<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Larry</first-name><last-name>Niven</last-name></author><book-title>Die Ringwelt-Ingenieure</book-title><annotation><p>Dreiundzwanzig Jahre nach der ersten Expedition bereitet sich ein Forscherteam auf eine h�chst gefahrvolle Aufgabe vor. Es gilt, die Ringwelt zu erkunden, das gigantische Artefakt und das gr��te R�tsel des bekannten Universums. Die Forscher sto�en auf beihnahe un�berwindliche Schwierigkeiten, doch eine Frage treibt sie immer wieder an: Wer waren die geheimnisvollen Erbauer der Ringwelt?</p><empty-line/></annotation><date value="1982-02-01">1982</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Bodo</first-name><last-name>Baumann</last-name></translator><sequence name="Ringwelt" number="2"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Larry</first-name><last-name>Niven</last-name></author><book-title>The Ringworld Engineers</book-title><date>1980</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Cosmopilit</nickname></author><program-used>calibre 2.45.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2015-12-30">30.12.2015</date><id>4967fe62-f937-4f35-bb58-46f6b61d5dce</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Larry Niven. Die Ringwelt-Ingenieure</book-name><publisher>Bastei L�bbe</publisher><city>Bergisch Gladbach</city><year>1982</year><isbn>3-404-24028-6</isbn></publish-info></description><body><title><p>Larry Niven</p><p>Die Ringwelt-Ingenieure</p></title><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><title><p>Der Autor</p></title><image l:href="#2"/><empty-line/><p>Lawrence van Cott Niven wurde am 30. April 1938 in Los Angeles als Sohn eines Anwalts geboren. Er studierte Mathematik und Physik in Kalifornien und Washburn, Kansas. Seine Leidenschaft f�r Science Fiction begann, als er w�hrend seines Studiums einen alten Buchladen mit bereits gelesenen Magazinen entdeckte. Nach seinem Studium begann er selber mit dem Schreiben von Erz�hlungen. Seine erste Geschichte �The Coldest Place� erschien 1964.</p><p>Nur zwei Jahre sp�ter hatte er sich bereits einen Namen als Autor abenteuerlicher Weltraumgeschichten mit unglaublichen Ideen wissenschaftlichem Hintergrund gemacht.</p><p>Sein popul�rster Romanzyklus ist der Ringwelt-Zyklus. Die Romane der Reihe sind nicht unbedingt Fortsetzungen, spielen aber alle im von Larry geschaffenen Ringwelt-Universum. Ein Nebenstrang des Zyklus sind die Kzin-Kriege, ein Konflikt von Menschen mit katzenartigen Wesen.</p><p>Er gewann 1966 den Hugo Award f�r die beste Kurzgeschichte f�r �Neutronstern� und 1974 f�r �The Hole Man�. 1975 erhielt er den Hugo Award f�r �The Borderland of Sol� als beste Novelle. F�r �Ringwelt� wurde ihm 1970 den Hugo Award und der Nebula Award verliehen.</p></section><section><title><p>Inhalt</p></title><p>Dreiundzwanzig Jahre nach der ersten Expedition bereitet sich ein Forscherteam auf eine h�chst gefahrvolle Aufgabe vor. Es gilt, die Ringwelt zu erkunden, das gigantische Artefakt und das gr��te R�tsel des bekannten Universums. Die Forscher sto�en auf beinahe un�berwindliche Schwierigkeiten, doch eine Frage treibt sie immer wieder an: Wer waren die geheimnisvollen Erbauer der Ringwelt?</p></section><section><title><p>Widmung</p></title><p>Die �Ringwelt� ist inzwischen zehn Jahre alt; aber ich erhalte noch heute Briefe, die dazu Stellung nehmen. Da haben sie die �Ringwelt� gelesen und geben nun ihr Kommentar �ber die versteckten oder offenkundigen Voraussetzungen ab, �ber ihre mathematischen und �kologischen Probleme und die philosophischen Implikationen, als handelte es sich hier um einen echten Architektenwettbewerb und w�rden sie f�r ihr Gutachten bezahlt.</p><p>Ein Mann schickte mir aus Washington, D. C., einen umfassenden Korrekturlesebogen zu meiner ersten Ausgabe der �Ringwelt�, die unter dem Titel �Die Niven-McArthus-Papiere, Band I� erschien. Er hat mir damit sehr geholfen. (Wenn Sie die erste Taschenbuchausgabe der �Ringwelt� besitzen, finden Sie noch alle Fehler darin. Die Erstausgabe ist inzwischen Gold wert.)</p><p>Eine Oberschulklasse in Florida erkannte die Notwendigkeit eines Drainage-Systems.</p><p>Von einem Professor in Cambridge erhielt ich eine statische Berechnung, wie gro� die Rei�festigkeit des <emphasis>Scrith</emphasis>-Materials der Ringwelt sein m�sse.</p><p>Freeman Dyson (Freeman Dyson!) sah keinen Grund, nicht an die Existenz der Ringwelt zu glauben, obwohl er nicht einzusehen vermag, warum die Architekten an ihrer Stelle nicht viele kleinere Welten erbauten. Zudem viel sicherer. Ich glaube, ich habe ihm in diesem Buch die Antwort auf seine Frage geliefert.</p><p>Als ich in Philadelphia einen Vortrag hielt, wies mich ein Zuh�rer darauf, hin, da� man die Ringwelt mathematisch als eine H�ngebr�cke ohne Auflagepunkte betrachten k�nne. Im Konzept einfacher, aber schwieriger zu bauen.</p><p>Aus allen Himmelsrichtungen empfing ich Warnungen, da� Steuerd�sen f�r die Ringwelt unentbehrlich seien; aber Ctein und Dan Alderson, die unabh�ngig voneinander arbeiteten, brauchten ein paar Jahre dazu, um mir eine quantitative Analyse ihrer Instabilit�t zu erstellen. Ctein berechnete auch die Daten, die erforderlich sind, um die Ringwelt �von der Stelle zu r�cken�.</p><p>Dan Alderson war so liebensw�rdig, mir die Parameter f�r die Meteor-Verteidigungsanlage der Ringwelt auszuarbeiten. Das war �brigens die einzige Hilfestellung, um die ich tats�chlich gebeten habe.</p><p>Euch allen, die ihr euch so viel M�he gemacht und mir so viele Briefe geschrieben habt, m�chte ich die Warnung vorausschicken, da� ohne eure unerbetene Mitarbeit dieses Buch niemals entstanden w�re. Ich hatte n�mlich �berhaupt nicht daran gedacht, der �Ringwelt� eine Fortsetzung folgen zu lassen. Deshalb sei dieses Buch euch gewidmet.</p></section><section><title><p>Einf�hrung</p></title><p>Die Geschichten des �bekannten Universums� umfassen inzwischen acht B�nde mit zusammenh�ngenden Geschichten. Falls Sie die <emphasis>Ringwelt</emphasis> nicht gelesen haben, werden Ihnen diese Bemerkungen n�tzlich sein:</p><p>Vor Jahrhunderten erkannte eine fremde Rasse, die Piersons Puppetiers, da� unsere Milchstra�e eine Seyfert-Galaxis geworden war. Die Strahlungswellen des explodierenden Kerns unserer Milchstra�e werden in ungef�hr zwanzigtausend Jahren unseren Teil der Galaxis unbewohnbar machen.</p><p>Die Puppetiers sind bekannt f�r ihre Vorsicht, um nicht zu sagen f�r ihre Feigheit. Sie gaben ihr Handelsimperium auf�� das menschliche Universum war ein Teil davon und begannen mit ihrem Exodus zu den Magellanschen Wolken, indem sie ihre f�nf Heimatplaneten fast bis zur Lichtgeschwindigkeit beschleunigten. In den darauffolgenden 204 Jahren h�rte man so gut wie nichts von ihnen.</p><p>Dann erschien Nessus, ein Manisch-Depressiver, verr�ckt genug, einen Auftrag zu �bernehmen, dem kein geistig gesunder Puppetier auch nur in Gedanken n�her treten w�rde. Auf der Erde stellte er eine Mannschaft aus sorgf�ltig ausgesuchten fremden Lebewesen zusammen: den zweihundert Jahre alten erfahrenen Abenteurer, Louis Gridley Wu; Teela Brown, Spr��ling einer Familie, die seit sechs Generationen in der irdischen Geburtsrecht-Lotterie gewonnen hatte; Dolmetscher-der-Tiere, ein frisch gebackener Diplomat von der Rasse der kriegerischen, katzen�hnlichen Kzinti. Laut Nessus hatten die Puppetiers einen seltsamen und furchterregenden Artefakten entdeckt: einen Ring, der eine Million Meilen breit war, einen Durchmesser von 190 Millionen Meilen besa� und sich um einen Stern der Kategorie G2 drehte. Nessus' Mannschaft sollte diesen Artefakten erforschen. Ihre Belohnung: ein Raumschiff-Antrieb, mit dem man eine bisher im bekannten Universum ungeahnte Schnelligkeit erreichen konnte. Der verr�ckte Puppetier konnte sich bei diesem Unternehmen das Recht zur Fortzeugung verdienen�� falls er das Abenteuer �berlebte.</p><p>Die Ringwelt erwies sich als ein Kunstplanet mit der drei Millionenfachen Oberfl�che der Erde, in Drehung versetzt, um Schwerkraft zu erzeugen, auf der Innenseite terraformiert, wobei die Oberfl�chen-Strukturen in das Bodenmaterial eingepr�gt waren.</p><p>Der vorsichtige Erkundungsflug des Forschungsteams fand ein j�hes Ende, als ein Gescho� ihr Raumschiff aus dem Himmel herunterholte. Die <emphasis>Lying Bastard</emphasis> machte in der N�he eines tausend Meilen hohen Berges eine Bruchlandung, der von den Eingeborenen �Faust Gottes� genannt wurde. Nur der Rumpf des Schiffes, seine lebenserhaltenden Systeme und der �berlicht-Geschwindigkeits-Antrieb �berstanden die Bruchlandung. Aber ein Au�enseiter-Hyperdrive-Motor ist im Bereich des Schwerkraftfeldes einer Sonne nicht verwendungsf�hig.</p><p>Auf einsitzigen Flugr�dem erforschte die Mannschaft Hunderttausende von Meilen der terraformierten Landschaft auf der Suche nach Hilfe. Sie entdeckten mehrere menschen�hnliche Rassen. Die hochentwickelte Zivilisation, die einmal die Ringwelt beherrscht hatte, lag in Tr�mmern.</p><p>Schlie�lich stie�en Louis und der Dolmetscher auf einen tausend Jahre �berlebenden der fr�heren Hochkultur. Halrloprillalar Hotrufan, Mitglied einer Raumschiffbesatzung, mu�te nach ihrer R�ckkehr von einem benachbarten Stern entdecken, da� ihre Zivilisation zusammengebrochen war, vermutlich, weil ein mutierter Schimmelpilz den Superleiter zerst�rt hatte, auf dem sich ihre fortgeschrittene Technologie gr�ndete. Die Mehrzahl der bisher herrschenden technischen und politischen Elite war bei dem Zusammenbruch der St�dte get�tet worden, als die fliegenden Geb�ude aus dem Himmel herunterst�rzten. Die Zivilisation hatte sich von dieser Katastrophe nie mehr erholt. Seit ihrer Heimkehr lebte Halrloprillalar in einem fliegenden Gef�ngnis, ern�hrte sich von den Opfergaben der Eingeborenen, die sie als G�ttin verehrten, und erreichte mit Hilfe eines Lebenselixiers ihr hohes Alter.</p><p>Mit Halrloprillalars Unterst�tzung gelang es Louis, dem Dolmetscher und Nessus, die Rotationsgeschwindigkeit der Ringwelt zu einem Notstart ihres besch�digten Raumfahrzeuges auszun�tzen, die sie in den interstellaren Raum hinauskatapultierte, wo sie ihren Hyperdrive-Motor wieder einschalten konnten. Nur Teela Brown zog es vor, auf der Ringwelt zu bleiben.</p><p>Seither sind dreiundzwanzig Jahre vergangen...</p></section><section><title><p>I. Teil</p></title><section><title><p>1. Im Wonnefeld</p></title><p>Louis Wu stand unter Strom, als die beiden M�nner in seine Privatsph�re eindrangen.</p><p>Er sa� in tadelloser Lotus-Position auf dem �ppigen gelben Innen-Gras-Teppich. Sein L�cheln war vertr�umt, wonnetrunken. Die Wohnung war klein, bestand nur aus einem gro�en Raum. Er konnte beide Ausg�nge zugleich sehen. Aber in dem Wonnerausch, der nur dem S�chtigen vertraut ist, sah er sie nicht hereinkommen. Pl�tzlich standen sie vor ihm: zwei blasse junge M�nner, beide fast zwei Meter zwanzig gro�, die Louis mit ver�chtlichem L�cheln musterten. Der eine schnaubte und lie� einen wie eine Waffe geformten Gegenstand in die Tasche gleiten. Sie r�ckten noch einen Schritt vor, als Louis sich aus dem Gras erhob.</p><p>Es war nicht allein dieses gl�ckselige L�cheln, das sie t�uschte. Vielmehr verlie�en sie sich auf den faustgro�en Wonnestecker, der aus dem Scheitel von Louis Wus Kopf hervorschaute wie eine schwarze Plastikgeschwulst. Sie hatten mit einem Strom-S�chtigen zu tun und wu�ten, was sie von ihm zu erwarten hatten. Seit Jahren mu�te dieser Mann sein Gehirn abgeschaltet und sein ganzes Bewu�tsein von diesem Stromleiter abh�ngig gemacht haben, der das Wollust-Zentrum in seiner Gehirnrinde mit elektrischen Impulsen anregte. Die S�chtigen verwahrlosten und verfielen k�rperlich. Man konnte es ihm ansehen:</p><p>Er war schm�chtig und fast einen halben Meter kleiner als die beiden. Er.</p><p>Als sie sich Louis greifen wollten, lehnte sich dieser weit zur Seite, um die richtige Hebelwirkung zu erreichen, und schlug einmal, zweimal, dreimal mit dem Bein zu. Der eine von den beiden Eindringlingen lag auf dem Boden, um sich selbst gewickelt, atemlos, ehe der andere seine Geistesgegenwart wiederfand und zur�ckwich.</p><p>Louis folgte ihm.</p><p>Was den jungen Mann fast l�hmte, war diese fast woll�stige Andacht, mit der Louis ihn in den Tod schicken wollte. Zu sp�t griff er nach dem L�hmungsstrahler, den er wieder in die Tasche gesteckt hatte. Louis schlug ihm die Waffe mit dem Fu� aus der Hand. Mit einem wuchtigen Faustschlag traf er die Kniescheibe, noch einmal die Kniescheibe (der blasse Riese blieb mit bet�ubten Nerven stehen), die Leistengegend, das Herz (der Riese knickte mit einem pfeifenden Schrei nach vorne), die Kehle (der Schrei ri� ab).</p><p>Der andere Eindringling kauerte auf H�nden und Knien im Gras und holte gurgelnd Luft. Louis schlug ihm zweimal mit der gestreckten Hand ins Genick.</p><p>Beide Eindringlinge lagen jetzt regungslos im �ppigen gelben Gras.</p><p>Louis Wu ging zur Wohnungst�r, um sie wieder abzusperren. Nicht einen Moment hatte sich der wonnetrunkene Ausdruck seines Gesichts ver�ndert, auch jetzt nicht, als er feststellen mu�te, da� die T�r zweimal abgesperrt und der Alarm eingeschaltet war. Er �berpr�fte die Balkont�r. Sie war ebenfalls verriegelt und alarmgesichert.</p><p>Wie in aller Welt waren sie in das Zimmer gekommen?</p><p>Verwirrt versank er an Ort und Stelle wieder in seine Lotus-Stellung und bewegte sich �ber eine Stunde lang nicht von der Stelle.</p><empty-line/><p>Dann schaltete eine Zeituhr den Wonnestecker ab.</p><p>Die Wonnestrom-Sucht geh�rt zu den j�ngsten Lastern der Menschheit. Fast alle Kulturen des vom Menschen besiedelten Universums haben irgendwann in ihrer Geschichte dieses Laster zu einer gef�hrlichen Seuche erkl�rt. Die S�chtigen gingen dem Arbeitsmarkt verloren und fielen ihrer Verwahrlosung zum Opfer.</p><p>Aber die Zeiten �ndern sich. Einige Generationen sp�ter betrachteten dieselben Kulturen dieses Laster als eine problematische Errungenschaft. Suchtgewohnheiten aus historisch �lterer Zeit�� Alkoholismus, Rauschgifte und Wettleidenschaften k�nnen nicht damit konkurrieren. Leute, die f�r Drogen anf�llig sind, kommen mit dem Wonnestrom viel besser auf ihre Kosten. Die Lebensspanne eines Wonnes�chtigen war viel gr��er, und sie neigten zur Kinderlosigkeit.</p><p>Und die Droge kostete praktisch nichts. Ein Ekstase-H�ndler k�nnte nat�rlich den Preis seiner Ware erh�hen, aber wozu? Der Wonnes�chtige wird erst von dem Laster abh�ngig, wenn der Stromleiter in das Lustzentrum seines Hirnes eingepflanzt worden ist. Und dann hat der H�ndler keine Gewalt mehr �ber ihn, denn der S�chtige kann sich seinen Rausch aus der Steckdose zu Hause in seiner Wohnung holen.</p><p>Und das Wonneerlebnis ist absolut rein, ohne nachteilige Nebenwirkung und ohne Kater.</p><p>Und so kam es, da� zu Louis Wus Lebzeiten alle Vertreter der menschlichen Rasse, die sich von der Wonnestrom-Sucht oder anderen selbstm�rderischen Lastern versklaven lie�en, kraft Vererbungsgesetze bereits seit achthundert Jahren ausgestorben waren.</p><p>Heute gibt es sogar schon Ger�te, mit denen man aus der Entfernung das Wollustzentrum eines Opfers erregen kann. Tasps oder Wonnegei�eln sind auf den meisten Welten gesetzwidrig. Zudem sind sie teuer herzustellen, aber es gibt sie. (Ein verbittert aussehender Fremder kommt an dir vorbei. Zorn oder Depression sind auf sein Gesicht geschrieben. Du stehst hinter einem Baum und dr�ckst auf einen Knopf. Hing! Sein Gesicht verkl�rt sich und strahlt. Einen Moment lang vergi�t er alle seine Sorgen.) Die Lustgei�el f�hrt in der Regel nicht zu einer verheerenden Abh�ngigkeit. Die meisten Menschen sind widerstandsf�hig genug, sie ertragen zu k�nnen.</p><empty-line/><p>Die Schaltuhr unterbrach den Stromkreis.</p><p>Louis schien in sich zusammen zu sinken. Er griff unter den langen schwarzen geflochtenen Zopf auf seinem kahlgeschorenen Sch�del und zog den Wonnestecker aus der Fassung heraus. Er hielt ihn auf der Handfl�che und betrachtete ihn. Und dann lie� er ihn wie gew�hnlich in eine Schublade fallen und versperrte sie. Die Schublade verschwand. Der Schreibtisch, anscheinend ein antikes St�ck aus massivem Holz, bestand in Wahrheit aus papierd�nnem Raumschiffmetall, in dem unendlich viele Geheimf�cher Platz fanden.</p><p>Es war nat�rlich immer verlockend, die Schaltuhr neu aufzuziehen. Er hatte das in den ersten Jahren seiner Sucht routinem��ig getan, bis er zum Skelett abgemagert und in seinem eigenen Schmutz fast erstickt war. Schlie�lich hatte er die Reste seiner vormals sprichw�rtlichen Zielstrebigkeit dazu verwendet, eine Schaltuhr zu bauen, die man nur mit einer zwanzigmin�tigen konzentrierten Fummelei einzustellen vermochte. Zur Zeit schaltete sie nach f�nfzehn Stunden Wonnestrom f�r zw�lf Stunden ab, damit er zw�lf Stunden schlafen und sich, wie er es nannte, regenerieren konnte.</p><p>Die Leichen lagen immer noch im Zimmer. Louis hatte keine Ahnung, was er mit ihnen anstellen sollte. H�tte er die Polizei sofort verst�ndigt, w�re es nicht ohne unerw�nschtes Aufsehen abgegangen; aber was sollte er ihnen jetzt sagen, anderthalb Stunden nach der Tat? Da� er von den Eindringlingen bewu�tlos geschlagen worden war? Dann w�rden sie mit Tiefenradar seinen Sch�del nach Br�chen absuchen.</p><p>Jedenfalls konnte er in der abgrundtiefen Depression, die der Wonnephase folgte, keine Entscheidungen treffen. Er befolgte die Regenerationsanweisungen wie ein Roboter. Selbst sein Essen war vorprogrammiert.</p><p>Er trank ein ganzes Glas Wasser. Er stellte die K�che neu ein. Er ging in das Badezimmer. Er machte zehn Minuten Frei�bungen und verausgabte sich dabei, bek�mpfte die Depression mit Ersch�pfung. Er vermied es, die Toten anzusehen, bei denen bereits die Leichenstarre eintrat.</p><p>Das Essen war fertig, als er seine Frei�bungen beendete. Er a�, ohne Geschmack daran zu finden, und erinnerte sich an die Zeit, als er auch beim Essen und bei seinen Leibes�bungen unter Wonnestrom gestanden hatte, allerdings nur mit einem Zehntel der normalen St�rke. Eine Zeitlang hatte er mit einer Frau zusammengelebt, die ebenfalls unter der Wonnestrom-Sucht litt. Sie hatten sich mit eingeschaltetem Stecker geliebt�� und dabei Denk- und Freizeitsport getrieben. bis sie nur noch ihrer Sucht lebten und jedes andere Interesse verloren. Damals hatte er wenigstens noch so viel Geistesgegenwart besessen, sich rechtzeitig von der Erde abzusetzen.</p><p>Und auch jetzt w�rde es leichter sein, von dieser Welt zu fl�chten, als sich dieser zwei gro�en ungeschlachten Leichen zu entledigen. Aber wenn seine Wohnung bereits beobachtet wurde?</p><p>Sie sahen nicht aus wie ARM-Agenten. Daf�r waren sie zu gro�, zu weich in den Muskeln, hatten unter einer Sonne gelebt, die mehr orange als gelb war. Vermutlich eine Rasse von einem Planeten mit niedriger Schwerkraft, vermutlich Canyoiten. Sie hatten nicht gek�mpft wie ARM-Agenten, aber sie hatten seinen Alarm umgangen. Diese M�nner konnten S�ldner der ARM sein und Freunde haben, die drau�en warteten.</p><p>Louis Wu schaltete den Alarm an seiner Balkont�r ab und trat ins Freie hinaus.</p><empty-line/><p>Canyon pa�t nicht ganz in das �bliche Schema der Planetengesetze.</p><p>Der Planet ist nicht viel gr��er als Mars. Vor einigen hundert Jahren war die Atmosph�re gerade dicht genug, um photosynthetische Pflanzen am Leben zu erhalten. Die Luft enthielt zwar Sauerstoff, doch dessen Prozentsatz war zu gering f�r menschliche oder Kzinti-Wesen. Die heimische Flora war so primitiv und gen�gsam wie Flechten auf der Erde. Tiere hatten sich hier nie entwickeln k�nnen.</p><p>Aber es gab magnetische Kr�fte in dem kometenartigen Ring, der die orangegelbe Sonne von Canyon umgab. Der Planet selbst verf�gte �ber radioaktive Stoffe. Das Kzinti-Imperium hatte den Planeten besetzt und mit Hilfe von luftdichten Kuppelh�usern und Kompressoren besiedelt. Sie nannten ihn �Speerspitze�, da er an der Grenze des noch uneroberten Pierin-Planetensystems lag.</p><p>Tausend Jahre sp�ter traf das expandierende Kzinti-Imperium auf das menschliche Universum.</p><p>Die Kriege mit den Kzintis waren l�ngst vor�ber, als Louis Wu auf die Welt kam. Die Menschen gewannen sie alle. Die Kzinti hatten schon immer eine verh�ngnisvolle Neigung, ihre Gegner anzugreifen, ehe sie ausreichend f�r einen Krieg vorbereitet waren. Zivilisation auf Canyon ist das Verm�chtnis des Dritten Kzin-Menschheit-Krieges, als der Planet Wunderland eine Vorliebe f�r esoterische Waffen entwickelte.</p><p>Wunderlands Wunderwaffe wurde nur ein einziges Mal eingesetzt. Es handelte sich um die ins riesenhaft vergr��erte Version eines ganz gew�hnlichen Bergwerkger�tes: ein sogenannter elektronischer Stampfer, der vermittels eines Energiestrahles die Ladung eines Elektrons unterdr�ckt. An der Stelle, wo der Strahl des Elektronenstampfers auftrifft, wird Materie pl�tzlich und gewaltsam positiv geladen. Sie l�st sich dann in einen Nebel aus einatomigen Partikeln auf.</p><p>Die Welt Wunderland baute also einen gigantischen elektronischen Stampfer und transportierte ihn in das Planetensystem von �Speerspitze�. Der Riesenstampfer scho� seinen Energiestrahl parallel zu einem anderen Richtstrahl ab, der allerdings die Ladung des Protons unterdr�ckte.</p><p>Die beiden Strahlen trafen mit einem Abstand von drei�ig Meilen gleichzeitig auf der Oberfl�che von Canyon auf. Felsen, Fabriken und H�user der Kzinti wirbelten als Staub davon, w�hrend sich ein Lichtbogen zwischen den beiden Einschlagstellen bildete. Die Waffe drang mit ihrem Energiestrahl zw�lf Meilen tief in die Kruste des Planeten ein und legte auf einer Fl�che von der Gr��e und Form wie der Kaliforniens das Magma auf diesem Planeten frei. In diesem Bereich befand sich die gesamte Industrie der Kzinti, die sich in Sekundenschnelle in Rauch aufl�ste. Die wenigen Kuppelbauten, die durch Stasisfelder gesch�tzt waren, wurden von der Magma verschluckt, die in der Mitte des Grabens viel h�her aufwallte als an den R�ndern, ehe das Gestein sich wieder verh�rtete.</p><p>Die Narbe, die davon zur�ckblieb, war ein langgestreckter See, der von steilen, mehreren Meilen hohen Klippen eingeschlossen wurde und in dessen Mitte sich eine langgestreckte, schmale Felsinsel erhob.</p><p>So manche irdischen Welten mochten ihre Zweifel hegen, da� dieses Monstrum den Krieg beendete. Die Kzinti-Patriarchie l��t sich normalerweise von blo�em Gigantismus nicht schrecken. Die Bewohner von Wunderland teilen diese Zweifel nicht. �Speerspitze� wurde nach dem Dritten Kzin-Menschheit-Krieg annektiert und in Canyon umgetauft. Die einheimischen Lebensformen litten nat�rlich unter den Kriegshandlungen, wurden unter Gigatonnen Staub begraben, die aus der Atmosph�re herunterkam, w�hrend das Grundwasser sich in den Canyon ergo� und dort einen gewaltigen Binnensee bildete. In der Schlucht baute sich ein ausreichender Luftdruck auf und schuf die n�tigen Voraussetzungen, da� sich dort eine bl�hende Zivilisation entwickeln konnte.</p><p>Louis Wus Wohnung befand sich auf der zw�lften Terrasse an der Norwand des Canyon. Die Nacht verh�llte bereits den Grund der Schlucht, als er auf den Balkon hinaustrat, aber die S�dwand lag noch im hellen Tageslicht. H�ngende G�rten aus einheimischen Gew�chsen verdeckten den Rand der Klippe. Stillgelegte Aufzugst�rme ragten meilenweit an den gegl�tteten Felsw�nden empor, als w�re der Stein von blanken Silberadern durchzogen. Transportkabinen hatten inzwischen die Aufz�ge ersetzt, doch die Touristen bedienten sich immer noch dieses alten Verkehrsmittels, wenn sie einen Blick auf diese k�nstlich geschaffenen Naturwunder werfen wollten.</p><p>Der Balkon blickte auf die Parklandschaft hinaus, die den Kern der Inseln bedeckte. Die Vegetation erinnerte an den bizarren Wildwuchs eines Kzinti-Jagdreviers, wobei sich helles Rosa und Orange mit dem bedeckten Gr�n der importierten irdischen Biosph�re mischte. Kzinti-Lebensformen waren in diesem Canyon allt�gliche Erscheinungen.</p><p>Auf der Insel tummelten sich genausoviele Kzinti wie menschliche Touristen. Die Kzinti-M�nnchen glichen fetten orangefarbenen Katzen, die auf ihren Hinterpfoten liefen. Doch ihre Ohren breiteten sich wie pinkfarbene chinesische Pergamentschirme aus, und ihre Schw�nze waren nackt. Ihre breiten H�nde und geraden Beine verrieten, da� sie zu einer Rasse von Werkzeugmachern geh�rten. Ihre Gr��e war enorm, fast zwei Meter f�nfzig, und obwohl sie es sorgf�ltig vermieden, mit den menschlichen Touristen zusammenzusto�en, fuhren sie doch ihre sorgf�ltig manik�rten Klauen an den Fingerspitzen aus, sobald ihnen ein menschliches Wesen zu nahe kam. Vielleicht waren das nur Reflexe.</p><p>Zuweilen fragte sich Louis, welche Impulse die Kzinti veranla�ten, eine Welt zu besuchen, die sie vor Jahrhunderten hatten aufgeben m�ssen. Vielleicht hatten ihre Vorfahren auf dieser Welt gelebt, die nun in den Kuppelbauten unter dieser Lavainsel begraben waren. Eines Tages w�rde man sie wieder ausgraben m�ssen.</p><p>Es gab so viele Dinge, die er auf Canyon hinterlassen hatte, weil er sich nie weit von seinem Wonnestecker entfernen wollte. Menschen und Kzinti kletterten in der niedrigen Schwerkraft an den Klippen empor. Es war ein sportlicher Zeitvertreib.</p><p>Nun, jetzt hatte er eine letzte Chance, selbst dieses Vergn�gen auszuprobieren. Es war eine von drei m�glichen Fluchtrouten. Die zweite waren die Aufz�ge; die dritte war die Transportkabine zu den h�ngenden G�rten. Er hatte sie kein einziges Mal besichtigt.</p><p>Dann w�rde er in einem Druckanzug Weiterreisen, der sich zusammengefaltet leicht in einer gro�en Aktentasche unterbringen lie�.</p><p>Bergwerke waren �ber die Oberfl�che des Planeten verstreut, und es gab auch einen gro�en, etwas verwahrlosten Naturpark f�r die �berlebenden Gattungen der Canyon-Flechten. Doch zum gr��ten Teil bestand diese Welt aus einer �den Kraterlandschaft. Ein umsichtiger Mann konnte unbemerkt auf diesem Planeten mit einem Raumfahrzeug landen und es an einer Stelle verstecken, wo man es nur mit einem Tiefenradar entdecken vermochte. Ein umsichtiger Mann hatte das bereits getan. Seit neunzehn Jahren wartete jetzt ein Raumschiff schon auf Louis Wu. Er hatte es in einer H�hle in der Nordwand eines Berges versteckt, der aus minderwertigem Eisenerz bestand. Der Eingang der H�hle lag im ewigen Schatten der atmosph�relosen Oberfl�che.</p><p>Die Transportkabinen, die Aufz�ge oder eine Kletterpartie. Sobald er den Canyon verlassen hatte, w�rde ihn niemand mehr aufhalten k�nnen. Doch er mu�te damit rechnen, da� die ARM alle drei Ausg�nge �berwachte.</p><p>Aber vielleicht machte er sich �bertriebene Sorgen. Woher konnte die irdische Polizei wissen, da� er sich hier aufhielt? Er hatte sein Gesicht ver�ndert, seinen Haarstil, seine Lebensweise. Er hatte seine Lieblingsgewohnheiten aufgegeben und verwendete jetzt ein Bett statt der Schlafplatten, a� keinen K�se mehr, als best�nde er aus verdorbener Milch, und seine Wohnung war mit Massenfabrikaten und Wegwerf-Schnickschnack ausgestattet. Seine Kleider bestanden aus teurer Naturfaser und Stoffen ohne optische Effekte.</p><p>Er hatte die Erde als abgemagerter und vertr�umt blickender Wonnestrom-S�chtiger verlassen. Seither hatte er sich einer rationalen Di�t unterzogen. Er hatte sich mit Leibes�bungen gemartert und einem w�chentlichen Kurs in der Kunst der Selbstverteidigung (eine von Staats wegen nicht gern gesehene Leibesert�chtigung, die, falls er dabei ertappt wurde, ihm bei der �rtlichen Polizei einen Vermerk eintragen w�rde, allerdings nicht unter seinem richtigen Namen!), so da� er heute ein hinreichendes Erscheinungsbild von strotzender Gesundheit bot, mit harten, gut entwickelten Muskeln, die er als j�ngerer Mann immer verschm�ht hatte. Wie wollte die ARM ihn in dieser Maske erkennen?</p><p>Und <emphasis>wie waren sie in seine Wohnung gekommen?</emphasis> Kein gew�hnlicher Einbrecher h�tte Louis' Alarmvorrichtungen umgehen k�nnen.</p><p>Sie lagen tot im Gras, und bald w�rde der Geruch der Verwesung st�rker sein als die Klimaanlage. Ein bi�chen versp�tet empfand er die Reue eines Menschen-Killers. Aber sie waren in sein Territorium eingedrungen, und so lange man unter dem Wonnestrom-Einflu� stand, war man f�r seine Taten nicht verantwortlich. Wenn man unter Strom stand, ist sogar der Schmerz ein Gew�rz, das das Wonngegef�hl noch pikanter macht, und die Wollust�� f�r den Menschen ist auch das T�ten eines Diebes, den man in flagranti ertappt, eine Lustempfindung�� noch erheblich steigert. Sie hatten gewu�t, da� er s�chtig war, und das h�tte ihnen eine Warnung sein m�ssen. Zugleich war es ein schlimmer Affront f�r Louis Wu gewesen.</p><p>Die Touristen, Kzinti wie Menschen, und die Einheimischen, die unten durch die Stra�en flanierten, sahen unschuldig genug aus und waren es vermutlich auch. Falls ihn die ARM beschattete, geschah das wahrscheinlich mit Hilfe von Ferngl�ser durch ein Fenster in einem dieser schwarz�ugigen H�user. Keiner von den Touristen sah zu ihm hoch. aber dann blieb Louis Wus Blick auf einem Kzin haften.</p><p>Er war acht Fu� hoch, drei Fu� breit, und das dichte orangefarbene Fell wurde an manchen Stellen schon grau. Oberfl�chlich betrachtet, unterschied er sich kaum von den anderen Kzinti, die unten dutzendweise an ihm vorbeimarschierten. Was Louis vor allem ins Auge sprang, war die Art, wie sein Fell wuchs. Es glich einem zusammengestoppelten Flickenteppich und hatte zu f�nfzig Prozent seine Farbe verloren, als w�re die Haut darunter mit Narben bedeckt. Schwarze Ringe lagen um seine Augen, die nicht die Landschaft betrachteten, sondern die Gesichter der menschlichen Passanten musterten.</p><p>Louis gab sich gro�e M�he, diesen Kzinti nicht anzustarren, sondern er drehte sich um, als habe er nur frische Luft schnappen wollen, und ging langsam zur Balkont�r zur�ck. Er versperrte sie hinter sich und schaltete wieder den Alarm ein. Er holte den Wonnestecker aus seinem Versteck im Schreibtisch hervor. Seine H�nde zitterten.</p><p>Es war der Dolmetscher�� Speaker-To-Animals��, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Speaker-To-Animals war damals als Botschafter seiner Rasse auf der Erde gewesen. Er hatte zusammen mit Louis Wu, einem Pierson-Puppetier und einer sehr ungew�hnlichen jungen Dame einen winzigen Sektor der Ringwelt erforscht, eines gigantischen Artefakten. Als Belohnung f�r den Schatz, den der Dolmetscher auf seinen Heimatplaneten zur�ckgebracht hatte, wurde er von den Patriarchen der Kzinti mit seinem vollen Namen geehrt. Man h�tte ihn jetzt nicht mehr mit seiner Berufsbezeichnung anreden d�rfen, wenn man nicht Selbstmord begehen wollte. Aber was war das f�r eine Name, den er sich damals verdient hatte? ER begann mit einem Aspiranten, der sich wie ein deutsches <emphasis>Ch</emphasis> anh�rte, oder wie das warnende Fauchen eines L�wen: <emphasis>Chmeee!</emphasis> Ja, jetzt wu�te er es wieder. Aber was suchte sein alter Bekannter hier auf Canyon? Wenn er sich einen echten Namen verdient, ein Lehen bekommen und sich einen Harem zugelegt hatte, der vermutlich mit tr�chtigen Weibchen vollgestopft war, mu�te er sich doch auf seinem Heimatplaneten pudelwohl f�hlen. Es entsprach nicht seinem Charakter, als Tourist einen Planeten zu besuchen, der fr�her den Kzinti geh�rt und dann von den Menschen annektiert, worden war.</p><p>Sollte er vielleicht erfahren haben, da� Louis Wu in Canyon lebte?</p><p>Er mu�te hier raus. Er mu�te die Klippe hinauf zu seinem Raumschiff.</p><p>Und so besch�ftigte sich Louis Wu jetzt mit dem Mechanismus der Schaltuhr an seinem Wonnestecker, arbeitete mit winzigen Werkzeugen an winzigen Schaltkreisen, die er durch eine Lupe betrachtete. Seine H�nde machten ihn nerv�s. Sie wollten nicht stillhalten. Aber die Schaltzeiten mu�ten auf jeden Fall ver�ndert werden, da er beabsichtigte, Canyon und seinen Siebenundzwanzig-Stunden-Tag hinter sich zu lassen. Er wu�te, wohin er fliegen w�rde. Es gab noch einen Planeten im menschlichen Universum, dessen Oberfl�che zum gr��ten Teil aus einer �den Kraterlandschaft bestand. Er konnte mit seinem Raumschiff unbemerkt in Vakuum auf der westlichen Hemisph�re von Jinx landen. und bereits <emphasis>jetzt</emphasis> seinen Wonnestecker auf die neuen Verh�ltnisse einstellen. und sich <emphasis>auch jetzt</emphasis> ein paar Stunden unter Strom setzen, um sich Mut zu holen f�r dieses Abenteuer. Es war alles ganz vern�nftig �berlegt. Er stellte den Wecker so ein, da� er nach zwei Stunden abschaltete.</p><empty-line/><p>Fast zwei Stunden vergingen, ehe der n�chste Eindringling in seiner Wohnung auftauchte. Ganz vertieft in seiner Verz�ckung h�tte sich Louis auf keinen Fall in seiner Trance st�ren lassen. Zudem war der Eindringling diesmal ein angenehmer Besuch.</p><p>Das Wesen stand fest auf einem Hinterbein und zwei weit auseinandergesetzten Vorderbeinen. Zwischen den Schultern erhob sich ein dicker H�cker: das Gehimgeh�use, bedeckt von einer dichten, goldfarbenen M�hne, die in Locken gedreht und mit Edelsteinen geschm�ckt war. Zwei lange, bewegliche H�lse wuchsen zu beiden Seiten aus diesem H�cker heraus, die in einem flachen Kopf endeten. Die gummiartigen Lippen der beiden M�nder dienten den Puppetiers als Greifwerkzeuge. Im Augenblick hielt er in einem Mund einen Bet�ubungsstrahler irdischer Provenienz�� eine lange, gegabelte Zunge hatte sich um den Abzug gewickelt.</p><p>Louis Wu hatte seit zweiundzwanzig Jahren keinen Pierson-Puppetier mehr gesehen. Er hielt diese Wesen f�r reizende Gesch�pfe.</p><p>Und das Wesen schien aus dem Nichts gekommen zu sein. Louis hatte genau gesehen, wie es pl�tzlich mitten auf seinem gelben Grasteppich materialisierte. Er hatte sich grundlos Sorgen gemacht. Die ARM hatte nichts mit seinem Erscheinen zu tun. Das R�tsel der beiden ersten Eindringlinge war gel�st.</p><p>�Transportscheiben!� rief Louis wonnetrunken aus. Er warf sich auf den Eindringling. Diesmal w�rde es ein Kinderspiel sein. Puppetiers waren erkl�rte Feiglinge.</p><p>Der Bet�ubungsstrahler gl�hte orangefarben auf. Louis Wu st�rzte auf den Teppich, und alle seine Muskeln waren weich wie Wachs. Sein Herz schlug m�hsam. Schwarze Kreise bildeten sich vor seinen Augen.</p><p>Der Puppetier stieg vorsichtig �ber die beiden Leichen hinweg. Er blickte aus zwei verschiedenen Richtungen auf Louis hinunter. Dann griff das Wesen nach ihm. Vier Reihen von flachen Z�hnen klammerten sich um seine Handgelenke, doch nicht so fest, da� es wehtat. Der Puppetier zog ihn �ber den Teppich und lie� ihn dann wieder fallen.</p><p>Die Wohnung verschwand.</p><p>Man konnte nicht sagen, da� sich Louis Wu vielleicht jetzt Sorgen gemacht h�tte. Er hatte �berhaupt keine unangenehmen Empfindungen. In absoluter Gem�tsruhe (der von dem elektrischen Feld ausgel�ste Wonnezustand verlieh zugleich ein Abstraktionsverm�gen, das Sterblichen sonst verwehrt war) nahm er eine Korrektur an seinem Weltbild vor.</p><p>Er hatte das System der Transportscheiben auf der Heimatwelt der Puppetiers kennengelernt. Es war ein offenes Teleportationssystem, das dem Verkehrsmittel auf den irdischen Welten in geschlossenen Kabinen weit �berlegen war.</p><p>Offenbar hatte ein Puppetier eine Transportscheibe in Louis' Wohnung eingebaut; und zuerst zwei Canyoniten vorausgeschickt, um ihn zu entf�hren. Als dieser Versuch fehlschlug, war er selbst gekommen. Die Puppetiers verlangten offenbar dringend nach ihm.</p><p>Das war doppelt beruhigend. Die ARM hatte offensichtlich nichts damit zu tun. Und die Puppetiers konnten auf eine Tradition des Friedens zur�ckblicken, die sich seit einer Million Jahre bew�hrt hatte. Sie lebten nach dem Grundsatz einer aufgekl�rten Feigheit. Deshalb trachteten sie ihm bestimmt nicht nach dem Leben. Sie h�tten ihn risikolos und billig t�ten k�nnen.</p><p>Er lag immer noch auf der gelben Grasmatte. Der Puppetier mu�te ihn an der Stelle des Teppichs abgeladen haben, unter der die Transportscheibe versteckt gewesen war. Auf der anderen Seite des Raumes konnte er jetzt ein riesiges mit orangefarbenem Fell �berzogenes Kissen erkennen. nein, es war ein Kzin, der mit offenen Augen auf dem Teppich lag, entweder gel�hmt oder tot�� auch ein alter Bekannter, der �Dolmetscher�. Louis freute sich �ber ihr Wiedersehen.</p><p>Sie befanden sich in einem Raumschiff, einer General-Product-Zelle. Hinter den durchsichtigen W�nden wurde das grelle, nicht durch eine Atmosph�re getr�bte Sonnenlicht von einem scharfkantigen Felsen reflektiert. Eine gr�nviolette Verf�rbung auf dem Stein, der mit Flechten bewachsen war, verriet ihm, da� er sich immer noch auf Canyon befand.</p><p>Immer noch kein Grund zur Sorge.</p><p>Der Puppetier gab seine Handgelenke wieder frei. Ornamente glitzerten in seiner M�hne: keine in der Natur vorkommenden Edelsteine, sondern etwas K�nstliches, das ihn an schwarze Opale erinnerte. Ein flacher hirnloser Kopf beugte sich zu ihm hinunter und zog ihm den Wonnestecker aus dem Sch�del. Dann trat der Puppetier auf eine rechtwinklige Platte und verschwand mit Louis' Wonnestecker.</p></section><section><title><p>2. Press Gang</p></title><p>Die Augen des Kzin hatten ihn schon eine Weile lang beobachtet. Nun r�usperte sich die bet�ubte Riesenkatze und fauchte dann: �Looii Wuu.�</p><p>�Ja�, erwiderte Louis. In seinem deprimierten Zustand hatte er daran gedacht, sich selbst umzubringen, aber dazu fehlte ihm jedes Mittel. Er konnte ja kaum einen Finger bewegen.</p><p>�Louis, bist du wonnes�chtig?�</p><p>�Hmm, hmm�, erwiderte Louis, um Zeit zu gewinnen. Es half. Der Kzin bem�hte sich nicht mehr um ihn. Und Louis, dessen <emphasis>ganze</emphasis> Sorge der Wonnestecker war, den man ihm weggenommen hatte�� Louis folgte einem alten Reflex. Er blickte sich um, ob seine �u�ere Lage genauso schlimm war wie seine innere Verfassung.</p><p>Das Sechseck der Grasmatte unter ihm markierte den Transportscheiben-Empf�nger. Ein schwarzer Kreis vor ihm mu�te der Sender sein. Abgesehen von der Grasmatte war der Boden durchsichtig. Auch der Rumpf an Backbord und das Achterschott.</p><p>Unter dem Boden befand sich der Hyperdrive-Shunt-Motor, der sich fast �ber die ganze L�nge des Rumpfes erstreckte. Louis mu�te sich erst wieder klarmachen, wie das Ding funktionierte. Der Motor war keine iridsche Konstruktion; er hatte dieses verschwommene Aussehen, das so typisch war f�r die Puppetier-Erzeugnisse. Er glich einer halb geschmolzenen Riesenkerze. Jedenfalls war dieses Raumschiff schneller als das Licht. Offenbar sollte es eine weite Reise werden.</p><p>Hinter dem Achterschott sah Louis einen Gep�ckraum mit einer gewundenen Luke an der linken Seite. Der Frachtraum war fast vollkommen von einem schiefen Kegel ausgef�llt, der ungef�hr zehn Meter hoch und fast doppelt so lang war. Die Spitze des Kegels hatte Luken f�r Waffen und/oder Ortungsger�te. Unter dem Turm befand sich ein Panoramafenster. Noch eine Etage tiefer eine Luke, die sich beim �ffnen zu einer Rampe auseinanderfaltete.</p><p>Dieses kegelf�rmige Ding war ein Landefahrzeug, ein Raumaufkl�rer. Ein irdisches Produkt, dachte Louis, und ein handels�bliches Modell. Es hatte klare Linien, nicht die verschwommenen Konturen wie der Raumschiffantrieb. Hinter dem Landefahrzeug entdeckte er eine silbergl�nzende Wand, vermutlich ein Treibstofftank.</p><p>Bisher hatte er noch keine T�r in seiner Kabine entdecken k�nnen.</p><p>Mit einiger M�he legte Louis seinen Kopf auf die andere Seite. Nun sah er das Vorschiff mit dem Kommandostand. Ein gro�er Teil der Schiffswand war dort gr�nlich eingef�rbt, aber er vermochte doch dahinter die gew�lbte Wand mit den Monitoren auszumachen, die Me�skalen mit den winzigen Zahlen darauf, und die Bedienungshebel, die mundgerecht f�r einen Puppetier geformt waren. Der Pilotensitz war eine gepolsterte Bank mit Sicherheitsnetzen und den K�rperformen eines Puppetiers angepa�t. Im Querschott fehlte hier ebenfalls die T�r.</p><p>Auf der Steuerbordseite�� nun, wenigstens war ihre Kabine so gro�, da� man sich darin bewegen konnte. Er sah eine Dusche, Schlaf-Platten, einen Fell�berzug, der vermutlich zum Wasserbett des Kzin geh�rte, und dazwischen ein recht sperriges Ger�t, das Louis als Nahrungs-Aufbereiter identifizierte und das auf Wunderland hergestellt worden sein mu�te. Hinter den Betten entdeckte er wieder die gr�nlich schillernde Zellenwand und keine Luftschleuse. Sie befanden sich also in einer Schachtel ohne Ausg�nge.</p><p>Das Raumschiff selbst war ein Puppetier-Erzeugnis: ein General-Products-Rumpf, Mark 3�� ein unten etwas abgeflachter Zylinder, der rund auslief. Das Handelsimperium der Puppetiers hatte Millionen solcher Schiffszellen verkauft. Laut Werbung waren sie mit Ausnahme der Schwerkraft und des sichtbaren Lichtes vor allen im Weltall drohenden Gefahren sicher. Als Louis Wu auf die Welt kam, waren die Puppetiers auf der Flucht aus dem bekannten Universum und steuerten die Magellanschen Wolken an. Jetzt, mehr als zweihundert Jahre sp�ter, sah man die General-Products-Schiffsr�mpfe immer noch auf allen Raumflugh�fen. Manche hatten schon ein Dutzend Generationen von Besitzern �berlebt.</p><p>Vor zweiunddrei�ig Jahren war das von den Puppetiers gebaute Raumschiff <emphasis>Liar</emphasis> auf der Oberfl�che der Ringwelt notgelandet und hatte mit einer Geschwindigkeit von siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde aufgesetzt. Ein Stasisfeld hatte Louis und die anderen Passagiere bei diesem enormen Aufprall gesch�tzt�� und die Au�enhaut des Raumschiffes hatte nicht einmal einen Kratzer davongetragen.</p><p>�Du bist ein Kzin-Krieger�, sagte Louis. Seine Lippen waren geschwollen und pelzig. �Kannst du ein Loch in die Wand einer General-Products-Schiffszelle schlagen?�</p><p>�Nein�, sagte der Dolmetscher. (<emphasis>Nicht</emphasis> Dolmetscher. <emphasis>Chmeee!</emphasis>)</p><p>Es lohnte sich trotzdem, diese Frage zu stellen. �Chmeee, was suchst du �berhaupt auf Canyon?�</p><p>�Ich erhielt eine Botschaft. Louis Wu lebt als Wonnestrom-S�chtiger im Canyon von �Speerspitze�. Hologramme waren als Beweisst�cke dem Schreiben beigelegt. Wei�t du, wie du aussiehst, wenn du unter Strom stehst? Wie eine Meerespflanze, die sich willenlos in der Str�mung bewegt.�</p><p>Louis sp�rte, wie die Tr�nen �ber seinen Nasenr�cken liefen. �Tanj! Dieser Zustand ist grausam. Warum bist du hierhergekommen?�</p><p>�Ich wollte dir sagen, was f�r ein nutzloses Wesen du geworden bist.�</p><p>�Wer schickte dir die Botschaft?�</p><p>�Keine Ahnung. Es mu� der Puppetier gewesen sein. Er wollte uns alle beide. Louis, ist dein Verstand schon so gest�rt, da� dir nicht aufgefallen ist.�</p><p>�.da� dieser Puppetier nicht Nessus ist? Durchaus. Aber hast du bemerkt, war f�r eine gepflegte M�hne er hat? Er braucht mindestens eine Stunde pro Tag, um sich die Locken aufzudrehen. Wenn ich einem so pr�chtig aufgeputztem Gesch�pf auf der Welt der Puppetiers begegnete, w�rde ich meinen, er nimmt einen hohen Rang ein.�</p><p>�Und?�</p><p>�Kein vern�nftiger Puppetier w�rde sein Leben in einem Raumschiff riskieren. Deswegen sind die Puppetiers ja auch mit ihrem Heimatplaneten und ihren vier landwirtschaftlichen Satelliten gefl�chtet; ihre Reise wird mindestens ein paar hunderttausend Jahre dauern, da sie sich langsamer als das Licht durch den Weltraum bewegen. Sie kriechen durch das Universum, weil sie ihr Leben keinem Raumschiff anvertrauen wollen. Also mu� dieser Puppetier verr�ckt sein wie alle seine Artgenossen, die sich mit menschlichen Wesen einlassen. Folglich ist es ein unberechenbares Individuum�, sagte Louis Wu. �Immerhin ist er ins Raumschiff zur�ckgekehrt.�</p><p>Der Puppetier stand auf einer sechseckigen Transportscheibe auf dem Kommandodeck und beobachtete sie durch das durchsichtige Querschott. Er sprach mit einer Frauenstimme, einem wohlklingendem Alt: �K�nnen Sie mich h�ren?�</p><p>Chmeee rollte von der Wand weg, w�lbte den R�cken und sprang auf den Puppetier los. Er rollte mit einem ekelhaften Ger�usch vom Querschott ab. Jeder andere Puppetier h�tte vor Schreck die K�pfe eingezogen, aber dieser nicht. Er sagte mit seiner melodischen Altstimme: �Unsere Mannschaft ist fast vollst�ndig. Es fehlt nur noch ein Besatzungsmitglied.�</p><p>Louis nahm seine ganze Kraft zusammen und rollte sich auf den Bauch. �Vielleicht k�nnten Sie etwas weiter ausholen. Wir sind in einer Schachtel eingesperrt. Sie haben es also nicht n�tig, uns etwas zu verheimlichen. Wer sind Sie?�</p><p>�Sie k�nnen mir jeden beliebigen Namen geben.�</p><p>�Was sind Sie? Wof�r ben�tigen Sie uns?�</p><p>Der Puppetier z�gerte. Dann sagte er: �Ich war der Hinterste auf meiner Heimatwelt und der Geschlechtspartner eines Puppetiers, den Sie unter dem Namen Nessus kennen. Inzwischen bin ich beider Funktionen beraubt worden. Ich brauche Sie als Raumschiffbesatzung f�r eine zweite Expedition zur Ringwelt, um meinen fr�heren Status zur�ckzuerobern.�</p><p>Chmeee sagte: �Dazu geben wir uns nicht her.�</p><p>Louis fragte: �Geht es Nessus gut?�</p><p>�Ich danke Ihnen f�r Ihre freundliche Nachfrage. Nessus ist gesund an Geist und K�rper. Der Schock, den er auf der Ringwelt erlitten hat, war das richtige Heilmittel. Er hat ihn wieder zur Vernunft gebracht. Er ist zu Hause und h�tet unsere beiden Kinder.�</p><p>Jeder andere h�tte an Nessus' Stelle ebenfalls einen Schock davongetragen, dachte Louis. Die Bewohner der Ringwelt hatten ihm einen seiner beiden K�pfe abgeschnitten. Wenn Louis und Teela nicht sofort den Hals des Puppetiers mit einer Aderpresse abgebunden h�tten, w�re Nessus verblutet. �Vermutlich haben Sie ihm einen neuen Kopf aufgepflanzt.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>Chmeee sagte: �Ihre Gegenwart beweist, da� Sie verr�ckt sein m�ssen. Wie kommt es, da� Billiarden von wahlberechtigten Puppetiers einen Verr�ckten zu ihrem Herrscher bestimmen?�</p><p>�Ich betrachte mich nicht als einen Verr�ckten.� Das Hinterbein des Puppetiers bewegte sich nerv�s. (Seine beiden Gesichter waren vollkommen ausdruckslos. Seinen Schwachsinn h�tte man h�chstens an seinen beweglichen Lippen ablesen k�nnen.) �Bitte unterlassen Sie in Zukunft solche Bemerkungen. Ich habe meiner Rasse nach besten Kr�ften gedient, und das gleiche gilt f�r meine vier Vorg�nger. Doch dann kam die Konservative Partei an die Macht und setzte uns ab. Ihre Politik ist falsch. Ich werde es beweisen. Wir reisen zur Ringwelt und entdecken dort Sch�tze, die diese Kleinkr�mer sich nicht einmal vorstellen k�nnen.�</p><p>�Aber Sie haben einen Fehler dabei gemacht�, fauchte Chmeee. �Sie haben einen Kzin gekidnappt.� Er fuhr seine langen Krallen aus.</p><p>Der Puppetier betrachtete sie hinter dem durchsichtigen Querschott. �Sie w�ren nicht freiwillig gekommen. Louis ebenfalls nicht. Sie haben beide einen Status und einen Namen. Louis hatte dazu noch seinen Wonnestecker. Unser viertes Besatzungsmitglied war eine Gefangene. Meine Agenten meldeten, da� sie jetzt wieder frei ist und auf dem Weg hierher.�</p><p>Louis lachte bitter. Jeder Humor war bitter ohne seinen Wonnestecker. �Sie haben wohl nicht sehr viel Phantasie, nicht wahr? Es wird keine neue Expedition, sondern die Kopie der ersten. Ich, Chmeee, ein Puppetier und eine Frau. Wer ist diese Frau? Etwa Teela Brown?�</p><p>�Nein! Nessus hatte entsetzliche Angst vor Teela Brown�� begr�ndete Angst meiner Meinung nach. Ich habe Halrloprillalar aus den F�ngen der ARM befreit. Nun steht also eine Eingeborenen der Ringwelt als F�hrer zur Verf�gung. Und was den Charakter unserer Expedition angeht��warum sollte ich eine erfolgreiche Strategie aufgeben? Sie beide sind heil und gesund aus der Ringwelt entronnen.�</p><p>�Aber Teela nicht.�</p><p>�Teela blieb freiwillig zur�ck.�</p><p>Der Kzin sagte: �Damals wurden wir f�r unsere Dienste bezahlt. Wir brachten ein Raumschiff nach Hause, das die Entfernung eines Lichtjahres in eins komma f�nfundzwanzig Minuten �berbr�cken kann. Dieses Schiff brachte mir meinen Namen und meinen Status ein. Was k�nnen Sie uns jetzt f�r einen vergleichbaren Lohn bieten?�</p><p>�Eine Reihe von Dingen. K�nnen Sie sich jetzt bewegen, Chmeee?�</p><p>Der Kzin stand auf. Er schien die l�hmende Wirkung des Bet�ubungsstrahles vollkommen �berwunden zu haben. Louis hatte immer noch Sehst�rungen, und seine Glieder waren ohne Gef�hl.</p><p>�Sind Sie gesund? Sp�ren Sie einen Schwindel, Kopfweh oder einen Brechreiz?�</p><p>�Was sollen diese Fragen, Wurzelfresser? Sie haben mich doch �ber eine Stunde lang im Autodoc behandelt. Die Koordination meiner Reflexe l��t noch zu w�nschen �brig. Au�erdem habe ich Hunger. Sonst ist alles in Ordnung mit mir.�</p><p>�Sehr gut. Die Substanz zeigt also Wirkung. Damit haben Sie bereits Ihren Lohn als Vorauszahlung erhalten, Chmeee. Boosterspice hat Louis Wu zweihundertdreiundzwanzig Jahre lang jung und stark erhalten. Mein Volk hat eine analoge Verj�ngungsdroge f�r die Kzinti entwickelt. Sie bekommen die chemische Formel der Droge als Geschenk f�r das Patriarchat der Kzinti, wenn unsere Mission beendet ist.�</p><p>Chmeee war wie von den Socken. �Ich werde wieder jung?� Dieses Zeug steckt schon in meinem K�rper?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir h�tten selbst so eine Droge entwickeln k�nnen. Aber wir wollten sie nicht haben.�</p><p>�Aber ich brauche einen jungen und starken Kzin, Chmeee. Obwohl unsere Mission nicht besonders gef�hrlich sein wird. Ich beabsichtige auf dem Raumhafen-G�rtel zu landen, nicht auf dem inneren Ring des Kunstplaneten. Wir werden alle Entdeckungen gemeinsam ausbeuten, gemeinsam verwerten. Auch f�r Sie habe ich jetzt schon eine Belohnung, Louis.�</p><p>Und dann wie durch Zauberhand, erschien Louis Wus Wonnestecker auf der Transportscheibe in der Kabine. Das Geh�use war ge�ffnet und wieder versiegelt worden. Louis' Herz machte einen Satz.</p><p>�La� das Ding noch liegen�, fauchte Chmeee.</p><p>�Okay. Hinterster, wie lange haben Sie mich beobachten lassen?�</p><p>�Vor f�nfzehn Jahren entdeckten wir Sie in Canyon. Meine Agenten waren bereits auf der Erde und versuchten Halrloprillalar aus dem Gef�ngnis zu befreien. Sie hatten allerdings wenig Erfolg damit. Ich lie� Transportscheiben in Ihrer Wohnung einbauen und wartete auf den richtigen Zeitpunkt. Ich werde jetzt unseren einheimischen F�hrer in das Raumschiff holen.� Der Puppetier bewegte die Lippen �ber der Instrumentenkonsole, machte einen Schritt vorw�rts und war verschwunden.</p><p>�Verwende ja nicht den Wonnestecker�, sagte Chmeee.</p><p>�Jawohl, Eure Hoheit.� Louis drehte ihm den R�cken zu. Er wu�te, da� er vollkommen den Verstand verloren hatte, falls er wegen dieses Wonnesteckers einen Kzin angreifen w�rde. Jedenfalls w�rde die Expedition auch ihre angenehmen Seiten haben. Er klammerte sich an diesen Gedanken.</p><p>Aber f�r Halrloprillalar w�rde er nichts tun k�nnen.</p><p>Halrloprillalar was schon ein paar tausend Jahre alt gewesen, als sie sich Louis, Nessus und dem Kzin-Dolmetscher anschlo� auf ihrer Suche nach einer M�glichkeit, die Ringwelt wieder zu verlassen. Die Eingeborenen, die unter ihrer schwebenden Polizeistation wohnten, hatten sie verehrt wie eine G�ttin, die den Himmel bewohnte. Die ganze Raumschiffbesatzung hatte dieses Spiel mitgemacht. Sie hatten sich mit Halrloprillalars Hilfe als G�tter vor den Eingeborenen ausgegeben. Auf diese Weise gelang es ihnen, unbehelligt zu ihrem besch�digten Raumschiff, der <emphasis>Liar</emphasis> zur�ckzukehren. Und unterwegs hatte sie sich in Louis verliebt.</p><p>Die Eingeborenen der Ringwelt�� jedenfalls die drei arttypischen Familien, denen die Raumschiffbesatzung begegnet war�� waren mit der Menschheit verwandt, wenn auch nicht identisch. Halrloprillalar war fast vollkommen kahl gewesen und ihren Lippen so flach wie bei einem Affen. Manchmal suchen die hundertj�hrigen nur Abwechslung in ihren Liebesaff�ren. Louis hatte sich gefragt, ob das auch f�r ihn zutraf. Er hatte sich in Prill verliebt, obwohl ihm ihre Charakterfehler bewu�t gewesen waren. aber, tanj, er sollte lieber vor seiner eigenen T�r kehren!</p><p>Und Halrloprillalar war ihm h�rig gewesen. Sie hatten ihre Hilfe gebraucht, und Nessus hatte einen f�r Puppetiers typischen Zwang auf sie ausge�bt. Nessus hatte sie mit einer Lustgeisel gez�hmt�� mit dem Tasp. Louis hatte ihn gew�hren lassen.</p><p>Sie war mit Louis in das irdische Universum zur�ckgekehrt. Sie hatte mit ihm das UN-Geb�ude in Berlin besucht und es nie mehr verlassen. Wenn der Hinterste sie jetzt aus ihrem Gef�ngnis befreien und auf ihren Heimatplaneten zur�ckbringen konnte, hatte er mehr f�r sie getan als Louis Wu f�r sie h�tte tun k�nnen.</p><p>Chmeee sagte: �Meiner Meinung nach bel�gt uns der Puppetier. Er leidet an Gr��enwahn. Eine so intelligente Rasse wie die Puppetiers w�rde sich nie von einem Verr�ckten regieren lassen.�</p><p>�Weshalb nicht? Als Feiglinge scheuen sie das Risiko. Das Regieren ist ein sehr hohes Risiko. Hat nicht fr�her der Kopf der gekr�nten H�upter sehr locker auf ihrem Hals gesessen? Es w�re nur logisch, wenn die Puppetiers sich den Intelligentesten aus einer kleinen Gruppe von Gr��enwahnsinnigen als Herrscher erw�hlen. Oder betrachte es einmal von der anderen Seite: Eine lange Reihe von Hintersten unterwies die �brige Bev�lkerung in der Kunst, seine K�pfe bedeckt zu halten�� nicht nach zuviel Macht zu streben, weil das gef�hrlich ist. Beide M�glichkeiten sind denkbar.�</p><p>�Du glaubst, er sagt uns die Wahrheit, Louis?�</p><p>�Bisher wissen wir noch nicht genug. Und wenn er uns bel�gt? Er hat uns in seiner Gewalt.�</p><p>�Er hat dich in seiner Gewalt�, sagte der Kzin. �Er hat dich am Wonnestrom. Warum sch�mst du dich eigentlich nicht?�</p><p>Louis sch�mte sich. Er k�mpfte gegen sein Schamgef�hl, damit es nicht seinen Verstand blockierte und ihn vollends in tiefste Verzweiflung trieb. Er war in dieser Zelle eingeschlossen: die W�nde, der Boden und die Decke waren Bestandteil eines General-Products-Rumpfes. Aber es gab Elemente.</p><p>�Wenn du immer noch daran denkst, aus diesem Gef�ngnis auszubrechen�, sagte Louis, �dann �berlege dir folgendes. Du wirst doch jetzt j�nger. In diesem Punkt wird er dich kaum belogen haben. Das h�tte keinen Sinn. Was passiert, wenn du j�nger wirst?�</p><p>�Mein Appetit wird gr��er. Mehr Ausdauer. Eine gr��ere Streitlust, weswegen du dich eigentlich eher in acht nehmen m��test, Louis.�</p><p>Chmeee hatte mit den Jahren auch an Gewicht zugelegt. Die schwarzen �Brillenr�nder� um seine Augen waren fast grau geworden, auch sonst entdeckte man �berall in seinem Fell die Silberf�den. Harte Muskeln zeichneten sich unter dem Fell ab, wenn er sich bewegte. Kein vern�nftiger junger Kzin w�rde sich mit ihm anlegen. Aber die vielen Narben verrieten sein Alter. Der Pelz und mehr als die H�lfte von Chmeees Haut waren bei ihrer ersten Expedition zur Ringwelt verbrannt worden. Dreiundzwanzig Jahre sp�ter war das Fell wieder gewachsen, noch d�rftig, unregelm��ig und mit kahlen Stellen dazwischen.</p><p>�Mit der Verj�ngungsdroge heilen auch deine Narben ab�, sagte Louis. �Dein Pelz wird wieder glatt und dicht werden. Auch die wei�en Stellen werden verschwinden.�</p><p>�Nun, dann wird ja mein Aussehen besser.� Der Schwanz peitschte die Luft. �Ich mu� diesen Laubfresser t�ten. Narben sind wie Erinnerungen. Narben sind f�r uns Ehrenabzeichen.�</p><p>�Wie wirst du beweisen k�nnen, da� du Chmeee bist, wenn du wieder nach Hause kommst?�</p><p>Der Schwarze hielt wieder still.</p><p>Chmeee sah ihn an.</p><p>�Er hat mich mit dem Wonnestromstecker an die Kette gelegt�, sagte Louis. Er sprach es z�gernd aus. Schlie�lich konnten sie von einem Mikrofon �berwacht werden. Ein Puppetier hatte selbstverst�ndlich Angst vor einer Meuterei. �Und dich hat er ebenfalls unter der Fuchtel. Mit deinem Harem, deinen L�ndereien, deinen Privilegien und dem Namen, der Chmeee, dem alternden Helden, geh�rt. Der Patriarch wird dich wahrscheinlich f�r einen L�gner halten�� f�r eine ganz andere Person��, wenn du ihm nicht die Formel der Verj�ngungsdroge vorweisen kannst, die der Hinterste dir einfl��te.�</p><p>�Sei still!�</p><p>Pl�tzlich war es Louis Wu zuviel. Er griff nach dem Wonnestecker, und der Kzin sprang los. Chmeee drehte das schwarze Plastikgeh�use in einer schwarzorangefarbenen Pfote.</p><p>�Kann mir auch recht sein�, sagte Louis und warf sich auf den R�cken. Nach seinem alten Schaltuhr-Plan h�tte jetzt sowieso seine Ruhezeit begonnen.</p><p>�Wie bist du s�chtig geworden? Wie?�</p><p>�Ich? Das kannst du nur verstehen, wenn du dich an unser letztes Zusammensein erinnerst.�</p><p>�Nichts leichter als das. Wenige Menschen sind bisher auf unseren Heimatplaneten eingeladen worden. Und damals verdientest du diese Ehrung.�</p><p>�Vielleicht, vielleicht. Erinnerst du dich, wie du mir das Haus der Patriarchen gezeigt hast?�</p><p>�Ja. Du versuchtest mir deine Vorstellungen zu verkaufen, wie man die Beziehungen zwischen unseren beiden Rassen verbessern k�nnte. Du sagtest, wir brauchten nur einem menschlichen Reporterteam die Genehmigung zu erteilen, in unserem Museum mit Holokameras Aufnahmen zu machen.�</p><p>Louis l�chelte, als er daran zur�ckdachte. �Das stimmt.�</p><p>�Ich hatte meine Zweifel.�</p><p>Das Haus der Patriarchen war gro�artig und weitl�ufig: ein riesiger Geb�udekomplex, aus dicken Quadern vulkanischen Gesteins, die an den Kanten verschwei�t waren. Alles in diesem Geb�ude war eckig und kantig, und die vier hohen Eckt�rme des Palastes waren mit Laserkanonen best�ckt. Die R�ume reihten sich endlos aneinander. Chmeee hatte zwei Tage gebraucht, um Louis alles zeigen zu k�nnen.</p><p>Die offizielle Abstammung des Patriarchen ging bis in die graue Vorzeit zur�ck. Louis hatte uralte Sthondat-Schenkelknochen gesehen, griffig zurechtgeschnitzt, damit sie von den Steinzeit-Kzinti als Keulen verwendet werden konnten. Er hatte Waffen gesehen, die man als Handkanonen bezeichnen konnte; sie waren so schwer, da� ein Mensch sie wohl kaum vom Boden zu l�pfen vermochte. Er hatte eine mit Silber ausgelegte R�stung besichtigt, die so dick war wie die T�r eines Geldschrankes. Und ein Zweih�nder-Schwert, mit dem man eine kalifornische Riesenf�hre mit einem Streich h�tte f�llen k�nnen. Da war ihm die Idee gekommen, da� man ein menschliches Kamerateam hierher schicken sollte, als er auf den ausgestopften Harvey Mossbauer stie�.</p><p>Harvey Mossbauers Familie war im Vierten Menschheits-Kzin-Krieg get�tet und aufgefressen worden. Viele Jahre nach dem Waffenstillstand und nach umfangreichen Vorbereitungen war Mossbauer schwer bewaffnet alleine auf dem Heimatplaneten der Kzin gelandet. Er hatte vier erwachsene Kzinti umgebracht und eine Bombe im Harem des Patriarchenpalastes gez�ndet, ehe die Wachen ihn �berw�ltigen und t�ten konnten.</p><p>Sie hatten seine Haut unbesch�digt haben wollen, erkl�rte ihm damals Chmeee, und das hatte ihren Kampfeswillen beeintr�chtigt.</p><p>�Das nennst du eine unbesch�digte Haut?�</p><p>�Aber er k�mpfte wie ein L�we! Wir haben Tonbandaufzeichnungen davon im Archiv. Wir wissen, wie man einen tapferen und m�chtigen Feind ehren mu�, Louis.�</p><p>Die ausgestopfte Haut war aus so vielen Einzelst�cken zusammengesetzt, da� man das Museumst�ck zweimal genau ansehen mu�te, ehe man es als menschliches Wesen wiedererkannte. Doch es hatte einen hohen Denkmalsockel bekommen mit einer Widmungstafel aus Metall und den ganzen Raum f�r sich allein. M�glicherweise h�tte ein gew�hnlicher menschlicher Reporter die Ausstellung dieses zusammengest�ckelten ausgestopften Mossbauer nicht verstanden, aber Louis erfa�te sofort den tieferen Sinn. Jetzt, zwanzig Jahre sp�ter, sagte er als entf�hrter S�chtiger nachdenklich: �Ja, f�r mich war es damals ein erhebendes Gef�hl, da� dieser ausgestopfte Mossbauer ein Mensch gewesen ist.�</p><p>�Es ist gut, sich zu erinnern, aber wir reden jetzt von der Gegenwart. Von deiner Sucht.�</p><p>�Gl�ckliche und zufriedene Leute werden nicht zu Wonnestrom-S�chtigen. Man mu� sich einer Operation unterziehen, ehe man den Stecker in seinem Kopf befestigen kann. Ich f�hlte mich wohl damals in dem Museum. Ich kam mir wie ein Held vor. Wei�t du, wo Halrloprillalar sich damals aufhielt?�</p><p>�Wo?�</p><p>�Die Regierung hatte sie kassiert. Die ARM. Sie hatten endlose Listen von Fragen f�r sie vorbereitet. Verdammt, ich konnte es nicht verhindern, da� man sie in Gewahrsam nahm. Ich hatte f�r sie geb�rgt, sie auf die Erde gebracht.�</p><p>�Sie hatte Gewalt �ber deine Dr�sen, Louis. Es ist von gro�em Vorteil, da� die Weibchen der Kzinti einer primitiveren Entwicklungsstufe angeh�ren. Du h�ttest alles getan, was sie von dir verlangte, und du warst ihr h�rig. Sie wollte das menschliche Universum besichtigen.�</p><p>�Nat�rlich. Und ich sollte ihr eingeborener F�hrer sein. Aber dazu kam es nicht. Chmeee, wir brachten die <emphasis>Long Shot</emphasis> und Halrloprillalar nach Hause. Wir �bergaben unsere Mitbringsel unseren miteinander verb�ndeten Regierungen, und seither haben wir sie nicht mehr gesehen. Wir durften nicht einmal mehr davon reden.�</p><p>�Der Quantum-II-Hyperantrieb wurde zum Staatsgeheimnis der Patriarchie erkl�rt.�</p><p>�Es ist auch ein Staatsgeheimnis der Vereinten Nationen. Ich bezweifle sogar, da� die anderen Regierungen des menschlichen Universums in dieses Geheimnis eingeweiht wurden. Und sie sch�rften mir ein, da� ich nicht dar�ber sprechen d�rfte. Selbstverst�ndlich geh�rte auch die Ringwelt zu diesem Staatsgeheimnis, denn wie h�tten wir ohne dieses geheime Raumfahrzeug, ohne die <emphasis>Long Shot</emphasis>, �berhaupt dort hinkommen k�nnen? Und deshalb wundere ich mich�, fuhr Louis fort, �wie sich der Hinterste die Reise zur Ringwelt vorstellt. Zweihundert Lichtjahre von der Erde entfernt�� noch weiter von Canyon�� und mit diesem Schiff schaffen wir ein Lichtjahr in drei Tagen. Glaubst du, er hat noch eine <emphasis>Long Shot</emphasis> irgendwo versteckt?�</p><p>�Du wirst mich nicht vom Thema ablenken k�nnen. Warum hast du dir ein Wonnestromnetz einpflanzen lassen?� Der Chmeee duckte sich und fuhr die Klauen aus. Vielleicht war es ein Reflex, eine Reaktion motorischer Nerven�� vielleicht.</p><p>�Ich verabschiedete mich von dir und flog wieder nach Hause�, sagte Louis. �Trotz aller Bitten lie� die ARM mich nicht zu Prill. Ja, wenn ich eine Expedition zur Ringwelt h�tte organisieren k�nnen, h�tte man sie mir als Dolmetscherin und Fremdenf�hrerin mitgegeben. Aber, tanj, dar�ber durfte ich doch nur mit der Regierung sprechen. und mit dir. Aber du hattest kein Interesse an der Expedition.�</p><p>�Wie h�tte ich mitkommen sollen? Ich hatte eben erst mein Lehen, einen Namen und einen Harem voll schwangerer Frauen bekommen. Die weiblichen Kzinti sind sehr schutzbed�rftig. Man mu� sie pflegen und darf sie w�hrend der Schwangerschaft nicht allein lassen.�</p><p>�Und was geschieht jetzt mit ihnen?�</p><p>�Mein �ltester Sohn wird sich um meine Liegenschaften und meinen Besitz k�mmern. Wenn ich ihn zu lange alleine lasse, wird er mit mir k�mpfen, um das, was er nur verwaltet, behalten zu k�nnen. Falls ich... <emphasis>Louis! Warum bist du ein Wonnestroms�chtiger geworden?</emphasis>�</p><p>�Irgendein Clown schlug mich mit der Lustgei�el!�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ich besichtigte ein Museum in Rio, als jemand, der sich, hinter einer S�ule versteckt hielt, mir den Tasp zu schmecken gab.�</p><p>�Aber Nessus hatte doch auch eine Lustgei�el bei sich, als wir zur Ringwelt flogen, um seine Besatzung unter Kontrolle behalten zu k�nnen. Er wendete sie gegen uns beide an.�</p><p>�Richtig. Und der Hinterste verwendet nun das gleiche Druckmittel. Er hat den Wonnestecker so manipuliert, da� er ihn mit einer Fernbedienung ein- und abschalten kann. Und dir hat er das Geschenk der ewigen Jugend gegeben. Zu welchem Zweck? Damit wir alles tun, was er uns anschafft.�</p><p>�Nessus verwendete auch die Lustgei�el gegen mich; trotzdem bin ich nicht s�chtig geworden.�</p><p>�Auch ich war das damals nicht. Aber ich konnte mein Ged�chtnis nicht abschalten. Ich kam mir vor wie eine Laus, wie ein Verr�ter, wenn ich an Prill dachte�� ich dachte an Urlaub, an eine Flucht ins Weltall. Das war meine Methode, eine Krise zu meistern; alleine mit einem Raumschiff bis zum Rand des bekannten Universums zu fliegen, bis ich den Anblick meiner Mitmenschen wieder zu ertragen vermochte. Bis ich mich selbst wieder ertragen konnte. Aber damit h�tte ich nur Prill noch mehr verraten. Und da stand dieser Clown hinter einer S�ule und schaltete die Lustgei�el ein. Ich sp�rte sie nur eine Sekunde lang, aber dieser Luststrom erinnerte mich an die Gei�el, mit der Nessus uns zur Vernunft brachte, und die war zehnmal st�rker als dieses Ding. Ich. str�ubte mich fast ein Jahr gegen die Versuchung, und dann lie� ich mir den Stromleiter implantieren.�</p><p>�Ich sollte dir den Draht wieder aus dem Kopf rei�en.�</p><p>�Das h�tte unangenehme Nachwirkungen zur Folge.�</p><p>�Und wie bist du in den Canyon von �Speerspitze� gekommen?�</p><p>�Nun, vielleicht war ich verr�ckt, aber ein K�rnchen Vernunft steckt trotzdem darin: Halrloprillalar verschwand f�r immer im Geb�ude der ARM. Und Louis Wu wurde s�chtig und wu�te nicht mehr, ob er seine Beherrschung verlor und irgendeinem strohk�pfigen Flachlandbewohner das Geheimnis der Ringwelt ausplauderte. Deshalb dachte ich, ich sollte lieber von der Erde fl�chten. Canyon ist ein Planet, auf dem man problemlos unentdeckt landen kann.�</p><p>�Vermutlich hatte der Hinterste das ebenfalls entdeckt.� �Chmeee, gib mir jetzt den Wonnestecker oder la� mich schlafen. Oder du bringst mich um.�</p><p>�Gut, dann schlafe lieber.�</p></section><section><title><p>3. Der Geist unter der Besatzung</p></title><p>Es war gut, wieder zwischen den Schlafplatten aufzuwachen, im freien Fall schwebend, bis Louis sich wieder erinnerte.</p><p>Chmeee nagte an einem rohen Knochen. Wunderland baute seine K�chen so, da� sie verschiedenartige Rassen mit Nahrungsmitteln versorgen konnten. Der Kzin unterbrach einen Moment seine Mahlzeit, um Louis mitzuteilen: �Alle Ger�te an Bord wurden von Menschen hergestellt. Oder sie h�tten wenigstens von Menschen hergestellt sein k�nnen. Sogar der Rumpf scheint mit auf einer irdischen Welt in Lizenz gebaut zu sein.�</p><p>Louis schwebte zwischen den Schlafplatten wie ein Embryo im Mutterleib�� mit geschlossenen Augen und angezogenen Knien. Aber seine Erinnerungen st�rmten jetzt wieder auf ihn ein. �Das Landefahrzeug scheint mir in stilistischer Hinsicht eher ein Erzeugnis der Jirodaner zu sein. In Lizenz gebaut, aber trotzdem auf Jinx. Und wie steht es mit deinem Bett? Ein Kzin-Bett?�</p><p>�Ein k�nstliches Bett. Es sieht nur so aus, als w�re es die echte Haut eines Kzin. Zweifellos wurde dieses Machwerk heimlich in die irdischen Welten transportiert, als ein Zeichen von schwarzem Humor. Ich h�tte den Herstellern mit Vergn�gen selbst die Haut abgezogen.�</p><p>Louis schaltete das Kondensatoren-Feld ab. Das beendete seinen Schwebezustand: Er wurde so sanft wie in einem Fahrstuhl hinuntergetragen.</p><p>Drau�en war es Nacht: Die scharfen Kontoren wei�er Sterne waren �ber ihm, und um ihn herum breitete sich eine Landschaft aus schwarzem Samt aus. Auch wenn er sich einen Raumanzug beschaffen konnte, h�tte er vielleicht den halben Planeten durchqueren m�ssen, ehe er wieder auf den Canyon stie�. Oder befand er sich gleich hinter diesem schwarzen Riff, das wie ein Messer in das Sternenlicht hinaufragte? Er wu�te es nicht.</p><p>Der Nahrungsaufbereiter hatte zwei Tasten, die eine mit einer Interworld-Inschrift, die andere mit den Symbolen der Heldensprache. Es gab auch getrennte Toiletten, die seitlich an den W�nden der Kabine angeordnet waren. Louis h�tte eine nicht so deutliche Trennung zwischen ihren verschiedenen Rassen bevorzugt. Er w�hlte auf der Scheibe des K�chenger�tes ein Fr�hst�ck. Hoffentlich war wenigstens der Speisenzettel reichhaltig.</p><p>Der Kzin fauchte: �Hast du au�er deinem leiblichen Wohl auch noch andere Interessen?�</p><p>�Sicher. Du brauchst nur auf den Boden der Kabine zu blicken.�</p><p>Der Kzin lie� sich auf die Knie fallen. �Hmmm. ja. Die Puppetiers haben diesen Hyperdrive-Shunt-Motor gebaut. Das mu� das Schiff sein, in dem der Hinterste von der Planetenflotte der Puppetiers fl�chtete.�</p><p>�Du hast die Transportscheiben vergessen. Die Puppetiers verwenden dieses Transportmittel nur auf ihrem eigenen Planeten. Bisher wenigstens. Doch dann tauchen pl�tzlich zwei menschliche Agenten auf dieser Scheibe in meinem alarmgesicherten Appartement auf.�</p><p>�Dann mu� der Hinterste sie gestohlen haben. Vermutlich auch das Schiff und die �brigen Ger�te. Vielleicht waren ihm die General-Products-Hersteller verpflichtet und halfen ihm aus der Patsche. Louis, ich glaube nicht, da� der Hinterste die Unterst�tzung einer politischen Partei hinter sich hat. Wir sollten lieber versuchen, die Flotte der Puppetiers zu erreichen.�</p><p>�Chmeee, wir m�ssen damit rechnen, da� hier Wanzen eingebaut sind.�</p><p>�Sollte ich wegen einem Pflanzenfresser meine Gedanken verleugnen?�</p><p>�Also gut. Betrachten wir die Sache n�chtern.� Die Depression, die ihn wieder �berkommen hatte, �u�erte sich als bitterer Sarkasmus. Und weshalb auch nicht? Chmeee hatte jetzt seinen Wonnestecker. �Ein Puppetier hatte sich erlaubt, Kzinti und Menschen zu kidnappen. Selbstverst�ndlich werden die ehrenwerten Puppetiers seines Heimatplaneten dar�ber entsetzt sein. W�rden sie uns dann gestatten, wieder auf die Erde oder in das Patriarchat zur�ckzukehren, damit wir unseren Artgenossen von dieser verbrecherischen Tat berichten? Zweifellos hat inzwischen das Patriarchat nicht geschlafen und sich m�chtig angestrengt, noch mehr Raumschiffe von der Long-Shot-Serie zu bauen. Die Flotte dieser Schiffe k�nnte die Puppetier-Planeten in etwa vier Stunden wieder einholen. Selbstverst�ndlich kostet es seine Zeit, bis man die Geschwindigkeit der beiden Flotten wieder angeglichen hat. Das bedeutet, man mu� drei Monate hinzurechnen bei einer Schwerkraft von drei g.�</p><p>�Es <emphasis>reicht</emphasis>, Louis!�</p><p>�Tanj, wenn du einen Krieg vom Zaun brechen willst, h�ttest du hier eine Chance! Hast du vergessen, was Nessus uns berichtete? Die Puppetiers manipulierten den Ersten Menschheits-Kzin-Krieg. Zu unseren Gunsten. Nun sag blo�, du h�ttest dieses Geheimnis f�r dich behalten.�</p><p>�Sprich nicht weiter davon!�</p><p>�Sicher. Nur ist mir gerade eingefallen.� Louis sprach besonders deutlich, weil er �berzeugt war, da� ihr Gespr�ch aufgezeichnet wurde�� �,da� du, der Hinterste und ich die einzigen Personen im bekannten Universum sind, die von dieser Schandtat der Puppetiers wissen. Dazu kommen noch die Leute, denen wir das im Vertrauen mitgeteilt haben.�</p><p>�Das bedeutet, der Hinterste w�re nicht todungl�cklich, falls wir auf der Ringwelt verlorengingen. Jetzt verstehe ich deinen Einwand. Aber der Hinterste wei� vielleicht gar nichts von der Indiskretion seines Geschlechtspartners.�</p><p>Er wird es sp�testens erfahren, wenn er das Band zur�ckspult, dachte Louis. Er fiel mit vorget�uschtem Hei�hunger �ber sein Fr�hst�ck her. Er hatte es nach Gesichtspunkten der Einfachheit, aber auch Reichhaltigkeit zusammengestellt: eine halbe Grapefruit, ein Schokoladen-Souffle, gekochte Moa-Br�stchen, Jamaika-Kaffee (aus blauen Bergbohnen) mit einem Schu� Schlagsahne obenauf. Das meiste davon war recht gut gelungen. Nur die Schlagsahne war nicht zufriedenstellend. Aber was sollte er zu den Moa-Br�stchen sagen? Ein Genetiker des vierundzwanzigsten Jahrhunderts hatte den Moa r�ckgez�chtet, wie er behauptete, und der Nahrungsspender hatte eine Imitation des r�ckgez�chteten Moas geliefert. Das Fleisch sah gut aus. Es schmeckte wie ein saftiger Fasan.</p><p>Aber das Fr�hst�ck war nichts im Vergleich zu seinen Wonnestrom-Sitzungen.</p><p>Er hatte sich inzwischen daran gew�hnt, den halben Tag mit Depressionen zu verbringen. Vermutlich war die Depression nur ein Kontrast zu den Wonneperioden. Louis vermutete, da� die Depression der Normalzustand der Menschheit war. Da� er zudem noch von einem verr�ckten Fremdwesen gefangen gehalten wurde, machte seine Depression nicht viel schlimmer.</p><p>Als er mit seinem Fr�hst�ck fertig war, warf er das schmutzige Geschirr in die Toilette. �Was verlangst du von mir, damit du mir den Wonnestecker wieder zur�ckgibst?� fragte er.</p><p>Chmeee fauchte: �Was hast du denn anzubieten?�</p><p>�Versprechen, die ich mit einem Ehrenwort abgebe. Und ein paar Pyjamas.�</p><p>Chmeees Schwanz schnitt durch die Luft. �Fr�her warst du mal ein recht zuverl�ssiger Kamerad. Und was wirst du jetzt sein, wenn ich dir den Wonnestecker zur�ckgebe? Eine vertrottelte Bestie. Ich behalte den Stecker.�</p><p>Louis begann mit seinen Frei�bungen.</p><p>Einh�ndige Liegest�tze waren bei einer halben Schwerkraft kein Problem. Aber einhundert Liegest�tze auf jeder Hand waren bereits eine Leistung. Die Kaj�te eignete sich nicht f�r gewisse �bungen. Zum Beispiel konnte er keine Weitspr�nge machen, wobei er die Zehen mit den Fingerspitzen ber�hren mu�te.</p><p>Chmeee beobachtete ihn neugierig. �Wie kann es dazu gekommen sein, da� der Hinterste seine B�rgerrechte verlor?�</p><p>Louis antwortete ihm nicht. Er hatte die Zehen unter die untere Schlafplatte geklemmt und ein Brett unter seine Waden. Er �bt das Aufsitzen in Zeitlupe.</p><p>�Und was hofft er eigentlich auf der Raumschiffseite der Ringwelt zu finden? Was fanden wir bei der ersten Expedition? Die Verz�gerungsringe sind viel zu schwer. Wir k�nnen sie weder abmontieren, noch mit dem Raumschiff fortbringen. Hat er vielleicht irgendein Instrument in den Raumschiffen der Ringwelt im Auge?�</p><p>Louis w�hlte zwei Moa-Schenkel. Er wischte das Fett ab und begann dann, mit ihnen zu jonglieren. Sie waren so gro� wie Holzkeulen. Der Schwei� lief ihm �ber Gesicht und die Arme.</p><p>Chmeees Schwanz zuckte �ber den Boden. Er legte seine gro�en rosenfarbenen Ohren zur�ck. Chmeee �rgerte sich. Aber das war sein Problem.</p><p>Im gleichen Moment materialisierte der Puppetier hinter einer undurchdringlichen, durchsichtigen Wand. Er hatte inzwischen seine M�hnentracht ver�ndert, die Opale gegen Glitzersteine ausgetauscht. Er betrachtete einen Moment seine beiden Gefangenen und sagte dann: �Sie werden jetzt Ihren Stecker brauchen. Louis.�</p><p>�Leider steht er mir nicht zur Verf�gung�, erwiderte Louis und h�rte auf, Gewichte zu stemmen. �Wo ist Prill?�</p><p>Der Puppetier sagte: �Chmeee, geben Sie Louis seinen Stecker zur�ck.�</p><p>�Wo ist Halrloprillalar?�</p><p>Ein m�chtiger, muskelbewehrter Arm in orangefarbenem Pelz legte sich quer vor Louis Hals. Louis schlug mit dem Bein aus, legte seine ganze Kraft hinein. Der Kzin grunzte nur. Mit ungewohnter Sanftheit dr�ckte er den Wonnestecker in den Kontakt auf Louis' Sch�del.</p><p>�Okay�, sagte Louis. Der Kzin lie� ihn wieder los und setzte sich auf seine Couch. Louis hatte bereits begriffen, was mit Prill geschehen sein mu�te. Erst jetzt kam ihm zu Bewu�tsein, wie sehr er sich nach ihr gesehnt hatte. sich gew�nscht h�tte, da� sie aus den Klauen der ARM befreit wurde. sie bei sich zu haben.</p><p>�Halrloprillalar ist tot. Meine Agenten haben mich absichtlich get�uscht�, sagte der Puppetier. �Sie wu�ten, da� die Eingeborene der Ringwelt schon seit achtzehn Standardjahren tot ist. Ich k�nnte jetzt hierbleiben, um die beiden in ihrem Versteck aufzust�bern; aber das k�nnte vielleicht noch einmal achtzehn Jahre dauern. Oder achtzehnhundert Jahre! Das Universum der Menschen ist zu gro�. Sie sollen das Geld behalten, das sie sich erschwindelt haben.�</p><p>Louis nickte l�chelnd. Er wu�te, da� ihn die Nachricht schmerzlich treffen w�rde, sobald er den Wonnestecker wieder entfernte. Er h�rte Chmeee fragen: �Woran, starb sie?�</p><p>�Sie hat die Verj�ngungsdroge nicht vertragen. Die Vereinten Nationen sind inzwischen der Meinung, da� sie doch, physiologisch betrachtet, kein Mensch sein konnte. Sie alterte sehr rasch. Ein Jahr und f�nf Monate lebte sie noch auf der Erde. Dann starb sie.�</p><p>�Schon tot�, dachte Louis laut. �Sie starb, als ich auf dem Planeten Kzin war.� Aber ganz zufrieden war er nicht mit der Auskunft des Puppetiers. �Sie hatte ihr eigenes Lebenselexier bei sich. Es war viel besser als unsere Verj�ngungsdroge. Wir hatten eine Flasche davon an Bord, als wir sie zur Erde brachten.�</p><p>�Es wurde gestohlen. Mehr wei� ich auch nicht.�</p><p>Gestohlen? Aber Prill h�tte doch niemals den Fu� auf eine Stra�e des Planeten Erde gesetzt, wo sie mit gew�hnlichen Dieben h�tte zusammenkommen k�nnen. Vielleicht hatten die Wissenschaftler der Vereinten Nationen den Flakon ge�ffnet, um das Elixier zu analysieren. Doch dazu h�tten sie nicht mehr ben�tigt als ein Mikrogramm. Vermutlich w�rde er die Wahrheit nie erfahren. Sie hatten jedenfalls alles Wissenswerte aus ihr herausgequetscht, bevor sie starb.</p><p>Es w�rde weht tun. Ganz sicher. Aber noch stand er unter dem Einflu� des Wonnesteckers.</p><p>�Wir werden sofort aufbrechen.� Der Puppetier setzte sich auf die gepolsterte Pilotenbank. �Sie werden in einem Stasisfeld reisen, damit Ihre Kr�fte geschont werden. Ich habe noch einen Reservetreibstoff-Tank, den ich abwerfe, ehe wir in den Hyperraum �berwechseln. Wir werden mit vollen Tanks bei der Ringwelt eintreffen. Chmeee, wie w�rden Sie unser Schiff taufen?�</p><p>Chmeee fragte: �Haben Sie noch keine feste Vorstellung von unserem Reiseziel?�</p><p>�Doch. Wir erforschen die Raumhafenseite der Ringwelt. Weiter werden wir nicht vordringen. Haben Sie die G�te, unser Schiff zu taufen?�</p><p>�Ich nenne es <emphasis>�Hei�e Nadel�</emphasis>.�</p><p>Louis l�chelte wieder. Er fragte sich, ob der Puppetier den Doppelsinn des Namens erkannte. Die Kzinti verwendeten wei�gl�hende Nadeln beim Verh�r von Gefangenen. Der Puppetier ergriff mit den Lippen zwei Schaltkn�pfe und brachte sie zusammen.</p></section><section><title><p>4. Aus dem Gleichgewicht</p></title><p>Louis sackte in sich zusammen, als sich sein Gewicht pl�tzlich verdoppelte. Die schwarze Canyon-Bergsilhouette war verschwunden. Auch die Stemenkulisse hatte sich ver�ndert. Da war nur noch ein ganz heller Stern direkt unter dem Rumpf. Der Hinterste l�ste sich aus dem Sicherheitsnetz und stieg von seiner Pilotenbank herunter. Auch der Puppetier schien wie ausgewechselt. Er bewegte sich wie ein m�der alter Mann, und seine M�hne�� inzwischen anders gek�mmt�� schien seit geraumer Zeit nicht mehr mit Lockenwicklern in Ber�hrung gekommen zu sein.</p><p>Der Wonnestrom tr�bte nicht das Denkverm�gen. Louis erkannte sogleich das Augenscheinliche: Er und Chmeee mu�ten zwei Jahre in der Stasis-Starre verbracht haben, w�hrend der Puppetier mit <emphasis>�Hei�er Nadel�</emphasis> allein durch den Hyperraum geflogen war. Das bekannte Universum, eine Blase erforschter Sternensysteme, deren Radius ungef�hr vierzig Lichtjahre betrug, mu�te weit hinter ihnen liegen. <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> mu�te also so gebaut sein, da� nur ein Puppetier die Kontrollen bedienen konnte, w�hrend alle Passagiere im Bet�ubungsschlaf lagen und damit auch der Willk�r eines Puppetiers ausgeliefert, der in dieser Zeit Herr �ber Leben und Tod war. Halrloprillalar war tot, weil er, Louis Wu, seine Aufsichtspflicht verletzt hatte. Er w�rde sich schrecklich einsam, f�hlen, wenn man den Stecker wieder aus seinem Kopf entfernte. Das w�rde jetzt bald geschehen. Aber solange sein Gehirn noch unter Wonnestrom stand, ber�hrte ihn das alles nicht.</p><p>Er sah keine R�cksto�flamme. <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> bewegte sich jetzt nur noch mit einem reaktionslosen Antrieb.</p><p>Die Architekten der <emphasis>Liar</emphasis> hatten die Schiffsmotoren in einem gro�en Deltafl�gel angebracht. Als sie �ber die Ringwelt hinwegflogen, waren sie vermutlich von einer gro�kalibrigen Laserkanone beschossen worden, die ihnen die Motoren verbrannte. Wahrscheinlich hatte der Hinterste daf�r gesorgt, da� sich dieser Fehler nicht wiederholen konnte. Die Schubmotoren waren jetzt im Rumpf untergebracht, gesch�tzt vor solchen Geschossen.</p><p>Chmeee fragte: �Wie lange dauert es noch, bis wir landen k�nnen?�</p><p>�Wir k�nnen in f�nf Tagen andocken. Ich konnte leider nicht das modernste Antriebssystem einbauen lassen, das wir bei unserer Planetenflotte verwenden. Unsere Schubmotoren sind irdische Fabrikate. Damit k�nnen wir nur mit zwanzig g verz�gern. Ist de k�nstliche Schwerkraft Ihrer Kabine ausreichend?�</p><p>�Ein bi�chen leicht, wv�rde ich sagen. Eine irdische Schwerkraft?�</p><p>�Eine Ringwelt-Schwerkraft. Das entspricht null komma neun neun zwei einer irdischen Schwerkraft.�</p><p>�Behalten Sie diesen Wert ein. Sie haben uns keine Instrumente gegeben, Hinterster. Ich w�rde mir gern die Ringwelt aus der Entfernung betrachten.�</p><p>Der Puppetier dachte �ber das Gesuch nach. �Ihr Landefahrzeug hat ein Teleskop an Bord, aber damit kann man nicht senkrecht nach unten sehen. Warten Sie einen Moment.� Der Puppetier wandte sich seiner Instrumentenkonsole zu. Der eine Kopf drehte sich nach hinten und sprach mit den nasalen Zischlauten der Heldensprache.</p><p>Chmeee sagte: �Verwenden Sie bitte Interworld. Louis sollte wenigstens zuh�ren k�nnen.�</p><p>Der Puppetier befolgte den Rat des Kzin: �Ich war einsam. Es tut mir wohl, wieder sprechen zu k�nnen, egal, in welcher Sprache. Ich gebe Ihnen jetzt eine Projektion der Ringwelt, wie ich sie durch das Teleskop der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> sehe.�</p><p>Ein Bild erschien auf dem Boden zwischen Louis Wus F��en: ein Rechteck, in dem die Sonne der Ringwelt und die Sterne in ihrer Nachbarschaft pl�tzlich viel gr��er aussahen. Louis deckte die Sonne mit einer Hand zu und suchte in ihrer N�he. Da war die Ringwelt: ein babyblaues Band, das einen Halbkreis bildete.</p><p>Man stelle sich ein hellblaues Seidenband vor, das ungef�hr zweieinhalb Zentimeter breit ist und siebzehn Meter lang. Man lege es hochkant auf den Boden, bilde daraus einen Kreis und stelle eine Kerze in die Mitte des Kreises. Nun mu� man nur noch den Ma�stab vergr��ern:</p><p>Die Ringwelt war so ein Band, nur aus einem unvorstellbar widerstandsf�higem Material hergestellt, dessen Breite tausend Meilen und dessen L�nge sechshundert Millionen Meilen betrug. Dieses Band war zu einem Kreis auseinandergezogen, dessen Radius f�nfundneunzig Millionen Meilen betrug und sich um eine Sonne in seinem Mittelpunkt drehte. Die Rotationsgeschwindigkeit betrug siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde. Diese Geschwindigkeit reichte aus, um die Zentrifugalkraft eines g zu erzeugen. Die Ringwelt-Ingenieure, �ber deren Abkunft man nichts wu�te, hatten Innenseite des Rings mit Erde, Ozeanen und Atmosph�re ausgestattet. Sie hatten die Au�enr�nder dieses gigantischen Bandes tausend Meilen hoch gezogen, damit die Atmosph�re nicht verlorenging. Trotzdem sch�umte vermutlich die Luft �ber den Rand des konkaven Bandes hinweg; nicht in gro�en Mengen und auch nur sehr langsam. Ein innerer Ring aus zwanzig rechteckigen Sonnenblenden bewegte sich auf einer Bahn, die ungef�hr dem Orbit des Merkurs im Sonnensystem entsprach. Mit Hilfe dieser Sonnenblenden hatten die Ringwelt-Ingenieure einen Tag- und Nacht-Zyklus von drei�ig Stunden erzeugt.</p><p>Die Ringwelt verf�gte �ber eine bewohnbare Fl�che von sechshundert Millionen Quadratmeilen. Ihre bewohnbare Fl�che war also drei Millionen mal gr��er als die der Erde.</p><p>Louis, der Dolmetscher, Nessus und Teela Brown hatten die Ringwelt fast ein Jahr lang bereist. Dabei hatten sie zweihunderttausend Meilen quer zur L�ngsachse der Ringwelt zur�ckgelegt und waren dann zu der Stelle zur�ckgekehrt, wo sie mit der <emphasis>Liar</emphasis> notgelandet waren. Das war nur ein F�nftel der Breite dieses Kunstplaneten gewesen. Dieser winzige Ausschnitt, den sie kennengelernt hatten, qualifizierte sie wohl kaum zu Experten. Konnte �berhaupt ein denkendes Wesen jemals behaupten, da� es die Ringwelt kennengelernt h�tte?</p><p>Dabei hatten sie auch den Raumflughafen am oberen Rand der Au�enhaut besichtigt. Angeblich wollte der Hinterste mit ihnen nur auf der Au�enhaut im Raumhafenbereich landen, dort etwas an Bord nehmen und dann wieder verschwinden. Rasch verschwinden. Denn.</p><p>Denn es war ganz deutlich zu sehen auf dem Bild, das durch das Teleskop des Raumschiffes auf den Boden projeziert wurde: das babyblaue Band der Ringwelt�� die Farbe von drei Millionen erd�hnlichen Welten, die noch zu weit entfernt waren, als da� man Einzelheiten h�tte unterscheiden k�nnen, obwohl die Schatten der Sonnenblenden sich von den hellen Flecken deutlich abgrenzten�� bewegte sich mehr konzentrisch um ihre Sonne. Sie war aus ihrem Gleichgewicht geraten.</p><empty-line/><p>�Das haben wir nicht gewu�t�, sagte Chmeee. �Wir verbrachten fast ein Kzin-Jahr auf dieser Kunstwelt und merkten es nicht. Wie konnte uns das nur entgangen sein?�</p><p>Der Puppetier sagte: �Die Ringwelt konnte sich noch nicht exzentrisch bewegt haben, als Sie zum erstenmal hiergewesen sind. Das liegt immerhin schon zweiundzwanzig Jahre zur�ck.</p><p>Louis nickte. Nur der Wonnestrom, der sein Gehirn noch beherrschte, hielt das Entsetzen nieder; wenn er an das Schicksal der Bewohner der Ringwelt dachte. Der Hinterste fuhr fort: �Die Ringwelt-Struktur ist in der Ebene ihres Orbits instabil. Das wu�ten Sie doch, oder?�</p><p>�Nein!�</p><p>Louis sagte: �Ich wu�te es nicht, bis ich wieder auf der Erde war und gewisse �berlegungen anstellte. Ich habe mich mit dem Problem eingehend befa�t.�</p><p>Die beiden fremden Wesen sahen ihn jetzt an. Er hatte wirklich nicht so viel Aufmerksamkeit erregen wollen.</p><p>Nun, auch gut. �Es ist recht einfach nachzuweisen, da� die Ringwelt sich auf einer instabilen Kreisbahn bewegt. Zwar stabil um ihre L�ngsachse, aber instabil in ihrer Neigungsebene. Fr�her mu� irgend etwas die Sonne auf der Achse festgehalten haben.�</p><p>�Aber <emphasis>jetzt</emphasis> ist sie nicht mehr im Mittelpunkt des Kreises!�</p><p>�Was sie dort auch festgehalten haben mag�� es funktioniert nicht mehr.�</p><p>Chmeee scharrte mit seinen Klauen auf dem unsichtbaren Boden der Raumschiffzelle. �Aber dann m�ssen sie alle sterben! Milliarden von Wesen, zehn Milliarden�� oder gar Billionen?� Er wandte sich Louis zu. �Ich kann dein sattes L�cheln nicht mehr sehen. K�nntest du nicht ohne deinen Wonnestecker mit mir reden?�</p><p>�Ich rede klar und deutlich.�</p><p>�Okay, dann rede. Warum ist die Ringwelt instabil? Es liegt nicht an ihrem Orbit?�</p><p>�Nein, die Umlaufbewegung mu� konstant sein. Dieser unglaubliche Drall h�lt das Band straff. Aber wenn du die Ringwelt aus ihrer Bewegungsebene heraushebst, wird sie sich immer mehr von ihrem urspr�nglichen Mittelpunkt entfernen. Doch die Gleichungen, um das nachzuweisen, sind ziemlich kompliziert. Ich habe sie mit einem Computer erarbeitet, doch die Zahlen, die ich bekam, erschienen mir nicht ganz glaubhaft.�</p><p>Der Hinterste sagte: �Wir trugen uns einmal mit dem Gedanken, unsere eigene Ringwelt zu bauen. Aber die Instabilit�t ist zu gro�. Schon eine starke solare Fackel w�rde soviel Druck auf den Artefakten aus�ben, da� er aus dem Gleichgewicht ger�t. Nur noch f�nf Jahre kann es dauern, bis der Kreis mit seiner Sonne in Ber�hrung kommt.�</p><p>�F�nf Jahre. Das ist das Ergebnis meiner Berechnung gewesen�, sagte Louis.</p><p>Chmeee scharrte wieder auf dem Boden. �Ausgleichsd�sen! Die Ringweltingenieure haben den Artefakten doch ganz bestimmt mit Ausgleichsd�sen ausger�stet!�</p><p>�Vielleicht. Wir wissen, da� sie die Bussard-Rammd�sen entwickelten. Sie ben�tzten sie zum Antrieb ihrer Sternenschiffe. Okay, wenn die Au�enseite des Ringplaneten mit einer ausreichenden Anzahl von Rammd�sen best�ckt war, konnte man die Ringwelt stabil halten. Die Motoren w�rden den Wasserstoff den Solarwinden entnehmen. Es w�rde ihnen also nie der Treibstoff ausgehen.�</p><p>�Aber wir sahen nichts dergleichen. �berleg doch nur, wie gro� diese Motoren sein m��ten!�</p><p>Louis kicherte: �Was nennst du hier gro�? Im Vergleich mit der Ringwelt? Wir haben sie einfach �bersehen. Das ist alles.� Aber er mochte es nicht, wenn Chmeee sich vor ihm aufrichtete und die Krallen ausfuhr.</p><p>�Du nimmst das einfach so hin? Auf diesem Artefakten leben vielleicht so viele Wesen, da� man damit die Planeten des bekannten Universums tausendmal bev�lkern k�nnte. Und zudem sind sie mit deiner Rasse viel n�her verwandt als mit meiner.�</p><p>�Du bist ein r�cksichtsloser, erbarmungsloser Fleischfresser. Ich w�rde das nicht vergessen�, entgegnete Louis. �Erstens: es wird mir weh tun. Es wird mir sogar ziemlich weh tun, sobald der Hinterste meinen Wonnestecker vom Netz trennt. Aber es wird mich nicht umbringen, weil ich mich inzwischen ein wenig mit dem Gedanken an diese Katastrophe vertraut gemacht haben werde. Und wei�t du vielleicht ein Heilmittel dagegen? Hast du eine Idee, wie wir ihnen helfen k�nnen? Irgend eine Idee?�</p><p>Der Kzin wandte sich ab. �Hinterster, wieviel Zeit bleibt ihnen noch?�</p><p>�Ich werde versuchen, das herauszufinden.�</p><empty-line/><p>Die Sonne hatte sich schon ein erhebliches St�ck vom Zentrum der Ringwelt entfernt. Louis sch�tzte, da� sie vielleicht siebzig Millionen Meilen von einem Halbkreis und hundertzwanzig Millionen Meilen vom anderen entfernt war. Der eine Halbkreis bekam ungef�hr dreimal soviel Sonnenenergie als der entferntere Halbkreis, und der Artefakt rotierte in einem Zyklus von siebeneinhalb Drei�ig-Stunden-Tagen. Die Wetterver�nderung mu�te enorm sein. Pflanzen, die sich den ver�nderten klimatischen Bedingungen nicht anpassen konnten, w�rden aussterben. Desgleichen die Tiere und die Menschen.</p><p>Der Hinterste hatte seine Besichtigung durch das Teleskop beendet. Nun arbeitete er am Computer, versteckt hinter den dicken gr�nen Schottw�nden. Louis fragte sich, was er sonst noch in diesem, seinen Blicken verborgenen Teil des Schiffes versteckt hielt.</p><p>Der Puppetier trottete wieder in sein Blickfeld. �In einem Jahr und f�nf Monaten wird die Ringwelt mit ihrer Sonne in Ber�hrung kommen. Vermutlich wird sie dann zerschellen. Wenn man die Rotationsgeschwindigkeit ber�cksichtigt, werden die Bruchst�cke in den interstellaren Raum hinausfliegen.�</p><p>�Die Sonnenblenden�, murmelte Louis.</p><p>�Wie bitte? Ja, die Sonnenblenden kollidieren noch vor der Sonne mit der Ringwelt. Trotzdem k�nnen wir ihr noch eine Frist von mindestens einem Jahr geben. Diese Zeit reicht f�r uns aus�, fuhr der Hinterste energisch fort. �Wir werden nicht mit der Innenseite der Ringwelt in Ber�hrung kommen. Unser Expeditionsziel ist, die Au�enhaut zu untersuchen, den Raumhafen auf ihrem Rand. Bei der ersten Expedition haben Sie die Au�enhaut aus einer Entfernung von mehreren zehntausend Meilen beobachtet, ohne von der Meteor-Verteidigungsanlage der Ringwelt beschossen worden zu sein. Ich glaube deshalb, da� der Raumhafen aufgegeben worden ist. Wir k�nnen sicher dort landen.�</p><p>�Und was erwarten Sie sich von der Landung? Was suchen Sie auf dem Raumhafen?�</p><p>�Ich bin �berrascht, da� Ihr Ged�chtnis in diesem Punkt versagt.� Der Hinterste wendete sich wieder seiner Instrumentenkonsole zu. �Louis, Sie haben sich lange genug in Wonne gebadet.�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>Das Wonnefeld in seinem Gehirn brach zusammen.</p></section><section><title><p>5. Entzugserscheinungen</p></title><p>Louis beobachtete durch das Querschott, wie der Puppetier an seinem Wonnestecker arbeitete. Er dachte an den Tod solcher Massen, da� ihm der Kopf schwindelte, an den Tod als eine sehr eigene pers�nliche Erfahrung, an den Tod, den er fremden Wesen zudachte, die den Strom f�r die Lustzentren seines Gehirnes kontrollierten.</p><p>Zwei flache K�pfe drehten und schraubten an einem kleinen schwarzen Geh�use herum, als w�re es ein Happen von zweifelhaftem Geschmack. Lange bewegliche Zungen und tastempfindliche Lippen arbeiteten in dem Geh�use. In ein paar Minuten hatte der Puppetier die Schaltuhr neu eingestellt, sie auf einen Tageszyklus von drei�ig Stunden eingerichtet und die Stromst�rke um f�nfzig Prozent reduziert.</p><p>Der n�chste Tag war eitel Wonne. Kein menschliches Tr�bsal war ihr beigemischt. Nichts konnte ihn jetzt mehr st�ren, aber. Louis vermochte seine Gef�hle nicht mehr richtig zu definieren. Als an diesem Abend der Strom zu fr�h abgeschaltet wurde, �berfiel ihn die Depression wie eine Wolke von Senfgas.</p><p>Alsdann fiel der Schatten Chmeees �ber ihn, der den Stecker aus seinem Sch�del entfernte und ihn auf die Transportscheibe stellte, damit er hin�berglitt auf das Flugdeck. F�r eine Neueinstellung. Schon wieder.</p><p>Louis schrie und sprang das Tigerwesen an. Er zog sich an dem Fell an seinem R�cken hinauf und versuchte ihm die Ohren abzurei�en. Der Kzin wirbelte herum. Louis hielt sich an einem fellbedeckten Arm fest, doch der Arm schleuderte ihn herum, und er fand sich an einer Wand wieder. Halb bet�ubt und mit tiefen Kratzwunden auf der Haut ging Louis erneut zum Angriff �ber.</p><p>Diesmal wich Chmeee zur�ck und sprang auf die Transportscheibe, w�hrend der Hinterste in der Kommandozentrale die Schalter mit dem Mund bediente.</p><p>Chmeee kauerte sich auf der schwarzen Scheibe zusammen. Er sah gef�hrlich und l�cherlich zugleich aus.</p><p>Der Hinterste sagte: �Eine so schwere Masse kann von diesen Scheiben nicht bewegt werden. Halten Sie mich f�r einen Idioten, da� Sie von mir erwarten, ich w�rde mir einen Kzin in den Leitstand holen?�</p><p>Chmeee fauchte: �Wie intelligent kann ein Wesen sein, das die Bl�tter von den B�umen fri�t?� Er warf Louis den Wonnestecker wieder zu und trottete zu seinem Wasserbett.</p><p>Ein Scheinman�ver. Chmeee hatte den Wonnestecker aus Louis' Sch�del herausgerissen, als der Wonnestrom gerade abgeschaltet wurde. Er hatte Louis Wus J�hzorn herausgefordert, um die Aufmerksamkeit des Puppetiers abzulenken. Und dann hatte er sich auf die Transportscheibe gestellt. Der Hinterste sagte: �Das n�chstemal �ndere ich die Schaltzeit, ehe Sie den Stecker bekommen. Ist Ihnen das lieber?�</p><p>�Sie wissen ganz genau, da� mir das lieber ist!� Louis hielt den Stecker mit beiden H�nden fest umklammert. Aber der Stecker war tot�� erst wenn die Schaltuhr ihn wieder aktivierte, erwachte er zum Leben.</p><p>�Ihre Lebenserwartung ist doch fast so gro� wie unsere. Wie verg�nglich ist der Genu� dieser Droge�, fuhr der Hinterste fort. �Und bald werden Sie so reich sein, als w�rde ein M�rchen Wirklichkeit. Die Ringwelt-Raumschiffe verf�gten �ber Werkzeuge, mit denen sie Materie in gro�en Mengen billig umwandeln konnten. Nach dem gleichen Verfahren m�ssen sie die Ringwelt gebaut haben!�</p><p>Louis blickte �berrascht auf.</p><p>�Ich w�nschte mir nur, wir w�rden die Masse und den Umfang dieser Maschinen kennen�, fuhr der Puppetier fort. �Die Raumfahrzeuge der Ringwelt waren riesige Flugapparate. Aber wir m�ssen diese Maschinen nicht transportieren. Es gen�gt, wenn wir ein Hologramm mit Hilfe von Tiefenradar anfertigen und Hologramme von der Arbeitsweise dieser Maschinen. Das w�rde gen�gen, meine Untertanen zu �berzeugen. Dann brauchen wir nur noch einen Mark 4 General-Products-Raumer, um so eine Maschine auf der Ringwelt zu bergen.�</p><p>Der Fremdling konnte nicht erwarten, da� ein Mann, der sich in Wonnestrom-Verz�ckung befand, auf jede kleine Bemerkung reagierte. Louis beobachtete lediglich den Kzin, wie er sich zu dem Vortrag des Puppetiers stellte.</p><p>Der Kzin verhielt sich bewundernswert. Einen Moment war er wie erstarrt. Dann sagte er: �Sie sprachen eben von Ihren Untertanen. Aber ich dachte, Sie haben Ihre Vorrechte verloren?�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Wie konnte das geschehen?�</p><p>�Wir haben eine Strecke von elf Milliarden Meilen im freien Fall zur�ckzulegen und m�ssen unterwegs eine Geschwindigkeit von zweiundf�nfzigtausend Meilen pro Sekunde kontinuierlich verz�gern. Bisher ist nur ein Tag im freien Fall vergangen. Wir haben also sehr viel Zeit.�</p><p>�Das ist richtig. Wir k�nnen die Zeit auch nicht mit n�tzlicher Arbeit ausf�llen. Also gut. Man mu� wissen, da� das Zweiparteiensystem der Konservativen und Experimentalisten eine sehr lange Tradition besitzt. Meistens waren die Konservativen die regierende Partei. Doch als unsere Welt sich zu sehr als Folge ausgedehnter Industrialisierung erhitzte, schoben die Experimentalisten unsere Welt weiter nach au�en in den Kometenring hinein. Ein Regime der Experimentalisten beendete und kolonisierte zwei Ackerbau-Planeten. Eine sp�tere Regierung bewegte zwei weitere Welten von einer �u�eren Umlaufbahn, wo sie sich als Monde eines weit entfernten Eisgiganten entwickelt hatten, in unser Planetensystem hinein.�</p><p>Inzwischen hatte Chmeee gen�gend Zeit gehabt, seine Erregung zu unterdr�cken und sich seine n�chste Frage zu �berlegen. Sehr gut. Vielleicht hatte der Kzin sogar die Position verdient, die er einst ausf�llte: Vermittler zu sein zwischen den Kzin und den Menschen, �Dolmetscher� seiner Rasse, Gesandter auf der Erde.</p><p>�.wir tun, was n�tig ist, und dann werden wir wieder entmachtet. Das war ein historisches Gesetz. Die Experimentalisten kamen an die Macht, als unsere Sonden das Imperium der Kzinti entdeckten. Ich glaube, Nessus hat Ihnen bereits berichtet, wie wir das Problem gel�st haben.�</p><p>�Sie unterst�tzten die Menschheit.� Chmeee verhielt sich seltsam ruhig. Louis h�tte eigentlich erwartet, da� er jetzt die W�nde hochging. �Die vier Kriege mit der Menschheit vernichteten vier Generationen unserer besten Krieger, damit die friedfertig Veranlagten unserer Rasse sich um so besser vermehren konnten.�</p><p>�Wir hofften, Sie damit in die Lage zu versetzen, mit anderen intelligenten Lebewesen besser zurechtzukommen. Meine Partei errichtete auch ein Handelsimperium in dieser Region. Trotz unserer Erfolge verloren wir stetig an Autorit�t. Dann entdeckten unsere Sonden, da� der Kern unserer Galaxis explodiert war. Die Schockwelle w�rde in zwanzigtausend Jahren unser Planetensystem erreichen. So blieb unsere Partei an der Macht, um den Exodus unserer Planeten zu organisieren.�</p><p>�Wir vorteilhaft f�r Sie! Doch trotzdem hat man Sie abgesetzt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>Der Puppetier blieb eine Weile die Antwort schuldig. Dann: �Eine Vielzahl meiner Entscheidungen waren nicht popul�r. Ich manipulierte das Schicksal zweier Rassen�� das der Kzinti und der Menschen. Irgendwie sickerte unser Geheimnis durch, wie wir die Geburtenregelung auf der Erde sabotiert hatten, um mehr gl�ckliche Menschen heranzuz�chten. Wie wir den Verlauf des Ersten Menschheits-Kzin-Krieges manipulierten, um mehr vern�nftige Kzinti heranzuz�chten. Meine Vorfahren gr�ndeten General Products, das interstellare Handelsimperium. Dadurch geriet meine Partei in den Verruf, da� sie aus dem Wahnsinn eine Tugend machte, denn nur die Wahnsinnigen unter meinen Artgenossen riskieren ihr Leben mit der Raumfahrt. Als ich Ihre Expedition zur Ringwelt organisierte, wurde ich selbst f�r verr�ckt erkl�rt, da� ich eine Kontaktaufnahme mit so einer fortgeschrittenen Technologie riskierte. Aber man darf nie die Augen vor einer Gefahr verschlie�en!�</p><p>�Deshalb hat man Sie also entmachtet.�</p><p>�Das mag ein. ein willkommener Vorwand gewesen sein.� Der Hinterste schritt ruhelos im Leitstand hin und her: clopclopclop, clopclopclop. �Sie wissen bereits, da� ich mich bereit erkl�rte, Nessus als Geschlechtspartner anzunehmen, wenn er von der Ringwelt zur�ckkehren w�rde. Er verlangte, da� ich mein Versprechen einl�ste. Als er zur�ckkehrte, wurden wir kopuliert. Dann vereinigten wir uns noch einmal, diesmal aus Liebe. Es war verr�ckt, und viele Puppetiers, die den Rang des Hintersten einnahmen, waren verr�ckt gewesen. Und. so verf�gten sie meine Absetzung.�</p><p>Louis fragte pl�tzlich: �Wer von euch beiden ist das M�nnchen?�</p><p>�Ich wundere mich, warum Sie diese Frage nicht schon Nessus stellten. Aber er w�rde es euch nicht gesagt haben, nicht wahr? Nessus ist sehr sch�chtern, wenn man mit ihm ein heikles Thema besprechen will. Wir haben zwei Arten von M�nnchen, Louis. Meine Art legt sein Sperma in das Fleisch des Weibchens, und die Gattung von M�nnchen, zu der Nessus geh�rt, implantiert ihr Ei in das Weibchen mit einem sehr �hnlich geformten Organ.�</p><p>Chmeee fragte: �Sie haben drei verschiedene Gen-Paare?�</p><p>�Nein, nur zwei. Das Weibchen steuert kein Gen bei. Tats�chlich kopulieren die Weibchen miteinander, um neue Weibchen zu erzeugen. Sie geh�ren nicht eigentlich zu unserer Spezies, obgleich sie schon seit geraumer Vorzeit mit uns symbiotisch zusammenleben.�</p><p>Louis zuckte zusammen. Die Puppetiers vermehrten sich wie die Schlupfwespen: ihre Nachkommenschaft fra� das Fleisch eines hilflosen Wirtes. Nessus hatte sich geweigert, �ber sein Geschlecht zu reden. Nessus hatte recht gehabt. Es war eine scheu�liche Art, sich fortzupflanzen.</p><p>�Aber ich hatte recht�, sagte der Hinterste. �Ich tat recht daran, eine Mission zur Ringwelt zu schicken, und wir werden das jetzt beweisen. Noch f�nf Tage im freien Fall und dann h�chstens zehn Tage, bis wir auf dem Raumhafen der Ringwelt landen. Dann rechne ich noch f�nf Tage hinzu, bis wir mit Hyperantrieb wieder in das Weltall entweichen k�nnen. Die Innenseite des Ringes, die kultivierte und bewohnte Fl�che des Kunstplaneten, brauchen wir �berhapt nicht zu betreten. Halrloprillalar erz�hlte Nessus, da� die Raumschiffe der Ringwelt mit Blei ausgekleidet wurden, um sie kompakter zu machen. Dieses Metall wurde dann w�hrend des Raumfluges in Luft, Wasser und Treibstoff umgewandelt. Eine konservative Regierung w�rde niemals mit den komplexen Problemen, die mit einer solchen Technologie verbunden sind, fertig werden. Deshalb werden sie mich wieder in mein fr�heres Amt berufen.�</p><p>Die Depression, die dem Entzug des Wonnestroms folgte, t�tete Louis' Lachreiz ab. Trotzdem war diese Geschichte ziemlich lustig. Besonders deswegen, weil er an dieser Geschichte schuld war.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen reduzierten die beiden fremden Wesen den Wonnestrom noch einmal um f�nfzig Prozent. Aber das machte nicht sehr viel Unterschied. Solange er �berhaupt noch Strom bekam, war er zufrieden. Aber jahrelang hatte er sich nun durch die Depressionen gequ�lt, wenn die Schaltuhr den Wonnestrom abstellte. Doch er wu�te, da� die depressiven Phasen ein Ende fanden, sobald das Kraftfeld in seinem Gehirn wieder aufgebaut wurde. Seine Depressionen waren nun viel schlimmer, denn es gab keine Sicherheit mehr f�r ihn. Die fremden Wesen konnten den Strom jederzeit abschalten. und wenn sie das auch nicht taten, blieb er von ihnen abh�ngig.</p><p>Was die beiden fremden Wesen in den vier Tagen des freien Falles besprachen? Er wu�te es nicht. Er versuchte sich auf die Ekstase seines Wonnefeldes zu konzentrieren. Verschwommen erinnerte er sich daran, da� sie aus dem Computerspeicher Hologramme abriefen. Dazu geh�rten die Gesichter der Ringwelt-Eingeborenen: gedrungen, fast zierlich, vollkommen bedeckt mit goldfarbenen Haaren (nur einer, ein Priester, war rasiert); und die gigantischen Drahtskulpturen in den schwebenden Palais (eine kurze Stubsnase, ein kahler Sch�del und messerd�nne Lippen); und Halrloprillalar (die vermutlich der gleichen Rasse angeh�rte); und Sucher, der wandernde Held, der Teela unter seinen Schutz gestellt hatte (fast menschlich, doch muskelbewehrt wie ein Jinxianer und ohne Bartwuchs). Da waren die St�dte, die der Zahn der Zeit in Ruinen verwandelt hatte, und die fliegenden Wolkenkratzer, die auf die Erde gest�rzt waren, als die Energiezufuhr versagte. Da waren die Hologramme von der <emphasis>Liar</emphasis>, die sich den Sonnenblenden n�herte, und eine Stadt, die unter einer rauchgrauen Smogschicht zu liegen schien, obwohl dieser Smog nur aus hauchd�nnen Sonnenblendendraht bestand.</p><p>Die Sonne wuchs von einem Punkt zu einem schwarzen Fleck mit einem hellen Rand darum herum. Seine glei�ende Helle wurde von der Innenbeschichtung der Rumpfzelle absorbiert. Die blaue Aura um die Sonne dehnte sich kontinuierlich aus.</p><p>In seinen Tr�umen kehrte Louis auf die Ringwelt zur�ck. In einem gro�en schwebenden Gef�ngnis hing er mit dem Kopf nach unten in seinem ausgebrannten Flugrad, drei�ig Meter �ber dem betonharten Boden, auf dem die Gebeine der fr�heren H�ftlinge verstreut lagen. Nessus' Stimme dr�hnte in seinen Ohren und versprach ihm die Rettung aus dieser prek�ren Lage. Doch er wartete vergeblich darauf.</p><p>Als er wieder erwachte, nahm er zur Routine Zuflucht. bis er am Abend des vierten Tages sein Abendmen� betrachtete, es in die Toilette warf und Brot und verschiedene K�sesorten verlangte. Vier Tage hatte es gedauert, bis ihm bewu�t wurde, da� die ARM ihm nichts mehr anhaben konnte. Er durfte wieder K�se essen!</p><p><emphasis>Und welche Gen�sse standen ihm neben dem Wonnestecker noch zur Verf�gung? fragte sich Louis. K�se. Die Schlafplatten, Liebe (nicht praktizierbar). K�rperfarben-Orgien. Freiheit, Sicherheit, Selbstachtung. Erfolgsgef�hle. Tanj, ich habe fast vergessen, in solchen Kategorien zu denken. Ich habe das alles verloren. Freiheit, Sicherheit, Selbstachtung. Ein bi�chen Geduld, und ich kann den ersten Schritt in diese Richtung machen. Was gibt es noch Gutes? Brandy, mit Kaffee vermischt. Filme.</emphasis></p><empty-line/><p>Vor dreiundzwanzig Jahren hatte der Kzin-Dolmetscher das Raumschiff <emphasis>Lying Bastard</emphasis> an den Au�enrand der Ringwelt heranman�vriert. Nun beobachteten Chmeee und der Hinterste die Aufzeichnungen dieses Ereignisses.</p><p>Aus der N�he betrachtet, zu einem Gebilde mit parallelen Linien, die sich in einem Fluchtpunkt vereinigten. Und dann, als das Raumschiff lotrecht �ber der Innenkante der Ringwelt zu schweben schien, so da� die bemusterte Innenfl�che des Artefakten im toten Blickwinkel lag, schienen die Ringe des Raumschiff-Verz�gerungssystems direkt in die Kamera hineinzufliegen, wiederholten sich endlos, in Infrarot, im sichtbaren Spektrum und im ultravioletten Licht. Auch auf den Bildern des Tiefenradars flogen sie in die Kamera hinein oder sie krochen in Zeitlupe vor�ber�� riesige Elektromagnete, sich aufs Haar gleichend, sich endlos wiederholend.</p><p>Aber Louis Wu betrachtete mit zunehmender Trunkenheit die acht Stunden dauernde Vorf�hrung wie ein Fantasie-Epos �ber die Verwandlung einer Welt. Zuerst trank er Kaffee mit Branntwein, dann Branntwein mit Soda und schlie�lich Brandy pur. Es war ein Film, den er sich ansah, nicht eine Reportage: Von den Darstellern waren nur zwei mit menschlichen Empfindungen ausgestattet. Die anderen zwei entsprachen nicht der Wirklichkeit.</p><p>Einmal versuchte er Chmeee in eine Diskussion �ber Saberhagens Verwendung von optischen T�uschungen zu verwickeln. Aber er war noch gen�gsam genug, sich im letzten Moment jede Bemerkung zu verkneifen. Er wagte nicht, sich in betrunkenem Zustand mit Chmeee zu unterhalten. <emphasis>Die Puppetiers haben versteckte Ohren, versteckte Ohren.</emphasis></p><p>Die Ringwelt wurde immer gr��er.</p><p>Zwei Tage lang war sie nur ein feingestrichelter blauer Reifen gewesen, schmal, zerbrechlich aussehend, um eine exzentrische Sonne gelegt. Der Reifen wuchs in dem Ma�e, wie der schwarze Kreis seiner Sonne sich ausdehnte. Allm�hlich lie�en sich gr��ere Einzelheiten unterscheiden. Ein innerer Ring von schwarzen Rechtecken, von Sonnenblenden. Eine Ringmauer, nur tausend Meilen hoch, aber stetig anwachsend, so da� sie den Blick auf die terraformierte Innenseite der Ringwelt versperrte.</p><p>Am Abend des f�nften Tages war die Eigengeschwindigkeit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> fast auf Null reduziert worden, und die Ringmauer war eine gro�e schwarze Wand vor den Sternen.</p><p>Louis stand nicht unter Strom. Heute hatte er sich dazu gezwungen, auf den Wonnestecker zu verzichten; und dann hatte ihm der Hinterste mitgeteilt, da� der Wonnestrom abgeschaltet blieb, bis sie sicher gelandet waren. Louis hatte nur mit den Achseln gezuckt. Das w�rde nicht mehr lange dauern.</p><p>�Die Sonne fackelt�, sagte der Hinterste.</p><p>Louis blickte hoch. Das Meteorenschutzschild blockierte den Blick auf die Sonne. Er sah nur die Sonnenkorona, ein flammender Kreis um eine schwarze Scheibe. �Geben Sie uns ein Bild davon�, sagte er.</p><p>Er sah sie jetzt in dem rechtwinkeligen �Bullauge� durch einen Dunkelfilter als riesige, gemusterte Scheibe. Diese Sonne war etwas kleiner und k�lter als Sol, die irdische Sonne. Es gab keine Sonnenflecken, keine Schlieren, nur einen helleren Streifen in der N�he ihres Mittelpunktes. �Der Blickwinkel ist nicht g�nstig�, sagte der Hinterste. �Wir sehen die Sonnenfackel direkt von oben.�</p><p>�Vielleicht ist die Sonne seit einigen Jahren instabil�, sagte Chmeee. �Das k�nnte eine Erkl�rung sein, warum sie nicht mehr die Mittelachse der Ringwelt bildet.�</p><p>�M�glich. Die Aufzeichnungen der <emphasis>Lying Bastard</emphasis> registrierten ebenfalls eine Sonnenfackel bei ihrem ersten Anflug auf die Ringwelt; aber dann blieb sie fast das ganze Jahr �ber, das sie auf dem Artefakten verbrachten, ruhig und stabil.� Die K�pfe des Hintersten schwebten �ber der Schaltkonsole. �Seltsam. Die magnetischen Str�me.�</p><p>Die schwarze Scheibe versank hinter dem schwarzen Rand der Ringmauer.</p><p>�Die Magnetmuster dieses Sternes sind sehr ungew�hnlich�, sagte der Hinterste.</p><p>Louis sagte: �Dann �ndern Sie den Kurs, damit wir noch eine Messung vornehmen k�nnen.�</p><p>�Das geh�rt nicht zu unserem Expeditionsauftrag. Wir sammeln keine Me�daten.�</p><p>�Sind Sie nicht neugierig?�</p><p>�Nein.�</p><empty-line/><p>Der Abstand betrug keine zehntausend Meilen mehr. Aus dieser Entfernung schien die schwarze Wand so gerade, als w�re sie mit einem Lineal gezogen. Die Dunkelheit und die Geschwindigkeit l�schte alle Details. Der Hinterste hatte den Teleskopschirm auf den Empfang von infrarotem Licht eingeschaltet, aber das half nicht viel. oder etwa doch? Da waren Schatten, die sich am Fu� der Ringmauer abzeichneten�� k�hle Dreiecke, die zwischen drei�ig und vierzig Meilen hoch waren, als ob irgend etwas auf der inneren Seite der tausend Meilen hohen Ringwand das Sonnenlicht reflektieren w�rde. Und da war noch eine dunklere, k�hlere Linie, die sich am Fu� der Ringmauer entlangzog und sich von links nach rechts bewegte.</p><p>Chmeee fragte h�flich: �Docken wir an oder schweben wir nur?�</p><p>�Wir schweben, um die Lage zu erkunden.�</p><p>�Der Schatz geh�rt Ihnen. Sie k�nnen ihn lassen, wo er ist, wenn Ihnen die Sache nicht geheuer ist.�</p><p>Der Hinterste war ruhelos. Mit seinen Beinen klammerte er sich an die Pilotenbank. Muskeln zuckten auf seinem R�cken. Chmeee war ganz entspannt; er schien sich in seiner Haut wohl zu f�hlen. �Nessus hatte einen Kzin als Piloten. Es gab Zeiten, wo er sich vollkommen aufl�ste in seiner Angst. Sie d�rfen sich das nicht erlauben. Oder haben Sie eine automatische Landevorrichtung, w�hrend Sie sich im Stasisfeld verstecken?�</p><p>�Aber wenn unvorhersehbare Ereignisse eintreten sollten? Nein. Ich kann mich nicht auf die Automatik verlassen.�</p><p>�Dann m�ssen Sie das Schiff schon selbst steuern. Also landen Sie, Hinterster!�</p><p><emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> drehte die Nase nach unten und beschleunigte.</p><p>Es dauerte fast zwei Stunden, ehe das Schiff die Umdrehungsgeschwindigkeit der Ringwelt von siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde erreicht hatte. Inzwischen waren mehrere hunderttausend Meilen der dunklen Wand an ihnen vorbeigerast. Der Hinterste n�herte sich vorsichtig dieser Wand, so vorsichtig, da� Louis schon zweifelte, ob er die Landung �berhaupt wagen w�rde. Er verfolgte das Man�ver mit gro�er Gelassenheit. Er stand nicht unter Wonnestrom, hatte diesmal freiwillig darauf verzichtet. Trotzdem gab es f�r ihn immer noch nichts Wichtigeres auf der Welt als den Wonnestecker.</p><p>Aber woher nahm Chmeee seine Geduld? Sp�rte er seine zur�ckkehrende Jugend? Ein menschliches Wesen, das noch keine hundert Jahre alt war, hatte das Gef�hl, als k�nnte er sich f�r alles unglaublich viel Zeit lassen. Reagiert ein Kzin genauso wie ein jugendlicher Mensch? Oder. Chmeee war Berufsdiplomat. Vielleicht konnte er seine Gef�hle meisterhaft verbergen.</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> balancierte nun auf ihren Schubd�sen unter dem Rumpf. Der Schub von Null komma 992 g pa�te ihren Kurs der Kurve der Ringwelt an; wenn man das Schiff sich selbst �berlie�, w�rde es jetzt auf einer Tangente in den interstellaren Raum hinausgeschleudert werden. Louis beobachtete, wie die K�pfe des Puppetiers �ber der Konsole hin- und herzuckten, wie sie Me�anzeigen und Monitoren �berpr�ften, die Louis nicht zu entziffern vermochte.</p><p>Die schwarze Linie war jetzt zu einer Reihe von Ringen geworden, die in gleichen, gro�en Abst�nden voneinander entfernt lagen. Jeder Ring, der an ihnen vorbeihuschte, hatte einen Durchmesser von hundert Meilen. Bei ihrer ersten Expedition hatten sie sich eine Aufzeichnung ansehen k�nnen, wie diese Landehilfe funktionierte. Da hatten sich die Raumschiffe f�nfzig Meilen von der Ringmauer entfernt in Warteposition begeben, bis die Ringe sie aus dem freien Fall herausfischten und sie so lange beschleunigten, bis sie die Rotationsgeschwindigkeit der Ringwelt erreicht hatten. Dann hatten die Ringe sie am anderen Ende auf der Rampe des Raumflughafens abgesetzt.</p><p>Links und rechts dehnte sich die Mauer bis zu ihren Fluchtpunkten aus. Sie waren jetzt ganz nahe, nur noch ein paar tausend Meilen entfernt. Der Hinterste dr�ckte die Nase der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> noch weiter nach unten, bis sie sich auf gleicher H�he mit dem Ring-Beschleunigungssystem befand. Hunderttausende von Meilen nichts als Ringe. aber die Bewohner der Ringwelt kannten keine Schwerkraftgeneratoren. Ihre Schiffe und Mannschaften konnten also keine hohen Beschleunigungskr�fte aushalten.</p><p>�Die Anlage ist stillgelegt. Die Ringe sind ohne Energie. Ich kann auch keine Sensoren f�r anfliegende Schiffe entdecken�, sagte der Puppetier, einen Kopf in ihre Richtung gedreht. Dann beugte er sich rasch wieder �ber seine Instrumente.</p><p>Und jetzt kam auch die Rampe des Raumhafens in Sicht.</p><p>Sie hatte eine Breite von siebzig Meilen. Riesige Kr�ne w�lbten sich anmutig in den Himmel hinauf. Kuppelf�rmige Geb�ude standen am Rand der Landefl�che und breite, langestreckte Tieflader. Auch Schiffe waren zu erkennen: vier flachnasige Zylinder, von denen drei besch�digt waren. Ihre Zellen waren aufgebrochen.</p><p>�Ich hoffe, Sie haben auch Lichter und Scheinwerfer mitgebracht�, sagte Chmeee.</p><p>�Ich m�chte noch nicht bemerkt werden.�</p><p>�Entdecken Sie Anzeichen daf�r, da� unser Schiff beobachtet wird? Wollen Sie ohne Lichter landen?�</p><p>�Nein und nein�, erwiderte der Hinterste. Das Buglicht an der Nase der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> flammte auf. Es war ein scharfgeb�ndelter kr�ftiger Strahl: nat�rlich auch als Waffe zu verwenden.</p><p>Die Raumschiffe auf dem Flugfeld waren riesig. Eine offene Luftschleuse war nur ein schwarzer Punkt auf dem Rumpf. Tausende von Fenstern glitzerten auf den Zylindern wie kandierter Zucker auf einem Honigkuchen. Ein Schiff schien noch unversehrt zu sein. Die anderen hatte man aufgeschnitten und ausgeschlachtet. Ihre Eingeweide waren dem Vakuum und dem Blick fremder Spione hilflos ausgeliefert.</p><p>�Nichts warnt uns, nichts greift uns an�, sagte der Puppetier. �Die Temperatur der Geb�ude und Maschinen ist genau so hoch wie die der Rampe und der Schiffe�� 174� absolut. Der Raumhafen ist schon seit vielen Jahren nicht mehr ben�tzt worden.�</p><p>Ein paar massive, kupferfarbene Spiralen waren �ber die Au�enhaut des unverletzten Raumschiffes geschoben. Sie mu�ten mindestens ein Drittel der Masse des Schiffes besitzen oder sogar noch mehr. Louis deutete auf diese Kupferspiralen: �Das k�nnten Ramscoop-Generatoren sein. Ich habe einmal die Geschichte der Raumfahrt studiert. Eine Bussard-Rammd�se erzeugt ein elektromagnetisches Feld, mit dem interstellarer Wasserstoff aufgefangen und in eine Verdichtungszone geleitet wird, wo die Kernverschmelzung stattfindet. Ein Ramscoop-Generator sorgt f�r eine unterbrochene Kraftstoffzufuhr. Aber wenn die Geschwindigkeit f�r diesen Generator zu gering ist, braucht man einen zus�tzlichen Tank f�r den Raketenhilfsmotor. Dort!� Er deutete auf die Treibstofftanks unter der geborstenen Au�enhaut eines ausgeschlachteten Raumschiffes.</p><p>Er konnte an diesen ausgeschlachteten Raumschiffen auch keine massiven Ramscoop-Toroide erkennen. Das war seltsam, dachte Louis. Aber Bussard-Rammd�sen verwendeten in der Regel magnetische Monopole, und Monopole waren auch f�r andere Zwecke unentbehrlich.</p><p>Den Hintersten plagten andere Sorgen.</p><p>�Sie verwendeten Tanks, um das Blei zu transportieren? Warum legten sie nicht einfach eine Bleihaut um die Schiffszelle, wo sie als Schutzschild dienen konnte, bevor das Metall in Treibstoff verwandelt wurde?�</p><p>Louis blieb still. Die Schiffe hatten gar kein Blei mitgef�hrt.</p><p>�Vielleicht wurden diese Raumschiffe in Gefechte verwickelt�, sagte Chmeee. �Das Blei konnte man von dem Rumpf abkochen, und dann w�re das Schiff ohne Treibstoff gewesen. Landen Sie, Hinterster, und wir werden in dem unbesch�digten Schiff die Antworten auf Ihre Fragen finden;�</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> schwebte noch �ber dem Raumhafen.</p><p>�Wir k�nnten auch wieder wegfliegen�, dr�ngte Chmeee, �richten Sie die Nase nach oben und schalten Sie die Schubd�sen ab. Dann fliegen wir in den Raum hinaus und k�nnen den Hyperantrieb z�nden.�</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> lie� sich auf das Landefeld hinunter. Der Hinterste sagte: �Steigen Sie auf die Transportscheiben.�</p><p>Chmeee folgte der Aufforderung zuerst. Er schnurrte leise, ehe er verschwand. Louis trat nach ihm auf die Scheibe und befand sich in einem anderen Raum.</p></section><section><title><p>6. �So lautet mein Plan.�</p></title><p>Der Raum kam ihm vertraut vor. Er hatte �hnlichkeit mit dem Flugdeck eines kleinen interplanetarischen Raumschiffes. Sie waren alle gleich ausgestattet: mit einer k�nstlichen Schwerkraft, einem Computer, den Steuervorrichtungen f�r die Schubmotoren und f�r die Ausgleichsd�sen und einem Massedetektor. Die drei Sitze f�r die Besatzung waren zur�ckklappbar, mit Sicherheitsnetzen ausger�stet, mit Kontrollhebeln in den Armlehnen, mit Harnableitern und Ausgabeschlitzen f�r Nahrungsmittel und Getr�nke. Einer der drei St�hle war viel gr��er als die anderen beiden Modelle. Das war alles. Louis hatte das Gef�hl, er k�nnte das Landefahrzeug mit verbundenen Augen bedienen. Ein breites Panoramafenster befand sich �ber einem Halbkreis von Monitoren und Me�anzeigen. Durch das Fenster beobachtete Louis, wie der Bauch der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> nach oben und au�en schwang. Das Landefahrzeug befand sich jetzt au�erhalb der Frachtluke.</p><p>Chmeee �berflog mit einem Blick die gr��eren Schaltkn�pfe und -hebel vor seinem Stuhl. �Wir haben auch Waffen�, sagte er leise.</p><p>Ein Monitor blinkte auf und zeigte das verkleinerte Bild eines Puppetierkopfes, der die Lippen bewegte. �Ihre Vakuum-Ausr�stung befindet sich in der Kabine unterhalb der Treppe.�</p><p>Die Treppe des Landefahrzeugs war breit und flach, den Tatzen eines Kzin angepa�t. Der Raum, den sie jetzt betraten, war viel gr��er als das Flugdeck, ausger�stet mit einem Wasserbett, Schlafplatten und einem Nahrungsmittel-Aufbereiter, der genauso aussah wie das Modell, mit dem sie bisher versorgt worden waren. Au�erdem befand sich noch ein Autodock-Ger�t in der Wohnkabine, gro� genug, um auch einen Kzin darin unterzubringen. Louis hatte eine Ausbildung als Chirurg genossen. Vielleicht wu�te der Hinterste davon.</p><p>Chmeee hatte seinen Raumanzug in einem der zahlreichen Wandschr�nke entdeckt. Als er das Ding angezogen hatte, schien er in mehreren miteinander verschwei�ten Ballons zu stecken. Der Kzin dr�ngte ungeduldig: �Louis! Mach dich fertig zum Aussteigen!�</p><p>Louis zog sich den hautengen, einteiligen Raumanzug an, befestigte den Helm darauf und schnallte sich das Tornisterger�t auf den R�cken. Der Raumanzug geh�rte zur Standardausr�stung. Er war schwei�durchl�ssig und ben�tigte daher kein K�hlsystem. Und Louis zog noch eine d�nne Au�enhaut aus Silber �ber. Es mu�te ziemlich kalt dort drau�en auf dem Raumhafen sein.</p><p>Die Luftschleuse war f�r drei Personen gebaut. Gut: Louis konnte sich durchaus eine Situation vorstellen, wo er nicht drau�en vor dem Raumschiff warten wollte, bis ein anderer die Luftschleuse passiert hatte. Wenn der Hinterste auch nicht mit einem Notfall rechnete, hatte er doch daf�r vorgesorgt. Als die Luft durch Vakuum ersetzt wurde, dehnte sich Louis' Brust aus. Er zog den �G�rtel� straff, das breite elastische Band um seine H�ften, das ihn beim Ausatmen unterst�tzte.</p><p>Chmeee verlie� das Landefahrzeug, ging �ber die Ausstiegsrampe hinaus in die Nacht. Louis nahm eine Werkzeugkiste auf und folgte ihm in leichtem Trab.</p><p>Das Gef�hl der Freiheit war schwindelerregend, gef�hrlich. Louis erinnerte sich noch rechtzeitig daran, da� die Sprechfunkanlage in seinem Raumanzug auch mit dem Leitstand der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> verbunden war. Einige Dinge mu�ten jetzt bald gesagt werden, aber nicht, wenn der Puppetier zuh�rte.</p><p>Die Proportionen waren auf dem Sims der Ringwelt verzerrt. Die zur H�lfte ausgeschlachteten Raumschiffe wirkten viel zu gro�. Der Horizont war zu nahe und viel zu scharf. Eine schwarze Mauer, die sich bis in die Unendlichkeit auszudehnen schien, schnitt die ihm vage vertraute, glei�end helle Sternenlandschaft in zwei H�lften. Wenn man die entfernten Gegenst�nde durch das Vakuum beobachtete, zeichneten sie sich noch klar und deutlich auf eine Entfernung von mehreren hunderttausend Meilen vom Hintergrund ab.</p><p>Das unversehrte Ringwelt-Raumschiff lag ihnen am n�chsten. Es schien ungef�hr eine halbe Meile entfernt zu sein. Aber der Weg bis dorthin betrug fast eine Meile. Schon bei ihrer ersten Expedition hatte er Entfernungen und Ma�e der Gegenst�nde nicht richtig sch�tzen k�nnen. Dreiundzwanzig Jahre hatten ihn von diesem Fehler nicht kuriert.</p><p>Keuchend erreichten sie den Bauch des riesigen Schiffsrumpfes. Sie entdeckten einen Aufzug in einer der Landest�tzen. Die uralte Maschine hatte nat�rlich l�ngst ihren Geist aufgegeben. Sie mu�ten mit Hilfe einer Leiter an Bord steigen.</p><p>Chmeee versuchte, die Schalthebel an einer riesigen Luftschleuse zu bedienen. Er lie� sich von Louis einen Greifschl�ssel zureichen. �Es w�re nicht ratsam, so ein Ding mit einem Schwei�brenner zu �ffnen�, sagte er.</p><p>�Vielleicht stehen sie noch unter Strom.� Er �ffnete die Abdeckung der Schaltanlage und arbeitete an den Relais.</p><p>Die �u�ere T�r schlo� sich, die innere schwang auf. Tintenschwarzes Vakuum h�llte sie ein. Chmeee schaltete seinen Taschenlampen-Laser ein.</p><p>Louis kam sich pl�tzlich klein und unscheinbar vor. Dieses Raumschiff war so gro�, da� man in ihm die Bev�lkerung einer kleinen Stadt unterbringen konnte. In so einem Schiff konnte man sich leicht verirren. �Wir sollten zuerst die Inspektionsr�hren aufsuchen�, sagte er. �Ich w�rde gerne das Schiff mit Pre�luft f�llen. Mit diesem gro�e Ballonhelm bleibst du in jedem Gang stecken, der f�r Menschen gebaut wurde.�</p><p>Sie gingen in einen Korridor hinein, der an dem gebogenen Schiffsrumpf entlangf�hrte. Rechts gingen T�ren ab, die knapp �ber Louis' Scheitel reichten. Louis �ffnete ein paar von diesen T�ren. Dahinter entdeckte er Wohnkaj�ten mit Schlafkojen und zusammenklappbaren St�hlen. Die M�bel waren f�r humanoide Wesen eingerichtet, die ungef�hr seine Gr��e hatten.</p><p>�Ich w�rde behaupten, da� Halrloprillalars Artgenossen diese Raumschiffe gebaut haben.�</p><p>�Damit sagst du nichts Neues�, erwiderte Chmeee. �Ihr Volk baute die Ringwelt.�</p><p>�Das taten sie nicht�, gab Louis zur�ck. �Es ist auch gar nicht sicher, da� sie diese Raumschiffe selbst gebaut haben. Vielleicht haben sie sie von einem anderen Volk �bernommen.�</p><p>Die Stimme des Hintersten meldete sich in ihren Helmen: �Louis? Halrloprillalar hat Ihnen doch erz�hlt, da� ihre Artgenossen die Ringwelt erbaut h�tten. Glauben Sie, da� sie log?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>Sie hatte ihn auch in anderen Dingen belogen. Louis behielt das aber f�r sich.</p><p>Er sagte: �Ich erkenne es an dem Stil. Wir wissen, da� ihre Artgenossen die St�de erbaut haben. All diese schwebenden Wolkenkratzer. Protzobjekte. Monumente, die ihre Macht und ihren Reichtum unter Beweis stellen sollten. Erinnern Sie sich noch an das Luftschlo�, an das schwebende Geb�ude mit dem Kartenraum? Nessus hat davon holografische Aufzeichnungen gemacht.�</p><p>�Ich habe sie studiert�, erwiderte der Puppetier.</p><p>�Darin befand sich ein Thronsessel und eine monumentale Drahtskulptur von einem Kopf, die so gro� war wie ein Haus. Wer setzte sich ein Luftschlo� zum Denkmal, wenn er die Ringwelt bauen konnte? Das ist doch l�cherlich. Ich glaube es nicht. Ich habe nie daran geglaubt.�</p><p>�Chmeee?�</p><p>Der Kzin sagte: �Wir m�ssen Louis' Urteil akzeptieren. Schlie�lich wei� er �ber das Wesen seiner Artgenossen am besten Bescheid.�</p><p>Sie bogen jetzt in einen radialen Korridor ein. Hier befanden sich noch mehr Schlafkabinen. Louis nahm eine von ihnen genau unter die Lupe. Der Druckanzug war interessant. Er war wie eine Jagdtroph�e an der Wand befestigt: aus einem St�ck wie ein gegerbtes Tigerfell. Rei�verschl�sse liefen kreuz und quer �ber den Anzug hin. Sie waren alle offen, leicht erreichbar, falls das Vakuum den Tr�ger des Anzugs bedrohte.</p><p>Der Kzin wartete ungeduldig, w�hrend Louis die Reisverschl�sse zuzog und einen Schritt zur�cktrat, um auf die Wirkung zu warten. Die Gelenke bauschten sich. Knie, Schultern und Ellenbogen quollen zu W�rsten auf, die H�nde glichen Waln�ssen, die mit einer Schnur zu Ketten verbunden waren. Das Gesicht w�lbte sich nach vorn. Unter der Gesichtsplatte befanden sich Me�anzeigen f�r Energie- und Luftreserven.</p><p>Der Kzin fauchte: �Nun?�</p><p>�Noch nichts. Ich brauche weitere Beweise. Gehen wir!�</p><p>�Mehr Beweise wof�r?�</p><p>�Ich glaube, ich wei� jetzt, wer die Ringwelt gebaut hat. und weshalb die Eingeborenen so sehr dem Menschen �hnlich sind. Aber warum bauten sie etwas, das sie nicht verteidigen konnten? Das ergibt keinen Sinn.�</p><p>�Aber wenn wir dar�ber diskutieren.�</p><p>�Nein, noch nicht. Gehen wir weiter!�</p><p>An der Achse des Schiffes fanden sie, was sie suchten. Ein halbes Dutzend radialer Korridore gingen von diesem Punkt ab, und ein Rohr mit einer Leiter f�hrte nach oben und nach unten. Vier Wandsegmente zwischen den Korridor�ffnungen waren mit Schaltskizzen versehen. Die Erkl�rungen waren winzige, sehr ausf�hrliche Piktogramme.</p><p>�Wie hilfreich�, sagte Louis. �Als h�tten sie geahnt, da� wir eines Tages hier vorbeikommen w�rden.�</p><p>�Die Sprachen wandeln sich�, sagte der Kzin. �Diese Leute waren noch den Gesetzen der Relativit�t unterworfen; ihre Mannschaften trennte vermutlich der Altersunterschied von einem Jahrhundert. Also brauchten sie solche Hilfen. Auch wir hielten vor den Kriegen mit der Menschheit unser Imperium mit �hnlichen Symbolen zusammen.</p><p>Louis, ich kann auf dieser Beschreibungstafel keine Waffenkammer entdecken.�</p><p>�Ich sah auch keine milit�rischen Einrichtungen auf dem Raumflughafen. Wenigstens nichts, was mir ins Auge gesprungen w�re.� Louis fuhr mit dem Finger an den Diagrammen entlang. �Komb�se, Krankenstation, Wohnbereiche�� wir befinden uns hier in einem Wohnbereich. Drei Kommandozentralen. Das erscheint mir ein wenig �bertrieben.�</p><p>�Eine f�r die Bussard-Rammd�se und den interstellaren Raum. Eine f�r den Fusionsantrieb und das Man�vrieren in einem bewohnten Planetensystem; und ein Waffenleitstand, falls vorhanden. Und eine Kommandozentrale f�r die Versorgungssysteme. Hier sehe ich ein Bildsymbol, eine Windstr�mung durch einen Korridor.�</p><p>Der Hinterste meldete sich �ber Funk. �Wenn sie �ber einen Materienumwandler verf�gten, ben�tzten sie auch einen Konversionsantrieb.�</p><p>�Oh, nicht unbedingt. Die gewaltigen radioaktiven Abgase h�tten in einem bewohnten Planetensystem eine schreckliche Verw�stung angerichtet�, sagte Louis. �Hah! Dort sind unsere Zug�nge zu den Ramscoop-Generatoren, zu den Fusionsmotoren, zur Brennstoffzufuhr. Wir wollen zuerst in die Komanndozentrale des Versorgungssystems. Es liegt zwei Decks �ber uns auf dieser Seite.�</p><empty-line/><p>Der Kontrollraum des Versorgungssystems war verh�ltnism��ig klein: eine gepolsterte Bank vor drei W�nden, die mit Schaltern und Skalen bedeckt waren. Eine Druckplatte am T�rpfosten tauchte die W�nde in ein gelbwei�lich indirektes Licht. Auch die Skalen leuchteten auf. Sie waren nat�rlich nicht zu entziffern. Piktogramme teilten die Schalter in verschiedene Gruppen ein; anhand der Symbole lie�en sich sechs Kategorien unterscheiden: Unterhaltung, Schwerkraftausgleich, Wasser, Abfallbeseitigung, Lebensmittelversorgung, Luftversorgung.</p><p>Louis begann die Schalter auszuprobieren. Logischerweise mu�ten die Schaltelemente, die am h�ufigsten bedient wurden, besonders handlich und am leichtesten zu erreichen sein. Als er ein pfeifendes Ger�usch h�rte, trat er von der Schaltwand zur�ck.</p><p>Die Druckanzeige an seinem Kinn stieg stetig an.</p><p>Der Luftdruck war niedrig, der Sauerstoffgehalt 40 Prozent. Keine sch�dlichen Substanzen, geringe Luftfeuchtigkeit.</p><p>Chmeee hatte bereits die Luft aus seinem Raumanzug entweichen lassen und zog ihn jetzt wieder aus. Louis schraubte seinen Helm ab, legte das Tornisterger�t auf die Bank und sch�lte sich ebenfalls aus seinem Anzug. Die Luft war trocken und roch etwas muffig.</p><p>Chmeee sagte: �Ich schlage vor, wir beginnen mit der Kraftstoffzufuhr. Soll ich vorangehen?�</p><p>�Okay.� Eine Ungeduld und Erregung schwang in diesem Wort mit, die er eigentlich hatte unterdr�cken wollen. Hoffentlich war das dem Hintersten nicht aufgefallen. Er folgte dem orangefarbenen R�cken des Kzin.</p><p>Wieder durch die T�r, dann nach rechts in einen radialen Korridor bis zur Mittelachse des Schiffes. Dann eine Treppe hinunter bis zum n�chsttieferen Deck, wo eine gro�e haarige Hand Louis beim Oberarm packte und in einen anderen Korridor hineinzog.</p><p>�Wir m�ssen etwas besprechen�, fauchte der Kzin.</p><p>�Ja, es ist h�chste Zeit daf�r! Wenn er uns jetzt h�ren kann, k�nnen wir gleich aufgeben. Also rei� dich zusammen.�</p><p>�Der Hinterste wird uns jetzt nicht zuh�ren. Louis, wir m�ssen die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> in unsere Gewalt bringen. Hast du auch schon daran gedacht?�</p><p>�Selbstverst�ndlich habe ich das. Aber so ein Plan w�re zum Scheitern verurteilt. Dein erster Versuch war nicht schlecht; aber was w�rdest du tun, wenn du das Schiff in deine Gewalt bringst? Du kannst mit dem Ding nicht fliegen. Du hast die Kontrolleinrichtungen ja selbst gesehen.�</p><p>�Ich kann den Hintersten dazu zwingen, das Schiff nach meinen Befehlen zu man�vrieren.�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht gelingt es dir, ihn zwei Jahre lang zu bewachen. Aber ich glaube nicht, da� die Versorgungssysteme so lange durchhalten werden. Sie sind nicht daf�r gebaut, zwei Piloten zwei Jahre lang am Leben zu erhalten. Der Hinterste hat das alles im voraus geplant.�</p><p>�Also willst du dich widerstandslos ergeben?�</p><p>Louis seufzte.</p><p>�Also gut, gehen wir unsere M�glichkeiten der Reihe nach durch. Wir k�nnen den Hintersten mit einer glaubw�rdigen Bestechung oder einer glaubw�rdigen Drohung konfrontieren. Oder wir k�nnen ihn t�ten, falls wir hinreichend davon �berzeugt sind, da� wir auch ohne ihn mit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> man�vrieren k�nnen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir k�nnen ihn aber nicht mit einem imagin�ren Materienumwandler bestechen. Dieses Ger�t existiert nicht.�</p><p>�Ich f�rchtete schon, du w�rdest mit der Wahrheit herausplatzen.�</p><p>�Ich bin doch nicht verr�ckt. Sobald er wei�, da� er uns nicht braucht, sind wir tot. Und wir haben keine anderen Bestechungsmittel. Wir k�nnen nicht auf das Flugdeck vordringen. Vielleicht gibt es irgendwo Transportscheiben, die uns dorthin bringen w�rden; aber wo sind sie im Raumschiff versteckt? Und wie bringen wir den Hintersten dazu, sie anzustellen? Angreifen k�nnen wir ihn auch nicht. Die Kugeln durchschlagen keinen General-Products-Rumpf. Die Raumschiffzelle ist mit einer Strahlenschutzschicht �berzogen, und das Zwischenschott ist vermutlich genauso gesichert. Ein Puppetier h�tte so etwas bestimmt nicht �bersehen. Also k�nnen wir nicht mit einem Laserstrahl auf ihn schie�en, weil sich die Wand in einen Spiegel verwandeln und den Strahl auf uns zur�ckwerfen w�rde. Was bleibt uns noch? Solarwaffen? Er brauchte nur die Mikrofone abzuschalten. Habe ich noch etwas ausgelassen?�</p><p>�Antimaterie. Du mu�t mich nicht erst daran erinnern, da� wir dar�ber nicht verf�gen.�</p><p>�Also k�nnen wir ihm nicht drohen, ihn nicht verletzen und auch den Kommandostand der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> nicht betreten.�</p><p>Der Kzin kraulte sich nachdenklkich die M�hne an seinem Hals.</p><p>�Und ich bin mir gar nicht so sicher�, fuhr Louis fort, �da� <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> in unser besiedeltes Universum zur�ckkehren soll.�</p><p>�Was soll das nun wieder hei�en?�</p><p>�Wir wissen zuviel. Wir w�ren eine schlechte Werbung f�r die Rasse der Puppetiers. Es ist durchaus m�glich, da� der Hinterste uns gar nicht mehr zu unserem Heimatplaneten zur�ckbringen m�chte. Warum sollte er auch? Er will doch nur wieder die Flotte der Puppetier-Planeten erreichen, die jetzt ungef�hr zwanzig oder drei�ig Lichtjahre von der Ringwelt entfernt ist. Selbst wenn wir die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> in den Griff bekommen, reichen vermutlich unsere Versorgungssysteme nicht aus, mit diesem Raumschiff unsere Galaxis zu erreichen.�</p><p>�Sollen wir uns dann ein Ringwelt-Raumschiff unter den Nagel rei�en? Dieses hier?�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. �Wir k�nnen es uns genau ansehen. Aber wir werden es vermutlich nicht fliegen k�nnen, auch wenn es in gutem Zustand ist. Halrloprillalars Volk brauchte tausend Leute f�r den Betrieb dieser Raumschiffe, und dabei kamen sie gar nicht weit damit, wenn man Prills Angaben Glauben schenken kann. Aber die Ringwelt-Ingenieure konnten damit weite R�ume �berbr�cken.�</p><p>Der Kzin stand regungslos vor ihm, als f�rchtete er, bei der kleinsten Bewegung k�nnte er explodieren. Louis bemerkte erst jetzt, wie w�tend Chmeee war. �L�uft deine Logik darauf hinaus, da� ich mich ergeben soll? K�nnen wir uns nicht einmal f�r die erlittene Schmach r�chen?�</p><p>Louis hatte auch dar�ber nachgedacht, als er unter dem Einflu� des Wonnestroms stand. Der Optimismus, der ihn dabei beseelt hatte, wollte sich jetzt nicht mehr einstellen. �Wir verz�gern, halten ihn hin, durchsuchen den Raumhafen. Wenn wir nichts Geeignetes finden, suchen wir auf der Ringwelt weiter.</p><p>Wir sind f�r so ein Unternehmen ausger�stet. Wir zwingen den Hintersten, die Mission nicht eher zu beenden, bis wir die L�sung f�r unser Problem gefunden haben. Was immer das auch sein mag.�</p><p>�Du hast uns das eingebrockt, Louis.�</p><p>�Ich wei�. Das ist ja der Witz an der Sache.�</p><p>�Warum lachst du nicht?�</p><p>�Gib <emphasis>mir</emphasis> meinen Wonnestecker zur�ck, und ich lache, bis mir die Tr�nen kommen.�</p><p>�Deine idiotischen Theorien haben uns jetzt zum Sklaven eines verr�ckten Pflanzenfressers gemacht. Du hast dich als Autorit�t in Dingen ausgegeben, von denen du gar nichts wei�t.�</p><p>Louis setzte sich mit dem R�cken zur beleuchteten Schaltwand. �Es erschien mir alles so logisch. Tanj, es <emphasis>war</emphasis> logisch. H�r zu: die Puppetiers hatten die Ringwelt schon jahrelang studiert, ehe wir etwas von ihrer Existenz erfuhren. Sie kannten ihre Rotationsgeschwindigkeit, ihre Gr��e und ihre Masse, die etwas gr��er ist als die Masse unseres Sol-Planeten Jupiter. Und nun betrachte dir den Himmel �ber diesem System. Er ist leergefegt. Da gibt es keine anderen Planeten mehr, keinen Mond, keinen Asteroid. Da gab es doch gar keine andere L�sung: die Ringwelt-Ingenieure suchten sich einen Planten von der Gr��e und Beschaffenheit des Jupiters aus und verwandelten ihn in Baumaterial. Sie verarbeiteten auch den �brigen planetarischen M�ll und f�gten ihn in der Ringwelt ein. Auch die Masse der Ringwelt entspricht ungef�hr dem Planetensystem unserer Sonne.�</p><p>�Das war alles nur reine Theorie!�</p><p>�Mit der ich euch beide �berzeugte. Vergi� das bitte nicht. Und Gasriesenplaneten�, fuhr Louis hartn�ckig fort, �bestehen zum gr��ten Teil aus Wasserstoff. Also mu�ten die Ringwelt-Ingenieure den Wasserstoff in das Ringwelt-Bodenmaterial verwandelt haben�� aus welchem Stoff dieses Zeug auch immer bestehen mag. Es ist mit nichts vergleichbar, was wir auf unseren Planeten jemals erzeugt haben. Sie mu�ten dieses Material mit einer Geschwindigkeit umgewandelt haben, die sogar eine Supernova �bertrifft. Chmeee, du mu�t zugeben, wer die Ringwelt einmal gesehen hat, traute ihren Ingenieuren alles zu.�</p><p>�Auch Nessus lie� sich von dir �berzeugen�, schnaubte der Kzin und verga�, da� er ebenfalls an diese Theorie geglaubt hatte. �Und Nessus fragte Halrloprillalar L�cher in den Bauch, wie sie das Problem der Materieumwandlung gel�st h�tten, und sie dachte, unser zweik�pfiger Reisebegleiter w�re ein bezaubernd leichtgl�ubiges Wesen. Sie band ihm den B�ren von den Ringwelt-Sternenschiffen auf, die angeblich Blei transportiert h�tten, um es in Treibstoff zu verwandeln. Blei! Warum denn nicht Eisen? Eisen besitzt zwar eine gr��ere Masse, doch seine Molekularstruktur ist viel kr�ftiger.�</p><p>Louis lachte. �Daran dachte sie gar nicht.�</p><p>�Hast du ihr vielleicht gesagt, da� die Theorie der Materieumwandlung deinem Kopf entsprungen ist?�</p><p>�Was erwartest du von mir? Sie h�tte sich nur �ber mich totgelacht. Und es war schon zu sp�t, Nessus wieder von dieser Theorie abzubringen. Denn Nessus lag damals schon im Autodock, mit einem amputierten Kopf.�</p><p>�Hmmm.�</p><p>Louis rieb sich die schmerzenden Schultern. �Einer von uns h�tte es besser wissen m�ssen. Ich sagte dir doch schon, da� ich nach meiner R�ckkehr den Computer mit dem Problem f�tterte. Wei�t du �berhaupt, wieviel Energie man braucht, um die Masse der Ringwelt in eine Rotationsgeschwindigkeit von siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde zu versetzen?�</p><p>�Warum fragst du mich?�</p><p>�Man braucht eine <emphasis>Menge</emphasis> Energie dazu. Die tausendfache Menge der j�hrlichen Energieabstrahlung einer Sonne, wie wir sie hier in der Ringwelt vorfinden. Wo wollten die Ringwelt-Ingenieure so viel Energie hernehmen?� Daf�r h�tten sie mindestens ein Dutzend Planeten von der Gr��e des Jupiter zerlegen m�ssen oder einen Super-Jupiter-Planeten, der die Masse des Jupiter mindestens ein Dutzend Male �bertraf. Eine Masse, die vorwiegend aus Wasserstoff bestehen mu�te. Dann mu�ten sie einen Teil dieses Wasserstoffes zu Kernenergie verschmelzen, um die n�tige Energie f�r dieses Bauprojekt aufzubringen, und einen Teil von ihm sogar in magnetischen Flaschen lagern. Denn nachdem sie die Ringwelt aus den festen Bestandteilen der ausgeschlachteten Planeten erbaut hatten, mu�ten sie noch gen�gend Energiereserven �brig haben, um mit Hilfe von Fusionsraketen die Ringwelt in ihre Rotationsgeschwindigkeit zu versetzen.�</p><p>�Einsicht im nachhinein ist eine wunderbare Sache.� Chmeee rannte im Korridor auf seinen Hinterbeinen auf und ab wie ein Mensch, der tief in Gedanken versunken ist. �Wir wurden von einem verr�ckten fremden Wesen versklavt, um nach einer Maschine zu suchen, die nie existiert hat. Was wird deiner Meinung nach in diesem Jahr geschehen, das uns noch bleibt?�</p><p>Es war schwierig, sich optimistisch auszudr�cken, wenn man nicht unter dem Wonnestrom stand. �Wir forschen. Materieumwandlung mag ja eine feine Sache sein, aber da gibt es bestimmt noch andere wertvolle Dinge auf der Ringwelt zu entdecken. Vielleicht finden wir etwas. Vielleicht ist auch schon ein Raumschiff der Vereinten Nationen hier gelandet. Vielleicht finden wir eine Raumschiffbesatzung der Ringwelt, die bereits tausend Jahre alt ist. Vielleicht f�hlt sich der Hinterste einsam und l�dt uns auf sein Flugdeck ein.�</p><p>Der Kzin schritt mit zuckendem Schwanz auf und ab. �Kann ich dir vertrauen? Der Hinterste kontrolliert den elektrischen Strom deines Wonnesteckers.�</p><p>�Ich werfe diese Sucht �ber Bord.�</p><p>Der Kzin schnaubte.</p><p>�Bei Finagles stinkenden Hoden! Chmeee, ich bin zweihundertf�nfundzwanzig Jahre alt. Ich bin schon alles gewesen! Ich war erst der K�chenchef. Ich habe mitgeholfen, eine Raumstation �ber Down zu errichten. Ich habe mich auf Home niedergelassen und dort eine Weile wie ein Kolonist gelebt. Jetzt bin ich ein Wonnestrom-S�chtiger. Nichts ist von Dauer. Man kann nicht einen Beruf oder ein Laster zweihundert Jahre lang durchhalten. Eine Ehe, eine Karriere, ein Hobby�� das alles ist nur gut f�r zwanzig Jahre, und vielleicht wiederholt man auch einmal eine Phase seines Lebens. Ich habe mich auch mit experimenteller Medizin besch�ftigt. Ich schrieb ein dickes Buch, eine Dokumentation �ber die Trinoc-Kultur, und gewann damit einen.�</p><p>�Die Wonnestrom-Sucht beeintr�chtigt das Gehirn. Das ist ganz etwas anderes, Louis.�</p><p>�Ja, es ist ganz etwas anderes.� Louis sp�rte, wie die Depression ihn �berkam, als w�rde eine schwarze Wand aus Gelee �ber ihm zusammenbrechen. �Die Welt ist entweder schwarz oder wei�. Der Draht ist tot oder gibt Strom ab. Es gibt keine Zwischent�ne. Ich habe es satt. Ich hatte es schon satt, ehe der Hinterste die Kontrolle �ber meinen Wonnestromstecker �bernahm.�</p><p>�Aber du hast ihn noch nicht aufgegeben.�</p><p>�Ich m�chte den Hintersten im Glauben lassen, da� ich ohne ihn nicht auskommen kann.�</p><p>�Und du m�chtest mich davon �berzeugen, da� du ohne ihn auskommen kannst.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und was denkst du von dem Hintersten? Ich habe noch nie von einem Puppetier geh�rt, der sich so seltsam benommen h�tte.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe mir schon �berlegt, ob nicht alle verr�ckten H�ndler Geschlechtsgenossen von Nessus gewesen sind. Ob nicht die beherrschenden Vertreter dieser Gattung sogenannte Spermatr�ger sind, also M�nnchen.�</p><p>�Hmmm.�</p><p>�Es mu� nicht unbedingt so sein. Der Wahnsinn, der einen Puppetier auf die Erde treibt, weil er mit den anderen Puppetiers nicht mehr zurechtkommt, ist nicht von gleicher Qualit�t wie der Wahnsinn eines Joseph Stalin. Was verlangst du von mir, Chmeee? Ich kann dir keine Antwort geben, wie er reagieren wird. Wenn wir ihm die Intelligenz nicht absprechen, wird er die Verhandlungstechnik der General-Products-Gesellschaft anwenden. Es ist die einzige Methode, die nachweisbar bei Vertretern unserer Rassen zum Erfolg f�hrt.�</p><p>Die Konservenluft war k�hl und schmeckte nach Metall. In diesen Schiffen war viel zu viel Metall eingebaut, dachte Louis. Es war schon seltsam, da� Halrloprillalars Artgenossen keine fortschrittlicheren Materialien verwendet hatten. Die Konstruktion einer Bussard-Rammd�se war nichts f�r Primitive.</p><p>Die Luft roch komisch, und das diffuse, gelbwei�e Licht in den Schaltw�nden zeigte eine schwankende Helligkeit. Es war wohl besser, wenn sie wieder ihre Druckanz�ge anlegten.</p><p>Chmeee sagte: �Da drau�en steht das Landefahrzeug. Es, k�nnte uns auch als Raumflugzeug dienen.�</p><p>�Und was verstehst du dann unter einem Raumschiff? Ein Verkehrsmittel zwischen Planeten? Ein solches Schiff brauchen wir, wenn wir auf der Ringwelt herumkommen wollen. Aber ich bezweifle, da� wir damit einen anderen Stern erreichen k�nnen.�</p><p>�Ich dachte daran, die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> zu rammen. Wenn wir schon nicht mehr entrinnen k�nnen, sollten wir uns wenigstens r�chen.�</p><p>�Das w�rde ziemlich komisch aussehen, wenn du mit diesem Ding eine General-Products-Rumpfzelle rammst.�</p><p>Der Kzin ragte �ber ihm auf. �Du betrachtest mir die Dinge zu oft von der l�cherlichen Seite, Louis. Was w�re ich wohl auf der Ringwelt ohne Geschlechtspartner, ohne mein Leben, ohne Namen? Mit einer Lebenserwartung von einem Jahr?�</p><p>�Wir werden die Zeit gr�ndlich n�tzen. Wir werden schon einen Ausweg finden. Inzwischen��� Louis erhob sich von der gepolsterten Bank�� �suchen wir offiziell immer noch nach einem nicht existierenden Materieumwandler. Tun wir wenigstens so, als w�rden wir nach ihm suchen.�</p></section><section><title><p>7. Ein entscheidender Augenblick</p></title><p>Louis erwachte mit einem B�renhunger. Er w�hlte sich ein Cheddar-K�se-Souffle, Irish Coffee und Blutorangen und a� davon eine doppelte Portion.</p><p>Chmeee schlief, zusammengerollt wie eine Wagenburg. Er sah irgendwie anders aus. H�bscher�� ja, weil das Narbengewebe verschwunden war. Es war von einem neuen, frisch gewachsenen Pelz �berzogen.</p><p>Seine Ausdauer war beeindruckend. Sie hatten zun�chst alle vier Ringwelt-Sternschiffe durchsucht und waren weitergeeilt zu einem langgestreckten niedrigen Geb�ude am Rande der Unendlichkeit, das sich als Leitstelle f�r die Ringmagnetanlage entpuppte. Zuletzt hatte sich Louis vor Ersch�pfung kaum noch bewegen k�nnen. Er wu�te, da� <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> ein viel lohnenderes Objekt f�r ihre Ermittlungen darstellte. Er mu�te sich die Einzelheiten ihrer Konstruktion vergegenw�rtigen, nach Schwachpunkten suchen, nach M�glichkeiten, um auf das Kommandodeck zu gelangen. Statt dessen hatte er Chmeee begleitet, ihn schlie�lich mit seinem Ha� verfolgt. Der Kzin hatte auch nicht eine Pause eingelegt.</p><p>Der Hinterste erschien pl�tzlich wie aus dem Nichts. Seine M�hne war gek�mmt und gef�nt, mit Kristallen geschm�ckt, die bei jedem Schritt ihre Spektralfarben wechselten. Louis war fasziniert davon. Der Puppetier war schlechter Laune gewesen, als er das Raumschiff alleine steuern mu�te. Wechselte er seine Garderobe nur, um seine Gefangenen mit seiner Eleganz zu beeindrucken?</p><p>Der Puppetier fragte: �Louis, m�chten Sie den Wonnestecker haben?�</p><p>Louis wollte ihn haben, aber. �Noch nicht.�</p><p>�Sie haben elf Stunden geschlafen.�</p><p>�Vielleicht habe ich mich bereits der Planetenzeit der Ringwelt angepa�t. Haben Sie inzwischen etwas erreicht?�</p><p>�Ich habe Laser-Spektogramme von den Schiffsr�mpfen angefertigt. Sie bestehen gr��tenteils aus Eisenlegierungen. Zudem fertigte ich Tiefenradar-Bilder an, je zwei Ansichten von den vier Schiffen. Ich unternahm auch einen Erkundungsflug mit <emphasis>Hei�er Nadel</emphasis>, w�hrend Sie schliefen. Ich entdeckte noch zwei Raumschiff-Rampen auf der Ringwelt; ihre Winkelentfernung auf dem Kreis betr�gt einhundertzwanzig Grad. Dort entdeckte ich noch elf weitere Raumschiffe aufgrund der Spektralanalyse ihrer Schiffshaut. Auf diese Entfernung konnte ich nat�rlich keine Einzelheiten feststellen.�</p><p>Chmeee erwachte, streckte sich und trat neben Louis vor das durchsichtige Zwischenschott. �Wir haben bisher nur gelernt, noch mehr Fragen zu stellen�, sagte er. �Ein Schiff war unversehrt, drei ausgeschlachtet. Warum?�</p><p>�Vielleicht h�tte uns Halrloprillalar dar�ber Auskunft geben k�nnen�, erwiderte der Hinterste. �Aber behandeln wir zun�chst die dringenden Probleme. Wo ist der Materie-Umwandler?�</p><p>�Wir haben keine Instrumente in unserer Kabine. Transportieren Sie uns zum Landefahrzeug zur�ck, Hinterster. Wir werden die Monitore auf dem Flugdeck verwenden.�</p><p>Acht Monitore schimmerten an der hufeisenf�rmig angeordneten Instrumentenwand. Chmeee und Louis betrachteten die geisterhaften Schemaskizzen der Bussard-Rammd�sen-Schiffe, die vom Computer aus den Tiefenradar-Bildern zusammengesetzt wurden.</p><p>�Es sieht so aus, als h�tte ein Team alle drei Schiffe gepl�ndert�, sagte Louis. �Sie montierten zun�chst alles ab, was ihnen am wichtigsten erschien. Und dann m�ssen sie bei ihrer Arbeit unterbrochen worden sein: vielleicht ging ihnen die Luft aus. Das vierte Schiff scheint erst sp�ter hinzugekommen zu sein. Hmmm . . . warum hat die vierte Besatzung nicht ihr eigenes Schiff gepl�ndert?�</p><p>�Nebens�chlichkeiten. Wir suchen nur den Materie-Umwandler. Wo steckt er?�</p><p>�Wir konnten ihn nicht identifizieren�, erwiderte Chmeee.</p><p>Louis studierte die Geisterskizzen der vier Raumschiffe. �Gehen wir methodisch vor. Untersuchen wir zun�chst, was der Materie-Umwandler nicht sein kann.� Er fuhr mit einem Leuchtstab an dem R�ntgenbild des unversehrten Raumschiffes entlang. �Hier, diese paarweise angeordneten Toroid-Spiralen am Rumpf m�ssen zu dem Ramscoop-Feldgenerator geh�ren. Das hier sind Treibstofftanks. Hier sind die Zug�nge, und hier.� W�hrend er die Skizze erkl�rte, schaltete der Hinterste alle Bauelemente ab, die als Materie-Umwandler nicht in Frage kamen. �Hier sind die Fusionsantriebe, die diesen ganzen Abschnitt umfassen. Dann die Motoren zum Einziehen der Landebeine. Schalten Sie auch die Beine ab. Hier sind die Steuerd�sen, und hier die Plasmazufuhr aus diesem kleinen Fusionsgenerator. Hier sind die Akkumulatoren. Dieses Ding mit der Schnauze, das aus der Mitte des Rumpfes herausschaut�� wie hatte Prill es genannt?�</p><p><emphasis>�Cziltang brone�</emphasis>, fauchte Chmeee. �Ein Osmose-Generator, der vor�bergehend das Ringwelt-Material aufweicht, um es durchg�ngig zu machen. Sie ben�tzten Osmose-Generatoren anstelle von Luftschleusen.�</p><p>�Richtig.� Louis fuhr mit versteckter Schadenfreude fort: �Vermutlich haben sie diesen geheimnisvollen Materie-Umwandler bestimmt nicht in den Wohnkaj�ten versteckt, trotzdem. das sind die Wohndecks, das sind die Leitst�nde der Versorgungseinrichtungen, hier ist die Komb�se.�</p><p>�K�nnte nicht das vielleicht der Materie-Umwandler sein?�</p><p>�Nein, daran dachten wir auch schon. Aber es ist nur ein automatisiertes chemisches Laboratorium.�</p><p>�Weiter.�</p><p>�Hier sind die Gew�chsh�user. Das ist die Zuleitung der behandelten Abw�sser. Hier sind die Luftschleusen.�</p><p>Als Louis seinen Vortrag beendet hatte, war die Schiffsskizze von den Monitoren verschwunden. Der Hinterste lie� sie noch einmal auf den Schirmen aufleuchten. �Was haben wir beim erstenmal �bersehen? W�re es nicht m�glich, da� der Materie-Umwandler abgebaut und in irgendeinem Lagerraum untergebracht wurde?�</p><p>Jetzt wurde die Sache lustig. �Aber wenn sie wirklich ihre Kraftstoffreserve an der Au�enhaut befestigten�� in der Form eines Bleimantels um den Schiffsrumpf�� dann kann das doch nicht ein Innenbord-Wasserstofftank sein, nicht wahr? Vielleicht haben sie diesen geheimnisvollen Materie-Umwandler hier aufbewahrt. Er setzte eine starke Pufferung oder wenigstens eine sehr dichte Abschirmung voraus. oder ein K�hlsystem mit fl�ssigem Wasserstoff.�</p><p>Chmeee fragte, ehe der Hinterste einen Einwand erheben konnte: �Wie konnten sie diesen Materie-Umwandler �berhaupt entfernen?�</p><p>�Vielleicht mit Hilfe eines <emphasis>Cziltang brone</emphasis> von einem anderen Raumschiff. Waren denn alle Treibstofftanks leer?� Er blickte auf die Geisterskizzen der anderen Schiffe. �Ja. Okay, dann werden wir die Materie-Umwandler auf der Ringwelt wiederfinden. und sie werden nicht mehr funktionieren. Die Seuche wird sie zersetzt haben.�</p><p>�Halrloprillalars Geschichte von den Bakterien, die von Superleitern leben, haben wir aufgezeichnet�, sagte der Hinterste.</p><p>�Nun, so besonders viel konnte sie uns davon ja nicht berichten�, entgegnete Louis. �Ihr Raumschiff hatte eine lange Reise hinter sich. Als sie zur�ckkam, gab es keine Ringwelt-Zivilisation mehr. Alles, das mit Superleitern ausger�stet war, hatte seinen Betrieb eingestellt.� Er hatte sich schon damals gewundert, inwieweit Prills Geschichte von dem Verfall der St�dte tats�chlich der Wahrheit entsprach. Aber irgend etwas mu�te ja die herrschende Zivilisation der Ringwelt zerst�rt haben. �Superleiter sind eine wunderbare Sache. Am Ende gibt es kein Ger�t mehr, das nicht einen Superleiter enth�lt.�</p><p>�Dann k�nnen wir die Materie-Umwandler wieder reparieren�, sagte der Hinterste.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Sie werden in der Ladebucht Ihres Landefahrzeugs Superleiter-Draht und Superleiter-Druckschaltungen finden. Sie sind nicht aus dem gleichen Material hergestellt, das die Ringwelt ben�tzte. Also ist das Material auch immun gegen diese Bakterien. Ich dachte mir, da� wir dieses Material f�r einen Tauschhandel anbieten k�nnen.�</p><p>Louis bewahrte sein Pokersgesicht; aber der Hinterste hatte diesmal doch �berrascht. Wie konnten die Puppetiers nur so viel von der Mutanten-Plage wissen, die die Ringwelt-Maschinen zerst�rt hatte? Pl�tzlich hatte Louis keinen Zweifel mehr, da� diese Bakterien tats�chlich existierten.</p><p>Chmeee hatte es noch nicht begriffen: �Womit haben die Diebe denn die Apparate fortgeschafft? Wenn das Transportsystem auf dem Sims der Ringmauer versagte, k�nnen sie mit dem Materie-Umwandler nicht weit gekommen sein. Vielleicht liegen sie gleich hinter der Mauer, wurden dort, liegengelassen, weil sie nicht mehr funktionierten.�</p><p>Louis nickte. �M�glich. Wenn nicht, m�ssen wir ein riesiges Territorium absuchen. Ich schlage vor, wir suchen zun�chst nach einem Reparaturzentrum.�</p><p>�Louis?�</p><p>�Es mu� doch irgendwo eine Leitungs- und Wartungszentrale eingerichtet worden sein. Die Ringwelt ist doch kein autonomes technisches System. Da gibt es Anlagen zur Abwehr von Meteoren, zur Reparatur der Sch�den, die durch Meteore entstanden, dann die Ausgleichsd�sen zur Korrektur des Orbit. die �kologie konnte aus dem Gleichgewicht geraten. das alles mu�te beobachtet werden. Nat�rlich kann das Reparaturzentrum �berall auf der Ringwelt liegen. Aber es mu� eine gro�e Anlage sein. Es d�rfte uns also nicht schwerfallen, sie wiederzufinden. Und vermutlich ist sie ebenfalls l�ngst au�er Betrieb wie dieser Raumhafen, denn wenn sich jemand um die technische Aufsicht gek�mmert h�tte, w�rde die Sonne der Ringwelt immer noch im Zentrum des Artefakten liegen.�</p><p>Der Hinterste sagte: �Sie haben sich ja gr�ndlich mit dieser Materie besch�ftigt.�</p><p>�Dazu hatten wir beim erstenmal nicht die Gelegenheit. Wir kamen als Forscher. Irgendeine Laserwaffe scho� uns vom Himmel herunter, und dann waren wir vorwiegend damit besch�ftigt, uns wieder lebend von dieser Welt fortzustehlen. Wir haben an einer Stelle der Ringwelt ein F�nftel ihrer Breite erkundet und dabei fast nichts erfahren. Wir h�tten schon damals nach der Reparaturzentrale suchen sollen. Dort werden wir die Wunder dieser Welt finden.�</p><p>�Ich h�tte nicht so viel Ehrgeiz von einem Wonnestrom-S�chtigen erwartet.�</p><p>�Wir werden behutsam vorgehen.� Was die Menschen darunter verstanden, dachte Louis bei sich, nicht die Puppetiers. �Chmeee hat recht: die Materie-Umwandler k�nnten auf der anderen Seite der Ringmauer liegen, wo man sie wegwarf, sobald man sie durch die Mauer transportiert hatte. Dort wurden sie dann von Bakterien zerfressen.�</p><p>Chmeee sagte: �Wir sollten nicht versuchen, mit unserem Landefahrzeug die Ringmauer zu durchsto�en. Ich habe kein Zutrauen zu einer fremden Maschine, die schon mindestens tausend Jahre alt ist. Wir m�ssen die Ringmauer �berfliegen.�</p><p>Der Hinterste fragte: �Dann kommen Sie in den Schu�bereich der Meteor-Kanonen. Wie wollen Sie diesen ausweichen?�</p><p>�Wir m�ssen sie zu �berlisten versuchen. Louis, glaubst du immer noch, da� wir damals von einer automatischen Meteor-Abwehranlage abgeschossen wurden?�</p><p>�Ich glaube es bis heute. Es passierte alles so verdammt schnell.� <emphasis>Sie fielen auf die Sonne zu, alle ein bi�chen nerv�s, eingesch�chtert von der �berw�ltigenden Wirklichkeit der Ringwelt. Alle, bis auf Teela nat�rlich. Und dann gab es pl�tzlich einen violettwei�en Blitz, und dann war die Liar in eine dichte violettgl�hende Gaswolke eingeh�llt. Teela hatte durch ein Bullauge im Rumpf geschaut. �Unser Fl�gel ist verschwunden�, hatte sie gesagt.</emphasis></p><p>�Wir wurden nicht eher unter Feuer genommen, bis unser Schiff sich auf Kollisionskurs mit der Oberfl�che der Ringwelt befand. Also mu�te es sich um eine automatische Anlage handeln. Und ich sagte dir vorhin bereits, weshalb ich annehme, da� das Reparaturzentrum l�ngst aufgegeben wurde.�</p><p>�Sch�n. Dann wird also niemand mit Absicht auf uns schie�en. Louis, wenn die Abwehranlage automatisch funktioniert, wird sie doch nicht aufs Ringmagnet-Transportsystem schie�en, oder?�</p><p>�Chmeee, wir wissen nicht, wer dieses Transportsystem gebaut hat. Vielleicht geh�rt es nicht zu den Werken der Ringwelt-Ingenieure. Vielleicht wurde es erst sp�ter errichtet, von Prills Artgenossen.�</p><p>�Das trifft zu�, sagte der Hinterste.</p><p>Seine beiden Gefangenen drehten sich um, sahen das Bild des Puppetiers auf den Monitoren.</p><p>�Ich sagte doch bereits, da� ich mich mit dem Teleskop auf der Ringwelt umgeschaut habe. Dabei stellte ich fest, da� das Magnetring-Transportsystem nur zum Teil fertiggestellt wurde. Es bedeckt nur 40 Prozent der Mauerkrone. Auf dem Abschnitt des Artefakten, wo wir uns jetzt befinden, fehlen diese Magneten. Auf dem Ringwall an der Backbordseite ist das System nur zu 15 Prozent vervollst�ndigt. Die Ringwelt-Ingenieure h�tten so ein nebens�chliches System auch niemals halb vollendet gelassen, nicht wahr? Vermutlich verwendeten sie das gleiche Raumschiff als Transportmittel, mit dem sie den Bau der Ringwelt �berwachten.�</p><p>�Prills Volk kam erst sp�ter auf diese Welt�, sagte Louis. �Wahrscheinlich sehr viel sp�ter. Vielleicht wurde ihnen das Ringmagneten-Transportsystem zu teuer. M�glicherweise ist ihnen sogar die Eroberung der Ringwelt nicht ganz gelungen. aber warum bauten sie dann Sternenschiffe? Oh, was soll's. Vielleicht werden wir das nie erfahren. Aber welche Schl�sse k�nnen wir daraus ziehen?�</p><p>�Wir �berlegten uns gerade, wie wir die Meteor-Abwehranlage �berlisten k�nnen�, sagte Chmeee.</p><p>�Ja. Ich gebe dir recht. Falls die Meteor-Kanonen die Krone der Ringmauer unter Feuer genommen h�tten, w�re dort nie ein Transportsystem errichtet worden.� Louis dachte einen Moment dar�ber nach. Es steckten noch ein paar L�cher in seiner Annahme, doch dann w�re nur noch die M�glichkeit gegeben, das Landungsschiff mit Hilfe des <emphasis>Cziltang brone</emphasis> durch die Wand der Ringwelt zu schleusen. Das Ding war uralt und vermutlich nicht mehr sehr zuverl�ssig. �Okay. Wir fliegen �ber die Krone der Ringwelt-Mauer.�</p><p>Der Puppetier sagte: �Sie schlagen ein gef�hrliches Abenteuer vor. Ich bereitete Sie so gr�ndlich wie m�glich auf diese Expedition vor. Aber ich mu�te mich auf die menschliche Technologie verlassen. Nehmen wir an, Ihr Flugger�t versagt den Dienst? Ich m�chte meine Vorr�te nicht noch mehr ersch�pfen. Sie s��en auf der Ringwelt fest. Sie wissen, da� der Artefakt zum Untergang verurteilt ist.�</p><p>�Das habe ich nicht vergesseen�, erwiderte Louis.</p><p>�Zun�chst m�ssen wir die elf Raumschiffe untersuchen, die ich auf den anderen Flugh�fen auf der Ringmauer entdeckte. Vielleicht finden wir noch mehr auf der anderen H�lfte der Ringwelt.�</p><p>Und so konnte es noch Wochen dauern, ehe der Hinterste sich damit abfinden w�rde, da� an Bord dieser Schiffe keine Materien-Umwandler existierten. Oh, zum Teufel.</p><p>�Wir sollten sofort aufbrechen�, sagte Chmeee. �Vielleicht liegt die L�sung des Geheimnisses schon hinter der n�chsten Mauer.�</p><p>�Wir haben gen�gend Treibstoff und Vorr�te an Bord. Wir k�nnen noch warten.�</p><p>Chmeee streckte einen Arm aus und legte ein paar Schalter um. Er mu�te sich die Sequenz der Schaltvorg�nge genau �berlegt und die Arbeitsweise des Landungsschiffes eingehend studiert haben, w�hrend Louis, von den Anstrengungen des vergangenen Tages ersch�pft, wie ein Toter schlief. Das kleine kegelf�rmige Flugzeug erhob sich drei�ig Zentimeter �ber den Boden, drehte sich um neunzig Grad, und dann f�llte der R�cksto� eines Fusionsmotors die Ladeluke mit einem wei�en Feuer.</p><p>�Das ist t�richt von Ihnen�, sagte die melodische Altstimme des Hintersten mit leisem Tadel, �ich k�nnte Ihren Antrieb sofort abschalten.�</p><p>Das Landefahrzeug glitt aus der Ladebucht heraus und stieg mit der brutalen Kraft von vier g in das All hinauf. Als der Hinterste seine Warnung beendete, w�ren sie jetzt bei einem Absturz bereits get�tet worden. Louis verfluchte sich, da� er das nicht vorausgesehen hatte. Chmeee war verj�ngt, er hatte unruhiges Blut in den Adern. Die H�lfte aller Kzinti wurden nie erwachsen�� sie starben im Kampf.</p><p>Und Louis Wu, der sich zu sehr mit sich selbst und seinen Entzugserscheinungen besch�ftigt hatte, hatte eine seiner Optionen aus der Hand gegeben.</p><empty-line/><p>Er fragte k�hl: �Wollten Sie die Ringwelt auf eigene Faust erkunden, Hinterster?�</p><p>Die K�pfe des Puppetiers zuckten unentschlossen �ber seiner Instrumentenkonsole.</p><p>�Nein? Dann m�ssen Sie uns schon �berlassen, wie wir die Erkundung durchf�hren wollen. Vielen Dank.� Louis wandte sich dem Kzin zu und sagte: �Versuche auf dem Ringwall zu landen.� Erst jetzt fiel ihm die eigent�mlich starre Haltung des Tigerwesens auf, dessen blanke Augen und ausgefahrene Krallen. Hatte er den Verstand verloren? Wollte er tats�chlich versuchen, mit dem Landungsboot das Raumschiff zu rammen?</p><p>Der Kzin heulte in der Heldensprache.</p><p>Der Puppetier antwortete mit der Stimme eines Kzin, �nderte seine Meinung und wiederholte auf Interworld: �Zwei Fusionsraketen, eine im Achterschiff, eine unter dem Rumpf. Keine Schubmotoren. Sie brauchen die Fusionsmotoren auf dem Boden nicht zu z�nden, es sei denn, Sie m�ssen sich verteidigen. Sie k�nnen mit Hilfe der Repulsionsd�sen abheben, die das Schiff von dem Bodenmaterial der Ringwelt wegdr�ckt. Sie k�nnen damit fliegen, als w�rden Sie einen negativen Gravitationsgenerator ben�tzen, aber die Repulsionsd�sen sind einfacher gebaut und leichter zu reparieren und zu warten. Aber schalten Sie jetzt diese D�sen nicht ein. Sie w�rden Sie von der Ringmauer abdr�cken und in das Weltall hinaussto�en.�</p><p>Das erkl�rte auch Chmeees offensichtliche Panik. Er hatte Schwierigkeiten, mit dem Flugger�t zu fliegen. Das war nicht sehr ermutigend. Aber die Rampe des Raumhafens lag jetzt schon tief unter ihnen, und das entsetzliche R�tteln beim Start hatte sich fast vollkommen gelegt. Sie flogen mit einer stetigen Schubkraft von vier g in das Universum hinauf. und pl�tzlich stand der Fusionsmotor still. Louis sagte: �Autsch!�, als das Flugger�t in den freien Fall �berging.</p><p>�Wir d�rfen uns nicht zu hoch �ber die Ringmauer erheben. Schau mal in den Wandschr�nken nach, Louis. Mache eine Bestandsaufnahme unserer Ausr�stung.�</p><p>�Du sagst mit Bescheid, ehe du wieder ein- oder abschaltest, ja?�</p><p>�Ja.�</p><p>Louis l�ste sich aus dem Sicherheitsnetz und schwebte den Niedergang hinunter.</p><p>Hier befand sich der Wohnbereich, der von Wandschr�nken und der Luftschleuse umgeben war. Louis fing an, die T�ren zu �ffnen. Der gr��te Schrank enthielt ein zusammengelegtes, feines, seidenartiges schwarzes Gewebe, das vermutlich eine Quadratmeile bedeckte, wenn man es auf dem Boden ausbreitete. Daneben lagen Zwanzig-Meilen-Spulen, an denen ein d�nner schwarzer Draht aufgewickelt war. Wenn man die Dr�hte abspulte, hatten sie eine L�nge von mehreren hundert Meilen. Der n�chste Schrank erhielt Fluggeschirre verschiedener Gr��en mit Repulsionsd�sen an den Schultern und einen kleinen Schubmotor am Tornister. Zwei gro�e und ein kleines Geschirr. Eines war nat�rlich f�r Halrloprillalar angefertigt worden. Louis fand auch noch Taschenlampen-Laser, Bet�ubungsstrahler und einen mit zwei H�nden zu bedienenden, schweren Zerst�uber. Er entdeckte drei Boxen, die ungef�hr die Gr��e von Chmeees Faust hatten, mit einer Halte-Vorrichtung, einem Mikrofon-Gitter und Ohrst�pseln (zwei kleine und ein gro�er). Das waren offenbar �bersetzungsmaschinen mit einem eingebauten Computer. Wenn sie die Dinger an den Bordcomputer angeschlossen h�tten, h�tten sie sich diese Boxen ersparen k�nnen.</p><p>Und da waren gro�e rechteckige Repulsionsplatten�� sollten diese Dinger als Lastenschlepper dienen? Und er sah Rollen mit Sinclair-Molekularketten, die aussahen wie sehr d�nner und sehr fester Draht. Dann eine Kiste mit sehr kleinen Goldbarren. Sollten sie diese als W�hrung beim Tauschhandel ben�tzen? Schutzbrillen mit eingebauten Linsen und Lichtverst�rkern. Schutzpanzer. Louis murmelte: �Er hat an alles gedacht.�</p><p>�Vielen Dank.� Der Hinterste sprach auf einem Monitor, den Louis bisher noch nicht entdeckt hatte. �Ich hatte viele Jahre Zeit, diese Expedition vorzubereiten.�</p><p>Louis hatte es satt, in allen Ecken und Enden des Schiffes auf den Hintersten zu sto�en. Seltsam. Er konnte auch die Ger�usche zweier sich raufender Katzen im Niedergang h�ren. Der Hinterste redete also mit zwei K�pfen in zwei verschiedenen Sprachen auf einmal und gab Chmeee Unterweisungen in den Instrumenten des Landefahrzeuges. Er h�rte den Ausdruck f�r �Steuerraketen��� Chmeees Stimme br�llte, ohne sich des Mikrofons zu bedienen: �Louis, halt dich fest!�</p><p>Louis scho� wieder durch den Niedergang nach oben. Kaum sa� er im Stuhl, als Chmeee bereits die Fusionsmotoren z�ndete. Das Landefahrzeug wurde abgebremst und schwebte dann knapp �ber den Rand der Ringmauer.</p><p>Der Sims war breit genug f�r das Landefahrzeug, aber mehr h�tte nicht darauf Platz gehabt. Und wie nahm die automatische Meteor-Abwehranlage der Ringwelt dieses Man�ver auf?</p><p><emphasis>Sie hatten sich damals innerhalb des Kreises der Ringwelt befunden und fielen auf den inneren Ring der Schattenblenden zu, als dieses violette Licht das Raumfahrzeug �Lying Bastard� einh�llte. Der Rumpf der �Liar� hatte sich im selben Augenblick in einer Null-Zeit-Blase abgekapselt. Als die Zeit wieder einsetzte, hatten der Rumpf und seine Besatzung keinen Schaden davongetragen. Aber der Delta-Fl�gel der �Liar� mit ihren Schubd�sen und Fusionsmotoren und Sonden hatte sich in ionisierten Dampf aufgel�st. Und der fl�gellose Rumpf fiel auf die Ringwelt zu.</emphasis></p><p>Sp�ter hatten sie dar�ber nachgedacht, was dieses Attentat zu bedeuten hatte. Sie mutma�ten, da� der violette Laser zu einem automatischen Meteor-Abwehrsystem geh�rte. Sie glaubten, da� der Laser sich auf einer der Sonnenblenden befand. Aber das war alles nur Theorie; sie hatten auf der Ringwelt nichts �ber deren Waffensysteme erfahren.</p><p>Das Magnetring-Transportsystem war eine viel sp�tere Errungenschaft. Die Ringwelt-Ingenieure hatten es nicht in ihre Berechungen einbezogen, als sie die Meteor-Verteidigungsanlage programmierten. Aber Louis hatte alte Aufzeichnungen von der Arbeitsweise dieses Transportsystems in einem von Halrloprillalars Spezies aufgegebenem Geb�ude gesehen. Das Transportmittel hatte funktioniert; und die Meteor-Verteidigungsanlage hatte nicht auf die linearen Magnetbeschleuniger geschossen oder auf die Raumschiffe, die von diesem Magnetstrom aufgenommen wurden. Louis klammerte sich an die Armst�tzen seines Sessels und wartete auf eine violette Flamme, als Chmeee das Landungsschiff �ber den Rand der Ringweltmauer hinweggleiten lie�.</p><p>Aber die Flamme blieb aus.</p></section><section><title><p>8. Ringwelt</p></title><p>Wenn man die Erde aus einer H�he von tausend Meilen betrachtet�� von einer Raumstation in einer Zwei-Stunden-Kreisbahn��, gleicht die Erde einer gro�en Kugel. Die K�nigreiche dieser Welt drehen sich im Blickfeld. Einzelheiten verschwinden hinter dem gekr�mmten Horizont, andere, bisher verborgene Details schieben sich in einen g�nstigen Blickwinkel hinein. Nachts markieren die Lichter der St�dte die Umrisse der Kontinente.</p><p>Wenn man jedoch die Ringwelt aus einer H�he von tausend Meilen betrachtet, ist die Welt flach, und man sieht die K�nigreiche dieses Planeten alle auf einen Blick. Die Mauer der Ringwelt war aus demselben Stoff gemacht wie ihr Boden. An manchen Stellen war infolge der Bodenerosion bereits dieses k�nstliche Material zutage getreten. Louis hatte bei ihrer ersten Expedition darauf zu gehen versucht�� doch dieses graustichige, durchsichtige Material war schrecklich schl�pfrig gewesen. Aber hier war die Oberfl�che durch Reibungskr�fte aufgerauht worden. Jedoch der Druckanzug und das Tornisterger�t machten Chmeee und Louis kopflastig. Sie bewegten sich sehr vorsichtig.</p><p>Am Fu� dieser glasartigen, tausend Meilen hohen Klippe hing eine d�nne, nicht ganz geschlossene Wolkendecke und Wasserfl�chen. Gew�sser in einer Ausdehnung von zehntausend bis ein paar Millionen Quadratmeilen waren mehr oder weniger gleichm��ig �ber das Land verteilt und mit einem Netzwerk von Fl�ssen verbunden. Als Louis das Gesicht hob, wurden diese Wasserflecken mit wachsender Entfernung immer kleiner, kleiner und sogar ein bi�chen dunstig. so klein, da� man ihre Umrisse nicht mehr zu erkennen vermochte und das Wasser, die W�ste und das fruchtbare Land mit den Wolken zu einem blauen Bleistiftstrich verschmolzen, der wie ein Messer durch das schwarze All schnitt.</p><p>Links und rechts davon war auch dieses schwarze Vakuum, bis das Auge das blaue Band wiederfand, das aus der Unendlichkeit hinter dem Horizont hervorzukommen schien. Es stieg wie ein Bogen in den Himmel hinauf, verengte sich wieder, lief in einer Kurve in sich selbst zur�ck, ein helles Babyblau, das sich mit dunklem Blau in regelm��iger Folge abl�ste, bis es sich hinter einer zusammengeschrumpften Sonne verlor.</p><p>Dieser Teil der Ringwelt hatte soeben seinen sonnenentferntesten Punkt durchschritten, aber ein Stern von der Beschaffenheit der irdischen Sonne konnte einem trotzdem auf diese Distanz die Augen ausbrennen. Louis blinzelte und sch�ttelte den Kopf. Seine Augen waren geblendet und sein Geist verwirrt. Diese weiten Entfernungen �bten eine hypnotische Macht auf seinen Verstand aus und hielten ihn fest, so da� man stundenoder tagelang in die Unendlichkeit hinausstarrte. Man konnte seine Seele an diese Entfernungen verlieren. Was war ein einzelner Mensch, wenn man ihn einem so gewaltigen Artefakten gegen�berstellte?</p><p>Er war Louis Wu. Es gab nichts auf dieser Ringwelt, das sich mit ihm vergleichen lie�. Daran hielt er fest. Vergi� die Unendlichkeiten; konzentriere dich auf das Detail.</p><p>Hier, ungef�hr f�nfunddrei�ig Grad bogenaufw�rts, bemerkte er einen etwas helleren blauen Fleck.</p><p>Louis stellte die Vergr��erung an seiner Schutzbrille ein. Sie hafteten auf der Gesichtsplatte, aber man mu�te schon seinen Kopf sehr still halten, wenn man was durch diese Linsen erkennen wollte. Dieser helle Fleck war ein Ozean, eine Ellipse, die sich fast �ber die ganze Breite der Ringwelt erstreckte.</p><p>Er konnte auch Gruppen von Inseln hinter einer d�nnen Wolkenschicht ausmachen. Auf der anderen Seite des Bogens, nur etwas h�her, entdeckte er noch so einen gro�en Ozean. Er glich einem etwas unregelm��igen vierzackigen Stern, der gleichfalls mit Gruppen von winzigen Inseln bestreut war�� winzig nat�rlich nur aus dieser Entfernung, in der man die Erde mit dem nackten Auge vielleicht gerade noch h�tte erkennen k�nnen.</p><p>Die Gr��e dieses Artefakten �berw�ltigte ihn von neuem. Er mu�te den Blick aus der Entfernung zur�cknehmen und Gegenst�nde in seiner n�chsten Umgebung betrachten.</p><p>Fast senkrecht unter ihm, ein paar hundert Meilen spinnw�rts, lehnte ein halber Bergkegel betrunken gegen die Ringmauer. Er schien seltsam regelm��ig geformt zu sein. Man konnte drei Schichten an ihm unterscheiden, die sich farblich voneinander absetzten: oben ein kahler, schmutziggrauer Gipfel ein ganzes St�ck tiefer ein wei�es Band, das vermutlich aus Schnee und Eis bestand; dann ein gr�nes Band, das sich bis in die H�gel am Fu�e des Berges ausdehnte.</p><p>Dieser Berg stand ganz isoliert in der Landschaft. Wenn man spinnw�rts blickte, bildete die Ringmauer eine flache senkrechte Klippe, so weit man mit den binokularen Schutzbrillen zu sehen vermochte. Nein. Wenn diese Beule am �u�ersten Rand des Sichtfeldes noch so ein Berg war, dann war er verdammt weit von seinem Standort entfernt. Dort stieg die Ringwelt schon in einer schlanken Kurve zu einem Bogen an.</p><p>Da war noch so eine Beule, wenn man antispinnw�rts blickte. Louius runzelte die Stirn. <emphasis>Merke dir das f�r zuk�nftige Studien vor.</emphasis></p><p>Wenn man nach Backbord blickte (geradeaus) und dann den Blick ein wenig nach rechts verschob (spinnw�rts), konnte man eine glitzernde wei�e Fl�che erkennen, viel heller als das Land und das Wasser. Ein mitternachtsblauer Schatten n�herte sich dieser Region. Salz, war Louis' erster Gedanke. Dieser helle glitzernde Fleck mu�te eine gewaltige Ausdehnung haben. Er schlo� bereits ein paar Dutzend Wasserfl�chen der Ringwelt ein, die kleinste davon ein Binnenmeer von der Gr��e eines Lake Huron, die gr��te dem Mittelmeer auf der Erde vergleichbar. Grelle Punkte wanderten �ber dieses Feld und erloschen wieder.</p><p>Ah! �Ein Sonnenblumenfeld.�</p><p>Chmeee blickte nach Backbord. �Das Feld, �ber dem ich bei unserer ersten Expedition fast verbrannt w�re, war gr��er.�</p><p>Slaver-Sonnenblumen waren so alt wie das Slaver-Imperium, das vor mehr als einer Milliarde Jahren zugrunde gegangen war. Die Slaver-Rasse schien diese Sonnenblumen zum Schutz ihres Eigentums am Rand ihrer Grundst�cke angepflanzt zu haben. Heute noch konnte man auf einigen Welten des bekannten Universums auf diese Pflanzen sto�en. Es war sehr schwierig, sie auszurotten. Man konnte sie nicht einfach mit Laserkanonen abbrennen. Die Silberbl�ten der Pflanzen warfen den Strahl auf den Sch�tzen zur�ck.</p><p>Was diese Sonnenblumen auf der Ringwelt zu suchen harten, war ein R�tsel. Chmeee, der damals noch Dolmetscher hie�, war �ber die Ringwelt hinweggeflogen, als eine Wolkenbank unter ihm aufri� und sich die parabolspiegelartigen Bl�ten der Pflanzen auf ihn ausrichteten. Die Narben, die von diesen geb�ndelten Lichtstrahlen zur�ckgeblieben waren, waren jetzt fast verheilt.</p><p>Louis verkleinerte den Bildausschnitt, holte diesen glitzernden Fleck n�her heran. Eine geschwungene, glatte Grenzlinie trennte das blaugr�ne, erd�hnliche Terrain von dem silbernen Sonnenblumenfeld. Die Linie schob sich wie eine Zunge in das Feld hinein, wo das Land in ein Gew�sser �berging.</p><p>�Louis? Links hinter dem Sonnenblumenfeld kann ich eine kurze schwarze Linie erkennen.�</p><p>�Ich sehe sie.� Ein kleiner schwarzer Strich auf einer unendlich ausgedehnten Mittags-Landschaft, vielleicht hunderttausend Meilen von ihrem Standort entfernt. Nun, was konnte das sein? Eine riesige Teergrube? Nein, petrochemische Stoffe h�tten sich niemals auf der Ringwelt entwickeln k�nnen. Ein Schatten? Was konnte unter der ewigen Mittagssonne der Ringwelt einen Schatten werfen?</p><p>�Chmeee, ich glaube, es ist eine schwebende Stadt.�</p><p>�Ja. Schlimmstenfalls ist es irgendein Zentrum einer Zivilisation. Wir sollten uns dorthin wenden.�</p><p>Bei ihrem ersten Besuch der Ringwelt waren sie in alten, verfallenden St�dten auf vereinzelte schwebende Geb�ude gesto�en. Warum sollte es hier nicht eine Stadt geben, die nur aus fliegenden Geb�uden bestand? Es lie� sich aus dieser Perspektive nat�rlich nicht erkennen. �Ich schlage vor�, sagte Louis, �da� wir in sicherer Entfernung von diesem Zivilisationszentrum landen und uns bei den Eingeborenen �ber diese Stadt erkundigen. Ich m�chte nicht wie ein Fallschirmspringer mitten zwischen diesen Leuten landen. Wenn es ihnen gelungen ist, ihre Stadt vor dem allgemeinen Verfall der Zivilisation zu retten, m�ssen wir mit b�sen �berraschungen rechnen. Es mu� sich um eine z�he Rasse handeln. Am besten gehen wir gleich am Rand des Sonnenblumenfeldes nieder.�</p><p>�Warum ausgerechnet dort?�</p><p>�Die Sonnenblumen haben eine verheerende Wirkung auf die �kologie der Ringwelt. Vielleicht k�nnen die Einheimischen unsere Hilfe sehr gut gebrauchen. Deshalb werden sie uns dort auch wohlwollend empfangen. Hinterster, was sagen Sie dazu?�</p><p>Die Lautsprecher blieben stumm.</p><p>�Hinterster? Ich rufe den Hintersten. Chmeee, ich glaube, er kann uns nicht h�ren. Die Mauerkrone der Ringwelt blockiert seine Signale.�</p><p>Chmeee sagte: �Ich glaube, da� unsere Freiheit nicht lange dauern wird. Ich habe ein paar Sonden in der Ladebucht hinter unserem Landungsboot entdeckt. Der Puppetier wird die Sonden als Relaisstationen verwenden. Gibt es noch etwas Wichtiges, das du mir jetzt im Vertrauen sagen m�chtest?�</p><p>�Ich w�rde sagen, wir haben das alles schon gestern abend besprochen.� �Nicht alles. Unsere Motive decken sich n�mlich nicht, Louis. Wie ich dich verstanden habe, m�chtest du vor allem dein Leben retten. In zweiter Linie verlangst du eine freie Verf�gung �ber den Wonnestrom. Ich hingegen m�chte nicht nur mein Leben und meine Freiheit retten, sondern verlange auch Satisfaktion. Der Hinterste hat einen Kzin gekidnappt. Er soll mir das b��en.�</p><p>�Einverstanden. Er hat mich ebenfalls gekidnappt.�</p><p>�Hat ein Wonnestrom-S�chtiger �berhaupt noch eine Vorstellung von gekr�nkter Ehre? Also versuche mir ja nicht in den Arm zu fallen, wenn ich Satisfaktion verlange, Louis.�</p><p>�D�rfte ich dich vielleicht daran erinnern�, erwiderte Louis, �da� ich dir bei unserer ersten Expedition auf der Ringwelt das Leben rettete? Ohne mich h�ttest du nie die <emphasis>Long Shot</emphasis> auf deinen Heimatplaneten entf�hren und dir einen Namen verdienen k�nnen.�</p><p>�Damals warst du aber kein Wonnestrom-S�chtiger.�</p><p>�Ich bin auch jetzt kein Wonnestrom-S�chtiger. Behaupte jetzt blo� nicht, ich w�rde dich bel�gen.�</p><p>�Das habe ich gar nicht.�</p><p>�Still.� Louis deutete mit dem Finger durch das Panoramafenster. Aus den Augenwinkeln hatte er eine Bewegung am Sternenhimmel bemerkt. Eine Sekunde sp�ter kam die Stimme des Hintersten aus dem Lautsprecher.</p><p>�Bitte verzeihen Sie mir die Funkpause. Was haben Sie inzwischen beschlossen?�</p><p>�Wir werden erkunden�, gab Chmeee knapp zur�ck. Er wandte sich wieder dem Fenster zu.</p><p>��bermitteln Sie mir Einzelheiten. Ich riskiere nicht gerne eine meiner Sonden, um mich mit Ihnen unterhalten zu k�nnen. Sie sind eigentlich zur Brennstofferg�nzung des Raumschiffes gedacht.�</p><p>�Dann holen Sie Ihre Sonde wieder zum Schiff zur�ck�, sagte Chmeee zum Puppetier. �Wenn wir von dem Erkundungsflug zur�ckkehren, werden wir ausf�hrlich Bericht erstatten.�</p><p>Die Sonde ging mit Hilfe mehrerer D�sen auf der Ringwand nieder. Es war ein plumper, ungef�hr sechs Meter hoher zylindrischer K�rper. Der Hinterste meldete sich wieder: �Sie f�hren eine leichtfertige Sprache. Es ist schlie�lich mein Landungsboot, das Sie aufs Spiel setzen. Beabsichtigen Sie, die Basis der Ringmauer abzusuchen?�</p><p>Generationen von Puppetier-H�ndlern hatten Sprachunterricht genommen, bis sie sich mit dieser bet�renden, melodischen Frauen-Altstimme artikulieren konnten. Vermutlich lernten sie eine andere Sprache, mit der sie Frauen zum Kaufen verf�hrten. F�r M�nner war es eine Stimme, der sie kaum zu widerstehen vermochten. Louis b�umte sich dagegen auf. Er sagte: �Wir haben doch Kameras an Bord des Landungsbootes. Damit k�nnen Sie uns doch aus der Ferne beobachten.�</p><p>�Ich habe Ihren Wonnestecker, Louis. Ich verlange eine Erkl�rung.�</p><p>Weder Louis noch Chmeee gaben dem Hintersten diesmal eine Antwort.</p><p>�Also gut. Ich habe die Transportscheiben-Verbindung zwischen dem Landeboot und dem Raumschiff hergestellt. Die Sonde wird auch daf�r als Relaisstation fungieren. Was Ihren Wonnestecker anbelangt, Louis, gebe ich Ihnen das Ger�t nicht eher zur�ck, bis Sie gehorchen gelernt haben.�</p><p>Damit war sein Problem kurz und b�ndig ausgedr�ckt, dachte Louis.</p><p>Chmeee sagte: �Es freut mich, zu erfahren, da� wir fliehen k�nnen, wenn wir Fehler machen. Ist die Reichweite der Transportscheiben beschr�nkt?�</p><p>�Ihre Beschr�nkungen liegen im Energiebereich. Die Transportscheiben k�nnen nur eine beschr�nkte kinetische Energiedifferenz absorbieren. Das Raumschiff und das Landungsboot sollten sich nicht mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen, wenn Sie in das Raumschiff zur�ckkheren wollen. Au�erdem sollten Sie sich immer auf der Steuerbordseite der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> aufhalten.�</p><p>�Das k�nnen wir mit unseren Pl�nen vereinbaren.�</p><p>�Wenn Sie vorhaben, das Landungsboot zu verlassen, m�chte ich Sie darauf aufmerksam machen, da� nur ich Ihnen die Flucht von der Ringwelt erm�glichen kann. H�ren Sie mich, Chmeee, Louis? Die Ringwelt wird nach einem irdischen Jahr mit den Sonnenblenden zusammensto�en.�</p><p>Chmeee hob mit Hilfe der von den Puppetiers entwickelten Repulsionsd�sen ab. Dann schaltete er kurz den Fusionsmotor im Heck des Landungsbootes ein und l�ste sich vom Rand der Ringweltmauer.</p><p>Zun�chst war es gar nicht so einfach, mit den Repulsionsd�sen �ber den Ringweltboden zu fliegen. Da sie sowohl von der Mauer, die den Rand der Ringwelt bildete, als auch von der Landschaft, die unter ihnen lag, abgesto�en wurden, bewegte sich das Landungsboot in einer schr�gen Kurve nach unten. Chmeee fing den Sturzflug auf einer H�he von vierzig Meilen wieder auf.</p><p>Louis koppelte das Teleskop mit einem Monitor. Das Landungsboot glitt jetzt auf dem Schubstrahl seiner Repulsionsd�sen �ber die Atmosph�re dahin. Das Boot lag so still und ruhig im Raum wie ein Ballon. Es eignete sich vorz�glich als Weltraumstativ f�r ein Teleskop.</p><p>Lehmerde, mit Steinen vermischt, t�rmte sich zu H�geln, die sich bis zum Fu� der Ringmauer ausbreiteten. Louis bewegte das Teleskop mit starker Vergr��erung an dieser Grenzlinie entlang. Nackte braune Erde vor glasigem Grau. Eine Unregelm��igkeit w�rde er m�helos entdecken.</p><p>�Was suchst du denn dort?� fragte Chmeee.</p><p>Louis h�tte antworten k�nnen, da� sie unter der Beobachtung des Puppetiers standen, der glaubte, sie suchten nach einem ausgebauten Materieumwandler. Statt dessen sagte er: �Eine Raumschiffbesatzung, die durch die Osmose-Schleuse kam, mu� ungef�hr hier die Ringwelt betreten haben. Aber ich kann nichts Sperriges entdecken, das auf eine weggeworfene Maschine hindeutet. Kleine Gegenst�nde interessieren uns doch nicht, oder? Denn sie haben bestimmt alles mitgenommen, was ihnen wertvoll erschien, und nur notgedrungen zur�ckgelassen, was sie nicht mehr zu schleppen vermochten.� Er hielt das Teleskop an. �Was sagst du dazu?� fragte er.</p><p>Auf dem Monitor zeichnete sich ein kegelf�rmiges Gebilde ab, das sich, ungef�hr drei�ig Meilen hoch, gegen die Ringmauer gest�tzt hatte. Wind und Wetter schienen hundert Millionen Jahre an diesem Gebilde gearbeitet zu haben, hatten alle Kanten von seiner Oberfl�che abgeschliffen. Ein breiter Eisg�rtel bedeckte den Fu� des Kegels; die Eisschicht war sehr dick und schien in einer Gletscherzunge zu enden.</p><p>�Die Ringwelt kopiert die Topographie erd�hnlicher Planeten�, sagte Chmeee. �Aber dieser Berg pa�t nicht in das Muster erdspezifischer geologischer Erscheinungen.�</p><p>�Ja. Man k�nnte diesen Halbkegel als Stilbruch bezeichnen. Berge treten in Ketten auf, und das trifft f�r dieses Gebilde nicht zu. Berge sind auch nicht so regelm��ig geformt. Aber da ist noch etwas, das mich stutzig macht. Alles auf dieser Welt ist vorgepr�gt wie eine gedruckte Schaltung. Erinnerst du dich noch an unsere erste Expedition, als wir mit der <emphasis>Liar</emphasis> unter den Boden der Ringwelt flogen? Meeresb�den zeigten sich im Hochrelief als Beulen oder Kuppeln. Berge als Kerben oder Beulen im versenkten Relief. Fl�sse wie Adern auf dem Arm eines Gewichthebers. Selbst die Deltas der Flu�m�ndungen waren im Ringweltmaterial vorgepr�gt. Dieser Kunstplanet ist nicht dick genug, da� sich die Natur ihre eigenen Formen bilden k�nnte.�</p><p>�Hier gibt es auch keine tektonischen Prozesse, die die Landschaft umformen k�nnten.�</p><p>�Dann h�tten wir also diesen Bergkegel dort dr�ben auf der R�ckseite der Ringwelt vom Raumhafen aus sehen m�ssen. Ich sah ihn nicht. Du etwa?�</p><p>�Ich fliege etwas n�her heran.�</p><p>Das war ein schwieriges Man�ver. Der Kzin mu�te die Fusionsmotoren einschalten, weil die Repulsionsd�sen das Schiff wieder von der Ringmauer abgedr�ngt h�tten.</p><p>Sie kamen bis auf f�nfzig Meilen an den Bergkegel heran�� nahe genug, um auch die Stadt zu entdecken. Gro�e graue Felsen ragten aus den Eisschichten heraus, und einige dieser Felsen zeigten Myriaden von schwarzen Schatten markierte T�ren und Fenster. Als er das Teleskop darauf einstellte, zeigten sich auf den Monitoren Balkone mit Markisen und Hunderte von schmalen H�ngebr�cken, die sich wie Lianen kreuz und quer zwischen den H�usern spannten. Treppen waren in den Felsen gehackt; sie verzweigten sich zu seltsam geformten Spiralen, die mindestens eine halbe Meile lang waren. Eine Treppe reichte bis zur Baumgrenze in den Vorbergen hinunter.</p><p>Im Zentrum der Stadt hatte sich ein flaches Plateau gebildet, halb Stein, halb Permafrost. Die Einwohner der Stadt ben�tzten das Plateau als Marktplatz. Bla�goldene, winzige Gestalten bewegten sich dort unten, waren gerade noch im Teleskop zu erkennen. Trugen sie einen goldenen Pelz? Oder Kleider in dieser Farbe? Ein m�chtiger Findling an der Schmalseite des Marktplatzes war zu einer Skulptur umgewandelt worden. Sie zeigte das Gesicht eines haarigen, pausb�ckigen, wohlwollend blickenden Menschenaffen.</p><p>Louis sagte: �Versuche nicht, noch n�her heranzukommen. Wir jagen ihnen einen t�dlichen Schrecken ein, wenn wir mit unserem Fusionsantrieb landen. Eine andere M�glichkeit gibt es nicht.�</p><p>Eine vertikal angelegte Felsenstadt, in der sch�tzungsweise zehntausend Leute leben. Das Tiefenradarbild zeigte, da� man sie nicht sehr tief in den Felsen gegraben hatte. Tats�chlich schienen diese Steinkegel, in denen sich die Wohnh�hlen aneinanderdr�ngten wie Waben in einem Bienenstock, aus schmutzigem Permafrost zu bestehen.</p><p>�Wollen wir sie nicht befragen, was es mit diesem seltsamen Berg auf sich hat?�</p><p>�Ich w�rde nur zu gerne mit ihnen reden�, erwiderte Louis ehrlich. �Aber schau dir mal die beiden Monitoren des Spektographen und des Tiefenradars an. Sie verwenden weder Metalle noch Plastik, ganz zu schweigen von monokristallinen Stoffen. Ich m�chte gar nicht wissen, woraus diese Br�cken gebaut sind. Die Bewohner dieser Stadt sind Primitive. Sie glauben wohl, sie leben auf einem Berg.�</p><p>�Ich bin der gleichen Meinung. Es ist zu schwierig, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wohin fliegen wir jetzt? Zur schwebenden Stadt?�</p><p>�Ja, wir orientieren uns nach dem Sonnenblumenfeld.�</p><empty-line/><p>Eine Schattenblende schob sich vor die Sonnenscheibe.</p><p>Chmeee z�ndete wieder den Heckmotor, beschleunigte auf zehntausend Meilen pro Stunde und stellte den Schub erneut ab. Sie flogen nicht so schnell, da� sie keine Einzelheiten mehr ausmachen konnten, aber die Geschwindigkeit war schnell genug, da� sie ihr Ziel ungef�hr in zehn Stunden erreichen mu�ten. Louis betrachtete die Landschaft, die unter ihnen dahinraste.</p><p>Nach ihrem Bauprinzip h�tte die Ringwelt ein endloser Garten sein m�ssen. Es war keine zuf�llig entstandene Welt, sondern ein Artefakt.</p><p>Was sie bei ihrer ersten Expedition von dieser Kunstwelt gesehen hatten, konnte man nicht als typisch bezeichnen.</p><p>Sie hatten sich damals zwischen zwei markanten Punkten der Ringwelt bewegt, die durch Meteoreinschl�ge entstanden waren: Zwischen dem Orkanauge, einem Luftstrudel �ber einem Leck im Ringweltboden und einem m�chtigen Bergkegel, der ebenfalls durch eine Meteoreinschlag entstanden war und den sie �Faust Gottes�, getauft hatten. Selbstverst�ndlich war dort die �kologie gest�rt gewesen. Das sorgf�ltig berechnete Windmuster der Ringwelt-Ingenieure war dort vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten.</p><p>Und wie stand es hier? Louis suchte vergeblich nach dem Muster eines Vulkanauges, nach einem Hurrikan, dessen Kegel vertikal verlief und an seiner Unterseite abgeflacht war. Hier gab es keine Meteor-Lecks im Ringweltboden. Aber er unterschied W�stengebiete, so gro� wie die Sahara und noch gr��er. Und die S�ttel und Gipfel der Bergketten zeigten den perlgrauen Schimmer des Ringwelt-Basismaterials. Der Wind hatte den Fels, der fr�her die Gipfel bedeckte, abgetragen.</p><p>Hatte sich das Wettermuster so schnell zum Schaden der Ringwelt ver�ndert? Oder hatten die Ringwelt-Ingenieure eine Vorliebe f�r W�stengebiete gehabt? Das Reparaturzentrum mu� schon sehr lange verwaist sein, dachte Louis. Halrloprillalars Artgenossen hatten es vermutlich nie entdeckt, nachdem die Ringwelt-Ingenieure von ihrem Kunstplaneten verschwunden waren. Und das waren sie ganz bestimmt, wenn Louis' Theorie stimmte.</p><p>�Ich m�chte jetzt drei Stunden schlafen�, sagte Chmeee. �Kannst du das Landeboot bedienen, falls ein Notfall eintreten sollte?�</p><p>Louis bewegte die Achseln. �Sicher kann ich das. Aber was soll schon passieren? Wir fliegen zu niedrig f�r das Meteoren-Abwehrsystem. Selbst wenn sich diese Anlagen auf der Ringmauer bef�nden, w�rden sie nicht auf das tiefer gelegene Land hinunterschie�en. Wir werden eine Weile lang in dieser H�he kreuzen.�</p><p>�Ja. Weck mich in drei Stunden.� Chmeee stellte die R�ckenlehne nach hinten und schlief ein.</p><p>Louis schaltete jetzt das Bug- und Heckteleskop gleichzeitig ein. Die Nacht hatte sich �ber die Sonnenblumen gesenkt. Er verfolgte im Teleskop den aufstrebenden Bogen der Ringwelt bis zu einem der Gro�en Ozeane.</p><p>Dort, vom Ozean aus spinnw�rts und fast auf der Medianlinie der Ringwelt, ragte dieser m�chtige, schiefe Vulkankegel auf, der in Wirklichkeit eine Verwerfung durch einen Meteoreinschlag darstellte und den sie �Faust Gottes� getauft hatten. Er war von einer marsfarbenen W�ste umgeben, die gr��er war als der Mars. Weiter dr�ben auf der Backbordseite leckte eine Zunge des Gro�en Ozeans in das Land hinein, in der mehrere Planeten Platz gefunden h�tten.</p><p>Sie hatten damals die K�ste dieser Meeresbucht erreicht und waren wieder umgekehrt.</p><p>Die Inseln waren in Gruppen �ber diese blaue Ellipse verteilt. Er sah auch eine einzelne Insel von kontinentaler Gr��e, geformt wie eine Sch�ssel, gef�rbt wie eine W�ste. Da war eine Scheibe im Ozean, die von einem Kanal durchschnitten wurde. All die anderen Inseln in diesem gewaltigen Meer schienen wie von der Natur geschaffen. dort, da hatte er die Landkarte der Erde wiedergefunden: Amerika, Gr�nland, Eurasien und Afrika, Australien, die Antarktis�� alle unter dem glei�end wei�en Nordpol angeordnet, wie er sie auf dem Globus in dem schwebenden Palais bei ihrem ersten Besuch betrachtet hatte.</p><p>Waren alle diese Inseln in den Gro�en Ozeanen Nachbildungen der Landkarten im Weltall vorkommender Planeten? Prill h�tte ihm dar�ber keine Auskunft geben k�nnen. Diese Inselgruppen waren lange vor der Zeit erschaffen worden, als ihre Spezies auf der Ringwelt in Erscheinung trat.</p><p>Er hatte Teela und den Sucher dort irgendwo zur�ckgelassen. Sie mu�ten sich immer noch im Bereich des Gro�en Ozeans befinden. Wenn man die riesigen Entfernungen der Ringwelt ber�cksichtigte und den R�ckfall in eine primitive Technologie, konnten die beiden in dreiundzwanzig Jahren nicht weit gekommen sein. Sie waren jetzt f�nfunddrei�ig Grad bogenaufw�rts auf dem Riesenrad der Kunstwelt�� achtundf�nfzig Meilen von ihrem Flugboot entfernt.</p><p>Louis hatte keine Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit Teela.</p><p>Drei Stunden waren vergangen. Louis streckte die Hand aus und r�ttelte Chmeee sacht an der Schulter.</p><p>Ein kr�ftiger, mit orangenem Fell bewachsener Arm schwang nach au�en. Louis wich erschrocken zur�ck, doch nicht weit genug.</p><p>Chmeee sah ihn blinzelnd an. �Louis, so darfst du mich nie mehr wecken. Brauchst du den Autodock?�</p><p>Er hatte zwei tiefe Schnittwunden dicht hinter der Schulter. Er sp�rte, wie sein Hemd das Blut aufsaugte. �Das kann noch eine Weile warten. Schau dorthin!� Er deutete auf die Weltkarte der Erde�� winzige Inseln, die durch eine breite Wasserfl�che von den anderen Inselgruppen getrennt waren.</p><p>Chmeee starrte auf das Projektionsbild des Teleskops. �Kzin!�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Das ist die Weltkarte von Kzin! Dort! Louis, ich glaube, wir irrten uns, als wir annahmen, es handelte sich um Miniaturkarten uns bekannter Planeten. Sie sind originalgetreu nachgebildet. Im Verh�ltnis eins zu eins!�</p><p>Eine halbe Million Meilen von der Weltkarte der Erde entfernt konnten sie eine andere Inselgruppe ausmachen. Wie bei der Erdkarte waren auch bei dieser Inselgruppe die Ozeane durch die Polarprojektion verzerrt. Aber die Kontinente zeigten sich in ihrer wahren Gestalt. �Das <emphasis>ist</emphasis> Kzin�, sagte Louis, �warum ist mir das nicht gleich aufgefallen? Und diese Scheibe mit dem Kanal, der sie in zwei H�lften trennt�� das ist Jinx. Dieser kleine, rotorange gef�rbte Klumpen mu� der Mars sein.� Louis zwinkerte ein paarmal, um das Schwindelgef�hl zu vertreiben. Sein Hemd war klatschna� vom Blut. �Wir k�nnen sp�ter noch dar�ber sprechen. Hilf mir hinunter zu dem Autodock.�</p></section><section><title><p>9. Die Herdenmenschen</p></title><p>Er schlief im Autodock.</p><p>Vier Stunden sp�ter�� nur noch das Gef�hl einer etwas zu straffen Haut �ber und unter dem Schulterblatt erinnerte ihn daran, da� er einen schlafenden Kzin nicht anfassen durfte�� nahm Louis wieder seinen Sitz auf dem Flugdeck ein.</p><p>Drau�en war es immer noch Nacht. Chmeee hatte den Gro�en Ozean auf dem Monitorschirm. Er fragte: �Wie geht es dir?�</p><p>�Gesund und munter wie ein Fisch. Dank der Errungenschaften unserer modernen Medizin.�</p><p>�Die Verletzung lenkte deine Aufmerksamkeit keine Sekunde ab. Aber du mu�t einen Schock erlitten und einen scharfen Schmerz gesp�rt haben.�</p><p>�Oh, ich glaube, Louis Wu w�re wahrscheinlich noch in seinem f�nfzigsten Lebensjahr in ein hysterisches Geschrei ausgebrochen. Aber was soll's. Ich wu�te, da� der Autodock griffbereit in der N�he war. Weshalb fragst du?�</p><p>�Zun�chst nahm ich an, du h�ttest die Courage eines Kzin. Doch dann schob ich deine Reaktion auf deine Wonnestrom-Sucht. Vermutlich hat sie dein Gehirn f�r kleinere Reize unempfindlich gemacht.�</p><p>�Bleiben wir lieber bei der ersten Version. Es war Courage. Okay? Wie bist du allein zurechtgekommen?�</p><p>�Ausgezeichnet.� Der Kzin deutete auf den Monitor. �Erde. Kzin. Jinx�� die zwei Kegel, die sich bis �ber die Atmosph�re hinaufschieben, entsprechen dem Ost�� und Westpol des Planeten Jinx. Das gilt auch f�r den Mars. Das ist Kdat, der Sklaven-Planet...�</p><p>�Das stimmt nicht mehr.�</p><p>�Die Kdatlyno waren unsere Sklaven. Die Pierin ebenfalls. Das dort dr�ben ist ihre Heimatwelt, glaube ich. Diese Inselgruppe dort solltest du eigentlich kennen: ist das nicht der Heimatplanet der Trinocs?�</p><p>�Ja, und sie haben auch ihren Nachbarplaneten besiedelt, soviel ich wei�. Wir k�nnen ja den Hintersten fragen, ob er eine Weltkarte des Kolonialplaneten besitzt.�</p><p>�Unsere Theorie ist hinreichend bewiesen.�</p><p>�Einverstanden. Okay, was ist der Sinn des Ganzen? Ganz gewi� ist es nicht eine Liste von erd�hnlichen Welten. Au�erdem befinden sich ein halbes Dutzend Inselgruppen im Ozean, die ich nicht zu identifizieren vermag.�</p><p>Chmeee schnaubte: �Selbst die primitivste Intelligenz sieht den Sinn des Ganzen sofort ein, Louis. Es ist ein Bilderverzeichnis der potentiellen Gegner, intelligenter oder fast intelligenter Wesen, die eines Tages die Ringwelt bedrohen k�nnten. Pierin, Kzinti, Martianer, Menschen, Trinocs.�</p><p>�Aber die Jinx passen nicht in dieses Bild. <emphasis>Oh.</emphasis> Chmeee, sie haben doch nicht angenommen, da� die Bandersnatchi eines Tages mit Kriegsschiffen hier landen w�rden. Sie sind so gro� wie Dinosaurier und besitzen keine H�nde. Und Down hat ebenfalls intelligente Wesen. Wo ist Down?�</p><p>�Dort!� �Ja. Das ist schon beeindruckend. Die Grogs erscheinen mir allerdings keine Bedrohung darzustellen. Sie verbringen ihr ganzes Leben im Sitzen auf einem Felsen.�</p><p>�Die Ringwelt-Baumeister haben auf ihrem Streifzug durch das Universum alle diese Gattungen entdeckt und sie hier als Landkarten im Gro�en Ozean festgehalten, um ihre Nachkommen vor ihren m�glichen Feinden zu warnen. Stimmst du mir soweit zu? Aber ich kann die Welt der Puppetier auf dem Ozean nicht finden.�</p><p>�Oh?�</p><p>�Und wir wu�ten, da� sie auf Jinx gelandet sind. Bei unserer ersten Expedition entdeckten wir das Skelett eines Bandersnatch.�</p><p>�Richtig. Vermutlich sind sie auf allen diesen Welten gelandet.�</p><p>Die Lichtqualit�t �nderte sich, und Louis sah, da� die Schattenblende sich antispinnw�rts entfernte. �Wir k�nnen bald landen�, sagte er.</p><p>�Und wo?�</p><p>Das Sonnenblumenfeld vor ihnen f�llte sich mit Sonnenlicht. �Drehe nach links ab und folge der Linie des Terminators. Fliege so weit, bis du wieder Land unter dir siehst. Wir wollen noch vor der Morgend�mmerung niedergehen.�</p><p>Chmeee lenkte das Raumfahrzeug in eine weite Kurve. Louis deutete nach vom. �Siehst du, wie sich dort das Sonnenblumenfeld an den Ufern des Sees voranschiebt? Diese Pflanzen haben offenbar M�he, ein Gew�sser zu �berqueren. Wir landen auf dem anderen Ufer.�</p><p>Das Fahrzeug tauchte in die Atmosph�re ein. Eine Flammenschicht zog sich um die Zelle des Raumfahrzeuges und verdeckte die Aussicht mit glei�endem Licht. Chmeee blieb in gro�er H�he, verz�gerte die Geschwindigkeit nur allm�hlich und ging tiefer, wenn die Reibungshitze nachlie�. Der See blieb unter ihnen zur�ck. Wie alle Gew�sser der Ringwelt besa� er eine reich gegliederte K�ste mit vielen Buchten und Str�nden, die sacht hinunterfielen zum Seeboden, der �berall die gleiche Tiefe aufwies. An der K�ste entdeckten sie W�lder aus Seetang und zahllose Inseln mit reinem wei�en Sand am Ufer. Eine weite Grasebene reichte antispinnw�rts bis an diesen See heran.</p><p>Die Sonnenblumenplage hatte an zwei Seiten zur Attacke angesetzt, um den See zu umzingeln. Ein Flu� schl�ngelte sich in S-Kurven durch die Sonnenblumen bis zu einem Delta, wo er in den See m�ndete. Auf der Backbordseite s�umten die Sonnenblumen bereits das Ufer eines sumpfigen Flusses, der offenbar das Wasser wieder aus dem See ableitete. Die Pflanzen waren unerbittlich auf dem Vormarsch wie die Zunge eines Gletschers.</p><p>Die Sonnenblumen entdeckten das Landungsboot.</p><p>Licht explodierte unter ihnen. Die Fenster wurden sofort schwarz, lie�en Louis und Chmeee geblendet auf ihren Sitzen.</p><p>�Keine Angst�, sagte Chmeee, �in dieser H�he k�nnen wir mit nichts zusammensto�en.�</p><p>�Die bl�den Pflanzen verwechselten uns vermutlich mit einem Vogel. Kannst du schon wieder etwas sehen?�</p><p>�Ja. Die Instrumente.�</p><p>�Geh auf eine H�he von f�nf Meilen. H�ng die Dinger ab!�</p><p>F�nf Minuten sp�ter wurden die Fenster wieder klar. Hinter ihnen war der Horizont glei�end hell erleuchtet; die Sonnenblumen versuchten immer noch, sie abzuschie�en. Vor ihnen. ja, das war es! �Ein Dorf.�</p><p>Chmeee ging noch tiefer, damit sie die Anlage deutlicher sehen konnten. Das Dorf bestand aus einem geschlossenen Doppelring von H�tten. �Wollen wir genau in der Mitte landen?�</p><p>�Nicht ratsam. Landen wir am Rand, obwohl ich mir w�nschte, ich w��te, wovon sie sich ern�hren.�</p><p>�Ich werde schon nichts anbrennen.�</p><p>Eine Meile �ber dem Dorf bremste Chmeee das Landungsboot mit dem Fusionsantrieb ab. Er landete auf diesem hohen grasartigen Zeug, das auf dieser Ebene wuchs. Im letzten Augenblick sah Louis, wie sich das Gras bewegte�� sah drei Objekte, die gr�nen Zwergelefanten �hnelten, sich aus dem Gras erheben. Sie reckten kurze, flache R�ssel in die Luft und warnten sie mit schmetternden Trompetenst��en. Dann galoppierten sie davon.</p><p>�Die Bewohner des Dorfes m�ssen Hirten sein�, sagte Louis. �Wir haben eine Stampede ausgel�st.�</p><p>Noch mehr gr�ne Elefanten schlossen sich der fl�chtenden Herde an. �Nun, gute Flucht, Captain.�</p><p>Die Instrumente zeigten eine erdverwandte Atmosph�re an. Das war keine �berraschung. Louis und Chmeee zogen sich die Schutzpanzer an: ein lederartiges Zeug, nicht so steif, da� es der Haut unangenehm gewesen w�re. Aber das Zeug wurde hart wie Stahl, sobald es von einem Speer, einem Pfeil oder einer Kugel getroffen wurde. Sie bewaffneten sich mit solaren Bet�ubungsstrahlern, �bersetzungsger�ten, Binokular-Brillen. Die Rampe trug sie hinunter in h�fthohes Gras.</p><p>Die H�tten lagen dicht beieinander und waren durch Z�une verbunden. Die Sonne stand senkrecht �ber ihnen. Eine Selbstverst�ndlichkeit auf der Ringwelt. Die D�mmerung brach gerade herein, und die Eingeborenen stiegen vermutlich gerade aus ihren Betten. An der Au�enseite der H�tten vermochten sie keine Fenster zu entdecken�� bis auf eine Ausnahme. Es befand sich in einer H�tte, die doppelt so gro� war wie die anderen, und zu diesem Fenster geh�rte sogar noch ein Balkon. Vielleicht hatte man sie bereits entdeckt.</p><p>Als Chmeee und Louis auf das Dorf zugingen, zeigten sich die Eingeborenen.</p><p>Sie kamen in einer geballten Horde �ber den Zaun und riefen sich etwas mit Falsettstimmen zu. Sie waren klein, roth�utig und von menschlichem Aussehen. Sie rannten wie die Teufel.</p><p>Sie hatten sich mit Netzen und Speeren bewaffnet. Louis sah, wie Chmeee seinen Strahler aus dem G�rtel zog und folgte seinem Beispiel. Die roten Humanoiden rasten an Louis und Chmeee vorbei, ohne sie zu beachten. Chmeee sagte: �Hat man uns soeben beleidigt?� �Nein. Sie rennen nat�rlich den Elefanten hinterher, um die Stampede aufzuhalten. Zweifelsohne haben sie einen gesunden Sinn f�r die Reihenfolge von Dringlichkeiten. Gehen wir in das Dorf. Vielleicht ist jemand zu Hause geblieben.�</p><empty-line/><p>Jemand war zu Hause geblieben. Ein paar Dutzend roth�utige Kinder beobachteten sie durch die Zaunlatten, als sie n�her kamen. Es waren magere Kinder; selbst die Babys waren so schlank wie Windhund-Welpen. Louis blieb am Zaun stehen und l�chelte auf sie hinunter. Sie beachteten ihn kaum. Die meisten hatten nur Augen f�r Chmeee.</p><p>Der freie Platz im Rundling bestand aus nackter, gestampfter Erde. Ein paar ru�ige Steine markierten ein ausgebranntes Lagerfeuer. Ein einbeiniger roth�utiger Mann kam aus einer H�tte heraus und n�herte sich ihnen mit Hilfe einer Kr�cke. Er h�pfte wie ein K�nguruh. Er trug einen Kittel aus Wildleder, der mit dekorativen Fransen besetzt war. Seine gro�en Ohren standen vom Kopf ab, und eines seiner Ohrl�ppchen mu�te schon vor langer Zeit verst�mmelt worden sein. Seine Z�hne waren spitz zugefeilt: waren sie das? Die Kinder lachten jetzt, und ihre Z�hne waren auch spitz. Sogar die Babys hatten Haifischz�hne. Nein. Sie mu�ten von Natur aus so gewachsen sein.</p><p>Der alte Mann hielt am Zaun. Er l�chelte und stellte eine Frage.</p><p>�Ich beherrsche eure Sprache noch nicht�, erwiderte Louis.</p><p>Der Alte nickte. Er hob den Arm und bewegte ihn im Kreis. Was das eine Einladung?</p><p>Eines von den �lteren Kindern fa�te Mut und machte einen Anlauf. Er (sie; die Kinder trugen keine Kittel) landete auf Chmeees Schulter, lie� sich darauf nieder und untersuchte sein Fell. Chmeee stand ganz still. Er fragte: �Was soll ich jetzt machen?�</p><p>�Das M�dchen ist nicht bewaffnet. Sage ihm nur nicht, wie gef�hrlich du bist.� Louis stieg �ber den Zaun. Der alte Mann machte f�r ihn Platz. Chmeee folgte ihm vorsichtig, damit das M�dchen nicht von seinen Schultern herunterfiel. Sie hielt sich an seiner dicken Halskrause fest.</p><p>Sie lie�en sich in der N�he der offenen Feuerst�tte nieder�� Louis, Chmeee, der einbeinige rote Mann und die Kinder. Sie schlossen einen Kreis um die Gruppe der Erwachsenen. Sie fingen an, den �bersetzungsger�ten ihre Sprache beizubringen. F�r Louis war das Routine. Seltsamerweise schien es auch f�r den alten Mann Routine zu sein. Auch die Kunststimmen der �bersetzer �berraschten ihn nicht.</p><p>Sein Name war Shivith Hooki-Furlaree soundso. Er hatte eine hohe Piepsstimme. Seine erste verst�ndliche Frage lautete: �Was e�t ihr? Ihr m��t es mir nicht sagen.�</p><p>�Ich esse Pflanzen und Meeresfr�chte und gekochtes oder gebratenes Fleisch. Chmeee i�t unbehandeltes Fleisch�, sagte Louis, und ihm erschien das eine hinreichende Auskunft zu sein.</p><p>�Auch wir essen unbehandeltes Fleisch. Chmeee, du bist ein au�ergew�hnlicher Gast.� Shivith z�gerte. �Ich mu� euch sagen, da� wir nicht <emphasis>Rishathra</emphasis> pflegen. Seid deswegen nicht �rgerlich.� Bei dem Wort <emphasis>Rishathra</emphasis> streikte der �bersetzer.</p><p>Chmeee fragte: �Was ist <emphasis>Rishathra</emphasis>?�</p><p>Der alte Mann sah ihn �berrascht an. �Wir dachten, dieses Wort w�re �berall gleich.� Er begann zu erkl�ren. Chmeee h�llte sich in ein tiefes Schweigen, als sie sich mit dem Begriff abm�hten und ihn zu umschreiben versuchten: <emphasis>Rishathra</emphasis> bedeutete Sex mit einer anderen Spezies. Jeder kannte dieses Wort. Viele Spezies praktizierten diesen Brauch. F�r einige Rassen war es eine Technik der gegenseitigen Geburtenkontrolle. F�r andere wieder die Einleitung eines Handelsabkommens. F�r einige war es tabu. F�r dieses Volk war es kein Tabu. Sie konnten diesen Brauch einfach nicht aus�ben. Die sexuellen Signale waren falsch; es konnte daran liegen, da� sie andere Pheromone�� Lockstoffe�� ausschieden. �Ihr m��t von weither kommen, weil ihr das Wort nicht kennt�, sagte der alte Mann.</p><p>Louis berichtete von sich, da� er von den Sternen hinter dem blauen Himmelsbogen gekommen sei. Nein, weder er noch Chmeee h�tten bisher <emphasis>Rishathra</emphasis> getrieben, obgleich es auch von seiner Gattung viele verschiedene Familien g�be. (Er erinnerte sich an ein Wunderland-M�dchen, das drei�ig Zentimeter gr��er und f�nfzehn Pfund leichter gewesen war als er�� eine Feder in seinen Armen.) Er sprach von der Vielfalt der Welten im Universum, die mit intelligentem Leben best�ckt waren, wobei er allerdings das Thema Krieg und Waffen aussparte.</p><p>Die St�mme des �Volkes� hatten sich Herden aus verschiedenartigen Tieren zugelegt. Sie liebten die Abwechslung, aber hungern mochten sie nicht, und es war in der Regel nicht m�glich, sich Herden verschiedener Tierarten gleichzeitig zu halten. Die St�mme des �Volkes� blieben miteinander in Verbindung, um Tausch-Feste zu feiern. Manchmal tauschten sie ganze Herden aus. Das war gleichbedeutend mit dem Wechsel eines kompletten Lebensstils: manchmal brauchte man einen halben <emphasis>Falan</emphasis> dazu, um sich gegenseitig in der Tierhaltung zu unterrichten, ehe man sich wieder trennte. (Ein <emphasis>Falan</emphasis> waren zehn Umdrehungen der Ringwelt, also siebenundf�nfzig Tage zu je drei�ig Stunden.)</p><p>W�rden die Hirten sich keine Sorgen machen, wenn Fremde sich in ihrem Dorf aufhielten? Shivith verneinte das. Zwei Fremde waren noch keine Bedrohung.</p><p>Wann w�rden sie zur�ckkommen? Mittags, antwortete Shivith. Sie hatten es sehr eilig gehabt wegen der Stampede. Sonst w�ren sie am Zaun stehengeblieben und h�tten mit ihren Besuchern geredet.</p><p>Louis fragte: �M��t ihr das Fleisch gleich essen, das ihr get�tet habt?�</p><p>Shivith l�chelte: �Nein. Es kann einen halben Tag liegenbleiben. Aber ein Tag und eine Nacht sind zu lange.�</p><p>�Habt ihr.�</p><p>Chmeee stand pl�tzlich auf. Er setzte das M�dchen vorsichtig ab und schaltete den �bersetzer aus. �Louis, ich brauche Bewegung und Einsamkeit. Ich war so lange eingesperrt, da� ich fast davon wahnsinnig geworden w�re. Brauchst du mich?�</p><p>�Nein. He.�</p><p>Chmeee war schon �ber den Zaun gesprungen. Er drehte sich noch einmal um.</p><p>�Behalte deine Kleider an! Aus der Entfernung wird man dich vermutlich nicht f�r ein intelligentes Wesen halten. Und t�te keinen von den gr�nen Elefanten!�</p><p>Chmeee winkte noch einmal und tauchte dann in dem gr�nen, wogenden Gras unter.</p><p>�Dein Freund ist sehr schnell zu Fu߫, sagte Shivith.</p><p>�Ich sollte mich ebenfalls verabschieden. Ich habe heute noch etwas Wichtiges vor.�</p><empty-line/><p>Die Flucht und das �berleben waren ihre Hauptsorgen gewesen, als sie zum erstenmal die Ringwelt besuchten. Erst sp�ter, in der sicheren und vertrauten Umgebung von Resht auf der Erde, hatte das Gewissen bei Louis Wu angeklopft. Da war es ihm wieder eingefallen, da� er eine Stadt zerst�rt haben mu�te.</p><p>Die Schattenblenden bildeten einen konzentrischen Ring in der Ringweltebene. Es waren zwanzig von ihnen, die vermittels eines d�nnen unsichtbaren Drahtes zu einem Kreis zusammengebunden waren und ihre Breitseite der Sonne zukehrten. Der Draht blieb straff, weil die Schartenblenden mit einer gr��eren Geschwindigkeit rotierten, als n�tig war, um in ihrer Umlaufbahn stabil zu bleiben.</p><p><emphasis>Liar</emphasis>, die in einen freien Fall �berging, als ihre Antriebsmotoren sich in ionisierte Wolken aufl�sten, hatte bei ihrem Sturz einen Draht der Schattenblenden zerrissen und aus seiner Verankerung gel�st. Dieser Draht, hauchd�nn, aber ein paar zehntausend Meilen lang, hatte sich wie eine Rauchwolke auf einer bewohnten Stadt niedergelassen.</p><p>Louis hatte den Draht gebraucht, um damit die notgelandete <emphasis>Liar</emphasis> �ber den Ringweltboden zu schleppen.</p><p>Sie hatten ein Ende des Drahtes gefunden und ihn an dem improvisierten Schleppfahrzeug�� Halrloprillalars schwebendes Gef�ngnis�� befestigt. Dann hatten sie den Draht hinter sich hergezogen. Louis wu�te nicht genau, was aus dieser Stadt geworden war, aber es war unschwer zu erraten. Das Zeug war so fein wie Altweibersommer-F�den und so stark und widerstandsf�hig, das es sogar Rumpfmetall zu zerschneiden vermochte. Es mu�te die Geb�ude der Stadt zu Sand zermahlen haben, als die Schleifen des Drahtes sich zusammenzogen.</p><p>Diesmal sollten die Eingeborenen nicht darunter leiden, da� Louis Wu zu ihnen gekommen war. Er litt noch an den Wonnestrom-Entzugserscheinungen; er wollte sich nicht auch noch Schuldgef�hle aufladen. Er hatte seinen Besuch damit eingeleitet, da� er eine Massenflucht ausl�ste. Das verlangte nach Wiedergutmachung.</p><p>Es war schwere k�rperliche Arbeit.</p><p>Zwischendurch legte er eine Pause ein und stieg zum Flugdeck hinauf. Der Kzin machte ihm Sorgen. Sogar ein menschliches Wesen�� ein Flachlandbewohner vor f�nfhundert Jahren, der sich im mittleren Jahren auf seinem Erfolg ausgeruht machte�� mochte aus den Latschen kippen, wenn er sich pl�tzlich in sein achtzehntes Lebensjahr zur�ckversetzt f�hlte, sein kontinuierliches Fortschreiten zum Tod j�hlings unterbrochen wurde, sein Blut sich wieder mit m�chtigen und be�ngstigenden S�ften f�llte, seine ganze Identit�t fraglich geworden war: das Haar f�lliger wurde, die Farbe wechselte, alte Narben verschwanden.</p><p>Nun, wo steckte Chmeee blo�?</p><p>Es war ein sonderbares Gras. Hier, in der Nachbarschaft des Dorfes war es h�fthoch. Spinnw�rts war ein weites Areal der Ebene bis auf die Wurzeln abgeweidet. Louis sah, wie die Herde sich am Rande des h�fthohen Graslandes bewegte, geh�tet und gelenkt von den schm�chtigen roten Humanoiden. Hinter der Herde blieb eine Schneise zur�ck, die fast vegetationslos erschien.</p><p>Das mu�te man ihnen lassen: die kleinen gr�nen Elefanten waren t�chtige Weidetiere.</p><p>Die roten M�nner mu�ten vermutlich ihr Lager recht h�ufig verlegen.</p><p>Louis bemerkte eine Bewegung im Gras in seiner unmittelbaren N�he. Er wartete geduldig, bis sich dort wieder etwas bewegte. und pl�tzlich wurde daraus ein orangefarbener Blitz. Louis bekam Chmeees Beute niemals zu Gesicht. Zum Gl�ck waren keine Humanoide in seiner N�he. Louis beendete seine Pause und setzte seine Arbeit fort.</p><empty-line/><p>Als die Hirten zur�ckkehrten, fanden sie ein Fest vor.</p><p>Sie kamen in einer geschlossenen Gruppe zum Dorf zur�ck, sich angeregt miteinander unterhaltend. Sie hielten kurz an, um das Landungsboot zu betrachten, wagten sich aber nicht zu nahe heran. Ein paar von ihnen f�hrten einen gr�nen Elefanten mit. (Das Mittagessen?) Es mochte ein Zufall sein, da� die Speertr�ger die Nachhut bildeten, als die Horde den Doppelkreis der H�tten durchquerte.</p><p>Sie blieben �berrascht stehen, als sie Louis und Chmeee mit einem anderen M�dchen auf den Schultern und einer halben Tonne Fleisch vor sich sahen, das bereits zu Portionen geschnitten, auf einer sauberen Lederunterlage ausgebreitet war.</p><p>Shivith stellte die fremden Wesen vor und gab seinen Stammesgenossen einen kurzen und recht zutreffenden Bericht ihres Anliegens. Louis war darauf vorbereitet, der L�ge bezichtigt zu werden, aber das geschah nicht. Er wurde auch dem H�uptling vorgestellt: eine Frau, die ihm nicht einmal bis zu den Brustwarzen reichte und ihn mit beunruhigenden spitzen Z�hnen anl�chelte. Louis versuchte, ihre Verbeugung nachzuahmen. Die Frau hie� Ginjerofer.</p><p>�Shivith erz�hlte uns, da� ihr die Abwechslung liebt�, sagte Louis und deutete auf das Ergebnis seiner stundenlangen Bem�hungen in der Bordk�che. Drei der Eingeborenen schwenkten den gr�nen Elefanten herum, gaben ihm einen Schlag mit den Speergriffen und trieben ihn zur�ck zur grasenden Herde. Der Stamm fiel �ber sein Mittagessen her. Auch aus den H�tten, die Louis f�r leer gehalten hatte, kamen noch Dorfbewohner zum Essen: ein Dutzend sehr alter M�nner und Frauen. Louis hatte Shivith schon f�r einen alten Mann gehalten. Er war an den Anblick von faltiger Haut, arthririschen Gelenken und alten Narben nicht mehr gew�hnt. Er fragte sich, warum sich diese Leute bisher versteckt gehalten hatten. Vermutlich hatten sie mit Pfeilen auf ihn und Chmeee gezielt, w�hrend sie mit Shivith und den Kindern plauderten.</p><p>In eine paar Minuten waren vom Fleisch nur noch kahle Knochen �brig. Sie redeten nicht beim Essen und schienen dabei auch keine protokollarische Ordnung einzuhalten. Ihre Tischsitten unterschieden sich kaum von jenen der Kzinti. Chmeee nahm die Einladung an, an dem Fest teilzunehmen. Er a� den Moa, den die Eingeborenen nicht haben wollten. Sie hielten sich an das rote Fleisch.</p><p>Louis hatte das Fleisch mit Hilfe der gro�en Repulsionsplatten vom Schiff zum Dorfplatz tranportiert. Seine Muskeln schmerzten von der anstrengenden Arbeit. Er sah zu, wie die Eingeborenen sich das Fleisch schmecken lie�en. Das tat ihm wohl. Er f�hlte sich wohl, obwohl kein Wonnestecker in seinem Sch�del befestigt war.</p><p>Die Mehrzahl der Eingeborenen verlie� das Dorf nach der Mahlzeit, um die Herde zu bewachen. Shivith, Ginjerofer und noch ein paar von den �lteren Bewohnern blieben auf dem Dorfplatz zur�ck. Chmeee fragte Louis: �Ist dieser Moa ein organisches Kunstprodukt oder ein Vogel? Der Patriarch m�chte bestimmt so einen Vogel in seiner Fasanerie unterbringen.�</p><p>�Es gibt so einen Vogel�, erwiderte Louis. �Ginjerofer, ich hoffe, damit habe ich mich f�r die Stampede heute morgen revanchiert.�</p><p>�Wir danken dir�, sagte sie. Frisches Blut war an ihren Lippen und an ihrem Kinn. Ihre Lippen waren voll und viel roter als ihre Haut. �Vergessen wir die Stampede. Es geh�rt mehr zum Leben als das Gef�hl, satt zu sein. Wir freuen uns, wenn wir Leute treffen, die anders sind als wir. Sind eure Welten wirklich so viel kleiner als unsere? Und noch rund dazu?�</p><p>�So rund wie ein Ball. Wenn meine Welt dort oben auf dem Ringbogen liegen w�rde, w�rde man sie von hier aus nur als einen wei�en Punkt erkennen k�nnen.�</p><p>�Werdet ihr zu diesen kleinen Welten zur�ckkehren und von uns berichten?�</p><p>Die �bersetzungsger�te �bermittelten dieses Gespr�ch vermutlich zum Raumschiff, wo es auf Band aufgenommen wurde. Louis sagte: �Eines Tages kehren wir zu unseren Planeten zur�ck.�</p><p>�Ihr werdet bestimmt manches von uns wissen wollen.�</p><p>�Ja. Vernichten die Sonnenblumen eure Weidegr�nde?�</p><p>Er mu�te mehrmals deuten, ehe sie ihn verstanden. �Dieses helle Licht dort dr�ben am Horizont? Dar�ber k�nnen wir euch nichts erz�hlen.�</p><p>�Habt ihr euch nicht dar�ber gewundert? Habt ihr keine Sp�her dorthin geschickt?�</p><p>Sie runzelte die Stirn.</p><p>�Was ich wei�, habe ich von meinen V�tern und M�ttern erfahren. Sie waren schon als kleine Kinder immer antispinnw�rts gezogen. Sie erinnern sich noch daran, da� sie einem gro�en See ausweichen mu�ten, aber dem Ufer nicht zu nahe kamen, weil unsere Tiere die Pfanzen verschm�hten, die dort am Ufer wuchsen. Damals sahen wir ein helles Licht spinnw�rts, das jetzt aber st�rker ist als zu jener Zeit. Was die Kundschafter betrifft: Eine Abteilung junger M�nner zog aus, um sich das Licht zu betrachten. Unterwegs trafen sie auf Riesen. Die Riesen t�teten ihre Tiere. Deshalb mu�ten sie umkehren. Sie hatten keinen Reiseproviant mehr.�</p><p>�Es scheint, da� sich die Sonnenblumen schneller bewegen als ihr.�</p><p>�Okay. Wir k�nnen uns auch schneller bewegen, falls das n�tig ist.�</p><p>�Was wi�t ihr von den schwebenden St�dten?�</p><p>Ginjerofer hatte die fliegende Stadt schon als Kind gesehen. Sie war ein Wahrzeichen wie der blaue Himmelsbogen. Nachts konnte man sogar bei bedecktem Himmel noch den gelben Fleck wiederfinden, wo sich die Stadt befand. Doch das war alles, was sie dar�ber wu�te. Die Stadt war so weit von ihnen entfernt, da� nicht einmal Ger�chte �ber die Lebensverh�ltnisse der Stadt bis zu ihnen vorgedrungen waren.</p><p>�Aber es werden uns Geschichten aus gro�er Entfernung zugetragen, falls ihr euch vielleicht daf�r interessiert. Es ist m�glich, da� sie entstellt oder verzerrt wurden, ehe sie uns erreichten. Aber man erz�hlte uns von den Leuten der Sch�ttberge, die zwischen der kalten wei�en Ebene und den H�geln wohnen, wo die Luft viel zu dick ist. Sie fliegen zwischen den Sch�ttbergen hin und her. Dazu verwenden sie Himmelsschlitten, wenn sie diese Ger�te bekommen k�nnen, doch es werden keine neuen Himmelsschlitten mehr gebaut, so da� sie sich seit ein paar hundert Jahren mit Ballons begn�gen m�ssen. K�nnt ihr mit euren Sehger�ten bis zu den Sch�ttbergen blicken?�</p><p>Louis schnallte ihr die binokularen Schutzbrille um und zeigte ihr, wie sie die Vergr��erung einstellen mu�te. �Warum nennt ihr sie Sch�ttberge? Ist das das gleiche Wort, das ihr verwendet, wenn ihr Wasser aussch�ttet?�</p><p>�Ja. Ich habe keine Ahnung, warum wir sie Sch�ttberge nennen. Dein Sehger�t zeigt mir nur die gr��eren Berge.� Sie drehte sich spinnw�rts. Die Brille bedeckte fast ihr ganzes Gesicht. �Ich kann das Ufer des Wassers sehen und dahinter ein Leuchten.�</p><p>�Was habt ihr sonst noch f�r Geschichten geh�rt?�</p><p>�Wenn wir anderen St�mmen begegnen, reden wir meistens �ber die Gefahren, die uns bedrohen. Antispinnw�rts wohnen gehirnlose Fleischfresser, die auch Menschen t�ten. Sie sehen uns �hnlich, sind aber kleiner, haben eine schwarze Haut und jagen nur nachts. Und sie sind.� Sie runzelte wieder die Stirn. �Wir wissen nicht, ob es wahr ist, was man sich von ihnen erz�hlt. Da gibt es gehirnlose Wesen, die einen Menschen zwingen, mit ihnen <emphasis>Rishathra</emphasis> zu begehen. Aber man �berlebt den Liebesakt nicht.�</p><p>�Ihr k�nnt doch nicht den Brauch des <emphasis>Rishathra</emphasis> aus�ben, h�rte ich. Also k�nnen sie euch auch nicht gef�hrlich werden.�</p><p>�Selbst uns werden sie gef�hrlich, habe ich geh�rt.�</p><p>�Wie steht es mit Krankheiten? Parasiten?�</p><p>Keiner von den Eingeborenen wu�te, was diese Worte bedeuteten! Fl�he, Hakenw�rmer, Moskitos, Masern, Wundbrand�� all diese Plagen waren unbekannt auf der Ringwelt. Das h�tte er sich allerdings denken k�nnen. Die Ringwelt-Ingenieure harten diese Plagen gar nicht erst aus dem Weltall mitgebracht. Trotzdem erschrak er, als Ginjerofer mit diesen Begriffen nichts anzufangen wu�te. Es bestand ja die M�glichkeit, da� er Keime dieser Krankheiten, nach denen er sich erkundigte, auf die Ringwelt eingeschleppt haben konnte. nein, h�chstwahrscheinlich nicht. Der Autodock w�rde alle gef�hrlichen Keime abget�tet haben.</p><p>Trotzdem waren die Eingeborenen den zivilisierten Menschenwesen sehr �hnlich. Sie wurden alt, aber nicht krank.</p></section><section><title><p>10. Das gewagte Spiel, sich als Gott auszugeben</p></title><p>Die Abendd�mmerung war noch nicht hereingebrochen, ab Louis vor Ersch�pfung die Augen nicht mehr offen halten konnte.</p><p>Ginjerofer bot ihnen eine H�tte zum Schlafen an; aber Chmeee und Louis zogen das Landungsboot als Ruhest�tte vor. Louis warf sich sofort zwischen die Schlafplatten, w�hrend Chmeee noch das Landungsboot in Verteidigungszustand versetzte.</p><p>Er erwachte mitten in der Nacht.</p><p>Chmeee hatte die Bildschirme der Teleskope eingeschaltet, ehe er sich schlafen legte. Die Landschaft zeichnete sich so hell auf dem Bildschirm ab wie an einem regnerischen Tag. Die von der Sonne beschienenen Rechtecke des Himmelsbogens glichen brennenden Deckenleuchten: sie waren so hell, da� man nur einen Blick darauf zu werfen vermochte. Aber der gr��te Teil des Gro�en Ozeans auf dem ihnen n�her liegenden Himmelsbogen war in Dunkelheit getaucht.</p><p>Die Gro�en Ozeane faszinierten ihn. Sie wirkten barock. Und genau das h�tten sie nicht sein sollen. Wenn Louis' Theorie von den Ringwelt-Ingenieuren zutraf, geh�rte Prahlerei nicht zu ihrem Wesen. Das Barocke war kein Stil, der ihnen gem�� sein konnte. Was sie bauten, mu�te einfach, von langer Dauer und zweckm��ig sein. Und sie hatten Kriege ausgefochten.</p><p>Aber die Ringwelt war an sich selbst schon ein barockes Gebilde, das unm�glich zu verteidigen war. Warum hatten sie nicht an Stelle dieses gigantischen Artefakten viele kleine Ringwelten gebaut? Und warum hatten sie die Gro�en Ozeane erschaffen? Das pa�te auch nicht zu ihrem Stil.</p><p>Vielleicht ging er von einer grundfalschen Pr�misse aus. Das war ihm schon fr�her passiert. Die Beweise jedoch.</p><p>Bewegte sich da nicht etwas im Gras?</p><p>Louis stellte den Infrarot-Sucher ein.</p><p>Sie verrieten sich durch ihre K�rperhitze. Sie waren gr��er als Hunde, erschienen ihm als ein Zwitterwesen aus Mensch und Schakal: schrecklich �bernat�rliche Wesen in diesem unnat�rlichen Licht. Louis brauchte eine gewisse Zeit, bis er die solare Bet�ubungskanone im Turm des Landungsfahrzeuges auf dem Instrumentenbrett gefunden und sie auf die Eindringlinge gerichtet hatte. Es waren vier, die sich auf allen vieren durch das Gras bewegten.</p><p>Sie hielten vor dem Zaun des Dorfes an. Dort verharrten sie einige Minuten. Dann zogen sie sich wieder zur�ck, diesmal nur in halbgeb�ckter Stellung. Louis schaltete den Infrarot-Sucher wieder ab.</p><p>Das Licht des Himmelsbogens reichte aus, ihm den Zweck ihres Erscheinens zu erkl�ren: sie schleppten den M�ll des Tages weg, die �berreste des Festes. Aasfresser wahrscheinlich. Das Fleisch war noch reif genug f�r ihren Geschmack.</p><p>Gelbe Augen in seiner n�chsten Nachbarschaft: Chmeee war hellwach. Louis sagte: �Die Ringwelt ist alt. Sie existiert mindestens schon hunderttausend Jahre.�</p><p>�Wie kommst du jetzt auf diesen Gedanken?�</p><p>�Die Ringwelt-Ingenieure hatten niemals Schakale hierher gebracht. Also blieb gen�gend Zeit f�r die biologische Entwicklung eines Zweiges der menschen�hnlichen Wesen, diese �kologische Nische zu besetzen.�</p><p>�F�r diese Evolution reichen hunderttausend Jahre nicht aus�, sagte Chmeee.</p><p>�Vielleicht doch. Ich frage mich nur, was die Ingenieure noch verga�en, mitzubringen. Moskitos zum Beispiel.�</p><p>�Du bist ein Witzbold. Sie h�teten sich wohlweislich davor, Blutsauger mitzubringen.�</p><p>�Richtig. Sie lie�en auch Haifische und Pumas vermutlich zu Hause.� Louis lachte. �Stinktiere ebenfalls. Was noch? Giftschlangen? S�ugetiere k�nnten nicht so leben wie Schlangen. Ich kann mir nicht vorstellen, da� ein S�ugetier Gift durch die Z�hne spuckt.�</p><p>�Louis, es w�rde viele Millionen von Jahren dauern, bis menschen�hnliche Wesen sich biologisch so entwickeln, da� sie einen Ersatz f�r diese fehlenden Gattungen stellen. Wir m�ssen zun�chst fragen, ob auf der Ringwelt �berhaupt eine Evolution stattgefunden hat?�</p><p>�Das hat sie, wenn ich nicht von <emphasis>vollkommen</emphasis> verkehrten Voraussetzungen ausgehe. Wie lange es dauert, bis sich ein Evolutionsproze� vollzieht, ist eher ein mathematisches Problem. Nehmen wir an, es gab eine homogone Urbev�lkerung als Grundlage der Evolution, die vor hunderttausend Jahren einsetzte.� Louis beendete den Satz nicht.</p><p>Trotz ihrer Last bewegten sich die Schakalmenschen ziemlich schnell und waren schon ein gutes St�ck vom Landeboot entfernt. Pl�tzlich hielten sie an, kehrten wieder um, schienen einen Moment lang Witterung aufzunehmen und lie�en sich dann ins Gras fallen. Als Louis den Infrarot-Sucher wieder einschaltete, zeigte er vier gl�hende Punkte, die sich fluchtartig �ber die Ebene bewegten.</p><p>�Wir bekommen Gesellschaft�, sagte Chmeee ruhig.</p><p>Das waren kolossale Burschen, die sich von spinnw�rts her n�herten. Sie waren so gro� wie Chmeee und versuchten erst gar nicht, sich zu verstecken. Vier b�rtige Riesen marschierten durch die Nacht, als geh�rte sie ihnen. Sie waren bewaffnet und gepanzert. Sie bewegten sich in Keilformation. Bogensch�tzen voran, dahinter die Schwerttr�ger, und an der Spitze des Dreiecks ein Mann in voller R�stung. Andere hatten nur Lederkoller und Armsch�tzer aus dem gleichen Material, doch der Mann an der Spitze, der gr��te von allen, war in schimmernde Wehr geh�llt: eine glitzernde Metallschale, die an den Ellbogen, den Kn�cheln, den Schultern, den Knien und den H�ften ausgeheult war. Das vorspringende Visier hatte er ge�ffnet, und im Ausschnitt des Helms zeigte sich ein heller Bart und eine breite Nase.</p><p>�Ich hatte recht. Ich hatte von Anfang an recht. Aber warum eine Ringwelt? Warum bauten sie eine Ringwelt? Wie, in Finagles Namen hofften sie, diesen Artefakt verteidigen zu k�nnen?�</p><p>Chmeee stellte den Turm mit der Strahlerkanone neu ein. �Louis, <emphasis>wovon</emphasis> redest du eigentlich?�</p><p>�Die R�stung. Schau dir die R�stung an. Bist du schon einmal im Smithsonian Institute gewesen? Hast du dir nicht die Druckanz�ge im Ringwelt-Raumschiff angesehen?�</p><p>�Hmmm. ja. Aber ich f�rchte, wir haben uns mit wichtigeren Problemen zu befassen.� �Noch nicht schie�en. Ich m�chte erst mal sehen. Ja, ich hatte recht. Sie marschieren an dem Dorf vorbei.�</p><p>�Glaubst du, da� die kleinen roten Wesen unsere Verb�ndeten sind? Es war doch nur ein Zufall, da� wir sie als erste kennenlernten.�</p><p>�Ich w�rde behaupten, sie sind unsere Verb�ndeten. Vorl�ufig wenigstens.�</p><p>Das Mikrophon fing einen hellen Schrei auf, der von einem Trompetensto� unterbrochen wurde. Die Bogensch�tzen legten alle zugleich einen Pfeil an die Sehnen. Zwei kleine roth�utige Wachposten liefen mit beeindruckender Geschwindigkeit zu den H�tten zur�ck. Aber die Riesen beachteten sie nicht.</p><p>�Feuer!� sagte Louis leise.</p><p>Viele Pfeile schwirrten jetzt ziellos in den Nachthimmel hinauf. Die Riesen knickten zusammen. Zwei oder drei gr�ne Elefanten gaben schmetternde Trompetenst��e von sich und versuchten sich im Gras aufzurichten. Auch sie gingen wieder in die Knie. In der Haut des einen Elefanten steckten zwei Pfeile.</p><p>�Sie hatten es auf die Herde abgesehen�, sagte Chmeee.</p><p>�Ja. Wir k�nnen nicht zusehen, wie sie die Herde abschlachten. Du bleibst hier und bedienst die Kanone, w�hrend ich mit diesen Leuten verhandle.�</p><p>�Ich nehme von dir keine Befehle entgegen, Louis.�</p><p>�Hast du einen anderen Vorschlag?�</p><p>�Nein. Aber la� wenigstens einen von den Riesen �brig, damit wir ihn verh�ren k�nnen.�</p><empty-line/><p>Dieser Riese lag auf dem R�cken. Er hatte nicht nur einen Bart, sondern eine Bartm�hne: nur seine Augen und seine Nase schauten aus der goldenen Haarflut heraus, die Gesicht, Kopf und Schultern bedeckte. Ginjerofer kauerte neben ihm und zwang ihm mit ihren kleinen H�nden die Kiefer auseinander. Die Kieferknochen des Kriegers waren gewaltig. Das Gebi� bestand durchweg aus flachkronigen Mahlz�hnen, die erheblich abgen�tzt waren.</p><p>�Siehst du�, meinte Ginjerofer, �er ist ein Pflanzenfresser. Sie wollten unsere Herde t�ten, um ihnen das Gras wegnehmen zu k�nnen.�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. �Ich h�tte nicht geglaubt, da� der Konkurrenzkampf um das Gr�nfutter hier so gro� ist.�</p><p>�Wir wu�ten es selbst nicht. Aber sie kommen von spinnw�rts, wo unsere Herden das Gras abgeweidet haben. Ich danke dir, da� du sie f�r uns get�tet hast, Louis. Wir m�ssen ein gro�es Fest veranstalten.�</p><p>Louis' Magen drehte sich um bei diesem Gedanken. �Sie schlafen nur. Und es sind intelligente Wesen wie du und ich.�</p><p>Sie blickte ihn gro� an. �Aber ihr Verstand war doch auf unser Verderben ausgerichtet!�</p><p>�Aber wir �berw�ltigten sie. Und deshalb bitten wir, sie am Leben zu lassen.�</p><p>�Und was sollen wir tun, wenn wir sie aufwachen lassen?�</p><p>Das war tats�chlich ein Problem. Louis improvisierte: �Wirst du sie am Leben lassen, wenn ich daf�r eine L�sung finde? Vergi� nicht, da� es unsere Kanone war, die sie einschl�ferte.� Das war eine versteckte Drohung an Ginjerofer, da� Chmeee die Kanone auch gegen das Dorf verwenden konnte.</p><p>�Wir werden dar�ber beraten�, erwiderte Ginjerofer.</p><p>Louis wartete. Vierzig pflanzenfressende Riesen w�rden niemals im Landungsboot Platz finden. Man konnte sie nat�rlich entwaffnen. Louis mu�te grinsen, als er das Schwert in der breiten Pranke des Riesen betrachtete. Die lange gebogene Klinge war eine vorz�gliche Sichel.</p><p>Ginjerofer kam zu ihm zur�ck. �Sie d�rfen am Leben bleiben, wenn wir ihren Stamm nie mehr zu Gesicht bekommen. Kannst du uns das versprechen?�</p><p>�Du bist eine intelligente Frau. Ja, sie k�nnten Verwandte haben, die der Blutrache verpflichtet sind. Ja, und ich kann dir versprechen, da� du diesen Stamm nie wieder sehen wirst.�</p><p>Chmeee meldete sich im Ohrst�psel: �Louis? Vielleicht mu�t du den ganzen Stamm ausrotten!�</p><p>�Nein, das kostet viel Zeit, und schau dir doch diese Riesen einmal an! Es sind Bauern. Sie k�nnen uns nichts anhaben. Schlimmstenfalls werde ich sie dazu zwingen, ein gro�es Flo� zu bauen, und wir werden es mit dem Landungsboot auf den See hinausschleppen. Die Sonnenblumen haben die Flu�grenze noch nicht �berquert. Wir werden sie in sicherer Entfernung der Sonnenblumen an einer Stelle wieder an Land setzen, wo Gras w�chst.�</p><p>�Weshalb? Auch das wird uns ein paar Wochen Zeit kosten!�</p><p>�F�r Informationen, Chmeee.� Louis drehte sich wieder Ginjerofer zu. �Ich brauche den Burschen, der die R�stung tr�gt. Und ich m�chte alle ihre Waffen haben. Du darfst ihnen nicht einmal ein Messer lassen. Such die von den Waffen aus, was du gerne haben m�chtest. Aber alles andere verladen wir in unserem Schiff.�</p><p>Sie betrachtete unschl�ssig den gepanzerten Riesen. �Wie sollen wir ihn von der Stelle bewegen?�</p><p>�Ich habe daf�r ein Transportmittel. Eine Repulsionsplatte. Wenn wir den Riesen fortgeschafft haben, fesselt ihr die anderen Pflanzenfresser. La�t sie nur paarweise wieder frei. Erz�hl ihnen, wie die Sache steht. Und schicke sie nach spinnw�rts, wenn es hell geworden ist. Wenn sie zur�ckkommen und dein Dorf ohne Waffen angreifen, geh�ren sie euch. Aber ich bin sicher, sie werden das nicht tun. Eure Herden haben nur Grasstoppeln �briggelassen, und sie haben keine Waffen. Sie werden sich beeilen, damit sie so rasch wie m�glich wieder eine Futterstelle erreichen.�</p><p>Sie erwiderte nachdenklich: �Dein Vorschlag scheint vern�nftig zu sein. Wir werden uns daran halten.�</p><p>�Und wir werden sie an ihrer neuen Lagerstelle erwarten, wo sie auch sein mag. Wir werden lange vor ihnen dort sein, Ginjerofer.�</p><p>�Wir werden ihnen nichts tun. Ich verspreche es im Namen meines Volkes�, erwiderte sie kalt.</p><empty-line/><p>Der gepanzerte Riese erwachte kurz nach Tagesanbruch. Er �ffnete die Augen, blinzelte und starrte dann den Kolo� aus orangefarbenem Fell an, der seinen Blick aus gelbglitzernden Augen erwiderte. Er blieb ganz still liegen, w�hrend er seine Augen umherschickte. sah die Waffen seiner drei�ig Kameraden neben sich aufgeschichtet. sah die Luftschleuse, deren Schotts ge�ffnet waren, sah den Horizont vorbeifliegen; sp�rte den Wind auf seinem Gesicht.</p><p>Er versuchte, sich auf den Bauch zu rollen. Louis grinste. Er beobachtete den Riesen durch eine Kamera, die in der Decke der Kabine eingebaut war, w�hrend er das Landeboot steuerte. Die R�stung des Riesen war an den Knien, den Fersen, den Handgelenken und den Schultern mit dem Deck verl�tet. Man brauchte es nur ein bi�chen aufzuheizen, und der Riese war wieder frei. Aber mit den Muskeln w�rde er es nicht schaffen.</p><p>Der Riese forderte und drohte. Er bettelte nicht. Louis achtete kaum auf ihn. Wenn das �bersetzungsprogramm des Computers aus diesem Kauderwelsch einen vern�nftigen Text zusammenstellte, w�rde er sich um den Riesen k�mmern. Im Augenblick war er damit besch�ftigt, das Lager der Riesen in Augenschein zu nehmen.</p><p>Das Landungsboot schwebte eine Meile �ber dem Boden und war inzwischen f�nfzig Meilen von dem Dorf der roth�utigen Fleischesser entfernt. Er drosselte die Geschwindigkeit. Das Gras war hier schon etwas nachgewachsen, aber die Riesen hatten ebenfalls eine gro�e, breite, kahlgeschlagene Schneise hinterlassen, die bis zum Seeufer reichte und dem hellen Lichtstreifen �ber den Sonnenblumenfeldern am jenseitigen Ufer. Die Riesen waren beim Futterschneiden: Tausende von ihnen hatten sich �ber der Grasebene verstreut. Louis sah die Lichtreflexe der m�henden Sichelschwerter.</p><p>In der N�he des Lagers hielten sich keine Riesen auf. Eine Reihe von Wagen waren im Lager abgestellt, aber er konnte nirgends Zugtiere entdecken. Also zogen die Riesen diese Wagen selbst. Oder vielleicht hatten sie auch ein paar Motore erbeutet, als vor tausend Jahren die weltersch�tternde Katastrophe eintrat, die Halrloprillalar den �Fall der St�dte� genannt hatte.</p><p>Louis konnte das Lager m�helos �berblicken. Nur das Zentralgeb�ude wurde durch einen schwarzen rechteckigen Fleck auf dem Panoramafenster verdeckt. �berlastung durch zu starke Lichtquellen, dachte Louis und grinste. Die Riesen hatten sich offenbar mit seinen Feinden verb�ndet.</p><p>Ein Monitor leuchtete auf. Eine verf�hrerische Altstimme sagte: �Louis?�</p><p>�Hier.�</p><p>�Ich gebe Ihnen den Wonnestecker zur�ck�, sagte der Puppetier.</p><p>Louis drehte sich um. Das kleine schwarze K�tzchen stand auf der Transportscheibe. Louis wandte sich wieder ab, als drehte er einem Feind den R�cken zu, und sagte: �Da Sie sich gerade melden, Hinterster, m�chte ich Sie bitten, etwas f�r uns auszukundschaften. Am Fu�e der Ringmauer haben wir Berge entdeckt, die.�</p><p>�Ich habe Sie und Chmeee zur Ringwelt gebracht, damit Sie das Risiko der Erkundung �bernehmen.�</p><p>�K�nnen Sie sich vorstellen, da� ich dieses Risiko m�glichst gering halten m�chte?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Dann h�ren Sie mich bitte an. Ich glaube, da� wir uns diese Sch�ttberge <emphasis>aus</emphasis> der N�he betrachten sollten. Doch vorher m�ssen wir einige Punkte kl�ren, die die Ringmauer betreffen. Sie m�ssen nur.�</p><p>�Louis, warum verwenden Sie den Ausdruck Sch�ttberge?�</p><p>�Weil die Eingeborenen sie so nennen. Ich wei� nicht, warum, und sie wissen es auch nicht. Interessant, nicht wahr? Und sie erscheinen nicht als versenktes Relief auf der Unterseite der Ringwelt. Warum nicht? Alle anderen Formationen sind in den Ringweltboden eingestanzt�� die Meere, die Berge und die Fl�sse. Aber diese Sch�ttberge sind keine Reliefs. Sie haben <emphasis>Masse</emphasis>!�</p><p>�Interessant, durchaus. Sie m�ssen die L�sung dieses R�tsels schon selbst herausfinden. Ich werde Hinterster genannt, und das gilt f�r alle Anf�hrer des Unisversums�, erwiderte der Puppetier. �Denn die F�hrer leiten ihre V�lker von einer sicheren Stelle aus. Sicherheit ist das Privileg des Herrschers. Er ist verpflichtet, sich von allen Gefahren fernzuhalten, denn sein Tod oder seine Verwundung bedeutet eine Katastrophe f�r alle seine Untertanen. Louis, Sie haben doch Erfahrung mit meiner Rasse.�</p><p>�Tanj, ich habe Sie doch nur gebeten, eine Sonde zu riskieren, nicht Ihre kostbare Haut! Wir brauchen doch nur einen Hologrammfilm von der Ringweltwand. Jagen sie die Sonde durch die Magnetringe auf der Mauerkrone, bis sie die normale Umlaufgeschwindigkeit um die Ringwelt-Sonne erreicht hat. Schlie�lich ist die Anlage ja zu diesem Zweck gebaut worden. Jedenfalls ist die Sonde dort vor dem Beschu� der Meteorverteidigungsanlage sicher.�</p><p>�Louis, Sie versuchen, ein Waffensystem zu �berlisten, das vor mehreren hunderttausend Jahren programmiert wurde. Zudem sind Ihre Voraussetzungen nur hypothetisch. Und zudem k�nnte das Ringmauer-Transportsystem blockiert oder fehlerhaft sein. Dasselbe k�nnten wir auch f�r die Feuerleitstellen der Laserkanonen annehmen.�</p><p>�Und was w�rden Sie im schlimmsten Fall dabei verlieren?�</p><p>�Die H�lfte meiner Kraftstoff-Erg�nzungsanlage�, erwiderte der Puppetier. �In den Sonden sind Transport-Scheiben-Sender eingebaut, hinter einem Filter, der nur f�r Schweres Wasser durchl�ssig ist. Der Empf�nger befindet sich im Treibstofftank. Zur Treibstoffgewinnung brauche ich die Sonde nur in einem Ringwelt-Meer zu versenken. Aber wenn ich die Sonden verliere, wie will ich dann die Ringwelt wieder verlassen? Und warum sollte ich dieses Risiko auf mich nehmen?�</p><p>Louis w�rgte seinen Zorn hinunter. �Diese Berge haben Masse, Hinterster! Was befindet sich in diesen Sch�ttbergen? Es mu� ein paar hunderttausend von diesen drei�ig bis vierzig Meilen hohen Halbkegeln auf der Ringwelt geben, und die R�ckseite des Kunstplaneten ist an diesen Stellen flach! Einer dieser Berge k�nnte das Kontroll- und Wartungszentrum sein. Vielleicht gibt es eine ganze Kette von solchen Zentren. Ich zweifle zwar daran, aber ich m�chte es genau wissen, ehe ich mir die Dinger aus der N�he anschaue. Au�erdem mu� die Ringwelt mit Steuerd�sen best�ckt sein, und der ideale Platz f�r diese Steuerd�sen ist ebenfalls die Ringmauer. Aber wo sind sie, und warum arbeiten sie nicht?�</p><p>�Sind Sie sicher, da� es sich bei den Steuerd�sen um Raketenmotoren handelt? Es gibt auch noch andere L�sungen. Gravitationsgeneratoren k�nnten ebensogut die Ringwelt im Gleichgewicht halten.�</p><p>�Ich glaube es nicht. Die Ringwelt-Ingenieure h�tten ihren Kunstplaneten nicht in Drehung versetzt, wenn sie �ber Gravitations-Generatoren verf�gt h�tten. Das w�re doch eine viel einfachere L�sung dieses Problems gewesen.�</p><p>�Ein Ausgleich magnetischer Kr�fte zwischen der Sonne und dem Ringweltboden zum Beispiel.�</p><p>�Mmm. vielleicht. Tanj, ich bin mir nicht sicher. Deswegen sollen Sie es f�r mich herausfinden!�</p><p>�Wie k�nnen Sie es wagen, in solchem Ton mit mir zu verhandeln?� Die Stimme des Puppetiers klang eher gekr�nkt als zornig. �Es h�ngt von meinem Willen ab, ob Sie die Ringwelt wieder verlassen k�nnen, ehe sie mit ihren Sonnenblenden zusammenst��t. Und Der Wonnestecker funktioniert nur, wenn ich es will.�</p><p>Der �bersetzer meldete sich endlich. �Schalten Sie sich aus�, sagte Louis. Er konnte mit dem Lautst�rkeregler die Stimme des Puppetiers nicht ausblenden, aber der Hinterste h�rte tats�chlich zu sprechen auf.</p><p>Der �bersetzer sagte: �Friedlich? Weil ich Pflanzen esse, mu� ich friedlich sein? Hilf mir aus meinem Panzer, und ich k�mpfe nackt mit dir, du orangehaariges Unget�m! Die Dielen in meinem Langhaus k�nnten einen neuen Teppich gut gebrauchen.�</p><p>�Und was sagst du dazu?� erwiderte Chmeee und zeigte seine polierten schwarzen Krallen.</p><p>�Ich brauche nur einen kleinen Dolch gegen deine acht Messer. Oder gib mir gar nichts, und ich werde dich mit blo�en H�nden besiegen.�</p><p>Louis lachte leise in sich hinein. Er verwendete die Gegensprechanlage: �Chmeee, hast du schon mal einen Stierkampf miterlebt? Offenbar haben wir den Patriarchen der Herde gefangengenommen, den K�nig der Riesen!�</p><p>Der Riese fragte: �Wer oder was war das?�</p><p>�Das war Louis.� Chmeee senkte die Stimme. �Du mu�t dich in acht nehmen, dich respektvoller verhalten. Louis ist. furchtgebietend.�</p><p>Louis verging das Grinsen. Was sollte das nun wieder sein? Ein Possenspiel, in dem die Stimme von Louis Wu die Rolle eines Gottes spielen sollte? Es konnte funktionieren, wenn Chmeee, das furchtgebietende Tigerwesen, sich offensichtlich vor einer Geisterstimme f�rchtete. Louis sagte: �K�nig der Pflanzenesser, sage mir, warum du meine J�nger angegriffen hast.�</p><p>�Ihre Bestien fressen uns das Futter weg�, erwiderte der Riese.</p><p>�Gibt es nicht woanders Futter genug f�r dich? Mu�test du meinen Zorn auf dich lenken?�</p><p>Unter den m�nnlichen Tieren einer Herde von Rindern oder B�ffeln gibt es nur Sieger oder Verlierer, keine Zwischenpositionen. Der Riese rollte die Augen, suchte eine Stelle, wohin er sich fl�chten konnte, und sah keinen Ausweg. Wenn er Chmeee nicht beherrschen konnte, wie wollte er sich da gegen eine unsichtbare Stimme behaupten?</p><p>�Wir hatten keine andere Wahl�, erwiderte er. �Spinnw�rts versperren uns die Feuerpflanzen den Weg. links von uns herrscht das Maschinen-Volk. Rechts von uns ragt ein Gebirge auf, das aus nacktem <emphasis>Scrith</emphasis> besteht, und auf <emphasis>Scrith</emphasis> wachsen keine Pflanzen mehr, und das Zeug ist so glatt, da� man nicht einmal darauf stehen kann. Nur antispinnw�rts w�chst noch Gras, und nichts h�tte uns dort aufhalten k�nnen au�er diesen zwergw�chsigen Wilden, bis du gekommen bist! �ber welche Macht verf�gst du, Louis? Sind meine M�nner noch am Leben?�</p><p>�Ich lie� deine M�nner leben. In.��� f�nfzig Meilen, nackt, zu Fu� und hungrig�� �in zwei Tagen werden sie wieder bei dir sein. Ich kann sie alle t�ten, ich brauche nur einen Finger krumm zu machen.�</p><p>Die Augen des Riesen suchten die Decke ab. �Wenn du die Feuerpflanzen t�ten kannst, werden wir dich anbeten�, sagte er eingesch�chtert.</p><p>Louis lehnte sich in seinem Pilotensitz zur�ck und dachte nach. Pl�tzlich war es keine Groteske mehr, sondern ein ernstes Problem.</p><p>Er h�rte, wie der Riese Chmeee �ber �Louis� ausfragen wollte. Chmeee tischte ihm faustgro�e L�gen auf. Sie hatten dieses Theater schon einmal aufgef�hrt. Das Spiel mit Gott und seiner Geisterstimme hatte ihnen bei ihrem ersten Besuch auf der Ringwelt das Leben gerettet. Als sie damals ihren langen, beschwerlichen R�ckmarsch zu der Stelle antraten, wo die <emphasis>Liar</emphasis> notgelandet war, hatte der Ruf des Kzin als Kriegsgott die Eingeborenen so beeindruckt, da� sie ihm Opfer gebracht hatten. Diese Opfer hatten sie vor dem Hungertod bewahrt. Louis hatte gar nicht gewu�t, da� Dolmetscher/Chmeee an seiner Rolle als Gott so gro�en Gefallen gefunden hatte.</p><p>Doch diesmal machte ihm die Sache offensichtlich Spa�. Aber der Riese bat um Hilfe; und was vermochte Louis gegen die Sonnenblumen auszurichten? Eigentlich war das ja gar nicht sein Problem. Die Riesen hatten ihn beleidigt, oder etwa nicht? Die G�tter standen in dem Ruf, rachs�chtig zu sein. Louis �ffnete schon den Mund, um seinen g�ttlichen Zorn zu verk�nden, schlo� ihn aber wieder und dachte noch ein paar Sekunden nach. Schlie�lich sagte er: �Beim Leben deines Volkes�� sage mir die Wahrheit. E�t ihr auch Feuerpflanzen, wenn sie euch nicht vorher verbrennen?�</p><p>Der Riese antwortete bereitwillig: �Ja, Louis. Wenn wir gro�en Hunger haben, pirschen wir uns nachts an die Grenze ihres Reiches heran und m�hen sie um. Bei Tagesanbruch m�ssen wir wieder weit weg sein! Denn diese Pflanzen k�nnen meilenweit sehen und uns auch auf gro�e Entfernung verbrennen. Dazu drehen sie uns alle gleichzeitig die K�pfe zu und verwenden die Sonnenstrahlen als Waffe, bis wir verbrannt sind!�</p><p>�Aber ihr k�nnt sie essen, wenn die Sonne nicht scheint.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wei�t du, wie die Winde dort wehen?�</p><p>�Winde?. In der N�he der Sonnenblumen blasen sie spinnw�rts. Gleichg�ltig, aus welcher Richtung man sich dem Reich der Sonnenblumen n�hert, alle Winde scheinen sich �ber dem Reich der Sonnenblumen zu vereinigen.�</p><p>�Weil die Pflanzen die Luft erhitzen?�</p><p>�Bin ich ein Gott, da� ich so etwas w��te?�</p><p>Nicht alle Teile der Pflanzen kamen in den Genu� des Sonnenlichtes. Sie fingen zwar die Sonnenstrahlen mit ihren Bl�ten ab und erhitzten damit die Luft �ber und neben den Bl�tenst�nden. Doch das Sonnenlicht konnte niemals die silbernen Bl�ten passieren und den Boden oder die Wurzeln erreichen. Tau bildete sich auf dem kalten Boden unter den Bl�ten. So versorgten sich die Pflanzen mit dem n�tigen Wasser. Und die aufsteigende hei�e Luft sorgte daf�r, da� neue, feuchtigkeitsges�ttigte Luft von allen Seiten nachstr�mte.</p><p>Die Pflanzen verbrannten alles, was sich bewegte, und verwandelten V�gel und pflanzenfressende Tiere in D�nger f�r ihre Felder.</p><p>Er konnte es schaffen. Ja, da gab es eine M�glichkeit.</p><p>�Den gr��ten Teil der Arbeit mu�t du selbst leisten�, sagte Louis. �Schlie�lich geh�rt der Stamm dir, und du willst ihn ja retten. Sp�ter wirst du und dein Stamm das Reich der sterbenden Feuerpflanzen durchwandern. Ihr k�nnt sie entweder essen oder unterpfl�gen und auf dem Boden, den sie bisher beherrscht haben, alles anbauen, war ihr gerne e�t.� Louis grinste, als er Chmeees betroffenes Gesicht sah, und fuhr fort: �Aber du darfst niemals meine J�nger, das rote Volk der Hirten, bel�stigen.�</p><p>Der gepanzerte Riese strahlte �ber sein ganzes b�rtiges Gesicht: �Das alles ist f�r mich eine hochwillkommene Botschaft. In Zukunft kannst du auch uns zu deinen Anbetern z�hlen. Wir m�ssen das heilige B�ndnis mit <emphasis>Rishathra</emphasis> besiegeln.�</p><p>�Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank!�</p><p>�Wie bitte? Nein, das habe ich vorhin schon erw�hnt, aber Chmeee wollte mich einfach nicht verstehen. Alle Vertr�ge m�ssen mit <emphasis>Rishathra</emphasis> besiegelt werden, auch die B�ndnisse zwischen den Menschen und G�ttern. Chmeee, das ist �berhaupt kein Problem. F�r meine Frauen hast du genau die richtige Gr��e.�</p><p>�Ich bin dir nicht ganz so �hnlich, wie du glaubst�, erwiderte Chmeee.</p><p>Soweit das Louis durch sein optisches Guckloch an der Decke feststellen konnte, schien Chmeee jetzt seinem Gefangenen zu zeigen, da� er an einer bestimmten Stelle doch ganz anders gebaut war. Denn sonst h�tte der Riese nicht so ein d�mliches Gesicht gemacht. Louis konnte es egal sein. Tanj, dachte er, <emphasis>ich hab doch tats�chlich eine L�sung f�r unser Problem gefunden. Und nun das. Ihm mu�te noch etwas einfallen...</emphasis></p><p><emphasis>Ja.</emphasis> �Ich werde ein Wesen erschaffen, das stellvertretend f�r mich den Bund besiegelt�, sagte Louis. �Da ich in Eile bin, reicht es nur zu einem Zwerg, der eurer Sprache nicht m�chtig ist. Nenne ihn Wu. Chmeee, ich brauche dich, um dich mit meinem g�ttlichen Rat zu erleuchten.�</p></section><section><title><p>11. Die Gras-Riesen</p></title><p>Als das Landungsboot niederging, wurde es von einem b�sartigen wei�en Licht empfangen. Der glei�ende wei�e Lichtkegel, der von dem Langhaus ausging, hielt noch eine Minute an, als das Landungsboot schon unbeweglich auf dem abgem�hten Grasboden stand. Dann verlosch es endlich. Sofort ging die Rampe nieder. Der K�nig der Riesen lie� sich in voller R�stung von der Rampe auf die Erde hinuntertragen. Er hob den Kopf und br�llte. Seine Stimme mu�te man noch in f�nf Meilen Entfernung h�ren k�nnen.</p><p>Riesen trabten von allen Seiten auf das Landungsboot zu.</p><p>Chmeee kam die Rampe herunter, dann Wu. Wu war klein, gr��tenteils unbehaart und sah recht harmlos aus. Er l�chelte nach allen Seiten; er blickte mit bezauberndem Enthusiasmus um sich, als s�he er die Welt zum ersten Mal.</p><p>Das Langhaus war ein betr�chtliches St�ck vom Landeplatz entfernt. Es bestand aus einem Trageger�st aus Holz, dessen Zwischenr�ume mit Lehm und Gras ausgef�llt waren. Die Sonnenblumen, die auf dem Dach des Langhauses gepflanzt waren, bewegten ihre K�pfe ruhelos hin und her, richteten ihre konkaven Spiegel-Bl�ten mit den gr�nen photosynthetischen Stempeln bald auf die Sonne, bald auf die Riesen, die aus allen Richtungen zusammenstr�mten.</p><p>Chmeee fragte: �Was geschieht, wenn ein Gegner das Dorf am Tag angreift? Wie k�nnt ihr dann noch rechtzeitig das Langhaus erreichen? Oder bewahrt ihr eure Waffen woanders auf?�</p><p>Der Riese bewegte nachdenklich den Kopf hin und her, ehe er das Geheimnis ihrer Verteidigung ausplauderte. Aber Chmeee war Louis Prophet, und es war nicht ratsam, ihn zu beleidigen. �Siehst du den Holzstapel antispinnw�rts vom Langhaus? Wenn Gefahr droht, mu� sich ein Mann geb�ckt dem Holzsto� n�hern und mit einem Laken winken. Dann setzen die Sonnenblumen das feuchte Holz in Brand. Im Schutz der starken Rauchentwicklung eilen wir dann zum Langhaus und bewaffnen uns.� Er warf einen Seitenblick auf das Landungsboot und f�gte hinzu: �Wenn uns ein Feind beim Wettlauf zu unseren Waffen schl�gt, ist er sowieso zu stark f�r uns. Vielleicht sind dann noch die Sonnenblumen f�r ihn eine unangenehme �berraschung.�</p><p>�Darf Wu sich seine Partnerin selbst aussuchen?�</p><p>�Hat er denn soviel Willensfreiheit? Ich hatte daran gedacht, ihm meine Frau Reeth zu leihen, die schon fr�her <emphasis>Rishathra</emphasis> ausge�bt hat. Sie ist klein, und die Maschinen-Menschen unterscheiden sich kaum von Wu.��� �Akzeptiert�, erwiderte Chmeee, ohne Wu eines Blickes zu w�rdigen.</p><p>Ungef�hr hundert Riesen waren jetzt um sie versammelt. Sie schienen keinen Zulauf mehr zu bekommen. Der Kzin fragte: �Sind das alle?�</p><p>�Es fehlen noch meine Krieger. Sie und diese Leute bilden meinen Stamm. In diesem Lager wohnen sechsundzwanzig St�mme. Die St�mme bleiben an einem Ort zusammen, soweit das m�glich ist��; aber keiner spricht f�r alle�, erl�uterte der Riesenk�nig.</p><p>Von den hundert Gaffern waren acht m�nnlichen Geschlechtes. Man konnte alle acht als Kr�ppel bezeichnen; denn sie hatten kaum noch eine heile Stelle an ihrem K�rper oder alle ihre Glieder beisammen. Doch keiner von ihnen zeigte schon die Spuren des Alters wie ihr K�nig. Nur er hatte eine faltige Gesichtshaut und wei�e Str�hnen im Haar.</p><p>Die restlichen vierundneunzig waren Damen; Frauen vielmehr. Keine von ihnen war unter zweieinhalb Meter; wirkten aber neben ihren M�nnern immer noch zierlich. Sie hatten eine braune Haut, die nirgends von einem Kleidungsst�ck bedeckt war und trugen ihr goldenes Haar, das bis zu ihren Pobacken hinunterfiel, mit W�rde. Die Haarflut war so gro�, da� sie als Kleidung durchaus gen�gte. Keine von den Frauen trug Schmuck. Ihre Beine waren so dick wie S�ulen, ihre F��e so gro� wie Gehsteigplatten und mit dicker Hornhaut �berwachsen. Ein paar von den Frauen hatten auch wei�e Haare. Ihre schweren Br�ste hingen mehr oder weniger durch und gaben einen Hinweis auf ihr Alter. Sie betrachteten ihre G�ste mit wohlwollender Neugier, w�hrend der gepanzerte Riese berichtete, was er von ihnen wu�te.</p><p>Und Chmeee, der den �bersetzer abgeschaltet hatte, sprach mit leiser Stimme: �Wenn du dir eine andere Partnerin aussuchen m�chtest, mu�t du es gleich sagen.�</p><p>�Nein, sie sind ungef�hr alle gleich. attraktiv.�</p><p>�Wir k�nnen trotzdem diese Situation abrupt beenden. Du mu�t verr�ckt gewesen sein, als du ihnen Hilfe gegen die Sonnenblumen versprachst!�</p><p>�Ich kann mein Versprechen einl�sen. He, m�chtest du dich nicht an ihnen f�r deinen verbrannten Pelz r�chen?�</p><p>�Rache an einer <emphasis>Pflanze?</emphasis> Du bist wirklich plemplem. Unsere Zeit ist kostbarer als Geld, und in einem Jahr sind sie sowieso alle tot. Sonnenblumen, Riesen, kleine rote Fleischfresser, alle!�</p><p>�Ja.�</p><p>�Deine Hilfe ist also gar keine Hilfe, wenn sie w��ten, was ihnen bl�ht. Wie lange wird dieses Projekt dauern? Einen Tag? Einen Monat? Du sabotierst dein eigenes Projekt.�</p><p>�Vielleicht bin ich verr�ckt. Chmeee, ich mu� zu meinem Wort stehen. Seit ich die Ringwelt vor dreiundzwanzig Jahren verlie�, hatte ich keinen. Anla� mehr, auf mich stolz zu sein. Ich mu� beweisen.�</p><p>Der Riesenk�nig fiel ihm ins Wort: �Louis wird euch selbst verk�nden, da� die Tage der Feuerpflanzen gez�hlt sind. Er wird uns sagen, was f�r eine Rolle wir bei seinem Feldzug spielen m�ssen.�</p><p>Wu zog sich nun, wie es seiner untergeordneten Stellung entsprach, hinter den R�cken des gro�en Kzin zur�ck. Keiner von den Riesen beachtete ihn! Sie bemerkten nicht, da� er mit seiner Hand redete. Eine halbe Minute sp�ter kam die zeitverz�gerte Stimme von Louis durch die Lautsprecher des Landungsbootes: �H�rt mich an, denn der Tag ist gekommen, wo ihr das Reich der Feuerpflanzen f�r die Menschenst�mme erobern werdet. Ich werde in einer Wolke vor euch herwandeln, um das gro�e Werk zu verrichten. Folgt ihr mir mit S�cken voller Saatgut, damit auf dem Boden der Feuerpflanzen wieder ein Gras w�chst, das euch satt macht.�</p><empty-line/><p>Beim ersten Licht der D�mmerung, als die Sonne gerade mit einer winzigen Ecke hinter der Schattenblende hervorspitzte, waren die Riesen abmarschbereit.</p><p>Sie schliefen auch wie Herdentiere, einer an den anderen gekuschelt. Der K�nig lag in einem Kreis von Frauen, Wu zu seinen F��en, den kleinen, halbkahlen Kopf auf die Schulter einer Frau gebettet. Seine Beine hatte er um die Kn�chel eines Mannes gehakt. Der schmutzige Boden war von einer Wand zur anderen mit nacktem Fleisch und Haaren bedeckt.</p><p>Nach dem Aufwachen verlie�en sie das Langhaus in umgekehrter Reihenfolge, wie sie es betreten hatten. Die Schl�fer, die der T�r am n�chsten waren, l�sten sich von ihren Hinterm�nnern, nahmen ihr Gep�ck und ihre Sichelschwerter auf und traten hinaus ins Freie. Sobald der �u�erste Kreis das Langhaus verlassen hatte, kam die n�chste Windung der Schl�fer an die Reihe. Und so spulten sich die Riesen nach und nach durch die T�r des Langhauses, bis die Prozession mit Wu und dem Riesenk�nig endete.</p><p>Drau�en beim Landungsboot verabschiedete sich ein einarmiger Riese mit narbenbedecktem Gesicht hastig von Chmeee und kam im schnellen Trab zum Morgenappell vor dem Langhaus. Die Wachen der vergangenen Nacht durften im Langhaus bleiben und sich ausschlafen. Ein paar von den �lteren Frauen blieben ebenfalls zu Hause.</p><p>Die Riesen starrten Wu mit offenem Mund an, als er an der Wand des Langhauses hinaufkletterte.</p><p>Das Gras und der Lehm zwischen den Holzst�tzen br�ckelte unter seinen F��en ab, aber das Dach lag nur dreieinhalb Meter �ber der Erde. Louis schob sich zwischen die Sonnenblumen hinein.</p><p>Die Pflanzen waren ungef�hr drei�ig Zentimeter hoch, hatten einen gr�nen, knotigen Stengel und eine einzige ovale Bl�te, die etwa neun bis zw�lf Zoll im Durchmesser haben mochte und eine spiegelnde Oberfl�che besa�. Ein kurzer Bl�tenstengel ragte im Zentrum des Konkavspiegels hervor, der in einem dunkelgr�nen Stempel endete. Die Unterseite der Bl�te bestand aus einem z�hen, faserigen Gewebe, einer pflanzlichen Analogie des Muskelfleisches. Und alle Bl�ten versuchten sofort, Louis Wu mit geb�ndeltem Sonnenlicht zu �bersch�tten; aber das Sonnenlicht der heraufziehenden D�mmerung reichte noch nicht aus, um ihm auch nur leichte Brandwunden zuzuf�gen.</p><p>Louis packte den Stengel einiger gro�en Sonnenblume und r�ttelte daran. Das zeigte keine Wirkung. Die Wurzeln der Pflanze hatten sich im Dachgeb�lk des Hauses verankert. Er zog sein Hemd aus und hielt es zwischen die Bl�te und die Sonne. Die silbergl�nzende Bl�te bewegte sich unschl�ssig und faltete sich dann wie ein Schirm �ber dem gr�nen Bl�tenstengel zusammen.</p><p>Dann kletterte Wu wieder vom Dach herunter. Er tat es mit Geschick und Anstand, weil ihm hundert Riesen dabei zusahen. Ein wei�er Lichtkegel folgte ihm bis zum Raumschiff, wo Chmeee ihn erwartete.</p><p>Der Kzin sagte: �Ich habe die halbe Nacht damit verbracht, mich mit den Wachen zu unterhalten.�</p><p>�Hast du etwas Wichtiges erfahren?�</p><p>�Sie haben grenzenloses Vertrauen zu dir, Louis. Es ist eine leichtgl�ubige Rasse.�</p><p>�Das traf auch f�r die Fleischfresser zu. Aber vielleicht taten sie nur so, als glaubten sie mir. Aus H�flichkeit.�</p><p>�Das bezweifle ich. Die Pflanzen- und Fleischfresser sind darauf vorbereitet, da� jeden Moment ein Wunder am Horizont auftauchen kann. Sie wissen, da� Wesen mit gott�hnlichen Kr�ften in den eigenartigsten Gestalten auftreten. Ich frage mich nun, welchen Wesen wir als n�chsten begegnen werden. Und die Wachen wu�ten, da� wir nicht der Rasse angeh�ren, die diesen Planeten baute. Ist das ein interessanter Hinweis f�r uns?�</p><p>�Vielleicht. Was hast du noch erfahren?�</p><p>�Mit den anderen St�mmen wird es keine Probleme geben. Vielleicht haben sie �hnlichkeit mit Rindviechern, aber in ihren K�pfen steckt etwas mehr Gehirn. Alle Pflanzenfresser, die im Lager zur�ckbleiben, werden Saatgut f�r jene sammeln, die das eroberte Reich der Sonnenblumen besiedeln wollen. Sie werden den jungen erwachsenen M�nnern, die mit dir in den Krieg ziehen, Frauen mitgeben. Etwa ein Drittel der Pflanzenfresser wird sich auf den Sonnenblumenfeldern niederlassen, wenn du deinen Zaubertrick durchgef�hrt hast. Die �brigen zwei Drittel werden hier auf der Ebene bleiben, weil sie dann genug Gras zu fressen haben. Soviel jedenfalls, da� sie den Elefantenherden der roth�utigen Hirten keine Konkurrenz mehr machen.�</p><p>�Okay.�</p><p>�Ich fragte ihn nach den langfristigen Wetterbedingungen.�</p><p>�Gut! Und?�</p><p>�Der W�chter ist ein betagter Mann. Er sagte mir, als er noch jung war und beide Beine hatte�� ehe ihm ein �Ogre��� wie sich der �bersetzer ausdr�ckte, das linke bis zum Schenkel amputierte��, hatte die Sonne immer die gleiche Helligkeit und jeder Tag die gleiche L�nge. Und nun scheint die Sonne manchmal heller und manchmal schw�cher zu sein, und wenn die Sonne sehr hell ist, scheinen auch die Tage k�rzer zu sein und umgekehrt. Er kann sich auch noch genau daran erinnern, wie diese Unregelm��igkeiten anfingen. Vor zw�lf <emphasis>Falans</emphasis>, was gleichbedeutend ist mit einhundertundzwanzig Rotationen dieser Kunstwelt, gab es pl�tzlich eine Sonnenfinsternis. Zwei oder drei Tage lang blieb gewisserma�en die D�mmerung aus. Sie sahen damals nur die Sterne und eine Geisterflamme, die sich �ber ihren K�pfen ausbreitete. Und dann ging es wieder ein paar <emphasis>Falans</emphasis> so weiter, als w�re nichts geschehen. Als die Unregelm��igkeiten eintraten, wurden sie erst viel sp�ter darauf aufmerksam. Schlie�lich besitzen sie keine Uhren.�</p><p>�Das klingt alles recht plausibel. Nur.�</p><p>�Aber, Louis, drei Tage lang soll die Sonne nicht aufgegangen sein. Klingt das vielleicht vern�nftig?�</p><p>Louis nickte. �Es gab vermutlich eine Sonneneruption. Die Schattenblenden zogen sich dann zusammen und bildeten einen geschlossenen Ring, um die Welt vor diesen Eruptionen abzuschirmen. Vermutlich k�nnen sich die Dr�hte, mit denen die Sonnenblenden verbunden sind, automatisch aufspulen.�</p><p>�Dann mu� der Sonnensturm, der bei den Eruptionen entstanden ist, die Ringwelt aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Und nun werden die Tage immer unregelm��iger. Alle Rassen, mit denen die Riesen Handel treiben, sind �ber diese Tatsache zutiefst beunruhigt.�</p><p>�Bei Gott, nicht ohne Grund.�</p><p>�Ich w�nschte mir nur, wir k�nnten ihnen helfen.� Der Schwanz des Kzin zuckte hin und her. �Aber wir haben nat�rlich Wichtigeres zu tun. Wir k�mpfen mit Sonnenblumen. Hattest du eine angenehme Nacht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann solltest du eigentlich jetzt l�cheln.�</p><p>�Du glaubst, ich h�tte Grund dazu? Du h�ttest ja zuschauen k�nnen. Au�er dir haben das alle getan. In diesem gro�en Geb�ude gibt es keine W�nde. Das ist wie ein einziges gro�es Bett. Jedenfalls schauen sie gerne dabei zu.�</p><p>�Ich kann den Geruch nicht ausstehen.�</p><p>Louis lachte. �Es ist ein starker Geruch. Stark, nicht streng. Und ich mu�te mich auf einen Stuhl stellen. Und die Frau war. gef�gig.�</p><p>�Frauen sollen so sein.�</p><p>�Aber doch nicht menschliche Frauen! Und sie sind nicht einmal dumm. Ich konnte nat�rlich nicht mit ihnen reden, aber ich h�rte zu.� Louis deutete mit dem Zeigefinger auf den Knopf an seinem Ohr. �Ich h�rte, wie Reeth die Putzabteilung organisierte. Sie ist gut. He, du hattest recht. Sie sind genau so organisiert wie eine Rinderherde. Die Frauen sind alle die Gattinen des Riesenk�nigs. Kein anderer Mann darf sie vernaschen, nur manchmal stiftet der Riesenk�nig einen Feiertag und nimmt dann Urlaub, so da� er nicht zuzuschauen braucht. Kommt er vom Urlaub zur�ck, ist der Spa� vorbei und offiziell war nichts. Jeder ist nat�rlich ein bi�chen verschnupft, weil wir den K�nig von dem Kommandounternehmen vor zwei Tagen wieder lebend nach Hause brachten.�</p><p>�Wie ist das eigentlich so mit den menschlichen Frauen?�</p><p>�Oh. Orgasmus. Die M�nnchen aller S�ugetiere haben einen Orgasmus. Die Weibchen in der Regel nicht. Aber menschliche Frauen haben ihn. Doch diese Riesenfrauen nehmen es nur hin. Sie nehmen gewisserma�en nicht daran teil.�</p><p>�Hat es dir Spa� gemacht?�</p><p>�Nat�rlich. Schlie�lich ist es ja Sex, nicht wahr. Aber man mu� sich schon ein bi�chen daran gew�hnen, da� ich Reeth nicht dazu bringen konnte, es so zu genie�en wie ich, da sie das gar nicht <emphasis>kann</emphasis>.�</p><p>�Ich kann es ihr nachempfinden�, erwiderte Chmeee, �zumal keine meiner Frauen unter zweihundert Jahren von mir entfernt ist. Was m�ssen wir jetzt tun?�</p><p>�Auf den Riesenk�nig warten. Vielleicht ist er ein bi�chen groggy heute morgen. Er mu�te sich heute nacht bei seinen Frauen wieder in Erinnerung bringen. Und da ich ja seine Sprache nicht verstehe, konnte er sie mir nur auf diese Weise vorstellen. Er ist. zum F�rchten. Er bediente�� oder sollte ich lieber abfertigen sagen?�� mindestens ein Dutzend Frauen, und ich versuchte bei der Vorstellung mit ihm Schritt zu halten, aber es tat meinem Ego nat�rlich nicht gut, da� ich. ach, lassen wir das.� Jetzt grinste Louis.</p><p>�Louis?�</p><p>�Mein Zeugungsorgan entspricht meinen K�rperma�en.�</p><p>�Der W�chter erz�hlte mir, da� die Frauen anderer Gattungen von den Riesenm�nnchen zutiefst beeindruckt w�ren. Die Riesenm�nnchen praktizieren <emphasis>Rishathra</emphasis>, so oft sie k�nnen. Deswegen sch�tzen sie Friedensverhandlungen �ber alles. Der W�chter war sehr entt�uscht davon, da� Louis dich nicht als Weibchen erschuf.�</p><p>�Louis hatte es eilig�, sagte Wu und betrat das Landungsboot.</p><empty-line/><p>Am Abend zuvor hatten die Schnitter des Stammes gro�e S�cke voll Gras in der N�he des Langhauses ausgeleert. Die W�chter und der Riesenk�nig hatten den gr��ten Teil dieses Grashaufens aufgezehrt; die Schnitter selbst futterten offenbar bei der Arbeit. Louis sah, wie der K�nig einen Umweg zur Futterstelle machte, ehe er zum Raumschiff kam. Er verspeiste den Rest des Haufens zum Fr�hst�ck.</p><p>Pflanzenesser zu sein, hatte entschiedene Nachteile, dachte Louis.�� Man verbrauchte die meiste Zeit seines Lebens f�r das Essen. Wie hatten die Humanoiden nur ihre Intelligenz bewahren k�nnen? Chmeee hatte recht�� man brauchte nicht viel Gr�tze dazu, um sich an einen Grashalm heranzupirschen. Vielleicht geh�rte Intelligenz dazu, sich davor zu h�ten, da� man gefressen wurde. Oder es geh�rte schon eine kr�ftige Portion Schl�ue dazu, sich an eine Sonnenblume heranzupirschen.</p><p>Louis f�hlte sich beobachtet. Er drehte sich um. Nichts.</p><p>Es w�re schon peinlich gewesen, wenn der Riesenk�nig entdeckt h�tte, da� Louis ihm einen B�ren aufgebunden hatte. Aber Louis war alleine auf dem Flugdeck, wenn man die elektronischen Augen des Puppetiers nicht ber�cksichtigte. Aber weshalb klingelten ihm die Ohren? Er drehte sich noch einmal um und traute seinen Augen nicht. Der Wonnestecker starrte ihn an. Das schwarze Plastikgeh�use lag auf der Transportscheibe.</p><p>So ein kurzer Wonnestrom-Sto� h�tte ihm wirklich das Gef�hl gegeben, Gott zu sein. Aber er w�rde ihm auch gr�ndlich den Auftritt verpatzen. Er erinnerte sich, was Chmeee gesagt hatte. Er s�he mit eingeschaltetem Wonnestecker aus wie eine �hin- und herpendelnde Unterwasserpflanze�. Er drehte dem Stecker wieder den R�cken zu.</p><p>Der Riesenk�nig trug heute keinen Panzer. Sobald Chmeee mit ihm die Raumschiffkabine betrat, hob der Kzin beide H�nde zur Decke, legte die Handfl�chen zusammen und rezitierte: �Louis, Louis!� Der Riese ahmte alles nach, was Chmeee tat.</p><p>�Besorge mir eine von den Repulsionsplatten�, sagte Louis. �Lege sie auf den Boden. Gut. Nun hole ein St�ck von dem Superleiter-Tuch. Drei T�ren tiefer, der gro�e Schrank. Ja. Wickle das Tuch um die Repulsionsplatte. Ganz einwickeln, aber die Falte �ber die Kontrollkn�pfe legen, damit du daran drehen kannst. Chmeee, wie stark ist das Tuch?�</p><p>�Einen Moment, Louis. Siehst du, man kann es mit einem Messer zerschneiden. Aber ich bezweifle, da� man es mit den H�nde zerrei�en kann.�</p><p>�Gut. Nun besorge mir zwanzig Meilen Superleiter-Draht. Wickle ein Ende um die Repulsionsplatte. Aber du mu�t den Draht gr�ndlich befestigen, mit mehreren Schleifen. Knauser nicht damit. So ist es gut. Und jetzt wickle den Rest des Drahtes um die Platte, da� er sich nicht verheddert, wenn er sich abspulen mu�. Ich brauche das andere Ende. Chmeee, du machst das. K�nig der Grasesser, ich brauche den gr��ten Stein, den du gerade noch tragen kannst. Du kennst dieses Land. Finde ihn, und bringe ihn hierher.�</p><p>Der Riesenk�nig starrte an die Decke, senkte dann die Augen und verlie� wortlos das Raumschiff. Chmeee sagte: �Mir dreht sich der Magen um, weil ich deine Befehle so widerspruchslos hinnehmen mu�.�</p><p>�Aber du hast dir doch das Spiel ausgedacht. Zudem stirbst du vor Neugierde, wie die Sache weitergeht. Aber.�</p><p>�Ich k�nnte dich zwingen, mir deinen Plan zu verraten.�</p><p>�Ich kann dir etwas Besseres anbieten. Komm bitte zu mir herauf.�</p><p>Chmeee kam durch den Niedergang auf das Flugdeck, Louis fragte: �Was siehst du auf der Transportscheibe?�</p><p>Chmeee nahm den Wonnestecker hoch.</p><p>Louis Stimme sagte heiser: �Zerquetsche das Ding!�</p><p>Der Kzin schmetterte das kleine Geh�use gegen die Wand. Doch es bekam nicht einmal eine Delle davon. Er �ffnete die Plastikschale und w�hlte mit einem Rumpfmetallmesser in den Eingeweiden des Wonnesteckers. Dann sagte er: �Jetzt kann man ihn nicht mehr reparieren.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Ich werde unten auf den Grasfresser warten.�</p><p>�Nein, ich komme mit. Ich m�chte mich davon �berzeugen, ob du meine Vorschriften befolgt hast. Und ich habe Hunger.� Er war sich seiner anderen Gef�hle nicht so sicher. <emphasis>Rishathra</emphasis> hatte seine Erwartungen nicht ganz erf�llt, und die reine Seligkeit des Wonnestromes war f�r immer vorbei. Aber. K�sefondue? Richtig. Und Freiheit. Und Stolz. In ein paar Stunden w�rde er die Invasionsarmee der Sonnenblumen vernichten und Chmeee das F�rchten lehren. Louis Wu, der Ex-S�chtige, dessen Gehirn sich doch noch nicht in Haferbrei verwandelt hatte.</p><empty-line/><p>Der Riesenk�nig kam mit einem m�chtigen Felsblock herbei, den er kaum mit beiden Armen zu fassen vermochte. Chmeee wollte ihm den Stein abnehmen, z�gerte jedoch einen Moment, als er dessen Gr��e sah, und griff dann doch zu. Er drehte sich um, den Riesenstein auf den Armen, und fragte mit gepre�ter Stimme: �Was mu� ich mit diesem Stein tun, Louis?�</p><p>Louis spielte mit dem Gedanken, Chmeee zappeln zu lassen. <emphasis>Oh, es gibt so viele M�glichkeiten... La� mich mal nachdenken...</emphasis> Aber G�tter zaudern nicht zu lange, und er konnte nicht dulden, da� Chmeee der Stein auf die Zehen fiel, w�hrend der Riese zusah.</p><p>�Setze ihn auf das Superleitertuch ab und wickle ihn darin ein. Binde ihn mit Superleiterdraht fest. Geize nicht mit dem Draht, damit der Stein nicht herunterfallen kann. Okay, nun brauche ich noch einen st�rkeren Draht, der Hitze vertragen kann.�</p><p>�Wir haben die Sinclair-Molekularkette.�</p><p>�Aber sie mu� k�rzer sein als der Superleiterdraht. Also keine L�nge von zwanzig Meilen.� Louis war jetzt ganz froh, da� er die Arbeit �berpr�ft hatte. Er hatte die M�glichkeit �bersehen, da� der Superleiterdraht vielleicht rei�en k�nnte, wenn er die Repulsionsplatte hinter sich herschleppte. Aber diese Sinclair-Molekularkette war eine fantastische Sache. Die Kette hielt etwas aus.</p></section><section><title><p>12. Sonnenblumen</p></title><p>Louis flog in gro�er H�he und hohem Tempo spinnw�rts. Die Pr�rie unter ihm war viel zu braun: das Gras, das zuerst von den gr�nen Elefanten abgeweidet und dann von den Riesen gem�ht worden war, hatte M�he, nachzuwachsen. Vor ihm zeigte sich ein glei�endes Licht am entfernten Ufer. Der Riesenk�nig beobachtete den See durch die durchsichtigen Luftschleusenschotts.</p><p>�Vielleicht h�tte ich doch meinen Panzer mitnehmen sollen�, sagte er.</p><p>�Um mit Sonnenblumen zu k�mpfen?� schnaubte Chmeee. �Metall wird hei�.�</p><p>�Woher hast du deine R�stung?� fragte Louis.</p><p>�Wir bauten eine Stra�e f�r das Maschinen-Volk. Daf�r schenkten sie uns das Gras, durch das die Stra�e f�hrte, und als sie fertig war, schmiedeten sie eine R�stung f�r die Stammesk�nige. Wir zogen weiter. Die Luft behagte uns nicht.�</p><p>�Was st�rte euch an der Luft?�</p><p>�Sie schmeckt schlecht und riecht schlecht, Louis. Sie riecht nach dem Zeug, das die Maschinen-Leute manchmal trinken. Sie gie�en dasselbe Zeug manchmal in ihre Maschinen, aber sie verd�nnen es vorher nicht.�</p><p>Chmeee sagte: �Es fiel mir auf, da� dir die R�stung gar nicht pa�t. Ich meine, sie ist dir nicht auf den Leib geschmiedet. Weshalb nicht?�</p><p>�Sie soll Angst und Ehrfurcht erwecken. Tut sie das nicht?�</p><p>�Nicht ganz�, erwiderte Chmeee. �Hatte diese R�stung vielleicht den Leuten gepa�t, die diese Planeten bauten?�</p><p>�Wer wei�?�</p><p>�Ich wei� es�, sagte Louis. Der Blick des Riesen ging nerv�s zur Kabinendecke.</p><p>Gras, das wieder nachgewachsen war, wich pl�tzlich einem Wald. Die Sonnenblumen richteten schon ihre Bl�ten auf. Louis lie� das Raumschiff bis auf eine H�he von drei�ig Metern absacken und drosselte die Geschwindigkeit erheblich.</p><p>Der Wald endete vor einem breiten Sandstrand. Louis schlich jetzt f�rmlich �ber dem Boden dahin und ging so tief herunter, da� er mit dem Rumpfboden fast das Wasser ber�hrte. Die Sonnenblumen verloren ihr Interesse an ihm.</p><p>Er flog auf das erl�schende Licht zu. Das Wasser war ruhig, seine Oberfl�che von einer sanften Brise, die von achtem kam, mit flachen Rillen �berzogen. Der Himmel war blau und wolkenlos. Sie flogen an Inseln vorbei, deren Ufer ebenfalls reich gegliedert waren. Wei�er Sand fiel sanft zum Wasser ab. Die Kuppeln der Inseln waren schwarz verkohlt. Zwei von ihnen waren von Sonnenblumen erobert worden.</p><p>F�nfzig Meilen vor dem Ufer, das die Sonnenblumen besetzt hielten, erwachte wieder das Interesse der silbernen Pflanzen. Louis hielt das Landungsboot in der Luft an. �Sie k�nnen sich doch nicht einbilden, da� sie uns als D�nger verwenden k�nnten�, sagte er. �Wir sind viel zu weit von ihnen entfernt und fliegen viel zu tief.�</p><p>�Diese Pflanzen haben kein Hirn�, meinte Chmeee mit einem ver�chtlichen H�steln.</p><p>Der Riesenk�nig sagte: �Sie sind gerissen. Sie l�sen sogar Buschbr�nde aus. Und auf den verbrannten, mit Asche bedeckten Boden verspr�hen sie ihre Samen.�</p><p>Aber sie waren doch jetzt �ber dem Wasser!. Was soll's. �K�nig der Grasesser-Riesen, jetzt ist deine Stunde gekommen! Wirf den gro�en Stein �ber Bord. Pa� auf, da� sich der Draht nicht verheddert.� Louis �ffnete die Luftschleuse und lie� die Rampe hinunter. Der Riesenk�nig trat hinaus in das glei�ende Licht. Der Stein fiel in das sechs Meter tiefe Wasser, nahm den schwarzen und den silbernen Draht mit hinunter auf den Grund.</p><p>Scheinwerfer schienen vom Ufer aus nach ihnen zu greifen. Einzelne Pflanzengruppen versuchten, das Landefahrzeug zu verbrennen, gaben dann aber wieder auf. Die Bewegung reizte sie, aber sie w�rden doch nicht auf laufendes Wasser zielen. Oder doch? Etwa auf einen Wasserfall? Seines Wissens entwickelten sich diese Pflanzen am besten auf halbtrockenen Planeten. �Chmeee. Du stellst jetzt die Repulsionsplatte auf achtzehn Meilen ein und wirfst sie �ber Bord. Pa� auf, da� die Dr�hte sich nicht verhedddern.�</p><p>Das schwarze Rechteck stieg in den Himmel hinauf. Schwarzer und silberner Draht spulte sich ab. Die Sinclair-Molekularkette h�tte eigentlich unsichtbar d�nn sein m�ssen, aber sie glitzerte im glei�enden Licht, und ein greller Lichthof bildete sich um die rasch kleiner werdende Repulsionsplatte. Jetzt war die Platte nur noch ein schwarzer Fleck am Himmel, kaum noch zu erkennen, wenn nicht dieser helle Lichthof ihren Standort markiert h�tte. Auf dieser H�he bildete sie ein gutes Ziel f�r Tausende von Sonnenblumenbl�ten.</p><p>Ein Superleiter l��t Strom ohne Widerstand passieren. Deswegen ist er ja so wertvoll f�r die Industrie. Und er hat noch eine zweite, au�erordentlich wertvolle Eigenschaft. Ein Superleiter beh�lt �berall die gleiche Temperatur bei.</p><p>Die Luft, Staubpartikel und die Sinclair-Kette gl�hten im Licht der Sonnenblumen auf. Aber das Superleiter-Tuch und der Superleiter-Draht blieben schwarz. Gut. Louis blinzelte, weil ihm das grelle Licht die Tr�nen in die Augen trieb, und blickte dann hinunter auf das Wasser. �K�nig der Grasesser�, sagte er, �komm zur�ck ins Schiff, weil du dir sonst die F��e verbrennst.�</p><p>Wo die beiden Dr�hte im See verschwanden, fing das Wasser an zu kochen. Dampf stieg auf und zog auf das wei�e Licht zu, das spinnw�rts �ber den Sonnenblumen glitzerte. Louis lie� das Landungsboot nach Steuerbord abdriften. Schon kochte das Wasser auf einer L�nge von mehreren hundert Metern.</p><p>Die Ringwelt-Ingenieure hatten nur zwei tiefe Ozeane auf dem Kunstplaneten angelegt. Diese beiden Weltmeere balancierten sich gegenseitig aus. Die �brigen Binnenseen der Ringwelt hatten eine Standardtiefe von acht Metern. Wie die Menschen, hatten die Ringwelt-Ingenieure offenbar nur die Meeresoberfl�che ben�tzt. Das war ein Vorteil, den Louis jetzt f�r sich ausn�tzte. Es war verh�ltnism��ig leicht, so einen Binnensee zum Kochen zu bringen.</p><p>Die Dampfwolken erreichten die K�ste.</p><p>G�tter lachen nicht schadenfroh. Das war bedauerlich. �Wir werden jetzt zuschauen, bis du zufriedengestellt bist�, sagte er zu dem Riesenk�nig.</p><p>�Ahem�, sagte Chmeee.</p><p>�Ich beginne zu verstehen�, sagte der Riesenk�nig, �aber.�</p><p>�Sag, was dich bedr�ckt.�</p><p>�Die Feuerpflanzen verbrennen die Wolken.� Louis schluckte seine Nervosit�t hinunter. �Wir werden weitersehen. Chmeee, du darfst unserem Gast Salat anbieten. Vielleicht wollt ihr beide etwas essen, allerdings durch eine T�r voneinander getrennt.�</p><empty-line/><p>Der Felsblock, an dem der Superleiter-Draht im Wasser befestigt war, befand sich jetzt f�nfzig Meilen an der Backbordseite von ihnen entfernt. Das Raumschiff versteckte sich hinter einer hohen, kahlen Insel, die wie ein Schirm einen Teil der glei�enden Strahlen aus dem Sonnenblumenfeld abfing. Die Pflanzen hatten immer noch die Absicht, das Landungsboot in Asche zu verwandeln. doch die meisten Sonnenblumen hatten Wichtigeres zu tun. Einige richteten ihre geb�ndelten Strahlen auf das schwarze Rechteck am Himmel, andere wieder auf die Dampfwolken.</p><p>Inzwischen kochten ein paar Quadratmeilen Wasser um den versenkten Felsblock herum. Der Dampf wallte in dicken Wolken �ber den See, erreichte f�nfzig Meilen weiter das Ufer, und fing dort Feuer. F�nf Meilen r�ckten sie noch auf das Sonnenblumenfeld vor, leuchtend wie Kugelblitze, ehe sie sich in Luft aufl�sten.</p><p>Louis richtete das Teleskop auf die Dampfwolken. Er konnte das Wasser kochen sehen. Bald mu�ten die ersten Sonnenblumen sterben. Ein f�nf Meilen breiter Streifen des Feldes bekam kein Sonnenlicht mehr. Andere Pflanzen vergeudeten ihre Energie damit, geb�ndelte Lichtstrahlen auf Dampfwolken zu richten, statt damit Zucker herzustellen. Aber ein f�nf Meilen breiter Streifen war ein Nichts, ein gar Nichts. Das Feld nahm die halbe Breite der Ringwelt ein.</p><p>Und da sah er noch etwas, das ihn veranla�te, das Teleskop fast senkrecht zu stellen.</p><p>Der Silberdraht st�rzte, trieb spinnw�rts mit dem Wind ab. Die Sonnenblumen hatten die Sinclair-Molekularkette durchgebrannt. Louis zerbi� einen Fluch zwischen den Z�hnen. Aber der Draht des Superleiters war immer noch schwarz. Der Draht w�rde halten. Er w�rde nicht rei�en.</p><p>Er konnte nicht hei�er werden als das kochende Wasser, und �berall hatte er die gleiche Temperatur. Und wenn die Pflanzen noch mehr Licht zu ihm hinaufschickten, w�rde das nichts an dieser Tatsache �ndern. Der Draht w�rde nur das Wasser schneller zum Kochen bringen, und der Draht hing in einem gewaltigen Binnensee. Und Wasserdampf verschwindet nicht so einfach. Er erhitzt sich und steigt h�her in den Himmel hinauf.</p><p>�Gott speist gut�, sagte der Riesenk�nig. Er verzehrte einen zarten Salatkopf von der Marke Boston butter lettuce. Es war sein zwanzigster Salatkopf oder vielleicht sogar schon sein drei�igster. Er stand hinter Chmeee und betrachtete die Dampfwolken. Aber im Unterschied zu Chmeee stellte er keine Spekulationen an, was sich dort drau�en abspielte.</p><p>Das Wasser kochte jetzt wie der Teufel. Die Sonnenblumen wollten unbedingt diesen schwarzen Vogel abschie�en, der wahrscheinlich Sonnenblumen fra� und deshalb zu D�nger verwandelt werden sollte. Sie konnten weder die H�he noch die Entfernung absch�tzen. Aber die Evolution hatte daf�r gesorgt, da� sie ihren blinden Fanatismus nicht �bertrieben. Ehe sie an Auszehrung sterben konnten, richteten sie ihre Strahlen wieder auf den gr�nen photosynthetischen Stempel, w�hrend andere f�r sie den Kampf gegen den schwarzen Vogel aufnahmen.</p><p>Chmeee sagte mit ruhiger Stimme: �Louis, die Insel.�</p><p>Etwas Gro�es, Schwarzes stand bis zur H�fte im Wasser, nahe beim Ufer. Das Wesen war nicht ganz Mensch und nicht ganz Otter, hatte von beiden etwas. Das Wesen wartete geduldig, beobachtete das Landungsboot mit gro�en braunen Augen.</p><p>Louis sprach mit m�hsam bewahrter Ruhe: �Ist dieser See mit Menschen bev�lkert?�</p><p>�Das wu�ten wir nicht�, sagte der K�nig der Riesen.</p><p>Louis glitt mit dem Landungsboot auf den Strand zu. Der Humanoide wartete furchtlos. Seine Haut war mit einem kurzen �lig schwarzen Pelz bewachsen, und er schien den Verh�ltnissen des Wassers hervorragend angepa�t: gedrungener Hals, scharf abfallende Schultern, eine breite Nase, die ganz flach auf seinem kinnlosen Gesicht lag.</p><p>Louis aktivierte die Mikrofone: �Verstehst du die Sprache der Grasriesen?�</p><p>�Ich kann mich in ihr verst�ndlich machen. Aber sprich langsam. Was suchst du hier!�</p><p>Louis seufzte. �Ich erhitze das Meer.�</p><p>Die Selbstbeherrschung der Kreatur war bemerkenswert. Die Vorstellung, da� das Wasser zu kochen anfangen k�nnte, brachte sie nicht aus der Ruhe. Das Wesen fragte das schwebende Geb�ude: �Wie hei�?�</p><p>�Sehr hei� an dieser Seite des Meeres. Wie viele seid ihr?�</p><p>�Im Augenblick vierunddrei�ig�, erwiderte das amphibische Wesen. �Wir waren zu achtzehn, als wir vor einundf�nfzig <emphasis>Falans</emphasis> hierher kamen. Wird das Wasser auf Steuerbordseite deines Schiffes sehr hei� werden?�</p><p>Louis, sank erleichtert in den Pilotensitz zur�ck. Er hatte sich mehrere hunderttausend gekochte Wasserleichen vorgestellt, weil Louis Wu Gott spielte. Er kr�chzte: �Du mu�t mir sagen, wie hei� es werden darf. Auf dieser Seite ist auch der Flu�, durch den das Wasser wieder abflie�t. Wieviel W�rme k�nnt ihr vertragen?�</p><p>�Eine ganze Menge. Wir werden besser essen. Fische lieben die W�rme. Aber gestatte mir eine Frage, ehe du einen Teil unseres Hauses zerst�rst: Warum tust du das?�</p><p>�Wir wollen damit die Feuerpflanzen t�ten.�</p><p>Der Amphibien-Mensch dachte nach. �Gut. Wenn die Feuerpflanzen sterben, k�nnen wir einen Boten flu�aufw�rts zu dem Meer von Fuboobishes Sohn schicken. Sie glauben wohl, da� wir schon l�ngst tot sind.� Er f�gte hinzu: �Aber ich verga� meine guten Manieren. <emphasis>Rishathra</emphasis> ist uns angenehm, wenn du uns dein Geschlecht offenbarst und auch unter Wasser zu kopulieren vermagst.�</p><p>Louis ben�tigte eine Sekunde, seine Stimme wiederzufinden: �Keiner von uns kopuliert im Wasser.�</p><p>�Wenige tun das�, erwiderte das Amphibien-Wesen. Offensichtlich war er von der Antwort nicht entt�uscht.</p><p>�Wie seid ihr hierhergekommen?�</p><p>�Wir erkundeten den Flu�, als uns Stromschnellen in das Gebiet der Feuerpflanzen trugen. Dort konnten wir nicht ans Ufer, um den R�ckweg zu Fu� anzutreten. Wir mu�ten mit der Str�mung bis zu diesem Binnensee schwimmen, den ich Tuppugops Meer taufte. Es ist keine �ble Heimst�tte, obwohl man sich vor den Feuerpflanzen in acht nehmen mu�. Kannst du sie tats�chlich mit Nebel t�ten?�</p><p>�Ich glaube ja.�</p><p>�Ich mu� mit meinen Leuten umziehen�, erwiderte das Amphibien-Wesen. Er tauchte ohne einen Spritzer im Wasser unter.</p><p>�Ich dachte schon, du w�rdest ihn t�ten�, sprach Chmeee, den Blick zur Decke gerichtet, �f�r seine Unversch�mtheit.�</p><p>�Es ist seine Heimat�, erwiderte Louis. Er schaltete die Gegensprechanlage ab. Er hatte dieses Spiel satt. Da vertreibe ich Menschenwesen mit kochendem Wasser aus ihrem Haus, dachte er, und wei� nicht einmal, ob die Sache funktioniert! Er sehnte sich nach dem Wonnestecker. Nichts half gegen die Depression au�er diesem vegetativen Gl�ckszustand, wenn sein Gehirn unter Strom stand. Nichts sonst konnte diese gewitterschwarze Wut eind�mmen, die ihn dazu trieb, mit den Armen auf die Sessellehnen zu schlagen und mit zusammengepre�ten Augen tierische Ger�usche auszusto�en.</p><p>Aber die Zeit heilt alle Schmerzen. Die Zeit verging und mit ihr der Anfall. Er �ffnete die Augen.</p><p>Nun vermochte er weder den schwarzen Draht noch das kochende Wasser zu sehen. Da war nur eine einzige riesige Nebelwand, die nach spinnw�rts trieb, Feuer fing, sobald sie die K�ste erreicht hatte, zehn Meilen weit landeinw�rts vordrang und dann verschwand. Dann blieb nur noch das glei�ende Licht der Sonnenblumen. und ein paar parallele Linien am Horizont.</p><p>Eine wei�e Linie �ber einer schwarzen Linie, die ungef�hr f�nfzig Grad des Horizontes bedeckte.</p><p>Wasserdampf verschwindet nicht so einfach. Er war bis in die Stratosph�re hinaufgestiegen und hatte sich dort rekondensiert. Eine wei�randige Wolke, die unter der Strahlenattacke der Sonnenblumen aufgl�hte: ein schwarzer Schatten �ber einem betr�chtlichen Bereich des Sonnenblumen-Gebietes. Dieser Schatten mu�te f�nfhundert oder gar tausend Meilen entfernt sein, wenn man ihn mit der Wolke �ber dem Feld verglich, und besa� eine Breite von mehreren hundert Meilen. Und dieser Schatten dehnte sich stetig aus�� aufreizend langsam zwar, aber stetig.</p><p>In der Stratosp�hre wurde die Luft vom Zentrum des Sonnenblumenfeldes weggedr�ckt. Selbstverst�ndlich w�rde ein Teil der kondensierten Fl�ssigkeit abregnen, aber ein Teil des Wasserdampfes w�rde sich wieder mit dem Dampf vereinigen, der von der kochenden See in die H�he stieg, und mit dem Wind auf das Feld zutreiben. Der Dampf zirkulierte stetig �ber dem Reich der Sonnenblumen.</p><p>Seine Arme taten ihm weh. Louis lockerte den schraubstockartigen Griff um die Sessellehnen und schaltete die Gegensprechanlage ein.</p><p>�Louis hat sein Versprechen gehalten�, sagte der K�nig der Riesen soeben, �aber die sterbenden Pflanzen scheinen so weit vom Ufer entfernt zu sein, da� wir sie nicht m�hen k�nnen. Ich wei� nicht.� �Wir werden die Nacht hier verbringen�, unterbrach Louis ihn. �Morgen fr�h werden wir es genau wissen.�</p><empty-line/><p>Es ging mit dem Landungsboot antispinnw�rts von der Insel nieder. Seetang war in gro�en Mengen an den Strand gesp�lt worden. Chmeee und der K�nig der Riesen schaufelten eine Stunde lang Seetang in eine Luke am Rumpf des Landungsbootes, um die Grundstoffreserven des Nahrungsmittel-Zubereiters aufzuf�llen. Louis nahm die Gelegenheit wahr, um <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> �ber Funk zu rufen.</p><p>Der Hinterste befand sich nicht auf dem Flugdeck. Er mu�te sich im versteckten Teil des Raumschiffes aufhalten. �Sie haben Ihren Wonnestecker demoliert�, sagte er.</p><p>�Ich wei�. Haben Sie inzwischen etwas.�</p><p>�Ich habe einen Ersatzstecker.�</p><p>�Und wenn Sie ein paar Dutzend Ersatzstecker h�tten, w�rde mich das nicht interessieren. Ich verzichte darauf. Wollen Sie immer noch den Materie-Umwandler der Ringwelt-Ingenieure haben?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Dann m�ssen wir auch ein bi�chen zusammenarbeiten. Die Leitstation der Ringwelt mu� irgendwo auf diesem Kunstplaneten sein. <emphasis>Falls</emphasis> sie in einem der Sch�ttberge untergebracht wurde, m�ssen die Materieumwandler, die aus den Raumschiffen ausgebaut wurden, auch in diesen Sch�ttbergen sein. Ich m�chte eine genaue Lageerkundung, ehe ich mich in einen dieser Berge wage.�</p><p>Der Hinterste dachte �ber seinen Vorschlag nach.</p><p>Hinter seinen flachen, sich wiegenden K�pfen sah Louis beleuchtete Wolkenkratzer, eine breite Stra�e mit Transportscheiben an den Kreuzungen, die sich auf einen Fluchtpunkt hin bewegten. Die Stra�e wimmelte nur so von Puppetiers. Ihre gek�mmten oder gelockten M�hnen waren mit glitzernden Steinen geschm�ckt. Die Puppetiers schienen sich immer nur in Gruppen zu bewegen. Da war ein schmaler Himmelsstreifen zwischen den hohen Geb�uden, in dem zwei Landwirtschaftsplaneten �ber dem Horizont schwebten, jeder von einer rotierenden Lichterkette umgeben. Ein sanftes melodi�ses Ger�usch kam aus dem Hintergrund, als w�rden sich Millionen Puppetiers miteinander unterhalten, knapp au�er H�rweite, so da� man die Worte nicht mehr zu verstehen mochte.</p><p>Der Hinterste hatte ein St�ck seiner verlorenen Zivilisation bei sich: B�nder und eine Hologramm-Wand. Vermutlich umgab er sich st�ndig mit dem Geruch seiner Artgenossen. Die M�bel seiner Wohnkabine hatten nicht eine scharfe Kante, wo man sich ein Knie ansto�en konnte. Sie bestanden nur aus weichen Kurven, und eine seltsam geformte Vertiefung auf dem Kabinenboden war vermutlich ein Bett.</p><p>�Die R�ckseite der Ringmauer ist vollkommen flach�, sagte der Hinterste. �Mein Tiefenradar vermag das Material nicht zu durchdringen. Ich kann es mir nicht leisten, eine meiner Sonden zu riskieren. Sie dient immer noch als Relaisstation zwischen der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> und Ihrem Landungsboot. Tats�chlich wird die Verbindung noch besser, wenn die Sonde noch etwas h�her �ber der Mauer steht. Deswegen werde ich eine der beiden Sonden im Magnetschleifen-Transportsystem unterbringen.�</p><p>�Das ist zufriedenstellend.�</p><p>�Glauben Sie wirklich, die Reparaturzentrale ist.�</p><p>�Nein, nicht eigentlich. Aber wir werden dort genug �berraschungen entdecken, da� wir uns nicht langweilen. Diese Sch�ttberge m�ssen genau untersucht werden.�</p><p>�Eines Tages m�ssen wir uns entscheiden, wer diese Expedition leitet�, erwiderte der Puppetier und verschwand vom Monitorschirm.</p><empty-line/><p>In dieser Nacht sah er keine Sterne.</p><p>Der Morgen war ein lichterwerdendes Chaos. Vom Flugdeck aus sah man nur ein formloses milchiges Gl�hen: kein Himmel, kein Wasser, kein Strand. Louis f�hlte sich versucht, Wu neu zu erschaffen, damit er den Leitstand verlassen und nachsehen konnte, ob die Welt dort drau�en noch existierte.</p><p>Statt dessen stieg er mit dem Landungsboot senkrecht in den Himmel hinauf. Auf hundert Meter H�he sah er die Sonne wieder. Unter ihm war eine wei�e Wolke, die sich nach spinnw�rts hin mit Licht f�llte. Der Nebel hatte sich ein betr�chtliches St�ck landeinw�rts ausgedehnt.</p><p>Die Repulsionsplatte hing immer noch �ber dem Sonnenblumenfeld, ein schwarzer Punkt am blauen Himmel.</p><p>Zwei Stunden nach Einbruch der Morgend�mmerung blies ein Wind den Nebel auseinander. Louis ging mit dem Landungsboot wieder bis knapp �ber den Wasserspiegel herunter, ehe der Nebel sich �ber dem Sonnenblumenfeld verfl�chtigt hatte. Minuten sp�ter bildete sich wieder ein greller Lichthof um die Repulsionsplatte.</p><p>Der K�nig der Riesen hatte den ganzen Morgen �ber in der offenen Luftschleuse gestanden und mit geistesabwesendem Gesicht Salatbl�tter gekaut. Chmeee hatte sich ebenfalls recht still verhalten. Sie blickten an die Kabinendecke, als Louis sich r�usperte.</p><p>�Es wird funktionieren�, sagte er und glaubte nun selbst an seine Prophezeihung. �Bald wirst du eine Allee von toten Sonnenblumen finden, die dich zu einem viel gr��eren Feld der Feuerpflanzen bringen wird, die sich unter einer dicken, dauerhaften Wolkenschicht befinden. S�e deinen Grassamen. Wenn du lieber lebende Feuerpflanzen essen m�chtest, dann ernte sie nachts zu beiden Seiten des Nebelstreifens. Vielleicht brauchst du daf�r eine Basis auf einer Insel in diesem See. Vielleicht werdet ihr auch Boote f�r eure Ernte-Streifz�ge brauchen.�</p><p>�Von jetzt an werden wir uns schon selbst helfen k�nnen�, erwiderte der K�nig der Riesen. �Ich bin froh, da� auch Wasser-Leute in unserer N�he sind, wenn auch nur in bescheidener Anzahl. Sie tauschen ihre Arbeitskraft gegen Metallwerkzeuge ein. Die Wasser-Leute werden unsere Boote bauen. W�chst denn auch Gras, wenn es Tag und Nacht regnet?�</p><p>�Ich wei� nicht. Du solltest auch auf den verbrannten Inseln deinen Grassamen ausstreuen.�</p><p>�Gut. Den Heroen unseres Volkes setzen wir ein Denkmal, indem wir ihr Ebenbild in einen Stein ritzen und ein paar Worte hinzusetzen. Wir sind Nomaden; wir k�nnen keine gro�en Standbilder mit uns herumschleppen. Gen�gt dir eine Felszeichnung?�</p><p>�Absolut.�</p><p>�Und wie sollen wir dich darstellen?�</p><p>�Ich bin ein bi�chen gr��er als Chmeee, habe mehr Haare an den Schultern, deren Farbe sich mit deiner deckt. Dazu ein Gebi� wie die Fleischfresser mit Sto�z�hnen. Keine externen Ohren. Und verschwende nicht so viel M�he auf mein Ebenbild. Wohin soll ich dich jetzt bringen?�</p><p>�Zu unserem Lager. Ich denke, ich werde ein paar Frauen mitnehmen m�ssen, ehe ich das andere Seeufer erkunde.�</p><p>�Wir k�nnen es sofort erkunden.�</p><p>Der K�nig der Riesen lachte. �Vielen Dank, Louis; aber meine Krieger werden in einer schrecklichen Laune sein, wenn sie ins Lager zur�ckkommen. Nackt, hungrig und besiegt. Ich sollte ihrer Stimmung schon ein wenig aufhelfen, indem ich sie ein paar Tage lang allein lasse. Ich bin kein Gott. Ein Held kann sich nur auf seine Gefolgsleute verlassen, wenn sie mit seiner Herrschaft zufrieden sind. Er kann nicht zu jeder wachen Stunde seine Stellung mit dem Schwert verteidigen.�</p></section></section><section><title><p>II. Teil</p></title><section><title><p>13. Urspr�nge</p></title><p>Das Landungsboot flog knapp unter Mach 1 auf einer H�he von f�nf Meilen.</p><p>Dreizehntausend Meilen waren f�r das kleine Raumschiff keine Aff�re. Louis' Vorsicht machte den Kzin ganz hippelig: �In zwei Stunden k�nnten wir aus der Stratosph�re auf die fliegende Stadt hinuntersto�en oder uns von unten nach oben pirschen! Sogar in einer Stunde, ohne da� unsere Bequemlichkeit darunter leiden m��te!�</p><p>�Sicher. Wir k�men vom Himmel herunter wie eine Sternschnuppe, z�gen den gl�henden Schweif unseres Fusionsantriebes hinter uns her. Hast du vergessen, wie wir Halrloprillalars fliegendes Gef�ngnis erreichten? Mit dem Kopf nach unten und einem Kurzschlu� im Motor unserer Flugr�der?�</p><p>Chmeees Schwanz peitschte die R�ckenlehne seines Copiloten-Sitzes. Er erinnerte sich nur zu gut daran.</p><p>�Wir wollen uns diesmal nicht mit irgendeiner alten Maschine verd�chtig machen. Die Superleiter-Bakterienplage scheint ein paar von diesen Dingern verschont zu haben.�</p><p>Die Grasebene wurde von Kulturland abgel�st und dann von einem sumpfigen Dschungel. Das senkrechte Sonnenlicht spiegelte sich im Wasser unter bl�henden B�umen.</p><p>Louis f�hlte sich gro�artig. Er hatte nicht einsehen wollen, da� sein Krieg mit dem Sonnenblumenfeld ein vergebliches Bem�hen sei.Und er hatte sich nicht umsonst gegen das scheinbar Unl�sbare aufgelehnt. Er hatte sich energisch in diese Aufgabe hineingekniet. Er hatte mit Intelligenz und den Werkzeugen, die ihm zur Verf�gung standen, ein schwieriges Problem gemeistert.</p><p>Das Sumpfland schien kein Ende zu nehmen. Einmal machte Chmeee Louis auf eine kleine Stadt aufmerksam. Sie war nicht leicht auszumachen, da die Geb�ude fast im Wasser ertranken und Lianen und Buschwerk die Mauern von oben zu erdr�cken versuchten. Die H�user hatten einen seltsamen Baustil. Jede Mauer und jedes Dach, sogar die T�ren, waren nach au�en gew�lbt, so da� die Stra�en von dieser Kropfarchitektur arg eingeengt wurden. Diese Stadt konnte unm�glich von Halrloprillalars Artgenossen erbaut sein.</p><p>Als die Sonne genau zwischen zwei Schattenblenden stand, hatte das Landungsboot mehr Meilen zur�ckgelegt, als Ginjerofer oder der K�nig der Riesen ihr ganzes Leben lang wandern w�rden. Wie dumm von mir, dachte Louis, diese Wilden nach der Stadt zu fragen. Sie waren so weit von der schwebenden Metropole entfernt wie nur irgend zwei Punkte auf der Erde.</p><p>Der Hinterste meldete sich.</p><p>Heute war seine M�hne ein schimmernder Regenbogen, streifenweise in den Grundfarben des Spektrums get�nt. Hinter ihm flitzten Puppetiers auf langen Reihen von Transportscheiben dahin, dr�ngten sich vor Schaufenstern, stie�en mit den H�lsen aneinander, ohne sich daf�r zu entschuldigen oder gar deswegen aufzuregen. Nein, sie waren eingeh�llt von einer Wolke harmonischer Melodien, in denen sich vor allem Fl�ten und Klarinetten hervortaten: Puppetier-Sprache. Der Hinterste fragte: �Was haben Sie inzwischen erfahren?�</p><p>�Sehr wenig�, erwiderte Chmeee. �Wir haben Zeit vergeudet. Tats�chlich hatte vor siebzehn <emphasis>Falans</emphasis> eine gro�e Sonneneruption stattgefunden�� ungef�hr vor dreieinhalb Jahren, um es in unsere Zeitbegriffe zu �bersetzen�� aber soweit waren wir mit unseren Vermutungen ja auch schon gekommen. Die Sonnenblenden schlossen sich, um die Ringwelt vor gef�hrlicher Strahlung zu sch�tzen. Das Sonnenblenden-Leitsystem mu� unabh�ngig von der Ringwelt operieren.�</p><p>�Das deduzierten wir ebenfalls schon. Was noch?�</p><p>�Louis' hypothetisches Reparaturzentrum ist zweifellos nicht mehr in Betrieb. Der Sumpf, den wir gerade �berfliegen, war nicht von den Architekten geplant. Wahrscheinlich hat ein gr��erer Flu� so viel Land angeschwemmt, da� er damit den Abflu� eines Meeres blockierte. Wir entdeckten eine Vielzahl von Hominiden, teils mit Intelligenz begabt, teilweise nicht. Von den Baumeistern der Ringwelt nicht eine Spur; falls sie nicht Halrloprillalars Vorfahren gewesen sind. Ich bin geneigt, letzteres f�r wahrscheinlich zu halten.�</p><p>Louis �ffnete den Mund. und blickte nach unten, auf eine Schmerzschwelle in seinen Beinen. Vier Kzinokrallen hakten sich in seinen Unterschenkel. Er schlo� wieder den Mund. Chmeee fuhr fort: �Bisher sind wir noch auf keinen Vertreter von Halrloprillalars Rasse gesto�en. Vielleicht war ihre Gattung von vorneherein auf diesem Planeten sehr d�nn ges�t. Wir vernahmen Ger�chte von einer anderen menschlichen Gattung, dem Maschinen-Volk, die offenbar im Kommen ist und Halrloprillalars Artgenossen verdr�ngt. Wir sind gerade unterwegs zu diesen Leuten.�</p><p>�Das Reparaturzentrum arbeitet nicht mehr�, sagte der Hintereste energisch. �Ja, das habe ich inzwischen auch festgestellt. Ich schickte eine Sonde dorthin.�</p><p>�Sie haben doch zwei Sonden�, unterbrach Chmeee den Hintersten. �Warum verwenden Sie nicht beide?�</p><p>�Eine halte ich in Reserve, damit ich den Treibstoff der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> erg�nzen kann. Mit der anderen habe ich das R�tsel der Sch�ttberge gel�st. Sehen Sie mal.�</p><p>Der �u�erste rechte Schirm zeigte einen Ausschnitt der Ringwelt, durch das Auge der Sonde gesehen. Die Sonde raste an der Ringmauer entlang, passierte etwas so schnell, da� man Einzelheiten nicht zu erkennen vermochte. Die Sonde wurde langsamer, wendete, flog auf ihrer Spur zur�ck.</p><p>�Louis riet mir zu einer Erkundung der Ringmauer. Die Sonde hatte kaum mit ihrer Verz�gerung begonnen, als sie auf das dort stie�. Ich dachte, es lohnte sich, das da n�her zu betrachten.�</p><p>Da war eine Schwellung auf der Ringmauer�� eine R�hre, die �ber die Mauerkrone geh�ngt war. Die R�hre war der Form der Ringmauer angepa�t, etwas flachgedr�ckt, und bestand aus dem gleichen durchsichtigen grauen <emphasis>Scrith</emphasis> wie der Ringweltboden. Die Sonde flog auf diese R�hre zu, bis die Kamera in die M�ndung einer ovalen �ffnung schaute, die einen Durchmesser von einer Viertelmeile besa�.</p><p>�Viele architektonische Einzelheiten auf der Ringwelt zeigen Z�ge von primitiver, roher Gewalt�, erl�uterte der Hinterste. �Die Sonde bewegte sich an dieser R�hre entlang, �ber die Mauerkrone hinweg und dann an der Au�enseite des Artefakten bis zu der Stelle, wo das Rohr im Schaumstoff verschwand, der als Schutz gegen Meteore auf der Unterseite der Ringwelt aufgetragen war.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Louis. �Und diese R�hre war ebenfalls au�er Betrieb?�</p><p>�Richtig. Ich versuchte, die R�hre weiter zu verfolgen und hatte auch einigen Erfolg damit.�</p><p>Die Szene wechselte abrupt. Jetzt zeigte sie rasche schattenhafte Konturen, als die Sonde in einiger Entfernung au�en an der Ringwelt vorbeiraste. Landschaften im versenkten Relief glitten �ber der Sonde im infraroten Licht dahin. Die Sonde verz�gerte wieder, hielt an, bewegte sich nach oben.</p><p>Wenn ein Meteor in diesen Artefakten einschlug, kam er zun�chst aus dem interstellaren Raum; und er prallte mit dieser Geschwindigkeit auf der Ringwelt auf, wobei man noch die Eigengeschwindigkeit des Artefakten, n�mlich siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde, hinzuz�hlen mu�te. Hier war ein Meteor mit dieser brutalen Gewalt eingeschlagen. Die Plasmawolke hatte eine tiefe Narbe �ber mehrere hundert Meilen Meeresboden gezogen, indem sie den sch�tzenden Schaumstoff verdampft hatte. Und in dieser Narbe vermochte man eine R�hre zu erkennen, die vielleicht einen Durchmesser von hundert Metern hatte. Diese R�hre f�hrte durch den <emphasis>Scrith</emphasis> auf die andere Seite des Meeresbodens.</p><p>�Ein Recycling-System�, murmelte Louis.</p><p>Der Puppetier sagte: �Ohne ein Gegengewicht zur Erosion h�tte sich in ein paar tausend Jahren die Humusschicht der Ringwelt vollkommen im Meer aufgel�st. Ich vermute, da� diese R�hren durch den Meeresboden an der Au�enseite der Ringwelt entlangf�hren und dann an der Mauerkrone enden. Sie lagern den Schlamm, der sich auf dem Meeresboden aufh�uft, jenseits der Mauer als Sch�ttberge ab. Das im Schlamm enthaltene Wasser verdunstet in dem Beinah-Vakuum am Gipfel dieser Aufsch�ttung, die drei�ig Meilen hoch ist. Der Berg bricht nach und nach unter seinem eigenen Gewicht zusammen. Das aufgesch�ttete Material wird von Winden und Fl�ssen wieder von der Ringmauer weggetragen, zur�ck zu der Stelle, wo es herkam.�</p><p>Chmeee sagte: �Reine Hypothese, aber glaubhaft. Wo befindet sich zur Zeit Ihre Sonde, Hinterster?�</p><p>�Ich will sie wieder aus dem Vakuum vor der Ringweltschale zur�ckholen und in das Ringmagnetensystem eingliedern.�</p><p>�Tun Sie das. Verf�gt die Sonde �ber Tiefenradar?�</p><p>�Ja, aber der Sender ist nicht besonders stark.�</p><p>�F�hren Sie eine Tiefenradar-Erkundung der Sch�ttberge durch. Die Sch�ttberge sind. ich vermute, sie liegen zwanzig- bis drei�igtausend Meilen auseinander. Also m�ssen wir mit ungef�hr f�nfzigtausend Sch�ttbergen an den Ringmauern beider Halbkreise rechnen. Eine Handvoll davon k�nnte sich vortrefflich als Versteck f�r das Reparaturzentrum eignen.�</p><p>�Aber warum sollte man denn das Reparaturzentrum verstecken?�</p><p>Chmeee machte ein unh�fliches Ger�usch. �Was w�re, wenn die Untertanen revoltierten? Was gesch�he bei einer Invasion? Selbstverst�ndlich ist das Reparaturzentrum versteckt und befestigt dazu. Lassen Sie jeden Sch�ttberg genau untersuchen.�</p><p>�Sch�n. Ich werde die Ringmauer an Steuerbord eine Ringwelt-Umdrehung lang von der Sonde beobachten lassen.�</p><p>�Aber vergessen Sie dann die andere Seite der Mauer nicht.�</p><p>Louis sagte: �Und halten Sie die Kameras eingeschaltet. Wir suchen immer noch nach den Steuerd�sen. obgleich mir inzwischen Bedenken gekommen sind, da� sie auch noch andere M�glichkeiten einer Orbit-Korrektur realisiert haben k�nnten.�</p><p>Der Hinterste schaltete sich wieder ab. Louis wandte sich dem Panoramafenster zu. Er hatte etwas bemerkt, das ihn von dem Gespr�ch mit dem Hintersten erheblich ablenkte: ein blasser Faden, der sich am Rande des Sumpfgebietes befand, viel zu gerade f�r einen Flu�. Nun sah er auch zwei kaum noch wahrnehmbare Punkte, die sich auf diesem Faden bewegten. �Ich denke, das m��ten wir uns etwas n�her anschauen. Wir m�ssen mit dem Landungsboot bis auf Baumwipfelh�he hinuntergehen.�</p><empty-line/><p>Es war eine Stra�e. Aus einer H�he von drei�ig Metern sah der Belag etwas grob und steinig aus. Offenbar hatte man das Zeug auf die Trasse gegossen. Louis sagte: �Vermutlich ein Werk der Maschinen-Leute. Sollen wir diese Fahrzeuge dort unten verfolgen?�</p><p>�Warten wir noch damit, bis wir etwas n�her an die schwebende Stadt herangekommen sind.�</p><p>Eine so g�nstige Gelegenheit auszulassen, war unklug. Trotzdem widersprach der Kzin nicht. Die Erregung des Tigerwesens war so stark, da� man sie f�rmlich riechen konnte.</p><p>Die Stra�e vermied die tief gelegenen, sumpfigen Bereiche. Sie schien in gutem Zustand zu sein. Chmeee folgte ihr auf einer H�he von drei�ig Metern mit stark gedrosselter Geschwindigkeit.</p><p>Sie kamen an einer Handvoll Geb�ude vorbei, deren gr��tes eine chemische Fabrik zu sein schien. Ein paarmal beobachteten sie kastenartige Fahrzeuge, die unter ihnen die Stra�e passierten. Sie selbst wurden nur ein einziges Mal entdeckt. Ein Kastenwagen hielt pl�tzlich an, menschen�hnliche Gestalten kamen zum Vorschein, rannten im Kreis herum und richteten stock�hnliche Gebilde auf das Landungsboot. Einen Moment sp�ter waren sie nicht mehr zu sehen.</p><p>Da waren auch gro�e blasse Gestalten im morastigen Dschungel. Das konnten keine von Gletschern zugeschliffene Findlingsbl�cke sein. Nicht hier auf dieser Kunstwelt. Louis �berlegte sich, ob es sich bei diesen blassen Gebilden um Riesenpilze handeln k�nne. Doch diese �berlegungen h�rten kurzschlu�artig auf, als er eines dieser Gebilde sich bewegen sah. Er versuchte, den Kzin auf das Wesen aufmerksam zu machen. Doch Chmeee ignorierte ihn.</p><p>Die Stra�e schwang in weitem Bogen nach antispinnw�rts, als sie sich einer Bergkette n�herten. Louis sah, da� die Stra�enbauer darauf verzichtet hatten, sich eine ideale Trasse �ber das Gebirge zu suchen. Die Stra�e folgte dem Bergr�cken, bis er von einer tiefen Kerbe durchbrochen wurde. Nachdem sich die Stra�e dort hindurchgef�delt hatte, kehrte sie in weitem Bogen wieder bis zum Rand des Sumpfwaldes zur�ck, Chmeee schwenkte jedoch mit dem Landungsboot nach links und beschleunigte. Das Raumschiff raste an der Backbordseite des Gebirgszuges entlang, einen langen Kometenschweif hinter sich herziehend. Dann lie� der Kzin pl�tzlich das Landungsboot rotieren, bremste und setzte es am Fu� der Granitsteilwand auf den Boden.</p><p>�Gehen wir hinaus und vertreten wir uns die Beine�, sagte er.</p><p>Der <emphasis>Scrith-Kern</emphasis> des Berges schirmte sie gegen die Radiowellen ab, so da� der Hinterste sie nicht belauschen konnte. Trotzdem f�hlten sie sich nur vor einem Lauschangriff sicher, wenn sie das Landungsboot verlie�en. Louis folgte dem Kzin ins Freie.</p><p>Es war ein sch�ner, sonniger Tag�� viel zu hell, da sich dieser B�gen der Ringwelt auf seinem exzentrischen Kurs der Sonne immer mehr n�herte. Ein steifer warmer Wind blies ihnen ins Gesicht. Der Kzin sagte: �Louis, wolltest du dem Hintersten die Wahrheit �ber die Ringwelt-Ingenieure berichten?�</p><p>�Vielleicht. Warum nicht?�</p><p>�Ich vermute, wir sind zu dem gleichen Schlu� gekommen.�</p><p>�Das bezweifle ich. Was wei� ein Kzin schon von den Pak-Protektoren?�</p><p>�Ich wei� alles, was dar�ber in den Unterlagen des Smithsonian-Institutes berichtet wird, so wenig das auch sein mag. Ich habe die Bekenntnisse des Asteroideng�rtel-Bergwerksunternehmers, Jack Brennan gelesen und die Hologramme der mumifizierten �berreste des fremdartigen Phssthpok gesehen. Desgleichen die Aufnahmen der Ladeduchten seines Raumschiffes.�</p><p>�Chmeee, wie bist du an dieses Zeug herangekommen?�</p><p>�Spielt das jetzt eine Rolle? Schlie�lich hatte ich den Status eines Diplomaten. Die Existenz des Pak ist schon seit Generationen ein Staatsgeheimnis der Patriarchie; aber f�r jeden Kzin, der sich mit den Menschen auseinandersetzen mu�, sind diese Dokumente eine Pflichtlekt�re. Wir m�ssen doch unseren Feind kennenlernen. Vielleicht wei� ich sogar mehr �ber deine Vorfahren als du selbst. Und ich bin zu dem Schlu� gekommen, da� die Ringwelt von den Pak erbaut wurde.�</p><empty-line/><p>Sechshundert Jahre vor Louis Wus Geburt war ein Pak-Protektor als Missionar der Barmherzigkeit auf das Planetensystem von Sol gekommen. Von diesem Phssthpok, durch die Vermittlung von Jack Brennan, erfuhren die Historiker von den Urspr�ngen ihrer Entstehung.</p><p>Die Pak waren Eingeborene einer Welt im galaktischen Kern. Ihr Leben verlief in drei Phasen: Kindheit, Fruchtbarkeit, Besch�tzer. Die Erwachsenen oder Fortpflanzungsf�higen waren gerade intelligent genug, um eine Keule schwingen oder einen Stein werfen zu k�nnen.</p><p>In mittleren Jahren, wenn sie dieses Alter �berhaupt erreichten, entwickelte sich bei den Pak-Fortpflanzungsf�higen ein Zwang, von einer Pflanze zu essen, die Lebensbaum genannt wurde. Ein symbiotischer Virus in dieser Pflanze l�ste eine Verwandlung aus. Der fortpflanzungsf�hige Pak verlor seine Geschlechtsorgane und Z�hne. Sein Sch�del und sein Gehirn dehnten sich aus. Lippen und Gaumen vereinigten sich zu einem harten, stumpfen Schnabel. Seine Haut wurde faltig und erhielt eine schuppenartige Konsistenz. Seine Gelenke vergr��erten sich erheblich, so da� die Glieder mit gr��erer Muskelkraft bewegt werden konnten. Damit nahm auch ihre St�rke zu. In den Lenden entwickelte sich ein Herz mit zwei Kammern.</p><p>Phssthpok folgte den Spuren eines Pak-Kolonialschiffes, das die Erde vor mehr als zwei Millionen Jahren erreicht hatte.</p><p>Die Pak befanden sich in einem konstanten Kriegszustand. Kolonien, die auf Welten in der N�he des galaktischen Kerns errichtet worden waren, wurden alsbald von einer neuen Welle von Raumschiffen �berrannt. Das mag der Grund gewesen sein, da� dieses Kolonialschiff sich so weit vom galaktischen Kern entfernt hatte.</p><p>Diese Kolonie war gro�, hervorragend ausger�stet und von Wesen regiert worden, die viel z�her und intelligenter waren als die Menschen. Trotzdem war diese Kolonie gescheitert. Der Lebensbaum entwickelte sich zwar in irdischer Erde, aber nicht der Virus. Und so waren die Protektoren ausgestorben und hinterlie�en eine verlorene Schar von Pak-Zeugungsf�higen, die nun f�r sich selbst sorgen mu�ten, und hinterlie�en auch Dokumente von einem Notschrei, der drei�igtausend Lichtjahre die Galaxis durchquerte, bis er auf der Heimatwelt der Pak aufgefangen wurde.</p><p>Phssthpok entdeckte diese Dokumente von dem Notschrei in einer uralten Pak-Bibliothek. Und Phssthpok durchquerte nun drei�igtausend Lichtjahre lang das Universum, ganz allein in einem Raumschiff, das langsamer war als das Licht, um das Planetensystem Sol zu suchen. Die geistigen und materiellen Mittel, die ihm den Bau seines Raumschiffes und die Ausr�stung seiner Expedition erm�glichten, geh�rten zu der Beute eines Kriegszuges. Seine Ladeduchten waren mit den Wurzeln und Samenkapseln des Lebensbaumes vollgestopft, und au�erdem fand man S�cke voller Thalliumoxyd. Die Entdeckung dieses ungew�hnlichen, dem Erdreich beizugebenden D�ngemittels verdankte er seiner eigenen Forschung.</p><p>Dabei mochte es ihm auch geschwant haben, da� die fortpflanzungsf�higen Paks sich inzwischen durch Mutation erheblich ver�ndert harten.</p><p>Bei den Pak selbst hatte ein Mutant nicht die geringste Chance. Wenn die Enkelkinder f�r die Protektor-Gro�eltern nicht den richtigen K�rpergeruch ausstr�mten, wurden sie get�tet. Auf der Erde�� vielleicht hatte Phssthpok mit einer viel geringeren Mutations-Rate gerechnet, da dieser Planet doch so weit von der m�rderischen Dichte kosmischer Strahlen der galaktischen Kern-Sonnen entfernt war. Deshalb versprach er sich wahrscheinlich etwas von seinem gewagten Alleingang.</p><p>Die geschlechtsreifen Paks hatten sich in der Tat durch Mutationen ver�ndert. Zu Lebzeiten von Phssthpok hatten sie nur noch eine geringe �hnlichkeit mit den zeugungsf�higen Paks�� wenn man von gewissen Ver�nderungen im mittleren Lebensalter absah, die Produktion von Eiern aufh�rte und beide Geschlechter Falten bekamen, die Z�hne verloren, ihre Glieder anschwollen und sie eine Ruhelosigkeit und Unzufriedenheit �berkam�� offenbar Symptome des urspr�nglichen Hungers nach den Lebensbaum-Pflanzen. Mit fortschreitendem Lebensalter kam es dann zu einem Herzversagen, weil ihnen kein zweites Herz gewachsen war.</p><p>Phssthpok sollte allerdings die Wahrheit, was aus der Nachkommenschaft der ehemaligen Kolonie geworden war, niemals erfahren. Er, der als Heiland einem uralten Notruf gefolgt war, starb fast schmerzlos und nur mit einem leisen Verdacht, da� diejenigen, die er hatte retten wollen, inzwischen zu Monstern entartet waren und seiner Schirmherrschaft gar nicht bedurften.</p><p>So lautete die Geschichte, die Jack Brennan den Vertretern der Vereinten Nationen erz�hlte, ehe er verschwand. Aber Phssthpok war damals bereits tot, und Jack Brennans Bericht wenig glaubw�rdig. Er hatte selbst von dem Lebensbaum gegessen. Er war zu einem Monster geworden. Sein Sch�del hatte sich ungew�hnlich erweitert und war seltsam mi�gestaltet. Vielleicht war er durch diese Verwandlung verr�ckt geworden.</p><empty-line/><p>Die Bergflanke sah aus, als w�re ein Flugzeug mit einer Ladung Spinatnudeln an der Felswand zerschellt. Dort, wo sich Erdreich in den Felsspalten angesammelt hatte, klebten l�nglichgr�ne Streifen, die sich klebrig anf�hlten. Wolken von Insekten summten in Kn�chelh�he um sie herum, hielten sich immer wenige Zentimeter �ber dem Boden auf.</p><p>�Pak-Protektoren�, sagte Louis. �Das war das Endprodukt meiner �berlegungen, obwohl ich M�he hatte, mich mit dieser Theorie anzufreunden.�</p><p>�Die Raumanz�ge�, erwiderte Chmeee, �und die R�stung des grasessenden Riesen: sie zeigten die gleiche Form. Die Form eines Humanoiden, aber mit vergr��erten Gelenken und einem vorgew�lbten Gesicht. Und ich habe noch mehr Beweise gefunden. Betrachten wir nur die vielen verschiedenartigen menschen�hnlichen Wesen, denen wir bisher begegnet sind. Sie mu�ten von einem gemeinsamen Ahnherren abstammen: deinem eigenen Ahnherrn, den Pak-Geschlechtswesen in der zweiten Phase ihres Lebenszyklus.�</p><p>�Das ist richtig. Das gibt uns auch Aufschlu�, wie Prill ihren Tod fand.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Boosterspice, unsere Verj�ngungsdroge, war auf den Stoffwechsel von <emphasis>Homo Sapiens</emphasis> abgestimmt. F�r Halrloprillalar war diese Droge wirkungslos. Sie hatte ihr eigenes Lebenselexier, das f�r eine Reihe von Spezies wirksam war. Da kam mir der Gedanke, da� Prills Artgenossen ihr Lebenselixier vielleicht aus Pflanzenteilen des Lebensbaumes herstellten.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Nun, die Protektoren lebten mehrere Jahrtausende. Es l��t sich denken, da� irgend ein Faktor dieser Lebensbaum-Pflanze oder eine subkritische Dosis davon gen�gt, um das Leben eines Hominiden zu verl�ngern. Und der Hinterste behauptet doch, da� man Prills Vorrat an Lebenselixier gestohlen h�tte.�</p><p>Chmeee nickte. �Ja, ich erinnere mich jetzt. Eines von euren Transportschiffen, die f�r die Bergwerksgesellschaft auf dem Asteroideng�rtel Erze abholen wollte, inspizierte das aufgegebene Pak-Raumschiff. Der �lteste Mann von der Besatzung bekam den Geruch des Lebensbaumes in die Nase und wurde davon verr�ckt. Er a� so viel von dem Zeug, bis sein Magen platzte, und starb daran. Seine Kollegen konnten ihn selbst mit Gewalt nicht daran hindern, von dem Zeug zu essen.�</p><p>�Ja. L��t sich nicht analog dazu vermuten, da� einen Laboranten der Vereinten Nationen die gleiche Versuchung �berkam? Prill betritt die Zentrale der Vereinten Nationen und hat eine Flasche des Ringwelt-Lebenselixiers bei sich. Die Vereinten Nationen wollen eine Probe von dem Lebenselixier haben. Ein junger Mann, der vielleicht gerade das Alter f�r seine erste Dosis Verj�ngungsdroge erreicht hat�� vierzig oder f�nfundvierzig Jahre alt�� �ffnet die Flasche. Er m�chte eine Pipette eintauchen, und der Geruch des Elixiers steigt ihm in die Nase. Sofort trinkt er die ganze Flasche aus.�</p><p>Chmeees Schwanz peitschte die Luft. �Ich m�chte nicht so weit gehen, zu behaupten, da� ich Halrloprillalar mochte. Aber sie war eine Verb�ndete.�</p><p>�Ich mochte sie.�</p><p>Der hei�e Wind h�llte sie jetzt mit Staub ein. Louis wurde nerv�s. Sie w�rden nicht noch einmal die Gelegenheit bekommen, sich unter vier Augen zu unterhalten. Die Sonde, die als Relaisstation diente, w�rde bald hoch oben auf dem Bogen der Ringwelt stehen, so da� der Hinterste im Raumschiff ihr Gespr�ch mith�ren konnte.</p><p>�Kannst du dich mir zuliebe in die Situation eines Pak versetzen, Chmeee?�</p><p>�Ich kann es versuchen.�</p><p>�Sie haben ihre Gro�en Ozeane mit den Landkarten aller Welten ausgestattet. Statt nun die Heimatplaneten der Kzinti, Downs, den Mars und Jinx in ihren Weltmeeren nachzugestalten, h�tten sie doch einfach die Kzinti, Grogs, Marsianer und Bandersnatchi ausrotten k�nnen, oder etwa nicht?�</p><p>�Hmm. Warum nicht? Die Pak kannten wohl keine Skrupel, wenn man Brennans Berichten Glauben schenken darf. Sie rotteten r�cksichtslos alle fremden Rassen aus.�</p><p>Chmeee ging auf und ab, w�hrend er �ber dieses Problem nachdachte.</p><p>Dann fuhr er fort: �Vielleicht rechneten sie damit, da� andere Paks ihnen nachfolgten. Vielleicht hatten sie einen Krieg verloren. Vielleicht erwarteten sie, da� die Sieger sie durch das Universum verfolgten. F�r einen Pak bedeutete ein Dutzend zerst�rter Welten im Umkreis von einem Dutzend Lichtjahren, da� ein anderer Pak in der N�he war.�</p><p>�Hmm, vielleicht. Aber nun sage mir mal, warum sie �berhaupt die Ringwelt erbauten. Wie, zum Kuckuck, h�tten sie denn dieses Kunstprodukt gegen Invasoren verteidigen wollen?�</p><p>�Ich w�rde so ein gebrechliches Gebilde nicht zu verteidigen versuchen. Vielleicht lernen wir noch dazu. Ich wunderte mich auch, warum die Pak sich in diese Region des Universums zur�ckgezogen haben. Zufall?�</p><p>�Unm�glich! Daf�r liegt die Ringwelt zu weit entfernt.�</p><p>�Nun?�</p><p>�Oh, wir verlegen uns aufs Raten. Nehmen wir an, ein Haufen von diesen Pakwesen wollte so schnell und so weit wie m�glich fl�chten. Nehmen wir weiter an, da� sie einen Krieg verloren und von der Pak-Welt vertrieben wurden. Nun, da gab es eine sichere Fluchtroute in die galaktischen Arme, die durch Planeten markiert war. Die erste Expedition, die die Erde besiedelte, erreichte das Planetensystem von Sol, ohne nennenswerte Gefahren bestehen zu m�ssen. Jedenfalls keine, die sie nicht zu meistern vermochten. Sie schickten entsprechende Nachrichten an ihre Heimatwelt. So kam es, da� die Verlierer der folgenden Kriege ihren Spuren folgten. Dann errichteten sie in einer sicheren Entfernung vom Planetensystem unserer Sonne ihre Werkstatt.�</p><p>Chmee dachte �ber diese Hypothesen nach. Dann sagte er: �Wie die Pak auch hierher gekommen sein m�gen, sie waren intelligente und wehrhafte Fremdenhasser. Das erlaubt gewisse R�ckschl�sse. Die Waffe, die die Tragfl�chen der <emphasis>Liar</emphasis> in Dampf aufl�ste�� die Waffe, die deiner und Teelas Meinung nach eine Meteorverteidigungsanlage sein sollte�� war meiner Meinung nach daf�r programmiert, auf einfallende Raumschiffe zu feuern. Sie wird deshalb auch auf <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> oder unser Landungsboot schie�en, wenn sie eine Gelegenheit dazu bekommt. Zweitens darf der Hinterste niemals erfahren, wer die Ringwelt erbaute.�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. �Sie m�ssen schon lange ausgestorben sein. Wenn wir Brennan Glauben schenken d�rfen, gibt es f�r einen Protektor nur ein Motiv, n�mlich, seine Nachkommenschaft zu sch�tzen. Sie w�rden nie erlaubt haben, da� sich hier Mutationen entwickeln. Sie h�tten niemals zugelassen, da� die Ringwelt von ihrem Kurs abkommt und auf die Sonne zugleitet.�</p><p>�Louis.�</p><p>�Tats�chlich m�ssen sie schon seit mehreren hunderttausend Jahren ausgestorben sein. Schau dir doch nur die Vielfalt der menschen�hnlichen Gattungen an, die wir bisher registrierten.�</p><p>�Ich w�rde sagen, sie sind schon seit Millionen von Jahren ausgestorben. Sie m�ssen ihre Heimatwelt bereits verlassen haben, nachdem das erste Kolonialschiff einen Hilferuf aussendete, und schon bald nach der Erschaffung dieses Artefakten den Tod gefunden haben. Denn sonst h�tten sich unm�glich so viele Mutationen von menschen�hnlichen Wesen entwickeln k�nnen. Aber.�</p><p>�Chmeee, h�r mir zu! Nehmen wir an, sie haben die Ringwelt vor einer halben Million Jahren erbaut. Rechnen wir eine Viertelmillion Jahre dazu, in denen sich die zeugungsf�higen Pak-Wesen auf der Kunstwelt ausbreiteten und die Protektoren sich nicht gegenseitig bekriegten, weil das Territorium ihres Artefakten praktisch unbegrenzt ist. Erst danach starben die Protektoren aus.�</p><p>�Woran starben sie?�</p><p>�An einem Mangel an Daten.�</p><p>�Theoretisch m�glich. Weiter?�</p><p>�Also nehmen wir an, da� die Protektoren vor einer Viertelmillion Jahren ausstarben. Geben wir den Pak-Geschlechtswesen ein Zehntel der Zeit, die die Menschen auf der Erde f�r ihre Entwicklung brauchten. Ein Zehntel der Zeit und eine Vielzahl von Nischen in der �kologie, weil die Protektoren keine Lebewesen mitbrachten, die ihre Nachkommenschaft als Beute betrachteten. Nehmen wir an, die Nachkommen, mit denen sie diese Kunstwelt bev�lkerten, z�hlten mehrere Billiarden von Lebewesen.</p><p>Vergleichen wir das mit den Verh�ltnissen auf der Erde. Dort lebte vielleicht eine halbe Million fortpflanzungsf�higer Pak-Wesen, als die Protektoren ausstarben. Auf der Ringwelt, wo drei Millionen mal soviel Raum zur Verf�gung steht als auf der Erde, und viel Zeit, sich darauf auszubreiten, ehe die Protektoren ausstarben, konnten sich die Mutanten fast ungest�rt entwickeln.�</p><p>�Diesmal kann ich deiner Theorie nicht ganz folgen�, erwiderte Chmeee mit ruhiger Stimme. �Ich habe das Gef�hl, da� du etwas �bersiehst. Aber geben wir zu, da� die Protektoren fast vollkommen ausgestorben sind, fast, sagte ich. Was w�rde geschehen, wenn der Hinterste erf�hrt, da� die Ringwelt ihr Eigentum oder ihre Heimat war?�</p><p>�Du liebe G�te! Er w�rde sofort fl�chten. Mit oder ohne uns.�</p><p>�Aber wir haben doch unseren offiziellen Auftrag noch nicht erf�llt, das Geheimnis der Ringwelt-Konstruktion zu ergr�nden. Stimmst du mir da zu?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wir suchen immer noch das Reparaturzentrum, nicht wahr? Der Geruch der Lebensbaum-Pflanze k�nnte f�r dich t�dlich sein. Du bist schon zu alt, um noch ein Protektor zu werden.�</p><p>�Ich w�rde mir das auch nicht w�nschen. Befindet sich ein Spektroskop im Landungsboot?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Der Lebensbaum kann sich nicht richtig entwickeln, wenn dem Erdreich, auf dem er w�chst, ein Spurenelement fehlt, n�mlich Thallium-Oxyd. Thallium mu� im galaktischen Kern viel h�ufiger vorgekommen sein als hier am Rand der Milchstra�e. Folglich werden wir �berall dort, wo die Protektoren sich l�ngere Zeit aufgehalten haben, Thallium-Oxyd als D�ngemittel f�r die Pflanzen finden. Wenn wir Thallium-Oxyd suchen, werden wir auch das Reparaturzentrum finden. Und wir werden dieses Geb�ude nur in Raumanz�gen betreten, wenn wir jemals dorthin gelangen sollten.�</p></section><section><title><p>14. Der Geruch des Todes</p></title><p>Die Stimme des Hintersten schrie sie an, als sie die Stra�e erreichten �LANDUNGSBOOT! CHMEEE, LOUIS, WO VERSTECKT IHR EUCH? HINTERSTER RUFT LANDUNGSBOOT.�</p><p>�H�ren Sie auf, Tanj, verdammt noch mal! Drehen Sie den Lautst�rkenregler herunter, oder uns platzt das Trommelfell!�</p><p>�K�nnt ihr mich noch h�ren?�</p><p>�Wir k�nnen Sie nur zu gut h�ren�, erwiderte Louis. Chmeee hatte seine Ohren in die Felltaschen zur�ckgezogen. Louis w�nschte sich, er h�tte die gleiche Schutzvorrichtung. �Die Berge m�ssen den Sender blockiert haben.�</p><p>�Und was habt ihr diskutiert, w�hrend wir unterbrochen wurden?�</p><p>�Wir probten den Aufstand, entschieden uns aber gegen ihn.�</p><p>Einen Moment Funkstille. Dann: �Sehr klug. Ich m�chte von Ihnen eine Interpretation dieses Hologramms.�</p><p>Auf einem der Schirme zeigte sich eine Konsole oder St�tze, die aus der Ringwand herausragte. Das Bild war leicht verzerrt und seltsam beleuchtet: vom Vakuum aus auf genommen, in das Sonnenlicht hinein, das rechts von der Kamera von der Landschaft dieses Kunstplaneten reflektiert wurde. Diese Konsolen schienen aus einem St�ck zusammen mit der Ringmauer gegossen zu sein, als h�tte man an dieser Stelle das Scrith-Material auseinandergezogen wie eine Bonbonmasse. Aber dieses vorspringende Gu�st�ck enthielt zwei Dichtungsscheiben oder Wulste, die durch ihren eigenen Durchmesser voneinander getrennt waren. Au�er diesem Gu�fortsatz auf der Ringmauer war keine andere Unregelm��ikeit an der Mauerkrone zu erkennen. Es war unm�glich bei dieser Frontalansicht, die Ausma�e dieses Gu�st�ckes zu erraten.</p><p>�Die Aufnahme stammt von der Sonde�, erkl�rte der Puppetier. �Ich habe, Ihrem Vorschlag folgend, die Sonde in das Ringmagnetensystem auf der Ringmauer eingeschleust. Die Sonde beschleunigt inzwischen antispinnw�rts.�</p><p>�Ja. Was h�ltst du davon, Chmeee?�</p><p>�Es k�nnte sich hier um den Tr�ger einer Steuerd�se handeln. Das Ding scheint aber noch nicht gez�ndet zu haben.�</p><p>�Vielleicht. Es gibt sehr viele M�glichkeiten, eine Bussard-Rammd�se zu gestalten. Hinterster, haben Sie irgendwelche magnetischen Kr�fte in der N�he dieses Gebildes registriert?�</p><p>�Nein, Louis, die Maschine scheint inaktiv zu sein.�</p><p>�Aber die Superleiter-Seuche w�rde keine Ger�te im Vakuum angegriffen haben. Und es sieht mir nicht besch�digt aus. Allerdings k�nnen die Steuereinrichtungen f�r diese Anlage irgendwo anders untergebracht sein. Vielleicht auf der Oberfl�che der Ringwelt. M�glicherweise k�nnen sie repariert werden.�</p><p>�Aber dazu m�ssen Sie die Steuereinrichtungen zuerst finden. Ob sie im Reparaturzentrum untergebracht sind?�</p><p>�M�glich.�</p><p>Die Stra�e setzte sich zwischen dem Sumpfgebiet und einer steinigen Hochebene fort. Sie kamen an einer Anlage vor�ber, die eine chemische Fabrik zu sein schien. Offenbar hatte man sie entdeckt; denn sie h�rten das Bl�ken eines Nebelhorns und das schrille Pfeifen einer Dampfsirene. Chmeee brauste mit unverminderter Geschwindigkeit �ber die D�cher dieser Anlage.</p><p>Von den kastenartigen Fahrzeugen vermochten sie keines mehr auf der Stra�e zu entdecken.</p><p>Louis hatte etwas Gro�es, Blasses unter den B�umen gesehen, das sich langsam auf den Sumpf zubewegte. Sie pirschten sich so vorsichtig heran wie Nebel �ber einem Wasser oder wie ein Ozeandampfer, der an einer Mole anlegt. Dann bewegte sich weit vor ihrem Bug eine wei�e Gestalt unter den B�umen hervor und hielt auf die Stra�e zu.</p><p>�ber einem gewaltigen, langgestreckten wei�en Leib w�lbte sich ein schlanker Hals mit den Sinnesorganen dieser Bestie. Seine Kiefer befanden sich auf gleicher H�he mit dem Boden; der Rachen pfl�gte wie ein Schneepflug durch die Sumpfpflanzen und das moorige Wasser, w�hrend die Bestie auf m�chtigen muskul�sen Beinen bergauf lief. Das Monster war gr��er als die gewaltigsten Dinosaurier, die auf der Erde gelebt hatten.</p><p>�Ein Bandersnatch�, sagte Louis. Was zum Kuckuck, <emphasis>suchten</emphasis> sie hier? Die Heimat der Bandersnatch war Jinx. �Flieg langsamer, Chmeee, der Bandersnatch will mit uns reden.�</p><p>�Und wenn schon?�</p><p>�Sie haben ein sehr langes Ged�chtnis.�</p><p>�Und woran wollen sich die Bandersnatchi erinnern? Sie sind Sumpfbewohner, Moorfresser, die nicht einmal H�nde besitzen, um sich Waffen anzufertigen. Nein.�</p><p>�Warum nicht? Vielleicht k�nnen Sie uns verraten, wie die Bandersnatchi auf die Ringwelt gekommen sind.�</p><p>�Das ist doch kein Geheimnis. Die Protektoren haben vermutlich ihre Landkarten im Gro�en Ozean mit Mustern aller Spezies versehen, die sie als m�gliche Widersacher betrachteten.�</p><p>Chmee versuchte wieder, sich die Rolle des F�hrers anzuma�en. Das gefiel Louis ganz und gar nicht. �Was hast du nur? Wir k�nnten ihn doch wenigstens fragen.�</p><p>Der Bandersnatch schrumpfte hinter ihnen zu einem gew�hnlichen Lindwurm zusammen. Chmeee fauchte: �Du vermeidest jede Konfrontation wie ein Pierson-Puppetier. Aber Schlammfresser und Primitive m�chtest du ausfragen! Und dann t�test du Sonnenblumen! Der Hinterste verschleppte uns hierher auf diesen dem Untergang geweihten Artefakten, und du verz�gerst unsere Rache damit, da� du Sonnenblumen umbringst. Spielt es denn f�r die Eingeborenen der Ringwelt in einem Jahr eine Rolle, da� Louis, der g�ttliche Louis, auf seinem Weg �ber diesen Planeten einen Tag lang pausierte, um Unkr�uter auszuzupfen?�</p><p>�Ich werde sie retten, soweit ich kann.�</p><p>�Wir k�nnen gar nichts tun. Es sind die Stra�enbauer, mit denen wir reden wollen. Sie sind noch zu primitiv, um uns gef�hrlich werden zu k�nnen, aber schon so weit fortgeschritten, da� sie die Antwort f�r ein paar unserer Fragen wissen. Sobald wir ein Fahrzeug entdecken, sto�en wir auf das Vehikel hinunter.�</p><empty-line/><p>Am Nachmittag �bernahm Louis den Pilotensitz.</p><p>Der Sumpf wurde zu einem Flu�, der sich nach spinnw�rts hin schl�ngelte, weit von seinem urspr�nglichen Bett entfernt.</p><p>Die grob gefertigte Stra�e folgte dem neuen Flu�lauf. Das urspr�ngliche Flu�bett wand sich in sorgf�ltig angelegten S-Kurven nach Backbord, zeigte hier und dort eingebaute Stromschnellen oder Wasserf�lle. Es war jetzt knochentrocken und m�ndete in einer knochentrockenen W�ste. Der Sumpf mu�te ein Meer gewesen sein, ehe er verlandete.</p><p>Louis verz�gerte und folgte dann dem urspr�nglichen Flu�bett.</p><p>�Ich glaube, unsere Zeittabelle ist richtig�, sagte er zu Chmeee. �Prills Spezies entwickelte sich lange nach dem Aussterben der Ringwelt-Ingenieure. Von allen intelligenten Rassen, die sich auf dieser Kunstwelt entwickelten, waren sie die Ehrgeizigsten. Sie bauten die grossen Wolkenkratzer-St�dte. Und dann kam diese seltsame Plage �ber diese Welt und vernichtete die meisten ihrer Maschinen. Und jetzt haben wir es mit Maschinen-Leuten zu tun, die vielleicht derselben Rasse entstammen. Die Maschinen-Leute bauten diese Stra�e. Diese Stra�e wurde angelegt, nachdem sich der Sumpf l�ngst gebildet hatte. Ich glaube, der Sumpf ist erst entstanden, nachdem die Herrschaft von Prills Spezies bereits zusammengebrochen war.�</p><p>�Folglich halte ich jetzt Ausschau nach einer alten Prill-Volk-Stadt. Vielleicht haben wir Gl�ck und finden dort eine alte Bibliothek oder einen Kartenraum.�</p><p>Bei ihrer ersten Expedition hatten sie festgestellt, da� St�dte knapp waren auf der Ringwelt. Heute waren sie schon seit dem fr�hen Morgen �ber das Land geflogen und hatten bisher nur zweimal eine Ansammlung von Zelten gesehen und vor etwa zwei Stunden einen Sandsturm von der Gr��e eines Kontinents.</p><p>Die fliegende Stadt lag noch vor ihnen. Sie zeigte ihnen die Seitenansicht, so da� sie keine Einzelheiten auszumachen vermochten. Ein paar Dutzend T�rme ragten am Stadtrand empor; dort, wo das Zentrum sein mu�te, konnte man auch schwebende Kegel unterscheiden.</p><p>Der trockene Flu� verlor sich in einem trockenen See. Louis folgte in einer H�he von zwanzig Meilen der K�stenlinie. Der Seeboden war seltsam flach, wenn man von den Inseln absah, die sich als erhabenes Relief mit buchtenreichen Ufern in sorgf�ltiger Gruppierung �ber dem Boden erhoben.</p><p>Chmeee rief: �Louis, stell den Autopiloten ein!�</p><p>�Was hast du entdeckt?�</p><p>�Einen Schlammbagger.�</p><p>Louis trat neben Chmee an das Teleskop.</p><p>Er hatte den Bagger f�r einen Teil einer Insel gehalten. Er war gro� und flach, geformt wie eine Scheibe, und zeigte die gleiche Farbe wie der Modder auf dem ausgetrockneten Seeboden. Der Bagger war so dimensioniert, da� er wahrscheinlich bis knapp unter die Wasseroberfl�che reichte. Der Rand der Baggerscheibe war so geformt wie die Schneide eines Schlichthobels. Die Maschine war von der Insel blockiert worden, die sie selbst aus dem Schlamm des Meeresgrundes aufget�rmt hatte.</p><p>So hatten die Ringwelt-Ingenieure also den Schlamm vom Boden ihrer Meere abger�umt. Es war kein automatisches �berlaufsystem, weil dazu das Gef�lle des Meeresbodens nicht ausreichte. Der Schlamm wurde also in die R�hren hineingepre�t. �Offenbar war die Abflu�r�hre verstopft�, dachte Louis laut nach. �Aber der Bagger arbeitete weiter, bis irgendein Teil seinen Dienst versagte oder die Kraftzufuhr unterbrochen wurde�� vielleicht durch die Superleiter-Seuche. Soll ich den Hintersten verst�ndigen?�</p><p>�Ja. Damit er zufrieden ist.�</p><p>Aber der Hinterste hatte wichtigere Neuigkeiten.</p><p>�Schauen Sie sich das an�, sagte er. Hologramme l�sten sich in rascher Folge auf den Schirmen ab. Ein Rammd�sen-Halter schob sich schr�g aus der Ringmauer heraus, an dessen Spitze ein paar Kupferschlangen-Toroide befestigt waren. Dann kam eine zweite Halterung, die aus gr��erer Entfernung aufgenommen worden war; auf diesem Bild konnte man auch einen Sch�ttberg am Fu� der Ringmauer erkennen. Der Sch�ttberg war nur halb so gro� wie die Halterung der Rammd�se. Dann kam eine dritte Halterung ins Bild. Eine vierte, neben der ein Ger�st aufgebaut war. Eine f�nfte�� �Moment!� rief Louis. �Schalten Sie auf das vierte Bild zur�ck!�</p><p>Die f�nfte Halterung verharrte noch einen Moment auf dem Schirm. An ihr war nichts befestigt. Dann brachte der Hinterste wieder das vierte Hologramm auf die Schirmwand.</p><p>Das Hologramm war etwas verzerrt, was an der hohen Geschwindigkeit der aufnehmenden Sonde liegen mu�te. Schweres Hebeger�t war auf der Ringmauer in der N�he der Rammd�sen-Halterung befestigt: ein grobschl�chtiger Fusionsgenerator; eine Kraftwinde; eine Kabeltrommel und ein Haken, der scheinbar ohne Verbindung unter der Trommel schwebte. Das Kabel, das sich von der Trommel abspulte, mu�te unsichtbar d�nn sein, dachte Louis. M�glicherweise handelte es sich dabei um Sonnenblenden-Draht.</p><p>�Ein Reparaturtrupp bei der Arbeit? Hmmm. Bauen sie nun Steuerd�sen ein, oder bauen sie die Dinger ab? Wie viele von diesen D�sen befinden sich noch in den Halterungen?�</p><p>�Die Sonde wird es uns verraten�, erwiderte der Hinterste. �Ich m�chte jetzt Ihre Aufmerksamkeit auf ein anderes Problem lenken. Denken Sie wieder an die Kupferschlangen, die um den Rumpf des einen noch intakten Ringwelt-Raumschiffes gewickelt waren. Wir vermuteten, da� mit diesen Toroiden die elektromagnetischen Sch�pffelder f�r die Bussard-Rammd�sen erzeugt wurden.�</p><p>Chmeee betrachtete die Schirmwand. �Die Ringwelt-Raumschiffe hatten alle die gleiche Form. Ich wunderte mich schon dar�ber. Sie m�gen recht haben, Hinterster.�</p><p>Louis sagte: �Ich begreife nicht, worauf Sie hinauswollen. Was haben die Toroiden...�</p><p>Zwei ein�ugige Schlangen blickten ihn aus dem Schirm an. �Halrloprillalars Spezies baute das Ringmauer-Transportsystem, das ihnen nach seiner Fertigstellung den fast grenzenlosen Raum des Artefakten f�r die Erforschung und Kolonisation erschlossen h�tte. Warum haben sie das System nicht zu Ende gebaut? Die ganze Ringwelt geh�rte ihnen doch dank dieses Transportsystems. Warum lie�en sie es unvollendet und unterzogen sich statt dessen der M�he, mit Raumschiffen andere Sterne zu erreichen?�</p><p>Ja, diese Alternative gefiel ihm nicht. Louis wollte es nicht glauben, aber es pa�te zu gut zusammen. �Sie bekamen die Motoren f�r ihre Raumschiffe umsonst. Sie bauten ein paar von den Ringwelt-Steuerd�sen aus, umgaben sie mit Schiffsr�mpfen und flogen damit zu anderen Sternen. Und offensichtlich hatte das keine unangenehmen Folgen. Also bauten sie noch mehr von diesen D�sen aus. Ich frage mich nur, wie viele.�</p><p>�Die Sonde wird uns das zu gegebener Zeit beantworten�, erwiderte der Puppetier. �Jedenfalls schienen sie noch ein paar dieser D�sen auf der Mauer �brig gelassen zu haben. Warum haben sie aber nichts unternommen, die Ringwelt wieder auf richtigen Kurs zu bringen, ehe die Abweichung zu gro� wurde? Chmeees Frage war klug gestellt. Werden die Motore jetzt wieder in ihren Halterungen befestigt oder gestohlen, um in Schiffen verwendet zu werden, damit noch ein paar von Halrloprillalars Spezies dem Untergang der Welt entrinnen k�nnen?�</p><p>Louis' Lachen klang bitter. �Und wie h�rt sich das Folgende an: Sie lie�en fast alle D�sen in den Halterungen an der Ringwelt-Mauer. Dann kam eine Seuche und raffte fast alle ihre Maschinen hinweg. Ein paar von Halrloprillalars Artgenossen gerieten in Panik. Sie flohen mit den Schiffen, die ihnen zur Verf�gung standen, und bauten neue Schiffe, so rasch sie nur konnten. Damit es schneller ging, montierten sie fast alle Steuerd�sen ab und verwendeten sie als Antrieb f�r ihre neuen Raumschiffe. Sie sind immer noch fieberhaft dabei, sich etwas zusammenzubasteln, mit dem sie fl�chten und die Ringwelt ihrem Schicksal �berlassen k�nnen.�</p><p>Chmeee sagte: �Diese Dummk�pfe haben sich ihre Falle selbst gegraben.�</p><p>�Bist du so sicher? Ich bezweifle es.�</p><p>�Einige Umst�nde lassen mich an dieser M�glichkeit ebenfalls zweifeln�, sagte der Puppetier. �H�tten sie auf ihrer Flucht nicht soviel wie m�glich von ihrer Zivilisation mitgenommen? Jedenfalls h�tten sie um keinen Preis die Materie-Umwandler zur�ckgelassen.�</p><p>Diesmal war Louis seltsamerweise nicht versucht, zu lachen. Aber was f�r eine Antwort konnte er darauf geben?</p><p>Der Kzin fand etwas Passendes: �Sie w�rden alles auf die Flucht mitnehmen, was in ihrer Reichweite liegt. Jedenfalls alles, was sich in der N�he der Raumhafen-Rampe befindet. Alles in der Nachbarschaft der Mauerkrone, wo das Magnetring-Transportsystem zur Verf�gung stand. Wir m�ssen das Innere des Planeten absuchen und nach dem Reparaturzentrum forschen. Wenn wir dort noch Artgenossen von Prill antreffen, werden sie bestimmt versuchen, die Ringwelt zu retten, nicht, sie zu verlassen.�</p><p>�M�glich.�</p><p>Louis sagte: �Es w�rde uns weiterhelfen, wenn wir den Zeitpunkt genau bestimmen k�nnten, als die Seuche anfing, die Superleiter zu zerst�ren.�</p><p>Wenn er jetzt erwartete, da� der Hinterste zusammenzuckte, t�uschte er sich. Der Puppetier sagte nur: �Sie werden das vermutlich noch vor mir herausfinden.�</p><p>�Ich dachte, Sie w��ten es bereits.�</p><p>�Rufen Sie mich, wenn Sie etwas Neues erfahren.� Die beiden Schlangenk�pfe verschwanden von den Schirmen.</p><p>Chmeee blickte Louis seltsam an, sagte aber nichts. Louis setzte sich wieder in den Pilotenstuhl.</p><empty-line/><p>Die Terminator-Linie war ein breiter Schatten, der sich nach spinnw�rts bewegte, als Chmeee die Stadt entdeckte. Sie waren einem mit Sand gef�llten Flu�bett auf der Steuerbordseite des ausgetrockneten Meeres gefolgt. Hier gabelte sich das Flu�bett, und dort, im Innenwinkel, der durch die Zufl�sse gebildet wurde, befand sich die Stadt.</p><p>Prills Artgenossen hatten auch dort gro�z�gig gebaut, wo gar kein Anla� daf�r bestand. Die Stadt hatte sich zwischen den beiden Ufern nicht sehr weit ausbreiten k�nnen, aber daf�r hatte sie in der Vertikalen um so mehr Platz gefunden. Und so waren auf enger Grundfl�che riesige Wolkenkratzer entstanden, die sogar noch in der Luft schwebten und unter sich kleineren, mit der Erde verhafteten Geb�uden gen�gend Raum lie�en, bis die Schwebemaschinen versagten und die Wolkenkratzer wieder auf die Erde zur�ckholten. Dabei hatten sie die Geb�ude unter ihnen zerst�rt. Nur ein einziger schlanker Turm stand noch etwas verkantet �ber den Schutthalden. Er hatte sich wie ein Speer in ein anderes Geb�ude hineingebohrt. Eine Stra�e kam von Backbord her, folgte dem �u�eren Rand der linken Ru�gabel und �berquerte dann eine Br�cke, die so massive St�tzpfeiler hatte, da� sie nur von den Maschinen-Leuten gebaut sein konnte.</p><p>Halrloprillalars Artgenossen h�tten entweder stabileres Material verwendet oder den Flu� mit einer F�hre �berquert.</p><p>Chmeee sagte: �Die Stadt wird l�ngst gepl�ndert worden sein.�</p><p>�Nun, ja, vorausgesetzt, da� die Stra�e gebaut wurde, damit man sie pl�ndern konnte. Warum gehst du mit dem Landungsboot nicht tiefer?�</p><p>�Die angeborene Neugierde des Affen?�</p><p>�Vielleicht. Du brauchst dieses Ding ja nur zu umkreisen, damit wir es aus der N�he betrachten k�nnen.�</p><p>Chmeee befolgte die Aufforderung so heftig, da� fast ein freier Fall daraus wurde. Der Pelz des Kzin hatte sich inzwischen sehr stark ver�ndert, war zu einem schimmerndneuen, h�bschen sehr orangefarbenen Fell geworden, ein Indiz f�r Chmeees neuerwachte Jugend. Diese Jugend wirkte sich nicht gerade g�nstig auf sein Temperament aus. Vier Menschheits-Kzin-Kriege plus ein paar �Zwischenf�lle�. Louis hielt lieber den Mund.</p><p>Das Landungsboot sackte unter ihnen weg. Louis wartete, bis der schreckliche Andruck sich milderte und begann dann das Okular der Au�enkameras einzustellen. Er entdeckte es auf Anhieb.</p><p>Ein Kastenwagen war neben dem schiefen Turm geparkt. Der Wagen war gro� genug f�r ein rundes Dutzend Fahrg�ste. Das Motorgeh�use am Heck war so reichlich bemessen, da� man damit ein Raumfahrzeug von der Erde abheben konnte. aber das war ja noch ein sehr r�ckst�ndiges Volk. Louis konnte an der Form des Motorgeh�uses nicht erkennen, nach welchem Prinzip der Antrieb dieses Vehikels funktionierte. Er deutete nach unten und sagte: �Sobald wir ein isoliertes Fahrzeug entdecken, st�rzen wir uns darauf, nicht wahr?�</p><p>�Das sagte ich.� Chmeee ging mit dem Landungsboot neben dem Fahrzeug nieder. W�hrend des Landeman�vers peilte Louis die Lage:</p><p>Der Wolkenkratzer-Turm hatte ein rechteckiges, erdverhaftetes Geb�ude durchbohrt, das Dach durchschlagen, drei Stockwerke und vermutlich auch die Kellerdecke. Es war die Au�enschale des kleineren, erdverhafteten Geb�udes, die den Wolkenkratzer-Turm aufrecht hielt. Wei�e Dampf- oder Rauchw�lkchen kamen in unregelm��igen Intervallen aus zwei Fenstern des Turmgeb�udes. Blasse, menschliche Gestalten tanzten vor dem breiten Eingang des erdverhafteten Geb�udes�� tanzten oder hielten dort Springwettbewerbe ab. Zwei von ihnen lagen vor der Fassade. Das sah allerdings nicht nach Ausruhen aus.</p><p>Ehe die Fassade eines sonst bereits eingest�rzten Hauses ihm den Blick versperrte, hatte Louis die Impressionen bei der Landung zu einem logischen Ganzen zusammengesetzt. Die bleichen Gestalten versuchten, den Eingang des Geb�udes �ber eine schuttbestreute Stra�e zu erreichen. Jemand in dem Turm scho� auf die bleichen Gestalten, um diesen Versuch zu vereiteln.</p><p>Das Landungsboot ruhte auf seinen St�tzen. Chmeee stand auf und streckte sich. �Du scheinst auch der Gl�ckslotterie deine Existenz zu verdanken, Louis. Wir k�nnen von der Annahme ausgehen, da� die Leute mit den Gewehren zu dem Volk der Maschinenbauer geh�ren. Es geh�rt zu unserer Strategie, diesen Leuten zu helfen.�</p><p>Das schien vern�nftig. �Wei�t du �ber Waffen Bescheid, die Projektile verwenden?�</p><p>�Wenn wir von der Annahme ausgehen, da� die Projektile mit chemischen Mitteln angetrieben werden, dann werden diese Projektile unseren Schutzanzug nicht durchschlagen k�nnen. Wir k�nnen daher unsere Fluggeschirre ben�tzen, um den Turm zu erreichen. Bewaffne dich mit Bet�ubungsstrahlern. Wir wollen schlie�lich keinen �rger mit unseren zuk�nftigen Verb�ndeten haben, indem wir sie schon bei unserer ersten Begegnung umbringen.�</p><empty-line/><p>Als sie das Landungsboot verlie�en, herrschte drau�en schon Nacht. Der Himmel hatte sich mit Wolken �berzogen. Trotzdem vermochte man hinter der Wolkendecke den Bogen der Ringwelt als schwachschimmerndes, weites Band zu erkennen. Die schwebende Stadt war eine eng beieinander stehende Sternengruppe backbords. Sie konnten sich also schwerlich verirren.</p><p>Louis Wu hatte ein unbehagliches Gef�hl. Der Schutzpanzer war zu steif; und die Kapuze verdeckte fast sein ganzes Gesicht. Die gepolsterten Tragriemen des Fluggeschirres beengten ihn beim Atmen, und seine F��e schleppten hinter ihm her. Doch nichts, und sei es noch so bequem, w�rde ihm jemals wieder so ein harmonisches Gef�hl vermitteln wie der Wonnedraht. Wenigstens f�hlte er sich relativ sicher.</p><p>Er hing zwischen Himmel und Erde und ben�tzte die Schutzbrille mit den restlichtverst�rkenden Gl�sern.</p><p>Die Angreifer schienen wahrhaftig nicht furchterregend. Sie waren vollkommen nackt und besa�en keine Waffen. Ihre Haare waren silberfarben; ihre Haut au�erordentlich bla�. Sie waren schlank und h�bsch anzusehen; selbst die M�nner hatten glatte, bartlose Gesichter.</p><p>Sie hielten sich in dem Schatten der Schutthalden, l�sten sich nur daraus, wenn sie im Zickzack paarweise oder einzeln auf den breiten Eingang des rechteckigen Geb�udes zuliefen. Louis hatte zwanzig silberhaarige Gestalten gez�hlt. Elf davon waren Frauen. F�nf weitere Gestalten lagen tot auf der Stra�e. Andere mochten sich bereits im Geb�ude aufhalten.</p><p>Die Verteidiger hatten inzwischen mit dem Schie�en aufgeh�rt. Vielleicht war ihnen die Munition ausgegangen. Sie hatten zwei Fenster als Schie�scharten verwendet, die sich auf der nach vorn geneigten Seite des Turmes befanden, und zwar im sechsten Stockwerk, soweit Louis das beurteilen konnte. Alle Fenster in dem Wolkenkratzer-Turm waren zerbrochen.</p><p>Louis lenkte ganz dicht an die schwebende Tigergestalt des Kzin heran. �Wir dringen von der R�ckseite in das Geb�ude ein. Wir stellen die Handscheinwerfer auf die geringste Energie und breiteste �ffnung. Ich gehe zuerst, weil ich ihnen zum Verwechseln �hnlich sehe. Okay?�</p><p>�Okay�, erwiderte Chmeee.</p><p>Die Fluggeschirre arbeiteten nach dem gleichen Repulsionsprinzip wie das Landungsboot. Im Tornisterger�t befanden sich kleine Repulsionsd�sen, die mit dem <emphasis>Scrith</emphasis> reagierten. Louis schwebte in einer Kurve auf die R�ckseite des Wolkenkratzers zu, bewegte den Kopf zur Seite, um sich zu vergewissern, da� Chmeee ihm folgte. Hoffentlich habe ich auch das richtige Stockwerk erwischt, dachte er, als er durch ein offenes Fenster das Geb�ude enterte.</p><p>Er befand sich in einem gro�en, leeren Zimmer. Als er die Luft einatmete, reizte sie seine Schleimh�ute. Da waren Polsterm�bel, die aus Gurten bestanden, doch die Gurte waren l�ngst zu Staub zerfallen. In der Mitte des Raumes stand ein langer Glastisch. Das Glas war zersprungen. Auf dem absch�ssigen Fu�boden lag etwas Formloses, das sich als Tornister mit Tragriemen entpuppte. Sie waren also hier gewesen. Und dieser Geruch.</p><p>�Kordit�, sagte Chmeee. �Chemischer Treibstoff. Wenn sie auf uns schie�en, bedeckst du deine Augen.� Der Kzin bewegte sich auf die T�r zu. Er pre�te sich gegen die Wand und stie� die T�r auf. Dahinter war eine Toilette. Leer.</p><p>Eine gr��ere T�r hing in den Angeln, zeigte in die Richtung, in die das Geb�ude verkantet war. Den Bet�ubungsstrahler in der einen Hand, den Handstrahler-Laser in der anderen, bewegte sich Louis durch diese offene T�r. Er sp�rte eine wachsende Erregung, die seine Furcht verdr�ngte.</p><p>Hinter der pr�chtig geschnitzten Holzt�r befand sich eine breite spiralf�rmig angelegte Treppe, die sich unter ihm im Dunklen verlor. Louis leuchtete an den Windungen der Treppe entlang, bis die Spirale sich im Erdgescho� des Geb�udes in Schutt aufl�ste. Der Lichtstrahl brach sich an einer Waffe mit Schulterst�tze, die man mit zwei H�nden bedienen mu�te, an einer Schachtel, um die herum winzige goldene Zylinder verstreut lagen. Etwas tiefer lag noch eine Waffe. Ein Rock, der mit Tragschlaufen versehen war. Noch mehr Kleidungsst�cke auf der Spirale darunter. Eine menschliche Gestalt ganz unten, wo die Treppe abgeknickt war�� ein nackter Mann, der offenbar dunkelh�utiger und muskul�ser war als die Angreifer.</p><p>Louis' Aufregung hatte sich ins Unertr�gliche gesteigert. War es das, was er die ganzen Jahre �ber gesucht hatte? Nicht den Wonnestecker, sondern Lebensgefahr, um sich selbst best�tigen zu k�nnen? Louis stellte die D�sen seines Fluggeschirrs neu ein und sprang �ber das Gel�nder in die Tiefe. Er fiel langsam nach unten. Da war nichts Menschliches auf den Treppenstufen, nur Gegenst�nde, die offenbar auf der Flucht weggeworfen worden waren: anonyme Kleidungsst�cke, Waffen, Stiefel, noch ein Tornister. Louis sank von Stockwerk zu Stockwerk und wu�te pl�tzlich, da� er das Richtige gefunden hatte. Eine rasche Drehung an dem Regler seines Fluggeschirrs, und er flog waagrecht durch einen Korridor, einen Geruch verfolgend, der sich radikal von dem Gestank unterschied, den Chmeee als <emphasis>Kordit</emphasis> bezeichnet hatte.</p><p>Er befand sich jetzt au�erhalb des Wolkenkratzers. Fast w�re er mit voller Wucht gegen eine Wand geflogen. Er schwebte durch das niedrige, erdgebundene Geb�ude, das dem Wolkenkratzer als St�tze diente. Irgendwo mu�te er sein Licht verloren haben. Er drehte an dem Binokular seiner Schutzbrille und wandte sich nach rechts, dem Licht zu.</p><p>Da lag eine tote Frau auf der Schwelle einer breiten T�r: sie geh�rte zu den Angreifern. Blut war aus einer Projektilwunde in ihrer Brust geflossen. Louis empfand eine tiefe Trauer f�r sie. und eine Erregung, die ihn mit sich fortri�, so da� er �ber sie hinwegflog, durch zwei weitere T�ren und dann durch ein Fenster ins Freie.</p><p>Der durch den Restlichtverst�rker betrachtete Bogen der Ringwelt schimmerte hell durch die Wolkendecke. Er hatte endlich die Angreifer gefunden, und auch die Verteidiger. Sie waren paarweise beisammen�� die schlanken, blassen Gestalten mit den st�mmigen Dunkelh�utigen, die immer noch Reste einer Bekleidung trugen�� einen Stiefel, eine M�tze oder ein zerrissenes Hemd. In dem Taumel der Paarung beachteten sie den fliegenden Mann �berhaupt nicht.</p><p>Doch eine von den silberhaarigen Frauen hatte noch keinen Partner gefunden. Als Louis knapp �ber dem Boden schwebte, streckte sie den Arm aus und fa�te ihn am Fu�kn�chel. Sie tat es mit einer ungezwungenen, fast anmutigen Bewegung, ohne die geringste Furcht zu zeigen. Sie war sehr bla�, und das von den silbernen Haaren eingerahmte feingemei�elte Gesicht war unglaublich sch�n.</p><p>Louis schaltete sein Fluggeschirr ab und lie� sich neben ihr auf die Erde fallen. Er nahm sie in seine Arme. Ihre H�nde tasteten suchend �ber seine seltsame Kleidung. Louis lie� den L�hmungsstrahler fallen, zog seine Weste und sein Fluggeschirr aus�� seine Finger waren viel zu plump, d�nkte ihm�� seinen Schutzpanzer, seine Unterw�sche. Er nahm sie ohne Finesse. Sein Trieb war viel st�rker als jedes Gef�hl der R�cksichtnahme. Aber ihre Begierde war genauso stark wie seine.</p><p>Er achtete nicht mehr auf seine Umgebung, sp�rte nur noch seinen K�rper und ihren. Jedenfalls hatte er keine Ahnung, da� Chmeee inzwischen Zeuge ihres Geschlechtsaktes geworden war. Er erkannte es erst�� blitzartig��, als der Kzin seiner neuen Geliebten mit seinem Laser heftig �ber den Kopf schlug. Das pelztragende fremde Wesen packte mit seinen Klauen seine Geschlechtspartnerin bei den silbernen Haaren und ri� ihren Kopf zur�ck, zog ihre Z�hne aus Louis Wus Hals heraus.</p></section><section><title><p>15. Die Maschinen-Leute</p></title><p>Der Wind blies Staub in Louis Wus Nasenl�cher. Er schlug ihm die eigenen Haare um das Gesicht. Louis schob das Haar hinter die Ohren zur�ck und �ffnete die Augen. Das Licht war glei�end hell. Seine tastenden H�nde entdeckten ein Plastikpflaster am Hals. Die Schutzbrille mit den Restlichtverst�rkern sa� immer noch auf seiner Nase. Er zog sie zum Kinn herunter. Er rollte sich von der Frau weg und setzte sich auf.</p><p>Jetzt herrschte Zwielicht. Die Morgend�mmerung brach herein: die Terminatorlinie teilte die Welt in hell und dunkel. Louis taten alle Muskeln weh. Ihm war, als h�tte man ihn f�rchterlich verpr�gelt. Paradoxerweise f�hlte er sich gro�artig. Viel zu lange hatte er den Sex nur sparsam ausge�bt, dazu noch unlustig, als Tarnung, weil Wonnestrom-S�chtige bekannterma�en kein Interesse an solchen Dingen haben. In der vergangenen Nacht. war seine ganze Seele darin aufgegangen.</p><p>Die Frau? Sie hatte ungef�hr Louis' Gr��e und war eher eine kompakte Sch�nheit. Nicht gerade flachbr�stig, aber auch nicht vollbusig. Ihr Haar war in einen langen Zopf geflochten, und da war ein etwas zu langer Flaum am Kinn und unter den Jochbeinen. Sie schlief den Schlaf der Ersch�pfung, und den hatte sie auch verdient. Beide hatten sie das. Jetzt kam die Erinnerung an die vergangene Nacht zur�ck. Aber seine R�ckblende machte ihn ganz konfus.</p><p>Er hatte gebumst�� nein, er hatte sich Hals �ber Kopf auf diese schlanke blasse Frau mit den roten Lippen gest�rzt und sich mit ihr vereinigt. Als er sein Blut auf ihren Lippen sah, den Stachel in seinem Hals f�hlte, hatte er nur ein Bedauern gesp�rt, als erlitte er einen schrecklichen Verlust. Er hatte geheult vor Wut, als Chmeee ihren Kopf nach hinten drehte, bis ihr Genick zerbrach. Er hatte sogar mit dem Kzin gek�mpft, als er ihn von der toten Frau wegri�. Der Kzin hatte ihn unter den Arm geklemmt, obwohl er immer noch w�tend mit Armen und Beinen auf ihn eindrosch. Chmeee hatte ihn mit den Ellenbogen festgehalten, w�hrend er das Sanit�tsk�stchen aus Louis' Weste holte und ihm das Pflaster auf den Hals dr�ckte. Anschlie�end hatte er das Sanit�tsk�stchen wieder im Raumanzug verstaut.</p><p>Dann hatte Chmeee sie get�tet, alle diese h�bschen silberhaarigen M�nner und Frauen. Er hatte ihnen die glei�ende Rubinnadel seines Handscheinwerfer-Lasers akkurat und sauber durch den Kopf gebohrt. Louis erinnerte sich wieder, wie er Chmeee daran hindern wollte und dann, von einem wuchtigen Schlag getroffen, �ber die geborstenen Gehsteigplatten rollte. Er hatte sich benommen wieder aufgerappelt und in seiner N�he ein weibliches Wesen entdeckt, das sich ebenfalls noch bewegte. Er war auf sie zugegangen. Sie, eine dunkelhaarige Frau, war die einzige �berlebende der Verteidiger. Sie waren sich gegenseitig in die Arme gefallen.</p><p>Warum harte er das getan? Und Chmeee hatte versucht, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. oder etwa nicht? Louis erinnerte sich auch an ein fauchendes Heulen, das ihn an das Kriegsgeschrei von Tigern gemahnte.</p><p>�Pheromone�, sagte er, �und sie sahen so harmlos aus.� Er stand auf und blickte sich mit blankem Entsetzen um. Die Toten waren alle um ihn herum versammelt: die Dunkelh�utigen mit den zerbissenen H�lsen, die Blassen mit dem Blut auf den Lippen und dem Brandloch in den Silberhaaren.</p><p>Die Waffen hatten da nicht ausgereicht. Was die Vampire besa�en, war viel schlimmer als eine Lustgei�el. Sie schickten eine superstimulierende Wolke von Pheromonen aus, die menschlichen Geruchssignale der sexuellen Bereitschaft. Einer von den den Vampiren oder ein paar mu�te den Wolkenkratzer-Turm erreicht haben. Und die Verteidiger waren nur zu gerne herausgekommen, waren ihnen entgegengerannt, hatten unterwegs ihre Waffen und ihre Kleider abgeworfen. Einer hatte es so eilig gehabt, da� er sogar �ber das Gel�nder sprang und in den Tod st�rzte.</p><p>Aber warum hatten er und die dunkelhaarige Frau sich gepaart, obwohl die Vampire bereits tot waren?</p><p>Der Wind spielte mit Louis' Haaren. Ja. Die Vampire waren tot, aber er und die dunkelhaarige Frau waren noch von einer Wolke von Pheromonen umgeben gewesen. Sie hatten sich gepaart wie br�nstige Tiere. �Wenn der Wind nicht aufgekommen w�re, klebten wir immer noch aneinander. Ja. Wo, zum Henker, habe ich denn meine Sachen gelassen?�</p><p>Er fand die Panzerweste und das Fluggeschirr. Unterhose und Unterhemd waren nur noch Fetzen. Wie stand es mit der Weste? Er sah, da� die Frau jetzt die Augen aufgeschlagen hatte. Sie setzte sich pl�tzlich auf, mit einem Horror in den Augen, den Louis nur zu gut verstehen konnte. Er sagte zu ihr: �Ich mu� meine Weste wiederfinden, denn darin befindet sich mein �bersetzungsger�t. Ich hoffe nur, Chmeee vergrault Sie nicht, ehe ich.�</p><p>Chmeee! Was f�r einen Eindruck hatte dieses hemmungslose, ekstatische Verhalten auf ihn gemacht?</p><p><emphasis>Chmeees gro�e Hand schlo� sich um Louis' Sch�del und zwang ihn r�ckw�rts. Louis klammerte sich mit seinem ganzen K�rper und mit seiner ganzen Seele an diese Frau. Er stie� sie, er bumste; aber seine Augen waren ausgef�llt von diesem orangefarbenen Tiergesicht, und seine Ohren gellten von schrecklichen Fl�chen. Es mu�te f�r den Kzin niederschmetternd gewesen...</emphasis></p><p>Chmeee war nicht in seiner N�he. Er konnte ihn nirgends entdecken. Louis fand seine Weste ein gutes St�ck von sich entfernt, umklammert von der Hand eines toten Vampirs. Aber seinen Bet�ubungsstrahler konnte er nicht wiederfinden. Inzwischen machte er sich ernsthafte Sorgen. Irgend etwas H��liches regte sich in seiner Erinnerung. Er rannte nun zu der Stelle, wo das Landungsboot niedergangen war.</p><p>Er fand dort nur einen Felsblock, der so gro� und so schwer war, da� ihn drei M�nner nicht h�tten von der Stelle r�cken k�nnen. Er beschwerte ein gro�z�gig bemessenes St�ck schwarzen Superleiter-Tuches. Chmeees Abschiedsgeschenk. Das Landungsboot war weg.</p><empty-line/><p><emphasis>Ich mu� fr�her oder sp�ter dar�ber hinwegkommen</emphasis>, dachte Louis. <emphasis>Und warum nicht jetzt gleich?</emphasis> Ein Freund hatte ihm diesen Trick beigebracht, diese magische Suggestion, mit der man sich rasch von einem Schock oder Kummer erholte. Manchmal funktionierte es sogar.</p><p>Er setzte sich auf eine Stange, die fr�her einmal zu einem Verandagel�nder geh�rt haben mu�te, nur da� diese Veranda jetzt wie ein gestrandetes Flo� auf einem mit Sand bedeckten Gehsteig lag. Er hatte seinen Panzer wieder angelegt und die Weste mit den vielen Taschen. Er hatte diese Kleidung zwischen sich und eine riesige, ihn vergessende Welt gestellt. Er hatte sich nicht aus Schamgef�hl bekleidet, sondern aus Furcht.</p><p>Damit war sein ganzer Ehrgeiz aufgezehrt. Nun sa� er da, w�hrend die Gedanken ziellos durch sein Bewu�tsein trieben. Er dachte an einen heilen Wonnestecker, der nun so weit von ihm entfernt war wie die Erde von ihrem Mond, und an einen zweik�pfigen Verb�ndeten, der niemals seine Haut riskieren w�rde, um auf der Ringwelt zu landen, nicht einmal, wenn er Louis Wu retten mu�te. Er dachte an die Ringwelt-Ingenieure und ihre idealisierte �kologie, die solche l�stigen Wesen wie Moskitos oder Vampir-Flederm�use nicht in ihre Fauna aufgenommen hatten. Seine Lippen zuckten, der geisterhafte Ansatz eines L�chelns. Dann ruhten sie wieder, als sein Gesicht den Ausdruck eines Toten annahm, der gar kein Ausdruck ist.</p><p>Er wu�te sehr wohl, wohin Chmeee mit dem Landungsboot geflogen war. Er l�chelte wieder bei dem Gedanken, wie wenig ihm das n�tzte. Hatte Chmeee ihm vorher noch gesagt, was er vorhatte? Es spielte keine Rolle mehr. Der Selbstbehauptungstrieb oder der Geschlechtstrieb oder der Rachetrieb�� alle drei Impulse w�rden Chmeee in dieselbe Richtung weisen. Aber w�rde eines von diesen Motiven ihn zur�ckbringen, um Louis Wu zu retten?</p><p>Und er dachte daran, wie wenig doch der Tod eines Menschen bedeutete, wenn Billiarden Bewohner der Ringwelt dem Untergang geweiht waren, sobald ihr Kunstplanet mit der Sonne zusammenstie�.</p><p>Nun, vielleicht kam Chmeee zur�ck. Louis mu�te sich jetzt schon selbst r�hren und etwas unternehmen, um die fliegende Stadt zu erreichen. Schlie�lich waren sie dorthin unterwegs gewesen; Chmeee w�rde ihn wahrscheinlich dort vermuten, wenn irgendeine Laune den Kzin zu seinem Verb�ndeten zur�ckbrachte, der ihn so schm�hlich im Stich gelassen hatte. Oder Louis mochte in der Stadt etwas Wichtiges entdecken. Oder. irgendwo mu�te er ja in dem einen oder den beiden Jahren �berleben, die ihm noch verg�nnt waren. <emphasis>Ich mu� irgendwann dar�ber hinwegkommen. Warum nicht jetzt?</emphasis></p><p>Jemand schrie.</p><p>Die schwarzhaarige Frau hatte sich inzwischen mit Shorts und einem Hemd bekleidet und einen Tornister umgeschnallt. Sie hielt eine Projektil-Waffe in der Hand, die auf Louis Wu zielte. Mit dem anderen Arm gestikulierte sie und schrie zum zweitenmal.</p><p>Der Urlaub war vor�ber. Louis wurde sich jetzt �berdeutlich bewu�t, da� seine Schutzkappe locker um seinen Hals hing. Wenn sie ihm einen Kopfschu� verpassen wollte�� nun, vielleicht lie� sie ihm noch soviel Zeit, da� er die Kapuze �berstreifen konnte, und dann spielte es keine Rolle mehr, ob sie auf ihn scho� oder nicht. Der Schutzanzug w�rde die Kugeln auffangen, w�hrend er �ber die Stra�e rannte. Was er jetzt am n�tigsten brauchte, war das Fluggeschirr. Oder vielleicht doch nicht?</p><p>�Okay�, sagte Louis, l�chelte und hob die H�nde bis zu den Schultern. Was er wirklich brauchte, war ein Verb�ndeter. Dann griff er langsam mit einer Hand in seine Weste, holte die �bersetzer-Box heraus und klemmte sie unter seinem Kinn fest. �Das wird f�r uns sprechen, sobald es deine Sprache beherrscht.�</p><p>Sie deutete mit der Waffe: <emphasis>Geh vor mir her.</emphasis></p><p>Louis ging bis zu der Stelle, wo sein Fluggeschirr lag, b�ckte sich dann und hob es auf. Er vermied jede hastige Bewegung dabei. Es donnerte hinter ihm. Ein Stein, der zehn Zentimeter von Louis' rechtem Fu� entfernt war, h�pfte davon.</p><p>Er lie� das Geschirr wieder fallen und wich einen Schritt zur�ck.</p><p>Tanj, sie wollte gar nicht reden! F�r sie stand fest, da� er ihre Sprache nicht beherrschte, und dabei belie� sie es. Wie sollte da der �bersetzer irgend etwas lernen?</p><p>Mit beiden H�nden an der Schulter sah er zu, wie sie mit der freien Hand an dem Fluggeschirr herumfummelte, w�hrend sie mit ihrer Waffe mehr oder weniger direkt auf ihn zielte.</p><p>Wenn sie den falschen Knopf bediente, w�rde er das Geschirr verlieren und auch das Superleiter-Tuch. Aber sie legte das Fluggeschirr wieder auf den Boden zur�ck, ohne ein Unheil angerichtet zu haben, blickte Louis eine Weile lang pr�fend an und trat zur�ck. Sie deutete.</p><p>Louis nahm das Geschirr auf. Als sie jetzt auf ihren Kastenwagen deutete, sch�ttelte er den Kopf. Er ging zu der Stelle, wo Chmeee das Superleiter-Tuch zur�ckgelassen hatte, das von einem unglaublich schweren Felsblock befrachtet war. Er sch�tzte die Menge des Tuches auf einen Morgen.</p><p>Die M�ndung der Waffe verfolgte ihn �berall hin, w�hrend er das Fluggeschirr an dem Felsblock befestigte und den Energieschalter bet�tigte. Er umfa�te auch den Block mit beiden Armen�� und das Geschirr, aus Angst, es k�nnte von dem Stein abgleiten�� und hob an. Der Felsblock bewegte sich. Louis drehte sich um hundertachtzig Grad und lie� den Block wieder los. Er setzte sanft auf der Erde auf.</p><p>Sah er Respekt in ihren Augen? Galt er seiner Technologie oder seiner St�rke? Er schaltete die Energiezufuhr wieder ab, nahm das Fluggeschirr unter den Arm, klemmte das Superleiter-Tuch unter den rechten Ellenbogen und bewegte sich vor ihr her auf den Kastenwagen zu. Sie �ffnete die Doppelt�ren an der Seiten wand. Er legte seine Last wieder ab und sah sich um.</p><p>Je eine Bank an den Seitenw�nden und der Hinterwand; ein winziger Ofen in der Mitte. Im Dach eine Luke als Rauchabzug. Hinter dem R�cksitz Gep�ckstapel. Noch eine Bank an der Vorderseite, die in Fahrtrichtung blickte.</p><p>R�ckw�rts gehend, verlie� er das Fahrzeug wieder. Er machte einen Schritt auf den Wolkenkratzer-Turm zu und blickte sie fragend an. Sie begriff, was er wollte. Sie z�gerte einen Moment und gab ihm dann mit einem Handzeichen ihre Erlaubnis.</p><p>Die Toten begannen bereits zu riechen. Er fragte sich, ob sie die Leichen verbrennen oder bestatten wollte. Aber sie ging durch die Reihen der Toten hindurch, ohne anzuhalten. Nur Louis blieb stehen, b�ckte sich und untersuchte mit den Fingern das Silberhaar einer toten Frau.</p><p>Da war zuviel Haar, zuwenig Sch�del. Sie war sch�n, aber ihr Gehirn war kleiner als das eines Menschen. Er seufzte und ging weiter.</p><p>Die Frau begleitete ihn durch das erdverhaftete Geb�ude, dann zu der Spiraltreppe des Wolkenkratzers, das von diesem Geb�ude gest�tzt wurde. Er ging die Treppe hinunter in den Keller. Dort lag ein toter Mann ihrer Spezies, und neben ihm lag der Handscheinwerfer-Laser. Als er auf die Frau zur�cksah, entdeckte er Tr�nen in ihren Augen.</p><p>Er hob den Handscheinwerfer-Laser auf, und sie scho� knapp daneben. Der Querschl�ger traf ihn an der H�fte, und er zuckte heftig in seinem Schutzanzug zusammen, der pl�tzlich so steif war wie Eisen. Dann wich er bis zur Wand zur�ck, w�hrend sie den Laser aufhob.</p><p>Sie entdeckte den Schalter, und das Licht tanzte im breiten Kegel um sie her. Sie entdeckte, wie man den Brennpunkt einstellen mu�te. Sie nickte und schob das Ger�t in die Tasche ihrer Hose.</p><empty-line/><p>Auf dem R�ckweg zum Kastenwagen lie� Louis wie beil�ufig die Maske des Schutzanzuges �ber sein Gesicht fallen, als w�rde ihn sonst die Sonne blenden. Vielleicht hatte sie mehr als genug von Louis Wu und wollte nicht mit ihm zusammen verreisen.</p><p>Sie scho� nicht auf ihn. Sie kletterte in den Wagen und sperrte die T�r mit einem Schl�ssel ab. Einen Moment lang sah Louis sich in dieser verfallenen Stadt gestrandet�� ohne Wasser, ohne Werkzeuge. Aber sie winkte ihm zu, da� er an das Fenster des rechten Wagenschlages treten sollte, wo sich die Armaturen befanden. Sie zeigte ihm mit Gesten, wie er den Wagen in Gang setzen und lenken konnte.</p><p>Das war der Durchbruch, den Louis sich erhofft hatte. Er wiederholte die Worte, die sie ihm durch das Fenster zurief, und f�gte die �bersetzung in seiner Sprache hinzu: �Steuerring. Wender. Anlasser. Schl�ssel. Gashebel. Gashebel r�ckw�rts.� Sie beherrschte die Zeichensprache ganz gut. Eine Hand, die durch die Luft fuhr, und ein Finger, der ein Nadelventil andeutete war ein �Luftdruck-Geschwindigkeitsmesser�.</p><p>Sie erschrak, als die �bersetzungsbox pl�tzlich zu reden begann. Dann setzte sie den Sprachunterricht eine Weile lang fort. Schlie�lich sperrte sie die Seitent�r auf, rutschte auf der Bank zur Seite, zielte mit ihrer Waffe auf ihn und sagte: �Steig ein. Fahre.�</p><p>Der Motor war laut, und das Fahrgestell hatte noch nie etwas von Federn geh�rt. Es �bertrug die kleinste Unebenheit direkt auf den Fahrersitz, bis Louis um jedes Schlagloch, jeden Stein und jede Sandverwehung herumkurvte. Die Frau beobachtete ihn schweigend. War sie denn gar nicht neugierig? Er dachte daran, da� sie mindestens ein Dutzend Freunde an die Vampire verloren hatte. Unter diesen Umst�nden bewahrte sie eine bewundernswerte Fassung.</p><p>Endlich sagte sie: �Ich bin Valavirgillin.�</p><p>�Ich bin Louis Wu.� �Du hast seltsame Werkzeuge. Den Sprecher, den Lift, das verstellbare Licht�� was hast du noch?�</p><p>�Tanj, verdammt noch mal! Ich habe meine Schutzbrille vergessen!�</p><p>Sie zog die Brille mit den Binokularen aus ihrer Tasche. �Das habe ich gefunden.�</p><p>Vielleicht hatte sie auch den Bet�ubungsstrahler gefunden. Aber Louis fragte nicht danach. �Gut. Setz das Ding auf, und ich werde dir zeigen, wie es funktioniert.�</p><p>Sie sch�ttelte l�chelnd den Kopf. Vermutlich bef�rchtete sie, er wollte sie nur ablenken, damit er sie �berw�ltigen konnte. Sie fragte: �Was hattest du in der alten Stadt zu suchen? Wo hast du diese Werkzeuge gefunden?�</p><p>�Sie geh�ren mir. Ich brachte sie von einem weit entlegenen Stern hierher.�</p><p>�Mach dich nicht �ber mich lustig, Louis Wu.�</p><p>Louis blickte sie an. �Haben denn die Leute, die die St�dte bauten, nicht solche Werkzeuge?�</p><p>�Sie hatten Ger�te, die sprachen. Sie konnten ein Geb�ude in die Luft heben. Vermutlich konnten sie das auch mit ihrem eigenen K�rper.�</p><p>�Was sagst du zu meinem Begleiter? Hast du schon seinesgleichen auf der Ringwelt gefunden?�</p><p>�Er schien enorm gro� zu sein.� Sie err�tete. �Ich hatte keine Gelegenheit, ihn n�her kennenzulernen.�</p><p>Nein, sie war abgelenkt worden. Verr�ckt. �Warum zielst du dauernd mit der Waffe auf mich? Die W�ste ist unser gemeinsamer Feind. Wir sollten uns gegenseitig unterst�tzen.� �Ich habe keinen Anla�, dir zu vertrauen. Jetzt frage ich mich sogar, ob du verr�ckt bist. Nur die St�dtebauer reisten zwischen den Sternen hin und her.�</p><p>�Das ist ein Irrtum.�</p><p>Sie bewegte die Schultern. �Mu�t du unbedingt so langsam fahren?�</p><p>�Ich brauche erst �bung.�</p><p>Aber Louis wurde rasch mit der Maschine vertraut. Die Stra�e war schnurgerade, ihre Oberfl�che nicht sehr uneben, und kein einziges Fahrzeug kam ihnen entgegen. Hin und wieder trafen sie auf Sandverwehungen. Aber Valavirgillin hatte ihm gesagt, da� er deswegen nicht mit dem Tempo heruntergehen mu�te.</p><p>Und so kamen sie verh�ltnism��ig rasch seinem eigentlichen Ziel n�her. Er fragte: �Was kannst du mir �ber die fliegende Stadt erz�hlen?�</p><p>�Ich bin nie dort gewesen. Die Kinder der St�dtebauer wohnen dort. Aber heutzutage bauen sie nichts mehr. Sie herrschen auch nicht mehr �ber das Land. Aber es ist Tradition, da� sie die Stadt behalten. Sie haben viele Besucher.�</p><p>�Touristen? Leute, die die Stadt besichtigen wollen?�</p><p>Sie l�chelte. �Das ist einer von mehreren Gr�nden. Aber man mu� eingeladen sein. Warum willst du das alles wissen?�</p><p>�Ich mu� in die fliegende Stadt. Wie weit kann ich in deinem Wagen mitfahren?�</p><p>Nun lachte sie. �Ich f�rchte, da� man dich niemals in die Stadt einladen wird. Du bist weder ber�hmt, noch m�chtig.�</p><p>�Mir wird schon etwas einfallen.�</p><p>�Ich fahre bis zur Schule beim Umkehr der Fl�sse. Dort mu� ich berichten, was geschehen ist.�</p><p>�Was ist geschehen? Was suchtest du denn hier in der W�ste?�</p><p>Sie sagte es ihm. Es war nicht einfach zu verstehen, weil das Vokabular des �bersetzers noch gro�e L�cken aufwies. Sie �berbr�ckten die L�cken mit anderen Worten und f�llten sie so allm�hlich auf.</p><empty-line/><p>Die Maschinen-Leute herrschten �ber ein m�chtiges Imperium.</p><p>Unter einem Imperium verstand man auf der Ringwelt einen Zusammenschlu� von mehreren fast unabh�ngigen K�nigreichen. Diese K�nigreiche mu�ten Steuern bezahlen und waren an die Weisungen des Imperators gebunden, wenn es um Krieg und Frieden ging, um die Bek�mpfung des Verbrecherunwesens, um Verkehr und Fermeldewesen und manchmal sogar um religi�se Bekenntnisse und Einrichtungen. In allen anderen Dingen hatten sie sich nach ihrer eigenen Tradition gerichtet.</p><p>Innerhalb des Maschinen-Imperiums war das gar nicht so einfach, wenn man zum Beispiel bedachte, da� der Lebensstil eines Hirten-Fleischessers in Konkurrenz stand zu dem Lebensstil der Grasesser; ersterer n�tzte wieder den H�ndlern, die von den Fleischessern Lederwaren einkauften; beide, Hirten wie Grassammler, hatten wiederum ein neutrales Verh�ltnins zu den Kobolden. In manchen Territorien gab es eine reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenartigen Gattungen, und alle Territorien gew�hrten den Kobolden Bewegungsfreiheit. Die verschiedenen Spezies hielten sich deswegen an ihre eigenen Traditionen, weil sie biologisch daf�r geschaffen waren.</p><p><emphasis>Kobolde</emphasis> war der Begriff, den Louis Wu sebst gepr�gt hatte. Denn Valavirgillin gab diesen Riesen einen Namen, den man als <emphasis>Nacht-Volk</emphasis> �bersetzen konnte. Sie waren M�llbeseitiger und Totengr�ber, weshalb auch Valavirgillin die Toten nicht bestattet hatte. Die Kobolde hatten eine eigene Sprache. Man konnte sie in den Bestattungsriten unterweisen, die von den verschiedenen Religionsbekenntnissen beachtet wurden. Sie bildeten eine vorz�gliche Nachrichtenquelle f�r die Maschinen-Leute. Angeblich hatten sie fr�her den St�dtebauern den gleichen Dienst geleistet, als dieses Volk noch �ber die Ringwelt herrschte, wenn man den Sagen glauben durfte.</p><p>Und wenn man Valavirgillin glauben durfte, war das Maschinen-Imperium im Prinzip nur eine Handelsmacht, die ausschlie�lich ihre eigenen Kaufleute besteuerte. Je mehr sie davon erz�hlte, um so fragw�rdiger erschien Louis der Herrschaftsanspruch dieses Imperiums. Die K�nigreiche mu�ten die Stra�en unterhalten, welche die Territorien des Imperiums miteinander verbanden, falls die Bewohner dieser K�nigreiche dazu in der Lage waren. Das galt (zum Beispiel) nicht f�r die H�ngenden Leute, die auf B�umen lebten. Zudem stellten die Stra�en die Grenzen zwischen den Territorien dar, die von verschiedenartigen hominiden Spezies beherrscht wurden. Stra�en�berschreitende Eroberungskriege waren verboten. Und daher verhinderten die Stra�en (manchmal) durch ihre blo�e Existenz den Ausbruch eines Krieges.</p><p>Das Imperium war erm�chtigt, Armeen auszubilden, um Banditen oder Diebe zu bek�mpfen. L�ndereien von erheblichem Umfang, die das Imperium f�r sich beanspruchte, um dort Handelsposten zu errichten, wurden in der Regel zu eigenst�ndigen Kolonien. Weil die verschiedenen K�nigreiche des Imperiums durch Stra�en und Fahrzeuge miteinander verbunden waren, waren diese K�nigreiche auch verpflichtet, den f�r die Fahrzeuge n�tigen chemischen Treibstoff herzustellen und f�r diese bereitzuhalten. Das Imperium kaufte Bergwerke (durch Zwangsverk�ufe?), beutete die Bodensch�tze selbst aus und vergab Lizenzen, die den Lizenznehmer erm�chtigten, Maschinen nach den Spezifikationen des Imperiums herzustellen.</p><p>F�r die H�ndler gab es eigene Schulen. Valavirgillin und ihre jetzt toten Freunde waren Studenten an der Hochschule am Umkehr der Fl�sse. Auch ein Lehrer war unter den Toten gewesen, unter dessen Leitung sie einen Ausflug zu einem Handelszentrum gemacht hatten, das an der Grenze des Dschungellandes errichtet war, wo die H�ngenden Leute�� menschliche Kletterwesen, vermutete Louis, die gegen N�sse und getrocknete Fr�chte andere Waren eintauschten�� und die Hirten, die Fleischesser, wohnten, die Lederwaren und Handarbeiten verkauften. (Nein, sie waren nicht klein und roth�utig. Es handelte sich um eine andere Spezies.) Von dort aus hatten sie einen Abstecher in die uralte W�stenstadt gemacht.</p><p>Auf Vampire waren sie nicht gefa�t gewesen. Wo wollten die Vampire in dieser W�ste Wasser finden? Wie kamen sie �berhaupt dorthin? Vampire waren ausgestorben, bis auf.</p><p>�Bis auf was? Ich habe da, glaube ich, ein Wort �berh�rt.�</p><p>Valavirgillin err�tete. ��ltere Leute halten sich zuweilen zahnlose Vampire f�r. zum Zwecke des <emphasis>Rishathra.</emphasis> So k�nnen diese Vampire sich wieder vermehrt haben. Ein zahmes Paar ist irgendwo ausgebrochen. Oder ein schwangeres Weibchen.�</p><p>�Vala, das ist ja widerlich.�</p><p>�Das ist es�, stimmte sie ihm kalt zu. �Ich habe noch nie geh�rt, da� jemand offen zugegeben h�tte, da� er sich Vampire wie Haustiere hielte. Aber gibt es dort, wo du herkommst, nicht auch ein paar Leute, die etwas tun, was andere vielleicht widerlich oder abscheulich finden?�</p><p>Dieser Schu� sa�. �Ich werde dir einmal etwas von der Wonnestrom-Sucht erz�hlen. Aber nicht jetzt.�</p><p>Sie betrachtete ihn �ber die Metallschnauze ihrer Waffe hinweg. Trotz dieses Bartflaumes, der sich von einem Ohr zum anderen �ber den Kiefer hinzog, sah sie menschlich genug aus; nur etwas breit. Ihr Gesicht bildete fast ein perfektes Quadrat. Louis hatte M�he, in ihrem Gesicht zu lesen. Das war kein Wunder; denn auf der Erde hatte sich das menschliche Antlitz zu einem Signalmittel entwickelt. Valas Spezies hatte diese Evolution nicht mitgemacht.</p><p>Er fragte: �Was wirst du jetzt unternehmen?�</p><p>�Ich mu� die Toten melden. und die Artefakten aus der W�stenstadt den Beh�rden �bergeben. Daf�r gibt es eine Belohnung. Aber das Imperium besteht darauf, da� ihr alle Artefakten der St�dtebauer geh�ren.�</p><p>�Ich versichere noch einmal, da� sie mein Eigentum sind.�</p><p>�Fahr weiter!�</p><p>In der W�ste zeigten sich schon hin und wieder gr�ne Oasen, und die Sonnenblende schnitt bereits wieder ein Segment aus der Sonne, als Valavirgillin ihn zum Anhalten aufforderte. Er war froh dar�ber. Er war ersch�pft von den St��en, die die Stra�e ihm versetzt hatte, und der endlosen, ununterbrochenen Lenkarbeit, weil dieses Fahrzeug sich nicht selbst zu steuern vermochte.</p><p>Vala sagte: �Du wirst. essen.�</p><p>Sie waren inzwischen daran gew�hnt,da� der �bersetzer Worte auslie�. �Ich habe wieder etwas �berh�rt, scheint mir.�</p><p>�Kannst du Nahrungsmittel erhitzen, bis man sie essen kann? Louis, kannst du�� ?�</p><p>�Kochen.� Vermutlich hatte sie weder Pfannen dabei, in denen nichts anbrannte, noch einen Mikrowellenofen, oder etwa doch? Und wie stand es mit den Me�bechern, der Zuckerraffinade, der Butter, Gew�rzen, die er kannte�� �Nein.�</p><p>�Dann werde ich kochen. Du machst Feuer. Was i�t du?�</p><p>�Fleisch, gewisse Pflanzen, Fr�chte, Eier, Fisch. Fr�chte esse ich auch ungekocht.�</p><p>�Dann i�t du fast das gleiche wie mein Volk, von dem Fisch einmal abgesehen. Gut. Steig aus dem Wagen und warte.�</p><p>Sie sperrte die T�ren ab, als er den Wagen verlassen hatte, und kroch hinter die R�ckbank. Louis streckte sich. Seine Muskeln schmerzten. Die Sonne war jetzt nur noch ein glei�ender Splitter, aber es war immer noch gef�hrlich, direkt in dieses Licht zu blicken. Die W�ste lag bereits im Schatten. Ein breites blaues Band mit reichgegliederter Landschaft glitzerte antispinnw�rts �ber dem Horizont. Br�unliches, stacheliges Gras umgab ihn. In einiger Entfernung standen ein paar hohe, trockene B�ume beisammen. Einer der B�ume war kahlgrau. Er sah tot aus.</p><p>Sie kam jetzt ebenfalls ins Freie. Sie warf ihm etwas Schweres vor die F��e. �F�lle Holz und mach daraus ein Feuer.�</p><p>Louis hob den Gegenstand auf: ein l�ngliches Holz mit einem Keil aus grobem Eisen am oberen Ende. �Vielleicht bin ich ein bi�chen bl�d�� aber was ist das?�</p><p>Sie gab ihm die Bezeichnung dieses Gegenstandes. �Du schl�gst mit dem scharfen Ende des Keils gegen den Baumstamm, bis er umf�llt, kapiert?�</p><p>�Axt.� Louis erinnerte sich wieder an die Kriegs�xte, die er in dem Museum auf dem Kzin-Planeten gesehen hatte. Er betrachtete die Axt, dann den toten Baum. und pl�tzlich hatte er es satt. Er sagte: �Es wird rasch dunkel.�</p><p>�Siehst du nachts schlecht? Hier.� Sie warf ihm den Handscheinwerfer-Laser zu.</p><p>�Gen�gt dieser eine tote Baum dort dr�ben?�</p><p>Sie drehte sich um, zeigte ihm ein h�bsches Profil, und ihre Handfeuerwaffe drehte sich mit ihr. Louis stellte rasch das Licht auf einen geb�ndelten Strahl mit hoher Intensit�t ein. Dann dr�ckte er auf den Ausl�ser. Ein greller Lichtfaden schnitt �ber ihre Waffe. Die Waffe stie� eine Stichflamme aus und zerfiel in ihre Einzelteile.</p><p>Sie stand mit offenem Mund da und starrte auf den Kolben, der ihr noch in der Hand geblieben war.</p><p>�Ich bin gerne bereit, Anregungen von einem Freund oder Bundesgenossen entgegenzunehmen�, belehrte er sie, �aber ich habe es satt, mich herumkommandieren zu lassen. Mein pelzbewehrter Begleiter hatte das auch st�ndig mit mir versucht. Also la� uns Freunde sein.�</p><p>Sie lie� den Kolben der Waffe fallen und hob die H�nde �ber den Kopf.</p><p>�Du hast noch mehr Kugeln und Waffen im Laderaum deines Fahrzeuges. Also bewaffne dich damit.� Louis drehte ihr gelassen den R�cken zu. Er lie� den Strahl im Zickzack �ber den toten Baumstamm gleiten. Ein paar Dutzend Scheite fielen brennend zu Boden. Louis ging zu dem zerlegten Baum und schob mit dem Fu� die brennenden Scheite zu einem Kreis um den Baumstumpf zusammen. Er setzte das Ganze mit einem Laserstrahl in Brand und sah zu, wie die Flammen sich �ber dem Baumstumpf schlossen.</p><p>Irgend etwas traf ihn zwischen die Schulterbl�tter. Eine Sekunde lang wurde sein Schutzanzug steif wie ein Brett.</p><p>Er h�rte einen Knall hinter seinem R�cken.</p><p>Louis wartete einen Moment, aber es fiel kein zweiter Schu�. Er drehte sich um und ging zur�ck zu dem Kastenwagen. Er sagte zu Vala: �Tu das nie, nie, nie mehr wieder.�</p><p>Sie blickte ihn bleich und furchtsam an. �Nein, ich werde es nie wieder tun.�</p><p>�Soll ich dir helfen, die Kochutensilien zum Feuer zu tragen?�</p><p>�Nein, ich kann das. habe ich dich verfehlt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie kommt es dann, da� du.?�</p><p>�Eines meiner Werkzeuge rettete mich. Ich brachte es �ber eine Strecke, die tausendmal gr��er ist als die Entfernung, die das Licht in einem <emphasis>Falan</emphasis> reist, und dieses Werkzeug geh�rt <emphasis>mir.</emphasis></p><p>Sie bewegte die Arme wie Fl�gel und wandte sich ab.</p></section><section><title><p>16. Die Strategie des Handels</p></title><p>Da war eine Pflanze, die �ber den Boden kroch und aussah wie eine endlose Kette von gr�ngelbgestreiften W�rsten mit kleinen Luftwurzeln an den Gelenken. Valavirgillin schnitt ein paar von diesen W�rsten ab und warf sie in einen Topf. Sie go� Wasser dazu, f�gte ein paar Samenkapseln hinzu, die sie einem Sack aus ihrem Kastenwagen entnahm. Sie stellte den Topf auf die brennenden Scheite.</p><p>Tanj, das h�tte Louis auch fertiggebracht. Das Essen w�rde bestimmt nicht in einem Rezeptbuch f�r Feinschmecker aufgenommen werden.</p><p>Die Sonne war inzwischen vollkommen hinter der Schattenblende verschwunden. Eine dichte Gruppe von Sternen backbords mu�ten die Lichter der fliegenden Stadt sein. Der Ringwelt-Bogen stieg, blauwei� gestreift, senkrecht in den schwarzen Himmel hinauf. Louis hatte das Gef�hl, als befinde er sich auf einem unglaublich gro�en Spielzeugreifen.</p><p>�Ich w�nsche nur, ich h�tte auch ein St�ck Fleisch�, sagte Vala.</p><p>Louis sagte: �Gib mir meine Schutzbrille.�</p><p>Er drehte sich vom Feuer fort, ehe er die Brille aufsetzte. Er schraubte den Lichtverst�rker h�her. Das Augenpaar, das ihn von einer Stelle jenseits des Lichtkreises beobachtet hatte, l�ste sich auf. Louis war froh, da� er nicht blindlings darauf geschossen hatte. Zwei gr��ere Gestalten und eine kleinere entpuppten sich als eine Familie von Kobolden.</p><p>Aber ein hell�ugiger Schatten war klein und trug ein Fell. Louis k�pfte sie mit einem langen hellen Faden seines Lasers. Die Kobolde zuckten zusammen. Sie fl�sterten miteinander. Der weibliche Kobold bewegte sich auf das tote Tier zu, blieb aber dann stehen, um Louis den Vortritt zu lassen. Louis hob das tote Tier auf und beobachtete dann wieder den weiblichen Kobold.</p><p>Die Kobolde schienen keine Furcht zu haben. Das lag wohl daran, da� ihr Platz in der �kologie respektiert wurde. Vala hatte ihm gesagt, was geschah, wenn ein Volk sich der betr�chtlichen M�he unterzog, seine Toten zu begraben oder zu verbrennen. Die Kobolde griffen dann die lebendigen Vertreter dieses Volkes an. Ihnen geh�rte die Nacht. Aus zahllosen �rtlichen Religionen hatte sich der allgemein verbreitete Aberglaube herauskristallisiert, da� Kobolde sich unsichtbar machen k�nnten. Selbst Vala glaubte an ihre magischen Kr�fte.</p><p>Aber warum hinderten sie jetzt nicht Louis daran, den Kadaver zu bergen? Warum sollten sie? Louis w�rde dieses Tier essen, und eines Tages w�rde auch Louis sterben, und die Kobolde w�rden dann ihren Tribut fordern.</p><p>W�hrend sie ihn seinerseits beobachteten, untersuchte er seine Beute: ein kaninchen�hnliches Wesen mit langem abgeflachten Schwanz und ohne Vorderpfoten. Kein Hominide. Gut.</p><p>Als er aufsah, entdeckte er eine schwach fluoreszierende violette Flamme weit dr�ben auf Backbord.</p><p>Er hielt den Atem an und wagte kaum den Kopf zu bewegen, w�hrend er sowohl die Vergr��erung wie auch die Lichtverst�rkung h�her schraubte. Selbst der Pulsschlag in seinen Schl�fen verzerrte nun das Bild, das er mit seinen Okularen einfing, doch er wu�te, was er sah. Die vergr��erte Flamme wurde zu einem tr�nendr�senreizenden Violett, und es breitete sich aus wie ein Raketen-Feuerschweif im Vakuum. Das Ende dieses Schweifes wurde von einer geraden schwarzen Linie durchschnitten: Die Mauerkrone der Ringwand an Backbord.</p><p>Er nahm die Brille ab. Nachdem sich seine Augen wieder an die Dunkelheit gew�hnt hatten, war die violette Flamme gerade noch sichtbar. Doch sie hielt sich hartn�ckig. und riesenhaft.</p><p>Louis kehrte zum Lagerfeuer zur�ck und warf Vala die Beute vor die F��e. Er ging hin�ber nach Steuerbord und setzte wieder die Brille auf.</p><p>Die Flamme an Steuerbord schien in der Vergr��erung viel gewaltiger zu sein; aber das war selbstverst�ndlich. Dort war die Ringmauer viel n�her.</p><p>Vala h�utete das kleine Pelzwesen und warf es in den Topf, ohne die Eingeweide zu entfernen. Als sie sich wieder am Feuer aufrichtete, fa�te Louis sie am Arm und f�hrte sie aus dem Kreis des Feuers hinaus. �Warte ein wenig, und dann sag mir, ob du dort dr�ben am Horizont eine blaue Flamme erkennen kannst.�</p><p>�Ja, ich sehe sie.�</p><p>�Wei�t du, was das ist?�</p><p>�Nein, aber ich glaube, mein Vater wei� es. Es gibt Dinge, �ber die er nicht gerne spricht. Das letztemal, als er aus der Stadt zur�ckkam, schien er sehr bedr�ckt zu sein. Dort dr�ben sind noch mehr Flammen. Du mu�t nur nach spinnw�rts sehen, wo der Bogen sich �ber dem Horizont erhebt.�</p><p>Ein greller blauwei�er waagerechter Streifen �ber dem Horizont blendete seine Augen. Louis deckte ihn mit der ausgestreckten Hand ab. und jetzt, w�hrend er die Schutzbrille zu Hilfe nahm, konnte er noch zwei kleine Kerzenflammen am Rand des Himmelspfeilers ausmachen. Dar�ber sah er noch zwei, winzig wie Stecknadeln.</p><p>Valavirgillin sagte: �Die erste Flamme bemerkten wir schon vor sieben <emphasis>Falans.</emphasis> Sie befand sich knapp �ber der Basis des Himmelspfeilers spinnw�rts. Dann kamen noch ein paar Flammen dazu, diese gro�en dort dr�ben an Backbord und Steuerbord. Dann noch welche auf dem Bogen antispinnw�rts. Inzwischen sind es einundzwanzig Fackeln. Man sieht sie nur zwei Tage lang, wenn die Sonne am hei�esten ist.�</p><p>Louis seufzte h�rbar. Es war ein Seufzer der Erleichterung.</p><p>�Louis, ich habe keine Ahnung, was es bedeutet, wenn du solche Ger�usche machst. Bist du dann b�se, erschrocken oder erleichtert?�</p><p>�Ich wei� es selbst nicht genau. Sagen wir, ich sei erleichtert. Wir haben doch mehr Zeit, als ich glaubte.�</p><p>�Zeit, wof�r?�</p><p>Louis lachte. �Hast du denn nicht schon genug von meiner Verr�cktheit?�</p><p>Sie ging nicht auf den Scherz ein. Sie entr�stete sich: �Schlie�lich bleibt es mir �berlassen, ob ich dir glaube oder nicht!�</p><p>Das nahm ihr nun Louis wiederum �bel. Er ha�te diese Frau nicht, aber sie besa� einen dornigen Charakter und hatte schon einmal versucht, ihn umzubringen. �Sch�n. Wenn dieses ringf�rmige Gebilde, auf dem du lebst, sich selbst �berlassen bleibt, wird es gegen die Schattenblenden sto�en�� diese rechteckigen Gebilde, die die Sonne verdecken, wenn es Nacht wird. In f�nf oder sechs <emphasis>Falans</emphasis> wird es soweit sein. Dann wird alles auf dieser Welt sterben. Nichts Lebendiges wird sich noch auf dieser Welt bewegen, wenn sie mit der Sonne selbst zusammenst��t.�</p><p>Sie schrie: �Und du seufzt erleichtert?�</p><p>�Gemach, gemach. Die Ringwelt ist sich nicht selbst �berlassen. Diese Flammen stammen von Motoren, die die Ringwelt bewegen. Wir befinden uns jetzt fast am sonnenn�chsten Punkt, und sie ben�tzen Bremsd�sen��, die ihren Schub nach innen richten, gegen die Sonne. Das wirkt sich folgenderma�en aus.� Er zeichnete ihr mit einem Stock eine schematische Skizze in den Sand. �Verstehst du jetzt? Sie versuchen, die Ringwelt von der Sonne wegzubringen.�</p><p>�Bedeutet das jetzt, da� wir <emphasis>nicht</emphasis> sterben werden?�</p><p>�Die Motoren werden nicht ausreichen. Aber sie werden die Katastrophe hinausz�gern. Wir k�nnen noch mit zehn oder f�nfzehn <emphasis>Falans</emphasis> rechnen.�</p><p>�Ich hoffe jetzt inbr�nstig, da� du verr�ckt bist, Louis. Du wei�t zuviel. Du wei�t, da� diese Welt ein Ring ist, und das ist ein streng geh�tetes Geheimnis.� Sie bewegte die Schultern, als wollte sie ein Gewicht verlagern. �Ja, ich habe genug davon.�</p><p>Kannst du mir sagen, warum du mir nicht das <emphasis>Rishathra</emphasis> angeboten hast?�</p><p>Das �berraschte ihn. �Ich h�tte gedacht, du h�ttest bis zum Ende deines Lebens genug vom <emphasis>Rishathra</emphasis>.�</p><p>�Das ist kein Spa�. <emphasis>Rishathra</emphasis> ist die feierliche Besiegelung eines Waffenstillstandes!�</p><p>�Oh. Also gut. Zur�ck zum Feuer?�</p><p>�Nat�rlich. Wir brauchen Licht daf�r.�</p><p>Sie hob den Topf aus der Flamme und stellte ihn an den Rand des Feuers, damit das Essen nur noch langsam weiterkochte. �Wir m�ssen uns �ber die Bedingungen unterhalten. Bist du bereit, mir zu versichern, da� du mir nichts antun wirst?� Sie setzte sich ihm gegen�ber auf den Boden.</p><p>�Ich bin bereit, dir nichts anzutun, solange du mich nicht angreifst.�</p><p>�Ich mache die gleiche Konzession. Was verlangst du noch von mir?�</p><p>Sie war jetzt sachlich und n�chtern, und Louis pa�te sich ihrem Ton an. �Du wirst mich mit deinem Wagen so weit mitnehmen, wie sich das mit deinen eigenen Pflichten vereinbaren l��t. Ich w�rde sagen, du nimmst mich mindestens bis�� ja�� bis zum Umkehr der Fl�sse mit. Du wirst die Artefakten als mein Eigentum betrachten. Du wirst weder sie noch mich den Beh�rden �bergeben. Du wirst mir nach bestem Wissen und Gewissen helfen, da� ich die fliegende Stadt betreten kann.�</p><p>�Und was bietest du mir als Gegenleistung?�</p><p>Moment mal�� war diese Frau ihm nicht vollkommen ausgeliefert? Nun, wenn schon. �Ich werde herauszufinden versuchen, ob ich die Ringwelt retten kann�, sagte er, und dabei stellte er mit leichter Verwunderung fest, da� das sein innigster Wunsch war. �Wenn ich es kann, werde ich es tun, ganz gleich, was es kostet. Wenn ich �berzeugt bin da� die Ringwelt nicht gerettet werden kann, werde ich versuchen, mich zu retten und dich, falls das m�glich ist.�</p><p>Sie stand auf. �Das ist ein Versprechen, das �berhaupt keine Bedeutung hat. Du bietest mir deine Verr�cktheit an, als h�tte sie einen Wert!�</p><p>�Vala, hast du noch nie mit Verr�ckten zu tun gehabt?� erwiderte Louis belustigt.</p><p>�Ich habe bisher nicht einmal mit vern�nftigen fremden Wesen verhandelt! Schlie�lich bin ich immer noch Studentin an der Handelsschule!�</p><p>�Beruhige dich. Was kann ich dir noch anbieten? Wissen? Meine Kenntnisse teile ich freiwillig mit dir. Ich wei�, weshalb die Maschinen der St�dtebauer versagten und w��te auch ein Heilmittel dagegen.� Er durfte wohl von der gesicherten Erkenntnis ausgehen, da� die St�dtebauer zu Halrloprillalars Gattung geh�rten.</p><p>�Noch mehr Verr�cktheiten?�</p><p>�Dar�ber mu�t du dir schon dein eigenes Urteil bilden. Und. ich kann dir mein Fluggeschirr und meine Brille �berlassen, wenn ich meinen Auftrag erf�llt habe.�</p><p>�Und <emphasis>wann</emphasis> sollte das sein?�</p><p>�Ich k�nnte sie entbehren, wenn und sobald mein Begleiter zu mir zur�ckkehrt.� Das Landungsboot war noch mit einem Fluggeschirr und einer Schutzbrille ausger�stet, die eigentlich f�r Halrloprillalar gedacht waren. �Oder du kannst beides haben, falls ich sterbe. Ich k�nnte dir sofort die H�lfte meines Tuchvorrates geben. Mit Streifen von diesem Tuch k�nntest du die Maschinen der St�dtebauer reparieren, die vor langer Zeit ihren Geist aufgegeben haben.�</p><p>Vala dachte �ber seine Worte nach. �Ich w�nschte nur, ich h�tte ein gr��eres mechanisches Geschick. Nun, dann erkl�re ich mich mit allen deinen Forderungen einverstanden.�</p><p>�Und ich mit deinen.�</p><p>Sie begann, ihre Kleider und ihren Schmuck abzulegen. Langsam, offensichtlich kokett. bis Louis sah, was sie wirklich tat: sie legte alles ab, was man als Waffe ben�tzen konnte. Er wartete, bis sie ganz nackt vor ihm stand, und imitierte sie dann, legte zuerst den Laser beiseite, die Schutzbrille und den Schutzpanzer. Selbst seine Uhr entfernte er vom linken Handgelenk.</p><p>Dann liebten sie sich. Aber es war nicht das Wahre. Die br�nstige Tollheit der vergangenen Nacht war mit den Vampiren gestorben. Sie fragte ihn nach seiner bevorzugten Technik, beharrte sogar darauf, und er w�hlte die Missionars-Stellung. Es war zu sehr eine Formsache. Vielleicht war es auch so gemeint. Danach, als sie wieder im Kochtopf r�hrte, achtete er darauf, da� sie nicht zwischen ihn und seine Waffen geriet. Die Situation war alles andere als entspannt.</p><p>Sie kam wieder zu ihm zur�ck, und er erkl�rte, da� seine Rasse den Liebesakt �fter vollziehen konnte als einmal.</p><p>Er sa� mit gegr�tschten Beinen auf der Erde, Vala auf dem Scho�. Ihre Beine waren um seine H�ften geschlungen. Sie streichelten sich gegenseitig, erregten sich, lernten wieder den anderen kennen. Sie liebte es, wenn er ihr den R�cken kratzte. Ihr R�cken war sehr muskul�s, ihr Oberk�rper breiter als seiner. Ein Haarstreifen lief �ber das R�ckgrat bis zum Popo. Sie hatte eine vorz�gliche Kontrolle �ber ihre Scheidenmuskeln. Der Flaumkranz auf ihrem Kinn war sehr weich, d�nn wie Seide.</p><p>Louis Wu hatte eine Plastikscheibe unter dem Haar auf der Scheitelkrone.</p><p>Dann lagen sie sich in den Armen, und sie wartete.</p><p>�Selbst wenn ihr nicht �ber Elektrizit�t verf�gt, mu�t du dar�ber Bescheid wissen�, sagte Louis. �Die St�dtebauer ben�tzten Elektrizit�t, um damit ihre Maschinen anzutreiben.�</p><p>�Ja. Wir k�nnen mit der Str�mung eines Flusses Elektrizit�t erzeugen. In unseren Sagen hei�t es, da� ein unbegrenzter Strom von Elektrizit�t aus dem Himmel herunterkam, ehe die St�dtebauer die Macht �ber diese Welt verloren.�</p><p>Das entsprach Wohl ziemlich genau den Tatsachen. Es gab solare Elektrizit�tswerke auf den Sonnenblenden, und diese strahlten die Energie hinunter auf die Kollektoren auf der Ringwelt. Selbstverst�ndlich ben�tzten diese Kollektoren Superleiter-Kabel, und selbstverst�ndlich waren sie deswegen l�ngst au�er Betrieb.</p><p>�Nun denn. Wenn du einen ganz d�nnen Draht an der richtigen Stelle in mein Gehirn steckst�� was ich getan habe�� dann kann ein winziger elektrischer Strom die Nerven der Lustempfindungen erregen.�</p><p>�Wie f�hlt man sich dann?�</p><p>�Als w�re man betrunken, aber ohne Kater oder unangenehme Nebenerscheinungen der Trunkenheit. Wie <emphasis>Rishathra</emphasis> oder eine echte Liebespaarung, ohne da� man jemand anderen lieben mu� au�er sich selbst. Und ohne, da� man aufh�ren mu�. Aber ich h�rte auf.� �Warum?�</p><p>�Ein fremdes Wesen nahm meine elektrische Kraftquelle in Besitz. Er wollte mir Befehle erteilen. Aber schon vor diesem Eingriff in meine Privatsph�re sch�mte ich mich meiner Wollustgef�hle.�</p><p>�Die St�dtebauer hatten nie elektrische Dr�hte in ihren K�pfen. Wir h�rten sie gefunden, als wir die verfallenen St�dte durchsuchten. Welches Volk praktiziert so etwas?� fragte sie. Dann rollte sie sich von ihm weg und starrte ihn entsetzt an.</p><p>Es war die S�nde, die er am meisten bereute: da� er nie den Mund halten konnte. �Es tut mir leid.�</p><p>�Du sagtest, Streifen von diesem Tuch w�rden�� was ist das f�r ein Tuch?�</p><p>�Es leitet elektrische Str�me und magnetische Felder ohne Energieverlust. Wir nennen es Superleiter.�</p><p>�Ja, das war es, was den St�dtebauern verlorenging. Ihr. der Superleiter verfaulte. Und auch dein Tuch wird verfaulen, nicht wahr? Wie lange wird es sich halten k�nnen?�</p><p>�Nein. Es ist von anderer Art.�</p><p>Sie schrie ihn wieder an: �Woher wei�t du denn das, Louis Wu?�</p><p>�Der Hinterste sagte es mir. Der Hinterste ist ein fremdes Wesen, das uns gegen unseren Willen hierherbrachte. Er lie� uns hier zur�ck ohne ein Mittel, wieder nach Hause zur�ckkehren zu k�nnen.�</p><p>�Dieser Hinterste�� er nahm dich zum Sklaven?�</p><p>�Er versuchte es. Aber die Menschen und die Kzinti eignen sich nicht f�r die Sklaverei.�</p><p>�Kann man sich auf sein Wort verlassen?�</p><p>Louis schnitt eine Grimasse. �Nein. Aber er brachte den Superleiter-Stoff und den Superleiter-Draht mit seinem Raumschiff hierher, als er von seiner Welt fl�chtete. Er hatte keine Zeit, es selbst herzustellen. Er mu�te gewu�t haben, wo es aufbewahrt wurde. Vermutlich in einer Lagerhalle. Wie auch die anderen Dinge, die er hierher brachte�� zum Beispiel die Transportscheiben. All diese Gegenst�nde mu�ten l�ngst f�r ihn bereitliegen.� Und sofort wu�te er, da� irgend etwas nicht in Ordnung war; aber es dauerte einen Moment, bis er begriff, was es war.</p><p>Der �bersetzer hatte zu fr�h mit dem Reden aufgeh�rt.</p><p>Dann sprach er mit einer anderen Stimme: �Louis, ist es klug, alle diese Dinge zu erz�hlen?�</p><p>�Zum Teil hat sie sie bereits erraten�, entgegnete Louis. �Sie wollte schon mich f�r den Fall der St�dte verantwortlich machen. Gib mir meinen �bersetzer zur�ck.�</p><p>�Wie k�nnte ich so einen h��lichen Verdacht schweigend �bergehen? Warum sollte mein Volk etwas so Boshaftes tun?�</p><p>�Verdacht? Du Hundesohn.� Vala kniete vor ihm und betrachtete ihn mit gro�en Augen, w�hrend er offenbar sinnloses Zeug mit sich selbst redete. Sie konnte die Stimme des Hintersten nicht in ihren Ohrst�pseln h�ren. Louis sagte: �Sie haben dich als Hintersten abgesetzt, und du bist von deiner Welt gefl�chtet. Du rafftest zusammen, was du konntest, und fl�chtetest damit ins Weltall. Mit Transportscheiben, Superleitern und einem Raumschiff. Die Transportscheiben konntest du dir leicht beschaffen. Diese Dinger stellt ihr vermutlich auf eurer Welt zu Millionen her. Aber wo lag das Superleiter-Tuch, da� du nur zugreifen mu�test? Und woher wu�test du, da� es nicht auf der Ringwelt verrotten w�rde?�</p><p>�Louis, warum sollten wir so etwas Boshaftes tun?�</p><p>�Um euch Vorteile beim Handel zu verschaffen. Gib mir meinen �bersetzer zur�ck!�</p><p>Valavirgillin stand auf. Sie zog den Kochtopf vom Feuer, r�hrte darin um, kostete. Sie ging zum Kastenwagen und kam mit zwei Schalen aus Holz zur�ck, die sie mit einer h�lzernen Sch�pfkelle f�llte.</p><p>Louis wartete bang auf eine Reaktion. Der Hinterste konnte ihm jetzt auch den Computer, mit dem sein �bersetzer arbeitete, abschalten. Louis tat sich schwer mit Fremdsprachen.</p><p>�Also gut, Louis. Es war nicht so geplant, und es passierte auch vor meiner Zeit. Wir suchten nach einer M�glichkeit, unser Territorium bei minimalem Risiko auszuweiten. Die Au�enseiter verkauften uns die Lage der Ringwelt.�</p><p>Die Au�enseiter waren kalte, zerbrechliche Wesen, die auf Schiffen, die langsamer waren als das Licht, durch den Weltraum vagabundierten. Die Au�enseiter verkauften wertvolle Informationen. Sie konnten sehr wohl die Ringwelt gekannt und ihren galaktischen Standort an die Puppetiers verkauft haben. Aber. �Moment mal�� die Puppetiers f�rchten sich vor der Raumfahrt.�</p><p>�Ich �berwand diese Furcht. Wenn die Ringwelt sich als geeignet erwiesen h�tte, dann w�re ein Raumflug im Leben eines Puppetiers kein sehr gro�es Risiko. Wir w�ren nat�rlich in Stasis geflogen. Nach allem, was wir von den Au�enseitern h�rten und selbst durch unsere Teleskope und automatischen Sonden erfuhren, schien die Ringwelt ein idealer Platz f�r uns zu sein. Wir mu�ten sie n�her untersuchen.�</p><p>�Ein Beschlu� der Experimentalisten-Partei?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Trotzdem schreckten wir noch davor zur�ck, mit so einer m�chtigen Zivilisation in Ber�hrung zu kommen. Aber wir hatten durch Laser-Spektroskope die Ringwelt-Superleiter analysiert. Wir stellten ein Bakterium her, das sich von diesem Material ern�hrte. Sonden s�ten dann diese Superleiter-Bakterien auf der Ringwelt aus. Das hatten sie bereits erraten, nicht wahr?�</p><p>�Das ja.�</p><p>�Wir wollten den Sonden dann mit unseren Handelsschiffen folgen. Unsere H�ndler w�ren dann gerade zur rechten Zeit als Retter gekommen. Sie h�tten auf der Ringwelt alles erfahren, was wir wissen mu�ten, und sogar Bundesgenossen f�r uns geworben.� Die klare, musikalische Stimme des Puppetiers enthielt kein Spurenelement Schuldbewu�tsein, nicht einmal Verlegenheit.</p><p>Vala stellte die Sch�ssel auf die Erde und kniete sich vor ihm nieder. Ihr Gesicht lag im Schatten. Von ihrem Standpunkt aus betrachtet, h�tte der �bersetzer in keinem schlimmeren Moment ausfallen k�nnen.</p><p>Louis sagte: �Und dann gewannen vermutlich die Konservativen die Wahl.�</p><p>�Unvermeidlicherweise. Eine Sonde entdeckte die Steuerd�sen. Wir wu�ten nat�rlich von den instabilen Verh�ltnissen der Ringwelt; aber wir hofften, es g�be auch ein etwas technologisch fortgeschritteneres Mittel, um die Instabilit�t in den Griff zu bekommen. Als die Bilder der Ringwelt ver�ffentlicht wurden, st�rzte die Regierung. Wir hatten keine Chance, zur Ringwelt zur�ckzukehren, bis.�</p><p>�Wann? Wann vernichteten die Bakterien die Superleiter der, Ringwelt?�</p><p>�Vor elfhundertvierzig Jahren, nach irdischen Zeitbegriffen gerechnet. Die Konservativen herrschten sechshundert Jahre lang. Dann brachte die Bedrohung der Kzinti die Experimentalisten wieder ans Ruder. Als die Zeit g�nstig erschien, schickte ich Nessus und seine Raumschiffbesatzung zur Ringwelt. Wenn der Artefakt elfhundert Jahre nach dem Fall der Kultur, die f�r seine Instandhaltung sorgte, immer noch existierte, lohnte es sich immer noch, diese Welt zu untersuchen. Ich h�tte immer noch eine Handels- oder Hilfsmission entsenden k�nnen. Ungl�cklicherweise.�</p><p>Valavirgillin hielt jetzt den Scheinwerfer-Laser in ihrem Scho�.</p><p>Er zielte auf Louis Wu.</p><p>�- ungl�cklicherweise war der Artefakt besch�digt. Sie fanden Meteorl�cher im Ring und breite Landstriche, die bis auf das Bodenmaterial abgetragen waren. Es schien nun.�</p><p>�Das ist ein Notfall. Das ist ein Notfall�, sagte Louis mit ruhiger, sachlicher Stimme. Wie hatte sie sich nur diese Waffe aneignen k�nnen? Eben noch hatte sie auf dem Boden gekniet, eine Sch�ssel mit dampfendem Essen in jeder Hand. Hatte sie das Ding vielleicht mit einem Klebeband auf ihrem R�cken befestigt? M��ig, dar�ber jetzt nachzudenken. Wenigstens hatte sie noch nicht auf den Ausl�ser gedr�ckt.</p><p>�Ich h�re Sie�, erwiderte der Hinterste.</p><p>�K�nnen Sie die Handscheinwerfer-Laser durch Fernsteuerung abschalten?� �Ich kann noch mehr als das. Ich kann ihn zur Explosion bringen, so da� derjenige, der ihn gerade in der Hand h�lt, get�tet wird.�</p><p>�K�nnen Sie ihn nicht einfach abschalten?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann geben Sie mir meinen �bersetzer zur�ck, Tanj, rasch!�</p><p>Die Box redete jetzt wieder in der Sprache des Maschinen-Volkes. Vala antwortete sofort: �Mit wem oder was hast du eben geredet?�</p><p>�Mit dem Hintersten, dem Wesen, das mich hierherbrachte. Darf ich annehmen, da� du mich noch nicht angegriffen hast?�</p><p>Sie z�gerte, ehe sie antwortete: �Ja.�</p><p>�Dann ist unsere Vereinbarung also immer noch in Kraft, und ich sammle auch noch Daten f�r meine Mission, diese Welt zu retten. Hast du irgend einen Grund, daran zu zweifeln?�</p><p>Die Nacht war warm, aber Louis kam sich schrecklich nackt vor.</p><p>Das tote Auge des Scheinwerfer-Lasers blieb tot. Vala fragte: �Hat die Rasse des Hintersten den Fall der St�dte verursacht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann brich die Verhandlung ab�, befahl Vala.</p><p>�Aber er besitzt fast alle Maschinen, mit denen ich die notwendigen Daten sammle.�</p><p>Vala dachte dar�ber nach, und Louis blieb ganz still sitzen. Zwei Augenpaare gl�hten dicht hinter ihrem R�cken im Dunkeln. Louis fragte sich, wieviel die Kobolde mit ihren gro�en Koboldohren mitgeh�rt hatten und wieviel sie davon verstanden.</p><p>�Dann mu�t du diese Maschinen auch weiter verwenden. Aber ich m�chte h�ren, was er sagt�, gab Vala zur�ck. �Ich habe noch nicht einmal seine Stimme geh�rt. Vielleicht existiert sie nur in deiner Einbildung.�</p><p>�Hinterster, haben Sie mitgeh�rt?�</p><p>�Ja.� Louis Ohrst�psel sprachen Interworld, aber die Box an seinem Hals redete in Valavirgillins Sprache. So weit, so gut.</p><p>�Ich h�rte, was du der Frau versprachst. Wenn du eine M�glichkeit finden kannst, diesen Artefakten zu stabilisieren, dann tue es.�</p><p>�Sicher, aber dein Volk k�nnte diesen Raum sehr gut gebrauchen.�</p><p>�Wenn es dir gel�nge, mit Hilfe meiner Ausr�stung die Ringwelt zu stabilisieren, m�chte ich daf�r belohnt, werden.�</p><p>Valavirgillin fauchte und unterdr�ckte dann, was sie sagen wollte. Louis rief rasch: �Du wirst bekommen, was dir zusteht.�</p><p>�Es war meine Regierung, geschah unter meiner F�hrerschaft, da� wir elfhundert Jahre nach der Superleiter-Seuche der Ringwelt zu Hilfe kommen wollten. Du wirst daf�r B�rge sein.�</p><p>�Das werde ich, wenn auch mit Einschr�nkungen�, erwiderte Louis. Dann sagte er, was nur f�r Vala bestimmt war: �Laut unserer Abmachung geh�rt das, was du jetzt auf deinem Scho� h�ltst, zu meinem Eigentum.�</p><p>Sie warf ihm den Scheinwerfer-Laser zu. Er legte ihn neben sich auf den Sand und f�hlte sich wie zerschlagen vor Erleichterung, Ersch�pfung oder Hunger. Aber f�r keines davon hatte er jetzt Zeit. �Hinterster, berichte uns von den Steuerd�sen.�</p><p>�Bussard-Rammd�sen waren in den Halterungen am Rand der Ringmauer montiert. Sie hingen dort in regelm��igen Abst�nden, drei Millionen Meilen voneinander getrennt. Wir sollten deshalb zweihundert Halteringen auf jedem Halbkreis der Ringmauer finden. Sobald sie in Betrieb sind, sammeln sie den Sonnenwind im Umkreis von vier- bis f�nftausend Meilen ein, komprimieren ihn elektromagnetisch, bis eine Kernverschmelzung eintritt, und sto�en ihn dann nach dem Raketenprinzip wieder aus, so da� eine Bremswirkung entsteht.�</p><p>�Wir haben beobachtet, da� einige von ihnen in Betrieb sind. Vala sagte mir, sie habe insgesamt einundzwanzig Raketenflammen gez�hlt.� Vala nickte zustimmend. �Das bedeutet, da� 95 Prozent der Bussard-Rammd�sen demontiert wurden. Schei�e.�</p><p>�Diese Zahl ist vermutlich zutreffend. Ich habe Hologramme von vierzig D�senhalterungen empfangen, seit wir zuletzt miteinander sprachen. Alle diese Halteningen sind leer. Soll ich den Schub ausrechnen lassen, der entsteht, wenn alle D�sen gez�ndet haben?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich vermute, da� nicht gen�gend D�sen montiert sind, da� dieser Artefakt gerettet werden kann.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�W�rden die Ringwelt-Ingenieure noch ein zweites, davon unabh�ngiges System eingebaut haben, das den Artefakten stabilisiert?�</p><p>Pak-Protektoren dachten nicht in Sicherheitskategorien, oder? Sie neigten dazu, sich auf ihre Improvisationsf�higkeit zu verlassen. �Unwahrscheinlich. Aber wir werden trotzdem danach suchen. Hinterster, ich bin hungrig und schl�frig.�</p><p>�Gibt es noch etwas, das gesagt werden mu�?�</p><p>�Behalte die Steuerd�sen im Auge. Stelle fest, wieviel davon funktionieren und errechne ihre Schubkraft.�</p><p>�Das werde ich tun.�</p><p>�Versuche, mit der fliegenden Stadt Kontakt aufzunehmen. Sage.�</p><p>�Louis, ich kann keine Botschaft �ber die Ringmauer schicken.�</p><p>Nat�rlich nicht. Sie bestand aus reinem <emphasis>Scrith.</emphasis> �Dann bewege das Raumschiff.�</p><p>�Das w�re nicht sicher.�</p><p>�Und wie steht es mit der Sonde?�</p><p>�Die Sonde im Orbit ist zu weit entfernt, um auf einer beliebigen Frequenz senden zu k�nnen.� Mit gro�er Reserve f�gte der Hinterste hinzu: �Ich kann Botschaften �ber die andere Sonde vermitteln. Ich mu� sie ja in jedem Fall �ber die Ringmauer schicken, damit sie die Brennstoffvorr�te erg�nzt.�</p><p>�Ja. Schicke sie zuerst auf die Ringmauer als Relaisstation. Versuche, Kontakt mit der fliegenden Stadt aufzunehmen.�</p><p>�Louis, ich hatte schon Schwierigkeiten, deinen �bersetzer anzupeilen. Ich entdeckte das Landungsboot fast f�nfundzwanzig Grad anrispinnw�rts von deiner Position. Wie kommt das?� �Chmeee und ich setzen unsere Bem�hungen getrennt fort.</p><p>Ich bin unterwegs zur schwebenden Stadt. Er ist unterwegs zum Gro�en Ozean.� Soviel durfte er wohl sagen. Das schadete nichts.</p><p>�Chmeee beantwortet aber meine Signale nicht.�</p><p>�Kzinti sind miserable Sklaven. Hinterster, ich bin m�de. Ruf in zw�lf Stunden wieder an.�</p><p>Louis nahm seine Holzsch�ssel hoch und a�. Valavirgillin hatte nicht ein einziges Gew�rz f�r dieses Gericht verwendet. Das gekochte Fleisch und die gebruzzelten Wurzeln kitzelten nicht einen seiner Geschmacksnerven. Ihm war es egal. Er leckte sogar noch die Sch�ssel aus und hatte noch gen�gend Geistesgegenwart, eine Allergie-Pille einzunehmen. Dann gingen sie beide zum Fahrzeug und legten sich im Kastenwagen zum Schlafen nieder.</p></section><section><title><p>17. Die Sonne regt sich</p></title><p>Die gepolsterte Bank war ein schlechter Ersatz f�r Schlafplatten, und sie h�pfte unter ihm. Louis war immer noch m�de. Er schlief und wurde wachger�ttelt, schlief und wurde wieder wachger�ttelt.</p><p>Doch diesmal war es Valavirgillin, die ihn an der Schulter r�ttelte. Ihre Stimme hatte einen seidenweichen, sarkastischen Klang: �Dein Diener wagt es, deine wohlverdiente Ruhe zu unterbrechen, Louis.�</p><p>��h. Okay. Warum?�</p><p>�Wir haben schon ein gutes St�ck Weges zur�ckgelegt; aber hier in der N�he gibt es Banditen von der L�ufer-Rasse. Einer von uns mu� jetzt die Transportsicherung �bernehmen.�</p><p>�Essen die Maschinen-Leute eigentlich etwas nach dem Aufwachen?�</p><p>Sie kam etwas aus der Fassung. �Wir haben nichts mehr zu essen. Es tut mir leid. Wir essen einmal am Tage, und dann schlafen wir.�</p><p>Louis zog seinen Schutzpanzer an und die Weste dar�ber. Dann schob er mit Valas Hilfe eine Metallplatte �ber den Herd. Louis stellte sich darauf, und als er sich streckte, befand er sich mit dem Kopf und den Schultern im Rauchabzug �ber dem Wagendach. Er rief zu Vala hinunter: �Wie sehen diese L�ufer-Banditen aus?�</p><p>�L�ngere Beine als ich, breitere Brust, lange Finger. Sie sind oft mit Gewehren bewaffnet, die sie uns gestohlen haben.�</p><p>Das Kastenfahrzeug setzte sich wieder in Bewegung.</p><p>Sie fuhren jetzt durch gebirgiges Land. Die H�gel waren an den Flanken mit trockenen B�schen bewachsen. Das Zeug sah wie Chaparral aus. Der Ringweltbogen war auch bei Tageslicht sichtbar, wenn man sich erinnerte, wo man ihn suchen mu�te. Sonst ging er nahtlos in das Blau des Himmels �ber. Am dunstigen Horizont konnte Louis bereits die schwebende Stadt ausmachen. Man h�tte glauben k�nnen, sie w�re eine Fata Morgana.</p><p>Aber sie war echt. Noch war sie es. Aber in zwei oder drei Jahren mochte man sie wieder zum Tagtraum eines Verr�ckten erkl�ren.</p><p>Er holte den �bersetzer aus seiner Weste. �Ich rufe den Hintersten. Ich rufe den Hintersten.�</p><p>�Hier, Louis. Deine Stimme ist seltsamen Schwankungen unterworfen.�</p><p>�Wir haben eine sehr unruhige Fahrt. Hast du Neuigkeiten f�r mich?�</p><p>�Chmeee antwortet immer noch nicht auf meine Signale. Das gleiche gilt f�r die B�rger der fliegenden Stadt. Ich habe die zweite Sonde ohne Zwischenf�lle in einem Binnensee landen lassen k�nnen. Ich bezweifle, da� jemand die Sonde auf dem Meeresgrund entdecken wird. In ein paar Tagen wird die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> wieder volle Treibstofftanks haben.�</p><p>Louis versp�rte keine Neigung, dem Hintersten etwas von der Existenz der See-Leute zu verraten. Je sicherer sich der Puppetier f�hlte, um so geringer war die Wahrscheinlichkeit, da� er sein Projekt aufgab, die Ringwelt und seine Besatzungsmitglieder. �Ich wollte dich etwas fragen. Du hast doch auch die Transportscheiben in den Sonden. Wenn du mir eine Sonde schicken w�rdest, k�nnte ich mit ihrer Hilfe sofort auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> umsteigen. Habe ich recht?�</p><p>�Nein, Louis. Diese Transportscheiben sind nur mit dem Treibstofftank der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> verbunden, und zwar durch einen Filter, der nur f�r Schwere Wasserstoffatome durchl�ssig ist.�</p><p>�Wenn du den Filter entfernen w�rdest, k�nnte dann ein Mensch diese Transportscheiben ben�tzen?�</p><p>�Du w�rdest dann immer noch im Treibstoff tank landen. Warum fragst du mich danach? Du k�nntest damit doch h�chstens Chmeee eine Reise von einer Woche ersparen.�</p><p>�Auch das w�re schon etwas. Aber es k�nnten ja jederzeit unvorhergesehene Umst�nde eintreten.� Weswegen verbarg er eigentlich den Abfall des Kzin vor dem Hintersten? Zugegeben, Louis Wu war von dem Verrat des Kzin au�erordentlich entt�uscht. Er wollte tats�chlich nicht dar�ber reden. zudem konnte er damit einen Puppetier nur nerv�s machen. �Sorge f�r ein Notrettungsverfahren, falls wir vielleicht doch in eine Notlage kommen sollten.�</p><p>�Das werde ich tun. Louis, ich habe das Landungsboot geortet. Es ist nur noch eine Tagreise vom Gro�en Ozean entfernt. Was erwartet Chmeee dort zu finden?�</p><p>�Zeichen und Wunder. Neuartige und verschiedene Dinge. Tanj, er h�tte schlie�lich nicht dorthin reisen zu brauchen, wenn wir w��ten, was sich dort befindet.�</p><p>�Aber nat�rlich�, erwiderte der Puppetier mit skeptischer Stimme. Er schaltete ab, und Louis steckte den �bersetzer wieder in die Westentasche. Er grinste. Was erwartete Chmeee im Gro�en Ozean zu finden? Kzin-Weibchen f�r die Liebe und Kzin-M�nnchen f�r eine Armee! Wenn die Landkarte von Jinx mit Bandersnatchi best�ckt war, dann galt das gleiche wohl auch f�r die Landkarte von Kzin!</p><p>Selbstbehauptungstrieb, Sexualtrieb oder Rache�� jeder dieser drei Gr�nde w�rde Chmeee veranla�t haben, die Landkarte von Kzin zu besuchen. F�r Chmeee waren Sicherheit und Rache ein Paar Stiefel. Wenn Chmeee nicht die Oberhand �ber den Hintersten gewinnen konnte, wie wollte er dann in das bekannte Universum zur�ckkehren?</p><p>Aber selbst wenn Chmeee �ber eine Armee von Tigerwesen verf�gte�� was erwartete er damit gegen den Hintersten auszurichten? Glaubte er etwa, die Tigerwesen auf der Ringwelt verf�gten �ber Raumschiffe? Da w�rde er wohl eine Entt�uschung erleben, dachte Louis.</p><p>Aber ganz gewi� w�rde er auf der Landkarte im Gro�en Ozean weibliche Tigerwesen finden.</p><p>Doch es gab etwas, mit dem Chmeee den Hintersten in die Knie zwingen konnte. Chmeee w�rde jedoch vermutlich nie auf diese Idee kommen, und Louis konnte sie ihm zur Zeit auch nicht mitteilen. Er war sich auch nicht sicher, ob er das wollte. Noch nicht. Es war ein zu drastisches Mittel.</p><p>Louis runzelte die Stirn. Der skeptische Ton des Puppetiers st�rte ihn. Wieviel hatte er bereits erraten? Dieses fremde Wesen war ein �berragender Linguist; aber da er eben ein fremdes Wesen war, konnten sich solche Nuancen niemals in seine Stimme einschleichen. Er hatte also absichtlich mit skeptischen Untert�nen gesprochen.</p><p>Die Zeit w�rde Kl�rung bringen. Inzwischen war dieser Zwergbuschwald so dicht geworden, da� sich darin geb�ckte Menschen zu verstecken vermochten. Louis hielt die Augen st�ndig in Bewegung, suchte die H�gelflanken und die Arroyos nach einer Bewegung ab. Sein Panzer sch�tzte ihn vor den Kugeln von Heckensch�tzen, aber wenn ein Bandit nun auf den Fahrzeuglenker scho�? Louis konnte dann in einem verbogenen Metallgeh�use eingeklemmt werden, w�hrend der Treibstoff Feuer fing.</p><p>Deshalb war es nicht ratsam, auch nur einen Moment seine Aufmerksamkeit von der Landschaft abzulenken.</p><p>Und dann bemerkte er pl�tzlich, da� es eine sehr sch�ne Landschaft war. Kerzengerade B�ume trugen in einer H�he von anderthalb Metern wundervolle Bl�ten. Louis beobachtete einen gewaltigen Vogel, der sich in einer Bl�te niederlie�. Der Vogel erinnerte ihn an einen gro�en Adler, nur da� dieser Vogel statt eines gebogenen Schnabels einen spitzen langen Saugr�ssel hatte. Er sah die Ellenbogenwurzeln, eine viel gr��ere Abart dieser Pflanze, die ihm schon bei seinem ersten Besuch auf der Ringwelt, ungef�hr neunzig Meilen entfernt von hier, aufgefallen war. Und sie bildeten ein dichtes Gestr�pp willk�rlich angeordneter Z�une. Hier wuchs auch die Leberwurstpflanze, von der sie gestern nacht gegessen hatten. Und dann stieg pl�tzlich eine Wolke von Schmetterlingen auf, die auf diese Entfernung gro�e �hnlichkeit mit den Schmetterlingen der Erde hatten.</p><p>Es sah alles so wirklich aus. Die Pak-Protektoren hatten keinen Sinn f�r grazile, schm�chtige Gebilde, nicht wahr? Aber die Pak hatten auch ein enormes Vertrauen zu ihren Werken und zu ihrer F�higkeit, alles zu reparieren, sogar aus dem Nichts neue Werkzeuge zu erfinden.</p><p>Und all seine Spekulationen ergr�ndeten sich auf die Aussage eines einzigen Mannes, der bereits siebenhundert Jahre tot war: auf das Zeugnis von Jack Brennan, dem Goldsucher auf dem Asteroideng�rtel, der auch die Pak nur in einem einzigen Vertreter zu Gesicht bekommen hatte. Ehe Lebensbaumpflanze hatte Brennan selbst in menschliche Protektoren-Gestalt versetzt�� mit Schuppenhaut, einem zweiten Herzen, vergr��ertem Gehirnkasten und �hnliches. Vielleicht war er durch diese Metamorphose wahnsinnig geworden. Oder Phssthpok war ein atypischer Vertreter seiner Rasse gewesen. Und Louis Wu, der sich auf Jack Brennans Urteil �ber Phssthpok, den Pak, st�tzte, versuchte jetzt wie ein Wesen zu denken, das zugegebenerma�en intelligenter war als er.</p><p>Aber es <emphasis>mu�te</emphasis> ja ein Mittel geben, um das alles zu retten.</p><p>Der Chaparral wurde jetzt spinnw�rts von den Leberwurstpflanzen abgel�st, w�hrend antispinnw�rts sich ein kahles weitfl�chiges H�gelland ausbreitete. Pl�tzlich sah Louis die Tankstelle vor sich auftauchen. Es war ein ziemlich gro�er Betrieb, eine chemische Fabrik mit einer Siedlung, die sich an manchen Stellen schon zu einer kleinen Stadt auswuchs.</p><p>Vala rief vom Fahrersitz zu ihm hinauf: �Schlie�e den Rauchabzug. Bleibe im Wagen und la� dich nicht sehen.�</p><p>�Bin ich illegal?�</p><p>�Du bist ungew�hnlich. Es gibt Ausnahmen, aber ich mu� zuerst eine Erkl�rung liefern, warum du mein Fahrgast bist. Meine Erkl�rung wird nicht sehr glaubw�rdig klingen.�</p><p>Sie hielten neben der fensterlosen Wand der Fabrik. Durch das Wagenfenster beobachtete Louis, wie Vala mit langbeinigen, breitbr�stigen Leuten verhandelte. Die Frauen waren sehr eindrucksvoll mit ihren gro�en Titten auf ihren gro�en Br�sten; aber Louis h�tte ihnen keinen Sch�nheitspreis gegeben. Alle Frauen hatten lange dunkle Haare, die ihre Stirnen und Wangen bedeckten, und ein winziges, T-f�rmiges Gesicht einrahmten.</p><p>Louis duckte sich hinter der R�ckenlehne des Fahrersitzes, w�hrend Vala P�ckchen durch die Ladet�r schob. Bald waren sie wieder unterwegs.</p><p>Eine Stunde sp�ter, weit weg von jeder menschen�hnlichen Behausung, lenkte Vala den Wagen �ber die Stra�enb�schung. Louis kletterte von seinem Ausguck herunter. Er war hei�hungrig. Vala hatte Lebensmittel eingekauft, einen gro�en, ger�ucherten Vogel und Nektar von den Riesenbl�ten. Louis schlug die Z�hne in das Fleisch des Vogels. Dann fragte er: �I�t du nichts?�</p><p>Vala l�chelte. �Nicht bis heute abend. Aber ich werde etwas mir dir zusammen trinken.� Sie trug eine Flasche aus buntem Glas zum Heck des Fahrzeuges und sch�ttete daraus eine klare Fl�ssigkeit in den Nektar. Sie trank und gab das Trinkgef�� anschlie�end an ihn weiter. Louis trank ebenfalls.</p><p>Es war nat�rlich Alkohol. Auf der Ringwelt konnte es unm�glich �lquellen geben; aber eine Alkoholbrennerei konnte man �berall bauen, wo es Pflanzen gab, die sich fermentieren lie�en. �Vala, haben die�� ah�� die Untertanen deines Imperiums manchmal einen zu gro�en Durst auf dieses Zeug?�</p><p>�Manchmal.�</p><p>�Und was tut ihr dagegen?�</p><p>Diese Frage �berraschte sie. �Sie lernen. Manchmal werden sie vom Trinken wertlos. Sie �berwachen sich gegenseitig, falls das n�tig ist.�</p><p>Das war das Wonnestrom-Problem <emphasis>en miniature</emphasis>, mit der gleichen L�sung: die Zeit und die nat�rliche Auslese sorgten f�r Heilung. Es schien kein Problem f�r Vala zu sein. Louis konnte es sich nicht leisten, sich mit diesem Problem zu besch�ftigen. Er fragte: �Wie weit ist es noch bis zur Stadt?�</p><p>�Drei oder vier Stunden bis zur Luftstra�e. Aber dort w�rden wir angehalten. Louis, ich habe mir deinetwegen Gedanken gemacht. Warum kannst du nicht einfach in die Stadt hinauffliegen?�</p><p>�Du sagst es. Ich bin ganz daf�r, wenn niemand auf mich schie�t. Was glaubst du�� w�rde jemand auf einen fliegenden Mann schie�en? Oder w�rden sie mich erst anh�ren, ehe sie schie�en?�</p><p>Sie nippte von dem mit Alkohol vermischten Nektar. �Die Regeln sind ziemlich streng, und niemand, der nicht zu den St�dtebauern geh�rt, darf die Stadt betreten, wenn er nicht eingeladen ist. Aber bisher ist auch noch niemand in die Stadt geflogen!�</p><p>Sie reichte ihm wieder die Flasche. Der Nektar war s��, vergleichbar mit einem in Wasser aufgel�sten Grenadin-Sirup, mit einem kr�ftigen Rachenputzer, der mindestens achtzig Prozent Alkohol enthalten mu�te.</p><p>Er sah senkrechte T�rme, die wie eine Lilienbl�ten-Rosette beisammenstanden, sich aber im Stil miteinander �berhaupt nicht vertrugen: blockartige Geb�ude, nadelf�rmige Strukturen, die sich unten und oben verj�ngten.</p><p>Durchsichtige, plattenartige Gebilde, polyedrische Zylinder, eine schlanker Kegel, der mit der Spitze nach unten zeigte. Manche T�rme schienen nur aus Glas zu bestehen; andere wieder nur aus Balkonen. Anmutig geschwungene Br�cken oder breite schnurgerade Rampen verbanden die Geb�ude im unm�glichsten Winkel. Wenn man auch einr�umte, da� die Baumeister dieser architektonischen Gebilde nicht hundertprozentige Menschen waren, mu�te Louis sich trotzdem noch wundern, wie �berhaupt jemand sich so etwas als sinnvolle Architektur vorstellte. Es war grotesk.</p><p>�Sie m�ssen sich hier aus einem Umkreis von mehreren tausend Meilen versammelt haben�, sagte er. �Als die Energieversorgung zusammenbrach, gab es immer noch Geb�ude mit unabh�ngigen Kraftstationen. Sie sammelten sich dann hier zu einem letzten Aufgebot und wurden von Prills Leuten zu einer Kommune vereinigt. So mu� diese Stadt entstanden sein, nicht wahr?�</p><p>�Niemand wei� es. Aber Louis, du redest, als w�rest du ein Augenzeuge gewesen!�</p><p>�Du bist von Geburt an an diese Stadt gew�hnt. Du siehst sie nicht so wie ich.� Er wandte nicht einen Moment den Blick von der Stadt.</p><p>Da war eine Br�cke, die von einem niedrigen, fensterlosen Geb�ude auf der Kuppe eines H�gels ausging und sich in einer anmutigen Kurve hinaufschwang zu dem Fundament einer riesigen kannelierten S�ule. Eine gegossene Steinstra�e lief von dort zur�ck und m�ndete wieder vor dem Geb�ude auf der Kuppe.</p><p>�Ich vermute, da� die geladenen G�ste sich zuerst in dem Geb�ude auf der H�gelkuppe melden m�ssen, ehe sie die Br�cke betreten d�rfen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Was passiert in diesem Geb�ude?�</p><p>�Man durchsucht sie nach verbotenen Gegenst�nden. Dann werden sie verh�rt. Wenn die St�dtebauer sich das Recht herausnehmen, nur ausgew�hlte Leute in die Stadt zu lassen, nun, so gilt das Recht auch f�r uns. Zuweilen versuchen terroristische Elemente, Bomben in die Stadt zu schmuggeln. S�ldner, die von den St�dtebauern gemietet wurden, hatten heimlich versucht, Ersatzteile f�r die magischen Wasserzisternen in die Stadt zu schmuggeln.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>Vala l�chelte.</p><p>�Einige dieser Zisternen funktionieren sogar noch. Sie sammeln Wasser aus der Luft. Aber nicht gen�gend Wasser. Wir pumpen Wasser aus dem Flu� in die Stadt hinauf. Wenn wir uns �ber politische Grunds�tze streiten, m�ssen sie in der Stadt dursten; und wir m�ssen ohne die Informationen auskommen, die sie in der Stadt zusammenstellen, bis wir uns auf einen Kompromi� geeinigt haben.�</p><p>�Informationen? Wie beschaffen sich die Stadtbewohner diese Informationen? Mit Teleskopen?�</p><p>�Mein Vater hat mir mal etwas davon erz�hlt. Sie haben einen Saal, in dem sie alles beobachten k�nnen, was auf dieser Welt geschieht. Viel besser als du mit deiner Schutzbrille. Schlie�lich haben sie ja aus ihren Geb�uden eine viel gr��ere Weitsicht als wir.� �Ich sollte mich mit deinem Vater dar�ber unterhalten. Wie.�</p><p>�Das w�re keine sehr gute Idee. Er ist sehr. er gibt sich nicht.�</p><p>�Ich habe nicht die richtige Gestalt und Hautfarbe, wie?�</p><p>�Ja, er w�rde dir nicht glauben, da� du die Dinge herstellen kannst, die sich in deinem Besitz befinden. Er w�rde sie dir wegnehmen.�</p><p>Tanj! �Was geschieht, wenn die Touristen das Geb�ude auf dem H�gel passieren d�rfen und die Stadt betreten?�</p><p>�Mein Vater kommt von diesen Besuchen mit einer T�towierung auf dem linken Arm nach Hause. Sie ist in einer Sprache verfa�t, die nur die St�dtebauer verstehen. Diese T�towierung glitzert wie Silberdraht. Sie l��t sich nicht abwaschen, aber sie verbla�t in ein oder zwei <emphasis>Falans</emphasis>.�</p><p>Das h�rte sich nicht nach einer T�towierung an, sondern nach einer gedruckten Schaltung. Die St�dtebauer hatten vielleicht eine viel gr��ere Macht �ber ihre G�ste, als diese glaubten. �Okay. Was machen die G�ste in der Stadt?�</p><p>�Sie diskutieren �ber Politik. Sie machen sich Geschenke: gro�e Mengen Nahrungsmittel und zuweilen auch Werkzeuge. Die St�dtebauer zeigen ihren Besuchern die Wunder der Stadt und praktizieren <emphasis>Rishathra</emphasis> mit ihnen.� Vala stand abrupt auf. �Es ist besser, wenn wir jetzt wieder weiterfahren.�</p><p>Sie hatten die Gefahrenzone, die von Banditen beherrscht wurde, l�ngst hinter sich gelassen. Louis sa� jetzt auf dem Beifahrersitz neben Vala. Das Motorenger�usch war genauso l�stig wie die schlechte Federung; sie mu�ten sehr laut sprechen, um sich verst�ndlich zu machen. Louis rief: �<emphasis>Rishathra</emphasis>?�</p><p>�Nicht jetzt. Nicht jetzt, wenn ich am Steuer sitze.� Vala entbl��te breite, kr�ftige Z�hne. �Die St�dtebauer sind sehr gut, was <emphasis>Rishathra</emphasis> anbetrifft. Sie k�nnen es mit fast jeder Rasse treiben. Das half ihnen fr�her, ihr Imperium zusammenzuhalten. Wir ben�tzen <emphasis>Rishathra</emphasis> nur, um Handelsvertr�ge abzuschlie�en und um eine Schwangerschaft zu vermeiden bis wir uns ernsthaft paaren und eine Familie gr�nden wollen. Aber die St�dtebauer �ben <emphasis>Rishathra</emphasis> bei jeder Gelegenheit aus.�</p><p>�Kennst du jemand, der mir eine Einladung als Gast beschaffen kann? Vielleicht unter dem Vorwand, weil ich wertvolle Maschinen besitze?�</p><p>�Das k�nnte nur mein Vater erreichen. Und er w�rde es nicht tun.�</p><p>�Dann mu� ich in die Stadt hinauf fliegen. Okay, was befindet sich unter der Stadt? Kann ich nicht einfach unter die Stadt gehen und dann zu einem Haus hinaufschweben?�</p><p>�Unter der Stadt befindet sich die Schatten-Farm. Du k�nntest als Farmer gelten, wenn du deine Werkzeuge zur�ckl��t. Farmer werden aus allen Rassen rekrutiert. Es ist eine schmutzige Arbeit. �ber der Farm befinden sich die Abflu�r�hren der Stadt, und die Abw�sser werden als D�nger f�r die Pflanzen verwendet. Die Pflanzen sind ausschlie�lich H�hlenbewohner, also Gew�chse, die im Dunkeln gedeihen.�</p><p>�Aber. Oh, sicher, ich verstehe jetzt. Die Sonne bewegt sich ja nie, also ist es immer dunkel unter der Stadt. H�hlenbewohner, wie? Pilze?�</p><p>Sie starrte ihn an.</p><p>�Louis, wie kannst du nur erwarten, da� sich die Sonne bewegt?�</p><p>�Ich verga�, wo ich bin.� Er schnitt eine Grimasse. �Entschuldigung.�</p><p>�Wie kann sich die Sonne bewegen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich ist es nicht die Sonne, die sich bewegt, sondern der Planet. Unsere Welten sind rotierende B�lle, verstehst du? Wenn ich auf einem Punkt einer Kugel lebe, die sich bewegt, dann scheint die Sonne an einer Seite in den Himmel aufzusteigen und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dann ist es Nacht, bis die Sonne wieder aufgeht. Weshalb, glaubst du wohl, haben die Ringwelt-Ingenieure die Sonnenblenden erfunden?�</p><p>Der Wagen begann zu schlingern. Valas Gesicht war bla�, und sie zitterte am ganzen K�rper. Louis fragte mit sanfter Stimme: �Habe ich dir wieder zuviel zugemutet?�</p><p>�Das nicht.� Sie gab einen seltsam bellenden Laut von sich. War das ein verlegenes Lachen? �Die Sonnenblenden. Selbst die d�mmsten Leute begreifen das. Die Sonnenblenden sollen auf k�nstliche Weise einen Nacht- und-Tag-Zyklus erschaffen, an den die Bewohner der sph�rischen Welten gewohnt sind. Louis, ich wollte wirklich, du w�rst verr�ckt. Louis, was k�nnen wir <emphasis>tun</emphasis>?�</p><p>Er mu�te ihr irgendeine Antwort darauf geben. Er sagte: �Ich dachte daran, ein Loch in den Boden eines der Gro�en Ozeane zu bohren, ehe er den sonnenn�chsten Punkt erreicht. Dann k�nnte eine Wassermasse von der Gr��e mehrerer Planeten in das Vakuum entweichen. Die dabei freiwerdenden Kr�fte w�rden die Ringwelt wieder von der Sonne wegdr�cken und sie in ihre urspr�ngliche Umlaufbahn zur�ckbringen. Hinterster, h�rst du mir zu?�</p><p>Die zu perfekte Altstimme erwiderte: �Das scheint mir nicht machbar zu sein.�</p><p>�Nat�rlich ist es nicht machbar. Wie sollten wir n�mlich dann, wenn die Ringwelt wieder auf Kurs liegt, das Loch im Meeresboden verstopfen? Au�erdem k�me die Ringwelt bei dieser Operation furchtbar ins Schlingern. Das Schlingern w�rde so kr�ftig sein, da� wahrscheinlich alle Lebewesen auf der Ringwelt dabei get�tet w�rden und der Kunstplanet noch dazu seine Atmosph�re verliert. Aber ich mu� mir etwas einfallen lassen. Vala, ich werde nicht locker lassen.�</p><p>Sie wiederholte diesen seltsamen, bellenden Laut und sch�ttelte dazu heftig den Kopf. �Eines mu� man dir lassen. Kleinkariert bist du nicht bei deinen �berlegungen!�</p><p>�Was h�tten die Ringwelt-Ingenieure an meiner Stelle getan? Was w�re geschehen, wenn feindliche Invasoren die Steuerd�sen von der Ringwand heruntergeschossen h�tten? Sie k�nnen doch unm�glich die Ringwelt gebaut haben, ohne an solche Eventualit�ten zu denken. Ich mu� mehr �ber die Ringwelt-Ingenieure wissen. Verschaffe mir Zutritt zur schwebenden Stadt, Vala!�</p></section><section><title><p>18. Die Schatten-Farm</p></title><p>Sie passierten jetzt andere Fahrzeuge: gro�e oder kleine Kastenwagen, die alle noch einen kleineren Kasten am Heck mit sich f�hrten. Die Stra�e wurde breiter und der Belag besser. Auch die Tankstationen waren jetzt dichter ges�t und zeigten alle die gleiche kantige, solide Architektur der Maschinenleute. Als der Verkehr auf der Stra�e zunahm, mu�te Vala mit der Geschwindigkeit heruntergehen. Louis hatte das Gef�hl, da� er unangenehm auffiel.</p><p>Die Stra�e f�hrte �ber einen H�gel, hinter dem sich die Stadt �ffnete. Vala bet�tigte sich als Fremdenf�hrer, als sie wieder h�gelw�rts fuhren und der Stra�enverkehr zu einem Gew�hl wurde.</p><p>Umkehr der Fl�sse f�hrte seine Entstehung auf ein paar Docks zur�ck, die am spinnw�rtigen Ufer des breiten braunen Schlangenflusses errichtet wurden. Die Geburtsst�tte der Stadt sah jetzt verwahrlost aus. Die Stadt hatte sich mit dem Bau zahlreicher Br�cken auf das andere Ufer vorgeschoben und sich dort kreisf�rmig ausgebreitet. Nur im Zentrum des Kreises war ein St�ck ausgespart worden. Dieses St�ck war der Schatten, den die fliegenden Geb�ude der St�dtebauer warfen.</p><p>Sie schwammen jetzt in einem Strom von Kastenwagen. Die Luft war verpestet mit Alkohol. Vala kroch im ersten Gang dahin. Louis kroch fast unter das Armaturenbrett. Die anderen Fahrer hatten jetzt gro�z�gigen Einblick in das F�hrerhaus und konnten sich den sonderbaren Mann von den Sternen genau betrachten.</p><p>Aber sie taten es nicht. Sie sahen weder Louis noch die anderen Wagenlenker. Sie schienen nur Augen f�r die anderen Fahrzeuge zu haben. Und Vala fuhr weiter bis zum Mittelpunkt der Stadt.</p><p>Hier standen die H�user dicht gedr�ngt, drei oder vier Stockwerke hoch, schmale Kragen, zwischen denen kein Millimeter Platz blieb. Oben ragten sie �ber die Stra�e vor und blockierten das Tageslicht. Einen scharfen Kontrast zu diesen Wohngeb�uden bildeten die �ffentlichen Geb�ude, klotzige, langgestreckte K�sten, die sich auf gro�z�gigen Grundst�cken breitmachen konnten. Hier wurde immer nur um den Boden gerangelt, nicht der H�he nach gewetteifert. Das �berlie�en sie der fliegenden Stadt, die �ber diesem Gemeinwesen schwebte.</p><p>Vala deutete auf die Handelsschule, ein weiter Komplex aufwendiger Steingeb�ude. Einen Block weiter deutete sie auf eine Nebenstra�e. �Meine Wohnung befindet sich dort in der H�userzeile, die aus pinkfarbenen gegossenen Steinen. Siehst du es?�</p><p>�Hat es Sinn, dort hinzufahren?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich habe gr�ndlich dar�ber nachgedacht. Nein. Mein Vater w�rde dir niemals glauben. Er findet, da� selbst die Behauptungen der St�dtebauer gr��tenteils nur Angeberei und L�gen sind. Auch ich war dieser Meinung, aber was du mir von dieser. Dieser Halrloprillalar erz�hlt hast.�</p><p>Louis lachte.</p><p>�Sie war eine L�gnerin. Aber ihre Artgenossen regierten tats�chlich einmal �ber die Ringwelt.�</p><p>Sie verlie�en die Umkehr der Fl�sse und fuhren in Richtung Backbord weiter, Vala lie� die H�user ein paar Meilen hinter sich, ehe sie die letzte der Br�cken �berquerte. An der Backbordseite des gro�en Schattens bog sie in eine fast unsichtbare Seitenstra�e ein und parkte an deren Ende.</p><p>Sie traten in das viel zu grelle Sonnenlicht hinaus und gingen schweigend an die Arbeit. Louis hob mit Hilfe seines Fluggeschirres einen tonnenschweren Felsblock an. Valavirgillin hob an der Stelle, wo er gelegen hatte, eine flache Grube aus, in die sie fast den ganzen Vorrat von Louis Superleiter-Tuch hineinlegte. Dann sch�ttete sie wieder die Grube mit Erde zu, und Louis verschlo� schlie�lich das Versteck mit dem Felsblock, den er an die alte Stelle r�ckte.</p><p>Er verstaute das Fluggeschirr in Valas Tornister und schnallte ihn �ber die Schulter. Der Tornister enthielt bereits seine Panzerweste, seine Schutzbrille mit den Okularen, den Handscheinwerfer-Laser und die Flasche voller Nektar. Der Tornister war schwer und sperrig. Louis setzte ihn zur�ck auf die Erde und stellte das Fluggeschirr so ein, da� es ihm beim Tragen half. Den �bersetzer legte er ganz obenauf, ehe er den Rei�verschlu� zuzog und schwang das Gep�ckst�ck dann wieder auf den R�cken.</p><p>Er trug eine paar von Valas Shorts, die er mit einem Strick um die H�ften befestigt hatte. Sie waren viel zu gro� f�r ihn. Sein haarloses Gesicht w�rde nicht auffallen. Man w�rde es f�r ein nat�rliches Merkmal seiner Rasse halten. Nichts an ihm deutete auf den Weltraum-Reisenden hin, wenn man einmal von dem Ohrst�psel seines �bersetzers absah. Das wollte er riskieren.</p><p>Er vermochte fast nichts in seiner Umgebung zu erkennen. Das Tageslicht war viel zu grell, und als sie in den Schatten hineingingen, war es dort wiederum zu dunkel. Sie schritten f�rmlich vom Tag in die Nacht hinein.</p><p>Vala schien m�helos ihren Weg zu finden. Louis folgte dichtauf. Allm�hlich gew�hnten sich seine Augen an die Dunkelheit, und er sah, da� sie auf einem schmalen Pfad zwischen Beeten voller Gew�chsen gingen.</p><p>Die Pilze reichten von Knopfgr��e bis zu asymetrischen Gebilden, die Louis �ber den Kopf reichten. Deren Stengel waren so dick wie seine H�ften. Manche �hnelten den irdischen Pilzen, andere wieder hatten �berhaupt keine Form. Ein Geruch von Verwesung hing in der Luft. Manchmal schossen die Sonnenstrahlen senkrecht durch die L�cken zwischen den schwebenden Geb�uden nach unten. Diese Strahlenb�ndel waren so grell, da� sie aussahen wie S�ulen aus solidem, spiegelndem Metall.</p><p>Gekr�uselte gelbe Pike mit scharlachroten R�ndern wucherten auf einem Block aus grauem Schiefer. Mittelalterliche Lanzen standen kerzengerade, wei�e Sch�fte mit blutroten Spitzen.</p><p>Ein Fell mit orangefarbenen und gelben Mustern �berzog einen morschen Baumstamm.</p><p>Die Leute, die hier arbeiteten, waren fast so bunt gemischt wie die Pilze. Da waren Angeh�rige des L�ufer-Volkes, die mit einer Zwei-Hand-S�ge einen gro�en elliptisch geformten Pilz mit orangefarbener Halskrause f�llten. Wesen mit breiten Gesichtern und m�chtigen H�nden f�llten wei�e Knopfpilze in einen Korb. Gras-Riesen trugen die gef�llten K�rbe zu einem Sammelbeh�lter. Vala gab fl�sternd Erl�uterungen: �Die meisten Arten ziehen es vor, sich in Gruppen zu vermieten, um sich gegen den Kulturschock abzuschirmen. Sie wohnen auch in getrennten Unterk�nften.�</p><p>Da war ein halbes Hundert Leute bei der Arbeit und harkten Kompost und Mist auf die Beete; Louis konnte den D�nger schon aus gro�er Entfernung riechen. Waren das Arbeiter von Valas Spezies? Ja, es waren Maschinen-Leute, aber zwei von ihnen standen abseits, sahen zu und waren mit Gewehren bewaffnet. �Was sind denn das f�r Leute? Gefangene?�</p><p>�Gefangene, die wegen kleiner Delikte verurteilt wurden. Zwanzig oder f�nfzig <emphasis>Falans</emphasis> lang dienen sie der Gemeinschaft in diesem.� Sie unterbrach sich. Einer der W�chter kam auf sie zu.</p><p>Er begr��te Vala. �Lady, Sie sollten sich hier nicht aufhalten. Diese Misth�ndler finden vielleicht Gefallen an Ihnen und nehmen Sie zur Geisel.�</p><p>Vala klang ersch�pft: �Mein Wagen streikte. Ich mu� zur Akademie und Bescheid sagen, was passiert ist. Bitte, darf ich durch die Schatten-Farm gehen? Wir wurden alle umgebracht. Alle wurden von Vampiren get�tet. Sie m�ssen das erfahren. Bitte!�</p><p>Der W�chter z�gerte. �Also gut. Sie d�rfen passieren. Aber nicht ohne eine Eskorte.� Er pfiff ein paar T�ne. Es h�rte sich an wie ein Leitmotiv. Dann wandte er sich Louis zu: �Und was ist mit dir?�</p><p>Vala antwortete an Louis Stelle: �Ich mietete ihn, damit er mein Gep�ck tragen soll.�</p><p>Der W�chter sprach langsam und deutlich: �Du gehst mit der Lady so lange mit, wie sie dich braucht. Aber du bleibst in den Grenzen der Schatten-Farm. Dann kehrst du wieder zu deinem Arbeitsplatz zur�ck. Was hast du zuletzt gearbeitet?�</p><p>Louis war ohne seinen �bersetzer zur Stummheit verurteilt. Er dachte an den Handscheinwerfer-Laser, den er in seinem Tornister vergraben hatte. Er legte die Hand auf einen Felsblock, der mit lavendelfarbenen Pilzen bewachsen war. Dann deutete er auf einen Schiefer, auf dem �hnliche Pilze wucherten.</p><p>�Okay.� Der W�chter blickte �ber Louis Schulter. �Ah.�</p><p>Der Geruch sagte Louis schon alles, ehe er sich umdrehte. Er wartete mit stoischer Ruhe, w�hrend der W�chter zwei Kobolde instruierte: �Bringt die Lady und ihren Gep�cktr�ger zum anderen Ende der Schatten-Farm. Pa�t auf, da� ihnen nichts zust��t.�</p><p>Sie gingen in einer Reihe den Pfad hinunter, der zum Zentrum der Schattenfarm f�hrte. Der m�nnliche Kobold ging an der Spitze, der weibliche bildete den Schlu�. Der Geruch der Verwesung wurde strenger. Schlitten, die mit D�ngemittel beladen waren, glitten auf anderen Wegen an ihnen vor�ber.</p><p>Tanj! Wie sollte er jetzt die Kobolde wieder loswerden?</p><p>Louis b�ckte zur�ck. Das Koboldweibchen grinste ihn an. Ihr machte dieser strenge Geruch bestimmt nichts aus. Ihre Z�hne waren m�chtige Dreiecke, ausgezeichnet daf�r geeignet, rohes Fleisch zu zerrei�en. Ihre Koboldohren standen aufrecht. Wie ihr Geschlechtspartner trug sie eine gro�e Tasche an einem Tragriemen �ber der Schulter. Sonst war sie nackt. Fast alle Partien ihres K�rpers waren mit einem dichten Haarkleid bedeckt.</p><p>Sie erreichten einen gro�en, kreisf�rmigen Bezirk, wo alle Pilze abgeerntet waren. Dahinter war eine Grube.</p><p>D�nger h�ufte sich hinter der Grube, so da� man das Gel�nde dahinter nicht mehr zu �berschauen vermochte. Aus einem Rohr ergo� sich Jauche in die Grube. Louis blickte an dem Rohr entlang nach oben. Es verlor sich am schwarzen, von hellen Flecken durchbrochenen Himmel.</p><p>Das Koboldweibchen beugte sich zu ihm und sprach so laut in sein Ohr, da� Louis zusammenzuckte. Sie verwendete die Sprache der Maschinen-Leute: �Was w�rde der K�nig der Riesen wohl dazu sagen, wenn er w��te, da� Louis und Wu eine Person sind?�</p><p>Louis starrte das Koboldweibchen an.</p><p>�Bist du stumm ohne dein kleines K�stchen? Keine Angst. Wir stehen dir zu Diensten.�</p><p>Das Koboldm�nnchen sprach inzwischen mit Valavirgillin. Sie nickte. Sie gingen weiter den Pfad hinunter. Louis und das Weibchen folgten ihnen um ein breites Beet mit wei�en Pilzen herum, das auf einer schr�gen Platte aus Schiefer angelegt war.</p><p>Vala schien sehr nerv�s. Vielleicht irritierte sie der Gestank. Louis wurde er allm�hlich unertr�glich. �Kyeref sagte mir, das w�re ganz frischer D�nger. Erst in einem <emphasis>Falan</emphasis> ist er reif genug, und dann wird das Rohr �ber eine andere Grube geschoben und der Mist auf die Beete verteilt. Bis dahin kommt niemand hierher zu der Jauchegrube.�</p><p>Sie nahm den Tornister von Louis' Schulter und kippte ihn aus. Louis b�ckte sich nach dem �bersetzer (die Ohren des Kobolds richteten sich sofort auf, als sich seine Hand dem Scheinwerfer-Laser n�herte). Er schaltete auf gr��ere Lautst�rke und fragte: �Wieviel wei� das Volk der Nacht?�</p><p>�Mehr, als wir ahnten.� Vala sah so aus, als wollte sie ihm noch mehr verraten; aber sie tat es nicht.</p><p>Das Koboldm�nnchen antwortete an ihrer Stelle: �Die Welt ist zum Flammentod verurteilt. Der Untergang wird in nicht zu weiter Ferne stattfinden. Nur Louis Wu kann uns noch vor der Vernichtung retten.� Der Kobold l�chelte und zeigte eine breite F�lle wei�er dolchartiger Z�hne. Sein Atem erinnerte an einen Basilisken.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob du das ironisch gemeint hast�, sagte Louis. �Glaubst du auch an deine Worte?�</p><p>�Seltsame Ereignisse verm�gen in dem geistig Verwirrten die Gabe der Prophezeiung zu erkennen. Wir wissen, da� du Werkzeuge bei dir tr�gst, die nirgends sonst bekannt sind. Auch deine Rasse ist hier unbekannt. Aber diese Welt ist gro�, und wir kennen nicht alle Rassen, die auf ihr leben. Dein behaarter Freund ist noch viel seltsamer als du.�</p><p>�Aber das ist keine Antwort auf meine Frage.�</p><p>�Rette uns! Wir werden es nicht wagen, dein Handeln zu st�ren.� Der Kobold sah jetzt viel ernster aus, obwohl seine Lippen beim Sprechen immer noch nicht zusammenkamen. (Dazu geh�rte wohl eine bewu�te Anstrengung. Diese gro�en spitzen Z�hne.) �Und weshalb sollte es uns st�ren, wenn du ein Verr�ckter bist? Die T�tigkeiten anderer Rassen st�ren nur sehr selten unsere Kreise. Und am Ende geh�ren sie uns alle.�</p><p>�Ich frage mich, ob ihr nicht die wirklichen Herrscher dieser Welt seid.� Louis sagte das aus diplomatischer H�flichkeit und �berlegte dann voll Unbehagen, ob er damit nicht die Wahrheit gesagt hatte.</p><p>Das Weibchen antwortete: �Viele Rassen m�gen den Anspruch erheben, diese Welt zu beherrschen oder wenigstens einen Teil von ihr. Wollten wir etwa die Baumwipfel der H�ngenden Leute beanspruchen? Oder die luftlosen H�hen der Sch�ttberg-Leute? Und welche Rasse m�chte wohl unser Territorium beanspruchen?� Sie lachte ihn jetzt aus. Das war sicher.</p><p>Louis sagte: �Irgenwo auf dieser Welt mu� es ein Reparaturzentrum geben. Wi�t ihr etwas dar�ber?�</p><p>�Du hast zweifellos recht�, erwiderte das M�nnchen. �Aber wir wissen nicht, wo es sich befinden k�nnte.�</p><p>�Was wi�t ihr von der Ringmauer? Und den Gro�en Ozeanen?�</p><p>�Hier gibt es zu viele Meere. Ich wei� nicht, von welchem du sprichst. Aber auf der Ringmauer herrschte gro�e Unruhe, ehe sich die gro�en Flammen zum erstenmal zeigten.�</p><p><emphasis>�Tats�chlich?</emphasis> Was f�r eine Art von Unruhe?�</p><p>�Viele Ger�te, die man zum Heben ben�tigt, wurden noch �ber dem Reich der Sch�ttberg-Leute aufgebaut. St�dtebauer und Leute von den Sch�ttbergen waren in gro�er Anzahl an dieser Baut�tigkeit beteiligt. Auch viele andere Rassen, jedoch in geringerer Zahl. Sie kletterten bis zum obersten Rand der Welt hinauf. Vielleicht vermagst du uns die Bedeutung dieser T�tigkeit zu verraten.�</p><p>Louis war tief beeindruckt: �Tanj, das m�ssen die Leute gewesen sein.� die die Steuerd�sen wieder in die Halterungen einh�ngten, fuhr er in Gedanken fort. Er sollte es nicht laut sagen. So viel Macht und Ehrgeiz in der n�chsten Umgebung konnten vermutlich die Nerven eines Puppetiers �berstrapazieren. �Das ist aber ein langer Weg f�r aasessende Meldeg�nger.�</p><p>�Das Licht wandert weiter als wir. Hat diese Neuigkeit vielleicht Einflu� auf deine Prophezeiung vom Untergang der Welt?�</p><p>�Ich f�rchte leider nein.� Es mochte wahr sein, da� ein Reparaturtrupp jetzt irgendwo an der Arbeit war; aber sie w�rden bald keine Bussard-Rammd�sen mehr haben, die sie in die Halterungen am Rande der Ringwelt einh�ngen konnten. �Aber so lange diese gro�en Flammen am Himmel stehen, z�gern sie den Untergang der Welt hinaus. Ich hatte mit einer Galgenfrist von sieben oder acht <emphasis>Falans</emphasis> gerechnet. Ich glaube, wir haben noch etwas mehr Zeit.�</p><p>�Eine gute Nachricht. Was wirst du jetzt unternehmen?�</p><p>Einen Moment lang war Louis versucht, die fliegende Stadt aufzugeben und sich nur noch mit den Kobolden zu befassen. Aber er hatte viele M�hen auf sich genommen, um hierher zu kommen, und Kobolde gab es �berall. �Ich warte die Nacht ab und fliege dann in die Stadt hinauf. Vala, dein Anteil an dem Superleiter-Tuch befindet sich im Kastenwagen. Ich w�re dir dankbar, wenn du eine Weile lang niemandem etwas von diesem Tuch verr�tst oder von mir., bis sich diese Welt ein paarmal um die Sonne gedreht hat. Meinen Anteil an dem Tuch kannst du in einem <emphasis>Falan</emphasis> wieder ausgraben, wenn niemand es beansprucht. Und ich habe auch etwas von dem Tuch bei mir.� Er schlug mit der Hand auf eine Westentasche, wo er einen Quadratmeter von dem Superleiter-Tuch zu der Gr��e eines Taschentuchs zusammengefaltet hatte.</p><p>�Ich wollte, du w�rdest das Tuch nicht mit in die Stadt nehmen�, sagte Vala.</p><p>�Sie werden es nur f�r einfaches Tuch halten, bis ich sie aufkl�re�, erwiderte Louis. Das war fast eine L�ge. Louis hatte vor, das Tuch als Superleiter zu verwenden.</p><p>Die Kobolde starrten ihn an, als er die Shorts auszog�� pr�gten sich vermutlich Einzelheiten ein, die ihnen helfen konnten, die Heimat seiner Rasse auf der Ringwelt zu finden. Er zog die Panzerweste an.</p><p>Das Koboldweibchen fragte pl�tzlich: �Wie hast du die Frau von den Maschinen-Leuten davon �berzeugt, da� du ein vern�nftiges Wesen bist?�</p><p>Vala erl�uterte es ihnen, w�hrend Louis auch noch die Schutzbrille aufsetzte und den Handscheinwerfer-Laser in die Tasche steckte. Die Kobolde behielten ihr L�cheln nur noch m�hsam bei. Das Weibchen fragte: �Kannst du diese Welt wirklich retten?�</p><p>�Verla�t euch nicht auf mich. Versucht lieber, das Reparaturzentrum wiederzufinden. Streut meine Bitte �ber die ganze Welt aus. Versucht auch die Bandersnatchi danach zu fragen�� die gro�en wei�en Bestien, die in den S�mpfen spinnw�rts leben.�</p><p>�Wir kennen sie.�</p><p>�Gut. Vala.�</p><p>�Ich gehe jetzt, um zu berichten, wie meine Freunde starben. Vielleicht treffen wir uns nie wieder, Louis.� Valavirgillin nahm den leeren Tornister auf und entfernte sich rasch.</p><p>�Wir wollen ihr Schutzgeleit geben�, sagte der weibliche Kobold. Auch die beiden Angeh�rigen des Nachtvolkes verlie�en ihn jetzt.</p><p>Sie hatten ihm kein <emphasis>Gl�ck</emphasis> zu seinem Unternehmen gew�nscht. Warum nicht? Vielleicht lag das an ihrer Lebensweise. M�glicherweise waren sie alle Fatalisten. Gl�ck bedeutete ihnen nichts.</p><p>Louis betrachtete den dunklen, von wei�en Flecken unterbrochenen Himmel. Er war versucht, schon jetzt hinaufzufliegen. Aber er wollte doch lieber die Nacht abwarten. Er sprach in den �bersetzer: �Hinterster, h�rst du mir zu?�</p><p>Offenbar tat das der Puppetier nicht.</p><p>Louis streckte sich unter der m�chtigen Schieferplatte mit den Pilzen aus. Dicht �ber der Erde schien die Luft sauberer zu sein. Er nippte nachdenklich an der Nektarflasche, die Vala ihm �berlassen hatte.</p><p>Was f�r Wesen waren diese Kobolde? Ihre Stellung in dieser �kologie schien unangreifbar zu sein. Wie war es ihnen gelungen, ihre Intelligenz zu bewahren? Warum brauchten sie �berhaupt Intelligenz? Vielleicht mu�ten sie zuweilen um ihre Privilegien k�mpfen. Oder um Anerkennung. Und vermutlich stellten die tausenderlei lokalen Religionen auch einen hohen Anspruch an ihr Sprachverm�gen.</p><p>Doch jetzt wieder zur Sache: Wie konnten sie ihm helfen? Gab es irgendwo eine Enklave der Kobolde, wo man sich an die Quelle des Unsterblichkeits-Elexiers erinnerte? Das nach seiner Hypothese aus der Wurzel des Pak-Lebensbaumes hergestellt wurde.</p><p>Immer eines nach dem anderen. Zuerst kam die Stadt an die Reihe.</p><p>Die Lichts�ulen wurden d�nner und verbla�ten schlie�lich vollends. Andere Lichter erschienen am verbauten Himmel: Hunderte von beleuchteten Fenstern. Keines zeigte sich direkt �ber ihm. Wer wollte auch in einem Keller �ber einer Mistgrube wohnen? (Vielleicht jemand, der sich eine Beleuchtung nicht leisten konnte?)</p><p>Die Schatten-Farm schien verlassen. Louis h�rte nur noch die Ger�usche des Windes. Als er sich auf die Schieferplatte zwischen die Pilze stellte, sah er entfernte Fenster aufflackern, als w�rden Herdflammen dahinter brennen: das waren vermutlich die Behausungen der Farmer am Rand des Schattens.</p><p>Louis schaltete die Steigflug-Automatik an seinem Fluggeschirr ein und schwebte in die H�he.</p></section><section><title><p>19. Die fliegende Stadt</p></title><p>�ber dreihundert Meter �ber dem Boden wurde die Luft erst wieder richtig frisch. Die fliegende Stadt umgab ihn. Er umringte die stumpfe Spitze eines umgedrehten Turms: vier Etagen mit dunklen Fenstern, darunter eine Garage. Das gro�e Garagentor war verschlossen und verriegelt. Louis suchte nach einer zerbrochenen Fensterscheibe. Er fand keine.</p><p>Diese Fenster mu�ten schon elfhundert Jahre �berdauert haben. Vermutlich konnte er eine Scheibe einschlagen, wenn er es versuchte. Aber er wollte nicht gern die Stadt als Einbrecher betreten.</p><p>Statt dessen schwebte er dicht neben einem Abwasserrohr nach oben. Er hoffte, da� er im Schatten des Rohres unentdeckt blieb. Er sah jetzt Rampen in seiner N�he; doch nirgends eine Stra�enbeleuchtung. Er steuerte auf einen B�rgersteig zu und lie� sich darauf nieder. Jetzt kam er sich weniger auff�llig vor.</p><p>Niemand war in seiner N�he. Das breite Band aus gegossenem Stein schl�ngelte sich durch viele Geb�ude links und rechts, hinauf und hinunter, schickte offenbar beliebig Seitenstr�nge aus, die nirgends zu enden schienen. Kein Gel�nder sch�tzte die Gehsteige, obwohl ein leerer Raum von dreihundert Metern darunter lag. Halrloprillalars Rasse mu�te sich von ihren Stammv�tern, den Armf��lern, viel weniger entfernt haben als die Menschen auf der Erde. Louis schlenderte auf ein paar Lichter zu und hielt sich dabei vorsichtig in der Mitte des Gehsteiges.</p><p>Wo blieben die Leute nur? Die Stadt machte einen insularen Eindruck, �berlegte Louis. Es gab zwar H�user in rauhen Mengen und Rampen, die ganze H�userblocks miteinander verbanden; aber wo waren die Einkaufszentren, die Bars, die Theater, die Stra�en zum Flanieren, die Parks, die B�rgersteig-Cafes? Nichts davon zeigte sich in seiner N�he, nicht einmal durch Reklame. Alles schien sich hier hinter vier W�nden abzuspielen.</p><p>Entweder fand er jemanden auf der Stra�e, dem er sich vorstellen konnte, oder er mu�te sich verstecken. Wie war das mit diesem Glasgebilde mit den dunklen Fenstern? Wenn er von oben her eindrang, konnte er ziemlich sicher sein, da� es sich um ein verlassenes Geb�ude handelte.</p><p>Jemand kam auf der absch�ssigen Rampe auf ihn zu. Louis rief: �K�nnen Sie mich verstehen?� und h�rte seine Worte in die Sprache der Maschinen-Leute �bersetzt.</p><p>Der Fremde antwortete ihm in der gleichen Sprache: �Sie sollten nicht im Dunklen durch die Stadt gehen. Sie k�nnten abst�rzen.� Er war jetzt viel dichter heran. Seine Augen waren riesig; er geh�rte nicht zur Rasse der St�dtebauer. Er trug einen schlanken Stab mit sich. Das er das Licht im R�cken hatte, konnte Louis nicht mehr von ihm erkennen. �Zeigen Sie mir Ihren Arm�, sagte der Fremde.</p><p>Louis entbl��te den linken Arm. Selbstverst�ndlich trug er keine T�towierungen. Er sagte, was er sich von Anfang an zurechtgelegt hatte: �Ich kann eure Wasserkondensierer reparieren.�</p><p>Der Stab schlug nach ihm. Der Stock traf Louis wuchtig auf den Kopf und warf ihn nach hinten. Er �berschlug sich und stand geduckt wieder auf den Beinen. Seine trainierten Reflexe arbeiteten ausgezeichnet. Doch seine Arme kamen eine Idee zu sp�t nach oben, um den Stock abzuwehren. Diesmal traf er ihn an der Schl�fe. Lichter spr�hten hinter seinen Augen auf und erloschen.</p><empty-line/><p>Er befand sich in freiem Fall. Der Wind br�llte an ihm vorbei. Selbst f�r einen Mann, der fast bewu�tlos war, war der Zusammenhang deutlich. Louis schlug, von Panik ergriffen, im Dunklen um sich. <emphasis>Kurzschlu� in einem Raumfahrzeug! Wo bin ich? Wo sind die Meteor-Dichtungen? Wo ist mein Druckanzug? Der Alarmschalter?</emphasis></p><p><emphasis>Schalter</emphasis>�� jetzt erinnerte er sich zum Teil wieder. Seine H�nde flogen an seine Brust, fanden die Kontrolleinrichtungen des Fluggeschirrs, drehten den Hebeknopf hart nach links. Das Fluggeschirr reagierte ebenfalls mit voller Kraft, schwang ihn herum, da� die F��e wieder nach unten zeigten. Louis versuchte, den Nebel aus seinem Kopf zu verdr�ngen. Er sah nach oben. Durch eine L�cke in der Dunkelheit entdeckte er die Korona der Sonne hinter einer Schattenblende; er sah harte Dunkelheit rasch auf ihn zukommen, um ihn zu vernichten. Er drehte wieder den Hebeknopf, um seinen rasenden Aufstieg zu verz�gern.</p><p>Alles wieder in Ordnung.</p><p>Sein Magen rebellierte, und in seinem Kopf drehte sich ein Karussell. Er brauchte Zeit, um nachzudenken. Offensichtlich hatte er den falschen Einstieg in der Stadt gew�hlt. Aber wenn der W�chter ihn vom B�rgersteig gerollt hatte. Louis klopfte seine Taschen ab. Alles war noch da. Warum hatte der W�chter, ihn nicht zuerst beraubt?</p><p>Louis erinnerte sich auch vage an die Antwort auf seine Frage: er hatte ihn angesprungen, den W�chter verfehlt und sich dann �berschlagen. Dann war er mitten im Sturz ohnm�chtig geworden. Das lie� die Angelegenheit in einem anderen Licht erscheinen. Vielleicht w�re es besser gewesen, noch zu warten. Doch daf�r war es jetzt zu sp�t.</p><p>Er mu�te einen anderen Zugang zur Stadt w�hlen.</p><p>Er schwamm unter der Stadt hindurch zur Gemeindegrenze. Sie war nicht zu weit entfernt. Aber am Rande der Stadt waren viel zu viele Lichter. Im Mittelpunkt entdeckte er einen Doppelkegel, in dem �berhaupt keine Lichter brannten. Die untere Spitze war grob: eine Tiefgarage mit einer Rampe aus gegossenem Stein. Louis schwebte die Rampe hinauf.</p><p>Er stellte den Restlichtverst�rker in seiner Schutzbrille ein. Zu peinlich, da� er das nicht schon fr�her getan hatte. Hatte der Schlag gegen den Kopf sein Denkverm�gen beeintr�chtigt?</p><p>Prills Artgenossen, die St�dtebauer, hatten Flugr�der besessen, erinnerte er sich. Aber hier vermochte er keinen Wagen oder Krad zu entdecken. Er sah nur ein paar verrostete Metallschienen auf dem Boden und einen primitiven Stuhl ohne Armlehnen am anderen Ende. Und eine Art von Chorgest�hl: drei Reihen von �bereinander angeordneten B�nken zu beiden Seiten der Schienen. Das Holz war grau verwittert, das Metall zerbr�ckelte zu Rost.</p><p>Er mu�te den Sessel n�her untersuchen, ehe er begriff. Er war so gebaut, da� er die Schienen hinunterrollen und am Ende nach vorn kippen konnte. Louis hatte eine Hinrichtungskammer entdeckt�� f�r eine Hinrichtung, zu der Zuschauer geh�rten.</p><p>W�rde er dar�ber einen Gerichtssaal finden? Und ein Gef�ngnis? Louis hatte bereits beschlossen, sein Gl�ck woanders zu versuchen, als eine frostige Stimme ihn aus dem Dunklen ansprach�� in einer Sprache, die er seit dreiundzwanzig Jahren nicht mehr geh�rt hatte: �Eindringling, zeige deinen Arm. Bewege dich ganz langsam.�</p><p>Wieder sagte Louis: �Ich kann eure Wasserkondensierer reparieren�, und diesmal h�rte er seinen �bersetzer in der Sprache von Halrloprillalar reden. Er mu�te bereits diesen Satz im Computerspeicher vorbereitet haben.</p><p>Der andere stand unter einer T�r am Kopfende einer Treppe. Er hatte ungef�hr die Gr��e von Louis, und seine Augen gl�hten im Dunklen. Er trug eine Waffe, wie sie Valavirgillin getragen hatte. �Dein Arm ist ohne Markierung. Wie bist du hierhergekommen? Du mu�t geflogen sein.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Beeindruckend. Ist das eine Waffe?� Er mu�te den Handscheinwerfer-Laser meinen.</p><p>�Ja. Du siehst sehr gut im Dunklen. Was bist du?�</p><p>�Ich bin M�r Korssil, eine Frau von den Nachtj�gern. Lege deine Waffe auf den Boden.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich t�te dich nur ungern. Deine Behauptung mag wahr sein.�</p><p>�Das ist sie.�</p><p>�Ich m�chte auch nicht gerne meinen Meister wecken, und ich werde dich nicht durch diese T�r gehen lassen. Lege deine Waffe auf den Boden.�</p><p>�Nein. Ich bin schon einmal heute nacht angegriffen worden. Kannst du nicht diese T�r versperren so da� keiner von uns sie �ffnen kann?�</p><p>M�r Korssil warf etwas durch die T�r; es klirrte, als es auf den Boden prallte. Sie schlo� die T�r hinter sich. �Fliege f�r mich�, sagte sie. Ihre Stimme war immer noch ein barscher Ba�.</p><p>Louis erhob sich zwei Meter �ber den Boden und lie� sich dann wieder auf den gegossenen Stein nieder.</p><p>�Eindrucksvoll.� M�r Korssil kam die Treppe herunter, die Waffe schu�bereit an der Schulter. �Wir haben viel Zeit, k�nnen uns unterhalten bis zum Morgengrauen, wenn man uns hier entdeckt. Was bietest du mir, und was verlangst du?�</p><p>�War meine Vermutung richtig, da� euer Wasserkondensierer nicht mehr arbeitet? Versagte er nicht mit dem Fall der St�dte?�</p><p>�Meines Wissens nach hat er nie funktioniert. Wer bist du?�</p><p>�Ich bin Louis Wu. M�nnlich. Nenne meine Rasse �das Volk der Sterne�. Ich komme von dem Universum au�erhalb dieser Welt, von einem Stern, der viel zu klein ist, als das du ihn sehen k�nntest. Ich habe etwas bei mir, mit dem ich wenigstens einen Teil der Wasserkondensierer in dieser Stadt reparieren kann. Und ich habe noch mehr von diesem Material versteckt. Vielleicht kann ich euch auch ein besseres Licht verschaffen.�</p><p>M�r Korssil betrachtete ihn mit blauen Augen, die so gro� waren wie seine Schutzbrille. Sie hatte schrecklich lange Krallen an ihren Fingern und Eckz�hne wie eine Axtschneide. Was war sie? Ein Nagerjagender Fleischfresser? Sie sagte: �Wenn du unsere Maschinen reparieren kannst, ist das gut. Was das Reparieren der Maschinen anderer Geb�ude betrifft, so mu� das erst mein Meister entscheiden. Was verlangst du von uns?�</p><p>�Wissen. Sehr viel Wissen. Zutritt zu allen Einrichtungen aufgestauten Wissens in dieser Stadt�� zu Karten, B�chern, Geschichten, Ger�chten.�</p><p>�Erwarte nicht von uns, da� wir dich zur Bibliothek schicken. Wenn deine Behauptung der Wahrheit entspricht, bist du daf�r zu kostbar. Unser Geb�ude ist nicht sehr reich, aber wir k�nnen Wissen von der Bibliothek kaufen, wenn du ganz spezielle W�nsche an sie richtest.�</p><p>Louis wurde es klar: Die fliegende Stadt war genausowenig eine Gemeinde wie das Griechenland zur Zeit von Perikles eine Nation gewesen war. Jedes Geb�ude war eine unabh�ngige Einheit, und er befand sich im falschen Geb�ude. �In welchem Haus ist die Bibliothek untergebracht?� fragte er.</p><p>�An der Grenze zwischen Backbord und spinnw�rts�� ein Kegel, der mit der Spitze nach unten zeigt. Warum fragst du mich danach?�</p><p>Louis ber�hrte den Schalter an seiner Brust, stieg in die H�he und bewegte sich auf die Nacht vor der Rampe zu.</p><p>M�r Korssil scho�. Louis st�rzte zu Boden. Flammen z�ngelten �ber seiner Brust. Er schrie und ri� sich das Fluggeschirr vom Leib. Die Kontrolleinrichtung des Fluggeschirrs brannte�� eine rauchende gelbe Flamme mit blauwei�en Blitzen in der Mitte.</p><p>Louis zog den Laser und zielte damit auf M�r Korssil. Der Nachtj�ger schien nicht auf seinen Laser zu achten. �Fordere mich nicht zum zweitenmal heraus�, sagte sie. �Bist du verwundet?�</p><p>Diese Worte retteten ihr das Leben; aber Louis mu�te etwas t�ten, um sie einzusch�chtern. �La� die Waffe fallen, oder ich zerschneide dich in zwei H�lften�, sagte er, �so zum Beispiel.� Er fuhr mit dem Laserstrahl durch den Hinrichtungsstuhl; er flammte auf und zerfiel in zwei Teile.</p><p>M�r Korssil bewegte sich nicht.</p><p>�Ich wollte nur dieses Geb�ude verlassen�, sagte Louis. �Jetzt bin ich hier gestrandet. Du mu�t mich aus dem Geb�ude lassen, oder ich werde es auf der ersten Rampe verlassen, auf die ich sto�e. Lai� deine Waffe fallen, oder stirb!�</p><p>Eine Frauenstimme sprach von der Treppe her: �La� deine Waffe fallen, M�r Korssil.�</p><p>Der Nachtj�ger gehorchte.</p><p>Die Frau kam jetzt die Treppe herunter. Sie war gr��er als Louis und so schlank wie er. Ihre Nase war winzig, ihre Lippen fast unsichtbar d�nn. Ihr Kopf war kahl, aber �ppiges wei�es Haar fiel auf ihre Schulter hinunter und reichte bis zu einer Linie hinauf, die hinter ihren Ohren begann und �ber den Nacken verlief. Louis vermutete, da� das wei�e Haar ein Zeichen fortgeschrittenen Alters war. Sie schien keine Angst vor ihm zu haben. Er fragte sie: �Herrschen Sie hier?�</p><p>�Ich und mein registrierter Partner beherrschen dieses Geb�ude. Ich bin Laliskareerlyar. Und du nennst dich Luweewu?�</p><p>�So �hnlich.�</p><p>Sie l�chelte. �Da ist ein Guckloch. M�r Korssil gab mir aus der Garage ein Signal: ein ungew�hnlicher Vorgang. Ich kam, die Treppe herunter, um zu lauschen und zu beobachten. Es tut mir leid um dein Flugger�t. Es gibt in der ganzen Stadt kein solches Ger�t mehr.�</p><p>�Wenn ich Ihren Wasserkondensierer repariere, werden Sie mich dann wieder freilassen? Und ich brauche auch einen Rat.�</p><p>�Betrachten wir mal deine Verhandlungsposition. Kannst du meinen Wachen widerstehen, die drau�en warten?�</p><p>Louis hatte sich schon damit abgefunden, da� er sich den Weg freischie�en mu�te. Er machte noch einen Versuch, auch diese Dame zur Vernunft zu bringen. Der Boden schien aus dem �blichen gegossenen Steinmaterial zu bestehen. Er bewegte den Laser in einem langsamen Kreis, und ein wagenradgro�es St�ck des Bodens mit ungef�hr einem Meter Durchmesser l�ste sich und st�rzte in die Tiefe. Das L�cheln auf Laliskareerlyars Gesicht erlosch. �Vermutlich kannst du das. Es soll geschehen, was du von mir verlangst M�r Korssil, begleite uns. Halte jeden zur�ck, der versucht, den Fremden am Betreten des Geb�udes zu hindern. Und la� deine Waffe dort liegen, wo du sie auf den Boden geworfen hast.�</p><empty-line/><p>Sie kletterten eine spiralf�rmige Rolltreppe hinauf, die nicht mehr funktionierte. Louis z�hlte vierzehn Schleifen, vierzehn Stockwerke. Er fragte sich, ob er sich in Laliskareerlyars Alter nicht get�uscht hatte. Die St�dtebauer-Frau kletterte so rasch, da� ihm kein Atem mehr f�r ein Gespr�ch �brig blieb. Aber ihre H�nde und ihr Gesicht waren so voller Falten, als h�tte sie ihre Haut zu lange getragen.</p><p>Ein beunruhigender Anblick. Louis war nicht mehr daran gew�hnt. Mit seiner Vernunft wu�te er, was das bedeutete: das Zeichen des Alters, das Indiz ihrer Ahnherrn, des Pak-Protektors.</p><p>Sie erklommen die Treppe mit dem Licht aus Louis Handscheinwerfer-Laser. Leute erschienen unter den T�ren; M�r Korssil warnte sie, sich nicht einzumischen. Die meisten dieser Leute schienen St�dtebauer zu sein; aber Louis sah auch noch andere Rassen, die ebenfalls in diesem schwebenden Wolkenkratzer wohnten.</p><p>Diese Leute hatten der Familie schon seit vielen Generationen gedient, erkl�rte ihm Laliskareerlyar. Die M�r-Familie der Nachtw�chter waren Polizisten gewesen, als ihre Familien noch als Richter in dem Geb�ude fungierten. Die K�che, die von den Maschinen-Leuten abstammten, hatten ihrer Familie fast ebenso lange gedient. Die Dienerschaft und Herren aus dem Geschlecht der St�dtebauer betrachteten sich als eine einzige Familie, die durch uralte Treueschw�re und durch periodischen <emphasis>Rishathra</emphasis> miteinander verbunden war. Insgesamt wohnten in dem Geb�ude der Lyar-Familie rund tausend Leute, die H�lfte von ihnen verwandte Artgenossen der St�dtebauer.</p><p>Louis hielt an, um durch ein Fenster in halber H�he des Treppenhauses zu blicken. Ein Fenster, das durch die Mitte eines Geb�udes verlief? Es war ein Hologramm, den Blick �ber eine riesige Ausdehnung der Ringwelt-Landschaft, wie man ihn nur von der Ringmauer aus genie�en konnte. Einer der letzten Sch�tze, die dieses Geb�ude noch beherbergte, erkl�rte ihm Laliskareerlyar voller Stolz und Bedauern zugleich. Alle anderen Hologramme und Sch�tze waren seit Hunderten von <emphasis>Falans</emphasis> verkauft worden, damit sie die Wassergeb�hren bezahlen konnten.</p><p>Louis ertappte sich dabei, da� er ebenfalls redete wie ein Wasserfall. Er war vorsichtig, w�tend �ber den Verlust seines Fluggeschirrs und ersch�pft; aber da war etwas an dieser alten Dame, das ihn zum Reden verleitete. Sie wu�te �ber die Planeten Bescheid. Sie zweifelte nicht an seiner Glaubw�rdigkeit. Sie h�rte ihm aufmerksam zu. Sie sah Halrloprillalar so sehr �hnlich, da� Louis sogar von dieser alten Liebe zu ihr sprach; von dieser uralten, unsterblichen Schiffshure, die als eine halbverr�ckte G�ttin in ihrem schwebenden Geb�ude gelebt hatte, bis Louis Wu und seine seltsame Raumschiffbesatzung in ihre Wohnung eindrang. Wie Halrloprillalar ihnen geholfen, ihre entmachtete Zivilisation ihretwegen aufgegeben und mit ihnen zusammen die Ringwelt verlassen hatte. Und wie sie gestorben war.</p><p>Laliskareerlyar fragte: �Ist das der Grund gewesen, warum du M�r Korssil nicht t�tetest?�</p><p>Die Frau der Nachtj�ger blickte ihn mit ihren gro�en blauen Augen an.</p><p>Louis lachte: �Vielleicht.� Er erz�hlte von seinem Kampf und Sieg �ber die Sonnenblumen. Aber er sparte das gef�hrlichste Thema aus, denn er sah keinen Vorteil darin, wenn er Laliskareerlyar berichtete, da� ihre Welt in nicht sehr ferner Zeit mit ihrer Sonne zusammensto�en w�rde. �Ich m�chte diese Welt in dem Bewu�tsein verlassen, da� ich keinen Schaden angerichtet habe. Ich habe auch noch ein Tuch, das dieser Stadt von gro�em Nutzen sein wird, unweit der Stadt vergraben. Tanj! Jetzt habe ich keine M�glichkeit mehr, dieses Versteck zu erreichen!�</p><p>Sie hatten endlich den Gipfel der Spiraltreppe erreicht, Louis war ganz au�er Atem von der langen Kletterei. M�r Korssil sperrte eine T�r auf; dahinter lag eine zweite Treppe. Laliskareerlyar fragte: �Geh�rst du zu den Lebewesen, die nachts aktiv sind?�</p><p>�Wie bitte? Nein.�</p><p>�Dann warten wir am besten den Tag ab. M�r Korssil, besorge uns ein Fr�hst�ck. Und schicke Whil mit Werkzeugen herauf. Dann leg dich zum Schlafen nieder.�</p><p>Als M�r Korssil gehorsam wieder die Treppe hinuntertrottete, lie� sich die alte Frau mit gekreuzten Beinen auf einem uralten Teppich nieder. �Ich vermute, da� wir im Freien arbeiten m�ssen�, sagte sie. �Aber ich begreife nicht, warum du dich einer so gro�en Gefahr unterzogst. Du sagtest vorhin, um dein Wissen zu bereichern. Was willst du hier in der Stadt erfahren?�</p><p>Es war nicht einfach, diese Frau zu bel�gen; aber vielleicht, h�rte der Hinterste ihrem Gespr�ch zu. �Wissen Sie etwas von einer Maschine, mit der man einen Stoff in einen anderen verwandeln kann, zum Beispiel Luft in Lehm oder Blei in Gold?�</p><p>Sie h�rte interessiert zu. �Zauberer aus grauer Vorzeit sollen Glas in Diamanten verwandelt haben. Aber das sind nat�rlich Geschichten aus dem M�rchenbuch f�r Kinder.�</p><p>Soviel zu dem Thema Materieumwandler. �Und wie steht es mit dem Reparaturzentrum f�r diese Welt? Gibt es auch M�rchen, die davon berichten? Die vielleicht sogar ihren Ort angeben?�</p><p>Sie starrte ihn an. �Als ob diese Welt nichts anderes w�re als ein k�nstliches Gebilde, eine etwas gr��ere Version dieser Stadt?�</p><p>Louis lachte.</p><p>�Eine viel gr��ere Version als diese Stadt. Viel, viel gr��er. Gibt es so ein Reparaturzentrum?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und wie steht es mit dem Unsterblichkeits-Elixier? Ich wei�, da� es dieses Elixier gibt. Halrloprillalar hatte eine Flasche davon.�</p><p>�Nat�rlich gibt es so ein Elixier. Leider ist davon nichts mehr in dieser Stadt vorhanden. Ich w��te auch nicht, wo man sonst danach suchen k�nnte. Diese Geschichte ist das Lieblingsthema von� .der �bersetzer ben�tzte einen Begriff aus dem Interworld-Vokabular. �von Schwindlern und Betr�gern.�</p><p>�Wei� die Sage von dem Lebenselixier auch zu berichten, wo es urspr�nglich herkam?�</p><p>Eine junge Frau von der Rasse der St�dtebauer kam keuchend die Treppe herauf und stellte zwischen ihnen ein flache Schale auf den Boden. Louis' Angst vor vergifteten Speisen verfl�chtigte sich sofort. Das Zeug war lauwarm und erinnerte ihn an Haferbrei. Sie a�en zu zweit mit den H�nden aus dieser einen Sch�ssel.</p><p>�Das Lebenselixier kam von spinnw�rts hierher in diese Stadt�, berichtete die alte Dame. �Aber ich wei� nicht, wie weit der Ursprung dieses Elixiers von hier entfernt ist. Ist das eines der Geheimnisse, weswegen du hierher in die Stadt gekommen bist?�</p><p>�Eines von mehreren Geheimnissen. Die Aufkl�rung dieses R�tsels w�re f�r mich ein wertvoller Schatz.� Ganz bestimmt gab es noch Lebensbaum-Pflanzen im Reparaturzentrum, �berlegte Louis. Ich frage mich nur, was sie mit dem Lebensbaum anfangen. Selbstverst�ndlich w�rde kein menschliches Wesen sich gerne in einen Protektor verwandeln, nicht wahr? Aber es konnten menschen�hnliche Wesen sein,�� denen danach verlangte .�� Nun, es war nicht das wichtigste R�tsel, das er aufzukl�ren versuchte.</p><p>Whil war ein st�mmiger Hominider mit einem Affengesicht, in ein Laken gewickelt, das seine urspr�ngliche Farbe l�ngst verloren hatte. Es sah jetzt aus wie ein aus den Fugen gegangener Regenbogen. Whil redete nicht viel. Seine Arme waren kurz und dick und sahen sehr kr�ftig aus. Er f�hrte sie, die Werkzeugkiste unter dem Arm, die letzten paar Stufen zur Turmplattform hinauf. Drau�en brach die Morgend�mmerung herein.</p><p>Sie befanden sich auf dem Rand eines Trichters, auf dem Dach des Kegels, der die obere H�lfte des Geb�udes bildete. Der Rand des abgestumpften Kegels war nur drei�ig Zentimeter breit. Louis stockte der Atem in der Kehle. Ohne sein Fluggeschirr litt er an H�henangst. Der Wind bauschte Whils Laken zu einer vielfarbigen Flagge auf.</p><p>Laliskareerlyar fragte: �Nun? Kannst du den Wasserkondensator reparieren?�</p><p>�Nicht von hier aus. Dort unten hinter der Trichterwand mu� sich noch eine Maschine befinden.�</p><p>Das war der Fall; aber die Maschine konnte man nicht so leicht erreichen. Da war ein Schneckengang, der nicht viel breiter war als Louis Wu. Whil kroch vor ihm her und �ffnete Klappen und Schieber, auf die Louis Wu deutete.</p><p>Der Kriechgang war so angelegt wie die Windungen eines Schneckengeh�uses. Zweifellos f�hrte er um die Maschine herum, die den Trichter umgab. Vermutlich sollte sich das Wasser auf der Oberfl�che des Trichters niederschlagen. Aber wie funktionierte das Ding? Durch eine K�hlvorrichtung? Oder hatten sie etwas Raffinierteres f�r das Kondensieren f�r Wasser erfunden?</p><p>Die Anlage, die sich unter den Geh�useplatten versteckte, war au�erordentlich kompakt, aber f�r Louis Wu ein vollkommenes R�tsel. Nichts, was er an Maschinen kannte, lie� sich damit vergleichen. Die Anlage war blitzsauber. Bis auf. ja. Er hielt den Atem an und beugte sich tief �ber die Anlage. Eine drahtd�nne Wurmspur aus Staub war auf dem blanken Metall zu erkennen. Louis versuchte herauszufinden, wo dieser zersetzte Draht urspr�nglich befestigt gewesen sein mu�te. Er ging von der Annahme aus, da� der Rest der Anlage immer noch betriebsf�hig war.</p><p>Er kroch wieder aus der Inspektionsluke. Er hatte sich von Whil dicke Handschuhe und eine Rundzange mit nadelfeinen Spitzen geben lassen. Er schnitt ein St�ck vom Rand des schwarzen Tuches ab, das er in seiner Westentasche bei sich f�hrte, und drehte es zusammen. Er spannte es zwischen zwei Kontakten aus und befestigte es dort.</p><p>Aber nichts Auff�lliges geschah. Er setzte den Weg durch den Schneckengang fort, kroch dicht hinter Whil her. Alles in allem fand er sechs wurmf�rmige Staubspuren. Er befestigte sechs zusammengedrehte Streifen von seinem Superleiter-Tuch an Stellen, wo sie seiner Ansicht nach hingeh�rten.</p><p>Endlich kam er wieder aus dem Schneckengang heraus. �Es k�nnte nat�rlich sein, da� die Energiezufuhr vor vielen Jahren ausgefallen ist�, sagte er.</p><p>�Wir werden es erleben�, erwiderte die alte Dame. Sie stieg die Treppe bis zum Dach und dem Trichterrand hinauf. Louis und Whil folgten ihr.</p><p>Die glatte Oberfl�che des Trichters schien sich mit einem leichten Niederschlag �berzogen zu haben. Louis kniete sich auf den Trichterrand und ber�hrte die Metallwand. Sie war na�. Das Wasser war warm. Schon bildeten sich gro�e Tropfen, die abperlten und an dem Trichter hinunterrollten bis zu einem Sieb �ber einer Rohranlage. Louis nickte nachdenklich. Er hatte wieder eine gute Tat vollbracht, die in f�nfzehn <emphasis>Falans</emphasis> bedeutungslos sein w�rde.</p></section><section><title><p>20. Der Clan der Familien</p></title><p>Knapp unterhalb der breiten H�fte des Doppelkegels befand sich ein Raum in dem Lyar-Geb�ude, der eine Kombination aus Empfangshalle und Schlafzimmer darstellte. Ein riesiges kreisrundes Bett mit einem Betthimmel, Sofas und Sessel waren um gro�e kreisrunde Tische gruppiert. Eine Fensterwand schaute auf die Schattenfarm hinunter; eine Bar zog sich an einer anderen Wand hin, gro� genug, um den G�sten eine riesige Auswahl von Getr�nken zu bieten. Aber die Auswahl geh�rte der Vergangenheit an. Laliskareerlyar go� aus einer Kristallkaraffe etwas in ein Trinkgef�� mit zwei Henkeln, nippte an dem Gef�� und reichte es dann Louis weiter.</p><p>Er fragte: �Werden hier Audienzen abgehalten?�</p><p>Sie l�chelte. �So k�nnte man es nennen. Familientreffen.�</p><p>Orgien? Sehr wahrscheinlich, falls <emphasis>Rishathra</emphasis> die wichtigste Einrichtung war, um die Lyar-Familie zusammenzuhalten. Eine Familie, �ber die eine schwere Zeit gekommen war. Louis nippte an dem Trinkgef��. Es war der gleiche Nektar, den er von Vala erhalten hatte. Die Sitte, aus einem Gef�� zu trinken und zu essen�� stand die Furcht vor einem Gift dahinter? Aber sie benahm sich so nat�rlich und ungezwungen, als sie ihm das Gef�� reichte. Und schlie�lich gab es ja keine Krankheiten auf der Ringwelt.</p><p>�Was du f�r uns getan hast, wird unser Prestige und unser Verm�gen mehren�, sagte Laliskareerlyar. �Nun sage, was du daf�r haben m�chtest.�</p><p>�Ich mu� die Bibliothek erreichen, sie betreten und die Leute, die die Bibliothek beherrschen, dazu �berreden, da� ich frei dar�ber verf�gen kann.�</p><p>�Das wird sehr teuer f�r uns werden.�</p><p>�Aber es ist nicht unm�glich, nicht wahr? Das ist gut.�</p><p>Sie l�chelte. �Viel zu teuer f�r uns. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Geb�uden sind sehr verwickelt. Der Zehner-Klub beherrscht den Tourismus.�</p><p>�Zehner-Klub?�</p><p>�Zehn gro�e Geb�ude, Louis Wu, die m�chtigsten der Stadt. Neun von ihnen haben immer noch Beleuchtungsanlagen und Wasserkondensatoren. Sie haben die Br�cke auf den Himmelsh�gel erbaut. Deshalb beherrschen sie auch das Touristik-Gewerbe, bezahlen Geb�hren an die geringeren Geb�ude, um sie f�r die Unterbringung von fremden G�sten zu entsch�digen, die Geb�hren zu bezahlen, wenn die G�ste �ffentliche Geb�ude besuchen und die Kosten zu bestreiten, wenn in privaten Geb�uden Sonderveranstaltungen f�r fremde G�ste abgehalten werden. Daf�r haben sie das Recht, alle Vertr�ge mit anderen Rassen abzuschlie�en; zum Beispiel mit den Maschinen-Leuten, die uns mit Wasser versorgen. Wir m�sen dem Zehner-Klub daf�r Wassergeb�hren bezahlen und Abgaben f�r Sonderkonzessionen. Deine Bitte f�llt unter diese Sonderkonzession. obwohl wir bereits Geb�hren an die Bibliothek abf�hren�� eine Ausbildungssteuer.�</p><p>�Die Bibliothek geh�rt zum Zehner-Klub?� �Ja, Luweewu, wir haben nicht soviel Geld, um diese Sonderkonzession bezahlen zu k�nnen. Gibt es eine M�glichkeit, da� du der Bibliothek einen Dienst erweisen kannst? Vielleicht sind die Nachforschungen, die du in der Bibliothek anstellst, f�r den Zehner-Klub wertvoll.�</p><p>�Das w�re m�glich.�</p><p>�Sie w�rden uns einen Teil der Konzessionsgeb�hren zur�ckerstatten, wenn du ihnen einen Dienst leistest. Vielleicht k�nnen sie dir mehr geben als wir. Aber wir haben das Geld nicht, um dir eine Sonderkonzession zu erwirken. K�nntest du ihnen deine Licht-Waffe verkaufen oder die Maschine, die f�r dich redet?�</p><p>�Ich glaube, beides sollte ich lieber behalten.�</p><p>�Oder kannst du noch andere Wasserkondensierer reparieren?�</p><p>�Vielleicht. Sagten Sie nicht eben, da� ein Geb�ude vom Zehner-Klub einen defekten Wasserkondensierer besitze? Warum geh�rt es dann noch dem Zehner-Klub an?�</p><p>�Das Orlry-Geb�ude geh�rt seit dem Fall der St�dte zu diesem Klub. Kraft Traditionsrecht geh�rt es immer noch dazu.�</p><p>�Was f�r eine Funktion erf�llte das Geb�ude, als die St�dte zerfielen?�</p><p>�Es war eine milit�rische Anlage, ein Lagerhaus f�r Waffen.� Sie ignorierte Louis' Lachen. �Sie haben eine Schw�che f�r Waffen. Dein Licht-Werfer.�</p><p>�Den m�chte ich ihnen lieber nicht anvertrauen. Aber vielleicht sind sie schon damit zufrieden, wenn ich ihnen den Wasserkondensierer instandsetze.�</p><p>�Ich werde mich erkundigen, welche Geb�hren sie verlangen, damit du das Orlry-Geb�ude betreten kannst.�</p><p>�Soll das ein Witz sein?�</p><p>�Nein. W�chter m�ssen dich begleiten, damit du keine Waffen aus dem Geb�ude stiehlst. Du mu�t eine Eintrittsgeb�hr bezahlen, damit du die alten Waffen �berhaupt sehen darfst, und diese Geb�hr verdoppelt sich, falls die Warfen vorgef�hrt werden sollen. Wenn du Zutritt zu den technischen Anlagen erh�ltst, k�nntest du vielleicht ihre Schw�chen auskundschaften. Ich mu� mich erst erkundigen, was es kostet.�</p><p>Sie erhob sich aus einem Sessel. �Sollen wir jetzt das <emphasis>Rishathra</emphasis> vollziehen?�</p><p>Louis hatte diese Frage eigentlich schon fr�her erwartet, und es lag nicht an Laliskareerlyars seltsamer Erscheinung, da� er z�gerte, sondern an der Angst, seinen Panzeranzug und seine Werkzeuge abzulegen. Er erinnerte sich an ein altes Bild von einem K�nig, der auf seinem Thron sa� und vor sich hinbr�tete. <emphasis>Ich bin paranoid. Aber bin ich auch paranoid genug?</emphasis></p><p>Aber reif f�r das Bett war er schon lange. Er mu�te den Lyars blindlings vertrauen. �Gut�, sagte er und begann sich seines Schutzanzuges zu entledigen.</p><p>Das Alter hatte eine seltsame Verwandlung mit Laliskareerlyar vorgenommen. Louis kannte noch Bilder und Schilderungen aus der Literatur und Theaterst�cken, die vor der Erfindung der Verj�ngungsdroge verfa�t worden waren. Das Alter war eine die Menschen verkr�ppelnde Krankheit. aber die Frau war nicht verkr�ppelt. Zwar hing die Haut nur lose an ihrem K�rper, und ihre Glieder waren nicht so biegsam wie bei Louis. Aber sie besa� eine schier endlose Neugierde, was die Liebe betraf und die ihr ungewohnten Reaktionen von Louis K�rper.</p><p>Es dauerte sehr lange, ehe er einschlafen durfte. Er hatte ihre Neugierde nicht befriedigt, als sie ihn fragte, was die Plastikscheibe unter seinem Zopf bedeutete. Er w�nschte, sie h�tte ihn nicht daran erinnert. Der Hinterste hatte noch einen funktionierenden Wonnestecker. und er verdammte sich daf�r, da� er sich danach sehnte.</p><empty-line/><p>Erst gegen Abend wachte er wieder auf. Das Bett bewegte sich zweimal unter ihm, und er blinzelte und rollte sich auf den R�cken. Er sah Laliskareerlyar und einen Mann von der St�dtebauer-Rasse neben sich stehen, der ebenfalls schon vom Alter gezeichnet war.</p><p>Laliskareerlyar stellte ihn als Fortaralisplyar vor, ihren rechtm��igen Ehepartner und Louis' Gastgeber. Er bedankte sich bei Louis f�r die Reparaturarbeit an der alten Maschine auf dem Dach. Das Abendessen stand bereits auf dem Tisch, und Louis wurde eingeladen, es mit dem Ehepaar zu teilen: eine gro�e Sch�ssel voller Eintopf, eine zu simple Kost f�r Louis' Gaumen. Er a� ohne viel Appetit.</p><p>�Orlrys Geb�ude verlangt mehr, als wir besitzen�, sagte Fortaralisplyar zu Louis, �aber wir haben f�r dich das Recht erkauft, drei unserer Nachbargeb�ude zu betreten. Wenn es dir gelingt, auch nur einen von ihren Wasserkondensatoren zu reparieren, k�nnen wir dir den Zutritt zum Orlry-Geb�ude verschaffen. Bist du damit zufrieden?�</p><p>�Ausgezeichnet. Ich brauche Maschinen, die seit elfhundert Jahren nicht mehr arbeiten und an denen in der Zwischenzeit nicht herumgepfuscht wurde.� �So sagte es mir meine Partnerin.�</p><p>Louis �berlie� sie mit hereinbrechender Dunkelheit ihrem Schlaf. Sie hatten ihn eingeladen, sich gemeinsam mit ihnen in das Ehebett zu legen. Das Bett war gro� genug daf�r; aber Louis war ausgeschlafen und voller Tatendrang.</p><p>Der Wolkenkratzer war so still wie ein Grabmal. Von den oberen Stockwerken blickte Louis auf ein verwirrendes Labyrinth von Br�cken herunter. Sie waren wie ausgestorben. Nur hin und wieder bemerkte er einen Nachtj�ger mit seinen Riesenaugen. Nun ja. Wenn die St�dtebauer daran gewohnt waren, zehn Stunden ihres Drei�ig-Stunden-Tages zu verschlafen, konnten sie das ebensogut w�hrend der Dunkelheit erledigen. Fragte sich, ob in den beleuchteten Wolkenkratzern auch alle Bewohner schliefen.</p><p>�Ich rufe den Hintersten�, sagte er.</p><p>�Ja, Louis. M�ssen wir �bersetzen?�</p><p>�Nicht n�tig. Wir sind allein. Ich befinde mich in der fliegenden Stadt. Es wird einen oder zwei Tage dauern, bis ich in die Bibliothek vordringen kann. Ich glaube, ich sitze hier fest. Mein Fluggeschirr ist kaputt.�</p><empty-line/><p>�Chmeee will immer noch nicht auf meine Rufe antworten.�</p><p>Louis seufzte. �Was gitbt es sonst noch Neues?�</p><p>�In zwei Tagen hat meine erste Sonde einmal die Ringmauer umrundet. Ich kann sie anschlie�end zur fliegenden Stadt dirigieren. M�chtest du, da� ich direkt mit den Einwohnern verhandle? Wir sind erfahrene Vermittler. Wenigstens k�nnte ich daf�r sorgen, da� man deinen Erz�hlungen Glauben schenkt.�</p><p>�Ich werde es dich wissen lassen. Wie steht es mit den Steuerd�sen der Ringwelt? Sind inzwischen noch mehr von diesen Apparaten auf der Ringmauer montiert worden?�</p><p>�Nein. Zu den einundzwanzig sind nicht mehr dazugekommen. Doch diese arbeiten einwandfrei. Kannst du sie von deinem Standort aus sehen?�</p><p>�Nein, nicht von hier aus. Hinterster? K�nntest du etwas �ber die physikalischen Eigenschaften des <emphasis>Scrith</emphasis>, des Ringweltboden-Materials, erfahren? Seine Starke, seine Elastizit�t und seine magnetischen Eigenschaften?�</p><p>�Ich bin gerade dabei, die Daten zu erarbeiten. Die Ringmauer liegt im Bereich meiner Instrumente. <emphasis>Scrith</emphasis> ist viel dichter als Blei. Der Scrith-Boden der Ringwelt ist wahrscheinlich nicht einmal drei�ig Meter dick. Ich werde dir meine Daten zeigen, wenn du zur�ckkommst.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Louis, ich kann dir ein Transportmittel zur Verf�gung stellen, wenn du dich in einer Notlage befindest. Es w�re einfacher f�r mich, wenn ich dir Chmeee schicken k�nnte.�</p><p>�Gro�artig! Was f�r eine Art von Transportmittel?�</p><p>�Du wirst auf meine Sonde warten m�ssen. Ich werde dir dann weitere Instruktionen �bermitteln.�</p><p>Er beobachtete die verwaiste Stadt noch eine Weile lang, nachdem der Hinterste wieder abgeschaltet hatte. Er f�hlte sich niedergeschlagen. Alleine in einem heruntergekommenen Wolkenkratzer in einer heruntergekommenen Stadt. Jetzt h�tte er doch gerne den Ersatz-Wonnestecker.</p><p>Eine Stimme hinter seiner Schulter sagte: �Du sagtest zu meiner Herrin, da� du nicht zu den Nachtwesen geh�rst.�</p><p>�Hallo, M�r Korssil. Wir ben�tzen bei uns elektrisches Licht. Viele von uns machen dann die Nacht zum Tag. Abgesehen davon bin ich an k�rzere Tage gew�hnt.� Louis drehte sich um.</p><p>Das gro��ugige menschen�hnliche Wesen zielte wieder mit ihrer Waffe auf Louis. Sie sagte: �In den letzten <emphasis>Falans</emphasis> hat der Tag seinen Rhythmus ver�ndert. Das bedr�ckt uns.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Mit wem hast du soeben gesprochen?�</p><p>�Mit einem zweik�pfigen Monster.�</p><p>M�r Korssil lie� ihn am Fenster stehen. Vielleicht hatte er sie beleidigt. Louis Wu ging in Gedanken ein langes und ereignisreiches Leben durch. Er hatte die Hoffnung aufgegeben, in das bekannte Universum zur�ckzukehren. Er hatte den Wonnestecker aufgegeben. Vielleicht war auch der Zeitpunkt gegeben, noch mehr aufzugeben.</p><empty-line/><p>Das Chkar-Geb�ude war ein aus Stein gegossener Vierkant, der mit Balkonen beh�ngt war. Auf einer Seite war das Geb�ude mit Schu�narben bedeckt, die an mehreren Stellen das Metallskelett freigelegt harten. Der Wasserkondensator auf dem Dach war ein leicht verkanteter Trog.</p><p>Ein uralter Explosionsgescho�-Einschlag hatte kleine Metalltropfen im Getriebe der Maschinen-Anlage hinterlassen. Louis war sehr skeptisch, da� seine Reparaturarbeiten diese Anlage wieder in Betrieb setzen w�rden. Seine Ahnungen trogen nicht.</p><p>�Es ist allein meine Schuld�, versicherte ihm Laliskareerlyar.</p><p>Ich hatte vollkommen vergessen, da� vor zweitausend <emphasis>Falans das</emphasis> Chkar-Geb�ude einen Krieg mit dem Orlry-Wolkenkratzer austrug.�</p><p>Das Panth-Geb�ude glich einer Zwiebel, die auf ihrer Spitze stand. Louis vermutete, da� dieses Haus urspr�nglich ein riesiger Sauna-Klub gewesen sein mu�te. Er sah Schwitzkabinen, Schwimmbecken, Massagetische, eine Trimmdich-Halle und ein Solarium. Das Geb�ude schien �ber reiche Wasservorr�te zu verf�gen. Und ein schwacher, ihm halb vertrauter Duft rief Erinnerungen an j�ngste Ereignisse wach.</p><p>Das Panth-Geb�ude hatte ebenfalls einen Krieg mit Orlry ausgefochten. Alte Krater legten Zeugnis davon ab. Ein kahlk�pfiger junger Mann namens Arrivercompanth schwor, da� der Wasserkondensator unter den Kriegsereignissen nicht gelitten hatte. Louis entdeckte die Staubspuren in der Maschinenanlage und dar�ber die Kontakte. Als er seine Reparaturarbeiten erledigt hatte, bildeten sich Wassertropfen auf der Dachmulde, vereinigten sich zu einem Rinnsal und verschwanden in einem Ablauf.</p><p>Aber dann, als es ans Bezahlen ging, gab es Schwierigkeiten. Arrivercompanth und seine Leute hatten nur Versprechungen und <emphasis>Rishathra</emphasis> als Gegenleistung bieten wollen. (Und <emphasis>da</emphasis> erkannte Louis diesen Geruch wieder, der ihn in der Nase und im Kleingehirn kitzelte. Er befand sich in einem Hause des Lasters, und irgendwo waren in diesem Wolkenkratzer Vampire versteckt.) Laliskareelyar wollte den ausgehandelten Preis sofort in bar ausbezahlt haben. Louis versuchte, dem erregten Wortwechsel zu folgen. Er verstand soviel, da� der Zehner-Klub sehr ungl�cklich sein w�rde, wenn Panth aufh�rte, Wasser von ihm zu beziehen. Und dann w�re er nur zu bereit, die Panth-Familie wegen Betruges mit einer Geldbu�e zu belegen. Arrivercompanth war danach bereit, die ausgehandelte Summe zu bezahlen.</p><p>Gisk war so etwas wie ein Kondominium gewesen, als die Herrschaft der St�dte zu Ende ging. Das Gisk-Geb�ude war ein W�rfel mit einem Lichthof in der Mitte. Der Wolkenkratzer wurde nur noch zur H�lfte bewohnt. Nach dem Geruch zu urteilen, den das Geb�ude verstr�mte, hatte die Familie ihren Wasserverbrauch zu sehr eingeschr�nkt. Inzwischen war Louis schon recht vertraut mit der Anlage des Wasserkondensators. In wenigen Minuten hatte er seine Reparaturarbeiten erledigt, und der Kondensator arbeitete wieder. Die Gisk-Familie bezahlte prompt. Sie fielen vor Laliskareerlyar auf die Knie, um sich �berschwenglich bei ihr zu bedanken. Aber ihren Diener, der die Reparatur durchgef�hrt hatte, w�rdigten sie keines Blickes. Auch gut.</p><p>Fortaralisplyar war entz�ckt. Er stopfte zwei H�nde voll Metallm�nzen in Louis' Westentaschen und erkl�rte ihm die verwickelte Etikette der Bestechung. Die Ausdrucksweise, mit der man dabei sein Gesicht wahren mu�te, �berstieg fast die M�glichkeit des �bersetzers. �Wenn du im Zweifel bist, tu es nicht�, erkl�rte ihm Fortaralisplyar.</p><p>�Ich werde dich morgen zum Orlry-Geb�ude begleiten. Oberlasse das Feilschen mir.�</p><empty-line/><p>Das Orlry-Geb�ude lag auf der Backbordseite der Stadt. Louis und Fortaralisplyar lie�en sich viel Zeit, betrachteten erst einmal das Geb�ude von au�en und ben�tzten die h�chste Rampe, um sich einen besseren Oberblick verschaffen zu k�nnen. Fortaralisplyar war sehr stolz auf seine Stadt. �Selbst nach dem Fall der St�dte erhielt sich ein Rest ihrer Zivilisation�, erkl�rte er. Er deutete auf ein Geb�ude, das fr�her einmal das Schlo� eines Kaisers gewesen war. Es war in einem sch�nen Stil erbaut, wenn auch von vielen Narben entstellt. Der Kaiser hatte versucht, sich zum Herrscher der Stadt aufzuschwingen, als sich das Orlry-Geb�ude dem Stadtverband anschlo�. Eine kannelierte S�ule, die an den dorischen Stil des antiken Griechenlands erinnerte, trug nichts als sich selbst. Das war der Chank-Wolkenkratzer, der einmal ein Kaufhaus gewesen war. Wenn Chank nicht mit so vielen Vorr�ten beladen gewesen w�re, als der Wolkenkratzer in die Stadt kam�� Vorr�te an Nahrungsmitteln, an Delikatessen, an Kleidungsst�cken, an Decken und Teppichen, ja sogar an Spielzeugen��, die man zum Tauschhandel mit den Maschinen-Leuten ben�tzen konnte, w�re diese Stadt schon l�ngst zu Grunde gerichtet gewesen. Von dem Keller des Chank-Geb�udes aus verlief die Himmelsstra�e in Spiralen hinunter zum Himmels-H�gel.</p><p>Orlrys Wolkenkratzer war eine Scheibe, die eine Dicke von ungef�hr f�nfzehn Metern besa� und mindestens zehnmal so breit war. Der Wolkenkratzer erinnerte an eine Torte. Der massive Turm an der Peripherie, der mit Schie�scharten und Waffenst�nden, mit br�stungsbewehrten Glacis und einem Kran versehen war, erinnerte Louis an die Br�cke eines gro�en Schiffes�� eines Schlachtschiffes. Der Gehsteig, der zu Orlrys Geb�ude f�hrte, war breit, aber es gab nur diesen einen Gehsteig und einen einzigen Zugang. Ab oberen Rand des Portales bemerkte Louis Hunderte von kleinen Vorspr�ngen. Louis vermutete, da� sich fr�her darin Kameras oder andere Sensoren befunden hatten, die inzwischen l�ngst ihren Geist aufgegeben hatten. Fenster waren statt dessen in die Seitenw�nde geschlagen worden, nachdem das Geb�ude sich der schwebenden Stadt angeschlossen hatte. Louis sah, da� die Glasfenster sehr schlecht eingepa�t waren.</p><p>Fortaralisplyar war in gelbe und scharlachrote Roben gekleidet, die offensichtlich aus Pflanzenfasern bestanden: ein recht grobes Gewebe nach den Qualit�tsanspr�chen, die Louis an Kleider stellte, aber recht pomp�s, wenn man sie aus der Ferne betrachtete. Louis folgte ihm in das Orlry-Geb�ude hinein, in einen gro�en Empfangssaal, wo Licht brannte, wenn auch mit schwankender St�rke. Alkohollampen brannten dutzendweise dicht unter der Decke.</p><p>Elf St�dtebauer beiderlei Geschlechtes erwarteten sie dort. Sie waren fast identisch gekleidet�� trugen weite Pumphosen und leuchtend bunt gef�rbte Capes mit engen Manschetten. Die S�ume der Capes waren asymmetrisch und kunstreich gekerbt. Waren das Rangabzeichen? Der wei�haarige Mann, der l�chelnd auf sie zukam, um sie zu begr��en, trug das am Rand am meisten gezackte Cape und eine Handwaffe unter der Achsel.</p><p>Er richtete das Wort an Fortaralisplyar: �Ich mu�te ihn mit meinen eigenen Augen sehen�� dieses Wesen, das uns Wasser aus Maschinen zaubern kann, die schon seit f�nftausend <emphasis>Falans</emphasis> tot sind.�</p><p>Die Waffe an seinem abgewetzten Plastik-Schulterholster war klein, aber ohne Schn�rkel, ganz auf Zweckm��igkeit und Leistung getrimmt. Doch selbst mit einer Kanone h�tte Filistranorlry nicht wie ein Krieger ausgesehen. Sein kleines Gesicht zeigte vergn�gte Neugierde, als er Louis Wu von Kopf bis Fu� betrachtete. �Er scheint ein recht ausgefallenes Wesen zu sein, aber. Gut. Sie haben f�r ihn bezahlt. Wir werden sehen.� Er machte eine Handbewegung zu seinen Soldaten hin.</p><p>Sie durchsuchten Fortaralisplyar und anschlie�end Louis. Sie fanden seinen Handscheinwerfer, probierten ihn aus und gaben ihn an Louis zur�ck. Sie studierten stirnrunzelnd seinen �bersetzer, bis Louis sagte: �Dieses Ger�t spricht f�r mich.�</p><p>Filistranorlry zuckte zusammen. �In der Tat! Wirst du mir dieses Ger�t verkaufen?� Er richtete das Wort an Fortaralisplyar, der erwiderte: �Es geh�rt mir nicht.�</p><p>Louis sagte: �Ohne dieses Ger�t w�rde ich stumm sein.� Orlrys Meister schien diese Antwort zu akzeptieren.</p><empty-line/><p>Der Wasserkondensator war eine kleine Versenkung im Zentrum von Orlrys kreisrundem Dach. Die Wartungsg�nge unter dieser kleinen Kuhle waren viel zu klein f�r Louis. Selbst wenn er seinen Panzeranzug ausz�ge, h�tte er diesen Gang nicht betreten k�nnen, und er hatte nicht vor, seinen Anzug abzulegen. �Was verwenden Sie zur Reparatur Ihrer Maschinen? M�use?�</p><p>�H�ngende Leute�, erwiderte Filistranorlry. �Wir m�ssen sie f�r Repararurarbeiten mieten. Das Geb�ude von Chilb h�tte sie schon l�ngst hierher schicken sollen. Siehst du noch andere Probleme?�</p><p>�Ja.� Inzwischen war er schon sehr vertraut mit dem Typ dieser Anlage. Louis hatte bisher drei Geb�ude repariert und bei dem vierten eine Niete gezogen, weil bereits an der Anlage herumgepfuscht worden war. Er konnte zwar zwei Einzelteile unterscheiden, die Kontakte darstellen mu�ten. Aber als er den Staub darunter suchte, war er nicht da. �Hat man schon fr�her versucht, die Maschine zu reparieren?�</p><p>�Ich vermute, ja. Aber woher soll ich das wissen, nach f�nftausend <emphasis>Falans</emphasis>?�</p><p>�Wir werden auf die Reparaturm�nner warten. Ich hoffe, sie k�nnen meine Befehle befolgen.� Tanj! Irgendein Vertreter der Familie, der bereits lange beerdigt war, hatte die Dinge dadurch kompliziert, da� er die verr�terischen Staubspuren entfernte. Aber Louis war �berzeugt, da� er wu�te, wo die Superleitern befestigt werden mu�ten.</p><p>�H�ttest du Lust dazu, unser Museum zu besichtigen?� unterbrach Filistranorlry seinen Gedankengang. �Schlie�lich hast du f�r dieses Recht bezahlt.�</p><p>Louis war nie ein Waffennarr gewesen. Er erkannte jedoch die Prinzipien oder die formalen Zusammenh�nge der Mordinstrumente, die hinter dicken Glasw�nden ausgestellt waren. Die meisten dieser Waffen ben�tzten chemisch angetriebene Projektile oder Sprengstoffe oder beides. Einige von ihnen verstreuten winzige Kugeln, die wie kleine Knallfr�sche im Fleisch des Gegners explodierten. Die wenigen Laser, die er in der Ausstellung sah, waren sehr massiv gebaut und sperrig. Sie mu�ten fr�her einmal auf Traktoren oder Flugger�ten montiert gewesen sein; aber die hatte man wohl l�ngst ausgeschlachtet und anderw�rtig verwendet.</p><p>Ein St�dtebauer traf inzwischen mit einem halben Dutzend Arbeiter im Geb�ude ein. Die Angeh�rigen des H�nge-Volkes reichten mit ihrem Scheitel gerade an die unterste Rippe von Louis Brustkasten. Ihre K�pfe schienen f�r ihre K�rper viel zu gro� zu sein; ihre Zehen waren lang und sehr beweglich, und mit ihren Fingern schabten sie fast �ber den Boden hin. �Alles nur vergeudete Zeit�, sagte einer von ihnen.</p><p>�Arbeiten Sie ordentlich, und Sie werden daf�r bezahlt�, wies ihn Louis zurecht. Der kleine Mann grinste nur h�hnisch.</p><p>Sie trugen �rmellose Gew�nder, die mit Taschen f�rmlich �berladen waren, und die wiederum mit Werkzeugen. Als die Soldaten sie filzen wollten, legten sie schnell ihre Gew�nder ab und lie�en die Soldaten diese durchsuchen. Wahrscheinlich mochten sie es nicht, wenn man sie anfa�te.</p><p>So zierliche Leute. Louis fl�sterte Fortaralisplyar zu: �Treibt ihr auch <emphasis>Rishathra</emphasis> mit diesen Wichten?�</p><p>Der St�dtebauer gab mit einem gluckernden Lachen zur�ck: �Ja, aber sehr vorsichtig.�</p><p>Die H�ngenden Leute dr�ngten sich hinter Louis Wu R�cken zusammen und schielten ihm �ber die Schulter, als er die Inspektionsplatte von dem Maschinengeh�use abnahm. Er trug die isolierten Handschuhe, die er sich von M�r Korssil ausgeborgt hatte. �Diese Dinger da�� so sehen die Kontakte aus. Ihr m��t nur noch einen Streifen von diesem Tuch hier und dort befestigen. Insgesamt werdet ihr sechs Kontaktpaare in der Anlage finden. Vielleicht sind sie auch noch durch wurmf�rmige Staubspuren kenntlich gemacht.�</p><p>Nachdem die H�ngenden Leute mit ihren Werkzeugen im Schneckengang verschwunden waren, sagte Louis zu den Meistern von Orlry und Lyar: �Ich habe nat�rlich keine Ahnung, ob sie sich an meine Anweisungen halten. Ich w�nschte mir, ich k�nnte ihre Arbeit selbst �berpr�fen.� Aber er erw�hnte nichts von seinen anderen Besorgnissen.</p><p>In wenigen Minuten tauchten die H�ngenden Leute wieder aus dem Schneckengang auf. Dann marschierten sie alle gemeinsam auf das Dach: die Arbeiter, die Soldaten, die Meister und Louis Wu. Dort schauten sie zu, wie sich Nebel bildete, kondensierte und schlie�lich Wasser in den Gulli der Zisterne rann.</p><p>Und sechs H�ngende Leute wu�ten jetzt, wie man einen Wasserkondensator mit einem St�ck schwarzen Tuches reparieren konnte.</p><p>�Ich m�chte dieses schwarze Tuch kaufen�, sagte Filistranorlry.</p><p>Die H�nge-Leute und ihr Meister, der zu den St�dtebauern geh�rte, verschwanden schon wieder im Treppenhaus. Filistranorlry und zehn Soldaten hinderten Louis und Fortaralisplyar daran, die gleiche R�ckzugsroute zu benutzen.</p><p>�Ich habe nicht vor, zu verkaufen�, sagte Louis.</p><p>Der silberhaarige Soldat sagte: �Ich hoffe, Sie hierzubehalten, bis ich Sie zum Verkauf �berreden kann. Falls n�tig, werde ich auch darauf bestehen, da� Sie mir Ihre sprechende Schachtel als Bonus dazulegen.�</p><p>Louis war auf so etwas gefa�t gewesen. �Fortaralisplyar��w�rde der Orlry-Clan Sie mit Gewalt hierbehalten?�</p><p>Lyars Meister blickte dem Meister des Orlry-Clans in die Augen, als er erwiderte: �Nein, Louis. Die Folgen w�ren f�r Orlry unangenehm. Die geringeren Clans w�rden sich zusammenschlie�en, um mich zu befreien. Der Zehner-Klub w�rde lieber zu einem Neuner-Klub werden, als den Boykott der Touristen hinzunehmen.�</p><p>Filistranorlry lachte: �Die geringeren Clans w�rden durstig werden.� und sein L�cheln erlosch, w�hrend Fortaralisplyars Grinsen zunahm. Der Lyar-Clan hatte jetzt soviel Wasser, da� er es sogar verschenken konnte.</p><p>�Du k�nntest mich nicht festhalten. Die Touristen w�rden von den Rampen gesto�en werden. Die Dramen im Chkar-Geb�ude und die Wonnen des Panth-Clans w�ren dir verschlossen.�</p><p>�Dann geh!�</p><p>�Ich nehme Louis mit.�</p><p>�Das tust du nicht.�</p><p>Louis sagte: �Nehmen Sie das Geld und gehen Sie. Das Vereinfacht die Angelegenheit f�r alle Beteiligten.� Seine Hand steckte in seiner Tasche und fingerte mit dem Handscheinwerfer-Laser.</p><p>Filistranorlry hielt Fortaralisplyar einen Beutel hin. Dieser nahm ihn entgegen und z�hlte die M�nzen. Dann ging er durch das Spalier der Soldaten und stieg die Treppe hinunter. Als er au�er Sichtweite war, zog Louis die Kapuze seines Schutzanzuges �ber den Kopf.</p><p>�Ich biete einen hohen Preis. Zw�lf.� Es folgte etwas Un�bersetzbares. �Wir w�rden dich nicht betr�gen�, fuhr Filistranorlry fort. Inzwischen ging Louis r�ckw�rts auf den Rand des Daches zu. Er sah, wie Filistranorlry seinen Soldaten ein Zeichen gab, schwang herum und rannte los.</p><p>Die Br�stung des Daches war ein brusthoher Zaun: Eisenstangen, im Zickzackmuster, so geschmiedet, da� sie Ellenbogen-Wurzeln glichen. Die Schatten-Farm lag tief unter ihm. Louis rannte am Zaun entlang auf den Gehsteig zu. Die Soldaten folgten dichtauf, aber Filistranorlry blieb zur�ck und feuerte seine Pistole ab. Der Donner der Detonation war schrecklich, sogar furchterregend. Eine Kugel schlug in Louis Fu�kn�chel ein. Der Anzug wurde sofort hart, und er rollte wie eine gest�rzte Statue �ber das Dach, rappelte sich wieder auf und rannte weiter. Als sich zwei Soldaten auf ihn warfen, schwang er sich �ber den Zaun und lie� sich fallen.</p><p>Fortaralisplyar ging gerade den Gehsteig hinunter. Er drehte sich erschrocken um.</p><p>Louis landete flach auf dem Gesicht. Der Schutzanzug war beim Aufprall so hart wie Stahl geworden. Der seiner Gestalt angepa�te Sarg hielt ihn aufrecht, aber Louis war von der harten Landung wie bet�ubt. H�nde halfen ihm wieder auf die F��e, eher er eigentlich aufstehen wollte. Fortaralisplyar stemmte seine Schulter unter Louis' Achsel und unterst�tzte ihn beim Gehen.</p><p>�Lassen Sie mich lieber los. Vielleicht schie�en sie auf Sie�, sagte Louis keuchend.</p><p>�Das w�rden sie nicht wagen. Sind Sie verletzt? Ihre Nase blutet ja!�</p><p>�Das war es wert.�</p></section><section><title><p>21. Die Bibliothek</p></title><p>Sie betraten die Bibliothek durch eine kleine Vorhalle in der stumpfen Spitze des Kegels, also von unten.</p><p>Hinter einem breiten, massiven Schreibtisch arbeiteten zwei Bibliothekarinnen an den Leseschirmen: sperrige Dinger, die aussahen wie Kisten verschiedener Gr��e, die man zusammengeleimt hatte. Sie ben�tzten B�cher-Mikrob�nder, die durch ein Leseger�t geschoben wurden. Die Bibliothekarinnen sahen wie Hohepriesterinnen aus in ihren blauen Roben mit gezackten steifen Kragen. Es dauerte ein paar Minuten, ehe eine der beiden Bibliothekarinnen aufsah.</p><p>Ihre Haare waren pures frisches Wei�. Vielleicht war sie schon mit wei�en Haaren auf die Welt gekommen, dachte Louis, denn sie sah nicht alt aus. Eine Frau auf der Erde w�rde an ihrer Stelle jetzt vielleicht an die erste Dosis ihrer Verj�ngungsdroge gedacht haben. Sie war gro� und schlank, sogar h�bsch, dachte Louis. Selbstverst�ndlich flachbr�stig, aber sonst appetitlich gerundet. Halrloprillalar hatte Louis dazu erzogen, einen Kahlkopf und einen gutgeformten Sch�del f�r sexy zu halten. Wenn sie nur l�cheln w�rde; aber selbst Fortaralisplyar gegen�ber war sie grob und anma�end: �Ja?�</p><p>�Ich bin Fortaralisplyar. Haben sie meinen Vertrag erhalten?�</p><p>Sie dr�ckte auf die Tabulatur der Lesemaschine. �Ja. Ist es dieser da?�</p><p>�Er ist es.�</p><p>Erst jetzt betrachtete sie Louis. �Luweewu, k�nnen Sie mich verstehen?�</p><p>�Das kann ich, mit Hilfe dieses Ger�tes.�</p><p>Als der �bersetzer zu sprechen anfing, bekam ihre ruhige Anma�ung Spr�nge, aber nur einen Moment lang. Dann sagte sie: �Ich bin Harkabeeparolyn. Ihr Meister hat sich das Recht erkauft, da� Sie drei Tage lang unbegrenzt Nachforschungen anstellen k�nnen. Mit einer Option, Ihnen noch drei weitere Tage dieses Privileg zu erkaufen. Sie k�nnen sich ungehindert in der Bibliothek bewegen, wobei allerdings die Privatr�ume der Bibliothek von diesem Privileg ausgenommen sind. Die Privatr�ume sind mit Goldschrift markiert. Sie d�rfen auch alle Maschinen benutzen, bis auf jene, die folgenderma�en gekennzeichnet sind.� Sie zeigte ihm, was sie meinte. Ein Muster aus orangefarbenen Kr�henf��en. �Wenn Sie so eine Maschine ben�tzen wollen, brauchen Sie Hilfe. Dann kommen Sie zu mir oder zu einem anderen Beamten, dessen Kragen so geschnitten ist wie meiner. Sie d�rfen auch den Speisesaal ben�tzen. Wenn Sie schlafen oder baden wollen, m�ssen Sie in das Lyar-Geb�ude zur�ckkehren.�</p><p>�Gut.�</p><p>Die Bibliothekarin sah ihn verwirrt an. Louis war selbst ein wenig erschrocken. Warum hatte er dieses Wort mit solcher Vehemenz ausgesprochen? Es kam ihm jetzt, da� das Geb�ude des Lyar-Clans ihm vertrauter erschien als jede Wohnung, die er sich in Canyon genommen hatte.</p><p>Fortaralisplyar legte eine Reihe von Silberm�nzen auf den Schreibtisch, verbeugte sich vor Louis und verschwand. Die Bibliothekarin wandte sich wieder ihrem Leseschirm zu. (Harkabeeparolyn. Er war es n�mlich satt, sich sechssilbige Namen zu merken, aber diesen sollte er doch einmal auswendig lernen.) Harkabeeparolyn blickte sich um, als Louis sagte: �Es gibt einen bestimmten Ort, den ich gerne aufsuchen m�chte.�</p><p>�Hier in der Bibliothek?�</p><p>�Hoffentlich. Vor einigen Jahren sah ich so einen Raum, den ich Ihnen jetzt beschreibe: Ich stand im Mittelpunkt eines Kreises, und der Kreis war diese Welt. Der Schirm im Mittelpunkt drehte sich, und man konnte jeden Teil dieser Welt in der Vergr��erung betrachten.�</p><p>�Wir haben einen Kartenraum. Gehen Sie die Treppe ganz nach oben.� Sie wandte sich wieder ab.</p><empty-line/><p>Eine enge Wendeltreppe aus Metall wand sich um die Mittelachse der Bibliothek. Da die Treppe nur am unteren und oberen Ende befestigt war, bog sie sich kr�ftig unter seinem Gewicht durch, als er sie erkletterte. Er kam an T�ren vorbei, die mit Goldbuchstaben versehen waren. Sie waren alle verschlossen. In den oberen Stockwerken f�hrten Torbogen zu langen Reihen von Leseschirmen, vor denen St�hle standen. Louis z�hlte sechsundvierzig St�dtebauer, die vor den Leseger�ten sa�en, und zwei �ltliche Vertreter des Maschinen-Volkes, dazu noch ein untersetztes, sehr haariges M�nnchen unbestimmter Rasse und eine Koboldfrau, die ganz alleine in einem Leseraum sa�.</p><p>Das oberste Stockwerk wurde von dem Kartenzimmer eingenommen. Er wu�te sofort Bescheid, als er das Zimmer betrat.</p><empty-line/><p>Sie hatten das erste Kartenzimmer in einem verlassenen fliegenden Palast entdeckt. Die Wand des Kartenzimmers war ein Ring aus blauer Farbe, der mit wei�en Punkten gesprenkelt war. Da waren auch Globen gewesen von zehn Welten mit Sauerstoffatmosph�re und ein Schirm, der vergr��erte Ausschnitte der Ringwelt zeigte. Aber die Szenen, die dort abgebildet wurden, waren schon mehrere tausend Jahre alt. Sie hatten ihm eine vitale Ringwelt-Zivilisation vorgegaukelt: St�dte mit hellerleuchteten Geb�uden; Magnetfahrzeuge, die durch Ringschlaufen auf der Mauerkrone rasten; Flugzeuge von der Gr��e dieser Bibliothek; Raumschiffe, die mindestens zehnmal so gro� waren.</p><p>Damals hatten sie nicht nach einem Reparaturzentrum gesucht. Sie hatten nur nach einem Fluchtweg von der Ringwelt Ausschau gehalten. Dazu hatten sich diese uralten B�nder nat�rlich nicht geeignet.</p><p>Zudem hatten sie es viel zu eilig gehabt. Also: dreiundzwanzig Jahre sp�ter versuchen wir es noch einmal in einer anderen Notlage.</p><p>Louis Wu trat aus dem Treppenhaus in den Mittelpunkt der Ringwelt hinein, die an der kreisrunden Wand schimmerte. Wo normalerweise die Sonne ihren Platz hatte, war jetzt Louis Wus Kopf. Die Karte der Ringwelt war sechzig Zentimeter gro� und besa� einen Durchmesser von ungef�hr hundertzwanzig Metern. Die Sonnenblenden hatten dieselbe H�he, waren aber dem Zentrum viel n�her, schwebten als Rechtecke von der Fl�che von mehr als tausend Quadratfu� �ber einem pechschwarzen Fu�boden, der mit Tausenden von Sternen gesprenkelt war. Auch die Decke war pechschwarz und zeigte Abertausende von Sternen.</p><p>Louis ging auf eine der Sonnenblenden zu und dann durch dieses Quadrat hindurch. Selbstverst�ndlich waren das Hologramme. Auch die Sonnenblenden in dem Kartenraum, den er vor dreiundzwanzig Jahren betreten hatte, waren Hologramme gewesen. Aber in diesem Raum gab es keine Globen von erd�hnlichen Welten.</p><p>Er drehte sich um, um sich den R�cken der Schattenblenden anzusehen. Er konnte keine Einzelheiten unterscheiden. Da war nichts als ein leicht nach innen gew�lbtes pechschwarzes Rechteck.</p><p>Der Vergr��erungsschirm war besetzt.</p><p>Das war ein rechteckiger Schirm, der neunzig mal sechzig Zentimeter ma�, mit Schaltern unter dem Rahmen und einem Laufgestell, das sich auf einer kreisrunden Schiene bewegen lie�, die zwischen den Sonnenblenden und der Ringwelt angeordnet war. Ein Junge stand vor dem Schirm, auf dem die vergr��erte Ansicht einer Bussard-Rammd�se abgebildet war. Die Bussard-Steuerd�se war in Betrieb, ergl�hte am Heck in einem glei�enden bl�ulichen Licht. Der Junge versuchte offenbar zu erkennen, was sich hinter dieser Steuerd�se befand.</p><p>Er mu�te gerade erst mannbar geworden sein. Sehr d�nnes, flaumiges braunes Haar bedeckte seinen Kopf, verdichtete sich erst �ber dem Nacken zu einer M�hne. Er trug die blaue Robe eines Bibliothekars. Sein Kragen war sehr breit, rechteckig geschnitten und wies eine einzige Kerbe auf. Louis fragte:</p><p>�Darf ich Ihnen �ber die Schulter sehen?�</p><p>Der junge Mann drehte sich um. Seine Gesichtsz�ge waren sehr schwach ausgepr�gt, fast unlesbar, ein Rassemerkmal fast aller St�dtebauer. Aber diese schwachgepr�gten Z�ge lie�en ihn �lter erscheinen. �Steht Ihnen ein solches Wissen zu?�</p><p>�Der Lyar-CIan hat mir alle Privilegien dieser B�cherei erkauft.�</p><p>�Oh.� Der Junge drehte sich wieder dem Schirm zu. �Auch Sie werden auf dem Schirm nichts erkennen k�nnen. Und in zwei Tagen schalten sie die Rammen wieder ab.�</p><p>�Was wollen Sie denn beobachten?�</p><p>�Die Reparaturmannschaft.�</p><p>Louis blinzelte in das grelle Licht der Steuerd�sen. Ein blauwei�er Lichtsturm wehte �ber den Schirm hin, der in seinem Mittelpunkt ein schwarzes Loch aufwies. Die Steuerd�se selbst war ein schwacher rosiger Punkt im Mittelpunkt des schwarzen Loches.</p><p>Elektromagnetische Kraftlinien fingen den hei�en Wasserstoff der Sonnenwinde ein, leiteten ihn in eine bestimmte Richtung und komprimierten ihn bis zur Fusionstemperatur. Und dann stie�en sie die durch die Kernverschmelzung entstandene Energie wieder in Richtung der Sonne aus. Maschinen bem�hten sich in starrsinniger Sisyphusarbeit, die Ringwelt im unwiderstehlichen Sog der Schwerkraft ihrer Sonne festzuhalten, aber auf dem Schirm sah man nur ein blauwei�es Licht und einen rosafarbenen Punkt auf der schwarzen Linie der Ring-Welt-Mauer.</p><p>�Sie sind fast fertig damit�, sagte der Junge. �Wir dachten, sie w�rden uns zu Hilfe rufen, aber sie lie�en sich nicht bei uns sehen.� Die Stimme des Jungen klang nachdenklich.</p><p>�Vielleicht verf�gt ihr hier nicht �ber die Werkzeuge, um ihre Stimmen zu empfangen.� Louis versuchte, seine Stimme ruhig zu halten. <emphasis>Eine Reparaturmannschaft!</emphasis> �Zudem gibt es dort nichts mehr zu tun. Sie haben keine Motoren mehr.�</p><p>�Nein. Sehen Sie.� Der Junge setzte den Beobachtungsschirm in Bewegung. Das Okular raste an der Mauerkrone entlang und hielt pl�tzlich an der Stelle an, die ein gutes St�ck von den blauen Flammen entfernt war. Louis sah Metallst�cke, die von der Mauerkrone herunterfielen.</p><p>Er betrachtete den Vorgang, bis er sich sicher war. Diese Metallst�cke, ein gro�er, wie eine Spindel geformter Zylinder�� das waren die zerlegten Bestandteile, die er bereits durch das Teleskop der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> betrachtet hatte. Das war das Ger�st, mit dessen Hilfe die Steuerd�sen wieder in die Halterungen am Rand der Ringwelt-Mauer eingeh�ngt wurden.</p><p>Die Reparaturmannschaft mu�te diese Ausr�stung verz�gert haben, bis es die solare Umlaufgeschwindigkeit erreicht hatte. Dazu hatten sie einen Teil des Magnetring-Transportsystems ben�tzt. Aber wie wollten sie diesen Proze� umkehren? Die Maschine mu�te am Ziel wieder auf die Rotationsgeschwindigkeit der Ringwelt beschleunigt werden.</p><p>Erreichten sie das durch Reibung mit der Atmosph�re? Diese Materialien konnten vielleicht genau so widerstandsf�hig sein wie <emphasis>Scrith.</emphasis> Falls ja, w�rde ihnen die Reibungshitze nichts anhaben.</p><p>�Und hier.� Der Schirm bewegte sich wieder, diesmal spinnw�rts auf die Raumhafen-Rampe auf der Ringmauer zu. Auf dem Schirm tauchten die vier gro�en Raumschiffe der St�dtebauer auf. <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> war ein kleiner heller Fleck daneben. Louis h�tte ihn selbst in der Vergr��erung �bersehen, wenn er nicht gewu�t h�tte, wo er das Raumschiff suchen mu�te: eine Meile von dem Raumschiff entfernt, das immer noch eine Bussard-Rammd�se auf seiner Au�enhaut trug.</p><p>�Sehen Sie das?� Der Junge deutete auf die kupferfarbenen Windungen der Toroide. �Das ist der letzte Motor, den sie noch ausbauen k�nnen. Wenn die Reparaturmannschaft ihn an der Ringmauer aufgeh�ngt hat, wird sie arbeitslos.�</p><p>Inzwischen fielen Megatonnen von Baumaterial durch die Magnetschleifen der Ringwelt auf die Stelle zu, wo <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> auf der Raumhafen-Rampe parkte. Zweifellos waren diese gewaltigen Mengen von Baumaterial auch von einem Heer von Monteuren begleitet. Das alles kam, auf einem magnetischen Kraftfeld schwimmend, auf den Hintersten zu.</p><p>Der Puppetier war ganz bestimmt nicht erfreut �ber diesen Besuch.</p><p>�Sie werden ihre Arbeit getan haben. Das ist richtig�, erwiderte Louis. �Aber es wird nicht reichen.�</p><p>�Wozu wird es nicht reichen?� �Dar�ber m�chte ich nicht reden. Wie lange arbeitet diese Reparaturmannschaft schon auf der Ringmauer? Und wo kommt sie her?�</p><p>�Keiner will mir etwas sagen�, erwiderte der junge Mann schmollend. <emphasis>�Flup.</emphasis> Stinkender <emphasis>Flup.</emphasis> Warum sind sie alle so nerv�s? Warum frage ich Sie �berhaupt? Sie wissen ja auch nichts.�</p><p>Louis ging nicht darauf ein. �Wer sind diese Leute? Woher wu�ten sie von der Gefahr?�</p><p>�Niemand wei� das. Wir hatten keine Ahnung von diesen Reparaturen, bis sie anfingen, die Maschinen in die Halterungen zu h�ngen.�</p><p>�Wie lange ist das her?�</p><p>�Acht <emphasis>Falans</emphasis>.�</p><p>Rasche Arbeit, dachte Louis. Vor anderthalb Jahren fingen sie also mit der eigentlichen Arbeit an, und man mu�te noch ein paar Monate Vorbereitungszeit hinzurechnen. Wer waren diese Leute? Jedenfalls intelligent, entschlu�freudig, rasch zur Stelle, nicht zaghaft, gro�e Projekte mit entsprechendem Aufwand anzupacken. Man konnte fast glauben, es handelte sich hier um. aber die Protektoren waren schon lange ausgestorben. Sie mu�ten ausgestorben sein.</p><p>�Haben sie auch noch andere Reparaturarbeiten durchgef�hrt?�</p><p>�Lehrer Wilp glaubt, da� sie die Lenzpumpen wieder in Gang gesetzt haben. Wir haben Nebelerscheinungen bei einigen Sch�ttbergen entdeckt. Ist das nicht eine gro�e Sache, so eine Lenzpumpe wieder in Gang zu setzen?�</p><p>Louis dachte dar�ber nach. �Eine gro�e Sache ganz bestimmt. Wenn man die Bagger auf dem Meeresboden wieder in Jetrieb setzen konnte. mu� man immer noch die R�hren anheizen. Sie verlaufen unter dieser Welt. Der Schlamm vom Meeresboden w�rde in einem verstopften Rohr einfrieren, wenn man dieses nicht aufheizt.�</p><p><emphasis>�Flup�</emphasis>, sagte der Junge.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Das braune Zeug, das aus der Lenzpumpe herausflie�t, wird <emphasis>Flup</emphasis> genannt.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Wo kommen Sie her?�</p><p>Louis grinste: �Ich kam von den Sternen, <emphasis>darin</emphasis>.� Er langte �ber die Schulter des Jungen, um auf den winzigen, glitzernden Fleck zu zeigen, der auf dem Schirm die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> darstellte. Die Augen des Jungen wurden ganz gro�.</p><p>Viel ungeschickter als der Junge lenkte Louis jetzt den Schirm auf die Route, die das Landungsboot von der Mauerkrone der Ringwelt aus genommen hatte. Er entdeckte eine wei�e Wolke von der Gr��e eines Kontinents. Darunter mu�te das Feld der Sonnenblumen liegen. Weiter dr�ben auf Backbord war ein gro�er gr�ner Sumpf, dann ein Flu�, der sich ein neues Bett gegraben hatte, w�hrend das alte sich als eine gewundene braune Ader im gelben Sand der W�ste abzeichnete. Er folgte dem ausgetrockneten Flu�bett. Dann zeigte er dem Jungen die Stadt der Vampire. Der Junge nickte.</p><p>Der Junge verlangte danach, zu glauben. <emphasis>Menschen von den Sternen sind gekommen, um uns zu helfen!</emphasis> Aber er f�rchtete sich davor, einen vertrauensseligen Eindruck zu machen. Louis grinste ihn an und fuhr fort, seinen Weg auf dem Schirm zu zeigen.</p><p>Das Land wurde wieder gr�n. Der Stra�e der Maschinen-Leute vermochte er m�helos zu folgen. Die Landschaft links und rechts der Stra�e, hatte einen ganz anderen Charakter. Dann kurvte der Flu� nach Backbord, um wieder in sein altes Bett zu m�nden. Er stellte die Vergr��erung h�her und blickte jetzt auf die fliegende Stadt hinunter. �Wir�, sagte er.</p><p>�Dieser Anblick ist mit vertraut. Erz�hlen Sie mir lieber von den Vampiren.�</p><p>Louis z�gerte. Aber schlie�lich waren die Artgenossen des Jungen die Experten der Ringwelt im Geschlechtsverkehr mit anderen Gattungen. �Sie k�nnen dich dazu zwingen, <emphasis>Rishathra</emphasis> mit ihnen zu treiben. Wenn du das tust, bei�en sie dich in den Hals.� Er zeigte dem Jungen die bereits verheilte Bi�wunde im Nacken. �Chmeee t�teten den Vampir, der. mich angriff.�</p><p>�Warum haben die Vampire ihn nicht bet�rt?�</p><p>�Chmeee l��t sich mit nichts auf dieser Welt vergleichen. Er l��t sich eher von einer Leberwurst-Pflanze verf�hren.�</p><p>�Wir stellen Parf�m aus dem Vampirsekret her�, sagte der Junge.</p><p>�Wie bitte?� War etwas mit dem �bersetzer nicht in Ordnung?</p><p>Der Junge l�chelte ein bi�chen altklug. �Eines Tages werden Sie das selbst erleben. Ich mu� jetzt gehen. Werden Sie sich noch eine Weile hier aufhalten?�</p><p>Louis nickte.</p><p>�Wie hei�en Sie eigentlich? Mich nennt man Kawaresksenjaok.�</p><p>�Luweewu.�</p><p>Der Junge ging in das Treppenhaus hinaus. Louis blickte stirnrunzelnd auf den Schirm hinunter.</p><p>Parf�m? Der Geruch nach Vampiren im Panth-Geb�ude. und nun entsann sich Louis wieder der Nacht, als Halrloprillalar in sein Bett gekommen war, vor dreiundzwanzig Jahren. Sie hatte versucht, ihm ihren Willen aufzuzwingen. Sie hatte es wenigstens gesagt. Hatte sie auch den Duft der Vampire bei ihm verwendet?</p><p>Das spielte nun keine Rolle mehr. �Ich rufe den Hintersten�, sagte er. �Ich rufe den Hintersten.�</p><p>Nichts.</p><p>Der Schirm lie� sich nicht so bewegen wie ein Kreiselkompa�. Er zeigte immer nach au�en, weg von den Sonnenblenden. Etwas entt�uschend, aber auch informativ: es konnte bedeuten, da� die Schirmbilder direkt von den Schattenblenden ausgestrahlt wurden.</p><p>Er verringerte den Ma�stab auf dem Schirm. Er schickte den Fokus mit unglaublicher Geschwindigkeit spinnw�rts, bis er auf eine Wasserwelt hinunterblickte. Er st�rzte hinein wie ein Engel, der einen Kopfsprung vom Himmel herunter macht. Das machte Spa�. Die optischen Einrichtungen der Bibliothek waren erheblich besser als das Teleskop der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis>.</p><p>Die Landkarte der Erde war uralt. Eine halbe Million Jahre hatte die Anordnungen der Kontinente ver�ndert. Oder war die Karte noch viel �lter? Eine Million Jahre? Zwei Millionen Jahre? Ein Geologe w�rde das gewu�t haben.</p><p>Louis bewegte sich von antispinnw�rts nach Steuerbord, bis die Landkarte von Kzin den Schirm ausf�llte: Inseln dr�ngten sich um eine Platte aus schimmerndem Eis. Und wie alt war die Topographie dieser Landkarte? Das konnte wiederum nur Chmeee wissen.</p><p>Louis dehnte den Blickwinkel aus. Er summte leise vor sich hin, w�hrend er �ber einen gelborangefarbenen Dschungel hinhuschte. Sein Blickpunkt kreuzte ein breites Silberband. Es folgte dem Flu� bis zum Meer. Wo die Fl�sse sich vereinigten, mu�ten sich St�dte befinden.</p><p>Fast w�re er dar�ber hinweggehuscht. Ein Delta, wo zwei Fl�sse sich vereinigten; ein blasses Gittermuster, das sich �ber die Dschungelfarben legte. Manche menschlichen St�dte hatten �Gr�ng�rtel�, aber in dieser Stadt der Kzinti mu�ten diese Gr�nfl�chen viel gr��er sein als die Geb�ude. Als Louis die h�chste Vergr��erung einstellte, konnte er gerade noch das Muster der Stra�en ausmachen.</p><p>Die Kzinti hatten nie eine Vorliebe f�r gro�e St�dte entwickelt. Daf�r war ihr Geruchssinn zu fein entwickelt. Diese Stadt war fast so gro� wie der Regierungssitz des Patriarchats auf der echten Welt von Kzin.</p><p>Sie hatten St�dte. Was hatten sie noch? Falls sie eine Industrie entwickelt hatten, brauchten sie. Seeh�fen? Bergwerksst�dte? Er mu�te weiter suchen.</p><p>Hier war der Dschungel nur noch ein gelichteter Buschwald. Das Gelb-Braun der nackten Erde schimmerte zwischen den B�umen in einem Muster, das keinesfalls eine Stadt sein konnte. Es glich einer Armbrust-Zielscheibe, die sich bei zu gro�er Hitze etwas verworfen hatte. M�glicherweise handelte es sich dabei um eine sehr alte und sehr gro�e Tagebau-Mine.</p><p>Vor einer halben Million Jahren oder zu einer noch weiter zur�ckliegenden Zeit hatte man hier ein paar Kzinti als Muster ausgesetzt. Louis rechnete nicht damit, eine Bergwerksstadt zu finden. Sie konnten froh sein, wenn es dort �berhaupt noch etwas abzubauen gab. Eine halbe Million Jahre waren sie auf eine einzige Welt beschr�nkt gewesen�� eine Welt, deren Oberfl�che schon nach drei�ig oder vierzig Metern zu Ende war. Aber offenbar hatten die Kzinti auf dieser Welt ihre Zivilisation bewahren k�nnen.</p><p>Diese Katzenwesen waren keine Dummk�pfe. Sie hatten eine eindrucksvolle interstellare Zivilisation beherrscht. Tanj, es waren die Kzinti gewesen, die den Menschen den Gebrauch von Schwerkraft-Generatoren lehrten. Und Chmeee mu�te schon vor Stunden die Landkarte der Kzin erreicht haben auf der Suche nach Bundesgenossen gegen den Hintersten.</p><p>Louis war dem Flu� bis zum Meer gefolgt. Nun huschte er mit seinem �Gottesauge� nach �S�den�, an der K�ste des gr��ten Kontinents der Kzin-Karte entlang. Er erwartete, dort H�fen zu entdecken, obgleich die Kzinti sich nicht gerne Schiffen anvertrauten. Sie mochten das Meer nicht. Ihre Seeh�fen waren eher Industriezentren. Keiner von den Kzinti wohnte zu seinem Vergn�gen an der K�ste.</p><p>Aber das galt auch f�r das echte Imperium der Kzinti, wo man Schwerkraftgeneratoren schon seit Jahrtausenden verwendete. Louis blickte jetzt durch sein �Gottesauge� auf einen Hafen hinunter, der durchaus mit New York konkurrieren konnte. Da schlugen die Wellen an die Molen, von Schiffen erzeugt, die mann gerade noch zu erkennen vermochte. Das Hafenbecken war so rund wie ein Meteorkrater.</p><p>Louis ging mit der Vergr��erung wieder hinunter, r�ckte den Blickpunkt h�her in den Himmel hinauf, um eine bessere �bersicht zu erhalten.</p><p>Seine Augenlider zuckten. Hatte sein Unverm�gen, Entfernungen zu sch�tzen, ihm wieder einen Streich gespielt? Oder hatte er die Hebel falsch bedient?</p><p>Da war ein Schiff, das quer im Hafenbecken vert�ut lag. Im Vergleich zur Gr��e des Schiffes sah das Hafenbecken aus wie eine Badewanne.</p><p>Aber die Bugwellen der kleineren Schiffe waren immer noch zu erkennen. Das Schiff war also echt. Er sah auf einen Ozeandampfer hinunter, der so gro� war wie eine Stadt. Mit diesem Schiff konnte man die M�ndung dieses Naturhafens vollkommen versperren.</p><p>Sie w�rden diesen Dampfer nicht oft bewegen, dachte Louis. Die Schiffsschrauben mu�ten den Schlamm vom Meeresboden aufwirbeln. Wenn das Schiff den Hafen verlie�, mu�te sich auch das Wellenmuster im Hafenbecken ver�ndern. Und wie wollten die Kzinti so ein riesiges Seefahrzeug mit Treibstoff versorgen? Hatten sie �berhaupt den Treibstoff f�r so ein gewaltiges Schiff? Und woher hatten sie das Metall f�r diesen Giganten genommen?</p><p>Weshalb hatten sie das Ding �berhaupt gebaut?</p><p>Louis hatte sich bisher keine ernsthaften Gedanken dar�ber gemacht, ob Chmeee auf der Landkarte von Kzin finden w�rde, was er suchte. Doch jetzt glaubte er fast daran.</p><p>Er drehte wieder an den Bedienungseinrichtungen der Optik. Sein Blickpunkt wich hinter die Atmosph�re bis ins All zur�ck, da� die Landkarte von Kzin nur noch ein Muster kleiner Punkte auf einer riesigen blauen Fl�che war. Andere Weltkarten tauchten am Rande des Schirmes auf.</p><p>Die Weltkarte, die der Topographie von Kzin am n�chsten lag, stellte sich als runder rosiger Punkt dar. Das war die Weltkarte des Mars. und sie war von der Weltkarte der Kzin genauso weit entfernt wie der Mond von der Erde.</p><p>Wie konnte man solche Entfernungen �berhaupt bew�ltigen? Selbst mit einem Teleskop konnte man h�chstens zweihunderrtausend Meilen Atmosph�re optisch bew�ltigen. Wenn man sich vorstellte, da� man diese Entfernung mit einem Schiff zur�cklegen wollte�� selbst mit einem Schiff von der Gr��e einer Kleinstadt�� tanj!</p><p>�Ich rufe den Hintersten. Louis Wu ruft den Hintersten.� Die Zeit brannte Louis Wu auf den N�geln, w�hrend ein Heer von Monteuren sich auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> zubewegte und Chmeee die Weltkarte von Kzin nach Kriegern absuchte. Louis hatte nicht vor, den Hintersten �ber diese Vorg�nge zu unterrichten. Damit w�rde er den Puppetier nur aufregen.</p><p>Aber was lenkte den Hintersten so sehr ab, da� er nicht einmal einen Funkruf beantworten konnte?</p><p>Doch was wu�te ein Mensch schon davon, was ein Puppetier trieb, wenn er sich unbeobachtet f�hlte.</p><p>Also setze deine Beobachtungen fort.</p><p>Louis schraubte den Ma�stab so weit herunter, bis er beide Ringmauern zugleich sehen konnte. Er suchte nach der �Faust Gottes� in der N�he der Mittellinie der Ringwelt, die sich auf der Backbordseite des gro�en Ozeans befand. Er vermochte den Berg nicht zu entdecken. Er vergr��erte den Ma�stab. Eine W�ste, deren Fl�che gr��er war als die Erde, geh�rte auf diesem Planeten immer noch zu den kleinen topografischen Erscheinungen. Aber da war sie�� r�tlich und kahl. Und der Fleck in der Mitte war. die �Faust Gottes�, tausend Meilen hoch, der Gipfel ein Krater, von nacktem <emphasis>Scrith</emphasis> umgeben.</p><p>Er suchte die Backbordseite des riesigen Berges ab, entdeckte die Schleifspur, die bei der Notlandung der <emphasis>Liar</emphasis> entstanden war. Und dann erreichte er wieder die K�ste, ein weit vorgeschobener Seitenarm des Gro�en Ozeans. Damals hatten sie an der K�ste der Bucht gestanden. Louis suchte nun nach dem Orkanauge unter der �Faust Gottes�.</p><p>Aber die Wolke, die zu diesem Wirbelsturm geh�rte, war verschwunden.</p><p>�Ich rufe den Hintersten! Im Namen von Kdapt und Finagle und Allah rufe ich den Hintersten! Tanj, ich rufe.�</p><p>�Ich bin hier, Louis.�</p><p>�Okay! Ich befinde mich in einer Bibliothek in der fliegenden Stadt. Sie haben hier ein Kartenzimmer. Ich verweise auf die Aufzeichnungen von Nessus, die sich auf das Kartenzimmer beziehen, welches wir.�</p><p>�Ich kenne die Aufzeichnungen�, unterbrach ihn der Puppetier kalt.</p><p>�Okay. Das Kartenzimmer, das wir damals besuchten, hatte nur alte Videob�nder. Aber dieses hier zeigt die Welt der Gegenwart!�</p><p>�Bist du dort sicher?�</p><p>�Sicher? Oh, verh�ltnism��ig. Ich ben�tzte das Superleitertuch, um mir Freunde und einen gewissen Einflu� zu verschaffen. Aber ich bin jetzt in der fliegenden Stadt gefangen. Selbst wenn ich mir durch Bestechungsgeschenke den Weg aus der Stadt freikaufe, mu� ich noch an der Station der Maschinen-Leute auf dem Himmelsh�gel vorbei. Ich m�chte mir nicht gerne den Fluchtweg freischie�en.�</p><p>�Sehr klug.�</p><p>�Was gibt es Neues bei dir?�</p><p>�Zweierlei. Erstens habe ich Hologramme von den beiden anderen Raumh�fen erhalten. Alle elf Schiffe sind ausgeschlachtet.�</p><p>�Das bedeutet, alle Bussard-Rammd�sen wurden entfernt, nicht wahr?�</p><p>�Ja, alle.�</p><p>�Und zweitens?�</p><p>�Du kannst keine Hilfe von Chmeee erwarten. Das Landungsboot ist auf der Weltkarte von Kzin im Gro�en Ozean niedergegangen�, berichtete der Puppetier. �Ich h�tte das sofort wissen m�ssen. Der Kzin ist desertiert und hat das Landungsboot mitgenommen.�</p><p>Louis fluchte leise. Er h�tte diesen k�hlen, leidenschaftslosen Ton sofort durchschauen m�ssen. Der Puppetier war schrecklich aufgeregt. Er hatte keine Kontrolle mehr �ber die feinen Nuancen der menschlichen Sprache. �Wo befindet er sich jetzt? Was tut er im Augenblich?�</p><p>�Ich beobachtete ihn durch die Kameras des Landungsbootes, als er die Weltkarte von Kzin umkreiste. Er fand dort ein ger�umiges, seet�chtiges Schiff.�</p><p>�Ich fand das ebenfalls.�</p><p>�Und deine Schl�sse?�</p><p>�Sie versuchten, die anderen Weltkarten zu erforschen oder zu kolonisieren.�</p><p>�Ja. Im bekannten Weltall haben die Kzinti schlie�lich auch andere stellare Systeme erobert. Auf der Weltkarte von Kzin m�ssen sie neugierig geworden sein, was am anderen Ende des Ozeans liegt. Nat�rlich halte ich es nicht f�r wahrscheinlich, da� sie auch hier die Raumfahrt entwickelten.�</p><p>�Nein.� Der erste Schritt auf dem Weg zur Raumfahrt ist der Versuch, ein Objekt in eine Umlaufbahn zu bringen. Auf der Welt von Kzin betrug die niedrigste Umlaufgeschwindigkeit ungef�hr sechs Meilen pro Sekunde. Auf der Weltkarte des Kzin h�tte man f�r eine Umlaufgeschwindigkeit den Gegenstand auf siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde beschleunigen m�ssen. �Sie k�nnen auch nicht sehr viele von diesen Riesenschiffen gebaut haben. Woher wollten sie die Metalle f�r diese Wasserfahrzeuge hernehmen? Und eine Seereise mit so einem Schiff dauerte im besten Fall Jahrzehnte. Ich frage mich sogar woher sie wissen konnten, da� es noch andere Weltkarten auf diesem Ozean gibt.�</p><p>�Vielleicht schossen sie teleskopische Kameras mit Raketen in den Weltraum. Die Kameras mu�ten aber sehr rasch arbeiten. Eine ballistische Rakete erreicht keinen Orbit. Sie steigt in die Stratosph�re und f�llt dann wieder herunter.�</p><p>�Ich frage mich, ob sie sogar bis zur Weltkarte der Erde vorgesto�en sind? Immerhin liegt sie noch hunderttausend Meilen jenseits des Mars. und Mars eignet sich nur sehr schlecht als Aufmarschgebiet f�r eine gro�e Invasion.� Was w�rden die Kzinti auf der Weltkarte der Erde gefunden haben? Nur einen <emphasis>Homo habilis</emphasis> oder etwa auch Pak-Protektoren? �Ich entdeckte auch eine Weltkarte von Down auf Steuerbord, aber ich kenne die Welt nicht, die antispinnw�rts liegt.�</p><p>�Wir kennen sie. Die Eingeborenen sind kommunale Intelligenzen. Wir erwarten, da� sie niemals die Entwicklungsstufe der Raumfahrt erreichen. Ihre Schiffe m��ten einen ganzen Bienenstaat transportieren.�</p><p>�Gastfreundlich?�</p><p>�Nein. Sie w�rden sich heftig gegen die Kzinti gewehrt haben. Und die Kzinti haben eindeutig den Versuch aufgegeben, den Gro�en Ozean zu erobern. Sie scheinen dieses Riesenschiff nur noch zur Blockade ihres Hafens zu benutzen!�</p><p>�Ja. Ich vermute, dort befindet sich auch der Regierungssitz. Du hattest aber anfangs von Chmeee gesprochen.�</p><p>�Zun�chst kreiste er �ber der Weltkarte von Kzin, um die Lage zu erkunden. Dann schwebte er �ber dem gro�en Schiff. Flugzeuge stiegen auf und griffen ihn mit Explosiv-Raketen an. Chmeee lie� das zu, und die Raketen konnten ihm auch nichts anhaben. Dann zerst�rte Chmeee vier Flugzeuge. Die �brigen setzten ihre Angriffe fort, bis ihr Waffen- und Treibstoffvorrat ersch�pft war. Als sie zu dem gro�en Schiff zur�ckkehrten, folgte Chmeee ihnen zum Landedeck. Das Landungsboot befindet sich im Augenblick auf dem Landedeck des Riesenschiffes. Dort werden die Angriffe gegen Chmeees Landungsboot fortgesetzt. Louis, sucht er Verb�ndete gegen mich?�</p><p>�Falls es dich beruhigen kann�� er wird auf der Weltkarte von Kzin nichts finden, das einer General-Product-Zelle etwas anhaben k�nnte. Diese Burschen k�nnen ja nicht einmal das Landungsboot knacken.�</p><p>Es folgte eine lange Pause. Dann: �Vermutlich hast du recht. Die Flugzeuge verwendeten mit Wasserstoff angetriebene D�sen und Raketen, die von chemischen Exposivstoffen angetrieben werden. Jedenfalls mu� ich dich jetzt selbst retten. Du mu�t dich darauf vorbereiten, da� die Sonde mit Einbruch der Abendd�mmerung dich abholt.�</p><p>�Und was dann? Da liegt immer noch die Ringmauer dazwischen. Du sagtest mir; die Transportscheiben k�nnten das <emphasis>Scrith-</emphasis>Material nicht durchdringen.�</p><p>�Ich habe die zweite Sonde mit Transportscheiben ausger�stet. Sie wartet auf der Ringmauer als Relaisstation.�</p><p>�Wenn du es sagst, wird es so sein. Ich befinde mich in einem Geb�ude an der Backbord-Spinnw�rts-Peripherie der Stadt. Das Dach ist geformt wie ein stumpfer Kegel. Stelle die Sonde so ein, da� sie �ber dem Geb�ude schwebt, bis wir uns einig sind, was mir ihr geschehen soll. Ich bin nicht sicher, da� ich bereits heute abend wieder abreisen m�chte.�</p><p>�Das mu�t du aber.�</p><p>�Aber alle Antworten, die wir brauchen, k�nnten sich direkt vor meiner Nase hier in der Bibliothek befinden!�</p><p>�Und hast du bereits etwas gefunden?�</p><p>�Bisher nur Bruchst�cke. Aber alles, was Halrloprillalars Artgenossen erforscht und erfunden haben, ist irgendwo in diesem Geb�ude versteckt. Ich m�chte auch die Kobolde ausfragen. Sie sind die M�ll- und Aasbeseitiger, und sie scheinen �berall auf dieser Welt zu sein.�</p><p>�Bisher hast du nur gelernt, noch mehr Fragen zu stellen. Also gut, Louis. Du hast mehrere Stunden Zeit f�r deine Nachforschungen. Und mit dem Einbruch der Abendd�mmerung kommt die Sonde zu dir.�</p></section><section><title><p>22. Der Diebstahl</p></title><p>Die Kantine befand sich in der Mitte des Geb�udes. Louis bedankte sich f�r eine kleine Gl�cksstr�hne: die St�dtebauer waren Allesesser. Das Eintopfgericht, das aus Fleisch und Pilzen bestand, h�tte etwas mehr Salz vertragen; doch es f�llte wenigstens das Vakuum in seinem Magen.</p><p><emphasis>Niemand</emphasis> hatte hier wohl Bed�rfnis nach Salz. Und alle Meere auf dieser Welt bestanden aus S��wasser, wenn man von den beiden Gro�en Ozeanen einmal absah.</p><p>Vielleicht war er der einzige Hominide auf der Ringwelt, der Salz ben�tigte, und ohne dieses Mineral konnte er auf die Dauer nicht auskommen.</p><p>Er a� rasch. Die Zeit sa� ihm im Nacken. Der Puppetier war schon ganz hippelig. Es war fast schon ein Wunder, da� er noch nicht geflohen und Louis, den abtr�nnigen Chmeee und die Ringwelt ihrem Schicksal �berlassen hatte. Louis empfand sogar einen gewissen Respekt vor dem Puppetier, da� er seine artspezifische Angst unterdr�ckte, um sein gekidnapptes Besatzungsmitglied zu retten.</p><p>Doch der Puppetier konnte rasch seinen Mut verlieren, wenn er die Reparaturmannschaft auf sich zukommen sah. Louis beabsichtigte, auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> zur�ckzukehren, ehe der Hinterste sein Teleskop in diese Richtung drehte.</p><p>Er kehrte in die oberen R�ume der Bibliothek zur�ck.</p><p>Die Leseschirme, die er ausprobierte, zeigten ihm nur unverst�ndliche Texte ohne Bilder und Stimme. Schlie�lich entdeckte er vor einer Schirmbildwand eine ihm vertraute Robe mit einem gekerbten Kragen.</p><p>�Harkabeeparolyn?�</p><p>Die Bibliothekarin drehte sich um. Kleine flache Nase; Lippen, so d�nn wie Messerr�cken; kahler Scheitel und ein h�bsch geformter Sch�del; lange wellige wei�e Haare. appetitlich gerundete H�ften und sch�ne Beine. Nach menschlichen Begriffen mu�te sie ungef�hr vierzig Jahre alt sein. Die St�dtebauer alterten vielleicht langsamer als Menschen, vielleicht auch schneller; Louis wu�te das nicht.</p><p>�Ja?�</p><p>Ihre Stimme klang ungehalten. Louis zuckte zusammen. Er sagte: �Ich brauche einen Schirm mit einem Stimmencomputer und ein Leseband, das mir die Eigenschaften des <emphasis>Scrith</emphasis> beschreibt.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Ich wei� nicht, was Sie meinen. Einen Stimmen-Computer?�</p><p>�Ich m�chte, da� das Leseband seinen Text laut vorliest.�</p><p>Harkabeeparolyn starrte ihn an, dann lachte sie. Sie versuchte, das Lachen noch zu ersticken, aber es gelang ihr nicht mehr. Daf�r war es auch zu sp�t. Sie waren bereits im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit. �So etwas haben wir nicht. So etwas hat es nie gegeben�, versuchte sie zu fl�stern, aber das Kichern gewann wieder die Oberhand und formulierte den n�chsten Satz mit unerw�nschter Lautst�rke: �Wieso, k�nnen Sie nicht lesen?�</p><p>Blutiger Tanj! Louis sp�rte, wie ihm das Blut in die Ohren und den Nacken stieg. Die Kenntnisse des Lesens und des Schreibens waren selbstverst�ndlich f�r ein gebildetes Wesen, und fr�her oder sp�ter lernte jeder das Lesen, wenigstens Texte, die in Interworld abgefa�t waren. Aber diese Kenntnisse waren nicht lebenswichtig. Jede Welt hatte ihre Stimmen-Computer! Und ohne Stimmen-Computer hatte sein �bersetzer keine M�glichkeit, ihm den Text in seine Sprache umzuwandeln.</p><p>�Ich brauche mehr Hilfe, als ich gedacht hatte. Ich brauche jemanden, der mir die Leseb�nder vorliest.�</p><p>�Sie brauchen mehr, als Ihnen zusteht. Sie haben daf�r nicht bezahlt. Ihr Meister mu� neu verhandeln.�</p><p>Louis wollte es nicht riskieren, diese aufgebrachte, ja feindselige Frau zu bestechen. �K�nnen Sie mir wenigstens helfen, die Leseb�nder zu finden, die ich brauche?�</p><p>�Daf�r haben Sie bezahlt. Sie haben sogar das Recht eingekauft, mich von meinen eigenen Nachforschungen abzulenken. Sagen Sie nur, was Sie w�nschen�, sagte sie energisch. Sie dr�ckte auf ihre Tasten, und sonderbare Schriftzeichen erschienen auf ihrem Schirm. �Die charakteristischen Merkmale des <emphasis>Scrith?</emphasis> Hier ist ein physikalischer Text. Darin sind ein paar Kapitel enthalten �ber die Struktur und Dynamik der Welt mit einigen Passagen �ber <emphasis>Scrith.</emphasis> Vielleicht ist dieser Text zu hoch f�r Sie.�</p><p>�Ich m�chte dieses Leseband und einen Text �ber die Grundbegriffe der Physik.�</p><p>Sie blickte ihn zweifelnd an. �Also gut.� Sie dr�ckte noch ein paar Tasten nieder. �Hier ist ein altes Band f�r Ingenieur-Studenten �ber die Konstruktion des Ringtransportsystems auf der Ringwelt-Mauer. Heute ist es aber nur noch von historischem Interesse; aber vielleicht k�nnen Sie noch etwas daraus lernen.�</p><p>�Das Band m�chte ich haben. Sind Ihre Leute auch schon mal <emphasis>unter</emphasis> dieser Welt gewesen?�</p><p>Harkabeeparolyn reckte sich. �Ich bin �berzeugt, da� wir dort gewesen sind. Wir beherrschten diese Welt und die Sterne, und zwar mit Maschinen, vor denen die Maschinen-Leute in Ehrfurcht erstarren w�rden, wenn wir sie noch bes��en.� Sie dr�ckte erneut auf die Tasten. �Aber leider gibt es keine schriftlichen Zeugnisse �ber den von Ihnen eben erw�hnten Vorgang. Was wollen Sie mit allen diesen B�ndern anfangen?�</p><p>�Das wei� ich jetzt noch nicht. K�nnen Sie mir auch helfen, den Ursprung der alten Unsterblichkeits-Droge aufzusp�ren?�</p><p>Diesmal lachte Harkabeeparolyn leise, fast angenehm. �Ich bezweifle, da� Sie so viele Buchspulen auf einmal tragen k�nnen. Die Erfinder des Lebenselixiers bewahrten ihr Geheimnis bis zum Tod. Alle, die dar�ber schrieben, haben das Elixier nie gefunden. Aber ich kann Ihnen religi�se Texte geben, Polizeiberichte, Erz�hlungen von Hochstaplern und Betr�gern, die behaupteten, das Rezept des Lebenselixiers zu besitzen, und Berichte von Expeditionen, die die Welt nach dieser Droge absuchten. Hier ist zum Beispiel eine Geschichte von einem unsterblichen Vampir, der die grasessenden Riesen tausend <emphasis>Falans</emphasis> lang heimsuchte, mit den Jahren immer gerissener wurde, bis.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Man fand nie seinen Schatz mit dem Lebenselixier. Also nicht. Dann wollen wir mal weitersehen. das Ktistek-Geb�ude schlo� sich dem Zehner-Klub an, weil den anderen Clans das Lebenselixier noch vor dem Ktistek-Clan ausging. Eine faszinierende Studie politischer Machenschaften.�</p><p>�Nein, lassen wir das Thema. Wissen Sie etwas von dem Gro�en Ozean!�</p><p>�Es gibt <emphasis>zwei</emphasis> Gro�e Ozeane�, wies sie ihn zurecht. �Nachts kann man sie sehr leicht am Himmelsbogen erkennen. In ein paar alten M�rchen wird behauptet, da� die Unsterblichkeitsdroge aus dem Ozean antispinnw�rts k�me.�</p><p>�Aha.�</p><p>Harkabeeparolyn l�chelte ironisch. Der kleine Mund konnte sogar recht kokett aussehen. �Sie sind naiv. Man kann nur zwei topografische Details auf dem Himmelsbogen mit dem nackten Auge erkennen. Nun gab es einmal etwas Wertvolles, das aus weiter Ferne herantransportiert werden mu�te und seit Jahrhunderten nicht mehr erh�ltlich ist�� wen nimmt es Wunder, da� jemand das M�rchen aufbringt, die Unsterblichkeitsdroge kam aus einem der Gro�en Ozeane? Wer kann das leugnen oder einen anderen Ursprung angeben?�</p><p>Louis seufzte. �Sie haben vermutlich recht.�</p><p>�Luweewu, wie k�nnen diese Fragen logischerweise miteinander verbunden sein?�</p><p>�Vielleicht sind sie es nicht.�</p><p>Sie brachte ihm die Lesespulen, die er verlangt hatte, und noch eine dazu: Ein M�rchenbuch vom Gro�en Ozean f�r Kinder. �Ich kann mir nicht vorstellen, was Sie mit diesen Lesespulen anfangen wollen. Sie werden sie nicht stehlen k�nnen. Sie werden durchsucht, ehe Sie die Bibliothek wieder verlassen, und Sie k�nnen auch keine Lesemaschine mitnehmen.�</p><p>�Ich bedanke mir f�r Ihre Hilfe.�</p><empty-line/><p>Er brauchte einen Vorleser f�r die B�nder.</p><p>Er besa� nicht den Mut, irgendeinen Fremden anzusprechen. Vielleicht traf er einen Fremden, der ihm ein wenig vertraut war? In einem der Leser�ume hatte ein Kobold gesessen. Wenn die Kobolde in der Schatten-Farm schon �ber Louis Wu Bescheid wu�ten, dann traf das vielleicht auch f�r diesen Kobold im Lesesaal zu.</p><p>Doch der Kobold war verschwunden und hatte nur seinen Duft zur�ckgelassen.</p><p>Louis lie� sich in einen Sessel vor dem Leseschirm fallen und schlo� die Augen. Die f�r ihn wertlosen Spulen steckten in seinen Westentaschen. <emphasis>Noch gebe ich mich nicht geschlagen</emphasis>, dachte er. <emphasis>Vielleicht finde ich den Jungen aus dem Kartenzimmer wieder. Vielleicht kann ich Fortaralisplyar doch noch �berreden, mir die Texte laut vorzulesen. Oder mir wenigstens einen Gehilfen f�r diesen Zweck zu schicken. Das wird nat�rlich einiges kosten. Alles kostet hier etwas, und sobald es etwas kostet, dauert es auch l�nger.</emphasis></p><p>Die Lesemaschine war ein schwerer, unf�rmiger Kasten, der noch dazu mit einem Kabel an der Wand befestigt war. Die Hersteller dieser Maschine hatten den Superleiter-Draht nicht mehr gekannt. Louis f�delte eine Spule in den Apparat und starrte die f�r ihn sinnlosen Schriftzeichen an. Der Schirm zeigte nur den nackten Text. Er besa� weder einen Lautsprecher noch ein Mikrophon. Harkabeeparolyn hatte ihm die Wahrheit gesagt.</p><p>Ich darf meine Zeit nicht sinnlos verschwenden.</p><p>Louis stand auf. Ich blieb keine andere Wahl mehr.</p><empty-line/><p>Das Dach der Bibliothek war ein weitl�ufiger Garten. Die Gartenwege strahlten spiralf�rmig vom Mittelpunkt aus, wo die Wendeltreppe in den Dachgarten m�ndete. Riesige nektarerzeugende Blumen wuchsen in der fetten schwarzen Erde zwischen den Gehsteigen. Da gab es auch kleine dunkelgr�ne F�llh�rner mit winzigen blauen Blumen im Kelch, und ein Kissen von Zwergpflanzen, in dem die meisten �Leberw�rste�-Knospen aufgebrochen waren und jetzt goldene Bl�tenbl�tter zeigten. Dar�ber B�ume, von denen gr�ngelbe Girlanden herabhingen, die aussahen wie riesige Spaghetti.</p><p>Auf den weit verstreuten B�nken sa�en Paare, die Louis sich selbst �berlie�en. Bei den Besuchern �berwogen die Bibliothekare und Bibliothekarinnen in ihren blauen Roben. Ein gro�gewachsener Bibliothekar begleitete eine l�rmende Gruppe von Touristen, die der Rasse der H�ngenden Leute angeh�rten. Keiner sah aus wie ein W�chter. Keine Rampen f�hrten von dem Dach der Bibliothek nach unten. Hier gab es nichts zu bewachen, es sei denn, ein Dieb konnte fliegen.</p><p>Louis hatte vor, die Gastfreundschaft, die er geno�, mit Undank zu vergelten. Zugegeben, er hatte f�r diese Gastfreundschaft bezahlt. trotzdem peinigte ihn der Gedanke an sein Vorhaben.</p><p>Der Wasser-Kondensator erhob sich vom Dachrand wie eine Skulptur eines dreieckigen Segels. Von dort lief das Wasser in einen wie eine Mondsichel geformten Teich. In diesem Teich plantschten Kinder der St�dtebauer. Louis h�rte seinen Namen: �Luweewu!� und drehte sich gerade noch rechtzeitig um, um einen Ball auffangen zu k�nnen.</p><p>Der braunhaarige Junge, mit dem er im Kartenzimmer gesprochen hatte, schlug in die H�nde und bat, da� er ihm den Ball zur�ckwerfen sollte.</p><p>Louis schwankte. Sollte er den Jungen mahnen, das Dach zu verlassen? Es w�rde bald zu einem hei�en Pflaster werden. Aber der Junge war intelligent. Vielleicht intelligent genug, um die Konsequenz seiner Warnung zu begreifen und nach den W�chtern zu rufen.</p><p>Louis warf ihm den nassen Ball wieder zur�ck, winkte und entfernte sich.</p><p>Wenn ihm nur etwas eingefallen w�re, wie er das Dach von Hominiden r�umen konnte!</p><p>Am Dachrand befanden sich keine Gel�nder. Louis bewegte sich sehr vorsichtig. Er umrundete eine kleine Baumgruppe, deren St�mme so verdreht aussahen wie ausgewrungene W�schest�cke.</p><p>Hier schien er ganz f�r sich zu sein. Hier konnte er auch seinen �bersetzer verwenden.</p><p>�Hinterster?�</p><p>�Zur Stelle. Chmeee wird immer noch angegriffen. Er hat einmal hart zur�ckgeschlagen und einen Raketenwerfer auf dem gro�en Schiff weggeschmolzen. F�r mich sind seine Motive r�tselhaft.� �Vermutlich wollte er seinen Gegnern beweisen, wie m�chtig seine eigenen Waffen sind. Dann wird er verhandeln.�</p><p>�Wor�ber wird er verhandeln?�</p><p>�Vielleicht wei� er das selbst noch nicht. Ich bezweifle, da� sie viel f�r ihn tun k�nnen. Vielleicht werden sie ihm ein paar Weibchen vorstellen. Hinterster, leider habe ich hier keine M�glichkeit, Nachforschungen anzustellen, weil ich die Leseb�nder nicht entziffern kann. Zudem habe ich mir viel zuviel Lesestoff besorgt. Es w�rde eine Woche dauern, bis ich das alles durchgeackert habe.�</p><p>�Was k�nnte Chmeee alles in einer Woche anstellen? Ich m�chte nicht so lange bleiben, um das herauszufinden.�</p><p>�Ja. Ich habe ein paar Lesespulen in der Tasche. Sie werden uns fast alles verraten, was wir wissen wollen, wenn wir sie nur lesen k�nnten. Und wie schaffen wir das? Hast du eine Idee?�</p><p>�Dazu brauchten wir eine von ihren Lesemaschinen. Kannst du mir so einen Apparat besorgen? Dann k�nnte ich die B�nder durchlaufen lassen und sie vom Schirm abfotografieren f�r den Computer der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis>.�</p><p>�Sie sind sehr schwer. Zudem h�ngen sie an einem dicken Kabel fest.�</p><p>�Schneide die Kabel durch.�</p><p>Louis seufzte. �Okay. Und was dann?�</p><p>�Ich sehe die schwebende Stadt bereits durch die Kamera der Sonde. Ich werde die Sonde zu dir fernsteuern. Du mu�t den Deuterium-Filter entfernen, um die Transportscheibe freilegen zu k�nnen. Hast du ein Werkzeug bei dir?�</p><p>�Nicht einen Schraubenschl�ssel. Das einzige Werkzeug, das ich besitze, ist der Handscheinwerfer-Laser. Du sagst mir, wo ich den Schneidbrenner ansetzen mu�.�</p><p>�Hoffentlich lohnt es sich, da� ich die H�lfte meiner Kraftstoffreserve verliere. Also gut. Wenn du dir eine Lesemaschine verschaffen kannst und sie durch das Schoot geht und auf die Transportscheibe, okay. Und vergi� nicht die Tapes mitzubringen, wenn die Maschine auch nicht durch die Luke pa�t. Vielleicht kann ich doch ein Mittel finden, sie zu entziffern.�</p><empty-line/><p>Louis stand am Rand des Bibliotheksdaches und blickte an seinen Zehen vorbei senkrecht nach unten, in das dunkle Webmuster der Schatten-Farm. Am Rand der Farm herrschte Mittagslicht. Rechteckig gemustertes Ackerland dehnte sich hinter der Stadt aus. Der Schlangenflu� f�hrte sein Wasser nach Backbord und verschwand zwischen niedrigen H�geln. Hinter den H�geln lagen Seen, Ebenen, ein kleiner Gebirgszug, noch kleinere Seen, alles mit wachsender Entfernung verblauend. und schlie�lich der Himmelsbogen, der schwindelerregend am Horizont in die H�he stieg. Halb hypnotisiert wartete Louis unter dem hellen Himmel. Es gab nichts, was er hier noch tun konnte. Er war sich kaum der dahinflie�enden Zeit bewu�t.</p><p>Die Sonde kam auf einem blauen Flammenschweif vom Himmel herunter. Wo die kaum noch sichtbare Flamme das Dach ber�hrte, verwandelten sich Pflanzen und Humus in ein orangefarbenes Inferno. Schm�chtige H�nge- Leute und blau gekleidete Bibliothekare fl�chteten zur Treppe. Nasse Kinder rannten schreiend hinter ihnen her.</p><p>Die Sonde setzte sich in ihr Flammenbett und kippte zur Seite, von Steuerd�sen abgebremst. Ein Kranz von winzigen D�sen war an ihrem oberen Rand befestigt, und dazu kam noch die Schubd�se am Heck. Die Sonde war sechs Meter lang und drei Meter dick, vollgestopft mit Kameras und anderen Instrumenten.</p><p>Louis wartete, bis das Feuer auf dem Dach fast ausgegangen war. Dann watete er durch Kohlen und Asche zur Sonde. Soweit er das �bersehen konnte, war das Dach leer�� zum Gl�ck keine Toten.</p><p>Die Stimme des �bersetzers leitete ihn an, als er das dicke Molekularsieb in der Spitze der Sonde mit dem Laser beseitigte. Endlich hatte er eine Transportscheibe freigelegt. Er fragte: �Und was jetzt?�</p><p>�Ich habe die Transportscheibe in der anderen Sonde r�ckw�rts geschaltet und den Filter entfernt. Kannst du dir eine Lesemaschine besorgen?�</p><p>�Ich werde es versuchen. Aber die Sache gef�llt mir nicht.� �In zwei Jahren spielt das alles keine Rolle mehr. Ich gebe dir drei�ig Minuten Zeit. Dann mu�t du mit allem, was du mitnehmenkannst, zur Sonde zur�ckkehren.�</p><empty-line/><p>Eine ganze Schar von blaugewandeten Bibliothekaren hatte sich fast so weit erholt, da� sie ihn mit Gewalt vom Dach holen wollten, als Louis auf der Treppe erschien. Er hatte sich die Kapuze �ber den Kopf gezogen. Die Kugeln aus schwerem Metall, mit denen sie auf ihn schossen, prallten von seinen Schutzanzug ab. Auf jeder zweiten Stufe hielten ihn die Geschosse auf.</p><p>Dann fielen nur noch vereinzelt Sch�sse und h�rten anschlie�end ganz auf. Sie wichen vor ihm zur�ck.</p><p>Als Louis weit genug in das Geb�ude vorgedrungen war, schnitt er die Wendeltreppe unter sich durch. Die Spiralwindungen der Treppe waren nur im Erdgescho� und unter dem Dach befestigt. Nun schob sie sich zusammen wie eine Feder und ri� ein paar Rampen von den T�rschwellen ab. Die Bibliothekare klammerten sich um das Gel�nder, um nicht abzust�rzen. Louis hatte jetzt die oberen zwei Stockwerke f�r sich.</p><p>Als er sich in das ihm zun�chst liegende Lesezimmer begeben wollte, versperrte ihm Harkabeeparolyn den Weg mit einer Axt.</p><p>�Ich brauche noch einmal Ihre Hilfe�, sagte Louis.</p><p>Sie holte mit der Axt aus. Louis fing sie ab, als sie von dem Anzug zwischen Hals und Schulter abprallte. Sie versuchte ihm ihre primitive Waffe wieder zu entrei�en.</p><p>�Schauen Sie lieber dorthin�, sagte er und richtete den Laserstrahl auf das Kabel einer Lesemaschine. Das Kabel ging in Flammen auf und zerfiel funkenspr�hend in zwei Teile.</p><p>�Der Lyar-Clan wird daf�r Ersatz leisten m�ssen!� schrie Harkabeeparolyn.</p><p>�Das kann ich nicht �ndern. Ich m�chte, da� Sie mir helfen, eine Lesemaschine auf das Dach zu tragen. Ich dachte, ich m��te erst eine ganze Wand niederbrennen. Das ist eine bessere L�sung.� �Ich werde Ihnen nicht helfen!�</p><p>Louis schnitt mit dem Laser durch eine Lesemaschine. Sie fiel auseinander und verbrannte. Der Gestank war entsetzlich. �Packen Sie mit an!�</p><p>�Vampir-Bumser!�</p><p>Die Maschine war verdammt schwer, und Louis wollte den Laser nicht loslassen. Er ging r�ckw�rts die Treppe hinauf. Die Hauptlast ruhte auf Harkabeeparolyns Armen. Er sagte zu ihr: �Wenn Sie loslassen, m�ssen wir noch einmal umkehren und eine andere holen.�</p><p>�Idiot!. Sie haben bereits. das Kabel ruiniert!�</p><p>Er antwortete nicht.</p><p>�Was soll das ganze?�</p><p>�Ich versuche, diese Welt davor zu bewahren, da� sie mit ihrer Sonne zusammenst��t.�</p><p>Jetzt h�tte sie die Maschine um ein Haar fallen lassen. �Aber�� aber die Motoren! Sie h�ngen doch wieder alle an der Ringwelt-Mauer!�</p><p>�Also wu�ten Sie doch mehr, als Sie mir verraten wollten! Doch was auf der Ringmauer geschieht, ist zuwenig und zu sp�t. Die meisten Ihrer Raumschiffe kamen nicht mehr aus dem All zur�ck. Es sind nicht gen�gend Motoren vorhanden. Gehen Sie weiter!�</p><p>Als sie das Dach erreichten, erhob sich die Sonde ein St�ck �ber dem Boden und lie� sich dann neben ihnen auf ihren Steuerd�sen nieder.�� Sie setzten die Maschine ab. Sie pa�te nicht durch die Luke. Louis knirschte mit den Z�hnen und schnitt den Schirm von der Maschine ab. Jetzt pa�te sie.</p><p>Harkabeeparolyn schaute ihn nur an. Sie war zu ersch�pft f�r weitere Kommentare.</p><p>Der Schirm ber�hrte die leere Fl�che, wo vorher der Molekularfilter gestanden hatte, und verschwand. Die zur�ckgebliebenen Eingeweide der Maschine waren viel schwerer. Louis schaffte es, wenigstens die eine Seite auf die leere Fl�che zu heben, legte sich dann auf den R�cken und schob mit den Beinen nach, bis auch der Rest der Maschine verschwunden war.</p><p>�Der Lyar-Clan hat nichts damit zu tun�, kl�rte er die Bibliothekarin auf. �Sie wu�ten nicht, was ich vorhatte. Hier.� Er lie� ein St�ck stumpfes schwarzes Tuch neben ihr zur�ck. �Der Lyar-Clan wird Ihnen sagen, wie Sie damit Wasserkondensatoren und andere alte Maschinen reparieren k�nnen. Damit k�nnen Sie die ganze Stadt von den Maschinen-Leuten unabh�ngig machen.�</p><p>Sie sah ihn mit entsetzten Augen an. Schwer zu sagen, ob sie ihm �berhaupt zugeh�rt hatte.</p><p>Mit den F��en voran schob er sich in die Sonde.</p><p>Und mit dem Kopf voran tauchte er in der Ladebucht der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> auf.</p></section></section><section><title><p>III. Teil</p></title><section><title><p>23. Letztes Angebot</p></title><p>Er befand sich in fast vollkommener Dunkelheit in einer gro�en hallenden Glasflasche. Durch die durchsichtigen W�nde konnte er halb ausgeschlachtete Raumschiffe im Zwielicht erkennen. Die Sonde hing wieder an ihren Klammern an der R�ckwand des Laderaums, zwei Meter f�nfzig �ber dem graugestrichenen Boden. Und Louis hing in der Sonde wie ein Ei in einem Eierbecher, in der Vertiefung, wo vorher der Deuterium-Filter befestigt gewesen war.</p><p>Louis schwang die Beine aus der Sonde, hielt sich mit beiden H�nden fest und lie� sich fallen. Er war hundem�de. Nur noch eine letzte Komplikation, und dann konnte er sich ausruhen. Auf der anderen Seite der undurchdringlichen Wand konnte er die Schlafplatten erkennen.</p><p>�Gut.� Die Stimme des Hintersten kam von der Decke herunter. �Ist das der Leseschirm? Ich h�tte nicht so etwas Sperriges erwartet. Mu�test du die Maschine in zwei Teile schneiden?�</p><p>�Ja.� Er hatte auch die Teile der Maschine hinunter auf den Boden geworfen. Zum Gl�ck konnten Puppetiers ausgezeichnet mit Werkzeugen umgehen. �Ich hoffe, du hast auch noch eine Transportscheibe hier im Laderaum.�</p><p>�Richtig. F�r Notf�lle. Schau nach vorne links. <emphasis>Louis!</emphasis>�</p><p>Ein St�hnen, das ein fast unirdisches Entsetzen verriet, drang aus dem Halbdunkel hinter seinem R�cken. Louis wirbelte herum.</p><p>Harkabeeparolyn kauerte in der Sonde an der Stelle, wo Louis vor Sekunden noch in hockender Stellung verharrt hatte. Ihre H�nde krampften sich um den Kolben einer Schu�waffe. Ihre Lippen waren weit von den Z�hnen zur�ckgezogen. Ihre Augen konnten keinen Ruhepunkt finden. Sie zuckten nach oben, nach links und nach rechts, und nirgends sah sie etwas Tr�stliches.</p><p>Der Hinterste sprach mit monotoner Stimme: �Louis, wer ist dieses Wesen, das in mein Raumschiff eindringt? Ist es gef�hrlich?�</p><p>�Nein, du kannst beruhigt sein. Es ist nur eine verwirrte Bibliothekarin. Harkabeeparolyn, kehre in deine Bibliothek zur�ck.�</p><p>Ihr St�hnen wurde lauter und h�her. Pl�tzlich jammerte sie: �Ich kenne diesen Ort! Ich habe ihn im Kartenzimmer gesehen! Es ist der Raumschiffhafen, der sich au�erhalb unserer Welt befindet. Luweewu, was bist du f�r ein Wesen?�</p><p>Louis deutete mit dem Handscheinwerfer-Laser auf sie. �Kehre in die Bibliothek zur�ck!�</p><p>�Nein! Du hast die Bibliothek bestohlen und ihr Eigentum zerst�rt. Aber wenn�� wenn diese Welt vom Untergang bedroht ist, m�chte ich helfen!�</p><p>�Wie willst du helfen, du verr�cktes Ding? H�r zu. Du kehrst jetzt sofort wieder in die Bibliothek zur�ck. Stelle fest, woher die Unsterblichkeitsdroge kam, ehe die St�dte auf die Erde st�rzten. Das ist der Ort, den wir suchen. Wenn es eine M�glichkeit gibt, die Welt auch ohne die gro�en Motore wieder an die richtige Stelle zu r�cken, werden wir sie nur dort finden.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich kann nicht. woher wei�t du das alles?�</p><p>�Dort ist ihre Basis gewesen. Die Protekt. die Ringwelt-Ingenieure m�ssen in ihrer N�he die Pflanzen kultiviert haben, die sie brauchten, um. tanj. es ist alles nur eine Vermutung. Reine Theorie. Tanj!� Louis griff sich mit beiden H�nden an den Kopf. Er dr�hnte wie eine gro�e Trommel: �Ich habe das alles nicht gewollt! Ich wurde entf�hrt!�</p><p>Harkabeeparolyn schwang sich aus der Sonde und lie� sich zu Boden fallen. Ihre blaue Robe war ganz na� vor Schwei�. Sie sah Halrloprillalar sehr �hnlich. �Ich kann dir helfen. Ich kann dir die B�nder vorlesen.�</p><p>�Daf�r haben wir eine Maschine.�</p><p>Sie kam n�her heran. Ihre Waffe zeigte zu Boden, als h�tte sie vollkommen vergessen, was sie in der Hand hielt. �Wir sind selbst daran schuld, nicht wahr? Mein Volk baute die Steuermotoren dieser Welt aus und ben�tzte sie f�r Sternenschiffe. Kann ich etwas tun, um dieses Unrecht wiedergutzumachen?�</p><p>Der Hinterste sagte: �Louis, die Frau kann nicht mehr in die Stadt zur�ck. Die Transportscheibe in der ersten Sonde ist immer noch ein Transmitter. Ist das, was sie in der Hand h�lt, eine Waffe?�</p><p>�Harkabeeparolyn, gib mir deine Waffe.�</p><p>Sie gehorchte. Louis hielt dieses seltsame Mordinstrument mit zwei Fingern vor sein Gesicht. Es schien ein Produkt der Maschinen-Leute zu sein.</p><p>Der Hinterste sagte: �Trage die Waffe zur vorderen linken Ecke der Ladeducht. Dort befindet sich der Transmitter.�</p><p>�Ich kann ihn nicht sehen.�</p><p>�Ich habe ihn �bermalt. Lege die Waffe in die Ecke, und kehre dann wieder in die Mitte des Laderaums zur�ck. Frau, du bleibst stehen, wo du bist!�</p><p>Louis tat, was der Hinterste ihm anschaffte. Die Waffe verschwand. Louis w�re um ein Haar die Bewegung entgangen, als die Waffe hinter dem Rumpf auf den Boden des Raumschiff-Hafens fiel. Der Hinterste hatte auch einen Transportscheiben-Empf�nger au�erhalb des Raumschiffes installiert.</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. Der Wahnsinn des Puppetiers hatte Dimensionen, die an die Gestalten der italienischen Renaissance erinnerten.</p><p>�Gut. Als n�chstes. <emphasis>Louis! Da ist noch einer!</emphasis>�</p><p>Ein mit braunem Flaum bedeckter Sch�del lugte aus der Sonde heraus. Es war der Junge aus dem Kartenzimmer, vollkommen nackt und noch na� von dem Bad im Wasserbecken auf dem Bibliotheksdach. Fast w�re er aus der Sonde gefallen, als er sich streckte, um sich neugierig umzusehen. Seine Augen waren gro� wie Glasmurmeln. Er hatte genau das richtige Alter f�r Wundererscheinungen und Zauberei.</p><p>Louis br�llte: �<emphasis>Hinterster! Schalte endlich die Transportscheiben ab!</emphasis>�</p><p>�Das habe ich soeben getan. Ich h�tte fr�her daran denken m�ssen. Wer ist das?�</p><p>�Ein Bibliothekars-Lehrling. Er hat einen sechssilbigen Namen, an den ich mich nicht mehr erinnern kann.� �Kawaresksenjajok�, rief der Junge und l�chelte. �Wo sind wir hier, Luweewu? Was tun wir hier?�</p><p>�Nur Finagle wei� das.�</p><p>�Louis! Ich m�chte keine fremden Wesen in meinem Schiff haben!�</p><p>�Wenn du daran denkst, sie im Vakuum auszusetzen, schlag dir das aus den K�pfen. Ich werde das nicht zulassen.�</p><p>�Dann m�ssen sie im Laderaum bleiben. Du ebenfalls. Ich glaube, da� du das geplant hast�� du und Chmeee. Ich h�tte euch beiden nie trauen d�rfen.�</p><p>�Das hast du auch nie getan.�</p><p>�M�chtest du das bitte wiederholen?�</p><p>�Wir werden hier verhungern.�</p><p>Es folgte eine l�ngere Pause. Kawaresksenjajok lie� sich geschmeidig aus der Sonde auf den Boden hinunterfallen. Er und Harkabeeparolyn unterhielten sich jetzt im heftigen Fl�sterton.</p><p>�Du darfst in deine Zelle zur�ckkehren�, meldete sich der Hinterste pl�tzlich. �Sie k�nnen hier im Laderaum bleiben. Ich lasse eine Transportscheiben-Verbindung offen, damit du sie mit Nahrungsmitteln versorgen kannst. Vielleicht hat die Sache auch eine gute Seite.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Louis, ich halte es f�r gut, da� wenigstens ein Paar von den Eingeborenen der Ringwelt �berlebt.�</p><p>Die beiden Eingeborenen waren zu weit entfernt, um die �bersetzung mith�ren zu k�nnen. Louis sagte: �Du denkst doch hoffentlich nicht daran, aufzugeben, oder? Was auf diesen Leseb�ndern steht, k�nnte uns direkt zu dem geheimnisvollen Materieumwandlier bringen.�</p><p>�Ja, Louis. Und der Reichtum und die Zivilisation von mehreren Weltkarten im Gro�en Ozean befinden sich jetzt in der Gewalt von Chmeee. Vielleicht sch�tzt uns noch die gro�e Entfernung zwei oder drei Tage lang vor seiner Vergeltung. Aber nicht l�nger. Wir m�ssen bald von dieser Welt Abschied nehmen.�</p><p>Die beiden Eingeborenen blickten sich um, als Louis auf sie zuging. Er sagte: �Harkabeeparolyn, hilf mit noch einmal beim Tragen der Lesemaschine.�</p><p>Zehn Minuten sp�ter befanden sich die Spulen, die Konsole der Lesemaschine und der dazugeh�rige Schirm auf dem Flugdeck bei dem Puppetier. Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok warteten auf weitere Befehle.</p><p>�Ihr m��t beide noch eine Weile hierbleiben�, gab Louis den beiden Bescheid. �Ich wei� noch nicht genau, wie es weitergehen soll. Aber ich schicke euch Betten und etwas zu essen. Vertraut mir.� Er sp�rte die Blutwelle in seinem Gesicht, als er sich rasch abwandte und in die linke Ecke des Laderaumes trat. Gewissensbisse.</p><p>Einen Moment sp�ter war er wieder in seiner Zelle�� mit seinem Schutzanzug, seiner Weste und allen anderen Habseligkeiten, die er bei sich trug.</p><p>Louis zog sich aus und bestellte sich einen ganz gew�hnlichen Schlafanzug mit der W�hlscheibe. Schon f�hte er sich besser. Er war m�de, aber Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok mu�ten auch erst noch versorgt werden. Der K�chenapparat w�rde keine Decken f�r sie ausspucken. Er w�hlte vier gro�e wattierte Ponchos mit Kapuzen und schickte sie mit der Transportscheibe in den Laderaum hin�ber.</p><p>Dann kramte er in seinem Ged�chtnis. Was hatte Halrloprillalar vor dreiundzwanzig Jahren gerne gegessen? Sie war ein Allesesser gewesen, hatte jedoch Frischwaren bevorzugt. Er stellte die Gerichte f�r die beiden zusammen. Durch die Zellenwand beobachtete er ihre skeptischen Gesichter, als sie die Speisen kosteten.</p><p>Er w�hlte f�r sich Waln�sse und einen erstklassigen Burgunder mit Stammbaum. Kauend und am Trinkgef�� nippend stellte er das Schlaffeld an, warf sich hinein und streckte sich im freien Fall aus, um nachzudenken.</p><p>Der Lyar-Clan w�rde f�r seinen Banditenstreich bezahlen m�ssen. Hatte Harkabeeparolyn das Superleiter-Tuch in der Bibliothek zur�ckgelassen, damit der Lyar-Clan den Schaden auch bezahlen konnte? Nicht einmal das wu�te er.</p><p>Was mochte Valavirgillin in diesem Augenblick denken oder tun? Wahrscheinlich litt sie und bangte um das Schicksal ihrer Artgenossen, sorgte sich um die Zukunft dieser Welt und konnte nichts tun, um es abzuwenden. Sie litt, weil Louis Wu ihr die Augen ge�ffnet hatte. Die Frau und der Junge im Laderaum mu�ten inzwischen genauso ver�ngstigt sein wie Valavirgillin... und wenn Louis Wu in den n�chsten Stunden starb, w�rden sie ihn nicht lange �berleben.</p><p>Das geh�rte alles zu dem Preis, den sie bezahlen mu�ten. Sein eigenes Leben stand genauso auf dem Spiel wie ihres.</p><p><emphasis>Schritt eins:</emphasis> Bringe den Scheinwerfer-Laser an Bord der <emphasis>Hei�en Nadel.</emphasis> Das war geschehen.</p><p><emphasis>Schritt zwei:</emphasis> Konnte die Ringwelt wieder in ihre richtige Lage gebracht werden? Die n�chsten Stunden <emphasis>mochten</emphasis> den Beweis erbringen, da� das <emphasis>nicht</emphasis> m�glich war. Alles hing von den magnetischen Eigenschaften des <emphasis>Scrith</emphasis> ab.</p><p>Wenn die Ringwelt aber gerettet werden konnte, dann mu�t du fliehen.</p><p>Wenn die Ringwelt aber gerettet werden <emphasis>konnte</emphasis>, dann.</p><p><emphasis>Schritt drei:</emphasis> Treffe eine Entscheidung. War es m�glich, da� Chmeee und Louis Wu lebend in das bekannte Universum zur�ckkehren konnten? Falls nicht, dann.</p><p><emphasis>Schritt vier:</emphasis> Meuterei.</p><p>Er h�tte auch ein St�ck von dem Superleiter-Tuch im Geb�ude des Lyar-Clan zur�cklassen m�ssen. Er h�tte den Hintersten daran erinnern sollen, da� er rechtzeitig die Transportscheiben der Sonde abschalten mu�te. Tats�chlich hatte Louis Wu sich in letzter Zeit sehr fahrl�ssig oder gedankenlos verhalten. Das wurmte ihn. Seine n�chsten Schritte waren von geradezu universaler Bedeutung.</p><p>Aber jetzt wollte er sich von der kostbaren Zeit ein paar Stunden Schlaf stehlen. auf einen Diebstahl mehr oder weniger kam es ja jetzt nicht mehr an.</p><empty-line/><p>Stimmen, verschwommen und undeutlich. Louis bewegte sich unruhig, drehte sich im freien Fall und blickte um sich.</p><p>Hinter dem Heckschott f�hrten Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok ein lebhaftes Gespr�ch mit der Raumschiff decke. F�r Louis klang das alles chinesisch. Er hatte seinen �bersetzer nicht bei sich. Doch die St�dtebauer deuteten auf ein rechtwinkeliges Hologramm, das vor dem Rumpf des Raumschiffes schwebte und die Aussicht auf den Raumhafen blockierte.</p><p>Louis sah in diesem �Fensterausschnitt� den sonnen�berfluteten Burgfried eines aus Natursteinen errichteten Schlosses. Die Mauern waren klobig, aus grob zugehauenen Steinbl�cken zusammengef�gt. Da gab es viele Kanten und rechte Winkel. Die Fenster waren enge, senkrechte Schlitze. Ein Klettergew�chs mit efeuartigen Bl�ttern kroch an einer Burgwand hinauf. Die Bl�ten dieses Gew�chses waren bla�gelb mit scharlachroten Adern.</p><p>Louis schob sich aus seinem Schlaffeld heraus.</p><p>Der Puppetier sa� in seiner Pilotenbank auf dem Kommandodeck. Seine M�hne war heute ein rauchiges phosphoreszierendes Prachtgebilde. Er drehte einen Kopf zur Seite, als Louis sich der Schottwand n�herte: �Louis, ich vermute, du hast dich einigerma�en erholt?�</p><p>�Ja, und das war auch dringend n�tig. Gibt es Fortschritte?�</p><p>�Es ist mir gelungen, die Lesemaschine wieder instand zu setzen. Der Computer der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> ist jedoch noch nicht so tief in die Sprache der St�dtebauer eingedrungen, da� er Leseb�nder der Physik zu entziffern vermag. Ich hoffe, den Wortschatz des Computers zu vergr��ern, indem ich mich mit den Eingeborenen unterhalte.�</p><p>�Wie lange wird das noch dauern? Ich mu� ein paar grunds�tzliche Fragen kl�ren, die den Bauplan der Ringwelt betreffen.� Konnte der Boden der Ringwelt, dessen Fl�che sechshundert Millionen mal Millionen Quadratmeilen betrug, daf�r verwendet werden, die Position der Ringwelt elektromagnetisch zu beeinflussen? Wenn er das nur w��te!</p><p>�Zehn bis zwanzig Stunden mu�t du dich noch in Geduld fassen. Wir brauchen alle hin und wieder eine Ruhepause.�</p><p>Das dauert mir zu lange, dachte Louis, da ihnen die Reparaturmannschaft bereits auf den Pelz r�ckte. Zu schade. �Woher stammt das Hologramm? Aus dem Landungsboot?�</p><p>�Ja.�</p><p>�K�nnen wir eine Botschaft an Chmeee durchgeben?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht? Er mu� den �bersetzer bei sich tragen.�</p><p>�Ich beging den Fehler, aus disziplinarischen Gr�nden seinen �bersetzer abzuschalten. Er hat ihn jetzt nicht bei sich.�</p><p>�Was ist in ihn gefahren?� erkundigte sich Louis. <emphasis>�Was sucht er denn in einer mittelalterlichen Burg?�</emphasis></p><p>Der Hinterste erwiderte: �Es ist zwanzig Stunden her, seit Chmeee die Weltkarte von Kzin erreichte. Ich sagte dir schon, da� er zun�chst den Hafen erkundete und sich von den Flugzeugen der Kzinti unter Feuer nehmen lie�, ehe er auf dem gro�en Schiff landete und abwartete, bis den Angreifern die Munition ausging. Die Attacken dauerten sechs Stunden an, ehe Chmeee die Kampagne von sich aus abbrach und woanders hinflog. Ich w�nschte nur, ich verst�nde, was er damit zu gewinnen hofft, Louis.�</p><p>�Das wei� ich selbst nicht genau. Fahre fort.�</p><p>�Die Flugzeuge folgten ihm eine Weile, dann drehten sie wieder ab. Chmeee setzte seine Erkundungen fort. Er entdeckte gerodetes Land im Dschungelwald mit einer kleinen ummauerten Burg auf dem Gipfel eines Berges. Dort landete er im Burghof. Er wurde nat�rlich sofort angegriffen; aber die Verteidiger verf�gten nur �ber Schwerter, Keulen, Pfeil und Bogen. Als sie sich alle um das Landungsboot versammelt hatten, scho� er sie mit der Bet�ubungskanone nieder. Und dann.�</p><p>�Moment mal!�</p><p>Ein Kzin tauchte in einem der Torb�gen der Burgmauer auf, sprintete �ber graue Steinplatten und lief auf allen vieren auf das Hologramm-Fenster zu. Das mu�te Chmeee sein. Er trug seinen Schutzpanzer. Ein Pfeil steckte in einem seiner Augen, ein langer h�lzerner Schaft mit papierartigen Bl�ttern als Stabilisatoren am Pfeilende.</p><p>Andere Kzinti verfolgten ihn, die Schwerter und Morgensterne �ber den Kopf schwangen. Aus einem schlitzartigen Fenster hagelten Pfeile herunter und prallten von seinem Panzer ab. Als Chmeee die Luftschleuse des Landungsbootes erreichte, schnitt ein Lichtfaden aus einem der Fenster. Der Laserstrahl schlug Flammen aus den Platten, mit denen der Hof gepflastert war. Dann richtete er sich auf das Landungsboot. Chmeee war bereits durch die Luftschleuse. Der Lichtstrahl zielte hartn�ckig auf das Landungsboot und erlosch dann, als das geschlitzte Fenster in einer roten und wei�en Flamme explodierte.</p><p>�Leichtsinnig�, murmelte der Hinterste, �so eine Waffe den Feinden zu �berlassen!� Sein anderer Mund knabberte an den Schaltkn�pfen. Er brachte jetzt die Bilder einer Bordkamera auf den Monitor. Louis sah, wie Chmeee die Luftschleuse dicht machte, dann zum Autodock taumelte, sich seinen Schutzpanzer vom Leib ri� und auf den Boden warf. Das rechte Bein des Kzin hatte unter dem Panzer eine tiefe Fleischwunde. Chmeee stemmte den Deckel des Autodock hoch und lie� sich hineinfallen.</p><p>�Tanj! Er hat die Monitoren nicht eingeschaltet! Hinterster, wir m�ssen ihm helfen.�</p><p>�Aber wie, Louis? Wenn du versuchtest, ihn mit den Transportscheiben zu erreichen, w�rdest du auf mehrere Millionen Grad aufgeheizt. Zwischen deiner Geschwindigkeit und der des Landungsbootes.�</p><p>�Ja doch.� Der Gro�e Ozean lag f�nfunddrei�ig Grad hinter der Kurve der Ringwelt. Der Unterschied der kinetischen Energie reichte aus, um eine Stadt zu atomisieren. Es gab keine M�glichkeit, Chmeee zu helfen.</p><p>Chmeee lag blutend im Autodock.</p><p>Pl�tzlich schrie er auf und drehte sich auf die Seite. Seine dicken Finger dr�ckten auf die Tasten des Autodock. Dann w�lzte er sich auf den R�cken, griff nach oben und schlo� den Deckel der Autodock-Box.</p><p>�Das ist immerhin etwas�, sagte Louis erleichtert. Der Pfeil war im spitzen Winkel in die Augenh�hle eingetreten. M�glicherweise konnte die Pfeilspitze doch noch das Gehirn besch�digt haben. �Er war verdammt leichtsinnig. Okay. Erz�hle weiter.�</p><p>�Chmeee ben�tzte die Bet�ubungskanone, um alle Bewohner der Burg lahmzulegen. Dann verbrachte er drei Stunden damit, die bewu�tlosen Kzinti auf die Repulsionsplatten zu legen und ins Freie zu schaffen. Er verriegelte die Tore. Dann ging er wieder in das Schlo� hinein. Neun Stunden blieb er unsichtbar. Warum grinst du?�</p><p>�Brachte er auch bet�ubte Weibchen ins Freie?�</p><p>�Nein. Aha, ich verstehe jetzt.�</p><p>�Er hatte ein verdammtes Gl�ck, da� er seinen Schutzanzug noch rasch genug anziehen konnte. Diese Fleischwunde am Bein beweist, da� er aus gewissen Gr�nden seinen Panzer ablegen mu�te.�</p><p>�Mir scheint, da� Chmeee f�r mich keine Bedrohung bedeutet.�</p><p>Richtig. Er w�rde sich mindestens zwanzig bis vierzig Stunden im Autodock aufhalten m�ssen, �berlegte Louis. Nun mu�te Louis Wu seine Entscheidung ganz allein treffen. �Da gibt es ein paar Probleme, die wir mit ihm diskutieren sollten. Aber das ist ja jetzt nicht m�glich. Hinterster, zeichne bitte unser folgendes Gespr�ch auf und schicke es auf Bandspeicher in das Landungsboot. Ich m�chte, da� Chmeee unser Gespr�ch sofort �berspielt wird, sobald er aufwacht.�</p><p>Der Puppetier griff hinter sich. Er schien die Kontrollkonsole anzuknabbern. �Erledigt. Was wolltest du mit mir diskutieren?�</p><p>�Chmeee und ich haben uns noch nicht zu dem Glauben durchringen k�nnen, da� du uns in das bekannte Universum zur�ckbringst oder da� du das �berhaupt k�nntest.�</p><p>Der Puppetier betrachtete ihn aus zwei Richtungen. Seine flachen K�pfe waren so weit auseinandergegr�tscht, da� er damit den optimalen binokularen Effekt erreichte. So konnte er seinen nicht ganz zuverl�ssigen Bundesgenossen oder gar seinen m�glichen Gegner am besten studieren. Er fragte: �Warum sollte ich euch nicht in das bekannte Universum zur�ckbringen, Louis?�</p><p>�Erstens wissen wir zuviel. Zweitens hast du gar keinen Grund, zu einer Welt im bekannten Universum zur�ckzukehren. Mit oder ohne diesen m�rchenhaften Materieumwandler gibt es f�r dich nur einen Platz, wo du wirklich hin willst�� die Flotte der Puppetier-Planeten.�</p><p>Im Hinterteil des Puppetiers zuckten die Muskeln ununterbrochen. (Das war das Bein, mit dem ein Puppetier k�mpfte. Er drehte seinem Gegner den R�cken zu, zielte mit den beiden weit auseinanderliegenden K�pfen und -patsch!) Er sage: �W�re das so schlimm f�r euch?�</p><p>�Es w�re immer noch besser, als hier auf der Ringwelt zur�ckzubleiben�, r�umte Louis ein. �Aber <emphasis>was</emphasis> hast du wirklich vor?�</p><p>�Wir k�nnen euch das Leben so angenehm wie m�glich machen. Du wei�t, da� wir die Verj�ngungsdroge f�r die Kzinti besitzen. Wir k�nnen dich auch mit der menschlichen Verj�ngungsdroge versorgen. In der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> ist genug Platz f�r Hominiden und Kzinti-Weibchen. Tats�chlich haben wir bereits eine Frau an Bord, die zu der Rasse der St�dtebauer geh�rt. Ihr w�rdet in dem Stasisfeld reisen, also ohne Platzprobleme. Und du k�nntest dich mit deinem Gefolge auf einem der vier Landwirtschaftsplaneten der Flotte niederlassen. Er w�rde dir praktisch geh�ren.�</p><p>�Und was passiert, wenn mir das Landleben zum Hals heraush�ngt?�</p><p>�Unsinn. Du h�ttest Zutritt zu den Bibliotheken deiner Heimatwelt. Zutritt zu den Kenntnissen, �ber die die Menschheit staunte, seit wir uns zum ersten Male ihnen offenbarten! Die Flotte bewegt sich fast mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum, um schlie�lich die Magellanschen Wolken zu erreichen. Mit uns wirst du dich vor der Explosion des galaktischen Kernes retten. Wahrscheinlich werden wir dich auch als Sp�her ben�tigen, der sich mit interessanten Territorien auf unserem Kurs besch�ftigt.�</p><p>�Gef�hrlichen Territorien, wolltest du doch sagen.�</p><p>�Wenn dir dieser Ausdruck lieber ist?�</p><p>Louis reizte dieses Angebot mehr, als er sich eingestehen wollte. Wie w�rde Chmeee so eine Offerte aufnehmen? Seine Rache verschieben? Die Chance wahrnehmen, irgendwann in der Zukunft die Heimatwelt der Puppetiers zu sch�digen? Oder deren angeborene Feigheit?</p><p>Er fragte:</p><p>�Ist dieses Angebot davon abh�ngig, da� wir diesen m�rchenhaften Materie-Umwandler finden?�</p><p>�Nein. Deine Talente werden so oder so gebraucht. Trotzdem. das Versprechen, das ich dir jetzt gebe, l��t sich nat�rlich unter dem Regime der Experimentalisten viel leichter erf�llen. Die Konservative Partei betrachtet deinen Wert m�glicherweise in einem anderen Licht, von Chmeees Talenten einmal ganz abgesehen.�</p><p>Das war eine h�bsche Umschreibung, dachte Louis. �Wenn wir schon von Chmeee reden.�</p><p>�Der Kzin ist ein Deserteur. Trotzdem gilt meine Offerte auch f�r ihn. Inzwischen hat er ein paar Kzinti-Weibchen gefunden, die wir vor dem Untergang retten k�nnen. Vielleicht kannst du ihn �berreden, mein Angebot anzunehmen.�</p><p>�Hm�� ja.�</p><p>�Und letztendlich wirst du deine Heimatwelten auf jeden Fall wiedersehen. In tausend Jahren wird das bekannte Universum die Puppetiers so gut wie vergessen haben. Inzwischen sind f�r dich nur Jahrzehnte vergangen, da du dich mit der Flotte der Puppetier-Welten fast mit Lichtgeschwindigkeit bewegst.�</p><p>�Ich brauche Bedenkzeit. Ich werde Chmeee deine Offerte �bermitteln, wenn ich Gelegenheit dazu bekomme.� Louis blickte hinter sich. Die St�dtebauer beobachteten ihn. Zu schade, da� er sich mit ihnen nicht beraten konnte, weil er auch ihr Schicksal besiegeln w�rde.</p><p>Aber er mu�te sich entscheiden. �Was ich jetzt gerne t�te�, fing Louis wieder an, �ist ein Sprung zum Gro�en Ozean. Wir k�nnten den Weg durch den Krater der �Faust Gottes� nehmen und dann ganz langsam weiter.�</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> vom Fleck zu bewegen. Vermutlich gibt es auf der Ringwelt noch andere Gefahren als die Meteor-Abwehranlage. Schon sie reicht aus, um unsere Pl�ne zum Scheitern zu bringen!�</p><p>�Ich wette, ich kann dich umstimmen, Hinterster. Erinnerst du dich noch daran, da� du eine Hebevorrichtung auf der Ringmauer entdecktest, mit der man eine Bussard-Rammd�se bewegen kann? Schau dir diese Hebevorrichtung genauer an.�</p><p>Einen Moment lang war der Puppetier so starr, als h�tte ihn der Schlag getroffen. Dann wirbelte er herum und verschwand hinter der undurchsichtigen Wand seiner Privatkabine.</p><p>Dort w�rde er vermutlich so lange bleiben, bis Louis seine Pl�ne verwirklicht hatte.</p><empty-line/><p>Louis konnte sich Zeit lassen. Er ging zu der Stelle, wo er gestern seine Kleider und seine Ausr�stung auf den Boden geworfen hatte. Er b�ckte sich und zog den Handscheinwerfer-Laser aus seiner Weste. Schade, da� sein Autodock sich im Landungsboot befand, hundert Millionen Meilen von ihm entfernt. Vielleicht brauchte er ihn bald.</p><p>Selbstverst�ndlich war die Au�enhaut des Rumpfes mit einer Schutzschicht gegen zu intensive Lichtquellen ausgestattet. Jedes Raumschiff hatte so eine Schutzschicht, vielleicht nicht �berall, aber ganz bestimmt auf den Bullaugen und Fenstern. Wenn das Raumschiff mit einer zu hohen Lichtenergie �bersch�ttet wurde, verwandelte Sich die Schutzschicht in einen Spiegel und rettete dadurch das Sehverm�gen des Piloten.</p><p>Diese Schutzschicht hielt solare Fackeln ab und auch Laserstrahlen. Wenn der Hinterste eine undurchdringliche Wand zwischen sich und seine gefangene Raumschiffbesatzung aufgerichtet hatte, hatte er sicherlich das gesamte Kommandodeck mit einer Strahlen-Schutzschicht �berzogen.</p><p>Aber wie stand es mit dem Boden des Rumpfes?</p><p>Louis kniete sich nieder. Der Hyperdrive-Motor nahm die ganze L�nge des Raumschiffes ein; er war bronzefarben, zeigte hier und da Kupfer- und Rumpfmetall-Abdeckungen. Es war eine Puppetier-Maschine ohne Ecken und scharfe Winkel, so da� sie einer halbgeschmolzenen Riesenkerze glich. Louis richtete den Handscheinwerfer-Laser auf die Maschine und scho� durch den durchsichtigen Boden.</p><p>Licht wurde glei�end von dem bronzefarbenen Geh�use des Antriebes reflektiert. Metall l�ste sich in Dampf auf. Fl�ssige Metallb�che rannen �ber den Boden des Maschinenraumes.</p><p>Louis schnitt mit dem Laserstrahl tief in die Eingeweide des Antriebs hinein und bewegte dann den Strahl hin und her, um alles zu verbrennen oder zu zerschmelzen, das eine wichtige Funktion auszu�ben schien. Schade, da� er sich niemals in seinem Leben mit Hyperraum-Aggregaten besch�ftigt hatte.</p><p>Der Laser wurde hei� in seiner Hand. Er hatte ihn schon mehrere Minuten lang eingeschaltet. Er lenkte jetzt den Strahl auf eine der sechs Halterungen, die den Motor in seiner Vakuumkammer festhielten. Die Halterung schmolz nicht, sie wurde nur weich und zog sich auseinander. Er zielte jetzt mit dem Laser auf eine andere Halterung. Die schwere Masse des Motors sackte nach unten und verbog sich.</p><p>Der nadelscharfe Strahl flackerte und erlosch. Die Batterie war leer. Louis warf den Handscheinwerfer-Laser in eine Ecke. Er erinnerte sich daran, da� der Puppetier ihm sagte, er k�nne ihn in der Hand explodieren lassen.</p><p>Dann ging er zum Achterschott seines K�figs. Der Puppetier war nicht in Sicht, aber alsbald h�rte Louis das Ger�usch einer Dampforgel, die offenbar in den letzten Z�gen lag.</p><p>Und dann kam der Puppetier um die gr�ngestrichene Schutzwand herum und blickte ihn an. Alle Muskeln bewegten sich unter seiner Haut wie Gelatine.</p><p>�Komm�, sagte Louis Wu, �wir wollen jetzt tacheles miteinander reden.�</p><p>Der Puppetier steckte beide K�pfe unter seine Vorderbeine und sank zusammen wie ein Klappstuhl.</p></section><section><title><p>24. Gegenvorschlag</p></title><p>Louis Wu wachte diesmal mit klarem Kopf und gro�em Appetit auf. Er blieb noch ein paar Minuten im freien Fall, streckte dann die Hand zum Schalter aus und l�schte das Schlaffeld. Seine Uhr sagte ihm, da� er sieben Stunden geschlafen hatte.</p><p>Die G�ste der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> schliefen unter einer der gewaltigen Kammern, die das Landungsboot w�hrend des Raumfluges an der Wand festhielten. Die wei�haarige Frau w�lzte sich ruhelos hin und her. Ein nackter Fu� schaute aus dem Poncho heraus, in den sie sich eingewickelt hatte. Der Junge mit dem braunen Haarflaum schlief wie ein Baby.</p><p>Es gab f�r Louis keine M�glichkeit, die beiden zu wecken, und das h�tte auch keinen Sinn gehabt. Die Wand schluckte jeden Schall, und der �bersetzer war abgeschaltet. Die Transportscheiben-Verbindung trug nur eine Last von wenigen Pfunden. Hatte der Puppetier tats�chlich eine allgemeine Verschw�rung erwartet? Louis l�chelte. Seine Meuterei war so simpel gewesen wie nur etwas.</p><p>Er w�hlte sich einen K�setoast und verzehrte ihn, w�hrend er auf nackten F��en zum Achterschott seiner Zelle ging.</p><p>In Ruhestellung glich der Hinterste einem glatten Ei, das mit Haut �berzogen war. Nur am dickeren Ende schaute ein B�schel wei�er Haare heraus. Seine Beine und seine K�pfe waren unter ihm versteckt. Er hatte sich seit sieben Stunden nicht mehr von der Stelle bewegt.</p><p>Louis hatte Nessus auch in dieser Stellung kennengelernt. Es war die Antwort eines Puppetiers auf einen Schock: dann steckte er die K�pfe in seinen Nabel und lie� das ganze Universum verschwinden. Gut und sch�n, aber neun Stunden waren die �u�erste Grenze f�r so einen Zustand. Wenn der Puppetier durch Louis' Schockbehandlung in Katatonie versetzt worden war, konnte das f�r sie alle das Ende bedeuten.</p><p>Die Ohren des Puppetiers befanden sich in seinen K�pfen. Louis Worte mu�ten durch einen Berg von Fleisch und Knochen hindurch. Er schrie: �Ich m�chte ein paar Anregungen zum Nachdenken geben!�</p><p>Der Puppetier bewegte sich nicht. Louis hob die Stimme zu einem schrillen Diskant: �Diese Welt st�rzt ihrer Sonne entgegen. Wir k�nnten etwas dagegen unternehmen, aber solange du deinen Bauchnabel bespiegelst, ist das unm�glich. Niemand au�er dir kann die Instrumente der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> bedienen�� die Sensoren, die Antriebe et cetera. Das war auch deine Absicht gewesen. Wenn du also noch l�nger einen Klappstuhl kopieren willst, dann wirst du, ich und Chmeee mit jeder Minute n�her an eine Katastrophe herankommen, die sich kein Astrophysiker entgehen lassen w�rde.�</p><p>Er schlang den Rest seines Toasts hinunter und wartete. Puppetiers waren hervorragende Linguisten und Meister in fast allen Fremdsprachen. W�rde ein Puppetier den sprachlichen K�der annehmen, den Louis ihm hinwarf?</p><p>Tats�chlich brachte der Hinterste einen Kopf lange genug zum Vorschein, um zu fragen: �Was f�r eine Gelegenheit w�rde sich ein Astrophysiker nicht entgehen lassen?� �Die Chance, Sonnenflecken von unten zu betrachten.�</p><p>Der Kopf verschwand wieder unter dem Bauch des Puppetiers.</p><p>Louis br�llte: �Der Reparaturtrupp kommt auf uns zu!�</p><p>Ein Kopf und ein Hals kamen wieder zum Vorschein und br�llten als Antwort zur�ck: �Was hast du uns angetan? Was hast du mir, dir selbst, den beiden Eingeborenen angetan, die sich vor dem Untergang ins All h�tten retten k�nnen! Hattest du einen vern�nftigen Gedanken au�er der Absicht, aus blinder Zerst�rungswut den Antrieb zu ruinieren?�</p><p>�Du hast es vor einiger Zeit selbst ausgesprochen. Eines Tages m�ssen wir uns entscheiden, wer diese Expedition leitet. Heute ist dieser Tag gekommen�, erwiderte Louis Wu. �Ich m�chte dir jetzt erkl�ren, warum du meine Befehle entgegennehmen sollst.�</p><p>�Ich hatte nie geahnt, da� ein Wonnestrom-S�chtiger auch Machtgel�ste entwickelt.�</p><p>�Punkt eins, weshalb ich die Befehlsgewalt haben soll. Meine Vermutungen sind besser als deine.�</p><p>�Weiter.�</p><p>�Wir verlassen die Ringwelt nicht. Sogar die Flotte der Puppetier-Welten ist jetzt f�r uns unerreichbar, auch wenn sie langsamer als das Licht fliegt. Wenn die Ringwelt untergeht, gehen wir ebenfalls zugrunde. Wir m�ssen sie deshalb wieder in ihre richtige Lage bringen.</p><p>Drittens: Die Ringwelt-Ingenieure sind seit mindestens zweihundertf�nfzigtausend Jahren tot�, fuhr Louis bed�chtig fort.</p><p>�Chmeee nimmt sogar an, sie w�ren schon vor ein paar Millionen Jahren ausgestorben. Die Hominiden h�tten sich nie entwickeln k�nnen, wenn die Ringwelt-Ingenieure noch am Leben w�ren. Auch Mutationen h�tten sie niemals zugelassen. Die Ringwelt-Ingenieure waren Pak-Protekoren.�</p><p>Louis hatte eigentlich Schrecken, Entsetzen oder �berraschung bei dem Puppetier erwartet. Doch der Puppetier gab nur mit resignierter Stimme zur�ck: �Fremdenhasser, brutal, t�ckisch, tapfer und sehr intelligent.�</p><p>Er mu�te es also bereits vermutet haben.</p><p>�Meine Vorfahren�, erwiderte Louis, �sie bauten die Ringwelt und auch alle Systeme, die diesen Artefakten in seiner richtigen Lage erhalten sollten. Wer von uns beiden hat nun eine bessere Chance, so zu denken wie ein Pak-Protektor? Einer von uns mu� diesen Versuch wagen.�</p><p>�Deine Argumente bedeuteten gar nichts, wenn du uns die Chance zur Flucht gelassen h�ttest. Louis, ich vertraute dir.�</p><p>�Ich m�chte nicht glauben, da� du so dumm sein konntest. Wir haben uns nicht freiwillig f�r diese Expedition gemeldet. Kzinti und Menschen eignen sich nicht zu Sklaven.�</p><p>�Hast du noch ein Argument?�</p><p>Louis schnitt eine Grimasse. �Chmeee ist von mir entt�uscht. Er wollte dich zwingen, seinem Willen zu gehorchen. Wenn ich ihm sage, da� du meine Befehle entgegennimmst, wird das Eindruck auf ihn machen. Und wir brauchen ihn.�</p><p>�Ja, das stimmt. Vielleicht ist seine Art zu denken jener eines Pak-Protektors sogar �hnlicher als deine.�</p><p>�Nun?�</p><p>�Deine Befehle?�</p><p>Louis sagte jetzt dem Hintersten, was er tun sollte.</p><empty-line/><p>Harkabeeparolyn hatte sich auf den Bauch gew�lzt und stand auf beiden Beinen, ehe sie Louis aus der Ecke des Laderaumes herauskommen sah. Dann duckte sie sich, gab einen entsetzten Laut von sich und verschwand wieder unter den Ponchos.</p><p>Was f�r ein seltsames Betragen. St�dtebauer, f�r die der nackte K�rper tabu war? H�tte Louis sich lieber etwas anziehen sollen? Er tat, was er f�r taktvoll hielt: er drehte ihr den R�cken zu und ging zu dem Jungen.</p><p>Der Junge sa� an der Wand des Laderaumes und blickte hinauf auf das gro�e, ausgeschlachtete Stemenschiff. Der Poncho, den er trug, war viel zu gro� f�r ihn. �Luweewu�, fragte er, �wurden die Schiffe dort drau�en von uns gebaut?�</p><p>�Ja.�</p><p>Der Junge l�chelte: �Haben deine Leute auch so gro�e Schiffe gebaut?�</p><p>Louis versuchte sich zu erinnern. �Unsere langsamen Frachter hatten fast die gleiche Gr��e. Wir brauchten so gro�e Schiffe, ehe wir die Barriere der Lichtgeschwindigkeit �berwanden.�</p><p>�Ist das Schiff, in dem wir uns befinden, dein Eigentum? Kann es schneller fliegen als das Licht?�</p><p>�Das konnte es. Jetzt nicht mehr. Ich glaube, da� die General-Products-Zellen Mark vier sogar noch gr��er waren als eure Schiffe. Aber wir haben nie solche Raumschiffe gebaut. Das waren die Erfindungen der Puppetiers.�</p><p>�War das ein Puppetier, mit dem wir gestern sprachen? Er erkundigte sich nach dir. Wir konnten ihm nicht viel von dir sagen.�</p><p>Harkabeeparolyn trat jetzt ebenfalls hinzu. Offenbar hatte sie mit ihrer blauen Bibliothekarsrobe ihre Fassung wiedergewonnen. Sie fragte: �Hat sich unser Status ge�ndert, Luweewu? Gestern sagte man uns, da� du uns nicht besuchen d�rftest.� Es kostete sie einige M�he, ihm offen ins Gesicht zu sehen.</p><p>�Ich habe das Kommando �bernommen�, sagte Louis.</p><p>�Einfach so?�</p><p>�Ich bezahlte einen Preis daf�r.�</p><p>Die Stimme des Jungen mischte sich jetzt im Lautsprecher ein: �Luweewu? Wir fliegen!�</p><p>�Das ist schon okay.�</p><p>�K�nntest du das Licht hier abstellen?�</p><p>Louis schaltete das Licht mit den Schallwellen seiner Stimme ab. Auch er f�hlte sich jetzt wohler. Die Dunkelheit verdeckte seine Nacktheit. Harkabeeparolyns Verhalten war ansteckend.</p><p><emphasis>Die Hei�e Nadel</emphasis> erhob sich drei Meter �ber die Raumhafenrampe. Rasch, fast verstohlen, ohne Lichterscheinungen trieb das Raumschiff �ber den Rand der Welt und hinunter.</p><p>�Wo fliegen wir hin?� forschte die Frau.</p><p>�Unter die Welt. Wir werden unter den Gro�en Ozean fliegen.�</p><p>Aber sie schienen im Vakuum stehenzubleiben, w�hrend die Rampe mit dem Raumhafen lautlos nach oben fiel. Der Hinterste lie� das Schiff mehrere Meilen tief in das Vakuum st�rzen, ehe er die Steuerd�sen einschaltete: die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> verz�gerte und schob sich dann an der Unterseite der Ringwelt entlang.</p><p>Die Au�enschale des Artefakten schob sich vor ihre Sichtluken und wurde zum Himmel. Unter ihnen lag ein Meer von Sternen, die viel heller waren, als die Eingeborenen der Ringwelt sie durch die Schichten ihrer Atmosph�re und dem Licht des Himmelsbogens hatten sehen k�nnen. Doch der Himmel �ber ihnen war absolute Dunkelheit. Die Au�enschicht der Ringwelt, die aus gesch�umtem <emphasis>Scrith</emphasis> bestand, reflektierte das Sternenlicht nicht.</p><p>Louis f�hlte sich immer noch unbehaglich in seiner Nacktheit. �Ich gehe jetzt in meine Kabine zur�ck�, sagte er. �Warum kommt ihr nicht mit? Ich habe dort Kleider zum Wechseln, Essen in H�lle und F�lle und auch bessere Betten, wenn euch danach verlangt.�</p><empty-line/><p>Harkabeeparolyn kam als letzte mit der Transportscheibe in die Kabine und zuckte heftig zusammen. Louis lachte laut. Sie versuchte ihn w�tend anzublicken, aber ihre Augen glitten zur Seite. <emphasis>Nackt!</emphasis></p><p>Louis w�hlte sich einen Overall und bedeckte sich damit. �Ist es jetzt besser?�</p><p>�Ja, besser. Glaubst du vielleicht, ich sei �bertrieben pr�de? �Nein, ich glaube, da� ihr auf eurer Welt keine Klima-Steueranlage besitzt. Ihr k�nnt euch nicht �berall im Freien nackt bewegen, also seid ihr nicht an den Anblick eines nackten K�rpers gewohnt. Aber ich kann mich auch irren.�</p><p>�Du k�nntest recht haben�, erwiderte sie �berrascht.</p><p>�Ihr habt gestern beide auf dem harten Boden geschlafen. Probiert mal das Wasserbett. Es ist gro� genug f�r euch beide, und Chmeee ben�tigt es im Augenblick nicht.�</p><p>Kawaresksenjajok warf sich auf das mit Fellen �berzogene Wasserbett. Er h�pfte darauf auf und ab, und die Wellen flossen unter dem Pelz nach au�en. �Luweewu, das ist gro�artig! Als ob ich schwimmen w�rde, aber auf dem Trockenen!�</p><p>Harkabeeparolyn setzte sich mi�traurisch mit steifem R�cken auf das schwankende Bett. Mit fragendem Unterton sagte sie: �Chmeee?�</p><p>�Zwei Meter f�nfzig gro� und mit orangefarbenem Fell bedeckt. Er befindet sich im Augenblick auf einer. Mission im Gro�en Ozean. Wir holen ihn jetzt dort ab. Du k�nntest ihn dazu �berreden, das Bett mit dir zu teilen.�</p><p>Der Junge lachte. Die Frau sagte: �Dein Freund mu� sich einen anderen Spielgenossen suchen. Ich �be die Sitte des <emphasis>Rishathra</emphasis> nicht aus.�</p><p>Louis kicherte. (Aber im Hinterst�bchen seines Verstandes dachte er: <emphasis>tanj!)</emphasis> �Chmeee ist fremdartiger, als du dir vielleicht vorstellst. Jedenfalls findet er genau so wenig Geschmack daran, mit dir <emphasis>Rishathra</emphasis> auszu�ben wie an einer frischen Salatplatte. Wenn du bei ihm schl�fst, bist du vollkommen sicher, au�er er braucht das ganze Bett f�r sich, was durchaus m�glich sein k�nnte. Du mu�t nur aufpassen, da� du ihn nicht wachr�ttelst. Oder du kannst auch die Schlafplatten ben�tzen.�</p><p>�Schl�fst du zwischen diesen Platten?�</p><p>�Ja.� Er erriet an dem zweifelnden Ton ihrer Stimme, was sie dachte. �Das Schlaffeld kann so eingestellt werden, da� zwei K�rper sich nicht ber�hren.� <emphasis>(Tanj!</emphasis> Hemmte sie vielleicht die Gegenwart des Jungen?)</p><p>Sie sagte: �Luweewu. Es tut uns leid, da� wir dich mitten in einer wichtigen Mission gest�rt haben. Bist du nur in unsere Stadt gekommen, um unser Wissen zu stehlen?�</p><p>Die korrekte Antwort h�tte <emphasis>ja</emphasis> lauten m�ssen. Louis' Erwiderung war keine L�ge: �Wir sind hier, um die Ringwelt zu retten.�</p><p>Nachdenklich sagte sie: �Aber wie kann ich.?� Und dann starrte sie auf eine Stelle hinter Louis' R�cken.</p><p>Der Hinterste wartete hinter dem Achterschott. Er sah hinrei�end aus. Seine Klauen waren mit Silber �berzogen, und seine M�hne bestand aus geflochtenen Gold- und Silberstr�hnen. Das kurze blasse Haar, das seine �brigen K�rperpartien bedeckte, war so sorgf�ltig geb�rstet, da� es schimmerte wie Seide. �Harkabeeparolyn, Kawaresksenjajok, seid willkommen an Bord�, sang der Hinterste. �Wir ben�tigen dringend eure Hilfe. Wir sind von sehr weit hergekommen in der Hoffnung, eure Br�der und Schwestern und eure Welt vor einem feurigen Tod zu retten.�</p><p>Louis schluckte seinen Lachreiz hinunter. Gl�cklicherweise hatten seine G�ste nur Augen f�r den Pierson-Puppetier.</p><p>�Wo kommst du denn her?� fragte der Junge erstaunt. �Wie sieht deine Welt aus?�</p><p>Der Puppetier versuchte, ihm seine Welt zu erkl�ren. Er sprach von Planeten, die fast mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum rasten�� f�nf Welten, die in einem F�nfeck angeordnet waren, als Kemplerer-Rosette. K�nstliche Sonnen umkreisten vier dieser Welten, damit dort die Nahrungsmittel wuchsen f�r die Puppetiers, die den f�nften Planeten bewohnten. Die f�nfte Welt wurde nur von dem Licht ihrer Stra�en und Geb�ude erhellt. Die Kontinente strahlten in einem gelbwei�en Glanz, w�hrend die Meere als dunkle Masse die Zwischenr�ume ausf�llten. Isolierte glei�end helle Sterne, die von Nebelschwaden umgeben waren, waren schwimmende Fabriken, deren �bersch�ssige W�rme das Wasser zum Kochen brachte. Die �bersch�ssige W�rme der Industrieabw�sser bewahrte die Welt vor der K�ltestarre.</p><p>Der Junge verga� beim Zuh�ren das Atmen. Nur die Bibliothekarin sagte leise zu sich selbst: �Er <emphasis>mu�</emphasis> von den Sternen gekommen sein. Er gleicht keinem uns bekannten lebenden Wesen.�</p><p>Der Puppetier sprach von gigantischen Geb�uden, �berf�llten Stra�en und von Parkanlagen, der letzten Zuflucht der heimischen Tierwelt. Er sprach von dem Tansportscheiben-Verkehrssystem, mit dem man in wenigen Minuten um die ganze Welt gehen konnte.</p><p>Harkabeeparolyn sch�ttelte den Kopf. Ihre Stimme klang fast heftig: �Bitte, wir haben jetzt daf�r keine Zeit. Es tut mir leid, Kawa! Wir wollen wirklich mehr davon wissen, m�ssen das sogar�� aber diese Welt und diese Sonne stehen auf dem Spiel! Louis, ich h�tte nie an dir zweifeln sollen. Was k�nnen wir tun, um bei der Rettung zu helfen?�</p><p>Der Hinterste sagte: �Du kannst mir vorlesen.�</p><p>Kawaresksenjajok lag auf dem R�cken und beobachtete die R�ckseite seiner Welt, die �ber ihm vorbeirollte. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> flog unter einem konturlosen schwarzen Dach, in das der Hinterste zwei Hologramm-�Fenster� eingerichtet hatte. Das eine breite Rechteck zeigte einen leicht vergr��erten Ausschnitt; das andere Fenster untersuchte die Unterseite der Ringwelt mit infrarotem Licht. Im Infra zeigte sich die Unterseite des Tages immer noch heller als das vom Schatten der Nacht bedeckte Land. Und die Fl�sse und Meere waren dunkel am Tag und hell in der Nacht.</p><p>�Wie die R�ckseite einer Maske, verstehst du?� Louis sprach mit leiser Stimme, um Harkabeeparolyn beim Vorlesen nicht zu st�ren. �Siehst du dort die sich verzweigenden Nebenfl�sse, wie sie hervorstehen wie Adern? Und die Meere zeigen sich hier als Kuppen oder Beulen. Dort haben wir eine Reihe von Vertiefungen�� das ist eine Gebirgskette.�</p><p>�Sehen deine Welten auch so aus?�</p><p>�Oh, nein. Auf meinen Welten w�rde alles auf der Unterseite aus festem Material bestehen, und die Oberseite verdankt ihre Form dem Zufall. Hier wurde die Welt wie ein Relief gemei�elt. Hier haben die Meere alle die gleiche Tiefe, und sie sind so verteilt, da� es �berall auf der Welt gen�gend Wasser gibt.�</p><p>�Diese Welt ist ein versenktes Relief?�</p><p>�Ja. Ich k�nnte sie mit nichts anderem vergleichen.�</p><p>�Luweewu, das klingt unheimlich. Wie mu� man sich die Sch�pfer dieser Welt vorstellen?�</p><p>�Sie dachten in gro�artigen Dimensionen, und sie liebten ihre Kinder. Ihre Gestalt glich einer Panzerr�stung.� Louis gab mit Absicht eine vage Beschreibung der Protektoren. Mehr wollte er nicht �ber sie sagen.</p><p>Der Junge deutete auf die durchsichtige Rumpfwand: �Was ist das?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Es war eine Delle auf der Unterseite der Ringwelt, die mit Nebel gef�llt war. �Ich glaube, hier hat ein Meteor die Au�enhaut durchschlagen. Auf der anderen Seite bildet sich ein Wirbelsturm.�</p><p>Der Leseschirm stand auf dem Kommandodeck, die Schirmseite war Harkabeeparolyn zugewandt. Der Hinterste hatte den Schaden repariert und ein geflochtenes Kabel an der Maschine befestigt, das mit seiner Steuerkonsole verbunden war. Harkabeeparolyn stand vor dem Schott und las laut vor. Der Schiffscomputer las gleichzeitig das Band ab, verglich es mit ihrer Stimme und seinem gespeicherten Wissen von Halrloprillalars Sprache. Diese Sprache mu�te sich im Verlauf der Jahrhunderte gewandelt haben, aber nicht zu sehr, nicht in einer gebildeten Gesellschaft. Es stand zu hoffen, da� der Computer bald die Leseb�nder selbst �bersetzen konnte.</p><p>Was den Hintersten betraf, so hatte er sich in seine versteckte Privatkabine zur�ckgezogen. Das fremde Wesen hatte mehrere Schocks hintereinander erlebt. Louis g�nnte ihm die Erholungspause f�r seine hysterischen Anf�lle.</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> beschleunigte jetzt stetig. Die in das Bodenmaterial eingepr�gte Landschaft glitt nun so rasch �ber dem Schiff dahin, da� man keine Einzelheiten mehr zu erkennen vermochte. Und Harkabeeparolyns Stimme klang etwas gepre�t. H�chste Zeit f�r eine Mittagspause, dachte Louis.</p><p>Dabei tauchte ein neues Problem auf. Louis w�hlte Filets Mignons, Bratkartoffeln, Briek�se und Franz�sisches Wei�brot. Der Junge starrte das Men� entsetzt an. Auch die Frau machte entsetzte Augen, die allerdings auf Louis Wu gerichtet waren.</p><p>�Entschuldigung. Ich verga� rechtzeitig daran zu denken, da� ihr Allesesser seid.�</p><p>�Allesesser, ja. Wir essen pflanzliche und tierische Produkte�, erwiderte die Bibliothekarin. �Aber wir essen kein verwestes Fleisch oder verdorbene Nahrungsmittel!�</p><p>�Regt euch nicht auf. Die Nahrungsmittel sind nicht mit Bakterien verseucht.� Ein abgehangenes Steak und Milch, die Schimmelpilzen ausgesetzt war. Louis warf die Teller mit dem Men� in die Toilette und w�hlte erneut. Fr�chte, <emphasis>crudites</emphasis>, dazu eine Sch�ssel mit Sauercreme, die ebenfalls wieder in die Toilette wanderte. Als Hauptgericht Meeresfr�chte, zu denen auch <emphasis>sashimi</emphasis> geh�rten. Seine G�ste hatten noch nie in ihrem Leben einen Salzwasserfisch gegessen. Er schmeckte ihnen, aber er machte sie auch durstig.</p><p>Und da� sie Louis beim Essen zusehen mu�ten, machte sie ungl�cklich. Aber sollte er ihretwegen vielleicht hungern?</p><p>Doch es konnte geschehen, da� <emphasis>sie</emphasis> hungern mu�ten. Woher wollte er das frische rohe Fleisch f�r sie nehmen? Nun, nat�rlich aus der Seite des Nahrungsspenders, der f�r Chmeee reserviert war. Dann konnte er das Fleisch mit dem Laser braten, wenn er einen weiten Kegel mit hoher Intensit�t einstellte. Er mu�te dem Hintersten befehlen, den Laser nachzuladen. Vielleicht w�rde sich der Puppetier zuerst weigern, dieser Aufforderung nachzukommen, wenn er daran dachte, wie Louis den Laser beim letzten Mal verwendet hatte.</p><p>Noch ein Problem: die G�ste nahmen vielleicht zuviel Salz mit der Nahrung auf. Louis wu�te nicht, wie er dieses Problem l�sen sollte. Vielleicht konnte der Hinterste die Mechanik des Nahrungsmittelspenders anderes einstellen.</p><p>Nach dem Essen kehrte Harkabeeparolyn wieder zu ihrem Platz vor dem Leseschirm zur�ck. Inzwischen raste die Schale der Ringwelt so rasch �ber ihnen dahin, da� sie nur noch einem schwarzen Tuch glich. Kawaresksenjajok bewegte sich mit der Transportscheibe ruhelos zwischen der Kabine und dem Laderaum hin und her. Auch Louis kam nicht zur Ruhe. Eigentlich h�tte er studieren sollen: die Aufzeichnungen ihrer ersten Reise oder die Hologramme von Chmeees abenteuerlicher Erkundungsfahrt auf der Weltkarte von Kzin. Doch der Hinterste hatte sich in seinen Privatgem�chern versteckt. Ohne ihn kam er an die Aufzeichnungen nicht heran.</p><p>Und dann entdeckte er noch einen Grund, weshalb er sich nicht zu konzentrieren vermochte.</p><p>Er war scharf auf die Bibliothekarin.</p><p>Er liebte ihre Stimme. Sie hatte stundenlang vorgelesen, und ihr Tonfall war noch genauso melodi�s wie am Anfang. Sie sagte ihm, da� sie manchmal blinden Kindern vorlas: Kindern ohne Augenlicht. Louis wurde es ganz �bel bei dem Gedanken an so ein Gebrechen. Er f�hlte sich von ihrer W�rde und ihrem Mut angezogen. Ihm gefiel die Art, wie sich ihr K�rper unter ihrer Robe abzeichnete, und er suchte einen Blick auf ihre Nacktheit zu erhaschen.</p><p>Es war schon ein paar Jahre her, da� Louis sich in eine reinblutige menschliche Frau verliebt hatte. Harkabeeparolyn kam einer menschlichen Frau sehr nahe. Als der Puppetier endlich wieder auf dem Kommandodeck erschien, war Louis froh �ber diese Ablenkung.</p><empty-line/><p>Sie unterhielten sich leise auf Interworld, wahrend Harkabeeparolyn mit lauter Stimme dem Computer die Leseb�nder vorlas.</p><p>�Wo stammen sie nur her, diese Amateur-Mechaniker?� dachte Louis laut nach. �Wer k�nnte auf der Ringwelt die umfassenden wissenschaftlichen Kenntnisse besitzen, da� er in der Lage ist, die Steuerd�sen wieder einzuh�ngen? Es scheint ihnen aber trotzdem nicht klar zu sein, da� ihre Anstrengungen nicht ausreichen.�</p><p>�La� sie in Ruhe�, sagte der Hinterste.</p><p>�Vielleicht <emphasis>wissen</emphasis> sie, da� die D�sen nicht ausreichen? Vielleicht ist es eine Verzweiflungstat dieser armen Tr�pfe, weil ihnen nichts Besseres einf�llt. Bleibt aber noch die Frage, woher sie sich ihre Ausr�stung besorgten. Sie k�nnte aus dem Reparaturzentrum stammen.�</p><p>�Wir haben schon genug Probleme, Louis. La� diese Leute in Ruhe.�</p><p>�Diesmal glaube ich sogar, da� deine Empfehlung richtig ist. Aber ich kann meine Gedanken nicht daran hindern, sich mit diesem Problem zu besch�ftigen. Teela Brown war im menschlichen Universum zur Schule gegangen. Technische Gro�bauwerke, die im All errichtet wurden, sind f�r sie nichts Neues gewesen. Sie mu�te wissen, was es bedeutete, als die Sonne pl�tzlich ihren Standort ver�nderte.�</p><p>�K�nnte Teela Brown so eine gro�e technische Anstrengung �berhaupt organisieren?�</p><p>�M�glicherweise nicht. Aber Sucher war damals ihr st�ndiger Begleiter. Vermutlich kennst du diesen Mann aus den Aufzeichnungen, die Nessus von der Expedition nach Hause brachte. Sucher war ein Eingeborener der Ringwelt und vermutlich unsterblich. Teela traf mit ihm zusammen. Dieser Eingeborene war zwar ein bi�chen verr�ckt, aber durchaus bef�higt, Arbeiten im gro�en Stil zu organisieren. Angeblich war er schon ein paarmal zum K�nig gew�hlt worden, berichtet er uns.�</p><p>�Teela Brown war ein gescheitertes Experiment. Wir versuchten, ein gl�ckliches menschliches Wesen heranzuz�chten in dem Glauben, da� ein Puppetier in ihrer Begleitung von ihrem Gl�ck profitieren m�sse. Vielleicht war Teela tats�chlich gl�cklich, doch dann hatte sich ihr Gl�ck nicht als ansteckend erwiesen. Wir wollten nicht mehr mit Teela Brown zusammentreffen.�</p><p>Louis sch�ttelte sich. �Nein, gewi� nicht.�</p><p>�Dann m�ssen wir es auch vermeiden, die Aufmerksamkeit der Reparaturmannschaft auf uns zu lenken.�</p><p>�F�ge folgendes Postscriptum dem Band hinzu, das du Chmeee �berspielen wirst�, sagte Louis. � �Louis Wu wies mein Angebot zur�ck, sich als Asylant auf der Flotte der Puppetier-Welten niederzulassen. Louis Wu hat inzwischen das Kommando �ber die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> �bernommen und den Hyperdrive-Antrieb zerst�rt.� Dieser Nachsatz wird ihm in die Knochen fahren.�</p><p>�Mich traf das bis ins Mark. Louis, meine Sensoren k�nnen das <emphasis>Scrith-</emphasis>Material nicht durchdringen. Du mu�t noch eine Weile warten, bis ich ihm die Bootschaft schicken kann.�</p><p>�Wie lange wird es dauern, bis wir ihn erreichen?�</p><p>�Ungef�hr vierzig Stunden. Ich habe bis auf tausend Meilen pro Sekunde beschleunigt. Bei dieser Geschwindigkeit ben�tigen wir mehr als f�nf g, damit wir den Kurs halten k�nnen.�</p><p>�Wir k�nnen bis zu drei�ig g vertragen. Du bist wieder einmal �bervorsichtig.�</p><p>�Ich nehme deine Meinung zur Kenntnis.�</p><p>�Aber meine Befehle scheinst du kaum zur Kenntnis nehmen zu wollen�, erwiderte Louis heftig.</p></section><section><title><p>25. Die Saat des Imperiums</p></title><p>�ber der gew�lbten Kabinendecke raste die Unterseite der Ringwelt vorbei.</p><p>Das war kein gro�artiger Anblick, nicht aus einer Entfernung von drei�igtausend Meilen und bei einer Geschwindigkeit von tausend Meilen pro Sekunde, zumal die Unterseite der Ringwelt mit einer Schaum-Schutzschicht �berzogen war. Der Junge schlief schlie�lich auf dem orangefarbenen Fell des Wasserbettes ein. Louis starrte zur Unterseite der Ringwelt hinauf. Er h�tte sonst zwischen seinen Schlafplatten schweben und sich das Hirn zermartern m�ssen, ob er sie nicht alle zum Untergang verurteilt hatte.</p><p>Endlich sagte der Hinterste zu der St�dtebauer-Bibliothekarin: �Es reicht.�</p><p>Louis wandte den Blick von der gesch�umten Unterseite der Ringwelt ab.</p><p>Harkabeeparolyn massierte sich den Hals. Sie sah zu, wie der Hinterste vier gestohlene Lesespulen durch die Lesemaschine jagte.</p><p>Diesmal dauerte es nur ein paar Minuten. �Jetzt ist es nur noch ein reines Computerproblem�, erkl�rte der Puppetier. �Ich habe die Fragen einprogrammiert. Wenn der Computer die Antworten in den Leseb�ndern findet, erfahren wir sie sp�testens in zwei Stunden. Louis, was ist, wenn uns die Antworten nicht gefallen?�</p><p>�Ich m�chte erst die Fragen h�ren.�</p><p>�Gibt es historische Nachweise von Reparaturarbeiten auf der Ringwelt? Falls ja, stammten die Maschinen f�r die Reparaturarbeiten aus einer einzigen Quelle? Fallen die Reparaturarbeiten an bestimmten Orten h�ufiger an? Ist ein bestimmter Bereich der Ringwelt besser erhalten als die �brigen Bereiche des Artefakten? Ziehe alle Textstellen heraus, die sich auf Pak-Protektoren oder �hnliche Wesen beziehen. �ndert sich Stil und Aussehen von R�stungen mit der Entfernung von einem zentralen Punkt? Welche magnetischen Eigenschaften hat der Ringweltboden und das <emphasis>Scrith-</emphasis>Material im allgemeinen?�</p><p>�Gut.�</p><p>�Habe ich etwas ausgelasen?�</p><p>�.Ja. Wir wollen den vermutlichen Ursprung der Unsterblichkeitsdroge finden. Wahrscheinlich ist es der Gro�e Ozean, aber fragen wir trotzdem den Computer.�</p><p>�Okay. Warum der Gro�e Ozean?�</p><p>�Oh, zum einen, weil er so auff�llig ist. Und zweitens, weil wir nur ein einziges �berlebendes Resultat der Unsterblichkeitsdroge fanden, n�mlich Halrloprillalar. Wir fanden sie in der Nachbarschaft des Gro�en Ozeans.� <emphasis>Und drittens, weil wir dort notlandeten</emphasis>, dachte Louis. <emphasis>Das Gl�ck von Teela Brown beeinflu�t die Gesetze der Wahrscheinlichkeit. Teelas Gl�ck kann Uns schon beim erstenmal direkt zum Reparaturzentrum gebracht haben, nur wu�ten wir das nicht.</emphasis> �Harkabeeparolyn? Meinst du, da� wir etwas vergessen haben?�</p><p>Ihre Stimme klang heiser: �Ich begreife �berhaupt nicht, was ihr beide miteinander besprecht.�</p><p>Wie sollte er ihr das erkl�ren? �Unsere Maschine kann alles im Ged�chtnis behalten, was auf deinen Leseb�ndem steht. Wir befehlen ihr, in ihrem Ged�chtnis die Antworten auf bestimmte Fragen zu suchen.�</p><p>�Fragt die Maschine, wie wir die Ringwelt retten k�nnen.�</p><p>�So allgemein d�rfen wir diese Frage nicht stellen. Die Maschine kann sich zwar erinnern, vergleichen und zusammenrechnen; aber sie kann nicht selbst�ndig denken. Daf�r ist sie nicht gro� genug.�</p><p>Die Bibliothekarin sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Und wenn die Antworten, die wir bekommen, falsch sind?� sagte der Hinterste. �Wir k�nnen nicht mehr von dieser Welt fliehen.�</p><p>�Dann werden wir einen anderen Ausweg suchen.�</p><p>�Ich habe dar�ber nachgedacht. Wir m�ssen in eine polare Umlaufbahn um die Sonne fliegen, um das Risiko, von einem Fragment der explodierenden Ringwelt getroffen zu werden, auf ein Minimum zu beschr�nken. Ich werde die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> im Stasisfeld einbetten und dann auf Rettung warten. Die M�glichkeit, da� wir gerettet werden, ist nat�rlich au�erordentlich gering. Aber immerhin ist diese Chance besser als das, was uns jetzt droht.�</p><p>Es konnte sein, da� sie diese Anregung des Hintersten aufgreifen mu�ten, dachte Louis. �Sch�n. Wir haben immerhin noch zwei Jahre Zeit, etwas Besseres zu finden.�</p><p>�Weniger als das. Wenn.�</p><p>�Halt deine Schn�bel.�</p><empty-line/><p>Die ersch�pfte Bibliothekarin lie� sich auf das Wasserbett fallen. Das imitierte Kzin-Fell bewegte sich wellenartig unter ihr. Sie blieb einen Moment ganz steif liegen und bewegte sich dann vorsichtig auf den R�cken. Das Fell begann wieder zu schwanken. Endlich gab sie ihren Widerstand auf und lie� sich von den Wellen des Wasserbettes tragen. Kawaresksenjajok murmelte etwas im Halbschlaf und drehte sich dann auf die andere Seite.</p><p>Die Bibliothekarin sah au�erordentlich attraktiv aus. Louis unterdr�ckte den Impuls, sich zu ihr auf das Wasserbett zu legen. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Furchtbar m�de. Und niedergeschlagen. Werde ich in meinem Leben noch einmal meine Heimat sehen? Wenn das Ende kommt�� wenn es kommt�� w�rde ich es gerne auf dem Dach der Bibliothek erwarten. Aber die Blumen werden bis dahin l�ngst verbrannt sein, nicht wahr? Entweder verbrannt oder erfroren.�</p><p>�Ja.� Louis war ger�hrt. Ganz bestimmt w�rde er seine Heimat nie wiedersehen. �Ich werde versuchen, dich in die Stadt zur�ckzubringen. Aber jetzt brauchst du unbedingt deinen Schlaf. Und eine R�ckenmassage.�</p><p>�Nein.�</p><p>Seltsam. Geh�rte Harkabeeparolyn nicht zu den St�dtebauern, zu Halrloprillalars Artgenossen, die vor allem mit ihrem Sex-Appeal die Ringwelt beherrscht hatten? Manchmal war es nicht einfach, sich daran zu erinnern, da� die Individuen einer fremden Rasse auch so verschieden ausfallen konnten wie bei den Menschen.</p><p>Er sagte: �Mir scheint, da� die Angeh�rigen des Bibliotheks-Clans sich eher wie Priester, denn als Wissenschaftler geb�rdeten. Habt ihr ein Gel�bde der Enthaltsamkeit abgelegt?�</p><p>�W�hrend wir in der Bibliothek arbeiten, gilt f�r uns das Gebot der Enthaltsamkeit. Aber ich habe mich freiwillig f�r die Enthaltsamkeit entschlossen.� Sie stemmte sich auf einem Ellenbogen hoch, um ihn ansehen zu k�nnen. �Wir lernen in der Schule, da� alle anderen Spezies sich darum rei�en, <emphasis>Rishathra</emphasis> mit den St�dtebauern zu treiben. Gilt das auch f�r dich?�</p><p>Er gab es zu.</p><p>�Ich hoffe, du kannst dich beherrschen.�</p><p>Er seufzte. �Oh, tanj, ja. Ich bin tausend <emphasis>Falans</emphasis> alt. Ich hatte genug Zeit, zu lernen, wie ich mich von solchen Dingen ablenken kann.�</p><p>�Wie?�</p><p>�In der Regel suche ich mir eine andere Frau.�</p><p>Die Bibliothekarin lachte nicht �ber seine Antwort. �Und wenn eine andere Frau nicht verf�gbar ist?�</p><p>�Oh. dann treibe ich Leibes�bungen bis zur Ersch�pfung. Ich betrinke mich mit dem Zeug, das ihr �Treibstoff� nennt. Gehe auf eine Sabbats-Reise, fliege in einem Ein-Mann-Raumschiff in den interstellaren Raum. Oder ich suche mir irgendein anderes Vergn�gen, das mich zerstreut. So ein Vergn�gen kann sogar die Arbeit sein.�</p><p>�Du solltest dich nicht betrinken�, sagte sie, und damit hatte sie vollkommen recht. �Was f�r eine Zerstreuung st�nde dir sonst noch offen?�</p><p>Der Wonnestrom-Stecker! Ein kleiner Stromsto�, und es w�rde ihm egal sein, ob sich Harkabeeparolyn vor seinen Augen in gr�nen Schleim verwandelte. Warum sollte es ihn jetzt st�ren, wenn das geschah? Er bewunderte sie nicht. nun, vielleicht doch, eine winzige Kleinigkeit. Aber sie hatte ihre Heldenrolle bereits ausgespielt. Er konnte die Ringwelt retten oder untergehen sehen, ohne da� es ihrer weiteren Hilfe bedurfte.</p><p>�Trotzdem wirst du deine Massage bekommen�, sagte er. Er machte absichtlich einen weiten Bogen um sie herum, ehe er einen Hebel an der Schalttafel des Wasserbettes umlegte. Harkabeeparolyn sah ihn �berrascht an, l�chelte dann und legte sich entspannt zur�ck, als die sonaren Vibrationen in ihrer wassergef�llten Unterlage sich auf ihren K�rper �bertrugen. In ein paar Minuten war sie eingeschlafen. Er stellte die Zeituhr so ein, da� die Massage in zwanzig Minuten aufh�rte.</p><p>Dann br�tete er vor sich hin.</p><p>Wenn er nicht ein Jahr mit Halrloprillalar verbracht h�tte, w�rde er Harkabeeparolyn mit ihrem Kahlkopf, der platten kleinen Nase und den Messerr�cken-Lippen bestimmt nicht attraktiv gefunden haben. Ganz im Gegenteil. Aber er hatte nun einmal ein Jahr mit Halrloprillalar zusammengelebt.</p><p>Er hatte dort Haare, wo kein St�dtebauer behaart war. Lag es daran? Oder an dem Geruch seiner Mahlzeiten und seines Atems? Oder an einem sozialen Signal, von dem er keine Kenntnis hatte?</p><p>Ein Mann, der ein Puppetier-Raumschiff in seine Gewalt gebracht hatte, sein Leben auf die Chance setzte, da� er Billiarden andere Lebewesen retten konnte, der das non plus ultra aller Drogens�chte �berwunden hatte, sollte sich doch nicht von so einer L�cherlichkeit aus dem Konzept bringen lassen, da� er auf eine attraktive Zimmergenossin scharf war. Er brauchte sich doch nur ein paar Minuten an den Wonnestrom zu h�ngen, um zu erkennen, wie l�cherlich seine Leidenschaft f�r dieses Wesen war.</p><p>Ja.</p><p>Louis ging bis zur Wand, die ihn vom Kommandostand trennte: �Hinterster!�</p><p>Der Puppetier trottete aus seiner Kabine ins Blickfeld.</p><p>�Ich m�chte alle Aufzeichnungen �ber die Pak-Protektoren haben. Die Interviews und medizinischen Gutachten von Jack Brennan, die Forschungsberichte von der Obduktion des Pak-Leichnams�� alles, was du an Unterlagen hast.�</p><p>Er w�rde es mit der Arbeit versuchen.</p><empty-line/><p>Louis Wu verharrte im schwebenden Zustand zwischen den Schlafplatten in der Lotusstellung. Sein Gewand bauschte sich schwerelos um seinen K�rper. Auf dem Schirm, der bewegungslos vor dem durchsichtigen Rumpf der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> verharrte, hielt ein l�ngst verstorbener Mann eine Vorlesung �ber die Urspr�nge der Menschheit.</p><p>�Protektoren verf�gen �ber einen sehr kleinen Spielraum des freien Willens�, erkl�rte er gerade. �Wir sind zu intelligent, um nicht auf Anhieb die richtigen L�sungen zu erkennen. Au�erdem gibt es ja noch Instinkte. Wenn ein Pak-Protektor keine lebenden Nachkommen hat, stirbt er in der Regel. Er h�rt einfach auf zu essen. Manche Protektoren k�nnen sich auf ein Ideal einstellen und finden dann einen Weg, ihrer ganzen Rasse einen Dienst zu leisten. Und das erh�lt sie am Leben. Ich glaube, das fiel mir leichter als Phssthpok.�</p><p>�Welches Ideal haben Sie gefunden? Was f�r einen Grund hatten Sie, die Nahrung nicht zu verweigern?�</p><p>�Ich wollte Sie vor den Pak-Protektoren warnen.�</p><p>Louis nickte zustimmend. Er erinnerte sich an die Autopsiedaten der Protektoren-Leiche. Phsthpoks Gehirn war viel gr��er gewesen als das eines Menschen, aber die Schwellungen hatten nicht die vorderen Gehirnlappen eingeschlossen. Jack Brennans Sch�del sah aus, als w�re er in der Mitte eingedr�ckt, weil sich die Stirn beim Menschen anders entwickelte und der hintere Teil der Sch�delpartie sich nach oben w�lbte wie ein Ballon.</p><p>Brennans Haut hatte eine stark gefurchte lederartige Konsistenz angenommen. Seine Gelenke waren abnorm geschwollen. Seine Lippen und Gaumen hatten sich zu einem harten Schnabel vereinigt. Doch das alles schien den so dramatisch ver�nderten Minenunternehmer kaum zu st�ren.</p><p>�Alle Symptome des Alterungsprozesses geh�ren zu den Resterscheinungen der Metamorphose vom Br�ter zum Protektor�, berichtete er einem schon lange toten ARMUntersuchungsrichter. �Die Haut wird dicker und wirft Falten. Sie mu� sich so verwandeln, damit sie hart wird wie ein Panzer, von dem ein Messer abprallt. Man verliert auch die Z�hne, damit Platz wird f�r den H�rtungsproze� des Gaumens. Das Herz kann in seiner Leistung nachlassen, denn bei der Metamorphose w�chst ja ein zweites Zwei-Kammern-Herz in der Lendengegend nach.�</p><p>Brennans Stimme klang wie eine Raspel: �Die Gelenke dehnen sich aus, um eine gr��ere Fl�che f�r die Muskeln zu bieten und die Glieder mit gr��erer Hebekraft auszustatten. Damit w�chst auch die physische Kraft des Protektors. Aber das alles funktioniert nicht reibungslos ohne die Lebensbaum-Pflanze, und seit drei Millionen Jahren ist auf der Erde kein Lebensbaum mehr gewachsen.�</p><p>Louis zuckte zusammen, als ihn etwas am �rmel zupfte. �Luweewu? Ich habe Hunger.�</p><p>�Okay.� Das Studieren der B�nder hatte ihn sowieso schon erm�det. Zudem kamen keine neuen Erkenntnisse heraus.</p><p>Harkabeeparolyn schlief noch. Der Geruch des unter dem Laserkegel kochenden Fleisches weckte sie. Louis w�hlte ein paar Fr�chte und gekochtes Gem�se f�r die beiden und zeigte ihnen dann, wo sie die Speisen, die sie nicht mochten, wieder hineinwerfen mu�ten.</p><p>Er nahm seine Mahlzeit hin�ber in dem Laderaum.</p><p>Ihm war es unangenehm, da� das Schicksal anderer von ihm abhing, obwohl die Abh�ngigkeit seine Schuld war. Aber er konnte ihnen nicht einmal beibringen, sich selbst ihr Essen zu w�hlen. Die Tasten waren in Interworld und der Sprache des Kzin beschriftet.</p><p>Gab es wenigstens eine Besch�ftigungstherapie f�r die beiden? Morgen. Bis dahin w�rde ihm etwas einfallen.</p><empty-line/><p>Inzwischen wurde auch der Computer produktiv und spuckte die Antworten auf die gestellten Fragen aus. Der Hinterste war mit der Auswertung besch�ftigt. Als Louis den Puppetier einen Moment von der Arbeit ablenken konnte, bat er ihn um die Aufzeichnung von Chmeees Invasion in der Burg.</p><p>Die Burg lag auf der Spitze eines Felsens. Herden schweine�hnlicher Tiere, die gelb und orange gestreift waren, weideten das fahle Gras im Tal unter dem Felsen ab. Das Landungsboot umkreiste die Burg und landete dann in einem Schauer von Pfeilen im Burghof.</p><p>Ein paar Minuten lang geschah gar nichts.</p><p>Dann schossen orangefarbene Blitze aus den gew�lbten Torwegen der Burg heraus. Sie bewegten sich viel zu schnell, als da� man zu erkennen vermochte, wie sie aussahen.</p><p>Dann lagen sie flach wie Teppiche unter dem Rumpf des Landungsbootes, primitive Waffen in ihren Pranken. Das waren Kzinti, aber sie schienen irgendwie verzerrt zu sein. In einer Viertelmillion Jahre hatten sie sich ganz anders entwickelt.</p><p>Harkabeeparolyn sagte hinter Louis' Schulter: �Sind das die Artgenossen deines Freundes?�</p><p>�Sie sind ihm sehr �hnlich. Nur scheinen sie etwas kleiner und ein wenig dunkler gef�rbt zu sein. Auch der Unterkiefer kommt mir kr�ftiger vor.�</p><p>�Er lie� dich im Stich. Warum zahlst du ihm das nicht mit gleicher M�nze heim?�</p><p>Louis lachte. �Weshalb? Damit du ein eigenes Bett hast? Wir befanden uns in Lebensgefahr, als ich mich von einem Vampir verf�hren lie�. Das war f�r ihn eine schreckliche Entt�uschung. Chmeee ist der Auffassung, da� <emphasis>ich ihn</emphasis> im Stich gelassen habe.�</p><p>�Kein Mann und keine Frau k�nnen einem Vampir widerstehen.�</p><p>�Chmeee ist kein Mensch. Er w�rde weder mit einem Vampir noch mit einem menschen�hnlichen Wesen <emphasis>Rishathra</emphasis> treiben.�</p><p>Noch mehr Tigerwesen kamen jetzt aus der Burg heraus, um sich unter dem Landungsboot auf die Lauer zu legen. Zwei von ihnen trugen einen mit Rost �berzogenen Metallzylinder. Ein Dutzend Katzen krochen zum Eck des Landungsbootes.</p><p>Der Zylinder l�ste sich in einer gelbwei�en Stichflamme auf. Das Landungsboot glitt zwei Meter zur Seite. Die Kzinti warteten und krochen dann zu der Stelle zur�ck, wo der Zylinder gestanden hatte, um das Ergebnis nachzupr�fen.</p><p>Harkabeeparolyn schauerte zusammen. �Diese Wesen sehen aus, als h�tten sie Lust auf mein Fleisch, nicht auf <emphasis>Rishathra.</emphasis>�</p><p>Louis erwiderte gereizt: �M�glich. Aber ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, als Chmeee fast starb vor Hunger, und er versuchte nie, mich anzur�hren. Hattet ihr denn keine Fleischfresser in eurer Stadt?�</p><p>�Ja, die hatten wir.�</p><p>�Und in der Bibliothek?�</p><p>Zun�chst dachte er, sie wollte ihm nicht antworten. (Mit Pelz bedeckte Gesichter zeigten sich an vielen Fensterschlitzen. Die Explosion hatte dem Landungsboot keinen sichtbaren Schaden zugef�gt.) Dann sagte sie: �Ich war eine Weile lang ein Mitglied des Panth-Clans.� Sie wich seinem Blick aus.</p><p>Einen Moment lang verstand er nicht. Dann fiel es ihm wieder ein: Das Panth-Geb�ude. Gebaut wie eine Zwiebel, deren Spitze nach unten wies. Die Reparaturarbeiten am Wasserkondensator. Der Anf�hrer des Clans wollte ihm den Lohn mit Sex bezahlen. Geruch von Vampiren in den Korridoren.</p><p>�Hattest du <emphasis>Rishathra</emphasis> mit Fleischessern?�</p><p>�Mit Hirten, dem Gras-Volk, den H�ngeleuten und dem Nacht-Volk. Das vergi�t man nicht so rasch.�</p><p>Louis schwieg eine Weile. �Auch mit den Nacht-Wesen? Kobolden?�</p><p>�Die Nacht-Wesen sind f�r uns sehr wichtig. Sie sind Meldeg�nger f�r die Stadt und f�r die Maschinen-Leute. Sie halten den Rest der Zivilisation zusammen, und deshalb m�ssen wir uns mit ihnen gut stellen.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Aber dann. Luweewu, die Nachtj�ger haben einen sehr empfindlichen Geruchssinn. Sie fl�chten sofort, wenn sie einen Vampir wittern. Man befahl mir, mit einem Nachtj�ger <emphasis>Rishathra</emphasis> zu treiben. Aber ich durfte mich nicht mit dem Vampir-Parf�m best�uben. Also bat ich um meine Versetzung in die Bibliothek.�</p><p>Louis dachte an seine Begegnung mit M�r Korssil. �Sie wirkten nicht absto�end auf mich.�</p><p>�Aber wenn man <emphasis>Rishathm</emphasis> mit ihnen treibt, ist das eine andere Sache. Wer keine Eltern hat, mu� eine Gesellschaftssteuer bezahlen, ehe er sich paaren und einen Haushalt errichten kann. Ich verlor mein Steuerguthaben, als ich mich versetzen lie�. Und die Versetzung lie� auch eine Weile auf sich warten.� Sie sah ihm jetzt wieder in die Augen. �Es war nicht sehr angenehm. Doch andere Begegnungen waren auch nicht besser. Sobald die Wirkung des Vampir-Parf�ms nachl��t, wird die Erinnerung zu einem Alptraum. Die Ger�che, das Blut an den Lippen eines Nachtj�gers, der Aasgeruch der Nachtwesen�� all das bleibt im Ged�chtnis haften.�</p><p>�Aber du bist jetzt weit entfernt vom Geb�ude des Panth-Clans�, sagte Louis.</p><p>Die Tigerwesen unter dem Landungsboot versuchten aufzustehen. Sie taumelten. Dann lagen sie alle schlafend auf der Erde. Zehn Minuten sp�ter �ffnete sich die Luftschleuse. Chmeee stieg das Fallreep hinunter, um die Burg seinem Willen zu unterwerfen.</p><empty-line/><p>Es dauerte sehr lange, bis der Hinterste wieder auf dem Flugdeck erschien. Er sah m�de und ungek�mmt aus. �Offenbar hattest du mit deiner Vermutung recht�, sagte er. �Der <emphasis>Scrith</emphasis> enth�lt nicht nur ein magnetisches Feld, sondern die gesamte Ringwelt-Struktur ist mit Superleiter-Kabeln durchzogen.�</p><p>�Das ist eine gute Nachricht�, erwiderte Louis. Ihm schien ein Stein vom Herzen zu fallen. �Das ist gro�artig! Aber woher konnten die St�dtebauer das wissen? Ich traue ihnen nicht zu, da� sie das <emphasis>Scrith-</emphasis>Matenal aufbohrten, um nach Superleitern zu suchen.�</p><p>�Nein. Sie stellten Magnete f�r Kompasse her. Damit sp�rten sie das Netzwerk der Superleiter im Ringweltboden auf, das in einem hexagonalen Muster verlegt ist, dessen Durchmesser f�nfzigtausend Meilen betr�gt. Das half ihnen, Karten der Ringwelt herzustellen. Aber Jahrhunderte vergingen, ehe die St�dtebauer so viel Physik beherrschten, um die Ursache dieser Magnetlinien zu erkennen. Diese Erkenntnis f�hrte dann bei ihnen zur Entwicklung eigener Superleiter.�</p><p>�Die Bakterien, die ihr auf dem Artefakten ausges�t habt.�</p><p>�Sie k�nnen nicht an das Superleiter-Netz heran, das im <emphasis>Scrith</emphasis> vergraben ist. Ich wei� nat�rlich, da� der Boden der Ringwelt nicht immun ist gegen Meteoriten bestimmter Gr��e. Wir k�nnen nur hoffen, da� die Meteoreinschl�ge das Superleiter-Netz nicht zerst�rten.�</p><p>�Die Chance, da� das Netz heil geblieben ist, besteht durchaus.�</p><p>Der Puppetier dachte eine Weile nach und sagte dann: �Louis, suchen wir immer noch das Geheimnis der Materie-Umwandlung?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber das w�re die L�sung f�r alle unsere Probleme�, erwiderte der Hinterste. �Der Materie-Umwandler mu� gigantische Ausma�e gehabt haben. Es ist viel leichter, Materie in Energie zu verwandeln, als Materie in andere Materie. Nehmen wir an, wir feuern unter der Ringwelt an einem Punkt, der am weitesten von ihrer Sonne entfernt ist, eine Materie-Umwandlungs-Kanone ab, wie ich das Ger�t bezeichnen m�chte. Die Reaktion dieser Entladung w�rde die Ringwelt wieder in ihre urspr�ngliche Lage versetzen. Selbstverst�ndlich w�rde das nicht ganz problemlos ablaufen. Die Schockwelle w�rde viele Eingeborene t�ten, aber viele w�rden auch am Leben bleiben. Die Schutzschicht aus <emphasis>Scrith-</emphasis>Schaum, die dabei verbrennen w�rde, k�nnte sp�ter wieder aufgetragen werden. Warum lachst du?� �Du bist ein brillanter Denker. Nur hat das Ganze einen Haken. Wir haben keinen Grund anzunehmen, da� eine Materie-Umwandlungskanone jemals auf der Ringwelt existierte.�</p><p>�Ich kann dir nicht ganz folgen.�</p><p>�Halrloprillalar hat Nessus einen B�ren aufgebunden. Sie beichtete uns das sp�ter. Und woher wollte sie denn wissen, auf welche Weise die Ringwelt entstanden war? Ihre Vorfahren waren noch primitive Affen, als der Artefakt erschaffen wurde.� Louis sah, wie der Puppetier seine K�pfe einzog und rief: �Ich m�chte jetzt keine hysterischen Anwandlungen erleben! Daf�r haben wir keine Zeit.�</p><p>�Aye, aye.�</p><p>�Was hast du noch herausgefunden?�</p><p>�Wenig genug. Die Analyse des <emphasis>Scrith</emphasis> ist noch nicht vollst�ndig. Und mit dem M�rchen von dem Gro�en Ozean kann ich nichts anfangen. Damit mu�t du dich befassen.�</p><p>�Morgen.�</p><empty-line/><p>Ger�usche, die zu leise waren, um einen Sinn zu ergeben, hielten ihn wach. Louis drehte sich im Dunkeln und im freien Fall um.</p><p>Das Licht reichte aus, da� er das Wasserbett sehen konnte. Kawaresksenjajok und Harkabeeparolyn lagen sich in den Armen und fl�sterten sich gegenseitig etwas ins Ohr. Louis' �bersetzer vermochte das Fl�stern nicht aufzufangen. Aber f�r ihn klang es wie Liebesgestammel. Als Louis einen j�hen Stich von Eifersucht versp�rte, mu�te er �ber sich selbst l�cheln. Er hatte geglaubt, der Junge w�re noch zu jung dazu. Er hatte geglaubt, die Frau h�tte dem Sex abgeschworen. Aber <emphasis>Rishathra</emphasis> war Sex nicht gleichzusetzen. Und sie geh�rten der gleichen Rasse an.</p><p>Louis drehte ihnen den R�cken zu und schlo� die Augen. Er erwartete, eine rhythmische Wellent�tigkeit zu vernehmen. Doch so ein Ger�usch kam nicht. Und endlich schlief er ein.</p><p>Er tr�umte, er befand sich auf einem Sabbat-Flug.</p><p>Er st�rzte, st�rzte zwischen die Sterne. Wenn die Welt ihm zu bunt wurde, zu bedr�ckend, nicht mehr zu verkraften, weil sie ihn zu �berw�ltigen drohte, war die Zeit gekommen, alle Welten hinter sich zu lassen. Louis hatte das schon mehrmals getan. Allein in einem kleinen Raumschiff war er in die unerforschten L�cken zwischen den bekannten Universen vorgesto�en, um zu schauen, was es dort zu sehen gab, und um zu erforschen, ob er sich noch selbst liebte. Nun schwebte Louis zwischen den Schlafplatten und tr�umte von dem Gl�cksgef�hl, zwischen die Sterne zu fallen. Er hatte keine Verpflichtungen und keine Abh�ngigen, f�r die er sorgen mu�te.</p><p>Und dann schrie eine Frau in panischem Entsetzen direkt neben seinem Ohr. Eine Ferse traf ihn heftig unter den losen Rippen, und Louis knickte mit einem hauchenden Schrei zusammen. Wild geschwungene Arme trafen ihn und schlossen sich dann mit einem W�rgegriff um seinen Hals. Das Schreien hielt an.</p><p>Louis l�ste die Finger von seinem Hals. Er rief: �Schlaffeld aus!�</p><p>Die Schwerkraft kam wieder. Louis und sein Angreifer sanken auf die untere Platte hinunter. Harkabeeparolyn h�rte auf zu schreien. Sie wehrte sich auch nicht, als er ihre Arme von seinen Schultern schob.</p><p>Der junge Karwaresksenjajok kniete neben ihr, erschrocken und verwirrt zugleich. Er redete in der Sprache der St�dtebauer beschw�rend auf sie ein. Die Frau fauchte ihn an.</p><p>Der Junge best�rmte sie mit Fragen. Endlich gab ihm Harkabeeparolyn Antwort. Der Junge nickte widerstrebend. Was sie ihm auch gesagt haben mochte, es gefiel ihm nicht. Er trat in eine Ecke, schickte Louis noch einen Blick zu, den er nicht zu deuten wu�te, und verschwand im Laderaum.</p><p>Louis schaltete sein Ubersetzerk�stchen ein: �Okay? Was ist hier eigentlich los?�</p><p>�Ich st�rzte!� sagte sie schluchzend.</p><p>�Das ist kein Grund, �ngstlich zu sein oder sich aufzuregen�, sagte Louis. �Es ist ein Zustand, in dem viele von uns gerne schlafen.�</p><p>Sie sah ihm ins Gesicht: �Schlafen im Fallen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ihr Gesichtsausdruck lie� sich jetzt m�helos deuten. Verr�ckt. <emphasis>Vollkommen verr�ckt...</emphasis> und dann ein Achselzucken. Sie nahm sich zusammen, als sie sagte: �Es ist mir bewu�t, da� ich nun nicht mehr von Nutzen sein kann, weil deine Maschine viel schneller lesen kann als ich. Es gibt nur noch eine M�glichkeit, dir deine Mission zu erleichtem, indem ich dir den Schmerz �ber den Verzicht auf geschlechtliche Befriedigung beseitige.� �Das ist aber eine gro�e Erleichterung�, erwiderte Louis. Es sollte sarkastisch klingen; aber w�rde sie das aus der �bersetzung heraush�ren? Louis h�tte sich lieber auf die Zunge gebissen, als diese Art von Wohlt�tigkeit anzunehmen.</p><p>�Wenn du dich badest und gr�ndlich deinen Mund s�uberst.�</p><p>�Spar dir deinen Atem. Da� du dein Wohlbefinden h�heren Zwecken opfern willst, ist anerkennenswert; aber es w�re ein Zeichen von schlechter Erziehung, wenn ich dieses Opfer annehmen w�rde.�</p><p>Sie sah verwirrt aus. �Luweewu? M�chtest du nicht <emphasis>Rishathra</emphasis> mit mir treiben?�</p><p>�Vielen Dank, nein. Schlaffeld an.� Louis schwebte von ihr weg. Aus Erfahrung hatte er Anla� zu bef�rchten, es w�rde jetzt zu einer Schimpfkanonade kommen, aber das lie� sich nicht �ndern. Falls sie Gewalt anwendete, w�rde sie sich im freien Fall befinden.</p><p>Aber sie �berraschte ihn, indem sie sagte: �Luweewu, es w�re schrecklich f�r mich, wenn ich jetzt ein Kind empfange.�</p><p>Er blickte auf ihr Gesicht hinunter: es war nicht w�tend, sondern sehr ernst. Sie sagte: �Wenn ich mich jetzt mit Kawaresksenjajok verb�nde, br�chte ein Baby zur Welt, das im Inferno einer vergl�henden Sonne sterben mu�.�</p><p>�Dann empfange eben kein Kind. Er ist sowieso viel zu jung dazu.�</p><p>�Nein, das ist er nicht.�</p><p>�Oh! Nun. Hast du denn keine. nein, das w�rdest du nicht haben. Verh�tungsmittel, meine ich. Nun, kannst du denn nicht deine empfangsbereiten Tage ausrechnen und in diesen Tagen jeden Geschlechtsverkehr meiden?�</p><p>�Ich verstehe dich nicht. Nein, warte, ich verstehe �dich doch. Luweewu, unsere Rasse beherrschte den gr��ten Teil dieser Welt, weil wir alle Variationen und. Nuancen von <emphasis>Rishathra</emphasis> beherrschten. Aber wei�t du auch, warum wir uns so gr�ndlich mit <emphasis>Rishathra</emphasis> auseinandersetzten?�</p><p>�Es machte vermutlich Spa�, oder etwa nicht?�</p><p>�Luweewu, manche Spezies sind einfach viel fruchtbarer als andere.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Schon in vorgeschichtlichen Zeiten erkannten wir, da� <emphasis>Rishathra</emphasis> eine Methode ist, Nachkommenschaft zu vermeiden. Wenn wir uns paaren, kommt vier <emphasis>Falans</emphasis> sp�ter promt ein Kind zur Welt. Luweewu, kann diese Welt gerettet werden? <emphasis>Wei�t</emphasis> du, da� diese Welt gerettet werden kann?�</p><p>Oh, am liebsten w�re er jetzt auf einem Sabbat-Flug gewesen allein in einem Ein-Mann-Raumschiff, Lichtjahre von allen Verpflichtungen entfernt, nur mit Louis Wu besch�ftigt. Oh, wie sch�n w�re jetzt ein Wonnestrom-Stecker gewesen. �Ich kann f�r nichts garantieren.�</p><p>�Dann treibe bitte <emphasis>Rishathra</emphasis> mit mir, damit ich nicht an Kawaresksenjajok denken mu�!�</p><p>Das war nicht gerade ein schmeichelhafter Antrag, f�r Louis Wus noch junges Leben. Er fragte: �Wie k�nnen wir denn <emphasis>seine</emphasis> Gedanken ablenken?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Wohl kaum. Der arme Junge, er mu� leiden.�</p><p><emphasis>Dann k�nnt ihr beide leiden</emphasis>, dachte Louis. Aber er brachte den Satz nicht �ber die Lippen. Die Frau spielte ihm kein Theater vor. Sie meinte es todernst. Sie litt, und sie hatte recht. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, ein St�dtebauer-Baby auf die Welt zu bringen.</p><p>Und er begehrte sie.</p><p>Er kletterte aus seinem freien Fall und nahm sie auf dem Wasserbett. Er war froh dar�ber, da� Kawaresksenjajok sich in den Laderaum zur�ckgezogen hatte. Was wollte er dem Jungen am n�chsten Morgen sagen?</p></section><section><title><p>26. Unter dem Meer</p></title><p>Louis erwachte im Zustand der Schwerkraft, mit einem L�cheln auf dem Gesicht, einem angenehmen Schw�chegef�hl in jedem Muskel und schwarzen Ringen unter den Augen. Er hatte in der vergangenen Nacht kaum geschlafen. Harkabeeparolyn hatte ihre N�te nicht �bertrieben. Er hatte nicht gewu�t (obwohl er ein Jahr mit Halrloprillalar zusammengelebt hatte), da� St�dtebauer-Frauen regelrechte Brunftzeiten hatten.</p><p>Er drehte sich zur Seite, und das breite Bett begann unter ihm zu schwanken. Ein K�rper rollte gegen seine H�fte: Kawaresksenjajok, der leise schnarchte und Arme und Beine von sich streckte wie ein Seestern.</p><p>Harkabeeparolyn hatte sich am Fu� des Bettes in orangefarbenen Pelz eingewickelt, bewegte sich jetzt und setzte sich auf. Sie sagte, als m��te sie sich daf�r entschuldigen, da� sie ihn allein gelassen hatte: �Ich wachte immer wieder auf und wu�te nicht, wo ich war. Das Bett schaukelte so heftig unter mir.�</p><p>Kulturschock, dachte er. Er erinnerte sich wieder daran, da� Halrloprillalar die Schlafplatten bevorzugte�� aber nicht zum Schlafen. �Der Boden ist breit genug. Wie geht es dir heute?�</p><p>�Viel besser. Im Augenblick wenigstens. Vielen Dank.�</p><p>�Ich danke <emphasis>dir.</emphasis> Hast du Hunger?�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>Er turnte. Seine Muskeln waren immer noch hart. Er war eben aus der �bung. Die St�dtebauer sahen ihm mit ratlosem Gesicht bei seinen Frei�bungen zu. Anschlie�end w�hlte er sein Fr�hst�ck: Wassermelone, Crepes Suzette mit Grand Marnier, Br�tchen und Kaffee. Seine G�ste wiesen, wie zu erwarten, den Kaffee zur�ck und auch die Br�tchen.</p><p>Als der Hinterste aus seinem Quartier erschien, sah er zerknittert und ersch�pft aus. �Die Formeln, die wir suchten, sind in den Unterlagen der fliegenden Stadt nicht zu finden�, sagte er. �Alle Rassen der Ringwelt bauten sich R�stungen in der Form eines Pak-Protektors. Die R�stungen sind nicht �berall gleich; aber im Stil halten sie sich im allgemeinen an das Grundmuster. Vielleicht ist die Verbreitung der St�dtebauer-Kultur �ber die ganze Ringwelt daran schuld. In ihrem Imperium wurden alle Ideen und Erfindungen so miteinander vermischt, da� wir sie jetzt, nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zur�ckverfolgen k�nnen.�</p><p>�Und wie steht es mit der Unsterblichkeitsdroge?�</p><p>�Da hattest du recht. Der Gro�e Ozean wird als Quelle aller Schrecken, Wunder und Freude betrachtet, wozu auch die Unsterblichkeit geh�rt. Das Geschenk der Unsterblichkeit erscheint nicht immer als Droge. Manchmal ist es sogar ein unerw�nschtes Geschenk, das launische G�tter den Sterblichen aufdr�ngen. Louis, diese M�rchen ergeben f�r mich, einem nichtmenschlichen Wesen, keinen Sinn.�</p><p>�Dann stelle den Computer so um, da� ich das Leseband auswerten kann. Ich werde auch unsere G�ste einladen, die Computerauswerrungen zu beobachten. Vielleicht k�nnen sie eine Erkl�rung f�r offene Fragen finden, wenn ich nicht weiter wei�.� �Aye, aye.�</p><p>�Und wie steht es mit den Reparaturen?�</p><p>�Seit den ersten geschichtlichen Aufzeichnungen der Ringwelt haben keine Reparaturen mehr stattgefunden.�</p><p>�Das ist doch unm�glich!�</p><p>�Aber wie gro� ist der Bereich, der in den Unterlagen der St�dte belegt ist? Wie weit reicht ihre Geschichte zur�ck? Das Gebiet ist klein, die Zeit sehr kurz. Zudem habe ich auch die Verh�r-Protokolle von Jack Brennan studiert. Daraus schlo� ich, da� Protektoren sehr lange leben und auch nach langer Vorbereitungszeit sehr sp�t eingreifen. Sie verlie�en sich lieber auf ihre eigenen Initiative statt auf Automaten, die nach einem starren Programm ablaufen. Zum Beispiel fand man an Bord von Phssthpoks Raumschiff keinen Autopiloten.�</p><p>�Das ist nicht typisch. Schlie�lich ist das Baggersystem auf dem Meeresboden auch automatisch.�</p><p>�Aber das ist eine sehr primitive Automatik. Wir wissen nicht, weshalb die Protektoren ausstarben oder die Ringwelt verlie�en. Vermutlich wu�ten sie aber von ihrem Schicksal, und hatten vielleicht noch Zeit, das Baggersystem mit einer primitiven Automatik zu versehen. Louis, wir m�ssen das doch nicht alles aufkl�ren.�</p><p>�Wirklich nicht? Auch das Meteor-Abwehrsystem ist vermutlich automatisch. M�chtest du denn nicht mehr �ber das Meteor-Abwehrsystem erfahren?�</p><p>�Das schon.�</p><p>�Und die Steuerd�sen waren automatisch. Vielleicht gab es daneben noch eine Handsteuerung, die nur von der Automatik f�r den Notfall erg�nzt werden sollte. Aber tausend menschen�hnliche Rassen haben sich seit dem Verschwinden der Pak-Protektoren auf der Ringwelt entwickelt, und die automatischen Einrichtungen funktionieren immer noch. Entweder waren die Protektoren von vorneherein entschlossen, ihre Welt zu verlassen. was ich nicht glauben kann.�</p><p>�Oder es dauerte sehr lange, bis sie starben�, setzte der Hinterste den Satz f�r ihn fort. �Dazu habe ich meine eigenen Theorien entwickelt.� Aber er wollte nicht mehr verraten.</p><empty-line/><p>Louis hatte einen unterhaltsamen Vormittag. Die M�rchen vom Gro�en Ozean waren spannend. Die handelnden Personen waren Helden, K�nige, Zauberer und furchtbare Ungeheuer. Die Geschichten handelten von wunderbaren Entdeckungen und gro�artigen Verwandlungen, und ihre Atmosph�re unterschied sich erheblich von den M�rchenerz�hlungen der menschlichen Kultur. Liebe war in diesen Geschichten kein ewiger Zustand. Das Gefolge der Helden (oder Heldinnen) des St�dtebauer-Sagenkreises geh�rten stets dem anderen Geschlecht an. Der Bund, auf den sich ihr Treueverh�ltnis st�tzte, war ein m�rchenhaft beschriebener Vorgang des <emphasis>Rishathra</emphasis>, und die seltsamen Kr�fte, die ihnen verliehen waren oder dank derer sie das <emphasis>Rishathra</emphasis> aus�ben konnten, wurden als selbstverst�ndlich vorausgesetzt. Zauberer waren nicht automatisch b�se Wesen, sondern sporadisch auftretende Gefahren, denen man auswich, sie nicht bek�mpfte.</p><p>Louis fand hier den kleinsten allgemeinen Nenner, nach dem er suchte. Der Hintergrund dieser M�rchen war immer die Unendlichkeit des Meeres, der Schrecken der St�rme und die Ungeheuer, die dem Meer entstiegen.</p><p>Manche von ihnen waren Haifische, Killer-Wale, Gummidgy-Zerst�rer, Wunderland-Schattenfische oder Fangtang-Dschungel. Manche dieser Wesen waren intelligent. Da gab es Seeschlangen, die viele Meilen lang waren, mit Nasenl�chern, aus denen Dampfwolken quollen (was auf Lungen hindeutete?). Ihre riesigen M�uler waren mit scharfen Z�hnen best�ckt. Es gab ein Land, das jedes Schiff verbrannte, das sich seinem Gestade n�herte, wobei stets ein �berlebender mit heiler Haut der t�dlichen Gefahr entrann. (Echtes M�rchen oder Sonnenblumen?) Da war von Inseln die Rede, die in Wirklichkeit Seeungeheuer von se�hafter Lebensweise darstellten, so da� sich eine ganze �kologie auf dem R�cken dieser Monster entwickeln konnte, bis eine Schiffsladung von Matrosen das Monster aus der Ruhe brachte. Dann tauchte es gew�hnlich im Meer unter. Louis h�tte dieses M�rchen geglaubt, wenn er nicht schon als Kind in den M�rchensammlungen der Erde �hnliche Geschichten gelesen h�tte.</p><p>Er glaubte fest an die M�rderst�rme. �ber so gewaltige Entfernungen hin, wie man sie auf der Ringwelt vorfand, konnten sich schreckliche St�rme aufbauen, auch ohne den Corioliseffekt, der auf einer normalen Welt einen Hurrikan entstehen l��t. Auf der Weltkarte von Kzin hatte er ein Schiff entdeckt, das so gro� war wie eine ganze Stadt. Vermutlich mu�te man so ein gro�es Schiff bauen, wenn man den St�rmen auf dem Gro�en Ozean trotzen wollte.</p><p>Auch den mythologischen Figuren der Zauberer wollte er nicht ganz den Wahrheitscharakter absprechen. Sie entstammten offenbar (in den drei M�rchen) der Rasse der St�dtebauer. Doch im Unterschied zu den Zauberern der irdischen M�rchen waren die St�dtebauer-Zauberer m�chtige Krieger. Und sie traten alle drei in R�stungen auf.</p><p>�Kawaresksenjajok? Sind alle Zauberer gepanzerte Krieger?�</p><p>Der Junge sah ihn betroffen an. �Sprichst du jetzt von den Zauberern in unseren M�rchen? Nein. Aber ich glaube, da� sie immer R�stungen tragen, wenn sie sich in der N�he des Gro�en Ozeans aufhalten. Warum?�</p><p>�Sind Zauberer immer zum Kampf bereit? Vollbringen sie kriegerische Heldentaten?�</p><p>�Das haben sie nicht n�tig.� Die Frage schien den Jungen verlegen zu machen.</p><p>Harkabeeparolyn mischte sich ein: �Luweewu, vielleicht wei� ich besser �ber Kinderm�rchen Bescheid als Kawa. Wor�ber sollen dir die M�rchen Aufkl�rung geben?�</p><p>�Ich suche nach der Heimat der Ringwelt-Ingenieure. Diese gepanzerten Zauberer k�nnen Ringwelt-Ingenieure gewesen sein, wenn die zeitliche Komponente stimmte. Aber die M�rchen sind viel sp�ter entstanden.�</p><p>�Dann k�nnen es nicht Ringwelt-Ingenieure gewesen sein.�</p><p>�Aber was hat diese M�rchen ausgel�st? Statuen? Mumien, die man im W�stensand fand? Artspezifische Erinnerungen?�</p><p>Sie dachte �ber seine Fragen nach. �Zauberer geh�ren gew�hnlich der Gattung an, die das M�rchen verfa�t hat. Die Beschreibungen der Zauberer sind unterschiedlich, was deren Gr��e, Gewicht und Nahrung anbelangt. Doch einen Zug haben sie alle gemeinsam. Sie sind furchtbare Krieger. Sie beziehen keinen festen moralischen Standpunkt. Sie sind unbesiegbar, und deshalb mu� man ihnen ausweichen, statt sie herauszufordern.�</p><empty-line/><p>Wie ein Unterseeboot unter dem Polareis, so kreuzte die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> jetzt unter dem Gro�en Ozean.</p><p>Der Hinterste hatte die Geschwindigkeit des Schiffes stark herabgesetzt. Sie konnten das lange, reich geschwungene Band des Kontinentalblockes genau erkennen, dessen K�ste jetzt hinter ihnen zur�ckblieb. Der Boden des Gro�en Ozeans, der sich darunter ausdehnte, war genauso reich gegliedert wie das Land: Berge, die hoch genug waren, da� sie �ber die Wasseroberfl�che hinausragten; Tiefseegr�ben, die sich als Riffe von f�nf oder sechs Meilen H�he auf der Ringunterseite abhoben.</p><p>Was sich jetzt �ber ihnen befand�� ein gek�rntes Dach, selbst bei Licht und schwacher Vergr��erung noch stockdunkel, be�ngstigend nahe, obwohl es sich in Wirklichkeit noch dreitausend Meilen �ber dem Raumschiff befand��mu�te die Weltkarte von Kzin sein. Der Computer behauptete, es w�re so. Kzin mu�te noch tektonisch aktiv gewesen sein, als die Weltkarte hier in den Ringweltboden geschnitten worden war. Die Becken der Meere w�lbten sich kr�ftig nach unten. Die Gebirgsketten waren scharfe, tiefe Kerben.</p><p>Louis vermochte von der Unterseite her nichts zu unterscheiden. Mit Schaumstoff verwischte Konturen sagten ihm nichts. Er mu�te das Muster von Licht und Schatten vor sich haben und den gelborangefarbenen Dschungel. �La�t die Kameras laufen. Bekommst du ein Signal vom Landungsboot?�</p><p>Der Hinterste, der auf seiner Bank vor der histrumentenkonsole sa�, drehte einen Kopf nach hinten. �Nein, Louis, der <emphasis>Scrith</emphasis> blockiert alle Signale. Siehst du dort die fast kreisrunde Bucht, wo der breite Flu� im Meer m�ndet? Das Riesenschiff ist vor der M�ndung dieser Bucht festgezurrt. Wenn man von dort aus in einer Diagonalen �ber die Weltkarte bis zu dem Y vorst��t, wo die beiden Fl�sse sich vereinigen- dort ist das Schlo�, wo das Landungsboot jetzt abgestellt ist.�</p><p>�Okay. La� das Raumschiff ein paar tausend Meilen von der Ringwelt wegfallen. Und gib mir einen �berblick. oder einen Unterblick.�</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> entfernte sich von ihrem Dachrelief. Der Hinterste sagte: �Bist du nicht auch in der <emphasis>Lying Bastard</emphasis> auf der gleichen Route geflogen? Glaubst du, da� sich inzwischen hier etwas ver�ndert hat?�</p><p>�Nein. Wirst du ungeduldig?�</p><p>�Nat�rlich nicht, Louis.�</p><p>�Ich wei� inzwischen mehr als damals. Vielleicht fallen mir diesmal Einzelheiten auf, die wir vor zwei Jahrzehnten nicht beachteten. Zum Beispiel�� was ist das, was in der N�he des S�dpoles aus dem Ringboden herausragt?�</p><p>Der Hinterste gab ihm einen vergr��erten Ausschnitt des Daches. Ein langes, schmales, vollkommen schwarzes Dreieck mit gemusterter Oberfl�che ragte senkrecht aus dem Zentrum der Weltkarte des Kzin heraus. �Eine K�hlrippe�, erkl�rte der Puppetier. �Die Antarktis, mu�te selbstverst�ndlich gek�hlt werden.�</p><p>Die beiden Ringwelt-G�ste vermochten mit der �bersetzten Erkl�rung nichts anzufangen. �Ich versteh das nicht�, sagte Harkabeeparolyn. �Ich dachte, ich w�re wissenschaftlich nicht ganz unbeschlagen, aber. was ist das?�</p><p>�Zu kompliziert. Hinterster.�</p><p>�Luweewu, ich bin weder ein Kind noch ein Idiot!�</p><p>Sie konnte nicht viel �lter als vierzig sein, dachte Louis. �Also gut. Der Sinn des Ganzen besteht darin, eine Imitation eines Planeten herzustellen. Eines rotierenden Globus, verstehst du? Ein Ball, der sich dreht. Das Sonnenlicht f�llt fast waagerecht auf die Pole eines rotierenden Balles, und deshalb sind diese Pole kalt. Folglich mu� diese Imitation einer echten Welt an den Polen gek�hlt werden. Hinterster, wir brauchen eine st�rkere Vergr��erung von der K�hlrippe!�</p><p>Die Oberfl�che der Rippe entpuppte sich jetzt als eine Ansammlung von unz�hligen verstellbaren waagerechten Klappen, silberfarben auf der Oberfl�che, schwarz an der Unterseite. Sommer und Winter, dachte er, und dabei sagte er zu sich selbst: �Ich kann es kaum glauben.�</p><p>�Luweewu?�</p><p>Er spreizte hilflos die Finger beider H�nde. �Immer wieder komme ich ins Staunen. Ich wei�, ich habe es kapiert, mir mit allen Konsequenzen �berlegt. Und dann ist es pl�tzlich viel zu gro� f�r meinen Verstand. Viel, viel zu gro�.�</p><p>Harkabeeparolyns Augen f�llten sich mit Tr�nen. �Ich bin jetzt �berzeugt. Meine Welt ist eine Imitation einer echten Welt.�</p><p>Louis legte seinen Arm um ihre Schultern. �Es ist eine echte Welt. F�hlst du das? Du bist genauso echt wie ich. Stampfe mit deinem Fu� auf. Die Welt ist so echt wie dieses Schiff. Nur viel gr��er. Unglaublich viel gr��er.�</p><p>Der Hinterste sagte: �Louis?�</p><p>Ein Rundblick mit dem Teleskop f�hrte zur Entdeckung von noch mehr K�hlrippen, jedoch nicht so gro� wie jene der Antarktis, an der Peripherie der Weltkarte. �Selbstverst�ndlich m�ssen auch die arktischen Gebiete gek�hlt werden.�</p><p>�Ja. Ich stehe in einer Minute wieder voll zur Verf�gung. Fliege mit uns durch den Krater der �Faust Gottes�, aber lasse dir Zeit damit. Kann der Computer die genaue Lage orten?� �Ja. Aber k�nnte der Krater inzwischen nicht blockiert sein? Du sagtest, du h�ttest das Orkanauge nicht mehr entdecken k�nnen.�</p><p>�Es w�re gewi� nicht leicht, den Krater der �Faust Gottes� zu verstopfen. Das Loch ist gr��er als Australien und hoch �ber der Atmosph�re.� Er rieb sich heftig die Augen.</p><p><emphasis>Ich kann mir das nicht erlauben</emphasis>, dachte er. <emphasis>Was geschieht, ist Wirklichkeit. Was wirklich ist, kann ich nicht mit meinem Gehirn manipulieren. Tanj, ich h�tte nie Wonnestroms�chtig werden d�rfen. Damit habe ich mir meinen Wirklichkeitssinn verdorben. Aber... K�hlrippen unter den Polen?</emphasis></p><p>Sie glitten jetzt unter der Weltkarte von Kzin hervor. Tiefenradar-Bilder zeigten keine Rohre unter dem erhabenen Relief des Meeresbodens, was darauf hinwies, da� die Meteor-Schutzschicht aus gesch�umten <emphasis>Scrith</emphasis> bestand. Denn die Dr�nage-Rohre mu�ten im Meeresboden eingebaut sein, oder <emphasis>Flup</emphasis> h�tte inzwischen alle Meere eingeebnet und in S�mpfe verwandelt.</p><p>Diese tiefen Kerben auf der Unterseite der Ringwelt�� diese langen unglaublich tiefen Tiefseegr�ben: man brauchte doch nur in den tiefsten Meeresschluchten einen Bagger einzubauen mit einem Abflu� an einem Ende. So konnte man den ganzen Ozean vom Schlamm freihalten.</p><p>��ndere ein wenig den Kurs, Hinterster. F�hre uns zuerst unter die Weltkarte des Mars und anschlie�end unter die Weltkarte der Erde. Ich glaube, das ist kein gro�er Umweg.�</p><p>�Fast zwei Stunden.�</p><p>�Wir riskieren es.�</p><empty-line/><p>Zwei Stunden. Louis d�ste im Schlaffeld. Er wu�te, da� ein Abenteurer sich immer eine M�tze voll Schlaf holen sollte, wenn die Zeit es gestattete. Er erwachte noch lange vor der verabredeten Zeit, als der Meeresboden immer noch �ber der Rumpfdecke der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> dahinglitt. Er sah, wie die Decke langsamer wurde und dann stillstand.</p><p>Der Hinterste sagte: �Der Mars fehlt!�</p><p>Louis sch�ttelte heftig den Kopf. <emphasis>Wache auf!</emphasis> �Wie bitte?� �Der Mars ist ein kalter, trockener, fast luftloser Planet, nicht wahr? Die gesamte Weltkarte des Mars m��te auf der Unterseite gek�hlt werden und auf eine gewisse Weise auch ausgetrocknet. Zudem m��te er sich fast bis �ber die Atmosph�re hinaufw�lben.�</p><p>�Ja. Das ist alles richtig.�</p><p>�Dann schaue mal hinauf auf die Ringweltunterseite. Wir m��ten uns jetzt genau unter der Weltkarte des Mars befinden. Siehst du vielleicht eine K�hlflosse, deren Ausma�e viel gr��er sein m��ten als jene unter der Weltkarte von Kzin? Siehst du vielleicht eine fast kreisrunde H�hlung, die sich zwanzig Meilen nach innen w�lbt?�</p><p>Da war nichts �ber ihren K�pfen au�er dem erhabenen Relief des Meeresbodens.</p><p>�Louis, das ist beunruhigend. Wenn der Ged�chtnisspeicher unseres Computers aussetzt.� Die Beine des Hintersten knickten zusammen. Seine K�pfe senkten sich nach unten und bewegten sich auf seinen Bauchnabel zu.</p><p>�Der Ged�chtnisspeicher des Computers ist okay�, sagte Louis. �Bitte keine Panik. Der Computer arbeitet einwandfrei. Stelle fest, ob die Meerestemperatur �ber uns h�her ist.�</p><p>Der Hinterste z�gerte, immer noch in einer halben F�tus-Position verharrend. Dann sagte er: �Aye, aye.� Der Puppetier besch�ftigte sich mit seiner Schaltkonsole.</p><p>Harkabeeparolyn fragte: �Habe ich das richtig verstanden? Eine deiner Welten fehlt auf der Meereskarte?�</p><p>�Eine von den geringeren Welten. Pure Gedankenlosigkeit, meine Liebe.�</p><p>�Das sind aber keine B�lle�, sagte sie nachdenklich.</p><p>�Nein. Hier sind sie Schalen von einer runden Frucht, die anschlie�end breitgedr�ckt wurden.�</p><p>Der Hinterste rief: �Die Temperaturen in diesem Bereich sind unterschiedlich. Wenn ich die Regionen um die K�hlflossen weglasse, messe ich Temperaturen zwischen vierzig bis achtzig Grad Fahrenheit.�</p><p>�Das Meer, das sich um die Weltkarte des Mars ausbreitet, sollte w�rmer sein.�</p><p>�Die Weltkarte des Mars erscheint nicht auf dem Schirm, und das Wasser ist nicht w�rmer.�</p><p>�Wie. wie bitte? Aber das ist ja geradezu <emphasis>unglaublich!</emphasis>�</p><p>�Wenn ich dich richtig begreife�� ja, das ist tats�chlich ein Problem.� Die H�lse des Puppetiers w�lbten sich nach au�en und drehten sich nach innen, bis er sich selbst in die Augen sah. Louis hatte das auch bei Nessus beobachtet und sich gefragt, ob das die Mimik der Puppetiers war, wenn sie lachten. Es konnte aber auch Konzentration bedeuten. Harkabeeparolyn wurde ganz bla�, als sie den Puppetier in der Betrachtung von sich selbst vertieft sah; aber sie konnte offenbar den Blick nicht von ihm abwenden.</p><p>Louis ging in der Kabine auf und ab. Mars <emphasis>mu�te</emphasis> auf irgendeine Weise gek�hlt werden. Aber wo blieb dann.?</p><p>Der Puppetier gab einen seltsam melodischen Pfeifton von sich. �Das Gitternetz?�</p><p>Louis hielt mitten im Schritt an. �Das Gitternetz! Richtig! Das w�rde bedeuten. tanj! So einfach?�</p><p>�Ich glaube, wir machen Fortschritte. Und wohin jetzt?�</p><p>Sie hatten eine Menge aus der Betrachtung der R�ckseite dieses Artefakten gelernt. Also. �Bring uns unter die Weltkarte der Erde. In das Kellergescho�, bitte.�</p><p>�Aye, aye�, erwiderte der Hinterste. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> setzte ihren Weg nach spinnw�rts fort.</p><p>So viel Ozean, dachte Louis. So wenig Land. Warum hatten die Ringwelt-Ingenieure so viel Salzwaser auf nur zwei Gef��e verteilen wollen? Zwei waren nat�rlich f�r das Gleichgewicht der Welt n�tig. Aber warum mu�ten sie so riesig sein?</p><p>Als Wasserreservoire? Auch das. Zum Schutz zur Erhaltung der Meerestiere eines aufgegebenen Pak-Planeten? Ein Umweltsch�tzer w�rde so ein Projekt gelobt und bef�rwortet haben. Aber die Ringwelt-Ingenieure waren Pak-Protektoren. Alles, was sie taten, unternahmen sie nur zum Schutz ihrer eigenen Person und ihrer leiblichen Nachkommen.</p><p>Diese Weltkarten, dachte Louis, waren ein Musterbeispiel f�r Irref�hrung und Tarnung.</p><p>Trotz der reich gegliederten Unterseite des Meeresbodens lie� sich die Weltkarte der Erde sehr leicht unterscheiden. Louis deutete auf die flachen Kurven der Kontinentalbl�cke, als sie unter Afrika, Australien, den beiden Amerikas und Gr�nland hinwegglitten. K�hlrippen unter der Antarktis und dem Eismeer. die beiden Ringwelt-Eingeborenen blickten durch die durchsichtige Kabinendecke nach oben und nickten h�flich. Was ging es sie an? Es war nicht ihre Welt.</p><p>Ja, er w�rde sein M�glichstes tun, um Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok wieder nach Hause zu bringen, wenn er sonst nichts f�r sie tun konnte. Aber Louis Wu war jetzt der Erde so nahe, wie er es in Zukunft wahrscheinlich nie mehr sein w�rde.</p><p>Dann dehnte sich wieder der Meeresboden �ber ihnen aus.</p><p>Eine weitere K�stenlinie kam in Sicht: eine flache Kurve eines Kontinentalblockes, reich gegliedert durch die Eingriffe von Meeresbuchten und vorspringende Halbinseln und Flu�deltas und abgesprengte Inseln. Eine Vielzahl von Einzelheiten pr�gten die K�sten, die viel zu klein waren, als da� man sie mit dem nackten menschlichen Auge h�tte erkennen k�nnen. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> drehte nun auf Backbord spinnw�rts. Sie flogen unter hohlen Bergketten und flachen Seen dahin. Eine d�nne, wie mit dem Lineal gezogene Linie verlief direkt nach spinnw�rts, und dort, wo sie anfing, glitzerte etwas. Die �Faust Gottes�.</p><p>Etwas Gigantisches war vor langer Zeit mit der Ringwelt zusammengesto�en. Der gewaltige gl�hende Meteor hatte den Boden der Ringwelt nach innen gesto�en, ihn zu einem Kegel aufgest�lpt, dann die Spitze des Kegels durchbrochen. Und von diesem gro�en Trichter, der durch den Meteor geformt worden war, lief die Spur eines viel sp�teren Meteoriten weg: die Spur eines verkr�ppelten General-Products-Raumschiffes, dessen Passagiere im Stasis-Tiefschlaf lagen. Das verkr�ppelte Schiff war mit einer Horizontal-Geschwindigkeit von siebenhundertsiebzig Meilen pro Sekunde auf der Ringweltt notgelandet. Tanj, sie hatten damals sogar dem <emphasis>Scrith</emphasis> eine Schramme versetzt!</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> stieg jetzt in einem Scheinwerferkegel nach oben: rohes Sonnenlicht, das senkrecht durch den Krater im Berg nach unten fiel. Gezackte, fast durchsichtige, hauchd�nn �berdehnte Teile von <emphasis>Scrith</emphasis> standen wie kleine Berggipfel um den Vulkankegel herum, wo der uralte feurige Riesenmeteor durchgebrochen war. Das Schiff glitt aus dem Krater heraus.</p><p>W�ste dehnte sich unter und vor ihnen aus. Der Einschlag, der den Berg �Faust Gottes� erzeugt hatte, hatte alles Leben in der N�he durch sein Feuer vernichtet. Die verw�stete Region mu�te erheblich gr��er sein als die Oberfl�che der Erde. Weit, weit weg�� hunderttausend Meilen von ihnen entfernt�� wurde das Blau des Horizonts zu einem Meeresblau; und nur die Flugh�he der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis>, die tausend Meilen betrug, gestattete ihnen eine so gro�e Fernsicht.</p><p>�Und jetzt geht es auf der Oberfl�che der Ringwelt weiter�, sagte Louis. �Schalte auf die Kameras des Landungsbootes um, damit wir sehen k�nnen, wie es Chmeee geht.�</p><p>�Aye, aye.�</p></section><section><title><p>27. Der gro�e Ozean</p></title><p>Sechs rechtwinklige Fenster schwebten in gleicher H�he mit dem Schiffsrumpf. Sechs Kameras zeigten das Kommandodeck des Landungsbootes, das Unterdeck und einen Blick in vier Himmelsrichtungen auf das Vorfeld.</p><p>Das Kommandodeck war leer. Louis suchte auf der Schaltkonsole nach Alarmlichtern. Er vermochte keines zu entdecken.</p><p>Der Autodock war immer noch ein gro�er geschlossener Sarg.</p><p>Irgend etwas war nicht in Ordnung mit den Au�enbordkameras. Das Blickfeld waberte, war verzerrt und �berzogen mit goldenen Lichtern. Louis konnte endlich den Burghof erkennen, die engen Schie�scharten und mehrere Tigerwesen, die in Lederkollern Wache standen. Andere Kzinti sprinteten auf allen Vieren hin und her: verschwommene orangefarbene Blitze.</p><p>Flammen! Die Verteidiger hatten einen Scheiterhaufen um das Landungsboot errichtet und angez�ndet!</p><p>�Hinterster? Kannst du das Landungsboot von hier aus starten? Du sagtest, du verf�gtest �ber eine Fernsteuerung.�</p><p>�Ich k�nnte es vom Boden abheben lassen�, erwiderte der Hinterste, �aber das w�re ein gef�hrliches Man�ver. Wir sind. zw�lf Bogenminuten auf spinnw�rts und ein kleines St�ck Backbord von der Weltkarte von Kzin entfernt�� das bedeutet ein Drittel von einer Million Meilen. Verlangst du von mir, da� ich das Landungsboot mit einer Lichtgeschwindigkeitsverz�gerung von dreieinhalb Sekunden steuern soll? Alle lebensnotwendigen Systeme an Bord des Landungsbootes arbeiten einwandfrei.�</p><p>Vier Kzinti spritzten �ber den Burghof und �ffneten die eisenbeschlagenen Fl�gel des Burgtores. Ein mit R�dern versehenes Fahrzeug rollte in den Hof und hielt dort an. Es war gr��er als der Kastenwagen, mit dem die Frau des Maschinenvolkes Louis zur fliegenden Stadt brachte. Auf den vier Kotfl�geln des Fahrzeuges waren Projektil-Waffen montiert. Kzinti tauchten aus dem Fahrzeug auf und studierten das Landungsboot.</p><p>Hatte der Burgherr einen Nachbarn zu Hilfe gerufen? Oder war ein Nachbar in die Burg gekommen, um sein Besitzrecht auf eine uneinnehmbare fliegende Festung anzumelden?</p><p>Die Kanonen des Fahrzeugs drehten sich den Kameras zu und spukten Flammen aus. Die Kamera schwankte. Die gro�en orangefarbenen Katzen duckten sich und standen dann wieder auf, um das Ergebnis dieser Kriegshandlung festzustellen.</p><p>Keine Notlampen flammten auf der Instrumentenkontrolle des Kommandodecks auf.</p><p>�Diese Wilden verf�gen nicht �ber die Mittel, um das Landungsboot besch�digen zu k�nnen�, sagte der Hinterste.</p><p>Explosivgeschosse h�mmerten auf den Rumpf des Landungsbootes ein.</p><p>�Mir bleibt nichts anderes �brig, als mich auf dein Wort zu verlassen�, sagte Louis. �Behalte die Bilder der Kameras auf den Schirmen. Sind wir schon dicht genug heran, da� ich das Landungsboot mit den Transportscheiben erreichen kann?�</p><p>Der Puppetier blickte sich wieder in die Augen. Er behielt diese Pose mehrere Sekunden bei. Dann sagte er: �Wir befinden uns zweihunderttausend Meilen spinnw�rts von der Weltkarte des Kzin, und einhundertzwanzigtausend Meilen backbord von Kzin. Die Entfernung nach Backbord ist ohne Belang. Die Entfernung nach spinnw�rts w�re t�dlich. Sie gibt der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> und dem Landungsboot eine relative Geschwindigkeitsdifferenz von eine Achtzehntel Meile pro Sekunde.�</p><p>�Ist das zuviel?�</p><p>�Unsere Technologie kann keine Wunder vollbringen, Louis! Die Transportscheiben k�nnen eine kinetische Energie bis zu zweihundert Fu� pro Sekunde absorbieren, aber nicht mehr.�</p><p>Die Explosionen der Projektile hatten den brennenden Scheiterhaufen �ber den Burghof verstreut. Bewaffnete Kzinti-W�chter bauten den Scheiterhaufen neu.</p><p>Louis verschluckte einen Fluch. �Also gut. Am schnellsten kann ich das Landungsboot erreichen, wenn wir jetzt direkt Kurs nach antispinnw�rts nehmen, bis ich die Transportscheiben ben�tzen kann. Dann k�nnen wir uns Zeit nehmen, die Abdrift nach Steuerbord zu korrigieren.�</p><p>�Aye, aye. Welche Geschwindigkeit?�</p><p>Louis �ffnete den Mund und lie� ihn offen stehen, w�hrend er nachdachte. �Das scheint mir eine faszinierende Frage zu sein�, sagte er. �Woran erkennt die Ringwelt-Meteor-Verteidigungsanlage einen den Artefakten bedrohenden Himmelsk�rper? Oder ein den Kunstplaneten bedrohendes Raumschiff?�</p><p>Der Puppetier langte hinter sich und knabberte an seinen Instrumenten. �Ich habe unsere Beschleunigung herabgesetzt. Wir sollten erst dar�ber sprechen. Louis, ich begreife nicht, worauf die St�dtebauer ihre Zuversicht st�tzten, da� sie auf der Mauerkrone der Ringwelt ein Transportsystem errichten konnten. Sie hatten recht, aber woher wu�ten sie, da� dieses System dort sicher war?�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. Er konnte durchaus verstehen, warum die Ringwelt-Protektoren ihre Meteor-Verteidigungswaffen so programmiert harten, da� sie nicht auf die Mauerkrone der Ringwelt schossen. Sie brauchten einen sicheren Korridor f�r ihre eigenen Schiffe�� oder vielleicht f�rchteten sie, da� der Computer auf die Steuerd�sen scho�, sobald die Steuerd�sen eine Hochgeschwindigkeits-Gaswolke ausstie�en. �Ich w�rde sagen, die St�dtebauer fingen mit kleinen Schiffen an und lernten aus Erfahrung. Allm�hlich bauten sie immer gr��ere Schiffe, die dort ungest�rt starten und landen konnten.�</p><p>�Wahnsinn. Viel zu gef�hrlich.�</p><p>�Aber wir haben bereits eine Reihe von Beweisen, da� sie ihre Zivilisation auf solche Weise entwickelten.�</p><p>�Du hast meine Meinung geh�rt. Ich warte auf deinen Befehl, Louis: mit welcher Geschwindigkeit?�</p><p>Die W�ste, die sich um den Bergkegel ausbreitete, fiel sachte nach unten: ein gebackenes, lebloses Land, eine vernichtete �kologie, die vor Tausenden von <emphasis>Falans</emphasis> bis zur Rotglut erhitzt wurde. Was war damals auf die Unterseite der Ringwelt eingeschlagen? Ein Komet war in der Regel nicht so gro�. Es gab keine Asteroiden, keine Planeten in der N�he dieses Artefakten, Sie waren aus dem System entfernt worden, als die Ringwelt gebaut wurde.</p><p>Die Geschwindigkeit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> war recht beachtlich. Das Land vor ihnen wurde schon wieder gr�n. Die Fl�sse zogen sich wie silberne F�den durch die Landschaft.</p><p>�Bei unserer ersten Expedition flogen wir mit doppelter Schallgeschwindigkeit. Mit Flugr�dern�, erkl�rte Louis. �Damit w�rden wir acht Tage brauchen, ehe ich die Transportscheiben ben�tzen k�nnte. Tanj. zu lang. Ich vermute, da� die Meteor-Verteidigungsanlage auf Objekte schie�t, die sich relativ zu der Oberfl�che der Ringwelt sehr schnell bewegen. Aber wie schnell ist sehr schnell?�</p><p>�Das findet man am einfachsten heraus, wenn man so lange beschleunigt, bis etwas passiert.�</p><p>�Ich kann nicht <emphasis>glauben</emphasis>, da� ein Pierson-Puppetier so etwas laut aussprechen w�rde.�</p><p>�Du solltest mehr Zutrauen zu der Ingenieurkunst der Puppetiers haben, Louis. Das Stasisfeld wird funktionieren. Keine Waffe kann uns im Stasisfeld etwas anhaben. Im schlimmsten Fall kehren wir in den normalen Zustand zur�ck, nachdem wir auf der Ringoberfl�che aufschlagen, und dann setzen wir unsere Reise eben mit einer langsameren Geschwindigkeit fort. Es gibt eine Hierarchie von Risiken, Louis. Das Schlimmste, was wir in den n�chsten zwei Jahren tun k�nnen, ist Versteck spielen.�</p><p>�Ich tue es nicht�� um auch Chmeee zu zitieren; aber ein Pierson-Puppetier. ich mu� das erst verdauen.� Louis schlo� die Augen und versuchte nachzudenken. Dann: �Mal sehen, wie das klingt. Zuerst holen wir die besch�digte Sonde zur�ck, die wir auf dem Bibliotheksdach zur�cklie�en.�</p><p>�Ich bewegte sie bereits.�</p><p>�Wohin?�</p><p>�Auf den uns am n�chsten liegenden hohen Berg, dessen Gipfel aus freigelegtem <emphasis>Scrith</emphasis>-Material besteht. Das ist der sicherste Standort f�r die Sonde. Jedenfalls fiel mir kein besserer ein. Die Sonde ist immer noch von Wert, obgleich sie jetzt keinen Treibstoff mehr zu produzieren vermag.�</p><p>�Das ist ein guter Standort, ja. Aber bewege sie nicht von der Stelle. Schalte nur alle Sensoren an Bord der Sonde, der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> und des Landungsbootes ein. Richte die meisten von ihnen auf die Schattenblenden. Wo sonst k�nnten sich noch Kanonen der Meteor-Verteidigungsanlage befinden? Wir m�ssen von der �berlegung ausgehen, da� offenbar keine dieser Kanonen in der Lage ist, unter den Boden der Ringwelt zu schie�en.�</p><p>�Sicher. Trotzdem w��te ich nicht, wo die Dinger sonst noch stehen k�nnten.�</p><p>�Okay. Wir richten alle Kameras auf den Ringweltboden. Kameras auf die Sonnenblenden. Kameras auf die Sonne. Kameras auf die Weltkarte von Kzin und von Mars.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Wir bleiben auf einer Flugh�he von tausend Meilen. Sollen wir die Sonde aus dem Laderaum katapultieren und sie mit automatischer Steuerung dem Raumschiff folgen lassen?�</p><p>�Unsere einzige Kraftstoffreserve? Nein.�</p><p>�Dann beschleunige das Raumschiff, bis etwas passiert. Wie klingt das?�</p><p>�Aye, aye�, sagte der Hinterste und wandte sich wieder seiner Konsole zu. Und Louis, der sich gerne noch l�nger mit ihm unterhalten h�tte, um seine Nerven zu beruhigen, schwieg still.</p><empty-line/><p>Die Kameras fingen es ein, aber keiner von den Passagieren der Hei�en Nadel bemerkte es. Auch wenn sie nach oben gesehen h�tten, w�rden sie es nicht bemerkt haben. Sie h�tten nur glei�end wei�e Sterne und das gemusterte blaue Band der Ringwelt vor dem schwarzen Universum gesehen, und ein schwarzer Kreis am Gipfel des Ringweltbogens, wo der Schutzanstrich der Hei�en Nadel den Lichteinfall der nackten Sonne wie ein Spiegel reflektierte.</p><p>Aber sie blickten nicht einen Moment hinauf zur Decke der Raumschiffkabine.</p><p>Unter ihnen, teilweise verdeckt durch das Wrack des Hyperdrive-Motors, war das Land ein lebendiges Gr�n. Dschungel, S�mpfe und unkultivierte Gr�nfl�chen �berwogen. Hin und wieder entdeckten sie ein unregelm��iges, wirres Steppmuster im Urwald, wo ein Farmer das Land unter den Pflug genommen hatte. Bisher hatten sie unter den Hominiden der Ringwelt nicht sehr viele Bauern angetroffen.</p><p>Sie sahen kleine Flottillen von Booten auf flachen Seen. Einmal �berflogen sie ein Spinnennetz von Stra�en, eine halbe Stunde im Durchmesser, was ungef�hr siebentausend Meilen bedeutete. Das Teleskop zeigte ihnen Ochsen, die als Reittiere verwendet wurden oder kleine Karren zogen. Nicht ein Fahrzeug wurde von einem Motor angetrieben. Hier war nach dem Untergang der St�dtebauerkultur keine neue Technik entstanden.</p><p>�Ich komme mir vor wie eine G�ttin�, sagte Harkabeeparolyn. �Niemand sonst auf dieser Welt hat so einen gewaltigen Ausblick.�</p><p>�Ich kannte eine G�ttin�, sagte Louis. �Wenigstens glaubte sie, eine G�ttin zu sein. Auch sie geh�rte zu den St�dtebauern. Fr�her war sie ein Besatzungsmitglied auf einem Raumschiff gewesen; von ihrem Raumschiff aus sah sie, was du jetzt siehst.�</p><p>�Ah.�</p><p>�La� es dir nicht zu Kopf steigen.�</p><p>Der Berg �Faust Gottes� schrumpfte allm�hlich zusammen. Der irdische Mond h�tte in diesem gewaltigen Kegel Platz gefunden. Man mu�te diesen Berg aus so gro�er Entfernung sehen, vor einer Landschaftskulisse, die gr��er war als die bewohnbare Oberfl�che aller Welten des bekannten Universums, um seine Gr��e richtig einsch�tzen zu k�nnen. Louis f�hlte sich nicht wie ein Gott. Eher wie ein Zwerg. Schrecklich verletzlich.</p><p>Der Deckel des Autodock an Bord des Landungsbootes hatte sich noch nicht bewegt. Louis fragte: �Hinterster, k�nnte Chmeee noch andere Verletzungen erlitten haben?�</p><p>Der Puppetier befand sich nicht im Blickfeld, doch seine Stimme klang klar und deutlich: �M�glich.�</p><p>�Dann k�nnte er in dieser Kiste sterben.�</p><p>�Nein. Louis, ich bin besch�ftigt. St�re mich jetzt nicht!�</p><p>Das Teleskopbild sah verwaschen aus. Das sonnenbegl�nzte Land, das tausend Meilen unter ihnen lag, schien sich zu bewegen. Die Geschwindigkeit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> hatte f�nf Meilen pro Sekunde �berschritten. Das war die Umlaufgeschwindigkeit der Erde.</p><p>Wolkendecken schimmerten so hell, da� die Augen schmerzten. Achteraus l�ste sich das Schachbrettmuster einer Ackerbauprovinz in gr�nen Schlieren auf. Direkt unter ihnen neigte sich das Land nach unten, ging dann in eine gerade Fl�che �ber, wurde zu einer flachen, Hunderte von Meilen breiten Pr�rie. Soweit das Auge reichte, konnte man nur eine baumlose Grasvegetation erkennen. Fl�sse, die sich in diese Pr�rie ergossen, wurden zu S�mpfen und nahmen gr�ne Farbe an.</p><p>In der Ferne tauchten jetzt die geschwungenen oder gezackten Linien von Meereszungen, Buchten, Halbinseln und Inseln auf: Die Markierung der Meeresk�ste, reich gegliedert, damit sich H�fen und die Schiffahrt entwickeln konnten. Aber das war die K�ste, die nach spinnw�rts zeigte. Unter ihnen lag nun eine flache, salzvergiftete Landschaft. Hunderte von Meilen dahinter eine blaue Linie, die Wassergrenze des Ozeans. Louis sp�rte, wie sich die Haare in seinem Nacken senkrecht stellten, als er sich den Meteoreinschlag vorstellte, dem die �Faust Gottes� ihre Entstehung verdankte. Sie waren inzwischen ein betr�chtliches St�ck von diesem Berg entfernt, doch die Wirkung des Einschlages hatte auch den Gro�en Ozean beeinflu�t. Er hatte die K�stenlinie angehoben, so da� das Meer sieben- oder achthundert Meilen von seiner urspr�nglichen Wasserlinie zur�ckgewichen war.</p><p>Louis rieb sich seine geblendeten Augen. Es war viel zu hell dort unten. Da waren violette Blitzlichter.</p><p>Dann Tintenschw�rze.</p><p>Louis schlo� seine Augen ganz fest. Als er sie wieder �ffnete, war ihm, als h�tte er sie nie geschlossen: es war so schwarz wie im Bauch eines Walfisches.</p><p>Harkabeeparolyn schrie. Kawaresksenjojak schlug um sich. Er traf Louis an der Schulter. Dann klammerte sich der Junge mit beiden H�nden an Louis' rechten Arm. Der Schrei der Frau ri� pl�tzlich ab. Dann sagte sie mit klappernden Z�hnen: �Luweewu, wo sind wir?�</p><p>Louis erwiderte: �Da kann ich nur eine Vermutung aussprechen. Ich w�rde sagen, wir befinden uns auf dem Grund des Gro�en Ozeans.�</p><p>�Du hast recht�, mischte sich die Altstimme des Hintersten ein. �Ich habe eine recht gute Sicht auf meinem Tiefenradarschirm. Soll ich die Scheinwerfer einstellen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Das Wasser war schlammig. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> lag so tief unter dem Wasser, wie es nur irgend ging. Fische glotzten neugierig durch die durchsichtige Zellenwand. In der N�he bewegten sich die Zweige eines Seetang-Waldes.</p><p>Der Junge lie� Louis' Arm wieder los und dr�ckte sich die Nase an der Rumpfwand platt. Auch Harkabeeparolyn starrte nach drau�en, aber sie flog noch am ganzen K�rper. Sie fragte: �Luweewu, kannst du mir erkl�ren, was passiert ist? Gibt es daf�r eine logische Ursache?�</p><p>�Wir werden versuchen, eine zu finden�, erwiderte Louis. �Hinterster, heb uns wieder aus dem Wasser. Bring uns wieder auf eine Flugh�he von tausend Meilen.�</p><p>�Aye, aye.� �Wie lange befanden wir uns im Stasisfeld?�</p><p>�Das kann ich dir noch nicht sagen. Alle Uhren an Bord blieben nat�rlich stehen. Ich werde die Sonde per Funk auffordern, uns Daten zu �bermitteln. Aber die Lichtgeschwindigkeit-Verz�gerung betr�gt jetzt sechzehn Minuten.�</p><p>�Wie schnell flogen wir?�</p><p>�F�nf Komma einundachtzig Meilen pro Sekunde.�</p><p>�Dann beschleunigst du das Raumschiff auf f�nf Meilen pro Sekunde und beh�ltst diese Geschwindigkeit bei, w�hrend wir feststellen, was passiert ist.�</p><p>Die Signale des Landungsbootes erschienen wieder auf den Monitoren, als die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> sich der Wasseroberfl�che n�herte. Immer noch waberten die Flammen um das Landungsboot. Auch der Deckel des Autodock war noch geschlossen. Inzwischen h�tte Chmeee eigentlich geheilt sein k�nnen, dachte Louis.</p><p>Lichtes Blau umgab sie jetzt. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> durchbrach die Wasseroberfl�che und stieg �ber den Ozean ins Sonnenlicht hinauf. Das Deck zitterte leicht, als der Ozean bei einer Beschleunigung von zwanzig g unter ihnen zur�ckblieb.</p><empty-line/><p>Der Blick nach achtern war sehr instruktiv.</p><p>Vierzig oder f�nfzig Meilen hinter ihnen w�lzten sich riesige Brecher auf den flachen Strand zu, der sich unter dem Wasser zu einem Kontinentalblock auswuchs. Eine rillenf�rmige Linie lief von der K�ste zur�ck ins Meer. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> war dort nicht auf das Wasser aufgeschlagen. Der Feuerball war auf das Land gefallen und weitergerollt.</p><p>Ein St�ck weiter nach achtern ging die K�ste in ein Grasland �ber. Noch ein paar hundert Meilen dahinter begann der Wald. Das alles brannte lichterloh. Tausende von Quadratmeilen standen in Flammen. Der Feuersturm raste von allen Seiten auf einen Mittelpunkt zu wie der Wasserdampf, der im Sog der Windstr�mung sich �ber dem Sonnenblumenfeld gesammelt hatte. <emphasis>Hei�e Nadels</emphasis> Aufschlag auf dem Meer konnte so einen riesigen Brand unm�glich hervorgerufen haben.</p><p>�Jetzt wissen wir Bescheid�, sagte der Hinterste. �Die Meteor-Verteidigungsanlage ist so programmiert, da� sie auch auf bewohntes Land schie�en kann. Louis, das versetzt sogar mich in Staunen. Die Kraft, die hier aufgewendet wurde, l��t sich nur mit dem Projekt vergleichen, mit dem wir unsere Planetenflotte in Gang setzten. Doch die Automatik kann diese gewaltigen Kr�fte mehrmals mobilisieren.�</p><p>�Wir wissen bereits, da� die Pak nur in gro�en Dimensionen dachten. Aber wie wurde der Feuerball ausgel�st?�</p><p>�La� mich eine Weile rechnen. Ich werde dir dann Bescheid sagen.�</p><p>Der Hinterste verschwand hinter der gr�ngestrichenen Wand.</p><p>Das war unbefriedigend. Der Puppetier verf�gte �ber alle Instrumente. Vielleicht steckte er die K�pfe in den Bauchnabel und k�mmerte sich nicht mehr um seine Daten. Woher konnte Louis das wissen? Er war und blieb auf die Nerven oder die Mitarbeit des Puppetiers angewiesen.</p><p>Harkabeeparolyn zupfte ihn am �rmel. Er knurrte: �Was ist los?�</p><p>�Louis, ich m�chte dich nicht mit �berfl�ssigen Fragen bel�stigen. Aber ich habe Angst, ich verliere noch meinen Verstand. Kr�fte st�rmen auf mich ein, von denen ich nichts verstehe. Bitte, was ist mit unserem Schiff passiert?�</p><p>Louis seufzte. �Dann mu� ich weit ausholen. Ich mu� dir die Stasisfelder erkl�ren und die Meteor-Verteidigungsanlage der Ringwelt. Au�erdem die Pierson-Puppetiers und die General-Products-Raumschiffzellen. Und schlie�lich auch noch die Pak-Protektoren.�.</p><p>�Ich bin bereit, dir zuzuh�ren.�</p><p>Und er redete und erkl�rte, und sie nickte und stellte Fragen. Er war sich nicht sicher, wieviel sie verstand, und selbstverst�ndlich wu�te er selbst bei weitem nicht so viel, wie er sich das gew�nscht h�tte. Und deshalb legte er besonders Wert darauf, ihr zu versichern, da� Louis Wu ganz genau wu�te, wovon er redete. Und als sie davon �berzeugt war, wurde sie ruhiger, und das war schlie�lich seine Absicht gewesen.</p><p>Als er geendet hatte, nahm sie ihn bei der Hand und f�hrte ihn zum Wasserbett. Es schien ihr gleichg�ltig, da� Kawaresksenjajok als Zeuge zugegen war und sie �ber die Schulter hinweg angrinste�� nur einmal��, um sich dann wieder in die Beobachtung des Gro�en Ozeans zu vertiefen.</p><p><emphasis>Rishathra</emphasis> gab ihnen die Ruhe und das Selbstbewu�tsein zur�ck. Vielleicht nur ein tr�gerisches Selbstbewu�tsein. Immerhin besser als nichts.</p><p>Da gab es ja wahrhaftig eine Menge Wasser zu sehen.</p><p>Aus einer H�he von tausend Meilen hatte man eine weite �bersicht, ehe die Atmosph�re sich wie eine Decke �ber den Horizont legte. Und w�hrend sich der Blick in dieser unglaublich gro�en Wasserw�ste verlor, fand er nicht eine einzige Insel als Ruhe. Aus dieser H�he vermochten sie die Konturen des Meeresbodens zu erkennen. An manchen Stellen war das Wasser ziemlich flach. Doch die wenigen Inseln, die sie bisher entdeckt hatten, waren weit hinter ihnen zur�ckgeblieben. Vermutlich waren das Untiefen oder Riffe gewesen, ehe der Meteor, der die �Faust Gottes� formte, den Seeboden angehoben hatte.</p><p>Und sie sahen St�rme unter sich. Doch sie suchten vergebens nach den Spiralmustern, die f�r Hurrikans und Taifune typisch waren. Daf�r gab es Wolkenformationen, die wie Himmelsfl�sse aussahen. Die Wolkengebilde bewegten sich, wenn man sie mit dem nackten Auge betrachtete: Obwohl sie die Wolken aus einer H�he von tausend Meilen betrachteten, bewegten sie sich noch.</p><p>Kzinti, die sich auf ein so unglaublich gro�es Meer hinauswagten, waren bestimmt keine Feiglinge. Und wer von so einer Reise zur�ckkam, mu�te �ber gro�e Geistesgegenwart verf�gen. Das Muster der Inselgruppe am Steuerbordhorizont�� man mu�te ein paarmal blinzeln, um sich zu �berzeugen, da� diese Inseln tats�chlich existierten�� symbolisierte die Weltkarte der Erde. Und diese Inselgruppe sah wie verloren aus in dieser blauen Fl�che.</p><p>Ejne k�hle, gemessene Altstimme unterbrach seinen Gedankengang: �Louis? Ich habe unsere Geschwindigkeit auf vier Meilen pro Sekunde reduziert.�</p><p>�Okay.� Vier oder f�nf Meilen�� was machte das hier f�r einen Unterschied?</p><p>�Louis, wo befindet sich deiner Meinung nach die Meteor-Verteidigungsanlage?�</p><p>Da war ein seltsamer Unterton in der Stimme des Puppetiers.� Ich kann mich nicht mehr erinnern.�</p><p>�Auf den Sonnenblenden, hattest du behauptet. So ist es auf den B�ndern festgehalten. Die Verteidigungsanlage m�sse sich auf den Schattenblenden befinden, wenn sie die Au�enhaut der Ringwelt nicht gegen Meteore verteidigen kann.�</p><p>Keine Obert�ne diesmal. Die Stimme klang leidenschaftslos. �Willst du sagen, ich habe mich get�uscht?�</p><p>�H�r mir gut zu, Louis. Als wir eine Geschwindigkeit von vier Komma vier Meilen pro Sekunde �berschritten, entstand eine Sonnenfackel. Ich habe hier eine Bandaufzeichnung davon. Wir sahen die Fackel nicht, weil die Schutzschicht auf dem Rumpf das Licht ausblendete. Die Sonne hat einen Plasmastrahl ausgesto�en, der ein paar Millionen Meilen lang ist. Es war sehr schwierig, den Plasmastrahl zu beobachten, weil er direkt auf uns zukam. Er verlief nicht in einer Kurve, wie das eigentlich bei Sonnenfackeln der Fall zu sein pflegt, weil er von dem Magnetfeld der Sonne beeinflu�t wird.�</p><p>�Dann war es auch keine Sonnenfackel, die uns traf.�</p><p>�Die Fackel dehnte sich im Zeitraum von zwanzig Minuten mehrere Millionen Meilen weit aus. Dann wurde sie zu einem violetten Laser.�</p><p>�O mein Gott!�</p><p>�Also ein Gaslaser von unglaublicher Gr��e. Die Erde gl�ht immer noch an der Stelle, wo der Laserstrahl hinfiel. Ich sch�tze, er hatte eine Breite von zehn Kilometern: kein besonders scharf geb�ndelter Strahl, aber das mu�te er unter normalen Umst�nden auch nicht sein. Eine Fackel von dieser Gr��e w�rde selbst mit m��iger Wirkungskraft einen Gaslaserstrahl mit der Energie von drei mal zehn hoch siebenundzwanzig Ergs pro Sekunde eine Stunde lang versorgen.�</p><p>Schweigen.</p><p>�Louis?�</p><p>�La� mir eine Minute Zeit. Hinterster, das ist eine sehr eindrucksvolle Waffe.� Jetzt sah er es, worin das Geheimnis der Ringwelt-Ingenieure bestand. <emphasis>�Deshalb</emphasis> f�hlten sie sich so sicher. Deshalb konnten sie eine Ringwelt bauen. Sie konnten jede Art von Invasion von ihrem Artefakten fernhalten. Sie hatten eine Laserwaffe, die gr��er war als jeder Planet im Universum, x gr��er als das Erd-Mond-System, gr��er als. Hinterster? Die Vorstellung ist so schwindelerregend, da� ich in Ohnmacht fallen k�nnte.�</p><p>�Louis, daf�r haben wir jetzt keine Zeit.�</p><p>�Was war die Ursache? Irgend etwas mu� den Plasmastrahl der Sonne ausgel�st haben. Ein magnetischer Ausl�ser. Es mu� ein magnetischer Ausl�ser gewesen sein. K�nnte das zu den Funktionen der Schattenblenden geh�ren?�</p><p>�Das bezweifle ich. Die Kameraaufzeichnung zeigt, da� der Ring der Schattenblenden sich zusammenschob und eine L�cke freigab, damit der Strahl passieren konnte. Wir k�nnen nicht davon ausgehen, da� derselbe Schattenblendenring gleichzeitig die Photosph�re magnetisch manipulierte. Ein intelligenter Ingenieur w�rde zwei voneinander getrennte Systeme daf�r konstruieren. �</p><p>�Du hast recht. Absolut recht. Pr�f es trotzdem nach, h�rst du? Wir haben doch mit unseren Sensoren alle m�glichen magnetischen Wirkungen aus drei verschiedenen Beobachtungswinkeln registriert. Stelle fest, was die Sonne zum Fackeln brachte.� Allah, Kdapt, Brahma, Finagle, hoffentlich waren es die Schattenblenden! �Hinterster? Egal, was du f�r ein Ergebnis bekommst�� stecke deine K�pfe nur nicht in deinen Bauchnabel!�</p><p>Es folgte eine seltsame Pause. Dann: �Unter diesen Umst�nden w�rde das den Untergang f�r uns alle bedeuten. Ich w�rde mir einen hysterischen Anfall nur erlauben, wenn wir alle Hoffnungen aufgeben m��ten. Woran denkst du gerade?�</p><p>�Es gibt immer noch eine Hoffnung. Denke daran!�</p><empty-line/><p>Endlich kam die Weltkarte des Mars in Sicht. Sie lag weiter entfernt als die nachgebaute Erdkarte�� hunderttausend Meilen genau an Steuerbord��, aber im Unterschied zur Weltkarte der Erde bestand sie aus einer kompakten Masse. Von der Position des Raumschiffes aus betrachtet, hob er sich als schwarze Linie vom Wasser ab: zwanzig Meilen �ber der Meeresoberfl�che, wie der Hinterste prophezeit hatte.</p><p>Ein rotes Licht blinkte auf der Instrumentenkonsole des Landungsbootes. Temperatur: einhundertzehn Grad Fahrenheit, gerade richtig f�r ein Bad. Keine Lichter blinkten auf dem gro�en Sarg, in dem Chmeee lag. Der Autodock hatte seine eigene Temperaturregelung.</p><p>Die Kzinti, die ihre Burg verteidigten, schienen ihre Sprengstoffvorr�te ersch�pft zu haben. Aber der Vorrat an Brennholz schien unersch�pflich zu sein.</p><p>Immer noch zwanzigtausend Meilen, die sie mit einer Geschwindigkeit von vier Meilen pro Sekunde zur�cklegen mu�ten.</p><p>�Louis?�</p><p>Louis schob sich aus seinem Schlaffeld heraus. Der Hinterste, dachte er, sah heute schrecklich zerzaust aus. Seine M�hne war zerdr�ckt, die Granatsteine, mit denen er sich geschm�ckt hatte, fehlten auf der linken Seite, als h�tte er sie dort abgescheuert. Er schwankte, als w�ren seine Knie aus Weichholz.</p><p>�Es wird uns schon noch etwas einfallen�, sagte Louis zum Hintersten. Am liebsten h�tte er den Arm durch die Wand gestreckt und die M�hne des Puppetier gestreichelt, damit er wieder Mut sch�pfen konnte. �Vielleicht gibt es eine Bibliothek in dieser Burg. Vielleicht wei� Chmeee bereits etwas, was uns verborgen blieb. Tanj, vielleicht wei� der Reparaturtrupp bereits die L�sung f�r unser Problem.�</p><p>�Wir wissen die Antwort. Als Beweis brauchen wir nur eine Chance, die Sonnenflecken auf der R�ckseite zu studieren.� Die Stimme des Puppetiers klang kalt wie Eis. Es war die Stimme eines Computers. �Du hattest es l�ngst vermutet, nicht wahr? Hexagonale Muster von Superleitern, die im Boden der Ringwelt eingebettet sind. Das Scrith-Material kann so magnetisiert werden, da� es Plasmastr�me in der solaren Photosph�re ausl�st.�</p><p>�Jawohl.�</p><p>�Vielleicht war das die Ursache, die die Ringwelt aus dem Gleichgewicht brachte. Ein Plasmastrahl bildete sich, um einen Meteoriten, einen verirrten Kometen oder sogar eine Raumflotte der Erde oder der Kzinti zu vernichten. Und dann schlug die Plasmafont�ne auf der Ringwelt ein. Da waren keine Steuerd�sen mehr, die den Artefakten wieder in seine Ausgangslage zur�ckschieben konnten. W�re der Plasmastrahl nicht gewesen, h�tte auch der Meteor gen�gt, um die Ringwelt aus ihrer Rotationsebene zu schieben. Die Reparaturmannschaft kam viel sp�ter. Sie kam zu sp�t.�</p><p>�Hoffentlich nicht.�</p><p>�Das Superleiter-Muster ist kein System, das die Steuerd�sen ersetzen k�nnte.�</p><p>�Nein. Ist mit dir alles okay?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Was willst du jetzt tun?�</p><p>�Ich werde deine Befehle befolgen.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Wenn ich immer noch der Hinterste dieser Expedition w�re, w�rde ich jetzt aufgeben.�</p><p>�Das glaube ich dir gern.�</p><p>�Bist du dir schon �ber alle Konsequenzen im klaren? Die Sonne kann meiner Berechnung nach vermutlich bewegt werden. Die Sonne kann so manipuliert werden, da� sie Plasmafont�nen auswirft, und das Plasma kann in einen Gaslaser verwandelt werden, der sich auch als Photonenantrieb f�r die Sonne ben�tzen l��t. Die Ringwelt w�rde durch die Schwerkraft der Sonne mitgezogen. Selbst wenn die Sonne ihren �u�ersten Schub entwickeln w�rde, reichte das bei weitem nicht aus, w�re er viel zu gering, um uns zu helfen. Bei einem Beschleunigungswert, der zweimal zehn hoch minus vier der Schwerkraft �bersteigt, w�rde die Ringwelt ohne Sonne im Raum zur�ckbleiben. Au�erdem w�rde dabei so viel Strahlung durch den Plasmastrahl erzeugt, da� die gesamte �kologie des Artefakten vernichtet w�rde. Louis, lachst du mich aus?�</p><p>Louis lachte tats�chlich. �Ich hatte nie daran gedacht, die Sonne zu bewegen. Das w�re mir nie eingefallen. Hast du f�r dieses Man�ver tats�chlich die mathematischen Grundlagen ausgearbeitet?�</p><p>Im unterk�hlten, mechanischscheppernden Ton gab der Hinterste zur�ck: �Ich habe es berechnet. Es ist die L�sung. Was bleibt uns noch?�</p><p>�Befolge meine Befehle. Behalte die Geschwindigkeit von vier Meilen pro Sekunde bei und fliege antispinnw�rts. Gib mir Bescheid, sobald ich mit den Transportscheiben auf das Landungsboot �bersetzen kann.�</p><p>�Aye, aye.� Der Puppetier wandte sich ab.</p><p>�Hinterster?</p><p>Ein Kopf kr�mmte sich nach hinten.</p><p>�Manchmal hat es keinen Zweck, aufzugeben.�</p></section><section><title><p>28. Die Weltkarte von Kzin</p></title><p>Alle Lichter brannten gr�n. Zweifellos war der Autodock Herr der medizinischen Lage. Chmeee lebte also�� lag als lebendiges Wesen in seinem medizinischen Sarg. Vielleicht war er bereits geheilt.</p><p>Aber das Thermometer auf dem Kommandodeck zeigte eine Temperatur von hundertzechzig Grad Fahrenheit.</p><p>Der Hinterste sagte: �Louis, bist du bereit, auf das Landungsboot �berzusetzen?�</p><p>Die Weltkarte des Mars war ein schwarzer Strich unter der Linie der Hologramm-�Fenster� und befand sich jetzt direkt an Steuerbord. Die Weltkarte von Kzin war viel schwerer auszumachen. Einige Winkelgrade vor dem Mars und f�nfzigtausend Meilen vom Raumschiff entfernt entdeckte Louis eine blaugrau gestrichene Linie vor dem blaugrauen Hintergrund des Meeres.</p><p>�Wir liegen aber noch nicht auf gleicher H�he mit dem Landungsboot.�</p><p>�Nein. Die Drehung der Ringwelt verursacht immer noch eine Geschwindigkeitsdifferenz zwischen der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> und dem Landungsboot. Aber der Vektor ist genau senkrecht. Wir k�nnen die Geschwindigkeitsdifferenz lange genug ausgleichen.�</p><p>Louis brauchte eine Sekunde, um diese Bemerkung in ein Diagramm umzusetzen. Dann sagte er: �St�rzt du dich aus einer H�he von tausend Meilen auf die Ebene des Ozeans hinunter?� �Jawohl. Nach deinem wahnsinnigen Zerst�rungsakt erscheint jedes andere Risiko vern�nftig.�</p><p>Louis brach in ein Gel�chter aus (ein Puppetier, der Louis Wu eine Lektion in Tapferkeit erteilen wollte?), doch sogleich wurde er wieder n�chtern. War das nicht eine M�glichkeit f�r den Ex-Hintersten, einen Teil seiner Befehlsgewalt zur�ckzuerobern? Er sagte: �Also gut. Beginne mit dem Sturzflug.�</p><p>Er drehte die W�hlscheibe und zog sich dann h�lzerne Pantoffeln an. Er zog seinen Overall aus und wickelte ihn um den Schutzanzug und die Ger�tekiste, behielt den Handscheinwerfer-Laser in der Hand. Die leere Meeresfl�che dehnte sich rasend schnell aus.</p><p>�Fertig.�</p><p>�Los.�</p><p>Louis �berquerte einhundertundzwanzigtausend Meilen mit einem einzigen Riesenschritt.</p><empty-line/><p>Kzin vor zwanzig Jahren:</p><p>Louis Wu r�kelte sich auf einer abgen�tzten Stein-Fooch und war sehr mit sich zufrieden.</p><p>Diese seltsam geformten Steine, die sich <emphasis>Foochesth</emphasis> nannten, waren in den Jagd-Parkanlagen von Kzin genauso h�ufig anzutreffen wie Parkb�nke auf der Erde. Sie �hnelten in ihrer Form einer Niere, damit ein m�nnlicher Kzin sich mit angezogenen Beinen darauflegen konnte. Die Jagd-Parkanlagen der Kzinti waren zu f�nfzig Prozent Wildnis und sowohl mit J�gern wie auch Speisetieren best�ckt: ein orange- und gelbfarbener Dschungel, dem die <emphasis>Foochesth</emphasis> einen Hauch von Zivilisation verliehen. Die Bev�lkerung der Kzin-Welt betrug mehrere hundert Millionen, war also nach der Meinung der Eingeborenen viel zu dicht besiedelt. Auch in den Parkanlagen wimmelte es von Kzinti.</p><p>Louis hatte seit dem fr�hen Morgen den Dschungel erforscht. Jetzt war er m�de. Mit baumelnden Beinen beobachtete er das Gehen und Kommen der Einheimischen.</p><p>Im Dschungel war ein orangefarbener Kzin fast unsichtbar. Eben noch war da nichts gewesen; im n�chsten Augenblick tauchte eine Vierteltonne eines intelligenten Fleischessers auf, der die Spur eines schnellen, von Panik ergriffenen Beutetiers verfolgte. Der m�nnliche Kzin blieb mit einem Ruck stehen und starrte�� auf Louis, der mit zusammengepre�ten Lippen l�chelte (weil ein Kzin immer die Z�hne zeigt, wenn er einen Gegner herausfordert) und das Abzeichen auf seiner Schulter etwas weiter nach vorne schob, das ihm den Schutz des Patriarchen zusicherte (Louis hatte es dort befestigt, damit man es auch gut sehen konnte). Der Kzin kam zu dem Ergebnis, da� Louis nicht zu den f�r die Jagd freigegebenen Beutetieren geh�rte, und zog sich wieder zur�ck.</p><p>Eigenartig, da� so ein gewaltiger J�ger sich in diesem gekr�uselten gelben Laubwerk so gut zu verstecken vermochte, da� man seine Gegenwart nur sp�rte. Irgendwo in seiner N�he waren mordgierige Augen auf ihn gerichtet.</p><p>Und dann kamen ein riesiges erwachsenes M�nnchen und ein noch mit kindlichem Flaum bedeckter Halbw�chsiger in sein Blickfeld.</p><p>Louis besa� ein paar Grundkenntnisse der Heldensprache. Er verstand den kleinen Kzin, der zu seinem Vater hochschaute und fragte: �Kann man das essen?�</p><p>Der Blick des erwachsenen Kzin kreuzte sich mit Louis' Blick. Louis' L�cheln wurde breiter, so da� seine Z�hne sichtbar wurden.</p><p>Der erwachsene Kzin sagte: �Nein.�</p><p>Im Vertrauen auf vier Menschheits-Kzin-Kriege zuz�glich einiger �Zwischenf�lle��� die alle schon Jahrhunderte zur�cklagen, jedoch alle von den Menschen gewonnen wurden�� grinste Louis und nickte. <emphasis>Sag es ihm ruhig, Daddy! Es bekommt dir immer noch besser, wei�es Arsenik zu essen statt Menschenfleisch!</emphasis></p><empty-line/><p>Die Ringwelt, zwanzig Jahre sp�ter:</p><p>Die hei�en W�nde trieben ihm den Schwei� aus den Poren. Das st�rte ihn nicht. Er hatte regelm��ig die Sauna besucht. Einhundertundsechzig Grad Fahrenheit ist nicht sehr hei� f�r eine Sauna. Die aufgezeichnete Stimme des Hintersten fauchte und spuckte in der Heldensprache und bot Asyl auf der Flotte der Welten an. �Unterbreche die Sendung!� befahl Louis, und der Lautsprecher verstummte.</p><p>Lodernde Flammen blockierten den Blick aus den Bullaugen. Das mit Kanonen ausger�stete Fahrzeug war wieder abgezogen. Ein paar verzerrte Kzinti sprinteten �ber den Burghof, legten einen Kanister unter das Landungsboot und rannten zur�ck in den Torbogen.</p><p>Es war nicht die richtige Ausgabe von Kzinti: nicht so zivilisierte wie Chmeee. Wenn sie mit ihren Krallen an Louis Wu herankamen�� aber im Landungsboot war er relativ sicher.</p><p>Louis blinzelte durch das Bullauge in die Flammen. Er entdeckte sechs von diesen Kanistern, die unter dem Landungsboot verteilt lagen. Zweifellos waren das Bomben. Sie w�rden jeden Moment explodieren, ehe das Feuer sie einzeln in die Luft gehen lie�.</p><p>Louis grinste. Seine H�nde hingen aktionsbereit �ber den Schaltern und Hebeln der Konsole, w�hrend er mit einer Versuchung k�mpfte. Dann tastete er in rascher Folge die Befehle ein. Die Kn�pfe waren unangenehm hei�. Er gr�tschte die Beine und hielt sich an den Sessellehnen fest. Die H�nde hatte er mit dem Stoff seines Overalls umwickelt.</p><p>Das Landungsboot hob sich aus den Rammen. Ein Ring greller Explosionen zuckte unter ihm auf, und dann war das Schlo� nur noch ein winziges Spielzeug. Louis grinste immer noch. Er f�hlte sich wie ein tugendhafter Held. Er hatte die Versuchung �berwunden. Wenn er den Fusionsantrieb statt der Repulsionsd�sen verwendet h�tte, w�ren den Kzinti die Augen aus dem Kopf gefallen vor Staunen, wie heftig ihre Bomben explodierten.</p><p>Hagel prasselte auf den Rumpf und die Fenster. Louis blickte �berrascht hoch, auf ein Dutzend gefl�gelte Spielzeuge, die sich aus dem Himmel auf ihn herabst�rzten. Dann blieben die Flugzeuge schon unter ihm zur�ck. Louis bleckte die Z�hne. Er stellte den Autopilot so ein, da� er auf f�nf Meilen H�he den Aufstieg beendete.</p><p>Vielleicht sollte er diese Flugzeuge nicht ganz aus dem Auge verlieren.</p><p>Dann stand er auf und wandte sich dem Niedergang zu.</p><p>Louis schnaubte, als er die Skalen ablas. Er rief den Hintersten: �Chmeee ist vollkommen geheilt und schl�ft friedlich in seinem Autodock. Der Autodock weckt ihn nat�rlich nicht und will ihn nicht herauslassen, weil die Lebensbedingungen au�erhalb des Autodock nicht sehr gesund sind.�</p><p>�Nicht gesund?�</p><p>�Es ist zu hei� im Landungsboot. Der Autodock ist nicht so pr�pariert, da� er einen Patienten in einen brennenden Scheiterhaufen steigen l��t. Die Ger�te m�ssen erst abk�hlen, nachdem wir dem Feuer entronnen sind.� Louis fuhr sich mit der Hand �ber die Stirn. Der Schwei� lief ihm bis zu den Ellbogen hinunter. �Wenn Chmeee aus dem Autodock steigt, wirst du ihm dann die Situation erkl�ren? Ich brauche jetzt eine kalte Dusche.� Er stand unter dem kalten Wasserstrahl, als der Boden sich pl�tzlich unter ihm neigte. Louis wickelte sich rasch ein Handtuch um den Bauch und lief den Niedergang hinauf zum Kontrolldeck. Er h�rte, wie der Hagel wieder auf den Rumpf prasselte.</p><p>Langsam und vorsichtig, als t�ten ihm noch alle Knochen weh, drehte sich Chmeee auf seinem Stuhl vor der Instrumentenkonsole um. Er blinzelte, als habe er ein Sandkorn im Auge. Die Haare waren am linken Auge abrasiert. Frische Haut bedeckte einen unrasierten Streifen, der von der H�fte bis zu den Lenden hinunterlief. Er sagte: �Hallo, Louis! Wie ich sehe, hast du �berlebt.�</p><p>�Ja. Was treibst du denn jetzt auf dem Kommandodeck?� �Ich lie� tr�chtige Weibchen in der Burg zur�ck.�</p><p>�Werden sie denn in diesem Moment umgebracht? Oder k�nnen wir vielleicht ein paar Minuten �ber der Burg im Schwebeflug verharren?�</p><p>�Haben wir etwas zu besprechen? Ich dachte, du w��test es besser und w�rdest dich nicht einmischen.�</p><p>�So wie die Dinge jetzt stehen, w�rden deine Weibchen in zwei Jahren tot sein.�</p><p>�Sie k�nnen im Stasisfeld mit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> mit mir nach Hause fliegen. Ich hoffe immer noch, den Hintersten zu �berreden.�</p><p>�Da mu�t du schon mich �berreden. Ich habe das Kommando �ber die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> �bernommen.�</p><p>Chmeees H�nde krallten sich um die Lehnen. Der Boden schwankte entsetzlich. Louis packte die R�ckenlehne des Copilotensitzes und pendelte die Schwingungen aus. Ein Blick auf die Instrumententafel zeigte ihm, da� das Landungsboot wieder starr in der Luft verharrte. Auch der Gescho�hagel hatte aufgeh�rt, obwohl immer noch ein Dutzend Flugzeuge um das kleine Landungsboot herumkreisten. Die Burg lag eine halbe Meile unter ihnen.</p><p>Chmeee fragte: �Wie hast du das geschafft?�</p><p>�Ich verwandelte den Hyperdrive-Motor in Schrott.�</p><p>Der Kzin bewegte sich unglaublich schnell. Ehe Louis auch nur einen Finger krumm machen konnte, zog der Kzin ihn schon an seine Brust und hielt ihm die ausgefahrenen Krallen vor das Gesicht.</p><p>�Sehr intelligent�, sagte Louis. �Geradezu genial. Und was willst du jetzt machen?�</p><p>Der Kzin bewegte sich nicht. Blut perlte �ber Louis' Augen. Er hatte das Gef�hl, als m��te jeden Moment seine Wirbels�ule brechen. �Mir scheint, da� ich dich wieder einmal retten mu�.�</p><p>Der Kzin lie� ihn los und wich einen Schritt zur�ck, als f�rchtete er, sein Temperament k�nnte noch einmal mit ihm durchbrennen. Er fragte: �Hast du uns alle zum Untergang verurteilt? Oder tr�gst du dich mit dem Gedanken, die ganze Ringwelt wieder in ihre richtige Lage zu r�cken?�</p><p>�Letzteres.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Vor ein paar Stunden noch h�tte ich es dir sagen k�nnen. Nun m�ssen wir eine andere L�sung finden.�</p><p>�Warum hast du das getan?�</p><p>�Ich wollte die Ringwelt retten. Es gab nur eine M�glichkeit, uns der Mitarbeit des Hintersten zu versichern. Ich mu�te ihn in Lebensgefahr bringen. Und wie gewinne ich jetzt dich als Mitarbeiter?�</p><p>�Du Idiot! Ich bin fest entschlossen, einen Weg zu finden, um die Ringwelt wieder in die richtige Lage zu schieben, wenn ich damit nur meine Kinder rette. Es ist dein Problem, mich davon zu �berzeugen, da� ich <emphasis>dich</emphasis> dazu brauche.�</p><p>�Die Pak, die diese Welt erbauten, waren meine Vorfahren. Wir versuchen, uns in ihre Vorstellungen und Gedankenwelt zu versetzen, nicht wahr? Welche Vorrichtungen haben sie in diesen Artefakten eingebaut, damit er immer stabil bleibt? Zudem habe ich zwei St�dtebauer-Bibliotheksangestellte an Bord, die sich mit der Geschichte der Ringwelt recht gut auskennen. Sie w�rden nicht mit dir zusammenarbeiten. Sie sehen jetzt schon in dir ein Ungeheuer, obwohl du mich noch gar nicht umgebracht hast.�</p><p>Chmeee blickte Louis nachdenklich an. �Wenn sie mich f�rchten, werden sie mir auch gehorchen. Diese Welt ist in einer t�dlichen Gefahr. Und ihre Vorfahren waren ebenfalls Pak.�</p><p>Inzwischen war die Temperatur des Landungsbootes f�r einen nackten Mann ein wenig zu kalt geworden. Aber Louis schwitzte immer noch. �Ich habe bereits das Reparaturzentrum entdeckt.�</p><p>�Wo ist es?�</p><p>Louis �berlegte, ob er ihm diese Information vorenthalten sollte. Aber nur kurz: �Es ist die Weltkarte des Mars.�</p><p>Chmeee setzte sich wieder auf den Pilotensitz. �Das ist eine au�erordentlich interessante Nachricht. Die deportierten Kzinti erfuhren in ihrem Zeitalter der Welterforschung eine Menge �ber die Weltkarte des Mars; aber <emphasis>das</emphasis> blieb ihnen offenbar verborgen.�</p><p>�Ich m�chte wetten, da� in der N�he der Weltkarte des Mars eine Menge Schiffe untergingen.�</p><p>�Ein Flugzeugpilot sagte mir, da� viele Schiffe auf dem Mars verschwanden, aber nichts Wertvolles auf dem Mars erbeutet wurde. Die Welterforscher brachten betr�chtliche Beute von einer Weltkarte nach Hause, die weiter nach spinnw�rts liegt; aber die Beute deckte nie die Entstehungs- und Betriebskosten f�r ihre Schiffe. Brauchst du einen Autodock?�</p><p>Louis wischte sich mit dem Overall das Blut aus dem Gesicht. �Noch nicht. Diese Weltkarte spinnw�rts�� das scheint sich um die Erde zu handeln. Also wurde sie nie verteidigt.�</p><p>�Offenbar nicht. Aber da ist auch eine Weltkarte an Backbord, und die Schiffe, die dorthin fuhren, kamen nie mehr nach Hause. K�nnte sich das Reparaturzentrum nicht dort befinden?�</p><p>�Nein, das ist die Weltkarte von Down. Wahrscheinlich sind sie dort mit Grogs zusammengesto�en.� Louis wischte sich wieder das Gesicht ab. Die Klauen des Kzin waren nicht sehr tief eingedrungen, aber eine Schramme im Gesicht blutet immer heftig. �La� uns mal �berlegen, was wir f�r deine tr�chtigen Weibchen tun k�nnen. Wie viele sind es?�</p><p>�Ich wei� nicht. Sechs befanden sich gerade in der Brunft.�</p><p>�Nun, f�r so viele Weibchen haben wir nicht Platz. Sie m�ssen also in der Burg bleiben. Es sei denn, du bist der Meinung, der Burgherr wird sie umbringen.�</p><p>�Nein, aber es besteht die M�glichkeit, da� er meine m�nnlichen Nachkommen umbringen l��t. Noch keine Gefahr. Nun, damit k�nnte ich fertig werden.� Chmeee besch�ftigte sich mit der Instrumentenkonsole. �Die m�chtigste Zivilisation hat sich in der Nachbarschaft eines der alten Forschungsschiffe entwickelt, das <emphasis>Behemoth</emphasis> hei�t. Wenn sie mich hier orten, werden sie die Burg mit Krieg �berziehen.�</p><p>Die Flugzeuge brannten wie Fackeln, als sie zu Boden st�rzten. Chmeee suchte den Himmel mit Radar ab, dann mit Tiefenradar und schlie�lich mit Infrarot-Suchern. Der Himmel war leer. �Louis, waren noch mehr Flugzeuge in der N�he? Sind einige gelandet?�</p><p>�Ich glaube nicht. Falls ja, hatten sie keinen Treibstoff mehr, und hier gibt es auch keine Startbahnen. Die Stra�en? Suche die Stra�en ab. Sie d�rfen sich nicht �ber Funk mit dem Riesenschiff in Verbindung setzen.�</p><p>Radiowellen dehnten sich wie Lichtwellen aus, und die Ringweltatmosph�re hatte vermutlich eine Heaviside-Schicht.</p><p>Da war eine Stra�e in der N�he der Burg, die sich kaum als Rollbahn eignete, weil sie mit Schlagl�chern �bers�t war. Da gab es auch flache Wiesen oder Felder in der N�he. und es dauerte einige Minuten, ehe Chmeee sich beruhigt zur�cklehnte. Alle Flugzeuge waren tote Ruinen.</p><p>�Der n�chste Schritt�, sagte Louis. �Du kannst ja nicht alle m�nnlichen Kzinti in der Burg umbringen. Hast du mir nicht erz�hlt, da� Kzinti-Weibchen nicht f�r sich selbst sorgen k�nnen?�</p><p>�Nein, das k�nnen. Louis, das ist ja das Eigenartige. Die Weibchen in der Burg sind weitaus intelligenter als die weiblichen Kzinti in unserem Patriarchat.�</p><p>�So intelligent wie du?�</p><p>�Nein! Aber sie verf�gen wenigstens �ber einen gewissen Wortschatz.�</p><p>�Ist das m�glich, da� deine Artgenossen auf den Welten des Patriarchats sich willenlose oder friedliche Weibchen herangez�chtet haben? W�re es m�glich, da� ihr euch ein paar hunderttausend Jahre lang weigertet, die intelligenten Weibchen zu decken? Schlie�lich z�chtet ihr doch so gerne Sklaven.�</p><p>Chmeee bewegte sich unbehaglich. �Du magst recht haben. Auch die M�nner sind hier anders. Ich versuchte, mit den Herrschern des Forschungsschiffes zu verhandeln. Ich zeigte ihnen meine Macht und wartete dann auf ein Verhandlungsangebot. Aber sie versuchten gar nicht erst zu verhandeln. Sie verhielten sich, als g�be es nur zwei M�glichkeiten: jeder k�mpft oder siegt, bis er tot umf�llt. Ich mu�te Chjarrl verspotten, seinen Ahnenstolz verletzen, ehe er mir etwas von der Geschichte dieser Welt erz�hlte.�</p><p><emphasis>Aber Puppetiers hatten diese Kzinti nie genetisch manipuliert, damit sie sich zu einer friedfertigen Rasse entwickelten</emphasis>, dachte Louis. �Wenn du also die Weibchen nicht mitnehmen und die M�nnchen nicht t�ten kannst, dann mu�t du es eben auf eine andere Weise versuchen. Wir m�ssen wieder einmal G�tter spielen.�</p><p>�Vielleicht ist das eine L�sung. Probieren wir es erst einmal auf folgende Weise.�</p><empty-line/><p>Knapp au�erhalb der Reichweite der Kanone auf dem Fahrzeug des Kzinti-Alliierten, jedoch viel h�her, als man mit einem Pfeil zu schie�en vermochte, schwebte das Landungsboot �ber der Burg. Sein Schatten fiel auf die Asche des Scheiterhaufens im Burghof. Louis h�rte die Stimmen im �bersetzungsk�stchen von Chmeee und wartete auf dessen Signal.</p><p>Chmeee forderte die Bogensch�tzen auf, auf ihn zu schie�en. Chmeee drohte, versprach und drohte erneut. Dann folgte ein donnerndes Salvenfeuer aus dem Handscheinwerfer-Laser, der einen Felsen zerschnitt, der krachend zu Boden st�rzte. Es zischelte, fauchte und spuckte.</p><p>Kein Wort von Chmeees viel gef�hrlicherem Meister.</p><p>Vier Stunden blieb er unten in der Burg. Dann kroch Chmeee aus einem S�llerfenster heraus und schwebte nach oben. Louis wartete, bis er an Bord kam, und startete die D�sen.</p><p>Chmeee trat eine Weile sp�ter zu ihm, nachdem er sein Fluggeschirr und den Schutzpanzer abgelegt hatte. Louis sagte: �Du hast mir kein einziges Mal das Zeichen gegeben, da� ich als Gott erscheinen soll.�</p><p>�Bist du deswegen beleidigt?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht.�</p><p>�Es h�tte wohl auch nicht viel gen�tzt. Und. ich brachte es einfach nicht fertig. Das ist meine eigene Rasse. Ich konnte ihnen nicht mit einem Menschen drohen.�</p><p>�Okay.�</p><p>�Kathakt wird meine Kinder zu Helden erziehen. Er wird sie im Gebrauch der Waffen unterrichten und sie, wenn sie alt genug sind, mit einer eigenen R�stung versehen, damit sie sich ihr eigenes Land erobern k�nnen. Sie w�rden keine Bedrohung f�r seine eigene Herrschaft darstellen, verstehst du? Sie h�tten eine gute Chance, zu �berleben, wenn ich nicht mehr zur�ckkehre. Ich machte Kathakt meinen Handscheinwerfer-Laser zum Geschenk.�</p><p>�In Ordnung.�</p><p>�Hoffentlich.�</p><p>�Bist du jetzt fertig mit der Weltkarte von Kzin?�</p><p>Chmeee dachte einen Moment nach. �Ich nahm einen Flugzeugpiloten gefangen. Sie geh�ren alle zur Aristokratenkaste, besitzen eigene Heldennamen und eine umfassende Bildung. Chjarrl berichtete mir von dem Zeitalter der Welterforschung, nachdem ich die Taten seiner Vorfahren verspottete. Wir d�rfen von der Annahme ausgehen, da� eine reichhaltige historische Bibliothek auf <emphasis>Behemoth</emphasis> existiert. Sollen wir das Riesenschiff einnehmen?�</p><p>�Sag mir nur, was Chjarrl dir berichtete. Wie weit sind sie auf der Weltkarte des Mars vorgedrungen?�</p><p>�Sie fanden eine Wand aus st�rzendem Wasser. Sp�tere Generationen erfanden dann die Druckanz�ge und hochfliegende Flugzeuge. Sie erkundeten die Randgebiete des Mars, und ein Forschungsteam erreichte sogar das Zentrum des Mars, wo er mit einer dicken Eiskappe bedeckt ist.�</p><p>�Ich denke, wir k�nnen uns die Bibliothek von <emphasis>Behemoth</emphasis> ersparen. Sie drangen nie bis in das Innere des Mars vor. Hinterster, h�rst du zu?�</p><p>Eine Mikrophonstimme sagte: �Jawohl, Louis.�</p><p>�Wir steuern jetzt die Weltkarte des Mars an. Du kommst mit dem Raumschiff ebenfalls dorthin, aber bleibe immer auf der Backbordseite des Landungsbootes, falls wir mit den Transportscheiben rasch �bersetzen m�ssen.�</p><p>�Aye, aye. Gibt es sonst noch etwas zu berichten?�</p><p>�Chmeee lie� sich von den Einheimischen erz�hlen, da� die Kzinti die Oberfl�che der Weltkarte des Mars erforschten, dort aber nichts fanden, was nicht typisch f�r den Mars w�re. So wissen wir immer noch nicht, wie wir uns Zutritt zur Unterwelt des Mars beschaffen k�nnen.�</p><p>�Vielleicht ist der Eingang unter der Weltkarte.�</p><p>�Ja, das k�nnte sein. Das w�re sehr �rgerlich. Wie geht es unseren G�sten?�</p><p>�Du solltest bald wieder an Bord kommen.�</p><p>�Sobald ich kann. Schaue mal, ob du Daten �ber den Mars im Computer der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> findest. Vielleicht auch Daten �ber Marsbewohner, Ende.� Louis drehte sich um. �Chmeee, willst du jetzt das Boot steuern? �berschreite aber nicht eine Geschwindigkeit von vier Meilen pro Sekunde.�</p><p>Das Landungsboot stieg rasch h�her und ging dann in den Horizontalflug �ber, als der Kzin das Steuer �bernahm. Sie durchbrachen eine graue Wolkendecke, und dann war nur noch der blaue Himmel �ber ihnen, der sich rasch verdunkelte, als sie noch weiter hinaufkletterten. Die Weltkarte von Kzin glitt wie ein Teppich unter ihnen hin und blieb zur�ck.</p><p>Chmeee sagte: �Der Puppetier scheint sich mit deinem Kommando abgefunden zu haben.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und du scheinst dir sehr sicher zu sein, was die Weltkarte des Mars betrifft.�</p><p>�Ja.� Louis grinste. �Es ist eine recht geschickte Tarnung, aber perfekt ist sie nicht. Das war unm�glich. Sie mu�ten ein zu gro�es Volumen unterbringen. Auf dem Flug hierher w�hlten wir die Route auf der Unterseite der Ringwelt. Rate mal, was wir fanden, als wir die Unterseite des Mars passierten?�</p><p>�Mach es nicht so spannend.�</p><p>�Nichts. Nichts au�er dem Relief des Meeresbodens. Nicht einmal K�hlrippen. Fast alle anderen Weltkarten sind mit K�hlrippen ausgestattet, um Eis an den Polen zu erzeugen. Ein sogenanntes passives K�hlsystem. Dieses System h�tte auch an der Unterseite der Weltkarte des Mars eingebaut sein m�ssen. Wohin geht die �bersch�ssige W�rme? Zuerst glaubte ich, sie w�rde in das Meer abgeleitet, aber das war nicht der Fall. Also kamen wir zu dem Schlu�, da� die Hitze direkt in das Superleiter-Netz gepumpt wird, das den Ringweltboden durchzieht.�</p><p>�Ein Superleiter-Netz?�</p><p>�Ein gewaltiges Netz von Superleitern, das die magnetischen Kr�fte im Fundament der Ringwelt steuert. Gleichzeitig werden damit die Fusionen der Sonne und deren Eruptionen gesteuert. Wenn die Weltkarte des Mars an das Gitternetz angeschlossen ist, mu� es auch das Kontrollzentrum der Ringwelt darstellen.�</p><p>Chmeee dachte �ber Louis' Worte nach. Dann sagte er: Sie h�tten die Hitze nicht in das Meer ableiten k�nnen. Dann w�ren warme, feuchte Luftmassen �ber dem Mars entstanden und gewaltige Wolkengebilde w�rden aus gro�er Entfernung angezogen und wieder von dem Mars in gr��erer H�he abgesto�en. Vom Weltraum aus gesehen, w�rde die Weltkarte des Mars als eine gro�e Zielscheibe erscheinen. K�nntest du dir vorstellen, da� Pak-Protektoren so einen groben Schnitzer machten?�</p><p>�Nein.� Obwohl Louis so einen Fehler gemacht h�tte.</p><p>�Ich besitze keine konkreten Vorstellungen vom Mars. Der Planet war nie besonders wichtig f�r deine Rasse, nicht wahr, Er hatte eine mehr spirituelle Bedeutung, war der Ursprung von M�rchen und Legenden. Ich wei� nur, da� die Weltkarte des Mars zwanzig Meilen hoch ist, um die d�nne Luft des Originals zu kopieren.�</p><p>�Zwanzig Meilen hoch, bei einer Gesamtfl�che von sechsundf�nfzig Millionen Quadratmeilen. Das ergibt einen Innenraum von einer Milliarde einhundertzwanzig Millionen Kubikmeilen. Darin kann man eine Menge verstecken.�</p><p>�Rrrr�, erwiderte Chmeee. �Ich glaube, du hast recht. Die Weltkarte des Mars ist das Reparaturzentrum, und die Pak taten ihr Bestes, um es zu tarnen. Chjarrl erz�hlte mir von den Ungeheuern, den St�rmen und den gewaltigen Entfernungen des Gro�en Ozeans. Sie eigneten sich gut als passive W�chter. Eine Flotte von Invasoren w�rde vermutlich niemals dieses Geheimnis erraten.�</p><p>Louis rieb sich geistesabwesend die vier juckenden Wundmale �ber seiner Augenbraue. �Eins Komma zw�lf mal zehn hoch neun Kubikmeilen. Ich mu� zugeben, diese Zahl versetzt mich ins Staunen. Was bewahrten sie nur in dieser riesigen H�hle auf? Pfropfen, die gro� genug sind, damit man damit den Krater der �Faust Gottes� verschlie�en kann? Maschinen, die gro� genug sind, um diese Pfropfen zu transportieren, einzusetzen und dann festzuschwei�en? Stammten die Winden und Kr�ne, die wir auf der Mauerkrone der Ringwelt entdeckten, ebenfalls aus dieser Werkstatt? Lagern vielleicht noch Steuerd�sen unter dem Eis des Pseudo-Mars? Ersatz-Steuerd�sen? Tanj, ich w�rde diese Ersatzd�sen nur zu gerne finden. Aber dann bleibt immer noch gen�gend Raum f�r andere Ger�te.�</p><p>�F�r Kriegsflotten.�</p><p>�Ja. Wir wissen ja bereits von ihrer <emphasis>gr��ten</emphasis> Waffe, aber Kriegsflotten, nat�rlich! Und Schiffe, um Fl�chtlinge wegzubringen. Vielleicht ist die Weltkarte des Mars ein einziges gro�es Rettungsschiff. Es m��te gro� genug sein, die Ringwelt zu evakuieren, ehe die Bev�lkerung jede Nische in der �kologie auszuf�llen beginnt.�</p><p>�Ein Raumschiff? Vielleicht ein Raumschiff, das gro� genug ist, da� man damit die Ringwelt wieder in ihre richtige Lage ziehen k�nnte? Es f�llt mir schwer, in solchen Dimensionen zu denken, Louis.�</p><p>�Mir ebenfalls. Aber ich glaube, auch ein Raumschiff dieser Gr��e w�rde nicht ausreichen als Schleppper f�r die Ringwelt.�</p><p>�Was hattest du dir dann gedacht, als du den Hyperdrive-Motor zerst�rtest?� Pl�tzlich fauchte ihm der Kzin ins Gesicht.</p><p>Louis zog es vor, nicht zur�ckzuzucken. �Ich glaubte, die Ringwelt k�nnte so programmiert werden, da� sie sich mit magnetischen Kr�ften nach der Sonne ausrichtet. Ich lag mit meiner Annahme fast richtig. Leider gibt es da eine Schwierigkeit, die.�</p><p>Die Stimme des Hintersten pl�rrte aus dem Lautsprecher: �Louis, Chmeee! Schaltet das Landungsboot auf Eigensteuerung und kommt zu mir an Bord!�</p></section><section><title><p>29. Die Weltkarte des Mars</p></title><p>Chmeee erreichte noch vor Louis in einem gewaltigen Satz die Transportscheibe. Auch der Kzin konnte also Befehle entgegennehmen, dachte Louis. Er h�tete sich, diese Tatsache laut zu best�tigen.</p><p>Die St�dtebauer blickten durch die Wand der Raumschiffzelle. Sie interessierten sich nicht f�r die Landschaft�� da war nur eine unendliche blaue Fl�che und der blaue, mit Wolken betupfte Himmel, der sich am Horizont mit dem Meer vereinigte. Sie beobachteten ein Hologramm von der Dimension einer Filmleinwand. Als Chmeee auf der Scheibe des Transportempf�ngers erschien, drehten sie sich um und versuchten, sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen.</p><p>Louis sagte: �Chmeee, das sind Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok, Bibliotheksangestellte der fliegenden Stadt. Sie waren uns als Informanten eine gro�e Hilfe.�</p><p>Der Kzin sagte: �Gut. Hinterster, was gibt es f�r Probleme?�</p><p>Louis zupfte den Kzin am Fell und deutete.</p><p>�Ja�, sagte der Puppetier, �das Problem ist die Sonne.�</p><p>Die Sonne erschien im Hologramm-Rechteck als ein sanft gl�hendes, stark vergr��ertes Gebilde. Ein heller Fleck in der Mitte dieses Gebildes bewegte sich kreiselnd und ver�nderte st�ndig seine Gestalt.</p><p>Chmeee sagte: �Haben wir nicht eine �hnliche Erscheinung in der Sonne beobachtet, als wir auf der Raumhafen-Rampe landen wollten?� �Richtig. Was du jetzt siehst, ist die Ringwelt-Meteor-Verteidigungsanlage. Hinterster, was machen wir jetzt? Wir k�nnen die Geschwindigkeit herabsetzen, aber ich sehe keinen Weg, das Landungsboot zu retten.�</p><p>�Mein erster Gedanke war, unser wertvolles Selbst zu retten�, erwiderte der Puppetier.</p><p>Das Meer reflektierte ein grelles Licht, das sich direkt unter der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> befinden mu�te. Nun schien es noch greller zu werden und nahm eine violette F�rbung an. Pl�tzlich, einen Augenblick lang, wurde es zu einem unertr�glich hellen Glei�en. Dann war es ein schwarzer Punkt auf dem Rumpf unter ihren F��en.</p><p>Und ein pechschwarzer Faden mit einer violettwei�en Korona stand �ber dem Horizont spinnw�rts. Eine senkrechte S�ule, die vom Boden bis zum Himmel reichte. �ber der Atmosph�re war sie unsichtbar.</p><p>Der Kzin sagte etwas in der Heldensprache.</p><p>�Alles sehr sch�n�, sagte der Hinterste auf Interworld, �aber worauf schie�t es? Ich dachte, wir w�ren das Ziel.�</p><p>Louis sagte: �Liegt nicht die Weltkarte der Erde in dieser Richtung?�</p><p>�Ja. Auch eine Menge Wasser und ein betr�chtlicher Teil der Ringwelt-Landschaft.�</p><p>Als der Strahl die Ringweltoberfl�che traf, gl�hte der Horizont im wei�em Licht. Chmeee fl�sterte in der Heldensprache, aber Louis verstand durchaus den Sinn. �Mit so einer Waffe k�nnte ich die Erde in Dampf verwandeln.�</p><p>�Halt den Schnabel.�</p><p>�Das war eine ganz nat�rliche �berlegung, Louis.�</p><p>�Ja.�</p><p>Der Strahl brach pl�tzlich ab. Dann schlug er wieder auf der Ringwelt ein, ein paar Grad weiter nach Backbord.</p><p>�Tanj dammit! Okay, Hinterster, bring uns h�her hinauf. Fliege so hoch, da� wir das Teleskop verwenden k�nnen.�</p><empty-line/><p>Da war ein gl�hender gelbwei�er Punkt auf der Weltkarte der Erde, als w�re dort soeben ein gr��erer Asteroid eingeschlagen.</p><p>Etwas weiter entfernt entdeckten sie eine �hnliche Lichterscheinung. Dort mu�te sich bereits die K�ste des Gro�en Ozeans befinden.</p><p>Die Sonnenfackel wurde schw�cher und verlor ihren Zusammenhang.</p><p>Chmeee fragte: �Befanden sich Flugzeuge oder ein Raumschiff in dieser Richtung? Schnellfliegende Objekte?�</p><p>�Das h�tten mir meine Instrumente anzeigen m�ssen�, erwiderte der Hinterste.</p><p>��berpr�f die Instrumente. Und bringe uns auf eine H�he von einer Meile. Ich denke, wir sollten uns der Weltkarte des Mars von der Seite n�hern.�</p><p>�Louis?�</p><p>�Tue, was er sagt.�</p><p>Chmeee fragte: �Hast du eine Ahnung, wie dieser Laserstrahl zustande kam?�</p><p>�Louis kann dir das erkl�ren�, erwiderte der Puppetier. �Ich bin besch�ftigt.�</p><empty-line/><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> und das Landungsboot n�herten sich jetzt der Weltkarte des Mars aus zwei Richtungen. Der Hinterste hielt die beiden Raumschiffe auf Parallelkurs, damit man mit den Transportscheiben rasch zwischen ihnen hin- und herpendeln konnte.</p><p>Lois und Chmeee setzten zum Mittagessen auf das Landungsboot �ber. Chmeee war hungrig. Er verschlang mehrere Pfunde rohes Fleisch, eine Forelle, und trank vier Liter Wasser. Louis' Appetit lie� zu w�nschen �brig. Er war froh, da� seine G�ste ihrer Mahlzeit nicht zusehen mu�ten.</p><p>�Ich begreife nicht, weshalb du diese Passagiere an Bord nahmst�, sagte Chmeee. �Es sei denn, du m�chtest dich mit der Frau paaren. Aber warum der Junge?�</p><p>�Es sind St�dtebauer�, erwiderte Louis. �Ihre Gattung beherrschte einmal fast die ganze Ringwelt. Und ich habe die beiden in ihrer Bibliothek aufgelesen. Du solltest dich mit ihnen n�her bekanntmachen, Chmeee, ihnen Fragen stellen.�</p><p>�Sie haben Angst vor mir.�</p><p>�Du bist ein gewandter Diplomat. Solltest du das vergessen haben? Ich werde den Jungen einladen, sich das Landungsboot anzusehen. Du erz�hlst ihm Geschichten von Kzin, den Jagd-Parkanlagen und dem Haus des Patriarchen. Sage ihm auch, wie die Kzinti sich paaren.�</p><p>Louis setzte wieder auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> �ber, redete mit Kawaresksenjajok und war mit dem Jungen schon wieder an Bord des Landungsbootes, ehe Harkabeeparolyn begriff, was da vor sich ging.</p><p>Chmeee zeigte dem Jungen, wie er das Landungsboot steuern konnte. Das kleine Raumschiff ging in den Sturzflug �ber, �berschlug sich und stieg dann wieder wie ein Pfeil zum Himmel hinauf. Der Junge war ganz begeistert von diesen Man�vern. Chmeee erkl�rte ihm auch, wie die binokularen Schutzbrillen funktionierten, das Superleiter-Tuch und der Schutzpanzer.</p><p>Der Junge fragte ihn jetzt nach dem Geschlechtsverhalten der Kzinti.</p><p>Chmeee hatte sich mit einem Weibchen gepaart, das sogar reden konnte! Das hatte ihm ganz neue Aspekte vermittelt. Er beantwortete die Fragen des Jungen und erl�uterte ihm die Paarungspraxis der Tigerwesen, was Louis f�r einen ziemlich langweiligen Vortrag hielt. Dann animierte er den Jungen, �ber das gleiche Thema zu sprechen und ihm alles �ber <emphasis>Rishathra</emphasis> zu erz�hlen.</p><p>Kawaresksenjajok hatte wenig Erfahrung mit der Praxis, war aber theoretisch sehr beschlagen: �Wir legen Archive �ber eine Gattung an, die mit uns <emphasis>Rishathra</emphasis> treiben will. Einige Gattungen �ben statt <emphasis>Rishathra</emphasis> irgendeine Ersatzhandlung aus oder sie schauen lieber dabei zu oder reden dar�ber. Einige paaren sich nur in einer Stellung, andere nur in einer Jahreszeit, und es gibt daf�r auch eine Vielzahl von Hilfsmitteln. Alle Praktiken von <emphasis>Rishathra</emphasis> haben Einflu� auf unsere Handelsbeziehungen. Hat Luweewu dir schon von dem Vampir-Parf�m erz�hlt?�</p><p>Sie merkten gar nicht, da� Louis sich fortstahl, um alleine auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> zur�ckzukehren.</p><p>Harkabeeparolyn war ziemlich erregt: �Luweewu, er k�nnte Kawa etwas antun!�</p><p>�Die beiden kommen pr�chtig miteinander zurecht�, beruhigte Louis sie. �Chmeee ist als Besatzungsmitglied mein Partner, und er mag Kinder, ganz gleich, welcher Rasse sie angeh�ren. Der Junge ist gut bei ihm aufgehoben. Wenn du dich mit ihm anfreunden willst, brauchst du ihn nur hinter den Ohren zu kraulen.�</p><p>�Wie kam die Wunde auf deiner Stirn zustande?�</p><p>�Ich war unvorsichtig. Und ich wei�, wie ich dich wieder zur Ruhe bringen kann.�</p><p>Sie liebten sich�� trieben <emphasis>Rishathra�� </emphasis>auf dem Wasserbett bei angestellter Massage-Mechanik. Die Frau mochte einen Ha� auf den Panth-Clan haben, aber sie hatte dort auch eine Menge gelernt. Zwei Stunden sp�ter, als Louis sicher war, er k�nne kein Glied mehr bewegen, streichelte Harkabeeparolyn seine Wange und sagte: �Morgen ist meine Paarungszeit zu Ende. Dann kannst du dich wieder erholen.�</p><p>�Ich glaube, ich m��te das sogar bedauern�, erwiderte er mit einem leisen Lachen.</p><p>�Luweewu, ich w�rde mich besser f�hlen, wenn du dich jetzt wieder Chmeee und Kawa anschlie�t.�</p><p>�Okay. Schau nur, ich kann kaum noch gerade gehen. Siehst du mich auf der Transportscheibe? Gleich l�se ich mich in Luft auf.�</p><p>�Luweewu.�</p><p>�Oh, schon gut.�</p><empty-line/><p>Die Weltkarte des Mars war eine dunkle Linie, die stetig anwuchs, bis sie zu einer Mauer aufragte, die sich ihnen quer in den Weg stellte. Als Chmeee das Tempo verz�gerte, fingen die Mikrophone, die im Rumpf des Landungsbootes eingebaut waren, ein fl�sterndes Ger�usch auf, das lauter war als der Flugwind.</p><p>Sie n�herten sich einer Wand st�rzenden Wassers.</p><p>Aus einer Entfernung von einer Meile schien sie senkrecht und unglaublich hoch zu sein. Der Scheitel des Wasserfalles befand sich <emphasis>zwanzig</emphasis> Meilen �ber ihren K�pfen. Der untere Teil des Wasserfalles war von Nebelschwaden verh�llt. Das Wasser donnerte in ihren Ohren, bis Chmeee die Au�enbordmikrophone abschalten mu�te. Aber auch dann noch konnte man das Dr�hnen des Wassers vernehmen.</p><p>�Das sieht aus wie unsere Wasserkondensatoren in der Stadt�, bemerkte der Junge. �Hier mu�ten meine Leute das Prinzip des Kondensators gelernt haben. Chmeee, habe ich dir schon von diesen Maschinen erz�hlt?�</p><p>�Ja. Wenn die St�dtebauer bis zum Mars vorgedrungen sind, mu� man sich ja fragen, ob sie den Eingang zur Unterwelt dieser Kuppel fanden. Wird in deinen M�rchen auch von einer Unterwelt erz�hlt?�</p><p>�Nein.�</p><p>Louis sagte: �Ihre Zauberer waren anatomisch gebaut wie die Pak-Protektoren.�</p><p>Der Junge fragte: �Luweewu, dieser gro�e Wasserfall�� warum ist er so riesig?�</p><p>�Er mu� sich um die ganze Oberseite der Weltkarte herumziehen. Damit verhindert er eine Nebelbildung, weil die Kuppel des Mars trocken bleiben mu߫, erwiderte Louis. �Hinterster, h�rst du zu?�</p><p>�Ja. Deine Befehle?�</p><p>�Wir werden mit dem Landungsboot die Kuppel umkreisen und den Tiefenradar und die anderen Instrumente einstellen. Vielleicht finden wir einen Zugang unter dem Wasserfall. Mit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> erforschen wir den Scheitel der Kuppe. Wie steht es mit deinem Treibstoffvorat?�</p><p>�Ausreichend, falls wir nicht nach Hause fliegen m�ssen.�</p><p>�Okay. Wir werden auch die Sonde aussetzen und sie so einstellen, da� sie der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> mit zehn Meilen Abstand und in einer Flugh�he dicht �ber dem Boden folgt. Halte die Transportscheiben-Verbindungen offen und stelle die Mikrophone ein. Chmeee, m�chtest du das Landungsboot steuern?�</p><p>�Aye, aye�, erwiderte der Kzin.</p><p>�Okay. Komm mit, Kawa.�</p><p>�Ich m�chte aber hier beim Kzin bleiben�, sagte der Junge.</p><p>�Harkabeeparolyn w�rde mich umbringen. Also komm schon.�</p><empty-line/><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> erhob sich zwanzig Meilen �ber die Weltkarten-Oberfl�che, und der rote Mars dehnte sich vor ihnen aus.</p><p>Kawaresksenjajok sagte: �Er sieht schrecklich aus.�</p><p>Louis ignorierte seine Bemerkung. �Wenigstens wissen wir, wonach wir suchen m�ssen, nach etwas Gro�em. Stellen wir uns eine Sicherung vor, die gro� genug ist, um den Krater in der �Faust Gottes� zu verstopfen. Weiterhin brauchen wir eine Luke, die gro� genug ist, diese Sicherung durchzulassen und das Flugzeug, das so ein Ding tragen kann. Wo w�rde man so etwas auf der Weltkarte des Mars vermuten? Hinterster?�</p><p>�Unter dem Wasserfall�, erwiderte der Hinterste. �Wer w�rde dort suchen? Der Ozean ist leer. Der Wasserfall w�rde den Einstieg verdecken.�</p><p>�Ja. Das klingt logisch. Aber Chmeee sucht dort bereits. Wo noch?�</p><p>�Ich m��te die Umri�linien einer gewaltigen Luke in einer f�r den Mars typischen Landschaft verstecken. Vermutlich eine Luke mit unregelm��igen Konturen, deren Angeln sich in einem langen, geraden Canyon befinden. Vielleicht w�rde ich den Lukendeckel unter Eis verstecken und die Eiskappe auf dem Nordpol immer abschmelzen und sich neu bilden lassen, damit die Spuren meines Kommens und Gehens verwischt werden.�</p><p>�Gibt es irgendwo einen Canyon, der sich daf�r eignet?�</p><p>�Ja. Ich habe schlie�lich meine Hausaufgaben gemacht. Louis, die Pole scheinen mir am besten als Tarnung geeignet. Die Marsianer versuchten niemals, sich ihren Polen zu n�hern. Wasser war f�r sie t�dlich.�</p><p>Die Weltkarte des Mars war eine Polarprojektion; der S�dpol befand sich an ihrem �u�eren Rand. �Okay. Wenn wir dort nichts finden, werden wir von dort aus spiralf�rmig den Mars absuchen. Wir bleiben in gro�er H�he und schalten alle Instrumente ein. Wir k�mmern uns noch nicht darum, ob wir beschossen werden. Chmeee, h�rst du zu?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Berichte uns laufend deine Beobachtungen. Vermutlich stehen deine Chancen, das Gesuchte zu finden, am besten. Und versuche nicht auf eigene Faust zu handeln.� Ob er dieser Anweisung auch gehorchte? �Wir wollen nicht mit dem Landungsboot eine Invasion versuchen. Wir sind Diebe. Lieber lassen wir uns in einem General-Products-Raumschiff unter Feuer nehmen.�</p><empty-line/><p>Das Tiefenradar drang nur bis zum <emphasis>Scrith-Boden</emphasis> vor. Die Berge und T�ler �ber dem <emphasis>Scrith</emphasis> erschienen als durchsichtige Formationen. Sie entdeckten mit Marsstaub gef�llte Meere, der so fein war, da� er Wellen schlug wie �l. Unter dem Staub entdeckten sie Siedlungen, die man als St�dte bezeichnen konnte: Steingeb�ude mit runden W�nden und gerundeten Kanten und sehr vielen �ffnungen. Die St�dtebauer staunten nicht weniger als Louis Wu. Marsianer waren im menschlichen Universum schon vor Hunderten von Jahren ausgestorben.</p><p>Die Luft war so klar wie Vakuum. Dr�ben auf Steuerbord, weit hinter dem Horizont, zeigte sich ein Berg, der h�her war als jedes Gebirge auf der Erde. Das konnte nat�rlich nur Mons Olympus sein. Und ein wei�er Flitter schwebte �ber dem Krater.</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> ging in Sturzflug �ber und hob sich gerade noch �ber den D�nenscheiteln ab. Dieser Splitter war immer noch sichtbar, schwebte f�nfzig oder sechzig Meter �ber dem Gipfel. Und die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> mu�te von den Bewohnern dieses Splitters l�ngst entdeckt worden sein.</p><p>�Chmeee?�</p><p>�Ich h�re.�</p><p>Louis k�mpfte den Impuls nieder, im Fl�sterton zu sprechen: �Wir haben einen fliegenden Wolkenkratzer entdeckt. Vielleicht drei�ig Stockwerke hoch, mit Balkonfenstern und einer Landefl�che f�r Flugwagen. Gebaut wie ein Doppelkegel. Es hat eine gro�e �hnlichkeit mit dem Geb�ude, das wir bei unserer ersten Expedition in Besitz nahmen, das brave Schiff <emphasis>Improbable.</emphasis>�</p><p>�Ist es das gleiche Geb�ude?�</p><p>�Nicht ganz, kommt ihm aber sehr nahe. Und es schwebt �ber dem h�chsten Berg des Mars wie ein gottverdammter Wegweiser.�</p><p>�Es scheint sich aber nicht um ein Signal zu handeln, das uns gilt. Soll ich �bersetzen?�</p><p>�Noch nicht. Hast du inzwischen was entdeckt?�</p><p>�Ich glaube, ich habe die Linien eines gewaltigen Lukendeckels hinter dem Wasserfall auf dem Tiefenradar. Die Luke ist so breit, da� sie eine ganze Kriegsflotte oder einen Pfropfen passieren lassen k�nnte, der den Krater in der �Faust Gottes� ausf�llte. Vielleicht l��t sich die Luke mit einem bestimmten Signal �ffnen. Ich habe es noch nicht versucht.�</p><p>�Tu es nicht. Warte weitere Anweisungen ab. Hinterster?�</p><p>�Ich habe die Strahlungs- und die Tiefenradar-Sonden eingeschaltet. Das Geb�ude gibt nur eine geringe Energiestrahlung ab. Aber ein magnetischer Schwebezustand ben�tigt ja nicht viel Energie.�</p><p>�Was befindet sich im Geb�ude?�</p><p>�Hier.� Der Hinterste schaltete den Monitor ein. Das Tiefenradar-Bild des Geb�udes war ein durchsichtiges Grau. Offenbar war das fliegende Geb�ude f�r Reisezwecke umgebaut worden, und besa� Treibstofftanks und einen Sauerstoffgenerator im f�nfzehnten Stockwerk. Der Puppetier sagte: �Eine sehr feste Konstruktion: Die W�nde bestehen aus Beton oder �hnlich dichtem Material. In der Tiefgarage befinden sich keine Fahr- oder Flugzeuge. Im Dachgescho� und im Keller sind Teleskope oder andere Sonden eingebaut. Ich kann dir nicht sagen, ob das Geb�ude von einer Mannschaft besetzt ist.�</p><p>�Das ist allerdings unser Problem. Ich m�chte unser Vorgehen kurz skizzieren, und du sagst mir dann, wie sich das anh�rt. Erstens: wir fliegen so rasch wie m�glich genau �ber den Gipfel.�</p><p>�Dort bilden wir eine perfekte Zielscheibe.�</p><p>�Wir sind jetzt schon eine gute Zielscheibe.�</p><p>�Aber nicht f�r Waffen, die sich im Mons Olympus befinden.�</p><p>�Und wenn schon�� wir sind mit einem General-Products-Rumpf gepanzert. Wenn wir nicht beschossen werden, beginnen wir mit dem n�chsten Schritt: wir erforschen den Krater mit Tiefenradar. Wenn wir nicht auf einen soliden <emphasis>Scrith</emphasis>-Boden sto�en, beginnen wir mit Phase drei: wir verdampfen das Geb�ude. K�nnen wir diese drei Man�ver ausf�hren? In sehr kurzer Zeit?� �Das k�nnen wir. Aber wir haben nicht gen�gend Energievorr�te, um das Man�ver zweimal durchzuf�hren. Wie sieht der n�chste Schritt aus?�</p><p>�Dann dringen wir so rasch wie m�glich in das Innere des Kraters vor. Chmeee bleibt in Wartestellung, um uns zu Hilfe zu kommen, wenn etwas schiefgeht. Nun m�chte ich gern wissen, ob du mittendrin die Nerven verlierst und deine K�pfe in den Bauchnabel steckst.�</p><p>�Das w�rde ich nicht wagen.�</p><p>�Dann warte noch einen Moment.� Louis hatte auch daran gedacht, da� die beiden eingeborenen G�ste bei ihrer Operation Todes�ngste ausstehen mu�ten. Deshalb sagte er zu Harkabeeparolyn: �Wenn es einen Ort auf dieser Welt gibt, wo dieser Planet gerettet werden kann, dann liegt dieser Ort jetzt unter uns.</p><p>Wir glauben, da� wir den Eingang zur Rettungsstation gefunden haben. Aber au�er uns hat ihn noch jemand entdeckt. Wir wissen nicht, wer uns zuvorgekommen ist. Verstehst du das?�</p><p>Die Frau antwortete: �Ich habe Angst.�</p><p>�Ich ebenfalls. Kannst du den Jungen bei der Stange halten?�</p><p>�Kannst du <emphasis>mich</emphasis> denn bei der Stange halten?� Sie lachte rauh: �Ich werde versuchen, ihn zu beruhigen.�</p><p>�Hinterster, jetzt!�</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> sprang mit einer Beschleunigung von zwanzig g in den Himmel hinauf und drehte sich. Dann hielt sie mit der Oberseite nach unten, fast auf Tuchf�hlung mit dem schwebenden Wolkenkratzer. Auch Louis' Magen drehte sich. Die beiden St�dtebauer schrien. Kawaresksenjajok klammerte sich an Louis' rechtem Arm fest.</p><p>Man konnte mit blo�em Auge erkennen, da� der Krater mit alter Lava verstopft war. Louis betrachtete den Monitor des Tiefenradars.</p><p>Dort war es! Ein Loch im <emphasis>Scrith</emphasis>, ein umgedrehter Trichter, der durch den Krater des Mons Olympus nach unten f�hrte. Der Trichter war viel zu klein f�r einen Pfropfen, mit dem man die �Faust Gottes� h�tte reparieren k�nnen. Das war nur ein Notausstieg, ein Fluchtweg, aber er war gro� genug f�r die <emphasis>Hei�e Nadel.</emphasis></p><p>�Feuer�, befahl Louis.</p><p>Der Hinterste hatte zuletzt seinen Strahler als Scheinwerfer benutzt. Auf diese kurze Entfernung wirkte er verheerend. Das fliegende Geb�ude wurde zur gl�henden S�ule mit einem kometartigen Kopf aus kochendem Beton. Dann war es nur noch eine glitzernde Staubwolke.</p><p>Louis befahl: �Tauchen.�</p><p>�Louis?�</p><p>�Wir sind hier oben eine Zielscheibe. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Tauchen! Mit zwanzig g. Wir brechen die T�r ein.�</p><p>Die ockerbraune Landschaft war jetzt ein Dach �ber ihren K�pfen. Das Tiefenradar-Bild zeigte ein Loch im <emphasis>Scrith</emphasis>, das ihnen entgegenfiel und sie verschlang. Doch alle anderen Sinne zeigten nur einen festen Lavakrater im Mons Olympus, der am Rumpf mit schwindelerregender Geschwindigkeit nach oben stieg, um sie zu zerschmettern.</p><p>Kawarsksenjajoks Fingern�gel gruben sich so tief in Louis' Arm, da� er zu bluten begann. Harkabeeparolyn schien vor Schreck wie versteinert. Louis bereitete sich auf den Aufprall vor.</p><p>Dunkelheit. Da waren formlose, milchige Lichter auf dem Tiefenradarschirm. Irgendwo dahinter gl�hte etwas: gr�ne, rote und orangefarbene Sterne. Das mu�ten die Instrumente auf dem Flugdeck sein.</p><p>�Hinterster!�</p><p>Keine Antwort.</p><p>�Hinterster, wir brauchen Licht! Schalte den Scheinwerfer ein! Wir m�ssen sehen k�nnen, was uns bedroht!�</p><p>�Was ist passiert?� fragte Harkabeeparolyn mit gequ�lter Stimme. Louis' Augen gew�hnten sich allm�hlich an die Dunkelheit; er konnte sie als grauen Schatten sehen. Sie kauerte auf der Erde und umschlang mit den Armen die Knie.</p><p>Das Licht in der Kabine ging wieder an. Der Hinterste drehte sich auf seiner Pilotenbank um. Er sah klein und verschrumpelt aus, als habe er sich schon halb zusammengerollt. �Ich bringe das nicht noch einmal fertig, Louis.�</p><p>�Wir k�nnen im Augenblick die Steuereinrichtungen sowieso nicht verwenden. Du wei�t das. Schalte den Scheinwerfer ein, damit wir unsere Umgebung sehen k�nnen.�</p><p>Der Puppetier bet�tigte einen Knopf. Ein wei�es diffuses Licht erhellte den Rumpf vor dem Kommandodeck.</p><p>�Wir sind in etwas eingegossen.� Der eine Kopf blickte nach unten, der andere sagte: �Lava. Die Au�enhaut des Rumpfes hat eine Temperatur von siebenhundert Grad. Wir wurden mit Lava �bergossen, w�hrend wir uns in Stasis befanden. Die Lava k�hlt jetzt ab.� �Das h�rt sich an, als habe uns jemand hier erwartet. Zeigt das Schiff immer noch mit dem Boden nach oben?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann k�nnen wir nicht aufw�rts beschleunigen, nur abw�rts.�</p><p>�M�chtest du es einmal versuchen?�</p><p>�Was verlangst du noch? Ich w�rde am liebsten dort wieder anfangen, wo du dich anschicktest, den Hyperdrive-Motor zu verbrennen.�</p><p>�Das hat doch keinen Sinn jetzt.�</p><p>�.oder noch lieber dort, ehe ich beschlo�, einen Menschen und einen Kzin zu entf�hren. Das war vermutlich mein gr��ter Fehler.�</p><p>�Ich sagte doch, wir vergeuden kostbare Zeit.�</p><p>�Es gibt keine M�glichkeit, die �bersch�ssige W�rme der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> abzustrahlen. Wenn wir die Schubd�sen einschalten, bringt uns das nur eine oder zwei Stunden n�her an den Moment heran, wo wir in den Stasis-Zustand �bergehen und die weiteren Entwicklungen abwarten m�ssen.�</p><p>�Dann halten wir uns mit dem Z�nden der D�sen noch zur�ck. Was zeigen uns die Tiefenradar-Instrumente?�</p><p>�Noch gl�hendes Gestein in allen vier Richtungen, das beim Abk�hlen Spr�nge bekommt. Ich werde das Sichtfeld etwas weiter ausdehnen. Louis.? Der Scrith-Boden befindet sich ungef�hr sechs Meilen unter uns, unter dem Dach der Hei�en Nadel. Eine viel d�nnere <emphasis>Scrith</emphasis>-Decke befindet sich vierzehn Meilen �ber uns.�</p><p>Louis wurde von Panikgef�hlen ergriffen. �Chmeee, h�rst du das alles mit?�</p><p>Die Antwort erfolgte auf unerwartete Weise.</p><p>Louis h�rte einen Schrei, der unmenschliche Schmerzen und Wut verriet, als Chmeee auf der Transportscheibe materialisierte und quer durch die Kabinen lief, sich mit beiden Armen das Gesicht verdeckend. Harkabeeparolyn konnte mit knapper Not dem Kzin ausweichen. Er stie� mit den Knien gegen das Wasserbett, fiel um und rollte auf den Boden.</p><p>Louis war sofort zur Duschkabine gelaufen. Er stellte die D�se auf volle Kraft, sprang auf das Wasserbett, stemmte seine Schulter in die Achselgrube des Kzin und hob ihn hoch. Chmeees Fleisch f�hlte sich unter dem Pelz sehr hei� an.</p><p>Der Kzin stand auf und streckte sich dem kalten Wasserstrahl entgegen. Er drehte sich, bis ihm das Wasser �ber die Achseln, den R�cken und die Brust rann. Dann, als das kalte Wasser ihn �berall abgek�hlt hatte, hielt er das Gesicht in den Wasserstrahl. Dann sagte er: �Woher wu�test du, was passiert ist?�</p><p>�Man konnte es riechen�, erwiderte Louis. �Versengtes Fell. Wie konnte das geschehen?�</p><p>�Pl�tzlich brannte ich. Ein Dutzend roter Lichter gl�hten auf der Instrumententafel. Ich machte einen Satz auf die Transportscheibe. Das Landungsboot ist auf Selbststeuerung geschaltet, wenn es inzwischen nicht zerst�rt wurde.�</p><p>�Das werden wir sp�ter herausfinden m�ssen. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> ist in hei�er Lava eingeschlossen. Hinterster?� Louis wandte sich dem Kommmandodeck zu.</p><p>Der Puppetier war zu einer Kugel zusammengerollt und steckte seine K�pfe in den Bauchnabel.</p><p>Er hatte einen Schock zuviel erlitten. Ein Wunder war es nicht.</p><p>Ein Monitor auf dem Kommandodeck zeigte ihnen ein Gesicht, das ihnen nicht ganz unvertraut war.</p><p>Das gleiche Gesicht, nur vergr��ert, f�llte nun das Rechteck aus, das vorher noch eine Tiefenradar-Projektion gewesen war. Eine Maske von einem Gesicht, menschen�hnlich, nur wie aus altem Leder gemacht. Das Gesicht war haarlos. Die Kiefer waren zu harten zahnlosen Schnabelenden geworden. Unter der weit vorspringenden Stirn blickten die Augen Louis Wu nachdenklich an.</p></section><section><title><p>30. Die R�der im Getriebe</p></title><p>�Mir scheint, du hast deinen Piloten verloren�, sagte der ledergesichtige Eindringling. Er schwebte vor dem Schiffsrumpf: der mi�gestaltete Kopf mit den wie eine Melone geformten Schultern eines Protektors�� ein Geist in dem schwarzen Gestein, das sie gefangen hielt.</p><p>Louis konnte nur nicken. Die Schocks waren zu rasch aufeinander gefolgt und kamen aus den falschen Richtungen. Er sp�rte, da� Chmeee tropfna� neben ihm stand und schweigend einen m�glichen Feind betrachtete. Die St�dtebauer waren stumm. Wenn Louis ihren Gesichtsausdruck richtig deutete, �berwog die Ehrfurcht ihre Angst.</p><p>Der Protektor sagte: �Damit seid ihr endg�ltig gefangen. Bald m��t ihr euch in den Zustand der Stasis begeben, und wir brauchen nicht dar�ber zu reden, was dann passiert. Ich bin erleichtert. Ich fragte mich schon, ob ich es fertigbr�chte, euch selbst zu t�ten.�</p><p>Louis sagte: �Wir glaubten, ihr w�ret alle tot.�</p><p>�Die Pak starben vor zweihundertf�nfzigtausend Jahren aus.� Die zu einem Schnabel vereinigten und geh�rteten Lippen und Gaumen verzerrten zwar die Konsonanten, aber er sprach ein verst�ndliches Interworld. Warum ausgerechnet Interworld? �Eine Seuche raffte sie hinweg. Deine Annahme, da� alle Protektoren tot seinen, war richtig. Aber der Lebensbaum gedeiht immer noch unter der Weltkarte des Mars. Manchmal entdeckt jemand den Zugang zu dieser Wunderpflanze. Ich vermute, da� die Unsterblichkeitsdroge hier destilliert wurde, wenn ein Protektor irgendein Projekt finanzieren wollte.�</p><p>�Wo hast du Interworld gelernt?�</p><p>�Ich bin mit dieser Sprache aufgewachsen. Louis, erkennst du denn mich nicht wieder?�</p><p>Es war wie ein Dolchsto� in den Magen. �Teela! Wie konntest du dich so verwandeln?�</p><p>Ihr Gesicht war hart wie eine Maske. Wie h�tten sich darauf Gef�hle spiegeln k�nnen? Sie sagte: �Wissen ist Macht. Du kennst das Sprichwort? Sucher hielt Ausschau nach dem Fu� des Himmelsbogens. Ich breitete meine h�here Bildung vor ihm aus. Ich sagte ihm, da� der Himmelsbogen kein Fundament besitzt, sondern diese Welt ein Ring sei. Das war eine Weisheit, die ihn zutiefst ersch�tterte. Ich sagte ihm, wenn er nach dem Ort suche, von dem aus er die Welt regieren k�nnte, m��te er die Werkstatt suchen.�</p><p>�Das Reparaturzentrum�, sagte Louis. Ein Seitenblick auf das Flugdeck zeigte ihm den Hintersten als einen verl�ngerten Dreifu�, der mit roten und blauen Steinen geschm�ckt war.</p><p>�Selbstverst�ndlich mu�te aus der Werkstatt inzwischen ein Reparaturzentrum geworden sein. Auch eine Zentrale der Macht�, erwiderte der Protektor. �Sucher erinnerte sich wieder an die M�rchen vom Gro�en Ozean. Der Gro�e Ozean schien uns der richtige Ort f�r so eine Zentrale zu sein, weil er durch die nat�rlichen Hindernisse der Entfernung, der gewaltigen St�rme und einem Dutzend r�uberische Ekologien gesch�tzt wurde. Astronomen hatten den Gro�en Ozean von verschiedenen Standorten auf der Ringwelt aus vermessen und studiert.</p><p>Sucher war bei seinen Wanderungen mit ihnen zusammengetroffen und hatte dabei so viele Kenntnisse gesammelt, da� er uns Karten vom Gro�en Ozean anfertigen konnte.</p><p>Wir waren sechzehn' Jahre auf dem Gro�en Ozean unterwegs. Die Erlebnisse unserer Reise w�rden ausreichen f�r zahllose neue Legenden. Wu�test du, da� die Weltkarten des Ozeans mit Lebewesen best�ckt sind? Die Kzinti haben die Weltkarte der Erde kolonisiert. Wir h�tten die Seereise nie bew�ltigen k�nnen, wenn wir nicht ein Kolonialschiff der Kzinti erbeutet h�tten. Es gibt Inseln im Gro�en Ozean, die riesige Lebensformen darstellen. Ihre R�cken sind bewachsen; aber diese Gesch�pfe tauchen unter, wenn ein Seefahrer es am wenigsten erwartet.�</p><p>�Teela! Wie konntest du dich in so eine Gestalt verwandeln?�</p><p>�Ich ahnte vieles, wu�te aber nicht alles, Louis. So kam ich nie darauf, wer die Ringwelt gebaut haben konnte, bis es zu sp�t war.�</p><p>�Aber du hattest doch immer <emphasis>Gl�ck!</emphasis>�</p><p>Der Protektor nickte. �Ich war f�r das Gl�ck herangez�chtet worden, von Pierson-Puppetiers, die die Fruchtbarkeitsgesetze der Erde manipulierten und die Geburtsrecht-Lotterien ins Leben riefen. Du warst davon �berzeugt gewesen, da� diese Manipulation von Erfolg gekr�nt war. Ich hielt das immer f�r einen Unsinn. Louis, willst du wirklich glauben, da� sechs Generationen von Geburtsrechts-Lotteriegewinnern ein menschliches Wesen zeugen mu�ten,�� da� immer Gl�ck hat?�</p><p>Louis antwortete nicht darauf.</p><p>�Nur ein einziges Wesen dieser Art?� Sie schien ihn auszulachen. �Denke doch an das Gl�ck aller Nachkommen aller Menschen, die die Geburtsrecht-Lotterie gewonnen haben. In zwanzigtausend Jahren sind diese Gl�cklichen bestimmt schon l�ngst auf der Flucht vor der Explosion des galaktischen Kerns. Warum nicht an Bord der Ringwelt? Sie bietet drei Millionen mal soviel Wohnfl�che wie die Erde, und die Ringwelt kann bewegt werden, Louis. Die Ringwelt ist ein Gl�ckstreffer f�r alle jene noch ungeborenen Nachkommen der Leute, die f�r das Gl�ck herangez�chtet wurden. Wenn ich die Ringwelt retten kann, dann ist es f�r diese Nachkommenschaft ein Gl�ck, da� ich vor dreiundzwanzig Jahren hierher gekommen bin, und es war f�r sie auch ein Gl�ck, da� Sucher und ich den Eingang der Ringwelt-Zentrale im Mons Olympus fanden. Es war deren Gl�ck, aber nicht meines!�</p><p>�Hat auch er sich verwandelt?�</p><p>�Sucher starb nat�rlich. Wir beide wurden fast wahnsinnig vor Hunger nach der Lebensbaum-Wurzel. Aber Sucher war tausend Jahre zu alt daf�r. Der Lebensbaum t�tete ihn.�</p><p>�Ich h�tte dich niemals hier zur�cklassen d�rfen�, sagte Louis.</p><p>�Ich lie� dir gar keine Wahl. Ich hatte selbst keine�� wenn du an das Gl�ck glaubst. Auch jetzt habe ich kaum eine Alternative. Die Instinkte sind sehr stark in einem Protektor.�</p><p>�Glaubst du an das Gl�ck?�</p><p>Sie sagte: �Nein. Ich w�nschte, ich k�nnte daran glauben.�</p><p>Louis bewegte die Arme�� eine Geste der Hilflosigkeit�� und wandte sich ab. Hatte er nicht l�ngst gewu�t, da� er Teela Brown wiedertreffen w�rde? Aber nicht in dieser Gestalt! Er stellte das Schlaffeld an und schwebte im freien Fall.</p><p>Der Hinterste hatte den richtigen Einfall gehabt. Man mu�te sich in seinen eigenen Bauchnabel verkriechen.</p><p>Aber die Menschen k�nnen leider nicht ihre Ohren verschlie�en. Louis schwebte halb zusammengerollt nach oben, die Arme vor dem Gesicht. Aber er h�rte:</p><p>�Dolmetscher, ich begl�ckw�nsche dich dazu, da� du deine Jugend zur�ckgewonnen hast.�</p><p>�Mein Name ist Chmeee.�</p><p>�Ich bitte um Entschuldigung�, erwiderte der Protektor. �Chmeee, wie bist du hierher gekommen?�</p><p>Der Kzin erwiderte: �Ich bin ein dreifach gefangenes Wesen. Zuerst wurde ich von dem Hintersten entf�hrt, dann von Louis daran gehindert, der Ringwelt zu entrinnen, und jetzt werde ich noch von Teela Brown unter dem Mars festgehalten. Das ist eine Ungl�ckskette, die ich durchbrechen mu�. Willst du mit k�mpfen, Teela?�</p><p>�Nicht eher, bist du mich erreichen kannst, Chmeee.�</p><p>Der Kzin wandte sich ebenfalls von ihr ab.</p><p>�Was verlangst du von uns?� Das war Kawaresksenjajok, der sich sch�chtern in der Sprache der St�dtebauer meldete. Seine Frage kam als Interworld-Echo aus dem �bersetzer.</p><p>�Nichts�, gab Teela in der Sprache der St�dtebauer zur�ck.</p><p>�Weshalb sind wir dann hier?� �Um nichts zu tun. Ich habe daf�r gesorgt, da� ihr nichts unternehmen k�nnt.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.� Der Junge war den Tr�nen nahe. �Warum willst du uns hier lebendig begraben?�</p><p>�Kind, ich tue, was ich tun mu�. Ich mu� eins Komma f�nf mal zehn hoch zw�lf Mordf�lle verhindern.�</p><p>Louis �ffnete jetzt wieder die Augen.</p><p>Harkabeeparolyn widersprach mit leidenschaftlicher Stimme: �Aber wir sind doch hierhergekommen, <emphasis>um</emphasis> den Tod so vieler Wesen zu verhindern! Wei�t du denn nicht, da� die Welt aus den Fugen geraten ist und in ihre Sonne hineinrutscht?�</p><p>�Das wei� ich. Ich stellte den Reparaturtrupp zusammen, der die Steuerd�sen wieder in ihre Halterungen an der Mauerkrone der Ringwelt befestigte, aus denen deine Vorfahren sie gestohlen haben, um den Schaden, den ihr angerichtet habt, wieder auszubessern.�</p><p>�Luweewu behauptet, die Steuerd�sen reichten nicht aus!�</p><p>�Das ist richtig.�</p><p>Louis Wu h�rte ihnen jetzt gespannt zu.</p><p>Die Bibliothekarin sch�ttelte den Kopf. �Dann verstehe ich dich nicht.�</p><p>�Mit den wenigen Steuerd�sen, die jetzt wieder arbeiten, k�nnen wir die Lebensspanne der Ringwelt um ein Jahr verl�ngern. Ein zus�tzliches Lebensjahr f�r drei mal zehn hoch dreizehn intelligente Wesen entspricht zus�tzlich tausend Lebensjahren f�r jeden Bewohner der Erde. Die Tat lohnte sich also. Meine Mitarbeiter stimmten mir zu, sogar jene, die nicht zu den Protektoren geh�ren.�</p><p>Louis konnte die Linien von Teela Browns Gesicht in der Ledermaske des Protektoren wiedererkennen. Die Gelenke an den Scharnieren der Kiefer waren verdeckt, der Sch�del angeschwollen, um das gr��ere Gehirn aufnehmen zu k�nnen. aber er erkannte Teela wieder, und das schmerzte ihn tief. <emphasis>Warum geht sie nicht fort?</emphasis></p><p>Eingefahrene Gewohnheiten lassen sich nicht so rasch ausmerzen, und Louis hatte einen analytischen Verstand. Er dachte: <emphasis>Warum geht sie nicht fort? Ein sterbender Protektor auf einer zum Untergang verurteilten Kunstwelt! Sie hat doch keine Minute zu vergeuden, um mit einer Gruppe von zeugungsf�higen Wesen zu sprechen, die in einer Falle sitzen.</emphasis> Was <emphasis>denkt sie sich dabei?</emphasis></p><p>Er wandte sich ihr wieder zu: �Du hast also den Reparaturtrupp zusammengestellt. Woraus besteht er?�</p><p>�Die meisten hominiden Wesen h�ren mir wenigstens zu. Mein Aussehen half mir. Ich stellte einen Trupp von mehreren hunderttausend Mitgliedern der verschiedensten Rassen zusammen. Drei von ihnen brachte ich hierher, damit sie sich in Protektoren verwandelten: einen Vertreter des Sch�ttberg-Volkes, des Nacht-Volkes und der Vampire. Ich hoffte, da� sie vielleicht einen Ausweg f�nden, der mir verborgen geblieben ist. Sie entstammten verschiedenartig mutierten Rassen, und deshalb mu�ten sie auch einen anderen Standpunkt einnehmen als ich. Der Vampir war vor seiner Verwandlung noch ein nur halb intelligentes Wesen.</p><p>Aber sie entt�uschten mich�, fuhr Teela fort. <emphasis>Sie verhielt sich wahrhaftig so, als h�ttte sie Zeit. Zeit, um sich mit gefangenen fremden Wesen und fortpflanzungsf�higen Hominiden zu unterhalten, bis die Ringwelt mit den</emphasis></p><p><emphasis>Sonnenblenden zusammenstie�!</emphasis> �Sie fanden keine bessere L�sung. Und deshalb h�ngten wir die noch vorhandenen Bussard-Rammd�sen an die Mauer der Ringwelt. Wir haben sie inzwischen bis auf eine wieder in Betrieb gesetzt. Unter der Leitung des letzten noch lebenden Protektors wird meine Reparaturmannschaft das letzte noch intakte Raumschiff wieder in Dienst stellen und damit zu einem benachbarten Stern fliegen. Ein paar Bewohner der Ringwelt werden die Katastrophe �berleben.�</p><p>�Kehren wir zu der Frage zur�ck, die ich anfangs stellte�, sagte Louis. �Deine Mannschaft ist fieberhaft bei der Arbeit, ein Raumschiff f�r die Flucht vorzubereiten. Aber du bist hier. Weshalb?� <emphasis>Ich habe recht! Sie will uns etwas mitteilen!</emphasis></p><p>�Ich kam hierher, um den Mord an f�nfzehnhunderttausend Millionen intelligenten menschlichen Wesen zu verhindern. Ich ortete die Neutrino-Auspuffgase aus Schubd�sen, die nur im menschlichen Universum gebaut werden, und daher eilte ich zu der Stelle zur�ck, die allein als Tatort in Frage kommt. Ich wartete. Und jetzt seid ihr hier.�</p><p>�Wir sind hier�, gab Louis zu. �Aber du wei�t verdammt genau, da� wir nicht herkamen, um einen Massenmord zu begehen.�</p><p>�Du w�rst auch zum Massenm�rder geworden.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Das kann ich dir nicht sagen.�</p><p>Sie zeigte auch keine Neigung, das Gespr�ch zu beenden. Das war schon ein einzigartiges Spiel, das Teela mit ihnen trieb. Sie mu�ten die Spielregeln selbst erraten. Louis fragte: �Nehmen wir an, du k�nntest die Ringwelt retten, indem du eineinhalb Billiarden Bewohner der Ringwelt in den Tod schickst. Anderthalb Billiarden von drei�ig Billiarden, die diesen Planeten bewohnen. Einem Protektor w�rde diese Entscheidung doch nicht schwerfallen, nicht wahr? F�nf Prozent zu opfern, um f�nfundneunzig Prozent zu retten. Es scheint mir ein. ein gutes Ergebnis zu sein.�</p><p>�Kannst du mit so vielen denkenden Wesen mitf�hlen, Louis? Oder kannst du immer nur das Schicksal eines einziges Menschen nachvollziehen, der den Tod erleidet, w�hrend du die Rolle des Hauptdarstellers spielst?�</p><p>Er gab darauf keine Antwort.</p><p>�Drei�ig Milliarden Menschen bewohnen das menschliche Universum. Stelle sie dir alle tot vor. Stelle dir f�nfzig mal so viel Menschen vor, die an, sagen wir mal, Strahlenvergiftung sterben. Kannst du ihre Schmerzen, ihre Verzweiflung, ihr Mitgef�hl f�r ihre Leidensgenossen nachempfinden? Von einer so riesigen Menge? Diese Zahlen �bersteigen dein Fassungsverm�gen. Dein Bewu�tsein kann sie gar nicht aufnehmen. Aber meines kann das.�</p><p>�Oh!�</p><p>�Ich bringe das nicht fertig. Ich kann es nicht zulassen. Ich wu�te, da� ich dir in die Arme fallen mu�te.�</p><p>�Teela. Stell dir vor, wie eine Sonnenblende mit einer Geschwindigkeit von siebenhundert Meilen pro Sekunde �ber die Oberfl�che der Ringwelt schleift. Stell dir vor, da� tausend mal so viel Wesen, wie im menschlichen Universum leben, sterben m�ssen, weil die Ringwelt zerbricht.�</p><p>�Ich bin mir dessen bewu�t.�</p><p>Louis nickte. Teile von einem Puzzlespiel. Teela w�rde ihnen so viele Teile �berlassen, wir ihr das m�glich war. Aber sie brachte es nicht �ber sich, ihnen das fertige Bild auszuh�ndigen. Also mu�te er selbst die Teile zusammensuchen. �Du sprachst von einem zweiten noch lebenden Protektor. Urspr�nglich waren es vier, sagtest du am Anfang, und jetzt sind es nur noch einer plus noch einem? Was geschah mit den anderen beiden?�</p><p>�Zwei Protektoren verlie�en gleichzeitig mit mir die Repararurmannschaft. Vielleicht entdeckten sie Indizien, die eure Ankunft meldeten. Ich hielt es f�r n�tig, sie zu verfolgen und an der Aus�bung ihrer Pl�ne zu hindern.�</p><p>�Tats�chlich? Wenn es Protektoren waren, konnten sie genauso wenig anderthalb Billiarden denkende Hominiden t�ten wie du.�</p><p>�Sie h�tten es irgendwie einrichten k�nnen, da� dieser Massenmord geschah.�</p><p>�Irgendwie.� Du mu�t jetzt sehr vorsichtig mit den Worten umgehen. Louis war froh, da� niemand versuchte, dieses Gespr�ch zu unterbrechen. Nicht einmal Chmeee, der geschmeidige Diplomat. �Sorge irgendwie daf�r, da� fortpflanzungsf�hige menschliche Wesen den einzigen Ort auf der Ringwelt erreichen, wo dieses Verbrechen begangen werden kann. W�re das ihre Strategie gewesen, wenn du sie nicht daran gehindert h�ttest?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Sorge daf�r, da� diese sorgf�ltig ausgew�hlten fortpflanzungsf�higen Wesen irgendwie davor bewahrt werden, den Duft des Lebensbaumes einzuatmen.� <emphasis>Druckanz�ge! Deswegen hatte Teela nach einem interstellaren Raumschiff Ausschau gehalten.</emphasis> �Sorge daf�r, da� sie sich irgendwie der gef�hrlichen Situation bewu�t werden. Und irgendwie mu� ein Protektor sich mit seinen Hintergedanken ja einen Ausweg suchen, wie er sie nicht t�tet, ehe sie die L�sung erkennen und sie in die Tat umsetzen, dabei astronomische Zahlen von zeugungsf�higen Wesen t�ten, um eine viel gr��ere Zahl von ihnen zu retten. Ist es das, was du glaubst, verh�tet zu haben?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wir befinden uns am richtigen Ort?�</p><p>�Wo w�rde ich dich sonst erwartet haben?�</p><p>�Es ist immer noch ein Protektor �brig. Wird er hierher kommen, um dir das Leben zu nehmen?�</p><p>�Nein. Der Protektor des Nacht-Volkes wei�, da� nur noch er �brig ist, um die Evakuierung zu �berwachen. Wenn er versucht, mich zu t�ten, und ich statt dessen ihn t�te, ist die Gefahr gro�, da� fortpflanzungsf�hige menschliche Wesen auf dem Weg zu einer neuen Heimat sterben.�</p><p>�Dir scheint das T�ten ja nicht schwerzufallen�, erwiderte Louis bitter.</p><p>�Nein, es f�llt mir schwer. Ich bringe es nicht fertig, f�nf Prozent der Ringwelt-Bev�lkerung sterben zu lassen, und ich wei� nicht einmal, ob ich dich t�ten kann, Louis. Du bist ein zeugungsf�higes Wesen meiner Rasse. Auf der Ringwelt bist du sogar der einzige zeugungsf�hige Mann deiner Art.�</p><p>�Ich habe mir verschiedene M�glichkeiten �berlegt, die Ringwelt zu retten�, antwortete Louis Wu. �Wenn du Kenntnis hast von der Existenz eines gigantischen Materie-Umwandlers, w��ten wir mit ihm umzugehen.� �Die Pak verf�gten nicht �ber ein solches Ger�t. Diese �berlegung war keine Meisterleistung, Louis.�</p><p>�Wenn wir ein Loch in den Meeresboden des Gro�en Ozeans bohren k�nnten und den Abflu� dosieren, k�nnten wir die Reaktionskr�fte dazu ben�tzen, die Ringwelt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.�</p><p>�Sehr klug. Aber du kannst kein Loch in den Meeresboden bohren, noch viel weniger es verstopfen. Zudem gibt es eine L�sung, die weniger Schaden anrichtet. Trotzdem ist es ein zu gro�er Schaden, den ich nicht zulassen kann.�</p><p>�Wie k�nntest du die Ringwelt retten?�</p><p>Der Protektor erwiderte:</p><p>�Ich kann es nicht.�</p><p>�Wo sind wir? Was geschah in diesem Teil des Reparaturzentrums?�</p><p>Eine lange Pause verstrich. Dann sagte der Protektor: �Ich darf dir nicht mehr sagen, als du bereits wei�t. Ich sehe nicht, wie du deinem Gef�ngnis entrinnen k�nntest, aber ich mu� mit der M�glichkeit rechnen.�</p><p>�Ich gebe es auf�, sagte Louis Wu. �Ich gebe mich geschlagen. Tanj mit deinem verr�ckten Puzzlespiel.�</p><p>�Sch�n, Louis. Wenistens wirst du niemals sterben.�</p><p>Louis schlo� die Augen und rollte sich im freien Fall zusammen. <emphasis>Frommes Aas</emphasis>, dachte er.</p><p>�Ich werde euch Gesellschaft leisten, wenn ihr euch in das Stasis-Feld rettet�, sagte Teela. �Mehr kann ich nicht f�r eure Bequemlichkeit tun. Du da�� wie hei�t du, und woher kommst du? Du geh�rst doch zur Rasse der Hominiden, die die Ringwelt und die Sterne eroberte.�</p><p>Dummes Geschw�tz. Warum wurden Menschen nicht mit Scheuklappen geboren, die sie �ber die Ohren legen konnten? Gab es eine menschen�hliche Art auf der Ringwelt, die diese Eigenschaft genetisch entwickelte?</p><p>Kawaresksenjajok fragte: �Welche Einstellungen hat ein Zauberer zu <emphasis>Rishathra?</emphasis>�</p><p><emphasis>�Rishathra</emphasis> ist f�r dich wichtig, wenn du eine neue Gattung kennenlernen willst, nicht wahr, Kind? <emphasis>Rishathra</emphasis> ist etwas f�r zeugungsf�hige Wesen. Das ist meine Einstellung dazu. Aber auch wir empfinden Liebe.�</p><p>Der Junge hielt sich gro�artig. Seine Begeisterungsf�higkeit f�r wunderbare Geschichten schien grenzenlos zu sein. Teela erz�hlte ihm von ihrer gro�en Wanderung. Die Gruppe von Forschungsreisenden, der sie angeh�rte, wurde von den Grogs auf der Weltkarte von Down gefangengenommen und dann von den seltsamen Bewohnern dieser Weltkarte wieder befreit. Auf Kzin wurden hominide Tiere, die vor langer Zeit von der Weltkarte der Erde eingef�hrt worden waren, f�r besondere Aufgaben gez�chtet, bis sie sich so sehr voneinander unterschieden wie die Hunderassen im menschlichen Universum. Teelas Crew hatte sich zwischen diesen Tieren versteckt. Sie hatten ein Kolonialschiff der Kzinti gestohlen und eines von den krillfressenden Inselungeheuern get�tet, um sich vor dem Hungertod zu retten. Sie hatten das Fleisch in einem leeren Tank f�r fl�ssigen Wasserstoff eingefroren. Davon hatten sie dann monatelang gelebt.</p><p>Er h�rte noch, wie sie sagte: �Auch ich mu� jetz etwas essen. Aber ich werde bald wiederkommen.� Und dann senkte sich Schweigen �ber die Kabine.</p><empty-line/><p>Das Schweigen endete damit, da� sich ein paar stumpfe Z�hne sacht �ber Louis' Handgelenk schlossen. �Louis, wach auf. Wir haben keine Zeit, auf deine Launen R�cksicht zu nehmen.�</p><p>Louis drehte sich um und schaltete das Schlaffeld ab. Einen Moment lang geno� er den interessanten Anblick eines Puppetiers, Schulter an Schulter mit einem Tigerwesen in der Bl�te seiner Jahre. �Ich dachte, du h�ttest dich aus der Mannschaft verabschiedet.�</p><p>�Eine Illusion, die der Wahrheit sehr nahe kam. Ich war versucht, die Ereignisse treiben zu lassen�, erwiderte der Puppetier. �Teela Brown sagte die Wahrheit, als sie dir versicherte, wir w�rden nicht sterben. Die Bruchst�cke der Ringwelt werden weit in das Weltall verstreut werden. Eines Tages w�rde man uns dort vielleicht sogar entdecken.�</p><p>�Ich denke auch schon in dieser Kategorie. Ich bin bereit, aufzugeben.�</p><p>�Die Protektoren m�ssen schon seit zweihundertf�nfzigtausend Jahren tot sein. Wer sagte das nur?�</p><p>�Wenn du noch einen Funken Verstand besitzt, solltest du es aufgeben, auf mich zu h�ren.�</p><p>�Pardon, dazu bin ich noch nicht bereit, Ich hatte den Eindruck, als wollte der Protektor uns etwas sagen. Die Pak waren deine Vorfahren, und Teela entstammt deiner eigenen Kultur. Wir verlangen Aufkl�rung.�</p><p>�Sie will, da� wir die schmutzige Arbeit f�r sie tun�, sagte Louis. �Alles, was sie tut, ist doppelsinnig. Futz, ihr habt die Protokolle studiert, als Brennan nach seiner Verwandlung zum Protektor verh�rt wurde. Protektoren haben sehr starke Instinkte und verf�gen �ber eine �bermenschliche Intelligenz. Diese beiden Veranlagungen m�ssen miteinander in Konflikt kommen.�</p><p>�Ich begreife nicht, was f�r eine schmutzige Arbeit sie von uns verlangt.�</p><p>�Sie wei�, wie die Ringwelt gerettet werden kann. Alle vier Protektoren wu�ten das. T�te f�nf Prozent, rette die �brigen f�nfundneunzig Prozent. Aber sie k�nnen diese Tat nicht selbst ausf�hren. Sie k�nnen nicht einmal zulassen, da� ein anderer f�r sie die Rettungstat vollbringt; aber sie <emphasis>m�ssen</emphasis> einen anderen dazu zwingen, das Notwendige zu tun. Das ist ihre Doppelsinnigkeit, die Ironie ihres Denkens.�</p><p>�Was bedeutet das konkret?�</p><p>Die Zahlen, die Teela genannt hatte, tickten wie eine Zeitbombe in Louis' Unterbewu�tsein. Warum?. Tanj damit! �Teela suchte sich diesen Wolkenkratzer aus, weil er genauso aussah, wie Halrloprillalars fliegendes Gef�ngnis, das wir w�hrend der ersten Expedition erbeuteten. Sie suchte es aus, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Sie brachte es dorthin, wo sie uns haben wollte. Ich habe keine Ahnung, was f�r eine Funktion dieser Teil des Reparaturzentrums erf�llt, aber es ist die richtige Stelle in einer Schachtel von der Gr��e einer Milliarde Kubikmeilen. Alles anderen m�ssen wir selbst herausfinden.�</p><p>�Und was dann? Ist sie nicht davon �berzeugt, da� wir in der Falle sitzen?�</p><p>�Was wir auch unternehmen�� sie wird versuchen, uns daran zu hindern. Wir werden sie t�ten m�ssen. Das ist es, was sie uns mitteilen wollte. Wir haben nur einen Vorteil. Sie k�mpft, um zu verlieren.�</p><p>�Das ist mir zu hoch�, erwiderte der Puppetier.</p><p>�Sie will, da� die Ringwelt �berlebt. Sie will, da� wir sie t�ten. Und sie erz�hlte uns so viel, wie sie durfte. Aber selbst wenn wir die �brigen St�cke des Puzzlespieles finden, k�nnen wir es verantworten, so viele intelligente Wesen zu t�ten?�</p><p>Chmeee sagte: �Teela tut mir leid.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wie k�nnen wir sie t�ten? Wenn du recht hast, mu� sie sich doch irgend etwas ausgedacht haben.�</p><p>�Das bezweifle ich. Meiner Vermutung nach hat sie ihr M�glichstes getan, nicht daran zu denken, was wir gegen sie unternehmen k�nnten. Denn dann m��te sie das blockieren. Wir sind auf uns selbst angewiesen. Und sie wird, von ihrem Instinkt geleitet, jedes fremde Lebewesen ermorden. Bei mir k�nnte sie vielleicht eine halbe, alles entscheidende Sekunde lang z�gern.�</p><p>�Also gut�, sagte der Kzin. �Alle unsere wirksamen Waffen befinden sich auf dem Landungsboot. Und wir sind in Lava eingeschlossen. Ist die Transportscheiben-Verbindung zum Landungsboot noch offen?�</p><p>Der Hinterste kehrte auf das Flugdeck zur�ck, um das nachzupr�fen. Er berichtete: �Die Verbindung ist offen. Die Weltkarte des Mars besteht aus <emphasis>Scrith</emphasis>, doch die Schicht ist nur ein paar Zentimeter dick. Sie mu� nicht die schreckliche Belastung aushalten wie das Fundament der Ringwelt. Meine Instrumente k�nnen diese Schicht durchdringen, und das gleiche gilt f�r die Transportscheiben. Das ist die erste positive Entdeckung am heutigen Tag.�</p><p>�Gut. Louis, begleitest du mich?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Wie hoch ist die Temperatur an Bord des Landungsbootes?�</p><p>�Eine Reihe von Sensoren sind durchgebrannt. Ich kann es dir nicht sagen�, erwiderte der Hinterste. �Wenn ihr das Landungsboot noch ben�tzen k�nnt, dann tut es. Sonst rafft ihr nur alles zusammen, was ihr ben�tigt und kehrt sofort wieder in das Raumschiff zur�ck. Wenn die Bedingungen unertr�glich sind, kehrt ihr auf der Stelle wieder um. Wir m�ssen wissen, �ber welche Mittel wir verf�gen.�</p><p>�Der logische n�chste Schritt�, stimmte Chmeee dem Puppetier zu. �Und was geschieht, wenn das Landungsboot sich nicht mehr man�vrieren l��t?�</p><p>�Dann bliebe uns immer noch ein Weg offen�, antwortete Louis, �aber wir m�ssen uns Druckanz�ge beschaffen. Hinterster, warte nicht auf uns. Aber behalte uns mit deinen Ortungsger�ten im Auge. Und suche nach Teela. Sie mu� sich in einem offenen Raum befinden, eine Art von Gew�chshaus, das gro� genug ist f�r ein Getreidefeld.�</p><p>�Aye, aye. Ich vermute, da� wir uns irgendwo unter dem Mons Olympus befinden.�</p><p>�Darauf w�rde ich mich nicht verlassen. Vielleicht nahm sie die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> mit einem schweren Lasergesch�tz unter Feuer, damit das Stasisfeld so lange andauerte, bis sie uns an eine Stelle schleppen konnte, wo sie gl�hende Magma f�r uns bereithielt. Und diese Stelle ist vermutlich auch der Tatort.�</p><p>�Louis, hast du eine Ahnung, was sie von uns erwartet?�</p><p>�Nicht einen Schimmer. Also lassen wir das vorl�ufig auf sich beruhen.� Louis forderte mit der W�hlscheibe ein paar Badet�cher an und warf Chmeee eines davon zu. Dann schl�pfte er in seine Holzpantoffeln. �Bist du bereit?� fragte er den Kzin. Chmeee sprang auf die Transportscheibe. Louis folgte ihm dicht auf.</p></section><section><title><p>31. Das Reparaturzentrum</p></title><p>Es war, als w�ren sie in einem Backofen materialisiert. Louis hatte wenigstens Holzpantoffeln an den F��en, aber Chmeees Sohlen wurden nur durch den d�nnen Bodenbelag gesch�tzt. Der Kzin lief den Niedergang zur Kabine hinunter und fauchte, als er mit Metall in Ber�hrung kam.</p><p>Louis hielt die Luft an. Hoffentlich tat Chmeee das auch. Die Luft war so hei�, da� man sich damit die Lungen verbrennen konnte. Der Boden neigte sich vier oder f�nf Grad zur Seite. Louis beging den Fehler, durch eines der Bullaugen zu blicken: er erstarrte ein paar Schrecksekunden lang. Was war das da drau�en in dem schlammigen Zwielicht: ein neugieriger Sandhai? Lag das Landungsboot im Wasser?</p><p>Er hatte drei Sekunden verloren, als er die Treppe zur Kabine hinunterging. Er trat viel vorsichtiger auf als Chmeee, k�mpfte gegen die Regung an, tief einzuatmen, stie� die verbrauchte Luft durch die Nase aus, um diese furchtbare Hitze nicht so rasch in seinen K�rper eindringen zu lassen. Es roch nach verschmortem Fleisch, nach Rauch, Hitze und verbrauchter Luft.</p><p>Chmeee versuchte, seine verbrannten H�nde abzuk�hlen; der Pelz stand ihm wie ein Kragen um den Hals. Die Griffe der Wandschr�nke bestanden aus Metall. Louis wickelte Handt�cher um seine H�nde und fing an, die Schrankt�ren zu �ffnen. Chmeee verwendete sein Taschentuch dazu, die Schr�nke zu entleeren: Druckanz�ge, Fluggeschirre, Zerst�uber, Superleiter-Tuch. Louis st�rzte sich sofort auf den Helm seines Druckanzuges und stellte die Luftzufuhr an, wickelte sich ein Handtuch um den Hals und st�lpte dann den Helm �ber den Kopf. Der Wind, der jetzt sein Gesicht f�chelte, war nur warm. Er �ffnete den Mund weit und sog seine Lungen voll.</p><p>Chmeees Anzug hatte keinen abnehmbaren Helm. Er mu�te ihn mit den �brigen Teilen seines Schutzanzuges verschrauben. Sein hechelnder Atem h�rte sich in Louis' Ohrst�pseln schrecklich an.</p><p>�Wir befinden uns unter Wasser�, sagte Louis keuchend. �Warum ist es so verdammt hei� im Landungsboot?�</p><p>�Frag mich sp�ter. Hilf mir beim Tragen.� Chmeee hob sein Fluggeschirr auf, seinen Schutzanzug, seine Spule mit Superleiter-Draht und eine geh�rige Portion Superleiter-Tuch. Obenauf legte er noch den Zerst�uber, auch Slaver-Doppelflinte genannt. Dann lief er zur�ck zur Treppe, die zum Flugdeck f�hrte. Louis folgte ihm, schwankend unter seiner Last von Prills Fluggeschirr, dem Handscheinwerfer-Laser, den beiden Druckanz�gen und dem Schutzpanzer. Seine Haut war krebsrot. Er hatte das Gef�hl, als beg�nne sein Fleisch zu kochen.</p><p>Chmeee hielt vor der Instrumentenkonsole auf dem Flugdeck an. Blasiges dunkelgr�nes Wasser zeigte sich vor den Bullaugen. Kleine Fische suchten sich ihren Weg in einem Wald aus Seetang. Der Kzin keuchte: �Da, die Instrumentenskalen. geben dir Antwort. Teela �bersch�ttete mich mit Hitze in Gestalt von Mikrowellen. Das Not-Rettungssystem versagte. Die Scrith-Repulsionsd�sen versagten. Das Landungsboot versank im Meer. Das Wasser hielt. die Mikrowellen auf. Das Landungsboot blieb hei�, weil die Hitzepumpen zuerst ausbrannten und die Isolierung zu gut ist. Wir k�nnen das Landungsboot nicht mehr verwenden.�</p><p>�Zum Teufel damit.� Louis stellte sich auf die Transportscheibe.</p><p>Er lie� seine Last fallen. Der Schwei� lief ihm in die Augen und den Mund. Er zog den hei�en Schutzhelm aus und schnappte gierig nach kalter Luft. Harkabeeparolyn stemmte ihre Schulter unter seine Achsel und half ihm, sich zum Bett zu schleppen, murmelte etwas Beruhigendes in der Sprache der St�dtebauer.</p><p>Chmeee war nicht ins Raumschiff zur�ckgekehrt.</p><p>Louis ri� sich von Harkabeeparolyn los. Er st�lpte den Schutzhelm wieder �ber den Kopf und ging schwankend zur�ck zur Transportscheibe.</p><p>Chmeee bediente ein paar Instrumente im Leitstand. Er warf Louis seine Ausr�stung zu. �Nimm das so lange. Ich komme gleich nach.�</p><p>�Aye, aye.�</p><empty-line/><p>Louis hatte seinen Druckanzug zur H�lfte angelegt, als der Kzin in die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> zur�ckkam. Der Kzin zog seinen Druckanzug aus. �Es eilt nicht. Louis. Hinterster, das Landungsboot ist nicht mehr zu gebrauchen. Ich habe den Leitstand so programmiert, da� es mit seinen Fusionsmotoren startet und zum Mons Olympus fliegt. Das soll ein Ablenkungsman�ver f�r Teela werden. Vielleicht verliert sie ein paar wertvolle Sekunden damit, das Landungsboot zu vernichten.�</p><p>Das Mikrophon antwortete: �Gut. Ich bin auch nicht ganz faul gewesen, aber ich kann euch das Ergebnis nicht mitteilen. Wir wissen bereits, da� Teela auf allen Leitungen mith�ren kann.�</p><p>�Und?�</p><p>Der Hinterste setzte mit der Transportscheibe in die Kabine �ber. Nun konnte er auch ohne mechanische Hilfsmittel sprechen: �Die meisten meiner Instrumente sind nat�rlich in dieser Lage nicht zu verwenden. Aber ich wei� unseren relativen Standort. Ungef�hr zweihundert Meilen backbord von spinnw�rts befindet sich eine sehr starke Neutrino-Emissionsquelle, vermutlich ein Fusions-Kraftwerk. Die Tiefenradar-Bilder zeigen, da� wir von H�hlen umgeben sind. Die meisten davon sind nicht gr��er als ein Zimmer. Manche haben jedoch gewaltige Ausma�e, und darin stehen schwere Maschinen. Ich glaube, da� ich auch die H�hle orten konnte, wo die Hebewerkzeuge und Ger�ste aufbewahrt wurden, mit deren Hilfe die Reparaturmannschaft die Steuerd�sen an der Ringweltmauer einh�ngte. Zudem entdeckte ich eine massive konkave T�r in der Au�enwand des Mars, die vom Wasserfall verdeckt wird. Ich entdeckte Lagerr�ume, in denen <emphasis>Scrith-</emphasis>Ersatzst�cke aufbewahrt werden. Vermutlich dienen sie zur Reparatur von gr��eren Meteoreinschl�gen. Zu diesen Lagerr�umen geh�rt wieder eine Luke in der Au�enwand. Daneben entdeckte ich kleine Raumschiffe, vermutlich Raum-Abfangj�ger�� und wieder ein Schott. Alles in allem befinden sich sechs Luken unter dem Wasserfall. Es gelang mir.�</p><p>�Hinterster, du solltest Teela Brown f�r uns suchen!�</p><p>�Hattest du nicht vor einiger Zeit Louis gebeten, Geduld zu haben?�</p><p>�Louis Wu ist ein Mensch. Er wei�, was Geduld ist. Aber du, du bl�tterfressendes Untier, besitzt zuviel von dieser Eigenschaft. Bei dir ist Geduld ein Laster.�</p><p>�Du machtest den Vorschlag, die menschliche Variante eines Pak-Protektors zu ermorden? Ich hoffe, du stellst dir das nicht wie ein Duell vor, indem du dich mit einem Schrei auf Teela st�rzt und sie mit blo�en H�nden angreifst! Wir m�ssen Teela mit unserem Verstand bek�mpfen. Das verlangt Geduld, Kzin! Bedenke, was auf dem Spiel steht!�</p><p>�Berichte weiter.�</p><p>�Es gelang mir, auch die Lage von Mons Olympus zu orten. Er befindet sich achthundert Meilen antispinnw�rts von Backbord. Ich vermute, da� Teela mit einem schweren Laser oder einem �hnlichen Ger�t die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> unter Feuer nahm, damit wir im Stasisfeld blieben, w�hrend sie uns achthundert Meilen weit schleppte. Ich habe keine Ahnung, warum sie sich diese M�he machte.�</p><p>Louis sagte: �Sie schleppte uns bis zu einer Stelle, wo sie geschmolzenes Gestein f�r uns bereithielt. Dieser Ort wird sich als St�tte des hypothetischen Massenmordes entpuppen. Wir m�ssen nur noch dahinterkommen, wieso hier die richtige Stelle ist. Tanj, vielleicht hat sie unsere Intelligenz sogar �bersch�tzt!�</p><p>�Da kannst du nur f�r dich selbst sprechen, Louis. Vielleicht befindet sich die Stelle unter uns.� Ein Puppetier-Kopf w�lbte sich nach oben. �Vielleicht auch �ber uns. Dort befindet sich ein Komplex von R�umen mit sehr starker elektrischer Aktivit�t, ganz zu schweigen von einer Reihe von pulsierenden Neutrino-Quellen. Vermutlich handelt es sich dabei um Tiefenradar-Ger�te.</p><p>Ich fand auch einen halbkugelf�rmigen Raum mit einer weiteren Neutrino-Quelle in halber H�he der Wand. Eine bewegliche Quelle. Der Neutrino-Aussto� ist unregelm��ig wie in einem Fusions-Kraftwerk. In den f�nf Minuten, die ihr von Bord gewesen seid, hat sich die Quelle nicht weit bewegt; aber meiner Berechnung nach wird sie einen halben Kreisbogen von einhundertachtzig Grad in f�nfzehn Stunden plus oder minus drei Minuten durchwandert haben. Fleischfresser, Kzin-Krieger, sagt dir das etwas?�</p><p>�Es k�nnte sich um eine k�nstliche Sonne handeln. F�r eine Ackerkultur. Wo befindet sie sich?�</p><p>�Zweitausendf�nfhundert Meilen in Richtung Steuerbordseite der Weltkarte. Aber da ihr vermutlich durch den Mons Olympus in die Unterwelt eindringt, m��t ihr die Sonne zw�lf Grad antispinnw�rts von Steuerbord suchen. Vermutlich m��t ihr ein paar W�nde durchbrechen, um zu dieser k�nstlichen Sonne vorzudringen. Habt ihr denn den Zerst�uber mitgebracht?�</p><p>�Da ich nicht ganz aufs Hirn gefallen bin, habe ich ihn mitgebracht. Hinterster, sobald das Landungsboot den Mons Olympus erreicht, k�nnen wir die Transportscheiben ben�tzen und dann durch die Ladebucht das Landungsboot verlassen. Aber Teela wird uns zuvorkommen, sie wird es abschie�en.�</p><p>�Warum sollte sie das tun? Wir befinden uns doch nicht an Bord. Sie verf�gt �ber Tiefenradar. Sie wird wissen, da� das Landungsboot nicht besetzt ist.� �Mag sein. Aber dann wird sie das Landungsboot mit dem Zielradar verfolgen und warten, bis wir dort erscheinen. Dann wird sie uns mit dem Landungsboot vernichten. Ist das die Weisheit, die deiner Rasse helfen soll, die Ringwelt zu retten?�</p><p>�Ja. Denn du wirst den Mons Olympus ein paar Stunden vor dem Landungsboot betreten. Ich habe den Autopiloten der Sonde so programmiert, da� sie uns folgte. In der Sonde befindet sich ein Transportscheiben-Empf�nger. Selbstverst�ndlich k�nnt ihr von der Sonde nicht auf die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> �berwechseln.�</p><p>�Hmm. Das k�nnte gehen.�</p><p>�Was f�r Ausr�stungsgegenst�nde wollt ihr mitnehmen?�</p><p>�Druckanz�ge, Fluggeschirre, Handscheinwerfer-Laser und die Slaver-Doppelflinte. Auch das habe ich mitgebracht.� Chmeee deutete auf das Superleiter-Tuch. �Teela wei� davon nichts. Das k�nnte uns helfen. Wir werden es in die Kleider einn�hen, mit denen wir unsere Druckanz�ge bedecken. Harkabeeparolyn, kannst du n�hen?�</p><p>�Nein.�</p><p>Louis sagte: �Ich kann es.�</p><p>�Ich ebenfalls�, sagte der Junge. �Ihr m��t mir nur zeigen, wo ich es ann�hen soll.�</p><p>�Es mu� nicht elegant aussehen. Ich gehe von der Annahme aus, da� Teela uns mit Laserwaffen beschie�en wird, nicht mit Bleikugeln oder mit Pfeilen. Unsere Panzeranz�ge passen n�mlich nicht �ber die Druckanz�ge.�</p><p>�Das stimmt nicht ganz�, widersprach ihm Louis. �Zum Beispiel w�rde dein Panzeranzug sehr wohl �ber meinen Druckanzug passen, Chmeee.�</p><p>�Wenn du dich so mit Kleidern beh�ngst, kannst du dich nicht rasch genug bewegen.�</p><p>�Vielleicht nicht. Harkabeeparolyn, wie steht es mit dir?�</p><p>�Ich bin verwirrt, Louis. K�mpft ihr nun mit oder gegen den Protektor?�</p><p>�Sie k�mpft gegen uns, aber sie hofft, den Kampf zu verlieren�, erwiderte Louis mit sanfter Stimme. �Sie kann es uns nur nicht sagen. Die Regeln, nach denen sie verf�hrt, sind ihr in das Gehirn und die Dr�sen eingepflanzt. Kannst du das nachvollziehen?�</p><p>Harkabeeparolyn z�gerte mit der Antwort. Dann sagte sie: �Der Protektor verhielt sich wie�� als ob er Angst hatte, er w�rde bei allem, was er sagte und tat, �berwacht. Ich f�hlte mich an meine Ausbildungszeit im Panth-Geb�ude erinnert. Da war es auch so.�</p><p>�Ich glaube, dein Eindruck war zutreffend. Es ist Teela selbst, die sich �berwacht. Kannst du mit einem Protektor k�mpfen, wenn du wei�t, da� die ganze Welt zugrunde geht, falls du verlierst?�</p><p>�Ich denke ja. Wenigstens k�nnte ich ihn ablenken, falls ich ihm nicht gewachsen bin.�</p><p>�Okay. Wir nehmen dich mit. Wir haben eine Ausr�stung mitgenommen, die f�r eine andere St�dtebauer-Frau gedacht war. Ich werde dir erkl�ren, wie du damit umgehen mu�t und was du damit ausrichten kannst. Chmeee, sie wird deinen Schutzanzug zwischen ihrem Druckanzug und dem Superleiter-Tuch tragen.�</p><p>�Sie kann sich auch Halrloprillalars Scheinwerfer-Laser nehmen. Ich habe meinen durch Unachtsamkeit verloren. Ich werde mich mit der Slaver-Doppelflinte bewaffnen. Ich wei� auch, wie man die Ersatzbatterien so einstellen kann, da� die Doppelflinte ihre Energie in einer Millisekunde abstrahlt.�</p><p>�Diese Batterien sind Produkte meines Volkes. Wir entwickelten sie, um Leben zu retten, nicht zu zerst�ren�, erwiderte der Hinterste voller Zweifel.</p><p>�Zeig sie mit trotzdem. Dann mu�t du alle Fernmeldekan�le verstopfen. Wir m�ssen damit rechnen, da� Teela nach ihrer Mahlzeit zur�ckkehrt, ehe wir mit unseren Vorbereitungen fertig sind. Ich w�nschte, wir h�tten mehr Zeit. Louis, zeige Kawaresksenjajok, wie er unsere Tarnkleidung n�hen mu�. Ben�tze den Superleiter-Draht als Faden.�</p><p>�Ja, daran dachte ich auch schon. Tanj, ich w�nschte, wir h�tten mehr Zeit!�</p><empty-line/><p>In Anz�gen und Tarnkleidern, mit der Ausr�stung beladen, sprangen sie auf die Transportscheiben.</p><p>Harkabeeparolyn sah in ihren Anz�gen aus wie eine formlose Puppe. Ihr Gesicht im Helm war eine starre, konzentrierte Maske. Druckanzug, Fluggeschirr, Laser�� sie mochte von Gl�ck sagen, wenn sie sich noch zu erinnern vermochte, wie das alles funktionierte, was sie am K�rper trug; da� sie damit noch k�mpfen konnte, durfte man kaum von ihr erwarten. Aus einiger Entfernung konnte man sie in ihren vielen Anz�gen f�r Louis Wu halten. Teela mochte dieser T�uschung erliegen und z�gern. Jeder Pluspunkt z�hlte.</p><p>Sie verschwand aus der Kabine. Louis folgte ihr, w�hrend er noch sein Fluggeschirr befestigte.</p><p>Chmeee, Harkabeeparolyn, Louis Wu: Sie schwebten wie B�lle aus schwarzem Seidenpapier �ber den rostfarbenen H�ngen des Mons Olympus. Die Sonde schwebte nicht mehr. Vermutlich hatte sie so lange durchgehalten, bis ihr der Treibstoff ausging. Dann war sie auf den Abhang des Kraters gefallen und hatte sich �berschlagen. Sie sah sehr mitgenommen aus, aber die Transportscheiben hatten den Absturz �berlebt.</p><p>Die Skalen unter Louis' Kinn verrieten ihm, da� die Luft sehr d�nn war, sehr trocken und reich an Kohlendioxyd. Es war eine recht gute Imitation der Mars-Atmosph�re, aber die Schwerkraft kam der der Erde sehr nahe. Wie hatten die Marsianer hier �berlebt? Sie mu�ten sich diesen Verh�ltnissen angepa�t haben, indem sie die Schwerkraft durch den Auftrieb in den Staubmeeren wieder ausglichen, wo sie lebten. Sie waren z�her als ihre bereits ausgestorbenen Vettern. <emphasis>Keine Ablenkungen, bitte!</emphasis></p><p>Der Rand des Kraters befand sich vierzig Meilen hangaufw�rts. Sie brauchten eine Viertelstunde dazu, die Entfernung zu �berwinden. Harkabeeparolyn bildete die Nachhut. Ihr Flug war sprunghaft, unregelm��ig. Wahrscheinlich spielte sie st�ndig mit ihren Kontrollhebeln.</p><p>Die Luke am Boden des Kraters war aus rostfarbenem Fels geformt und besa� eine rauhe Oberfl�che. Sie war aufgesprengt und nach innen gefallen.</p><p>Sie schwebten in das dunkle Loch hinein.</p><p>Ihr Fluggeschirr hielt sie im schwebenden Zustand. Eigentlich h�tte es hier gar nicht funktionieren d�rfen.</p><p>Die Repulsionseinheiten reagierten auf die flachen, elektronenabweisenden <emphasis>Scrith-</emphasis>Platten �ber ihnen und unter ihnen. Aber die <emphasis>Scrith-Decke</emphasis> war nicht elektrisch geladen. Sie war viel d�nner als der Ringweltboden unter ihnen.</p><p>Louis schaltete den Infrarot-Sucher ein (er hoffte, Harkabeeparolyn w�rde sich an seine Anweisungen erinnern, sonst w�rde sie erblinden). Hitze strahlte von unten herein kleiner, sehr heller Kreis. Ihre unmittelbare Umgebung war riesig, aber undeutlich. Scheiben, die zu S�ulen aufget�rmt waren, schmale Steigleitern an drei W�nden. Und in der Mitte dieses riesigen Raumes erhob sich ein schiefer Turm aus Toroiden. Sie fielen an diesen Ringen entlang nach unten. Ein linearer Beschleuniger, dessen Mittelachse durch den Moris Olympus verlief? Dann konnten diese Scheiben startbereite Kampfb�hnen f�r einen Protektor sein, mit dem sie in den Himmel hinaufgeschossen werden konnten.</p><p>Ein Loch war durch den Boden gestanzt worden. Sie lie�en sich hindurchfallen. Harkabeeparolyn hatte zum Gl�ck den Anschlu� nicht verloren. Die W�rmequelle lag noch unter ihnen, dehnte sich stetig aus.</p><p>Zw�lf Stockwerke, dicht aneinander, jedes mit einem Loch im Boden. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> hatte eine beachtliche Schneise geschlagen. Auch das letzte Loch hatte noch einen beachtlichen Umfang. und ein infrarotes Licht breitete sich darunter aus. Die Kammer unter ihnen war sehr hei�, fast rotgl�hend. Chmeee segelte vor Louis durch das Loch hinunter, kam eine Sekunde sp�ter zur�ck und lie� sich auf dem Stockwerk �ber Louis nieder.</p><p>Sie hatten Funkstille vereinbart. Louis ahmte das Man�ver des Kzin nach: er lie� sich durch die letzte Bresche fallen und war von glei�endem infraroten Licht umgeben. Eine gewaltige Energie war hier freigesetzt worden. Und der Tunnel, der von dieser Stelle wegf�hrte, gl�hte noch viel heller.</p><p>Louis schwebte wieder nach oben und landete neben Chmeee. Er gab Harkabeeparolyn ein Zeichen mit der Hand, und sie plumpste neben ihm zu Boden.</p><p><emphasis>Ja.</emphasis> Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> war durch diesen Tunnel geschleppt worden. Dabei wurde sie mit soviel W�rme �bersch�ttet, da� das Stasisfeld ausgel�st wurde. Sie h�tten dem Tunnel leicht folgen k�nnen, aber ss war noch so hei� darin, da� ihr Blut gekocht h�tte. Was nun?</p><p>Chmeee folgen, der mit gro�er Geschwindigkeit davon schwebte. Was hatte er vor? Wenn sie sich doch nur h�tten verst�ndigen k�nnen!</p><p>Sie bewegten sich durch einen Wohnbezirk. Unangenehm eng f�r Leute, die versuchten, mit gro�er Geschwindigkeit durch die Korridore zu fliegen. Kabuffs ohne T�ren, oder wenn mal eine T�r, war sie so dick und massiv wie an einem Safe.</p><p>Nirgends ein Vorhang, hinter dem man wenigstens unbeobachtet bleiben konnte. Wie lebten die Pak-Protektoren? Ein Blick in diese zellenartigen R�ume verriet spartanische Schlichtheit. Auf dem Boden eines Kabuffs lag ein Skelett mit verdickten Gliedern und einem kammartigen Aufsatz auf dem Sch�del. In einem gro�en Saal entdeckten sie Gegenst�nde, die aussahen wie Turnger�te. Dahinter ein Kletterturm, der mindestens eine Meile hoch sein mu�te.</p><p>Stundenlang flogen sie durch diesen unterirdischen Bezirk. Zuweilen trafen sie auf meilenlange schnurgerade Korridore. Sie durchquerten sie mit hoher Geschwindigkeit, und dann kamen sie wieder nur schrittweise und m�hsam voran.</p><p>T�ren blockierten ihren Weg. Chmeee �ffnete sie immer auf die gleiche Weise. Er richtete seine Slaver-Doppelflinte darauf, und die T�r l�ste sich in eine Wolke aus monoatomarem Staub auf.</p><p>Als Chmeee den Zerst�uber auf eine besonders gro�e T�r richtete, st�ubte es ebenfalls, aber das war nur die oberste Schicht. Eine blanke Fl�che blieb zur�ck, die aus <emphasis>Scrith</emphasis> bestehen mu�te.</p><p>Chmeee f�hrte sie nach links, umging den Korridor, der von dieser T�r bewacht wurde. Louis lie� Harkabeeparolyn vorangehen und flog ein St�ck zur�ck, um abzuwarten, ob Teela Brown ihnen zu folgen versuchte. Aber die gro�e T�r blieb verschlossen. Wenn Teela Brown sich dahinter versteckte, konnte sie die drei Eindringlinge nicht bemerkt haben. Die <emphasis>Scrith</emphasis>-T�r verhinderte jede Ortung. Selbst Protektoren hatten ihre Grenzen.</p><p>Sie h�tten dem Tunnel bis zur <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> folgen k�nnen, indem sie das Stockwerk dar�ber ben�tzten. Aber sie taten das nicht. Chmeee f�hrte sie ungef�hr zw�lf Grad nach antispinnw�rts von Steuerbord, indem er die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> als Bezugspunkt verwendete. Er f�hrte sie also zu der halbkugelf�rmigen H�hle, in der sich eine Neutrino-Quelle in halber H�he der Wand bewegte. Louis konnte das nur recht sein.</p><p>Sie w�hlten den n�chsten Korridor, der nach rechts f�hrte. Sie kamen an einer zweiten <emphasis>Scrith-T�r</emphasis> vorbei, aber diesmal blockierte sie nicht ihren Weg. Die H�hle, die sie umrundet hatten, war sehr gro�. Vielleicht eine Steuerzentrale f�r Notf�lle? Sie mu�ten sich diese T�r merken. Vielleicht mu�ten sie sp�ter hierher zur�ckfinden.</p><p>Vierzehn Stunden waren inzwischen vergangen, und sie hatten fast tausend Meilen zur�ckgelegt, ehe sie eine Ruhepause einlegten. Sie schliefen in einem h�fthohen Metallgef��, das einem Pfannkuchen glich und sich in der Mitte einer riesigen Fl�che befand. Was f�r einen Zweck dieses Ger�t erf�llte, wu�ten sie nicht; aber hier konnte sie niemand im Schlaf �berraschen. Louis bekam einen heftigen Appetit auf eine andere Di�t als ihren N�hr-Sirup. Er fragte sich, ob Teela inzwischen ebenfalls gegessen, ihre Vorbereitung getroffen und wieder Hunger bekommen hatte?</p><p>Sie flogen weiter. Der Wohnbezirk blieb hinter ihnen zur�ck, obwohl sie hier und dort noch auf Zellen trafen mit leeren Vorratstruhen f�r Nahrungsmittel, allen lebensnotwendigen Installationen und einem h�bschen flachen Boden f�r einen kurzen Mittagsschlaf. Aber diese Kabuffs befanden sich in den Seitenw�nden riesiger S�le, die alles M�gliche enthalten konnten oder auch gar nichts.</p><p>Sie flogen an dem Geh�use eines Ger�tes vorbei, das eine gewaltige Pumpe beherbergen mu�te, dem Dr�hnen nach zu urteilen, das auf ihre Trommelfelle einst�rmte. Chmeee f�hrte sie nach links, sprengte eine Wand, und dahinter gelangten sie in einen Kartensaal, der so riesig war, da� Louis vor Ehrfurcht fast im Boden versank. Als Chmeee eine Bresche in die gegen�berliegende Wand schlug, brach das riesige Hologramm mit einem Blitz in sich zusammen. Sie flogen weiter.</p><p>Ein Korridor, dahinter ein Licht und ein Wind, der ihnen in den R�cken blies.</p><p>Sie traten unter das Licht.</p><p>Die Sonne hatte gerade an einem fast wolkenlosen Himmel den Zenit �berschritten. Eine endlose sonnen�berflutete Landschaft dehnte sich vor ihnen aus: Teiche, Haine, Getreidefelder, Reihen von dunkelgr�nen Gem�sepflanzen. Louis kam sich wie eine Zielscheibe vor. Eine Schleife aus schwarzem Draht war an seiner Schulter befestigt. Er zog sie jetzt aus dem Stoff und warf sie fort. Das andere Ende war noch mit seinem Anzug verbunden. Der Draht w�rde die Hitze ableiten, wenn sie jetzt auf ihn scho�.</p><p>Wo war Teela Brown?</p><p>Offenbar nicht hier.</p><p>Chmeee f�hrte sie �ber eine H�gelgruppe. Er hielt dann auf einen Weiher mit stehendem Wasser zu. Louis folgte ihm. Harkabeeparolyn hielt sich dicht hinter ihm. Der Kzin �ffnete seinen Raumanzug. Als Louis sich neben ihm niederlie�, drehte Chmeee beide Handfl�chen nach au�en und bewegte sie dann rasch wieder aufeinander zu. Er deutete mit dieser Pantomime an, da� der Anzug hermetisch geschlossen bleiben mu�te.</p><p>Man hatte ihr schon das Raumschiff erkl�rt, aber Louis beobachtete sie scharf, bis er �berzeugt war, sie w�rde ihren Anzug nicht �ffnen.</p><p>Was nun?</p><p>Das Land war zu flach. Es eignete sich nicht gut als Versteck�� hier ein paar B�ume, dort ein paar sanft gewellte H�gel. Als Versteck viel zu auff�llig. Aber vielleicht verbarg sie sich in so einem Teich? Louis rollte den Draht wieder ein, den er weggeworfen hatte. Vermutlich hatten sie ein paar Stunden Zeit, sich auf den Kampf vorzubereiten. Doch wenn Teela kam, w�rde sie �ber sie herfallen wie ein Blitz.</p><p>Chmeee hatte sich nackt ausgezogen. Nun legte er den Anzug aus Superleiter-Tuch wieder an. Er ging zu Harkabeeparolyn und half ihr, seinen Schutzanzug auszuziehen. Er legte ihn dann selbst an. Damit war sie einer Schutzschicht entkleidet. Louis mischte sich nicht ein.</p><p>Ob sie sich hinter der Sonne versteckte? Die kleine fusionsgespeiste, Neutrino aussendende Sonne�� dort w�rde man sie nicht so rasch vermuten. Konnte man sie �berhaupt als Versteck verwenden? Wenn er den Superleiter-Draht mit einem Teich verband, konnte er sich nur bis zum Siedepunkt des Wassers erhitzen. Tanj, das w�re ein raffiniertes Versteck f�r ihn gewesen, wenn die Sonne sich n�her an der Oberfl�che des Mars befunden h�tte, wo das Wasser schon bei einer ertr�glichen Temperatur zum Kochen kam. Aber sie befanden sich hier nicht �ber dem Ringwelt-Boden, wo der Luftdruck fast so hoch war wie auf Meeresh�he.</p><p>Vielleicht mu�ten sie hier tagelang auf Teela warten. Das Wasser in ihren Druckanz�gen w�rde ausreichen, auch der Zuckersirup und vermutlich Louis Wus Geduld ebenfalls. Chmeee hatte sich seinen Anzug bereits ausgezogen. Vielleicht gab es hier Tiere, die er jagen konnte.</p><p>Und wie stand es mit Harkabeeparolyn? Wenn sie ihren Druckanzug �ffnete, w�rde sie den Geruch des Lebensbaumes in die Nase bekommen.</p><p>Chmeee hatte seinen Druckanzug wieder aufgepumpt. Nun steckte er ihn in sein Fluggeschirr. Er legte einen Stein auf jeden Zeh und bediente das Steuerger�t am G�rtel, bis der Anzug senkrecht stand. Das war ein verdammt guter Einfall. Wenn er die Steine zur Seite stie� und die D�sen einschaltete, w�rde ein leerer Druckanzug wie ein Angreifer in den Himmel hinaufsteigen.</p><p>Louis war etwas Vergleichbares noch nicht eingefallen.</p><p>Vielleicht kam Teela nur selten hierher, alle paar Wochen einmal. Vielleicht bewahrte sie die Lebensbaumwurzeln woanders auf.</p><p>Wie sahen diese Lebensb�ume �berhaupt aus? Waren es diese dunkelgr�nen, gl�nzenden Pflanzen? Louis zog eine davon auf den Boden. Fette Wurzeln hingen daran, die ihn an Yams oder s��e Kartoffeln erinnerten. Er hatte diese Pflanze noch nie gesehen, aber das galt auch f�r die �brigen Gew�chse, die hier unter der k�nstlichen Sonne lebten. Die meisten Lebewesen der Ringwelt und alle unter der Kuppel des Mars gezogenen Pflanzen mu�ten vom galaktischen Kern importiert worden sein.</p><p>Teela lachte in Louis' Ohr.</p></section><section><title><p>32. Der Protektor</p></title><p>Louis zuckte nicht nur zusammen. Er schrie in seinem Helm.</p><p>Teelas Stimme war voller Lachen. Sie verschluckte die Konsonanten. Das konnte sie nicht verhindern: Lippen und Gaumen hatten sich zu einem harten Schnabel vereinigt. �Ich m�chte nie mehr mit einem Pierson-Puppetier k�mpfen! Chmeee, du h�ltst dich doch f�r ein gef�hrliches Wesen, nicht wahr? Dieser Puppetier h�tte mich um ein Haar besiegt.�</p><p>Irgendwie war es ihr gelungen, ihre Ohrenst�psel wieder zu aktivieren. Konnte sie auf diese Weise ihren Standpunkt erkennen? Dann waren sie so gut wie tot. Also ging Louis lieber von der Annahme aus, da� sie auf diese Weise ihre Feinde nicht zu orten vermochte.</p><p>�Ich empfing keine Signale mehr von eurem Schiff. Alle Fernmeldeinstrumente waren abgeschaltet. Aber ich mu�te wissen, was in dem Schiff vorging. Deshalb mu�te ich eine Vorrichtung zusammenbasteln, mit der ich mich in die Transportscheiben einschalten konnte. Ich kann euch sagen, das war gar nicht einfach. Zuerst mu�te ich von der Annahme ausgehen, da� ein Puppetier Transportscheiben von seinem Heimatplaneten mitbrachte, dann stellte sich das Problem, wie sie funktionierten, und dann mu�te ich sie nachbauen, und als ich sie einh�ngte und ich an Bord eures Raumschiffes materialisierte, griff der Puppetier gerade nach dem Schalter f�r das Stasisfeld! Ich mu�te erraten, wo sich die Scheibe des Transportsenders befand, und das verflucht schnell! Aber ich kam gerade noch mit knapper Not hinaus, und euer Schiff mu� sich jetzt im Stasisfeld befinden, wo euch keiner zu Hilfe kommen kann. Aber ich komme jetzt zu euch�, sagte Teela, und Louis h�rte das Bedauern in ihrer Stimme.</p><p>Jetzt konnten sie nur noch warten. Das Hinterste war mit den ganzen Ger�ten an Bord der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> ausgefallen. Ihnen blieb nur noch das, was sie in den H�nden hielten.</p><p>Es hatte sich so angeh�rt, als w�rde es noch eine Weile dauern, bis sie hierherkam�� falls sie nicht gelogen hatte. Louis schwebte an seinem Fluggeschirr in die H�he.</p><p>Eine Meile, zwei Meilen, und das Dach dieses Kuppelraumes lag noch weit �ber ihm. Teiche, Fl�sse, sanfte H�gelkuppen: tausend Quadratmeilen Boden in diesem Gew�chshaus hatten sich in eine Wildnis verwandelt. Kugelf�rmige B�ume mit maschenartigen Bl�ttern bildeten einen Dschungel auf Backbord. Hunderte von Quadratmeilen waren spinnw�rts und an Steuerbord mit gelben B�schen bewachsen. Man konnte hier und da noch die Reihen erkennen, in denen sie angepflanzt worden waren.</p><p>Louis lie� sich wieder hinunterfallen und schwebte dicht �ber einem H�gel. Sie mu�ten sich nach allen vier Himmelsrichtungen verteidigen k�nnen. Wenn er vielleicht eine Mulde in der N�he entdeckte. dort, ein Flu�, ges�umt von niedrigen H�geln. Warum sollten sie nicht mitten im Flu� Stellung beziehen? Er betrachtete ihn von oben mit dem Gef�hl, da� er etwas sehr Wichtiges �bersehen hatte.</p><p>Ja.</p><p>Louis schwirrte zu der Stelle zur�ck, wo Chmeee in Deckung gegangen war.</p><p>Er sch�ttelte Chmeee am Arm und deutete.</p><p>Chmeee nickte. Er lief auf den Korridor zu, durch den sie diese unterirdische Welt betreten hatten, und zog seinen Druckanzug wie einen Ballon hinter sich her. Louis schwebte an seinem Fluggeschirr nach oben und gab Harkabeeparolyn das Zeichen, ihnen zu folgen.</p><p>Eine s�geblatt�hnliche niedrige H�gelkuppe mit einem Teich dahinter. Die Stelle eignete sich f�r einen Hinterhalt. Louis lie� sich auf der Kuppe nieder. Dann streckte er sich flach auf dem Bauch aus und beobachtete den Eingang. Er drehte nur einen Moment den Kopf zur Seite, als er den aufgewickelten Superleiter-Draht zum Teich hinunterwarf. Er mu�te sich vergewissern, da� der Draht auch das Wasser erreichte.</p><p>Es <emphasis>gab jetzt nur noch einen Ausgang aus dem Raumschiff</emphasis> �Hei�e Nadel�. <emphasis>Die Transportscheibe, die Teela in letzter Sekunde erreichte, f�hrte zu einer Sonde, die auf dem Abhang des Mons Olympus lag. Teela mu�te die gleiche Route ben�tzen, die sie hierher in dieses riesige Gew�chshaus gebracht hatte.</emphasis></p><p>Dreimal saugte er an dem Zucker-Sirup-Spender. Vier Schlucke Wasser hinterher. Versuche, dich zu entspannen. Louis konnte Chmeee nicht mehr sehen. Er hatte keine Ahnung, wo der Kzin sich versteckt hielt, Harkabeeparolyn sah zu ihm her�ber. Louis deutete auf den Korridor und scheuchte sie dann mit der Hand fort. Sie verstand seine Geste, verschwand in einer Bodenwelle und versteckte sich hinter einem anderen H�gel. Louis war allein.</p><p>Diese H�gel waren viel zu flach. Die h�fthohen, dunklen, gl�nzend gr�nen Gew�chse boten einem liegenden Mann ein gutes Versteck. Aber wenn er sich rasch bewegen mu�te, waren sie ein Hindernis.</p><p>Die Zeit verflo�. Louis ben�tzte die sanit�ren Einrichtungen in seinem Anzug, f�hlte sich hilflos und gedem�-tigt. Zur�ck zu seinem Posten. <emphasis>Sei auf der Hut. Sie kennt alle M�glichkeiten des unterirdischen Transportsystems im Reparaturzentrum. Sie wird kommen wie der Blitz. Entweder erst nach Stunden, oder jetzt...</emphasis></p><p><emphasis>Jetzt!</emphasis> Teela kam wie eine ferngelenkte Rakete dicht unter dem Dach des Tunnels hervor. Louis erhaschte nur einen Blick, als er sich schon zur Seite rollte, um zu feuern. Sie stand aufrecht auf einer Scheibe, die fast zwei Meter Durchmesser hatte, hielt sich an einer aufrechten Steuers�ule fest.</p><p>Louis scho�. Chmeee scho� ebenfalls aus seinem Versteck, wo immer sich das befinden mochte. Zwei rubinrote Lichtf�den trafen das gleiche Ziel. Teela hockte jetzt hinter der Br�stung der Scheibe. Sie hatte gesehen, was sie wissen wollte, ihre Positionen auf den Zentimeter genau geortet.</p><p>Doch die Flugscheibe stand in rubinroten Flammen und kippte nach unten. Louis erhaschte noch einmal einen Blick auf Teela, ehe sie sich hinter diesen seltsamen Gew�chsen mit den R�schenbl�ttern versteckte.</p><p>Sie hatte sich auf einem winzigen Paragleiter ausgestreckt.</p><p><emphasis>Also mu�te er annehmen, da� sie lebte und ohne Verletzung davongekommen war. Mit ihrem Fluginstrument konnte sie sich sehr rasch bewegen.</emphasis> Louis stieg auf die H�gelkuppe und beobachtete die Stelle, wo sie verschwunden war, von der Flanke. Sein Superleiter-Draht war immer noch mit dem Wasser des Weihers geerdet.</p><p>Wo steckte sie jetzt?</p><p>Etwas sprang hinter der Kuppe des Nachbarh�gels in die Luft. Gr�nes Licht durchbohrte das himmelw�rts schie�ende Objekt und hielt es so lange fest, bis es verbrannte und starb. Damit konnte man Chmeees Raumanzug abhaken. Aber ein B�ndel handgro�er Raketen flog dorthin, wo der gr�ne Laserstrahl seinen Ursprung nahm. Ein halbes Dutzend wei�er Blitze spr�hte hinter der Kuppe auf und�� <emphasis>p�ng!�� </emphasis>eine Detonation bezeugte, da� es Chmeee gelungen war, aus Puppetier-Batterien Bomben herzustellen.</p><p>Teela war ihnen sehr nahe, und sie ben�tzte wieder einen Laser. Wenn sie gleich hinter der H�gelkuppe jetzt den Teich umrundete. Louis wechselte entsprechend seine Position.</p><p>Chmeees verbrannter Raumanzug war zu langsam zu Boden gefallen. Ein Protektor mu�te daran erkennen, da� er leer gewesen war. Cthulhu und Allah! Wie konnte man einen f�r das Gl�ck geborenen Protektor im Kampf besiegen?</p><p>Teela kam pl�tzlich zum Vorschein, �ber einem ganz anderen, viel niedrigeren H�gel, als Louis angenommen hatte. Ehe Louis auch nur einen Daumen bewegen konnte, wurde er von einer Lanze aus gr�nem Licht durchbohrt. Louis blinzelte. Die Schutzschicht auf seinem Helm hatte sein Augenlicht gerettet. Teela war wieder verschwunden. Trotz ihrer Instinkte als Protektor war Teela offenbar entschlossen, Louis Wu zu t�ten.</p><p>Wieder kam sie an einer anderen Stelle zum Vorschein. Gr�nes Licht starb auf schwarzem Tuch. Diemal scho� Louis zur�ck. Sie war wieder verschwunden. Er wu�te nicht, ob er sie getroffen hatte. Aber er hatte ihren geschmeidigen Lederpanzer gesehen, der an manchen Stellen klaffte. Ihre Gelenke waren riesenhaft angeschwollen. An den Fingern waren die Scharniere zwischen den einzelnen Gliedern so gro� wie Waln�sse, die Knie und die Ellenbogen glichen Honigmelonen. Sie trug gar keinen Panzer. Was er f�r einen Lederkoller gehalten hatte, war ihre eigene Haut.</p><p>Louis rollte sich zur Seite und dann den H�gel hinunter. Er kroch rasch weiter. Das Kriechen war eine harte Arbeit. Wo w�rde sie jetzt auftauchen? Dieses Spiel hatte er nie ge�bt. In seinen zweihundert Lebensjahren war er nie Soldat gewesen.</p><p>Zwei Dampfs�ulen schwebten �ber dem Teich.</p><p>Links von ihm stand Harkabeeparolyn pl�tzlich auf und scho�. Wo war Teela? Ihr Laser antwortete nicht. Harkabeeparolyn stand auf der Kuppe wie ein schwarz maskiertes Ziel. Dann duckte sie sich und rannte den H�gel hinunter. Sie st�rzte und kroch dann rasch nach links.</p><p>Der Felsblock kam von links. Wie hatte Teela so rasch ihre Stellung wechseln k�nnen? Der Block traf Harkabeeparolyns Arm, brach den Knochen und ri� den �rmel auf. Die St�dtebauer-Frau stand schreiend auf, und Louis wartete darauf, da� Teela ihr jetzt den Fangschu� gab. <emphasis>Futzfutzfutz! Achte auf den Laserstrahl...</emphasis></p><p>Kein Strahl flammte auf. Und er sollte nicht beobachten, sondern handeln. Er hatte doch gesehen, wo der Felsblock herkam. Da war eine L�cke zwischen zwei H�geln, und er kroch so rasch darauf zu, wie es unter diesen Umst�nden geraten schien, um eine H�gelwand zwischen sich und Teela zu legen. Dann kroch er auf der anderen Seite des H�gels weiter. Tanj, wo steckte denn Chmeee? Louis riskierte einen Blick �ber den H�gelkamm.</p><p>Harkabeeparolyn hatte aufgeh�rt zu schreien. Sie sog die Luft durch die Nasenl�cher. Sie warf ihr Fluggeschirr weg und ri� an dem schwarzen Tuch. Sie konnte nur einen Arm ben�tzen. Ihr anderer Arm hing locker und gebrochen an der Schulter. Sie begann ihren Schutzanzug auszuziehen.</p><p>Teela war eben noch dort gewesen. Wohin bewegte sie sich jetzt? Jedenfalls achtete sie nicht auf Harkabeeparolyn.</p><p>Harkabeeparolyns Schutzhelm wollte sich nicht l�sen lassen. Harkabeeparolyn rollte den H�gel hinunter, ri� mit einer Hand an dem Stoff und h�mmerte dann mit der Gesichtsplatte des Helms gegen einen Stein.</p><p>Inzwischen war viel zuviel Zeit vergangen. Inzwischen konnte Teela �berall sein. Louis bewegte sich wieder, diesmal in einer Rinne, die fr�her ein Bach gewesen sein mu�te. Wenn er �ber den H�gelkamm kroch, mu�te sie das sofort sehen.</p><p>Konnte sie tats�chlich jede seiner Reaktionen voraussehen? Protektor! Wo steckte sie jetzt?</p><p>Vielleicht <emphasis>hinter mir?</emphasis> Louis sp�rte Spinnenbeine in seinem Nacken. Er schwang herum, obwohl er gar keinen Anla� dazu hatte, und scho� auf Teela, als ein kleines Metallwerkzeug an seinen Rippen entlangschnitt. Das Gescho� zerri� seinen Anzug und sein Fleisch, verschob seine Visierlinie. Er dr�ckte seinen linken Arm auf den klaffenden Stoff seines Schutzanzuges, w�hrend er den Laserstrahl �ber die Stelle wandern lie�, wo Teela zuletzt gestanden hatte. Dann scho� sie hoch und war schon wieder woanders, ehe der Strahl sie zu erfassen vermochte. Ein dicker Metallball schlug Splitter von seinem Helm.</p><p>Er rollte den H�gel hinunter und hielt immer noch mit dem linken Arm den Ri� an seinem Anzug zu. Durch die gesprungene Gesichtsplatte sah er, wie Teela auf ihn herunterscho� wie eine gro�e schwarze Fledermaus. Ehe sie ausweichen konnte, hatte er sie mit einem Laserstrahl erfa�t.</p><p>Tanj, dammit, sie brauchte ihm nicht auszuweichen! Denn Teela Brown trug jetzt den Anzug aus schwarzem Superleiter-Tuch, den sie f�r Harkabeeparolyn gen�ht hatten. Er hielt mit beiden H�nden die Laserwaffe fest. Es w�rde ihr in ihrem Anzug w�rmer werden, als ihr lieb war, ehe sie ihn t�tete. Der gepanzerte D�mon st�rzte auf ihn herunter, w�hrend das schwarze Tuch sich in Fetzen aufl�ste wie nasses Papier.</p><p>In Fetzen aufl�ste? Weshalb? Und <emphasis>woher kam dieser Geruch?</emphasis></p><p>Sie glitt zur Seite und warf den Laser wie einen Stein auf Chmeee. Die Slaver-Doppelflinte und der Handscheinwerfer-Laser flogen Chmeee aus der Hand. Dann prallten sie aufeinander.</p><p>Der Geruch des Lebensbaumes erf�llte Louis' Nase und sein Gehirn. Der Geruch war nicht mit dem Wonnestrom vergleichbar. Der Wonnestrom gen�gte sich selbst, war ein Erlebnis, das keinen Wunsch mehr offenlie�, von absoluter Perfektion. Der Geruch des Lebensbaumes war Ekstase, doch er l�ste einen Hei�hunger aus. Louis wu�te nun, wie der Lebensbaum aussah. Er hatte gl�nzende dunkelgr�ne Bl�tter und Wurzeln wie S��kartoffeln. Er war von Lebensbaumpflanzen umgeben, und der Geschmack... irgend etwas in seinem Gehirn erinnerte ihn an den Geruch und Geschmack des Paradieses.</p><p>Er stand mitten in einer Plantage von Lebensbaum-Gew�chsen und konnte nicht davon essen. Er konnte es nicht. Er konnte es nicht, weil sein Helm ihn daran hinderte, und er l�ste gewaltsam seine H�nde wieder von den Klammern, die seinen Helm freigeben w�rden, weil er den Lebensbaum nicht essen konnte; denn die menschliche Variante eines Pak-Protektors brachte Chmeee um.</p><p>Er stabilisierte den Laser mit beiden H�nden, als h�tte die Waffe einen R�cksto�. Der Kzin und der Protektor bildeten ein unentwirrbares Kn�uel, das h�gelabw�rts rollte und Fetzen von schwarzem Superleiter-Tuch hinter sich lie�. Er folgte ihnen mit einem Faden rubinroten Lichtes. Zuerst schie�en, dann zielen. <emphasis>Du hast gar keinen echten Hunger nach der Lebensbaumpflanze. Sie w�rdedich t�ten. Du bist schon zu alt f�r die Metamorphose zum Protektor. Das Zeug bringt dich um!</emphasis></p><p>Tanj, dieser Geruch! Sein Gehirn schien sich mit allen seinen Fasern und Zellen danach zu sehnen. Die Anstrengungen, diesem Geruch zu widerstehen, waren entsetzlich. Sie waren genauso schlimm wie der Kampf mit der Versuchung an jedem Abend in den vergangenen achtzehn Jahren seines Lebens, die Schaltautomarik in seinem Wonnestecker abzustellen. Eine schier �bermenschliche Anstrengung, dieser Versuchung zu widerstehen! Louis hielt die Strahlenwaffe fest und wartete.</p><p>Teela wich einem Tritt aus, der sie ausgeweidet h�tte, wenn er sie getroffen h�tte. Einen Augenblick lang streckte sie ein Bein nach hinten.</p><p>Der rote Faden traf es, und Teelas Schienbein gl�hte in einem glei�enden Rot.</p><p>Er sah noch einen rubinroten Strahl, der erlosch, als er selbst feuerte. Ein Teil von Chmeees nacktem fleischfarbenen Schwanz gl�hte auf und fiel dann ab, kr�mmte sich wie ein verletzter Wurm. Chmeee schien gar nicht darauf zu achten. Aber Teela wu�te jetzt, woher der andere Laserstrahl kam. Sie versuchte Chmeee in diese rote Lanze hineinzusto�en. Louis bewegte den Strahl zur Seite und wartete.</p><p>Chmeee war verletzt; er blutete an mehreren Stellen. Aber er lag jetzt auf dem Protektor, ben�tzte sein Gewicht, um ihn niederzuhalten. Louis entdeckte einen scharfkantigen Stein neben den K�mpfenden. Er sah aus wie ein sorgf�ltig bearbeiteter Faustkeil, scharf genug, um Chmeees Sch�del zu spalten. Er gab den Abzug frei und zielte mit dem Laser jetzt auf den scharfkantigen Stein. Teelas Hand zuckte danach und ging in Flammen auf.</p><p>Eine �berraschung, nicht wahr, Teela?</p><p>Verflucht, dieser Geruch! Allein der Duft des Lebensbaumes ist Grund genug, um dich zu t�ten!</p><p>Sie hatte eine Hand verloren und ein Bein bis zum Knie. Das sollte ein Handicap f�r Teela sein; aber wie schlimm hatte es Chmeee getroffen? Offenbar erm�dete er bereits, denn Louis sah jetzt ganz deutlich, da� Teela ihren harten Schnabel in Chmeees dicken Hals bohrte. Chmeee sch�ttelte sich, und einen Moment lang zeichnete sich hinter Teelas mi�gestaltetem Sch�del nichts anderes ab als der blaue Himmel. Louis bewegte den Laser und lenkte das rubinrote Licht mitten in ihr Gehirn.</p><empty-line/><p>Louis und Chmeee mu�ten sich beide gegen die Schnabelspitzen stemmen, um Teelas Kiefer zu �ffnen, die sich in Chmeees Hals verbissen hatten. �Sie lie� sich bei ihrem Kampf von ihren Instinkten leiten�, sagte Chmeee keuchend. �Sie k�mpfte nicht mit ihrem Verstand. Du hattest recht. Sie k�mpfte, um zu verlieren. Aber wehe mir, wenn sie gek�mpft h�tte, um zu gewinnen!�</p><p>Und dann war es vorbei, bis auf das Blut, das aus Chmeees Pelz tropfte. Bis auf Louis' verletzte und vermutlich gebrochene Rippen. Der Schmerz war so gro�, da� er ganz krumm ging, damit der Brustkorb sich auf einer Seite ja nicht bewegte. Bis auf den Geruch, diesen Geruch des Lebensbaumes, den nichts zu vertreiben vermochte. Bis auf Harkabeeparolyn, die jetzt bis zu den Knien im Wasser stand, mit Wahnsinn in den Augen und Schaum vor dem Mund, weil sie immer noch vergeblich versuchte, mit h�mmernden St��en die Gesichtsplatte ihres Helms zu sprengen.</p><p>Sie packten sie beim Arm und f�hrten sie weg. Sie k�mpfte verzweifelt gegen ihre Griffe. Auch Louis k�mpfte: Er k�mpfte um jeden Schritt, der ihn wieder ein St�ck von diesen langen Reihen der Lebensbaumpflanzen wegbrachte.</p><p>Chmeee hielt im Korridor an. Er l�ste die Knebel an Louis' Schutzhelm und klappe ihn nach hinten. �Jetzt darfst du wieder atmen, Louis. Der Wind bl�st auf das Gew�chshaus zu.�</p><p>Louis holte tief Luft. Der Geruch war zum Gl�ck nicht mehr in diesem Wind, der sein Gesicht umf�chelte. Sie nahmen jetzt auch Harkabeeparolyn den Helm ab, damit der Wind den Geruch des Lebensbaumes aus ihrem Anzug entfernte. Aber es schien wenig zu bewirken. Ihre Augen waren immer noch voller Wahnsinn, starrten ins Leere. Louis wischte ihr den Schaum vom Mund.</p><p>Der Kzin fragte:</p><p>�Kannst du wieder stehen? Kannst du sie daran hindern, in das Gew�chshaus zur�ckzukehren? Und kannst du dich selbst bezwingen?�</p><p>�Ja. Niemand h�tte dem Geruch widerstehen k�nnen. Nur ein entw�hnter Wonnestrom-S�chtiger.�</p><p>�Urrr?�</p><p>�Du kannst das nicht nachvollziehen. Du kannst es nicht wissen.�</p><p>�Nein, zum Gl�ck nicht. Gib mir dein Fluggeschirr.�</p><p>Die Gurte sa�en sehr straff. Sie mu�ten ihm weh tun, da sie in seine Wunden einschnitten. Chmeee blieb nur ein paar Minuten weg. Er kehrte mit Harkabeeparolyns Fluggeschirr, der Slaver-Doppelflinte und zwei Scheinwerfer-Lasern zur�ck.</p><p>Harkabeeparolyn war etwas ruhiger geworden. Vermutlich war ihre Ersch�pfung der Grund daf�r. Louis k�mpfte gegen eine schreckliche Depression an. Er h�rte kaum zu, als Chmeee sagte: �Wir scheinen eine Schlacht gewonnen, aber den Krieg verloren zu haben. Was sollen wir jetzt tun? Deine Frau und ich m�ssen behandelt werden. Das geht nur, wenn wir das Landungsboot erreichen.� �Wir werden uns durch die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> dorthin transportieren lassen. Aber warum sollen wir den Krieg verloren haben?�</p><p>�Du hast doch geh�rt, was Teela sagte. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> befindet sich im Stasisfeld, und wir haben nichts mehr au�er unseren H�nden. Wie sollen wir wissen, wie die Maschinen der Protektoren funktionieren, wenn wir nicht die Instrumente der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> zur Verf�gung haben?�</p><p>�Wir haben gewonnen.� Louis' Depression war schon schlimm genug, auch ohne den Pessimismus des Kzin. �Teela ist nicht unfehlbar. Sie ist tot, oder etwa nicht? Woher wu�te sie, ob der Hinterste �berhaupt nach dem Schalter des Stasis-Feldes griff? Und warum sollte er das tun?�</p><p>�Er hatte einen Protektor in seinem Schiff, der nur durch eine Wand von ihm getrennt war.�</p><p>�Hatte er nicht einen Kzin in der gleichen Kabine gefangengehalten? Die Zwischenwand besteht aus einer General-Products-Zelle. Ich w�rde sagen, der Hinterste versuchte die Transportscheiben-Anlage abzuschalten. Er war nur ein bi�chen zu langsam.�</p><p>Chmeee dachte dar�ber nach. �Noch besitzen wir den Zerst�uber.�</p><p>�Aber nur zwei Fluggeschirre. �berlegen wir mal, wie weit wir von der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> entfernt sind. Ungef�hr zweitausend Meilen. Futz.�</p><p>�Was unternehmen die Menschen gegen einen gebrochenen Arm?�</p><p>�Sie schienen ihn.� Louis stand auf. Es war nicht leicht, sich zu bewegen. Er entdeckte ein St�ck von einer Aluminiumschiene und mu�te sich erst daran erinnern, wof�r er sie ben�tigte. Als Verband stand ihnen nur das Superleiter-Tuch zur Verf�gung. Harkabeeparolyns Arm schwoll be�ngstigend an. Louis schiente ihr den Arm. Er verwendete den schwarzen Draht, um Chmeees schlimmste Wunden zu vern�hen.</p><p>Ohne Behandlung konnten sie beide sterben. Das war eine erste Hilfe, aber keine Behandlung. Und Louis h�tte sich am liebsten niedergesetzt und w�re gestorben, so elend war ihm zumute. <emphasis>Bewegen, bewegen! Futz, es tut auch nicht weniger weh, wenn du nicht gehst. Du mu�t irgendwann dar�ber hinwegkommen. Warum nicht jetzt?</emphasis></p><p>�Ich mu� eine Trage zwischen den Fluggeschirren befestigen. Was k�nnen wir dazu verwenden? Das Superleiter-Tuch ist nicht kr�ftig genug.�</p><p>�Wir m�ssen eben etwas finden, Louis. Aber ich bin zu schwer verwundet, um danach zu suchen.�</p><p>�Das ist nicht n�tig. Hilf mir, Harkabeeparolyn diesen Anzug auszuziehen.�</p><p>Er verwendete den Laser dazu. Er schnitt mit dem Strahl den Anzug der L�nge nach in zwei Teile. Dann zerschnitt er den losen Stoff in Streifen. Er stanzte L�cher in den Rand der einen Anzugsh�lfte und f�delte Streifen aus gummiertem Stoff durch die L�cher. Das andere Ende der B�nder befestigte er an den Gurten seines Fluggeschirrs.</p><p>Aus dem Anzug war eine Trage mit den K�rperformen von Harkabeeparolyn geworden. Sie legten die verletzte St�dtebauer-Frau hinein. Sie leistete keinen Widerstand mehr; aber sie rer dete kein Wort mit ihnen.</p><p>Chmeee sagte: �Raffiniert.�</p><p>�Vielen Dank. Kannst du fliegen?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Versuche es. Wenn du nicht mehr weiter kannst, dich sp�ter aber wieder erholst, hast du ja immer noch ein Fluggeschirr. Vielleicht finden wir irgend etwas Auff�lliges, wo ich dich zur�cklassen kann und dich sp�ter wieder finde, wenn ich nach dir suche.�</p><p>Sie flogen durch den Tunnel, der sie zum Gew�chshaus gebracht hatte. Chmeees Wunden bluteten wieder, und Louis wu�te, da� er schreckliche Schmerzen litt. Sie waren drei Minuten unterwegs, als sie auf einen schwebenden Gegenstand trafen�� eine Scheibe von fast zwei Metern Durchmesser, beladen mit allerlei Ger�ten und Werkzeugen. Sie hielten neben der Scheibe an, die ungef�hr drei�ig Zentimeter �ber dem Boden schwebte.</p><p>�Wir h�tten es wissen m�ssen. Teelas Transportscheibe. Wieder einer von diesen interessanten Zuf�llen�, sagte Louis.</p><p>�Geh�rt das auch zu ihrem Spiel?�</p><p>�Ja. Wenn wir �berlebten, mu�ten wir sie finden.� Alles auf dieser Scheibe erschien ihm seltsam und fremdartig, bis auf eine schwere Metallkiste, deren Haltebolzen abgeschwei�t worden waren. �Kannst du dich an diese Kiste erinnern? Es ist das Erste-Hilfe-Paket auf Teelas Flugrad.�</p><p>�Es w�rde einem Kzin nicht helfen. Und die Medizin, die sich darin befindet, ist dreiundzwanzig irdische Jahre alt.�</p><p>�F�r sie ist es besser als nichts. Du hast ja deine Allergiepillen, und hier gibt es nichts, womit du dich infizieren k�nntest. Wir sind nicht nahe genug bei der Weltkarte des Kzin, um deine artspezifischen Bakterien einzufangen.�</p><p>Der Kzin sah schlecht aus. Er h�tte nicht mehr stehen d�rfen. Er fragte: �Wirst du dich mit der Steuereinrichtung zurechtfinden? Ich traue es mir nicht mehr zu, sie selbst auszuprobieren.�</p><p>Louis sch�ttelte den Kopf. �Warum sollen wir uns damit abm�hen? Du und Harkabeeparolyn�� ihr steigt auf die Scheibe. Sie schwebt ja bereits. Ich werde sie schleppen. Ihr schlaft.�</p><p>�In Ordnung.�</p><p>�Schlie�e sie zuerst an das Erste-Hilfe-Ger�t an. Und binde dich an der Steuers�ule fest. Bindet euch beide fest.�</p></section><section><title><p>33. 1,5 � 10<sup>12</sup></p></title><p>Die beiden verschliefen die n�chsten drei�ig Stunden, w�hrend Louis die Schwebescheibe schleppte. Seine Rippen auf der rechten Seite des Brustkorbes waren eine einzige gro�e rote Wunde.</p><p>Er hielt an, als er bemerkte, da� Harkabeeparolyn wach war.</p><p>Sie phantasierte von dem schrecklichen Zwang, der sie �berw�ltigt hatte, von dem Entsetzen und dem Entz�cken dieses bet�renden B�sen, das im Lebensbaum steckte. Louis hatte versucht, nicht daran zu denken. Sie dr�ckte sich verdammt poetisch aus, und sie konnte nicht aufh�ren, davon zu reden, und Louis wollte sie auch nicht zum Schweigen bringen. Sie mu�te einfach davon reden.</p><p>Sie verlangte, da� Louis seine Arme um sie legte, um sie zu tr�sten. Soviel konnte er noch f�r sie tun.</p><p>Er h�ngte sich auch eine Stunde lang an Teelas alten Erste-Hilfe-Apparat. Als der Schmerz in seinen Rippen ein wenig nachlie� und er sich nicht mehr ganz so elend f�hlte, gab er ihr das Instrument zur�ck. Er hatte immer noch so viel Schmerzen, da� er von dem Geruch abgelenkt wurde, der ihn vollkommen ausf�llte. Vielleicht hatte sein Fluggeschirr an einem Lebensbaum gescheuert. Oder. vermutlich haftete der Geruch in seinem Gehirn. F�r immer.</p><p>Chmeee hatte hohes Fieber. Louis konnte Harkabeeparolyn dazu �berreden, Chmeees Schutzanzug zu tragen. Teela hatte ihn zwar bei dem Zweikampf mit Chmeee aufgeschlitzt, aber er bot einer Frau besseren Schutz als ihre nackte Haut, wenn sie sich neben einem phantasierenden Kzin zum Schlafen niederlegen mu�te.</p><p>Wenigstens einmal rettete der Anzug Harkabeeparolyn das Leben, als Chmeee mit den Krallen nach ihr schlug, weil sie in seinem Fieberwahn Teela zu �hnlich sah. Sie hingegen pflegte den Kzin so gut sie konnte, fl��te ihm Wasser und N�hrfl�ssigkeit aus ihrem Druckanzug-Helm ein. Am vierten Tag war Chmeee wieder im Besitz seines Denkverm�gens, aber er war immer noch schrecklich schwach. und furchtbar hungrig. Der Sirup in einem menschlichen Druckanzug reichte ihm als Nahrung nicht hin.</p><p>Sie brauchten alle vier Tage, um eine Position in gleicher H�he mit der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> zu erreichen. Sie ben�tigten noch einen Tag, sich durch die W�nde hindurchzugraben, bis sie einen Steinblock aus gegossenem Basalt fanden.</p><p>Eine Woche war vergangen, seit das fl�ssige Gestein sich verfestigte. Der Basaltblock war immer noch warm. Louis lie� die schwebende Scheibe mit den beiden Passagieren in dem Tunnel zur�ck, durch den Teela die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> geschleppt hatte. Er setzte den Schutzhelm seines Druckanzuges auf, der ihn mit frischer kalter Luft versorgte, ehe er die Slaver-Doppelflinte mit beiden H�nden hochhob und auf den Ausl�ser dr�ckte.</p><p>Ein Hurrikan von Staub h�llte ihn ein. Vor ihm bildete sich ein Tunnel, in den er langsam vorr�ckte.</p><p>Er sah nichts, h�rte nur das heulende Ger�usch des berstenden Basalts, der in einem Staubsturm an ihm vorbeiwehte und sich irgendwo hinter ihm blitzartig entz�ndete, wenn die Elektronenladung wieder ihr Vorrecht beanspruchte. Wieviel Lava hatte Teela auf das Raumschiff gegossen? Offenbar hatte sie Stunden mit dem Gie�en verbracht.</p><p>Dann stie� er auf etwas.</p><p><emphasis>Ja.</emphasis> Er blickte durch ein Fenster auf einen seltsamen Innenraum. Ein Wohnzimmer mit Couchen und einem schwebenden Kaffeetisch. Alles hatte ein merkw�rdig sanftes Aussehen. Nirgends eine scharfe Ecke oder eine harte Kante�� nichts, an das ein lebendes Wesen mit einem Knie ansto�en konnte. Durch ein zweites Fenster konnte er riesige Geb�ude erkennen und einen Schimmer von einem schwarzen Himmel dazwischen. Pierson-Puppetiers bev�lkerten die Stra�en. Alles stand auf dem Kopf.</p><p>Das, was er f�r eine Couch gehalten hatte, mu�te etwas anderes sein. Louis stellte den Handscheinwerfer-Laser auf schwache Energie ein. Er schaltete ihn ein und aus. Eine gute Minute lang passierte nichts. Dann erschien ein flachgedr�ckter wei�er Kopf mit einem langen Hals, um aus einer flachen Schale zu trinken, und zuckte erschrocken zur�ck, um sich wieder im Bauchnabel zu verstecken.</p><p>Louis wartete.</p><p>Der Puppetier stand auf. Er f�hrte Louis an der Wand des Schiffes entlang�� langsam, weil Louis sich den Weg mit dem Zerst�uber freischaufeln mu�te�� bis zu der Stelle, wo er einen Transportscheiben-Sender an der Au�enseite des Rumpfes angebracht hatte. Louis nickte. Er ging zur�ck zu der Stelle, wo er seine Begleiter zur�ckgelassen hatte.</p><p>Zehn Minuten sp�ter befand er sich im Raumschiff. Elf Minuten sp�ter fielen Harkabeeparolyn und er �ber eine Sch�ssel her wie die Kzinti. Chmeees Hunger war unbeschreiblich. Kawareksenjajok sah ihnen ehrf�rchtig beim Essen zu. Harkabeeparolyn merkt gar nicht, was der Kzin verschlang.</p><empty-line/><p>Der Morgen brach an Bord eines Raumschiffes an, das zehn Meilen unter dem Sonnenlicht in erstarrter Lava begraben war.</p><p>�Unsere medizinischen Einrichtungen haben schwer gelitten�, sagte der Hinterste. �Chmeee und Harkabeeparolyn m�ssen zusehen, da� ihre Wunden auf nat�rliche Weise heilen.�</p><p>Der Hinterste stand auf dem Kommandodeck und redete zu ihnen auf der Sprechanlage. Das konnte ein gutes Zeichen sein, konnte es andererseits aber auch nicht sein. Teela war tot, und die Ringwelt hatte vielleicht eine �berlebenschance. Der Puppetier mu�te pl�tzlich eine lange, sehr lange Lebenserwartung verteidigen. Da war es nicht ratsam, sich mit fremden Wesen wieder in einem Raum zusammenzufinden.</p><p>�Ich habe den Kontakt mit dem Landungsfahrzeug und einer Sonde verloren�, fuhr der Puppetier fort. �Die Meteor-Verteidigungsanlage flammte ungef�hr zur selben Zeit auf, als das Landungsboot seine Signale einstellte. Die Signale von der besch�digten Sonde rissen ab, als Teela Brown versuchte, in die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> einzudringen.</p><p>Chmeee hatte geschlafen (ganz allein auf dem Wasserbett) und gegessen. Sein verj�ngter Pelz w�rde wieder einige recht interessante Narben tragen. Aber seine Wunden heilten ab. Er sagte: �Teela mu� die Sonde zerst�rt haben, sobald sie deren Existenz bemerkte. Sie ertrug es nicht, da� ihr ein gef�hrlicher Feind in den R�cken fallen konnte.�</p><p>�In den R�cken? Wer denn?�</p><p>�Hinterster, sie sagte, du w�rst gef�hrlicher als ein Kzin. Offenbar war das ein taktischer Schachzug, um uns beide zu beleidigen. Zweifellos.�</p><p>�Das hat sie wirklich gesagt?� Zwei flache K�pfe blickten sich einen Moment lang in die Augen. �Nun. Unsere Hilfsquellen sind bis auf eine Sonde und das Raumschiff dahingeschmolzen. Wir lie�en die zweite Sonde zur�ck. Die Sonde hat noch funktionst�chtige Sp�rger�te, falls wir sie ben�tigen sollten. In sechs Tagen Ortszeit wird sie hier sein.</p><p>In der Zwischenzeit sind wir wieder mit unserem urspr�nglichen Problem konfrontiert, das sich noch um einige Indizien, aber auch Komplikationen erweitert hat. Wie k�nnen wir der Ringwelt ihre alte Stabilit�t zur�ckgeben? Wir k�nnen davon ausgehen, da� wir glauben, wir befinden uns an der Stelle, wo wir die L�sung f�r dieses Problem finden k�nnen�, sagte der Hinterste. �Das stimmt doch? Teelas Verhalten, das sich nicht vertr�gt mit der Handlungsweise eines Wesens von anerkannter Intelligenz.�</p><p>Louis Wu widersprach ihm nicht. Louis war sehr still.</p><p>Kawaresksenjajok und Harkabeeparolyn sa�en im Schneidersitz an einer Wand so dicht nebeneinander, da� sich ihre Arme ber�hrten. Harkabeeparolyns Arm war in Stoffbahnen eingepre�t und lag in einer Schlinge. Von Zeit zu Zeit warf ihr der Junge einen Blick zu. Ihr Verhalten beunruhigte ihn, gab ihm R�tsel auf. Die schmerzstillenden Tabletten gingen zu Ende; aber das war keine hinreichende Erkl�rung f�r ihre Gedankenabwesenheit. Louis wu�te, da� er mit dem Jungen reden mu�te. wenn er nur gewu�t h�tte, was er ihm sagen sollte.</p><p>Die St�dtebauer hatten im Laderaum geschlafen. Die Angst, sie k�nnte zu Boden st�rzen, verbot von vorneherein, da� Harkabeeparolyn das Schlaffeld ben�tzte. Sie hatte ihm <emphasis>Rishathra</emphasis> angeboten, ohne Nachdruck, fast widerwillig, als Louis sich beim Fr�hst�ck zu ihnen gesellte. �Aber gib acht auf meinen Arm, Luweewu.�</p><p>Es geh�rte viel Taktgef�hl dazu in Louis' Kulturkreis, das Angebot des Geschlechtsaktes auszuschlagen. Er hatte geantwortet, er f�rchtete, an ihren Arm zu sto�en, und das war keine L�ge. Auch konnte er irgendwie kein Interesse f�r die Sache aufbringen, was er jedoch verschwieg. Er fragte sich, ob der Lebensbaum ihn so sehr ver�ndert hatte. Aber er versp�rte auch keine Lust nach den gelben Wurzeln oder nach einem Wonnestrom-Stecker.</p><p>An diesem Morgen schien er �berhaupt keine Gel�ste zu haben.</p><p>F�nfzehnhundert Milliarden Leute.</p><p>Der Hinterste sagte: �Akzeptieren wir Louis' Urteil �ber Teela Brown. Teela brachte uns hierher. Sie wollte das gleiche wie wir. Sie gab uns so viele Anhaltspunkte, wie sie konnte. Aber was f�r Anhaltspunkte? Sie k�mpfte an beiden Seiten der Front. War es denn so wichtig f�r sie, noch drei Protektoren zu erschaffen und dann zwei von ihnen wieder zu t�ten? Louis?�</p><p>Louis, der sich mit ganz anderen Gedanken besch�ftigte, sp�rte vier scharfe Nadelspitzen an der Haut �ber der Halsschlagader. Er sagte: �Wie war das?�</p><p>Der Hinterste schickte sich an, seine letzte Ausf�hrung zu wiederholen. Louis sch�ttelte heftig den Kopf. �Sie t�tete zwei von ihnen mit der Meteor-Verteidigungsanlage. Zweimal scho� sie auf Ziele, an denen sich keiner von uns befand, die wir offenbar f�r das �berleben der Ringwelt von so entscheidender Bedeutung sind. Wir waren zweimal eingeladen, dieses Man�ver zu beobachten, ohne uns in den Zustand der Stasis zu begeben. Auch das sollte eine Botschaft f�r uns sein.�</p><p>Chmeee fragte: �Willst du damit andeuten, sie h�tte auch andere Waffen f�r diesen Zweck verwenden k�nnen?�</p><p>�Andere Waffen, andere Zeiten, andere Umst�nde, eine gr��ere Zahl von handlungsf�higen Protektoren�� die Wahl stand ihr doch offen.�</p><p>�Versuchst <emphasis>du</emphasis> nun, mit uns ein Spiel zu treiben, Louis? Wenn du etwas wei�t�� warum sagst du es uns nicht?�</p><p>Louis warf einen schuldbewu�ten Blick auf die St�dtebauer. Harkabeeparolyn strengte sich an, wachzubleiben. Kawaresksenjajok h�rte aufmerksam zu. Ein Paar Eingeborene, die sich selbst zum Helden gew�hlt hatten und auf ihre Chance warteten, bei der Rettung der Ringwelt zu helfen. <emphasis>Tanj.</emphasis> Er sagte: �Eins Komma f�nf Billiarden Leute.�</p><p>�Um achtundzwanzig Komma f�nf Billiarden und uns selbst zu retten.�</p><p>�Du hast sie nicht n�her kennengelernt, Chmeee. Nicht so viele jedenfalls. Ich hoffte, jemand von euch w�rde auch daran denken. Ich schlage mich schon tagelang mit diesem Problem herum, versuche, irgendeinen anderen Ausweg.�</p><p>�Wen h�tte ich n�her kennenlernen sollen?�</p><p>�Valavirgillin. Ginjerofer. Den K�nig der Grasriesen. M�r Korssil. Laliskareerlyar und Fotaralispliar. Die Hirten, die Riesen, die Amphibien-Menschen, die H�ngenden Leute, die Nachtwesen, den Nachtj�ger. Uns ist es aufgetragen, f�nf Prozent zu t�ten, um f�nfundneunzig zu retten. Klingen euch diese Zahlen nicht vertraut?�</p><p>Es war der Puppetier, der ihm antwortete: �Das Ringwelt-Steuersystem ist nur zu f�nf Prozent einsatzf�hig. Teelas Reparaturmannschaft h�ngte die noch vorhandenen Steuerd�sen an f�nf Prozent der Ringmauer-Peripherie in den alten Halterungen ein. Sind das die Leute, die sterben m�ssen, Louis? Alle Wesen, die sich auf den f�nf Bogengraden befinden, wo die Steuerd�sen eingeh�ngt sind?�</p><p>Harkabeeparolyn und Kawaresksenjajok starrten Louis ungl�ubig an. Louis breitete mit einer hilflosen Geste die Arme aus und sagte: �Es tut mir leid.�</p><p>Der Junge schrie: �Luweewu! Warum?�</p><p>�Ich versprach es�, erwiderte Louis. �Wenn ich es nicht versprochen h�tte, w�re es eine Entscheidung, die ich treffen m��te. Ich versprach Valavirgillin, da� ich die Ringwelt retten w�rde, ganz gleich, wieviel es kostete. Ich versprach, auch sie zu retten, wenn ich k�nnte. Aber ich kann es nicht. Wir haben nicht die Zeit, nach ihr zu suchen. Je l�nger wir warten, um so gr��er wird die Kraft, die die Ringwelt aus ihrer richtigen Lage verdr�ngt. Also befindet, sie sich auf dem Bogen, hinter dem die Steuerd�sen brennen. Auf diesem Abschnitt befindet sich auch die schwebende Stadt, das Imperium der Maschinen-Leute, die kleinen roth�utigen Fleischesser und die grasessenden Riesen. Auch sie m�ssen sterben.�</p><p>Harkabeeparolyn schlug ihre Handballen gegeneinander. �Aber das sind doch alle, die wir auf dieser Welt kennen! Wenn auch nur vom H�rensagen!�</p><p>�Das gilt auch f�r mich.�</p><p>�Bei diesem Gedanken bleibt einem jedes Wort in der Kehle stecken! Warum m�ssen sie sterben? Und wie?�</p><p>�Tod ist Tod�, erwiderte Louis. Dann: �An Strahlenvergiftung. F�nfzehnhundert Milliarden menschen�hnliche Wesen aus zwanzig oder sogar drei�ig Gattungen. Aber auch nur dann, wenn wir alles richtig machen. Zuerst m�ssen wir feststellen, wo wir uns befinden.�</p><p>Der Puppetier stellte eine logische Frage: �Wo sollen wir sein?�</p><p>�An zwei Stellen. An den Stellen, die die Meteor-Verteidigungsanlage steuern. Wir m�ssen in der Lage sein, die Plasmastrahlen, die Solarfackeln, auf eine bestimmte Stelle zu lenken. Wir m�ssen das Subsystem von der Meteor-Verteidungsanlage abkoppeln, mit dem der Plasmastrahl zu einem Laser geb�ndelt wird.�</p><p>�Ich habe diese beiden Stellen bereits gefunden�, erwiderte der Hinterste. �W�hrend ihr unterwegs wart, feuerte das Meteor-Verteidigungssystem. Wahrscheinlich sollte es das Landungsboot zerst�ren. Magnetst��e brachten fast die H�lfte meiner Sp�rger�te durcheinander. Trotzdem war ich in der Lage, den Ursprung diese Impulse zu orten. Die gewaltigen Str�me im Boden der Ringwelt, mit denen die Solarfackeln erzeugt und manipuliert werden, kommen von einem Punkt unter dem Nordpol der Weltkarte des Mars.�</p><p>Chmeee sagte: �Vielleicht mu� diese Anlage gek�hlt werden.�</p><p>�Futz damit! Wie steht es mit dem Lasereffekt?�</p><p>�Diese Str�me kamen erst Stunden danach: kleinere elektrische Impulse, die nach einem gewissen Muster verliefen. Ich habe euch bereits deren Ursprung genannt. Er befindet sich genau �ber unseren K�pfen, wenn ich den Ortungen des Raumschiffes vertrauen darf.�</p><p>�Du sagtest, wir m�ssen dieses System abkoppeln�, fauchte Chmeee.</p><p>Louis schnaubte:</p><p>�Das ist leicht. Ich k�nnte das mit einem Scheinwerfer-Laser, einer Bombe oder der Slaver-Doppelflinte erledigen. Die Steueranlage wurde bestimmt nicht f�r Idioten gebaut, und wir haben nicht mehr viel Zeit zu verlieren.�</p><p>�Und was ist dann?�</p><p>�Dann richten wir die L�tlampe auf bewohntes Ringwelt-Land.�</p><p>�Louis! Gib uns Einzelheiten!�</p><p>Er sprach jetzt das Todesurteil �ber ein paar Dutzend Gattungen der Ringwelt.</p><p>Kawaresksenjajok wandte sein Gesicht ab. Harkabeeparolyns Gesicht war hart wie Stein. Sie sagte: �Tue, was du tun mu�t.�</p><p>Er sagte ihnen, was er tun mu�te: �Das Steuersystem der Ringwelt ist nur noch zu 5 Prozent einsatzf�hig.�</p><p>Chmeee wartete.</p><p>�Der Betriebsstoff f�r die Steuerd�sen sind hei�e Protonenstr�me, die von der Sonne stammen. Die sogenannten Sonnenwinde.�</p><p>Der Puppetier sagte: �Ah! Wir fackeln die Sonne an, um die Betriebsstoffversorgung um den Faktor zwanzig zu erh�hen. Die Lebensformen unter der Fackel sterben oder erfahren eine drastische Mutation. Der Schub verst�rkt sich um den gleichen Faktor. Die Steuerd�sen schieben uns entweder in die Sicherheit zur�ck oder sie explodieren.�</p><p>�Ich habe wirklich nicht mehr die Zeit dazu, die Schubd�sen umzubauen, Hinterster.�</p><p>Chmeee sagte: �Das h�tte auch gar keinen Wert, falls Louis sich nicht total irren sollte. Teela pr�fte ja diese Motoren, als sie an der Ringmauer eingeh�ngt wurden.�</p><p>�Ja. Wenn sie nicht mehr stark genug waren, �berredete sie sich dazu, sie noch mit einer Sicherung zu versehen, mit einem Sicherheitsfaktor f�r den Fall, da� die Sonnenfackel zu �ppig werden sollte. Sie wu�te, da� dieser Fall eintreten k�nnte. Die typische Doppelsinnigkeit ihres Denkens. Ironie des Protektors.�</p><p>�Es w�re nicht n�tig f�r uns, die Sonnenfackel zu steuern, nur eine Ma�nahme, um es doppelt abzusichern�, fuhr der Kzin fort. �Koppeln wir zun�chst das Laser-Generatorensystem von der Meteor-Verteidigungsanlage ab. Dann k�nnen wir n�tigenfalls die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> dort plazieren, wohin wir die Sonnenfackel richten wollen. Wir ben�tzen sie als Ziel f�r das Meteor-Verteidigungssystem, beschleunigen sie so lange, bis die Anlage die Sonnenfackel ausl�st. Der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> kann nichts passieren. Sie ist unverletzbar.�</p><p>Louis nickte nachdenklich. �Nicht �bel. Aber es w�re mir lieber, wenn wir die Verteidigungsanlage noch pr�ziser ausrichten k�nnten. Wenn wir die Sache noch schneller erledigen k�nnten, damit weniger Leute sterben m�ssen. Aber. ja. Wir k�nnen alle Bedingungen erf�llen. Wir k�nnen es schaffen.�</p><p>Der Hinterste begleitete sie, um die Aggregate der Meteor-Verteidigungsanlage zu besichtigen. Niemand hatte ihn dazu �berredet. Aber die Me�instrumente, die sie aus der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> ausbauten, mu�ten von den Lippen und der Zunge eines Puppetiers bedient werden. Als er vorschlug, Louis in der Bedienung der Instrumente zu unterweisen, wof�r er eine Pinzette und einen Zahnstocher ben�tigte, lachte Louis ihm in beide Gesichter.</p><p>Der Hinterste verbrachte anschlie�end ein paar Stunden in seinen von allen Blicken abgeschirmten Privatgem�chern der <emphasis>Hei�en Nadel.</emphasis> Dann folgte er ihnen durch den Tunnel. Er hatte seine M�hne in hundert leuchtende Farben verwandelt und anschlie�end sorgf�ltig onduliert. Louis dachte: <emphasis>Jeder m�chte bei seiner eigenen Beerdigung gut aussehen</emphasis>, und fragte sich, was der Grund war, weshalb der Puppetier sich so herausgeputzt hatte.</p><p>Es war nicht notwendig, mit einem Laser oder einer Bombe das System auszuschalten. Allerdings ben�tigte der Hinterste einen vollen Tag, den Hauptschalter zu finden. Er verwendete dazu die ganze Sammlung seiner Me�instrumente, die er auf einer Schwebeplatte mitgebracht hatte. Aber es gab einen Hauptschalter, mit dem man die Anlage vom Netz trennen konnte.</p><p>Das Netz der Superleiter-Kabel lief in einem Knoten im <emphasis>Scrith</emphasis> zwanzig Meilen unter dem Nordpol der Weltkarte des Mars zusammen. Sie fanden eine zentrale S�ule von zwanzig Meilen H�he, ein Geh�use aus <emphasis>Scrith</emphasis>, das die K�hlpumpen des Mars umschlo�. Der Komplex am Fu� der S�ule mu�te das Kontrollzentrum sein, entschieden sie. Sie fanden ein Labyrinth von riesigen Luftschleusen, und ehe man nicht ein mechanisches Bilderr�tsel gel�st hatte, konnte man keine von ihnen passieren. Der Hinterste erledigte das f�r sie.</p><p>Dann gingen sie durch die letzte Schleuse. Dahinter lag eine hell erleuchtete Kuppel, darunter ein sehr trocken aussehender Boden mit einem Podium in der Mitte und einem Geruch, der Louis veranla�te, sich auf dem Absatz zu drehen und um sein Leben zu rennen, wobei er einen verwirrten Kawaresksenjajok an seinem d�nnen Handgelenk hinter sich herzog. Die Luftschleuse schlo� sich bereits wieder hinter ihnen, ehe der Junge anfing, Widerstand zu leisten. Louis schlug ihm auf den Kopf und lief weiter. Sie hatten mindestens schon drei Luftschleusen passiert, ehe er wieder anzuhalten wagte.</p><p>Kurz darauf kam Cfimeee ebenfalls zu ihnen zur�ck. �Der Weg f�hrte durch einen kleinen Garten unter k�nstlichem Sonnenlicht. Die automatischen Gartenger�te haben ihren Betrieb schon lange eingestellt, aber ein paar Pflanzen wachsen immer noch. Ich erkannte sie wieder.�</p><p>�Ich ebenfalls�, erwiderte Louis ernst.</p><p>�Ich erkannte sie an dem Geruch. Ein etwas unangenehmes Aroma.�</p><p>Der Junge schrie: �Ich roch �berhaupt nichts! Warum schubst du mich so herum? Warum schlugst du mich auf den Kopf?�</p><p><emphasis>�Flup�</emphasis>, erwiderte Louis. Erst jetzt hatte er begriffen, da� Kawaresksenjajok noch viel zu jung war. In seinem Alter bedeutete ihm der Geruch des Lebensbaumes �berhaupt nichts.</p><p>Deshalb durfte der St�dtebauer-Junge auch bei den fremden Wesen bleiben. Nur Louis Wu konnte nicht Zeuge sein, was sie im Kontrollzentrum machten. Er kehrte allein zur <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> zur�ck.</p><empty-line/><p>Die Sonde befand sich noch ein gutes St�ck von ihnen entfernt auf dem anderen Halbkreis der Ringwelt, Lichtminuten von ihnen entfernt. Ein Hologramm-Fenster, das im schwarzen Basalt-Block vor der Zellenwand der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> leuchtete, vermittelte ihnen den Blick durch die Kamera der Sonde: ein dunstverschleierter teleskopischer Blick auf eine Sonne, die nicht ganz so aktiv war wie Sol im irdischen System. Der Hinterste mu�te das Hologramm eingestellt haben, ehe er das Raumschiff verlie�.</p><p>Der Knochen in Harkabeeparolyns Arm wuchs etwa schief zusammen. Teelas alte Erste-Hilfe-Automatik hatte ihn nicht perfekt einrichten k�nnen. Aber der Bruch heilte ab. Louis' Sorge galt vor allem ihrem seelischen Zustand.</p><p>Nichts umgab sie, was zu ihrer vertrauten Welt geh�rte, und bald w�rde eine Flamme alles vernichten, an das sie sich erinnerte�� man konnte es als Kulturschock bezeichnen. Er fand sie auf dem Wasserbett, in der Betrachtung der vergr��erten Sonne versunken. Sie nickte nur, als er sie begr��te. Stunden sp�ter hatte sie sich noch immer nicht bewegt.</p><p>Louis versuchte sie zum Reden zu bringen. Es half nichts. Sie versuchte ihre Vergangenheit zu vergessen. Alles, was dazu geh�rte.</p><p>Sie reagierte ein wenig, als er ihr die physikalische Situation schilderte. Immerhin hatte sie eine Ahnung von Physik. Er hatte keinen Zugang zum Computer des Raumschiffes und zu den Hologramm-Ger�ten, und deshalb mu�te er sich mit primitiven Zeichnungen an der Kabinenwand begn�gen. Was er nicht skizzieren konnte, erg�nzte er mit vielen Armbewegungen. Sie schien ihn zu verstehen.</p><p>In der zweiten Nacht nach seiner R�ckkehr wachte er auf und sah sie mit gekreuzten Beinen auf dem Wasserbett sitzen. Sie betrachtete ihn nachdenklich, hielt einen Handscheinwerfer-Laser in ihrem Scho�. Er blinzelte in die Glasm�ndung der Waffe, schwang seinen Arm in gro�en Kreisen herum, um sich auf die andere Seite zu w�lzen und schlief in seinem Schlaffeld weiter. Am n�chsten Morgen wachte er gesund und heil wieder auf. Also warum sollte er sich im Nachhinein noch Gedanken dar�ber machen, tanj!</p><p>An diesem Nachmittag beobachteten Harkabeeparolyn und er, wie eine Flamme aus der Sonne hochscho� und sich dann wie eine Zunge nach dem Ring der Kunstwelt ausstreckte. Sie sprachen kaum ein Wort miteinander.</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Einen <emphasis>Falan</emphasis> sp�ter: zehn Ringwelt-Umdrehungen.</p><p>Hoch oben auf dem Bogen der Ringwelt gl�hten einundzwanzig Kerzenflammen so hell wie die Korona der hyperaktiven Sonne, die sich als heller Saum um die R�nder einer Schattenblende ausbreitete.</p><p>Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> war immer noch in ihrem Basaltbett unter der Weltkarte des Mars eingeschlossen. Die Besatzung des Raumschiffes beobachtete den Vorgang durch das Hologramm-Fenster, das sie den Kameras der Sonde verdankten. Die Sonde ruhte jetzt auf einer Klippe am Rand der Weltkarte des Mars, von einem Schneefeld aus Karbon-Dioxid umgeben, wo sich die Marsbewohner ganz bestimmt nicht an ihr vergreifen w�rden.</p><p>Alles, was sich zwischen diesen Kerzenflammen und der Sonne auf dem Reifen der Ringwelt befand, w�rde sterben�� Pflanzen, Tiere und Menschen. In so gro�er Anzahl starben sie, da� im menschlichen Universum kein Leben mehr �brig geblieben w�re, wenn dieser Vorgang sich dort ereignet h�tte. Die Pflanzen w�rden verdorren oder sich auf eine seltsam verdrehte Art entwickeln. Insekten und Tiere w�rden zwar br�ten und Eier legen, aber die Brut w�rde vollkommen aus der Art schlagen. Valavirgillin w�rde sich wundern, warum ihr Vater gestorben war und weshalb sie sich so oft erbrechen mu�te. War das ein Symptom des allgemeinen Untergangs? Und was unternahm der Mann von den Sternen dagegen?�</p><p>Nichts von all dem konnte man aus einer Entfernung von siebenundf�nfzig Millionen Meilen erkennen. Sie sahen nur die Flammen der Bussard-Rammd�sen, die mit angereichertem Treibstoff versorgt wurden.</p><p>�Es ist mir eine Freude, euch mitzuteilen�, sagte der Hinterste, �da� sich der Schwerpunkt der Ringwelt wieder auf die Sonne zu bewegt. Noch sechs oder sieben Umdrehungen, und wir k�nnen die Meteor-Verteidigungsanlage wieder auf das Programm umschalten, wie wir sie vorfanden, n�mlich auf die automatische Abwehr von Meteoren. F�nf Prozent der Ringmauer-Steuerd�sen reichen in Zukunft aus, um die Ringwelt auf ihrem richtigen Kurs zu halten.�</p><p>Chmeee fauchte zufrieden. Louis und die St�dtebauer starrten nur auf das Hologramm, das drau�en im schwarzen Basalt gl�hte.</p><p>�Wir haben gewonnen�, sagte der Hinterste. �Louis, du hast mich f�r eine Aufgabe eingespannt, deren Gr��e sich nur mit dem Bau dieser Welt vergleichen l��t. Daf�r hast du mein Leben aufs Spiel gesetzt. Ich kann jetzt, da wir gewonnen haben, deine Arroganz akzeptieren, aber selbst meiner Toleranz sind Grenzen gesetzt. Ich erwarte jetzt, da� du mir gratulierst, oder ich schneide dir die Luftzufuhr ab.�</p><p>�Ich gratuliere�, sagte Louis Wu.</p><p>Die Frau und der Junge neben ihm begannen zu weinen.</p><p>Chmeee schnaubte: �Es ist das Recht des Siegers zu triumphieren. Belasten dich die Toten und die Sterbenden? Denn jene, die deinen Respekt verdienten, h�tten sich freiwillig gemeldet.�</p><p>�Ich habe ihnen dazu keine Chance gegeben. Zudem verlange ich nicht, da� <emphasis>du</emphasis> deswegen Gewissensbisse empfindest.� �Warum sollte ich auch? Ich will dich nicht beleidigen, aber die Toten und Sterbenden sind alles hominide Wesen. Sie geh�ren nicht zu deiner Gattung, Louis, und schon gar nicht zu meiner oder der des Hintersten. Ich bin ein Held. Ich habe die Bev�lkerung von vergleichsweise zwei Planeten gerettet, und diese Bev�lkerung geh�rt zu <emphasis>meiner</emphasis> Gattung, oder ist ihr zumindest au�erordentlich �hnlich.�</p><p>�Schon gut. Ich verstehe ja deinen Standpunkt.�</p><p>�Und jetzt, mit Hilfe meiner �berlegenen Technologie, beabsichtige ich, hier auf dieser geretteten Welt ein Imperium zu erschaffen.�</p><p>Louis mu�te jetzt doch l�cheln. �Sicher, warum nicht? Auf der Weltkarte der Kzin?�</p><p>�Ich hatte daran gedacht, aber ich glaube, ich ziehe die Weltkarte der Erde vor. Teela erz�hlte uns, da� die Kzinti-Forschungsreisenden jetzt �ber die Weltkarte der Erde herrschen. In geistiger Beziehung stehen mir diese Welteroberer der Kzinti viel n�her als die dekadenten Einwohner der Weltkarte von Kzin.�</p><p>�Du hast vermutlich recht.�</p><p>�Zudem haben jene, die �ber die Weltkarte der Erde herrschen, einen uralten Tagtraum meiner Rasse in die Tat umgesetzt.�</p><p>�Oh?�</p><p>�Indem sie die Erde eroberten, du Idiot.�</p><p>Es waren schon viele Tage vergangen, seit Louis Wu zuletzt gelacht hatte. Sie hatten eine Welt voll Affen erobert! <emphasis>�Sic transit gloria mundi.</emphasis> Aber wie willst du zur Weltkarte der Erde gelangen?�</p><p>�Es w�re keine gro�e Heldentat, die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> von ihrem Basalt-Panzer zu befreien und sie zur�ckzulenken auf den Mons Olympus.�</p><p>�Mein Schiff�, sagte der Hinterste mit sanfter Stimme. Trotzdem schien sie irgendwie lauter als die von Chmeee zu sein: �Meine Steuereinrichtungen. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> fliegt dorthin, wo ich will.�</p><p>Die Stimme von Chmeee hatte einen gereizten Unterton: �Und wo, wenn ich fragen darf, soll das sein?�</p><p>�Nirgendwohin. Ich habe nicht das dringende Bed�rfnis, mich zu rechtfertigen�, erwiderte der Hinterste. �Ihr geh�rt nicht zu meiner Gattung, und wie wollt ihr mir schaden? Wollt ihr vielleicht meinen Hyperdrive-Motor noch einmal verbrennen? Trotzdem seid ihr meine Verb�ndeten. Ich werde es euch erkl�ren.�</p><p>Chmeee stand an der Trennwand und starrte den Puppetier mit ausgefahrenen Krallen und gestr�ubtem Fell um den Hals an. Erkl�rlich.</p><p>�Ich habe gegen die Tradition versto�en�, sagte der Hinterste. �Ich habe nicht aufgeh�rt zu funktionieren, als mich der Tod jede Sekunde ereilen konnte. Mein Leben stand fast zwanzig Jahre lang auf dem Spiel, wobei das Risiko fast asymmetrisch zunahm. Das Risiko ist nun vor�ber. Ich bin im Exil, aber ich lebe. Ich m�chte mich ausruhen. K�nnt ihr vielleicht nachempfinden, wie n�tig ich eine lange Ruhepause habe? In der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> habe ich fast so viel Komfort wie zu Hause, wenn ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde, hei�t das. Mein Schiff ist sicher in einem Felsen eingebettet zwischen zwei Schichten von <emphasis>Scrith</emphasis>, deren Widerstandsf�higkeit sich nur mit dem Rumpf der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> vergleichen l��t. Hier habe ich meine Ruhe und die n�tige Sicherheit. Wenn ich sp�ter das Bed�rfnis empfinden sollte, auf Forschungsreisen zu gehen�� nun, eine Milliarde Kubikmeilen des Ringwelt-Reparaturzentrums warten direkt vor meiner Haust�r. Ich bin genau dort, wo ich sein will, und dort werde ich auch bleiben.�</p><p>Louis und Harkabeeparolyn trieben in dieser Nacht <emphasis>Rishathra</emphasis> (Nein: sie liebten sich). Das hatten sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr getan. Louis hatte schon gef�rchtet, da� ihm dazu jedes Bed�rfnis verlorengegangen war. Danach sagte sie es ihm:</p><p>�Ich habe mich mit Kawaresksenjajok gepaart.�</p><p>Das hatte er bereits bemerkt. Aber sie meinte, da� sie sich auf die Dauer mit ihm gepaart hatte, nicht wahr? �Meine Gratulation.�</p><p>�Das ist nicht der geeignete Ort, ein Kind gro�zuziehen.� Sie hatte sich die M�he gegeben, ihn aufzukl�ren, da� sie schwanger war. Nat�rlich war sie schwanger.</p><p>�Es mu� �berall auf der Ringwelt St�dtebauer geben. Du kannst dich �berall niederlassen. Tats�chlich w�rde ich gerne mit dir kommen�, sagte Louis. �Wir retteten die Welt. Wir werden alle Helden sein, vorausgesetzt, alle glauben uns, was wir ihnen erz�hlen.�</p><p>�Aber Louis, wir k�nnen diesen Ort doch nicht <emphasis>verlassen!</emphasis> Wir k�nnen nicht einmal atmen, wenn wir die Oberfl�che des Mars betreten! Unsere Druckanz�ge sind in Fetzen, und wir befinden uns in der Mitte des <emphasis>Gro�en Ozeans!</emphasis>�</p><p>�Kein Grund, zu verzweifeln�, erwiderte Louis. �Du redest so, als w�ren wir zwischen den Magellanschen Wolken nackt ausgesetzt. Die <emphasis>Hei�e Nadel</emphasis> ist nicht unser einziges Transportmittel. Hier gibt es Tausende von diesen Flugscheiben. Und wir haben ein Raumschiff gefunden, das so gro� ist, da� der Hinterste nur mit dem Tiefenradar die Einzelheiten zu erkennen vermag. Wir werden uns irgend etwas heraussuchen, was zwischen einer Transportscheibe und diesem Raumschiff liegt.�</p><p>�Wird unser zweik�pfiger alliierter Bundesgenosse versuchen, uns zur�ckzuhalten?�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Hinterster, h�rst du uns zu?� Die Decke sagte: �Ja�, und Harkabeeparolyn zuckte zusammen.</p><p>Louis sagte: �Du befindest dich auf dem sichersten Ort, den man sich auf der Ringwelt vorstellen kann. Das hast du selbst gesagt. Die gr��te, nicht vorhersehbare Bedrohung, der du dich jetzt noch gegen�bersiehst, sind die fremden Wesen an Bord deines eigenen Schiffes. Wie gefiele dir das, wenn du sie losw�rdest?�</p><p>�Es gefiele mir. Ich habe Vorschl�ge zu machen. Soll ich Chmeee wecken?�</p><p>�Nein, wir werden morgen dar�ber reden.�</p><empty-line/><p>Es war knapp vor dem Rand der Klippe, wo das Wasser sich zu kondensieren begann. Von dort str�mte es bergab. Es wurde zu einem senkrechten Flu�, einem zwanzig Meilen hohen Wasserfall. Am Fu�e dieses Wasserfalles war ein Nebelmeer, das Hunderte von Meilen auf den Ozean hinausreichte.</p><p>Die Kamera der Sonde, die auf diese Seite der Weltkarte des Mars gerichtet war, zeigte ihnen nichts au�er st�rzendem Wasser und wei�em Nebel.</p><p>�Aber das infrarote Lichtbild sieht ganz anders aus�, sagte der Hinterste. �Schaut mal.�</p><p>Der Nebel verbarg ein Schiff. Ein schmales Dreieck von einem Schiff. Ein eigenartiges Design. Keine M�ste. Moment mal, dachte Louis. Zwanzig Meilen tiefer . . . �Das Ding mu� fast eine Meile lang sein!�</p><p>�Fast�, stimmte der Hinterste zu. �Teela verriet uns sie habe ein Kolonialschiff der Kzinti gestohlen.�</p><p>�Okay.� Louis hatte sich bereits entschlossen. So rasch.</p><p>�Ich baute einen intakten Deuterium-Filter aus der Sonde aus, die Teela sp�ter zerst�rte�, fuhr der Hinterste fort. �Ich kann damit dieses Schiff mit Treibstoff versorgen. Teelas Seereise war eine schreckliche Strapaze. Deine mu� es nicht sein. Du kannst dir Transportscheiben f�r Forschungsreisen mitnehmen und als Handelsgut, wenn du an einer K�ste landest.�</p><p>�Eine gute Idee.�</p><p>�Willst du auch einen noch intakten Wonnestecker haben?�</p><p>�Stelle mir nie mehr diese Frage, okay?�</p><p>�Okay. Aber deine Antwort ist ausweichend.�</p><p>�Richtig. Kannst du ein paar Transportscheiben aus der <emphasis>Hei�en Nadel</emphasis> ausbauen und sie auf diesem Schiff installieren? Das w�re ein Rettungsanker, wenn wir ernsthaft in Schwierigkeiten k�men.� Er sah, wie sich der Puppetier selbst in die Augen schaute, und f�gte hinzu: �Das k�nnte auch <emphasis>dein</emphasis> Leben retten. Schlie�lich befindet sich immer noch ein Protektor auf der Ringwelt, dank unserer Bem�hung mu� er jetzt die Ringwelt nicht mehr verlassen.</p><p>�Ich k�nnte es so einrichten, wie du es verlangst�, erwiderte der Hinterste. �Nun, ist das nicht das richtige Transportmittel f�r die Reise zum Festland?�</p><p>Chmeee sagte: �Ja. Es ist eine lange Reise. hunderttausend Meilen weit. Louis, deine Rasse ist doch der Meinung, da� eine Seereise der Erholung dient.�</p><p>�Auf diesem gewaltigen Meer wird sie wohl eher zu einem Abenteuer. Wir m�ssen direkt nach spinnw�rts fahren. Antispinnw�rts gibt es noch eine Weltkarte eines uns unbekannten Planeten, und bis dahin ist es nicht einmal doppelt so weit.� Louis blickte die St�dtebauer l�chelnd an. �Kawaresksenjajok, Harkabeeparolyn�� sollen wir nicht ein paar M�rchen und Sagen auf den Grund gehen? Vielleicht k�nnen wir den alten Mythen ein paar neue hinzuf�gen.�</p></section></section><section><title><p>Ringwelt-Daten</p></title><p>30 Stunden = 1 Ringwelt Tag</p><p>1 Umdrehung = 7,5 Tage = eine komplette Rotation der Ringwelt</p><p>75 Tage = 10 Umdrehungen = 1 falan</p><p>Masse = 2 � 10<sup>30</sup> Gramm</p><p>Radius= 1,53 � 10<sup>8</sup> km</p><p>Umfang = 9,61 � 10<sup>8</sup> km</p><p>Breite = 1.600.000 km</p><p>Oberfl�che = 1,55 � 10<sup>15</sup> km<sup>2</sup> = 3 � 10<sup>6</sup> mal die Erdoberfl�che (ca.)</p><p>Oberfl�chengravitation = 9,73 m/sec<sup>2</sup> = 0,992 G</p><p>Die W�nder der Kante ragen 1600 km hoch.</p><p>Stern: G3-Klasse (am Rande zur G2-Klasse), etwas kleiner und k�hler als Sol</p></section><section><title><p>Abbildungen</p></title><image l:href="#3"/><empty-line/><image l:href="#4"/><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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