<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Richard</first-name><last-name>Baker</last-name></author><book-title>Verdammung</book-title><annotation><p>Die gegen Menzoberranzan geeinten Kr�fte beginnen, Gestalt anzunehmen, und die Gefahr f�r die Zivilisation der Drow ist schrecklicher als bisher gedacht. Der Weg zu Lolths Geheimnissen f�hrt von den undurchdringlichen Schatten des Unterreichs zu den entlegenen Winkeln der unwirtlichen Obenveit und ist ebenso unvorhersehbar wie t�dlich.</p><p>Zusammen mit zwei Drow, die die letzten �berlebenden Ched Nasads sein k�nnten, haben die Forscher aus Menzoberranzan viel erfahren, doch f�r jede Antwort, die sie erhalten, stellen sich tausend neue Fragen. Sie m�ssen in der Hoffnung, er k�nne ihnen die G�ttin schneller finden helfen, einen rivalisierenden Priester aufsuchen, doch kann je ein Dunkelelf einem anderen trauen?</p><p>Der dritte Roman einer epischen sechsteiligen Reihe, die der fruchtbaren Phantasie R. A. Salvatores und einer handverlesenen Gruppe der talentiertesten Autoren des Genres entspringt. Bringen Sie mit ihnen zusammen Licht in die schw�rzesten Winkel der Vergessenen Reiche, um so die Schatten dort nur noch tiefer zu machen.</p></annotation><date>2005</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Ralph</first-name><last-name>Sander</last-name></translator><sequence name="Der Krieg der Spinnenk�nigin" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Richard</first-name><last-name>Baker</last-name></author><book-title>Condemnation</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>7180630E-FF07-4524-A341-B21AE420E345</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Verdammung</p><p>Richard Baker</p></title><epigraph><p>F�r Lynn R. Baker jr.</p><p>1942-2002 Gute Reise, Dad.</p></epigraph><epigraph><p>Dank an Phil Athans, der gro�e Pl�ne schmiedete und es anschlie�end ausbaden durfte, an Bob Salvatore, der mich in seinem Sandkasten mitspielen lie�, und an Ed Greenwood, der mir Zutritt zu seiner Welt gew�hrte.</p><p>Ein ganz besonderes Dankesch�n geht an Kim, weil sie es mit mir aush�lt, sowie an Alex und Hannah, von denen ich jeden Tag etwas Neues lerne.</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Die Nahrung war verbraucht, und mit ihr auch die W�rme. Alles war hohl und leer, da war nur der Ruf, sich zu befreien. Dieser Ruf war �u�erst beharrlich � ein schleichendes Dr�ngen, das sich allm�hlich in Verzweiflung steigerte.</p><p>Acht Beinchen reagierten auf diesen flehenden Ruf. Acht winzige Waffen trafen auf der konkaven Wand auf. Ein Schlagen und Rei�en, das dem helleren Grau an diesem so finsteren Ort folgte.</p><p>Ein Loch entstand in der ledernen Oberfl�che, woraufhin die acht Beine ihre Angriffe auf diesen einen Punkt konzentrierten, da sie dort Schw�che wahrnahmen. Schw�che konnte nicht toleriert werden. Schw�che mu�te ausgenutzt werden, sofort und gnadenlos.</p><p>Eines nach dem anderen, Millionen und Abermillionen, bewegten sich diese winzigen Beine zum ersten Mal in dem tr�ben Raum zwischen den Universen und befreiten sich aus ihren kreisrunden Gef�ngnissen. Von Hunger, Ehrgeiz, Angst und einer instinktiven Schlechtigkeit getrieben, f�hrten die Millionen von Arachniden ihren ersten Kampf gegen eine geschmeidige, lederne Barriere. Die stellte zwar alles andere als einen w�rdigen Gegner dar, doch sie k�mpften mit einer Verbissenheit, die aus dem Wissen geboren war, da� die ersten, die sich befreien konnten, einen gro�en Vorteil hatten, da sie wu�ten, da� sie allesamt Hunger hatten.</p><p>Da� es nichts anderes zu essen gab als ihren N�chsten.</p><p>Die W�rme des Eiersacks war verschwunden, verbraucht. Die ruhigen Augenblicke der Einsamkeit, des Erwachens, des ersten Wahrnehmens eines Bewu�tseins geh�rten der Vergangenheit an. Die W�nde, die ihnen Schutz geboten hatten, waren zu einem Hindernis geworden, zu nichts anderem. Die weiche Schale hielt sie vom Fressen ab, von einem notwendigen Kampf, von einer Befriedigung in so vieler Hinsicht.</p><p>Von Macht.</p><p>Vor allem das konnte von diesen gesegneten, verfluchten Nachkommen nicht geduldet werden. Also k�mpften sie, zerrten, kratzten und krabbelten, um nach drau�en zu kommen.</p><p>Um zu fressen.</p><p>Um nach oben zu gelangen.</p><p>Um zu herrschen.</p><p>Um zu t�ten.</p><p>Um zu werden ...</p></cite></section><section><title><p>1</p></title><p>Wogen von Staub und Sand fegten �ber den alten roten Stein. Halisstra Melarn zog ihren <emphasis>Piwafwi</emphasis> eng um sich, da der eisige Wind sie zittern lie�. Die Nacht war kalt, um einiges k�lter als die Tiefe mit ihren H�hlen weit unter der Oberfl�che der Welt. Der Wind fegte klagend durch die verwitterten Ruinen, die sich tot und schweigend in die karge H�gellandschaft duckten. Einst hatte dort eine prachtvolle Stadt gestanden, doch das war lange her. Zertr�mmerte Kuppeln und wacklige S�uleng�nge waren stumme Zeugen einer stolzen, handwerklich hochentwickelten, aber vor langer Zeit untergegangenen Rasse. Gewaltige Festungsw�lle trotzten noch immer beharrlich dem W�stenwind, und die St�mpfe zerschlagener T�rme reckten sich dem Himmel entgegen.</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte Halisstra vielleicht Tage damit zugebracht, durch die immensen Ruinen zu spazieren und �ber deren l�ngst vergessene Geschichte nachzudenken. Doch im Augenblick hielt ein gr��eres, weit erschreckenderes Mysterium sie in seinem Bann und erf�llte sie mit Ehrfurcht und Entsetzen. �ber den schwarzen Silhouetten verfallender T�rme und schiefer Mauern glitzerte ein Sternenmeer wie kaltes, unerbittliches Eis an einem grenzenlosen, schwarzen Himmel.</p><p>Nat�rlich hatte sie davon geh�rt. Rein verstandesm��ig begriff sie das Konzept eines freien Himmels anstelle einer H�hlendecke, und sie wu�te auch von diesen unglaublich weit entfernten Lichtpunkten hoch �ber ihr. Doch unter einem freien Himmel zu sitzen und dieses Schauspiel mit eigenen Augen zu sehen ... das war eine v�llig andere Angelegenheit. In den zweihundert Jahren ihres Lebens hatte sie sich noch nie mehr als ein paar Dutzend Kilometer von Ched Nasad entfernt, und selbst wenn, war sie immer noch viele Meilen von der Oberfl�che weg gewesen. Nur wenige Drow aus der Stadt der schimmernden Netze waren jemals bis ganz nach oben vorgedrungen. Wie die meisten anderen Drow ignorierte auch sie die Dinge, die sich au�erhalb der endlosen Intrigen, des R�nkeschmiedens und dem unerbittlich auf die eigenen Interessen ausgerichteten Leben in Ched Nasad abspielten.</p><p>Sie starrte hinauf zu den funkelnden Lichtern und war sich der bitteren Ironie bewu�t. Die winzigen funkelnden Diamanten und der immense Nachthimmel waren real. Sie hatten bereits vor einer unvorstellbar langen Zeit existiert, ehe sie von ihrem Platz in der verlassenen, eisigen W�ste aus nach oben gesehen und sie entdeckt hatte, und w�rden zweifellos weiterhin existieren, lange nachdem sie selbst tot war. Was es dagegen nicht mehr gab, war Ched Nasad � ihre Geburtsstadt, die Stadt, deren Rivalit�ten und Loyalit�ten und Erfolge ihr Leben lang all ihren Intellekt und ihre Aufmerksamkeit f�r sich beansprucht hatten. Es war noch keinen Tag her, da hatte sie auf einem Balkon des Hauses Nasadra gestanden und voller Entsetzen mit ansehen m�ssen, wie der Stein brannte, wie ein Haus nach dem anderen fiel und ihre Stadt auf eine verheerende Weise zerst�rt wurde. Ched Nasad mit den wunderbaren steinernen Netzen und d�ster-sch�nen M�rchenschl�ssern, die sich an die W�nde der Felsspalte klammerten. Ched Nasad mit seiner unglaublichen Arroganz und seinem Trotz, mit den finsteren Adelsh�usern und der unabl�ssigen Verehrung der Spinnenk�nigin selbst. Ched Nasad, der Mittelpunkt von Halisstras Existenz, war nicht mehr.</p><p>Seufzend ri� sich Halisstra vom Anblick des Himmels los und stand auf. F�r eine Drow war sie mit ihren fast einem Meter f�nfundsechzig verh�ltnism��ig gro�, und zugleich war sie so schlank wie ein Rapier. Auch wenn ihren Z�gen die vielen hochgeborenen Drow-Frauen eigene, verlockende, fast habs�chtige Sinnlichkeit fehlte, war sie auf ihre ernste und erhabene Art dennoch h�bsch. Trotz stundenlanger, heftiger K�mpfe und eines verzweifelten Ringens darum, dem Feuer zu entkommen und trotz der unglaublichen Katastrophe bewegte sich Halisstra mit einer k�hlen, gedankenverlorenen Eleganz, mit der ruhigen Selbstbeherrschung einer Frau, die zur K�nigin geboren war.</p><p>Sandk�rner prasselten gegen den pechschwarzen Stahl ihrer R�stung, w�hrend der Wind ihr den Mantel wegzurei�en versuchte. Halisstra kannte die feuchten, kalten Luftbewegungen in den gewaltigen Hohlr�umen unter der Erde gut, doch dieser W�stensand wurde von einem unabl�ssigen, stechenden Wind gepeitscht, der sie st�ndig aus einer anderen Richtung traf. Sie verdr�ngte den Wind, die Sterne und die Ruinen aus ihren Gedanken und schlich zur�ck zu den anderen. Die hatten sich an der windabgewandten Seite einer hohen Mauer in einem kleinen Hof zusammengekauert, der mit zerbrochenen S�ulen ges�umt war. An einem Ende des Platzes standen die verlassenen �berreste eines einst herrschaftlichen Palastes. Von den M�beln hatte nichts die jahrhundertelange Einwirkung des Sandes und des Wetters �berdauert, die gemeinsam die Stadt best�rmt hatten, doch die S�uleng�nge und die H�fe, die hohen S�le und die immer noch stolzen Flure deuteten darauf hin, da� dieses Geb�ude fr�her einmal die Residenz einer Familie gewesen war, die in der Stadt eine gewisse Macht besessen, vielleicht sogar �ber sie geherrscht hatte. Nicht weit von ihnen entfernt stand inmitten der vom Sand gegl�tteten Mauern ein schmuckloses Steinportal, ein Torbogen aus einem fremden schwarzen Stein, der ein magisches Portal beherbergte, durch das man zur�ck nach Ched Nasad gelangen konnte. Durch dieses Portal waren Halisstra und die anderen aus der untergehenden Dunkelelfen-Stadt entkommen.</p><p>Sie blieb stehen und betrachtete ihre Begleiter. Danifae, ihre Hofdame, kniete elegant am Boden, ihr perfekt geschnittenes Gesicht gefa�t, die Augen geschlossen. Es war m�glich, da� sie d�ste, ebensogut konnte sie auch gleichm�tig warten, was als n�chstes geschehen w�rde. Vor f�nfzehn Jahren war Danifae, eine gefangengenommene Priesterin aus der Stadt Eryndlyn, Halisstra als Dienerin geschenkt worden. Die junge, h�bsche, kluge Danifae hatte sich mit erstaunlicher W�rde dieser Gefangenschaft unterworfen, auch wenn sie genaugenommen ohnehin keine andere Wahl gehabt h�tte, denn das silberne Medaillon, das auf Danifaes Herzen ruhte, erlegte ihr einen starken Zauber auf. Was hinter diesen leuchtenden Augen und dem perfekten Gesicht vor sich ging, wu�te Halisstra nicht, doch Danifae hatte ihr so treu und gut gedient, wie es der sie bindende Zauber von ihr verlangte, aber vielleicht hatte sie sogar noch etwas mehr als das zwingend Notwendige gegeben; da� Danifae noch immer bei ihr war, stellte f�r Halisstra einen gro�en Trost dar.</p><p>F�r die �brigen f�nf galt das dagegen in keiner Weise. Die Ereignisse der letzten Tage Ched Nasads hatten Halisstra an eine Gruppe von Reisenden aus dem fernen Menzoberranzan geraten lassen, einer Stadt, die sich im Lauf der Zeit von einem Feind Ched Nasads zu einem Rivalen, Handelspartner und schlie�lich Beherrscher entwickelt hatte. Quenthel Baenre sa� in Gedanken versunken da, ihren Mantel eng um sich geschlungen, damit sie gegen die K�lte gewappnet war. Als Priesterin der Spinnenk�nigin war Quenthel eine Tochter des Hauses Baenre, des f�hrenden Clans Menzoberranzans. Quenthel aber als potentielle Freundin Halisstras zu sehen, nur weil sie beide Lolth dienten, war weit gefehlt. Die meisten adligen Drow-Frauen dienten Lolth und verbrachten ihr Leben damit, um Macht und Vorherrschaft bei der Anbetung zu ringen. So liefen die Dinge bei den Drow � wie Lolth es ihnen vorschrieb. Wenn es die Spinnenk�nigin bevorzugte, jene zu belohnen, die sich als die Ruchlosesten und Ehrgeizigsten beim Werben um ihre Gunst erwiesen, was sollte eine Drow dann anderes tun, wenn sie nicht das Nachsehen haben wollte?</p><p>Quenthel war in vieler Hinsicht das Sinnbild der Drow, eine angehende Matriarchin, die Fr�mmigkeit im Dienst an Lolth mit k�rperlicher Sch�nheit, Charakterst�rke und absoluter R�cksichtslosigkeit vereinte. Von den Reisenden aus Menzoberranzan stellte sie f�r Halisstra die gr��te Bedrohung dar. Halisstra war selbst Tochter einer Muttermatrone und eine Priesterin Lolths, daher wu�te sie genau, da� sie Quenthel im Auge behalten mu�te. Im Augenblick waren sie Verb�ndete, doch es war nicht viel n�tig, um Quenthel zu der Ansicht gelangen zu lassen, Halisstra sei als Gefolgsfrau oder als Gefangene n�tzlicher � oder es sei sogar besser, sie zu t�ten.</p><p>Quenthel konnte sich der Loyalit�t des massigen Jeggred sicher sein, eines Draegloth aus ihrem eigenen Haus. Diese Kreatur war je zur H�lfte D�mon und Drow, Sohn von Quenthels �lterer Schwester und eines unbekannten Bewohners des Abgrunds. Jeggred, der die anderen Drow deutlich �berragte, war eine vierarmige Kreatur mit bestialischer Natur, die ihre Neigung zu m�rderischer Gewaltanwendung st�ndig in Schach halten mu�te. Sein Gesicht �hnelte dem eines Drow, und er ging aufrecht, doch ein gl�nzender silberner Pelz bedeckte an Brust, Schultern und Lenden seine dunkle Haut, und seine Krallen waren so lang und scharf wie Dolche. Halisstra f�rchtete Jeggred nicht, denn der Draegloth war Quenthels Kreatur und w�rde ihr ohne die ausdr�ckliche Erlaubnis seiner Herrin kein Haar kr�mmen. Er mochte das Instrument sein, das Halisstra t�tete, wenn Quenthel den Befehl erteilte, doch es w�re unsinnig gewesen, in ihm irgend etwas anderes als Quenthels Waffe zu sehen.</p><p>Von Pharaun war Halisstra zutiefst beeindruckt. Das Studium des arkanen Wissens war eine Sache, die genau wie der Umgang mit dem Schwert den M�nnern �berlassen blieb. Ein m�chtiger Magier verdiente Respekt, ungeachtet der Tatsache, da� er ein Mann war. Halisstra wu�te sogar von mehr als einem Fall, in denen die Muttermatrone eines bedeutenden Hauses nur mit dem Einverst�ndnis der m�chtigen m�nnlichen Magier der Familie hatte herrschen k�nnen � eine Situation, die ihr immer als pervers und gef�hrlich erschienen war. Pharaun verhielt sich, als besitze er solche Macht und solchen Einflu�. Zwar ordnete er sich immer wieder Quenthel unter, doch eine solche Reaktion war immer von einem h�hnischen L�cheln oder einer heuchlerischen Bemerkung begleitet, und gelegentlich grenzte sein respektloses Auftreten gar an ein unverhohlenes Rebellieren. Das bedeutete, da� er entweder ein v�lliger Narr war � was jedoch unwahrscheinlich war, da man ihn in Menzoberranzan speziell ausgew�hlt hatte, um die gef�hrliche Reise nach Ched Nasad zu unternehmen � oder da� er �ber genug Macht verf�gte, um sich gegen die nat�rliche Tyrannei einer Adligen wie Quenthel zu behaupten. In Pharaun sah Halisstra einen m�glicherweise wichtigen Verb�ndeten gegen Quenthel, wenn sich herausstellen sollte, da� sie und Quenthel sich nicht einigen konnten.</p><p>Halisstra kam es vor, als sei Ryld Argith f�r Pharaun das, was Jeggred f�r dessen Herrin war. Ryld, ein kr�ftig gebauter Waffenmeister, dessen Statur es mit der Halisstras aufnehmen konnte, war ein immens geschickter K�mpfer. Sie hatte das bei der Flucht aus Ched Nasad mit eigenen Augen gesehen. Wie die meisten M�nner wahrte er eine angemessen unterw�rfige Haltung, sobald Quenthel zugegen war, was Halisstra als gutes Zeichen wertete. Ryld w�rde vermutlich im Handumdrehen seine Ergebenheit einer anderen Frau von hoher Abstammung erkl�ren. Sie konnte nicht darauf z�hlen, da� sich Ryld gegen Pharaun oder Quenthel stellen w�rde, doch ein reinrassiger Drow war in seiner Loyalit�t nicht so unersch�tterlich wie ein durchschnittlicher Draegloth ...</p><p>Der letzte und zugleich Unbedeutendste der Gruppe aus Menzoberranzan war Valas Hune. Der kleine Mann sagte wenig, daf�r beobachtete er unabl�ssig die Umgebung. Halisstra hatte Leute wie ihn schon fr�her zu sehen bekommen. M�nner wie er waren n�tzlich, aber sie wollten nichts mit den Machenschaften der Priesterinnen und Matriarchinnen zu tun haben, also hielten sie sich von der Politik der gro�en H�user fern. Im Moment kauerte Valas vor einem kleinen Haufen trockenen Buschwerks und versuchte, ein Feuer zu entfachen.</p><p>�Besteht eine Chance, da� uns jemand verfolgt?� fragte Ryld in den eisigen Wind.</p><p>�Wohl kaum�, murmelte Quenthel. �Das komplette Haus ist abgest�rzt, nachdem wir das Portal benutzt haben. Wie sollte uns da jemand folgen?�</p><p>�Es ist nicht unm�glich, liebe Quenthel�, gab Pharaun zur�ck. �Ein f�higer Magier k�nnte herausfinden, wohin das Portal gef�hrt hat, selbst wenn es zerst�rt worden ist. Er k�nnte das Portal sogar so weit wiederherstellen, da� er es benutzen kann. Ich vermute, es h�ngt davon ab, wie sehr man uns in Ched Nasad vermi�t.� Er sah zu Halisstra auf und fragte: �Wie sieht es damit aus? Haltet Ihr es f�r wahrscheinlich, da� Euresgleichen uns die Schuld an den ungl�cklichen Ereignissen der letzten Stunden geben? Werden sie nicht alles daransetzen, sich zu r�chen?�</p><p>Halisstra sah ihn an. Die Frage ergab keinen Sinn. Wer sollte denn �berlebt haben, um den Angriff der Duergar der Gruppe aus Menzoberranzan in die Schuhe zu schieben? Haus Melarn war gefallen, und das galt auch f�r Haus Nasadra. Sie begann, die gro�e Ersch�pfung ihres K�rpers zu sp�ren � ein bleiernes Gef�hl in ihrem Herzen und einen Nebel, der sich um ihren Verstand gelegt hatte �, und lie� sich gegen�ber der Gruppe in den Sand sinken.</p><p>�Jeder in Ched Nasad hat im Moment wichtigeres zu tun, als sich um Euren Aufenthaltsort zu k�mmern�, brachte sie heraus.</p><p>�Ich glaube, die Dame hat dich gerade in deine Schranken verwiesen, Pharaun�, lachte Ryld. �Die Welt und alles in ihr dreht sich nicht um dich, wei�t du?�</p><p>Pharaun nahm den Spott mit einem sardonischen Grinsen und einer sich selbst herabw�rdigenden Geste.</p><p>�Meinetwegen�, sagte er leichthin. Er wandte sich an Valas Hune, der versuchte, mit Funken das Gestr�pp zu entz�nden. �H�ltst du das f�r eine gute Idee? Das Feuer wird man noch in einiger Entfernung sehen.�</p><p>�Es ist gerade erst Mitternacht, wenn ich mich nicht versch�tzt habe�, erwiderte der Sp�her, ohne aufzublicken. �Wenn du es jetzt schon f�r kalt h�ltst, dann warte mal die Stunden vor Sonnenaufgang ab. Wir brauchen ein Feuer, ganz gleich, wie gro� das Risiko auch sein mag.�</p><p>�Woher wei�t du, wie sp�t es ist�, wollte Quenthel wissen, �oder wie kalt es noch werden wird?�</p><p>Valas schlug einen Funken und duckte sich, um ihn vor dem Wind zu sch�tzen. Augenblicke sp�ter hatte das Buschwerk Feuer gefangen, und der Sp�her legte trockenes Holz nach, um die Flammen zu n�hren.</p><p>�Seht Ihr die Anordnung der Sterne im S�den?� entgegnete er. �Die sechs, die aussehen wie eine kleine Krone? Das sind die Wintersterne. Sie gehen zu dieser Jahreszeit fr�h auf und sp�t wieder unter. Ihr werdet bemerken, da� sie sich nahe dem Zenit befinden.�</p><p>�Du warst schon einmal an der Oberfl�che�, stellte Quenthel fest.</p><p>�Ja�, antwortete Valas, sagte aber weiter nichts dazu.</p><p>�Wenn es jetzt mitten in der Nacht ist, was ist dann das f�r ein Leuchten dort am Himmel?� hakte sie nach. �Das mu� der Tagesanbruch sein.�</p><p>�Das ist der Mond, der aufgeht.�</p><p>�Es ist nicht die Sonne, die sich �ber den Horizont erhebt? Es ist so hell!�</p><p>Valas sah auf, l�chelte k�hl und erkl�rte: �Wenn das die Sonne w�re, Herrin, w�ren jetzt nur noch halb so viele Sterne am Himmel zu sehen. Glaubt mir, es ist der Mond. Wenn wir hierbleiben, werdet Ihr die Sonne noch fr�h genug zu Gesicht bekommen.�</p><p>Quenthel schwieg, m�glicherweise ver�rgert �ber ihren Fehler. Halisstra konnte es ihr nicht ver�beln, war sie doch dem gleichen Irrtum erlegen.</p><p>�Womit sich eine wichtige Frage ergibt�, warf Pharaun ein. �Ich nehme an, da� wir nicht allzulange hierbleiben wollen. Was werden wir dann tun?�</p><p>Er sah Quenthel unverhohlen an und forderte sie mit seiner Frage heraus.</p><p>Quenthel sprang aber nicht darauf an, sondern betrachtete eindringlich den silbernen Schein im Osten, als h�tte sie die Frage nicht geh�rt. Mondschatten, fahl wie Geister, wuchsen aus verwitterten Mauern und zerfallenden S�ulen, so schwach, da� nur ein Drow sie wahrnehmen konnte, dessen Augen an die D�sternis des Unterreiches gew�hnt waren. Quenthel griff neben sich in den Sand und lie� die K�rner durch ihre Finger rieseln, w�hrend sie beobachtete, wie der Wind diesen silbernen Strom wegwehte. Zum ersten Mal kam es Halisstra in den Sinn, Quenthel und die anderen Reisenden aus Menzoberranzan k�nnten die gleiche Ersch�pfung, die gleiche Niedergeschlagenheit empfinden, die so schwer auf ihrem eigenen Herzen lastete � nicht, weil sie ihren Verlust sp�rten, sondern weil sie wu�ten, da� sie Zeuge eines gro�en, schrecklichen Verlustes geworden waren.</p><p>Das Schweigen hielt lange an, bis Pharaun sich bewegte und den Mund aufmachte, als wolle er wieder zum Sprechen ansetzen. Doch Quenthel kam ihm zuvor und sprach mit kalter und w�tender Stimme: �Was wir tun werden? Wir werden tun, was ich sage. Wir sind ersch�pft und verletzt, und ich verf�ge nicht �ber Magie, die unsere Wunden heilen und uns Kraft geben k�nnte.� Sie verzog das Gesicht und lie� den restlichen Sand zu Boden rieseln. �F�r den Augenblick werden wir ruhen. Ich werde morgen �ber unsere weitere Vorgehensweise entscheiden.�</p><empty-line/><p>Hunderte von Kilometern von den �berresten der W�stenstadt entfernt stand ein anderer Drow ebenfalls in einer Ruinenstadt.</p><p>Es handelte sich um eine Stadt der Drow, ein aus dem Fels hervorspringendes Bollwerk aus schwarzem Stein, das aus der Wand einer immensen, lichtlosen Felsspalte emporwuchs. Von der Anordnung her war die Stadt einst etwas in der Art einer gewaltigen Festung auf einem ausladenden, felsigen H�gel gewesen, die ein wenig zur Seite geneigt war, um finster �ber einem klaffenden Loch in die Umgebung zu starren, aus dem �belriechende Winde von dem unergr�ndlichen Abgrund darunter hinauf in H�hlen weit dar�ber wehten, die sich allen Blik-ken entzogen. Auch wenn die T�rme und Spitzen sich mutig �ber eine furchterregende Klippe hinauslehnten, schien der Ort in keiner Weise an einem gefahrvollen Punkt gelegen zu sein. Das gewaltige Felsst�ck war einer der tragenden Pfeiler der Welt, ein dicker Spat, der so sicher in der Felswand verwurzelt war, da� allenfalls die Vernichtung Torils ihn w�rde losrei�en k�nnen.</p><p>Die wenigen Gelehrten, die sich an den Ort erinnerten, kannten ihn als Chaulssin, die Stadt der Drachenschatten, und selbst von denen wu�ten noch die wenigsten, warum die Stadt so genannt wurde. In der lichtlosen Feste am Rande des Abgrunds waren die Schatten selbst mit Leben erf�llt. Pechschwarze Lachen aus purer Mitternacht, schw�rzer als das Herz eines Drow, wanden sich und str�mten von Turm zu Turm. Eine wispernde Finsternis schl�ngelte sich wie ein riesiger hungriger Drache um die nadelgleichen Spitzen und durch die zu einer Seite hin offenen gedeckten G�nge der toten Stadt. Von Zeit zu Zeit verschluckten die lebenden Schatten Teile der Stadt f�r Jahrhunderte und zogen so einen Palast oder einen Tempel hinunter an einen kalten Ort jenseits der Kreise dieser Welt.</p><p>Nimor Imphraezl schlich behutsam durch die verlassenen G�nge Chaulssins, scheinbar ohne die lebenden schwarzen Vorh�nge wahrzunehmen, die an den dunklen Orten der Stadt tanzten und zuckten. Das zum Wahnsinn reizende Heulen des unabl�ssigen Hurrikans, das sich jenseits der Stadtmauern erhob, zerrte an seinem Mantel und wirbelte sein langes Silberhaar durcheinander, doch er schenkte dem keine Beachtung. Dies war sein Ort, seine Zuflucht, und die Gefahren und der Wahnsinn stellten lediglich vertraute Akzente dar, die seine Aufmerksamkeit nicht verdienten. Nimor hatte die Statur eines schlanken, fast jungenhaften Elfen, was hie�, da� er klein und so schlank wie ein Schilfrohr war. Der h�chste Punkt seines Kopfs reichte einer durchschnittlichen Frau kaum bis zur Nase, und jede Frau, die gr��er geraten war, �berragte ihn mit Kopf und Schultern.</p><p>Trotz seiner zierlichen Statur strahlte Nimor Macht aus. Sein kleiner Wuchs schien von einer punktgenauen St�rke und t�dlichen Schnelligkeit erf�llt, die in keinem Verh�ltnis zu seinen Proportionen stand. Sein Gesicht war schmal, aber h�bsch, ja fast sogar sch�n anzusehen, und er trug die �berlegene Arroganz eines adlig geborenen Drow zur Schau, der nichts f�rchtete, was immer sich ihm auch in den Weg stellte. Es war eine Rolle, die er gut spielte, den Drow aus hohem Hause, den Prinz der Ruinenstadt. Wenn er noch etwas anderes war, wenn er mehr war ... nun, die wenigen Drow, die mit ihm dort lebten, waren nicht viel anders.</p><p>Nimor kam am Ende der Gangs an und begab sich ins Innere des Geb�udes, um eine breite Treppe hinaufzugehen, die durch das Herz des monolithischen Sporns geschnitten worden war, an den sich Chaulssin krallte. Die Kakophonie der Winde, die drau�en tobten, verebbte rasch zu einem fernen, tiefen Fl�stern, das zischend und durchdringend war. Nirgends in Chaulssin gab es eine Stelle, an der man diesen Ger�uschen entkommen konnte. Er legte eine Hand aufs Heft seines Rapiers und folgte den spiralf�rmig verlaufenden schwarzen Stufen hinauf in einen dunklen Saal, eine gew�lbte Kathedrale aus Schatten mitten im Herzen der Stadt. Flackernde, ewig brennende Fackeln in bronzenen Halterungen warfen schwache, scharf umrissene Lachen aus Licht entlang den gewellten Mauern, rote Streifen, die sich in der Schw�rze des Gew�lbes dar�ber verloren. Dort oben waren die Schatten wahrhaftig dicht, eine aufgew�hlte Quelle aus Finsternis, die nicht einmal Nimors Augen durchdringen konnte.</p><p>�Nimor. Ihr kommt sp�t.�</p><p>Die sieben Vaterpatrone der Jaezred Chaulssin, die in der Mitte des Raums im Kreis standen, drehten sich gleichzeitig um, als sich Nimor n�herte. Am entgegengesetzten Rand des Kreises hatte Gro�vaterpatron Mauzzkyl seinen Platz, ein r�stiger alter Drow mit breiten Schultern, dessen Haar deutliche Geheimratsecken aufwies.</p><p>�Die Vaterpatrone warten nicht zum Vergn�gen der Gesalbten Klinge der Jaezred Chaulssin�, sagte Mauzzkyl.</p><p>�Verehrter Gro�vater, meine Versp�tung war unvermeidbar�, erwiderte Nimor.</p><p>Er nahm den Platz im Kreis ein, der f�r ihn freigehalten worden war, deutete aber keine Verbeugung an, so wie er auch von den anderen keine derartige Geste erwartete. Als Gesalbte Klinge war er nur dem Gro�vaterpatron Rechenschaft schuldig, und tats�chlich nahm er mit Ausnahme von Mauzzkyl einen h�heren Rang ein als jeder andere der Jaezred Chaulssin.</p><p>�Ich bin soeben aus Menzoberranzan zur�ckgekehrt�, f�gte er an, �und verharrte dort, so lange ich konnte, um die Ereignisse vor meiner Abreise zu beobachten.�</p><p>�Wie sieht es dort aus?� fragte Vaterpatron Tomphael. Er war schlank, verwegen und �hnelte im Aussehen Nimor, jedoch zog er das Gewand eines Magiers dem Kettenhemd eines Kriegers vor, und er konnte so behutsam in seinem Verhalten sein, da� es manchmal an Feigheit reichte. �Wie kommt die Revolte voran?�</p><p>�Nicht so gut, wie ich es gern gesehen h�tte, aber in etwa so wie erwartet�, gab Nimor zu. Tomphaels Erkenntniszauber hatten diese Einsicht zweifellos l�ngst gezeigt. Hoffte der Vaterpatron, die Gesalbte Klinge dabei zu ertappen, wie sie einen Fehler zu verschweigen versuchte? Nimor mu�te angesichts dieser Einfalt fast l�cheln. �Die Sklaven wurden zermalmt. Gromph Baenre mischte sich ein, und es scheint, als h�tten seine Leute unseren Illithiden-Freund vernichtet oder vertrieben. Positiv ist, da� wir den gemeinen Menzoberranzanyrn etwas von der Schw�che der Spinnenk�sserinnen zeigen konnten. Das ist vielversprechend, und die Priesterinnen waren uns gef�llig, indem sie einen betr�chtlichen Teil ihres Vorrats an gehorteter Magie aufbrauchten, um ihre aufst�ndischen Sklaven zu vernichten. Die Stadt ist geschw�cht.�</p><p>�Ihr h�ttet Euch unmittelbarer in die Angelegenheit einmischen k�nnen�, sagte Patron Xorthaul, der das schwarze Kettenhemd eines Priesters trug. �H�ttet Ihr die Lakaien des Erzmagiers get�tet, dann ...�</p><p>�Die Revolte, die wir f�rderten, w�re so oder so niedergeschlagen worden, und ich h�tte sie zu fr�h aufmerksam werden lassen�, fiel Nimor ihm ins Wort. �Verge�t nicht, Patron Xorthaul, dies sollte nie etwas anderes sein als eine simple Finte, die leicht abzuwehren war und durch die wir einen Eindruck von der wahren Schlagkraft der Muttermatronen Menzoberranzans gewinnen konnten. Der n�chste Schlag wird ihre Streitkr�fte niederringen und tief in ihr Fleisch einschneiden.� Er beschlo�, das Thema zu wechseln und statt dessen einen anderen in die Defensive zu dr�ngen. �Da ich als letzter kam, wei� ich nichts dar�ber, welche Fortschritte in den anderen St�dten gemacht werden. Was ist mit Eryndlyn? Oder Ched Nasad?�</p><p>Auf den grausamen Mienen zeichnete sich ein eisiges L�cheln ab. Nimor kniff die Augen zusammen. Es kam nicht oft vor, da� die Vaterpatrone ein Ereignis mitbekamen, an dem sie gemeinschaftlich Gefallen fanden. Mauzzkyl pers�nlich berichtete ihm von den neuen Entwicklungen.</p><p>�In Eryndlyn machen wir die erwarteten Fortschritte � Tomphael brachte Ergebnisse mit, die den Euren recht �hnlich sind. Doch Ched Nasad ... aus Ched Nasad kehrte Zammzt im Triumph zur�ck.�</p><p>�Tats�chlich?� fragte Nimor, der wider Willen beeindruckt war.</p><p>Er widerstand einem hei�en Aufwallen von Eifersucht und wandte sich Zammzt zu. Der Drow war so unscheinbar, da� er genausogut ein niederer Waffen- oder Schwertschmied h�tte sein k�nnen, ein b�rgerlicher Kunsthandwerker, der nur geringf�gig bedeutender war als ein Sklave. Zammzt verschr�nkte die Arme vor der Brust und nickte in Anerkennung der Bemerkung, die Gro�vater Mauzzkyl gemacht hatte.</p><p>�Was geschah?� fragte Nimor. �Ched Nasad h�tte nicht so leicht fallen d�rfen.�</p><p>�Wie sich herausstellte, Gesalbte Klinge, hatten die Steinbrandbomben, die Eure Duergar lieferten, einen verheerenden Effekt auf die Netze, auf denen Ched Nasad errichtet worden war�, sagte Zammzt, der seine Unterw�rfigkeit zweifellos nur vort�uschte. �Wie die Flamme ein Spinnennetz verzehrt, so zerfra� der Steinbrand die Grundfesten der Stadt. Da die Burgen und die Pal�ste wie brennende Papierfetzen auf den H�hlenboden st�rzten, gelang es den Bewohnern Ched Nasads nicht, eine echte Verteidigung aufzubauen. Keine Feste, die irgendwelche Bedeutung besitzt, hat die Flammen �berlebt, und nur wenige der Hausarmeen entkamen der Feuersbrunst, von der die H�hle erfa�t wurde.�</p><p>�Was ist von der Stadt �brig?�</p><p>�Sehr wenig, f�rchte ich. Eine Reihe isolierter Bezirke und die Geb�ude, die in Nebenh�hlen liegen, haben das Feuer �berlebt. Von der Bev�lkerung der Stadt kam sch�tzungsweise die H�lfte beim Zusammensturz ums Leben. Etwa ein Drittel trat die Flucht in die anderen Tunnel an, wo zweifellos jeden von ihnen ein unerfreuliches Ende erwartet. Die meisten �berlebenden geh�ren zu den unbedeutenderen H�usern, die mit uns verb�ndet sind oder die sehr schnell die neue Ordnung in der Stadt zu sch�tzen gelernt haben.�</p><p>Nimor strich sich �bers Kinn und sagte: �Das hei�t, von den zwanzigtausend in der Stadt sind nur noch dreitausend �brig?�</p><p>�Eher noch weniger, da die Sklaven aus der Stadt geflohen sind�, erwiderte Zammzt und erlaubte sich ein boshaftes Grinsen. �Von den Spinnenk�sserinnen ist nichts mehr �brig.�</p><p>�Wahrscheinlich entkam eine Reihe von Priesterinnen mit denen, die ins Unterreich flohen�, �berlegte Nimor. �Nicht alle werden in den Tunnels sterben. Trotzdem ist das eine gro�artige Neuigkeit. Wir haben unsere erste Stadt Lolths Herrschaft entrissen, und weitere werden ganz sicher folgen.�</p><p>Xorthaul, der Priester im Kettenhemd, schnaubte. �Welchen Sinn hat es, die Lolth-Verehrer aus einer Stadt zu jagen, wenn man die Stadt vernichten mu�, um das zu erreichen?� wollte er wissen. �Wir m�gen nun �ber Ched Nasad herrschen, aber unsere Herrschaft beschr�nkt sich auf einen qualmenden Felsspalt und ein paar arme Weiber.�</p><p>Mauzzkyl verlagerte sein Gewicht ein wenig und gab schneidend zur�ck: �Das ist egal, Xorthaul. Wir sprachen doch schon �ber den Preis unserer Bem�hungen. Jahrzehnte, ja Jahrhunderte des Elends sind unbedeutend, wenn wir unser Ziel erreichen. Geduld ist unser Meister.� Der Gro�vater l�chelte. �Wir haben in nur zwei Monaten etwas erreicht, f�r das unsere V�ter in der Jaezred Chaulssin jahrhundertelang arbeiteten. Ich w�rde ohne zu z�gern im Unterreich ein Dutzendmal das wiederholen, was Ched Nasad widerfuhr, wenn es bedeutet, da� unsere Rasse sich auf diese Weise aus dem Griff der Spinnenk�nigin befreien kann. Ched Nasad mag in Ruinen liegen, doch wenn die Stadt wieder aufersteht, dann nach unseren Vorstellungen, mit einer Gesellschaft, die durch unseren Glauben geformt und die unbemerkt von uns gef�hrt werden wird. Wir sind nicht einfach nur M�rder oder Anarchisten, Xorthaul, wir sind die kalte Hand, die die Schwachen aussortiert, die Klinge, die die Geschichte formt.�</p><p>Die versammelten Drow nickten zustimmend. Mauzzkyl wandte sich zu Nimor um.</p><p>�Nimor, meine Gesalbte Klinge. Menzoberranzan schreit nach dem Feuer, das Ched Nasad l�uterte. Scheitere nicht.�</p><p>�Verehrter Gro�vater, ich versichere Euch, das werde ich nicht�, entgegnete Nimor. �Ich habe meinen n�chsten Zug schon geplant. Ich kam zu einer �bereinkunft mit einem der gro�en H�user. Dieses Haus wird hinter uns stehen, aber es braucht eine Demonstration unserer Entschlossenheit und unserer F�higkeiten. Ich bin recht zuversichtlich, da� ich eine solche Demonstration erbringen kann. In wenigen Tagen wird in einem Haus in Menzoberranzan eine Muttermatrone verschwunden sein und eine weitere wird sich in unserem Netz verfangen haben.�</p><p>Mauzzkyl l�chelte k�hl und zustimmend, dann sagte er: �Ich w�nsche Euch eine gute Jagd.�</p><p>Nimor verbeugte sich, dann drehte er sich um und verlie� den Kreis. Er h�rte, wie sich hinter ihm die Versammlung der Vaterpatrone aufl�ste und jeder von ihnen in sein eigenes verborgenes Haus in einer der St�dte zur�ckkehrte, die �ber Tausende von Meilen im Unterreich verstreut waren. Geheime Kabale der Jaezred Chaulssin existierten in mindestens einem niederen Haus in den meisten Drow-St�dten. Jeder Vaterpatron herrschte absolutistisch �ber diese Verschw�rung, die Generationen umfa�te, ganze Jahrhunderte, und die vom brennenden Ha� der Drow aufeinander lebte. Die unerfreuliche Ausnahme war Menzoberranzan. Dort herrschte seit langer Zeit die alte Matrone Baenre, die nie zugelassen hatte, da� das Haus der Assassinen Fu� fassen konnte. W�hrend acht Vaterpatrone in St�dte zur�ckkehrten, in denen Dutzende loyaler Auftragsm�rder und Priester � deren G�tter Lolth ha�ten � ihrem Befehl unterstanden, begab sich Nimor Imphraezl allein nach Menzoberranzan, um weiter an der Vernichtung einer Stadt zu arbeiten.</p><empty-line/><p>Der Sonnenaufgang war grandios und schrecklich. Eine Stunde lang oder l�nger war es immer heller und heller geworden, die Sterne waren am rosafarben gestreiften Himmel immer blasser geworden, und der eisige W�stenwind h�tte endlich nachgelassen. Halisstra wartete darauf, da� die Sonne aufging, und betrachtete das Schauspiel von einer zum Teil eingest�rzten, zum Teil versch�tteten Mauer aus. Lange bevor sich die Sonne �ber den Horizont hob, wunderte sich Halisstra dar�ber, wie weit sie sehen konnte, als sie dunkle, schroffe Berge ausmachte, die vielleicht f�nfzehn, vielleicht aber auch hundertf�nfzig Kilometer entfernt waren. Als endlich die Sonne aufging, kam es ihr so vor, als ergie�e sich ein Brunnen aus fl�ssigem Gold �ber die karge Landschaft, der Halisstra so sehr blendete, da� sie keuchend die Handfl�chen auf die Augen pre�te. Die schmerzten von dem kurzen Moment so sehr, als h�tte ihr jemand wei�gl�hende Dolche in den Kopf gejagt.</p><p>�Das war nicht sehr klug, Herrin�, murmelte Danifae, die dicht bei ihr stand. �Unsere Augen sind nicht f�r einen solchen Anblick gemacht. Ihr k�nntet Euch verletzen ... und ohne Lolths Gunst k�nnte es schwierig sein, Euch zu heilen.�</p><p>�Ich wollte den Tagesanbruch sehen�, erwiderte Halisstra.</p><p>Sie wandte sich vom Licht des Tages ab und schirmte ihre Augen ab, dann sprang sie in den Sand und damit in den Schatten der Mauer. Dort konnte sie die Helligkeit der Sonne noch aushalten, doch wie w�rde es erst mitten am Tag sein? W�rden sie �berhaupt noch etwas erkennen k�nnen, oder w�rden sie v�llig geblendet sein?</p><p>�Fr�her�, sagte sie, �betrachteten unsere Ahnen am hellichten Tag diese Welt, ohne sich vor der Sonne zu sch�tzen. Sie bewegten sich ohne Angst unter dem freien Himmel, unter den Feuern des Tages. F�r sie war die Finsternis Grund, sich zu f�rchten. Kannst du dir das vorstellen?�</p><p>Danifae reagierte mit einem schwachen L�cheln, das sich aber nicht in ihren Augen widerspiegelte. Halisstra kannte diesen Blick nur zu gut. Ihre Dienerin setzte diese Miene immer auf, wenn sie ihrer Herrin gefallen wollte, indem sie einer Bemerkung zustimmte, auf die sie keine Erwiderung wu�te. Danifae deutete mit einer Kopfbewegung auf den zerfallenen Palast und seinen Hof.</p><p>�Baenre hat Pharaun und die anderen zu sich gerufen�, erkl�rte ihre Gefangene. �Ich glaube, sie will entscheiden, was als n�chstes geschehen soll.�</p><p>�Hat sie mich dazugerufen?� fragte Halisstra.</p><p>�Nein.�</p><p>Halisstra ri� den Kopf hoch, aber Danifae zuckte nur verlegen mit den Schultern. �Ich dachte, Ihr w�rdet in jedem Fall anwesend sein wollen.�</p><p>�Allerdings�, erwiderte Halisstra.</p><p>Sie strich ihren Mantel glatt und sah sich noch einmal in den zerfallenden Ruinen um, die sich erstreckten, so weit das Auge reichte. In den langen Schatten, die die Morgensonne warf, leuchteten die Oberkanten der Ruinen orangefarben auf, w�hrend sich hinter ihnen eine Lache aus v�lliger Schw�rze erstreckte. Seit der Wind sich gelegt hatte, sp�rte Halisstra eine Aura der Wachsamkeit, m�glicherweise ausgehend von einer alten Feindseligkeit, die irgendwo inmitten der Mauern und eingefallenen Kuppeln lauerte.</p><p>Die beiden machten sich auf den Weg zur�ck zum Lager der Gruppe auf dem Hof und schlossen sich wortlos der Diskussion an. Quenthel warf beiden einen Blick zu, als sie sich ihr n�herten, konzentrierte sich aber weiter auf die anderen.</p><p>�Wir haben herausfinden k�nnen, da� die Priesterinnen Ched Nasads Lolths Gunst ebenso verloren haben wie wir selbst. Den Grund konnten wir nicht eruieren. Wir haben erfahren, da� H�user, die mit uns Handelsbeziehungen unterhielten und dadurch sowie durch Blutsbande mit uns verb�ndet waren, sich entschlossen, jene G�ter, die wir dringend ben�tigten, sich selbst einzuverleiben und sich gegen uns zu wenden. Es gelang uns nicht, die Transporte nach Menzoberranzan wieder auf den Weg zu bringen ...�</p><p>�Was man kaum uns zur Last legen kann�, warf Pharaun ein. �Die Stadt wurde zerst�rt. Der Status der Handelsinteressen der Baenre in Ched Nasad ist hinf�llig.�</p><p>Quenthel fuhr fort, als h�tte der Magier nichts gesagt: �Schlie�lich finden wir uns in einem gottverlassenen Teil der Welt an der Oberfl�che wieder, wir wissen nicht, wie weit es bis nach Hause ist, wir haben praktisch keine Vorr�te mehr und wir sind in einer ungastlichen W�ste gestrandet. Habe ich die Ereignisse zutreffend zusammengefa�t?�</p><p>Valas rutschte unbehaglich hin und her. �Bis auf den letzten Punkt. Ich vermute, wir befinden uns in der W�ste Anauroch, genauer gesagt, im nordwestlichen Teil. Wenn ich nicht irre, dann liegt Menzoberranzan etwa achthundert Kilometer westlich von hier ... und dann nat�rlich noch ein ganzes St�ck in die Tiefe.�</p><p>�Du warst hier schon?�</p><p>�Nein�, erwiderte Valas, �aber es gibt in Faer�n nur wenige W�sten, vor allem so weit im Norden, daher stehen die Chancen recht gut, da� wir uns in der Anauroch befinden. F�nfundsechzig bis siebzig Kilometer westlich von uns gibt es eine Gebirgskette mit schneebedeckten Gipfeln, die man bei Tageslicht recht deutlich sehen kann. Ich halte sie f�r die Graugipfelberge oder die Nesserberge. Es k�nnte sich auch um das Eisgebirge handeln, aber wenn wir so weit n�rdlich w�ren, da� wir sie sehen k�nnten, dann m��ten wir uns eigentlich schon im Hocheis befinden, aber nicht in diesem sandigen, steinigen Abschnitt der Gro�en W�ste.�</p><p>�Ich vertraue auf deinen Orientierungssinn, aber ich kann nicht behaupten, da� mir der Gedanke gef�llt, achthundert Kilometer in der Welt an der Oberfl�che zur�ckzulegen, um nach Hause zu gelangen�, meinte Ryld und fuhr sich durch sein kurzgeschnittenes Haar. In seiner R�stung bewegte er sich steif, denn unter dem Kettenzeug war er von der verzweifelten Flucht aus Ched Nasad �bel zugerichtet. �Die Zitadelle Adbar, Sundabar und Silbrigmond l�gen auf unserem Weg, und nirgends ist unsereins gern gesehen.�</p><p>�Sollen sie versuchen, uns aufzuhalten�, knurrte Jeggred. �Wir reisen nachts, wenn Menschen und Licht-Elfen blind sind. Selbst wenn uns jemand �ber den Weg laufen sollte � die Wesen von der Oberfl�che sind schwach. Ich habe keine Angst vor ihnen, und das solltet Ihr auch nicht.�</p><p>Ryld nahm Ansto� an den Worten des Draegloth, doch Quenthel brachte ihn mit erhobener Hand zum Schweigen.</p><p>�Wir werden tun, was n�tig ist�, erkl�rte sie. �Wenn wir die n�chsten zwei Monate damit verbringen m�ssen, uns im Schutze der Nacht durch die Reiche an der Oberfl�che zu schleichen, dann werden wir das tun.�</p><p>Sie wandte sich elegant ab und stolzierte davon, w�hrend ihr Blick gedankenverloren �ber die Ruinen wanderte.</p><p>Die Gruppe verfiel in Schweigen, als die Drow Quenthel nachblickten. Pharaun erhob sich und zog seinen <emphasis>Piwafwi</emphasis> enger um seinen schlanken Leib. Der schwarze Mantel flatterte im eisigen Wind.</p><p>�Die Frage, die mich besch�ftigt�, sagte Pharaun, ohne einen aus der Gruppe gezielt anzusprechen, �ist die, ob wir erreicht haben, was wir uns vorgenommen hatten. Mir gef�llt der Gedanke nicht, nach Menzoberranzan zur�ckzukriechen und dort nach Monaten nur mit der Nachricht aufzutauchen, da� Ched Nasad gefallen ist.�</p><p>�Keine Priesterin Lolths kennt die Antworten, die wir suchen�, gab Quenthel zur�ck. �Wir werden nach Menzoberranzan zur�ckkehren. Ich kann nur darauf vertrauen, da� die G�ttin den Grund f�r ihr Schweigen erkl�rt, wenn ihr danach ist.�</p><p>Pharaun verzog das Gesicht und sagte: �Blinder Glaube ist ein schwacher Ersatz f�r einen Plan, mit dem Ihr an die gesuchten Antworten gelangen k�nnt.�</p><p>�Der Glaube an Lolth ist das einzige, was wir noch haben�, fuhr Halisstra ihn an. Sie n�herte sich dem Meister Sorceres um einen halben Schritt. �Ihr habt offenbar vergessen, welchen Rang Ihr einnehmt, wenn Ihr eine Hohepriesterin Lolths so ansprecht. Verge�t es nie wieder.�</p><p>Pharaun �ffnete den Mund, um zu einer Erwiderung anzusetzen, die zweifellos noch viel sch�rfer ausgefallen w�re, doch Ryld, der neben ihm sa�, r�usperte sich lautstark und kratzte sich am Kinn. Der Magier hielt einen Moment inne und f�hlte, da� der Blick seines Gef�hrten auf ihm ruhte. Dann zuckte er die Achseln.</p><p>�Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, da� es aus meiner Sicht klar ist, da� die Spinnenk�nigin von uns erwartet, den Grund f�r ihr Schweigen herauszufinden.�</p><p>�Was schlagt Ihr vor, wie wir das bewerkstelligen sollen?� fragte Quenthel. Sie verschr�nkte die Arme und wirbelte herum, um Pharaun anzufunkeln. �Vielleicht habt Ihr es ja schon vergessen, aber wir haben monatelang versucht, den Grund f�r ihr Schweigen herauszufinden.�</p><p>�Aber wir haben nicht alle M�glichkeiten ausgesch�pft, nicht?� erwiderte Pharaun. �In Ched Nasad sprachen wir davon, Unterst�tzung in Gestalt eines Priesters Vhaerauns zu erbitten, m�glicherweise in der Person von Meister Hunes Bekanntem, Tzirik. Wir haben schlie�lich neben Lolth auch noch andere Gottheiten. Ist es so aus der Luft gegriffen, es f�r m�glich zu halten, ein anderer Gott k�nnte uns Lolths Schweigen erkl�ren?�</p><p>Wieder machte sich Schweigen breit. Worte wie die des Magiers h�rte man nicht oft in Menzoberranzan. Nur wenige wagten es, in der Gegenwart des Klerus Lolths so etwas offen auszusprechen.</p><p>�Ich sehe keinen Grund, einen m�nnlichen Ketzer um einen Gefallen anzubetteln, der einen elenden Welpen von einem Gott verehrt�, sagte Quenthel. �Ich bezweifle, da� Lolth sich dazu herabgelassen hat, ihre Absichten irgendeiner unbedeutenderen Macht zu verraten.�</p><p>�Da k�nntet Ihr recht haben�, konterte Pharaun. �Immerhin hat sie sich Euch ja auch nicht anvertraut.�</p><p>Jeggred fauchte den Magier an, und Pharaun hob beschwichtigend die H�nde und verdrehte die Augen.</p><p>Valas benetzte nerv�s seine Lippen und warf ein: �Die meisten von Euch haben den gr��ten Teil ihres Lebens in Menzoberranzan verbracht, was f�r Drow von Eurer Position auch angemessen ist. Ich dagegen bin weit gereist und habe Orte besucht, an denen es heimlich � und in einigen F�llen sogar v�llig unverhohlen � gestattet ist, andere G�tter als Lolth anzubeten.� Der Sp�her sah, wie sich Quenthels Miene verfinsterte und Halisstra nicht anders reagierte, erschrak dar�ber, redete aber dennoch weiter. �Unter der weisen Herrschaft der Muttermatronen hat sich die Anbetung anderer Drow-G�tter als Lolth in Menzoberranzan kaum entwickeln k�nnen. Es mag auch sein, da� das Praktizieren dieser Verehrung bei Euch nicht sonderlich gut angesehen ist, dennoch kann ich die Tatsache bezeugen, da� die Priester der niederen G�tter unserer Rasse auch Zauber und F�hrung von ihren Gottheiten erhalten k�nnen.�</p><p>�Wo k�nnten wir Tzirik finden?� fragte Ryld.</p><p>�Als ich ihm das letzte Mal begegnete, da lebte er inmitten einer Gruppe Ausgesto�ener in einer entlegenen Region, die als das Labyrinth bekannt ist � gut hundertf�nfzig Kilometer s�dwestlich des Dunkelsees. Aber das ist lange her.�</p><p>�Ausgesto�ene�, schnaubte Halisstra.</p><p>Sie war nicht die einzige, die ihren Ekel kundtat. Im ewigen Spiel zwischen den gro�en H�usern der Drow gab es auch Verlierer. Die meisten von ihnen starben, doch manche zogen eine Flucht dem Tod vor und f�hrten eine harte, schm�hliche Existenz in den fernen Regionen des Unterreiches. Manche verlie�en ihre Heimatstadt auch aus anderen Gr�nden � darunter, so vermutete Halisstra, auch die Verehrung anderer G�tter als Lolth. Sie konnte sich kaum vorstellen, da� jemand, der so schwach war, da� er sich aus seiner Heimat vertreiben lie�, ihnen helfen konnte.</p><p>�Wir l�sen unsere Probleme selbst�, sagte sie.</p><p>Pharaun sah Halisstra sp�ttisch an.</p><p>�Ich verga� ganz, da� Ihr ja inzwischen einige Erfahrung darin gesammelt habt, welch besonderes Mi�vergn�gen es darstellt, seiner Heimatstadt beraubt zu werden�, kommentierte er. �Ich bewundere es, wie schnell Ihr es geschafft habt, Euch in �unsere� Diskussion �ber �unsere� Probleme einzubeziehen. Eure Selbstlosigkeit ist l�blich.�</p><p>Halisstra pre�te die Lippen zusammen, als sie seine bissigen Worte h�rte. Es gab Hunderte, vielleicht sogar Tausende von �berlebenden aus Ched Nasad, die in den zahlreichen Tunnels und Schlupfwinkeln in den schwarzen H�hlen und G�ngen rings um die Stadt verstreut waren. Die meisten von ihnen w�rden im Maul eines geistlosen Ungeheuers enden, oder Drow aus anderen St�dten w�rden sie fangen und zu Sklaven machen. Oder noch schrecklichere Rassen des Unterreiches wie die Gedankenschinder oder Abolethen bekamen sie zu fassen. Ein paar von ihnen durften hoffen, dank ihres Verstandes und ihres Erfindungsreichtums zu �berleben. Es war nicht ungew�hnlich, da� ein Haus einen geschlagenen Feind aufnahm, wenn er seine N�tzlichkeit unter Beweis hatte stellen k�nnen. Haus Melarn war tot. Ganz gleich, wohin Halisstra auch ging, sie mu�te ganz von vorn anfangen. Die Vorteile, die sie dank Geburt, Reichtum und Macht in ihrer Stadt genossen hatte, waren mit einem Mal bedeutungslos.</p><p>Sie dachte gr�ndlich nach, da sie merkte, da� die anderen Drow sie sehr aufmerksam ansahen. �Verschont mich mit Eurem Mitleid�, zischte sie Pharaun schlie�lich an. In ihrer Stimme war eine Willenskraft zu h�ren, die sie nicht f�hlte. �Wenn ich mich nicht allzusehr irre, ist Menzoberranzan nicht mehr weit von dem Schicksal entfernt, das Ched Nasad ereilt hat, ansonsten w�rt Ihr niemals hergekommen, um um unsere Hilfe zu ersuchen. Unsere Probleme sind auch Eure Probleme, oder?�</p><p>Ihre Worte zeigten Wirkung. Pharaun sah weg, w�hrend sich die anderen Reisenden aus Menzoberranzan unbehaglich wanden und gegenseitig ihre Reaktionen beobachteten. Quenthel zuckte un�bersehbar und verzog das Gesicht.</p><p>�Es reicht, und damit meine ich Euch beide!� erkl�rte sie, dann wandte sie sich an Valas Hune. �Dieser ausgesto�ene Vhaeraun-Priester � warum sollte er uns helfen wollen? Es ist nicht anzunehmen, da� er unserer Sache besonders aufgeschlossen gegen�bersteht.�</p><p>�Das kann ich nicht sagen�, antwortete Valas. �Ich kann Euch zu ihm bringen. Was dann geschieht, h�ngt einzig von Euch ab.�</p><p>Schweigen machte sich auf dem tr�mmer�bers�ten Hof breit. Die Sonne stand eine doppelte Handbreit �ber dem Horizont, glei�ende Strahlen aus reinem Licht schnitten sich durch L�cken in den hohen Mauern in die Dunkelheit dahinter. Die Ruinen waren nicht so verlassen, wie Halisstra zun�chst angenommen hatte. Sie h�rte leise Ger�usche, die von kleinen Kreaturen stammten, die sich �ber den Sand und das Ger�ll bewegten.</p><p>�Das Labyrinth ist nur hundertf�nfzig Kilometer vom Dunkelsee entfernt?� fragte Quenthel, woraufhin der Sp�her einmal knapp nickte. Quenthel verschr�nkte die Arme und dachte nach. �Dann ist das kein allzu gro�er Umweg von unserem Heimweg. Pharaun, beherrscht Ihr Magie, die unser Vorankommen beschleunigen k�nnte? Der Gedanke, uns den Weg durch die Oberfl�chenreiche freizuk�mpfen, behagt mir so wenig wie dem Waffenmeister.�</p><p>Der Magier grinste anz�glich und stand auf, w�hrend Quenthels Hilfeersuchen ihn f�rmlich strahlen lie�.</p><p>�Teleportation ist riskant�, erkl�rte er. �Zum einen macht die <emphasis>Faerzress</emphasis> des Unterreiches die Anwendung von Transportzaubern zu einer gef�hrlichen Angelegenheit. Dar�ber hinaus habe ich das Labyrinth noch nie besucht, also habe ich auch keine Ahnung, wohin ich mich begebe. Ich w�rde fast sicher scheitern. Ich kenne allerdings einen Zauber, der mich oder einen anderen in eine Form verwandelt, die f�r eine Reise geeigneter ist. Wenn wir Drachen oder Riesenflederm�use oder etwas anderes w�ren, das nachts gut reisen kann ...� Der Magier tippte sich ans Kinn, w�hrend er �ber das Problem nachdachte. �Wen immer wir dazu veranlassen, als Reittier f�r die anderen herzuhalten, er w�rde dieses Aussehen behalten m�ssen, bis ich ihn zur�ckverwandle. Dabei reden wir immer noch von einigen Zehntagen Reise. Oder ... ich kenne einen Zauber, um durch Schatten zu gehen. Der ist aber gef�hrlich, und ich k�nnte uns nicht direkt bis ins Labyrinth bringen, da ich dort noch nie gewesen bin und der Zauber am besten nur dann benutzt wird, wenn man an Orte reist, die man gut kennt. Ich k�nnte Euch nach Mantol-Derith bringen, das dicht am Ufer des Dunkelsees liegt. Das w�rde unsere Reise betr�chtlich verk�rzen.�</p><p>�Warum habt Ihr das nicht schon fr�her gesagt, als wir dar�ber sprachen, da� wir monatelang �ber die Oberfl�che wandern m��ten?� fragte Jeggred und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wenn du zur�ckdenkst, wirst du dich sicher erinnern, da� wir noch nicht entschieden hatten, wohin wir uns begeben�, erwiderte Pharaun. �Meine Absicht war es, zum rechten Zeitpunkt meine Dienste anzubieten.�</p><p>�Du h�ttest uns dann doch von Menzoberranzan nach Ched Nasad transportieren k�nnen. Warum um alles in der Welt sind wir gelaufen?�</p><p>�Weil ich Grund habe, die Ebene der Schatten zu meiden. Als junger und viel impulsiverer Magier mu�te ich auf unerfreuliche Weise erfahren, da� das Schattenwandeln keinen besonderen Schutz davor bietet, von jenen Kreaturen, die im dunklen Reich leben, bemerkt zu werden. Ich w�re fast von etwas aufgefressen worden, dem ich nicht noch einmal begegnen m�chte.� Der Magier grinste und f�gte an: �Demzufolge betrachte ich das Schattenwandeln heutzutage als allerletzte M�glichkeit. Ich habe es jetzt nur vorgeschlagen, weil ich es f�r geringf�gig ungef�hrlicher halte, als etliche Zehntage durch die Welt an der Oberfl�che zu reisen.�</p><p>�Wir werden jede gebotene Vorsicht walten lassen�, sagte Quenthel. �La�t uns aufbrechen.�</p><p>�Nicht so schnell. Ich mu� den Zauber vorbereiten. Es wird eine Stunde dauern, bis ich soweit bin.�</p><p>�Dann ans Werk�, forderte Quenthel. Sie sah sich um und schirmte ihre Augen ab. �Je eher wir wieder unter der Oberfl�che sind, desto besser.�</p></section><section><title><p>2</p></title><p>W�hrend sich Pharaun in einen dunklen, ruhigen Raum zur�ckzog, um seine Folianten zu konsultieren und seine Zauber auszuw�hlen, trug der Rest der Gruppe die Ausr�stung zusammen und machte sich aufbruchsbereit. F�r eine lange Reise an der Oberfl�che waren sie g�nzlich unvorbereitet, da vor allem Halisstra und Danifae keinerlei Vorr�te bei sich f�hrten. Die Gruppe aus Menzoberranzan war vor der Flucht aus Ched Nasad klug genug gewesen, ihr Gep�ck wieder an sich zu nehmen, doch die lange Reise in die Stadt der schimmernden Netze hatte ihre Vorr�te deutlich dezimiert.</p><p>Solange sie auf Pharaun warten mu�ten, betrachtete Halisstra die Ruinen genauer. Sie besa� eine gewisse wissenschaftliche Neigung, und sich gezielt mit dieser antiken Stadt zu befassen, war eine gute Methode, um sich von den letzten schrecklichen Stunden abzulenken. Die anderen besch�ftigten sich mit der kleinen Aufgabe, das Lager abzubauen oder warteten geduldig in den finstersten Schatten, die sie finden konnten. Halisstra nahm ihre wenige Habe an sich, dann machte sie sich daran, den Hof zu verlassen. Dabei fiel ihr Blick auf Danifae, die sich im Schatten eines eingebrochenen Torbogens hingekniet hatte und zusah, wie sie nach drau�en gehen wollte.</p><p>Halisstra hielt inne, dann rief sie: �Komm!�</p><p>Es behagte ihr nicht, ihre Dienerin mit den Reisenden aus Menzoberranzan allein zu lassen. Sie hatte ihr viele Jahre treu gedient, doch die Umst�nde waren nun andere.</p><p>Die Dienerin erhob sich und folgte ihr. Halisstra f�hrte sie durch die im Zerfall begriffene H�lle des Palastes, die den Hof umgab, und gelangte auf einen breiten Boulevard, der genau durchs Herz der antiken Stadt verlief. Seit vor einer Stunde die Sonne aufgegangen war, hatte sich die Luft zwar sp�rbar erw�rmt, doch es war noch immer bitterkalt, und das Strahlen des Tageslichts schien von dem kristallklaren Himmel noch weiter verst�rkt zu werden. Beide Frauen standen geblendet im Sonnenschein.</p><p>�Das f�hrt zu nichts�, murmelte Halisstra. �Ich mu� die Augen so zusammenkneifen, da� ich nicht mal meine Hand vor Augen sehen kann.�</p><p>Selbst wenn es ihr gelang, die Augen zu �ffnen, sah sie kaum mehr als grelle, schmerzhafte Lichtpunkte.</p><p>�Valas meint, man k�nne sich an das Tageslicht gew�hnen�, erkl�rte Danifae. �Ich mu� sagen, da� ich mir das kaum vorstellen kann, nachdem ich es nun mit eigenen Augen gesehen habe. Es ist gut, da� wir bald ins Unterreich zur�ckkehren.� Halisstra h�rte ein Ger�usch, als w�rde etwas zerrissen, dann dr�ckte Danifae ihr einen Streifen Stoff in die Hand. �Bindet Euch das vor die Augen, vielleicht hilft es.�</p><p>Halisstra schaffte es, den dunklen Stoff zu einem behelfsm��igen Schleier zu falten und sich umzubinden. Tats�chlich half es, den grellen Schein der Sonne zu lindern.</p><p>�So ist es besser�, sagte Halisstra.</p><p>Danifae ri� noch ein St�ck ab und band es sich selbst um, w�hrend sich ihre Herrin den Ruinen widmete. Halisstra vermutete, da� der Palast, in dem sie Zuflucht gesucht hatten, einst eines der bedeutenderen Bauwerke der Stadt gewesen sein mu�te, was eine durchaus begr�ndete Annahme war. Schlie�lich waren magische Portale nicht leicht zu schaffen, und oft fand man sie an gut versteckten oder streng bewachten Orten. Ein S�ulengang verlief entlang der Palastfront, auf der anderen Seite des Boulevards stand ein weiteres gro�es Geb�ude � ein Tempel oder vielleicht irgendein Herrenhaus. Die Architektur der Geb�ude hatte etwas Vertrautes an sich.</p><p>�Nesserisch�, sagte sie schlie�lich. �Siehst du die quadratischen Unterbauten der S�ulen und die spitz zulaufenden Fensterb�gen?�</p><p>�Ich dachte, die nesserischen St�dte h�tten in der Luft geschwebt und seien von irgendeinem magischen Kataklysmus vollst�ndig vernichtet worden�, erwiderte Danifae. �Wie k�nnte dann noch so etwas existieren?�</p><p>�Es k�nnte einer der Nachfolgestaaten gewesen sein�, �berlegte Halisstra, �der errichtet wurde, nachdem die gro�en <emphasis>Mythallare</emphasis> der alten nesserischen St�dte untergegangen waren.�</p><p>�Dort oben steht etwas�, sagte Danifae und deutete auf die Fassade eines eingest�rzten Geb�udes. �Da ... �ber den Sau-len.�</p><p>Halisstra folgte der Richtung, in die Danifae zeigte. �Ja�, erwiderte sie. �Das ist Nesserisch.�</p><p>�Ihr k�nnt es lesen?� fragte Danifae.</p><p>�Ich habe verschiedene Sprachen studiert � die Handelssprache der Welt an der Oberfl�che, Hoch-Nesserisch, Illuskisch, sogar einige der Drachensprachen�, erwiderte Halisstra. �In unseren Bibliotheken finden sich faszinierende Geschichten, die in anderen Sprachen als der der Drow aufgezeichnet wurden. Ich entwickelte schon vor �ber hundert Jahren die Gewohnheit, mich mit solchen Dingen zu besch�ftigen, als ich glaubte, ich k�nnte einen vergessenen Zauber oder ein Geheimnis entdecken, um damit einen Vorteil gegen�ber meinen Rivalinnen zu erlangen. Zwar fand ich in dieser Hinsicht letztlich wenig, daf�r aber stellte ich fest, wieviel Spa� das Lernen um seiner selbst willen macht.�</p><p>�Was besagen diese Worte?�</p><p>�Ich bin mir nicht bei allen Worten sicher, aber ich glaube, es hei�t: �Hohes Haus der Gerechtigkeit, Hlaungadath � Im Licht der Wahrheit h�lt sich keine L�ge�.�</p><p>�Welch einf�ltiger Gedanke.�</p><p>Halisstra wies auf die Ruinen ringsum und sagte: �Du siehst, was es ihnen gebracht hat. Allerdings kenne ich den Namen ... Hlaungadath. Ich sah ihn auf Karten der Welt hier oben. Valas Hunes Einsch�tzung unserer Position war zutreffend.�</p><p>�Selbst ein Mann kann von Zeit zu Zeit recht haben�, meinte Danifae.</p><p>Halisstra l�chelte, dann wandte sie sich ab und suchte in den Ruinen nach weiteren interessanten Entdeckungen.</p><p>Etwas Lohfarbenes, Schnelles huschte aus ihrem Blickfeld, noch ehe Halisstra es erkennen konnte. Sie erstarrte und betrachtete den Punkt, an dem sie die Bewegung ausgemacht hatte: ein Spalt in einer Mauer, die nicht weit von ihnen entfernt war. Nichts regte sich dort, aber aus einer anderen Richtung kam ein Ger�usch, das verriet, da� der Schutt in Bewegung war. Ohne den Blick abzuwenden, ber�hrte sie Danifaes Arm.</p><p><emphasis>Wir sind hier nicht allein,</emphasis> bedeutete sie ihr. <emphasis>Zur�ck zu den anderen � schnell.</emphasis></p><p>Gemeinsam zogen sie sich aus dem Gerichtshof zur�ck, wieder hinaus auf die Stra�e. Als sie kehrtmachten, um den Weg zur�ckzugehen, den sie gekommen waren, glitt etwas Langes, Flaches, das mit sandfarbenen Schuppen bedeckt war, auf den Boulevard heraus. Die Stummelfl�gel konnten das Gesch�pf unm�glich in die L�fte erheben, doch die kraftvollen Krallen und das weit aufgerissene Maul waren weitaus besser entwickelt. Der Drache hielt inne und hob den Kopf, um die beiden Drow besser betrachten zu k�nnen. Erfreut fauchte er. Von der Nase bis zur Schwanzspitze war die Kreatur gut f�nfzehn Meter lang, und ihre Augen funkelten verschlagen und boshaft.</p><p>�Lolth bewahre uns!� keuchte Danifae.</p><p>Die beiden Frauen wichen in die andere Richtung zur�ck, die im rechten Winkel von dem Palast fortf�hrte, in dem ihre Gef�hrten warteten. Der Drache folgte gem�chlich und schl�ngelte sich auf der breiten Stra�e hin und her.</p><p>�Er treibt uns von den anderen fort�, zischte Halisstra.</p><p>Sie f�hlte festes Gestein hinter sich und riskierte einen Blick �ber die Schulter. Sie waren an einem Geb�ude angelangt und schoben sich an der Mauer entlang, w�hrend sie versuchten, den Abstand zu dem Monster zu wahren. Eine finstere Gasse klaffte nur ein paar Meter von ihnen entfernt. Einen Herzschlag lang z�gerte Halisstra, dann packte sie Danifae am Handgelenk und scho� durch die �ffnung in der Mauer.</p><p>Vor ihnen im Schatten der Gasse lauerte etwas auf sie. Noch ehe Halisstra umkehren konnte, baute sich vor ihnen eine gro�e goldene Kreatur auf, halb L�we, halb Frau, sch�n und anmutig. Mit einem k�hlen, grausamen L�cheln streckte die L�wenfrau die Hand aus und streichelte Halisstras Wange. Die Ber�hrung war k�hl und beruhigend, und augenblicklich sp�rte sie, wie ihre Angst, ihre Entschlossenheit, ihre ganze Willenskraft sanft fortgetragen wurden. Fl�chtig versuchte sie, die Hand der Kreatur von ihrem Gesicht zu l�sen.</p><p>�Keine Angst�, sagte das Gesch�pf sanft. �Leg dich hin und ruhe dich aus. Du bist unter Freunden, dir wird nichts geschehen.�</p><p>Halisstra stand wie gel�hmt da. Zwar war ihr bewu�t, da� die Worte der Kreatur keinen Sinn ergaben, doch fehlte ihr die Willenskraft, um sich der Aufforderung zu widersetzen. Danifae packte sie, wirbelte sie herum und verpa�te ihr eine Ohrfeige.</p><p>�Es ist eine Lamia!� herrschte sie sie an. �Sie versucht, Euch zu bet�ren!�</p><p>Die Lamia knurrte, das h�bsche Gesicht hatte nun harte und grausame Z�ge angenommen.</p><p>�Widersetze dich nicht�, sagte sie mit bestimmenderem Tonfall.</p><p>Halisstra f�hlte, wie sich der Zauber der Kreatur �ber sie legte, an ihrer Entschlossenheit saugte und versuchte, ihren Willen dem der Lamia zu unterwerfen. Sie wu�te, wenn sie einlenkte, w�rde sie bewu�t in den Tod gehen. Sie w�rde sich sogar hinlegen, um sich von der Lamia verspeisen zu lassen, wenn diese das von ihr verlangte. Doch der stechende Schmerz von Danifaes Schlag ins Gesicht hatte ihre Willenskraft wieder genug erstarken lassen, um sich gegen die s��lichen Worte der Lamia zur Wehr zu setzen.</p><p>�Wir sind Drow�, keuchte sie. �Unser Wille darf von solchen wie euch nicht gebrochen werden.�</p><p>Die Lamia bleckte w�tend die Z�hne und zog einen bronzenen Dolch, doch Halisstra und Danifae eilten bereits aus der im Schatten liegenden Gasse zur�ck in die Sonne.</p><p><emphasis>Der Drache ist fort,</emphasis> signalisierte Danifae.</p><p>Halisstra sch�ttelte den Kopf und erwiderte: <emphasis>Eine Illusion. Wir wurden get�uscht.</emphasis></p><p>Etwas schwebte noch immer in der Stra�enmitte, ein schwach flackerndes Phantom, das von der Gr��e des Dings sein mochte, das sie zuvor gesehen hatten. Wie aus gro�er Entfernung war ein protestierendes Fauchen zu h�ren.</p><p>�Eine Illusion!� spie Danifae ver�chtlich.</p><p>Das Drachengespinst nagte am Rand ihres Verstands und erhielt Verst�rkung durch anderes, beharrlicheres Murmeln und durch Schatten. Geb�ude schienen zu schimmern und zu verschwinden, nur um durch Ruinen von anderem Erscheinungsbild ersetzt zu werden. D�stere, entsetzliche Dinge glitten durch den Schutt und versperrten den R�ckweg. Geisterhafte Drow in funkelnden Gew�ndern nahmen Gestalt an, l�chelten und riefen ihnen zu, sich zu ihnen zu gesellen und sich ihren gl�ckseligen Lustbarkeiten anzuschlie�en, wenn sie sich zuerst ergaben.</p><p>Die Lamia trottete leichtf��ig hinter ihnen auf die Stra�e, den Dolch hinter dem R�cken.</p><p>�Ihr k�nnt euch unseren Verlockungen f�r eine Weile widersetzen�, schnurrte sie. �Aber fr�her oder sp�ter werdet ihr unterliegen.� Wieder streckte sie die Hand aus. �Wollt ihr nicht, da� ich euch von euren Sorgen befreie? Wollt ihr nicht wieder von mir ber�hrt werden? Es w�re so viel leichter.�</p><p>Eine schnelle, elegante Bewegung lenkte Halisstras Aufmerksamkeit auf sich und lie� sie nach links sehen. Eine weitere Lamia � diesmal eine m�nnliche � war auf die Mauer gesprungen, die ihnen bei ihrem R�ckzug Schatten spendete. Die Lamia war sonnengebr�unt und attraktiv, geschmeidig und lohfarben und l�chelte die beiden grausam an.</p><p>�Eure Reise mu� lang und anstrengend gewesen sein�, sagte die m�nnliche Lamia mit g�ldener Stimme. �Wollt ihr mir nicht davon erz�hlen? Ich m�chte alles dar�ber h�ren.�</p><p>Aus dem im Finsteren liegenden Eingang zum Gerichtsgeb�ude kam eine dritte Lamia zum Vorschein.</p><p>�Ja, erz�hlt es uns, erz�hlt uns alles�, schmachtete das Monster. �Welch sch�nere Weise g�be es, den Tag zu verbringen? Ruht euch aus und �berla�t es uns, uns um euch zu k�mmern.�</p><p>Die Lamia st�tzte sich auf einen gro�en Speer und l�chelte gl�ckstrahlend auf sie herab.</p><p>Halisstra und Danifae sahen einander nur kurz an, dann rannten sie um ihr Leben.</p><empty-line/><p>Gromph Baenre, Erzmagier von Menzoberranzan, war unzufrieden. Auch wenn der Sklavenaufstand ohne gro�e M�hen hatte niedergeschlagen werden k�nnen, st�rte es ihn �ber alle Ma�en, da� so viele m�nnliche Drow gemeinsame Sache gegen die Muttermatronen gemacht hatten. Aber nicht nur das � sie hatten auch gemeinsame Sache mit den Sklavenv�lkern gemacht, die sich gegen die Stadt erhoben hatten. Das sprach f�r eine Angst, die lange Zeit unterdr�ckt worden war, und f�r noch etwas anderes: Es lie� einen bisher unsichtbaren Feind vermuten, der einen Weg gefunden hatte, dieser Angst eine Stimme und eine Mission zu geben. Drow konnten untereinander nicht so problemlos kooperieren, als da� sie im geheimen eine Rebellion h�tten organisieren k�nnen, die auf ein verabredetes Zeichen hin in Gang kam.</p><p>Die wachsame Ruhe, die sich nach der Niederschlagung der Revolte und dem Hinscheiden des Illithiden-Leichnams �ber die Stadt gelegt hatte, kam Gromph wie etwas B�sartiges und Verschlagenes vor.</p><p>Er stand vom Schreibtisch auf und ging in seinem Raum auf und ab, w�hrend er nachdachte. Kyorli, die Ratte, die ihm als Schutzgeist diente, betrachtete ihn k�hl und distanziert, w�hrend sie an einer Scheibe Roth�-K�se knabberte.</p><p>Der Anblick der Ratte erinnerte den Erzmagier aus irgendeinem Grund daran, da� er schon l�nger nichts mehr von Pharaun geh�rt hatte. Zuletzt hatte das arrogante Plappermaul gemeldet, Ched Nasad vers�nke im Chaos. Vielleicht war es an der Zeit, nach ihm zu sehen.</p><p>Gromph trat durch einen Torbogen in einen offenen Schacht und lie� sich nach oben in den Raum schweben, der ihm als Kammer der Aussp�hung diente. Zwangsl�ufig war das Zimmer nicht so gut gesch�tzt wie andere Teile seines Eigentums, da er ein gewisses Ma� an magischer Transparenz ben�tigte, um seinen Geist in die Welt jenseits seines Palastes vordringen zu lassen. In der Kammer setzte er sich im Schneidersitz vor einen niedrigen Tisch, auf dem eine gro�e Kristallkugel lag.</p><p>Mit einer Bewegung seiner alten H�nde murmelte er die Worte, die das Objekt aktivierten, und befahl: �Zeig mir Pharaun Mizzrym, diesen unverfrorenen Welpen, der glaubt, er k�nne eines Tages meine Nachfolge antreten.�</p><p>Letztere Bemerkung war unn�tig gewesen, doch Gromph empfand es als hilfreich, seiner Ver�rgerung Ausdruck zu verleihen, ehe er zu sp�hen begann.</p><p>Die Kugel wurde grau und milchig, Nebel wirbelte in ihr auf, dann wurde sie von einem unerwarteten grellen Leuchten erf�llt. Gromph fluchte und mu�te den Blick abwenden. Einen Moment lang glaubte er, Pharaun k�nnte einen neuen Zauber entwickelt haben, um seine Feinde daran zu hindern, ihm nachzuspionieren. Doch dann begann der Erzmagier zu verstehen, was es mit diesem Licht auf sich hatte.</p><p>Tageslicht.</p><p>Gromph wunderte sich, was der Meister Sorceres wohl an der Oberfl�che tat, schirmte die Augen ab und sah wieder hin. Er entdeckte Pharaun, der im Schatten einer eingest�rzten Mauer sa� und Zauberb�cher studierte. Keiner der anderen Drow, die ihn auf dieser Reise begleitet hatten, war zu sehen. Gromph sah einen Torbogen, der ein St�ck weit von Pharaun entfernt auf einen schrecklich hellerleuchteten Hof f�hrte.</p><p>Pharaun sah auf und runzelte die Stirn. Der Magier hatte Gromphs Beobachtung wahrgenommen, wie es bei jedem erfahrenen Zauberkundigen der Fall gewesen w�re. Pharaun beschrieb mit den H�nden einige Gesten, dann verbla�te das Bild. Er hatte einen Zauber gewirkt, mit dem das Sp�hen blockiert wurde. Es war allerdings anzunehmen, da� er nicht wu�te, von wem er beobachtet worden war.</p><p>�Du glaubst, du kannst mir entkommen?� murmelte Gromph und starrte auf das graue Bild.</p><p>Er legte die Fingerspitzen aneinander und wirkte einen Zauber, ein geistiges Signal, um eine Nachricht direkt an den reisenden Magier zu schicken.</p><p>Wo <emphasis>seid Ihr? Was ist in Ched Nasad los? Was werdet Ihr als n�chstes tun?</emphasis></p><p>Er sammelte sich, um Pharauns Antwort zu empfangen � ein Sendezauber �bertrug binnen weniger Minuten die Antwort des Adressaten. Augenblicke verstrichen, w�hrend Gromph aus den hohen, schmalen Fenstern seiner Kammer sah und auf die Reaktion des j�ngeren Magiers wartete.</p><p>Wie die Ber�hrung einer Feder tauchten auf einmal Pharauns Worte in seinem Kopf auf. <emphasis>In der Anauroch. Ched Nasad ist durch Rebellion und Steinbrand zerst�rt. Lolths Schweigen herrschte auch dort. Wir suchen nun in der Hoffnung auf Antworten nach einem Priester von Vhaeraun.</emphasis></p><p>Nach diesen Worten ri� der Kontakt wieder ab. Dieser Zauber lie� keine ausf�hrlichen Unterhaltungen zu, doch Pharaun hatte auf Gromphs Fragen mit ungew�hnlicher Pr�zision geantwortet.</p><p>�Ched Nasad zerst�rt?� fl�sterte Gromph.</p><p>Damit mu�te er sich n�her besch�ftigen. Er wandte sich wieder seiner Kristallkugel zu und wies sie an, ihm Ched Nasad zu zeigen. Es dauerte einen Moment, bis sich der Nebel lichtete, dann sah der Erzmagier das ganze Ausma� der Zerst�rung.</p><p>Wo sich Ched Nasad befunden hatte, waren nur noch Reste des Netzes �brig, die wie geschmolzenes Glas aus einer Glasbl�serpfeife in den schwarzen Abgrund tropften. Von den d�steren Pal�sten und den Burgen, die sich an den W�nden festgeklammert hatten, war praktisch nichts mehr �brig.</p><p>�Lolth steh uns bei�, murmelte Gromph, dem bei dem Anblick �bel wurde.</p><p>Er hatte nicht besonders viel f�r die Stadt der schimmernden Netze �brig, doch was immer sie heimgesucht hatte, konnte auch Menzoberranzan treffen. Ched Nasad war fast so gro� und so m�chtig wie Menzoberranzan gewesen, doch Gromph konnte mit eigenen Augen seinen vollst�ndigen Untergang sehen. Wenn eines von zwanzig Geb�uden diese Zerst�rung unbeschadet �berstanden hatte, w�rde ihn das schon sehr wundern.</p><p>Gromph ver�nderte den Blickwinkel der Kugel, um nach Anzeichen f�r �berlebende Ausschau zu halten, doch in der Haupth�hle schien niemand zu sein. Inmitten des schwelenden Schutts konnte er zwar eine ganze Reihe verbrannter Leichen entdecken, aber jeder Drow, der das �berlebt hatte, war zweifellos in die angrenzenden H�hlen gefl�chtet. Sie konnte er mit seinem Objekt zur Aussp�hung nicht aufsp�ren, so da� er seine Bem�hungen nach einer Weile als sinnlos erachtete und die Kristallkugel matt werden lie�. Eine Weile sa� er da und starrte gedankenverloren in das finstere Rund.</p><p>�Mu� ich dieses Wissen jetzt mit Triel teilen?� fragte er sich, als er sich aus seinen �berlegungen ri�.</p><p>Er wu�te etwas, das den Muttermatronen vermutlich noch nicht bekannt war, und so etwas er�ffnete M�glichkeiten. Das Problem bestand darin, da� Gromph keine Ahnung hatte, welchen Nutzen er daraus ziehen sollte, die Erkenntnis f�r sich zu behalten. Welche Risiken damit verbunden waren, die Neuigkeit nicht weiterzugeben, war ihm dagegen nur allzu klar. Da ihm nun bekannt war, da� sich Lolths Schweigen �ber Menzoberranzan hinaus erstreckte, konnte er die Priesterinnen ohne Umschweife herausfordern � sofern er den Wunsch versp�rte �, aber selbst wenn er die vereinte Kraft Sorceres gegen die herrschenden H�user der Stadt stellte, was w�rde ihm bei einem Sieg verbleiben? Die qualmenden Ruinen Ched Nasads d�rften das Ergebnis einer solchen Handlung sein. Wahrscheinlich w�rde aber bereits die Loyalit�t der Meister der Magierschule zu ihren H�usern einen solchen Unsinn im Keim ersticken.</p><p>Nein, entschied Gromph. Ich bin kein Revolution�r, der um jeden Preis die bestehende Ordnung aus dem Weg r�umen will ... jedenfalls noch nicht.</p><p>Abgesehen davon war die Ursache f�r all diese Unruhen ohnehin wahrscheinlich nichts weiter als ein Werk Lolths selbst. Gromph wollte nicht ausschlie�en, da� die Spinnenk�nigin bewu�t in absolutes, unerkl�rliches Schweigen verfiel, um festzustellen, wer aus dem Dunkel treten w�rde, um die momentane �Schw�che� ihrer Priesterinnen auszunutzen. Das bedeutete auch, da� Lolth ihres Spiels bald �berdr�ssig werden und ihren Klerikerinnen wieder ihre Gunst erweisen w�rde. Wenn das geschah, dann wehe jedem, der dumm genug gewesen war, unter Beweis zu stellen, wie oberfl�chlich seine Treue gegen�ber der bestehenden Ordnung war. Nein, am kl�gsten war es, Triel mitzuteilen, was er herausgefunden hatte, und daf�r zu sorgen, da� die Muttermatronin nicht ihrerseits dieses Wissen f�r sich behielt. Pharauns wenige Worte vermittelten das Bild einer sehr ernsten Gefahr f�r Menzoberranzan, und Gromph wollte nicht als der Erzmagier in Erinnerung bleiben, der zugelassen hatte, da� seine Stadt ausgel�scht wurde.</p><p>Seufzend stand er auf und lie� sich im Schacht nach unten sinken. Er hoffte nur, da� Triel mit irgend etwas schwierigem befa�t war, damit ihm wenigstens das kleine Vergn�gen verg�nnt war, sie mit einer Nachricht zu unterbrechen, die nicht warten konnte.</p><empty-line/><p>�Die Frage ist nicht, wohin wir gehen sollten�, stellte Pharaun mit ironischem Unterton fest. �Die Frage ist, wie wir lebend aus Hlaungadath herauskommen.� Der Meister Sorceres war ersch�pft. Staub klebte auf seinem blutigen, verschwitzten Gesicht, und er war so ausgelaugt, da� er sich nur noch in den Schatten der langen, teilweise eingest�rzten Mauer werfen konnte. L�ngst hatte er alle Kampfzauber eingesetzt, und jetzt hatte er nur noch einen d�nnen schwarzen Eisenstab, aus dem er Blitze schie�en lie�. Pharaun sah zum Himmel auf, als wolle er feststellen, wie lange sie noch dem Tageslicht ausgesetzt sein w�rden, und wandte den Blick erschrocken wieder ab. �Geht denn diese verfluchte Sonne nie unter?�</p><p>�Steht auf, forderte Quenthel. �Wenn wir ruhen, sterben wir.� Auch sie zitterte vor Ersch�pfung, doch sie hielt sich krampfhaft aufrecht. Die lange, mit Blut bedeckte Peitsche mit den Schlangenk�pfen, die sie trug, wand sich und zischelte bedrohlich, doch noch immer flo� Blut aus einem tiefen Schnitt gleich �ber ihrem linken Auge. Zwei Furchen zerschlagener und verdrehter Glieder in ihrem Kettenhemd waren ein deutlicher Beweis daf�r, wie knapp sie dem Tod durch die Klauen einer ungeschlachten Monstrosit�t mit grauer Haut und spinnengleichen Augen entronnen war.</p><p>�Wenn Ihr ersch�pft seid, seid Ihr f�r die Suggestionen und Illusionen der Lamien weitaus empf�nglicher�, sagte Halisstra. �Es ist besser, im Kampf zu sterben, als unter die Herrschaft einer solchen Kreatur zu geraten.�</p><p>Sie befand sich in keiner besseren Verfassung als die anderen. Nachdem sie und Danifae die erste Begegnung mit den Monstern �berlebt hatten, war es zu einer stundenlangen Verfolgungsjagd durch die Stra�en und verlassenen Geb�ude gekommen. Zun�chst hatte eine gro�e Meute Lamien versucht, die Gruppe mit ihren bet�renden Kr�ften zu �berw�ltigen, doch Drow, die solchen magischen Tricks wachsam gegen�berstanden, stellten alles andere als eine leichte Beute dar. Halisstra und die anderen hatten sich auf einen Kampf mit den l�wengleichen Ungeheuern gefa�t gemacht, doch die Lamien � die von Natur aus verschlagen und feige waren � zogen sich aus der Auseinandersetzung zur�ck und hatten statt dessen ihre Helfershelfer eine Angriffswelle nach der anderen gegen die Drow starten lassen. Lamien mochte es am Mut f�r einen Kampf fehlen, doch das galt in keiner Weise f�r die Mantikore, Asabis, Gargylen und andere ausgew�hlte Gesch�pfe, die ihrer Kontrolle unterstanden.</p><p>�Keine dieser M�glichkeiten gef�llt mir�, knurrte Quenthel. Sie drehte sich um und suchte die Mauern und Geb�ude ringsum nach einem Fluchtweg ab. �Da. Unmittelbar hinter den Bauten dort dr�ben sehe ich die W�ste. Vielleicht geben sie die Verfolgung auf, wenn wir die Stadt verlassen.�</p><p>�Unklug, Herrin�, erwiderte Valas. Er kauerte an einem Torbogen, der zu ihrer momentanen Zufluchtsst�tte f�hrte und von wo aus er nach der n�chsten Angriffswelle Ausschau hielt. �Wenn wir den Schutz dieser Mauern verlassen, werden sie ganz genau wissen, wo wir sind. Wir w�ren kilometerweit zu sehen, auch mit unseren <emphasis>Piwafwis.</emphasis> Sie wurden nicht daf�r geschaffen, uns am hellichten Tage in einer v�llig freien Umgebung zu sch�tzen. Tarnung ist derzeit unsere beste Waffe.�</p><p>Ryld nickte. Er stand an einem anderen Eingang, sein Zwei-h�nder ruhte an seiner Schulter.</p><p>�Sie w�rden uns einkreisen und uns da drau�en niederringen�, sagte der Meister Melee-Magtheres. �Das beste ist, wenn wir uns st�ndig innerhalb der Ruinen bewegen und darauf hoffen, da� die Lamien ... oh verdammt, wir bekommen wieder Gesellschaft.�</p><p>Irgendwo in dem Irrgarten aus eingest�rzten W�nden au�erhalb ihrer Zuflucht geriet Schutt ins Rutschen, als sich etwas Gro�es vorw�rtsbewegte.</p><p>�Achtet auf Illusionen�, ermahnte Halisstra sie.</p><p>Sie hielt den Streitkolben in der Hand und zog an ihrem Schild, um sicher zu sein, da� er fest an ihrem Arm sa�. Hinter ihr lauerte Danifae, einen langen Dolch in der Hand. Halisstra war ungl�cklich dar�ber, ihre Kriegsgefangene bewaffnen zu m�ssen, doch im Moment konnten sie jede Verst�rkung gebrauchen, die sich ihnen bot, und zudem war es in Danifaes Interesse, ihren Beitrag zu leisten, damit sie nicht alle den Bewohnern von Hlaungadath zum Opfer fielen.</p><p>Die Lamien versuchten unterdessen eine neue Taktik. Sie lie�en gegen ein Loch in der Mauer eine Angriffswelle von echsenartigen Asabis anrennen, wilden Kreaturen, die w�tend fauchten, w�hrend sie mit S�beln und Krummschwertern in ihren schuppigen H�nden gegen den Draegloth anst�rmten. Drei weitere ihrer Art hielten Valas auf Trab, w�hrend ein Paar Gargylen �ber die Mauern geschossen kam und hinter Ryld mitten in der Ruine landeten. Mit ihren weiten schwarzen Schwingen wirbelten sie bei jeder Bewegung gewaltige Staubwolken auf.</p><p>Fluchend wirbelte der Waffenmeister herum, um sich der neuen Bedrohung zu stellen.</p><p>Jeggred heulte zornig auf und machte einen Satz nach vorn, um sich dem Ansturm der Asabis in den Weg zu stellen, wobei er aufblitzende Klingen und schnappende M�uler zur Seite schlug, w�hrend er selbst mit seinen gro�en Krallen nach den Echsenkriegern ausholte. Der wei�haarige D�mon setzte alle vier Arme ein, um ein schreckliches Blutbad anzurichten, doch selbst Jeggred erm�dete. Schl�ge, denen er mit seiner schier �bernat�rlichen Kraft h�tte ausweichen m�ssen, trafen ihr Ziel. Mit dem �u�eren linken Arm konnte er zwar einen Schlag mit einem S�bel abblocken, tat das aber so ungl�cklich, da� er selbst eine klaffende Wunde davontrug, die vom Ellbogen bis zum Handgelenk reichte. Eine weitere Klinge traf seinen Rumpf und hinterlie� eine rote Spur auf dem wei�en Brustfell. Der Draegloth schrie vor Wut und verdoppelte seine Anstrengungen.</p><p>Ryld schlug nach den Gargylen, w�hrend Halisstra und Quenthel zu ihm eilten. Quenthel schlug mit ihrer Peitsche nach einem von ihnen, und die Schlangenk�pfe wanden sich um eines der klauenbewehrten Beine der Kreatur, um dann ihre Fangz�hne tief in steinhartes Fleisch zu bohren. Doch die Gargyle stieg mit aller Macht auf und hob die Prinzessin hoch, bis sie den Boden unter den F��en verlor. Pharaun hob seinen Stab, um die Monster mit t�dlichen Blitzen zu bombardieren, wirbelte aber herum und fiel hin, da sich ein Armbrustbolzen in seinen rechten Unterarm gebohrt hatte. Der Stab flog ihm aus der Hand.</p><p>�Die D�cher!� rief Pharaun.</p><p>Halisstra wich vor den Gargylen zur�ck und blinzelte in den grellen Himmel, um nach weiteren Angreifern zu suchen. Loh-farbene Schemen hockten auf einer hohen Mauer, die vielleicht vierzig oder f�nfzig Schritt entfernt war � eine Handvoll Lamien mit schweren Armbr�sten, deren h�bsche Gesichter von einem boshaften Grinsen verzerrt waren und die darauf warteten, da� sich eine Gelegenheit gab, um auf die Gruppe zu feuern. Noch w�hrend Halisstra zu ihnen sah, zielte eine der Lamien auf Ryld. Der Bolzen jagte am Kopf des Waffenmeisters vorbei und ri� ein St�ck aus der lockeren Steinwand hinter ihm. Ryld zuckte zusammen und tauchte zur Seite weg.</p><p>�Jemand mu� sich um die Scharfsch�tzen k�mmern!� rief er, w�hrend er auf die Gargylen einschlug.</p><p>Eine Sekunde sp�ter rasten zwei weitere Bolzen auf Ryld zu. Einer prallte vom Brustpanzer ab, der andere traf ihn an der rechten Seite, da er beide Arme gehoben hatte, um zuzuschlagen. Der Bolzen blieb in der Arm�ffnung seiner R�stung stekken, woraufhin Ryld zwei Schritte zur�cktaumelte und in den Staub fiel.</p><p>Halisstra b�ckte sich und hob Pharauns Zauberstab auf.</p><p>�Hilf Quenthel�, wies sie Danifae an.</p><p>Sie richtete den Stab auf die Lamien auf der Mauer. Da� sie etwas �ber den Umgang mit solchen Objekten wu�te, war eine Sache, die sie normalerweise nicht h�tte offenbaren wollen. Aber dieser Kampf befand sich in einer verzweifelten Phase. Sie sprach ein arkanes Wort, dann jagte ein purpurfarbener Blitz auf die erste Lamia zu und schleuderte die Kreatur in einem Regen aus zerschmetterten Steinen von der Mauer. Donner hallte in der Ruine nach. Sie zielte auf die n�chste Lamia, doch die Gesch�pfe waren nicht dumm, sondern gaben sofort ihren ungesch�tzten Platz auf und brachten sich hinter der Mauer in Sicherheit.</p><p>Aus dem Schatten an der R�ckwand kehrte Pharaun in den Kampf zur�ck, bewaffnet mit einem weiteren Stab. Dieser lie� einen Feuerball entstehen, den der Magier auf die Gargylen �ber ihnen schleuderte. Schmerzensschreie aussto�end flatterten die Kreaturen davon, nur die eine, die bereits das Gift von Quenthels Peitsche in sich trug, kam nicht weit, als auf einmal die Fl�gel ihren Dienst versagten. Das Gesch�pf st�rzte ein St�ck entfernt auf ein Dach.</p><p>Valas entledigte sich seines letzten Angreifers mit einem beidh�ndigen Schlag, der die Kreatur fast in zwei H�lften zerteilte, w�hrend Jeggred angestrengt atmend inmitten eines regelrechten Haufens aus Asabi-Leichen stand. Der Magier sah sich um und entdeckte Ryld am Boden.</p><p>�Verdammt�, murmelte er.</p><p>Er kniete neben dem Waffenmeister nieder und drehte ihn um. Ryld lag im Sterben. Blut str�mte aus der Wunde, in der der Bolzen steckte, er konnte mit M�he atmen, und seine grauen Lippen war blutbeschmiert. Pharaun verzog sein Gesicht zu einer finsteren Miene, dann sah er zu Quenthel.</p><p>�Tut etwas�, sagte er. �Wir brauchen ihn.�</p><p>Quenthel verschr�nkte die Arme und sagte k�hl: �Leider gew�hrt mir Lolth im Moment nicht die Gunst von Heilzaubern, und die �brige Heilmagie, die ich auf unsere Reise mitgenommen hatte, ist schon fast verbraucht. Ich kann wenig f�r ihn tun.�</p><p>Halisstra kniff die Augen zusammen und dachte nach. Wieder gefiel ihr der Gedanke an das, was sie gleich tun w�rde, nicht, aber es konnte helfen, wenn sie ihr Geheimnis offenbarte: Wenn sie der Gruppe aus Menzoberranzan zeigte, was sie konnte, w�rde man sich ihrer nicht so schnell entledigen.</p><p>Au�erdem, dachte sie, werden sie es vermutlich ohnehin l�ngst wissen.</p><p>�Macht Platz�, sagte sie. �Ich kann helfen.�</p><p>Quenthel und Pharaun sahen auf.</p><p>�Wie?� wollte Quenthel wissen. �Wollt Ihr behaupten, Lolth erweise Euch immer noch ihre Gunst?�</p><p>�Nein�, erwiderte Halisstra. Sie kniete sich neben Ryld und untersuchte ihn. Sie mu�te sich beeilen. Wenn er starb, konnte er ihr nicht mehr von Nutzen sein. �Lolth hat mir wie Quenthel und vermutlich auch jeder anderen Priesterin unseres Volks jeglichen Zauber verwehrt. Ich kann aber auf andere Weise heilen.�</p><p>Damit begann sie zu singen. Ihr Lied war eine sonderbare, wehklagende Threnodie, so d�ster und unheimlich, da� sie die Bewunderung der Drow f�r Sch�nheit, Ehrgeiz und meisterlich vollbrachte d�stere Taten ansprach. Halisstra formte den Klang ihrer Stimme und der uralten Worte dieses Liedes, beschwor die Magie ihres Klagelieds, w�hrend sie den Bolzen packte und ihn aus der Wunde zog.</p><p>Ryld zuckte zusammen, die Augen weit aufgerissen, und Blut str�mte �ber Halisstras H�nde � doch die Wunde verschlo� sich sofort zu einer Narbe, und der Waffenmeister hustete sich selbst wach.</p><p>�Was ist passiert?� st�hnte er.</p><p>�Das w��te ich auch gern�, erwiderte Quenthel und betrachtete Halisstra mi�trauisch. �War es das, was ich glaube?�</p><p>Halisstra nickte und stand auf, w�hrend sie sich Blut von den H�nden wischte.</p><p>�Es ist eine Tradition meines Hauses, da� Frauen, die daf�r geeignet sind, die Kunst der <emphasis>Bae�qeshel</emphasis> erlernen d�rfen, der finsteren Minnes�nger. Wie Ihr seht, liegt im Lied eine Macht, etwas, womit sich nur wenige von unserer Art �berhaupt befassen wollen. Ich bin in der Geschichte der Minnes�nger ausgebildet worden.�</p><p>Ryld setzte sich auf, betrachtete seinen Brustpanzer und den blutigen Bolzen, der im Staub lag, und sah dann Halisstra an.</p><p>�Ihr habt mich geheilt?� fragte er.</p><p>Halisstra hielt ihm die Hand hin und half ihm beim Aufstehen.</p><p>�Wie Pharaun bereits bemerkte, brauchen wir Euch viel zu sehr, als da� wir uns mit Eurem Tod belasten m�chten.�</p><p>Ryld sah ihr in die Augen und �berlegte un�bersehbar, was er sagen sollte. Dankbarkeit war ein Gef�hl, mit dem nur wenige Drow etwas anfangen konnten. Der Waffenmeister fragte sich vielleicht, was Halisstra damit anfangen konnte, wenn er ihr seine Dankbarkeit zeigte. Sie ersparte ihm aber jede weitere �berlegung, indem sie sich wieder Pharaun widmete und ihm den eisernen Stab zur�ckgab.</p><p>�Hier�, sagte sie. �Das habt Ihr verloren.�</p><p>Pharaun verbeugte sich und erwiderte: �Ich gebe zu, ich war �berrascht zu sehen, wie Ihr ihn handhabtet. Aber ich habe Euch schon in Ched Nasad singen h�ren. Schande �ber mich, da� ich nicht eins und eins zusammenz�hlte.�</p><p>�La�t mich Euren Arm sehen�, gab Halisstra zur�ck.</p><p>Abermals sang sie das heilende Lied und lie� Pharauns Verletzung verschwinden.</p><p>Sie h�tte auch die anderen untersucht und ihnen geholfen, wenn sie nicht von Quenthel unterbrochen worden w�re.</p><p>�Sonst ist hier niemand dem Tode nah�, erkl�rte diese. �Wir m�ssen von hier fort, sonst werden unsere Gegner uns zweifellos erneut angreifen. Valas, Ihr geht vor. Begebt Euch in eine Richtung, die zu den �u�eren Mauern f�hrt, damit wir in die W�ste entkommen k�nnen, sollten wir uns zur Flucht entschlie�en.�</p><p>�Jawohl, Herrin�, willigte der Sp�her ein. �Es sei, wie Ihr es sagt.�</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Kaanyr Vhok, der halbd�monische Prinz, der als der Zeptertr�ger bekannt war, stand auf einem Balkon hoch �ber der alten Zwergen-Gie�erei und sah seinen Waffenschmieden bei der Arbeit zu. Die gro�e Schmelze hatte einst das Herz des gefallenen Reiches Ammarindar dargestellt. Die H�hle war von gewaltiger Gr��e, und ihr Dach ruhte auf Dutzenden riesiger S�ulen, die man in die Form von Drachen gehauen hatte und die vom w�tenden Feuerschein und dem gespenstischen Schimmern geschmolzenen Metalls rot leuchteten. Das metallische Klirren von H�mmern und das Fauchen der Brenn�fen erf�llten die Luft. Dutzende riesiger Tanarukks � bestialische Scheusale, die aus Orks und D�monen entstanden waren � plagten sich auf dem Grund der Gie�erei. Vhoks Soldaten mochte es an dem Geschick und den Zaubern der Zwerge mangeln, doch sie besa�en den Instinkt daf�r, t�dliche, mit finsterem Wissen versetzte Waffen zu schaffen.</p><p>Kaanyr selbst pa�te gut in diese h�llische Szene. Er war gro� und kr�ftig gebaut, besa� die Statur eines muskul�sen menschlichen Kriegers und die St�rke eines Giganten aus Stein. Seine Haut war rot und f�hlte sich hei� an, und sein Fleisch war so fest, da� es eine Klinge abweisen konnte. Er war ausgesprochen attraktiv, auch wenn Boshaftigkeit in seinen Augen funkelte und seine Z�hne schwarz wie Kohle waren. Er trug einen goldenen Brustpanzer und ein Paar gef�hrliche Kurzschwerter, die aus einem d�monischen schwarzen Eisen geschmiedet waren, in runen�berzogenen Scheiden am G�rtel. Er grinste breit, als er den Blick �ber seine Armee schweifen lie�.</p><p>�Ich f�hre jetzt fast zweitausend Tanarukk-Krieger an�, sagte er �ber seine Schulter, �und mir unterstehen fast noch einmal so viele Orks, Oger, Trolle und Riesen. Ich glaube, die Zeit ist gekommen, um meine Macht zu testen, meine Liebe.�</p><p>Aliisza gestattete sich ein L�cheln und kam n�her, um sich von der Seite an den D�monenprinzen zu pressen. Wie in Kaanyr Vhoks flo� auch in ihren Adern d�monisches Blut. In ihrem Fall � sie war ein Alu-Scheusal � handelte es sich um das Blut eines Sukkubus und eines sterblichen Hexenmeisters. Fl�gel, so sanft und glatt wie schwarzes Leder, wuchsen aus ihren Schulterbl�ttern, doch davon abgesehen war sie schw�rzlich und verf�hrerisch, sinnlich und anziehend, eine Halbd�monin, deren Verlockung nur wenige sterbliche M�nner widerstehen konnten. Sie war au�erdem klug, launisch und in magischen Dingen �u�erst bewandert, womit sie als Komplizin eines von D�monen abstammenden Kriegsherrn wie Kaanyr bestens geeignet war.</p><p>�Menzoberranzan?� schnurrte sie und strich mit einer Fingerspitze �ber das Filigran seiner R�stung.</p><p>�Nat�rlich. In Ched Nasad d�rfte es ja nichts mehr von Wert zu holen geben.� Vhok legte die Stirn in Falten, sein Blick ging ins Leere. �Wenn die Drow nicht von ihrer Spinneng�ttin besch�tzt werden und sie nicht in der Lage sind, ihre unendlichen Fehden in den Griff zu bekommen, dann habe ich vielleicht die M�glichkeit, zu der Gr��e aufzusteigen, nach der ich immer getrachtet habe. Nachdem ich die Ruinen Ammarindars unter meine Herrschaft gebracht habe, mu� ich feststellen, da� es mir nach mehr gel�stet. Eine Stadt der Drow zu unterwerfen ... das w�rde mir gefallen.�</p><p>�Das dachten auch schon andere�, warf Aliisza ein. �Der Magier aus Menzoberranzan, mit dem ich in Ched Nasad gesprochen habe, lie� mich wissen, da� es in seiner Stadt einen gro�en Sklavenaufstand gegeben hat, der von au�en inszeniert worden war. Ich glaube, die Duergar-S�ldner, die in Ched Nasad k�mpften, h�tten die Stadt nicht dem Haus �berlassen, wenn sie sie erst einmal eingenommen h�tten. W�re die Wirkung der Feuerbomben der Duergar nicht so verheerend gewesen, dann w�rde Clan Xornbane nun �ber Ched Nasad herrschen.�</p><p>�Oder ich�, wandte Kaanyr ein und kniff die Augen zusammen. �Wenn du mir rechtzeitig Bericht erstattet h�ttest, w�re es mir m�glich gewesen, meine Armee gegen Ched Nasad zu f�hren, sobald der Kampf den Drow und den Duergar vor�bergehend die Kr�fte geraubt h�tte.�</p><p>Aliisza fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen.</p><p>�Du h�ttest jeden verloren, den du in die Stadt geschickt h�ttest�, erwiderte sie. �Deine Tanarukks h�tten die Br�nde ausgehalten, aber der Zusammenbruch der Stra�en hat alles zerst�rt. Glaub mir, in Ched Nasad hast du nichts verpa�t.�</p><p>Kaanyr erwiderte nichts. Statt dessen l�ste er sich von Aliisza und setzte leichtf��ig �ber das Balkongel�nder, um zum Boden der Gie�erei hinabzusinken. Der Kriegsherr hatte keine Fl�gel, doch seine d�monische Abstammung verlieh ihm die F�higkeit, durch Willenskraft zu fliegen. Aliisza zog die Augenbrauen hoch, dann folgte sie ihm und breitete ihre schwarzen Schwingen aus, damit die aufstr�mende hei�e Luft sie erfassen konnte. Kaanyr war noch immer ver�rgert, was Ched Nasad betraf, und ihr war klar, da� das alles andere als gut war. Wenn der Kriegsherr ihrer �berdr�ssig wurde, dann w�rde er zweifellos in der Lage sein, sie auf eine grausige Weise zu t�ten, ganz gleich, wie nahe sie sich einmal gewesen waren. Es gab nichts, dessen er nicht f�hig war, wenn sein Temperament die Oberhand gewann.</p><p>Kaanyr landete neben einer Grube im Sand, die sich mit geschmolzenem Eisen f�llte. Zwei Tanarukks standen daneben und wachten aufmerksam �ber den Vorgang. Kaanyr hockte sich neben das wei�gl�hende Metall und r�hrte gedankenver-loren mit dem Finger darin herum. Die Temperatur war hoch genug, um ihm Unbehagen zu bereiten, so da� er nach wenigen Augenblicken das fl�ssige Eisen von seinem Finger sch�ttelte und ihn dann an seinem Oberschenkel abwischte.</p><p>�Gutes Eisen�, sagte er zu den Tanarukks. �Weiter so, Jungs.�</p><p>Er richtete sich auf und ging weiter. Aliisza flatterte auf den Steinboden und folgte ihm.</p><p>�Eine Sache macht mir Sorgen�, erkl�rte Kaanyr. �Warum haben die Xornbane-Duergar das Haus verraten, das ihre Dienste in Anspruch genommen hatte, und warum haben sie die Stadt niedergebrannt? War das nur ein Streit �ber die Bezahlung? Oder wollten sie Ched Nasad von Anfang an untergehen lassen? Wenn ja, steckte Horgar Stahlschatten dahinter? Schickte der Prinz von Gracklstugh seine S�ldner nach Ched Nasad, um die Stadt zu zerst�ren? Oder tat der Xornbane-Clan es f�r einen anderen?�</p><p>�Ist das von Bedeutung?� fragte Aliisza, als sie auf gleicher H�he mit ihm war. �Die Stadt wurde zerst�rt, ganz gleich, wessen Absicht es gewesen sein mochte. Die gro�en H�user von Ched Nasad sind alle tot, und es haben im �brigen auch kaum Xornbane-Zwerge �berlebt.�</p><p>�Es ist von Bedeutung, weil ich mir die Frage stelle, ob es die Absicht der Duergar Gracklstughs ist, als n�chstes Menzoberranzan anzugreifen�, sagte Kaanyr. �Ich habe hier eine gro�e Streitmacht versammelt, aber ich glaube nicht daran, Menzoberranzan einnehmen zu k�nnen, solange sich die Drow nicht in einem Zustand des v�lligen Chaos und der totalen Hilflosigkeit befinden. Wenn die Duergar vorhaben, auch in diese Stadt einzumarschieren, sind meinen M�glichkeiten keine Grenzen mehr gesetzt.�</p><p>�Ah�, hauchte Aliisza. �Du k�nntest deine Dienste den Drow, den Grauzwergen, allen beiden oder keinem von ihnen anbieten. Das ist allerdings interessant.�</p><p>�Der Preis, den ich fordern kann, wird um so gr��er, je mehr Krieger ich anf�hre, und er wird auch durch meine N�he zu Menzoberranzan bestimmt. Aber es h�ngt alles von den Absichten der Duergar ab.� Kaanyr lachte schallend. �Ich m�chte nicht vor den Toren von Menzoberranzan stehen, um festzustellen, da� die Drow stark und geeint sind und ich keinen Verb�ndeten aufzubieten habe.�</p><p>�Wieso habe ich nur das Gef�hl, da� du mich gleich wieder losschicken wirst?� schmollte Aliisza. Sie legte die Fl�gel schmachtend um Kaanyr und hielt ihn fest, w�hrend sie die H�nde hob, um ihn zu sich umzudrehen. �Ich bin gerade erst heimgekehrt.�</p><p>�Kluges Kind�, entgegnete Vhok l�chelnd. �Ja, ich will dich auf eine neue Mission entsenden. Diesmal wirst du nicht im verborgenen vorgehen m�ssen. Du wirst Horgar Stahlschatten, dem Kronprinz von Gracklstugh, einen Besuch abstatten, und zwar als meine Gesandte � als Diplomatin. Finde heraus, ob die Duergar Menzoberranzan angreifen wollen. Wenn ja, dann la� sie wissen, da� ich daran interessiert bin, mich ihnen anzuschlie�en. Wenn nicht ... dann versuch einfach, sie davon zu �berzeugen, da� es in ihrem Interesse sei, Menzoberranzan zu zerst�ren, solange die Drow geschw�cht sind.�</p><p>�Die Zwerge werden sich mir wohl kaum anvertrauen.�</p><p>�Nat�rlich werden sie das nicht wollen. Aber wenn sie einen Angriff planen, dann werden sie sehen, welchen Nutzen sie davon haben, mich als ihren Verb�ndeten zu gewinnen. Sollten sie einen Angriff derzeit nicht in Erw�gung ziehen, k�nnten sie ihre Meinung �ndern, sobald sie h�ren, da� ich bereit bin, mich mit ihnen zu verb�nden. Sie sind nicht daran interessiert, da� es Menzoberranzan wohl ergeht, deshalb mu�t du dir keine Sorgen machen, sie k�nnten sich f�r die Drow einsetzen.�</p><p>�Gesandte ...�, murmelte Aliisza. �Das klingt besser als Spionin, oder? Ich nehme an, da� ich eine Nachricht f�r dich �berbringen kann, mein s��er, hitziger Kaanyr. Aber vielleicht solltest du mir etwas Verlockendes in Aussicht stellen, damit ich schnell nach Hause zur�ckkehre, hmmm?�</p><p>Kaanyr Vhok nahm sie in die kr�ftigen Arme und schmiegte sich an sie.</p><p>�Wie du willst, mein Schatz�, fl�sterte er heiser. �Manchmal frage ich mich, ob du eigentlich absolut uners�ttlich bist.�</p><empty-line/><p>Nach einer verzweifelten Flucht von Ruine zu Ruine hatte die Gruppe, der massiv zugesetzt worden war, nach gut einer Stunde endlich eine Zuflucht vor den Monstern gefunden, die �ber Hlaungadath herrschten. Im Schutz eines quadratischen Turms entdeckten sie eine vom Sand fast verdeckte Treppe, die hinab in die k�hlen, lichtlosen Katakomben unter der Stadt f�hrte. Von dieser Entdeckung angespornt bahnten sich die Drow ihren Weg durch ein Labyrinth aus Schreinen, unterirdischen Quellen und widerhallenden S�uleng�ngen aus braunem Stein, bis sie schlie�lich einen tief gelegenen Gang entdeckten, der durch nichts darauf schlie�en lie�, da� er in j�ngster Zeit benutzt worden war. Es war ein trostloser, abgeschiedener Flecken, aber weder gab es hier blendendes Sonnenlicht noch Gesch�pfe, die den Verstand beeinflu�ten � und mehr hatten sie im Moment nicht n�tig.</p><p>�Pharaun, bereitet rasch Zauber vor�, befahl Quenthel, nachdem sie sich in der Kammer umgesehen hatten. �Halisstra, Ihr und Ryld werdet Wache halten. Jeggred, du wirst mit Valas am Torbogen aufpassen.�</p><p>�Bedauerlicherweise m��t ihr etwas l�nger Wache halten�, erkl�rte der Magier und machte eine bedauernde Geste. �Ich war bereit, meine Zauberb�cher zu studieren, als ich im Palast Zeit zum Ausruhen hatte. Aber die schlechten Umgangsformen der Lamien als Gastgeber haben mich ein wenig ersch�pft. Ich mu� eine Weile ruhen, ehe ich meine Zauber wieder vorbereiten kann.�</p><p>�Wir sind alle m�de�, zischte Quenthel. �Wir haben keine Zeit, uns auszuruhen. Bereitet gef�lligst Eure Zauber vor!�</p><p>Die Schlangen an ihrer Peitsche zuckten und zischten erregt.</p><p>�Das w�re vergeblich, liebe Quenthel. Ihr m��t unsere Feinde von mir fernhalten, bis ich mich von den Anstrengungen erholt habe.�</p><p>�Wenn er so machtlos ist�, polterte Jeggred, �w�re das doch jetzt eine gute Gelegenheit, ihn f�r sein respektloses Verhalten und seine Verfehlungen zu bestrafen.�</p><p>�Dumme Kreatur�, schnaubte Pharaun. �T�te mich, und ihr alle werdet keinen Tag in dieser vom Licht heimgesuchten Ein�de �berleben. Oder hast du vielleicht pl�tzlich einen Hang f�rs Arkane entwickelt?�</p><p>Jeggred reagierte ungehalten, doch Quenthel brachte ihn mit einem strengen Blick zum Schweigen. Der Draegloth entfernte sich, um am anderen Ende des langen, staubigen Raums Position zu beziehen, und hockte sich in ein Chaos aus herabgest�rzten Steinen am Eingang. Valas seufzte und trottete los, um sich zu ihm zu setzen.</p><p>�Bereitet Eure Zauber so schnell wie m�glich vor, Magier�, sagte die Priesterin mit gepre�ter Stimme, da sie eine todbringende Wut unterdr�cken mu�te. �Ich habe nicht viel Geduld, was Eure spitzfindigen Bemerkungen angeht. Gebt Halisstra Euren Blitze schleudernden Stab f�r den Fall, da� wir Zauber dieser Art ben�tigen, um einen weiteren Angriff abzuwehren.�</p><p>Es war ein deutliches Zeichen daf�r, wie ersch�pft Pharaun wirklich war, da� er nicht mal versuchte, das letzte Wort zu haben. Er wandte sich Halisstra zu und lie� mit einem L�cheln den schwarzen Eisenstab in ihre Hand fallen.</p><p>�Ich nehme an, Ihr wi�t, wie er funktioniert. Ich m�chte ihn nat�rlich zur�ck, also versucht bitte, ihn nicht ganz zu verbrauchen. So etwas ist schwer herzustellen.�</p><p>�Ich werde ihn nur einsetzen, wenn ich mu߫, sagte Halisstra.</p><p>Sie sah zu, wie sich der Magier einen im Schatten gelegenen Punkt neben einer gro�en S�ule suchte, sich im Schneidersitz hinsetzte und gegen den kalten Stein lehnte. Sie schob den Stab in ihren G�rtel. Quenthel begab sich zur gegen�berliegenden Wand und beobachtete Pharaun, als wolle sie sicherstellen, da� er nicht nur vort�uschte, eine Pause n�tig zu haben. Ryld st�tzte sich auf seinen Zweih�nder, erhob sich und machte sich auf den Weg zu dem Durchgang, der zur�ck zur von den Monstern heimgesuchten Oberfl�che f�hrte.</p><p>Halisstra wollte ihm folgen, doch Danifae sagte: �Soll ich hier Wache halten, Herrin?�</p><p>Die Dienerin kniete zwischen dem Magier und der Priesterin auf dem Boden, der Dolch steckte in ihrem G�rtel. Sie sah zu Halisstra auf, ihr Gesicht war v�llig ausdruckslos und vermittelte den Eindruck, sie h�tte eine v�llig harmlose Frage gestellt.</p><p>Die Melarn-Priesterin zwang sich, nicht das Gesicht zu verziehen. Einer Kriegsgefangenen eine Waffe zu geben kam dem Eingest�ndnis gleich, da� man nicht l�nger die Kraft hatte, sie zur Unterw�rfigkeit aufzufordern. Sie vermutete, Danifae w�rde sp�ter einen hohen Preis daf�r fordern, ihr weiter zu gehorchen. Danifae selbst blickte ruhig drein, w�hrend ihre Herrin �ber das Angebot nachdachte. Halisstra sp�rte, da� Quenthels Blick auf ihr ruhte. Sie mu�te sich zusammenrei�en, um die Priesterin nicht zornig anzusehen.</p><p>�Du kannst den Dolch behalten, um dich zu verteidigen � f�r den Augenblick�, gestand ihr Halisstra zu. �Deine Wachsamkeit ist nicht erforderlich. Komm nicht auf den Gedanken, je wieder so etwas vorzuschlagen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, Herrin�, erwiderte Danifae.</p><p>Das Gesicht der jungen Frau lie� keine Gef�hlsregung erkennen, doch Halisstra mi�fiel der nachdenkliche Ausdruck in Danifaes Augen, w�hrend die sich darauf einstellte, einfach nur zu warten.</p><p>Wird ihr Bindezauber halten? fragte sich Halisstra.</p><p>Im Herzen des Hauses Melarn, umgeben von der geballten Kraft ihrer Feinde, h�tte Danifae es nicht gewagt, den magischen Zwang abzusch�tteln, der sie unterwarf, selbst wenn es ihr m�glich gewesen w�re. Doch die Dinge hatten sich ge�ndert. Danifaes Sorgfalt in dem Punkt, wie sie ihre Herrin in Quenthels Gegenwart ansprach, war Halisstra nicht entgangen. Ohne ihr Haus, ihre Stadt, die Halisstra die absolute Herrschaft �ber alles gaben, was ihr eigen war � ihr Leben, ihre Loyalit�t, ihre Besitzt�mer, zu denen auch Danifae z�hlte �, konnten ihr all diese Dinge abgerungen werden. Der Gedanke bescherte ihr ein Gef�hl der Leere, und sie kam sich verg�nglich vor wie ein verwestes St�ck Fleisch.</p><p>Was, wenn Danifae auf die Idee kommt, ernsthaft die Grenzen ihrer Gefangenschaft zu testen? fragte sie sich. W�rde Quenthel zulassen, da� Halisstra ihre Kontrolle �ber die junge Frau wahrte oder w�rde Quenthel einschreiten, einfach nur, um etwas gegen Halisstra zu unternehmen und einen weiteren St�tzpfeiler ihres Status zu zerschmettern? War Quenthel vielleicht gar in der Lage, Danifae zu befreien und Halisstra selbst zur Kriegsgefangenen zu erkl�ren?</p><p>Danifae betrachtete Halisstra mit gesenktem Blick. Sie war unterw�rfig, h�bsch � und geduldig.</p><p>�Kommt Ihr?� rief Ryld, der im Durchgang stand und auf sie wartete.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Halisstra, die nur mit M�he einen finsteren Blick unterdr�cken konnte.</p><p>Bewu�t langsam kehrte sie ihrer Dienerin den R�cken und folgte Ryld in den Tunnel, der von ihrer Zuflucht wegf�hrte. Im Moment war sie in Sicherheit. Danifae konnte das Silbermedaillon nicht ablegen, das um ihren Hals hing, ganz gleich, wieviel Willens- und k�rperliche Kraft sie aufgebracht h�tte. In dem Moment, in dem sie das Schmuckst�ck ber�hrte, sorgte der Zauber daf�r, da� sich all ihre Muskeln versteiften, bis sie wieder davon ablie�. Ebensowenig konnte sie jemanden bitten, es ihr abzunehmen, denn in dem Augenblick, da sie �ber den Anh�nger sprach, w�rde ihr die Zunge im Mund erstarren und sie so zum Schweigen bringen. Solange sie das Medaillon trug, war Danifae gezwungen, Halisstra zu dienen und notfalls sogar ihr Leben zu opfern, um das ihrer Herrin zu retten. Danifae hatte ihre Unterwerfung mit W�rde �ber sich ergehen lassen, doch hatte Halisstra nicht vor, ihr das Medaillon in Gegenwart der Gruppe aus Menzoberranzan abzunehmen � wenn sie es ihr �berhaupt jemals abnehmen w�rde.</p><p>Sie und Ryld bezogen Stellung in einem kleinen Rundbau, der ein St�ck entfernt den Tunnel unterbrach, eine dunkle, freie Stelle, die es ihnen erlaubte, darauf zu achten, ob sich jemand ihrem Versteck n�herte, ohne selbst gesehen zu werden. In ihre <emphasis>Piwafwis</emphasis> geh�llt, konnte man sie praktisch nicht von dem sie umgebenden dunklen Stein unterscheiden. Trotz des launigen Chaos und des qu�lenden Ehrgeizes, die in jedem Drow-Herzen brannten, war jeder gebildete Drow in der Lage, Geduld und eiserne Disziplin bei der Aus�bung einer wichtigen Aufgabe walten zu lassen, und so machten sich auch Halisstra und Ryld daran, in wachsamer Stille zu warten und zu beobachten.</p><p>Halisstra versuchte, ihren Geist von allem zu befreien und nur das zuzulassen, was ihre Sinne ihr mitteilten, damit sie besser wachen konnte. Sie mu�te aber feststellen, da� sich in ihrem Kopf Gedanken angesammelt hatten, die sich nicht leicht verdr�ngen lie�en. Es wurde Halisstra klar, da� � ganz gleich, was von diesem Tag an aus ihr werden sollte � ihr Erfolg oder Mi�erfolg einzig von ihrer Kraft, ihrer List und ihrer R�cksichtslosigkeit abhingen. Das Mi�vergn�gen des Hauses Melarn bedeutete nichts. Wenn sie mit Respekt behandelt werden wollte, w�rde sie das Mi�vergn�gen Halisstra Melarns zu etwas machen m�ssen, was gef�rchtet wurde, und das alles nur, weil Lolth entschieden hatte, die auf die Probe zu stellen, die ihr am treuesten dienten. Wegen einer Laune Lolths war Haus Melarn aus Ched Nasad zerst�rt worden, jenes Haus, dessen Herrscherinnen �ber Jahrhunderte hinweg auf Lolths Altar Blut und Reicht�mer dargebracht hatten.</p><p>Wieso? fragte sie sich. Wieso?</p><p>Die Antwort war nat�rlich kalt und leer: Lolths Wege waren nichts, was ihre Priesterinnen verstehen konnten, und ihre Pr�fungen konnten wahrlich grausam sein. Halisstra knirschte mit den Z�hnen und versuchte, ihre Fragen aus ihrem Herzen zu verdr�ngen. Wenn Lolth entschieden hatte, Halisstras Glauben auf die Probe zu stellen, indem sie ihr alles nahm, was ihr wichtig war, nur um zu sehen, ob die Erste Tochter des Hauses Melarn f�hig war, es zur�ckzugewinnen, dann w�rde sie feststellen, da� sie jemanden ausgew�hlt hatte, der dieser Herausforderung gewachsen war.</p><p><emphasis>Wollt Ihr dar�ber reden?</emphasis> signalisierte Ryld diskret in der hochentwickelten Zeichensprache der Drow.</p><p><emphasis>Wor�ber?</emphasis></p><p><emphasis>�ber das, was Euch solche Sorgen macht. Etwas macht Euch zu schaffen, Priesterin.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist nichts, was einen Mann angeht,</emphasis> gab sie zur�ck.</p><p><emphasis>Nat�rlich. Wie immer.</emphasis></p><p>In der kleinen Kammer trafen sich ihre Blicke. Halisstra stellte �berrascht fest, da� Rylds Gesicht zu einer Mischung aus verbitterter Resignation und sarkastischer Belustigung verzogen war. Sie betrachtete ihn eindringlich und versuchte zu ergr�nden, was ihn dazu bewegte, sich mit ihr unterhalten zu wollen.</p><p>F�r einen Mann � genaugenommen sogar f�r einen Drow �berhaupt � war er kr�ftig gebaut und sehr gro�, in etwa so gro� wie sie selbst. Sein kurzgeschnittenes Haar war eine exotische Affektiertheit in der Drow-Gesellschaft, eine sonderbar asketische N�chternheit f�r ein Volk, das sich an Sch�nheit und pers�nlicher Kultivierung erfreute. Im Umgang miteinander waren Drow r�cksichtslos pragmatisch, doch nicht, wenn es um ihr �u�eres ging. Halisstras Erfahrungen mit M�nnern nach putzten sich die meisten von ihnen doch nur fein heraus und hatten eine Vorliebe f�r einschmeichelnde Eleganz und t�dliche T�cke. Pharaun stand genau f�r diesen Typ. Doch Ryld � das wurde ihr nun klar � war von einem anderen Schlag.</p><p><emphasis>Ihr k�mpft gut,</emphasis> erkl�rte sie � es war keine Entschuldigung, die an einen Mann gerichtet war, und doch war es ... etwas. <emphasis>Ihr h�ttet mich in Ched Nasad sterben lassen k�nnen, und doch habt Ihr Euer Leben aufs Spiel gesetzt, um mich zu retten. Wieso?</emphasis></p><p><emphasis>Wir hatten eine Abmachung. Ihr brachtet uns in Sicherheit, und wir halfen Euch.</emphasis></p><p><emphasis>Aber ich hatte zu der Zeit die Abmachung einseitig aufgek�ndigt. Es gab keinen Grund, Eure Seite zu halten.</emphasis></p><p><emphasis>Es gab keinen Grund, sie nicht zu halten.</emphasis> Ryld l�chelte und wechselte zu einem leisen Fl�stern. �Abgesehen davon scheint es so, als sei es in meinem Interesse gewesen, Euch zu retten. Vor gerade einmal einer Stunde habt Ihr mein Leben gerettet. Wir stehen gegenseitig in unserer Schuld.�</p><p>Halisstra mu�te lachen, jedoch so leise, da� man in drei Metern Entfernung davon nichts mehr h�rte.</p><p><emphasis>Wir sind kein Volk, das seine Schulden ehrt,</emphasis> signalisierte sie.</p><p><emphasis>Dies ist mir mehr als einmal klargemacht worden,</emphasis> erwiderte Ryld. Ein schmerzlicher Ausdruck huschte �ber sein Gesicht, und Halisstra fragte sich, wem genau der Meister Melee-Magtheres vertraut hatte und warum er so dumm gewesen war. Ehe sie fragen konnte, fuhr er fort: <emphasis>Erz�hlt mir von den</emphasis> Bae�qeshel. <emphasis>Ich wei� nichts �ber sie.</emphasis></p><p>�Traditionell�, fl�sterte sie, �werden unsere Magier, Schwertk�mpfer und Kleriker an Akademien ausgebildet. Das gilt jedenfalls f�r die meisten Drow-St�dte. Der Grund, weshalb Ihr nichts von den <emphasis>Bae�qeshel</emphasis> wi�t, ist, da� die Gesangsausbildung keine �ffentlich bekannte Sache ist. Es gibt immer eine Herrin und eine Sch�lerin.�</p><p>�Ich dachte, die Adelsh�user h�tten keine nennenswerte Verwendung f�r b�rgerliche Minnes�nger.�</p><p>�Die <emphasis>Bae�qeshel</emphasis> sind keine b�rgerlichen Minnes�nger, Waffenmeister�, gab Halisstra mit gesenkter Stimme zur�ck. �Wir sind eine stolze, uralte Sekte, die <emphasis>Bae�qeshel Telphraezzar</emphasis>, die Fl�sterer der Dunklen K�nigin. Ich bin eine Priesterin Lolths, so wie auch die anderen Frauen meines Hauses, aber ich wurde als junges M�dchen auserw�hlt, mich �ber viele Jahre hinweg mit der <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Geschichte zu befassen. Ich verehre Lolth nicht einfach nur mit meinem Dienst als ihre Priesterin, sondern auch mit dem Geschenk, die alten Ges�nge unseres Volks anzustimmen, die in ihren Ohren so wohlklingend sind. Das Haus Melarn war immer schon stolz darauf, in jeder Generation in der Schwesternschaft im Dienste von Lolth eine <emphasis>Bae�qeshel</emphasis> hervorzubringen.�</p><p>�Wenn Eure Lieder Lolth geweiht sind, wieso funktionieren sie, w�hrend andere Zauber versagen?� wollte Ryld wissen.</p><p>�Weil die Lieder eine eigene Macht besitzen, so wie die Zauber eines Magiers. Wir lenken nicht die g�ttliche Macht Lolths, um unsere Lieder zu wirken. Leider sind meine Talente nichts im Vergleich zu der g�ttlichen Macht, die ich in Lolths Namen wirken k�nnte, wenn sie mir wieder g�nstig gesonnen w�re.�</p><p>�Nichtsdestoweniger ein interessantes Talent�, murmelte er. Ryld warf einen Blick in Richtung des Ganges zu der Kammer, in der die anderen warteten. �Es scheint alles ruhig zu sein. Es k�nnte aber noch eine ganze Weile dauern. So wie ich Pharaun kenne, wird er Stunden brauchen, ehe er wieder zu Kr�ften gekommen ist. Sagt, spielt Ihr <emphasis>Sava</emphasis>?</p><empty-line/><p>Nimor hielt sich im Schatten eines gigantischen Stalaktiten, einem der vielen steinernen Rei�z�hne, die von der Decke der gewaltigen H�hle herabreichten, in der Menzoberranzan gelegen war. Alte G�nge und gef�hrliche Pfade �berzogen das Dach der Stadt, und viele riesige Stalaktiten waren zu d�ster-sch�nen Burgen verwandelt worden, die angesichts ihrer trotzigen Arroganz noch spektakul�rer wirkten. Nur Drow waren dazu f�hig, aus einer zerbrechlichen Steinspitze, die dreihundert Meter �ber dem H�hlenboden hing, ein Heim zu schaffen. Hochwohlgeborene Drow besa�en oft eine ihnen eigene Magie oder verzauberte Medaillons, die sie von jeglicher Sorge wegen der gro�en H�he befreiten und die sie kaum einmal �ber die schwindelerregenden Aussichtspunkte nachdenken lie�en, die sogar Flederm�usen Angst machen w�rden. Ihre Sklaven und Diener dagegen hatten nicht dieses Gl�ck, so da� das Leben in einer von der Decke ragenden Spitze f�r sie etwas permanent Nervenaufreibendes hatte.</p><p>Die wichtigeren Stalaktiten waren selbstverst�ndlich magisch verst�rkt worden, um sie vor dem unvermeidlichen Absturz zu bewahren, und sie w�rden so lange dort verharren, bis die Magie selbst versagte. Dennoch war mehr als einer der stolzen alten Pal�ste verlassen und von einer dicken Staubschicht �berzogen, da das Haus, das ihn einst beansprucht hatte, in der Kunst der Magie nicht bewandert genug war, um die Zauber aufrechtzuerhalten, die das Bauwerk bewohnbar machten. Es war einer jener leerstehenden Pal�ste, in dem sich Nimor versteckt hielt und von dem aus er nach unten in den dunklen Abgrund sah, in dem sich sein Ziel befand.</p><p>Das Haus Faen Tlabbar, das Dritte Haus Menzoberranzans, lag ein St�ck weit nach links unterhalb seines Beobachtungspunktes. Die Burg erstreckte sich �ber mehrere hochaufragende Stalagmiten und S�ulen, und ihre eleganten Balustraden und die weit emporragenden Bereiche t�uschten �ber die darunter befindliche Macht der ausladenden T�rme und die gewaltigen Bollwerke aus dunklem Stein hinweg. Faen Tlabbar war eines der gr��ten und prachtvollsten jener Bauwerke in Menzoberranzan, die nicht auf dem Hochplateau von Qu�ellarz�orl gelegen waren, dem angesehensten der Adelsbezirke der unterirdischen Stadt. Statt dessen reichte das Haus an der s�dlichen Wand der gro�en H�hle von Menzoberranzan so weit hinauf, da� die h�chsten T�rme das Plateau �berstiegen, in dessen Schatten das Haus lag, so als h�tten die Matronen des Dritten Hauses �ber den Rand jener Hochebene sp�hen wollen, um eifers�chtig auf jene H�user blicken zu k�nnen, die das Gl�ck hatten, auf einer Ebene mit dem bedeutenden Haus Baenre zu stehen.</p><p>Es war eine treffende Analogie f�r die politischen Man�ver Faen Tlabbars. Nur zwei H�user standen in der d�steren Hierarchie Menzoberranzans �ber ihm, und zwar Baenre als Erstes und Barrison Del�Armgo als Zweites Haus. Nimor hielt es f�r wahrscheinlich, da� Muttermatrone Tlabbar sich f�r ihr Haus Gro�es erhoffte. Del�Armgo, das Zweite Haus, war stark, konnte aber nicht viele Verb�ndete vorweisen. Baenre, das st�rkste Haus, war so schwach wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr. H�user wie Faen Tlabbar sahen die Baenre und mu�ten automatisch an Jahrhunderte totaler Arroganz und dem�tigender Herablassung denken, und man fragte sich, ob die Zeit gekommen war, da� sich mehrere schw�chere H�user zusammenschl�ssen und die Vorherrschaft der Baenre ein f�r allemal beendeten.</p><p>�Das w�re ein Schauspiel, das ich gerne s�he�, sagte Nimor nachdenklich zu sich selbst.</p><p>Er vermutete, da� sich Baenre in einem solchen Szenario als st�rker erweisen w�rde, als es die ha�erf�llten Rivalen f�r m�glich hielten, dennoch w�rde es ein spektakul�res Blutvergie�en werden. Mehrere gro�e H�user w�rden untergehen, denn Baenre w�rde nicht allein in der Nacht verschwinden. Nat�rlich w�rde das den Pl�nen der Gesalbten Klinge der Jaezred Chaulssin sehr entgegenkommen.</p><p>Doch dieses Schauspiel w�rde f�r eine sp�tere Gelegenheit aufgespart werden. Nimor wollte Faen Tlabbar einen tiefen, nachhaltigen Schlag versetzen, das Haus aber nicht gegen das Haus Baenre aufbringen. Ghenni Tlabbar, Matrone des Dritten Hauses, w�rde durch seine Klinge sterben. Ihr Blut w�rde einen Verrat im gro�en Stil nach sich ziehen, und es w�rde dem Attent�ter das Stilett in die Hand geben, das Nimor tief ins Herz von Menzoberranzan jagen wollte.</p><p>Ein schabendes Ger�usch und das Klirren eines Kettenhemdes lie�en Nimor aufmerksam werden. Er zog sich lautlos in den Schatten zur�ck und wartete geduldig ab, w�hrend eine Staffel Tlabbar-Krieger auf gro�en Reitechsen an einem kleinen, unbearbeiteten Stalaktiten ganz in der N�he nach oben kletterten. Die blassen Reptilien hatten an ihren F��en gro�e, klebrige Fl�chen, die es ihnen erlaubten, auch an der steilsten Oberfl�che Halt zu finden. Viele Adelsh�user in Menzoberranzan setzten diese Wesen ein, um in weit oben gelegenen Bereichen der weitl�ufigen H�hle zu patrouillieren. Faen Tlabbar war dar�ber hinaus f�r seine Echsenkavallerie bekannt. Nimor hatte seit �ber einer Stunde von seinem Posten aus die Tlabbar-Patrouillen beobachtet und immer wieder deren Runden sorgf�ltig mitgestoppt.</p><p>Genau zur erwarteten Zeit, stellte Nimor fest. Ihr werdet berechenbar, Jungs.</p><p>Die Reiter hielten Armbr�ste und Lanzen einsatzbereit, w�hrend sie im G�nsemarsch dahinhuschend um den kleineren Stalaktiten kreisten und die H�hlendecke absuchten. Wie Nimor erwartet hatte, bog der Anf�hrer nach links ab und folgte der Kurve, die die steinerne Spitze beschrieb, nach unten, bis er nicht mehr zu sehen war.</p><p>�Ihr w�rt gut beraten, von Eurer Routine abzuweichen, Hauptmann�, fl�sterte Nimor, der der Reiterstaffel nachsah. �Ein tapferer Kamerad wie ich k�nnte ja glatt durch die M�glichkeit abgeschreckt werden, Ihr k�nntet �berraschend zur�ckkehren.�</p><p>Mit einem Satz sprang Nimor nach vorn und tauchte in die ewige Nacht.</p><p>Durch eine ungl�ckliche Felsformation nahm Haus Tlabbar nur wenig vom Dach der Stadt und von den oberen H�hlen f�r sich in Anspruch. Eine gro�e S�ule und ein Paar kleinerer Stalaktiten verbanden Tlabbar mit der Decke, so da� es unmittelbar �ber dem Dach des Palastes eine nicht einsehbare Stelle gab. Diese Schw�che wollte Nimor nutzen. Sein schwarzer Mantel flatterte hinter ihm, und kalte Luft wehte ihm ins Gesicht. Er verzog den Mund zu einem Grinsen und geno� die langen Sekunden, die sein gro�er Sprung dauerte. Sein K�rper war von den finsteren Feuern seine Abstammung erf�llt, und er sehnte sich danach, seine dreiste Verkleidung abzustreifen, doch war dies nicht der richtige Zeitpunkt daf�r.</p><p>Noch im Fallen sprach er die Worte eines Zaubers, der ihn unsichtbar machte. Als die speergleiche Spitze des Hauptpalastes von Faen Tlabbar rasend schnell n�herkam, stoppte Nimor seine Abw�rtsbewegung abrupt, indem er seine Levitationskraft einsetzte. Keine sechs Herzschl�ge nach dem Moment, da er von dem verlassenen Stalaktiten heruntergesprungen war, landete Nimor unsichtbar und unbemerkt auf dem messerscharfen First eines steil nach oben ragenden Saals. Er lauschte, ob ein Ger�usch daraufhindeutete, da� man ihn entdeckt hatte, dann bewegte er sich mit Schritten, die so leise waren wie der Tod, zu der Stelle, an der der Saal in die Burg �berging.</p><p>Die Drow von Faen Tlabbar waren sich durchaus bewu�t, da� Angriffe, die von oben herab gef�hrt wurden, f�r sie gef�hrlich werden konnten, daher waren die Zinnen und Kuppeld�cher auf dem Palast mit aufmerksamen Wachtposten besetzt, die nach Eindringlingen Ausschau hielten. Nimor ging ihnen sorgf�ltig aus dem Weg. Diejenigen von ihnen, die unsichtbare Gegner sehen konnten � und das waren nicht wenige �, waren es nicht gew�hnt, nach einem unsichtbaren Angreifer Ausschau zu halten, der zudem noch mit der Verstohlenheit eines meisterhaften Assassinen von Schatten zu Schatten wechselte. Gr��ere Sorgen bereiteten Nimor die diversen magischen Barrieren, die das Haus abschirmten. Aus Gewohnheit sch�tzte er sich mit Zaubern, die darauf ausgelegt waren, die unterschiedlichsten Formen magischer Aufsp�rung zu unterlaufen oder zu st�ren, doch seine Zauber war nicht narrensicher.</p><p>Gr�ngoldenes Licht umgab ihn schimmernd, als er �ber die steilen Ziegel des Dachs eines quadratischen Turms schlich. Die Faen Tlabbar nutzten wie viele andere H�user Magie, um die barocken Spitzen und Balkone ihres Heims zu beleuchten und zu verzieren. Nimor legte sich auf den Bauch und robbte kopf�ber ein St�ck weit nach unten, w�hrend er aufmerksam horchte. Er erwartete, unter sich einen Wachtposten und einen Eingang in den Palast vorzufinden. �ber Jahrzehnte hinweg hatten die Jaezred Chaulssin Aussp�hungsmagie eingesetzt, um so viel wie m�glich �ber die Bauweise und die Verteidigungseinrichtungen vieler gro�er H�user in mehr als einer Drow-Stadt in Erfahrung zu bringen. Der schlanke Assassine hatte die Notizen und Pl�ne genau studiert, die seine Bruderschaft �ber das Haus Tlabbar zusammengestellt hatte. Nat�rlich waren diese Informationen unvollst�ndig und veraltet, da Teile des Palastes gegen jegliche Form der Aussp�hung abgeschirmt waren. Hinzu kam, da� sich die Jaezred Chaulssin erst seit kurzer Zeit die H�user von Menzoberranzan vorgenommen hatten. Nimor w�re es lieber gewesen, seine Angabe zu aktualisieren, indem er eine der Tlabbar-Wachen bestach oder gefangennahm, doch ihm fehlte die Zeit, um das in die Wege zu leiten und dabei auch noch im Plan zu bleiben, den er sich selbst gesetzt hatte.</p><p>Von dem Balkon unter der Dachtraufe waren leise Ger�usche zu h�ren, die durch Bewegungen verursacht wurden. Vermutlich zwei M�nner, mindestens aber einer im Kettenhemd. Er mu�te schnell handeln, denn ein einziger Schrei konnte das Ende seines Angriffs auf das Haus bedeuten. Mit berechnender Geduld rutschte Nimor ein St�ck weiter und stellte fest, da� sich unter der �berh�ngenden Traufe ein geschwungener, offener Gang befand. Links ging der Gang in ein Treppenhaus �ber, das zu den unteren Zinnen f�hrte, w�hrend er zu seiner Rechten an einem schwarzen Durchgang endete. Die T�r stand offen. Unmittelbar unter ihm stand ein Drow in R�stung und beobachtete den Hof.</p><p>Volle drei�ig Herzschl�ge lang studierte Nimor den Mann und plante seine Vorgehensweise, w�hrend er lautlos seinen Dolch zog. Die Klinge war aus gr�nlich-schwarzem, verzaubertem Stahl und glitzerte feucht im Schimmer des Feenfeuers. Nach wie vor unsichtbar rollte er sich vom Dach und landete hinter dem Tlabbar-Wachmann.</p><p>Als die F��e des Assassinen auf den Steinplatten auftrafen, gab es ein leises Ger�usch, das gen�gte, um den Wachmann zu veranlassen, sich umzudrehen. Er �ffnete den Mund, um einen Ruf auszusto�en, doch mit einer einzigen, unerbittlichen Bewegung legte Nimor seine Hand auf den Mund des Mannes und stie� den Dolch tief von unten in den Sch�del. Die Klinge glitt �ber Knochen, und der Tlabbar-Wachmann war schon tot, als er in Nimors Arme sank.</p><p>Nimor lie� den Leichnam zu Boden fallen und sah hin�ber zum anderen Wachposten, einem Mann, der das schwarze Gewand eines Magiers trug. Der Tlabbar-Magier wandte sich um, da er die unvermeidlichen Ger�usche des Angriffs wahrgenommen hatte, und sah, wie der Mann scheinbar grundlos zusammenbrach � schlie�lich war Nimor noch immer unsichtbar.</p><p>�Zilzmaer?� fragte er schneidend. �Was ist?�</p><p>Nimor sprang vor und rammte das blutbeschmierte Messer unter das Kinn des Mannes, pre�te dessen Kiefer zusammen und bohrte die Spitze ins Hirn des Tlabbar. Der Magier zuckte zwei- oder dreimal heftig, dann erschauderte er und starb.</p><p>�Psst�, zischte Nimor. �Es ist alles in Ordnung. Leg dich hin.�</p><p>Er lie� den Magier neben seinem Gef�hrten zu Boden sinken und wandte sich dem finsteren Torbogen zu, der in die Burg f�hrte.</p><p>Mit dem Messer in der Hand ging er hindurch � nur um sofort von einer unsichtbaren, nicht greifbaren Barriere aufgehalten zu werden, die den Durchgang wie eine gemauerte Wand blockierte. Nimor zog die Augenbrauen hoch, beschwor seine Willenskraft und unternahm einen erneuten Versuch, wurde jedoch abermals mitten in seiner Bewegung gestoppt.</p><p>�Verdammt�, murmelte er. �Ein Zauber, der mir den Zutritt verwehrt.�</p><p>Die Tlabbar-Burg oder zumindest der Weg ins Innere war durch einen gro�en Zauber gesch�tzt, der es jedem Feind unm�glich machte, einen Fu� in das Geb�ude zu setzen. Nimor konnte einer Reihe von magischen Fallen aus dem Weg gehen oder sie entsch�rfen, aber dieser Zauber �berstieg seine F�higkeiten bei weitem.</p><p>Daher die offene T�r, dachte er. Die Tlabbar sind sich ihrer magischen Verteidigung ganz sicher. Was nun?</p><p>Er steckte sein Messer weg und betrachtete den T�rbogen. Ein solcher Zauber konnte auf unterschiedliche Weise geschaffen sein, um ein Geb�ude oder ein Gebiet zu sch�tzen, doch wenn sich die Tlabbar frei in ihrer eigenen Burg bewegen wollten, dann hatten sie ihn sicherlich so angelegt, da� sie selbst ohne gro�e M�hen hindurchschreiten konnten � m�glicherweise mit irgendeiner Art von Abzeichen oder durch eine Losung. Nimor durchsuchte die beiden Toten, konnte aber nichts entdecken, was nach einem Abzeichen aussah, mit dessen Hilfe er den Zauber �berwinden konnte.</p><p>Es kann alles m�gliche sein, �berlegte er. Eine Mantelfibel, eine verzauberte M�nze in einem Geldbeutel, ein Ohrring, eine Halskette ...</p><p>Ihm fehlte die Zeit zum Experimentieren, also hob er den toten Magier hoch und klemmte ihn sich unter den Arm, dann kehrte er zur�ck zum T�rbogen und machte sich bereit, einen weiteren Versuch zu wagen. Diesmal konnte er m�helos hindurchgehen, als sei der Schutzzauber aufgehoben worden.</p><p>Es mu�te also etwas sein, was die Tlabbar-Wachen am Leib tragen, erkannte Nimor.</p><p>Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, sich den toten Magier �ber die Schulter zu legen und ihn zu tragen, f�r den Fall, da� er innerhalb der Burg auf eine weitere derartige Barriere stie�, doch dann entschied er sich dagegen. Heimlichkeit und Schnelligkeit waren seine beste Verteidigung, und einen Leichnam mit sich herumzuschleppen war keine besonders unauff�llige Vorgehensweise. Abgesehen davon war es nicht wahrscheinlich, da� die Tlabbar in ihrem Palast mehr als einen solchen Zauber gewirkt hatten, und selbst wenn, dann war nicht anzunehmen, da� er mit dem gleichen Schl�ssel �berwunden werden konnte. Auf der anderen Seite des Durchgangs lie� er den toten Magier fallen und machte sich auf den Weg ins Innere des Palastes.</p><p>Hinter dem T�rbogen erstreckte sich ein langer, hoher Gang, der oberhalb eines Saals der Tlabbar verlief. T�ren aus hellem Zurkhholz s�umten den Saal und f�hrten in Arbeitszimmer, Salons, zu Troph�ensammlungen und in andere R�umlichkeiten, wenn Nimors alter Lageplan noch zutraf. All diese T�ren ignorierte er jedoch und eilte statt dessen durch den Saal, bis er am anderen Ende an einer Treppe angelangt war, die auf die Ebene darunter f�hrte. Hier stie� er auf eine magische Glyphe, die das Passieren verhindern sollte. Allerdings nahm er die Falle fr�h genug wahr, so da� er sie nicht ausl�ste. Statt auf die entsprechende Stufe zu treten, sprang er einfach �ber das Gel�nder und landete auf dem n�chsten Treppenabsatz. Die Treppe beschrieb eine weitl�ufige Kurve und f�hrte in einen weiteren schimmernden schwarzen Korridor, der sich in der N�he des Mittelpunkts der Tlabbar-Burg befand und zum Schrein des Hauses f�hrte. Der Boden bestand aus poliertem schwarzen Marmor, der alles wie ein Spiegel reflektiert h�tte, w�re dort ein Licht gewesen, in dessen Schein man es h�tte sehen k�nnen. Nicht weit entfernt standen zwei Wachen des Hauses vor einer gro�en Doppelt�r, die in Lolths Heiligtum f�hrte.</p><p>Der unsichtbare Nimor l�chelte und begl�ckw�nschte sich stumm zu seinem Zeitplan. Die Muttermatrone und vielleicht ein oder zwei ihrer T�chter w�rden sich dort befinden, um irgendein Ritual zu vollziehen, mit dem sie ihre schweigsame G�ttin anriefen.</p><p>Nimor blieb au�er Sichtweite und sah sich noch einmal um, damit er sicher sein konnte, da� sich niemand sonst n�herte, dann betrachtete er aufmerksam die beiden Wachen. Sie machten auf ihn den Eindruck junger Offiziere, die sich f�r ihre erhabene Aufgabe als Wachen der Muttermatrone stolz herausgeputzt hatten, doch Nimor vertraute nicht auf das, was er sah. Er war sicher, da� sich hinter den beiden mehr verbarg, als es den Anschein hatte. Er beschlo�, sie zu umgehen, wenn es irgendwie m�glich war.</p><p>Nimor sammelte sich und hob seine linke Hand, an der ein Ring gl�nzte, der so schwarz wie Pech war. Der Schattenring war vermutlich seine n�tzlichste Waffe, ein Gegenstand, der eine ganze Reihe zweckm��iger magischer Kr�fte in sich barg. Er beschwor eine dieser Kr�fte und verschmolz mit dem Schatten des schwarzen Korridors, um dann auf der anderen Seite der T�r wieder aufzutauchen � im Allerheiligsten des Hauses.</p><p>Der Tempel nahm fast das gesamte zentrale Stockwerk des gro�en Palastes f�r sich in Anspruch, die elegante Kuppel erstreckte sich weit nach oben und war mit Lolths Spinneninsignien in Silber und Schwarz verziert. Der Schrein war von einem finsteren silbernen Leuchten erf�llt, um besser den verschwenderischen Reichtum zur Schau zu stellen, den Haus Faen Tlabbar darauf verwendet hatte, die Kapelle der Spinnenk�nigin zu dekorieren. Nimor vergeudete keine Zeit damit, den goldenen Tand und die edelsteinverzierten Bilder zu bewundern.</p><p>Muttermatrone Ghenni und zwei ihrer T�chter huldigten dem hochaufragenden schwarzen Abbild der schweigenden G�ttin und krochen vor Lolth zu Kreuze, zweifellos darum bem�ht, die Spinnenk�nigin anzuflehen, dem Haus wieder ihre Gunst zu schenken. Niemand sonst war hier. Offenbar war die Muttermatrone der Ansicht, da� ihre Wachen und ihre Diener nicht sehen mu�ten, wie sie und ihre T�chter sich in ihrer privaten Verehrung dem�tigten. Nimors Informationen �ber Faen Tlabbar erwiesen sich wieder einmal als zutreffend.</p><p>Nimor zog lautlos sein Rapier und n�herte sich, den Blick auf sein Opfer gerichtet. Ghenni war eine auffallend sch�ne Drow, eine Frau mit sinnlichem K�rper und einer geschmeidigen Anmut, die es ihr erlaubte, ihr Alter viel besser zu ertragen als viele andere Frauen, die noch hundert Jahre j�nger waren. Er bemerkte das dunkle Glitzern eines Kettenhemds unter ihrem smaragdfarbenen Gewand und mu�te l�cheln. Ohne Lolths Schutz der Spinnenk�nigin f�hlte sich die Muttermatrone eines an sich m�chtigen Hauses offenbar nicht so ganz sicher.</p><p>Die Muttermatrone hielt pl�tzlich in ihrer Anbetung inne, als w�re sie von etwas gewarnt worden � von einem leisen Ger�usch, der Bewegung eines Schattens oder vielleicht einfach nur von ihrer Intuition. Sie richtete sich auf die Knie auf und sah sich um, auf ihrem Gesicht zeichnete sich ein vorsichtiger Ausdruck ab.</p><p>�Sil�zet, Vadalma�, zischte sie. �Wir sind nicht allein.�</p><p>Die beiden jungen Frauen hielten mitten in der Bewegung inne und blieben ausgestreckt auf dem kalten Steinfu�boden liegen. Argw�hnisch beobachteten sie die Umgebung, w�hrend Ghenni aufstand und nach einem Stab griff, der an ihrem G�rtel hing.</p><p>�Wer da?� rief sie. �Wer wagt es, uns zu st�ren?�</p><p>Nimor sagte nichts, sondern kam n�her. Die Muttermatrone konnte ihn nicht sehen, dessen war er sicher, doch in dem Moment, indem seine Klinge sich in Reichweite befand, um zuzuschlagen, f�hlte er, wie sich im Raum eine <emphasis>Pr�senz</emphasis> bildete. Eine unsichtbare d�monische Kraft nahm nahe der Kuppel Gestalt an.</p><p>�Obacht, Matrone�, zischte eine Stimme. �Ein unsichtbarer Assassine n�hert sich.�</p><p>Nimor mu�te der Muttermatrone des Hauses Faen Tlabbar hoch anrechnen, da� sie nicht vor Angst erstarrte. W�hrend ihre T�chter aufsprangen, ging Ghenni zwei Schritte zur�ck und beschrieb rasche Gesten mit ihrem Stab, w�hrend sie einen Befehl ausstie�. Eine Sph�re wallender Schw�rze scho� aus dem Stab hervor und zerplatzte hinter Nimor zu einem tintenschwarzen Flecken aus eisigen Schatten, die wie lebende Dinger nach ihm schlugen und nach ihrer Beute gierten. Der Assassine ignorierte den Zauber, da er schon einen Satz nach vorn machte. Mit einem pr�zisen Stich jagte er sein Rapier durch Ghennis Leib. Die Klinge war so schwarz wie die Nacht, ein langes Stilett aus nicht greifbarer Schattenmaterie, das sich durch das Kettenhemd der Muttermatrone fra�, als sei dieser Schutz �berhaupt nicht vorhanden. Die Wirkung war genauso t�dlich, wie es auch zu erwarten gewesen war. Er drehte die Klinge in ihrem Herzen um und grinste, obwohl sie ihn noch immer nicht sehen konnte.</p><p>�Seid gegr��t, Muttermatrone�, zischte er. �Vielleicht findet Ihr die Antworten, die Ihr sucht, wenn Ihr Lolths schwarze H�lle erreicht habt.�</p><p>Ghenni rang nach Luft, dann hustete sie und spuckte Blut. Sie stolperte, w�hrend sie sich an der Klinge festklammerte, die in ihrem Herzen steckte, verdrehte die Augen und st�rzte zu Boden. Nimor zog sein Rapier zur�ck und wirbelte zur Tochter links, Sil�zet, herum, w�hrend der D�mon �ber Ghennis Leib Gestalt annahm. Es war eine skelettartige Kreatur, die in gr�ne Flammen geh�llt und mit einem schwarzgl�henden Krumms�bel aus fahlen Knochen bewaffnet war.</p><p>Der D�mon konnte ihn offenbar sehr gut sehen, denn er st�rzte sich sofort auf Nimor. Er holte mit einem wilden Hieb nach dessen Kopf aus, dem er auswich, indem er sich duckte. Doch die Kreatur schaffte es, die Richtung der Klinge erstaunlich schnell zu �ndern und mit der R�ckhand einen zweiten Hieb auf Taillenh�he zu f�hren. Nimor verzog ver�rgert das Gesicht und wich zur�ck, da ihm das Gesch�pf wider Erwarten in die Quere gekommen war. Hinter dem D�mon �ffnete Sil�zet eine Schriftrolle, um deren Text vorzulesen, w�hrend Vadalma sich vorbeugte, um den Stab ihrer Mutter an sich zu nehmen, wobei sie sich gleichzeitig mit einem Dolch sch�tzte.</p><p>�Du wirst diesen Raum nicht lebend verlassen, Assassine!� schrie Vadalma. �Wachen! Wachen!�</p><p>Nimor h�rte, wie die Wachen sich an der T�r zu schaffen machten. Er duckte sich und scho� davon, wobei er sich von dem D�mon fernhielt, mit dem er sich nicht anlegen wollte. Es war sinnlos, einen Wachd�mon zu t�ten. Ihm blieben nur noch Augenblicke, und die wollte er nutzen. Der Assassine machte einen schnellen Schritt und rollte sich unter der Deckung des D�mons hindurch, so da� er gleich neben Sil�zet auftauchte, die soeben die Worte von ihrer Schriftrolle vorzulesen begonnen hatte. Er rammte ihr den Dolch ins Kreuz, w�hrend er mit seinem schwarzen Rapier den S�bel des Knochend�mons abwehrte. Sil�zet schrie vor Schmerz und wollte sich losrei�en, doch Nimor brachte sie sofort zu Fall, so da� sie sich windend auf dem Boden landete. Nimor vollzog ihre Bewegung nach und stach die Spitze des Rapiers in ihre Kehle.</p><p>Diesmal lie� der D�mon ihn daf�r bezahlen, da� er ihn ignoriert hatte. Er schrie vor Zorn und schlug mit seinem Knochenschwert nach ihm, wodurch er Nimor eine lange, brennende Schnittwunde quer �ber das Schulterblatt zuf�gte, als der sich wegzudrehen versuchte. Er pre�te die Lippen zusammen, um den Schmerz lautlos zu ertragen, dann rollte er zur Seite weg, ehe die Kreatur ihn in St�cke hauen konnte.</p><p>Vadalma br�llte den Befehl f�r den Stab ihrer Mutter und feuerte die Sph�re blindlings in Nimors Richtung ab, so da� schwarze Ranken, kalt und scharf wie Rasierklingen, an seinem Fleisch rissen.</p><p>Die Wachen st�rmten mit gez�ckten Klingen in die Kapelle, ihre Gesichter gefa�t und ausdruckslos. Sie kamen mit unglaublicher Schnelligkeit heran und fuchtelten mit den Schwertspitzen, w�hrend sie sich Nimor n�herten. Hastig drehten sie die K�pfe und folgten ihm dann, als verrieten ihn das Schaben seiner Stiefelsohlen oder sein Atem.</p><p>Ich habe getan, wof�r ich hergekommen bin, entschied er.</p><p>Ghenni war tot, und Sil�zet lag im Sterben. Sie zuckte und trommelte mit den Hacken auf den Marmorfu�boden, w�hrend sie in ihrem eigenen Blut ertrank. Er h�tte noch gern Vadalma umgebracht, doch der D�mon und die Wachen � um welche Kreaturen es sich bei ihnen auch immer handeln mochte � machten die Situation zu kompliziert, als da� sie noch praktikabel zu l�sen gewesen w�re.</p><p>Resigniert wich Nimor einige Schritte zur�ck und verschwand dank der Macht seines Rings, der ihn im n�chsten Moment nahe dem Balkon wieder auftauchen lie�, �ber den er in den Palast eingedrungen war. Der Zauber, der ihm den Zutritt verwehrt hatte, verhinderte seine Flucht mit einem einzigen Dimensionssprung, doch der Assassine packte einfach den Leichnam des Tlabbar-Magiers, den er gleich hinter dem Durchgang zur�ckgelassen hatte, und eilte nach drau�en. Der Schnitt an seiner Schulter schmerzte unertr�glich, und seine Beine stachen, wo die eisigen Ranken der Sph�re ihn getroffen hatten. Nimor atmete dennoch tief durch und gestattete sich ein wildes, triumphierendes Grinsen.</p><p>�Ihr hattet Gl�ck�, sagte er zu den beiden Toten, die vor ihm lagen. �Wenn die TIabbar herausfinden, da� ihr die T�r bewacht habt, durch die ich hineingelangt bin, w�rt ihr liebend gern tot.�</p><p>Nat�rlich kam von den Leichen keine Reaktion � wie immer.</p><p>Er sah hinaus zu dem Feenfeuer, das �ber den Zinnen der Burg schimmerte und lauschte den Entsetzensschreien und Rufen aus dem Inneren des Geb�udes. Er h�tte diese Ger�uschkulisse gern noch lange genossen, doch die Verfolger konnten nicht mehr weit entfernt sein. Seufzend schlo� er die Faust um den schwarzen Ring und brachte sich durch blo�e Willenskraft fort von der Burg.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Halisstra und Ryld spielten zwei Partien auf einem kleinen Reisespielbrett, das der Waffenmeister in einer G�rteltasche mit sich trug. Ryld gewann beide Partien, jedoch setzte ihn Halisstra im Spiel schwer unter Druck. Sie hatte schon immer eine Schw�che f�r <emphasis>Sava</emphasis> gehabt, doch sie merkte fr�h, da� sie es mit einem Meister des Spiels zu tun hatte. Viele Stunden verstrichen in der Dunkelheit, ohne da� es ein Zeichen daf�r gab, da� die Lamien ihr Versteck ausfindig gemacht hatten.</p><p><emphasis>Ich kann nicht glauben, da� sie uns nicht gefolgt sind,</emphasis> merkte Halisstra nach dem Ende der zweiten Partie an.</p><p><emphasis>Ich vermute, wir haben viele ihrer liebsten Untergebenen get�tet. Die Lamien sind sehr sorglos mit dem Leben ihrer Sklaven umgegangen. Vielleicht haben sie nicht mehr genug, um die Stadt gr�ndlich nach uns zu durchsuchen.</emphasis> Ryld l�chelte. <emphasis>Wir haben auch einige Lamien get�tet. Vielleicht sind sie gar nicht versessen darauf, uns zu finden.</emphasis></p><p><emphasis>Hauptsache, sie lassen uns in Ruhe,</emphasis> erwiderte Halisstra.</p><p>Als sie keine Lust mehr hatte, <emphasis>Sava</emphasis> zu spielen, wurde ihr bewu�t, da� sie entsetzlichen Hunger hatte. Vor Sonnenaufgang hatten sie ein Fr�hst�ck zu sich genommen, das aus den wenigen aus Ched Nasad mitgenommenen Vorr�ten bestand, doch Halisstra war sicher, da� sich der Tag dem Ende n�herte. Drow konnten Entbehrungen besser als die meisten anderen Lebewesen aushalten, doch ein schwerer Kampf gefolgt von stundenlangem Wachen hatte sie k�rperlich ersch�pft.</p><p><emphasis>Ich verhungere,</emphasis> bedeutete sie Ryld. <emphasis>Es scheint alles ruhig zu sein. Ich werde zum Lager zur�ckhuschen und Vorr�te holen. Bleibt wachsam.</emphasis></p><p>Ryld nickte und fl�sterte: �Beeilt Euch.�</p><p>Halisstra erhob sich und zog ihren <emphasis>Piwafwi</emphasis> eng um sich. Im Gang war es ruhig und finster, so wie schon seit Stunden. Sie schlich so lautlos wie m�glich zur�ck in den Saal, in dem die anderen darauf warteten, da� Pharaun seine Zauber vorbereitete. Von vorn drangen Stimmen zu ihr. Quenthel und Danifae unterhielten sich.</p><p>Eine d�stere Vorahnung huschte wie ein finsterer Schatten �ber Halisstras Herz, denn als sie einen Augenblick dar�ber nachdachte, fiel ihr kaum etwas ein, wor�ber sich Danifae und Quenthel unterhalten konnten.</p><p>Ich h�tte sie nicht allein lassen sollen, schalt sie sich. Ich lie� mich von Quenthel herumkommandieren wie ein Mann!</p><p>Langsam schlich sie weiter, ein lautloser Schatten in der Finsternis. Sie sah Pharaun, der in eine Decke gewickelt dasa�, vertieft in seine Tr�umerei, gegen die Wand gelehnt und die Augen halb geschlossen. Quenthel und Danifae sa�en dicht zusammen, ein wenig von Pharaun abgewandt, womit sie sich in der N�he des Gangs aufhielten, in dem Halisstra stand und lauschte.</p><p>�Was glaubst du, was du tun wirst, wenn wir nach Menzoberranzan zur�ckkehren? Glaubst du, dort wartet auf deine Herrin ein hoher Posten?� fragte Quenthel mit ver�chtlichem, sp�ttischem Tonfall.</p><p>�Ich wei� nicht�, erwiderte Danifae nach einer Weile. �So weit habe ich nicht gedacht.�</p><p>�Unsinn! Du denkst intensiv nach, seit ich dich zum ersten Mal im Audienzsaal des Hauses Melarn sah. Ich wage sogar zu raten, was in diesem Augenblick in deinem Kopf vorgeht! Du fragst dich, wie du es schaffen kannst, mit Halisstra Melarn als deine Kriegsgefangene ins Haus Yauntyrr in Eryndlyn zur�ckzukehren.�</p><p>�Ich w�rde nie wagen, so etwas zu denken ...�</p><p>Quenthel lachte geh�ssig. �Spar dir deine unschuldigen Proteste f�r jemanden, der leichtgl�ubiger ist als ich. Du hast noch immer nicht meine Frage beantwortet. Warum sollte ich dich und deine Herrin nach Menzoberranzan mitnehmen?�</p><p>�Meine Hoffnung ist�, sagte Danifae mit versagender Stimme, �da� ich eine Gelegenheit bekomme, Euch zu zeigen, von welchem Nutzen ich f�r Euch sein kann, damit Ihr entscheidet, mir die Chance zu geben, Euch zu dienen.�</p><p>�Wie ich sehe, antwortest du diesmal nicht f�r deine Herrin�, schnaubte Quenthel. �Ich soll deine treulose Anma�ung also damit belohnen, dich im Haus Baenre zu sch�tzen, wenn ich doch wei�, da� du nichts weiter bist als eine opportunistische Natter, die ihre Herrin in dem Moment im Stich l��t, wenn ihr der Sinn danach steht?�</p><p>�Ihr urteilt falsch�, sagte Danifae. �Die Tradition, die besten und n�tzlichsten Adligen eines besiegten Hauses aufzunehmen, ist bei meinem Volk eine Lebensart. Meine Herrin und ...�</p><p>In diesem Moment zischten und zuckten die Vipern an Quenthels Peitsche dicht vor Danifaes Gesicht und brachten sie zum Schweigen.</p><p>�Ich glaube�, entgegnete Quenthel, �ich urteile richtig. Du bist ein einf�ltiges Kitz, dem es an der Kraft fehlt, sich davor zu bewahren, die Sklavin einer anderen zu werden. Du bist f�r mich nichts weiter als nutzloser Schmuck � oder aber du bist eine sehr geduldige und geschickte kleine Speichelleckerin, womit du f�r mein Haus auch nicht von Nutzen w�rst.� Sie lehnte sich zur�ck und grinste Danifae an. �Vielleicht sollte ich Halisstra von dieser Unterhaltung in Kenntnis setzen. Ich bezweifle, da� deine Herrin erfreut w�re zu erfahren, was du alles in ihrem Namen annimmst. Es geziemt sich nicht.�</p><p>�Das ist Euch vorbehalten, Herrin�, sagte Danifae und deutete mit dem Kopf eine Verbeugung an. �Ihr k�nnt mit mir verfahren, wie Ihr wollt. Ich kann mich Euch nur zur Verf�gung stellen.� Sie hob den Kopf und leckte sich die Lippen. �In meiner Gefangenschaft habe ich verstehen gelernt, was es bedeutet, Macht �ber einen anderen auszu�ben. Wenn ich nicht selbst solche Macht aus�ben kann, dann bleibt mir nur, mich in die Obhut einer Frau zu begeben, die diese Dinge auch versteht. Halisstra Melarn ist meine Herrin, aber nur, solange Ihr wollt. Wenn der Zeitpunkt kommt, da Ihr �ber diese Angelegenheit entscheiden wollt, dann bete ich daf�r, da� Ihr mir Gelegenheit gebt, Euch meine N�tzlichkeit zu demonstrieren und als Eure Sklavin zu leben. Ihr versteht es weit besser als meine Herrin, Macht auszu�ben.�</p><p>�H�r auf mit deinen sinnlosen Schmeicheleien, M�dchen�, fuhr Quenthel sie an, erhob sich und baute sich bedrohlich und mit einem L�cheln auf den Lippen vor der Dienerin auf. �Ich habe dir schon einmal gesagt, da� ich sehe, was sich hinter deinem sch�nen Gesicht abspielt. Au�erdem ist die Wertsch�tzung des Schweigens die einzige Tugend, die ich bei denen als angenehm empfinde, die ich unter meine Obhut nehme.�</p><p>�Ich flehe Euch an, Herrin�, murmelte Danifae. Sie beugte sich vor, um das Gesicht an Quenthels Oberschenkel zu schmiegen, und schlang mit geschlossenen Augen die Arme um die Knie der Baenre. �Ich t�te alles, um Eure Gunst zu erlangen. Ich flehe Euch an.�</p><p>Quenthels schlangenk�pfige Peitsche wand sich und vergrub sich in Danifaes silbernem Haar. Die Herrin der Akademie stand schweigend da und l�chelte noch immer k�hl. Als sie nach unten griff und mit einer Hand sanft Danifaes Kinn anhob, beugte sie sich zugleich vor und sah ihr tief in die Augen.</p><p>�H�r zu�, fl�sterte Quenthel. �Ich wei� genau, welches Spiel du spielst, aber du wirst nicht gewinnen. Die Frauen des Hauses Baenre sind aus h�rterem Zeug gemacht als die des Hauses Melarn. Genie�e jeden Herzschlag, dummes M�dchen, denn in dem Augenblick, in dem ich dich nicht mehr am�sant finde, endet dein Leben.�</p><p>Quenthel l�ste sich aus der Umklammerung und entfernte sich, um wieder ungeduldig in der Kammer auf und ab zu gehen. Danifae erhob sich und kehrte dorthin zur�ck, wo sie sich befunden hatte, als Halisstra gegangen war. Sie kniete sich huldvoll hin und sammelte sich, um zu warten.</p><p>Halisstra atmete im Schatten des Gangs langsam aus und zwang ihre Gliedma�en, wieder Ruhe zu finden. Ihr war nicht klar gewesen, wie sehr sie sich angespannt hatte.</p><p>Was soll ich damit anfangen? �berlegte sie.</p><p>Mehr als einmal hatte sie sich in den vielen Jahren Danifaes Sch�nheit bedient, um sich eine Gunst zu sichern. Wenn sie Danifae zur Rechenschaft zog, wieso sie es gewagte hatte, in Halisstras Abwesenheit auf Quenthel zuzugehen, dann konnte sie sich die Antwort schon jetzt denken. Danifae w�rde behaupten, sie habe nur herausfinden wollen, wie Quenthel zu Halisstra stehe, indem sie die br�ckelnde Loyalit�t zum Haus Melarn vort�uschte � eine plausible Entschuldigung, um sich Quenthel unter diesen Umst�nden zu n�hern. Danifae konnte darauf beharren, sie habe Quenthel nur gesagt, was sie hatte h�ren wollen, um in Erfahrung zu bringen, ob es f�r sie und ihre Herrin einen Platz im m�chtigen Haus der Priesterin gab. Wahrscheinlich w�rde sie dann eine ganze Reihe unterw�rfiger Entschuldigungen folgen lassen und Halisstra bitten, sie zu t�ten, wenn ihr Handeln aus irgendeinem Grund den Mi�fallen ihrer adligen Herrin erregt haben sollte.</p><p>Aber war auch anzunehmen, da� Danifae sich nicht unter falschen Voraussetzungen Quenthel gen�hert hatte? Wenn die Dienerin einen Weg fand, sich von dem Bindezauber zu befreien, der sie zur Gefangenen machte, dann w�rde sie daf�r Quenthels Zustimmung ben�tigen, da sie ansonsten die Freiheit wom�glich auf Kosten ihres Lebens erlangte. Es war durchaus m�glich, da� nur die t�dliche Launenhaftigkeit einer hochgeborenen Priesterin Danifae davon abhielt, um die Aufl�sung ihrer Unterwerfung zu bitten. Sollte Danifae ihre Freiheit erlangen und darauf hoffen, da� Quenthel ihr diese Freiheit weiterhin garantierte, dann konnte es durchaus sein, da� die Baenre sich entschied, die Frau allein wegen dieser Anma�ung zu vernichten. Jeder Drow w�re es ein Vergn�gen, den Tr�umen einer Sklavin Nahrung zu geben, um sie dann in einem Augenblick finsterer Lust zu zerschmettern.</p><p>Noch vor einem Tag h�tte Halisstra Danifae als ihren kostbarsten Besitz bezeichnet. Sie war nicht nur zu unersch�tterlicher Loyalit�t verpflichtet, sondern sie diente sogar als Vertraute, vielleicht sogar als ihre Freundin � auch wenn ihre Treue blo� die Folge eines Zaubers war. Sie hatten vieles geteilt und gemeinsam zahlreiche Intrigen geplant. Danifae war ihr bereitwillig in ihr selbstauferlegtes Exil gefolgt, hatte freiwillig ihre Leiden mitgetragen und ihren Dienst fortgesetzt. Nat�rlich h�tte sie einen schrecklichen Preis daf�r gezahlt, wenn sie nach Halisstras Flucht im Haus Melarn geblieben w�re. Aber war sie ihr etwas zu bereitwillig gefolgt?</p><p>�Hier stehe ich und habe Angst davor, meine Dienerin zur Rede zu stellen oder zu disziplinieren�, hauchte Halisstra. �Lolth hat mich wahrhaft tief sinken lassen.�</p><p>Halisstra hatte die K�lte in ihrem Herzen wieder unter Kontrolle und kehrte behutsam zu Ryld zur�ck. Der Appetit war ihr vergangen, doch sie durfte keinen Verdacht aufkommen lassen. Also machte sie erneut kehrt und begab sich ins Versteck der Gruppe, wobei sie sich ein leises Schlurfen ihrer Stiefelsohlen auf dem sandbedeckten Steinboden erlaubte, das sich in der Totenstille der Kammer fortpflanzte. Quenthel und Danifae sollten glauben, da� sie nichts mitbekommen hatte, doch von nun an w�rde sie die beiden noch genauer im Auge haben.</p><empty-line/><p>Nimor Imphraezl war auf seinem Weg durch die prachtvollen Pal�ste und zerkl�fteten Stalagmiten von Qu�ellarz�orl, hatte den <emphasis>Piwafwi</emphasis> eng um sich gezogen und die Kapuze hochgeschlagen. Er trug das Abzeichen eines Kaufmanns und gab sich als wohlhabender B�rgerlicher aus, der gesch�ftlich auf dem Hochplateau der hochm�tigsten Adelsh�user Menzoberranzans unterwegs war. Es war keine gute Tarnung, denn jeder, der seine selbstbewu�te Gangart und sein schmissiges Auftreten aufmerksam beobachtete, w�rde ihn auf Anhieb als einen adligen Drow erkennen. Diese Art der Verkleidung war bei hochwohlgeborenen M�nnern nichts Ungew�hnliches, wenn sie unerkannt bleiben wollten. Mit dem einen oder anderen ihm zur Verf�gung stehenden Zauber h�tte er so gut wie jedes Aussehen annehmen k�nnen, das ihm in den Sinn kam, doch Nimor hatte schon vor langer Zeit entdeckt, da� die einfachsten Tarnungen oft die besten waren. Die meisten Drow-H�user wurden durch Verteidiger bewacht, die sofort merkten, wenn sich ihnen jemand n�herte, der den Schleier einer Illusion um sich gelegt hatte. Eine gew�hnliche Tarnung zu durchschauen, erforderte dagegen einen weltlichen Scharfsinn, den manche Drow vergessen hatten.</p><p>Zwei Soldaten der Baenre kamen ihm entgegen und betrachteten ihn neugierig und mit einem gewissen Argwohn. Nimor verbeugte sich tief und sprach einen gef�lligen Gru�. Die beiden sahen noch ein- oder zweimal �ber die Schulter nach ihm, doch dann widmeten sie sich wieder ihren eigenen Angelegenheiten. Junge Baenre-M�nner waren z�gerlich geworden, wenn es darum ging, einen Streit vom Zaun zu brechen, es sei denn, sie waren sich ihrer Sache wirklich sicher. Nimor machte auf dem Weg zu seinem eigentlichen Ziel noch einen Umweg, damit er sichergehen konnte, da� sie nicht auf die Idee gekommen waren, ihn zu verfolgen. Nach einem letzten scharfen Knick, mit dem er jeden Verfolger absch�tteln w�rde, wandte er sich dem von hohen Mauern umgebenen Palast zu, der nahe dem Zentrum der Hochebene stand, und n�herte sich dem festungs�hnlichen Tor.</p><p>Agrach Dyrr, das f�nfte Haus Menzoberranzans, erstreckte sich in und um neun nadelgleiche Felst�rme, die am Rand eines gro�en Grabens gelegen waren. Jeder spitz aufragende Fels war mit seinem Nachbarn durch eine elegante Wand aus mit Diamantspat verst�rktem Stein, die unglaublich schlank und extrem fest war, verbunden. Schwebende Strebepfeiler, die Klingen glichen und h�bsch anzusehen waren, bildeten eine Verbindung zwischen den nat�rlichen T�rmen und jenen von Drow-Hand geschaffenen, eine dicht gedr�ngte Ansammlung von Minaretten und Spitzen inmitten der Anlage, die sich viele hundert Meter �ber der Ebene in die H�he erstreckte. Eine Br�cke ohne Gel�nder �berspannte in einem einzigen eleganten Bogen die Kluft, die das Bauwerk umgab.</p><p>Nimor erklomm die Br�cke und n�herte sich gut sichtbar. Am anderen Ende versperrten ihm mehrere Schwertk�mpfer und zwei kompetent wirkende Magier den Weg.</p><p>�Halt�, rief der Mann am Tor. �Wer seid Ihr, und was wollt Ihr?�</p><p>Der Assassine blieb stehen. Er sp�rte die unz�hligen Mordwerkzeuge, die auf ihn gerichtet waren, als k�nnte er auf die Idee kommen, irgendeine v�llig unangemessene Antwort zu geben.</p><p>�Ich bin Reethk Vaszune, H�ndler in magischen Ingredienzen und Reagenzien�, erkl�rte er und verbeugte sich, w�hrend er seine Arme ausbreitete. �Ich bin vom Alten Dyrr bestellt worden, um �ber einen Kauf meiner Waren zu sprechen.�</p><p>Der Hauptmann am Tor wurde gelassener und sagte: �Der Meister hat uns Euer Kommen angek�ndigt. Kommt.�</p><p>Nimor folgte dem Hauptmann durch eine Reihe ausladender Empfangss�le und hoher, ein deutliches Echo werfender R�umlichkeiten bis ins Herz des Schlosses von Agrach Dyrr. Dort wies der Hauptmann auf einen kleinen Warteraum, der mit exotischen Korallen und Kalkstein kunstvoll ausgestattet war, die alle an die Motive der Kuo-toa angelehnt waren, jener Fischwesen, die in manchen Seen des Unterreiches lebten. Der Raum, der exotisch genug war, um den Reichtum und Geschmack des Hauses zu belegen, strahlte Arroganz aus.</p><p>�Ich bin dar�ber informiert, da� Meister Dyrr in K�rze zu uns sto�en wird�, sagte der Hauptmann der Wache.</p><p>Im n�chsten Moment �ffnete sich lautlos eine Geheimt�r in der gegen�berliegenden Wand, dann tauchte der Alte Dyrr auf. Der uralte Magier war wahrhaft alt und auch altersschwach, ein Anblick, wie man ihn von einem Elf nicht gew�hnt war, von einem Drow ganz zu schweigen. Er st�tzte sich auf einen Stab aus schwarzem Holz, und seine ebenso schwarze Haut schien so d�nn und empfindlich wie Pergament. In den Augen des Mannes brannte ein heller, kalter Funke, der andeutete, da� Ehrgeiz und Lebenskraft trotz des hohen Alters noch immer in vollem Umfang vorhanden waren.</p><p>�Wir sind erfreut, Euch so schnell wiederzusehen, Meister Reethk�, erkl�rte der alte Drow mit rauher Stimme. �Hattet Ihr Gelegenheit, die Dinge zu erwerben, �ber die wir gesprochen haben?�</p><p>�Ich denke, Ihr werdet zufrieden sein, Meister Dyrr�, antwortete Nimor.</p><p>Er sah den Hauptmann an, der wiederum seinen Blick auf den alten Magier gerichtet hatte, um sicher sein zu k�nnen, da� er wegtreten durfte. Dyrr schickte ihn mit einer fl�chtigen Handbewegung fort, dann beschrieb der Magier eine andere Geste und sprach ein arkanes Wort, woraufhin der Raum von einer Sph�re aus wabernder Schw�rze umgeben wurde, die wie ein Lebewesen leise fauchte und st�hnte.</p><p>�Ich hoffe, du wirst mir vergeben, da� ich Vorkehrungen treffe, um sicherzustellen, da� unsere Unterhaltung unter uns bleibt, Junge�, keuchte der alte Drow. �Lauschen scheint uns in die Wiege gelegt zu sein.�</p><p>Er schlurfte zu einem kunstvoll geschnitzten Stuhl und setzte sich langsam hin, wobei es ihm nichts auszumachen schien, da� er damit Nimor sein ungesch�tztes Genick als Ziel bot.</p><p>�Eine sinnvolle Ma�nahme�, sagte Nimor.</p><p>Der Alte stellt f�r mich keine Gefahr dar, dachte der Assassine. Entweder vertraut er mir � was eher unwahrscheinlich ist �, oder er ist sich seiner Sache sehr sicher. Wenn seine Zuversicht so gro� ist, da� er sich mit mir hier einschlie�t, dann hat er keine Vorstellung von meiner Kraft, oder aber ich sch�tze ihn v�llig falsch ein.</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> Zuversicht, Junge�, erkl�rte der Alte pl�tzlich, �und du sch�tzt mich v�llig falsch ein, weil wir beide mehr sind, als es den Anschein hat.� Dyrr lachte feucht und rasselnd. �Ich kenne deine Gedanken. Ich bin nicht durch Sorglosigkeit so alt geworden. Nun setz dich. Wir lassen die Spiele bleiben und kommen zum Gesch�ft.�</p><p>Nimor spreizte in einer Geste der F�gung die H�nde und nahm gegen�ber dem Alten Platz. Sorgf�ltig ordnete er seine Gedanken und versteckte seine dunkleren Geheimnisse an einem Ort, mit dem er sich nicht befassen w�rde, solange Dyrr bei ihm war und seine Gedanken las. Statt dessen konzentrierte er sich ausschlie�lich auf die anstehende Angelegenheit.</p><p>�Ihr habt zweifellos vom unerfreulichen Ende der Muttermatrone des Hauses Faen Tlabbar geh�rt�, sagte der Assassine, �und von ihrer Tochter Sil�zet.�</p><p>�Es ist mir nicht entgangen. Die Tlabbars beklagten sich lautstark beim Rat. Was haben sie nur erwartet, zu welcher Reaktion sie die anderen Muttermatronen w�rden veranlassen k�nnen?�</p><p>�Vielleicht war die Trauer �berm�chtig�, gab Nimor zur�ck.</p><p>Langsam griff er in eine Tasche an seiner Seite � so langsam, da� der Magier auf diese Bewegung aufmerksam werden konnte � und holte eine Platinbrosche hervor, die das doppelt geschwungene Symbol Faen Tlabbars aufwies und mit einem dunklen Rubin geschm�ckt war. Nimor legte sie auf den Tisch.</p><p>�Das Hausemblem der Muttermatrone, das ich f�r Euch als Andenken an mich nehmen konnte. Ich hoffe, Ihr seid gegen jede Aussp�hung gut abgeschirmt, Meister Dyrr. Zweifellos werden die Tlabbar all ihre Magie einsetzen, um dieses Emblem zu finden.�</p><p>�Dumme Kinder, die im Dunkeln tappen�, murmelte Dyrr. �Vor f�nfhundert Jahren hatte ich mehr �ber die Kunst vergessen, als all deren Magier in ihrer Ausbildung hinweg �ber Jahre haben entziffern k�nnen.�</p><p>Er streckte eine fast skelettartige Hand aus und nahm die Brosche an sich.</p><p>�Ich bin sicher, Ihr habt Mittel und Wege, um die Echtheit dieser Brosche zu best�tigen.�</p><p>�Ich glaube dir auch so, Assassine. Ich glaube nicht, da� du mich betrogen hast, doch werde ich mich zur Sicherheit sp�ter noch damit befassen.�</p><p>Der Magier legte die Brosche wieder weg und lehnte sich auf seinem Stuhl nach hinten. Nimor wartete geduldig, w�hrend Dyrr es sich bequem machte und mit einem seiner langen, schmalen Finger auf seinen Stab klopfte und zufrieden l�chelte.</p><p>�Nun�, sagte der Alte schlie�lich. �Bei unserem letzten Treffen verlangte ich von dir, unter Beweis zu stellen, wie lang und wie stark der Arm deiner Bruderschaft ist, indem du einen Feind meines Hauses aus dem Weg r�umst, und ich darf annehmen, da� du exakt das getan hast. Jetzt hast du meine Aufmerksamkeit. Was also wollen die Jaezred Chaulssin von Haus Agrach Dyrr?�</p><p>Nimor rutschte auf seinem Platz umher und warf dem Magier einen stechenden Blick zu. Dyrr war tats�chlich sehr gut informiert, wenn er diesen Namen kannte. Nur wenigen au�erhalb Chaulssins war er bekannt, und Nimor hatte sogar ganz gezielt vermieden, ihn ins Spiel zu bringen, als er mit dem alten F�rsten zum ersten Mal Kontakt aufgenommen hatte. Er fragte sich, welche Hinweise der Magier hatte entschl�sseln k�nnen. Auch fragte er sich, ob Dyrr im Besitz dieses Wissens sein durfte.</p><p>�Sei nicht voreilig�, warnte Dyrr ihn. �Du hast nichts verraten, was ich nicht schon l�ngst wu�te. Ich bin mir schon lange des Hauses der Schatten bewu�t.�</p><p>�Ich bin beeindruckt�, sagte Nimor.</p><p>�Im Gegenteil, du glaubst, ich prahlte, ohne etwas zu wissen�, widersprach Dyrr k�hl l�chelnd. �Ich neige nicht zum Bluffen oder Raten. Es ist lange her, da� ich zum ersten Mal auf ein Muster an Aktivit�ten aufmerksam wurde, das eine gro�e Anzahl an St�dten unserer Rasse einbezog und das auf die Existenz einer geheimen Liga zwischen nur scheinbar schwachen, da niederen H�user schlie�en lie�, von denen jedes f�r das Geschick seiner Assassinen bekannt ist und �ber die behauptet wird, sie w�rden von M�nnern gef�hrt, die alle untereinander heimliche Verb�ndete sind. Diese Familien, die normalerweise von ihren ehrgeizigen matriarchalischen Rivalen geschluckt worden w�ren, konnten durch den praktischen, brutalen Tod eines jeden auftauchenden Feindes �berleben. Allerdings empfinde ich es als ironisch, da� jedes Haus der Jaezred Chaulssin per Definition von der Stadt, die das Pech hat, es zu beherbergen, als �belste Sorte von Verr�tern betrachtet werden mu�. Das eigene Haus �ber die eigene Stadt zu stellen, ist keine besonders ungeheuerliche S�nde. Aber es ist eine andere Sache, wenn man einem Haus in einer anderen Stadt seine Loyalit�t einr�umt, findest du nicht auch?�</p><p>Nimor achtete darauf, da� ihm keine unpassenden Gedanken durch den Kopf gingen, als er sagte: �Ihr scheint all unsere Geheimnisse zu kennen.�</p><p>Eindringlich betrachtete er Dyrr, w�hrend er versuchte, nichts von den Berechnungen erkennen zu lassen, mit denen er sich auf andere Gedanken brachte.</p><p>�Nicht alle�, erwiderte Dyrr. �Ich g�be viel daf�r zu erfahren, wie deine Bruderschaft in ihren H�usern f�r Ordnung sorgt, wo eure wahre St�rke liegt und wer �ber euren Bund herrscht. Ihr nennt euch nach der Stadt Chaulssin, �ber die sich vor vielen hundert Jahren ein Schatten legte. Ich frage mich, welche Bedeutung euer Name hat.�</p><p>Er wei� mehr, als wir zulassen k�nnen, dachte Nimor und sah auf. Ihm wurde bewu�t, da� Dyrr diesen Gedanken bemerkt haben mu�te. Der Alte betrachtete ihn einfach mit seinem tr�ben Blick und nickte. Der Assassine bekam seine Gedanken wieder unter Kontrolle und entschied, das Thema zu wechseln.</p><p>�Um unserer Freundschaft willen gebe ich mit allem n�tigen Respekt zu bedenken, da� es am besten f�r alle Beteiligten w�re, wenn Ihr mit Eurem Wissen nichts unternehmt, was irgend jemanden aufmerksam werden lassen k�nnte. Wir sind der festen �berzeugung, da� unsere Geheimnisse am besten das bleiben, was sie sind � geheim.�</p><p>�Ich werde tun, was ich will. Jedoch m�chte ich mir nicht eure Feindschaft einhandeln. Ich glaube, es w�re unangenehm, die Jaezred Chaulssin zum Feind zu haben.�</p><p>�Es w�re nicht unangenehm. Es w�re t�dlich.�</p><p>�Vielleicht. Jedenfalls werde ich eure Geheimnisse wahren.�</p><p>Dann lachte der Alte leise und umklammerte mit seinen ausgezehrten H�nden den Stab. �Nun gut, kommen wir zum Gesch�ft, Junge. Du und deine Freunde, ihr habt mit dem Mord an Muttermatrone Tlabbar, der Feindin meines Hauses, bewiesen, wozu ihr f�hig seid. Ich bin beeindruckt. Was wollt ihr?�</p><p>�Ich brauche einen Verb�ndeten in Menzoberranzan, Meister Dyrr, und ich habe den starken Verdacht, da� Ihr dieser Verb�ndete sein k�nntet.� Nimor beugte sich vor und grinste. �Es spielen sich Dinge in dieser Stadt ab, die zum Niedergang der H�user �ber Euch f�hren werden. Wenn Ihr Euch entscheidet, daran teilzuhaben, dann werdet Ihr sehen, da� sich dem Haus Agrach Dyrr die gro�e Gelegenheit bietet, weitestgehend so �ber die Stadt zu herrschen, wie es Euch beliebt. Wir glauben, Ihr k�nnt uns helfen, Menzoberranzan durch die schwierigen Zeiten zu steuern, die vor uns liegen.�</p><p>�Was, wenn wir uns weigern? Werden wir dann sterben?�</p><p>Nimor zuckte die Achseln.</p><p>�Angesichts der derzeitigen ungewissen Lage�, sagte Dyrr, �habe ich Vorbehalte, mich einer Sache zu verschreiben, �ber die ich kaum etwas wei�.�</p><p>�Verst�ndlich. Ich werde es Euch erkl�ren, doch ich hoffe, da� Ihr es in solch ungewissen Zeiten als weise erachten werdet, aggressiv und entschlossen vorzugehen, um die Gewi�heit zu erreichen, an der Euch gelegen ist. Stellt Eure Visionen �ber die Ereignisse, anstatt zuzulassen, da� die Ereignisse Eure Phantasie einengen.�</p><p>�Leicht gesagt, Junge, aber schwierig in die Tat umzusetzen�, meinte Dyrr.</p><p>Der Alte versank f�r eine ganze Weile in tiefes Schweigen und betrachtete mit ha�erf�lltem, starrem Blick sein Gegen�ber. Nimor hielt dem Blick stand, doch er stellte sich abermals die Frage, �ber welche verborgene Kraft dieser Magier verf�gen mochte. Wieder l�chelte Dyrr, da er Nimors Gedanken gelesen hatte.</p><p>�Nun, Prinz von Chaulssin. Ihr habt meine Neugier geweckt. Erkl�rt mir pr�zise, was Ihr meint und was Ihr plant, und dann werde ich Euch sagen, ob das Haus Agrach Dyrr sich hinter Eure mutigen Aktionen stellen kann oder nicht.�</p><empty-line/><p>�Kommt zusammen, werte Freunde�, verk�ndete Pharaun mit einer ausholenden Geste, �dann werde ich Euch einige Dinge erkl�ren, die Ihr besser nicht vergessen solltet, wenn wir uns in den Schatten bewegen.�</p><p>Der Magier stand in der Mitte des Raums, die Arme gefaltet, und lie� nach der verzweifelten Flucht des nahezu abgelaufenen Tages keine Spur von Ersch�pfung oder Hoffnungslosigkeit erkennen. Er war kurz vor Sonnenuntergang aus seiner Tr�umerei erwacht und hatte fast eine Stunde damit zugebracht, Dutzende von Zaubern aus seinen gesammelten B�nden vorzubereiten.</p><p>Zwar machte sich keiner der Anwesenden die M�he, sich zu n�hern, dennoch richteten alle ihre Aufmerksamkeit auf ihn. Pharaun grinste erfreut dar�ber, da� jeder von ihm Notiz nahm. Er verschr�nkte die H�nde auf dem R�cken, als w�rde er irgendwelchen Sch�lern in Sorcere einen Vortrag halten, und begann: �Sobald wir bereit sind, werde ich uns auf einen Weg f�hren, der am Rand entlangf�hrt � dem Rand der Ebene der Schatten. Wir werden z�gig reisen, und kleinere Hindernisse wie verschneite Gebirge, hungrige Monster und dickk�pfige Menschen werden kein Thema sein. Ich gehe davon aus, da� wir zehn bis zw�lf Stunden marschieren m�ssen, ehe wir Mantol-Derith erreichen, vorausgesetzt nat�rlich, ich verlaufe mich nicht und f�hre Euch alle in ein grausiges Ende auf einer wilden Ebene weit weg von Faer�n.�</p><p>�Deine Worte machen mir keinen Mut, Pharaun�, seufzte Ryld.</p><p>�Oh, ich habe mich noch nie im Tiefschatten verirrt, und ich kenne auch keinen Magier, dem das je widerfahren ist. Nat�rlich w�rde man auch nie wieder von einem Kollegen h�ren, dem etwas Derartiges widerf�hrt, daher kann es nat�rlich sein, da� sich durch einen Fehltritt beim Schattenwandeln das Verschwinden eines jungen Magiers erkl�ren lie�e, den ich mal kannte und der ...�</p><p>�Zur Sache�, herrschte Quenthel ihn an.</p><p>�Gut. Es gibt zwei wichtige Dinge, an die diejenigen unter uns denken m�ssen, f�r die dieses Unternehmen eine Herausforderung darstellt. Erstens: Zwar m�ssen wir uns nicht vor Schwierigkeiten f�rchten, w�hrend wir uns durch diese Welt bewegen, doch wir genie�en keinen speziellen Schutz vor den Gefahren auf der Ebene der Schatten. Es gibt dort Dinge, die sich gegen unsere Durchreise aussprechen werden, wenn sie auf uns sto�en. Ich begegnete selbst einer solchen Kreatur, als ich das letzte Mal auf diese Weise reiste � und fast w�re es f�r mich das letzte meiner wunderbaren Abenteuer geworden.�</p><p>Er machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort: �Zweitens, und das ist das wichtigste �berhaupt: Verliert mich <emphasis>nie</emphasis> aus den Augen. Bleibt dicht hinter mir und folgt genau meinem Weg. Wenn Ihr den Kontakt zu mir verliert, w�hrend wir uns auf der Ebene der Schatten bewegen, werdet Ihr wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit durch diese d�stere Ein�de wandern � oder solange, bis Euch irgend etwas Schreckliches verspeist, was wahrscheinlich eher passieren wird. Ich mu� mich die ganze Zeit �ber v�llig darauf konzentrieren, den Zauber aufrechtzuerhalten und am Rand entlangzugehen. Also macht Ihr es mir bitte nicht allzuleicht, Euch zu verlieren � es sei denn, ich kann einen von Euch nicht leiden. Dann steht es Euch frei, Euch nach Belieben in Tiefschatten umzusehen.�</p><p>�Wird es den Lamien m�glich sein, uns zu folgen?� fragte Ryld, der nach wie vor den Gang im Auge hatte, der zu den Ruinen �ber ihnen f�hrte.</p><p>�Nein, es sei denn, sie h�tten einen so erfahrenen und netten Magier wie mich, der zudem noch einen Zauber kennt, mit dem es ihm m�glich ist, Schattenwandler aufzusp�ren � einen Zauber also, der mir nicht bekannt ist.� Pharaun l�chelte. �Du wirst in der Lage sein, den Staub von deinen Stiefeln zu sch�tteln, Freund Ryld. Sorge dich nicht mehr um die Gefahren an diesem Ort hier, sondern spar dir deine Bedenken f�r das auf, was uns am Rand begegnen k�nnte.� Pharaun sah sich um und nickte zufrieden. �Nun denn. Fa�t Euch an der Hand � ja, das ist gut, Jeggred, du kannst alle gleichzeitig festhalten, nicht wahr? � und wahrt Ruhe, w�hrend ich den Zauber wirke.�</p><p>Pharaun hob die H�nde und murmelte eine Reihe arkaner Silben, als er seinen Zauber durchging.</p><p>Halisstra stand zwischen Danifae und Valas Hune und hielt sie an den H�nden. Der gro�e unterirdische Gang wurde auf eine seltsame Weise noch finsterer, wenn so etwas in einem unbeleuchteten Raum unter der Erde �berhaupt m�glich sein konnte. Drow konnten auch in der tiefsten Finsternis noch gut sehen, doch Halisstra kam es vor, als hinge eine Art Nebel in der Luft. Auf den ersten Blick sah es aus, als w�re es Pharaun gerade mal gelungen, die Gruppe mit einem d�steren Schein zu umgeben, doch als sie ihre Umgebung genauer betrachtete, erkannte sie, da� sie sich nicht l�nger auf Faer�n befand. Ein unnat�rlicher Schauder lief �ber ihre Haut, der von dem kalten Staub unter ihren F��en ausging. Die hohen, runen�berzogenen S�ulen, die den Raum ges�umt hatten, waren zu Zerrbildern geworden, die bizarr �ber die Kammer hinaus nach oben ragten.</p><p>�Seltsam�, murmelte sie. �Ich hatte erwartet, es w�rde irgendwie ... anders sein.�</p><p>�So ist der Schatten, werte Dame�, erwiderte Pharaun. Seine Stimme klang tonlos und weit entfernt, obwohl er keine zwei Meter von ihr entfernt stand. �Die Ebene besitzt keine eigene Substanz. Sie besteht aus den Echos unserer eigenen Welt und denen anderer, fremdartigerer Orte. Wir stehen im Schatten der Ruinen �ber uns, aber es sind nicht die gleichen Ruinen, durch die wir erst vor kurzem noch gereist sind. Die Lamien und ihre Diener existieren hier nicht. Nun denkt daran, was ich gesagt habe: Bleibt zusammen und verliert mich nicht aus den Augen.�</p><p>Der Magier machte sich auf den Weg durch den Gang, der an die Oberfl�che f�hrte. Halisstra blinzelte. Er machte nur einen kleinen Schritt, als er sich von der Gruppe wegdrehte, doch im n�chsten Moment stand er schon am anderen Ende des Raums, und ein weiterer Schritt brachte ihn bedenklich weit in den Gang davor. Sie beeilte sich, zu ihm aufzuschlie�en, mu�te aber feststellen, da� ein Schritt gen�gte, um den Raum in Dunkelheit verwischen zu lassen. Sie stand im gleichen Augenblick so dicht vor Pharaun, da� sie sich zwingen mu�te, nicht zur�ckzuweichen und so den Abstand zu ihm nur wieder zu vergr��ern.</p><p>Pharaun l�chelte angesichts ihrer Verwirrung und sagte: �Ich f�hle mich von dieser Aufmerksamkeit geschmeichelt, meine Dame, aber Ihr m��t nicht ganz so dicht bei mir bleiben.� Er lachte. �Macht einfach nur dann einen Schritt, wenn ich einen mache, dann werdet Ihr leichter in meiner N�he bleiben.�</p><p>Er machte einige langsame, gem��igte Schritte und hielt sich zur�ck, bis der Rest der Gruppe allm�hlich den Dreh fand. Augenblicke sp�ter gingen sie bereits unter einem kalten und sternenlosen Himmel durch die staubigen Stra�en von Hlaungadath. Jeder Schritt schien Halisstra zehn, vielleicht sogar f�nfzehn Meter auf dem d�steren Gel�nde voranzubringen. Die schwarzen Umrisse der Ruinen starrten sie an und streckten sich ihnen von allen Seiten entgegen, sie waren dicht �ber die Stra�e gebeugt, als wollten sie die Reisenden einschlie�en, um dann beim n�chsten vorsichtigen Schritt zu schwarzen Flecken zu verwischen.</p><p>Als sie die Ruinen hinter sich gelassen hatten, hielt Pharaun kurz an, um einen Blick auf die Gruppe zu werfen. Mit einem Nicken deutete er auf die W�ste, die sich im Westen bis zu den eisigen Bergen erstreckte, dann begann er rasch zu marschieren und legte ein Tempo vor, das sein ersch�pftes Verhalten und seine Abneigung gegen die M�hen des Reisens L�gen strafte. Halisstra, die nun endlich Gelegenheit bekam, ihre Beine zu strecken, bekam allm�hlich ein Gef�hl daf�r, wie schnell sie vorankamen. Nach f�nf Minuten hatten sie die nesserische Stadt, die nur noch ein dunkler Fleck in der d�steren Sandlandschaft war, bereits kilometerweit hinter sich gelassen. Nach einer halben Stunde ragten die Berge, die kurz zuvor noch wie ein ferner Zaun aus schneebedeckten Spitzen ausgesehen hatten, wie ein n�chtlicher Wall vor ihnen auf. Das Schattenwandeln erleichterte auch die Bew�ltigung jedes noch so unwegsamen Gel�ndes auf ihrem Weg. Ohne zu z�gern machte Pharaun einen Schritt �ber eine steile Schlucht, als g�be es sie gar nicht. Die Magie seines Zaubers und die seltsame Ebene, auf der sie sich bewegten, sorgten daf�r, da� er seinen Fu� sicher auf die andere Seite des Hindernisses setzen konnte. Die zerkl�fteten H�nge zu bezwingen, die hinauf zu den Bergen f�hrten, war nicht m�hsamer, als w�rde man von Stein zu Stein springend einen Flu� �berqueren.</p><p>�Sagt, Pharaun�, fragte Quenthel nach einer Weile, �warum sind wir Kilometer um Kilometer durch das gef�hrliche Unterreich gekrochen, um nach Ched Nasad zu gelangen, wenn Ihr mit diesem Zauber unsere Reise deutlich h�ttet verk�rzen k�nnen?�</p><p>Trotz der Finsternis entlang des Randes des Schattens f�hlte Halisstra den Zorn in der Stimme, den die Baenre nur schwer b�ndigen konnte.</p><p>�Aus drei Gr�nden, liebe Quenthel�, erwiderte Pharaun, ohne seinen Blick von dem unsichtbaren Pfad abzuwenden, dem er folgte. �Erstens habt Ihr mich nicht gebeten, etwas in dieser Art zu machen. Zweitens hatten die Magier Ched Nasads gewisse Vorkehrungen gegen ein Eindringen auf diese oder �hnliche Weise getroffen, und wie ich eben bereits erkl�rte, ist der Rand ein gef�hrlicher Ort. Ich habe dies hier erst vorgeschlagen, nachdem wir alle der Meinung waren, ein monatelanger Marsch �ber die von der Sonne beschienene Oberfl�che sei eine noch unerfreulichere Aussicht.�</p><p>Quenthel schien �ber die Antwort Pharauns nachzudenken, w�hrend die Berge rasch hinter ihnen zur�ckfielen und um sie herum verdrehte schwarze B�ume auftauchten.</p><p>�In Zukunft�, erkl�rte die Herrin Arach-Tiniliths, �erwarte ich von Euch, da� Ihr n�tzliche Informationen oder Vorschl�ge zu einem fr�heren Zeitpunkt preisgebt. Euer Widerwille, Ideen mitzuteilen, kann uns das Leben kosten. Ist das das billige Vergn�gen wert, das Ihr dabei habt, etwas zu wissen, was wir nicht wissen?�</p><p>Die Z�hne des Meisters Sorceres leuchteten in seinem dunklen Gesicht, w�hrend er weiterging, ohne auf diese Bemerkung einzugehen. Eine Weile richtete er seine ganze Aufmerksamkeit darauf, sich entlang des Randes zu bewegen. Unter normalen Umst�nden war Pharaun der geschw�tzigste der Gruppe, doch da er sich v�llig auf seinen Zauber konzentrieren mu�te, verfielen alle Dunkelelfen, die ihm folgten, in ein ungew�hnliches Schweigen. Aufmerksam marschierten sie hinter ihm her und bildeten eine lange Schlange, die dem Magier folgte, w�hrend sich die unerme�liche Reise durch die Finsternis dahinzog und Stunden oder gar Tage dauern mochte. Halisstra begann, sich dem sonderbaren Gedanken zu widmen, dies hier sei die wirkliche Welt, die wahre Substanz aller Dinge, und die fade Starrheit ihrer eigenen Welt sei die eigentliche Illusion. Sie stellte fest, da� der Gedanke sie in keiner Weise ber�hrte.</p><p>Viel Zeit verstrich, ehe Pharaun die Hand hob und die Gruppe anhalten lie�. Sie befanden sich auf einer kleinen grauen Steinbr�cke, die eine tiefe Schlucht �berspannte, durch die ein d�sterer, gurgelnder Strom verlief. In der N�he ragten die schwarzen Zinnen einer verlassenen Stadt in den lichtlosen Himmel, ein Ort, der mehr nach einer Festung als nach einer Stadt aussah und dessen massive Mauern von mit T�rmen besetzten Toren unterbrochen wurden.</p><p>�Wir haben etwa die H�lfte der Strecke bis zu unserem Ziel zur�ckgelegt�, sagte Pharaun. �Ich schlage vor, wir ruhen eine halbe Stunde aus und nehmen vielleicht eine Mahlzeit zu uns, wenn unsere Vorr�te die noch hergeben. Es sollte m�glich sein, unsere Vorr�te aufzuf�llen, wenn wir Mantol-Derith erreichen.�</p><p>Ryld wies auf die verlassene Burg und fragte: �Was ist das?�</p><p>�Das?� Pharaun warf einen Blick �ber seine Schulter. �Wer wei�? Vielleicht das Echo einer Stadt an der Oberfl�che unserer Welt, vielleicht aber auch der Widerschein einer v�llig anderen Wirklichkeit. So ist der Schatten.�</p><p>Die Gruppe kauerte sich an die niedrige Steinmauer der Br�cke und stellte aus den schwindenden Vorr�ten ein bemitleidenswertes Mahl zusammen. Die unabl�ssig zu sp�rende K�lte dieses Ortes entzog Halisstras K�rper die W�rme, als verzehrten sich die Steine unter ihren F��en nach ihrer Lebensenergie. Die Finsternis schlug ihnen allen aufs Gem�t und machte jeden Versuch einer Unterhaltung zunichte. Es war kaum m�glich, sich auf einen Gedanken zu konzentrieren. Als der Zeitpunkt gekommen war, sich wieder aufzumachen, war Halisstra �berrascht, welche v�llige Lethargie von ihren Gliedma�en Besitz ergriffen hatte. Sie wollte sich nur noch zu Boden sinken lassen und einfach von Schatten eingeh�llt liegenbleiben. Nur eine gezielte Willensanstrengung machte es ihr m�glich, sich wieder in Bewegung zu setzen.</p><p>Sie waren wieder auf dem Weg durch die niemals endende Nacht und hatten die alte Br�cke schon weit hinter sich gelassen, als Halisstra sp�rte, da� sie verfolgt wurden. Zuerst war sie sich nicht sicher. Was immer es war, das ihnen folgte, bewegte sich klammheimlich, und der fehlende Widerhall des Schattens lie� sie nicht sicher sein, ob sie tats�chlich etwas geh�rt hatte. Etwas schien in der Finsternis zu fl�stern und zu kichern, eine Pr�senz, die sich mit einer Bewegung der reglosen Luft ank�ndigte, das leise Rauschen des Windes irgendwo hinter ihnen. Sie wandte sich um und betrachtete den Weg, den sie gegangen waren, um nach dem Verfolger Ausschau zu halten, konnte aber dort nichts weiter sehen als die m�den Gesichter ihrer Gef�hrten.</p><p>Valas Hune bildete die Nachhut der Gruppe und sah Halisstra an, als er zu ihr aufschlo�.</p><p><emphasis>Sp�rt Ihr es auch?</emphasis> signalisierte er.</p><p>�Was ist es?� fragte Halisstra. �Welche Art von Dingen lebt an einem solchen Ort?�</p><p>Der Sp�her zuckte mit den Schultern. �Irgend etwas, das Pharaun Anla� gibt, sich zu f�rchten, was mich wiederum mit Sorge erf�llt.� Er streckte den Arm und drehte Halisstra um, damit sie den Rest der Gruppe sehen konnte. Entsetzt stellte sie fest, wie weit die anderen sich in den wenigen Augenblicken entfernt hatten, die sie stehengeblieben war. �Kommt, wir wollen nicht zur�ckgelassen werden. Vielleicht ist das, was uns jagt, damit zufrieden, uns zu verfolgen.�</p><p>Sie beeilten sich, um zu den anderen aufzuschlie�en � und da schlug ihr Verfolger zu. Aus den Schatten hinter ihnen sch�lte sich eine gewaltige Gestalt, die hoch aufragte und aus reiner Finsternis geschaffen war: ein schwarzer, gesichtsloser Riese, der mehr als sechs Meter gro� war. Trotz dieser Gr��e bewegte er sich schnell und leise auf sie zu. Zwei leuchtende silberne Ovale kennzeichneten die Augen, und lange, spinnen�hnliche Klauen griffen nach Halisstra und Valas. Das zischende Fl�stern erf�llte die K�pfe der beiden mit gr��lichen Dingen, als w�rden sich fette, bleiche W�rmer durch verwesendes Fleisch fressen.</p><p>�Pharaun!� rief Halisstra.</p><p>Sie tastete nach ihrem Streitkolben, w�hrend sich der Riese n�herte. Neben ihr stie� Valas einen Fluch aus und zog seine Klingen, w�hrend er die geduckte Haltung eines K�mpfers einnahm. Von der Kreatur ging ein �belkeit erregender, greifbar kalter Hauch aus, so wie die K�lte, die die gesamte Ebene durchdrang, jedoch war sie in der Gegenwart des Monsters weitaus konzentrierter und boshafter. Der finstere Riese schimmerte und nahm ein fast �liges Aussehen an, dann machte er abrupt einen Satz nach vorn.</p><p>Noch ehe Halisstra den anderen eine Warnung zurufen konnte, schickte ein Schlag mit der ausladenden Klauenhand sie zu Boden. Die Kreatur wandte sich ab und richtete ihre fahlen Augen auf Valas. Der Sp�her von Bregan D�aerthe schrie vor Entsetzen auf und wandte seinen Blick ab, lie� einen Kukri fallen und die Hand sinken, in der er die zweite seiner beiden Klingen hielt.</p><p>Jeggred stie� eine Warnung aus und n�herte sich mit ausgefahrenen Krallen dem Monster, das aber nur einen einzigen Schlag seiner langen schwarzen Hand ben�tigte, um den Halbd�mon zu Boden gehen zu lassen. Der Draegloth stand sofort wieder auf und sprang vor, um tiefe schwarze Furchen in Oberschenkel und Bauch des Riesen zu schneiden, versuchte, die Kreatur auszuweiden, doch sobald die Klauen des Draegloth sich ein St�ck weit in das Fleisch des Dings geschnitten hatten, schlossen sich die Wunden wieder.</p><p>�Zur�ck!� schrie Pharaun. �Es ist ein Nachtwandler. Ihm kann man nur mit m�chtiger Magie schaden.�</p><p>Der Magier setzte zu einem Zauber an, dann nahm ein greller gr�ner Lichtblitz Gestalt an und scho� auf die Kreatur zu, um ihren Torso m�glichst weit oben zu treffen, doch die verderbliche Energie glitt von der glatten schwarzen Haut der Kreatur ab und f�gte ihr keinen Schaden zu.</p><p><emphasis>Deine Zauber sind nutzlos</emphasis>, fl�sterte eine finstere, entsetzliche Stimme in Halisstras Kopf. <emphasis>Deine Waffen sind nutzlos. Du geh�rst nur, dumme Drow.</emphasis></p><p>�Das werden wir sehen�, knurrte Halisstra.</p><p>Sie raffte sich auf und st�rmte mit erhobenem Streitkolben vor. Die Waffe war mit einem Zauber belegt, und Halisstra hoffte, sie sei stark genug, um der Kreatur Schaden zuzuf�gen. Der lange Arm mit den todbringenden Krallen schlug nach ihr, doch Halisstra tauchte unter dem Griff des Monsters weg und hieb auf das Knie des Nachtwandlers. Von einem durchdringenden Krachen und einem Aufblitzen aktinischen Lichts begleitet detonierte die Waffe mit der Gewalt eines Donnerschlags. Der Nachtwandler gab keinen Laut von sich, doch sein Knie gab nach, und er begann zu taumeln.</p><p>Quenthels Peitsche schnitt durch die Luft und schnappte nach dem Gesicht der Kreatur. Die Vipern fra�en sich in das finstere Fleisch und rissen gro�e, blutende Wunden. Dennoch schien das Ungeheuer von dem t�dlichen Gift, das die Waffe absonderte, nicht angegriffen zu werden. Offenbar konnte selbst das st�rkste Gift dem Schattengewebe nichts anhaben.</p><p>Ryld wirbelte umher und schlug mit seinem Zweih�nder nach der Kreatur. Der Nachtwandler versuchte, ihm die Klinge zu entrei�en, doch der Meister Melee-Magtheres t�nzelte nach hinten und schlug dem Gesch�pf mit einem Hieb die halbe Hand ab. Der Nachtwandler schrie tonlos auf, der erz�rnte Schrei schnitt sich durch den Kopf eines jeden in der Gruppe. Die Kreatur nahm von keinem anderen mehr Notiz, sondern richtete ihren ha�erf�llten Blick auf Ryld und beschwor aus dem schwarzen Boden unter ihnen einen furchterregenden dunklen Rauch herauf, der jegliche Sicht nahm.</p><p>Halisstra tastete sich durch den Nebel zur�ck und suchte nach dem Monster. Der Rauch brannte wie Vitriol in ihrer Nase und gab ihren Augen das Gef�hl, in Flammen zu stehen. Dennoch k�mpfte sie sich weiter, bis sie f�hlte, da� der Riese vor ihr aufragte. Sie hob den Streitkolben und schlug erneut mit aller Kraft gegen das Bein der Kreatur. Neben sich h�rte sie Quenthels Peitsche, h�rte, wie sich die Vipern in finsteres Fleisch fra�en. Riesige Krallen schnitten sich durch den Rauch, zerrten an Halisstras Schild und dr�ckten sie zu Boden.</p><p>�Hier!� rief sie in der Hoffnung, die anderen mit in den Kampf zu holen, doch die �tzenden D�mpfe brannten wie ein Feuer in ihrer Kehle.</p><p>Sie kniff die Augen zusammen und schlug blindlings nach der Kreatur. Der boshafte Wille des Nachtwandlers legte sich wie ein Tuch aus Wahnsinn �ber sie und versuchte, sie jeglicher Vernunft zu berauben, doch sie widersetzte sich diesem neuerlichen Angriff und schlug weiter nach ihrem Widersacher.</p><p>Rylds Schwert schnitt wie eine wei�e Rasierklinge durch den Nebel und f�gte dem Leib der Schattenkreatur verheerende Wunden zu. Schwarze Fl�ssigkeit spritzte wie Gift umher, und das Fl�stern des Nachtwandlers in den Gedanken der anderen erhob sich zu einem h�llischen geistigen Kreischen, das Halisstra an den Rand des Wahnsinns brachte � und dann war mit einem Mal alles ruhig.</p><p>Sie sp�rte, wie sich das Ding abrupt von ihr l�ste, wie der Leib explodierte und zu einem schwarzen, �belriechenden Nebel wurde, der sich in den Schatten ringsum verfl�chtigte.</p><p>Halisstra, die wegen der giftigen schwarzen D�mpfe, die von der Kreatur aufgewirbelt worden waren, immer noch nach Luft rang, taumelte aus der Wolke und ging zu Boden. Ihre Brust brannte, als h�tte sie Schwefel getrunken. Als sie endlich wieder die Augen �ffnen und ihre Umgebung wahrnehmen konnte, stellte sie fest, da� es den anderen nicht viel besser ergangen war.</p><p>Ryld hatte sich gegen einen Stein sinken lassen, Splitter ruhte mit der Spitze auf dem Boden vor ihm, und er st�tzte sich ersch�pft auf das Heft. Quenthel stand nur ein kleines St�ck von ihm entfernt und hatte die H�nde auf den Knien abgest�tzt, w�hrend sie erb�rmlich hustete.</p><p>Als die Hohepriesterin endlich wieder durchatmen konnte, sah sie zu Pharaun und fragte: �Einem solchen Ding seid Ihr schon zuvor begegnet?�</p><p>Der Magier nickte und keuchte: �Nachtwandler. Sie halten sich am Rand auf. Kreaturen aus untoter Finsternis, das personifizierte B�se. Wie Ihr gesehen habt, k�nnen sie ein hervorragender Gegner sein.�</p><p>Die Herrin der Akademie richtete sich auf und steckte die Peitsche zur�ck an den G�rtel.</p><p>�Ich glaube, ich verstehe, warum Ihr bis jetzt gez�gert habt, diese Methode der Fortbewegung vorzuschlagen�, sagte sie dann.</p><p>Obwohl der Magier abgek�mpft war, strahlte er.</p><p>�Vorsicht�, spottete er. �Um ein Haar h�ttet Ihr meinen Nutzen anerkannt.�</p><p>Die Hohepriesterin kniff die Augen zusammen und dr�ckte den R�cken durch. Offenbar gefiel es ihr nicht, Gegenstand eines Witzes aus dem Mund des Magiers zu sein. Pharaun, der scheinbar nichts von Quenthels zornigem Blick mitbekam, machte eine ausladende Geste und zeigte auf die formlose Finsternis, die vor ihnen lag.</p><p>�Unser Weg f�hrt uns nun in den Schatten unseres Unterreiches�, erkl�rte er. �Ich schlage vor, wir verst�rken unsere Anstrengungen und kommen schnellstm�glich ans Ende unserer Reise, denn es k�nnen weitere Nachtwandler auf uns lauern.�</p><p>�Ein verdammt aufmunternder Gedanke�, brummte Ryld. �Wie lange werden wir unterwegs sein?�</p><p>�Kaum mehr als ein oder zwei Stunden�, antwortete Pharaun.</p><p>Der Magier wartete, bis die Drow sich erhoben hatten und ihm wieder dichtauf folgten. Ryld und Valas, die beiden aus der Gruppe, die dem Blick des Nachtwandlers ausgesetzt gewesen waren, wirkten vor Ersch�pfung grau im Gesicht und machten den Eindruck, als k�nnten sie sich kaum auf den Beinen halten.</p><p>�Kommt�, sagte Pharaun. �Mantol-Derith ist nicht Menzoberranzan, aber es wird der zivilisierteste Ort sein, den wir seit Tagen gesehen haben, und niemand dort wird uns t�ten wollen ... jedenfalls nicht auf der Stelle.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>F�r den Rest des Schattenwandelns bel�stigte sie nichts mehr, und kurz nach dem Angriff des Nachtwandlers traten sie am Grund einer schmalen unterirdischen Schlucht aus der Randzone wieder in die Welt der Sterblichen. Die W�nde waren von Reisenden, die hier zuvor Rast gemacht hatten, f�r diverse Richtungssymbole und Mitteilungen an andere Reisende genutzt worden. Offensichtlich waren sie an einer h�ufig genutzten Lagerstatt nahe der Handelsh�hle angekommen. Die Gruppe machte eine mehrst�ndige Pause, und jeder von ihnen k�mpfte mit der K�rperw�rme aus seinem tiefsten Inneren gegen die heimt�ckische K�lte an, die in der Randzone geherrscht hatte. Schlie�lich machten sich die Reisenden wieder auf den Weg, verlie�en die Schlucht und bahnten sich ihren Weg hin zu einem langen, glattwandigen Tunnel, der sich kilometerweit durch die Dunkelheit zog und nur gelegentlich von weitl�ufigen H�hlen unterbrochen wurde.</p><p>Valas Hune f�hrte die Gruppe an, da er mit dem Ziel ebenso vertraut war wie mit der Reiseroute, auf die sie geraten waren. Nach dem brennenden Himmel der vom Tageslicht beschienenen Welt an der Oberfl�che und der elenden D�sternis der Schattenebene wirkten die gewohnten Gefahren des Unterreiches wie alte Bekannte. Dies war ihre Welt, der Ort, an den sie geh�rten, auch wenn die meisten von ihnen zuvor kaum einmal ihre Heimatstadt verlassen hatten.</p><p>Nachdem sie gut drei Kilometer marschiert waren, lie� Valas die Gruppe anhalten und kniete sich hin, um in den Staub auf dem H�hlenboden eine grobe Skizze des vor ihnen liegenden Weges zu zeichnen.</p><p>�Mantol-Derith liegt nicht mehr als achthundert Meter von hier entfernt. Denkt daran, es ist ein Ort, an dem man zusammenkommt, um anderen Rassen zu begegnen und Handel zu treiben. Wir herrschen nicht �ber Mantol-Derith, und auch sonst tut das niemand. Daher ist es ratsam, zu vermeiden, bei irgend jemandem dort Ansto� zu erregen, es sei denn, Ihr habt es auf einen Streit abgesehen, der uns nur Zeit und Ressourcen kosten w�rde. Ich habe mir au�erdem �berlegt, wie wir am besten von der Handelsh�hle zu den Besitzt�mern des Hauses Jaelre gelangen k�nnen. Ab hier mu� uns unser Weg durch das Hoheitsgebiet Gracklstughs f�hren, die Stadt der Grauzwerge.�</p><p>�Wir werden uns unter keinen Umst�nden Gracklstugh n�hern�, warf Quenthel ein. �Die Duergar haben Ched Nasad zerst�rt. Ich w��te nicht, warum ich mich ihnen freiwillig stellen sollte.�</p><p>�Uns bleiben kaum andere M�glichkeiten�, erwiderte Valas. �Wir befinden uns nordwestlich des Duergar-Reiches, und das Labyrinth liegt mehrere Tagesreisen s�dwestlich der Stadt. Wir k�nnen die Stadt nicht im S�den umgehen, weil uns dort der Dunkelsee den Weg versperrt, und die Duergar patrouillieren die Wasserwege. W�rden wir die Stadt im Norden umgehen, dann w�rde uns das mindestens zwei Zehntage kosten, au�erdem h�tten wir eine schwierige Reise durch Tunnel vor uns, mit denen ich nicht vertraut bin.�</p><p>�Warum haben wir uns dann die M�he gemacht, uns hierher zu begeben?� murmelte Jeggred. �Wir h�tten auch nach Menzoberranzan zur�ckkehren k�nnen.�</p><p>�Nun, zum einen l�ge Gracklstugh so oder so zwischen uns und dem Haus Jaelre, ob wir nun in Mantol-Derith oder Menzoberranzan sind�, gab Pharaun zur�ck und zeichnete drei Punkte in Valas� Karte. �Die Duergar sind uns in jedem Fall im Weg. Die Frage ist nur, ob wir es wagen, Gracklstugh zu durchqueren.�</p><p>�K�nnt Ihr uns nicht mit Schattenwandeln durch die Stadt bringen?� fragte Danifae.</p><p>Pharaun verzog das Gesicht, dann erwiderte er: �Ich bin in dieser Richtung noch nie weiter als bis Mantol-Derith gereist. Es w�rde mich nicht wundern, wenn die Duergar ihr Reich gegen Reisende aus den umliegenden Reichen gesichert haben.�</p><p>�Ist es sicher, da� die Duergar-Kaufleute etwas gegen unsere Anwesenheit h�tten?� wollte Ryld wissen. �Es reisen immer wieder Kaufleute aus Menzoberranzan nach Gracklstugh, und die dortigen H�ndler bringen ihre Waren in den Basar Menzoberranzans. Es ist doch m�glich, da� Gracklstugh �berhaupt nichts mit den Duergar-S�ldnern zu tun hat, die Ched Nasad angegriffen haben.�</p><p>�Mir ist nichts zu Ohren gekommen, was mich veranlassen k�nnte, mich nach Gracklstugh zu begeben�, sagte Quenthel. Sie beendete die Unterhaltung mit einer knappen Geste. �Ich will nicht auf die Gastfreundlichkeit der Duergar vertrauen, schon gar nicht nach dem Untergang Ched Nasads. Wir werden die Stadt im Norden umgehen und darauf bauen, da� Meister Hune uns den richtigen Weg zeigen wird.�</p><p>Halisstra sah zu Ryld und Valas Hune. Der Sp�her bi� sich auf die Unterlippe und dachte �ber das sich ihm stellende Problem nach, w�hrend der Waffenmeister nur resigniert den Blick senkte.</p><p>�Wir sind nur zwei bis drei Kilometer von dieser H�hle entfernt, die als Mantol-Derith bekannt ist?� fragte Halisstra und deutete auf die Skizze.</p><p>�Ja�, antwortete Valas.</p><p>�Egal, welchen Weg wir w�hlen, m�ssen wir diesen Ort auf jeden Fall passieren?�</p><p>Der Bregan D�aerthe-Sp�her nickte nur best�tigend.</p><p>�Dann sollten wir sehen, was wir in der Handelsh�hle erfahren k�nnen, ehe wir uns entscheiden�, �berlegte Halisstra. Sie sp�rte Quenthels Blick auf sich ruhen, doch sie sah die Baenre nicht an. �Es k�nnte dort Duergar-Kaufleute geben, die auf unsere Frage eine Antwort wissen. Wenn nicht ... nun, wir m�ssen ohnehin unsere Vorr�te auff�llen, ehe wir uns in die Weiten des Unterreiches begeben.�</p><p>�Ein vern�nftiger Vorschlag�, bemerkte Pharaun. �In der Stadt der Klingen sind ein Dutzend Handelsgesellschaften angesiedelt. Spricht nicht vieles daf�r, da� die Duergar, mit denen wir in Ched Nasad zu tun hatten, von einem Drow-Haus angeheuert wurden, aber keine besondere Verbundenheit zu Gracklstugh hatten?�</p><p>�Sie haben im Auftrag Gracklstughs gehandelt, als sie die Stadt zerst�rten�, sprach Quenthel mit finsterem Tonfall. Sie richtete sich auf und stemmte die H�nde in die H�ften, den Blick immer noch fest auf den Boden gerichtet. Einen Moment lang �berlegte sie, dann verwischte sie mit dem Fu� die Skizze. �Nun gut, wir werden ja sehen, was wir in Mantol-Derith herausfinden k�nnen. Ich glaube nicht, da� wir Zeit zu verschenken haben, und wenn wir uns einen Umweg von zwanzig oder drei�ig Tagen ersparen k�nnen, dann sollten wir das auch machen. Doch sobald wir irgend etwas h�ren, was darauf hindeutet, da� Gracklstugh f�r uns tabu sein k�nnte, werden wir uns in die Ein�de begeben.�</p><p>Valas Hune nickte und sagte: �Sehr wohl. Ich vermute, es wird uns m�glich sein, Durchla� zu erlangen, es sei denn, die Duergar liegen im Krieg mit Menzoberranzan. Ich habe schon zuvor mit Grauzwergen zu tun gehabt, und es gibt nichts, was sie nicht herg�ben, wenn der Preis stimmt. Ich werde in Man-tol-Derith nach einem Duergar-F�hrer Ausschau halten und zusehen, was ich in Erfahrung bringen kann.�</p><p>�Nun gut�, sagte Quenthel. �Bringt uns zu den Duergar, und wir ...�</p><p>�Nein, Herrin, nicht �wir��, sagte der Sp�her. Er stand auf und wischte sich die H�nde ab. �Die meisten Duergar haben f�r Drow nicht viel �brig, erst recht nicht f�r Vertreter des Adels und vor allem nicht f�r Priesterinnen Lolths. Eure Anwesenheit w�rde alles nur unn�tig komplizieren. Es w�re am besten, wenn ich allein die Verhandlungen f�hren w�rde.�</p><p>Quenthel machte eine finstere Miene.</p><p>Jeggred, der dicht hinter ihr stand, polterte: �Ich k�nnte ihn begleiten und ein Auge auf ihn haben.�</p><p>Kaum hatte er ausgesprochen, begann Pharaun schallend zu lachen. �Wenn schon eine Priesterin Lolths einen Grauzwerg nerv�s macht, was glaubst du dann, welche Wirkung <emphasis>du</emphasis> h�ttest?�</p><p>Der Draegloth warf sich in die Brust, aber Quenthel sch�ttelte den Kopf, dann sagte sie: �Nein, er hat recht. Wir werden uns einen Platz suchen, an dem wir warten und vielleicht Neuigkeiten in Erfahrung bringen k�nnen, w�hrend Valas sich um die Einzelheiten k�mmert.�</p><p>Sie gingen weiter, und nach kurzer Zeit hatten sie Mantol-Derith erreicht. Der Ort war erheblich kleiner, als Halisstra es erwartet h�tte � eine H�hle, die um die zwanzig Meter hoch und vielleicht doppelt so breit war, sich daf�r aber �ber viele Hunderte Schritt durch das Gestein wand und schl�ngelte. Sie war den gro�en Canon Ched Nasads gew�hnt, und in den Geschichten, die sie �ber andere Zivilisationen geh�rt hatte, war immer von gewaltigen H�hlen die Rede, die sich �ber Meilen erstreckten. Mantol-Derith w�re in einer Drow-Stadt nicht mehr als eine Nebenh�hle gewesen.</p><p>Sie war auch nicht ann�hernd so dicht bev�lkert, wie Halis-stra gedacht hatte. Auf den Marktpl�tzen in ihrer Heimatstadt hatte immer reges Treiben geherrscht, b�rgerliche Drow und die Sklaven der Adligen waren unterwegs gewesen, um ihre Besorgungen zu machen. Der Markt einer Drow-Stadt war �blicherweise von Energie und Aktivit�ten erf�llt, auch wenn diese Aspekte auf eine spezielle Weise verdreht waren, um dem �sthetischen Empfinden der Drow-Gesellschaft zu entsprechen. Mantol-Derith war dagegen ruhig und absto�end. Hier und da sa�en oder hockten kleine Gruppen von Kaufleuten in der langgestreckten H�hle, die Waren hinter ihnen sicher in Kisten und F�ssern verstaut, statt sie vor sich ausgebreitet zu pr�sentieren. Niemand rief etwas, niemand feilschte oder lachte. Wenn Gesch�fte abgeschlossen wurden, geschah das dem Anschein nach im Fl�sterton und im Schatten.</p><p>Gesch�pfe vieler unterschiedlicher V�lker kamen in Mantol-Derith zusammen. Eine ganze Reihe von Drow-Kaufleuten, die zum gr��ten Teil aus Menzoberranzan stammten, wenn Halisstra die Wappenschilder an ihren Waren richtig deutete, beanspruchten verschiedene Winkel in der H�hle. Gedankenschinder glitten sanft von hier nach da, ihre bl�ulich-violette Haut gl�nzte feucht, und unter den Gesichtern der Kopff��er zuckten Tentakel. Eine Handvoll finster dreinblickender Svirfnebli sa� an einer Stelle zusammengekauert und betrachtete die Drow mit unverhohlener Ablehnung. Nat�rlich waren die Duergar in gro�er Zahl vertreten. Die hageren, kleinw�chsigen, breitschultrigen Grauzwerge kamen in geheimen Kabalen zusammen und unterhielten sich leise in ihrer gutturalen Sprache.</p><p>Halisstra ging hinter Pharaun und betrachtete aufmerksam jede Gruppe, die sie passierten. Ihr fiel auf, da� der Magier sich heimlich per Zeichensprache mit Valas unterhielt, w�hrend sie tiefer in den Markt vordrangen.</p><p><emphasis>Es sind nicht viele H�ndler hier,</emphasis> stellte der Magier fest. <emphasis>Wo sind sie alle?</emphasis></p><p>Valas warf einen fl�chtigen Blick �ber die Schulter, um sicher sein zu k�nnen, da� Quenthel nicht in seine Richtung blickte, dann antwortete er: <emphasis>Chaos in Menzoberranzan bedeutet, da� weniger K�ufer kommen. Kommen weniger K�ufer, kommen auch weniger H�ndler. Anarchie scheint schlecht f�rs Gesch�ft zu sein.</emphasis></p><p>Valas machte eine Gruppe von Duergar aus und sagte zu den anderen aus seiner Gruppe: �Geht voraus. Ein St�ck weiter vorn werdet Ihr eine Art Gasthaus finden. Ich werde Euch in K�rze dort treffen.�</p><p>Ruhig n�herte er sich den Duergar und beschrieb eine seltsame Gru�geste, bei der er die H�nde vor sich faltete, um dann im Fl�sterton mit den Duergar-Kaufleuten zu reden. Der Rest der Gruppe ging weiter.</p><p>Sie fanden das �Gasthaus�, von dem Valas gesprochen hatte und das sich als eine feuchte Ansammlung von H�hlen am S�drand Mantol-Deriths erwies. Eine schlechtgelaunte Duergar machte einer Handvoll Goblin-Sklaven das Leben schwer, indem sie sie unabl�ssig von einer Aufgabe zur n�chsten scheuchte. Verschiedentlich brannten kleine Feuer an Kochstellen und erhitzten Eisent�pfe, in denen ein dicklicher Eintopf garte, um den sich geplagte K�che k�mmerten. Andere Sklaven waren damit besch�ftigt, in aller Eile F�sser mit Pilz-Bier oder mit Lager anzustechen, das an der Oberfl�che gestohlen worden war. Sie k�mmerten sich um die schweigsamen G�ste, die auf flachen Findlingen, die wie St�hle angeordnet waren, um die Feuer Platz genommen hatten. Robuste T�ren aus geh�rteten Pilzfasern oder rostigen Eisenplatten versperrten den Zutritt zu verschiedenen �ffnungen in den W�nden ringsum. Halisstra vermutete, sie f�hrten zu den Fremdenzimmern des Gasthauses. Die R�umlichkeiten hinter diesen stabilen T�ren waren vermutlich sicher, doch sie bezweifelte, da� sie allzu bequem sein konnten.</p><p>�Wie ... rustikal�, sagte Halisstra.</p><p>Einen entsetzlichen Moment lang fragte sie sich, ob es wohl ihr Schicksal sei, den Rest ihrer Existenz fern ihrer Heimat in einem �hnlichen Loch wie diesem zuzubringen.</p><p>�Es ist noch gem�tlicher geworden als bei meinem letzten Besuch�, sagte Pharaun mit einem aufgesetzten L�cheln. �Die Zwergin dort ist Dinnka. Ihr werdet feststellen, da� dieses namenlose Gasthaus am Wegesrand die feinsten Unterk�nfte ganz Mantol-Deriths zu bieten hat. Man bekommt etwas zu essen, es ist warm, und man hat eine Unterkunft � drei Dinge, die in der Wildnis des Unterreiches nur selten anzutreffen sind � und man mu� nur ein kleines Verm�gen daf�r bezahlen.�</p><p>�Ich darf doch annehmen, da� es hier besser sein wird als in einer von Ungeheuern heimgesuchten Ruine an der Oberfl�che�, sagte Quenthel.</p><p>Sie f�hrte die Gruppe zu einer Feuerstelle. Drei Grottenschrate sa�en dort, bei denen es sich der Qualit�t ihrer R�stungen nach um f�hige S�ldner zu handeln schien. Die haarigen Kreaturen hockten bei gro�en Lederkr�gen mit Pilz-Bier und nagten Roth�-Keulen ab. Ein massiger Krieger nach dem anderen sah auf, als sich die f�nf Drow und Jeggred ihnen n�herten. Quenthel verschr�nkte die Arme und sah das Trio ver�chtlich an.</p><p>�Nun?� fragte sie.</p><p>Die Grottenschrate knurrten, stellten ihr Bier ab und legten das Fleisch zur Seite, dann legte jeder von ihnen seine gro�e Faust auf den Schaft der Axt, die er in seinen G�rtel geschoben trug. Halisstra entging die Bewegung nicht. Grottenschrate mit einem Funken Verstand h�tten auf der Stelle ihren Platz ger�umt, und das fast �berall im Unterreich. Auch wenn die drei keine Drow-Sklaven waren � was offensichtlich war, da sie sich in Mantol-Derith aufhielten �, war sie oft genug an Orte gereist, die Ched Nasad �hnlich waren, um zu wissen, da� Kreaturen wie diese Grottenschrate schnell lernten, den wirklich gef�hrlichen Bewohnern des Unterreiches aus dem Weg zu gehen, also auch adligen Drow.</p><p>�Was �nun�?� zischte der Gr��te der drei. �Es ist schon mehr n�tig als das sp�ttische Grinsen einer Drow, damit wir den Platz r�umen.�</p><p>�Ihr glaubt wohl, ihr k�nnt uns rumschubsen?� f�gte der zweite Grottenschrat an. �Ihr Elfchen seid nicht mehr so angsteinfl��end wie fr�her, wi�t ihr. Vielleicht k�nnt ihr uns ja einen Grund nennen, warum wir tun sollen, was ihr sagt.�</p><p>Quenthel wartete einen Moment, dann sagte sie: �Jeggred.�</p><p>Der Draegloth scho� vor und packte den ersten Grottenschrat. Mit den zwei kleineren Armen dr�ckte er die H�nde seines Gegners nach unten und verhinderte so, da� der eine seiner Waffen ziehen konnte. Eine Klaue legte er um den Kopf und hielt ihn unerbittlich fest, w�hrend er die Krallen der anderen Klaue tief ins Gesicht des Grottenschrats trieb. Der S�ldner schrie etwas in seiner wunderlichen Sprache und setzte sich zur Wehr. Jeggred grinste nur breit und bohrte seine Klauen tiefer in den Sch�del der kreischenden Kreatur, um ihr dann die vordere H�lfte des Kopfes wegzurei�en. Blut und Hirnmasse spritzten auf seine Gef�hrten, die aufsprangen und nach Schwertern und �xten griffen.</p><p>Jeggred lie� den zuckenden Leib sinken und sah die beiden anderen an.</p><p>�Der n�chste?� schnurrte er.</p><p>Die beiden �berlebenden Grottenschrate taumelten zur�ck und flohen voller Entsetzen. Jeggred sch�ttelte seinen mit wei�em Fell �berzogenen Kopf und schleuderte die Leiche zur Seite, dann setzte er sich an die Feuerstelle. Er hob das St�ck Fleisch auf, das einer der Grottenschrate hatte fallenlassen, und griff mit der anderen Hand nach dem Krug.</p><p>�Grottenschrate ...�, murmelte er.</p><p>�He, Ihr da!�</p><p>Die m�rrische Duergar-Wirtin eilte herbei und machte keinen Hehl aus ihrer Ver�rgerung.</p><p>�Die drei hatten noch nicht bezahlt�, klagte sie. �Wie um alles in der schreienden H�lle soll ich jetzt an mein Gold kommen?�</p><p>Ryld b�ckte sich, nahm die Geldtasche vom G�rtel des Grottenschrats und warf sie Dinnka zu.</p><p>�Das d�rfte gen�gen�, sagte der Waffenmeister. �Macht das, was �brig ist, zu unserem Guthaben. Wir wollen guten Wein und mehr zu essen.�</p><p>Die Duergar fing die kleine Tasche auf, r�hrte sich aber nicht von der Stelle.</p><p>�Ich mag nicht, da� Ihr meine zahlende Kundschaft vertreibt, Drow, und auch nicht, da� Ihr sie t�tet. Bringt den n�chsten bei Euch zu Hause um, wie sich das geh�rt.�</p><p>Dann wandte sie sich ab und br�llte den Sklaven Befehle zu, noch bevor sie sich in Marsch gesetzt hatte.</p><p>Halisstra sah ihr nach, dann blickte sie die anderen an und signalisierte: <emphasis>Sonderbar, Habt Ihr geh�rt, was der Grottenschrat sagte?</emphasis></p><p>�Die Drow seien nicht mehr so furchteinfl��end wie fr�her?� fragte Ryld, wechselte dann aber zur Zeichensprache. <emphasis>Ist die Nachricht vom Untergang Ched Nasads etwa schon bis hier vorgedrungen? Es ist doch erst wenige Tage her, aber Mantol-Derith liegt viele Tagesreisen von der Stadt der schimmernden Netze entfernt.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist denkbar, da� eine magische Aussp�hung oder ein Kommu-nikationszauber die Nachricht bereits verbreitet hat,</emphasis> meinte Halisstra. <emphasis>Vielleicht meinte er auch etwas anderes. Vielleicht hat man von unseren Schwierigkeiten geh�rt.</emphasis></p><p>Das, �berlegte Halisstra, war ein zutiefst beunruhigender Gedanke. Duergar und Gedankenschinder waren ernstzunehmende Gegner, Kreaturen, die viele Geheimnisse der Hexenkunst kannten. Wenn sie die Schw�che der Drow wahrgenommen haben sollten, dann w�re das nicht �berraschend gewesen. Doch wenn einfache Grottenschrat-S�ldner wu�ten, wie es um Ched Nasad oder Menzoberranzan stand, dann mu�te dies weithin bekannt sein.</p><p>Die Goblin-Sklaven k�mmerten sich wieder um die Feuerstellen, brachten etwas bessere Mahlzeiten als die, die die Grottenschrate verzehrt hatten, sowie Flaschen mit k�hlem Wein, der aus irgendeinem Weingut an der Oberfl�che stammte. Die kleinen Sklaven scharten sich um den massigen Leichnam des get�teten Grottenschrats und zerrten ihn in eine dunkle Ecke. Die Drow nahmen davon kaum Notiz, da Goblin-Sklaven so weit unter ihrer W�rde waren, da� sie f�r sie so gut wie nicht existierten. Die Reisenden a�en und tranken schweigend, jeder von ihnen hing seinen Gedanken nach.</p><p>Nach einer Weile stie� Valas zu ihnen, der von einem Duergar begleitet wurde � einem Mann mit kurzem, eisengrauen Bart und v�llig kahlem Sch�del. Der Duergar trug ein Kettenhemd und hielt eine bedrohlich wirkende Handaxt in H�nden. Sein Gesicht war von drei gro�en Narben entstellt, ihm fehlte ein Ohr, und die rechte Gesichtsh�lfte hatte durch die erlittenen Verletzungen etwas Alptraumhaftes. Er konnte ein Kaufmann, ein S�ldner, aber auch ein Bergarbeiter sein � sein m�rrisches Auftreten lie� keinen R�ckschlu� zu.</p><p>�Dies ist Ghevel Kohlenhauer�, sagte der Sp�her. �Ihm geh�rt ein Boot, das ganz in der N�he auf dem Dunkelsee liegt. Er wird uns nach Gracklstugh bringen.�</p><p>�Ich will im voraus bezahlt werden�, warnte der Duergar die Gruppe. �Ich mu� Euch au�erdem wissen lassen, da� ich einen Wiedergutmachungsvertrag mit meiner Zunft zu Hause liegen habe. Wenn Ihr glaubt, Ihr k�nntet mir die Kehle aufschlitzen und mich in den See werfen, dann irrt Ihr � man w�rde Euch daf�r verfolgen.�</p><p>�Eine vertrauensvolle Seele�, meinte Pharaun. �Wir sind nicht daran interessiert, Euch zu berauben, Meister Kohlenhauer.�</p><p>�Ich bin nur vorsichtig.� Der Duergar sah Valas an und sagte: �Ihr wi�t, wo das Boot liegt. Bezahlt mich, dann treffen wir uns morgen fr�h dort.�</p><p>�Woher wissen wir, ob Ihr uns nicht ausrauben wollt?�</p><p>�Es ist nicht empfehlenswert, einen Drow auszurauben, jedenfalls nicht, wenn man nicht sicher sein kann, da� man ungeschoren davonkommt�, gab der Zwerg zur�ck. �So was kann sich �ndern, aber nicht so schnell, da� ich heute schon darauf bauen w�rde.�</p><p>Valas Hune hielt dem Duergar einen kleinen Beutel hin und lie� ihn in dessen H�nde fallen. Der Zwerg f�llte den Inhalt umgehend in seine gro�e, gegerbte Hand und betrachtete die Edelsteine, ehe er sie in den Beutel zur�cksch�ttete.</p><p>�Ihr m��t es eilig haben, oder Euer Mann hier mu� einen besseren Handel gemacht haben. Andererseits ... Ihr Drow habt ohnehin nicht viel f�r Edelsteine �brig.�</p><p>Er wandte sich ab und stapfte in die Finsternis davon.</p><p>�Das wird das letzte sein, was Ihr von ihm zu sehen bekommen habt�, sagte Jeggred. �Ihr h�ttet mit der Bezahlung warten sollen.�</p><p>�Er bestand darauf�, sagte Valas Hune. �Er sagte etwas davon, sichergehen zu wollen, da� wir ihn nicht t�ten, um die Bezahlung wieder an uns zu nehmen.� Valas sah dem Duergar nach und zuckte die Achseln. �Ich glaube nicht, da� er uns betr�gen wird. Wenn er ein Duergar von der Art w�re, k�nnte er in Mantol-Derith nicht lange �berleben. Die Leute hier sehen es nicht gern, wenn man sie betr�gt.�</p><p>�Er kann uns sicher durch Gracklstugh bringen?� fragte Ryld.</p><p>Valas spreizte die H�nde und erwiderte: �Wir m�ssen Dokumente oder Briefe mitf�hren, die Kohlenhauer f�r uns beschaffen kann. Ich glaube, so eine Art H�ndlerlizenz.�</p><p>�Wir f�hren keine Waren mit�, stellte Pharaun fest. �Ist das nicht eine etwas d�rftige Erkl�rung?�</p><p>�Ich habe ihm erkl�rt, Herrin Quenthels Familie sei an Gesch�ften in Eryndlyn beteiligt, und sie solle dort nach dem rechten sehen. Wenn sie alles in bester Ordnung vorfindet, k�nnte sie daran interessiert sein, mit den Duergar eine Abmachung auszuhandeln, damit die ihre G�ter durch das Territorium von Gracklstugh transportieren. Ich deutete auch an, Kohlenhauer k�nne gut daran tun, sich in diese Abmachung einbeziehen zu lassen.�</p><p>Pharaun hatte keine Zeit, etwas zu erwidern, da in der H�hle verstohlene Schritte von mehr als einer Person widerhallten. Die Dunkelelfen blickten auf und sahen, da� sich ihnen eine gro�e Gruppe von Grottenschrat-Kriegern n�herte. Angef�hrt wurden diese von den S�ldnern, die nur Minuten zuvor die Flucht ergriffen hatten. Mindestens ein Dutzend Artgenossen hatte sich hinter ihnen versammelt, �xte und dornenbesetzte Flegel in den haarigen Pfoten, einen m�rderischen Blick in den Augen. Die anderen G�ste begannen, sich zur�ckzuziehen, um sich in Sicherheit zu bringen. Die massigen Humanoiden fl�sterten in ihrer eigenen Sprache.</p><p>�Sagt�, begann Valas. �Hat irgend jemand einen Grottenschrat get�tet, verst�mmelt oder gedem�tigt, w�hrend ich mit Kohlenhauer sprach?� Der Sp�her sah die anderen an, dann blieb sein Blick an Jeggred h�ngen, der nur die Achseln zuckte. Er seufzte. �Habe ich mich unklar ausgedr�ckt, als ich sagte, wir sollten hier keinen Streit anfangen?�</p><p>�Es gab ein Mi�verst�ndnis, was die Verteilung der Sitzpl�tze anging�, erkl�rte Quenthel.</p><p>Ryld erhob sich und schlug seinen Mantel nach hinten, damit seine Waffen griffbereit waren. �Ich h�tte wissen m�ssen, da� noch mehr von ihrer Art in der N�he sein w�rden.�</p><p>�Es ist an der Zeit, diese Gesch�pfe daran zu erinnern, wer das Sagen hat�, meinte Halisstra.</p><p>Quenthel stand auch auf, zog ihre f�nfk�pfige Peitsche und betrachtete die Krieger mit einem ironischen L�cheln.</p><p>�Jeggred?� sagte sie nur.</p><empty-line/><p>Gromph stand auf einem Balkon hoch �ber Menzoberranzan und betrachtete das schwache Feenfeuer in der Stadt der Drow. Er wartete jetzt seit fast einer Stunde, und seine Geduld war ersch�pft. Unter normalen Umst�nden w�re eine Stunde mehr oder weniger bedeutungslos f�r einen Dunkelelfen gewesen, der bereits auf ein jahrhundertelanges Leben zur�ckblicken konnte, doch dies war eine andere Situation. Der Erzmagier wartete voller Angst, er f�rchtete die Ankunft dessen, der ihn zu diesem heimlichen Treffen bestellt hatte. Es war kein Gef�hl, mit dem Gromph vertraut war, und er stellte fest, da� es ihm auch in keiner Weise behagte. Selbstverst�ndlich hatte er die gr��ten Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um sich zu sch�tzen. Er hatte sich mit einer F�lle hervorragender Verteidigungszauber umgeben und mit gro�er Sorgfalt magische Gegenst�nde ausgew�hlt, die ihm Schutz bieten sollten. Doch der Erzmagier war nicht sicher, ob diese Vorsichtsma�nahmen reichen w�rden, um denjenigen abzuschrecken, der auf dem Weg war, um sich mit ihm an diesem einsamen, st�rmischen Ort zu treffen.</p><p>�Gromph�, begr��te ihn eine kalte, rasselnde Stimme. Ehe der Erzmagier sich umdrehen konnte, f�hlte er bereits die Pr�senz des anderen � ein eisiger Schauer, dem es irgendwie gelang, alle Abwehrma�nahmen zu durchdringen, der Gestank einer gewaltigen, schrecklichen Magie. �Gut, da� Ihr meine Einladung angenommen habt. Es ist lange her, nicht wahr?�</p><p>Der alte Dyrr n�herte sich ihm aus dem Schatten im hinteren Teil des Balkons und st�tzte sich auf seinen gro�en Stab. Er glitt mit raschelndem Gewand vorw�rts und war dabei nicht schneller als ein schlurfender alter Mann, obwohl sich seine F��e nicht zu bewegen schienen.</p><p>Inmitten der ehrgeizigen Drow seines eigenen Hauses pa�te es zu Dyrr, da� er das Aussehen eines ehrw�rdigen Dunkelelfen von unglaublichem Alter zur Schau trug, doch Gromphs arka-ner Blick durchdrang die Tarnung und lie� ihn die Wahrheit dahinter sehen. Dyrr war tot, tot schon seit Jahrhunderten. Von staubigen Knochen und den Fetzen mumifizierten Fleisches darauf abgesehen, war von dem alten Magier nichts mehr �brig. Seine H�nde waren die Klauen eines Skeletts, sein Gewand war verbla�t und zerschlissen, und sein Gesicht war nur ein abscheulich grinsender Sch�del. In den schwarzen Augenh�hlen leuchtete die grellgr�ne Flamme seines m�chtigen Geistes.</p><p>�Wie ich sehe, la�t Ihr Euch von meiner Tarnung nicht t�uschen�, rasselte der Leichnam. �Ehrlich gesagt w�re ich auch entt�uscht gewesen, wenn Ihr Euch so leicht an der Nase h�ttet herumf�hren lassen, Erzmagier.�</p><p>�Meister Dyrr�, gr��te Gromph zur�ckhaltend. Er neigte den Kopf, ohne den Blick von dem Leichnam abzuwenden. �Ehrlich gesagt bin ich �berrascht, da� Ihr immer noch unter uns weilt. Mir kamen Ger�chte zu Ohren, Ihr w�rdet nach wie vor abgeschieden in Eurem Heim ... nun ja ... leben. Von Zeit zu Zeit glaubte ich festzustellen, da� die Geschicke Agrach Dyrrs von einer alten und geschickten Hand geleitet wurden. Aber ich bin in den letzten fast zweihundert Jahren niemals jemandem begegnet, der behauptet hat, Euch gesehen zu haben, und es ist fast doppelt so lange her, da� wir uns das letzte Mal gesprochen haben.�</p><p>�Ich lege Wert auf meine Privatsph�re und halte meine Nachfahren dazu an, dies auch zu tun. Es ist f�r alle Beteiligten am besten, wenn meine f�hrende Hand verborgen bleibt. Wir wollen ja jetzt nicht die Muttermatronen ver�ngstigen, nicht?�</p><p>�Das ist wahr. Ich habe die Erfahrung gemacht, da� sie auf �berraschungen sehr unangenehm reagieren.�</p><p>Der Leichnam lachte in einem Tonfall, der das Blut in den Adern gefrieren lie�. Er kam n�her, bis er neben Gromph stand und auf die Stadt hinabblicken konnte. Der Erzmagier empfand die unnat�rliche Anwesenheit dieser untoten Kreatur als ein wenig beunruhigend � auch ein Gef�hl, das er nicht oft versp�rte.</p><p>Welche Geheimnisse birgt dieser wandelnde Geist in seinem leeren Sch�del? fragte sich Gromph. Was wei� er �ber diese Stadt, woran sich sonst niemand mehr erinnert? Welche einsamen, schrecklichen Geschichten hat er allein in den trostlosen Jahrhunderten seiner Existenz erlebt, die ihm den Tod verweigert?</p><p>Diese Fragen besch�ftigten Gromph, aber er beschlo�, seine Spekulationen zur�ckzustellen.</p><p>�Nun, Meister Dyrr, Ihr habt um dieses Treffen gebeten. Wor�ber sollen wir reden?�</p><p>�Ihr wart schon immer bewundernswert direkt, Baenre�, sagte der Leichnam. �Eine erfrischende Eigenschaft bei unserer Art. Kommen wir zur Sache: Wie denkt Ihr �ber die Schwierigkeiten, von denen unsere Stadt in j�ngster Zeit heimgesucht wurde? Genauer gefragt, was glaubt Ihr, was angesichts der Machtlosigkeit getan werden sollte, von der unsere Priesterinnenkaste heimgesucht wurde?�</p><p>�Was sollte getan werden?� gab Gromph zur�ck. �Schwer zu sagen, wenn man bedenkt, da� die Frage eigentlich lauten m��te, was �berhaupt unternommen werden kann. Es liegt nicht in meiner Macht, die K�nigin �ber den Abgrund der Spinnennetze dazu zu bewegen, den Priesterinnen wieder ihre Gunst zu erweisen. Lolth tut, was sie will.�</p><p>�Wie stets. Ich will nicht unterstellen, da� Ihr etwas �ndern k�nntet.� Der Leichnam schwieg kurz, das gr�ne Feuer in seinem Blick richtete sich auf den Erzmagier. �Was seht Ihr, wenn Ihr heute Menzoberranzan seht?�</p><p>�Unordnung. Gefahr. Verleugnung.�</p><p>�Vielleicht auch eine Gelegenheit?�</p><p>Gromph z�gerte, ehe er erwiderte: �Ja.�</p><p>�Ihr habt gez�gert. Seid Ihr nicht meiner Meinung?�</p><p>�Damit hat es nichts zu tun.�</p><p>Der Erzmagier legte die Stirn in Falten und w�hlte seine Worte mit Bedacht. Er wollte die m�chtige Erscheinung nicht vor den Kopf sto�en. Dyrr schien vern�nftig zu sein, doch der Verstand litt von Fall zu Fall unter dem hohen Alter eines Untoten. Er mu�te davon ausgehen, da� der Leichnam zu wirklich allem in der Lage war.</p><p>�Meister Dyrr�, sagte er ruhig. �Sicherlich habt Ihr selbst festgestellt, da� die Listen der Spinnenk�nigin unendlich sind. Die einzige Gewi�heit in unserer Existenz ist die, da� Lolth eine launenhafte und fordernde Gottheit ist, eine G�ttin, die sich daran erfreut, sehr harte Lektionen auszuteilen. Was, wenn ihr Schweigen nur eine T�uschung ist, um die auf die Probe zu stellen, die ihr treu sind? Ist es nicht m�glich oder sogar wahrscheinlich, da� Lolth ihren Priesterinnen ihre Gunst versagt, nur um zu sehen, wie sie reagieren? Oder � schlimmer noch � da� sie sehen will, ob die Feinde ihres Klerus den Mut aufbringen, um aus dem Schatten zu treten und ihre Anh�nger offen anzugehen? Wenn das der Fall ist, was wird dann aus dem, der dumm genug ist, der Spinnenk�nigin zu trotzen, wenn sie ihrer Pr�fung m�de wird und den Priesterinnen wieder ihre volle Gunst erweist � und das so pl�tzlich, wie sie sie ihnen entzogen hat? Ich will nicht bei einem solchen Schachzug ertappt werden � ganz und gar nicht.�</p><p>�Eure Logik ist schl�ssig, auch wenn ich glaube, da� die Gewohnheit, vorsichtig zu sein, Eure Gedankeng�nge hinken l��t�, sagte Dyrr. �Ich k�nnte Euch fast zustimmen, Junge, wenn da nicht diese eine Tatsache w�re. In den mehr als zweitausend Jahren, die ich auf dieser Welt zugebracht habe, ist so etwas noch nie geschehen. Sicher, ich kann mich an eine ganze Reihe von Begebenheiten erinnern, als Lolth ihren Klerikern f�r einige Tage ihre Zauber verwehrte, und es gab viele F�lle, in denen sie ganz bewu�t entschied, dieser einen Priesterin oder jenem Haus dort ihre Gunst g�nzlich zu verweigern, um sie ihren Feinden zu �berlassen, doch noch nie lie� sie Monat um Monat unsere ganze Rasse im Stich.� Der Leichnam sah nachdenklich auf. �Es erscheint mir eine kl�gliche Art und Weise, den eigenen Anh�ngern zu begegnen. Sollte ich jemals den Status eines Gottes erlangen, dann glaube ich, ich werde versuchen, bessere Arbeit zu leisten als sie.�</p><p>�Was exakt schlagt Ihr vor, Meister Dyrr?�</p><p>�Ich schlage �berhaupt nichts vor, aber ich erw�ge, Baenre, ob man machtlosen Klerikern noch allzulange die Herrschaft �ber diese Stadt anvertrauen sollte. Ihr und ich, wir verf�gen doch immer noch �ber eine immense, schreckliche Macht, nicht wahr? Die mystischen Geheimnisse unserer Kunst haben uns nicht im Stich gelassen, und sie werden es wohl auch in Zukunft nicht. Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir die Sicherheit unserer Zivilisation erw�gen m�ssen, die Verteidigung unserer Stadt, indem wir die Z�gel der Macht in die Hand nehmen, die die Muttermatronen nicht l�nger halten k�nnen. Die Gefahr f�r unsere Stadt w�chst von Stunde zu Stunde. Schlie�lich haben wir Rivalen jenseits unseres Dunklen Reiches, andere Rassen, andere Reiche, die uns bedrohen.�</p><p>�Genau das ist der Grund, warum ich z�gere, Drow-Magier gegen Drow-Priesterinnen ins Feld zu f�hren�, erwiderte Gromph. �Die einzige Sache, die m�glicherweise unsere momentane Verwundbarkeit noch erh�hen k�nnte, w�re ein B�rgerkrieg. Wenn wir uns das Schicksal Ched Nasads ersparen wollen, dann m�ssen wir die bestehende Ordnung beibehalten, bis die Krise vorbei ist.�</p><p>�Was glaubt Ihr, was Euch diese blinde Loyalit�t einbringen wird � von den Priesterinnen oder von Lolth?� Dyrr drehte sich wieder um und tippte ihm mit einem knochigen Zeigefinger auf die Brust. Gromph konnte ein Schaudern nicht unterdr�cken. �Ihr habt Potential, Gromph. Ihr seid begabt, und Ihr blickt �ber das Haus Baenre hinaus auf ganz Menzoberranzan. Bringt Eure F�higkeiten ins Spiel und erw�gt sorgf�ltig, wie Ihr in den n�chsten Tagen entscheidet. Es stehen Ereignisse an, die Euch die Gelegenheit bieten, zu Ruhm aufzusteigen oder zu scheitern. Trefft nicht die falsche Entscheidung.�</p><p>Gromph machte einen behutsamen Schritt nach hinten, bewegte sich �ber den Abgrund der H�hle und schwebte in der Luft.</p><p>�Ich f�rchte, ich muss mich um Narbondel k�mmern, Meister Dyrr. Ich werde jetzt gehen ... und gr�ndlich �ber Eure Worte nachdenken. Ihr k�nntet die Situation zutreffender erfa�t haben als ich.�</p><p>Der intensiv gr�ne Blick des Leichnams folgte Gromph hinab in die Dunkelheit, w�hrend er dem Grund entgegensank. Er w�rde lange und gr�ndlich �ber die Worte des Untoten nachdenken. Er konnte Dyrr durch H�flichkeit und Vorsicht vertr�sten, aber nicht unendlich lange. Gromph war sicher, da� der Leichnam bei ihrer n�chsten Begegnung eine andere Antwort h�ren wollte.</p><empty-line/><p>Der Dunkelsee war ein merkw�rdiger, gr��licher Ort. Eine Schw�rze, die gr��er war als alles, was Halisstra je gesehen hatte, umschlo� sie und ihre Gef�hrten, ein Raum, dessen gewaltige Ausma�e ihrem Verstand zu schaffen machten. Die H�hlen der Drow ma�en oft viele Kilometer im Durchmesser und beherbergten immens gro�e St�dte, in denen Tausende von Drow lebten. Doch wenn Kohlenhauer nicht �bertrieb, dann f�llte der Dunkelsee eine H�hle, die von einem Ende bis zum anderen �ber hundertf�nfzig Kilometer ma� und eine H�he von dreihundert Metern aufwies. Das Wasser des Sees f�llte fast die gesamte H�hle aus, und als sie sich �ber den See fortbewegten, war die Decke oft nur einen Speerwurf weit �ber ihnen, was bedeutete, da� viele hunderte Meter eines schwarzen Mysteriums unter ihnen lauerten. Es war unbehaglich.</p><p>Kohlenhauers Boot war weit davon entfernt, bequem zu sein. Es war ein asymmetrisches Wasserfahrzeug, das gr��tenteils aus Planken bestand, die aus den holzigen St�mmen einer bestimmten Pilzsorte des Unterreiches geschnitten und dann lackiert worden waren, was ihnen St�rke und Festigkeit verlieh. Das Zurkhholz bildete eine breite Plattform, die auf einer Ansammlung von Luftblasen trieb, die der Wasserspezies eines Riesenpilzes entnommen worden waren. Das alles wurde mittels der hervorragenden Metallbearbeitungskunst der Duergar zusammengehalten.</p><p>Vier wuchtige Skelette � zu Lebzeiten wohl Oger oder vielleicht Trolle � kauerten in dem einem Brunnen �hnelnden Bereich in der Mitte des Bootes und drehten unabl�ssig zwei gro�e Kurbeln, die ein Paar Schaufelr�der aus Zurkhholz antrieben. Die geistlosen Untoten erm�deten nie, klagten nie und wurden niemals langsamer, es sei denn, Kohlenhauer wies sie dazu an. So bewegten sie das Boot �ber den See, und die einzigen Ger�usche waren das leise Pl�tschern des Wassers, wenn es von den Schaufelr�dern bewegt wurde, und das kaum wahrnehmbare Schaben und Kratzen der Knochen, die aneinander rieben. Der Duergar stand nahe dem Heck auf einer kleinen, erh�hten Br�cke, die gen�gte, um �ber die Schaufelr�der hinwegzublicken. Mit vor der massigen Brust verschr�nkten Armen stand er da und sp�hte gedankenverloren in die Finsternis.</p><p>Die Passagiere kauerten auf dem kalten, unbequemen Deck oder gingen hin und her, wobei sie immer auf Distanz zum Rand der Plattform blieben, die nicht von einem Gel�nder umgeben war. Die Reise von Mantol-Derith aus verlief nicht besonders schnell, da das Gef�hrt keine hohen Geschwindigkeiten erreichen konnte, und Kohlenhauer mu�te zudem an den Stellen vorsichtig man�vrieren, an denen die Decke so niedrig war, da� das Boot dort nicht weiterkam.</p><p>Valas verbrachte die meiste Zeit damit, neben dem Zwerg auf der Br�cke zu stehen und ein Auge auf den Kurs zu werfen. Pharaun sa� im Schneidersitz am Fu� der Br�cke, tief in Trance versunken, w�hrend Ryld und Jeggred an Backbord und Steuerbord Wache hielten, um darauf zu achten, da� sich ihnen keiner der Bewohner dieses Gew�ssers n�herte. Die Priesterinnen blieben f�r sich, ebenfalls in Trance versunken, wobei sie auf das dunkle Wasser blickten und ihren Gedanken nachgingen.</p><p>Fast zwei Tage vergingen so, nur unterbrochen von kurzen Pausen, um zu essen oder um dem Duergar-Kapit�n Zeit zu geben, sich auszuruhen. Kohlenhauer achtete sehr darauf, kein Licht zu entz�nden. Daher mu�ten sie ihre Feuerstelle zum Kochen auch in eine kleine, abgeschlossene Kiste verlagern, damit von den Flammen nichts zu sehen war.</p><p>�Zu viele Dinge werden vom Licht angelockt�, murmelte er. �Selbst das kann schon zuviel sein.�</p><p>Nach der dritten derart zubereiteten Mahlzeit, die sie sp�t am zweiten Tag der Reise zu sich nahmen, zog sich Halisstra zum Bug des Schiffs zur�ck, damit sie ihren Blick auf das Wasser richten konnte, anstatt unentwegt einen ihrer Gef�hrten anzustarren. Durch den heftigen Kampf bei der Flucht aus Hlaungadath und durch die Reise auf der Ebene der Schatten war ihr bislang nur wenig Zeit geblieben, um die neue Situation zu begreifen, in der sie sich befand. Die endlosen Stunden, in denen nichts anderes zu h�ren war als das leise Pl�tschern des Wassers und die fast insektengleichen Ger�usche, die der skelettartige Antrieb des Bootes verursachte, hatten sie von jeglichen Besch�ftigungen abgehalten, so da� sich vor ihrem geistigen Auge immer wieder der Untergang Ched Nasads abspielte.</p><p>Was ist aus meinem Haus geworden? fragte sie sich. Haben sich Diener und Soldaten durch die Flucht aus Ched Nasad retten k�nnen? Sind sie gemeinsam unterwegs? Wer f�hrt sie an? Oder sind sie alle in den Flammen und Tr�mmern umgekommen?</p><p>Der Tod der Muttermatrone Melarn machte Halisstra zum Oberhaupt des Hauses, vorausgesetzt, keine ihrer j�ngeren Basen hatte bislang den F�hrungsanspruch angemeldet. Wenn ja, dann war sich Halisstra sicher, da� sie ihr diesen Anspruch w�rde abringen k�nnen. Sie war stets die Lieblingstochter des Hauses Melarn gewesen, die �lteste, die st�rkste, und sie wu�te, ihre Basen konnten ihr nicht vorenthalten, was ihr durch Geburt zustand.</p><p>Doch es schien in der Tat sehr wahrscheinlich, da� ihr Geburtsrecht nur Asche und Schutt am Grund der gro�en Spalte von Ched Nasad war. Selbst wenn ein Teil ihres Hofstaats entkommen war � w�rde sie die Dienerschaft wirklich suchen und sich ihr anschlie�en wollen, um mit ihr in einem elenden, verdreckten und gef�hrlichen Exil im Unterreich zu leben?</p><p>So hatte es nicht kommen sollen, dachte sie. Ich sollte den Platz meiner Mutter einnehmen und die Macht erhalten, die zuvor die ihrer Mutter und davor die ihrer Gro�mutter gewesen war. Die tausend F�den Ched Nasads h�tten mir zu F��en gelegen. Ein Wort, ein Blick, ein Stirnrunzeln h�tten gen�gt, damit der geringste meiner W�nsche erf�llt worden w�re. Doch jetzt bin ich statt dessen zur Wanderin ohne Wurzeln geworden.</p><p>Warum, Lolth? rief sie im Geiste. Warum? Was haben wir getan, dich so zu ver�rgern? Welche Schw�che haben wir gezeigt?</p><p>Fr�her hatte Halisstra das finstere Fl�stern Lolths in ihrem Herzen geh�rt, doch dieser Ort war nun leer. Lolth wollte nicht antworten. Sie bestrafte Halisstra nicht einmal daf�r, da� sie die Verwegenheit besa�, eine Antwort zu verlangen.</p><p>Wenn Lolth sie wirklich verlassen hatte, was w�re dann aus ihr geworden, wenn sie ihrem Haus in den Untergang gefolgt w�re? Ihr ganzes Leben lang hatte Halisstra geglaubt, ihr Dienst als Priesterin und als <emphasis>Bae�qeshel</emphasis> f�r die K�nigin des Abgrunds der D�monennetze werde ihr nach dem Tod einen Platz weit oben in Lolths Reich bescheren, doch was w�rde nun aus ihr werden? W�rde ihr entwurzelter Geist mit den anderen ungl�cklichen Seelen gefangen sein, die kein Gott im Leben nach dem Tode f�r sich beanspruchte? W�rde es ihr Schicksal sein, jenes wahren, ewigen Todes in den grauen Weiten zu sterben, der den Ungl�ubigen vorbehalten war? Halisstra schauderte es. Lolths Glaube verlangte H�rte, Weichlinge hatten dort keinen Platz, doch eine Priesterin hatte immer erwarten k�nnen, f�r den Dienst zu Lebzeiten im Tode belohnt zu werden. Wenn dem nicht mehr so war ...</p><p>Danifae kam zu ihr und kniete neben ihr nieder. Sie sah Halisstra in die Augen und senkte nicht ihren Blick.</p><p>�Die Trauer ist ein s��er Wein, Herrin Melarn. Wenn Ihr nur einen kleinen Schluck davon trinkt, seid Ihr versucht, mehr zu trinken. Es wird nie besser, wenn Ihr Euch einem von beiden im �berma� hingebt.�</p><p>Halisstra sah weg, um sich zu sammeln. Sie wollte nicht ihr Entsetzen mit Danifae teilen.</p><p>�Trauer beschreibt nicht ann�hernd, was in meinem Herzen vorgeht�, sagte sie. �Ich kann seit Beginn dieser unendlichen Reise an kaum etwas anderes denken. Ched Nasad war mehr als nur eine Stadt. Es war ein Traum, ein d�sterer und zugleich strahlender Traum Lolths. Elegante Burgen, grandiose Netze, H�user voller Reichtum, Stolz und Ehrgeiz, alles binnen weniger Stunden verbrannt. Die Stadt, ihre Matronen und T�chter, die sch�n gesponnenen Pal�ste, alles verloren � und warum?� Sie schlo� die Augen und k�mpfte gegen den Schmerz an, der sie zu �berw�ltigen drohte. �Es waren nicht die Zwerge, die uns zerst�rten. Wir waren es.�</p><p>�Ich werde nicht den Untergang Ched Nasads betrauern�, sagte Danifae. Halisstra sah auf, wobei sie der leidenschaftslose Tonfall der Frau tiefer traf als die Worte. �Es war eine Stadt voller Feinde, von denen die meisten nun tot sind, w�hrend die anderen wie Bettler in die Wildnis des Unterreiches geflohen sind. Ich werde nicht um Ched Nasad trauern. Wer wird das schon � bis auf die wenigen �berlebenden, deren Zuhause es war?�</p><p>Halisstra wollte darauf nichts sagen. Niemand trauerte um eine Stadt der Drow, nicht einmal die anderen Drow. So waren die Drow eben. Die Starken �berlebten, die Schwachen gingen unter, ganz so, wie die Spinnenk�nigin es verlangte. Danifae wartete lange Zeit, ehe sie weitersprach: �Habt Ihr dar�ber nachgedacht, was wir als n�chstes tun sollen?�</p><p>Halisstra warf ihr einen kurzen Blick zu: �Unser Schicksal ist doch von diesen Menzoberranzanyr l�ngst besiegelt, nicht wahr?�</p><p>�F�r heute ja, aber werden Eure und ihre Interessen morgen �bereinstimmen? Was werdet Ihr tun, wenn Lolth Euch morgen wieder ihre Gunst erweist? Wohin wollt Ihr gehen?�</p><p>�Ist das wichtig?� fragte Halisstra. �Vermutlich werde ich nach Ched Nasad zur�ckkehren und die �berlebenden zusammenbringen, die ich finde. Es wird eine schwere Aufgabe werden, mehr, als ich im Lauf eines Lebens zu bew�ltigen hoffen k�nnte, aber mit dem Segen Lolths k�nnte Haus Melarn wieder auferstehen.�</p><p>�Glaubt Ihr, Quenthel w�rde so etwas zulassen?�</p><p>�Warum sollte sie k�mmern, was ich mit dem Rest meines Lebens anfange? Vor allem, wenn ich mein Leben damit verbringe, einen kl�glichen Bruchteil eines Hauses aufzubauen, das in Schutt und Asche liegt?� gab Halisstra bitter zur�ck.</p><p>Danifae spreizte nur die H�nde. Halisstra verstand. Welchen Grund brauchte eine Baenre schon, um irgend etwas zu tun?</p><p>Die Menzoberranzanyr mochten sie zwar aus Ched Nasad gerettet haben, doch ein Wort Quenthels gen�gte, um aus ihr eine Gefangene zu machen oder um ihr das Leben zu nehmen. Die junge Frau sah hin�ber, wo die anderen meditierten oder Wache hielten, dann wechselte sie zur Zeichensprache und achtete darauf, da� niemand sonst sie beobachten konnte.</p><p><emphasis>Vielleicht w�re es ratsam zu �berlegen, auf welche Weise wir uns f�r die Menzoberranzanyr unentbehrlich machen k�nnen,</emphasis> bedeutete sie. <emphasis>Es wird der Tag kommen, an dem wir nicht l�nger auf Quenthel Baenres Mildt�tigkeit angewiesen sein wollen.</emphasis></p><p>�Vorsicht�, warnte Halisstra.</p><p>Sie setzte sich auf und unterdr�ckte den Impuls, einen Blick �ber die Schulter zu werfen. Danifae besa� ein untr�gliches Gesp�r daf�r, wie sie andere manipulieren konnte. Doch wenn Quenthel den Eindruck bekam, Halisstra und Danifae strebten danach, ihre Autorit�t zu untergraben � oder auch nur ihre Handlungsfreiheit zu beschneiden �, dann w�rde die Baenre zweifellos schnell und drastisch einschreiten, um dem zuvorzukommen.</p><p><emphasis>Du schl�gst etwas sehr gef�hrliches vor, Danifae. Quenthel w�rde nicht z�gern, eine Herausforderin zu t�ten, und wenn ich get�tet w�rde ..</emphasis>.</p><p><emphasis>W�rde ich das nicht �berleben,</emphasis> f�hrte Danifae f�r sie den Satz zu Ende. <emphasis>Mir sind die Bedingungen meiner Gefangenschaft bekannt, Herrin Melarn. Doch Unt�tigkeit im Angesicht einer Gefahr f�r uns ist sicher nicht weniger riskant als das, was ich vorschlagen will. H�rt mich an, dann k�nnt Ihr entscheiden, was ich tun soll.</emphasis></p><p>Halisstra betrachtete die junge Frau mit den perfekt geschnittenen Z�gen und der verf�hrerischen Figur. Sie mu�te an die Unterhaltung zwischen Quenthel und Danifae denken, die sie in den Katakomben Hlaungadaths belauscht hatte. Sie konnte Danifaes Plan mit einem Wort stoppen. Sie konnte das sogar durch die Magie des Medaillons erreichen ... aber dann w�rde sie nie erfahren, was Danifae sich zurechtgelegt hatte, um ihre eigene Absicht in die Tat umzusetzen.</p><p>�Nun gut�, sagte sie. <emphasis>Sag mir, was du dir vorstellst.</emphasis></p></section><section><title><p>6</p></title><p>Gracklstugh war wie Menzoberranzan eine H�hlenstadt. Doch anders als im Reich der Drow beherbergten die Stalagmiten gro�e stinkende Schmelzh�tten und Gie�ereien, nicht jedoch die eleganten Burgen adliger Familien. In der Luft hing ein �tzender Gestank, und der L�rm der Industrieanlagen schallte unabl�ssig durch die H�hle � das Tosen der Feuer, das metallische Scheppern, wenn Eisen auf Eisen traf, dazu das Rauschen der verschmutzten Str�me, die die Abf�lle der Duergar-Schmieden forttrugen. Anders als Menzoberranzan, wo v�llige Dunkelheit herrschte � abgesehen vom sanften Feenfeuer, das dem Zweck diente, die Drow-Pal�ste in ein schm�ckendes Licht zu tauchen �, wurde Gracklstugh vom Schein der Feuer und von dem gelegentlichen glei�enden Aufflackern erhellt, das entstand, wenn das wei�gl�hende Metall in Gu�formen gekippt wurde. Es war ein ungew�hnlich reizloser Ort, ein Affront gegen jeden Drow adliger Herkunft. Halisstra fand, Gracklstugh wirke wie die Schmelzh�tte der H�llen selbst.</p><p>Am �stlichen Ende fiel der Boden der gro�en H�hle steil ab und stie� an den gewaltigen Dunkelsee, was Gracklstugh zur unterirdischen Hafenstadt machte, obgleich nur wenige Rassen des Unterreiches Gew�sser wie den Dunkelsee als Handelsrouten nutzten. Folglich galten die Docks und die zum See hin gelegenen Lagerh�user als eines der �rmsten, gef�hrlichsten Viertel der Stadt. Kohlenhauer vert�ute sein Gef�hrt am Ende eines zerfallenden Steinkais, an dem bereits eine Handvoll Schiffe �hnlicher Bauart lag.</p><p>�Nehmt Eure Sachen und beeilt Euch�, fuhr der Zwerg sie an. �Je weniger man von Euch in den Stra�en zu sehen bekommt, desto besser. Spinnenk�sser in der Stadt der Klingen sind gut beraten, wenn sie sich rar machen, wenn Ihr versteht, was ich meine.�</p><p>Valas sah die anderen an und signalisierte: <emphasis>Niemand wird get�tet! Das wird hier nicht toleriert werden!</emphasis></p><p>Dann schulterte der Sp�her sein Gep�ck und folgte dem Zwerg aufs Kai, w�hrend er seinen <emphasis>Piwafwi</emphasis> eng um sich legte, um das Schwert an seiner H�fte zu verbergen.</p><p>Pharaun sah zu Jeggred auf und sagte: �Dir wird es hier nicht gefallen. Wie willst du blo� die Zeit herumkriegen, ohne da� du einen Hilflosen in St�cke rei�en darfst?�</p><p>�Ich werde mir die Stunden vertreiben, indem ich dar�ber nachdenke, wie ich Euch t�ten k�nnte, Magier�, brummte Jeggred.</p><p>Dann stie� der Draegloth den Atem aus, zog sich seinen langen Mantel �ber seine wei�e M�hne und stellte sich so gebeugt wie m�glich hin, um nicht zu schnell aufzufallen. Der Rest der Gruppe folgte an Land, um sich den Weg durch die heruntergekommenen Stra�en des Hafenviertels der Stadt zu bahnen, bis sie ein festungsgleiches Gasthaus erreichten, das einige Blocks von den Docks entfernt lag. Ein Schild, das in Zwergisch und der Handelssprache des Unterreiches geschrieben war, wies das Lokal als das Kalte Gie�haus aus. Das Geb�ude war von einer Steinmauer umgeben, in deren Grenzen sich eine Reihe kleiner, alleinstehender Blockh�user fanden. Die Gruppe machte unmittelbar vor dem Haupttor Halt, neben dem ein Stall stand, in dem riesige, �belriechende Packechsen angebunden waren.</p><p>�Kein vielversprechender Anblick�, kommentierte Pharaun. �Dennoch wird es bequemer sein als ein Stein auf dem H�hlenboden.�</p><p>Valas besprach sich kurz mit Kohlenhauer, dann wandte er sich den anderen Drow zu und sagte mit ged�mpfter Stimme: �Kohlenhauer und ich werden uns darum k�mmern, da� wir unbehelligt die Stadt durchqueren k�nnen und unsere Vorr�te aufstocken. Vermutlich wird die eine oder andere Bestechung notwendig werden, um die n�tigen Dokumente zu erhalten, was Zeit kosten wird. Wir sollten einplanen, einen vollen Tag, vielleicht sogar zwei Tage hierzubleiben.�</p><p>�Haben wir soviel Zeit?� fragte Ryld.</p><p>�Das mu� Herrin Quenthel entscheiden�, erwiderte Valas Hune. �Aber der n�chste Abschnitt unserer Reise k�nnte viel Zeit in Anspruch nehmen, und wir werden nichts erreichen, wenn wir nach ein paar Zehntagen verhungern.�</p><p>Quenthel betrachtete das freudlose Duergar-Gasthaus und traf ihre Entscheidung.</p><p>�Wir werden zwei N�chte bleiben, und �bermorgen werden wir fr�h am Morgen aufbrechen�, sagte sie. �Ich w�rde l�nger bleiben, aber ich will kein unn�tiges Risiko eingehen, was die Dauer der hiesigen Gastfreundschaft betrifft. Die Ereignisse schreiten zu schnell voran, als da� wir es uns leisten k�nnten, zu tr�deln.�</p><p>Sie sah Valas und Kohlenhauer an, der neben ihm stand, die Arme vor der Brust verschr�nkt, den Blick auf die Stra�e gerichtet, um deutlich zu machen, da� er die Unterhaltung der Drow nicht belauschte.</p><p><emphasis>Ist dieser Ort sicher?</emphasis> signalisierte sie. <emphasis>Wird der Zwerg uns hintergehen?</emphasis></p><p><emphasis>Es ist ausreichend sicher,</emphasis> erwiderte Valas. <emphasis>La�t niemanden Jeggred sehen. Der Rest sollte unbehelligt bleiben, solange Ihr Auseinandersetzungen aus dem Weg geht.</emphasis> Er sah kurz zu Kohlenhauer und f�gte an: <emphasis>Der Zwerg wei�, da� wir ihn f�r seine Dienste gut bezahlen werden, aber wenn er das Gef�hl bekommt, da� wir ihn t�ten k�nnten, anstatt ihn zu bezahlen, dann wird er sicherlich Mittel und Wege finden, um uns festnehmen zu lassen. Er wei�, da� wir keine Kaufleute sind, aber es k�mmert ihn nicht, warum wir unterwegs sind, solange er seine Bezahlung erh�lt.</emphasis></p><p><emphasis>Sollen wir ihn aus dem Weg r�umen?</emphasis> fragte Ryld.</p><p><emphasis>Das ist jetzt zu gef�hrlich,</emphasis> signalisierte Valas. Solange <emphasis>wir hier sind, werde ich ihn gut im Auge behalten.</emphasis></p><p>�Nehmt Ryld mit, nur f�r alle F�lle�, sagte Quenthel.</p><p>Ryld nickte und zog an seinem Rucksack, damit er besser zwischen den Schulterbl�ttern sa�.</p><p>�Ich bin bereit�, sagte er dann.</p><p>�Ich kann nicht sagen, da� mir die Gesellschaft unwillkommen w�re, falls sich �rger einstellt�, erwiderte Valas. �Nun sollten wir Meister Kohlenhauer nicht l�nger warten lassen. Wenn Ihr bis morgen mittag nichts von uns geh�rt habt, solltet Ihr vom Schlimmsten ausgehen und die Stadt so schnell wie m�glich verlassen.�</p><p>Der Sp�her eilte davon, gefolgt von Ryld. Zusammen mit Kohlenhauer machten sie sich daran, tiefer in die Stadt vorzudringen.</p><p>�Was wir an dir so lieben, Valas Hune, ist deine unersch�tterlich gute Laune�, meinte Pharaun, w�hrend er dem Sp�her nachsah. �Ich mu� auch einiges erledigen. Ich werde an diesem d�steren Ort nach einem H�ndler f�r arkane Reagenzien Ausschau halten, um meine Zauberkomponenten zu erg�nzen.�</p><p>�La�t Euch nicht zuviel Zeit�, mahnte Quenthel, dann sah sie zu Halisstra und Danifae. �Was ist? Kommt Ihr nicht?�</p><p>�Noch nicht�, sagte Halisstra. �Ich glaube, wenn wir schon mal hier sind, werde ich die Gelegenheit nutzen, Danifae mit Waffen und einer R�stung auszustatten. Wir kehren zur�ck, wenn sie angemessen ausger�stet ist.�</p><p>�Ich dachte, Ihr w�rdet Eurer Kriegsgefangenen nicht gestatten, f�r Euch zu k�mpfen�, sagte Quenthel und kniff die Augen zusammen, w�hrend sie �berlegte, was Halisstra vorhaben mochte.</p><p>�Ich bin zu der Ansicht gelangt, da� Danifae ein Problem darstellt, solange sie weder Waffen noch R�stung tr�gt. Ich will nicht, da� mein Eigentum zu Schaden kommt.�</p><p>Halisstra konnte Quenthels Mi�trauen fast greifen, so gro� war es. Die Baenre strich wortlos �ber das Heft ihrer Peitsche, w�hrend sie Halisstra und Danifae nachdenklich betrachtete.</p><p>Gut, dachte Halisstra. Soll sie glauben, ich h�tte gen�gend Macht �ber Danifae, um es mir leisten zu k�nnen, sie zu bewaffnen. Eine gewisse Unsicherheit k�nnte hilfreich sein, was ihr Urteil �ber unseren Nutzen angeht.</p><p>�Geht nicht zu weit fort und bringt Euch nicht in Schwierigkeiten�, sagte Quenthel. �Wenn die Umst�nde es erfordern, werde ich auch ohne Euch weiterziehen.�</p><p>Sie gab Jeggred ein Zeichen und ging auf das Kalte Gie�haus zu, wobei sie beide Frauen aus ihren Gedanken verbannte.</p><p>Halisstra konnte sich eines zufriedenen L�chelns nicht erwehren, als Quenthel au�er Sichtweite geriet und Jeggred ihr folgte. Sie und Danifae sahen einander kurz an, dann begaben sie sich in die Stadt.</p><p>Auch wenn Kohlenhauer beteuert hatte, die Stadt sei f�r Angeh�rige aller Rassen offen, vorausgesetzt, sie f�hrten Gold bei sich, konnte Halisstra nicht glauben, da� zwei Drow in Gracklstugh tats�chlich keinen Gefahren ausgesetzt waren. Die kleinen, st�mmigen Grauzwerge, die die Stra�en bev�lkerten, gingen ihren Gesch�ften mit einer m�rrischen Zielstrebigkeit nach, die Halisstra gar nicht gefiel. Keiner von ihnen lachte, tat sich wichtig oder putzte sich heraus. Nicht einmal versteckte Drohungen wurden ausgetauscht. Statt dessen warfen sie jedem einen finsteren Blick zu, den sie passierten, selbst wenn er einer von ihnen war. Sie stapften durch die Stra�en, trugen schwere Kettenhemden, und die H�nde ruhten auf den Griffen massiver �xte und H�mmer, die sie unter den breiten G�rtel geschoben hatten. Erst nachdem Halisstra und Danifae in den Stra�en mindestens ein halbes Dutzend anderer Rassen entdeckt hatten, wurde sie etwas ruhiger.</p><p>Halisstra blieb zwischen zwei hochragenden Schmelz�fen stehen und sah sich um.</p><p>�Da! Ich kann nicht viel Zwergisch, aber ich glaube, diese Schilder werben f�r Waffenschmiede.�</p><p>Sie bogen in die Stra�e ein, die kaum mehr war als ein Trampelpfad, der sich zwischen den burgen�hnlichen Stalagmiten hindurchwand. Nachdem sie die hohen Steins�ulen hinter sich gelassen hatten, gelangten sie auf eine Art Stadtplatz, eine weite, freie Fl�che, die von niedrigen, festungsgleichen Geb�uden aus mit M�rtel verbundenem Stein umgeben war. Sie entdeckten ein Schaufenster, in dem Dutzende von Waffen und R�stungen auslagen, dar�ber hing das Schild eines H�ndlers.</p><p>�Das sieht vielversprechend aus�, erkl�rte Halisstra und duckte sich durch die niedrige T�r. Danifae war dicht hinter ihr.</p><p>Das Gesch�ft war vollgepackt mit dem unterschiedlichsten Kampfzubeh�r, zum gr��ten Teil zwergischer Machart, doch einige St�cke stammten auch von anderen Rassen � schwere eiserne Klingen aus Orog-Fertigung, Kuo-Toa-R�stungen, die aus den Schuppen einer gro�en, blassen Fischart bestanden, ein schwarzes Mithral-Kettenhemd aus Drow-Herstellung. Zwei bestens bewaffnete Duergar waren damit besch�ftigt, an einer Werkbank gleich neben der T�r eine R�stung zusammenzusetzen. Sie bedachten Halisstra und Danifae mit mi�trauischen Blicken, als sie die beiden Drow hereinkommen sahen, und sahen wachsam zu, wie die Priesterin und ihre Dienerin das Angebot studierten.</p><p>�Herrin Melarn�, rief Danifae.</p><p>Halisstra wandte sich um und sah, wie die junge Frau eine gut gearbeitete Kettenr�stung aus Drow-Herstellung betrachtete, in die das Emblem eines unbedeutenderen Hauses eingearbeitet war, dessen Name ihr unbekannt war. Ein passender Rundschild und ein Morgenstern aus schwarzem Stahl hingen gleich daneben. Der Kopf der Waffe war in der Form einer d�monischen Fratze mit gedrehten, dornengleichen H�rnern gearbeitet. Halisstra murmelte unauff�llig einen Ortungszauber und l�chelte, als sie das Ergebnis sah. Die Waffen waren magisch, zwar nicht �berragend gut, aber sie konnte sich nicht vorstellen, anderswo in der Stadt etwas gleichwertiges oder sogar besseres zu finden.</p><p>�Was k�nnt Ihr mir �ber diese Drow-Waffen sagen?� fragte sie die Ladenbesitzer.</p><p>Die Duergar unterbrachen ihre Arbeit. Halisstra bemerkte, da� die zwei einander so �hnlich sahen, da� sie sie kaum auseinanderzuhalten vermochte.</p><p>�Troph�e�, kr�chzte einer der beiden. �Ein Hauptmann im Dienst F�rst Thrazgads hat sie vor ein paar Monaten verkauft. Wei� nicht, woher er sie hatte.�</p><p>�Sie sind verzaubert�, sagte der andere. �Sind nicht billig.�</p><p>Halisstra ging zur Theke, zog aus ihrer Halsberge einen kleinen Beutel, durchsuchte den Inhalt und w�hlte einige Smaragde, die sie auf die Theke legte.</p><p>�Sind wir uns einig?�</p><p>Der Grauzwerg stand auf und kam n�her, um die Edelsteine zu begutachten.</p><p>Er schnitt eine Grimasse und sagte: �Viel mehr.�</p><p>Halisstra hielt seinem Blick stand. Sie hatte nicht viel retten k�nnen, als ihr Haus unterging, und konnte das wenige, was sie besa�, nicht einem habgierigen Grauzwerg in den Rachen werfen, vor allem nicht, wenn sich noch andere Wege boten.</p><p>�Danifae, sieh dir das Kettenhemd noch einmal an�, sagte sie �ber die Schulter. �Du sollst dir sicher sein, da� es wirklich das ist, was du haben willst.�</p><p>Danifae verstand auf Anhieb und nahm pr�fend den Morgenstern in die Hand. Wie von Halisstra erhofft, wurde der zweite Duergar sofort nerv�s, als er sah, wie ein Drow eine so kostbare Ware einfach in die Hand nahm. Er lie� seine Arbeit liegen und kam n�her, um besser sehen zu k�nnen, wobei er darauf achtete, da� er Danifae den Weg zum Ausgang versperrte. Die machte sofort eine ganze Reihe von �u�erungen �ber die Waffe, sprach bewundernd �ber das Kettenhemd und bezweifelte die Wirksamkeit der Zauber, um den Zwerg in eine Unterhaltung zu verwickeln.</p><p>�Das F�nffache des Gewichts dieser Edelsteine ist n�tig�, erkl�rte der Duergar hinter der Theke, �und es m�ssen gute Steine sein.�</p><p>�Gut denn�, sagte Halisstra.</p><p>Sie nahm eine Ledertasche vom R�cken und legte sie auf den Tresen. Sie holte vorsichtig ihre Leier heraus, ein kleines, geschwungenes Instrument aus Drachenknochen, bespannt mit Mithral-Draht und mit Mithral-Filigran ziseliert.</p><p>�Wie Ihr sehen k�nnt, ist es ein exquisites St�ck�, erl�uterte sie.</p><p>Sie nahm es zur Hand und spielte es, als wolle sie seine Eigenschaften vorf�hren, doch gleichzeitig stimmte sie leise ein <emphasis>Bae�qeshel-</emphasis>Lied<emphasis/> an. Der Zwerg sah sie erschrocken an und wollte zur�ckweichen, als ihm klar wurde, da� sie einen Zauber wirkte. Ehe er eine Warnung rufen konnte, hatte ihn die Magie des Liedes bereits umgarnt.</p><p>�Was ist los?� rief der andere Duergar.</p><p>�Sag deinem Freund, es sei alles in Ordnung�, fl�sterte Halisstra. �Ihr wollt die Leier nicht.�</p><p>�Alles in Ordnung�, rief der Angesprochene. �Sie bietet eine Leier an, die wir nicht wollen.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, murmelte der andere. �Seht Ihr hier vielleicht Musikinstrumente?� Dann konzentrierte er sich wieder auf Danifae, die wissen wollte, wie man an feuchten Orten am besten ein Kettenhemd pflegte.</p><p>�Nun�, sagte Halisstra zu dem Zwerg, den sie eingelullt hatte, �wir sind im Moment noch recht weit voneinander entfernt, aber ich bin sicher, wir werden uns einig. Ihr werdet uns die Waffen verkaufen, die meine Zofe begutachtet. W�rdet Ihr die Smaragde als Anzahlung nehmen? Ich werde in einigen Tagen wiederkehren, um mit einer betr�chtlichen Summe meine noch ausstehende Schuld zu begleichen.�</p><p>�Die Steine w�rden als Anzahlung reichen�, lenkte der Kaufmann ein. �Aber mein Kompagnon wird dar�ber nicht erfreut sein. Er wird glauben, Ihr w�rdet nicht zur�ckkommen.�</p><p>�La�t ihn denken, ich h�tte voll bezahlt. Dann wird er Euch in Ruhe lassen�, sagte Halisstra.</p><p>Sie �berlegte einen Moment, dann beugte sie sich vor und sah dem Zwerg tief in die Augen.</p><p>�Wi�t Ihr�, sprach sie leise, �wenn Eurem Kompagnon etwas zustie�e, dann k�nntet Ihr Euer Gesch�ft so f�hren, wie es Euch zusagt, nicht wahr? Ihr k�nntet alle Gewinne f�r Euch <emphasis>allein</emphasis> behalten, nicht?�</p><p>Ein habgieriges Funkeln leuchtete in den Augen des Kaufmanns.</p><p>�Da habt Ihr recht�, sagte er. �Da� ich nicht schon l�ngst darauf gekommen bin!�</p><p>�Geduld�, riet ihm Halisstra. �Es mu� nicht sofort sein, es gen�gt im Lauf des Tages. Noch etwas: Es w�re mir sehr genehm, wenn Ihr niemandem sagen w�rdet, da� meine Freundin und ich heute bei Euch waren. Wir sollten das f�r uns behalten.�</p><empty-line/><p>Nimor verlie� Menzoberranzan � f�r den Fall, da� es n�tig wurde, seinen Aufenthalt in der Stadt zu rechtfertigen � mit einer Reihe von Zahlungen und Belegen, die zeigten, da� Reethk Vaszune sich auf eine Vereinbarung eingelassen hatte, die die Magier von Agrach Dyrr mit bestimmten Zauberreagenzien und Komponenten versorgte. Die Einzelheiten, die die von ihm ausgehandelten eigentlichen Abmachungen betrafen, fanden sich dagegen einzig in seinem Kopf. Die Gesalbte Klinge der Jaezred Chaulssin war mit den Ergebnissen ihrer Arbeit sehr zufrieden. Auch wenn er Agrach Dyrr nicht unbedingt f�r das brauchte, was ihm vorschwebte, w�rde die Vereinbarung, die er mit dem alten Meister des Hauses getroffen hatte, die vor ihm liegende Arbeit sp�rbar vereinfachen.</p><p>Nimor wechselte von Qu�ellarz�orl in eine kleine Seitenh�hle, die hinaus in das Dunkle Reich f�hrte. In den letzten Monaten hatte er sich mit dem Irrgarten aus gef�hrlichen Passagen rings um die gro�e Stadt vertraut gemacht, so da� er rasch eine ruhige, dunkle Ecke fand, die von den Verteidigern der Stadt nicht eingesehen werden konnte. Die Gesalbte Klinge streckte eine Hand nach der Wand aus. Der Ring der Schatten leuchtete in seiner linken Hand, ein kleiner Kreis aus pechschwarzer Finsternis, der mehr wie ein kleines Loch in der Welt wirkte, weniger wie ein Schmuckst�ck. Neben seinen anderen F�higkeiten erlaubte der Ring es ihm, sich auf der Ebene der Schatten zu bewegen, so da� er von vielen Einschr�nkungen und Hindernissen befreit war, die eine Reise zu Fu� mit sich gebracht h�tte.</p><p>Er machte einen Schritt auf die Wand zu und verschwand in der Randzone der Schatten. Sein Ziel war nur ein paar hundert Kilometer von Menzoberranzan entfernt. Er hatte diese Reise bereits einige Male unternommen und ben�tigte selten mehr als eine Stunde. Kein Sohn Chaulssins mu�te sich f�rchten, wenn er sich inmitten der Schatten bewegte, deshalb konzentrierte sich Nimor darauf, den Wert seiner Allianz mit Agrach Dyrr zu beurteilen und sich zu fragen, ob er dem alten Hexenmeister, dem heimlichen Herrscher �ber das Haus, wirklich so vertrauen konnte, wie der behauptete.</p><p>Nimor folgte f�r eine unerme�liche Zeitspanne dem finsteren Pfad, den der Ring ihm durch die Randzone bahnte, und schlie�lich wand sich der Weg zur�ck in die Welt der Sterblichen. Es war in der Randzone fast unm�glich zu sagen, wieviel Zeit verstrichen war, doch es war auch nicht von Bedeutung, weil die Magie des Zaubers so ausgerichtet war, da� der geschaffene Pfad ihn in jedem Fall zum gew�nschten Zielort f�hrte. Der Assassine legte die Hand um das Heft seines Rapiers und erreichte die letzte Phase seiner Reise, f�r die er einen Schleier aus D�sternis durchschritt und in eine gro�e, gew�lbeartige Kammer gelangte, die aus sorgf�ltig zusammengef�gten Steinbl�cken erbaut war. Nur eine T�r f�hrte aus diesem Raum, ein gro�es Eisentor, das mit Zaubern verst�rkt war. Nimor zog unter dem Kettenhemd einen gro�en Bronzeschl�ssel hervor und steckte ihn ins Schlo�. Fast augenblicklich �ffnete sich die T�r mit einem rostigen Knarren.</p><p>Auf der anderen Seite der T�r lag ein gro�er, d�sterer Saal, der von rotgl�henden Kohlen in Rosten schwach erhellt wurde. Wie das Gew�lbe war auch dieser aus behauenem Stein gebaut. Es fehlte an jedweden Dekorationen oder Verzierungen. Nimor sp�rte die Pr�senz mehrerer W�chter, doch keiner von ihnen wollte sich zeigen.</p><p>�Ich bin es, Nimor�, sagte er. �La�t den Kronprinzen wissen, da� ich hier bin.�</p><p>Neben ihm nahmen mehrere Duergar-Wachen Gestalt an, die bis gerade eben noch unsichtbar gewesen waren. Die Duergar waren einen Kopf kleiner als der Drow, doch sie waren breitschultrig und hatten einen langen Torso, dazu kurze, aber kr�ftige Beine und muskul�se Arme. Sie trugen schwarze R�stungen, in den H�nden hielten sie Streit�xte und Schilde, auf denen das Symbol Gracklstughs prangte. Eine Duergar-Frau, auf deren Dienstgrad nur ein einzelner Streifen Goldfiligran auf ihrem Helm hinwies, beobachtete ihn aufmerksam.</p><p>�Der Kronprinz hat Anweisung gegeben, Euch ins G�stequartier des Palastes zu bringen. Er wird sich in K�rze melden.�</p><p>Sie lie� die h�fliche Mitteilung wie einen Befehl klingen.</p><p>Der Assassine verschr�nkte die Arme und lie� sich von zwei Steinwachen der Leibgarde des Prinzen abf�hren. Die Duergar betrachteten ihn mit Unbehagen, als erwarteten sie von Nimor etwas B�sartiges. Auch wenn Menzoberranzan und Gracklstugh seit Jahrtausenden Nachbarn waren, herrschte zwischen Duergar und Drow keine Freundschaft. Duergar und Dunkelelfen hatten mehr als einmal erbittert um die Kontrolle �ber die sich gut hundertf�nfzig Kilometer erstreckenden H�hlen und Felsspalten zwischen den beiden St�dten gek�mpft. Die Tatsache, da� es seit �ber einem Jahrhundert nicht mehr zum Krieg gekommen war, hing nur mit einer widerwilligen Anerkenntnis der Kraft des jeweils anderen zusammen, nicht etwa damit, da� sich an der Feindschaft irgend etwas gebessert h�tte.</p><p>Die Wachen f�hrten ihn durch die labyrinthartigen Korridore des Palastes und brachten ihn in eine gro�e Suite in einem nicht benutzten Teil der Festung. Die Einrichtung war einfach, zweckm��ig und entsprach dem Geschmack der Duergar. Nimor lie� sich nieder, um zu warten, und trat schlie�lich ans Fenster, das nur wenig mehr war als ein schmaler Schlitz, um einen Blick auf die graue Zwergenstadt unterhalb des Palastes zu werfen. Die zeigte sich reizlos wie immer und pr�sentierte sich als stinkender Hexenkessel aus Rauch und L�rm.</p><p>Nach einer Weile h�rte Nimor Schritte, und als er sich umdrehte, betrat soeben Horgar Stahlschatten die Suite, begleitet von einem Paar Steinwachen.</p><p>�Ah�, sagte der Drow und deutete mit dem Kopf eine Verbeugung an. �Ich gr��e Euch, mein F�rst. Wie laufen die Gesch�fte?�</p><p>�Ich bezweifle, da� Euch das interessiert�, gab Horgar zur�ck. F�r den Herrscher einer so m�chtigen Stadt war der Kronprinz in vieler Hinsicht unscheinbar. Mit seinem m�rrischen Blick und seinem kahlen Sch�del sah er den anderen Duergar im Raum verbl�ffend �hnlich. Er trug ein Zepter, aber keine R�stung, das einzige Merkmal, das ihn von seinen Leibw�chtern unterschied. Den Wachen bedeutete er, an der T�r zu warten, dann durchquerte er den Raum, um sich leise mit Nimor zu unterhalten. �Welche Neuigkeiten bringt Ihr?�</p><p>�Ich glaube, ich habe die Verb�ndeten gefunden, nach denen ich in Menzoberranzan gesucht hatte, werter Prinz. Ein starkes Haus, das gewillt ist, die Ordnung der Dinge auf den Kopf gestellt zu sehen, dessen Loyalit�t dort aber nicht angezweifelt wird. Die Stunde des Sieges naht.�</p><p>�Ha! Haus Zauvirr war sehr erpicht darauf, unsere S�ldner in Ched Nasad einzusetzen, aber nur verdammt wenige von Khorrl Xornbanes Stamm sind zur�ckgekehrt. Ich bin sicher, da� Ihr oder dieser Zammzt die gleichen Worte in Khorrls Ohr gefl�stert habt, als Ihr seine M�nner in Euren Dienst nahmt.�</p><p>�Xornbanes Verluste sind bedauerlich, doch ehrlich gesagt hatten wir nicht erwartet, da� Eure Steinbrandbomben in Ched Nasad so durchschlagende Wirkung zeigen w�rden. W�re es nicht so weit gekommen, h�tte Khorrl zusammen mit Haus Zauvirr die Stadt eingenommen.�</p><p>Der Duergar-Prinz warf ihm einen finsteren Blick zu, sein Bart ragte vor wie eine Flaschenb�rste.</p><p>�Ich warnte Khorrl, da� Drow die Gewohnheit haben, S�ldner und ganz besonders Zwerge sehr schlecht zu entlohnen. Ich m�chte keine weitere unserer S�ldnertruppen in eine solche Gefahr schicken. Xornbane machte ein Achtel der Streitmacht dieser Stadt aus.�</p><p>�Ich ben�tige keine weitere Eurer S�ldnertruppen, Prinz, ganz gleich, wie gro� und kampflustig sie auch ist�, versicherte Nimor ihm. �Ich brauche Eure ganze Armee. Marschiert mit Eurer Streitmacht ein, und Ihr m��t Euch �ber eine Niederlage keine Gedanken machen.�</p><p>�Das riecht immer noch nach einer heimt�ckischen Falle der Drow.�</p><p>Nimor runzelte die Stirn. �Prinz Horgar, wenn Ihr z�gert, ein Risiko einzugehen, werden Ihr auch nur selten gewinnen k�nnen, wenn die W�rfel fallen. Euch bietet sich die Gelegenheit, etwas Gro�es zu erreichen, aber ich kann Euch keine Erfolgsgarantie geben und Euch auch nicht vormachen, unser Unternehmen sei frei von Risiken.�</p><p>�Wir reden hier nicht �ber eine Handvoll M�nzen, die bei einem albernen Spiel verloren werden k�nnen�, konterte der Prinz. �Wir reden hier �ber meinen Thron, den ich f�r einen Krieg riskiere, dessen Ausgang durch viele Faktoren g�nzlich ungewi� ist. Versucht nicht, meine Entschlossenheit durch hohle Phrasen �ber Risiko und Belohnung zu unterwandern.�</p><p>�Gut, dann werde ich das nicht tun. Aber ich werde darauf hinweisen, da� Ihr bei unserer letzten Begegnung sagtet, Ihr w�rdet auf einer einzigen Sache bestehen, ehe Ihr Eure Armee gegen Menzoberranzan f�hrt: einen wichtigen Verb�ndeten in der Stadt selbst. Diesen Verb�ndeten habe ich Euch gebracht. Wann wird sich eine bessere Gelegenheit ergeben, gegen die Bedrohung vorzugehen, die ein starkes Menzoberranzan f�r Euer K�nigreich darstellt? Die Priesterinnen sind machtlos, sie haben einen verlustreichen Sklavenaufstand hinter sich, und nun gebe ich Euch ein Haus, das bereit ist, Euch in Euren Be-m�hungen zu unterst�tzen. Was fehlt uns noch, Prinz?�</p><p>Der Duergar schnitt eine Grimasse und blickte auf Gracklstugh. Eine Weile stand er einfach da und dachte angestrengt nach. Nimor sah, da� er unschl�ssig wurde, und entschied, es sei an der Zeit, den K�der auszuwerfen.</p><p>Er kam n�her und sagte leise: �Was w�re besser, um Euren Thron gegen jene aufr�hrerischen Gutsherren zu festigen, vor denen Ihr Euch f�rchtet, als sie mit einem Feldzug jenseits der Grenzen dieses Reiches abzulenken? Selbst wenn es Euch nicht gel�nge, Menzoberranzan einzunehmen, w�rde eine geschickte Planung doch daf�r sorgen k�nnen, da� die Streitkr�fte der bedrohlichsten Gutsherren in die t�dlichsten K�mpfe der Schlacht verwickelt werden. Wenn Ihr meine Meinung h�ren wollt, so glaube ich, da� Ihr es in der Hand habt, einen gro�en Sieg �ber Menzoberranzan zu erringen und zugleich Eure aufs�ssigsten Adligen massiv zu schw�chen.�</p><p>Der Duergar brummte und sah Nimor an.</p><p>�Ihr erwartet viel, Drow�, sagte Horgar. �Was hofft Ihr zu erreichen, wenn Menzoberranzan f�llt? Warum wollt Ihr mich zu dieser Vorgehensweise dr�ngen?�</p><p>Der Assassine grinste und klopfte dem Duergar auf die Schulter. Die Steinwachen im Raum bewegten sich nerv�s, da ihnen der K�rperkontakt nicht behagte.</p><p>�Lieber Prinz, die Antwort ist einfach�, sagte Nimor. �Rache. Eure Armee ist das Instrument meiner Rache. Nat�rlich will ich nicht, da� Ihr Menzoberranzan einfach nur in Schutt und Asche legt, weil ich es Euch sage. Darum beruht ein gewichtiger Teil meines Plans darauf, Euch die n�tige Motivation zu geben, damit Ihr tut, was ich w�nsche. Ich habe lange und hart daran gearbeitet, die Umst�nde so zu arrangieren, da� die Armee von Gracklstugh auf die Stadt losmarschieren kann, die ich so sehr hasse. Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, da� ich Euch bei dem winzigen Problem der r�cksichtslosen Langlebigkeit Eures Vaters geholfen habe. Wie soll ich meine Absichten noch deutlicher machen?�</p><p>�Ich habe Euch f�r diese Hilfe mit Hunderten von Steinbrandbomben gedankt�, erwiderte der Duergar aufgebracht. �Sprecht ja nie wieder von Vaters ... Tod. Wenn ich zu der Ansicht gelangen sollte, da� Ihr mit dieser Geschichte auf mein Handeln Einflu� nehmen wollt, dann w�rde ich daf�r sorgen m�ssen, da� keine der Informationen, �ber die Ihr verf�gt, jemals an den Tag kommt. Versteht Ihr?�</p><p>�Oh, das hatte ich damit nicht sagen wollen, Horgar. Ich wollte nur klarmachen, da� ich Euch zuvor von Nutzen gewesen bin und da� ich f�r Euch wieder von Nutzen sein k�nnte. Kann ich nun auf die Armee Gracklstughs z�hlen?�</p><p>Horgar Stahlschatten, Kronprinz von Gracklstugh, nickte.</p><p>�Wir werden da sein�, sagte er. �Nun erkl�rt mir, wer genau in Menzoberranzan auf unserer Seite sein und wie man uns helfen wird.�</p><empty-line/><p>Ryld sp�rte ha�erf�llte Blicke, die auf seinem R�cken ruhten, w�hrend er Valas und Kohlenhauer durch die Stra�en der Duergar-Stadt folgte. Er war sich nur allzu deutlich der Tatsache bewu�t, da� er hier nicht in seinem Element war. Er �berragte jeden der Grauzwerge um gut und gerne f�nfzig Zentimeter, und seine kohlrabenschwarze Haut und sein pechschwarzer <emphasis>Piwafwi</emphasis> taten ihr �briges, da� er sich von der Menge abhob. Die drei bahnten sich ihren Weg durch ein Viertel, in dem die Schwertschmiede zu Hause waren, eine schmale Gasse, die zu beiden Seiten von offenen Schmieden ges�umt wurde, in denen Duergar mit Ledersch�rzen unerm�dlich rotgl�hendes Metall bearbeiteten. Ryld war damit vertraut, was guten Stahl ausmachte, und sah auf den ersten Blick, da� diese Zwerge ihr Handwerk verstanden.</p><p>Der Waffenmeister beschleunigte seine Schritte und holte zu Valas auf.</p><p>�Wohin gehen wir?� fragte er so leise, wie das angesichts der schlagenden H�mmer ringsum m�glich war. �Ich dachte, wir m��ten erst im Besitz einer offiziellen Lizenz sein, um passieren zu k�nnen. Sollten wir uns daf�r nicht zu irgendeinem Amt begeben?�</p><p>�Wenn wir eine k�nigliche Lizenz wollten, dann schon�, antwortete Kohlenhauer. �Aber das w�rde Euch Monate und ein Verm�gen kosten. Nein, ich bringe Euch zum Haushalt des Clansherrn Muzgardt. Er wird Euch einen Passierschein geben, mit dem Ihr �berallhin k�nnt.�</p><p>Ryld nickte. Hier ging es doch nicht so anders zu als in Menzoberranzan.</p><p>�Wie weit wird Muzgardts Schein uns bringen?� wollte Valas wissen. �Werden wir damit Gracklstugh verlassen k�nnen?�</p><p>�Muzgardts Clan besteht aus Kaufleuten. Sie handeln im gesamten Tiefenk�nigreich mit Bier und Lik�ren, und manchmal bringen sie auch Gebr�u von drau�en in die Stadt � Drow-Wein, Svirfneblin-Branntwein, manchmal sogar Wein von der Welt an der Oberfl�che, wie ich geh�rt habe. Seine Leute treiben sich im gesamten Reich herum.� Kohlenhauer lachte geh�ssig und f�gte an: �Nat�rlich verkauft Muzgardt auch denen, die sie brauchen, Passierscheine. Er mag Gold.�</p><p>Ryld l�chelte. Kohlenhauer war wie viele seiner Art ein habgieriger Zeitgenosse. Da er Muzgardts Habgier ausdr�cklich betonte, mu�te sie schon bemerkenswert ausgepr�gt sein.</p><p>Sie erreichten das Ende der Stra�e der Schwertschmiede und fanden sich erneut in der N�he des Dunkelsees wieder, allerdings ein St�ck weiter n�rdlich. Vor ihnen stand eine gro�e, windschiefe Brauerei, die aus lose aufeinandergestapelten Steinen bestand, die zwischen den geh�rteten St�mmen eines kleinen Waldes aus Riesenpilzen W�nde bildeten. Im Inneren der Brauerei standen gro�e Kupferbottiche, aus denen Dampf austrat, der die Luft mit einem schweren Hefeduft erf�llte. Dutzende kleiner Kupferf�sser standen nicht weit entfernt, und st�mmige Grauzwerge schw�rmten umher, zerdr�ckten Pilze, r�hrten g�rende Massen an und f�llten das frischgebraute Bier in die F�sser.</p><p>�Die zweite gro�e Liebe eines Zwergs�, erkl�rte Kohlenhauer mit schiefem Grinsen. �Muzgardts Leute leisten gute Arbeit, sage ich Euch.�</p><p>Der Zwerg f�hrte Ryld und Valas in das Brauhaus und ging mit ihnen an den riesigen Bottichen vorbei zu einem kleinen Verschlag im r�ckw�rtigen Bereich des Geb�udes. Ein paar Duergar in schwerer R�stung standen da, bedrohlich aussehende �xte lagen in Reichweite. Die Wachen warfen den Drow w�tende Blicke zu und griffen nach ihren Waffen.</p><p>�Was wollt Ihr?� knurrte einer der Wachm�nner.</p><p>�Thummud�, erwiderte Kohlenhauer. �Ich habe ihm ein Angebot zu machen.�</p><p>�Bleibt hier�, sagte die erste Wache.</p><p>Der Zwerg duckte sich durch einen zerfetzten Vorhang im T�rrahmen und kehrte Augenblicke sp�ter wieder zur�ck.</p><p>�Thummud erwartet dich. Aber die Drow m�ssen ihre Waffen ablegen. Er traut ihnen nicht.�</p><p>Ryld sah zu Valas Hune und signalisierte: <emphasis>M�ssen wir besorgt sein, da� man uns angreift?</emphasis></p><p><emphasis>Kohlenhauer wei�, da� unsere Gruppe noch f�nf Personen umfa�t,</emphasis> erwiderte der Sp�her. <emphasis>Darunter ein f�higer Magier und ein Draegloth. Ich glaube nicht, da� er uns in eine Falle locken will, aber pa� dennoch auf.</emphasis></p><p>�Schlu� mit dem Fingergerede�, fauchte der Wachmann. �Wenn Ihr etwas zu sagen habt, dann sagt es so, da� wir alle es h�ren k�nnen.�</p><p>�Immer�, sagte Ryld gut verst�ndlich zu Valas.</p><p>Dann warf er dem Duergar einen stechenden Blick zu, nahm Splitter vom R�cken und lehnte den Zweih�nder an die Wand. Er zog auch sein Kurzschwert aus der Scheide und stellte es neben Splitter.</p><p>�Auf der Klinge lastet ein Fluch�, erkl�rte er. �Ihr w�rdet nicht gerne erleben, wie er sich �u�ert.�</p><p>Valas legte Bogen und Pfeile ab, dann lie� er seine Kukris fallen. Die Duergar-Wachen durchsuchten die beiden Dunkelelfen nach verborgenen Warfen, dann dr�ngten sie sie in den d�steren Schuppen. Dabei handelte es sich um eine Art B�ro, in dem �berall Kontenb�cher und Aufzeichnungen lagen. An einem gro�en Stehpult stand einer der fettesten Duergar, die Ryld je zu Gesicht bekommen hatte, ein rundlicher Kerl mit dicken Armen und breiten Schultern. Duergar neigten trotz ihrer kleinen, aber kraftvollen Statur zu einem hageren, breitschultrigen K�rperbau, doch Braumeister Thummud war genauso rund wie die F�sser, mit denen er handelte.</p><p>�Kohlenhauer�, sagte er statt einer Begr��ung. �Was kannst du f�r mich tun?�</p><p>�Ich habe hier eine Gruppe Drow, die einen Passierschein von Muzgardt braucht�, antwortete Kohlenhauer. �Sie m�chten nicht gern auf eine k�nigliche Erlaubnis warten.�</p><p>�Womit handeln sie?�</p><p>�Vorwiegend mit Edelsteinen�, sagte Valas. �Wir sind bem�ht, neue Transportwege durch das Tiefenk�nigreich einzurichten. Wir m�ssen viel reisen und mit vielen Leuten reden, und wie Kohlenhauer gerade sagte, wollen wir nicht monatelang auf eine k�nigliche Lizenz warten.�</p><p>�Dann seid Ihr entweder dumm, oder Ihr l�gt. Um von unserem Clansherrn einen Passierschein zu bekommen, m��t Ihr zehnmal so viel zahlen wie f�r eine k�nigliche Lizenz. Ich kenne kaum einen Kaufmann, der so etwas t�te.�</p><p>Valas Hune sah zu Ryld, dann wieder zu Thummud. �Nun gut, wir haben zu Hause einige Rivalen, die hier gute Gesch�fte machen, und wir wollen uns zu ihren Lieferanten begeben, um zu sehen, ob wir sie nicht dazu bewegen k�nnen, an uns zu verkaufen. Eine k�nigliche Lizenz w�rde daf�r sicher nicht gen�gen.�</p><p>Thummud schnaubte. �Ich sch�tze nicht.�</p><p>�K�nnt Ihr meinen Kunden helfen oder nicht?� dr�ngte Kohlenhauer. �Oder mu� ich mich an Eisenkopf oder Ambo�sehne wenden?�</p><p>�Clan Muzgardt kann Euch wom�glich helfen�, sagte Thummud nach langer Pause. �Wir bekommen 200 Goldst�cke pro Namen auf dem Passierschein. Aber den Schein gibt es nicht heute.�</p><p>Kohlenhauer sah zu den Drow. Ryld nickte.</p><p>�Sie werden die Geb�hr des F�rsten bezahlen�, erkl�rte der Duergar-Seemann. �Aber sie wollen das schnell erledigt wissen.�</p><p>�Mir egal, was Eure Kunden wollen�, meinte Thummud. �Ich mu� das erst mit dem Clansherrn besprechen.�</p><p>�Das mu�tet Ihr noch nie!�</p><p>Der fette Zwerg verschr�nkte die Arme und schob den Unterkiefer vor.</p><p>�Sei dem, wie es sei, die Soldaten des Kronprinzen sehen sich in letzter Zeit unsere Dokumente und P�sse viel zu gr�ndlich an. Horgar hat erkl�rt, er wolle wissen, wer sich warum in seinem K�nigreich aufh�lt, und er verl��t sich darauf, da� die Clansherren sich zur�ckhalten. Wir werden Euren Kunden schon geben, was sie brauchen, aber ich mu� mir erst Muzgardts Segen holen. Kommt morgen wieder. Oder �bermorgen.�</p><p>Kohlenhauer murmelte etwas, machte sich aber nicht die M�he, l�nger zu diskutieren. Er wandte sich ab und f�hrte Ryld und Valas Hune nach drau�en. Die Drow nahmen ihre Waffen an sich, und wenige Minuten sp�ter hatten sie die Brauerei wieder verlassen.</p><p>�Was machen wir nun?� wollte Valas wissen. �Kennt Ihr noch einen anderen Clan, der uns helfen k�nnte?�</p><p>�Kann sein. Aber wenn sich Horgar auf inoffizielle P�sse und dergleichen konzentriert, werdet Ihr �berall auf Schwierigkeiten sto�en.� Der Zwerg kratzte sich am Bart. �Ich werde ein paar Fragen stellen m�ssen, aber ich glaube, es w�re besser, wenn ich das allein tue.�</p><p>Ryld sah zu Valas, der lange nachdachte, ehe er einwilligte. Aber selbst dann hatte der Waffenmeister nicht das Gef�hl, da� sein Gef�hrte allzu gro�es Vertrauen in die Loyalit�t ihres F�hrers setzte.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Als Halisstra und Danifae in das Kalte Gie�haus zur�ckkehrten, stellten sie fest, da� Quenthel einen der gr��eren Fl�gel des Gasthauses gemietet hatte. Es handelte sich um ein freistehendes Geb�ude mit eigenem kleinen Gemeinschaftsraum und acht Zimmern, die sich auf zwei Stockwerke verteilten. Der gesamte Fl�gel schien in einer Art und Weise gebaut und dekoriert worden zu sein, von der die Duergar glaubten, Drow f�nden sie komfortabel. Die Einrichtung war auf G�ste von der Gr��e eines Drow, nicht eines Duergar, ausgelegt, �berall lagen Teppiche und L�ufer, und alle T�ren waren mit Schl�ssern versehen. Drow ben�tigten anders als die niederen Rassen nicht unz�hlige Stunden Schlaf, aber die wenigsten Drow versp�rten ein Gef�hl der Sicherheit oder des Komforts, wenn sie in ihre tiefe Trance versanken, solange sie sich nicht in einem Raum einschlie�en konnten.</p><p>Der Rest der Truppe � nur Pharaun fehlte � ruhte sich auf Teppichen aus oder sa� am Tisch im Gemeinschaftsraum und lie� sich ein �ppiges Mahl schmecken, zu dem auch silberne Kannen mit Wein geh�rten. R�stungen und Gep�ck waren gegen die W�nde gelehnt worden, w�hrend die Waffen in Reichweite lagen.</p><p>Halisstra hob erstaunt eine Braue, als sie das Bankett betrachtete, das auf dem Serviertisch ausgebreitet worden war. Ein gro�es St�ck Roth�-Braten, mehrere R�der edler K�sesorten und Teller voll mit dampfenden ged�nsteten Pilzen erinnerten sie daran, wie lange sie schon auf eine anst�ndige warme Mahlzeit hatte verzichten m�ssen.</p><p>�Das Essen ist unbedenklich?� fragte sie.</p><p>Quenthel schnaubte. �Haltet Ihr uns f�r dumm? Nat�rlich haben wir das �berpr�ft. Zuerst schickte uns der Wirt ein Fa� mit Wein, der mit Bet�ubungsmitteln versetzt war, aber wir haben uns beschwert ...�, Jeggred sah auf und l�chelte so breit, da� seine Rei�z�hne gut zu sehen waren, womit Halisstra eine deutliche Vorstellung davon hatte, wie die Beschwerde ausgefallen war, �... und als Wiedergutmachung haben wir dieses Bankett bekommen. Genie�t es.�</p><p>Halisstra untersuchte dennoch selbst noch einmal den Tisch, wobei sie sich auf den magischen Ring an ihrem Finger verlie�. Adlige Drow waren im Umgang mit Giften so vertraut, da� man eine Mahlzeit nicht von vornherein als unbedenklich ansehen durfte. Schlie�lich war sie beruhigt, legte sich auf und setzte sich zu den anderen an den Tisch. Auch Danifae bediente sich und nahm auf einem flachen Sofa neben Quenthel Platz.</p><p>�Wie ich sehe, ist Pharaun noch nicht zur�ck. Hattet Ihr wenigstens Erfolg?� fragte Halisstra an Valas gerichtet, w�hrend sie a�.</p><p>Der Sp�her sa� im Schneidersitz auf dem Boden neben der T�r. Den G�rtel mit seinem Messer hatte er zwar gelockert, aber nicht abgelegt. Er trank hei�en Wein aus einem Krug und kaute gedankenverloren auf einem St�ck Brot.</p><p>�Geht so�, antwortete er. �Ryld und ich stie�en zwar nirgends auf �berm��ige Feindseligkeit, aber wir sind nicht so weit gekommen, wie es mir recht gewesen w�re, obwohl wir den Duergar zu verstehen gaben, da� die Zeit dr�ngt.� Er klopfte auf den Beutel voller M�nzen an seinem G�rtel. �Ich wei� nicht, ob das ein Zeichen daf�r ist, da� etwas Ungew�hnliches geschieht, doch Kohlenhauer hat es nicht gefallen.�</p><p>�Wo ist der Zwerg?� fragte Danifae.</p><p>�Er versucht, auf anderen Wegen an Dokumente zu kommen.�</p><p>�Vertraut Ihr ihm?�</p><p>�Nicht ganz, aber das ist etwas, was wir nicht so ohne weiteres selbst erledigen k�nnen.� Valas verzog das Gesicht und fuhr fort: �Es ist nicht so leicht, mit den Duergar-Clans auf eine einigerma�en direkte Art zu verhandeln. Wenn man mich erwischen w�rde, wie ich mich nach gef�lschten P�ssen umsehe, w�rde man mich sehr wahrscheinlich f�r einen Spion halten, und diesen Schlu� w�rde man auf Euch alle �bertragen.�</p><p>�Echte Spione w�rden sich doch Gracklstugh auf eine ganz �hnliche Weise n�hern, wie wir es gemacht haben�, warf Ryld von seinem Platz in einer Ecke ein. Splitter lehnte in Reichweite an der Wand.</p><p>�Stimmt, aber vergi� nicht, da� Kohlenhauer selbst eine Art Schmuggler ist. Er wird kein Interesse daran haben, den Kronprinz auf uns aufmerksam zu machen�, gab Valas Hune zur�ck. �Auf jeden Fall haben Ryld und ich uns dazu entschlossen, unsere Vorr�te aufzustocken, so da� wir bereit sind, sofort aufzubrechen, sobald Kohlenhauer uns die Papiere bringt.�</p><p>�Sieht aus, als h�tten wir alles in unserer Macht Stehende getan�, stellte Halisstra fest. �Ich habe genug von glei�end hellen W�sten, von Schattenreichen, die die Seele angreifen, und von kahlen H�hlenb�den. Wenn wir in K�rze in die karge, unbequeme Wildnis zur�ckkehren, dann will ich jetzt alles genie�en, was die Zivilisation zu bieten hat.�</p><p>Halisstra hielt ihren Kelch Danifae hin, damit die Kriegsgefangene ihn auff�lle.</p><p>�Trinkt, wenn Ihr wollt, aber la�t Eure Sinne nicht zu sehr benebeln�, warnte Quenthel sie. �Wir sind nicht unter Freunden.�</p><p>�Wann ist denn irgend jemand von uns jemals wirklich unter Freunden?� warf Ryld schnaubend ein.</p><p>Halisstra lachte leise und sagte: �Wohl wahr. Aber wenigstens k�nnen wir heute unbesorgt ruhen, weil wir wissen, da� keiner von uns dem anderen �ber den Weg traut und da� ganz in der N�he der Feind lauert, der uns sofort vernichten w�rde, wenn er k�nnte. W�re es uns lieb, wenn es anders w�re?�</p><p>Danifae brachte Quenthel die Kanne. Sie ignorierte das schwache Zucken der Schlangenpeitsche, senkte den Blick und schenkte der Priesterin nach.</p><p>�Wir m�ssen jedes Vergn�gen wahrnehmen, das sich uns bietet�, f�gte Danifae an. �Ist das nicht der Sinn und Zweck der Macht?�</p><p>Halisstra nippte an ihrem Wein und beobachtete die Szene. Danifae hatte unter dem Kettenhemd kein Unterhemd angelegt, obwohl sie das schwarze Mithral-Hemd ohne die �bliche Lederpolsterung erworben hatten. Selbstverst�ndlich hatte Halisstra ihr l�ngst angeboten, ihr eines von ihren zu geben, und sie war auch sicher, da� Danifae das Angebot am Morgen annehmen w�rde. Doch bis dahin war zwischen den Gliedern des Kettenhemdes die vollkommene dunkle Haut der jungen Frau zu sehen, und ihre vollen, runden Br�ste wogten verlockend unter dem Stahl hin und her, als sie sich vorbeugte, um Quenthels Kelch aufzuf�llen. Die M�nner im Raum konnten sich nicht von dem Anblick losrei�en, so sehr sie sich auch bem�hten. Selbst die vierarmige, massige Bestie namens Jeggred schien von Anmut und Sch�nheit der Frau verzaubert worden zu sein. Valas Hune runzelte die Stirn und begann, seine Kukris zu �len. Offenbar erkannte er die Gefahr des Augenblicks und lie� seine �bliche Vorsicht walten. Ryld dagegen ...</p><p>Ryld sah zu Halisstra. Sie achtete darauf, da� ihr ihre �berraschung nicht anzusehen war, als ihre Blicke denen des Waffenmeisters begegneten. Sein Gesichtsausdruck schien begierig, eindringlich, und Halisstra wu�te, da� Danifaes Auftreten ihm nicht entgangen sein konnte. Doch er starrte nicht die Frau im Kettenhemd an, sondern ihre Herrin.</p><p>Ryld l�chelte fl�chtig und signalisierte mit einer Handbewegung: <emphasis>Interessantes Spiel.</emphasis></p><p><emphasis>Ich kann Euch nicht folgen,</emphasis> erwiderte Halisstra, sah Ryld aber an, da� der genau wu�te, da� sie ihm sehr wohl folgen konnte.</p><p>Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Danifae zu, die dicht neben Quenthel kniete und Wein trank. Die Gruppe wurde allm�hlich schweigsam, und Ryld holte sein <emphasis>Sava</emphasis>-Brett hervor, um mit Valas eine Partie zu spielen, w�hrend die anderen es genossen, einen Moment lang keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt zu sein.</p><p>Schlie�lich kehrte Pharaun zur�ck, unter einem Arm eine Handvoll Schriftrollen. Nach ein paar halbherzigen Bemerkungen, mit denen er Rylds Konzentration st�ren wollte, zog er sich in sein Zimmer zur�ck. Ryld gewann ohnehin, auch wenn der Sp�her aus Bregan D�aerthe sich gut schlug.</p><p>�Es war ein langer Tag�, sagte Quenthel. �Ich gehe auf mein Zimmer. Jeggred und Valas teilen sich heute die Wache, morgen halten zwei andere Wache.�</p><p>Sie stand auf und streckte sich, dann sah sie Danifae an.</p><p>�Ich werde wohl das gleiche tun�, erkl�rte Danifae.</p><p>Die Kriegsgefangene sah zu Halisstra und l�chelte, dann eilte sie Quenthel nach. Ryld packte sein <emphasis>Sava</emphasis>-Brett weg, w�hrend Valas und Jeggred eine M�nze warfen, wer die erste Wache �bernehmen sollte. Halisstra stand auf, schlang ihren <emphasis>Piwafwi</emphasis> um sich und machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer. Vor Quenthels T�r blieb sie stehen und lauschte lange genug, um ein Ger�usch zu h�ren, das ein leises Keuchen oder das Rascheln von Kleidung sein mochte. Sie mu�te weitergehen, weil sie sicher war, da� Quenthels Schlangen sofort Meldung machen w�rden, sobald sie merkten, da� jemand an der T�r horchte.</p><p>Cleveres M�dchen, dachte Halisstra. Auf Quenthel zuzugehen war ein scharfsinniger und wagemutiger Zug zugleich gewesen.</p><p>In Ched Nasad hatte Halisstra Danifae mehr als einmal losgeschickt, um eine Rivalin zu verf�hren. Selbst die pragmatischste Priesterin hatte ihre Vorlieben, und manchmal lie� sich eine k�hle, berechnende Frau auf dem Umweg �ber ihre geheimen Gel�ste manipulieren. Halisstra bezweifelte, da� Danifae echten Einflu� auf Quenthel w�rde gewinnen k�nnen, doch im schlimmsten Fall gab sie der Meisterin Arach-Tiniliths immer noch einen Grund an die Hand, Halisstra und ihre Dienerin nicht aus einer Laune heraus zu versto�en. Sollten sich Danifaes Dienste allerdings f�r Quenthel als zu wertvoll erweisen, dann konnte es passieren, da� die Baenre auf die Idee kam, Danifae f�r sich zu beanspruchen. Dieses Risiko ging Halisstra bereitwillig ein.</p><p>Selbst wenn Danifae die Baenre ermutigte, genau das zu tun, war Halisstra nach wie vor Herrin �ber das Silbermedaillon um den Hals der jungen Frau. Sie l�chelte. Wenn es Danifae nicht gelang, sich von dem Bindezauber zu l�sen, konnte sie keinen noch so kleinen Schritt in diese Richtung unternehmen, denn Halisstras Tod w�rde unweigerlich ihr eigenes Ende nach sich ziehen. F�r den Moment konnte Halisstra sich daher Danifaes Loyalit�t weitestgehend gewi� sein.</p><p>Halisstra ging in ihr Zimmer, zog sich f�r die Nacht um, packte ihre R�stung auf eine kleine Truhe und legte ihren Streitkolben so ab, da� sie ihn m�helos greifen konnte.</p><p>Sie driftete in eine Trance ab, w�hrend sie dar�ber nachdachte, da� Quenthel und Danifae in diesem Moment zusammen waren.</p><empty-line/><p>Aliisza bewegte sich in einer eisernen S�nfte durch die Stra�en Gracklstughs, gezogen von vier Ogern und eskortiert von einem Dutzend Tanarukk-Kriegern. Die Tanarukks trugen R�stungen aus poliertem Eisen und Zweih�nder mit gef�hrlichen Widerhaken. Einer von ihnen hielt ein gelbes Banner mit Vhoks Symbol hoch: ein Zepter, das von einer behandschuhten Hand umschlossen wurde. Die doppelte Anzahl Grauzwerg-Krieger begleitete das Gefolge, die Blicke mi�trauisch auf die schwarze S�nfte und ihre Insassin gerichtet. Das Alu-Scheusal geno� die Aufmerksamkeit von allen Seiten. Allein w�re Aliisza viel schneller vorangekommen, doch ein gro�er Auftritt in der Stadt der Grauzwerge konnte die Duergar leichter dazu bringen, sie ernst zu nehmen. Au�erdem machte das hier Spa�.</p><p>Die Reise hierher war weder besonders schnell noch glatt verlaufen. Aliisza und ihre Krieger hatten sich f�nf Tage lang auf den alten Zwergenrouten um ein hohes Tempo bem�ht, um schnellstm�glich den Dunkelsee zu erreichen. Doch dort angekommen mu�ten sie drei weitere Tage warten, ehe sich ein Duergar-Boot fand, das sie bef�rdern konnte. Sie war es allm�hlich leid, sich auf Gehei� Kaanyr Vhoks mal in diese, mal in jene Ecke des Unterreiches zu begeben. Andererseits stellte sie so ihre N�tzlichkeit f�r den Kriegsherrn d�monischer Abstammung unter Beweis, und es war vielleicht gar nicht so schlecht, da� die Umst�nde ihr Grund gaben, sich von Zeit zu Zeit von ihm zu entfernen. Es regte ihren Appetit auf ihre R�ckkehr an und gab ihr manchmal Gelegenheit, ihrer Vorliebe f�r ... Abwechslung zu fr�nen.</p><p>Gracklstugh schien eine einzige gro�e Schmiede zu sein, eine Stadt voller fauchender Schmelz�fen und �belriechenden Rauchs. Aliisza fand, sie h�tte �hnlichkeit mit der Gie�halle in den Ruinen Ammarindars, auch wenn Vhoks Schmiede nur einen Bruchteil dessen ausmachte, was die Duergar vorweisen konnten.</p><p>Was f�r ein h��licher Ort, dachte Aliisza. Doch das Ausma� an Arbeiten, die um sie herum erledigt wurden, hatte eine �berw�ltigende Wirkung auf sie. Immer wieder entdeckte sie Bauteile f�r Belagerungseinheiten von unglaublicher Gr��e, die in den Werkst�tten montiert wurden. Ched Nasad mochte elegant und listig gewesen sein, doch Gracklstugh war <emphasis>stark</emphasis>. Geschick und Zielstrebigkeit der Zwerge schienen der Magie und Grausamkeit der Drow gewachsen zu sein.</p><p>Die Duergar eskortierten sie zu einer gro�en Festung, die in einen gewaltigen Stalagmiten eingelassen war. Steinw�lle und eiserne T�rme bewachten die abfallende Seite der Duergar-Burg. Als die Oger sie durch das offene Tor zum Palast des K�nigs trugen, konnte Aliisza nicht anders, als einen Blick auf die m�chtigen Fallgitter und t�dlichen Vorrichtungen zu werfen, die jeden Angriff abschmettern sollten. Sie selbst verf�gte �ber verschiedene Methoden der Flucht, doch von ihren Kriegern w�rde niemand mit dem Leben davonkommen, sollten die Grauzwerge zu dem Schlu� kommen, sie nicht gehenzulassen.</p><p>Die Prozession kam in einem gro�en, freudlosen Saal zum Stehen, dessen Boden man mit poliertem Stein ausgelegt hatte.</p><p>�Sieht aus, als sei ich da�, sagte sie zu sich selbst.</p><p>Sie klopfte gegen die Seite der S�nfte, woraufhin die Oger die S�nfte vorsichtig abstellten. Das Alu-Scheusal wartete, bis die Bewegungen abgeschlossen waren, dann stieg Aliisza aus, reckte sich und dr�ckte ihre Fl�gel durch.</p><p>Ein Duergar-Offizier in einem schlichten schwarzen �berwurf �ber seiner R�stung kam auf sie zu.</p><p>�Ihr wolltet den Kronprinzen sehen�, erkl�rte er.</p><p>�So bald es ihm recht ist�, erwiderte Aliisza. Sie hatte diese Unterhaltung an diesem Tag schon etliche Male mit verschiedenen Leutnants und Hauptm�nnern der Duergar gef�hrt.</p><p>�Wer seid Ihr noch gleich?�</p><p>�Ich bin Aliisza, eine Gesandte Kaanyr Vhoks, des Zeptertr�gers, F�rst von Ammarindar und Meister der H�llentorfeste. Ich bin der �berzeugung, da� die Nachricht meines Herrn es wert ist, von Eurem Kronprinzen geh�rt zu werden.�</p><p>Der Offizier runzelte zweifelnd die Stirn.</p><p>�Die bleiben hier�, sagte er und wies mit dem Kopf auf Aliiszas Gefolge. �Folgt mir.�</p><p>Aliisza sah zum F�hrer ihrer Eskorte, einem mitgenommenen, alten Tanarukk-K�mpfer, dem ein Sto�zahn fehlte, und sagte: �Du und deine Krieger, ihr wartet hier. Es kann eine Weile dauern.�</p><p>Sie folgte dem Duergar-Hauptmann tiefer in die Festung und wurde links und rechts von einem weiteren halben Dutzend Duergar-Soldaten flankiert. Sie beschlo�, den Trupp als Ehrengarde zu betrachten.</p><p>�ber eine breite, geschwungene Treppe � die beeindruckend h�tte sein k�nnen, wenn sich die Grauzwerge die M�he gemacht h�tten, sie auch nur im mindesten zu schm�cken � ging es weiter bis in einen Thronsaal, dessen hohe gew�lbte Decke von einer Vielzahl riesiger Steins�ulen getragen wurde.</p><p>Am anderen Ende des Saals stand eine Gruppe Duergar. Nach der Art, wie sie sich bewegten, und nach den k�hlen Blicken zu urteilen mu�te es sich um hochrangige Berater und Adlige des Reiches handeln, allerdings lie� ihre Kleidung nicht erkennen, da� sie h�her standen als andere Duergar. In ihrer Mitte stand der bislang einzige Vertreter dieser Rasse, an dem Aliisza schm�ckende Elemente erkennen konnte. Der st�mmige Kerl trug unter einem bestickten schwarz-goldenen �berwurf eine Halsberge aus schimmernden Kettengliedern. Ein goldenes Diadem ruhte auf seinem kahlen Sch�del, und die Z�pfe seines Bartes wurden von goldenen Ringen zusammengehalten.</p><p>Der Hauptmann, der Aliisza begleitete, bedeutete ihr, stehenzubleiben und ging weiter, um dem Kronprinzen etwas ins Ohr zu fl�stern. Der Herrscher der Duergar warf Aliisza einen Blick zu, dann trat er vor und verschr�nkte seine dicken Arme vor der Brust.</p><p>�Willkommen in Gracklstugh�, sagte er, doch sein abweisender Blick schien das genaue Gegenteil zu sagen. �Ich bin Horgar Stahlschatten. Was will Vhok?�</p><p>Kein Freund von H�flichkeitsfloskeln, stellte Aliisza fest.</p><p>Andererseits hatte sie auch noch nie einen Grauzwerg kennengelernt, der sich anders verhielt. Sie beschlo�, ohne Um-schweife und Schmeicheleien sofort auf den Punkt zu kommen, da solche Bem�hungen beim Herrscher von Gracklstugh offenbar keine Wirkung erzielen konnten. Sie verbeugte sich, dann richtete sie sich wieder auf.</p><p>�Kaanyr hat mich geschickt, um einige Fragen zu dem zu stellen, was sich in Ched Nasad abgespielt hat, und vielleicht auch einige andere Themen anzusprechen�, sagte sie und sah die anderen Duergar an. �Genie�t jeder hier Euer Vertrauen?�</p><p>Horgar kniff die Augen zusammen und murmelte etwas auf Zwergisch, woraufhin sich einige Berater und Adlige zur�ckzogen und sich wieder ihren Aufgaben widmeten. Zwei schwer ger�stete Wachen in schwarzen �berw�rfen blieben stehen, ferner ein wichtig aussehender Duergar, ein narbiger Kerl in R�stung, der einen mit einem roten Symbol versehenen Wappenrock trug.</p><p>�Meine Steinwachen bleiben hier�, erkl�rte Horgar und wies dann auf den narbigen Zwerg. �Dies ist Clansherr Borwald Feuerhand, Marschall der Armee von Gracklstugh.�</p><p>Borwald erwiderte mit finsterem Blick Aliiszas Kopfnicken. Sie zuckte die Achseln und kam sofort auf das eigentliche Thema zur�ck, um seiner Direktheit mit Direktheit zu begegnen.</p><p>�Ein Duergar-Clan � Xornbane, wenn ich nicht irre? � griff die Drow-Stadt Ched Nasad an und leitete deren Zerst�rung ein. Kaanyr Vhok fragt sich, ob Ihr den Clan geschickt habt.�</p><p>�Clan Xornbane besteht aus S�ldnern�, antwortete Borwald. Seine Narbe, die einer tiefen Furche glich, erstreckte sich an der Seite seines Kopfes vom Wangenknochen bis weit hinter das Ohr. �Welchen Auftrag sie in Ched Nasad ausgef�hrt haben, ber�hrt den Bereich des Handels, nicht der Politik des Tiefenk�nigreiches. Ihr solltet diese Frage mit ihnen besprechen.�</p><p>�Das w�rde ich, aber ist schwierig, �berlebende ausfindig zu machen�, gab Aliisza zur�ck. �Soweit wir das sagen k�nnen, sa�en sie in der Stadt, die sie in Brand steckten, selbst in der Falle.� Sie sah wieder Horgar Stahlschatten an und fragte: �Also? Zerst�rten sie Ched Nasad mit Eurem Segen?�</p><p>�Mit meinem Segen?� Der Duergar-Prinz dachte einen Moment lang nach, dann erwiderte er: �Ich bin nicht ungl�cklich, da� Ched Nasad fiel, allerdings habe ich Clan Xornbane nicht beauftragt, diese Arbeit zu erledigen. Khorrl Xornbane wurde von einer Muttermatrone aus Ched Nasad angeheuert, um ihr bei der Zerst�rung der H�user zu helfen, die �ber ihr standen. Ich beschlo�, mich nicht in Xornbanes Angelegenheiten einzumischen.�</p><p>�In dem Fall erscheint die gew�hlte Taktik unklug. Immerhin bescherten sie ihrem Auftraggeber eine brennende Ruine und erlitten selbst massive Verluste�, merkte Aliisza an.</p><p>�Ich f�rchte, f�r diese Entwicklung bin ich zum Teil verantwortlich�, kam eine melodisch klingende Stimme von einer Seite.</p><p>Aus dem Schatten einer der vielen S�ulen trat eine schlanke Gestalt hervor, ein schmissiger Drow von kleiner Statur, der aber die Anmut einer Katze besa�. Er war ein gutaussehender Kerl, der gepflegte Kleidung in Schwarz und Grau trug, dazu an der H�fte ein passendes Rapier sowie einen Dolch.</p><p>�Im Auftrag meiner Kameraden�, sagte der Fremde, �sorgte ich daf�r, da� Khorrls Truppen mit den Steinbrandbomben ausger�stet wurden, die beim Sklavenaufstand in Menzoberranzan so gute Dienste geleistet hatten. Nat�rlich hatte ich nicht erwartet, da� sie Ched Nasad komplett zerst�ren k�nnten.�</p><p>Aliisza zog eine Augenbraue hoch und sagte: �Ich h�tte nicht erwartet, einen Dunkelelfen anzutreffen, der das Vertrauen des Prinzen der Duergar genie�t.�</p><p>�Ich bin eine Art Mittelsmann�, erwiderte der Drow. �Mein Auftrag ist es, in einer Reihe von H�usern in Ched Nasad und Menzoberranzan Ver�nderungen zu bewirken.� Er l�chelte fl�chtig, was sich aber nicht in seinen Augen widerspiegelte. �Nennt mich Nimor.�</p><p>�Nimor�, wiederholte Aliisza. �Was immer Euer Anliegen ist, in Ched Nasad habt Ihr sehr durchgreifend f�r Ver�nderungen gesorgt. Was plant Ihr f�r Menzoberranzan?�</p><p>Horgar trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen und fragte: �Warum interessiert sich Vhok daf�r?�</p><p>�Wenn wir gewu�t h�tten, da� jemand Ched Nasad angreifen w�rde, dann h�tten wir demjenigen wom�glich unsere Unterst�tzung angeboten�, erwiderte Aliisza. �Mein Herr wittert eine Gelegenheit, wenn die Drow von Problemen heimgesucht werden. Wenn jemand vorhat, mit �hnlichen Mitteln gegen Menzoberranzan vorzugehen, k�nnten wir willens sein, Partner bei unseren Gesch�ften aufzunehmen.�</p><p>Borwald h�hnte: �Ich bezweifle, da� das Tiefenk�nigreich Verwendung f�r ein paar Hundert Rabauken hat, die in aus Pilzen gewachsenen Ruinen hausen.�</p><p>Aliisza unterdr�ckte ihren �rger.</p><p>Es sind Duergar, sagte sie sich. Sie sind schroff und unh�flich. So sind sie eben.</p><p>�Eure Geheiminformationen sind etwas �berholt�, sagte sie. �Mein Herr befehligt mehr als zweitausend kampferprobte Tanarukks, jeder von ihnen mindestens so stark wie ein Oger und dreimal so intelligent. Wir haben Schmieden und Waffenfabriken gebaut, die vielleicht nicht so gro�artig sind wie die in Gracklstugh, aber ausreichend, um unsere Soldaten mit Waffen und R�stungen auszustatten. Wir befehligen zudem weitere Truppen � Grottenschrate, Oger, Giganten und �hnliche �, die zahlenm��ig unsere Tanarukk-Legion �bertreffen.� Wieder sah sie zu Borwald und f�gte an: �Wir verf�gen nicht �ber die St�rke des Tiefenk�nigreiches, Feuerhand, aber wir k�nnten uns einer Armee aus Duergar entgegenstellen, die doppelt so gro� ist, und ihnen das Leben schwermachen. Ihr schm�ht Kaanyr Vhoks Geknechtete Legion auf eigene Gefahr.�</p><p>�Mir ist bewu�t, da� Kaanyr Vhok an St�rke gewinnt�, murmelte Horgar und zupfte an seinem Bart. �Sprecht frei. Was will er?�</p><p>Wirklich keine Umschweife, beklagte sich Aliisza innerlich. Kaanyr h�tte ebensogut einen dummen Oger schicken k�nnen, damit er die Nachricht �berbringt.</p><p>�Kaanyr Vhok will wissen, ob Ihr beabsichtigt, gegen Menzoberranzan zu marschieren. Wenn ja, dann will er sich Euch anschlie�en. Wie ich bereits sagte, glaube ich, da� die Geknechtete Legion eine wertvolle Verb�ndete sein k�nnte.�</p><p>�Wir wollten Euch vielleicht gar nicht als Verb�ndete, wenn wir eine solche Absicht verfolgten�, sagte Horgar. �Wir k�nnten glauben, stark genug zu sein, um unser Ziel zu erreichen, ohne die Beute teilen zu m�ssen.�</p><p>�Das k�nntet Ihr glauben�, stimmte Aliisza zu. �Wenn Ihr damit recht h�ttet, dann w�ren die Dunkelelfen Menzoberranzans gut beraten, sich nach Verb�ndeten gegen Euch umzusehen. Ich frage mich, an wen sie sich wenden k�nnten.�</p><p>�Ich w�rde Kaanyr Vhok zermalmen, wenn er etwas so Dummes versuchte�, knurrte Horgar. �Geht zur�ck zu dieser D�monenbrut, die Euer Herr ist, und sagt ...�</p><p>�Moment, Prinz�, unterbrach Nimor ihn und trat zwischen Horgar und das Alu-Scheusal. �Wir sollten nichts �berst�rzen. Wir sollten �ber die von der Dame Aliisza �berbrachte Botschaft sorgf�ltig nachdenken, ehe wir eine Antwort darauf geben.�</p><p>Horgar fauchte: �Ihr schreibt mir nicht vor, wie ich in meinem K�nigreich die Dinge handhabe, Drow!�</p><p>�Nat�rlich nicht, mein Prinz, aber ich w�rde diese Frage sehr gerne ausf�hrlicher mit Euch besprechen.� Nimor drehte sich zu Aliisza um und fragte: �Darf ich annehmen, da� Ihr gewillt seid, als Gast des Kronprinzen zu verweilen, w�hrend wir �ber das Angebot Eures Herrn reden?�</p><p>Aliisza l�chelte. Sie lie� ihre Blicke �ber die schlanke Statur des Drow wandern. Wenn sich die Gelegenheit erg�be, dann w�re es ihr sicher m�glich, ihm den Nutzen ihres Vorschlags anschaulich zu machen. Dennoch sp�rte sie, da� dieser Nimor weit mehr war, als man auf den ersten Blick meinen mochte. Leider waren Horgar und sein Marschall wohl nicht so leicht von ihren besonderen Talenten zu �berzeugen. Sie konnte durchaus ein oder zwei Tage warten, um zu sehen, ob Nimor erfolgreich darin war, ihre Argumente f�r sie arbeiten zu lassen.</p><p>Der Duergar-Prinz sah sie an und dachte nach. Dann lenkte er ein.</p><p>�Ihr k�nnt so lange bleiben, wie ich �ber Euer Angebot nachdenke. Ich werde dem Hauptmann auftragen, f�r ein Quartier f�r Euch im Palast zu sorgen. Eure Soldaten werden derweil in einer Kaserne bei meinen Wachen untergebracht werden. Ihnen ist der Zutritt zur Burg untersagt.�</p><p>�Ich brauche einige Bedienstete.�</p><p>�Ihr k�nnt zwei von ihnen mitnehmen, wenn Ihr wollt. Der Rest geht.�</p><p>Horgar warf einen Blick ans Ende des Saals und gestikulierte, woraufhin sein Hauptmann angetrottet kam.</p><p>�Wir sprechen uns wieder, wenn ich mich entschieden habe�, erkl�rte er.</p><p>�In diesem Fall werde ich mich f�r Euch bereithalten�, sagte sie zu Horgar, doch ihre Blicke galten Nimor.</p><empty-line/><p>�Heute geht es nicht�, sagte Thummud von Clan Muzgardt zu<emphasis/> Ryld, Valas und Kohlenhauer. Der fette Duergar stand mit einem Holzhammer in der Hand da und verschlo� soeben ein frisches Fa� Pilz-Bier. �Versucht es in ein oder zwei Tagen noch mal.�</p><p>Kohlenhauer fluchte, w�hrend die beiden Drow argw�hnische Blicke austauschten. Es war Ryld nicht entgangen, da� sich ganz in der N�he der Stelle, an der Thummud stand, �ber ein Dutzend Duergar-Brauer aufhielten, die in ihre Arbeit vertieft waren und da� bei vielen von ihnen unter der Kleidung unverkennbar Metall aufblitzte. Der Braumeister pflegte scheinbar keine Risiken einzugehen.</p><p>�Das habt Ihr gestern auch gesagt�, sagte Ryld. �Die Zeit dr�ngt.�</p><p>�Nicht mein Problem�, erwiderte Thummud. Als er den Deckel festgeklopft hatte, legte er den Hammer auf das Fa�. �Ihr m��t warten, ob es Euch pa�t oder nicht.�</p><p>Valas seufzte und griff nach dem Geldbeutel an seinem G�rtel. Er lie� ihn auff�llig klimpern und legte ihn neben sich.</p><p>�Darin findet Ihr Edelsteine, die mehr als das Doppelte dessen wert sind, worauf wir uns geeinigt haben�, sagte der Sp�her. �Sie geh�ren Euch, wenn wir noch heute die Papiere bekommen.�</p><p>Thummud kniff die Augen zusammen. �Jetzt frage ich mich doch, was Ihr wirklich vorhabt�, erwiderte er. �Keine ehrlichen Absichten, da bin ich sicher.�</p><p>�Betrachtet es als pers�nliche Dreingabe�, erkl�rte Ryld ruhig. �Euer Herr erwartet 200 Goldst�cke pro Kopf, und Ihr werdet daf�r sorgen, da� er das auch bekommt. Wenn etwas �brigbleibt, mu� er davon nichts erfahren, oder?�</p><p>�Ich mu� Euch sagen, da� Ihr zu jeder anderen Zeit bek�mt, was Ihr wollt�, r�umte Thummud mit einem Achselzucken ein. �Aber mein Herr hat mir in dieser Angelegenheit klare Vorgaben gemacht. Wenn ich ihn hintergehen w�rde, indem ich diesen Handel mit Euch mache, w�rde der alte Muzgardt daf�r meinen Kopf fordern.� Der Brauer �berlegte einen Moment, dann f�gte er an: �Ich glaube, Ihr solltet besser in drei oder vier Tagen wiederkommen. Die Freunde des Kronprinzen treiben sich �berall herum, und sie m�ssen nicht sehen, wie Ihr jeden verdammten Tag herkommt.�</p><p>Der st�mmige Zwerg wuchtete sich das Fa� auf die Schulter und stampfte davon, w�hrend die beiden Drow zusammen mit Kohlenhauer inmitten der finster dreinblickenden Brauer zur�ckblieben.</p><p>�Was jetzt?� fragte Ryld an Valas gewandt.</p><p>�Geht zur�ck in Euer Gasthaus�, murmelte Kohlenhauer. �Wenn Ihr hierbleibt, wird sich auch nichts �ndern. Kommt in ein paar Tagen wieder.�</p><p>�Das wird Quenthel nicht gefallen�, meinte Ryld immer noch zu Valas gewandt.</p><p>Valas konnte nur die Achseln zucken.</p><p>Die beiden Drow und ihr F�hrer verlie�en die Muzgardt-Brauerei, wobei jeder seinen eigenen Gedanken nachging. Sie gingen, bis die Brauerei ein St�ck weit hinter ihnen lag.</p><p>�Allm�hlich beginne ich mich zu fragen, ob wir uns nicht einfach selbst einen Passierschein ausstellen sollten�, fl�sterte Valas. �So lange w�rden wir daf�r auch nicht brauchen.�</p><p>�Keine gute Idee�, wandte Kohlenhauer ein. �Ihr k�nnt vielleicht einen Schein f�lschen, der echt aussieht, aber Ihr ben�tigt Muzgardts Segen. Wenn man Euch anh�lt, werdet Ihr warten m�ssen, bis man �berpr�ft hat, ob Ihr auch den Segen des Clansherrn habt. Den werdet Ihr erst haben, wenn Muzgardt ihn Euch gew�hrt.�</p><p>�Verdammt�, murmelte Valas.</p><p>Ryld dachte �ber ihre Situation nach und versuchte, sie zu analysieren. Entweder hatte Kohlenhauer sie absichtlich in eine Sackgasse gelockt, oder es war tats�chlich so schwierig, die P�sse zu erhalten. Was die erste M�glichkeit anging, so sah Ryld keinen Grund, warum Kohlenhauer die Gruppe in Gracklstugh festhalten sollte. Vielleicht wollte der Zwerg sie in eine Falle locken, doch dann h�tte er schon gen�gend Gelegenheiten gehabt, um ihnen die �berraschung zu pr�sentieren, die auf sie wartete. Wenn aber andererseits Kohlenhauer und Thummud nicht bei einem ausgefeilten T�uschungsman�ver zusammenarbeiteten, warum sollte der Kronprinz den Besuch der Gruppe in Gracklstugh zum Anla� nehmen, gegen Fremde vorzugehen, die durch sein Reich reisten?</p><p>Weil er etwas hat, was Fremde nicht sehen sollen, folgerte Ryld. Was konnte das sein, was Au�enstehende nicht sehen durften?</p><p>Ryld blieb stehen. Valas und Kohlenhauer gingen ein paar Schritte weiter, ehe sie sich umdrehten.</p><p>�Was ist?� wollte Valas wissen.</p><p>�Wir m�ssen etwas erledigen�, sagte Ryld zu Valas, dann sah er ihren F�hrer an. �Kommt morgen ins Gasthaus.�</p><p>Kohlenhauer runzelte die Stirn.</p><p>�Gut�, sagte er. Der Duergar wandte sich um ging die Stra�e entlang davon, wobei er vor sich hingrummelte: �Gebt nicht mir die Schuld, wenn Ihr f�r das, was auch immer Ihr vorhabt, festgenommen werdet. Ich werde mich nicht f�r Euch einsetzen. Ich bin auf meinem Boot, wenn Ihr mich braucht.�</p><p><emphasis>Was ist?</emphasis> fragte Valas, nachdem der Zwerg in den Schatten der Stra�e verschwunden war.</p><p><emphasis>Der Kronprinz schr�nkt die Bewegungsfreiheit fremder Kaufleute und Reisender ein,</emphasis> antwortete Ryld. <emphasis>Er will nicht, da� Nachrichten aus der Stadt gelangen. Ich glaube, Gracklstughs Armee wird bald marschieren.</emphasis></p><p>Valas blinzelte und signalisierte: <emphasis>Das glaubst du?</emphasis></p><p>�Es ist das, was ich t�te�, sagte Ryld. �Die Frage ist, wie k�nnen wir eine Best�tigung bekommen?�</p><p>Er sah sich um und stellte fest, da� wie �blich jeder Duergar in Sichtweite die beiden Dunkelelfen mit unverhohlener Feindseligkeit anstarrte.</p><p><emphasis>Wenn wir versuchen, deinem Verdacht auf den Grund zu gehen, dann macht uns das zu der Sorte Fremde, nach denen die Soldaten des Kronprinzen Ausschau halten,</emphasis> signalisierte Valas. H�ne legte nachdenklich die Stirn in Falten. <emphasis>Was mu�t du sehen, um deine Bef�rchtung best�tigt zu finden?</emphasis></p><p><emphasis>Einen Versorgungstrupp,</emphasis> antwortete Ryld sofort. <emphasis>Wagen, Packechsen, so etwas. So etwas w�rde man nur zusammenstellen, wenn man losmarschieren will, und es dauert Tage, um das zu bewerkstelligen. Au�erdem braucht man daf�r Platz.</emphasis></p><p><emphasis>Stimmt,</emphasis> pflichtete Valas ihm bei.</p><p>Valas �berlegte und zupfte gedankenverloren an den verschiedenen Talismanen und Marken, die er an seiner Kleidung trug.</p><p><emphasis>Sollen wir das Risiko eingehen?</emphasis> fragte Hune.</p><p>Ryld sah sich um. Thummud hatte sie recht direkt wissen lassen, da� sich f�r einige Tage nichts �ndern w�rde, und das w�rde Quenthel nicht gefallen. Wenn Gracklstugh im Begriff war, Menzoberranzan anzugreifen, dann wollte er das wissen, ehe sich die Duergar-Armee in Bewegung setzte. Sie w�rden einen Weg zu finden versuchen, die Heimat zu warnen. Die Duergar waren kein Sklavenmob, der nach Lust und Laune der gro�en H�user zerschlagen werden konnte. Die Armee aus Gracklstugh w�rde gro�, stark und diszipliniert sein � und f�r einen Angriff auf die Drow w�rde sie sich gut bewaffnen. Ryld gefiel die Vorstellung nicht, was eine solche Armee in seiner Heimatstadt anrichten konnte.</p><p><emphasis>La� uns keine Zeit vergeuden</emphasis>, erwiderte er.</p><p>Valas nickte und machte sich mit Ryld auf den Weg. Statt in das Viertel am See und damit zum Kalten Gie�haus zur�ckzukehren, begaben sie sich tiefer ins Herz der H�hle. Sie durchstreiften die �belriechenden Stra�en und finsteren Gassen, durchquerten Handelsbezirke, in denen Kunsthandwerker und Kaufleute in beengten Geb�uden aus Feldstein ihre Gesch�fte hatten. Es war schon sp�t, und der Verkehr auf den Stra�en der Zwergenstadt schien allm�hlich nachzulassen. Die beiden Drow erreichten schlie�lich eine Stra�e, die am Rand einer tiefen Spalte entlang verlief, die die h�heren, schwieriger zug�nglichen Bezirke der Stadt von der zum See hin gelegenen armen Gegend abtrennte. Zahlreiche Br�cken �berspannten den Spalt, die auf der anderen Seite in enge Gassen m�ndeten. Ein Trupp wachsamer Duergar-Soldaten hielt sich am Fu� einer jeden Br�cke auf und verhinderte jedes �berqueren der Felsspalte.</p><p>Der Sp�her zog Ryld in den Schatten einer Gasse und deutete auf das Hindernis und die Br�cken, die es �berspannten.</p><p><emphasis>Ladaguers Furche,</emphasis> signalisierte er ihm. <emphasis>Auch bekannt als die Spalte. Was sich auf der westlichen Seite befindet, ist f�r Fremde tabu. Auf der gegen�berliegenden Seite gibt es eine Reihe gro�er Nebenh�hlen, die f�r einen Truppenaufmarsch geeignet sein k�nnten. Dort w�re sicher, da� ein zuf�lliger Beobachter sie nicht zu Gesicht bekommt.</emphasis></p><p>Ryld sah den Sp�her aus Bregan D�aerthe nachdenklich an und wunderte sich, wieso der so viel �ber diesen Teil der Stadt wissen konnte, wenn dieser doch tabu sein sollte.</p><p><emphasis>Ich nehme an, du bist schon mal hiergewesen?</emphasis> fragte Ryld.</p><p><emphasis>Ich habe Gracklstugh ein paarmal durchquert.</emphasis></p><p>Ich frage mich, ob es irgendeinen Ort gibt, an dem Valas noch <emphasis>nicht</emphasis> gewesen ist, wunderte sich Ryld. Er ver�nderte seine Position im Schatten leicht, um die bewachten Br�cken besser �berblicken zu k�nnen. Er war gut darin, nicht gesehen zu werden, wenn es darauf ankam, doch ihm gefielen die M�glichkeiten nicht, die diese schmalen Br�cken ohne Gel�nder boten. Es gab keinerlei Schutz, wenn sie erst einmal eine der Br�cken betreten hatten.</p><p><emphasis>Wie kommen wir hin�ber?</emphasis> wollte er wissen.</p><p>Valas machte seine Knoten fertig und trat dicht an Ryld heran, stellte den rechten Fu� in eine der unteren Schlaufen und schob den rechten Arm durch die oberste.</p><p>�Bleib w�hrend des Abstiegs dicht am Stalagmiten�, sagte er. �Wir brauchen die Deckung.�</p><p>Ryld nickte und griff beil�ufig nach oben, um das Emblem zu ber�hren, das er auf Brusth�he trug. Es wies ihn als einen Meister Melee-Magtheres aus, und wie die Schnallen und Broschen vieler Adelsh�user war es durch einen Zauber mit der Macht der Levitation belegt worden. Valas war sicher, da� Ryld lange und hart hatte k�mpfen m�ssen, um das Recht zu erlangen, das Emblem zu tragen.</p><p>Wie erhofft erwies sich der Zauber als kraftvoll genug, um Rylds Gewicht ebenso zu tragen wie das des Mannes aus Bregan D�aerthe. M�helos stiegen sie auf in den Rauch und die D�sternis der oberen Regionen Gracklstughs, bis der dicke Schleier die Stra�en unter ihnen verh�llte. Von der obersten Stelle der H�hle aus wirkte es so, als sei der Boden in Dunst und Rauchwolken geh�llt, in dem helles Feuer Hunderte von Kreisen aus rotgl�hendem Nebel entstehen lie�en.</p><p>�Das ist besser, als ich erwartet hatte�, sagte Valas. �Der Rauch gibt uns Schutz.�</p><p>�Er treibt mir aber auch die Tr�nen in die Augen�, entgegnete Ryld. Er erreichte die H�hlendecke und stellte fest, da� sie rauh und rissig war. �Wohin?�</p><p>�Nach rechts. Genau.�</p><p>Valas wies mit einer Kinnbewegung auf die n�rdliche Wand der Stadt, w�hrend er darauf achtete, da� er weder mit dem Fu� noch mit dem Arm den Halt in den Steigb�geln aus Seil verlor, die er hergestellt hatte. Langsam drehte sich Ryld um, um der Decke gleichm��iger zugewandt zu sein, dann hangelte er sich Hand �ber Hand voran, als erklimme er eine vertikale Felswand. Der Sp�her verlagerte sein Gewicht etwas, um seinen Halt zu wahren, w�hrend er den Blick auf den H�hlenboden gerichtet hielt und dem Waffenmeister immer wieder die Richtung ansagte.</p><p>�Ein Grauzwerg-Magier mit einem Aufhebungszauber k�nnte uns jetzt gr�ndlich den Tag verderben�, bemerkte Ryld. �Macht dich diese Methode der Fortbewegung nicht zumindest ein wenig nerv�s?�</p><p>�Mit gro�en H�hen kam ich schon immer gut zurecht, aber reden wir nicht mehr davon.�</p><p>Ryld mu�te lachen. Tagelang war ihre Reise ereignislos und tr�bsinnig verlaufen. Die taktische Herausforderung, im Herzen der Duergar-Stadt zu spionieren, war f�r sie beide eine fesselnde Abwechslung.</p><p>�Etwas mehr nach links�, sagte Valas und unterbrach seine Gedankeng�nge. �An der H�hlenwand verl�uft ein kleiner Vorsprung in die Richtung, in die wir m�ssen.�</p><p>Ryld setzte die Anweisung um, dann folgten die beiden weiter dem abfallenden H�hlendach, bis es so steil verlief, da� es die Wand der H�hle bildete. Dort verlief eine alte verwitterte Fuge �hnlich den Traufen einer Taverne. Der Waffenmeister betrachtete sie zweifelnd, doch als sie n�herkamen, l�ste sich Valas von ihm und sprang leichtf��ig los, um sich wie eine d�rre Spinne darauf zu hocken.</p><p>Ryld folgte ihm, wenn auch etwas ungelenk. Er schaffte es nur mit M�he, doch er hatte das Gl�ck, sich auf die Magie seines Emblems verlassen zu k�nnen, sollte er keinen Halt finden.</p><p>Valas bewegte sich sicher weiter und folgte der Fuge, die steil abfiel und hinter einer scharfen Biegung verschwand, die eine Seitenh�hle �berragte.</p><p>Ryld krabbelte hinter ihm her hinab und fluchte leise, als er einige lockere Steine lostrat, die an der klippenartigen Wand nach unten st�rzten. Die Schmieden und H�mmer von Gracklstugh �bert�nten das Ger�usch zum Gl�ck, und sie befanden sich immer noch �ber Ladaguers Furche, so da� die Steine in die Schlucht fielen und verschwanden.</p><p>Valas sah sich um.</p><p><emphasis>Vorsicht,</emphasis> bedeutete er. <emphasis>Komm her, sieh dir das an.</emphasis></p><p>Ryld huschte an die Seite des Sp�hers und legte sich auf den Bauch, um auf dem Vorsprung nicht den Halt zu verlieren. Die Naht verlief in eine Seitenh�hle und beschrieb einen scharfen Knick. Von ihrer Position gut drei�ig Meter �ber dem Boden aus konnten sie eine H�hle von betr�chtlicher Gr��e erkennen, die hundert bis hundertzwanzig Meter lang und in etwa halb so breit war. In die W�nde waren Kasernenr�ume geschlagen worden, die einer gro�en Zahl Soldaten Platz boten, doch der Boden war plan und weitl�ufig und eignete sich bestens als Truppen�bungsplatz.</p><p>Die gesamte H�hle war voller Wagen und Packechsen, und Hunderte von Duergar schw�rmten dazwischen umher, machten an den h��lichen Reptilien gro�e Kiepen fest, beluden Wagen und bereiteten Belagerungseinheiten f�r den Transport vor. Der Gestank von den Gie�ereien der Stadt gen�gte nicht, um den stechenden Geruch von Tierexkrementen in der weitl�ufigen H�hle zu �berdecken. Zudem war die Luft erf�llt vom Zischeln und Kr�chzen der Echsen.</p><p>Valas begann, Wagen und Packtiere zu z�hlen, um das Heer sch�tzen zu k�nnen, das abmarschbereit zu sein schien. Nach Minuten wandte er den Blick ab.</p><p><emphasis>Zwischen zwei- und dreitausend?</emphasis> fragte Ryld.</p><p>Der Sp�her zog die Brauen hoch und erwiderte: <emphasis>Ich glaube, mehr. Vielleicht viertausend. Aber in anderen H�hlen k�nnen sich weitere Z�ge gesammelt haben.</emphasis></p><p><emphasis>Gibt es Grund zu der Annahme, da� sie nicht nach Menzoberranzan marschieren?</emphasis> fragte Ryld.</p><p><emphasis>Wir sind nicht ihre einzigen Feinde. Dennoch mi�f�llt mir der Zeitpunkt.</emphasis></p><p>�Ich glaube auch nicht an Zuf�lle�, fl�sterte Ryld. Er begann, vorsichtig von der Felskante zur�ckzurobben und achtete darauf, nicht noch mehr Steine zu lockern. �Ich w�rde ja vorschlagen, da� wir die anderen H�hlen aufsuchen, ob dort noch mehr Soldaten sind. Aber ich glaube, wir haben schon jetzt mehr gesehen, als es den Duergar recht sein kann, und ich m�chte unser Gl�ck nicht herausfordern. Am besten machen wir uns auf den R�ckweg und berichten den anderen davon.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Wir sollten einfach gehen�, brummte Jeggred. Sein wei�es Fell war rotweinbefleckt, und Bratenfett eines St�cks Roth�-Fleischs gl�nzte rings um seine Schnauze. Der Draegloth bewies keine gro�e Geduld, wenn es ans Warten ging, und zwei Tage im Kalten Gie�haus praktisch eingesperrt zu sein war extrem schwierig f�r ihn. �Wir k�nnten die Stadt verlassen haben, ehe jemand merkt, da� wir weg sind.�</p><p>�Ich f�rchte, so einfach w�rde es nicht sein�, sagte Ryld. Er kniete vor seinem Gep�ck und verstaute die am wenigsten verderblichen Speisen vom B�fett in Beutel, die er dann in einen klaffenden schwarzen Kreis neben sich warf � ein magisches Loch, das man aufheben und mit sich herumtragen konnte, als sei es nur ein St�ck dunkler Stoff. Es konnte Hunderte Pfund Ausr�stung und Vorr�te aufnehmen, wog aber fast nichts. �Dir sind sie vielleicht nicht aufgefallen, aber ich bin sicher nicht der einzige, der die Spione bemerkt hat, die das Gasthaus beobachten. Wir w�rden keine f�nfhundert Meter weit kommen, ehe sich Duergar-Soldaten auf uns st�rzen w�rden.�</p><p>�Na und?� knurrte der Draegloth. �Ich f�rchte keinen Zwerg.�</p><p>�Duergar sind keine Goblins oder Gnolle, die zu dumm sind, ihre �berzahl wirkungsvoll zu nutzen, oder zu tolpatschig und grobschl�chtig, um im Kampf Mann gegen Mann eine Chance zu haben. Ich bin Duergar-Schwertk�mpfern begegnet, die fast so gut waren wie ich. Ich habe keinen Zweifel daran, da� man eine ganze Gruppe solch hervorragender K�mpfer gegen uns antreten lie�e. Au�erdem gibt es in ihren Reihen Magier und Kleriker.�</p><p>�Wir h�tten wissen sollen, da� wir uns nicht in eine Duergar-Stadt begeben sollten�, sagte Halisstra. �Der Zeitpunkt h�tte nicht verkehrter sein k�nnen.�</p><p>Sie zog eilig ihre R�stung an, ein massiv mit Zaubern belegtes Kettenhemd, das auf der Brust das Wappen des Hauses Melarn trug. Sie fragte sich, ob die beste Strategie die war, einfach noch ein paar Tage abzuwarten und den Duergar Zeit zu geben, damit sie in ihrer Wachsamkeit nachlie�en. Doch wenn sie ihre Abreise allzulange hinausz�gerten, bestand die Gefahr, da� der H�ndler, den sie dazu gebracht hatte, ihr die f�r Danifae bestimmte Ausr�stung zu �berlassen, zu Sinnen kam und den Vorfall meldete. H�tten sie doch blo� die beiden H�ndler get�tet ... aber nein, denn wenn man sie dabei ertappt h�tte, dann w�ren sie l�ngst tot.</p><p>Sie zog am langen Saum ihrer Halsberge und wand sich, damit sie besser auf ihren Schultern lag.</p><p>�Meister Argith, wie lange wird es dauern, bis sich die Duergar-Armee in Bewegung setzt?� fragte Halisstra.</p><p>�Nicht lange�, erwiderte Ryld. �Allzulange k�nnen sie marschbereite Packechsen nicht ruhig halten. Die Frage ist, wieviel Zeit nach dem Abmarsch der Armee vergehen wird, ehe man das Reisen wieder freigibt. Wenn wir warten, bis sie aufgebrochen ist, k�nnen wir noch tagelang hier festsitzen.�</p><p>�Entweder das, oder man wird sich unserer entledigen�, warnte Danifae.</p><p>�Wir werden sofort aufbrechen�, setzte Quenthel der Diskussion ein Ende.</p><p>Die Herrin der Akademie war kampfbereit gekleidet, sie hatte eine finstere Miene aufgesetzt, und ihre Peitschenschlangen zuckten vor Erregung.</p><p>�Damit stellt sich wieder die Frage, die wir eben schon hatten � wohin?� fragte Ryld.</p><p>Der Waffenmeister hatte alle Vorr�te zusammengepackt, hob das Loch auf, rollte es zusammen und verstaute es in seinem Gep�ck.</p><p>�Ich kann unseren Weg zur�ck nach Mantol-Derith nachvollziehen�, erkl�rte Pharaun. �Aber es wird schwierig sein, von hier weiterzugehen. Ich kenne den Weg zum Labyrinth nicht, daher w�rde jeder Ausflug in die Ebene der Schatten f�r uns ohne jeden Zweifel ein merkw�rdiges, unerfreuliches Ende nehmen. Wir sind zu viele, als da� ich uns alle teleportieren k�nnte, womit diese L�sung wohl auch nicht in Frage kommt, falls nicht ein paar von Euch den Wunsch versp�ren, den Duergar das Verschwinden eines Teils der Truppe zu erkl�ren.�</p><p>�Was ist mit einem Zauber, der unsere Identit�t verbirgt?� fragte Ryld.</p><p>�Bedauerlicherweise�, erwiderte der Magier, �sind Duergar ber�chtigt daf�r, da� sie gegen jegliche Art von Illusion resistent sind.�</p><p>Halisstra f�gte an: �Wenn nur einer von ihnen eine Tarnung durchschaut und eine Gruppe Drow ausmacht ...�</p><p>�Besser w�re es, wenn wir uns alle unsichtbar machen�, �berlegte der Meister Sorceres. �Das d�rfte wohl die sinnvollste L�sung sein. Das erinnert mich an eine ...�</p><p>�Genug.� Quenthel drehte sich auf ihrem Platz um und fragte Valas: �M�ssen wir von hier das Labyrinth ansteuern, oder k�nnt Ihr einen Weg finden, der um Gracklstugh herum verl�uft, wenn wir ein St�ck des Weges zur�ckgehen w�rden?�</p><p>�Wir brauchen einige Tage mehr, wenn wir die Stadt umgehen�, erwiderte der Sp�her, �aber ich k�nnte Euch an den Grenzen Gracklstughs entlangf�hren.�</p><p>�Sehr gut�, erkl�rte Quenthel. �Wir gehen zur�ck zu den Docks und bedienen uns Kohlenhauers Boot. Das ist der direkteste Weg aus der Stadt, und wenn ich nicht irre, d�rfte der See weit weniger gut bewacht sein als die Tunnel.� Sie sah sich rasch um. Niemand mu�te sich noch weiter bereitmachen, also nickte die Priesterin und wandte sich dann an Pharaun. �Was m�ssen wir tun, damit Euer Zauber gelingt?�</p><p>�Nehmt Euch an den H�nden und bleibt dicht hinter mir�, sagte Pharaun. �Sobald Ihr mich losla�t, werdet Ihr unverz�glich sichtbar. Ich werde nicht die Verantwortung �bernehmen, wenn es zu Schwierigkeiten kommt.�</p><p>Vollst�ndig bewaffnet und abmarschbereit fa�ten sich bis auf Valas Hune alle an den H�nden und warteten. Der Meister Sorceres, der in ihrer Mitte stand, stie� zischend eine Folge ar-kaner Worte aus und beschrieb mit den H�nden mystische Gesten. Dann wurden sie unsichtbar. Halisstra konnte Danifaes Hand auf ihrer linken Schulter f�hlen, w�hrend sie mit ihrer rechten Hand Rylds Harnisch hielt. Doch sehen konnten sie alle Valas.</p><p>�Seid Ihr bereit, Meister Hune?� fragte Pharaun aus dem Nichts.</p><p>Valas nickte. Er trug, was seiner Vorstellung von Eleganz zu entsprechen schien � eine einfache Weste aus Kettengliedern �ber einem guten Hemd aus Spinnenseide, dazu dunkle Kniehosen. Seinen <emphasis>Piwafwi</emphasis> hatte er schmissig �ber eine Schulter geworfen. Die diversen Anstecker und Medaillons, die schier willk�rlich �ber seine Kleidung verstreut waren und die die Abwehrzeichen und Talismane eines halben Dutzend verschiedener Rassen darstellten, vervollst�ndigten sein Ensemble.</p><p>�Ich werde einige Augenblicke auf dem Hof umherschlendern. Sorgt daf�r, da� Ihr schnell das Gasthaus verla�t. Es wird nicht auffallen, wenn ich nicht allzulange einfach nur dastehe. In zehn Minuten treffen wir uns am Boot.�</p><p>�Man wird dich beschatten�, sagte Ryld.</p><p>Valas schien �ber diese Bemerkung ernsthaft ver�rgert zu sein.</p><p>�Kein Lebewesen kann mich beschatten, wenn ich es nicht zulasse�, entgegnete er.</p><p>Valas ging nach drau�en auf den Hof, lie� die T�r offen, damit die anderen hinausgelangen konnten, und reckte sich ausgiebig. Halisstra merkte, da� sich Ryld in Bewegung setzte, und sofort ging sie los, wobei sie dicht an ihn geriet, da Danifae von hinten so dr�ngte, da� sie ihren warmen Atem im Nacken f�hlte.</p><p>W�hrend der Sp�her gem�chlich zum Tor des Gasthauses spazierte und sich dann nach links in Richtung der zentralen Stadtbezirke wandte, beschrieben Halisstra und die anderen eine ungelenke Kurve, die sie nach rechts zu den Docks f�hrte. Die Stra�en waren nicht ganz leer, aber es war auch nicht �berm��ig viel los. Die meisten Duergar waren nach einem langen Tag in den Schmieden in ihre tristen Behausungen zur�ckgekehrt. W�re die Gruppe zu Beginn oder Ende des Arbeitstages zur Flucht gezwungen gewesen, dann w�re die Tarnung sp�testens dann aufgefallen, wenn ein Duergar in die unsichtbare Kette aus Drow gelaufen w�re, die sich durch die Stadt schlich.</p><p>Halisstra riskierte einen Blick �ber die Schulter zu Valas, der mit z�gigen Schritten in die entgegengesetzte Richtung ging und ein wenig den Eindruck machte, als verfolge er heimliche Absichten � eine bessere Tarnung, als wenn er sich v�llig gelassen verhalten h�tte, was an einem Ort wie Gracklstugh mehr als ungew�hnlich gewesen w�re. Ihr fiel auch ein Duergar auf, der ein kleines Fa� Branntwein auf der Schulter trug und sofort kehrtmachte, als der Sp�her ihn passierte und wie ein gew�hnlicher Arbeiter wirkte, dessen Aufgabe es war, Waren von einem Teil der Stadt in einen anderen zu bringen. Sie war sicher, da� Valas ihn nicht �bersehen hatte. Der S�ldner war zu scharfsinnig, um auf eine so offensichtliche Beschattung hereinzufallen.</p><p>Obwohl Halisstra jeden Augenblick einen Alarm unsichtbarer Wachposten erwartete, gelangten sie ungehindert zu den Docks. Als sie �ber den steinernen Kai in Richtung der befremdlichen Gef�hrte entlangeilten, die dort angedockt waren, blieb Ryld so abrupt stehen, da� Halisstra gegen ihn stie�, ehe sie begriff, da� er nicht weiterging. Danifae stie� ihrerseits mit ihr zusammen, w�hrend die Gruppe anhielt.</p><p>�Probleme�, fl�sterte Pharaun. �Eine Patrouille Duergar-Soldaten in den Farben der Kronprinzen kam gerade um die �bern�chste Hausecke. Die Gruppe ist auch unsichtbar, und es ist einer unter ihnen, der ein Magier zu sein scheint und in unsere Richtung blickt.�</p><p>�Sie sehen uns?� grollte Jeggred. �Wozu seid Ihr eigentlich gut?�</p><p>�Es gibt Zauber, mit denen man das Unsichtbare sehen kann�, erwiderte Pharaun. �Einen solchen benutze ich im Augenblick, weshalb ich auch die Wachen sehen kann, w�hrend du sie nicht siehst. Ich w�rde sagen, da� mich das zu der Frage berechtigt, wozu du ...�</p><p>�Ihr da! Gebt Euren Zauber auf und legt die Waffen nieder!� rief der Anf�hrer der Duergar-Patrouille. Das Scheppern von Waffen hallte in der ruhigen Stra�e wider, obwohl Halisstra noch immer keinen Duergar sehen konnte. �Ihr seid festgenommen!�</p><p>�Jeggred, Ryld, Pharaun � k�mmert Euch um sie�, befahl Quenthel. �Danifae, Halisstra, zu mir!�</p><p>Sie st�rmte den Pier entlang und wurde allm�hlich sichtbar, als sie Pharauns magischen Einflu� hinter sich lie�. Jeggred und Ryld eilten in die entgegengesetzte Richtung. Splitter wurde in Rylds Hand auf eine Weise sichtbar, als h�tte er selbst einen Zauber daraufgelegt. Pharaun stie� einen kurzen Satz aus, der die Luft auf dem Kai erschaudern lie�, und im n�chsten Moment wurde die gegen�berliegende Seite der Stra�e von einer Woge aus Licht �bersp�lt, die die bewaffneten Duergar sichtbar werden lie�. Der Magier legte sofort einen weiteren Zauber nach und wurde seinerseits sichtbar, als er einen schwarzen Strahl auf den Magier inmitten der Gruppe Soldaten richtete. Die purpurne Lanze traf den Duergar-Magier in die Brust, der daraufhin wie eine Marionette zusammensackte, deren F�den man durchtrennt hatte.</p><p>�Beim n�chsten Mal solltet Ihr erst zuschlagen und dann zum Niederlegen der Waffen auffordern�, kommentierte Pharaun. Er setzte zu einem neuen Zauber an, w�hrend der Draegloth und Ryld in die Patrouille st�rmten und unabl�ssig um sich schlugen.</p><p>Halisstra folgte Quenthel, die auf dem Pier weiterlief und in Kohlenhauers Boot sprang. Die riesigen untoten Skelette standen reglos in ihrer Vertiefung in der Mitte des Gef�hrts, nur leblose Maschinen, die auf einen Befehl warteten. Der Duergar-Schmuggler, der unter der Br�cke schlief, wachte auf und drehte sich auf seiner d�nnen Matratze um, w�hrend er gleichzeitig nach einer Handaxt griff, die in Reichweite lag.</p><p>�Wer da?� schrie er und sprang auf. �Ihr ...�</p><p>Weiter kam er nicht, da Quenthel ihm ihren Stiefel in die Brust rammte und ihn nach hinten auf das Deck schleuderte.</p><p>Die Baenre hob ihre Peitsche, um das Leben des Schmugglers zu beenden, doch Halisstra rief: �Halt! Vielleicht brauchen wir ihn, um dieses Ding in Bewegung zu setzen!�</p><p>�Glaubt Ihr ihm diese Geschichte etwa?� erwiderte Quenthel, ohne ihren Blick von dem Zwerg abzuwenden. �Er will doch nur, da� wir glauben, wir k�nnten nicht auf ihn verzichten!�</p><p>�Mag sein, aber das ist nicht der Zeitpunkt, um unsere Flucht davon abh�ngig zu machen�, konterte Halisstra. �Wir st�nden sehr dumm da, wenn wir uns erst den Weg bis hierher freik�mpfen, um dann nicht den Pier verlassen zu k�nnen.�</p><p>�Ihr seid wohl beim Kronprinz in Ungnade gefallen, wie?� fragte Kohlenhauer, stand langsam auf und grinste breit. Am Ende des Piers flammte ein Blitz auf, und ein dr�hnender Donnerschlag k�ndigte an, da� Verst�rkung f�r die k�mpfenden Duergar eingetroffen war. �Wenn Ihr mich umbringt, werdet Ihr niemals entkommen. Was w�re ein angemessener Preis daf�r, da� ich Euch von diesem Pier wegbringe?�</p><p>Quenthel versteifte sich und h�tte den Zwerg auf der Stelle erschlagen, w�re Halisstra nicht zwischen die beiden getreten.</p><p>�Wenn wir gefa�t werden�, warnte die Melarn-Priesterin, �dann werden wir alles, was uns vorgeworfen wird, Euch anlasten, Zwerg � und jetzt legt ab!�</p><p>Kohlenhauer starrte die Dunkelelfen mit wutverzerrter Miene an.</p><p>�Ich habe Euch fair behandelt, und das ist Euer Dank?� fauchte er. �Ich h�tte wissen sollen, da� ich mich mit Euresgleichen besser auf keinen Handel einlasse.�</p><p>Er fuhr herum, um die Taue zu l�sen, die das makabre Gef�hrt am Kai festhielten; gleichzeitig br�llte er den Skeletten Befehle zu.</p><p>Quenthel sah Halisstra verkniffen an. �Warum verschont Ihr ihn?� fragte sie. �Ihr wi�t, da� er l�gt, was das Kommando �ber dieses Boot angeht.�</p><p>Halisstra zuckte die Achseln. �Ihr k�nnt ihn sp�ter immer noch t�ten, wenn Euch das so wichtig ist.�</p><p>W�hrend die Schaufelr�der an der Seite des Gef�hrts durch das Wasser zu pfl�gen begannen, kamen Ryld und Jeggred herangeeilt und kletterten an Bord. Blut troff von der Klinge des K�mpfers und von den Klauen des Halbd�mons. Pharaun folgte einen Augenblick sp�ter, nachdem er den Pier mit einer tosenden Flammenwand blockiert hatte, um die Soldaten aufzuhalten.</p><p>�Das wird sie bestimmt nicht lange aufhalten�, rief er. �Sie m�ssen �ber drei oder vier Magier verf�gen, und die werden die Flammen schnell ersticken. Am besten wird es sein, wenn wir verschwunden sind, ehe sie ihre Zauber auf unser bescheidenes Transportmittel schleudern.�</p><p>Ryld betrachtete mit finsterer Miene die Feuerwand am Ende des Piers.</p><p>�Dir ist hoffentlich klar, da� du mit dem Zauber auch den Fluchtweg f�r Valas versperrt hast�, beschwerte er sich. �Wir brauchen ihn. Wir k�nnen ihn nicht zur�cklassen.�</p><p>�Ich f�hle mich geschmeichelt, Meister Argith.�</p><p>Aus dem Schatten am Bug des Bootes trat Valas und zog seinen <emphasis>Piwafwi</emphasis> zurecht.</p><p>�Wo bei Lolths finsteren H�llen kommst du denn her?� wunderte sich der Waffenmeister und rieb sich die Augen.</p><p>�Ich war nur wenige Schritte hinter den drei Damen�, erkl�rte der Sp�her. Er sah sich um und geno� die unverhohlene Verwunderung auf den Gesichtern seiner Gef�hrten, dann verbeugte er sich und machte eine unterw�rfige Geste. �Wie gesagt, ich lasse mich nicht verfolgen, wenn ich es nicht will. Au�erdem kam es mir so vor, als h�ttet ihr drei die Soldaten des Kronprinzen bestens im Griff.�</p><p>Der Meister Melee-Magtheres schnaubte und steckte Splitter zur�ck in die Scheide auf seinem R�cken. Er drehte sich um und sah hin�ber zum Ufer, das in der Finsternis rasch zur�ckfiel. Auf den Pieren brannten noch immer Feuer, die die bizarren Silhouetten anderer Duergar-Boote erleuchteten, deren Besatzungen umherrannten und Befehle schrien, um den Anforderungen der Soldaten des Kronprinzen Folge zu leisten.</p><p>�Ich hoffe, unser Gef�hrt ist schneller als die anderen�, sagte Ryld.</p><p>�Keine Sorge�, rief Kohlenhauer. �Meines ist das schnellste auf dem Dunkelsee. Keine dieser Schuten kann uns einholen.�</p><p>Er rief den massigen Skeletten, die das Boot antrieben, einen Befehl zu, woraufhin die untoten Monstrosit�ten ihre Anstrengungen verdoppelten, bis das Wasser von den Schaufelr�dern so gepeitscht wurde, da� es zu sch�umen begann. Die Duergar-Stadt verschwand hinter ihnen in der Finsternis, bis von ihr nichts weiter zu sehen war als ein r�tlicher Schimmer an der H�hlendecke.</p><p>�Eine unerfreuliche Aussicht�, meinte Quenthel. �Menzoberranzan kann jetzt keinen Krieg gegen die Duergar gebrauchen.�</p><p>�Schlagen wir eine andere Richtung ein?� fragte Ryld. �Menzoberranzan mu� vor den Duergar gewarnt werden.�</p><p>Die Herrin Arach-Tiniliths stand einen Moment lang nur da, dann entgegnete sie: �Nein. Was wir tun, ist von gr��erer Bedeutung, und wenn ich mich nicht irre, hat Pharaun die M�glichkeit, dem Erzmagier eine Warnung zukommen zu lassen. Ist das nicht so, Magier?�</p><p>Der Meister Sorceres l�chelte nur und spreizte die H�nde.</p><empty-line/><p>Nimors leise Schritte hallten auf dem Weg durch die Feste des Kronprinzen in zahllosen leeren Korridoren wider. Immer wieder begegnete er einem Paar finster dreinblickender Wachen in schweren R�stungen, die Hellebarden hoch erhoben. Er fragte sich, ob sie je darin erm�deten, im Dienst auf kahle Steinmauern zu starren.</p><p>Vermutlich nicht, befand er. Duergar reagierten auf solche Dinge nun mal nicht empfindlich.</p><p>In seiner Hand lie� Nimor einen kleinen Umschlag von Finger zu Finger wandern. Die Dame Aliisza vom Hof des Zeptertr�gers (ein origineller Titel, wie Nimor ihn noch nie geh�rt hatte) hatte ihn eingeladen, sich zum Abendessen in ihren Gem�chern einzufinden, nachdem die Duergar es bislang vers�umt hatten, sie zu irgendeinem Bankett oder Abendessen einzuladen. Nimor ging nicht davon aus, da� ihr der Sinn nur danach stand, in Gesellschaft zu speisen.</p><p>Als er die Gem�cher erreicht hatte, die der Gesandten des Zeptertr�gers zugewiesen worden waren, steckte er die Einladung in seine Brusttasche und klopfte zweimal an.</p><p>�Herein�, ert�nte eine Stimme.</p><p>Nimor trat ein und sah Aliisza. Sie wartete an einem Tisch auf ihn, auf dem ein beeindruckendes Mahl angerichtet worden war, einschlie�lich einer Flasche Wein von der Welt an der Oberfl�che. Sie hatte schon zwei Gl�ser eingeschenkt. Aliisza trug einen weiten Rock aus roter Seide zu einem enganliegenden Korsett, das mit schwarzer Spitze verziert war. Er stellte fest, da� die Farben ihr standen und sogar zu ihren zarten schwarzen Fl�geln pa�ten.</p><p>�Aliisza�, sagte er und verneigte sich. �Ich bin geschmeichelt. Ich bin sicher, diese Mahlzeit stammt nicht aus einer der K�chen des Kronprinzen.�</p><p>�Es gibt einen Punkt, ab dem kann man ger�ucherten Roth�-K�se und Brot aus dem Mehl schwarzer Sporen einfach nicht mehr sehen�, erwiderte sie, nahm die Weingl�ser und kam n�her, um ihm eines davon zu reichen. �Ich gebe zu, da� mein Gefolge die Stadt durchk�mmen mu�te, um Gasth�user und Tavernen zu finden, die bereit waren, Speisen zu verkaufen, die dem Geschmack eines Drow entsprechen.�</p><p>Nimor nahm das Glas und drehte es leicht in der Hand, um es dann an seine Nase zu halten und das Aroma zu inhalieren. So konnte er nicht nur das Bukett des Weins genie�en, sondern auch nach den Giften suchen, deren Geruch ihm vertraut war. Er w�re schwierig gewesen, ihn zu vergiften, doch er konnte keine befremdlichen Ger�che feststellen.</p><p>�Mein Dank ist Euch gewi�, werte Dame. Ich bin in letzter Zeit viel gereist und war gezwungen, mich von sehr schlichten Speisen zu ern�hren.�</p><p>Aliisza nahm ebenfalls einen Schluck, dann wies sie auf den Tisch.</p><p>�Dann w�rde ich vorschlagen, wir unterhalten uns w�hrend des Essens weiter.�</p><p>Nimor nahm ihr gegen�ber Platz und st�rzte sich auf das Mahl. Eine der Folgen seiner wahren Art war die erstaunliche F�higkeit, weitaus mehr zu essen, als man es von einem Drow von seiner schmalen Statur erwartet h�tte, und zwischen zwei Mahlzeiten sehr viel Zeit verstreichen lassen zu k�nnen. Der Roth�-Braten mit Pilzso�e war k�hl, in der Mitte noch rot und wirklich ausgezeichnet. Die kleinen Blindfische schmeckten etwas salziger, als ihm lieb war, und der Wein war stark und trocken, womit er genau zum Braten pa�te.</p><p>�Welchem Umstand verdanke ich das Vergn�gen dieses Beisammenseins?� fragte er zwischen zwei Bissen.</p><p>�Ihr fasziniert mich, Nimor Imphraezl. Ich will mehr dar�ber erfahren, wer Ihr seid und welche Interessen Ihr vertretet.�</p><p>�Wer ich bin? Ich habe Euch meinen Namen gesagt�, erwiderte Nimor.</p><p>�Das ist nicht die Antwort, die ich erwartet hatte.� Aliisza beugte sich vor und sah ihn durchdringend an. �Was ich meinte, ist, wem dient Ihr? Was tut Ihr hier?�</p><p>Nimor nahm ein schwaches Vibrieren am Rand seiner Gedanken wahr, als versuche er sich an etwas zu erinnern, was er f�r einen Moment vergessen hatte. Er lehnte sich zur�ck und grinste das Alu-Scheusal breit an.</p><p>�Ich hoffe, Ihr verzeiht, werte Dame, aber ich wurde erst vor kurzem in ein Gespr�ch verwickelt, bei dem mein Gegen�ber Gedanken lesen konnte. Darum habe ich Vorkehrungen getroffen, damit mir so etwas heute nicht schon wieder widerf�hrt. Ihr werdet Eure Antworten in meinem Kopf nicht finden.�</p><p>Aliisza runzelte die Stirn und sagte: �Nun mu� ich mich fragen, welche Gedanken Ihr so gut abschirmt, Nimor. Habt Ihr Angst, mir k�nnte mi�fallen, was ich dort vorf�nde?�</p><p>�Wir haben alle unsere Geheimnisse.� Nimor roch wieder an seinem Wein, um das Bukett zu genie�en. Er w�rde ihr nicht die ganze Wahrheit sagen, aber er w�rde von sich geben, was unter den Umst�nden vertretbar war. �Ich geh�re zu einem niederen Haus in Menzoberranzan, in dem manche Dinge praktiziert werden, die die Muttermatronen nicht guthei�en w�rden�, setzte er an. �Unter anderem unterwerfen wir uns nicht der Tyrannei der Frauen, die Lolth anbeten. Au�erdem besitzen wir alte, enge Verbindungen zu kleinen H�usern in anderen St�dten, die die gleichen Praktiken hochhalten. Wir tarnen uns als Kaufleute, aber unsere wahre Art und unsere F�higkeiten verschweigen wir.�</p><p>�F�higkeiten?�</p><p>�Wir sind Assassinen, werte Dame, und in dem, was wir tun, sind wir sehr gut.�</p><p>Aliisza beugte sich vor und st�tzte ihr zartes Kinn auf die Fingerspitzen, w�hrend sie Nimor mit ihrem dunklen, schelmischen Blick studierte.</p><p>�Was macht ein Assassine aus Menzoberranzan in Gracklstugh, wenn er Horgar Stahlschatten ber�t, w�hrend der seine Armee f�r einen Krieg aufmarschieren l��t?� fragte sie. �Ist das nicht Hochverrat?�</p><p>Nimor erwiderte achselzuckend: �Wir wollen, da� die bestehende Ordnung auf den Kopf gestellt wird. Wir k�nnen ohne Armee nicht die gro�en H�user unserer Stadt besiegen, und Gracklstugh ist in dieser Ecke des Unterreiches die st�rkste Macht. Als uns klar wurde, da� Lolth ihre Priesterinnen im Stich gelassen hatte, erkannten wir, da� sich damit die einzigartige Gelegenheit bot, einen t�dlichen Schlag gegen die gro�en H�user zu f�hren. Wir haben alles darangesetzt, Horgar zu der Ansicht gelangen zu lassen, dies sei auch eine Gelegenheit f�r ihn.�</p><p>�Seid Ihr nicht besorgt, da� die Duergar die Stadt gar nicht an Euch abgeben wollen k�nnten, wenn sie sie erst einmal erobert haben?�</p><p>�Nat�rlich sind wir das�, erwiderte Nimor. �Aber wenn ich ehrlich sein soll, dann ist der Fall der H�user Lolths ein so erstrebenswertes Ziel, da wiegt das Risiko hinsichtlich der Duergar nicht weiter schwer. Selbst wenn sich Gracklstugh gegen mein Haus wendet und Menzoberranzan f�r hundert Jahre besetzt h�lt, w�rden wir �berleben und fr�her oder sp�ter die Stadt zur�ckerobern.�</p><p>Aliisza stand anmutig auf und ging zu einem schmalen, eher einem Schlitz gleichenden Fenster, von dem aus man die Stadt �berblicken konnte.</p><p>�Glaubt Ihr wirklich, Lolth wird es zulassen, da� ihre Stadt f�llt? Was wird aus dem Angriff der Grauzwerge, wenn die Priesterinnen Lolths auf einmal ihre Macht zur�ckerlangen?�</p><p>�Wir sind eine langlebige Rasse, werte Dame. Mein Gro�vater sah mit eigenen Augen Dinge, die sich vor tausend Jahren abspielten. Bei uns ger�t die Vergangenheit nicht in Vergessenheit wie bei anderen Rassen. In all unseren Legenden und unserer Geschichte findet sich keine Phase des Schweigens, das so vollst�ndig war und so lange anhielt. Selbst wenn es nur vor�bergehend ist, bietet sich hier eine Chance, wie sie nur alle paar tausend Jahre wiederkehrt. Wie k�nnten wir diese Gelegenheit zum Zuschlagen ungenutzt lassen?�</p><p>�Vielleicht habt Ihr recht. Ich sprach mit anderen Drow, die zu glauben scheinen, sie h�tten es mit einem au�ergew�hnlichen und noch nie dagewesenen Ph�nomen zu tun.� Aliisza sah ihn �ber die Schulter an und erg�nzte: �In Ched Nasad begegnete ich sogar einer Gruppe hochrangiger Menzoberranzanyr, die in die Stadt gekommen waren, um nach dem Grund f�r das Schweigen Lolths zu suchen. Quenthel Baenre, die Meisterin Arach-Tiniliths, f�hrte diese Gruppe an.�</p><p>�Ich h�rte von Herrin Quenthels Mission. Sie hatte es also nach Ched Nasad geschafft?�</p><p>�Ja, nachdem sie das Territorium Kaanyr Vhoks durchquert hatten. Sie trafen gerade noch zeitig genug ein, um den Untergang der Stadt mitzuerleben.�</p><p>�Hat jemand aus der Gruppe �berlebt?�</p><p>Aliisza zuckte die Achseln. �Das kann ich nicht sagen. Sie waren recht begabt. Wenn jemand der Zerst�rung der Stadt entkommen konnte, dann sie.�</p><p>Nimor trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte und �berlegte. War Quenthels Erkundungsmission wirklich bedeutsam gewesen? Er konnte sich auch vorstellen, da� die Muttermatronen entschieden hatten, die Herrin Arach-Tiniliths f�r eine Weile aus der Stadt zu schicken, weil sie vielleicht gef�hrlichen Bestrebungen nachgegangen war. Dennoch stellte sie eine unbekannte Gr��e dar, von der die Jaezred Chaulssin in Kenntnis gesetzt werden sollte. Eine Gruppe m�chtiger Drow, die sich im Unterreich aufhielt, konnte f�r alle nur denkbaren Schwierigkeiten sorgen.</p><p>�Fanden sie Antworten auf ihre Fragen?� fragte er.</p><p>�Nicht da� ich w��te�, sagte Aliisza. Sie wandte sich wieder vom Fenster ab und glitt zum Tisch zur�ck, dann wechselte sie das Thema. �Ihr wart sehr darauf aus, Euch beim Kronprinzen f�r mein Anliegen einzusetzen. Darf ich fragen warum?�</p><p>Der Assassine beugte sich wieder vor und betrachtete sie aufmerksam.</p><p>�Das hattet Ihr schon angesprochen�, sagte er. �Entweder ist Gracklstugh m�chtig genug, um Menzoberranzan zu besiegen, oder aber nicht. Wenn nicht, dann d�rfte Kaanyr Vhoks Geknechtete Legion die Waagschale zu unseren Gunsten ausschlagen lassen. Ist Gracklstugh aber stark genug, dann k�nnte die Geknechtete Legion helfen, Horgars Bestrebungen im Zaum zu halten. Wir m�chten nicht, da� der Kronprinz die Einzelheiten unserer Abmachung vergi�t.�</p><p>�Warum sollte die Geknechtete Legion in der Schlacht als Eure Armee dienen?�</p><p>�Weil Horgar Euch nicht zum Verb�ndeten machen wird, wenn ich ihn nicht davon �berzeuge, da� er mit Vhoks Tanarukks besser bedient ist, wenn sie an seiner Seite und nicht seine Flanken angreifen�, antwortete Nimor. �Au�erdem will Euer Herr nicht unt�tig zu Hause sitzen, w�hrend die Dinge ihren Lauf nehmen. Er hat Euch hergeschickt, um die Duergar zum Angriff auf Menzoberranzan zu dr�ngen, nicht wahr?�</p><p>Aliisza verbarg ihr L�cheln, indem sie einen Schluck trank.</p><p>�Das ist wahr�, r�umte sie ein. �Und? Werdet Ihr die Duergar bitten, unsere Hilfe anzunehmen oder nicht?�</p><p>Der Assassine betrachtete das Alu-Scheusal, w�hrend er dar�ber nachdachte. Agrach Dyrr war ein n�tzlicher Verb�ndeter, doch er bezweifelte, da� das F�nfte Haus Menzoberranzans stark genug war, um ein Gegengewicht zu Horgars Armee zu bilden, wenn es hart auf hart kommen sollte. Eine weitere Streitmacht auf dem Schlachtfeld w�rde die Erfolgsaussichten der Jaezred Chaulssin erh�hen, und wenn sie mit drei Gruppen arbeiteten, sollte es m�glich sein, zwei von ihnen gegen die dritte aufzubringen, wenn das geboten schien. Im Extremfall konnten die Jaezred Chaulssin ihre eigene Macht ins Spiel bringen, aber zahlenm��ig waren sie nicht allzu gewaltig, und es war immer besser, erst die Ressourcen eines Verb�ndeten aufzubrauchen, ehe man die eigenen anging.</p><p>�Ich glaube�, sagte er schlie�lich, �wir werden Horgar gar keine Gelegenheit geben, Eure Hilfe abzulehnen. Ist Euch ein Ort namens S�ulen des Leids bekannt?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es ist eine Schlucht zwischen Gracklstugh und Menzoberranzan�, erkl�rte Nimor. �Ein Ort, mit dem ich Gro�es vorhabe. Ich bin sicher, da� einigen von Kaanyr Vhoks Sp�hern dieser Name vertraut ist. Ich werde daf�r sorgen, da� Ihr wi�t, wie Ihr hingelangt. Kehrt zur�ck zu Kaanyr Vhok und veranla�t ihn, die Geknechtete Legion so schnell wie m�glich zu den S�ulen des Leids zu f�hren. Ihr werdet Eure Gelegenheit bekommen, an der Zerst�rung Menzoberranzans mitzuwirken. Sollte sich der Kronprinz als unvern�nftig erweisen, werden sich Euch andere Gelegenheiten bieten. Ich glaube aber, da� Horgar Eure Beteiligung akzeptieren wird, wenn er erst einmal Euer Heer gesehen hat.�</p><p>�Das klingt riskant.�</p><p>�Risiko ist der Preis f�r eine Gelegenheit. Es l��t sich nicht vermeiden.�</p><p>Aliisza sah ihn nachdenklich an.</p><p>�Nun gut�, sagte sie schlie�lich. �Aber ich warne Euch. Kaanyr wird w�tend auf mich sein, wenn er seine Armee in die Wildnis des Unterreiches f�hrt und er den ganzen Spa� vers�umt.�</p><p>�Ich werde Euch nicht entt�uschen�, versprach Nimor. Er genehmigte sich einen gro�en Schluck Wein und schob seinen Stuhl zur�ck. �Damit h�tten wir unsere Angelegenheit wohl besprochen. Ich danke Euch f�r das k�stliche Essen und die angenehme Gesellschaft.�</p><p>�Ihr wollt schon gehen?� fragte sie mit dem Anflug eines Schmollmunds.</p><p>Sie kam n�her, ein schelmisches Feuer flammte in ihren Augen auf, und Nimor merkte, wie sein Blick �ber die �ppigen Kurven ihres K�rpers glitt. Sie beugte sich vor und legte ihre H�nde auf die Armlehnen seines Stuhls, dann schlo� sie die Fl�gel um ihn. Mit schlangengleicher Anmut glitt sie weiter nach vorn, um an seinem Ohr zu knabbern, und ihr zartes, hei�es Fleisch gegen ihn zu dr�cken.</p><p>�Wenn wir unsere Angelegenheiten schon besprochen haben, Nimor, dann mu� jetzt die Zeit f�r das Vergn�gen gekommen sein�, fl�sterte sie in sein Ohr.</p><p>Nimor sog den k�stlichen Duft ihres Parf�ms ein und merkte, wie seine H�nde sich anschickten, �ber ihre H�ften zu streichen und Aliisza zu sich heranzuziehen.</p><p>�Wenn Ihr darauf besteht�, murmelte er und k��te ihre Kehle.</p><p>Sie schauderte in seinen Armen, w�hrend er die H�nde hob, um ihr Korsett zu �ffnen.</p><empty-line/><p>Die grobschl�chtigen Schaufelr�der an den Seiten von Kohlenhauers Boot schlugen in der Finsternis lautstark auf das Wasser und verursachten, da� es wei� aufsch�umte. Die gro�en Skelette in der Mitte des Gef�hrts bewegten sich unabl�ssig auf und nieder, w�hrend ihre knochigen H�nde die Kurbeln umklammert hielten, die die R�der antrieben. Unerm�dlich gingen sie ihrer geistlosen Arbeit nach, die ihnen durch nekromantische Magie vor Jahren oder vielleicht sogar Jahrzehnten auferlegt worden war. Halisstra hatte von Reisen zu Wasser keine Ahnung, dennoch kam es ihr so vor, als bewege sich Kohlenhauers Boot mit einer Geschwindigkeit vorw�rts, mit der man es nur schwer w�rde aufnehmen k�nnen.</p><p>Sie warf einen Blick �ber die Schulter, um zu sehen, ob ihre Gef�hrten Anzeichen daf�r bemerkt hatten, da� sie verfolgt wurden. Ryld, Jeggred und Pharaun standen am Heck und beobachteten, was sich hinter dem Boot abspielte, Quenthel sa� auf einer Truhe unter der ger�stgleichen Br�cke, den Blick ebenfalls gen Gracklstugh gerichtet, w�hrend Valas auf der Br�cke neben Kohlenhauer stand und darauf achtete, da� der Duergar-Kapit�n auf dem gew�nschten Kurs blieb.</p><p>Halisstra und Danifae hatten sich an den Bug begeben, um darauf zu achten, da� sie nicht in voller Fahrt in eine gef�hrliche Situation gerieten. Halisstra hatte sich nicht die M�he gemacht, etwas gegen diese Verteilung einzuwenden. Die M�nner waren am besten an einer Stelle aufgehoben, an der sie sich zwischen dem Rest der Gruppe und den m�glichen Verfolgern befanden. Zudem war Pharaun vermutlich ihre beste Waffe gegen jeden Angreifer aus Richtung Gracklstugh.</p><p>Von der Stadt war nichts mehr zu sehen, wenn man von dem langgestreckten r�tlichen Lichtschein absah. Das Feuer der Schmieden war auf dem gewaltigen schwarzen Dunkelsee auf viele Kilometer zu sehen und vermittelte ein Gef�hl von Entfernungen, das Halisstra an den unnat�rlichen Anblick in der Welt an der Oberfl�che erinnerte. Seit Stunden bereits bewegten sie sich in s�d�stlicher Richtung von Gracklstugh fort, und es war kein Hinweis auf m�gliche Verfolger zu sehen. Dennoch konnte sich Halisstra des Eindrucks nicht erwehren, sie seien dem Zugriff der Duergar noch l�ngst nicht entronnen. Widerwillig richtete sie ihren Blick wieder auf die unergr�ndliche Finsternis vor dem Boot und �berpr�fte ihre Armbrust, ob sie auch wirklich feuerbereit war.</p><p>Aufmerksam suchte Halisstra ihre Seite des Bugs ab, wobei sie mit der Wasseroberfl�che unmittelbar am Boot begann und sich dann nach au�en weiter vorarbeitete, bis selbst sie in der Schw�rze nichts mehr sehen konnte. Dann kehrte ihr Blick zum Bug zur�ck, und sie begann erneut, nach Gefahren zu suchen. Gro�e Stalaktiten, vielleicht auch S�ulen � es war unm�glich, das zu bestimmen � reichten von der Decke herab und verschwanden im pechschwarzen Wasser. Sie bildeten Hindernisse, um die das Boot herumnavigiert werden mu�te. An anderen Stellen ragten die Spitzen von Stalagmiten aus dem Wasser wie Speere. Kohlenhauer hielt sich von ihnen fern und erkl�rte, auf jede Spitze, die �ber den Wasserspiegel reichte, k�men zwei, die sich dicht unter der Oberfl�che befanden.</p><p>�Nicht zu fassen, da� ich auf dem Deck eines Duergar-Boots kauere, in Lebensgefahr schwebe und auf der Flucht bin aus einer Duergar-Stadt, die ich bis vor drei Tagen noch nie gesehen hatte�, murmelte Halisstra und brach das lang anhaltende Schweigen. �Noch vor zwei Zehntagen war ich Erbin eines gro�en Hauses in einer Adelsstadt. Vor einem Zehntag war ich eine Gefangene, verraten von der geh�ssigen Faeryl Zauvirr, und nun bin ich hier, eine entwurzelte Wanderin, deren Name nichts weiter besagt und die nur das besitzt, was sie in ihrem Gep�ck mit sich f�hrt. Ich verstehe nur nicht, warum es dazu gekommen ist.�</p><p>�Ich bin sehr vertraut damit, da� sich Umst�nde �ndern und das Gl�ck umschl�gt�, entgegnete Danifae. �Welchen Sinn hat es, nach dem Warum zu fragen? Es ist der Wille Lolths.�</p><p>�Ist das so?� fragte Halisstra. �Haus Melarn existierte seit zwei Jahrhunderten oder noch l�nger, und es ging in nur einer Stunde unter, nachdem Lolth unserer Rasse ihre Gunst verweigert hatte. Erst w�hrend ihrer Abwesenheit konnten unsere Feinde uns schlagen.�</p><p>Danifae erwiderte nichts, und Halisstra hatte das auch nicht erwartet. Immerhin kam der Gedanke an sich einer Form von Ketzerei schon bedenklich nahe. Zu unterstellen, irgend etwas k�nnte gegen den Willen Lolths geschehen sein, bedeutete, die Macht der Spinnenk�nigin in Frage zu stellen, und wer das tat, der forderte Tod und Verdammnis heraus, da er ein ungl�ubiger Schw�chling war. Das Schicksal, das die Ungl�ubigen im Leben nach dem Tod erwartete, war zu schrecklich, um auch nur dar�ber nachzudenken. Wenn Lolth nicht entschied, die Seele eines Anh�ngers mitzunehmen in ihr g�ttliches Reich in den Gruben der D�monennetze, war der Geist eines Drow zu Qual und Vergessen in den Ein�den verdammt, wo �ber die Toten aller Art geurteilt wurde. Nur unersch�tterliche Anbetung konnte Lolth dazu bringen, sich f�r einen Drow einzusetzen und ein Leben nach dem Leben zu gew�hren, eine ewige Existenz als Angeh�rige von Lolths g�ttlichen Heerscharen.</p><p>Wenn Lolth tot ist, �berlegte Halisstra, dann werden Verdammnis und Vergessen unvermeidbar, oder nicht?</p><p>Bei dem Gedanken wurde sie bla� und begann vor Entsetzen zu zittern, woraufhin sie rasch aufstand und von der Br�cke wegging, damit die anderen ihr Gesicht nicht sehen konnten.</p><p>Ich darf so etwas nicht denken, ermahnte sie sich. Es wird besser sein, wenn ich mich von allen Gedanken befreie, statt zur Blasphemie zu neigen.</p><p>Sie schlo� die Augen und atmete tief ein, um ihre heimt�ckischen Zweifel zu verdr�ngen.</p><p>�Wir bekommen �rger�, rief Ryld vom Achterdeck. Der Waffenmeister kniete sich hin und sp�hte in die Finsternis. �Drei Boote, alle diesem hier �hnlich.�</p><p>�Ich sehe sie�, sagte Pharaun und sah zur Br�cke. �Kohlenhauer, Ihr hattet doch gesagt, Eures sei das schnellste Boot auf dem Dunkelsee. Darf ich annehmen, da� Ihr etwas �bertrieben habt?�</p><p>Der Zwerg sah mit finsterer Miene in die Finsternis und erwiderte: �Bis heute hat man mich noch nie eingeholt oder �berholt. Woher h�tte ich wissen sollen, da� sich das heute �ndern wird?�</p><p>Er stie� eine Reihe saftiger Verw�nschungen aus und schritt von einer Seite der Br�cke zur anderen, ohne den Blick von den sie verfolgenden Booten zu nehmen.</p><p>�Sie holen nicht schnell auf�, bemerkte Quenthel nach einer Weile. �Sie werden eine Weile brauchen, um uns einzuholen.�</p><p>Halisstra drehte sich um und kletterte um die Br�cke herum, um nach achtern zu blicken. Gerade eben konnte sie die Verfolger ausmachen. Sie folgten mit einer Bogenschu�weite Abstand, schwarze geisterhafte Silhouetten, die sich nur schwach von dem letzten roten Schein abhoben, der anzeigte, wo hinter ihnen die Stadt lag. Ein wei�er Schimmer war bei jedem der Boote dort zu sehen, wo sich der Bug durch das Wasser pfl�gte.</p><p>Sie sah den Duergar an und fragte: �K�nnt Ihr nicht schneller fahren?�</p><p>Kohlenhauer brummte und wies mit einer Hand auf die Skelette, die das Schiff antrieben. �Sie sind schon so schnell, wie es nur geht�, erwiderte er. �Wir k�nnten etwas schneller werden, wenn wir Ballast �ber Bord werfen, aber ob es gen�gen wird, kann ich nicht sagen.�</p><p>�Wie weit noch bis zur S�dwand der H�hle?� fragte Quenthel.</p><p>�Ich kenne diese Region des Sees nicht gut. Vielleicht noch f�nf Kilometer.�</p><p>�Bleibt auf Kurs�, entschied die Baenre. �Sobald wir an Land sind, k�nnen wir jedem Verfolger entkommen oder gegen ihn k�mpfen, sollten wir beschlie�en, nicht zu fliehen.�</p><p>�Was ist mit meinem Boot?� wollte Kohlenhauer wissen. �Habt Ihr eine Ahnung, was ich daf�r bezahlt habe?�</p><p>�Ich bin sicher, Euch nicht eingeladen zu haben mitzukommen, Zwerg�, konterte Quenthel.</p><p>Sie kehrte dem Duergar den R�cken und lie� sich nieder, um abzuwarten, w�hrend sie gedankenverloren �ber ihre Peitsche fuhr und den Blick auf die sich n�hernden Verfolger gerichtet hielt.</p><p>Das Boot fuhr weiter und passierte weitere Stalagmiten, die aus dem Wasser aufragten, w�hrend sich die Verfolger st�ndig n�herten. Halisstra und Danifae hielten nach Hindernissen Ausschau, doch Halisstra mu�te immer wieder �ber die Schulter blicken, um zu sehen, was die Verfolger machten. Jedesmal waren die Boote ein St�ck n�her, und inzwischen konnte sie sogar Bewegung an Deck ausmachen. F�nfzehn Minuten, nachdem die Verfolger zum ersten Mal aufgetaucht waren, begannen sie, auf Kohlenhauers Boot zu feuern. Schwere Armbrustbolzen landeten in ihrem Kielwasser, und plumpe Katapultsch�sse mit gro�en, feurigen Sph�ren jagten am Boot vorbei und trafen gegen die feuchten S�ulen, die ringsum das Wasser durchzogen.</p><p>�Fahrt einen Zickzackkurs�, wies Quenthel den Zwerg an. �Von so etwas wollen wir nicht getroffen werden.�</p><p>�Wenn ich das tue, holen sie uns noch schneller ein�, widersprach Kohlenhauer, begann aber bereits, das Steuerrad mal in die eine, mal in die andere Richtung zu drehen, ohne allzulange auf einem Kurs zu verharren.</p><p>�Ryld, Valas, erwidert das Feuer auf das erste Boot. Benutzt aber h�chstens den halben Vorrat Eurer Pfeile und Bolzen. Wir k�nnten sie sp�ter noch brauchen.� Quenthel sah sich um und nickte Halisstra zu. �Ihr auch. Danifae, halte weiter Ausschau voraus. Pharaun, tut etwas gegen diese Katapulte.�</p><p>Valas wandte sich auf der Br�cke um und stemmte sich gegen das Gel�nder, damit er einen Pfeil auflegen konnte. Er zielte auf das f�hrende Boot und scho�. Ryld und Halisstra taten es ihm einen Augenblick sp�ter nach. Nach einem Flug, der einen Herzschlag lang dauerte, ri� eine winzige Gestalt eines Duergar die Arme hoch und fiel �ber Bord, wo sie unter die Ruderbl�tter geriet. Andere Zwerge eilten umher, um Schutz zu suchen, und hoben Schilde, die sie sch�tzen sollten.</p><p>Pharaun trat vor und gestikulierte k�hn in Richtung des vordersten Boots, wobei er die Worte eines Zaubers hervorstie�. Aus seinen Fingerspitzen scho� eine orangefarbene Flamme, die sich pfeilschnell �ber das Wasser erstreckte und in der Schw�rze zu verschwinden schien, als das Boot sie f�rmlich schluckte. Im n�chsten Augenblick barst eine gewaltige Flamme aus dem Bug der Verfolger empor und �berrollte die Vorderdecks mit einem gewaltigen Fauchen, das in der riesigen H�hle widerhallte. In Flammen geh�llte Duergar taumelten umher, weitere fielen �ber Bord oder sprangen gezielt ins Wasser.</p><p>�Gut gemacht!� rief Quenthel.</p><p>Sogar Jeggred jubelte, doch schon im n�chsten Moment jagte vom zweiten Schiff eine summende Kugel aus blauer Energie heran. Pharaun setzte zu einem Zauber an, um den Angriff abzuwehren, doch es gelang ihm nicht, den Schlag zu stoppen. Glei�ende Blitze h�llten Kohlenhauers Boot ein, die Luft dr�hnte von Dutzenden von Explosionen, als knisternde Elektrizit�t F�sser und Kisten detonieren lie� und Fleisch versengte. Halisstra schrie und fiel aufs Deck, als ein Blitz sich in ihre linke H�fte bohrte, w�hrend Ryld zuckend zusammenbrach. Sein Brustpanzer leuchtete bl�ulich-wei�, da die Energie des Blitzes auf ihn �bergesprungen war.</p><p>Die rudernden Skelette bewegten sich unbeirrt weiter und trieben das Boot an.</p><p>Pharaun ri� seinen Stab heraus und schleuderte einen Blitz auf das Boot, das soeben attackiert hatte. Ein springender Meteor aus blendendem Feuer flog ihnen vom f�hrenden Fahrzeug entgegen und n�herte sich ihnen wie von einem unstillbaren Hunger angetrieben. Zum Gl�ck traf das Gescho� jedoch einen der aus dem Wasser ragenden Felsen, wo es detonierte und sich auf der Wasseroberfl�che in einen Teppich aus brennender Fl�ssigkeit verwandelte. Das dritte Boot feuerte erneut sein Katapult ab und schickte einen kometengleichen Feuerball in ihre Richtung, der die Br�cke knapp verfehlte und ein St�ck weit vor ihnen explodierte.</p><p>�Verdammt!� fauchte Kohlenhauer. �Sie sind in Schu�weite!�</p><p>�Scheinbar bin ich ein wenig in der Unterzahl�, rief Pharaun zwischen zwei Zaubern. �Vielleicht sollten wir mehr Energie auf unsere Flucht verwenden?�</p><p>Pfeile schossen an ihnen vorbei und prallten vom Boot ab oder bohrten sich lautstark ins Zurkhholz des Decks.</p><p>�Halisstra�, rief Pharaun. �W�rdet Ihr meinen Stab nehmen � den, den ich in der Hand halte � und ihn benutzen, um den Kerl im ersten Boot zu entmutigen?�</p><p>Sie ignorierte den hei�en Schmerz in der H�fte und k�mpfte sich zum Heck vor. Sie nahm den Eisenstab an sich, zielte auf das f�hrende Boot und br�llte den Befehl. Die Luft knisterte vor Funken und Ozon, als ein Blitz auf den Verfolger zujagte, der dann wirkungslos an irgendeinem Schutzzauber verpuffte, der von den Duergar-Magiern hinter ihnen gewirkt worden war.</p><p>Pharaun griff zu einem anderen Zauber, woraufhin hinter dem Boot ein dichter wei�er Nebel entstand, der sich rasend schnell auf dem Wasser ausbreitete und wie eine wei�e Wand wirkte, die den verfolgenden Booten jegliche Sicht nahm.</p><p>�So�, meinte Pharaun. �Das sollte sie etwas aufhalten.�</p><p>�Das ist Nebel. Werden sie nicht einfach hindurchsegeln?� fragte Ryld.</p><p>�Das ist kein gew�hnlicher Nebel, Freund. Dieser Nebel ist dick genug, um einen Pfeil im Flug zu stoppen. Au�erdem ist er h�chst �tzend, so da� jeder, der sich in ihm aufh�lt, zerfressen wird.� Pharaun l�chelte und verschr�nkte die Arme. �Oh, verdammt, was bin ich gut.�</p><p>Quenthel �ffnete den Mund, um etwas gegen das Eigenlob des Magiers einzuwenden, als Danifae schrie: �Stop! Felsen voraus! Halt!�</p><p>�Verfluchte H�lle!� keuchte Kohlenhauer. �Volle Kraft zur�ck! Volle Kraft zur�ck, ihr gro�en knochigen Tolpatsche!�</p><p>Die kurbelnden Skelette verlangsamten ihre hektischen Bewegungen, konnten aber nicht all die schweren R�der gleichzeitig anhalten, so da� die Schaufeln sich nur langsam in die entgegengesetzte Richtung zu drehen begannen. Der Zwerg wartete nicht ab, bis sie fertig waren, sondern ri� das Ruder herum, um das Boot beizudrehen und den Felsen auszuweichen, die wie eine Reihe schwarzer Rei�z�hne vor ihnen aufragten. Sie schienen den Rand des Sees erreicht zu haben, der rasch seichter wurde und an die abfallende Decke traf. Das Ufer erstreckte sich nach links und rechts, soweit Halisstra sehen konnte. Das Boot wurde langsamer, und der Steuerbordbug prallte von einem gl�cklicherweise abgerundeten Stein auf ihrem Weg ab. Der Aufprall lie� jeden an Bord taumeln, und fast w�re Danifae �ber Bord geschleudert worden.</p><p>�Was nun?� fragte Ryld. �Jetzt sitzen wir an der H�hlenwand fest.�</p><p>�Wie lange wird Euer Nebel die Duergar aufhalten?� herrschte Quenthel Pharaun an.</p><p>�Ein paar Minuten�, antwortete er. �Nat�rlich k�nnen sie umkehren und ihn umfahren.�</p><p>Pharaun studierte sein Werk. In der Ferne waren die Schmerzensschreie der Duergar zu h�ren, die durch den wei�en Nebel eigenartig dumpf klangen.</p><p>�Der Nebel wird nicht viele von ihnen t�ten oder ausschalten�, f�gte der Magier an. �Ich glaube auch nicht, da� er ihre Boote versenken wird.�</p><p>�Dann m�ssen wir von Bord gehen�, entschied Quenthel und zeigte auf die H�hlenwand. �Wir suchen zwischen den Felsen Schutz und halten uns bedeckt. Das Boot schicken wir in diese Richtung� � sie wies nach Osten � �und lassen die M�nner des Kronprinzen die Verfolgung aufnehmen.�</p><p>�Ich werde nicht Eure Ablenkung spielen!� warf Kohlenhauer ein. �Ihr habt mir das hier eingebrockt, Ihr werdet mich da auch wieder rausholen!�</p><p>Die Drow ignorierten den Duergar und warfen ihr Gep�ck auf die nassen Felsen vor dem Bug. Jeggred sprang in das eisige Wasser und kletterte an Land, dicht gefolgt von Ryld und Pharaun. Valas kam von der Br�cke geeilt und folgte ihnen.</p><p>�Ihr verschwendet meine Zeit!� herrschte Quenthel den Kapit�n an. �Macht Euch auf den Weg. Versucht Euer Gl�ck oder bleibt hier und macht Bekanntschaft mit dem Draegloth.�</p><p>Sie sprang leichtf��ig auf die Findlinge, Halisstra und Danifae taten es ihr nach.</p><p>�Aber wenn Ihr ... ach, Ihr sollt verdammt sein und in Lolths H�lle schmoren!� fluchte Kohlenhauer.</p><p>Er eilte zur�ck auf die Br�cke und rief den Skeletten an den Rudern neue Befehle zu. Langsam entfernte sich das Boot von den Felsen.</p><p>�Wenn man mich zu fassen kriegt�, schrie er ihnen zu, �werde ich ihnen ganz genau sagen, wo sie Euch finden k�nnen!�</p><p>Quenthel kniff die Augen zusammen und wollte Jeggred losschicken, doch Halisstra sch�ttelte den Kopf und setzte zu einem tiefen, vibrierenden <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Lied an. Sie nahm ihre Willenskraft zusammen und schleuderte es dem ver�rgerten Zwerg nach.</p><p>�Tretet die Flucht an�, zischte sie. �Flieht, so schnell Ihr k�nnt, und la�t Euch nicht festnehmen. Wenn sie Euch einholen, dann ist es besser, in Sicherheit zu schwimmen als Euch festnehmen zu lassen.�</p><p>Das unsichtbare Netz des Zaubers senkte sich wie ein Schnee aus t�dlichem Gift auf den Zwerg herab. Mit aufgerissenem Mund sah er zu Halisstra, dann fuhr er herum und setzte alles daran, mit seinem Boot Fahrt aufzunehmen, ehe sich der Nebel lichtete. Quenthel sah zu Halisstra und hob eine Braue.</p><p>�Es schien mir das beste, daf�r zu sorgen, da� er so flieht, wie wir es wollten�, erkl�rte Halisstra, w�hrend sie rasch ihre Sachen einsammelte und in den Schutz der Findlinge und Stalagmiten oberhalb des Wasserspiegels eilte.</p><p>Quenthel folgte ihr mit einem Schritt Abstand. Sie liefen durchs Wasser an Land und brachten sich hinter einem gro�en Felsen in Sicherheit, als soeben das erste Boot der Duergar auftauchte, das immer noch an einzelnen Stellen gl�hte, an denen Pharauns Feuerball es getroffen hatte. Die Drow zogen ihre Pi-<emphasis>wafwis</emphasis> eng um sich und regten sich nicht, w�hrend sie zusahen, wie die Duergar aus dem Schutz hervorkamen, den sie vor dem �tzenden Nebel aufgesucht hatten.</p><p>Einer der Duergar rief etwas und deutete in die Finsternis, woraufhin die anderen in den L�rm einstimmten. Dann beschrieben sie eine scharfe Wendung und machten sich daran, Kohlenhauers Boot zu verfolgen, das in der Dunkelheit verschwand.</p><p><emphasis>Gut,</emphasis> signalisierte Pharaun. <emphasis>Ich hatte bef�rchtet, sie k�nnten Magie anwenden, um uns zu folgen. Es sieht so aus, als w�rde Meister Kohlenhauer uns doch noch einen letzten Dienst erweisen.</emphasis></p><p><emphasis>Was glaubst du, wird passieren, wenn sie ihn zufassen bekommen?</emphasis> fragte Ryld.</p><p>Die Boote der Duergar waren soeben au�er H�rweite.</p><p>�Das wird davon abh�ngen, ob er schwimmen kann oder nicht�, meinte Halisstra.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Nach einem langen Tagesmarsch, bei dem die Gruppe nur eine kurze Pause einlegte, um Pharaun Zeit genug zu geben, damit er die Nachricht �ber die Armee von Gracklstugh an Gromph schicken konnte, erreichten sie endlich das Labyrinth. Sie gelangten von gewundenen, g�nzlich unerforschten G�ngen in ein System aus kilometerlangen nat�rlichen Stollen, die immer wieder von in den Fels gehauenen Wegen und kleinen, w�rfelf�rmigen Kammern unterbrochen wurden. Kohlenhauer, sein Boot und die Verfolger aus Gracklstugh hatten sie mindestens drei�ig Kilometer hinter sich gelassen.</p><p>Die Tunnel waren aus schwarzem Basalt, kalt und scharfkantig, die erstarrten �berreste der gewaltigen Feuer aus der Zeit, als die Welt ihren Anfang nahm. Von Zeit zu Zeit stie� die Gruppe dort, wo Tunnel an glatten W�nden endeten, auf Hunderte von Metern hohe Klippen, in die man grobschl�chtige und gef�hrlich aussehende Stufen gehauen hatte, die auf andere Ebenen f�hrten, auf denen der Pfad fortgesetzt wurde. Ganze Schichten der Kruste dieser Welt waren hier in sich zusammengesunken oder zerrissen worden, hatten alte Lavatunnel abgetrennt und gewaltige, lichtlose Sch�chte tief im Erdinneren hinterlassen. Manche dieser Stellen wurden von schmalen Steinbr�cken �berspannt, oder es verliefen grob behauene Pfade um sie herum, die man in die Felsw�nde geschlagen hatte. Egal, wohin sie sich wandten, zweigten weitere quadratische G�nge und gewundene Tunnel mit glattem Boden von ihrem Weg ab, so da� Halisstra nach gut einer Stunde einr�umen mu�te, jegliche Orientierung verloren zu haben.</p><p>�Ich verstehe, warum man diesen Ort als das Labyrinth bezeichnet�, fl�sterte sie, als sich die Gruppe auf einem schmalen Vorsprung bewegte, der eine weitere Schlucht s�umte. �Das ist wahrhaftig ein Irrgarten.�</p><p>�Es ist noch schlimmer, als Ihr glaubt�, erwiderte Valas, der an der Spitze der Gruppe ging. Er blieb stehen, um den Weg vor ihnen sowie einen der unz�hligen Seiteng�nge zu studieren. �Von Norden nach S�den erstreckt es sich �ber fast dreihundertf�nfzig Kilometer, und von Osten nach Westen mi�t es ungef�hr die halbe Strecke. Der gr��te Teil sieht so aus wie dieser Abschnitt hier, also ein Wirrwarr aus Lavatunneln und in den Fels gehauenen Stollen mit Tausenden von Kehren und Verzweigungen.�</p><p>�Wie kannst du eigentlich hoffen, hier das Haus Jaelre zu finden?� fragte Ryld. �Kennst du diesen Ort so gut, da� du ihn beherrschst?�</p><p>�Ihn beherrschen? Kaum. Man k�nnte sein ganzes Leben hier verbringen und w�rde doch nicht jede Stelle zu Gesicht bekommen. Aber ich kenne einige Wege. Auf den nicht allzu gewundenen Pfaden existieren ein paar h�ufig benutzte Karawanenrouten, allerdings liegt keine davon in unserer N�he. Nur wenige Reisende dringen wie wir aus dem Osten ins Labyrinth vor.� Der Sp�her ging ein kleines St�ck voraus und strich mit der Hand an der Stelle an der Wand entlang, an der sich wieder ein Tunnel �ffnete. Alte, seltsame Symbole leuchteten unter seinen Fingerspitzen gr�nlich auf. �Zum Gl�ck mei�elten die Erbauer Runen in den Fels, um die geheimen Wege zu kennzeichnen. Es ist ein Code, der im gesamten Labyrinth G�ltigkeit besitzt. Dieses R�tsel habe ich bei meinem letzten Besuch hier entschl�sselt. Dieser Tunnel ist mir nicht vertraut, aber ich glaube zu wissen, wie wir unser Ziel erreichen.�</p><p>�Du bist ein Mann mit vielen Talenten�, stellte Pharaun fest.</p><p>�Wer schuf diese Tunnel?� fragte Halisstra. �Wenn dieser Ort so gro� ist, wie Ihr sagt, mu� es seinerzeit ein m�chtiges Reich gewesen sein, doch ich sehe auf den ersten Blick, da� diese Markierungen nicht von unseren Vorfahren stammen. Sie sind auch nicht von Duergar, Illithiden oder Abolethen.�</p><p>�Minotauren�, erwiderte Valas. �Ich wei� nicht, wann ihr Reich entstand und unterging, doch irgendwann gab es einmal ein gro�es Minotauren-K�nigreich.�</p><p>�Minotauren?� gab Quenthel ver�chtlich zur�ck. �Das sind bestialische Wilde. Sie k�nnen kaum den Verstand oder die Geduld besessen haben, um eine Arbeit von solchen Ausma�en in Angriff zu nehmen, ganz zu schweigen davon, ein K�nigreich zu f�hren.�</p><p>Valas zuckte die Achseln und sagte: �Das mag heute so sein, aber wer wei�, was vor tausend Jahren war? Ich fand zahlreiche ihrer Artefakte und �berreste, die hier �berall verstreut sind. Ihre geh�rnten Sch�del sind sehr markant. Meine Freunde im Haus Jaelre sagten mir, viele Minotauren hielten sich noch heute an einsamen Orten und in nicht mehr benutzten G�ngen des Labyrinths auf, darunter auch d�monische Bestien, die �ber m�chtige Hexenkr�fte verf�gen. Ihre Patrouillen liefern sich mit diesen Monstern regelm��ig K�mpfe.�</p><p>�Ich frage mich allm�hlich, ob wir irgendwann auf unserer Reise auch ein Reich vorfinden werden, in dem ein fr�hliches, zivilisiertes V�lkchen lebt, das wirklich um unser Wohlergehen besorgt ist und uns gerne seine Hilfe gew�hrt�, murmelte Pharaun.</p><p>�Ich glaube bald, unsere sch�ne Stadt stehe am Boden eines Fasses voller Giftschlangen.�</p><p>�Wenn dem so ist, dann sind wir schneller, st�rker und giftiger als jede andere Schlange im Fa߫, sagte Quenthel l�chelnd. �La�t uns weitergehen. Wenn hier Minotauren unterwegs sind, dann w�ren sie gut beraten, sich nicht dort zu zeigen, wo die Kinder Menzoberranzans gehen.�</p><p>Die Gruppe marschierte noch mehrere weitere Stunden durch die endlosen d�steren H�hlen und gewundenen G�nge, ehe sie eine Pause einlegte, um sich auszuruhen und wieder zu Kr�ften zu kommen. Der Abschnitt des Labyrinths, in dem sie sich befanden, schien fast v�llig verlassen zu sein. Es fanden sich nur wenige Hinweise darauf, da� irgend jemand hier in den letzten Jahren entlanggegangen war, die J�ger des Unterreiches eingeschlossen, die rein instinktiv handelten, aber keinen Verstand besa�en. Um sie herum wirkte alles unnat�rlich ruhig, und jedes Mal, wenn die Unterhaltung f�r einen Moment stockte und Schweigen einsetzte, schien die Stille f�rmlich auf sie einzust�rmen und wirkte auf eine Weise feindselig, als verabscheue das Gestein selbst die Anwesenheit der Gruppe.</p><p>Nachdem Valas und Ryld die Wache �bernommen hatten, wickelten sich die anderen in ihren <emphasis>Piwafwi</emphasis> und machten es sich auf dem kalten Steinboden der H�hle bequem. Halisstra schlo� die Augen halb und versank in tiefe Trance, wobei sie von endlosen Tunneln und von sonderbaren alten Geheimnissen tr�umte, die tief unter Schimmel begraben waren. Im Traum glaubte sie, in der Stille ein schwaches, fernes Rascheln oder Fl�stern zu h�ren, das so weit entfernt war, da� sie das Gef�hl hatte, es deutlicher vernehmen zu k�nnen, wenn sie sich ein St�ck weit von der Gruppe entfernte und sich tiefer in die Dunkelheit begab. Obwohl sich die Luft nicht im mindesten regte, nahm sie aus der Ferne das tiefe Seufzen eines Windes wahr, der irgendwo in den Tunneln wehte, ein dumpfes Wehklagen, das sich am Rand ihrer Wahrnehmung bewegte � so wie etwas Wichtiges, das ihr entfallen war, aber noch eben greifbar zu sein schien. Manchmal war es Lolth, die so fl�sterte, das zischende Seufzen einer wortlosen Botschaft, die eine Priesterin mit dem Wissen erf�llte, welchen Wunsch die D�monenk�nigin hatte.</p><p>Furcht und Hoffnung regten sich in Halisstras Herz, und sie kam dem Erwachen n�her.</p><p><emphasis>Was ist dein Wunsch, G�ttin?</emphasis> schrie sie im Geiste. <emphasis>Sag mir, wie Haus Melarn wieder deine Gunst erlangen kann. Sag mir, wie Ched Nasad wiederauferstehen kann. Ich werde alles tun, was du verlangst!</emphasis></p><p><emphasis>Treulose Tochter,</emphasis> fl�sterte der Wind ihr zu. <emphasis>Schwache N�rrin.</emphasis></p><p>Entsetzen ri� Halisstra aus ihrer Trance, und sie schrak mit rasendem Herzen auf.</p><p>Nur ein Traum, sagte sie sich. Ich habe getr�umt, was ich mir w�nschte. Ich habe getr�umt, wovor ich mich f�rchte, weiter nichts. Lolth hat nicht gesprochen. Sie hat mich nicht verdammt.</p><p>Ein St�ck neben ihr lagen oder sa�en die anderen auf dem Boden und waren in ihre eigene Meditation versunken. Etwas weiter entfernt hielt Ryld Wache, eine breitschultrige, reglose Gestalt in der Finsternis. Die Tochter des Hauses Melarn senkte den Blick und lauschte den befremdlichen Ger�uschen, die der Wind ringsum in der Finsternis verursachte, die ihre Leute f�r sich beansprucht hatten.</p><p>�Lolth spricht nicht�, fl�sterte sie. �Ich habe nur den Wind geh�rt, sonst nichts.�</p><p>Warum hat Lolth uns versto�en? Warum hat sie den Untergang Ched Nasads zugelassen? Was taten wir, um ihren Zorn zu wecken? fragte sich Halisstra. Tr�nen der Verbitterung stiegen ihr in die Augen. Sind wir ihrer unw�rdig?</p><p>Der Wind kam erneut auf, diesmal n�her und lauter. Es war kein Pfeifen oder Rauschen, vielmehr erinnerte es sie an ein tieft�nendes Horn, das in der Ferne geblasen wurde, vielleicht sogar mehrere. Das Ger�usch wurde lauter. Halisstra kniff die Augen zusammen. Handelte es sich um ein merkw�rdiges Ph�nomen des Labyrinths, einen Luftstrom, der durch die r�hrengleichen Tunnel in der Dunkelheit pfiff? Derlei war an anderen Orten des Unterreiches nicht unbekannt. In manchen F�llen kamen diese Winde so pl�tzlich auf und waren so stark, da� sie alles Leben aus einem Tunnel wehen konnten. Dieser Wind hier murmelte und dr�hnte, w�hrend sie zuh�rte, viele gro�e H�rner, die gleichzeitig erschollen �</p><p>Halisstra sprang auf. Ryld stand da und beobachtete den Weg, den sie gekommen waren, Splitter funkelte in seiner Hand.</p><p>�H�rt Ihr sie?� rief sie Ryld zu. �Die Minotauren kommen!�</p><p>�Ich dachte, es sei der Wind�, knurrte Ryld. �Weckt die anderen.�</p><p>Er rannte den Gang entlang, der nahenden Heerschar entgegen, und rief Valas zu, er solle seinen Posten auf der anderen Seite der Gruppe verlassen und sich ihm anschlie�en. Halisstra hob ihr Gep�ck auf und warf es sich �ber die Schulter, gleichzeitig weckte sie die Gruppe mit Alarmrufen und einem gelegentlich Fu�tritt auf, wenn einer von ihnen nicht schnell genug aus der tiefen Trance erwachte.</p><p>Sie machte ihre Armbrust bereit und spannte einen Bolzen ein, w�hrend sie den Tunnel hinter ihnen im Auge behielt.</p><p>Der Boden begann unter ihren F��en zu beben. Schwere Schritte, die sich anh�rten wie herabst�rzende Felsbrocken, kamen immer n�her, und von den W�nden des Durchgangs wurde tiefes Bellen und Schnaufen wieder und wieder zur�ckgeworfen, um sich zu einer gewaltigen Kakophonie zu vereinen. Ein hei�er, tierischer Gestank schlug ihr entgegen, und dann sah sie sie � eine heranst�rmende Menge aus massigen Kreaturen mit Stierk�pfen, zotteligem Fell und schweren Hufen. In ihren kraftvollen H�nden hielten sie schwere �xte und Flegel.</p><p>Vor dieser heranrollenden Naturgewalt wurden Ryld und Valas Hune hergetrieben, die auf Halisstra wirkten wie Spatzen, die von einer Sturmfront erfa�t wurden. Sie k�mpften mit aller Macht gegen die blutr�nstigen Kreaturen um ihr Leben. Halisstra legte an und scho� einem der Monster einen Bolzen genau in die Brust, doch das Gesch�pf war so im Blutrausch, da� es das Gescho� einfach ignorierte, das sich in seinen Torso gebohrt hatte. Sie legte den n�chsten Bolzen ein und wollte zielen, als sich ihr Jeggred in den Weg stellte.</p><p>�Jeggred, du Idiot, es sind zu viele, du kannst sie nicht bek�mpfen!� schrie sie.</p><p>Der Draegloth nahm keine Notiz von ihr und st�rzte der Horde entgegen. Einen Moment lang konnten die Gr��e und die Wut des Halbd�mons dem Ansturm der Minotauren standhalten, doch �ber Jeggreds wei�haarige Schultern und die aufblitzenden Klingen von Ryld und Valas hinweg konnte Halisstra Dutzende mehr der behaarten Monster erkennen, die mit Rei�z�hnen bewehrten M�uler aufgerissen, um Befehle zu schreien, die Augen vor Zorn rotgl�hend. Einige von ihnen waren Splitter, Valas� geschwungenen Klingen und Jeggreds Klauen zum Opfer gefallen, doch die kampfl�sternen Minotauren lie�en sich nur von den schwersten Verletzungen stoppen, ansonsten stiegen sie sogar in den eigenen Reihen �bereinander, um zu den Drow-Eindringlingen zu gelangen.</p><p>Halisstra beugte sich zu einer Seite und feuerte wieder, w�hrend sich Danifae mit der eigenen Armbrust in den Kampf einmischte. Quenthel t�nzelte dicht hinter Jeggred hin und her und schlug mit ihrer t�dlichen Peitsche nach den Monstern, die versuchten, den Draegloth zu �berwinden. Pharaun stie� ein arkanes Wort aus, das eine grelle Kugel aus knisternder Energie in die Gruppe der Minotauren schleuderte. Die Sph�re detonierte mit einem Donnerhall, glei�ende Blitze sch�ssen in hohem Bogen durch den Tunnel, die einige Minotauren auf der Stelle zu Asche verbrannten und anderen gro�e schwarze Brandwunden zuf�gten.</p><p>Im sengenden Schein des Lichtblitzes machte Halisstra etwas aus, das gr��er und schlanker war als die Minotauren, etwas, das sich hinter der vordersten Reihe aufhielt, eine d�monische Pr�senz ... nein ... mehrere D�monen, die die w�tenden Kreaturen weiter vorantrieben. Gewaltige schwarze Fl�gel h�llten die Gesch�pfe in Schatten, ihre dunklen H�rner gl�hten vor Hitze rot.</p><p>Grollen und Bellen erf�llte den Gang, w�hrend das Dr�hnen von Stahl auf Stahl so schnell und heftig kam, da� Halisstra sich kaum noch selbst h�ren konnte. �Da hinten sind D�monen!�</p><p>�Ich sehe sie�, erwiderte Quenthel. Sie wich ein paar Schritte zur�ck und packte Pharaun am Arm. �K�nnt Ihr sie bannen?�</p><p>�Ich habe keinen solchen Zauber bereit�, gab der Magier zur�ck. �Au�erdem wird es uns nicht aus dieser kleinen Zwangslage retten, wenn ich uns von den D�monen befreite. Ich denke ...�</p><p>�Mich interessiert nicht, was Ihr denkt!� schrie QuentheL �Wenn Ihr die D�monen nicht bannen k�nnt, dann versperrt ihnen den Weg!�</p><p>Pharaun verzog das Gesicht, gehorchte aber und begann einen weiteren Zauber. Halisstra lud nach und suchte nach einer weiteren Gelegenheit, auf die Angreifer zu feuern. Ryld duckte sich und durchtrennte einem Minotaur die Kniesehnen, der ihn mit einer Axt angriff, die massiv genug war, um einen Ambo� zu spalten, dann zog der K�mpfer sein Schwert nach oben und schlitzte den Bauch der Kreatur auf, ehe er sich abrollte. Valas wurde von einer Kette getroffen, die ihm die Beine wegri�. Der Sp�her rollte sich ab und entging nur knapp dem Schlag seines Gegners, der ihm den Sch�del zerschmettert h�tte.</p><p>Einer oder mehrere D�monen hinter den anst�rmenden Minotauren wirbelten den Drow ein Sperrfeuer aus gr�nen Feuerkugeln entgegen. Eine von ihnen l�ste sich auf, als sie mit Quenthels angeborener Widerstandskraft gegen Magie in Ber�hrung kam, zwei andere bescherten Pharaun und Danifae �tzende Brandwunden. Dennoch gelang es dem Magier, seinen Zauber zu Ende zu f�hren.</p><p>Etwas, das Halisstra f�r eine Art unsichtbare Barriere hielt, zwang die meisten Minotauren und ihre d�monischen Herren zum R�ckzug, w�hrend einige K�mpfer in vorderster Front mit einem Mal von ihresgleichen abgeschnitten waren. Die Angreifer versuchten, gegen Pharauns unsichtbare Mauer anzurennen und sich mit grobschl�chtigen, plumpen Waffen einen Weg zu schaffen, in der Zwischenzeit �berw�ltigten die Drow jene Minotauren, die das Pech hatten, auf ihrer Seite in der Falle zu sitzen.</p><p>Innerhalb weniger Augenblicke wurden die Schreie und der Kampfesl�rm zu einem dumpfen schwachen Gebr�ll der Minotauren auf der anderen Seite der Barriere, die durcheinanderrannten und den Drow mit ihren Waffen drohten. Pl�tzlich machten alle Minotauren kehrt und hasteten in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren. Ein Dutzend oder mehr massiger Kadaver wurden auf dem Steinboden zur�ckgelassen.</p><p>Ryld wich zur�ck und half Valas auf. Jeggred stand keuchend da und blutete aus einem Dutzend kleiner Wunden.</p><p>�Wie lange wird die Wand halten?� wollte Quenthel wissen.</p><p>�Im besten Fall eine Viertelstunde�, antwortete Pharaun. �Die D�monen d�rften sie durchdringen k�nnen, wenn sie es wollten. Aber ich vermute, sie f�hren die Minotauren durch andere Tunnel, damit sie uns von der anderen Seite her angreifen k�nnen. Darf ich vorschlagen, da� wir uns so schnell wie m�glich von hier entfernen, ehe wir erfahren, wie sie es anstellen, das Hindernis zu umgehen?�</p><p>Quenthel zog die Brauen zusammen, nahm ihr Gep�ck und sagte: �Also gut, brechen wir auf.�</p><empty-line/><p>W�re es seine Art gewesen, Sorge zu zeigen, indem er in seinem Arbeitszimmer auf und ab gegangen w�re, dann h�tte Gromph in der vergangenen Stunde nichts anderes gemacht als genau das. So aber starrte er in die gro�e Kristallkugel, die im Mittelpunkt seines Aussp�hzimmers ruhte und Pharauns Bericht best�tigte. Wie hatte der Meister Sorceres sich gleich noch ausgedr�ckt?</p><p>Gratulation, m�chtiger Gromph. Es d�rfte Euch interessieren, da� die Armee Gracklstughs gegen Menzoberranzan vorr�ckt. Wir folgen weiter unserem Weg. Viel Gl�ck!</p><p>�Arroganter Laffe�, murmelte Gromph. Der Junge hatte keinerlei Respekt vor �lteren.</p><p>Ehe er panisch zu den Muttermatronen st�rmte, hatte Gromph nat�rlich beschlossen, Pharauns Bericht zun�chst einmal durch eigenes sorgf�ltiges Aussp�hen und Betrachten nachzugehen. Die milchige Kugel enth�llte vor den Augen des Erzmagiers eine Szene, die eine lange Kolonne marschierender Duergar-Krieger zeigte, die sich den Weg durch das Unterreich bahnten. Riesige Packechsen trugen betr�chtliche Vorr�te sowie infernalische Kriegsmaschinen. Belagerungseinheiten wurden von langen Reihen von Oger-Sklaven gezogen.</p><p>Es war schwierig gewesen, allein diesen Blick auf die vorr�k-kende Armee zu werfen, da Duergar-Magier alles unternahmen, um die Bewegungen der Armee ihres Prinzen vor der Aussp�hung durch feindliche Magier zu verbergen. Gromph war allerdings ein hervorragender Erkenntniszauberer und hatte zwar eine Weile gebraucht, es letztlich aber geschafft, die Abwehrmechanismen der Duergar-Magier zu durchdringen.</p><p>Gromph studierte die Szene gr�ndlich und hielt nach den kleinsten Details Ausschau � dem Emblem der marschierenden Soldaten, der exakten Gr��e und Beschaffenheit der Tunnel, die sie durchschritten, dem Rhythmus der zwergischen Marschges�nge. Er wollte ganz sicher sein, da� er das Ausma� und die Unmittelbarkeit der Bedrohung kannte, ehe er den Rat darauf aufmerksam machte, weil er wu�te, da� die Muttermatronen davon ausgingen, da� er die Antworten auf all ihre m�glichen Fragen ausgesp�ht hatte. Die beunruhigendste Frage war nat�rlich, wie lange es wohl gedauert h�tte, von der marschierenden Armee zu erfahren, w�re Pharaun nicht zuf�llig durch Gracklstugh gekommen. Die Duergar konnten die halbe Strecke zwischen den beiden St�dten zur�ckgelegt haben, ehe ein Au�enposten oder eine Patrouille auf sie aufmerksam wurde, die weit von Menzoberranzan unterwegs war.</p><p>�Verdammt�, grollte der Erzmagier.</p><p>Egal ob Menzoberranzan bereit war oder nicht, die n�chste Herausforderung an die Stadt sammelte sich gerade hundert-f�nfzig Kilometer im S�den in den rauchigen Gruben des Duergar-Reiches. Gromph seufzte und kam zu dem Schlu�, da� er sich auch sofort der unerfreulichen Aufgabe stellen konnte, den Rat davon in Kenntnis zu setzen. Er erhob sich, strich sein Gewand glatt und griff nach seinem Lieblingsstab. Es w�rde ihm nicht gut zu Gesicht stehen, wenn er nicht v�llig selbstsicher vor die Muttermatronen trat, schon gar nicht, wenn es sich um so unangenehme Neuigkeiten handelte.</p><p>Eben wollte er in den steinernen Schacht im hinteren Teil des Raums eintreten, um sich in seine Gem�cher in Sorcere zu begeben, als er ein vertrautes, kribbelndes Gef�hl versp�rte. Jemand sp�hte ihn aus � eine bemerkenswerte Leistung, wenn man ber�cksichtigte, was er alles unternommen hatte, um etwas Derartiges zu verhindern. Gromph machte sich an einen Zauber, der die magische Aussp�hung unterbrechen sollte, doch dann hielt er inne. Er war mit nichts befa�t, was er h�tte verbergen wollen, und war neugierig, ob wohl ein Duergar-Magier bemerkt hatte, da� Gromph sie ausgesp�ht hatte.</p><p>�Gibt es etwas, das Ihr mir sagen wollt�, fragte er, �oder soll ich Euch dort, wo immer Ihr sitzt, blenden?�</p><p><emphasis>Spart Euch den Zauber,</emphasis> antwortete eine kalte, rauhe Stimme in seinem Kopf. <emphasis>Ich habe schon seit �ber tausend Jahren keine Augen mehr im Sch�del, da bezweifle ich, da� Euer Zauber irgendwelchen Schaden anrichten k�nnte.</emphasis></p><p>�Meister Dyrr�, sagte Gromph irritiert. �Welcher Ehre verdanke ich den Umstand Eurer Anwesenheit?�</p><p>Und wie habt Ihr mich gefunden? fragte er sich, achtete aber darauf, die Frage nicht laut auszusprechen.</p><p><emphasis>Ich will die Unterhaltung fortsetzen, die wir vor einigen Tagen begonnen haben, junger Gromph,</emphasis> erwiderte der Leichnam. <emphasis>Ich will auf mein urspr�ngliches Angebot zur�ckkommen und Euch genauer beschreiben, was mir vorschwebt. Denn wenn ich Euch bitte, mir zu vertrauen, dann werde ich Euch schlie�lich erst ein Zeichen meines Vertrauens in Euch geben m�ssen.</emphasis></p><p>�Durchaus. Ich w�rde mich freuen, Euch zu Diensten zu sein, doch im Moment mu� ich mich in einer wichtigen Angelegenheit zum Rat begeben. Vielleicht k�nnen wir das Gespr�ch etwas sp�ter f�hren?�</p><p>Gromph sah sich im Raum um und entdeckte die Kristallkugel im Erker der Kammer. In ihr wirbelte ein perlmuttgr�nes Farbenspiel.</p><p>Ach, nat�rlich, ging es dem Erzmagier durch den Kopf. Er konnte mich hier finden, wo meine Schutzma�nahmen gegen feindliches Aussp�hen am schw�chsten sind, da ich selbst Transparenz zum Aussp�hen ben�tige. Ich mu� dar�ber nachdenken, wie ich den Raum gegen solche Vorkommnisse sch�tzen kann, ohne meine eigenen M�glichkeiten einzuschr�nken.</p><p><emphasis>Ich f�rchte, ich mu� jetzt mit Euch reden,</emphasis> dr�ngte Dyrr. Ich <emphasis>werde Euch nicht lange aufhalten, und ich glaube, Ihr werdet froh sein, mir erst zugeh�rt zu haben, ehe Ihr Euch den r�nkeschmiedenden Frauen stellt. Darf ich Euch aufsuchen?</emphasis></p><p>Gromph hielt inne und sah hinauf zu der unsichtbaren Pr�senz, die ihn beobachtete, wobei er einen finsteren Blick unterdr�cken mu�te. Eine Kreatur wie Dyrr in seine eigenen R�umlichkeiten einzuladen war keine Sache, die er auf die leichte Schulter nahm. Ganz gleich, wie wichtig das sein mochte, was der alte Hexenmeister zu sagen hatte, so war es doch eine Tatsache, da� die Muttermatronen nicht erfreut darauf reagieren w�rden, wenn er sie warten lie�. Er trommelte mit den Fingern auf den Holzstab in seiner Hand und �berlegte, was er tun sollte. Nach M�glichkeiten wollte er auch Dyrr nicht ver�rgern, und wer mochte schon sagen, worauf der Leichnam nach Jahrhunderten des Daseins als Untoter �rgerlich reagieren w�rde. Abgesehen davon war Gromph in seinem Arbeitszimmer, in dem er auf zahlreiche wirkungsvolle magische Verteidigungsmittel zur�ckgreifen konnte ...</p><p>�Gut, Meister Dyrr. Allerdings mu� ich darauf bestehen, da� wir uns kurz fassen, denn meine Angelegenheit beim Rat ist von h�chster Dringlichkeit.�</p><p>Die Luft ein St�ck vor dem Erzmagier begann zu brodeln und zu vibrieren, und von einem pl�tzlichen Krachen und Knistern begleitet tauchte der alte tote Drow vor ihm auf. Die Kreatur st�tzte sich ebenfalls auf einen Stab, ein beeindruckendes Ger�t, das aus vier umeinander gewickelten Diamantspatst�ben bestand, die an beiden Enden miteinander verbunden waren. Ein kleiner Schild aus schwarzem Metall in Form eines zu einem idiotischen Grinsen verzerrten D�monengesichts schwebte in H�he seines Ellbogens in der Luft. Dyrr machte sich nicht die M�he, sich als Lebender zu tarnen, sondern stand als gr��liches Skelett mit Augen so schwarz wie der Tod vor ihm.</p><p>�Ich gr��e Euch, Erzmagier. Entschuldigt, wenn ich ungelegen komme�, sagte der Leichnam und richtete seine leeren Augenh�hlen auf Gromph. �Was gibt es, da� Ihr so rasch eine Audienz bei den Matronen begehrt, junger Gromph?�</p><p>�Bei allem n�tigen Respekt, Meister Dyrr, glaube ich, da� diese Angelegenheit f�r ihre Ohren bestimmt sind, nicht f�r Eure. Welches Angebot wollt Ihr mir unterbreiten, das nicht warten kann?�</p><p>�Wie Ihr wollt�, sagte Dyrr. �Aus dem S�den marschiert eine Armee auf Menzoberranzan zu � die Duergar haben offenbar von unseren Schwierigkeiten erfahren und entschieden, diese Gelegenheit zu nutzen, die sich ihnen derzeit bietet.�</p><p>�Ich wei߫, gab Gromph schnippisch zur�ck. �Eben deshalb mu� ich sofort aufbrechen. Wenn es sonst nichts mehr gibt ... ?�</p><p>Er ging zu dem glatten Steinschacht hin�ber, der hinunter in seine Gem�cher f�hrte.</p><p>�Ich stelle fest, es gef�llt mir, da� Euch meine Nachricht nicht �berrascht�, sagte der Leichnam. �H�ttet Ihr nichts von der Duergar-Armee gewu�t, dann h�tte ich sicherstellen m�ssen, da� Ihr auch nichts davon erfahrt, wenn Ihr versteht, was ich meine.� Dyrr drehte sich mit einem schier unertr�glichen knirschenden und klickenden Ger�usch aneinanderreihender Knochen zu Gromph um, der mit dem R�cken zu ihm stand. �Sicher erinnert Ihr Euch, da� wir vor ein paar Tagen �ber eine Zeit sprachen, wenn Ihr eine Entscheidung treffen m��t. Diese Zeit ist gekommen.�</p><p>Gromph hielt in der Bewegung inne und drehte sich langsam um. Er hatte gehofft, dies sei nicht das Motiv, weshalb der Leichnam mit ihm reden wollte, doch wie es schien, wollte Dyrr das Thema nicht auslassen, ob es dem Erzmagier gefiel oder nicht.</p><p>�Eine Entscheidung?�</p><p>�Tut nicht, als w�rdet Ihr mich nicht verstehen. Ich wei�, da� Ihr daf�r zu intelligent seid. Ihr m��t nichts weiter tun, als Euren Bericht f�r ein paar Tage zur�ckzuhalten, dann k�nnt Ihr voller Panik zu den Muttermatronen eilen und ihnen von der Duergar-Armee berichten, die vor der T�r steht. Meinen Pl�nen w�re damit gedient, wenn Ihr es zu einer Zeit und auf eine Weise t�tet, die ich Euch vorgebe.�</p><p>�Das br�chte die Stadt in gro�e Gefahr�, wandte Gromph ein.</p><p>�Sie ist bereits in Gefahr, Gromph. Meine Absicht ist es, eine gewisse Ordnung ins Unvermeidbare zu bringen. Ihr k�nntet mir in den kommenden Tagen eine gro�e Hilfe sein oder ...�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Gromph.</p><p>Er kniff die Augen zusammen und �berdachte seine Alternativen. Er konnte vort�uschen, das Angebot anzunehmen, und doch tun, was er wollte, doch damit w�rde er den Zorn Dyrrs auf sich lenken, der sich zu einer von ihm bestimmten Zeit an einem von ihm bestimmten Ort auf Gromph entladen w�rde. Er konnte sich auch weigern, was wohl auf der Stelle zu einem t�dlichen Wettstreit f�hren w�rde, um zu sehen, wessen Wille obsiegen w�rde.</p><p>Oder ich nehme sein Angebot an, dachte er. Wer kann schon sagen, da� es uns nicht gelingen wird, die gegen die Stadt gerichteten Kr�fte so zu lenken, da� ein f�r uns n�tzliches Chaos, ein wertvoller Fortschritt entsteht? Der Schaden wird sicherlich betr�chtlich sein, doch das Menzoberranzan, das aus einem solchen Schmelztiegel aus Blut und Feuer hervorgehen w�rde, mochte eine bessere und st�rkere Stadt werden � eine Stadt befreit von der unerbittlichen Tyrannei durch sadistische Priesterinnen und statt dessen regiert von der k�hlen, leidenschaftslosen Intelligenz pragmatischer Magier. Jede Grausamkeit, jeder Exze� w�rde einem vern�nftigen Zweck dienen, um eine Stadt hervorzubringen, deren Energie nicht auf interne Streitigkeiten vergeudet wurde. W�re es eine solche Stadt nicht wert, ihr gegen�ber loyal zu sein?</p><p>G�be es in einer solchen Stadt Platz f�r einen Baenre? �berlegte er.</p><p>Keine Revolution von den Dimensionen, wie Dyrr sie sich ertr�umte, konnte einen anderen Ausgang nehmen als die vollst�ndige Ausl�schung des Ersten Hauses Menzoberranzans. Auch wenn Gromph seine Schwester verabscheute und viele der einf�ltigen Verwandten ha�te, die Burg Baenre bev�lkerten, w�rde er doch verdammt sein, wenn er einem niederen Haus gestattete, seine Familie als h�chste Macht in der Stadt vom Thron zu sto�en. Es konnte auf dieses Angebot nur eine Antwort geben.</p><p>So schnell, wie der Gedanke ben�tigte, um sich zu formen, hob Gromph seine Hand und entfesselte eine verheerend grelle Farbexplosion, die er auf den Leichnam richtete � ein Zauber, dessen Energie er mit solcher Sorgfalt und Anstrengung vorbereitet hatte, da� der kleinste Willensakt gen�gte, um ihn anzuwenden. Farben, die in der D�sternis der H�hlenstadt noch niemand gesehen hatte, bohrten sich durch seine Beschw�rung.</p><p>Jede von ihnen trug eine andere Form von Verderben, Zerst�rung oder Energie mit sich. Ein zuckender blauer Blitz aus Elektrizit�t scho� so dicht an Dyrr vorbei, da� die alten Gew�nder des Leichnams Funken spr�hten, w�hrend ein greller, orangefarbener Strahl mit einer S�ure verbrannte, die stark genug war, um Steine schmelzen zu lassen. Ein dritter Strahl von heimt�ckischem Violett wurde vom lebenden Schild der Kreatur abgewehrt. Das Ding kicherte wie ein geh�ssiges Kind, als der Angriff abgewehrt wurde.</p><p>�Ich bin der Erzmagier Menzoberranzans�, br�llte Gromph. �Ich spiele f�r niemanden den Laufburschen!�</p><p>Dyrr wich mit einem Wutschrei zur�ck, als die S�ure umherspritzte und zu zischen begann, w�hrend sie an seinem alten Fleisch nagte. Der Gestank brennender Knochen verlieh der grandiosen Beschw�rung einen widerw�rtigen Beigeschmack. Gromph lie� seinem ersten Angriff einen zweiten folgen, indem er einen Zauber beschwor, von dem er hoffte, er w�rde Dyrrs Zauber gegen ihn selbst umlenken. Der Erzmagier rechnete damit, da� jede T�uschung, jede Abwehr und jeder todbringende Zauber notwendig sein w�rde, um etwas zu vernichten, das so m�chtig war wie Meister Dyrr.</p><p>Gromph beendete seinen Umkehrzauber gerade noch rechtzeitig, da sich Dyrr von der Attacke unglaublich schnell erholte und mit einem unheilbringenden schwarzen Strahl aus verheerender Energie reagierte, die gro�e Teile der Lebenskraft des Erzmagus weggerissen h�tte, w�re sie an ihr Ziel gelangt. Statt dessen prallte der schwarze Strahl von Gromphs Schild ab und traf Dyrr mitten in den Rumpf. Das zog eine unvorhersehbare Reaktion nach sich. Denn anstatt die Lebensenergie des alten Leichnams zu zerrei�en, erf�llte die knisternde schwarze Energie den Herrn Agrach Dyrrs mit ihrer entsetzlichen Energie, woraufhin der Leichnam auflachte.</p><p>�Ein guter Zug, Gromph, aber hier fehl am Platz, f�rchte ich. Lebewesen werden von diesem Zauber schwer in Mitleidenschaft gezogen, doch die Untoten werden durch ihn mit neuer Kraft erf�llt.�</p><p>Der Erzmagier fluchte leise und schlug wieder zu, diesmal mit einem gr�nen Strahl, der ein absolut rundes Loch in Dyrrs Brustbein bohrte und untotes Fleisch und Knochen zu Staub werden lie�. Der Leichnam kreischte vor Schmerz und machte einen Satz zur Seite, ehe Gromph ihn v�llig vernichten konnte.</p><p>Noch w�hrend der Erzmagier den n�chsten Zauber wirkte, zischte Dyrr die Worte f�r einen finsteren, m�rderischen Zauber, der sich brutal an Gromphs Fleisch festkrallte, mit Tausenden schmerzender Nadeln an seinen K�rpers�ften sog und seine Haut bleich werden lie�. Gromph keuchte schmerzerf�llt auf, vertat den Zauber, den er eben hatte wirken wollen, taumelte nach hinten, fiel �ber eine Marmorbank und st�rzte schwer.</p><p>Verdammt, dachte er. Ich brauche einen Moment, um mich zu erholen.</p><p>Zum Gl�ck befand er sich in seinem eigenen Arbeitszimmer und hatte ein Dutzend Waffen griffbereit, die er einsetzen konnte.</p><p>Gromph rollte sich auf die Ellbogen und schrie: �<emphasis>Szashune!</emphasis> Vernichte ihn!�</p><p>In einem Alkoven des Raums erwachte die Statue eines gro�en, vierarmigen Schwertk�mpfers aus perfektem schwarzem Obsidian zum Leben. Wie ein lebendiger Krieger trat sie in den Raum und griff mit ihren schwarzen Klingen an.</p><p>Dyrr wich einige Schritte zur�ck, dann sprach er ein einzelnes Wort. Der Leichnam stieg auf und entzog sich damit dem Zugriff des Golems aus Spinnenstein. Gromph nutzte diese Ablenkung, um den zerst�rerischsten Zauber zu wirken, den er kannte, und ihn dem schwebenden Leichnam entgegenzuschleudern. Von seinen ausgestreckten H�nden schossen acht strahlende Kugeln aus blendendwei�er Energie nach vorn und fra�en sich durch die untote Gestalt des Leichnams, wobei jede von ihnen mit einer Heftigkeit explodierte, die Stein ersch�ttern lie� und klaffende L�cher in den Untoten ri�. Die explodierenden Meteore richteten in Gromphs Arbeitszimmer erheblichen Schaden an, zertr�mmerten alte B�cherregale und rissen dem Spinnenstein-Golem einen Arm ab, als handele es sich um ein Spielzeug, das von einem ungezogenen Kind besch�digt wurde. Gromph jubelte triumphierend, als etliche St�cke Dyrrs auf dem Boden aufschlugen.</p><p>Staub stieg von der schwebenden Gestalt des Leichnams auf, und sein Sch�del nickte in Richtung des Brustbeins, als versage ihm die Magie, die ihn mit Leben erf�llt hatte, ihren Dienst. Doch die knochige Kreatur kehrte mit erschreckender Schnelligkeit zu ihrem alten Selbst zur�ck. Dyrr sah auf, in seinen Augenh�hlen strahlte ein gef�hrliches gr�nes Licht, und der Leichnam begann zu lachen.</p><p>�Meine alten Knochen sind nicht alles, was mich ausmacht�, r�chelte er. �Was Ihr ihnen antut, zeigt kaum Wirkung.�</p><p>Er setzte zu einem weiteren Zauber an, doch der Erzmagier schlug abermals zu, darum bem�ht, s�mtliche Zauber und Beschw�rungen aufzuheben, die den Leichnam sch�tzten. Dyrrs Flugzauber versagte, und so sank der Leichnam in Reichweite der Klingen, die die lebende Statue am Boden in den H�nden hielt.</p><p>Der Golem eilte vor und hieb mit seinen drei verbliebenen Armen auf den Leichnam ein, wobei sein gl�nzendes Gesicht keine Regung zeigte. Die Beschw�rung wurde vom gewaltigen Aufprall der Treffer ersch�ttert. Gromph bleckte die Z�hne zu einem geh�ssigen Grinsen.</p><p>�Mag sein, da� Ihr nicht an Euren verwesenden Leib gebunden seid, Leichnam, aber es wird Euch schwerfallen, einen Zauber zu wirken, wenn Ihr zerst�ckelt und an einem Dutzend verschiedener Stellen beerdigt seid�, rief er. �Es war dumm von Euch, mich hier herauszufordern!�</p><p>Gromph kam n�her und suchte nach einer L�cke, um mit dem n�chsten Zauber zuschlagen zu k�nnen.</p><p>Dyrr nahm zwei, dann drei gewaltige Treffer der hoch aufragenden Statue hin und schwankte bei jedem Schritt, wenn weitere Knochen barsten und splitterten. Der d�monengesichtige Schild scho� um ihn herum, lachte schrill und wehrte einen Schlag des steinernen Konstrukts nach dem anderen ab. Der Hexenmeister trat einen Schritte zur�ck, um das Gleichgewicht wiederzufinden, dann breitete er die Arme aus. Seine gl�nzenden schwarzen Gew�nder schimmerten kurz, dann explodierten sie zu einem S�geblatt aus rasiermesserscharfen Klingen, die sich in alle Richtungen bewegten, ganze Steinbrocken aus Gromphs Golem rissen und sich unerbittlich durch Tische, M�belst�cke und B�cher schnitten.</p><p>Etliche Klingen durchdrangen auch die starken Abwehrzauber des Erzmagiers und verwundeten ihn an Dutzenden von Stellen, ohne ihn aber t�dlich zu verletzen. Gromph warf sich auf den Boden, um der Scheibe aus umherwirbelnden Klingen auszuweichen. Er kniff die Augen zusammen, um das Blut zu verdr�ngen, das sich in ihnen sammelte, und sah mit an, wie sein Golem zu einem nutzlosen Haufen aus schwarzem Stein zerfiel.</p><p>Dyrr schrie triumphierend und machte einen Satz auf den Erzmagier zu, w�hrend er erschreckend schnell und m�helos mit seinem Stab aus Diamantspat nach ihm ausholte. Gromph tat einen �berraschten Ausruf und rollte sich ab, um dem mit beiden H�nden gef�hrten Schlag zu entgehen, der den Marmor an der Stelle spaltete, an der er eben noch gelegen hatte.</p><p>�Das ist kein Verhalten f�r Magier von Rang!� rief Gromph und sprang auf.</p><p>Dyrr reagierte nicht auf diese Bemerkung, sondern verfolgte den Erzmagier weiter und r�umte mit ausholenden Schl�gen Tische und Regale leer.</p><p>Gromph rief einen Zauber, der dem Leichnam die Waffe mit solcher Wucht aus der Hand ri� und durch den Raum schleuderte, da� sie sich wie ein von einem Giganten geworfenen Speer ins Mauerwerk bohrte.</p><p>W�hrend Dyrr um sein Gleichgewicht rang, nahm sich Gromph einen Augenblick Zeit, um einen m�chtigen Abwehrzauber zu wirken, eine schimmernde Kugel, die die Wirkung fast aller Zauber aufheben konnte, ausgenommen lediglich die M�chtigsten. So gewappnet, ging er rasch im Geist die verschiedenen Beschw�rungen durch, um nach denen zu suchen, die am besten gegen den Herrn von Agrach Dyrr wirken w�rden.</p><p>�Ah�, meinte Dyrr nur, als er die leuchtende Kugel sah. �Eine exzellente Verteidigung, Gromph, aber leider nicht gegen mich.�</p><p>Der Leichnam murmelte etwas, das von gewaltiger Macht war, dann bewegte er sich vorw�rts, die Skelettklauen vor sich ausgestreckt. Offenbar ohne jegliche Sorge vor Gromphs Abwehrzauber schob der Leichnam seine Hand in den tanzenden Farbglobus und bekam den Erzmagier am Arm zu fassen. Der schrie auf, als er von der Gewalt des Zaubers getroffen wurde, den der Leichnam gewirkt hatte und der die sch�tzende Kugel in erl�schende Lichtfunken verwandelte. Jeder Muskel wurde im gleichen Moment absolut unbeweglich.</p><p>�Gromph, Ihr seid umschlossen�, verk�ndete Dyrr, dessen blanke Z�hne sich leuchtend von der absoluten und entsetzlichen Schw�rze des Sch�dels abhoben.</p><p>Dem Erzmagier war ein langer Blick auf den siegreichen Leichnam verg�nnt, der �ber ihm thronte, dann begann er zu fallen. Gromph konnte sich nicht regen und sank im n�chsten Moment durch den Boden, um dann durch die flackernden R�ume Sorceres zu fallen, bis er in den klaffenden schwarzen Fels eindrang, der sich unter dem Turm, unter der Stadt, unter der ganzen Welt befand. Einen entsetzlichen Augenblick lang hatte Gromph das Gef�hl, sich am Grund eines gewaltigen Brunnens zu befinden und unz�hlige Kilometer �ber sich die stecknadelgro�e Gestalt seiner Nemesis zu sehen. Dann st�rzte die Finsternis auf ihn ein und erstickte ihn in ihrer Umarmung.</p><empty-line/><p>In der Kammer des Erzmagiers in Sorcere stand der Leichnam Dyrr und sah hinab auf die Stelle des Bodens, an der er Gromph Baenre verdammt hatte. W�re Dyrr ein lebender Magier gewesen, h�tte er jetzt vielleicht um Atem gerungen, vor Ersch�pfung am ganzen Leib gezittert oder w�re angesichts der t�dlichen Wunden, die er in dem gnadenlosen Duell erlitten h�tte, vielleicht sogar zu Boden gegangen. Doch die schwarze Magie, die seine untoten Sehnen und Knochen band, wies keine der Schw�chen auf, von denen Sterbliche betroffen waren.</p><p>�Verharrt dort eine Weile, Gromph�, sagte er in die Leere. �Vielleicht habe ich noch mal Verwendung f�r Euch, in ein oder zwei Jahrhunderten.�</p><p>Mit einer knappen Geste l�ste er sich dann in Nichts auf.</p><empty-line/><p>Der L�rm gewaltiger Donnerschl�ge hallte durch die in den schwarzen Stein gehauenen G�nge. Es war ein so tiefes, durchdringendes Poltern, da� Halisstra es mehr zu sp�ren als zu h�ren glaubte. Sie kauerte im Schatten eines gro�en steinernen Bogens und riskierte einen raschen Blick in die weitl�ufige H�hle. Am anderen Ende, ein St�ck unterhalb der Drow-Gruppe, erhob sich eine Gruppe wuchtiger Monster und suchte Deckung, w�hrend viele mehr inmitten des Ger�lls und der Felsbl�cke lagen, in die der untere Teil der H�hle verwandelt worden war.</p><p>�Das hat den Ansturm gestoppt�, rief Halisstra ihren Gef�hrten zu. �Aber sie formieren sich neu.�</p><p>�Unerschrockene Bastarde�, meinte Pharaun.</p><p>Der Magier hatte hinter einer gewaltigen Steins�ule Schutz gesucht und wirkte ersch�pft. Im Verlauf der letzten eineinhalb Tage hatte die Gruppe im endlosen Gewirr der Korridore im Labyrinth mindestens f�nfzig Kilometer zur�ckgelegt und war an jeder neuen Abzweigung von scheinbar nicht enden wollenden Horden von Minotauren und D�monen best�rmt worden. Bei zwei Angriffen waren die Drow nur knapp den teuflischen Anstrengungen ihrer Widersacher entkommen, den jeweiligen Tunnel zu versiegeln, durch den sie die Flucht angetreten hatten.</p><p>�Solche Zauber habe ich nur noch wenige in Reserve�, erkl�rte Pharaun. �Wir m�ssen eine Stelle finden, an der ich ruhen und neue Zauber vorbereiten kann.�</p><p>�Ihr werdet Euch ausruhen, wenn wir alle das tun, Magier�, knurrte Quenthel. Die Baenre und ihre Peitsche waren blut�berstr�mt, und ihre R�stung wies mehr als eine h��liche Beule auf, an der ein t�dlicher Schlag mit letzter Kraft abgewehrt worden war. �Wir sind den Jaelre so nahe. Wir m�ssen uns in ihrer N�he befinden. La�t uns weiterziehen, ehe die Minotauren den n�chsten Angriff organisiert haben.�</p><p>Die anderen Drow tauschten fl�chtige Blicke aus, erhoben sich dann aber doch und folgten Quenthel und Valas Hune in den n�chsten Gang. Der erstreckte sich �ber eine L�nge von gut vierhundert Schritten, ehe er in eine weitere gro�e H�hle �berging. Die war gepr�gt von hohen, geriffelten S�ulen, und der Boden war mit exakt gef�gten Steinfliesen gepflastert worden. Elegant geschwungene Treppen f�hrten an den H�hlenw�nden nach oben, bis sie auf lange, gesch�tzte Galerien trafen, die von einem schwachen Feenfeuer beleuchtet wurden, in dessen Schein R�ume erkennbar waren, die an einstige Werkst�tten, Handelsh�user oder einfach nur bescheidene Unterk�nfte erinnerten.</p><p>�Schon wieder die Arbeit von Drow�, stellte Ryld fest, �und abermals verlassen. Bist du sicher, da� wir hier richtig sind?�</p><p>Der Sp�her nickte. Seine rechte Hand bedeckte eine oberfl�chliche, aber stark blutende Wunde an seiner linken Schulter.</p><p>�Ich war schon einmal hier�, erwiderte er. �Das sind Geb�ude der Jaelre. Dort oben lebten mehrere Waffenschmiede, und an der Wand da dr�ben gab es ein Gasthaus, in dem ich selbst schon �bernachtete. Der Palast der Jaelre-Adligen liegt am Ende dieses Gangs dort dr�ben.�</p><p>Quenthel eilte eine kurze, geschwungene Treppe hinauf und sah in ein Gesch�ft, dessen Fenster dunkel und leer waren. Sie fluchte und ging an einer Reihe weiterer L�den vorbei, ehe sie zu den anderen zur�ckkehrte.</p><p>�Wenn das hier H�user der Jaelre sind, wo bei allen H�llen sind dann die Jaelre?� fragte sie laut. �Haben diese verfluchten Minotauren sie alle get�tet?�</p><p>�Das bezweifle ich�, sagte Halisstra. �Hier wurde kein Kampf ausgetragen, sonst w�rden wir daf�r Hinweise finden. Selbst wenn die Minotauren alle Leichen weggeschafft h�tten, g�be es Brandstellen, zerborstene Fliesen, die �berreste irgendwelcher Waffen. Ich glaube, die Jaelre haben diesen Ort verlassen.�</p><p>�Wie lange ist es her, da� du zum letzten Mal hier warst, Valas?� fragte Ryld.</p><p>�Fast f�nfzig Jahre�, antwortete der Sp�her. �Also nicht sehr lange. Die Jaelre lieferten sich schon damals immer wieder kleine K�mpfe mit den Minotauren, aber die H�hlen waren durch stoffliche und magische Verteidigungsma�nahmen gesichert.� Er sah sich aufmerksam um. �La�t mich ein St�ck vorgehen, vielleicht kann ich im Palast etwas finden, das Licht in dieses Geheimnis bringt.�</p><p>�Sollen wir alle gehen?� �berlegte Ryld.</p><p>�Besser nicht. Es gibt nur einen Eingang zum Palast, und wenn die Minotauren in gro�er Zahl zur�ckkehren, k�nnten wir in der Falle sitzen. Bleibt drau�en, damit ihr fliehen k�nnt. Ich bin gleich zur�ck.�</p><p>Der Sp�her tauchte in die Finsternis ein und lie� die Gruppe in der leeren H�hle zur�ck.</p><p>�Ich glaube, ich mu� Herrin Melarn zustimmen�, sagte Ryld. �Es sieht wirklich so aus, als h�tten die Jaelre alles zusammengepackt und seien aufgebrochen.�</p><p>�Dann haben wir uns umsonst angestrengt�, stellte Pharaun fest. �Ich glaube, es gibt nichts, was so entt�uschend ist wie vergebliche M�hen.�</p><p>Die Gruppe stand einen Moment lang schweigend da, jeder ging seinen Gedanken nach.</p><p>Halisstra war so ersch�pft, da� es wehtat, und ihre Beine zitterten wie Espenlaub. Sie hatte es zwar gescharrt, jeglicher schwerer Verletzung zu entgehen, doch im Verlauf der letzten Stunden hatte sie fast s�mtliche magischen Vorr�te aufgebraucht, als sie ihre <emphasis>Bae�qeshel-</emphasis>Lieder<emphasis/> eingesetzt hatte, um die angreifenden Horden zu verwirren, ihre Gef�hrten zu st�rken und die schlimmsten Wunden zu heilen.</p><p>Jeggred, der die Nachhut der Gruppe bildete und sich am Eingang zu dem Tunnel befand, der zur�ck in die vorherige H�hle f�hrte, brach das herrschende Schweigen.</p><p>�Wenn Valas nicht bald zur�ckkehrt, werden wir wieder k�mpfen m�ssen�, sagte der Draegloth. �Ich kann die Minotauren nicht mehr h�ren, was bedeuten d�rfte, da� sie sich um uns herum bewegen, um uns aus einer anderen Richtung anzugreifen.�</p><p>�Ich denke, wir haben ihnen klargemacht, da� sie uns nicht durch lange, gerade Tunnel angreifen sollten�, stellte Ryld fest und sah sich mit kenntnisreichem Blick die Jaelre-H�hle an. �Es w�re am besten, wenn wir uns nicht ungesch�tzt von ihnen �berraschen lassen. Sie k�nnten uns durch schiere zahlenm��ige �berlegenheit �berw�ltigen.�</p><p>�Was, wenn das eine Sackgasse ist?� fl�sterte Danifae.</p><p>�Unm�glich�, sagte Quenthel. �Irgendwo in diesen H�hlen werden wir eine Erkl�rung finden, wohin die Jaelre geflohen sind, und ihnen dann folgen. Ich bin zu weit gereist, um mit leeren H�nden nach Menzoberranzan zur�ckzukehren.�</p><p>�Das ist ja alles sch�n und gut�, warf Pharaun ein. �Ich sehe mich allerdings gezwungen, darauf hinzuweisen, da� wir g�nzlich ersch�pft sind und fast unsere gesamte magische Kraft aufgebraucht haben. Durch diese H�hlen und G�nge zu irren, bis uns die Minotauren in eine Falle locken und t�ten, ist pure Dummheit. Warum verstecken wir uns nicht im Heim eines Handwerkers wie zum Beispiel dort oben auf der Galerie und ruhen uns aus, bis wir uns in der Lage f�hlen, weiterzuziehen? Ich glaube, ich kann unser Versteck vor unseren Verfolgern tarnen.�</p><p>Quenthels Augen blitzten w�tend, als sie erwiderte: �Wir werden ausruhen, wenn ich das sage. Bis dahin ziehen wir weiter.�</p><p>�Ich glaube, Ihr versteht nicht, was ich zu sagen versuche�, konterte Pharaun abgehackt und stand auf.</p><p>�Ich glaube, Ihr versteht nicht, was ich Euch befehle!� herrschte Quenthel ihn an. Sie wirbelte herum und kam n�her, w�hrend die Schlangen an ihrer Peitsche sich aufgeregt wanden. �Ihr werdet endlich aufh�ren, unabl�ssig meine Entscheidungen in Frage zu stellen.�</p><p>�Das werde ich, sobald Ihr anfangt, intelligente Entscheidungen zu treffen�, gab Pharaun, dessen Gelassenheit mit einem Mal deutliche Risse zeigte, zur�ck. �Nun h�rt mir gut zu ...�</p><p>Jeggred sprang knurrend auf, umfa�te die Oberarme des Magiers mit seinen riesigen Klauen und zerrte ihn von Quenthel fort, w�hrend er ihn gleichzeitig zu Boden zog.</p><p>�Zeigt Respekt!� fuhr der Draegloth ihn an. �Vor Euch steht die Hohepriesterin Quenthel Baenre, Herrin Arach-Tiniliths, Meisterin der Akademie, Herrin Tier Breches, Erste Schwester des Hauses Baenre von Menzoberranzan ... ungehorsamer Hund!�</p><p>Pharauns Augen blitzten, als er aufsprang. Jeglicher Humor war verschwunden und kaltem, allumfassenden Ha� gewichen.</p><p>�Fa� mich nie wieder an!� zischte er.</p><p>Seine H�nde nahmen eine Haltung ein, die zeigte, da� er bereit war, schreckliche Zauber gegen Jeggred zu schleudern. Der kauerte sprungbereit vor ihm.</p><p>Quenthel ver�nderte den Griff um ihre Peitsche und kam n�her, w�hrend die Schlangenk�pfe nach vorn schossen und zuschnappten, aber nur Luft zu fassen bekamen. Ryld legte eine Hand um Splitters Heft und beobachtete die drei. Sein Gesicht war reglos wie ein Maske und verriet nicht, was in seinem Kopf vorging.</p><p>�Das ist Wahnsinn�, sagte Halisstra, die ein St�ck zur�ckwich und die Armbrust auf den Boden gerichtet hielt. �Wir m�ssen zusammenarbeiten, wenn wir hier lebend herauskommen wollen!�</p><p>Quenthel �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, wom�glich um Jeggred den Befehl zu geben, ohne R�cksicht auf die Folgen Pharaun anzugreifen. In dem Augenblick jedoch kam Valas zu der Gruppe zur�ck. Der Sp�her blieb stehen und erfa�te mit einem Blick die Lage.</p><p>�Was ist hier los?� fragte er.</p><p>Als niemand antwortete, sah der Mann von Bregan D�aerthe einen nach dem anderen an.</p><p>�Es ist nicht zu fassen. Habt Ihr in den letzten Stunden noch nicht genug gek�mpft? Wie k�nnt Ihr nur auf den Gedanken kommen, Euch mit dem letzten Rest an Kraft, Magie und Blut gegenseitig abzuschlachten, nachdem wir schon die H�lfte des Weges durch das Labyrinth nichts anderes getan haben als zu k�mpfen?�</p><p>�Wir sind nicht in der Stimmung, uns Vorhaltungen machen zu lassen�, entgegnete Quenthel. �Schweigt.� Ihr Blick ruhte auf Pharaun, als sie die Peitsche wieder in den G�rtel schob. �Es f�hrt zu nichts, wenn wir uns gegenseitig bek�mpfen.�</p><p>�Stimmt�, gab Pharaun die wohl knappste Antwort, die Ha-lisstra von ihm je geh�rt hatte. Eine unerwartete Disziplin erf�llte den Magier, der seine Wut unter Kontrolle brachte und sich entspannte. �Allerdings werde ich mich von Euch nicht l�nger wie ein dahergelaufener Goblin behandeln lassen. Das werde ich nicht dulden.�</p><p>�Ich werde mich von euch meinerseits nicht bei jedem Schritt verh�hnen und verspotten lassen�, gab Quenthel zur�ck und wandte sich Valas zu. �Meister Hune, habt Ihr im Palast etwas entdecken k�nnen?�</p><p>Der Sp�her sah wie Halisstra und Danifae nerv�s zu Quenthel und Pharaun.</p><p>�Ja�, antwortete er. �Im gro�en Saal des Palastes befindet sich ein Portal. Wenn ich die Zeichen nicht falsch gedeutet habe, wurde es von einer gro�en Zahl Personen benutzt, so da� zu vermuten ist, da� das Haus Jaelre sich nun in irgendeinem neuen Reich auf der anderen Seite dieses Portals befindet.�</p><p>�Wohin f�hrt das Portal?� fragte Ryld.</p><p>Valas zuckte die Achseln. �Ich habe keine Ahnung, aber es gibt eine Methode, es herauszufinden.�</p><p>�Gut�, erkl�rte Quenthel. �Wir werden Euer Portal testen, ehe die Minotauren und ihre D�monen zur�ckkehren. In wenigen Minuten wird jeder Ort besser sein als dieser hier.�</p><p>Sie lie� ihren Blick lange auf Pharaun ruhen, der schlie�lich so vern�nftig war, in eine andere Richtung zu sehen, was einer Verbeugung gleichkam.</p><p>Halisstra atmete aus, obwohl ihr nicht bewu�t gewesen war, da� sie den Atem angehalten hatte.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>�Das h�tte ich jetzt nicht erwartet�, bemerkte Pharaun.</p><p>Der Magier seufzte und setzte sich auf einen Felsen, w�hrend er sein Gep�ck auf den mit Moos bewachsenen Boden fallen lie�. Die Gruppe stand an der �ffnung einer niedrigen H�hle, von der aus sie einen Wald an der Oberfl�che �berblicken konnten, der in helles Tageslicht getaucht war. Das Portal der Jaelre lag einige hundert Schritt hinter ihnen in einer feuchten, gewundenen H�hle, die zu einem gro�en, steil abfallenden Schlundloch mit von Flechten �berzogenen Findlingen und Rinnsalen aus kaltem Wasser, das vom H�gel dar�ber herablief, f�hrte.</p><p>Der Himmel war wolkenverhangen, und es regnete leicht. Die geschlossene Wolkendecke und die leichte D�sternis des Waldes trugen ma�geblich dazu bei, die unertr�glich grelle Sonne abzuschw�chen. Es war hier nicht so glei�end hell wie vor Zehntagen in der wolkenlosen W�ste Anauroch, doch f�r Augen, die seit Ewigkeiten an die v�llige Lichtlosigkeit im Unterreich gewohnt waren, war der tr�be Schein immer noch so grell wie ein Blitz, der die Nacht erhellte.</p><p>�Sollten wir weiterziehen?� fragte Ryld, der zwar Splitter in die Scheide zur�ckgesteckt hatte, die er sich auf den R�cken gebunden hatte, aber dennoch die Armbrust im Anschlag hielt und mit zusammengekniffenen Augen in das Gr�n der weit aufragenden B�ume sp�hte. �Die Minotauren werden nicht lange brauchen, um herauszufinden, wo wir sind.�</p><p>�Es ist egal, ob sie dahinterkommen�, erwiderte Pharaun. �Das Portal war so eingerichtet, da� es nur von Drow benutzt werden kann. Unsere Freunde im Labyrinth werden nur eine nackte Steinwand vorfinden � eine sinnvolle Vorsichtsma�nahme von Seiten der Jaelre. An ihrer Stelle h�tte ich allerdings wohl nicht ausgeschlossen, auch von meinesgleichen angegriffen zu werden.�</p><p>�Seid Ihr da sicher?� fragte Quenthel.</p><p>Pharaun nickte. �Ich habe mir das Portal aufmerksam angesehen, ehe wir es durchschritten. Blindlings durch Portale zu springen ist eine schlechte Angewohnheit, die man sich nur f�r die gravierendsten Situationen vorbehalten sollte, beispielsweise f�r die lebensrettende Flucht aus einer Stadt, die im Begriff ist, zerst�rt zu werden, und bevor sich jemand die M�he macht zu fragen � ja, wir k�nnen den gleichen Weg zur�ckgehen. Das Portal arbeitet in beide Richtungen.�</p><p>�Ich habe es nicht eilig, in das Labyrinth zur�ckzukehren. Lieber die sonnenbeschienene Oberfl�che als das�, murmelte Halisstra.</p><p>Sie schritt bed�chtig �ber den Grund des Schlundlochs und betrachtete den Wald �ber ihnen. Die Luft war k�hl, und sie sah, da� die B�ume in unmittelbarer N�he �berwiegend Nadelb�ume waren, die � wenn sie sich recht erinnerte � in der Winterzeit nicht ihr Laub abwarfen. Ein St�ck weiter standen einige kahle B�ume, die zu einer anderen Art geh�rten, B�ume mit schmalen wei�en St�mmen und nur noch einer Handvoll verschrumpelter rotbrauner Bl�tter in der Krone. Tot? �berlegte sie. Oder einfach w�hrend des Winters kahl? Sie hatte vieles �ber die Welt an der Oberfl�che gelesen, �ber die Bewohner, die gr�nen Pflanzen und die Tiere, die wechselnden Jahreszeiten, doch es war ein gewaltiger Unterschied, ob man �ber etwas las oder es aus erster Hand erfuhr.</p><p>�Wo sind wir?� fragte Quenthel.</p><p>Valas betrachtete die B�ume, und nach einiger Zeit kniff er die Augen zusammen, um zu den schwach leuchtenden Wolken zu blicken, die sich vor die Sonne geschoben hatten. Dann drehte er sich langsam im Kreis, um sich die H�gellandschaft ringsum anzusehen, schlie�lich kniete er sich hin und betastete das weiche gr�ne Moos auf den Steinen am H�hleneingang.</p><p>�Nordfaer�n�, sagte er. �Es ist Winteranfang, so wie es sein sollte. Man kann die Sonne nicht gut genug sehen, um ihre Position am Himmel zu bestimmen, aber ich kann sie so gut sp�ren wie wohl jeder von uns. Wir befinden uns in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie die L�nder �ber Menzoberranzan � wohl h�chstens einige hundert Meilen n�rdlich oder s�dlich davon.�</p><p>�Also irgendwo im Hochwald?� fragte Danifae.</p><p>�M�glicherweise ja. Ich bin nicht sicher, ob die B�ume so aussehen, wie sie sollten. Ich bin durch die L�nder an der Oberfl�che gewandert, die sich in der N�he unserer Stadt befinden. Das Laub sieht anders aus als das, was ich aus dem Hochwald in Erinnerung habe. Wir k�nnten weit von Menzoberranzan weg sein.�</p><p>�Gro�artig�, murmelte Pharaun. �Wir reisen durchs Unterreich nach Ched Nasad, m�ssen ein Portal durchschreiten, das uns Hunderte von Kilometern von zu Hause entfernt an die Oberfl�che verschl�gt, dann reisen wir durch Schatten und Gefahr zur�ck ins Unterreich, benutzen ein zweites Portal und landen wieder an der Oberfl�che, m�glicherweise noch weiter weg von zu Hause. Da stellt sich doch die Frage, ob wir nicht einfach von Hlaungadath hierher h�tten reisen k�nnen, ohne den Umweg �ber die Schattenebene zu machen, ohne die Gastfreundschaft Gracklstughs in Anspruch zu nehmen und ohne einen reizenden Spaziergang durch ein von Minotauren bev�lkertes Labyrinth zu unternehmen.�</p><p>�Deine Laune mu� sich gebessert haben, Pharaun�, stellte Ryld fest. �Du hast zu deinem Sarkasmus zur�ckgefunden.�</p><p>�Eine sch�rfere Waffe als Splitter, mein Freund, und genauso verheerend, wenn sie richtig eingesetzt wird�, sagte der Magier. Er strich sich �ber den Oberk�rper und zuckte zusammen. �Ich bin halbtot. Jedes Mal, wenn ich mich umdrehte, wollte mich eine stierk�pfige Gestalt mit einer Axt in zwei Teile schlagen oder mich durchbohren. D�rfte ich Euch um eines Eurer heilenden Lieder angehen, werte Dame?� fragte er Halisstra.</p><p>�Heilt ihn nicht�, herrschte Quenthel sie an. Sie stand noch immer da, eine Hand auf den Oberk�rper gedr�ckt. Blut lief zwischen den Fingern hindurch. �Niemand ist t�dlich verletzt. Spart Eure Magie auf.�</p><p>�Das ist genau die Art ...�, begann Pharaun, sah sie finster an und erhob sich.</p><p>�H�rt auf!� ging Halisstra dazwischen. �Ich habe all meine Ges�nge aufgebraucht, also ist es v�llig egal. Wenn ich meine magische Kraft wiedererlangt habe, werde ich jeden heilen, der es n�tig hat, weil es dumm w�re, wenn wir uns in unserer Verfassung noch weiterschleppen w�rden. Bis dahin werden wir uns alle auf eine gew�hnliche Heilung verlassen m�ssen. Danifae, hilf mir, die Wunden zu verbinden.�</p><p>Die Kriegsgefangene wandte sich Jeggred zu und bedeutete ihm, sich hinzusetzen. Sie nahm den Rucksack ab und begann, nach Verbandszeug und Salben zu suchen. Der Draegloth widersprach nicht, ein deutliches Zeichen daf�r, wie ersch�pft er war.</p><p>Halisstra sah sich die anderen an und entschied, da� der Magier von allen am dringendsten versorgt werden mu�te. Nachdem sie ihn zur�ck auf den Findling gedr�ckt hatte, holte sie ihren eigenen Vorrat an Verbandszeug heraus. Sie betrachtete Pharauns Oberarm, wo Jeggreds Klauen sich durch das Fleisch geschnitten hatten, dann trug sie eine Salbe auf, die sie wie einige andere in Gracklstugh erworben hatte.</p><p>�Das wird stechen�, sagte sie sanft.</p><p>Pharaun stie� einen Fluch aus und machte einen Satz, als h�tte man ihn mit einem Messer traktiert, w�hrend er vor Schmerz aufschrie.</p><p>�Das habt Ihr absichtlich getan!� sagte er.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Halisstra.</p><p>W�hrend sie und Danifae die anderen versorgten, klomm Valas einen schmalen Weg hinauf, der an der Wand des Schlundlochs verborgen war. Aufmerksam studierte er den Boden und blieb immer wieder stehen, um nachdenklich in den Wald zu blicken.</p><p>Halisstra sah zu ihm auf und rief: �Habt Ihr etwas Interessantes gefunden, Meister Hune?�</p><p>�Es gibt hier einen Pfad, der hinauf zum H�hleneingang f�hrt�, erwiderte der Mann von Bregan D�aerthe. �Aber ich kann nicht sagen, wohin die Jaelre gegangen sind. Es f�hren mehrere Trampelpfade von hier weg, doch keiner von ihnen scheint von einer gr��eren Zahl Wanderer benutzt worden zu sein.�</p><p>�Im Jaelre-Palast im Labyrinth sagtet Ihr, Ihr h�ttet deutliche Zeichen daf�r entdeckt, da� sie das Portal benutzt haben. Wie kann es dann auf dieser Seite keine geben?� wollte Quenthel wissen.</p><p>�Der Staub und Schmutz im Unterreich kann Spuren, die zeigen, da� jemand einen bestimmten Weg genommen hat, viele Jahre lang konservieren, doch an der Oberfl�che ist das nicht so einfach. Es regnet, es schneit, Pflanzen wachsen schnell genug, um Pfade zu �berwuchern, die seit einiger Zeit nicht mehr benutzt wurden. W�ren die Jaelre in den letzten ein oder zwei Zehntagen in gro�er Zahl hier entlanggegangen, k�nnte ich wohl noch Hinweise darauf entdecken. Wenn sie aber vor f�nf oder zehn Jahren hier waren, dann gibt es keine Zeichen mehr zu lesen.�</p><p>�Sie werden sich nicht weit an der Oberfl�che bewegt haben�, �berlegte Quenthel. �Sie k�nnen nicht weit gekommen sein.�</p><p>�Vermutlich ist das richtig�, erwiderte Halisstra. �Die Jaelre d�rften zweifellos vorgezogen haben, bei Nacht zu wandern und am Tag unter den B�umen Schutz zu suchen. Wenn es sich um einen sehr gro�en Wald wie den Hochwald oder Cormanthor handelt, dann k�nnten sie einige hundert Kilometer entfernt sein.�</p><p>�Welch aufmunternder Gedanke�, murmelte Pharaun. �Was um alles in der Welt hat die Jaelre �berhaupt hier heraufgef�hrt? Haben sie nicht die M�glichkeit in Erw�gung gezogen, da� die Oberfl�chenbewohner sie genauso bereitwillig abschlachten k�nnten wie die Minotauren?�</p><p>�Als ich sie vor vielen Jahren besuchte, sprachen Tzirik und seine Gef�hrten von Zeit zu Zeit davon, eines Tages an die Oberfl�che zur�ckzukehren�, sagte Valas. Er wandte sich vom Wald ab und sprang leichtf��ig zur�ck in die H�hlen�ffnung. �Die Welt an der Oberfl�che zur�ckzuerobern ist Teil der Doktrin des Maskierten F�rsten, und die Hauptm�nner und die Herrscher des Hauses Jaelre fragten sich, ob der sogenannte R�ckzug unserer lichtblinden Verwandten an der Oberfl�che nicht wom�glich eine Einladung war, die L�nder zu beanspruchen, die von den dortigen Elfen aufgegeben wurden.�</p><p>�Konnte Euch nicht in Ched Nasad einfallen, da� Eure ketzerischen Freunde ihrem Wunsch gefolgt sein und jenen finsteren, von D�monen heimgesuchten Ort verlassen haben k�nnten, den sie ihr Zuhause nannten?� fragte Quenthel. �Ist Euch nicht bewu�t gewesen, da� Ihr uns in diesem Labyrinth in eine Sackgasse f�hren k�nntet?�</p><p>Der Sp�her aus Bregan D�aerthe wich Quenthels Blick nerv�s aus und erwiderte: �Ich sah keine bessere Alternative, Herrin. Jedenfalls nicht, wenn wir den Dingen auf den Grund gehen wollen.�</p><p>�Du bist so sehr darauf aus, das R�tsel zu l�sen, warum die Spinnenk�nigin schweigt, da� du einfach blind darauf vertraust, deinen Freund Tzirik noch im Labyrinth anzutreffen, obwohl du wu�test, da� sein Haus schon seit Jahren die Flucht plante?� fragte Ryld. �Wir sind in der Stadt der Duergar gro�e Risiken eingegangen und haben viel Schmerz im Reich der Minotauren erduldet, nur damit du deine Neugier befriedigen konntest!�</p><p>�Vielleicht hatten wir diesen Tzirik ohnehin nie finden sollen�, gab Quenthel zu bedenken. �Vielleicht hat Meister Hune uns �ber viele Zehntage hinweg von unserer Mission abgehalten, und vielleicht geschah das nicht mal zuf�llig.�</p><p>�Als wir �ber die Frage nachdachten, ob wir nach Menzoberranzan zur�ckkehren sollten�, warf Jeggred ein, �hat der Bregan D�aerthe darauf gedr�ngt, da� wir uns auf die Suche nach diesem Priester Tzirik machen � einem ketzerischen Priester, von dem au�er Valas noch niemand etwas geh�rt hatte.� Der Draegloth kniff die Augen zusammen, stand auf und ballte die vier H�nde zu F�usten, w�hrend er Danifae aus dem Weg schob. �Nun wird alles klar. Unser F�hrer ist ein vhaeraunitischer Ketzer, der dem Maskierten F�rsten gut gedient hat, indem er uns tagelang endlosen Gefahren ausgesetzt hat.�</p><p>�Das ist l�cherlich�, protestierte Valas. �Ich h�tte wohl kaum die Bregan D�aerthe zur Verteidigung Menzoberranzans gef�hrt, wenn ich ein Feind der Stadt w�re.�</p><p>�Ja, aber das ist das klassische T�uschungsman�ver�, wandte Danifae ein. �Macht Eure Opfer mit dem Agenten vertraut, den Ihr zu ihrer Vernichtung ausgew�hlt habt, damit sie einen Grund bekommen, ihm zu trauen. In Eurem Fall wurde dieser Plan offenbar meisterhaft ausgef�hrt.�</p><p>�Selbst wenn�, konterte Valas. �Warum habe ich Euch dann nicht an die Duergar ausgeliefert? Oder Euch den Minotauren �berlassen? Ich h�tte Euren Tod arrangieren k�nnen, statt lediglich daf�r zu sorgen, da� Ihr Eure Zeit vergeudet. W�re ich Euer Feind, dann k�nntet Ihr sicher sein, da� ich exakt so vorgegangen w�re.�</p><p>�Vielleicht w�rst du selbst in Gefahr geraten, wenn du uns in Gracklstugh oder im Labyrinth hintergangen h�ttest�, �berlegte Pharaun. �Dennoch hast du einen wichtigen Punkt zu deiner Verteidigung vorgebracht.�</p><p>�Nichts als die geschickten L�gen eines Verr�ters�, zischte Jeggred und sah zu Quenthel. �Gebt mir Euren Befehl. Soll ich ihm die Gliedma�en ausrei�en?�</p><p>Valas legte die H�nde auf die Hefte seiner Kukris und leckte sich die Lippen. Er war grau vor Angst, doch in seinen Augen funkelte der Zorn. Alle sahen Quenthel an, die noch immer gegen einen Findling gelehnt stand, die Peitsche reglos an der Taille. Sie sagte nichts, w�hrend der Regen sich seinen Weg durch das Bl�tterdach bahnte und in der Ferne V�gel sangen.</p><p>�Ich werde mich f�r den Augenblick eines Urteils enthalten�, sagte sie und betrachtete Valas. �Wenn Ihr loyal seid, dann brauchen wir Euch, um Tzirik zu finden � vorausgesetzt, dieser Vhaeraun-Priester existiert �berhaupt �, aber Ihr w�rt gut beraten, uns die Jaelre und ihren Hohepriester schnell zu pr�sentieren, Meister Hune.�</p><p>�Ich habe keine Ahnung, wo sie sich aufhalten�, erwiderte Valas. �Ihr k�nnt mich ebensogut sofort verdammen und Euch auf die Reaktion Bregan D�aerthes gefa�t machen.�</p><p>Quenthel warf Jeggred einen kurzen Blick zu, woraufhin der Draegloth l�chelte. Seine nadelgleichen Fangz�hne leuchteten in seinem dunklen Gesicht.</p><p>Halisstra wu�te nicht, was sie von alldem halten sollte. Sie hatte den Sp�her vor etwas mehr als einem Zehntag kennengelernt, daher wu�te sie nichts dar�ber, was sich in Menzoberranzan abgespielt hatte, ehe sich die Menzoberranzanyr auf den Weg nach Ched Nasad gemacht hatten. Ihr war aber klar, da� sie alle es noch bedauern sollten, wenn Quenthel Valas t�ten lie� und sich anschlie�end herausstellte, da� seine Dienste weiter ben�tigt wurden oder da� seine m�chtige S�ldnergilde sich f�r den Tod ihres Sp�hers r�chen w�rde.</p><p>�Was w�re die beste Methode, von hier aus den Aufenthaltsort der Jaelre ausfindig zu machen?� fragte Halisstra, die hoffte, so die Unterhaltung in eine ungef�hrlichere Richtung zu lenken.</p><p>Valas z�gerte, dann sagte er: �Wie Herrin Quenthel schon sagte, sie sind wohl kaum allzuweit gekommen. Wir k�nnen in einem sich ausdehnenden Spiralmuster suchen, bis wir aufbessere Informationen sto�en.�</p><p>�Ein Plan, der erm�dend und langwierig klingt�, warf Pharaun ein. �Ziellos durch diesen glei�end hellen Wald zu laufen sagt mir nicht zu.�</p><p>�Wir k�nnten uns einen Bewohner der Oberfl�chenwelt vornehmen und ihm Informationen entlocken�, gab Ryld zu bedenken. �Vorausgesetzt, einer von ihnen h�lt sich in der N�he auf und wei� etwas �ber den Verbleib des Hauses Jaelre.�</p><p>�Auch in dem Fall m��ten wir umhermarschieren, um einen solchen Bewohner zu finden, da sich niemand von selbst pr�sentieren d�rfte�, meinte Pharaun. �Dein Plan unterscheidet sich nur unwesentlich von dem Meister Hunes.�</p><p>�Was schlagt Ihr vor?� fragte Quenthel mit eisiger Stimme.</p><p>�Gestattet mir, zu ruhen und meine Zauberb�cher zu konsultieren. Morgen werde ich einen Zauber vorbereiten, der enth�llen k�nnte, wo sich das verschwundene Haus ketzerischer Ausgesto�ener befindet.� Er hob eine Hand, um dem Protest der Baenre zuvorzukommen, und f�gte an: �Ja, ich wei�. Ihr wollt jetzt weiterziehen, aber wenn ich mit einem Erkenntniszauber das Ziel unserer Suche ausfindig machen kann, ersparen wir uns vermutlich viele Stunden Wanderung in die falsche Richtung. Diese Pause wird auch der reizenden Dame von Melarn Gelegenheit geben, ihre Kr�fte aufzufrischen und vielleicht die �rgsten unserer Wunden zu heilen.�</p><p>�Euer Zauber k�nnte vielleicht nichts brauchbares ergeben�, sagte Quenthel. �Magie dieser Art ist bekannt f�r ihre Unzuverl�ssigkeit.�</p><p>Pharaun sah sie nur an.</p><p>Quenthel blickte zum Himmel auf und blinzelte in das erbarmungslose graue Licht, das durch die Wolken droben drang. Sie seufzte und sah einen nach dem anderen an, wobei sie besonders lange bei Danifae verharrte. Die Kriegsgefangene nickte so minimal, da� Halisstra nicht sicher war, ob sie diese Bewegung wirklich gesehen hatte.</p><p>�Also gut�, sagte die Herrin Arach-Tiniliths schlie�lich. �Es w�re wohl weise, wenn wir auf den Schutz der Dunkelheit warten. Also werden wir in der H�hle unser Lager aufschlagen, wo uns die verfluchte Sonne nicht so sehr zu schaffen machen kann. Meister Hune, Ihr werdet Euch in meiner N�he aufhalten, bis wir diesen Tzirik gefunden haben.�</p><empty-line/><p>Nimor Imphraezl bewegte sich z�gig auf dem breiten Vorsprung voran, passierte zur Rechten eine lange Reihe marschierender Duergar, w�hrend er gen�gend Abstand zum Rand des schwarzen Abgrunds zu seiner Linken hielt. Eine mehrere tausend Mann starke Armee auf den finsteren, lichtlosen Wegen durch das Unterreich zu f�hren war eine gewaltige Herausforderung, zumal viele der direkteren Routen nicht in der Lage waren, so immens viele Soldaten zu fassen. Damit blieben nur die ger�umigeren H�hlen und Tunnel, die ihrerseits durch manch gefahrvolle Region f�hrten, die man auf den verstohleneren Wegen meiden konnte.</p><p>Der Weg verlief entlang der Schulter einer gro�en unterirdischen Schlucht, die sich f�nfundsechzig Kilometer von Gracklstugh entfernt durch die Finsternis zog. An diesem Tag waren sie erst gut zwei Stunden marschiert, doch die Armee aus Grauzwergen hatte bereits eine voll beladene Packechse sowie f�nf Soldaten � die das Pech hatten, sich in der N�he der Bestie aufzuhalten � verloren, als ein Schwarm hungriger Yrthaks sie attackiert hatte.</p><p>Zwar war es kein nennenswerter Verlust, doch Nimor hatte l�ngst erkannt, da� jeder Tag ein neues Mi�geschick oder einen neuen Unfall mit sich brachte und die Armee St�ck f�r St�ck aufgerieben wurde. Dem Assassinen der Jaezred Chaulssin war bis dahin nie wirklich klar gewesen, welch gewaltiges Unterfangen es darstellte, eine gro�e und gut ausger�stete Armee �ber hundertf�nfzig Kilometer weit durch das Unterreich zu f�hren. Er war es gewohnt, mit wenig Gep�ck allein oder in der Gesellschaft einer kleinen Gruppe von S�ldnern oder Sp�hern die d�steren Pfade zu bereisen und dabei geheime Wege und bekannte Zufluchten zu nutzen, die abseits der Hauptrouten lagen. Nachdem er nun aber mehrere Tage an der Seite einer Armee gereist war und ausreichend Gelegenheit bekommen hatte, kleinere R�ckschl�ge, Schwierigkeiten und Herausforderungen mitzuerleben, die er sich nie h�tte vorstellen k�nnen, wu�te er den Umfang dieser Expedition um so mehr zu sch�tzen. Die Duergar waren wirklich interessiert, einem in N�ten befindlichen Nachbar einen t�dlichen Schlag zu versetzen, wenn sie bereit waren, die riesigen Zahlen an Bestien, Soldaten und Ger�tschaft aufzufahren, die erforderlich waren, um eine Armee in eine Schlacht ziehen lassen zu k�nnen.</p><p>Der Assassine folgte dem Verlauf einer riskanten Kurve und erreichte die Kutsche des Kronprinzen: eine schwebende H�lle aus Eisen, gut neun Meter lang und drei Meter breit, so mit Zaubern belegt, da� sie nicht nur �ber dem Boden schwebte, sondern sich auch so bewegte, wie die Grauzwerge es wollten, die das Objekt kontrollierten. Die gr��liche schwarze Form war mit Dornen besetzt, um Angreifer abzuwehren, und durch Schlitze in der gepanzerten H�lle konnte jeder, der sich in der Umgebung des Dings aufhielt, mit Geschossen oder t�dlichen Zaubern angegriffen werden. Die Kutsche s�umte eine Reihe gro�er, mit L�den versehener Fenster. Die L�den waren aufgestellt, und durch sie konnte Nimor einen Blick auf die ruhige Gruppe aus Duergar-Anf�hrern und ihren Assistenten werfen. Das gesamte Konstrukt diente als Kommandoposten sowie als Schlafgemach f�r den Kronprinzen, der mit seiner Armee in die Schlacht zog. Es verk�rperte auf perfekte Weise, wie Zwerge die Dinge angingen, dachte Nimor, ein Werk, das von hoher handwerklicher Kunst und m�chtiger Magie zeugte, aber weder Anmut noch Sch�nheit aufwies.</p><p>Mit einem knappen Satz sprang er auf das Trittbrett der Kutsche und duckte sich durch eine dicke Eisent�r. Drinnen verbreiteten blaue Kugeln ein d�mmriges Licht und beleuchteten einen gro�en Tisch, auf dem sich eine Darstellung der Tunnel und H�hlen zwischen Gracklstugh und Menzoberranzan befand. An diesem Tisch beobachteten die F�rsten und Hauptm�nner der Duergar, wie die Armee vorankam, und dort planten sie auch die kommenden Schlachten. Mit einem raschen Blick nahm der Assassine zur Kenntnis, welche Offiziere und Diener anwesend waren, dann wandte er sich dem erh�hten zentralen Bereich der Kutsche zu. Der F�rst der Stadt der Klingen sa� mit seinen wichtigsten Beratern an einem Tisch hoch �ber den anderen und verfolgte die Planungen, die unterhalb von ihm abliefen.</p><p>�Gute Neuigkeiten�, verk�ndete Nimor und trat in den Kreis aus Hauptm�nnern und Wachleuten, von denen Horgar Stahlschatten umgeben war. �Mir ist bekannt geworden, da� der Erzmagus von Menzoberranzan, Gromph Baenre pers�nlich, vom <emphasis>Sava</emphasis>-Brett unserer kleinen Partie entfernt worden ist. Die Muttermatronen ahnen noch nichts von unserem Vordringen in ihr Territorium.�</p><p>�Wenn Ihr meint�, gab der Duergar-F�rst schroff zur�ck. �Im Umgang mit Dunkelelfen habe ich gelernt, da� es ratsam ist, so lange die Pr�senz eines Erzmagus nicht auszuschlie�en, solange ich ihn nicht von meinem eigenen Hammer erschlagen vor mir sehe.�</p><p>Die um Horgar versammelten Duergar nickten zustimmend und sahen Nimor mit unverhohlenem Argwohn an. Ein Drow-�berl�ufer mochte in einem Krieg gegen Menzoberranzan ein n�tzlicher Verb�ndeter sein, doch hie� das nicht zwangsl�ufig, da� sie in Nimor einen verl��lichen Partner sahen.</p><p>Nimor entdeckte eine goldene Karaffe, die auf dem hohen Tisch stand, und schenkte sich gro�z�gig Dunkelwein in einen Kelch ein.</p><p>�Gromph Baenre ist nicht der einzige begabte Magier in Menzoberranzan�, knurrte Borwald Feuerhand. Der Marschall, der sogar f�r einen Grauzwerg klein und st�mmig war, packte mit gro�en, starken H�nden die Tischkante und beugte sich vor, um dem Assassinen einen stechenden Blick zuzuwerfen. �Deren verdammte Magierschule ist voller begabter Magier. Eure Verb�ndeten haben voreilig gehandelt, Drow. Wir sind noch f�nfzehn Tage von Menzoberranzan entfernt, und Gromphs Tod wird sie warnen.�</p><p>�Eine verst�ndliche �berlegung, aber nicht zutreffend�, erwiderte Nimor und trank einen tiefen Schluck aus seinem Kelch, w�hrend er den Augenblick auskostete. �Gromph wird sicher bald gesucht werden. Doch statt den arkanen Blick auf das Unterreich zu werfen, ob sich von dort der Feind n�hert, wird jeder Meister Sorceres ergebnislos nach dem Erzmagier suchen und dabei gegen seine Kollegen arbeiten. W�hrend sich die Armee des Kronprinzen n�hert, ist der Blick der m�chtigsten Magier der Stadt starr auf die eigenen Reihen gerichtet, und mancher von ihnen wird danach streben, Kollegen zu t�ten, wenn so die Chance entsteht, den frei gewordenen Platz des Erzmagiers einzunehmen.�</p><p>�Die Meister Sorceres werden sicherlich ihren Ehrgeiz zur�ckstellen, wenn ihnen klar wird, in welcher Gefahr sie schweben�, sagte der Kronprinz und hielt Nimor mit einer knappen Geste davon ab, etwas zu erwidern. �Ja, ich wei�, Ihr werdet sagen, da� ihnen das wom�glich gar nicht klar ist. Dennoch w�ren wir gut beraten einzukalkulieren, da� wir auf eine organisierte und gut gef�hrte magische Verteidigung in der Stadt sto�en k�nnten. Trotz allem war das ein guter Schlag.�</p><p>Er erhob und schob sich zwischen den Gutsherrn und Wachen hindurch zum Kartentisch, wobei er Nimor bedeutete, ihm zu folgen. Der Assassine begab sich auf die andere Seite des Tisches, um von dort den Ausf�hrungen des Duergar-Herrschers zuzuh�ren. Mit einem Finger zeichnete Horgar ihre Route nach.</p><p>�Wenn die Magier Menzoberranzans unser Herannahen nicht bemerken�, sagte Horgar, �dann erhebt sich die Frage, an welchem Punkt ihnen klar wird, da� ihnen Gefahr droht.�</p><p>Gutsherr Borwald dr�ngte sich an eine Seite des Tisches vor und wies auf eine Stelle, an der zwei H�hlen zusammentrafen.</p><p>�Angenommen, wir begegnen nirgends einer Drow-Patrouille, dann ist diese H�hle, die den Namen Rhazzts Dilemma tr�gt, der Punkt, an dem wir zum ersten Mal auf den Feind treffen werden. Die Menzoberranzanyr haben dort schon vor langer Zeit einen Au�enposten eingerichtet, um den Weg im Auge zu behalten, da er als einer von nur wenigen einer Armee genug Platz bietet. Unsere Vorhut sollte in f�nf Tagen dort ankommen. Danach gabelt sich unser Weg, und wir m�ssen die erste Entscheidung treffen. Wir k�nnen nach Norden zwischen den S�ulen des Leids hindurchziehen oder sie westlich umgehen, was unseren Marsch mindestens um sechs Tage verl�ngert. Die S�ulen werden wahrscheinlich gegen uns gerichtet werden und k�nnten uns auf unbestimmte Zeit aufhalten.�</p><p>�Die S�ulen des Leids ...�, sagte Horgar und zog an seinem eisengrauen Bart, w�hrend er die Karte betrachtete. �Wenn die Drow erfahren, da� wir auf dem Weg sind, werden sie zweifellos mehr Truppen nach dort verlegen und den Pa� gegen uns verteidigen. Daher taugt dieser Weg nichts. Wir werden in westlicher Richtung weiterziehen m�ssen, um uns seitlich zu n�hern. Es l��t sich nicht vermeiden, da� durch diese Vorgehensweise unser Marsch l�nger dauert.�</p><p>�Ich bin der Meinung, Ihr solltet den direkteren Weg nehmen�, warf Nimor ein. �Der Weg durch die S�ulen des Leids spart Euch sechs Tage, und wenn Ihr Euch erst einmal auf der anderen Seite befindet, werdet Ihr vor der T�r nach Menzoberranzan stehen. Der Weg �ber die westlichen P�sse f�hrt durch weit unwegsameres Gel�nde.�</p><p>Der Duergar-F�rst schnaubte ver�chtlich und gab zur�ck: �Wom�glich seid Ihr dort noch nicht gereist. Ihr habt einen schwierigen Weg gew�hlt, wenn es Euer Plan ist, Euch durch die S�ulen des Leids zu k�mpfen. Die Schlucht wird dort eng und f�hrt steil nach oben. Zwei m�chtige S�ulen versperren das obere Ende, zwischen ihnen f�hrt nur ein schmaler Weg hindurch. Selbst eine kleine Drow-Streitmacht kann es beliebig lange halten.�</p><p>�Ihr k�nnt vor den Menzoberranzanyr bei den S�ulen sein�, sagte der Assassine. �Ich werde Euch den Au�enposten bei Rhazzts Dilemma ausliefern. Wir werden den Verteidigern dieses Au�enpostens Gelegenheit geben zu melden, da� eine Duergar-Streitmacht vorr�ckt. Doch noch w�hrend die Nachricht den Muttermatronen �berbracht wird, wird Eure Streitmacht voreilen, um bei den S�ulen des Leids eine t�dliche Falle vorzubereiten. Dort werdet Ihr die Armee vernichten, die von den Herrschern dorthin geschickt wird, um die schmale �ffnung zu verteidigen.�</p><p>�Wenn Ihr uns den Au�enposten ausliefern k�nnt, warum wollt Ihr dann den Soldaten dort Gelegenheit geben, eine Warnung weiterzugeben?� brummte Borwald. �Es ist doch besser, wenn wir so lange wie m�glich unentdeckt bleiben.�</p><p>�Das Wesen der T�uschung�, erkl�rte Nimor, �besteht nicht darin, dem Gegner Informationen vorzuenthalten, sondern ihm zu zeigen, was er zu sehen erwartet. Auch wenn wir einen erfolgreichen Schlag gegen die Magier der Stadt gef�hrt haben, werden sie fr�her oder sp�ter merken, da� wir uns der Stadt n�hern. Daher ist es am besten, wenn wir die Kontrolle dar�ber haben, unter welchen Umst�nden von der Armee des Kronprinzen berichtet wird, da wir so ihre Reaktion einsch�tzen k�nnen.�</p><p>�Das klingt faszinierend. Fahrt fort�, forderte Horgar ihn auf.</p><p>�Die Soldaten Menzoberranzans erwarten, da� jede Armee, die sich auf diesem Weg n�hert, durch das Bem�hen aufgehalten werden mu�, Rhazzts Dilemma einzunehmen, was der Stadt Zeit gibt, diesen neuralgischen Punkt an den S�ulen des Leids ausreichend zu besetzen, damit jeder weitere Angriff unterbunden wird. Ich schlage vor, Ihr gestattet dem Au�enposten, Meldung zu machen und die Herrscher Menzoberranzans vor Eurer Armee zu warnen. Ehe die Muttermatronen eine Armee aufstellen k�nnen, die gegen Euch marschiert, werden wir Rhazzts Dilemma bereits im Sturm eingenommen haben. Dann warten wir ab, um den Aufmarsch der Drow bei den S�ulen des Leids zu stoppen.�</p><p>�Euer Plan weist zwei grundlegende Schwachpunkte auf�, grinste Borwald ver�chtlich. �Erstens geht Ihr davon aus, da� der Au�enposten eingenommen werden kann, wann immer wir das w�nschen. Zweitens scheint Ihr zu denken, die Muttermatronen w�rden sich entschlie�en, eine Armee zu entsenden, statt sich auf eine Belagerung einzurichten. Es w�rde mich interessieren, wie Ihr diese beiden Meisterleistungen vollbringen wollt.�</p><p>�Ganz einfach�, erwiderte Nimor. �Der Au�enposten wird fallen, weil ein Gro�teil der Garnison in die Stadt verlegt wurde, um dort f�r Ordnung zu sorgen. Von den Soldaten, die verblieben sind, geh�ren viele zu den Agrach Dyrr. Darum dr�nge ich darauf, diesen Weg zu nehmen, um anzugreifen. Der Au�enposten wird an Euch verraten werden, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.�</p><p>�Ihr wu�tet davon, noch bevor wir aufgebrochen sind�, stellte Horgar fest. �In Zukunft werdet Ihr mich derlei fr�her wissen lassen. Was w�re geschehen, wenn Ihr w�hrend des bisherigen Marschs irgendeinen Unfall erlitten h�ttet? Wir m�ssen genau wissen, welche Art von Hilfe wir von Euch bekommen und wann das jeweils der Fall sein wird.�</p><p>Nimor lachte. �Es w�re f�r die weitere Dauer unserer Freundschaft gut, Prinz Horgar, wenn Ihr Euch von Zeit zu Zeit dar�ber wundert, wie hilfreich ich sein kann.�</p><empty-line/><p>Halisstra erhob sich aus ihrer Trance und stellte fest, da� sie durchgefroren und na� war. �ber Nacht hatte sich eine d�nne Schicht aus ekligem Stoff �ber den Wald gelegt, bei dem es sich wohl um Schnee handelte. Auch auf den Zweigen lag diese nasse, kalte Masse, die so leuchtend wei� war, da� sie fast so blendete wie die Sonne. Das Erstaunen �ber diese Entdeckung lie� aber rasch wieder nach, nachdem ihr klar geworden war, da� es dieser Schnee war, der ihre Kleidung und sogar ihren <emphasis>Piwafwi</emphasis> na� und eiskalt hatte werden lassen. Echter Schnee entpuppte sich f�r sie als ein weit weniger ansprechendes Ph�nomen, als es die B�cher in der Bibliothek ihres Hauses dargestellt hatten.</p><p>Hoch �ber ihr war der Himmel wieder grau verhangen, aber etwas heller als am Vortag � und damit wieder so hell, da� er den Drow in den Augen schmerzte. Da Quenthel nicht darauf bestanden hatte, noch im Sonnenschein loszuziehen, hatte Pharaun Zeit genug, sich zu erholen und sich seinen Zaubern zu widmen. Die meiste Zeit des Tages verbrachten sie abgeschirmt vom Sonnenschein in der H�hle, die ein St�ck vom Eingang entfernt lag. Erst am sp�ten Nachmittag machte sich die Gruppe zum Weitermarschieren bereit, als die Sonne bereits wieder unterging.</p><p>�Erinnert mich daran, da� ich mich sp�ter mit Methoden befasse, wie man diesen infernalischen Himmelsk�rper ausl�schen kann�, meinte Pharaun und blinzelte zu den Wolken, die weiteren Schnee versprachen. �Er ist immer noch irgendwo da oben hinter diesen segensreichen Wolken und verbrennt meine Augen.�</p><p>�Ihr seid nicht der erste unserer Art, der das Licht als schmerzhaft empfindet�, gab Quenthel zur�ck, �und je l�nger Ihr Euch beklagt, um so mehr macht es mir zu schaffen. Also h�rt auf zu jammern und widmet Euch lieber Eurem Zauber.�</p><p>�Nat�rlich, beeindruckendste aller Herrinnen�, sagte Pharaun in bissigem Tonfall.</p><p>Er wandte sich ab und eilte hin�ber zu den schneebedeckten Felsen und Findlingen, ehe Quenthel eine angemessene Erwiderung einfiel. Die Baenre murmelte halblaut einen finsteren Fluch und wandte sich auch ab, um Danifae zuzusehen, die Quenthels Matte und Decken in ihrem Rucksack verstaute. Die anderen schwiegen und gaben sich mit dem Zusammenpacken besch�ftigt, um vorzugeben, sie h�tten von dem Wortwechsel zwischen Quenthel und Pharaun und von Quenthels Verhalten gegen�ber der Kriegsgefangenen nichts mitbekommen.</p><p>Halisstra nahm ihr Gep�ck und folgte Pharaun durch das Schlundloch auf den verborgenen Pfad entlang der Mauer, der bis auf Waldniveau anstieg. Als sie auf der Lichtung stand, die jene tiefer gelegene Stelle umgab, an der der H�hleneingang unter dem Fels hervorkam, wurde ihr bewu�t, wie dicht und erdr�ckend der Wald wirkte. Wohin sie auch sah, standen B�ume und B�sche dicht an dicht und bildeten eine gr�ne Mauer, die �berall gleich aussah. Nichts markantes war zu sehen, kein ferner Gebirgszug, an dem sie sich orientieren konnte, kein geordnetes System aus sandbedeckten Stra�en, auf denen man sich fortbewegen konnte. Selbst in den verwinkeltsten H�hlen des Unterreiches gab es nur eine Handvoll Richtungen, in die man sich bewegen konnte � vor oder zur�ck, links oder rechts, aufw�rts oder abw�rts. Im Wald dagegen konnte man jede beliebige Richtung einschlagen und kam immer irgendwo an. Das war ein ungewohnter Gedanke, der ihr Unbehagen bereitete.</p><p>Nachdem sie den bewaldeten H�gel betrachtet hatte, wandte sie sich zu Pharaun um. Auch der Rest der Truppe stand oder hockte da und sah ihn an.</p><p>�Wenn ich etwas sage�, erkl�rte Pharaun, der den Blick auf die B�ume gerichtet hatte und �ber die Schulter zu den anderen sprach, �ganz gleich was, dann merkt es Euch gut, denn es kann sein, da� ich nicht genau verstehe, was ich sehe.�</p><p>Er breitete die Arme aus, schlo� die Augen und wiederholte unabl�ssig schroffe Silben arkaner Macht, w�hrend er sich langsam im Kreis drehte.</p><p>Das geisterhafte Gef�hl wirkender Magie erfa�te Halisstra. Es war so nah, da� es fast greifbar schien, zugleich war es unendlich weit entfernt. Ein seltsamer kalter Wind kam auf, wehte seufzend durch die Baumwipfel, die sich mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung bogen, und wurde abrupt st�rker. Schnee l�ste sich von den �sten und Zweigen und fiel zu Boden, w�hrend der befremdliche Wind laut heulend zum w�tenden Sturm anschwoll. Halisstra schirmte mit einer Hand ihre Augen gegen den umherwirbelnden Staub und Schmutz ab und h�rte, wie Pharauns Stimme tiefer und gewaltiger wurde, da der Zauber ein Eigenleben zu entwickeln begann und sich aus seiner Kehle zu rei�en schien. Sie verlor den Halt und rutschte weg, bis sie sich auf ein Knie st�tzen und wieder Halt finden konnte. Ihre Haare peitschten um ihren Kopf wie ein Lebewesen mit eigenem Willen.</p><p>Die Magie von Pharauns Erkenntniszauber trug ihn in die L�fte. Mit nach wie vor ausgestreckten Armen drehte er sich im Wind, der ihn umgab. Seine Augen waren leer und schimmerten silbern, sein Blick war gen Himmel gerichtet. Ein Nimbus aus gr�ner Energie begann sich um Pharauns K�rper zu bilden, und er stie� ein lautes Geheul aus. Blitze aus smaragdenem Feuer brachen aus dem ihn umgebenden Lichtkranz hervor und bohrten sich Rapieren gleich in die Felsen ringsum, als seien sie aus zartem Fleisch. Im n�chsten Augenblick barsten sie unter ohrenbet�ubendem L�rm. Dort, wo die gr�nen Blitze eingeschlagen waren, hatte sich im zertr�mmerten Stein eine schwarze Rune oder ein Symbol gebildet, als sei es mit S�ure eingebrannt worden. Allein ihr Anblick lie� Halisstras Augen schmerzen, und von hoch oben �ber dem Boden der Lichtung begann Pharaun in einer gr��lichen Stimme zu sprechen, die Wind und Donner �bert�nte.</p><p>�F�nf Tage westlich von hier gibt es einen kleinen Flu߫, sprach der Magier. �Wendet Euch nach S�den und folgt dem dunklen, schnellen Wasser stromaufw�rts f�r einen weiteren Tag, bis Ihr an die Tore der Minauth-Feste gelangt. Der Diener Vhaerauns lebt dort. Er wird Euch helfen und Euch betr�gen, doch keines von beidem so, wie Ihr erwartet. Jeder von Euch bis auf einen wird Verrat begehen, ehe Eure Reise beendet ist.�</p><p>Der Zauber war vor�ber. Der Wind legte sich, die gr�ne Energie verflog, und Pharaun sackte so schnell zu Boden, als sei er von einem Dach gest�rzt. Der Magier traf ungelenk und hart auf dem Grund auf und landete mit dem Gesicht im Schnee. Als der Nachhall der Gewalt seines Zaubers sich im verschneiten Wald verlor, verbla�ten auch die in den Stein gebrannten Runen und Symbole und zerfielen zu winzigen schwarzen Staubflocken, die im n�chsten Moment verschwunden waren.</p><p>Die anderen in der Gruppe warfen einander finstere Blicke zu.</p><p>�Jetzt verstehe ich, warum er diesen Zauber so ungern wirkt�, kommentierte Ryld. Er trat einen Schritt vor und packte Pharauns schwach winkenden Arm, drehte ihn auf den R�cken und untersuchte ihn auf �u�erlich erkennbare Verletzungen. Pharaun sah auf und brachte ein fl�chtiges Grinsen zustande.</p><p>�Gute und schlechte Nachrichten, w�rde ich sagen�, meinte er. �Tzirik scheint noch zu leben.�</p><p>�Die Anweisungen waren eindeutig�, sagte Valas. �Ich glaube, ich kann uns in eine ausreichend westliche Richtung f�hren.�</p><p>�Was habt Ihr mit den letzten Worten gemeint?� wollte Jeggred wissen, der von Valas keine Notiz nahm. �Was den Verrat angeht?�</p><p>Der Draegloth ballte die F�uste.</p><p>�Da� jeder von uns jemanden verraten wird? Da k�nnte ich nur raten�, sagte Pharaun. Er hustete und setzte sich auf. Mit einer Handbewegung bedeutete er Ryld, da� er keine weitere Hilfe ben�tigte. �Es liegt in der Art dieser Magie, derart kryptische Vorhersagen zu machen, bedrohliche kleine R�tsel, bei denen man kaum hoffen kann, sie zu l�sen, bis einem auf einmal bewu�t wird, da� das gef�rchtete Ereignis bereits hinter einem liegt.� Er stie� ein trockenes Kichern aus. �Wenn nur einer von uns in n�chster Zeit keinen schockierenden Verrat zu begehen vorhat, dann w��te ich gerne, wer da so nachl�ssig ist. Er wird unseren Ruf sch�digen, wenn er nicht aufpa�t.�</p><p>Halisstra betrachtete den Rest der Gruppe, sah die ausdruckslosen Gesichter und die nachdenklichen Blicke. Danifae reagierte mit einem fl�chtigen L�cheln und lie� ihre Augen f�r einen winzigen Moment zu Quenthel zucken. Es war eine so winzige und verstohlene Geste, da� niemand au�er Halisstra sie wahrnehmen konnte.</p><p>Auch wenn der Magier die exakten Worte seines Erkenntnis-Zaubers wie beil�ufig abtat, war sie nicht erfreut �ber die Aussicht, da� jeder ihrer Gef�hrten in n�chster Zeit irgendeinen Verrat begehen w�rde. Oder jeder bis auf einen. Nur weil Halisstra im Moment nicht vorhatte, jemanden zu verraten, bedeutete das nicht zwangsl�ufig, da� sie nicht doch eine Gelegenheit nutzen w�rde, die sich ihr bieten mochte. Schlie�lich hatte sie es bis zur Ersten Tochter des Hauses Melarn geschafft, weil sie einen erbarmungslosen Instinkt f�r solche Dinge besa�. W�re Ched Nasad nicht zerst�rt worden, w�re zweifellos irgendwann der Augenblick gekommen, an dem sie einen Plan gegen ihre Mutter geschmiedet h�tte, um die F�hrung des Hauses f�r sich zu beanspruchen. Matrone Melarn hatte auf die gleiche Weise und aus dem gleichen Motiv vor Jahrhunderten den Platz von Halisstras Gro�mutter eingenommen. Es war Lolths Art.</p><p>�Nun�, sagte Pharaun und erhob sich noch immer zitternd. Der Magier nahm sehr behutsam von Ryld sein Gep�ck entgegen. �Wie es scheint, habe ich ein Ziel vorgegeben. Wo ist Westen, Meister Hune?�</p><p>Valas wies mit einem Kopfnicken zu einer Seite der Lichtung und erwiderte: �Es gibt eine Reihe von Wildf�hrten, die mehr oder weniger der untergehenden Sonne folgen.�</p><p>�Kommt�, sagte Quenthel. �Je eher wir aufbrechen, desto fr�her kommen wir an. Ich will keine Stunde mehr als n�tig in diesem vom Licht versengten Land zubringen. Meister Hune, Ihr werdet Euren gewohnten Platz als unser F�hrer einnehmen. Meister Argith, Ihr begleitet ihn. Halisstra, Ihr bildet die Nachhut und achtet darauf, da� uns niemand folgt.�</p><p>Halisstra zog die Brauen zusammen und trat von einem Fu� auf den anderen. Was sie tun sollte, schien ihr eher eine Aufgabe f�r einen Mann zu sein. In den letzten Tagen hatte Jeggred die Nachhut gebildet. Ihr entging nicht, da� Jeggred durch die neue Marschordnung nun dicht bei Quenthel war, um die Baenre bei einem Angriff zu besch�tzen. Ebenso war ihr aufgefallen, da� Quenthel sowohl Valas als auch Ryld mit �Meister� angesprochen hatte, w�hrend sie selbst von ihr nur �Halisstra� genannt worden war.</p><p>Nat�rlich w�re es sinnlos gewesen, Protest einzulegen, also wartete sie, bis sich die Gruppe aufgestellt hatte, um Valas zu folgen. Sie nahm die Armbrust von der Schulter und stellte sicher, da� sie sofort einsatzbereit war. Nachdem die Gruppe gut f�nfzig Schritt zur�ckgelegt hatte, machte sich Halisstra daran, den anderen zu folgen.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Die Waldlandschaft an der Oberfl�che entpuppte sich als ein fremdartiger und beunruhigender Ort. Als sich die Gruppe vom Rand der Lichtung entfernte, wich das dichte Unterholz einer schier endlosen Halle aus runden St�mmen, die sich bis hinauf zum Laubdach erstreckten und wie die S�ulen einer d�steren Elfenhalle in den L�ndern unter ihnen wirkten. Umgest�rzte B�ume lagen kreuz und quer und waren von leuchtend gr�nem Moos �berzogen. Manche von ihnen waren so gro�, da� die Gruppe einen gro�en Umweg machen oder sich unter dem Hindernis hindurchzw�ngen mu�te. Schnee hatte sich seinen Weg durch das dichte Laub gebahnt, und von den Zweigen hoch �ber ihnen tropfte st�ndig kaltes Wasser auf sie herab. Anders als die leblose Abgeschiedenheit Anaurochs war der Wald nicht nur voller B�ume und Str�ucher, sondern wurde auch von allen m�glichen kleinen Tieren und V�geln bev�lkert. Nachdem sie mehrmals erschrocken stehengeblieben war, hatte Halisstra es schlie�lich geschafft, etliche der leisen Vogelrufe und der anderen Ger�usche zu identifizieren. Das bef�higte sie, sie ins Reich der Bedeutungslosigkeit zu verbannen.</p><p>Anfangs hatte sie bef�rchtet, sie k�nnte die Gruppe vor ihr allzuschnell aus den Augen verlieren. Doch abgesehen vom dichteren Laub an den vereinzelten Lichtungen bestand das Unterholz vorwiegend aus Farnen und anderen Gr�npflanzen, die nur selten �ber H�fth�he hinausgingen. Als sich die Nacht �ber den Wald herabsenkte, konnte Halisstra sofort wieder besser sehen und f�hlte sich mit zunehmender Finsternis wohler.</p><p>Die Drow marschierten die ganze Nacht hindurch, und erst kurz vor Tagesanbruch schlugen sie ihr Lager in der Ruine eines alten Turms auf, dessen geborstener wei�er Stein von Moos �berzogen war. Der Turm lie� eine bemerkenswert elegante Form erkennen, in den Sturz der seit langem fehlenden T�r war ein Muster aus Ranken und Bl�ten eingraviert � eindeutig das Werk von Elfen, die an der Oberfl�che gelebt hatten. Nachdem Pharaun die Lagerstatt auf verbliebene Zauber abgesucht hatte, die ihnen gef�hrlich werden konnten, aber auf nichts Verd�chtiges gesto�en war, lie�en sie sich nieder, um die schmerzhaft grellen Stunden des Tages abzuwarten. Quenthel wies Jeggred und Pharaun an, Wache zu halten, w�hrend die anderen den Schatten und die Sicherheit genossen, die die zum Teil erhalten gebliebenen Decken und die eleganten Mauern ihnen boten.</p><p>Als die Sonne unterging, a�en sie, bauten ihr Lager ab und machten sich auf. Sie behielten die gleiche Marschordnung bei und marschierten wieder die ganze Nacht hindurch. Die folgenden zwei Tage und zwei N�chte vergingen im gleichen Rhythmus. Valas gelang es sogar, ein kleines Huftier zu erlegen, kurz bevor die dritte Nacht ihrer Reise endete. Halisstra nahm �berrascht zur Kenntnis, wie zart und saftig das Fleisch dieses Tiers war, das besser schmeckte als eine junge Roth�.</p><p>Gegen Ende des Tages zogen wieder Wolken auf, dunkler und dichter als zuvor, und als das Tageslicht verschwunden war und sich die Drow f�r ihren vierten Marsch durch die Welt an der Oberfl�che bereitmachten, begann es erneut zu schneien. Diesmal waren es schwere, nasse Flocken. Im Wald wurde es so ruhig, da� die Stille etwas Be�ngstigendes hatte. Es war, als hielte der Wald den Atem an, um den Augenblick nicht zu st�ren. Halisstra sah sich immer wieder um, machte ein Dutzend Schritte nach vorn und blieb dann stehen, um zu beobachten, ob ihnen jemand folgte. Zeitweise ging sie sogar f�r Minuten r�ckw�rts und sah nur in kurzen Abst�nden nach vorn, um sicher zu sein, da� nichts ihren Weg versperrte. Wenn Pharauns Erkenntniszauber zutraf, dann w�rden sie am Ende dieser oder der n�chsten Nacht den Flu� erreichen, was bedeutete, da� das Haus Jaelre und der Vhaeraun-Priester nur noch einen Tag entfernt sein konnten.</p><p>Nun, da das Ziel ihrer langen Reise pl�tzlich zum Greifen nah war, wurde Halisstra klar, da� sie nicht wu�te, warum der Ketzer ihnen helfen sollte. Valas mochte ein alter Bekannter von ihm sein, doch kein Kleriker des Maskierten Gottes w�rde Priesterinnen Lolths einfach aus purer G�te heraus helfen. Da� daf�r ein Preis gezahlt werden mu�te, war klar, doch welcher? �berlegte Halisstra. W�rde Reichtum gen�gen? Quenthel und ihre Gef�hrten f�hrten wertvolle Edelsteine mit sich. In der Wildnis des Unterreichs war es die einfachste und platzsparendste Methode, um Verm�gen zu transportieren. Halisstra hatte unmittelbar vor der Flucht aus Ched Nasad auch ihre Taschen vollgepackt. Dennoch bezweifelte Halisstra, da� sich ein so m�chtiger Vhaeraunit derart leicht kaufen lassen w�rde.</p><p>Zwang war eine andere M�glichkeit, vielleicht w�rden sie ihm aber auch irgendeinen Dienst erweisen m�ssen. Danifae war bei solchen Vereinbarungen gelegentlich recht n�tzlich. Jeder Drow hatte mindestens einen Feind, dem er etwas heimzahlen wollte.</p><p>Sie merkte, da� sie ein St�ck zur�ckgefallen war, also beschleunigte sie ihre Schritte, um wieder ihre Position hinter der Gruppe einzunehmen. M�helos eilte sie durch den Wald, wobei ihre Stiefel sie immer wieder ein St�ck durch den Schnee rutschen lie�en. Dann endlich sah sie Jeggreds h�nenhafte Gestalt und die kleineren Begleiter bei ihm. Halisstra wurde langsamer und warf einen erneuten Blick �ber die Schulter.</p><p>Jemand befand sich hinter ihr.</p><p>Von allen Seiten h�rte sie Schritte, die kaum lauter als ein Fl�stern waren, bis sie abrupt einer v�lligen Stille wichen, die nur magischen Ursprungs sein konnte.</p><p>Halisstra stie� einen Warnruf aus, konnte aber nichts h�ren. Sie hob die Armbrust. Auf dem Weg direkt vor ihr kam ein schlaksiger Elf herangest�rmt, dessen Haut so wei� wie Schnee war. In einer Hand hielt er eine wundervoll geschwungene Streitaxt, in der anderen eine Handaxt. Seine Augen funkelten in der Nacht wie gr�ner Tod.</p><p>�Achtung!� schrie sie, um ihre Gef�hrten zu warnen, doch wieder durchdrang kein Laut die vollkommene Stille.</p><p>Ohne zu z�gern wirbelte sie herum und feuerte ihre Armbrust auf Jeggred ab, der wie der Rest der Gruppe gut f�nfzig Schritte vor ihr war. Beim Abfeuern bewegte sie die Waffe ausreichend vom Ziel weg, um ihn nicht zwischen den Schulterbl�ttern zu treffen, sondern den Bolzen in einen Baum neben dem Kopf des Halbd�mons zu jagen, wo er zitternd steckenblieb. Der Draegloth machte einen Satz und schrie auf � jedenfalls vermutete sie das, denn h�ren konnte sie ihn noch immer nicht. Entscheidend war jedoch, da� er sich umdrehte, um zu sehen, was sich hinter ihm abspielte. Dabei entdeckte er die Oberfl�chen-Elfen, die sich von hinten anschlichen.</p><p>Im n�chsten Augenblick hatte der elfische Axtk�mpfer Halisstra erreicht und wirbelte seine beiden geschwungenen Klingen in einem t�dlichen Muster aus funkelndem Stahl durch die Luft. Er schrie etwas, wom�glich ein Kriegsgeheul. Halisstra wehrte mit ihrer feingearbeiteten Armbrust den ersten Hieb der Streitaxt ab, machte einen Satz nach hinten, um der kleineren Klinge auszuweichen, und zog dann hastig ihren Streitkolben, w�hrend sie zugleich den Schild von ihrer Schulter nahm. Der blasse Elf sprang vor, damit er wieder angreifen konnte. Die beiden umkreisten einander und lie�en schnelle Hiebe auf den jeweils anderen niederregnen, die aber allesamt nicht ihr Ziel trafen.</p><p>Halisstra sah weitere gr�ngepanzerte Schemen durch den Wald in ihre Richtung huschen. In der Finsternis blitzten Schwerter und Speere auf. Sie verst�rkte ihre Anstrengungen und dr�ngte den K�mpfer mit den zwei �xten in die Defensive. Sie hoffte, seine Verteidigung durchbrechen zu k�nnen, ehe sie von den �brigen Gegnern umzingelt war.</p><p>Hinter ihr auf dem Pfad blitzte ein glei�endes Leuchten auf, das den finsteren Wald mit blendender Helligkeit erf�llte. Das letzte, was sie sah, bevor das Licht ihr die Sicht nahm, war eine Gruppe von Oberfl�chen-Elfen und menschlichen Kriegern, die sich in das Get�mmel st�rzten.</p><p>Jetzt konnte Halisstra nur noch eines tun. Sie hob den Schild, um Zeit zu schinden, dann duckte sie sich, nahm eine Handvoll Schmutz und getrocknete Bl�tter vom Boden auf und erf�llte sie mit magischer Finsternis. �ber diese F�higkeit verf�gten alle Drow. Ein kraftvoller und auch weiterhin lautloser Schlag traf ihren Schild. Rasch wich sie zur�ck, blieb dicht am Boden und tastete, wohin sie ging. Einige ihrer Feinde warteten zweifellos darauf, da� sie aus der undurchdringlichen Finsternis hervortrat � zumindest h�tte Halisstra das an ihrer Stelle getan. Am sinnvollsten war es daher, so lange wie m�glich in der Finsternis zu verharren und darauf zu hoffen, da� die Bewohner der Oberfl�che �ber keine Magie verf�gten, die angetan war, ihren Kreis aus Dunkelheit aufzuheben.</p><p>Wie jede adlige Drow, die mit dem K�mpfen bestens vertraut war, wu�te auch Halisstra, wie lange die Dunkelheit um sie herum Bestand haben w�rde. Sie konnte die magische Schw�rze f�r fast drei Stunden aufrechterhalten. Wenn sie lange v�llig ruhig blieb, w�rden die Angreifer vielleicht glauben, sie sei ihnen doch irgendwie entkommen. Zumindest war sie zuversichtlich, da� ihr Zauber l�nger anhalten w�rde als der Stillezauber, der sich �ber die Umgebung gelegt hatte. Sobald sie wieder h�ren konnte, w�rde sie besser �berlegen k�nnen, was sie als n�chstes machen sollte.</p><p>Mit dem Streitkolben in der Hand tastete sie sich an einen gro�en Baum heran, lehnte sich einen Moment gegen den Stamm und lie� sich dann nieder, um einfach nur abzuwarten.</p><empty-line/><p>Nimor stand geduldig im Gang vor dem Ratssaal, lie� gezielt die Schultern h�ngen und setzte eine schlaffe Miene auf. Er sollte m�de und ersch�pft sein d�rfen. In der Uniform eines Offiziers der Hauses Agrach Dyrr hatte er sich vorgeblich den Weg aus der Schlacht bei Rhazzts Dilemma freigek�mpft, um die Nachricht von diesem Angriff den Muttermatronen zu �berbringen. Nat�rlich hatte die Garnison von Agrach Dyrr den Au�enposten l�ngst an die Armee aus Gracklstugh �bergeben, doch das mu�ten die Muttermatronen noch nicht wissen.</p><p>Es fiel ihm schwer, im angemessenen Verh�ltnis abgek�mpft, verzweifelt und unerschrocken zugleich zu wirken, zumal sein Herz vor Begeisterung raste und sein K�rper vor freudiger Erwartung kaum zu b�ndigen war. Seit langem gehegte Pl�ne wurden in die Tat umgesetzt und liefen auf ein schreckliches Ziel hinaus. Durch seine Anstrengungen war es ihm gelungen, das Schicksal gleich zweier gro�er St�dte zu beeinflussen und zu ver�ndern. Beide bewegten sie sich langsam, aber unausweichlich auf eine schreckliche Kollision zu, die er sich schon vor Monaten ausgemalt hatte, und mit jeder Stunde, die verstrich, nahmen die Ereignisse einen immer schnelleren Verlauf, der es ihm erm�glichte, nur hin und wieder lenkend eingreifen zu m�ssen. Bald w�rde sein Werk getan sein. Dann konnte er abtreten und sich darauf vorbereiten, die Fr�chte seiner Arbeit zu emten.</p><p>Um sich etwas abzulenken, w�hrend er darauf wartete, vom Rat in den Saal nebenan gerufen zu werden, betrachtete Nimor aufmerksam die Halle. Immerhin konnte niemand sagen, ob nicht eine halb vergessene T�r und ein anderer Fluchtweg den Unterschied zwischen Leben und Sterben ausmachen w�rde. Der sogenannte Raum der Bittsteller bildete den Eingangsbereich zum geheimen Ratssaal der Muttermatronen. Die hochwohlgeborenen Damen selbst durchschritten selten diesen Raum, da sie �ber diverse geheime und magische M�glichkeiten verf�gten, die Strecke von ihren Pal�sten und Burgen nach hierher zur�ckzulegen. Statt dessen war der Raum der Bittsteller der Raum, in dem sich alle einfanden, die etwas mit dem Rat zu besprechen hatten und darauf warteten, von den Muttermatronen empfangen zu werden. Nat�rlich war der Saal fast leer.</p><p>Jeder Drow, der etwas ben�tigte, erbettelte es sich von einer der Muttermatronen, und das erledigte er auf behutsamste und respektvollste Art und Weise. Nur die Drow, die vor den Rat zitiert wurden, warteten in dieser Halle, und selbst in diesen F�llen hatte praktisch jeder, der herbestellt wurde, zuvor einer Muttermatrone Bericht erstattet. F�r gew�hnlich war der Saal ein praktischer Ort f�r all jene, die f�r den Rat von Interesse waren. Hier hatten sie zu warten, bis sie gerufen wurden, um ihre Berichte abzuliefern, eine Bitte vorzutragen oder um einen Fall vorzutragen und ein Urteil zu h�ren.</p><p>Sechzehn stolze Krieger und Magier standen im Saal verteilt, zwei von jedem der H�user, deren Muttermatronen dem Rat angeh�rten. Sie waren vorgeblich als Wache f�r den Rat aufgestellt, aber in Wahrheit verbrachten sie die meiste Zeit damit, die M�nner der rivalisierenden H�user zu beobachten, damit die keinen heimlichen Angriff starteten.</p><p>Der Boden aus poliertem schwarzen Marmor wurde von Goldadern durchzogen und schimmerte im schwachen Schein der Feenlicht-Kugeln, die hoch oben an der Decke hingen. An den W�nden erz�hlten gro�e Friese die Geschichte von der Gr�ndung Menzoberranzans.</p><p>Mehrere unbedeutende Beamte eilten durch die Halle und verbeugten sich vor allen, denen diese Form der Unterw�rfigkeit entgegenzubringen war, w�hrend alle anderen, denen kein Respekt entgegengebracht werden mu�te, ignoriert wurden. In seiner Uniform eines Unteroffiziers des Hauses Agrach Dyrr fiel Nimor zwischen diese beiden Kategorien.</p><p>Zu seiner gro�en �berraschung lie� man ihn nur vierzig Minuten warten, bis ein Haushofmeister zu ihm kam und auf die T�r wies.</p><p>�Der Rat erwartet Euren Bericht�, sagte er.</p><p>Nimor folgte ihm in den Ratssaal und verbeugte sich vor den hohen Sitzen der acht Muttermatronen. Jede von ihnen fand sich in der Begleitung von ein oder zwei T�chtern, Nichten oder anderen Lieblingen. Ein gro�er Torbogen zu einer Seite des Saals f�hrte zu einer Reihe kleinerer Schreine und R�ume, die an den Ratssaal angrenzten und in die die Begleiter der Muttermatronen oder die Sekret�re geschickt werden konnten, wenn Dinge zu besprechen waren, die vertraulich zu behandeln waren.</p><p>�Muttermatronen, Hauptmann Zhayemd von Hause Agrach Dyrr�, verk�ndete der Haushofmeister.</p><p>Nimor verbeugte sich erneut und verharrte in dieser Haltung, w�hrend er heimlich die Muttermatronen beobachtete.</p><p>Triel Baenre sa� nat�rlich auf dem wichtigsten Platz des Rates. Sie war klein, zierlich und h�bsch und wirkte viel zu jung f�r einen solchen Ehrenplatz, auch wenn sie nat�rlich Hunderte von Jahren alt war. Mez�Barris Armgo vom Haus Del�Armgo sa� gleich neben ihr, dann folgte der Platz, auf dem bislang die Muttermatrone des Hauses Faen Tlabbar gesessen hatte. Nimor verkniff sich ein L�cheln, lie� jedoch seinen Blick einen Moment l�nger auf der jungen Frau ruhen, die nun Ghennis Platz einnahm � Vadalma, die f�nfte Tochter des Hauses. Entweder hatten sich die anderen vier im Ringen um den Platz ihrer Mutter gegenseitig ausgel�scht, oder Vadalma war weitaus erfahrener als sie aussah.</p><p>Gegen�ber der neuen Matrone Faen Tlabbars hatte Yasraena Dyrr ihren Platz, die anmutig und gewandt war und sich auf dem Stuhl sehr wohl zu f�hlen schien, der ihr nach Auro�pols Tod zugefallen war.</p><p>�Wie ich sehe, ist mein Hauptmann eingetroffen�, sagte Yasraena zu ihresgleichen. �Willkommen. Ihr habt heute viel erduldet, doch ich f�rchte, ich mu� Euch noch einer weiteren Qual aussetzen, ehe Ihr Euch zur Ruhe begeben k�nnt. Sagt dem Rat, was Euch zu mir gef�hrt hatte.�</p><p>�Wie Ihr wollt, verehrte Matrone�, sagte Nimor. Er sah zu den anderen hochwohlgeborenen Frauen rings um ihn und t�uschte eine Spur von Angst vor. �Muttermatronen, ich komme aus der Garnison bei Rhazzts Dilemma. Wir wurden von einer gro�en Streitmacht aus Duergar und ihren Verb�ndeten angegriffen, darunter Derro, Durzagons, Riesen und viele Sklaventruppen. Wir gehen davon aus, da� wir sie allenfalls noch so lange zur�ckschlagen k�nnen, bis die Duergar ihre Belagerungseinheiten ins Spiel bringen.�</p><p>�Ich kenne diese Stelle�, sagte Mez�Barris Armgo. �Sie liegt drei oder vier Tagesreisen s�dlich der Stadt. Ist Eure Nachricht so alt? Warum haben unsere Zauberkundigen uns nicht per Magie gewarnt, statt Euch pers�nlich vorsprechen zu lassen?�</p><p>�Unser Magier wurde beim ersten Angriff get�tet, Matrone Del�Armgo. Er hatte das Pech, eine Streife au�erhalb unserer Verteidigungsanlagen anzuf�hren. Dabei fiel er den herannahenden Duergar zum Opfer. Als Herrin Nafyrra Dyrr � die Befehlshaberin unserer Einheit � erkannte, da� wir keine andere M�glichkeit hatten, um eine Warnung zu �berbringen, schickte sie mich sofort los, um die Kunde nach Menzoberranzan zu bringen.�</p><p>�Ihr habt nur eine der von mir gestellten Fragen beantwortet, Hauptmann�, stellte die Muttermatrone des Hauses Barrison Del�Armgo fest. �Rhazzts Dilemma wurde heute morgen angegriffen, doch der Au�enposten ist mehr als f�nfzig Kilometer s�dlich von hier gelegen, was einer Reise von mehreren Tagen entspricht.�</p><p>Nimor z�gerte kurz, dann sah er zu Yasraena Dyrr, als erwarte er ihre Hilfe. Die Muttermatrone nickte nur knapp.</p><p>�Ich benutzte ein unzuverl�ssiges Portal, um meine Reise von mehreren Tagen auf einige Stunden zu verk�rzen, Matrone Del�Armgo�, sagte er. �Es liegt zwei oder drei Kilometer vom Au�enposten entfernt und ist nur schwer zu entdecken, da es nur zeitweise funktioniert. Es �ffnet sich in eine unbenutzte H�hle im Dunklen Reich. Mein Haus wei� seit einiger Zeit von diesem Portal, doch wir haben seiner Magie nicht gen�gend vertraut, so da� wir es nur im �u�ersten Notfall einzusetzen bereit waren.�</p><p>�Ich zweifle nicht daran, da� Barrison Del�Armgo von �hnlichen Portalen in und um die Stadt wei߫, erkl�rte Yasraena Dyrr. �Verzeiht, wenn wir bis heute vers�umt haben, die Existenz dieses einen Portals zu erw�hnen.�</p><p>�Das Portal ist unwichtig�, gab Triel Baenre zur�ck und machte eine wegwerfende Handbewegung. �Der Hauptmann ist gekommen, um Bericht zu erstatten, nur das z�hlt. Sagt mir, was Ihr bei dieser Armee aus Duergar beobachten konntet.�</p><p>�Ich w�rde ihre Zahl auf drei- bis viertausend Duergar sch�tzen, dazu eine Reihe von Sklavensoldaten � vorwiegend Orks und Oger. Wir konnten beim Angriff die Banner von acht Kompanien z�hlen, und viele weitere bildeten ihre Reserve. Es k�nnten noch viele mehr sein, es sei denn, die Duergar haben bewu�t versucht, uns zu t�uschen, indem sie mit falschen Bannern in die Schlacht zogen.�</p><p>�Ein �berfall�, murmelte Prid�eesoth Tuin aus dem Haus Tuin�Tarl. �Man testet nur die St�rke Eures Au�enpostens, Hauptmann.�</p><p>Nimor trat von einem Fu� auf den anderen und gab sich redlich M�he, entschlossen, ernsthaft und angemessen unterw�rfig dreinzublicken.</p><p>�Herrin Nafyrra ist nicht dieser Ansicht, Matrone�, gab Nimor zur�ck. �Wir haben bei zahlreichen Gelegenheiten Duergar-Angriffe zur�ckgeschlagen, doch nichts kam je dem Ansturm von heute morgen gleich. Wenn wir nicht von der gesamten Armee Gracklstughs belagert werden, dann sind wir diesem Zustand aber sehr nahe.�</p><p>�Wie stark ist Eure Garnison?� fragte Yasraena.</p><p>�Unsere Garnison z�hlt fast achtzig Krieger, zudem haben wir eine hervorragende Verteidigungsposition, Matrone. Wir k�nnen uns einige Tage halten, doch der Au�enposten wird fallen, wenn die Duergar ihre Belagerungseinheiten aufbauen oder die richtige Art von Magie ins Spiel bringen.�</p><p>�Es w�rde mich nicht wundern, wenn diese Duergar-Attacke nichts weiter ist als ein besonders gro�er und aggressiver �berfall�, meinte Vadalma von Faen Tlabbar. �Ich bin sicher, Matrone Dyrr hat berichtet, was ihre M�nner als Tatsache ansehen. Doch vielleicht sollte der Sache nachgegangen werden, ehe wir in blinder Panik reagieren. Zumindest sollte es eine Best�tigung des Berichts geben. Wenn wir dann das Ausma� der Bedrohung beurteilen k�nnen, kann der Rat �ber die am besten geeigneten Gegenma�nahmen beratschlagen.�</p><p>�Unter den meisten Umst�nden w�re unsere junge Schwester gut beraten, eine gr�ndlichere Untersuchung der Situation zu empfehlen�, sagte Yasraena. Sie war gut vorbereitet worden, Nimor mu�te den Blick senken, um zu verhindern, da� man sein L�cheln bemerkte. �Jedoch empfehlen meine Offiziere mir, da� wir, wenn wir die Duergar-Armee au�erhalb der Stadt abfangen wollen, uns ihnen bei den S�ulen des Leids stellen, die zwischen hier und Rhazzts Dilemma gelegen sind. Eine starke Truppe, die schnell entsandt wird, kann die S�ulen gegen jeden denkbaren Angriff verteidigen. Doch wenn wir zu lange z�gern, werden die Duergar sie vor uns erreichen. Wir w�rden damit einen sehr entscheidenden Vorteil verspielen. Wir sollten uns den Bericht best�tigen lassen, doch in der Zwischenzeit w�re es angeraten, da� sich unsere Soldaten aufmachen.�</p><p>�Sollten wir nicht einfach hier in der Stadth�hle in Verteidigungsstellung gehen?� fragte Mez�Barris Armgo. �Wir k�nnen ohne Schwierigkeiten die Zugangswege befestigen, und die Duergar-Armee h�tte dadurch Probleme, die Stadt einzukreisen, w�hrend unsere eigene intakte Armee in unseren Reihen bleibt.�</p><p>�Wenn wir den Grauzwergen erlauben, die Stadt zu infizieren�, wandte eine anderen Muttermatrone ein, �dann werden als n�chstes Armeen der Illithiden, Abolethen und der Humanoiden vor unseren Toren stehen. Wir haben viele Feinde. Denkt daran, was in Ched Nasad geschehen ist.�</p><p>Die acht Hohepriesterinnen warfen einander finstere Blicke zu.</p><p>�Auf jeden Fall mu� der Rat schnell zu Entscheidungen kommen�, brach Triel Baenre ihr Schweigen. �Uns bleibt nicht viel Zeit, wenn wir die Duergar au�erhalb der Stadt stellen wollen. Daher befehle ich, da� sich die H�lfte der Baenre-Truppen abmarschbereit macht. Ich rate Euch, es nicht anders zu machen. Wenn wir uns entscheiden, die Stadth�hle zu verteidigen, k�nnen wir unsere Soldaten immer noch stoppen. Doch wenn wir uns zum Marsch entschlie�en, m�ssen wir in der Lage sein, damit in n�chster Zeit zu beginnen.�</p><p>�Ich bin f�r eine energische und aggressive Verteidigung der Stadt�, sagte Yasraena. �Ein hartes Vorgehen kann weitere Angriffe verhindern. Ich werde die H�lfte der Streitkr�fte des Hauses Dyrr mobilisieren.� Sie sah nachdenklich die anderen Matronen an und erg�nzte: �Vorausgesetzt, einige andere H�user sind bereit, das Risiko mit uns zu teilen und uns zu unterst�tzen. Entweder erkl�ren wir uns alle zu einem gemeinsamen Vorgehen bereit oder gar nicht.�</p><p>�Haus Baenre garantiert Agrach Dyrr bis zur R�ckkehr der Expedition�, sagte Triel br�sk.</p><p>Nimor nickte vor sich hin. Er hatte damit gerechnet, da� die F�hrerin des st�rksten Hauses in Menzoberranzan entscheiden w�rde, in dieser Situation mit gutem Beispiel voranzugehen. Unter anderem verwandelte das jegliche r�uberische Absicht der anderen H�user in eine nach au�en gerichtete Aktivit�t, von wo aus man die Baenre als die sah, die zu drastischen Ma�nahmen griff, um die Sicherheit der Stadt zu gew�hrleisten. Triel mu�te dringend etwas in dieser Richtung unternehmen.</p><p>Sie sah zu den Wachen, Beratern und G�sten im Ratssaal und verk�ndete: �Die Muttermatronen m�ssen dar�ber beraten, wie diesem hinterh�ltigen Angriff begegnet werden kann. Geht.�</p><p>�Hauptmann Zhayemd�, sagte Yasraena. �Es w�re mir recht, wenn Ihr den Befehl �ber das Agrach Dyrr-Kontingent �bern�hmt und sofort mit den entsprechenden Vorbereitungen beg�nnet. Ich wei�, Ihr habt einen gefahrvollen Weg hinter Euch, doch Ihr seid mit dem Schlachtfeld bestens vertraut, und ich setze volles Vertrauen in Euch.�</p><p>�Ich werde Euch nach Kr�ften dienen�, erwiderte Nimor. �Mit Lolths Hilfe werde ich dieses Territorium von den Feinden unserer Stadt s�ubern.�</p><p>Er verbeugte sich wieder tief vor den Muttermatronen, dann zog er sich lautlos zur�ck.</p><empty-line/><p>Die Ger�usche des Waldes kehrten schlagartig zur�ck, der Stillezauber hatte seine Wirkung verloren. In den Baumwipfeln seufzte der Wind, in der N�he war das Murmeln eines kleinen Baches zu h�ren, raschelnde Ger�usche drangen einem Fl�stern gleich durch die Finsternis, als sich rund um die schwarze Sph�re kleinere Kreaturen durch den Wald bewegten � oder aber gr��ere Kreaturen, die es verstanden, fast unbemerkt zu bleiben. Lange lauschte Halisstra einfach nur in der Hoffnung, einen Beweis daf�r zu h�ren, da� sich die an der Oberfl�che Lebenden zur�ckgezogen hatten oder da� ihre Kameraden in der N�he ein Gefecht austrugen. Doch weder das Klirren von Schwertern, die aufeinandertrafen, noch das Dr�hnen von Zaubern, die gewirkt wurden, drangen an ihre Ohren. Sie h�rte nichts, was keinen Schlu� dar�ber zulie�, ob ihre Gegner gegangen waren oder einfach stumm au�erhalb der Dunkelheit darauf warteten, da� sie wieder zum Vorschein kam. Halisstra konnte geduldig sein, wenn ihr danach war, und sie war Entbehrungen und Gefahren gew�hnt, doch die nervliche Anspannung, jeden noch so winzigen Laut zu identifizieren und nach seiner Gef�hrlichkeit f�r sie einzuordnen, sorgte bald daf�r, da� ihr der Schwei� auf der Stirn stand.</p><p>Wenn Quenthel und die anderen in der N�he w�ren, w�rde ich sie h�ren, �berlegte sie. Der Kampf mu�te sie weit weggef�hrt haben.</p><p>Ihr Herz raste, als ihr der Gedanke kam, sie k�nnte in den endlosen W�ldern ganz allein zur�ckgeblieben sein � sie, ein sch�ndlicher Feind f�r jedes Gesch�pf, das auf der Welt an der Oberfl�che lebte.</p><p>Es ist besser, beim Versuch zu sterben, wieder zu ihnen zu sto�en, entschied Halisstra. Wenigstens wei� ich, wohin sie gehen, wenn ich es schaffe, meinen Kurs beizubehalten.</p><p>Zun�chst einmal mu�te sie aus der Finsternis entkommen, die ihr Schutz bot. Sie wollte die magische Finsternis nicht aufl�sen, sondern sie weiter bestehen lassen, bis sich ihre Wirkung ersch�pft hatte. Es bestand durchaus die M�glichkeit, da� ihre Gegner schweigend darauf warteten, bis sich die Finsternis von selbst aufl�ste, statt den Versuch zu unternehmen, in die Schw�rze vorzudringen. Halisstra griff in ihre G�rteltasche und zog einen schmalen Elfenbeinstab hervor. Sie betastete ihn sorgf�ltig, weil sie sicher sein wollte, ob es der Stab war, den sie brauchte. Als sie davon �berzeugt war, den richtigen Gegenstand in H�nden zu halten, tippte sie den Stab gegen ihre Brust und fl�sterte ein Wort.</p><p>Auch wenn es in der magischen Finsternis keine M�glichkeit gab, es nachzupr�fen, hatte der Stab sie unsichtbar gemacht. Sie stand so leise wie m�glich auf und zuckte bei jedem noch so leisen Rascheln und Rasseln ihres Kettenhemdes zusammen.</p><p>Halisstra verlie� die magische Schw�rze eher als erwartet. Es schien, als h�tte sie nur etwa zwei Meter vom Rand entfernt gesessen. �berzeugt von ihrer Unsichtbarkeit richtete sie sich auf und sah sich um. Der Wald sah unver�ndert aus, abgesehen davon, da� von ihren Gef�hrten ebensowenig etwas zu sehen war wie von den Waldmenschen und den Oberfl�chen-Elfen, die sie angegriffen hatten. Der Mond ging gerade auf und tauchte den Waldboden in ein strahlend silbernes Licht. Sie machte sich auf den Weg in eine Richtung, von der sie hoffte, es sei Westen, wobei sie sich so schnell und leise wie m�glich vorw�rts bewegte.</p><p>Nach kurzer Zeit erreichte sie den Schauplatz eines heftigen Kampfes, wenn sie die Zeichen richtig deutete. Von mehreren gro�en, schwarzen Kreisen auf dem Waldboden stieg noch Rauch auf. An anderer Stelle lagen die Leichen eines guten halben Dutzends Oberfl�chen-Elfen sowie in Gr�n gekleideter menschlicher Krieger, die allesamt Verletzungen aufwiesen, die von Streitkolben, Schwertern oder Klauen zu stammen schienen. Von den Drow war nichts zu sehen.</p><p>Halisstra versuchte, sich an das zu erinnern, was sie von den fahlen Elfen und ihren menschlichen Verb�ndeten gesehen hatte und befand, es k�nnten bis zu f�nfzehn oder zwanzig gewesen sein.</p><p>�Ich frage mich, wo eure Kameraden sind�, fragte sie die gefallenen Krieger, ehe sie weiterzog.</p><p>Halisstra kam nur einen knappen Kilometer weit durch den vom Mond beschienenen Wald, als sie in einen Hinterhalt geriet. Im einen Moment lief sie noch schnellen und sicheren Schrittes durch den Wald, angetrieben von dem Wunsch, sich dem Rest ihrer Gruppe anzuschlie�en und wieder Teil der vertrauten Gefahren ihrer Verbindung zu sein, aber im n�chsten Augenblick wurde sie von einem Elfenmagier �berrascht, der einfach aus einem Baum hervortrat und ihr einen Zauber entgegenschleuderte, indem er gestikulierte und Worte von arkaner Macht ausstie�.</p><p>�Schnell!� rief er. �Wir haben sie!�</p><p>Ihre Unsichtbarkeit versagte sofort, gebannt von dem Magier von der Oberfl�che, und aus dem Laub und den Baumst�mmen ringsum tauchte ein Dutzend fahler Elfen und gr�ngewandeter Menschen auf, die Waffen kampfbereit in der Hand. Sie sprangen sie mit einem m�rderischen Ausdruck in den Augen an, w�hrend der Wald von ihrem lauten Kriegsgeheul erf�llt wurde.</p><p>Angesichts der Ausweglosigkeit ihrer Situation knurrte Halisstra, um ihrem Zorn freien Lauf zu lassen, dann st�rmte die Drow den Kriegern der Oberfl�chenwelt entgegen. Sie war entschlossen, ihnen den Sieg nicht leichtzumachen.</p><p>Der erste Gegner, der ihr im Weg stand, war ein massiger Mensch mit einem kurzen schwarzen Bart, der mit einem Paar Kurzschwertern k�mpfte. Er wirbelte herum, um sie anzugreifen und zielte mit einer Klinge auf ihre Augen, damit sie den Schild hob, w�hrend er mit der anderen versuchte, ihr den ungesch�tzten Bauch aufzuschlitzen. Halisstra wich einfach zur Seite aus und schlug mit dem Streitkolben nach seinem Arm. Sie traf ihn mit solcher Wucht, da� sie den Knochen brechen h�rte. Die Klinge flog dem Mann aus der Hand. Er st�hnte vor Schmerz, attackierte sie aber weiter, w�hrend er widerwillig Schritt um Schritt zur�ckwich und gleichzeitig versuchte, sie mit seinem anderen Schwert zu treffen.</p><p>Drei seiner Kameraden kamen von allen Seiten auf Halisstra zu und dr�ngten sie in die Defensive. Sie war gezwungen, mit dem Schild Speer und Klinge abzuwehren, zugleich wehrte sie mit dem magischen Streitkolben Angriffe von der anderen Seite ab. Das Ger�usch von Metall auf Metall hallte durch den Wald.</p><p>�Ergreift sie lebend, wenn ihr k�nnt�, rief der Magier. �F�rst Dessaer will wissen, wer diese Neuank�mmlinge sind und woher sie gekommen sind.�</p><p>�Leichter gesagt als getan�, schnaufte der erste Schwertk�mpfer, der sich der trotz des Verlustes einer Klinge immer noch tapfer hielt. �Sie scheint an einer Kapitulation nicht interessiert zu sein.�</p><p>Halisstra knurrte frustriert und wandte sich abrupt dem Elfen zu ihrer Linken zu, wich der Klinge seines Speers aus und st�rmte auf ihn zu. Der Mann wich zur�ck und wollte seine Waffe heben, doch sie war schneller.</p><p>Mit einem eisigen L�cheln rammte sie ihm den Streitkolben zwischen die Augen, die Waffe traf von einem h��lichen Knacken begleitet und zerschmetterte den Sch�del ihres Opfers, das in sich zusammensackte.</p><p>Den Preis f�r ihren aggressiven Zug bezahlte sie einen Lidschlag sp�ter, als der Elf hinter ihr die Spitze seines Schwertes in ihr linkes Schulterblatt jagte � und das, wo sie noch versuchte, ihm blitzschnell auszuweichen. Stahl kratzte �ber Knochen, und Halisstra stie� einen Schmerzensschrei aus, als die Kraft aus dem Arm wich, mit dem sie den Schild hielt. Einen Augenblick sp�ter bohrte sich der zitternde Pfeil eines Bogensch�tzen in ihre rechte Wade und lie� das Bein unter ihr wegknicken.</p><p>�Jetzt haben wir sie, Jungs!� rief der elfische Schwertfechter.</p><p>Er hob die Klinge, um einen weiteren Schlag zu f�hren, doch Halisstra lie� sich zu Boden fallen, rollte unter seiner Verteidigung hindurch und zerschmetterte ihm mit einem Schlag ihres Streitkolbens die H�fte. Der Elf schrie vor Schmerz und eilte davon, um ein St�ck weiter im Schnee zusammenzubrechen.</p><p>Halisstra versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, doch der Magier feuerte einen so m�chtigen Lichtblitz auf sie ab, da� die Wucht des Zaubers sie hochri� und durch die Luft wirbelte, bis sie in einem schmalen und eiskalten Flu� in der N�he landete. Ihr ganzer Leib zuckte und schmerzte als Folge der magischen Energie, und dann roch sie den markanten Geruch verbrannten Fleisches � ihres eigenen Fleisches.</p><p>Sie st�tzte sich mit einem Arm ab und konterte mit einem <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Gesang, einem t�dlichen, durchdringenden Akkord, der die Borke von den B�umen ri� und der den Schnee zu einem wei�en, stechenden Sturm aufsteigen lie�. Der Elfenmagier fluchte und sch�tzte sich mit seinem Mantel, schirmte die Augen ab und lie� das todbringende Lied �ber sich ergehen.</p><p>Halisstra stimmte ein weiteres Lied an, doch die Krieger eilten durch den Schnee zu ihr, und der st�mmige Mensch mit dem Bart brachte sie mit einem Tritt gegen den Kiefer zum Schweigen, der so heftig war, da� sie zu Boden geschleudert wurde. Einen Moment lang wurde ihr schwarz vor Augen, und als sie wieder etwas sah, waren gleich vier todbringende Klingen auf sie gerichtet. Der Schwertk�mpfer sah sie �ber die Spitze seines Schwertes finster an.</p><p>�Macht ruhig weiter, wenn Ihr wollt�, forderte er sie ver�chtlich auf. �Unsere Kleriker k�nnen ebensogut Eure Leiche befragen.�</p><p>Halisstra wollte sich von dem rasenden Kopfschmerz und dem Dr�hnen in ihren Ohren befreien. Als sie sich umsah, entdeckte sie in den Augen aller, die sie umstellt hatten, nur den puren Tod.</p><p>Ich kann meine Kapitulation vort�uschen, sagte sie sich. Quenthel und die anderen m�ssen wissen, da� ich verschwunden bin und werden Anstrengungen unternehmen, mich zu finden.</p><p>�Ich gebe auf�, sagte sie in der plumpen Sprache der Menschen.</p><p>Halisstra lie� den Kopf nach hinten ans Ufer des Stroms sinken und schlo� die Augen. Sie sp�rte, wie sie hochgezerrt wurde, ihr Kettenhemd wurde ihr vom Leib gerissen, dann band man ihr brutal die H�nde auf den R�cken. Die ganze Zeit �ber ignorierte sie die M�nner, in deren Gewalt sie geraten war; zugleich mied sie es, �ber ihre Situation nachzudenken, indem sie sich auf Lolths gewaltigen Katechismus konzentrierte, den sie als Novizin hatte auswendiglernen m�ssen.</p><p>�Sie mu� jemand wichtiges sein. Seht euch die R�stung an, ich glaube nicht, da� ich so was schon mal gesehen habe.�</p><p>�Hier haben wir eine Leier und ein paar St�be�, murmelte der Waldl�ufer mit der gebrochenen Hand, der ihre Habseligkeiten durchging. �Seid vorsichtig, Jungs, sie k�nnte eine Bardin sein. Wir sollten sie knebeln.�</p><p>�Bringt mir schnell den Heiltrank, Fandar liegt im Sterben.�</p><p>Halisstra sah zu dem Elfen, dessen H�fte sie zerschmettert hatte. Mehrere seiner Gef�hrten knieten neben ihm im Schnee und Matsch und versuchten, ihn zu beschwichtigen, w�hrend er sich vor Schmerzen wand. Blut hatte den Schnee ringsum rot gef�rbt. Sie beobachtete die Szene, doch im Geist war sie tausend Kilometer oder mehr entfernt.</p><p>�Verdammte Drow-Hexe. Den G�ttern sei Dank, da� nicht alle so verbissen k�mpfen wie sie.�</p><p>Der Elfenmagier baute sich vor ihr auf, seine Miene war angespannt und w�tend.</p><p>�Zieht ihr eine Kapuze �ber, Leute�, wies er die anderen an. �Sie mu� nicht wissen, wo sie ist.�</p><p>�Wohin bringt Ihr mich?� fragte Halisstra.</p><p>�Unser Herr will einige Dinge erfahren�, erwiderte der Magier. Sein L�cheln war so frostig wie der Schnee ringsum, seine Blicke durchbohrten sie, als handle es sich um Klingen. �Meiner Erfahrung nach sind die meisten Drow so boshaft, da� sie lieber an ihrem eigenen Blut ersticken, statt etwas Sinnvolles und N�tzliches zu tun. Ich gehe nicht davon aus, da� du anders bist. F�rst Dessaer wird dir ein paar Fragen stellen, du wirst ihn auf unfl�tige Weise beschimpfen, dann bringen wir dich wieder nach drau�en und weiden dich aus wie einen Fisch. Das ist besser als das, was ihr unseresgleichen antut, wenn wir euch in die H�nde fallen.�</p><p>Die Kapuze wurde Halisstra �bergezogen und so fest zugeschn�rt, da� sie kaum atmen oder schlucken konnte.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Ryld kauerte im Schatten eines gro�en Baumes mit einem Stamm, der so dick war und so weit in die H�he reichte, da� er durchaus die Narbondel des Waldes h�tte sein k�nnen. Zwischen den Schultern trug Ryld sein Schwert Splitter, das im j�ngsten Kampf der Gruppe kaum zum Einsatz gekommen war. Er beugte sich ein wenig vor und suchte den von Mondlicht und Schatten gepr�gten Waldboden ab, w�hrend er ein Ziel zu ersp�hen versuchte. Zusammen mit Pharaun bildete er die Nachhut ihrer Gruppe und wartete voller Hoffnung, den Spie� umzudrehen und die Elfen und Menschen in Bedr�ngnis zu bringen, die ihnen schon so lange zu schaffen machten. Nach mehreren k�hnen Versuchen, die Drow zum Nahkampf zu zwingen, hatten die Oberfl�chen-Elfen und ihre menschlichen Verb�ndeten schlie�lich doch noch gelernt, die Fertigkeiten und den Kampfgeist der Dunkelelfen zu respektieren. Es dauerte nicht lange, da attackierten sie mit vereinzelten Pfeilen aus der Finsternis, griffen immer wieder schnell an und zogen sich noch schneller zur�ck.</p><p>Ein Pfeil zerschnitt die Luft. Ryld wich noch gerade rechtzeitig zur�ck, um zu sehen, wie der mit wei�en Federn besetzte Pfeil an ihm vorbeijagte und den Baumstamm so dicht passierte, da� seine Federn �ber die Rinde strichen. H�tte Ryld sich nur darauf verlassen, da� der Stamm ihn sch�tzte, h�tte sich der fachkundig abgefeuerte Pfeil wohl in sein Auge gebohrt.</p><p>�Es bringt nichts, l�nger zu warten�, fl�sterte Pharaun.</p><p>Der Magier hatte auf Quenthels Befehl, einen Hinterhalt vorzubereiten, ohne jede Begeisterung reagiert, und es mi�fiel ihm nicht, das Unterfangen f�r gescheitert zu erkl�ren und sich wieder dem Rest der Gruppe anzuschlie�en. Er murmelte die rauhen Silben eines Zaubers und beschrieb konzentriert eine Reihe von Gesten.</p><p>Einen Augenblick sp�ter streckte sich der Magier und lie� Ryld wissen: <emphasis>Komm. Ich habe ein Abbild erzeugt, das sie glauben lassen wird, wir st�nden noch immer hier. Wir sind derweil f�r unsere Gegner unsichtbar. Folge mir und bleib dicht hinter mir.</emphasis></p><p>Ryld nickte und zog sich zusammen mit Pharaun in aller Heimlichkeit zur�ck. Er warf einen letzten Blick auf den verlassenen Wald und fragte sich, ob der Trick des Magiers funktionieren w�rde.</p><p>Halisstra ist irgendwo da hinten, dachte er. H�chstwahrscheinlich ist sie tot.</p><p>Die Bewohner der Oberfl�chenwelt hatten kein Interesse erkennen lassen, Gefangene zu machen. Die Vernunft lie� Ryld ihren Verlust als nur ein weiteres Opfer einer Schlacht abschreiben, eine Reaktion, die er beim vorzeitigen Ableben eines jeden n�tzlichen Kameraden empfinden w�rde. Er hatte im Laufe der Jahre an gen�gend Schlachten teilgenommen, um zu wissen, da� Krieger fr�her oder sp�ter starben. Dennoch empfand er beim Gedanken an Halisstras Tod ein seltsames Unbehagen.</p><p>Pharaun blieb stehen und drehte sich langsam, um nach Hinweisen auf den Rest ihrer Gruppe und auf ihre Widersacher zu suchen, die ihnen weiter folgten. Ryld hielt inne und lauschte.</p><p>Durch die Baumkronen strich ein sanfter Wind, der in den �sten leise seufzte. Bl�tter raschelten, Zweige knackten. In der N�he murmelte ein kleiner Bach, doch er konnte keine Anzeichen f�r eine drohende Gefahr erkennen � oder f�r Halisstras R�ckkehr.</p><p>Dumm, auf so etwas zu hoffen, sagte er sich.</p><p><emphasis>Macht dir etwas Sorgen?</emphasis> gestikulierte Pharaun.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> erwiderte der Waffenmeister.</p><p>Der Magier betrachtete ihn aufmerksam, w�hrend der Mondschein sein h�bsches Gesicht in ein silbriges Licht tauchte.</p><p><emphasis>Sag nicht, du bist um die Frau besorgt!</emphasis></p><p><emphasis>Nat�rlich nicht,</emphasis> gab Ryld zur�ck. <emphasis>Ich bin nur besorgt, weil sie eine wertvolle Kameradin ist. Mir gef�llt der Gedanke nicht, ohne ihre Fertigkeit zum Heilen weiterzumarschieren. Sonst bin ich nicht besorgt. Ich bin doch kein Narr.</emphasis></p><p><emphasis>Ich finde, du protestierst etwas zu energisch,</emphasis> bedeutete Pharaun ihm. <emphasis>Ich nehme aber an, es ist nicht weiter wichtig.</emphasis></p><p>Er wollte noch etwas anf�gen, doch ein pl�tzliches Rascheln hinter ihnen lie� ihn verstummen. Pharaun und Ryld drehten sich gleichzeitig um, Rylds Hand fuhr zu Splitters Heft, mit der anderen hob er die Armbrust. Doch dann tauchte auf einmal Valas Hune vor ihnen auf. Von der gesamten Gruppe war der Mann von Bregan D�aerthe derjenige, der in dem Katz-und-Maus-Spiel der Jagd durch den Wald die n�tige Geduld besa� und es mit den Bewohnern der Welt an der Oberfl�che aufnehmen konnte.</p><p><emphasis>Konntet ihr einen unserer Feinde entdecken?</emphasis> fragte der Sp�her.</p><p><emphasis>Nein, aber jemand sah genug von Ryld, um einen Pfeil auf ihn abzufeuern,</emphasis> erwiderte Pharaun. <emphasis>Da sie zu ahnen schienen, wo wir uns aufhielten, lie�en wir eine Illusion zur�ck und kamen wieder her.</emphasis></p><p><emphasis>Ein Lebenszeichen von Halisstra?</emphasis> fragte Ryld.</p><p><emphasis>Nein. Bei dir?</emphasis> entgegnete Valas Hune.</p><p><emphasis>Vor einer halben Stunde h�rten wir Kampfesl�rm ein St�ck weit hinter uns. Es hielt einige Minuten lang an. Das k�nnte sie gewesen sein,</emphasis> signalisierte Pharaun.</p><p>�Das war�s dann�, murmelte Valas Hune. �Dann kommt. Die anderen warten schon auf uns, und wenn wir unsere Verfolger schon nicht in einen Hinterhalt locken, dann k�nnen wir auch weiterziehen. Je l�nger wir hier verharren, desto wahrscheinlicher wird es, da� noch mehr von ihrer Art auftauchen und sich einmischen.�</p><p>Der Sp�her ging voran und eilte zwischen B�umen und Str�uchern hindurch, wobei er sich schnell und lautlos bewegte. Pharaun und Ryld konnten es mit seinen leisen Schritten nicht aufnehmen, doch die gewirkte Magie schien eine angemessene T�uschung zu sein, da sie nicht auf weitere Bogensch�tzen oder Speertr�ger trafen. Nach einigen hundert Schritten erreichten sie einen steilen Graben, der von dichtem Buschwerk und gro�en Findlingen bestens verdeckt wurde. Dort trafen sie auf Quenthel, Danifae und Jeggred, die sich versteckt hielten und aufmerksam Ausschau hielten, ob sich ein neuer Angriff abzeichnete.</p><p>�Konntet ihr die Bogensch�tzen �berrumpeln?� fragte Quenthel.</p><p>�Nein, sie bemerkten uns sehr schnell und gingen einem Kampf aus dem Weg�, antwortete Ryld. Mit der Hand fuhr er durch sein Stoppelhaar und seufzte. �Dies ist f�r uns kein gutes Schlachtfeld. Wir bekommen die Oberfl�chen-Elfen nicht unter Kontrolle, sie sind auf diesem Terrain eindeutig im Vorteil. Aber wenn wir gar nichts unternehmen, dann werden sie uns einkreisen und mit Pfeilen durchbohren.�</p><p>Valas nickte und f�gte an: �Sie arbeiten im Moment an einer L�sung, um uns zu finden und in die Zange zu nehmen. Wir k�nnen noch einige Minuten hierbleiben, doch wir werden uns bald wieder auf den Weg machen m�ssen, da uns sonst der n�chste Kampf erwartet. Ich sch�tze, uns bleiben keine zehn Minuten mehr.�</p><p>�Sollen sie kommen�, brummte Jeggred. �Vor nicht einmal einer Stunde haben wir ein Dutzend von ihnen get�tet, als sie sich von hinten an uns heranschlichen. Nun wissen wir, da� die Tagwandler hier unterwegs sind, jetzt k�nnen wir sie scharenweise niedermetzeln.�</p><p>�Der n�chste Angriff wird ein Regen aus Pfeilen sein, abgeschossen von Bogensch�tzen, die wir nicht mal ausmachen k�nnen�, sagte Valas. �Ich bezweifle, da� die Bewohner der Oberfl�chenwelt bereit sein werden, sich in einer Reihe aufzustellen, damit wir sie t�ten k�nnen. Schlimmer noch: Was, wenn die Truppe Hilfe anfordert? Der n�chste Angriff k�nnte bei Tagesanbruch erfolgen, mit einer zwei- oder dreimal so gro�en Truppe wie der, mit der wir es im Moment zu tun haben. Mir gef�llt der Gedanke nicht, nach Sonnenaufgang mit Pfeilen und Zaubern bombardiert zu werden, wenn unsere Widersacher pl�tzlich wesentlich besser sehen k�nnen als wir.�</p><p>�Sch�n�, knurrte Jeggred. �Was w�rdet Ihr dann vorschlagen?�</p><p>�Den R�ckzug�, antwortete Ryld. �Wir sollten versuchen, so schnell wie m�glich fortzukommen. Mit etwas Gl�ck haben wir einen guten Vorsprung auf unsere Verfolger herausgeholt, noch bevor die Sonne aufgeht, und vielleicht finden wir einen geeigneten Ort, um uns zu verstecken.�</p><p>�Oder vielleicht werden wir das Gebiet erreichen, das von den Jaelre kontrolliert wird�, f�gte Valas Hune an.</p><p>�Was sich als noch gef�hrlicher erweisen k�nnte als das Katz-und-Maus-Spiel, das wir uns mit unseren Verfolgern liefern�, sagte Pharaun. �Wenn die Jaelre nicht viel von Besuchern halten ...�</p><p>�Das ist egal�, warf Quenthel ein. �Wir sind gekommen, um mit ihrem Priester zu sprechen, und das werden wir auch tun, selbst wenn wir zu dem Zweck das halbe Haus niedermetzeln m�ssen.�</p><p>�Euer Vorschlag ist nicht sehr ermutigend, Meister Hune�, sagte Danifae. Sie blutete aus einer Wunde am rechten Arm, nachdem ein schneller Pfeil ihr Kettenhemd durchdrungen hatte und im Oberarm steckengeblieben war. W�hrend sie sprach, versuchte sie ungelenk, mit einer Hand die Wunde zu verbinden. �Was, wenn es uns nicht gelingt, unsere Verfolger abzusch�tteln? Sie scheinen in diesen verdammten W�ldern recht gut mit uns mithalten zu k�nnen.�</p><p>�Einen Moment�, gab Ryld zu bedenken. �Was ist mit Herrin Melarn? Sie ist noch irgendwo da hinten.�</p><p>�Wahrscheinlich ist sie tot�, erwiderte Valas achselzuckend. �Oder man hat sie gefangengenommen.�</p><p>�Sollten wir uns nicht vergewissern, ehe wir von hier aufbrechen?� gab der Waffenmeister zur�ck. �Ihre heilenden Ges�nge sind die einzige Magie dieser Art, die uns verblieben ist. Der gesunde Elfenverstand ...�</p><p>�Der gesunde Elfenverstand verlangt, da� wir auf eine Leiche weder Zeit noch Blut verschwenden�, unterbrach Quenthel. �Niemand hat sich um mich gek�mmert, als ich ...�</p><p>Sie verstummte, stand auf und ging zu Danifae, um ihr beim Anlegen des Verbandes zu helfen.</p><p>�Unsere Mission liegt vor uns, nicht hinter uns�, erkl�rte die Herrin Arach-Tiniliths. �Die Suche ist wichtiger als eine einzelne Drow.�</p><p>Ryld rieb sich das Gesicht und sah die anderen an. Valas wich seinem Blick aus und war damit besch�ftigt, unn�tigerweise die Befestigung seiner R�stung zu �berpr�fen. Pharaun betrachtete Quenthel auf eine Weise, die keinen Zweifel daran lie�, da� ihm die Scheinheiligkeit der Priesterin aufgefallen war. Immerhin hatte sie in Ched Nasad mehr Zeit in der Hoffnung verbracht, die Lagerh�user der Baenre ausr�umen zu k�nnen, statt um die neuerliche Aufmerksamkeit Lolths zu ersuchen.</p><p>Danifae starrte in den Wald hinter ihnen, die Augenbrauen zusammengezogen. Offenbar war sie nicht gewillt, sich f�r ihre Herrin einzusetzen.</p><p>Schlie�lich wandte sich Quenthel an Pharaun und sagte: �Vielleicht verf�gt unser Magier ja �ber einen Zauber, der unsere verfluchten Tagwandler davon abbringt, uns zu dicht auf den Fersen zu sein?�</p><p>Pharaun strich sich nachdenklich �bers Kinn.</p><p>�Unsere vorrangige Schwierigkeit in der momentanen Situation�, erwiderte der Meister Sorceres nach einer Weile, �besteht in der Tatsache, da� unsere Gegner in der Lage sind, dieses Terrain zu ihrem Vorteil und zu unserem Nachteil zu nutzen. Sollte auf einmal ein Waldbrand ausbrechen, dann w�rden der Rauch und die Flammen ...�</p><p>Valas unterbrach ihn: �Ich f�rchte, du wei�t nur wenig �ber W�lder in der Welt an der Oberfl�che. Diese B�ume sind viel zu feucht, um dir den Gefallen eines Waldbrandes zu tun. Daran k�nnen wir in ein paar Monaten denken, wenn der Sommer sie ausgetrocknet hat.�</p><p>�Oh�, erwiderte Pharaun. �Das gilt sicher f�r <emphasis>gew�hnliche</emphasis> Feuer.�</p><p>�Es w�re dir unm�glich, das Feuer davon abzuhalten, sich auch gegen uns zu wenden�, warnte Ryld, dem der Vorschlag nicht behagte.</p><p>�Nun, ich kann nicht absolut sicher sein, da� es das nicht t�te�, r�umte Pharaun ein, �aber meine Feuer brennen so, wie ich es m�chte. Wie Meister Hune schon feststellte, ist die Feuchtigkeit im Wald so hoch, da� die B�ume nur dann in Flammen aufgehen k�nnen, wenn sie unter dem direkten Einflu� eines Zaubers aus meiner Hand stehen. Nat�rlich h�tten wir den Vorteil zu wissen, wie und wann die Br�nde ausbrechen werden.�</p><p>Quenthel �berlegte einen Moment, dann sagte sie: �Also gut, macht weiter.�</p><p>Ryld f�hlte, wie sich seine Kehle zuschn�rte und ging einen Schritt von der Gruppe weg, ehe er sich wieder unter Kontrolle bekam.</p><p>Pharaun stand auf und griff in seine G�rteltasche, um einen winzigen Seidenbeutel hervorzuholen. Den Inhalt sch�ttete er in seine Handfl�che, so da� im Mondlicht roter Staub funkelte. Pharaun pr�fte den Wind und drehte sich um, um die Windrichtung bestimmen zu k�nnen. Dann sprach er seinen Zauber, wobei er das Pulver in die Luft warf. Helle, karmesinrote Funken bildeten sich inmitten der Staubwolke, wurden heller und zahlreicher. Mit einer weiteren Geste sorgte Pharaun daf�r, da� sich die Glut im weiten Bogen im Wald vor ihm verteilte.</p><p>Jeder der winzigen Funken sank zu Boden und entflammte dort, indem er zu einer spinnenartigen Form heranwuchs, die so gro� war wie der Kopf eines erwachsenen Mannes. In karmesinrote Flammen geh�llt eilten die Feuerspinnen �ber den Boden tiefer in den Wald hinein. Alles, was sie ber�hrten, begann zu schmoren und ging dann in Flammen auf. Das Holz war tats�chlich sehr feucht, so da� die Flammen f�r dichten Rauch sorgten und sich nur langsam ausbreiteten � doch Pharaun hatte Hunderte dieser Spinnenkreaturen beschworen, die besonders heftig die mit Moos bewachsenen St�mme angriffen, als h�tte das Vorhandensein so gro�er Mengen Holz einen ganz besonderen Eifer geweckt, ihr feuriges Vernichtungswerk voranzutreiben.</p><p>�Gut�, murmelte Pharaun. �Sie finden Gefallen an B�umen.�</p><p>�Das Feuer brennt zu langsam, um unsere Verfolger aufzuhalten�, stellte Quenthel fest.</p><p>�Ich habe noch nie von einem Oberfl�chen-Elfen geh�rt, der es zul��t, da� in seinem kostbaren Wald unkontrolliert ein Feuer w�tet�, erwiderte Pharaun l�chelnd. �Sie werden eine Weile damit zu tun haben, meine Spinnen zu jagen und die Brandherde zu l�schen.�</p><p>Quenthel beobachtete die Flammen noch einen Moment, dann l�chelte sie und sagte: �Dann k�nnte es seinen Zweck erf�llen. Meister Hune, Ihr geht voran. Ich m�chte das Haus Jaelre erreichen, bevor unsere Verfolger uns wieder Schwierigkeiten machen.�</p><empty-line/><p>Kaanyr Vhok verschr�nkte seine muskul�sen Arme und runzelte die Stirn. �Wie viele?� fragte er.</p><p>Kaanyr erfa�te die Folgen eines Kampfes zwischen den Tanarukks seiner Vorhut und einem titanenhaften purpurnen Wurm, einem fleischfressenden Riesen, der �ber drei�ig Meter lang war. Der Wurm war von Dutzenden der halbd�monischen Soldaten in St�cke gehackt worden, doch eine Handvoll der Truppe des Zeptertr�gers war von dem Monstrum zerfetzt oder zermalmt worden.</p><p>�Sieben, Herr, aber wir haben die Bestie besiegt, wie Ihr seht.�</p><p>Der Tanarukk-Hauptmann, der auf den Namen Tr�mmerfaust h�rte, st�tzte sich auf seine gro�e Streitaxt, die mit den �belriechenden Lebenss�ften der Kreatur bespritzt war. Die linke Hand des Ork-D�mons war in einer fr�heren Schlacht arg in Mitleidenschaft gezogen worden und steckte in einem Panzerhandschuh, der eine bessere Waffe war als die deformierte Hand, die er bedeckte.</p><p>�Die Krieger h�rten das Gesch�pf, wie es sich durch den Fels bewegte�, fuhr Tr�mmerfaust fort, �aber es kam durch die Decke und lie� sich auf sie fallen.�</p><p>�Ich habe euch nicht hergef�hrt, um W�rmer zu t�ten�, sagte Kaanyr, �und ich habe auch nicht Krieger bis hierher gebracht, damit sich irgendwelche Monster von ihnen ern�hren. Das war ein Kampf, den wir am besten vermieden h�tten, Tr�mmerfaust. Schlie�lich werden diese sieben Krieger nicht mehr bei uns sein, wenn wir auf die Drow treffen, nicht wahr?�</p><p>�Nein, Herr�, brummte der Tanarukk und senkte den Kopf. �Ich werde die Anf�hrer der Streife anweisen, sich darum zu bem�hen, unn�tigen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.�</p><p>�Gut�, sagte Kaanyr. Er grinste den Tanarukk finster an und klopfte ihm auf die Schulter. �Spart euch eure �xte f�r die Drow auf, Tr�mmerfaust. Wir werden fr�h genug auf sie treffen.�</p><p>Ein gieriges Leuchten flammte in den Augen des Tanarukk auf, und der D�monen-Ork hob von neuer Zuversicht erf�llt den Kopf. Dann knurrte er zustimmend und trottete davon, um seine Hauptleute zu suchen.</p><p>�Du hast ihn nicht bestraft?� fragte Aliisza, die aus dem Schatten hervortrat. �Gnade ist keine Eigenschaft, die ich von dir gew�hnt bin, Geliebter.�</p><p>Der Cambion-Marquis drehte sich zu ihr um. �Manchmal�, erwiderte er, �erf�llt <emphasis>ein</emphasis> sanftes Wort den gleichen Zweck wie <emphasis>zwei</emphasis> harte. Die Kunst der F�hrung besteht darin zu wissen, wann man sich wof�r entscheidet.� Kaanyr stie� mit einem Zeh leicht einen der toten Krieger zu seinen F��en an. �Au�erdem kann ich schlecht �ber eine Zurschaustellung eben jenes Kampfgeistes klagen, den ich meiner Legion so m�hevoll anerzogen habe, nicht wahr? Es liegt in der Art eines Tanarukk, sich in die Schlacht zu st�rzen, um den Gegner niederzuringen oder bei dem Versuch zu sterben.�</p><p>Aliisza schauderte, als sie den purpurnen Wurm betrachtete.</p><p>�Das ist der gr��te Wurm, den ich je gesehen habe�, murmelte sie.</p><p>Der Machtsitz des Halbd�mons in den Ruinen des antiken Ammarindar lag knapp vierhundert Kilometer s�d�stlich von Menzoberranzan, und der Dunkelsee stellte ein Hindernis auf dem Weg dorthin dar. Zum Gl�ck waren Tanarukks schnell und stark und konnten lange M�rsche mit nur wenig Proviant zur�cklegen. Die Zwerge des alten Ammarindar hatten gro�e unterirdische Verbindungswege durch ihr Reich geschlagen, breite Tunnels mit glatten B�den, die sich Kilometer um Kilometer durch die schier unendliche Dunkelheit zogen. Kaanyr empfand es als ein wenig beunruhigend, wenn er daran dachte, da� sich zwei oder drei Kilometer unter ihm der Dunkelsee befand. Dennoch war die alte Route der Zwerge der beste Weg nach Menzoberranzan. Wenn diese Strecke auch von hungrigen Monstern heimgesucht wurde, dann war das unerfreulich, doch andere Routen wiesen ihre ganz eigenen Probleme auf.</p><p>Er verdr�ngte seine �berlegungen und begann, zu der langen Schlange aus Kriegern zur�ckzugehen, die in einer recht ungeordneten Zweierreihe den Schauplatz des Kampfes passierten.</p><p>�Erz�hl mir noch einmal von diesem Nimor�, forderte Kaanyr. �Ich kann Horgar Stahlschattens Motive gut nachvollziehen, diesen Angriff zu starten. Die Duergar und die Drow haben im Laufe der Jahrhunderte viele Kriege ausgetragen. Ich verstehe nur nicht, was ein Drow-Assassine davon haben sollte.�</p><p>�Nach allem, was ich wei߫, erwiderte Aliisza, �ha�t er die gro�en H�user von Menzoberranzan so, da� er die Stadt vernichten will, um sie zu Fall zu bringen.�</p><p>�Eine so reine Absicht ist bei einem Drow nur selten anzutreffen. Du wei�t nat�rlich, da� er dich belogen hat.�</p><p>Kaanyr vermutete, da� Aliisza ihm so wie sonst auch etwas verschwieg, was ihre Begegnung mit Nimor anging. Immerhin war sie ein Alu-Scheusal, die Tochter eines Sukkubus, und ihre Waffen und Methoden waren offensichtlich.</p><p>�Belogen?� konterte sie. �Mich?�</p><p>�Ich betone lediglich, da� man sich vor einem Drow, der Geschenke bringt, h�ten sollte�, sagte Kaanyr. �Er k�nnte dich davon �berzeugt haben, es diene meinen Interessen, meine Armee herzuf�hren. Aber ich glaube nicht f�r die Dauer eines einzigen Herzschlags, dein mysteri�ser Assassine profitiere in geringerem Ma� als ich von dieser Allianz.�</p><p>�Das versteht sich von selbst�, entgegnete sie. �Wenn dir das klar ist, warum hast du dann deine Armee zu den S�ulen des Leids gef�hrt?�</p><p>Der Cambion sah, wie seine grimmig dreinblickenden Krieger vor�berzogen, doch vor seinem geistigen Auge erlebte er die finsteren Visionen, die ihn in ihren Bann geschlagen hatten.</p><p>�Wir werden uns von oben und von Osten n�hern�, sagte Kaanyr Vhok. �Damit befinden wir uns in einer idealen Position, um eine Streitmacht in die Flanke zu treffen, die versucht, die S�ulen gegen die herannahende Armee aus Gracklstugh zu verteidigen. Auf den ersten Blick ist das der Grund, warum Stahlschatten und sein Assassine uns dort haben wollen. Es k�nnte ihren Zwecken dienlich sein, wenn sie sich f�r einige Tage am Pa� bedeckt halten und die Drow damit besch�ftigen, meine Soldaten zu dezimieren, ehe sie sich daranmachen, den Pa� einzunehmen. Auf der gleichen Seite eines Hindernisses zu sein wie unser Gegner bedeutet eine Verpflichtung, aber auch eine Gelegenheit. Ich w�rde nicht ausschlie�en, da� Horgar irgendeinen Vorwand vorbringt, weshalb sich seine Truppen versp�ten, w�hrend meine Tanarukks die heftigsten K�mpfe austragen.�</p><p>Aliisza schmiegte sich an ihn und schnurrte: �Solange du nicht in die Schlacht ziehst, Liebster, mu�t du nicht entscheiden, auf welcher Seite du stehen willst. Die Drow k�nnten sich als sehr dankbar erweisen, wenn du ihnen an einer kritischen Stelle des Feldzuges deine Unterst�tzung anbietest. Selbst wenn diese Unterst�tzung nur darin besteht, da� du einfach nichts unternimmst, um den Grauzwergen bei ihrem Angriff zu helfen.�</p><p>Kaanyr bleckte die spitzen Z�hne zu einem ironischen L�cheln.</p><p>�Das ist wahr�, r�umte er ein. �Also gut, dann werden wir sehen, was geschieht, wenn wir die S�ulen des Leids erreicht haben.�</p><empty-line/><p>Halisstra mu�te kilometerweit geknebelt und mit den H�nden auf den R�cken gefesselt durch den Wald marschieren, wobei die Kapuze �ber ihrem Kopf verhinderte, da� sie sich orientieren konnte. Die Oberfl�chen-Elfen hatten ihr verletztes Bein geheilt, damit die anderen nicht ihretwegen langsamer gehen mu�ten. Um ihre anderen Wunden hatten sie sich nicht gek�mmert. Kettenhemd und Schild waren ihr abgenommen worden, doch wenigstens durfte sie weiter ihre Jacke tragen, die sie gegen die kalte Nachtluft sch�tzte � allerdings erst, nachdem man sie gr�ndlich durchsucht hatte, um sicher zu sein, da� ihnen keine verborgenen Waffen oder magischen Gegenst�nde durchgegangen waren.</p><p>Schlie�lich erreichten sie einen Ort, wo der Waldboden einem Untergrund aus Stein wich. Sie h�rte Fl�stern und Rascheln, das von einer gr��eren Zahl von Personen um sie herum kam. Die Luft wurde w�rmer, und der schwache Schein eines Feuers drang durch die Kapuze an ihre Augen.</p><p>�F�rst Dessaer�, sagte eine Stimme neben ihr. �Dies ist die Gefangene, von der Hurmaendyr sprach.�</p><p>�Das sehe ich. Nehmt ihr die Kapuze ab, ich will ihr Gesicht sehen�, entgegnete eine tiefe, nachdenklich klingende Stimme irgendwo vor ihr.</p><p>Man nahm ihr die Kapuze ab, und Halisstra mu�te blinzeln, um trotz des hellen Lichts zu erkennen, da� sie sich in einem eleganten Saal aus gl�nzendem, mit einem Silberhauch �berzogenen Holz befand. Bl�hende Ranken wanden sich um S�ulen und Tr�ger, im gro�en Kamin ein St�ck seitlich von ihr loderte ein Feuer. Mehrere blasse Elfen beobachteten sie aufmerksam � offenbar Wachen, die silbern schimmernde Kettenhemden, Speere und an der H�fte Schwerter trugen.</p><p>F�rst Dessaer war ein gro�er Halbelf mit goldenem Haar und blasser Haut, die einen leicht bronzefarbenen Hauch aufwies. F�r einen Mann war er muskul�s, fast so gro� wie Ryld, und er trug einen Brustpanzer aus gl�nzendem Gold mit prachtvollen Verzierungen.</p><p>�Nehmt ihr auch den Knebel ab�, sagte der Elfenf�rst. �Sonst wird sie wenig sagen k�nnen.�</p><p>�Vorsicht, Herr�, sagte der Mann neben ihr, den Halisstra als den Mann mit dem schwarzen Bart erkannte, gegen den sie im Wald gek�mpft hatte. �Sie beherrscht etwas von der Kunst der Barden, und sie k�nnte in der Lage sein, einen Zauber zu wirken, obwohl sie gefesselt ist.�</p><p>�Ich werde alle erforderliche Vorsicht walten lassen, Curnil.� Der F�rst der Halle kam n�her und blickte nachdenklich in Halisstras blutrote Augen. �Wie sollen wir dich nennen?�</p><p>Halisstra schwieg.</p><p>�Bist du eine Auzkovyn oder eine Jaelre?� fragte Dessaer.</p><p>�Ich bin nicht vom Hause Jaelre�, antwortete sie. �Das andere Haus, das Ihr genannt habt, ist mir unbekannt.�</p><p>F�rst Dessaer tauschte mit seinen Beratern besorgte Blicke aus.</p><p>�Dann geh�rst du zu einer dritten Partei?�</p><p>�Ich war mit einer kleinen Gruppe unterwegs auf einer Handelsmission�, erwiderte sie. �Wir wollten keinen Streit mit den Bewohnern der Oberfl�chenwelt.�</p><p>�Hier begegnet man dem Wort einer Drow mit einiger Skepsis�, erkl�rte Dessaer. �Wenn du keine Auzkovyn oder Jaelre bist, was hast du dann in Cormanthor zu suchen?�</p><p>�Wie ich schon sagte, wir befanden uns auf einer Handelsmission�, log Halisstra.</p><p>�Sieh an�, sagte Dessaer gedehnt. �Cormanthor wurde w�hrend des R�ckzugs nicht ganz aufgegeben, und meine Leute reagieren mit gro�em Widerstand auf die Anstrengungen der Drow, sich unsere alte Heimat einzuverleiben. Darum will ich wissen, wer genau du bist, wer deine Gef�hrten sind und was ihr in unserem Wald zu suchen habt.�</p><p>�Unsere Angelegenheiten gehen nur uns an�, antwortete Halisstra. �Wir wollen dem Volk an der Oberfl�che keinen Schaden zuf�gen, und wir wollen uns wieder zur�ckziehen, sobald wir unsere Mission erledigt haben.�</p><p>�Dann sollte ich dir also einfach erlauben, wieder zu gehen?�</p><p>�Es w�rde Euch kein Schaden zugef�gt, wenn Ihr das t�tet.�</p><p>�Meine Krieger werden jeden Tag mit deinesgleichen in K�mpfe auf Leben und Tod verwickelt�, sagte Dessaer. �Auch wenn du sagst, du h�ttest mit den Jaelre und den Auzkovyn nichts zu tun, schlie�t das nicht aus, da� du unsere Feindin bist. Wir bitten die Drow nicht um Quartier, und wir bieten es ihnen auch nicht an. Wenn du mir nicht einen �berzeugenden Grund nennen kannst, weshalb ich dein Leben verschonen sollte, werde ich dich hinrichten lassen.�</p><p>Der Herr �ber das Oberfl�chen-Volk verschr�nkte die Arme und starrte sie an.</p><p>�Unsere Angelegenheit betrifft das Haus Jaelre�, sagte Halisstra, die sich so gerade aufrichtete, wie es die auf den R�cken gebundenen H�nde zulie�en. �Sie betrifft nicht die Elfen der Oberfl�chenwelt. Wie schon gesagt ist meine Gruppe nicht gekommen, um mit Euch oder Euren Leuten zu streiten.�</p><p>Dessaer seufzte, dann nickte er Halisstras Bewachern zu.</p><p>�Bringt die Dame in ihre Zelle�, befahl er. �Wir wollen mal sehen, ob sie nicht etwas entgegenkommender wird, wenn sie ein wenig Zeit hatte, um �ber ihre Lage nachzudenken.�</p><p>Die Bewacher st�lpten ihr wieder die Kapuze �ber und nahmen ihr die Sicht. Sie stand reglos da und lie� es ohne Protest �ber sich ergehen. Wenn sie bei den M�nnern den Eindruck erweckte, ihnen zu gehorchen, bestand die Chance, da� sie einen Fehler machten und ihr Gelegenheit gaben, sich von ihren Fesseln zu befreien.</p><p>Die Bewacher f�hrten sie zur�ck nach drau�en. Sie sp�rte die kalte Luft, und durch die Kapuze war deutlich zu sehen, da� der Morgen anbrach und es immer heller wurde. Bald w�rde die Sonne aufgehen und die Nacht zur�ckweichen. Halisstra fragte sich, ob man sie wohl in einen freistehenden K�fig sperren w�rde, der auf einem Platz stand, damit die Neugierigen und Mi�g�nstigen sie beschimpfen und qu�len konnten. Statt dessen wurde sie in ein anderes Geb�ude gef�hrt, wo sie eine kurze Steintreppe hinuntergehen mu�te.</p><p>Schl�ssel klimperten, eine schwere T�r knarrte, und dann wurde sie hindurchgef�hrt. Ihre Fesseln wurden ihr abgenommen, doch schon im n�chsten Moment wurden ihre Arme von groben H�nden gepackt und hochgezogen, damit man sie in eiserne Handfesseln legen konnte.</p><p>�H�r zu, Drow�, sagte eine Stimme. �Du wirst auf Befehl von F�rst Dessaer von deinem Knebel und deiner Kapuze befreit. Wenn du aber versuchen solltest, einen Zauber zu wirken, dann wird man dir einen st�hlernen Maulkorb anlegen und eine so enge Kapuze �ber den Kopf ziehen, da� du um jeden Atemzug k�mpfen mu�t. Wir sind nicht besonders scharf darauf, Gefangene zu qu�len, aber jeden �rger, den du uns bereitest, werden wir dir dreimal so schlimm heimzahlen. Wenn wir deine Knochen brechen und deinen Kiefer zerschmettern m�ssen, damit du nicht auf dumme Gedanken kommst, werden wir das auch tun.�</p><p>Die Kapuze wurde ihr vom Kopf gezogen. Halisstra mu�te blinzeln, da ein hei�er Sonnenstrahl durch ein Gitter in einer Ecke in die Zelle fiel. Mehrere bewaffnete Wachen standen da und beobachteten sie wachsam, damit sie nicht irgendeine Dummheit machte. Sie ignorierte sie einfach und lie� sich gegen die Wand sinken. Ihre H�nde wurden aneinandergekettet, die Fesseln wurden an einen Haken an der Decke gebunden.</p><p>Die Wachen lie�en ihr einen halben Laib eines knusprigen, goldbraun gebackenen Brotes und einen Schlauch kalten Wassers da und verlie�en die Zelle. Die T�r war eine mit Nieten besetzte Eisenplatte, die von au�en verschlossen und verriegelt wurde.</p><p>Was nun? fragte sie sich, den Blick starr auf die gegen�berliegende Wand gerichtet.</p><p>Nach dem wenigen zu urteilen, was sie von der Stadt an der Oberfl�che zu sehen bekommen hatte, vermutete sie, ihre Kameraden k�nnten sie mit einer gemeinschaftlichen Anstrengung m�helos befreien.</p><p>�Als ob das gesch�he�, murmelte sie.</p><p>Sie war eine Ausgesto�ene ohne Haus, deren Nutzen nichts an der Tatsache �nderte, da� sie als die �lteste Tochter eines hohen Hauses f�r Quenthel die gef�hrlichste Rivalin in der Gruppe war. Die Herrin der Akademie w�rde es begr��en, Halisstra einem wie auch immer gearteten Schicksal zu �berlassen.</p><p>Wer w�rde Quenthel widersprechen, um sich f�r sie einzusetzen?</p><p>Danifae?</p><p>Sie lie� den Kopf sinken und stie� ein leises, verbittertes Lachen aus.</p><p>Ich mu� wirklich verzweifelt sein, wenn ich auf Danifaes Mitgef�hl hoffe, dachte sie.</p><p>Danifae, die selbst als Kriegsgefangene verschleppt worden war, w�rde die Situation genie�en und als perfekte Ironie ansehen. Zwar lie� der Bindezauber nicht zu, da� sich Danifae gegen sie erhob, doch ohne ausdr�ckliche Anweisungen w�rde sie sich nicht veranla�t sehen, nach Halisstra zu suchen.</p><p>Da ihr nichts anderes zu tun blieb, als die Wand anzustarren, beschlo� Halisstra, die Augen zu schlie�en und zu ruhen. Ihre Wade, ihr Torso und der Kiefer schmerzten noch immer von den Verletzungen, die sie bei ihrer Gegenwehr davongetragen hatte. So sehr sie sich auch danach sehnte, mit einem <emphasis>Bae�qeshel-</emphasis>Lied<emphasis/> ihre Wunden zu heilen, wagte sie es dennoch nicht. Sie mu�te den Schmerz erdulden.</p><p>Mit einer einfachen geistigen �bung l�ste sie ihren Verstand von dem Schmerz und der M�digkeit, die ihr K�rper versp�rte, und verfiel in tiefe Trance.</p><empty-line/><p>In Dessaers Audienzsaal sah der Halbelf seinen Soldaten nach, wie sie die Drow abf�hrten. Gedankenversunken strich er sich �ber den Bart.</p><p>�Nun, Seyll�, fragte er. �Was haltet Ihr von ihr?�</p><p>Hinter einem verborgenen Wandschirm trat eine Gestalt hervor, die Rock und Jacke aus besticktem gr�nen Stoff trug. Es handelte sich um eine Elfe, schmal und w�rdevoll � und eine Drow. Ihre Haut war pechschwarz, die Iris ihrer Augen beunruhigend rot. Sie trat zu Dessaer und sah zu, wie die Soldaten die Gefangene abf�hrten.</p><p>�Ich glaube, sie sagt die Wahrheit�, antwortete sie. �Jedenfalls ist sie keine Jaelre und keine Auzkovyn.�</p><p>�Was soll ich mit ihr machen?� �berlegte der F�rst. �Sie t�tete Harvaldor, und um ein Haar auch Fandar.�</p><p>�Mit Eilistraees Hilfe werde ich Harvaldor zum Leben wiedererwecken und Fandar heilen�, sagte die Drow. �Abgesehen davon: Ist es nicht so, da� Curnils Patrouille sie und ihre Begleiter attackierte, als sie sie sahen? Sie hat sich nur zur Wehr gesetzt.�</p><p>Dessaer hob eine Augenbraue und sah zu Seyll.</p><p>�Ist es Eure Absicht, ihr die Nachricht Lolths auszurichten?�</p><p>�Es ist meine Pflicht�, erwiderte Seyll. �Bis ich diese Nachricht erhielt, war ich ihr schlie�lich sehr �hnlich.�</p><p>Mit einer Kopfbewegung wies sie in Richtung der abgef�hrten Gefangenen.</p><p>�Sie ist die stolze Angeh�rige eines hohen Hauses�, sagte Dessaer. �Ich bezweifle, da� sie daran interessiert ist, Eilistraees Worte zu h�ren.� Er legte eine Hand auf die Schulter der Drow-Priesterin. �Seid vorsichtig, Seyll. Sie wird alles tun und sagen, um Euch unaufmerksam werden zu lassen. Wenn das geschieht, wird sie Euch t�ten, sobald Ihr zwischen ihr und der Freiheit steht.�</p><p>�Sei es, wie es sei, meine Pflicht ist eindeutig�, erkl�rte Seyll.</p><p>�Ich werde mein Urteil f�r einen Zehntag aussetzen�, sagte der F�rst von Elfenbaum. �Aber wenn sie sich weigert, sich Eure Nachricht anzuh�ren, mu� ich handeln, um mein Volk zu besch�tzen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Seyll zur�ck. �Ich habe nicht vor zu versagen.�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Die H�user Menzoberranzans machten mobil. Aus einem Dutzend Burgen, Pal�sten, H�hlen und Festen marschierten drahtige M�nner in eleganten schwarzen Kettenhemden stolz in Kolonnen oder thronten hoch auf einer Flugechse, Wimpel flatterten an Lanzen. Unter normalen Umst�nden h�tte jedes Haus Hunderte von Sklavenkriegern mehr losgeschickt, bei denen es sich um einen wilden Haufen aus Kobolden, Orks, Goblins und Ogern gehandelt h�tte. Die w�ren in die Schlacht gezogen, ehe die kostbaren Drow-Truppen ihnen gefolgt w�ren, doch nach dem Aufstand der Alhoons waren bewaffnete Sklaven eher die Ausnahme. Tausende niederer Humanoiden hatten die fehlgeschlagene Revolte ebenso �berlebt wie die verheerenden Gegenma�nahmen, die sich angeschlossen hatten. Dennoch waren die Verluste unter den Kriegern der Sklavenrassen massiv gewesen. Selbst die, denen man erlaubte, sich zu ergeben, waren nicht mehr vertrauensw�rdig genug, um Waffen zu tragen.</p><p>Nimor sa� im Sattel einer Streitechse Agrach Dyrrs und l�chelte zufrieden, als die Streitmacht des Hauses Dyrr an ihm vorbeimarschierte. Die Kompanien sammelten sich auf einem kleinen, beengten Platz nahe der Grenze zwischen der Westmauer und Narbondellyn, der ironischerweise gar nicht einmal so weit vom Haus Faen Tlabbar entfernt gelegen war. Jeder Schwertk�mpfer der Drow trug neben seinen Waffen und seiner R�stung auch leichtes Gep�ck, und eine Art Versorgungszug bildete sich, da jeder Trupp seine eigenen Packechsen und sein Gefolge mitbrachte. Viele Gemeine der Stadt waren gekommen, um zuzusehen, wie sich die Armee aufstellte, die bei weitem den gr��ten Aufmarsch an Soldaten darstellte, den die Muttermatronen seit dem fehlgeschlagenen Angriff auf Mithralhalle vor vielen Jahren befehligt hatten.</p><p>�Ich darf annehmen, die Ratssitzung ist gut gelaufen�, sagte Dyrr, der bei Nimors Steigb�gel stand.</p><p>Der untote Hexenmeister erschien nat�rlich nicht in seiner eigenen Gestalt, nicht einmal als der alte Mann, als der er sich in seinem Haus zeigte. Sein gegenw�rtiges Erscheinungsbild war das eines unscheinbaren, jungen Magiers von Agrach Dyrr, der die feinen Gew�nder seines Hauses trug.</p><p>�Deine Muttermatrone war gut vorbereitet�, erwiderte Nimor. Er sprach leise, auch wenn niemand in der N�he war, der sie h�tte belauschen k�nnen. �Wir haben die H�lfte aller Soldaten der Stadt f�r die Schlacht aufgestellt.�</p><p>�Yasraena hat sich als n�tzliches Aush�ngeschild erwiesen�, stellte der Leichnam fest. �Ich habe ein Dutzend oder mehr Muttermatronen Dyrr miterlebt, und von Zeit zu Zeit stelle ich fest, da� eine Frau gegen meine ... sagen wir ... ungew�hnliche Position innerhalb des Hauses ist. Yasraena w�rde mich t�ten, wenn sie k�nnte, aber selbstverst�ndlich wei� sie, da� Agrach Dyrr zwangsl�ufig vernichtet w�rde, sollte mir etwas Unerfreuliches widerfahren. Ich habe sie von den seit langem bestehenden Vereinbarungen in Kenntnis gesetzt, um sie davon abzuhalten, mir eine �berraschung zu bereiten.�</p><p>Nimor lachte ironisch und entgegnete: �Ich glaube, Ihr seid h�chst selten einmal �berrascht, Meister Dyrr.�</p><p>�Erfolg erw�chst aus Vorbereitung, junger Nimor. Betrachte dies als deine Lektion f�r heute.� Der Leichnam verzog seinen illusion�ren Mund zu einem L�cheln, dann entfernte er sich. �Viel Gl�ck bei Eurem Unterfangen, Hauptmann.�</p><p>Nimor wendete seine Streitechse auf der Stelle, als die letzte Kolonne ihn passiert hatte.</p><p>Er wandte sich noch einmal dem Leichnam zu und sagte: �Ein letztes Wort. Narbondel wurde vor Zehntagen einmal mit Versp�tung mit Licht erf�llt, seitdem geschah es aber jeden Tag p�nktlich. Es hei�t �berall in der Stadt, die Meister Sorceres h�tten ihren Erzmagier ersetzt.�</p><p>Dyrr spreizte l�chelnd die H�nde.</p><p>�Da Erzmagus Baenre f�r einige Zeit nicht zur Verf�gung stehen k�nnte�, entgegnete der Leichnam, �w�rde es mir gefallen, wenn die Meister Sorceres aus eigenem Antrieb bestimmten, wer Gromphs Platz einnehmen soll.�</p><p>�H�tten Muttermatrone Baenre und der Rat dabei nicht ein W�rtchen mitzureden?�</p><p>�Nicht, wenn den versammelten Meistern bewu�t wird, welche Macht sie innehaben�, sagte Dyrr. �Ich bin nat�rlich kein Mitglied der Akademie, daf�r aber einige junge H�ndchen meines Hauses, die mich gut auf dem laufenden halten. Die Meister diskutieren, ob es wohl an der Zeit sei, mit der Tradition zu brechen und selbst einen Erzmagier zu benennen. Aber die H�lfte von ihnen sinnt dar�ber nach, wie sie jeden Konkurrenten eliminieren k�nnen, der klug und mutig genug ist, um den Posten anzunehmen, w�hrend die andere H�lfte �berlegt, ob sie lieber in ihr eigenes Haus zur�ckkehren und dort herrschen sollen. Ein solcher Bruch mit dem Rat z�ge einen B�rgerkrieg nach sich, und die wenigen Meister, denen noch immer nicht klar ist, da� der B�rgerkrieg bereits tobt, beharren darauf, den Status Quo beizubehalten, da man sich vor Lolths R�ckkehr f�rchtet. Ungeachtet dessen ist Sorcere seit Gromph Baenres Verschwinden praktisch gel�hmt.�</p><p>Der Leichnam wandte sich ab und ging auf seinen gro�en Stab gest�tzt weg, wobei er ein trockenes, rauhes Gel�chter ausstie�.</p><p>Nimor hob eine Braue und sah dem Leichnam nach, wobei er �ber die Worte seines Verb�ndeten nachdachte. Dann folgte er der Kolonne.</p><p>�Leutnant Jazzt!� rief er.</p><p>Aus der marschierenden Truppe des Hauses Agrach Dyrr l�ste sich ein kleiner, narbiger Mann und kam zu Nimor. Die Soldaten, die in der Kolonne vorr�ckten, wu�ten, da� �Hauptmann Zhayemd� kein Angeh�riger ihres Hauses war. Doch hatte man ihnen erkl�rt, der Befehlshaber der Truppe genie�e das v�llige Vertrauen von Muttermatrone Yasraena und er sei sogar in die F�hrung des uralten Clans aufgenommen worden. Das war bei den h�heren H�usern der Stadt g�ngige Praxis, an der sich niemand st�rte. Nimor war sicher, da� Jazzt Dyrr, der zweite Vetter der Muttermatrone pers�nlich, dar�ber sehr spezifisch instruiert worden war, was die Umst�nde anging, unter denen er Nimors Befehle ignorieren sollte, doch da Nimor vorhatte, seinen Teil der Abmachung mit Agrach Dyrr wortgetreu zu erf�llen, konnte er sicher sein, da� der Dyrr-Offizier ihm keine Probleme bereiten w�rde.</p><p>�Ja, Hauptmann?� fragte Jazzt.</p><p>Er gab sich M�he, eine v�llig neutrale Miene zu machen, als er Nimor mit der milden Neugier eines erfahrenen Veteranen betrachtete.</p><p>�Stellt die Kompanie neben dem Kontingent der Baenre auf. Sagt den M�nnern, sie sollen sich auf einen langen Marsch gefa�t machen. Ich hoffe, wir brechen innerhalb der n�chsten Stunde auf.�</p><p>�Jawohl, Hauptmann�, erwiderte Jazzt.</p><p>Der Leutnant trat einen Schritt zur�ck, salutierte zackig, dann wandte er sich ab und begann, den Soldaten von Agrach Dyrr Befehle zuzubr�llen. Nimor wendete sein Reittier und lenkte es �ber den Platz zu einem kleinen Zelt, in dem hektisches Treiben herrschte. Dort hatten sich die hochwohlgeborenen Offiziere und Befehlshaber �ber die Kontingente der verschiedenen H�user versammelt, die meisten von ihnen begleitet von einer Reihe von Feldwebeln und Laufburschen. Mehrere Diskussionen �ber die unterschiedlichsten Themen � die Marschordnung, der beste Rastplatz f�r das Ende dieses Tages, die schnellste Route zu den S�ulen des Leids � waren gleichzeitig im Gange.</p><p>Er stieg ab, gab die Z�gel seiner Kriegsechse einem Sklaven, der in der N�he stand, und begab sich dann mitten in das Wirrwarr, bis er einen abgeschirmten Bereich erreicht hatte. Er mu�te das Emblem zeigen, das angab, zu welchem Haus er geh�rte und welchen Dienstgrad er innehatte, damit man ihn einlie�. Im Inneren dieses Bereiches standen Hauptleute und andere Offiziere der verschiedenen H�user zusammen und besprachen die unterschiedlichsten Themen zur gleichen Zeit. Die Gelegenheit, eine Armee auf die Beine zu stellen und in den Krieg zu ziehen, schien sie wenigstens f�r den Augenblick alle Rivalit�ten und Vendettas vergessen zu lassen. Statt einander auf den Stra�en zu bek�mpfen, versuchten die Burschen nun, einander mit mutigen und ruchlosen Taten auf dem Schlachtfeld zu �berbieten.</p><p>Nimor betrachtete die Befehlshaber und erkannte Embleme von sechs der acht gro�en H�user, dazu ein halbes Dutzend Embleme der gr��ten und st�rksten unter den unbedeutenderen H�usern. Sein Blick fiel auf einen Mann, der das Abzeichen des Hauses Baenre trug, als er die H�nde hochnahm und die Stimme hob, damit die anderen von ihm Notiz nahmen.</p><p>�Geht zur�ck zu Euren Kompanien und k�mmert Euch um Eure Versorgungsz�ge�, sagte Andzrel Baenre, der Waffenmeister des Hauses Baenre. �Ich brauche von jedem von Euch eine Liste mit der Anzahl Packtiere und Wagen in Eurem Zug, au�erdem eine Meldung Eurer Best�nde. Kehrt in einer Stunde zu mir zur�ck. Unsere weiblichen Verwandten werden zweifellos viele Fragen von gro�er strategischer Tragweite besprechen, aber es f�llt in unsere Verantwortung, die Einzelheiten der Versorgungsz�ge und der Schlachtsignale auszuarbeiten. Au�erdem m�ssen wir noch einiges diskutieren.�</p><p>Andzrel war ein hochgewachsener, junger Mann, der eine R�stung aus geschw�rzten Mithral-Platten und dar�ber einen dunklen Mantel trug. Sein Wappenrock trug stolz das Emblem des Hauses Baenre, sein Blick zeugte von eiserner Disziplin, und er demonstrierte eine direkte und zielgerichtete Haltung, die f�r einen Drow von seinem hohen Rang eher ungew�hnlich war, egal ob Mann oder Frau.</p><p>Die Befehlshaber befolgten seinen Befehl und verlie�en das Zelt, um zu ihren Truppen zur�ckzukehren. Nimor lie� sie an sich vorbeigehen, dann n�herte er sich dem Waffenmeister der Baenre und murmelte einen Zauber, den er unter der Anrede �Meister Baenre� versteckte.</p><p>�Ja�, erwiderte Andzrel, sah auf und kniff die Augen zusammen, ehe er sein Gegen�ber ansah. �Ich ... ich ...�</p><p>Nimor l�chelte, als er sah, wie sein Zauber bei dem Drow wirkte und als ihm klar wurde, da� Andzrel Baenre und er sehr gute Freunde werden w�rden.</p><p>�Ihr kennt mich, doch ich glaube nicht, da� ich Euch kenne�, sagte Andzrel. �Ihr tragt das Wappen des Hauses Agrach Dyrr.�</p><p>�Ich bin Zhayemd Dyrr, und ich befehlige die Truppe meines Hauses�, erwiderte Nimor. �Wi�t Ihr etwas dar�ber, wann die Priesterinnen die Gnade haben, uns zu besuchen oder uns zumindest die Erlaubnis zum Aufbrechen zu erteilen?�</p><p>�Ich glaube, die Muttermatronen �berlegen noch, wer von ihnen die Expedition anf�hren soll�, sagte Andzrel, der sich dem Anschein nach wieder gefangen hatte. �Keine von ihnen traut der anderen genug, um freiwillig die Stadt zu verlassen. Gleichzeitig meinen sie aber auch alle, nicht umhinzukommen, jemanden zu bestimmen, der auf die M�nner achten soll.�</p><p>Nimor mu�te lachen.</p><p>�Ihr habt ein Talent daf�r, ohne Umschweife zu reden, mein Herr.� Nimor sah zu den anderen Hauptm�nnern und Offizieren im Pavillon, dann f�gte er an: �Ich darf annehmen, Ihr habt einen �berblick, welche H�user hergekommen sind und wie viele � und welche � Truppen sie mitgebracht haben. Die Priesterinnen werden das wissen wollen, und es wird f�r jeden von uns n�tzlich sein zu wissen, wer neben wem marschiert.�</p><p>Er konnte sich zwar auch vorstellen, diese Information zu ganz anderen Zwecken einzusetzen, doch es gab keinen Grund, diesen Punkt jetzt und hier zu erw�hnen.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, erwiderte Andzrel. Er wies auf einen Tisch am Rand des Zeltes, an dem mehrere Baenre-Offiziere damit besch�ftigt waren, Karten und Berichte zu studieren. �Ihr m��t den M�nnern da Eure Truppenst�rke mitteilen, au�erdem die Zahl der Infanteristen sowie die Zahl der berittenen Soldaten. Ferner Informationen �ber Eure Versorgungsz�ge, und danach w�rde ich Euch gern einige Fragen stellen, was unsere Marschroute sowie den Punkt angeht, ab dem wir mit Duergar rechnen m�ssen. Ich lie� mir sagen, Ihr seid mit der Region hier vertraut, au�erdem mit der Mannst�rke und den Taktiken der Duergar-Armee.�</p><p>Nimor zupfte an seinem K�ra� und nickte ernst.</p><p>�Gewi߫, erwiderte er schlie�lich und nickte ernst. �Ich kenne sie gut.�</p><empty-line/><p>Halisstra wurde aus ihren Tr�umen gerissen, als sie h�rte, da� die T�r zu ihrer Zelle aufgeschlossen wurde. Sie sah auf und fragte sich, ob wohl der Augenblick gekommen war, da die Bewohner der Oberfl�chenwelt sie der Klinge anheimfallen lie�en.</p><p>�Ich habe Eurem Herrn nichts weiter zu sagen�, erkl�rte sie, obwohl ihr der Gedanke kam, da� es vorzuziehen war, ihre Kameraden zu verraten, statt eines qualvollen Todes zu sterben, insbesondere, wenn sie sich so die Freiheit erkaufen konnte.</p><p>�Gut�, erwiderte eine Frau. �Ich hoffe, Ihr seid bereit, mit mir zu sprechen.�</p><p>Eine schlanke Gestalt glitt durch die ge�ffnete T�r, die gleich hinter ihr wieder verschlossen und verriegelt wurde. Die Besucherin, die einen langen, dunklen Mantel trug, blieb stehen, um Halisstra eingehend zu betrachten, dann hob sie ihre pechschwarzen H�nde und schob die Kapuze zur�ck, so da� ein Gesicht aus gl�nzendem Ebenholz und Augen so rot wie Blut zum Vorschein kamen.</p><p>�Ich bin Seyll Auzkovyn�, sagte die Drow. �Ich bin gekommen, um Euch die Botschaft meiner Herrin zu �berbringen: �Ein rechtm��iger Platz erwartet dich in den Reichen, oben im Land des m�chtigen Lichts. Komme in Frieden und lebe wieder unter der Sonne, wo B�ume und Blumen wachsen.��</p><p>�Eine Priesterin Eilistraees�, murmelte Halisstra. Nat�rlich war ihr der Kult bekannt. Die Spinnenk�nigin kannte nichts anderes als Verachtung f�r den schwachen, idealistischen Glauben der Dunklen Maid, deren Anh�nger davon tr�umten, Bu�e und Akzeptanz in der Welt an der Oberfl�che zu erfahren. �Nun, ich komme in Frieden, und es scheint, als h�tte ich in dieser ordentlichen kleinen Zelle meinen Platz gefunden. Ich gehe davon aus, da� jenseits der Gitterst�be dieses Fensters wundervolle Blumen bl�hen, und ich bin mehr als dankbar, da� die dreimal verfluchte Sonne nicht tiefer in mein Gef�ngnis scheint.� Sie lachte bitter. �Irgendwie h�rt sich die heilige Botschaft Eurer albernen kleinen tanzenden G�ttin heute ein wenig verkehrt an. Nun geht. Ich habe wichtigeres zu tun, da ich mich darauf vorbereiten mu�, von dem sogenannten Herrn �ber diesen stinkenden Misthaufen von einem Dorf gefoltert zu werden, sobald er die Geduld mit mir verliert.�</p><p>�Ihr h�rt Euch an wie ich, als ich zum ersten Mal Eilistraees Botschaft vernahm�, erwiderte Seyll. Sie kam n�her und setzte sich neben Halisstra. �So wie Ihr war ich eine Priesterin Lolths, die in die Gefangenschaft dieses Volkes hier an der Oberfl�che geriet. Auch wenn ich nun schon einige Jahre hier lebe, empfinde ich das Licht der Sonne noch immer als grell.�</p><p>�Schmeichelt Euch nicht, Abtr�nnige�, knurrte Halisstra sie an. �Ich bin in keiner Weise wie Ihr.�</p><p>�Ihr werdet Euch wundern�, fuhr Seyll fort, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. �Sind die Strafen Lolths Euch je unn�tig oder �berzogen vorgekommen? Habt Ihr je eine Freundschaft aufgegeben, weil Ihr gef�rchtet habt, Ihr k�nntet verraten werden? Habt Ihr m�glicherweise erlebt, wie ein Kind Eures eigenen Leibes oder Eures Herzens vernichtet wurde, weil es eine Pr�fung nicht bestand, und habt Ihr Euch dann nicht eingeredet, es sei folglich ohnehin zu schwach zum �berleben gewesen? Habt Ihr Euch je gefragt, welchen Sinn die vors�tzliche und berechnende Grausamkeit hat, die unsere gesamte Rasse vergiftet?�</p><p>�Nat�rlich hat sie Sinn�, gab Halisstra zur�ck. �Wir sind zu allen Seiten von brutalen Feinden umgeben. Wenn wir nichts unternehmen, um unser Volk allzeit wachsam sein zu lassen, dann w�rden wir zu Sklaven werden ... nein, noch schlimmer, wir w�rden zu <emphasis>Roth�</emphasis>.�</p><p>�Haben Lolths Urteile Euch tats�chlich gest�rkt?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Dann beweist es. Nennt mir ein Beispiel.� Seyll beobachtete sie, dann beugte sie sich vor und sagte: �Ihr erinnert Euch selbstverst�ndlich an zahllose Pr�fungen und K�mpfe, doch Ihr k�nnt nicht beweisen, da� sie Euch gest�rkt haben. Ihr wi�t nicht, was geschehen w�re, h�tte man Euch nicht diesen Qualen ausgesetzt.�</p><p>�Spekulation. Ich kann nicht beweisen, da� Dinge anders sein k�nnten als sie sind.�</p><p>Halisstra sah die Ketzerin ver�rgert an. Selbst unter angenehmeren Umst�nden h�tte sie diese Unterhaltung als �rgerlich und �berfl�ssig abgetan, doch da ihre H�nde und F��e in Ketten lagen und sie gegen die kalte, harte Wand einer Zelle gepre�t war, in die ein schmerzlicher Sonnenstrahl fiel, lie�en diese Worte unb�ndigen Zorn in ihr aufsteigen. Dennoch konnte sie sich mit wenig anderen Dingen besch�ftigen, und au�erdem bestand eine winzige Chance, da� eine Zurschaustellung von Begeisterung f�r Seylls Glauben ihr eine gewisse Linderung ihrer mi�lichen Lage bescheren konnte. Lolth konnte Abtr�nnige um keinen Preis tolerieren, doch so zu tun, als w�rde sie einen anderen Glauben akzeptieren, um so die Freiheit zur�ckzuerlangen ... das war genau die Art von Raffinesse, die die Spinnenk�nigin bewunderte. Der Trick bestand nat�rlich darin, nicht allzu bereitwillig zu erscheinen, aber eben doch gerade zweiflerisch genug, da� Seyll und ihre Genossen die Hoffnung hatten, Halisstras Herz k�nne wirklich einen Wandel durchmachen.</p><p>�Ihr seid ein �rgernis f�r mich�, sagte sie zu Seyll. �La�t mich in Ruhe.�</p><p>�Wie Ihr wollt�, antwortete Seyll und erhob sich anmutig. Dann l�chelte sie. �Denkt �ber das nach, was ich Euch sagte, und �berlegt, ob nicht doch eine gewisse Wahrheit dahinterstecken k�nnte. Wenn Euer Glaube an Lolth so stark ist, wie Ihr glaubt, dann wird er einer Auseinandersetzung mit ihm ganz bestimmt standhalten. M�ge Eilistraee Euch segnen und w�rmen.�</p><p>Sie schlug die Kapuze �ber den Kopf und zog sich zur�ck. Halisstra wandte den Blick von ihr ab, damit Seyll nicht das grausame L�cheln sehen konnte, das ihre Lippen umspielte.</p><empty-line/><p>Die Nachhut, �berlegte Ryld, scheint die Aufgabe zu sein, die Quenthel f�r denjenigen vorsieht, den sie jeweils f�r am entbehrlichsten h�lt.</p><p>Er hielt inne und lauschte auf die Ger�usche im Wald, immer auf der Hut, ob irgendein Laut ein Hinweis auf einen nahenden Gegner sein mochte. Das einzige, was er jedoch h�rte, war das st�ndige Prasseln des kalten Regens. Pharauns Feuerspinnen hatten im Wald hinter ihnen f�r einen Gro�brand gesorgt, doch vermutlich hatte der Regen verhindern k�nnen, da� sich die Feuer zu sehr ausbreiteten. Der Waffenmeister warf einen Blick zum Himmel, woraufhin ihm Tropfen ins Gesicht fielen, w�hrend er den mattsilbernen Glanz hinter den Wolken betrachtete.</p><p>Wenigstens sp�lt der Regen unsere Spuren weg, dachte er.</p><p>Nachdem sie in der Nacht zuvor durchmarschiert waren und den langen, sonnenreichen Tag unter einem dicken Gestr�pp verbracht hatten, waren sie am Abend wieder aufgebrochen, doch nach kurzer Zeit bereits auf ein zeitraubendes Hindernis gesto�en, denn der Waldboden bestand ausschlie�lich aus Morast und Matsch.</p><p>Ryld zog seine Kapuze zurecht, dann ging er weiter, wobei er aufpassen mu�te, da� er keine zu schnellen Schritte machte. Er w�rde keine gute Nachhut bilden, wenn er zu dicht hinter den anderen war, andererseits wollte er auch nicht so weit zur�ckfallen, da� ihm eine Biegung auf dem Weg entging und er geradewegs in die endlosen W�lder marschierte. Wenn Halisstra schon keine Umkehr rechtfertigte, dann durfte er sich keinen Illusionen hingeben, was mit ihm gesch�he, wenn er von der Gruppe getrennt wurde. Eine Weile ging er einfach weiter und hielt in kurzen Abst�nden an, um mit Augen und Ohren nach Feinden zu suchen.</p><p>Es dauerte nicht lang, da vernahm er das lauter werdende, gleichm��ige Rauschen von Wasser � ein rascher Strom, der durch den Wald flo�, ein finsteres, breites Gew�sser, das sich seinen Weg bahnte entlang an morastigen Ufern, die mit Dornen und Farnen �berzogen waren. Ein gro�er Stamm war gef�llt worden, damit man den Strom �berqueren konnte. Seine Oberseite war abgehobelt worden, um eine sichere �berquerung zu gew�hrleisten. Quenthel und die anderen warteten schon dort und beobachteten stumm ihre Umgebung. Ryld sah die Armbr�ste, die in seine Richtung wiesen und erkennen lie�en, wie wachsam seine Gef�hrten waren. Der Kampf mit den Bewohnern der Oberfl�chenwelt hatte seinen Kameraden eindeutig eingesch�rft, im Wald Vorsicht walten zu lassen.</p><p>�Nicht schie�en�, rief er. �Ich bin�s.�</p><p>�Meister Argith�, entgegnete Quenthel. �Ich hatte mich schon gefragt, ob Ihr Euch verlaufen haben k�nntet.�</p><p>Ryld verbeugte sich vor Quenthel und gesellte sich zu den anderen. Er lie� sich auf dem Stumpf des abges�gten Baumes nieder und durchsuchte die Taschen seines Mantels nach einer kleinen Flasche Duergar-Branntwein. Normalerweise war es nicht seine Art, sich mit Alkohol zu benebeln, doch der stundenlange Marsch durch den Regen hatte seine Kleidung bis auf die Haut durchn��t, so da� er nun fror. Der Lik�r sorgte f�r ein hei�es Strahlen aus seiner K�rpermitte heraus, nachdem er einen ordentlichen Schluck getrunken hatte.</p><p>�Ist das der Flu�?� fragte er Pharaun.</p><p>�Ja�, erwiderte der prompt. �Hier �berqueren wir ihn und gehen dann stromaufw�rts nach S�den. Das Haus Jaelre ist nur noch ein paar Kilometer entfernt.�</p><p>Mit einem Finger wies er auf Ryld, dann murmelte er eine magische Silbe. Die Flasche entglitt der Hand des Waffenmeisters und schwebte durch die Luft, bis der Magier sie greifen konnte und sich selbst auch einen guten Schluck g�nnte.</p><p>�Meinen Dank�, sagte Pharaun. �Die Grauzwerge m�gen zwar abscheuliche Rauhbeine sein, aber sie brennen einen wirklich guten Branntwein.�</p><p>�Trinkt nicht zuviel�, warf Quenthel ein. �Die Jaelre werden wom�glich das Feuer auf uns er�ffnen, sobald sie uns sehen. Ich mu� mich darauf verlassen k�nnen, da� Ihr wachsam und bei klarem Verstand seid. Meister Argith, Ihr bleibt ab jetzt dicht hinter uns. Was vor uns liegt, macht mir mehr Sorgen als das, was sich hinter uns befindet.�</p><p>�Wie Ihr wollt, Herrin�, erwiderte Ryld.</p><p>Er hielt Pharaun die Hand hin, der nahm noch einen Schluck, dann warf er ihm die Flasche zu. Ryld erhob sich, nahm sein Gep�ck auf und ging als erster �ber die Br�cke. Die Oberfl�che des Stammes war rutschig und uneben und h�tte f�r einen tolpatschigen Zwerg oder einen ungeschickten Menschen ein Problem dargestellt. Die Drow dagegen �berquerten ihn ohne jede Schwierigkeit.</p><p>Auf der anderen Seite des Stromes stie�en sie auf die �berwucherten �berreste einer alten Steinstra�e, die von den gewundenen Wurzeln unz�hliger B�ume und dem Frost aus Jahrhunderten aufgerissen war. Die glatten wei�en Steine, die fachm�nnisch zusammengef�gt worden waren, zeugten davon, da� es sich um eine Arbeit der alten Elfen handelte, die einst an der Oberfl�che der Welt im Wald gelebt hatten. Ryld war nicht so ungebildet, nichts von Cormanthor geh�rt zu haben, dem gro�en Waldreich der Oberfl�chen-Elfen, und ebenso wu�te er vom vergangenen Ruhm der legend�ren Hauptstadt Myth Drannor. Von den Namen abgesehen war ihm jedoch unbekannt, wer die Erbauer des Imperiums im Wald gewesen waren und was ihnen zugesto�en war.</p><p>Langsam und aufmerksam bewegte sich die Gruppe in einer offenen Formation vorw�rts, jederzeit bereit, auf jeden Angriff zu reagieren. �ber anderthalb Kilometer folgten sie der alten Stra�e, so wie Pharaun es ihnen gesagt hatte, dann gelangten sie zu den �berresten alter Gem�uer und Zinnen, die von einer antiken Feste zeugten. Gr�ne Ranken �berzogen die Mauer und bl�hten, obwohl es Winter war. Die Mauer war an Dutzenden Stellen gerissen oder durchl�chert. Ein verrostetes Eisentor lag quer auf der Stra�e und stellte eine Barriere dar, die ihren Nutzen l�ngst verloren hatte. Jenseits der Mauern erhob sich ein kleiner steiniger H�gel aus dem Waldboden, den eine gro�e f�nfeckige Feste aus wei�em Stein kr�nte. Auf den ersten Blick kam es Ryld vor, als sei das Geb�ude noch in Benutzung, doch bei genauerem Hinsehen erkannte er, da� die Turmspitzen durchl�chert waren und da� mehrere der freischwebenden St�tzpfeiler, die die T�rme mit der Feste selbst verbanden, vor Jahren zusammengebrochen waren. Ranken hatten ihre Wurzeln in den gespaltenen Steinen verankert und �berzogen die Ruinen wie eine lebendige Decke.</p><p>�Ruinen�, knurrte Jeggred. �Euer Zauber war ein Fehlschlag. Oder habt Ihr uns in die Irre gef�hrt? Steckt Ihr mit dem verlogenen Sp�her unter einer Decke?�</p><p>�Meine Zauber gehen nicht fehl�, erwiderte Pharaun. �Dies ist der Ort. Die Jaelre sind hier.�</p><p>�Wo sind sie denn dann?� zischte der Draegloth. �Wenn Ihr ...�</p><p>�Seid ruhig�, herrschte Valas sie an. Er entfernte sich mit kaum h�rbaren Schritten ein St�ck vom Tor, w�hrend er einen Pfeil schu�bereit auflegte. �Dieser Ort ist nicht so verlassen, wie er wirkt.�</p><p>Ryld suchte hinter einer alten S�ule aus gro�en Quadern Schutz, eine Hand auf Splitters Heft. Danifae und Pharaun taten es ihm auf der anderen Stra�enseite nach. Quenthel dagegen r�hrte sich nicht.</p><p>Vielmehr stand sie selbstsicher mitten auf dem Weg und rief laut: �Ihr vom Haus Jaelre! Wir wollen mit Euren F�hrern sprechen!�</p><p>Aus einem Dutzend verborgener Positionen erhoben sich gut getarnte Gestalten in dunklen M�nteln, die das Auge t�uschten, da sie die Umgebung des Tr�gers nachahmten. Bogen und St�be wurden auf die Menzoberranzanyr gerichtet. Eine der Gestalten, eine Frau mit einem Schwert mit zwei Klingen, schob die Kapuze zur�ck und betrachtete die Gruppe voller Verachtung.</p><p>�Elende Spinnenk�sser�, zischte sie. �Was habt Ihr, was das Haus Jaelre von Euch wollen k�nnte, abgesehen von Euren Leibern, die gleich von unseren Pfeilen durchbohrt sind?�</p><p>Quenthel versteifte sich und legte eine Hand auf die Peitsche. Die Waffe wand sich ein wenig, die Schlangenk�pfe schnappten.</p><p>�Ich bin Quenthel Baenre, Herrin Arach-Tiniliths, und ich streite mich nicht auf T�rschwellen mit gemeinen Torwachen. La�t Eure Herren wissen, da� wir eingetroffen sind, damit wir endlich aus diesem verdammten Regen herauskommen.�</p><p>Die Jaelre im Rang einer Hauptfrau kniff die Augen zusammen und gab ihren Soldaten ein Zeichen, die daraufhin ihre Position ver�nderten und sich zum Feuern bereitmachten. Valas Hune sch�ttelte den Kopf, lie� den Bogen sinken und trat vor, wobei er eine Hand hob</p><p>�Wartet�, rief er. �Wenn Tzirik noch bei Euch ist, dann sagt ihm, Valas ist hier. Wir wollen ihm einen Vorschlag unterbreiten.�</p><p>�Ich bezweifle, da� unsere Hohepriester mit einem Vorschlag aus Eurem Mund etwas anfangen kann�, sagte die Drow.</p><p>�Er wird zumindest erfahren wollen, warum wir tausendf�nfhundert Kilometer weit von Menzoberranzan hergereist sind, um mit ihm zu sprechen�, konterte Valas.</p><p>Die Frau warf Quenthel einen finsteren Blick zu, dann sagte sie: �Senkt Eure Waffen und wartet dort. R�hrt Euch nicht, sonst er�ffnen meine Leute das Feuer. Es sind mehr, als Ihr glaubt.�</p><p>Valas Hune nickte, dann legte er den Bogen hin. Er sah zu den anderen, dann setzte er sich auf den Rand eines zerfallenen Brunnens. Die anderen taten es ihm nach, allerdings lie� sich Quenthel nicht dazu herab, sich zu setzen. Vielmehr verschr�nkte sie die Arme und wartete. Ryld sah sich auf dem Hof um, auf dem es von gegnerischen Kriegern nur so wimmelte. Seufzend rieb er sich den Kopf.</p><p><emphasis>Quenthel wei�, wie man gleich beim ersten Auftritt Eindruck macht, wie?</emphasis> gestikulierte Pharaun.</p><p><emphasis>Frauen,</emphasis> erwiderte Ryld auf die gleiche Weise.</p><p>Vorsichtig griff er in die Tasche seines Mantels und holte wieder den Branntwein heraus.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Die schmerzlichste Qual der Kerkerhaft, so �berlegte Halisstra, war schlicht die Langeweile. Wie die meisten Angeh�rigen ihres au�ergew�hnlich langlebigen Volkes nahm die Priesterin kaum wahr, wie Stunden, Tage oder sogar Zehntage verstrichen, wenn sie ihren Geist besch�ftigen konnte. Doch aller Weisheit und Geduld zum Trotz, die sie sich in �ber zweihundert Jahren zu eigen gemacht hatte, kamen ihr wenige Stunden Gefangenschaft in einer kargen Zelle aus Stein schlimmer vor als die monatelange rauhe Disziplinierung, die sie in ihrer Jugend erduldet hatte.</p><p>Die endlosen Stunden des Tages krochen regelrecht dahin, w�hrend sich ihr Leib nach Ruhe und Erholung sehnte, auch wenn durch das eine verfluchte Fenster der schmerzhafte Sonnenschein fiel. Ihre Gedanken bewegten sich derweil sprunghaft, und mal betete sie, ihre Kameraden m�chten kommen und sie einfach nur retten, dann wieder malte sie sich die abscheulichsten und brutalsten Foltermethoden f�r jeden einzelnen von ihnen aus, weil sie nichts dagegen unternommen hatten, da� sie in Gefangenschaft geriet.</p><p>Schlie�lich versank sie in tiefe Trance, der Geist wurde von den Pl�nen, die sie schmiedete, und von den alten Erinnerungen befreit. Ihr Bewu�tsein war dabei so entr�ckt, da� man ihren Zustand durchaus als Schlaf h�tte bezeichnen k�nnen. Die Ersch�pfung �bermannte sie letztlich doch � nicht nur die rein k�rperliche Ermattung als Folge vieler Zehntage Reisen und Gefahren in der W�ste, in den Schatten, im Unterreich und im Wald, sondern auch geistige Erm�dung. Die hatte ihre Ursache in der tiefen Trauer �ber den Verlust des Hauses, �ber das sie h�tte herrschen sollen. Halisstra hatte sich nicht gestattet, f�r Ched Nasad auch nur eine Tr�ne zu vergie�en, doch die unheilvolle Wahrheit ihrer Misere kehrte immer wieder in ihre Gedanken zur�ck und vergiftete sie mit einem kalten, hoffnungslosen Unglauben, der sich nur schwer verdr�ngen lie�. Die vielen Stunden der Gefangenschaft gaben ihr Gelegenheit, die verha�te Situation in ihrer Gesamtheit zu erfassen und �ber den Verlust an Status, Reichtum und Sicherheit nachzudenken, bis ihre schreckliche Faszination in gewisser Weise ges�ttigt war.</p><p>Als das Abendrot kam, brachten die Wachen ihr frisches Essen, das aus einem faden, aber nahrhaften Eintopf und einem weiteren halben Brotlaib bestand. Halisstra stellte fest, da� sie hungrig war, und st�rzte sich auf das Essen, ohne allzuviel dar�ber nachzudenken, ob man es mit Gift oder Drogen versetzt haben k�nnte. Nachdem sie gegessen hatte, wurde die T�r zu ihrer Zelle wieder ge�ffnet, und Seyll Auzkovyn kam abermals zu ihr.</p><p>Die Priesterin hatte den langen, schweren Mantel abgelegt und trug nun das elegante Reitgewand einer Dame, das aus einer bestickten gr�nen Jacke und einem knielangen Rock, dazu eine cremefarbene Bluse und hohe Stiefel, die zur Jacke pa�ten, bestand. Der Anblick einer Drow-Priesterin, die als vornehme Oberfl�chen-Elfe gekleidet war, wirkte auf Halisstra absto�end.</p><p>�Hat der Oberfl�chenf�rst Euch so angezogen?� zischte sie die Verehrerin Eilistraees an. �Ihr wirkt fast wie eine v�llig hilflose Edeldame der verfluchten Sonnenelfen.�</p><p>�Wie anders sollte ich mich kleiden?� erwiderte Seyll. �Ich bin hier unter Freunden und mu� keine R�stung tragen. Au�erdem habe ich festgestellt, da� die Sch�del- und Spinnenmotive meiner bisherigen Kleidung das Oberfl�chenvolk zu beunruhigen schien.� Sie gab den Wachen ein Zeichen, dann wurde die T�r hinter ihr geschlossen. �Abgesehen davon�, fuhr sie fort, �gibt es hier keine Sonnenelfen.�</p><p>�F�r mich sind sie alle gleich�, sagte Halisstra.</p><p>�Wenn Ihr sie besser kennengelernt habt, werdet Ihr auch in der Lage sein, sie besser zu unterscheiden.�</p><p>�Ich hege nicht den Wunsch dazu.�</p><p>�Seid Ihr Euch da sicher? Es ist von Vorteil, wenn man seine Feinde kennt. Vor allem, wenn sie gar keine Feinde sein m�ssen.�</p><p>Seyll kniete sich neben Halisstra und sammelte sich. Sie war jung, kaum �ber hundert, und auf ihre Art war sie h�bsch. Doch ihre Haltung war ... falsch. Ihren Augen fehlte es an dem begierigen Ehrgeiz und dem kalten Taxieren � Eigenschaften, die Halisstra sonst im Gesicht aller Elfen gesehen hatte, von denen sie umgeben gewesen war. Seylls geduldiger Ausdruck konnte sehr leicht mit Unterw�rfigkeit verwechselt werden, einem fehlenden Willen, sich durchzusetzen, und doch strahlte sie eine ruhige Gelassenheit aus, die darauf hinzudeuten schien, da� sie sich bestens unter Kontrolle hatte.</p><p>Halisstras Blick fiel auf Seylls H�nde, als die Priesterin ihre Kleidung glattstrich. Sie waren kr�ftig und schwielig, wie es sonst bei einem Waffenmeister der Fall war.</p><p>�Ich hatte heute Gelegenheit, mich mit den Wappen auf Euren Waffen zu besch�ftigen und mir die Objekte in Ruhe anzusehen. Melarn ist ein f�hrendes Haus in Ched Nasad, nicht?�</p><p>�Das war es�, gab Halisstra zur�ck.</p><p>Augenblicklich verdammte sie sich f�r ihre Nachl�ssigkeit. Wenn die Bewohner der Oberfl�che nichts vom Schicksal Ched Nasads wu�ten, dann war es wohl kaum notwendig, Informationen leichtfertig zu verschenken. Sie mu�te f�r alles, was sie preisgab, eine Gegenleistung fordern.</p><p>�Ihr wurdet in einem internen Krieg der H�user besiegt?�</p><p>Seylls Mutma�ung war nachvollziehbar. Wenn H�user der Drow untergingen, ihren Status verloren oder auf andere Weise unbedeutend wurden, waren daf�r normalerweise Aktionen anderer H�user verantwortlich.</p><p>�Nicht ganz�, antwortete sie.</p><p>Seyll wartete eine ganze Weile, ob Halisstra ins Detail gehen w�rde, doch als das nicht geschah, schlug die Priesterin Eili-straees eine andere Taktik ein.</p><p>�Ched Nasad ist weit weg. Mindestens tausend oder zw�lfhundert Kilometer, und die gro�e W�ste Anauroch und die Gest�rzten L�nder, wo die Phaerimm lauern, liegen zwischen dort und hier. F�rst Dessaer m�chte mehr �ber die Umst�nde erfahren, wieso es eine hochrangige Tochter eines m�chtigen Hauses aus Ched Nasad in das Land seines Volks verschl�gt. Wenn ich ehrlich bin, bin ich auch neugierig.�</p><p>�Ist das Eure Verh�rmethode?� fragte Halisstra. �Ihr leiht mir mitf�hlend Euer Ohr, damit ich aus scheinbarer Freundschaft Fragen beantworte?�</p><p>�Ich mu� etwas �ber den Grund Eurer Anwesenheit in Cormanthor erfahren, ehe F�rst Dessaer Euch in meine Obhut entl��t. Wenn Euer Grund tats�chlich so harmlos ist, wie Ihr behauptet, gibt es keine Veranlassung, Euch noch l�nger hier festzuhalten.�</p><p>�Mich entlassen?� Halisstra lachte leise. �Wie ich sehe, habt Ihr trotz Eurer Abkehr von Lolth nicht Euren Sinn f�r Grausamkeit verloren. Haben Eure Freunde von der Welt hier oben Euch gebeten, mit den Hoffnungen Eurer Gefangenen zu spielen, indem Ihr ihr die Freilassung vorgaukelt, wenn sie mit Euch zusammenarbeitet? Oder habt Ihr diese Taktik selbst vorgeschlagen? Glaubt Ihr wirklich, ein Tag in dieser verfluchten Zelle w�rde gen�gen, um mich so sehr verzweifeln zu lassen, da� ich auf ein leeres Versprechen hereinfalle?�</p><p>�Die Hoffnung, die ich Euch mache, ist kein leeres Versprechen�, sagte Seyll. �Sagt uns, was Ihr hier tut. Zeigt uns, da� Ihr keine Feindin unseres friedliebenden Volkes in Cormanthor seid. Dann werdet Ihr Eure Freiheit zur�ckerhalten.�</p><p>�Ihr k�nnt nicht erwarten, da� ich Euch das glaube.�</p><p>�Nun, ich bin hier, oder?� gab Seyll zur�ck. �Offenbar k�nnen doch einige von uns lernen, mit den Bewohnern der Oberfl�chenwelt in Frieden zusammenzuleben.�</p><p>�Ihr habt auch nichts von diesen Bewohnern zu bef�rchten�, erwiderte Halisstra. �Eure tanzende G�ttin ist zu schwach, um ihnen gef�hrlich zu werden.�</p><p>�Wie ich schon sagte, war ich eine Priesterin Lolths, bevor man mich gefangennahm�, erkl�rte Seyll. Sie beschrieb mit den H�nden eine flehende Geste, eine zeremonielle Haltung, die Halisstra bestens vertraut war. In der Sprache der Ebenen des Abgrundes, wo Lolth zu Hause war, setzte Seyll zu einem hohen, geheimen Gebet an: �Gro�e G�ttin, Mutter der Dunkelheit, gib mir das Blut meiner Feinde zu trinken und la� mich ihr lebendiges Herz verspeisen. Gib mir die Schreie ihrer Kinder f�r meine Ges�nge, und gib mir die Hilflosigkeit ihrer M�nner f�r meine Befriedigung, gib mir den Reichtum ihrer H�user, damit ich gut schlafe. Mit diesem unw�rdigen Opfer ehre ich dich, K�nigin der Spinnen, und erbitte von dir die Kraft, um meine Gegner zu vernichten.�</p><p>Die infernalischen Worte schienen vor finsterer Macht zu knistern. Jede der rauhen Silben war mit b�ser Energie erf�llt, die sich wie ein Gift in der Zelle ausbreitete. Seyll beschrieb mit einer Hand die Art und Weise, wie das Messer zu f�hren war, dann hockte sie sich wieder hin.</p><p>Sie wechselte zur�ck in die Sprache der Elfen und sagte mit geschlossenen Augen: �Viele ungl�ckliche Seelen sind durch meine Klinge gestorben, doch hier konnte ich Bu�e tun und Frieden finden. Ob dich das auch erwartet, ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Doch ich biete mich dir als Beweis daf�r an, da� du dich in diesen L�ndern in Frieden bewegen kannst, wenn du das w�nschst.�</p><p>Halisstra starrte Seyll an, als sehe sie sie zum ersten Mal. Sie hatte die Priesterin erneut als schw�chliche Versagerin verdammen wollen, als eine Verr�terin an der einen, wahren G�ttin. Doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Einzig eine Priesterin von hohem Status konnte dieses Ritual erlernt haben, und doch hatte sich Seyll von Lolth abgewandt. Aber nicht nur das � sie lebte auch noch und schien mit ihrer Entscheidung zufrieden zu sein. Nat�rlich war Halisstra �ber viele Jahre hinweg indoktriniert worden, damit sie Ketzerei und Abkehr von Lolth als die schlimmsten vorstellbaren Verbrechen ansah. Doch in all der Zeit der Aufopferung und Erniedrigung vor dem Altar Lolths war sie niemals einer echten Abtr�nnigen begegnet. Sicher, sie hatte immer wieder einmal ihren Rivalinnen unterstellt, sie w�rden sich von Lolth abwenden, doch tats�chlich jemandem gegen�berzustehen, der wirklich diesen gr��ten Verrat an der G�ttin begangen hatte und der � bislang jedenfalls � �berlebt hatte, um anderen davon zu berichten ...</p><p>�Ich m�chte Euch zu etwas herausfordern�, sagte Seyll. �Ich glaube, Ihr habt daf�r die n�tige Intelligenz und Phantasie, aber das werden wir schon sehen. Stellt Euch f�r einen Moment vor, Ihr k�nntet an einem Ort leben, an dem es Euch m�glich w�re, durch die Stra�e zu gehen, ohne Angst zu haben, ein Assassine k�nnte Euch einen Dolch in den R�cken jagen. Stellt Euch vor, Eure Freunde � echte Freunde � wollen von Euch nichts weiter als Eure Gesellschaft, Eure Schwestern loben Euch f�r Eure Leistungen, anstatt Euch Euren Erfolg abzusprechen, und Eure Kinder werden nicht ermordet, weil sie ohne eigene Schuld versagt haben. Stellt Euch vor, Euer Geliebter liebt Euch Euretwegen, nicht wegen Eures Status oder Eures Einflusses. Stellt Euch vor, Eure G�ttin will mit Euch Eure Freude feiern, nicht Eure Angst.�</p><p>�Es gibt keinen solchen ��</p><p>�Ihr antwortet zu schnell. Ich bat Euch, Euch das vorzustellen, wenn Ihr k�nnt�, sagte Seyll. Sie stand auf und entfernte sich, wobei sie Halisstra den R�cken zuwandte. �Ich werde warten.�</p><p>�Ich kann mir solchen Unsinn nicht vorstellen. Es ist eine leere Phantasie, die nichts bedeutet. Wir sind daf�r nicht bestimmt; niemand ist das, weder Drow noch Lichtelfen, nicht einmal die banalen Menschen. Nur ein Narr lebt in Tr�umen.�</p><p>�Aber w�re es nicht dennoch angenehm?� fragte Seyll �ber die Schulter nach hinten. �Ihr m��t st�ndig unm�gliche Tr�ume haben. Jedes denkende Wesen hat sie. Vielleicht habt Ihr davon getr�umt, Macht �ber Eure Feinde zu haben. Oder Ihr habt von einem unerreichbaren Liebhaber getr�umt. Oder davon, den Status zu erlangen, der Eurer gerecht wird.�</p><p>Halisstra schnaubte gereizt und zerrte an ihren Fesseln.</p><p>�Wenn Ihr Euch vorstellen k�nnt, all Eure Feinde auf einen Schlag zu vernichten, dann k�nnt Ihr Euch auch vorstellen�, bohrte Seyll nach, �da� Ihr treue Freunde habt und da� eine G�ttin sich mit Eurer Loyalit�t zufriedengibt und nicht noch Opfer verlangt.�</p><p>�Alle G�tter verlangen Opfer. Ihr macht Euch etwas vor, wenn Ihr glaubt, Eilistraee sei anders. Vielleicht ist Eurer Wille einfach nur zu schwach, um zu verstehen, wie Ihr an sie gebunden seid.� Halisstra sah weg und f�gte hinzu: �Ihr habt es geschafft, mich zu langweilen. Ihr d�rft gehen.�</p><p>Die Priesterin schritt zur T�r und klopfte auf das rostige Eisen, w�hrend sie sich wieder Halisstra zuwandte. �Was, wenn ich Euch zeigen kann, da� Ihr irrt?� fragte sie leise. �Morgen nacht tanzen wir im Wald zu Eilistraees Freude. Ich werde Euch hinbringen, dann k�nnt Ihr mit eigenen Augen sehen, was unsere G�ttin von uns verlangt.�</p><p>�Ich werde das nicht mitmachen�, herrschte Halisstra, die inzwischen so ver�rgert war, da� sie v�llig vergessen hatte, eine Wendung hin zum Glauben der Bewohner der Oberfl�che vorzut�uschen.</p><p>�Ist Euer Glaube an Lolth so schwach, da� Ihr es nicht ertragen k�nnt, uns tanzen zu sehen?� fragte Seyll. �H�rt es Euch an, seht es Euch an, und dann f�llt Euer Urteil. Mehr verlange ich nicht von Euch.�</p><empty-line/><p>Der nicht abrei�ende schwarze Luftstrom, der durch die vertikalen Stra�en des in Ruinen liegenden Chaulssin fegte, begr��te Nimors R�ckkehr mit einem Sperrfeuer aus heftigen Windst��en, die solche Kraft besa�en, da� er einen Moment lang ringen mu�te, um nicht umgerissen zu werden. Sein wei�es Haar peitschte wie ein wirrer Heiligenschein um seinen Kopf, und die Gesalbte Klinge blieb einen Augenblick stehen, bis die B�e vor�ber war.</p><p>Er konnte nicht lange in der Stadt der Wyrmschatten bleiben, schon gar nicht, wenn die Armee Menzoberranzans marschierte und das Kontingent von Agrach Dyrr mit ihr unterwegs war. Doch andererseits war er auch nicht so in Eile, da� er nicht f�r einen kurzen Moment in der verborgenen Zitadelle seines geheimen Hauses h�tte verweilen k�nnen. Nimor Imphraezl war immerhin Prinz von Chaulssin, und die gro�artige Ruine war sein Reich. Er war hier nicht geboren, und er hatte in der von Schatten heimgesuchten Stadt auch nicht die Jahre seiner Kindheit verbracht. Dieser Ort war f�r ein Kind viel zu gef�hrlich, darum brachten die Jaezred Chaulssin ihre Prinzen in einem Dutzend niederer H�user in vielen St�dten im Unterreich unter. Als Nimor aber erwachsen geworden war und sein uraltes Erbe angetreten hatte, hatte er die st�rmische Ruine als seinen Palast angesehen.</p><p>Die B�e lie� nach, jedenfalls in dem Ma�, in dem der Wind schw�cher wurde, der unabl�ssig durch die schwarze Schlucht rings um die Stadt fegte. Nimor ging weiter. �ber die Schattenebene war Menzoberranzan kaum mehr als eine Stunde entfernt, so da� es f�r Nimor ein leichtes gewesen war, einen Vorwand zu finden, um sich von der marschierenden Kolonne zu l�sen: Er mu�te sich einer �pers�nlichen Angelegenheit� widmen. Auch wenn Andzrel Baenre die Hauptleute der H�user pl�tzlich zu einem Kriegsrat einberufen sollte, w�hrend Nimor unterwegs war, stellte seine Abwesenheit kein ernstes Problem dar. Die Armee r�ckte so schnell vor, wie man es erwartete, doch niemand w�rde Verdacht sch�pfen, wenn ein Adliger f�r kurze Zeit in der Stadt zur�ckblieb, um sich sp�ter wieder den Truppen anzuschlie�en.</p><p>Er erreichte die gro�e Wendeltreppe, die ins Herz des Berges von Chaulssin gehauen worden war, und nahm zwei Stufen auf einmal. Im gro�en Saal am Kopf der Treppe fand er die Vaterpatrone wieder versammelt vor, die in Zweier- und Dreiergruppen zusammenstanden, um Neuigkeiten auszutauschen und Pl�ne zu schmieden, wie sie das Haus durch die anstehende, bemerkenswerte Gelegenheit voranbringen wollten. Gro�vater Mauzzkyl drehte sich um und warf Nimor seinen gef�rchteten w�tenden Blick zu, als der Assassine eintrat.</p><p>�Wieder la�t Ihr uns warten�, sagte er.</p><p>�Ich bitte um Verzeihung, verehrter Gro�vater�, erwiderte Nimor. Er stellte sich zu den anderen in den Kreis und verbeugte sich knapp. Aus der Ferne h�rte sich das Heulen des Windes noch unheimlicher an. �Ich wurde zu einem Kriegsrat gerufen, und es w�re nicht klug gewesen, ihm fernzubleiben.�</p><p>�Das k�nnte man auch �ber diese Versammlung sagen�, stellte Vaterpatron Tomphael fest.</p><p>Nimor zwang sich zu einem L�cheln und erwiderte: �Ich habe einige Zeit und M�he investiert, um eine Identit�t zu wahren und bei den Verteidigern Menzoberranzans ein gewisses Ma� an Verantwortung zu erlangen, Tomphael. Diese Bem�hungen sollten nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Solange der verehrte Gro�vater mich nicht anderweitig instruiert, werde ich Euch immer dann warten lassen, wenn es notwendig ist, unseren Plan vor G�nstlingen Lolths zu sch�tzen und ...�</p><p>�Das reicht, Nimor�, polterte Mauzzkyl. �Wie kommt Ihr voran?�</p><p>�Bestens, verehrter Gro�vater. Kronprinz Horgar Stahlschatten aus Gracklstugh marschiert mit einer Armee von fast f�nftausend Duergar auf Menzoberranzan. Die Muttermatronen haben beschlossen, sich den Duergar auf dem Schlachtfeld zu stellen, statt es auf eine Belagerung ankommen zu lassen. Sie f�rchten die Kriegslust anderer Dom�nen des Unterreichs. Ich habe aber daf�r gesorgt, da� sich die Armee des Kronprinzen heimlich auf Menzoberranzan zubewegt, und ich habe das Kommando �ber ein Truppenkontingent, das im richtigen Moment umschwenken wird, um den gew�nschten Ausgang dieses Konflikts sicherzustellen. Au�erdem konnte ich den Cambion-Kriegsherrn Kaanyr Vhok davon �berzeugen, mit seiner Armee aus Tanarukks ebenfalls gegen Menzoberranzan zu ziehen, allerdings bin ich mir bei der Geknechteten Legion nicht so sicher. Kaanyr Vhok taucht vielleicht nicht auf, und wenn doch, hat er wenig Grund, sich uns verpflichtet zu f�hlen.�</p><p>�Ihr wollt also die Streitkr�fte Menzoberranzans vernichten�, stellte Patron Xorthaul fest. Der Priester in der schwarzen R�stung strich sich �bers Kinn. �Was, wenn die Menzoberranzanyr sich als widerstandsf�higer erweisen, als Ihr es erwartet habt? Was, wenn sie die Duergar vernichtend schlagen? Oder sich Kaanyr Vhok als unzuverl�ssig entpuppt? Es w�re besser gewesen, eine kleinere Streitmacht in Eure Falle zu locken. Euer Spiel ist zu riskant.�</p><p>�H�tte ich die Duergar nicht als Gefahr dargestellt, dann w�ren die Muttermatronen kaum versucht gewesen, etwas anderes zu tun als sie zu ignorieren. Wie die Sache nun liegt, gibt es drei m�gliche Ausg�nge f�r den Kampf zwischen Gracklstugh und Menzoberranzan. Die Duergar k�nnten gewinnen, es k�nnte zu einem Patt kommen, oder die Drow siegen. Wir tun, was wir k�nnen, um die Armee Menzoberranzans in die H�nde des Kronprinzen fallen zu lassen. Doch selbst wenn es ihm nicht gelingen sollte, die Menzoberranzanyr vernichtend zu schlagen, stehen die Chancen gut, da� die Duergar den Anh�ngern Lolths schwere Verluste zuf�gen werden. In dem Fall k�nnten die Duergar unseren Feind gen�gend schw�chen, damit wir ihn selbst niederringen k�nnen. Im schlimmsten Fall, wenn also Gracklstugh ausgel�scht wird, dann ... nun, dann w�rde unser Plan zwar scheitern, aber wir w�rden wenig verlieren.�</p><p>�Verge�t nicht, Xorthaul, unsere Strategie gegen Menzoberranzan ist die des Zerm�rbens�, f�gte Mauzzkyl an. �Die Stadt ist zu stark, um sie in einem Zug zu nehmen, also m�ssen wir ihr Dutzende von Wunden zuf�gen, damit sie ausblutet.�</p><p>�Die Magier von Menzoberranzan werden sicher mit einem Erkenntniszauber von der Existenz einer so gro�en Armee unmittelbar vor den Toren der Stadt erfahren�, warf Patron Tomphael ein, der selbst Magier war. �Die Muttermatronen werden ihre Armee zur�ckbeordern oder statt dessen Euren Hinterhalt gegen die Duergar wenden.�</p><p>�Unsere Verb�ndeten in Agrach Dyrr haben uns in diesem Punkt geholfen�, sagte Nimor. �Gromph Baenre ist verschwunden. Die Meister Sorceres pr�fen nun nat�rlich gegenseitig ihre Entschlossenheit und F�higkeiten, um festzustellen, wer von ihnen der neue Erzmagus sein soll.�</p><p>�Es gibt viele m�chtige Magier, die den H�usern der Stadt dienen�, erwiderte Tomphael. �Sie werden sich nicht ablenken lassen, nur weil sich in Sorcere eine Gelegenheit zum Aufstieg ergibt.�</p><p>Nimor reagierte mit einem bedauernden Nicken, dann sagte er: �Richtig. Aber wir wissen auch, da� Hausmagier dazu neigen, viel Zeit damit zu verbringen, die Schw�chen der anderen H�user auszuspionieren. Bisher ist offenbar niemand vorgetreten, um meine Version der Ereignisse anzufechten, die ich dem Rat vortrug.�</p><p>�Es w�re schlichtweg klug, von vornherein von der Annahme auszugehen, da� Euer Plan zum ung�nstigsten Zeitpunkt aufgedeckt wird�, sagte Patron Xorthaul. �Was werdet Ihr tun, wenn ein neugieriger Sch�ler in einem zweitrangigen Haus aussp�ht, da� die Armee des Kronprinzen im Anmarsch ist? Was, wenn die Muttermatronen daraufhin ihre Truppen zur�ckziehen? Sie k�nnten einer Belagerung bis in alle Ewigkeit standhalten.�</p><p>�Jetzt seht Ihr�, erwiderte Nimor geduldig, �warum ich soweit ging, Agrach Dyrr eine Allianz vorzuschlagen und entschied, das Risiko einzugehen, Kaanyr Vhok zu einem Teil der Gleichung zu machen. Wir brauchen das F�nfte Haus, um dieser Eventualit�t vorzubeugen, damit Horgars Armee � oder die Geknechtete Legion � in die Stadt eingelassen werden, sollte dieser Fall eintreten.�</p><p>Mauzzkyl verschr�nkte die Arme und senkte den finsteren Blick.</p><p>�Wir werden sie in jedem Fall in der Hand haben�, sagte der verehrte Gro�vater und gestattete sich ein zufriedenes, finsteres L�cheln. �Wenn Vhok Euch verr�t, k�nnt Ihr auf Agrach Dyrr zur�ckgreifen, wenn Agrach Dyrr Euch verr�t, habt Ihr immer noch den Cambion. Ich nehme an, Dyrr und Kaanyr Vhok wissen nichts voneinander?�</p><p>�Ich hielt es f�r das beste�, antwortete Nimor, �f�r jeden meiner Verb�ndeten mindestens noch eine �berraschung in petto zu haben, verehrter Gro�vater. Es schien mir ratsam sicherzustellen, da� mir so viele Optionen wie m�glich zur Verf�gung stehen, w�hrend ich den Angriff auf die Stadt entwickelte.�</p><p>�Hervorragend. Wie k�nnen wir Euch unterst�tzen?�</p><p>Der Mann, der die Gesalbte Klinge genannt wurde, dachte dar�ber nach. Er f�hlte sich versucht, jede Unterst�tzung abzulehnen, damit er allen Ruhm f�r den bevorstehenden Sieg f�r sich beanspruchen konnte. Doch der Zeitpunkt r�ckte n�her, an dem die Rolle, die er an der Spitze der Armee Menzoberranzans spielte, es ihm immer seltener erlauben w�rde, sich nach Belieben von hier nach dort zu bewegen. Au�erdem ben�tigte er Hilfe, um Vhok in Schach zu halten, und wenn sich der Zeptertr�ger als unzuverl�ssig erweisen sollte, dann konnte er demjenigen daran die Schuld geben, der zu dem Kriegsherrn entsandt worden war.</p><p>�Wir sollten unsere Kr�fte b�ndeln und bereit sein, zuzuschlagen, wenn unsere Verb�ndeten ihre Rolle bei der Dezimierung der Verteidiger Menzoberranzans �bernehmen�, sagte er.</p><p>�Wir verf�gen �ber keine gro�en Streitkr�fte, Gesalbte Klinge�, wandte Mauzzkyl ein, �und ich werde nicht die Jaezred Chaulssin in eine offene Schlacht schicken.�</p><p>�Ich verstehe, verehrter Gro�vater.� Selbst wenn sie ihre Kr�fte zusammenschlossen, w�rde das geheime Haus es zahlenm��ig nicht einmal mit einem der unbedeutenden H�user von Menzoberranzan aufnehmen k�nnen � auch wenn die Jaezred Chaulssin eine Wirkung erzielen konnte, die in keinem Verh�ltnis zu ihrer Zahl stand. �Einer unserer Br�der mu� sich zu Kaanyr Vhok und dessen Geknechteter Legion begeben, um den Kriegsherrn in die richtige Richtung zu dirigieren. Meine Verantwortung in der Armee Menzoberranzans und meine Bem�hungen, Horgar Stahlschatten und die abtr�nnigen Agrach Dyrr zu lenken, lassen es nicht zu, da� ich in dem Ma� ein Auge auf Vhok habe, wie es mir lieb w�re.�</p><p>Mauzzkyl nickte und sagte: �Nun gut. Zammzt, f�r Euch gibt es in Ched Nasad nichts mehr zu tun. Ich will, da� Ihr Euch zu Kaanyr Vhok begebt und in seinem Lager f�r uns sprecht. Tut, was erforderlich ist, um seine Armee gegen Menzoberranzan eingestellt zu belassen, aber Rechenschaft m��t Ihr Nimor ablegen.�</p><p>�Nat�rlich, verehrter Gro�vater�, erwiderte der Assassine mit dem glatten Gesicht. Er sah zu Nimor, lie� sich aber nicht anmerken, was ihm durch den Kopf ging.</p><p>�Ich habe mich Kaanyr Vhok �ber seine Gef�hrtin Aliisza gen�hert�, lie� Nimor Zammzt wissen. �Sie ist ein Alu-Scheusal und eine recht begabte Hexenmeisterin. Sie wei�, da� ich eine Vereinigung oder einen Orden vertrete, daher sollte es sie nicht �berraschen, wenn an meiner Stelle ein anderer auf sie zukommt.�</p><p>Auch wenn ich bezweifle, da� sie dich genauso willkommen hei�en wird wie mich, dachte er insgeheim.</p><p>�Wann erwartet Ihr das erste Aufeinandertreffen der Menzoberranzanyr und der Armeen Horgars?� fragte Mauzzkyl.</p><p>�In vier Tagen, sch�tze ich.�</p><p>�Tut, was Ihr k�nnt, um Uneinigkeit und Unsicherheit zu s�en, Gesalbte Klinge�, wies Mauzzkyl ihn an. �Die Zeit f�r Heimlichkeiten geht ihrem Ende entgegen. Die Jaezred Chaulssin treten aus dem Schatten und ergreifen die Initiative. Vernichtet die Armee der Muttermatronen und bringt Eure Duergar-Verb�ndeten so schnell wie m�glich nach Menzoberranzan. Wir werden uns dort treffen und feststellen, ob der maskierte Gott uns gn�dig ist oder nicht.�</p><p>Nimor verbeugte sich wieder, dann wandte er sich ab und verlie� die Vaterpatrone. Irgend etwas bei seinem Plan w�rde schiefgehen � es mu�te einfach dazu kommen. Niemand konnte ein so komplexes Aufeinandertreffen so vieler verschiedener Streitm�chte initiieren, ohne da� scheinbare Nebens�chlichkeiten �bersehen wurden. Soweit er es aber zu sagen vermochte, waren die Jaezred Chaulssin gut vorbereitet. Je l�nger er die todbringenden Man�ver seiner Verb�ndeten und seines Hauses geheimhalten konnte, desto gr��er waren seine Erfolgsaussichten.</p><p>Vielleicht sollte ich Andzrel ermutigen, mich zum F�hrer der Sp�her dieser Expedition zu machen, �berlegte Nimor. Immerhin war es unn�tig, den Baenre mit unn�tigen Berichten �ber Armeen auf dem Vormarsch zu behelligen.</p><empty-line/><p>Die Dunkelelfen des Hauses Jaelre erwiesen sich als mi�trauische und unh�fliche Gastgeber. Ryld hatte erwartet, man w�rde sie in irgendeine Art von Audienzsaal f�hren, wo sie mit der Matriarchin des Clans zusammengetroffen w�ren, um sie zu bestechen, zu bedrohen oder einfach zu �berreden, ihnen ein Gespr�ch mit Priester Tzirik zu gestatten. Nichts dergleichen war geschehen. Da sie sich weigerten, ihre Waffen abzulegen, dr�ngten die Jaelre-Drow die Gruppe in einen kleinen, nicht mehr benutzten Wachraum, von dem aus einst das Haupttor der Burg �berwacht worden war.</p><p>�Ihr werdet hier warten, bis Tzirik beschlie�t, Euch zu empfangen�, erkl�rte die Frau, die die Wache befehligte. �Wenn Ihr versucht, diesen Raum zu verlassen, dann werden wir das als Zeichen von feindseligen Absichten werten und Euch sofort angreifen.�</p><p>�Wir sind Abgesandte einer m�chtigen Stadt�, konterte Quenthel. �Da� Ihr uns so schlecht behandelt, kann f�r Euch gef�hrlich werden.�</p><p>�Ihr seid Sklaven Lolths, und wahrscheinlich seid Ihr auch Spione und Saboteure�, gab die Frau zur�ck. �Lolth hat hier keine Macht, spinnenk�ssendes Mistst�ck.�</p><p>Sie schlo� und verriegelte die eiserne T�r, ehe Quenthel eine angemessene Erwiderung einfiel, obwohl die wilde Erregung der Schlangenk�pfe ihrer Peitsche erkennen lie�, wie gro� ihre Wut war.</p><p>�Sollen wir hier eingeschlossen bleiben wie P�bel, der im Schuldturm einsitzt?� knurrte Jeggred. �Ich h�tte Lust ...�</p><p>�Noch nicht, Jeggred�, konterte Quenthel.</p><p>Sie ging w�tend auf und ab, ihr Mund bewegte sich in lautloser Wut. Es war der blanke Zorn, der Quenthel diese Energie verlieh. In einem kleinen Raum eingeschlossen zu sein, ohne da� sie ihrer Wut freien Lauf lassen konnte, w�rde f�r sie alle schwierig werden.</p><p>Danifae sah ihr einen Moment lang zu, dann legte sie beschwichtigend die Hand auf den Arm der Baenre.</p><p>�Was willst du?� herrschte die Priesterin sie an.</p><p>�Euer Eifer ist bewundernswert�, sagte Danifae. �Aber ich bitte Euch. Wir m�ssen geduldig sein.� Sie schirmte ihre H�nde ab, so gut es ging, und f�gte an: <emphasis>Wir k�nnten beobachtet werden.</emphasis></p><p>�Das ist ein wichtiger Punkt, Quenthel�, stimmte Pharaun ihr bei. �Ihr wollt sicher keinen Kampf mit den Leuten beginnen, derentwegen wir gekommen sind. Eure schroffen Worte und Euer stolzes Gehabe machen sich in Arach-Tinilith besser als vor der Haust�r einer anderen G�ttin.�</p><p>Quenthel wirbelte so hastig herum, um Pharaun einen eisigen Blick zuzuwerfen, da� Danifae sie festhalten mu�te. Danifae selbst sah Pharaun giftig an, Verachtung verzerrte ihre h�bschen Z�ge.</p><p>�Still, Pharaun�, herrschte die Kriegsgefangene ihn an. �Eure Arroganz und endlosen Sticheleien sind in Sorcere besser aufgehoben. Wenigstens hat die Herrin die Kraft ihrer �berzeugung. Ihr dagegen habt nur Euren Zynismus.�</p><p>Danifae betrachtete Quenthels Gesicht und l�chelte.</p><p>�Spart Euch Eure Wut f�r sp�ter auf�, redete die Kriegsgefangene leise auf sie ein. �Sicher wird die G�ttin zufriedener sein, wenn Ihr die Ungl�ubigen zur Rechenschaft zieht, nachdem sie ihren Nutzen verloren haben, anstatt die Werkzeuge zu zerst�ren, die n�tig sind, um ihr zu dienen.�</p><p>Quenthel entspannte sich. Sie atmete tief durch, dann nahm sie an einem Holztisch Platz, auf dem ein Krug mit Wasser stand.</p><p>�Nun gut�, hauchte sie. �Wir werden warten, was geschieht.�</p><p>Aus Rylds Erfahrung kam Quenthels Verhalten dem Eingest�ndnis, da� sie im Irrtum war, so nahe, wie es nur m�glich war. Da sonst nichts zu tun war, lie� sich die Gruppe nieder, um darauf zu warten, was die Jaelre mit ihnen vorhatten.</p><p>Stunden verstrichen. Die Nacht wich einem bedeckten Morgen, der nahtlos in einen grauen, regnerischen Nachmittag �berging.</p><p>Ryld betrachtete aufmerksam die Teile der Burg, die er durch die schmalen Schlitzen gleichen Fenster sehen konnte, und kam zu dem Schlu�, da� die Minauth-Feste nicht halb so heruntergekommen war, wie es zun�chst ausgesehen hatte. Die Jaelre hatten einen Gro�teil des alten Baus wiederhergestellt, allerdings das Erscheinungsbild unver�ndert gelassen.</p><p>Als das Warten schlie�lich unertr�glich wurde, lehnte sich der Waffenmeister im Schneidersitz an eine Wand der Kammer und lie� sich in eine leichte Trance gleiten. Splitter lag � aus der Scheide gezogen � quer auf seinem Scho�, damit die Klinge griffbereit war, sollte er sie dringend ben�tigen.</p><p>Die Nacht setzte bereits wieder ein, als er aus seiner Trance gerissen wurde, da dreimal so kr�ftig gegen die Eisent�r geschlagen wurde, da� es in der kleinen Kammer dumpf widerhallte. Dann wurde aufgeschlossen, und die Hauptm�nnin vom Abend zuvor kam herein, gefolgt von mehreren Jaelre-Wachleuten.</p><p>�Hohepriester Tzirik will Euch sehen�, erkl�rte sie. �Ihr sollt Eure Waffen ablegen. Der Magier mu� einverstanden sein, da� ihm die Daumen zusammengebunden werden, und der Draegloth mu� Fesseln tragen.�</p><p>�Das werde ich nicht�, knurrte Jeggred. �Wir sind keine Gefangenen, die in Ketten vor Euren Herrn gezerrt werden. Warum sollten wir das f�r Euch tun, wenn Euch die Kraft fehlt, uns dazu zu zwingen?�</p><p>�Ihr kamt zu uns, D�monenbrut�, sagte die Hauptm�nnin.</p><p>�Herrin?� fl�sterte Danifae.</p><p>Ohne den Blick vom Gesicht der Befehlshaberin abzuwenden, zog Quenthel ihre Peitsche. Sie wog sie einen Moment lang in der Hand, als �berlege sie, was sie tun sollte. Dann aber warf sie sie in die Ecke.</p><p>�Yngoth, bewache unsere Waffen�, sagte sie zu einer der Vipern. �T�te jeden, der sich in unserer Abwesenheit mit unseren Sachen befassen will. Jeggred, du l��t dich fesseln. Pharaun, Ihr auch.�</p><p>Ryld seufzte und legte Splitter auf den Boden, um die Klinge dann weit genug zu treten, da� sie in Reichweite von Quenthels Vipern landete. Valas legte seine Kukris ab, w�hrend Pharaun das Gesicht verzog, vortrat und die H�nde ausstreckte. Ein Jaelre band seine Daumen mit fester Kordel zusammen, eine Vorsichtsma�nahme, die es ihm sehr schwierig machen w�rde, jene komplexen Gesten und Bewegungen zu beschreiben, die f�r viele seiner Zauber notwendig waren. Jeggreds gro�e obere Arme, die in den geschwungenen Klauen ausliefen, wurden aneinandergekettet, w�hrend man seine kleineren, humanoiden Arme nicht band.</p><p>Der Draegloth knurrte.</p><p>�Still, Neffe�, sagte Quenthel, dann wandte sie sich der Jaelre-Hauptm�nnin zu. �Bringt uns zum Priester.�</p><p>Die Frau nickte ihren M�nnern zu, die ihre Schwerter zogen und eine enge Phalanx rings um die Menzoberranzanyr bildeten. Vom Wachraum aus wurden sie tiefer in die Feste gef�hrt und in einen gro�en Saal gebracht, der als Schrein f�r Vhae-raun, den maskierten Gott, eingerichtet worden war. Ryld sah sich interessiert den Tempel an, da er noch nie einen Ort besucht hatte, der einer anderen Gottheit als Lolth gewidmet war. Am anderen Ende des Saals, gegen�ber dem Eingang, hing eine gro�e Halbmaske von der Gr��e eines Turmschilds an der Wand. Das Symbol war aus Kupfer geschaffen, zwei schwarze Scheiben stellten die Augen dar.</p><p>Zwei M�nner warteten auf sie. Der eine war jung und trug eine schwarze R�stung, die seine muskul�se Brust betonte. An seinem G�rtel hing ein geschwungenes Kukri, um seinen Arm war eine kleine gr�ne Natter geschlungen. Sein linkes Bein war mit Eisen und Leder geschient, und er bewegte sich steif. Der andere war ungew�hnlich klein und st�mmig, hatte breite Schultern und einen kahlen Kopf. Er trug einen Brustpanzer aus schwarzem Mithral und einen zeremoniellen Schleier aus schwarzer Seide.</p><p>�Die Besucher, Herr�, sagte die Hauptm�nnin.</p><p>Der verschleierte Priester betrachtete sie eingehend, doch was in ihm vorging, blieb ungewi�, da der d�nne Stoff verhinderte, da� man sein Mienenspiel sehen konnte.</p><p>�Valas! So wahr ich lebe und atme�, rief er dann. �Das nenne ich eine �berraschung. Wir haben uns bestimmt seit �ber f�nfzig Jahren nicht mehr gesehen!� Einen Moment lang z�gerte er, dann trat er vor und klopfte dem Sp�her von Bregan D�aerthe auf die Schulter. �Es ist viel zu lange her, alter Freund. Wie geht es?�</p><p>�Tzirik�, sagte Valas Hune und erwiderte das L�cheln. Auf seinem sonst so m�rrischen Gesicht zeichnete sich pl�tzlich eine v�llig ungewohnte Freude ab. Er nahm die Hand des Priesters und sch�ttelte sie. �Wie ich sehe, hast du doch noch diese R�ckkehr erreicht, von der du immer gesprochen hast!� sprach er und sah sich im Saal um. �Was deine Frage angeht, wie es mir geht, nun, dazu werden einige Erkl�rungen erforderlich sein.�</p><p>Tzirik betrachtete die Versammelten.</p><p>�Ein Meister Sorceres�, sagte der Priester, �und ein Meister Melee-Magtheres.�</p><p>�Pharaun Mizzrym, ein erfahrener Magier�, erkl�rte Valas, �und Meister Ryld Argith, ein Waffenmeister mit gro�em Geschick.�</p><p>�Meine Herren, wenn Valas f�r Euch b�rgt, dann seid Ihr in der Minauth-Feste willkommen�, erkl�rte er, doch seine Miene verh�rtete sich, als sein Blick zu den anderen weiterwanderte.</p><p>�Der Draegloth ist Jeggred�, sagte Valas Hune, �ein Spro� des Hauses Baenre. Die niedere Priesterin ist Danifae Yauntyrr, eine hochwohlgeborene Dame von Eryndlyn, j�ngst eine Kriegsgefangene. Die F�hrerin unserer Gruppe ist ...�</p><p>�Hohepriesterin Quenthel Baenre�, fiel sie ihm ins Wort. �Herrin Arach-Tiniliths, Meisterin der Akademie, Meisterin Tier-Breches, erste Schwester des Hauses Baenre aus Menzoberranzan.�</p><p>�Ah�, meinte Tzirik. �Wir haben selten mit solchen von Eurem Glauben zu tun, und erst recht nicht mit einer Priesterin, die so viele beeindruckende Titel besitzt.�</p><p>�Ihr werdet feststellen, da� ich mehr als nur Titel besitze, Priester�, erwiderte Quenthel.</p><p>Tziriks Gesicht war mit einem Schlag wie versteinert.</p><p>�Lolth mag in Euren vergrabenen St�dten herrschen�, sagte er, �aber hier in der Nacht der Oberfl�chenwelt ist Vhaeraun der Herr.� Er wandte sich um und wies auf den verkr�ppelten Mann hinter ihm. �Im Interesse der gegenseitigen H�flichkeit m�chte ich Euch meinen Vetter vorstellen, Jezz aus dem Hause Jaelre.�</p><p>Der j�ngere Mann kam angehumpelt.</p><p>�Ihr seid weit weg von zu Hause, Menzoberranzanyr�, sagte er heiser. �Das hat Euch das Leben gerettet. Die Spinnenk�sser, mit denen wir streiten, kommen aus Maerimydra, ein paar Kilometer s�dlich von hier. Aber Menzoberranzanyr sind wir schon seit langem nicht mehr begegnet.�</p><p>Er lachte leise, da er offenbar irgend etwas als sehr witzig empfand. Auch Tzirik l�chelte, doch seine Augen zeigten, da� er nicht am�siert war.</p><p>�Jezz bezieht sich auf die Ironie der Tatsache, da� wir selbst auch Menzoberranzanyr sind oder es vor langer Zeit zumindest einmal waren. Vor fast genau f�nfhundert Jahren befahl die weise und g�tige Matrone Baenre, unser Haus solle zerst�rt werden, weil wir uns gleich zweier Perversionen schuldig gemacht hatten, weil unser Haus von M�nnern gef�hrt wurde und weil wir den maskierten Gott anbeteten. Viele meiner Verwandten starben schreiend in den Verliesen der Burg Baenre. Von denen, die die Flucht wagten, starben viele mehr in den langen und entbehrungsreichen Jahren des Exils in den einsamen Weiten des Unterreichs. Ihr m��t verstehen, wie ironisch es ist, da� sich ausgerechnet eine Baenre in unsere H�nde begibt. Auch wenn sich sonst nichts aus der Angelegenheit ergibt, die dich hergef�hrt hat, Valas, werde ich dir daf�r dankbar sein.� Er kam n�her und verschr�nkte die kr�ftigen Arme. �Warum seid Ihr hier?�</p><p>Quenthel verzog keine Miene. �Ihr m��t f�r uns mit Vhae-raun in Verbindung treten und Eurem Gott einige Fragen f�r uns stellen. Wir sind bereit, gut zu bezahlen.�</p><p>Tzirik hob die Brauen.</p><p>�Ist das wahr? Warum sollte Vhaeraun wollen, da� ich das f�r Euch mache?�</p><p>�Ihr werdet erfahren, was uns zu Euch gebracht hat, und Ihr werdet erfahren, was Euer Gott dar�ber wei�.�</p><p>�Ich k�nnte Euch auch einige Jahre lang foltern und w�rde es auch so erfahren�, erwiderte Tzirik. �Oder ich k�nnte mich einverstanden erkl�ren, Eure Fragen an den maskierten Gott weiterzuleiten, Euch aber nicht die Antworten sagen.�</p><p>�Das mag sein�, gab Quenthel zur�ck. �Allerdings glaube ich, Euch zeigen zu k�nnen, da� wir alles andere als wehrlos sind, auch wenn wir unsere Waffen nicht bei uns tragen. Ehe wir es darauf ankommen lassen, sollten wir doch versuchen, eine Einigung zu erzielen.�</p><p>�Sie blufft�, bemerkte Jezz. �Warum sollen wir uns mit diesen geifernden Kreaturen abgeben? Verschont Euren Freund, aber t�tet die Priesterin.�</p><p>�Geduld, Jezz. Daf�r haben wir sp�ter noch Zeit�, erkl�rte Tzirik, ging ein St�ck weiter und sah dann wieder zu Quenthel. �Was wollt Ihr wissen?�</p><p>Quenthel straffte die Schultern und sah dem Priester in die Augen, ohne mit der Wimper zu zucken.</p><p>�Wir wollen wissen, was mit Lolth geschehen ist�, antwortete sie dann. �Die G�ttin verweigert uns unsere Zauber, und das nun schon seit Monaten. Da wir nicht auf die Magie zur�ckgreifen k�nnen, mit der sie uns normalerweise versorgt, fehlen uns die M�glichkeiten, sie direkt zu fragen.�</p><p>�Eure G�ttin stellt Euch auf die Probe�, sagte Tzirik und begann zu lachen. �Sie h�lt Eure Zauber zur�ck, um zu sehen, wie lange Ihr ihr treu bleibt.�</p><p>�Das dachten wir auch�, fuhr Quenthel fort. �Aber das w�hrt nun schon fast vier Monate, und wir k�nnen nur zu dem Schlu� kommen, da� wir die Antwort selbst suchen sollen.�</p><p>�Warum wollt Ihr das einen Priester Vhaerauns fragen?� warf Jezz ein. �Die Priesterinnen einer benachbarten Stadt sollten sich dazu �berreden lassen nachzuforschen.�</p><p>�Auch sie haben den Kontakt zur G�ttin verloren�, antwortete Danifae. �Ich kam aus Ched Nasad, wo wir das gleiche Schweigen der G�ttin erfuhren wie die Priesterinnen Menzoberranzans. Wir haben Grund zu der Annahme, da� sich alle Drow-St�dte des Unterreichs mit der gleichen Situation konfrontiert sehen. Lolth spricht zu niemandem, weder zu Drow noch zu niederen Rassen.�</p><p>�Das w�rde erkl�ren, warum sich die Maerimydra zur�ckzogen�, sagte Jezz leise. �Wenn ihre Priesterinnen machtlos sind, dann d�rften sie mit ihren eigenen Problemen so besch�ftigt sein, da� sie uns unbehelligt lassen.�</p><p>�Die Fakten w�rden passen�, erwiderte Tzirik, der sich Pharaun zuwandte. �Was ist mit Euren vielgepriesenen Magiern? Konnten sie nicht D�monen und Teufel in Scharen rufen, damit sie die Frage nach dem Schweigen Lolths beantworteten? War kein Erkenntniszauber m�glich?�</p><p>�Wir mu�ten feststellen, da� die infernalischen M�chte kaum mehr wu�ten als wir�, erwiderte Pharaun. �Wie es scheint, hat Lolth den Kontakt zu benachbarten Ebenen des Abgrunds unterbrochen und die Grenzen ihres Reiches gegen andere Kr�fte geschlossen.� Er hob die H�nde und beschrieb eine knappe, sich selbst herabw�rdigende Geste. �Jedenfalls entnahm ich das den Berichten meiner Kollegen, die sich mit der Sache befa�ten. Ich konnte es pers�nlich nicht, weil der Erzmagier mich angewiesen hatte, keine solchen Wesen heraufzubeschw�ren, da mir ansonsten ein besonders grotesker und dementsprechend schmerzhafter Tod droht.�</p><p>Tzirik studierte die Menzoberranzanyr, dann schritt er hin�ber zu Jezz, um sich mit ihm zu beraten. Die beiden Jaelre unterhielten sich leise, w�hrend die Menzoberranzanyr warteten. Ryld beobachtete verstohlen die Wachen, die in der N�he standen, und �berlegte, wie er eine von ihnen entwaffnen konnte, um selbst in den Besitz einer Waffe zu gelangen, wenn die Umst�nde das erfordern sollten. Er trug nach wie vor seinen von Zwergen geschaffenen Brustpanzer und war recht sicher, da� es ihm gelingen w�rde, einem der Wachleute die Hellebarde zu entrei�en, ehe man ihn durchbohren konnte. Es mochte allerdings sinnvoller sein, mit dem Messer, das in seinem G�rtel steckte, Pharauns Fesseln durchzuschneiden, ehe er andere Schritte unternahm.</p><p>Er wurde in seinen �berlegungen gest�rt, als Tzirik und Jezz zur Gruppe zur�ckkehrten.</p><p>�Ich werde f�r Euch Vhaeraun anrufen�, erkl�rte der Hohepriester der Jaelre, �nicht zuletzt auch, weil ich selbst wissen will, was Lolth plant. Allerdings d�rfte es nur gerecht sein, wenn ich daf�r eine Gegenleistung erwarte. Immerhin habt Ihr Euch an mich gewandt. Daher werde ich mich erst an Vhaeraun wenden, wenn Ihr Eure Aufgabe erf�llt habt.�</p><p>�Gut�, murrte Quenthel. �Was wollt Ihr?�</p><p>�Drei Tage westlich von hier befinden sich die Ruinen Myth Drannors, einst die Hauptstadt des Elfenreichs Cormanthyr�, sagte Tzirik. �Im Verlauf unserer Erkundung dieser Ruinen sind wir zu der Ansicht gelangt, da� ein Buch mit geheimem und dementsprechend m�chtigem Wissen � das Geildirion von Cimbar � in der geheimen Bibliothek des Turms eines Magiers verborgen sein mu�, der nur noch eine Ruine ist. Wir ben�tigen das Wissen, das sich im Geildirion befindet, denn es wird uns helfen, die alten magischen Schutzzeichen zu beherrschen, die unsere seit langem verschwundenen Vettern von der Oberfl�che �ber ihr Reich gelegt haben. Bedauerlicherweise werden die Ruinen der Stadt von D�monen, Teufeln und Scheusalen aller Art heimgesucht, und der Turm selbst ist das Zuhause eines ungew�hnlich starken Betrachter-Magus. Wir haben zwei Expeditionen zum Turm entsendet, doch der Betrachter vernichtete oder vertrieb unsere Sp�her v�llig m�helos. Ich will nicht noch mehr Leben aus meinen eigenen Reihen aufs Spiel setzen, dennoch w�re ich sehr gern im Besitz dieses Buches. Da Ihr offenbar das Beste seid, was Menzoberranzan zu bieten hat, k�nnt Ihr vielleicht dort erfolgreich sein, wo unsere Krieger bislang scheiterten. Bringt mir das Geildirion, und ich werde Vhaeraun fragen, was es mit Lolths Schweigen auf sich hat.�</p><p>�Wird erledigt�, erkl�rte Quenthel. �Gebt uns einen F�hrer, der uns den Weg weist, dann holen wir Euch das Buch.�</p><p>Jezz lachte. �Ihr w�rdet vielleicht nicht so schnell Euer Einverst�ndnis geben, wenn Ihr w��tet, wie gef�hrlich der Betrachter wirklich ist. Ihr werdet selbstverst�ndlich Unterst�tzung bekommen.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Bei Anbruch der Nacht kam Seyll in Begleitung einer jungen Drow und einer blassen jungen Elfe zu Halisstra. Die Priesterin Eilistraees war unter ihrem gr�nen Mantel ger�stet und mit einem Langschwert an der H�fte bewaffnet. Sie trug hohe Lederstiefel und hatte ein kleines P�ckchen unter einem Arm.</p><p>�Es regnet�, sagte sie, als sie die Zelle betrat, �aber unsere �lteren Priesterinnen sagen, es wird sp�ter aufklaren, wenn der Mond aufgegangen ist. Heute nacht werden wir der G�ttin huldigen.�</p><p>Halisstra stand auf, soweit ihre Ketten das zulie�en.</p><p>�Ich werde Eilistraee nicht huldigen�, erkl�rte sie.</p><p>�Ihr m��t Euch nicht beteiligen. Ich biete Euch lediglich Gelegenheit, uns zuzusehen und Euch ein Urteil zu bilden. Ihr habt mich herausgefordert, Euch zu demonstrieren, da� meine G�ttin weder grausam noch eifers�chtig ist, und ich bin bereit, es Euch zu beweisen.�</p><p>�Zweifellos werdet Ihr mich mit einem Zauber belegen, um mich zu �berzeugen�, erwiderte Halisstra. �Glaubt ja nicht, ich lie�e mich so einfach t�uschen.�</p><p>�Niemand wird versuchen, Magie auf Euch zu wirken�, erwiderte Seyll. Sie legte ihr B�ndel ab und packte es aus. Darin befanden sich eine gro�e, lederbezogene Kiste, Stiefel sowie ein Mantel, der ihrem recht �hnlich war. �Ich habe Euch Eure Leier mitgebracht, da ich hoffe, Ihr w�rdet uns mit einem Lied beehren, wenn Euch danach ist.�</p><p>�Ich hege Zweifel daran, da� Euch <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Lieder wirklich gefallen werden�, meinte Halisstra.</p><p>�Das werden wir schon sehen. Ihr seid nun seit drei Tagen hier gefangen, und ich biete Euch eine Gelegenheit, Eure Zelle zu verlassen.�</p><p>�In die ich sofort zur�ckgebracht werde, wenn Ihr damit fertig seid, mich wegen Eurer G�ttin zu tyrannisieren.�</p><p>�Wie wir bereits besprochen haben, m��t Ihr F�rst Dessaer nur Eure Anwesenheit erkl�ren, um freigelassen zu werden�, erkl�rte Seyll geduldig. Sie holte einen Schl�sselbund hervor und hielt ihn Halisstra vors Gesicht. �Xarra und Feliane hier sollen mir helfen, Euch heute sicher zur Zeremonie und zur�ck zu eskortieren. Aber ich f�rchte, ich mu� darauf bestehen, da� Eure H�nde gefesselt bleiben.�</p><p>Halisstra sah zu den beiden anderen Frauen, die unter ihren M�nteln ebenfalls ein Kettenhemd sowie ein Schwert trugen. Sie hatte keine gro�e Lust, sich ein sinnloses Ritual zu Ehren Eilistraees anzusehen, doch Seyll bot ihr tats�chlich Gelegenheit, ihre Zelle zu verlassen. Schlimmstenfalls w�rde Seylls Aufmerksamkeit keine Sekunde nachlassen, und es w�rde sich keine Gelegenheit f�r einen Fluchtversuch ergeben. Im besten Fall w�rden Seyll oder die anderen Klerikerinnen einen Fehler machen, aus dem Halisstra Kapital schlagen konnte.</p><p>So oder so w�rde sich f�r sie die Gelegenheit ergeben, die Stadt und den sie umgebenden Wald etwas genauer auszukundschaften, was wichtig sein konnte, wenn sie irgendwann sp�ter einen Fluchtversuch unternehmen w�rde, und diese Chance konnte sich jederzeit ergeben.</p><p>�Nun gut�, lenkte sie ein.</p><p>Seyll nahm Halisstra die Fesseln ab und half der Melarn-Priesterin in die Winterkleidung und den Mantel, den sie ihr mitgebracht hatte. Dann band sie eine feste silberne Schnur um Halisstras H�nde, anschlie�end machte sich die kleine Gruppe durch die Verliese des Palastes auf in eine kalte, regnerische Nacht.</p><p>Elfenbaum war weder eine richtige Stadt noch ein Au�enposten oder ein Lager, sondern etwas, das sich zwischen all diesen Kategorien bewegte. Eingest�rzte Mauern aus wei�em Stein durchzogen die Siedlung und lie�en erkennen, wo sich die alten W�lle und ausladenden Pl�tze einer recht gro�en Stadt an der Oberfl�che befunden hatten, doch das meiste war im Laufe vieler Jahre v�llig zerfallen. Viele der urspr�nglichen Geb�ude waren nur noch leere H�llen, andere dagegen schienen von den gegenw�rtigen Bewohnern der Stadt �bernommen worden zu sein. Sie hatten die Au�enmauern mit Holz oder Zeltplanen �berzogen und aus den einst stolzen alten Bauwerken bescheidene und vor�bergehende Behausungen f�r die Waldbewohner gemacht. Gro�e, knorrige B�ume erhoben sich aus dem aufgerissenen Pflaster uralter Burgh�fe, viele Geb�ude hatten ihren Platz ein deutliches St�ck �ber dem Boden in den gewaltigen �sten und waren durch leicht schwankende Stege aus silbernem Seil und wei�en Planken miteinander verbunden. Eine Handvoll Geb�ude der Stadt befand sich noch weitestgehend im Originalzustand.</p><p>Halisstra erkannte, da� man sie unter einem alten Wachturm gefangengehalten hatte. Auf der gegen�berliegenden Seite des Platzes erhob sich zwischen den B�umen ein eleganter Palast, der vom schwachen Schein hunderter Laternen beleuchtet wurde. Sie vermutete, da� es sich um F�rst Dessaers Palast handelte. Aus der Ferne erklangen Ges�nge und Gel�chter.</p><p>Die Priesterinnen Eilistraees f�hrten Halisstra �ber einen alten Boulevard, auf dem sie bald die Stadt verlassen hatten und in den dunklen, verregneten Wald gelangten. Eine Zeitlang marschierten sie schweigend durch die Nacht, die einzigen Ger�usche waren ihre leisen Schritte auf dem Waldboden und das st�ndige Prasseln des Regens, das nach einer Weile tats�chlich nachzulassen begann. Die Wolkendecke ri� stellenweise auf und lie� hin und wieder einen Stern am Nachthimmel blinken.</p><p>Halisstra hatte die Oberfl�chenwelt bislang ausgehalten, auch wenn sie allzugern auf vieles davon verzichtet h�tte. Doch sie lenkte sich ab, indem sie heimlich an den Knoten des Seils nestelte, das ihre H�nde band, w�hrend sie gleichzeitig ihre Begleiterinnen im Auge behielt und hoffte, sie w�rden in ihrer Wachsamkeit endlich ein wenig nachlassen. Xarra, die Drow, ging voran, Feliane bildete die Nachhut, w�hrend Seyll dicht bei Halisstra blieb, auch wenn sie manchmal ein paar Schritte schneller war oder sich zur�ckfallen lie�.</p><p>�Wohin bringt Ihr mich?� fragte Halisstra nach einiger Zeit, da der Marsch noch immer kein Ende nahm.</p><p>�An einen Ort, den wir den tanzenden Stein nennen�, antwortete Seyll. �Es ist f�r Eilistraee ein heiliger Ort.�</p><p>�Der Wald sieht f�r mich immer gleich aus�, sagte Halisstra. �Wie k�nnt Ihr einen Teil vom anderen unterscheiden?�</p><p>�Wir kennen diesen Weg gut�, erwiderte Seyll. ��brigens sind wir nicht allzuweit von der Stelle entfernt, an der wir Euch und Euren Gef�hrten zum ersten Mal begegneten. Sie haben Euch im Stich gelassen, und seit jener Nacht sahen wir sie auch nicht wieder.�</p><p>Halisstra trank einen Schluck, um das L�cheln zu verbergen, das �ber ihre Miene huschte. Die abtr�nnige Priesterin hatte einen Fehler gemacht und es nicht einmal gemerkt. Wenn sie nicht weit von dem Gebiet entfernt war, in dem man sie gefa�t hatte, dann sprach einiges daf�r, da� sie von dort aus den Anweisungen aus Pharauns Vision folgen konnte und Chancen hatte, die Jaelre-Drow ausfindig zu machen. Egal, was sie in dieser Nacht noch bewerkstelligte � es war schon jetzt lohnenswert gewesen, sich auf diesen Ausflug einzulassen.</p><p>Sie erreichten einen tosenden Flu�, in dessen Bett zahlreiche gro�e Findlinge verstreut lagen. Xarra �berquerte ihn zuerst, wobei sie leichtf��ig von Stein zu Stein sprang und am anderen Ufer weiter durch den Wald ging. Seyll folgte ihr, da sie einige Schritte vor Halisstra ging, den Blick auf den tr�gerischen Pfad gerichtet. Halisstra wollte ihr folgen. Das Wasserrauschen war laut, obwohl der Flu� recht seicht und schmal war. Der Mond verschwand hinter den Wolken und tauchte den Wald in Finsternis.</p><p>Halisstra witterte ihre Gelegenheit.</p><p>Sie sprang auf den ersten, dann auf den zweiten Stein im Wasser und blieb abrupt stehen, als w�ge sie den n�chsten Schritt ab. Anstatt aber schlie�lich weiterzugehen, stimmte sie mit tiefer Stimme ein <emphasis>Bae�qeshel-Lied</emphasis> an, das vom Rauschen des Stroms �bert�nt wurde. Seyll ging unger�hrt weiter, die Elfe Feliane hinter Halisstra blieb stehen und wartete, da� sie den Flu� �berquerte.</p><p>Es war schwierig, da ihre H�nde gefesselt waren � wenngleich auch nur locker �, doch die Macht des Zaubers lag in Halisstras Stimme, nicht in ihren H�nden. Just als Feliane die Geduld verlor und herzusprang, um ihr zu helfen, wandte sich Halisstra um und richtete ihre roten Augen auf das blasse Gesicht des M�dchens.</p><p><emphasis>�Angardh xorr � feleal�</emphasis>, zischte sie. �Feliane, w�rdet Ihr Euer Schwert ziehen und mich von diesen l�stigen Fesseln befreien? Ich f�rchte, ich k�nnte sonst falsch auftreten und fallen.�</p><p>Der Zauber hatte die junge Priesterin m�helos in seinen Bann geschlagen. Mit ausdrucksloser Miene zog sie blank.</p><p>�Nat�rlich�, murmelte die Elfe geistesabwesend.</p><p>Vorsichtig zog sie den Stahl �ber die Schnur um Halisstras Handgelenke und durchtrennte sie. Halisstra sah �ber die Schulter zu Seyll und achtete darauf, da� sie mit ihrem K�rper verdeckte, was Feliane tat.</p><p>�Stimmt etwas nicht?� rief Seyll.</p><p>�Antwortet nicht�, fl�sterte Halisstra. Sie hielt die H�nde so zusammen, als sei sie noch immer gefesselt, und drehte sich zu der Priesterin um. �Augenblick!� rief sie. �Ich bin mit gefesselten H�nden nicht so sicher auf den Beinen. Der n�chste Fels wirkt etwas rutschig.�</p><p>Seyll sah auf den Strom, dann kam sie zur�ck und sprang von einem Stein zum anderen, bis sie bei Halisstra und Feliane war. Halisstra drehte sich um und sah zu Feliane, die hinter ihr stand und ihr Schwert gez�ckt hielt.</p><p>�Feliane�, s�uselte sie. �Darf ich mir einen Augenblick Euer Schwert ausleihen?�</p><p>Die Frau runzelte kurz die Stirn, da sie wom�glich tief in ihrem von dem Zauber umnebelten Verstand erkannte, da� etwas nicht stimmte, dennoch �bergab sie das Heft ihres Schwerts an Halisstra. Die nahm die Klinge, wobei sie wieder so stand, da� Seyll nichts sehen konnte.</p><p>�Hier�, sagte Seyll. Die Priesterin Eilistraees war auf dem n�chsten Findling angekommen und streckte eine Hand aus. �Fa�t meinen Arm, dann kann ich Euch st�tzen.�</p><p>Halisstra wirbelte mit der Schnelligkeit einer Katze herum und bohrte Felianes Schwert unterhalb Seylls ausgestrecktem Arm tief in deren K�rper. Die Priesterin schnappte entsetzt nach Luft und brach sofort zusammen. Sie verlor den Halt und fiel von dem moosbedeckten Felsblock in den kalten Strom, bis sie an den Stein gelehnt bis zur H�fte im str�menden Wasser sa�.</p><p>Halisstra zog das Schwert zur�ck und wandte sich wieder Feliane zu, die sie einfach fassungslos anstarrte.</p><p>�Seyll ist verletzt�, fuhr Halisstra sie an. �Lauft nach Elfenbaum, um Hilfe zu holen! Los!�</p><p>Die blasse Elfe brachte nur ein hastiges Nicken zustande, dann machte sie kehrt und rannte los. Halisstra sprang weiter von Stein zu Stein ans andere Ufer und eilte den Pfad entlang. Xarra, die j�ngere Drow-Priesterin, tauchte aus dem Wald am Flu�ufer auf, um nachzusehen, wodurch die anderen aufgehalten wurden. Es war bemerkenswert, wie schnell Xarra die Lage erfa�te, da sie nur einen Blick brauchte, um die Armbrust zu heben und zu zielen.</p><p>Halisstra machte einen Satz zur Seite und drehte sich gleichzeitig, so da� Xarras Gescho� sie verfehlte, wenn auch so knapp, da� sie sp�rte, wie der Pfeil �ber ihren Mantel glitt.</p><p>�Du hast mich verfehlt�, knurrte Halisstra.</p><p>Xarra warf die Armbrust weg und griff nach dem Schwert, doch noch bevor sie die Klinge �berhaupt aus der Scheide hatte ziehen k�nnen, war sie bereits tot, da Halisstra ihr die Kehle zerfetzt hatte. Die richtete sich auf und betrachtete mit rasendem Herz die Leiche. Neben ihr rauschte der Strom unver�ndert laut, die Luft roch nach Regen und nassem Laub.</p><p>Was nun? �berlegte sie.</p><p>Ihr geliebtes Kettenhemd, der Streitkolben und die Armbrust waren allesamt in Elfenbaum in F�rst Dessaers Hand, und so sehr sie ihr Hab und Gut auch wieder an sich nehmen wollte, war es unwahrscheinlich, da� ihr das ohne die Unterst�tzung der Menzoberranzanyr gelingen w�rde. Das beste w�rde sein, sich so gut wie m�glich zu bewaffnen, Seylls und Xarras Proviant an sich zu nehmen und sich dann auf die Suche nach den Jaelre zu machen. Mit ein wenig Gl�ck w�rde sie sie finden, ehe Dessaers Leute sie eingeholt hatten.</p><p>Halisstra schob sich das Schwert unter den G�rtel und wagte sich wieder in den Flu� hinaus, um nachzusehen, ob Seyll etwas N�tzliches bei sich trug. Sie sprang in den kalten Flu� und trat neben die Priesterin Eilistraees, hob sie hoch und legte sie zur�ck auf den Findling, um sich ihre Ausr�stung besser ansehen zu k�nnen. Die R�stung war eindeutig magisch, und das galt auch f�r den Schild �ber ihrer Schulter und das Schwert an ihrem G�rtel. Halisstra �ffnete das Kettenhemd, entschlossen, es Seyll auszuziehen.</p><p>Seylls Augen flackerten, sie st�hnte leise: �Halisstra ...�</p><p>Halisstra wich erschrocken zur�ck und kam sich sch�big vor, jemanden seiner Habseligkeiten zu berauben, der noch gar nicht wirklich tot war. Sie sah nach unten und betrachtete ein Blutrinnsal, das aus Seylls Wunde ins sch�umende Wasser des Flusses lief. Der Atem der Priesterin klang feucht und flach, helle Blutspritzer waren auf ihren Lippen zu sehen.</p><p>�Ich hoffe, Ihr werdet mir vergeben, aber ich brauche Eure Waffen und Eure R�stung. Ihr werdet bald tot sein�, f�gte Halisstra an. �Ich habe mich entschlossen, Eure gro�z�gige Einladung auszuschlagen, heute nacht Eure Beobachterin zu sein, da ich anderswo etwas Wichtigeres zu tun habe.�</p><p>�Die ... anderen?� keuchte Seyll.</p><p>�Xarra war so nett, schnell und ohne sperrige Konversation zu sterben. Das M�dchen von der Oberfl�che habe ich bezaubert und in den Wald geschickt.�</p><p>Halisstra �ffnete Seylls Schwertgurt und zog ihn ihr ab, dann legte sie ihn weit au�erhalb der Reichweite der sterbenden Drow. Anschlie�end widmete sie sich den Verschl�ssen der R�stung.</p><p>�Ich bewundere zwar Eure Entschlossenheit, mich vor mir selbst zu retten, Seyll, doch ich kann nicht glauben, da� Ihr dies nicht als einen wahrscheinlichen Ausgang Eurer Bekehrungsversuche erkannt habt.�</p><p>�Ein Risiko, ... das einzugehen ... wir alle bereit sind�, brachte Seyll heraus. �Niemand ist unrettbar.� Sie murmelte noch etwas und versuchte, Halisstra zu stoppen, doch die Melarn-Priesterin schlug einfach ihre H�nde weg.</p><p>�Ein unn�tiges Risiko. Lolth hat Euch durch meine Hand f�r Eure Untreue bestraft�, sagte Halisstra. Sie zog Seyll die Stiefel aus und �ffnete die Verschl�sse ihrer Beinkleider. �Sagt, war es das wert, den Weg zu gehen, den Ihr gingt, um nun eines kalten und sinnlosen Todes in diesem schrecklichen Wald zu sterben?�</p><p>Zu Halisstras �berraschung fand Seyll tats�chlich noch die Kraft zu l�cheln.</p><p>�Ob es das wert war? Bei ... bei meiner Seele, ja.� Sie lie� den Kopf in den Nacken sinken und sah Halisstra ins Gesicht. �Ich ... habe noch Hoffnung f�r Euch�, fl�sterte sie. �Sorgt Euch ... nicht ... um mich. Mir ... wird ... vergeben.�</p><p>Ihre Augen schlossen sich ein letztes Mal, und der rasselnde Atem stoppte.</p><p>Halisstra hielt einen Moment inne. Sie hatte Zorn und Ablehnung, vielleicht sogar Angst oder Schm�hung erwartet ... aber Vergebung? Welche Macht besa� die Dunkle Maid �ber die, die sie anbeteten, da� die selbst im Tod noch einen Segen f�r ihren Feind hatten?</p><p>Seyll hat sich von Lolth abgewandt, sagte sie sich, und durch mich hat die Spinnenk�nigin Rache ge�bt. Dennoch starb Seyll ruhig und gelassen, als sei sie mit dem Ende Ihres Lebens f�r immer Lolth entkommen.</p><p>�M�ge die Spinnenk�nigin sich Eurer Seele annehmen�, sprach sie zu der toten Priesterin, doch sie zweifelte daran, da� Lolth das tun w�rde.</p><empty-line/><p>�Ein rascher Vorsto� ist f�r uns der sicherste Weg zum Sieg�, sagte Andzrel Baenre, der zu den versammelten Priesterinnen sprach.</p><p>Nimor stand ein St�ck neben ihm und beobachtete den Waffenmeister der Baenre, einer von einer Handvoll M�nner, die eingeladen worden waren, um sich mit den versammelten Frauen zu beraten. Alle gro�en sowie stolze sechzehn kleinere H�user waren in der �berhastet zusammengestellten Armee der Schwarzen Spinne vertreten, die ihren Namen dem Banner verdankte, unter dem sie marschierte. Fast drei�ig Hohepriesterinnen � mindestens eine von fast jedem Haus, dazu mehrere von ein und demselben Haus � waren im gro�en Kommandopavillon versammelt, den die Baenre zur Verf�gung gestellt hatte. Jede von ihnen belauerte Andzrel wie eine Wildkatze, w�hrend sie je nach Rang lagen, sa�en oder standen. Solange auch nur eine Hohepriesterin stehen mu�te, war es einem Mann verboten, sich zu setzen.</p><p>�Wir f�hren rund viertausend Drow-Soldaten und zweitausendf�nfhundert Sklaven-Soldaten in die Schlacht. Allen Berichten zufolge d�rften wir es daher in der St�rke mit der Duergar-Armee aufnehmen k�nnen, die sich von S�den n�hert, aber es ist nat�rlich nicht unsere Absicht, den Duergar in einem fairen Kampf zu begegnen.� Das Wort �fair� sorgte f�r herzhafte Lacher. Andzrel bediente sich eines schmalen Stocks, um die Aufmerksamkeit auf eine Karte zu lenken, die mit Tinte auf Roth�-Fell gezeichnet worden war. �Wir k�nnen eine Armee aufhalten, die deutlich gr��er ist als unsere, indem wir den Ort ausw�hlen, an dem wir uns ihr entgegenstellen werden. Der Punkt, an dem wir den Duergar-Vormarsch stoppen werden, sind die S�ulen des Leids.�</p><p>�Vorausgesetzt, ich entscheide, da� Euer Plan aussichtsreich ist, meint Ihr�, sagte Mez�Barris Armgo vom Haus Barrison Del�Armgo gedehnt. �Triel Baenre mag Eurem Urteil trauen, aber ich denke lieber f�r mich selbst.�</p><p>Die Muttermatrone des Zweiten Hauses war eine gro�e, starke Frau, und als hochrangigste Priesterin hatte sie damit praktisch das Kommando �ber die gesamte Truppe. Jedes Haus hatte einige Priesterinnen beigesteuert, die im Kampf den Befehl �ber ihre Kontingente f�hrten und die von nicht reinbl�tigen Akolyten �ber Erste T�chter bis hin zu Muttermatronen reichten. Waffenmeister wie Andzrel und andere M�nner � darunter Nimor in seiner Rolle als Zhayemd Dyrr � befehligten Trupps, Kompanien und Schwadronen und nahmen sich der unendlich zahlreichen kleinen Dinge an, die notwendig waren, um die Armee von Menzoberranzan zu organisieren.</p><p>�Mein Vetter vertritt die Ansichten des Hauses Baenre, Matrone Mez�Barris�, kr�chzte Zal�therra Baenre. �Matrone Triel unterst�tzt den Schlachtplan des Waffenmeisters.�</p><p>Als oberste von Triel Baenres Basen sah Zal�therra der zierlichen Muttermatrone des Hauses Baenre nicht �hnlich. Sie war gro� und breitschultrig, eine st�mmige Frau mit einem bemerkenswerten Ma� an k�rperlicher Kraft und einem schroffen, einsch�chternden Auftreten. Sie und Mez�Barris waren einander k�rperlich durchaus �hnlich, doch die Muttermatrone des Hauses Del�Armgo verf�gte �ber eine brillante, geh�ssige Verschlagenheit, die in der Baenre-Priesterin kein Pendant fand. Mez�Barris hatte ihre roten Augen auf die j�ngere Frau gerichtet, erwiderte aber nichts.</p><p>Andzrel wu�te, da� er den Mund zu halten hatten, wenn zwei Frauen stritten. Er wartete ab, bis einen Moment lang Stille herrschte, dann fuhr er fort.</p><p>�Hier liegt Rhazzts Dilemma�, sagte er, �von wo Hauptmann Zhayemd von Agrach Dyrr gestern morgen die Duergar-Vorhut meldete. Es liegt etwa vierzig Kilometer s�dlich der S�ulen des Leids, am unteren Ende der Schlucht. Im schlimmsten Fall m�ssen wir damit rechnen, da� die Duergar den Au�enposten st�rmen und sich sp�ter am heutigen Tag dort Zutritt zu verschaffen versuchen. Mit etwas Gl�ck wird es morgen dazu kommen. Duergar sind ausdauernde Soldaten, die den ganzen Tag marschieren k�nnen. Allerdings sind sie langsam, au�erdem wird ihre Armee durch einen langen Versorgungszug und schwere Belagerungsmaschinen zu einem noch langsameren Tempo gezwungen. Der Aufstieg aus der Schlucht wird schwierig. Es scheint, als k�nnten sie schlimmstenfalls in f�nf Tagen die S�ulen erreichen, vermutlich aber erst in sieben oder acht Tagen.�</p><p>�Woher wissen wir, da� die Duergar den Au�enposten nicht schon �berrannt haben?� warf eine Priesterin von Tuin�Tarl ein.</p><p>�Das wissen wir nicht, Herrin. Die Magier und Kleriker der Duergar st�ren unsere Versuche, die n�here Umgebung auszusp�hen, was bei einer solchen Kriegsf�hrung eine �bliche Taktik darstellt.� Andzrel nickte Nimor zu und f�gte an: �Darum ist es so wichtig, einen Trupp guter Sp�her zusammenzustellen, damit wir mit weltlichen Mitteln herausfinden k�nnen, was unseren Magiern versagt bleibt. Zhayemd von Agrach Dyrr hat den Befehl �ber die Aufkl�rer.�</p><p>Andzrel wartete einen Moment, um zu sehen, ob eine der Priesterinnen noch etwas wissen wollte, dann fuhr er fort: �Auf jeden Fall reist unsere Armee schneller als die der Grauzwerge, au�erdem ist unser Weg viel leichter zu bew�ltigen. Ich gehe davon aus, da� wir die S�ulen des Leids in drei bis vier Tagen erreicht haben werden. Wenn wir den oberen Ausgang aus der Schlucht kontrollieren, werden die Duergar nie unsere Verteidigung durchbrechen k�nnen. Wie Ihr seht, ist das ganze eine Art Wettlauf, darum sollten wir so schnell wie m�glich vorr�cken.�</p><p>�Welchen Plan habt Ihr f�r die Schlacht, Zal�therra?� fragte eine andere Priesterin, bei der es sich um die Herrin des Hauses Xorlarrin handelte.</p><p>Nimor l�chelte angesichts der Bemerkung. Zal�therra war eindeutig von Triel instruiert worden, sich auf die Ratschl�ge des Waffenmeisters ihres Hauses zu verlassen, was die Planung der Schlacht betraf, doch die Hohepriesterin redete nat�rlich, als sei Andzrel gar nicht anwesend.</p><p>�Andzrel wird den Plan vorstellen�, erwiderte die Baenre-Priesterin, als h�tte sie soeben jede Einzelheit erkl�rt und �berlasse es nun ihm, den anderen ihre Genialit�t zu beweisen.</p><p>Wenn der Waffenmeister das bemerkt hatte, lie� er es sich zumindest nicht anmerken.</p><p>�Wir richten eine starke und gut verankerte Linie quer �ber die �ffnung der Schlucht ein. Ein paar hundert Mann sollten daf�r ausreichen, doch wir stellen tausend auf. Die �brigen Soldaten bleiben als Reserve zur�ck, um zudem in der n�heren Umgebung kleinere G�nge und umliegende H�hlen zu sichern.� Andzrel legte seinen Stock weg und wandte sich den Priesterinnen zu. Sein Gesicht war ausdruckslos, doch in seinen Augen funkelte es entschlossen. �Mein Plan ist es, die Duergar bis zu uns vorr�cken zu lassen, um sie dann zwischen den S�ulen des Leids zu zerschlagen. Wenn sie sich an uns aufgerieben haben, werden wir sie in die Schlucht zur�ckjagen und sie und ihre Helfer in St�cke hauen.�</p><p>�Was, wenn die Duergar gar nicht bei den S�ulen den Kampf suchen?� fragte Mez�Barris direkt an Andzrel gerichtet.</p><p>�Die Duergar fallen in unser Land ein, Muttermatrone, also sind sie es, die handeln m�ssen. Wenn sie sich entschlie�en, sich nicht bis zu den S�ulen vorzuwagen, werden wir den l�ngeren Atem haben. Unsere Nachschubwege sind k�rzer als ihre. Nach wenigen Tagen bleibt ihnen keine andere Wahl, als zwischen Vormarsch und R�ckzug zu entscheiden.�</p><p>Mez�Barris betrachtete die Karte und dachte �ber Andzrels Antwort nach.</p><p>�Nun gut�, sagte sie. �Ich will sehen, wie schnell wir den Punkt erreichen k�nnen, der Euch vorschwebt. Marschiert pro Tag zwei Stunden l�nger. Wenn wir die S�ulen des Leids in drei Tagen erreichen, sollte uns genug Zeit bleiben, um uns auszuruhen. Ich will, da� die schnellsten unserer Truppen zu den S�ulen vorsto�en, nur um sicherzugehen. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht in eineinhalb Tagen einige hundert Sp�her an dieser Schlucht haben sollten. Wenn Ihr uns nun entschuldigt, ich will mit meinen Priesterinnenschwestern diskutieren, wie wir im kommenden Konflikt unsere Talente am besten einsetzen k�nnen.�</p><p>Andzrel deutete eine Verbeugung an und zog sich zur�ck. Nimor ging neben dem Waffenmeister her, als sie von einer Handvoll weiterer Offiziere begleitet den schwarzen Pavillon verlie�en. Das Zelt stand in einem weiten, runden Tunnel, der mit Soldaten und Packechsen �berf�llt war. Ein Banner stand neben dem anderen, die Truppen erstreckten sich so weit, wie man in dem Tunnel sehen konnte.</p><p>�Zhayemd�, sagte Andzrel. �Ich will, da� Ihr das Kommando �ber unsere Vorhut �bernehmt, so wie es Muttermatrone Del�Armgo vorgeschlagen hat. Nehmt Eure Kavallerie aus Agrach Dyrr und bewegt Euch morgen und �bermorgen so schnell vorw�rts, wie Ihr k�nnt. Unser Mangel an Informationen �ber diese Duergar macht mich nerv�s. Ich lasse Euch von einigen anderen Reitern begleiten, damit Ihr �ber eine schlagkr�ftige Truppe verf�gt, die notfalls den Pa� verteidigen kann.�</p><p>�Ich mu� mich mit unserer Hohepriesterin besprechen�, erwiderte Nimor, auch wenn er nicht die Absicht hatte, das zu tun. Der Waffenmeister, der immer noch unter dem m�chtigen, dauerhaften Zauber Nitnors stand, w�rde ihm dennoch vertrauen. �Ich glaube allerdings, da� sie den Vorschlag mittragen wird.�</p><p>�Gut�, erwiderte Andzrel, als sie das Baenre-Lager erreichten. Er schlug Nimor auf die Schulter. �Wenn Ihr die Duergar irgendwo entdeckt, wo sie nicht hingeh�ren, meldet es mir. Ich will nicht, da� Ihr irgendwelche Dummheiten macht. Ihr seid die Augen unserer Armee.�</p><p>Nimor l�chelte und sagte: �Keine Sorge. Ich werde nichts dem Zufall �berlassen.�</p><p>Jezz der Lahme kauerte ein wenig schief im Schatten einer eingest�rzten Mauer und sah �ber einen kleinen Platz zu einem gro�en runden Turm, der nur einen Steinwurf weit entfernt war.</p><p>�Da�, sagte er. �Der Turm des Betrachters. Eine kurze Treppe f�hrt hinauf zu der T�r, von der wir beim letzten Mal herausfinden konnten, da� sie nicht abgeschlossen, aber mit t�dlichen magischen Fallen gesichert ist. Im oberen Teil seht ihr mehrere kleine Fenster, die m�glicherweise gro� genug sind, da� ein kleiner Drow sich hindurchzw�ngen kann. Das haben wir noch nicht versucht.�</p><p>Ryld, der hinter dem Jaelre kauerte, beugte sich vor, um sich selbst ein Bild zu machen. Der Turm sah weitestgehend so aus, wie Jezz ihn beschrieben hatte, und war von den Ruinen Myth Drannors umgeben. Nachdem sie mit Pharauns Magie die Reise zur alten Elfenhauptstadt schneller bew�ltigt und dann einige Stunden Rast gemacht hatten, um sich vorzubereiten, war die Gruppe den gr��ten Teil der Nacht damit befa�t gewesen, sich durch die Ruinen zu k�mpfen.</p><p>Myth Drannor war kaum mehr als ein gro�es Tr�mmerfeld wei�en von B�umen und Ranken �berwucherten Steins, doch einst war es mehr gewesen. Es war wohl nie so ausladend wie Menzoberranzan oder so infernalisch pomp�s wie Ched Nasad gewesen, doch seine Eleganz und Sch�nheit konnten es mit den prachtvollsten Beispielen der Drow-Architektur aufnehmen, wenn nicht gar sie ausstechen.</p><p>Ryld warf einen behutsamen Blick zu den Hausd�chern.</p><p>�Keine Anzeichen f�r Teufel�, sagte er. �Vielleicht haben wir genug von ihnen get�tet, da� sie nun entschieden haben, uns in Ruhe zu lassen.�</p><p>�Unwahrscheinlich�, schnaubte Jezz. �Sie haben sich zur�ckgezogen, um den n�chsten Angriff zu organisieren. Sie warten auf die Ankunft m�chtigerer Scheusale, ehe sie es wieder versuchen.�</p><p>�Dann sollten wir die Pause nutzen, um das zu tun, weshalb wir hergekommen sind�, meinte Quenthel, die ebenfalls nach vorn kam, um den Turm zu betrachten. �Ich sehe nichts, was mich zu einer �nderung unseres Plans veranlassen sollte. Wirkt Euren Zauber.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Quenthel�, erwiderte Pharaun. �Ich mu� allerdings sagen, da� ich nicht v�llig seiner Meinung bin, was die Strategie der ...�</p><p>W�tende Blicke der Mitglieder der Truppe lie�en Pharaun verstummen, ehe er seinen Protest ausgesprochen hatte. Er seufzte und winkte ab. �Meinetwegen.�</p><p>Er richtete sich auf und sprach sorgf�ltig die Worte seines Zaubers, von denen jede einzelne Silbe mit magischer Kraft erf�llt war. Eine schwer fa�bare Woge schien �ber Ryld und die anderen hinwegzurollen. In ihrem Zug f�hlte Ryld, wie Kraft und Schnelligkeit aus seinen Gliedma�en wichen. Splitter schien in seiner Hand an Gewicht zuzunehmen, die Klinge wirkte pl�tzlich matt. Ryld war kein Magier, doch wie jeder f�hige Drow hatte er sich �ber die Jahre bei verschiedenen magischen Objekten und bei Zaubern bedient, um schneller und st�rker zu werden, um seine R�stung zu h�rten und seine Waffen t�dlicher zu machen. Pharauns Zauber lie� vor�bergehend in der n�heren Umgebung jede Magie verschwinden, so da� Ryld keinen Zauber wirken konnte. Den anderen Drow ging es genauso. Am seltsamsten wirkte der Zauber auf Quenthels schreckenerregende Peitsche, deren Schlangen eben noch gezischt und gezuckt hatten und die nun vom Schaft der Waffe baumelten, als seien sie tot.</p><p>�Bleibt dicht bei mir, wenn Ihr in Reichweite des Zaubers bleiben wollt�, sagte Pharaun.</p><p>Er leckte sich nerv�s die Lippen. In der antimagischen Zone, die er soeben geschaffen hatte, war es nicht m�glich, Magie zu wirken, und auch alle Schutzzauber und magischen Gegenst�nde hatten ihre Wirkung verloren. Er hob die Armbrust, mit der anderen Hand lockerte er den Sitz des Dolches in der Scheide.</p><p>�Ich komme mir vor, als w�rde ich mit einem K�chenmesser gegen einen Drachen antreten�, murmelte er.</p><p>Ryld klopfte ihm auf die Schulter und stand auf. Er steckte Splitter weg und griff nach seiner eigenen Armbrust.</p><p>�Mag sein, aber dein Zauber zieht dem Drachen die Z�hne�, erwiderte er.</p><p>�Vorr�cken�, wies Quenthel sie an.</p><p>Sie schien sich selbst nicht recht wohlzuf�hlen. Offenbar gefiel ihr die Reglosigkeit ihrer Waffe nicht. Ohne auf die anderen zu warten, eilte sie auf den Hof und st�rmte die Stufen zur T�r des Turms hinauf. Die anderen folgten ihr, mu�ten aber wegen des Lichtscheins des anbrechenden Tages die Augen zusammenkneifen. Ryld blieb hinter der Gruppe und beobachtete aufmerksam die Stra�en und Mauern, ob irgendwo ein Hinweis darauf zu erkennen war, da� sich die monstr�sen Bewohner Myth Drannors wieder auf dem Vormarsch befanden. Was sie jetzt �berhaupt nicht brauchen konnten, war eine Bande blutgieriger Teufel, die sie angriffen, solange sie ihre eigene Magie unterdr�ckten.</p><p>An der T�r zum Turm trat Quenthel zur Seite, um Jeggred Platz zu machen. Der h�nenhafte Draegloth trat vor und ri� die T�r auf, Mauerwerk br�ckelte und fiel auf die Stufen. Quenthel folgte ihm dichtauf, dann kamen Danifae und Valas. Ryld sah sich ein letztes Mal um und merkte, da� Jezz zur�ckblieb.</p><p>�Kommt Ihr nicht mit?� fragte er den Jaelre.</p><p>�Ich m�chte lieber Beobachter sein�, erwiderte Jezz. �Den Betrachter zu besiegen ist Eure Aufgabe, nicht meine. Wenn Ihr �berlebt, schlie�e ich mich Euch in wenigen Minuten an.�</p><p>Ryld warf ihm einen finsteren Blick zu, sprang dann aber in den Turm. Sie standen in einer Art Foyer, das von schwachen schr�gen Lichtstrahlen erhellt wurde, die durch �ffnungen in der Mauer einfielen. Am anderen Ende des Raumes gab es eine weitere T�r. Fr�her mu�te das Foyer ein prachtvoller und beeindruckender Saal gewesen sein, doch die Bodenkacheln waren zersprungen, dunkelgr�ner Schimmel hatte sich dort festgesetzt, und von den Bannern und Gobelins an den W�nden waren kaum noch mehr als ein paar Fetzen �brig. Pharaun trat n�her und betrachtete ein komplexes Symbol, das in einen Block am Fu�boden gepr�gt war. Das Emblem war etwas gr��er als seine Hand und bestand aus einer verwirrenden Vielzahl geschwungener Linien und Zeichen.</p><p>�Ein Symbol der Zwietracht�, stellte der Magier fest. �W�ren wir nicht von dem antimagischen Feld gesch�tzt, w�ren wir l�ngst in m�rderischer Wut �bereinander hergefallen ... aber daf�r brauchen wir wohl nicht extra ein Symbol, nicht wahr?�</p><p>�Der n�chste Raum?� fragte Ryld.</p><p>Jeggred hatte schon die T�r erreicht. Der Draegloth �ffnete sie und st�rmte hindurch, gefolgt von den anderen, die sich in einer runden Kammer wiederfanden, die dem Grund eines Brunnens �hnelte. Mehrere der �ber ihnen liegenden Stockwerke waren eingebrochen und bildeten am Grund einen Berg aus Schutt und Tr�mmern. Bruchst�cke, die gr��er als ein Drow waren, schr�nkten die Bewegungsfreiheit der Gruppe ein.</p><p>Ryld starrte in die Leere �ber ihnen und suchte nach Hinweisen auf das Monster, das hier auf sie lauern sollte. Die anderen taten es ihm nach, doch niemand konnte etwas sehen.</p><p>�Ich sehe keinen Betrachter�, stellte Jeggred fest.</p><p>Ryld wollte eben etwas erwidern, als von oben eine schreckliche, kr�chzende Stimme ert�nte: �Nat�rlich nicht! Ich will auch nicht gesehen werden!�</p><p>Unmittelbar darauf holte die Kreatur nach ihnen aus. Von irgendwo hoch �ber ihnen, nahe der Spitze der Turmruine, schossen grelle Strahlen magischer Energie � die t�dlichen Strahlen, die aus den Augen des Monsters drangen, konnten den Gegner verletzen, l�hmen, verzaubern oder gar ausl�schen � auf die Drow herab, gefolgt von einem gewaltigen blauen Blitz, den das unsichtbare Monster beschworen hatte. Ryld konnte die Quelle der Magie nicht erkennen.</p><p>Die Strahlen und der knisternde Stromschlag l�sten sich abrupt auf, als sie mit Pharauns magiefreier Zone in Ber�hrung kamen. Die Kreatur versuchte es ein weiteres Mal und schickte verschiedene Strahlen ebenso auf sie herunter wie einen gr��lichen Zauber, den sie in ihrer tiefen, dr�hnenden Stimme herausschrie, doch auch diesmal war ihr kein Erfolg beschieden.</p><p>Ryld hob die Armbrust und zielte auf den Punkt, von dem er meinte, er sei der Ausgangspunkt der Strahlen, dann feuerte er den Bolzen ab. Ein schmerzhaftes Kreischen weit oben verriet ihm, da� er gut gezielt hatte. Valas, Danifae und Pharaun er�ffneten auch das Feuer, w�hrend Jeggred einen gro�en Ziegelstein nahm und ihn erstaunlich geschickt in die Finsternis �ber ihnen schleuderte. Nat�rlich traf nur ein Teil des Sperrfeuers ins Ziel. Selbst wenn der Betrachter sichtbar gewesen w�re, sorgte seine dicke chitinartige Haut daf�r, da� viele Angriffe abgewehrt werden konnten. Um so schwieriger war es, die Kreatur zu treffen, wenn sie sich in Unsichtbarkeit h�llte. Dennoch landeten sie Treffer.</p><p>Der Betrachter-Magus verstand sehr schnell, welcher Art die Verteidigung der Gruppe war. Anstatt weiter direkt die Drow zu attackieren, richtete er seinen todbringenden Blick auf die �berreste der oberen Geschosse. Mit einem Augenstrahl brannte er sich durch den Fu� eines schweren Holztr�gers, der aus der Steinmauer des Turms ragte, mit einem anderen nahm er das St�ck in einen telekinetischen Griff, um dann das massive Objekt auf Valas Hune zu schleudern. Der Sp�her sprang noch gerade rechtzeitig zur Seite, damit er nicht von dem schweren Holzst�ck erschlagen wurde, verlor aber das Gleichgewicht und landete inmitten des Schutts. Staub erf�llte die Luft, w�hrend sich der Betrachter sofort den n�chsten Holztr�ger vornahm und gleichzeitig zu einem anderen Zauber ansetzte.</p><p>�Wir m�ssen weiter hochklettern�, sagte Quenthel. �Die Kreatur h�lt sich oberhalb von Pharauns Zauber auf.�</p><p>�Soll ich etwa springen?� fragte Pharaun. Er wich einem St�ck Mauerwerk von der Gr��e eines Kopfs aus, dann zielte er wieder mit der Armbrust. �Die Anti-Magie, die uns sch�tzt, hindert uns auch daran, zu fliegen oder zu schweben, um ...�</p><p>�Um Lolths willen!� rief Ryld. <emphasis>Zeichensprache!</emphasis></p><p>Valas eilte zur anderen Seite und versuchte, einen besseren Blick auf den Gegner zu bekommen. Der Sp�her zielte sorgf�ltig mit der Armbrust und schickte einen weiteren Pfeil empor. Der Betrachter stie� einen schrecklichen Schrei aus, dann erloschen die Augenstrahlen, und der Regen aus Tr�mmerst�cken setzte aus.</p><p><emphasis>Der Betrachter hat sich auf die n�chste unbesch�digte Etage zur�ckgezogen,</emphasis> bedeutete Valas. <emphasis>Wir m�ssen uns hinaufbegeben, wenn wir ihn zu packen bekommen wollen.</emphasis></p><p>Ryld studierte aufmerksam die Innenw�nde der Turmruine. Es fehlten vielleicht vier der unteren Stockwerke, wonach sich �ber der Decke, die sie von unten sehen konnten, noch zwei oder drei Geschosse befinden mu�ten. Grob gesch�tzt waren gut achtzehn Meter H�henunterschied zu �berwinden, und das Mauerwerk war alt und besch�digt. Ein erfahrener Kletterer konnte die �berreste der Pfeiler nutzen, die urspr�nglich einmal die unteren Stockwerke abgest�tzt hatten, doch es war nichts, was er gerne versucht h�tte.</p><p><emphasis>Ich will nicht klettern,</emphasis> erwiderte er.</p><p><emphasis>Ich auch nicht,</emphasis> f�gte Danifae an. Die <emphasis>Kreatur wei�, da� wir von Anti-Magie gesch�tzt werden. Erwartet sie, da� wir den Zauber auf geben, um zu ihr zu kommen?</emphasis></p><p>�Vielleicht�, meinte Pharaun. Auf einen stechenden Blick Rylds hin bedeutete er: <emphasis>Man fragt sich, ob wir uns dieser Situation vielleicht intensiver h�tten widmen sollen, ehe wir die Aufgabe annahmen, die die Jaelre uns damit gaben.</emphasis></p><p>Wie die anderen bewegte sich auch Pharaun vorsichtig zwischen dem Schutt und den Tr�mmern hin und her, den Blick nach oben gerichtet.</p><p>Der Magier legte den Kopf in den Nacken, dann rief er: �Hallo! Betrachter! Da wir uns in einer Art Patt befinden, w�rt Ihr zu einer Verhandlung bereit?�</p><p>Quenthel sch�umte.</p><p>�Sprecht Ihr f�r uns, Magier?� raunte sie ihm zu.</p><p>Von weit oben ert�nte die tiefe, rauhe Stimme. �Verhandlung? Warum? Ihr seid in mein Heim eingedrungen, ihr Narren!�</p><p>�Pharaun ...�, setzte Quenthel an.</p><p>�Ihr habt ein Buch, das wir wollen�, erwiderte der Magier und ignorierte die Hohepriesterin. �Es ist das Geildirion von Cimbar. Gebt es uns, dann lassen wir Euch in Ruhe.�</p><p>Der Betrachter verstummte und schien �ber das Angebot nachzudenken. H�tten Quenthels Blicke t�ten k�nnen, dann h�tte in diesem Moment Pharauns letztes St�ndlein geschlagen. Doch sie schwieg so wie die anderen und wartete darauf, was der Betrachter sagen w�rde.</p><p>�Dieses Buch ist �u�erst wertvoll�, erwiderte das Gesch�pf nach einer Weile. �Ich werde es nicht hergeben, nur weil eine Welpe von Drow das von mir verlangt. Zieht Euch zur�ck, dann werde ich Euch verschonen.�</p><p>Quenthel schnaubte. �Als h�tten wir etwas anderes erwarten k�nnen.� Sie machte eine knappe Geste, damit die anderen ihre Aufmerksamkeit auf sie richteten. Dann bedeutete sie: <emphasis>Bei drei wird Pharaun den Zauber aufheben. Danifae und Ryld � Ihr werdet nur nach oben folgen. Pharaun, wenn wir die halbe Strecke zur�ckgelegt haben, werdet Ihr Euch und Jeggred auf die Etage dar�ber teleportieren und das Monster hinterr�cks angreifen, da es darauf konzentriert sein wird, den Turm zu halten. Valas, Ihr bleibt hier und gebt uns mit dem Bogen R�ckendeckung. Kommt so schnell wie m�glich hoch, wenn wir dort sind.</emphasis> Quenthel machte sich nicht die M�he, weitere Einzelheiten ihres Plans zu erl�utern. Statt dessen begann sie zu z�hlen.</p><p><emphasis>Eins</emphasis> ... <emphasis>zwei ... drei!</emphasis></p><p>Pharaun machte eine Geste und hob die Wirkung der Anti-Magie auf. Sofort sp�rte Ryld, wie die arkane Macht seines G�rtels, seiner Handschuhe und seines Schwertes wieder in seinen Leib str�mte. Er zog Splitter aus der Scheide und stieg im Schacht empor, wobei er sich des Levitationszaubers bediente, der in sein Emblem Melee-Magtheres eingebunden war. Mit ein wenig Gl�ck w�rde die F�higkeit des Schwertes, Zauber zunichte zu machen, ihn vor dem schlimmsten bewahren, was der Betrachter-Magus ihnen entgegenschleudern w�rde.</p><p>Quenthel und Danifae stiegen neben ihm auf, und gemeinsam waren sie drei schwarze, elegante Gestalten, die durch die Finsternis glitten. Pharaun trat zu Jeggred und sah der Gruppe zu, eine Hand auf dem wei�en Fell der Schulter des Draegloth.</p><p>An einer Seite der Decke war eine runde �ffnung zu sehen, die zum Teil von den Resten einer alten Treppe versperrt wurde, die einst im Turm nach oben und unten gef�hrt hatte. Ryld sp�hte zu der �ffnung und rechnete jeden Moment mit wei�gl�hendem Tod.</p><p>Der Betrachter-Magus entt�uschte ihn nicht.</p><p>Ein grellgr�ner Strahl zuckte auf, den er mit Hilfe von Splitter abwehren konnte. Ein Kribbeln ging durch das Heft des Zweih�nders, als er den heimt�ckischen Strahl unsch�dlich machte. Neben ihm schrie Danifae auf und wich einem gewaltigen Blitz aus, der einen Bogen beschrieb, um alle drei Elfen zu versengen. Zur�ck blieb der Gestank von Ozon und verkohltem Holz.</p><p>Pfeile zischten von unten an Ryld vorbei, da Valas Hune wieder auf den unsichtbaren Feind feuerte. Ryld brummte trotzig und zwang sich, schneller aufzusteigen. Ein weiterer Zauber traf Quenthel, eine Art Gegenzauber, der ihren Levitationszauber wirkungslos werden lie�. Sie ruderte mit den Armen und st�rzte ab. Ryld versuchte noch, sie zu packen, doch die Baenre war nicht nahe genug gewesen. Nach einem Sturz von gut zw�lf Metern schlug Quenthel wie ein herabfallender Meteor in den Tr�mmerhaufen ein und verschwand in einer Staubwolke.</p><p>�Steigt weiter auf!� rief Danifae. �Wir haben es fast geschafft.�</p><p>Der Betrachter-Magus mu�te zur gleichen Erkenntnis gelangt sein, denn einen Sekundenbruchteil sp�ter nahm eine Barriere aus dickem Eis Gestalt an und versiegelte den oberen Teil des Turms, w�hrend die Drow darunter nicht weiter aufsteigen konnten.</p><p>�Verdammt!� fluchte Ryld.</p><p>Danifae funkelte die Barriere an und �berlegte: �Vielleicht k�nnen wir ...�</p><p>Da tauchte Jezz der Lahme am Fu� des Turms auf. Er wirbelte herum und schleuderte einen Zauber auf die T�r, die daraufhin zuschlug.</p><p>�Was immer Ihr da tut, kommt zum Ende!� rief der Jaelre. �Die Teufel sind mit Verst�rkung zur�ck!�</p><p>Ryld sah nach oben zu der Eisschicht, die sie von der Turmspitze trennte, dann wieder nach unten auf den mit Tr�mmern �bers�ten Boden. Quenthel lag halb begraben zwischen den Mauerst�cken und regte sich nicht. Zauber sorgten �ber der Eisdecke f�r Unruhe und waren ein gutes Zeichen daf�r, da� Pharaun und Jeggred ihren Gegner gefunden hatten. Aber die von der Kreatur geschaffene Barriere sorgte daf�r, da� die Gruppe geteilt worden war. Wenn sie aufgaben, w�rde der Betrachter-Magus Gelegenheit bekommen, seine Angreifer einen nach dem anderen auszul�schen, doch Quenthel war bereits tot oder doch wohl zumindest schwerverletzt.</p><p>�Hoch�, entschied Ryld. �Umkehren f�hrt zu nichts. Valas, Jezz, k�mmert euch um Quenthel!�</p><p>Er hatte die leuchtend wei�e Decke erreicht und versuchte, mit Splitter die Eisschicht zu bearbeiten, da die Klinge die F�higkeit besa�, Zaubern entgegenzuwirken. Rasiermesserscharfe Eissplitter platzten von der Stelle ab, die er getroffen hatte, doch es gelang Splitter nicht, die Magie des Betrachters aufzuheben. Ryld fluchte und versuchte es ein weiteres Mal, erneut ohne Erfolg.</p><p>Unter ihnen h�rte man, wie von au�en versucht wurde, die T�r zum Turm einzurennen. Valas Hune schulterte seinen Bogen und eilte �ber den Schutt zu der Stelle, an der Quenthel aufgeschlagen war.</p><p>Jezz der Lahme brummte etwas Unverst�ndliches und wirkte einen Zauber, der daf�r sorgte, da� das Foyer mit einem Gewirr aus klebrigen Spinnf�den durchzogen wurde. Er sprach stumm einen anderen Zauber, dann stieg er in die Luft und lie� Valas Hune mit Quenthel am Boden zur�ck.</p><p>�Verge�t die Priesterin�, rief er Valas Hune zu. �Kommt, wenn Ihr leben wollt!�</p><p>Der Sp�her verzog frustriert das Gesicht.</p><p>�Ich kann nicht klettern und sie gleichzeitig tragen!� herrschte er Jezz an, w�hrend ein erneutes Anrennen gegen die T�r bewirkte, da� Holz absplitterte und sich die Eisen zu verbiegen begannen.</p><p>Einem weiteren Ansturm w�rde die T�r nicht standhalten k�nnen. Valas Hune sah nach oben in den Schacht, dann wieder zu Quenthel, die vor ihm lag. Er b�ckte sich und entfernte das Emblem des Hauses Baenre von ihrer Schulter. Die Schlangenk�pfe ihrer Peitsche zuckten, und Yngoth schnappte sogar nach ihm, doch Valas war schnell genug au�er Reichweite.</p><p>�Ich will eure Herrin retten�, br�llte er die Peitsche an, w�hrend er das Emblem an seiner Kleidung festmachte.</p><p>Der Sp�her n�herte sich und packte Quenthel unter den Armen, dann nutzte er die Macht ihrer Brosche, um sie vom Boden hochzuheben.</p><p>Unterdessen begutachtete Ryld weiter die Barriere, die ihm den Weg versperrte.</p><p>�Na gut�, murmelte er schlie�lich.</p><p>Er bewegte sich ein St�ck zur�ck und stie� sich an der Wand des Schachts ab, dann holte er mit Splitter f�r den kr�ftigsten Schlag aus, zu dem er f�hig war. Mit einem zornigen Aufschrei schlug er zu, jagte Splitters Klinge durch das magische Eis und h�rte auch dann noch nicht auf, als ihm verheerende kalte Wellen entgegenschlugen. Er ignorierte den Schmerz und holte wieder und wieder aus. Das Eis zersplitterte in Dutzende von St�cken, die zu Boden fielen. Ohne auf die anderen zu warten, schob sich Ryld durch die entstandene �ffnung und drang in die Lagerstatt des Betrachters vor.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Schon am ersten Tag nach dem Mord an Seyll begann Halisstra sich zu fragen, ob sie vielleicht besser bedient gewesen w�re, wenn sie sich den Eilistraee-Priesterinnen angeschlossen und einen �bertritt zu deren Glauben vorget�uscht h�tte. Diese Strategie h�tte sie zwar nicht wieder mit ihren Kameraden zusammengebracht, doch dann h�tte sie zumindest eine Unterkunft und etwas zu essen gehabt, und ihr w�re die M�glichkeit auf eine Gelegenheit geblieben, ihre Ausr�stung wieder an sich zu nehmen. So aber befand sie sich auf einem schier endlosen Marsch durch die eiskalten W�lder. Als die Morgend�mmerung anbrach, war der einzige Schutz, den sie finden konnte, eine kleine, feuchte H�hle, die von Findlingen von der Gr��e eines Drow und kahlen B�umen umgeben war. Zitternd legte sie den gestohlenen Rucksack ab und durchsuchte ihn in der Hoffnung, da� sie irgendeinen wichtigen Gegenstand oder etwas zu essen �bersehen hatte.</p><p>Seyll und ihre Anh�nger hatten eine Reise durch die Wildnis geplant, die kaum mehr als ein paar Stunden gedauert h�tte. Also f�hrten sie nur so viel Ausr�stung mit sich, wie Halisstra selbst eingepackt h�tte, w�re es ihre Absicht gewesen, zu einer bekannten H�hle zu gehen, die allenfalls ein paar Kilometer von Ched Nasad entfernt war, und erst recht hatten sie nichts ausgew�hlt, was der Flucht ihrer Gefangenen h�tte behilflich sein k�nnen.</p><p>Mit der Armbrust, die sie Xarra abgenommen hatte, und ihren <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Liedern hatte sie gute Chancen, jedes Wild zu erlegen, das ihr �ber den Weg lief, doch w�hrend ihrer stundenlangen Wanderung waren ein paar V�gel das einzige, was sie entdeckt hatte. Aber selbst wenn es ihr gelang, Beute zu machen, hatte sie keine M�glichkeiten, das Fleisch zu garen. Es war, als h�tte sich der Wald gegen sie verschworen.</p><p>Sie war einigerma�en sicher, da� sie nach der Flucht vor den Ketzern in westliche Richtung gegangen war. Wenn Seyll nicht gelogen hatte, als sie sagte, sie bef�nden sich nahe der Stelle, an der man Halisstra gefangengenommen hatte, konnte die Melarn-Priesterin h�chstens ein bis zwei Nachtm�rsche von dem kleinen Flu� entfernt sein, den Pharaun in seiner Vision beschrieben hatte. Da der Flu� vor ihr von S�den nach Norden verlief, konnte sie ihn nicht verfehlen, wenn sie sich weiter in westlicher Richtung bewegte.</p><p>Halisstra versuchte, sich an der Richtung zu orientieren, in der Sonne und Mond untergingen, wich davon aber ein wenig nach links ab, da sich beide zu dieser Jahreszeit etwas weiter s�dlich �ber den Himmel bewegten. Allerdings wu�te sie nicht, ob sie flu�auf- oder flu�abw�rts weiterziehen sollte, wenn sie den Strom erreichte, da sie nicht zu sagen vermochte, an welchem Punkt Pharaun und die anderen angekommen waren. Wenn sie es genau �berlegte, konnte sie nicht einmal sicher sein, ob sie den richtigen Flu� vor sich hatte, wenn sie ihn erreichte. In den letzten eineinhalb Tagen hatte sie ein gutes Dutzend kleiner B�che �berquert, und auch wenn sie bei keinem davon der Ansicht gewesen war, man d�rfe ihn als richtigen Flu� bezeichnen, fehlte ihr die Erfahrung mit der Oberfl�chenwelt, um sich dessen gewi� zu sein.</p><p>�Immer vorausgesetzt, ich laufe nicht seit Stunden im Kreis�, murmelte Halisstra.</p><p>Vielleicht war es sinnvoller, den Gedanken aufzugeben, die Jaelre zu finden, und statt dessen den k�rzesten Weg aus dem Wald zu suchen. Fr�her oder sp�ter w�rde sie bestimmt wieder auf irgendeine Zivilisation sto�en, und dort w�rde sie sich Essen und Vorr�te beschaffen � ganz gleich, ob sie darum betteln mu�te oder es sich einfach aneignete � und einen F�hrer �berreden, sie zu den Jaelre zu bringen.</p><p>Sie schlo� die Augen und stellte sich im Geiste die Karte Cormanthors und der umliegenden L�nder vor. Sie befand sich im �stlichen Teil des Waldes, das wu�te sie sicher. War es also am besten, nach Osten zu gehen, der aufgehenden Sonne entgegen? Dort gab es jedoch kaum etwas au�er der Menschensiedlung Eggental, wenn ihr geographisches Wissen sie nicht t�uschte. Oder war es besser, nach S�den zu wandern? In dieser Richtung gab es einige T�ler mehr, womit die Chancen besser standen, auf Zivilisation zu sto�en, auch wenn sie daf�r l�nger wandern mu�te, ehe sie den Wald verlassen konnte. Den Norden schlo� sie von vornherein aus, da sie sicher war, da� dort Elfenbaum lag. Es war jedoch egal, f�r welchen Weg sie sich entschied � sie w�rde zumindest vor�bergehend den Jaelre und damit ihrer Mission den R�cken kehren.</p><p>�Das w�re alles viel einfacher, wenn Lolth sich bequemen w�rde, auf meine Gebete zu reagieren�, grollte sie.</p><p>Als ihr klar wurde, was sie gesagt hatte, sah sie sich unwillk�rlich erschrocken um und hielt die Hand vor den Mund. Lolth sah es nicht gern, wenn ihre Anh�nger �ber sie klagten.</p><p>Sie verbrachte einen na�kalten und elenden Tag zusammengekauert zwischen den Felsbl�cken in ihrem kleinen Versteck, wo sie immer wieder mal f�r kurze Zeit in Trance abglitt. Mehr als einmal w�nschte sie sich, sie w�re geistesgegenw�rtig genug gewesen, um Feliane zu befehlen, sie zu den Jaelre zu f�hren. Wenigstens h�tte sie von ihr Mantel und Ausr�stung fordern sollen, ehe sie sie in den Wald schickte. F�rst Dessaers M�nner waren sicher l�ngst auf der Suche nach ihr, und wenn sie sie diesmal zu fassen bekamen, w�rden sie nicht noch einmal so gn�dig mit ihr verfahren. Doch Halisstra neigte ohnehin allm�hlich zu der Ansicht, eine schnelle Hinrichtung durch die Oberfl�chen-Elfen sei einem langsamen und einsamen Hungertod in diesem nicht enden wollenden Wald vorzuziehen.</p><p>Bei Anbruch der Nacht packte sie ihre Habseligkeiten zusammen und verlie� ihr Versteck. Sie stand im Wald, sah in die Richtung, die sie f�r Westen hielt, dann nach S�den und wieder gen Westen. Im S�den w�rde sie zwar leichter eine Siedlung von Menschen oder Oberfl�chenelfen finden, doch sie brachte es nicht �bers Herz, alle Hoffnung aufzugeben, je wieder mit ihren Kameraden zusammenzukommen. Es war besser, noch eine Weile in westlicher Richtung zu gehen, und wenn sie bei Tagesanbruch noch immer nicht den Flu� aus Pharauns Vision gefunden hatte, dann w�rde sie in Ruhe dar�ber nachdenken, ob sie es wirklich aufgeben sollte.</p><p>�Also nach Westen�, sagte sie zu sich selbst.</p><p>Ein paar Stunden ging sie durch den Wald und versuchte, den Mond zu ihrer Linken zu halten, auch wenn sie ihn mehr sp�rte als sah. Die Nacht war kalt, und am Himmel zogen d�nne Wolken vor�ber, die von einem heftigen Wind vorangetrieben wurden. Von diesem war aber am Waldboden nichts mehr zu sp�ren, da er es offenbar nicht schaffte, den Schutz durch die B�ume zu �berwinden. Im Wald selbst war es kalt und still, und nach den Ma�st�ben eines Bewohners der Oberfl�che war es stockfinster. Halisstra dagegen empfand das diffuse Mondlicht, das seinen Weg in die unteren Regionen des Waldes fand, als See auf leuchtenden silbernen Schatten. Sie blieb stehen, um den Himmel zu betrachten und festzustellen, ob sie sich von der Bahn des Mondes zu sehr vom Kurs abbringen lie�, als sie in der Ferne Wasserrauschen h�rte.</p><p>Leise ging sie weiter durch die Nacht, bis sie schlie�lich am Ufer eines breiten, flachen Stromes ankam, der sich seinen Weg �ber ein Flu�bett aus Kieseln bahnte.</p><p>�Ob er das ist?� fl�sterte sie.</p><p>Er erschien ihr breit genug, und er befand sich in etwa dort, wo sie ihn vermutet hatte � anderthalb Nachtm�rsche von dem Punkt, an dem man sie gefangengenommen hatte. Halisstra hockte sich hin und betrachtete das Gew�sser. Wenn sie die falsche Entscheidung traf, konnte sie dem Strom in irgendeine abgelegene, unbewohnte Region des Waldes folgen, wo sie vor Hunger und K�lte sterben w�rde. Auf der anderen Seite waren ihre Aussichten ohnehin nicht eben erfreulich, ganz gleich, wie sie sich entschied. Halisstra schnaubte, dann folgte sie dem Flu� zu ihrer Linken. Was hatte sie zu verlieren?</p><p>Sie legte gut anderthalb weitere Kilometer zur�ck, als das Marschieren und die kalte Luft ihren Hunger unertr�glich werden lie�en, so da� sie beschlo�, Halt zu machen und sich ein mittern�chtliches Mahl aus den sp�rlichen Vorr�ten zuzubereiten, die ihr noch verblieben waren. Sie nahm den Rucksack von den Schultern und sah sich um, als sie ein sonderbar schneidendes Ger�usch h�rte, das sich rasch n�herte. Ohne nachzudenken, warf sich Halisstra zu Boden, denn instinktiv hatte sie das Ger�usch l�ngst erkannt.</p><p>Zwei kleine Pfeile flogen an ihr vor�ber, einer bohrte sich in einen Baumstamm gleich hinter ihr, der andere verschwand in der Finsternis, nachdem er von ihrem gepanzerten �rmel abgeprallt war. Sofort rollte sie sich in den Schutz eines Baums und sang rasch einen Unsichtbarkeitszauber, da sie hoffte, so den Angreifern kein Ziel zu bieten. Dabei warf sie zuf�llig einen Blick auf den Pfeil, der im Stamm steckte. Er war klein, schwarz und mit roten Federn besetzt: ein Bolzen aus der Armbrust eines Drow!</p><p>Mehrere Angreifer pirschten heimlich n�her, den einzigen Hinweis auf ihre Anwesenheit lieferte das Rascheln der Bl�tter auf dem Waldboden oder ein gelegentliches leises Pfeifsignal. Halisstra erhob sich langsam, hielt sich aber im Schutz des Baumes.</p><p>Mit leiser Stimme rief sie: �Feuer einstellen. Ich trage die Waffen einer Eilistraee-Priesterin, die ich t�tete. Ich diene Lolth.�</p><p>In ihrer Stimme war eine Spur eines <emphasis>Bae�qeshel</emphasis>-Lieds zu h�ren, das ihren Worten eine unbestreitbare Ernsthaftigkeit verlieh.</p><p>Mehrere Drow n�herten sich ihr weiter, was sie am Rascheln im Unterholz erkannte. Dann sah Halisstra die M�nner in Gr�n und Schwarz, die sich wie Panther durch den im Mondschein liegenden Wald bewegten. Sie sp�hten in die Finsternis und suchten sie, doch ihr Zauber verbarg sie ausreichend vor ihren Blicken.</p><p>Sie legte die Hand auf das Heft von Seylls Schwert und ver�nderte leicht ihre Position, um ihren Schild zu heben, f�r den Fall, da� es ihnen gelingen sollte, die Unsichtbarkeit zu durchschauen.</p><p>Einer der Drow blieb vor ihr stehen und erwiderte: �Wir haben Euch gesucht.�</p><p>�Mich?� fragte Halisstra. �Ich ersuche um eine Audienz bei Tzirik, k�nnt Ihr mich zu ihm bringen?�</p><p>Die Jaelre-Krieger hielten inne. Mit den Fingern tauschten sie sich rasch aus, dann lie� der Krieger, der sie angesprochen hatte, die Armbrust sinken.</p><p>�Eure Truppe von Spinnenk�ssem kam vor drei Tagen in die Minauth-Feste�, sagte er. �Wurdet Ihr von den anderen getrennt?�</p><p>In der Hoffnung, Quenthel und die anderen h�tten nichts getan, um sich die Jaelre zu Feinden zu machen, entschied sich Halisstra f�r eine ehrliche Antwort.</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>�Gut�, erwiderte der Fremde. �Hohepriester Tzirik befahl uns, Euch zu suchen. Wir k�nnen Euch jetzt zu ihm bringen. Was aus Euch wird, ist seine Sache.�</p><p>Halisstra hob ihre Unsichtbarkeit auf und nickte. Die Jaelre scharten sich um sie und machten sich in schnellem Tempo auf nach S�den. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befinden mochte, w�hrend sich die Jaelre in den W�ldern bestens auszu-kennen schienen. Nach weniger als einer Stunde hatten sie die Ruine einer Feste erreicht, deren wei�e Mauern im Mondschein leuchteten. Der Strom verlief nur einen Steinwurf weit von der Feste entfernt.</p><p>Ich hatte tats�chlich den richtigen Flu� gefunden, dachte Halisstra etwas �berrascht.</p><p>Wie es schien, war sie zwei N�chte lang auf dem richtigen Weg gewesen, sie war nur ein paar Meilen zu weit nach rechts geraten. Der Gedanke, was geschehen w�re, wenn sie den Strom �berquert h�tte und weitergegangen w�re, lie� sie erschaudern.</p><p>Die Jaelre-Sp�her f�hrten Halisstra in die Feste, vorbei an aufmerksamen Wachen, die in Verstecken kauerten und ein Auge auf den Wald ringsum hatten. Sie stellte fest, da� die Anlage l�ngst nicht so heruntergekommen war, wie es von au�en schien. Die Wachen brachten sie in einen bescheidenen Saal, in dem ein Feuer im Kamin brannte und dessen W�nde mit Jagdtroph�en beh�ngt waren, die �berwiegend Kreaturen von der Oberfl�che zeigten, da sie Halisstra nicht vertraut waren. Sie wartete eine Weile, w�hrend Hunger und Durst immer schlimmer wurden, doch schlie�lich kam ein kleiner, kr�ftig gebauter Mann mittleren Alters herein, der sein Gesicht hinter einem zeremoniellen schwarzen Schleier verborgen hatte.</p><p>�Habe ich aber Gl�ck�, sagte er mit sonorer Stimme. �Zweimal in drei Tagen sind Diener Lolths in mein Zuhause gekommen und haben darum gebeten, mich pers�nlich zu sprechen. Allm�hlich frage ich mich, ob Lolth mich von meiner Ergebenheit gegen�ber dem Maskierten Gott abbringen will.�</p><p>�Ihr seid Tzirik?� fragte Halisstra.</p><p>�Ja�, sagte der Priester, verschr�nkte die Arme und betrach� tete sie. �Ihr m��t Halisstra sein.�</p><p>�Ich bin Halisstra Melarn, erste Tochter des Hauses Melarn, des zweiten Hauses von Ched Nasad. Soweit ich wei�, sind meine Gef�hrten hier.�</p><p>�Das sind sie�, entgegnete Tzirik. Er l�chelte k�hl. �Doch alles zu seiner Zeit. Wie ich sehe, tragt Ihr die Waffen einer Priesterin Eilistraees. Wie das?�</p><p>�Wie ich schon Euren Kriegern sagte, wurde meine Gruppe vor f�nf Tagen ein St�ck entfernt von hier von Oberfl�chen-Elfen angegriffen. Meine Gef�hrten konnten fliehen, doch mich nahm man gefangen und brachte mich an einen Ort namens Elfenbaum. Dort besuchte mich eine Frau namens Seyll Auzkovyn und versuchte, mich zu Eilistraee zu bekehren.�</p><p>�Eine einf�ltige Idee�, kommentierte Tzirik. �Aber fahrt fort.�</p><p>�Ich lie� sie glauben, ich k�nne bekehrt werden�, fuhr Halisstra fort. �Sie bot mir an, sie zu einem Ritual zu begleiten, das vor zwei N�chten stattfinden sollte. Auf dem Weg zu dieser Zeremonie gelang mir die Flucht.�</p><p>Sie blickte auf Kettenhemd und Waffen. Da� die Frau so naiv gewesen war, versetzte Halisstra immer noch in Erstaunen. Seyll war ihr nie wie eine dumme Drow vorgekommen, und doch hatte sie Halisstra v�llig falsch eingesch�tzt.</p><p>�Jedenfalls�, endete sie, �nahm ich mir die Freiheit, Dinge auszuleihen, f�r die Seyll keine Verwendung mehr hatte. Immerhin hatten die Leute von Elfenbaum zuvor meine Waffen und die R�stung beschlagnahmt.�</p><p>�Wollt Ihr nun zu Euren Kameraden?�</p><p>�Vorausgesetzt, sie sind weder tot noch gefangen�, erwiderte sie.</p><p>�Nichts dergleichen�, sagte Tzirik. �Sie baten mich, ihnen einen ungew�hnlichen Dienst zu erweisen. Also �berlegte ich mir etwas, das sie f�r mich tun konnten, um mich f�r meine Zeit und M�he zu entsch�digen. Wenn sie erfolgreich sind, sollten sie in ein bis zwei Tagen wieder da sein. Die Frage lautet: Werdet Ihr hier sein, um sie zu begr��en?�</p><p>Halisstra kniff die Augen zusammen, schwieg aber. Der Hohepriester ging zum Feuer, nahm einen Sch�rhaken und schob die knisternden Scheite im Kamin hin und her.</p><p>�Die Kameraden, die euch der Gefangenschaft durch dieses Oberfl�chen-Volk anheimfallen lie�en, erz�hlten mir eine sehr ungew�hnliche Geschichte�, erkl�rte der Priester. �Zweifellos denkt Ihr nun: �Woher soll ich wissen, was sie Tzirik alles gesagt haben?� Das k�nnt Ihr nat�rlich nicht wissen. Daher ist es empfehlenswert, da� Ihr mir einfach alles erz�hlt.�</p><p>�Das k�nnte meinen Kameraden mi�fallen, wenn sie zur�ckkehren�, wandte Halisstra ein.</p><p>�Eure Gef�hrten werden nie erfahren, da� Ihr hier wart, wenn es Euch nicht gef�llt, meine Neugier zu stillen, Herrin Melarn�, sagte Tzirik. Er legte den Sch�rhaken weg und lie� sich beim Feuer nieder. �Warum fangt Ihr nicht einfach ganz am Anfang an?�</p><empty-line/><p>Ryld kauerte in einem dichten, t�dlichen und �tzenden Nebel und versuchte mit allen Mitteln, nicht einzuatmen, obwohl ihm die Luft ausging. Seine Haut brannte, als h�tte man fl�ssiges Feuer �ber seinen Leib gegossen, und h��liche Beulen bildeten sich an den Stellen, an denen seine Haut nicht vor der Luft gesch�tzt war. Wenn er blieb, wo er war, war das eine Einladung zu einem langsamen, qualvollen Tod, doch die D�mpfe hatten sich wie sanfte wei�e H�nde um seine Glieder gelegt und hinderten ihn daran, sich zu bewegen. Der verfluchte Betrachter befand sich irgendwo in diesem Raum, nur wo?</p><p>Ein greller Blitz erhellte den wei�en Nebel, Dutzende zuckender Ver�stelungen schossen in alle Richtungen davon, w�hrend er durch die Dunstschleier jagte. Der Waffenmeister sprang zur Seite und sank langsam zu Boden, da der Nebel seinen Fall abfederte. Ein gewaltiger Donnerschlag ersch�tterte die Steine im Raum und lie� seine Z�hne im Kiefer vibrieren.</p><p>�Pharaun!� schrie er. �Wo ist der verdammte ...�</p><p>Sofort bereute er, ein Wort gesagt zu haben, da Schmerzen seine Nase und Kehle attackierten, als w�rden sich hei�e Nadeln in sein Innerstes bohren.</p><p>�An der �stlichen Mauer!� erwiderte der Magier aus einiger Entfernung.</p><p>Der Meister Sorceres ging sofort zum n�chsten Zauber �ber, den er so schnell wie m�glich zu wirken versuchte. Unterdessen lie� der Betrachter-Magus seinen entsetzlichen Zaubergesang ert�nen und murmelte finstere Worte f�r ein halbes Dutzend Beschw�rungen gleichzeitig. Wieder zuckten Blitze, gefolgt vom Heulen und Kreischen beschworener Geschosse, die auf ihre Ziele zujagten und den Schreien, Rufen und Fl�chen seiner Gef�hrten.</p><p>Ryld hatte endlich den Boden erreicht und stellte fest, da� er sich dicht an einer geschwungenen Wand befand � das einzige, was er in dem entsetzlichen Nebel sehen konnte. Ohne nachzudenken kroch er so schnell wie m�glich vorw�rts, da er hoffte, dem �tzenden Nebel zu entkommen, bevor der ihm das Fleisch vom Sch�del brannte.</p><p>Bei Lolth, was f�r ein Elend! dachte er, w�hrend er mit Splitter nach den dicken Nebelschwaden schlug und stach.</p><p>�Die Teufel sind dicht hinter uns!� schrie Jezz, der sich irgendwo jenseits des brennenden Nebels aufhielt. �Erledigt dieses Ding so schnell wie m�glich, damit wir uns nehmen k�nnen, weshalb wir herkamen, und den R�ckzug antreten k�nnen!�</p><p>Es schnell erledigen, dachte Ryld und schnitt eine Grimasse. Das ist ja eine ganz neue Idee.</p><p>Er bewegte sich weiter nach vorn, und pl�tzlich war er dem t�dlichen Nebel entronnen. Niemand war in seiner N�he, aber aus der Nebelwand hinter ihm h�rte er, wie seine Gef�hrten k�mpften.</p><p>�Verdammt�, murmelte er.</p><p>Nachdem er dem Nebel entronnen war, wurde offensichtlich, da� das gesamte Stockwerk des Turms einst aus f�rstlich ausgestatteten R�umen bestanden hatte. Ein dicker roter Schleier auf dem Boden war wom�glich fr�her ein dicker Teppich gewesen, die W�nde waren mit orangefarbenen und goldenen Kacheln geschm�ckt, die einen Wald an der Oberfl�che der Welt zeigten, dessen normalerweise gr�nen Bl�tter aus einem unerkl�rlichen Grund in Rot-, Orange- und Gelbt�nen dargestellt wurden. Ryld hustete, seine Augen tr�nten vom Kontakt mit den giftigen D�mpfen. Offenbar war er durch einen Torbogen in einen anderen Raum gelangt, an dessen gegen�berliegender Seite eine T�r wegf�hrte.</p><p>�Wo bei allen schreienden H�llen bin ich?�</p><p>Etwas vor ihm kreischte vor Wut, und im Raum jenseits des T�rbogens flammte magisches Feuer glei�end hell auf. Ryld hob Splitter und st�rmte in den n�chsten Raum, wo er sich inmitten eines heftigen Gefechts wiederfand.</p><p>Danifae und Jezz k�mpften mit zwei schlanken, schuppigen Teufeln, die fast drei Meter gro� waren. Es handelte sich um gr��liche Scheusale, die gro�e Fl�gel besa�en und mit rasiermesserscharfen Gei�eln und stacheligen Schw�nzen um sich schlugen, von denen gr�nes Gift tropfte. Einige kleinere Teufel zischten und str�mten hinter den beiden gro�en Ungeheuern in den Raum, dr�ngten nach vorn und suchten nach einer M�glichkeit, sich in den Kampf einzumischen.</p><p>�Die Teufel greifen an!� schrie Jezz.</p><p>Der Jaelre k�mpfte mit einem geschwungenen Messer in der einen Hand und einer t�dlichen wei�en Zauberflamme in der anderen. Einer der gro�en Teufel sprang Jezz an und umging mit seinen Eisenketten die Paraden des Jaelre, so da� der Oberfl�chen-Elf zu Boden ging. Die Kreatur baute sich �ber dem benommenen Jezz auf und griff nach dessen Kehle.</p><p>Ryld lie� sich nach vorn gleiten, t�uschte hoch an, damit der Teufel die Waffe hob, um sein Gesicht zu sch�tzen, doch dann ging er abrupt in die Hocke und schlug nach dessen Bein, um es am Knie abzutrennen. Das riesige Scheusal br�llte vor Schmerz und verlor den Halt, seine Fl�gel flatterten wild, w�hrend schwarzes Blut aus der schrecklichen Wunde spritzte. Ryld kam n�her und ver�nderte seinen Griff, um Splitter so zu halten, da� er das am Boden liegende Monster t�ten konnte. Aber der Teufel reagierte mit einem Wirbel aus rei�enden Klauen und schnappenden Z�hnen, w�hrend er mit seinem gef�hrlichen Schwanz so schnell ausholte, da� allein die Stabilit�t seines von Zwergen geschaffenen Brustpanzers ihn davor bewahrte, von dem Stachel des verwundeten Teufels durchbohrt zu werden.</p><p>Ryld parierte wie wahnsinnig, da er um sein Leben k�mpfte, w�hrend immer mehr Teufel � eine Gruppe von mannshohen Kreaturen, aus deren schuppiger Haut messerscharfe Stacheln herausragten � sich n�herten und ihre M�uler mit den Rei�z�hnen zu einem h�llischen Grinsen verzogen hatten.</p><p>�Drow als Mahlzeit!� h�hnten sie. �Drow-Herzen zum Nachtisch!�</p><p>�Wir m�ssen hier raus!� schrie Danifae. �Wir k�nnen sie nicht aufhalten!�</p><p>Sie lie� ihren Morgenstern geschickt und mit viel Kraft wirbeln, um gegen den anderen gro�en Teufel sowie zwei der kleineren zu k�mpfen, die von den Seiten her sich zu n�hern versuchten.</p><p>�Wir k�nnen nirgends hin�, gab Ryld zur�ck. �Hinter uns befindet sich der Betrachter!�</p><p>Er sp�rte die todbringenden Zauber, die im Raum hinter ihm zum Einsatz kamen, er f�hlte die Ersch�tterungen der Blitze und den Schauder m�rderischer Zauber, die seine Seele versengten und ihm eine G�nsehaut bescherten.</p><p>So geht es nicht, dachte er. Wir sind in zwei Gruppen aufgeteilt und m�ssen gegen zwei gef�hrliche Gegner k�mpfen.</p><p>Sie mu�ten sich neu formieren und sich auf einen der beiden Widersacher konzentrieren oder sich zur�ckziehen und es zu einem sp�teren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Vorausgesetzt, die Bewohner Myth Drannors erlaubten ihnen �berhaupt, sich zur�ckzuziehen. Wahrscheinlicher war, da� sie alle hier sterben w�rden, umgeben und �berrannt von endlosen Heerscharen blutr�nstiger D�monen. Quenthel und Valas waren vermutlich bereits tot.</p><p>Genug, ermahnte sich Ryld. Wir sind nicht so weit gereist, um hier geschlagen zu werden!</p><p>Er verdoppelte seine Angriffe, begab sich in Reichweite des gro�en Teufels und jagte Splitters Spitze in den schuppigen Hals der Kreatur. Diese schlug wild nach ihm, lag aber bereits im Sterben, und ihre Zuckungen brachen kleine St�cke Stein heraus, w�hrend die Krallen in die Luft schnappten, anstatt Ryld zu zermalmen. Der Waffenmeister machte einen Satz �ber den Leichnam und stellte sich den kleineren Teufeln, die bereits n�herkamen.</p><p>Jezz mischte sich wieder in den Kampf ein, zog eine Schriftrolle aus seinem G�rtel und las hastig einen Bannzauber, der mehrere der kleineren Teufel in das infernalische Reich zur�ckschleuderte, aus dem sie gekrochen waren.</p><p>Zwei andere nahmen sofort den Platz ein, der durch ihr Verschwinden entstanden war.</p><p>�Wir m�ssen weg von hier!� rief Jezz. �Der Betrachter ist unser Feind. Diese Teufel sollen uns ablenken!�</p><p>Ryld verzog das Gesicht. Wenn sie flohen, dann w�rde man sie von hinten niederringen. Dennoch wich er zur�ck zu der T�r, die hin�ber zum Betrachter f�hrte. Er betete, da� sich die Kreatur nicht an einer Stelle befand, von der aus sie sie sehen konnte. Widerstrebend zog er sich Schritt f�r Schritt zur�ck, da er ungern in einen anderen Kampf eingreifen wollte, solange der eine noch tobte.</p><p>Zu seiner �berraschung verschwand pl�tzlich einer der Teufel auf der anderen Seite aus dem Blickfeld, ein weiterer begann zu kreischen, als eine Peitsche mit Schlangenk�pfen ihre Giftz�hne in dessen Nacken bohrte. Valas und Quenthel, die sich durch die Reihen der Teufel k�mpften, humpelten in sein Blickfeld. Der Sp�her trug die schwerverletzte Priesterin, deren Flanke er mit einem Kukri vor Angriffen sch�tzte, w�hrend sie mit ihrer todbringenden Peitsche ausholte.</p><p>Danifae und Ryld nutzten den momentanen Nachteil der Teufel, um Angriffe gegen die ihnen am n�chsten stehenden Gegner zu f�hren. Quenthel lie� sich gegen eine Wand sinken und hielt Halisstras heilenden Stab in der Hand, w�hrend Valas Hune seine zweite Klinge zog und sich in den Kampf st�rzte, indem er die Teufel von hinten mit seinen Messern angriff.</p><p>�Schnell!� keuchte Quenthel. �Ein H�llenschlundteufel und ein Dutzend weiterer Teufel sind gleich hinter uns!�</p><p>Ryld besiegte einen weiteren Teufel, w�hrend Danifae mit einem beidh�ndigen Schlag ihres Morgensterns das Gehirn eines weiteren Gesch�pfes an der Wand verteilte. Innerhalb weniger Augenblicke entledigten sich die Drow aller Teufel in ihrem Raum. Jezz zog eine weitere Schriftrolle und las rasch den Zauber vor, mit dem er die T�r hinter Quenthel und Valas Hune mit einer knisternden Schicht aus funkelnder gelber Energie versiegelte.</p><p>�Das wird die Kreaturen nur f�r einen Moment aufhalten�, warnte er.</p><p>Die Baenre sah sich um. Der Sturz in den Schacht mu�te sie schwer verletzt haben. Getrocknetes Blut bedeckte eine Seite ihres Gesichts, und ihre Augen schienen sich nicht fokussieren zu k�nnen. Ein Arm hing schlaff herab, aber sie blieb auf den Beinen.</p><p>�Wo ist der Betrachter?� fragte sie. �Wo sind Pharaun und Jeggred?�</p><p>Ryld sah zum T�rbogen, ein weiterer Zauber dr�hnte durch die Luft.</p><p>�Irgendwo da hinten�, sagte er. �Der Betrachter ��</p><p>Er verstummte, als er eine �berw�ltigende Pr�senz sp�rte, die sich Jezz� Barriere n�herte, etwas Unsichtbares, das mit seinen Schritten die Mauersteine des Turms zu ersch�ttern schien.</p><p>�Der H�llenschlundteufel kommt�, meldete Danifae, die nach Luft schnappte und die ihre Augen vor Schreck weit aufgerissen hatte.</p><p>�Geht!� sagte Quenthel und winkte sie mit ihrem unversehrten Arm weiter.</p><p>Ohne ein Wort zu erwidern, hasteten die Dunkelelfen zum anderen Ausgang, rannten in den n�chsten Raum und nahmen keine R�cksicht auf die donnernden Zauber, die dort umherzuckten.</p><empty-line/><p>Triel Baenre stand auf einer hohen Br�cke des Hauses Baenre und sah in Richtung Narbondel. Der schleichende Ring aus Strahlung, der sich langsam an der gewaltigen Steins�ule nach oben bewegte, zeigte, wie die Zeit verging. Das Leuchten war fast am oberen Ende der S�ule angelangt, was hie�, da� der Tag bald vor�ber sein w�rde. Es war nicht das erste Mal, da� ihr die Ironie bewu�t wurde, die darin lag, da� ein Volk, das vor fast zehntausend Jahren aus der Welt des Lichts vertrieben worden war, ein Interesse daran hatte, den Wechsel von Tag und Nacht so wie die Bewohner der Oberfl�che nachzuvollziehen. Dabei war hier im Unterreich doch immer Nacht. Dennoch hatte es sich �ber die Jahre als einigerma�en n�tzlich erwiesen, sich an das nie endende Verstreichen der Tage in der Welt dort oben zu erinnern. Es half, mit denen umzugehen, f�r die diese Gewohnheit �blich war, so zum Beispiel Kaufleute, die die exotischeren und begehrteren Waren von der Oberfl�che in die Stadt Lolths brachten.</p><p>Nicht, da� viele von ihnen in der letzten Zeit Menzoberran-zan besucht h�tten. Ein Krieg war immer ein Hemmnis f�r den Handel.</p><p>Die andere Frage, die Triel in den Sinn kam, als sie zu Narbondel blickte, war nicht ganz so abstrakt: Wer sollte in ein oder zwei Stunden den feurigen Ring Narbondels neu entfachen?</p><p>Das Amt des Erzmagiers geh�rte noch immer ihrem Bruder Gromph, der seit mehr als einem Zehntag als verschwunden galt. Doch die Meister Sorceres w�rden nicht zulassen, da� eine so hohe Position allzulange unbesetzt blieb. Sie hatte erfahren, da� mehrere ehrgeizige Meister bereits um den Posten wetteiferten. Zweifellos h�tte auch Pharaun zu ihnen geh�rt, w�re er noch in der Stadt gewesen. Doch der Auftrag, sich nach Ched Nasad zu begeben, machte es dem Helden der Stunde unm�glich, in Menzoberranzan zu sein und seinen Ruhm zum besten pers�nlichen Nutzen einzusetzen. Sie drehte den Kopf und sprach �ber die Schulter zu den treuen Baenre-Wachen, die respektvollen Abstand zu ihr wahrten.</p><p>�Schickt nach Nauzhror�, sagte sie. �Sagt ihm, ich brauche seinen Rat in einer wichtigen Angelegenheit. Er kann mich in der Kapelle aufsuchen.�</p><p>Triel machte sich auf den Weg zum gro�en Lolth-Tempel, der sich im Mittelpunkt des gro�en H�gels des Hauses Baenre befand. Ihre Aufmerksamkeit war nicht auf ihre Umgebung gerichtet, da sie �ber die vielen Probleme nachdenken mu�te, von denen die Stadt in den letzten Monaten heimgesucht wurde. Sie war den Duergar fast dankbar, weil sie ihr Grund gaben, den Rat einzuberufen � und damit die Dutzende niederer H�user, die die St�rke Menzoberranzans ausmachten. Ein Sieg in den Tunneln s�dlich der Stadt w�rde viel dazu beitragen, die Vorherrschaft des Hauses Baenre wieder herzustellen.</p><p>Andererseits konnte ein weiterer R�ckschlag verheerende Folgen haben. Auch wenn die Baenre das wohlhabendste m�chtigste Haus waren, k�nnte der Rat auf die Idee kommen, den Baenre den Namen erstes Haus zu entziehen. Kein einzelnes Haus konnte darauf hoffen, Haus Baenre zu schlagen, nicht einmal zwei, wenn sie sich zusammenschlossen. Aber was, wenn alle anderen H�user des Rates der einhelligen Meinung waren, die Zeit sei gekommen, das st�rkste aller H�user abzusetzen?</p><p>�Da sei Lolth vor�, murmelte Triel und schauderte �ngstlich.</p><p>Was die Truppen, die magische Macht und den blo�en Reichtum anging, waren die anderen H�user schon immer in der Lage gewesen, Haus Baenre zu vernichten, wenn sie sich zusammenschlossen, um gemeinsam gegen das Erste Haus vorzugehen. Was sie aber nie besessen hatten, war der Segen Lolths, die einen solchen Akt des Ungehorsams nie gutgehei�en h�tte. Wenn Lolth ihre Aufmerksamkeit wieder auf Menzoberranzan richtete und das zweite bis achte Haus f�r das anma�ende Verhalten vernichtete, weil sie das Haus Baenre ausgel�scht hatten, dann w�rde das den Baenre auch nicht mehr helfen. Ohne Lolths Zorn, der den Ehrgeiz der anderen gro�en H�user z�geln konnte, erschien ein vereinter Angriff auf das Haus Baenre weniger wie eine M�glichkeit, sondern vielmehr wie etwas Unausweichliches.</p><p>Der Trick, �berlegte Triel, besteht darin, die anderen H�user von gef�hrlichen Themen abzulenken, beispielsweise von der Frage, wer nach dem Fall der Baenre das n�chste erste Haus werden sollte, und einige kleinere H�user mit den Stellungen der gr��eren zu locken.</p><p>Wenn H�user wie Xorlarrin oder Agrach Dyrr davon �berzeugt werden konnten, da� ein deutlich h�heres Aufr�cken in der Rangordnung f�r sie einer Gewi�heit gleichkam, wenn sie sich hinter die Baenre stellten, um einer Verschw�rung Barri-son Del�Armgos und Faen Tlabbars entgegenzuwirken, anstatt sich den Verschw�rern anzuschlie�en � dann konnte das Haus Baenre fast jeder Bedrohung durch die niederen Nachbarn widerstehen.</p><p>Sie blieb an der T�r der Kapelle stehen und lie� sich den Gedanken angewidert durch den Kopf gehen. Durfte sie wirklich das Gef�hl haben, Haus Baenre h�tte einen <emphasis>Verb�ndeten</emphasis> n�tig? Die alte Matrone Baenre hatte niemandes Zustimmung gebraucht, um zu regieren. Sie hatte �ber die Stadt geherrscht, weil sie so stark gewesen war, da� niemand auch nur in Erw�gung gezogen hatte, sich ihr zu widersetzen.</p><p>Triel runzelte die Stirn und gab den Wachen der Kapelle ein Zeichen, woraufhin die die T�ren aufzogen und sich tief vor ihr verbeugten.</p><p>Ihre Schwester Sos�Umptu erwartete sie in der Kapelle. Sos�Umptu war etwa so gro� wie Quenthel, doch sie kam nach Triels nachdenklicher Art, nicht nach Quenthels Willenskraft, die auch ihre unbeklagte Schwester Bladen�Kerst ausgezeichnet hatte. Sos�Umptu besa� eine kalkulierte, gezielte Geh�ssigkeit, die sie gut unter Kontrolle hielt, da sie sich nie auf einen Streit einlie�, den sie nicht gewinnen konnte. Sie senkte den Blick, eine winzige Geste des Respekts, den Triels Position verlangte, dann richtete sie sich auf.</p><p>�Schon Neuigkeiten von der Armee, �lteste Schwester?� fragte sie sanft.</p><p>�Noch nicht. Zal�therra sagt mir, Mez�Barris habe eine kleine Vorhut entsandt, um vorab einen strategisch wichtigen Pa� auf dem Weg der Duergar-Armee zu besetzen, was mir recht vern�nftig erscheint. Der Rest der Armee der Schwarzen Spinne wird so schnell wie m�glich folgen.�</p><p>�Es ist eine schwierige Situation. Ich frage mich, ob du die Armee h�ttest pers�nlich anf�hren sollen.�</p><p>Triel zog die Augenbrauen hoch. Sie war es nicht gewohnt, da� jemand offen ihr Handeln analysierte. Aber wenn sie keine Kritik aus den Reihen der eigenen Familie hinnehmen konnte, wie wollte sie dann hoffen, die anderen Matronen einzusch�chtern?</p><p>�Angesichts der ungew�hnlichen Situation�, erwiderte Triel, �hielt ich es f�r kl�ger, nahe der Stadt zu bleiben.�</p><p>�Vielleicht. Das Problem ist ganz simpler Natur. Wird die Armee geschlagen, wird man dir die Schuld geben. Triumphiert sie, hast du aus Mez�Barris Del�Armgo eine Heldin gemacht.�</p><p>�Ja, und aus Zal�therra und Andzrel�, betonte Triel. �Ich gebe zu, ich habe mehr zu verlieren als zu gewinnen, aber ich werde nicht mein eigenes Handeln in Frage stellen.�</p><p>Sie betrachtete die Kapelle, sah hinauf zu dem gro�en magischen Bild, das Lolth darstellte. Vor Sos�Umptus Augen vollzog Triel eine f�rmliche Verbeugung.</p><p>�Du hast dich in den letzten Zehntagen nicht so intensiv um die Riten Lolths gek�mmert, wie du es h�ttest tun k�nnen�, sagte Sos�Umptu.</p><p>Lolth hat sich schon viel l�nger nicht um uns gek�mmert, dachte Triel spontan.</p><p>Sofort verdr�ngte sie diesen blasphemischen Gedanken aus ihrem Geist, entsetzt, da� ihr etwas so ehrfurchtsloses in den Sinn kommen konnte. �u�erlich wahrte sie Ruhe, was ihr durch langes �ben keine Schwierigkeiten bereitete, und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Schwester.</p><p>�Wir stehen noch vor einer anderen Herausforderung�, sagte Triel. �Die Meister Sorceres machen sich daf�r stark, da� ein Nachfolger f�r Gromph gefunden wird. Haus Baenre hat seit Jahrhunderten nach eigenem Gutd�nken den Erzmagier auf dem Thron Sorceres bestimmt, doch diesmal �berlege ich, ob es sinnvoll w�re, den Kandidaten eines anderen Hauses f�r diese Position zu unterst�tzen. Es k�nnte ... dienlich sein.�</p><p>Sos�Umptus Augen weiteten sich kaum merklich, als sie fragte: �Du willst meinen Rat h�ren?�</p><p>�Da Gromph verschwunden und Quenthel weit weg von hier ist, mu� ich feststellen, da� die Kinder meiner gro�artigen Mutter rar ges�t sind. Wenige Frauen � und noch weniger M�nner � verstehen, welche Lektionen uns unsere Mutter lehrte.� Triel schnaubte. �Nicht mal alle unsere Geschwister, um es genau zu nehmen. Bladen�Kerst kannte nur St�rke und Grausamkeit, Vendes war einfach nur aufs Morden aus. Ich brauche einen scharfen Verstand, einen subtilen Geist, jemanden, der von meiner Mutter ausgebildet wurde. Mir wird klar, da� ich dir viel zu lange erlaubt habe, in dieser Kapelle zu lauern.� Triel trat einen halben Schritt vor, ihre Z�ge verh�rteten sich. �Du mu�t verstehen, da� ich deinen Rat einholen werde, wenn ich es will. Verwechsle �berlegen nicht mit Unentschlossenheit. Ich werde mein Recht zum Herrschen nicht in Frage stellen lassen.�</p><p>Sos�Umptu nickte: �Gut. Ich denke, wir sollten davon ausgehen, da� Gromph tot ist. Er h�tte nicht leichtfertig seine Pflichten vernachl�ssigt, und es gibt mindestens zwei Gr�nde, die daf�r sprechen, da� jemand ihn ermordet haben k�nnte. Entweder wollte jemand einen Schlag gegen den Erzmagier f�hren, oder es sollte ein Schlag gegen den h�chsten Magier des Hauses Baenre sein. Im ersten Fall wird der kommende Erzmagier entweder der S�ndenbock oder das n�chste Ziel sein. Warum sollten wir uns anstrengen, einen Baenre-Magier einzusetzen, der schw�cher ist als Gromph, wenn die Chance besteht, da� wir jeden verlieren, hinter den wir uns stellen?�</p><p>�Mir gef�llt der Gedanke nicht, einen so wichtigen Posten einfach einer anderen Familie zu �berlassen, aber noch weniger behagt mir die Aussicht, einen weiteren guten Magier zu verlieren�, sagte Triel nachdenklich. �Vor allem, wenn wir eine engere Bindung zu einem anderen Haus schaffen, indem wir dessen Kandidat unterst�tzen, der dann das Ziel jener Macht werden k�nnte, die stark genug war, um Gromph zu vernichten.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, erwiderte Sos�Umptu. �Du suchst <emphasis>Verb�ndete</emphasis>?�</p><p>�Es kommt mir so vor, als seien wir vielleicht gut beraten, uns mit einem gro�en Haus von mittlerem Rang zu verb�nden, vielleicht auch mit zweien�, erkl�rte Triel. �Es d�rfte eine vern�nftige Vorkehrung sein, gewappnet zu sein, wenn das zweite oder dritte Haus versuchen sollten, sich mit den anderen gegen uns zusammenzuschlie�en.�</p><p>Sos�Umptu strich sich �bers Kinn und entgegnete: �Du glaubst, die Lage ist so gef�hrlich? Mutter h�tte sich mit einer solchen Vorgehensweise nie einverstanden erkl�rt.�</p><p>�Mutter lebte in einer anderen Zeit�, konterte Triel. �Vergleiche mich nie wieder mit ihr.�</p><p>Triel sah ihre Schwester so lange eindringlich an, bis die den Blick senkte. Wenn sie sich mit Quenthel verb�ndete oder einer Kabale der f�higeren Basen wie beispielsweise Zal�therra, konnte sie f�r Triel zur Bedrohung werden, doch bis dahin war sie vertrauensw�rdig � jedenfalls innerhalb gewisser Grenzen.</p><p>�Was, wenn Gromphs Ermordung sich gegen das Haus Baenre richtete?� fragte Triel. �Wenn es nicht einfach nur um den Posten des Erzmagiers ging?�</p><p>�Dann w�ren wir gut beraten, wenn wieder ein Baenre-Ma-gier Sorcere leitet. Wenn nicht, w�rden wir schwach erscheinen. Wenn die anderen H�user uns erst einmal als verwundbar ansehen, k�nnten sie sich versucht f�hlen, genau das zu tun, was du bef�rchtest.�</p><p>�Dein Rat ist f�r mich kein Trost, Sos�Umptu�, sagte Triel. �Au�erdem bef�rchte ich nichts, ich bin besorgt.�</p><p>�Ich w��te noch eine M�glichkeit�, f�gte Sos�Umptu an. �Schiebe es auf. Behaupte einfach weiter, Gromph sei nach wie vor der Erzmagier Menzoberranzans. Verbreite die Geschichte, du h�ttest ihn auf eine Mission geschickt, die ihn eine Weile in Anspruch nehmen wird. Je l�nger wir es hinausz�gern, desto wahrscheinlicher ist es, da� die Ereignisse etwas �ber die Umst�nde seines Verschwindens ergeben. Wenn die Armee der Schwarzen Spinne in den Tunneln im S�den erfolgreich ist, k�nnte deine Position ausreichend gest�rkt werden, um mit dem Posten des Erzmagiers nach Belieben zu verfahren.�</p><p>Triel nickte. Das klang vern�nftig. Auch wenn sie es ha�te zuzugeben, da� ein weiter anhaltendes Schweigen Lolths ihr eine Herausforderung um die F�hrung des Hauses bescheren konnte, konnte es nicht schaden, ihre Bindung zu Sos�Umptu zu verst�rken. Sie w�rde vielleicht so viele Schwestern wie m�glich auf ihrer Seite haben m�ssen.</p><p>Die T�r zur Kapelle �ffnete sich knarrend, und ein dicker Mann in elegantem schwarzen Gewand trat ein. Er erinnerte an eine Hauskatze, die man zu gut gef�ttert hatte und die mit ihrer eigenen �berlegenheit g�nzlich zufrieden war. Nauzhror Baenre war Triels Vetter ersten Grades, der Sohn einer Nichte ihrer Mutter. Seine Vertraute, eine haarige Spinne, die so wohlgen�hrt war wie der Magier selbst, kauerte auf seiner Schulter. Er galt als ein Meister Sorceres, neben dem alten Gromph der einzige aus dem Haus Baenre, und hatte die Angewohnheit, sorglos zu l�cheln, was es schwierig machte, seine Gedankeng�nge einzusch�tzen. So sehr sie sich auch anstrengte, konnte sie sich nicht vorstellen, wie er das Gewand des Erzmagiers von Menzoberranzan trug.</p><p>�Ihr habt nach mir gerufen?�</p><p>�Ich werde verk�nden�, sagte Triel, �da� mein Bruder Gromph sich auf einer wichtigen, streng geheimen Mission befindet. Er wird zu gegebener Zeit wieder seine Pflichten als Erzmagier von Menzoberranzan erf�llen. Bis dahin werde ich den Meistern Sorceres erlauben, einen Vertreter zu bestimmen, der sich um die mit dem Posten verbundenen Verantwortlichkeiten k�mmert. Ihr werdet den besten Kandidaten unterst�tzen, der von Haus Xorlarrin oder Agrach Dyrr gestellt wird.�</p><p>Nauzhror wurde ernst. �M-muttermatrone�, stammelte er. �Ich ... ich dachte, ich w�rde vielleicht den ...�</p><p>�K�nnt Ihr es mit Gromph aufnehmen, Nauzhror?� fragte Triel.</p><p>Der Magier mochte sanftm�tig wirken, aber seine Augen verrieten einen harten, berechnenden Verstand � und einen pragmatischen dazu.</p><p>�K�nnte ich das, dann h�tte ich ihn schon l�ngst herausgefordert, um ihm seinen Titel abzunehmen.� Er �berlegte einen Moment und streichelte die Spinne auf seiner Schulter. �Ich gehe davon aus, da� ich mit der Zeit so geschickt sein werde wie er und da� ich ihn vielleicht sogar �bertreffen werde. Doch mu� ich die Kunst noch viele Jahre studieren, ehe ich mich als mit ihm gleichrangig bezeichnen kann.�</p><p>�Das hatte ich mir gedacht. Bedenkt�, gab Triel zur�ck, �wer immer hinter Gromphs Verschwinden steckt, w�rde mit Euch kurzen Proze� machen, sobald Ihr Euch als der neue Erzmagier von Menzoberranzan vorstelltet. Der Tag mag kommen, an dem Ihr Euren Ehrgeiz verwirklichen k�nnt, Vetter, doch heute ist nicht dieser Tag.�</p><p>Nauzhror z�gerte keine Sekunde, zu nicken und zu erwidern: �Ja, Muttermatrone. Ich werde tun, was Ihr befehlt.�</p><p>�Ihr seid bis auf weiteres Hausmagier des Hauses Baenre. Sollte sich herausstellen, da� mein Bruder tot ist, dann werdet Ihr diesen Posten behalten, doch im Moment ben�tige ich Eure Zauber und Euren Rat. Ordnet f�r den Augenblick Eure Angelegenheiten in Sorcere, ich werde Eure Habe herbringen lassen.�</p><p>Nauzhror verbeugte sich und sagte: �Ich danke Euch f�r Euer Vertrauen in meine F�higkeiten, Muttermatrone.�</p><p>�Mein Vertrauen in Eure F�higkeiten reicht nicht eben weit, Vetter: La�t Euch nicht umbringen�, mahnte Triel. �Von diesem Augenblick an ist jeder Mann mit der geringsten Bef�higung zum Magier im Haus Baenre von Euch auszubilden. Wir ben�tigen einen Kader geschickter Arkanisten, die es mit denen Del�Armgos oder Xorlarrins aufnehmen k�nnen.�</p><p>�Eine solche Ansammlung von Talent l��t sich nicht �ber Nacht zusammenstellen. Es wird Jahre dauern, um mit den Magiern Xorlarrins auch nur gleichzuziehen.�</p><p>�Dann solltet Ihr unverz�glich beginnen.�</p><p>Triel betrachtete den dicken Magier und hoffte, die Zukunft ihres Hauses m�ge nicht in diesen feuchten H�nden liegen.</p><p>�Noch etwas�, sagte sie, als der Magier sich zum Gehen wandte. �Betrachtet es als Eure erste Aufgabe als Hausmagier.� Triel kam n�her und sah ihm tief in die Augen, w�hrend sie darauf wartete, da� er ihr ins Gesicht l�chelte. �Ihr werdet herausfinden, was mit meinem Bruder geschehen ist.�</p><empty-line/><p>Ryld jagte durch einen kurzen, kurvigen Korridor, Jezz und Valas dicht hinter ihm. Danifae half Quenthel, der Gruppe zu folgen. Der Waffenmeister lief den Korridor zu seiner Rechten entlang, durch den er in einen gro�en Saal oder Ballsaal gelangte. Der Betrachter-Magus trieb dort umher, eine gewaltige Monstrosit�t in der Form einer mit Chitin �berzogenen Kugel, die einen Durchmesser von einem Meter achtzig hatte. Die zehn Augenstiele zuckten, w�hrend sie einen Zauber nach dem anderen auf Pharaun und Jeggred niederprasseln lie�. Der Magier war von einer Sph�re aus magischer Energie umgeben, einer Art Abwehrzauber, der ihn sch�tzte, w�hrend er sich Zauber f�r Zauber mit dem Monster ma�. Jeggred stand reglos, das Gesicht zu einer Grimasse verzogen, w�hrend er sich bem�hte, die Wirkung eines schrecklichen Zaubers abzusch�tteln.</p><p>�Hartn�ckige Insekten�, knurrte der Betrachter, als er Ryld und die anderen sah. �La�t mich in Ruhe!�</p><p>Die Kreatur schwebte r�ckw�rts durch einen Torbogen und zog sich in einen anderen Teil ihrer Behausung zur�ck.</p><p>Pharaun wandte sich den anderen zu. Eine Seite seiner Kleidung war von qualmenden L�chern durchsetzt, an denen sie von einer S�ure getroffen worden war. Er zitterte vor Erm�dung.</p><p>�Ah, wie ich sehe, haben sich meine werten Gef�hrten doch noch entschieden, sich mir anzuschlie�en�, stellte er fest. �Prima. Ich bef�rchtete schon, Ihr w�rdet Euch das Vergn�gen entgehen lassen, Leib und Leben gegen einen m�rderischen Widersacher zu riskieren.�</p><p>�Was ist mit Jeggred?� brachte Quenthel heraus.</p><p>�Er ist von irgendeinem Festhaltezauber getroffen worden, und ich habe bei diesem Duell all meine Zauber aufgebracht, die Magie aufheben k�nnten. Wenn Ihr ihn befreien k�nnt, bitte. Ich bin nicht so egoistisch, da� ich den Betrachter ganz f�r mich allein haben m��te.�</p><p>�Haltet den Mund�, kr�chzte Danifae. �Wir m�ssen den Betrachter schnell �berwinden. Wir werden von einem H�llenschlundteufel und einem weiteren Dutzend Teufel verfolgt, und wir laufen Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten.�</p><p>Pharaun schnitt eine Grimasse. In seinen Augen flackerte ein gef�hrliches Leuchten, als er erst Danifae und dann Jezz den Lahmenden ansah.</p><p>�Wenn Euer Zauberbuch den Aufwand wert ist, vielleicht sollten wir es dann f�r uns behalten�, �berlegte der Meister Sorceres.</p><p>�Tzirik wird nicht die Ergebnisse seines Erkenntniszaubers mit Euch teilen, wenn Ihr uns in den R�cken fallt�, sagte der Jaelre. �Entscheidet, was Euch wichtiger ist, Spinnenk�sser, und zwar schnell.�</p><p>�H�r auf, Pharaun�, sagte Ryld.</p><p>Er ging zu dem erstarrt dastehenden Jeggred und legte Splitter neben den Draegloth, um den Zauber zu brechen, in dessen Bann er gefangen war. Der Halbd�mon blinzelte und setzte eine finstere Miene auf, w�hrend er sich langsam aufrichtete und reckte.</p><p>�Ein Problem nach dem anderen�, fuhr Ryld fort. �Hast du irgendwelche Magie, die uns die Teufel lange genug vom Hals h�lt, bis wir den Betrachter geschlagen haben?�</p><p>�Nein�, antwortete Pharaun. �Sie werden jeden Moment hier auftauchen und uns eine Szene machen. Sie ... ich habe eine Idee. Wir halten die Teufel nicht von uns fern, wir lassen sie ein.�</p><p>H�llische Energie knisterte und zischte im Raum gleich hinter ihnen.</p><p>�Das ist der H�llenschlundteufel, der meine Mauer zerst�rt�, sagte Jezz. �Erkl�rt, was Ihr meint, Menzoberranzanyr.�</p><p>Pharaun begann, einen Zauber zu wirken und wob mit den H�nden die arkanen Gesten, die erforderlich waren, um seiner Magie Form zu geben und sie zu kontrollieren.</p><p>�Setzt Euch nicht zur Wehr�, sagte er. �Jetzt habe ich es. Ich habe �ber uns einen Schleier der Illusion gelegt. Wir sind jetzt alle Teufel.�</p><p>Ryld sah an sich hinab, stellte aber keine Ver�nderung fest. Erst als er wieder aufblickte, erkannte er, da� er mitten in einer Gruppe von Teufeln stand. Unwillk�rlich zuckte er zusammen, sah aber, da� die anderen genauso reagierten. Ganz schwach, so als seien sie in durchsichtigen Stoff geh�llt, konnte er unter dem schuppigen �u�eren die eigentlichen Gestalten der Drow erkennen.</p><p>�Ich kann durch den Schleier hindurchsehen�, warnte er.</p><p>�Ja, aber du erwartest das auch�, antwortete der Teufel, der dort stand, wo er eben noch Pharaun gesehen hatte. �Es d�rfte f�r Verwirrung unter unseren Gegnern sorgen, aber wir m�ssen uns beeilen. Wir wollen, da� die Teufel uns einholen, wenn wir gegen den Betrachter k�mpfen.�</p><p>Der Magier glitt durch den Raum und folgte dem Betrachter, der Rest der Gruppe schlo� zu ihm auf und eilte mit Pharaun voran, w�hrend hinter ihnen das Geheul der Teufel lauter wurde. Sie liefen eine Wendeltreppe hinauf und holten den Betrachter ein, der in einem Thronsaal auf sie wartete. Das Monster z�gerte, als die Gruppe in ihrer teuflischen Verkleidung hereinkam.</p><p>�Die Drow sind hier nicht�, polterte es. �Durchsucht den Rest des Turms, ihr m��t sie finden!�</p><p>�Ich f�rchte, da irrt Ihr Euch�, gab Pharaun zur�ck und schleuderte der Kreatur einen Lichtblitz entgegen, der auf der Chitinh�lle eine Fl�che von der Gr��e eines Abendbrottellers verkohlte.</p><p>Gleichzeitig feuerte Valas Hune eine Salve aus Pfeilen ab, die sich in den gepanzerten Leib bohrten, w�hrend Ryld, Jeggred und Danifae losst�rmten.</p><p>Die Kreatur erholte sich schnell von dem �berraschungsef-fekt und wirbelte herum, um die angreifenden Drow mit t�dlichen Strahlen und Zaubern abzuwehren. Jeggred wurde von einem telekinetischen Strahl getroffen und durch den Raum geschleudert, w�hrend Danifae sich flach auf den Boden pressen mu�te, um dem gl�henden gr�nen Desintegrationsstrahl auszuweichen. Ryld kam drei Schritte weit, ehe gleich drei der d�nnen Augenstiele des Monsters herumpeitschten, ihn sofort entdeckten und weitere Zauber in seine Richtung schickten. Ein Hagel aus wei�gl�henden Energieblitzen wurde abgefeuert und traf seinen Torso, als w�rde er vom Streithammer eines Zwergs getroffen. Ryld st�hnte auf und fiel auf den harten Boden.</p><p>Da kam ein Schwarm Teufel die Treppe heraufgest�rmt. Innerhalb k�rzester Zeit herrschte im Raum v�lliges Chaos, weil immer mehr Teufel hereindr�ngten; einige warfen dem Betrachter w�tende Blicke zu, andere blieben verwirrt stehen und wunderten sich, da� schon so viele ihrer Art in dem Saal anwesend waren.</p><p>Die am Boden liegende Danifae wies auf den Betrachter und kreischte: �Der Betrachter hat sich mit den Dunkelelfen verb�ndet! T�tet ihn! Fre�t seine Augen!�</p><p>Die Teufel hielten gerade lange genug inne, da� der Betrachter die vorderste Reihe mit todbringenden Zaubern belegen konnte, doch dann eilten sie los und warfen sich dem Monster entgegen. Steinharte Klauen zerrten und rissen an dem Betrachter, w�hrend andere Teufel in Blitzen aus wei�em Feuer vergingen oder unter den Augenstrahlen des Betrachters zu leblosem Stein zerfielen.</p><p>Ryld hatte aufspringen und sich wieder auf das Monster st�rzen wollen, doch er sah Pharauns warnende Geste, also t�uschte er vor, verletzt zu sein. Pharauns Strategie war brillant. Sollten der Betrachter und die Teufel doch k�mpfen � vielleicht l�schten sich ihre Widersacher gegenseitig aus.</p><p>�Schwachsinnige Narren!� zischte der Betrachter. �Die Drow haben euch get�uscht!� Er richtete noch immer verheerende Verletzungen an, da er weiter mit Zaubern und Augenstrahlen versuchte, den Angriff der Teufel zur�ckzuschlagen. Der Gestank von verkohltem Fleisch und das geisterhafte Gef�hl t�dlicher Magie schw�ngerte die Luft.</p><p>Das sichere Gef�hl, da� etwas nicht stimmte, machte sich in Rylds Herz breit, und in diesem Moment gelangte ein massiger H�llenschlundteufel in den Raum. Der gewaltige Teufel war zweimal so gro� wie ein Drow, der Torso war muskul�s, die riesigen schwarzen Fl�gel umh�llten ihn wie ein gl�nzender Mantel. Mit einem b�sen, absch�tzenden Blick erfa�te er die Szene, und Ryld erschrak, als ihm klar wurde, da� das m�chtige Scheusal sich nicht im mindesten von Pharauns Illusion t�uschen lie�.</p><p>Mit einer beil�ufigen Geste lie� der riesige Teufel in seiner Klaue eine gro�e, wallende Kugel aus schwarzem Feuer entstehen, die er auf Pharaun warf. Das finstere Etwas verging in einer gewaltigen Explosion aus d�steren Flammen, die den Turm in seinen Grundfesten ersch�tterte. Pharaun flog vier Meter durch die Luft und erlitt massive Verbrennungen, w�hrend die kleineren Teufel und die anderen Drow gleicherma�en umhergeschleudert wurden.</p><p>�Sie sind hier!� br�llte die Kreatur mit einer Stimme, die wie eine tosende Schmiede klang. �Vernichtet die Drow!�</p><p>Der H�llenschlundteufel wollte eine weitere seiner h�llischen Feuerkugeln beschw�ren, als sich Jeggred � der immer noch wie ein Teufel aussah � in die Flanke des Scheusals warf und an ihm ri� und zerrte. Der gro�e Teufel br�llte vor Zorn auf, w�hrend der Angriff des Draegloth ihn ins Wanken brachte.</p><p>�Lolths s��es Chaos�, murmelte Ryld.</p><p>Wer war gef�hrlicher? Der Betrachter-Magus oder der H�llenschlundteufel? Der Betrachter attackierte weiter jeden Teufel, den er sah, ob es sich nun um einen echten oder einen getarnten handelte. Die meisten Untergebenen des H�llenschlundteufels waren inzwischen gefallen, und er selbst schlug auf Jeggred ein, der direkt vor dem infernalischen Gesch�pf stand und mindestens so gut austeilte, wie er einstecken konnte.</p><p>Der Waffenmeister sah zwischen den beiden Feinden hin und her, z�gerte nur einen kurzen Augenblick, dann hatte er sich entschieden. Leise wie in Pfeil, der durch die Dunkelheit flog, erhob sich Ryld und machte einen Satz nach vorn, w�hrend er einen immensen Hieb gegen den runden Leib des Betrachters f�hrte. Der machte ihn aber sofort aus und schickte einen Lichtblitz in seine Richtung, doch der Waffenmeister wich zur Seite aus und st�rmte weiter voran. Ein weiteres Auge richtete sich auf ihn, woraufhin das Brummen des Betrachters in einen besonders gr��lichen und t�dlichen Ton �berging. Statt abzuwarten, welche Art von Zauber das Monster mit diesem Auge wirken wollte, �nderte Ryld seine Laufrichtung und stieg in die Luft auf, um den Tentakel mit einem gezielten Schlag mit Splitters gl�nzender Klinge abzutrennen.</p><p>Das Brummen des Betrachters ging in einen durchdringenden Schmerzensschrei �ber. Das Monster fuhr herum, um sich Ryld mit weitaufgerissenem Maul zuzuwenden, doch der Waffenmeister zielte sorgf�ltig und trennte ein weiteres Auge ab, ehe er sich duckte und sich unterhalb der aufgebl�hten schwebenden Sph�re zur�ckzog, die von keinem der Augen direkt eingesehen werden konnte.</p><p>Ryld kniete sich hin, packte Splitter fester und jagte den Zweih�nder von unten durch die chitinartige H�lle des Monsters. Dickes schwarzes Blut lief an der Klinge entlang, das gewaltige Monster erzitterte und kreischte wieder.</p><p>�Gut!� rief Jezz.</p><p>Der Jaelre-Renegat stie� arkane Worte aus, mit den H�nden beschrieb er mystische Muster. Auf diese Weise lie� er ein sengendes Gescho� aus magischer S�ure entstehen, das einen weiteren Augenstiel vom Leib des Betrachters brannte, w�hrend sich das Monster vor Schmerzen wand.</p><p>Ryld ri� sein Schwert zur�ck und rollte sich gerade noch rechtzeitig zur Seite weg, da der Betrachter gerade versuchte, ihn unter sich zu begraben, w�hrend seine Kiefer nach ihm schnappten. Als er aufsah, fand er sich genau vor der Vorderseite des Leibes wieder, wo einst das gro�e zentrale Auge aus einem gepanzerten R�ckenschild geblickt hatte. Dieses Auge war nun nur noch eine leere H�hle. Der Waffenmeister erinnerte sich an eine alte Lektion: Ein Betrachter, der Magie erlernen will, mu� sich selbst blenden, um das zu bewerkstelligen.</p><p>Die kleineren Augen zuckten auf ihren Tentakeln, als sie versuchten, sich auf Ryld zu konzentrieren. Der sah seine Chance gekommen, und zur gleichen Zeit sah er sein Ziel vor sich. Mit einer flinken Bewegung trieb er Splitter wie eine Lanze in die leere Augenh�hle und damit tief in das fremdartige Gehirn der Kreatur. Wild entschlossen bewegte er seinen Zweih�nder immer wieder vor und zur�ck, hin und her, w�hrend unabl�ssig schwarzes Blut aus der gr��lichen Wunde spritzte.</p><p>Der Betrachter erzitterte ein letztes Mal, seine Kiefer schlugen zusammen, und die wenigen noch verbliebenen Augenstiele erschlafften. Er sank langsam zu Boden.</p><p>Ryld sah auf und bemerkte, da� sich ihm ein Teufel n�herte, der erkannt hatte, was sich wirklich hinter der Illusion verbarg. Er zog rasch sein Kurzschwert, mit dem er das Scheusal ausweiden wollte, das sich auf ihn st�tzte. Der Teufel ri� ihn zu Boden, sein �belriechendes Blut ergo� sich �ber ihn. Ryld w�rgte vor Ekel und stie� den zuckenden Leib mit einem Schultersto� weg. Gleichzeitig zog er sein Schwert aus dem Leichnam, w�hrend er mit der linken Hand Splitter aus dem Auge des Betrachter-Magus befreite. Dann sch�ttelte er heftig den Kopf, um das Blut der Gegner aus seinen Augen zu bekommen.</p><p>Am Eingang zum Saal ging Jeggred unter einem neuerlichen, schrecklichen Zauber des H�llenschlundteufels zu Boden, einer br�llenden Feuers�ule, die zwar das Fell des Draegloth schw�rzte, die ihn aber nicht auf der Stelle verkohlte, da der Halbd�mon von Geburt an gegen Feuer resistent war.</p><p>Jeggred kreischte und rollte sich �ber den Boden, weil er die Funken ersticken wollte. Der H�llenschlundteufel folgte ihm, um einen weiteren Angriff folgen zu lassen, doch da baute sich Danifae vor ihm auf und verpa�te dem Monster einen so gewaltigen Schlag, da� seine Kniescheibe zertr�mmert wurde. Der Teufel begann zu wanken und nahm seine Fl�gel zu Hilfe, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, doch in dem Moment jagte Valas ihm drei Pfeile in den R�cken, die sich bis zum Federkiel zwischen den Schulterbl�ttern in den Leib bohrten.</p><p>Ryld r�ckte behutsam vor, bereit, sich auf einen Kampf mit dem Teufel einzulassen, doch der von Brandblasen �bers�te Pharaun erhob sich an der Stelle, an der er von dem Feuerball getroffen worden war. Er holte mit einem Regen aus wei�gl�henden Farben aus, der den H�llenschlundteufel erfa�te, als der sich nach dem Bogensch�tzen umdrehen wollte. Ein gr�ner Strahl schnitt eine tiefe, kochende Wunde mitten in den Torso der Kreatur, w�hrend ein gelber Strahl in einer Explosion aus knisternder Elektrizit�t verging, als er die H�fte des Teufels ber�hrte. Das Monster taumelte r�ckw�rts und stolperte �ber eine rauchende Leiche. Im Saal kehrte Ruhe ein, als das Echo des donnernden Sturzes verhallt war.</p><p>Pharaun stand da, einen Arm fest an den Leib gedr�ckt. Eine Hand und Teile seines Gesichts waren gesprenkelt und rosafarben, da sie vom Desintegrationsstrahl des Betrachters zum Gl�ck nur fl�chtig gestreift worden waren. Das Gewand qualmte noch, w�hrend die Wirkung des dunklen Feuerballs langsam nachlie�. Die anderen Drow entspannten sich ein wenig und sahen sich erstaunt um, weil es keine Gegner mehr zu besiegen gab. Zum Gl�ck hatte niemand lebensgef�hrliche Verletzungen erlitten. Quenthel nestelte an ihrem G�rtel, dann zog sie Halisstra heilenden Stab hervor, den sie benutzte, um ihre eigenen Verletzungen zu heilen.</p><p>�Das�, begann Pharaun, �war kein leichtes Spiel. F�r unsere Dienste h�tten wir mehr verlangen sollen.�</p><p>�Ihr seid zu uns gekommen�, gab Jezz zur�ck.</p><p>Er humpelte durch den Raum, um sich den Leichnam des Betrachters genauer anzusehen, der auf den Stufen des alten Podestes lag. Valas und Danifae folgten ihm, behielten aber gleichzeitig die Treppe hinter ihnen im Auge.</p><p>�Verteilt Euch und sucht das Buch�, sagte Jezz. �Wir m�ssen das Geildirion finden und uns zur�ckziehen, ehe alle Teufel Myth Drannors uns angreifen.�</p><p>Jezz befolgte seine eigene Empfehlung als erster und suchte auf einer Reihe von Schreibpulten sowie in Regalen voller Schriftrollen nach dem Buch.</p><p>Ryld setzte sich auf eine Stufe und begann, Splitter von Blut zu befreien. Er war ersch�pft. Jeggred dagegen machte sich sofort auf die Suche nach dem Buch, warf schwere M�bel um und ri� Regale von der Wand. Es war Ryld zwar klar, da� der Draegloth wohl kaum unter den �berresten einer verstaubten, zusammengebrochenen Couch etwas finden w�rde, doch der Halbd�mon schien auf diese Weise besch�ftigt zu sein, und Ryld hatte nicht vor, dem Draegloth in die Quere zu kommen.</p><p>�Seid ruhig! Alle!� sagte Pharaun mit schneidender Stimme.</p><p>Der Magier sprach einen Zauber und begann, sich langsam zu drehen, wobei er aufmerksam den Raum betrachtete. Die anderen, auch Jezz, stoppten ihre ungest�me Pl�nderung und sahen ihn ungeduldig an. Pharaun passierte Jeggred und dann Valas Hune, ehe er vor einer kahlen Wand anhielt. Er begann zu l�cheln, offenbar mit seiner eigenen Leistung zufrieden.</p><p>�Ich habe die Verteidigungsma�nahmen unseres dahingeschiedenen Widersachers �berwunden�, erkl�rte er. �Die Wand dort ist eine Illusion, die ein Vorzimmer verbirgt.�</p><p>Er beschrieb abermals eine Geste, und neben Ryld verschwand auf einmal ein Teil der Mauer und gab den Blick frei auf eine gro�e Nische, die mit altersschwachen Regalen vollgestellt war, in denen sich alte B�cher und Schriftrollen stapelten. Jezz humpelte hastig, aber ungelenk zu den Regalen und �berflog die Titel, um dann alles in eine H�fttasche zu stecken.</p><p>�Ryld, Jeggred, pa�t auf�, wies Quenthel sie an. Sie stand jetzt wieder aufrechter, und der benommene Blick war aus ihren Augen gewichen. Dennoch runzelte sie die Stirn, als sie den heilenden Stab wegsteckte. �Valas, sammelt Gold und Edelsteine des Betrachters ein. Es w�re unsinnig, solche Beute hier zur�ckzulassen, man wei� nie, wann sie sich noch als n�tzlich erweisen kann.� Sie sah zu dem Jaelre-Hexenmeister, der ein gro�es, in gr�ne Schuppen gebundenes Buch in den H�nden hielt. �Nun, Meister Jezz, ist dies das Buch, das Ihr suchtet?�</p><p>Jezz blies den Staub vom Umschlag und strich mit den schlanken Fingern �ber das rauhe Leder. Er l�chelte und verzog sein attraktives Gesicht zu einem L�cheln.</p><p>�Das Geildirion�, hauchte er. �Ja, das ist das Buch. Ich habe, wof�r wir herkamen.�</p><p>�Gut�, sagte Quenthel. �Verschwinden wir von hier, solange es noch geht. Ich glaube, l�nger ertrage ich diesen Ort nicht.�</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Halisstra sa� auf einer Fensterbank in dem Quartier, das man ihr zur Verf�gung gestellt hatte, und zupfte gedankenverloren an den Saiten ihrer Leier aus Drachenknochen. Seit zwei Tagen wurde sie nun hier festgehalten, und sie mu�te feststellen, da� sie es allm�hlich leid war, eingesperrt zu werden.</p><p>Wenn ich eines aus diesem Abenteuer lerne, versprach sie sich, dann ist es, da� ich mich nie wieder einsperren lassen werde.</p><p>Sie hatte erwartet, man werde sie w�hrend des Verh�rs mit Foltermethoden oder magischen Techniken zum Reden bringen, doch Tzirik schien sie beim Wort genommen zu haben. Mehr als ein Drow h�tte mit Vergn�gen die Gelegenheit genutzt, einen Gefangenen zu foltern, egal, ob er die Wahrheit sprach oder nicht. Halisstra fragte sich, ob Tzirik wohl wartete, bis er von Quenthel und den anderen h�rte, ehe er etwas tat, was sie h�tte erz�rnen k�nnen. Halisstra glaubte nicht, da� die Herrin Arach-Tiniliths und ihre Kameraden es geschafft hatten, das gesamte Haus zu unterwerfen, doch es war durchaus denkbar, da� Tzirik zu der Ansicht gelangt war, sich ohne guten Grund besser nicht mit ihnen anzulegen.</p><p>Sie sah aus dem vergitterten Fenster. Das Morgenrot r�ckte rasch n�her. Schon jetzt war der Himmel im Osten schmerzhaft hell, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen war. Halisstra konnte die endlosen gr�nen W�lder Cormanthors erkennen, die sich Kilometer um Kilometer bis zum Horizont erstreckten.</p><p>Als jemand an der T�r klopfte, erschrak sie. Sie drehte sich um, w�hrend aufgeschlossen wurde, dann stand sie auf, als Tzirik in einem prachtvollen rot-schwarzen Mantel mit hohem Kragen eintrat.</p><p>�Herrin Melarn�, sagte er und verbeugte sich nachsichtig, �Eure Kameraden sind zur�ck. Wenn Ihr mich begleitet, werden wir sehen, ob es einen Grund f�r sie gab, Euch in der Wildnis dieser Welt zur�ckzulassen.�</p><p>Halisstra stellte ihre Leier weg und fragte: �Waren sie erfolgreich?�</p><p>�Das waren sie, weshalb ich auch beabsichtige, Euch in die Freiheit zu entlassen. W�ren sie gescheitert, h�tte ich Euch als Geisel benutzt, um sie zu einem zweiten Versuch zu bewegen.�</p><p>Sie schnaubte, w�hrend der Priester sie aus dem Raum f�hrte. Er ging mit ihr durch die eleganten hellen S�le und Korridore der Minauth-Feste. Ein Paar Jaelre-Krieger, die Harnische trugen, die in Gr�n und Braun gesprenkelt waren, hielt sich dicht hinter ihnen. An der H�fte trugen sie Kurzschwerter. Sie erreichten eine kleine Kapelle, die in den Farben Vhaerauns geschm�ckt war, und dort warteten Quenthel, Danifae und der Rest der Truppe.</p><p>�Wie ich sehe, habt Ihr die Widrigkeiten Myth Drannors �berwinden k�nnen und seid zur�ckgekehrt�, begr��te Tzirik sie. �Wie Ihr sehen k�nnt, habe ich auch etwas gefunden, das Euch geh�rt.�</p><p>Halisstra betrachtete die Gesichter ihrer vormaligen Gef�hrten, die �berrascht reagierten. Ryld l�chelte herzlich, senkte dann aber den Blick und trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen. Danifae kam und gab ihr die Hand.</p><p>�Herrin Melarn�, sagte sie. �Wir dachten, Ihr seid verloren.�</p><p>�Das war ich�, erwiderte Halisstra.</p><p>Sie stellte �berrascht fest, wie erleichtert sie war, wieder unter ihren fr�heren Gef�hrten � auch wenn sie Eindringlinge aus einer rivalisierenden Stadt waren � zu sein und auch ihre Kriegsgefangene wiederzusehen. Danifae war vielleicht nicht mehr Halisstras Anh�ngsel, doch der Zauber band sie immer noch an sie und machte sie damit zur einzigen echten Verb�ndeten, die Halisstra noch hatte.</p><p>�Wo wart Ihr?� fragte Quenthel.</p><p>�Man versuchte mehrere Tage lang, mich zu Eilistraee zu bekehren, wenn man so etwas glauben kann�, antwortete Halisstra. �Lolth gab mir Gelegenheit, zwei von Eilistraees Klerikerinnen zu t�ten und zu entkommen.�</p><p>Auch wenn ihr Herz von finsterem Stolz �ber ihre Leistungen erf�llt war, empfand Halisstra eine gewisse Entt�uschung, was das Ergebnis ihres Verrats anging. Sie war mit der Kunst des Verrats bestens vertraut, doch es kam ihr so vor, als h�tte sie nur getan, was von ihr erwartet wurde.</p><p>�Zweifellos haben die Oberfl�chenbewohner Euch nur freigelassen, um Eure wahren Absichten in Erfahrung zu bringen�, sagte Quenthel. �Das ist ein alter Trick.�</p><p>�Das dachten wir auch�, sagte Tzirik. �Wir haben jedoch Herrin Melarns Geschichte �berpr�ft, und sie hat sich als wahr herausgestellt. Es ist fast erheiternd, wie naiv unsere Schwestern sind, die Eilistraee anbeten.� Er hielt inne und rieb sich die H�nde. �Doch sei dem, wie es sei. Jezz lie� mich wissen, da� Ihr ihm helfen konntet, das Buch zu bergen, das wir ben�tigen.�</p><p>�Wir <emphasis>halfen</emphasis> ihm?� knurrte Jeggred.</p><p>�Seine Aufgabe war es, das Buch zur�ckzubringen�, erwiderte Tzirik. �Nicht, sich einen Kampf mit den Bewohnern Myth Drannors zu liefern.�</p><p>�Ihr habt Euer Buch�, sagte Quenthel und ging �ber Jeggreds Knurren hinweg, w�hrend sie die Arme verschr�nkte und ihren Blick auf Tzirik richtete. �Seid Ihr bereit, Euren Teil der Abmachung zu halten?�</p><p>�Es ist bereits geschehen�, entgegnete der Priester. Er sah zum bronzenen Abbild hoch oben an der Wand und beschrieb eine knappe Verbeugung. �Unabh�ngig davon, ob Ihr lebend zur�ckgekehrt w�rt oder nicht, wollte ich mich mit dem Maskierten Gott besprechen und f�r mich selbst in Erfahrung bringen, warum sich Lolth von Euch abschottet. Eure Geschichte hatte mich neugierig gemacht.�</p><p>Quenthel knirschte mit den Z�hnen. �Was habt Ihr herausgefunden?� brachte sie heraus.</p><p>Tzirik geno� sein Wissen und reagierte mit einem bewu�t �berheblichen L�cheln, w�hrend er sich von der Gruppe entfernte und auf einem kleinen Podest an einer Seite der Kapelle Platz nahm.</p><p>Er faltete die H�nde und erkl�rte: �Insgesamt entspricht Eure Geschichte der Wahrheit. Lolth gew�hrt ihren Priesterinnen keine Zauber mehr, und sie reagiert auch nicht auf Gesuche.�</p><p>�Das wu�ten wir schon�, stellte Pharaun fest.</p><p>�Aber ich nicht�, antwortete der Priester. �Es scheint so, als habe sich Lolth auf irgendeine Weise in ihrem H�llenreich verbarrikadiert. Sie verweigert den Kontakt, nicht nur zu ihren Priesterinnen, sondern zu allen Wesen. Das d�rfte auch erkl�ren, warum die D�monen, die Ihr beschworen hattet, um von ihnen Antworten �ber den Verbleib Lolths zu erhalten, Euch nicht helfen konnten.�</p><p>Die Menzoberranzanyr standen schweigend da und dachten �ber Tziriks Antwort nach. Halisstra war verwirrt.</p><p>�Warum sollte Lolth das tun?� �berlegte sie laut.</p><p>�Im Geiste der Offenheit m�chte ich einr�umen, da� Vhae-raun das auch nicht wei� oder zumindest nicht will, da� ich es wei߫, sagte Tzirik. Sein k�hler Blick blieb auf Halisstra haften.</p><p>�Im Augenblick ist eine g�ttliche Laune eine m�gliche Erkl�rung, aber m�glich ist auch alles andere.�</p><p>�Ist sie ... lebt sie?� fl�sterte Ryld. Quenthel und die anderen Priesterinnen warfen dem Waffenmeister w�tende Blicke zu, doch er ignorierte sie und fuhr fort: �Was ich damit sagen will, ist: W��ten wir, wenn sie von einem anderen Gott get�tet worden w�re? Oder wenn sie krank oder in Gefangenschaft geraten ist?�</p><p>�Wenn wir uns nur so gl�cklich sch�tzen k�nnten�, lachte Tzirik. �Nein, Lolth lebt, auch wenn die Frage sich stellt, wie man diesen Zustand bei einer G�ttin definiert. Ob sie sich selbst im Abgrund der D�monennetze eingeschlossen hat oder ob eine andere Macht sie einschlo�, hat Vhaeraun nicht gesagt.�</p><p>�Wie lange wird dieser Zustand anhalten?� fragte Halisstra.</p><p>�Auch das wei� Vhaeraun nicht, oder aber er will nicht, da� ich es wei߫, sagte Tzirik. �Die Frage sollte aber eher lauten: Wird dieser Zustand ein Ende nehmen? Die Antwort darauf ist ja. Er wird ein Ende haben, doch ehe Ihr Euch von dieser Aussage zu schnell tr�sten la�t, m�chte ich Euch daran erinnern, da� eine G�ttin eine deutlich andere Vorstellung haben kann, was wir als eine vertretbare Zeitspanne erachten. Der Maskierte Gott kann sich auf etwas bezogen haben, was morgen, n�chsten Monat, n�chstes Jahr oder vielleicht erst in hundert Jahren eintritt.�</p><p>�So lange k�nnen wir nicht warten�, murmelte Quenthel. Ihr Ausdruck war von den Gedanken an das ferne Menzoberranzan gepr�gt. �Wir m�ssen bald eine L�sung finden.�</p><p>�Dann verehrt eine Gottheit, die mehr um Euer Wohl besorgt ist�, meinte Tzirik. �Wenn es Euch interessiert, kann ich Euch umfassend �ber die Tugenden des Maskierten Gottes Auskunft geben.�</p><p>Quenthel versteifte sich, hielt aber ihre Zunge im Zaum, was f�r die Baenre eine bemerkenswerte Leistung war.</p><p>�Das mu� ich ablehnen�, sagte sie. �Hat der Maskierte Gott noch irgendeinen anderen Vorschlag f�r uns, Priester?�</p><p>�Den hat er�, erwiderte Tzirik und lehnte sich, an Quenthel gewandt, auf seinem Stuhl nach vorne. �Das waren seine Worte, die er zu mir sprach, also h�rt sie Euch gut an: �Die Kinder der Spinnenk�nigin sollten sie f�r Antworten aufsuchen.��</p><p>�Das haben wir�, rief Halisstra. �Wir alle, doch sie h�rt uns nicht.�</p><p>�Ich glaube, das hat er nicht gemeint�, sagte Danifae. �Ich glaube, Vhaeraun will damit sagen, da� wir nichts herausfinden werden, wenn wir uns nicht selbst in den Abgrund der D�monennetze begeben, um die G�ttin pers�nlich anzuflehen.�</p><p>Tzirik schwieg und sah die Menzoberranzanyr an. Quenthel ging im Kreis und dachte �ber diese Idee nach.</p><p>�Lolth erwartet von ihren Priesterinnen ein gewisses Ma� an Initiative und Eigenverantwortung�, erkl�rte die Herrin Arach-Tiniliths. �Aber sie erwartet auch Gehorsam. Sich zu ihr in ihr g�ttliches Heim zu begeben, um Antworten zu erhalten ... Lolth wird einen solchen Affront nicht am�sant finden.�</p><p>Halisstra schwieg und dachte �ber das nach, was Tzirik gesagt hatte. Reisen auf andere Ebenen waren ihr nicht fremd. Pharauns Zauber hatte die Gruppe durch die Ebene der Schatten reisen lassen, und es gab viele Universen, viele Himmel und H�llen, in die sich Sterbliche begeben konnten, wenn sie mit der richtigen Magie ausgestattet waren. Es gab Wunder und Schrecken, die die Grenzen der stofflichen Welt �berstiegen, doch die Vorstellung, eine solche Reise ohne Lolths ausdr�ckliche Einladung zu unternehmen �ngstigte Halisstra.</p><p>�Die Strafen, die uns erwarten, wenn wir in dieser Angelegenheit nicht Lolths Willen befolgen, werden gravierend sein�, gab Halisstra zu bedenken.</p><p>�Haben wir denn nicht soeben Lolths Willen geh�rt?� fragte Danifae. �Sie hat uns hierher gef�hrt, damit wir diese Frage stellen. Das ist, als h�tte sie uns ihren Befehl direkt erteilt. Sie k�nnte ver�rgert sein, wenn wir das nicht erkennen.�</p><p>Halisstra war es gew�hnt, sich sicher zu f�hlen, wenn es darum ging, die W�nsche Lolths zu interpretieren. Bevor das g�ttliche Schweigen die Priesterinnen Lolths befallen hatte, war ihr die seltene Ber�hrung durch das Fl�stern Lolths in ihrem Geist vertraut gewesen. Es geschah nicht oft � schlie�lich war sie nur eine von Tausenden von Priesterinnen �, doch sie wu�te, wie es sich anf�hlte, bis ins Tiefste ihrer Seele zu verstehen, welchen Wunsch Lolth hatte und wie er zu erf�llen war. Doch jetzt f�hlte Halisstra nichts. Offenbar wollte Lolth, da� sie es selbst herausfand.</p><p>Halisstra sah dorthin, wo die bronzene Maske Vhaerauns �ber einem schwarzen Altar hing. Die Fremdheit dieses Ortes war fast greifbar, ein Ausdruck f�r alles, was sie verloren hatte. Statt vor einem alten Altar im stolzen Tempel des Hauses Melarn zu stehen und von Lolths g�ttlicher Gewi�heit erf�llt zu sein, w�hrend sie die Opferrituale und Dem�tigungen �ber sich ergehen lie�, die die Spinnenk�nigin von ihr verlangte, stand sie allein und verloren da, ein Eindringling im Tempel eines vorgeblichen Gottes, w�hrend sie blindlings nach einem Hinweis suchte, was Lolth von ihr erwartete.</p><p>Sie stellte sich vor, wie sie vor Lolth trat, ihre Seele der G�ttin entbl��t, ihre Augen weit aufgerissen vom Anblick von Lolths finsterem Ruhm, ihre Ohren versengt vom Klang der zischenden Stimme der Spinnenk�nigin. Vielleicht war es ein Affront zu glauben, Lolth werde ihre Zweifel ausl�schen, Antworten auf ihre Fragen geben und ihr verletztes Herz heilen, doch Halisstra stellte zu ihrer Verwunderung fest, da� es sie nicht k�mmerte. Wenn Lolth beschlossen hatte, sich ihrer zu entledigen und sie zu bestrafen, w�rde sie das auch tun. Warum hatte sie Ched Nasad und Haus Melarn vernichtet, wenn sie nicht Halisstra vor sich treten lassen und sie flehen h�ren wollte?</p><p>�Ich stimme mit Danifae �berein�, sagte sie. �Ich w��te nicht, welchem anderen Zweck das alles dienen soll, als uns vor den Thron Lolths zu bestellen. In ihrer Gegenwart werden wir unsere Antworten erhalten.�</p><p>Quenthel nickte und erkl�rte: �Ich deute ihren Willen nicht anders. Wir m�ssen uns in den Abgrund der D�monennetze begeben.�</p><p>Ryld und Valas Hune tauschten besorgte Blicke aus.</p><p>�Eine Reise in die sechsundsechzigste Ebene des Abgrunds�, bemerkte Pharaun. �Ich habe von diesem Ort getr�umt. Es w�re interessant, ob die Wirklichkeit mit meinem viele Jahre alten Traum einhergeht. Allerdings mu� ich sagen, da� ich mich nicht freue, Lolth pers�nlich zu begegnen. Als ich diese Vision hatte, schlug sie meine Seele in St�cke. Ich brauchte Monate, um mich davon zu erholen.�</p><p>�Vielleicht sollten wir nach Menzoberranzan zur�ckkehren und berichten, was wir in Erfahrung gebracht haben, ehe wir irgend etwas �berst�rzen�, schlug Ryld vor. Er war beunruhigt �ber die Aussicht, sich in die infernalischen Reiche zu begeben.</p><p>�Nun, da ich den Willen Lolths verstanden habe, m�chte ich keine Zeit verlieren, ihn zu erf�llen�, erkl�rte Quenthel. �Pharaun kann seinen Sendezauber verwenden, um Gromph von unseren Absichten zu unterrichten.�</p><p>�Aber�, wandte Valas Hune ein, �wie gelangt man denn eigentlich in den Abgrund der D�monennetze?�</p><p>�Man mu� sein Leben lang Lolth anbeten�, antwortete Quenthel mit einem finsteren Ausdruck in den Augen, �und dann sterben.�</p><p>Halisstra sah erst Quenthel, dann den Sp�her an und sagte: �W�rde Lolth uns unsere Zauber gew�hren, k�nnten wir das mit Leichtigkeit erledigen. Ohne sie wird es nicht einfach werden. Pharaun?�</p><p>�Ich werde bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet, die erforderlichen Zauber lernen�, sagte der Magier. �Ich nehme an, ich werde einen f�higen Zauberer finden m�ssen, der �ber die notwendigen Zauber verf�gt, und ihn �berreden m�ssen, einen davon mit mir zu teilen.�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein, Pharaun�, sagte Tzirik. Er erhob sich und kam selbstsicher vom Podest herunter. �Mein Gott hat nicht entschieden, mich meiner Zauber zu berauben, au�erdem bin ich daran interessiert, mit eigenen Augen zu sehen, was sich in Lolths Reich abspielt. Wir k�nnen heute abend aufbrechen, wenn Euch das recht ist.�</p><empty-line/><p>Kompanie um Kompanie marschierte die Armee der Schwarzen Spinne voller Stolz in die weite H�hle hinter den S�ulen des Leids. Sie war nicht mit der weitl�ufigen H�hle Menzoberranzans vergleichbar, auch nicht mit den unvorstellbaren Weiten von Dunkelsee, doch die Ebene am Kopf der Schlucht war trotz allem beeindruckend � eine asymmetrische Ebene, die wohl einen Durchmesser von achthundert Metern hatte und deren Decke sich einige hundert Meter in die H�he erstreckte. Unz�hlige S�ulen trugen diese Decke, und Felsplatten �hnliche Nebenh�hlen verliefen in alle Richtungen wie Wege, die in die Finsternis zu locken schienen.</p><p>Nimor �berblickte die H�hle von seiner Streitechse herab und sah zu, wie die gro�en H�user Menzoberranzans einmarschierten und sich um ein Dutzend verschiedene Banner sammelten. Ihm blieben mehr als zwei Tage, um die diversen Spalten, H�hlen und Durchg�nge auszukundschaften, die zu dieser freien Stelle f�hrten. Der strategische Vorteil der S�ulen des Leids war offensichtlich. Nur eine Stra�e verlief nach S�den und f�hrte durch eine m�hselig zu durchquerende Schlucht, w�hrend eine Reihe von Tunneln dort endeten, wohin er die Drow gef�hrt hatte. Jeder von ihnen f�hrte in das dunkle Reich Menzoberranzans.</p><p>�Ein guter Platz f�r eine Schlacht�, sagte er zu sich und nickte zufrieden.</p><p>Sein Reittier, das von Natur aus eine b�sartige, aber dumme Bestie war, schien dumpf wahrzunehmen, da� ein Konflikt bevorstand. Das Tier fauchte und trat auf dem mit Kieseln �bers�ten Grund umher, der Schwanz zuckte aufgeregt hin und her.</p><p>Nimor wartete nahe der Mitte der Linie aus Sp�hern, die an der Spitze von fast hundert Reitern Agrach Dyrrs die L�cke zwischen den S�ulen schlossen. Die Angeh�rigen seines Sp�htrupps, die anderen H�usern treu waren, lagen zwischen den Felsen und Spalten in der Schlucht darunter, wo Nimor und seine M�nner sie get�tet hatten, kurz nachdem sie an den S�ulen des Leids angelangt waren.</p><p>Nimor w�re nur zu gern hinaufgeritten, um Mez�Barris Arm-go, Andzrel Baenre und den Rest der Priesterinnen und Befehlshaber der Armee zu gr��en. Er sah den Pavillon, der soeben in der Mitte der H�hle aufgebaut wurde.</p><p>Das Problem bei einem Verrat, der sich �ber das gesamte Schlachtfeld erstreckte, war der, da� man einfach nicht �berall sein konnte, um den Augenblick in seiner Gesamtheit zu genie�en.</p><p>Er sah eine schmale Laufechse, die vom Befehlsstand auf dem Weg zu seiner Kompanie war.</p><p>�Sieht aus, als w�rde ich gebraucht, Jungs�, sagte er zu den Soldaten Agrach Dyrrs, die hinter ihm warteten. �Ihr wi�t, was ihr zu tun habt. Wartet auf das Signal. Wenn es ert�nt, legt los.�</p><p>Nimor lie� seine Streitechse lostraben und ritt dem Boten ein St�ck entgegen. Der Reiter war ein junger Mann, der die Kleidung des Hauses Baenre trug � sicherlich ein besonders gut gelittener Neffe oder Vetter, dem man eine vergleichsweise sichere Aufgabe zugewiesen hatte, die kein gro�es Risiko f�r sein Leben bedeutete. Er trug keinen Helm, so da� sein Haar wie eine M�hne hinter ihm im Wind flatterte. Ein hellrotes Banner wehte an einem Harnisch, der an seinem Sattel befestigt war.</p><p>�Ihr seid Hauptmann Zhayemd?� rief er und wurde langsamer, um Nimor zu begr��en.</p><p>�Ja.�</p><p>�Eure Anwesenheit ist umgehend im Befehlspavillon erforderlich, Herr. Matrone Del�Armgo m�chte wissen, wo sich die Duergar befinden und wie die Truppen am besten aufzustellen sind.�</p><p>�Verstehe�, erwiderte Nimor. �Ihr k�nnt zur�ckreiten und ihr sagen, ich werde unverz�glich hin�berreiten.�</p><p>�Bei allem Respekt, Herr, aber ich soll ...�</p><p>Drei Hornst��e � zwei kurze gefolgt von einem langen � ert�nten zwischen den S�ulen des Leids und erzeugten ein so lautes Echo, da� man h�tte meinen k�nnen, der Fels selbst w�rde diese Laute aussto�en. Der Bote verstummte und wendete sein Reittier, um an Nimor vorbeizureiten und einen Blick auf die S�ulen zu werfen.</p><p>�Bei Lolths Zorn, was war das?� wunderte er sich.</p><p>�Das�, entgegnete Nimor, �d�rfte das Signal f�r den Angriff der Duergar sein.�</p><p>Aus den Tiefen der Schlucht unterhalb der S�ulen des Leids war das Donnern einer Armee auf dem Vormarsch zu h�ren, das den Boden erzittern lie�. Unterhalb der Linie von Nimors Sp�hern tauchten auf einmal zu Hunderten auf Echsen reitende Duergar auf, die sich unter sorgf�ltig angeordneten Tarnnetzen erhoben und in die L�cke vorstie�en, die Nimors Sp�her halten sollten. Hinter der Duergar-Kavallerie st�rmte eine immense Duergar-Infanterie los, stie� ihre rauhen Kriegsrufe aus und hielt H�mmer und �xte hoch �ber den K�pfen. Die Reiter Agrach Dyrrs sa�en auf, gingen in Position, um zwischen den gewaltigen Felss�ulen die Angreifer in die Zange zu nehmen � und dann beschrieben sie wie verabredet eine Drehung und eilten davon, womit die vorderste Verteidigungslinie von einem Augenblick zum anderen ungesch�tzt war.</p><p>�Agrach Dyrr verr�t uns!� schrie der Bote, dem das Entsetzen �ber diese Vorgehensweise anzusehen war.</p><p>Er ri� sein Reittier herum, doch Nimor beugte sich im Sattel nach vorn und rammte dem Jungen seine Klinge in den Leib. Der Baenre pre�te die H�nde auf die Wunde, schwankte und fiel. Mit der Breitseite seiner Klinge schlug Nimor der Echse gegen den Leib, die daraufhin zur�ck in die Haupth�hle eilte und den toten Boten mitschleifte, dessen F��e sich in den Steigb�geln verfangen hatten.</p><p>Nimor lie� sein Reittier ein schiefes St�ck Fels erklimmen, das gut viereinhalb Meter �ber dem H�hlenboden lag und einen Blick �ber die S�ulen erlaubte. Von dort konnte er den gr��ten Teil der H�hle �berblicken.</p><p>�Eine sch�ne Aussicht auf den Kampf, mein Prinz!� rief er. �Was f�r ein gro�artiger Tag f�r Euren Sieg, nicht wahr?�</p><p>�In einer Viertelstunde werde ich Euch sagen, ob es einen Sieg gibt oder nicht.�</p><p>Aus dem Schatten im hinteren Teil des Felsvorsprungs trat Horgar Stahlschatten. Er und seine Leibwache wurden von einer geschickten Illusion gesch�tzt, so da� er f�r jeden anderen unsichtbar war, es sei denn, man wu�te genau, wo man nach ihm zu suchen hatte.</p><p>�Kommt nicht n�her, Nimor�, sagte der Prinz. �Ich m�chte nicht, da� Euch jemand in einer Wand verschwinden sieht und �ber die Ma�en neugierig darauf wird, was hier wohl geschehen mag.�</p><p>�Sicher wollt Ihr doch auch in die Schlacht eingreifen, Prinz Horgar? Ich wei�, Ihr seid ein mutiger Zwerg.�</p><p>�Ich werde mich ins Get�mmel st�rzen, wenn ich sicher sein kann, da� ich keine weiteren Befehle erteilen mu�. In einigen Momenten werdet Ihr nicht mehr h�ren k�nnen, ob Euch ein Kamerad direkt ins Ohr schreit.�</p><p>Nimor konzentrierte sich wieder auf die Schlacht. Die Reiter Agrach Dyrrs, die sich von den S�ulen zur�ckgezogen hatten, ritten wie wahnsinnig auf einem kreisf�rmigen Weg, der entlang des H�hlenrandes verlief und auf dem sie dem gr��ten Teil der Armee von Menzoberranzan ausweichen konnten. Ihre Aufgabe war es, zur Infanterie Agrach Dyrrs am Ende des Zuges zu gelangen und den Tunnel zu verschlie�en, durch den die Armee der Schwarzen Spinne gekommen war.</p><p>Duergar-Reiter str�mten durch die L�cke und �berrannten die Stellungen, die sie eigentlich h�tten aufhalten sollen. Etliche Kontingente der H�user, die die Vorhut der Truppen bildeten, waren in Unordnung geraten, �berrascht dar�ber, von einem derartigen Ansturm erfa�t zu werden, anstatt hinter einer stabilen Frontlinie sich auf eine Belagerung einzurichten und das Lager aufzuschlagen.</p><p>Andere H�user reagierten auf diesen pl�tzlichen Angriff gewandt und mutig. Das immense Baenre-Kontingent stie� einen w�tenden Kriegsschrei aus und st�rmte vor, um den Pa� zu erobern, ehe noch mehr Duergar in die H�hle str�men konnten.</p><p>�Ein mutiger Zug, Andzrel�, sagte Nimor mit ehrlicher Bewunderung. �Leider d�rfte es zu sp�t sein, um den Korken wieder auf die Flasche aufzusetzen.�</p><p>Nimor zog leicht an den Z�geln, um sich in eine Position zu bringen, von der aus er einen besseren Blick auf den Mittelpunkt der H�hle hatte. Er hatte erwartet, alles in der H�hle werde in Bewegung sein, da� die Reihen vorw�rts st�rmen und sich wieder zur�ckziehen w�rden wie die blutige Str�mung einer See aus Eisen. Doch der Kampfesl�rm war schlicht unertr�glich. Der Fels zu allen Seiten warf das Gebr�ll zur�ck, die Schreie und das Scheppern der Waffen und Schilde verschmolz zu einem einzigen Klangteppich, einer donnernden Ger�uschkulisse, die sich immer weiter steigerte, je mehr Krieger sich in die K�mpfe einmischten.</p><p>�Der L�rm wird f�r uns arbeiten�, rief er �ber die Schulter Horgar zu, obwohl er sein eigenes Wort nicht verstand. �Die Befehlshaber der Armee der Schwarzen Spinne m�ssen entscheiden, wie die Truppen reagieren sollen, und sie m�ssen die entsprechenden Befehle geben.�</p><p>�Ja�, antwortete der Duergar. Nimor hatte M�he, ihn zu verstehen. �Wenn man sich erst mal mitten in einer Schlacht befindet, ist das ein schlechter Zeitpunkt, um die Schlacht zu planen!�</p><p>Ein glei�ender Lichtblitz scho� in die Reihen der Duergar, gefolgt von einem Donnerschlag, der sogar den Kampfl�rm �bert�nte. Explodierende Feuerb�lle und sengende Flammenteppiche jagten �bers Schlachtfeld, als die Magier auf beiden Seiten in den Kampf einzugreifen begannen.</p><p>Nimor legte die Stirn in Falten. Eine Handvoll m�chtiger Magier konnte die Entscheidung bringen, trotz des w�tenden Angriffs der Duergar und der Verschlagenheit seiner Verb�ndeten in Agrach Dyrr. Doch es gab auch Magier in den Reihen der Duergar, von denen viele als Reiter und Infanteristen getarnt waren. Als die Drow-Magier ihre Angriffe auf die Duergar starteten, verrieten sie zugleich ihre eigenen Positionen. Die Duergar-Magier reagierten auf jeden Blitz und jedes Feuer, und binnen weniger Augenblicke war die gesamte H�hle von schmerzendem Licht und von r�tlichem Feuer erf�llt, die Luft war hei� und �tzend, da von beiden Seiten mit m�chtiger Magie r�cksichtslos um sich geworfen wurde.</p><p>Sosehr er sich auch bem�hte, konnte Nimor nicht sagen, wessen Magie den Sieg bringen w�rde, da die ganze Szene in eine Anarchie versank. Innerhalb weniger Herzschl�ge erfa�te die gewaltige Truppe aus Menzoberranzanyr in der Mitte der H�hle den ersten Ansturm der Duergar, und die beiden Armeen standen sich schnell in einer langen Linie gegen�ber, die sich �ber viele Hundert Schritt durch die H�hle schl�ngelte. Standarten wurden geschwenkt und versanken, Streitechsen b�umten sich auf und gingen zu Boden, als der massive Ansturm in Tausende von individuellen Duellen zerfiel.</p><p>Kolonnen schwerbewaffneter Duergar dr�ngten durch die L�cken, an denen sich die verschiedenen H�user der Dunkelelfen begegneten, und str�mten zwischen ihren Gegnern hindurch, um sie einzukreisen. Nimor l�chelte. Die Drow hatten keine Ahnung, wie sie ihre Kompanien zusammenschwei�en sollten, um aus der Armee eine einzige t�dliche Waffe zu machen. Dennoch war das Kontingent eines jeden Hauses eine kleine Armee todbringender, erfahrener Veteranen. Der Ansturm der Duergar hatte die Armee der Schwarzen Spinne in zwanzig kleinere Streitm�chte zerschlagen, die sich zur Wehr setzten wie ein Haufen Skorpione, die man in einen Korb gesetzt und dann umgesto�en hatte.</p><p>�Unser Sieg ist noch fraglich, Nimor�, rief Horgar von oben. �Die verfluchten Magier haben unseren Angriff behindert!�</p><p>�Aber Ihr habt die S�ulen bezwungen, nicht?� erwiderte Nimor. �Ich h�tte gedacht, der erste Ansturm w�rde die Menzoberranzanyr sofort niederringen, aber es scheint, die Armeen der H�user lassen sich nicht so leicht �berrennen.�</p><p>W�hrend er den Kampf beobachtete, fand Nimor, da� die Duergar mit dem Vorteil des �berraschungselementes die H�user von Menzoberranzan am ehesten schlagen w�rden, doch es w�rde ein langer Tag voll heftiger Gefechte werden, um die Streitmacht der Dunkelelfen zu dezimieren. Vor allem Haus Baenre war es f�r den Augenblick gelungen, die S�ulen des Leids abzutrennen, und je l�nger Andzrel den Pa� verteidigen konnte, um so gr��er wurden die Chancen f�r die Dunkelelfen.</p><p>Zum Gl�ck hatte Nimor f�r diesen Fall Vorkehrungen getroffen. Die Menzoberranzanyr schienen an der Front vollauf mit dem Angriff der Duergar besch�ftigt. Es wurde Zeit, das Messer zwischen die Rippen der Menzoberranzanyr zu jagen, w�hrend ihre Schwerter anderweitig eingesetzt wurden.</p><p>�Jetzt, Aliisza�, rief er in die Luft.</p><p>Nimor lie� sein Reittier wenden, zog sein Schwert und jagte die Streitechse in den Kampf. Mez�Barris Armgo und Andzrel befanden sich irgendwo mitten in der Schlacht, und er w�rde daf�r sorgen, da� sie der Vernichtung ihrer Armee nicht entgingen.</p><empty-line/><p>Nicht ganz einen Kilometer entfernt stand Aliisza in einem schmalen Tunnel, der von Osten kommend zum vorderen Abschnitt der S�ulen des Leids f�hrte. Sie hatte die Augen geschlossen und konzentrierte sich ganz auf den Zauber, der es ihr erlaubte, Nimor zu beobachten. Dank der Magie, die sie zum Einsatz gebracht hatte, h�rte sie jedes seiner Worte so, als h�tte er sie in einem v�llig ruhigen Raum gesprochen. Sie sch�ttelte sich und beendete den Zauber.</p><p>�Es ist Zeit�, sagte sie zu Kaanyr.</p><p>�Gut�, erwiderte der Kriegsherr. Das breite Grinsen, das von Vorfreude auf den bevorstehenden Kampf gepr�gt war, entbl��te seine spitzen Z�hne. Er warf dem Assassinen Zammzt, der in seiner N�he stand, einen Blick zu. �Nun, Abtr�nniger, dies ist Euer Gl�ckstag. Ich werde meine Krieger gegen die Drow antreten lassen, nicht gegen Eure Duergar-Verb�ndeten.�</p><p>Zammzt nickte und erwiderte: �Ich versichere Euch, Ihr werdet es nicht bereuen. Vernichtet diese Armee, und Menzoberranzan wird ungesch�tzt daliegen.�</p><p>Kaanyr ging an dem Alu-Scheusal und dem Drow vorbei hin�ber zu den Standartentr�gern.</p><p>�Gebt das Signal zum Angriff!� rief er.</p><p>Sofort begannen ein Dutzend Grottenschrat-Trommler auf ihre Instrumente zu schlagen und lie�en einen Trommelwirbel aus drei Schl�gen ert�nen, den sie dreimal wiederholten. Die Tanarukks, die Kaanyr Vhoks Geknechtete Legion bildeten, heulten blutr�nstig auf und r�ckten vor, stampften dabei mit ihren F��en und stie�en gegenseitig mit ihren �xten an, w�hrend sie durch den Tunnel str�mten. Kaanyr zog sein Schwert und schlo� sich seinen Truppen an, w�hrend seine Wachen und Standartentr�ger sich beeilen mu�ten, um mit ihm mitzuhalten. Aliisza hielt bei dem Anblick den Atem an und stieg in die Luft, um Kaanyrs Standarte zu folgen. Eine solche Schlacht bekam man nicht alle Tage zu sehen.</p><p>Vor den heranst�rmenden Tanarukks begann eine Felswand an der Flanke der Armee der Schwarzen Spinne zu flimmern und verschwand dann v�llig, so da� pl�tzlich ein Tunnel an einer Stelle klaffte, der bis dahin von einer Illusion getarnt worden war. Die gr�lende Horde Tanarukks ergo� sich aus dem verborgenen Gang und attackierte die Drow-Armee von hinten, w�hrend die gro�en H�user mit den Duergar-Reitern alle H�nde voll zu tun hatten, die aus Richtung der S�ulen des Leids gekommen waren. Aliisza sah Kaanyrs rotes Banner, das voller Stolz an der Spitze der Streitmacht wehte, die in die Schlacht st�rmte.</p><p>Nur eine Handvoll kleinere H�user standen der heranst�rmenden Horde im Weg. Die Woge aus blutr�nstigen Ork-D�-monen �bersp�lte sie, die sich einem Speer aus rotgl�henden Eisen gleich in die Flanke der Armee bohrten. Aliisza jubelte vor Erregung und Entsetzen, gefesselt von dem unglaublichen Spektakel. Sie war au�erstande, ihrer Begeisterung in einer anderen Weise Ausdruck zu verleihen. Die Armee der Schwarzen Spinne war hoffnungslos in einen Kampf verstrickt, den sie nicht hatte k�mpfen wollen, ein wildes Gemetzel auf einem offenen Terrain gegen die vereinten Armeen Gracklstughs und Kaanyr Vhoks. Wie Inseln in einer tosenden See aus Widersachern war jedes Haus aus Menzoberranzan auf sich allein gestellt und mu�te gegen eine Flut aus Stahl und Zaubern ums �berleben k�mpfen.</p><p>Das Alu-Scheusal lie� sich auf einem Stalagmiten nieder und betrachtete das Schauspiel.</p><p>Oh, Nimor, dachte sie. Was hast du gro�artiges und schreckliches zugleich getan!</p><empty-line/><p>Nimor Imphraezl, die Gesalbte Klinge der Jaezred Chaulssin, bewegte sich durch eine Szenerie, wie sie sich alle Teufel in allen H�llen wohl nicht schrecklicher h�tten ausmalen k�nnen. Das Blut Dutzender bedeutender Drow mischte sich an seinem Rapier und befleckte sein schwarzes Kettenhemd. Seine Streitechse war tot, verbrannt durch den Lichtblitz eines Magiers der Tuin�Tarl. Seine Gliedma�en schmerzten vor Ersch�pfung und aufgrund Dutzender kleiner Wunden, doch Nimor grinste wild, da das Ergebnis seines t�dlichen Werkes ihn f�rmlich berauschte.</p><p>�Wer hat nun etwas erreicht, verehrter Gro�vater?� lachte er lauthals. �Zammzt hat dir vielleicht Ched Nasad gegeben, doch ich habe Menzoberranzan niedergerungen!�</p><p>Die Schlacht tobte seit Stunden. Statt eine undurchdringliche Linie zwischen den S�ulen des Leids zu bilden, war die Armee der Schwarzen Spinne von allen Seiten von einem Feind best�rmt worden, der sich das Terrain und den Zeitpunkt der Schlacht ausgesucht hatte. Wie bei einer gro�en, dummen Bestie mit einer t�dlichen Bauchverletzung konnte es bei einer geschlagenen Armee lange dauern, bis sie endlich unterging, da sie zuckte und um sich schlug, w�hrend sie langsam ausblutete. In den K�mpfen in der Welt an der Oberfl�che h�tten die besiegten Drow wom�glich ihre Waffen niedergelegt und gehofft, von den Siegern gut behandelt zu werden. Doch die unerbittlichen Krieger des Unterreiches machten keine Gefangenen und konnten dies auch nicht von der anderen Seite erwarten. Die Duergar hatten nicht die Absicht, auch nur einen einzigen Dunkelelfen am Leben zu lassen, und das wu�ten die Krieger Menzoberranzans, daher k�mpften sie auch bis zum Tod.</p><p>Einige der kleineren H�user wurden zerschlagen und �ber die H�hle versprengt, so da� Drow in Zweier- und Dreiergruppen k�mpfen mu�ten und so viele Gegner wie m�glich mit in den Tod nahmen. Duergar, Grottenschrate, Oger und andere Soldaten, die dem Kronprinzen Gracklstughs treu ergeben waren, zogen durch die H�hlen, berauscht vom Gemetzel, w�hrend sie einzelne Drow jagten, deren Kompanien beim Ansturm zerschlagen worden waren. Einige H�user hielten sich an ihrem Platz und k�mpften energisch gegen immer mehr Duergar an, die von allen Seiten auf sie einst�rmten. Manche H�user r�ckten zusammen und versuchten, sich einen Weg durchs Get�mmel zu bahnen, in der Hoffnung, einer katastrophalen Niederlage zu entgehen.</p><p>Die Soldaten Barrison Del�Armgos waren in einen schmalen, gewundenen Seitentunnel getrieben worden, der nur sechs Meter breit war. Die stolzen Krieger des Zweiten Hauses mu�ten sich dort wiederholter Duergar-Angriffe erwehren. Mez�Barris war eingekesselt und konnte zu keinem der anderen H�user vordringen, w�hrend s�mtliche Vorr�te verbrannten, da die Infanterie der Agrach Dyrr von hinten kommend den Versorgungszug in Brand gesteckt hatte. Auf Del�Armgo wartete ein langer, entbehrungsreicher Marsch zur�ck nach Hause.</p><p>Die Kompanie des Hauses Xorlarrin, das mit den m�chtigen Magiern bestens versorgt war, f�r die das Haus ber�hmt war, geriet in der Mitte der H�hle in Bedr�ngnis, wo sie alles andere als in Sicherheit war. Die Xorlarrin-Magier hielten lange Zeit die f�nffache Anzahl Duergar zur�ck, indem sie Mauern aus Feuer und Eis entstehen lie�en und zerst�rerische Energie freisetzten. Doch die Magier erm�deten mit der Zeit und konnten die verbrauchten Zauber nicht wieder auffrischen. Hunderte von Duergar mit Lanzen warteten auf ihren Streitechsen nur darauf, da� die arkane Verteidigung fiel und sie die Xorlarrin niederrennen konnten.</p><p>Die stolze, mehr als f�nfhundert Krieger starke Kompanie des Hauses Baenre stand wie ein Fels in der Brandung, w�hrend ringsum kleinere H�user zerschlagen und niedergerungen wurden. Wie Nimor vorhergesagt hatte, war Andzrel Baenre gezwungen gewesen, die S�ulen des Leids aufzugeben, die er kurz zuvor noch eingenommen hatte, und seine Streitmacht hatte sich langsam den Weg quer durch die H�hle freik�mpfen m�ssen, um sich der Tunnel�ffnung zu n�hern, durch die die Armee der Schwarzen Spinne noch wenige Stunden zuvor hergekommen war. Die Baenre richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Agrach Dyrr, die den Fluchtweg versperrten. Armbrustbolzen, Speere und t�dliche Zauber gingen in massiver Zahl auf die jeweils andere Seite nieder, w�hrend die beiden H�user einander wie wild bek�mpften. Zwar kamen auf jeden K�mpfer von Agrach Dyrr zwei Baenre-Krieger, doch die Truppen des ersten Hauses mu�ten sich gegen Angriffe von allen Seiten wehren und dazu noch versuchen, sich den Fluchtweg freizuk�mpfen.</p><p>Nimor bahnte sich vorbei an Toten und Sterbenden einen Weg durch die Schlacht. Zum Gl�ck hatte er mehrere Unsichtbarkeitszauber vorbereitet, sonst w�re er immer wieder von rasenden Tanarukks oder grimmen Duergar aufgehalten worden, die jeden Drow t�ten wollten, der ihnen �ber den Weg lief. Hunderte von Steinwachen rannten gegen die Baenre-Infanterie an, w�hrend die Agrach Dyrr weiter die �ffnung zum Haupttunnel an der gegen�berliegenden Seite der H�hle verbarrikadierten. Nimor machte einen gro�en Bogen um den Kampf, bis er Andzrel und Zal�therra unter dem Banner der Baenre sah.</p><p>Die Baenre-F�hrer f�hrten ihre Soldaten in den Kampf gegen die Agrach Dyrr, und langsam, aber sicher bahnten sie sich ihren Weg durch die Reihen des verr�terischen Hauses. Die beiden waren von einem Pulk Leibw�chter umgeben.</p><p>Der Assassine grinste, da er seine Gelegenheit gekommen sah. Die Baenre-F�hrer waren ganz in den Kampf vertieft. Wenn er sie t�ten konnte, w�rde er praktisch das Baenre-Kontingent enthaupten, und wenn diese Streitmacht zerfiel, dann standen die Chancen gut, da� die gesamte Armee der Schwarzen Spinne an diesem Tage aufgerieben wurde.</p><p>Nimor entdeckte Jazzt Dyrr, der sich im Hintergrund hielt und den Agrach Dyrr-Soldaten Befehle erteilte. Der Adlige hielt eine Hand auf eine klaffende Wunde quer �ber die Rippen gedr�ckt. Der Assassine eilte hin�ber und wurde sichtbar.</p><p>�Gute Arbeit, Verwandter�, rief er Jazzt zu. �Haltet die Baenre weiter hier fest, dann wird die Wache des Kronprinzen sie aufreiben.�</p><p>Jazzt sah auf. M�digkeit und Schmerz wichen aus seinem Gesicht, als er den Kampf �berschaute.</p><p>�Leichter gesagt als getan�, sagte er. �Die Baenre k�mpfen wie D�monen, und mehr als nur ein paar unserer eigenen Leute werden nicht heimkehren.� Er dr�ckte den R�cken durch und gab Nimor die Hand. �Ich hatte meine Vorbehalte, Zhayemd, doch Euer Plan scheint aufzugehen. Ich w�rde ja gerne sagen, wir k�nnten Euch hier gut gebrauchen, doch nach dem Blut zu urteilen, das an Euch klebt, nehme ich an, da� Euch nicht langweilig ist.�</p><p>�Die gro�en H�user halten das Zentrum der H�hle, aber hier f�llt die Entscheidung�, erwiderte Nimor. Seine Augen waren auf das Baenre-Banner gerichtet. �Gebt mir so viele M�nner, wie Ihr entbehren k�nnt. Ich will die Baenre-Befehlshaber t�ten.�</p><p>�Gut�, gab Jazzt zur�ck. Er machte einem Dutzend erfahrener Krieger eine knappe Geste. �Ihr da, geht mit Zhayemd. Bringt mir das Banner der Baenre.�</p><p>Nimor machte seinen Rapier und den Dolch bereit, w�hrend sich die ausgeruhten K�mpfer um ihn scharten. Das Gemetzel kam n�her, da die Baenre sich weiter zu ihrem Fluchtweg vorarbeiteten. Er konnte die Baenre-Standarte sehen, die �ber dem Zentrum des Kampfes wehte. Andzrel selbst befand sich nahe der Front und war von den besten M�nnern umgeben, die sein Haus zu bieten hatte. Zal�therra war nur wenige Schritte hinter ihm, humpelte aber, da sie an der H�fte verwundet war. Ihren Arm hatte sie um einen anderen Baenre gelegt.</p><p>Nimor wartete, bis die vorderen Baenre-Wachen in Reichweite eines Speerwurfs waren, dann rief er: �Auf sie!�</p><p>Mit lautem Jubel st�rmten die Krieger Agrach Dyrrs aus ihrem Versteck hervor, einige feuerten Armbr�ste ab, ehe sie die Waffen wegwarfen und ihre Klingen zogen. Geschosse jagten in die Tunnel�ffnung, von denen manche von den R�stungen der Baenre-Wachen abprallten, w�hrend andere trafen. Die Wachen wappneten sich gegen die heranst�rmenden Agrach Dyrr, so gut sie konnten. Zal�therra sprang an die eine Tunnelwand und setzte sich mit einem schwarzen, beidh�ndig zu f�hrenden Flegel. Sie war nicht bereit, ihrem verletzten Bein zu vertrauen, daher st�rzte sie sich nicht ins Kampfget�mmel, doch sie war alles andere als hilflos. Das bekam ein Soldat Agrach Dyrrs zu sp�ren, als sie ihm ein Bein stellte und ihm dann mit einem kraftvollen Schlag den Sch�del zertr�mmerte. Im n�chsten Moment war der schmale Gang von dem Klirren von Stahl auf Stahl erf�llt sowie von dem h��lichen Ger�usch, wenn sich Stahl in Fleisch bohrte, begleitet von den Schreien und den Fl�chen der K�mpfer.</p><p>Anders als Zal�therra st�rzte sich Andzrel in den Kampf und hieb mit dem zweischneidigen Schwert um sich, trat brutal gegen seine Feinde, um sie zu Fall zu bringen, w�hrend die sich gegen seine zuckenden Klingen zur Wehr zu setzen versuchten. Voller Bewunderung sah Nimor zu, wie der Kampf mal in die eine, mal in die andere Richtung wogte. Als die Agrach Dyrr wieder vorr�ckten, n�herte er sich dem Waffenmeister der Baenre.</p><p>�Seid gegr��t, Andzrel�, rief er. �Euer Meister der Sp�her mu� Euch melden, da� die Duergar hinter unsere Verteidigungslinie bei den S�ulen des Leids gelangt zu sein scheinen. Sie stellen eine betr�chtliche Bedrohung f�r die Armee der Schwarzen Spinne dar.�</p><p>Andzrel verharrte, w�hrend sich der Kampf von ihm entfernte. Wut kochte unter seinem gelassenen �u�eren.</p><p>�Zhayemd�, spie er. �Es war ein schwerer Fehler, Euch mir zu stellen. Es w�re kl�ger gewesen, die Fr�chte Eures Verrats aus der Ferne zu genie�en.�</p><p>�Das werden wir sehen�, erwiderte Nimor.</p><p>Er sprang vor und zielte mit einem m�rderischen Sto� nach dem Oberk�rper des Baenre, doch Andzrel lie� sich davon nicht �berraschen. Der Waffenmeister wich zur Seite aus und hob sein zweischneidiges Schwert in einer wirbelnden Abwehrhaltung, so da� Nimors Klinge pariert wurde. Dadurch kam er nahe genug heran, um seinen Ellbogen, der in einer R�stung steckte, gegen Nimors Kopf zu rammen. W�re Nimor der d�rre Drow gewesen, als der er allen erschien, dann h�tte der Treffer ihm den Sch�del zerschmettern m�ssen. So aber wurde sein Kopf nur zur Seite geschleudert. Er wirbelte in die andere Richtung davon und holte mit seinem verborgenen Dolch aus, der Andzrel unterhalb des Brustpanzers traf. Der wich zur�ck und sprang dann hoch, um dem Assassinen in die Rippen zu treten, doch Nimor stie� lediglich ein Grunzen aus und schleuderte Andzrel mit Verachtung von sich.</p><p>Andzrel rollte �ber den Boden, stand mit erhobenem Schwert auf und sah seinen Gegner mit aufgerissenen Augen an.</p><p>�<emphasis>Was</emphasis> bei allen H�llen Lolths seid Ihr?� murmelte er.</p><p>Ehe Nimor eine passende Antwort einfiel, scho� die Hand des Waffenmeisters zu seinem Stiefel, und im n�chsten Moment warf er ein Messer, dessen Spitze auf Nimors Kehle gerichtet war. Der Assassine hob einfach die Hand und lie� zu, da� die Klinge sich ins Fleisch seines linken Unterarms bohrte. Er knurrte, dann zog er das Messer heraus. Blut spritzte auf den H�hlenboden.</p><p>Nat�rlich wartete Andzrel nicht ab, was geschehen w�rde, sondern rollte unter der Deckung seines Widersachers nach vorn und versuchte, sein Schwert durch Nimors Leib zu jagen.</p><p>Der sprang einfach �ber den Waffenmeister, indem er seine F��e dicht an den K�rper zog und auf der anderen Seite landete. Als Andzrel seine Sto�richtung umkehrte und wieder aufsprang, bohrte Nimor sein Rapier durch den Brustpanzer des Baenre und f�gte ihm eine tiefe Stichwunde in der Seite zu. Andzrel st�hnte und taumelte, verlor das Gleichgewicht und ging zu Boden. Das Schwert landete neben ihm.</p><p>�Guter Versuch�, sagte Nimor und holte aus, um den Baenre zu t�ten.</p><p>Ehe er jedoch zuschlagen konnte, schlo� ihn eine Kugel aus bernsteinfarbener Energie ein. Eine magische Macht stoppte die Bewegung seiner Klinge so sicher, als h�tte er versucht, Narbondel zu durchbohren, und widerstand auch seinem Messer.</p><p>�Was bei den neun H�llen ist das?� wollte Nimor wissen.</p><p>Der Assassine knurrte aufgebracht, als er erkannte, da� sich der Kampfl�rm im Tunnel im gleichen Moment mindestens verdreifacht hatte. Er sp�hte aus der Kugel, um festzustellen, woher der L�rm kam und was geschehen war.</p><p>Au�erhalb der Sph�re st�rmten Dutzende neuer Baenre-Soldaten aus dem Tunnel hinter den Agrach Dyrr und mischten sich in den Kampf ein, wobei sie Jazzt und seine Fu�truppen in die Zange nahmen. Die Agrach Dyrr, die bislang den Tunnel blockiert hatten, wurden vertrieben oder get�tet, und f�r das Kontingent des Hauses Baenre war der Fluchtweg frei. Nimor sah wutentbrannt, wie die Baenre sein magisches Gef�ngnis passierten und ihren Verwandten zu Hilfe eilten. Innerhalb weniger Augenblicke verlagerte sich das Kampfget�mmel zur�ck in die gro�e H�hle.</p><p>Nimor sah in den Tunnel und sah sich einem gro�en, dicken Magier gegen�ber, der die Farben des Hauses Baenre trug. Mit einem zufriedenen L�cheln betrachtete er die bernsteinfarbene Kugel. Zal�therra und Andzrel starrten den Neuank�mmling verbl�fft an.</p><p>�Nauzhror�, sagte die Priesterin. Blut str�mte aus ihrer H�ftwunde. �Ihr kommt genau rechtzeitig.�</p><p>�Nur ein gl�cklicher Zufall�, schnurrte der Magier. �Die Muttermatrone wies mich an, ihr vom Schlachtfeld zu berichten, und so sp�hte ich die Armee aus, sah den tobenden Kampf und bemerkte Eure Schwierigkeiten. Ich benutzte eine sehr wertvolle Schriftrolle, um ein Portal zu �ffnen und Euch Hilfe zu schicken.� Er wandte sich um und betrachtete Nimor in der Energiekugel. �Ist das nicht der st�rmische Hauptmann Zhayemd von Agrach Dyrr?�</p><p>�Zumindest behauptet er das�, meinte Andzrel. �K�nnt Ihr ihn in dieser Sph�re vernichten?�</p><p>�Nicht sofort. Sie h�lt ihn f�r eine Weile fest und umgibt ihn mit einem undurchdringlichen Schild aus magischer Energie. Sie wird sich nach kurzer Zeit aufl�sen, dann k�nnt Ihr ihn nach Belieben t�ten.�</p><p>�Dann sp�ter�, sagte Andzrel und lie� den gefangenen Nimor auf sich beruhen.</p><p>Mit einer Hand griff er nach einer kleinen Phiole an seinem G�rtel und schluckte den Inhalt, den Nimor f�r einen Heiltrank hielt. Er sah hin�ber zum Kampfget�mmel, seine Miene war ausdruckslos, als er den Schlagabtausch betrachtete.</p><p>Zal�therra humpelte zu ihm und sagte: �Bereitet einen Vormarsch vor. Mit Nauzhrors Verst�rkung k�nnen wir das Blatt wenden und diese verfluchten Zwerge und Tanarukks schlagen.� Sie sah den Magier an. �Wie viele Soldaten habt Ihr mitgebracht?�</p><p>�Leider nur eine einzige Kompanie. Die Muttermatrone wollte keine weiteren Reserven in einer verlorenen Schlacht riskieren, wenn es schlecht l�uft.�</p><p>Zal�therra begann zu protestieren, doch Andzrel legte ihr die Hand auf den Arm.</p><p>�Nein�, sagte er. �Die Muttermatrone hatte recht. Jetzt, da wir einen gesicherten R�ckzug antreten k�nnen, m�ssen wir so viele H�user wie m�glich aus dem Kampf zur�ckziehen. Die Duergar und die Tanarukks haben gewonnen.�</p><p>Nauzhror ri� die Augen auf. �Ist es so ernst?�</p><p>�Wenn wir schnell sind�, gab Andzrel zur�ck, �werden wir einen Gro�teil unserer Soldaten retten k�nnen. Wenn wir die wichtigen H�user aus der Schlacht zur�ckziehen, k�nnen wir uns notfalls k�mpfend bis nach Menzoberranzan zur�ckbewegen. Wir d�rfen keine Zeit verlieren, wenn wir Xorlarrin und Tuin�Tarl retten wollen. Fey-Branche ist verloren, und ich habe keine Ahnung, was mit Barrison Del�Armgo ist. Duskryn und Kenafin wurden �berrannt. Menzoberranzan darf keinen weiteren Drow mehr verlieren.�</p><p>�Euer R�ckzug wird das Unvermeidliche nur hinausz�gern�, sagte Nimor. �Ihr k�nnt es nicht aufhalten.�</p><p>Andzrel st�tzte sich auf sein Schwert und warf Nimor einen finsteren Blick zu.</p><p>�Wenn ich es recht �berlege�, sprach der Waffenmeister, �werde ich ein paar Mann hierlassen, die darauf warten sollen, da� sich die Sph�re aufl�st. Ich sehe keinen Grund, ihn auch nur einen Moment l�nger als n�tig leben zu lassen.� Er blickte Nimor k�hl in die Augen. �Euer Haus wird den Tag bereuen, an dem es unsere Stadt hinterging, Verr�ter.�</p><p>Nimor versuchte wieder, mit Gewalt die Sph�re zu verlassen, doch es wollte ihm nicht gelingen. Andzrel, Zal�therra und Nauzhror wandten sich ab und folgten den Soldaten in den wiederaufgeflammten Kampf, w�hrend einige Wachen sich um die Sph�re herum aufstellten.</p><p>�Wir sehen uns in Menzoberranzan�, versprach Nimor den M�nnern.</p><p>Dann wirkte der Mann, der die Gesalbte Klinge genannt wurde, die Macht seines Rings und verschwand aus der Energiekugel in die Schatten, die ihn willkommen hie�en.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Vier Stunden sp�ter stand die Gruppe wieder unter der Bronzemaske Vhaerauns in der Kapelle der Minauth-Feste. Besch�digte und verschmutzte Kettenhemden waren aufwendig ges�ubert, gebrochene Glieder ersetzt worden, die Waffenr�cke waren gereinigt. Die, die Rucks�cke, Nachtzeug und andere Ausr�stung verloren hatten, f�hrten nun Ersatzausr�stung mit sich, die sie von den Jaelre-H�ndlern erworben hatten. Zum ersten Mal, seit sie Gracklstugh hinter sich gelassen hatten, f�hlte Halisstra sich sauber, ausgeruht und einigerma�en gut f�r die n�chste Phase ihrer Reise vorbereitet. Ihr fehlten das Kettenhemd, das sie als die erste Tochter des Hauses Melarn getragen hatte, und auch der Streitkolben, den ihre Mutter ihr vor einem Jahrhundert gegeben hatte. Aber wenigstens hatte sie noch ihre Leier, und das Kettenhemd und das Schwert von Auzkovyns waren kein v�llig nutzloser Ersatz.</p><p>Vor allem das Schwert schien eine gute Arbeit zu sein. Eine machtvolle Aura der Heiligkeit umgab es, die es im Griff der Dunkelelfe unangenehm kribbeln lie�. Doch Halisstra vermutete, da� keine b�se Kreatur, die mit ihr in Ber�hrung kam, die Klinge w�rde ertragen k�nnen. Angesichts der Tatsache, da� sie in den Abyss hinabsteigen wollte, wo derartige Gesch�pfe in gro�er Zahl auf die Gruppe warten w�rden, war sie durchaus gewillt, den unangenehmen Zauber des Schwertes wenigstens f�r eine Weile zu ertragen.</p><p>Tzirik hatte eine schwarze Mithral-Plattenr�stung angelegt, die mit grotesken d�monischen Figuren und Goldfiligran verziert war. Ein Streitkolben mit teuflischen Dornen hing an seinem G�rtel, und er trug einen Helm in Form eines D�monensch�dels. Er strahlte Zuversicht und Kraft aus, als h�tte er lange auf eine Gelegenheit gewartet, seinem Gott zu dienen und dabei ein Risiko einzugehen, das es wert war, eingegangen zu werden.</p><p>�Wie Ihr wi�t�, sagte der Priester, �gibt es mehr als eine M�glichkeit, diese Ebene zu verlassen und in andere Dimensionen vorzusto�en. Ich habe mich ausgiebig mit diesem Thema befa�t und bin zu dem Schlu� gekommen, da� wir astral projizieren sollten. Wenn wir dann so ...�</p><p>�Das w�rde doch bedeuten, da� wir unseren K�rper in komat�sem Zustand zur�cklassen m��ten, w�hrend unser Geist in den Abyss reist�, unterbrach Quenthel ihn. �Wie k�nnt Ihr hoffen, ich w�rde mich auf so etwas einlassen?�</p><p>�Verrat�, grollte Jeggred. �Er will, da� seine Kameraden uns die Kehle aufschlitzen, w�hrend unsere K�rper wehrlos dalie-gen.�</p><p>Der Draegloth trat einen Schritt vor und bleckte seine Fangz�hne, um sie dem Priester Vhaerauns zu zeigen.</p><p>�Ich habe mich aus zwei Gr�nden f�r die astrale Form entschieden, Herrin Baenre�, erwiderte Tzirik und nahm von Jeggred keine Notiz. �Zun�chst einmal ist es so sicherer, denn wenn der Geist beim Besuch im Abgrund der D�monennetze get�tet wird, dann ist diese Person nicht tot, sondern w�rde unversehrt wieder hier erwachen. Immerhin ist es nicht leicht, den Geist zu vernichten. Zweitens bleibt uns keine andere Alternative, so wie ich das sehe. Ich habe bereits versucht, mich k�rperlich in den Abgrund der D�monennetze zu versetzen, doch der Zauber hat versagt. Ich glaube, die Barriere, von der der Maskierte Gott sprach, verhindert ein direktes �berwechseln eines stofflichen K�rpers in Lolths Reich.�</p><p>�Dennoch glaubt Ihr, da� Ihr in der Lage seid, unsere Astralform dorthin zu bringen, wenn das Reich hermetisch versiegelt ist?� fragte Halisstra.</p><p>�Ich kenne nur zwei Wege in den Abgrund der D�monennetze, und wenn der eine nicht funktioniert, dann mu� eben der andere funktionieren�, meinte Tzirik schulterzuckend. �Der Maskierte Gott pers�nlich hat mich angewiesen, Euch hinzubringen, also mu� es einen Weg geben. Wenn Euch nat�rlich ein dauerhaft ge�ffnetes Tor oder Portal oder etwas anderes bekannt ist, das unsere Welt mit dem Abyss oder gar direkt mit dem Abgrund der D�monennetze verbindet, dann w�rdet Ihr davon sicher auch Gebrauch machen k�nnen.�</p><p>�Beweist mir, da� eine stoffliche Reise nicht funktioniert�, verlangte Quenthel.</p><p>�Kommt n�her�, sprach Tzirik hinter seiner Maske, und seine Stimme klang auf ironische Weise am�siert, �und reicht mir die Hand.�</p><p>Die Drow kamen n�her, fa�ten einander an den H�nden und bildeten einen Kreis um Tzirik. Der trat zwischen Quenthel und Danifae, legte seine linke Hand auf ihre ineinander verhakten H�nde und lie� seine rechte frei, da er sie brauchte, um die f�r den Zauber erforderlichen Gesten zu beschreiben. Er sammelte sich, dann setzte er zu einem donnernden, gewaltigen Gebet an, dessen unheilige Worte die Luft mit fast greifbarer Finsternis erf�llten.</p><p>Halisstra pa�te auf den Priester auf, um sicher zu sein, da� er den Zauber korrekt wirkte, was er aber offenbar tat � zumindest nach ihrem Verst�ndnis des Zaubers. Einen Moment lang glaubte sie, es w�rde funktionieren, da die Jaelre-Kapelle um sie herum in Dunst zu versinken schien. Es kam ihr vor, als entschwinde ihr K�rper aus dieser Welt, ohne sich auch nur einen Zoll zu bewegen. Doch dann sp�rte sie durch eine �bersinnliche Wahrnehmung ein Hindernis, eine Barriere, die die Gruppe davon abhielt, an einem anderen Ort wieder Gestalt anzunehmen, und die sie fast mit Gewalt in die Minauth-Feste zur�ckschleuderte. Sie taumelte wie trunken, ihre Sinne waren vollkommen verwirrt.</p><p>�Genau das geschah, als ich es das letzte Mal versuchte�, sagte Tzirik.</p><p>Finster zog Quenthel die Brauen zusammen, es gelang ihr aber, Ruhe zu bewahren, w�hrend sie Danifae loslie� und sich gegen Jeggred lehnte.</p><p>�Pharaun�, sagte die Hohepriesterin, �was habt Ihr beobachtet?�</p><p>Der Magier hob eine Augenbraue, vielleicht, weil es ihn �berraschte, von Quenthel befragt zu werden, und sagte: �Das klingt einigerma�en plausibel. Wenn wir mittels Projektion unseres Geistes auf die Astralebene �berwechseln, werden wir nicht direkt von dieser Ebene in den Abyss reisen. Wir w�rden die Astralsee �berqueren und uns Lolths Reich als Geister n�hern. Es k�nnte sein, da� die geheimnisvolle Barriere, auf die wir eben trafen, eine solche Form der Ann�herung nicht unterbindet.� Der Magier strich sein Gewand glatt und �berlegte. �Das k�nnte auch erkl�ren, warum den von uns beschworenen D�monen dieser Trick nicht gelingen wollte. Sie reisen nicht mittels Astralprojektion von Ebene zu Ebene, da sie keine Seele haben.�</p><p>Quenthel murmelte etwas, verschr�nkte die Arme und drehte sich zu Tzirik um.</p><p>�Nun gut�, sagte sie. �Ich bin �berzeugt. Wo wollt Ihr unsere K�rper lassen?�</p><p>Tzirik ging zu einer Wand der Kapelle und dr�ckte einen verborgenen Mechanismus, woraufhin sich der Durchgang zu einer verborgenen Kammer hinter Vhaerauns Maske �ffnete. Es war ein kleiner Raum, doch er war gro� genug, da� acht elegante alte Diwane � M�belst�cke, die wom�glich noch aus der Zeit stammten, als die Oberfl�chen-Elfen Cormanthyrs die Burg bewohnt hatten � mit den Kopfenden nach innen gerichtet in einem engen Kreis zusammengestellt Platz fanden.</p><p>�Nur eine Handvoll meiner Leute wei� von der Existenz dieses Raums�, sagte der Priester, �und ich habe sie angewiesen, uns so lange nicht zu st�ren, wie es f�r uns erforderlich ist. Ihr m��t hier nicht um Euer Leben f�rchten.�</p><p>Ryld, der ein St�ck hinter Jeggred stand, wandte sich von Tzirik ab und gestikulierte unauff�llig zu Pharaun und Halisstra: <emphasis>Wenn unser Geist geschlagen wird, w�hrend wir uns im astralen Zustand befinden, kehren wir also in unseren K�rper zur�ck. Aber was geschieht mit unserem Geist, wenn jemand ein Messer in den K�rper jagt?</emphasis></p><p><emphasis>Dann sterben wir,</emphasis> erwiderte der Magier. <emphasis>Ein umsichtiger Mann w�rde sicherstellen, da� sich sein K�rper an einem sicheren Ort befindet, und w�rde jemanden seinen K�rper bewachen lassen, dem er vertrauen kann.</emphasis></p><p>Ryld verzog das Gesicht, �u�erte sich aber nicht.</p><p>Die Gruppe folgte Tzirik in den Raum. Halisstra starrte mit einigem Widerwillen auf die Couch vor ihr, war aber nicht in der Lage, ihren Blick abzuwenden. Sie war wohl nicht die einzige in der Gruppe, die die Diwane wie eine Ansammlung von S�rgen empfand. Quenthel mu�te das gleiche gedacht haben.</p><p>Sie sah von der Couch zu Tzirik und sagte: �Wir werden eine Wache zur�cklassen. Jemand, dem ich traue, wird hier sein, um auf unsere K�rper aufzupassen, bis wir zur�ck sind, genau wie Ihr Euch sicher von jemandem bewachen lassen werdet, dem Ihr vertraut.�</p><p>�Ah�, sagte Tzirik. �Ihr seid wahrlich eine Dunkelelfe. Tut, was Ihr wollt.�</p><p>�Er k�nnte diese ganze Burg auf den hetzen wollen, der hier zur�ckbleibt�, fauchte Jeggred. �Die Frage ist, wer bleibt?�</p><p>Quenthel sah zu Ryld, dann wanderte ihr Blick zu Halisstra. Einen Augenblick lang f�rchtete Halisstra, Quenthel k�nnte bestimmen, da� sie hierbleiben sollte, um ihr die Audienz zu verweigern, um die sie bei Lolth ersuchen wollte. Doch noch w�hrend ihr Herz vor Aufregung und Ungewi�heit zu rasen begann, wurde ihr bewu�t, da� die Baenre um jeden Preis verhindern w�rde, da� eine Melarn bei Bewu�tsein war und �ber ihren hilflosen K�rper verf�gen konnte � jedenfalls dann, wenn sie in Halisstra eine echte Bedrohung sah. Quenthel kniff nachdenklich die Augen zusammen, dann wandte sie sich zu Jeggred um.</p><p>�Du mu�t bleiben�, sagte sie dem Draegloth.</p><p>Durch Jeggreds K�rper ging ein Zucken.</p><p>�Ich werde nicht hier sitzen und Euren lebenden Leichnam betrachten, w�hrend Ihr Euch den Gefahren im Reich Lolths stellt! Mutter hat mich angewiesen, Euch zu besch�tzen. Wie soll ich das tun, wenn Ihr mich zur�ckla�t?�</p><p>�Du wirst mich bewachen�, sagte Quenthel. �In astraler Form kann mir nichts zusto�en. Hier aber bin ich verwundbar, und ich vertraue niemandem sonst diese Aufgabe an. Du mu�t derjenige sein, Jeggred.�</p><p>Der Draegloth verschr�nkte alle vier Arme und gab zur�ck: �Ihr wi�t, was Euch im Abgrund der D�monennetze erwartet. Ihr werdet dort meine Kraft brauchen.�</p><p>�H�r sofort auf�, herrschte die Herrin Arach-Tiniliths ihn an. Ihre Augen blitzten, ihre Peitsche wand sich und spie w�tend. �Du hast kein Recht, meine Befehle in Frage zu stellen. Du wirst deiner Pflicht so nachkommen, wie ich sie dir vorgebe.�</p><p>Jeggred verfiel in Schweigen. Ver�rgert wandte er sich ab und lie� sich auf dem Boden nieder, w�hrend er seinen Rucksack abstreifte. Quenthel sah die anderen an und deutete dann mit einem Kopfnicken auf die Diwane.</p><p>�Kommt�, sagte sie. �Lolth wartet.�</p><p>Tzirik blieb stehen, w�hrend die Menzoberranzanyr sich je eine Couch aussuchten und sich hinlegten. Er ging zum letzten freien Diwan, setzte sich und sah Jeggred an.</p><p>�Wenn Ihr hierbleibt, Draegloth, dann sollt Ihr wissen, da� einige meiner Leute die Wache mit Euch teilen werden. Macht keinen �rger, und Ihr werdet sehen, da� sie Euch nur zu gerne in Ruhe lassen werden.�</p><p>Jeggred verzog nur den Mund, dann legte sich Tzirik hin, was ihm in seiner R�stung nicht leichtfiel, und plazierte seinen Streitkolben so, da� er neben ihm lag.</p><p>Halisstra stellte fest, da� sie zwischen Ryld und Danifae lag. Sie sah zu dem Waffenmeister hin�ber. Er lag mit angespannter, nerv�ser Miene da. Offenbar hatte er mit Astralreisen auch noch keine Erfahrung.</p><p><emphasis>Wenn unser Geist reist, wozu brauchen wir dann all unsere Waffen?</emphasis> bedeutete er ihr.</p><p><emphasis>Sie sind ein Teil von Euch,</emphasis> erwiderte sie. <emphasis>Euer Bewu�tsein beinhaltet in Eurer Selbstdefinition Eure Habseligkeiten. Wenn Eure Seele von Eurem Leib getrennt unterwegs ist, erzeugt Euer Geist auch weiterhin ein astrales Abbild von allem, was Ihr bei Euch tragt.</emphasis></p><p>�Fa�t Euch an den H�nden�, sagte Tzirik. �Stellt sicher, da� Ihr einen festen Griff habt. Ich will keinen von Euch zur�cklassen.�</p><p>Der Priester setzte mit seiner melodischen Stimme wieder zu einem Gesang an. Halisstra starrte zur Decke und griff mit der Rechten nach Danifaes, mit der Linken nach Rylds Hand.</p><p><emphasis>Vielleicht sollte ich mir dann auch ein gutes, starkes Getr�nk vorstellen,</emphasis> f�gte Ryld an und nahm Halisstras Hand in seinen festen Griff, ehe sie etwas erwidern konnte.</p><p>Hinter ihr auf der anderen Seite des Kreises setzte Tzirik seinen Zauber fort und sprach die harten magischen Worte mit Selbstvertrauen und Gelassenheit. Halisstra f�hlte, wie ein elektrischer Schlag ihren K�rper durchfuhr, als der Zauber zu wirken begann und sie mit Ryld und Danifae verband. Es war ein merkw�rdiges, kribbelndes Gef�hl, dem der Eindruck folgte, schwerelos zu werden, als sie sich von ihrem Leib zu l�sen begann. Es war, als steige sie aus sich selbst auf, angezogen von einer unwiderstehlichen Macht, die sie in eine Richtung zog, ohne da� sie zu sagen vermochte, ob sie sich nach oben oder unten, nach rechts oder links bewegte. Die steinerne Decke begann zu verschwimmen und entfernte sich immer schneller von ihr. Dann war sie fort.</p><empty-line/><p>Triel Baenre marschierte elegant an den Reihen ihrer geschlagenen Soldaten vor�ber, ihr Gesicht verriet keine noch geringe Gem�tsregung, doch das war nur m�glich, weil ein st�hlerner Wille sie daran hinderte, ihren Empfindungen freien Lauf zu lassen. Die ersch�pften Soldaten standen so gut in Habtachtstellung, wie es in dem schmalen Tunnel m�glich war. Sie hatte sich von Nauzhror sofort an den Schauplatz des R�ckzugs transportieren lassen, um mit eigenen Augen das Ausma� der Niederlage zu begutachten, die Menzoberranzan erlitten hatte. Sie mu�te feststellen, da� ihr nicht gefiel, was sie sah. Es gefiel ihr ganz und gar nicht.</p><p>Der Gang war gut f�nfzehn Kilometer lang und stellte eine der Hauptpassagen dar, die von den S�ulen des Leids bis zu dem Randbereich aus sich windenden G�ngen und wilden H�hlen reichte, die als Menzoberranzans Herrschaftsbereich bekannt waren. Es kam ihr so vor, als sei jeder zweite oder dritte Soldat verwundet � hier ein bandagierter Leib, dort ein Arm in einer Schlinge, ein Mann, der seinen abgebrochenen Speer als Kr�cke benutzte. Aber nicht die Vielzahl der Verwundeten bereitete Triel Sorge. Vielmehr empfand sie als beunruhigend, wie ersch�pft die Soldaten wirkten. Nat�rlich war sie davon ausgegangen, sie erm�det vorzufinden, immerhin war Andzrel mit der Armee einen ganzen Tag lang ohne Pause marschiert, um so viele wie m�glich von den S�ulen des Leids wegzuf�hren. Doch sie hatte nicht damit gerechnet, da� die M�nner so ... <emphasis>niedergeschlagen</emphasis> sein w�rden. Sie waren besiegt worden, und sie wu�ten es nur zu gut.</p><p>Andzrel hielt respektvoll einen Schritt Abstand zur Muttermatrone und schwieg, bis er aufgefordert wurde, etwas zu sagen.</p><p>�Wie schwer sind die Verluste?� fragte sie, ohne den Waffenmeister anzusehen.</p><p>�Was die Armee angeht, bewegen sie sich bei einem Viertel bis einem Drittel, Muttermatrone. Einigen H�usern erging es besser, anderen schlechter, je nachdem, wo sie k�mpften.�</p><p>�Was ist mit dem Kontingent des Hauses Baenre?�</p><p>�Neunzig tot, vierundvierzig schwer verletzt�, erwiderte Andzrel. �Etwa ein Viertel unserer Truppe.�</p><p>�Wir hatten Gl�ck, da� wir so viele retten konnten, Muttermatrone�, f�gte Zal�therra an. �Einige der kleineren H�user wurden bis zum letzten Mann ver...�</p><p>�Ich habe Euch nicht gefragt�, sagte Triel.</p><p>Sie verschr�nkte die Arme und versuchte, sich nichts von dem Entsetzen anmerken zu lassen, das ihr den Magen umdrehte.</p><p>Es w�re ein Wunder, wenn der Rat sich nicht gegen mich erhebt, dachte die Muttermatrone. Lolth sei Dank, da� Mez�Barris noch nicht aufgefunden wurde und da� Fey-Branche so sehr geschw�cht worden ist. So werde ich etwas Zeit haben, um zu �berlegen, was ich zu tun habe, ehe ich Mez�Barris gegen�bertrete � wenn Lolth mir gn�dig ist.</p><p>Doch was ist �berhaupt noch vom Rat �brig? fragte sie sich. Faen Tlabbar, das dritte Haus, befand sich in den H�nden eines unerfahrenen M�dchens, und Yasraena w�rde wohl bei der n�chsten Versammlung erst gar nicht erscheinen. Sie und ihr ganzes verdammtes Haus hatten sich in ihrer Burg verbarrikadiert, wo sie auf die Ankunft der mit ihnen verb�ndeten Duergar warteten und sich offenbar auf eine Belagerung gefa�t machten.</p><p>Damit waren Zeerith Q�Xorlarrin, Miz�ri Mizzrym und Prid�eesoth Tuin die einzigen Muttermatronen, �ber die sie sich Gedanken machen mu�te.</p><p>Um sich von dieser unerfreulichen Aussicht abzulenken, wandte sich Triel Andzrel und Zal�therra zu. Zu gern h�tte sie den Waffenmeister und ihre Base daf�r bestraft, da� sie ihre Armee in einen verheerenden Hinterhalt gef�hrt hatten, doch soweit sie wu�te, hatten Andzrels Geschick und Zal�therras Entschlossenheit �berhaupt erst daf�r gesorgt, da� die Armee der Schwarzen Spinne vor einer v�lligen Vernichtung verschont geblieben war. Die Armee Menzoberranzans war schwer getroffen worden, doch sie existierte noch.</p><p>�Wo sind die Duergar jetzt?� fragte sie.</p><p>�F�nf Kilometer s�dlich von uns�, erwiderte Andzrel. �Haus Mizzrym dient derzeit als Nachhut, doch ich habe hundert unserer Soldaten hingeschickt, die die Verteidigung verst�rken sollen.� Triel verstand, was Andzrel meinte: Er hatte den Mizzrym Soldaten der Baenre an die Seite gestellt, um zu verhindern, da� es noch einen Verrat wie den von Agrach Dyrr gab. �Die Geknechtete Legion bewegt sich in einem anderen Gang �stlich von uns voran, um uns einzukreisen. Wir k�nnen es nicht wagen, uns ihnen in diesem Tunnel zu stellen, da uns die Tanarukks �berrennen werden.�</p><p>�Es w�ren doch nur gut hundert Soldaten n�tig, um diesen Tunnel gegen jede Streitmacht zu verteidigen, oder?� fragte Triel.</p><p>�Ja, doch in den Reihen der Duergar gibt es viele Kriegsmagier und Belagerungsmaschinen, so da� sie sich nicht allzulange von einer Nachhut aufhalten lassen werden.�</p><p>�Versucht es dennoch�, zischte Triel. �Setzt Sklaventruppen ein, la�t gen�gend Offiziere zur�ck, damit sie nicht auf einmal die Flucht ergreifen. Wir brauchen Zeit, Waffenmeister, und es ist der Zweck einer Nachhut, uns diese Zeit zu verschaffen.�</p><p>Andzrel wandte nichts dagegen ein, w�hrend Triel weiterging, um ihre Gedanken zu ordnen. Drow-Rebellen, Sklavenaufst�nde, Duergar-Armeen, finsterer Verrat, ein verschwundener Erzmagier und Horden von Tanarukks � konnte es wirklich noch schlimmer kommen? Wo sollte sie anfangen, um auch nur eines dieser Probleme zu bew�ltigen? Sollte sie Agrach Dyrr angreifen, obwohl ihr die magische Kraft der versammelten Priesterinnen fehlte? Die Duergar an einer anderen Stelle bek�mpfen und den Tanarukks gestatten, sich an ihnen vorbeizubewegen?</p><p>�Wie konnte das geschehen?� murmelte sie.</p><p>�Agrach Dyrr war mit den Feinden unserer Stadt verb�ndet�, erwiderte Zal�therra. �Sie machten sich zur Vorhut unserer Armee, doch statt die S�ulen des Leids gegen die Duergar zu verteidigen, lie�en sie uns in eine Falle laufen. F�r diesen Verrat m�ssen sie ausgel�scht werden.�</p><p>�Ich sprach nicht mit Euch!� herrschte Triel sie an, die sich nicht l�nger beherrschen konnte.</p><p>Auch wenn sie wu�te, da� Zal�therra nichts f�r das Desaster konnte, mu�te sie ihrer Wut freien Lauf lassen. Sie verpa�te ihr einen wuchtigen Schlag, der Zal�therra fast umri�, obwohl sie gut drei�ig Zentimeter gr��er und mindestens f�nfzehn Kilo schwerer war.</p><p>�Ihr h�ttet mit einem Verrat rechnen m�ssen, Ihr N�rrin!� knurrte Triel. �Warum waren unter den Sp�hern keine Baenre-Offiziere? Warum habt Ihr nichts getan, um die Berichte zu �berpr�fen, mit denen Agrach Dyrr Euch versorgte? Wenn Ihr auch nur die mindesten Sicherheitsvorkehrungen getroffen h�ttet, w�re unsere Armee nicht so stark dezimiert worden!�</p><p>Zal�therra wich zur�ck und erwiderte: �Muttermatrone, wir waren alle mit Andzrels Pl�nen einverstanden ...�</p><p>�Andzrel ist eine <emphasis>Waffe</emphasis>. Die Armee unseres Hauses ist eine <emphasis>Waffe.</emphasis> Ihr seid die Hand, die diese Waffen gegen unsere Feinde f�hren mu�. Ich schickte Euch aus, um Euer Urteilsverm�gen anzuwenden und Entscheidungen zu f�llen, Euren Kopf zu benutzen und zu <emphasis>denken</emphasis>!�</p><p>Triel machte auf dem Absatz kehrt, um nicht noch einmal auf Zal�therra einzuschlagen. Wenn sie das getan h�tte, h�tte sie vielleicht nicht mehr aufh�ren k�nnen, und ob es ihr gefiel oder nicht, Zal�therra war wohl die vielversprechendste ihrer Basen. Triel w�rde nicht ewig leben, und sie mu�te sich dar�ber Gedanken machen, Haus Baenre mit wenigstens einigen f�higen Priesterinnen zu versorgen, wenn der Tag kommen sollte, an dem sie ihre Schwestern ermorden mu�te.</p><p>�Muttermatrone�, brachte Zal�therra heraus, die Augen vor Angst weit aufgerissen. �Ich entschuldige mich f�r mein Versagen.�</p><p>�Ich habe keine Entschuldigung gefordert, M�dchen, und eine Baenre sollte sich nie von sich aus entschuldigen�, grollte die Muttermatrone. �Aber ich werde Euch Gelegenheit geben, mir zu beweisen, da� Ihr einfallsreich genug seid, um mich �ber Euer Scheitern hinwegsehen zu lassen. Ihr werdet das Kommando �ber die Nachhut �bernehmen.�</p><p>Triel wies nach S�den. Die Chancen waren gro�, da� sie ihre Base in den Tod schickte, doch sie mu�te wissen, ob Zal�therra den Mut und die Entschlossenheit besa�, um das Haus Baenre f�hren zu k�nnen. Wenn sie einen Weg fand, diesen Auftrag zu �berleben und einen Erfolg zu erzielen, dann w�rde Triel erw�gen, sie am Leben zu lassen.</p><p>�La�t die Duergar um jeden Schritt k�mpfen, der sie n�her an Menzoberranzan heranbringt�, f�gte Triel an. �Euer �berleben h�ngt von Eurem Erfolg ab. Wenn Ihr diesen Tunnel aufgebt, ehe drei Tage verstrichen sind, lasse ich Euch kreuzigen.�</p><p>Zal�therra verbeugte sich und eilte davon. Triel wandte sich wieder dem Waffenmeister zu.</p><p>�Glaubt nicht, da� ich Euch keine Schuld gebe�, fl�sterte sie. �Ihr wart der Urheber dieser gro�artigen Strategie, auf die ich die Macht und das Prestige des Hauses Baenre setzte. Diese Strategie hat uns ein Desaster beschert, wie wir es seit Mithralhalle nicht mehr erlebt haben. Unter anderen Umst�nden w�rde ich Euch in eine Grube voller hungriger Tausendf��ler werfen, doch dies ... sind untypische Zeiten. Au�erdem besteht eine kleine Chance, da� Euer Geschick und Euer Strategieverst�ndnis sich in naher Zukunft als n�tzlich erweisen k�nnten. Also entt�uscht mich nie wieder.�</p><p>�Ja, Muttermatrone�, sagte Andzrel und verbeugte sich tief.</p><p>�Also�, fuhr sie fort, �wo werden wir die Duergar und ihre Verb�ndeten aufhalten?�</p><p>Ohne zu z�gern erwiderte der Waffenmeister: �Gar nicht. Angesichts der Verluste, die wir erlitten haben, rate ich zum R�ckzug nach Menzoberranzan, wo wir uns auf eine Belagerung einrichten sollten.�</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, fuhr Triel ihn an. �Das riecht nach Niederlage, und je l�nger die Truppen uns belagern, desto wahrscheinlicher wird es, da� sie von einem anderen Feind verst�rkt werden, beispielsweise von den Betrachtern oder den Gedankenschindern.�</p><p>�Das ist nat�rlich m�glich�, sagte Andzrel bem�ht neutral. �Doch es wird f�r die Duergar nicht leicht sein, eine Belagerung rings um Menzoberranzan durchzuhalten, wenn sie dabei hundertf�nfzig Kilometer von ihrer eigenen Stadt entfernt sind. Ich glaube nicht, da� die Duergar es l�nger als ein paar Monate durchstehen k�nnen. Ich bezweifle auch, da� sie zahlenm��ig stark genug sind, um die Stadt zu st�rmen. Unsere beste Vorgehensweise ist die, die Duergar zu einer Belagerung zu zwingen, um festzustellen, mit welcher Bedrohung wir es zu tun haben. Inzwischen b�te sich f�r uns die Gelegenheit, Haus Agrach Dyrr zu vernichten.�</p><p>�Ihr habt Angst davor, Euch den Duergar erneut in einer Schlacht zu stellen?� fragte Triel heiser.</p><p>�Nein, aber ich will keine Vorgehensweise empfehlen, die f�r unsere Stadt die Gefahr einer Schlacht birgt, auf die wir nicht vorbereitet sind � zumindest nicht, solange wir keine andere Wahl haben. An dem Punkt sind wir noch nicht.� Er machte eine Pause, dann f�gte er an. �In der Stadt k�nnen wir wieder zu Kr�ften kommen und innerhalb weniger Tage erneut zur Tat schreiten, wenn es sich als notwendig erweisen sollte.�</p><p>Triel dachte �ber Andzrels Rat nach.</p><p>�Ich werde nach Menzoberranzan zur�ckkehren und die Angelegenheit dem Rat vortragen�, entschied sie dann. �Bis Ihr einen gegenteiligen Befehl bekommt, zieht Ihr Euch zur�ck. Die Hauptleute in der Stadt lasse ich alles f�r eine Belagerung vorbereiten.�</p><empty-line/><p>Halisstra �ffnete die Augen und fand sich in einer endlosen silbernen See treibend wieder. Sanfte graue Wolken zogen langsam in der Ferne vor�ber, w�hrend fremdartige dunkle Streifen unheilvoll �ber den Himmel zuckten, deren Enden so weit entfernt waren, da� sie sie nicht ausmachen konnte und deren Mittelteile sich w�tend drehten wie ein St�ck Faden, den ein Kind zwischen den Fingern rollte. Sie sah nach unten, da sie sich fragte, was ihr Halt gab, sah aber �berall nur den seltsamen perlmuttfarbenen Himmel.</p><p>�berrascht �ber diesen eigenartigen Anblick atmete sie abrupt ein, woraufhin sich ihre Lungen mit etwas f�llten, das etwas s��licher und vielleicht auch ein wenig fester war als Luft. Doch statt zu w�rgen oder an dieser Masse zu ertrinken, schien sie bestens daran gew�hnt zu sein. Ein Schauder lief durch ihre Glieder, da� sie sich �ber den so simplen Akt des Atmens wunderte.</p><p>Halisstra hob ihre Hand ans Gesicht in dem unterbewu�ten Wunsch, ihre Augen abzuschirmen, wobei sie merkte, da� ihre Sehf�higkeit unnat�rlich scharf war. Jedes Glied ihres Kettenhemdes sprang ihr als perfekt symmetrisch entgegen, die R�nder waren absolut pr�zise gezeichnet, auf dem Leder ihrer Handschuhe konnte sie die �lschichten und die �bereinanderliegenden Flecken erkennen.</p><p>Ihr fehlten die Worte.</p><p>�Ihr habt euch noch nie hierher gewagt, Herrin Melarn?� fragte Tzirik von irgendwo hinter ihr.</p><p>Halisstra drehte den Kopf, um nach ihm zu sehen, doch als Reaktion darauf schien sich das gesamte Bild vor ihren Augen in einer schnellen, reibungslosen Bewegung zu verschieben. Dann sah sie die K�rper ihrer Gef�hrten vor sich treiben. Der Priester Vhaerauns stand � nein, das pa�te nicht, er schwebte vielmehr � ein Dutzend Schritte von ihr entfernt, seine R�stung war messerscharf umrissen, sein Mantel wurde von einer sanften Brise bewegt, von der Halisstra nichts sp�rte. Er sprach leise, doch seine Stimme war wundersam klar und deutlich, als sei er nur eine Arml�nge von ihr entfernt.</p><p>�Ich h�tte erwartet, eine Priesterin von Eurem Status w�re mit der Astralebene vertraut�, f�gte der Priester an.</p><p>�Ich wu�te etwas dar�ber, was mich hier erwarten w�rde, doch ich hatte nie Gelegenheit, selbst andere Ebenen zu bereisen�, erwiderte sie. �Mein Wissen �ber diesen Ort ist allenfalls ... theoretisch.�</p><p>Sie bemerkte, da� jeder ihrer Kameraden genauso scharf umrissen, genauso greifbar und real wirkte wie Tzirik. Von einem Punkt, den sie nicht recht wahrnehmen konnte � irgendwo an ihrem R�cken oder am Genick �, entsprang eine schlanke, schimmernde Sehne aus silbrigem Licht.</p><p>Halisstra griff an ihren Kopf und ertastete dort ein ebensolches Band. Die warme, pulsierende Arterie strahlte Energie aus, und als ihre Finger dar�ber strichen, zuckte ein heftiger Schlag durch ihren Leib, als h�tte sie an den Herzfasern ihrer eigenen Seele gezupft. Sie ri� die Hand zur�ck und nahm sich vor, das Band nie mehr zu ber�hren.</p><p>�Euer Silberband�, erkl�rte Tzirik. �Ein fast unzerst�rbares Band, das Eure Seele mit ihrem angestammten Heim verbindet: Eurem K�rper daheim in der Minauth-Feste.� Er l�chelte geh�ssig. �Ihr solltet sorgsam damit umgehen, denn es gibt einige Dinge, die das Band eines Astralreisenden durchtrennen k�nnen, doch wenn das geschieht, wird der Reisende augenblicklich vernichtet.�</p><p>Halisstra sah, wie Ryld nach seinem Band tastete und genausoschnell wie sie die Hand zur�ckri�.</p><p>�Wie weit reichen diese Dinger?� fragte der Waffenmeister.</p><p>�Sie sind unendlich, Meister Argith�, sagte Tzirik. �Keine Sorge, drei�ig bis sechzig Zentimeter nach dem Austreten aus dem K�rper werden sie unfa�bar, so da� Ihr dar�ber fallen k�nnt. Das Band hat au�erdem die Angewohnheit, nicht in den Weg zu geraten, ohne da� Ihr Euch dar�ber Gedanken machen m��t.�</p><p>Halisstra sah die Gruppe an und beobachtete, wie die Menzoberranzanyr damit k�mpften, sich an ihre neue Umgebung anzupassen. Ryld und Valas Hune ruderten langsam mit Armen und Beinen, als versuchten sie zu schwimmen. Quenthel trieb stocksteif dahin, die Arme gegen den Rumpf gedr�ckt, w�hrend Danifae sich l�ssig treiben lie� und ihr langes wei�es Haar ihr wie ein Welle folgte. Pharaun wartete einfach ab, aber in seinen Augen war ein am�siertes Funkeln zu sehen, als er die Anstrengungen seiner Gef�hrten beobachtete. Tzirik sah sich nur um, betrachtete ihre Umgebung und nickte.</p><p>�Dies ist eine Art zeitloser Ort�, sagte er, �dennoch verstreicht hier Zeit, deshalb schlage ich vor, wir beginnen unsere Reise. Folgt mir und bleibt dicht hinter mir. Ihr glaubt vielleicht, unendlich weit sehen zu k�nnen, doch Dinge verschwinden hier leicht im Nebel.�</p><p>Er glitt davon, ohne sich zu regen. Die Arme hielt er verschr�nkt, w�hrend sein Mantel lautlos hinter ihm flatterte.</p><p>Ihm folgen? fragte sich Halisstra und sah dem Priester nach. Doch allein der Wunsch, in der N�he dieses Mannes zu bleiben, bewirkte, da� sie einen gewaltigen Sprung nach vorn machte, so immens, da� ihr n�chster Impuls der war, laut �Stop!� zu rufen, auch wenn der Ruf nur ihr selbst gegolten h�tte.</p><p>Genau das tat sie auch und stoppte so abrupt, da� ihr Verstand ihr sagte, sie <emphasis>m�sse</emphasis> einfach nach vorn kippen, da sie viel zu pl�tzlich angehalten hatte. Sie beschrieb hastig eine Kreisbewegung, dann kam sie zur Ruhe. Zum Gl�ck hatte sie nicht als einzige Schwierigkeiten. Ryld und Valas Hune stie�en zusammen und klammerten sich aneinander fest, da sie sich nicht wieder allein in der Leere bewegen wollten.</p><p>�Oh, im Namen der G�ttin!� murrte Quenthel, als sie sie beobachtete. �Leert einfach Euren Geist und denkt daran, wohin Ihr wollt.�</p><p>�Bei allem Respekt, Herrin, wohin wollen wir gehen wollen?� fragte Valas, w�hrend er sich von Ryld l�ste.</p><p>�Konzentriert Euch darauf, Tzirik zu folgen�, gab die Baenre zur�ck. �Er hat den Zauber gewirkt, also wird er auch das Portal in den Abgrund der D�monennetze finden k�nnen. Es kann einige Stunden dauern, aber Ihr werdet merken, da� die Zeit hier sehr sonderbar verstreicht.�</p><p>Mit diesen Worten folgte Quenthel Tzirik.</p><p>Halisstra schlo� die Augen, holte tief Luft und konzentrierte sich darauf, Tzirik in angemessener Entfernung zu folgen. Sie schlo� rasch und m�helos zu ihm auf, und diesmal lie� sie es nicht zu, in Panik zu geraten. Kurz darauf befanden sich auch die anderen neben ihr, und mit jedem Moment gew�hnten sie sich mehr an die fremdartige Astralebene. Halisstra lie� sich hinrei�en, mit der Art der Fortbewegung zu experimentieren, indem sie mal in die Horizontale wechselte, als fliege sie wie ein Vogel durch die perlmutterne Leere, dann wieder bewegte sie sich, als gehe sie z�gig, ohne aber ihre Beine zu bewegen.</p><p>Wie sich herausstellte, war es v�llig egal, was sie mit ihrem K�rper tat, solange ihr Geist darauf ausgerichtet war, in der N�he ihrer Gef�hrten zu bleiben. Allm�hlich begann sie die wahre Stofflosigkeit der Astralsee zu begreifen. Sie war nur ein Geist, schwerelos und vollkommen, doch befand sie sich an einem Ort, an dem Geister fa�bar wurden. Irgendwo jenseits der unendlichen perlmutternen Weite lagen die Reiche der G�tter, Tausende verschiedener Existenzkonzepte, von denen aus die g�ttlichen Wesen �ber das Schicksal Faer�ns � und aller Welten �berhaupt � herrschten. Sie konnte Hunderte von Lebensspannen damit verbringen, diese Reiche zu erkunden, die an die Astralsee angrenzten, und trotzdem w�rde sie sie niemals alle zu Gesicht zu bekommen.</p><p>Der Gedanke sorgte daf�r, da� sie sich winzig und unbedeutend vorkam, und sie begann sofort, ihn zu vertreiben. Lolth hatte sie nicht in den Abgrund der D�monennetze gerufen, damit sie sich von der silbrigen Leere der Astralebene �berw�ltigen lie�. Sie hatte Halisstra und die anderen gerufen, damit sie ihr ihren Glauben und ihre Bewunderung aussprachen. Welchen anderen Grund sollte Lolth sonst haben, ihren Getreuen alle Macht zu entziehen, Ched Nasad untergehen zu lassen und die erste Tochter des Hauses Melarn so unendlich leiden zu lassen?</p><p>Es gibt einen Sinn, sagte sich Halisstra, einen Sinn, der mir klarwerden wird, wenn mein Glaube stark bleibt.</p><p>Die K�nigin �ber den Abgrund der D�monennetze hat uns bis hier gef�hrt, sie wird uns auch noch ein St�ck weiter f�hren.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Halisstra konnte nicht im entferntesten sagen, wie lange sie brauchten, um die Astralebene zu durchqueren. Ihr war zuvor nie bewu�t gewesen, in welchem Ausma� die routinem��igen Abl�ufe des K�rpers das Verstreichen der Zeit bestimmten. Ihre Astralform wurde weder m�de noch hungrig, sie kannte keinen Durst und keine anderen Dinge, auf die sie achten mu�te. Ohne die kleinen Dinge, die man erledigte, um den Bed�rfnissen des K�rpers nachzukommen � ein Schluck aus einem Wasserschlauch, wenn man durstig war; ein kurzer Halt w�hrend eines Marsches, um etwas zu essen; ein Stop, um in Trance zu versinken und die grellen Stunden des Tages hinter sich zu bringen �, verlor die Zeit schlicht ihre Bedeutung.</p><p>Von Zeit zu Zeit erhaschten sie kurze Blicke auf andere Ph�nomene als die endlosen perlmutternen Wolken oder die grauen Wirbel, die sich ringsum �ber den Himmel zogen. Sonderbare Fetzen Materie trieben durch die Astralsee, gelegentlich entdeckten sie Findlinge, Felsst�cke oder Erdhaufen, die wie winzige Welten im Raum schwebten. Manche hatten fast die Gr��e von Bergen, andere ma�en nur ein paar Schritt. Die gr��eren von ihnen zierten eigenartige Ruinen, die das Heim von Astralreisenden oder von vor langer Zeit fortgegangenen Bewohnern zu sein schienen. Das Sonderbarste, was ihnen begegnete, waren wirbelnde Farbteiche, die sich langsam im astralen Medium drehten. Die Farbt�ne reichten von hellem, gl�nzendem Silber bis zum tiefsten Nachtschwarz, durch das sich purpurne Streifen zogen.</p><p>�Kommt diesen Teichen nicht zu nahe�, hatte Tzirik sie gewarnt. �Wenn Ihr dort eindringt, werdet Ihr auf eine andere Existenzebene gebracht, und ich habe kein Interesse, mich in fremde Welten zu begeben, nur weil jemand zu sorglos reist.�</p><p>�Woher wissen wir, welcher uns zum Abyss f�hrt?� fragte Valas.</p><p>�Keine Sorge, mein Freund. Der Zauber, den Vhaeraun mir gew�hrte, sorgt auch f�r eine bestimmte Tendenz hin zu unserem Ziel, die ich empfing, als ich meinen Geist auf diese Ebene brachte. Ich f�hre uns alle mehr oder weniger direkt zum n�chsten Farbteich, der unseren Zwecken dienen wird.�</p><p>�Wie lange m�ssen wir noch reisen?� fragte Quenthel.</p><p>�Wir kommen n�her�, antwortete Tzirik. �Es ist schwer zu sagen, aber ich w�rde annehmen, da� wir noch vier oder f�nf Stunden von unserem Ziel entfernt sind. Wir sind inzwischen fast zwei Tage gereist.�</p><p>Zwei Tage? Halisstra kam es nicht ann�hernd so lang vor.</p><p>Sie fragte sich, was wohl in den letzten beiden Tagen in Faer�n geschehen sein mochte. Wachte Jeggred noch �ber ihre reglosen K�rper? Er konnte seine Aufgabe nicht nachl�ssig erf�llt haben, da sie noch lebten, doch wie viele Tage mochten noch vergehen, ehe sie ihr endg�ltiges Ziel erreicht, die G�ttin um eine Audienz ersucht und die R�ckkehr in ihre eigentliche Ebene geschafft hatten?</p><p>Gedankenversunken verbrachte sie die Reise schweigsam, bemerkte dabei aber kaum, da� ihre Gef�hrten sich nicht anders verhielten. Um so mehr �berraschte es sie, als Tzirik seinen m�helosen Flug verlangsamte und dann reglos verharrte. Vor ihm befand sich ein schwarzer Wirbel mit silbernen Streifen, der nicht weit von den Reisenden entfernt langsam durch das Astralmedium peitschte.</p><p>�Der Eingang zur sechsundsechzigsten Ebene des Abyss�, erkl�rte der Priester Vhaerauns. �Bislang ist unsere Reise ohne jegliche Zwischenf�lle verlaufen, doch sobald wir uns in Lolths Reich begeben, wird sich das �ndern. Wenn Ihr Zweifel an Eurer Mission habt, Herrin Baenre, dann w�re dies ein guter Zeitpunkt, sie zu �u�ern.�</p><p>�Ich habe keinen Grund, den Abgrund der D�monennetze zu f�rchten�, gab Quenthel zur�ck. �Ich beabsichtige zu tun, wof�r ich hergekommen bin.�</p><p>Ohne auf Tzirik zu warten, scho� sie vor und tauchte in den wirbelnden, pechschwarzen Klecks. Von einem Augenblick auf den anderen wurde ihre strahlende Astralform von dem Mahlstrom geschluckt.</p><p>�Sie ist ungeduldig, nicht?� merkte Tzirik an.</p><p>Er zuckte kurz die Achseln und begab sich selbst in den Farbteich. Wie Quenthel versp�rte auch Halisstra in diesem Moment Gewi�heit, und sie wollte sich nicht von irgendwelchen Zweifeln von ihrem beabsichtigten Kurs abbringen lassen. Sie drang in den Teich aus wirbelnder schwarzer Nacht ein, kaum da� Tzirik dort verschwunden war, die Z�hne trotzig gefletscht.</p><p>Zun�chst sp�rte sie �berhaupt nichts, auch wenn der Pfuhl ihr im Augenblick des Eintauchens g�nzlich die Sicht nahm. Das Medium schien sich von der Astralebene nicht zu unterscheiden � ein schwereloses, k�hles, vollkommenes Nichts �, doch mit einem Mal erfa�te die wirbelnde Str�mung des Teiches sie, zog an ihr mit einer befremdlichen, nicht-dimensionalen Beschleunigung, die ihre stoffliche Form in eine Richtung zerrte, die sie nicht einmal ann�hernd verstand. Es schmerzte nicht, aber es f�hlte sich so fremdartig an, so verwirrend, da� Halisstra entsetzt und gequ�lt nach Luft rang und unter der Umklammerung durch den astralen Mahlstrom heftig erbebte.</p><p>Lolth, hilf mir! flehte sie stumm in ihrem Geist, w�hrend sie mit den Armen ruderte und versuchte, sich aus der wirbelnden Masse zu befreien. Die unbeschreibliche Bewegung hielt noch einen Moment lang an, dann ...</p><p>... hatte sie es geschafft.</p><p>Halisstra taumelte wie trunken, als die Schwerkraft zur�ckkehrte, und hatte M�he, das Gleichgewicht zu wahren. Sie schlug die Augen auf und stellte fest, da� sie auf etwas Silbergrauem lag, einer steilen Rampe oder Mauer, die vor ihr bis ins Unendliche abfiel. Die anderen standen ganz in ihrer N�he und sahen sich schweigend um, w�hrend sie sich nerv�s die Gliedma�en rieben oder nach ihren Waffen tasteten.</p><p>Ringsum gab es nur schwarze, erdr�ckende Leere, die dunkler und unheilvoller war als die schw�rzeste Schlucht im Unterreich. Ein �bler, bei�ender Geruch erf�llte ihre Nasenl�cher, und ein leise murmelnder Luftzug bewegte sich unabl�ssig von unten nach oben. Halisstra sah in den Abyss zu ihrer Linken und sah dort etwas schimmern, einen mattsilbernen Faden, der mehrere Kilometer entfernt war und sich durch die Finsternis zog. Kleinere F�den kreuzten ihn in unregelm��igen Abst�nden, und als <emphasis>sie</emphasis> ihnen mit den Augen folgte, sah sie, da� sie sich langsam nach oben bewegten und mit der Rampe zusammentrafen, auf der sie stand. Die hei�e, stinkende Brise wurde st�rker und schaffte es dann, den gewaltigen Faden sanft schwingen zu lassen.</p><p>�Es ist ein Spinnennetz�, murmelte Ryld. �Ein riesiges Spinnennetz.�</p><p>��berrascht dich das?� erwiderte Pharaun zynisch l�chelnd.</p><p>Danifae ging ein paar zaghafte Schritte auf dem Faden. Das Ding hatte einen Durchmesser von drei�ig oder vierzig Schritt, doch da die Oberfl�che rund war, empfand sie es als unangenehm, wenn sie sich mehr als ein Dutzend Schritte vom hochsten Punkt des Fadens bewegte. Sie kniete sich hin und strich mit der Hand �ber die Oberfl�che des Fadens, dann verzog sie das Gesicht.</p><p>�Klebrig, aber nicht gef�hrlich. Au�erdem scheint es so, als seien wir wieder vollkommen stofflich.� Sie richtete sich auf und reckte sich ausgiebig. �Habe ich nun zwei K�rper? Einen hier und einen in der Jaelre-Burg?�</p><p>�Genaugenommen ist das so�, antwortete Tzirik. �Wenn man die Astralsee verl��t und sich auf eine andere Ebene begibt, dann baut der reisende Geist sich den stofflichen K�rper, den er erwartet. Man k�nnte sagen, Euer Geist m�sse sich einer Art Verdichtung unterziehen, um auf einer anderen Ebene eine physische Existenz anzunehmen. Wenn Ihr diesen Ort verla�t, wird Euer Geist auf die Astralebene zur�ckkehren, w�hrend die H�lle, die Ihr f�r Euch geschaffen habt, verbla�t.�</p><p>�Ihr scheint mit den Unbilden der Reisen auf andere Ebenen gut vertraut zu sein�, stellte Halisstra fest.</p><p>�Vhaeraun hat mich schon mehrfach in die Ebenen jenseits Faer�ns geschickt�, r�umte Tzirik ein. �Ich war auch schon hier im Abgrund der D�monennetze. Alle G�tter unserer Rasse sind hier zu Hause, jeder in seinem eigenen Reich innerhalb dieser gro�en Netzspalte. Mein vorangegangener Auftrag f�hrte mich nicht in Lolths Reich, und er liegt auch schon viele Jahre zur�ck.�</p><p>Quenthel warf ihm einen finsteren Blick zu. �Der gesamte Abgrund der D�monennetze ist Lolths Reich, Ketzer. Sie ist die K�nigin �ber diese Ebene des Abyss, w�hrend die anderen sogenannten G�tter unseres Volkes hier nur mit ihrer Duldung existieren.�</p><p>�Ich bin sicher, da� Ihr korrekt nachgeplappert habt, was Euch Euer Glaube in dieser Angelegenheit vorschreibt, daher werde ich mit Euch nicht �ber diesen Punkt streiten, Priesterin Lolths. F�r unsere Zwecke ist das genaue Verh�ltnis der Gottheiten untereinander in diesem Pantheon nicht wichtig.�</p><p>Tzirik wandte Quenthel den R�cken zu und betrachtete den schwarzen Abgrund rings um die Gruppe. Mit der Hand beschrieb er eine wischende Bewegung.</p><p>�Irgendwo unter uns werden wir eine Art Tor oder Grenze finden, die die Stelle markiert, an der sich der Zugang zu Lolths Reich �ffnet � das, soweit ich wei�, dem �brigen Abgrund der D�monennetze recht �hnlich ist, das aber ihren Launen unterworfen ist.�</p><p>�Wenn die Ebene unendlich ist, dann k�nnte der Punkt, den wir suchen, unendlich weit entfernt sein�, merkte Pharaun an. �Wie sollen wir von hier nach dort gelangen?�</p><p>�Wenn wir einfach an einem beliebigen Punkt in dieser Ebene materialisiert w�ren, h�ttet Ihr recht�, gab Tzirik zur�ck. �Doch die Astralprojektion ist keine zuf�llige Reisemethode. Wir sind nicht weit von dem Ort entfernt, den wir suchen � ein Marsch von einer Stunde, h�chstens von einem Tag, aber nicht viel weiter. Da wir wissen, da� Lolths Reich am Nadir dieses Ortes gelegen ist, w�rde ich vorschlagen, da� wir nur an diesem Faden hinabsteigen und an jeder weiteren Verzweigung wiederum den Weg nach unten w�hlen. Unterwegs sollten wir aber wachsam sein.�</p><p>�Es wird noch andere geben�, f�gte Quenthel an. �Die Seelen der j�ngst Verstorbenen. Wenn Ihr jemanden seht, den Ihr als Verehrer Lolths erkennt, dann werden wir ihm folgen.�</p><p>Sofern Lolth sie noch zu sich ruft, dachte Halisstra.</p><p>Den anderen schien der gleiche Gedanke durch den Kopf zu gehen.</p><p>Der Priester nahm seinen Streitkn�ppel in die Hand, korrigierte den Griff um seinen Schild, dann machte er sich mit gestrafften Schultern auf den direkten Weg nach unten, den titanenhaften grauen Faden entlang. Die Menzoberranzanyr sahen einander kurz an, folgten Tzirik dann aber auf der steilen Netzs�ule.</p><p>Die Oberfl�che des Fadens entpuppte sich als angenehm begehbar. Sie war uneben, nicht wirklich klebrig und bestand aus rauhen Fasern, die guten Halt f�r die F��e boten. Zugleich federte die Oberfl�che gen�gend, um die schweren Schritte w�hrend des steil nach unten f�hrenden Abstiegs zu d�mpfen.</p><p>Auf den ersten Blick glaubte Halisstra, dieser Ort sei genauso leer wie die silbrige See der Astralebene, denn die gewaltigen Abst�nde zwischen den F�den verliehen dieser Ebene ein Gef�hl v�lliger Leere. Doch je weiter sie kamen, desto bewu�ter nahm sie eine ha�erf�llte Atmosph�re wahr, als beobachte die gesamte Ebene ihr Eindringen und koche vor Wut. Ein fremdartiges, rauhes Rascheln und sonderbar insektenartige, kichernde Ger�usche stiegen mit dem �belriechenden Luftzug empor, das Ger�usch ferner, kriechender Bewegungen und Aktivit�ten, die eine Aura der Gefahr in sich trugen.</p><p>Manchmal machte Halisstra an einem benachbarten Faden eine Bewegung aus, auch wenn die durchh�ngenden schwarzen Str�nge kilometerweit entfernt waren. Hier und da bemerkte sie hektische Aktivit�t, doch die daf�r verantwortlichen Kreaturen oder Objekte waren so weit entfernt, da� es unm�glich zu erkennen war, um was es sich bei ihnen handelte. Mehr als einmal sp�rte sie eine Pr�senz in der luftigen Leere rings um ihren Faden, langsame, �ble Dinge, die auf den ger�uschvollen Luftst��en trieben, die unabl�ssig von unten kamen und sich den reisenden Drow immer wieder n�herten, als wollten sie sehen, ob sie sich f�r eine Zwischenmahlzeit eigneten.</p><p>In unregelm��igen Abst�nden kamen sie an Leichen vor�ber, alptraumhaften Kadavern, die das schlimmste von Spinnen und D�monen vereinten. Gro�e St�cke waren aus dem Chitinpanzer der Monster gerissen, Glieder waren verdreht, hier und da war ein haariger Brustkorb eingedr�ckt worden, aus dem eine s�uerlich riechende, gr�ne Masse austrat. Gefl�gelte Aasd�monen lagen in Haufen aus schmutzigen Federn, die gr��lichen Schn�bel im Tod aufgerissen. Aufgebl�hte, froschartige Dinge hingen in den Fasern des gro�en Fadens und bewegten sich leicht im �blen, hei�en Luftzug. Einige D�monen klammerten sich noch an ihr Leben, doch sie konnten kaum mehr machen, als zu zucken oder zu schnarren. Manche von ihnen stie�en verzweifelte Drohungen aus, sobald die Drow sie passierten.</p><p>�Dieser Ort ist ein Beinhaus der Teufel�, murmelte Ryld, der sich eine Hand vor Mund und Nase hielt. �Ist es hier immer so?�</p><p>�Bei meinem letzten Besuch sah ich nichts dergleichen�, erwiderte Tzirik. �Ich wei� nicht, was das zu bedeuten hat. Ich wei� nur, da� ich nicht dem Ding begegnen m�chte, das D�monen in St�cke rei�en kann.�</p><p>�Ich kann mich daran auch nicht erinnern�, sagte Quenthel. Sie machte ein nachdenkliches Gesicht, ihre Stimme war leise und angestrengt. �Ver�nderung ist das Wesen des Chaos, und Chaos ist ein Aspekt Lolths.�</p><p>�Wahrhaftig�, sagte Pharaun. Der Magier hielt sich ein Taschentuch vor die Nase und bahnte sich seinen Weg um den Kadaver einer riesigen Spinne, deren knolliger Unterleib aufgeplatzt war und dessen gr��licher Inhalt sich �ber den Faden verteilt hatte. �Es ist m�glich, da� sie sich das gegenseitig angetan haben. Wenn eine starke, befehlende Pr�senz fehlt, wenden sie sich oft gegeneinander.�</p><p>�Wenn sie fehlt ...� , wiederholte Halisstra und betrachtete das Gemetzel genauer. �Ich sehe nirgends tote Drow.�</p><p>Nachdem sie ein betr�chtliches St�ck zur�ckgelegt hatten, r�ckten die benachbarten F�den allm�hlich n�her, au�erdem stie�en sie immer h�ufiger auf Querf�den. Halisstra sah, da� an den F�den ringsum weitere zerschmetterte Kadaver klebten. Ganz gleich, welcher Kampf hier getobt haben mochte, er mu�te sich �ber Dutzende von F�den und unz�hlige Kilometer schwarzer Leere erstreckt haben.</p><p>�Die Spinnenk�nigin ...�, sagte Halisstra. �Sie lie� die Bewohner ihrer eigenen Ebene im Stich, so wie sie uns im Stich lie�, und so, wie wir einander in Ched Nasad gegenseitig ausl�schten, haben die D�monen ihres Reiches das auch gemacht.� Sie schlo� die Augen und versuchte, den Anblick zu verdr�ngen. Der Gestank schlug ihr auf den Magen, ihr war schwindlig. �Lolth, <emphasis>warum</emphasis> nur?� murmelte sie.</p><p>�Die Spinnenk�nigin wird sich erkl�ren, wenn sie es f�r richtig h�lt�, gab Quenthel zur�ck. �Wir k�nnen nur um die Wiederherstellung ihrer Gunst bitten und darauf vertrauen, da� wir in ihren Augen w�rdig sind.�</p><p>�Wir k�nnen uns auch etwas schneller voranbewegen, anstatt dumm zu glotzen�, rief Valas. Er bildete den Schlu� der Gruppe und hatte einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens gelegt. Der Sp�her stand da und sah mit besorgter Miene den Faden entlang nach oben. �Verzeiht die Unterbrechung, aber wir bekommen Gesellschaft. Wir werden verfolgt.�</p><p>Halisstra folgte dem Blick des Sp�hers nach oben und schwankte leicht, da sie das Gleichgewicht verlor. Ihr wurde erst klar, wie weit sie inzwischen gereist waren, als sie sah, da� der Faden sich �ber eine gewaltige Distanz hinauf bis in Dunkelheit erstreckte. Etwas folgte ihnen, eine kriechende Horde aus kleinen, spinnenartigen Gestalten, die sich um den Faden auf sie zubewegten, ohne davon Notiz zu nehmen, was in den Fasern festhing. Sie waren zwar noch viele hundert Schritte entfernt, doch selbst auf diese gro�e Entfernung konnte Halisstra sehen, da� es sich um Monstrosit�ten von Oger-Gr��e handelte. Der Eifer, mit dem sie ihre Verfolgungsjagd betrieben, konnte nichts Gutes bedeuten.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, meinte Ryld.</p><p>�Mir auch nicht�, pflichtete Quenthel ihm bei. �Pharaun, habt Ihr einen Zauber, der ihnen das Vorankommen verwehrt?�</p><p>Der Meister Sorceres sch�ttelte den Kopf und erwiderte: �Nicht ohne Gefahr zu laufen, da� der Faden durchtrennt wird. Und dieses Risiko will ich aus unerfindlichen Gr�nden lieber nicht eingehen. Ich k�nnte statt dessen einen Flugzauber wirken, der gen�gen sollte, damit wir diesen Faden verlassen und zum n�chsten �berwechseln k�nnen. Allerdings k�nnten wir auch einfach zum n�chsten Faden unter uns schweben.�</p><p>Er wies auf einen schmalen, fast d�nnen Strang, der ein St�ck weit unter ihnen ein wenig seitlich versetzt verlief.</p><p>�Spart Euch Eure Magie�, entschied Quenthel. �Der Faden wird gen�gen. Pharaun, Ryld, ihr tragt Valas und Danifae.�</p><p>Sie glitt an dem gro�en Faden entlang, auf dem sie standen, dann stie� sie sich ab. Einer nach dem anderen folgte ihr. Halisstra wagte einen letzten Blick auf den Schrecken, der sich ihrer Position n�herte, dann folgte sie rasch der Baenre-Priesterin, indem sie sich an den Rand des gewaltigen Strangs herablie� und dann den Sprung in die Dunkelheit machte.</p><empty-line/><p>Drei Tage waren seit dem Sieg bei den S�ulen des Leids vergangen, und �ber drei�ig Kilometer waren sie inzwischen n�her an Menzoberranzan. Nimor stand im Schatten an der M�ndung Lustrums, einer wundersam reichen Mithral-Mine. Nahe dem Eingang reichte ein keilf�rmiges Gew�lbe Hunderte von Metern in die H�he, das breiter wurde, je h�her man sich befand. Am H�hlenboden war es beengt und mit den Bruchst�cken gewaltiger Findlinge �bers�t. Die Minenarbeiter � Sklaven und Soldaten des Hauses Xorlarrin, zumindest glaubte er das � hatten ihr Werkzeug weggeworfen und ihr Zuhause verlassen, als sich ihnen die Duergar-Armee n�herte, wobei sie aber noch so viel Mithral-Erz mitgenommen hatten, wie sie tragen konnten. Nimor sah hinauf in den schmalen schwarzen Ri�.</p><p>Die Mithral-Mine war interessant anzusehen, doch sie war nicht der einzige Grund, weshalb er hier war. Das Lustrum befand sich zwischen der Armee aus Gracklstugh und der Armee Kaanyr Vhoks. Die Duergar hielten sich auf der linken Seite und n�herten sich Menzoberranzan aus S�dwesten, w�hrend die Tanarukks den Weg zur Rechten zur�cklegten und von S�dosten auf die Stadt zumarschierten. Die Drow-Armee zog sich zur�ck, auf dem Weg in die tr�gerische Sicherheit ihrer Heimatstadt. Menzoberranzans Mantel � der gro�e Kranz aus verschlungenen H�hlen und Passagen, der sich um die ganze Stadt zog � bot der einfallenden Armee tausend Wege, um sich der Stadt zu n�hern.</p><p>Nat�rlich hatten die Muttermatronen ihre entlegeneren L�ndereien nicht ungesch�tzt gelassen. Nimor sah zu Boden auf die gr�nen Scherben einer der ber�chtigten Jadespinnen der Stadt, riesige, magisch angetriebene Automaten aus Stein, die die Randbereiche der Stadt bewachten. Aus den �berresten dieses Objekts zu seinen F��en stieg noch der bei�ende schwarze Rauch der Brandbomben auf, mit denen es vor wenigen Stunden zerst�rt worden war. Es handelte sich um raffinierte, todbringende Werkzeuge, doch ohne Heerscharen von Priesterinnen, die sie mit allen m�glichen Zaubern unterst�tzten, waren die Jadespinnen kein ausreichendes Mittel, um die beiden vorr�ckenden Armeen aufzuhalten.</p><p>Wie lange noch, bis die gro�en Burgen von Menzoberranzan genauso am Boden liegen wie dieses Ding? �berlegte Nimor.</p><p>Die Gesalbte Klinge wurde in ihren Gedankeng�ngen unterbrochen, als das Stampfen von Zwergenstiefeln und das h��liche Kratzen von Eisen auf Stein ert�nte. Die gepanzerte Kutsche Kronprinz Horgar Stahlschattens n�herte sich, eskortiert von einer doppelten Kolonne von Steinwachen des Duergar-F�rsten. Nimor zuckte zusammen, als er das dr�hnende Gellen der Duergar-Soldaten h�rte.</p><p>Man sollte meinen, sie h�tten in ihrer eigenen Stadt schon genug L�rm und Hammerschl�ge, dachte er.</p><p>Er klopfte Schmutz von seinem Waffenrock, dann begab er sich nach unten, um mit seinen Verb�ndeten zusammenzutreffen.</p><p>�Seid gegr��t. Ich freue mich, da� Ihr meiner Bitte um ein Gespr�ch nachgekommen seid.�</p><p>Der Duergar-F�rst stie� die gepanzerte T�r an der Seite seines eisernen Wagens auf und trat hinaus auf den H�hlenboden. Marschall Borwald folgte mit einem Schritt Abstand, ein gro�er Eisenhelm verbarg die Narben in seinem Gesicht.</p><p>�Ich habe Euch gesucht, Nimor Imphraezl�, erwiderte Horgar. �Ihr seid einfach verschwunden, nachdem Ihr unsere Vorhut in dieses Labyrinth aus Tunneln gef�hrt hattet. Was hattet Ihr anderswo zu tun, das wichtiger sein k�nnte als unser Angriff auf Menzoberranzan? Das w�rde mich interessieren.�</p><p>Der Sieg hatte den sauert�pfischen Pessimismus des Kronprinzen in einen unb�ndigen Hunger nach weiteren Triumphen verwandelt, und Horgars Gutsherren spiegelten die Einstellung ihres Herrschers wider. Wo zuvor der Anblick des Assassinen dazu gef�hrt hatte, da� man finstere Miene machte und sich �bles zufl�sterte, waren die Gutsherren von Gracklstugh nun an einem Punkt angelangt, da sie seine Anwesenheit mit schroffem Kopfnicken und unverhohlenem Neid auf seine Erfolge quittierten.</p><p>�Aber wieso? Mein kurzer Ausflug betraf ausschlie�lich den bevorstehenden Angriff�, gab Nimor mit einem Lachen zur�ck. Er trat gegen eine Jadescherbe des vernichteten Konstrukts. �Nachdem ich Euren M�nnern gezeigt hatte, wie man diese Dinge unsch�dlich macht, war ich der Ansicht, Eure Armee habe die Sache bestens im Griff. Daher nahm ich mir die Freiheit, meinen Vorgesetzten Bericht zu erstatten und mich zugleich etwas umzutun, wie es in der Stadt aussieht.�</p><p>Der Duergar-Prinz runzelte die Stirn und zog nachdenklich die Brauen zusammen.</p><p>�Ihr nahmt Euch die Freiheit, mit der Tanarukk-Armee ein gro�es Wagnis einzugehen�, sagte Horgar. �Sie h�tte sich ebensogut gegen uns wie gegen die Menzoberranzanyr wenden k�nnen, und das wi�t Ihr!�</p><p>�Unter normalen Umst�nden vielleicht, doch man kann die Chance f�rmlich riechen, die in der Luft h�ngt. Ich kann sie riechen, Kaanyr kann sie riechen, und ich glaube, da� Ihr sie auch riechen k�nnt. Wir stehen an einem Wendepunkt, an dem viele gro�e Ereignisse in eine andere Richtung gelenkt werden k�nnten.�</p><p>�Leere Platit�den, weiter nichts, Nimor�, brummte der Duergar.</p><p>Er verschr�nkte seine dicken Arme und starrte ins Nichts, w�hrend er wartete. Nach kurzer Zeit drang ein Scharren und Schnauben durch die Finsternis, gefolgt von schnellen, schweren Schritten.</p><p>Eine Schar Tanarukks kam in die H�hle, die auf ihren haarigen Schultern eine eiserne S�nfte von der Gr��e einer kleinen Kutsche trugen. Die Augen der Bestien gl�hten rot vor Ha�, in den kraftvollen F�usten hielten sie �xte und Streitkolben. Die Duergar und die Ork-D�monen warfen sich finstere Blicke zu, murmelten Unverst�ndliches und tasteten nerv�s nach ihren Waffen.</p><p>Die T�r der S�nfte �ffnete sich knarrend, und Kaanyr Vhok erhob sich langsam aus dem Sessel. Der halbd�monische Kriegsherr sah in seiner karmesinroten und goldenen R�stung prachtvoll aus, und seine feingeschuppte Haut und die markanten Z�ge verrieten auf eine Weise Charisma, mit der Horgars ungehobelte und mi�trauische Duergar-Art nie h�tte mithalten k�nnen. Das Alu-Scheusal Aliisza folgte ihm und streckte ihre Fl�gel, als sie heraustrat. Als letzter verlie� Zammzt die Kutsche des Kriegsherrn.</p><p>�Ich bin gekommen�, sagte Kaanyr mit seiner kraftvollen Stimme. Er betrachtete die versammelten Duergar und sah auch zu Nimor. �Wir haben die Drow v�llig aufgel�st in ihre Stadt zur�ckgetrieben. Wie setzen wir nun dem Ganzen ein Ende � und viel wichtiger: Wie teilen wir die Beute?�</p><p>�Die Beute teilen?� gab Horgar zur�ck. �Wohl kaum. Ihr werdet Euch nicht an meinem Lohn g�tlich tun, nachdem meine Armee Schwerstarbeit geleistet hat, um die Drow bei den S�ulen des Leids zu schlagen. Ihr werdet f�r Eure Unterst�tzung angemessen bezahlt werden, aber glaubt ja nicht, Ihr k�nntet einen Teil meines Sieges f�r Euch beanspruchen.�</p><p>Kaanyr zog w�tend die Brauen zusammen.</p><p>�Ich bin kein Bettler, der an Eure Gro�z�gigkeit appelliert�, sagte der Cambion. �Ohne meine Armee w�rdet Ihr Euch noch immer Schritt f�r Schritt nach Menzoberranzan vork�mpfen.�</p><p>Horgar wollte w�tend etwas erwidern, doch Nimor stellte sich rasch zwischen den Halbd�mon und den Duergar und hob die Arme.</p><p>�Meine Herren!� rief er. �Menzoberranzan kann Euch nur schlagen, wenn Ihr Euch gegeneinander wendet. Wenn Ihr zusammenarbeitet, wenn Ihr geschickt Eure Ressourcen b�ndelt, wird die Stadt fallen.�</p><p>�Das stimmt�, sagt Zammzt. Der Assassine mit dem platten, ausdruckslosen Gesicht stand in seinen dunklen Mantel geh�llt neben Vhoks S�nfte. �Es bringt wenig, �ber die Verteilung der Beute zu reden, solange die Stadt noch nicht eingenommen ist. Es ist noch sinnloser, mit der Diskussionen �ber die Verteilung der Beute zu verhindern, da� die Stadt �berhaupt erst fallen kann.�</p><p>�Das mag sein�, gab Kaanyr zur�ck und verschr�nkte seine muskul�sen Arme vor der breiten Brust. �Aber ich werde mich nicht �bergehen lassen, wenn die Stadt gepl�ndert wird. Ihr habt mich hergeholt.�</p><p>�Mich auch�, polterte Horgar, �und auch die Agrach Dyrr. Ich vermute, Euer geheimes Haus wird sehr unter Druck geraten, wenn es alle Versprechungen einl�sen soll, die Ihr Euren Verb�ndeten gemacht habt. Ich frage mich, wen von uns Ihr verraten wollt.�</p><p>Zum ersten Mal mu�te sich Nimor ernsthaft die Frage stellen, ob er wohl zu viele Feinde Menzoberranzans zusammengebracht hatte. So lief Diplomatie im Unterreich. Keine Allianz verlor je ihre N�tzlichkeit, nicht einmal einen Herzschlag lang.</p><p>Zu seiner �berraschung kam ihm Aliisza zu Hilfe.</p><p>Das Alu�Scheusal lehnte sich gegen Kaanyr und erkl�rte: �Er wird bei keinem von Euch seine Versprechen einl�sen k�nnen, solange die Stadt steht. Wie soll er das auch? Wenn Ihr Euch nicht einigt, werden wir alle mit leeren H�nden nach Hause zur�ckkehren.�</p><p>Nimor nickte ihr knapp ein Danke zu, achtete aber darauf, da� sein Blick nicht zu lange auf Aliisza ruhte, solange sie so dicht neben Kaanyr stand. Er bezweifelte, da� sie ihrem Herrn jedes Detail ihres Besuchs in Gracklstugh erz�hlt hatte, und er wollte dem Halbd�mon keinen Anla� geben, neugierig zu werden und Fragen zu stellen.</p><p>�Die Weisheit der Dame Aliisza ist so gro� wie ihre Sch�nheit�, sagte er. �Um einen Streit zu vermeiden, schlage ich folgendes vor: Horgar fallen f�nf Zehntel des Verm�gens, der Bev�lkerung und des Territoriums von Menzoberranzan zu. An Kaanyr gehen drei Zehntel, und zwei Zehntel gehen an mein Haus, aus denen ich die Agrach Dyrr mit abfinden werde. Das alles bedarf nat�rlich noch gewisser Verhandlungen und Korrekturen, wenn Menzoberranzan in unserer Hand ist.�</p><p>�Meine Armee ist mehr als doppelt so gro� wie die des Cambion. Wieso bekommt er einen gr��eren Anteil als die H�lfte des meinen?� fragte Horgar.</p><p>�Weil er hier ist�, gab Nimor zur�ck. �Nehmt Eure Armee und geht wieder nach Hause, wenn Ihr wollt, Horgar. Aber seht Euch um, ehe Ihr aufbrecht. Wir befinden uns am Lustrum, der Mithral-Mine des Hauses Xorlarrin. Menzoberranzan hat die Kontrolle �ber Dutzende solcher Sch�tze, und die Burgen und Schluchten sind mit dem Reichtum von f�nftausend Jahren gef�llt. Wenn Ihr nicht k�mpft, werdet Ihr keinen Anteil bekommen.�</p><p>Dies war der andere Grund, warum Nimor das Lustrum als Treffpunkt ausgew�hlt hatte. Es war ein verlockender Vorgeschmack auf die Beute, die sie erwartete.</p><p>Horgars Blick verfinsterte sich, doch der Duergar wandte sich ab und betrachtete die Kluft und die umliegenden klaffenden Stollen. Marschall Borwald beugte sich vor und fl�sterte dem Kronprinzen etwas zu, die anderen Gutsherren tuschelten untereinander. Nach einem Moment schob er die dicken Daumen unter den G�rtel, dann r�usperte er sich.</p><p>�Nun gut. Unter dem Vorbehalt abschlie�ender Verhandlungen sind wir einverstanden. Wie wollt Ihr die Stadt bezwingen?�</p><p>�Ihr werdet Menzoberranzan zwischen Euren Armeen aufreiben�, sagte Nimor. �Angesichts Eures Sieges bei den S�ulen des Leids werden die Lolthiten Euren Angriff erwarten. Doch wegen dieses Labyrinths aus G�ngen rings um die Stadt kann niemand sagen, aus welcher Richtung Ihr angreifen werdet. Das bedeutet, da� die Menzoberranzanyr ihre Armee in der Stadtmitte aufstellen m�ssen, damit sie sich von dort an den Punkt begeben, an dem die Stadt angegriffen wird. Die Geknechtete Legion wird f�r diese Bedrohung sorgen, und sobald wir die Lolthiten in diesen Kampf gelockt haben, wird die Armee aus Gracklstugh den zweiten Angriff starten und in die Stadt vordringen.�</p><p>�Kein schlechter Plan�, stellte Kaanyr fest. �Doch genau das werden die Menzoberranzanyr unter den momentanen Umst�nden erwarten. Sie werden sehr vorsichtig sein, ehe sie ihre ganze Kraft einer einzelnen Bedrohung entgegenstellen.�</p><p>�Ja�, meinte Horgar. �Wie wollt Ihr sie in die Falle locken, nachdem sie bei den S�ulen des Leids schon einmal in eine Falle gegangen sind?�</p><p>Nimor l�chelte. Es war ihm nicht entgangen, da� Horgar und Kaanyr Vhok mit einem Mal das taktische Problem diskutierten, wie Menzoberranzan zu besiegen war, da� sie aber nicht mehr dar�ber stritten, welchen Lohn sie f�r ihre Bem�hungen erwarteten.</p><p>�Meine Br�der und ich gehen davon aus, da� wir in dieser Hinsicht helfen k�nnen�, sagte er. �Wir sind zwar zahlenm��ig klein, aber wir sind bestens plaziert, und, meine Herren, au�erdem scheint Ihr vergessen zu haben, da� wir noch Haus Agrach Dyrr haben.�</p><p>Prinz Horgar und Kaanyr Vhok nickten und l�chelten, als er sie daran erinnerte.</p><p>Mach dich auf etwas gefa�t, Menzoberranzan, dachte Nimor. Ich bin auf dem Weg.</p><empty-line/><p>�Ich h�tte mir im Leben nicht so viele D�monen vorstellen k�nnen�, st�hnte Ryld. Er st�tzte sich auf Splitter und sah zu, wie eine riesige fledermaus�hnliche Gestalt kraftlos in die Finsternis trudelte und vergeblich zu fliegen versuchte, nachdem der Zweih�nder des Waffenmeisters ihre Fl�gel zerfetzt hatte. Er richtete sich auf und fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Stirn. �Es wird immer w�rmer. Ich hoffe, wir sind in der N�he dessen, was wir suchen.�</p><p>Halisstra und die anderen standen in der N�he, schwankten wegen Schwindels oder zitterten vor Ersch�pfung, da diese Umgebung ihnen alles abverlangte. Es kam ihnen vor, als seien sie schon seit Stunden damit besch�ftigt, sich ihren Weg am Faden entlang freizuk�mpfen. Zeitweise konnten sie �ber viele Kilometer hinweg ungest�rt absteigen und fanden auf dem Faden allenfalls Leichen vor, doch immer h�ufiger kamen ihnen D�monen in die Quere, die sehr lebendig und sehr hungrig waren. Die meisten dieser h�llischen Kreaturen st�rzten sich kopf�ber in die Schlacht, als seien sie von jeglicher Vernunft verlassen, doch einige von ihnen waren immer noch intelligent genug, ihre magischen F�higkeiten gegen die Eindringlinge zum Einsatz zu bringen.</p><p>Mit F�ngen, Klauen, Stacheln und unheiliger Hexerei gei�elten und bedr�ngten die Bewohner des Abgrunds der D�monennetze die Drow-Gruppe. Zus�tzlich erschwert wurde den Drow der Weg dadurch, da� Quenthel Pharaun angewiesen hatte, seine Zauber zu sparen, womit sie jeder neuen d�monischen Bedrohung nicht mit Magie, sondern mit Stahl begegnen mu�ten.</p><p>�Spart Euch Eure Worte, Meister Argith�, sagte Quenthel, die sich langsam erhob. An ihrer Peitsche klebte das Blut Dutzender D�monen. �Wir m�ssen weiter.�</p><p>Die Gruppe hatte kaum mehr als vierzig Schritt zur�ckgelegt, als ein Schaudern durch den Faden lief. Aus der Tiefe tauchte im n�chsten Moment eine unerme�lich gro�e Klauenhand auf.</p><p>Was sich ihnen von der unteren Seite des Netzes n�herte, die sie von ihrer Position aus nicht sehen konnten, war ein gewaltiger D�mon mit dem Kopf eines B�ffels und stinkendem, rauhem Fell, das auf Schultern und R�cken wuchs. Er zog sich auf die obere Seite des Fadens empor und br�llte laut.</p><p>�Ein Goristro!� rief Pharaun. �Was bei allen H�llen hat das Ding hier zu suchen?�</p><p>�Zweifellos eines von Lolths Scho�tieren, das entkommen ist�, erwiderte Tzirik.</p><p>Der vhaeraunitische Priester begann, einen Zauber zu intonieren, w�hrend die anderen zur Tat schritten. Noch ehe das Monster sich aufrichten konnte, hatte ihm Valas drei Pfeile in den Leib gejagt. Die schwarzen Geschosse ragten aus seiner Schulter und seinem Hals wie Nadeln aus einem Nadelkissen. Der Goristro schnaubte vor Wut und Schmerz, und mit einer wuchtigen Klauenhand griff er nach dem Kadaver eines kleinen Spinnend�mons und schleuderte ihn auf Valas, den er in dem Moment traf, als der Sp�her in den K�cher griff, um weitere Pfeile vorzuholen. Der Aufprall traf ihn so unerwartet, da� er den Halt verlor und seitlich wegrutschte, w�hrend er in mehreren Sprachen laute Fl�che ausstie�.</p><p>Ryld st�rmte los, Splitter hoch erhoben. Quenthel war an seiner Seite, gleichzeitig versuchten Halisstra und Danifae, die Bestie von einer Seite zu umkreisen, was sich auf dem schmalen Faden als schwierig erwies.</p><p>Tzirik beendete seinen Zauber und stie� ein tiefes, grollendes magisches Wort aus, woraufhin vor dem Torso des Goristro eine gro�e, sich drehende Scheibe Gestalt annahm, deren Rand mit scharfen Klingen besetzt war. Die Scheibe traf das Monster, Blut spritzte, doch es lie� sich davon nicht beeindrucken.</p><p>�Was ist n�tig, um dieses Ding aufzuhalten?� rief Halisstra. �Hat es Schw�chen?�</p><p>�Es ist dumm�, erwiderte Pharaun, �und kaum empfindungsf�hig.�</p><p>Der Magier gestikulierte und traf das Monster mit einem leuchtend gr�nen Energiestrahl, der sich in dessen Brust fra�, w�hrend Tzirik Ryld und Quenthel folgte, um ihnen gegen den Goristro zu helfen. Der Waffenmeister und die Hohepriesterin schlugen nach dem Rumpf der Kreatur, mu�ten aber immer wieder den Hieben ihrer gewaltigen F�uste ausweichen. Quenthel wurde getroffen und landete auf H�nden und Knien, doch es gelang ihr, ein St�ck wegzukriechen, ehe das Monster ihr den Rest geben konnte.</p><p><emphasis>�Niiiiiicht duuuuuuuuummm!�</emphasis> br�llte der Goristro.</p><p>Er hob einen Huf und stampfte mit so unglaublicher Kraft auf den Faden, da� der sich �ber Kilometer erstreckende Strang in Schwingungen versetzt wurde, als handle es sich bei ihm um ein lebendes Wesen. Die Schockwelle wirbelte alle Drow ein St�ck in die Luft, doch der Goristro hatte vergessen, die Folgen seiner Aktion f�r sich selbst zu bedenken. Der monstr�se D�mon wurde von den Schwingungen ebenfalls hochgeschleudert und landete auf der Seite, dann rutschte er ab, konnte sich aber mit seiner Klauenhand noch gerade rechtzeitig in die Oberfl�che des Strangs bohren. Er begann zu zappeln und zu strampeln, machte damit die Bewegungen des Strangs aber nur noch schlimmer.</p><p>Quenthel raffte sich auf und kroch zu ihm, bis sie sich neben seinem gewaltigen Arm befand und ihm ins Gesicht schauen konnte. Dann zog sie ihre Peitsche und hielt sie ihm vor eines seiner Glubschaugen, das sich im n�chsten Moment in eine blutige Masse verwandelte. Der Goristro heulte vor Schmerzen auf und zuckte zur�ck, wobei er den Halt verlor und in die Tiefe st�rzte. Sein w�tendes Bellen war noch lange zu h�ren und wurde nur allm�hlich leiser. Sie machte sich nicht die M�he, ihm nachzusehen. Sie wandte sich statt dessen dem Rest der Gruppe zu.</p><p>�Steht auf�, fauchte sie. �Wir vergeuden Zeit.�</p><p>Halisstra erhob sich und sah sich um. Valas kam von seiner gef�hrlichen Position am Rand des Fadens nach oben geklettert, Danifae stand wieder auf. Sie folgten Quenthel, als die Herrin Arach-Tiniliths sich ungeduldig auf den Weg machte. Halisstra war zu m�de, um dieses Tempo noch lange durchzuhalten, aber sie fand auch nicht die Kraft f�r eine Diskussion mit der starrsinnigen Priesterin, also bi� sie einfach die Z�hne zusammen und lie� den Marsch �ber sich ergehen.</p><p>Sie hatten fast den Grund erreicht.</p><p>Seit einer Weile war ihnen aufgefallen, da� die benachbarten Str�nge n�her r�ckten, und nun sah Halisstra auch den Grund daf�r. Ein gro�er Ring aus Netzen, der Dutzende Male dicker war als jeder der grauen F�den, befand sich unter ihnen. Sein Umfang war so gro�, da� Halisstra kaum eine Kr�mmung in dem immensen Ring ausmachen konnte. In seiner Mitte befand sich ... etwas � ein unglaublich gewaltiges Objekt, eine Art Insel oder etwas �hnliches, hing mitten in dem riesigen Netz. Die Drow blieben stehen und betrachteten die Szene, bis Valas Hune die Stille brach.</p><p>�Ist es das?� fl�sterte er.</p><p>�Der Eingang zu Lolths Dom�ne�, antwortete Tzirik, �liegt irgendwo in diesem Ring.�</p><p>�Seid Ihr sicher?� fragte Ryld.</p><p>�Ja�, antwortete Quenthel anstelle des Priesters.</p><p>Sie sah nicht zur Seite, sie z�gerte nicht, sondern ging im gleichen unerbittlichen Tempo weiter.</p><p>Als der Faden sich dem Mittelring n�herte, lie� das Gef�lle allm�hlich nach, und er wurde auch ein wenig breiter. Zum ersten Mal seit ungez�hlten Stunden und Kilometern bewegte sich die Gruppe wieder auf einem ebenen Untergrund, anstatt sich an dem steilen Strang nach unten zu begeben. Noch mehr Leichen von D�monen und Spinnen kamen in Sicht, manche von ihnen halb in dem Strang begraben, als seien sie aus der grenzenlosen H�he herabgest�rzt � was wahrscheinlich auch der Fall war.</p><p>Die Reisenden erreichten den gewaltigen Ring und �berquerten einen weiteren Abschnitt aus wirren Netzen, dann stellten sie fest, da� das Objekt im Ring eine Art immens gro�er Steintempel war � ein barockes Geb�ude aus gl�nzendem schwarzem Obsidian, das einen Durchmesser von vielen Kilometern hatte. Mit Spitzen versehene steinerne Strebepfeiler �berspannten den endlos tiefen Raum und verbanden das Bauwerk mit dem Ring. Weitl�ufige schwarze Pl�tze aus glattem Stein, die gro� genug waren, um ganze St�dte zu verschlucken, umgaben den Tempel von allen Seiten. Wortlos machte sich die Gruppe auf den Weg zu einem der kolossalen fliegenden Pfeiler, um weiter dem Ziel entgegenzustreben.</p><p>Halisstra zitterte, aber nicht vor Ersch�pfung, sondern vor Angst und Ekstase, da ihr klar war, da� sie sich schon bald leibhaftig dem pr�fenden Blick Lolths w�rde aussetzen m�ssen.</p><p>Ich bin w�rdig, sagte sie sich. Ich mu� es sein.</p><p>Die D�monen, die sie auf dem Weg hierher geplagt hatten, schienen sich nicht um den schwarzen Tempel zu k�mmern. Zumindest folgte ihnen keiner von ihnen, als sie das Netz hinter sich lie�en. Lange Zeit marschierten die Drow einfach nur weiter, �berquerten den immensen Vorplatz, w�hrend die Tempelmauern n�her und n�her kamen und ihre finsteren Details erkennbar wurden.</p><p>Quenthel orientierte sich bei ihrem Marsch an einem scharfen Bruch in der megalithischen Mauer, einer gewaltigen Spalte, die der S�ulengang des Tempels gewesen sein mu�te. Von Zeit zu Zeit kamen sie an sonderbaren, leblosen Gestalten gro�er, spinnenartiger Wesen vorbei, die aus fl�ssigem schwarzen Stein geschaffen zu sein schienen. Sonderbarerweise wurden diese erstarrten Formen um so kleiner, je n�her sie der Spalte kamen. Halisstra verwarf es, �ber dieses Geheimnis nachzudenken, statt dessen konzentrierte sie sich auf das Ziel, das vor ihnen lag.</p><p>Dann endlich hatten sie die �ffnung im Tempel erreicht und sahen hinauf zu dem gewaltigen Eingang. Ein Gesicht von unglaublicher Gr��e starrte sie an, das Gesicht einer grausam sch�nen Drow, deren Gesichtsz�ge Ruhe ausstrahlten, als sei sie in Gedanken versunken. Vollkommen glatter Stein versperrte den Eingang von einer Seite bis zur anderen, in ihn war das Gesicht Lolths gehauen. Allein ihre halb geschlossenen Augen, die mit leerem Blick auf die winzigen Verehrer vor ihr herabsahen, k�ndeten von Leben. In Lolths Augen gl�nzte eine kochende, h�llische Schadenfreude, die g�nzlich auf die Gedanken oder Prozesse ausgerichtet war, die sich hinter ihnen abspielten.</p><p>Die Gruppe stand da und blickte verwundert und entsetzt zugleich nach oben. Quenthel warf sich vor dem Abbild Lolths zu Boden. Halisstra und Danifae schlossen sich ihr sofort an und knieten auf dem kalten schwarzen Stein. Selbst die M�nner gingen auf die Knie, legten das Gesicht auf den Boden und wandten den Blick ab. Tzirik als Priester Vhaerauns lie� sich dazu herab, auf ein Knie niederzugehen und respektvoll den Blick zu senken. Er diente Lolth nicht, doch er und andere seines Glaubens erkannten trotzdem ihre G�ttlichkeit an.</p><p>�K�nigin!� rief Quenthel. �Wir sind aus Menzoberranzan gekommen, um dich anzuflehen, deinen Priesterinnen wieder deine Gunst zu erweisen! Unsere Feinde n�hern sich Menzoberranzan und drohen deinen Getreuen, sie zu vernichten. Wir bitten dich dem�tig, uns anzuweisen, was wir tun m�ssen, um wieder deine Gunst zu erlangen. Gib uns wieder deine heilige Macht, dann werden wir deine Feinde jagen, bis ihr Blut das Unterreich und ihre Seelen deinen Leib f�llen!�</p><p>Das Gesicht reagierte nicht.</p><p>Quenthel wartete lange Zeit, immer noch am Boden liegend, dann benetzte sie ihre Lippen und sprach ein weiteres Gebet. Halisstra und Danifae stimmten in ihre F�rbitten mit ein, und gemeinsam sprachen sie jedes Gebet, jede Beschw�rung und jede Litanei, die sie kannten, w�hrend sie vor der Tempelt�r zu Boden krochen. Die M�nner verharrten einfach nur in ihrer unterw�rfigen Position. Nach einiger Zeit entfernte sich Tzirik ein St�ck und setzte sich von dem Gesicht abgewandt hin, um mit Vhaeraun zu sprechen. Halisstra ignorierte ihn und widmete sich ihren Gebeten.</p><p>Nach wie vor kam keine Reaktion.</p><p>Nachdem sie einige Stunden mit Beten zugebracht hatten, stand Quenthel schlie�lich auf und sah in Lolths Gesicht.</p><p>�Es reicht, Schwestern�, sagte die Herrin Arach-Tiniliths. �Die G�ttin ist im Moment nicht gewillt, uns zu antworten.�</p><p>�Vielleicht ist dies der falsche Ort�, wandte Pharaun ein. �Vielleicht m�ssen wir uns an eine andere Stelle begeben, um zu beten.�</p><p>�Es gibt keinen anderen Ort�, sagte Tzirik, der sich wieder der Gruppe anschlo�. �Vhaeraun l��t mich wissen, da� dies der einzige Punkt ist, an dem man vom Abyss aus in Lolths Reich vordringen kann. Wenn sie Euch hier nicht anh�ren will, dann auch nirgendwo anders.�</p><p>�Aber warum ignoriert sie uns weiter?� klagte Halisstra. Sie stand auf, ihr Herz schwer vor Sehnsucht. Nach allem, was geschehen war � der Untergang ihres Hauses, die Vernichtung ihrer Stadt, die Strapazen dieser Reise �, konnte sie nicht verstehen, warum sie jetzt vor Lolths Tempel standen und ignoriert wurden. �Was sollen wir noch tun?�</p><p>Tzirik zuckte die Achseln. �Diese Frage kann ich nicht beantworten.�</p><p>�Lolth auch nicht�, gab Halisstra zur�ck.</p><p>Sie ignorierte den Ungemach und die Angst, die sich auf Quenthels Miene abzeichnete, und trat vor, bis sie nur noch eine Arml�nge von dem riesigen Gesicht entfernt war.</p><p>�H�rst du mich?� schrie sie. �Antworte! Was haben wir getan, da� du uns mit Mi�achtung strafst? Wo bist du?�</p><p>�Sprecht mit Respekt!� zischte Quenthel, die vor Entsetzen die Augen aufgerissen hatte.</p><p>Ryld z�gerte, fand aber die Kraft, einige Schritte vorzutreten.</p><p>�Herrin Melarn ...�, sagte er. �Halisstra. Es ist nicht ...�</p><p><emphasis>�Lolth!�</emphasis> schrie Halisstra lauthals. �Antworte mir, verdammt!�</p><p>Mit den F�usten schlug sie auf das Gesicht aus kaltem Stein ein, ihr Verstand wurde von einer animalischen Wut verdr�ngt, die drohte, ihr jegliche Vernunft zu rauben. Sie schleuderte Lolth Fl�che entgegen, sie schlug auf das desinteressierte Gesicht ein, bis ihre H�nde blutig waren, aber noch immer kam keine Antwort. Nach einer Weile fand sie sich an den kalten Stein gekauert wieder, heulend, die H�nde gebrochen und nutzlos. Wie ein verirrtes Kind heulte sie, weil ihr Herz so wehtat.</p><p>�Warum? Warum?� stie� sie zwischen jedem Schluchzer aus, der ihr �ber die Lippen kam. �Warum hast du uns versto�en? Warum?�</p><p>�Ihr sprecht ketzerische Worte�, sagte Quenthel mit einer Stimme, die vor Mi�billigung schroff war. �Habt Ihr keinen Glauben mehr, Halisstra Melarn? Die G�ttin wird sprechen, wenn sie die Zeit f�r gekommen h�lt.�</p><p>�Glaubt Ihr wirklich noch daran?� murmelte Halisstra.</p><p>Sie wandte sich ab und lie� den Tr�nen freien Lauf, da es sie nicht mehr k�mmerte, was Quenthel, Danifae oder einer der anderen von ihr hielten. Sie wollte von Lolth eine Antwort.</p><p>�Schwach�, h�rte sie Quenthel fl�stern.</p><p>Tzirik, der ein St�ck von der Gruppe entfernt stand, seufzte und sprach: �Das d�rfte es wohl gewesen sein. Lolth hat sich nicht entschlossen, f�r Euch ihr Schweigen zu brechen. Nun gibt es etwas, das ich tun mu�.�</p><p>Er hob die Arme und beschrieb eine komplexe Abfolge von Gesten, w�hrend er Worte der Macht sprach. Die Luft knisterte vor Energie. Als Quenthel den Zauber erkannte, den der Anh�nger Vhaerauns sprach, ri� sie entsetzt die Augen auf.</p><p>�Haltet ihn auf!� kreischte sie und wirbelte zu dem Priester herum.</p><p>Sie wollte loseilen und hob ihre todbringende Peitsche, doch Danifae packte ihren Arm, als sie an ihr vorbeist�rmen wollte.</p><p>�Vorsicht!� zischte sie. �Unsere K�rper sind immer noch in der Minauth-Feste.�</p><p>�Er �ffnet ein Tor!� herrschte Quenthel sie an. �Hier!�</p><p>�Was tut Ihr da, Tzirik?� rief Pharaun beunruhigt.</p><p>Der Magier wich zur�ck und setzte zu einem Verteidigungs-zauber an, doch Danifaes Warnung gen�gte, um ihn z�gern zu lassen, ehe er eingriff.</p><p>Ryld und Valas hielten sich auch zur�ck, da sie nicht sicher waren, was geschehen w�rde, wenn dem Kleriker etwas zustie�, dessen Zauber sie zu Lolth gebracht hatte. Der Waffenmeister und der S�ldner zogen zwar blank, schritten aber nicht ein.</p><p>�Pharaun, was sollen wir tun?� rief Ryld.</p><p>Ehe der Magier antworten konnte, hatte Tzirik seinen Zauber gewirkt. Von einem durchdringenden, rei�enden und zerrenden Ger�usch begleitet entstand neben dem Jaelre-Priester mitten in der Luft ein gro�er schwarzer Ri�.</p><p>�Ich bin hier, Herr!� rief er in den Ri�. �Ich stehe vor Lolths Gesicht.�</p><p>Aus den Untiefen der Schw�rze dieses Risses ert�nte eine Stimme unausl�schlicher Macht und schrecklicher St�rke: <emphasis>�Ich komme.�</emphasis></p><p>Die Schw�rze schien sich zu regen, und aus dem Ri� trat etwas von der Gr��e und Statur eines schlanken, eleganten Drow, der aber mehr war, als er zu sein schien. Er war in schwarzes Leder gekleidet, das Gesicht war von einer purpurnen Maske verdeckt, seine ganze Gestalt schien f�rmlich vor jener Kraft zu erzittern, die sie in sich barg. Selbst Halisstra, die mit dem R�cken zu dieser Szene sa� und in ihr eigenes Leid versunken war, ri� den Kopf herum, als sie die Ankunft dieses Wesens sp�rte. Mit gebieterischer Gelassenheit betrachtete das Wesen die Ebene aus dunklem Stein und den schwarzen Tempel.</p><p><emphasis>�Es ist, wie ich es mir dachte�,</emphasis> sagte er zu Tzirik, der vor ihm zu Boden gesunken war. <emphasis>�Erhebe dich, Sohn. Du hast gute Arbeit geleistet und mich an einen Ort gebracht, von dem ich ausgeschlossen war.�</emphasis></p><p>�Ich tat, was mir aufgetragen war, Maskierter Gott�, erwiderte Tzirik und erhob sich.</p><p>�Tzirik�, brachte Quenthel mit erstickter Stimme heraus. �Was habt Ihr getan?�</p><p><emphasis>�Er hat mir ein Tor ge�ffnet�,</emphasis> sagte das Wesen, das nur ein Gott sein konnte, mit einem grausamen L�cheln. <emphasis>�Erkennst du nicht den Sohn deiner G�ttin, Priesterin Lolths?�</emphasis></p><p>�Vhaeraun�, keuchte Quenthel.</p><p>Der Gott verschr�nkte seine Arme und schwebte an der Gruppe der Menzoberranzanyr vor�ber zu dem steinernen Gesicht, ohne noch einen Gedanken an die Sterblichen zu verschwenden. Mit der Linken machte er eine knappe Geste, woraufhin die noch immer zusammengekauerte Halisstra brutal zur Seite geschleudert wurde. Sie wirbelte durch die Luft und schlug mindestens drei�ig Schritt weiter auf dem glatten schwarzen Stein auf, auf dem sie noch ein St�ck weit rutschte.</p><p>�Mutter�, sagte Vhaeraun zu dem Gesicht. <emphasis>�Es war dumm von dir, dich in einen solchen Zustand zu bringen.�</emphasis></p><p>Spontan begann der Gott zu wachsen, und je gr��er er wurde, desto intensiver wurde das Strahlen, das ihn umgab. Er �bertraf schnell einen Sturmriesen an Gr��e, aber das gen�gte offenbar noch nicht f�r die Aufgabe, die vor ihm lag. Er streckte seine Hand aus, und aus dem Nichts nahm in ihr ein schwarzgl�nzendes Schattenschwert Gestalt an, das zu seiner gewaltigen Gr��e pa�te.</p><p>Einen Speerwurf weit entfernt st�hnte Halisstra auf und hob den Blick von dem kalten Stein, auf dem sie lag. Die Menzoberranzanyr standen vor Unentschlossenheit wie gel�hmt da, w�hrend Tzirik �berheblich grinsend zusah, wie Vhaeraun sich in die Luft erhob, bis er Lolth direkt in die Augen sehen konnte. Langsam holte der Maskierte Gott mit seinem Schattenschwert aus, seine Maske war von Ha� verzerrt ... und dann schlug Vhaeraun mit all seiner g�ttlichen Macht auf Lolths Gesicht ein.</p><p>Das Ger�usch von Vhaerauns Schwert, das gegen die riesige steinerne Barriere h�mmerte, ersch�tterte die gesamte Ebene. Jeder Hieb lie� den gro�en schwarzen Tempel im Zentrum des Netzes erzittern, als bebe die Erde. Vom Mittelpunkt aus setzten sich die Schwingungen �ber die gewaltigen grauen Str�nge fort, die bis in die endlose Nacht ringsum reichten. Obwohl sie bei jedem Schlag wieder auf den kalten Steinboden fiel, schaffte es Halisstra, sich zu den anderen Menzoberranzanyr zu begeben, die so wie sie selbst hin und her taumelten und versuchten, sich angesichts von Vhaerauns Attacke auf den Beinen zu halten.</p><p>Tzirik stand daneben, immer noch versonnen l�chelnd, weil sein Gott zu ihm gekommen war. Irgendwie gelang es ihm, den Schaden zu ignorieren, den der Maskierte Gott anrichtete, da die Schockwellen ihm �berhaupt nichts ausmachten. Mit jedem Treffer schien sich das winzige Geflecht aus leuchtend gr�nen Rissen im Gesicht Lolths ein wenig mehr auszuweiten. Trotz der unerme�lichen Gewalt eines jeden Schlages mit der Klinge des Gottes wirkte Lolths Antlitz fast unverwundbar � fast, aber doch nicht v�llig.</p><p>Lolth reagiert nicht, dachte Halisstra fassungslos. Es k�mmert sie nicht.</p><p>Sie fiel auf H�nde und Knie und befand sich inmitten der Gruppe ihrer Gef�hrten, die von ihr nichts wahrnahmen, sondern selbst nur sprachlos Vhaerauns ha�erf�llte Attacke mit ansahen. Ryld kniete neben Splitter, hatte den Blick abgewandt und lie� in stoischer Ruhe einen Schlag nach dem anderen �ber sich ergehen. Valas t�nzelte erregt umher und ruderte mit Armen und Beinen wie eine Spinne, die von einer Nadel durchbohrt worden war. Der Sp�her wu�te nicht, ob er zusehen, fliehen oder sich verstecken sollte und schien zu versuchen, alles gleichzeitig zu tun. Pharaun schwebte ein kleines St�ck �ber dem Boden, um sich vor den Ersch�tterungen zu sch�tzen, und er hatte sich mit irgendeinem Zauber abgeschirmt, w�hrend er von seinen Gef�hrten zu Vhaeraun, dann zu Tzirik und schlie�lich zur�ck zu dem Gott sah. Danifae kauerte in seiner N�he und schaffte es fast anmutig, sich auf den Beinen zu halten, w�hrend sie jeden Schlag beobachtete. Quenthel stand stocksteif da, wurde von jeder Ersch�tterung durchger�ttelt und hatte ihre Arme so eng um sich gelegt, als wolle sie ihre Pein in Schach halten. Sie verfolgte das Geschehen mit einer kranken Faszination, unf�hig, einzugreifen.</p><p>Dann endlich l�ste sich Pharaun aus seiner Unentschlossenheit, lie� sich zu Quenthel treiben und fa�te sie am Arm.</p><p>�Was geschieht hier?� br�llte der Magier ihr ins Ohr. �Was tut er da?�</p><p>Quenthel pre�te frustriert die Kiefer zusammen.</p><p>�Ich wei� nicht�, r�umte sie ein. �Hier stimmt etwas nicht. Es ist falsch, hier sind keine Seelen.�</p><p>�Was f�r Seelen?� fragte der Magier. �Sollen wir eingreifen?�</p><p>Ryld und Valas Hune sahen gleichzeitig erschrocken auf.</p><p>�Er ist ein Gott�, brachte Ryld heraus und �bert�nte den ohrenbet�ubenden L�rm. �Was schl�gst du vor?�</p><p>�Na gut. Aber bleiben wir und sehen weiter zu oder gehen wir? Das hier scheint kein sicherer Aufenthaltsort zu sein�, erwiderte Pharaun.</p><p>Eine weitere Schockwelle traf die Gruppe, Pharauns Schutzschild flammte hell auf.</p><p>�Ich bin nicht sicher, ob wir gehen k�nnen, selbst wenn wir es wollen�, hielt Ryld dagegen. Er sah zu Tzirik, der dem Ganzen mit finsterem Vergn�gen zuzusehen schien. �Brauchen wir ihn nicht?�</p><p>�Sollten wir gehen, auch wenn wir uns selbst damit retten?� f�gte Valas Hune an. �Man d�rfte uns ... das hier ... vorwerfen.� Der Sp�her schirmte die Augen ab, um nicht Vhaerauns Treiben weiter zusehen zu m�ssen. �Was, wenn er in den Tempel gelangt, Herrin? Ist Lolth dort?�</p><p>Quenthel stie� einen Verzweiflungsschrei aus.</p><p>Danifae fiel Quenthel zu F��en und fragte: �Herrin, wart Ihr schon einmal hier?�</p><p><emphasis>�Ich wei� es nicht!�</emphasis> br�llte die Herrin Arach-Tiniliths.</p><p>Sie entri� Pharaun ihren Arm und rannte zu Tzirik, wobei ihr immer wieder der Boden unter den F��en f�rmlich weggezogen wurde. Sie zerrte ihn weg vom Tempel und holte ihn abrupt aus seiner finsteren Bewunderung f�r Vhaeraun. Mit beiden H�nden fa�te sie den Brustpanzer seiner R�stung.</p><p>�Was tut er da?� wollte sie wissen. �Was habt Ihr angerichtet?�</p><p>Tzirik blinzelte und sch�ttelte den Kopf, die Augen hinter seiner Maske waren noch vom Glanz seiner Vision erf�llt.</p><p>�Wi�t Ihr nicht, was Ihr da mit anseht, Priesterin von Lolth?� lachte Tzirik lauthals. �Ihr habt das seltene Gl�ck, bei der Vernichtung Eurer G�ttin anwesend zu sein!� Er l�ste Quenthels H�nde von seiner R�stung und trat einen Schritt zur�ck, w�hrend seine Stimme vor Schadenfreude h�her wurde: �Ihr wollt wissen, was hier vorgeht, Lolthitin? Ich will es Euch sagen. Der Maskierte Gott wird Eure Spinnenk�nigin vom Thron st�rzen und ihrer schwarzen Tyrannei f�r immer ein Ende setzen! Unser Volk wird endlich von ihrem sch�dlichen Einflu� befreit werden, und Ihr und der Rest Eurer parasit�ren Art werdet mit ihr weggesp�lt werden!�</p><p>Quenthel knurrte ihn zornig an: �Ihr werdet nicht lange genug leben, um das mit anzusehen!�</p><p>Sie holte mit ihrer Peitsche aus, um das triumphierende Grinsen von Tziriks Gesicht zu pr�geln. Doch noch ehe sie den Arm nach vorn bewegen konnte, machte Vhaeraun � der einen Pfeilschu� weit entfernt war und mit dem R�cken zu der Gruppe stand, w�hrend er unabl�ssig auf den immer gr��er werdenden Ri� im steinernen Gesicht einschlug � mit der linken Hand eine knappe Geste, ohne sich von dem Tor abzuwenden. Unter Quenthels F��en scho� eine S�ule schwarzer Magma in die H�he, die sie mehrere Meter in die Luft wirbelte. Tzirik, der fast in Reichweite stand, blieb unversehrt, wohingegen die Drow in alle Richtungen davoneilten, um dem Aufprall der gro�en hei�en Brocken aus geschmolzenem Gestein aus dem Weg zu gehen.</p><p>Vhaeraun wurde w�hrenddessen in seinem h�mmernden Rhythmus nicht f�r einen Moment langsamer. Er holte immer wieder aus, w�hrend Quenthel hinter ihm auf dem Pflaster des Platzes aufschlug und laut schrie, da St�cke des infernalischen Gesteins an ihrer Haut klebten und sich ins Fleisch brannten. Valas Hune und Ryld eilten ihr zu Hilfe. Danifae zuckte zusammen, konnte ihren Blick aber nicht von Vhaeraun abwenden, der in seinem zerst�rerischen Bem�hen nicht f�r einen Moment nachlie�.</p><p>Pharaun betrachtete kopfsch�ttelnd die Szene und murmelte: �Wahnsinn.�</p><p>Mit der Hand beschrieb er eine sonderbare Geste und verschwand, vermutlich, um sich an einen Ort zu teleportieren, der sicherer war als dieser. Halisstra sah ihn verschwinden und starrte einen Moment lang auf die leere Stelle, ehe ein weiterer Treffer von Vhaerauns Schwert sie zu Boden warf. Geschlagen lag sie da, w�hrend ein St�ck weiter Quenthel vor Schmerz schrie und um sich schlug.</p><p>�Ah�, hauchte Vhaeraun. Der Gott trat von dem Gesicht zur�ck, das durch eine leuchtend gr�ne Narbe gespalten war, die von der Mitte der Stirn �ber den Nasenr�cken bis zum Kinn verlief. <emphasis>�Hast du noch immer nichts zu sagen? Willst du schweigend sterben?�</emphasis></p><p>Das Gesicht blieb reglos, das wirbelnde Licht in den nach innen gerichteten Augen war unver�ndert, doch wieder schien etwas von einem schrecklichen Ger�usch begleitet an der Struktur des Kosmos zu rei�en. In der Luft nahe dem Gesicht entstand eine weitere schwarze �ffnung, aus der ebenfalls eine g�ttliche Gestalt hervortrat.</p><p>W�hrend Vhaeraun schlank und anmutig war, besa� der Neuank�mmling ein alptraumhaftes Aussehen. Er war halb Spinne, halb Drow und hielt in seinen sechs sehr muskul�sen Armen schlagbereit ein ganzes Waffenarsenal an Schwertern und Streitkolben. Jedes der chitinartigen Beine lief in eine gef�hrliche scherenartige Klaue aus, nur sein Gesicht war perverserweise das eines attraktiven Drow.</p><p><emphasis>�Geh, Maskierter�,</emphasis> befahl der Spinnengott mit gequ�lter, brummelnder Stimme. <emphasis>�Es ist dir verboten, hier einzudringen.�</emphasis></p><p>�Wage es nicht, dich zwischen mich und meine Bestimmung zu stellen, Selvetarm!�</p><p>Der monstr�se Spinnengott Selvetarm wartete nicht l�nger, sondern scho� mit atemberaubender Geschwindigkeit vor, wirbelte alle seine Klingen in einer Angriffswelle, die innerhalb von zwei Herzschl�gen ein Dutzend Giganten h�tte verst�mmeln k�nnen.</p><p>Vhaeraun wirbelte zur Seite und t�nzelte durch den Sturm aus st�hlernen Klingen, als w�rde er Selvetarms Waffen nachjagen, nicht umgekehrt. Schl�ge, denen er nicht ausweichen wollte, blockte er einfach ab und parierte sie mit himmlischer Eleganz. Als die Waffen der G�tter aufeinanderprallten, wurde der Grund von Donnerschl�gen ersch�ttert.</p><p>Halisstra stemmte sich hoch und beobachtete erstaunt, was sich vor ihren Augen abspielte. Sie h�tte die Szene unendlich lange beobachten k�nnen, doch Ryld tauchte neben ihr auf.</p><p>�Wir brauchen Eure heilenden Ges�nge�, zischte er. �Quenthel hat schwere Verbrennungen.�</p><p>Was macht das noch? fragte sich Halisstra.</p><p>Dennoch erhob sie sich und bahnte sich den Weg zu der gest�rzten Priesterin. Quenthel wand sich auf dem Boden und stie� gequ�lt den Atem aus, w�hrend sie erfolglos versuchte, den Schmerz zu kontrollieren. Ohne von dem unglaublichen Duell Notiz zu nehmen, das zwischen den beiden G�ttern hin und her ging, konzentrierte sich Halisstra auf die Verletzungen der Baenre und schaffte es, zu einem <emphasis>Bae�qeshel-</emphasis>Lied<emphasis/> anzusetzen. Sie legte ihre H�nde auf Quenthels Verbrennungen und wirkte ihren Zauber, so gut sie konnte, w�hrend sie feststellte, da� die Aus�bung ihres Talents sie f�r einen Moment zur Ruhe kommen lie�. Quenthel h�rte auf, um sich zu schlagen, und �ffnete die Augen. Da sie ihren Zauber gewirkt hatte, lie� Halisstra sich einfach wieder fallen und starrte zu den k�mpfenden G�ttern.</p><p>�Was sollen wir tun?� fl�sterte sie. �Was k�nnen wir tun?�</p><p>�Ausharren�, erwiderte Ryld. Er legte die Hand in st�hlernem Griff um ihren Arm und sah ihr tief in die Augen. �Wartet und seht. Etwas wird geschehen.�</p><p>Auch er sah wieder zu Vhaeraun und Selvetarm.</p><p>Valas erhob sich neben Quenthel und ging geb�ckt, um seine Balance zu wahren, zu Tzirik.</p><p>�Tzirik! Was geschieht mit diesem Ort, mit uns, wenn Vhaeraun Selvetarm besiegt und das Gesicht zerst�rt? K�nnt Ihr uns fortbringen?�</p><p>�Was mit uns geschieht, ist ohne Bedeutung�, gab der Priester zur�ck.</p><p>�Vielleicht f�r Euch, aber f�r mich ist es von gro�er Bedeutung�, murmelte Valas Hune. �Habt Ihr uns hergebracht, damit wir hier sterben?�</p><p>�Ich habe Euch nicht hergebracht, sondern Ihr mich�, korrigierte der Priester, schenkte Valas aber kaum Aufmerksamkeit. �Niemand au�er den Priesterinnen der Spinnenk�nigin k�nnte so nah an ihren Tempel herankommen, nicht einmal der Maskierte Gott. Was geschehen wird, wenn Vhaeraun Selvetarm besiegt, das werden wir ja sehen.�</p><p>Er konzentrierte sich wieder auf die sich duellierenden G�tter.</p><p>Der Maskierte Gott und der K�mpe Lolths k�mpften wie besessen. Schleim trat aus etlichen schwarzen Wunden aus dem Chitink�rper der Halbspinne, und schwarzer Schatten str�mte aus einer Handvoll Schwertwunden, die dem eleganten Vhaeraun zugef�gt worden waren. W�hrend die G�tter einander auf der materiellen Ebene bek�mpften und mit schwindelerregender Geschwindigkeit aufeinander einschlugen, attackierten sie einander gleichzeitig auch magisch und psychisch. Sie schleuderten Zauber von entsetzlicher Macht aufeinander, die t�dlicher waren als Selvetarms sechs wirbelnde Klingen. Die Blicke waren in einem unglaublichen Willenskampf aufeinander gerichtet, dessen Gewalt an dem zerrte, was Halisstra noch von ihrem Verstand geblieben war, die hundert Schritt weit entfernt war. Schl�ge, die ihr Ziel verfehlten, und abgewehrte Zauber sorgten rings um die Gottheiten f�r verheerende Sch�den. In der Mauer und in den Pflastersteinen auf dem Platz klafften tiefe Krater, und mehr als einmal w�ren die sterblichen Zuschauer um ein Haar ausgel�scht worden.</p><p>�Hinterh�ltiger Schakal!� zischte Selvetarm. �Dein Verrat wird bestraft werden!�</p><p>�Einf�ltiger Tor. Nat�rlich nicht!� gab Vhaeraun zur�ck.</p><p>Er machte einen Satz zwischen Selvetarms wirbelnde Klingen und stach mit seinem Schattenschwert nach dem knollenf�rmigen Unterleib des Spinnengottes. Der K�mpe Lolths kreischte und zuckte zur�ck, doch im n�chsten Moment bekam er Vhaerauns Kn�chel mit einer seiner Scheren zu fassen und warf den Gott zu Boden. Wieselflink lie� er einen Hagel t�dlicher Schl�ge auf den Maskierten Gott niederregnen.</p><p>Vhaeraun reagierte, indem er einen gewaltigen Schlag mit brennender Schattenmasse f�hrte, der aus einer unglaublichen H�he herabst�rzte und beide G�tter in schwarzes Feuer tauchte. Selvetarm br�llte von g�ttlichem Zorn erf�llt laut auf und schlug immer wieder auf Vhaeraun ein.</p><p>Ein entsetzliches, knirschendes Ger�usch ert�nte, das Halis-stra und den anderen bis in die Knochen fuhr, dann zerfiel der Platz unter den K�mpfenden. Die beiden G�tter waren noch immer in ihren wilden Kampf verstrickt, w�hrend sie durch die gro�e Tempelinsel fielen und in das schwarze Nichts st�rzten. Irgendwo in der Tiefe war noch ein Flackern und Aufblitzen zu sehen. Minutenlang reagierten die Drow �berhaupt nicht, au�er da� sie aufstanden. Doch sie sagten nichts, w�hrend Tzirik die Arme verschr�nkte und einfach wartete.</p><p>�Haben sie einander vernichtet?� fragte Valas Hune schlie�lich.</p><p>�Das bezweifle ich�, entgegnete Danifae.</p><p>Nachdenklich betrachtete sie den leuchtend gr�nen Ri�, der Lolths Gesicht spaltete, doch weiter sagte sie nichts.</p><p>�Wenn Lolth schon nicht auf Vhaerauns Angriff reagiert hat, dann glaube ich kaum, da� sie uns jetzt etwas zu sagen hat�, meinte Ryld. �Wir sollten verschwinden.�</p><p>Der Waffenmeister wandte sich zu Tzirik um, da er ihn ansprechen wollte, doch der Jaelre-Priester stand da wie gebannt und starrte ins Nichts, w�hrend sich Bewunderung auf seiner Miene zeigte.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte er zu niemandem. �Ich gehorche!�</p><p>Noch als Ryld zu ihm trat, um den Priester zu fragen, machte der eine Geste und sprach ein unheiliges Gebet. Ein wirbelndes Feld aus Tausenden rasiermesserscharfer Klingen entstand rings um ihn und verbarg Tzirik hinter einer zylindrischen Wand aus todbringendem Metall.</p><p>Ryld stie� einen Fluch aus und sprang zur�ck, um nicht mit den Klingen in Ber�hrung zu kommen.</p><p>Tzirik ignorierte Ryld und widmete sich weiter der Aufgabe, die Vhaeraun ihm offenbar aufgetragen hatte. Mit linkischen Fingerbewegungen zog der Kleriker ein K�stchen aus seinem G�rtel und holte eine Schriftrolle heraus, rollte das Pergament auseinander und las laut die Worte eines weiteren m�chtigen Zaubers ab, w�hrend seine t�dliche Barriere ihn weiterhin vor den Menzoberranzanyr sch�tzte.</p><p>Halisstra sah �berrascht zu ihm und versuchte herauszufinden, welchen Zauber der Priester wirkte. Es fiel ihr ausgesprochen schwer, sich noch um irgend etwas zu k�mmern.</p><p>W�hrend sich Halisstra apathisch und verzweifelt zugleich zu Boden sinken lie�, war in Quenthel wieder der Kampfgeist erwacht. Sie richtete sich auf und griff nach ihrer Peitsche.</p><p>�Ein weiteres Tor!� schrie sie. �Er darf diesen Zauber nicht vollenden!�</p><empty-line/><p>Einige hundert Schritt entfernt, getarnt von Finsternis und wabernden D�mpfen, sa� Pharaun im Schneidersitz auf dem harten Stein und arbeitete daran, seinen Zauber fertigzustellen. Er hatte beobachtet, wie die beiden G�tter mitten im Kampf aus seinem Blickfeld verschwunden waren, aber er verfolgte einen Plan und beabsichtigte nicht, auf halber Strecke aufzuh�ren. Der Verst�ndigungszauber konnte nicht schnell gewirkt werden, und wenn er sich zu sehr beeilte, w�rde er ihm nur mi�lingen. In dem Teil seines Verstands, der nicht vollends damit besch�ftigt war, die Magie zu formen, fragte er sich besorgt, ob das Allwissen der G�tter sich auch darauf erstreckte, seine Gegenwart wahrzunehmen und dar�ber hinaus zu erkennen, da� er einen Zauber wirkte und warum er das tat � und ob sie sich dazu herablassen w�rden, ihn aufzuhaken. Soweit er das beurteilen konnte, waren Vhaeraun und Selvetarm so mit ihrem w�tenden Kampf besch�ftigt, da� sie wohl kaum auf ihn achten w�rden.</p><p>Er vervollst�ndigte den Zauber und fl�sterte die Botschaft, die ihn f�r ihn durch die unberechenbaren Weiten der Dimensionen und des Raums bef�rdern w�rde. �Wir sind in Lebensgefahr. Vernichte sofort Tziriks stofflichen Leib. Wir werden zur�ckkehren, aber bewache uns bis dahin. Quenthel befiehlt es.�</p><p>Pharaun stand seufzend auf. Er schaute nachdenklich drein. Das Senden war normalerweise eine zuverl�ssige Methode, doch er konnte nicht sagen, welchen Effekt es haben w�rde, es von einer anderen Ebene aus zu versuchen. Ebenso vermochte er nicht zu sagen, wie lange es dauern w�rde, bis die Worte Jeggred in der Minauth-Feste erreichten � oder ob der Draegloth �berhaupt tun w�rde, was ihm aufgetragen wurde, selbst wenn es in Quenthels Name geschehen sollte. Abgesehen davon war ja nicht einmal bekannt, ob der verfluchte Halbd�mon noch lebte und in der Lage war, den Hohepriester zu t�ten.</p><p>Der Meister Sorceres hatte eine gute Vorstellung davon, was zu erwarten war, wenn alles verlief, wie er es sich erhoffte. Es war nur eine Frage der Zeit, und davon hatten sie bedenklich wenig.</p><p>�Das w�re jetzt kein guter Zeitpunkt, um obstinat zu werden, Jeggred�, murmelte Pharaun, obwohl er seine Nachricht l�ngst geschickt hatte. �Handle dieses eine Mal bitte, ohne erst Fragen zu stellen.�</p><p>Behutsam machte er sich auf den R�ckweg zu dem Ri� in der massiven Mauer des Tempels.</p><empty-line/><p>Umgeben von seiner Mauer aus Klingen stand Tzirik neben dem Rest der Gruppe und las rasch und kundig den Text von der Schriftrolle ab. Er machte sich nicht die M�he, den Menzoberranzanyr zu erkl�ren, was Vhaeraun ihm aufgetragen hatte und warum er das tat. Er fuhr einfach fort, als seien sie gar nicht da, auch wenn er mit der Barriere aus Klingen eine Vorkehrung getroffen hatte, damit sie ihn nicht st�ren konnten.</p><p>Ryld und Valas standen vor der Wand aus umherwirbelnden Klingen und sahen hilflos mit an, wie der Priester unbeirrt weitermachte. Danifae und Quenthel waren weiter entfernt, doch auch sie wu�ten keinen Rat. Die Entschlossenheit, etwas zu tun, stand im krassen Gegensatz zu ihrer Unf�higkeit zu entscheiden, <emphasis>was</emphasis> sie unternehmen sollten. Halisstra stand da und beobachtete die Szene, doch sie wartete einfach, in welcher Form sie ihr eigenes Ende ereilen w�rde.</p><p>�Tzirik, h�rt auf!� rief Valas Hune. �Ihr habt uns heute schon genug in Gefahr gebracht, wir werden nicht zulassen, da� Ihr damit weitermacht.�</p><p>�T�tet ihn, Valas�, sagte Danifae. �Er wird nicht auf uns h�ren, und er wird auch nicht aufh�ren.�</p><p>Der Sp�her stand wie gel�hmt da, w�hrend der Gesang des Priesters sich den letzten, triumphalen Noten n�herte. Er lie� geschlagen die Schultern sinken, dann ri� er ohne Vorwarnung den Bogen hoch und scho�.</p><p>Der erste Pfeil wurde von einer wirbelnden Klinge abgelenkt, doch der zweite kam durch und durchbohrte Tziriks Hand. Der Priester schrie vor Schmerz auf und lie� die Schriftrolle los, die unverbraucht zu Boden fiel.</p><p>Der Jaelre wirbelte zu Valas Hune herum, Ha� brannte in seinen Augen, die durch seinen Helm hindurch zu sehen waren. �Seid Ihr noch immer der Laufbursche der Weibsbilder, Valas Hune? Seht Ihr nicht, da� Ihr f�r sie nur ein wohlerzogener Hund seid? Warum beharrt Ihr darauf, weiter der Spinnenk�nigin treu zu sein, wenn Ihr den Maskierten Gott anbeten und wahre Freiheit erfahren k�nnt?�</p><p>�Lolth tut, was sie will�, antwortete Valas. �Ich dagegen bin Bregan D�aerthe treu, und meiner Stadt. Wir k�nnen nicht zulassen, da� Ihr oder Euer Gott uns von unserer Suche abbringt.�</p><p>Tziriks Miene verfinsterte sich. �Ihr und Eure Gef�hrten werdet Euch Vhaeraun nicht widersetzen. Das werde ich nicht zulassen.�</p><p>Er hockte sich hin und hob seinen Schild, w�hrend er die Worte eines anderen g�ttlichen Zaubers knurrte. Valas Hune scho� wieder, doch diesmal prallten seine Pfeile vom Schild ab. Tzirik vollendete seinen Zauber und pre�te die verwundete Hand auf den Boden. Ein gewaltiges Zittern ging durch den Stein und erreichte die Menzoberranzanyr, die wie Marionetten umhergeworfen wurden, in der Ebene aus schwarzem Stein bildeten sich gro�e Risse, die in die absolute Schw�rze darunter f�hrten.</p><p>Valas taumelte vor und zur�ck, w�hrend er versuchte, das Gleichgewicht zu halten, obwohl die Steine unter ihm barsten und sich aufb�umten. Danifae brachte sich in Position und feuerte ihre Armbrust ab; der Bolzen flog zwischen den Klingen hindurch, traf Tzirik mit gro�er Wucht am Brustpanzer, zerbrach aber an der R�stung des Priesters in kleine St�cke.</p><p>Quenthel gelang ein verzweifelter Sprung zur Seite, um nicht von dem klaffenden Spalt gleich unter ihr verschluckt zu werden. Sie rollte ungelenk ein St�ck weit, und als sie sich wieder aufrichtete, hielt sie eine Eisenrute in der Hand. Die Hohepriesterin stie� einen Befehl aus, und sofort scho� eine wei�e Sph�re aus magischer, z�hfl�ssiger Substanz auf den Priester zu. Dessen wirbelnde Klingen jedoch zerfetzten die Kugel, die in einem Regen aus klebrigen Streifen verging.</p><p>�Steht auf, Halisstra!� zischte Quenthel. �Eure Schwestern brauchen Euch!�</p><p>Kaum hatte sich Halisstra aufgerichtet, wurde sie von dem gewaltigen Beben wieder umgerissen. Sie sch�ttelte den Kopf und unternahm einen neuen Versuch.</p><p>Meine Schwestern brauchen mich? dachte sie. Seltsam, wo doch Lolth offenbar keine Verwendung mehr f�r jemanden hat, der als ihre Priesterin dient. Wenn Lolth beschlie�t, sich von mir abzuwenden, um meine Treue und meine Hingabe anzuspornen, kann ich mich wenigstens entsprechend revanchieren.</p><p>Ihr Leben lang hatte sich Halisstra bereitwillig mit ihren �rgsten Feinden, ihren erbittertsten Rivalen zusammengetan, wenn eine Bedrohung f�r die Alleinherrschaft der Dunkelelfen auftauchte, zu denen sie und die anderen Drow geh�rten. Beim Blick in die endlose leere Weite des Abgrunds der D�monennetze stellte sie fest, da� sie nicht einen einzigen Schritt mehr in Lolths Namen machen w�rde.</p><p>�La�t ihn tun, was er will�, sagte sie zu Quenthel. �Lolth hat mich Gleichg�ltigkeit gelehrt. Wenn wir es geschafft haben sollten, heute Lolths Existenz zu retten, glaubt Ihr, sie w�re uns dankbar? Wenn ich mir das Herz aus dem Leib risse und es auf den Altar der Spinnenk�nigin legte, glaubt Ihr, sie w�rde sich �ber mein Opfer freuen?�</p><p>Ein verbittertes Lachen entstieg ihrer Kehle, dem sich Halisstra hingab, w�hrend die Beben nachlie�en. In ihrem Herzen f�hlte sie Schmerz, der die Welt in St�cke h�tte rei�en k�nnen, doch sie fand nicht die Stimme, die den Schmerz in Worte h�tte fassen k�nnen.</p><p>Quenthel sah sie entsetzt an.</p><p>�Gottesl�sterung�, fl�sterte sie.</p><p>Die Herrin Arach-Tiniliths nahm ihre Peitsche und wandte sich Halisstra zu, doch ehe sie zuschlagen konnte, wirkte Tzirik einen neuen Zauber, der die Gruppe unter Schichten aus wei�gl�henden Flammen begrub, die auf der Steinfl�che hin und her schwappten wie Wasser auf einem Teller. Halisstra warf sich zu Boden und schrie vor Schmerz, die anderen fluchten und br�llten etwas, w�hrend sie nach einer Deckung suchten, die es nicht gab.</p><p>�La�t mich allein!� befahl Tzirik in seinem K�fig aus wirbelndem Stahl.</p><p>Er b�ckte sich und hob die Schriftrolle auf, gleichzeitig erhoben sich die Menzoberranzanyr von dem qualmenden Stein.</p><p>Ryld stand langsam auf, die Haut an seinen H�nden und in seinem Gesicht war versengt, und sah zu dem Kleriker, der erneut begann, den Zauber zu wirken. Der Waffenmeister studierte die Klingen, die um den Priester herumwirbelten. Mit der Schnelligkeit einer Raubkatze zog er die Beine an und sprang durch die Barriere, wobei er sich so klein wie nur m�glich machte. Blut spritzte umher, als die magischen Klingen die Freir�ume zwischen den Einzelteilen seiner Zwergenr�stung trafen � doch dann hatte der Meister Melee-Magtheres die Barriere �berwunden.</p><p>Mit einem tierischen Schmerzenslaut landete er auf den F��en. Splitter hielt er ein wenig ungelenk in den zerschnittenen H�nden, doch er konnte die Spitze seines Zweih�nders tats�chlich gegen Tzirik richten. Wieder war der gezwungen, seine Schriftrolle fallenzulassen. Mit seinem Schild wehrte er den Stich ab, mit dem dornenbewehrten Streitkolben holte er nach Ryld aus.</p><p>Ryld wich aus, indem er einen Satz nach hinten machte. Dabei kam er der Barriere so nahe, da� Funken von seinen Schultern flogen, als die Klingen seine R�stung trafen. Er ging wieder zum Angriff �ber und schlug mit Splitter nach Tzirik.</p><p>Valas Hune, der jenseits der wirbelnden Klingen stand, ber�hrte den neunzackigen Stern auf seiner Brust und verschwand in einem Augenblick, um im n�chsten innerhalb der Barriere hinter Tzirik wieder aufzutauchen. Er lie� seinen Bogen fallen und griff nach seinen Kukris, doch Tzirik kam ihm zuvor.</p><p>Der Kleriker wandte Ryld abrupt den R�cken zu, machte drei ausholende Schritte und rammte seinen schweren Schild in den Mann von Bregan D�aerthe, als Valas gerade seine Messer umfa�te. Mit einem w�tenden Br�llen schob der Jaelre Valas Hune nach hinten gegen den Vorhang aus t�dlichen Klingen und dr�ngte den Sp�her hindurch, der sich drehte und schrie, als der Stahl in sein Fleisch schnitt.</p><p>Ryld lie� Tzirik daf�r bezahlen, indem er nach vorn jagte, um mit einem kraftvollen, mit beiden H�nden gef�hrten Schlag nach dessen Torso auszuholen. Doch Tziriks Brustpanzer hielt dem Treffer stand. Tzirik seinerseits sprang auf Ryld zu, bis er in Reichweite des K�mpfers war, dann lie� er mit seinem Streitkolben eine Salve heftiger Schl�ge auf ihn niederprasseln, mit der er den Waffenmeister zur�ckdr�ngte.</p><p>Ryld machte sich f�r einen neuen Angriff bereit, doch in diesem Augenblick warf sich auch Quenthel durch die Klingen. Eine davon schnitt tief in ihre Wade, so da� sie den Halt verlor und auf einem Knie landete, w�hrend sie schmerzhaft nach Luft rang. Tzirik trat zur�ck, um au�erhalb der Reichweite von Quenthels Peitsche zu sein, dann stie� er einen raschen Zauber aus, der Rylds Willen ebenso l�hmte wie all seine Muskeln, so da� der K�mpfer reglos stehenblieb.</p><p>Mit der Schnelligkeit einer Schlange wandte Tzirik sich Quenthel zu und schlug sie nieder, w�hrend sie noch versuchte, auf ihrem verletzten Bein zu stehen. Tzirik wich den zischelnden Schlangenk�pfen aus und trat gegen ihre Peitsche, die durch die Wucht durch die Barriere geschleudert wurde. Dann wandte er sich Ryld zu, um dessen Sch�del zu zerschmettern, da der nach wie vor nicht von der Stelle weichen konnte. Tzirik holte mit dem bronzenen Streitkolben zum t�dlichen Schlag aus und ... wurde von seinem beabsichtigten Opfer fortgeschleudert, als ein gewaltiger L�rm auf ihn niederging.</p><p>Halisstra, die jenseits der Barriere stand, lie� sofort einen zweiten <emphasis>Bae�qeshel-</emphasis>Gesang<emphasis/> folgen, der den Kleriker gei�elte. F�r Lolth w�rde sie nicht wieder k�mpfen, aber f�r ihre Gef�hrten und besonders f�r Ryld.</p><p>�T�tet Tzirik nicht�, rief sie. �Wir brauchen ihn, damit er uns nach Hause bringt!�</p><p>�Was schlagt Ihr statt dessen vor?� herrschte Danifae sie an. �Er scheint uns vernichten zu wollen!�</p><p>�In der Tat�, sagte Tzirik.</p><p>Der Jaelre-Priester erholte sich von Halisstras Zaubern und konterte mit einem Zauber, der vom schwarzen Himmel eine S�ule aus kriechendem purpurnen Feuer herabrief, die Halisstra und Danifae traf. Dann wandte sich der Kleriker Quenthel zu, die im Begriff gewesen war, ihn von hinten anzuspringen, und umfa�te seinen Streitkolben.</p><p>�Es bereitet mir gro�es Vergn�gen, Kleriker Lolths zu t�ten�, erkl�rte er. �Wenn Ihr in der Minauth-Feste erwacht, werde ich Euch dort noch einmal t�ten.�</p><p>Er kam n�her, Ha� funkelte in seinen Augen, w�hrend Quenthel humpelnd versuchte, dem unvermeidlichen t�dlichen Schlag zu entgehen.</p><p>In diesem Augenblick l�ste sich Tziriks Brustpanzer auf. Konsterniert blieb er stehen und sah nach unten. Alle anderen Teile seiner R�stung waren noch da, doch dann l�ste sich auch sein Waffenrock auf und entbl��te das gl�nzende schwarze Fleisch seines Oberk�rpers.</p><p>�Was im Namen des Maskierten Gottes soll das?� murmelte er und sah noch gerade rechtzeitig auf, um einem Bolzen auszuweichen, den Danifae auf sein Herz abgefeuert hatte, der aber den Schild des Klerikers traf. Seine Verwunderung wurde zu purem Entsetzen. <emphasis>�Nein!�</emphasis> schrie er. <emphasis>�N��</emphasis></p><p>Eine unsichtbare Macht ri� Tziriks Brust auf und begann eine blutige Rippe nach der anderen aus dem zuckenden Leib zu brechen. Blut und Knochensplitter spritzten umher, doch blieb der Kleriker unerkl�rlicherweise auf den Beinen, w�hrend er vor den erstaunten Menzoberranzanyr bei lebendigem Leib in St�cke gerissen wurde.</p><p>Halisstra, die vor Lolths Altar viele schreckliche Dinge erlebt hatte, wich vor Entsetzen zur�ck. Der k�hle, distanzierte Teil ihres Verstandes lie� sie bemerken, da� Fleisch und Knochen des Mannes einfach nach und nach verschwanden, so wie zuvor die Teile.</p><p>Das geschieht nicht hier, wurde ihr pl�tzlich klar. Tzirik wird ermordet, aber in der Minauth-Feste.</p><p>Als letzter obsz�ner Akt wurde der Inhalt von Tziriks Brustkorb gepackt und aus dem K�rper gezogen. Der Jaelre sank auf die Knie und verdrehte zugleich die Augen. Aus einer unerme�lichen Entfernung tauchte ein gl�nzendes Silberband auf, das mit Tziriks R�cken verbunden war. Es zog sich mit solcher Wucht in den Astralleib zur�ck, da� es Halisstra in der Seele schmerzte. Dann war Tzirik fort, als h�tte er nie existiert.</p><p>�Bei den G�ttern ...�, brachte Valas heraus und st�hnte entsetzt auf.</p><p>Sie alle sp�rten es im gleichen Moment, ein brutales Zerren an ihrer Seele, das die Steinebene und den schwarzen Tempel in tausend silberne Scherbe zerfallen lie�.</p><p>Halisstra machte den Mund auf, um einen Entsetzensschrei auszusto�en, doch bevor sie daf�r noch einmal Luft holen konnte, wurde sie ins Nichts gewirbelt.</p><empty-line/><p>Halisstra erwachte abrupt und sa� aufrecht auf dem modrigen alten Diwan in Tziriks Geheimraum. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, da� sie lebte. Die Erfahrung, ihre Seele durch Tziriks Vernichtung von einem Augenblick zum n�chsten aus dem Abgrund der D�monennetze nach Faer�n zur�ckkehren zu lassen, war nichts, was sie noch einmal machen wollte. Sie brauchte etwas mehr Zeit, um zu erfassen, da� sie keine k�rperlichen Schmerzen mehr hatte.</p><p>Was allerdings schmerzte, war ihr Herz. Ein gewaltiger, sengender Schmerz pulsierte im Mittelpunkt ihres Seins, eine Trauer, die so stechend und immens war, da� Halisstra sich nicht vorstellen konnte, je davon befreit zu werden.</p><p>Sie dr�ckte die Hand gegen ihre Brust, als k�nne das etwas �ndern, und sah sich langsam um. Die anderen erhoben sich ebenfalls und wirkten in unterschiedlicher Weise mitgenommen. Rechts von ihr lag Tzirik auf seinem Diwan, sein Leib war in St�cke gerissen, Blut war bis an die W�nde der Kammer gespritzt, blutige Organe des Klerikers lagen achtlos weggeworfen auf dem Boden. Neben dem zerfleischten Leichnam des Priesters hockte Jeggred und leckte Blut von seinem wei�en Fell. Zwei Jaelre-Krieger lagen daneben, ihre Kehlen waren zerfetzt.</p><p>�Herrin?� fragte der Draegloth. �Was ist passiert? Was habt Ihr erfahren?�</p><p>Quenthel sah Tziriks Leichnam an, dann die toten Jaelre. Sie zog die Brauen finster zusammen. �Was in Lolths Namen hast du dir dabei gedacht?� fragte sie. �Warum hast du ihn get�tet?�</p><p>�Die Wachen? Es schien ihnen nicht zu gefallen, was ich mit dem Ketzer tat�, antwortete Jeggred.</p><p>�Nein, nicht sie�, sagte Quenthel. �Tzirik!�</p><p>Jeggred kniff die Augen zusammen und knurrte. Der Draegloth richtete sich auf und lief um die Diwane herum zu Pharaun. �Magier, wenn Ihr mich dazu veranla�t habt, meine Pflicht zu verletzen ...�</p><p>�Pharaun ...�, sagte Quenthel und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, was aber nicht lange dauerte. Die Erinnerung kehrte zur�ck, und sie starrte den Meister Sorceres aufgebracht an. �Ihr lie�t uns im Abgrund der D�monennetze im Stich, als wir Euch am n�tigsten brauchten! Erkl�rt mir das!�</p><p>�Ich hielt es f�r n�tig�, entgegnete Pharaun. �Wir waren in Todesgefahr, aber wir konnten ohne Tzirik nicht fliehen, und es war offensichtlich, da� er nicht vorhatte, von dort wegzugehen. Die beste Chance zur Flucht war daher die, Jeggred eine Nachricht zu schicken und ihn anzuweisen, Tziriks stofflichen Leib zu vernichten. Da der Priester den Zauber f�r die Astralprojektion gewirkt hatte, beendete sein Tod f�r uns die Reise � zwar etwas abrupter, als es mir lieb war, doch ich sah keinen anderen Ausweg. Ich sagte Jeggred, Ihr h�ttet es befohlen, da ich nicht sicher sein konnte, ob er den Kleriker auch umbringen w�rde, wenn ich allein ihn darum bat.�</p><p>�Eure Feigheit hat uns vom einzigen Ort weggeholt, an dem wir auf Antworten hatten hoffen k�nnen�, knurrte Quenthel.</p><p>�Nein�, warf Halisstra ein. �Pharauns Besonnenheit erm�glichte uns die Flucht aus einer ausweglosen Situation, und zwar auf die einzige Weise, bei der die Hoffnung bestand, da� sie funktionieren w�rde.�</p><p>�Welchen Sinn hat ein Entkommen, wenn wir unsere Suche nicht zu Ende f�hren konnten?� wollte die Baenre wissen.</p><p>�Es h�tte dort keine Antworten gegeben�, erwiderte Halisstra. �Wir h�tten bis zum Ende aller Zeit vor ihr zu Kreuze kriechen k�nnen, und es h�tte Lolth nicht gek�mmert. Die Reise war sinnlos, und es war eine Reise, derer Ihr Euch ohnehin nie gewi� wart. Oder gab es im Abyss Lagerh�user, die Ihr h�ttet pl�ndern k�nnen?�</p><p>�Im Abgrund der D�monennetze habe ich Euch Eure Gottesl�sterung und Euren Hochmut durchgehen lassen, aber das wird nicht noch einmal geschehen�, sagte Quenthel. �Wenn Ihr noch einmal so mit mir redet, lasse ich Euch die Zunge an der Wurzel herausrei�en. Ihr werdet f�r Euren mangelnden Glauben bestraft werden, Halisstra. Lolth wird Euch daf�r unvorstellbare Qualen auferlegen.�</p><p>�Wenigstens w�re das ein Zeichen, da� sie noch lebt�, erwiderte Halisstra.</p><p>Sie stand auf und begann, ihre Habe einzusammeln. In den Hallen jenseits der Kammer waren beunruhigte Rufe und eilige Schritte zu h�ren, doch sie nahm davon kaum etwas wahr.</p><p>�Die Jaelre kommen�, sagte Danifae. �Sie k�nnten etwas gegen die Ausweidung Tziriks einzuwenden haben.�</p><p>�Ich w�rde mir lieber nicht den Weg aus der Burg freik�mpfen m�ssen�, erkl�rte Ryld. �Ich habe genug gek�mpft.�</p><p>Mit einem kehligen Knurren ri� sich Quenthel von Halisstra los und sah sich um. Ver�rgert bi� sie sich auf die Lippe, als ringe sie mit einer Idee, die ihr nicht gefiel. Schlie�lich murmelte sie einen Fluch und sah zu Pharaun.</p><p>�Habt Ihr einen Zauber, der uns hier herausbringt?�</p><p>Pharaun verzog den Mund zu einem Grinsen, offenbar zufrieden, da� Quenthel sich so schnell wieder an ihn wenden mu�te, wo sie doch gerade eben noch sein Handeln verdammt hatte.</p><p>�Es ist zwar etwas gewagt, aber ich glaube, ich kann uns alle von hier wegteleportieren�, sagte er. �Wohin wollen wir? Ich kann uns nicht ungef�hrdet ins Unterreich zur�ckbringen, aber sonst ...�</p><p>�Hauptsache weg von hier�, erwiderte Quenthel. �Wir brauchen Zeit, um �ber das nachzudenken, was wir gesehen und erfahren haben und m�ssen �berlegen, was wir als n�chstes tun.�</p><p>�Die H�hlen�ffnung, in der wir ankamen, als wir das Labyrinth durch das Portal verlie�en�, sagte Valas. �Das ist mehrere Tagesm�rsche von hier entfernt, und dorthin reisen nicht viele.�</p><p>�Gut�, meinte Quenthel knapp. �Bringt uns hin.�</p><p>�Dann fa�t Euch an den H�nden�, sagte Pharaun.</p><p>Er nahm Ryld und Halisstra an die Hand, dann sprach er einen kurzen Satz, w�hrend von au�en versucht wurde, in die Geheimkammer einzudringen. Im n�chsten Augenblick standen sie auf dem kalten, moosbewachsenen Boden der H�hlen�frhung auf der Lichtung. Es war kurz vor Sonnenaufgang. Der Himmel im Osten war von einem perlmutternen Grau, kalter Tau lag schwer auf dem Grund ringsum. Das Tal war kahl und freudlos wie beim ersten Mal, als die Gruppe dort ihr Lager aufgeschlagen hatte, was kaum mehr als ein Zehntag her war. Der Schnee war gr��tenteils geschmolzen, eisiges Wasser flo� in Rinnsalen ins Schlundloch und verschwand irgendwo unterhalb des H�gels.</p><p>�Da w�ren wir�, verk�ndete Pharaun. �Wenn niemand etwas dagegen hat, werde ich mir in der H�hle da unten den bequemsten Flecken suchen und wie ein verdammter Mensch schlafen.�</p><p>Er kletterte die rutschigen Felsen nach unten, ohne eine Antwort abzuwarten.</p><p>�Ruht Euch sp�ter aus, Magier�, rief Quenthel. �Wir m�ssen �berlegen, was wir als n�chstes tun. Wir m�ssen �ber die Bedeutung der Dinge reden, die wir sahen und ��</p><p>�Was wir sahen, ist ohne Bedeutung�, sagte Halisstra. �Es ist auch nicht wichtig, was wir als n�chstes tun. Ich schlie�e mich Pharaun an.�</p><p>Sie brachte die Energie auf, leichtf��ig von Findling zu Findling zu springen, und zog sich in die angenehme und vertraute Finsternis der H�hle zur�ck.</p><p>Hinter ihr kochte Quenthel vor Wut, und Jeggred grollte. Doch Ryld und Valas schulterten ihr Gep�ck und folgten Pharaun auch in die H�hle. Danifae wandte sich zu Quenthel um und legte ihr eine Hand auf die Schulter.</p><p>�Wir sind alle �ber das beunruhigt, was wir sahen�, sagte sie. �Aber wir sind auch m�de. Wir werden klarer denken k�nnen, wenn wir uns eine Weile ausruhen konnten. Vielleicht wird uns dann der Wille Lolths klarer sein.�</p><p>Widerwillig nickte Quenthel, dann folgten sie alle in die H�hle. Halisstra und Pharaun hatten es sich ein paar Dutzend Schritte vom Eingang entfernt auf dem Kiesboden der H�hle bequem gemacht. Ihr Gep�ck hatten sie abgestreift und an eine Wand gelehnt. Die anderen begaben sich langsam zu ihnen und suchten sich jeder einen Platz aus, an dem sie f�rmlich zusammenbrachen, sobald sie aufh�rten, sich zu bewegen.</p><p>Seylls blutige R�stung lastete unertr�glich schwer auf Halis-stras Schultern, und das Heft des Schwertes der Priesterin von Eilistraee dr�ckte schmerzhaft gegen ihre Rippen, doch sie war zu m�de, um sich eine bessere Schlafposition zu suchen.</p><p>�Will mir denn niemand sagen, was im Abgrund der D�monennetze geschah?� klagte Jeggred. �Ich habe tagelang in diesem Raum gewartet und f�rsorglich �ber Eure K�rper gewacht. Ich verdiene zu erfahren, was geschehen ist.�</p><p>�Das wirst du�, antwortete Valas. �Aber sp�ter. Ich glaube, niemand von uns wei� im Moment, was er von alldem halten soll. La� uns Zeit, um zu ruhen und nachzudenken.�</p><p>Ruhen? dachte Halisstra.</p><p>Ihr kam es vor, als k�nnte sie schlafen, und war zwar auf diese bewu�tlose, hilflose Art, wie es die Menschen machten. Sie k�nnte Zehntage am St�ck schlafen, und dennoch w�rde sie damit nicht die Ersch�pfung vertreiben k�nnen, die sie empfand. Ihr Verstand weigerte sich, l�nger dar�ber nachzudenken, warum Lolth sie versto�en hatte, doch in ihrem Herzen versp�rte sie etwas, das einer genaueren Besch�ftigung bedurfte. Eine Trauer, die es ihr nicht gestatten w�rde, in der Trance Zuflucht zu suchen, bis sie einen Weg gefunden hatte, sich von dieser Trauer zu befreien.</p><p>Seufzend zog sie ihren Rucksack zu sich und �ffnete ihn, um das Lederk�stchen mit ihrer Leier herauszuholen. Vorsichtig packte sie ihr Erbst�ck aus und strich mit den Fingern �ber die mit Runen versehenen Drachenknochen, ber�hrte die Mithral-Saiten.</p><p>Wenigstens ist mir das geblieben, dachte sie.</p><p>In der Ruhe der H�hle im Wald spielte Halisstra die dunklen Lieder der Bae�qeshel und fa�te ihre unertr�gliche Trauer in leise Worte.</p></section></body><binary id="cover" 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