<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Jeff</first-name><last-name>Grubb</last-name></author><book-title>Der letzte W�chter</book-title><annotation><p>In den dunstverhangenen Nebeln der Vergangenheit war die Welt Azeroth von wundersamen Wesen aller Art erf�llt. Geheimnisvolle Elfen und k�hne Zwerge wandelten unter den Menschen � bis die Ankunft der d�monischen Armee, die man die Brennende Legion nannte, den Frieden f�r immer aus der Welt verbannte.</p><p>Jetzt k�mpfen Orks, Drachen, Kobolde und Trolle um die Herrschaft �ber die zerschmetterten K�nigreiche; und ein unheilvoller Plan bestimmt das Schicksal der Welt von WARCRAFT. Die W�chter von Tirisfal � eine legend�re Bruderschaft von m�chtigen Kriegern mit gottgleichen Kr�ften � f�hren schon seit jeher einen einsamen Kampf im Verborgenen gegen die Brennende Legion. Medivh war von Geburt an zum Gr��ten und M�chtigsten dieses edlen Ordens auserw�hlt. Doch von Anfang an lag ein dunkler Schatten auf seiner Seele, der ihn dazu verf�hrte, seine Kr�fte in den Dienst des B�sen zu stellen. Medivhs Kampf gegen sein dunkles Selbst sollte das Schicksal von ganz Azeroth bestimmen und es f�r immer ver�ndern.</p></annotation><date>2004</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Claudia</first-name><last-name>Kern</last-name></translator><sequence name="Warcraft" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Jeff</first-name><last-name>Grubb</last-name></author><book-title>The Last Guardian</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>8989BEDE-CD8D-4568-97C3-BFED5E1B054E</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Jeff Grubb</p><p>Der letzte W�chter</p></title><epigraph><p>F�r Chris Metzen,</p><p>der die Vision behielt</p></epigraph><section><title><p>Prolog</p><p>Der einsame Turm</p></title><p>Der gr��ere der beiden Monde war an diesem Abend zuerst aufgegangen und hing nun silbrig wei� vor einem klaren, sterngesprenkelten Himmel. In seinem schimmernden Licht erhoben sich die Gipfel der Redridge-Berge. Bei Tag zauberte die Sonne Magenta- und Rost-T�ne auf die schroffen Granit-Spitzen, doch im Mondlicht erhoben sie sich nur als dunkle, grimmige Schatten. Im Westen erstreckte der Wald von Elwynn seinen schweren Baldachin aus Eichen- und Satinholz bis zum weit entfernten Meer. Im Osten breitete sich der trostlose Sumpf des Schwarzen Morasts aus, ein Land der Marschen und niedrigen H�gel, der Moore und toten Wasser, der gescheiterten Siedlungen und lauernden Gefahren. Ein Schatten huschte am bleichen Antlitz des Mondes vorbei, ein Schatten von der Gr��e eines Raben. Er hielt auf eine L�cke im Herzen der Berge zu.</p><p>Hier war ein gewaltiger Brocken aus den R�ngen der Redridge-Kette gerissen worden und hatte ein kreisf�rmiges Tal zur�ckgelassen. Vor Urzeiten mochte hier einmal ein gewaltiger Himmelsk�rper niedergest�rzt sein, der die Gipfel mit der Macht seines Einschlags zum Beben brachte, aber die Erinnerung an diese Heimsuchung war lange verblasst, und die Schale des Kraters hatte sich in einen Kreis steilkantiger Anh�hen verwandelt, kleiner Geschwister der gewaltigen Berge, die v�terlich zu ihnen herab blickten. Keiner der alten B�ume von Elwynn wagte sich in diese H�he, und das Innere des H�gelrings lag �de unter dem Auge des Mondes. Nur verfilztes Unkraut fristete hier ein karges Dasein.</p><p>Im Zentrum des Rings erhob sich ein nackter H�gel, so kahl wie das Haupt eines Kaufmanns aus Kul Tiras. Tats�chlich erinnerte die Art, wie die Anh�he j�h aufstieg und sich dann sanft zu einem fast flachen Plateau neigte, an die Form eines menschlichen Sch�dels. Viele hatten dies im Laufe der Jahre bemerkt, doch nur wenige waren mutig oder m�chtig � oder taktlos � genug gewesen, ihre Beobachtung gegen�ber dem Herrn des B�hls zu erw�hnen.</p><p>Auf der abgeflachten Spitze des H�gels erhob sich ein alter Turm, ein riesiger, mahnender Finger aus wei�em Stein und dunklem M�rtel, eine von Menschenhand geschaffene Eruption, die stolz in den Himmel schoss und h�her kletterte als die sie umstehenden Erhebungen. Der Turm leuchtete bleich im Mondlicht. Eine niedrige Mauer an seinem Fu� umrahmte einen Burghof, in dem die verfallenen Ruinen eines Pferdestalls und einer Schmiede zu erkennen waren. Aber der Turm dominierte alles.</p><p>Einst hatte man diesen Ort Karazhan genannt. Einst war er das Domizil des letzten der r�tselhaften W�chter von Tirisfal gewesen. Einst hatte dieser Ort gelebt. Jetzt war er nur noch verlassen und vergessen.</p><p>Ein Schweigen lag �ber dem Turm, und doch waren Bewegungen in ihm zu erkennen. In der Umarmung der Nacht huschten stille Gestalten von Fenster zu Fenster. Phantome tanzten auf Balkonen und Br�stungen. Weniger als Geister, doch mehr als blo�e Erinnerungen, waren sie Treibgut der Vergangenheit, das vom Fluss der Zeit angeschwemmt worden war. Diese Schatten hatte der Besitzer des Turms in seinem Wahn losgebrochen, und jetzt waren sie verdammt, ihre Theaterst�cke, ihre Kom�dien und Trag�dien, immer und immer wieder in der Stille des verlassenen Turms aufzuf�hren. Verflucht zum Inszenieren, wurde ihnen aber gleichzeitig des K�nstlers gr��er Schatz, ein Publikum, das ihre Possen h�tte genie�en k�nnen, verweigert.</p><p>Doch eines Tages brach sich in der Stille das weiche Kratzen eines Stiefels. Es wiederholte sich. Eine Bewegung blitzte im schimmernden Mondlicht auf, ein Schatten vor dem wei�en Stein, das Flattern eines zerrissenen, roten Mantels in der k�hlen Nachtluft. Eine Gestalt schritt �ber die oberste Br�stung des Turms, die vor einem Raum lag, der vor Jahren als Observatorium gedient hatte.</p><p>Die T�r zum Observatorium �ffnete sich mit kreischenden Scharnieren und stoppte j�h, als Rost und der Lauf der Zeit sie l�hmten. Die Gestalt hielt einen Moment lang inne. Dann legte sie einen Finger auf das Scharnier und murmelte ein paar ausgesuchte Worte. Danach schwang die T�r vollends und v�llig lautlos auf, die Scharniere waren wie neu. Der Eindringling erlaubte sich ein L�cheln.</p><p>Das Observatorium war als solches unbrauchbar geworden. Was an Apparaturen noch �brig war, lag zerschmettert in der Kammer verstreut. Der Eindringling, selbst fast so still wie ein Geist, nahm ein zertr�mmertes Astrolabium vom Boden auf, dessen Gradskala in irgendeinem l�ngst vergessenen Wutanfall von starker Hand verbogen worden war. Jetzt war das Ger�t nur noch ein Klumpen Gold, schwer und tot.</p><p>Pl�tzlich gab es eine weitere Bewegung in der Kammer, und der Eindringling blickte auf. Jetzt stand eine geisterhafte Gestalt neben einem der vielen Fenster, das Phantom eines breitschultrigen, b�rtigen Mannes, dessen einst dunkles Haar an den R�ndern vorzeitig ergraut war. Es war eine der Scherben der Vergangenheit. Von ihrem Platz genommen, wiederholte sie ihre Aufgabe immer und immer wieder. Egal ob sie einen Betrachter hatte oder nicht.</p><p>Gerade hob der dunkelhaarige Mann das Astrolabium, den noch heilen Zwilling jenes Instruments, das der Eindringling in H�nden hielt, und justierte es an einem kleinen Knopf an der Seite. Ein Moment, ein pr�fender Blick, eine weitere Drehung des Knopfes � und dunkle Brauen furchten sich �ber geisterhaften, gr�nen Augen. Noch ein Moment, noch ein pr�fender Blick, noch ein Drehen des Knopfes � Schlie�lich seufzte die gro�e, beeindruckende Gestalt und stellte das Astrolabium auf einen Tisch, der schon lange nicht mehr existierte. Dann verschwand sie.</p><p>Der Eindringling nickte. Solcher Spuk hatte Karazhan schon fr�her heimgesucht, damals, als der Turm noch bewohnt war. Aber jetzt, aus der Kontrolle (und dem Wahnsinn) ihres Meisters entlassen, waren die Phantome dreist geworden. Nichtsdestotrotz geh�rten diese Tr�mmer der Vergangenheit hierher � im Gegensatz zu ihm. Er war der St�renfried, nicht sie.</p><p>Der Eindringling durchquerte den Raum und gelangte an die Treppe, die nach unten f�hrte. W�hrend er die Stufen hinabstieg, flackerte hinter ihm wieder der Spuk des �lteren Mannes auf und wiederholte seine Aktion. Er hob das Astrolabium und richtete es auf einen Planeten, der schon vor langer Zeit in andere Bereiche des Himmels aufgebrochen war.</p><p>Der Eindringling bewegte sich indes im Turm abw�rts, durchquerte Stockwerke und G�nge, um andere Treppen und andere G�nge zu erreichen. Keiner der R�ume war ihm verschlossen, auch jene nicht, die hinter festen Riegeln ruhten oder deren T�ren Rost und Alter versiegelt hatten. Ein paar gemurmelte Worte, eine Ber�hrung, eine Geste, und die Fesseln flogen auf, Rost sammelte sich in roten Haufen am Boden, Scharniere bewegten sich lautlos. An ein oder zwei Orten glommen Schutzzauber, trotz ihres Alters immer noch m�chtig. Der Eindringling blieb f�r einen Augenblick nachdenklich vor ihnen stehen und suchte in seiner Erinnerung nach dem passenden Gegenzauber. Er sprach das richtige Wort, machte die richtige Handbewegung, zerschmetterte die Magie, die hier noch wirksam war, und schritt unbeeindruckt weiter.</p><p>W�hrend er seinen Weg durch den Turm fortsetzte, wurden die Schatten der Vergangenheit stetig unruhiger und aktiver. Jetzt, da sie ein Publikum hatten, schien es, als dr�ngte es die vergessenen Geschichten sich zu erz�hlen, und sei es auch nur, um sich von diesem Ort zu befreien. Was immer sie einst an Klang besessen haben mochten, war vor langer Zeit verwittert, und nur die Bilder waren zur�ckgeblieben, wandelten durch die Hallen.</p><p>Der Eindringling ging an einem greisen Diener in dunkler Livree vorbei, der langsam �ber einen leeren Gang schlurfte. Der gebrechliche, alte Mann trug ein silbernes Tablett, und Scheuklappen zierten die Seiten seines Kopfes. Der St�renfried durchquerte die Bibliothek, wo eine gr�nh�utige junge Frau, ihm den R�cken zugewandt, sa� und sich �ber ein altes Buch beugte. Er durchschritt einen Bankettsaal, an dessen einem Ende eine Gruppe von Musikanten ger�uschlos aufspielte, w�hrend T�nzer in einer Gavotte wirbelten. Am anderen Ende brannte eine gro�e Stadt, deren Flammen vergeblich gegen die Steinw�nde und verrotteten Wandteppiche leckten. Der Eindringling ging durch die schweigenden Flammen. Sie konnten ihm nichts anhaben, aber sein Gesicht verzog sich angespannt, als er ein weiteres Mal Zeuge wurde, wie die m�chtige Stadt Stormwind um ihn herum niederbrannte.</p><p>In einem Raum sa�en drei junge M�nner um einen Tisch und erz�hlten sich l�ngst vergessene L�gen. Becher aus Metall lagen auf dem Tisch und darunter. Der St�renfried stand lange vor diesem Bild, bis eine Phantom-Kellnerin eine neue Runde brachte. Er sch�ttelte den Kopf und ging weiter.</p><p>Fast auf der untersten Ebene angekommen, trat er auf einen niedrigen Balkon hinaus, der unsicher wie ein Wespennest an der Mauer �ber dem Haupteingang hing. Dort, vor dem Turm, zwischen dem Eingang und dem zerfallenen Pferdestall, stand ein einzelnes, geisterhaftes Bild, einsam und verloren. Es bewegte sich nicht wie die anderen, es stand nur da, unsicher, z�gernd, ein Fragment der Vergangenheit, das nicht entlassen worden war. Ein Fragment, das auf ihn wartete.</p><p>Das bewegungslose Bild zeigte einen jungen Mann mit schwarzem, unordentlichem Haar, durch das ein breiter, wei�er Streifen verlief. Das sch�ttere Haar eines Bartes, der gerade erst zu sprie�en begonnen hatte, tat seinem Gesicht keinen Gefallen. Ein ramponierter Rucksack lag zu F��en des Jungen, der einen rot versiegelten Brief in der Hand hielt.</p><p>Dies war kein Geist, wusste der Eindringling, obwohl der J�ngling inzwischen tot sein mochte, im Kampf unter einer fremden Sonne gefallen. Dies war eine Erinnerung, Treibgut der Vergangenheit, gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Sie wartete auf ihre Befreiung. Sie wartete auf ihn.</p><p>Der St�renfried legt die H�nde auf das steinerne Sims des Balkons und blickte hinaus �ber den Burghof, �ber die Anh�he, �ber den H�gelring. Schweigen herrschte im Mondlicht, und auch die Berge schienen den Atem anzuhalten und auf ihn warten.</p><p>Der Eindringling hob eine Hand und intonierte eine Reihe gesungener Worte. Zun�chst kamen die Reime und Rhythmen leise, dann lauter, und schlie�lich wurden sie zu Rufen, zu Schreien. Sie zerschmetterten die Stille. In der Ferne nahmen W�lfe den seltsamen Gesang auf und warfen einen heulendem Kontrapunkt zur�ck.</p><p>Und das Bild des geisterhaften Jungen, dessen F��e im Schlamm gefangen schienen, atmete tief ein. Es packte den mit Geheimnissen beladenen Rucksack auf seine Schultern und schleppte sich auf das Tor von Medivhs Turm zu.</p></section><section><title><p>1</p><p>Karazhan</p></title><p>Khadgar umklammerte das rot versiegelte Empfehlungsschreiben und versuchte verzweifelt, sich an seinen eigenen Namen zu erinnern. Tagelang war er geritten, hatte verschiedene Karawanen begleitet und sich schlie�lich allein durch die weiten, dunklen W�lder von Elwynn auf den Weg nach Karazhan gemacht. Dann der beschwerliche Aufstieg in die Berge, bis er diesen ruhigen, einsamen Ort erreicht hatte. Selbst die kalte Luft schien hier von besonderer Art zu sein. Nun stand der junge Mann mit dem d�nnen Bart im Hof, wund und m�de im schwindenden Licht der Abendd�mmerung, versteinert vor Angst angesichts dessen, was er jetzt tun musste: beim m�chtigsten Magier von Azeroth vorstellig werden.</p><p>Es ist eine gro�e Ehre, hatten die Weisen der Kirin Tor gesagt. Eine Gelegenheit, so versicherten sie ihm und sich selbst, die man nicht verstreichen lassen durfte. Khadgars Lehrer � ein Konklave einflussreicher Gelehrter und Zauberer � hatten ihm erz�hlt, wie sie schon seit Jahren versuchten, ein geneigtes Ohr im Turm von Karazhan zu finden. Die Kirin Tor wollten erfahren, welches Wissen der m�chtigste Zauberer des ganzen Landes in seiner Bibliothek versteckte, welche Forschungen er betrieb. Und vor allem wollten sie, dass dieser geheimnisvolle Einzelg�nger endlich begann, f�r sein Erbe zu planen und einen Nachfolger heranzuziehen.</p><p>Der gro�e Medivh und die Kirin Tor stritten offenbar seit Jahren �ber dies und anderes, und erst jetzt gab der Magus ein paar ihrer flehentlichen Bitten nach. Erst jetzt wollte er einen Sch�ler annehmen. Ob dies bedeutete, dass das einhelligen Berichten zufolge �beraus harte Herz des Zauberers endlich weich wurde, ob es nur ein diplomatischer Schachzug war, oder ob der Magier endlich seine Sterblichkeit zu sp�ren begann, war Khadgars Meistern gleichg�ltig. Der m�chtige, unabh�ngige (und f�r Khadgar h�chst geheimnisvolle) Magier hatte um einen Assistenten gebeten, und die Kirin Tor, die das magische K�nigreich von Dalaran regierten, waren �bergl�cklich, dieser Bitte nachkommen zu d�rfen.</p><p>So wurde der junge Khadgar ausgew�hlt und losgeschickt � mit einer Liste von Forderungen, Anweisungen, Befehlen, Gegenbefehlen, Bitten, Vorschl�gen, Ratschl�gen und weiteren Forderungen seiner Meister. Frage Medivh nach den K�mpfen seiner Mutter mit D�monen, hatte Guzbah, sein Erster Lehrer, gebeten. Durchforste seine Bibliothek nach allem, was du �ber die Geschichte der Elfen finden kannst, bat Lady Delth. Geh all seine Bestiarien durch, befahl Alonda, der �berzeugt war, dass es eine f�nfte Troll-Rasse gab, die in seinen eigenen B�chern bisher noch unerw�hnt geblieben war. Sei direkt, offen und ehrlich, riet Norlan, der Haupt-Kunstwerker � der gro�e Magus Medivh schien solche Charaktereigenschaften zu sch�tzen. Sei flei�ig und tu, was man dir sagt. Zeig immer Interesse. Steh gerade! Und vor allem � halte Augen und Ohren offen.</p><p>Die Ambitionen der Kirin Tor bereiteten Khadgar kein gro�es Kopfzerbrechen � seine Erziehung in Dalaran und seine Lehrzeit beim Konklave hatten ihm klar gemacht, dass seine Mentoren von einer unstillbaren Neugier auf Magie in all ihren Formen und Gestalten beherrscht waren. St�ndig sammelten, katalogisierten und definierten sie Magie und lehrten ihre Sch�ler die gleiche Besessenheit. Khadgar unterschied sich in dieser Hinsicht nicht von den anderen.</p><p>Tats�chlich, so hatte er klar erkannt, war es wahrscheinlich gerade seine eigene nimmersatte Neugierde, die ihn erst in seine jetzige missliche Lage gebracht hatte. Seine n�chtlichen Streifz�ge durch die Hallen der Violetten Zitadelle von Dalaran hatten mehr als nur ein paar Geheimnisse enth�llt, die das Konklave lieber nicht an die �ffentlichkeit gelangen lassen wollte.</p><p>Die leidenschaftliche Liebe des Haupt-Kunstwerkers zum Flammenwein beispielsweise; oder Lady Delths Neigung zu jungen Kavalieren, die kaum halb so alt waren wie sie selbst; oder die heimliche Sammlung des Bibliothekars Korrigan, der Dutzende von Pamphleten versteckt hielt, die in rei�erischer und ausf�hrlicher Manier die Praktiken historischer D�monen-Anbeter beschrieben.</p><p>Und da war die Geschichte mit dem ehrw�rdigen Arrexis, einem der gr��ten Weisen von Dalaran, einer Grauen Eminenz, die selbst die anderen respektierten. Er war verschwunden oder gestorben oder etwas noch Schrecklicheres, und die anderen hatten sich entschlossen, dar�ber zu schweigen, wobei sie sogar so weit gingen, Arrexis� Namen aus ihren Annalen zu streichen. Nie wurde von ihm gesprochen, doch Khadgar hatte trotzdem herausgefunden, dass etwas mit ihm geschehen war � nur was genau, das blieb selbst seinen Nachforschungen verborgen. Khadgar besa� ein Talent daf�r, den beil�ufigen Hinweis zu finden, die n�tige Verbindung herzustellen oder zur richtigen Zeit mit der richtigen Person zu sprechen. Es war eine Gabe, die sich noch einmal als Fluch erweisen mochte.</p><p>Jede dieser Entdeckungen konnte dazu gef�hrt haben, dass er diese ehrenvolle (und trotz aller Planungen und Warnungen m�glicherweise t�dliche) Mission �bertragen bekommen hatte. Vielleicht waren seine Meister zu der Ansicht gelangt, der junge Khadgar sei ein wenig <emphasis>zu</emphasis> gut darin, Geheimnissen nachzusp�ren, und es w�re besser f�r das Konklave, wenn man ihn an einen Ort schickte, wo seine Neugier etwas Vorteilhaftes f�r die Kirin Tor bewirken konnte � oder wo er zumindest so weit von der Violetten Zitadelle entfernt war, dass er nicht noch mehr Indiskretionen �ber seine Meister ans Licht brachte.</p><p>Also machte sich der junge Mann mit einem Rucksack voller Notizen und einem Herzen voller Geheimnisse � und einem Kopf voller klarer Forderungen und nutzloser Ratschl�ge � auf den Weg. In der letzten Woche vor seiner Abreise aus Dalaran hatte ihn fast jedes Mitglied des Konklave mindestens einmal zu sich gerufen, und keiner dieser Zauberer war nicht brennend an Medivh interessiert gewesen. F�r einen Magier, der im entlegendsten Winkel des Nirgendwo hauste, umgeben von B�umen und omin�sen Bergen, widmeten die Kirin Tor ihm erstaunlich gro�e � und erstaunlich brennende � Neugierde.</p><p>Khadgar sog tief den Atem durch die Nase ein � was ihn daran erinnerte, dass er sich noch immer zu nahe bei den Pferdest�llen aufhielt � und schritt auf den Turm zu. Sein F��e f�hlten sich an, als z�ge er sein Pack-Pony an einem Seil hinter sich her, das an seinen Kn�cheln festgebunden war.</p><p>Vor ihm g�hnte der Haupteingang wie eine H�hle. Er besa� weder Tor noch Fallgatter. Das machte Sinn, denn welche Armee w�rde sich durch den Wald von Elwynn k�mpfen und die steilen W�nde des Kraters erklimmen, nur um sich dann dem Magus Medivh stellen zu m�ssen? Es existierten keinerlei Aufzeichnungen, dass irgendjemand oder irgendetwas jemals versucht h�tte, Karazhan zu belagern.</p><p>Der im Schatten liegende Eingang war so hoch, dass ein Elefant ihn h�tte passieren k�nnen. Dar�ber hing ein breiter Balkon mit einer Balustrade aus wei�em Stein. Von dort aus musste man auf einer Ebene mit den H�geln sein, die die Anh�he wachsam umstanden, und sogar einen Zipfel der dahinterliegenden Berge erkennen k�nnen.</p><p>Etwas huschte �ber die Balustrade, eine winzige Bewegung, die Khadgar eher f�hlte als sah. Vielleicht eine in ein weites Gewand geh�llte Gestalt, die vom Balkon zur�ck in den Turm trat. Beobachtete man ihr? Jedenfalls gab es niemanden, der kam, um ihn zu begr��en. Wurde erwartet, dass er sich allein in den Turm begab?</p><p>�Du � bist � der � Neue?�, fragte schleppend eine sanfte, dunkle Stimme.</p><p>Khadgar, der den Kopf noch immer hoch zum Balkon gereckt hatte, schrie beinahe vor Schreck auf. Vor ihm war eine gebeugte, d�rre Gestalt aus den Schatten des Eingangs herausgetreten.</p><p>Das krumme Gesch�pf sah nur vage menschlich aus, und einen Augenblick lang fragte sich Khadgar, ob Medivh Waldtiere verwandelte, um sie als Diener f�r sich arbeiten zu lassen. Diese Kreatur hier erinnerte ihn an ein haarloses Wiesel, dessen langes Gesicht von etwas eingerahmt wurde, das aussah wie ein Paar schwarzer Rechtecke.</p><p>Die Wiesel-Gestalt trat weiter aus den Schatten heraus und wiederholte ihre Frage. �Du � bist � der � Neue?� Jedes Wort wurde mit einem eigenen Atemzug artikuliert, eingeschlossen in eine eigene kleine Kiste, isoliert von den anderen. Die Kreatur trat nun vollkommen ans Licht und gab sich als nicht mehr und nicht weniger Bedrohliches zu erkennen als einen peitschend�rren alten Mann in einer dunklen Kammgarn-Livree. Ein Diener � aber zweifellos wohl doch ein Mensch. Er trug noch immer die dunklen Rechtecke an den Seiten seines Kopfes, wie einen Satz Ohrensch�tzer, die sich nach vorne bis zu seiner weit vorstehenden Nase hin erstreckten.</p><p>Der Besucher bemerkte, dass er den alten Mann anstarrte. �Khadgar�, sagte er. Dann, einen Augenblick sp�ter, hielt er das Empfehlungsschreiben hoch. �Von Dalaran. Khadgar von Dalaran, im K�nigreich von Lordaeron. Ich bin von den Kirin Tor gesandt. Von der Violetten Zitadelle. Von Dalaran. In Lordaeron.� Ihm war, als werfe er kleine Wort-Steine in einen gro�en, leeren Brunnen, und er hoffte, der alte Mann werde auf irgendeines dieser Wurfgeschosse reagieren.</p><p>�Nat�rlich bist du Khadgar�, entgegnete der alte Mann. �Von den Kirin Tor. Von der Violetten Zitadelle. Von Dalaran. Von Lordaeron.� Der Diener nahm den ihm dargebotenen Brief, als sei das Dokument ein lebendiges Reptil, und nachdem er die zerknitterten Ecken glattgestrichen hatte, steckte er es in die Weste seiner Livree, ohne es ge�ffnet zu haben. Nachdem Khadgar den Brief so viele Meilen getragen und besch�tzt hatte, f�hlte er einen seltsamen Verlustschmerz. Dieses Schreiben stellte seine Zukunft dar, und er sah es ungern verschwinden, sei es auch nur f�r kurze Zeit.</p><p>�Die Kirin Tor schicken mich, um Medivh zu assistieren. Lord Medivh. Der Zauberer Medivh. Medivh von Karazhan.� Khadgar wurde klar, dass er nur einen halben Schritt davon entfernt war, in einem vollkommenen Gestammel zusammenzubrechen, und mit einer entschlossenen Anstrengung schloss er fest den Mund.</p><p>�Da bin ich mir sicher�, sagte der Diener. �Dass die Kirin Tor dich geschickt haben, meine ich.� Er klopfte auf das Siegel des Briefes, der aus seiner Weste hervorschaute. Dann tauchte eine d�nne Hand unter die andere Seite seiner Weste und zog ein Paar schwarze Rechtecke hervor, das durch ein d�nnes Metallband miteinander verbunden war. �Scheuklappen?�</p><p>Khadgar blinzelte. �Nein. Ich meine, nein danke.�</p><p>�Moroes�, sagte der Diener.</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich bin Moroes�, sagte der Diener. �Verwalter des Turms. Medivhs Kastellan. Scheuklappen?� Wieder hob er die schwarzen Rechtecke, die wie Zwillinge jenen glichen, die sein eigenes, schmales Gesicht umrahmten.</p><p>�Nein, danke � Moroes�, sagte Khadgar, dessen Gesicht vor Neugier zu zucken begann.</p><p>Der Diener drehte sich um und gab Khadgar mit einem schwachen Wink seines Armes zu verstehen, ihm zu folgen.</p><p>Khadgar nahm seinen Rucksack auf und musste sich sputen, um den Diener einzuholen, der schon weit vor ihm ging und in den Schatten kaum mehr zu erkennen war. Obwohl er sehr gebrechlich wirkte, bewegte sich der Verwalter mit einem erstaunlichen Tempo.</p><p>�Seid Ihr allein im Turm?�, fragte Khadgar, als sie begannen, eine geschwungene Treppe mit breiten, niedrigen Stufen empor zu steigen. Der Stein senkte sich in der Mitte, wo ihn Myriaden von Diener- und G�ste-F��en abgeschliffen hatten.</p><p>�H�h?�, machte der Diener.</p><p>�Seid Ihr allein?�, wiederholte Khadgar seine Worte und fragte sich, ob er gezwungen sein w�rde, wie Moroes zu sprechen, um verstanden zu werden. �Lebt Ihr hier allein?�</p><p>�Der Magus ist hier�, antwortete Moroes mit einer keuchenden Stimme, die so d�nn und so tot wie Grabesstaub klang.</p><p>�Ja, nat�rlich�, sagte Khadgar.</p><p>�W�rde nicht viel Sinn machen, dass du hierher kommst, wenn er es nicht w�re�, fuhr der Diener fort. �Hier, meine ich.�</p><p>Khadgar �berlegte, dass die Stimme des Alten so d�ster klang, weil sie nicht oft benutzt wurde. �Nat�rlich�, stimmte er zu. �Sonst noch jemand?�</p><p>�Du. Jetzt�, fuhr Moroes fort. �Mehr Arbeit, sich um zwei zu k�mmern, als um einen. Nicht, dass man mich fragte.�</p><p>�Also nur Ihr und der Zauberer dann, normalerweise?�, sagte Khadgar. War der Verwalter wegen seiner Wortkargheit angestellt (oder geschaffen) worden?</p><p>�Und K�chin�, sagte Moroes. �Obwohl K�chin nicht viel redet. Aber danke der Nachfrage.�</p><p>Khadgar versuchte verzweifelt, sich zur�ckzuhalten und nicht mit den Augen zu rollen, aber er schaffte es nicht. M�glicherweise verhinderten jedoch die Scheuklappen zu beiden Seiten von Moroes� Kopf, dass der Verwalter sein despektierliches Verhalten bemerkte.</p><p>Sie erreichten ein erstes Stockwerk und kreuzten einen ersten Gang, der von Fackeln beleuchtet wurde. Moroes schritt sofort munter auf einen weiteren Aufgang in der Mitte abgewetzter, geschwungener Stufen zu, doch Khadgar blieb einen Augenblick stehen, um die Fackeln zu betrachten. Er hielt eine Hand bis auf wenige Zoll an die flackernde Flamme, aber er f�hlte keine Hitze. Khadgar fragte sich, ob die kalten Flammen im gesamten Turm zu finden waren. In Dalaran benutzte man phosphoreszierende Kristalle, die ein gleichm��iges, konstantes Gl�hen ausstrahlten, doch bei seinen Nachforschungen war er auf Berichte von reflektierenden Spiegeln gesto�en und auf Elementargeister, die in Laternen gefangen gehalten wurden � und ein Buch sprach von riesigen gefangenen Gl�hw�rmchen. Doch diese Feuer schienen wie festgefroren zu sein.</p><p>Moroes, der schon halb die n�chste Treppe hinauf war, drehte sich langsam um und gab ein keuchendes Husten von sich. Khadgar beeilte sich, ihm zu folgen. Offenbar behinderten die Scheuklappen den alten Verwalter nicht sonderlich.</p><p>�Warum die Klappen?�, fragte Khadgar.</p><p>�H�h?�, machte Moroes.</p><p>Khadgar ber�hrte die Seiten seines eigenen Kopfes. �Die Scheuklappen. Warum?�</p><p>Moroes verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, von der Khadgar nur annehmen konnte, dass sie ein L�cheln darstellen sollte. �Magie ist stark hier. Stark. Und falsch. Manchmal. Man sieht � hier � Dinge. Wenn man nicht vorsichtig ist. Ich bin vorsichtig. Andere Besucher, deine Vorg�nger, waren das weniger. Sie sind jetzt nicht mehr hier.�</p><p>Khadgar dachte an das Phantom, das er auf dem �berh�ngenden Balkon gesehen oder nicht gesehen hatte, und nickte.</p><p>�K�chin tr�gt eine Brille aus Rosenquarz-Linsen�, f�gte Moroes hinzu. �Schw�rt darauf.� Er machte eine kleine Pause, dann f�gte er hinzu: �K�chin ist in dieser Hinsicht etwas t�richt.�</p><p>Khadgar hoffte, Moroes w�rde etwas gespr�chiger werden, sobald er sich an ihn gew�hnt hatte. �Also, Ihr seid schon lange im Haushalt des Magiers?�</p><p>�H�h?�, machte Moroes wieder.</p><p>�Ihr seid schon lange bei Medivh?�, fragte Khadgar und hoffte, dass man seiner Stimme die Ungeduld nicht anh�rte.</p><p>�Lange genug�, sagte der Verwalter. �Zu lange. Scheint mir wie Jahre. Die Zeit ist hier so.� Der verwitterte Diener lie� seine Stimme verklingen, und die beiden gingen weiter schweigend die Treppe hinauf.</p><p>�Was wisst Ihr �ber ihn?�, wagte Khadgar schlie�lich zu �u�ern. �Den Magus, meine ich.�</p><p>�Frage wohl eher�, sagte Moroes und �ffnete noch eine T�r, die eine weitere Treppe enth�llte, �was wei�t du?�</p><empty-line/><p>Khadgars eigene Nachforschungen in dieser Angelegenheit waren erstaunlich unproduktiv gewesen und seine Ergebnisse entt�uschend d�rftig. In der Gro�en Bibliothek der Violetten Zitadelle (und in ein paar Privatbibliotheken und geheimen Sammlungen) fand sich wenig �ber den gro�en und m�chtigen Medivh. Dies war doppelt seltsam angesichts der Tatsache, dass jeder Magier in Dalaran Ehrfurcht vor Medivh zu empfinden und die eine oder andere Sache von ihm zu w�nschen schien. Einen Gefallen, eine Gunst, eine kleine Information.</p><p>Medivh war offenbar ein ziemlich junger Mann � nach den Ma�st�ben von Zauberern. Er war erst in seinen Vierzigern, und w�hrend eines Gro�teils seines Lebens schien er keinerlei Wirkung auf seine Umgebung besessen zu haben. Das war eine �berraschung f�r Khadgar. Die meisten Berichte, die er geh�rt und gelesen hatte, beschrieben unabh�ngige Zauberer als extrem angeberisch, furchtlos im Spiel mit Geheimnissen, die nicht f�r Menschen bestimmt sind, und normalerweise tot, verkr�ppelt oder verdammt, weil sie sich mit M�chten einlie�en, die ihre eigenen Kr�fte �berstiegen. Die meisten Geschichten, die er als Kind �ber nicht dalaranische Magier geh�rt hatte, endeten mit der gleichen Moral: Ohne Zur�ckhaltung, Kontrolle und Vernunft nehmen die wilden, untrainierten und autodidaktischen Magier stets ein b�ses Ende (und manchmal, aber nicht oft, zerst�ren sie dabei noch einen Gro�teil des Landes).</p><p>Doch Medivh hatte weder eine Burg �ber sich zum Einsturz gebracht, noch seine Atome �ber das Twisting Nether verteilt und auch keinen Drachen beschworen, ohne zu wissen, wie man einen solchen Feuerspeier kontrolliert. Das lie� entweder gro�e Zur�ckhaltung oder gro�e Macht vermuten. Angesichts des Rummels, den die Gelehrten um Khadgars Mission gemacht hatten, und der endlosen Liste von Anweisungen, die man ihm mitgegeben hatte, entschied der Junge, dass Letzteres der Fall sein musste.</p><p>Doch trotz all seiner Nachforschungen konnte Khadgar nicht herausfinden, was diesem Medivh den enormen Respekt eingetragen hatte, den er genoss. Nichts wies auf irgendwelche gro�en Leistungen des Magiers hin, auf wichtige Forschungen oder eine einzigartige Entdeckung � was die offensichtliche Ehrfurcht erkl�rt h�tte, mit der die Kirin Tor diesem unabh�ngigen Magus begegneten. Keine gewaltigen Kriege, keine gro�en Eroberungen, keine m�chtigen Schlachten. Die Barden wurden merklich einsilbig, wenn es um Dinge ging, die Medivh betrafen, und ansonsten geschw�tzige Boten wussten nichts beizusteuern, wenn es an der Zeit war, die Verdienste des Zauberers zu diskutieren.</p><p>Und doch, so erkannte Khadgar, gab es hier etwas Wichtiges, etwas, das in den Gelehrten der Violetten Zitadelle eine Mischung aus Furcht, Respekt und Neid weckte. Die Kirin Tor erkannten in der magischen Wissenschaft normalerweise keine Zauberer au�erhalb ihres Zirkels als gleichwertigen; tats�chlich versuchten sie sogar oft, jene Magier, die der Violetten Zitadelle nicht die Treue geschworen hatten, in ihrem Tun zu behindern. Und doch verneigten sie sich in tiefster Ehrfurcht vor Medivh. Warum?</p><p>Khadgar besa� nur ein paar Wissensfetzen � l�ckenhafte Informationen �ber die Eltern (Guzbah war besonders interessiert an Medivhs Mutter), ein paar an den Rand eines Zauberbuchs gekritzelte Notizen, in denen der Name Medivhs auftauchte, und die Erw�hnung gelegentlicher Besuche in Dalaran. All diese Besuche hatten innerhalb der letzten f�nf Jahre stattgefunden, und offenbar traf sich Medivh nur mit �lteren Magiern, wie beispielsweise jenem inzwischen verschollenen Arrexis.</p><p>Um es zusammenzufassen: Khadgar wusste so gut wie gar nichts �ber diesen angeblich so m�chtigen Zauberer, dem er zugewiesen worden war. Und da er Wissen als seine R�stung und sein Schwert betrachtete, f�hlte er sich j�mmerlich schlecht gewappnet f�r die Begegnung, die ihm nun bevor stand.</p><p>Laut sagte er: �Nicht viel.�</p><p>�H�h?�, keuchte Moroes und drehte sich halb auf der Treppe um.</p><p>�Ich sagte, ich wei� nicht viel�, sagte Khadgar lauter, als er es eigentlich wollte. Seine Stimme hallte von den nackten W�nden wider. Die Treppe war jetzt geschwungen, und Khadgar fragte sich, ob der Turm tats�chlich so hoch war, wie er von au�en schien.</p><p>�Nat�rlich wei�t du nichts�, sagte Moroes. �Junge Leute wissen nie viel. Das ist es, was sie jung macht, nehme ich an.�</p><p>�Ich meine ��, begann Khadgar irritiert. Er machte eine Pause und atmete tief ein. �Ich meine, ich wei� nicht viel �ber Medivh. Ihr habt mich gefragt.�</p><p>Moroes hielt f�r einen Moment inne. Sein Fu� schwebte mehrere Zoll �ber der n�chsten Stufe. �Ich nehme an, das habe ich getan�, sagte er schlie�lich und begann, weiter die Treppe hinauf zu steigen.</p><p>�Wie <emphasis>ist</emphasis> er?�, fragte Khadgar mit fast flehender Stimme.</p><p>�Wie alle anderen auch, nehme ich an�, sagte Moroes. �Gibt Sachen, die er mag. Gibt Sachen, die er hasst. Hat seine Launen. Gute Tage und schlechte. Wie alle anderen auch.�</p><p>�Und zieht sich erst ein Hosenbein an und dann das andere�, seufzte Khadgar.</p><p>�Nein. Er schwebt in seine Hosen hinein�, erkl�rte Moroes. Der alte Diener blickte sich zu Khadgar um, und der Junge erkannte die fl�chtige Andeutung eines L�chelns auf dem Gesicht des Greises. �Noch eine Treppe.�</p><p>Die letzte Treppe wand sich sehr eng um sich selbst, und Khadgar nahm an, dass sie sich der Turmspitze n�herten. Der alte Diener ging weiter voran.</p><p>Die Treppe �ffnete sich in einen kreisf�rmigen Bereich, der von einer breiten Br�stung umgeben war. Khadgar hatte richtig vermutet, sie befanden sich ganz oben im Turm, in einem gro�en Observatorium. W�nde und die Decke wurden von kristallenen Fenstern durchbrochen, die klar und sauber waren.</p><p>W�hrend er und Moroes den Turm hinaufgestiegen waren, hatte sich die Nacht vollkommen herabgesenkt, und drau�en w�lbte sich der Himmel dunkel und mit Sternen �bers�t.</p><p>Im Observatorium selbst herrschte D�mmerlicht. Ein paar Fackeln verstr�mten das gleiche kalte Licht, das Khadgar schon zuvor bemerkt hatte. Doch diese hier waren teilweise abgedeckt, damit man den Nachthimmel betrachten konnte. Ein nicht entz�ndetes Kohlebecken befand sich in der Mitte des Raumes, wahrscheinlich vorbereitet f�r sp�ter, da die Temperatur bis zum Morgen sicherlich fallen w�rde.</p><p>Mehrere gro�e, geschwungene Tische zogen sich an der �u�eren Wand des Observatorium entlang und waren mit allen m�glichen Apparaten vollgestellt. Silberne Waagen und goldene Astrolabien dienten als Beschwerer f�r Papiere oder als Lesezeichen, die alte B�cher auf bestimmten Seiten offen hielten. Ein Modell, das die planetaren Bewegungen am Himmelsgew�lbe darstellte, stand halb auseinandergenommen auf einem Tisch. D�nne Dr�hte und zus�tzliche Planeten-, Sonnen- und Mond-Perlen lagen neben den empfindlichen Werkzeugen. Ein Dutzend Notizb�cher stapelte sich an einer Wand, und weitere lagen in Kisten, die unter die Tische gequetscht worden waren. Eine Karte des Kontinents war �ber einen Rahmen gezogen und zeigte die s�dlichen L�nder von Azeroth und Khadgars Heimat Lordaeron ebenso wie die einsiedlerischen Zwergen- und Elfen-K�nigreiche von Khaz Modan und Quel�Thalas. Zahlreiche kleine Nadeln bedeckten die Karte, doch Khadgar erkannte nicht, wof�r die Markierungen standen.</p><p>Und Medivh war hier. Denn der Mann dort in mittleren Jahren, der sein langes Haar auf dem R�cken zu einem Zopf zusammengeflochten trug, konnte unm�glich jemand anderes sein. In seiner Jugend war sein Haar wahrscheinlich ebenholzschwarz gewesen, doch jetzt ergraute es bereits langsam an den Schl�fen und entlang des Bartes. Khadgar wusste, dass viele Zauberer fr�hzeitig alterten, da die Kontrolle der magischen Kr�fte, die sie zu nutzen verstanden, gro�er Anstrengungen bedurfte.</p><p>Medivhs Gew�nder waren f�r einen Magier sehr schlicht, aber dennoch elegant und auf seine gro�e Gestalt abgestimmt. Ein kurzes Chasuble, das nicht mit Verzierungen geschm�ckt war, hing an der Taille �ber das Beinkleid, das in riesigen Stiefeln endete. Ein schwerer, kastanienbrauner Mantel lag um seine breiten Schultern. Die Kapuze war zur�ckgeworfen.</p><p>Nachdem sich Khadgars Augen an die Dunkelheit gew�hnt hatten, musste er feststellen, dass sein erster Eindruck, die Kleidung des Zauberers sei schmucklos, falsch gewesen war. Tats�chlich war sie mit so feinem Silber-Filigran durchsetzt, dass es auf den ersten Blick unsichtbar war. Khadgar blickte auf den R�cken des Magiers und erkannte das stilisierte Gesicht irgendeiner alten D�monen-Legende. Er blinzelte, und das Muster verwandelte sich in einen zusammengerollten Drachen, dann in einen Nachthimmel.</p><p>Medivh hatte dem alten Diener und dem jungen Mann den R�cken zugewandt und ignorierte sie vollkommen. Er stand an einem der Tische, ein goldenes Astrolabium in der einen Hand, ein Notizbuch in der anderen. Er war in Gedanken versunken, und Khadgar fragte sich, ob dies eines der �Dinge� war, vor denen Moroes ihn gewarnt hatte.</p><p>Khadgar r�usperte sich und trat einen Schritt nach vorne, aber Moroes hob eine Hand. Khadgar erstarrte auf der Stelle. Ein magischer Spruch h�tte ihn nicht wirksamer bannen k�nnen.</p><p>Stattdessen trat der greise Diener leise an die Seite des Meistermagiers und wartete darauf, dass Medivh seine Gegenwart wahrnahm. Eine Minute verging. Eine zweite. Am Ende h�tte Khadgar schw�ren k�nnen, dass eine Ewigkeit verstrichen war.</p><p>Der Magus setzte das Astrolabium ab und kritzelte ein paar Zeichen in sein Notizbuch. Er schloss es mit einem scharfen Schnappen und blickte zu Moroes.</p><p>Als er das Gesicht des Zauberers nun erstmals betrachten konnte, dachte Khadgar, Medivh sei viel �lter als seine angeblichen Vierziger. Das Gesicht war von tiefen Falten durchzogen und verwittert. Khadgar fragte sich, welche Magie Medivh praktizierte, die solch ausgepr�gte Spuren auf seinen Z�gen hinterlie�.</p><p>Moroes griff in seine Weste und holte das zerknitterte Empfehlungsschreiben heraus, dessen Siegel hier im Fackelschein wie geronnenes Blut aussah. Medivh wandte sich um und betrachtete den Jungen.</p><p>Die Augen des Magiers lagen tief unter dunklen, schweren Brauen, aber Khadgar erkannte sofort die Kraft darin. Etwas tanzte und flackerte in diesen tiefgr�ndigen, gr�nen Augen, etwas M�chtiges, etwas m�glicherweise Unkontrolliertes. Etwas Gef�hrliches. Der Meistermagier blickte zu ihm, und nach einem Moment f�hlte sich Khadgar, als habe der Zauberer seine gesamtes Leben betrachtet und es f�r nicht interessanter befunden als das eines K�fers oder das einer Fliege.</p><p>Medivh wandte den Blick von Khadgar ab und widmete seine Aufmerksamkeit dem noch immer versiegelten Brief. Khadgar entspannte sich sofort, als sei ein gro�es, hungriges Raubtier an ihm vorbei gegangen, ohne ihn eines zweiten Blickes zu w�rdigen.</p><p>Seine Erleichterung dauerte nicht lange. Medivh lie� den Brief unge�ffnet. Stattdessen zogen sich seine Brauen leicht zusammen, und das Pergament ging rauschend in Flammen auf. Das Feuer sammelte sich an dem von Medivh abgewandten Ende des Dokuments und flackerte in intensivem Blau.</p><p>Als Medivh sprach, klang seine Stimme sowohl tief als auch am�siert.</p><p>�So�, sagte der Magier und ignorierte den Umstand, dass Khadgars Zukunft in seinen H�nden loderte, �es scheint also, als sei unser kleiner Spion endlich eingetroffen.�</p></section><section><title><p>2</p><p>Gespr�ch mit dem Magus</p></title><p>�Stimmt etwas nicht?�, fragte Medivh, und Khadgar merkte pl�tzlich, wie der Blick des Meistermagiers wieder schwer auf ihm lastete. Wieder f�hlte er sich wie ein K�fer, dieses Mal jedoch wie einer, der versehentlich �ber den Tisch eines K�fersammlers gekrochen war. Die Flammen hatten das Empfehlungsschreiben bereits zur H�lfte verschlungen. Das Wachssiegel schmolz und tropfte auf die Fliesen des Observatoriums.</p><p>Khadgar war sich dar�ber im Klaren, dass seine Augen und sein Mund weit offen standen, sein Gesicht blutlos und bleich war. Er versuchte, die Luft zu einer Antwort aus seinen Lungen zu zwingen, doch ihm gelang nur ein ersticktes R�cheln.</p><p>Die dunklen, schweren Brauen kr�uselten sich am�siert. �Bist du krank? Moroes, ist der Junge krank?�</p><p>�Etwas au�er Atem vielleicht�, sagte Moroes in gelangweiltem Tonfall. �Es war ein langer Aufstieg.�</p><p>Schlie�lich gelang es Khadgar, seine Sinne gen�gend zu sammeln, um zu sagen: �Das Schreiben!�</p><p>�Ah�, sagte Medivh. �Ja. Danke, ich hatte es fast vergessen.� Er ging zu dem Kohlebecken hin�ber und lie� das brennende Pergament hinein fallen. Ein blauer Feuerball explodierte spektakul�r bis auf Schulterh�he und sank dann zu einer normal aussehenden Flamme herab, die den Raum mit einem warmen, r�tlichen Leuchten erf�llte. Von dem Empfehlungsschreiben und seinem roten Siegel � das Symbol der Kirin Tor � war nichts mehr zu sehen.</p><p>�Aber Ihr habt es nicht gelesen!�, sagte Khadgar, dann fing er sich. �Ich meine, Herr, bei allem geb�hrenden Respekt ��</p><p>Der Meistermagier lachte leise und lie� sich in einen gro�en Sessel aus Leinwand und dunklem, geschnitztem Holz nieder. Das Kohlebecken beleuchtete sein Gesicht und unterstrich die tiefen Falten, die sich zu einem L�cheln geformt hatten. Trotzdem konnte Khadgar sich nicht entspannen.</p><p>Medivh beugte sich in seinem Sessel vor und sagte: �Oh, Gro�er und Verehrter Magus Medivh, Meistermagier von Karazhan, ich entbiete Euch die Gr��e der Kirin Tor, der Herren der gelehrtesten und m�chtigsten aller magischen Akademien, Gilden und Gesellschaften, der Berater der K�nige, der Lehrer der Gelehrten, der Enth�ller der Geheimnisse � Das geht noch eine ganze Zeit lang so weiter, und mit jedem Satz blasen sie sich ein bisschen mehr auf. Und? Wie schlag ich mich bisher?�</p><p>�Das kann ich nicht sagen�, antwortete Khadgar. �Mir wurde aufgetragen ��</p><p>�� den Brief nicht zu �ffnen�, beendete Medivh den Satz. �Aber du hast ihn trotzdem aufgemacht.�</p><p>Der Meistermagier blickte Khadgar direkt in die Augen, und dem jungen Mann stockte der Atem. In Medivhs Blick flackerte etwas, und Khadgar fragte sich, ob der Meistermagier die Macht besa�, Zauber zu wirken, ohne dass irgendjemand es bemerkte.</p><p>Khadgar nickte langsam und wappnete sich f�r die Antwort.</p><p>Medivh lachte laut. �Wann?�</p><p>�Auf der � auf der Reise von Lordaeron nach Kul Tiras�, sagte Khadgar, unsicher, ob die Worte seinen potenziellen Mentor am�sieren oder ver�rgern w�rden. �Wir lagen f�r zwei Tage in einer Flaute und ��</p><p>�� die Neugier ging mit dir durch�, beendete Medivh wieder seinen Satz. Er l�chelte, und es war ein reines, wei�es L�cheln unter dem ergrauenden Bart. �Ich h�tte den Brief wahrscheinlich schon ge�ffnet, sobald Dalarans Violette Zitadelle au�er Sicht geraten w�re.�</p><p>Khadgar atmete tief ein und sagte: �Ich dachte auch dar�ber nach, aber ich f�rchtete, sie w�rden Wahrsage-Zauber einsetzen, zumindest auf die kurze Entfernung.�</p><p>�Und du wolltest weit von jedem Zauber und jeder Nachricht entfernt sein, die dich h�tte zur�ckrufen k�nnen, weil du den Brief ge�ffnet hast. Und du hast ihn wieder gut genug zusammengesetzt, um ein fl�chtiges Auge zu t�uschen. Du warst dir sicher, ich w�rde das Siegel sofort brechen und nicht bemerken, dass du daran herumgepfuscht hast.� Medivh erlaubte sich ein leichtes L�cheln, aber dann zog er sein Gesicht zu einem festen, konzentrierten Knoten zusammen. �Wie habe ich das gemacht?�, fragte er.</p><p>Khadgar blinzelte. �Was gemacht, Herr?�</p><p>�Wie habe ich gewusst, was in dem Brief stand?�, fragte Medivh mit herabgezogenen Mundwinkeln. �Der Brief, den ich gerade verbrannt habe, erkl�rt, dass ich von dem Sp�rsinn und der Intelligenz des jungen Khadgar zutiefst beeindruckt sein werde. Beeindrucke mich.�</p><p>Khadgar blickte Medivh an, und das joviale L�cheln, das nur wenige Sekunden zuvor seinen Mund umspielte, hatte sich vollkommen aufgel�st. Das freundliche Gesicht war jetzt dem Antlitz einer primitiven Stein-Gottheit gewichen, streng und nachtragend. Die Augen, in denen gerade noch Humor blitzte, schienen nun nur mit M�he eine versteckte Wut verbergen zu k�nnen. Die Brauen ballten sich zusammen wie die dunkle Sturmfront eines Gewitters.</p><p>Khadgar stammelte f�r einen Augenblick sinnlos, dann sagte er: �Ihr habt in meinem Geist gelesen.�</p><p>�Ein naheliegender Gedanke�, sagte Medivh. �Aber nein. Du bist im Augenblick ein brodelnder Eintopf von Nerven, und das macht es unm�glich, deinen Geist zu lesen. Einmal falsch.�</p><p>�Ihr habt diese Art von Schreiben schon fr�her bekommen�, sagte Khadgar. �Von den Kirin Tor. Ihr wisst, welche Art von Briefen sie schreiben.�</p><p>�Auch m�glich�, sagte der Meistermagier. �Da ich solche Briefe erhalten <emphasis>habe</emphasis> und sie dazu <emphasis>neigen</emphasis>, sich in Selbstbeweihr�ucherung zu suhlen. Aber du kennst die genauen Worte genau so gut wie ich. Ein guter Versuch und der offensichtlichste, aber erneut hast du Unrecht. Zweimal falsch.�</p><p>Khadgars Mund formte sich zu einer straffen Linie. Sein Geist raste, und sein Herz h�mmerte in seiner Brust. �Sympathetische Magie�, sagte er schlie�lich.</p><p>Medivhs Augen lie�en nicht erkennen, was hinter ihnen vorging, und seine Stimme blieb ruhig. �Erkl�re.�</p><p>Khadgar nahm einen tiefen Atemzug. �Eine der wesentlichen Formen von Magie. Wenn jemand einen Gegenstand ber�hrt, dann l�sst er einen Teil seiner eigenen magischen Aura oder Schwingung darin zur�ck. Da die Auren von Mensch zu Mensch verschieden sind, ist es m�glich, sich mit dem einen zu verbinden, indem man das andere beeinflusst. Auf diese Art kann man die Haarlocke einer Person verwenden, um einen Liebeszauber auf sie zu legen, oder man kann eine M�nze zu ihrem urspr�nglichen Besitzer zur�ckverfolgen.�</p><p>Medivhs Augen verengten sich leicht, und er strich sich mit einem Finger �ber das b�rtige Kinn. �Fahre fort.�</p><p>Khadgar hielt f�r einen Moment inne und f�hlte das Gewicht von Medivhs Blick, der auf ihn dr�ckte. Das war alles, was er aus Vorlesungen wusste. Er hatte den halben Weg zum Ziel zur�ckgelegt. Aber wie hatte Medivh die sympathetische Magie genutzt, um herauszufinden �</p><p>�Je mehr jemand einen Gegenstand benutzt, desto st�rker die Resonanz�, sagte Khadgar schnell. �Also erlangt ein Gegenstand, der viel verwendet wird und viel Aufmerksamkeit erf�hrt, eine st�rkere Sympathie.� Die Worte sprudelten jetzt konzentrierter und schneller aus ihm hervor. �Also besitzt ein Dokument, das jemand geschrieben hat, mehr Aura als ein leeres Pergament. Die Person konzentriert sich auf das, was sie schreibt, also �� Khadgar gab seinen Gedanken einen Augenblick Zeit, um seine Zunge einzuholen. �Ihr <emphasis>habt</emphasis> in einem Geist gelesen, aber nicht in dem meinen � sondern in dem Geist des Schreibers dieses Briefes zu dem Zeitpunkt, als er ihn schrieb! Ihr habt seine Gedanken aufgefangen, die die Worte verst�rkten.�</p><p>�Ohne den Brief tats�chlich �ffnen zu m�ssen�, sagte Medivh, und das Licht blitzte wieder in seinen Augen. �Also, wie k�nnte dieser Trick einem Gelehrten n�tzen?�</p><p>Khadgar blinzelte f�r einen Moment und sah von dem Meistermagier weg. Er versuchte, dessen stechendem Blick zu entgehen. �Man k�nnte B�cher lesen, ohne sie lesen zu m�ssen.�</p><p>�Sehr n�tzlich f�r einen Forscher�, sagte Medivh. �Du geh�rst zu einer Gemeinschaft von Gelehrten. Warum tut ihr das nicht?�</p><p>�Weil � weil �� Khadgar dachte an den alten Korrigan, der in seiner Bibliothek alles finden konnte, selbst die kleinste Randnotiz. �Ich glaube, wir tun es, aber nur die �lteren Mitglieder des Konklaves.�</p><p>Medivh nickte. �Und das ist so, weil �?�</p><p>Khadgar dachte einen Moment nach, dann sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Wer w�rde noch schreiben, wenn alles Wissen mit einem geistigen Trick � mit einem Aufflammen von Magie � aufgesaugt werden k�nnte?�, schlug Medivh vor. Er l�chelte, und Khadgar erkannte, dass er den Atem angehalten hatte. �Du bist nicht schlecht. Wirklich nicht schlecht. Kennst du deine Gegenzauber?�</p><p>�Bis zur f�nften Stufe�, erkl�rte Khadgar.</p><p>�Kannst du einen mystischen Blitz erzeugen?�, schoss Medivh sofort hinterher.</p><p>�Einen oder zwei, aber es kostet mich viel Kraft�, antwortete der junge Mann, der pl�tzlich das Gef�hl hatte, dass das Gespr�ch wieder eine ernste Wendung nahm.</p><p>�Und deine prim�ren Elemente?�</p><p>�Am st�rksten in der Flamme, aber ich kenne sie alle.�</p><p>�Natur-Magie?�, fragte Medivh. �Reifen, Pfl�cken, Ernten? Kannst du einem Samen die Jugend entziehen, bis er zu einer Blume wird.�</p><p>�Nein, Herr. Ich wurde in einer Stadt trainiert.�</p><p>�Kannst du einen Homunkulus herstellen?�</p><p>�Die Doktrin mag das nicht, aber ich verstehe die Prinzipien�, sagte Khadgar. �Wenn Ihr neugierig seid ��</p><p>Medivhs Augen leuchteten f�r einen Moment auf, und er sagte: �Du bist von Lordaeron aus �bers Meer gefahren? Welche Art von Boot?�</p><p>Khadgar f�hlte sich einen Augenblick von der pl�tzlichen Wendung des Gespr�chs �berrumpelt. ��h � �hm � ein tirassianischer Segler, die <emphasis>Freundliche Brise</emphasis>�, antwortete er.</p><p>�Aus Kul Tiras�, schloss Medivh. �Menschliche Besatzung?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hast du �berhaupt mit der Mannschaft gesprochen?�</p><p>Wieder f�hlte Khadgar, wie er von einem Gespr�ch in ein Verh�r glitt.</p><p>�Ein wenig�, sagte er. �Ich glaube, sie fanden meinen Akzent lustig.�</p><p>�Die Mannschaften der Schiffe von Kul Tiras finden alles M�gliche lustig�, sagte Medivh. �Irgendwelche Nichtmenschen an Bord?�</p><p>�Nein, Herr�, sagte Khadgar. �Die Tirassianer erz�hlten Geschichten von Fischleuten. Sie nannten sie Murlocs. Gibt es die wirklich?�</p><p>�Ja�, sagte der Magus, �es gibt sie. Welchen anderen V�lkern bist du begegnet? Abgesehen von Menschen.�</p><p>�In Dalaran waren mal ein paar Gnome�, sagte Khadgar. �Ich habe Kunstwerker der Zwerge in der Violetten Zitadelle getroffen. Ich kenne Drachen aus den Legenden. In einer der Akademien habe ich einmal einen Drachensch�del gesehen.�</p><p>�Was ist mit Trollen oder Kobolden?�, fragte Medivh.</p><p>�Trolle�, sagte Khadgar. �Vier bekannte Rassen von Trollen. Vielleicht gibt es eine f�nfte.�</p><p>�Das ist wahrscheinlich der Unsinn, den Alonda lehrt�, murmelte Medivh, aber er gab Khadgar mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er weitersprechen sollte.</p><p>�Trolle sind wild, gr��er als Menschen. Sehr, sehr gro�, sehr drahtig. Mit langgestreckten Gesichtern. �h �� Er dachte einen Moment nach. �Stammesorganisation. Leben fast vollkommen abgeschieden von den zivilisierten L�ndern. Fast ausgestorben in Lordaeron.�</p><p>�Kobolde?�</p><p>�Viel kleiner, eher die Gr��e von Zwergen. Genau so einfallsreich, aber auf eine zerst�rerische Art. Furchtlos. Ich habe gelesen, dass alle Kobolde wahnsinnig sind.�</p><p>�Nur die intelligenten�, sagte Medivh. �Du wei�t von D�monen?�.</p><p>�Nat�rlich, Herr�, antwortete Khadgar schnell. �Ich meine, aus den Legenden, Herr. Und ich kenne die richtigen Gegen- und Schutzzauber. Alle Magier, die in Dalaran erzogen werden, lernen das vom ersten Tag an.�</p><p>�Aber du hast noch nie einen beschworen�, sagte Medivh. �Oder warst dabei, wenn jemand anderes einen beschworen hat.�</p><p>Khadgar blinzelte. War diese Frage ein Trick? �Nein, Herr. Das w�rde ich mir nicht einmal im Entferntesten einfallen lassen.�</p><p>�Daran zweifle ich nicht�, sagte der Magus, und in seiner Stimme lag ein Hauch von Sch�rfe. �Wei�t du, was ein W�chter ist?�</p><p>�Ein W�chter?� Khadgar hatte das Gef�hl, dass das Gespr�ch schon wieder eine vollkommen unerwartete Wendung nahm. �Ein Wachmann? Ein H�ter? Vielleicht ein fremdes Volk? Ist es eine Art von Monster? Vielleicht ein Besch�tzer gegen Monster?�</p><p>Jetzt l�chelte Medivh und sch�ttelte den Kopf. �Mach dir keine Sorgen. Du <emphasis>sollst</emphasis> es gar nicht wissen. Das geh�rt mit zum Trick.� Dann blickte er auf und sagte: �Also. Was wei�t du �ber <emphasis>mich</emphasis>?�</p><p>Khadgar warf einen Blick auf Moroes, den Kastellan � wollte einen Blick werfen, musste aber pl�tzlich erkennen, dass der Diener verschwunden war, sich wieder in Schatten aufgel�st hatte. Der Junge stotterte f�r einen Moment. �Die Magier der Kirin Tor sch�tzen Euch sehr�, gelang es ihm schlie�lich, diplomatisch hervorzubringen.</p><p>�Offensichtlich�, sagte Medivh schroff.</p><p>�Ihr seid ein m�chtiger, unabh�ngiger Magier. Man sagt, Ihr seid ein Berater von K�nig Llane von Azeroth.�</p><p>�Wir kennen uns schon lange�, best�tigte Medivh mit einem Nicken.</p><p>�Abgesehen davon �� Khadgar z�gerte und fragte sich, ob der Magier wirklich seine Gedanken lesen konnte.</p><p>�Ja?�</p><p>�� nichts Genaues, das das hohe Ansehen erkl�ren w�rde �� sagte Khadgar.</p><p>�Und die Furcht�, f�gte Medivh hinzu.</p><p>�� und den <emphasis>Neid</emphasis>�, beendete Khadgar den Satz. Er f�hlte sich von den Fragen unter Druck gesetzt und war sich nicht sicher, wie er antworten sollte. Er f�gte schnell hinzu: �Nichts Genaues, das den tiefen <emphasis>Respekt</emphasis> erkl�ren w�rde, den die Kirin Tor f�r Euch empfinden.�</p><p>�Und so soll es sein�, fauchte Medivh gereizt und rieb sich die H�nde �ber den Kohlebecken. �So soll es sein.� Khadgar konnte nicht verstehen, wie dem Meistermagier kalt sein konnte. Er selbst f�hlte, wie ihm vor Nervosit�t Schwei� den R�cken hinablief.</p><p>Schlie�lich blickte Medivh auf, und der sich zusammenbrauende Sturm lag wieder in seinen Augen. �Aber was wei�t du �ber <emphasis>mich</emphasis>?�</p><p>�Nichts, Herr�, sagte Khadgar.</p><p>�Nichts?� Medivh hob seine Stimme, und sie schien durch das Observatorium zu hallen. �Nichts? Du bist den ganzen weiten Weg f�r <emphasis>nichts</emphasis> gekommen? Du hast dir nicht einmal die M�he gemacht, etwas herauszufinden? Vielleicht war ich nur eine Entschuldigung f�r deine Meister, um dich loszuwerden. Sie hofften wohl, dass du auf der Reise sterben w�rdest. Es w�re nicht das erste Mal, dass jemand das versucht h�tte.�</p><p>�Es gab nicht sehr viel herauszufinden. Ihr habt nicht so viel getan�, antwortete Khadgar heftig, fast w�tend. Dann zog er tief den Atem ein und erinnerte sich daran, mit wem er hier sprach, und was er sagte. �Ich meine, nicht viel, was ich herausfinden konnte. Ich meine ��</p><p>Er erwartete einen Wutausbruch, doch Medivh kicherte nur. �Und was <emphasis>hast</emphasis> du herausgefunden?�, fragte er.</p><p>Khadgar seufzte. �Ihr stammt aus einer Familie von Zauberern. Euer Vater war ein Magier in Azeroth, ein Nielas Aran. Eure Mutter war Aegwynn, was vielleicht ein Titel ist und kein Name, da er seit mindestens acht Jahrhunderten immer wieder auftaucht. Ihr seid in Azeroth aufgewachsen und kennt K�nig Llane und Lord Lothar seit Eurer Kindheit. Dar�ber hinaus �� Khadgar lie� seine Stimme verklingen. �� nichts.�</p><p>Medivh blickte in das Kohlebecken und nickte. �Nun, das <emphasis>ist</emphasis> etwas. Mehr, als die meisten Leute herausfinden.�</p><p>�Und Euer Name bedeutet, Bewahrer der Geheimnisse�, f�gte Khadgar hinzu. �Auf Hoch-Elfisch. Das habe ich auch herausgefunden.�</p><p>�Nur zu wahr�, sagte Medivh, der pl�tzlich sehr m�de wirkte. Er starrte f�r eine Weile in das Kohlebecken. �Aegwynn ist kein Titel�, sagte er schlie�lich. �Es ist nur der Name meiner Mutter.�</p><p>�Dann gab es mehrere Aegwynns, wahrscheinlich ein Familienname�, meinte Khadgar.</p><p>�Nur eine�, erwiderte Medivh ernst.</p><p>Khadgar lachte nerv�s auf. �Aber dann w�re sie ��</p><p>�� mehr als siebenhundertf�nfzig Jahre alt gewesen, als ich geboren wurde�, sagte Medivh mit einem Schnauben. �Sie ist viel �lter. Ich kam sp�t in ihrem Leben. Was vielleicht mit ein Grund daf�r ist, dass die Kirin Tor sich so daf�r interessieren, was ich in meiner Bibliothek aufbewahre. Was der Grund daf�r ist, dass sie dich geschickt haben. Um dies herauszufinden.�</p><p>�Herr�, sagte Khadgar so ernsthaft, wie es ihm m�glich war. �Um ehrlich zu sein, jeder Magier bis auf die allerh�chsten unter den Kirin Tor will, dass ich <emphasis>etwas</emphasis> �ber Euch herausfinde. Ich werde ihnen gef�llig sein, so gut ich kann, doch wenn es Material gibt, das Ihr beschr�nkt oder verborgen halten m�chtet, so kann ich dies vollkommen verstehen ��</p><p>�Wenn ich glauben w�rde, dass das nicht so w�re, dann h�ttest du es nicht durch den Wald bis hierher geschafft�, sagte Medivh mit fester Stimme. �Ich brauche zun�chst einmal jemanden, um die Bibliothek zu sortieren und zu organisieren, dann arbeiten wir in den alchemistischen Laboren. Ja, ich denke, man kann dir trauen. Du siehst, ich kenne die Bedeutung deines Namens ebenso gut wie du die Bedeutung des meinen. Moroes!�</p><p>�Hier, Herr�, sagte der Diener, der sich pl�tzlich aus den Schatten manifestierte. Khadgar sprang erschreckt in die H�he.</p><p>�Bring den Jungen nach unten in sein Quartier und sorg daf�r, dass er was isst. Er hat einen langen Tag hinter sich.�</p><p>�Nat�rlich, Herr�, sagte Moroes.</p><p>�Ein Frage, Meister� sagte Khadgar, nachdem er sich wieder gefangen hatte. �Ich meine, Lord Magus, Herr.�</p><p>�Du kannst mich Medivh nennen. Ich h�re auch auf �Bewahrer der Geheimnisse� und ein paar andere Namen, die nicht alle bekannt sind.�</p><p>�Was habt Ihr gemeint, als Ihr sagtet, Ihr kennt meinen Namen?�, fragte Khadgar.</p><p>Medivh l�chelte, und der Raum schien pl�tzlich wieder warm und behaglich zu werden. �Du sprichst kein Zwergisch�, bemerkte er.</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mein Name bedeutet �Bewahrer der Geheimnisse� auf Hoch-Elfisch. Dein Name bedeutet �Vertrauen� in der alten Zwergensprache. Also werde ich mich an deinen Namen halten, mein junger Khadgar, <emphasis>mein Vertrauen</emphasis>.�</p><empty-line/><p>Moroes brachte den Jungen in sein Quartier, das auf halbem Wege den Turm hinab lag, und spulte mit seiner geisterhaften Stimme Erkl�rungen ab, w�hrend er die Stufen hinunter schlurfte. Das Essen in Medivhs Turm war eine einfache Angelegenheit � Haferbrei und Wurst zum Fr�hst�ck, ein kaltes Mittagessen und ein gro�es, herzhaftes Abendessen, normalerweise ein Eintopf oder ein Braten, der mit Gem�se serviert wurde. K�chin zog sich nach dem Abendessen zur�ck, aber es gab immer Reste f�r eine sp�te Mahlzeit. Medivh pflegte einen Arbeits- und Lebensrhythmus, den man nachsichtig �launenhaft� bezeichnen konnte, und Moroes und K�chin hatten schon vor langer Zeit gelernt, wie man ihm mit einem minimalen Ma� an Unannehmlichkeiten f�r die eigene Person gef�llig war.</p><p>Moroes informierte den jungen Khadgar, dass er � der er Assistent war und nicht Diener � diesen Luxus nicht genie�en w�rde. Von ihm w�rde man erwarten, dem Meistermagier zur Verf�gung zu stehen, wann immer dieser es f�r n�tig erachtete.</p><p>�Als Sch�ler erwarte ich nichts anderes�, erkl�rte Khadgar.</p><p>Moroes wandte sich mitten in einem Schritt um (sie gingen gerade eine Galerie entlang, die einen Raum �berblickte, der wie eine Empfangshalle oder ein Ballsaal aussah). �Noch kein Sch�ler, Junge�, schnaufte der Greis. �Noch lange nicht.�</p><p>�Aber Medivh sagte ��</p><p>�Dass du die Bibliothek sortieren kannst�, sagte Moroes. �Die Arbeit eines Assistenten, nicht die eines Sch�lers. Schon andere sind hier Assistenten gewesen. Keiner von ihnen wurde Sch�ler.�</p><p>Khadgars runzelte die Stirn und f�hlte, wie die Hitze eines Err�tens sein Gesicht �berzog. Er hatte nicht erwartet, dass es in der Hierarchie des Magiers eine Ebene <emphasis>unter</emphasis> dem Sch�ler gab. �Wie lange, bis ich �?�</p><p>�Kann ich nicht sagen, wirklich nicht�, keuchte der Diener. �Niemand hat es bisher so weit geschafft.�</p><p>Khadgar lagen zwei Fragen gleichzeitig auf der Zunge, aber er z�gerte. Dann fragte er: �Wie viele andere �Assistenten� hat es gegeben?�</p><p>Moroes trat an das Gel�nder der Galerie, und seine Augen blickten ins Leere. Khadgar fragte sich, ob der Diener nachdachte, oder ob ihn die Frage aus der Fassung gebracht hatte. Der Saal unter ihnen war spartanisch eingerichtet. Ein schwerer Tisch in der Mitte, um ihn herum ein paar St�hle. Es war �berraschend ordentlich, und Khadgar vermutete, dass Medivh nicht sehr viele Bankette gab.</p><p>�Dutzende�, sagte Moroes schlie�lich. �Mindestens. Die meisten von ihnen aus Azeroth. Ein Elfling. Nein, zwei Elflinge. Du bist der erste von den Kirin Tor.�</p><p>�Dutzende�, wiederholte Khadgar tonlos, und ihm rutschte das Herz in die Hose, als er sich fragte, wie oft Medivh schon einen jungen M�chtegern-Magier in seinem Dienst willkommen gehei�en hatte.</p><p>Er stellte die andere Frage. �Wie lange haben sie durchgehalten?�</p><p>Dieses Mal schnaufte Moroes und sagte: �Tage. Manchmal Stunden. Ein Elf hat es nicht einmal die Turmstufen hinauf geschafft.� Er tippte an seine rechte Scheuklappe. �Sie <emphasis>sehen</emphasis> Dinge, wei�t du?�</p><p>Khadgar dachte an die Gestalt auf dem Balkon und nickte nur.</p><p>Schlie�lich trafen sie in Khadgars Quartier ein, das in einem Seitengang lag, nicht weit vom Bankettsaal entfernt. �Mach dich zurecht�, sagte Moroes und reichte Khadgar die Laterne. �Die Latrine liegt am Ende des Saals. Unter dem Bett steht ein Topf. Komm runter in die K�che. K�chin macht dir etwas Warmes.�</p><p>Khadgars Kammer war ein schmaler Keil des Turms, der eher f�r einen kontemplativen Klosterbruder geeignet schien als f�r einen Magier. Ein schmales Bett stand an einer Wand, ein ebenso schmaler Tisch, �ber dem ein leeres Regal hing, an der anderen. Au�erdem gab es noch einen Schrank f�r seine Kleider. Khadgar warf seinen Rucksack in den Schrank und trat an das kleine Fenster.</p><p>Es bestand aus einer d�nnen Scheibe verbleiten Glases, die senkrecht auf einem Drehzapfen in der Mitte angebracht war. Khadgar dr�ckte gegen eine H�lfte, und das Fenster �ffnete sich langsam. �l sickerte aus dem Drehzapfen.</p><p>Die Aussicht zeigte ihm, dass er noch immer sehr hoch oben im Turm war. Die runden H�gel, die den Turm umgaben, lagen grau und kahl im Licht der Zwillingsmonde. Von dieser H�he aus war klar zu erkennen, dass die H�gel einmal ein Krater gewesen waren, den die Zeitalter abgetragen hatten. War ein Berg aus diesem Ort gezogen worden wie ein verfaulter Zahn? Oder vielleicht war der Ring der H�gel gar nicht aufgestiegen, sondern der Rest der Berge war schneller gewachsen, w�hrend nur dieser Ort der Macht an seinem Platz verwurzelt blieb?</p><p>Khadgar fragte sich, ob Medivhs Mutter hier gewesen war, als das Land sich erhob. Oder sank. Oder von einem Fels aus dem Himmel getroffen wurde. Achthundert Jahre waren eine lange Zeit, selbst nach den Ma�st�ben eines Zauberers. Nach zweihundert Jahren, so lehrten die meisten der Musterbeispiele, wurde die Mehrzahl der menschlichen Magier t�dlich d�nn und gebrechlich. Siebenhundertf�nfzig Jahre alt zu sein und ein Kind auf die Welt zu bringen! Khadgar sch�ttelte den Kopf und fragte sich, ob Medivh ihn damit auf den Arm hatte nehmen wollen.</p><p>Der Junge legte seinen Reisemantel ab und besuchte die Einrichtungen am Ende des Saals. Sie waren spartanisch, doch es gab eine Kanne mit kaltem Wasser und ein Waschbecken und einen guten, klaren Spiegel. Khadgar dachte daran, einen kleinen Zauber einzusetzen, um das Wasser zu erhitzen, aber er entschied sich, dass das kalte Wasser ihn st�rken w�rde.</p><p>Das Wasser war tats�chlich belebend, und Khadgar f�hlte sich besser, nachdem er sich umgezogen hatte und in weniger staubige Kleidung gewechselt war � ein bequemes Hemd, das ihm fast bis zu den Knien reichte und eine robuste Hose. Seine Arbeitskleidung. Er zog ein schmales Essmesser aus seinem Rucksack und lie� es, nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte, in einen Stiefel gleiten.</p><p>Er trat auf den Gang hinaus, und pl�tzlich wurde ihm klar, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, wo eigentlich die K�che lag. Es hatte drau�en beim Pferdestall keinen K�chenanbau gegeben, also lagen die R�umlichkeiten wohl im Turm. Wahrscheinlich im Erdgeschoss mit einer Pumpe, die zum Brunnen f�hrte. Und einem direkten Weg zum Bankettsaal, egal ob dieser h�ufig genutzt wurde oder nicht.</p><p>Khadgar fand die Galerie �ber dem Bankettsaal ziemlich leicht wieder, aber er musste einige Zeit nach der Treppe suchen, die � sich eng um sich selbst windend � zu ihm hinunter f�hrte. Vom Bankettsaal aus standen ihm mehrere G�nge zur Verf�gung. Khadgar w�hlte den wahrscheinlichsten und endete in einer Sackgasse. Leere R�ume, �hnlich seinem eigenen Quartier, s�umten den Korridor. Seine zweite Wahl brachte ein �hnliches Ergebnis.</p><p>Die dritte f�hrte den jungen Mann ins Herz einer Schlacht.</p><p>Er hatte es nicht erwartet. Er schritt gerade eine Treppe mit niedrigen Steinstufen hinunter und fragte sich, ob er eine Karte ben�tigen w�rde � oder eine Glocke oder ein Jagdhorn �, um in diesem Turm zu navigieren, und pl�tzlich �ffnete sich die Decke �ber ihm zu einem leuchtenden Himmel in der Farbe frischen Blutes, und er sah sich von gepanzerten M�nnern umstanden, die sich auf eine Schlacht vorbereiteten.</p><p>Khadgar trat sofort zur�ck, aber der Gang hinter ihm war verschwunden. Dort lag jetzt eine unebene, �de Landschaft, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die M�nner schrien und zeigten auf etwas, aber obwohl sie direkt neben Khadgar standen, klangen ihre Stimmen undeutlich und verzerrt, als spr�chen sie in einem seltsamen Reich unter dem Wasser.</p><p><emphasis>Ein Traum?</emphasis>, dachte Khadgar. Hatte er sich f�r einen Augenblick hingelegt und war eingenickt, und all dies war nur ein n�chtlicher Alpdruck, den seine eigenen Sorgen gezeugt hatten? Nein. Er sp�rte fast die W�rme der sterbenden Sonne auf seiner Haut. Und die leichte Brise des k�hlen Windes. Und die schreienden M�nner, die um ihn herum wimmelten.</p><p>Es war, als habe ihn etwas vom Rest der Welt gel�st und auf seine eigene kleine Insel geworfen, die nur die allerd�rftigste Verbindung zu der Realit�t besa�, die ihn umgab. Es war, als sei er ein Geist geworden.</p><p>Und tats�chlich ignorierten ihn die Soldaten, als sei er nur ein Phantom. Khadgar streckte eine Hand aus, um einen der M�nner an der Schulter zu ber�hren, und zu seiner gro�en Erleichterung sanken seine Finger nicht durch die zerschlagene Schulter-Platte. Es gab einen Widerstand, doch nur von amorpher Art. Er konnte die R�stung f�hlen, und wenn er sich konzentrierte, ertastete er die scharfen Grate des unebenen Metalls.</p><p>Diese M�nner hatten gek�mpft, erkannte Khadgar, schwer und erst vor kurzer Zeit. Nur ein Mann unter dreien trug nicht irgendeine Art von grobem Verband und wurde damit zum blutbefleckten Mahnmal des Krieges. �berall waren schmutzige R�stungen und verbeulte Helme zu sehen. Auch die Waffen der Soldaten waren schartig, und Rot trocknete auf ihnen.</p><p>Der junge Mann begutachtete ihre Position. Sie befanden sich auf der Kuppe eines kleinen H�gels, einer winzigen Falte in der Ebene, die sich bis zum Horizont zog. Die sp�rliche Vegetation, die an diesem Ort existierte, war abgeholzt und f�r primitive Palisaden verwendet worden, die jetzt von M�nnern mit grimmigen Gesichtern bewacht wurden. Hier gab es keine sichere Zuflucht, keine Burg, kein Fort. Die M�nner hatten diesen Ort zum Kampf gew�hlt, weil sie keinen anderen besa�en.</p><p>Die Soldaten traten auseinander, als sich ihr Anf�hrer, ein gro�er, wei�b�rtiger Mann mit breiten Schultern, den Weg zwischen ihnen hindurch bahnte. Seine R�stung war nicht weniger ramponiert als die seiner M�nner, aber sie bestand aus einer Brustplatte, die �ber eine rote Gelehrten-Robe geschnallt war, wie sie auch unter den Kirin Tor nicht fehl am Platze gewesen w�re. Der Stoff des Gewands war mit Macht-Runen bestickt. Khadgar erkannte einige der Symbole, aber andere waren ihm fremd. Der schneewei�e Bart des Anf�hrers reichte bis zur Taille hinab und verbarg einen Teil der R�stung. Er trug eine rote Scheitelkappe mit einem einzelnen goldenen Edelstein auf der Stirn. In der einen Hand hielt er einen in ein Juwel auslaufenden Stab, in der anderen ein dunkelrotes Schwert.</p><p>Der Kommandant schrie die Soldaten mit jener undeutlichen Stimme an, die Khadgar an die w�tende See erinnerte. Die Krieger schienen jedoch zu verstehen, was er sagte, denn sie formierten sich in geordneten Reihen entlang der Barrikaden.</p><p>Der schneeb�rtige Anf�hrer strich an Khadgar vorbei, und dieser stolperte einen Schritt zur�ck, um ihm aus dem Weg zu gehen. Der alte Mann h�tte ihn nicht bemerken sollen, genauso wenig wie die anderen blutbefleckten Krieger ihn bemerkt hatten.</p><p>Doch der Kommandant sah ihn. Seine Stimme z�gerte f�r einen Moment, er stotterte, sein Fu� landete falsch auf dem unebenen Boden des felsigen H�gels, und er strauchelte beinahe. Aber er fing sich wieder und wandte sich um. Er betrachtete Khadgar.</p><p>Ja, er blickte Khadgar an, und es wurde dem jungen M�chtegern-Sch�ler klar, dass dieser alte Krieger-Zauberer ihn sah, dass er ihn <emphasis>genau</emphasis> sah. Die Augen des Kommandanten blickten tief in die seinen, und f�r einen Moment f�hlte sich Khadgar wieder genau so, wie er sich gerade erst unter Medivhs sengenden Augen gef�hlt hatte. Doch, wenn dies �berhaupt m�glich war, so war dieser Blick noch intensiver. Khadgar starrte in die Augen des Kommandanten.</p><p>Und was er sah, lie� ihn aufkeuchen. Er wandte sich ab und brach den festen Blick des Krieger-Zauberers.</p><p>Als Khadgar wieder hinsah, nickte der Kommandant ihm zu. Es war ein kurzes, beinahe abweisendes Nicken, und der Mund des alten Mannes war streng zusammengepresst. Dann wandte sich der schneeb�rtige Anf�hrer wieder ab und schrie seine Krieger an, flehte sie inst�ndig an, sich zu verteidigen.</p><p>Khadgar wollte ihm folgen, ihn einholen und herausfinden, wie er ihn sehen konnte, wenn alle anderen blind f�r ihn waren, und was er ihm sagen konnte � aber da explodierten Schreie um ihn, die Schreie m�der M�nner, die ein letztes Mal zur Pflicht gerufen wurden. Schwerter und Speere wurden zu einem Himmel erhoben, der die Farbe geronnenen Blutes hatte, und Arme zeigten auf die nahe gelegenen K�mme der d�steren Ebene.</p><p>Khadgars Blick folgte den ausgestreckten Zeigefingern der Soldaten, und er sah eine gr�n-schwarze Woge, die �ber dem n�chsten H�gel erschien. Der Junge glaubte einen Moment lang, er blicke auf einen Fluss, einen arkanen, farbenfrohen Schlamm-Strom, aber dann erkannte er, dass die Woge eine Armee war, die sich den M�nnern n�herte. Schwarz war die Farbe ihrer R�stungen und Gr�n die Farbe ihres Fleisches.</p><p>Es waren Alptraum-Wesen, groteske Karikaturen der menschlichen Gestalt. Ihre jadefarbenen Gesichter wurden von schweren, breiten Kiefern dominiert, die mit langen F�ngen besetzt waren. Ihre Nasen waren flach und schn�ffelten wie die von Hunden. Ihre Augen waren klein, rot und hasserf�llt, und ihre schwarzen Waffen und prunkvollen R�stungen gl�nzten in der ewig sterbenden Sonne dieser Welt. Als sie die Spitze der Anh�he erreichten, stie�en sie bellende Schreie aus, die die Erde zum Beben brachten.</p><p>Die M�nner, die Khadgar umstanden, erhoben ihren eigenen Schlachtruf, und als die gr�nen Monster sich dem H�gel n�herten, lie�en die Soldaten rotgefiederte Pfeile auf ihre Feinde herabregnen. Als die Frontlinie der grauenhaften Kreaturen ins Stolpern geriet und fiel, wurden die Unget�me sofort von ihren eigenen Kameraden niedergetrampelt, die ihnen nachfolgten. Ein weiterer Pfeilhagel, und eine weitere Reihe unmenschlicher Monster fiel, doch auch sie wurden von der Flut, die ihnen folgte, untergepfl�gt.</p><p>Rechts von Khadgar begannen Blitze �ber die Erde zu zucken, und die Ungeheuer schrien, als das Fleisch von ihren Knochen gekocht wurde. Khadgar dachte an den Krieger-Zauberer, aber er erkannte auch, dass diese Blitze die vorst�rmenden Horden nur sp�rlich ausd�nnten.</p><p>Und dann waren die gr�nen Monster bei den M�nnern, und die Woge aus Ebenholz und Jade brandete gegen die primitiven Palisaden. Die gef�llten St�mme waren nicht mehr als Zweige in diesem Sturm, und Khadgar sah, wie die Befestigung nachgab. Einer der Soldaten, die ihm am n�chsten standen, st�rzte. Ein gro�er, dunkler Speer ragte aus seinem Leib, und wo der Mann gerade noch gestanden hatte, erschien ein Alptraum aus gr�nem Fleisch und schwarzer R�stung, der heulte, als er �ber die Leiche hinwegtrampelte.</p><p>Entsetzt trat Khadgar zwei Schritte zur�ck, dann wandte er sich um und rannte �</p><p>� und warf beinahe Moroes um, der im Gang stand.</p><p>�Du bist sp�t�, schnaufte Moroes gelassen. �Dachte schon, du h�ttest dich verirrt.�</p><p>Khadgar wirbelte ein weiteres Mal herum und sah hinter sich keine Welt mit rotem Himmel und keine gr�nen Monster, nur eine verlassene Kammer mit einem leeren Kamin und Sesseln, �ber die wei�e T�cher gebreitet waren. Die Luft roch nach Staub, der gerade eben erst aufger�hrt worden war.</p><p>�Ich war ��, keuchte Khadgar. �Ich sah � Ich war ��</p><p>�Am falschen Ort?�, schlug Moroes vor.</p><p>Khadgar schluckte, blickte sich um und nickte schweigend.</p><p>�Dein Abendessen steht bereit�, �chzte Moroes. �Verirr dich nicht wieder.�</p><p>Und der dunkelgekleidete Diener drehte sich um und glitt ger�uschlos aus dem Raum.</p><p>Khadgar warf einen letzten Blick auf die Sackgasse, in die er gestolpert war. Hier gab es keine mystischen Torb�gen oder magischen T�ren. Die Vision (wenn es eine Vision gewesen war) hatte so pl�tzlich geendet, wie sie begann.</p><p>Hier waren keine Soldaten. Keine gr�nen Monster. Keine Armee, die kurz vor der Niederlage stand. Hier war nur eine Erinnerung, die Khadgar furchtbare Angst ins Herz jagte. Sie war real. Sie hatte sich real angef�hlt. Sie hatte sich <emphasis>wahr</emphasis> angef�hlt.</p><p>Nicht die Monster oder das Blutvergie�en waren es gewesen, was ihm so gro�e Angst eingefl��t hatte. Es war der Zauberer-Krieger, der schneehaarige Kommandant, der ihn sehen konnte, der ihm tief ins Herz geblickt und ihn als unzureichend befunden hatte.</p><p>Und das Schlimmste war, dass die wei�b�rtige Gestalt in R�stung und Gewand <emphasis>Khadgars</emphasis> Augen gehabt hatte. Das Gesicht war alt, das Haar schneewei�, die Ausstrahlung stark gewesen, aber der Kommandant hatte die gleichen Augen besessen, die Khadgar nur wenige Minuten (und ein ganzes Leben) zuvor in dem klaren Spiegel gesehen hatte.</p><p>Khadgar verlie� die Kammer und fragte sich, ob es schon zu sp�t war, um ein Paar Scheuklappen zu ergattern.</p></section><section><title><p>3</p><p>Eingew�hnung</p></title><p>�Du f�ngst erst mal ganz langsam an�, sagte der alte Zauberer von der anderen Seite des Tisches aus. �Schaffe Ordnung in der Bibliothek. Finde heraus, wie du sie organisieren willst.�</p><p>Khadgar nickte �ber Haferbrei und Wurst hinweg. Der gr��te Teil des Fr�hst�cksgespr�chs hatte sich um Dalaran im Allgemeinen gedreht. Wor�ber sprachen die Leute in Dalaran, und was waren die aktuellen Moden dort? Worum stritt man sich in den Hallen der Kirin Tor? Khadgar erz�hlte, dass bei seiner Abreise die aktuelle philosophische Streitfrage gewesen sei, ob man, wenn man durch Magie eine Flamme erzeugte, diese vollkommen neu ins Sein rief oder sie aus irgendeiner parallelen Dimension heraufbeschwor.</p><p>Medivh schnaufte �ber seinem Fr�hst�ck. �Narren. Die w�rden eine alternative Dimension nicht mal erkennen, wenn sie ank�me und ihnen in den Hintern tr�te � Also, was glaubst du?�</p><p>�Ich glaube ��, begann Khadgar, und ihm wurde klar, dass er wieder gepr�ft wurde. �Ich glaube, es ist vielleicht etwas vollkommen anderes.�</p><p>�Gro�artig�, sagte Medivh l�chelnd. �Wenn man eine Wahl zwischen zwei Alternativen hat, w�hlt man die dritte. Nat�rlich wolltest du eigentlich sagen, dass du, wenn du Feuer erzeugst, nur das inh�rente Wesen des Feuers, das in deiner Umgebung enthalten ist, auf einen bestimmten Punkt konzentrierst und es so ins Sein rufst?�</p><p>�O ja�, sagte Khadgar. �Dar�ber hatte ich nachgedacht. Eine Zeit lang. Etwa ein paar Jahre.�</p><p>�Gut�, sagte Medivh und tupfte sich den Bart mit einer Serviette ab. �Du besitzt einen wachen Geist und eine ehrliche Einsch�tzung deiner eigenen F�higkeiten. Jetzt wollen wir sehen, was du aus der Bibliothek machst. Moroes zeigt dir den Weg.�</p><p>Die Bibliothek nahm zwei Ebenen ein und befand sich in der unteren Turmh�lfte. In diesem Bereich zog sich die Treppe um die Au�enw�nde des Geb�udes und lie� einen Raum frei, der sich �ber zwei Stockwerke erstreckte. Ein schmiedeeisernes Podium schuf eine Galerie auf der zweiten Ebene. Die schmalen Fenster des Raumes waren mit ineinander verwobenen Eisenst�ben gesichert, sodass nur wenig mehr an nat�rlichem Licht eindrang als auch eine abgedeckte Fackel geliefert h�tte. Auf den gro�en Eichentischen der ersten Ebene leuchteten grau-blaue Kristallkugeln, die mit einer dicken Staubschicht �berzogen waren.</p><p>Der Raum selbst war ein Katastrophengebiet. Willk�rlich aufgeschlagene B�cher lagen �berall verstreut, Schriftrollen hingen aufgerollt �ber Sesseln, und eine d�nne Schicht staubigen Papiers bedeckte alles wie Laub einen Waldboden. Die noch immer an die Regale geketteten, �lteren B�nde waren herausgeholt worden und hingen wie Gefangene in einem Kerker von ihren Fesseln.</p><p>Khadgar begutachtete den Schaden und seufzte tief. �Du f�ngst erst mal ganz behutsam an�, sagte er.</p><p>�Ich k�nnte deine Sachen in einer Stunde packen�, erklang Moroes� Stimme aus dem Gang. Der Diener betrat die eigentliche Bibliothek nicht.</p><p>Khadgar hob ein St�ck Pergament auf, das zu seinen F��en lag. Darauf verlangten die Kirin Tor von dem Meistermagier, dass er auf ihren letzten Brief antwortete. Die andere Seite des Blattes zeigte einen dunkelroten Fleck, den Khadgar zuerst f�r Blut hielt, bis er erkannte, dass es die Reste eines geschmolzenen Wachssiegels waren.</p><p>�Nein�, sagte Khadgar und streichelte den kleinen Beutel, in dem er die Schreiber-Utensilien verwahrte. �Es ist nur eine gr��ere Herausforderung, als ich zun�chst erwartet hatte.�</p><p>�So was hab ich auch fr�her schon geh�rt�, sagte Moroes.</p><p>Khadgar wandte sich ihm zu, um mehr �ber die N�te seiner Vorg�nger zu erfahren, aber der Diener war bereits verschwunden.</p><p>Mit der Sorgfalt eines Einbrechers suchte sich Khadgar seinen Weg durch das Chaos. Es war, als habe in der Bibliothek eine Schlacht getobt. Buchr�cken waren gebrochen, Einb�nde halb zerrissen, Seiten umgeknickt. Und das betraf nur die B�cher, die noch weitgehend heil waren. Ganze Mappeninhalte waren aus ihren Einb�nden gezogen worden, und der Staub auf den Tischen bedeckte eine Schicht von Papieren und Korrespondenz. Manche der Briefe waren ge�ffnet, andere offensichtlich noch immer ungelesen, ihr Wissen unter dicken Wachssiegeln verborgen.</p><p>�Der Magus braucht keinen Assistenten�, murmelte Khadgar, w�hrend er einen Platz am Ende eines Tisches frei r�umte und einen Stuhl darunter hervorzog. �Er braucht eine Haush�lterin.� Dann warf er einen schnellen Blick zur T�r, um sicherzustellen, dass der Kastellan auch tats�chlich verschwunden war.</p><p>Khadgar setzte sich nieder. Der Stuhl wackelte verd�chtig, sodass der Junge wieder aufstand und nach der Ursache forschte. Eines der Stuhlbeine hatte einen fetten W�lzer mit einem metallischen Einband verschoben, halb daraufgestanden. Der Deckel des Folianten war reich verziert, und der Seitenrand mit Silber �berzogen.</p><p>Khadgar hob den Band auf und �ffnete ihn. Da sp�rte er, wie sich etwas in dem Buch leicht bewegte. Ein hohles Kratzen erklang. Metall schabte an Metall, und die Augen des Jungen weiteten sich. Innerhalb des Buchr�ckens spulte sich etwas ab.</p><p>Dann begann der Foliant zu ticken.</p><p>Schnell schloss Khadgar den Einband wieder, und das Buch wurde nach einem scharfen Surren und einem lauten Schnappger�usch wieder vollkommen still, w�hrend sich seine Mechanik neu justierte. Der junge Mann legte es vorsichtig auf den Tisch.</p><p>Dann bemerkte er die Brandflecken auf seinem Stuhl und auf dem Boden darunter.</p><p>�Ich ahne, warum Ihr so viele Assistenten verbraucht�, seufzte Khadgar und durchquerte langsam den Raum.</p><p>Die Lage verbesserte sich nicht. B�cher hingen �ber Sessellehnen und Metallgel�nder. Die Korrespondenz wurde umfangreicher, je tiefer er sich in den Raum bewegte, und bald versank er bis fast zu den Knien darin. In der Ecke eines B�cherregals hatte etwas ein Nest gebaut, und als Khadgar das kleine Kn�uel vom Brett nahm, kullerte der winzige Sch�del einer Spitzmaus heraus und zerfiel, als er auf dem Boden aufschlug, zu Staub. Die obere Ebene war wenig mehr als ein Lagerbereich. Die B�cher hatten noch nicht einmal die Regale erreicht, sondern t�rmten sich nur zu immer h�heren Stapeln auf. Erst zu H�geln, dann zu Bergen und schlie�lich zu unbezwingbaren Gipfeln.</p><p>Und es gab eine leere Stelle, doch diese sah aus, als habe jemand bei dem verzweifelten Versuch, die Menge des vorhandenen Papiers zu reduzieren, ein Feuer angez�ndet. Khadgar untersuchte den Bereich und sch�ttelte den Kopf. Hier war auch noch etwas anderes verbrannt; es bestand aus Stofffetzen, die wahrscheinlich einmal die Robe eines Gelehrten gewesen waren.</p><p>Khadgar sch�ttelte ein weiteres Mal den Kopf und ging zur�ck zu dem Tisch, auf dem er seinen Beutel mit den Schreiber-Utensilien zur�ckgelassen hatte. Er sch�ttete einen d�nnen, h�lzernen Federhalter und eine Handvoll Metallfedern aus, au�erdem einen Stein zum Spitzen und Formen der Federn, ein Messer mit einer flexiblen Klinge, um Pergament zu schaben, einen Block Octopus-Tinte, einen kleinen Teller, in dem er die Tinte schmelzen konnte, eine Sammlung d�nner, flacher Schl�ssel, ein Vergr��erungsglas und etwas, das auf den ersten Blick aussah wie eine Metall-Grille.</p><p>Er nahm die Grille, legte sie auf den R�cken und steckte eine seltsam geformte Metallfeder in ihren Bauch. Damit zog er sie auf. Dieses Geschenk, das Guzbah ihm zum Bestehen seiner ersten Pr�fung als Schreiber gemacht hatte, hatte sich w�hrend der Erkundungen des Jungen in den Hallen der Kirin Tor schon des �fteren als unentbehrlich erwiesen. Im Innern des Metall-Insekts steckte ein einfacher, aber effektiver Zauber, der vor Fallen warnte.</p><p>Sobald er die Grille um eine volle Drehung aufgezogen hatte, stie� sie einen hohes Kreischen aus. Erschreckt lie� Khadgar das magische Sp�rger�t fast fallen, aber dann begriff er, dass ihn das Insekt nur �ber die Intensit�t der m�glichen Gefahr informierte.</p><p>Khadgar betrachtete die B�cher-Haufen, die um ihn herum lagen, und murmelte einen leisen Fluch. Er wich zur T�r zur�ck und zog die Grille dort vollends auf. Dann holte er das erste Buch, das ihm in die H�nde gefallen war � das tickende Buch � und brachte es zur T�r.</p><p>Die Grille tr�llerte leicht. Khadgar deponierte das Fallen-Buch nahe der T�r auf dem Boden. Er holte ein anderes Buch und brachte es zur Grille. Das Metall-Insekt schwieg.</p><p>Khadgar hielt den Atem an, hoffte, dass die Grille tats�chlich in der Lage war, alle Arten von Fallen magischer oder anderer Natur zu erkennen, und �ffnete das Buch. Es war eine von sanfter, weiblicher Hand verfasste Abhandlung �ber die Politik der Elfen, die etwa dreihundert Jahre alt sein mochte.</p><p>Khadgar trennte das handgeschriebene Werk von dem als Falle identifizierten und ging, um das n�chste zu holen.</p><empty-line/><p>�Ich kenne dich�, sagte Medivh am n�chsten Morgen bei Wurst und Haferbrei.</p><p>�Khadgar, Herr�, sagte der Junge.</p><p>�Der neue Assistent�, sagte der �ltere Magier. �Nat�rlich. Vergib mir, aber meine Erinnerung ist nicht mehr das, was sie einmal war. Ich habe zu viel um die Ohren, f�rchte ich.�</p><p>�Etwas, wobei Ihr Hilfe brauchen k�nntet, Herr?�, fragte Khadgar eifrig.</p><p>Der �ltere Mann schien einen Augenblick dar�ber nachzudenken, dann sagte er: �Die Bibliothek, mein Vertrauen. Wie stehen die Dinge in der Bibliothek?�</p><p>�Gut�, sagte Khadgar. �Sehr gut. Ich bin damit besch�ftigt, die B�cher und Papiere zu sortieren.�</p><p>�Ah. Nach Themen? Autoren?�, fragte der Meistermagier.</p><p><emphasis>Nach t�dlich und nicht t�dlich</emphasis>, dachte Khadgar. �Ich denke nach Themen. Viele der Werke sind anonym.�</p><p>�Hmpf�, machte Medivh. �Traue nie einer Sache, f�r die ein Mann nicht mit seinem Namen und seinem Ruf b�rgt. Mach also weiter. Sag mir, was halten die Kirin Tor von K�nig Llane? Sprechen sie je �ber ihn?�</p><p>Khadgars Arbeit ging mit qu�lender, schneckenhafter Langsamkeit voran, aber Medivh schien keine Ahnung von der Zeit zu haben, die der Junge daf�r ben�tigte. Tats�chlich wirkte er jeden Morgen angenehm �berrascht, dass Khadgar �berhaupt noch bei ihnen war, und nach einem kurzen Bericht �ber den Fortschritt wandte sich das Gespr�ch stets schnell einem anderen Thema zu.</p><p>�Da wir gerade von Bibliotheken sprechen�, mochte Medivh beispielsweise sagen. �Was treibt Korrigan, der Bibliothekar der Kirin Tor, denn so?�</p><p>Oder: �Wie stehen die Menschen in Lordaeron zu den Elfen? Hat man dort in den letzten Jahrzehnten welche gesehen?�</p><p>Oder: �Gibt es Legenden �ber M�nner mit Stierk�pfen in den Hallen der Violetten Zitadelle?�</p><p>Und eines Morgens, etwa eine Woche nach Khadgars Ankunft, war Medivh �berhaupt nicht da.</p><p>�Weg�, antwortete Moroes knapp, als Khadgar ihn fragte.</p><p>�Weg wohin?�, fragte Khadgar.</p><p>Der greise Kastellan zuckte mit den Schultern, und Khadgar konnte fast h�ren, wie die Knochen in seinem uralten Leib klapperten. �Da dr�ber spricht er nicht.�</p><p>�Was macht er?�, dr�ngte Khadgar.</p><p>�Da dr�ber spricht er nicht.�</p><p>�Wann kommt er zur�ck?�</p><p>�Da dr�ber spricht er nicht.�</p><p>�Er l�sst mich allein in seinem Turm?�, fragte Khadgar. �Ohne Aufsicht? Mit all seinen mystischen Texten?�</p><p>�K�nnte ja kommen und dich bewachen�, schlug Moroes vor. �Wenn�s das ist, was du willst.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf, dann sagte er: �Moroes?�</p><p>�Jau?�</p><p>�Diese Visionen ��, begann der junge Mann.</p><p>�Scheuklappen?�, fragte der Diener.</p><p>Wieder sch�ttelte Khadgar den Kopf. �Zeigen sie die Zukunft oder die Vergangenheit?�</p><p>�Beides, wenn ich sie gesehn hab�, sagte Moroes. �Aber normalerweise seh ich sie nicht.�</p><p>�Und diejenigen aus der Zukunft, treffen die auch ein?�, fragte der junge Mann.</p><p>Moroes stie� etwas aus, das Khadgar nur als einen tiefen Seufzer interpretieren konnte, einen leisen Wind, der all seine Knochen durchsch�ttelte. �Ich glaube � ja. In einer Vision sah K�chin, wie ich einen Kristall zerbrach, also versteckte sie ihn. Monate vergingen, und schlie�lich trug mir der Meister auf, ihm genau diesen Kristall zu bringen. Sie holte ihn aus dem Versteck, und innerhalb von zwei Minuten hatte ich ihn zerbrochen. Hatte ich gar nicht gewollt.� Er seufzte wieder. �Am n�chsten Tag bekam sie ihre Rosenquarz-Linsen. Sonst noch etwas?�</p><p>Khadgar verneinte, aber er war von Sorge erf�llt, als er die Treppe zur Bibliothek hinaufstieg. Er war in seiner Neuorganisation bisher so weit gegangen, wie er es wagte, und Medivhs pl�tzliches Verschwinden brachte ihn ins Schwimmen, so ganz ohne weitere Anweisung.</p><p>Der junge M�chtegern-Sch�ler betrat die Bibliothek. Auf der einen Seite des Raumes lagen jene B�cher (und �berreste von B�chern), die die Grille als �sicher� beurteilt hatte, w�hrend die andere H�lfte des Raumes mit den (sich im Allgemeinen in einem besseren Zustand befindenden) B�nden gef�llt war, die offenkundig Fallen enthielten.</p><p>Die gro�en Tische waren mit losen Bl�tter und unge�ffneten Briefen bedeckt, geordnet in zwei halbwegs �bersichtlichen Stapeln. Die Regale waren vollkommen leer � die Ketten hatten sich von ihren Gefangenen trennen m�ssen.</p><p>Khadgar h�tte die Papiere sichten k�nnen, aber es war wohl besser, die Regale erst einmal wieder mit B�chern zu f�llen. Die meisten der B�nde trugen keinen Titel, und wenn sie einen hatten, waren ihre Einb�nde so ramponiert, zerkratzt und zerrissen, dass dieser nicht mehr lesbar war. Die einzige M�glichkeit, den Inhalt eines Buches zu bestimmen, bestand darin, es zu �ffnen �</p><p>� was wiederum die Fallen-B�cher ausl�sen w�rde. Khadgar blickte skeptisch auf den Brandfleck am Boden und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Dann begann er zu suchen, erst unter den Fallen-B�chern, dann unter den Nicht-Fallen-B�chern, bis er gefunden hatte, was er suchte. Ein Buch, auf dem das Symbol eines Schl�ssels prangte.</p><p>Ein dickes Metallband, mit einem Schloss gesichert, hielt es unzug�nglich. Bei all seinen Suchaktionen war Khadgar auf keinen echten Schl�ssel gesto�en, aber das �berraschte ihn angesichts der Organisation des Raumes wenig. Die Bindung des Buches war bemerkenswert fest, der vordere Deckel eine in rotes Leder gebundene Metallplatte.</p><p>Khadgar holte die flachen Schl�ssel-Elemente aus seinem Beutel, aber keines war f�r das gro�e Schloss geeignet. Schlie�lich benutzte Khadgar die Spitze seines Schabmessers. Es gelang ihm, die d�nne Klinge durch das Schloss zu f�deln, und als er damit zudr�ckte, ert�nte ein zufriedenstellendes <emphasis>�Klick�</emphasis>.</p><p>Khadgar blickte auf die Grille, die neben ihm auf dem Tisch stand. Sie war noch immer stumm.</p><p>Mit angehaltenem Atem �ffnete der junge Magier den schweren Band. Der s�uerliche Geruch schimmeligen Papiers drang in seine Nase. �Von Fallen und Schl�ssern�, las er die alte Schrift laut vor. �Eine Abhandlung �ber das Wesen von Verriegelungsmechanismen.�</p><p>Khadgar zog sich seinen Stuhl heran (der etwas niedrig geraten war, da er die drei langen Beine abges�gt hatte, um ihn besser auszubalancieren) und begann zu lesen.</p><empty-line/><p>Medivh blieb volle zwei Wochen fort, und in dieser Zeit eroberte sich Khadgar die Bibliothek als <emphasis>sein</emphasis> Territorium. Jeden Morgen stand er zum Fr�hst�ck auf, gab Moroes einen oberfl�chlichen Bericht �ber seine Fortschritte (wobei weder der Kastellan noch K�chin jemals das geringste Anzeichen von Neugierde zeigten), und danach vergrub er sich in den B�chern. Mittagessen und Abendessen wurden ihm gebracht, und oft arbeitete er bis sp�t in die Nacht hinein im weichen, bl�ulichen Licht der leuchtenden Kugeln.</p><p>Er gew�hnte sich auch langsam an das Wesen des Turms. Oft sah er Bilder aus den Augenwinkeln. Das Aufblitzen einer Gestalt in einem zerschlissenen Mantel, die sich aufl�ste, wenn er sich nach ihr umsah. Ein halb beendetes Wort, das durch die Luft schwebte. Eine pl�tzliche K�lte, als sei eine T�r oder ein Fenster offen gelassen worden. Oder eine j�he Ver�nderung des Luftdrucks, als habe sich irgendwo eine Geheimt�r ge�ffnet. Manchmal �chzte der Turm im Wind, und die alten Steine rieben aneinander.</p><p>Langsam erschloss sich ihm die Natur � wenn auch nicht der genaue Inhalt � der B�cher, die in der Bibliothek zu finden waren, und er knackte die Fallen, die die wertvollsten B�nde sch�tzten. Seine Forschungen waren ihm im letzteren Fall seine gro�e Hilfe. Er wurde bald zum Experten im �berlisten von Zaubermechanismen und gewichtkontrollierten Fallen, so wie er in Dalaran ein Fachmann im Umgang mit verschlossenen T�ren und versteckten Geheimnissen gewesen war. Der Trick bei den meisten Schl�ssern bestand darin, die Riegel-Mechanismen (mochten sie nun magischer oder mechanischer Natur sein) davon zu �berzeugen, dass man das Schloss gar nicht geknackt hatte, w�hrend es tats�chlich doch so war. Hatte man herausgefunden, was eine bestimmte Falle ausl�ste � ein Gewicht oder ein sich verlagerndes St�ck Metall oder gar die Ber�hrung mit Sonnenlicht oder frischer Luft �, dann war die Schlacht bereits halb gewonnen.</p><p>Es gab B�cher, die �ber seine F�higkeiten hinausgingen, deren Schl�sser sogar seine falschen Schl�ssel und sein geschicktes Messer nicht zu knacken vermochten. Diese kamen auf die oberste Ebene, ziemlich weit nach hinten, und Khadgar entschloss sich, irgendwann herauszufinden, was sich in ihnen befand, entweder aus eigener Kraft oder indem er das Wissen dar�ber Medivh entlockte.</p><p>Er bezweifelte allerdings, dass ihm Letzteres gelingen w�rde, und fragte sich, ob der Meister die Bibliothek je anders genutzt hatte denn als M�llkippe f�r geerbte Texte und alte Briefe. Die meisten Magier der Kirin Tor hielten zumindest einen Anschein von Ordnung in ihren Archiven aufrecht, und die wertvollsten B�nde waren versteckt. Aber bei Medivh stapelte sich alles in einem chaotischen Durcheinander, als brauche er nichts davon wirklich.</p><p><emphasis>Es sei denn als Aufgabe</emphasis>, dachte Khadgar. <emphasis>Als Aufgabe, um unliebsame M�chtegern-Sch�ler in die Schranken zu weisen.</emphasis></p><p>Jetzt standen die B�cher wieder in den Regalen, die wertvollsten (und unlesbarsten) mit Ketten auf der obersten Ebene gesichert, w�hrend sich die konventionelleren Abhandlungen �ber Milit�rgeschichte, die Almanache und die Tageb�cher auf den unteren Ebenen befanden. Hier fanden sich auch die Schriftrollen, die von banalen Listen in Stormwind gekaufter und verkaufter Artikel bis zu Aufzeichnungen epischer Gedichte reichten. Die Letzteren waren besonders interessant, da einige von ihnen von Aegwynn handelten, die angeblich Medivhs Mutter war.</p><p><emphasis>Wenn sie achthundert Jahre alt wurde, dann muss sie wirklich eine m�chtige Zauberin gewesen sein</emphasis>, dachte Khadgar. Mehr Informationen �ber sie enthielten wahrscheinlich die gesch�tzten B�cher ganz oben, ganz hinten. Bisher hatten diese W�lzer jeder h�flichen und flehentlichen Bitte und jedem gewaltsamem Versuch, sie zu �ffnen, widerstanden, und die Grille kreischte hysterisch vor Entsetzen, wann immer er versuchte, die B�nde f�r sich zu erschlie�en.</p><p>Trotzdem hatte er mehr als genug mit dem Sortieren loser Seiten zu tun, der Wiederinstandsetzung jener B�cher, die das Alter beinahe vollst�ndig verzehrt hatte, und dem Ordnen (oder zumindest Lesen) des gr��ten Teils der Korrespondenz. Einige der sp�teren Briefe waren in Elfenschrift verfasst, und viele von ihnen, die aus den verschiedensten Quellen stammten, waren in einer Art von Kode geschrieben. Der letztere Typus besa� sehr viele unterschiedliche Siegel, die aus Azeroth, Khaz Modan und Lordaeron stammten, sowie von Orten, die Khadgar nicht einmal im Atlas fand. Eine gro�e Gruppe kommunizierte in Geheimschrift untereinander und mit Medivh.</p><p>Es gab mehrere alte Grimoires �ber Kodes, von denen sich die meisten um Brief-Verschl�sselungen und Zunftsprachen drehten. Nichts lie� sich mit dem Kode vergleichen, der in diesen Schriften benutzt wurde. Vielleicht kombinierten sie eine Reihe von Methoden, um eine vollkommen neue zu erschaffen.</p><p>So hatte Khadgar die Grimoires �ber Kodes zusammen mit den Fibeln zu den Elfen- und Zwergen-Sprachen vor sich auf dem Tisch liegen, als Medivh eines Abends pl�tzlich in den Turm zur�ckkehrte.</p><p>Khadgar h�rte ihn nicht so sehr, als dass er seine pl�tzliche Pr�senz sp�rte � so wie sich die Luft ver�ndert, wenn eine Sturmfront �ber �cker hinwegfegt. Der junge Magier drehte sich auf seinem Stuhl um, und da stand Medivh. Seine breiten Schultern f�llten den T�rrahmen, seine Robe bauschte sich hinter ihm, als bes��e sie einen eigenen Willen.</p><p>�Herr, ich ��, begann Khadgar l�chelnd und erhob sich halb aus dem Stuhl. Dann sah er, dass die Haare des Magiers in Unordnung waren. In seinen gr�n schimmernden Augen spiegelte sich Wut.</p><p>�Dieb!�, schrie Medivh und zeigte auf Khadgar. �Eindringling!� Der �ltere Magier hielte seine Hand auf den Jungen gerichtet und begann eine Reihe fremder Silben zu intonieren, Worte, die nicht f�r die menschliche Kehle gedacht waren.</p><p>Instinktiv hob Khadgar eine Hand und wob ein Schutz-Symbol in der Luft vor sich, doch es h�tte genauso gut eine obsz�ne Geste sein k�nnen, was ihren Einfluss auf Medivhs Zauber anging. Eine Wand aus harter Luft krachte in den jungen Mann und rollte �ber ihn und seinen Stuhl hinweg. Die Grimoires und Fibeln schlitterten �ber den Tisch wie Boote, die von einer pl�tzlichen B�e erfasst wurden, und die Notizen tanzten wirbelnd davon.</p><p>�berrascht wurde Khadgar zur�ckgeworfen und fiel in eines der hinter ihm stehenden B�cherregale. Das Regal schwankte unter der Wucht des magischen Windes, und der Junge hatte Angst, dass es herabst�rzen und seine ganze Arbeit zunichte machen w�rde. Doch das Regal hielt seine Position, w�hrend Medivh seinen m�chtigen Angriff fortsetzte und sich der Druck auf Khadgar Brust verst�rkte.</p><p>�Wer bist du?�, donnerte Medivh. �Was tust du hier?�</p><p>Der junge Magier k�mpfte gegen das Gewicht auf seiner Brust, und es gelang ihm zu sprechen. �Khadgar�, keuchte er. �Assistent. Ordne die Bibliothek. Eure Befehle.� Ein Teil seines Geistes fragte sich, ob das der Grund war, weshalb auch Moroes stets in solch abgehackter Weise sprach.</p><p>Medivh blinzelte bei Khadgars Worten wie ein Mann, der gerade eben aus tiefem Schlaf erwacht. Er drehte seine Hand leicht, und sofort l�ste sich die Welle aus harter Luft auf. Khadgar fiel auf die Knie und rang keuchend um Atem.</p><p>Medivh trat zu ihm heran und half ihm auf die Beine. �Es tut mir Leid, Junge�, begann er. �Ich hatte vergessen, dass du noch immer hier bist. Ich nahm an, du seist ein Dieb.�</p><p>�Ein Dieb, der versucht, einen Raum ordentlicher zu verlassen, als er ihn angetroffen hat�, sagte Khadgar. Etwas schmerzte in seiner Brust, als er atmete.</p><p>�Ja�, sagte Medivh und sah sich im Raum um. Trotz des Chaos, das sein eigener Angriff verursacht hatte, nickte er. �Ja. Ich glaube, noch nie zuvor ist jemand so weit gekommen.�</p><p>�Ich habe die B�cher nach Themen geordnet�, sagte Khadgar, der noch immer vorn�ber gebeugt stand und sich die Knie hielt. �Geschichtswerke, darunter Epen, zu Eurer Rechten. Naturwissenschaften zu Eurer Linken. Legenden-Material im Zentrum, zusammen mit Sprachen und Nachschlagewerken. Die m�chtigsten Texte � alchemistische Notizen, Zauberformeln und Theorie � sind auf dem Balkon zu finden, zusammen mit einigen B�chern, die ich nicht identifizieren konnte und die sehr m�chtig zu sein scheinen. Um diese werdet Ihr Euch selbst k�mmern m�ssen.�</p><p>�Ja�, sagte Medivh, der jetzt den Jungen ignorierte und den Raum musterte. �Exzellent. Eine hervorragende Arbeit. Sehr gut.� Er blickte sich um und wirkte wie ein Mann, dessen Orientierung gerade eben wieder zur�ckkehrte. �Wirklich sehr gut. Das hast du gut gemacht. Jetzt komm mit.�</p><p>Der Meistermagier st�rzte zur T�r, dann brachte er sich abrupt zum Stehen und wandte sich um. �Kommst du?�</p><p>Khadgar f�hlte sich, als sei er von einem weiteren mystischen Blitz getroffen worden. �Kommen? Wohin gehen wir?�</p><p>�Zur Turmspitze�, erkl�rte Medivh knapp. �Los jetzt, oder wir kommen zu sp�t. Wir haben nicht viel Zeit!�</p><p>F�r einen Mann seines Alters bewegte sich Medivh erstaunlich beh�nde die Treppe hinauf und nahm mit schnellem Schritt zwei Stufen auf einmal.</p><p>�Was ist da oben?�, keuchte Khadgar, als er den Magus schlie�lich auf einem Treppenabsatz in der N�he der Turmspitze einholte.</p><p>�Transport�, schnappte Medivh, dann z�gerte er f�r einen Moment. Er wandte sich um, und seine Schultern sanken herab. Kurz schien es, als sei alles Feuer aus seinen Augen verschwunden. �Ich muss mich entschuldigen. F�r eben.�</p><p>�Herr?�, fragte Khadgar, dem �ber diese neue Wendung schwindelig wurde.</p><p>�Mein Ged�chtnis ist nicht mehr das, was es einmal war, mein Vertrauen�, sagte der Magus. �Ich h�tte mich daran erinnern m�ssen, dass du im Turm bist. Aber nach dem, was ich erfahren habe, dachte ich, du w�rst ��</p><p>�Herr?�, unterbrach Khadgar. �Wir haben nicht viel Zeit?�</p><p>�Zeit�, sagte Medivh, dann nickte er, und die Kraft kehrte in sein Antlitz zur�ck. �Nein, wir haben nicht viel Zeit. Komm. Tr�dle nicht.� Und mit diesen Worten war der �ltere Mann bereits wieder auf dem Weg und nahm zwei Stufen auf einmal.</p><p>Khadgar wurde klar, dass der von Phantomen heimgesuchte Turm und die chaotische Bibliothek nicht die einzigen Gr�nde waren, dass Leute Medivh den Dienst quittierten, und er hastete ihm hinterher.</p><p>Der alte Kastellan wartete im Observatorium auf sie.</p><p>�Moroes�, donnerte Medivh, als er in die Kammer st�rmte. �Die goldene Pfeife, bitte.�</p><p>�Jau�, sagte der Diener und reichte ihm einen d�nnen Zylinder. Zwergen-Runen waren in die Seiten der R�hre geritzt und reflektierten das kalte Fackellicht des Raumes. �Nahm mir bereits die Freiheit, Herr. Sie sind hier.�</p><p>�Sie?�, fragte Khadgar. Da h�rte er ein Rauschen riesiger Fl�gel �ber sich. Medivh trat auf den Wehrgang, und Khadgar blickte hinauf.</p><p>Gro�e V�gel stiegen vom Himmel herab, und ihre Fl�gel leuchteten im Mondlicht. Nein, keine V�gel, erkannte Khadgar � Greife. Sie hatten die K�rper gro�er Raubkatzen, aber ihre K�pfe und Vorderklauen glichen denen von Seeadlern, und ihre Schwingen waren golden.</p><p>Medivh hielt dem Jungen Zaumzeug hin. �Schirr deinen an, und wir k�nnen losfliegen.�</p><p>Khadgar betrachtet die gro�en Bestien. Der ihm am n�chsten stehende Greif stie� ein lautes Kreischen aus und scharrte mit seinen klauenbewehrten Vorderbeinen �ber die Steinplatten.</p><p>�Ich habe noch nie ��, begann der junge Mann. �Ich wei� nicht ��</p><p>Medivh runzelte ver�rgert die Stirn. �Bringen die euch bei den Kirin Tor denn gar nichts bei? Ich hab keine Zeit f�r so was.� Er hob einen Finger, ber�hrte Khadgars Stirn und murmelte ein paar Worte.</p><p>Khadgar stolperte zur�ck und schrie vor �berraschung auf. Die Ber�hrung des Magus f�hlte sich an, als triebe ihm jemand ein hei�gl�hendes Schwert ins Gehirn.</p><p>Medivh sagte: �Jetzt <emphasis>wei�t</emphasis> du es. Leg deinem Greif das Zaumzeug an. Los!�</p><p>Khadgar ber�hrte seine Stirn und stie� ein �berraschtes Keuchen aus. Ja. Er <emphasis>wusste</emphasis> jetzt, wie man einen Greifen richtig anschirrte, und auch wie man einen ritt, sowohl mit Sattel als auch ohne, im Stil der Zwerge. Er wusste, wie man wendete, wie man ein Schweben erzwang, und vor allem, wie man sich auf eine pl�tzliche Landung vorbereitete.</p><p>Khadgar legte seinem Greifen das Geschirr an, w�hrend sein Sch�del leicht pochte, als m�sse das neue Wissen das Wissen, das sich bereits in seinem engen Kopf befand, zur Seite dr�ngen, um sich Platz zu schaffen.</p><p>�Bereit? Folge mir!�, rief Medivh und wartete nicht auf eine Antwort.</p><p>Das Paar stieg in die Luft. Die gro�en Tiere strengten sich an und schlugen heftig mit den Fl�geln, um mit ihrer schweren Last aufsteigen zu k�nnen. Die Unget�me konnten Zwerge in R�stungen tragen, aber Menschen �berstiegen fast ihre Kr�fte.</p><p>Khadgar warf sich mit seinem Greifen gekonnt in eine Kurve und folgte Medivh, als der Magus sich zu den dunklen Baumkronen hinabschwang. Der Schmerz in seinem Kopf breitete sich von dem Punkt ans, an dem Medivh ihn ber�hrt hatte, und nun f�hlte sich seine Stirn schwer an, und seine Gedanken k�mpften sich durch einen Nebel. Trotzdem konzentrierte er sich und folgte den Bewegungen des Meistermagiers, als benutze er schon sein ganzes Leben einen Greifen.</p><p>Der j�ngere Magier versuchte, zu Medivh aufzuschlie�en.</p><p>Er wollte ihn fragen, wohin sie flogen, was ihr Ziel sei, aber er konnte ihn nicht einholen. Und selbst wenn es ihm gelungen w�re, h�tte der rauschende Wind auch die lautesten Schreie erstickt. Vor ihnen erhoben sich die Berge. Sie flogen nach Osten.</p><p>Khadgar konnte nicht sagen, wie lange sie in der Luft waren. Er d�ste mehrmals unruhig auf dem Greifenr�cken ein, doch seine H�nde hielten die Z�gel fest gepackt, und der Greif folgte unbeirrbar seiner Bruder-Kreatur. Erst als Medivh sein Tier pl�tzlich nach rechts lenkte, sch�ttelte sich Khadgar aus seinem Schlaf (falls es Schlaf war) und folgte dem Meistermagier, der jetzt Kurs nach S�den nahm. Khadgars Kopfschmerzen, h�chstwahrscheinlich das Ergebnis des Zaubers, hatten sich fast vollst�ndig aufgel�st, und nur ein vages, dumpfes Pochen war geblieben.</p><p>Sie hatten die Berge hinter sich gelassen, und Khadgar erkannte, dass sie jetzt �ber offenes Land flogen. Unter ihnen lag das Mondlicht und spiegelte sich in Myriaden von Wasserl�chern. <emphasis>Ein gro�es Moor oder ein Sumpf</emphasis>, dachte Khadgar. Es musste jetzt fr�her Morgen sein. Der Horizont zu ihrer Rechten begann im Versprechen eines neuen Tages zu gl�hen.</p><p>Medivh ging tief und hob beide H�nde �ber den Kopf. Er wob einen Zauber auf dem Greifenr�cken, erkannte Khadgar, und obwohl dessen Geist ihm versicherte, dass auch er wusste, wie man dies tat, w�hrend man das gro�e Tier mit den Knien lenkte, wurde ihm doch bang ums Herz bei dem Gedanken, selbst ein solches Man�ver auszuf�hren.</p><p>Die Kreaturen lie�en sich weiter fallen, und Medivh wurde pl�tzlich in eine Kugel aus Licht gebadet, die die Konturen seines Greifen als riesigen Schatten auf das Land unter ihnen warf. Dort machte der junge Magier ein Lager aus, das auf einer niedrigen Anh�he lag, die aus dem Sumpf herausragte.</p><p>Sie flogen �ber das Lager hinweg, und Khadgar h�rte unter sich Schreie und das Klappern von R�stungen und Waffen, die hastig ergriffen wurden. Was tat Medivh?</p><p>Sie entfernten sich zun�chst vom Lager. Dann aber flog Medivh eine weite Kurve, der Khadgar Bewegung um Bewegung folgte. Sie glitten wieder �ber das Lager, und es war jetzt heller � die Feuer, die zuvor fast erloschen gewesen waren, hatten jetzt frisches Holz als Nahrung erhalten und loderten hell in der D�mmerung. Khadgar sah, dass es eine gro�e Patrouille war, vielleicht sogar eine Kompanie. Das Zelt des Kommandanten war reich verziert, und Khadgar erkannte das Banner von Azeroth, das dar�ber flatterte.</p><p>Verb�ndete also, denn es hie�, Medivh pflege eine sehr enge Beziehung zu K�nig Llane von Azeroth und Lothar, dem Champion des K�nigreiches. Khadgar erwartete, dass Medivh landen w�rde, doch stattdessen grub der Magus seine Fersen in die Flanken seines Reittiers und zog den Kopf des Greifen in die H�he. Die riesigen Schwingen des Tieres schlugen die dunkle Luft, und sie stiegen wieder auf. Nun rauschten sie nach Norden. Khadgar hatte keine andere Wahl als zu folgen, w�hrend Medivhs Lichtkugel schw�cher wurde und der Meistermagier wieder die Z�gel aufnahm.</p><p>Sie flogen wieder �ber das Marschland, und Khadgar sah ein d�nnes Band unter sich, zu gerade f�r einen Fluss, zu breit f�r einen Bew�sserungsgraben. Eine Stra�e also, die sich durch den Sumpf zog und die Inseln trockenen Landes verband, die sich aus dem Moor erhoben.</p><p>Dann n�herten sie sich einer solchen Insel, auf der Khadgar ein weiteres Lager ausmachte, das auf einer von Geh�lz umschlossenen Lichtung lag. Auch hier gab es Flammen, doch es waren nicht die hellen, kontrollierten Feuer der Soldaten. Diese Feuer hier waren �ber die gesamte Lichtung verteilt, und als sie n�her herankamen, erkannte Khadgar, dass es sich um brennende Wagen handelte. Ihr Inhalt lag zusammen mit dunklen, bewegungslosen menschlichen Gestalten �ber den sandigen Boden verstreut.</p><p>Wie zuvor flog nun Medivh �ber das Lager hinweg, dann schwang er sich hoch in die L�fte, machte eine Wende und �berflog den Ort noch einmal. Khadgar folgte ihm und lehnte sich �ber die Seite seines Reittiers, um einen besseren Blick zu erhaschen. Es schien eine Karawane zu sein, die man gepl�ndert und in Brand gesteckt hatte. Aber auch die Waren lagen �ber den Boden verstreut. W�rden Banditen nicht die Beute und die Wagen an sich bringen? Gab es �berlebende?</p><p>Die Antwort auf die letzte Frage lie� nicht lange auf sich warten. Ein lauter Schrei ert�nte, und eine Wolke von Pfeilen schoss aus dem Geb�sch hervor, das die Lichtung umgab.</p><p>Der Leitgreif stie� ein Kreischen aus, als Medivh die Z�gel zur�ckriss und die Kreatur aus der Bahn der Pfeile dirigierte. Khadgar versuchte das gleiche Man�ver, und das warme, falsche, tr�stliche Wissen in seinem Hirn sagte ihm, dass dies die richtige Art war zu wenden. Doch im Unterschied zu Medivh ritt Khadgar zu weit vorne auf seinem Reittier, und er konnte nicht genug Zug in seinen Griff legen.</p><p>Der Greif flog eine Kurve, aber es gelang ihm nicht, allen Pfeilen zu entgehen. Spitzen mit Widerhaken durchbohrten die Federn des rechten Fl�gels, und das gro�e Tier stie� einen bl�kenden Schrei aus, zuckte mitten im Flug und versuchte verzweifelt, mit den Schwingen zu schlagen, um au�er Reichweite der Pfeile zu entkommen.</p><p>Khadgar hatte das Gleichgewicht verloren, und es war ihm unm�glich, sich wieder aufzurichten. In einem einzigen Moment schl�pften seine H�nde aus den Z�geln, und seine Knie verloren den Halt um den K�rper des Greifen. Sobald die feste Kontrolle des Menschen verschwunden war, bockte das Tier und warf Khadgar ab.</p><p>Er ruderte verzweifelt mit den Armen und versuchte, die Z�gel wieder zu ergreifen. Die Lederriemen peitschten nach seinen Fingerspitzen und verschwanden dann in der Nacht. Zusammen mit dem Reittier.</p><p>Und Khadgar st�rzte in die waffenstarrende Finsternis, die unter ihm lag.</p></section><section><title><p>4</p><p>Monster und Menschen</p></title><p>Die Luft wurde aus Khadgars Lungen getrieben, als er auf dem Boden aufschlug. Die Erde war sandig unter seinen Fingern. Er musste auf einer niedrigen D�ne am Rand der Insel gelandet sein.</p><p>Voll Unbehagen kam der junge Magier auf die Beine. Aus der Luft hatte die Insel wie ein Waldfeuer ausgesehen. Hier am Boden bot sich ihm der Anblick eines Tors zur H�lle.</p><p>Die Wagen waren jetzt fast vollkommen vom Feuer verschlungen, und ihr zerst�rter Inhalt lag brennend �ber die Insel verteilt. Kleider hatten sich im Schmutz entrollt, eingeschlagene F�sser leckten, und Fr�chte waren von schweren F��en zerdr�ckt und in die Erde gestampft worden. Und �berall lagen Leichen, reglose menschliche Gestalten in leichten R�stungen. Gelegentlich blitzte ein Helm oder ein Schwert auf. Das mussten die Wachleute der Karawane sein, die bei ihrer Aufgabe versagt hatten.</p><p>Khadgar bewegte seine schmerzende Schulter, aber er schien nur Prellungen und blaue Flecken davongetragen zu haben. Nichts war gebrochen. Selbst unter Ber�cksichtigung des Sandes h�tte er eigentlich h�rter aufschlagen m�ssen. Er sch�ttelte den Kopf. Was auch immer an Unannehmlichkeit von Medivhs Zauber geblieben war, jetzt wurde es von gr��eren Schmerzen, �ber den ganzen K�rper verteilt, �berlagert.</p><p>Pl�tzlich bemerkte Khadgar eine Bewegung unter den Tr�mmern und kauerte sich nieder. Stimmen br�llten in einer unbekannten Sprache, die Khadgar als kehlig und blasphemisch empfand. Sie suchten nach ihm, hatten gesehen, wie er von seinem Reittier gest�rzt war.</p><p>Khadgar sah zu, wie gebeugte Gestalten durch die Tr�mmer schlurften und massige Silhouetten bildeten, wenn sie vor einem der Feuer vorbeistrichen.</p><p>Etwas regte sich in seinem Geist, aber er konnte es nicht genau bestimmen. Stattdessen begann er, sich von der Lichtung fort zu schleichen, und er hoffte, die Dunkelheit w�rde ihn vor den Kreaturen verbergen.</p><p>Doch dem sollte nicht so sein. Hinter sich h�rte er das Brechen eines Zweiges. Stiefel raschelten �ber Laub. Khadgar wusste, dass er nicht allein war. Er wandte sich um und sah �</p><p>� eines der Monster aus seiner Vision. Die Karikatur einer menschlichen Gestalt in Gr�n und Schwarz.</p><p>Das Ungeheuer war nicht so gro� wie die Kreaturen in seiner Vision, und es war auch nicht so breit, aber trotzdem schien es einem Alptraum entwichen zu sein. Sein schwerer Unterkiefer wurde von nach oben ragenden F�ngen dominiert, seine Augen waren klein und blickten finster. Zum ersten Mal bemerkte Khadgar die gro�en, spitz zulaufenden Ohren dieses Volkes. Das Wesen hatte ihn wahrscheinlich geh�rt, bevor es ihn sehen konnte.</p><p>Seine R�stung war schwarz, aber sie war aus Leder, nicht aus dem Metall von Khadgars Traum. Das Monster hielt eine Fackel in der Hand, deren Licht �ber seine Gesichtsz�ge flackerte und sie noch monstr�ser erscheinen lie�. In der anderen Hand hielt es einen Speer, der mit einer Kette kleiner, wei�er Objekte dekoriert war. Entsetzt erkannte Khadgar, dass es menschliche Ohren waren, Troph�en des Massakers, das hier gerade stattgefunden hatte.</p><p>All dies wurde Khadgar in dem Moment klar, da sich Mensch und Monster gegen�ber standen. Die Bestie richtete den grausig dekorierten Speer auf ihn und stie� einen lauten, herausfordernden Schrei aus.</p><p>Doch dieser Schrei fand ein j�hes, ersticktes Ende, als der junge Magier ein Wort der Macht murmelte, eine Hand hob und einen Blitz in den Bauch der Kreatur fahren lie�. Die Bestie sank in sich zusammen.</p><p>Ein Teil von Khadgars Geist war erstaunt �ber das, was er gerade getan hatte, der andere Teil erinnerte sich daran, dass er in der Vision von Karazhan gesehen hatte, wozu diese Kreaturen f�hig waren.</p><p>Das Monster hatte mit seinem Schrei die anderen Mitglieder seiner Einheit gewarnt, und jetzt erhob sich ein gewaltiges Kriegsgeheul �ber dem Lager. Zwei � vier � zehn � zw�lf der Kreaturen rannten auf ihn zu. Und noch weitere Schreie erklangen aus dem Sumpf!</p><p>Khadgar wusste, dass er nicht die Kraft hatte, sie alle abzuwehren. Die Beschw�rung schon eines mystischen Blitzes hatte gereicht, dass er sich schwach f�hlte und seine Beine unter ihm nachgeben wollten. Ein weiterer, und er lief Gefahr, ohnm�chtig zu werden. Vielleicht sollte er versuchen zu fliehen?</p><p>Doch die Monster kannten dieses dunkle Moor wahrscheinlich besser als er. Wenn er sich auf der sandigen Insel hielt, w�rden sie ihn aufsp�ren. Wenn er in den Sumpf fl�chtete, w�rde vermutlich nicht einmal Medivh ihn mehr finden k�nnen.</p><p>Khadgar sah zum Himmel hinauf, aber dort war keine Spur des Magus oder der Greifen zu erkennen. War Medivh irgendwo gelandet und schlich sich jetzt an die Monster heran? Oder war er zu der menschlichen Streitmacht im S�den zur�ckgekehrt, um sie hierher zu f�hren?</p><p>Oder, dachte Khadgar grimmig, hatte Medivhs quecksilbrige Laune sich mal wieder gewendet, und er hatte vergessen, dass er bei seinem Flug jemanden bei sich gehabt hatte?</p><p>Der Junge sp�hte schnell in die Finsternis, dann zur�ck zum Schauplatz des Hinterhalts. Dort waren weitere Schatten zu erkennen, die sich um das Feuer bewegten, und das Heulen war lauter geworden.</p><p>Khadgar hob den grausigen Troph�enspeer auf und trat festen Schrittes auf das Feuer zu. Er mochte nicht in der Lage sein, mehr als einen oder zwei mystische Blitze zu verschie�en, aber die Monster wussten das nicht.</p><p>Vielleicht waren sie ja so dumm wie sie aussahen. Und ebenso unerfahren mit Zauberern, wie er es mit ihnen war.</p><p>Er �berraschte sie. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass ihre Beute, das Opfer, das von dem gefl�gelten Tier gest�rzt war, pl�tzlich vor ihnen im Lichtschein des Feuers auftauchen w�rde, den Troph�enspeer eines der ihren fest in der Hand.</p><p>Khadgar warf den Speer seitw�rts auf das Feuer. Er lie� einen Regen von Funken aufstieben, als er landete.</p><p>Der junge Magier beschwor ein paar Flammen, einen kleinen Ball, und hielt ihn in seiner Hand. Er hoffte, seine Gesichtsz�ge wurden jetzt ebenso dramatisch und bedrohlich beleuchtet wie zuvor die des Monsters. Wenn nicht, hatte er ein Problem.</p><p>�Verlasst diesen Ort�, br�llte Khadgar und betete, dass ihm seine angespannte Stimme nicht versagte. �Verlasst diesen Ort oder sterbt!�</p><p>Einer der gr��eren Kerle trat zwei Schritte auf ihn zu, und Khadgar murmelte ein Wort der Macht. Die mystischen Energien sammelten sich um seine flammende Hand. Er schleuderte die geballte Kraft und traf den gr�nen Nichtmenschen voll ins Gesicht. Die Bestie hatte gerade genug Zeit, eine klauenartige Hand zu ihrer brennenden Fratze zu heben, dann st�rzte sie nieder.</p><p>�Flieht!�, schrie Khadgar und versuchte seine Stimme so tief klingen zu lassen, wie es ihm nur m�glich war. �Flieht, oder euch erwartet das gleiche Schicksal!� Sein Bauch f�hlte sich an wie Eis, und er versuchte, nicht auf die brennende Kreatur zu blicken.</p><p>Ein Speer schoss aus der Finsternis, und mit seiner letzten Energie beschwor Khadgar ein Wind, gerade stark genug, um den Speer sichtbar zur Seite zu dr�cken. W�hrend er die Beschw�rung wirkte, f�hlte er sich einer Ohnmacht nahe. Das war sein letzter Zauber. Er war vollkommen ausgelaugt. Jetzt war es langsam an der Zeit, dass sein Bluff Wirkung zeigte.</p><p>Die ihn umstehenden Kreaturen, von denen er etwa ein Dutzend erkennen konnte, traten einen Schritt zur�ck. Dann einen weiteren. Noch ein Schrei, sch�tzte Khadgar, und sie w�rden zur�ck in den Sumpf fl�chten und ihm ausreichend Zeit geben, selbst zu fliehen. Er hatte bereits entschieden, sich in Richtung S�den zu wenden, um das Armee-Lager zu erreichen.</p><p>Stattdessen erklang ein hohes, gackerndes Lachen, das Khadgar das Blut gefrieren lie�. Die R�nge der gr�nen Krieger teilten sich, und eine weitere Gestalt schlurfte vor. Sie war d�nner und gebeugter als die anderen und trug eine Robe in der Farbe geronnenen Blutes. Die Farbe des Himmels aus Khadgars Vision. Die Gesichtsz�ge des Monsters waren ebenso gr�n und grotesk wie die der anderen, aber in seinen Augen leuchtete eine barbarische Intelligenz.</p><p>Es hielt eine Hand hoch. Dann nahm es einen Dolch und stach sich mit dessen Spitze in die Handfl�che. R�tliches Blut sammelte sich in der klauenartigen Pranke.</p><p>Die Bestie in der Robe sprach ein Wort, das Khadgar noch nie zuvor geh�rt hatte, ein Wort, das in seinen Ohren schmerzte. Das Blut explodierte in Flammen.</p><p>�Mensch will spielen?�, fragte das robenbekleidete Monster. Es gelang ihm, grob die menschliche Sprache zu imitieren. �Will Zauberei spielen? Nothgrin kann spielen!�</p><p>�Geht jetzt!�, versuchte es Khadgar noch einmal. �Geht oder sterbt!�</p><p>Doch die Stimme des jungen Magiers schwankte nun, und die Gestalt in der Robe lachte nur. Khadgar studierte die Umgebung. Er suchte nach dem besten Ort, um wegzulaufen � und fragte sich, ob er eines der Schwerter der Wachleute packen konnte, die am Boden lagen. Und er fragte sich auch, ob Nothgrin ebenso bluffte, wie er, Khadgar, es getan hatte.</p><p>Nothgrin trat einen Schritt auf Khadgar zu, als zwei der Bestien zur Rechten des Zauberers pl�tzlich schrien und in Flammen aufgingen. Es geschah mit einer Pl�tzlichkeit, die jeden erschreckte, auch Khadgar. Nothgrin wirbelte zu den brennenden Ungeheuern herum und musste sehen, wie zwei weitere Monster sich ihnen anschlossen und wie trockener Zunder Feuer fingen. Auch sie br�llten, ihre Knie gaben nach, und sie st�rzten zu Boden.</p><p>Wo gerade noch die Kreaturen gestanden hatten, erhob sich jetzt Medivh. Er schien aus sich selbst heraus zu leuchten und �berstrahlte sogar das Feuer der brennenden Wagen und die Flammen der Leichen am Boden, als sauge er ihr Licht in sich auf. Er schien ruhig und entspannt. Er lachte die versammelten Kreaturen an, und es war ein wildes, brutales Lachen.</p><p>�Mein Sch�ler hat euch gesagt, ihr sollt gehen�, sagte Medivh. �Ihr h�ttet seinen Befehlen gehorchen sollen.�</p><p>Eine der Bestien stie� ein Br�llen aus, und der Meistermagier brachte sie mit einer knappen Handbewegung zum Schweigen. Etwas Hartes und Unsichtbares traf das Monster mitten ins Gesicht, und es gab ein feuchtes Krachen, als sich sein Kopf vom Rumpf l�ste und nach hinten rollte. Er schlug nur wenige Augenblicke vor dem Torso auf dem Boden auf.</p><p>Die �brigen Kreaturen stolperten einen Schritt zur�ck, dann flohen sie alle in die Nacht. Nur der Anf�hrer, der in eine Robe gekleidete Nothgrin, gab nicht nach, und seine �bergro�en Kiefer standen vor �berraschung offen.</p><p>�Nothgrin kennt dich, Mensch�, zischte er. �Du bist der, der ��</p><p>Was auch immer die Kreatur sonst noch sagen wollte, ging in einem Schrei unter, als Medivh mit einer Hand gestikulierte und das Monster von einer gewaltigen Explosion von den F��en gerissen wurde. Kreischend wurde es in die Luft geschleudert, bis schlie�lich seine Lungen unter dem Druck nachgaben. �berreste seines verbrannten K�rpers schwebten wie schwarze Schneeflocken herab.</p><p>Khadgar sah Medivh an, und der Magus zeigte in einem selbstzufriedenen Grinsen die Z�hne. Doch das Grinsen verschwand, als er in Khadgars aschfahles Gesicht blickte.</p><p>�Geht es dir gut, Junge?�, fragte er.</p><p>�Gut�, sagte Khadgar, doch er f�hlte, wie das Gewicht der Ersch�pfung �ber ihn hereinbrach. Er versuchte zu stehen, aber seine Beine gaben unter ihm nach, und er st�rzte auf die Knie, sein Geist ermattet und leer.</p><p>Medivh war sofort zur Stelle und lie� eine Handfl�che an der Stirn des Jungen vorbeigleiten. Khadgar versuchte, die Hand fortzusto�en, aber ihm fehlte die Kraft.</p><p>�Ruh dich aus�, sagte Medivh. �Finde deine St�rke wieder. Das Schlimmste ist vor�ber.�</p><p>Khadgar nickte blinzelnd. Er blickte auf die Monster-Leichen, die um das Feuer verstreut lagen. Medivh h�tte ihn in der Bibliothek mit der gleichen Leichtigkeit t�ten k�nnen. Was hatte ihn dort zur�ckgehalten? Hatte er Khadgar doch irgendwie erkannt? Hatte sich eine vage Erinnerung oder ein wenig Menschlichkeit in ihm geregt?</p><p>Der junge Magier bem�hte sich zu sprechen. �Diese � Wesen.� Seine Zunge war schwer. �Was waren das f�r �?�</p><p>�Orks�, sagte der Magus. �Das waren Orks. Aber jetzt erst mal keine weiteren Fragen mehr.�</p><p>Im Osten wurde der Himmel heller. Im S�den ert�nte der Ruf heller H�rner. Hufschlag n�herte sich.</p><p>�Die Kavallerie�, seufzte Medivh. �Zu laut und zu sp�t, aber sag ihnen das nicht. Sie k�nnen sich um die gefl�chteten Orks k�mmern. Ruh dich jetzt aus.�</p><empty-line/><p>Die Patrouille donnerte ins Lager. Die H�lfte der M�nner stieg ab, die andere ritt weiter die Stra�e entlang. Die Reiter begannen, die Leichen zu untersuchen. Ein Kommando wurde abgestellt, um die Opfer der Karawane zu begraben. Die wenigen toten Orks, die Medivh nicht hatte in Flammen aufgehen lassen, wurden eingesammelt und auf das Hauptfeuer geworfen. Ihre Kleidung verkohlte, ihr Fleisch verwandelte sich in Asche.</p><p>Khadgar hatte in seiner Benommenheit nicht mitbekommen, dass Medivh ihn verlassen hatte, aber dann kehrte der Magus mit dem Kommandanten der Patrouille zur�ck. Der Befehlshaber war ein st�mmiger, �lterer Mann mit wettergegerbtem Gesicht. Sein Bart war bereits stark ergraut, und nur ein d�nner Haarkranz zog sich um seinen Kopf. Er war ein gro�er Mann, der in seiner R�stung und dem weiten Umhang noch beeindruckender wirkte. �ber einer Schulter konnte Khadgar ein riesiges Schwert erkennen, dessen Griff mit Juwelen besetzt war.</p><p>�Khadgar, dies ist Lord Anduin Lothar�, stellte Medivh vor. �Lothar, darf ich dir meinen Sch�ler vorstellen? Khadgar von den Kirin Tor.�</p><p>Khadgar wurde schwindelig. Er kannte diesen Namen. Lord Lothar. Der Champion des K�nigs. Jugendfreund von K�nig Llane und auch von Medivh. Die Klinge auf seinem R�cken musste das Gro�e K�nigliche Schwert sein, das Azeroth gegen seine Feinde verteidigte, und �</p><p>Hatte Medivh gerade gesagt, Khadgar sei sein <emphasis>Sch�ler</emphasis>?</p><p>Lothar lie� sich auf ein Knie herab, um dem jungen Mann direkt in die Augen zu blicken. Er l�chelte ihn an. �Also hast du endlich einen Lehrling. Musstest zur Violetten Zitadelle gehen, um einen zu finden, was, Med?�</p><p>�Einen mit angemessenen F�higkeiten, ja�, sagte Medivh.</p><p>�Und wenn sich unsere Wald- und-Wiesen-Zauberer jetzt vor Entt�uschung in den Allerwertesten bei�en, umso besser, was? Oh, sieh mich nicht so an, Medivh. Was hat der hier getan, das jemanden wie dich beeindrucken konnte?�</p><p>�Ach, das �bliche�, sagte Medivh und bleckte seine Z�hne in einem wilden Grinsen. �Meine Bibliothek organisiert. Einen Greif beim ersten Versuch gez�hmt. Hat es allein mit einer Horde Orks aufgenommen. Und einem Hexer!�</p><p>Lothar lie� ein lautes Pfeifen vernehmen. �Er hat <emphasis>deine</emphasis> Bibliothek organisiert? Ich <emphasis>bin</emphasis> beeindruckt.� Ein L�cheln blitzte unter seinem ergrauenden Schnurrbart auf.</p><p>�Lord Lothar�, gelang es Khadgar schlie�lich herauszubringen, �Euer Geschick mit dem Schwert ist selbst in Dalaran ber�hmt.�</p><p>�Ruh dich aus, Junge�, sagte Lothar und legte eine gro�e Hand auf die Schulter des jungen Magiers. �Wir schnappen uns den Rest dieser Kreaturen.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. �Das werdet ihr nicht. Nicht, wenn ihr auf der Stra�e bleibt.�</p><p>Der Champion des K�nigs blinzelte �berrascht, und Khadgar war sich nicht sicher, ob dies wegen seiner Anma�ung oder wegen seiner Worte war.</p><p>�Der Junge hat Recht, f�rchte ich�, sagte Medivh. �Die Orks sind in den Sumpf gelaufen. Sie scheinen den Schwarzen Morast besser zu kennen als wir, und das macht sie hier so effektiv. Wir bleiben auf den Stra�en, und sie halten uns zum Narren.�</p><p>Lothar kratzte sich mit seiner schweren Pranke am Hinterkopf. �Vielleicht k�nnten wir ein paar Greife ausleihen, um Kundschafter auszusenden.�</p><p>�Die Zwerge, die sie trainiert haben, reagieren wenig begeistert, wenn jemand anderes ihre Tiere ausleihen will�, erkl�rte Medivh. �Aber vielleicht kannst du ja mit ihnen reden. Und auch mit den Gnomen. Sie haben ein paar Flugmaschinen, die vielleicht besser f�rs Kundschaften geeignet sind.�</p><p>Lothar nickte und rieb sich das Kinn. �Woher wusstest du, dass sie hier sein w�rden?�</p><p>�Ich bin einem ihrer Sp�her in der N�he meines Gebiets begegnet�, erkl�rte Medivh so ruhig, als spr�che er �ber das Wetter. �Es gelang mir, aus ihm herauszubekommen, dass eine gro�e Gruppe unterwegs war, um entlang der Sumpfstra�e Karawanen zu �berfallen. Ich hatte gehofft, noch rechtzeitig einzutreffen, um die Leute zu warnen.� Er blickte auf die Verw�stung, die ihn umgab.</p><p>Das Sonnenlicht tat wenig, um das Bild der Zerst�rung abzumildern. Die kleineren Feuer waren niedergebrannt, und die Luft roch nach verschmortem Ork-Fleisch. Eine bleiche Wolke hing �ber dem Ort des Massakers.</p><p>Ein junger Soldat, nur wenig �lter als Khadgar, eilte auf sie zu. Sie hatten einen �berlebenden gefunden. Er befand sich in einem sehr schlechten Zustand, aber er lebte. Ob der Magus ihm helfen k�nne?</p><p>�Kannst du bei dem Jungen bleiben?�, bat Medivh Lord Lothar. �Er ist noch ziemlich mitgenommen von den Ereignissen.� Und dann schritt der Meistermagier �ber den verbrannten, blutgetr�nkten Boden davon. Seine lange Robe flatterte wie ein Banner.</p><p>Khadgar versuchte, aufzustehen und ihm zu folgen, aber der Champion des K�nigs legte seine schwere Hand auf die Schulter des Jungen und hielt ihn unten. Khadgar wehrte sich nur f�r einen Moment, dann setzte er sich wieder hin.</p><p>Lothar betrachtete Khadgar l�chelnd. �Also hat der alte Eigenbr�tler endlich einen Assistenten gefunden.�</p><p>�Sch�ler�, sagte Khadgar schwach, doch er f�hlte, wie sich der Stolz in seiner Brust erhob. Das Gef�hl brachte seinem Geist und seinen Gliedern neue St�rke. �Er hat schon viele Assistenten gehabt. Sie haben alle nicht lange durchgehalten. Das habe ich jedenfalls geh�rt.�</p><p>�Aha�, sagte Lothar. �Ich habe ein paar von diesen Assistenten vermittelt, und sie kehrten mit Geschichten von einem verfluchten Turm und einem verr�ckten, anspruchsvollen Zauberer zur�ck. Was h�ltst <emphasis>du</emphasis> von ihm?�</p><p>Khadgar blinzelte. In den letzten zw�lf Stunden hatte Medivh ihn angegriffen, Wissen in seinen Kopf gebrannt, ihn auf einem Greifen durchs halbe Land geschleppt und es ihn allein mit einer Hand voll Orks aufnehmen lassen, bevor er zu seiner Rettung erschienen war. Andererseits hatte er Khadgar zu seinem Sch�ler gemacht, zu seinem Lehrling.</p><p>Khadgar h�stelte und sagte: �Er ist mehr, als ich erwartet hatte.�</p><p>Lothar l�chelte wieder, und es lag ehrliche W�rme auf seinem Gesicht. �Er ist mehr, als irgendjemand erwartet hatte. Das ist eine seiner guten Seiten.� Lothar dachte einen Augenblick nach und sagte dann: �Das war eine sehr kluge und h�fliche Antwort.�</p><p>Khadgar gelang ein schwaches L�cheln. �Lordaeron ist ein sehr kluges und h�fliches Land.�</p><p>�Das habe ich auch vom K�nig geh�rt. Ich zitiere: �Die Botschafter von Dalaran k�nnen gleichzeitig Ja und Nein sagen und au�erdem noch �berhaupt nichts.� Womit ich dich nicht beleidigen will.�</p><p>�Ich bin nicht beleidigt, Mylord�, sagte Khadgar.</p><p>Lothar blickte ihn an. �Wie alt bist du, Junge?�</p><p>Khadgar blickte den �lteren Mann an. �Siebzehn, warum?�</p><p>Lothar sch�ttelte den Kopf und grunzte. �Das k�nnte einen Sinn ergeben.�</p><p>�Wie Sinn ergeben?�</p><p>�Med � ich meine, Lord Magus Medivh war ein junger Mann, viel j�nger als du, als er sehr krank wurde. Aus diesem Grund hatte er niemals sehr viel Kontakt mit Menschen deines Alters.�</p><p>�Krank?�, fragte Khadgar. �Der Magus wurde krank?�</p><p>�Sehr, sehr krank�, sagte Lothar. �Er fiel in einen tiefen Schlaf, ein Koma nannten sie es. Llane und ich brachten ihn in die Northshire-Abtei, und die heiligen Br�der dort f�tterten ihn mit Br�he, damit er nicht starb. Jahrelang lag er in diesem Schlaf, dann � schnapp! � wachte er auf, gesund wie ein Fisch im Wasser. Oder fast.�</p><p>�Fast?�, fragte Khadgar.</p><p>�Nun, er verlor einen gro�en Teil seiner Jugendjahre und noch ein paar Jahrzehnte mehr. Er schlief als Junge ein und erwachte als erwachsener Mann. Ich habe mir stets Sorgen gemacht, wie ihn das gepr�gt haben muss.�</p><p>Khadgar dachte an das quecksilbrige Temperament des Meistermagiers, seine pl�tzlichen Stimmungsschwankungen und die kindliche Freude, mit der er sich in den Kampf gegen die Orks gest�rzt hatte. Wenn Medivh ein j�ngerer Mann gewesen w�re, h�tte sein Handeln dann mehr Sinn ergeben?</p><p>�Sein Koma�, sagte Lothar und sch�ttelte das kahle Haupt bei der Erinnerung daran. �Es war unnat�rlich. Med nennt es ein �Nickerchen�, als sei es etwas vollkommen Normales gewesen. Aber wir haben niemals herausfinden k�nnen, warum es geschehen ist. Vielleicht h�tte es der Magus in Erfahrung bringen k�nnen, aber er hat niemals ein Interesse an diesem R�tsel gezeigt, selbst wenn ich ihn danach fragte.�</p><p>�Ich bin Medivhs Sch�ler�, sagte Khadgar. �Warum erz�hlt Ihr mir das?�</p><p>Lothar seufzte tief und blickte �ber die vom Kampf Versehrte Insel hinaus. Khadgar erkannte, dass der Champion des K�nigs im Grunde ein ehrlicher Mann war, der es in Dalaran nicht einen Tag ausgehalten h�tte. Seine Gef�hle lagen klar sichtbar auf seinem verwitterten Gesicht.</p><p>Lothar biss sich auf die Lippen und sagte: �Um ehrlich zu sein, ich mache mir Sorgen um ihn. Er ist ganz allein in seinem Turm ��</p><p>�Er hat einen Kastellan. Und dann ist da noch K�chin�, warf Khadgar ein.</p><p>�� allein mit all seiner Magie�, fuhr Lothar fort. �Es scheint mir so einsam, wie er dort zur�ckgezogen in den Bergen lebt. Ich mache mir Sorgen um ihn.�</p><p>Khadgar nickte und f�gte f�r sich selbst hinzu: <emphasis>Und das ist der Grund, dass Ihr versucht habt, Sch�ler aus Azeroth zu ihm zu bringen. Um Euren Freund auszuspionieren. Ihr macht Euch Sorgen um ihn, aber Ihr macht Euch auch Sorgen wegen seiner Macht.</emphasis> Laut sagte Khadgar: �Ihr macht Euch Sorgen, ob es ihm gut geht.�</p><p>Lothar zuckte mit den Schultern und enth�llte damit, wie sehr er sich Sorgen machte � und wie sehr er versuchte, so zu tun, als sei dem nicht so.</p><p>�Was kann ich tun, um zu helfen?�, fragte Khadgar. �Ihm zu helfen. Euch zu helfen.�</p><p>�Behalte ihn im Auge�, sagte Lothar. �Wenn du sein Sch�ler bist, wird er wahrscheinlich mehr Zeit mit dir verbringen. Ich will nicht, dass er ��</p><p>�Wieder in ein Koma f�llt?�, fragte Khadgar. <emphasis>Zu einer Zeit, wo diese Orks pl�tzlich �berall sind.</emphasis> Lothar antwortete mit einem weiteren Schulterzucken.</p><p>Khadgar schenkte ihm das beste L�cheln, zu dem er f�hig war. �Es w�re mir eine Ehre, Euch beiden zu helfen, Lord Lothar. Wisst, dass meine Treue zuerst dem Meistermagier gelten muss, doch wenn es etwas gibt, das ein <emphasis>Freund</emphasis> wissen sollte, dann werde ich es weitergeben.�</p><p>Ein weiterer schwerer Klaps von Lothars Hand. Khadgar war erstaunt dar�ber, wie schlecht Lothar seine Besorgnis verbarg. Waren alle Menschen in Azeroth so offen und arglos? Khadgar erkannte, dass es noch etwas anderes gab, �ber das Lothar sprechen wollte.</p><p>�Es gibt noch etwas�, sagte Lothar.</p><p>Khadgar nickte h�flich.</p><p>�Hat der Lord Magus mit dir �ber den W�chter gesprochen?�, fragte er.</p><p>Khadgar �berlegte einen Augenblick, ob er so tun sollte, als w�sste er mehr, als es tats�chlich der Fall war � nur um diesem �lteren, aufrechten Mann mehr zu entlocken. Doch noch w�hrend ihm der Gedanke durch den Kopf ging, verwarf er ihn. Es w�rde am Besten sein, sich an die Wahrheit zu halten.</p><p>�Ich habe den Begriff von Medivhs Lippen geh�rt�, sagte Khadgar. �Aber ich wei� keine Details.�</p><p>�Ah�, sagte Lothar. �Dann tu so, als h�tte ich nichts zu dir gesagt.�</p><p>�Ich bin mir sicher, wir werden zu gegebener Zeit dar�ber sprechen�, erwiderte Khadgar.</p><p>�Zweifellos�, sagte Lothar. �Du scheinst ein vertrauensw�rdiger junger Mann zu sein.�</p><p>�Ich bin schlie�lich erst seit ein paar Tagen sein Sch�ler�, erkl�rte Khadgar.</p><p>Lothar hob die Augenbrauen. �Seit ein paar Tagen? Wie lange genau bist du schon Medivhs Lehrling?�</p><p>�Wenn man bis morgen fr�h z�hlt?�, fragte Khadgar und erlaubte sich ein L�cheln. �Dann w�re es einer.�</p><p>Medivh w�hlte diesen Moment, um zur�ckzukehren. Er sah ersch�pft aus. Lothar �ffnete den Mund, um zu einer hoffnungsvollen Frage anzusetzen, aber der Magus sch�ttelte nur den Kopf. Lothar runzelte tief die Stirn, und nachdem sie ein paar Nettigkeiten ausgetauscht hatten, ging er fort, um den Rest der Aufr�umarbeiten zu leiten. Der Teil der Patrouille, der auf der Stra�e weitergeritten war, kehrte zur�ck, aber die M�nner hatten nichts gefunden.</p><p>�Kannst du reisen?�, fragte Medivh.</p><p>Khadgar zog sich auf die F��e, und die sandige Insel inmitten des Schwarzen Morasts erschien ihm wie ein Schiff, das von einer rauen See hin und her geworfen wurde.</p><p>�Ich denke schon�, sagte er. �Ich wei� aber nicht, ob ich schon wieder f�r einen Greifen bereit bin, selbst mit dem hier �� Er f�hrte den Satz nicht zu Ende, sondern ber�hrte nur seine Stirn.</p><p>�Das macht nichts�, sagte Medivh. �Dein Reittier wurde von den Pfeilen verschreckt und ist in Richtung Hochland davongeflogen. Wir werden zu zweit auf meinem Greif reiten m�ssen.� Er hob die runenverzierte Pfeife an seine Lippen und stie� ein paar kurze, scharfe T�ne aus. Hoch �ber ihnen ert�nte der Schrei eines Greifen, der am Himmel seine Kreise zog.</p><p>Khadgar sah auf und sagte: �Ich bin jetzt also Euer Sch�ler.�</p><p>�Ja�, sagte Medivh, das Gesicht eine starre Maske.</p><p>�Ich habe Eure Pr�fungen bestanden�, sagte der Junge.</p><p>�Ja�, sagte Medivh.</p><p>�Ich f�hle mich geehrt, Herr�, sagte Khadgar.</p><p>�Das freut mich�, erwiderte Medivh, und der Hauch eines L�cheln strich �ber sein Gesicht. �Denn jetzt beginnt der schwierige Teil.�</p></section><section><title><p>5</p><p>Sand im Stundenglas</p></title><p>�Ich habe sie schon vorher gesehen�, sagte Khadgar.</p><p>Es war sieben Tage nach dem Kampf im Sumpf. Mit ihrer R�ckkehr in den Turm (und nach einem Tag der Erholung f�r Khadgar) hatte die Lehrzeit des jungen Magiers ernsthaft begonnen. In der ersten Stunde des Tages, vor dem Fr�hst�ck, �bte Khadgar unter Medivhs Anleitung seine Zauber. Vom Fr�hst�ck bis zum Mittagessen und vom Mittagessen bis zum Abendessen half Khadgar dem Magus bei verschiedenen Arbeiten. Seine Aufgaben bestanden vor allem darin, Notizen zu machen, w�hrend Medivh Zahlen ablas, in die Bibliothek zu gehen, um dieses oder jenes Buch zu holen, oder einfach die Werkzeuge zu halten, w�hrend der Magier arbeitete.</p><p>Und genau das tat Khadgar gerade, als er sich in der N�he des �lteren Magiers endlich wohl genug f�hlte, um ihm zu erz�hlen, was er �ber den Hinterhalt wusste.</p><p>�Wen hast du schon vorher gesehen?�, fragte sein Mentor geistesabwesend, w�hrend er weiter durch eine gro�e Linse auf sein aktuelles Experiment blickte. Der Meistermagier trug kleine, spitze Fingerh�te, die in unglaublich d�nnen Nadeln endeten. Damit justierte er einen Apparat, der wie eine mechanische Hummel aussah, die ihre schweren Fl�gel bewegte, w�hrend Medivhs Nadeln in ihr herumstocherten.</p><p>�Die Orks�, sagte Khadgar. �Ich habe die Orks schon vorher gesehen.�</p><p>�Das hast du nicht erw�hnt, als du hier angekommen bist�, sagte Medivh, immer noch wie abwesend. Seine Finger tanzten in erstaunlicher Pr�zision �ber das Ger�t hinweg, die Nadeln fuhren hinein und heraus. �Ich wei� noch, dass ich dich nach anderen V�lkern gefragt habe. Du hast sie nicht erw�hnt. Wo hast du sie gesehen?�</p><p>�In einer Vision. Kurz nach meiner Ankunft�, sagte Khadgar.</p><p>�Ah, du hattest eine Vision. Nun, da bist du nicht der Einzige. Moroes hat dir wahrscheinlich davon erz�hlt. Er ist ein ziemliches Plappermaul ��</p><p>�Ich hatte eine Vision, vielleicht sogar zwei. Diejenige, bei der ich mir vollkommen sicher bin, handelte von einem Schlachtfeld, und diese Kreaturen, diese Orks, waren dort. Sie griffen uns an. Ich meine, sie griffen die Menschen an, bei denen ich war.�</p><p>�Hm�, machte Medivh, und unter seinem Schnurrbart erschien die Spitze seiner Zunge, w�hrend er die Nadeln vorsichtig �ber den Kupferleib der Hummel bewegte.</p><p>�Und ich war nicht hier�, fuhr Khadgar fort. �Nicht in Azeroth oder Lordaeron. Wo auch immer ich war, der Himmel war rot wie Blut.�</p><p>Es war als h�tte Medivh ein mystischer Blitz getroffen. Er zuckte heftig zusammen, und das komplizierte Ger�t unter seinen H�nden strahlte hell auf, als er die falschen Teile ber�hrte. Dann kreischte es auf � und starb.</p><p>�Roter Himmel?�, rief der Magier, wandte sich von der Werkbank ab und fasste Khadgar scharf ins Auge. Eine machtvolle Energie schien �ber die dunklen Brauen des �lteren Mannes zu huschen, und seine Augen waren so gr�n wie ein vom Sturm heimgesuchtes Meer.</p><p>�Rot. Wie Blut�, sagte Khadgar. Der junge Mann hatte gedacht, er habe sich inzwischen an Medivhs wechselhafte Launen gew�hnt, aber dieser j�he Stimmungsumschwung traf ihn mit der Wucht eines Schlags.</p><p>Der �ltere Magier stie� ein Zischen aus. �Erz�hl mir davon. Von der Welt, den Orks, dem Himmel�, befahl Medivh, und seine Stimme klang hart wie Stein. �Erz�hl mir <emphasis>alles</emphasis>.�</p><p>Khadgar gab die Vision seiner ersten Nacht wieder und erw�hnte alles, woran er sich erinnern konnte. Medivh unterbrach ihn st�ndig. Wie waren die Orks gekleidet? Wie war diese Welt beschaffen? Was war am Himmel zu sehen, am Horizont? Trugen die Orks irgendwelche Banner? Khadgar hatte das Gef�hl, seine Gedanken w�rden seziert. Medivh kitzelte die Informationen m�helos aus dem Jungen heraus. Khadgar erz�hlte ihm alles.</p><p>Nur von den seltsam vertrauten Augen des Krieger-Zauberers, der die Menschen angef�hrt hatte, erw�hnte er nichts. Er f�hlte sich nicht wohl dabei, und Medivhs Fragen schienen sich mehr auf die Welt mit dem roten Himmel und die Orks als auf die menschlichen Verteidiger zu konzentrieren. W�hrend Khadgar die Vision beschrieb, schien sich der �ltere Magier zu beruhigen, aber die bewegte See brodelte immer noch unter seinen buschigen Augenbrauen. Khadgar sah keinen Grund, den Magus weiter zu ver�rgern.</p><p>�Kurios�, sagte Medivh schlie�lich langsam und nachdenklich, nachdem Khadgar seinen Bericht beendet hatte. Der Meistermagier lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck und tippte mit einem nadelbewehrten Finger an seine Lippen. Schweigen breitete sich wie ein Leichentuch �ber den Raum. Schlie�lich sagte er: �Das ist neu. Das ist wirklich neu.�</p><p>�Herr?�, begann Khadgar.</p><p>�Medivh�, erinnerte ihn der Meistermagier.</p><p>�Medivh, Herr�, begann Khadgar von Neuem. �Woher kommen diese Visionen? Sind sie ein Spuk aus der Vergangenheit � oder Vorzeichen der Zukunft?�</p><p>�Beides�, sagte Medivh. �Und keines von beidem. Geh und hol einen Krug Wein aus der K�che. Meine Arbeit ist f�r heute erledigt, f�rchte ich. Es ist bald Zeit zum Abendessen, und diese Sache hier verlangt ein paar Erkl�rungen.�</p><p>Als Khadgar zur�ckkehrte, hatte Medivh ein Feuer im Kamin entfacht und es sich bereits in einem der gr��eren Sessel bequem gemacht. Er hielt seinem Sch�ler zwei Becher hin, und Khadgar goss ihnen ein. Der s��e Duft des roten Weins mischte sich mit dem Rauch des Zedernholzes.</p><p>�Trinkst du?�, fragte Medivh, als habe er erst nachtr�glich daran gedacht.</p><p>�Manchmal�, sagte Khadgar. �In der Violetten Zitadelle ist es Sitte, zum Essen Wein zu servieren.�</p><p>�Ja�, sagte Medivh. �Das w�re unn�tig, wenn ihr einfach nur die Blei-Auskleidung eures Aqu�dukts beseitigen w�rdet � Aber du hast mich nach den Visionen gefragt.�</p><p>�Ja, ich sah, was ich Euch beschrieben habe, und Moroes �� Khadgar z�gerte einen Augenblick. Er wollte den Ruf des Kastellans als Tratschtante nicht noch mehr vertiefen, aber dann entschied er sich weiterzusprechen. �Moroes sagte, damit stehe ich nicht allein. Die Menschen w�rden hier st�ndig solche Dinge sehen.�</p><p>�Moroes hat Recht�, sagte Medivh, nahm einen Schluck Wein und leckte sich die Lippen. �Eine Sp�tlese, wirklich nicht �bel. Dass dieser Turm ein Ort der Macht ist, sollte dich wenig �berraschen. Zauberer f�hlen sich von solchen Orten angezogen, wo das Universum oft weniger gefestigt ist und sich um sich selbst windet. Und manchmal findet man dort sogar Durchg�nge zum Twisting Nether oder zu noch ganz anderen Welten.�</p><p>�Also war das, was ich gesehen habe, eine andere Welt?�, unterbrach ihn Khadgar.</p><p>Medivh hob eine Hand und gebot dem j�ngeren Mann mit dieser Geste zu schweigen. �Ich sage nur, dass es Orte gibt, die aus dem einen oder anderen Grund zu St�tten gro�er Macht werden. Und ein solcher Ort befindet sich hier, in den Redridge-Bergen. Einst, vor langer Zeit, ist hier etwas M�chtiges explodiert, hat das Tal geformt und die Realit�t um diesen Ort herum geschw�cht.�</p><p>�Und aus diesem Grund habt Ihr Euch hier niedergelassen�, folgerte Khadgar.</p><p>Medivh sch�ttelte den Kopf. �Das ist <emphasis>eine</emphasis> Theorie.�</p><p>�Ihr sagtet, hier habe vor langer Zeit eine Explosion stattgefunden, die diesen Ort schuf und ihn zu einem Sitz magischer Macht machte. Dann kamt ihr ��</p><p>�Ja�, sagte Medivh. �Das stimmt alles, wenn man es auf eine lineare Art betrachtet. Aber was ist, wenn es zu der Explosion kam, weil ich schlie�lich hierher kommen w�rde und der Ort f�r mich bereit sein musste?�</p><p>Khadgar runzelte nachdenklich die Stirn. �Aber Dinge geschehen nicht auf solche Art.�</p><p>�In der normalen Welt nicht. Ja, da hast du Recht�, sagte Medivh. �Aber Magie ist die Kunst, das Normale zu umgehen. Und aus diesem Grund sind die philosophischen Debatten in den Hallen der Kirin Tor solch barer Unsinn. Sie versuchen, der Welt eine Vernunft aufzuzwingen und ihre Bewegungen zu regulieren. Die Sterne marschieren in geordneten Bahnen �ber den Himmel, die Jahreszeiten folgen im Gleichschritt aufeinander, und M�nner und Frauen leben und sterben. Wenn dies nicht geschieht, ist es Magie, eine Verzerrung des Universums, ein paar Dielenbretter, die aus der Form geraten sind und auf flei�ige H�nde warten, um sie zu erneuern.�</p><p>�Aber wenn das dieser Gegend passiert sein soll, um sich auf Euch vorzubereiten ��, begann Khadgar.</p><p>�� dann w�re die Welt ein ganz anderer Ort als sie zu sein <emphasis>scheint</emphasis>�, antwortete Medivh. �Was sie auch tats�chlich ist. Wie funktioniert die Zeit?�</p><p>Khadgar kannte den Magier inzwischen zu gut, um von Medivhs sprunghaftem Themenwechsel �berrascht zu werden. �Zeit?�</p><p>�Wir benutzen sie, wir trauen ihr, wir messen mit ihr � aber was <emphasis>ist</emphasis> sie?� Medivh l�chelte �ber den Rand seiner Tasse hinweg.</p><p>�Zeit ist die regelm��ige Abfolge von Momenten. Wie Sand, der ein Stundenglas durchl�uft�, sagte Khadgar.</p><p>�Eine hervorragende Analogie�, sagte Medivh. �Eine, die ich selbst benutzen wollte, und dann wollte ich das Stundenglas mit der mechanischen Uhr vergleichen. Erkennst du den Unterschied zwischen beiden?�</p><p>Khadgar sch�ttelte langsam den Kopf, w�hrend Medivh an seinem Wein nippte.</p><p>Schlie�lich sprach der Magier: �Nein, du bist nicht dumm, Junge. Es ist ein schwieriges Konzept f�r das menschliche Gehirn. Die Uhr ist eine mechanische Simulation der Zeit, jeder Schlag wird durch ein Drehen der R�der kontrolliert. Du betrachtest eine Uhr und wei�t, dass alles mit einem Ticken des Rades weitergeht, mit einem Klicken des Getriebes. Du wei�t, was als n�chstes kommt, weil der Uhrmacher es so gewollt hat.�</p><p>�Genau�, sagte Khadgar. �Die Zeit ist eine Uhr.�</p><p>�Ah, aber die Zeit ist auch ein Stundenglas�, sagte der �ltere Magier. Er griff nach einer Sanduhr, die auf dem Kaminsims stand, und drehte sie um. Khadgar betrachtete das Ger�t verwundert und versuchte, sich zu erinnern, ob es schon dort schon stand, bevor er den Wein gebracht hatte. Oder �berhaupt, bevor Medivh danach gegriffen hatte.</p><p>�Auch das Stundenglas misst die Zeit, nicht wahr?�, fragte Medivh. �Doch hier wei�t du nie, welches Sandkorn sich zu welcher Sekunde von der oberen H�lfte in die untere H�lfte bewegen wird. Wolltest du die Sandk�rner z�hlen, w�re ihre Anordnung jedes Mal ein wenig anders. Und doch ist das Endresultat stets das gleiche � der ganze Sand ist von oben nach unten geflossen. In welcher Reihenfolge dies geschieht ist gleichg�ltig.� Die Augen des alten Mannes leuchteten f�r einen Moment auf. �Also?�, fragte er.</p><p>�Also�, begann Khadgar, �sagt Ihr, dass es egal sein k�nnte, ob Ihr Euren Turm hier erbaut habt, weil eine Explosion dieses Tal geschaffen und das Wesen der Realit�t an diesem Ort verzerrt hat � oder ob es zu der Explosion kam, <emphasis>weil</emphasis> Ihr schlie�lich hierher kommen w�rdet und das Universum Euch die Mittel an die Hand geben musste, die Ihr ben�tigtet, um hier zu bleiben.�</p><p>�Ziemlich nah dran�, sagte Medivh.</p><p>�Also sind diese Visionen Sandk�rner?�, fragte Khadgar. Medivh f�rchte leicht die Stirn, aber der Junge blieb bei seinem Gedanken. �Wenn der Turm ein Stundenglas ist und keine Uhr, dann gibt es Sandk�rner, die aus der Zeit selbst stammen und st�ndig durch ihn hindurch fallen. Sie sind von ihrem Ursprung losgel�st oder �berlagern einander, sodass wir sie sehen k�nnen, aber nicht klar. Manche von ihnen sind Teil der Vergangenheit. Manche von ihnen sind Teil der Zukunft. K�nnten manche von ihnen auch von anderen Welten stammen?�</p><p>Jetzt gr�belte auch Medivh selbst tief nach. �Das ist m�glich. Volle Punktzahl. Gut durchdacht. Aber du darfst nicht vergessen, dass Visionen nur das sind: Visionen. Sie wehen herein und hinaus. W�re der Turm eine Uhr, w�rden sie sich regelm��ig bewegen, und man k�nnte sie leicht erkl�ren.</p><p>Doch da der Turm ein Stundenglas ist, bewegen sie sich nicht regelm��ig. Sie schaffen ihre eigenen Gesetze und fordern uns trotzig heraus, ihre chaotische Natur zu erkl�ren.� Medivh lehnte sich in seinen Sessel zur�ck. �Ein Umstand, mit dem ich sehr gut leben kann. Ich hatte noch nie viel f�r ein geordnetes, sorgf�ltig durchplantes Universum �brig.�</p><p>Khadgar f�gte hinzu: �Aber habt Ihr jemals eine bestimmte Vision gesucht? G�be es nicht einen Weg, eine bestimmte Zukunft aufzusp�ren und dann daf�r zu sorgen, dass sie auch geschieht?�</p><p>Medivhs Laune verfinsterte sich merklich. �Oder daf�r zu sorgen, dass sie nicht geschieht ��, sagte er. �Nein. Es gibt Dinge, die selbst ein Meister respektiert und von denen er sich fernh�lt. Dies ist eines davon.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Kein Aber�, sagte Medivh, erhob sich aus seinem Sessel und stellte seine leere Tasse auf das Kaminsims. �Jetzt, da du ein wenig Wein gekostet hast, wollen wir doch mal sehen, ob deine magische Kontrolle davon beeinflusst wird. Lass meinen Becher schweben.�</p><p>Khadgar zog seine Brauen zusammen und erkannte, dass seine Zunge bereits etwas schwer war. �Aber wir haben getrunken.�</p><p>�Genau�, sagte der Meistermagier. �Du wei�t niemals, welchen Sand dir das Universum ins Gesicht werfen wird. Du kannst entweder versuchen, st�ndig wachsam und bereit zu sein, und so das Leben, wie wir es kennen, meiden. Oder du bist bereit, das Leben zu genie�en und den Preis daf�r zu zahlen. Und nun lass den Becher schweben.�</p><p>Khadgar erkannte erst jetzt, wie viel er getrunken hatte. Er versuchte, das breiige Gef�hl aus seinem Gehirn zu vertreiben und den schweren Porzellanbecher vom Kaminsims zu heben.</p><p>Wenige Sekunden sp�ter war er auf dem Weg zur K�che, um einen Besen und eine Kehrschaufel zu holen.</p><empty-line/><p>Abends geh�rte Khadgars Zeit ihm selbst, und er konnte �ben und forschen, w�hrend Medivh sich anderen Dingen widmete. Khadgar fragte sich, was diese anderen Dinge wohl sein mochten, aber er nahm an, dass Korrespondenz dazu geh�rte, denn zweimal pro Woche erschien oben auf dem Turm ein Zwerg auf einem Greif. Er trug einen kleinen Sack bei sich, der sich erheblich vergr��ert hatte, wenn er ging.</p><p>Medivh gab dem Jungen alle Freiheit in der Bibliothek, um seine Studien so zu betreiben, wie er selbst es f�r richtig befand, und dazu geh�rte es auch, die Unmengen von W�nschen zu ber�cksichtigen, die ihm seine fr�heren Meister aus der Violetten Zitadelle mitgegeben hatten.</p><p>�Ich verlange nur�, sagte Medivh l�chelnd, �dass du mir zeigst, was du schreibst, bevor du es ihnen schickst.� Khadgar musste zu erkennen gegeben haben, wie peinlich ihm dies war, denn Medivh f�gte hinzu: �Nicht, weil ich Angst h�tte, dass du etwas vor mir verbirgst, mein Vertrauen, sondern weil ich es hassen w�rde, wenn sie etwas erfahren, das ich selbst inzwischen vergessen habe.�</p><p>Also st�rzte sich Khadgar auf die B�cher. F�r Guzbah fand er eine alte, h�ufig gelesene Schriftrolle mit einem epischen Gedicht, dessen nummerierte Strophen sehr detailliert einen Kampf zwischen Medivhs Mutter Aegwynn und einem nicht namentlich benannten D�mon wiedergaben. F�r Lady Delth fertigte er eine Liste der verrottenden Elfen-B�cher in der Bibliothek an. Und f�r Alonda tauchte er in jene Bestiarien hinab, die er lesen konnte. Aber es half nichts. Er konnte die Anzahl der Troll-Rassen nicht �ber die Vier hinausf�hren.</p><p>Khadgar verbrachte seine Freizeit auch mit seinen falschen Schl�sseln und seinen pers�nlichen �ffnungszaubern. Er versuchte weiterhin, jene B�cher zu meistern, die seinen fr�heren Versuchen, ihre Siegel zu knacken, widerstanden hatten. Diese B�nde besa�en eine starke Magie, und er verbrachte manchmal ganze Abende mit Wahrsage-Riten, bevor er auch nur den geringsten Hinweis darauf erhielt, welche Art von Zauber ihren Inhalt sch�tzte.</p><p>Zuletzt war da noch die Sache mit dem W�chter. Medivh hatte dieses Thema angeschnitten. Lord Lothar hatte angenommen, der Magus habe den jungen Mann dar�ber aufgekl�rt, und der Champion des K�nigs hatte sich schnell zur�ckgezogen, als er erkannte, dass dem nicht so war.</p><p>Der W�chter, so schien es, war ein Phantom, nicht realer als die in der Zeit verlorenen Visionen, die durch den Turm strichen. In einem Elfen-Buch wurde gelegentlich beil�ufig ein W�chter erw�hnt, wenn es um die Geschichte der K�nigsfamilien von Azeroth ging. Bei dieser Hochzeit oder bei jener Beerdigung war ein W�chter zugegen gewesen, und manchmal f�hrte er die Vorhut in irgendeiner Schlacht an. Stets gegenw�rtig, doch niemals genau identifiziert. War dieser W�chter ein Titel oder, wie Medivhs angeblich fast unsterbliche Mutter, ein bestimmtes Wesen?</p><p>Es gab noch andere Phantome, die ebenfalls im Orbit um diesen W�chter kreisten. Eine Art Orden, eine Organisation. War der W�chter ein heiliger Ritter? Und das Wort �Tirisfal� war an den Rand eines Grimoires geschrieben und dann ausradiert worden. Doch Khadgars besondere Geschicklichkeit im Aufsp�ren von Geheimnissen erlaubte es ihm herauszufinden, was einst dort geschrieben stand, indem er der Spur der Feder folgte, die sich in das Pergament eingedr�ckt hatte. Der Name eines bestimmten W�chters? Oder einer Organisation? Oder etwas vollkommen anderes?</p><p>Es war an dem Abend, als Khadgar dieses Wort fand, vier Tage nach dem Vorfall mit dem Becher, dass der junge Mann in eine weitere Vision st�rzte. Beziehungsweise die Bilder <emphasis>schlichen sich an ihn heran</emphasis>, umzingelten und verschlangen ihn mit Haut und Haaren!</p><p>Zuerst kam der Geruch, eine weiche, pflanzliche W�rme gesellte sich zu den verfallenden Texten der Bibliothek, ein tiefgr�ner Duft, der sich langsam in dem Raum erhob. Die Hitze darin nahm zu, nicht unangenehm, jedoch wie eine warme, feuchte Zudecke. Die W�nde wurden dunkler und verwandelten sich in Gr�n. Ranken krochen an den Seiten der Regale empor, schl�ngelten sich durch die dort befindlichen B�cher und ersetzten sie, w�hrend sie breite, dicke Bl�tter ausbildeten. Gro�e, bleiche Mondblumen und rote Orchideen begannen zwischen aufgestapelten Schriftrollen zu sprie�en.</p><p>Khadgar sog tief den Atem ein, doch eher vor erregter Erwartung denn vor Furcht. Dies war nicht die Welt des blutroten Himmels und der Ork-Armeen, die er zuvor gesehen hatte. Dies war etwas anderes. Er befand sich in einem Dschungel, aber es war ein Dschungel auf dieser Welt. Der Gedanke beruhigte ihn.</p><p>Und dann verschwand auch der Tisch, an dem Khadgar gesessen, das Buch, in dem er gelesen hatte, und Khadgar hockte an einem Lagerfeuer. Drei weitere junge M�nner sa�en hier. Sie schienen in etwa in seinem Alter zu sein und sich auf einer Art Expedition zu befinden. Schlafdecken waren ausgelegt worden, und ein Kochtopf, leer und bereits gewaschen, trocknete am Feuer. Alle drei trugen die Kleidung von Reitern; sie war gut geschnitten und offensichtlich von erlesener Qualit�t.</p><p>Die drei jungen M�nner lachten und scherzten, doch wie zuvor konnte Khadgar die genauen Worte nicht verstehen. Der Blonde in der Mitte war gerade dabei, eine Geschichte zu erz�hlen, und nach den Bewegungen seiner H�nde zu urteilen, ging es darin um eine wohl proportionierte Frau.</p><p>Der Mann zu seiner Rechten lachte und schlug sich auf die Knie, w�hrend der Blonde mit seiner Geschichte fortfuhr. Der andere strich sich mit den Fingern durchs Haar, und Khadgar bemerkte, dass es bereits aus der Stirn zur�ckwich. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er auf Lord Lothar blickte. Augen und Nase waren seine, das L�cheln war seines � nur das Gesicht war noch nicht wettergegerbt und der Bart noch nicht grau. Aber er war es.</p><p>Khadgar betrachtete den dritten Mann und erkannte sofort den jungen Medivh. Dieser trug dunkelgr�ne J�ger-Tracht und einen Umhang, dessen Kapuze zur�ckgezogen war und ein junges, fr�hliches Gesicht enth�llte. Seine Augen leuchteten im Licht des Lagerfeuers wie polierter Jadestein, und er bedachte die Geschichte des Blonden mit einem sch�chternen L�cheln.</p><p>Der Blonde in der Mitte erreichte offenbar einen bestimmten, wichtigen Punkt in seiner Geschichte und gestikulierte in Richtung des jungen Medivh, der mit den Schultern zuckte und dem die Situation offensichtlich peinlich war. Es schien, als spiele auch der zuk�nftige Magier eine Rolle in der Erz�hlung.</p><p>Der Blonde musste Llane sein, jetzt K�nig Llane von Azeroth. Ja, die Geschichten �ber die fr�hen Abenteuer der drei M�nner hatten ihren Weg sogar in die Archive der Violetten Zitadelle gefunden. Die drei wanderten oft an den Grenzen des K�nigreichs, erforschten die wenig bekannten L�nder und bek�mpften alle Arten von R�ubern und Monstern.</p><p>Llane beendete seine Geschichte, und Lothar fiel beinahe von dem Baumstamm, auf dem er sa�, so sehr wurde er von Gel�chter gesch�ttelt. Auch Medivh unterdr�ckte ein Lachen, indem er sich die Hand vor den Mund legte, damit es aussah, als w�rde er sich nur r�uspern.</p><p>Lothars Gel�chter klang langsam ab, und Medivh sagte etwas. Dabei �ffnete er die Handfl�chen nach au�en, um seine Aussage zu unterstreichen. Und jetzt st�rzte Lothar tats�chlich nach hinten, worauf selbst Llane sein Gesicht in die Hand nehmen musste, w�hrend sein K�rper vor Lachen nur hilflos zuckte. Was immer Medivh auch gesagt hatte, offenbar hatte es Llanes Geschichte erst gekr�nt.</p><p>Dann bewegte sich etwas im Dschungel, der sie umgab. Die drei M�nner hielten sofort mit ihrer fr�hlichen Feier ein. Sie mussten es geh�rt haben. Khadgar, der Geist in dieser Versammlung, f�hlte es eher. Etwas B�ses kroch durch das Geb�sch am Rande des Feuerscheins.</p><p>Lothar erhob sich langsam und langte nach einem gro�en, breitklingigen Schwert, das in einer Scheide zu seinen F��en lag. Llane griff hinter seinen Baumstamm und zog eine doppelklingige Axt hervor. Durch Gesten gab er Lothar zu verstehen, in eine Richtung zu gehen, w�hrend Medivh die andere nehmen sollte. Medivh war inzwischen ebenfalls aufgestanden, und obwohl seine H�nde leer waren, war er, selbst in diesen jungen Jahren, der Imposanteste von den dreien.</p><p>Llane trat mit der Breitaxt an einer Seite des Lagers nach vorne. Khadgar sah, wie er mit sicherer Bed�chtigkeit einen Fu� vor den anderen setzte. Was immer sich dort am Rand des Lagers befand, Llane wollte, dass es sich zu erkennen gab.</p><p>Das Ding kam diesem Wunsch nach und brach aus seinem Versteck. Es war um mindestens die H�lfte gr��er als die jungen Burschen, und einen Augenblick lang glaubte Khadgar, er stehe einem riesigen Ork gegen�ber.</p><p>Dann erkannte er das Wesen aus den Bestiarien, die Alonda ihn hatte durchst�bern lassen. Er war ein Troll, ein Mitglied der Dschungel-Rasse, dessen blaue Haut bleich im Mondlicht schimmerte. Sein langes graues Haar zog sich in einem Kamm von der Stirn bis in den Nacken. Wie die Orks besa� auch dieses Monster F�nge, die aus seinem Unterkiefer hervorragten, aber bei ihm waren sie gerundete, pflockartige Hauer, dicker als die scharfen Z�hne der Orks. Seine Ohren und seine Nase waren langgezogene Karikaturen menschlicher Vorbilder. Es war in Felle gekleidet, und eine Kette aus menschlichen Fingerknochen tanzte auf seiner nackten Brust. In der Rechten f�hrte es einen gro�en Speer.</p><p>Der Troll stie� einen Schlachtruf aus, fletschte die Z�hne und w�lbte seine breite Brust noch weiter hervor. Er stie� mit dem Speer in einem Scheinangriff zu, und Llane schwang seine Axt nach der vorgestreckten Waffe, doch der Schlag ging daneben. Lothar griff von der einen Seite aus an, und Medivh n�herte sich von der anderen. Arkane Energie tanzte auf seinen Fingerspitzen.</p><p>Der Troll wich Lothars gro�em Schwert aus und t�nzelte einen weiteren Schritt zur�ck, als Llane die Luft mit seiner gro�en Axt teilte. Jeder Schritt der Kreatur war gewaltig, �berbr�ckte mehr als einen Meter, und die beiden Krieger drangen auf den Troll ein, wann immer er sich zur�ckzog. Er benutzte seinen Speer mehr als Schild, denn als Waffe, hielt den Schaft mit beiden H�nden und wehrte die Schl�ge ab.</p><p>Khadgar erkannte, dass die Kreatur nicht k�mpfte, um die Menschen zu t�ten. Noch nicht. Sie versuchte, sie in Position zu bringen.</p><p>In der Vision musste der junge Medivh das Gleiche erkannt haben, denn er schrie den anderen etwas zu. Aber da war es bereits zu sp�t, denn zwei weitere Trolle w�hlten genau diesen Augenblick, um aus ihren Verstecken zu springen, zur Rechten und Linken des anderen Trolls.</p><p>Trotz seiner taktischen Raffinesse war Llane derjenige, den diese Wendung am meisten �berraschte, und der Speer des ersten Trolls fuhr ihm in den rechten Arm. Die Schneide der Breitaxt biss in die Erde, w�hrend der k�nftige K�nig einen Fluch ausspie.</p><p>Die beiden anderen Trolle konzentrierten sich auf Lothar. Der Krieger wurde zur�ck gedr�ngt, w�hrend er seine breite Klinge mit vollendeter Geschicklichkeit schwang, erst einen Schlag blockierte, dann den n�chsten. Doch die Strategie der Dschungel-Trolle war klar zu erkennen. Sie trieben die beiden Krieger auseinander, trennten Llane von Lothar und zwangen Medivh, sich f�r einen der beiden zu entscheiden.</p><p>Medivh konzentrierte sich auf Llane. Aus seiner Phantom-Perspektive heraus nahm Khadgar an, dass er dies tat, weil Llane bereits verwundet war. Medivh st�rmte vor, seine H�nde flammten �</p><p>� und das hintere Ende des Troll-Speers traf ihn voll ins Gesicht, als der Unhold den schweren Schaft in Medivhs Kiefer rammte. Dann wandte die riesige Bestie sich um und schlug mit einer erstaunlich fl�ssigen und eleganten Bewegung nach dem verwundeten Llane. Medivh ging zu Boden, ebenso Llane, und die Axt entfiel der Hand des k�nftigen Herrschers.</p><p>Der Troll z�gerte einen Augenblick und war offenbar unschl�ssig, wen er zuerst t�ten sollte. Er entschied sich f�r Medivh, der ausgestreckt am Boden zu seinen F��en lag, da dieser ihm am n�chsten war. Der Troll hob den Speer, und die Obsidian-Spitze glitzerte t�ckisch im Mondlicht.</p><p>Der junge Medivh w�rgte eine Reihe von Silben hervor. Ein winziger Staub-Tornado erhob sich vom Boden und sprang in das Gesicht des Trolls, der sofort geblendet war. Die Bestie hielt einen Moment inne und griff mit einer Hand nach den staubverklebten Augen, um sie wieder frei zu reiben.</p><p>Diese Galgenfrist war alles, was Medivh ben�tigte. Er warf sich noch vorne, aber nicht mit einem Zauber, sondern mit einem einfachen Messer, das er von hinten in den Oberschenkel des Trolls rammte. Der Troll schrie schmerzerf�llt in die Nacht und stach blind um sich. Der Speer fuhr dort in den Boden, wo Medivh gerade noch gelegen hatte, doch der junge Magier hatte sich fort gerollt und stand jetzt auf. Seine Fingerspitzen knisterten.</p><p>Er murmelte ein Wort. Blitze sammelten sich zwischen seinen Fingern zu einem Ball und schossen vor. Der Troll zuckte heftig unter dem Schock und hing einen Augenblick lang bewegungslos gefangen in einer blau leuchtenden Sph�re. Die Kreatur fiel auf die Knie, aber selbst jetzt war sie noch nicht besiegt. Sie versuchte, sich zu erheben, und in ihren w�ssrigen roten Augen brannte Hass auf den Zauberer.</p><p>Der Troll erhielt niemals eine Chance zur Vergeltung, denn ein Schatten erhob sich hinter ihm, und Llanes wieder aufgehobene Axt glitzerte kurz im Schein des Mondes, bevor sie auf den Sch�del des Trolls hinab fuhr und ihn bis zum Hals spaltete. Die Kreatur st�rzte mit weit ausgebreiteten Armen nach vorne, und die beiden jungen M�nner wandten sich sofort jenen Trollen zu, die gegen Lothar k�mpften. Khadgars Blick folgte ihnen.</p><p>Der zuk�nftige Champion hielt seinen beiden Gegnern stand, wenn auch nur mit gro�er M�he, und sie hatten ihn inzwischen �ber das gesamte Lager getrieben. Die Trolle hatten den Todesschrei ihres Bruder geh�rt, und einer setzte den Angriff fort, w�hrend der andere zur�ck st�rmte, um sich Llane und Medivh zu widmen. Er stie� ein unartikuliertes Br�llen aus, als er auf sie zu rannte, und hielt den Speer vorgestreckt wie ein Ritter bei einem Turnier.</p><p>Auch Llane st�rzte nach vorne, doch im letzten Moment wich er seitlich aus, und die Speerspitze raste an ihm vorbei. Der Troll machte zwei weitere Schritte, die ihn ans Feuer herantrugen, wo Medivh wartete.</p><p>Jetzt schien der Magier vollkommen von Energie erf�llt zu sein. Vom brennenden Holz beleuchtet, sah er aus wie eine D�mon. Er hatte die Arme weit ausgestreckt und sang etwas Hartes, Rhythmisches.</p><p>Und das Feuer selbst sprang auf. Es nahm die Gestalt eines riesigen L�wen an, der sich auf den angreifenden Troll st�rzte. Die Dschungel-Kreatur schrie, als sich die Flammen wie ein Mantel um sie schlossen und sie dieses Feuer nicht wieder absch�tteln konnte. Der Troll warf sich zu Boden und rollte sich erst auf die eine Seite, dann auf die andere. Er versuchte, die Flammen zu ersticken, aber es gelang ihm nicht. Bald schlug er nur noch wild und hilflos mit den Armen um sich, und schlie�lich h�rte er ganz auf, sich zu bewegen. Das hungrige Feuer verschlang ihn.</p><p>Llane war weiter vorgest�rmt. Bei dem �berlebenden Troll angekommen, schlug er seine Axt in dessen Seite. Die Bestie stie� ein Heulen aus, und Lothar ergriff seine Chance. Der Champion schmetterte den vorgestreckten Speer mit einem R�ckhandschlag zur Seite, dann trennte er mit einem waagerechten, pr�zisen Hieb den Kopf des Trolls sauber von dessen Schultern. Wie ein Komet, eine Blutfont�ne nach sich ziehend, flog der Sch�del in weitem Bogen durch die Luft und landete im Geb�sch, wo er verschwand.</p><p>Obwohl Llane selbst aus einer Wunde blutete, schlug er Lothar auf die Schulter und schien ihn freundschaftlich zu verspotten, weil dieser f�r seinen Troll so lange gebraucht hatte. Dann legte Lothar eine Hand auf Llanes Brust, um ihn zum Schweigen zu bringen, und zeigte auf Medivh.</p><p>Der junge Magier stand noch immer beim Feuer. Er hielt seine H�nde offen, doch seine Finger sahen aus wie Klauen. Seine Augen wirkten im Licht des Feuers glasig, und sein Mund war krampfhaft geschlossen. Als die beiden M�nner (und der Geist Khadgar) auf ihn zu rannten, kippte der junge Zauberer nach hinten.</p><p>Das Paar erreichte Medivh, doch dieser atmete schwer, und seine Pupillen waren im hellen Mondlicht extrem geweitet. Die Krieger und der Besucher aus der Zukunft beugten sich �ber ihn, als der junge Magier versuchte, Worte aus seinem Mund zu pressen.</p><p>�Pass auf mich � auf�, sagte er und blickte weder Llane noch Lothar, sondern Khadgar an. Dann rollten die Augen des jungen Medivh nach oben, und er lag sehr still.</p><p>Lothar und Llane versuchten, ihren Freund wiederzubeleben, w�hrend Khadgar wie bet�ubt zur�cktaumelte. Hatte Medivh ihn wirklich gesehen, wie jener andere Magier unter dem blutigen Himmel, der Medivhs Augen besessen hatte? Jedenfalls hatte Khadgar ihn zu sich sprechen h�ren, klare Worte, die in die Tiefe seiner Seele gedrungen waren.</p><p>Khadgar wandte sich um, und die Vision fiel in sich zusammen wie die letzten, ersterbenden Flammen eines Feuers. Er war wieder zur�ck in der Bibliothek und prallte fast mit Medivh zusammen.</p><p>�Mein Vertrauen�, sprach eine viel �ltere Ausgabe des Magus als jene, die Khadgar gerade in seiner Vision auf dem Boden liegend zur�ckgelassen hatte. �Geht es dir gut? Ich rief nach dir, aber du hast nicht geantwortet.�</p><p>�Entschuldigt, Med � Herr�, sagte Khadgar und holte tief Luft. �Ich hatte eine Vision. Ich habe mich in ihr verloren, f�rchte ich.�</p><p>Medivh zog die dunklen Brauen zusammen. �Noch mehr Orks und rote Himmel?�, fragt er ernsthaft, und Khadgar erkannte das Heraufziehen eines neuen Sturms in diesen gr�nen Augen.</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf, w�hlte seine Worte sorgf�ltig. �Trolle. Blaue Trolle. Und es war ein Dschungel. Ich glaube, es war diese Welt. Der Himmel war gleich.�</p><p>Medivhs Sorge verschwand aus seinem Blick, und er sagte nur: �Dschungel-Trolle. Ich habe mal welche getroffen, tief im S�den, im Stranglethorn-Tal �� Die Gesichtsz�ge des Magiers wurden weich, als er sich nun selbst in einer ganz privaten Vision zu verlieren schien. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Aber dieses Mal kein Orks, richtig? Du bist dir sicher.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Khadgar. �Keine Orks.� Er wollte nicht erw�hnen, dass er Zeuge eines Kampfes geworden war. War es eine b�se Erinnerung f�r Medivh? War er bei dieser Konfrontation im Koma versunken?</p><p>Khadgar betrachtete den �lteren Magier und erkannte in ihm viel von dem jungen Mann aus der Vision wieder. Er war gr��er, aber leicht gebeugt von den Jahren und seinen Forschungen. Trotzdem war da noch immer der junge Mann, eingewoben in die �ltere Gestalt.</p><p>Medivh seinerseits fragte: �Hast du das �Lied der Aegwynn�?�</p><p>Khadgar l�ste sich aus seinen Gedanken. �Das Lied?�</p><p>��ber meine Mutter�, sagte Medivh. �Es sollte eine alte Schriftrolle sein. Ich schw�re dir, ich finde hier nichts mehr, seit du aufger�umt hast!�</p><p>�Sie liegt bei den anderen Epen, Herr�, sagte Khadgar. <emphasis>Ich sollte ihm von der Vision erz�hlen</emphasis>, dachte er. War dies eine willk�rliche Heimsuchung gewesen, oder war sie durch seine Begegnung mit Lothar ausgel�st worden? Wurden Visionen dadurch wachgerufen, dass man etwas �ber bestimmte Dinge herausfand?</p><p>Medivh trat an das Regal und lie� einen Finger an den Schriftrollen entlang laufen. Dann zog er die gesuchte Rolle heraus. Sie war alt und sehr zerlesen. Der Magus rollte sie teilweise auf, verglich sie mit einem Fetzen Papier, den er aus einer Tasche zog, rollte sie wieder zusammen und legte sie zur�ck.</p><p>�Ich muss fort�, sagte er pl�tzlich. �Schon heute Abend, f�rchte ich.�</p><p>�Wohin geht Ihr?�, fragte Khadgar.</p><p>�Dieses Mal gehe ich allein�, sagte der Magier, der bereits auf die T�r zuschritt. �Ich werde Moroes Anweisungen, deine Studien betreffend, hinterlassen.�</p><p>�Wann kommt Ihr zur�ck?�, rief Khadgar der sich entfernenden Gestalt hinterher.</p><p>�Wenn ich zur�ckkomme!�, entgegnete Medivh, w�hrend er zwei Stufen gleichzeitig nehmend die Treppe hinauf st�rmte. Khadgar nahm an, dass der Kastellan schon in der Spitze des Turms wartete und die Runenpfeife und einen zahmen Greifen bereithielt.</p><p>�Gut�, sagte Khadgar und blickte auf die B�cher. �Ich bleib dann also hier und versuche herauszufinden, wie man ein Stundenglas zu beherrschen lernt.�</p></section><section><title><p>6</p><p>Aegwynn und Sargeras</p></title><p>Medivh blieb eine ganze Woche fort, und es war eine Woche, die Khadgar gut nutzte. Er richtete sich in der Bibliothek ein und lie� sich das Essen von Moroes dorthin bringen. H�ufig kehrte er nicht einmal nachts in sein Quartier zur�ck und schlief stattdessen lieber auf einem der gro�en Tische der Bibliothek.</p><p>Er suchte nach Visionen.</p><p>Seine eigene Korrespondenz blieb unbeantwortet, w�hrend er die alten B�cher und Grimoires nach Antworten auf seine Fragen �ber Zeit, Licht und Magie durchforstete. Auf seine ersten Berichte waren schnelle Antworten der Magier der Violetten Zitadelle erfolgt. Guzbah wollte eine Abschrift des Epos �ber Aegwynn. Lady Delth erkl�rte, sie kenne keinen der Titel, die er ihr geschickt hatte. Konnte er sie ihr noch einmal schicken, dieses Mal mit dem ersten Absatz eines jeden Buches, damit sie sie vielleicht doch noch wiedererkennen konnte? Und Alonda bestand weiterhin darauf, dass es eine f�nfte Troll-Rasse gab, und dass Khadgar offensichtlich nicht die <emphasis>richtigen</emphasis> Bestiarien zu Rate gezogen hatte. Der junge Magier lie�, w�hrend er einen Weg suchte, die Visionen zu kontrollieren, die Gesuche unerwidert.</p><p>Der Schl�ssel zu seiner Beschw�rung, so schien es, w�rde ein einfacher Fernsicht-Zauber sein, ein Wahrsage-Ritus, der einen Blick auf ferne Gegenst�nde und Orte erlaubte. Ein Buch mit priesterlicher Magie hatte ihn als eine Beschw�rung heiliger Gesichte beschrieben, doch er funktionierte f�r Khadgar ebenso gut wie f�r die Kleriker. Obwohl dieses priesterliche Ritual f�r den Raum gedacht war, konnte man es mit ein paar Modifikationen vielleicht auch auf die Zeit anwenden. Normalerweise, und wenn man den Fluss der Zeit in einem determinierten Uhrwerk-Universum voraussetzte, war dies unm�glich.</p><p>Doch es schien, als sei zumindest in den Mauern von Karazhan die Zeit ein Stundenglas, und es war durchaus m�glich, hier Splitter losgel�ster Zeit aufzusp�ren. Und sobald man ein Sandkorn der Zeit in seinen Griff gebracht hatte, sollte es leichter fallen, sich von einem Korn zum anderen zu bewegen.</p><p>Falls andere dies innerhalb der Mauern von Medivhs Turm bereits versucht haben sollten, so fand sich kein Hinweis darauf in der Bibliothek � au�er vielleicht in den am besten geh�tetsten oder unleserlichsten B�chern, die sich auf dem eisernen Balkon befanden. Seltsamerweise waren die Notizen in Medivhs eigener Handschrift nicht an den Visionen interessiert, w�hrend sie die Niederschriften anderer Besucher zu beherrschen schienen. Hielt Medivh diese Informationen an einem anderen Ort versteckt, oder war er tats�chlich st�rker an Dingen interessiert, die sich au�erhalb der Mauern des Turms abspielten, als an den Aktivit�ten in dessen Innern?</p><p>Einen Zauber f�r einen neuen Zweck umzuformen, war eine komplexe Angelegenheit. Es reichte nicht aus, hier eine Beschw�rungsformel zu �ndern und dort eine Geste. Man ben�tigte ein tiefes und detailliertes Verst�ndnis davon, wie Wahrsagen funktionierte, was es enth�llte und wie. Wenn man eine Handbewegung �nderte oder einen andere Sorte Weihrauch benutzte, war das Ergebnis m�glicherweise ein vollkommenes Scheitern, und die Energien verpufften nutzlos. Manchmal wurden die Energien auch wild und gerieten au�er Kontrolle, aber im Allgemeinen war das einzige Ergebnis eines gescheiterten Zaubers ein frustrierter Zauberer.</p><p>Bei seinen Studien entdeckte Khadgar jedoch noch eine weitere Alternative: Wenn ein Zauber auf h�chst spektakul�re Art versagte, war dies ein Hinweis darauf, dass der fehlgeschlagene Zauber der eigentlich beabsichtigten Beschw�rung doch sehr nahe gekommen war. Die Magie versuchte, die Kluft zu schlie�en, und sorgte daf�r, dass Dinge geschahen � wenn auch nicht immer mit dem Ergebnis, das der Magier beabsichtigt hatte. Nat�rlich �berlebten die gescheiterten Zauberer solche Erfahrungen nur selten.</p><p>W�hrend seiner Studien f�rchtete Khadgar, dass Medivh jederzeit zur�ckkehren k�nne und wieder in die Bibliothek geweht k�me, um nach dem so oft gelesenen Epos oder einer anderen Belanglosigkeit zu suchen. W�rde er seinem Meister davon erz�hlen, was er versuchte? Und wenn er dies tat, w�rde Medivh ihn ermutigen � oder w�rde er ihm untersagen, es weiter zu probieren?</p><p>Nach f�nf Tagen hatte Khadgar das Gef�hl, dass er den n�tigen Zauber fehlerfrei erstellt hatte. Der Rahmen blieb weiterhin jener der Fernsicht, aber Khadgar hatte ihm einen willk�rlichen Faktor hinzugef�gt, der ihm erlauben sollte, auf die Diskontinuit�ten zuzugreifen, die im Turm zu existieren schienen. Diese St�cke verlorener Zeit w�rden etwas heller sein, ein wenig w�rmer oder vielleicht einfach nur ein bisschen seltsamer als die unmittelbare Umgebung, und so sollten sie die volle Kraft des Zaubers anziehen.</p><p>Der Zauber, so er funktionierte, w�rde au�erdem besser auf die jeweilige Vision ausgerichtet sein. Dies w�rde es erm�glichen, auch die Ger�usche am anderen Ende zu h�ren und die Verzerrungen zu beseitigen, um die Laute �hnlich zu konzentrieren wie ein Greis es tut, der eine Hand an ein Ohr legt, um besser h�ren zu k�nnen. Dies w�rde nicht bei Ger�uschen jenseits des zentralen Ortes funktionieren, aber der Zauberer sollte nun in der Lage sein, die Personen nicht nur zu sehen, sondern sie auch zu vernehmen.</p><p>Am Abend des f�nften Tages hatte Khadgar seine Berechnungen beendet, den Zauber in Tabellen und Macht-Befehle geordnet und in einem einfachen Text niedergelegt. Sollte etwas schrecklich schieflaufen, so w�rde zumindest Medivh sp�ter in der Lage sein, zu erkennen, was geschehen war.</p><p>Medivh besa� nat�rlich einen l�ckenlosen Fundus mit Zauber-Komponenten, in der auch ein Schrank mit aromatischen und thaumaturgischen Kr�utern und ein Lapidarium zersto�ener, Halbedelsteine standen. Aus diesen w�hlte Khadgar Amethyst aus, um in der Bibliothek seinen magischen Kreis auszubringen, der von Runen aus pulverisiertem Rosenquarz kreuz und quer durchschnitten wurde. Er ging noch einmal die Worte der Macht (von denen der junge Magier die meisten bereits gekannt hatte, bevor er Dalaran verlie�) und die Gesten (fast alle neu erdacht) durch. In eine Beschw�rungsrobe gekleidet (mehr um sein Gl�ck zu f�rdern, als des Effektes wegen) trat er in das magische Rund.</p><p>Khadgar entspannte sich und lie� seinen Geist zur Ruhe kommen. Dies war kein schnell hingeworfener Kampfzauber oder beil�ufiger Zaubertrick. Dies war eine tiefe und m�chtige Beschw�rung. H�tte er sie in der Violetten Zitadelle durchgef�hrt, so h�tten ihn alle anderen Magier dringend davor gewarnt und w�ren gekommen, um dabei zu sein.</p><p>Er atmete tief ein und begann das Ritual.</p><p>In seinem Geist formte sich der Zauber, ein warmer Energieball. Er f�hlte, wie er in seinem Innern gerann, w�hrend sich ein Regenbogen von Farben auf der Oberfl�che kr�uselte. Dies war der Kern des Zaubers, normalerweise schnell entsandt, um die reale Welt zu �ndern, so wie es dem Magier gefiel.</p><p>Khadgar stattete die Energiekugel mit den Eigenschaften aus, die sie besitzen musste, um die Zeitfragmente aufzusp�ren, die diesen Turm heimsuchten, sie zu durchsuchen und eine einzelne Vision herauszusch�len, die sich dann vor Khadgars Augen ausbreitete. Die Ideen sanken in die imagin�re Sph�re in seinem Geist ein, und diese begann auf einer h�heren Frequenz zu summen, w�hrend sie nur noch die Freigabe und die Richtung erwartete.</p><p>�Bring mir eine Vision�, sagte der junge Magier. �Bring mir eine Vision des jungen Medivh.�</p><p>Mit dem Ger�usch eines implodierenden Eis verschwand die Magie aus seinem Geist und sickerte in die reale Welt ein, um sein Gehei� zu erf�llen. Die Luft begann zu rauschen, und als Khadgar sich umblickte, verwandelte sich die Bibliothek um ihn, wie sie es schon einmal getan hatte. Die Vision bewegte sich langsam in seinen Raum, in seine Zeit hinein.</p><p>Erst als es pl�tzlich k�lter wurde, erkannte Khadgar, dass er die falsche Vision beschworen hatte.</p><p>Sie bewegte sich pl�tzlich durch die Bibliothek, ein kalter Zugwind, als habe jemand ein Fenster offen gelassen. Die Brise wurde von einem Luftzug zu einem Frostwind und schlie�lich zu einem arktischen Sturm, und obwohl er wusste, dass dies nur eine Illusion war, zitterte Khadgar am ganzen Leib.</p><p>Die W�nde der Bibliothek verschwanden, w�hrend die Vision eine weite Fl�che von Wei� erfasste. Der eisige Wind wirbelte um die B�cher und Manuskripte und hinterlie�, wo er vor�ber zog, eine dicke, harte Schneedecke. Tische, Regale und St�hle wurden verh�llt und dann durch Wirbel dicker, schwerer Flocken ersetzt.</p><p>Und Khadgar befand sich auf einem H�gel. Seine Beine verschwanden bis zu den Knien in einer Schneewehe, doch sie hinterlie�en keine Spuren. Er war ein Geist in dieser Vision.</p><p>Trotzdem gefror sein Atem und stieg, w�hrend er sich umblickte, in kr�uselndem Nebel vor seinem Gesicht nach oben. Zu seiner Rechten war ein W�ldchen mit dunklen B�umen zu erkennen, schwer mit Schnee beladen. Weit zu seiner Linken befand sich eine gro�e wei�e Felswand. Khadgar glaubte zuerst, auf eine kreideartige Substanz zu blicken, aber dann erkannte er, dass es Eis war, als habe jemand einen gefrorenen Fluss aus seinem Bett gerissen und ihn senkrecht aufgestellt. Das Eisgebilde war so hoch wie die Berge von Dalaran, und kleine, dunkle Gestalten bewegten sich vor seiner Kulisse � Falken oder Adler, obwohl sie von gewaltiger Gr��e sein mussten, wenn sie wirklich den eisigen Klippen nahe waren.</p><p>Vor ihm lag ein Tal, und aus diesem Tal zog eine Armee herauf.</p><p>Die Armee schmolz den Schnee, w�hrend sie �ber ihn hinweg marschierte, und hinterlie� eine schmutzige schwarze Linie wie die Spur einer Schnecke. Die Angeh�rigen der Armee waren in Rot gekleidet. Sie trugen gro�e, geh�rnte Helme und breite, steife, schwarze Umh�nge. Es waren J�ger, denn sie trugen alle m�glichen Arten von Waffen bei sich. Und sie waren erstaunlich gro�.</p><p>An der Spitze der Armee hielt jemand eine Standarte, und auf dieser Standarte befand sich ein abgeschlagenes, blutiges Haupt. Es handelte sich um den Kopf einer gro�en, gr�nschuppigen Bestie. Khadgar erkannte zu seiner �berraschung einen Drachen.</p><p>Es gab den Sch�del einer solchen Kreatur in der Violetten Zitadelle, aber er hatte nicht geglaubt, jemals einen Drachen zu sehen, der noch vor ganz kurzer Zeit am Leben gewesen sein musste. Wie weit zur�ck hatte diese Vision ihn tats�chlich geworfen?</p><p>Die Armee der Giganten br�llte etwas, das ein Marschlied sein mochte, doch genauso gut h�tte es auch eine Kette von Fl�chen oder Schlachtrufen sein k�nnen. Die Stimmen waren ged�mpft, als k�men sie aus der Tiefe eines Brunnens hervor, aber immerhin <emphasis>konnte</emphasis> Khadgar sie h�ren.</p><p>Als sie sich n�herten, wurde ihm klar, was sie waren. Ihre verzierten Helme waren keine Helme, es waren H�rner, die aus ihrem eigenen Fleisch herausragten. Und ihre Umh�nge waren keine Umh�nge, sondern riesige, fledermausartige, aus ihrem R�cken sprie�ende Schwingen. Ihre roten R�stungen waren ihr eigenes dickes Fleisch, das hei� aus seinem Innern heraus gl�hte und so den Schnee zum Schmelzen brachte.</p><p>Es waren D�monen, Kreaturen aus Guzbahs Vortr�gen und Korrigans geheimen Pamphleten. Monstr�se Wesen, die selbst die Orks an Blutdurst und Sadismus noch �bertrafen. Die gro�en, breitklingigen Schwerter hatten offensichtlich erst vor kurzem Blut gekostet, und jetzt konnte Khadgar sehen, dass auch ihre K�rper von Blut besudelt waren.</p><p>Sie waren hier � wo auch immer und wann auch immer <emphasis>hier</emphasis> sein mochte �, um Drachen zu jagen.</p><p>Ein leises Ger�usch erklang hinter Khadgar, nicht lauter als Schritte auf einem dicken Teppich. Er wandte sich um und erkannte, dass er nicht allein auf dem H�gel war, der �ber der Jagdgesellschaft der D�monen aufragte.</p><p>Sie hatte sich ihm von hinten gen�hert, und wenn sie ihn sah, so nahm sie keine Notiz von ihm. Ebenso wie die D�monen ein Fleisch gewordener Fluch auf dem Land waren, so strahlte auch sie ihre eigene Art von Macht aus. Es war eine leuchtende Kraft, die um sie zu wirbeln und sich zu verst�rken schien, w�hrend sie gleitend �ber die Oberfl�che des Schnees hinweg schritt. Sie war real, aber ihre wei�en Lederstiefel hinterlie�en nur die allerschw�chsten Spuren im Schnee.</p><p>Sie war gro� und stark und ohne Angst vor den Abscheulichkeiten im Tal. Ihre Kleidung war wei� und unbefleckt vom Schnee, der sie umgab, und sie trug ein Hemd aus kleinen, silbernen Schuppen. Ein weiter, wei�er Fellumhang mit einem Futter aus gr�ner Seide bauschte sich hinter ihr und wurde an ihrem Hals von einem gro�en, gr�nen Stein festgehalten, der zu der Farbe ihrer Augen passte. Ihr langes, blondes Haar wurde durch einen silbernen Stirnreif geb�ndigt. Sie schien die K�lte weniger zu sp�ren als der geisterhafte Khadgar.</p><p>Doch es waren ihre Augen, die seine Aufmerksamkeit erregten � gr�n wie ein sommerlicher Wald, gr�n wie polierte Jade, gr�n wie der Ozean nach einem Sturm. Khadgar erkannte diese Augen wieder, denn er hatte ihren durchdringenden Blick bereits gesp�rt. Es waren die gleichen Augen wie sie ihr Sohn besa�.</p><p>Dies war Aegwynn, Medivhs Mutter, die m�chtige, fast unsterbliche Zauberin, so alt, dass sie l�ngst zur Legende geworden war.</p><p>Und jetzt wurde Khadgar auch klar, wo er sich befinden musste. Dies war Aegwynns Kampf gegen die D�monenhorden, eine Legende, die nur in Fragmenten erhalten war, in den Ges�ngen eines Epos in einer Schriftrolle der Bibliothek.</p><p>Mit einem Stich im Herzen erkannte Khadgar, dass sein Zauber fehlgeschlagen war. Medivh hatte nach der Schriftrolle gefragt, bevor er ging � das letzte Mal, dass Khadgar ihn gesehen hatte. War der Zauber daneben gegangen und hatte eine Vision Medivhs aus dessen eigener Vergangenheit verfehlt, weil der Magus vor kurzem nach dieser Legende gesucht hatte?</p><p>Aegwynn runzelte die Stirn, w�hrend sie hinab zu der d�monischen Jagdgesellschaft blickte, und die einzelne Furche, die ihre Augenbrauen trennte, verriet ihr Missfallen. Ihre Jade-Augen blitzten, und Khadgar ahnte, welch ein Sturm der Macht sich hinter ihnen zusammenbraute.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis diese Wut sich einen Weg bahnte. Aegwynn erhob einen Arm, sang einen kurzen, abgehackten Satz, und Blitze tanzten auf ihren Fingerspitzen.</p><p>Es waren nicht die einfachen Blitze eines Zauberers, nicht einmal die schwersten Schl�ge eines sommerlichen Gewitters. Dies war die Inkarnation einer elementaren Kraft, die sich durch die kalte Luft bog und ihr Ziel unter den �berraschten D�monen fand. Die Luft wurde in ihre Elemente aufgespalten, als der Blitz durch sie hindurch fuhr, und sie roch scharf und bitter, wo er vor�ber gezogen war. Obwohl Khadgar wusste, dass er hier nur ein Phantom war, obwohl er wusste, dass dies eine Vision war � trotz all dieser Umst�nde und der Tatsache, dass der L�rm durch seinen geisterhaften Zustand ged�mpft wurde, verzog Khadgar das Gesicht und zuckte zur�ck vor dem Blitz und dem metallischen Grollen des mystischen Donners.</p><p>Der Blitz traf den Standartentr�ger, der den abgeschlagenen Kopf des gr�nen Drachen trug. Er verbrannte den D�mon, und jene, die um ihn herum marschierten, wurden von den Beinen gerissen. Sie fielen wie gl�hende Kohlest�cke in den Schnee. Manche von ihnen standen nicht wieder auf.</p><p>Aber die Mehrheit der Jagdgesellschaft befand sich au�erhalb des Bannkreises von Aegwynns Zauber, ob nun durch Zufall oder mit Absicht. Die D�monen, jeder von ihnen gr��er als zehn M�nner, wichen entsetzt zur�ck, aber ihre Verwirrung dauerte nur einen Moment. Der Gr��te von ihnen br�llte etwas in einer Sprache, die wie das Gel�ut gebrochener Glocken klang, und die H�lfte der D�monen flog auf. Sie breiteten ihre ledrigen Schwingen aus und stie�en auf Aegwynn (und Khadgar) zu. Die anderen zogen eiserne Pfeile und schwere B�gen aus schwarzer Eiche hervor. Als sie ihre Pfeile abschossen, entz�ndeten sich diese, und ein Regen aus Feuer erhob sich �ber den D�monen und raste auf die blonde Frau zu.</p><p>Aegwynn blieb ganz ruhig und hob in einer eleganten Bewegung eine Hand. Die Luft zwischen ihr und dem Feuerregen explodierte in einer Wand bl�ulicher Flammen, die die orange-roten Pfeile verschlang, als seien sie einfach in einen Fluss gefallen.</p><p>Doch die Pfeile hatten nur Deckung f�r die eigentlichen Angreifer sein sollen, die durch die blaue Feuerwand brachen, als diese sich aufl�ste, und die sich nun von oben auf Aegwynn st�rzten. Es mussten mindestens zwanzig sein, jeder von ihnen ein Gigant, und sie verdunkelten den Himmel mit ihren riesigen Schwingen.</p><p>Khadgar blickte auf Aegwynn und sah, dass sie l�chelte. Es war ein wissendes, selbstbewusstes L�cheln, ein L�cheln, das der junge Magier auch auf Medivhs Gesicht gesehen hatte, als dieser gegen die Orks k�mpfte. Sie war mehr als zuversichtlich.</p><p>Khadgar blickte hinab ins Tal, wo die Bogensch�tzen waren. Sie hatten ihre nutzlosen Waffen aufgegeben und sich zu einem Kreis versammelt. Nun sangen sie in einem tiefen, brummenden Ton. Die Luft verzerrte sich um sie, und ein Loch erschien in der Realit�t, eine dunkle B�sartigkeit vor dem unber�hrten Wei�. Und aus dem Loch quollen weitere D�monen � Kreaturen in allen nur erdenklichen Gestalten, mit den K�pfen von Tieren, mit flammenden Augen, mit den Schwingen von Flederm�usen und Insekten und gro�en Raubv�geln. Diese D�monen schlossen sich dem Chor in seinem schrecklichen Gesang an, und der Riss �ffnete sich weiter. Er saugte mehr und mehr von der Brut des Twisting Nether in die kalte Luft des Nordens.</p><p>Aegwynn beachtete die S�nger und die Verst�rkung nicht, sondern konzentrierte sich ganz gelassen auf jene, die sich von oben auf sie herabst�rzten.</p><p>Sie schwang eine Hand durch die Luft. Alle fliegenden Gestalten wurden vom Himmel geschmettert. Die H�lfte von ihnen verwandelte sich in Glas und zersplitterte beim Aufprall mit einem h�sslichen Misston. Jene, die noch lebten, landeten mit einem schweren, dumpfen Ger�usch und erhoben sich wieder, blutgetr�nkte Waffen in den H�nden. Es waren noch zehn �brig.</p><p>Aegwynn legte ihre linke Faust auf ihre erhobene rechte Handfl�che, und vier der �berlebenden schmolzen. Das rote Fleisch floss von ihren Knochen, w�hrend sie in die Schneewehen fielen. Sie schrien entsetzlich, bis sich ihre verfallenden Kehlen mit ihrem eigenen fl�ssig gewordenen Fleisch f�llten. Es waren noch sechs �brig.</p><p>Aegwynn griff nach der Luft, und drei weitere D�monen explodierten, als ihre Innereien sich in Insekten verwandelten und sie zerrissen. Sie hatten nicht einmal mehr Zeit zu schreien, als ihre Leiber durch Schw�rme von Stechm�cken, Bienen und Wespen ersetzt wurden, die dem kleinen Wald entgegen strebten. Es waren noch drei �brig.</p><p>Aegwynn zog ihre H�nde auseinander, und einem D�mon wurden die Arme und Beine von unsichtbaren Klauen aus dem Torso gerissen.</p><p>Noch zwei. Aegwynn hob zwei Finger, und ein D�mon verwandelte sich in Sand. Sein letzter Fluch verlor sich im kalten Wind.</p><p>Noch einer. Es war der Gr��te von ihnen, der Anf�hrer, der die Befehle gebr�llt hatte. Aus der N�he konnte Khadgar sehen, dass seine nackte Brust von Narben �bers�t war. Eine Augenh�hle war leer, in dem anderen Auge brannte der Hass.</p><p>Er griff nicht an. Auch Aegwynn r�hrte sich nicht. Stattdessen standen sie sich ein paar Sekunden lang bewegungslos gegen�ber, w�hrend sich das Tal unter ihnen mit D�monen f�llte.</p><p>Schlie�lich knurrte der riesige D�mon, und seine Stimme klang klar, wenn auch wie aus weiter Ferne an Khadgars Ohr.</p><p>�Du bist eine N�rrin, W�chterin von Tirisfal�, sagte er und passte seine Lippen m�hsam der unbequemen, menschlichen Sprache an.</p><p>Aegwynn stie� ein Lachen aus, das so scharf und d�nn war wie ein Glasdolch. �Bin ich das, Foulspawn? Ich bin gekommen, um euch die Drachenjagd zu verderben, und es scheint, als h�tte ich Erfolg gehabt.�</p><p>�Du bist zu sehr von deiner eigenen Macht geblendet, N�rrin�, sprach der D�mon mit schwerer Zunge. �W�hrend du gegen wenige gek�mpft hast, riefen meine Br�der von der Hexerei andere herbei � eine Legion von D�monen! Jeder Inkubus und kleine Teufel, jeder Alptraum und Schattenhund, jeder Dunkle Lord und Captain der Brennenden Legion, alle sind sie hierher gekommen, w�hrend du gegen diese Wenigen gek�mpft hast.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Aegwynn ruhig.</p><p>�Du <emphasis>wei�t</emphasis>?�, br�llte der D�mon mit kehligem Lachen. �Du wei�t, dass du allein in der Wildnis bist und dir alle Heerscharen der D�monen gegen�ber stehen. Du <emphasis>wei�t</emphasis>?�</p><p>�Ich wei߫, sagte Aegwynn, und in ihrer Stimme spiegelte sich das L�cheln, das auf ihren Lippen lag. �Ich wusste, du w�rdest so viele deiner Verb�ndeten rufen wie nur m�glich. Ein W�chter ist einfach ein viel zu verlockendes Ziel, als dass ihr dem widerstehen k�nntet.�</p><p>�<emphasis>Du wei�t?</emphasis>�, schrie der D�mon wieder. �Und trotzdem kamst du allein an diesen verlassenen Ort?�</p><p>�Ich wei߫, sagte Aegwynn. �Aber ich habe niemals gesagt, ich sei allein gekommen.�</p><p>Aegwynn schnippte mit den Fingern, und pl�tzlich verdunkelte sich der Himmel, als sei ein gro�er Vogelschwarm aufgest�rt worden und verdecke die Sonne.</p><p>Nur waren dies keine V�gel. Es waren Drachen. Khadgar h�tte nicht gedacht, dass �berhaupt so viele Drachen existierten. Sie schwebten auf ihren gigantischen Schwingen �ber der Landschaft und warteten auf das Signal der W�chterin.</p><p>�Foulspawn von der Brennenden Legion�, sagte Aegwynn. �Du bist es, der hier der Narr ist.�</p><p>Der D�monen-Anf�hrer stie� einen Schrei aus und reckte sein blutiges Schwert, aber Aegwynn war zu schnell f�r ihn. Sie hob eine Hand mit drei ausgestreckten Fingern. Die narbenbedeckte Brust Foulspawns l�ste sich auf und lie� nur eine Wolke blutiger Splitter zur�ck. Seine muskul�sen Arme sanken herab, seine Beine gaben nach, und er brach zusammen. Sein Gesicht, auf dem noch immer ein Blick entsetzter �berraschung eingegraben war, fiel nach vorne in den schmelzenden Schnee und verschwand.</p><p>Das war das Signal f�r die Drachen. Sie alle wandten nun ihre K�pfe der versammelten Horde der gerufenen D�monen zu. Die gro�en, fliegenden Kreaturen st�rzten herab, und Flammen schossen aus ihren ge�ffneten M�ulern. Die vorderste Reihe der D�monen wurde verbrannt, in einem einzigen Augenblick zu nicht mehr als Asche reduziert, w�hrend andere versuchten, ihre Waffen zu ziehen, ihre eigenen Zauber bereit zu machen, zu fliehen.</p><p>Im Zentrum der Armee erhob sich ein Gesang, der nun ein intensives Flehen war � und ein leidenschaftlicher Ruf. Dies waren die M�chtigsten der d�monischen Hexer, die ihre Energie konzentrierten, w�hrend die Krieger an den R�ndern die Drachen mit t�dlichen Opfern bek�mpften.</p><p>Die D�monen gruppierten sich neu und schlugen zur�ck, und auch Drachen begannen nun, vom Himmel zu fallen, ihre K�rper von eisernen Pfeilen und flammenden Blitzen durchbohrt, ihr Geist von zauberischen Giften und h�llischen Visionen heimgesucht. Doch weiter schrumpfte der Kreis um das Zentrum der D�monen, als mehr und mehr Drachen sich f�r die Jagd r�chten. Die Rufe im Zentrum wurden verzweifelter und undeutlicher.</p><p>Khadgar betrachtete Aegwynn. Sie stand stocksteif im Schnee, ihre F�uste waren geballt, ihre gr�nen Augen brannten vor Macht, und ihre Lippen hatten sich zu einem b�sen Grinsen ge�ffnet. Auch sie sang, etwas Dunkles und Unmenschliches, das Khadgar noch nie zuvor geh�rt hatte. Sie bek�mpfte den Zauber, den die D�monen gewoben hatten, aber sie entzog ihm auch Energie f�r sich selbst und formte sie zu einem Schwert, das f�r ihre H�nde bestimmt war � einer hellen Klinge, um ihre Feinde zu vernichten.</p><p>Die Schreie der D�monen im Zentrum erreichten eine fiebrige H�he, und jetzt schrie auch Aegwynn, w�hrend ein Nimbus von Energie um sie herum knisterte. Ihr Haar wehte in mystischen Winden um ihren Kopf. Sie erhob beide Arme und entlie� die letzten Worte ihrer Beschw�rung.</p><p>Und es gab einen Blitz im Zentrum der d�monischen Horde, wo die Hexer sangen und schrien und beteten. Es war ein Riss im Universum, dieses Mal ein heller Spalt, als habe sich ein Tor zur Sonne selbst ge�ffnet. Die Energie wirbelte in Spiralarmen heraus, und die D�monen hatten nicht einmal genug Zeit zu schreien, als sie sie ergriff, sie von innen heraus verbrannte und nur tote Schatten zur�cklie�, wo sie gerade noch gestanden hatten.</p><p>Alle D�monen wurden von dem Zauber erfasst und auch ein paar der Drachen, die sich dem Zentrum der d�monischen Horde zu sehr gen�hert hatten. Sie waren gefangen wie Motten in einer Flamme und starben in einem einzigen furchtbaren Augenblick.</p><p>Aegwynn stie� einen matten Atemzug aus und l�chelte. Es war das L�cheln des Wolfs, des Raubtiers, des Siegers. Wo die d�monische Horde gewesen war, stand jetzt nur noch eine Rauchs�ule, die sich als gro�e Wolke zum Himmel erhob.</p><p>Doch w�hrend Khadgar zusah, wurde die Wolke flacher und sammelte sich um sich selbst, wurde dunkler und intensiver, wie eine d�stere Gewitterfront. Doch indem sie ihre Macht konzentrierte, wurde sie st�rker, und ihr Herz wurde schw�rzer, wurde Purpur und Ebenholz.</p><p>Aus der finsteren Wolke trat ein Gott.</p><p>Es war eine titanische Gestalt, gr��er als alle Riesen der Legenden, gr��er als jeder Drache. Die Haut des Gottes sah aus, als sei sie aus Bronze gegossen, und er trug eine schwarze R�stung aus geschmolzenem Obsidian. Sein langer Bart und sein wildes Haar bestanden aus lebenden Flammen, und m�chtige H�rner ragten �ber seinen dunklen Brauen hervor. Seine Augen hatten die Farbe des Unendlichen Abgrunds. Als er seine F��e in diese Welt setzte, bebte die Erde. Er trug einen gigantischen Speer, in den Runen eingegraben waren, von denen brennendes Blut tropfte, und er hatte einen langen Schwanz, der in einem Feuerball endete.</p><p>Die �berlebenden Drachen flohen vom Schlachtfeld und suchten die Sicherheit des dunklen Waldes und der fernen Felsw�nde. Khadgar konnte es ihnen nicht ver�beln. So viel Macht Medivh auch besitzen mochte, so viel Macht seine Mutter hier bewiesen hatte, sie waren nur zwei kleine Kerzen verglichen mit der w�tenden Feuersbrunst der Macht dieses D�monenlords.</p><p>�Sargeras�, zischte Aegwynn.</p><p>�W�chterin�, donnerte der gro�e D�mon mit einer Stimme, die so tief war wie der Ozean. In der Ferne zerbarsten die eisigen Klippen, als sie sein h�llisches Organ als Echo zur�ckwerfen wollten.</p><p>Die W�chterin richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf und sagte: �Ich habe dein Spielzeug zerbrochen. Wir sind hier fertig. Flieh, so lange du noch dein Leben hast.�</p><p>Khadgar sah die W�chterin an, als habe sie den Verstand verloren. Selbst er konnte sehen, dass sie von ihrem Kampf ersch�pft war, fast so leer wie Khadgar nach seiner Konfrontation mit den Orks. Sicher durchschaute der titanische D�mon ihre List. Das Epos sprach von Aegwynns Sieg. W�rde Khadgar stattdessen Zeuge ihres Todes werden?</p><p>Sargeras lachte nicht, aber seine Stimme donnerte �ber das Land hinweg und dr�ckte es nieder, auch den geisterhaften Khadgar.</p><p>�Die Zeit von Tirisfal ist zu Ende�, erkl�rte der D�mon. �Diese Welt wird bald der Invasion der Brennenden Legion zum Opfer fallen.�</p><p>�Nicht so lange es einen W�chter gibt�, sagte Aegwynn. �Nicht so lange ich lebe und jene, die nach mir kommen.� Ihre Finger schlossen sich, und Khadgar konnte sehen, dass sie Macht in sich hinein zog, ihren Geist, ihren Willen und ihre Energie f�r einen gro�en Angriff konzentrierte. Khadgar trat einen Schritt zur�ck, dann noch einen, dann einen dritten. Wenn sein �lteres Selbst ihn in der Vision hatte sehen k�nnen, wenn der junge Medivh ihn hatte sehen k�nnen, konnten ihn dann nicht auch diese beiden gro�en M�chte, Zauberin und Monster, wahrnehmen?</p><p>Oder war er vielleicht zu klein, um von Wesen wie ihnen bemerkt zu werden?</p><p>�Ergib dich jetzt�, sagte Sargeras. �Ich k�nnte jemanden von deiner St�rke gebrauchen.�</p><p>�Nein�, sagte Aegwynn, ihre H�nde zu festen F�usten geballt.</p><p>�Dann stirb, W�chterin, und lass deine Welt mit dir sterben�, sagte der titanische D�mon und hob seinen blutenden Runenspeer.</p><p>Aegwynn riss beide H�nde in die H�he und entlie� einen wilden Schrei, halb Fluch, halb Gebet. Ein flammender Regenbogen von Farben, wie man ihn auf dieser Welt noch nie gesehen hatte, brach aus ihren Handfl�chen hervor und schl�ngelte sich nach oben wie ein lebender Blitz. Er drang wie ein Dolch ins Zentrum von Sargeras� Brust ein.</p><p>Der Angriff schien Khadgar wie ein Bogenschuss, der gegen ein Schiff abgefeuert wurde, ebenso klein, ebenso wirkungslos. Doch Sargeras stolperte unter dem Schlag, wurde einen halben Schritt zur�ckgeworfen und lie� seinen gro�en Speer fallen. Die Waffe schlug auf den Boden wie ein Meteorit, der in die Erde f�hrt. Der Schnee kr�uselte sich unter Khadgars F��en. Er fiel auf ein Knie, blickte aber weiter zum D�monen-Lord auf.</p><p>Wo Aegwynns Zauber den D�mon getroffen hatte, dehnte sich Finsternis aus. Nein, nicht Finsternis, eher K�lte. Das hei�e, bronzene Fleisch des Titanen starb und wurde durch eine kalte, leblose Masse ersetzt. Sie breitete sich vom Zentrum seiner Brust aus wie eine Feuersbrunst und verschlang das d�monische Fleisch.</p><p>Sargeras betrachtete die sich ausweitende Vernichtung mit �berraschung, dann Besorgnis, dann Furcht. Er hob eine Hand, um sie zu ber�hren, und sie sprang auch auf seine Finger �ber, fra� sich den Arm hinauf und verwandelte ihn in eine tote Masse rauen, schwarzen Metalls. Nun begann Sargeras einen eigenen Zauber zu singen. Er zog alle Energie, die er besa�, zusammen, um den Prozess umzukehren, um die Flut zu stoppen, um das ihn verschlingende Feuer zu l�schen. Seine Worte wurden hei�er und leidenschaftlicher, und seine noch nicht angegriffene Haut flackerte vor leuchtender Energie. Er strahlte wie eine Sonne und schrie Fl�che, als die dunkle K�lte den Ort erreichte, wo sein Herz sein musste.</p><p>Und dann gab es einen weiteren Blitz. Dieser war ebenso intensiv wie jener, der die D�monenhorde verschlungen hatte, und er konzentrierte sich auf Sargeras. Khadgar sah weg, blickte auf Aegwynn, die zuschaute, wie das Feuer und die Finsternis ihren Feind verschlangen. Das grelle Leuchten lie� selbst das Tageslicht verblassen, und lange Schatten dehnten sich hinter der Zauberin aus.</p><p>Und dann war es vor�ber. Khadgar blinzelte, als das Sehverm�gen seiner Augen zur�ckkehrte. Er wandte sich wieder dem Tal zu, und dort stand der titanische Sargeras, leblos wie eine Statue aus Eisen. Die Macht war aus ihm herausgebrannt. Unter seinem Gewicht begann der erhitzte arktische Boden nachzugeben, und langsam fiel die tote Gestalt nach vorne. Sie blieb heil, als sie zu Boden schmetterte.</p><p>F�r einige Sekunden herrschte Stille.</p><p>Dann lachte Aegwynn. Khadgar blickte sie an, und sie sah ausgezehrt aus, sowohl von Ersch�pfung als auch von Wahnsinn. Sie rieb sich die H�nde und kicherte und begann, zu dem gest�rzten Titanen hinabzusteigen. Khadgar bemerkte, dass sie nicht l�nger leichten Fu�es �ber den Schnee glitt, sondern sich jetzt ihren Weg den H�gel hinabschleppen musste.</p><p>Als sie ihn verlie�, begann die Bibliothek zur�ckzukehren. Der Schnee l�ste sich in dicke Dampfwolken auf, und die schattenhaften Umrisse der Regale, der oberen Galerie und der St�hle wurden langsam wieder sichtbar.</p><p>Khadgar wandte leicht den Kopf dorthin, wo der Tisch h�tte sein sollen, und alles war wieder normal. Die Bibliothek stellte ihre Realit�t mit sicherer Pl�tzlichkeit wieder her.</p><p>Khadgar stie� einen frostigen Atemhauch aus und rieb sich die H�nde. K�hl, aber nicht kalt. Der Zauber hatte ziemlich gut funktioniert � im Gro�en und Ganzen, wenn auch nicht in allen Einzelheiten. Er hatte eine Vision gerufen, wenn auch nicht die gew�nschte. Die Frage war, was schiefgelaufen war, und wie man das Problem am Besten l�ste.</p><p>Der junge Magier griff nach seinem Schreiber-Beutel und zog einen leeren Streifen Pergament und Werkzeuge heraus. Er steckte eine Metallfeder auf das Ende des Griffels, schmolz etwas von der Octopus-Tinte in einer Schale und begann schnell alles aufzuschreiben, was geschehen war, vom Beginn des Zaubers bis zu Aegwynns tiefem Einsinken in den Schnee, als sie davonging.</p><p>Stunden sp�ter schrieb er immer noch, als ein kr�nkliches Husten in der T�r zu h�ren war. Khadgar war so in seinen Gedanken versunken, dass er den greisen Diener nicht bemerkte, bis Moroes ein zweites Mal hustete.</p><p>Khadgar blickte leicht irritiert auf. Da war etwas Wichtiges, das er niederschreiben wollte, aber es fiel ihm nicht mehr ein. Eine Bewegung im Augenwinkel seines Geistes.</p><p>�Der Magus ist zur�ck�, verk�ndete Moroes. �Will dich im Observatorium sehen.�</p><p>Khadgar blickte Moroes ein paar Sekunden lang mit leeren Augen an, bevor die Worte in seinen Geist sickerten. �Medivh ist zur�ck?�, gelang es ihm schlie�lich hervorzubringen.</p><p>�Das habe ich gesagt�, �chzte Moroes. Er schien jedes Wort nur widerwillig auszusprechen. �Du wirst mit ihm nach Stormwind fliegen.�</p><p>�Stormwind? Ich? Warum?� fragte der junge Magier.</p><p>�Weil du sein Sch�ler bist, darum�, versetzte Moroes m�rrisch. �Observatorium. Ich habe schon die Greife gerufen.�</p><p>Khadgar blickte auf seine Arbeit, Zeile um Zeile in ordentlicher Handschrift, die jedes Detail genau beschrieb. Aber da war noch etwas, das er vergessen hatte. Stattdessen sagte er: �Ja. Ja. Ich werde meine Sachen zusammensuchen. Das hier zu Ende schreiben.�</p><p>�Lass dir Zeit�, sagte der Kastellan. �Es ist nur der Magus, der mit dir nach Stormwind fliegen will. Nichts Wichtiges.� Und Moroes verschwand wieder im Gang. �Observatorium�, lie� er noch einmal seine Stimme h�ren, fast wie einen nachtr�glichen Einfall.</p><p><emphasis>Stormwind!</emphasis>, dachte Khadgar. <emphasis>K�nig Llanes Burg!</emphasis> Was konnte so wichtig sein, dass er dorthin gehen musste? Vielleicht ein Bericht �ber die Orks?</p><p>Khadgar blickte von seinem Pergament auf. Die Nachricht von Medivhs R�ckkehr und ihrem baldigen Aufbruch hatte seine Gedanken unterbrochen, und jetzt war sein Geist bei der neuen Mission. Er blickte auf die letzten Worte, die er geschrieben hatte.</p><p><emphasis>Aegwynn hat zwei Schatten</emphasis>, stand dort.</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. Welchen Weg sein Geist auch immer gerade genommen hatte, er hatte ihn verloren. Er l�schte sorgf�ltig die �bersch�ssige Tinte ab, damit sie nicht schmierte, und legte das Pergament zur Seite. Dann sammelte er sein Werkzeug zusammen und eilte in sein Quartier. Er w�rde sich umziehen m�ssen. F�r den Ritt auf einem Greifen ben�tigte er Reisekleidung. Und es war wohl besser, seinen guten Zaubermantel einzupacken, falls er dem K�nig begegnen sollte.</p></section><section><title><p>7</p><p>Stormwind</p></title><p>Bis zu diesem Zeitpunkt war das gr��te Geb�ude, das Khadgar jemals gesehen hatte, die Violette Zitadelle auf der Kreuzinsel vor den Toren der Stadt Dalaran gewesen. Die majest�tischen T�rme und gro�en Hallen der Kirin Tor, mit ihren D�chern aus dickem Schiefer in der Farbe von Lapislazuli, die der Zitadelle ihren Namen gaben, hatten Khadgar stets mit besonderem Stolz erf�llt, da auch er dort zuhause war. Nichts, nicht einmal Medivhs Turm, war bei all seinen Reisen durch Lordaeron und nach Azeroth auch nur ann�hernd dem ehrw�rdigen Glanz der Zitadelle der Kirin Tor nahe gekommen.</p><p>Bis er nach Stormwind kam.</p><p>Wie zuvor waren sie die ganze Nacht hindurch geflogen, und dieses Mal war der junge Magier �berzeugt, zwischenzeitlich geschlafen zu haben, w�hrend er auf seinem Greifen durch die frostige Nachtluft ritt. Welches Wissen Medivh auch immer in seinen Geist gepflanzt hatte, es funktionierte weiterhin, denn Khadgar war sich sicher in seiner F�higkeit, das gefl�gelte Raubtier mit den Knien zu lenken, und f�hlte sich auf dessen R�cken wie zuhause. Der Teil seines Gehirns, in dem das Wissen ruhte, f�hlte dieses Mal keinen Schmerz, sondern nur ein leichtes Pochen, als sei das geistige Gewebe verheilt und habe eine kleine Narbe hinterlassen. Sein Verstand nahm das Wissen in seinem Innern auf, doch er empfand es noch immer als etwas Fremdes.</p><p>Er erwachte, als die Sonne am Horizont hinter ihm aufging, und geriet f�r einen Moment in Panik, was das gro�e Flugtier dazu brachte, eine weiche Kurve zu fliegen, die es aus Medivhs �Kielwasser� fortzog. Aber Khadgar brachte es sofort wieder unter seine Kontrolle, und als er aufblickte, lag vor ihm Stormwind und leuchtete in der Morgensonne.</p><p>Die Stadt war eine Zitadelle aus Gold und Silber. Die Mauern gl�nzten im Fr�hlicht wie ein Kelch, den ein Kastellan gerade erst geputzt hatte, und schienen ein eigenes Strahlen zu besitzen. Die D�cher glitzerten als w�ren sie aus Silber gefertigt, und f�r einen Augenblick meinte Khadgar, sie seien mit unz�hligen kleinen Edelsteinen besetzt.</p><p>Der junge Magier blinzelte und sch�ttelte den Kopf. Die goldenen Mauern wurden zu normalem Stein, der jedoch an einigen Stellen gro�artig schimmerte und an anderen mit komplexen Schnitzereien verziert war. Die silbernen D�cher waren nur dunkler Schiefer, und was er f�r Edelsteine gehalten hatte, war der morgendliche Tau, der die Sonne in allen Farben des Regenbogens zur�ckwarf.</p><p>Und doch war Khadgar weiterhin �ber die Gr��e der Stadt erstaunt. Sie war so gewaltig wie irgendeine Stadt in Lordaeron, wenn nicht noch gr��er, und aus der H�he betrachtet breitete sie sich in ihrer ganzen Herrlichkeit vor ihm aus. Er z�hlte drei Ringe von Mauern, die sich wie B�nder um die zentrale Burg zogen, und kleinere W�lle, die unterschiedliche Bezirke abtrennten. Wohin auch immer er blickte, stets breitete sich noch mehr Stadt unter ihm aus.</p><p>Selbst jetzt, in den Morgenstunden, gab es wimmelnde Bewegung darin. Rauch stieg von Feuern auf, und die Menschen sammelten sich bereits auf den offenen Marktpl�tzen und dem Gemeindeland. Gro�e Wagen rumpelten aus den Stadttoren und brachten Bauern zu den gepflegten, ordentlich wirkenden Feldern, die sich vor den Mauern der Stadt ausbreiteten und fast bis zum Horizont erstreckten.</p><p>Khadgar konnte die H�lfte der Geb�ude nicht identifizieren. Gro�e T�rme mochten, so weit er es beurteilen konnte, Universit�ten oder Kornspeicher sein. Eine brandende Fluss-Kaskade wurde von gewaltigen Wasserr�dern genutzt, doch zu welchem Zweck, war nicht zu ersehen. Eine pl�tzliche Flamme schoss weit zu seiner Rechten auf und mochte von einer Gie�erei, einem gefangenen Drachen oder irgendeinem schweren Unfall r�hren. Es war ihm ein R�tsel.</p><p>Stormwind war die gr��te Stadt, die Khadgar jemals gesehen hatte, und in ihrem Herzen lag Llanes Burg.</p><p>Es konnte keine andere sein. Hier schienen die Mauern tats�chlich aus Gold zu bestehen, und die Fenster waren mit Silber beschlagen. Das Dach war mit blauem Schiefer gedeckt, der tief und luxuri�s wie ein Saphir anmutete, und auf den Myriaden von T�rmen konnte Khadgar Flaggen mit dem L�wenkopf von Azeroth erkennen, dem Zeichen von K�nig Llanes Hofstaat und Symbol des Reiches.</p><p>Der Burg-Komplex schien eine eigene Stadt in der umgebenden Metropole zu sein, mit zahllosen Seitengeb�uden, T�rmen und Hallen. Schmale Br�cken spannten sich zwischen hohen Geb�uden und waren so lang, dass Khadgar �berzeugt war, sie m�ssten durch Magie gest�tzt werden.</p><p>Vielleicht konnte eine solche Struktur wirklich nur von Magie geschaffen sein, dachte er und erkannte, dass dies m�glicherweise der Hauptgrund daf�r war, dass Medivh hier so sehr gesch�tzt wurde.</p><p>Der �ltere Magier hob eine Hand und kreiste um einen bestimmten Turm, dessen oberstes Stockwerk eine Plattform ohne Br�stung bildete. Medivh zeigte nach unten. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal. Er wollte, dass Khadgar zuerst landete.</p><p>Khadgar griff auf seine vernarbten Erinnerungen zu und brachte den gro�en Greif elegant nach unten. Das gro�e, adlerk�pfige Tier warf seine Schwingen zur�ck wie ein gro�es Segel und verlangsamte den Flug, bis es sanft landete.</p><p>Auf dem Turm wartete bereits eine Delegation. Eine Gruppe von Dienern in blauer Livree kam angelaufen, um die Z�gel zu nehmen und dem Kopf des Greifen eine schwere M�tze �berzuziehen. Die fremden Erinnerungen sagten Khadgar, dass diese M�tze etwas �hnliches wie die Kappe eines Falkners war und die Sicht des Raubvogels einschr�nkte. Ein anderer Diener brachte einen Eimer mit warmen Kuh-Innereien und stellte ihn vorsichtig vor dem schnappenden Schnabel des Greifen ab.</p><p>Khadgar glitt vom R�cken des Tiers und wurde herzlich von Lord Lothar pers�nlich begr��t. Der stattliche Mann wirkte in seiner prunkvollen Robe, �ber der ein ziselierter Brustharnisch lag, sogar noch gr��er als sonst. Ein filigran verzierter Umhang hing �ber seinen Schultern.</p><p>�Sch�ler!�, rief Lothar und verschlang Khadgars Hand regelrecht mit seiner gro�en, fleischigen Pranke. �Gut zu sehen, dass du es noch immer bei ihm aush�ltst!�</p><p>�Mylord�, sagte Khadgar und versuchte unter dem schmerzhaften H�ndedruck des gr��eren Mannes keine Miene zu verziehen. �Wir sind die ganze Nacht hindurch geflogen. Ich ��</p><p>Der Rest von Khadgar Satz wurde von einem aufgeregten Geflatter und dem panischen Kreischen eines Greifen �bert�nt. Medivhs Reittier st�rzte vom Himmel, und der Magus landete weit weniger elegant als sein Sch�ler zuvor. Der m�chtige Greif glitt �ber die ganze Breite des Turms und st�rzte beinahe auf der anderen Seite wieder hinunter. Medivh riss hart an den Z�geln. Die gro�en Vorderklauen des Tieres umklammerten die Turmmauer, und der �ltere Magier kippte fast �ber die Seite.</p><p>Khadgar wartete keinen Kommentar Lord Lothars ab, sondern st�rzte vor, w�hrend ihm die Menge der blaugekleideten Diener folgte. Lothar rumpelte schwerf�llig hinter ihnen her.</p><p>Medivh war bereits abgestiegen, als sie bei ihm ankamen, und reichte die Z�gel an den ersten der Diener weiter, der ihn erreichte. �Verdammter Seitenwind!�, fluchte der Magus. �Ich habe immer gesagt, dass dies genau der falsche Ort f�r ein Aviarium ist, aber hier h�rt ja niemand auf Zauberer. � Gute Landung, Junge�, f�gte er mit einem Blick auf Khadgar hinzu, w�hrend die Diener seinen Greif umschw�rmten und versuchten, das Tier zu beruhigen.</p><p>�Med�, sagte Lothar und hielt ihm eine Hand zum Gru� entgegen. �Es ist gut, dass du kommen konntest.�</p><p>Medivh blickte ihn nur verdrie�lich an. �Ich kam so schnell ich konnte�, schnaubte er und reagierte offenbar auf irgendeinen Affront, der Khadgar vollkommen entgangen war. �Manchmal m�sst ihr schon ohne mich klarkommen, wei�t du.�</p><p>Wenn Lothar �ber Medivhs Laune �berrascht war, so lie� er sich nichts anmerken. �Jedenfalls gut, dich zu sehen. Seine Majest�t ��</p><p>�� wird warten m�ssen�, beendete Medivh den Satz f�r ihn. �Bring mich jetzt in die fragliche Kammer. Nein, ich kenne den Weg selbst. Du hast gesagt, es waren Huglar und Hugarin. Hier entlang also.� Und mit diesen Worten schritt der Magus bereits davon, auf die Seitentreppe zu, die sich zum eigentlichen Turm hinab wand. �F�nf Ebenen tiefer, dann eine Verbindungsbr�cke, dann drei Ebenen hinauf! Scheu�licher Ort f�r ein Aviarium!�</p><p>Khadgar blickte Lothar an. Der gr��ere Mann rieb sich mit der fleischigen Hand �ber den kahlen Sch�del und sch�ttelte den Kopf. Dann folgte er dem Zauberer, und auch Khadgar zog hinter ihm her.</p><p>Medivh war verschwunden, als sie den Fu� der Wendeltreppe erreichten, doch eine Litanei von Beschwerden und gelegentlichen Fl�chen war von weit vor ihnen zu h�ren und wurde langsam leiser.</p><p>�Er befindet sich ja in einer ziemlich schlechten Laune�, sagte Lothar. �Ich bringe dich zur Kammer der Magier. Dort werden wir ihn finden.�</p><p>�Er war letzte Nacht sehr unruhig�, sagte Khadgar, um sich f�r seinen Meister zu entschuldigen. �Er war fort gewesen, und offenbar erreichte Euer Ruf den Turm kurz nachdem er zur�ckgekehrt war.�</p><p>�Hat er dir erz�hlt, worum es bei diesem ganzen �rger geht, Sch�ler?�, fragte Lothar. Khadgar musste verneinen.</p><p>Der Champion Anduin Lothar runzelte die Stirn. �Zwei der gro�en Zauberer von Azeroth sind tot, ihre K�rper fast zur Unkenntlichkeit verbrannt, ihre Herzen aus der Brust gerissen. Sie wurden in ihrer Kammer ermordet, und es gibt Indizien �� Lord Lothar z�gerte einen Moment, als suche er nach den richtigen Worten. �Es gibt Indizien, die auf d�monische Aktivit�t hinweisen. Darum sandte ich meinen schnellsten Boten, um den Magus zu holen. Vielleicht kann er uns sagen, was hier geschehen ist.�</p><empty-line/><p>�Wo sind die Leichen?�, schrie Medivh, als Lothar und Khadgar ihn schlie�lich einholten. Sie befanden sich hoch oben in einem anderen Turm der Burg, und die Stadt breitete sich hinter einem gro�en offenen Fenster aus, das gegen�ber der T�r lag.</p><p>Der Raum war ein einziges Chaos und wirkte, als sei er von Orks durchsucht worden � von schlampigen Orks! Jedes Buch war aus dem Regal gerissen worden, alle Schriftrollen lagen aufgerollt �ber die Kammer verteilt, viele von ihnen zerfetzt. Alchemistische Ger�te waren zerschmettert, Pulver und Salben �ber den Boden verstreut worden.</p><p>Im Zentrum des Raumes befand sich ein Symbol der Macht, und eine Inschrift war in den Boden selbst eingegraben. Der Ring bestand aus zwei konzentrischen Kreisen, zwischen denen magische Worte zu lesen waren. Die Einschnitte im Boden waren tief und mit einer klebrigen, dunklen Fl�ssigkeit gef�llt. Es gab zwei riesige Brandflecken auf dem Boden, jeder so gro� wie ein Mann. Sie befanden sich zwischen dem Ring und dem Fenster.</p><p>Solche eingeschnittenen Kreise dienten nur einem Zweck, das wusste Khadgar. Der Bibliothekar der Violetten Zitadelle hatte ihn stets vor ihnen gewarnt.</p><p>�Wo <emphasis>sind</emphasis> die Leichen?�, wiederholte Medivh, und Khadgar war froh, dass er nicht derjenige war, der diese Frage beantworten musste. �Wo sind die �berreste von Huglar und Hugarin?�</p><p>�Wir haben sie kurz, nachdem wir sie fanden, entfernt�, erkl�rte Lothar ruhig. �Es w�re unziemlich gewesen, sie hier zu lassen. Wir wussten nicht, wann du kommen w�rdest.�</p><p>�Ihr wusstet nicht, <emphasis>ob</emphasis> ich kommen w�rde, willst du wohl sagen�, schnappte Medivh. �In Ordnung. In Ordnung. Wir k�nnen immer noch etwas retten. Wer war in diesem Raum?�</p><p>�Die Zauberer-Lords Huglar und Hugarin ��, begann Lothar.</p><p>�Nat�rlich�, zischte Medivh scharf. �Sie m�ssen ja hier gewesen sein, sonst h�tten sie nicht hier sterben k�nnen. Wer noch?�</p><p>�Einer ihrer Diener hat sie gefunden�, fuhr Lothar fort. �Dann wurde ich gerufen. Und ich brachte ein paar Wachleute mit, um die Leichen hinauszutragen. Sie sind noch nicht bestattet worden � wenn du sie untersuchen willst ��</p><p>Medivh war bereits tief in Gedanken versunken. �Hmm. Egal. Darum k�nnen wir uns sp�ter k�mmern. Also ein Diener, du selbst und ungef�hr vier Wachleute, w�rdest du sagen? Und jetzt ich und mein Sch�ler. Sonst niemand?�</p><p>�Niemand, der mir einfiele�, sagte Lothar.</p><p>Der Magus schloss die Augen und murmelte ein paar Worte in seinen Bart. Es mochte ein Fluch oder ein Zauber sein. Dann sprangen seine Augen wieder auf. �Interessant. Mein Vertrauen!�</p><p>Khadgar zog tief den Atem ein. �Lord Magus.�</p><p>�Ich brauche deine Jugend und Unerfahrenheit. Meine abgestumpften, alten Augen sehen vielleicht nur das, was sie zu sehen erwarten. Ich brauche frische Augen. Hab jetzt keine Angst, Fragen zu stellen. Komm hierher. Stell dich in die Mitte der Kammer. Nein, geh nicht �ber den Ring. Wir wissen nicht, ob ihm noch ein Zauber anhaftet. Stell dich hierhin. Jetzt. Was sp�rst du?�</p><p>�Ich sehe den zerst�rten Raum�, begann Khadgar.</p><p>�Ich sagte nicht �Sehen��, tadelte ihn Medivh. �Ich sagte �Sp�ren�!�</p><p>Khadgar atmete tief ein und wob einen kleinen Zauber, der dazu diente, die Sinne zu sch�rfen und normalerweise half, verlorene Dinge zu finden. Es war ein einfacher Wahrsage-Zauber, wie er ihn Hunderte Male in der Violetten Zitadelle benutzt hatte. Er eignete sich besonders gut daf�r, Dinge zu finden, die andere verborgen halten wollen.</p><p>Doch schon bei den ersten Worten seines Zauber-Gesangs f�hlte Khadgar, dass hier etwas anderes war. Die Magie in diesem Raum besa� eine seltsame Tr�gheit. Oft strahlte Magie ein Gef�hl der Leichtigkeit und Energie aus, aber diese hier f�hlte sich dickfl�ssig an, beinahe fest, und legte sich schwer und erstickend auf die Lungen des jungen Zauberers. Khadgar hatte so etwas noch nie zuvor gesp�rt und fragte sich, ob es an den Symbolen der Macht lag oder an den Kr�ften und Beschw�rungen der nun toten Zauberer.</p><p>Es war ein miefiges Gef�hl, wie abgestandene Luft in einem Raum, der jahrelang verschlossen war. Khadgar versuchte, die Energien zusammenzuziehen, aber sie schienen sich zu wehren, folgten seinen W�nschen nur mit gr��tem Widerwillen.</p><p>Khadgars Gesicht wurde hart, als er versuchte, mehr von der Macht dieses Raumes, von seinen magischen Energien, in sich selbst zu ziehen. Der Zauber, den er anwandte, war von einfacher Natur. Wenn �berhaupt, so h�tte er an einem Ort wie diesem, wo Beschw�rungen allt�glich waren, einfacher zu wirken sein sollen.</p><p>Und pl�tzlich sp�lte die dicke, �bel riechende Magie �ber den jungen Zauberer hinweg. Sie war auf ihm und �berall um ihn herum, als habe er den Stein ganz unten herausgezogen und damit die ganze Wand �ber sich zum Einsturz gebracht. Sie begrub ihn unter sich. Die Macht der dunklen, schweren Magie fiel auf ihn wie eine erstickende Decke, zertr�mmerte den Zauber unter sich und stie� Khadgars K�rper auf die Knie. Er schrie.</p><p>Medivh war sofort an seiner Seite und half ihm wieder auf die Beine. �Ganz ruhig�, sagte der Magus. �Du hast gr��eren Erfolg gehabt, als ich es erwartete. Guter Versuch. Exzellente Arbeit.�</p><p>�Was ist das?�, gelang es Khadgar hervorzupressen. �So etwas habe ich noch nie gef�hlt. Schwer. Widerlich. Erstickend.�</p><p>�Das ist gut�, sagte Medivh. �Gut, dass du es gef�hlt hast. Gut, dass du durchgehalten hast. Die Magie ist an diesem Ort grauenhaft pervertiert, ein Fluch dessen, was fr�her hier geschehen ist.�</p><p>�Ihr meint, wie ein Spuk?�, fragte Khadgar. �Selbst in Karazhan habe ich niemals ��</p><p>�Nein, nicht so�, sagte Medivh. �Etwas viel Schlimmeres. Die beiden toten Zauberer haben D�monen beschworen. Es ist dieser Fluch, den du sp�rst, diese Schwere der Magie. Ein D�mon war hier. Das hat Huglar und Hugarin get�tet, diese armen Narren.�</p><empty-line/><p>F�r einen Augenblick herrschte dr�ckende Stille in der Kammer. Dann sagte Lothar: �D�monen? In den T�rmen des K�nigs? Ich kann nicht glauben, dass ��</p><p>�Oh, glaub es ruhig�, sagte Medivh. �Egal, wie gelehrt ein Zauberer ist, wie weise und wundervoll, wie m�chtig und stark, es gibt immer noch einen Splitter der Macht, ein Mehr an Wissen, ein weiteres Geheimnis, das jeder Magier herausfinden will. Ich glaube, Huglar und Hugarin sind in diese Falle getappt und haben M�chte von der anderen Seite des Gro�en Dunklen Jenseits beschworen. Und daf�r mussten sie den Preis bezahlen. Narren. Sie waren Freunde und Kollegen, aber sie waren, was das angeht, t�richte Narren.�</p><p>�Aber wie?�, fragte Lothar. �Sicher gab es Schutzvorkehrungen. Abwehrzauber. Dies hier auf dem Boden ist ein mystisches Symbol der Macht.�</p><p>�Und leicht durchschlagen worden, leicht durchbrochen�, sagte Medivh und beugte sich �ber den Ring, auf dem das getrocknete Blut der beiden Magier glitzerte. Er griff hinab und hob einen d�nnen Strohhalm auf, der �ber den erkalteten Steinen gelegen hatte. �Aha! Ein Halm von einem Besen. Wenn der hier lag, als sie ihre Beschw�rung begannen, dann konnten alle Beschw�rungen und Amulette der Welt sie nicht sch�tzen. F�r den D�mon war der Kreis nicht mehr als ein Bogen, ein Tor in diese Welt. Er trat mit brennendem H�llenfeuer heraus und griff die armen Narren an, die ihn in diese Welt geholt hatten. Ich habe so etwas schon fr�her gesehen.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. Die dicke Finsternis, die von allen Seiten auf ihm zu lasten schien, wich ein wenig, und er konnte seinen Geist wieder sammeln. Er blickte sich in der Kammer um. Sie war bereits ein Katastrophengebiet � der D�mon hatte bei seinem Angriff alles zerst�rt. Wenn es einen Besen-Halm gegeben und dieser den Kreis durchbrochen hatte, w�re er sicher w�hrend des Kampfes an einen anderen Platz bewegt worden.</p><p>�Wie wurden die Leichen gefunden?�, fragte Khadgar.</p><p>�Was?�, zischte Medivh mit einer Sch�rfe, die Khadgar beinahe zusammenzucken lie�.</p><p>�Es tut mir Leid�, entschuldigte sich Khadgar schnell. �Ihr sagtet, ich solle Fragen stellen.�</p><p>�Ja, ja, nat�rlich�, sagte Medivh, aber der hitzige Ton seiner Stimme k�hlte nur wenig ab. Zum Champion des K�nigs sagte er: �Nun, Anduin Lothar, wie wurden die Leichen gefunden?�</p><p>�Als ich hereinkam, lagen sie auf dem Boden. Der Diener hatte sie nicht bewegt�, sagte Lothar.</p><p>�Mit den Gesichtern nach oben oder nach unten?�, fragte Khadgar so ruhig er nur konnte. Er sp�rte den eisigen Blick des Magus. �Die K�pfe dem Kreis zugewandt oder dem Fenster?�</p><p>Lothars Gesicht verd�sterte sich, als er an den grauenhaften Anblick zur�ckdachte. �Dem Kreis zugewandt. Und mit den Gesichtern nach unten. Ja, ich bin mir sicher. Sie waren am ganzen K�rper schwer verbrannt, und wir mussten sie umdrehen, um sicherzugehen, dass es sich um Huglar und Hugarin handelte.�</p><p>�Worauf willst du hinaus, mein Vertrauen?�, fragte der Magus, der jetzt am offenen Fenster sa� und sich den Bart strich.</p><p>Khadgar blickte auf die beiden Brandflecken zwischen dem gescheiterten Schutzkreis und dem Fenster und versuchte, von ihnen als Leichen zu denken und nicht als einst lebende Zauberer. �Wenn man jemanden von vorne trifft, f�llt er nach hinten. Wenn man jemanden von hinten trifft, f�llt er nach vorne. War das Fenster offen, als Ihr hier eingetroffen seid?�</p><p>Lothar blickte auf das offene Fenster. Die gro�e Stadt, die dahinter ausgebreitet lag, war f�r einen Augenblick vergessen. �Ja. Nein. Ja, ich glaube schon. Aber es k�nnte von dem Diener ge�ffnet worden sein. Hier herrschte ein schrecklicher Gestank. Das hatte zuerst die Aufmerksamkeit des Dieners auf sich gezogen. Ich kann ihn fragen.�</p><p>�Nicht n�tig�, sagte Medivh. �Das Fenster stand wahrscheinlich offen, als dein Diener eintrat.� Der Magus erhob sich und trat zu den Brandflecken. �Also glaubst du, mein Vertrauen�, sagte er, �dass Huglar und Hugarin hier standen und den magischen Kreis beobachteten, w�hrend etwas durch das Fenster hereinkam und sie von hinten traf.� Zur Untermalung dieser These schlug er sich selbst mit der offenen Handfl�che auf den Hinterkopf. �Sie fielen nach vorne und verbrannten in dieser Position.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Khadgar. �Ich meine, es ist eine Theorie.�</p><p>�Eine gute�, sagte Medivh. �Aber eine falsche, f�rchte ich. Zun�chst einmal w�rden die beiden Magier dort stehen und auf �berhaupt nichts blicken, <emphasis>es sei denn</emphasis>, sie behielten den magischen Kreis im Auge. Also beschworen sie einen D�mon. Solch ein Ring wird zu keinem anderen Zweck benutzt.�</p><p>�Aber ��, begann Khadgar, doch der Magus erstickte die Worte mit einem durchdringenden Blick.</p><p>�<emphasis>Und</emphasis>�, fuhr Medivh fort, �w�hrend deine Theorie bei einem einzelnen Angreifer mit einem Stock oder einem Kn�ppel funktionieren w�rde, funktioniert sie nicht so gut bei den dunklen Energien der D�monen. H�tte die Bestie Feuer geatmet, h�tte sie die beiden Zauberer stehend erwischen k�nnen. Der D�mon h�tte sie get�tet, und w�hrend die M�nner brannten, fielen ihre K�rper nach vorne. Du hast gesagt, die Leichen seien vorne und hinten verbrannt gewesen?� Mit dieser Frage wandte er sich an Lothar.</p><p>�Ja�, sagte der Champion des K�nigs.</p><p>Medivh hielt eine Handfl�che vor sich. �D�mon atmet Feuer. Verbrennt von vorne. Huglar � oder Hugarin � f�llt nach vorne, Flammen breiten sich auf dem R�cken aus � Es sei denn, der D�mon trifft Hugarin � oder Huglar � in den R�cken, dreht die Leiche dann um, um sicherzustellen, dass auch die Vorderseite verbrannt wird, dreht sie dann wieder um. Sehr unwahrscheinlich. D�monen gehen nicht so methodisch vor.�</p><p>Khadgar f�hlte, wie sich die W�rme eines peinlichen Err�tens auf sein Gesicht legte. �Es tut mir Leid. Es war nur eine Theorie.�</p><p>�Und eine gute�, wiederholte Medivh schnell. �Nur falsch, das ist alles. Du hast Recht. Und das Fenster steht offen, denn so hat der D�mon den Turm verlassen. Er ist jetzt frei in der Stadt unterwegs.�</p><p>Lothar unterdr�ckte einen Fluch und sagte: �Bist du dir sicher?�</p><p>Medivh nickte. �Absolut. Aber er wird sich wahrscheinlich f�r den Augenblick verstecken und zur�ckhalten. Auch wenn er zwei Narren wie Huglar und Hugarin �berrascht hat und t�ten konnte, muss das die Kr�fte eines normalen D�mons sehr ersch�pft haben. Deshalb habt ihr auch bisher noch nichts Neues von ihm geh�rt.�</p><p>�Ich kann sofort Suchmannschaften organisieren�, erkl�rte Lothar.</p><p>�Nein�, sagte Medivh. �Ich will diese Sache selbst erledigen. Es n�tzt nichts, gute Leben den schlechten hinterher zu werfen. Aber ich muss nat�rlich die Leichen sehen. Dann wei� ich, womit wir es hier zu tun haben.�</p><p>�Sie liegen in einer k�hlen Kammer des Weinkellers�, sagte Lothar. �Ich kann dich dorthin bringen.�</p><p>�Gleich�, sagte Medivh. �Ich will mich hier noch ein wenig umsehen. Kannst du mich und meinen Sch�ler f�r einen Augenblick allein lassen?�</p><p>Lothar z�gerte einen Moment, dann sagte er: �Nat�rlich. Ich warte drau�en vor der T�r.� Bei seinen letzten Worten blickte er Khadgar scharf an, dann ging er.</p><p>Der Riegel der T�r fiel zu, und es herrschte Schweigen in der Kammer. Medivh ging von Tisch zu Tisch und begutachtete die zerfledderten B�cher und zerrissenen Papiere. Er hielt einen Brief mit einem purpurnen Siegel hoch und sch�ttelte den Kopf. Langsam zerkn�llte er das Pergament in seiner Hand.</p><p>�In <emphasis>zivilisierten</emphasis> L�ndern�, sagte er mit leicht angespannter Stimme, �widersprechen Sch�ler ihren Meistern nicht. Zumindest nicht in der �ffentlichkeit.� Er wandte sich Khadgar zu, und der Junge erkannte im Gesicht des alten Mannes d�stere Gewitterwolken.</p><p>�Es tut mir Leid�, sagte Khadgar. �Ihr sagtet, ich solle Fragen stellen, und die Position der Leichen schien zu diesem Zeitpunkt nicht richtig, aber jetzt, da ihr erkl�rt habt, wie die K�rper verbrannt wurden ��</p><p>Medivh hob eine Hand, brachte Khadgar zum Schweigen. Dieser z�gerte einen Moment, dann lie� er langsam den angehaltenen Atem heraus.</p><p>�Genug. Du hast das Richtige getan�, sagte der Magus, �nicht mehr und nicht weniger, als das, worum ich dich gebeten hatte. Und wenn du nicht gesprochen h�ttest, so w�re mir nicht klar geworden, dass der D�mon wahrscheinlich den Turm hinab geklettert ist, und ich h�tte unn�tze Zeit damit vergeudet, den Burgkomplex zu durchsuchen. Aber du hast Fragen gestellt, weil du nicht viel �ber D�monen wei�t, und das ist Unwissenheit. Und Unwissenheit werde ich <emphasis>nicht</emphasis> tolerieren.�</p><p>Der �ltere Magier blickte Khadgar an, aber es lag ein L�cheln auf seinen Mundwinkeln. Khadgar war sich sicher, dass der Sturm vor�bergezogen war, und lie� sich auf einen Stuhl nieder. Er begann: �Lothar ��</p><p>�Wird warten�, sagte Medivh. �Das kann er gut, dieser Anduin Lothar. Also, was hast du in deiner Zeit in der Violetten Zitadelle �ber D�monen gelernt?�</p><p>�Ich habe die Legenden geh�rt�, sagte Khadgar. �In den Ersten Tagen gab es D�monen im Land, und die gro�en Helden erhoben sich, um sie zu vertreiben.� Er dachte an Medivhs Mutter, die die D�monen in St�cke sprengte und sich deren Herrn stellte, aber er sagte nichts. Es war nicht n�tig, Medivh wieder w�tend zu machen, nachdem er sich gerade erst beruhigt hatte.</p><p>�Das sind die Grundlagen�, sagte Medivh. �Was wir dem gemeinen Volk erz�hlen. Was wei�t du sonst noch?�</p><p>Khadgar zog tief den Atem ein. �Die offiziellen Lehren in der Violetten Zitadelle besagen, dass man die D�monologie meiden, einen weiten Bogen um sie machen, ihr abschw�ren soll. Jeder Versuch, D�monen zu beschw�ren, muss aufgesp�rt und sofort gestoppt werden, und jene, die sich solchen Aktivit�ten widmen, m�ssen aus den Reihen der Kirin Tor versto�en werden. Oder Schlimmeres. Es gab Geschichten unter den jungen Studenten ��</p><p>�Geschichten, die auf Tatsachen basieren�, sagte Medivh. �Aber du bist ein neugieriger Bursche. Du wei�t mehr, nehme ich an?�</p><p>Khadgar neigte nachdenklich den Kopf und w�hlte seine Worte sorgf�ltig. �Korrigan, unser Bibliothekar, besitzt eine umfangreiche Sammlung von � Material.�</p><p>�Und er brauchte jemanden, der ihm half, dieses Material zu sortieren�, sagte Medivh trocken. Khadgar musste gezuckt haben, denn Medivh f�gte hinzu: �Aber das ist nur eine Vermutung von mir, mein Vertrauen.�</p><p>�Das Material besteht zum gr��ter Teil aus Volkssagen und Berichten �rtlicher Beh�rden, die sich um D�monen-Anbeter drehen. Die meisten Texte berichten von einzelnen Menschen, die b�se Taten im Namen irgendeines alten D�mons aus den Legenden begehen. Es gibt nichts �ber tats�chliche Beschw�rungen eines D�mons. Keine Zauber, keine arkanen Schriften.� Khadgar trat auf den Schutzkreis zu. �Keine Zeremonien.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Medivh. �Selbst Korrigan w�rde so etwas einem Studenten nicht zumuten. Wenn er solches Material besitzt, wird er es getrennt von den anderen Texten aufbewahren.�</p><p>�Angesichts dieser eher d�rftigen Geschichten nimmt man allgemein an, dass die D�monen besiegt und vollkommen aus dieser Welt vertrieben wurden. Sie wurden aus der Welt des Lichts und der Lebenden ausgesto�en und hausen in ihrem eigenen Reich.�</p><p>�Dem <emphasis>Gro�en Dunklen Jenseits</emphasis>�, sagte Medivh und betonte seine Worte wie ein Gebet.</p><p>�Sie sind noch immer dort. Das behaupten zumindest die Legenden�, sagte Khadgar. �Aber sie wollen wieder zur�ckkommen. Manche sagen, sie besuchen Menschen mit einem schwachen Willen im Schlaf und bringen sie dazu, alte Zauber zu finden und Opfer darzubringen. Manchmal geht es darum, ihnen einen Weg zu �ffnen, damit sie wieder ganz zur�ckkommen k�nnen. Andere sagen, sie suchen Anbeter und Opfer, um die Welt wieder so zu machen, wie sie einst war, blutig und von Gewalt beherrscht. Und erst dann werden sie zur�ckkehren.�</p><p>Medivh schwieg einen Moment lang, strich sich �ber den Bart und sagte: �Sonst noch etwas?�</p><p>�Es gibt mehr. Details und einzelne Geschichten. Ich habe Schnitzereien von D�monen gesehen, Bilder, Diagramme.� Wieder f�hlte Khadgar das Bed�rfnis in sich aufsteigen, Medivh von seiner Vision zu berichten, von der D�monen-Armee, von Sargeras. Stattdessen sagte er: �Und es gibt ein altes Epos, das erz�hlt, wie Aegwynn in einem fernen Land gegen eine Horde von D�monen gek�mpft hat.�</p><p>Diese Erw�hnung brachte ein sanftes, wissendes L�cheln auf Medivhs Gesicht. �Ah ja, �Das Lied der Aegwynn�. Man findet dieses Gedicht in den Quartieren vieler m�chtiger Zauberer, musst du wissen.�</p><p>�Mein Lehrer Lord Guzbah war sehr daran interessiert�, sagte Khadgar.</p><p>�Wirklich?�, sagte Medivh l�chelnd. �Bei allem geb�hrenden Respekt, aber ich wei� nicht, ob Guzbah wirklich bereit ist f�r dieses Gedicht. Zumindest nicht in seiner wahren Form.� Er hob die Augenbrauen. �Was du gesagt hast, entspricht im Grunde der Wahrheit. Viele Menschen gie�en sie in die Form von Legenden und M�rchen, aber ich glaube, du wei�t genauso gut wie ich, dass D�monen real sind, und dass sie da drau�en existieren, und ja, sie stellen tats�chlich eine Bedrohung f�r jene dar, die auf dieser von der Sonne beschienenen Welt wandeln. Und auch alle anderen Welten m�ssen sich vor ihnen furchten. Ich glaube jetzt, ich glaube <emphasis>fest</emphasis>, dass deine Welt mit dem roten Himmel ein solcher Ort war, eine andere Welt auf der anderen Seite des Gro�en Dunklen Jenseits. Das Jenseits ist ein Gef�ngnis f�r jene D�monen, ein Ort ohne Licht, und sie sind sehr, sehr eifers�chtig auf uns und sehnen sich danach, wieder hierher zur�ckzukehren.�</p><p>Khadgar nickte, und Medivh fuhr fort: �Aber deine Annahme, dass ihre Opfer einen schwachen Willen haben, ist falsch, auch wenn es wieder ein gut gemeinter Irrtum ist. Es gibt mehr als genug eigenn�tzige Bauern, die eine d�monische Kraft aus Rache gegen eine fr�here Liebe anrufen, oder dumme Kaufleute, die die Rechnung eines Schuldners mit einer schwarzen Kerze verbrennen und dabei den alten Namen einer einst gro�en d�monischen Kraft in ihrem Mund b�se verst�mmeln. Aber nicht weniger h�ufig sind jene, die in vollem Bewusstsein in den Abgrund gehen, die sich f�r gelehrt halten und sicher f�hlen, dass keine Verlockung oder Bedrohung ihnen etwas anhaben kann � dass sie stark genug sind, die d�monischen Energien zu b�ndigen, die jenseits der Mauern der Welt w�ten. Sie sind viel gef�hrlicher als der P�bel, denn wie du wei�t, ist das Beinahe-Scheitern eines m�chtigen Zauberers viel t�dlicher als das vollkommene Scheitern eines Versagers.�</p><p>Khadgar konnte nur nicken und fragte sich wieder, ob Medivh die Macht hatte, in seinem Geist zu lesen. �Aber dies waren m�chtige Magier � Huglar und Hugarin, meine ich.�</p><p>�Die m�chtigsten in Azeroth�, sagte Medivh. �Die weisesten und besten Zauberer, magische Berater von K�nig Llane. Angesehen, weise und gut versorgt!�</p><p>�Sicher h�tten sie es besser wissen m�ssen?�, fragte Khadgar.</p><p>�Das sollte man meinen�, sagte Medivh. �Doch hier stehen wir in den Tr�mmern ihrer Kammer, und ihre d�monenverbrannten Leichen liegen im Weinkeller.�</p><p>�Warum haben sie es dann getan?� Khadgar runzelte die Stirn und versuchte, den Magus nicht durch eine dumme Frage zu beleidigen. �Wenn sie so viel wussten, warum haben sie dann einen D�mon beschworen?�</p><p>�Daf�r kann es viele Gr�nde geben�, seufzte Medivh. �Vermessenheit, jener falsche Stolz, der vor dem Fall kommt. �bersteigertes Selbstvertrauen � in jedem Einzelnen von ihnen � und noch dadurch verdoppelt, dass sie zusammenarbeiteten. Und Furcht, nehme ich an, vor allem Furcht.�</p><p>�Furcht?� Khadgar blickte Medivh fragend an.</p><p>�Furcht vor dem Unbekannten�, sagte Medivh. �Furcht vor dem Bekannten. Furcht vor Dingen, die m�chtiger sind als sie selbst.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. �Was k�nnte m�chtiger sein als zwei der gr��ten und weisesten Zauberer von Azeroth?�</p><p>�Ah�, machte Medivh, und ein winziges L�cheln erbl�hte in seinem Bart. �Das bin dann wohl ich. Sie haben sich selbst get�tet, als sie einen D�mon riefen und mit M�chten spielten, die man besser in Ruhe lassen sollte, weil sie sich vor <emphasis>mir</emphasis> f�rchteten.�</p><p>�Vor Euch?�, fragte Khadgar, und die �berraschung in seiner Stimme war gr��er als er es zeigen wollte. Einen Augenblick lang f�rchtete er, er habe den Magus ein weiteres Mal beleidigt.</p><p>Aber Medivh atmete nur tief ein und lie� die Luft langsam wieder ausstr�men. �Vor mir. Sie waren Narren, aber ich gebe auch mir selbst die Schuld. Komm, Junge. Lothar kann warten. Es ist an der Zeit, dass ich dir die Geschichte der W�chter und des Ordens von Tirisfal erz�hle, der alles ist, was zwischen uns und der Finsternis steht.�</p></section><section><title><p>8</p><p>Lektionen</p></title><p>�Um den Orden zu verstehen�, sagte Medivh, �musst du D�monen verstehen. Du musst au�erdem Magie beherrschen.�</p><p>Er setzte sich auf einen der unbesch�digten St�hle, auf dem auch eines der wenigen noch heilen Kissen lag.</p><p>�Lord Medivh � Magus�, sagte Khadgar. �Wenn ein D�mon in Stormwind unterwegs ist, sollten wir uns darauf konzentrieren und nicht auf die Geschichtsstunden, f�r die sp�ter noch Zeit sein wird.�</p><p>Medivh blickte auf seine Brust, und Khadgar bef�rchtete, dass ihm ein weiterer Ausbruch des �lteren Magiers bevorstand. Doch der sch�ttelte einfach nur den Kopf und l�chelte. �Deine Bedenken w�rden Sinn ergeben, wenn der D�mon eine Bedrohung f�r jene in deiner Umgebung w�re. Aber vertrau mir, dass dem nicht so ist. Selbst wenn der D�mon einer der m�chtigeren Offiziere innerhalb der Brennenden Legion w�re, h�tte er den Gro�teil seiner pers�nlichen Macht im Kampf gegen die beiden Magier verloren, die ihn beschworen. Zumindest momentan spielt er keine Rolle.</p><p>Wichtig ist nur, dass du verstehst, was der Orden ist, was ich bin und warum andere sich so sehr f�r ihn interessieren.�</p><p>�Aber Magus ��, begann Khadgar.</p><p>�Und je eher ich hier fertig bin, desto eher werde ich wissen, ob ich dir diese Informationen anvertrauen kann, und desto eher kann ich mich um diesen l�cherlichen D�mon k�mmern. Wenn du also willst, dass ich gehe, solltest du mich zu Ende reden lassen. Richtig?�</p><p>Khadgar wollte protestieren, �berlegte es sich jedoch anders. Er lehnte sich an das breite Sims des ge�ffneten Fensters. Die Diener hatten ihr M�glichstes getan und die Leichen aus dem Turm entfernt. Aber der Geruch ihres Todes, dieser schwere Gestank der Verwesung, hing noch immer in der Luft.</p><p>�Also, was ist Magie?�, fragte Medivh im Tonfall eines Lehrers.</p><p>�Ein Energiefeld, das die Welt durchdringt�, antwortete Khadgar, ohne nachzudenken. Es war eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. �Es ist an einigen Orten st�rker als an anderen, aber immer pr�sent.�</p><p>�Ja, das ist es�, antwortete der �ltere Magier, �zumindest jetzt. Aber es gab eine Zeit, als dem nicht so war.�</p><p>�Aber Magie ist allgegenw�rtig�, sagte Khadgar, wusste jedoch in dem Moment, da er die Worte aussprach, dass das Gegenteil bewiesen werden w�rde. �Sie ist so wie Luft oder Wasser.�</p><p>�Ja, wie Wasser�, sagte Medivh. �Aber es gab eine Zeit ganz zu Anfang, als sich das gesamte Wasser der Welt an einem Ort befand. All der Regen und die Fl�sse und die Seen und die Str�me, all die Schauer und B�che und Tr�nen waren an einem Ort, in einem Brunnen.�</p><p>Khadgar nickte langsam.</p><p>�Was f�r Wasser gilt, gilt auch f�r Magie�, sagte Medivh. �Ein Brunnen der Magie. Die Quelle war die �ffnung in eine andere Dimension, ein leuchtendes Tor in ein Land jenseits der Gro�en Dunkelheit, jenseits der Mauern der Welt. Die ersten V�lker, die Zauberspr�che erdachten, lebten rund um diesen Brunnen und verwandelten seine rohe Macht in Magie. Man nannte sie damals die Kaldorei. Wie man sie heute nennt, kann ich nicht sagen.� Medivh sah Khadgar an, aber der j�ngere Magier schwieg.</p><p>Medivh f�hr fort. �Die Kaldorei wurden durch den Einsatz von Magie m�chtig, aber sie verstanden ihren Ursprung nicht. Sie wussten nicht, dass es andere m�chtige Kr�fte in der Gro�en Dunkelheit gab, die sich im Raum zwischen den Welten bewegten. Sie gierten nach Magie und beobachteten jeden, der sie z�hmte und zum eigenen Nutzen verwendete. Diese b�sen M�chte waren Scheu�lichkeiten, Moloche und Alptr�ume aus Hunderten von Welten, doch wir nennen sie einfach D�monen. Sie wollten alle Welten erobern, in denen Magie benutzt wurde und sich verbreitete, und sie wollten diese Welten vernichten, um die Energien f�r sich zu behalten. Und der Gr��te unter ihnen, der Herrscher der Brennenden Legion, war ein D�mon namens Sargeras.�</p><p>Khadgar dachte an die Vision mit Aegwynn und unterdr�ckte ein Schaudern.</p><p>Medivh schien die Reaktion des jungen Magiers nicht zu bemerken. �Der Herrscher der Brennenden Legion war ebenso m�chtig, wie geschickt, und er versuchte, die Kaldorei zu verf�hren. Es gelang ihm. Ein dunkler Schatten fiel �ber ihre Herzen, und sie versklavten andere V�lker, wie die fr�hen Menschen, um ihr Reich aufzubauen.�</p><p>Medivh seufzte. �Nun, in dieser Zeit der Sklaverei durch die Kaldorei gab es einige, die eine gr��ere Vision als ihre Br�der hatten und gewillt waren, nicht nur gegen die Kaldorei aufzubegehren, sondern auch den Preis f�r ihre Vision zu zahlen. Die mutigen Wesen, die den Kaldorei oder anderen V�lkern angeh�rten, sahen, wie die Herzen der herrschenden Kaldorei kalt und dunkel wurden und die d�monische Macht wuchs.</p><p>Die Kaldorei wurden so sehr von Sargeras korrumpiert, dass sie die Welt beinahe bei ihrer Geburt verdammt h�tten. Sie ignorierten die, die sich gegen sie stellten und erm�glichten Sargeras und den anderen m�chtigen D�monen die Invasion. Nur den heroischen Taten einiger Weniger ist es zu verdanken, dass das leuchtende Tor in der Gro�en Dunkelheit geschlossen wurde und Sargeras und seine Anh�nger gefangen genommen wurden. Doch dieser Sieg forderte einen hohen Preis. Der Brunnen der Ewigkeit explodierte, als das Tor geschlossen wurde, und riss das Herz aus dieser Welt. Das Reich der Kaldorei � und mit ihm der gesamte Kontinent � wurde vernichtet. Die, die das Tor geschlossen hatten, wurden nie wieder gesehen.�</p><p>�Kalimdor!�, unterbrach Khadgar, obwohl er es nicht wollte.</p><p>Medivh sah ihn an, und Khadgar fuhr fort. �Das ist eine alte Legende in Lordaeron. Es gab einmal ein b�sartiges Volk, das sich mit Kr�ften einlie�, die es nicht verstand. Als Strafe f�r seine S�nden wurde sein Reich zerbrochen und in den Wellen versenkt. Man nannte es die Entzweiung der Welt. Das Reich hie� Kalimdor.�</p><p>�Kalimdor�, wiederholte Medivh. �Auch wenn du nur die Kinderversion dieser Geschichte kennst, sagt sie das aus, was wir den jungen Magiern erz�hlen, um sie vor den Gefahren der M�chte zu warnen, die sie beschw�ren. Die Kaldorei waren Narren und vernichteten nicht nur sich selbst, sondern beinahe die Welt. Und als der Brunnen der Ewigkeit explodierte, verteilten sich die Energien darin in einem magischen Regen �ber die ganze Welt. Und deshalb ist die Magie heute allgegenw�rtig � es ist die Kraft aus der Zerst�rung des Brunnens.�</p><p>�Aber Magus�, sagte Khadgar, �das war vor Tausenden von Jahren.�</p><p>�Vor zehntausend Jahren�, sagte Medivh, �mehr oder weniger.�</p><p>�Aber wie kommt die Legende dann zu uns? Selbst Dalarans Geschichten reichen nur zwanzig Jahrhunderte zur�ck, und die fr�hesten �berlieferungen sind in geheimnisvolle Legenden geh�llt.�</p><p>Medivh nickte und nahm den Faden wieder auf. �Viele starben, als Kalimdor versank, aber manche �berlebten und nahmen ihr Wissen mit. Einige der �berlebenden Kaldorei gr�ndeten den Orden von Tirisfal. Ob es sich bei Tirisfal um eine Person, einen Ort, ein Ding oder einen Gedanken handelte, wei� selbst ich nicht. Sie nahmen das Wissen �ber das, was geschehen war, mit sich und schworen zu verhindern, dass so etwas jemals wieder geschah. Das ist das Fundament des Ordens.</p><p>Nun, das Volk der Menschen �berlebte diese dunklen Tage ebenfalls, und da die magische Energie mit dem Stoff der Welt verwoben war, begannen auch sie bald an den Toren der Realit�t zu kratzen. Sie beschworen Kreaturen aus der Gro�en Dunkelheit und klopften an den verschlossenen T�ren zu Sargeras� Gef�ngnis. Doch dann traten die Kaldorei, die �berlebt und sich ver�ndert hatten, vor und gaben die Geschichte ihrer Vorfahren preis � wie sie beinahe die Welt vernichtet hatten.</p><p>Die ersten menschlichen Magier dachten �ber die Worte der �berlebenden Kaldorei nach. Sie erkannten, dass, sollten sie ihre Zauberst�be, Phiolen und Pergamentrollen niederlegen, andere � ob voller Unschuld oder nicht � nach Wegen suchen w�rden, um den D�monen ein weiteres Mal Zugang zu unserem gr�nen Land zu verschaffen. Und so setzten die m�chtigsten Magier den Orden als Geheimbund fort. Der Orden von Tirisfal ernannte eines seiner Mitglieder zum W�chter des Tirisfalen. Dieser W�chter erhielt die gr��te Macht und wurde zum Besch�tzer der Realit�t. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Tor zur anderen Seite kein einzelner Brunnen der Macht mehr, sondern ein unendlicher Regen, der bis heute f�llt. Das ist die gr��te Verantwortung der Welt.�</p><p>Medivh wurde still, und seine Augen verloren kurz ihre Konzentration, so als sei er selbst in die Vergangenheit gerissen worden. Dann sch�ttelte er den Kopf und kehrte zu sich selbst zur�ck, ohne etwas zu sagen.</p><p>�Ihr seid der W�chter�, sagte stattdessen Khadgar ruhig.</p><p>�Ja�, erwiderte Medivh endlich. �Ich bin der Sohn der gr��ten W�chterin aller Zeiten und erhielt ihre Macht kurz nach meiner Geburt. Es war � zu viel f�r mich, und ich bezahlte daf�r mit einem Gro�teil meiner Jugend.�</p><p>�Aber Ihr sagtet, die Magier w�rden einen der ihren erw�hlen�, sagte Khadgar. �H�tte Magna Aegwynn keinen �lteren Kandidaten bestimmen k�nnen? Wieso hat sie ein Kind, vor allem <emphasis>ihr</emphasis> Kind, dazu erkoren?�</p><p>Medivh holte tief Luft. �Die ersten W�chter wurden w�hrend der ersten tausend Jahre aus der erw�hlten Gruppe bestimmt. Die Existenz des Ordens blieb ein Geheimnis, so wie es die Gr�nder gewollt hatten. Nach einiger Zeit jedoch begannen Politik und pers�nliche Interessen eine Rolle zu spielen, sodass die W�chter bald nicht mehr als Diener waren, magische Wachhunde. Einige der m�chtigen Magier glaubten, es sei Aufgabe des W�chters, allen anderen die Macht vorzuenthalten, die sie selbst genossen. Wie schon zu Zeiten der Kaldorei fiel der Schatten der dunklen Macht �ber die Mitglieder des Ordens. D�monen gelangten h�ufiger in unsere Welt, und selbst Sargeras gelang es, kleine Teile seiner selbst zu manifestieren. Es war nur ein Bruchteil seiner Macht, aber es reichte aus, um Armeen zu zerschlagen und Nationen zu vernichten.�</p><p>Khadgar dachte an das Bild von Sargeras, das Aegwynn in der Vision bek�mpft hatte. War das wirklich nur ein Bruchteil der wahren Macht dieses m�chtigen D�mons gewesen?</p><p>�Magna Aegwynn ��, begann Medivh und unterbrach sich. Es war, als sei er nicht daran gew�hnt diese Worte auszusprechen. �Die, die mich gebar, war selbst fast tausend Jahre zuvor geboren worden. Sie war sehr talentiert und wurde von den anderen Mitgliedern des Ordens zur W�chterin bestimmt. Ich glaube, die Grauesten der Graub�rte dachten damals, sie k�nnten sie kontrollieren und die W�chterin weiterhin als Schachfigur in ihren eigenen politischen Spielz�gen einsetzen.</p><p>Sie �berraschte sie.� Medivh l�chelte. �Sie lie� sich nicht manipulieren und k�mpfte sogar gegen einige der gr��ten Magier ihrer Zeit, als diese unter d�monischen Einfluss gerieten. Manche dachten, ihre Unabh�ngigkeit w�rde mit der Zeit vergehen und dass sie, wenn ihre Zeit gekommen war, die Aufgabe an einen einfacheren Kandidaten weiterreichen w�rde. Erneut �berraschte sie die anderen, indem sie ihre eigene Magie benutzte, um tausend Jahre unver�ndert zu leben. Sie benutzte ihre Macht mit Weisheit und W�rde. Und so spaltete sich die W�chterin vom Orden ab. Der Orden kann dem W�chter Vorschl�ge machen, doch Letzterer hat das Recht Ersteren jederzeit herauszufordern, damit sich das Schicksal der Kaldorei nicht wiederholt.</p><p>Tausend Jahre k�mpfte sie gegen die Gro�e Dunkelheit und forderte selbst den k�rperlichen Aspekt von Sargeras heraus, der auf diese Existenzebene gelangt war. Er wollte die mythischen Drachen vernichten, um deren Macht zu vereinnahmen. Magna Aegwynn traf ihn und siegte. Sie sperrte seinen K�rper an einen Ort, den niemand kennt, und trennte ihn auf ewig von der Gro�en Dunkelheit, aus der er seine Macht zieht. Das alles steht in dem epischen Gedicht �Das Lied von Aegwynn�, nach dem Guzbah sucht. Sie konnte das nicht auf ewig, aber es muss immer einen W�chter geben.</p><p>Und dann �� Wieder unterbrach sich Medivh. �Sie hatte jedoch noch einen Trumpf im �rmel. Sie war zwar m�chtig, aber nicht unsterblich. Man erwartete, dass sie ihre Macht weitergeben w�rde. Stattdessen benutzte sie einen Zauberer vom Hof von Azeroth, um einen Erben zu zeugen. Dieses Kind ernannte sie zu ihrem Nachfolger. Sie bedrohte den Orden und sagte, sie w�rde ihre Macht mit in den Tod nehmen und verhindern, dass es einen weiteren W�chter gebe, sollte man ihre Wahl nicht akzeptieren. Der Orden glaubte, es w�re vielleicht einfacher, ein Kind zu manipulieren � <emphasis>mich</emphasis> zu manipulieren � und so stimmte er zu.</p><p>Doch die Macht war zu gro�. Als ich ein junger Mann war, j�nger als du, erwachte sie in mir, und ich schlief mehr als zwanzig Jahre lang. Magna Aegwynn hatte so viel von ihrem Leben, und ich scheine das Meiste von meinem verloren zu haben.� Seine Stimme zitterte. �Magna Aegwynn � meine Mutter ��, setzte er erneut an, bemerkte jedoch, dass er nichts mehr zu sagen hatte.</p><p>Khadgar sa� f�r einen Moment ruhig da. Dann streckte sich Medivh, fuhr sich durch die langen Haare und sagte: �Und w�hrend ich schlief, schlich sich das B�se zur�ck in die Welt. Es gibt jetzt mehr D�monen, mehr Orks. Und Mitglieder meines eigenen Ordens schreiten wieder den dunklen Weg hinab. Ja, Huglar und Hugarin waren Mitglieder des Ordens, so wie schon andere vor ihnen � so wie auch der uralte Arrexis von den Kirin Tor. Ja, etwas �hnliches geschah mit ihm, und obwohl sie es damals vertuscht haben, hast du wahrscheinlich <emphasis>etwas</emphasis> davon geh�rt. Sie f�rchteten sich vor der Macht meiner Mutter und vor mir, und ich habe daf�r gesorgt, dass ihre Furcht sie nicht vernichtet. Dies ist die Aufgabe des W�chters von Tirisfal.�</p><p>Der �ltere Mann sprang auf. �Ich muss gehen!�</p><p>�Gehen?�, sagte Khadgar. Er war �berrascht �ber den pl�tzlichen Energieausbruch dieses hageren K�rpers.</p><p>�Wie du schon so richtig bemerkt hast, treibt sich ein D�mon herum�, sagte Medivh, nun wieder l�chelnd. �Sto�e ins Horn des J�gers. Ich muss ihn finden, bevor er seine St�rke zur�ckgewinnt und andere umbringt.�</p><p>Khadgar richtete sich auf. �Wo fangen wir an?�</p><p>Medivh drehte sich um und sah den j�ngeren Mann etwas verlegen an. �Nun, <emphasis>wir</emphasis> fangen nirgendwo an. Ich werde allein gehen. Du bist talentiert, aber noch l�ngst nicht bereit f�r den Kampf gegen einen D�mon. Dies ist meine Schlacht, Sch�ler.�</p><p>�Magus, ich bin sicher, dass ich ��</p><p>Medivh hob eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. �Ich brauche dich hier, damit du deine Ohren offen h�ltst�, sagte Medivh leise. �Ich zweifle nicht daran, dass der alte Lothar die letzten zehn Minuten mit dem Ohr an der T�r verbracht hat. Es w�rde mich nicht wundern, wenn sich ein Abdruck des Schl�ssellochs auf seiner Wange bef�nde.� Medivh grinste. �Er wei� einiges, aber nicht alles. Deswegen musste ich dir davon erz�hlen. Ich brauche einen W�chter f�r den W�chter, wenn du so willst.�</p><p>Khadgar sah Medivh an, und der �ltere Magier zwinkerte ihm zu. Dann ging er zur T�r und riss sie mit einer schnellen Bewegung auf.</p><p>Lothar stolperte zwar nicht in den Raum, befand sich aber unmittelbar jenseits der Schwelle. Vielleicht hatte er gelauscht, vielleicht auch nur Wache gestanden.</p><p>�Med�, sagte Lothar mit einem L�cheln. �Seine Majest�t ��</p><p>�Seine Majest�t versteht das sehr gut�, sagte Medivh und schob sich an dem gr��eren Mann vorbei. �Eher w�rde ich mich mit einem wildgewordenen D�mon treffen, als mit dem Herrscher einer Nation. Priorit�ten und so. In der Zwischenzeit k�nntest du auf meinen Sch�ler aufpassen.�</p><p>Er sagte all das in einem Atemzug und hatte bereits den Gang bis zur Treppe durchquert, als Lothar gerade die H�lfte seines Satzes hervorgebracht hatte.</p><p>Der alte Krieger strich sich mit einer gro�en Hand �ber seine Halbglatze und seufzte theatralisch. Dann sah er Khadgar an und seufzte noch einmal.</p><p>�So war er schon immer�, sagte Lothar. �Du bist bestimmt hungrig. Komm, wir treiben ein Mittagessen f�r dich auf.�</p><empty-line/><p>Das Mahl bestand aus kaltem Gefl�gel, das sie aus der Vorratskammer stahlen, und zwei vollen Bierkr�gen, die Lothar in seinen m�chtigen Pranken transportierte. Trotz der Situation war der Champion des K�nigs erstaunlich entspannt und f�hrte Khadgar auf einen Balkon, von dem aus sie die Stadt �berblicken konnten.</p><p>�Herr�, sagte Khadgar. �Trotz der Bitte des Magus, ist mir klar, dass Ihr wichtigere Aufgaben habt.�</p><p>�Ja�, sagte Lothar, �und die meisten habe ich erledigt, w�hrend du mit Medivh sprachst. Seine Majest�t K�nig Llane ist in seinem Quartier, ebenso wie die meisten H�flinge � unter Bewachung nat�rlich �, f�r den Fall, dass der D�mon beschlie�t, sich in der Burg zu verstecken. Au�erdem habe ich Agenten in alle Teile der Stadt befohlen. Sie haben die Weisung, alles Verd�chtige zu melden, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das Letzte, was wir brauchen, ist eine D�monenpanik. Ich habe alle Leinen ausgeworfen, und jetzt kann ich nur noch warten.� Er sah den j�ngeren Mann an. �Und meine Lieutenants wissen, dass ich auf diesem Balkon bin, weil ich hier immer mein Mittagessen einnehme.�</p><p>Khadgar dachte �ber Lothars Worte nach und erkannte, dass der Champion des K�nigs viele Gemeinsamkeiten mit Medivh aufwies. Auch er plante nicht nur etliche Schritte voraus, sondern liebte es, anderen von seinen Pl�nen zu erz�hlen.</p><p>Der Sch�ler griff nach einem St�ck Brustfleisch, w�hrend Lothar in einen Schenkel biss. Sie a�en beide schweigend. Das Gefl�gel war in eine Marinade aus Rosmarin, Speck und Schafsbutter eingelegt worden, bevor es gebraten wurde, und es mundete vortrefflich. Selbst kalt war es so zart, dass es im Munde zerging. Das Bier war schwer, gehaltvoll und schmeckte nach Hopfen.</p><p>Unter ihnen breitete sich die Stadt aus. Die Zitadelle selbst stand auf einem felsigen H�gel, der den K�nig bereits von seinen Untertanen trennte und die H�he des Turms sorgte noch zus�tzlich daf�r, dass die Bewohner Stormwinds wie kleine Puppen aussahen, die sich gesch�ftig durch enge Stra�en bewegten. Es war Markttag, und hinter den bunt dekorierten St�nden priesen H�ndler leise, wie es Khadgar aus dieser H�he erschien, ihre Waren an.</p><p>F�r einen Moment verga� Khadgar, wo er war, was er gesehen hatte � und weshalb er sich an diesem Ort aufhielt. Es war eine sch�ne Stadt. Erst Lothars tiefes Schnauben holte ihn zur�ck in diese Welt.</p><p>�Na?�, sagte der Champion des K�nigs. �Wie steht es um ihn?�</p><p>Khadgar dachte einen Moment nach und antwortete. �Er ist bei guter Gesundheit, wie Ihr ja selbst sehen konntet, Herr.�</p><p>�Bah!� Lothar spuckte aus, und f�r einen Moment bef�rchtete Khadgar, der Krieger habe sich an einem St�ck Fleisch verschluckt. �Ich habe Augen im Kopf, und ich wei�, dass Med fast jeden t�uschen kann, wenn er das will. Was ich damit sagen will: <emphasis>Wie steht es um ihn?</emphasis>�</p><p>Khadgar blickte wieder hinaus auf die Stadt und fragte sich, ob er auch �ber Medivhs Talent verf�gte und in der Lage sein w�rde, dem �lteren Mann ausweichend zu antworten.</p><p>Nein, entschied er. Medivh spielte mit Loyalit�ten und Freundschaften, die �lter waren als er. F�r sich selbst musste eine andere L�sung finden. Er seufzte und sagte: �Er ist anstrengend. Sehr anstrengend. Und intelligent. Und �berraschend. Manchmal f�hle ich mich, als sei ich Sch�ler eines Wirbelsturms.� Er sah Lothar an, der den Blick mit hochgezogenen Augenbrauen erwiderte, und hoffte, dass ihm diese Antwort reichen w�rde.</p><p>Lothar nickte. �Ein Wirbelsturm, das stimmt. Und vermutlich auch ein Gewitter.�</p><p>Khadgar hob die Schultern. �Er hat Launen, wie jeder.�</p><p>�Hm�, sagte der Champion des K�nigs. �Wenn ein Stallknecht schlechte Laune hat, tritt er einen Hund. Wenn ein Magier schlechte Laune hat, verschwindet eine Stadt. Das meine ich nicht beleidigend.�</p><p>�Ich empfinde es nicht als Beleidigung, Herr�, sagte Khadgar und dachte an die toten Magier im Turmzimmer. �Ihr fragtet, was mit ihm sei. Nun, all das ist mit ihm.�</p><p>�Hm�, machte Lothar erneut. �Er ist ein sehr m�chtiger Mann.�</p><p><emphasis>Und du machst dir ebensolche Sorgen wegen ihm wie die anderen Zauberer</emphasis>, dachte Khadgar. Laut sagte er jedoch nur: �Er sagt Gutes �ber Euch.�</p><p>�Was denn?�, fragte Lothar schneller, als er es vermutlich wollte.</p><p>Khadgar w�hlte seine Worte mit Bedacht. �Nur dass Ihr ihm treu gedient habt, als er krank war.�</p><p>�Das stimmt�, grunzte der Champion und riss den zweiten Schlegel ab.</p><p>�Und dass Ihr sehr aufmerksam seid�, f�gte Khadgar hinzu. Er war der Ansicht, dass er damit Medivhs Meinung �ber den Krieger ausreichend dargelegt hatte.</p><p>�Sch�n, dass ihm das auff�llt�, sagte Lothar mit vollem Mund. Sie schwiegen, w�hrend Lothar kaute und hinunterschluckte. �Hat er den W�chter erw�hnt?�</p><p>�Wir haben dar�ber gesprochen�, sagte Khadgar, der den Eindruck hatte, sich auf sehr d�nnem Eis zu bewegen. Medivh hatte ihm nicht gesagt, wie viel Lothar wusste. Er entschied sich, nicht mehr dazu zu sagen.</p><p>�Und es steht dem Sch�ler nicht zu, �ber die Taten seines Meisters zu diskutieren, richtig?�, fragte Lothar mit einem L�cheln, das eine Idee zu gezwungen wirkte. �Komm schon, du bist aus Dalaran. In diesem magischen Schlangennest gibt es mehr Geheimnisse als an jedem anderen Ort des Kontinents. Das meine ich auch nicht beleidigend.�</p><p>Khadgar antwortete diplomatisch: �Mir ist aufgefallen, dass es hier weniger offensichtliche Rivalit�ten zwischen den Magiern gibt als in Lordaeron.�</p><p>�Willst du wirklich behaupten, dass dir deine Lehrer keine Liste von Dingen mitgegeben haben, die du beim hohen Magus in Erfahrung bringen sollst?� Lothars Grinsen war jetzt ehrlicher, wirkte beinahe schon mitf�hlend.</p><p>Khadgar sp�rte, wie er err�tete. Die tastenden Bemerkungen des �lteren Kriegers kamen der Wahrheit immer n�her. �Alle Bittstellungen der Violetten Zitadelle liegen Medivh vor. Er hat sich bisher sehr wohlwollend gezeigt.�</p><p>�Hm�, knurrte Lothar. �Dann fragen sie wohl nicht nach wichtigen Dingen. Ich wei�, dass die Magier hier � auch Huglar und Hugarin, m�gen die Heiligen ihren Seelen gn�dig sein � ihm st�ndig L�cher in den Bauch fragten und sich dann beim K�nig oder mir beschwerten, wenn sie keine Antwort erhielten. Als ob wir ihn kontrollieren k�nnten!�</p><p>�Ich glaube, das kann keiner�, sagte Khadgar und sp�lte jeden weiteren Kommentar mit seinem Bier herunter.</p><p>�Noch nicht einmal seine Mutter, so weit ich wei߫, sagte Lothar. Es war nur ein kurzer Satz, aber er hatte die Wirkung eines Dolchsto�es. Khadgar wollte Lothar nach ihr fragen, hielt sich aber zur�ck.</p><p>�Ich bin wohl zu jung, um etwas zu wissen�, sagte er. �Ich habe einiges �ber sie gelesen. Sie muss eine m�chtige Magierin gewesen sein.�</p><p>�Und diese Macht ruht jetzt in ihm�, sagte Lothar. �Sie lie� ihn an diesem Hof von einem Zauberer zeugen, s�ugte ihn mit reiner Magie und erf�llte ihn mit ihrer Kraft. Ja, ich wei� alles dar�ber, setzte die Puzzleteile zusammen, nachdem er ins Koma fiel. Er war jung, viel zu jung. Selbst heute mache ich mir Sorgen.�</p><p>�Ihr f�rchtet, er w�re zu m�chtig�, sagte Khadgar. Lothar starrte ihn pl�tzlich durchdringend an. Der junge Magier kniff die Lippen zusammen. Mit seiner unbedachten �u�erung hatte er seinen Gastgeber praktisch beschuldigt.</p><p>Doch Lothar l�chelte und sch�ttelte den Kopf. �Ganz im Gegenteil, Junge, ich f�rchte, dass er nicht m�chtig genug ist. Furchtbare Dinge geschehen in den K�nigreichen. Diese Orks, die du vor einem Monat sahst, vermehren sich wie Kaninchen. Und die Trolle, die beinahe ausgestorben waren, tauchen jetzt immer h�ufiger auf. Und Medivh jagt gerade einen D�mon � Uns stehen �ble Zeiten bevor, und ich hoffe, nein ich <emphasis>bete</emphasis>, dass er dem gewachsen ist. �ber zwanzig Jahre lebten wir ohne W�chter, w�hrend er im Koma lag. In einer Zeit wie dieser will ich so keine weiteren zwanzig Jahre verbringen.�</p><p>Khadgar war das Gespr�ch pl�tzlich unangenehm. �Als Ihr gefragt habt, wie es um ihn steht, meintet Ihr ��</p><p>�� was ich sagte�, fiel ihm Lothar ins Wort. �Ich will nicht, dass er jetzt schw�cher wird. Orks, Trolle, D�monen � und dann gibt es da noch �� Lothar lie� den Satz im Nichts enden, sah Khadgar an und sagte: �Ich kann davon ausgehen, dass du mittlerweile vom W�chter wei�t?�</p><p>�Davon k�nnt Ihr ausgehen�, antwortete Khadgar.</p><p>�Und auch vom Orden?�, fragte Lothar l�chelnd. �Du musst nicht antworten, junger Mann, deine Augen haben dich verraten. Du solltest nie mit mir Karten spielen.�</p><p>Khadgar f�hlte sich in die Enge getrieben. Medivh hatte ihm befohlen, dem Champion nicht zu viel zu verraten, aber Lothar schien bereits ebenso viel zu wissen, wie Khadgar selbst. Wenn nicht sogar mehr.</p><p>Lothar sprach mit ruhiger Stimme weiter. �Wir h�tten Med nicht wegen eines einfachen magischen Fehlers gerufen. Selbst dann nicht, als zwei Magier in ihren eigenen Zaubern gefangen wurden. Huglar und Hugarin geh�rten zu unseren Besten, zu unseren M�chtigsten. Es gab eine Magierin, die noch m�chtiger war, doch sie starb bei einem Unfall vor zwei Monaten. So weit ich wei�, geh�rten alle drei deinem Orden an.�</p><p>Khadgar sp�rte, wie es ihm kalt �ber den R�cken lief. M�hsam antwortete er: �Ich glaube nicht, dass ich dar�ber reden m�chte.�</p><p>�Dann lass es�, sagte Lothar. Seine Augenbrauen waren so eng zusammengezogen, dass sie wie H�gel in einer uralten Landschaft wirkten. �Drei m�chtige Magier, die M�chtigsten in Azeroth. Kein Vergleich zu Med oder seiner Mutter nat�rlich, aber trotzdem gro�e und m�chtige Zauberer. Alle tot. Dass <emphasis>ein</emphasis> Magier Pech hat oder sich �berrumpeln l�sst, kann ich nachvollziehen, aber gleich drei? Ein Krieger glaubt nicht an eine solche H�ufung von Zuf�llen.</p><p>Und es gibt noch mehr Ungereimtheiten�, fuhr der Champion des K�nigs fort. �Ich habe meine eigenen Quellen, von denen ich Dinge erfahre. Karawanenh�ndler, S�ldner und Abenteurer, die in die Stadt kommen, erz�hlen dem alten Lothar viel. Ich erfahre Dinge aus Ironforge und Alterac, sogar aus Lordaeron. Missgeschicke wie die erw�hnten, grassieren wie eine Seuche. Ich glaube, dass jemand � oder schlimmer noch: <emphasis>etwas</emphasis> � die gro�en Magier dieses Geheimordens jagt, und zwar hier und in Dalaran selbst. Daran gibt es keinen Zweifel.�</p><p>Khadgar fiel auf, dass der �ltere Mann ihn eindringlich musterte, w�hrend er sprach. Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass diese Theorie zu den Ger�chten passte, die er vor seiner Abreise in der Violetten Zitadelle geh�rt hatte. Uralte Magier starben pl�tzlich, und die Spitze der Hierarchie vertuschte das. Das gro�e Geheimnis der Kirin Tor � Teil eines gr��eren Problems.</p><p>Trotz dieser Erkenntnis wandte sich Khadgar ab und blickte �ber die Stadt hinaus.</p><p>�Ja, wohl auch in Dalaran�, sagte Lothar. �Ich erfahre nur wenig von dort, aber ich w�rde wetten, dass die Neuigkeiten die gleichen sind, oder?�</p><p>�Glaubt Ihr, dass der Lord Magus in Gefahr schwebt?�, fragte Khadgar. Sein Wunsch, Lothar nichts zu erz�hlen, schwand im Angesicht der offensichtlichen und ehrlich erscheinenden Sorge des alten Kriegers.</p><p>�Ich glaube, dass Medivh grunds�tzlich eine Gefahr ist�, sagte Lothar. �Und ich bewundere jeden, der es wagt, sich unter dem gleichen Dach wie er aufzuhalten.� Es klang wie ein Witz, aber der Champion des K�nigs l�chelte nicht. �Ja, etwas ist da drau�en, und es steht vielleicht in Zusammenhang mit den D�monen, den Orks oder etwas Schlimmerem. Und ich m�chte zu einem solchen Zeitpunkt nicht unsere st�rkste Waffe verlieren.�</p><p>Khadgar sah Lothar an und versuchte in den Gesichtsfalten des Mannes zu lesen. Machte sich der alte Krieger Sorgen um seinen Freund oder um den Verlust des magischen Schutzes? Konzentrierte sich seine Sorge auf Medivh dort drau�en in der Wildnis oder auf sie alle und auf die Angst, dass <emphasis>etwas</emphasis> sie beobachtete? Das Gesicht des �lteren Mannes war wie eine Maske, und in seinen meerblauen Augen fand sich kein Hinweis auf Lothars wahre Gedanken.</p><p>Khadgar hatte einen einfachen Schwertk�mpfer erwartet, einen Ritter, der in seiner Pflicht aufging � aber der Champion des K�nigs war weit mehr. Er dr�ngte Khadgar in die Ecke, suchte nach Schw�chen, nach Informationen � aber zu welchem Zweck?</p><p><emphasis>Ich brauche jemanden, der den W�chter bewacht</emphasis>, hatte Medivh gesagt.</p><p>�Es geht ihm gut�, sagte Khadgar. �Ihr macht Euch Sorgen um ihn, und ich teile Eure Bedenken. Aber es geht ihm gut, und ich bezweifle, dass etwas ihn ernsthaft verletzen k�nnte.�</p><p>Lothars undeutbarer Blick flackerte f�r einen winzigen Moment. Er setzte an, um etwas zu sagen, um das freundlich gef�hrte Verh�r � nichts anderes war es � fortzusetzen, aber pl�tzlicher L�rm im Inneren des Turms lenkte sie ab. Ihre Unterhaltung, die leeren Bierkr�ge und das Essen wurden nebens�chlich.</p><p>Medivh schritt auf sie zu, gefolgt von einer Gruppe von Dienern und Wachen. Alle �u�erten Missfallen �ber sein Erscheinen, doch keiner wagte es, ihn zu ber�hren, weshalb sie ihm lediglich wie der lebende Schweif eines Kometen folgten. Der �ltere Magier betrat den Balkon.</p><p>�Ich wusste doch, dass du deinen Gewohnheiten treu bleiben w�rdest, Lothar�, sagte Medivh. �Nat�rlich nimmst du hier deinen Tee ein.� Der Magus l�chelte warm, aber Khadgar bemerkte, dass er taumelte, fast so, als w�re er betrunken. Medivh hielt eine Hand hinter seinem R�cken versteckt.</p><p>Lothar erhob sich. Seine Stimme klang besorgt. �Medivh, bist du in Ordnung? Der D�mon ��</p><p>�Ach ja, der D�mon�, sagte Medivh fr�hlich und zog seine blutige Beute hinter dem R�cken hervor. Locker schwang er sie Lothar und Khadgar entgegen.</p><p>Die rote Kugel drehte sich im Flug und verspritzte ein paar letzte Blutstropfen, bevor sie vor Lothars F��en landete. Es war der Kopf eines D�mons, der in der Mitte, genau zwischen seinen beiden H�rnern, gespalten war, so als habe sich eine gro�e Axt in ihn hinein gegraben. Khadgar glaubte, in der gefrorenen Grimasse des D�mons eine Mischung aus Bewunderung und Zorn zu erkennen.</p><p>�Den kannst du dir ausstopfen lassen�, sagte Medivh und richtete sich zu voller Gr��e auf. �Den Rest musste ich nat�rlich verbrennen. Man wei� nie, was Unerfahrene mit soviel D�monenblut anstellen.�</p><p>Khadgar bemerkte, dass Medivhs Gesicht spitzer als zuvor wirkte, und dass die Falten rund um seine Augen deutlicher zu sehen waren. Lothar schien es ebenfalls aufgefallen zu sein.</p><p>�Du hast ihn schnell geschnappt�, sagte er.</p><p>�Ein Kinderspiel�, sagte Medivh. �Nachdem mein Vertrauen von der Flucht des D�mons aus der Burg berichtet hatte, fiel es mir leicht, ihm bis zu seinem Unterschlupf zu folgen. Der Kampf war vorbei, noch bevor er richtig begann � und bevor <emphasis>er</emphasis> es �berhaupt realisierte.� Der Magus taumelte leicht.</p><p>�Dann komm�, sagte Lothar mit warmem L�cheln. �Das sollten wir dem K�nig berichten. Man wird dir zu Ehren ein Fest geben, Med!�</p><p>Medivh hob eine Hand. �Ihr m�sst leider ohne mich feiern. Wir sollten zur�ckkehren. Es liegt ein langer Weg vor uns, nicht wahr, Sch�ler?�</p><p>Lothar sah Khadgar erneut forschend an. Medivh wirkte gefasst, aber ersch�pft. Er schien sich dieses Mal Khadgars Unterst�tzung versichern zu wollen.</p><p>Der junge Magier h�stelte. �Nat�rlich. Wir m�ssen noch ein Experiment abschlie�en.�</p><p>�Genau!� Medivh fing den Ball auf. �Wir waren so in Eile, hierher zu kommen, dass ich das ganz vergessen hatte. Wir sollten uns beeilen.� Der Magus drehte sich um und wandte sich an die versammelte Dienerschaft. �Sattelt unsere Tiere! Wir reisen sofort ab.� Die Diener liefen wie aufgeschreckte H�hner durcheinander. Medivh wandte sich wieder an Lothar. �Du wirst uns nat�rlich bei Seiner Majest�t entschuldigen?�</p><p>Lothar sah Medivh an, dann Khadgar, dann wieder Medivh. Schlie�lich seufzte er und sagte: �Nat�rlich. Lass mich euch aber wenigstens aus dem Turm geleiten.�</p><p>�Begleite uns�, sagte Medivh. �Und vergiss den Kopf nicht. Ich w�rde ihn selbst behalten, aber so einen habe ich schon.�</p><p>Lothar griff nach dem geh�rnten Sch�del und ging an Medivh vorbei. Als er an den Magus passiert hatte, schien aus dessen K�rper die Luft zu entweichen. Er wirkte m�der als zuvor, grauer als noch vor wenigen Momenten. Er stie� einen schweren Seufzer aus und wandte sich ebenfalls zur T�r.</p><p>Khadgar eilte ihm nach und fasste ihn am Ellenbogen. Es war nur eine leichte Ber�hrung, aber der �ltere Magus zuckte zusammen, als habe man ihn geschlagen. Er drehte sich zu Khadgar um. Seine Augen wurden f�r einen Moment glasig, dann sah er den j�ngeren Mann an.</p><p>�Magus�, sagte Khadgar.</p><p>�Was ist jetzt?�, fragte Medivh in zischendem Fl�sterton.</p><p>Khadgar dachte nach, was er darauf erwidern konnte, ohne den Zorn des Magus zu erregen. �Es geht Euch nicht gut�, sagte er schlie�lich.</p><p>Es war die richtige Reaktion. Medivh nickte schwerf�llig und sagte: �Mir ging es schon besser. Lothar wei� das vermutlich auch, aber er spricht mich nicht darauf an. Ich w�re lieber zuhause als hier.� Er machte eine kurze Pause, und seine Lippen bildeten einen d�nnen Strich unter seinem Bart. �Ich war hier sehr lange krank. Dieses Experiment will ich nicht wiederholen.�</p><p>Khadgar sagte nichts, nickte nur. Lothar stand jetzt wartend neben der T�r.</p><p>�Du musst mich auf dem Weg nach Karazhan st�tzen�, sagte Medivh an Khadgar gewandt, sodass es die Umstehenden h�ren konnten. �Das Stadtleben verlangt einem Mann viel ab. Ich k�nnte jetzt ein Nickerchen vertragen.�</p></section><section><title><p>9</p><p>Der Schlaf des Magus</p></title><p>�Das ist sehr wichtig�, sagte Medivh. Er taumelte leicht, als er vom R�cken des Greifs stieg, wirkte ersch�pft. Khadgar nahm an, dass ihm der Kampf gegen den D�mon schwerer gefallen war, als Medivh zu erkennen geben wollte.</p><p>�Ich werde f�r einige Tage � nicht erreichbar sein�, fuhr der �ltere Magier fort. �Sollten w�hrend dieser Zeit Boten eintreffen, musst du auf meine Korrespondenz achten.�</p><p>�Das ist kein Problem�, sagte Khadgar.</p><p>�Das ist ein Problem�, sagte Medivh, w�hrend er die Stufen hinabging. �Deshalb muss ich dir erkl�ren, wie man die Briefe mit dem Purpursiegel liest. Ein Purpursiegel steht f�r Angelegenheiten des Ordens.�</p><p>Khadgar schwieg und nickte.</p><p>Medivh rutschte auf den Stufen aus, stolperte und fiel nach vorne. Khadgar wollte nach ihm greifen, aber der �ltere Mann st�tzte sich bereits an der Wand ab und zog sich nach oben. Ohne merkliche Unterbrechung fuhr er fort: �In der Bibliothek gibt es eine Schriftrolle, die �Das Lied von Aegwynn� hei�t. Darin wird vom Kampf zwischen meiner Mutter und Sargeras berichtet.�</p><p>�Das ist die Schriftrolle, von der Guzbah eine Kopie wollte�, sagte Khadgar. Er musterte den Magier besorgt, w�hrend dieser vor ihm die Stufen hinabschlurfte.</p><p>�Genau die�, sagte Medivh. �Deshalb kann er sie nicht bekommen � wir benutzen sie als Verschl�sselung f�r die Botschaften des Ordens. Sie ist der Hauptschl�ssel. Jedes Mitglied des Ordens besitzt eine identische Schriftrolle. Wenn man das Standardalphabet nimmt, muss man einfach nur alle Buchstaben nach unten schieben, sodass der erste zum vierten oder zehnten oder zwanzigsten wird. Es ist ein einfacher Schl�ssel. Verstehst du das?�</p><p>Khadgar wollte antworten, dass er es verstand, aber Medivh lie� ihm keine Zeit, schien es eilig mit seinen Erkl�rungen zu haben.</p><p>�Die Schriftrolle ist der Schl�ssel�, wiederholte er. �Am Anfang der Botschaft befindet sich etwas, das wie ein Datum aussieht. Es ist aber keins. Es ist der Hinweis auf den Absatz, die Zeile und das Wort, mit dem du beginnst. Der erste Buchstabe des Worts wird zum ersten Buchstaben des Alphabets in der Verschl�sselung. Von da an geht es normal weiter. Der n�chste Buchstabe in der Reihenfolge ist also der zweite Buchstabe des Alphabets und so weiter.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Nein, das tust du nicht�, sagte Medivh gehetzt und m�de. �Das ist nur die Verschl�sselung f�r den ersten Satz. Wenn du am Punkt ankommst, musst du zum zweiten Buchstaben des Worts �bergehen. In diesem Satz steht er f�r den ersten Buchstaben des Alphabets. Die Satzzeichen bleiben wie sie sind. Zahlen ebenso, aber die Regel besagt, dass man sie ausschreiben soll. Da ist noch mehr, aber es f�llt mir nicht ein.�</p><p>Sie hatten Medivhs pers�nliches Quartier erreicht. Moroes war bereits dort. Er trug eine Robe �ber einen Arm geh�ngt. Eine mit einem Deckel versehene Sch�ssel stand auf einem kunstvoll verzierten Tisch. Selbst in der T�r stehend konnte Khadgar die Suppe riechen, die sich in dem Gef�� befand.</p><p>�Was mache ich, wenn ich die Nachricht entschl�sselt habe?�, fragte er.</p><p>�Genau!�, antwortete Medivh, als habe er eine wichtige Erkenntnis gewonnen. �Verz�gerung. Verz�gern ist vor allem anderen geboten. In ein oder zwei Tagen sollte ich mich wieder selbst darum k�mmern k�nnen. Lass dir etwas einfallen, um sie zu vertr�sten. Ich bin gesch�ftlich unterwegs, werde bald zur�ckkehren. Benutze die gleiche Verschl�sselung, aber achte darauf, dass du sie als Datum kennzeichnest. Wenn alles andere scheitert, delegiere. Sage dem Briefschreiber, wer auch immer es sein mag, er m�ge nach eigenem Gutd�nken handeln und dass ich ihm so bald wie m�glich helfen werde. Das gef�llt ihnen immer. Sage <emphasis>nicht</emphasis>, dass es mir nicht gut geht � das letzte Mal, als ich diesen Fehler beging, tauchte eine ganze Horde von M�chtegern-Klerikern auf, um sich um meine Bed�rfnisse zu k�mmern. Einige silberne L�ffel sind seit diesem Besuch nie wieder aufgetaucht.�</p><p>Der alte Magier holte tief Luft und st�tzte sich schwer am T�rrahmen ab. Moroes bewegte sich nicht, aber Khadgar trat einen Schritt vor.</p><p>�Der Kampf gegen den D�mon ��, sagte er. �Es war schlimm, oder?�</p><p>�Es gab Schlimmere. D�monen! Krummschultrige, hammelk�pfige Schl�ger. Zu gleichen Teilen Schatten und Feuer. Mehr Bestie als Mensch und widerw�rtiger als beide. Gef�hrliche Krallen. Auf die Krallen muss man aufpassen.� Khadgar nickte. �Wie habt Ihr ihn besiegt?�</p><p>�Die Lebensessenz wird normalerweise durch schwere Verletzungen vernichtet�, sagte Medivh. �In diesem Fall habe ich ihm den Kopf abgeschlagen.� Khadgar blinzelte. �Ihr hattet kein Schwert.� Medivh l�chelte schwach. �Sagte ich, dass ich ein Schwert brauche? Genug. Weitere Fragen, sobald es mir besser geht.� Mit diesen Worten betrat er das Zimmer, und der ewig loyale Moroes schloss vor Khadgar die T�r. Das letzte Ger�usch, das der junge Magier h�rte, war das ersch�pfte St�hnen des alten Mannes, der sich endlich ausruhen konnte.</p><empty-line/><p>Eine Woche verging, doch Medivh war nicht wieder aus seinem Quartier heraus gekommen. Jeden Tag schlurfte Moroes mit einer Sch�ssel voll Suppe nach oben. Schlie�lich hatte Khadgar gen�gend Mut gesammelt, um selbst nach Medivh zu sehen. Der Verwalter protestierte nicht, reagierte auf seine Gegenwart nur mit einem knappen Grunzen.</p><p>Medivh sah aus wie ein Geist. Hinter seinen geschlossenen Lidern war kein Leben, und sein Gesicht wirkte v�llig regungslos. Er trug ein langes Nachthemd und wurde von Kissen gest�tzt. Sein Mund war offen, die Haut blass. Sein K�rper wirkte ausgemergelt und d�nn. Moroes f�tterte ihn mit einem L�ffel. Medivh schluckte, ohne zu erwachen. Der Verwalter wechselte jeden Abend das Bettzeug, bevor er sich zur Nachtruhe zur�ckzog.</p><p>Khadgar dachte dar�ber nach, ob es in Medivhs Jugend genauso gewesen war, damals, als seine Macht erstmals auftrat und Lothar sich um ihn k�mmerte. Er fragte sich, wie lange der Magus in diesem Zustand verharren w�rde, und wie viel Energie er tats�chlich beim Kampf gegen den D�mon verloren hatte.</p><p>Normale Nachrichten, die in lesbarer Schrift und klarer Sprache verfasst waren, trafen ein. Einige wurden von Greifenreitern �bermittelt, andere zu Pferde, doch die meisten kamen mit den Versorgungswagen der H�ndler, die Moroes� Vorratskeller f�llen wollten. Ihr Inhalt war meist unspektakul�r � Schiffsbewegungen und Truppen�bungen. Bereitschaftsberichte. Gelegentliche Ausgrabungen uralter Gr�ber oder vergessener Artefakte oder Entdeckungen vergessener Legenden. Berichte �ber Wasserhosen, gro�e Meeresschildkr�ten oder eine Springflut. Zeichnungen von Tieren, die dem Beobachter unbekannt waren, aber bereits in den Lexika vermerkt, die sich in der Bibliothek befanden.</p><p>Auch Orks wurden immer h�ufiger erw�hnt, vor allem im Osten rund um den Schwarzen Morast tauchten sie auf. Die Bewachung der Karawanen wurde verst�rkt, es gab Berichte �ber Ork-Lager, �berf�lle und unter mysteri�sen Umst�nden Verschwundene. Immer mehr Fl�chtlinge suchten den Schutz der mit Mauern gesicherten Orte und St�dte. �berlebende fertigten Zeichnungen der Wesen mit breiten Augenbrauen und kr�ftigen Kiefern an. Darunter waren auch detaillierte Darstellungen der Muskeln, die, wie Khadgar schaudernd begriff, bei der Obduktion eines solchen Wesens gewonnen worden sein mussten.</p><p>Khadgar begann dem Zauberer die Briefe vorzulesen, w�hrend er schlief, vor allem die interessanten oder komischen Stellen. Der Magus spornte den jungen Magier nicht an, verbot es ihm aber auch nicht.</p><p>Der erste Brief mit Purpursiegel traf ein, und Khadgar verlor sofort den �berblick. Einige der Buchstaben ergaben Sinn, aber andere lie�en sich zu keinem vern�nftigen Wort zusammensetzen. Zuerst geriet der junge Magier in Panik, war sich sicher, dass er eine der Anweisungen falsch verstanden hatte. Nachdem er einen Tag lang Notizen in seinem Zimmer verstreut hatte, begriff Khadgar jedoch, was er falsch gemacht hatte. Der Abstand zwischen zwei Worten galt als Buchstabe in der Verschl�sselung des Ordens, sodass die Buchstaben sich um eine weitere Stelle verschoben. Nachdem er das verstanden hatte, lie� sich der Rest rasch entschl�sseln.</p><p>Der Inhalt war nun, da er ihn verstand, weit weniger beeindruckend als die Verschl�sselung. Es war ein Bericht aus dem tiefen S�den, von der Halbinsel Ulmat Thondr. Er besagte, dass die Lage ruhig sei, dass man keinen Hinweis auf Orks gefunden habe (allerdings seien seit kurzem verst�rkt Urwald-Trolle aufgetaucht), und dass es einen neuen Kometen am s�dlichen Himmel gebe. Die detaillierten Angaben zu diesem Komet wurden in Worten, nicht in Zahlen geschrieben. Es war keine Antwort n�tig, also legte Khadgar den Brief und die �bersetzung zur Seite.</p><p>Khadgar fragte sich, weshalb der Orden keine magische Verschl�sselung oder einen Zauberspruch verwendete. Vielleicht waren nicht alle Mitglieder des Ordens von Tirisfal Magier. Oder sie versuchten es vor den anderen Zauberern zu vertuschen, so wie Guzbah. In diesem Fall h�tte ein Zauberspruch die Neugier geweckt und Aufmerksamkeit angezogen wie Licht die Motten. Am wahrscheinlichsten, beschloss Khadgar, war jedoch, dass Medivh die anderen Ordensmitglieder aus reiner Bosheit gezwungen hatte, ein Gedicht zu verwenden, in dem seine Mutter gepriesen wurde.</p><p>Von Lothar traf ein Paket ein. Darin waren die bis dahin gemeldeten Ork-Sichtungen und -Angriffe gesammelt und auf eine gro�e Karte �bertragen worden. Es schien, als w�rden die Ork-Armeen aus dem Sumpfgebiet des Schwarzen Morasts stammen.</p><p>Wieder wurde um keine Antwort gebeten. Khadgar spielte mit dem Gedanken, Lothar �ber Medivhs Zustand zu informieren, entschied sich jedoch letztlich dagegen. Der Champion konnte nichts tun, au�er sich Sorgen machen. Also schickte er ihm nur eine kurze Notiz, in der er ihm f�r die Information dankte und Lothar bat, ihn weiter auf dem Laufenden zu halten.</p><p>Eine zweite Woche verging, und eine dritte begann. Noch immer lag der Meister im Koma, w�hrend sein Sch�ler suchte. Khadgar, der jetzt �ber den richtigen Schl�ssel verf�gte, ging die �lteren Briefe durch, von denen einige immer noch mit dem Purpursiegel verschlossen waren. Als er die alten Dokumente las, begann Khadgar zu verstehen, warum Medivh mit zwiesp�ltigen Gef�hlen auf den Orden reagierte.</p><p>H�ufig wurde in den Briefen nur etwas verlangt � ein Zauber, eine Information. Oder sie <emphasis>befahlen</emphasis> fast unverbl�mt, sofort zu kommen, weil ihre K�he nicht fra�en oder die Milch sauer geworden war. Die freundlicheren Briefe verbargen ihre Bitten hinter Lobhudeleien. In anderen befand sich nichts au�er pedantischen Ratschl�gen, in denen detailliert darauf eingegangen wurde, weshalb ein bestimmter Kandidat einen perfekten Sch�ler abgeben w�rde (die meisten dieser Briefe waren unge�ffnet). Und es gab st�ndig Berichte �ber nichts und wieder nichts, Feststellungen �ber <emphasis>keine</emphasis> Ver�nderungen, <emphasis>keine</emphasis> besonderen Vorkommnisse.</p><p>Dies wiederum fand sich in den neueren Botschaften nur noch selten. Zwar waren sie alle nicht mit einem Datum versehen, aber eine Kontinuit�t lie� sich an der Vergilbung der Seiten und der Dringlichkeit des Tonfalls erkennen, mit dem um Taten und Ratschl�ge ersucht wurde. Nach dem pl�tzlichen Auftauchen der Orks klangen die Briefe merklich h�flicher, vor allem nachdem die Orks mit den �berf�llen auf Karawanen begonnen hatten. Doch der Strom der Bittstellungen riss nicht ab, nahm sogar zu.</p><p>Khadgar sah den alten Mann im Bett an und fragte sich, warum er diesen Leuten so oft half.</p><p>Und dann gab es die r�tselhaften Briefe � gelegentliche Dankesschreiben, der Hinweis auf einen uralten Text, eine Antwort auf eine unbekannte Frage � <emphasis>Ja, Nein</emphasis> oder <emphasis>Nat�rlich das Emu</emphasis>. W�hrend seiner Wache an Medivhs Seite traf ein weiterer mysteri�ser Brief ohne Unterschrift ein. Darin stand: <emphasis>Bereite die Quartiere vor. Der Abgesandte wird bald eintreffen.</emphasis></p><p>Am Ende der dritten Woche trafen eines Abends zwei Briefe mit einem fahrenden H�ndler ein. Einer trug ein Purpursiegel, der andere ein rotes und war an Khadgar adressiert. Beide stammten aus der Violetten Zitadelle der Kirin Tor.</p><p>Der Brief an Khadgar war in krakeliger Handschrift verfasst. <emphasis>Wir m�ssen dir bedauerlicherweise vom pl�tzlichen und unerwarteten Tod deines Lehrers Guzbah Kenntnis geben. Wie wir wissen, hast du mit dem verstorbenen Magier korrespondiert, und wir teilen dein Mitgef�hl und deine Trauer. Solltest du �ber Briefe, Geld oder Informationen verf�gen, die Guzbah zustehen, oder solltest du Besitzt�mer von ihm erhalten haben (insbesondere geliehene B�cher), bitten wir um eine Zustellung dieser Gegenst�nde, Dokumente oder Informationen an die unten genannte Adresse.</emphasis></p><p>Am Ende des Briefes war eine Reihe von Zahlen in einer unleserlichen Handschrift hinzugef�gt worden.</p><p>Khadgar f�hlte sich wie taub. Guzbah war tot? Er drehte den Brief zwischen den Fingern, aber es fielen keine weiteren Informationen heraus. Benommen griff er nach der Rolle mit dem Purpursiegel. Das Schreiben war in der gleichen krakeligen Schrift verfasst, enthielt jedoch nach seiner Entschl�sselung weitaus mehr Informationen.</p><p>Guzbah war am Abend des Festes der Schriftgelehrten ermordet in der Bibliothek aufgefunden worden. Er hatte anscheinend gerade <emphasis>Dembrawns Kommentare zum �Lied von Aegwynn�</emphasis> �berarbeitet. Khadgar f�hlte sich pl�tzlich schuldig, weil er seinem ehemaligen Lehrer die Schriftrolle nicht geschickt hatte. Er war wohl von einer Bestie �berrascht worden (die vermutlich beschworen wurde), die ihn auseinander riss. Sein Tod musste schnell gekommen, aber schmerzhaft gewesen sein � und die Anmerkungen �ber den Zustand seines Leichnams und den der Bibliothek waren eindeutig <emphasis>zu</emphasis> detailfreudig. Die Beschreibung lie� darauf schlie�en, dass die �beschworene Bestie� ein D�mon war, der jenem �hnelte, den Medivh in Stormwind bek�mpft hatte.</p><p>Der Brief wurde in einem kalten analytischen Tonfall fortgesetzt, den Khadgar verst�rend fand. Der Autor wies darauf hin, dass es sich um den siebten Todesfall eines Magiers der Violetten Zitadelle allein in diesem Jahr handelte, und dass dazu auch der Erzmagier Arrexis z�hle. Weiterhin bemerkte er, dies sei der erste Todesfall dieser Art, der einen Magier betroffen habe, der nicht selbst Mitglied des Ordens war. Der Autor wollte wissen, ob Medivh in Kontakt mit Guzbah gestanden habe, entweder pers�nlich oder durch seinen Sch�ler. (Khadgar zuckte kurz zusammen, als er seinen eigenen Namen geschrieben sah.) Der unbekannte Autor fuhr fort dar�ber zu spekulieren, dass Guzbah ja kein Mitglied des Ordens gewesen sei und er vielleicht die Bestie selbst beschworen habe. In diesem Fall sollte Medivh nicht vergessen, dass Khadgar Guzbahs Sch�ler gewesen sei.</p><p>Khadgar sp�rte �rger in sich hochsteigen. Wie konnte es dieser unbekannte Autor (er musste den oberen R�ngen der Kirin-Tor-Hierarchie angeh�ren, aber es gab keine Hinweise, wer es sein k�nnte) wagen, ihn und Guzbah anzuklagen? Khadgar war noch nicht einmal dort gewesen, als Guzbah starb. Vielleicht war der Autor selbst der Schuldige � oder jemand wie Korrigan. Schlie�lich stellte der Bibliothekar st�ndig Nachforschungen �ber D�monenanbeter an. Wie konnte man nur solche Anschuldigungen aussprechen!</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf und atmete tief durch. Nein, diese Spekulationen waren aus der Luft gegriffen und einzig das Resultat pers�nlicher Intrigen, wie so viele andere politische Schachz�ge der Kirin Tor auch. Aus der Ver�rgerung wurde Traurigkeit, und mit ihr kam die Erkenntnis, dass selbst die m�chtigen Magier der Violetten Zitadelle nicht in der Lage waren, die Mordserie zu stoppen. Sieben Zauberer (sechs von ihnen Mitglieder eines angeblich geheimen und m�chtigen Ordens) waren gestorben, und diesem Autor fiel in seiner verzweifelten Hoffnung, die Todesf�lle m�gen endlich aufh�ren, nur eine solch haltlose Anschuldigung ein!</p><p>Khadgar dachte an Medivhs schnelle und entschlossene Reaktion in Stormwind und erkannte, dass es niemanden innerhalb seiner Gemeinschaft gab, der �ber vergleichbare Klugheit, Entschlossenheit und Intelligenz verf�gte.</p><p>Der junge Magier nahm den verschl�sselten Brief und betrachtete ihn noch einmal im schwachen Kerzenlicht. Das Fest der Schriftgelehrten lag anderthalb Monate zur�ck. So lange hatte die Nachricht �ber Wasser und �ber Land ben�tigt. Anderthalb Monate. Sie war entstanden, bevor Huglar und Hugarin in Stormwind get�tet wurden. Wenn der gleiche D�mon daran beteiligt war oder der gleiche Zauberer, musste er sich sehr schnell zwischen diesen beiden Orten bewegt haben. Einige der D�monen in der Vision hatten Fl�gel besessen � war es denkbar, dass sie solche Distanzen �berbr�ckten, ohne entdeckt zu werden?</p><p>Ein einzelner Windsto� fuhr pl�tzlich durch den Raum.</p><p>Die Haare in Khadgars Nacken str�ubten sich. Als er aufblickte, sah er, wie sich eine Gestalt im Zimmer manifestierte.</p><p>Zuerst gab es nur Rauch, rot wie Blut, der aus einem winzigen Loch im Universum str�mte. Er wallte auf und zog Schlieren wie Milch, die in Wasser aufsteigt. Schon bald bildete er eine wirbelnde Masse, durch die ein furchterregender D�mon trat.</p><p>Seine Gestalt war kleiner als auf der verschneiten Ebene, auf der Khadgar ihn in seiner Vision gesehen hatte. Er war geschrumpft, um in das Zimmer zu passen. Seine Haut war immer noch bronzefarben, seine R�stung bestand aus tiefschwarzem Eisen, und seine Haare waren voller Feuer. Gewaltige H�rner ragten aus seiner Stirn hervor. Er trug keine Waffen, aber er sah auch nicht so aus, als w�rde er Waffen ben�tigen, denn er bewegte sich mit der l�ssigen Eleganz eines furchtlosen Raubtiers.</p><p>Sargeras.</p><p>Khadgar schwieg entsetzt. Er war vor Angst wie gel�hmt. H�tten die Schutzzauber, die Medivh gewoben hatte, eine solche Bestie nicht fernhalten sollen? Und doch hatte sie den Turm und sogar Medivhs eigenes Zimmer so problemlos betreten, wie ein Adliger die H�tte eines einfachen Bauern aufsuchen w�rde.</p><p>Der Herr der Brennenden Legion sah sich nicht um, sondern glitt zum Fu� des Bettes. Eine Weile stand er dort, w�hrend die Feuer in seinem Bart und in seinem Haar lautlos brannten, und betrachtete den bewusstlosen Magier.</p><p>Khadgar hielt den Atem an und warf einen Blick zum Arbeitstisch. Ein paar B�cher. Eine Kerze vor einem Spiegel, um das Licht zu verst�rken. Ein Brief�ffner, mit dem man die Purpursiegel brach.</p><p>Der junge Magier griff langsam nach dem �ffner, versuchte sich zu bewegen, ohne die Aufmerksamkeit des D�mons auf sich zu ziehen. Seine Finger schlossen sich fest um das Werkzeug, seine Kn�chel traten wei� hervor.</p><p>Sargeras stand immer noch am Fu�ende des Bettes. Ein Moment verging, und Khadgar versuchte sich zu einer Bewegung zu zwingen. Entweder fliehen oder angreifen. Seine Muskeln waren wie aus Stein.</p><p>Medivh drehte sich in seinem Bett und murmelte etwas Unverst�ndliches. Der D�monenherrscher hob langsam eine Hand, als wolle er den leblosen K�rper des Magiers segnen.</p><p>Khadgar schrie auf und sprang mit dem Brief�ffner in der Hand von seinem Stuhl. Erst in diesem Moment begriff er, dass er den �ffner in der falschen Hand hielt.</p><p>Der D�mon sah in einer spielerisch eleganten Bewegung auf, als w�rde er schlafen oder bef�nde sich unter Wasser. Er sah den Angreifer an, der ungeschickt mit einem kurzen scharfen Dolch fuchtelte.</p><p>Der D�mon l�chelte. Medivh drehte sich im Schlaf und murmelte. Khadgar stie� dem D�mon den Brief�ffner in die Brust �</p><p>� und durch dessen ganzen K�rper hindurch. Der Schwung seines Sto�es trug ihn durch die Gestalt Sargeras� hindurch bis zur gegen�berliegenden Wand. Er konnte nicht mehr abbremsen und prallte schwer dagegen. Der Brief�ffner fiel klirrend auf den Steinboden.</p><p>Medivh �ffnete weit die Augen und setzte sich auf. �Moroes? Khadgar? Seid ihr hier?�</p><p>Khadgar kam auf die Beine und sah sich um. Der D�mon war verschwunden wie eine Seifenblase, die man mit einer Nadel ber�hrt. Er und Medivh waren allein im Zimmer.</p><p>�Was machst du auf dem Boden, Junge?�, fragte Medivh. �Moroes h�tte dir ein Lager bereiten k�nnen.�</p><p>�Meister, Eure Schutzzauber!�, rief Khadgar. �Sie haben versagt. Da war �� Er z�gerte f�r einen Moment, war sich nicht sicher, ob er preisgeben sollte, dass er wusste, wie Sargeras aussah. Medivh w�rde es auffallen, und er w�rde ihn nicht in Ruhe lassen, bis er enth�llte, woher er es wusste.</p><p>�Ein D�mon�, stie� er hervor. �Hier war ein D�mon.�</p><p>Medivh l�chelte. Er wirkte ausgeruht, und die Farbe kehrte in sein Gesicht zur�ck. �Ein D�mon? Wohl kaum. Warte.� Er schloss die Augen und nickte. �Nein, die Schutzzauber sind unbesch�digt. Ein Nickerchen reicht nicht aus, um ihnen die Energie zu entziehen. Was hast du gesehen?�</p><p>Khadgar schilderte das Auftauchen des D�mons aus der Wolke aus kochender blutiger Milch bis zu dem Punkt, wo er vor dem Bett gestanden und die Hand gehoben hatte.</p><p>Der Magus sch�ttelte den Kopf. �Ich glaube, das war wieder eine deiner Visionen�, sagte er schlie�lich. �Ein St�ck Zeit hat sich losgerissen und ist in den Turm eingefallen, wo es ebenso schnell wieder verschwand.�</p><p>�Aber der D�mon ��, begann Khadgar.</p><p>�Der D�mon, den du beschrieben hast, gibt es in diesem Leben nicht mehr�, sagte Medivh. �Er wurde get�tet und in den Ozean geworfen, bevor ich geboren wurde. Du hattest eine Vision von Sargeras aus <emphasis>�Das Lied von Aegwynn�</emphasis>. Die Schriftrollen liegen vor dir. Du hast wohl die Nachrichten entschl�sselt. Vielleicht hat das den aus der Zeit gerissenen Geist in dieses Zimmer gelockt. Du solltest hier nicht arbeiten, w�hrend ich schlafe.�</p><p>Er zog die Augenbrauen zusammen, als sei er nicht sicher, ob er w�tend werden sollte.</p><p>�Es tut mir Leid � Ich wollte Euch nicht allein lassen.� Khadgar klang unbeholfen.</p><p>Medivh erlaubte sich ein L�cheln. �Ich habe nicht gesagt, dass ich es verbiete, und ich glaube nicht, dass Moroes dich aufgehalten h�tte. Schlie�lich musste er sich dann selbst etwas weniger um mich k�mmern �� Er strich mit Daumen und Zeigefinger �ber Lippen und Bart. �Ich glaube, ich hatte gen�gend Suppe f�r den Rest meines Lebens. Und nur damit du dich sicherer f�hlst, werde ich die mystischen Schutzzauber des Turms �berpr�fen. Ich werde dir zeigen, wie man sie anlegt. Ist abgesehen von D�monenvisionen noch etwas in meiner Abwesenheit geschehen?�</p><p>Khadgar fasste die Nachrichten zusammen, die er erhalten hatte. Die sich h�ufenden Ork-Zwischenf�lle. Lothars Karte. Die geheimnisvolle Nachricht �ber den Abgesandten. Und die Nachricht von Guzbahs Tod.</p><p>Medivh grunzte, als er h�rte, wie Guzbah gestorben war und sagte: �Jetzt werden sie also Guzbah die Schuld in die Schuhe schieben, bis der n�chste arme Narr zerfetzt wird.� Er sch�ttelte den Kopf und f�gte hinzu: �Fest der Schriftgelehrten. Das war vor Huglars und Hugarins Tod.�</p><p>�Ungef�hr anderthalb Wochen davor�, best�tigte Khadgar.</p><p>�Ein D�mon h�tte gen�gend Zeit, um von Dalaran nach Stormwind zu fliegen.�</p><p>�Oder ein Mann auf dem R�cken eines Greifen�, sagte Medivh nachdenklich. �Es gibt nicht nur D�monen und Magie in dieser Welt. Manchmal reicht auch eine einfachere Antwort aus. Sonst noch etwas?�</p><p>�Die Orks werden anscheinend immer zahlreicher und gef�hrlicher�, sagte Khadgar. �Lothar sagt, dass sie sich nicht mehr auf Karawanen�berfalle beschr�nken, sondern auch Siedlungen angreifen. Kleine Siedlungen, aber die Menschen zieht es deshalb nach Stormwind und in die anderen St�dte.�</p><p>�Lothar macht sich zu viele Sorgen�, widersprach Medivh und schnitt eine Grimasse.</p><p>�Er ist besorgt, ja�, erwiderte Khadgar ruhig. �Niemand wei�, was als N�chstes geschehen wird.�</p><p>�Ganz im Gegenteil.� Medivh stie� einen tiefen Seufzer aus. �Wenn alles, was du erz�hlt hast, der Wahrheit entspricht, werden sich die Ereignisse genau so abspielen, wie ich es erwartet habe.�</p></section><section><title><p>10</p><p>Der Abgesandte</p></title><p>W�hrend Medivh sich erholte, beruhigten sich die Ereignisse in seiner Umgebung � so sehr sie sich in der Gegenwart des Magus �berhaupt beruhigen konnten. Wenn er abwesend war, hinterlie� er Khadgar Anweisungen zur Verbesserung seiner magischen Talente, und wenn er sich Medivh im Turm aufhielt, musste der junge Magier diese neugewonnenen F�higkeiten auf ein Fingerschnipsen hin vorf�hren k�nnen.</p><p>Khadgar passte sich schnell an, f�hlte sich jedoch, als seien seine F�higkeiten wie Kleidung, die ihm um zwei Nummern zu gro� war und in die er erst noch hineinwachsen musste. Er konnte jetzt Feuer mit seinem Willen kontrollieren, Blitze ohne eine einzige Wolke am Himmel herbeirufen und kleine Gegenst�nde durch die Kraft seines Geistes dazu bringen, auf der Tischplatte zu tanzen. Er lernte auch andere Zauberspr�che � wie zum Beispiel einen Spruch, mit dem er aus nur einem Knochen eines Leichnams dessen Todesursache lesen oder einen anderen, mit dem man Bodennebel aufsteigen lassen konnte; sogar noch einen dritten, mit dessen Hilfe man magische Botschaften f�r andere hinterlie�. Er lernte, wie man einem leblosen Gegenstand das wahre Alter nimmt und kr�ftigte so einen morsch gewordenen Stuhl. Auch das Gegenteil erlernte er und entzog einer neu geschnitzten Keule deren Frische. Sie wurde daraufhin br�chig und zerfiel zu Staub. Er lernte, wie die Schutzkammern funktionierten und erhielt die Aufgabe, auf sie zu achten. Er erfuhr von der Bibliothek der D�monen, auch wenn Medivh es nicht erlaubte, derlei in seinem Turm zu beschw�ren. Diesem Befehl wollte Khadgar auch nicht zuwider handeln.</p><p>Medivh verschwand manchmal nur f�r ein paar Stunden, dann wieder f�r ein paar Tage. Er hinterlie� stets Instruktionen, gab jedoch nie Erkl�rungen ab. Bei seiner R�ckkehr wirkte der W�chter stets hagerer und m�der als zuvor, und er pr�fte streng die Fortschritte des Jugendlichen und fragte nach den Neuigkeiten, die es w�hrend seiner Abwesenheit gegeben hatte. Doch er fiel kein weiteres Mal in seinen komagleichen Schlaf, und so nahm Khadgar an, dass bei den mysteri�sen Taten seines Herrn D�monen keine Rolle spielten.</p><p>Eines Abends, als sich Khadgar in der Bibliothek aufhielt, h�rte er L�rm aus dem unteren Gemeinschaftsbereich und aus den St�llen. Es waren Rufe, Herausforderungen und leisere, unverst�ndliche Antworten. Als er das Fenster erreichte, von dem aus er auf diesen Teil des Gem�uers hinabblicken konnte, sah er noch, wie eine Gruppe von Reitern die Mauern des Turms verlie�.</p><p>Khadgar runzelte die Stirn. Waren dies Zulieferer, die Moroes abgewiesen hatte, oder handelte es sich um �berbringer weiterer schlechter Nachrichten f�r seinen Herrn? Khadgar stieg den Turm hinab, um mehr herauszufinden.</p><p>Er sah den Neuank�mmling nur kurz � fl�chtig bemerkte er einen schwarzen Umhang, der in einem G�stezimmer auf einem der unteren Stockwerke verschwand. Moroes war ebenfalls dort. Er hielt eine Kerze in der Hand, und als Khadgar die letzten Stufen �berwand, h�rte er den Schlossverwalter sagen: �Andere Besucher waren weniger vorsichtig. Sie sind jetzt weg.�</p><p>Die Antwort des Neuank�mmlings war nicht zu verstehen, denn Moroes schloss die T�r, als Khadgar n�her kam.</p><p>�Ein Gast?�, fragte der junge Mann in der Hoffnung, einen Hinweis auf den Neuank�mmling zu erhalten. Er sah jedoch nichts au�er einer geschlossenen T�r.</p><p>�Jau�, antwortete der Verwalter.</p><p>�Magier oder H�ndler?�</p><p>�Wei� ich nicht�, sagte der Verwalter, der bereits den Gang hinunterging. �Hab nicht gefragt, und der Abgesandte hat nichts dazu gesagt.�</p><p>�Der Abgesandte�, wiederholte Khadgar und dachte an einen der geheimnisvollen Briefe aus Medivhs gro�em Schlaf. �Dann ist es ein politischer Besuch f�r den Magus.�</p><p>�Nehme ich an�, sagte Moroes. �Hab nicht gefragt. Steht mir nicht zu.�</p><p>�Also ist es Besuch f�r den Magus�, sagte Khadgar.</p><p>�Nehme ich an�, sagte Moroes in dem gleichen schl�frigen Tonfall. �Man wird uns sagen, was wir wissen m�ssen.� Und damit verschwand er und lie� Khadgar, der immer noch auf die geschlossene T�r starrte, stehen.</p><p>Am n�chsten Tag war da dieses seltsame Gef�hl einer fremden Pr�senz im Turm. Es war, als g�be es einen neuen Himmelsk�rper, dessen Schwerkraft die Umlaufbahnen aller anderen beeinflusste. Dieser neue Planet brachte K�chin dazu, gr��ere Pfannen zu verwenden und Moroes dazu, in unregelm��igeren Abst�nden als sonst �blich durch die G�nge zu wandern. Selbst Medivh schickte Khadgar gelegentlich auf Boteng�nge innerhalb des Turms, und wenn der junge Magier ihn verlie�, h�rte er das Fl�stern eines schweren Umhangs auf den Steinen hinter sich.</p><p>Medivh verriet nichts, so lange Khadgar auch auf eine Erkl�rung wartete. Es gab Anspielungen, mehr nicht. Dann wurde er in die Bibliothek geschickt, wo er seine Studien fortsetzen und seine Zauberspr�che einstudieren sollte. Khadgar stieg die Wendeltreppe einen Halbkreis lang hinab, hielt inne und stieg dann langsam wieder hinauf. Er sah den R�cken eines dunklen Umhangs im Labor des W�chters verschwinden.</p><p>Khadgar ging die Treppe wieder hinunter und fragte sich, wer der Abgesandte wohl sein mochte. Ein Spion f�r Lothar? Ein Mitglied des Ordens, das sich geheimnisvoll geben wollte? Vielleicht ein Angeh�riger der Kirin Tor, jener mit der spinnenartigen Handschrift und den giftigen Theorien? Oder vielleicht eine ganz andere Person? Es war frustrierend, nichts zu wissen und � noch schlimmer �, nicht das Vertrauen des Magus zu genie�en.</p><p>�Man wird uns sagen, was wir wissen m�ssen�, murmelte Khadgar und betrat die Bibliothek. Seine Notizen und B�cher lagen so �ber die Tische verteilt, wie er sie zur�ckgelassen hatte. Er warf einen Blick darauf und auf das Schema eines Bildbeschw�rungsspruchs. Seit seinem letzten Versuch hatte er einiges hinzugef�gt und hoffte, sein Resultat jetzt verbessern zu k�nnen.</p><p>Khadgar betrachtete die Notizen und l�chelte. Dann nahm er die Phiolen mit pulverisierten Diamanten und ging nach unten. Er brachte einige Stockwerke mehr zwischen sich und Medivhs Audienzkammer, bis er zu einem der verlassenen Banketts�le gelangte.</p><p>Zwei Stockwerke tiefer, perfekt. Der Raum war elliptisch geformt und verf�gte �ber je einen Kamin an beiden Enden. Der gro�e Tisch war l�ngst in ein anderes Zimmer gebracht worden, die alten St�hle standen aufgereiht an einer Wand. Es gab nur einen Eingang. Der Boden bestand aus wei�em Marmor, war alt und aufgesprungen, jedoch sauber. Moroes� endlose Hingabe und Aufopferung sorgten daf�r.</p><p>Khadgar schuf einen magischen Kreis aus Amethyst und Rosenquarz. Er grinste, w�hrend er die Linien anfertigte. Er war sicherer bei seinen Zauberspr�chen geworden und ben�tigte sein zeremonielles Zaubergewand nicht mehr als Gl�cksbringer. Er zeichnete das Schutzmuster und l�chelte immer noch. Er konzentrierte die Energie bereits in seinem Kopf, rief die notwendigen Formen und Arten der Magie auf, zwang sie in eine Form und hielt ihre Energie zur�ck, bis sie ben�tigt wurde.</p><p>Er trat in den Kreis, sprach die Worte, die gesprochen werden mussten, malte die Zeichen in perfekter Harmonie mit seinen H�nden in die Luft und lie� die Energie frei. Er sp�rte, wie sich etwas in seinem Geist und in seiner Seele ber�hrte und rief die Magie herbei.</p><p>�Zeige mir, was in Medivhs Quartieren geschieht�, forderte er. In ihm zuckte es nerv�s. Er hoffte, dass die Schutzzauber des W�chters sich nicht auch gegen seinen Sch�ler richteten.</p><p>Er erkannte sofort, dass der Zauber misslungen war. Es war keine Katastrophe, die magischen Energien waren nicht kollabiert � es war mehr wie eine Fehlz�ndung. Vielleicht richteten sich die Schutzzauber auch gegen ihn und hatten seine Visionen an einen anderen Ort abgelenkt.</p><p>Mehrere Umst�nde verrieten ihm, dass der Zauber fehlgeschlagen war. Zum einen herrschte hier Tageslicht. Zum anderen war es warm. Und zuletzt kannte er diesen Ort auch noch.</p><p>Er war noch nie hier gewesen, zumindest nicht in dieser Turmspitze, aber es war klar, dass er sich in der Burg von Stormwind befand und �ber die Stadt hinwegblickte. Es handelte sich um einen der h�heren T�rme, und der Raum �hnelte dem, in dem die beiden Angeh�rigen des Ordens Monate zuvor ihr Ende gefunden hatten. Die Fenster waren jedoch gr��er, und es gab leuchtend wei�e Balkone. Eine warme Brise bewegte die Vorh�nge. Farbenfrohe V�gel sa�en auf goldenen Stangen entlang der W�nde des Zimmers.</p><p>Vor Khadgar befand sich ein kleiner gedeckter Tisch. Er sah wei�e, mit goldenen R�ndern versehene Porzellanteller, goldene Messer und Gabeln. In Kristallschalen lagen Fr�chte, die so frisch waren, dass der Morgentau noch an ihren Schalen hing. Khadgar sp�rte, wie sein Magen bei diesem Anblick zu knurren begann.</p><p>Neben dem Tisch stand ein d�nner Mann, den Khadgar nicht kannte. Er hatte ein schmales Gesicht und eine breite Stirn. Oberlippen- und Kinnbart waren schmal und sorgf�ltig gestutzt. Er trug eine reich verzierte rote Decke, die Khadgar nach einem Moment als Robe erkannte und die mit einem goldenen G�rtel �ber seiner H�fte gehalten wurde. Er ber�hrte eine der Gabeln und bewegte sie ein kleines bisschen zur Seite. Dann nickte er zufrieden. Er sah Khadgar an und l�chelte.</p><p>�Ah, du bist wach�, sagte er mit einer Stimme, die Khadgar vage bekannt vorkam.</p><p>F�r einen Augenblick dachte Khadgar, die Vision k�nne ihn wahrnehmen, doch der Mann sprach zu jemandem hinter ihm. Er drehte sich um und entdeckte Aegwynn, die so jung und sch�n war wie auf dem Schneefeld. (Hatten sich diese Ereignisse vorher oder nachher abgespielt? Ihr Aussehen verriet es ihm nicht.) Sie trug ein wei�es Cape mit gr�nem Rand, das aus Seide, nicht aus Fell bestand, und ihre F��e steckten nicht in Stiefeln, sondern einfachen wei�en Sandalen. Ihr blondes Haar wurde von einem silbernen Diadem gehalten.</p><p>�Du scheinst dir sehr viel M�he gemacht zu haben�, sagte sie. Khadgar konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten.</p><p>�Mit gen�gend Magie und Sehnsucht ist nichts unm�glich�, sagte der Mann und drehte seine Hand, sodass die Innenfl�che nach oben zeigte. Dar�ber schwebte eine bl�hende Orchidee.</p><p>Aegwynn nahm die Blume, roch kurz daran und legte sie dann auf den Tisch. �Nielas ��, begann sie.</p><p>�Lass uns zuerst fr�hst�cken�, erwiderte der Magier Nielas. �Sieh dir an, was ein Hofzauberer bereits am fr�hen Morgen besorgen kann. Diese Beeren wurden vor weniger als einer Stunde in den k�niglichen G�rten gepfl�ckt ��</p><p>�Nielas ��, begann Aegwynn erneut.</p><p>�Gefolgt von in Butter geschwenktem Schinken mit Sirup�, fuhr der Magier fort.</p><p>�Nielas ��, wiederholte Aegwynn.</p><p>�Dann vielleicht einige <emphasis>Vrocka-Eier</emphasis>, die wir mit einem einfachen Zauber, den ich auf den Inseln erlernte, am Tisch in ihren Schalen braten k�nnen?�, fragte der Magier.</p><p>�Ich werde gehen�, sagte Aegwynn ruhig.</p><p>Ein Schatten glitt �ber das Gesicht des Magiers. �Gehen? So bald? Noch vor dem Fr�hst�ck? Ich dachte, wir k�nnten uns noch ein wenig unterhalten.�</p><p>�Ich werde gehen�, sagte Aegwynn. �Ich habe meine eigenen Aufgaben und keine Zeit f�r die Annehmlichkeiten des Morgens <emphasis>danach</emphasis>.�</p><p>Der Hofzauberer wirkte verwirrt. �Ich dachte, dass du nach der letzten Nacht vielleicht eine Weile in Stormwind bleiben w�rdest.� Er blinzelte. �M�chtest du das nicht?�</p><p>�Nein�, sagte Aegwynn. �Nach der letzten Nacht gibt es f�r mich keinen Grund mehr zu bleiben. Ich habe erreicht, was ich wollte. Ich muss hier nicht l�nger sein.�</p><p>In der Gegenwart verzog Khadgar das Gesicht, als die Puzzlest�cke anfingen, Sinn zu ergeben. <emphasis>Deshalb</emphasis> klang die Stimme des Magiers so vertraut.</p><p>�Aber ich dachte ��, stammelte Nielas, doch die W�chterin sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du, Nielas Aran, bist ein Narr�, sagte Aegwynn ruhig.</p><p>�Du bist einer der m�chtigsten Zauberer im Orden von Tirisfal und doch bist und bleibst du ein Narr. Das sagt einiges �ber den Rest des Ordens aus.�</p><p>Nielas Aran holte tief Luft. Er wollte vermutlich w�tend erscheinen, doch er wirkte nur eingeschnappt. �Einen Moment mal ��</p><p>�Hast du etwa wirklich geglaubt, dass dein blo�er Charme mich in dein Schlafzimmer gelockt hat � oder dein Witz und deine Gespr�chskunst mich von unseren Diskussionen �ber Beschw�rungsriten abgelenkt haben? Sicherlich verstehst du, dass ich mich von deiner Position als Hofzauberer nicht so einsch�chtern lasse, wie das vielleicht eine Dorfkuhhirtin t�te. Und nat�rlich verstehst du auch, dass zu einer Verf�hrung zwei geh�ren. Ein so gro�er Narr kannst selbst du nicht sein, Niels Aran.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte der Hofzauberer, den die Worte schmerzen mussten, was er jedoch verbarg. �Ich dachte nur, dass wir wie zivilisierte Menschen gemeinsam fr�hst�cken k�nnten.�</p><p>Aegwynn l�chelte, und Khadgar erkannte, dass es ein grausames L�cheln war. �Ich bin so alt wie ganze Dynastien � und meine m�dchenhaften W�nsche habe ich bereits im ersten Jahrhundert meines Lebens hinter mir gelassen. Ich habe genau gewusst, was ich tat, als ich gestern Nacht dein Schlafgemach betrat.�</p><p>�Ich dachte ��, begann Nielas. �Ich dachte nur �� Er suchte nach den richtigen Worten.</p><p>�Dass du als einziger des Ordens den Charme h�ttest, um die gro�e wilde W�chterin zu z�hmen?�, fragte Aegwynn mit breiter werdendem L�cheln. �Dass sie sich deinem Willen durch ein wenig Hofieren, Witz und ein paar Taschenspielertricks unterordnen w�rde, obwohl alle anderen versagt haben? Dass du die Macht der <emphasis>Tirisfalen</emphasis> vor deinen eigenen Karren spannen k�nntest? Das ist doch nicht dein Ernst, Nielas Aran. Du hast schon so viel von deinem Potenzial verschwendet, sag mir jetzt nicht, dass das Leben am k�niglichen Hof dich v�llig korrumpiert hat. Lass mir ein wenig Respekt vor dir.�</p><p>�Aber wenn du nicht beeindruckt warst�, sagte Nielas, w�hrend er versuchte den Worten Sinn zu entlocken, �wenn du mich nicht wolltest, warum hast du dann �?�</p><p>Aegwynn gab ihm die Antwort. �Ich kam nach Stormwind, um das Einzige zu finden, f�r das ich nicht selbst sorgen kann: einen geeigneten Vater f�r meinen Erben. Ja, Nielas Aran, du kannst den anderen Magiern des Ordens mitteilen, dass du mit der gro�en und m�chtigen W�chterin geschlafen hast. Aber du wirst ihnen leider auch sagen m�ssen, dass du mir die M�glichkeit verschafft hast, meine Macht weiterzugeben, ohne dass der Orden Kontrolle dar�ber haben wird.�</p><p>�Das habe ich getan?� Das Ergebnis seines Tuns wurde ihm nun langsam klar. �Ja, das habe ich dann wohl. Doch es w�rde dem Orden nicht gefallen ��</p><p>�� manipuliert zu werden? Zum Narren gehalten zu werden?�, fragte Aegwynn. �Nein, das wird ihnen nicht gefallen. Aber sie werden nichts gegen dich unternehmen, weil sie f�rchten m�ssen, dass ich vielleicht doch ein romantisches Interesse an dir habe. Und das zum Trost: Von all den Magiern, Zauberern, Schamanen warst du der mit dem gr��ten Potenzial. Dein Samen wird mein Kind sch�tzen und st�rken und es zum Gef�� f�r meine Macht machen. Und nach seiner Geburt wirst du es hier sogar erziehen, weil ich wei�, dass es meinem Pfad folgen wird. Der Orden wird sich die Gelegenheit, es vielleicht doch beeinflussen zu k�nnen, nicht entgehen lassen.�</p><p>Nielas Aran sch�ttelte den Kopf. �Aber ich �� Er brach ab. �Aber du hast �� Er z�gerte erneut. Als er schlie�lich sprach, leuchtete ein Feuer in seinen Augen, und da war Stahl in seiner Stimme. �Leb wohl, Magna Aegwynn.�</p><p>�Auf Wiedersehen, Nielas Aran�, sagte Aegwynn. �Es war � angenehm.�</p><p>Mit diesen Worten drehte sie sich um und verlie� das Zimmer.</p><p>Nielas Aran, Hauptbeschw�rer des Throns von Azeroth, Konspirator im Orden von Tirisfal und Vater des zuk�nftigen W�chters Medivh, setzte sich an den perfekt gedeckten Tisch. Er nahm eine goldene Gabel und drehte sie langsam zwischen den Fingern. Dann seufzte er und lie� sie zu Boden fallen.</p><p>Die Vision verging, bevor die Gabel auf dem Marmorboden ankam, aber Khadgar h�rte ein anderes Ger�usch, das eines Stiefels, der �ber kalten Stein glitt. Das Knistern einer Robe. Er war nicht allein.</p><p>Khadgar fuhr herum, erhaschte aber nur noch den Schimmer eines schwarzen Umhangs.</p><p>Der Abgesandte spionierte ihn aus?</p><p>Es war schon schlimm genug, dass Medivh ihn jedes Mal wegschickte, wenn er mit dem Fremden sprach � jetzt schien dieser bereits die Herrschaft �ber die Burg �bernommen zu haben �</p><p>Khadgar sprang auf und lief auf den Eingang zu. Als er die T�r erreichte, war der Abgesandte bereits verschwunden, aber er h�rte, wie Stoff �ber Steintreppen glitt. Er bewegte sich nach unten zu den Gastquartieren.</p><p>Khadgar stieg ebenfalls die Stufen hinab. Sie waren so gef�hrlich, dass der Fremde sich am �u�eren Rand bewegen w�rde, dort wo die Auftrittfl�che am breitesten war. Der junge Magier war die Stufen jedoch schon so oft auf und ab gelaufen, dass er sich innen halten konnte und so mehrere Stufen zugleich nahm.</p><p>Auf halbem Weg zu den Gastquartieren entdeckte Khadgar den Schatten des Fremden an der Au�enwand. Als er das Stockwerk der G�steunterk�nfte erreichte, sah er den Umhang der Gestalt, die durch einen Torbogen auf die T�r zu den Quartieren zulief. Wenn der Abgesandte die Quartiere erreichte, hatte Khadgar seine Chance vertan. Er �berwand die letzten vier Stufen mit einem einzigen Sprung, hastete weiter und packte die verh�llte Gestalt am Arm.</p><p>Seine Hand schloss sich um Stoff und harte Muskeln. Er drehte die Gestalt zur Wand. �Den Magus d�rfte Eure Spionage interessieren ��, begann er, aber die Worte erstarben in seiner Kehle, als die Gestalt ihre Deckung aufgab.</p><p><emphasis>Die</emphasis> Abgesandte trug eine Reisejacke aus Leder mit hohen Stiefeln, eine schwarze Hose und eine ebenso schwarze Seidenbluse. Ihre Muskeln waren fest, und Khadgar zweifelte nicht daran, dass sie den ganzen Weg geritten war. Doch ihre Haut war gr�n, und als die Kapuze nach hinten fiel, erschien darunter ein Ork-Gesicht mit gewaltigen Kiefern und langen F�ngen. Gr�ne Ohren ragten aus schwarzem Haar hervor.</p><p>�Ork!�, schrie Khadgar und reagierte instinktiv. Er hob die Hand, sprach ein Wort der Macht und sammelte die Kraft, um einen Blitz aus reiner Energie durch sein Gegen�ber hindurch zu treiben.</p><p>Er hatte keine Chance. Kaum hatte er den Mund ge�ffnet, als die Ork-Frau auch schon mit einem Tritt reagierte, ihr Bein auf Brusth�he brachte. Ihr Knie schlug Khadgars ausgestreckte Hand zur Seite. Ihr Stiefel traf seine Wange. Er taumelte.</p><p>Khadgar stolperte r�ckw�rts und schmeckte Blut � anscheinend hatte er sich selbst in die Wange gebissen. Er hob erneut die Hand, um einen Blitz zu schleudern, aber die Ork war immer noch zu schnell, schneller als die Krieger in R�stungen, gegen die er in der Vergangenheit gek�mpft hatte. Sie �berwand die Entfernung zu ihm mit einem einzigen Schritt. Ihr Faustschlag trieb ihm die Luft aus den Lungen und machte jede Konzentration zunichte.</p><p>Der junge Magier zischte, lie� es mit Magie bewenden und w�hlte einen direkteren Weg. Noch benommen vom Schlag drehte er sich zur Seite, griff nach dem Arm der Gegnerin und zerrte daran. Einen Moment zeichnete sich �berraschung auf dem Ork-Gesicht ab, doch dann setzte sie ihre F��e fest auf den Boden und zog Khadgar auf <emphasis>sich</emphasis> zu.</p><p>Khadgar roch Gew�rze, als er auf sie zugerissen wurde, dann warf sie ihn auch schon in den Gang. Er rutschte �ber den Steinboden, schlug gegen die Wand und kam schlie�lich vor den F��en einer zweiten Person zur Ruhe.</p><p>Als er aufsah, erkannte er den Verwalter, der den Blick leicht besorgt erwiderte.</p><p>�Moroes!�, schrie Khadgar. �Verschwindet! Holt den Magus! Wir haben einen Ork im Turm!�</p><p>Moroes bewegte sich nicht, sondern sah die Ork-Frau aus seinen tr�ben hellen Augen an. �Seid Ihr in Ordnung, Abgesandte?�</p><p>Die Frau verzog ihre gr�nen Lippen zu einem L�cheln und h�llte sich wieder vollst�ndig in den Umhang. �Es ging mir nie besser. Ich brauchte ein wenig Abwechslung. Der Kleine war so freundlich, daf�r zu sorgen.�</p><p>�Moroes!�, stie� der junge Magier hervor. �Diese Frau ist ��</p><p>�Die Abgesandte. Ein Gast des Magus�, antwortete Moroes. Trocken f�gte er hinzu: �Ich sollte dich holen. Der Magus m�chte dich sehen.�</p><p>Khadgar stemmte sich auf die Beine und sah die Abgesandte scharf an. �Wenn du den Magus siehst, wirst du ihm dann von deiner Spionage berichten?�</p><p>�Er will nicht sie sehen�, korrigierte ihn Moroes. �Er will dich sehen, Lehrling.�</p><empty-line/><p>�Sie ist eine Ork!�, rief Khadgar lauter und sch�rfer, als er es eigentlich wollte.</p><p>�Eine Halb-Ork�, erwiderte Medivh. Er beugte sich �ber seine Werkbank und fuchtelte mit einem goldenen Ger�t, einem Astrolabium, herum. �Ich gehe davon aus, dass es in ihrer Heimat Menschen oder Fast-Menschen gibt � oder gegeben hat. Reich mir mal die Zange, Lehrling.�</p><p>�Sie haben versucht Euch umzubringen!�, emp�rte sich Khadgar.</p><p>�Du meinst die Orks? Es stimmt, das haben einige versucht�, sagte Medivh ruhig. �Einige Orks haben versucht mich zu t�ten. Und versucht dich zu t�ten. Garona geh�rte nicht zu dieser Gruppe. Das glaube ich zumindest. Sie ist hier als Repr�sentantin ihres Volkes. Zumindest eines Teils ihres Volkes.�</p><p><emphasis>Garona. Also hat die Hexe einen Namen</emphasis>, dachte Khadgar. Laut sagte er: �Wir wurden von Orks angegriffen. Ich hatte Visionen von Ork-Angriffen. Ich habe die Nachrichten aus ganz Azeroth gelesen, die von �berfallen und Angriffen der Orks sprechen. Immer wieder h�rt man von der Brutalit�t und Grausamkeit der Orks. Es scheint jeden Tag mehr von ihnen zu geben. Das ist ein gef�hrliches und bestialisches Volk!�</p><p>�Sie hat dich mit Leichtigkeit besiegt, richtig?�, fragte Medivh und blickte von seiner Arbeit auf.</p><p>Obwohl er es nicht wollte, ber�hrte Khadgar seinen Mundwinkel, an dem das Blut bereits getrocknet war. �Damit hat es nichts zu tun.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Medivh. �Und womit hat es etwas zu tun?�</p><p>�Sie ist eine Ork. Sie ist gef�hrlich. Und Ihr habt ihr freien Zugang zum Turm gestattet.�</p><p>Medivh knurrte. In seiner Stimme war pl�tzlich eisige Sch�rfe. �Sie ist eine Halb-Ork. Sie ist ungef�hr so gef�hrlich wie du, wenn man die Situation und ihre Absichten bedenkt. Und sie ist mein Gast und sollte mit dem ihr zustehenden Respekt behandelt werden. Das erwarte ich von dir.�</p><p>Khadgar schwieg einen Moment, bevor er einen neuen Ansatz versuchte. �Sie ist die Abgesandte?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Von wem wurde sie entsandt?�</p><p>�Von einem oder mehreren der Clans, die momentan den Schwarzen Morast bewohnen�, sagte Medivh. �Ich wei� noch nicht, welche. So weit sind wir noch nicht gekommen.�</p><p>Khadgar blinzelte �berrascht. �Ihr habt sie in unseren Turm gelassen, obwohl sie keine offizielle Funktion bekleidet?�</p><p>Medivh legte die Zange zur Seite und seufzte m�de. �Sie hat sich mir als Repr�sentantin einiger Clans vorgestellt, die momentan Azeroth unsicher machen. Wenn wir diese Angelegenheit ohne Feuer und Schwert kl�ren wollen, dann muss jemand anfangen zu reden. Warum also nicht hier? Und nebenbei bemerkt ist dies mein Turm, nicht unserer. Du bist mein Sch�ler, mein Lehrling und bist hier, weil es mir so gef�llt. Und als mein Sch�ler und Lehrling erwarte ich von dir ein vorurteilsfreies Verhalten.�</p><p>Es herrschte Stille, als Khadgar �ber diese Worte nachdachte. �Also � wen repr�sentiert sie? Einige, alle oder keinen Ork?�</p><p>�Momentan repr�sentiert sie nur sich selbst�, sagte Medivh und seufzte irritiert. �Nicht alle Menschen glauben an die gleichen Dinge. Es gibt keinen Grund, warum das bei den Orks anders sein sollte. Meine Frage an dich lautet: Wenn man deine nat�rliche Neugier bedenkt, warum versuchst du nicht bereits so viele Informationen wie m�glich aus ihr herauszuholen, anstatt mir zu sagen, was ich zu tun habe? Oder bezweifelst du, dass ich mit einem einzigen Halb-Ork fertig werde?�</p><p>Khadgar schwieg. Sein Verhalten und seine Unf�higkeit, die Dinge aus mehr als nur einer Perspektive zu betrachten, waren ihm peinlich. Zweifelte er an Medivh? War es m�glich, dass der Magus sich in einer Weise verhielt, die gegen seinen Orden gerichtet war? Die Frage brannte in ihm, wurde noch angefacht durch Lothars Worte, durch die Vision des D�mons und die Intrigen des Ordens. Er wollte den �lteren Mann warnen, aber jedes Wort schien auf ihn selbst zur�ckzufallen.</p><p>�Ich mache mir manchmal Sorgen um Euch�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Und ich mache mir manchmal Sorgen um dich�, erwiderte der �ltere Magier wie geistesabwesend. �Ich mache mir in letzter Zeit um vieles Sorgen.�</p><p>Khadgar wagte einen letzten Versuch. �Herr, ich glaube, dass Garona eine Spionin ist. Ich glaube, dass sie nur hier ist, um m�glichst viele Informationen zu sammeln, die sie sp�ter gegen Euch verwenden wird.�</p><p>Medivh lehnte sich zur�ck und l�chelte den jungen Mann verschmitzt an. �Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, junger Freund. Oder hast du die Liste vergessen, die deine eigenen Herren von den Kirin Tor dir mitgegeben haben? Wie viele Informationen solltest du aus mir herausholen, als du damals nach Karazhan kamst?�</p><p>Khadgars Ohren waren knallrot, als er �berhastet das Zimmer verlie�.</p></section><section><title><p>11</p><p>Garona</p></title><p>Er kehrte in seine (nun ja, Medivhs) Bibliothek zur�ck, wo Garona bereits seine Notizen durchging. Eine pl�tzliche Wut stieg in ihm auf, aber die Schmerzen von ihren Hieben und Medivhs mahnende Worte sorgten daf�r, dass er sich beherrschte.</p><p>�Was tust du da?�, fragte er scharf.</p><p>Garonas Finger tanzten �ber das Papier. �Herumschn�ffeln w�rdest du das wohl nennen. Spionieren?� Sie sah auf. �Eigentlich versuche ich nur zu verstehen, was du hier machst. Die Papiere lagen offen herum. Ich hoffe, es st�rt dich nicht.�</p><p><emphasis>Und wie es mich st�rt</emphasis>, dachte Khadgar, sagte jedoch: �Meister Medivh hat mich gebeten, dich in allem zu unterst�tzen, aber es w�rde ihm wohl kaum gefallen, wenn ich in diesem Zusammenhang zulasse, dass du dich durch einen unvorsichtigen Zauber selbst in die Luft jagst.�</p><p>Garonas Gesicht blieb regungslos, aber Khadgar bemerkte, dass sie die Finger von den Papieren zur�ckzog. �Ich bin an Magie nicht interessiert.�</p><p>�Ber�hmte letzte Worte�, versetzte Khadgar. �Kann ich dir bei irgendetwas helfen, oder schn�ffelst du nur allgemein herum, um zu sehen, was du vielleicht aufschnappen kannst?�</p><p>�Ich habe geh�rt, du hast ein Buch �ber die K�nige von Azeroth�, sagte sie. �Ich w�rde es gerne lesen.�</p><p>�Du kannst lesen?�, fragte Khadgar. Es klang gemeiner, als er es beabsichtigt hatte. �Tut mir Leid, ich wollte ��</p><p>�Ja, �berraschenderweise <emphasis>kann</emphasis> ich das�, erwiderte Garona schnippisch. �Ich habe �ber die Jahre hinweg viele F�higkeiten erworben.�</p><p>Khadgar presste die Lippen zusammen. �Zweite Reihe, viertes Regal. Es ist ein rot eingebundenes Buch mit goldenem Rand.�</p><p>Garona verschwand zwischen den Stapeln, und Khadgar nutzte die Zeit, um seine Notizen vom Tisch zu nehmen. Er musste sie an einem anderen Ort aufbewahren, so lange die Ork sich frei im Turm bewegte. Zum Gl�ck handelte es sich um keine Korrespondenz des Ordens. Sogar Medivh h�tte wohl getobt, wenn er ihr das �Lied von Aegwynn� zug�nglich gemacht h�tte.</p><p>Seine Blicke fanden die Sektion, in der die Schriftrolle aufbewahrt wurde. Von hier aus schien sie unver�ndert zu sein. Es war nicht vordringlich, aber er sollte sie wohl ebenfalls an einen anderen Ort bringen.</p><p>Garona kehrte mit einem gewaltigen Buch in der Hand zur�ck und hob fragend eine ihrer buschigen Augenbrauen.</p><p>�Ja, das ist es�, sagte der Sch�ler.</p><p>�Die menschliche Sprache ist ein wenig � ausschweifend�, kommentierte sie die Dicke des Werkes und deponierte es auf dem freien Platz, wo eben noch die Notizen gelegen hatten.</p><p>�Nur weil wir so viel zu sagen haben�, erwiderte Khadgar und versuchte zu l�cheln. Er fragte sich, ob Orks wohl auch B�cher besa�en, eigene B�cher. Lasen sie �berhaupt? Sie hatten Schamanen, aber bedeutete das zwangsl�ufig, dass sie auch �ber echtes Wissen verf�gten?</p><p>�Ich hoffe, ich war eben im Gang nicht zu heftig mit dir.� Ihr Tonfall war verbindlich, und Khadgar war sicher, dass sie es lieber gesehen h�tte, wenn er einen Zahn ausgespuckt h�tte. Aber vielleicht hielt man bei den Orks so etwas schon f�r eine ausreichende Entschuldigung.</p><p>�Kein Problem�, sagte er. �Ich brauchte die Abwechslung.�</p><p>Garona setzte sich und schlug das Buch auf. Khadgar bemerkte, dass sie beim Lesen die Lippen bewegte und im hinteren Teil des Buchs begonnen hatte, bei der Herrschaft von K�nig Llane.</p><p>Jetzt, da er etwas Ruhe hatte, fiel ihm auf, dass sie nicht wie die anderen Orks aussah, gegen die er gek�mpft hatte. Sie war schlank und muskul�s, nicht so wie die verwachsenen grobschl�chtigen Bestien, die er im Lager gesehen hatte. Ihre Haut war glatt, beinahe wie die eines Menschen, und zeigte ein helleres Gr�n als die jadefarbene Haut normaler Orks. Ihre Z�hne waren etwas kleiner, ihre Augen ein wenig gr��er und ausdrucksvoller als die harten roten Augen von m�nnlichen Ork-Kriegern. Er fragte sich, wie viele dieser Unterschiede von ihrer menschlichen Seite stammen mochten, und wie viele einfach Zeichen ihrer Weiblichkeit waren. Er dachte dar�ber nach, ob er bereits gegen weibliche Orks gek�mpft hatte � es war ihm zumindest nicht aufgefallen, und zu Zeiten der K�mpfe hatte er kein Bed�rfnis versp�rt, es herauszufinden.</p><p>Ohne die gr�ne Haut, das entstellte, mit Fangz�hnen versehene Gesicht und die feindselige �berlegene Haltung, h�tte man sie fast schon attraktiv nennen k�nnen. Doch sie sa� in <emphasis>seiner</emphasis> Bibliothek und ging <emphasis>seine</emphasis> B�cher durch (nun ja, Medivhs Bibliothek und Medivhs B�cher, aber der Magus hatte sie ihm <emphasis>anvertraut)</emphasis>.</p><p>�Du bist also die Abgesandte�, sagte er schlie�lich. Er schlug einen entspannten Tonfall an. �Man hat mir gesagt, du w�rdest eintreffen.�</p><p>Die Halb-Ork nickte und konzentrierte sich auf die geschriebenen Worte, die vor ihr ausgebreitet waren.</p><p>�Wen genau repr�sentierst du eigentlich?�</p><p>Garona sah auf, und Khadgar erkannte an ihrem Blick, dass er ihr auf die Nerven ging. Er f�hlte sich gut dabei, fragte sich aber gleichzeitig, wo die Frau wohl die Grenze ziehen w�rde. Er wollte nicht zu hart oder zu schnell vorgehen, sonst w�rde er sich nur weitere Schl�ge und eine Standpauke des Magus einhandeln.</p><p>Dieses Mal wollte er zumindest etwas �ber die Schlacht erfahren. Er sagte: �Ich meine, wenn du die Abgesandte bist, muss dir doch jemand Befehle geben, du musst jemandem Bericht erstatten. Wenn repr�sentierst du?�</p><p>�Ich bin sicher, dein Meister w�rde es dir sagen, wenn du ihn fragst�, erwiderte Garona glatt, aber ihr Blick blieb hart.</p><p>�Ich bin sicher, das w�rde er�, log Khadgar. �Wenn ich die Unversch�mtheit besitzen w�rde, ihn zu fragen. Also frage ich stattdessen dich. Wen repr�sentierst du? Welche Befugnisse hast du? Bist du hier, um zu verhandeln, um etwas zu fordern � oder was?�</p><p>Garona schloss das Buch (Khadgar empfand es wie einen Sieg, dass er sie von ihrer Aufgabe abgelenkt hatte) und sagte: �Denken alle Menschen gleich?�</p><p>�Es w�re langweilig, wenn wir das t�ten�, sagte Khadgar.</p><p>�Ich meine, sind alle einer Meinung? Stimmen die Menschen immer dem zu, was ihre Herren oder Vorgesetzten wollen?�, fragte Garona. Die H�rte in ihrem Blick schw�chte ein wenig ab.</p><p>�Wohl kaum�, sagte Khadgar. �Das ist einer der Gr�nde, warum es so viele B�cher gibt. Jeder hat eine Meinung. Und das sind nur die Meinungen derer, die des Schreibens m�chtig sind.�</p><p>�Dann wirst du verstehen, dass es unter den Orks auch Meinungsverschiedenheiten gibt�, sagte Garona. �Die Horde besteht aus vielen Clans, und alle haben eigene H�uptlinge und Kriegsherren. Alle Orks geh�ren einem Clan an. Die meisten Orks sind ihrem Clan und ihrem H�uptling ergeben.�</p><p>�Was f�r Clans sind das?�, fragte Khadgar. �Wie werden sie genannt?�</p><p>�Stormreaver ist einer von ihnen�, sagte die Halb-Ork. �Blackrock, Twilight�s Hammer, Bleeding Hollow. Das sind die gr��ten.�</p><p>�Klingt alles sehr kriegerisch�, sagte Khadgar.</p><p>�Die Heimat der Ork-V�lker ist wild�, sagte Garona. �Es �berleben nur die, die stark und gut organisiert sind. Sie sind nur das, wozu ihre Wurzeln sie gemacht haben.�</p><p>Khadgar dachte an das vertrocknete Land mit dem roten Himmel, das er in der Vision gesehen hatte. Das war also die Heimat der Orks. Eine Ein�de in einer anderen Dimension. Aber wie kamen sie hierher? Doch das fragte er nicht.</p><p>�Zu welchem Clan geh�rst du?�</p><p>Garona schnaufte. Es klang wie das Niesen einer Bulldogge. �Ich habe keinen Clan.�</p><p>�Du sagtest doch, alle deine Leute geh�ren einem Clan an.�</p><p>�Ich sagte, alle <emphasis>Orks</emphasis>�, erwiderte Garona. Als Khadgar sie verwirrt ansah, hob sie ihre Hand. �Schau sie dir an. Was siehst du?�</p><p>�Deine Hand�, sagte Khadgar.</p><p>�Die eines Menschen oder die eines Orks?�</p><p>�Ork�, sagte Khadgar. F�r ihn war das offensichtlich. Gr�ne Haut, scharfe, gelbliche N�gel, Kn�chel, die ein wenig zu gro� f�r einen Menschen waren.</p><p>�Ein Ork w�rde das f�r eine menschliche Hand halten. Sie ist zu schlank, um wirklich n�tzlich zu sein, hat zu wenig Muskeln, um eine Axt zu halten oder einen Sch�del vern�nftig einzuschlagen � zu blass, zu schwach und zu h�sslich.� Garona lie� ihre Hand sinken und sah den jungen Magier von unten an. �Du siehst die Teile von mir, die orkisch sind. Meine orkischen Vorgesetzten und alle anderen Orks sehen die Teile, die menschlich sind. Ich bin beides und doch nichts, und beide Seiten halten mich f�r ein minderwertiges Wesen.�</p><p>Khadgar �ffnete den Mund und wollte widersprechen, entschied sich dann aber dagegen und schwieg. Er hatte schlie�lich auch die Ork-Frau angegriffen, die er im Gang gesehen hatte � und nicht den Menschen in ihr gesehen, der Medivhs Gast war. Er nickte und sagte: �Es muss schwierig sein, ohne Clanzugeh�rigkeit zu leben.�</p><p>�Ich habe daraus meinen Vorteil gezogen�, sagte Garona. �Ich kann mich freier zwischen den Clans bewegen. Da ich ein Zwitter-Wesen bin, glaubt niemand, dass ich st�ndig auf Vorteile f�r meinen eigenen Clan aus bin. Niemand mag mich, deshalb habe ich keine Vorlieben. Einige H�uptlinge finden das beruhigend. Das macht mich zu einem besseren Verhandlungsf�hrer � und ja, auch zu einem besseren Spion. Es ist besser, keinem Herrn zu dienen als mehreren.�</p><p>Khadgar dachte daran, wie scharf Medivh seine Verbindungen zu den Kirin Tor kritisiert hatte, sagte jedoch: �Und welchen Clan repr�sentierst du momentan?�</p><p>Garona l�chelte trocken und zeigte ihre Fangz�hne. �W�rde dir der Name Gizblah, der M�chtige etwas sagen? Oder vielleicht hat mich Morgax, der Graue oder Hikapik, der Blutige geschickt. W�rden dir diese etwas sagen?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Khadgar.</p><p>�Nein�, sagte Garona, �weil ich diese Namen gerade erfunden habe. Und der Name der Gruppe, die mich geschickt hat, w�rde dir jetzt auch noch nichts sagen. Genauso bedeutet die Freundschaft, die den alten Mann mit einem gewissen K�nig Llane verbindet, unseren H�uptlingen nichts � und der Name Lothar ist nur ein Fluch, der von den Lippen menschlicher Bauern kommt, wenn wir ihnen begegnen. Bevor es zu einem Frieden oder echten Verhandlungen kommen kann, m�ssen wir mehr �ber euch erfahren.�</p><p>�Weshalb du hier bist.�</p><p>Garona seufzte tief. �Weshalb ich bete, dass du mich so lange in Ruhe l�sst, dass ich herausfinden kann, wor�ber der alte Mann redet, wenn wir uns unterhalten.�</p><p>Khadgar schwieg einen Moment lang. Garona �ffnete das Buch erneut und bl�tterte die Seiten bis zu der Stelle durch, an der sie unterbrochen worden war.</p><p>�Nat�rlich beruht das auf Gegenseitigkeit�, sagte Khadgar, und Garona schloss das Buch mit einem theatralischen Seufzer. �Ich meine, dass wir auch mehr �ber die Orks erfahren m�ssen, wenn wir mehr als nur gegen sie k�mpfen wollen. Wenn ihr ernsthaft den Frieden wollt.�</p><p>Garona starrte Khadgar an, und f�r einen Moment bef�rchtete der junge Magier, die Halb-Ork w�rde �ber den Tisch springen und ihn erw�rgen. Stattdessen stellte sie ihre Ohren auf und sagte: �Moment, was ist das?�</p><p>Khadgar f�hlte es, bevor er es h�rte. Eine pl�tzliche Ver�nderung in der Luft, als habe man irgendwo im Turm ein Fenster ge�ffnet. Eine leichte Brise wirbelte den Staub im Gang auf. Eine warme Welle glitt durch den Turm.</p><p>Khadgar sagte: �Da ist etwas ��</p><p>Garona erwiderte: �Ich habe es geh�rt ��</p><p>Und dann h�rte es auch Khadgar, das Ger�usch eiserner Klauen, die �ber Stein schabten. Er sp�rte, wie die Luft um ihn herum w�rmer wurde und sich die Haare in seinem Nacken aufstellten.</p><p>Und die gro�e Bestie trat in die Bibliothek.</p><p>Sie bestand aus Feuer und Schatten. Ihre Haut war dunkel, Flammen waren darin zu sehen. Aus ihrem wolfsartigen Gesicht ragten geschwungene H�rner hervor, die wie poliertes Elfenbein gl�nzten. Sie sah aus wie ein Zweibeiner, ging jedoch auf allen vieren. Die langen Klauen kratzten �ber den Boden.</p><p>�Was ist �?�, zischte Garona.</p><p>�D�mon�, sagte Khadgar mit erstickter Stimme. Er erhob sich und wich vom Tisch zur�ck.</p><p>�Dein Diener sagte, es g�be hier Visionen. Geister. Ist das einer?� Garona stand ebenfalls auf.</p><p>Khadgar wollte erkl�ren, dass es sich um keine Vision handelte, weil man darin komplett in eine andere Umgebung versetzt wurde, aber er sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>Die Bestie stand auf der T�rschwelle und hob die Nase. Flammen schlugen aus ihren Augen. War die Bestie blind, orientierte sie sich nur am Geruch? Witterte sie etwas Fremdes in der Luft, einen Geruch, den sie nicht erwartet hatte?</p><p>Khadgar versuchte die Energien in seinem Geist zu sammeln, aber sein Herz h�mmerte, und seine Gedanken waren leer. Die Bestie schn�ffelte weiter, bis sie den beiden gegen�berstand.</p><p>�Geh in den hohen Turm�, sagte Khadgar ruhig. �Wir m�ssen Medivh warnen.�</p><p>Aus den Augenwinkeln sah er, wie Garona nickte, w�hrend sich ihre Blicke weiter auf die Bestie richteten. Ein Schwei�tropfen lief �ber ihren langen Hals nach unten. Sie drehte sich leicht zur Seite.</p><p>Die Bewegung reichte aus. Alles geschah gleichzeitig. Die Bestie spannte sich an und sprang ins Zimmer. Khadgar reagierte, zog die Energien in sich hinein, hob seine Hand und stie� einen Energieblitz in die Brust der Kreatur. Die Energie bohrte sich in den K�rper der Bestie und trat an ihrem R�cken wieder aus. Brennendes Fleisch flog in alle Richtungen, aber das hielt sie nicht auf.</p><p>Sie landete auf dem Tisch, ihre Klauen gruben sich in das harte Holz, dann sprang sie erneut, dieses Mal auf Khadgar zu. Der junge Magier erstarrte f�r eine Sekunde, aber diese Sekunde reichte dem D�mon, um die Entfernung zwischen ihnen zu �berbr�cken.</p><p>Etwas griff nach Khadgar und zog ihn fort. Er roch Zimt und h�rte einen tiefen Fluch, als er aus dem Weg des angreifenden D�mons gerissen wurde. Die Bestie flog durch die Luft, wo eben noch der Sch�ler gestanden hatte, und br�llte w�tend. Eine klaffende Wunde erschien in ihrer linken Seite. Brennendes Blut schoss daraus hervor.</p><p>Garona entlie� Khadgar aus ihrem Griff (es war ein schwacher, menschlicher Griff, der ihm trotzdem die Luft aus den Lungen presste). In ihrer Hand sah der Sch�ler ein Messer, dessen lange Klinge nach dem ersten Stich rot gef�rbt war. Khadgar fragte sich, wo sie die Waffe w�hrend ihres Streits versteckt gehalten hatte.</p><p>Die Bestie landete, fuhr herum und versuchte mit ausgestreckten Pranken einen zweiten, ungeschickten Angriff. Augen und Maul waren voller Flammen. Khadgar duckte sich und kam mit einem schweren roten Buch � <emphasis>Die Erbfolge von Azeroths K�nigen</emphasis> � wieder nach oben. Er schleuderte es der Bestie ins Gesicht und duckte sich erneut. Das Unget�m flog an ihm vorbei und landete neben der T�r. Es stie� einen erstickt klingenden W�rgelaut aus und sch�ttelte seinen massigen Kopf, um das Buch loszuwerden, das sich zwischen seinen H�rnern verkantet hatte. Khadgar bemerkte das Blut, das �ber die rechte Seite der Bestie lief. Garona hatte ein zweites Mal zugestochen.</p><p>�Hol Medivh!�, schrie Khadgar. �Ich locke ihn von der T�r weg.�</p><p>�Und was ist, wenn der D�mon mich will?�, fragte Garona, und zum ersten Mal bemerkte Khadgar Furcht in ihrer Stimme.</p><p>�Er will dich nicht�, sagte er grimmig. �Er t�tet Magier.�</p><p>�Aber du ��</p><p>�Geh!�, rief Khadgar.</p><p>Er wich nach links aus, und wie er bef�rchtet hatte, folgte ihm die Bestie. Garona lief jedoch nicht zur T�r, sondern wich nach rechts aus und kletterte auf das hintere B�cherregal.</p><p>�Hol Medivh!�, schrie Khadgar, w�hrend er den Gang zwischen zwei Regalen entlang lief.</p><p>�Daf�r ist nicht genug Zeit�, antwortete Garona, die immer noch nach oben kletterte. �Versuch ihn zwischen den Regalen aufzuhalten.�</p><p>Khadgar drehte sich am Ende des Gangs um. Der D�mon war bereits �ber den Tisch gesprungen und bewegte sich jetzt ebenfalls zwischen den Regalen voller historischer und geographischer B�cher. In den Schatten leuchteten die flammenden Augen der Bestie b�sartiger als je zuvor. Bei�ender Rauch drang aus ihren verletzten Flanken.</p><p>Khadgar bem�hte sich um Konzentration, k�mpfte seine Furcht nieder und schoss einen mystischen Pfeil ab. Ein Blitz oder eine Feuerkugel w�ren vielleicht effektiver gewesen, aber die Bestie stand mitten zwischen den B�chern.</p><p>Der Pfeil traf den D�mon ins Gesicht. Er taumelte einen Schritt zur�ck, knurrte und kroch wieder vorw�rts.</p><p>Khadgar wiederholte den Vorgang wie ein Ritual � Konzentration sammeln, Furcht bek�mpfen, Hand heben und das Wort aussprechen. Ein zweiter Pfeil prallte von den Elfenbeinh�rnern ab und schoss nach oben. Die Bestie z�gerte nur f�r einen Moment. Ihre Schnauze schien sich in einem verst�renden, flammenden Grinsen zu verziehen.</p><p>Ein drittes Mal beschwor Khadgar die Macht des magischen Pfeils, doch die Bestie war bereits nah, und als der Pfeil an ihrem Gesicht vorbeischoss, erhellte er nur den �berlegenen Ausdruck darin, sonst nichts. Khadgar roch saures, brennendes Fleisch und h�rte ein tiefes Klicken in der Kehle der Bestie � Gel�chter?</p><p>�Mach dich bereit!�, rief Garona von irgendwo rechts oben.</p><p>�Was treibst du da �?�, begann Khadgar und wich bereits zur�ck.</p><p>�Lauf!�, schrie sie und stie� sich mit den F��en ab. Die Halb-Ork war bis an die Spitze der B�cherregale geklettert und dr�ckte sie jetzt auseinander, brachte sie zu Fall wie gewaltige Dominosteine. Es krachte donnergleich, als die Regale zusammenstie�en, B�cher zu Boden rutschten und das Holz alles zerquetschte, was sich in seinem Weg befand.</p><p>Das letzte B�cherregal prallte gegen die Wand und zersplitterte. Garona rutschte daran herab und blieb mit gez�cktem Messer stehen. Sie versuchte etwas durch die Staubwolken zu erkennen.</p><p>�Khadgar?�, fragte sie.</p><p>�Hier�, sagte der Lehrling, der sich gegen die Wand gepresst hatte. Neben ihm ragten Eisenstangen hervor, die die Galerie �ber ihm st�tzten. Selbst f�r einen Menschen war sein Gesicht bleich.</p><p>�Haben wir den D�mon erwischt?�, fragte sie. Sie duckte sich, erwartete immer noch einen Angriff.</p><p>Khadgar zeigte auf einen Punkt, der eben noch das Ende der Regale gebildet hatte. Der gesamte Boden war mit Holzteilen und zerfetzten B�chern bedeckt. Aus den Tr�mmern ragte ein muskul�ser Arm hervor, der aus schwachen Flammen und verzogenen Schatten bestand. Die eisernen Klauen hatten sich durch Rost bereits rot gef�rbt, und warmes Blut floss �ber den Boden. Die ausgestreckte Pranke befand sich nur einen Schritt von Khadgar entfernt.</p><p>�Erwischt�, sagte Garona und lie� das Messer wieder unter ihrer Bluse verschwinden.</p><p>�Du h�ttest auf mich h�ren sollen�, sagte Khadgar und hustete sich den Staub aus der Kehle. �Du h�ttest Medivh holen sollen.�</p><p>�Der D�mon h�tte dich zerfetzt, bevor ich auch nur zwei Schritte zur�ckgelegt h�tte�, entgegnete die Halb-Ork. �Und wer h�tte das dem alten Mann erkl�rt?�</p><p>Khadgar nickte und blickte auf, als ihm ein Gedanke kam. �Meinst du, der Magus hat das hier geh�rt?�</p><p>Garona nickte. �Er sollte bereits auf dem Weg hierher sein. Wir haben gen�gend L�rm gemacht, um die Toten zu wecken.�</p><p>�Und was ist �� Khadgar steuerte bereits die T�r der Bibliothek an. �� wenn es mehr als einen D�mon gibt? Komm! Rasch!�</p><p>Ohne nachzudenken zog Garona erneut ihre Waffe und folgte dem Menschen aus dem Raum.</p><empty-line/><p>Als sie Medivh erreichten, sa� er in seinem Labor an der gleichen Werkbank, an der Khadgar ihn vor nicht mehr als einer Stunde angetroffen hatte. Das goldene Instrument, mit dem er besch�ftigt war, lag in verbogenen St�cken vor ihm. Ein Eisenhammer ruhte auf einer Seite der Bank.</p><p>Medivh sah auf, als Khadgar ins Zimmer st�rzte, dicht gefolgt von Garona. Der Lehrling fragte sich, ob der Magus die Ereignisse verschlafen hatte.</p><p>�Meister! Es ist ein D�mon im Turm!�, stie� Khadgar hervor.</p><p>�Schon wieder ein D�mon?�, fragte Medivh m�de und rieb sich ein Auge. �Beim ersten Mal war es ebenfalls ein D�mon; beim letzten Mal war es ein Ork.�</p><p>�Euer Sch�ler hat Recht�, sagte Garona. �Ich war mit ihm in der Bibliothek, als der D�mon angriff. Er war gro�, bestialisch und verschlagen. Er bestand aus Feuer und Dunkelheit, und seine Wunden brannten und rauchten.�</p><p>�Es war vermutlich nur eine weitere Vision�, wiegelte Medivh ab und widmete sich wieder seiner Arbeit. Er hob eines der demolierten Teile auf und betrachtete es, als habe er es noch nie zuvor gesehen. �Visionen kommen hier h�ufig vor. Ich glaube, Moroes hat Euch davor gewarnt, Gesandte.�</p><p>�Es war keine Vision, Meister�, rief Khadgar. �Es war ein D�mon wie jener, den Ihr in der Stormwind-Burg bek�mpft habt. Etwas hat die Schutzzauber durchdrungen und uns angegriffen.�</p><p>Medivhs graue Brauen hoben sich misstrauisch. �Etwas soll schon wieder meine Schutzzauber durchdrungen haben? L�cherlich.� Er schloss die Augen und zeichnete ein Symbol in die Luft. �Nein, alles in Ordnung. Alle Schutzzauber funktionieren. Ihr seid hier. K�chin ist in der K�che und Moroes im Gang vor der Bibliothek.�</p><p>Khadgar und Garona tauschten einen Blick. �Dann solltet Ihr sofort mitkommen, Meister.�</p><p>�So, sollte ich das?�, fragte Medivh. �Aber ich habe andere Dinge, um die ich mich k�mmern muss.�</p><p>�Bitte seht es euch an�, sagte Khadgar.</p><p>�Wir glauben, dass die Bestie tot ist�, sagte Garona, �aber wir wollen das Leben Eurer Diener nicht wegen einer blo�en Annahme riskieren.�</p><p>Medivh warf einen Blick auf das zerschlagene Ger�t, sch�ttelte den Kopf und legte es zur�ck. Es schien ihn zu irritieren. �Wie Ihr es w�nscht. Sch�ler sollten nicht so viel �rger machen.�</p><p>Als sie die Bibliothek erreichten, stand Moroes bereits mit dem Besen in der Hand da und betrachtete die Sch�den. Er wirkte etwas verloren, als die beiden Menschen und die Halb-Ork eintraten.</p><p>�Gl�ckwunsch�, sagte Medivh. Er war mehr als schlecht gelaunt. �Du hast mehr zerst�rt als bei deiner Ankunft im Argen lag. Da hatte ich wenigstens noch Regale. Und wo ist dieser angebliche D�mon?�</p><p>Khadgar ging zu der Stelle, wo die D�monenhand emporgeragt hatte, sah jedoch nur noch die Tr�mmer der Regale. Sogar das Blut war verschwunden.</p><p>�Er war hier�, sagte Garona. Sie wirkte so �berrascht wie Khadgar. �Er hat uns angegriffen.� Sie tastete nach der Ecke des Regals und versuchte es aufzurichten, doch die massive Eiche war selbst f�r sie zu schwer. Nach kurzem Bem�hen gab sie auf. �Wir haben ihn beide gesehen.�</p><p>�Ihr habt eine Vision gesehen�, machte Medivh deutlich. �Hat Moroes euch nicht gewarnt?�</p><p>�Jau�, best�tigte Moroes. �Das habe ich.� Er tippte gegen die Seiten seiner Scheuklappen, um seine Aussage zu bekr�ftigen.</p><p>�Meister, er hat uns angegriffen�, beharrte Khadgar. �Wir haben ihm mit unseren Spr�chen Schaden zugef�gt. Die Abgesandte hat ihn zweimal verwundet.�</p><p>�Hmm�, brummte der Magier. �Wahrscheinlich habt ihr einfach nur �berreagiert, als ihr ihn saht und habt die gr��ten Sch�den selbst angerichtet. Stammen die frischen Kratzer auf dem Tisch von dem D�mon?�</p><p>�Er hatte eiserne Klauen�, sagte Khadgar.</p><p>�Vielleicht stammen sie aber auch von den magischen Pfeilen, die hier herumflogen wie Ballons auf einem Stra�enfest.� Medivh sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mein Messer stie� in etwas Hartes, Ledriges�, sagte Garona.</p><p>�Mit Sicherheit eines der gebundenen B�cher�, sagte der Magus. �H�tte es einen D�mon gegeben, l�ge sein K�rper noch hier. Au�er jemand hat ihn wegger�umt. Moroes, hast du einen D�mon in deinem M�llsack?�</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte der Verwalter, �aber ich kann nachsehen.�</p><p>�Schon gut, aber lass deine Werkzeuge f�r die beiden hier zur�ck.� Er wandte sich an den jungen Magier und die Halb-Ork. �Ich erwarte, dass ihr miteinander auskommt. Im Lichte dieser Angelegenheit halte ich es f�r richtig, wenn ihr die Bibliothek aufr�umt. Mein <emphasis>Vertrauen</emphasis>, du hast deinem Namen keine Ehre gemacht. Das musst du wiedergutmachen.�</p><p>Garona lie� nicht locker. �Aber ich habe gesehen ��</p><p>�Ihr habt ein Phantom gesehen�, unterbrach Medivh sie mit zusammengezogenen Augenbrauen und autorit�rer Stimme. �Ihr habt etwas von einem anderen Ort gesehen. Es h�tte Euch nichts getan. Das tun sie nie. Euer Freund hier�, er zeigte auf Khadgar, �neigt dazu, D�monen zu sehen, wo es keine gibt. Das bereitet mir ein wenig Sorge. Vielleicht k�nnt Ihr versuchen w�hrend des Aufr�umens nicht schon wieder welche zu sehen? Bis dahin m�chte ich nicht gest�rt werden!�</p><p>Und mit diesen Worten verlie� er das Zimmer. Moroes legte den Besen auf den Boden und folgte ihm.</p><p>Khadgar betrachtete die Verw�stung in der Bibliothek. Es w�rde mehr als nur ein Besen n�tig sein, sie zu beheben. Regale waren umgeworfen und zerbrochen worden. B�cher lagen �berall verstreut. Einige Einb�nde waren abgerissen, die R�cken eingedr�ckt. War es tats�chlich nur eine zeitverz�gerte Vision gewesen?</p><p>�Wir wurden von keiner Illusion get�uscht�, sagte Garona missgelaunt.</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Khadgar.</p><p>�Wieso versteht er das dann nicht?�, fragte die Halb-Ork.</p><p>�Das eben wei� ich nicht�, sagte der Sch�ler. �Und die Suche nach einer Antwort darauf bereitet mir ziemliches Bauchweh.�</p></section><section><title><p>12</p><p>Leben in Zeiten des Krieges</p></title><p>Nach nur wenigen Tagen war die Ordnung in der Bibliothek wieder hergestellt. Die meisten der verstreuten B�cher hatten wenigstens in der N�he ihres angestammten Platzes gelegen und die seltenen, magischen oder weggeschlossenen B�cher standen ohnehin auf der Galerie und waren von dem Chaos unbetroffen geblieben. Die Reparatur einiger Regale ben�tigte jedoch Zeit, weshalb Garona und Khadgar die unbenutzten St�lle in eine Schreinerei umwandelten und versuchten, die zertr�mmerten Regale auszubessern oder Ersatz zu schaffen.</p><p>Nach der Verw�stung blieb der D�mon verschwunden. Seine Klauenabdr�cke waren auf dem Tisch zu sehen, und die Seiten von <emphasis>Die Erbfolge von Azeroths K�nigen</emphasis> waren zerknittert und zerrissen, als seien sie zwischen gewaltige Kiefer geraten. Aber es gab keine Leiche, kein Blut, keine �berreste, die man vor Medivhs F��e werfen konnte.</p><p>�Vielleicht wurde der D�mon gerettet�, schlug Garona vor.</p><p>�Er war ziemlich tot, als wir ihn zur�cklie�en�, antwortete Khadgar und versuchte sich daran zu erinnern, ob er die Gedichtb�nde �ber oder unter den romantischen Epen eingeordnet hatte.</p><p>�Jemand hat den K�rper entfernt�, sagte Garona. �Die gleiche Person, die ihn in den Turm brachte, hat ihn wieder herausgeholt.�</p><p>�Ebenso wie das Blut?�, fragte Khadgar.</p><p>�Ebenso wie das Blut�, wiederholte die Halb-Ork. �Vielleicht war es ein ausgesprochen ordnungsliebender D�mon.�</p><p>�Magie funktioniert so nicht�, sagte Khadgar.</p><p>�Vielleicht nicht deine Magie, nicht die, die du erlernt hast�, sagte Garona. �Andere Leute k�nnten eine andere Art von Magie beherrschen. Die alten Schamanen der Orks kannten eine Form von Magie, die Kriegszauberer, die Spr�che schleudern, kennen eine andere. Vielleicht handelt es sich um einen Spruch, von dem du noch nie geh�rt hast.�</p><p>�Nein�, sagte Khadgar scharf. �Es h�tte eine Spur hinterlassen, den Hauch des praktizierenden Magiers. Eine Restenergie, die ich sp�ren k�nnte, selbst wenn sie nicht zu identifizieren w�re. Die einzigen Zauberer, die es hier im Turm gibt, sind der Magus und ich. Das wei� ich durch meine eigenen Kr�fte. Und ich habe die Schutzzauber �berpr�ft. Medivh hatte Recht � alle funktionieren. Niemand d�rfte in der Lage sein, auf magischem oder anderem Wege in den Turm vorzudringen.�</p><p>Garona hob die Schultern. �Aber in diesem Turm geschehen auch seltsame Dinge, nicht wahr? K�nnten die alten Gesetze hier vielleicht au�er Kraft gesetzt sein?�</p><p>Jetzt hob Khadgar die Schultern. �Wenn das stimmt, haben wir gr��ere Probleme, als ich dachte.�</p><p>Khadgars Beziehung zu der Halb-Ork hatte sich im Verlauf der Reparaturarbeiten verbessert, und wenn er ihr den R�cken zudrehte oder sie irgendwo zwischen den Regalen stand, klang ihre Stimme beinahe menschlich. Trotzdem verriet sie immer noch nicht, wen sie repr�sentierte, und Khadgar behielt sie weiterhin im Auge. Er achtete darauf, welche B�cher sie las und welche Fragen sie stellte.</p><p>Er versuchte auch auf die Nachrichten zu achten, die sie verschickte oder erhielt, und ging so weit, die Gastquartiere mit Beobachtungszaubern zu versehen. Diese sollten ihm verraten, ob die Halb-Ork das Zimmer verlassen oder eine Nachricht abgeschickt hatte. Falls sie dies getan hatte, waren ihre Methoden so perfekt, dass seine Spr�che es nicht bemerkten. Das machte ihn nur noch nerv�ser. Wenn sie mit dem Wissen, das sie erworben hatte, irgendetwas anfangen wollte, so behielt sie es v�llig f�r sich.</p><p>Garona blieb ihrem Versprechen treu und teilte mit Khadgar ihr Wissen �ber die Orks. Der junge Magier erfuhr, wie die Orks regiert wurden (durch St�rke und Kriegskunst) und in welche Clans sie sich aufteilten. Wenn die Abgesandte in Fahrt geriet, brachte sie ihre Meinung �ber die unterschiedlichen Clans deutlich zum Ausdruck. Ihre H�uptlinge hielt sie h�ufig f�r einf�ltige Narren, die sich nur f�r die n�chste Schlacht interessierten. Aus ihren Beschreibungen der vielf�ltigen Clans, aus denen sich die Horde zusammensetzte, erfuhr Khadgar, dass die Hierarchien sich st�ndig �nderten und nicht konstant blieben.</p><p>Ein gro�er Teil der Horde geh�rte zum konservativen Bleeding-Hollow-Clan. Das war eine m�chtige Gruppe, die auf zahlreiche Eroberungen zur�ckblicken konnte, doch ihr in die Jahre gekommener Anf�hrer Kilrogg Deadeye schreckte seit einiger Zeit davor zur�ck, Leben im Kampf zu opfern. Garona erkl�rte, dass �ltere Orks h�ufig pragmatischer wurden, eine Eigenschaft, die j�ngere gerne mit Feigheit verwechselten. Kilrogg hatte bereits drei S�hne und zwei Enkel get�tet, weil diese glaubten, sie k�nnten den Clan besser f�hren als er.</p><p>Der Clan, den man Blackrock nannte, schien ebenfalls einen gro�en Teil der Horde zu stellen. Sein Anf�hrer war Blackhand, der diese Position nur deshalb einnahm, weil er jeden umbrachte, der noch h�tte Anspruch darauf erheben k�nnen. Ein Teil des Blackrock-Clans hatte sich abgespalten; jeder Angeh�rige dieser Splittergruppe hatte sich einen Zahn ausgeschlagen und sich fortan als Black Tooth Grin betitelt. Charmant, wie Khadgar fand.</p><p>Es gab noch andere Clans: Twilight�s Hammer, der die Zerst�rung liebte, und Burning Blade, der keinen Anf�hrer hatte, sondern aus einer anarchistischen Meute bestand, die im Chaos der Horde lebte. Und es gab kleinere Clans wie die Stormreavers, die von einem Kriegermagier gef�hrt wurden. Khadgar vermutete, dass Garona mit einem der Stormreaver in Verbindung stand, allerdings nur deshalb, weil sie sich �ber die Stormreaver weniger beschwerte als �ber alle anderen.</p><p>Khadgar machte sich so viele Notizen, wie er konnte, und stellte sie als Berichte f�r Lothar zusammen. Immer mehr Nachrichten trafen aus allen Teilen Azeroths ein, und es wirkte jetzt so, als dr�nge die Horde aus dem Schwarzen Morast nach allen Himmelsrichtungen. Die Orks, die man noch vor einem Jahr nur f�r Ger�chte gehalten hatte, waren jetzt �berall pr�sent, und die Burg Stormwind mobilisierte ihre Kr�fte, um sich der Bedrohung zu stellen. Khadgar hielt die schlechter werdenden Nachrichten von Garona fern, berichtete jedoch Lothar alle Details, die er erfuhr, bis hin zu Clan-Rivalit�ten und den Lieblingsfarben der Clans (der Blackrock-Clan hatte zum Beispiel eine seltsame Vorliebe f�r Rot).</p><p>Khadgar wollte seine Entdeckungen auch Medivh mitteilen, doch der Magus war erstaunlich desinteressiert. Auch die Unterhaltungen, die der Magus mit Garona f�hrte, wurden seltener, und mehrmals bemerkte Khadgar, dass Medivh den Turm verlassen hatte, ohne ihn dar�ber zu informieren. Auch wenn er anwesend war, wirkte Medivh fern. Mehr als einmal hatte Khadgar gesehen, wie er in einem seiner Sessel im Observatorium sa� und in die azerothanische Nacht hinausstarrte. Er wirkte launischer, widersprach schneller und h�rte weniger zu als fr�her.</p><p>Seine seltsame Stimmung blieb auch anderen nicht verborgen. Moroes sah Khadgar mit leidendem Blick an, wenn er die Gem�cher seines Herrn verlie�. Und selbst Garona sprach ihn darauf an, als sie die Karten der bekannten Welt betrachteten (die in Stormwind angefertigt wurden und sich deshalb bei Diskussionen �ber Lordaeron als v�llig unzureichend erwiesen).</p><p>�Ist er immer so?�, fragte sie.</p><p>Khadgar antwortete stoisch. �Er hat viele Launen.�</p><p>�Ja, aber als ich ihm das erste Mal begegnete, wirkte er lebendig, engagiert und freundlich. Jetzt wirkt er eher ��</p><p>�Geistesabwesend?�</p><p>�Konfus�, sagte Garona und zog abwertend die Lippen nach unten.</p><p>Khadgar konnte nicht widersprechen. Sp�ter am gleichen Abend �berbrachte er dem Magus eine Reihe �bersetzter Nachrichten mit Purpursiegel, in denen dieser um Hilfe gegen die Orks gebeten wurde.</p><p>�Die Orks sind keine D�monen�, sagte Medivh. �Sie sind aus Fleisch und Blut und somit die Angelegenheit von Kriegern, nicht von Magiern.�</p><p>�Diese Botschaften sind schlimm�, sagte Khadgar. �Das Land rund um den Schwarzen Morast wird verlassen, und Fl�chtlinge str�men nach Stormwind und in die anderen St�dte Azeroths. Die Streitkr�fte reichen nicht aus.�</p><p>�Und so hoffen sie, dass der W�chter zu ihrer Rettung eilt. Schlimm genug, dass ich die Wacht�rme am Twisting Nether h�ten muss, um Ausschau nach D�monen zu halten und all die Fehler zu korrigieren, die Anf�nger begangen haben. Jetzt soll ich sie auch schon vor anderen Nationen retten? Wird man mich als n�chstes bitten, Azeroth in einem Handelsstreit mit Lordaeron zu unterst�tzen? Solche Angelegenheiten sollten uns nicht interessieren.�</p><p>�Ohne Eure Hilfe wird es bald vielleicht kein Azeroth mehr geben. Lothar ist ��</p><p>�Lothar ist ein Narr�, murmelte Medivh. �Eine alte Henne, die �berall Gefahren wittert. Und Llane ist nicht besser. Er sieht nicht, was seine Mauern zum Einsturz bringen k�nnte. Und der Orden, all diese m�chtigen Magier haben so lange untereinander gestritten und gek�mpft, dass sie keine Kraft mehr gegen einen neuen Gegner haben. Nein, mein Vertrauen, das ist nur eine nebens�chliche Angelegenheit. Selbst wenn die Orks in Azeroth siegen sollten, werden <emphasis>sie</emphasis> einen W�chter brauchen, und ich werde f�r sie da sein.�</p><p>�Meister, das ist ��</p><p>�Ein Sakrileg? Blasphemie? Verrat?� Der Magus seufzte und strich sich �ber den Nasenr�cken. �Vielleicht. Aber ich bin ein Mann, der vor seiner Zeit gealtert ist, und ich habe einen hohen Preis f�r meine ungewollte Macht bezahlt. Erlaube mir, mich gegen die Regeln aufzulehnen, die mein Leben beherrschen. Geh jetzt. Am Morgen werde ich mir deine anderen Klagelieder anh�ren.�</p><p>Als Khadgar die T�r schloss, h�rte er Medivh sagen: �Ich habe es satt, mich um alles zu k�mmern. Wann habe ich endlich einmal Zeit f�r mich selbst?�</p><empty-line/><p>�Die Orks haben Stormwind angegriffen�, sagte Khadgar. Drei Wochen waren vergangen. Er legte die Nachricht auf den Tisch zwischen sich und Garona.</p><p>Die Halb-Ork starrte auf den Umschlag mit dem roten Siegel, als w�re es eine giftige Schlange. �Es tut mir Leid�, sagte sie schlie�lich. �Sie machen prinzipiell keine Gefangenen.�</p><p>�Die Ork-Streitkr�fte konnten dieses Mal zur�ckgeschlagen werden�, sagte Khadgar. �Llanes Truppen haben sie zur�ckgeworfen, bevor sie die Tore erreichen konnten. Den Beschreibungen nach waren es Kilroggs Bleeding Hollow und der Twilight�s-Hammer-Clan. Es schien so gut wie keine Koordination zwischen den Hauptstreitkr�ften zu geben.�</p><p>Garona gab wieder ihr Bulldoggen-Niesen von sich und sagte: �Twilight�s Hammer sollte man nie bei einem Belagerungsangriff einsetzen. Kilrogg wollte einen Rivalen dezimieren und hat Stormwind als seinen Amboss benutzt.�</p><p>�Also k�mpfen und streiten sie selbst w�hrend eines Angriffs noch miteinander�, sagte Khadgar. Er fragte sich, ob die Berichte, die er Lothar geschickt hatte, eine Rolle beim erfolgreichen Abwehren des Angriffs gespielt haben mochten.</p><p>Garona hob die Schultern. �So wie die Menschen.� Sie zeigte auf die B�cher, die sich auf dem Tisch stapelten. �In deinen Geschichten werden die brutalsten Taten gerechtfertigt. Massaker, �berf�lle und Morde werden angeblich wegen Ehre, Adel oder Abstammung geduldet. Die Horde ist wenigstens ehrlich in ihrer Gier nach Macht.� Sie dachte einen Moment lang nach. �Ich glaube, ich h�tte ihnen nicht helfen k�nnen.�</p><p>�Den Orks oder Stormwind?�, fragte Khadgar.</p><p>�Beiden�, sagte Garona. �Ich habe nichts von einem Angriff auf Stormwind gewusst, falls du das andeuten willst. Allerdings h�tte sich jeder mit ein klein wenig Verstand denken k�nnen, dass die Orks so bald wie m�glich das gr��te sich bietende Ziel angreifen w�rden. Das wei�t du aus unseren Unterhaltungen. Du wei�t auch, dass sie sich zur�ckziehen, neu gruppieren, ein paar Anf�hrer t�ten und mit Verst�rkung zur�ckkehren werden.�</p><p>�Das denke ich mir�, sagte Khadgar.</p><p>Garona f�gte hinzu: �Und du hast dem Champion von Stormwind bereits einen Brief mit entsprechendem Inhalt geschickt.�</p><p>Khadgar versuchte sein Gesicht ausdruckslos zu halten, aber die Ork-Abgesandte l�chelte trocken. �Ja, das hast du.�</p><p>Khadgar wurde rot, beharrte aber auf seinem Argument. �Die Frage, die ich habe, ist eine andere. Warum hast du <emphasis>deinen</emphasis> Herren keinen Bericht geschickt?�</p><p>Die gr�ne Frau lehnte sich in ihrem Stuhl zur�ck. �Wer sagt, dass ich es nicht getan habe?�</p><p>�Ich sage das�, sagte Khadgar. �Es sei denn du bist ein besserer Magier als ich.�</p><p>Ein leichtes Zucken in Garonas Mundwinkel verriet sie. �Du hast dich �berhaupt noch nicht gemeldet, oder?�, fragte Khadgar.</p><p>Garona schwieg f�r einen Moment, und Stille senkte sich �ber die Bibliothek. Schlie�lich sagte sie: �Wir k�nnen uns darauf einigen, dass ich ein Problem mit einer nicht eindeutig gekl�rten Loyalit�t habe.�</p><p>�Ich dachte, du geh�rst zu niemandem�, sagte Khadgar.</p><p>Garona ignorierte ihn. �Ich wurde hierher geschickt � hierher befohlen von einem Kriegsmagier namens Gul�dan. Zauberer. Herr der Stormreaver. Sehr einflussreich in der Horde. Sehr interessiert an den Magiern deiner Welt.�</p><p>�Und die Orks greifen die gr��ten Ziele am liebsten zuerst an. Medivh�, sagte Khadgar.</p><p>�Gul�dan sagt, Medivh sei etwas Besonderes. Welche geheime Erleuchtung oder Meditation ihm diese Erkenntnis vermittelt hat, wei� ich nicht.� Garona wich Khadgars Blick aus. �Ich habe Medivh mehrmals drau�en getroffen, bevor ich zustimmte, als Abgesandte in den Turm zu kommen. Ich sollte einige Informationen sammeln, zur�ckkehren und Gul�dan alles verraten, was ich �ber Medivhs St�rken erfahren h�tte. Du hattest also von Anfang an Recht � ich kam als Spionin.�</p><p>Khadgar setzte sich. �Du bist nicht die Erste�, sagte er. �Warum hast du dich nicht gemeldet?�</p><p>Garona schwieg einen Moment. �Medivh ��, begann sie und brach ab. �Medivh �� Eine weitere Pause. �Er hat alles sofort durchschaut und mir trotzdem gesagt, was ich wissen wollte. Das Meiste zumindest.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Khadgar. �So habe ich ihn auch erlebt.�</p><p>Garona nickte. �Zuerst dachte ich, er sei einfach nur arrogant und von seiner Macht �berzeugt, so wie einige Ork-H�uptlinge, die ich kenne. Aber da war noch etwas anderes. Er gab mir dieses Wissen, als habe er gewusst, dass es mich ver�ndern � und dass ich sein Vertrauen nicht missbrauchen w�rde.�</p><p>�Vertrauen�, sagte Khadgar. �Das ist f�r Medivh sehr wichtig. Er scheint es auszustrahlen, und wenn man neben ihm steht, glaubt man, dass er wei�, was er tut.�</p><p>�Genau�, sagte Garona. �Und Orks werden von Macht angezogen. Ich dachte, ich k�nnte Gul�dan vorgaukeln, man habe mich gefangen genommen, und ich h�tte keine M�glichkeit gehabt, eine Nachricht zu verschicken. Ich erfuhr also mehr, und schlie�lich ��</p><p>�� wolltest du nicht, dass ihm etwas passiert�, beendete Khadgar den Satz f�r sie.</p><p>�Wie Moroes sagen w�rde: <emphasis>jau</emphasis>�, erkl�rte Garona. �Er schenkt mir viel Vertrauen und dir ebenfalls. Nachdem ich Zeuge deiner Vision wurde, erz�hlte ich ihm davon. Ich dachte, das h�tte vielleicht den D�mon angelockt. Er sagte, er wisse davon und sei nicht ver�rgert. Du w�rest von Natur aus neugierig, und das w�re dein Vorteil. Er steht zu seinen Leuten.�</p><p>�Und so jemanden konntest du nicht verletzen�, sagte Khadgar.</p><p>�Jau. Durch ihn f�hlte ich mich menschlich. Und ich habe mich schon sehr lange nicht mehr menschlich gef�hlt. Der alte Mann, Magus Medivh, scheint einen Traum zu haben, in dem es um mehr geht als um eine Macht, die eine andere in den Dimensionen bek�mpft. Mit seiner Macht k�nnte er uns alle vernichten, doch das tut er nicht. Er muss an etwas Besseres glauben, und ich m�chte ebenfalls an diesen Traum glauben.�</p><p>Beide schwiegen eine Weile. Irgendwo im Turm schlurften Moroes oder K�chin durch die G�nge.</p><p>�Und seit kurzem �� Garona stockte. �Hat er sich je zuvor so benommen?�</p><p>Sie klang wie Lothar, fragte, ohne zu viel von ihrer Sorge zu verraten. Khadgar sch�ttelte den Kopf. �Er war schon immer exzentrisch. Aber ich habe ihn noch nie so deprimiert erlebt.�</p><p>�Er br�tet vor sich hin�, f�gte Garona hinzu. �Bis jetzt dachte ich, er st�nde auf der Seite des K�nigreichs von Azeroth. Aber wenn Stormwind selbst angegriffen wird und er nicht eingreift ��</p><p>�Das k�nnte an seiner Ausbildung liegen�, sagte Khadgar. Er w�hlte seine Worte vorsichtig. Trotz Garonas momentaner Einstellung wollte er die Existenz des Ordens nicht enth�llen. �Er muss die Dinge sehr weitblickend betrachten. Das trennt ihn manchmal von den anderen.�</p><p>�Deshalb nimmt er wohl auch Streuner auf�, sagte Garona. Sie schwieg erneut und f�gte dann hinzu: �Es tut mir nicht Leid, dass Stormwind die Angreifer zur�ckgeworfen hat. So etwas zerst�rt man nicht von au�en. Man muss innen etwas zerst�ren, um die Mauern zu schw�chen.�</p><p>�Ich bin froh, dass du kein General bist�, sagte Khadgar.</p><p>�H�uptling�, korrigierte ihn Garona. �Als ob ich dazu je Gelegenheit bek�me.�</p><p>�Da ist eine andere Sache ��, sagte Khadgar und unterbrach sich.</p><p>Garona neigte ihren massigen gr�nen Sch�del. �Du klingst wie jemand, der um einen Gefallen bitten will.�</p><p>�Ich habe dich nie nach Truppenst�rken und Standorten gefragt ��</p><p>�Du meinst, du hast mich nie zu offensichtlich auszuhorchen versucht.�</p><p>�Aber�, fuhr Khadgar unger�hrt fort, �sie waren �berrascht �ber die enorme Zahl von Ork-Kriegern, die ihnen gegen�berstanden. Sie schlugen sie zur�ck, h�tten aber nicht gedacht, dass sich in den S�mpfen des Schwarzen Morasts so viele Gegner verbergen k�nnen. Sogar jetzt machen sie sich noch Sorgen um die Truppen, die sich im Marschland verstecken.�</p><p>�Ich wei� nichts �ber die Truppenverteilung�, sagte Garona. �Schlie�lich war ich die ganze Zeit hier, um dich auszuspionieren, richtig?�</p><p>�Das stimmt�, sagte Khadgar. �Aber du hast auch von deinem Heimatland gesprochen. Wie seid ihr von dort zu uns gekommen. War es ein Zauberspruch?�</p><p>Garona blieb einen Moment ruhig sitzen, als m�sse sie eine Entscheidung f�llen. Khadgar erwartete einen abweisenden Kommentar oder einen Themawechsel oder eine Gegenfrage. Stattdessen sagte sie: �Wir nennen unsere Welt Draenor. Es ist eine grausame Welt voller Ein�den, W�sten und verdorrter Vegetation. Beinahe unbewohnbar und ewig st�rmisch ��</p><p>�Und sie hat einen roten Himmel�, f�gte Khadgar hinzu.</p><p>Garona sah den jungen Magier an. �Hast du mit anderen Orks gesprochen, vielleicht mit Gefangenen? Ich wusste nicht, dass Menschen Orks gefangen nehmen.�</p><p>�Nein, es war eine Vision�, sagte Khadgar. Die Erinnerung schien ein halbes Leben alt zu sein. �So �hnlich wie jene, die du sahst, als wir uns zum ersten Mal trafen. Ich hatte nie zuvor Orks gesehen. Ich kann mich erinnern, dass es unglaublich viele waren.�</p><p>Garona schnaufte wieder wie eine Bulldogge. �Deine Visionen haben vermutlich mehr gezeigt, als du verr�tst, auf jeden Fall haben sie dir ein gutes Bild verschafft. Orks bekommen sehr viele Junge, aber die meisten sterben, bevor sie das Kriegeralter erreichen. Es war ein hartes Leben, und nur die Starken, M�chtigen oder Klugen �berlebten. Ich geh�rte zur dritten Gruppe, aber ich war beinahe eine Ausgesto�ene und lebte am Rand des Clans. Das waren �brigens die Stormreaver, zumindest zu dem Zeitpunkt, als der Befehl gegeben wurde.�</p><p>�Welcher Befehl?�</p><p>�Man befahl jedem Krieger und jedem gesunden Ork, jedem Arbeiter und Schwerttr�ger seine Waffen, Werkzeuge und Wertsachen zu packen und zur Hellfire-Insel zu ziehen. Dort hatten Gul�dan und andere m�chtige Magier ein Portal erschaffen, das die Grenze zwischen den Welten �ffnete.�</p><p>Garona leckte �ber einen Fangzahn und erinnerte sich. �Das Portal bestand aus Steinen, die einen Riss im Universum einrahmten. In diesem Riss sah man die Farben der Dunkelheit, die wie �l auf der Oberfl�che eines vergifteten Sees schwammen. Ich hatte den Eindruck, dass m�chtigere H�nde die Haut zwischen den Welten eingerissen hatten, und dass unsere Magier den Riss einfach nur benutzten. Selbst die h�rtesten Krieger f�rchteten sich vor dem Bereich zwischen den Steinen, aber die H�uptlinge und Unterh�uptlinge hielten mitrei�ende Reden �ber das, was uns auf der anderen Seite erwarten w�rde. Eine reiche Welt. Eine gro�z�gige Welt. Eine Welt voller verweichlichter Wesen, die sich leicht beherrschen lassen w�rden. All das versprachen sie.</p><p>Einige wehrten sich trotzdem. Ein paar von ihnen wurden get�tet, die andere zwang man mit �xten im R�cken zur�ck in die Reihen der Krieger. Ich wurde gemeinsam mit einer gro�en Gruppe von Arbeitern durch das Portal gesto�en.�</p><p>Garona schwieg einen Moment. �Man nennt es das Wirbelnde Dunkel, und es war sofort vorbei und dauerte doch ewig. Ich fiel unendlich lange, und als ich in das seltsame Licht trat, lag eine verr�ckte neue Welt vor mir.�</p><p>Khadgar sagte: �Nach dem versprochenen Paradies d�rfte der Schwarze Morast eine herbe Entt�uschung gewesen sein.�</p><p>Garona sch�ttelte den Kopf. �Es war schockierend. Ich erinnere mich daran, wie ich vor dem feindlichen blauen Himmel zur�ckwich. Und das Land war voller Pflanzen, so weit das Auge reichte. Einige kamen damit nicht zurecht und wurden verr�ckt. Viele traten den Burning Blades bei, den Chaos-Orks, die sich unter einem flammend roten Banner sammeln.�</p><p>Garona strich sich �ber das breite Kinn. �Ich hatte Angst, aber ich �berlebte. Und ich entdeckte, dass meine Herkunft als Halb-Ork mir einen instinktiven Zugang zu Menschen erm�glicht. Ich geh�rte zu einer Bande, die Medivh angriff. Er brachte alle um, lie� nur mich am Leben und schickte mich mit einer Botschaft zu Zauberer Gul�dan. Nach einer Weile schickte mich Gul�dan als seinen Spion zur�ck, aber ich bemerkte, dass es mir � schwer fiel, den alten Mann zu hintergehen.�</p><p>�Du wei�t nicht, wem deine Loyalit�t geh�rt�, kommentierte Khadgar.</p><p>�Aber um deine Frage zu beantworten�, sagte Garona. �Nein, ich wei� nicht, wie viele Clans durch das Dunkle Portal auf Draenor getreten sind. Und ich wei� nicht, wie lange es dauert, bis sie sich erholt haben. Und ich wei� nicht, woher das Portal wirklich stammt. Aber du kannst es herausfinden.�</p><p>Khadgar blinzelte. �Ich?�</p><p>�Deine Visionen�, sagte Garona. �Du scheinst in der Lage zu sein, die Geister selbst aus fernster Vergangenheit zu beschw�ren. Als ich dich traf, hattest du eine Vision von Medivhs Mutter. War das Stormwind, wo wir uns aufhielten?�</p><p>�Ja�, sagte Khadgar. �Und deshalb denke ich immer noch, dass der D�mon in der Bibliothek real war. Es gab keinen Hintergrund.�</p><p>Garona ignorierte seine Bemerkung. �Aber du kannst diese Visionen herbeirufen. Du kannst den Moment herbeirufen, in dem der Riss entstand. Du kannst herausfinden, wer die Orks nach Azeroth gebracht hat.�</p><p>�Ja�, sagte Khadgar. �Und ich wette, es handelt sich um den gleichen Magier, der die D�monen losgelassen hat. Es w�rde Sinn ergeben, wenn die beiden zusammenhingen.� Er sah Garona an. �An diese unbeantwortete Frage h�tte ich jetzt gar nicht gedacht.�</p><p>�Ich k�mmere mich gern um die Fragen�, sagte Garona mit hintergr�ndigem L�cheln, �wenn du f�r die Antworten sorgst.�</p><empty-line/><p>Wieder der leere Speisesaal. Der pflichtbewusste Moroes hatte die alten Beschw�rungssymbole weggewischt, und Khadgar musste mit zersto�enem Rosenquarz und Amethyst einen neuen Kreis formen. Garona steckte brennende Fackeln in die Wandhalter und stellte sich dann zu ihm in das Rund.</p><p>�Ich muss dich warnen�, sagte er zu der Halb-Ork. �Das funktioniert vielleicht nicht.�</p><p>�Du schaffst es schon�, antwortete Garona. �Ich habe gesehen, dass du es kannst.�</p><p>�Ich werde irgendwas sehen�, sagte Khadgar. �Ich wei� nur nicht, was.�</p><p>Er vollf�hrte die notwendigen Handbewegungen und sprach die dazugeh�rigen Worte. Da Garona zusah, wollte er keinen Fehler machen. Schlie�lich entlie� er die gesammelte mystische Energie aus dem K�fig seines Geistes und rief: �Zeig mir den Ursprung des Risses zwischen Draenor und Azeroth!�</p><p>Der Druck, der auf ihm lastete, das Gewicht der Luft, ver�nderte sich. Es war eine warme Nacht, aber der n�chtliche Himmel vor dem Fenster (denn es gab jetzt ein Fenster in diesem Zimmer) war tiefrot � die Farbe von altem getrocknetem Blut. Nur wenige Sterne waren zu sehen.</p><p>Es war das Quartier von jemandem, vermutlich von einem Ork-Anf�hrer. Einige Felle lagen auf dem Boden, und da war ein breites Podest, das als Bett diente. Eine offene Feuerstelle befand sich in der Mitte des Raums. Waffen hingen an Steinw�nden, und es gab einige Schr�nke. Einer war ge�ffnet. Darin standen konservierte <emphasis>Dinge</emphasis>, von denen einiges Menschen oder menschen�hnlichen Wesen geh�rt haben mochte.</p><p>Die Gestalt auf dem Bett warf sich von einer Seite auf die andere und setzte sich pl�tzlich auf, so als sei sie aus einem Alptraum erwacht. Sie starrte in die Dunkelheit, und ihr brutales, narbiges Gesicht war klar zu sehen. Selbst f�r Ork-Verh�ltnisse war dieses Wesen h�sslich.</p><p>Garona stie� die Luft aus. �Gul�dan.�</p><p>Khadgar nickte. �Er sollte dich nicht sehen k�nnen.�</p><p>Das also war der Zauberer, der Garona zur Spionin gemacht hatte. Er wirkte ungef�hr so vertrauensw�rdig wie eine verbogene Goldm�nze, war in Felle geh�llt und sagte: �Ich kann dich noch immer sehen, obwohl ich glaube, wach zu sein. Vielleicht tr�ume ich, dass ich wach bin. Tritt vor, Traumwesen.�</p><p>Garona packte Khadgars Schulter, und er sp�rte, wie sich ihre scharfen Fingern�gel in sein Fleisch bohrten. Aber Gul�dan sprach nicht zu ihnen. Stattdessen trat ein anderer Beobachter vor.</p><p>Er war gro� und breitschultrig, gr��er als die anderen drei. Er war durchscheinend, als ob er ebenfalls nicht dorthin geh�ren w�rde. Sein Gesicht lag unter einer Kapuze verborgen, und seine Stimme klang d�nn und entfernt. Obwohl das einzige Licht von der Feuerstelle kam, warf die Gestalt zwei Schatten � einen direkt hinter den Flammen und einen anderen zur Seite hin, so als w�rde er von einer zweiten Quelle angeleuchtet.</p><p>�Gul�dan�, sagte die Gestalt. �Ich will dein Volk. Ich will deine Armeen. Ich will deine Macht zu meiner Unterst�tzung.�</p><p>�Ich habe meine Schutzgeister gerufen, Kreatur�, sagte Gul�dan, und Khadgar bemerkte ein Zittern in der Stimme des Orks. �Ich habe meine Magier gerufen, und sie haben vor dir kapituliert. Ich habe meinen mystischen Meister gerufen, und es ist ihm nicht gelungen, dich aufzuhalten. Du verfolgst mich in meinen Tr�umen, und jetzt kommst du, eine Traumkreatur, sogar in meine Welt. Was und wer bist du wirklich?�</p><p>�Du f�rchtest mich�, sagte die gro�e Gestalt, und beim Klang ihrer Stimme lief Khadgar ein kalter Schauer �ber den R�cken, �weil du mich nicht verstehst. Sieh meine Welt und lerne sie kennen. Danach wirst du dich nie mehr f�rchten m�ssen.�</p><p>Mit diesen Worten formte die gro�e, verh�llte Gestalt eine Kugel in der Luft, die so leicht und klar wie eine Seifenblase war. Sie schwebte, hatte einen Durchmesser von einem Fu�, und im Inneren sah man ein Land mit blauem Himmel und gr�nen Feldern.</p><p>Die verh�llte Gestalt zeigte ihm Azeroth.</p><p>Eine zweite Blase folgte und dann eine weitere und dann eine vierte. Sonnendurchflutete Felder im Sommer. Die S�mpfe des Schwarzen Morasts. Die Eisfelder des Nordens. Die leuchtenden T�rme der Burg Stormwind.</p><p>Und eine Blase, die einen einsamen Turm inmitten von H�geln zeigte, der von Mondlicht �bergossen wurde.</p><p>Und es gab eine weitere Blase, die nur kurz zu sehen war. Sie zeigte eine dunkle Szene tief unter dem Meer. Sie wirkte wie ein fl�chtiger Gedanke, der sofort wieder schwand. Trotzdem f�hlte Khadgar Macht. Da war ein Grab unter dem Meer, eine Gruft, die Macht wie Herzschl�ge aussandte. Es war f�r einen Moment zu sehen, dann nicht mehr.</p><p>�Sammle deine Streitkr�fte�, sagte die verh�llte Gestalt. �Sammle deine Armeen und Krieger und Arbeiter und Verb�ndeten, und bereite sie auf eine Reise durch das Wirbelnde Dunkel vor. Bereite sie gut vor, denn dies alles wird dir geh�ren, wenn du erfolgreich bist.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. Die Stimme irritierte ihn mit Vertrautheit. Dann begriff er, wem sie geh�rte, und sein Herz flatterte.</p><p>Gul�dan hockte am Boden und hatte die H�nde vor dem K�rper gefaltet. �Das werde ich tun, denn deine Macht ist gro�. Aber wer bist du wirklich, und wie werden wir diese Welt erreichen?�</p><p>Die Gestalt hob die H�nde an die Kapuze, und Khadgar sch�ttelte den Kopf. Er wollte das nicht sehen. Er wusste es, aber er wollte es trotzdem nicht sehen.</p><p>Ein faltiges Gesicht. Graue Augenbrauen. Gr�ne Augen, in denen verborgenes Wissen und etwas Gef�hrliches schimmerte. Neben ihm stie� Garona die Luft aus.</p><p>�Ich bin der W�chter�, sagte Medivh zu dem Ork-Magier. �Ich werde dir den Weg ebnen. Ich werde den Kreis zerschlagen und frei sein.�</p></section><section><title><p>13</p><p>Der zweite Schatten</p></title><p>�Nein!�, schrie Khadgar, und die Vision erlosch augenblicklich. Allein standen sie im Speisesaal in der Mitte eines Kreises aus zersto�enem Rosenquarz und Amethyst.</p><p>In seinen Ohren rauschte es, und die R�nder seines Gesichtsfelds waren verschwommen. Er war in die Knie gegangen, hatte aber nicht gemerkt, dass er sich �berhaupt bewegte. Garonas Stimme neben ihm klang leise, beinahe erstickt.</p><p>�Medivh�, sagte sie ruhig. �Der alte Mann. Das kann nicht sein.�</p><p>�Das kann sein�, sagte Khadgar. Sein Magen f�hlte sich an, als sei er voll mit wimmelnden Schlangen. Seine Gedanken rasten, und obwohl er es verneinen wollte, wusste er, in welche Richtung sie dr�ngten.</p><p>�Nein�, sagte Garona grimmig. �Das muss ein Irrtum sein. Eine falsche Vision. Wir haben nach einer Sache gesucht � und eine andere gefunden. Du hast gesagt, dass das schon mal passiert ist.�</p><p>�Nicht so�, sagte Khadgar. �Wir sehen vielleicht nicht immer, was wir wollen, aber wir sehen immer die Wahrheit.�</p><p>�Vielleicht war es nur eine Warnung�, sagte die Halb-Ork.</p><p>�Es ergibt Sinn�, sagte Khadgar, und seine Stimme klang belegt, bedauernd. �Denk doch mal nach. Deshalb funktionierten die Schutzzauber nach dem Angriff noch. Er war bereits innerhalb der Zauber und hat den D�mon von dort aus beschworen.�</p><p>�Aber die Gestalt wirkte nicht wie er�, sagte Garona. �Vielleicht war es eine Illusion, ein magischer Betrug. Das passte nicht zu ihm.�</p><p>�Er war es�, sagte der Lehrling und erhob sich. �Ich kenne die Stimme des Meisters. Ich kenne das Gesicht des Meisters. All seine Angewohnheiten und Stimmungen.�</p><p>�Aber es war, als habe sich etwas anderes dieses Gesicht �bergest�lpt�, sagte Garona. �Etwas Falsches. Als w�re er nur Kleidung oder eine R�stung, die von jemandem getragen wird.�</p><p>Khadgar sah die Halb-Ork an. Ihre Stimme zitterte, und ihre Augen schwammen in Tr�nen. Sie wollte es nicht glauben. Sie konnte es einfach nicht glauben.</p><p>Khadgar wollte es ebenfalls nicht wahrhaben. Er nickte langsam. �Es k�nnte ein Trick sein. Vielleicht ist er es doch selbst und versucht den Ork zu �berlisten, dazu zu bringen, in diese Welt zu kommen. Vielleicht eine Vision der Zukunft.�</p><p>Jetzt sch�ttelte Garona den Kopf. �Nein. Das war Gul�dan. Er ist bereits hier. Er hat uns durch das Portal gebracht. Das war in der Vergangenheit, das war ihr erstes Treffen. Aber wieso will Medivh die Orks nach Azeroth bringen?�</p><p>�Es erkl�rt jedenfalls, warum er nichts gegen sie unternimmt�, sagte Khadgar. Er sch�ttelte den Kopf und versuchte die Gedanken loszuwerden, die sich dort festgesetzt hatten. So viele Dinge ergaben jetzt Sinn. Die seltsamen Abwesenheiten. Das fehlende Interesse an der st�rker werdenden Ork-Pr�senz. Sogar die Anwesenheit der Halb-Ork in der Burg.</p><p>Er betrachtete Garona und fragte sich, wie sehr sie in die Angelegenheit verstrickt war. Die Neuigkeiten schienen sie zu schockieren, aber geh�rte sie dennoch zu den Verschw�rern, oder war sie nur eine Figur in dem dunklen Spiel, das Medivh zu spielen schien.</p><p>�Wir m�ssen das herausfinden�, sagte er einfach. �Wir m�ssen herausfinden, weshalb er dort war. Was er dort gemacht hat. Er ist der W�chter � wir sollten ihn nicht wegen einer einzigen Vision verurteilen.�</p><p>Garona nickte langsam. �Also fragen wir ihn, aber wie?�</p><p>Khadgar �ffnete den Mund, um zu antworten, aber eine andere Stimme hallte durch den Raum.</p><p>�Was soll dieser L�rm?�, fragte Medivh und bog um die Ecke des Speisesaals.</p><p>Khadgars Kehle wurde eng und trocken.</p><p>Der Magus stand im T�rrahmen, und Khadgar sah ihn an, suchte nach etwas in seinem Gang, seinem Aussehen, seiner Stimme. Irgendetwas, das ihn verriet. Aber da war nichts. Es war Medivh.</p><p>�Was macht ihr Kinder denn hier?�, fragte der Magus mit zusammengezogenen Augenbrauen.</p><p>Khadgar suche nach einer Antwort, aber Garona kam ihm zuvor. �Der Lehrling wollte mir einen Zauberspruch zeigen, an dem er gearbeitet hat.� Ihre Stimme klang unsicher.</p><p>Medivh grunzte. �Wieder eine deiner Visionen, mein Vertrauen? Sie sind hier schon schlimm genug, ohne dass du die Vergangenheit beschw�rst. Komm sofort da raus, wir haben zu tun. Und Ihr ebenfalls, Abgesandte.�</p><p>Seine Stimme war gem��igt, voller Verst�ndnis, aber auch fest. Die Stimme eines weisen Mentors. Khadgar trat einen Schritt vor, aber Garona griff nach seinem Arm.</p><p>�Schatten�, zischte sie.</p><p>Khadgar blinzelte und sah den Magier noch einmal an. Sein Gesicht zeigte jetzt Ungeduld und Ablehnung. Seine Schultern waren immer noch breit, und er hielt sich trotz des Drucks, der auf ihm lastete, aufrecht. Er trug eine Robe, die Khadgar schon h�ufiger an ihm bemerkt hatte.</p><p>Und hinter ihm befanden sich zwei Schatten. Einer, der direkt von der Fackel wegzeigte und ein anderer, ebenso dunkler, der in einem seltsamen Winkel fiel.</p><p>Khadgar z�gerte. Medivhs �rger war jetzt deutlicher. Ein Sturm braute sich auf seinen Z�gen zusammen. �Was ist, mein Vertrauen?�</p><p>�Wir sollten unsere Unordnung wegr�umen�, sagte Khadgar und versuchte, unbek�mmert zu klingen. �Moroes soll nicht unn�tig Arbeit mit uns haben. Wir kommen dann nach.�</p><p>�Das geh�rt nicht zu den Pflichten eines Sch�lers�, sagte Medivh. �Komm jetzt sofort her.�</p><p>Niemand bewegte sich. Garona raunte: �Wieso kommt er nicht ins Zimmer?�</p><p><emphasis>Gute Frage</emphasis>, dachte Khadgar. Laut sagte er: �Eine Frage, Meister?�</p><p>�Was denn noch?�, knurrte der Meisterzauberer.</p><p>�Warum habt Ihr Gul�dan in seinen Tr�umen besucht?� Khadgar f�hlte, wie seine Kehle erneut eng wurde. �Wieso habt Ihr den Orks gezeigt, wie sie in unsere Welt gelangen k�nnen?�</p><p>Medivhs Blick wandte sich an Garona. �Ich wusste nicht, dass Gul�dan dir von mir erz�hlt hat. Ich habe ihn nicht f�r so dumm oder geschw�tzig gehalten.�</p><p>Garona machte einen Schritt zur�ck, doch dieses Mal hielt Khadgar sie fest. �Ich habe bis eben nichts davon gewusst�, sagte sie.</p><p>Medivh grunzte. �Es spielt keine Rolle. Kommt jetzt her. Beide.�</p><p>�Wieso habt Ihr den Orks den Weg hierher gezeigt?�, wiederholte Khadgar.</p><p>�Du hast mir nicht zu widersprechen!�, zischte der Magier.</p><p>�Wieso habt Ihr die Orks nach Azeroth gebracht?�, fragte Khadgar, er bettelte jetzt beinahe.</p><p>�Das geht dich nichts an, Kind. Du kommst her, und zwar jetzt!� Das Gesicht des Magus war rot und verzerrt.</p><p>�Bei allem Respekt, Herr�, sagte Khadgar. Seine Worte waren wie Dolchst��e. �Das werde ich nicht tun.�</p><p>Medivh br�llte vor Wut. �Kind, ich werde dich �� Noch w�hrend er sprach, betrat er das Zimmer.</p><p>Funken spr�hten empor und h�llten den �lteren Magier ein. Der Magus taumelte einen Schritt zur�ck, hob die H�nde und murmelte einen Fluch.</p><p>�Was �?�, begann Garona.</p><p>�Ein Schutz, mit dem beschworene D�monen unter Kontrolle gehalten werden. Der Magus kann ihn nicht durchdringen�, erkl�rte Khadgar.</p><p>�Aber wenn er nur D�monen aufh�lt, warum dann auch �? Au�er �� Garona stockte erneut und sah Khadgar an. �Nein�, sagte sie. �Kann die Beschw�rung ihn zur�ckhalten?�</p><p>Khadgar dachte an das Stroh, dass man im Turm von Stormwind dort am Boden �ber die Schutzzauber gelegt hatte und an die Energie, die im T�rrahmen aufgeflammt war. Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>Dann br�llte er den Magus an: �Hast du das Gleiche mit Huglar und Hugarin gemacht? Und mit Guzbah? Und mit den anderen? Hatten sie das Geheimnis entdeckt?�</p><p>�Sie waren noch weiter von der Wahrheit weg als du�, sagte der Magier durch zusammengebissene Z�hne. �Aber ich musste vorsichtig sein. Ich habe dir deine Neugier wegen deiner Jugend verziehen.� Er knurrte, w�hrend die Schutzzauber ihn weiterhin zur�ckhielten. �Ich dachte, dass Loyalit�t noch etwas in dieser Welt z�hlen w�rde.�</p><p>Die Schutzzauber flammten auf, als Medivh sich in sie bewegte, und Khadgar sah, wie sie sich unter seinen ausgestreckten H�nden dehnten. Die Funken schienen Medivhs Bart in Brand zu setzen, und Rauch stieg wie H�rner aus seiner Stirn auf.</p><p>Und dann setzte Khadgars Herz einen Schlag aus, als er begriff, dass er ein zweites Bild sah, das sich �ber den Anblick seines Meisters schob. Das Bild, das zu dem zweiten Schatten geh�rte.</p><p>�Er dringt hindurch!�, sagte Garona.</p><p>Khadgar biss die Z�hne zusammen. �Fr�her oder sp�ter. Er setzt gewaltige Energien frei, um den Kreis zu durchbrechen.�</p><p>�Kann er das?�, fragte die Halb-Ork.</p><p>�Er ist der W�chter von Tirisfal�, sagte Khadgar. �Er kann machen, was er will. Es kostet ihn nur Zeit.�</p><p>�K�nnen wir hinaus?�, fragte Garona. In ihrer Stimme schwang Panik.</p><p>�Der einzige Weg f�hrt an ihm vorbei.�</p><p>Garona sah sich um. �Dann sprenge eine Wand. Erschaffe eine zweite T�r.�</p><p>Khadgar sah die Steinwand des Turms absch�tzend an und sch�ttelte dann den Kopf.</p><p>�Dann tu <emphasis>irgendwas</emphasis>!�</p><p>�Ich versuche es�, sagte Khadgar. Vor ihnen wurde Medivh gr��er. Blitze umspielten seine aus dem Rauch aufragende Gestalt.</p><p>Er wurde ruhig und sammelte die magischen Energien in seinem Geist. Dann machte er die gleiche Handbewegung wie schon einige Minuten zuvor und sprach die Worte, die Sterblichen verborgen blieben, und als er die Energien zu einer einzelnen Lichtkugel geformt hatte, lie� er sie los.</p><p>�Bring mir eine Vision�, verlangte Khadgar, �von einem, der die Bestie bereits bek�mpft hat.�</p><p>Es gab einen kurzen desorientierten Moment, und Khadgar dachte, der Zauberspruch sei fehlgeschlagen und habe ihn ins Observatorium an der Spitze des Turms gebracht.</p><p>Doch dann erkannte er, dass es Nacht war. Eine w�tende Frauenstimme zerriss die Stille.</p><p>�Wie kannst du es wagen, deine eigene Mutter zu schlagen!�, schrie Aegwynn. Ihr Gesicht war wutverzerrt.</p><p>Aegwynn stand auf der einen Seite des Observatoriums, Medivh auf der anderen. Es war der Medivh, den er kannte � gro�, stolz und sichtlich besorgt. Weder Aegwynn noch er k�mmerten sich um Khadgar und Garona. Pl�tzlich bemerkte Khadgar, dass der gegenw�rtige Medivh ebenfalls anwesend war und funkenspr�hend an der Wand stand. Die beiden Gestalten aus der Vergangenheit bemerkten auch ihn nicht, aber der gegenw�rtige Medivh beobachtete die Szene, die sich vor ihm abspielte.</p><p>�Mutter, ich dachte, du seiest hysterisch�, sagte der vergangene Medivh.</p><p>�Und ein mystischer Blitz sollte das �ndern?�, zischte die ehemalige W�chterin.</p><p>Khadgar bemerkte, dass sie jetzt viel �lter war. Ihr vormals blondes Haar war wei�, und ihre Augen und ihr Mund waren von Falten umgeben. Trotzdem wirkte sie noch ebenso beeindruckend wie fr�her.</p><p>�Beantworte meine Frage�, sagte sie.</p><p>�Mutter, du betrachtest die Dinge von der falschen Seite�, sagte der vergangene Medivh.</p><p>�Antworte�, verlangte Aegwynn streng. �Wieso hast du die Orks nach Azeroth gebracht?�</p><p>�Kein Wunder, dass er ver�rgert war, als du ihn gefragt hast�, sagte Garona. Khadgar legte den Finger an seine Lippen und beobachtete den gegenw�rtigen Medivh. Er stemmte sich nicht mehr gegen die Schutzzauber, und sein Gesicht hatte jede Regung verloren.</p><p>�Mutter?�, fragte der vergangene Medivh. Seine Miene wirkte verst�ndnislos.</p><p>�Du hast keine Antwort, nicht wahr?�, sagte Aegwynn. �Du spielst nur ein kleines Spiel. Das ist eine Herausforderung, mit der sich Llane und Lothar am�sieren sollen, aber die Macht der Tirisfalen ist kein Spiel, Kind. Mehr und mehr Orks kommen zu uns, und schon jetzt werden Karawanen in der N�he des Schwarzen Morasts �berfallen. Jeder Anf�nger k�nnte sie bis zu deinem Portal zur�ckverfolgen, aber nur deine Mutter kann die Macht schmecken, die es erschuf. Noch einmal meine Frage, Kind: Welche Rechtfertigung hast du daf�r?�</p><p>Khadgar duckte sich unter den peitschenden Worten und erwartete, dass der j�ngere Medivh aus dem Zimmer fliehen w�rde. Doch der �berraschte ihn, als er laut zu lachen begann.</p><p>�Am�siert dich die Ablehnung deiner Mutter, Kind?�, fragte Aegwynn streng.</p><p>�Nein�, sagte Medivh mit einem raubtierhaften Grinsen. �Die Dummheit meiner Mutter am�siert mich.�</p><p>Khadgar blickte zur anderen Seite des Zimmers und sah, wie der gegenw�rtige Medivh unter diesen Worten zusammenzuckte.</p><p>�Wie kannst du es wagen?�, schrie Aegwynn und hob die Hand. Eine wei�leuchtende Kugel schoss aus ihrer Hand und flog auf den vergangenen Medivh zu. Der Magus hob eine Hand und lenkte sie mit Leichtigkeit ab.</p><p>�Ich wage es, Mutter�, sagte das Bild aus der Vergangenheit. �Und ich habe die n�tige Macht. Die Macht, die du mir bei meiner Geburt verliehst. Eine Macht, die ich weder gewollt noch erbeten habe.�</p><p>Der vergangene Medivh gestikulierte knapp, und ein Blitz fuhr seiner Mutter entgegen. Khadgar bemerkte, dass sie beide H�nde ben�tigte, um ihn abzuwehren, und trotzdem noch zur�ckstolperte.</p><p>�Aber wieso hast du die Orks nach Azeroth gebracht?�, zischte die �ltere Frau. �Das ergibt keinen Sinn. Du gef�hrdest die gesamte Bev�lkerung � wof�r?�</p><p>�Um den Kreis zu durchbrechen, nat�rlich�, sagte der vergangene Medivh. �Um das starre Universum zu zerst�ren, das du f�r mich errichtet hast. Alles hat darin seinen Platz, sogar dein Kind. Wenn du schon nicht ewig die W�chterin sein kannst, dann willst du zumindest einen Nachfolger, den du selbst geboren und ausgebildet hast � und der deinen Regeln genauso sicher folgt wie die anderen Figuren in deinem Spiel.�</p><p>Der gegenw�rtige Medivh war auf die Knie gesunken und beobachtete das Schauspiel. Seine Lippen formten die Worte, die sein vergangenes Ich sprach.</p><p>Garona zupfte an Khadgars �rmel, und er nickte. Gemeinsam verlie�en sie das Innere des Schutzkreises und bewegten sich durch den Raum. Sie wollten sich an der gegenw�rtigen Inkarnation des Magus vorbeischleichen.</p><p>�Aber das Risiko, Kind ��, sagte Aegwynn.</p><p>�Risiko?�, erwiderte Medivh. �F�r wen besteht ein Risiko? F�r mich nicht, nicht so lange ich �ber die Macht der Tirisfalen verf�ge. F�r den Rest des Ordens? Dort interessiert man sich mehr f�r interne Intrigen als f�r D�monen. F�r das Land der Menschen? Sie sind fett und gl�cklich, werden vor Gefahren gesch�tzt, von denen sie nichts ahnen. Besteht f�r irgendeine wichtige Person tats�chlich ein Risiko?�</p><p>�Du spielst mit Kr�ften, die st�rker sind als du, Sohn�, sagte Aegwynn. Khadgar und Garona waren fast bis zur T�r vorgedrungen. Der gegenw�rtige Medivh beobachtete gefesselt die Vision.</p><p>�Oh, nat�rlich�, sagte der vergangene Magus mit b�sem L�cheln. �Wenn ich der Meinung bin, ich k�nnte solche Kr�fte beherrschen, ist das die S�nde des Stolzes. So �hnlich, als w�rde man glauben, gegen einen D�monenherrscher antreten und siegen zu k�nnen.�</p><p>Sie waren jetzt hinter Medivh, und Garona griff nach dem Messer unter ihrer Bluse. Khadgar hielt ihre Hand fest und sch�ttelte den Kopf. Sie schlichen sich an Medivh vorbei. Tr�nen glitzerten in den Augenwinkeln des alten Mannes.</p><p>�Was passiert, wenn diese Orks siegen?�, fragte Aegwynn. �Sie beten dunkle G�tter und Schatten an. Wieso willst du ihnen Azeroth geben?�</p><p>�Wenn sie siegen�, sagte der vergangene Medivh, �werden sie mich zu ihrem Herrscher machen. Im Gegensatz zu dir und dem Rest dieser traurigen Welt respektieren sie St�rke. Und dank deiner F�rsorge bin ich das m�chtigste Wesen auf dieser Welt. Ich werde die Ketten zerschmettern, die du und andere mir angelegt haben, und ich werde herrschen.�</p><p>Es wurde ruhig in der Vision. Khadgar und Garona blieben stehen und hielten den Atem an. W�rde der gegenw�rtige Medivh sie in der Stille bemerken?</p><p>Seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf Aegwynn in der Vergangenheit. �Du bist nicht mein Sohn�, sagte sie.</p><p>Der gegenw�rtige Medivh vergrub das Gesicht in den H�nden. Seine vergangene Version sagte: �Nein. Ich bin nie dein Sohn gewesen. Zumindest niemals ganz.�</p><p>Und der vergangene Medivh begann zu lachen. Es war ein tiefes donnerndes Lachen, das Khadgar schon einmal in der Eisw�ste geh�rt hatte, als die beiden zuletzt gek�mpft hatten.</p><p>Aegwynn wirkte schockiert. �Sargeras?�, stie� sie hervor, als sie die Stimme erkannte. �Ich habe dich get�tet!�</p><p>�Du hast einen K�rper get�tet, Hexe. Du hast nur meine k�rperliche Abbildung vernichtet�, knurrte der Medivh aus der Vergangenheit. Khadgar konnte jetzt das zweite Wesen sehen, diesen anderen Schatten, der ihn auffra�. Ein Wesen aus Schatten und Feuer, mit einem Bart aus Flammen und H�rnern aus Ebenholz. �Du hast den K�rper get�tet und tief unter dem Ozean eingesperrt. Aber ich habe ihn geopfert, um eine gr��ere Belohnung zu erlangen.�</p><p>Gegen ihren Willen legte Aegwynn eine Hand auf ihren Bauch.</p><p>�Ja, geliebte Mutter�, sagte der vergangene Medivh. Die Flammen leckten �ber seinen Bart, die H�rner bildeten sich aus dem Rauch auf seiner Stirn heraus. Es war Medivh � aber auch Sargeras. �Ich habe mich in deinem Bauch versteckt und in den Zellen deines ungeborenen Kinds gewartet. Ein Krebs, ein Geburtsfehler, ein Makel, mit dem du nie gerechnet h�ttest. Es war unm�glich, dich zu t�ten oder zu verf�hren. Also machte ich mich zu deinem Erben.�</p><p>Aegwynn schrie einen Fluch und riss die H�nde empor. Ihr �rger schloss sich um Worte, die nicht f�r menschliche Stimmen gedacht waren. Ein Blitz aus regenbogenfarbener Energie traf das Medivh/Sargeras-Wesen mitten in die Brust.</p><p>Das Phantom aus der Vergangenheit taumelte einen Schritt zur�ck, dann zwei. Erst dann hob es eine Hand und fing die Energie ab, die auf es einstr�mte. Das Zimmer roch nach verschmortem Fleisch. Sargeras/Medivh knurrte und spuckte. Er schrie seinen eigenen Zauberspruch und schleuderte Aegwynn damit quer durch den Raum.</p><p>�Ich kann dich nicht t�ten, Mutter�, zischte das D�monenwesen. �Ein Teil von mir verhindert das. Aber ich werde dich zerbrechen. Zerbrechen und verbannen, und wenn du geheilt bist und zur�ckkehrst, wirst du in ein Land kommen, das mir geh�rt. Dieses Land und der Orden von Tirisfal!�</p><p>In der Gegenwart schrie Medivh wie eine verlorene Seele. Er bat den Himmel um eine Vergebung, die er niemals erhalten hatte.</p><p>�Das ist unser Stichwort�, sagte Garona und zog an Khadgars Kleidung. �Lass uns verschwinden, so lange wir noch k�nnen.�</p><p>Khadgar z�gerte einen Moment, dann folgte er ihr zur Treppe.</p><p>Sie rannten drei Stufen auf einmal nehmend hinab und w�ren beinahe mit Moroes zusammengesto�en.</p><p>�Aufgeregt�, bemerkte er ruhig. �Probleme?�</p><p>Garona lief an dem Verwalter vorbei, aber Khadgar ergriff ihn an der Schulter. �Der Meister ist verr�ckt geworden.�</p><p>�Verr�ckter als sonst?�, erwiderte Moroes.</p><p>�Das ist kein Witz�, sagte Khadgar, dann blitzten seine Augen auf. �Habt Ihr die Pfeife, um Greife zu holen?�</p><p>Der Diener hob eine mit Runen verzierte Metallpfeife. �Soll ich einen ��</p><p>�Ich mach das schon�, sagte Khadgar, nahm ihm die Pfeife aus der Hand und lief hinter Garona her. �Er will vor allem uns erwischen, aber Ihr solltet auch verschwinden. Nehmt K�chin und flieht so schnell Ihr k�nnt.�</p><p>Und damit rannte Khadgar weiter.</p><p>�Fliehen?�, fragte der Verwalter und sah Khadgar nach. Er grunzte. �Wo sollte ich denn hingehen?�</p></section><section><title><p>14</p><p>Flucht</p></title><p>Sie legten mehrere Meilen zur�ck, bevor der Greif sich zu str�uben begann. Nur ein einziges Tier hatte auf Khadgars Pfeife reagiert. Es war nerv�s geworden, als sich Garona ihm n�herte. Nur durch reine Willenskraft gelang es dem jungen Magier den Greif dazu zu bringen, die Gegenwart der Halb-Ork zu tolerieren. Selbst hinter den H�geln konnten sie Medivh noch schreien und fluchen h�ren. Sie lenkten den Greif in Richtung Stormwind, und Khadgar grub die Fersen in seine Flanken.</p><p>Sie kamen gut voran, aber jetzt sch�ttelte sich der Greif unter ihnen, zerrte an den Z�geln und versuchte in die Berge zur�ckzukehren. Khadgar stemmte sich gegen den Greif, um ihn auf Kurs zu halten, aber das Tier wurde immer nerv�ser.</p><p>�Was ist mit ihm?�, fragte Garona �ber Khadgars Schulter hinweg.</p><p>�Medivh ruft ihn zur�ck�, sagte er. �Er will heim nach Karazhan.�</p><p>Khadgar k�mpfte mit den Z�geln, benutzte sogar die Pfeife, musste sich aber schlie�lich geschlagen geben. Er lie� den Greif auf einer tiefen �den Ebene landen und rutschte von seinem R�cken, nachdem zuvor Garona abgestiegen war. Er hatte den Boden gerade erst ber�hrt, als der Greif auch schon wieder abhob. Er schlug seine schweren Schwingen gegen den dunklen Himmel und folgte dem Ruf seines Herrn.</p><p>�Glaubst du, er wird uns folgen?�, fragte Garona.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Khadgar. �Aber ich will nicht mehr hier sein, wenn er es tut. Wir m�ssen nach Stormwind.�</p><p>Sie schlugen sich f�r den Rest des Abends und der Nacht durch, bis sie einen Pfad fanden, der ungef�hr in Richtung Stormwind lief. Niemand folgte ihnen, und es gab auch keine seltsamen Lichter am Himmel, deshalb ruhten sie sich kurz vor Morgengrauen aus und schliefen unter einem Baum.</p><p>Auch den ganzen n�chsten Tag begegnete ihnen niemand. Sie sahen H�user, die bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren und frisch aufgeworfene Erde, wo man Familien begraben hatte. Umgeworfene und zerschmetterte Kutschen lagen herum, und ab und zu sah man Kreise voller Aschehaufen. Garona erkl�rte, dass die Orks so ihre Toten bestatteten, nachdem sie die Leichen ausgeraubt hatten.</p><p>Sie sahen nur tote Tiere � aufgeschlitzte Schweine bei einem zerst�rten Bauernhaus, die skelettierten �berreste eines Pferds, von dem man alles au�er dem Kopf vertilgt hatte. Stumm zogen sie von einer verbrannten Farm zur n�chsten.</p><p>�Deine Leute waren gr�ndlich�, sagte Khadgar irgendwann.</p><p>�Sie legen Wert auf solche Dinge�, erwiderte Garona grimmig.</p><p>�Wert?� Khadgar sah sich um. �Legen sie Wert auf Zerst�rung? Auf Vernichtung? Keine menschliche Armee w�rde alles auf ihrem Weg niederbrennen oder Tiere grundlos t�ten.�</p><p>Garona nickte. �Das ist die Taktik der Orks. Man l�sst nichts zur�ck, was der Feind sofort wieder einsetzen k�nnte, sei es Nahrung, Unterkunft oder Wertsachen. Man verbrennt alles. Die Grenzen der Ork-Clans sind oft verw�stete Gebiete, weil ein Clan dem anderen die Ressourcen wegzunehmen versucht.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf. �Das sind keine Ressourcen�, sagte er w�tend, �das sind Leben. Dieses Land war mal gr�n und fruchtbar, mit Feldern und W�ldern. Jetzt ist es eine Ein�de. Sieh es dir an! Wie soll es je Frieden zwischen Menschen und Orks geben?�</p><p>Garona erwiderte nichts. Den ganzen Tag lang zogen sie stumm weiter und lagerten in den �berresten eines Gasthauses. Sie schliefen in getrennten Zimmern, er in den Tr�mmern des Schankraums, sie weiter hinten in der K�che. Er schlug nicht vor zusammenzubleiben, sie ebenfalls nicht.</p><p>Khadgar wurde vom Knurren seines Magens geweckt. Sie waren ohne Vorr�te aus dem Turm geflohen, und au�er einigen Beeren und N�ssen hatten sie seit mehr als einem Tag nichts mehr gegessen.</p><p>Der junge Magier erhob sich mit knackenden Gelenken von dem regenfeuchten Stroh, das ihm als Lager gedient hatte. Er hatte seit seiner Ankunft in Karazhan nicht mehr im Freien geschlafen und f�hlte sich unwohl. Die Furcht des vergangenen Tages hatte ihn verlassen, und er fragte sich, wie die n�chsten Schritte aussehen sollten.</p><p>Ihr Ziel war Stormwind, aber wie sollte er jemanden wie Garona in die Stadt bekommen? Vielleicht konnte er sie irgendwie tarnen, falls sie �berhaupt mitkommen <emphasis>wollte</emphasis>. Jetzt, da sie nicht mehr im Turm festsa�, war es vielleicht besser, wenn sie zu Gul�dan und dem Stormreaver-Clan zur�ckkehrte.</p><p>Etwas bewegte sich hinter der zertr�mmerten Wand des Geb�udes. Vielleicht war es Garona. Sie musste so hungrig wie Khadgar sein. Sie hatte sich nicht beschwert, aber die Spuren der Orks wiesen darauf hin, dass sie gro�e Nahrungsmengen ben�tigten, um sich in Form zu halten.</p><p>Khadgar stand auf, sch�ttelte die M�digkeit aus seinen Gedanken und lehnte sich aus dem Fenster, um zu fragen, ob es noch etwas zu essen in der K�che gab �</p><p>� und sah sich einer gewaltigen doppelseitigen Axt gegen�ber, deren eine Klinge auf seinen Hals gerichtet war.</p><p>Am anderen Ende der Axt befand sich das jadegr�ne Gesicht eines Orks. Eines echten Orks. Khadgar war bis zu diesem Moment nicht klar gewesen, wie sehr er sich an Garonas Gesicht gew�hnt hatte. Dieses gewaltige Kinn hier und die wulstigen Brauen wirkten schockierend.</p><p>Der Ork knurrte. �Wasmachsdehie?�</p><p>Khadgar hob langsam die H�nde, w�hrend sein Geist magische Energie sammelte. Ein einfacher Zauberspruch w�rde reichen, um die Kreatur zur Seite zu werfen und mit Garona zu fliehen.</p><p><emphasis>Au�er Garona hat sie hierher gebracht</emphasis>, dachte er pl�tzlich.</p><p>Er z�gerte, und das war sein Fehler. Er h�rte eine Bewegung hinter sich, konnte sich aber nicht mehr umdrehen, als etwas Gro�es und Schweres in seinen Nacken schlug.</p><p>Er war nicht lange bewusstlos, aber die Zeit hatte einem halben Dutzend Orks gereicht, um sich im Raum zu verteilen. Sie durchsuchten die Tr�mmer mit ihren �xten. Sie trugen gr�ne Armbinden, geh�rten also zum Bleeding-Hollow-Clan, wie seine Erinnerung ihm verriet. Er bewegte sich, und der erste Ork � jener mit der doppelseitigen Axt � wandte sich ihm wieder zu.</p><p>�Wosdenzeuch?�, sagte der Ork. �Wohasdesversteck?�</p><p>�Was?� Khadgar fragte sich, ob die Stimme des Orks oder seine eigenen Ohren die Sprache so undeutlich machten.</p><p>�Dein Zeug�, sagte der Ork langsamer. �Deine Ausr�stung. Du hast nichts. Wo hast du alles versteckt?�</p><p>Khadgar antwortete, ohne nachzudenken. �Kein Zeug. Habe es verloren. Kein Zeug.�</p><p>Der Ork schnaufte. �Dann stirbst du�, knurrte er und hob die Axt.</p><p>�Nein!�, schrie Garona aus dem zerst�rten T�rrahmen. Sie sah aus, als h�tte sie keine gute Nacht hinter sich, aber an ihrem G�rtel hingen mehrere Hasen. Sie war auf der Jagd gewesen. Khadgar sch�mte sich wegen seiner Verd�chtigungen.</p><p>�Hau ab, Halbblut�, knurrte der Ork. �Das geht dich nichts an.�</p><p>�Du bringst mein Eigentum um, das geht mich absolut etwas an�, erwiderte Garona.</p><p><emphasis>Eigentum?</emphasis>, dachte Khadgar, schwieg jedoch.</p><p>�Eintum�, nuschelte der Ork. �Wer bissn du, dass de Eintum has?�</p><p>�Ich bin Garona Halforcen�, knurrte die Frau. Ihr Gesicht war wutverzerrt. �Ich diene Gul�dan, Kriegszauberer des Stormreaver-Clans. Besch�dige mein Eigentum, und du musst dich dem stellen.�</p><p>Der Ork schnaufte, artikulierte pl�tzlich wieder deutlicher. �Stormreaver? Pah! Man sagt, sie seien ein schwacher Clan, die sich von ihrem Kriegszauberer herumkommandieren lassen.�</p><p>Garona sah ihn mit stahlhartem Blick an. �Ich habe geh�rt, dass Bleeding Hollow den Twilight-Hollow-Clan beim Angriff nicht unterst�tzt hat, und dass beide Clans zur�ckgeworfen wurden. Ich habe geh�rt, dass ihr von Menschen in einem fairen Kampf geschlagen wurdet. Ist das wahr?�</p><p>�Tut nix zur Sache�, erwiderte der Bleeding-Hollow-Ork und verfiel wieder in seinen Slang. �Se hattn Pferde.�</p><p>�Vielleicht kann ich ��, setzte Khadgar an und wollte sich aufrichten.</p><p>�Runter, Sklave!�, br�llte Garona und stie� ihn hart zur�ck. �Du sprichst nur, wenn du gefragt wirst!�</p><p>Der Ork nutzte die Gelegenheit, um einen Schritt nach vorne zu machen, aber als Garona ihren Satz beendet hatte, fuhr sie herum und richtete einen langen Dolch auf den Bauch des Ork. Die anderen wichen vor dem bevorstehenden Kampf zur�ck.</p><p>�Zweifelst du mein Besitzrecht an?�, knurrte Garona mit Feuer in den Augen. Ihre Muskeln waren angespannt, dr�ckten die Klinge gegen die Lederr�stung.</p><p>Einen Moment lang herrschte Stille. Der Bleeding-Hollow-Ork sah zuerst Garona, dann den am Boden liegenden Khadgar und schlie�lich wieder Garona an. Er schnaufte und sagte: �Besorg dir erst mal was, das den Kampf lohnen w�rde, Halbblut.�</p><p>Mit diesen Worten wich der Ork-Anf�hrer zur�ck. Die anderen entspannten sich und verlie�en den in Tr�mmern liegenden Schankraum.</p><p>Einer seiner Untergebenen fragte auf dem Weg nach drau�en: �F�r was braucht se denn en Menschensklaven?�</p><p>Der Ork-Anf�hrer antwortete etwas, das Khadgar nicht verstand. Der Untergebene rief zur�ck: �Is ja widerlich!�</p><p>Khadgar wollte aufstehen, aber Garona befahl ihm mit einer Handbewegung, unten zu bleiben. Ungewollt zuckte Khadgar zusammen.</p><p>Garona ging zu einem der glaslosen Fenster, sah einen Moment nach drau�en und kehrte dann zu der Wand zur�ck, an der Khadgar lehnte.</p><p>�Ich glaube, sie sind weg�, sagte sie. �Ich hatte bef�rchtet, sie w�rden vielleicht zur�ckkehren, um sich zu r�chen. Ihr Anf�hrer wird heute Nacht bestimmt von seinen Untergebenen herausgefordert.�</p><p>Khadgar ber�hrte die geschwollene Seite seines Gesichts. �Mir geht es gut, danke der Nachfrage.�</p><p>Garona sch�ttelte den Kopf. �Du n�rrisches Bleichgesicht! Wenn ich dich nicht niedergeschlagen h�tte, h�tte der Anf�hrer dich sofort umgebracht � und dann mich angegriffen, weil ich dich nicht unter Kontrolle hatte.�</p><p>Khadgar seufzte tief. �Es tut mir Leid du hast Recht.�</p><p>�Und ob ich Recht habe�, sagte Garona. �Sie haben dich nur am Leben gelassen, weil sie dachten, du h�ttest etwas Wertvolles im Gasthaus versteckt. Sie hielten dich nicht f�r bl�d genug, ohne Ausr�stung durch ein Kriegsgebiet zu ziehen.�</p><p>�Musstest du denn so <emphasis>hart</emphasis> zuschlagen?�, fragte Khadgar.</p><p>�Um sie zu �berzeugen? Ja. Und es hat mir Spa� gemacht.� Sie warf ihm die Hasen zu. �Hier, h�ute die und bring Wasser zum Kochen. Es gibt noch ein paar Kessel in der K�che.�</p><p>�Ich bin nicht dein Sklave�, entgegnete Khadgar aufgebracht, �auch wenn deine Freunde das glauben m�gen.�</p><p>Garona grinste. �Nat�rlich nicht. Aber ich habe das Fr�hst�ck gefangen. Also wirst du es zubereiten.� Das Fr�hst�ck bestand aus einem herzhaften Eintopf, der sich aus Hase und Kartoffeln zusammensetzte, mit Kr�utern aus dem K�chengarten und mit Pilzen gew�rzt, die Garona in der Wildnis gefunden hatte. Khadgar untersuchte die Pilze, um sicherzustellen, dass auch tats�chlich alle genie�bar waren. Sie waren es.</p><p>�Orks benutzen ihre Jungen, um das Essen zu testen�, lie� Garona wissen. �Wenn sie �berleben, ist es gut f�r die ganze Gemeinschaft.�</p><p>Sie kehrten zur�ck auf die Stra�e nach Stormwind. In den W�ldern war es merkw�rdig still, und sie fanden nur Spuren des Krieges.</p><p>Gegen Mittag trafen sie erneut auf die Bleeding-Hollow-Orks. Sie lagen mit dem Gesicht nach unten auf einer Lichtung rund um einen zerst�rten Wachturm. Etwas Gro�es, Schweres und Scharfes hatte ihre R�stungen aufgerissen. Einigen fehlten die K�pfe.</p><p>Garona durchsuchte die Toten und nahm Brauchbares an sich. Khadgar betrachtete den Horizont.</p><p>Garona rief her�ber: �Willst du nicht helfen?�</p><p>�Gleich�, sagte Khadgar. �Ich m�chte nur sichergehen, dass der M�rder unserer Freunde nicht mehr hier ist.�</p><p>Garona betrachtete den Waldrand und dann den Himmel. Au�er tiefh�ngenden Wolken war nichts zu sehen.</p><p>�Und?�, sagte sie. �Ich h�re nichts.�</p><p>�Das haben die Orks wahrscheinlich auch nicht, bis es zu sp�t war�, sagte Khadgar und trat neben den K�rper des Ork-Anf�hrers. �Sie wurden im Laufen in den R�cken getroffen. Der Angreifer war gr��er als sie.� Er zeigte auf Hufspuren im Staub. �Die stammen von schweren Kriegspferden. Kavallerie. Menschliche Kavallerie.�</p><p>Garona nickte. �Zumindest sind wir also in der N�he von Menschen. Nimm dir, was du brauchst. Wir k�nnen ihre Rationen gut gebrauchen. Sie schmecken nicht, sind aber nahrhaft. Und nimm dir eine Waffe, wenigstens ein Messer.�</p><p>Khadgar sah Garona an. �Ich habe nachgedacht.�</p><p>Garona lachte. �Ich frage mich, wie viele menschliche Katastrophen mit diesem Satz begonnen haben.�</p><p>�Wir sind in Reichweite der Stormwind-Patrouillen�, sagte Khadgar. �Ich glaube nicht, dass Medivh uns folgt, zumindest nicht auf direktem Weg. Wir sollten uns vielleicht aufteilen.�</p><p>�Daran habe ich auch schon gedacht�, sagte Garona, w�hrend sie die Taschen eines Orks durchw�hlte und einen Umhang und ein in Stoff gewickeltes P�ckchen hervorzog. Sie �ffnete das P�ckchen und fand einen Feuerstein, Stahl und einen Beh�lter mit �liger Fl�ssigkeit. �Zum Feuermachen�, erkl�rte sie. �Orks lieben Feuer, und damit geht es schnell.�</p><p>�Also glaubst du, wir sollten uns trennen?�, fragte Khadgar.</p><p>�Nein�, erwiderte Garona. �Ich sagte, ich habe dar�ber nachgedacht. Das Problem ist nur, dass niemand dieses Gebiet hier beherrscht, weder Mensch noch Ork. Vielleicht triffst du nach f�nfzig Metern auf eine weitere Patrouille des Bleeding-Hollow-Clans, oder ich werde von deinen Kavalleriefreunden angegriffen. Zusammen haben wir eine gr��ere �berlebenschance. Der eine ist der Sklave des anderen.�</p><p>�Gefangener�, sagte Khadgar. �Menschen halten keine Sklaven.�</p><p>�Nat�rlich tut ihr das�, sagte Garona. �Ihr nennt sie nur anders. Also sollten wir zusammen bleiben.�</p><p>�Ist das alles?�, sagte Khadgar.</p><p>�Fast�, sagte Garona. �Au�erdem habe ich Gul�dan seit einiger Zeit nicht mehr informiert. Wenn wir ihm begegnen, werde ich erkl�ren, dass ich in Karazhan gefangen gehalten wurde, und dass es nicht weise von ihm war, seine Anh�ngerin in eine Falle zu schicken.�</p><p>�Meinst du, er wird das glauben?�, fragte Khadgar.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, sagte Garona. �Auch deshalb sollten wir zusammen bleiben.�</p><p>�Du k�nntest gro�en Einfluss erlangen mit dem, was du erfahren hast�, sagte Khadgar.</p><p>Garona nickte. �Ja, zumindest falls mir niemand den Sch�del einschl�gt, bevor ich davon berichten kann. Im Moment versuche ich es lieber mit den Bleichgesichtern. Jetzt m�ssen wir nur noch eines tun.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Ich muss die Leichen zusammentragen und mit Holz und Str�uchern bedecken. Wir k�nnen die Sachen liegen lassen, die wir nicht brauchen, aber wir m�ssen die K�rper verbrennen. Das ist das Mindeste, was wir tun k�nnen.�</p><p>Khadgar runzelte die Stirn. �Wenn die Kavallerie noch in der N�he ist, wird der Rauch sie anlocken.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Garona und betrachtete die �berreste der Patrouille. �Aber es ist richtig so. Wenn du menschliche Soldaten tot nach einem Angriff auff�ndest, w�rdest du sie nicht auch begraben?�</p><p>Khadgar kniff die Lippen zusammen, sagte jedoch nichts. Stattdessen nahm er einen der Orks und zerrte ihn auf die �berreste des Wachturms zu. Innerhalb einer Stunde hatten sie die Leichen zusammengetragen und angez�ndet.</p><p>�Jetzt sollten wir gehen�, sagte Khadgar, w�hrend Garona den Rauch betrachtete.</p><p>�Es wird die Reiter anlocken�, sagte Garona.</p><p>�Ja�, sagte Khadgar. �Und es wird ihnen auch eine Botschaft schicken, n�mlich, dass Orks hier sind, die sich sicher genug f�hlen, um die Leichen ihrer Gefallenen zu verbrennen. Ich m�chte lieber alles in Ruhe erkl�ren k�nnen, als pl�tzlich vor einem angreifenden Kriegspferd zu stehen.�</p><p>Garona nickte. Sie warfen sich die gestohlenen Umh�nge �ber die K�rper und verlie�en den brennenden Wachturm.</p><p>Garona behielt Recht, die Ork-Version einer Feldration war eine unangenehme Mischung aus geh�rtetem Sirup, N�ssen und etwas, das Khadgar f�r gekochte Ratte hielt. Aber wenigstens f�llte es den Magen, und sie kamen gut voran.</p><p>Zwei Tage vergingen, und das Land �ffnete sich, wurde zu weiten Feldern, die voller Getreide standen. Auch hier war der Krieg nicht spurlos vorbeigezogen. Die St�lle waren leer und die H�user verfallen. Sie fanden mehrere Spuren von Ork-Bestattungen und etliche Lager, die auf Fl�chtlinge und Patrouillen hinwiesen.</p><p>So weit es ging hielten sie sich in B�schen und im Wald verborgen. Im offenen Gel�nde war es zwar leichter, Fremde zu sehen, aber auch sie selbst w�ren schneller entdeckt worden. Als eine kleine Armee von Orks vorbeizog, versteckten sie sich in einem fast unversehrten Bauernhaus.</p><p>Khadgar beobachtete die Orks. Es gab Infanterie, Kavallerie, die auf gro�en W�lfen ritt, und Katapulte, die mit Drachenk�pfen und Totensch�deln verziert waren. Neben ihm beobachtete Garona die Prozession und sagte: �Narren.�</p><p>Khadgar sah sie fragend an.</p><p>�Sie fallen viel zu sehr auf�, erkl�rte sie. �Wir k�nnen sie sehen, also auch die Bleichgesichter. Diese Bande <emphasis>hat</emphasis> kein Ziel. Sie zieht einfach nur durch das Land auf der <emphasis>Suche</emphasis> nach einem. Sie wollen ehrenhaft im Kampf sterben.� Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du h�ltst nicht viel von deinem Volk�, sagte Khadgar.</p><p>�Im Moment halte ich wenig von allen V�lkern�, sagte Garona. �F�r die Orks bin ich nichts, die Menschen wollen mich umbringen � und der einzige Mensch, dem ich je vertraut habe, entpuppte sich als D�mon.�</p><p>�Ich bin auch noch da�, sagte Khadgar und versuchte nicht verletzt zu klingen.</p><p>Garona verzog das Gesicht. �Ja, da bist auch noch du. Du hast Recht, du bist ein Mensch, und ich vertraue dir. Aber ich dachte wirklich, dass Medivh etwas ausrichten w�rde. Er war m�chtig, wichtig und wollte verhandeln. Ohne Vorurteile. Aber ich habe mich selbst betrogen. Er ist nur ein weiterer Wahnsinniger. Vielleicht ist es mein Schicksal, f�r Wahnsinnige zu arbeiten. Wie nannte es Medivh? Das unverzeihlich starre Universum?�</p><p>�Deine Rolle�, sagte Khadgar, �w�hlt niemand au�er dir selbst. Das wollte auch Medivh immer.�</p><p>�Glaubst du, er war bei Verstand, als er das sagte?�, fragte die Halb-Ork.</p><p>Khadgar hob die Schultern. �War er je bei Verstand? Ich glaube schon. Und ich sp�re, dass du das auch glauben m�chtest.�</p><p>�Jau�, murmelte Garona. �Alles war so einfach, als ich f�r Gul�dan arbeitete. Ich war seine Augen und Ohren. Jetzt wei� ich nicht mehr, wer Recht hat und wer Unrecht. Zu welchem Volk geh�re ich? Zu keinem? Wenigstens musst du dir keine Gedanken dar�ber machen, wem gegen�ber du dich loyal verh�ltst.�</p><p>Khadgar sagte nichts, blickte nur hinaus in die Abendd�mmerung. Irgendwo hinter dem Horizont musste die Ork-Armee auf etwas gesto�en sein. Er sah das Leuchten einer falschen D�mmerung in dieser Richtung und die Lichtblitze, die von tiefh�ngenden Wolken reflektiert wurden. Die Echos der Kriegstrommeln klangen wie ferner Donner.</p><p>Zwei weitere Tage vergingen. Sie schritten �ber verlassene Orte und Marktpl�tze. Die meisten Geb�ude waren noch intakt, aber leerstehend. Es gab Hinweise darauf, dass sie bis vor kurzem bewohnt gewesen waren, aber jetzt lebten dort nur noch Geister und Erinnerungen.</p><p>Khadgar brach in ein Gesch�ft ein. Die Regale waren zwar leer, aber im Herd gab es noch gen�gend Feuerholz, und im Keller lagerten Kartoffeln und Zwiebeln. Nach den eisernen Rationen der Orks war alles andere eine Verbesserung.</p><p>Khadgar machte ein Feuer, w�hrend Garona Wasser aus einem nahe gelegenen Brunnen holte. Khadgar dachte �ber seine n�chsten Schritte nach. Medivh war eine Gefahr, vielleicht sogar eine gr��ere als die Orks. Konnte man noch mit ihm reden, ihn davon �berzeugen, das Portal zu schlie�en, oder war es daf�r bereits zu sp�t?</p><p>Selbst die Erkenntnis, dass es ein Portal gab, war schon eine gute Neuigkeit. Denn wenn die Menschen es fanden, konnten sie es schlie�en und den Orks die Verst�rkung aus Draenor abschneiden. Dann w�ren sie auf dieser Welt gestrandet.</p><p>L�rm von drau�en riss den Lehrling aus seinen Gedanken. Er h�rte Metall aufeinanderschlagen und menschliche Stimmen br�llen.</p><p>�Garona ��, murmelte Khadgar und eilte zur T�r.</p><p>Er fand sie neben dem Brunnen. Eine Patrouille von zehn Infanteristen, die ihre Schwerter gezogen hatten und die blaue Uniform von Azeroth trugen, war bei ihr. Einer der Soldaten hielt seinen blutenden Arm, aber zwei andere hatten Garona gepackt. Ihr Dolch mit der langen Klinge lag am Boden. Als Khadgar um die Ecke bog, schlug der Sergeant ihr mit dem Eisenhandschuh ins Gesicht.</p><p>�Wo sind die anderen?�, knurrte er. Aus dem Mund der Halb-Ork rann dunkles Blut.</p><p>�Lass sie in Ruhe!�, rief Khadgar. Ohne nachzudenken sammelte er die Energien in seinem Geist und wob sie in einen kurzen Zauberspruch.</p><p>Ein helles Licht entstand um Garonas Kopf, eine winzige Sonne, die die Menschen �berraschte. Die beiden M�nner, die Garona festgehalten hatten, lie�en sie los, und sie sackte zu Boden. Der Sergeant hob die Hand, um seine Augen zu sch�tzen, und der Rest der Patrouille war so �berrumpelt, dass Khadgar ungehindert zu Garona gelangen konnte.</p><p>�Wurde �berrascht�, murmelte Garona durch ihre aufgeplatzte Lippe. �Bin gleich wieder bereit.�</p><p>�Bleib unten�, sagte Khadgar sanft. Den blinzelnden Sergeant bellte er an: �Kommandierst du diese Bande?�</p><p>Die meisten M�nner hatten sich erholt und die Schwerter gezogen. Die beiden neben Garona waren ein St�ck zur�ckgewichen, beobachteten ausschlie�lich sie, nicht Khadgar.</p><p>Der Sergeant sah ihn an. �Was f�llt dir ein, dich in die Belange der Armee einzumischen? Schafft ihn aus dem Weg, M�nner!�</p><p>�Halt!�, sagte Khadgar scharf, und die Soldaten, die seinen Zauberspruch erlebt hatten, machten nur einen einzigen Schritt nach vorne. �Ich bin Khadgar, Sch�ler von Medivh, dem Magus, dem Freund und Verb�ndeten eures K�nigs Llane. Ich muss mit ihm sprechen. Bringt uns sofort nach Stormwind.�</p><p>Der Sergeant grinste nur. �Nat�rlich, und ich bin Lord Lothar. Medivh nimmt keine Sch�ler auf. Sogar ich wei� das. Und wer ist deine kleine Freundin hier?�</p><p>�Sie ist �� Khadgar z�gerte einen Moment. �Sie ist meine Gefangene. Ich bringe sie zum Verh�r nach Stormwind.�</p><p>�Wie bitte?�, grunzte der Sergeant. �Wir haben deine Gefangene hier drau�en bewaffnet angetroffen, und du warst nirgendwo zu sehen. Deine Gefangene ist wohl entkommen. Schade, dass Orks eher sterben als dass sie sich ergeben w�rden.�</p><p>�Fass sie nicht an!�, rief Khadgar. Er hob seine Hand. Flammen tanzten �ber seine Fingerspitzen.</p><p>�Du spielst mit deinem Leben�, knurrte der Sergeant. In einiger Entfernung h�rte Khadgar das Ger�usch schwerer Hufe. Verst�rkung?</p><p>�Ihr macht einen gro�en Fehler, Herr�, sagte Khadgar h�flicher.</p><p>�Halte dich da raus, Junge�, befahl der Sergeant. �Schnappt euch die Ork. Bringt sie um, wenn sie sich wehrt.�</p><p>Die Soldaten taten einen weiteren Schritt nach vorne. Die beiden neben Garona b�ckten sich und griffen nach ihr. Sie versuchte auszuweichen, und einer trat mit seinem Stiefel nach ihr.</p><p>Khadgar schluckte die Tr�nen hinunter und schickte dem Sergeant seinen Zauber entgegen. Die Flammenkugel schlug gegen sein Knie. Der Sergeant schrie auf und sackte zu Boden.</p><p>�H�rt auf damit!�, zischte Khadgar.</p><p>�Bringt sie um!�, schrie der Sergeant. Seine Augen waren vor Schmerz weit aufgerissen. �Bringt sie beide um!�</p><p>�Halt!�, rief eine dunkle Stimme, die von einem Helm ged�mpft wurde. Die Reiter waren auf dem Marktplatz eingetroffen. Es waren rund zwanzig, und Khadgars Hoffnungen schwanden. Selbst Garona w�rde mit ihnen nicht fertig werden. Ihr Anf�hrer war in voller R�stung, sein Gesicht hinter dem Helm nicht zu erkennen.</p><p>Der junge Zauberlehrling trat vor. �Herr�, sagte er. �Haltet diese M�nner zur�ck. Ich bin ein Sch�ler von Magus Medivh.�</p><p>�Ich wei�, wer du bist�, sagte der Kommandant. �Haltet ein�, befahl er. �Bewacht die Ork, aber lasst sie in Ruhe.�</p><p>Khadgar schluckte und fuhr fort: �Ich habe eine Gefangene und wichtige Informationen f�r K�nig Llane. Ich muss sofort Lord Lothar sprechen.�</p><p>Der Kommandant klappte sein Visier hoch. �Das sollst du, mein Junge�, sagte Lord Lothar. �Das sollst du.�</p></section><section><title><p>15</p><p>Unter Karazhan</p></title><p>Die Unterhaltung auf Burg Stormwind war nicht gut verlaufen, und nun kreisten sie auf einem Greifen um Medivhs Turm. Unter ihnen wirkte Karazhan in der Abendd�mmerung leer und gewaltig. Kein Licht war in den Fenstern zu sehen, und auch das Observatorium in der Spitze des Turms war dunkel. Unter einem mondlosen Himmel wirkten selbst die hellen Steine des Turms schwarz und abweisend.</p><p>Am Abend zuvor war es in den Privatgem�chern des K�nigs zu einer hitzigen Diskussion gekommen. Khadgar und Garona waren beteiligt, obwohl die Halb-Ork in Gegenwart Seiner Majest�t Lothar ihr Messer abgeben musste. Der Champion des K�nigs war ebenfalls anwesend und au�erdem eine Gruppe von Beratern und H�flingen, die sich um K�nig Llane scharte. Khadgar witterte keinen einzigen Zauberer in der Versammlung und schloss daraus, dass diejenigen, die Medivhs W�ten �berlebt hatten, entweder auf dem Schlachtfeld k�mpften oder in Sicherheit gebracht worden waren.</p><p>Der K�nig war nicht mehr der junge Mann, den er in seinen Visionen gesehen hatte. Er war erwachsen geworden. Seine breiten Schultern und scharf geschnittenen Gesichtsz�ge beugten sich nur langsam den Ver�nderungen, die das mittlere Lebensalter mit sich brachte. Von allen Anwesenden war er am festlichsten gekleidet und seine blauen Gew�nder lie�en ihn aus der Gruppe herausragen. Neben seinem Stuhl lag ein gro�er Helm mit wei�en Fl�geln, als erwarte er, jeden Moment auf das Schlachtfeld gerufen zu werden.</p><p>Khadgar fragte sich, ob Llane nicht genau diesen Ruf herbeisehnte. Das h�tte zu dem starrsinnigen Jugendlichen aus der Troll-Vision gepasst. Ein direkter Kampf auf offenem Feld, wo der Sieg seiner Truppen niemals wirklich in Zweifel stand.</p><p>Er fragte sich, wie viel von dieser Sicherheit aus der �berzeugung kam, dass der Magus schon beizeiten eingreifen w�rde. Tats�chlich schienen beide Dinge zusammenzugeh�ren: Der Magus w�rde Stormwind immer unterst�tzen, und Stormwind w�rde aufgrund der Unterst�tzung des Magus niemals fallen.</p><p>Die Heiler hatten sich um Garonas aufgerissene Lippe gek�mmert, aber ihre Laune konnten sie nicht verbessern. Khadgar zuckte einige Male zusammen, wenn sie undiplomatisch ihre Ork-Meinung, den Geisteszustand des Meistermagiers betreffend, darlegte, �ber die Bleichgesichter im Allgemeinen und Llanes Truppen im Besonderen lamentierte.</p><p>�Die Orks sind unersch�tterlich�, sagte sie. �Sie werden nicht aufgeben. Sie werden zur�ckkommen.�</p><p>�Sie sind nicht auf Pfeilentfernung an die Mauern herangekommen�, konterte Llane. Khadgar hatte den Eindruck, dass Seine Majest�t eher am�siert als besorgt �ber Garonas undiplomatische Warnungen und ihr direktes Auftreten war.</p><p>�Sie sind nicht auf Pfeilentfernung an die Mauern herangekommen�, wiederholte Garona. �Dieses Mal. N�chstes Mal werden sie es tun. Und das �bern�chste Mal werden sie �ber die Mauern kommen. Ich glaube nicht, dass Ihr die Orks ernst genug nehmt, <emphasis>Sire</emphasis>.�</p><p>�Du kannst sicher sein, ich nehme sie sehr ernst�, versetzte Llane. �Aber ich bin mir auch der St�rke von Stormwind bewusst. Seiner Mauern, seiner Armeen, seiner Verb�ndeten und seiner Entschlossenheit. Wenn du dies sehen k�nntest, w�rde dich die Macht der Orks vielleicht auch nicht mehr so beeindrucken.�</p><p>Llane war sich ebenso sicher, was den Magus anging. Khadgar legte alles vor den Ratgebern dar und wurde dabei von Garona unterst�tzt. Die Visionen aus der Vergangenheit, das ungew�hnliche Verhalten, die Visionen, die keine waren, sondern Hinweise auf Sargeras� Anwesenheit in Karazhan � Und er sprach �ber Medivhs Rolle beim Angriff auf Azeroth.</p><p>�Wenn ich eine Silberm�nze f�r jeden Mann bekommen h�tte, der behauptete, Medivh sei wahnsinnig, w�re ich noch reicher als ich es ohnehin schon bin�, sagte Llane. �Er hat einen Plan, junger Mann. So einfach ist das. Er hat sich schon oft in irgendein irrsinniges Unterfangen gest�rzt, und Lothar hat sich jedes Mal die allergr��ten Sorgen gemacht. Doch stets hatte er am Ende Recht. Das letzte Mal, als er hier war, hat er sich doch auf die Jagd nach diesem D�mon gemacht und ihn nach ein paar Stunden zur�ckgebracht. W�rde jemand, der von einem D�mon besessen ist, einen seiner eigenen Leute k�pfen?�</p><p>�Wenn er damit seine Unschuld vort�uschen k�nnte, warum nicht?�, antwortete Garona. �Niemand hat gesehen, wie er den D�mon mitten in der Stadt t�tete. Vielleicht hat er ihn beschworen, get�tet und dann als S�ndenbock pr�sentiert.�</p><p>�Haltlose Spekulation�, knurrte der K�nig. �Ich glaube euch, dass ihr all das gesehen habt. Auch diese Visionen aus der Vergangenheit. Aber ich denke, dass der Magus verschlagen wie ein Fuchs und dass all das Teil eines gro�en Plans ist. Er spricht doch immer von Pl�nen und gro�en Zyklen.�</p><p>�Bei allem Respekt�, sagte Khadgar. �Der Magus hat vielleicht einen Plan, aber die Frage ist, ob Stormwind und Azeroth darin einen Platz haben.�</p><p>So ging es den ganzen Abend. K�nig Llane hatte klare Ansichten zu allen Streitpunkten. Er war der Meinung, dass Azeroth die Ork-Horden mit seinen Verb�ndeten vernichten oder zur�ck in ihre Heimatwelt treiben w�rde; dass Medivh einen Plan verfolgte, den niemand au�er ihm verstand; und dass Stormwind jedem Angriff widerstehen w�rde, so lange �entschlossene M�nner auf den Mauern stehen und auf dem Thron sitzen�.</p><p>Lothar schwieg meistens, stellte nur ab und zu eine Frage und sch�ttelte den Kopf, wenn Khadgar oder Garona ihm unverbl�mt antworteten. Schlie�lich sprach er.</p><p>�Llane, lass dich nicht von deinen �berzeugungen blenden�, sagte er. �Wenn wir uns nicht auf Magus Medivh als Verb�ndeten verlassen k�nnen, sind wir geschw�cht. Wenn wir die Orks untersch�tzen, sind wir verloren. H�r dir an, was sie zu sagen haben.�</p><p>�Ich h�re sie an�, sagte Llane. �Aber ich h�re nicht nur mit meinen Ohren, sondern auch mit meinem Herzen. Wir haben viele Jahre mit dem jungen Medivh verbracht, vor und nach seinem Schlaf. Er erinnert sich an seine Freunde. Und wenn er seinen Plan enth�llt, wirst sogar du erkennen, was f�r ein getreuer Freund der Magus ist.�</p><p>Der K�nig stand auf, entlie� sie alle und versprach, genau �ber alle Angelegenheiten nachzudenken. Garona fluchte leise vor sich hin, und Lothar gab ihnen Zimmer ohne Fenster und mit Wachen vor den T�ren, um auf Nummer Sicher zu gehen.</p><p>Khadgar versuchte zu schlafen, aber er war so frustriert, dass er einen Gro�teil der Nacht auf und ab ging. Schlie�lich, als die Ersch�pfung ihn gerade in den Schlaf gezwungen hatte, klopfte es an der T�r.</p><p>Es war Lothar in voller R�stung. Er trug eine Uniform �ber dem Arm. �Du schl�fst wie ein Stein, oder?� Er reichte ihm l�chelnd eine Uniform. �Zieh das an und triff uns in f�nfzehn Minuten in der Turmspitze. Beeil dich, Junge.�</p><p>Khadgar zog die Kleidung an, die aus einer Hose, schweren Stiefeln, einer blauen Jacke mit dem L�wen von Azeroth darauf und einem Langschwert bestand. Er wollte das Schwert zuerst nicht mitnehmen, band es sich dann aber doch �ber den R�cken. Vielleicht konnte es ihm noch n�tzlich sein.</p><p>Sechs Greife hockten auf den T�rmen und sch�ttelten aufgeregt die gro�en Schwingen. Lothar war dort und Garona ebenfalls. Sie trug die gleiche Kleidung wie er und war ebenfalls mit einem Schwert bewaffnet.</p><p>�Sag kein Wort�, zischte sie.</p><p>�Der L�we von Azeroth steht dir sehr gut�, sagte er. �Er passt zu deinen Augen.�</p><p>Garona schnaufte. �Lothar sagte das Gleiche. Er hat versucht mich damit zu �berzeugen, dass du ebenfalls diese Kleidung tr�gst. Und er sagte, er wolle sicherstellen, dass niemand von den anderen auf mich schie�t, weil er mich f�r einen Gegner h�lt.�</p><p>�Anderen?�, fragte Khadgar und sah sich um. Im Morgenlicht waren die anderen Greife gut zu erkennen. Das Licht der aufgehenden Sonne f�rbte ihre Fl�gel rosa. Er hatte nicht gewusst, dass es so viele dressierte Greife auf der Welt gab, geschweige denn in Stormwind. Lothar musste mit den Zwergen gesprochen haben. Die Luft war k�hl und scharf wie ein Dolchsto�.</p><p>Lothar kam zu ihnen und r�ckte Khadgars Schwert zurecht, damit er auf dem Greif sitzen konnte.</p><p>�Seine Majest�t�, knurrte Lothar, �hat einen unersch�tterlichen Glauben an die St�rke der Menschen von Azeroth und an die Dicke der Mauern von Stormwind. Es ist gut, dass er auch Leute um sich hat, die sich k�mmern, wenn er einmal falsch liegt.�</p><p>�Damit meint Ihr wohl uns�, sagte Khadgar grimmig.</p><p>�Damit meine ich uns�, erwiderte Lothar. Er sah Khadgar scharf an und f�gte hinzu: �Ich hatte dich gefragt, wie es ihm geht, du erinnerst dich.�</p><p>�Ja�, antwortete Khadgar. �Und ich sagte Euch die Wahrheit, oder das, was ich daf�r hielt. Ich war loyal.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Lothar. �Und ich bin ihm auch loyal. Ich will nur, dass du die Wahrheit sagst. Aber ich will auch, dass du tust, was getan werden muss, wenn es so weit kommen sollte.�</p><p>Khadgar nickte. �Ihr glaubt mir doch, oder?�</p><p>Lothar nickte grimmig. �Vor langer Zeit, als ich in deinem Alter war, pflegte ich Medivh. Er lag damals im Koma, in diesem langen, tiefen Schlaf, der ihm so viel von seiner Jugend nahm. Ich hielt es damals f�r einen Traum, aber ich k�nnte schw�ren, dass mir gegen�ber ein anderer Mann sa� und den Magus betrachtete. Er sah aus, als best�nde er aus Messing. �ber seinen Augen sa�en gro�e H�rner, und sein Bart bestand aus Feuer.�</p><p>�Sargeras�, sagte Khadgar.</p><p>Lothar stie� den Atem aus. �Ich dachte, ich w�re eingeschlafen und h�tte getr�umt, dachte, dass er es nicht wirklich sein k�nnte. Wei�t du, auch ich war ihm loyal ergeben. Aber ich habe nie vergessen, was ich sah. Und als die Jahre vergingen, begann ich zu begreifen, dass ich einen Zipfel der Wahrheit gesehen hatte, und dass es vielleicht so weit kommen w�rde, wie es nun gekommen ist. Vielleicht k�nnen wir Medivh noch retten, aber vielleicht sitzt die Dunkelheit bereits zu tief. Dann m�ssen wir etwas Furchtbares, Schreckliches und absolut Notwendiges tun. Die Frage ist, ob du dazu bereit und in der Lage bist?�</p><p>Khadgar dachte einen Moment lang nach und nickte dann. Sein Magen f�hlte sich wie ein Klumpen Eis an. Lothar hob die Hand. Auf sein Kommando hin erhoben sich die Greife in die Luft, w�hrend hinter ihnen die Sonne aufging und ihre Schwingen golden f�rbte.</p><p>Das kalte Gef�hl in Khadgars Magen lie� auf dem ganzen langen Flug nach Karazhan nicht nach. Garona ritt hinter ihm, aber sie schwiegen beide, w�hrend der Boden unter ihnen vorbeizog.</p><p>Das Land ver�nderte sich unter ihren Schwingen. Aus den gro�en Feldern wurden verbrannte Fl�chen, von zerst�rten Geb�uden unterbrochen. W�lder waren gef�llt worden, um die Kriegsmaschinerie anzutreiben. Das hatte gro�e Narben in die Landschaft gerissen. Offene Krater g�hnten, die Erde war verwundet und aufgeworfen worden, um an das Erz zu gelangen. Rauchschwaden stiegen auf und zogen �ber den Horizont, aber ob sie von Schlachtfeldern oder von Schmieden stammten, konnte Khadgar nicht sagen. Sie flogen durch den Tag, und die Sonne sank langsam am Horizont.</p><p>Karazhan stieg wie ein dunkler Schatten in der Mitte eines Kraters auf. Er zog die letzten Strahlen des Tages an sich und gab nichts davon wieder her. Kein Licht war im Turm oder in einem der Fenster zu sehen. Die Fackeln, die brannten, ohne ihre Substanz zu verzehren, waren gel�scht worden. Khadgar fragte sich, ob Medivh entkommen war.</p><p>Lothar zwang seinen Greif nach unten, und Khadgar folgte, glitt vom R�cken des gefl�gelten Tiers. Er hatte kaum wieder Boden unter den F��en, als sich der Greif auch schon erneut in die L�fte erhob. Er stie� ein Kreischen aus und wandte sich nach Norden.</p><p>Der Champion von Azeroth war bereits an der Treppe angekommen. Seine breiten Schultern waren angespannt, seine kr�ftige Gestalt bewegte sich mit der lautlosen Eleganz einer Raubkatze. Seine Klinge war gezogen. Garona schlich ebenfalls vor und zog ihren langen Dolch unter der Bluse hervor. Die schwere Klinge aus Stormwind schlug gegen Khadgars H�fte, und neben den anderen beiden f�hlte er sich wie ein ungeschicktes Ding aus Stein. Hinter ihm landeten die anderen Greife und setzten ihre Krieger ab.</p><p>Das Observatorium war leer, das Arbeitszimmer des Meistermagiers hingegen zwar verlassen, aber nicht v�llig ausger�umt. �berall lagen Werkzeuge herum, und die �berreste des zertr�mmerten Astrolabiums ruhten auf dem Kaminsims. Wenn der Turm wirklich verlassen wurde, war dies �berst�rzt erfolgt.</p><p>Oder aber � er war <emphasis>nicht</emphasis> verlassen worden.</p><p>Fackeln wurden entz�ndet, und die Gruppe stieg die endlos scheinende Treppe hinab. Lothar, Garona und Khadgar �bernahmen die F�hrung. Einst waren Lothar diese Mauern vertraut, ein Zuhause und die Treppen eine t�gliche Herausforderung gewesen. Doch nun waren die Fackeln an den W�nden mit ihren eisblauen Flammen gel�scht worden, und der sich bewegende Fackelschein der Eindringlinge warf dunkle Schatten �ber die Mauern und verlieh ihnen ein fremdes, beinahe alptraumhaftes Aussehen. Das Gem�uer selbst schien b�se geworden zu sein, und Khadgar erwartete hinter jedem dunklen Eingang einen t�dlichen Angriff.</p><p>Doch es passierte nichts. Die Galerien waren leer, die Speises�le verlassen, die Gastquartiere zwar m�bliert, aber unbewohnt. Khadgar untersuchte seine eigene Unterkunft. Nichts war ver�ndert worden.</p><p>Das Licht der Fackeln warf seltsame Schatten �ber die Eisenstangen der Regale in der Bibliothek. Die B�cher waren unber�hrt, und selbst Khadgars letzte Notizen lagen immer noch auf dem Tisch. Hielt Medivh so wenig von seiner Bibliothek, dass er kein einziges Buch mitgenommen hatte?</p><p>Khadgar entdeckte einige Papierfetzen und ging zu dem Regal, in dem die epischen Gedichte untergebracht waren. Die �berreste einer zerrissenen Schriftrolle lagen dazwischen. Khadgar nahm einen gr��eren Fetzen, las einige Worte und nickte.</p><p>�Was ist das?�, fragte Lothar. Er schien zu erwarten, dass die B�cher jeden Moment zum Leben erwachten und ihn angriffen.</p><p>�<emphasis>Das Lied von Aegwynn</emphasis>�, sagte Khadgar. �Ein episches Gedicht �ber seine Mutter.�</p><p>Lothar grunzte verstehend, aber Khadgar dachte nach. Medivh war hier gewesen, nachdem sie den Turm verlassen hatten. Wieso hatte er die Schriftrolle zerst�rt? Waren es die dunklen Erinnerungen an den Streit mit seiner Mutter? Waren es Rachegel�ste nach Aegwynns Sieg �ber Sargeras? Oder symbolisierte die Zerst�rung der Schriftrolle, des Schl�ssels, den der W�chter von Tirisfal verwendet hatte, seine Ablehnung und den letzten Betrug an dieser Gruppe?</p><p>Khadgar riskierte einen einfachen Zauberspruch � mit dem man magische Pr�senz feststellen konnte �, fand jedoch nichts au�er den normalen Reaktionen, die durch die magischen B�cher entstanden. Wenn Medivh hier einen Spruch gewoben hatte, war er so gut getarnt, dass er Khadgars Forschen entging.</p><p>Lothar bemerkte, dass der junge Magier Zeichen in die Luft malte, und als er endete, sagte er: �Du solltest deine Kraft aufsparen, bis wir ihn gefunden haben.�</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf und fragte sich, ob sie den Magus �berhaupt je finden w�rden.</p><p>Stattdessen entdeckten sie Moroes im untersten Stockwerk in der N�he des Eingangs zu K�che und Vorratskammer. Er war mitten im Gang zusammengebrochen. Blut war neben ihm in einem Viertelkreis geronnen. Seine Augen waren weit ge�ffnet, aber sein Gesicht wirkte gefasst. Selbst der Tod schien den Verwalter nicht �berrascht zu haben.</p><p>Garona ging in die K�che und kehrte kurz darauf wieder zur�ck. Ihr Gesicht war blasser als sonst, und in einer Hand hielt sie eine zerbrochene rosafarbene Brille. Khadgar nickte.</p><p>Die Leichen steigerten die Nervosit�t der Soldaten, und sie traten vorsichtig durch das Tor in den Burghof. Medivh war nirgendwo zu sehen, und es gab nur wenige Hinweise darauf, dass er hier vorbeigekommen war.</p><p>�Hat er einen zweiten Unterschlupf?�, fragte Lothar. �Einen Ort, an dem er sich verstecken kann?�</p><p>�Er war h�ufig weg�, sagte Khadgar. �Manchmal tauchte er nach tagelanger Abwesenheit ohne jede Erkl�rung wieder auf.�</p><p>Etwas bewegte sich entlang des Balkons �ber dem Eingangstor. Es war nur ein leichtes Zittern der Luft. Khadgar starrte lange auf diesen Punkt, aber das Ph�nomen kehrte nicht zur�ck.</p><p>�Vielleicht ist er zu den Orks gegangen, um sie anzuf�hren�, schlug der Champion vor.</p><p>Garona sch�ttelte den Kopf. �Sie w�rden nie einen menschlichen Anf�hrer akzeptieren.�</p><p>�Er kann sich doch nicht in Luft aufgel�st haben!�, polterte Lothar los. Zu den Soldaten sagte er: �Macht euch bereit. Wir kehren um.�</p><p>Garona ignorierte den Champion und sagte: �Das hat er nicht. Zur�ck in den Turm.�</p><p>Sie ging durch die Gruppe der Soldaten, als w�re sie ein Boot, das die Wellen teilt. Sie verschwand im Inneren des Turms. Lothar sah Khadgar an, doch dieser hob nur die Schultern und folgte der Frau, die zur H�lfte Ork war.</p><p>Moroes hatte sich nicht bewegt, lag immer noch in seinem Blut bei der Wand. Garona ber�hrte die Wand, als wolle sie etwas daran erf�hlen. Sie runzelte die Stirn, fluchte und schlug gegen die Mauer, die sehr massiv klang.</p><p>�Sie muss hier sein�, sagte sie.</p><p>�Was muss hier sein?�, fragte Khadgar.</p><p>�Eine T�r�, sagte die Halb-Ork.</p><p>�Es gab hier nie eine T�r�, sagte Khadgar.</p><p>�Wahrscheinlich gab es hier immer eine T�r�, widersprach Garona. �Du hast sie nur nie gesehen. Schau hin. Moroes ist hier gestorben.� Sie trat mit dem Fu� neben der Wand auf. �Dann wurde sein K�rper zur Seite bewegt, wodurch der Viertelkreis der Blutspur entstand. So haben wir ihn gefunden.�</p><p>Lothar grunzte zustimmend und begann ebenfalls mit den H�nden �ber die Mauer zu streichen.</p><p>Khadgar betrachtete die scheinbar fugenlose Wand. Er war f�nf- bis sechsmal pro Tag daran vorbeigegangen. Auf der anderen Seite h�tte es nichts au�er Stein und M�rtel geben d�rfen. Und dennoch �</p><p>�Geht zur Seite�, sagte der junge Magier. �Lasst mich etwas ausprobieren.�</p><p>Der Champion und die Halb-Ork traten einen Schritt zur�ck, und Khadgar sammelte die Energien f�r einen Spruch. Er hatte ihn bereits bei verschlossenen T�ren und B�chern angewendet, aber dies war das erste Mal, das er ihn bei einer T�r verwendete, die er nicht einmal wahrnehmen konnte. Er versuchte sich die T�r vorzustellen, wie gro� sie sein musste, um Moroes� K�rper so zur Seite zu dr�cken, wie es geschehen war � wo ihre Scharniere lagen, wo der Rahmen und wo man die Schl�sser angebracht hatte, um sie zu sichern.</p><p>Er stellte sich die T�r vor und warf dem unsichtbaren Rahmen ein wenig Magie entgegen, um das versteckte Schloss zu �ffnen. �berrascht sah er, wie sich die Wand bewegte und ein senkrechter Spalt entstand. Er war kaum zu sehen, reichte aber, um die T�r erahnen zu lassen, die es einen Moment zuvor noch nicht gegeben hatte.</p><p>��ffnet sie mit euren Schwertern�, knurrte Lothar, und die Soldaten machten sich an die Arbeit. Die steinerne T�r widerstand ihrem Ansturm einige Augenblicke, bis ein Mechanismus darin h�rbar zerbrach und die T�r nach au�en schwang. Sie streifte Moroes� Leichnam und gab den Blick auf eine Treppe frei, die in die Tiefe f�hrte.</p><p>�Er hat sich also nicht in Luft aufgel�st�, sagte Garona grimmig. �Er ist hier geblieben, nur an einem Ort, den niemand au�er ihm kennt.�</p><p>Khadgar betrachtete den toten Moroes. �Fast niemand. Ich frage mich nur, was er sonst noch vor uns versteckt hat.�</p><p>Sie stiegen die Treppe hinunter, und Khadgar begann sich zunehmend unwohler zu f�hlen. Die oberen Stockwerke wirkten einfach nur verlassen, aber hier unten herrschte eine Aura des B�sen. Die rau behauenen Mauern und der Boden waren feucht, und im Licht der Fackeln schien alles zu zucken wie lebendiges Fleisch.</p><p>Khadgar brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass die Stufen zwar noch immer abw�rts f�hrten, aber die Richtung gewechselt hatten und jetzt auf der anderen Seite des Turms verliefen. Sie schienen ein Spiegelbild der oberen Treppe zu sein.</p><p>Tats�chlich setzte sich dieser Eindruck fort. Wo sich im Turm ein leerer Versammlungsraum befunden hatte, gab es hier einen Kerker mit unbenutzten Eisenketten. Der Raum, der oben als Speisesaal diente, war hier voller mystischer Kreise und Schutt. Die Luft schmeckte schwer und war dr�ckend, genau wie im Turm von Stormwind, als Huglar und Hugarin get�tet wurden. Hier war der D�mon beschworen worden, der sie ermordet hatte.</p><p>Als sie das Stockwerk erreichten, das der Bibliothek entsprach, fanden sie zwei mit Eisenriegeln verschlossene T�ren. Die Stufen f�hrten weiter nach unten, aber die Gruppe blieb vor der T�r stehen und betrachtete die r�tselhaften Symbole, die tief in das Holz geritzt worden und mit br�unlichem Blut versehen waren. Es sah aus, als w�rde das Holz selbst bluten. Zwei gro�e Eisenringe hingen an den T�ren.</p><p>�Das ist dann also die Bibliothek�, sagte Khadgar.</p><p>Lothar nickte. Ihm waren die �hnlichkeiten zwischen dem Turm und diesem Bereich ebenfalls aufgefallen. �Mal sehen, was sich im Inneren befindet, wenn alle B�cher oben sind.�</p><p>Garona sagte: �Sein Arbeitszimmer ist in der Spitze des Turms mit dem Observatorium. Wenn er sich wirklich hier irgendwo auff�llt, m�sste das also eher ganz da unten sein. Wir sollten weitergehen.�</p><p>Aber ihre Worte kamen zu sp�t. Khadgar ber�hrte die Eisenringe, und Funken spr�hten von seiner Handfl�che zur T�r. Es war ein Hinweis auf eine magische Falle. Khadgar fluchte, als die T�rfl�gel aufsprangen und den Blick auf die dunkel daliegende Bibliothek freigaben �</p><p>� die sich als <emphasis>Zwinger</emphasis> entpuppte. Sargeras hatte kein Bed�rfnis nach Wissen, also hatte er das Zimmer seinen Haustieren �berlassen. Die Kreaturen lebten in selbstgew�hlter Finsternis. �tzender Rauch quoll in den Gang.</p><p>Es gab Augen im Inneren. Augen und brennende Tatzen und K�rper, die aus Schatten und Feuer bestanden. Sie schlichen heran und knurrten.</p><p>Khadgar zeichnete Symbole in die Luft, b�ndelte die Energie in seinem Kopf und versuchte die T�r zu bewegen. Soldaten dr�ckten gegen die gro�en Eisenringe, aber weder Magie noch Muskelkraft vermochten sie zu bewegen.</p><p>Die Bestien lachten fauchend und duckten sich zum Sprung.</p><p>Khadgar hob die H�nde, um einen weiteren Spruch zu versuchen, aber Lothar schlug sie zur Seite.</p><p>�Das soll uns nur Zeit und Energie kosten�, sagte er. �Wir sollen aufgehalten werden. Geh nach unten und suche Medivh.�</p><p>�Aber sie sind ��, begann Khadgar, doch dann sprang die erste D�monenbestie vor.</p><p>Lothar machte zwei Schritte und traf die im Sprung befindliche Kreatur mit seinem Schwert. Er zog die Klinge nach oben, und die Runen, die tief in das Metall graviert waren, begannen gelb zu leuchten. F�r eine Sekunde sah Khadgar Angst in den Augen der D�monenbestie.</p><p>Und dann bohrte sich die Klinge auch schon tief in das Fleisch des Unget�ms. Lothars Klinge trat im Nacken der Kreatur aus und durchtrennte den vorderen Teil des Rumpfs. Einen Moment lang heulte die Bestie schmerzerf�llt, dann traf die Klinge den Kopf. Die qualmenden �berreste der D�monenbestie fielen vor Lothars F��e. Sie weinten Feuer und bluteten Schatten.</p><p>�Geht!�, donnerte der Champion. �Wir k�mmern uns um den Rest und kommen dann nach.�</p><p>Garona packte Khadgar und zog ihn die Treppe hinunter. Hinter ihnen zogen die Soldaten ihre Schwerter, und die Runen tanzten feurig, w�hrend sie von den Schatten tranken. Der junge Magier und die Halb-Ork gingen die gewundenen Stufen nach unten, w�hrend sie hinter sich die Schreie der Sterbenden � aus menschlichen und d�monischen Kehlen � h�rten.</p><p>Sie stiegen tiefer in die Dunkelheit hinab. Garona hielt den Dolch in der einen, die Fackel in der anderen Hand. Khadgar bemerkte, dass die W�nde leicht phosphoreszierend leuchteten. Es war eine r�tliche Farbe, wie die einiger Nachtpilze tief in den W�ldern. Es wurde w�rmer, und Schwei� lief �ber seine Stirn.</p><p>Als sie zu einem der Speises�le kamen, hob sich Khadgars Magen pl�tzlich, und mit einem Mal waren sie an einem anderen Ort. Die Bewegung war pl�tzlich, wie die B�e eines Sommersturms.</p><p>Sie befanden sich in der Spitze eines der gro�en T�rme von Stormwind. Um sie herum stand die Stadt in Flammen. Rauch stieg von allen Seiten auf und bildete eine schwarze Decke, hinter der die Sonne verschwand. Eine �hnliche Schw�rze umgab die Stadtmauern, doch sie stammte von Ork-Truppen. Von ihrem Aussichtspunkt aus konnten Garona und Khadgar sehen, wie sich die Armeen wie K�fer auf dem Leichnam ausbreiteten, der einst Stormwinds Felder gewesen war. Jetzt gab es dort nur noch Belagerungst�rme und bewaffnete Soldaten, deren farbige Banner einen schaurigen Regenbogen bildeten.</p><p>Die W�lder waren ebenfalls verschwunden, hatten sich in Katapulte verwandelt, die Feuer auf die Stadt regnen lie�en. Die Unterstadt brannte bereits, und Khadgar beobachtete, wie eine Sektion der Au�enmauer zusammenbrach und kleine, gr�n und blau gekleidete Puppen sich gegenseitig auf dem Ger�ll bek�mpften.</p><p>�Wie sind wir �?�, begann Garona.</p><p>�Eine Vision�, sagte Khadgar knapp, fragte sich jedoch, ob das ein zuf�lliger Effekt des Turms war oder eine weitere gezielte Verz�gerungstaktik des Magus.</p><p>�Ich habe den K�nig gewarnt. Ich habe ihn gewarnt, aber er wollte ja nicht auf mich h�ren�, murmelte sie. Zu Khadgar sagte sie: �Dies ist eine Vision aus der Zukunft, nicht wahr? Wie werden wir sie wieder los?�</p><p>Der junge Magier sch�ttelte den Kopf. �Wir werden sie nicht los, zumindest jetzt nicht. Fr�her kamen und gingen sie. Ein starker Schock reicht meistens aus, um sie zu beenden.�</p><p>En flammendes Tr�mmerst�ck, das Geschoss eines Katapults, flog am Turm vorbei. Khadgar sp�rte die Hitze, bevor es zu Boden fiel.</p><p>Garona sah sich um. �Wenigstens sind es nur Ork-Armeen�, sagte sie grimmig.</p><p>�Und das ist die gute Nachricht?� Seine Augen tr�nten vom Rauch, der �ber den Turm wehte.</p><p>�Ja, denn es befinden sich offenbar keine D�monen in der Ork-Armee�, erwiderte sie. �Wenn Medivh bei ihnen w�re, w�rde es viel schlimmer aussehen. Vielleicht konnten wir ihn �berreden, uns zu helfen.�</p><p>�Ich sehe Medivh aber auch nicht bei unseren Truppen�, sagte Khadgar und dachte f�r einen Moment nicht daran, mit <emphasis>wem</emphasis> er sprach. �Ist er tot? Konnte er fliehen?�</p><p>�Wie weit sind wir in der Zukunft?�, fragte Garona.</p><p>Hinter sich h�rten sie verschiedene Stimmen. Die beiden drehten sich um und erkannten, dass sie vor den k�niglichen Audienzr�umen standen, die w�hrend des Angriffs als Planungszentrum dienten. Ein kleines Modell der Stadt stand auf dem Tisch, und man hatte Spielzeugsoldaten, die wie Menschen und Orks aussahen, um es herum verteilt. K�nig Llane und seine Berater sa�en am Tisch und br�teten �ber dem Schlachtengem�lde, w�hrend st�ndig neue Berichte eintrafen.</p><p>�Die Mauer im Handelsdistrikt wurde durchbrochen.�</p><p>�Weitere Br�nde in der Unterstadt!�</p><p>�Streitkr�fte sammeln sich wieder am Haupttor. Sehen wie Zauberer aus.�</p><p>Khadgar bemerkte, dass all die fr�heren H�flinge von grimmig blickenden M�nnern in blauen Uniformen ersetzt worden waren. Lothar war nicht am Tisch zu sehen, aber Khadgar hoffte, dass er sich an der Front aufhielt und den Krieg zum Feind trug.</p><p>Llane agierte mit einer Sicherheit, als w�rde die Stadt jeden Tag angegriffen. �Das vierte und f�nfte Regiment soll die Mauer verst�rken. Die Miliz soll Eimerketten bilden. Nehmt das Wasser aus den �ffentlichen B�dern. Und wir brauchen zwei Einheiten Speerwerfer am Haupttor. Wenn die Orks angreifen, sollen sie zuschlagen. Dann werden sie den Angriff abbrechen m�ssen. Zwei Magier sollen sich aus der Stra�e der Goldschmiede zur�ckziehen. Sind sie dort fertig?�</p><p>�Der Angriff wurde abgewehrt�, war die Antwort. �Die Magier sind ersch�pft.�</p><p>Llane nickte und sagte: �Dann sollen sie sich f�r eine Stunde ausruhen. Holt stattdessen die j�ngeren Magier aus der Akademie. Schickt doppelt so viele, aber sagt ihnen, sie sollen vorsichtig sein. Borton, Eure Kr�fte sollen sich an der Ostmauer sammeln. Dort w�rde ich als n�chstes angreifen, wenn ich unser Feind w�re.�</p><p>Llane versah jeden Kommandanten mit einer Aufgabe. Es gab keinen Streit, keine Diskussionen und keine Vorschl�ge. Jeder Krieger nickte und ging. Schlie�lich blieben nur K�nig Llane und das kleine Modell einer Stadt zur�ck, die vor seinem Fenster in Flammen aufging.</p><p>Der K�nig beugte sich vor und st�tzte die H�nde auf den Tisch. Sein Gesicht wirkte ersch�pft und war alt geworden. Er sah auf und sagte: �Du kannst mir jetzt berichten.�</p><p>Die Vorh�nge glitten zur Seite, als Garona vortrat. Die Halb-Ork neben Khadgar stie� einen �berraschten Laut aus.</p><p>Die zuk�nftige Garona trug ihre �bliche schwarze Hose und ebenfalls schwarze Seidenbluse, jedoch auch einen Umhang mit dem L�wenkopf von Azeroth. Ihr Blick flackerte wild. Die gegenw�rtige Garona ergriff Khadgars Arm. Er sp�rte, wie sich ihre N�gel in sein Fleisch gruben.</p><p>�Schlechte Nachrichten, <emphasis>Sire</emphasis>�, sagte Garona und trat an den Tisch des K�nigs. �Die verschiedenen Clans arbeiten bei diesem Angriff zusammen und sammeln sich unter Blackhand, dem Zerst�rer. Sie werden einander nicht hintergehen, bis Stormwind gefallen ist. Gul�dan bringt seine Magier nachts hierher. Bis dahin wird der Blackrock-Clan versuchen, die Ostmauer zu �berwinden.� Khadgar bemerkte das Zittern in der Stimme der Halb-Ork.</p><p>Llane seufzte tief und sagte: �Das habe ich erwartet und Gegenma�nahmen ergriffen. Wir werden diesen Angriff wie alle anderen davor zur�ckschlagen. Und wir werden aushalten, bis die Verst�rkung eintrifft. So lange entschlossene M�nner auf den Mauern stehen und auf dem Thron sitzen, wird Stormwind nicht fallen.�</p><p>Die zuk�nftige Garona nickte, und Khadgar sah, dass sich Tr�nen in ihren Augenwinkeln gesammelt hatten. �Die Ork-Anf�hrer stimmen Eurer Einsch�tzung zu�, sagte sie, und ihre Hand griff unter die schwarze Bluse.</p><p>Khadgar und die reale Garona schrien gleichzeitig auf, als die zuk�nftige Garona den langen Dolch herauszog und dem K�nig in die linke Brustseite stie�. Sie bewegte sich mit einer Schnelligkeit und Eleganz, auf die K�nig Llane nur mit einem verwirrten Gesichtsausdruck reagierte. Seine Augen wurden gro�, und einen Moment lang wurde er von der Klinge noch aufrecht gehalten.</p><p>�Die Ork-Anf�hrer stimmen Eurer Einsch�tzung zu�, sagte sie noch einmal, und die Tr�nen liefen jetzt ungehemmt �ber ihr breites Gesicht. �Und haben einen Killer angesetzt, um den entschlossenen Mann vom Thron zu entfernen. Jemanden, den Ihr nahe an Euch heranlassen w�rdet. Jemanden, den Ihr allein treffen w�rdet.�</p><p>Llane, der K�nig von Azeroth, der Herr von Stormwind, der Verb�ndete von Kriegern und Zauberern, sank zu Boden.</p><p>�Es tut mir Leid�, sagte Garona.</p><p>�Nein!�, schrie die gegenw�rtige Garona, als sie selbst zu Boden fiel. Pl�tzlich standen sie wieder in dem falschen Speisesaal. Die Tr�mmer von Stormwind waren verschwunden und mit ihnen die Leiche des K�nigs. Die Tr�nen der Halb-Ork fanden sich jetzt in den Augen der echten Garona.</p><p>�Ich werde ihn umbringen�, sagte sie leise. �Ich werde ihn umbringen. Er hat mich gut behandelt und zugeh�rt, wenn ich gesprochen habe, und ich werde ihn t�ten. Nein!�</p><p>Khadgar kniete neben ihr nieder. �Schon gut. Das muss so nicht kommen. Vielleicht passiert es nie. Es war eine Vision.�</p><p>�Es ist wahr�, sagte sie. �Ich sah es und wusste, dass es stimmt.�</p><p>Khadgar schwieg f�r einen Moment und dachte an seine eigene Vision, in der er Garonas Volk unter einem blutroten Himmel bek�mpft hatte. Er hatte ebenfalls gewusst, dass es die Wahrheit war, als er es schaute. �Wir m�ssen gehen�, sagte er, aber Garona sch�ttelte nur den Kopf. �Nach all dem dachte ich, ich h�tte einen Ort gefunden, an dem es besser ist als bei den Orks. Aber jetzt wei� ich, dass ich all das vernichten werde.�</p><p>Khadgar warf einen Blick auf die Treppe. Er wusste nicht, wie sich Lothars M�nner gegen die D�monen schlugen oder was am Boden des unterirdischen Turms auf ihn wartete. Er presste die Lippen zusammen und holte tief Luft.</p><p>Dann schlug er Garona hart ins Gesicht.</p><p>Seine Handfl�che blutete, weil er einen Fangzahn gestreift hatte, aber Garona reagierte sofort. Ihre tr�nenden Augen weiteten sich, und die Wut legte sich wie eine Maske �ber ihr Gesicht.</p><p>�Du Narr!�, br�llte sie und stie� Khadgar nach hinten. �Tu das nie wieder! H�rst du! Beim n�chsten Mal werde ich dich umbringen!�</p><p>Khadgar lag auf dem R�cken, die Halb-Ork kauerte �ber ihm. Er hatte noch nicht einmal bemerkt, dass sie den Dolch gezogen hatte, aber ihre Klinge dr�ckte jetzt gegen seinen Hals.</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte er mit einem schwachen L�cheln. �Ich hatte meine eigene Vision �ber die Zukunft. Ich glaube auch, dass sie wahr ist. Wenn das stimmt, kannst du mich nicht t�ten. Das Gleiche gilt auch f�r dich.�</p><p>Garona blinzelte und lehnte sich zur�ck. Sie hatte sich wieder unter Kontrolle. �Wenn ich den K�nig t�te ��</p><p>�� hei�t das, dass du lebendig hier heraus kommst�, sagte Khadgar. �Und ich auch.�</p><p>�Und wenn wir uns irren?�, fragte Garona. �Wenn die Vision eine L�ge ist?�</p><p>Khadgar kam auf die Beine. �Dann stirbst du in dem Wissen, dass du nicht � niemals! � den K�nig von Azeroth t�ten wirst.�</p><p>Garona blieb einen Moment sitzen und wog die M�glichkeiten gegeneinander ab. Schlie�lich sagte sie: �Hilf mir hoch. Wir m�ssen weiter.�</p><p>Sie stiegen weiter nach unten, durchliefen das Spiegelbild der Turmstockwerke. Schlie�lich erreichten sie die Etage, in der sich Medivhs Observatorium und sein Arbeitszimmer h�tten befinden sollen. Stattdessen endeten die Stufen jedoch auf einer roten Ebene. Sie schien aus dunklen reflektierenden St�cken hervorzuflie�en und aus Feuer zu bestehen. Khadgar sprang instinktiv zur�ck, aber der Boden wirkte fest, und die Hitze war zwar stark, aber nicht m�rderisch.</p><p>In der Mitte der gewaltigen H�hle standen einige eiserne M�belst�cke. Eine Werkbank und ein Hocker, ein paar St�hle und mehrere Schr�nke. Das Arrangement wirkte seltsam vertraut, dennoch brauchte Khadgar einen Moment, bis er begriff, dass der Raum eine exakte Kopie von Medivhs Arbeitszimmer war.</p><p>Zwischen den eisernen M�belst�cken stand der breitschultrige Magus. Khadgar suchte nach einem Zeichen des B�sen auf seinem Gesicht und in seiner K�rperhaltung, nach etwas, das ihm verriet, dass er nicht dem Medivh gegen�berstand, den er kannte und dem er vertraute, dem alten Mann, der seine Arbeit stets gef�rdert hatte. Etwas musste ihm doch verraten, dass er einen Betr�ger vor sich hatte!</p><p>Es gab nichts. Dies war der einzige Medivh, den er je gekannt hatte.</p><p>�Hallo, mein Vertrauen�, sagte der Magus, und als er l�chelte, umspielten Flammen seinen Bart. �Hallo, Abgesandte. Ich habe euch beide erwartet.�</p></section><section><title><p>16</p><p>Die Vernichtung eines Magiers</p></title><p>�Das war gut durchdacht, das muss ich wohl zugeben�, sagte der Magus, der Medivh war und auch wieder nicht. �Eine blendende Idee, mich mit den Schatten meiner Vergangenheit abzulenken, um mich an eurer Verfolgung zu hindern. Nat�rlich habe ich meine eigene Kraft gesammelt, w�hrend du deine sammeltest.�</p><p>Khadgar sah Garona an und nickte. Die Halb-Ork ging ein paar Schritte nach rechts. Sie w�rden den alten Mann in die Zange nehmen, wenn es sein musste.</p><p>�Meister, was ist mit Euch geschehen?�, fragte Khadgar und trat einen Schritt vor. Er wollte die Aufmerksamkeit des Magus auf sich ziehen.</p><p>Der �ltere Magier lachte: �Mit mir geschehen? Nichts ist mit mir geschehen. Ich bin so. Ich war von Geburt an befleckt, beschmutzt vom Moment meiner Zeugung, ein Samen, der zu einer bitteren Frucht wuchs. Du hast den wahren Medivh nie gekannt.�</p><p>�Magus, was auch immer geschehen ist, kann sicherlich wieder ungeschehen gemacht werden�, sagte Khadgar und ging langsam auf ihn zu. Garona befand sich zu seiner Rechten. Ihr Dolch war verschwunden � ihre H�nde schienen leer zu sein.</p><p>�Wieso sollte ich es ungeschehen machen?�, fragte Medivh b�se l�chelnd. �Alles l�uft so, wie es geplant war. Die Orks werden die Menschen vernichten, und ich werde sie durch zauberkundige H�uptlinge wie Gul�dan beherrschen. Ich werde diese verwachsenen Kreaturen zu dem Sarg f�hren, in dem Sargeras� K�rper liegt. Die Zauber sch�tzen ihn vor Menschen und D�monen, aber nicht vor Orks. Mein K�rper wird befreit werden. Und dann kann ich diese alte Gestalt und diesen schwachen Geist ablegen und die Welt verbrennen, so wie sie es verdient.�</p><p>Khadgar bewegte sich, w�hrend er sprach, nach links. �Du bist Sargeras.�</p><p>�Ja und nein�, sagte der Magus. �Ich bin es, denn als Aegwynn meinen K�rper t�tete, versteckte ich mich in ihr und infizierte ihre Zellen mit meiner dunklen Essenz. Als sie sich schlie�lich mit einem menschlichen Magier paarte, war ich bereits dort. Ich bin Medivhs dunkler Zwilling und gehe g�nzlich in seinem K�rper auf.�</p><p>�Das ist monstr�s�, sagte Khadgar.</p><p>Medivh grinste. �Der Unterschied zu Aegwynns eigenem Plan ist nicht gro�. Sie pflanzte die Macht von <emphasis>Tirisfalen</emphasis> in das Kind. Kein Wunder, dass so wenig Platz f�r den kleinen Medivh blieb, wo doch der D�mon und das Licht um seine Seele k�mpften. Als die Macht in ihm erwachte, brachte ich ihn f�r eine Weile zur Ruhe, um meine Pl�ne umzusetzen.�</p><p>Khadgar ging weiter nach links und versuchte nicht auf Garona zu achten, die sich an den alten Magier heranschlich. Stattdessen sagte er: �Gibt es noch etwas von dem wahren Medivh in dir?�</p><p>�Ein wenig�, sagte Medivh. �Genug, um mit euch niederen Wesen umzugehen. Genug, um K�nige und Zauberer zu t�uschen. Medivh ist eine Maske. Ich habe genug von ihm an der Oberfl�che �brig gelassen, dass er von anderen gesehen wird. Wenn ich seltsam oder gar verr�ckt erscheine, schieben sie es meiner Position und meiner Verantwortung zu und der Macht, die ich von meiner geliebten Mutter erhielt.�</p><p>Medivh grinste wie ein Raubtier. �Zuerst wollte mich Magna Aegwynn zu ihrem Werkzeug machen, dann die D�monen zu ihrem. Sogar der Orden sah in mir nicht mehr als eine Waffe, die man gegen D�monen einsetzen kann. Es ist also nicht �berraschend, dass ich nichts anderes bin als die Summe meiner Teile.�</p><p>Garona stand jetzt mit gez�cktem Dolch hinter dem Magus. Lautlos bewegte sie sich �ber den Boden. In ihren Augen waren keine Tr�nen mehr zu sehen, nur eine eiserne Entschlossenheit. Khadgar starrte weiter Medivh an, um sie nicht mit einem unbedachten Blick zu verraten.</p><p>�Du musst verstehen�, sagte der verr�ckte Zauberer, �dass ich nur Teil einer gro�en Maschine bin, die bereits l�uft, seit der Brunnen der Ewigkeit zerschmettert wurde. Der eigentliche Medivh und ich sind uns nur �ber eine Sache einig: Dieser Kreis muss durchbrochen werden.�</p><p>Garona war nur noch einen Schritt entfernt. Ihr Dolch war erhoben. Sie �berwand die letzte Distanz.</p><p>�Entschuldige mich�, sagte Medivh und schlug mit der Faust zu. Mystische Energien tanzten �ber die Kn�chel des �lteren Mannes. Er traf die Halb-Ork mitten ins Gesicht. Der Schlag lie� sie zur�cktaumeln.</p><p>Khadgar stie� einen Fluch aus und hob die H�nde, um einen Spruch zu weben. Etwas, um den Magier aus dem Konzept zu bringen, ihn abzulenken. Etwas Einfaches und Schnelles.</p><p>Medivh jedoch war schneller. Er drehte sich um und hob eine klauenartige Hand. Sofort sp�rte Khadgar, wie die Luft sich wie ein Umhang um ihn legte, seine Arme und Beine fesselte und ihm jede Bewegung unm�glich machte. Er schrie, aber seine Stimme klang ged�mpft und schien aus weiter Ferne zu kommen.</p><p>Medivh hob seine andere Hand, und Schmerz schoss durch Khadgars K�rper. Seine Gelenke schienen von gl�henden Nadeln durchsto�en zu werden, dann wurde der Schmerz zu einem dumpfen Pochen. Seine Brust wurde eng und sein Fleisch trocken; es schien �ber seine Knochen zu kriechen. Es f�hlte sich an, als w�rde die Fl�ssigkeit aus seinem K�rper gezogen, bis nichts mehr blieb au�er einer verdorrten H�lle. Und mit der Fl�ssigkeit verschwand auch seine Magie. Sein K�rper verlor die F�higkeit, Zauberspr�che zu weben und die Energien zu sammeln. Er f�hlte sich wie ein Gef��, das unaufhaltsam seinen ganzen Inhalt verlor.</p><p>Der Angriff endete so schnell wie er begonnen hatte, und Khadgar sank haltlos zu Boden. Seine Brust schmerzte bei jedem Atemzug.</p><p>Garona hatte sich wieder erholt und st�rmte mit erhobenem Dolch auf Medivh zu, um ihm die Klinge in die Brust zu rammen. Medivh wich ihr nicht aus, sondern trat auf die angreifende Halb-Ork zu, tauchte unter ihrem Sto� hindurch. Er hob eine Hand und ber�hrte ihre Stirn. Sie erstarrte inmitten ihrer Bewegung.</p><p>Mystische Energien hingen als gelber Rauch zwischen ihm und der Halb-Ork. Ihr K�rper zuckte hilflos, w�hrend der Magier ihre Stirn festhielt.</p><p>�Arme, arme Garona�, sagte Medivh. �Ich dachte, wegen deiner komplizierten Herkunft w�rdest du besser verstehen, was ich durchmache. Ich hatte gehofft, du w�rdest erkennen, wie wichtig es ist, den eigenen Weg zu gehen. Aber du bist wie all die anderen.�</p><p>Die Halb-Ork kr�chzte mit weit aufgerissenen Augen etwas Unverst�ndliches.</p><p>�Lass mich dir meine Welt zeigen, Garona�, sagte Medivh. �Ich werde dir meine Zweifel und Widerspr�che schicken. Du wirst niemals wissen, wem du dienst � und warum. Du wirst niemals Frieden finden.�</p><p>Garona versuchte zu schreien, aber der Schrei erstarb in ihrer Kehle, als ihr Gesicht in einem Licht, das aus Medivhs Handfl�che kam, erstrahlte.</p><p>Medivh lachte und lie� die schluchzende Halb-Ork zu Boden sinken. Sie versuchte sich zu erheben, brach jedoch wieder zusammen. Ihr Blick flackerte, und ihr Atem ging sto�weise, wurde immer wieder von ihrem Schluchzen unterbrochen.</p><p>Khadgar bekam wieder Luft, aber er atmete schwer. Seine Gelenke brannten, und seine Muskeln schmerzten. Er sah sein Spiegelbild in dem polierten Boden �</p><p>� und ein alter Mann blickte zur�ck. Schwere m�de Augen, die von Falten und grauen Haaren umgeben waren. Sogar sein Bart war wei�.</p><p>Khadgars Hoffnungen schwanden. Man hatte ihm seine Jugend und seine Magie gestohlen. Er glaubte nicht, dass er diese Schlacht �berleben w�rde.</p><p>�Das war interessant�, sagte Medivh und wandte sich wieder an Khadgar. �Ein negativer Aspekt meiner Gefangenschaft in einem menschlichen K�rper ist, dass der Mensch in mir nach drau�en strebt. Er will Freunde haben. Menschen helfen. Es ist schwer, sie dann sp�ter zu vernichten. Ich h�tte beinahe geweint, als ich Moroes und K�chin t�tete, wei�t du das? Deshalb musste ich hier herunter kommen. Aber es ist wie bei den meisten Dingen. Wenn man sich erst einmal daran gew�hnt hat, kann man auch Freunde so einfach t�ten wie jeden anderen.�</p><p>Er stand einige Schritte von Khadgar entfernt. Seine Schultern waren gerade, seine Augen leuchteten. Er sah mehr nach Medivh aus als jemals zuvor. Er wirkte selbstsicher, l�ssig und geistig v�llig klar.</p><p>�Und jetzt musst du sterben, mein Vertrauen�, sagte der Magus. �Du hast wohl doch dem Falschen vertraut.�</p><p>Medivh hob eine Hand und sammelte m�chtige magische Energien.</p><p>Ein gebr�llter Ruf von rechts lie� ihn innehalten.</p><p>�Medivh!�, schrie Lothar, Champion von Azeroth.</p><p>Medivh sah auf, und sein Gesicht wirkte einen Moment lang freundlicher, obwohl die Kr�fte immer noch in seiner Hand brannten. �Anduin Lothar?�, sagte er. �Alter Freund, warum bist du hier?�</p><p>�H�r auf damit, Med�, sagte Lothar, und Khadgar bemerkte den Schmerz in der Stimme des Champions. �H�r auf, bevor es zu sp�t ist. Ich will nicht gegen dich k�mpfen.�</p><p>�Und ich will nicht gegen dich k�mpfen, alter Freund�, sagte Medivh und hob die Hand. �Du hast keine Ahnung, wie es ist, die Dinge zu tun, die ich getan habe. B�se Dinge. Notwendige Dinge. Also leg deine Waffe nieder, Freund, und lass es uns beenden.�</p><p>Medivh �ffnete seine Faust, und magische Partikel flogen auf den Champion zu, h�llten ihn in Sterne.</p><p>�Du willst mir helfen, nicht wahr, alter Freund?�, sagte Medivh, und das freudlose L�cheln kehrte zur�ck in sein Gesicht. �Du willst mein Diener sein. Hilf mir, dieses Kind loszuwerden. Dann k�nnen wir Freunde bleiben.�</p><p>Die Sterne rund um Lothar erloschen, und der Champion trat entschlossen einen Schritt vor, noch einen weiteren � dann griff er an. Der Champion hob seine runenverzierte Klinge hoch �ber den Kopf. Er lief auf Medivh zu, nicht auf Khadgar. Er stie� einen Fluch aus, der voller Mitleid und Trauer war.</p><p>Medivh war einen Augenblick lang �berrascht. Er wich nach hinten aus, und Lothars erster Schlag traf nur die Luft, dort wo er eben noch gestanden hatte. Der Champion nutzte den Schwung und trieb den Magier mit einem weiteren Schritt zur�ck. Ein dritter Schlag traf beinahe.</p><p>Medivh erholte sich von seiner �berraschung, und der n�chste Schlag prallte gegen einen Schild aus blauer Energie, an dem die gelben Funken des Schwerts harmlos zerstoben. Lothar versuchte die Klinge nach oben zu f�hren, zu drehen und zuzusto�en, doch jeder Angriff wurde von dem Schild abgewehrt.</p><p>Medivh fauchte und hob seine klauenartige Hand. Mystische Energien tanzten in seiner Handfl�che. Lothar schrie auf, als seine Kleidung pl�tzlich Feuer fing. Medivh l�chelte zufrieden, winkte knapp und schleuderte Lothars brennenden K�rper wie eine Puppe zur Seite.</p><p>�Wird. Immer. Einfacher�, sagte Medivh durch zusammengebissene Z�hne und drehte sich zu der Stelle, wo Khadgar gekniet hatte.</p><p>Doch der hatte sich bewegt. Medivh bemerkte den ehemals jungen Magier neben sich. Das Schwert, das Lothar ihm gegeben hatte, dr�ckte gegen die Brust des Magus. Die Runen auf der Klinge leuchteten wie kleine Sonnen.</p><p>�Wage es nicht einmal zu blinzeln!�, keuchte Khadgar.</p><p>Ein Schwei�tropfen lief �ber Medivhs Wange.</p><p>�So soll es also enden�, sagte der Magus. �Ich glaube nicht, dass du diese Waffe einsetzen willst oder kannst, mein Vertrauen.�</p><p>�Ich denke�, sagte Khadgar, und seine eigene Stimme schien zu �chzen, �dass der menschliche Teil von Medivh trotz deiner Pl�ne andere um sich haben wollte. Als Rettungsanker. Als Plan f�r den Tag, an dem du schlie�lich den Verstand verlieren w�rdest. Damit deine Freunde ein Ende machen k�nnen. Damit wir den Kreis durchbrechen, den du selbst nicht durchbrechen konntest.�</p><p>Medivh seufzte leicht. Seine Stimme klang sanft. �Ich wollte nie jemandem ein Leid zuf�gen�, sagte er. �Ich wollte nur ein eigenes Leben haben.�</p><p>Er riss seine Hand pl�tzlich hoch, wollte Khadgars Geist mit seinen mystischen Energien ebenso versklaven, wie er es bei Garona vorgef�hrt hatte.</p><p>Doch das gelang ihm nicht. Beim ersten Zucken warf sich Khadgar nach vorne und stie� die Klinge des Runenschwerts zwischen Medivhs Rippen hindurch bis ins Herz.</p><p>Medivh wirkte �berrascht, sogar schockiert, aber seine Lippen bewegten sich weiter. Er versuchte etwas zu sagen.</p><p>Khadgar durchbohrte ihn mit der Klinge, bis sie am R�cken die Robe des Magus aufschlitzte. Medivh brach in die Knie, und Khadgar sank mit ihm zu Boden, die H�nde immer noch fest um das Schwert geschlossen. Der alte Magier st�hnte und rang um Worte.</p><p>�Danke�, sagte er schlie�lich. �Ich habe so lange gek�mpft, wie es ging ��</p><p>Dann ver�nderte sich das Gesicht des Magiers. Sein Bart wurde endg�ltig zu Feuer, und H�rner wuchsen auf seiner Stirn. Durch Medivhs Tod kam Sargeras an die Oberfl�che. Khadgar sp�rte, wie der Griff des Runenschwerts warm wurde, als die Feuer �ber Medivhs Fleisch tanzten und ihn in ein Ding aus Schatten und Flammen verwandelten.</p><p>Hinter dem knienden, sterbenden Magus sah Khadgar, wie Lothars K�rper sich noch einmal aufrichtete. Der Champion stolperte vorw�rts, sein Fleisch und seine R�stung qualmten. Er hob sein Runenschwert und schlug zu.</p><p>Die Klinge leuchtete wie die Sonne, als sie den Hals des Magus traf und seinen Kopf mit einem einzigen Hieb vom K�rper trennte.</p><p>Es war, als habe man eine Flasche entkorkt, denn alles in Medivh schoss durch seinen Hals nach drau�en. Eine wirbelnde Masse aus Energie und Licht, Schatten und Feuer, Rauch und Wut sprudelte wie die Font�ne eines Springbrunnens nach oben und schlug gegen die Decke der H�hle, wo sie sich langsam aufl�ste. In ihrer Mitte glaubte Khadgar ein geh�rntes Gesicht zu erkennen, das vor Zorn und Verzweiflung br�llte.</p><p>Und dann war es vorbei, und nichts blieb zur�ck, au�er der Haut und der Kleidung des Magus. Alles, was sich in seinem Inneren befunden hatte, war vernichtet worden, und ohne seinen menschlichen K�rper konnte sich dort nichts mehr halten.</p><p>Lothar benutzte seine Schwertspitze, um in den Lumpen und dem Fleisch zu stochern, das einst Medivh gewesen war, und sagte: �Wir m�ssen gehen.�</p><p>Khadgar sah sich um. Garona war verschwunden. Das Fleisch war vom Kopf des Magus gebrannt worden, und nur ein rotwei�er Sch�del war �brig geblieben.</p><p>Der ehemalige Sch�ler sch�ttelte den Kopf. �Ich muss hier bleiben und mich um einige Dinge k�mmern.�</p><p>Lothar erwiderte: �Die gr��te Gefahr ist gebannt, aber eine andere existiert noch immer. Wir m�ssen die Orks zur�cktreiben und das Portal schlie�en.�</p><p>Khadgar dachte an die Vision des brennenden Stormwind und an Llanes Tod. Er dachte an die Vision seines �lteren Selbst im Kampf mit den Orks. Doch er sagte nur: �Ich muss die �berreste von Medivh begraben, und ich muss Garona finden. Sie kann nicht weit sein.�</p><p>Lothar grunzte zustimmend und hinkte auf den Eingang zu. Dann drehte er sich um und sagte: �Wir konnten nichts daran �ndern. Wir versuchten, es zu verhindern, aber es geh�rte zu einem gr��eren Plan.�</p><p>Khadgar nickte langsam. �Ich wei�. Alles ist Teil eines gr��eren Kreises. Eines Kreises, der jetzt vielleicht endlich durchbrochen wird.�</p><empty-line/><p>Lothar lie� den ehemaligen Sch�ler unter der Zitadelle zur�ck, und Khadgar sammelte die sterblichen �berreste des Magus ein. Im Stall fand er eine Schaufel und eine Holzkiste. Er legte den Sch�del, die Hautreste und die Fragmente des <emphasis>Lieds von Aegwynn</emphasis> in die Schachtel und vergrub sie im Hof. Sp�ter w�rde er vielleicht einen Grabstein errichten, aber im Augenblick war es besser, wenn niemand wusste, wo die Reste des Magiers lagen. Als er den Magus begraben hatte, hob er zwei weitere Gr�ber aus und bestattete Moroes und K�chin neben Medivh.</p><p>Dann seufzte er tief und blickte zum Turm. Die wei�en Steine von Karazhan, Heimat des m�chtigsten Magiers von Azeroth, des letzten W�chters vom Orden von Tirisfal, ragten hoch �ber ihm empor. Hinter ihm hellte sich der Himmel auf, und die ersten Strahlen der Sonne ber�hrten die Spitze des Turms.</p><p>Etwas anderes erregte seine Aufmerksamkeit. Auf dem Balkon �ber dem Eingangstor bewegte sich etwas wie ein Splitter aus einem Traum. Khadgar seufzte noch tiefer und nickte dem geisterhaften Besucher zu, der jede seiner Bewegungen beobachtete. �Ich kann dich sehen�, sagte er laut.</p></section><section><title><p>Epilog</p><p>Ein Kreis schliesst sich</p></title><p>Der Besucher aus der Zukunft blickte vom Balkon aus auf den nicht mehr jungen Mann aus der Vergangenheit.</p><p>�Seit wann kannst du mich sehen?�, fragte der Besucher.</p><p>�Ich habe dich seit meiner Ankunft f�hlen k�nnen�, sagte Khadgar. �Schon an meinem ersten Tag. Wie lange bist du dort gewesen?�</p><p>�Fast den ganzen Abend�, sagte der Besucher in seinen zerrissenen roten Gew�ndern. �Hier oben sieht man schon die Morgend�mmerung.�</p><p>�Hier unten auch�, sagte der ehemalige Sch�ler. �Vielleicht k�nnen wir uns deshalb unterhalten. Du bist eine Vision, aber anders als alle anderen, die ich geschaut habe. Wir k�nnen uns sehen und miteinander sprechen. Bist du Zukunft oder Vergangenheit?�</p><p>�Zukunft�, sagte der Besucher. �Wei�t du denn, wer ich bin?�</p><p>�Du hast eine andere Form angenommen, als beim letzten Mal, als ich dich sah. Du bist j�nger und ruhiger, aber ja, ich wei�, wer du bist�, sagte Khadgar. Er zeigte auf die drei frischen Erdh�gel � zwei gro�e und einen kleinen. �Ich dachte, ich h�tte dich gerade begraben.�</p><p>�Das hast du�, sagte der Besucher. �Zumindest hast du viel von dem begraben, was schlecht in mir war.�</p><p>�Und jetzt bist du zur�ckgekehrt. Oder wirst zur�ckkehren�, sagte Khadgar. �Anders, aber doch gleich.�</p><p>Der Besucher nickte. �In mancherlei Hinsicht war ich beim ersten Mal nie wirklich hier.�</p><p>�Das tut mir Leid�, sagte Khadgar. �Und was bist du in der Zukunft? Magus? W�chter? D�mon?�</p><p>�Du kannst sicher sein, dass ich ein besseres Wesen bin als zuvor�, sagte der Besucher. �Dank deiner beherzten Tat bin ich vom Makel des Sargeras befreit. Jetzt kann ich mich direkt mit dem Herrn der Brennenden Legion auseinandersetzen. Danke. Es kann keinen Sieg ohne Opfer geben.�</p><p>�Opfer�, sagte Khadgar. Das Wort schmeckte bitter auf seiner Zunge. �Sag mir dies, Geist aus der Zukunft: Ist alles, was wir gesehen haben, wahr? Wird Stormwind wirklich fallen? Wird Garona K�nig Llane t�ten? Muss ich in diesem alten K�rper in einem gottverlassener Land sterben?�</p><p>Das Wesen auf dem Balkon schwieg eine Weile, und Khadgar bef�rchtete bereits, es w�rde sich aufl�sen, als es doch noch sprach: �So lange es W�chter gibt, gibt es Ordnung. Und so lange es Ordnung gibt, m�ssen die Rollen gespielt werden. Entscheidungen, die vor Tausenden von Jahren gef�llt wurden, haben deinen und meinen Weg bestimmt. Sie geh�ren zu einem gro�en Kreis, der uns alle festh�lt.�</p><p>Khadgar blickte in den Himmel. Die Sonne erhellte jetzt die obere H�lfte des Turms. �Vielleicht sollte es dann keine W�chter geben, wenn das der Preis ist.�</p><p>�Ich stimme zu�, sagte der Besucher, und mit dem st�rker werdenden Tageslicht begann er zu schwinden. �Aber im Moment, in deinem Moment m�ssen wir alle unsere Rollen spielen. Wir m�ssen alle den Preis zahlen. Und wenn wir die M�glichkeit erhalten, beginnen wir von vorne.�</p><p>Und mit diesen Worten verschwand er. Ein pl�tzlicher magischer Wind zog seine Essenz zur�ck in die Zukunft.</p><p>Khadgar sch�ttelte den Kopf und betrachtete die drei frischen Gr�ber. Lothars �berlebende Soldaten nahmen ihre Toten und Verwundeten und brachten sie zur�ck nach Stormwind. Es gab keine Spur von Garona. Khadgar wollte den Turm zwar abermals durchsuchen, aber er bezweifelte, dass sie sich noch im Inneren aufhielt. Er w�rde die B�cher mitnehmen, die er f�r wertvoll hielt, auch einige Vorr�te, und den Rest w�rde er mit Schutzzaubern sichern. Dann w�rde er den Turm ebenfalls verlassen und Lothar in die Schlacht folgen.</p><p>Er nahm die Schaufel, kehrte in die verlassene Burg von Karazhan zur�ck und fragte sich, ob er sie jemals wiedersehen w�rde.</p><empty-line/><p>Als der Besucher sprach, kam eine schwache Brise auf, die nur die Bl�tter leicht bewegte, aber ausreichte, um die Vision zu verwischen. Der nicht mehr junge Mann l�ste sich auf wie Nebel, und der nicht mehr alte Mann sah zu, wie er ging. Eine einzelne Tr�ne lief �ber Medivhs Gesicht. So viele Opfer, so viel Schmerz. All das, um den Plan der W�chter voranzutreiben � und dann noch mehr Schmerz, um diesen Plan zu vereiteln und die Welt aus ihren Fesseln zu befreien, um wahren Frieden zu erlangen.</p><p>Und jetzt stand selbst das auf dem Spiel. Jetzt wurden neue Opfer verlangt. Er musste die Macht aus diesem Ort ziehen, wenn er bei dem, was bevorstand, siegen wollte. Beim letzten Kampf gegen die Brennende Legion.</p><p>Die Sonne war h�her gestiegen und hatte den Balkon fast erreicht. Er musste sich beeilen.</p><p>Er hob eine Hand, und Wolken begannen sich um die Turmspitze zu bilden. Sie drehten sich zuerst langsam, dann immer schneller, bis die Spitze des Turms von einem Wirbelsturm verdeckt wurde.</p><p>Jetzt griff er tief in sich hinein und befreite die Worte; Worte, die aus Bedauern und �rger bestanden; Worte, die in ihm gefangen gewesen waren seit dem Tag, da er zum ersten Mal starb; Worte, nach denen sein gesamtes vergangenes Leben verlangte, das Gute wie das B�se. Er akzeptierte die Macht und mit ihr die Verantwortung f�r das, was passierte, als er das letzte Mal aus Fleisch und Blut gewesen war.</p><p>Der Wirbelsturm heulte rund um den Turm, der sich Medivhs Forderung widersetzte. Er forderte es erneut und dann ein drittes Mal, schrie es �ber den Sturm hinweg, den er selbst gerufen hatte. Langsam, fast schon z�gerlich, gab der Turm seine Geheimnisse preis.</p><p>Die Macht brannte in den Steinen und im M�rtel und wurde vom Wind nach drau�en auf Medivh zugetrieben. Die Visionen l�sten sich von ihrem Fundament und strebten nach unten. Der Fall von Sargeras, mit seinen Hunderten schreiender D�monen, st�rzte auf ihn, ebenso wie der letzte Kampf gegen Aegwynn � und auch Khadgars eigene Schlacht unter der stumpfen roten Sonne. Medivhs Auftritt vor Gul�dan und die jugendlichen K�mpfe der drei jungen Adligen � und der Tag, an dem Moroes K�chins Lieblingsschale zerbrach. Und mit diesen Visionen kamen die Erinnerungen und mit den Erinnerungen die Verantwortung. Das musste verhindert werden. Das durfte nicht noch einmal geschehen. Dass musste ver�ndert werden.</p><p>Und dann kamen auch die Bilder und die Macht aus dem Turm, der sich <emphasis>unter</emphasis> dem Turm verbarg. Der Fall von Stormwind flammte vor ihm auf und Llanes Tod und die Myriaden von D�monen, die in der Nacht gerufen und gegen jene Mitglieder des Ordens ausgesandt wurden, die der Wahrheit zu nahe gekommen waren. All das stieg nach oben und wurde vom K�rper des Magiers aufgesogen, der auf dem Balkon stand.</p><p>All die Splitter, all die Teile der Geschichte, ob bekannt oder verborgen, wirbelten vom Turm herab oder stiegen aus seinen Kerkern empor und flossen in den Mann, der einst der letzte W�chter von Tirisfal gewesen war. Der Schmerz war stark, aber Medivh verzog das Gesicht und akzeptierte ihn. Gleichm�tig nahm er die Energie und die bitters��en Erinnerungen, die damit kamen, in sich auf.</p><p>Das letzte Bild, das verging, befand sich direkt unter dem Balkon. Es war das Bild eines jungen Manns, neben dem ein Rucksack stand und der einen Brief mit dem roten Siegel der Kirin Tor in einer Hand hielt. Er trug Hoffnung im Herzen und hatte Schmetterlinge im Bauch. Der junge Mann l�ste sich langsam auf, als er auf den Eingang zuging. Die Magie, die seine Vision umgab, seine Splitter der Vergangenheit, stieg auf und verwehte, bis sie in den ehemaligen Magus �berging. Als der letzte Rest von Khadgar in ihn floss, sp�rte Medivh eine Tr�ne im Augenwinkel.</p><p>Medivh kreuzte die H�nde vor der Brust und sortierte alles, was er erhalten hatte. Der Turm von Karazhan war nur noch ein Turm, eine Ansammlung von Steinen inmitten von H�geln, die weit von allen Stra�en entfernt lagen. Die Macht dieses Ortes ruhte jetzt in Medivh. Und die Verantwortung, dieses Mal etwas Besseres daraus zu machen.</p><p>�Und so beginnen wir von Neuem�, sagte er.</p><p>Mit diesen Worten verwandelte er sich in einen Raben und flog davon.</p></section><section><title><p>�ber den Autor</p></title><p>Jeff Grubb ist der Autor von <emphasis>StarCraft: Liberty�s Crusade.</emphasis> Er ist au�erdem Autor oder Co-Autor einiger Romane der <emphasis>Forgotten Realms-, Dragonlance</emphasis>- und <emphasis>Magic: The Gathering</emphasis>-Reihen. Seine Aufgabe ist es, Welten zu erschaffen, sein Hobby, sie anderen Menschen zug�nglich zu machen. Er lebt mit seiner Frau und Mitautorin Kate Novak und zwei Katzen in Seattle.</p></section></body><binary id="cover" 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