mit. Die Aussicht, zu den Cheyenne zur�ckkehren zu m�ssen, beunruhigte ihn, aber es schien unvermeidlich zu sein. �In einer Stunde haben wir dort alles erledigt. Jetzt h�r zu! Ich m�chte, da� du in Leavenworth eine telegraphische Nachricht f�r mich aufgibst. Im Nebenzimmer habe ich Papier gesehen. Ich schreib's dir auf.�</p><p>�In Ordnung�, sagte Magee.</p><p>Das ausgebrannte Gef�hl f�llte Charles aus. Er ging zur T�r, ri� sie auf, schaute zu den Tausenden von Sternen auf, die in der klaren Luft heller als gew�hnlich strahlten. Er dachte an die Stra�e in die ewigen Jagdgr�nde. Beinahe h�tte er sie dieses Jahr betreten. Er f�hlte sich so m�de. �Gott, wenn ich nur eine Zigarre h�tte�, sagte er.</p><p>Am Morgen schrieb er das Telegramm und schaute zu, wie Ma-gee es sicher in seiner Satteltasche verstaute, zusammen mit der Steinschlo�pistole, dem Pulverbeutel und der falschen Munition. Charles zog die N�gel aus den Ecken des �lportr�ts und rollte es zusammen. Es war trocken und spr�de. Eine Ecke brach ab. Sorgf�ltig band er das Gem�lde mit einem Lederriemen zusammen.</p><p>Aus einer Decke, die er gewaschen und �ber einer Stange zum Trocknen aufgeh�ngt hatte, schnitt er ein gro�es Quadrat, schlitzte es in der Mitte auf und machte so einen kleinen Poncho f�r Gus, �hnlich seinem eigenen Zigeunerumhang. Er hob den Jungen auf die Pferdedecke, die er dem Maultier �bergeworfen hatte.</p><p>Gus sah wie ein kleiner, alter Mann aus, vernarbt und bla�. �Umarm deinen Papa�, sagte Charles. Der Junge atmete tief durch. Er war auf der Hut. Schmerz flackerte in seinen Augen.</p><p>Statt dessen umarmte Charles ihn. �Ich sorge schon daf�r, da� alles wieder gut wird, Gus. Ich komme bald zu Onkel Jack, und alles wird gut.�</p><p>Obwohl er sich da gar nicht so sicher war. Monate, vielleicht Jahre voller Aufmerksamkeit und Liebe w�rden n�tig sein. Die verborgenen Narben w�rden vielleicht nie heilen. Er legte die Arme um den Jungen, dr�ckte ihn heftig an sich.</p><p>Gus legte eine Hand auf den Kopf seines Vaters. Nach einem kurzen Moment zog er sie wieder weg. Sein Gesicht war n�chtern, ohne Emotion. Immerhin war die Ber�hrung ein Anfang.</p><p>Zu Magee gewandt sagte er: �Pa� auf ihn auf!�</p><p>�Darauf kannst du dich verlassen�, sagte Magee.</p><p>Charles und Graue Eule schauten dem Soldaten und dem Jungen nach, bis diese am dunstigen Horizont im Nordosten verschwunden waren.</p><p>Der F�hrtensucher half Charles, zwei Stangen des Pferchs herunterzurei�en und sie mit einer rostigen Axt zu k�rzen. Sie bauten eine Stangenbahre f�r Gr�nes Gras. Es war ein weiterer sonniger Tag; eine leichte Brise ging. Das Cheyenne-M�dchen sagte nichts, als die beiden M�nner es zu der Stangenbahre trugen.</p><p>Charles hatte Satan bereits gesattelt; gestern hatten sie noch die Pferde geholt. Dabei mu�ten sie an Bents Leiche vorbei. Die Bussarde hatten sich bereits an dem amerikanischen Bonaparte g�tlich getan und seine Kleidung zu blutigen Fetzen gerissen.</p><p>�Dies ist ein b�ser Ort�, sagte Graue Eule, auf seinem Pony sitzend. �Ich bin froh, wegzukommen.�</p><p>�Bring die Stangenbahre ein St�ckchen weiter den Flu� runter, bis zu diesen Pfahleichen. In ein paar Minuten komme ich nach.�</p><p>Graue Eule ritt los, das Maultier an der Leine. Gr�nes Gras st�hnte auf, als die Schleppbahre �ber einen scharfen Stein holperte. Graue Eule warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. Sein Pony trabte weiter. Das Cheyenne-M�dchen umklammerte ihr bandagiertes Bein und schaute zum Himmel hoch.</p><p>Charles ging mit der rostigen Axt ins Haus. Er trat ein F��-chen um und zerhackte es. Dann demolierte er den Tisch und zwei St�hle. Er schlug hart zu, lie� den Schmerz durch den Griff in seine Arme hochschie�en.</p><p>Er t�rmte das Holz auf und steckte es mit einem seiner letzten Streichh�lzer an. Hinter ihm blieb die brennende WhiskyRanch zur�ck.</p><p>Es regnete in Str�men, als sie das Dorf von Roter B�r am Sweet Water erreichten. Niemand bedrohte Charles; die wenigen Leute, die hinaussp�hten, hielten sich in vorsichtiger Entfernung, weil ihnen dieser b�rtige Wei�e, der einen schwarzen Magier in seinen Diensten hatte, noch gut in Erinnerung war. Der schwarze Magier war jetzt nicht bei ihm, aber sicher seine Medizin.</p><p>Von Pfeifender Schlange sahen sie nichts. Charles �bergab Gr�nes Gras der Obhut der st�mmigen, zahnlosen Frau von Roter B�r. Gr�nes Gras stammte nicht aus dem Dorf von Roter B�r, aber der H�uptling wu�te �ber sie Bescheid.</p><p>�Sie wird mit uns ins Fort der Wei�en gehen�, sagte Roter B�r in seinem Tipi. Charles sa� am Feuer und a� mit einem Knochenl�ffel etwas Stew. Er machte sich l�ngst keine Gedanken mehr �ber die Herkunft des Stew-Fleisches.</p><p>�Du ergibst dich den Soldaten?�</p><p>�Ja. Nach vielem Nachdenken und Beratungen mit anderen habe ich das beschlossen. Wenn wir nicht aufgeben, dann verhungern wir oder werden erschossen. Alle im Dorf haben zuge-stimmt bis auf acht Hundekrieger, die sich weigern, aufzugeben. Ich sagte, ich f�hre nicht Gro�v�ter und Kinder in den Tod, nur um die Ehre der Hundekrieger zu bewahren. Es verletzt meinen Stolz, zu den Soldaten zu gehen. Auch ich war einst tapfer. Aber ich habe gelernt, da� Tapferkeit und Weisheit manchmal nicht denselben Weg gehen k�nnen. Leben ist kostbarer als Stolz.�</p><p>Charles wischte sich das Stew vom Mund. Er sagte nichts.</p><p>Er hatte seit vierundzwanzig Stunden nicht mehr geschlafen, wollte sich aber auf den Weg machen. Roter B�r best�rkte ihn in diesem Wunsch. �Die Hundekrieger wissen, da� du hier bist. Sie sind zornig.�</p><p>Dann war es nur weise, das Dorf so schnell wie m�glich zu verlassen. Feierlich bedankte er sich bei der freundlichen Frau und dem H�uptling f�r die Gastfreundschaft. Er sagte, er w�rde gern Gr�nes Gras auf Wiedersehen sagen. Die Frau des H�uptlings f�hrte ihn zu einem nahen Tipi, wo sie es dem M�dchen bequem gemacht hatte. In ein B�ffelfell gewickelt lag Gr�nes Gras neben einem kleinen Feuer, Kopf und Schulter durch eine geflochtene R�ckenst�tze erh�ht. Charles nahm ihre Hand.</p><p>�Jetzt wird mit dir alles gut werden.�</p><p>Aus den verquollenen Augen schossen neue Tr�nen. �Kein Mann wird mich je haben wollen. Ich liebe dich so. Ich w�nschte, du h�ttest dich einst neben mich gelegt.�</p><p>�Ich auch.� Er b�ckte sich, schob seinen Bart beiseite, w�hrend er sie leicht auf den Mund k��te. Sie weinte lautlos; er konnte f�hlen, wie sie zitterte. Er streichelte ihr Gesicht, erhob sich dann und glitt durch das ovale Loch in den Regen hinaus.</p><p>Sterne tauchten zwischen den �ber den Himmel fegenden Wolken auf. Roter B�r begleitete sie bis an den Rand des Camps und kehrte dann um. Der frische Wind zerrte an Charles' Bart. Er t�tschelte Satan, musterte den aufklarenden Himmel und fing dann an, die kleine Melodie zu summen, die ihn an zu Hause erinnerte.</p><p>Sie entdeckten einen einsamen Reiter, regungslos auf einem flachen H�gel vor ihnen, und dachten sich nichts dabei. Irgendein Junge, der die Pferde bewacht, vermutete Charles. Er hielt mit dem Schecken auf den Flu� zu, um nicht zu nahe an dem Wachposten vorbeizukommen. Pl�tzlich ritt der Indianer den Hang hinunter, um ihnen den Weg abzuschneiden.</p><p>�Was soll das?� wunderte sich Charles laut. Dann wurde sein Mund trocken. Der Cheyenne galoppierte auf sie zu, sein Pony antreibend. In einer Hand trug er eine Lanze, in der anderen einen mit langen Federn geschm�ckten Karabiner. Etwas an Kopf und Rumpf des Reiters erinnerte ihn an .</p><p>Graue Eule straffte die Z�gel; Verzweiflung zeigte sich in seinen Augen.</p><p>�Mann-bereit-zum-Krieg�, sagte er.</p><p>Und so war es. Er war �lter, sah aber immer noch gut aus, obwohl er irgendwie ausgehungert wirkte, wie auf der Flucht. Er trug seine Insignien und volle Kriegsbemalung. Um seinen Hals hing die Pfeife aus einem Fl�gelknochen und das geraubte Silberkreuz. Von der Schulter zur H�fte zog sich eine breite Sch�rpe hin, gelb und rot bemalt und mit Stachelschweinborsten und Federn besetzt. Als Charles die Sch�rpe sah, fiel ihm ein, da� Narbengesicht zum Tr�ger der Hundeschnur erw�hlt worden war.</p><p>Im Lichte des aufklarenden Himmels war die gewaltige wei�e Narbe von der Augenbraue bis zum Kieferknochen deutlich sichtbar. Satan witterte das Cheyenne-Pony und schnaubte nerv�s.</p><p>�Andere erz�hlten mir, du seist hier�, sagte Narbengesicht.</p><p>�Wir haben keinen Streit mehr miteinander, Narbengesicht.�</p><p>�Doch. Das haben wir.�</p><p>�Zum Teufel mit dir, ich will nicht mit dir k�mpfen.�</p><p>Der Wind bewegte die goldenen Adlerfedern, die an den Karabinerlauf gebunden waren. Narbengesicht rammte seine Lanzenspitze in die schlammige Erde. �Ich habe viele Winter auf dich gewartet. Ich erinnere mich, wie der Alte mir meine M�nnlichkeit abgerissen hat.�</p><p>�Und ich erinnere mich, wie du es ihm zur�ckgezahlt hast. La� es dabei bewenden, Narbengesicht.�</p><p>�Nein. Ich werde meine Sch�rpe hier auf den Boden spie�en. Dein Weg hier vorbei f�hrt nur �ber die Stra�e in die ewigen Jagdgr�nde.�</p><p>Charles dachte einen Moment nach. Auf englisch sagte er zu Graue Eule: �Wir k�nnten fl�chten und ihm davongaloppieren.�</p><p>In den d�steren alten Augen von Graue Eule zeichnete sich erneut Hoffnungslosigkeit ab. Er deutete auf den Hang. Im Licht der Sterne sahen sie vier Krieger, die dort aufgetaucht waren, um ihnen jede Flucht unm�glich zu machen.</p><p>Mit einem elenden Gef�hl im Herzen schleuderte Charles seinen schwarzen Hut beiseite. Er zerrte sich den Zigeunerumhang �ber den Kopf und legte ihn �ber den Sattel. Dann stieg er ab, dr�ckte Graue Eule Satans Z�gel in die Hand, zog sein Bowiemesser aus dem G�rtel und wartete.</p><p>^rbengesicht ,eb seine Lanze durch den Schlitz am Ende</p><p>der Sch�rpe und nagelte sie so fest. Die Lanze vibrierte, als er sie loslie�. Charles verstand, was die Sch�rpe ausdr�ckte: bis zum Tod.</p><p>Der Krieger der Hundegesellschaft begann zu murmeln und zu singen. Er l�ste die Axt mit Holzgriff, die mit einem Lederriemen um seine Taille gebunden war. Axt und Karabiner hob er in einem rituellen Gebet, das Charles nicht verstand, �ber seinen Kopf. Dann fuhr er mit der Schneide der Axt �ber den Lauf des Karabiners, vor und zur�ck. Funken spr�hten.</p><p>Ich habe genug, dachte Charles. Texas, Virginia, Sharpsburg, Washita, Augusta, Constance, Bents Rasiermesser - nimmt es denn nie ein Ende?</p><p>Mit einem Grunzen warf Narbengesicht den Karabiner weg. Er sang lauter und schleuderte seine Mokassins von den F��en. Er t�nzelte nach rechts, bot Schulter und Unterarm an. Er zeigte die Axt, schwang sie in einem langsamen, sp�ttischen Kreis herum. Pl�tzlich scho� die Schneide waagrecht auf Charles zu.</p><p>Der Boden war aufgeweicht; nach dem Winterfrost war das Gras immer noch braun und sp�rlich. Charles rutschte mit einem Fu� weg, als er das Bowiemesser mit beiden H�nden hob und den Axthieb abblockte, Schneide gegen Schneide. Die Wucht des Schlages lie� die Axt vom Messer abgleiten und an Charles' Ohr vorbeizischen. Charles stach nach dem auf ihn zust�rzenden K�rper, ein schwer zu treffendes Ziel in der nur vom Sternenlicht aufgehellten Finsternis. Er verfehlte es.</p><p>Narbengesichts Sch�rpe behinderte ihn in seinem Bewegungsspielraum; das war Charles' einziger Vorteil. Er wu�te, da� sich die vier Reiter auf ihn st�rzen w�rden, wenn er sich einfach aus Narbengesichts Reichweite entfernte. Also mu�te er es hier beenden, mochte Gott ihm beistehen.</p><p>Wieder glitt Narbengesicht heran, lie� seine Axt rotieren. Er schwang sie, schlug zu. Charles duckte sich. Der n�chste Schlag. Wieder duckte sich Charles, sp�rte aber, wie das Metall seine Haare streifte. Er ri� seine Messerhand hoch, erwischte Narbengesichts linken �rmel. Der Hundekrieger drehte sich wie ein T�nzer weg, um die um ihn gewickelte Sch�rpe zu entrollen.</p><p>Charles stand zusammengekr�mmt da, beide H�nde in der traditionellen Haltung des Messerk�mpfers erhoben. Das Bowiemesser funkelte im Sternenschein. Beide M�nner hatten bereits ihr Fleckchen Boden aufgew�hlt. Der Schlamm saugte an Charles' Stiefeln, als er seitlich auswich in Erwartung des n�chsten Schlages.</p><p>Narbengesicht wechselte die Axt in die linke Hand. Charles drehte sich, um die Bewegung zu kontern. Er wendete sich Narbengesichts linker Hand zu, was die linke Seite seines K�rpers ungedeckt lie�. Ohne Vorwarnung warf Narbengesicht die Axt zur�ck; er stie� ein tiefes, aus seinem Bauch kommendes Lachen aus, w�hrend er mit der rechten Hand zuschlug.</p><p>Charles' Parade von rechts nach links ri� Narbengesichts Unterarm innen auf. Narbengesicht reagierte darauf, indem er die Axt nach oben zog. Charles griff mit seiner linken Hand danach, und Narbengesicht trat mit seinem rechten Fu� nach ihm. Der harte Tritt traf ihn zwischen den Beinen. Er wirbelte herum, verlor im Schlamm die Balance und st�rzte zu Boden.</p><p>Narbengesicht kreischte wie ein Junge auf, der ein Spiel gewonnen hatte. Er sprang mit beiden Knien auf Charles, rollte ihn dann von der Seite auf den R�cken. Er packte Charles'</p><p>Messerhand und dr�ckte sie hinter seinem Kopf in den Schlamm. Die Axt schwang hoch, ein schwarzer Keil gegen den vertrauten milchigen Schleier der Sterne.</p><p>Die Axt sauste herab. Charles ri� seinen Kopf zur Seite, sp�rte die Schneide in seinem Haar, bevor sie sich in den Matsch grub. Er drehte seine Messerhand und ritzte Narbengesichts Kn�chel. Narbengesicht schrie auf, mehr �berrascht als verletzt.</p><p>Charles versuchte seine Messerhand loszurei�en. Narbengesicht hielt fest. Charles roch das ranzige Fett, mit dem Narbengesicht seinen K�rper eingeschmiert hatte, bevor er sich bemalte. Narbengesicht schwang die schlammverschmierte Axt erneut nach unten, und wieder drehte Charles sich weg. Die Drehbewegung befreite seine Messerhand. Er stie� das Bowiemesser in Narbengesichts linken Oberarm.</p><p>Der Hundekrieger lie� die Axt fallen. Das stumpfe Ende der Schneide knallte gegen Charles' Schl�fe. Narbengesicht atmete rauh, schmerzerf�llt. Charles krallte sich mit der linken Hand in Narbengesichts Kinn; das Messer in seiner rechten Hand steckte immer noch in dem blutenden linken Arm von Narbengesicht. Er sp�rte, wie das Kinn unter seiner linken Hand schlaff wurde. Der Blutverlust schw�chte Narbengesicht schnell. Charles brauchte nur nach oben zu greifen und ihm die Kehle durchzuschneiden.</p><p>�Stich ihn ab�, sagte Graue Eule aus der Dunkelheit.</p><p>Charles' Messerhand begann zu zittern. Narbengesicht hing wie ein Mehlsack �ber ihm, den jemand auff�llte; er wurde schwerer und schwerer.</p><p>Stich zu.</p><p>Er konnte es nicht. Mit der linken Hand rollte er Narbengesicht von sich. Er hatte ihn besiegt. Das gen�gte.</p><p>Er sp�rte eine Hand an seinem rechten Oberschenkel, begriff nicht, was da vor sich ging. Graue Eule rannte vor, als Narben-gesicht sich aufrichtete und den Armeecolt in Anschlag brachte, den er Charles aus dem Halfter gerissen hatte. Die Waffe war mit Schlamm bedeckt, funktionierte aber trotzdem. Graue Eule warf sich vor Charles, um ihn mit seinem Leib zu sch�tzen; die beiden Cheyenne feuerten. Die f�r Charles bestimmte Kugel traf den F�hrtensucher.</p><p>Mit einem nassen Klatschen fiel Narbengesichts Kopf zur�ck in den Schlamm. Er war getroffen, ohne da� Charles h�tte sagen k�nnen, wo. Oben am Hang wieherten die Pferde der vier Reiter und warfen die K�pfe hoch. Graue Eule sank auf die Knie und feuerte drei weitere Kugeln auf sie ab. In der Sprache der Cheyenne br�llte er ihnen zu, da� Narbengesicht tot war. Die Indianer formierten sich hastig zu einer Reihe und trabten au�er Sicht.</p><p>Graue Eule atmete aus, ein m�der, ersch�pfter Laut. Charles kratzte sich den Schlamm aus den Augen und kroch auf den F�hrtensucher zu. Im Dorf gab jemand Alarm.</p><p>Charles nahm Graue Eule in seine Arme. Das Hemd des Spurenlesers war glitschig von Schlamm und Blut. Das Sternenlicht lie� sein Gesicht, das bemerkenswert gefa�t wirkte, wei� aussehen.</p><p>�Ich habe den Weg f�r uns gefunden, mein Freund. Nun gehe ich weiter.�</p><p>�Graue Eule, Graue Eule�, sagte Charles mit gebrochener Stimme.</p><p>�Ich gehe, wie meine Vision es mir vorausgesagt hat. Ich gehe.�</p><p>�Graue Eule!�</p><p>�Da.� Mit zitternder Hand griff Graue Eule nach dem Schleier der Sterne. Der Weg in die ewigen Jagdgr�nde. Seine Hand fiel zur�ck auf seine Brust, und Charles sp�rte, wie ein Schauder durch seinen K�rper lief, als er starb.</p><p>Er hielt die Leiche von Graue Eule in seinen Armen, w�hrend er Narbengesicht betrachtete, der regungslos mit dem Armeecolt in der Hand dalag. Er wu�te, es gab etwas, was er tun mu�te, doch Ersch�pfung und Verwirrung lie�en ihn noch einige Momente verharren. Dann fiel es ihm ein. Er sah eine Plattform hoch oben in einem Baum vor sich, dem Himmel n�her. Graue Eule war ein guter Mann gewesen, und es war seine Pflicht, sie f�r ihn zu bauen. Er hatte geglaubt, die G�tter wollten, da� er andere f�hrte, selbst wenn dieser Weg ins Exil und in den Tod f�hrte. Bis zum Ende war er seiner Vision treu geblieben. Charles w�nschte, er h�tte etwas, woran er �hnlich inbr�nstig glauben k�nnte.</p><p>Aber er hatte doch etwas. Gus fiel ihm ein. Und Willa.</p><p>Sanft lie� er den K�rper in das schlammige Gras gleiten. Zweimal rutschte er aus. Er h�rte laute Stimmen hinter sich. Roter B�r und seine Leute. Sie w�rden ihm beim Bau von Graue Eules Ruhest�tte behilflich sein. Er wandte sich ihnen zu, um auf sie zu warten.</p><p>Er lag im Sterben, aber er war noch nicht tot; Narbengesicht stemmte sich ein paar Zentimeter hoch und scho� Charles in den R�cken.</p><p>GEO HAZARD C/O HAZARDS LEHIGH STATION PENNSYLVANIA</p><p>DER KRIMINELLE BENT VERHAFTET UND HINGERICHTET IM INDIANERTERRITORIUM AM 27STEN.</p><p>ICH HABE DEN OHRRING.</p><p>CHARLES MAIN FT LEAVENWORTH KANS TELEGRAMM</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>Mai 1869. Die Presse hat einen neuen Skandal, den sie breittreten kann. Die Zeitungen von Charleston sind voll von Enth�llungen aus Washington �ber die Dixie-L�den. Unfa�bar f�r mich, da� der Name mit dem Skandal verbunden ist.</emphasis></p><p>�Ungl�cklich�, sagte der Bo�. �H�chst ungl�cklich, Stanley. Ich dachte, Sie w�rden f�r Ihren Bezirk einen ausgezeichneten Kongre�abgeordneten abgeben, wenn sich Muldoon gegen Ende der laufenden Amtszeit zur�ckzieht. Sie sind recht bekannt, Sie k�nnen sich einen Wahlkreis leisten, Sie werden von hochstehenden Prinzipien geleitet.�</p><p>Stanley wu�te, was die letzte Bemerkung zu bedeuten hatte. Er gehorchte den Befehlen der Staatsmaschinerie, die sein Gast v�llig unter Kontrolle hatte.</p><p>Die beiden sa�en in der N�he der Sokrates-B�ste im Con-course, Stanleys Lieblingsclub. Stanleys Gesicht sah bla� und aufgedunsen aus. Er stand im Mittelpunkt der t�glichen Zeitungsenth�llungen, wobei sich der &gt;Star&lt; besonders hervortat. Obwohl Stanley siebenundvierzig und sein Gast Simon Came-ron siebzig war, hatte Stanley das Gef�hl, da� der Bo� �ber wesentlich mehr Energie verf�gte. Er war schlank geblieben. Sein Haar war voll, und in seinen Augen schimmerte kein Hauch der bevorstehenden Senilit�t, wie es Stanley bei M�nnern in Camerons Alter bemerkt hatte. Der Bo� war 1867 in den Senat zur�ckgekehrt und hatte nie zuvor �ber soviel Macht verf�gt. Das politische Intrigenspiel bekam ihm.</p><p>Nachdenklich nippte Cameron an seinem Kentucky-Whisky. Ein warmes Fr�hlingszwielicht vergoldete die Fenster neben ihnen. �Unter den gegebenen Umst�nden will ich Ihnen gegen�ber ganz offen sein. Wucher mag nicht illegal sein, aber ganz sicher unpopul�r. Und die Nordstaatler haben es allm�hlich satt, den S�den zu schlagen. Die Dixie-Aff�re hat eine allgemeine Welle der Sympathie f�r die Opfer der Ausbeuter ausgel�st.� Er hob eine Hand, um seinen Gastgeber zu bes�nftigen. �Das ist eine Zeitungsformulierung, mein Junge, das stammt nicht von mir. Aber es ist bedauerlich, da� Dills sofort zusammenbrach, als er mit dem Gest�ndnis des Klansmannes konfrontiert wurde.�</p><p>Stanley schnippte mit den Fingern, um einen Kellner herbeizurufen. Er bestellte so munter eine weitere Runde, da� Came-ron ganz verbl�fft war. Stanley stand unter enormem Druck aufgrund der Geschichten, die ihn mit Mercantile Enterprises -Eigent�merin der �ber ganz South Carolina verteilten Dixie-L�den - in Verbindung brachten. Fast t�glich dementierte Stanley �ffentlich diese Beschuldigungen; er gab keine Erkl�rungen ab, sondern betonte lediglich seine Unschuld mit der gleichen Entschlossenheit, mit der der alte Stonewall dem Feind bei First Bull Run Widerstand geleistet hatte. In Anbetracht von Stanleys fr�herem Verhalten hatte Cameron erwartet, Stanley nicht nur total ersch�pft, sondern auch vollkommen entnervt vorzufinden. Ersch�pft war er, entnervt nicht. Bemerkenswert.</p><p>Stanley sagte: �Ich nehme an, Dills kooperierte in der Hoffnung, den Rest seiner Praxis zu behalten. In den letzten Jahren hat er sich immer st�rker einschr�nken m�ssen. Kein Mensch kennt den Grund daf�r. Beispielsweise mu�te er aus seinem Club austreten. Er konnte es sich nicht mehr leisten.�</p><p>�Ich vermute, genau wie unser Freund Dills m�chten Sie auch etwas behalten? Zum Beispiel Ihren guten Namen?� Die vertraute Strenge zeigte sich auf dem Gesicht des hageren alten Schotten. �Ohne das hat man keine politische Zukunft.�</p><p>�Ich habe nichts mit den Dixie-L�den zu tun, Simon. Gar nichts.� Schon wieder ein Anzeichen von Stanleys �berraschender, neuer Selbstsicherheit. Vor kurzem noch hatte er es nicht gewagt, den Bo� mit Vornamen anzusprechen. �Ich habe das wieder und wieder vor der Presse gesagt, und ich werde es weiterhin sagen, weil es der Wahrheit entspricht.�</p><p>Cameron spitzte die Lippen. �Nun ja, aber um offen zu sein, mein Junge, in der republikanischen Hierarchie glaubt man Ihnen nicht.�</p><p>Stanley seufzte. Der �ltliche schwarze Kellner kam mit dem Silbertablett. Stanley nahm sein Glas, in dem sich die doppelte Menge Whisky befand wie in Camerons Glas. �Dann sollte ich vielleicht mit etwas St�rkerem aufwarten. Ich strebe einen Abgeordnetensitz an. Nat�rlich wird es hart, mich vollkommen reinzuwaschen. Emotional gesehen.�</p><p>Cameron, der in den meisten M�nnern wie in einem offenen Buch lesen konnte, war verwirrt. �Wovon reden Sie?�</p><p>Mit einem schnellen Blick vergewisserte sich Stanley, da� niemand in H�rweite war.</p><p>�Ich spreche von den Dixie-L�den. Ich gebe zu, da� sie mit Familiengeld errichtet wurden. Zu der Zeit wu�te ich jedoch nichts davon. Ich war zu besch�ftigt damit, General Howards Programm f�r das B�ro durchzusetzen.� Seine normalerweise traurigen Hundeaugen funkelten jetzt geradezu. �Mr. Dills kann best�tigen, da� das gesamte Aktienkapital von Mercantile Enterprises auf den Namen meiner Frau Isabel eingetragen ist.�</p><p>Der Senator aus Lancaster h�tte beinahe seinen Drink versch�ttet.</p><p>�Wollen Sie damit sagen, <emphasis>sie</emphasis> betreibt die L�den?�</p><p>�Ja. Und sie hat damit aus eigener Initiative angefangen, nach einem Besuch in South Carolina. Nat�rlich bin ich nach und nach dahintergekommen, aber ich war nie �ber die Details informiert.�</p><p>Der �ltere Mann brach in schallendes Gel�chter aus. Stanley war beleidigt, unterdr�ckte es aber. Cameron wedelte mit einem Finger. �Wollen Sie mir erz�hlen, da� Sie jede Verbindung mit dem Dixie-Skandal leugnen?�</p><p>�Das tue ich.�</p><p>�Und Sie erwarten, da� die Partei und die �ffentlichkeit Ihnen Glauben schenken?�</p><p>�Wenn ich es oft genug wiederhole�, entgegnete Stanley ruhig, �dann werden sie es glauben. Jawohl. Ich wu�te nichts. Isabel ist eine intelligente, ehrgeizige Frau. Die Aktien geh�ren ihr. Ich wu�te nichts.�</p><p>Dieser ruhige, gelassene Stanley sollte identisch sein mit dem sch�chternen, naiven Mann, dem Simon Cameron einst geraten hatte, sich zu Beginn des Krieges nach einem profitablen Armeekontrakt umzusehen? Stanley war durch den Verkauf minderwertiger Schuhe unglaublich reich geworden. Er hatte sich au�erdem ver�ndert, w�hrend Camerons Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet gewesen war. Der Bo� konnte in dem neuen Stanley nichts mehr von dem alten entdecken.</p><p>Er lehnte sich entspannt in seinem Ledersessel zur�ck und stie� ein unfreiwillig anerkennendes Lachen aus. �Mein Junge, der Sitz im Kongre� ist vielleicht trotz allem noch nicht au�er Reichweite. Sie klingen sehr �berzeugend.�</p><p>�Ich danke Ihnen, Simon. Ich hatte ja auch einen Meister als Lehrer.�</p><p>Cameron nahm an, da� sich das auf ihn bezog. Er warf einen Blick auf die Uhr. �Wollen Sie mir beim Abendessen Gesellschaft leisten?�</p><p>Stanley �berraschte Cameron erneut, als er sagte: �Besten Dank, aber ich kann leider nicht. Ich habe meinen Sohn hier zum Essen eingeladen.�</p><p>Laban Hazard, Esquire, gerade dreiundzwanzig, hatte bereits in Washington eine Kanzlei er�ffnet, obwohl er Yale erst vor zwei Jahren verlassen hatte. Es war keine prestigetr�chtige, daf�r aber eine profitable Kanzlei. Labans Mandanten waren meist M�rder, Aktienbetr�ger und des Ehebruchs angeklagte M�nner. Laban war ein schm�chtiger, gesch�ftiger junger Mann; fr�her hatte er recht gut ausgesehen, aber das schwand nun schnell durch zu wenig Sonnenschein und zu viel spanischen Sherry dahin.</p><p>Im Speisesaal des Clubs erkl�rte Stanley bei ausgezeichneten Lammkoteletts seine Zwangslage und begr�ndete seine Entscheidung, weitere Details preisgeben zu m�ssen, um seine Unschuld zu beweisen. Laban h�rte mit undeutbarem Gesichtsausdruck zu. Unter dem Gaslicht glich sein sorgf�ltig gek�mmtes Haar dem Fell eines Otters, der gerade aus dem Flu� geglitten war.</p><p>Am Ende von Stanleys langem Monolog l�chelte sein Sohn. �Du hast dich gut vorbereitet, Vater. Ich glaube, du wirst nicht mal einen Anwalt brauchen, wenn die Aktien so registriert sind, wie du gesagt hast. Ich werde dich jedoch gern vertreten, falls irgendwelche unvorhergesehenen Umst�nde eintreten sollten.�</p><p>�Ich danke dir, Laban.� Eine sirupgleiche Sentimentalit�t durchstr�mte Stanley. �Dein elender Bruder ist eine einzige Schande, aber du erfreust mein Herz. Ich bin froh, da� ich die Initiative zu diesem Treffen aufgebracht habe.�</p><p>�Ich auch�, sagte Laban. Er r�lpste. �Pardon.� Laban hatte bereits einen Sherry zuviel getrunken.</p><p>�Nimmst du f�r mich Verbindung zum &gt;Star&lt; auf? Ich m�chte ein geheimes Treffen mit ihrem besten Reporter, so bald wie m�glich.�</p><p>�Ich k�mmere mich gleich morgen fr�h darum.� Laban schwenkte sein Weinglas. Dann sagte er, dem Blick seines Vaters ausweichend. �Du wei�t, da� ich schon immer Schwierigkeiten hatte, Zuneigung f�r meine Mutter zu empfinden.�</p><p>Er sagte das ganz monoton, im besten Anwaltsstil. Das pers�nliche Gest�ndnis klang so ganz normal.</p><p>�Ich wei�, mein Junge�, murmelte Stanley. Triumphgef�hl stieg in ihm auf; er w�rde �berleben und sich zu neuen H�hen aufschwingen. �Aber wir d�rfen nicht nachtragend sein. Sie wird unser Mitgef�hl brauchen, wenn der Sturm losbricht.�</p><p>Drei Tage sp�ter, am Samstag, befand sich Stanley in dem Stall hinter dem Herrschaftshaus in der I Street. In Hemds�rmeln, bereits von zwei morgendlichen Whiskys gest�rkt, bewunderte er seine Kutschenpferde in den harmonischen Braunt�nen. Sie bereiteten ihm die gr��te Freude in seinem Leben; sie symbolisierten die Annehmlichkeiten des Reichtums.</p><p>�Stanley!�</p><p>Beim Klang ihrer scharfen Stimme wandte er sich dem Eingang zu.</p><p>Eine blasse Sonne versuchte den morgendlichen Dunst vom Potomac zu durchdringen. Im Stall roch es angenehm - nach Erde, Stroh und Pferdemist. Stanley entdeckte ein Exemplar vom &gt;Star&lt; in Isabels Hand.</p><p>�Bitte la� uns allein, Peter�, sagt er. Der junge schwarze Stallknecht rieb sich �ber die Augenbrauen und ging.</p><p>Isabel war aschfahl. Sie wedelte mit der Zeitung vor dem Gesicht ihres Mannes herum. �Du fetter, b�sartiger Bastard. Wann hast du das getan?�</p><p>�Die Aktien zu transferieren? Schon vor einiger Zeit.�</p><p>�Damit wirst du nicht durchkommen.�</p><p>�Oh, ich glaube, ich bin bereits damit durchgekommen. Gestern gratulierte mir Ben Wade. Er hob meine Ehrlichkeit und meinen Mut angesichts einer derart harten Entscheidung hervor. Er pries meine Zukunft als Republikaner. Soweit ich wei�, betrachtet das Wei�e Haus mich als reingewaschen.�</p><p>Isabel h�rte die Geh�ssigkeit aus seinem s��lichen Tonfall heraus. Sie wollte ihn beschimpfen, �berlegte es sich dann aber anders. Sie sp�rte die Last ihrer fast f�nfzig Jahre; ganz pl�tzlich f�rchtete sie sich vor diesem plumpen Mann in seinem zerknitterten Leinenanzug, den sie so lange verachtet hatte. Sie ging auf ihn zu.</p><p>�Was sollen wir tun, Stanley?�</p><p>Er wich vor ihrer ausgestreckten Hand zur�ck. �Ich werde die Scheidung beantragen. Laban hat sich bereit erkl�rt, die Sache in die Wege zu leiten. Ich kann die Art und Weise, wie du deine Carolina-L�den f�hrst, nicht billigen.�</p><p>�Meine?�</p><p>�Ich mu� an meine Zukunft denken�, fuhr er fort. Isabel sah vor lauter Ungl�ubigkeit ganz krank aus. �Ich habe jedoch Laban angewiesen, f�nfhunderttausend Dollar auf dein Privatkonto zu transferieren. Betrachte es als eine Art Abschiedsgeschenk, auch wenn du mir eine schlechte Ehefrau gewesen bist.�</p><p>�Wie kannst du es wagen, so etwas zu sagen? Wie kannst du es wagen?�</p><p>Ganz pl�tzlich bebte Stanleys Stimme. �Weil es stimmt. Du hast mich st�ndig gedem�tigt, hast mich vor meinen S�hnen heruntergemacht. Du hast mir die einzige Frau genommen, die mich je geliebt hat.�</p><p>�Diese Tanzhallenschlampe? Du Einfaltspinsel. Die war scharf auf dein Geld, nicht auf dein Geschlechtsteil.�</p><p>�Isabel! Das ist ja widerlich.� Tief in seinem Inneren lachte ein kleiner Gnom geh�ssig auf. Isabel hielt sich auf ihre Vornehmheit viel zugute. Endlich hatte er ihr das R�ckgrat gebrochen.</p><p>Er fuhr fort: �Diese Bemerkung best�tigt nur meinen Entschlu�. Trotzdem gebe ich dir das Geld, damit du den Skandal �berstehst. Als Gegenleistung verlange ich lediglich, da� du dich von mir fernh�ltst. F�r immer.�</p><p>Die edlen Braunen steckten aus ihren angrenzenden Stallboxen die K�pfe zusammen. Vom Heuboden fiel das heller werdende Sonnenlicht in breiten Streifen herein. Peter pfiff drau�en ein Liedchen vor sich hin. Isabels Verbl�ffung verwandelte sich in Zorn.</p><p>�Ich habe dir zuviel beigebracht. Ich habe dir zuviel beigebracht.�</p><p>�Stimmt. Als Halbw�chsiger hielt ich nie sonderlich viel von mir oder meinen F�higkeiten. Meine Mutter ebenfalls nicht. Auch nicht mein Bruder George. Du hast mich davon �berzeugt, da� ich Erfolg haben k�nnte, wenn ich nur ein paar Skrupel �ber das Wie ablege.� Oh Gott, wie ha�te er sie. Zum erstenmal benahm er sich ihr gegen�ber richtig gemein. �In deinem fortgeschrittenen Alter kannst du stolz sein auf diese Leistung.�</p><p>�Ich habe viel zuviel f�r dich getan�, kreischte Isabel und st�rzte sich mit fliegenden F�usten auf ihn. Sie war schm�chtig, kein Gegner f�r ihn, schwammig, wie er war. Stanley wollte sie gar nicht so kr�ftig fortsto�en. Sie knallte mit der Schulter gegen eine leere Stallbox, schrie auf und rutschte dann zu Boden.</p><p>Verwirrt starrte sie auf ihren Rock. Er war �ber und �ber mit Pferdemist beschmiert.</p><p>Der junge schwarze Stallknecht kam hereingest�rzt. Stanley war von der St�rke seiner eigenen Stimme selbst �berrascht.</p><p>�Alles in Ordnung, Peter. K�mmere dich wieder um deine Arbeit.�</p><p>�Ich war zu gut zu dir�, sagte Isabel; sie lehnte ihren Kopf gegen die Stallwand und weinte. �Zu gut.�</p><p>Blinzelnd sagte Stanley: �Ich bin geneigt, dir zuzustimmen, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, da� dies von deiner Seite her absichtlich geschah. Und als du zu gut zu mir warst, da hast du einen ernsten Fehler begangen, Isabel.� Er l�chelte. �Bitte verlasse das Haus innerhalb von vierundzwanzig Stunden, sonst sehe ich mich gezwungen, dich hinauszuwerfen. Und jetzt entschuldige mich bitte. Ich bin durstig.�</p><p>Er marschierte in den Dunst hinaus; sie blieb zur�ck, auf den Dreck an ihrem Rock starrend.</p></section><section><title><p id="bookmark84"><strong>65</strong></p></title><p>Richard Morris Hunt hatte das Herrschaftshaus entworfen. Es beanspruchte den gesamten Block zwischen Nineteenth und Twentieth in der South State Street. Es war eine gro�artige Leistung gewesen, solch einen ber�hmten Architekten nach Chicago zu locken. Will Fenway hatte - wie bei den meisten anderen Dingen auch - festgestellt, da� er bekam, was er wollte, wenn er ein Drittel mehr als den �blichen Preis zahlte.</p><p>Die Extravaganz st�rte ihn nicht. Es war unm�glich, das Geld so schnell auszugeben, wie er es verdiente. Die Fenway-Fabrik war dreimal expandiert, ihre Lieferfristen lagen momentan bei zehn Monaten, und Ende 1869 hatte Wills Verkaufsdirektor, Le-Grand Villers, drei weitere Firmenvertreter in London, Paris und Berlin angeheuert. Allm�hlich begann Will zu glauben, da� es in der Welt bei weitem mehr Hurenh�user als anst�ndige christliche Heime gab.</p><p>Will Fenway war bereits achtundsechzig, als er Hunt engagierte. Er wu�te, da� er h�chstens noch ein Jahrzehnt vor sich hatte, und wollte das Leben genie�en. Er hatte Hunt beauftragt, ihm das gr��te, protzigste Haus zu bauen, das man sich vorstellen konnte. Mr. Hunt hatte an der Ecole des Beaux Arts studiert und war ein Apostel der Architektur des Zweiten Franz�sischen Kaiserreichs.</p><p>Hunt plante ein Granitschlo� mit siebenundvierzig R�umen und Mansardend�chern auf den drei Fl�geln. Und �berall Marmor: Marmors�ulen, Marmorb�den und Marmorkamine. In Wills Billardzimmer h�tte ein kleines H�uschen hineingepa�t; in Ashtons Ballsaal drei. Nur ein Vorfall st�rte den Hausbau. Auf jeder Mansarde sa� oben ein gu�eiserner Dachkamm. Eines Tages entdeckte Ashton, da� Hunt diese Einfassungen bei Ha-zards in Pittsburgh bestellt hatte. Sie bekam einen Wutanfall und schickte Hunt einen Entlassungsbrief. Als Reaktion darauf erhielt ihr Mann ein w�tendes Telegramm von dem Architekten. Will sah sich gezwungen, die Fabrik zu verlassen, wo er von Montag bis Freitag mindestens zw�lf Stunden pro Tag arbeitete, und den n�chsten Zug nach Osten zu nehmen. Er bat und flehte mehrere Stunden lang, bis Hunt bereit war, den beleidigenden Brief zu �bersehen.</p><p>Die Krise ging vor�ber, und die Fenways bezogen ihr Haus im Fr�hsommer. Viele angenehme Stunden verbrachten sie damit, einen Namen f�r das Haus zu suchen. Jede bedeutende Residenz besa� einen Namen. Er wollte es Ch�teau Willard nennen. Ashton rebellierte. Anstatt sich an diesem Abend ohne jeden Gedanken an Sex in seine Arme zu schmiegen, begab sie sich in ihre eigene Drei-Zimmer-Suite. Dort blieb sie vier Tage und vier N�chte, bis er an ihre T�r klopfte, um sich zu entschuldigen. Sie lie� ihn ein unter der Bedingung, da� sie den Namen in Ch�teau Villard ab�nderten, mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Er schien erleichtert und stimmte zu.</p><p>Das Jahr 1869 brachte den Eigent�mern von Ch�teau Villard unglaublichen Reichtum ein. Will konnte es nicht fassen, was f�r Summen hereinstr�mten oder wie viele Fenway-Klaviere die Fabrik verlie�en. Ein herrlicher Fenway-Konzertfl�gel befand sich bereits im Planungsstadium; f�r dieses Instrument lagen sogar schon Bestellungen vor. Angesichts der Gesamtsituation erkannte Ashton, da� sie endlich nach M�glichkeiten suchen konnte, sich an ihrer Familie zu r�chen. Als ersten Schritt bat sie Will um ein Privatkonto. Nach R�cksprache mit den Buchhaltern der Fenway Piano Company richtete er ihr ein Konto mit zweihunderttausend Dollar ein. Im Februar beschlo� Ash-ton, South Carolina zu besuchen, sobald das Wetter und ihr Terminkalender es zulie�en. Sie hatte keinen festen Plan, wie sie gegen ihren Bruder und Orrys Witwe vorgehen wollte; sie wollte lediglich nach M�glichkeiten Ausschau halten.</p><p>Das Hauspersonal von Ch�teau Villard wurde von drei auf zw�lf Personen erweitert, einschlie�lich zweier Stallknechte. Ashton gab das Geld mit vollen H�nden aus, kaufte kistenweise Gem�lde, Skulpturen und B�cher.</p><p>Ashton versuchte mit den Bewohnern der H�user oberhalb und unterhalb von Ch�teau Villard Kontakt aufzunehmen. Im Norden wohnte Hiram Buttworthy, ein Pferdegeschirr-Million�r und Baptist, ein Mann, der in jede Ecke eines jeden Raumes einen Spucknapf stellte und dessen Frau so h��lich war, da� man h�tte glauben k�nnen, sie geh�re in eines seiner Pferdegeschirre. Mrs. Buttworthy, eine f�hrende Dame der Gesellschaft, hatte nicht viel �brig f�r die pomp�se S�dstaatlerin, die ihren Mann ganz offensichtlich nicht wegen seiner Jugend, seines guten Aussehens oder seiner Aussicht auf ein langes Leben geheiratet hatte.</p><p>Im S�den von Ch�teau Villard lebte, anscheinend ohne Mann, eine Suffragette namens Sedgwick, deren unverbl�mte Ansichten und spitze Zunge Ashton an ihre Schwester erinnerten - was ausreichte, da� sie bei ihrem ersten und einzigen Treffen eine sofortige Abneigung gegen sie fa�te. Doch Ashton f�hlte sich durch ihre Unf�higkeit, mit ihren Nachbarn auszukommen, keineswegs entmutigt. Der Fehler lag bei ihren Nachbarn. Der Preis, den man f�r gro�e physische Sch�nheit zahlen mu�te, das war ihr schon vor langer Zeit klargeworden, war die Isolation durch eifers�chtige minderwertige Personen.</p><p>Will kaufte ein Sommerh�uschen in Long Branch, New Jersey. Er kaufte es ungesehen. Wenn der Kurort am Meer f�r Pr�sident Grant und dessen Frau gut genug war, dann war er auch gut genug f�r ihn. Er kaufte eine herrliche Jacht mit einer L�nge von sechzig Fu� und einem Hilfsmotor, die an einem teuren Liegeplatz an der M�ndung des Chicago River ankerte. Ashton taufte die Yacht auf den Namen &gt;Euterpe&lt;, nachdem sie die Muse der lyrischen Gesangskunst in einem ihrer selten aufgeschlagenen B�cher gefunden hatte. Sie hatte fast eine Stunde lang in dem Buch gelesen, was sie m�rrisch machte und ihr Kopfschmerzen verursachte. Sie war jetzt dreiunddrei�ig, doch ihre Interessen hatten sich seit ihrer M�dchenzeit nicht ge�ndert. Sie sch�tzte ihr Aussehen, M�nner, Macht und Geld und fand alles andere l�stig und st�rend.</p><p>Ashtons geplanter Besuch in South Carolina wurde durch eine Inspektionsreise zu dem m�blierten Haus am Jersey-Strand hinausgez�gert. Die Wohnzimmerw�nde waren mit bunten Aufnahmen der Rockies und der kalifornischen K�ste dekoriert. Will bewunderte die billige Kunst und meinte, hier f�hle er sich wohl.</p><p>Aber die Sommersaison hatte noch nicht begonnen, und Ashton schmollte und n�rgelte, bis er mit ihr nach New York fuhr, wo sie Bryant's Minstrels sahen, Lydia Thompson and her British Blondes und Mr. Booth's Produktion von &gt;Romeo und Ju-lia&lt;. Letzteres war so gefragt, da� Will einem Halsabschneider hundertf�nfundzwanzig Dollar pro Eintrittskarte zahlen mu�te. Dann schlief er im zweiten Akt ein und begann zu schnarchen.</p><p>Ashton kaufte drei Schrankkoffer mit neuer Kleidung. Die Stra�en der St�dte waren in solch einem j�mmerlichen Zustand, da� der Kleidersaum einer Dame schon nach kurzer Zeit v�llig verschmutzt war. Ashton machte sich nie die M�he, diese Kleidungsst�cke s�ubern zu lassen; sie warf sie einfach weg. Gelegentlich entdeckte sie sie sp�ter bei ihrem Dienstpersonal wieder, die die Sachen aus der M�lltonne gerettet hatten.</p><p>Will hatte nichts dagegen. Er bewunderte die �ppige Figur seiner Frau und liebte es, sie gut gekleidet zu sehen. Sie konnte all das Geld f�r ihre Kleidung ausgeben, das er an der seinen sparte. Er liebte es eher gem�tlich, und zum Teufel mit dem, was die anderen dachten.</p><p>�Ich werde dich vermissen�, sagte Villers und fuhr mit seiner Hand langsam zwischen Ashtons Beinen nach oben.</p><p>�Ich bin doch nicht lange weg, Darling. Eine Woche oder zwei.�</p><p>�Achtundvierzig Stunden ohne das ist mittlerweile schon zuviel f�r mich.�</p><p>Sie lachte, nahm seine Hand, dr�ckte sie auf ihre linke Brust und r�kelte sich gen��lich.</p><p>LeGrand Villers war ein kr�ftiger, vitaler Mann mit dichtem, dunkelblondem Kraushaar. Er war Nordstaatler; fr�her hatte er sich seinen Lebensunterhalt mit Kartenspiel auf den Mississippischiffen verdient. Obwohl er nicht besonders aussah, wirkte er ungemein m�nnlich und hatte etwas sehr Anziehendes an sich. Vor zwei Jahren war er in die Fenway-B�ros marschiert gekommen und hatte vor�bergehend Arbeit gesucht, um Spielschulden zur�ckzahlen zu k�nnen; seitdem hatte er sich vom einfachen Angestellten �ber den Verk�ufer zum Verkaufsmanager hochgearbeitet, wobei er unterwegs auch noch Ashton verf�hrt hatte. Villers war eindeutig der am besten best�ckte Liebhaber, den Ashton je gekannt hatte. Deshalb war er auch in ihrem Kistchen mit zwei Kn�pfen vertreten.</p><p>Durch ein Bullauge �ber der Koje fiel Sonnenschein auf Ash-tons Bauch und Oberschenkel. Die &gt;Euterpe&lt; schwankte leicht an ihrem Liegeplatz. Vor der Mittagszeit wurden der Kapit�n und sein Maat niemals n�chtern, kamen also nie an Bord, weshalb die Jacht f�r Sch�ferst�ndchen geradezu ideal war.</p><p>�Nun, ich gebe zu, da� du mich auch verr�ckt machst, LeGrand.� Powell hatte besser ausgesehen, war aber nicht ganz so potent gewesen.</p><p>�Und du glaubst wirklich, Will wei� nach all diesen Monaten immer noch nicht �ber uns Bescheid?�</p><p>�Er wei�, da� ich Liebhaber habe, doch wir sprechen nicht dar�ber. Er versteht, da� ich eine junge Frau mit gewissen, �h, Bed�rfnissen bin.�</p><p>�Eines dieser Bed�rfnisse scheint zu sein, da� du nach Carolina mu�t. Kann mir nicht vorstellen, warum. Ich habe einmal Georgia besucht. Nichts als Schwarze und hochm�tige M�dels und nuschelnde Gauner, die &gt;Ja, Sir&lt; murmeln, w�hrend sie �berlegen, wie sie dich �bers Ohr hauen k�nnen.�</p><p>�LeGrand, daf�r sollte ich dich aus meinem Bett werfen. Ich bin ein St�dstaatenm�del.� Sie hatte es gerade mit dem schweren Akzent demonstriert, den sie w�hrend ihrer Jahre im Norden nach und nach unterdr�ckt hatte. Sie hatte sich an alles im Norden gew�hnt bis auf die heulenden wei�en Winterst�rme in Chicago, die eine Art von Fluch sein mu�ten, den Gott den Yankees auferlegt hatte.</p><p>�Ich m�chte meine Familie besuchen�, f�gte sie hinzu. Ihre Augen schimmerten wie blauschwarze Achate. �Ein freundschaftlicher Besuch.�</p><p>�Freundschaftlich?� Villers H�nde begannen wieder, an ihr herumzuspielen. �Ich hab' noch nie geh�rt, da� du �ber diese Leute ein freundliches Wort verloren h�ttest.�</p><p>Sie strich ihr offenes Haar �ber die Schultern zur�ck und warf einen Blick auf die ganz in der N�he tickende Uhr. Erst Viertel vor elf. Gut.</p><p>�Nun, ich habe mich ge�ndert, LeGrand. Menschen �ndern sich nun mal.�</p><p>Er kicherte. �Du hast gelernt zu verbergen, wie sehr du sie ha�t. Meinst du das?�</p><p>Ashton strich �ber seinen kantigen Kiefer. �Ich wu�te doch, da� du mir nicht nur wegen dem, was du in deinen Hosen hast, sympathisch warst. Verrat blo� nicht mein Geheimnis. Und jetzt komm her, und tu deine Pflicht.�</p><p>Ein Dockarbeiter, der f�nf Minuten sp�ter am Pier vor�berkam, bemerkte, da� die &gt;Euterpe&lt; leicht im Wasser rollte -h�chst ungew�hnlich f�r solch einen ruhigen Tag.</p><p>�Die Droschke ist da, um Sie zum Bahnhof zu bringen, Madam.�</p><p>�Laden Sie das Gep�ck ein, Ramsey.�</p><p>Der Butler verbeugte sich und zog sich zur�ck. Trotz seiner gezierten englischen Sprechweise - aus diesem Grund hatte ihn Will den anderen Bewerbern vorgezogen - war er f�r Ashton nichts anderes als ein weiterer Sklave, gefesselt durch Lohngeld anstatt durch Ketten, doch berechtigte ihn das noch lange nicht zu besserer Behandlung. Dienstboten bereiteten einem deswegen soviel Freude, weil man hier menschliche Wesen zur Verf�gung hatte, die vor jedem Wort zitterten, das man sagte.</p><p>Will kam aus seinem Billardzimmer geschlendert. Die Manschettenkn�pfe aus Goldnuggets waren so gro�, da� seine Hemds�rmel durchhingen. Obwohl er gealtert war, wirkte er viel ges�nder und munterer als zu der Zeit, in der Ashton ihn in Santa Fe kennengelernt hatte. Der Erfolg bekam ihm sehr gut.</p><p>Seine lebhaften blauen Augen schauten seine Frau einen Moment lang bewundernd an. Dann t�tschelte er ihre Wange, als w�re sie seine Lieblingskatze.</p><p>�Benimm dich anst�ndig.�</p><p>Ashton sp�rte einen kleinen Ri�. Sie konnte zwar nichts anderes als W�rme in seinem Blick entdecken, doch seine Bemerkung erinnerte sie an seine Warnung, nachdem sie grundlos den Schwager der Senora erschossen hatte. Nur Will konnte bei ihr den gleichen kleinen Angstschock ausl�sen, den sie so gern bei anderen erzeugte. �Aber ja doch, mein Schatz�, sagte sie.</p><p>Sie trug sich im Mills House als Mrs. W.P. Fenway, Chicago, ein. Die Aufmerksamkeit des Personals konzentrierte sich nat�rlich auf eine attraktive Frau, die ganz allein mit elf Gep�ckst�cken reiste. Doch niemand bekam sie deutlich zu sehen; sie ging stets stark verschleiert. Es hatte keinen Sinn zu enth�llen, da� sie eine Main war.</p><p>Ashton erkundete das liebliche Charleston, das noch immer unter den Zerst�rungen des Krieges litt. Schwarze lungerten �berall mit impertinenter Miene herum; daf�r h�tten sie zu ihrer Kinderzeit die Pferdepeitsche zu kosten bekommen. Es gab immer noch einige Yankees in blauer Uniform zu sehen.</p><p>Sie mietete sich eine geschlossene Kutsche f�r eine Rundfahrt. Die Battery brachte die Erinnerung an jene aufregenden Wochen zur�ck, als Sumter belagert wurde. Sie stand am Hafen, w�hrend ihr Fahrer in diskreter Entfernung wartete. Sie schaute aufs Meer hinaus, eine Frau mit einer wunderbaren Figur, deren Taille mit Fischbein eng geschn�rt war. Sie trug Samt von der Farbe von altem Burgunder, viele Meter, die ihren Rock mit Tourn�re aufbauschten. Es war h�llisch hei�, aber die Wirkung war es wert. Spazierg�nger machten sich so ihre Gedanken �ber die teuer gekleidete, ziemlich melancholische Frau, die da �ber das Wasser auf den Atlantik hinausstarrte. Waren ihre Gedanken romantischer Natur? Trauerte sie einer verlorenen Liebe nach?</p><p>Ich hasse dich, Billy Hazard. Alles w�re anders gekommen, wenn du mich statt meiner zimperlichen kleinen Schwester geliebt h�ttest.</p><p>Ashton gab nicht nur Billy, sondern auch Orry, Cooper und Madeline die Schuld an ihrem Exil und an den grauenhaften Monaten als Hure. Als sie daran dachte, was sie alles durch das selbstgerechte Verhalten ihrer eigenen Familie verloren hatte, f�hlte sie, wie sich der alte Ha� erneuerte. Sie schn�ffelte, tupf-te sich die Augen mit ihrem Handschuh trocken, kehrte zur Kutsche zur�ck und befahl dem Fahrer, langsam zur East Bay zu fahren. Dort betrachtete sie sich das Haus, wo sie mit dem armen Huntoon gelebt hatte.</p><p>Als sie in der engen Tradd Street an Coopers Haus vorbeifuhr, dr�ckte sie sich in die Kissen der Kutsche, als eine Frau aus dem Tor kam; Coopers schlichte, unscheinbare Frau, �lter, aber immer noch mit Adlernase und ohne Busen. Trotz des Schleiers wandte Ashton ihr Gesicht ab. Sie rief dem Fahrer zu, schneller zu fahren. Es gab nicht den geringsten Zweifel - sie ha�te sie alle.</p><p>In den n�chsten Tagen erfuhr sie einige �berraschende Dinge. Zum einen, da� Orry den Krieg nicht �berlebt hatte. Nachdem er Ashton und Huntoon wegen ihrer Rolle bei der Powell-Ver-schw�rung aus Richmond verjagt hatte, war er an die Front in Petersburg gegangen, wo ihn irgendein Yankee erscho�.</p><p>Ashton empfand weder Kummer noch Bedauern, sondern nur noch mehr Zorn auf ihren einarmigen Bruder. Sein Tod betrog sie um eine gute Chance zur Rache, und das gefiel ihr ganz und gar nicht.</p><p>Madeline lebte allein, wohlhabend, aber von allen verachtet wegen ihres republikanerfreundlichen Verhaltens. Ashton h�rte von dem Klan�berfall auf Mont Royal und dem im Bau befindlichen neuen Haus. Von einem angetrunkenen Journalisten, mit dem sie flirtete, erfuhr sie dann noch etwas, was sie in echte Erregung versetzte. Jedermann in der Stadt wu�te es. Mont Royal war hoch mit Hypotheken belastet.</p><p>�Es ist mir ein Vergn�gen, Sie kennenzulernen�, sagte Leverett Dawkins, der auf seinem Spezialb�rostuhl thronte. �Was kann die Palmetto Bank f�r Sie tun?�</p><p>Ashton sa� in perfekter Haltung auf der Kante des Besucherstuhls. Sie zog die Schultern zur�ck, was die Linie ihres Busens noch betonte. Dies entging dem Bankier keineswegs. Sie beobachtete, wie sein Blick nach oben zu ihrem Gesicht wanderte -der arme Narr hatte wohl geglaubt, es sei ihr entgangen, worauf sich seine Aufmerksamkeit konzentrierte -, und wu�te, da� sie sich im Vorteil befand. Sie war mit Dawkins' Namen vertraut, hatte ihn aber nie pers�nlich kennengelernt; er w�rde sie also niemals mit der Main-Familie in Verbindung bringen.</p><p>�u�erlich gefa�t, aber innerlich angespannt sagte sie: �Ich m�chte mich �ber die Grundbesitzverh�ltnisse in diesem Bezirk erkundigen. Ich habe alte Familienbande in South Carolina. Ich sch�tze die Gegend um Charleston sehr und w�rde mir hier gern ein Zuhause schaffen.�</p><p>�Ich verstehe. Fahren Sie bitte fort.�</p><p>�Als ich vorgestern die Ashley River Road entlangfuhr, sah ich eine wunderbare Plantage, in die ich mich sofort verliebte. Ich habe sie mir seitdem noch zweimal angesehen, und mein Gef�hl hat sich nur noch verst�rkt. Ich hoffte, Sie k�nnten mir etwas �ber den Besitz sagen.�</p><p>�Auf welche Plantage beziehen Sie sich, Ma'am?�</p><p>�Man sagte mir, der Name sei Mont Royal.�</p><p>�Ah, die Main-Plantage�, sagte er und lehnte sich zur�ck. �Der Eigent�mer ist Mr. Cooper Main. Er wohnt in dieser Stadt.�</p><p>Es verwirrte Ashton, den Namen ihres Bruders zu h�ren. Ihr schwerer, schwarzer Schleier verbarg das zum Gl�ck. Sie fa�te sich wieder und sagte leichthin: �Ich dachte, eine Frau h�tte das alles unter sich.�</p><p>�Sie meinen Mrs. Orry Main, die Schw�gerin des Besitzers.� Ashton bemerkte eine gewisse Abneigung in seinen Worten. �Sie lebt dort aufgrund einer Vereinbarung mit Mr. Main. Sie ist eine Art Managerin, verantwortlich f�r die Leitung von Mont Royal. Doch der Besitz liegt bei Mr. Main.�</p><p>Vorsichtig fragte sie: �Ist die Plantage eventuell zu kaufen?�</p><p>Er dachte dar�ber nach; da mu�ten Coopers Gef�hle bez�glich der Negerschule ber�cksichtigt werden, auch sein Ha� auf Madeline Main, weil sie Komplizin bei der Eheschlie�ung seiner Tochter mit diesem Yankee gewesen war. Dawkins' Besucherin brachte eine neue, h�chst interessante M�glichkeit ins Gespr�ch, die einen doppelten Vorteil bieten konnte. Zum einen den Profit, zum anderen konnte die Bank ein Kundenverh�ltnis beenden, das sich allm�hlich zum �rgernis auswuchs.</p><p>�Mont Royal ist mit einer betr�chtlichen Hypothek belastet�, sagte er, �die von dieser Bank gehalten wird.�</p><p>Das wu�te sie bereits, lie� sich aber nichts anmerken. �Oh, welch ein Gl�ck! Glauben Sie, der Besitzer, dieser Mister, �h ...�</p><p>�Main�, half er ihr.</p><p>�W�rde er verkaufen, wenn die Hypothek als Teil der Transaktion beglichen w�rde?�</p><p>�Nat�rlich kann ich nicht f�r ihn sprechen, aber die M�glichkeit besteht selbstverst�ndlich. Falls Sie an einem Angebot interessiert sind, w�rde unsere Bank gern f�r Sie t�tig werden. Gegen ein gewisses Honorar, versteht sich.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Darauf bestehe ich. Und auf einigen anderen Bedingungen. Mein Mann, Mr. Fenway, ist ein sehr reicher Mann. Kennen Sie die Fenway's Piano Company?�</p><p>�Wer kennt sie nicht? Und das ist Ihr Gatte? Sehr sch�n.�</p><p>�Wenn Mr. Main herausfindet, wer seine Plantage kaufen m�chte, k�nnte er versuchen, den Preis unvern�nftig hochzutreiben.�</p><p>�Wir k�nnen daf�r sorgen, da� dies nicht geschieht. Wenn wir f�r Sie die Verhandlungen f�hren, k�nnen Sie vollst�ndig anonym bleiben, bis der Kauf get�tigt ist.� Er merkte, da� sie damit zufrieden war. �Sie erw�hnten gewisse weitere Bedingungen.�</p><p>Ihr Herz schlug so schnell, da� sie fast zitterte. Es war in Griffweite die Chance f�r die perfekte Rache, von der sie seit Jahren getr�umt hatte. Sie bem�hte sich, die Anspannung aus ihrer Stimme herauszuhalten, als sie sagte: �Ich m�chte, da� der Kauf sehr schnell abgewickelt wird. Innerhalb weniger Tage. Ich m�chte den Verkauf abgewickelt sehen, bevor ich nach Chicago zur�ckkehre.�</p><p>Zum erstenmal runzelte er die Stirn. �Ihr Verlangen entspricht nicht den Regeln, Mrs. Fenway. Und ist schwierig zu bewerkstelligen.�</p><p>Sie lehnte sich zur�ck, als w�rde sie ihm ihre Freundlichkeit entziehen. �Nun, dann tut es mir leid.�</p><p>�Schwierig�, wiederholte er und hob schnell eine Hand. �Aber nicht unm�glich. Wir werden alles tun, was in unseren Kr�ften steht.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte sie und entspannte sich wieder. �Das ist ausgezeichnet. Vielleicht k�nnten wir jetzt die Details besprechen? Ein Angebot? Bitte nennen Sie eine Zahl, aber im vern�nftigen Rahmen, vergessen Sie das nicht. Allerdings hoch genug, damit das Angebot auf Mr. Cooper Main unwiderstehlich wirkt. Das ist das Zauberwort, Mr. Dawkins.�</p><p>Langsam hob sie den schwarzen Schleier und schenkte ihm ihr s��es Giftl�cheln. Er war hingerissen vom feuchten Glanz ihrer Lippen und der ebenm��igen wei�en Sch�nheit ihrer Z�hne, als sie ihm zufl�sterte: �Unwiderstehlich.�</p></section></section><section><title><p id="bookmark85"><strong>Siebtes Buch</strong></p><p><strong>�ber den Jordan</strong></p></title><section><p><emphasis>Ich glaube nicht, da� die Wei�en unter einem Gesetz leben k�nnen oder wollen, bei dem so ignorante, so k�ufliche und korrupte Menschen das Sagen in ihrer Staatsregierung haben</emphasis> ... <emphasis>Ich glaube, sie werden es so lange ertragen, wie sie k�nnen, doch es wird der Punkt kommen, wo sie es nicht mehr k�nnen.</emphasis></p><p>General Wade Hampten 187I</p></section><section><title><p id="bookmark87"><strong>66</strong></p></title><p>Es ist von Sam. Aus New York. Mein Brief wurde von St. Louis nachgesandt.�</p><p>�Was schreibt er?�</p><p>Sie �berflog die Seite. �Er war ganz �berrascht, da� ich in South Carolina bin. Er w�nscht dir alles Gute und eine schnelle Erholung. Er wird nur zu gern den Brautf�hrer machen, solange die Zeremonie nicht mit einer normalen Vorstellung zusammenf�llt. Was f�r eine Vorstellung?� Sie drehte das Blatt um. �Meine G�te. Das ist ja nicht zu fassen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Claudius Wood hat Sams &gt;Othello&lt; gefallen. Er hat die Produktion importiert, um eine L�cke in seinem Spielplan zu f�llen, und die Sache hat sich zu einem gewaltigen Erfolg entwickelt. Sam schreibt, es k�nnte ewig im New Knickerbocker laufen. Eddie Booth hat sich's zweimal angesehen. Oh, das ist pure Ironie. Sam arbeitet f�r den Mann, der mich beinahe umgebracht h�tte.�</p><p>Sie warf Sams Brief beiseite; auch er war von St. Louis nachgeschickt worden.</p><p>�Du klingst ver�rgert.�</p><p>�Nun, ja. Eigentlich sollte ich toleranter sein. Sam ist Schauspieler, was bedeutet, da� er in mancher Hinsicht wie ein kleines Kind ist. Die W�nsche von Kindern sind oft st�rker als ihre Loyalit�ten. Sam hat sich immer diese Art von Erfolg gew�nscht - was im Theater Ungl�ck bedeutet -, also entwischte er ihm selbstverst�ndlich. Dann, als er nicht danach Ausschau hielt, kam der Erfolg. Es w�re albern zu erwarten, da� er dem Erfolg den R�cken zuwendet. Er ist Schauspieler.�</p><p>�Das sagtest du bereits.�</p><p>�Ja, aber damit ist auch alles erkl�rt. Wir werden einfach an einem Tag heiraten m�ssen, an dem das Knickerbocker dunkel bleibt. Das hei�t, falls du noch ...�</p><p>�Und ob. Komm her.�</p><p>Gelbliches Licht, Sommerlicht, fiel auf die Zimmerdecke und die wei�-get�nchte Wand hinter dem Kopfteil seines Bettes. Die Arbeit an dem neuen Haus war f�r heute beendet. Jemand trieb einen letzten Nagel in einen Dachbalken; bei jedem Schlag klang der Nagelkopf wie eine Glocke.</p><p>Er h�rte, wie sich in der Ferne die S�ge jaulend in das Holz bi�. Er h�rte die Schreie und die knallenden Peitschen der Maultiertreiber, die mit ihren Karren durch die Phosphatfelder fuhren. Ganz in der N�he, in dem gro�en Raum des wei�get�nchten Hauses, unterhielten sich Madeline und Willa �ber das Abendessen. Sie waren vom ersten Tag an, als er und Willa aufgetaucht waren, gro�artig miteinander ausgekommen.</p><p>Charles, bekleidet mit einem warmen, blauen Flanellnachthemd, das Willa ihm gen�ht hatte, lag da und starrte zur Decke hoch. Auf der linken Seite schmerzte ein gro�er Teil seines unteren R�ckenbereichs immer noch, doch es war nicht mehr so schlimm wie zuvor. T�glich ging es ihm besser.</p><p>Roter B�r und vier seiner Cheyenne hatten ihn bewu�tlos in das Versorgungslager gebracht. Eine Armeeambulanz transportierte ihn nach Leavenworth zu Duncan. Gus war sicher dort angekommen, obwohl Charles das in seinem Zustand nicht erfa�te. Der Brigadier telegraphierte ans Theater, und Willa kam mit dem n�chsten Zug nach Kansas. W�hrend der drei Wochen, in denen sie Charles pflegte, schlo� Sam Trump sein Theater in St. Louis und machte sich mit seinem Ensemble auf nach New York.</p><p>In Leavenworth versuchte ein Chirurg die Kugel herauszuholen, schaffte es aber nicht. In der Hoffnung, Charles' Schmerzen zu lindern, hatte gestern ein schlaksiger ehemaliger Sklave namens Leander einen weiteren Versuch gemacht. Leander sagte, er habe den gr��ten Teil seines Erwachsenenlebens den Doktor gespielt; auf einer Baumwollplantage am Savannah River war er f�r seine Mitsklaven die einzige medizinische Hilfe gewesen. Charles sagte, er solle es probieren, obwohl ihm klar war, da� der Versuch mit seinem Tod enden konnte.</p><p>Leander gab Charles einen mit einem whiskygetr�nkten Lappen umwickelten Stock. W�hrend Charles halb verr�ckt vor Schmerz in den Stock bi�, stie� Leander ein mit Feuer desinfiziertes Messer in die Wunde. Offensichtlich war Narbengesichts Bleikugel erst vor kurzem gewandert. Leander fand sie schnell und holte sie mit einer Drahtschlinge heraus.</p><p>Jenseits der halb geschlossenen T�r mischte sich eine dritte, d�nnere Stimme in das Gespr�ch der beiden Frauen. Charles atmete den moschusartigen Dunst des Sumpflandes ein, sp�rte das schwache Kitzeln von Pinienpollen ganz hinten in seiner Kehle. Jedes Jahr, so regelm��ig wie der Zorn Gottes, f�rbten sie jede Oberfl�che gelblichgr�n. Er war zu Hause.</p><p>Es war nicht das vollkommene Gl�ck, das er sich vorgestellt hatte, als er Willa �berredete, ihn f�r die lange Zeitspanne bis zu seiner Wiederherstellung nach Mont Royal zu begleiten. Madeline baute das gro�e Haus im Gedenken an Orry wieder auf, doch die Plantage hatte viele Ver�nderungen hinnehmen m�ssen, die ihm fremdartig und grob erschienen. Nichts mehr von der alten Grazie. Nur noch Dampfmaschinen und aufgew�hlte Reisfelder.</p><p>Madeline war von Cooper entfremdet und bei den wei�en Familien im Bezirk verha�t. Eine Organisation, �ber die er kaum etwas wu�te, der Ku-Klux, hatte den Bezirk eine ganze Weile terrorisiert. Klansm�nner hatten Andy Sherman ermordet, an den er sich noch als Sklaven ohne Nachnamen erinnerte. Auch eine wei�e Schullehrerin hatten sie get�tet. Die s��e, einsame Melodie der Heimat, die er jahrelang gepfiffen hatte, schien irgendwie den falschen Ton zu treffen.</p><p>Und dann war da noch das Problem mit dem Jungen, der das L�cheln verlernt hatte.</p><p>Gus blieb ein h�fliches Kind. Leise kam er ins Schlafzimmer, den kleinen, runden Hut, den Willa ihm in Leavenworth gekauft hatte, auf dem Kopf. Seine F��e in den Ledersandalen zogen eine Spur von Wasserflecken hinter sich her. Willa mu�te darauf bestanden haben, da� er sich nach dem Spielen drau�en wusch. Doch zwischen seinen Zehen befand sich immer noch Schlamm.</p><p>Gus stellte sich neben das Bett seines Vaters. �Geht es dir gut, Papa?�</p><p>�Viel besser heute. K�nntest du mir etwas Wasser einschenken?�</p><p>Der kleine Junge legte seinen Hut auf das Bett und nahm die Tasse und die gro�e Porzellankaraffe. Wasser gurgelte in die Tasse. Gus beobachtete den Strahl sorgf�ltig. Auf der rechten Wange des Jungen verh�rtete sich Bents Schnitt zu einer Narbe; ein dunkler Kamm in einer sonnendurchfluteten Landschaft.</p><p>Gus ber�hrte die Narbe h�ufig, sprach aber nie davon, genausowenig wie von der schlimmen Zeit auf der Whisky-Ranch. Willa, die zugab, da� sie keine Expertin f�r psychische Probleme war, vertrat nichtsdestoweniger die Ansicht, da� einem schon der gesunde Menschenverstand sagte, die Sache f�r eine Weile ruhen zu lassen.</p><p>Gus reichte seinem Vater die Tasse. Das Wasser schmeckte lauwarm. �Rat mal, was ich unten bei der S�gem�hle gesehen habe, Papa.�</p><p>�Was denn?� fragte Charles.</p><p>�Einen gro�en wei�en Vogel mit Beinen wie Stecken. So lang. Er stand im Wasser, flog dann aber weg.�</p><p>�Silberreiher�, sagte Charles.</p><p>�Rat, was ich noch gesehen habe. Ich habe andere V�gel gesehen, die in einer Linie flogen. Ich habe f�nf St�ck gez�hlt. Der erste hat so gemacht�, er schwenkte die Arme nach oben und nach unten, �und die anderen machten es genauso. Als der erste damit aufh�rte, h�rten die anderen auch auf. Sie hatten so komische Schn�bel, ganz gro�e Schn�bel.� Er schob die Lippen vor. �Sie sind dorthin geflogen.� Er deutete Richtung Meer.</p><p>�Vielleicht braune Pelikane. Ganz sch�n weit flu�aufw�rts. Hat es dir Spa� gemacht, ihnen zuzuschauen?�</p><p>�Ja, es hat mir Spa� gemacht.� Keine Spur von Freude schwang in seiner Antwort mit; nicht das kleinste L�cheln zeigte sich auf seinen Lippen, die Charles immer an Augusta Barclay erinnerten. Wie lange w�rde es dauern, bis die seelischen Wunden des Jungen verheilt waren? Ewig?</p><p>�Ich hab' jetzt Hunger�, sagte Gus und verlie� das Zimmer.</p><p>Charles drehte den Kopf von der T�r weg. Vertraute Schuldgef�hle stiegen in ihm auf, eine Art �belkeit. Er sah die Narbe deutlich vor sich. Er hatte es geschehen lassen.</p><p>Er hatte vieles wiedergutzumachen. Er mu�te ihm etwas Besseres als Narben mit auf seinen Weg geben. Das Wertvollste, woran er denken konnte, war Geld. V�terliche Zuneigung und Aufmerksamkeit - diese Dinge waren f�r ihn Selbstverst�ndlichkeiten. Aber das war nicht genug. Nicht ann�hernd genug wegen der Narben - der sichtbaren und der tief im Inneren versteckten unsichtbaren Narben.</p><p>Nach Einbruch der Dunkelheit, als die Teichfr�sche und Ziegenmelker ihr n�chtliches Konzert anstimmten, kam Willa herein und setzte sich zu ihm. Charles drehte den Lampendocht h�her, um sie besser sehen zu k�nnen. Ihr Haar gl�nzte wie Wei�gold.</p><p>�Ich suche immer noch nach dem richtigen Ort f�r uns�, sagte sie. �Mir ist es egal, wo er ist; ich gehe mit dir, wohin du willst.�</p><p>�Was ist mit deinem Beruf als Schauspielerin? Du wirst ihn doch nicht aufgeben wollen, oder?�</p><p>Sie wischte sich etwas Mehl vom Daumen. �Ich will es nicht, aber ich werde es.� Sie musterte ihn. �Moment mal. Du hast doch irgendwas im Sinn.�</p><p>Er richtete sich auf, schob das Kissen unter seine Schultern. In seinem Haar zeigte sich jetzt schon viel Grau. Er hatte sich Schnurrbart und Bart abrasiert, und Madeline und Willa hatten beide gesagt, er sehe zehn Jahre j�nger aus. �Ich habe vorgestern daran gedacht, kurz bevor Leander mir die Kugel rausholte und ich ohnm�chtig wurde. Texas. Ich liebe Texas. Ich habe es gelernt, Soldat zu spielen, weshalb also sollte ich es nicht lernen, Rancher zu spielen?�</p><p>�Du meinst Viehzucht?�</p><p>�Richtig. Ich k�nnte ein Haus f�r uns bauen und eine Herde zusammenstellen. Der Fleischmarkt ist gut. Immer mehr Vieh wird nach Osten verladen.�</p><p>�Ich war noch nie in Texas�, sagte sie.</p><p>�Es gibt gottverlassene Stellen. An anderen Stellen ist es wundersch�n.�</p><p>�Wovon sollen wir leben? Ich habe nicht viel gespart.�</p><p>�Ich k�nnte f�r jemanden arbeiten, bis ich das Gesch�ft gelernt und was beiseite gelegt habe.�</p><p>Sie pre�te ihren warmen Mund auf den seinen. �Du wirst eine ganze Menge sparen m�ssen. Ich will ein riesiges, altes Haus. Ich m�chte Gus zusammen mit seinen Br�dern und Schwestern aufziehen.�</p><p>�Ich schaff es, Willa.� Endlich belebte sich seine Stimme. �Die Wahrheit ist, ich will reich werden.� Um f�r die Narben zu bezahlen. �Wir k�nnten uns in der N�he einer passablen Stadt niederlassen, damit ich dir ein Theater bauen kann, wenn das Geld hereinstr�mt. Ein Opernhaus, das allein dir geh�rt.�</p><p>Sie umarmte ihn. �Charles, das ist ein wunderbarer Traum. Ich glaube wirklich, du wirst es tun.�</p><p>Er schaute hinaus zu den Schatten einer Frau und eines Jungen vor der halboffenen T�r. Er h�rte die Stimme von Gus, der Madeline eine Frage stellte. �Ich verspreche es�, sagte er.</p><p>Anfang Juni im Flachland; noch s��er und strahlender, als Ash-ton es in Erinnerung hatte. Warme Luft, noch nicht von der dumpfen Schw�le des Hochsommers verpestet. Ein makellos blauer Himmel strahlte Ruhe und Frieden aus.</p><p>Das Pferdegespann hatte die Farbe von Milch. Jedes Pferd trug eine wei�e Quaste am Zaumzeug. Die Kutsche war ein Landauer mit gl�nzend gelackten seitlichen Paneelen. Bevor sie</p><p>Charleston verlie�en, hatte Ashton darauf bestanden, da� die beiden Schwarzen in Livree das Verdeck herunterfalteten.</p><p>Sie sa� mit dem Gesicht nach vorn in der Mietkutsche. Schattenmuster flogen �ber sie. Ihre dunklen Augen hatten einen feuchten Schimmer. Von den Schaupl�tzen und D�ften ihrer Kindheit umgeben, mu�te sie gegen einen pl�tzlichen Anfall von Sentimentalit�t ank�mpfen.</p><p>Unbeeindruckt von dem Zauber der Szenerie sa� ihr Favor Herrington, Esquire, gegen�ber, ein Anwalt aus Charleston, der ihr empfohlen worden war, als sie sich nach jemandem erkundigt hatte, der den Erfolg vor die Berufsethik stellte.</p><p>Mr. Herringtons Erscheinung und seine Haltung waren eher unscheinbar. Er war ein blasser, schm�chtiger Mann von ungef�hr f�nfunddrei�ig Jahren mit einem so kleinen, zierlichen Schnurrbart, da� er wie ein zuf�lliger Federstrich wirkte. Unter seiner zur�ckweichenden Unterlippe sa� ein kleiner Teigklumpen als Kinnersatz. Herringtons schwerer Akzent war nach Ash-tons Meinung ihrer eigenen, kultivierten Charleston-Sprache weit unterlegen. Bei ihrem ersten Treffen hatte der Anwalt ihr nichtsdestoweniger so geschmeichelt und sie mit solch schmieriger Unterw�rfigkeit behandelt, da� sie sofort erkannte, da� er von ihrer Sorte war. Hinter diesem Benehmen verbarg er, da� er v�llig skrupellos war.</p><p>Ashton erinnerte sich an dieses Stra�enst�ck. Ihre Kehle wurde trocken. �Langsamer, Kutscher. Da vorn ist die Abbiegung.�</p><p>Herrington befestigte den Messinghaken an der alten Ledertasche, in der sich s�mtliche Papiere befanden. Er r�ckte seine Krawatte zurecht, als der Landauer in die Zufahrt einbog. Durch ihren dunklen Schleier sah Ashton den gelblichen Rohbau des neuen Mont Royal.</p><p>Das Haus war ja riesig!</p><p>Um so besser.</p><p>�Ich habe die Ehre, Ihnen diese Dokumente zu pr�sentieren�, sagte Favor Herrington. �Vertrag, Verkaufsrechnung, Titel - und das hier, dem Sie bitte Ihre besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.�</p><p>Ashtons Anwalt hatte erwartet, die vollbusige Mulattin anzutreffen, an die er seine Bemerkungen gerichtet hatte. Mit der Anwesenheit des Mannes mit den m�chtigen H�nden und der wettergegerbten Haut, der im blauen Nachthemd herausgehinkt kam, hatte er allerdings nicht gerechnet. Er wu�te auch nicht, wer die junge kesse Frau mit den hellblonden Haaren war. Vielleicht die Gef�hrtin des Mannes.</p><p>Die Kutsche stand ganz in der N�he. Die beiden Schwarzen in Livree t�tschelten und bes�nftigten die Schimmel. Charles musterte aufmerksam die Frau, die regungslos auf dem R�cksitz sa�. Sie trug burgunderfarbenen Samt und einen schweren, schwarzen Schleier.</p><p>Etwas Bedrohliches ging von ihr aus; etwas, das ihn an - ja, woran erinnerte?</p><p>Mit starrem Gesichtsausdruck nahm Madeline das Dokument entgegen, das Herrington ihr zuletzt gereicht hatte. �Dies ist ein R�umungsbefehl�, sagte der Anwalt. �Gestern wurde bei der Pal-metto-Bank die Hypothek der Mont-Royal-Plantage gel�scht und der Besitz an meine Klientin verkauft.� Er deutete auf die verschleierte Frau.</p><p>Madeline warf Charles einen verwirrten Blick zu. Sie bl�tterte Seite um Seite mit eng beschriebenen Klauseln um. Dann entdeckte sie einen Namen. �Mrs. W.P. Fenway. Ich kenne keine Mrs. Fenway.�</p><p>�Aber gewi� doch, meine Liebe�, sagte die Frau in der Kutsche. Sie trug malvenfarbene Handschuhe. Ihre H�nde wirkten so grazi�s wie flatternde V�gelchen, als sie den Schleier hob.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dich wiederzusehen, Cousin Charles.� Ashton stand in dem Gras neben dem wei�get�nchten Haus. Geh�ssigkeit funkelte in ihren dunklen Augen. �Wo hast du nur gesteckt all die Jahre? Du siehst ja furchtbar alt aus.�</p><p>Er h�tte das gleiche von ihr sagen k�nnen. Doch ihre Sch�nheit war unver�ndert, war fast perfekt. Es �berraschte ihn nicht. Er konnte sich erinnern, wie sie fr�her jedem Sonnenstrahl ausgewichen war und stundenlang an sich herumgeputzt hatte, bis sie in einem neuen Partykleid erschienen war. Ihr Aussehen hatte ihr immer sehr viel bedeutet. Anscheinend hatte sich da nichts ge�ndert. Es waren ihre Augen, die verrieten, was die Zeit ihr angetan hatte. Diese hochm�tigen, harten Augen. Wo war sie gewesen? Was hatte sie gesehen und getan?</p><p>�Was willst du hier?� fragte Madeline; sie k�mpfte immer noch um ihre Fassung, nachdem die Besucherin ihren Schleier gel�ftet hatte.</p><p>�Mont Royal�, sagte Ashton mit einem b�sartigen Flirren ihrer Augen, �ist das Land meiner Familie. Das Land der Mains. Es geh�rt nicht dir. Dein Mann, mein Bruder, hat mich von diesem Land vertrieben. Ich habe mir stets geschworen, ich komme zur�ck und mache das gleiche. Oder Schlimmeres.�</p><p>�Ashton, um Himmels willen - Orry ist seit �ber vier Jahren tot.�</p><p>�Das berichtete man mir. Ein Jammer.� Sie trat auf die Veranda, sp�hte ins Haus. �Wie primitiv. Als erstes werde ich gleich ein neues Fenway-Piano in das neue Haus stellen lassen. Man findet sie in den besten Salons.�</p><p>Willa hielt den Atem an. �Das war es, was mir nicht einfallen wollte. Fenway-Pianos. Sam kaufte letzte Weihnacht ein Fenway f�r das Theater.�</p><p>�Ja, das ist die Firma meines Mannes. Und sie expandiert so wahnsinnig schnell. Der Erfolg zieht den Erfolg nach sich, findet ihr nicht auch?�</p><p>Madeline schaute benommen drein. Als Charles ihr das Dokument aus der Hand nahm, sagte sie: �Mein Gott, was geht hier vor?�</p><p>�Aber simpler geht's doch gar nicht mehr, Liebste�, tr�llerte Ashton. �Ich habe die gesamte Plantage gekauft.�</p><p>�Von Cooper?� fragte Madeline ungl�ubig.</p><p>�Ja, nat�rlich, da brauchst du gar nicht so �berrascht zu tun. Es stimmt, da� ich den Kauf anonym get�tigt habe. Ich meine, ich trat zu keiner Zeit pers�nlich in Erscheinung, also wei� mein lieber Bruder nicht, da� Mrs. Fenway au�erdem noch seine nicht gerade liebevolle Schwester ist. Ich k�nnte mir vorstellen, da� er ein bi�chen in Erregung ger�t, wenn er die T�uschung entdeckt. Aber ich glaube nicht, da� er den Verkauf bedauert. Er hat einen guten Preis bekommen; abgesehen davon ist er, soviel ich wei�, recht ungl�cklich �ber deine Leitung der Plantage. Du hast dich geweigert, dich wie eine anst�ndige wei�e Frau zu benehmen. Statt dessen machtest du mit deiner Niggerschule Reklame. Nun, f�r Cooper war der Verkauf die einzige M�glichkeit, aus dem Vertrag mit dir herauszukommen. Man hat mir erz�hlt, er habe daf�r auch noch einen weiteren guten Grund. Du warst seiner Tochter behilflich, fortzulaufen und irgendeinen Nordstaatenausbeuter zu heiraten. Aber du und Orry, ihr wart ja schon immer ein verr�cktes selbstgerechtes P�rchen. Mr. Dawkins sagt, Charleston k�nne es kaum erwarten, da� du verschwindest. Das gilt �brigens auch f�r mich.�</p><p>In dem anschlie�enden Schweigen konnte man den Ha� fast mit H�nden greifen. Asthon lie� ihren Blick �ber die nackten Balken des neuen Hauses schweifen. �Willard und ich haben �ber eine Winterresidenz in einem milderen Klima als dem von Chicago gesprochen. Das hier m��te ideal sein.�</p><p>Willa bohrte, ohne es zu merken, ihre Finger in Charles' Arm. Sie verstand nicht ganz, was alles hinter dieser Konfrontation steckte, aber der furchtbare Ernst der Lage war ihr durchaus klar. Von dem Hang, der hinunter zum Ashley f�hrte, drangen Ger�usche hoch; Gus jagte hinter einem halben Dutzend G�nsen her.</p><p>Madeline atmete tief ein. �Ashton, ich habe nur dieses Zuhause. Ich bitte dich ...�</p><p>�Bitten? Wie bezaubernd. Wie drollig. Das mu� ja eine ganz neue Erfahrung f�r dich sein.�</p><p>Zornesr�te scho� Madeline pl�tzlich ins Gesicht. �Du wei�t ja gar nicht, was du mit dieser Plantage gekauft hast. Mont Royal ist nicht mehr das, was es zu deiner Zeit war - eine tr�ge, gesch�tzte Insel. Es ist ein kompliziertes Gesch�ft geworden. Teil einer harten, komplizierten Welt. Wir bauen nur noch soviel Reis an, wie wir f�r unseren eigenen Bedarf ben�tigen. Wir h�ngen v�llig von der S�gem�hle ab und der Ausbeutung der Phosphatfelder. Fast vierzig M�nner leben hier. Freie M�nner mit ihren Familien. Sie arbeiten, damit sie ein Zuhause und eine Schule f�r ihre Kinder haben. Du wirst nicht die Verantwortung f�r sie �bernehmen wollen.�</p><p>�Madeline, Liebes, ich habe Mont Royal bereits gekauft. Deshalb ist das alles doch nur leeres Gerede.�</p><p>�Nein. Du mu�t f�r diese Leute sorgen.�</p><p>�Einen Haufen Nigger? Oh, pfui�, sagte Ashton achselzuckend. �Die schwarzen Republikaner haben sie aufgehetzt, Dinge zu wollen, die ihnen nicht zustehen. Mein armer erster Mann James taugte zwar nicht viel, aber in bezug auf die Wertlosigkeit der Nigger hatte er recht. Von mir haben sie nichts zu erwarten. Sie k�nnen den ganzen Tag f�r einen Schluck Wasser und einen Kanten Brot arbeiten oder verschwinden und ihr ganzes Pack gleich mitnehmen.�</p><p>�Ashton - bitte! Zeig doch ein bi�chen Menschlichkeit.�</p><p>�Menschlichkeit?� schrillte sie, jetzt nicht mehr l�chelnd. �Oh nein. Meine Menschlichkeit hat sich an dem Tag aufgel�st, als dein verdammter Mann mich von meinem Geburtsort verjagte. Ich habe geschworen, ich k�me zur�ck, und ich bin zur�ckgekommen. Jetzt bist du es, die verjagt wird - und gute Reise.�</p><p>Erneutes Schweigen. Madeline starrte Charles an, der auf dem R�umungsbescheid die entsprechenden Unterschriften der Gerichtsbeamten gesucht hatte. Sie waren alle vorhanden.</p><p>�Hier ist kein Datum angegeben�, sagte er. �Wie lange haben wir Zeit?�</p><p>S��lich schnurrte Ashton: �Nun, wollen mal sehen. Ich m�chte das hier alles in Besitz nehmen, bevor ich nach Chicago zur�ckkehre, was bald geschehen mu�. Mein Ehemann Wil-lard ist ein �lterer Herr, versteht ihr. Er braucht meine Gesellschaft. Nat�rlich m�chte ich nicht ungastlich erscheinen. Ich halte mich f�r eine sensible Christin. Heute haben wir ...� Sie seufzte. �Mr. Herrington?�</p><p>�Freitag, Mrs. Fenway. Den ganzen Tag. Jawohl, Ma'am.�</p><p>�Sagen wir, bis n�chsten Freitag um die gleiche Zeit? Ich erwarte, da� du mitsamt deinen, �h, Pensionsg�sten bis dahin alles gepackt hast. Nat�rlich kannst du auch bleiben und f�r mich wie jeder andere Nigger arbeiten.�</p><p>Madeline senkte grimmig den Kopf. Charles trat auf sie zu, um sie zur�ckzuhalten. Ashtons makelloses L�cheln verbl�ffte ihn erneut. Er fragte sich, warum das B�se seine besten J�nger so ungezeichnet lie�.</p><p>�Freitag�, sagte Ashton.</p><p>Sie wollte gerade zu dem Landauer zur�ckkehren, da bemerkte sie Gus, der den Hang hochkam, um die Besucher n�her in Augenschein zu nehmen. Der Junge blieb neben einer gro�en Eiche stehen, die einen dunklen Schatten �ber seine vernarbte Wange warf.</p><p>�Meine G�te, was f�r ein h��licher kleiner Junge. Deiner, Cousin Charles?�</p><p>Eine Antwort wartete sie nicht ab.</p><p>Madeline schaute zu dem unfertigen Haus hin�ber. Tr�nen der Niederlage gl�nzten in ihren Augen. �Orry, es tut mir so leid. Es tut mir leid, da� ich alles zerst�rt habe.�</p><p>Lange Zeit blieb sie so stehen, verloren in Schmerz und Selbstvorw�rfen. Charles rief ihren Namen. Sie schien es nicht zu h�ren. Wieder sprach er sie an. Keine Reaktion. Er hob die Stimme an und schaffte es so, durch die tr�nenreiche Mauer ihres Schocks zu dringen.</p><p>Als sie dann seinen Vorschlag h�rte, fragte sie, warum. �Wir wissen nicht mal, wo er ist. Und wenn, wie k�nnte er uns helfen? Die Dokumente sind vollkommen legal. Der Verkauf kann nicht r�ckg�ngig gemacht werden.�</p><p>Rauh sagte er: �Madeline, ich glaube nicht, da� du verstehst. Heute in einer Woche wirst du hier rausgejagt. Wieviel hast du auf deinem Konto?�</p><p>�Nur ein paar Dollar. Ich mu�te den Bauarbeitern und Mr. Lee, dem Architekten, jeden Monat eine betr�chtliche Summe zahlen. Das hat fast mein gesamtes Einkommen aufgezehrt.�</p><p>�Und jetzt kommt nichts mehr herein, nachdem Ashton die Besitzerin der Plantage ist. Ich werde die Nachricht abschicken. Es geht doch nur um einen Ort, wo du bleiben kannst, bis du dich erholt hast. Ich habe dir nichts zu bieten. Coopers Haus ist dir verschlossen.�</p><p>�Mein Gott, glaubst du, ich w�rde ihn um irgendwas bitten, nach allem, was er uns angetan hat?�</p><p>�Zugegeben. Zugegeben. Ich sage ja nur, da� man in solchen Zeiten keine andere Wahl hat, als sich an seine Freunde zu wenden.�</p><p>�Charles, ich werde nicht betteln!�</p><p>�Doch. Genau das m�ssen wir jetzt tun. Ich habe so das Gef�hl, wenn du das schon vor langer Zeit getan h�ttest, dann w�rde jetzt alles anders aussehen. Jetzt bleibt keine andere Wahl.�</p><p>Sie hielt seine Idee f�r unertr�glich dem�tigend. Aber sie war zu ersch�pft und machte keine weiteren Einw�nde. Eine Stunde sp�ter ritt Charles auf einem Maultier los, eine Staubfahne hinter sich herziehend. In seinen zerrissenen Hosen steckte Geld und eine telegraphische Botschaft, adressiert an George Hazard in Lehigh Station, Pennsylvania.</p></section><section><title><p id="bookmark88"><strong>67</strong></p></title><p>Es kam der Tag, an dem alles anders war. Er wu�te es in dem Moment, in dem er erwachte.</p><p>Das gewaltige Schlafzimmer hatte sich nicht ver�ndert. Die Nymphen und Cherube, die sich miteinander an der Zimmerdecke vergn�gten, hatten sich nicht ver�ndert, ebensowenig wie die ganze Villa oder der Duft des Morgenkaffees. George selbst hatte sich ver�ndert. Er f�hlte sich nicht wirklich gut. Rein k�r-perlich gesehen war alles wie immer; die leichten morgendlichen Magenbeschwerden, die von dem Rotwein herr�hrten, den er so liebte und auf den er nicht verzichten wollte. Nein, die Sache war subtiler, aber nichtsdestoweniger real. Er f�hlte sich geheilt.</p><p>Er bet�tigte den Klingelzug und blieb im Bett liegen, bis sein Diener an die T�r klopfte und mit einem silbernen Kaffeeservice und einem Brioche eintrat. Er lag bequem und entspannt da; Erinnerungen an seine beiden Kinder, die er seit letztem Sommer nicht mehr gesehen hatte, �berw�ltigten ihn. In seiner Phantasie tauchten Bilder der gro�en Berge hinter Lehigh Station auf, an deren H�ngen der Lorbeer bl�hte. Er sehnte sich danach, �ber diese gr�nen H�hen zu spazieren und auf die Stadt, auf Belvedere und Hazards hinabzublicken: die stolze Summe dessen, was sein Leben ausgemacht hatte.</p><p>Ein pl�tzliches Schuldgef�hl qu�lte ihn. Er wollte nicht sorgenfrei sein und damit Constances Andenken untreu werden. Die telegraphische Nachricht von Bents Hinrichtung, die Wo-therspoon an ihn weitergesandt hatte, enthob ihn nicht seiner Verpflichtung, um sie zu trauern. Und doch war dieser Morgen - nun ja, irgendwie hatten sich die Schwerpunkte verschoben. Er wollte nicht ewig isoliert in der Schweiz leben. Das war ein ganz klarer, neuer Gedanke.</p><p>Sein Diener sagte in elegantem Franz�sisch: �Mr. Hazard, ich darf Sie daran erinnern, da� heute morgen der Gentleman ankommt, der seine Karte letzte Woche geschickt hat. Um zehn Uhr.�</p><p>�Danke�, sagte George. Der schwarze Kaffee in der feinen Porzellantasse schmeckte wunderbar; der Koch machte ihn stets stark. Er war neugierig auf diesen Mann, der seine Karte geschickt hatte, ein Journalist aus Paris, dem er nie zuvor begegnet war. Was wollte der Mann von ihm? Er war begierig darauf, es herauszufinden.</p><p>Er kletterte aus dem Bett und ging barfu� zu dem kleinen Schreibtisch. Vor ihm lag in einem kleinen Fach ein d�nnes, gelbliches Blatt mit Charles' Nachricht aus Leavenworth. Er kannte den Text auswendig. Beim ersten Lesen war Dankbarkeit in ihm aufgestiegen, sogar eine gewisse b�sartige Erregung, als er sich Bents letzte Stunde vorstellte. Dar�ber war er nun hinweg. Er ging zu dem kleinen, gr�nen Marmorkamin, in dem sein Diener an k�hlen Morgen wie dem heutigen stets ein Feuer entz�ndete, und lie� das gelbe Bl�ttchen in die Flammen fallen. Alles war anders.</p><p>Sein Besucher, ein Mann um die Sechzig, machte aufgrund seines schlampigen �u�eren einen schlechten Eindruck. Getrockneter Schlamm bedeckte seine Kavalleriestiefel. Er trug einen Milit�rmantel mit hochgestelltem Kragen, von dem die Insignien abgerissen worden waren. Die Finger seiner Handschuhe hatte er abgeschnitten. Sein Haar war lang, verbarg die Ohren und ging vorn gleich in einen brustlangen Bart �ber. Er hatte einen Lederhandkoffer dabei, voll mit B�chern und Papieren, die an Ecken und R�ndern kreuz und quer beschrieben waren. Laut seiner Visitenkarte handelte es sich bei dem Mann um M. Marcel Levie, Paris, politischer Korrespondent von &gt;La Libert�s</p><p>George erkannte schnell, da� das �u�ere Erscheinungsbild seines Gastes nur eine Pose war, wahrscheinlich, um sich eine Aura liberaler Intelligenz zu geben. Er reagierte schnell, als George ihn fragte, ob er eine Erfrischung w�nsche. Obwohl es erst zehn Uhr f�nf war, bestellte Levie einen Cognac.</p><p>Sie sa�en auf der sonnigen Terrasse �ber dem See. George nippte an seinem zweiten und letzten Kaffee. M. Levie sagte: �Unsere Gruppe in Paris hat erfahren, da� der reiche amerikanische Stahlproduzent George Hazard Urlaub in der Schweiz macht.�</p><p>�Nicht gerade Urlaub�, sagte George, ohne eine weitere Erkl�rung abzugeben.</p><p>�Man hat mich ausgew�hlt, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen und, wenn m�glich, Sie f�r einen Plan zu begeistern.�</p><p>�Monsieur Levie, im Augenblick leite ich meine Gesellschaft nicht aktiv. Deshalb bin ich auch nicht in der Lage, Investitionen zu t�tigen. Es tut mir leid, da� Sie die Reise umsonst gemacht haben.�</p><p>�Aber keineswegs. Die Sache hat nur im weitesten Sinne etwas mit dem Gesch�ft zu tun. Ich bin hier im Auftrage unseres Vorsitzenden, Professor Edouard-Ren� Lef�bre de Laboulaye.� George runzelte die Stirn, was den Journalisten veranla�te, den Namen zu wiederholen. Er kam George irgendwie bekannt vor, obwohl er nicht h�tte sagen k�nnen, woher.</p><p>�Neben seinen anderen Verpflichtungen hatte der Professor jahrelang den Vorsitz der franz�sischen Anti-Sklaven-Gesell-schaft inne. Er ist ein gro�er Bewunderer der amerikanischen Freiheit. Ich erinnere mich an seine Begeisterung an jenem Abend vor einigen Jahren in seinem Haus in Glatingly, als wir gerade erfahren hatten, da� Lee besiegt war.�</p><p>�Sch�n�, sagte George, �fahren Sie bitte fort.�</p><p>�Mein Freund, der Professor, glaubt ebenso wie ich, da� Amerika und Frankreich Schwestern der Freiheit sind. General Lafa-yette half Ihnen bei der Erringung Ihrer Unabh�ngigkeit. Jetzt steht Amerika als wichtiger Leuchtturm der Freiheit und der Menschenrechte da�, Levie lie� seine Blicke wie ein Verschw�rer �ber die Terrasse schweifen, �w�hrend Frankreich ernste Probleme hat.�</p><p>Endlich hatte George einen politischen Anhaltspunkt. Sein Besucher war ein Liberaler und h�chstwahrscheinlich kein Anh�nger von Kaiser Napoleon III.</p><p>Levie sprach weiter: �Was mein Freund und damit unsere Gruppe vorschl�gt, ist ein symbolisches Geschenk an Ihr Land. Ein Monument oder eine Statue in irgendeiner Form, die gegenseitige Freundschaft und den Glauben an die Freiheit repr�sentiert.�</p><p>�Ah�, sagte George. �Und wer w�rde ein solches Geschenk finanzieren?�</p><p>�Das franz�sische Volk. Vielleicht durch einen �ffentlichen Beitrag. Die Einzelheiten sind bis jetzt noch recht verschwommen. Doch unser Ziel ist klar. Wir m�chten das Monument rechtzeitig zum hundertsten Jahrestag ihres Landes pr�sentieren. Ich gebe zu, das hat noch einige Jahre Zeit, aber ein Projekt dieser Gr��e l��t sich nicht von heute auf morgen vollenden.�</p><p>�Sprechen Sie von einer Art Statue f�r einen Park, Monsieur Levie?�</p><p>�Oh, gr��er, viel gr��er. In der Nacht, in der dieser Plan entstand, war aus ganz anderem Grund ein junger Bildhauer anwesend. Ein Els�sser, Bartholdi. Talentierter Bursche. Er wird das Monument entwerfen.�</p><p>�Und was w�nschen Sie dann von mir?�</p><p>�Das gleiche, um das wir jeden bedeutenden Amerikaner bitten, den wir auf dem alten Kontinent kontaktieren k�nnen. Unterst�tzung f�r unsere Idee. Das Versprechen, auch in Zukunft f�r sie einzutreten.�</p><p>Der bisherige Verlauf des Tages hatte George in solch gute Stimmung versetzt, da� er sagte: �Ich glaube, das kann ich Ihnen ohne Einschr�nkung zusagen.�</p><p>�Gro�artig! Das w�re ein gelungener Coup f�r uns. Au�erdem versuchen wir noch, bis jetzt weniger erfolgreich, abzusch�tzen, ob eine solche Gabe von der amerikanischen Regierung und dem amerikanischen Volk willkommen gehei�en w�rde.�</p><p>George z�ndete sich eine Zigarre an und schlenderte an die Balustrade. �Es ist sehr klug von Ihnen, diese Frage zu stellen, Monsieur Levie. Auf Anhieb sollte man erwarten, da� so ein Geschenk willkommen ist, doch die Amerikaner k�nnen ein widerspruchsvolles V�lkchen sein. Ich bekomme regelm��ig Zeitungen aus der Heimat geschickt. Was ich ihnen entnehme, ist folgendes: Alles, was aus dem Ausland kommt, ist verd�chtig.� Nachdenklich rollte er die Zigarre zwischen seinen Fingern. �Das w�rde vor allem auf das Geschenk eines Landes zutreffen, das zwischen der Rechten und der Linken zerrissen und bereit ist, sich in einen Krieg gegen Preu�en zu st�rzen.� Er zog an seiner Zigarre. �Das vermute ich jedenfalls.�</p><p>Niedergeschlagen sagte der Journalist: �Das best�tigt, was Edouard von den Mitgliedern der Philadelphia Union League erkl�rt wurde.�</p><p>George deutete mit seiner Zigarre. �Da hab' ich den Namen schon mal geh�rt. Er steht in unserem Register.�</p><p>�Das stimmt, obwohl es ihm nie verg�nnt war, ihr Land zu besuchen.�</p><p>Sie diskutierten eine Weile �ber das politische Klima in Europa. Levie �u�erte sich abwertend �ber den preu�ischen Kanzler, Otto von Bismarck, und seinen Generalstabschef Moltke. �Sie sind deutlich darauf aus, die Spannungen bis zum Kriegsausbruch voranzutreiben. Bismarck tr�umt von einer Vereinigung der deutschen Staaten - einem neuen Imperium, wenn Sie so wollen. Ungl�cklicherweise l��t sich unser eigener sogenannter Imperator von seinen T�uschungsman�vern einlullen. Er glaubt, er h�tte eine unbesiegbare Armee aufgebaut. Das hat er nicht. Au�erdem verf�gt Moltke �ber m�chtige Kanonen, ein hervorragendes Spionagesystem und Bismarck, der ihn antreibt. Die Sache wird einen schlimmen Ausgang f�r Frankreich nehmen. Ich hoffe, sie wird sich nicht auch noch schlimm auf unseren Plan auswirken.�</p><p>�General von Moltke ist mir durchaus vertraut�, sagte George. �Zwei seiner Stabsoffiziere haben mich letzten Monat besucht. Sie wollten mit meiner Firma wegen der Herstellung gewisser Gesch�tze verhandeln. Daheim in Pennsylvania arbeitet mein Gesch�ftsf�hrer an der Kalkulation. Bis jetzt bin ich noch zu keiner Entscheidung gelangt.�</p><p>Levies Freundlichkeit schwand dahin. �Wollen Sie damit sagen, die M�glichkeit existiert, da� Sie mit der einen Hand f�r und mit der anderen gegen Frankreich arbeiten?�</p><p>�Die Eisenbranche ist unseligerweise nun mal so. M�nner in meiner Branche sind gezwungenerma�en auf beiden Seiten der Schlacht pr�sent.�</p><p>Levies Feindseligkeit schmolz dahin. Er schaute seinen Gastgeber mit zusammengekniffenen Augen an. �Zumindest sind Sie aufrichtig.�</p><p>�Genauso aufrichtig sage ich Ihnen, da� ich entschlossen bin, Ihren Plan zu unterst�tzen, wenn er sich in dem Rahmen h�lt, den Sie mir angedeutet haben. Wenn Sie es w�nschen, k�nnen Sie mich zu Ihrer Gruppe z�hlen.�</p><p>Nach einem Moment des Nachdenkens sagte der Journalist: �Gewi�. Sie k�nnten ein wichtiger Mittelsmann werden. Professor Laboulaye wird �bergl�cklich sein.�</p><p>Er sagte nicht, da� er selbst �bergl�cklich war, aber sie sch�ttelten sich nichtsdestoweniger die H�nde. An diesem Abend erkannte George bei einem leichten Abendessen, bestehend aus Kalbsmedaillons und frischen Bohnen - abends gab es keine S��igkeiten oder schweren Weine mehr; sein Gewicht wurde allm�hlich zu einem deutlich sichtbaren Problem, vor allem an der Taille -, da� er sich einer neuen Sache verschrieben hatte. Etwas, was nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Zukunft, mit der gro�en, f�r 1876 geplanten Feier verbunden war.</p><p>Er a� schnell zu Ende, rief sein Personal zusammen und erkl�rte ihnen, da� er heimfahren werde.</p><p>George schickte Jupiter Smith �ber das Transatlantikkabel eine Nachricht und bestieg in Liverpool die &gt;Persia&lt; der Cunard-Ree-derei. Sie war gr��er und luxuri�ser als Mr. Cunards fr�here Schiffe, �ber deren n�chterne Kabinen sich Charles Dickens ge�rgert hatte. Die &gt;Persia&lt; versprach &gt;orientalischen Luxus&lt; und eine schnelle Atlantik�berquerung in zehn Tagen.</p><p>Am ersten Abend trank George zuviel Champagner, tanzte mit einer jungen polnischen Gr�fin und verbrachte zu seiner eigenen �berraschung die Nacht mir ihr. Sie war eine bezaubernde, leidenschaftliche Gef�hrtin, nur am Augenblick und nicht an der Zukunft interessiert. Er stellte erneut fest, da� seine M�nnlichkeit nicht vertrocknet war. Doch die Selbstverst�ndlichkeit, mit der die junge Frau ihn in ihrer Kabine und in ihrem Bett willkommen hie�, erneuerte lediglich sein Gef�hl der Liebe f�r Constance und den damit verbundenen Schmerz.</p><p>Am dritten Tag verschlechterte sich seine Stimmung weiter, als der gewaltige Dampfer auf ein Schlechtwettergebiet traf und wie ein Spielzeug zu rollen und zu tanzen begann. Trotz Warnung blieb George an Deck. Der Anblick der grauen Wogen mit den gro�en, wei�en Schaumkronen zog ihn magisch an. Es war Mittag und fast schon stockfinster. Bilder von Constance, Orry und Bent flimmerten durch seinen Kopf.</p><p>Die vergangenen zehn Jahre schienen sich wie ein Gummiband durch seine Erinnerung zu ziehen. Er st�rzte in den Abgrund.</p><p>Etwas in ihm rebellierte, und er versuchte der D�sternis zu entrinnen, indem er nach der Ursache fragte und sich bem�hte, verschiedene Fragen zu beantworten, die ihn qu�lten. Woher r�hrten diese Schmerzen? Die Antworten lie�en sich nicht greifen.</p><p>In der Finsternis des Sturms sah er wieder Constance vor sich. Er sah seinen besten Freund Orry. Sein Verstand lieferte eine Reihe von Schlu�folgerungen.</p><p>Der Schmerz r�hrt nicht nur von den Umst�nden oder den Taten anderer her. Er kommt von innen. Er entspringt dem Verst�ndnis, was wir verloren haben.</p><p>Er r�hrt daher, da� wir wissen, wie n�rrisch wir waren - eingebildete, arrogante Kinder -, als wir uns f�r gl�cklich hielten.</p><p>Er entspringt dem Wissen, wie zerbrechlich und dem Untergang geweiht die alten Traditionen waren, gerade als wir sie und uns in Sicherheit w�hnten.</p><p>Der Schmerz kommt von dem Wissen, da� wir nie in Sicherheit waren und nie in Sicherheit sein werden. Er entspringt dem Wissen, da� wir nie wieder so unwissend sein k�nnen. Er stammt daher, da� wir nie wieder Kinder sein k�nnen.</p><p>Verlorene Unschuld. Erinnerung an den Himmel.</p><p>Das ist wirkliche H�lle.</p><p>Das Signalhorn des Dampfers ert�nte. Die Decksmannschaft eilte in verschiedene Richtungen auseinander. George sp�rte, wie die Maschine auf volle Kraft zur�ckschaltete. Ein wei�gekleideter Steward erz�hlte ihm, die beiden kleinen Kinder eines italienischen Olivenmillion�rs seien vom Heck ins Meer gesp�lt worden. Die Suche wurde bis zum Einbruch der Dunkelheit unter gro�en Schwierigkeiten fortgesetzt; zwei Rettungsboote des Schiffes kenterten. Die Kinder wurden nicht gefunden. Irgend-wann in der Nacht h�rte George, der seltsam wach und angespannt neben der schlafenden Gr�fin lag, wie sich das Ger�usch der Maschinen ver�nderte. Die &gt;Persia&lt; nahm wieder Fahrt auf und setzte die Reise fort, weil keine andere M�glichkeit mehr blieb.</p></section><section><title><p id="bookmark89"><strong>68</strong></p></title><p>�m Samstag erhielt Jupiter Smith in seinem Haus in Lehigh Station Charles' telegraphische Nachricht. Er sagte seiner Frau, sie solle das Abendessen warmhalten, und ging schnell den H�gel hinunter zum Amt. Der Telegraphist machte gerade seinen Schalter dicht. �Schick das noch los, bevor du gehst, Hiram�, sagte Smith und griff nach einem leeren Formular. Eilig schrieb er in Blockschrift:</p><p>MR. HAZARD AUF HEIMWEG MIT CUNARD-LINIE.</p><p>UNM�GLICH ZU ERREICHEN, ABER SICHER</p><p>MRS. MAIN HERZLICH WILLKOMMEN F�R</p><p>UNBEGRENZTEN AUFENTHALT.</p><p>BEDAURE UMST�NDE, DIE DIES ERFORDERLICH MACHEN.</p><p>J. SMITH, ESQ.</p><p>Charles hatte in seiner Nachricht die Situation auf Mont Royal kurz zusammengefa�t. Jupe Smith konnte nicht begreifen, wieso Madeline Mains Schw�gerin so hart gegen eine Verwandte vorging. Er war Ashton Main niemals begegnet, nur Constance hatte mehrmals - in nicht gerader netter Form - von ihr gesprochen.</p><p>Hirams Telegraph begann zu klicken. Smith stand schweigend in dem staubigen Wartezimmer; ein vertrautes Gef�hl der Entt�uschung �ber das Verhalten menschlicher Wesen stieg in ihm auf. Es gab einfach keine Erkl�rung daf�r.</p><p>Als er die T�r �ffnete, um hinauszugehen, fiel ihm ein, da� vielleicht noch jemand von der Familie informiert werden sollte, f�r den Fall, da� Hilfe und Ermutigung von mehr als einer Person ben�tigt wurden. Von dem egoistischen Stanley war kein Mitgef�hl zu erwarten, doch auf ein anderes Familienmitglied konnte man z�hlen, nun, da sie sich mit ihrem Bruder ausges�hnt hatte und wesentlich sanfter geworden war.</p><p>�Hiram, bevor du Schlu� machst, kannst du noch ein Telegramm abschicken? Das hier geht nach Washington.�</p><p>In der Stille des fr�hen Sonntagmorgens sperrte Sam Stout sein Senatsb�ro auf. Es war ein herrlicher Sommertag; im B�ro war es bereits warm.</p><p>An seinem Schreibtisch begann Stout Briefe seiner W�hler zu beantworten, die meisten von d�mlichen Farmern, die er verachtete. Ein Paar aus seinem alten Bezirk in Muncie hatte acht eng beschriebene Seiten geschickt, auf denen sie die Eignung ihres Sohnes f�r die Milit�rakademie schilderten. Stout hatte keine Ahnung davon, schrieb aber &gt;Kein Platz verf�gbar&lt; dar�ber und warf den Brief in einen Drahtkorb, damit sein Angestellter die Antwort erledigen konnte.</p><p>Er begann einen weiteren Brief zu lesen, gab aber sofort wieder auf. Er warf seine Feder beiseite und �berlie� sich dem Elend, gegen das er eine lange, schlaflose Nacht hindurch angek�mpft hatte. Als er sich von Emily hatte scheiden lassen, um Jeannie zu heiraten, waren er und die junge Frau �bereingekommen, da� er zu alt und mit seiner Karriere zu sehr besch�ftigt war, um eine neue Familie zu gr�nden. Er hatte sich darauf verlassen, da� sich das kleine Mistst�ck an die Abmachung halten w�rde. Gestern abend hatte sie nach einem Champagneressen verk�ndet, da� sie in sieben Monaten ein Kind zur Welt bringen w�rde. Stout verbrachte die Nacht in einem getrennten Schlafzimmer.</p><p>Nicht nur sein Privatleben, sondern auch alles andere schien schiefzulaufen. W�hrend er bei seiner letzten Tour durch Indiana seine Reden hielt, hatte er deutlich gesp�rt, da� das Publikum ihn und Republikaner wie ihn, die st�ndig nach Blut schrien, satt hatte. Obwohl Appomattox erst vier Jahre zur�cklag, war die �ffentlichkeit der entzweienden Politik der radikalen Sozialprogramme �berdr�ssig. Es gab Anzeichen von Unzufriedenheit mit der Grant-Regierung, die gerade erst ihr Amt angetreten hatte. Grant war ein popul�rer, aber geradezu mitleiderregender naiver Mann.</p><p>Das beunruhigte Stout. Er hatte Grant unterst�tzt, wenn auch mehr aus Zweckm��igkeit als aus Prinzip. Jetzt f�rchtete er, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.</p><p>Seine eigenen lauwarmen �berzeugungen lie�en ihn an Virgi-lia Hazards st�rkere, ehrlichere Absichten denken. Das wiederum erinnerte ihn an die physische Seite ihrer Beziehung. Jetzt erschien sie ihm verf�hrerischer als fr�her. Vielleicht war es falsch gewesen, sie so hastig abzuschieben.</p><p>Er nahm einen Bogen Papier und begann zu schreiben. Wenn er das hier in Ordnung bringen konnte, dann w�rde auch alles andere gut werden, das sp�rte er und lie� Leidenschaft und Einsamkeit in seine S�tze einflie�en - selbst das schwierige Eingest�ndnis, in ihrer Beziehung einen Fehler begangen zu haben.</p><p>Er f�hlte sich so aufgekratzt wie ein zwanzigj�hriger Junggeselle, als er den Brief am fr�hen Nachmittag aufgab.</p><p>Am Montag zog Virgilia ihren grauen Handschuh �ber den Diamantring ihrer linken Hand und griff nach ihrem Lederkoffer. Vor ihrem H�uschen in der Thirteenth Street wartete eine Droschke, um sie zum Bahnhof zu bringen. Mit einem Blick vergewisserte sich sich, da� alles in Ordnung war. Sie bemerkte den beleidigenden Brief von Sam Stout auf dem Schreibtisch.</p><p>In der Aufregung �ber Smiths Nachricht und den anschlie�enden Reisevorbereitungen hatte sie ihn ganz vergessen.</p><p>Virgilia pre�te die Lippen zusammen. Sie stellte den Koffer ab und arbeitete schnell mit Streichholz und Wachs, um Stouts Brief wieder zu versiegeln. Sie strich ihre Adresse durch und schrieb seine dar�ber. Dann drehte sie den Umschlag um und schrieb auf die leere Seite ein gro�es Nein.</p><p>Sie gab den Brief auf, bevor sie den Nachtexpress nach Rich-mond und Charleston bestieg.</p><p>Am Dienstag bot Willa erneut ihre Hilfe beim Packen an. Madeline hatte es bis jetzt hinausgeschoben, als warte sie auf ein Wunder. Es w�rde keine Wunder geben.</p><p>�Also gut, packen wir�, sagte sie niedergeschlagen. �Es gibt nicht viel, was sich mitzunehmen lohnt, aber wenn wir es nicht wegschaffen, wirft sie es blo� weg.�</p><p>Sie wickelte gerade Porzellan in Zeitungsbl�tter, als eine Kutsche ankam. Es waren Theo und seine Frau. Der junge Nord-staatler dr�ckte Madeline die Hand und sagte, da� es ihm leid tue. Marie-Louise, die in ihrem dritten Schwangerschaftsmonat gesund und rosig aussah, lie� ihren Emotionen freieren Lauf.</p><p>Sie weinte in Madelines Armen und stie� schluchzend Verw�nschungen gegen ihren Vater aus. Madeline t�tschelte sie bes�nftigend. Es schien, als m��te sie stets jemanden tr�sten. Sie w�nschte, jemand w�rde einmal sie tr�sten.</p><p>Charles kam mit einer Holzkiste herein, die er zusammengenagelt hatte. Er hatte Marie-Louise seit Jahren nicht mehr gesehen, und sie mu�ten sich erst wieder kurz miteinander bekannt machen.</p><p>�Wei� dein Vater, wer in Wirklichkeit die Plantage gekauft hat?�</p><p>Marie-Louise nickte. �Am Samstag mittag hatte sich die Neuigkeit schon in Charleston herumgesprochen. Mama sagte, Papa habe es beim Abendessen erw�hnt.�</p><p>�Und was sagte er?�</p><p>Sie antwortete nur widerstrebend. �Da� er seiner Schwester so viel Sympathie entgegenbringe wie allen anderen in der Familie auch, also .� Mit rotem Gesicht platzte sie heraus: �Also praktisch gar keine.�</p><p>Charles kaute so heftig auf seiner Zigarre herum, da� er sie beinahe zerbissen h�tte. �Fein. Gro�artig.�</p><p>�Mama war so w�tend, als sie es mir erz�hlte, da� sie fluchte. Ich habe noch nie geh�rt, da� sie Papa verflucht hat. Sie sagte, er verdiene jetzt mit seiner Firma so viel Geld, da� er nicht mehr auf Mont Royal angewiesen sei, und er habe auch f�r die Plantage nichts �brig. Deshalb hat er sie auch verkauft.� Madeline und Charles wechselten einen Blick, den Marie-Louise nicht bemerkte. �Mama ist wegen der ganzen Angelegenheit todungl�cklich. Ich auch. Oh, Madeline, was wirst du jetzt machen?�</p><p>�Packen. Bis Freitag warten. Abreisen, wenn Ashton kommt. Was k�nnten wir sonst tun?�</p><p>Willa nahm Charles' Hand. Niemand beantwortete die Frage.</p><p>Am fr�hen Mittwochabend kam Willa vom Rasen hereingerannt, wo sie Gus ein Kartenspiel beigebracht hatte. �Eine Kutsche kommt. Eine Frau, die ich noch nie gesehen habe.�</p><p>�Verdammt.� Madeline warf eine Untertasse in die Kiste und brach dabei eine Kante ab. �Ich brauche hier keine Fremden, die sich noch �ber unser Ungl�ck lustig machen.�</p><p>Sie h�rte, wie die Kutsche knirschend anhielt. Einige Augenblicke sp�ter tauchte eine Frau in grauem Reisekleid mit dazu passendem Hut und Handschuhen im T�rrahmen auf. Madelines ersch�pftes Gesicht wurde bla�.</p><p>�Mein Gott, Virgilia.�</p><p>�Hallo, Madeline.� Die beiden Frauen starrten einander an. Charles kam vom Schlafzimmer herein, wo er eine gerahmte Lithographie von West Point abgeh�ngt hatte. Beinahe h�tte er sie fallenlassen, als er die Besucherin sah. Nat�rlich erinnerte er sich an sie, vor allem von ihrem Besuch auf Mont Royal mit George und anderen Familienmitgliedern her.</p><p>Damals war sie eine feuerspeiende Abolitionistin gewesen. Sie trug eine �berlegene Moral zur Schau und ha�te alles, was nach S�dstaaten roch. Er erinnerte sich, wie Virgilia ihren Gastgeber Tillet Main gekr�nkt hatte, als James Huntoon sie beschuldigt hatte, bei der Flucht seines Sklaven Grady behilflich gewesen zu sein. Sp�ter hatte sie mit dem Fl�chtling im Norden zusammengelebt.</p><p>Vor allem erinnerte sich Charles an ihr stolzes, beleidigendes Gest�ndnis an jenem Tag. Er hatte Schwierigkeiten, diese Virgi-lia in der Frau, die nun vor ihm stand, wiederzufinden. Er erinnerte sich an ihre spitze, b�se Zunge; jetzt gab sie sich sanft und nachsichtig. Fr�her war sie ein schlankes M�dchen gewesen; jetzt war sie recht kr�ftig. Er erinnerte sich an ihre vernachl�ssigte Garderobe; jetzt war sie konservativ modisch gekleidet und machte trotz der langen Reise einen gepflegten Eindruck.</p><p>Er erinnerte sich an sie mit einem Kinn, nicht mit zwei, eine deutliche Erinnerung daran, wie die Zeit verging. In ihrem Fall war die Zeit glimpflich mit ihr umgesprungen.</p><p>�Wie ist es dir ergangen, Charles?� sagte sie. �Als wir uns das letzte Mal sahen, warst du noch ein sehr junger Mann.�</p><p>Madeline, immer noch verwirrt, erinnerte sich an ihre Manieren. �M�chtest du dich nicht setzen, Virgilia?�</p><p>�Ja, danke. Ich bin ziemlich m�de. Ich habe den ganzen Weg von Washington im Zuge gesessen.�</p><p>Madeline r�umte einen B�cherstapel von einem alten Stuhl und bot ihn ihrer Besucherin an. Charles z�ndete eine Lampe an und stellte Willa vor. Madeline schien nerv�s zu sein und die Tr�nen kaum zur�ckhalten zu k�nnen. Er vermutete, da� Virgilias Ankunft ein erwartetes Ereignis zuviel gewesen war. In dem wei�get�nchten Haus schlugen die Emotionen hohe Wellen. In den vergangenen Tagen war es mehrfach zu sinnlosen Streitereien gekommen.</p><p>Virgilia sagte: �Ich w�rde gern ein paar Tage bleiben, wenn du erlaubst. Ich bin hier, weil Georges Anwalt mir wegen Ashton telegraphiert hat. Wir m�ssen einen Weg finden, um das ungeschehen zu machen, was sie getan hat.�</p><p>Madeline zerkn�llte ihre Sch�rze zwischen ihren H�nden mit den ger�teten Kn�cheln. �Wir haben hier kein Zimmer frei, Virgilia. Ich f�rchte, wir k�nnen dir gerade einen Strohsack im Haus eines ehemaligen Sklaven anbieten.�</p><p>�Reicht vollkommen�, sagte Virgilia. Sie strahlte eine forsche Herzlichkeit aus. Charles konnte die Wandlung nicht fassen.</p><p>�Bitte halte mich nicht f�r unh�flich�, Madeline r�usperte sich, �aber ich begreife es einfach nicht.�</p><p>Virgilia rettete sie vor dem peinlichen Schweigen. �Weshalb ich nach allem, was vor Jahren geschehen ist, hier bin? Sehr einfach. Fr�her waren mir die Gef�hle meiner Familie oder meines Bruders egal. Jetzt lege ich gro�en Wert darauf. Ich wei�, wie sehr George dich und Orry sch�tzt und wieviel ihm dieser Ort hier bedeutet. Meine fr�here Einstellung lie� nicht zu, da� ich die Zeit auf Mont Royal genie�en konnte. Ich will mich deswegen nicht entschuldigen. Ich glaube, meine Ansichten waren korrekt, aber das ist l�ngst Vergangenheit. Ich wei�, da� George dir finanziell helfen w�rde, wenn das die Angelegenheit zu deinen Gunsten regelte. Da dies nicht der Fall ist und er sich immer noch irgendwo auf dem Atlantik befindet, m�chte ich mich in irgendeiner anderen Weise n�tzlich machen. Ich habe viele meiner Meinungen ge�ndert, aber nicht meine Meinung �ber Ashton. Ich hatte von ihr stets den Eindruck eines oberfl�chlichen, geh�ssigen Wesens. Vor allem den schwarzen M�nnern und Frauen, die ihrem Vater geh�rten, trat sie sehr unfreundlich gegen�ber.�</p><p>�Sie hat sich nicht gro� ver�ndert�, sagte Charles. Er ri� ein Streichholz an und paffte an seiner Zigarre. �Aber ich f�rchte, es ist verdammt egal, was wir denken. Die Plantage geh�rt ihr. Am Freitag m�ssen wir hier raus, sonst hetzt sie uns das Gesetz auf den Hals.�</p><p>Virgilias alte K�mpfernatur machte sich bemerkbar. �Das ist eine def�tistische Haltung.�</p><p>�Nun, wenn du eine Grundlage f�r eine andere Haltung wei�t, dann sag sie mir�, schnarrte er.</p><p>Madeline fl�sterte: �Charles.�</p><p>Virgilias sanfte Handbewegung besagte, da� sie sich nicht gekr�nkt f�hlte. Willa meinte: �Es ist noch ein Schluck Bordeaux da. Vielleicht m�chte unser Gast ein Glas, w�hrend ich das Abendessen richte.�</p><p>Niemand schien zu wissen, was er sagen sollte. Das unbehagliche Schweigen hielt an, bis Charles hinausging. Sie h�rten ihn drau�en nach seinem Sohn rufen.</p><p>Virgilia bat Charles am Donnerstag mit ihr einen Spaziergang zum Flu� hinunter zu machen. Es war ein tr�ber Tag ohne Sonne. Charles wollte nicht gehen, aber Willa dr�ngte ihn.</p><p>Die S�gem�hle hatte die Arbeit am Dienstag eingestellt. Die Angestellten warteten auf die Befehle der neuen Besitzerin. Neben dem glatten, friedlichen Ashley schlenderte Virgilia zwischen St��en frischgeschnittenen Zypressenholzes dahin.</p><p>�Charles, ich wei�, da� ich viele Jahre lang mit den Mains nicht gut ausgekommen bin, und das aus gutem Grund. Ich hoffe, du glaubst, da� ich mich ver�ndert habe.�</p><p>Die H�nde in die H�ften gestemmt, schaute er �ber den Flu�. Er zuckte mit den Schultern, um anzudeuten, da� es immerhin m�glich w�re, mehr nicht.</p><p>�Also gut. Glaubst du, wir k�nnten eine Allianz eingehen?�</p><p>Er musterte sie. �Wir geben ein ziemlich ungleiches P�rchen ab.�</p><p>�Zugegeben.�</p><p>�Was f�r eine Art Allianz?�</p><p>�Eine Allianz mit dem Ziel, diese b�sartige Frau zu besiegen.�</p><p>�Es gibt keine M�glichkeit.�</p><p>�Ich weigere mich, das zu glauben, Charles.�</p><p>Pl�tzlich lachte er und entspannte sich. �Vor Jahren habe ich eine Menge Geschichten geh�rt, Miss Hazard.�</p><p>Sie ber�hrte ihn am �rmel. Er bemerkte ihre von der Arbeit rauhe Hand. �Virgilia�, sagte sie.</p><p>�Also gut, Virgilia. Wenn man die Geh�ssigkeit in diesen Geschichten unber�cksichtigt l��t, dann trifft der Rest, glaub' ich, zu. Du bist ungef�hr so z�h wie einer meiner Kavallerieser-geants.� Hastig f�gte er hinzu: �Das ist als Kompliment gemeint.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie mit schiefem L�cheln. Sie dachte kurz nach. �Uns bleiben vierundzwanzig Stunden.�</p><p>�Ich denke, ich k�nnte sie erschie�en, aber ich will nicht ins Gef�ngnis, und eine echte L�sung w�re es auch nicht. Die Plantage w�rde in den Besitz dieses Pianoh�ndlers �bergehen, den sie sich anscheinend geangelt hat.� Er seufzte. �Ich wollte, ich k�nnte den Kalender eine Woche zur�ckstellen. Vor dem Verkauf h�tte ich sie vielleicht noch abschrecken k�nnen. Im Indianerterritorium hatte ich einen Partner, der mir beibrachte, da� Angst eine m�chtige Waffe ist.�</p><p>Virgilias Interesse war geweckt. �Warte. Vielleicht bist du da auf was gesto�en. Erz�hl mir von deinem Partner.�</p><p>Er beschrieb Holzfu� Jackson und einige ihrer Erlebnisse. Dann fiel ihm der Vorfall mit den Spuren der falschen Schleppstangen ein, und er erz�hlte auch davon.</p><p>�Holzfu� meinte, Angst sei so m�chtig, da� sie einen dazu bringen k�nnte, das zu sehen, was man erwartete, anstatt das, was wirklich da ist. Ich war der beste Beweis daf�r. Ich erkannte ein ganzes Dorf in diesen Spuren.� Wieder zuckte er die Achseln. Aus dieser Geschichte lie�en sich keine praktischen Schl�sse ziehen.</p><p>�berraschenderweise schien Virgilia leicht erregt zu sein. Am Ende des Piers wirbelte sie herum. �Was du erwartest, anstatt das, was wirklich ist - ich finde das sehr aufregend, Charles. Und jetzt erz�hl mir von Ashton. Nat�rlich hast du sie �fter gesehen.�</p><p>Er nickte. �Sie ist �lter geworden, wie wir alle. Kleidet sich immer noch wie ein Paradiesvogel. Ich wei� nicht, wie das Leben in Chicago aussieht, aber sie mu� sehr auf sich achten. Sie ist immer noch eine Sch�nheit. Da hat sich nichts ge�ndert.�</p><p>Virgilia starrte ihn mit einer Intensit�t an, die ihn verwirrte. Sie packte seinen Arm. �F�hrst du heute nachmittag mit mir nach Charleston? Ich mu� einen Apotheker finden.�</p><p>Er war erstaunt, stellte aber aus H�flichkeit keine Fragen. Eine halbe Stunde sp�ter, als er mit Willa allein war, sagte er: �Mein Gott, sie hat mich zum Narren gehalten. Sie sagte, sie sei hier, um uns zu helfen, statt dessen m�ssen wir f�r sie einen Apotheker auftreiben. Wahrscheinlich hat sie irgendwelche Frauenbeschwerden. Ich glaube, sie ist so verr�ckt wie eh und je.�</p><p>Auf der Fahrt nach Charleston erkl�rte Virgilia, was sie von dem Apotheker wollte und wozu sie es wollte. Zuerst war Charles sprachlos. Dann ging seine Verzweiflung langsam in Skepsis �ber und dann in eine fast euphorische Hoffnung. Der ganze Einsatz auf einen W�rfel.</p><p>�Es k�nnte funktionieren�, sagte er, als sie aus der Apotheke herauskam.</p><p>�Die Wahrscheinlichkeit ist gro�, da� es nicht funktionieren wird�, sagte sie. �Deshalb d�rfen wir vorher niemandem etwas davon erz�hlen, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Warum l�chelst du?�</p><p>�Ich habe an meinen Partner Holzfu� gedacht. Dein Mumm w�rde ihm gefallen.�</p><p>�Danke. Hoffentlich ist das alles nicht zur Zeitverschwendung.�</p><p>Sie zupfte ihren Rock �ber ihren Beinen zurecht und umklammerte den Beutel mit ihrem Einkauf. Charles klatschte mit den Z�geln, und die Maultiere vor dem Wagen machten sich auf den Heimweg. Er hatte keinen Grund, die kleine Melodie zu pfeifen, aber er tat es trotzdem.</p><p>Der Landauer raste viel zu schnell den Weg hoch. Das Verdeck war hochgezogen, um Ashton und Favor Herrington vor dem Staub der schnellen Fahrt zu sch�tzen. Die beiden Schwarzen in Livree klammerten sich grinsend am Vordersitz fest; sie grinsten wie J�ger, die den Fuchs fast schon sicher hatten. Sie wu�ten nicht genau, was auf Mont Royal geschah, aber sie hatten schnell mitbekommen, da� die wei�e Frau so hoheitsvoll wie eine K�nigin und so rauh und hart wie ein General war. Sie arbeiteten gern f�r sie.</p><p>Hinter dem Landauer ratterte eine zweite, weniger pr�chtige Kutsche. Darin sa�en zwei Angestellte von Herrington und ein dickbackiger Gerichtsvollzieher, der bestochen worden war, damit er sie begleitete.</p><p>Als der Landauer stoppte, sp�rte Ashton, wie ihr Herzschlag schneller wurde. Sie hatte schlecht geschlafen und war noch im Dunkeln aus dem Bett gesprungen, um ihr Haar zu k�mmen und zu richten. Sie war so nerv�s wie eine Jungfrau im Brautbett; zumindest vermutete sie, da� sich Jungfrauen so f�hlten. Sie war schon seit vielen Jahren keine Jungfrau mehr, da� sie sich unm�glich an dieses Gef�hl erinnern konnte.</p><p>Diesmal hatte Herrington eine gro�e Reisetasche mitgebracht, deren Inhalt er emsig durchsuchte, w�hrend der Fahrer hinabsprang, um die T�r auf Ashtons Seite zu �ffnen. Gro�e, blitzende Sonnenlanzen stachen zwischen den gewaltigen Eichen hindurch; die Reste des Flu�nebels wurden weggebrannt. Es war halb zehn und versprach ein sengender Junitag zu werden.</p><p>Auf Ashtons Oberlippe gl�nzte der Schwei�. Ihre Augen blickten lebhaft, und trotz ihrer nervlichen Verfassung konnte sie ein L�cheln kaum unterdr�cken. Eine halbe Stunde hatte sie zur Auswahl ihres Kleides gebraucht und sich schlie�lich f�r ein St�ck entschieden, das bei Worth in Paris dreitausend Dollar gekostet hatte. Es war pinkfarben, dezent und elegant. Ihre Handschuhe und ihr kleiner Strohhut waren schwarz. Schwarz und Rosa machten ihr gepudertes Gesicht sehr anziehend.</p><p>Cousin Charles h�rte die Kutschen und kam in seiner l�ssigen Art um das Haus geschlendert. Er trug seine alten Kavalleriestiefel, ein Paar ehemals wei�e, im Laufe der Zeit gelb gewordene Leinenhosen und ein Hemd mit bis �ber die Ellenbogen hochgerollten �rmeln. Sein Haar war immer noch so lang wie das eines Zigeuners, und wie �blich steckte eine �belriechende Zigarre zwischen seinen Z�hnen. Cousin Charles war nicht mehr jung, doch Wind und Wetter hatten seine Haut gegerbt und lie�en ihn viel �lter aussehen. Ashton war stets der Meinung gewesen, da� er ein gutaussehender Mann war. Das w�re auch heute noch so gewesen, wenn er ihr nicht wegen seiner Familienbande verha�ter als eine Schlange gewesen w�re.</p><p>�Guten Morgen, mein lieber Charles�, zwitscherte sie. Er lehnte sich gegen einen der Balken des neuen Hauses und starrte sie an. W�ren seine Blicke N�gel gewesen, dann h�tte er sie damit an die Kutsche genagelt.</p><p>Unversch�mter Bastard, dachte sie. Herrington winkte seine Angestellten aus der zweiten Kutsche heran. Der Gerichtsvollzieher r�lpste und kratzte sich am Bauch. Er schlenderte zur Ecke des wei�get�nchten Hauses. Charles ri� sich die Zigarre aus dem Mund.</p><p>�He, Sie, Moment mal!�</p><p>Favor Herrington trat ihm in den Weg. �Dieser Gentleman kann gehen, wohin er will, Mr. Main. Er ist Gerichtsbeamter und vertritt die Eigent�merin. Wir haben ihn mitgebracht, um jeden �rger zu vermeiden. Uns ist durchaus klar, da� dies f�r Sie alle kein gl�cklicher Tag ist.�</p><p>Der Anwalt sonderte f�rmlich Mitgef�hl ab. Charles h�tte ihm die Faust ins Gesicht gesetzt, aber sie mu�ten einen gr��eren Fisch an den Haken kriegen. Niedergeschlagen sagte er: �Sie werden ihn nicht brauchen.�</p><p>�Gut. Sehr vern�nftig�, sagte Herrington und nickte dem Gerichtsvollzieher zu. Der dicke Mann zerrte an seiner Hose und verschwand aus ihrem Blickfeld.</p><p>Ashton schenkte ihrem Anwalt ein strahlendes L�cheln. �Nun, Favor, Sie wissen, was jetzt zu tun ist. Diese beiden Gentlemen werden jedes Heim auf der Plantage aufsuchen und den Niggern mitteilen, da� alle fr�heren Absprachen, was ihr Land betrifft, null und nichtig sind, falls sie keinen schriftlichen Beweis vorzeigen und die Vertragsbedingungen laut vorlesen k�nnen.�</p><p>Herrington nickte knapp. Zu seinen beiden blassen Schreiberlingen sagte er: �Ab sofort schuldet jeder Heimst�tter hier eine Monatsmiete von f�nfundzwanzig Dollar, zahlbar heute um f�nf Uhr f�r zwei Monate im voraus. K�nnen sie nicht zahlen, dann d�rfen sie einen dieser Arbeitsvertr�ge unterschreiben, die ich aufgesetzt habe. Oder sie k�nnen verschwinden. Ich werde mich euch gleich anschlie�en. An die Arbeit.�</p><p>Die Angestellten holten Handkoffer aus ihrer Kutsche. Ashton deutete auf die Stra�e, die zu den alten Sklavenquartieren f�hrte. �Ihr findet sie da unten verstreut.� Charles verschr�nkte die Arme; seine dunklen Wangen brannten.</p><p>�Und jetzt�, sagte Ashton, als die Angestellten davongeeilt waren, �zu den wichtigen Gesch�ften. Wo ist Madeline?�</p><p>�Vorne�, sagte Charles mit einer knappen Kopfbewegung.</p><p>�Danke, da� du so entgegenkommend warst�, sagte sie h�hnisch. Sie h�tte sein m�rrisches Verhalten als Tribut f�r ihren</p><p>Sieg werten sollen. Ungl�cklicherweise machte es sie jedoch w�tend. Sie konnte nicht denken, wenn sie w�tend war. Sie fa�te sich, so gut es ging, rauschte um das Haus herum und betrat den Rasen; beim Anblick der drei Frauen, die steif wie Bilder in einer Fotogalerie dasa�en, h�tte sie beinahe der Schlag getroffen. Eine dieser Frauen war Virgilia Hazard.</p><p>�Virgilia, ich bin fassungslos. Ich bin absolut fassungslos.�</p><p>�Hallo, Ashton.� Virgilia erhob sich. Sie war alt und schwer und wirkte in ihrem Kleid wie eine graue Maus. Ashton erinnerte sich an Virgilias fr�heres Benehmen. Ihre arroganten �u�erungen �ber Sitten und Gebr�uche der S�dstaaten. Ihre Lust auf schwarze M�nner. Diese Frau war ein einziger Schandfleck. Ashton h�tte ihr am liebsten ins Gesicht gespuckt, doch Mr. Herrington stand genau neben ihr. Er h�tte das nicht gebilligt.</p><p>�Welch zauberhafte �berraschung�, sagte Ashton. �War dein Bruder zu besch�ftigt, um ebenfalls zu kommen? Hat er dich heruntergeschickt, damit du f�r ihn die H�nde ringst?�</p><p>Charles' Begleiterin, dieser kleine blonde Tramp, warf ihr einen w�tenden Blick zu. Madeline schaute lediglich verzweifelt drein. Virgilia sagte: �Ich bedaure, da� George sich in Europa befindet.�</p><p>Ashton spitzte die Lippen. �Oh, welch ein Jammer.�</p><p>�Um Himmels willen!� rief Madeline. �Beladen wir den Wagen, und verschwinden wir von hier.�</p><p>�Einen Moment�, sagte Virgilia. �Charles und ich m�chten Ashton vertraulich noch etwas sagen.�</p><p>Das �berraschte die Besucher. Ashton sah, da� unten an dem zerst�rten Dock Charles' h��licher kleiner Junge wieder hinter den G�nsen herjagte. Sie studierte Virgilia, versuchte in ihrem</p><p>Gesicht irgendeine verborgene Absicht zu entdecken. Sie konnte nichts finden.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, da� wir irgend etwas Wesentliches zu besprechen h�tten�, sagte sie. �Mont Royal geh�rt mir, und dabei bleibt's.�</p><p>�Ja, das stimmt. Trotzdem w�rden wir gern mit dir sprechen.�</p><p>Ashton neigte den Kopf und blinzelte. �Was meinen Sie, Fa-vor?�</p><p>�Ich sehe keinen Sinn darin, aber schaden kann es auch nicht.�</p><p>�Also gut.�</p><p>�W�hrend Sie besch�ftigt sind, k�mmere ich mich um meine Angestellten, wenn Sie nichts dagegen haben.�</p><p>�Ja, machen Sie nur�, zwitscherte Ashton. Charles warf Willa einen schnellen Blick zu, eine Art verschw�rerisches Signal. Weder Ashton noch ihr Anwalt achteten darauf.</p><p>Virgilia raffte ihren grauen Rock mit der linken Hand zusammen. �Gehen wir hinein. Es wird nur einen Augenblick dauern.�</p><p>Ashtons Triumphgef�hl trieb sie voran. Sie konnte es sich leisten, diesen geschlagenen K�tern gegen�ber gro�z�gig zu sein. Sie l�chelte strahlend, als sie sich ohne Entschuldigung vor Virgilia in das billige kleine Zimmer dr�ngte, das Madeline als Salon gedient hatte.</p><p>Alles war gepackt und t�rmte sich neben der T�r; lediglich auf einem Bord stand ein kleines Apothekerfl�schchen aus dunklem, bernsteinfarbenem Glas. Schwaches Licht fiel durch den Fenstervorhang. Charles folgte den Frauen hinein. Er schlo� die T�r und lehnte sich mit verschr�nkten Armen dagegen. Seine Zigarre war erloschen, stank aber immer noch.</p><p>Ashtons L�cheln zitterte und schwand dahin; obwohl diese Menschen sie in keiner Weise mehr bedrohen konnten, war sie nerv�s. Sie r�usperte sich und sagte zu Virgilia, auf den Ring an ihrer Hand deutend: �Meine Liebe, ist das ein Verlobungsring?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sehr h�bsch. Gratuliere. Ich w�rde den Gentleman gern kennenlernen.� Ihr Tonfall versuchte auszudr�cken: Ich w�rde den Mann gern kennenlernen, der verzweifelt genug ist, eine Kuh wie dich zu heiraten.</p><p>Virgilia schien es zu sp�ren. �Das glaube ich nicht. Er ist ein Farbiger.�</p><p>Das warf Ashton beinahe um. Selbst Charles schaute wie vom Donner ger�hrt drein. �rger �ber diese merkw�rdige Konfrontation in diesem dunklen, kahlen Zimmer stieg in Ashton auf. �Nun, das ist mal eine Neuigkeit. Ich frage mich, ob wir das nun hinter uns bringen k�nnten, was immer es auch sein mag.�</p><p>�Sofort�, sagte Virgilia. �Charles und ich m�chten, da� du etwas unterschreibst, das ist alles.�</p><p>Ashton kicherte. �Unterschreiben? Meine G�te, wovon sprichst du?�</p><p>Virgilia griff nach dem Beutel, der auf einer Lattenkiste lag. Ihm entnahm sie ein einziges, zweifach gefaltetes Blatt Papier. Sie entfaltete es. �Das hier. In einer dieser Schachteln ist eine Feder. Es wird nur einen Moment dauern.�</p><p>�Was soll das? Wovon zum Teufel sprichst du?� Sie war w�tend �ber den Mummenschanz.</p><p>�Ein ganz schlichtes, legales Dokument�, sagte Virgilia. �Eine �bertragung des Besitzes von Mont Royal auf Hazards in Pennsylvania, f�r einen Dollar und weitere Gegenleistungen.�</p><p>Das wirkte noch schockierender als die Nachricht von Virgi-lias Verlobung. Ashton ri� Mund und Augen auf. Sie starrte sie fassungslos an, als w�ren sie verr�ckt. Sie gab jeden Schein von H�flichkeit auf.</p><p>�Du Yankee-Mistst�ck. Du fette Hure. Wof�r h�ltst du dich? Bist du besoffen?�</p><p>�Ich w�rde vorschlagen, du beruhigst dich�, sagte Charles.</p><p>�Du h�ltst dein Maul, du gottverdammter Taugenichts. Ihr seid beide reif f�rs Narrenhaus. Es gibt nichts auf Gottes Erde, das mich bewegen k�nnte, dieses Papier zu unterzeichnen. Ihr seid Narren, wenn ihr das auch nur eine Sekunde lang geglaubt habt.�</p><p>�Vielleicht kann das deine Meinung ein bi�chen beeinflussen�, sagte Virgilia. Von dem Bord nahm sie die bernsteinfarbene Flasche. Sie zeigte sie und holte den St�psel heraus.</p><p>Ashton kreischte schrill auf. �Oh, was bist du doch f�r eine N�rrin - eine Idiotin! Ich habe dich schon immer f�r verr�ckt gehalten, jetzt bin ich mir sicher. Verschwinde, ich will dich nicht mehr sehen. Charles, mach die T�r auf.�</p><p>Sie st�rmte auf ihn zu, blieb dann abrupt stehen, als er, immer noch mit verschr�nkten Armen, nicht von der Stelle wich. Er erschreckte sie.</p><p>�Glaubst du�, Ashtons Stimme bebte ein bi�chen, �glaubst du vielleicht, irgendein sch�biges kleines Geschenk k�nnte mich in irgendeiner Form beeinflussen? Mont Royal geh�rt mir, und ich werde es behalten.�</p><p>�Geschenk?� wiederholte Virgilia mit einem leicht verwirrten L�cheln. Das L�cheln verschwand wie weggewischt. �F�r so was wie dich?� Ashton sp�rte, wie es ihr kalt �ber den R�cken lief. Was in Gottes Namen hatten sie vor? �Bleib stehen, Charles. La� sie nicht raus.�</p><p>Ashtons wogender Busen verriet ihre Erregung. Sie schien ein St�ckchen kleiner zu werden. Sie stemmte ihre H�nde in den schwarzen Handschuhen in die H�ften. �Was geht hier vor? Was ist in dieser Flasche?�</p><p>Virgilia schwenkte den St�psel. �Das ist was f�r dein Gesicht, allerdings kein Parf�m.� Sie hielt die Flasche in die H�he. �Vitriol.�</p><p>Charles sagte: �Schweflige S�ure.�</p><p>Ashton schrie auf.</p><p>Virgilia st�rte das nicht. �Nur zu, schrei ruhig. Dein schw�chlicher Anwalt ist zu seinen Helfern gegangen. Ansonsten h�tte Willa ihn weggelockt. F�r dieses Gespr�ch hier wirst du keinen Zeugen haben.�</p><p>Zitternd hielt Ashton still. Aus den Augenwinkeln sch�tzte sie die Entfernung zu Charles ein. Eine Fliege summte an Virgilias Stirn vorbei. Ashton ballte die F�uste und schrie: <emphasis>�Favor!�</emphasis></p><p>Schweigen. Virgilia l�chelte vertr�umt. �Meine Liebe, es hat keinen Sinn. Selbst wenn er direkt vor der T�r stehen und sie aufbrechen w�rde, h�tte ich noch gen�gend Zeit, dir das hier ins Gesicht zu sch�tten.� Ihr L�cheln verst�rkte sich. �Du wei�t, da� ich nicht z�gern w�rde. Ich bin eine Yankee, und ich hasse dich und deine Sorte. Also w�rde ich vorschlagen, du unterschreibst. In der Schachtel rechts neben dir befindet sich eine alte Feder und etwas Tinte.�</p><p>�Ein solches Papier - taugt nichts�, tobte Ashton. �Ich kann damit vor Gericht gehen. Ich kann <emphasis>euch</emphasis> vor Gericht bringen. Ich mu� nur sagen, ihr habt mich gezwungen.�</p><p>�Wo ist denn hier ein Zwang�, sagte Charles sanft. �Ich bin Zeuge. Wir k�nnen zu zweit bezeugen, da� du freiwillig unterzeichnet hast. Wo sind deine Zeugen, die das Gegenteil behaupten k�nnten?�</p><p>�Verdammt sollst du sein. Verdammt sollst du sein!�</p><p>�Ashton, du verschwendest lediglich deine Energie�, sagte Virgilia. �Dieses Papier ist vollkommen legal, und es wird auch legal sein, nachdem du es unterschrieben hast. Wir k�nnen die besten Anw�lte der Nation engagieren, um das zu beweisen. So viele Anw�lte wie n�tig sind. Mein Bruder George kann sich das und noch eine ganze Menge mehr leisten. Also sei vern�nftig. Unterschreib.�</p><p>Wieder kreischte Ashton auf.</p><p>Virgilia seufzte. �Charles, ich f�rchte, wir haben uns get�uscht. Ihr Aussehen ist ihr nicht mehr so wichtig.�</p><p>�Du meinst, ihr Gesicht?�</p><p>�Ja, ihr Gesicht.�</p><p>Virgilia ging auf Ashton zu, in der ausgestreckten Hand die offene, bernsteinfarbene Flasche. Ashton pre�te ihre H�nde gegen ihre Schl�fen und schrie volle f�nf Sekunden lang. Dann sank sie auf die Knie, begann in der Schachtel zu w�hlen. �Ich unterschreibe. Tut meinem Gesicht nichts. Ich werde unterschreiben. Hier, ich unterschreibe ja schon.�</p><p>Sie kippte das Tintengl�schen um, als sie die Feder eintauchte. Gro�e schwarze Flecken breiteten sich auf ihrem pinkfarbenen Kleid von Worth's aus. Tintentropfen fielen wie schwarze Tr�nen auf den Rand des Papiers, das zu lesen sie sich gar nicht erst die M�he machte. Sie legte das Papier auf einen B�cherstapel und setzte dann ihren Namen darunter.</p><p>�Da, gottverdammt noch mal. Da.� Tr�nen str�mten �ber ihr Gesicht. Ihre Hand zitterte deutlich sichtbar, als sie Virgilia das Papier entgegenstreckte.</p><p>Virgilia nahm es und studierte die Unterschrift. Ashton taumelte schwankend auf die F��e; sie war bleich und atmete schwer. Sie lie� die Feder fallen, die einen weiteren Fleck auf ihrem Kleid hinterlie�.</p><p>Virgilia nickte und faltete das Papier zusammen. �Ich danke dir, Ashton.� Sie sch�ttete Ashton den Inhalt des Fl�schchens ins Gesicht.</p><p>Ashton schwankte und fuhr sich mit den Fingern�geln �ber die Wangen, wie eine Harpyie kreischend. �Du Yankee-H�ndin!� Ihre N�gel rissen blutige Spuren in ihr Gesicht. �Du hast mich verunstaltet!�</p><p>�Mit etwas Quellwasser? Das glaub' ich kaum. La� sie hinaus, Charles.�</p><p>Er trat beiseite und �ffnete die T�r. Sonnenlicht str�mte herein. Drau�en sah er Madeline und Willa, deren �ngstliche Blicke auf die T�r gerichtet waren. Ein St�ck weiter stand Gus und zeigte dem dicken Gerichtsvollzieher etwas auf dem Flu�.</p><p>�Auf Wiedersehen, Ashton�, sagte er.</p><p>Kreischend lief sie an ihm vorbei.</p><p>Der Landauer raste den Weg noch schneller hinab, als er hochgekommen war. Die Angestellten und Favor Herrington, Es-quire, tauchten eine Stunde sp�ter auf. Der Gerichtsvollzieher war bereits mit der anderen Kutsche abgefahren. Der verwirrte Anwalt und seine Angestellten mu�ten zu Fu� nach Charleston laufen.</p><p>1869</p><p>Union Pacific und Central Pacific treffen sich in Utah, schaffen die transkontinentale Eisenbahnlinie.</p><p>Samuel Clemens bringt einen Bestseller heraus,</p><p><emphasis>Innocents Abroad.</emphasis></p><p>Jay Gould und Jim Fisk manipulieren Goldmarkt am &gt;Schwarzen Freitag&lt;; Tausende von kleinen Investoren ruiniert.</p><p>John D. Rockefeller organisiert Standard Oil of Ohio.</p><p>Kongre� billigt erste Gesetzesvorlage zur Garantierung der B�rgerrechte, stoppt den Anti-Neger-Terror im S�den.</p><p>Washington bekommt seinen ersten schwarzen Senator, Hiram Revels aus Mississippi, und seinen ersten schwarzen Abgeordneten, Joseph Rainey aus South Carolina.</p><p>1871</p><p>Professionelle Baseballspieler gr�nden die National-League.</p><p>Feuer in Chicago: 300 Tote, 17.000 zerst�rte Geb�ude.</p><p>Anklageschrift gegen William &gt;Boss&lt; Tweed, der New York City um Millionenbetr�ge geprellt haben soll, zur�ckgewiesen.</p><p>1872</p><p>Abtr�nnige, mit Grant unzufriedene Republikaner, nominieren den Kreuzzugsjournalisten Horace Greeley;</p><p>Vizepr�sident Schuyler Colfax der Bestechung durch Union Pacific's Credit-Mobilier-Baufirma beschuldigt.</p><p>Kongre� verweigert Gelder f�r das B�ro f�r befreite Negersklaven; B�ro schlie�t.</p><p>Pr�sidentenproklamation genehmigt Jahrhundertausstellung f�r</p><p>1876.</p><p>Weiterhin Ger�chte �ber Korruption in der Grant-Regierung.</p><p>Zusammenbruch des Bankhauses von Jay Cooke l�st Panik aus, die zu Drei-Jahres-Depression f�hrt.</p><p>1874</p><p>Eads' Bridge, der Welt gr��te Br�cke, �berspannt den Mississippi bei St. Louis.</p><p>General Custer best�tigt Goldfunde im Dakota-Territorium.</p><p>Cartoonist Thomas Nast zeichnet die Republikaner als Elefanten.</p><p>1875</p><p>Illegaler Sturm der Goldsucher auf das Sioux-Land in den Black</p><p>Hills.</p><p>Grants Sekret�r Babcock mit &gt;Whisky-Ring&lt; zur Hinterziehung von Alkoholsteuern in Verbindung gebracht.</p><p>Als Gegenleistung f�r Bestechungsgelder gesteht Kriegsminister W.W. Belknap Armeehandelsposten Lizenzen zu.</p><p>DIE INTERNATIONALE</p><p>JAHRHUNDERTAUSSTELLUNG IN PHILADELPHIA</p><p>EIN BLICK AUF FAIRMOUNT PARK - DIE GEB�UDE UND IHRE UMGEBUNG - SECHZIG ACRES �BERDACHT - DIE TROPH�EN DER WELT LIEGEN AMERIKA ZU F�SSEN - WAS ES ZU SEHEN GIBT UND WIE MAN ES</p><p>SEHEN MUSS:</p><p>Das gr��te Spektakel, das wir auf diesem Kontinent je erlebt haben - und das sich wahrscheinlich zu unseren Lebzeiten nicht wiederholen wird -, beginnt in Philadelphia und wird sechs Monate dauern. Der hundertste Geburtstag der Nation wird untrennbar verbunden bleiben mit unverge�lichen Erinnerungen an die besten Produkte eines jeden Industriezweigs sowie kunstgewerblicher ...</p><p>Charleston <emphasis>News and Courier</emphasis> 10. Mai 1876</p></section><section><title><p id="bookmark90"><strong>70</strong></p></title><p><emphasis>�Meine Damen und Herren, der Pr�sident der Vereinigten Staaten.�</emphasis></p><p>Am Morgen hatte es noch geregnet, jetzt k�mpfte sich die Sonne durch die Wolken. Sonderz�ge aus der Innenstadt von Philadelphia fuhren nacheinander auf den neuen Pennsylvania-Bahnsteigen ein und entlie�en ihre Menschenmassen.</p><p><emphasis>�Mitb�rger. Man hat es f�r angebracht gehalten, anl��lich dieses Jahrhundertereignisses unsere Fertigkeiten auf industriellem und k�nstlerischem Sektor der �ffentlichkeit in Philadelphia darzubieten.�</emphasis></p><p>Von neun Uhr an str�mten Besucher mit Regenschirmen durch die Haupttore. Sie fanden imposante Geb�ude vor - Maschinenhalle und Haupthalle Seite an Seite - und jenseits davon Avenue und Wege, Springbrunnen und Monumente, wundersch�n und kolossal. Es gab Hallen f�r Agrikultur und Gartenbau; eine Halle f�r die US-Regierung und Hallen, in denen ausschlie�lich die k�nstlerischen Arbeiten und h�uslichen Aktivit�ten von Frauen zu bewundern waren. Man konnte Zeltlager von Beduinen und Armeeposten besichtigen. Es gab Blumenbeete und spiegelnde Teiche. Es gab Statuen, die Kolumbus repr�sentierten, die religi�se Freiheit und Moses, der Wasser aus Felsen schlug. Dazu gab es viele Popcorn-St�nde und Restaurants - aus Frankreich, Deutschland, Japan, Tunesien und noch viele mehr.</p><p><emphasis>�Um so besser m�gen wir die hervorragenden Eigenschaften unserer Errungenschaften einzusch�tzen lernen; besonders hervorheben wollen wir unseren ernsthaften Wunsch, die Freundschaft zu den anderen Mitgliedern dieser gro�en Familie von Nationen zu kultivieren ...�</emphasis></p><p>Viertausend Menschen f�llten schnell die Sondertrib�nen vor der Memorial Hall, aus Granit erbaut und mit einer gro�en Glaskuppel �berdacht. In ihrem Inneren gab es dreitausendzweihundert Gem�lde, mehr als sechshundert Skulpturen und in einem getrennten Geb�ude etwas vollkommen Neues zu sehen: eine Ausstellung von mehr als zweitausendachthundert Fotos.</p><p>�... <emphasis>die modernen Menschen dieser Welt, die sich mit Agrikultur, Handel und industrieller Produktion besch�ftigen, sind eingeladen worden, hier Zeugnis von ihren F�higkeiten abzulegen ...�</emphasis></p><p>Ein Symphonieorchester spielte die Hymnen der sechzehn hier vertretenen Nationen. Da das Gastland keine offizielle Nationalhymne besa�, spielte das Orchester &gt;Hail, Columbia&lt;.</p><p><emphasis>�Auf unsere Einladung erfolgte ein vielf�ltiges Echo.�</emphasis></p><p>Trommeln und Kornetts k�ndigten um zehn Uhr drei�ig den Pr�sidenten mit Gattin und Kaiser Dom Pedro II. und Kaiserin Teresa von Brasilien an. Nie zuvor hatte ein regierender Monarch die Vereinigten Staaten besucht. Eine gewaltige Milit�reskorte aus Soldaten und Matrosen begleitete sie zur Plattform.</p><p><emphasis>�Die Leiter dieser Ausstellung �berlassen es Ihnen heute, die Sch�nheit und N�tzlichkeit dieser Beitr�ge selbst zu beurteilen.�</emphasis></p><p>Das Orchester spielte den &gt;Inaugurationsmarsch zur Jahrhun-dertfeier&lt;, ein neues, von Wagner komponiertes St�ck. Nach einem Gebet, einer Hymne, einer Kantate und der Pr�sentation der Geb�ude sprach der Pr�sident:</p><p><emphasis>�Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben, und bedauern gleichzeitig, nicht mehr geleistet zu haben.�</emphasis></p><p>Grant beendete seine Rede um zw�lf. Begleitet von einer Orgel, sang ein achthundert Personen umfassender Chor H�ndels &gt;Halleluja-Chor&lt;. Glocken begannen zu l�uten. Von einem H�gel oberhalb von Fairmount Park feuerte eine Artillerieeinheit einen hundertsch�ssigen Salut ab.</p><p><emphasis>�Und jetzt, liebe Mitb�rger, hoffe ich, da� eine sorgf�ltige Begutachtung der Ausstellungsst�cke bei Ihnen nicht nur einen umfassenden Respekt f�r das K�nnen und den Geschmack unserer Freunde aus anderen Nationen erzeugen wird...�</emphasis></p><p>Marshalls ordneten die W�rdentr�ger der Vereinigten Staaten und diejenigen aus dem Ausland zu einer langen Prozession, die sich entlang der Gehwege auf die Maschinenhalle zubewegte.</p><p>�. <emphasis>sondern Sie auch zufriedenstellen wird, was die Errungenschaft unseres eigenen Volkes w�hrend der vergangenen hundert Jahre anbelangt.�</emphasis></p><p>In der Halle kletterten Pr�sident Grant und Kaiser Dom Pedro die Eisenstufen zu dem zweizylindrigen Wunder und Glanzst�ck der Ausstellung hoch, der Jahrhundertmaschine. Zwanzig in einem anderen Geb�ude untergebrachte Dampfkessel trieben das sechsundf�nfzig Tonnen schwere Schwungrad der 1.400 PS starken Maschine. George Corliss f�hrte eine der beiden silberbeschlagenen Kurbeln vor, mit denen sich die Maschine starten lie�. Unten starrte George Hazard inmitten der anderen Bevollm�chtigten sprachlos die Mammutmaschine an. Er war dankbar, ersch�pft, kam sich verloren vor in der gewaltigen Menschenmenge. Er konnte einfach nicht glauben, da� nach so vielen Monaten des Kampfes und der Zweifel der Moment doch noch gekommen war. Dom Pedro drehte an seiner Kurbel. Pr�sident Grant drehte seine. Die gro�en Pleuel begannen auf und ab zu stampfen. Dann stieg um George herum ein wortloses Seufzen wie ein rauschender Wind auf, und dann h�rte er all die anderen Menschen in der Halle. Drehend, knirschend, stampfend - alle angetrieben von der Corliss-Maschine, ein Musterbeispiel f�r die industrielle Macht der Vereinigten Staaten.</p><p><emphasis>�Ich erkl�re die internationale Ausstellung f�r er�ffnet.�</emphasis></p><p>George schrieb:</p><p><emphasis>Bitte sei mein Gast f�r ein Familientreffen der Mains und Hazards bei der Ausstellung zur Hundertjahrfeier in Philadelphia. Es wird mir eine Ehre sein, f�r s�mtliche Reisekosten sowie f�r Kost und Logis aufzukommen. Beginn Samstag, den 1. Juli.</emphasis></p><p>�Als ich Los Angeles vor drei Jahren zum erstenmal sah�, sagte Billy, �war nicht viel dran. Nur ungepflasterte Stra�en und ein paar alte Lehmh�user. Jetzt rei�en wir das alles ab und bauen Hotels, Warenlager, Kirchen. Die Stadt wird einen gewaltigen Aufschwung nehmen. Bald werden wir sechzigtausend statt sechstausend Einwohner haben. Ich habe die Zukunft meiner Familie darauf gebaut.�</p><p>Sein Gespr�chspartner, ein Pfarrer der Unitarier, hielt seinen Hut fest, damit ihn die Seebrise nicht davontrug. Der kleine Ausflugsdampfer hatte gerade vom Pier von Santa Monica abgelegt und fuhr nun die K�ste hoch auf Santa Barbara zu. Es war ein herrlicher Morgen; auf den Wogen des Pazifiks zeigten sich einige kleine, wei�e Schaumkronen.</p><p>�Sie sind Bauingenieur, sagten Sie.�</p><p>�Von der Ausbildung her.� Billy war jetzt einundvierzig, und je gewichtiger er wurde, desto st�rker �hnelte er seinem Bruder George. Sein Backenbart war mit Grau durchsetzt. Er trug einen teuren Anzug. �Eigentlich verbringe ich mehr Zeit mit der Entwicklung und dem Verkauf von Baupl�tzen.�</p><p>�Schon viele Kunden?�</p><p>�Nein, aber ich rechne mit der Zukunft.� Er lehnte sich an die Reling; Enthusiasmus blitzte in seinen Augen. �Die Transkontinentalverbindung brachte uns letztes Jahr siebzigtausend Besucher und Neuank�mmlinge. Und das ist erst der Anfang. Wir haben alles, verstehen Sie. Platz f�r neue St�dte. Herrliche Landschaft. Gesunde Luft. Ein angenehmes Klima. Ich bin in Pennsylvania aufgewachsen. Manchmal tr�ume ich vom Schnee, aber vermissen tue ich ihn nicht.�</p><p>Brett, mittlerweile etwas kr�ftiger geworden, kam mit ihrem J�ngsten, dem zweij�hrigen Alfred, an der Hand �ber das Deck. Billy stellte Brett dem Geistlichen vor, der sich erkundigte: �Ist dieser h�bsche Bursche Ihr einziges Kind?�</p><p>Sie lachte. �Oh nein. Wir haben vier M�dchen und noch zwei Jungs. Unser �ltester Sohn ist elf. Er pa�t auf die anderen in unseren Kabinen auf.�</p><p>�Und Sie fahren alle mit dem Zug nach Philadelphia?� Der Geistliche war erstaunt.</p><p>�Ja�, sagte Billy. �Zuerst aber fahren wir die K�ste hoch und zeigen unseren Kindern alles. Wir haben eine dieser Concord-Kutschen ganz f�r uns allein, denke ich.�</p><p>�Sie m�ssen sehr gl�cklich sein, wieder einmal in die Heimat zu kommen�, sagte der Pfarrer.</p><p>Billy l�chelte. �Ich freue mich, nach all den Jahren meine Familie wiederzusehen. Aber unsere Heimat ist Kalifornien.�</p><p>Brett schob ihren Arm unter den seinen und folgte seinem Blick, vorbei an dem Pier und dem Ufer hoch zu den bl�ulich schimmernden Bergen.</p><p>George las eine Weile im <emphasis>Scientific American.</emphasis> Er sa� in einem Pl�schsessel im Schreibzimmer des Pennsylvania Building mit Blick zur Fountain Avenue, einer der beiden Hauptpromenaden, die das Ausstellungsgel�nde kreuzten. Das Geb�ude, ein �berladener Bau in neogotischem Stil, war das Werk des jungen Schwarzmann, eines bayerischen Architekten, der auch noch einige andere Hauptgeb�ude entworfen hatte. Das Haus war nat�rlich das gr��te der vierundzwanzig von den einzelnen Staaten gef�rderten Geb�ude, da Philadelphia der offizielle Gastgeber war. Objektiv betrachtet wu�te George, da� es ein entsetzlicher Anblick war. Die Leute von Philadelphia bef�rchteten, es k�nnte auf Dauer im Fairmount Park stehenbleiben. Ber�cksichtigte man allerdings den gesamten Ausstellungsplan, dann konnte ein B�rger von Lehigh Station schon stolz darauf sein, und das war er auch. George war in diesem Jahr sehr besch�ftigt gewesen - sogar die letzten drei oder vier Jahre, was die Ausstellung anbelangte. Er war einer der sieben Vizepr�sidenten der privaten Kommission f�r die Hundertjahrfeier und Mitglied des Finanzausschusses. Er hatte geholfen, eine Million Dollar an Staatsmitteln aufzutreiben. Au�erdem hatte er sich sehr f�r die Franko-Amerikanische Union eingesetzt und geholfen, einen Teil von Bartholdis geplantem Monument auf das Ausstellungsgel�nde zu bringen. Die Statue selbst sollte auf Bedloe's Island im Hafen von New York errichtet werden, sollte sie je fertiggestellt werden. Wie George dem Journalisten Levie vorausgesagt hatte, war der Zeitgeist konservativ, und selbst ein direktes Geschenk der Franzosen wirkte verd�chtig.</p><p>George war erst vor kurzem von Cincinnati zur�ckgekehrt. Er hatte es zusammen mit seinem Freund Carl Schurz und �hnlich denkenden Republikanern geschafft, die Nominierung des Sprechers des Repr�sentantenhauses, James G. Blaine, zum Pr�sidentschaftskandidaten zu verhindern, der offensichtlich in irgendwelche Union-Pacific-Insider-Aktienschiebereien verwickelt war. Das letzte, was die Republikaner nach den Skandalen der Grant-Regierung brauchten, war ein Kandidat mit schmutziger Weste. George und seine Verb�ndeten hatten Gouverneur Rutherford B. Hayes aus Ohio dazu gebracht, die Standarte f�r die Partei zu tragen.</p><p>Die Worte im &gt;Scientific American&lt; verschwammen vor seinen Augen. Er h�rte Ger�usche aus dem Foyer. Das Ausstellungsst�ck des heutigen Tages war eine weitere Freiheitsglocke, diesmal aus Harrisburg, einen Meter hoch und vollkommen aus Zucker. Hinter der Glocke trat Stanley hervor.</p><p>In diesem Herbst w�rde sich Stanley ohne Gegenkandidat zur Wiederwahl als Repr�sentant der Vereinigten Staaten von Lehigh Station stellen. Es w�re seine dritte Amtsperiode. Stanley war jetzt sehr korpulent, doch eine Aura der Macht umgab ihn, wie es bei fast allen der Fall war, die nach Washington gingen. Sein frettchenhafter Sohn Laban, der Popcorn aus einem Beutel mampfte, begleitete ihn.</p><p>George legte die Zeitschrift beiseite und ging auf seinen Bruder zu, um ihm die Hand zu sch�tteln. Es war Freitag, der letzte Tag im Juni; die Uhr zeigte auf halb eins.</p><p>�Der Zug hatte Versp�tung�, sagte Stanley, ohne sich zu entschuldigen.</p><p>�Der Tisch ist reserviert�, sagte George. �Ich hab' dich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, Laban. Wie geht's dir?�</p><p>�Das Gesch�ft floriert�, sagte der junge Anwalt mit einem Grinsen.</p><p>Stanley strich sich �ber den Backenbart. �Wo essen wir?�</p><p>�Bei Lauber's�, sagte George, w�hrend sie hinausgingen und sich durch die Menge dr�ngten. Ganz links am Ende der Foun-tain Avenue pfiff ein Zug, der alle f�nf Minuten f�r f�nf Cent eine Besichtigungstour durch das Gel�nde machte.</p><p>George musterte die Menschenmenge voller Befriedigung. �Gestern hatten wir mehr als f�nfunddrei�igtausend zahlende Besucher.� Nach dem Andrang bei der Er�ffnung waren die Frequenzen auf ungef�hr zw�lftausend pro Tag zur�ckgegangen.</p><p>�Immer noch ein Verlustgesch�ft�, sagte Stanley.</p><p>Das stimmte. Die Bevollm�chtigten hatten ihren Kampf gegen die Geistlichen von Philadelphia verloren, die darauf be-harrten, da� religi�se Gef�hle verletzt w�rden, wenn die Ausstellung auch an Sonntagen offen w�re. Obwohl die meisten Amerikaner sechs Tage in der Woche arbeiteten, konnten sie die Ausstellung nicht an ihrem freien Tag besuchen.</p><p>�Nun, es g�be diese Ausstellung gar nicht, wenn das Haus nicht diese anderthalb Millionen bewilligt h�tte�, sagte George.</p><p>�Ich werde dir f�r deine Unterst�tzung in diesem Punkt stets dankbar sein.�</p><p>�Nicht der Rede wert�, sagte der Kongre�abgeordnete Hazard, der sich in letzter Zeit als das gab, was er war: ein �lterer Bruder. George l�chelte, aber Stanley bemerkte es nicht.</p><p>�Wann kommen die anderen an?� fragte Laban und warf seinen leeren Popcornbeutel auf den Boden.</p><p>�William und Patricia sind mit ihren Familien bereits da�, sagte George. �Wir treffen uns mit ihnen in dem deutschen Restaurant. Die n�chste Gruppe sollte heute abend eintreffen. Or-rys Cousin Charles hat den weiten Weg aus Texas gemacht.�</p><p>Zur gleichen Zeit sa�en Colonel Charles Main, seine Frau Willa und ihr zw�lfj�hriger Sohn Augustus in dem Zug von New York nach Philadelphia. &gt;Colonel&lt; war ein Ehrentitel, der Charles von seinen Nachbarn verliehen worden war, als diese merkten, da� er reich und damit bedeutend wurde.</p><p>Charles trug sein Haar immer noch lang; seine Kleidung entsprach dem, was er war, ein wohlhabender Rancher: handgefertigte Stiefel, ein cremewei�er Hut mit breiter Krempe und ein bauschiges Halstuch anstatt einer Krawatte. Einen halben Tagesritt westlich von Fort Worth besa� er f�nfundf�nfzigtausend Acres Land und arbeitete gerade daran, diese Fl�che zu verdoppeln. Jeden Sommer trieben seine Cowboys eine riesige Herde nach Kansas. Seine Ranch hie� Main Chance; sein Pferd Satan f�hrte dort ein bequemes Rentnerleben. Au�erdem geh�rten ihm mehrere gro�e H�userblocks in Fort Worth und das verschwenderische Parker-Opernhaus, das noch kein Jahr alt war.</p><p>W�hrend der Zug durch das Farmland von New Jersey schnaufte, las Charles mit Hilfe einer Brille in einem Buch. Sein Sohn, an dessen Wange immer noch eine lange, schmale Narbe zu sehen war, hatte sich zu einem ernsten, dunkel�ugigen Jungen entwickelt, der wie sein Vater gro� und muskul�s zu werden versprach. Willa liebte ihn wie ihr eigenes Kind; so sehr sie es sich auch w�nschte, es war ihr versagt geblieben, selbst Kinder zu bekommen.</p><p>Charles lachte ohne jede Herzlichkeit. Das Buch war vor zwei Jahren erschienen und trug den Titel &gt;Mein Leben in der Pr�rie&lt;.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� es ein lustiges Buch ist�, sagte Wil-la. Gus starrte aus dem ru�verschmierten Fenster.</p><p>�Ist es auch nicht�, sagte Charles. �Aber es ist verdammt clever gemacht. Ich meine, die Knochen sind da. Was fehlt, ist das Fleisch. Das blutige Fleisch. Eines der Cheyenne-Kinder, die wir t�teten, bezeichnet Custer beispielsweise als &gt;dunklen kleinen H�uptling&lt; und &gt;tapferen K�mpfer&lt;.� Er legte sein Lesezeichen hinein und klappte das Buch zu. �Er hat blumige Phrasen wie Desinfektionsmittel dar�bergegossen. Es war ein Massaker.�</p><p>�Was der Beliebtheit des Buches keinen Abbruch getan zu haben scheint.�</p><p>�Auch nicht der Reputation des Generals�, sagte Charles voller Abscheu.</p><p>Georges Sohn William III. und dessen Frau Polly gingen knapp vor George und Stanley die Stufen zu &gt;Lauber's Restaurant&lt; hinauf. William war in braves Methodistenschwarz gekleidet. Er war jetzt siebenundzwanzig und im dritten Jahr seines Pastorats in einer kleinen Kirche in der Stadt Xenia, Ohio. Obwohl Constance ihn im r�misch-katholischen Glauben erzogen hatte, war er Methodist geworden; Polly Wharton, deren Vater ein Methodistenbischof war, hatte ihn nicht nur zum Ehemann erkoren, sondern auch zu ihrem Glauben bekehrt. Sie hatte als Lehrerin ihren gemeinsamen Lebensunterhalt verdient, w�hrend er das Seminar besuchte.</p><p>Sie hatten keine Kinder; das machten allerdings die drei Kinder von Patricia, die alle noch keine sechs Jahre alt waren, mit ihrem L�rm mehr als wett. Patricia lebte in Titusville, ihr Ehemann, Fremont Nevin, gab den &gt;Titusville Independent&lt; heraus. George mochte den hochgewachsenen, nachdenklichen Emigranten aus Texas, auch wenn dieser Demokrat war. Die Kinder hie�en Constance Anne, Fremont Junior und George Hazard Nevin. Der kleine George Hazard, der zwischen den Bohrt�rmen von Titusville aufwuchs, sagte jetzt schon, da� er mal ein �lmann werden wollte.</p><p>�Was ist mit Gro�vater Flynn, Papa?� fragte Patricia, nachdem sie alle sa�en.</p><p>�Er hat eine sehr nette Gru�botschaft geschickt, nachdem ihm Billy die Einladung �berbracht hatte. Er ist schon ziemlich alt und wollte die weite Reise von Los Angeles nicht mehr auf sich nehmen. Er meinte, im Geist sei er bei uns. Ich glaube, er bearbeitet immer noch einige F�lle, die ihn interessieren. Eine bemerkenswerte Pers�nlichkeit - wie seine Tochter�, f�gte er mit einem kleinen, rauhen Unterton in seiner Stimme hinzu.</p><p>Nevin, dessen Spitzname Champ war, z�ndete sich eine Zigarette an und sagte zu Stanley: �Wir werden Hayes im November schlagen. Gouverneur Tilden ist ein starker Kandidat.�</p><p>�Ich bin hier, um zu essen, und nicht, um �ber Politik zu diskutieren, wenn du nichts dagegen hast�, sagte Stanley mit aufgeblasener W�rde. George machte dem Kellner ein Zeichen. Laban zupfte die Serviette auf seinem Scho� zum drittenmal zurecht. Er beteiligte sich nicht an dem Gespr�ch. Er mochte keines der anderen Familienmitglieder.</p><p>�Wir haben eine Suite mit einem Schlafzimmer reserviert�, sagte der Mann an der Rezeption des luxuri�sen Continental Hotel, Ecke Chestnut und Ninth Street. In der Lobby herrschte Chaos; zwei Gentlemen, die wegen ihrer nicht existierenden Reservationen herumbr�llten, verst�rkten den L�rm noch.</p><p>Auch der Angestellte hob seine Stimme. �Sollen wir f�r Ihre Dienerin eine Matratze in das Wohnzimmer legen?�</p><p>Jane, die hinter Madeline stand, schaute bek�mmert drein, aber sie war zu m�de zum K�mpfen. Es war eine lange Fahrt gewesen. Madeline war staubbedeckt und schlecht gelaunt und nicht geneigt, eine �hnliche Zur�ckhaltung an den Tag zu legen. �Sie ist nicht meine Dienerin, sondern meine Freundin und Reisebegleiterin. Sie braucht ein Bett, wie ich es habe.�</p><p>�Wir haben keine weiteren Zimmer�, sagte der Angestellte. Ein anderer Angestellter links von ihm sprang zur�ck, als einer der M�nner ohne Reservation nach ihm schlug. Der zweite Angestellte schrie um Hilfe.</p><p>�Dann werden wir zusammen schlafen�, sagte Madeline; sie mu�te ebenfalls fast br�llen, um sich Geh�r zu verschaffen. �Lassen Sie unser Gep�ck nach oben bringen.�</p><p>�Page�, sagte der Angestellte und schnippte mit den Fingern. Er schaute emp�rt drein.</p><p>Patricia sagte: �Fremont, spiel nicht mit deiner Knackwurst herum.� Fremont spie�te die Wurst mit seiner Gabel auf und schleuderte sie zu Boden. Patricia gab ihm einen Klaps auf die Hand.</p><p>Ihr Mann sagte zu George: �Wie viele der Mains aus South Carolina werden sich uns noch anschlie�en?�</p><p>George stellte seinen Krug mit dem Bockbier der Hundertjahrfeier ab und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Bedauerlicherweise nur Orrys Witwe. Orrys Nichte MarieLouise bekommt im August ihr zweites Kind. Ihr Arzt hat ihr von der Reise abgeraten. Was ihren Vater, Orrys Bruder, anbelangt�, er atmete tief ein; sein Gesicht wurde ernst, �nach langem Nachdenken und trotz seiner Frau, die eine wirklich liebenswerte Person ist, habe ich mich gegen eine Einladung f�r Cooper entschieden. Schon vor langer Zeit hat er klargestellt, da� er nur dem Namen nach ein Main ist, ebenso wie Ashton. Ich hatte nie die Absicht zu versuchen, sie aufzusp�ren.�</p><p>Richter Cork Bledsoe, seit drei Jahren nicht mehr im Staatsdienst, betrieb eine kleine Farm nahe der K�ste, ungef�hr zehn Meilen s�dlich von Charleston. An einem hei�en Julimorgen ritten hintereinander sieben M�nner in seine Zufahrtstra�e, um ihm einen Besuch abzustatten. Es handelte sich nicht um Klansm�nner; ihre Gesichter waren deutlich sichtbar. Das einzige Kleidungsst�ck, das sie miteinander gemein hatten, waren schwere, rote Flanellhemden.</p><p>Niemand wu�te genau, weshalb loyale Demokraten sich f�r ihre Jagdclubs die Farbe Rot ausgesucht hatten; vor einigen Monaten hatte das in der Gegend von Aiken, Edgefield und Hamburg seinen Anfang genommen und sich dann entlang des Sa-vannah River ausgebreitet, wo man vielleicht den Republikanern und den Schwarzen den heftigsten Widerstand im ganzen Staat entgegensetzte.</p><p>Cooper ritt als dritter. Er hatte sich ein gro�es, wei�es Taschentuch um den mageren Hals gebunden, um den Schwei� aufzufangen, aber das n�tzte auch nicht viel. Aus seiner Sattelscheide ragte der polierte Kolben der neuesten Winchester, Modell 1876 - das &gt;Jahrhundertgewehr&lt;. Es feuerte Kugeln ab, schwer genug, um einen anst�rmenden B�ffel zu stoppen. In letzter Zeit hatte Cooper eine Vorliebe f�r Waffen entwickelt, was fr�her nie der Fall gewesen war.</p><p>Judith war dagegen, da� ihr Mann solch eine Waffe zu Hause in der Tradd Street aufbewahrte. Sie mochte auch seine neuen Freunde und deren Aktivit�ten nicht. Ihn st�rte das nicht; ihm war es l�ngst egal, was sie dachte. Sie wohnten im gleichen Haus, aber Zuneigungsbeweise und Kommunikation beschr�nkten sich auf ein Minimum.</p><p>Er hielt die Arbeit dieser Gruppe und �hnlicher, �ber das ganze Land verteilter Gruppen f�r wesentlich. Nur eine aus pflichtbewu�ten Wei�en bestehende Regierung konnte South Carolina von seinem Joch befreien und die soziale Ordnung wiederherstellen.</p><p>Eine schlampige Frau mit grauen Haaren und gebeugten Schultern beobachtete, wie sich die Reiter vor dem Haus in einem Halbkreis aufbauten. Die Frau hatte einige ihrer Rosen beschnitten; es gab Dutzende davon, rosa, r�tlich, pfirsichfarben, die die Luft mit ihrem s��en Duft anreicherten.</p><p>Der Sprecher der Besucher, der Anwalt Favor Herrington, ber�hrte die Krempe seines Pflanzerhutes. �Guten Tag, Leota.�</p><p>�Guten Tag, Favor.� Sie begr��te noch drei weitere mit Namen, zu denen auch Cooper geh�rte, es entging ihr nicht, da� jeder Mann ein Gewehr oder eine Schrotflinte bei sich hatte.</p><p>Herrington zerrte an seinem verschwitzten Hemd. �Eine Hitze ist das, was? Ob ich wohl ein Wort mit dem Richter sprechen k�nnte? Sagen Sie ihm, ein paar Freunde vom Calhoun Saber Club sind da.�</p><p>Leota Bledsoe eilte ins Haus. Augenblicke sp�ter kam der Richter in Filzschlappen herausgeschlurft; die �rmel hatte er hochgerollt, die schwarze Wollweste stand offen. Er war ein schm�chtiger Mann mit sanften braunen Augen. Er besa� Anteile an einigen der gro�en Phosphatverarbeitungsanlagen nahe der Stadt.</p><p>�Was verschafft mir das Vergn�gen eines Besuches solch einer distinguierten Gruppe der politischen Opposition?� erkundigte er sich mit einem gewissen Sarkasmus.</p><p>Herrington keckerte. �Sie wissen, wir sind Demokraten, Richter, aber ich hoffe, Sie erkennen, da� wir offen und ehrlich auftreten und nicht zu diesen verdammten kooperationsbereiten Typen geh�ren, die mit den verdammten Republikanern ins Bett kriechen wollen.�</p><p>�Bei diesen roten Hemden ist kaum ein Irrtum m�glich�, sagte der Richter schwer. Den ganzen Fr�hling hindurch hatte es heftige K�mpfe gegeben zwischen jenen, die die Demokratische Partei rein erhalten wollten, und den anderen, die die Demokraten durch eine Koalition mit den weniger fanatischen Republikanern wie beispielsweise Gouverneur D.H. Chamberlain st�rken wollten. Cooper und seine Gesinnungsgenossen griffen nun zu ungew�hnlichen Methoden, um die Partei zu st�rken. Rot-hemden-Clubs. Besuche wie diesen hier. �ffentliche Zusammenk�nfte; n�tzlicher, wenn auch gelegentlich blutiger Aufruhr. In den letzten paar Tagen, so hatte er geh�rt, hatten sich Schwarze und Wei�e von beiden Seiten des Flusses in Hamburg die K�pfe eingeschlagen.</p><p>�Wir wollen mit Ihnen �ber den Nominierungskonvent in Columbia n�chsten Monat sprechen.�</p><p>Das irritierte den Richter. �Verdammt noch mal, Jungs, verschwendet nicht meine Zeit. Jedermann wei�, da� ich seit sechs Jahren die Republikaner w�hle.�</p><p>�Das wissen wir, Herr Richter�, sagte Cooper. �Vielleicht war das f�r Ihre Gesch�fte am besten.� Beil�ufig legte er eine Hand auf den Kolben seiner Winchester. �Wir glauben nicht, da� es im besten Interesse des Staates ist.�</p><p>�H�rt mal, ich werde nicht �ber meine politischen Ansichten mit einem Haufen Rabauken diskutieren, die ihre Meinungen mit dem Gewehr verkaufen.�</p><p>�Die Gewehre sind nur zur Verteidigung da�, sagte ein anderer der Rothemden.</p><p>�Verteidigung!� Der Richter schnaubte. �Ihr ben�tzt diese Gewehre, um ehrlichen schwarzen M�nnern einen Schrecken einzujagen, die lediglich das ihnen von der Verfassung zugesprochene Wahlrecht aus�ben wollen. Ich wei�, was das hier soll. Das ist der Mississippi-Plan; damit habt ihr letztes Jahr alle Republikaner und Schwarzen aus den Staats�mtern getrieben, und jetzt probiert ihr es hier mit demselben Plan. Nun, ich bin daran nicht interessiert.�</p><p>Er drehte sich um und schlurfte zur T�r zur�ck.</p><p>�Herr Richter, einen Augenblick!� Favor Herringtons Stimme klang nicht mehr freundlich. Aus dem nach Rosen duftenden Schatten blinzelte der Richter die bewaffneten Reiter an.</p><p>�Ich bestreite das, was Sie gesagt haben, nicht�, fuhr Herrington fort. �Jawohl, wir ermutigen die Nigger, entweder ihre Meinung zu �ndern oder den Wahlen im November fernzubleiben. Wir werden die republikanische Mehrheit in diesem Staat in eine demokratische Mehrheit verwandeln. Wir werden South Carolina von Ausbeutern und verfluchten Gesetzgebern befreien, die es ruinieren und in den Dreck zerren. Und damit dieser Plan funktioniert�, er wischte sich das gl�nzende Gesicht mit einem blauen Halstuch ab, �m�ssen wir irrige Republikaner wieder zu Demokraten bekehren.�</p><p>�Sie terrorisieren, das meinen Sie doch�, schnappte der Richter. �Mit vorgehaltener Waffe.�</p><p>�Aber nein, Richter, nichts dergleichen. Wir bitten Sie nur, das zu tun, was f�r den Staat richtig ist. Wir bitten Sie h�flich und voller Respekt.�</p><p>�Geschw�tz�, sagte der alte Mann.</p><p>Herrington hob seine Stimme. �All Ihre republikanischen Br�der tun es, Richter. Es ist eine ganz simple Angelegenheit. Wechseln Sie �ber. �berqueren Sie den Jordan.�</p><p>�Den Jordan �berqueren, so nennt ihr es, ja? Lieber w�rde ich �ber den Styx schnurgerade in die H�lle gehen.�</p><p>Einige der Mitglieder des Calhoun Saber Club begannen ihre Gewehre zu ziehen. Im Haus rief die Frau des Richters eine ged�mpfte Warnung. Der Hof lag sehr still in der sengenden Hitze da. Ein Gaul lie� ein paar Pferde�pfel fallen. Herrington warf Cooper einen auffordernden Seitenblick zu.</p><p>Cooper bem�hte sich, vern�nftig zu klingen. �Wir meinen es ernst, Richter Bledsoe. Sie sollten uns nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie haben an eine Familie zu denken, an viele Enkel. W�rden Sie Respektabilit�t nicht allgemeiner �chtung vorziehen? Wenn schon nicht f�r sich selbst, dann wenigstens f�r sie?�</p><p>�In Charleston�, f�gte Herrington hinzu, �treiben sich eine Menge Rowdies auf den Stra�en herum. Anst�ndige Leute sind da manchmal gar nicht sicher. Vor allem M�dchen im zarten Alter. Sie haben doch zwei Enkelinnen in Charleston, nicht wahr, Sir?�</p><p>�Bei Gott, Sir, wollen Sie mir drohen?� schrie der Richter.</p><p>�Nein, Sir�, sagte Cooper n�chtern. �Wir wollen nichts weiter als Ihr Versprechen, den Jordan zu �berqueren. Gouverneur Hampton zu unterst�tzen, wenn wir ihn in Columbia nominieren. Und anderen Ihre Entscheidung mitzuteilen.�</p><p>�Geht zur H�lle, und nehmt eure Gewehre gleich mit�, sagte Richter Cork Bledsoe. �Das hier ist nicht Mississippi.�</p><p>�Ich bedaure Ihre Entscheidung�, sagte Favor Herrington mit kalter Wut in der Stimme. �Kommt, Jungs.�</p><p>Einer nach dem anderen ritten sie aus dem s��lich duftenden Hof. Richter Bledsoe blieb auf der Veranda stehen und starrte ihnen nach, bis der letzte Reiter verschwunden war.</p><p>Herrington lie� sich neben Coopers Pferd zur�ckfallen. �Du kennst den n�chsten Namen auf der Liste.�</p><p>�Ja. Damit will ich nichts zu tun haben. Es ist mein Schwiegersohn.�</p><p>�Wir erwarten nicht, da� du mitmachst, Cooper. Du brauchst dich nicht um Mr. German zu k�mmern, aber wir werden ihm einen Besuch abstatten.�</p><p>Cooper fuhr sich mit seinen langen Fingern �ber den verschwitzten Mund. Leise sagte er: �Tut, was ihr m��t.�</p><p>Zwei N�chte sp�ter feuerten Unbekannte drei Kugeln durch das Fenster von Bledsoes Haus. Am folgenden Sonntag weigerten sich alte Freunde in der Kirche, mit dem Richter oder seiner Frau zu sprechen. Am Dienstag schlenderte seine f�nfzehnj�hrige Enkelin mit ihrer Gouvernante in der Abendd�mmerung nach Hause in die King Street, als zwei junge M�nner aus einer Gasse gest�rzt kamen, dem jungen M�dchen die Tasche entrissen und sie mit Messern bedrohten. Einer zerfetzte den �rmel ihres Kleides. Am Ende der Woche erkl�rte Richter Bledsoe seine Bereitschaft, den Jordan zu �berqueren.</p><p>1776</p><p>DREI MILLIONEN KOLONISTEN AUF EINEM LANDSTREIFEN AM MEER</p><p>VIERZIG MILLIONEN FREIE M�NNER HERRSCHEN VON OZEAN ZU</p><p>OZEAN Philadelphia Poster zur Hundertjahrfeier</p><p>�Wir brauchen die Suite nicht�, sagte Virgilia. �Wir haben anderswo reserviert.�</p><p>Der Angestellte im Continental, der gleiche, der Madeline und Jane eingetragen hatte, schaute zweifelnd drein. �Wie Sie meinen, Mrs. Brown. Ich hoffe, Sie haben Ihre Unterkunft sicher. In keinem der guten Hotels ist noch ein Bett frei, nicht einmal in der Halle.�</p><p>�Kein Problem�, sagte Virgilia. Sie verlie� die laute Halle und stieg in die am Randstein wartende Droschke. Scipio, elegant gekleidet, in einem Mantel mit Samtaufschl�gen und perlgrauen Handschuhen, betrachtete seine Frau mit leiser Mi�billigung.</p><p>�Warum hast du das getan?�</p><p>Sie k��te ihn auf die Wange. �Weil die Sache den Kampf nicht wert ist, Liebling. Ich will nicht an einem Ort bleiben, wo wir unh�flich behandelt und st�ndig angestarrt werden. Davon kriegen wir noch genug, wenn wir bei der Familie sind.� Sie bemerkte sein Stirnrunzeln und dr�ckte seine Hand. �Bitte. Du wei�t, da� ich immer auf die Barrikaden gehe, wenn es wichtig ist. Das ist nicht wichtig. Am�sieren wir uns.�</p><p>�Wohin wollen Sie jetzt?� rief der Fahrer herab. Er verbarg nicht, da� er alles andere als gl�cklich dar�ber war, einen schwarzen Mann und eine wei�e Frau fahren zu m�ssen, ganz gleich, wieviel er dabei verdiente.</p><p>�Zum Negerviertel�, erwiderte Virgilia. Der Kutscher verzog das Gesicht und fuhr los.</p><p>�Bison?�</p><p>�Bunk, bei Gott!� Charles jubelte auf und st�rzte auf seinen Freund zu, der gerade die Marmorstufen herabkam. Die Leute in der Lobby starrten den schlaksigen Mann in Grenzerkleidung an, der den kompakten kleinen Burschen im Gesch�ftsanzug st�rmisch umarmte. Fragen und Antworten �berst�rzten sich.</p><p>�Hast du Brett und die Kleinen mitgebracht?�</p><p>�Ja. Sie sind oben. Wo steckt deine Frau? Ich m�chte sie kennenlernen.�</p><p>�Erkundigt sich nach den Fahrpl�nen. Sie will mit dem Zug nach New York, um einen alten Freund zu besuchen.�</p><p>Sie gingen in die Saloon-Bar. Jeder studierte den anderen, bemerkte zahlreiche Ver�nderungen. Und obwohl sie voller Begeisterung und W�rme aufeinander zugingen, empfanden sie doch etwas Scheu voreinander; ihre Begegnung auf Mont Royal vor dem Krieg lag schon lange zur�ck.</p><p>Kinder schienen eine Br�cke �ber die Jahre zu schlagen. �Ich hoffe, da� mein �ltester eine Zulassung zur Akademie erh�lt, wenn mein Bruder Stanley noch drei weitere Amtsperioden im Kongre� durchh�lt. Ist dein Junge nicht ungef�hr im gleichen Alter wie G.W.? Sie k�nnten zusammen anfangen, genau wie wir.�</p><p>N�chtern sagte Charles: �Ich bin mir nicht sicher, ob ich aus Gus einen Soldaten machen m�chte.�</p><p>�Er brauchte ja nicht f�r immer dabei zu bleiben. Und es war schon immer die beste Ausbildung, die Amerika zu bieten hat.�</p><p>Charles Blick schien abzudriften, vorbei an den Rauchschwaden und den Gaslichtern, vorbei an den l�rmenden Stammg�sten zu einer fernen Zeit, einem fernen Ort neben einem Flu� im Indianerterritorium.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, sagte er.</p><p>Willa entdeckte Amerikas Schauspieleras in einer dreckigen Pension in der Mulberry Street. Sie klopfte zweimal, erhielt keine Antwort und �ffnete die T�r; er sa� in einem Schaukelstuhl und starrte aus dem schmierigen, regenbesprenkelten Fenster. Die Aussicht beschr�nkte sich auf die n�chste Mauer. Er wandte sich nicht um, als sie die T�r schlo�. Er mu�te taub geworden sein.</p><p>Der Anblick des kleinen Zimmers, in dem sich alte Koffer, Kost�me und B�cher mit ausgeschnittenen Kritiken t�rmten, brach ihr das Herz. �ber der T�r hatte er ein Hufeisen aufgeh�ngt. Die Chrysantheme in seinem Revers war verdorrt und braun. Eine schwarze Katze in seinem Scho� machte einen Buckel und fauchte sie an. Das brachte ihn dazu, sich umzudrehen.</p><p>�Willa, mein Kind. Ich hatte keine Ahnung, da� du heute hier bist.� In ihrem Telegramm hatte das genaue Ankunftsdatum und die ungef�hre Ankunftszeit gestanden. �Bitte, komm herein.�</p><p>Als er sich erhob, bemerkte sie seine geschwollenen, verunstalteten Kn�chel. Der Kontrast zwischen seiner runzligen Haut und dem l�cherlich gef�rbten Haar war traurig. Sie umarmte ihn liebevoll. �Wie geht's dir, Sam?�</p><p>�Nie besser gegangen! Nie besser! F�r meine sechzig Jahre bin ich fit wie ein junger Bursche.� Sie wu�te, da� er f�nfundsiebzig war. �Komm, setz dich zu mir, damit ich dir die aufregenden Neuigkeiten erz�hlen kann. Ich hab' es aus bester Quelle, da� mich kein anderer als Mr. Joe Jefferson in den n�chsten Tagen fragen wird, ob ich nicht f�r ihn zwei Wochen einspringen und den Rip van Winkle spielen kann, w�hrend er einen Urlaub am Meer genie�t. Die Rolle liegt hier irgendwo rum. Ich habe sie studiert.�</p><p>Unter seinem Schaukelstuhl fand er ein paar alte Seiten, von denen er den Staub blies. Willa schluckte, gratulierte ihm und blieb die n�chsten beiden Stunden bei ihm. Er d�ste in seinem Stuhl, als sie sich hinausstahl. Eine von Trumps verkr�ppelten H�nden ruhte bewegungslos auf dem Kopf der schnurrenden Katze.</p><p>Bevor sie das Geb�ude verlie�, suchte sie die Hausbesitzerin auf und gab ihr f�nfzig Dollar, das Doppelte des Betrages, den sie jeden Monat heimlich von Texas f�r Sam Trumps Kost und Logis schickte.</p><p>Am Montag besuchten sie alle zusammen die Ausstellung. George stellte f�r jede Gruppe eine Kutsche zur Verf�gung.</p><p>Sie sahen metallbearbeitende Werkzeuge von Pratt und Whitney. Eisenbahnsignalanlagen von Western Electric, Gorham-Sil-ber, Steingut von Haviland und Doulton, LaFrance-Motorsprit-zen, Seth-Thomas-Uhren, Pfizer-Chemikalien, Pianos von Stein-way und Chickering und Knabe und Fenway. Sie sahen Lokomotiven, Unterwasserkabelger�t, gro�e Glaszylinder mit Erde aus verschiedenen Gegenden von Iowa, gewaltige Flaschen mit Rheinwein, tragbare Dampfkessel, Druckerpressen f�r Tapeten, Glasbl�serutensilien, Mr. Graham Bells merkw�rdiges Sprechger�t namens &gt;Telephon&lt; (George hielt es f�r unpraktisch und albern), riesige polierte Reflektoren, vierzig Zentimeter lange Maiskolben und sieben Fu� lange Weizenhalme, M�bel aus ge-schweiftem Holz, Skulpturen aus Butter, schwedische Schmiedeeisen mit reichen Verzierungen, russische Pelze, japanische Lackschirme, die neue europ�ische Schule f�r kleine Kinder namens &gt;Kindergarten&lt;, pr�chtige Orangen-, Palmen- und Zitronenb�ume in der Halle f�r Gartenbaukunst. Tiffanys Halsband aus siebenundzwanzig Diamanten im Wert von mehr als achtzigtausend Dollar in Gold, Schauk�sten mit ausgestopften V�geln, B�chern, Mineralien, Kutschr�dern, Bolzen und Nieten, Korsetts und falschen Z�hnen, eine siebzehn Fu� hohe Kristallfont�ne, mit Glasprismen behangen und von Gaslicht angestrahlt, eine Gipsskulptur von George Washington ohne Beine, der auf einem lebensgro�en Adler thronte (Madeline hielt sich den Mund zu und rollte mit den Augen) und Prototypen aus dem Patentb�ro.</p><p>Sie tranken Sodawasser an St�nden in der Avenue und Kaffee im brasilianischen Kaffeehaus. Stanley mochte das Essen im &gt;Aux Trois Fr�res Proven�aux&lt;, weil es so teuer war. Virgilia gefiel der Frauenpavillon und da vor allem die Zeitungsredakteure in der Mitte, wo Frauen an Schreibtischen Artikel schrieben, w�hrend andere Frauen die Typen setzten und eine Zeitung namens &gt;New Century for Women&lt; druckten; sie kaufte zwei Exemplare. Den Jungs gefiel Old Abe, der kahle Adler, der einem B�rgerkriegsregiment aus Wisconsin als Maskottchen diente; Abe war der Veteran von mehr als drei�ig Schlachten; er sa� so lange vollkommen regungslos auf seiner Stange, da� er wie ausgestopft wirkte, doch nach l�ngerem Warten breitete er seine gewaltigen Fl�gel aus und richtete seinen wilden, stolzen Blick auf die Jungen, denen ein Schauer �ber den R�cken lief. George mochte besonders die runde, zehn Zentimeter hohe Bronzemedaille, auf der eine Frauengestalt mit einem Lorbeerkranz zu sehen war, die die Firma Hazard f�r ihre kunstvollen Schmiedesachen verliehen bekommen hatte; f�r au�ergew�hnliche Ausstellungsst�cke hatten die Juroren der Hundertjahrfeier zw�lftausend solcher Medaillen verteilt. Madeline gefiel die MississippiKabine, weil sie mit Spanischem Moos dekoriert war. Billy gefiel die 4-4-0-Baldwin-Lokomotive &gt;Jupiter&lt; der Santa-Cruz-Eisen-bahn. Charles hatte nichts �brig f�r die Zurschaustellung der indianischen Tipis, Pfeifen, T�pfe, Kost�me und anderer vom Smithsonian-Institut gesammelten Gegenst�nde, doch er sagte nichts, sondern ging lediglich schnell mit ernstem Gesichtsausdruck durch die Ausstellung. George sagte h�ufig Sachen wie: �Das ist der Beginn eines neuen Zeitalters� oder: �Und die Skeptiker behaupten, wir h�tten nichts, was wir den ausl�ndischen M�chten zeigen k�nnten�, doch alle waren so mit dem besch�ftigt, was sie sahen, da� sie ihn gar nicht beachteten.</p><p>George bot Madeline seinen Arm und lauschte mit gro�em Interesse ihrer Beschreibung des neuen Hauses auf Mont Royal. Er versprach allen, da� es am n�chsten Abend, dem 4. Juli, ein spektakul�res Feuerwerk geben werde.</p><p>Am gleichen Abend lie�en Charles und Willa ihren Sohn Gus bei Billy Hazards Familie. Virgilia und Scipio kamen um sechs Uhr drei�ig ins Hotel - niemand wu�te genau, wo sie wohnten, aber es bedr�ngte sie auch niemand mit Fragen -, und die beiden Paare fuhren mit einer Droschke ins Maison de Paris, ein angesehenes Restaurant, in dem Charles einen Tisch reserviert hatte. Er war der Gastgeber des Abends. Seit 1869, so hatte er seiner Frau erkl�rt, f�hlte er sich Virgilia verpflichtet.</p><p>Im Restaurant nahm der verbindliche <emphasis>Ma�tre</emphasis> Charles beiseite. Charles erkl�rte ihm, da� Scipio Brown Virgilias Ehemann sei.</p><p>�Und wenn er der Kaiser von �thiopien w�re�, fl�sterte der <emphasis>Ma�tre</emphasis> in seinem armseligen Englisch. �Farbige haben hier keinen Zutritt.�</p><p>Charles l�chelte und starrte ihn an. �M�chten Sie, da� ich Ihre Meinung drau�en auf dem Gehsteig �ndere?�</p><p>�Drau�en?�</p><p>�Sie haben geh�rt, was ich sagte.�</p><p>�Charles, es ist nicht notwendig ...�, fing Virgilia an.</p><p>�Oh doch, das ist es. Nun?�</p><p>Rot vor Zorn sagte der <emphasis>Ma�tre:</emphasis> �Hier entlang.�</p><p>Er gab ihnen einen schlechten Tisch und m�rrische Kellner. Es dauerte vierzig Minuten, bis sie ihre erste Flasche Wein bekamen, und anderthalb Stunden, bis ihr Essen kam; alle Gerichte wurden kalt serviert. Ihr Lachen klang bald schon gezwungen, und Virgilia schaute unter den feindseligen Blicken der anderen G�ste traurig und elend drein.</p><p>Wei�e und rote Sterne explodierten �ber dem Ausstellungsgel�nde; die Begeisterungsrufe wurden lauter und lauter. Die sinnverwirrenden Farben zuckten �ber den gewaltigen kupfernen Unterarm und die Hand mit der Fackel von Bartholdis Freiheitsstatue, wie sie genannt wurde; sie schien aus dem Boden aufzusteigen, eine vergrabene Riesin, die im Begriff stand, die Erdkruste zu durchbrechen. Einige wenige gl�ckliche Besucher betrachteten das Feuerwerk von der Aussichtsplattform an der Basis der erhobenen Fackel.</p><p>Madeline, die mit Jane in der N�he der Statue stand, sp�rte pl�tzlich, da� jemand sie ansah. Sie schaute auf und begegnete Georges Blick.</p><p>Der kleine Alfred Hazard aus Kalifornien war auf Georges Armen eingeschlafen. Mit entwaffnender Freundlichkeit sah George �ber den Kopf seines Neffen hinweg Madeline an. Es lag nichts Unschickliches in seinem Blick, und einen Moment sp�-ter wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Himmel zu. Eine gro�e silberne Lichtblume erbl�hte dort.</p><p>Madelines Kehle wurde jedoch merkw�rdig trocken. George hatte sie anders als sonst angeschaut. Sie f�hlte sich schuldig, erregt, erfreut und ein kleines bi�chen ver�ngstigt.</p><p>Der Carolina Club beanspruchte ein ganzes St�ck Land jenseits der Nordgrenzen der Stadt f�r sich. Der Gro�brand von Chicago hatte sich nicht so weit ausgedehnt, aber das galt auch noch f�r die Vororte. Trotzdem waren stets viele Pferde und Wagen auf der ansonsten verlassenen Stra�e unterwegs, die an dem vierst�ckigen Haus vorbeif�hrte. Der Carolina Club war das gr��te und eleganteste Bordell der Stadt.</p><p>Die Besitzerin nannte sich Mrs. Brett. Am 4. Juli erwachte sie zu ihrer �blichen Stunde, 4 Uhr nachmittags. Im Nebenraum leerte ihr schwarzes M�dchen gerade den letzten Krug leicht erw�rmter Ziegenmilch in eine Zinkwanne. Sie reckte und streckte sich, badete f�nf Minuten in der Milch und rubbelte sich dann ab, bis ihre Haut rosig schimmerte. Sie hatte keinen Beweis daf�r, da� die Milchb�der Jugend garantierten. Doch Dr. Cosmopoulos, Phrenologe, Professor f�r Elektromagnetismus und Verk�ufer von St�rkungsmitteln und au�erdem noch ein sehr gro�z�giger Kunde von ihr, behauptete es, und so waren die B�der zur Gewohnheit geworden.</p><p>Sie streifte eine chinesische Seidenrobe �ber und fr�hst�ckte, frische Austern und Kaffee. Zum Abschlu� z�ndete sie sich eine kleine Zigarre an, die sie dem �stlichen Lackk�stchen entnahm. Die Sammlung ihrer Kn�pfe pa�te nicht mehr in die kleine Kiste. Sie bewahrte sie nun gut sichtbar in einem gro�en Glasgef�� auf. Mittlerweile hatte sie �ber dreihundert Kn�pfe beisammen.</p><p>Sie tupfte sich teures algerisches Parf�m auf Br�ste, Kehle und unter die Arme. Mit Hilfe ihres M�dchens zog sie dann ein apfelrotes Seidenkleid mit einer riesigen Tourn�re an. Sie streifte reich verzierte Ringe mit roten, gr�nen und wei�en Steinen �ber ihre Finger und legte ein schweres Halsband, Armb�nder mit aufgesetzten Diamanten und ein gewaltiges Diadem an. Um sechs Uhr drei�ig verlie� sie ihre Suite im dritten Stock und begab sich nach unten, um Knudsen, den energischen jungen Skandinavier, abzul�sen, der sich ab zehn Uhr vormittags um das Tagesgesch�ft k�mmerte.</p><p>Eine ganze Menge Gentlemen umschwirrten bereits die h�bsch gekleideten M�dchen in den vier Salons. Zus�tzlich zu den wei�en M�dchen in dem Bordell gab es noch eine Chinesin, drei Negerinnen und eine reinrassige Cherokee-Indianerin, die au�erdem noch eine ausgezeichnete Klavierspielerin war. In diesem Moment spielte Prinzessin Lou gerade &gt;The Yellow Rose of Texas&lt; auf dem Klavier im Hauptsalon. Es war ein Fenway; sie empfand immer noch eine gewisse irrationale Loyalit�t.</p><p>Sie l�ste Knudsen ab und studierte gerade seine Abrechnung, als ein Kunde an der halb ge�ffneten T�r vorbeischwankte. Der Mann taumelte zur�ck und glotzte sie an.</p><p><emphasis>�Ashton?�</emphasis></p><p>�Guten Abend, LeGrand�, sagte sie, ihre �berraschung verbergend. �Willst du nicht hereinkommen? Schlie� die T�r.�</p><p>Er tat es; der Ger�uschpegel im B�ro senkte sich betr�chtlich. Villers betrachtete die Gem�lde und die Marmordekorationen in dem verschwenderisch ausgestatteten Raum. Mit einem verbl�fften Kopfsch�tteln schwankte er zu Ashtons Privatbar und go� sich ungeschickt einen Drink ein. �Sch�tt nichts auf meinen Teppich, der ist aus Belgien importiert�, sagte sie. �Und nur zu deiner Information, mein Name ist Mrs. Brett.�</p><p>�Ich kann's nicht glauben�, sagte Villers und lie� sich auf einen Stuhl neben dem gro�en Teakholzschreibtisch fallen. �Ich bin nie zuvor hier gewesen. Zwei Fenway-Verk�ufer sind in der Stadt, also dachte ich, wir machen mal 'ne Runde. Wie lange leitest du diesen Betrieb schon?�</p><p>Ashtons Gesicht war glatt und sorgf�ltig gepudert, wirkte aber trotzdem etwas dicklich. Sie war vierzig und hatte Probleme mit ihrem Gewicht.</p><p>�Seit der Er�ffnung. Das war kurz nachdem ich Will verlassen hatte. Ich war nicht gerade darauf vorbereitet, mich selbst zu ern�hren. Die Erziehung eines anst�ndigen S�dstaatenm�dchens besteht darin, da� man lernt, sich zu zieren und einen Knicks zu machen. Zumindest war das zu meiner Zeit so. Logischerweise ist man dann als Erwachsener nur zu zwei Sachen f�hig: Ehefrau oder Hure. Im Falle meines ersten Mannes, der ein r�ckgratloser Taugenichts war, war ich ersteres und f�hlte mich wie letzteres. Wei�t du, LeGrand, die Ladys von Charleston w�rden mich f�r diese Worte lynchen, aber in letzter Zeit fange ich an zu glauben, da� die Suffragetten nicht vollkommen verr�ckt sind. Ich habe der hiesigen Ortsgruppe zwei Jahre nacheinander eine sehr gro�z�gige Spende zukommen lassen.�</p><p>Sie t�uschte einen pr�den Ausdruck vor. �Selbstverst�ndlich anonym. Ich m�chte meinen Ruf nicht aufs Spiel setzen.�</p><p>Er lachte. �Wie hast du angefangen?�</p><p>�Mit Hilfe eines G�nners.�</p><p>�Ja, du w�rdest keine Schwierigkeiten haben, eine ganze Kompanie G�nner zu finden. Du bist so h�bsch wie eh und je.�</p><p>�Ich danke dir, LeGrand. Wie geht's Will?�</p><p>�Macht Millionen, der alte Hundesohn. Die Juroren in Philadelphia haben unserem Ashton-Modell eine ihrer Bronzemedaillen verliehen. Ist das nicht was? Und jetzt erz�hl mir, was passierte, als du so pl�tzlich verschwandest? An einem Tag kommst du von Carolina zur�ck und am n�chsten - sss! Einfach weg!�</p><p>�Will und ich hatten einen gr��eren Streit.� Sinnlos, ihm mehr zu erz�hlen. Was ging es ihn an, da� sie ungl�cklicherweise an dem Tag nicht auf Ch�teau Villard war, als die Post den Brief mit Favor Herringtons letzter Rechnung brachte. Will war zu Hause und erholte sich gerade von seiner Sommergrippe. Er �ffnete den Brief der ihm unbekannten Anwaltskanzlei und wollte dann von ihr wissen, weshalb sie einen Anwalt angeheuert hatte, wenn sie doch lediglich ihren eigenen Worten zufolge South Carolina einen Besuch abgestattet hatte. Sie wich aus, log, leistete so lange wie m�glich Widerstand, doch er war ein sturer, alter Teufel, und der Erfolg hatte ihn nur noch st�rker gemacht. Als sie ihn anschrie, eher w�rde sie in der H�lle schmoren, als ihm etwas zu sagen, meinte er nur achselzuckend, dann werde er eben Favor Herrington telegraphieren und eine Erkl�rung verlangen. Er werde seine Rechte als Ehemann einsetzen und darauf beharren, da� Herrington kein Berufsgeheimnis geltend machen k�nnte, da Ashton sein Geld ausgab. Entsetzt gestand Ashton, da� sie �ber einen auf ihre Bank gezogenen Kreditbrief eine gewaltige Summe f�r Mont Royal ausgegeben hatte.</p><p>Sie versuchte ihre Tat im besten Licht erscheinen zu lassen, aber sie wu�te, da� es ihr nicht gelingen w�rde, als sie sah, wie seine Augen vor lauter Abscheu schmal wurden und sein Mund sich verzog. Als sie dann schlie�lich zugab, da� sie Mont Royal beinahe ihrer eigenen Familie weggenommen hatte, erinnerte er sich an seine Warnung, die er nach dem Mord am Schwager der Senora in Santa Fe ausgesprochen hatte.</p><p>�Ich sagte dir, ich w�rde niemals wieder eine solche Gemeinheit tolerieren. Ich liebe dich, Ashton, alter Narr, der ich bin. Aber ich will verflucht sein, wenn ich mit so einem verkommenen Menschen weiter zusammenlebe. Ich m�chte, da� du deine Sachen packst und bis morgen mittag verschwunden bist.�</p><p>Villers sagte: �Ein Streit, sagtest du. Du hast dich von ihm scheiden lassen, ja?�</p><p>Ashton sch�ttelte den Kopf. Sie ha�te das Gef�hl sentimentaler Sehnsucht, das dieses Gespr�ch in ihr ausl�ste. Es war ein ihr nur zu vertrautes Gef�hl. �M�glicherweise hat er sich von mir scheiden lassen.�</p><p>�Nicht da� ich w��te�, sagte Villers. �Hat er eine Ahnung, wo du bist?�</p><p>�Nein, aber ich nehme auch nicht an, da� es ihn k�mmert. Ich bin hier vollkommen gl�cklich�, log sie. �Wenn eine Frau ihre Gesundheit und ihre Sch�nheit und ein regelm��iges Einkommen hat, was braucht sie da noch?� Warum hatte Will so verdammt anst�ndig sein m�ssen? Mitten in der Nacht w�nschte sie sich oft verzweifelt, sich unter der dicken Decke an seinen knochigen alten Leib schmiegen zu k�nnen.</p><p>Ihre dunklen Augen weiteten sich in ihrem wei�gepuderten Gesicht. Die Art und Weise, wie Villers sie musterte, gefiel ihr gar nicht. �Was gibt's, LeGrand?�</p><p>�Ich denke blo� nach. Ich nehme an, du und Will, ihr m��t einen guten Grund f�r die Trennung gehabt haben. Aber er war dein Ehemann. Vielleicht ist er es immer noch. Es wird ihm sehr leid tun zu h�ren, was aus dir geworden ist.�</p><p>Ihr Herz schlug schneller. �Du w�rdest nicht so gemein sein und es ihm sagen.�</p><p>�Hast du immer noch was f�r den alten Bastard �brig?�</p><p>�Nein, das nicht, ich - ich m�chte lediglich mein Privatleben sch�tzen.�</p><p>�Ich werde es sch�tzen.� Villers starrte sie an. �Im Austausch f�r eine kleine Erinnerung an die alten Zeiten.�</p><p>Ashtons herrliche B�ste hob sich wie ein aus dem Wasser auftauchender Schiffsbug. Ganz emp�rte Vornehmheit, sagte sie: �Ich besitze den Carolina Club. Ich bin hier keine der Angestellten.�</p><p>Er schraubte sich vom Stuhl hoch. �In Ordnung. Dann kann ich nat�rlich nicht versprechen zu schweigen.�</p><p>Sie griff nach seiner Hand und fuhr mit dem Daumen �ber seine Handfl�che. �Nat�rlich kann ich meine Einstellung jederzeit f�r einen Abend �ndern.�</p><p>Villers leckte sich �ber die Lippen. �Kostenlos?�</p><p>Am liebsten h�tte sie ihn geschlagen. Am liebsten h�tte sie geweint. L�chelnd warf sie den Kopf zur�ck; ihr kunstvoll arrangiertes dunkles Haar schimmerte.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ein Freund mu� nie bezahlen.�</p><p>Sp�ter, w�hrend die Noten von Prinzessin Lous &gt;Hail, Colum-bia&lt; nach oben trieben, kam LeGrand Villers zum drittenmal, ohne sie ein einziges Mal zum H�hepunkt gebracht zu haben.</p><p>Als er sich von ihr rollte, ber�hrte er zuf�llig die sanft gerundete Fettwulst an ihren H�ften, die wuchs und wuchs, ganz gleich, wie wenig sie a�. Der Fenway-Verkaufsmanager war h�flich genug, nichts zu sagen, doch sie sp�rte, wie seine Finger z�gerten, bevor sie von ihrem Bauch abglitten.</p><p>Diese Ber�hrung lie� irgend etwas in ihr zerbrechen. Sie war eine starke und erfolgreiche Frau, doch ihr blieb nichts weiteres als der langsame Zerfall ihrer Sch�nheit und das Warten auf den Tod. Und immer wieder w�rde sie mit dieser Tatsache konfrontiert werden.</p><p>Kurz darauf schnarchte Villers. Ashton lag auf der Seite, die H�nde unter dem Kinn, die Knie bis zu den Br�sten hochgezogen; mit gro�en Augen w�nschte sie sich, sie w�re wieder ein Kind, das mit Brett auf Mont Royal spielte.</p><p>Am Donnerstagabend versammelten sich in einem vom Hotel zur Verf�gung gestellten privaten Speisesaal siebenundzwanzig Familienmitglieder der Mains und der Hazards. Auf einer Staffelei am offenen Ende des Hufeisentisches war die Fassade mit den wei�en S�ulen des neuen Hauses der Mont-Royal-Plantage zu sehen. Madeline beschrieb das Haus und lud dann alle ein, wann immer es ihnen m�glich war, zu Besuch zu kommen. Begleitet von herzlichem Applaus setzte sie sich wieder.</p><p>George erhob sich. Es war still im Saal bis auf das Rascheln von Willas Rock; sie schaukelte den kleinen Alfred auf ihren Knien, um ihn zu beruhigen. Bald schon begann er, den Daumen im Mund, zu d�sen.</p><p>George r�usperte sich. Charles z�ndete sich die n�chste Zigarre an, deren Rauch schwer im Raum hing.</p><p>�Ich bin froh, da� wir an diesem monumentalen Jahrestag zusammen sind. Wir haben so vieles Wichtiges gemeinsam, obwohl dazu ungl�cklicherweise nicht die gute republikanische Politik z�hlt.�</p><p>Alle lachten, Champ Nevin genauso herzlich wie die anderen. Zwei Pl�tze weiter hustete Stanley betont auff�llig in sein Taschentuch und warf Patricias Ehemann Seitenblicke zu. Zuvor hatten sich Stanley und der junge Zeitungsmann in den Haaren gehabt; es war dabei um Grants Staatsvertrag von 1869 �ber die Annexion von Santo Domingo gegangen, der von den Emiss�ren des Pr�sidenten ohne Wissen oder Zustimmung des Kongresses oder Kabinetts ausgehandelt worden war. Der Senat hatte den Vertrag f�r null und nichtig erkl�rt; die ganze Aff�re hatte den Startschu� daf�r gegeben, da� wichtige Republikaner wie George vom regul�ren Fl�gel der Partei abfielen und einen neuen Reformfl�gel bildeten. Stanley h�tte beinahe einen Herzanfall bekommen, als Champ Nevin Grants Vorgehen als &gt;krimi-nell&lt; bezeichnete.</p><p>George fuhr fort: �Ich bem�hte mich gerade um einige passende Bemerkungen, als mir das Plakat zum Unabh�ngigkeitstag der Stadt Philadelphia einfiel. Habt ihr es gesehen?� Einige nickten. �Erlaubt mir, es zu zitieren.� Er las die Worte �ber 1776 und 1876 vor.</p><p>�Das ist eine pr�gnante Zusammenfassung unseres Landes und unseres eigenen Lebens. Seit die Mains und die Hazards durch eine auf der Milit�rakademie geschmiedete Freundschaft zueinander fanden, haben wir uns alle ge�ndert, und das trifft auch auf die Nation zu. Nie wieder werden wir das sein, was wir waren, mit einer Ausnahme. Unsere Zuneigung zueinander ist unwandelbar.�</p><p>Nie wieder das, was wir waren, dachte Madeline. Wie recht er hat. Constance war tot. Cooper war nicht eingeladen worden, obwohl ein jeder lebhaft Judiths Abwesenheit bedauerte. Ashton befand sich h�chstwahrscheinlich mit ihrem Million�rsgatten in Chicago - kein Verlust. Charles und Billy, deren Leben so unterschiedliche Bahnen eingeschlagen hatten, gingen trotz ihrer starken Bindungen aus der West-Point-Zeit deutlich befangen miteinander um.</p><p>Dort dr�ben sa� Stanley gelangweilt und mit leerem Gesichtsausdruck neben seinem flegelhaften Sohn und gr�belte zweifellos dar�ber nach, weshalb er Georges Einladung zu der Wiedersehensfeier angenommen hatte.</p><p>Und, das Wichtigste von allem, ihr geliebter Orry war nicht mehr ...</p><p>�Diese Zuneigung hat uns durch eine Zeit der nationalen Krisen und Bew�hrungsproben getragen�, sagte George. �W�hrend der d�steren Kriegstage und im politischen Hader ist das Band d�nn geworden, aber niemals gerissen. Es bleibt bis zum heutigen Tage stark.</p><p>Meine Mutter glaubte, der Berglorbeer besitze eine ganz spezielle Kraft, die es ihm erm�gliche, den Verheerungen der Jahreszeiten zu widerstehen. Sie sagte, nur Liebe und Familienbande k�nnten eine �hnliche Kraft in menschlichen Wesen erzeugen, und ich glaube, das stimmt. Ihr seid der Beweis daf�r. Wir waren zwei Familien, die zu einer wurden, und wir haben �berlebt. Diese Kraft und N�he, geboren aus Freundschaft und Liebe, ist eine der gro�en Gaben, die uns Orry Main hinterlassen hat; das ist auch der Grund, weshalb er heute abend mitten unter uns ist. Ich liebte meinen Freund Orry, und ich liebe jeden einzelnen von euch. Danke, da� ihr nach Philadelphia gekommen seid, um - um zu ...�</p><p>Er r�usperte sich erneut, senkte dann den Kopf. Schnell rieb er sich mit einem Finger �ber das rechte Auge.</p><p>�Ich danke euch�, sagte er in das Schweigen hinein. �Gute Nacht.�</p><p>Charles und Willa waren die ersten, die den Speisesaal verlie�en. Charles bemerkte eine eigent�mliche Stille in der Halle. G�ste unterhielten sich im Fl�sterton oder standen zeitungslesend da. Er t�tschelte Gus' Schulter und ging auf die Rezeption zu.</p><p>Der Angestellte senkte sein Exemplar des &gt;Inquirer&lt;.</p><p>�Was ist passiert?� erkundigte sich Charles.</p><p>Mit blassem Gesicht sagte der Angestellte: �General Custer ist massakriert worden. Und all seine M�nner mit ihm.�</p><p>GEWALTIGE INDIANERSCHLACHT M�rderischer Kampf im Westen Die Erde �bers�t mit Leichen �ber dreihundert Tote</p><p>DAS INDIANERMASSAKER Best�tigung der traurigen Nachricht Allgemeiner Indianerkrieg erwartet</p><p>LISTE DER TOTEN UND VERMISSTEN</p><p>GEN. CUSTER GANZ OBEN AUF DER LISTE Sein Bruder stirbt an seiner Seite</p><p>DER INDIANERKRIEG Wie tief sind die M�chtigen gest�rzt Erste Ger�chte nur zu wahr</p><p>ACHTUNDVIERZIG-STUNDEN-KAMPF Rettung naht zum Schlu�</p><p>Ursache der Katastrophe</p><p>CUSTER HANDELTE UNVERANTWORTLICH �BERST�RZT</p><p><emphasis>Philadelphia Inquirer</emphasis></p><p>6./7./8. Juli 1876</p><p>Das Mondlicht fiel auf die D�cher von Philadelphia und das Gesicht des Mannes am Hotelfenster. Au�er seinen Hosen hatte er nichts an. Es war halb zwei. Er konnte nicht schlafen. Aus diesem Grund fand auch Willa keinen Schlaf. Er h�rte, wie sie sich in dem Bett hinter ihm bewegte.</p><p>Nachdenklich sagte er: �Ich bin froh, da� Magee uns auf der Ranch besucht, wenn er seinen Urlaub kriegt. Ich m�chte wissen, was er von dem Massaker h�lt.�</p><p>�Es regt dich auf, nicht wahr?�</p><p>Charles nickte.</p><p>�Was h�ltst du davon?� fragte sie.</p><p>�L��t sich schwer sagen, wenn man die Fakten nicht kennt. Die Berichte sind immer noch reichlich wirr. Kaum, da� zwei davon �bereinstimmen. Mir tun die M�nner leid, die unter Custer dienten, mir tut seine Frau leid, aber, Gott helfe mir, um ihn kann ich keine Trauer empfinden. Ich wei� nicht, Willa, es ist, wie - man sieht, wie ein Rad eine volle Umdrehung macht. Viele M�nner sagten, Custer habe uns zum Washita gebracht, weil seine Reputation unter der Disziplinarstrafe gelitten hatte und er die Gunst der �ffentlichkeit zur�ckgewinnen wollte. Er brauchte einen Sieg. Er bekam ihn auch, aber es war ein schmutziger Sieg. Den Washita konnte er nie ganz vergessen machen; es klingt so, als h�tte er es diesmal durch die Erinnerung eines anderen Sieges versucht. Es gibt einige Hinweise darauf, da� er Befehle mi�achtet hat und einfach vorgeprellt ist.�</p><p>Er atmete lang und tief aus. �Ich glaube immer noch, er jagte hinter der Pr�sidentschaft her, nicht hinter den Sioux. Jetzt, wo er tot ist, w�rde ich gerne sagen, der arme Hundesohn war mir sympathisch, aber das war er nicht.�</p><p>Sie h�rte aus seiner Stimme die Verwirrung heraus, das Echo trauriger Erinnerungen. In dem schwachen Licht sah er ihre ausgestreckte Hand schimmern. �Ich liebe dich, Charles Main. Komm, la� mich dich in die Arme nehmen.�</p><p>Er war auf dem halben Weg zum Bett, als Gus aufschrie.</p><p>In wilden S�tzen st�rzte er aus dem Raum, durchs Wohnzimmer und in das kleine Schlafzimmer. Gus k�mpfte mit dem Bettlaken, rollte sich weinend hin und her. �Tu das nicht, tu das nicht.�</p><p>�Gus, ich bin's, Papa, ist doch gut. Alles ist gut!� Er nahm den Jungen in die Arme und pre�te ihn an sich. Er streichelte sein Haar. Es war schwei�feucht.</p><p>Charles lehnte sich zur�ck, und Gus starrte ihn verwirrt an. Im Mondlicht wirkte die Narbe fast schwarz. Lautlos verfluchte Charles alle Bents und Custers dieser Welt. Gus' riesige, entsetzte Augen nahmen ihn allm�hlich wahr. �Papa!�</p><p>Charles' Schultern sackten herab. Die Spannung verlie� ihn. �Ja�, sagte er.</p><p>Virgilia war die einzige Wei�e in dem kleinen, schlichten Restaurant. Sie und Scipio hatten sich hier mit Jane zu einem Abschiedsfr�hst�ck getroffen. Eier, gebratener Fisch, Maisbrot -alles k�stlich hei� und frisch. An den anderen Tischen sa�en Leute, die offensichtlich aus dem Quartier stammten. Der Sohn des Kochs machte den Kellner.</p><p>�Ich bin froh, da� wir uns treffen konnten�, sagte Virgilia, als sie mit dem Fr�hst�ck fertig war.</p><p>Jane sagte: �Ich auch. Ich wollte, mein Mann h�tte die Ausstellung sehen k�nnen.� Kein Selbstmitleid schwang in diesen Worten mit; es war nichts weiter als eine ernste Feststellung.</p><p>�Ich wei� nicht recht�, sagte Scipio.</p><p>�Was meinst du?� fragte Virgilia.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob wir viel zu feiern haben.� Er legte seine H�nde auf das alte Tischtuch. �Der Krieg endete vor elf Jahren. Das ist keine lange Zeit, doch manchmal denke ich, da� alles schon wieder dahin ist, was durch den Krieg erreicht wurde. Gestern las ich, was an zwei verschiedenen T�ren an einem Geb�ude in der Stadt stand. Nur f�r Wei�e. Nur f�r Farbige.�</p><p>Jane seufzte: �So was gibt's bei uns in South Carolina noch nicht, aber es wird wohl nicht mehr lange dauern. Der Klan schreit weiterhin &gt;Nigger! Nigger!&lt;, die Wei�en protestieren gegen die Schulsteuern, wir k�nnen die �ffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr benutzen, die Hampton-Rothemden sind los, die Demokraten werden im Herbst gewinnen, die letzten Soldaten werden abgezogen - der Krieg ist bei weitem nicht gewonnen. Du hast recht. Vor ein paar Jahren sah alles hell und strahlend aus, und jetzt wird es wieder dunkel. Ich glaube, wir fallen direkt wieder in das Jahr 1860 zur�ck.�</p><p>Scipio sagte: �Ich bin der gleichen Meinung.�</p><p>Jane bedeckte f�r einen Moment ihre Augen, sch�ttelte dann den Kopf. �Manchmal bin ich des K�mpfens so m�de.�</p><p>�Aber wir d�rfen nicht aufgeben�, sagte Virgilia. �Wenn wir nicht zu unseren Lebzeiten siegen, dann siegen wir eben in hundert Jahren. W�rde ich das nicht glauben, ich k�nnte keinen weiteren Tag leben.�</p><p>Drau�en umarmten sich Jane und Virgilia; dann machte sich Jane auf den Weg zu dem Hotel mitten in der Stadt, das sie und Madeline heute verlassen w�rden. Virgilia h�ngte sich bei ihrem Mann ein, und sie schlenderten in entspanntem, nachdenklichem Schweigen die drei Blocks zu ihrer Unterkunft. In einer H�tte weinte ein Baby. Ein gelblicher Hund mit r�udigen Stellen kratzte sich neben einem Schlammloch. Es fing an zu regnen.</p><p>Ein paar wei�e Jungs, ungef�hr zehn oder elf Jahre alt, die wahrscheinlich aus dem nahegelegenen Bezirk irischer Einwanderer stammten, schlichen hinter ihnen her; ganz pl�tzlich warfen sie mit Steinen nach ihnen und br�llten: �Niggerhure!� Sci-pio verjagte sie ohne gro�e Probleme. Hinterher merkte er voller Erstaunen, da� seine Frau weinte.</p><p>Er wollte nach dem Grund fragen. Sie sch�ttelte den Kopf, l�chelte ihm zu und nahm wieder seinen Arm. Sie gingen weiter den Weg zwischen den elenden H�tten entlang, und Virgilia dachte daran, da� sie hier ganz in der N�he vor vielen Jahren mit Grady gelebt hatte. Genau wie Jane empfand sie ein Gef�hl der Entmutigung.</p><p>Sie klammerte sich fester an Scipios Arm, zog Kraft und St�rke aus der Ber�hrung. Sie gingen weiter. Es regnete heftiger.</p><p>George hatte die kleine Ansprache seit Tagen ge�bt. In dem allgemeinen Durcheinander des Abschieds auf dem Bahnhof brachte er wie ein sch�chterner Junge kein Wort heraus. In dem Augenblick, in dem er Madeline von Jane fortzog, verga� er jedes Wort, das er sich eingepr�gt hatte.</p><p>R�te stieg ihm in die Wangen. �Ich hoffe, du h�ltst es nicht f�r unschicklich ...�</p><p>�Ja, George?� Sie betrachtete ihn abwartend mit freundlicher Gelassenheit. Er geriet fast ins Stottern.</p><p>�Ich w�rde mich selbst verfluchen, wenn ich das Andenken an Orry in irgendeiner Weise entehren w�rde .�</p><p>�Ich bin mir sicher, da� du das niemals tun w�rdest, George.�</p><p>�Ich m�chte dich gerne fragen - das hei�t, w�rdest du es jemals in Erw�gung ziehen - ich meine, was ich sagen will - Madeline, der Herbst ist eine herrliche Jahreszeit im Lehigh Valley. W�rdest du es in Erw�gung ziehen, mich auf Belvedere zu besuchen und dir von mir das, �h ...�, er k�mpfte mit dem n�chsten Wort wie ein liebeskranker Schwan, �Laub zeigen lassen?�</p><p>Es erheiterte und r�hrte sie zugleich.</p><p>�Ja, das w�rde ich gewi� in Erw�gung ziehen. Ich glaube, es w�rde mir sogar viel Freude machen.�</p><p>Vor lauter Erleichterung wurde er ganz bla�. �Wunderbar. Bring Jane mit, wenn du eine Begleiterin w�nschst. W�rde dir dieser kommende Herbst passen?�</p><p>Ihre Augen erw�rmten sich. �Ja, George. Ein Besuch in diesem Herbst w�re wunderbar.�</p></section><section><title><p id="bookmark91"><strong>71</strong></p></title><p>Der Herbstwind wehte durch das Tal. Der Sonnenuntergang warf orangefarbenes Licht �ber die D�cher von Lehigh Station, die Schornsteine von Hazards, die Flu�kr�mmungen, die lorbeerbedeckten H�hen. Madelines dunkle Haare, die sie vor dem Spaziergang so sorgf�ltig arrangiert hatte, umflatterten ihre Schultern.</p><p>George behielt seine H�nde in den Taschen seiner grauen Hosen. Ihr zu Ehren trug er eine kleine, wei�e Rose in seinem schwarzen Jackenaufschlag. Sie und Jane waren am Morgen mit dem Zug angekommen.</p><p>�Ich bin sehr froh, da� du gekommen bist�, sagte er mit offensichtlicher M�he. �Ich finde es weder leicht noch angenehm, die ganze Zeit allein zu sein.�</p><p>�Genau so geht es mir auch.� Etwas noch Geistloseres fiel ihr nicht ein. Seine Gegenwart, seine M�nnlichkeit verwirrten sie auf unerwartete Art und Weise. Sie mochte ihn und hatte Schuldgef�hle.</p><p>Sie kletterten den ausgetretenen Pfad empor. Der Lorbeer wogte im Wind. �Ich erinnere mich, wie ich hier mit Constance hochgegangen bin, an dem Abend, bevor ich zu Beginn des Krieges nach Washington ging. Ich dachte, ich sei in neunzig Tagen wieder zu Hause.� Er l�chelte schief. �Mein Gott, wir waren solche Unschuldsl�mmer. Ich hatte keine Ahnung, worauf wir uns da wirklich eingelassen hatten.�</p><p>�Niemand hatte eine Ahnung.�</p><p>�Es war die gewaltigste Erfahrung, die wir in unserem Leben gemacht haben.�</p><p>�Die Dinge wirken jetzt im Vergleich dazu ein bi�chen gew�hnlich und allt�glich, nicht wahr?�</p><p>Er wich ihrem Blick aus. �Ja. Sie erscheinen auch irgendwie unvertraut. Weil Constance nicht mehr ist. Und Orry.�</p><p>Sie nickte. �Ich vermisse ihn schrecklich.�</p><p>Sie kletterten h�her. Mit rotem Gesicht platzte George heraus: �Ich bin wirklich froh, da� wir dieses Treffen im Juli hatten.�</p><p>�Ja, wirklich. Was du bei diesem wunderbaren Essen sagtest, war absolut richtig. Unsere Familien sollten in enger Verbindung bleiben.�</p><p>Nach einer langen Pause: �Ich w�rde gern dein neues Haus sehen, Madeline.�</p><p>�Du bist jederzeit auf Mont Royal willkommen.�</p><p>Der Wind fauchte �ber die Gipfel der Berge. Lampen und Gaslichter leuchteten unten in der Stadt auf, ein dunstiges Gelb, ein dunstiges Blau. Ganz pl�tzlich stolperte George.</p><p>�Guter Gott�, rief Madeline, seine Schultern umklammernd, w�hrend er sich wieder aufrichtete. Sie war sich seiner K�rpergr��e bewu�t. Er war einen ganzen Kopf kleiner als sie, jedoch ein richtiges Energieb�ndel - obwohl sein Gesicht jetzt den einf�ltigen Ausdruck eines J�nglings zeigte.</p><p>Auch sie kam sich nicht sehr erwachsen vor. Sie hatte ein flaues Gef�hl in der Magengegend. Sie hatte gewu�t, da� dieser Moment kommen w�rde, seit sie seinen Blick in Philadelphia bemerkt hatte.</p><p>�Madeline, ich rede nicht gern um den hei�en Brei herum. Ich - ich halte sehr viel von dir - und das nicht nur, weil du die Witwe meines besten Freundes bist. Ich will - ich will dich nicht dr�ngen. Aber ich m�chte dich gern fragen - w�rst du emp�rt, wenn ich vorschlagen w�rde, da� du und ich - vielleicht in angemessener Zeit .�</p><p>Er schaffte es nicht, den Satz zu beenden. Sie schob sich eine Haarstr�hne aus dem Gesicht. �Ich w�rde es begr��en, wenn ich richtig verstanden habe, was du sagen wolltest, George. Solange es keine Verwirrung wegen meiner Vergangenheit gibt. Meiner Herkunft.�</p><p>�Nein�, sagte er; seine Stimme klang pl�tzlich sehr stark und kr�ftig. �Das spielt nicht die geringste Rolle.�</p><p>�Gut.�</p><p>Er r�usperte sich erneut, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihr einen keuschen Ku� auf die Wange.</p><p>Sie ber�hrte kurz seinen Arm, lie� dann die Hand fallen. Er begriff, da� sie damit ihr Einverst�ndnis ausdr�cken wollte, und begann �ber das ganze Gesicht zu strahlen.</p><p>In der nahenden Dunkelheit stiegen sie h�her. Er sagte, er wolle ihr gern den Krater zeigen, den der Meteor im Fr�hjahr 1861 wie ein Vorbote von Gottes Zorn geschlagen hatte. �Ich habe ihn auch seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Hier w�chst nichts. Die Erde ist vergiftet.�</p><p>Sie folgten einer Windung des Pfades und sahen vor sich eine tiefe, smaragdgr�ne Mulde im Berg. �Das ist nicht .�</p><p>�Doch, das ist es�, sagte er mit ged�mpfter Stimme.</p><p>�Wie h�bsch.�</p><p>Der Wind fuhr in den Krater und bewegte sanft das an den Abh�ngen und auf dem gew�lbten Grund wachsende Sommergras, w�hrend die Nacht sich herabsenkte.</p><p>MADELINES JOURNAL</p><p><emphasis>November 1876. Es herrschte gro�e Verwirrung, wer die Wahl gewonnen hat, in South Carolina und in der gesamten Nation. Ich habe wenig daf�r �brig. Die Engstirnigkeit im Staat widert mich an, vor allem wenn sie auf jemanden abf�rbt, der den Namen Main tr�gt. Cooper prahlte Judith gegen�ber, da� er nicht nur einem Hampton-Club angeh�re, sondern auch einer jener extremen Demokraten sei, die s�mtliche Neger vollkommen aus dem politischen Proze� ausschalten wollen. Wie sehr unterscheidet er sich doch von dem Cooper, den ich einst kennengelernt habe ...</emphasis></p><p><emphasis>Die Politik ist nicht der wirkliche Grund f�r meine Verwirrung und Zerstreutheit. George dr�ngt mit seiner Werbung. Heute wieder ein Brief.</emphasis></p><p><emphasis>... Den gr��ten Teil der Nacht wachgelegen. Ich werde ihn heiraten. Hoffentlich tue ich das richtige</emphasis> ...</p><p><emphasis>G. kommt zu Weihnachten zu Besuch. Er spricht in seinem letzten Brief von einer Verlobungsanzeige. Ich liebe ihn nicht; ich mag ihn und bewundere ihn. Genau das habe ich ihm auch gesagt. Es h�lt ihn nicht ab. Vielleicht werde ich ihn einst lieben, aber bestimmt nicht auf die gleiche leidenschaftliche Art und Weise wie dich, Liebster</emphasis> ...</p><p><emphasis>Da ich mit G. ein neues Leben beginnen werde und dieses Buch f�r dich bestimmt ist, werde ich nur noch einige wenige Gedanken niederschreiben.</emphasis></p><p><emphasis>G. und ich werden unsere Zeit zwischen Mont Royal und Pennsylvania aufteilen. Schwierigkeiten werden unvermeidlich sein. Wir haben uns beide feierlich versprochen, sie zu bew�ltigen</emphasis> ...</p><p>George entfernte sich von dem Haus, ging zu der Stelle, wo der Rasen zum Ashley hin abzufallen begann. Sein Blick kletterte langsam an der wei�en S�ule neben der Doppelt�r empor. Zweieinhalb Stockwerke hoch stieg die S�ule in den blendenden Weihnachtshimmel.</p><p>Im Haus bereitete Madelines Personal lachend und scherzend das Festmahl zu. Die Dienerschaft bestand nur aus Schwarzen, die alle ein festes Gehalt bekamen. Doch es lag weder daran noch an dem Silberreiher, der tr�ge �ber die Baumkronen strich, da� George das Gef�hl hatte, in einem anderen Land zu sein.</p><p>Madeline beobachtete seine zufriedene Miene, was wiederum ein L�cheln bei ihr ausl�ste. George seufzte und kehrte zu ihr zu der T�r zur�ck. Er nahm ihre Hand.</p><p>�Es ist ein herrliches Haus. Orry w�re stolz darauf. Und in Wirklichkeit geh�rt es ja auch ihm. Ich kann nicht darin wohnen, nicht einmal f�r einen Teil des Jahres. Es w�re einfach nicht richtig.�</p><p>�Es tut mir leid, George. Allerdings �berraschen mich deine Worte nicht. Nun, es macht nichts - ich habe es in seinem Andenken gebaut, und es ist gen�gend Geld da, um es der Familie zu erhalten. Wenn Theo besser etabliert ist, k�nnen vielleicht er und Marie-Louise mit ihren Kindern in das Haus ziehen. Da ich deine Gef�hle vorausahnte, habe ich mir letzten Donnerstag ein h�bsches Stadthaus in Charleston angesehen. Ich habe eine Anzahlung geleistet, um mir das Vorkaufsrecht bis Anfang des</p><p>Jahres zu sichern. Wenn du damit zufrieden bist, dann werde ich auch damit zufrieden sein.�</p><p>�Oh, ich bin �berzeugt davon, da� es mir gef�llt.� Er reckte sich, um sie auf die Wange zu k�ssen. �Frohe Weihnachten, meine Liebe.�</p><p>... <emphasis>Ich habe ein zu schlechtes Gewissen, um weiterschreiben zu k�nnen; ich mu� Schlu� machen. Du wei�t, da� Du unvergessen bleibst, mein Liebster. Ich werde Dich immer lieben. Madeline</emphasis></p></section><section><title><p id="bookmark92"><strong>72</strong></p></title><p>Madeline schlo� das Journal. Sie fand ein St�ck wei�es Satinband und verschn�rte das Buch wie ein Paket; zum Schlu� machte sie eine kleine Schleife. Sie stieg die rechten Stufen der gro�en Doppeltreppe hinauf, die sich wie zur Begr��ung ausgestreckte Arme von oben herabschwang, und kletterte dann eine kleinere Treppe zu einer T�r hoch, die zu einem der weitfl�chigen R�ume unter den Dachbalken f�hrte.</p><p>Sie nahm eine Lampe von einem kleinen Tisch, z�ndete sie an und betrat das Dachgescho�. Neben einem der breiten Backsteinkamine, die das Haus zu beiden Seiten begrenzten, stand ein kleiner, roter Lederkoffer mit runden Messingbeschl�gen und einem Messingschl�ssel in einem Messingschlo�. Sie �ffnete den Deckel. In dem Koffer lagen elf weitere, mit einem Band verschn�rte Schreibhefte, genau wie das, welches sie in ihrer Hand trug. Sie legte das neue Heft hinein, betrachtete die B�chlein nachdenklich, klappte dann den Deckel zu und drehte den Schl�ssel im Schlo�. Sie verlie� das Dachgescho�, l�schte die Lampe, ging mit dem Schl�ssel zu ihrem Schreibtisch und bereitete ein Papierschildchen vor. Sie beschriftete das Schildchen mit Tinte - zur Identifizierung des Schl�ssels - und band es mit einem kr�ftigen Zwirn an. Dann legte sie den Schl�ssel in eine kleine Schublade des Schreibtisches, f�r welche Nachkommen auch immer. Es war der Neujahrsmorgen 1877.</p></section><section><title><p id="bookmark93"><strong>73</strong></p></title><p>Die Wahlen friedlich durchf�hren, wenn wir k�nnen, mit Gewalt, wenn wir m�ssen.� Das war der schriftlich ver�ffentlichte Mississippi-Plan aus dem Jahre 1874. Man hatte alle wei�en W�hler durch gesellschaftlichen Druck oder durch Gewaltandrohung in die Demokratische Partei gezwungen und die Schwarzen so eingesch�chtert, da� sie �berhaupt nicht w�hlten; auf diese Weise hatte man Mississippi ges�ubert.</p><p>1876 behalf sich South Carolina mit den gleichen Methoden.</p><p>In diesem Jahr sahen sich die Republikaner in s�mtlichen Staaten einem schwierigen Wahlkampf gegen�ber. Viele in der Partei wollten sich von den aus politischen Abenteurern bestehenden Regierungen l�sen, die immer noch in Florida, Louisiana und South Carolina an der Macht waren. Die Mehrheit der amerikanischen Bev�lkerung betrachtete das Gesetz des Bajonetts im S�den als Fehlschlag.</p><p>South Carolinas Gouverneur, Daniel Henry Chamberlain aus Neuengland, war ein kalter, glatter Mann, vor kurzem noch Justizminister des Staates. Er war zwar etwas ehrlicher als sein Vorg�nger, aber nichtsdestoweniger Republikaner. Also ritten die Hampton-Clubs gegen ihn und seine Anh�nger.</p><p>Die Lage im Staat war explosiv. W�hrend des Rassenaufstands im Juli in Hamburg hatten Wei�e f�nf schwarze Gefangene hingerichtet. Im August f�hrte Calbraith Butler, Charles Mains alter Kommandeur bei der Hampton-Legion und nun ein militanter Demokrat, bewaffnete M�nner zu einer republikanischen Wahlveranstaltung f�r Chamberlain in Edgefield. Dort besetzte er das Rednerpult, verlangte Sprechzeit, beschimpfte Chamberlain und dessen Partei und zerstreute die Wahlkundgebung in alle Winde.</p><p>Die Gewalt eskalierte. Neger-Demokraten, die eine Versammlung in Charleston verlie�en, wurden von Neger-Republikanern angegriffen; es kam zu einer regelrechten Schlacht in der King Street. Ein weiterer Rassenaufruhr lie� Ellenton im Aiken County erbeben. Herumstreifende Banden von Schwarzen, ver�rgert �ber die niedrigen L�hne in den Combahee-River-Reisfel-dern, brannten eine Kneipe in der N�he von Beaufort nieder und rissen die Schienen auf, um einen Zug nach Port Royal entgleisen zu lassen.</p><p>Aufgrund solcher und �hnlicher Vorf�lle wurden weitere Truppen nach South Carolina geschickt. Tausende von Deputy-Marshalls beobachteten die Stimmenabgabe. Im Kielwasser weiterer Hilferufe schickte Pr�sident Grant am 17. Oktober durch General Thomas H. Ruger eine Proklamation, in der er die Aufl�sung s�mtlicher Hampton-Clubs befahl. Die meisten �nderten lediglich ihren Namen.</p><p>7. November. Wahltag. Trotz der Gegenwart von Soldaten und Marshalls wurden M�nner, die als Einwohner von Georgia und North Carolina bekannt waren, in grenznahen Wahllokalen in South Carolina gesehen. Reitertrupps galoppierten von Ort zu Ort und w�hlten �berall. Im ber�chtigten Edgefield County, wo die Wei�en ihre Stimmen im Gericht abgaben, wurden Schwarze, die den Mut aufbrachten, in ein winziges Schul-haus geschickt, in das nicht alle hineinkamen, bevor die Wahllokale schlie�en mu�ten. Einige mutige Schwarze marschierten zum Gericht, um zu protestieren und ihr Recht zu fordern. Bewaffnete, von M.W. Gary, dem heftigsten Bef�rworter des Mississippi-Plans im Bezirk, organisierte M�nner trieben sie zur�ck.</p><p>Der Schatten des Betrugs fiel �ber den Staat und das Land.</p><p>Umstrittene Stimmenausz�hlungen in Florida, Louisiana und South Carolina stellten den Ausgang der Pr�sidentenwahl in Frage. Der Demokrat Samuel Tilden ben�tigte zum Sieg lediglich noch eine Wahlliste; Rutherford B. Hayes ben�tigte neunzehn. In den drei umstrittenen Staaten mu�te neu ausgez�hlt werden.</p><p>Anfangs schien es, als h�tte South Carolina beiden Parteien einen Sieg erm�glicht. Hayes hatte seine Wahl knapp gewonnen; ein �hnlich knapper Sieg ging an Gouverneur Hampton und seine demokratischen Legislatoren.</p><p>Dann begann die zweite Z�hlung. South Carolinas Wahlstimmenpr�fungsausschu� war republikanisch; diese Offiziellen lie�en gen�gend demokratische Stimmen unter den Tisch fallen, um Hayes' Sieg sicherzustellen, w�hrend sie den Sieg von Hampton und dessen Kandidatenliste f�r null und nichtig erkl�rten. Gouverneur Chamberlain bekam eine weitere Amtszeit zugestanden, und die Republikaner erhielten die Mehrheit in der gesetzgebenden K�rperschaft. Die Demokraten br�llten Betrug.</p><p>Gouverneur Chamberlains Position war sehr schwach. Ende November schickte Grant weitere Truppen, um ihn an der Macht halten zu k�nnen.</p><p>Demokratische Legislatoren wurden in der gesetzgebenden K�rperschaft von dem republikanischen Sprecher E.W.M. Ma-ckey abgewiesen. Die Demokraten organisierten sich in der Carolina Hall und w�hlten William Wallace zu ihrem Sprecher.</p><p>Am 7. Dezember wurde Gouverneur Daniel Chamberlain feierlich in sein Amt eingesetzt.</p><p>Am 14. Dezember wurde Gouverneur Wade Hampton in einer getrennten Zeremonie feierlich in sein Amt eingesetzt.</p><p>Beobachter waren sich nicht schl�ssig, ob sie nun einer Kom�die oder einer Trag�die beiwohnten. Vier Tage lang trafen sich republikanische und demokratische Legislatoren in der gesetzgebenden K�rperschaft. Beide Sprecher behandelten Antr�ge und leiteten Debatten. Es gab parallele Wahlaufrufe und parallele Stimmabgaben. Keine Gruppe erkannte die Anwesenheit der anderen Gruppe an. Doch �hnlich den Soldaten der Union und der Konf�deration, die sich in den Gr�ben bei Petersburg gegen�bergelegen hatten, gingen die Gegner allm�hlich freundschaftlicher miteinander um. Als die Republikaner ihre Gasrechnung zu bezahlen verga�en und die Gesellschaft die Versorgung der Halle einstellte, bezahlten die Demokraten die f�llige Rechnung.</p><p>Die Belastung durch zwei in einer Kammer operierenden gesetzgebenden K�rperschaften erwies sich als zu gro�, von der allgemeinen Konfusion ganz zu schweigen. Die Wallace-Ver-sammlung kehrte in die Carolina Hall zur�ck. Dann entschieden die Gerichte, da� Hampton und die Wallace-Legislative die rechtm��igen Anw�rter seien, doch Chamberlain weigerte sich, das Parlamentsgeb�ude zu verlassen. Bewaffnete Truppen hielten ihn weiterhin im Amt.</p><p>Der Kongre� schuf eine spezielle Wahlkommission, bestehend aus f�nf Senatoren, f�nf Abgeordneten, f�nf Richtern des Obersten Gerichtshofs, die als Schiedsrichter bei den umstrittenen nationalen Ausz�hlungen auftreten sollte. Am 9. Februar 1877 best�tigte die Kommission die offizielle Zweitz�hlung in Florida zugunsten von Hayes. Am 16. Februar best�tigte die Kommission die Louisiana-Z�hlung zugunsten von Hayes. Am 28. Februar best�tigte sie die South-Carolina-Z�hlung zugunsten von Hayes.</p><p>Tilden weigerte sich diese Entscheidungen anzufechten. Die Demokraten der S�dstaaten begannen daraufhin sofort im Hintergrund um Zugest�ndnisse zu k�mpfen; es ging nicht so sehr um Versprechungen, sondern um das allgemeine Einverst�ndnis, da� eine republikanische Regierung dem S�dstaaten-Stand-punkt wohlwollend gegen�berstehen w�rde. Als Gegenleistung unterst�tzten die Demokraten Hayes, der am 5. M�rz friedlich zum Pr�sidenten der Vereinigten Staaten gek�rt wurde.</p><p>Am 23. M�rz lud Pr�sident Hayes die Gouverneursanw�rter Hampton und Chamberlain zu getrennten Privatsitzungen nach Washington. Hampton versicherte glaubw�rdig, da� er bei Abzug der Truppen die Rechte der Schwarzen aufrechterhalten w�rde. Gouverneur Chamberlains schw�chlicher Zugriff auf das Parlamentsgeb�ude war gebrochen.</p><p>Am 10. April zogen sich, der Entscheidung des Hayes-Kabi-netts folgend, die Armeeinfanteristen aus dem Parlamentsgeb�ude von Columbia zur�ck. Der letzte besetzte Staat im S�den stand nicht l�nger unter der Herrschaft des Nordens.</p><p>South Carolina war befreit.</p><p>Die Wiederaufbauphase war beendet.</p></section></section><section><title><p>Epilog</p><p id="bookmark94"><strong>Der Exerzierplatz 1883</strong></p></title><p><emphasis>�Mein Name ist George Hazard. Ich komme aus Pennsylvania. Einer kleinen Stadt, von der Sie noch nie geh�rt haben - Lehigh Station.�</emphasis></p><p><emphasis>�Orry Main. Aus Saint George's Parish, South Carolina.�</emphasis></p><p>Ein Gespr�ch in New York City 1842</p><empty-line/><p>Vor den Steinbaracken trafen sich die beiden zum ersten Mal. Der kleinere Junge mit den derben Gesichtsz�gen war mit dem Morgendampfer angekommen; der andere erst am Nachmittag.</p><p>Der gr��ere Junge war achtzehn, ein Jahr �lter als der andere. Er hatte eine kleine, diagonale Narbe auf seiner rechten Wange. Die Narbe, das lange Haar und seine kr�ftigen Gesichtsknochen verliehen ihm das Aussehen eines Indianers.</p><p>Er sprach zuerst. �Gus Main. Texas.�</p><p>Der Junge mit dem kr�ftigen Kinn und den weichen Wangen streckte scheu seine Hand aus. �G.W. Hazard. Los Angeles.�</p><p>�Ich erinnere mich von Philadelphia her noch an dich.�</p><p>�Ich erinnere mich auch an dich�, sagte G.W., �wir haben eine Menge Popcorn zusammen gegessen. Wir haben diesem Adler stundenlang zugeschaut.�</p><p>�Wie hie� er doch gleich noch?�</p><p>�Wart mal. Abe. Old Abe.�</p><p>Gus grinste. �Richtig. Haben alle Yankees so ein phantastisches Ged�chtnis?�</p><p>�Ich bin kein Yankee. Ich bin Kalifornien�</p><p>Ein �lterer Jahrgang kam aus der Baracke marschiert und br�llte sie an.</p><p>Jenseits des Exerzierplatzes sa�en die beiden alten Freunde nebeneinander in Schaukelst�hlen auf der Veranda des Posthotels und lauschten dem Gebr�ll im Junizwielicht. �M�tze runter, wann immer Sie einen Vorgesetzten ansprechen, Sir! Bis Sie die Aufnahmepr�fung bestanden haben, sind Sie nichts anderes als ein widerliches Objekt, Sir! Fauliger Dreck, Sir! Abschaum!�</p><p>Colonel Charles Main von der 1.500.000 Acres gro�en Main Chance Ranch z�ndete sich eine Zigarre an. William Hazard, Pr�sident von Sundown Sea Realty Company und Diamond Acres Estate, legte seine H�nde �ber sein B�uchlein.</p><p>�Ich habe Willas Darbietung gestern abend sehr genossen.�</p><p>�Sie ist froh, wieder f�r ein paar Monate auf der B�hne stehen zu k�nnen.�</p><p>�Mr. Booth ist ein stattlicher Bursche. Und talentiert. Es war ein Erlebnis, mit ihm zu Abend zu essen. Aber ich sage dir, ich k�nnte nicht sechshundert Fremden meine Beine im engen Trikot vorf�hren.�</p><p>Charles zuckte mit den Schultern. �Er ist Schauspieler. Er k�nnte nicht nachts unter feindlichem Feuer eine Pontonbr�cke �ber einen rei�enden Flu� bauen.�</p><p>Am anderen Ende des Exerzierplatzes stolperten die Mitglieder der neuen Klasse der Milit�rakademie der Vereinigten Staaten zu einem Gebilde zusammen, das eine vage �hnlichkeit mit einer Formation besa�, w�hrend die �lteren Jahrg�nge weiter kreischten und br�llten: �Ihr seid weniger als der letzte Dreck, Sir! Sie, Sir, sind ein Ding, Sir!�</p><p>Der Sonnenuntergang spiegelte sich in Billys runden Brillengl�sern. �Ich habe leichte Schuldgef�hle, weil ich mit G.W. hochgekommen bin. Du und ich, wir benehmen uns wie Mamas, die ihre Kleinen verh�tscheln. Mein Junge war alles andere als begeistert davon.�</p><p>�Meiner ebenfalls. Egal, wir sind alte Absolventen. Wir haben das Recht, hierher zur�ckzukommen. Ich wollte den Ort sehen.�</p><p>�Und was empfindest du dabei?�</p><p>�Wei� nicht genau�, sagte Charles. Er drehte seinen Stuhl, damit er die gro�e Flagge in der Abendr�te flattern sehen konnte. Irgendwo auf dem Hudson ert�nte das Signalhorn eines Dampfers. �Ich glaube, dieser Ort hat einige unerwartete Sachen mit mir angestellt. Er machte mich zu einem Soldaten, wo ich wom�glich gar nicht aus dem Holz geschnitzt war, aus dem man Soldaten macht.�</p><p>�Obwohl du ein guter Soldat warst.�</p><p>Charles gab dazu keinen Kommentar ab. �Was diesen Ort anbelangt - ich mag ihn irgendwie, jetzt, wo ich nicht l�nger dazugeh�re.�</p><p>�Au�er durch deinen Jungen.�</p><p>�Nun ja, ich hatte so meine Bedenken, ob ich ihn einschreiben lassen sollte. Er kriegt hier eine gute Ausbildung, das hat mich schlie�lich �berzeugt. Er kann ja die Armee verlassen, nachdem er seinen Dienst abgeleistet hat.�</p><p>�Sicher. Es wird keine Kriege mehr geben, in denen man k�mpfen mu�.�</p><p>�Das sagt jeder.�</p><p>�Fragst du dich nicht, was aus unseren beiden Jungs wird, Bison?�</p><p>�Sicher. Aber ich glaube, ich wei� es. Ihnen wird das gleiche passieren, was Orry und George passiert ist. Was dir und mir passiert ist. Dinge, mit denen wir nie gerechnet haben. Dinge, die wir uns niemals h�tten vorstellen k�nnen. Das sind die Dinge, die den Menschen stets zusto�en, zusammen mit den normalen, gew�hnlichen Dingen.�</p><p>�Wie beispielsweise alt zu werden.� Billy erhob sich g�hnend. �Ich werde jetzt immer so verdammt m�de. Bereit zum Abendessen?�</p><p>�Wenn du es bist, Bunk, jederzeit.�</p><p>Billy schaute zu, wie die ungleichm��ige Formation Richtung Kantine abmarschierte. �Ich bin stolz, da� ich hier war�, sagte er und hakte seine Daumen in die Taschen seiner Goldbrokatweste. �Ich bin froh, da� mein Bruder und dein Cousin sich hier getroffen haben. Ohne das h�tte ich weder Brett noch meine Familie. George h�tte Madeline nicht. Ich h�tte nie meinen besten Freund kennengelernt.�</p><p>So viele Geburten, dachte Charles. So viele Todesf�lle. So wichtig. So belanglos.</p><p>�Ja, ich bin froh, da� sie sich getroffen haben�, sagte er. �Ich h�tte sie gern an jenem Tag im Jahre 1842 gesehen. Ich m�chte wetten, sie haben schon ein P�rchen abgegeben. Der Junge des Eisenh�ttenbesitzers und der Junge des Reispflanzers. Oh, ich h�tte sie wirklich gern gesehen.�</p><p>Die Kanone, die in West Point den Sonnenuntergang anzeigte, donnerte los. Die beiden Freunde gingen hinein zum Abendessen.</p><p><emphasis>Nur einen</emphasis> Augenblick trifft uns sein Zorn, doch lebenslang umgibt uns seine G�te.</p><p>Am Abend m�gen Tr�nen flie�en, am Morgen jubeln wir vor Freude.</p><p>30. Psalm</p><p>Ich mache das Licht,</p><p>und ich mache die Dunkelheit;</p><p>ich schaffe den Frieden,</p><p>und ich schaffe das B�se;</p><p>ich, der Herr, bin es,</p><p>der dies alles vollbringt.</p><p>Jesaja 45</p></section><section><title><p id="bookmark95">Nachwort</p></title><p><emphasis>Er hatte geh�rt, da� Ned den Krieg nie �berwunden h�tte... Das traf auf viele M�nner zu.</emphasis></p><p>Larry McMurtry Lonesome Dove</p><empty-line/><p>Mit diesen letzten Abs�tzen f�llt der Vorhang �ber der Nord-und-S�d-Trilogie, einem Projekt, das mich etwas l�nger als f�nf Jahre besch�ftigt hat.</p><p>Der erste Band, &gt;Die Erben Kains&lt;, behandelte die Vorkriegsperiode und bem�hte sich, das langsame Wachsen des Konflikts sowie dessen zahlreiche Ursachen zu beleuchten. &gt;Liebe und Krieg&lt; drehte sich um den Krieg selbst, vier Jahre, die auf ewig unser nationales Bewu�tsein zeichnen, die tiefe Narben hinterlie�en und schlie�lich die Phantasie der ganzen Welt erregten. Bis auf den heutigen Tag �bt der Krieg eine magische Anziehungskraft auf Millionen aus. Er stellt eine einzigartige Kombination des Alten und des Neuen dar; erbarmungsloses Leiden und leuchtenden Idealismus. &gt;Krieg ist die H�lle&lt;, schnappte Onkel Billy Sherman, das Leid so treffend beschreibend. Der idealistische Aspekt wurde 1884 von Oliver Wendell Holmes charakterisiert. In Erinnerung an seine Kriegserlebnisse (Captain, 20th Massachusetts) sagte er: �Wir hatten das gro�e Gl�ck, da� in unserer Jugend ein Feuer in unseren Herzen brannte. Wir lernten dadurch von Anfang an, da� das Leben eine unergr�ndliche, leidenschaftliche Sache ist.�</p><p>In den vier Kriegsjahren ging mit unserem Land ein apokalyptischer Wandel vor. Als Fu�note ist es f�r mich recht interessant, da� bis jetzt noch niemand meine Metapher f�r diesen Wandel - die Pferde - in &gt;Liebe und Krieg&lt; identifiziert hat. Bilder von Pferden tauchen st�ndig in dem Roman auf. Direkt nach dem Prolog wird ein geschmeidiges, schwarzes Pferd gezeigt, das �ber eine sonnenhelle Weide galoppiert. Im letzten</p><p>Bild tun sich Bussarde an den �berresten eines schwarzen Pferdes g�tlich, das neben einer Eisenbahnlinie liegt.</p><p>In &gt;Himmel und H�lle&lt; richtete ich das Augenmerk nach Westen, weil meiner Meinung nach die Verschiebung der historischen Ereignisse das verlangte. Gleichzeitig wollte ich einige Details der sich in vollem Gang befindenden B�rgerrechtsrevolution bringen, im allgemeinen &gt;radikaler Wiederaufbau&lt; genannt, die in den Jahren unmittelbar nach dem B�rgerkrieg gewonnen und gleich wieder verloren wurde. Historiker bezeichnen meist das Jahr 1876 als das letzte Jahr der Wiederaufbauphase, das mit der &gt;Befreiung&lt; - soll hei�en: der R�ckkehr zu einer demokratischen, nur aus Wei�en bestehenden Staatsregierung - in South Carolina zusammenf�llt, dem letzten der zu &gt;befreienden&lt; S�dstaaten, was in diesem Fall durch den sogenannten Mississippi-Plan geschah. In dem Staat, in dem alles begann, in dem John Calhoun seine Nichtigkeitsdoktrin vortrug, endete es auch wieder.</p><p>In den 1860er Jahren waren wir als Volk einfach noch nicht f�hig, Demokratie zu praktizieren. Als Andrew Johnson w�hrend seiner &gt;Goodwill-Tour&lt; seinem Publikum in Cleveland sagte, sie sollten in Ohio erst mal vor der eigenen T�r kehren, bevor sie den S�den attackierten, wurde er ausgepfiffen und ausgebuht. Selbst viele erkl�rte Nordstaatenrepublikaner - literarische M�nner wie John William DeForest vom B�ro f�r befreite Negersklaven und der Journalist Whitelaw Reid - konnten eine gewisse g�nnerhafte Herablassung gegen�ber den &gt;Schwarzen&lt; nicht aus ihrer Prosa heraushalten. Ihre Werke sind voll von rassischen Stereotypen. Reid schreibt: &gt;Wer hat nicht die tiefen, feuchten Kuhaugen des S�dstaatennegers bewundert?&lt; und &gt;Die Elfenbeinz�hne, die hier sichtbar wurden, h�tten einen Zahnarzt zur Raserei gebrachte Trotz Lincoln, trotz der Radikalen, trotz der Verfassungszus�tze blieb das wei�e Amerika nach dem Krieg rassistisch.</p><p>Die Geschichte des Wiederaufbaus ist wichtig f�r das moderne Amerika. Im Januar dieses Jahres, als ich die letzte Fassung durch den Computer laufen lie�, tobte Rassengewalt im Forsyth County, Georgia. Teilnehmer an einem Friedensmarsch wurden vom wei�en Mob bedroht, blo� weil sie schwarz waren. Die Lektion, die uns die Geschichte lehrt, ist manchmal eine traurige Lektion: da� wir unf�hig sind, aus der Vergangenheit zu lernen, und sie endlos wiederholen m�ssen, wie Santayana warnte.</p><p>Als ich �ber den Wiederaufbau schrieb, wollte ich keineswegs eine andere Gruppe beiseite lassen, die eine entscheidende Rolle in diesem Roman spielt. Ich meine die urspr�nglichen Einwohner dieses Landes, die eingeborenen Indianer. W�hrend der hier geschilderten Zeitspanne wurden sie schlie�lich von ihrem Land vertrieben und sehr wirkungsvoll jeglicher M�glichkeit beraubt, am politischen Proze� teilzunehmen, durch etwas, was wir heute als &gt;V�lkermord&lt; bezeichnen. Die Indianer stellen nicht das ethnische Hauptthema in &gt;Himmel und H�lle&lt; dar, doch ich habe keineswegs beabsichtigt, ihnen lediglich ein historisches Achselzucken zukommen zu lassen. Die Trag�die der Indianer w�rde ich gern in einem sp�teren Buch ausf�hrlicher behandeln.</p><p>Selbstverst�ndlich soll dieses Buch ebenso wie die beiden vorausgegangenen Romane vor allem eine Geschichte erz�hlen und erst in zweiter Linie Historie sein (obwohl ich wie stets nie wissentlich um der Handlung willen historische Fakten verf�lscht habe). Einige der historischen Aspekte dieses Romans bed�rfen jedoch eines kurzen Kommentars.</p><p>Ich fand es schwierig, �ber den Ku-Klux zu schreiben. Aus der Sicht der Opfer des Klans wirkten die Kapuzenm�nner erschreckend und furchteinfl��end. Doch es f�llt schwer, hundert Jahre alte Fotos von mit Bettlaken beh�ngten Klansm�nnern zu betrachten oder ihre pomp�sen Handzettel und Zeitungsank�ndigungen zu lesen, ohne zu l�cheln. Diese Dualit�t eignet sich nicht zum Geschichtenerz�hlen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich die Aktivit�ten des Klans objektiv eingefangen habe. Ich m�chte dem Leser jedoch versichern, da� die in diesem Buch vorkommenden Rituale und die zitierten Fragmente nicht von mir erfunden wurden; sie sind authentisch. General Nathan Bedford Forrest gr�ndete nicht den Klan, doch man ist sich allgemein einig dar�ber, da� er f�r einige Jahre die Rolle des Reichshexenmeisters bekleidete, bis die Gewaltt�tigkeiten au�er Kontrolle gerieten und er �ffentlich die Aufl�sung des Klans anordnete.</p><p>Bis auf den heutigen Tag prallen die Meinungen �ber General George A. Custer hart aufeinander. Man kann sagen, da� Cus-ter ein guter oder zumindest erfolgreicher Soldat war. Er ver-zeichnete eine erstaunliche Anzahl von Siegen mit der Unionsarmee. Bei einigen seiner M�nner l�ste er eine unglaubliche Loyalit�t aus (bei anderen fanatischen Ha�; dies war auch das Problem in der Siebten Kavallerie von dem Augenblick an, da er zu dem Regiment stie�, bis zu dem Zeitpunkt, wo er es am Little Big Horn in die Katastrophe f�hrte).</p><p>Meine Interpretation von Custer ist zugegebenerma�en pers�nlich. Ich finde zu viele negative Punkte. Seine Eitelkeit war �berw�ltigend, genau wie die seiner Frau. Es gibt keine Entschuldigung f�r seine Weigerung, das Kommando �ber schwarze Soldaten in der Neunten Kavallerie zu �bernehmen. Seine Bestrafungen waren drakonisch, h�ufig illegal, und viele seiner Abenteuer im Feld waren tollk�hn oder entstanden aus pers�nlichen Beweggr�nden; der schnelle Abstecher zu seiner Frau Libbie, der ihn vor das Kriegsgericht brachte, ist ein gutes Beispiel daf�r. Was ihn am st�rksten in Mi�kredit bringt, ist der Washita - die Schlacht oder das Massaker, je nachdem, auf welche Angaben man sich st�tzt. Washita birgt f�r mich gewisse Aspekte, die eine gespenstische �hnlichkeit mit Vietnam aufweisen. Eine frustrierte Armee, die Guerillak�mpfern gegen�berstand, gegen deren unkonventionelle Taktiken sie kein Mittel fand, st�rmte ein Dorf und vernichtete es v�llig - M�nner, Frauen, Kinder - aufgrund der Theorie, da� auch kleine Jungs die Waffen gegen ihren Feind erheben k�nnten (was offenbar gelegentlich auch geschah).</p><p>Wahrscheinlich wird man mich verd�chtigen, romantische Vorstellungen �ber die Taten der Soldaten von Griersons Zehnter Kavallerie zu hegen. Ich pl�diere auf nicht schuldig. Die Armee bot bei diesen schwarzen Kavalleristen die erste offizielle Gelegenheit, aus ihrem elenden Leben in den St�dten des Nordostens herauszukommen, und sie machten sich diese Chance zunutze. Die milit�rischen Sachverst�ndigen sind sich mit dem Autor George Walton einig, der �ber das Zehnte Regiment sagte: �Die Soldaten ... entwickelten einen Esprit de Corps, der in der Armee der Vereinigten Staaten fast ohne Beispiel ist ... die Desertationsrate, stets ein Gradmesser der Moral, wurde zur niedrigsten in der Milit�rgeschichte.� Anfangs widerstrebende wei�e Offiziere kommandierten nach und nach das Zehnte Regiment voller Stolz. John Pershing erhielt seinen Spitznamen, Black Jack, w�hrend seiner dortigen Dienstzeit.</p><p>Obwohl Trompeten und H�rner vollkommen verschiedene Instrumente sind, wurde das von der Armee in den Jahren 1865-70 ignoriert. Zu dieser Zeit sprach man ganz allgemein von &gt;Trompetensignalen&lt;. Ich habe allerdings noch nie von einem Kavalleristen geh�rt, der in vollem Galopp an den Ventilen herumgefummelt h�tte. Mit anderen Worten, in dieser Zeit bliesen die Trompeter in Signalh�rner, wurden aber nichtsdestoweniger als Trompeter bezeichnet.</p><p>Zum Schlu� verdient noch Henry Ossian Flipper Erw�hnung. Flipper, West Point Jahrgang 1877, war der erste schwarze Absolvent der Milit�rakademie, der erste schwarze Offizier im Zehnten Regiment, und damit auch der erste schwarze Offizier der regul�ren Armee. Er wurde 1856 als Sklave in Georgia geboren und absolvierte West Point trotz buchst�blicher �chtung. �F�r mich gab es keinerlei gesellschaftlichen Umgang�, schrieb er. �Keine Freunde, weder m�nnlich noch weiblich; meine Isolation war absolut und vollst�ndig.� Doch Flipper hielt trotz herzzerrei�ender Schwierigkeiten durch, so wie nach ihm viele schwarze Soldaten, was man ihnen hoch anrechnen mu�.</p><p>Und nun habe ich zu danken.</p><p>Wenn nicht anders angegeben, stammen die Schlagzeilen, Depeschen und Annoncen aus der &gt;New York Times&lt;. Den &gt;Pur-purtraum&lt; der Konf�deration, eine sch�ne Metapher, die ich �bernommen habe, hat Samuel Eliot Morison kreiert.</p><p>Eine Anekdote des Historikers Robert West Howard inspirierte mich zu den &gt;Fenway-Klavieren&lt;.</p><p>Colonel John W. DeForest, den ich bereits erw�hnte, hat w�hrend seiner Dienstzeit in South Carolina eines der wichtigsten Zeugnisse jener Jahre niedergeschrieben. Ich habe gro�z�gigen Gebrauch von seinem <emphasis>A Union Officer in the Reconstruction</emphasis> gemacht, als ich Madelines Journal entwarf.</p><p>Bei der Beschaffung von DeForests Werk und von so vielen anderen B�chern, Zeitungen und Zeitschriften mu� ich zuerst dem unendlich hilfsbereiten Personal der Greenwich Public Library danken. Ich bin seit Jahren ein heftiger Benutzer von Bibliotheken, doch eine so hervorragende habe ich in einer Stadt von vergleichbarer Gr��e nie gefunden.</p><p>Die Bibliothek auf Hilton Head Islands hat mit der ihr gem��en Sorgfalt gearbeitet; besonders danke ich hier Ruth Gaul und Sharon Lowery. Die Bibliothekare in South Carolina sind so enthusiastisch wie die in Connecticut, nur haben sie sehr viel weniger Geld zur Verf�gung. Die Mehrheit der Politiker scheint Tourismus und Fu�ball wichtiger zu finden als Bildung. Die Bibliothekare machen das Beste aus ihrer beklagenswerten Situation.</p><p>Robert E. Schnare von West Point hat mich wiederum mit Unterlagen versorgt. Weitere wichtige Dokumente kamen von der Tennessee State Library. F�r Spezialforschungen bekam ich Hilfe von meinem Freund Ralph Dennler, meinem Sohn Michael Jakes, meinem Schwiegersohn Michael Montgomery und meiner Frau.</p><p>Ebenso danke ich Bill Conti. Al Kohn von Warner Bros. Records und Auriel Sanderson, Vizedirektorin der David L. Wol-per Organization.</p><p>Wie immer trage ich die ausschlie�liche Verantwortung f�r auff�llige Fehler und f�r s�mtliche Meinungen, die in diesem Band ge�u�ert werden.</p><p>&gt;Himmel und H�lle&lt; beschlie�t eine Trilogie, die mit einem knappen Konzept und mit gro�em Glauben gestartet wurde. Ich danke in dieser Hinsicht Bill und Peter Jovanovich und allen anderen Verlagsmitarbeitern, die ich im Laufe dieses Projekts kennenlernte. Dabei denke ich besonders an Rubin Pfeffer, Willa Perlman, meine gro�artige Lektorin, Julian Muller und seine t�chtige und freundliche rechte Hand, Joan Judge.</p><p>Durch Harcourt Brace Jovanovich habe ich Paul Bacon getroffen, dessen wirkungsvolle Schutzumschl�ge meiner Trilogie zu Aufmerksamkeit verholfen haben, wie Tausenden von anderen B�chern auch. Paul ist ein Spitzenmann in seinem Fach; durch die Trilogie sind wir nicht nur Freunde geworden, sondern wir arbeiten jetzt auch gemeinsam an einem Kinderbuch.</p><p>Frank R. Curtis, Esq., mein Anwalt und Freund, bleibt f�r mich eine Quelle der Kraft und ein weiser Berater. In England haben mich meine Agentin June Hall und Ian und Marjorie Chapman von Collins Publishers unerm�dlich ermutigt.</p><p>Einige B�cher sind einfach zu schreiben, andere sind es nicht. Dieses geh�rte zu den letzteren, was nichts mit dem Schreiben an sich zu tun hatte. Als ich mitten in der Konzeptionsarbeit steckte, starb meine Schwiegermutter Nina an einer qualvollen Krankheit. Sie war eine liebenswerte, mutige Frau, von kleinem K�rperbau, aber gro� im Geist. Sie wurde in einer konservativen, l�ndlichen Kleinstadt in Illinois geboren und verbrachte dort den gr��ten Teil ihres Lebens. Sie war nicht nur eine t�chtige Mutter, sondern auch eine Verfechterin der Rechte f�r Schwarze und Frauen, und zwar lange bevor es Mode wurde. Sie stand mir stets bei, vor allem auch in einer schwierigen Zeit, in der es viele nicht taten. Ich liebte sie von ganzem Herzen, und ihr Tod im Oktober 1986 war ein schmerzvoller Verlust f�r uns.</p><p>Ein anderer Schicksalsschlag traf mich unmittelbar vor Abschlu� dieses Buches. Letzten Freitag starb meine Mutter. Sie starb einen ganz andern Tod als Nina, war sie doch drei Jahre lang hospitalisiert gewesen und hatte ihre Umgebung w�hrend des letzten Jahres nicht mehr wahrgenommen. Sie war 91 Jahre alt, doch das mildert den Verlust nicht.</p><p>Schlie�lich w�re nichts ohne meine Frau Rachel denkbar gewesen, ganz sicher nicht dieses Werk. Ihr verdanke ich alles, und ich werde immer in ihrer Schuld stehen.</p><empty-line/><p>John�Jakes</p><empty-line/><p>Greenwich, Connecticut, und���</p><p>Hilton Head Island, South Carolina</p><p>7. August 1986/30. M�rz 1987</p></section></body><binary id="cover" 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