<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Richard</first-name><middle-name>A.</middle-name><last-name>Knaak</last-name></author><book-title>Sturmgrimm</book-title><annotation><p>Als die Welt von Azeroth noch jung war, gaben ihr die gottgleichen Titanen Form, indem sie Land und Meere umgestalteten. Dabei folgten sie einem einzigartigen Modell, das sie von Azeroth entworfen hatten. Obwohl die Titanen Azeroth schon l�ngst verlassen haben, existiert dieser legend�re Entwurf bis zum heutigen Tag. Er ist bekannt als der Smaragdgr�ne Traum � eine exotische und ungez�gelte Version der World of Warcraft. Viele Geheimnisse umgeben den Smaragdgr�nen Traum und seine unnahbaren W�chter � die gr�nen Drachen. Seit jeher betraten Druiden den Traum, um das stete Auf und Ab des Lebens auf Azeroth zu �berwachen; immer bestrebt, die empfindliche Balance zu wahren.</p><p>Aber nicht alle Tr�ume sind angenehm. Denn jetzt beginnt der Smaragdgr�ne Alptraum � eine verderbte Region innerhalb des Smaragdgr�nen Traums � zu wuchern und verwandelt den Traum in ein Reich des Schreckens. Gr�ne Drachen wurden dort mit gebrochenem Geist und entstellten Leibern angetroffen. Druiden, die den zunehmend d�ster werdenden Traum betraten, f�llt es immer schwerer, ihn wieder zu verlassen. Doch dies sind nicht die einzigen Opfer. Selbst Malfurion Sturmgrimm, der Erzdruide der Nachtelfen, scheint Opfer der wachsenden Bedrohung geworden zu sein. Eine verzweifelte Suche beginnt, um den vermissten Druiden den Krallen des Alptraums wieder zu entrei�en. Und dann werden die Feinde der Natur die wahre Bedeutung seines Namens kennenlernen ...</p></annotation><date>2010</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Mick</first-name><last-name>Schnelle</last-name></translator><sequence name="World of Warcraft" number="7"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Richard</first-name><middle-name>A.</middle-name><last-name>Knaak</last-name></author><book-title>Stormrage</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>C627DD2A-812D-4FEF-9AE1-131CA80F5699</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Sturmgrimm</p><p>Richard A. Knaak</p></title><epigraph><p>Den �ber zw�lf Millionen Spielern gewidmet, die Azeroth mit Leben erf�llen.</p></epigraph><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Mein besonderer Dank gilt allen an diesem Projekt Beteiligten und denen, die mich auf meinen Streifz�gen durch Azeroth begleitet haben, darunter einige Menschen bei Blizzard, die ich ohne besondere Reihenfolge nennen m�chte�� Rob, Gina, Evelyn, Micky, Tommy, Jason, Glenn, Samwise... und alle anderen, die zu erw�hnen ich vergessen habe.</p><p>Bei Pocket Books danke ich meinem flei�igen Lektor Jaime sowie Anthony, Marco und dem ganzen Rest.</p><p>Chris Metzen m�chte ich meinen gr��ten Respekt aussprechen -weil er von Anfang an einfach da war.</p><p>Und so hei�t es wieder einmal: Danke an euch alle!</p></section><section><title><p>Prolog</p><p>Blutschuld</p></title><epigraph><p>�Ich wei�, dass ich die Wahrheit herausfinden muss. Egal, wohin mich dieser Weg auch f�hren mag... und seihst wenn es mich am Ende das Leben kosten wird...�</p><text-author>Malfurion Sturmgrimm, <emphasis>Die Quelle der Ewigkeit</emphasis></text-author></epigraph><p>Thura stand am Ende einer tiefen und zerkl�fteten Schlucht. Die kr�ftige Hand der jungen Orcfrau umfasste die Axt instinktiv fester, als sie vergeblich einen Weg auf die andere Seite suchte. Die Orcfrau war eine ge�bte K�mpferin von kr�ftigem, muskul�sem K�rperbau, obwohl sie kaum das Erwachsenenalter erreicht hatte. Dennoch wirkten ihre groben Gesichtsz�ge kindlich und ver�ngstigt, als sie erfolglos hin und her lief. Sie verzog ihren breiten, mit Hauern bewehrten Mund.</p><p>Thura sch�ttelte den Kopf, ihre Lippen bewegten sich in stummem Protest. Ihre dichte braune Haarm�hne, die normalerweise im Nacken zusammengebunden war, fiel jetzt offen herab und bedeckte die linke H�lfte ihres Gesichts.</p><p>Auf der anderen Seite der Schlucht tobte ein f�rchterlicher Kampf, in dessen Mittelpunkt ein einzelner bulliger Vertreter ihres Volkes stand. Sie kannte ihn haupts�chlich aus Kindheitserinnerungen und Geschichten, die der gro�e Orcf�hrer Thrall erz�hlt hatte. Der K�mpfer war ergraut, hatte ein ernstes Gesicht und starke Arme. Wie sie trug er einen ledernen Kilt und die R�stung eines Kriegers. Sein K�rper war mit alten Narben �bers�t, die anderen K�mpfen entstammten, anderen Kriegen. Obwohl er umzingelt war, br�llte der Mann den monstr�sen Feinden seine Verachtung entgegen.</p><p>Und monstr�s waren sie wirklich�� D�monen der Brennenden Legion -, teuflische Kreaturen viel gr��er als der tapfere einsame Streiter. Sie steckten in R�stungen und loderten von Kopf bis Fu� in einem b�sen gelb-gr�nen Feuer, dessen Intensit�t mit der grimmigen Entschlossenheit wetteiferte, die in den braunen Augen des Orcs glomm. Immer wieder schlugen sie mit ihren Klingen und anderen f�rchterlichen Waffen zu, versuchten, seine Deckung zu durchbrechen. Doch er hielt sie mit seiner Axt auf Abstand. Es war eine �berw�ltigende Waffe, die umso erstaunlicher wirkte, da sie <emphasis>aus Holz, geschnitzt</emphasis> war.</p><p>Nein... nicht geschnitzt. Thura erinnerte sich daran, wie ein Schamane sie einst untersucht und herausgefunden hatte, dass die zweischneidige Axt von starker Magie geformt worden war. Eine Magie, die, glaubte man den Ger�chten, vom Halbgott Cenarius stammen sollte. Cenarius war der H�ter der Natur und Besch�tzer des Waldes.</p><p>Doch wie strittig die Herkunft der Axt auch sein mochte, so wohnte ihr doch zweifelsfrei ein h�chst ungew�hnlicher, ganz eigener Zauber inne. Sie schnitt mit solcher Leichtigkeit durch st�hlerne Klingen und gepanzerte R�stungen, als best�nden sie lediglich aus Luft. Gewaltige Blitze von d�sterem gelb-gr�nem Feuer schossen aus den von ihr geschlagenen Wunden, als die D�monen, einer nach dem anderen, unter den unerbittlichen Hieben des Orcs fielen.</p><p>Eine neblige, smaragdgr�ne Aura, die nichts mit den Flammen der Brennenden Legion gemein hatte, h�llte die Szenerie einschlie�lich des K�mpfers ein. Die Aura selbst war von einer schwach blauen T�nung durchzogen, die dem Ganzen etwas Unwirkliches verlieh. Thura achtete kaum auf diese Aura, obwohl ihre Sorge noch gr��er wurde, weil sie nach wie vor keinen Weg hin�ber fand.</p><p>Pl�tzlich materialisierte eine neue faszinierende Gestalt links hinter dem Orc. Es war ein erstaunliches Wesen, dessen hochgewachsenes violetth�utiges Volk Thura bekannt war�� ein Nachtelf. Doch war es kein gew�hnlicher Vertreter seines Volkes, denn auf seinem Kopf prangten zwei m�chtige, kunstvoll verschlungene <emphasis>Geweihe</emphasis>. Au�erdem wies ihn seine aufwendige Kleidung nicht nur als Druiden aus�� einen der gesch�tzten H�ter der Natur -, sondern zugleich auch als hochstehende Pers�nlichkeit.</p><p>Vielleicht war er sogar ein Erzdruide.</p><p>Obwohl er so stattlich wirkte wie die Vertreter der meisten Elfenv�lker, hatte dieser Nachtelf ein breiteres, zugleich reiferes Gesicht, das ihm mehr Individualit�t verlieh. Dazu trug er einen dichten gr�nen Bart. Seine leuchtenden goldenen Augen waren ebenso faszinierend wie das Geweih und selbst aus der Ferne leicht zu erkennen.</p><p>Die Ankunft des Nachtelfen raubte Thura den Atem. Er war v�llig unbewaffnet und beugte sich nun tief zu dem m�nnlichen Orc hinab, um ihm etwas zuzufl�stern. Seine blo�e Gegenwart schien dem K�mpfer Selbstsicherheit zu verleihen. Der alte Orc hatte bereits zahlreiche D�monen besiegt, doch gemeinsam mit dem Nachtelf stieg seine Zuversicht, gegen die blutd�rstende Horde bestehen zu k�nnen.</p><p>Pl�tzlich hielt der Nachtelf einen langen h�lzernen Stab in den H�nden. Er hob ihn an, und w�hrend er das tat, verwandelte sich das Ende in eine gef�hrliche Spitze. Der Orc zerfetzte derweil einen weiteren ungest�men D�mon. Er trennte ihm den langen, schmalen Kopf samt den gewundenen H�rnern vom Rumpf.</p><p>Der Nachtelf ber�hrte von hinten den Hals des Orcs mit der Stabspitze.</p><p>Zu sp�t erkannte Thura den Verrat. Vergeblich rief sie dem Orc eine Warnung zu, ihre Worte waren weiter entfernt kaum zu verstehen und wurden vom Waffenklirren �bert�nt.</p><p>Etwas platzte aus dem Hals des Mannes heraus. Es �hnelte dem Unkraut, �ber das Thura tausendmal am Tag ihre Schritte lenkte. Binnen eines einzigen Herzschlags wuchs es und breitete sich aus.</p><p>Schlie�lich sp�rte auch der Orc es. Er griff nach hinten, doch mehrere dunkelgr�ne Bl�tter schlangen sich um sein Handgelenk. Das Unkraut wucherte weiter und erstreckte sich schon bald �ber den ganzen K�rper des Ungl�ckseligen. Gleichzeitig wuchsen aus den Bl�ttern schreckliche Dornen, die alle nach innen gerichtet waren. Sie drangen in den Orc ein, und wo immer das geschah, floss Blut.</p><p>L�chelnd trat der verr�terische Elf zur�ck, um sein Werk zu bewundern. Str�me von Rot flossen aus jeder Wunde, die die Dornen gerissen hatten.</p><p>Der Orc zitterte. Sein Mund stand offen, und er fiel auf die Knie. Die Ranken des Unkrauts bedeckten seinen K�rper und fesselten ihn vollst�ndig. Unaufh�rlich floss Blut aus den schrecklichen Wunden, die der Nachtelf zufrieden betrachtete.</p><p>Thura br�llte den Namen des Mannes, obwohl es bereits zu sp�t war, um ihn zu retten. �<emphasis>Broxigar!�</emphasis></p><p>Pl�tzlich l�sten sich die D�monen in Nebel auf. Nur noch der Nachtelf, sein Opfer und Thura blieben zur�ck. Der Nachtelf machte ein paar Schritte nach hinten, sein sp�ttischer Blick wandte sich ihr zu. Die goldenen Augen wurden v�llig schwarz, tiefe Kl�fte, die kalt nach der Seele der Orcfrau griffen.</p><p>Aus diesen dunklen Abgr�nden krochen monstr�se schwarze Aasfresser�� K�fer, Tausendf��ler, K�chenschaben und anderes Getier. Die Insekten krabbelten von den Augen des Nachtelfen aus in alle Richtungen, w�hrend B�ume und andere Gew�chse auf ihrem Weg emporsprossen.</p><p>Doch die neue Flora war kaum entstanden, da nahm das Ungeziefer sie auch schon ein. Gestr�pp und selbst die h�chsten B�ume wurden davon bedeckt. Und dabei vertrockneten sie. <emphasis>Alles</emphasis> vertrocknete. Thuras Welt wurde zu einer grotesken und scheu�lichen Vision.</p><p>Der Nachtelf lachte. Aus seinem Mund quoll noch mehr teuflisches Ungeziefer.</p><p>Dann verschwand er.</p><p>Thura rief erneut Broxigars Namen.</p><p>Unter gewaltigen Anstrengungen schaffte es der sterbende Krieger, in ihre Richtung zu blicken. Er konnte eine Hand von der ihn fesselnden Ranke befreien, dann streckte er die magische Axt aus.</p><p>Sein Mund fl�sterte einen Namen...</p><p>Thura war v�llig aufgew�hlt, als sie erwachte. Sie blieb eine Zeitlang liegen, zitterte immer noch, obwohl in dem Wald, in dem sie sich befand, eine angenehme Temperatur herrschte.</p><p>Noch einmal lief der Traum in ihrem Kopf ab. Wie immer, wenn die Orcfrau dem Schlaf entrinnen konnte, hallte der darin durchlebte Traum noch eine Weile in ihr nach.</p><p>Mit M�he stand Thura schlie�lich auf. Das kleine Lagerfeuer, das sie entz�ndet hatte, war schon lange niedergebrannt. Nur ein letzter Rest von Rauch hing in der Luft.</p><p>Sie legte ihre Waffe beiseite und schaufelte lose Erde �ber die Glutreste, um sie zu ersticken. Dann holte sie ihren ledernen Rucksack, hob die Axt auf und marschierte los.</p><p>So war es immer. Laufen, bis die M�digkeit sie �bermannte, etwas essen, dann schlafen... bis der Traum sie wieder aufweckte und derart erschreckte, dass es besser war, weiterzugehen.</p><p>Auf eine merkw�rdige Art begr��te die Orcfrau das sogar. Denn neuerdings barg der Schlaf f�r jedermann Risiken. Davon abgesehen brachte sie jeder Schritt dem erkl�rten Ziel n�her, ihren Blutsverwandten zu r�chen.</p><p>Ihr war klar geworden, dass sie noch von etwas anderem angetrieben wurde: Sie musste eine Katastrophe verhindern, die nicht nur ihr eigenes Volk bedrohte, sondern die ganze Welt.</p><p>Broxigar, der Orc, war der Bruder ihres Vaters gewesen, obwohl ihre V�ter nicht dieselben waren. Sie wusste von seinem legend�ren Kampf mit seinen Kameraden gegen die Brennende Legion. Ein Kampf, den Broxigar�� oder Brox�� als Einziger �berlebt hatte. Selbst als Kind hatte Thura die Schuld sp�ren k�nnen, die ihn umtrieb, weil er lebte und seine Freunde nicht.</p><p>Und dann hatte Thrall, der gro�e F�hrer der Orcs, den erfahrenen Krieger zusammen mit einem anderen Wesen auf eine geheimnisumwobene Mission geschickt. Keiner von beiden war zur�ckgekehrt, aber irgendwann war das Ger�cht aufgekommen, ein alter Schamane habe die wundersame h�lzerne Axt aus dem Traum zur�ckgebracht und sie bei Thrall gelassen.</p><p>Der Schamane hatte berichtet, dass Brox ein Held geworden sei. Dank seiner Hilfe waren nicht nur die Orcs, sondern auch alle anderen V�lker gerettet worden. Es wurde erz�hlt, dass dem Schamanen Fl�gel gewachsen seien und er sich in einen riesigen Vogel oder Drachen verwandelt h�tte, der in der Nacht verschwand.</p><p>Thura wusste nicht, ob das stimmte. Als sie selbst ins Kriegeralter gekommen war und ihre F�higkeiten unter Beweis stellen konnte, hatte ihr Thrall pers�nlich die sagenhafte Axt �bergeben. Schlie�lich war Thura die einzige �berlebende aus Brox� Klan, abgesehen von ihrem Onkel Saurfang, der gerade selbst einen Sohn verloren hatte. Die Axt h�tte genauso gut ihm zugestanden. Doch Thralls Schamane hatte getr�umt, dass sie an Thura gehen sollte. Niemand wusste, warum. Aber Thrall war der Eingebung des Schamanen gefolgt.</p><p>Thura f�hlte sich geehrt, eine solche Waffe f�hren zu d�rfen. Die Ironie entging ihr dabei nicht. Vor vielen Jahren hatten die Orcs unter dem Kommando des legend�ren Grom H�llschrei die W�lder des Eschentals gest�rmt und Cenarius get�tet, der ihnen entgegengetreten war. Damals hatten sie unter dem Bann des D�monenlords Mannoroth gestanden.</p><p>Das war geschehen, bevor Thrall seinem Volk wieder beigebracht hatte, die Natur zu achten. Cenarius� Tod war bedauerlich... doch Thura hatte nichts damit zu tun gehabt, und mit ihrem orcischen Sinn f�r das Praktische nahm sie einfach an, dass der Geist des Cenarius das genauso sah.</p><p>In dem Moment, da sie die Axt in die Hand genommen hatte, hatte es sich <emphasis>richtig</emphasis> angef�hlt. Doch in der Waffe steckte noch etwas anderes. Es war nicht sofort offenbar geworden. Nicht einmal w�hrend der ersten Jahre. Nein, ihr Geheimnis hatte sie erst sp�ter enth�llt, und zun�chst hatte Thura es ignoriert.</p><p>Ein Traum war schlie�lich nur ein Traum...</p><p>Oder auch nicht.</p><p>Thura hatte keinen Schamanen gebraucht, um schlie�lich die Wahrheit zu erkennen. Der Geist ihres verschollenen Ahnen hatte Rache verlangt. Der Traum offenbarte ihr die ganze Wahrheit, dessen war sie sich sicher. Sie hatte gesehen, wie Brox wirklich ums Leben gekommen war... verraten von jemandem, den er f�r einen Freund hielt.</p><p>Dem Nachtelf.</p><p>Und obwohl sie nicht sagen konnte, woher, wusste Thura dennoch, dass jener Nachtelf immer noch lebte und gefunden werden konnte. Sie musste nur auf ihre Tr�ume achten. Jedes Mal, wenn sie daraus erwachte, ahnte sie die Richtung, in die sie gehen musste. Die Richtung, in der sie den verr�terischen M�rder des tapferen Brox finden w�rde.</p><p>Brox hatte ihr dessen Namen genannt, der seit dem allerersten Traum in ihrem Kopf widerhallte, obwohl sie nie geh�rt hatte, wie er laut ausgesprochen wurde.</p><p><emphasis>Malfurion Sturmgrimm... Malfurion Sturmgrimm</emphasis>...</p><p>Sie verstaute ihre Axt�� die einst Brox geh�rt hatte. Die Orcfrau hatte einen Schwur auf ihren toten Onkel geleistet. Sie w�rde Malfurion Sturmgrimm finden, ganz gleich, wie weit sie reisen musste und ganz gleich, was die Blutrache von ihr daf�r verlangte.</p><p>Sie w�rde Malfurion Sturmgrimm finden... und eine seit langem �berf�llige Gerechtigkeit an ihm �ben.</p><p>Vielleicht w�rde Thura sogar Azeroth noch retten k�nnen�� bevor es daf�r f�r immer zu sp�t war...</p></section><section><title><p>1</p><p>Teldrassil</p></title><p>Eine Vorahnung, wie die anmutige Priesterin der Nachtelfen sie seit dem Fall von Zin-Azshari nicht mehr gesp�rt hatte, ersch�tterte sie bis ins Mark.</p><p>Tyrande Wisperwind versuchte, sich ihrer Meditation hinzugeben. Darnassus, die neue Hauptstadt der Nachtelfen, war als Zeugnis f�r das �berleben ihres Volkes erbaut worden. Und nicht, um eine verr�ckte K�nigin zu ehren.</p><p>Obwohl viel kleiner als ihre Vorg�ngerin, war die Stadt Darnassus auf ihre eigene Weise nicht weniger spektakul�r. Das lag auch an ihrer Lage hoch in den westlichen �sten von Teldrassil... dem Weltenbaum. Er war so gro� und m�chtig, dass die Nachtelfen darauf imposante Bauten hatten errichten k�nnen wie etwa den Tempel des Mondes. Die dazu ben�tigten Steine stammten vom Festland und waren mittels Magie in die unglaublichen H�hen geschafft worden. Noch beeindruckender als die Tatsache, dass die Hauptstadt auf Teldrassils �sten stand, war, dass sie nur die gr��te von <emphasis>etlichen</emphasis> Siedlungen im Laubwerk war.</p><p>Dabei hatte sie viel den Druiden zu verdanken, die den Baum aufgezogen hatten.</p><p>Tyrande versuchte, ihr Bed�rfnis nach Frieden nicht von den Gedanken an die Druiden beeinflussen zu lassen. Sie respektierte die Druiden, weil die Natur immer ein zentraler Teil der Existenz der Nachtelfen gewesen war und auch weiterhin sein w�rde.</p><p>Doch selbst, wenn sie nur fl�chtig an die Druiden dachte, wurden Erinnerungen wach, die gleichsam wundervoll und sehr schmerzhaft waren. Erinnerungen an ihren Freund aus Kindertagen, ihren Geliebten, Malfurion Sturmgrimm.</p><p>Das sanfte Licht der Mondg�ttin schien durch das runde Dachfenster aus Buntglas in die gro�e zentrale Kammer. Zeitweilig verwandelte es sich von silbern zu einem sanften Purpur, so wie momentan. Doch es wurde wieder silbern, als es auf den glitzernden Teich traf, der die Statue von Haidene umgab�� die erste Hohepriesterin, die als Kind die gesegnete Stimme von Elune geh�rt hatte.</p><p>Wie �blich sa� Tyrande im Schneidersitz am Teich auf den riesigen Steinstufen vor Haidenes emporgereckten Armen und versuchte verzweifelt, von ihren Vorg�ngerinnen und der G�ttin Trost und F�hrung zu erhalten. Sie brauchte Hilfe, um das wachsende Gef�hl der Angst loszuwerden. Obwohl Priesterinnen und Novizinnen oft zum Meditieren und um Frieden zu finden hierherkamen, war Tyrande zu dieser Stunde allein.</p><p>Sie hatte die Augen zugepresst und versuchte erfolglos, jeden Gedanken an Malfurion aus ihrem Geist zu verbannen. Das Band ihrer st�rmischen Beziehung reichte zur�ck bis an den Anfang des Kriegs der Ahnen, als sie, Malfurion und sein Zwillingsbruder Illidan die Unschuld der Jugend verloren hatten und erfahrene Krieger geworden waren. Sie erinnerte sich noch lebhaft an Illidans Verrat und ihre Gefangenschaft in Azsharas Palast. Und obwohl sie bewusstlos gewesen war, als man sie dorthin gebracht hatte, durchlebte Tyrande den Transport in ihrer Erinnerung so, wie sie ihn sich vorstellte. Gefangen von Xavius� Dienern, dem b�sen Berater der K�nigin, der vom Herrn der Brennenden Legion in einen Satyr verwandelt worden war. Auch der Beinaheverlust ihres geliebten Malfurion war ihr ins Ged�chtnis gebrannt, nachdem er es eben erst geschafft hatte, die D�monen von ihrer Welt zu verbannen. Ihr Herz schmerzte bei der Erinnerung daran, wie er den letzten Rest seiner Macht beschworen hatte, um sie zu retten.</p><p>Doch am nachhaltigsten erinnerte sie sich an all die Hoffnungen und Tr�ume, die sie beide nach dem Krieg geteilt hatten. Sie planten ein gemeinsames Leben zu beginnen. Wollten, dass Azeroth keine weiteren Opfer mehr von ihnen beiden verlangen konnte.</p><p>Doch zu Tyrandes gro�er Entt�uschung f�hrte Malfurions Berufung ihn wieder fort. Er begann, andere Druiden auszubilden, weil Azeroth selbst so viel Heilung ben�tigte, und sie geh�rten zu den eifrigsten Helfern. Als Malfurion sich dazu entschloss, Tyrande jahrelang zu verlassen, um durch den Smaragdgr�nen Traum zu wandeln, hatte sie sich manchmal gefragt, ob er sie jemals wirklich geliebt hatte.</p><p>Tyrande war mittlerweile in die Rolle der Hohepriesterin der Elune gedr�ngt worden. Und praktisch gegen ihren Willen war sie zur Herrscherin ihres Volkes aufgestiegen. Erst in dieser Position hatte sie die Gesellschaft der Nachtelfen nachhaltig �ndern k�nnen. Etwa indem sie das traditionelle�� und oftmals fehlerhafte�� System der milit�rischen Befehlskette aufl�ste, das allein auf Abstammung basierte. Stattdessen gr�ndete sie die Schildwache, deren Offiziere nur durch eigene Verdienste aufsteigen konnten.</p><p>Das Schicksal, Herrscherin der Nachtelfen zu sein, h�tte sie nicht freiwillig gew�hlt. Doch sie konnte es auch nicht ablehnen, denn viel zu sehr wollte sie das Volk der Nachtelfen besch�tzen.</p><p><emphasis>Mutter Mond, gew�hrt mir Ruhe</emphasis>, erbat die Hohepriesterin stumm. Obwohl sie Jahrtausende alt war, schien die Nachtelfe wenig �lter zu sein als an dem Tag, als sie zur Herrscherin ernannt worden war. Sie hatte immer noch das �ppige mitternachtsblaue Haar, das �ber ihre Schultern floss. Die silbernen Str�hnen hatte sie schon seit ihrer Jugendzeit. Ihr Gesicht war das eines jungen M�dchens, obwohl mittlerweile feine F�ltchen die Winkel ihrer silbernen Augen durchzogen. Aber selbst das war eher sechs oder sieben Jahren wahren Alterns geschuldet denn den zehn Jahrtausenden, die sie bereits lebte.</p><p>Doch der Versuch, ein oder mehrere Jahrhunderte lang weise zu regieren, forderte seinen Tribut. Deshalb suchte die Hohepriesterin gelegentlich Ruhe in der Meditation. Tyrande brauchte nur ab und zu eine Stunde, was sicherlich keine zu gro�e Forderung an Elune war. Hier, gebadet im stets pr�senten Licht von Mutter Mond, fand sie normalerweise ohne M�he ihre innere Mitte. Doch dieses Mal entschl�pfte ihr das Gef�hl des Friedens. Tyrande kannte die Gr�nde daf�r, aber sie wollte sich ihnen nicht beugen. Sie konzentrierte sich st�rker�� und keuchte. Das sanfte Mondlicht funkelte, blendete sie... und schmerzte sie zum ersten Mal.</p><p>Ihre Umgebung ver�nderte sich. Sie befand sich nicht mehr in der Sicherheit des Tempels. Stattdessen stand die Nachtelfe an einem dunklen Ort, dessen irdene W�nde ihn sofort als Kammer in einem Grabh�gel kennzeichneten. Tyrande konnte s�mtliche Details in der Kammer gut erkennen. Sie erblickte Beutel voller Kr�uter, Federn, Z�hne und andere Objekte, die allesamt aus Azeroths Fauna stammten. Es waren auch Zeichen zu sehen. Einige waren ihr vertraut, w�hrend andere ihr v�llig unergr�ndlich blieben.</p><p>Ein Schaudern lief ihr den R�cken hinunter. Sie wusste, wo sie war, doch sie konnte es nicht glauben.</p><p>Pl�tzlich trat eine Priesterin der Elune in ihr Blickfeld. Tyrande kannte sie beim Namen, erkannte ihr schmales, faltenloses Gesicht. Es war Merende�� viel j�nger als die Hohepriesterin, doch eine gesch�tzte Akolytin von Mutter Mond.</p><p>Eine zweite Priesterin folgte Merende. Sie war ihrer Herrscherin ebenfalls bekannt. Der Priesterin folgte ein dritte. Sie alle blickten d�ster und hielten den Kopf gesenkt. Die Priesterinnen trugen einfache silberne Roben mit Kapuzen. Die schlichten Stoffe waren dem Respekt vor ihrer Umgebung geschuldet, weil die Priesterinnen sich nicht unter ihresgleichen aufhielten. Stattdessen bef�nden sie sich an einem Ort, der unter Aufsicht der Druiden stand. Dies war eine Gruft�� eine Heimstatt sozusagen -, in der ein Angeh�riger ihrer Zunft ruhte.</p><p>Als Tyrande gerade dar�ber nachdachte, ver�nderte sich der Blickwinkel und folgte unwillentlich den Augen der besorgten Priesterinnen. Ein K�rper ruhte flach auf der gewobenen Grasmatte, ein schwaches silbernes Licht�� Elunes Licht�� lag �ber der reglosen Gestalt. Tyrandes Herzschlag beschleunigte sich bei diesem feierlichen Anblick, obwohl sie sich eigentlich daran gew�hnt haben sollte.</p><p>Selbst im Schlaf waren auf dem stolzen Gesicht des Liegenden die Zeichen der Zeit und der M�hsal viel deutlicher zu erkennen als auf ihrem. Sein langes graues Haar, das von den Priesterinnen gek�mmt worden war, lag auf seiner Brust, wo es mit dem vollen, langen Bart zu verschmelzen schien. Seine dichten Augenbrauen lie�en ihn ernst und gedankenvoll wirken.</p><p>Er war aufwendiger als die meisten Druiden gekleidet�� weniger aus eigener Entscheidung, als vielmehr, weil es seiner Position entsprach. Eine schwere R�stung mit hervorstehenden Dornen bedeckte seine Schultern, passende Teile sch�tzten Unterarme und Schienbeine. Obwohl aus Holz gefertigt, das aus Respekt vor der Natur nur von toten B�umen stammte, war die durch Zauber gewirkte R�stung haltbarer und belastbarer als eine aus Metall. Das �rmellose Gewand reichte bis zu seinen in Sandalen steckenden F��en hinab und war an der Seite in Beinh�he mit blattf�rmigen Mustern geschm�ckt. Um die Kn�chel verliefen blaue B�nder, auf denen Halbmonde prangten, als kleine Ehrung f�r Elune.</p><p>Malfurion Sturmgrimm schaute zur Decke, seine goldenen Augen waren leer.</p><p>Tyrande <emphasis>trank</emphasis> den Anblick ihres Geliebten f�rmlich. Ihre Beine wurden schwach, als sie ihn betrachtete�� wie konnte ein Wesen mit einem so wachen und lebendigen Geist nur derart leblos und hoffnungslos wirken?</p><p>Sie l�chelte schwach, als sie Malfurion ansah, der so majest�tisch war, so vornehm. So edel der m�nnliche Nachteil auch wirkte, verlangte ein Aspekt an ihm doch die meiste Aufmerksamkeit. Aus seiner Stirn erwuchs ein stolzes <emphasis>Geweih</emphasis>. Beinahe sechzig Zentimeter lang waren die beiden �ste, die kein Geburtsfehler waren, sondern ein Geschenk und Zeichen von Cenarius. Es gab nur wenige Druiden, die den Segen des vierbeinigen, behuften Halbgotts trugen. Und von den wenigen war er der Erste und Gr��te.</p><p>Als Malfurion das Geweih seinerzeit gewachsen war, hatte Tyrande nicht die Fassung verloren. Stattdessen hatte sie es stets als Anerkennung seiner Gr��e gesehen, von der sie schon immer gewusst hatte, dass sie in Malfurion steckte.</p><p>�Malfurion...�, fl�sterte sie dem K�rper zu, obwohl niemand, schon gar nicht er selbst, sie h�ren konnte. �Oh, mein Malfurion... warum musstet Ihr mich wieder verlassen?�</p><p>Sie sah zu, wie ihre Anh�nger neben dem reglosen K�rper niederknieten und ihm ihre H�nde auf Kopf und Brust legten. Tyrande wusste, was sie taten. Schlie�lich hatte sie selbst die Anweisungen dazu erteilt.</p><p>Nur durch den Segen von Mutter Mond lebte Malfurion Sturmgrimm �berhaupt noch. Ihr Glaube hielt den K�rper des Erzdruiden lebendig und gesund, und sie hoffte entgegen allen Erwartungen auf den Tag, an dem Malfurion sich wieder regen w�rde. Dass seine Traumgestalt zur�ckkehren w�rde, wo auch immer sie sich im <emphasis>Smaragdgr�nen Traum</emphasis> verlaufen hatte...</p><p>Die Hohepriesterin wollte verzweifelt fort. Welchem Zweck diente es, dass Elune ihr diese Szene zeigte? Dadurch wurden nur ihre Furcht neu entfacht und weitere schreckliche Erinnerungen ausgel�st. Sie konnte es nicht ertragen, ihn so zu sehen, verloren f�r sie... vielleicht f�r immer.</p><p>Malfurions H�terinnen traten zur�ck. Sie blickten d�ster. Die Priesterinnen verrichteten diese Aufgabe Tag f�r Tag und kannten ihre Pflichten.</p><p>Die Haut des Erzdruiden verdunkelte sich pl�tzlich.</p><p>Die drei Priesterinnen zeigten keine Reaktion auf diese Transformation, fast als k�nnten sie sie nicht sehen. Tyrande dagegen beugte sich zu Malfurions Seite hin und ignorierte, dass ihr K�rper durch eine ihrer Anh�ngerinnen hindurch glitt, weil sie f�r Tyrande nur eine feinstoffliche Gestalt war. Jetzt war nur die schreckliche Transformation ihres Geliebten wichtig.</p><p>W�hrend sie hilflos und unf�hig, ihn auch nur zu ber�hren, dabeizusehen musste, setzte sich die merkw�rdige Ver�nderung am K�rper des Erzdruiden fort. Sein Fleisch verdunkelte sich, verkrustete wie die Borke eines Baums. Seine Beine und Arme wurden knorrig. Schartige schwarze Bl�tter sprossen aus seinem Haar und Bart und �berwucherten schnell beides. Zur gleichen Zeit begannen die Bl�tter langsam hin und her zu wehen, als w�rde ein Wind von irgendwoher an diesem unterirdischen Ort blasen.</p><p>Die goldenen Augen verblassten zu dem Silber, das sie bei seiner Geburt gehabt hatten, sanken dann erschreckenderweise ein und verwandelten sich in schwarze Kl�fte.</p><p>Die rhythmische Bewegung der Bl�tter lenkte die Hohepriesterin von den schrecklichen Augen ab, obwohl sie zuerst nicht den Grund daf�r entdeckte. Es lag etwas Vertrautes in der Bewegung. Und dann erklang ein fernes Ger�usch, ein stetiges pulsierendes Pochen, das schnell an Intensit�t gewann.</p><p>Ein Herzschlag.</p><p>Verzweifelt blickte sie sich um�� die anderen Priesterinnen schienen es nicht zu h�ren. Das Ger�usch wurde lauter und immer noch st�rker. Schlie�lich war der L�rm ohrenbet�ubend, die Bl�tter bewegten sich im Rhythmus dazu und dann...</p><p>... wurde der Schlag wieder langsamer. Zuerst nur ein klein wenig, doch es war, als w�rde der Wind schw�cher wehen.</p><p>Als w�rde das Herz allm�hlich aufh�ren zu schlagen...</p><p>Panisch streckte Tyrande eine Hand in Malfurions Richtung aus...</p><p>Die Gruft verschwand. Dunkelheit und v�llige Stille umfingen die Hohepriesterin. Sie merkte, dass ihre Augen geschlossen waren.</p><p>Keuchend �ffnete sie die Augen und passte sie an Elunes Leuchten an. Sie sa� wieder im Tempel. Die Statue von Haidene ragte stolz �ber ihr auf. Alles war, wie sie es in Erinnerung hatte, und Tyrande wusste, dass das, was sie erlebt hatte, vielleicht nur einen kurzen Atemzug lang gedauert hatte.</p><p>Doch ihre eigene Situation besch�ftigte sie nicht im Geringsten. Nur die Vision war wichtig. Sie hatte w�hrend all der Jahrhunderte nur selten eine dieser Botschaften von ihrer Herrin erhalten, und sie alle hatten wichtige Nachrichten enthalten. Dennoch war diese... war sie die Beunruhigendste von allen.</p><p>Trotz aller Bem�hungen und der au�erordentlichen Wachsamkeit seiner H�terinnen stand fest, dass Malfurion starb.</p><empty-line/><p>Die Sturmkr�he schlug kr�ftig mit ihren langen Fl�geln, als sie sich der Insel n�herte. Die braune Kr�he, mit silbergrauen Nuancen an den Enden der Federn, war selbst f�r ihre Art gro�. Ein silberner Kranz bedeckte den Kopf. Zwillingsquasten von gleichfarbigen Federn hingen von beiden Seiten herab und verliehen dem Tier das Aussehen eines Gelehrten. Dunkelbraune Augen lugten unter den Brauen hervor und sogen die Umgebung f�rmlich in sich auf.</p><p>Obwohl ein dichter Nebel den Nachthimmel bedeckte, glitt die Sturmkr�he mit einer Schnelligkeit durch die Luft, die auf Vertrautheit mit der Umgebung schlie�en lie�. In einiger Entfernung zuckten Blitze �ber der See, und der Vogel nutzte das kurzzeitige Licht, um nach einem Anzeichen f�r die Insel zu suchen.</p><p>Pl�tzlich war der einsame Reisende gezwungen, sich gegen eine merkw�rdig kalte Windb�e zu stemmen, die ihn zur�cktrieb. Es war wie eine Warnung, dass nur ein Narr weiterfliegen w�rde. Doch die Sturmkr�he setzte ihren Weg fort und k�mpfte hart gegen den frostigen Wind an. Sie sp�rte, dass sie ihrem Ziel sehr nah war.</p><p>Als h�tte sich ein Vorhang geteilt, lichtete sich der Nebel pl�tzlich. Die Insel kam endlich in Sicht. Sie wirkte klein, wenn man bedachte, wof�r sie bekannt und wonach sie benannt war. Aus der Ferne h�tte jemand, der den gro�artigen Anblick das erste Mal sah, glauben k�nnen, einen gro�en Berg zu sehen, dessen H�nge senkrecht aufragten und dabei so hoch reichten, dass selbst die Wolken unter dieser Majest�t verschwanden. Doch bei Tageslicht und angenehmerem Wetter w�rde der Betrachter bemerken, dass es gar kein Berg war�� oder gar ein gro�es Bauwerk, das von Hand errichtet worden war. Es war etwas viel Bemerkenswerteres.</p><p>Es war ein <emphasis>Baum</emphasis>.</p><p>Er bedeckte den gr��ten Teil der Insel. In seinem Schatten lag das Hafendorf, das die Nachtelfen, die dort lebten, Rut�theran nannten. Es war offensichtlich, dass die Insel nur existierte, um den Baumriesen zu beherbergen, nach dem sie benannt und f�r den sie weltbekannt war.</p><p>Es war die Heimat von Teldrassil... dem zweiten Weltenbaum.</p><p>Vor zehntausend Jahren war der urspr�ngliche Weltenbaum Nordrassil auf dem Berg Hyjal aufgezogen worden. Das war nach der Zerst�rung der traditionellen Machtquelle der Nachtelfen gewesen, dem Brunnen der Ewigkeit. Nordrassil war auf dem zweiten Brunnen gepflanzt worden, der durch Illidans falsches Spiel entstanden war. Dabei hatte der Baum zweierlei Zweck gedient. Zum einen sollte er andere davon abhalten, die Magie des zweiten Brunnens zu missbrauchen. Und zum anderen sollte er daf�r sorgen, dass die Macht der zweiten Quelle im Laufe der Zeit nicht zu gro� wurde.</p><p>Von dreien der gro�en Drachenaspekte gesegnet�� Alexstrasza der Lebensbinderin, Nozdormu dem Zeitlosen und Ysera der Tr�umerin -, hatte der gro�e Baum nicht nur �ber Azeroth gewacht, sondern war auch an die Unsterblichkeit und die Macht des Volkes der Nachtelfen gebunden.</p><p>Doch vor weniger als einem Jahrzehnt hatte der ehrw�rdige Nordrassil schrecklichen Schaden w�hrend des titanischen Kampfes gegen dieselben D�monen erlitten, deren erste Invasion seine Aufzucht �berhaupt erst begr�ndet hatte�� die Brennende Legion. Sein geschw�chter Zustand kostete die Nachtelfen viel ihrer ber�hmten Macht. Schlimmer noch, sie verloren ihre <emphasis>Unsterblichkeit</emphasis>. Und obwohl Nordrassils Wurzeln langsam neu wuchsen, war diese Unsterblichkeit bislang noch nicht wieder zur�ckgekehrt.</p><p>So hatten die Druiden�� deren Bef�rchtungen von ihrem neuen Anf�hrer Fandral beschwichtigt wurden�� Teldrassil, seinen Nachfolger, aufgezogen.</p><p>Die Sturmkr�he sank hinab, als der Baum sich vor ihrem Blick immer weiter auszubreiten begann. Auch wenn Teldrassil nicht ganz so �berw�ltigend wie sein Vorg�nger war, stellte der neue Weltenbaum doch ein wahres Weltwunder dar. Ein ph�nomenales Werk der Natur, durch die Magie der Welt von Azeroth geschaffen, wie sie die Druiden benutzten. Der Umfang von Teldrassils Stamm war gr��er als einige L�nder. Doch so unglaublich das auch war, war es doch nichts im Vergleich zu seiner gr�nen Krone, die den Horizont v�llig zu bedecken schien.</p><p>Etwas beanspruchte kurz die Aufmerksamkeit des Vogels, und er neigte den Kopf. In den gro�en �sten erkannte die Sturmkr�he eine Bewegung zwischen den steinernen Geb�uden. Jetzt ragten auch die D�cher der H�user �ber die Zweige hinaus.</p><p>Als der Vogel weiterglitt, zogen kleinere Siedlungen unter ihm vorbei. Selbst ein See glitzerte kurz unter den Bl�ttern auf, so gro� waren die riesigen �ste. Und direkt vor ihm ragte die Spitze eines Berges hervor.</p><p>Die Sturmkr�he erreichte die ersten �ste und erhaschte ein weiteres Wunder, das darunterlag. Von dort unten herauf strahlte ein Licht, das nicht nur vom Fackelschein stammte, sondern auch kleine Teile lebendigen Mondlichts enthielt.</p><p>Die herrliche Stadt Darnassus, Hauptstadt des auf B�umen wohnenden Volkes, war verlockend. Auch aus der Ferne war offensichtlich, dass Darnassus es mit anderen sagenhaften Orten aufnehmen konnte, wie der Menschenstadt Sturmwind oder Orgrimmar, der Hauptstadt der Orcs.</p><p>Der Weltenbaum sammelte genug Tau, um mehrere Fl�sse, Str�me und Seen unter seinen �sten zu speisen. Eines der Gew�sser war so gro�, dass ein Teil von Darnassus in es hineinreichte. Die Nachtelfen leiteten das Wasser um, um die Pracht der Tempelg�rten und des atemberaubenden Wasserweges zu erhalten. Weiter im Norden auf der anderen Seite des Wassers hatten die Druiden ihr eigenes Heiligtum erbaut, die von Baumland bedeckte Enklave des Cenarius.</p><p>Der Vogel drehte ab. Er mied nicht nur Darnassus, sondern auch die anderen unglaublichen St�dte, die sich auf der Krone befanden. So einladend der Anblick auch war, lag das Ziel der Sturmkr�he doch weit darunter.</p><p>Der gro�e Vogel sank hinab, bis er nur noch gut zehn Meter vom Boden entfernt war, um dann mit seinem angeborenen Talent die Fl�gel auszubreiten und den Sinkflug zu verlangsamen. Er streckte die Krallen aus, bereitete sich auf die Landung vor.</p><p>Kurz bevor die Sturmkr�he den Boden ber�hrte, wuchs sie an. In nur einem Atemzug wurde sie gr��er als ein Mensch. Die Beine wurden dicker und l�nger, und die Krallen verwandelten sich in F��e mit Sandalen daran. Zur gleichen Zeit vereinten sich die Fl�gel, dehnten sich aus, und Finger wuchsen daraus hervor. Die Federn verschwanden, wurden von dichtem waldgr�nem Haar ersetzt, das im Nacken zusammengebunden war und vorne einen dichten Bart bildete, der sich auch auf die nun bekleidete Brust erstreckte.</p><p>Der Schnabel war zu einem Gesicht mit markanter Nase und einem breiten Mund geworden, dazu eine stets gerunzelte Stirn. Die schwarzen Federn waren Haut von dunkelvioletter T�nung gewichen. Der Gestaltwandler geh�rte eindeutig zu dem Volk, das in diesem Land und auch dar�ber wohnte.</p><p>Broll B�renfell, der Nachtelf, sah wie die meisten anderen Druiden aus. Allerdings war er muskul�ser gebaut und glich mehr einem Krieger als die anderen. Sein wenig friedvolles, bewegtes Leben hatte seine Gesichtsz�ge gepr�gt. Doch f�r die Druiden war er immer noch einer der ihren.</p><p>Er blickte sich um. Kein anderer Druide war zu sehen, obwohl er sp�rte, dass sie in der N�he waren. Das passte ihm gut. Er wollte f�r einen Augenblick allein sein, bevor er sich zu den anderen gesellte.</p><p>Viele Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf. Die meisten betrafen seinen Shan�do, seinen Lehrer. Jedes Mal, wenn er nach Teldrassil zur�ckkehrte, dachte der breitschultrige Elf an ihn. Er wusste, dass er ohne ihn nicht der w�re, der er war. Obwohl Broll sich selbst nur f�r einen erb�rmlichen Druiden hielt. Doch <emphasis>keiner</emphasis> der zu dieser au�erplanm��igen Versammlung erschienenen Druiden, nicht einmal Fandral, w�re hier, wenn es den legend�ren Malfurion Sturmgrimm nicht gegeben h�tte.</p><p>Malfurion war nicht nur ihr Anf�hrer gewesen, er war der oberste aller Druiden, ausgebildet vom Halbgott Cenarius pers�nlich. Der Waldgott hatte in dem damals noch jungen Nachtelfen etwas ganz Besonderes gesehen, eine einzigartige Verbindung zur Welt, und hatte ihn gef�rdert. Und noch bevor Malfurions mystische Ausbildung beendet worden war, wurde er in den ersten titanischen Kampf gegen D�monen und Verr�ter aus den eigenen Reihen verwickelt... wozu sogar Azshara, die K�nigin der Nachtelfen, und ihr verr�terischer Berater Xavius geh�rt hatten. W�re Malfurion nicht gewesen, w�rde Azeroth wahrscheinlich nicht mehr existieren.</p><p>Die Geschichten seiner au�ergew�hnlichen Taten erstreckten sich �ber alle Zeitalter. Malfurion hatte die bemerkenswerten Jahrhunderte seines Lebens immer wieder f�r das Wohl seiner Welt und ihrer Bewohner geopfert. Wenn andere gefallen waren, hatte er ihre Schlachten fortgef�hrt und sie zu seinen gemacht. Aus dem Meister der Naturmagie war ein erfahrener Kriegsherr geworden.</p><p>Dennoch hatte Malfurion erst k�rzlich, als ein bleibender Friede in greifbare N�he ger�ckt war, seine Druiden umorganisiert und versucht, sie auf den urspr�nglichen Weg zur�ckzuf�hren. Die Vergangenheit war eben die Vergangenheit; die Zukunft ein faszinierendes R�tsel, das man besonnen und in Ruhe erforschen sollte. Malfurion war sogar der Auffassung, dass die Nachtelfen ohne ihre Unsterblichkeit besser dran w�ren. Denn so waren sie gezwungen, Teil des pulsierenden Lebens auf Azeroth zu werden, statt, wie bislang, als unver�nderliches Element nur die Zeiten vorbeiziehen zu sehen...</p><p>�Malfurion...�, murmelte er. Mit Ausnahme von zwei anderen Wesen hatte niemand Broll in seinem Leben derma�en beeinflusst wie sein Shan�do. Er schuldete Malfurion viel... und dennoch konnte er den Erzdruiden genauso wenig wie alle anderen von seinem schrecklichen Schicksal erl�sen.</p><p>Broll blinzelte und kam wieder zu sich. Er hatte gesp�rt, wie jemand hinter ihm aufgetaucht war. Noch bevor er sich umdrehte, wusste der Nachtelf, um wen es sich handelte. Schon der blo�e Geruch verriet diesen speziellen Druiden.</p><p>�Der Segen des Waldes sei mit dir, Broll B�renfell�, brummelte der Ank�mmling. �Ich sp�rte deine N�he. Ich hatte darauf gehofft, dich zu sehen.�</p><p>Obwohl er nicht erwartet hatte, den Neuank�mmling zu treffen, war er doch froh dar�ber. �Hamuul Runentotem... Ihr hattet eine kurze Anreise von Donnerfels.�</p><p>W�hrend Broll den meisten anderen Druiden �hnelte, nahm sein neuer Begleiter eine Sonderstellung ein. Zwar glich sein K�rper ein wenig dem eines Nachtelfen oder Menschen, doch hatte er breitere Schultern als der ohnehin schon kr�ftig gebaute Broll. Dazu trug er die lockere, gegerbte Kleidung seines Stammes. Zwei lange rote Riemen hielten die lederne Schulterpanzerung an dem rot gebeizten Lederkilt. Gestreifte B�nder, rot, golden und blau, schm�ckten jeden Unterarm an den Gelenken.</p><p>Doch was Hamuul noch einzigartiger als Broll machte, war, dass er ein <emphasis>Tauren</emphasis> war. Dicke Hufe trugen den schweren K�rper, und sein Kopf erinnerte an einen Bullen�� wie es f�r einen Tauren charakteristisch war, auch wenn ihm das niemand jemals ins Gesicht gesagt h�tte, wollte er nicht Leib und Leben riskieren. Er hatte eine gro�e Schnauze, in der er einen Zeremonienring trug, und lange H�rner, die sich zuerst bogen, bevor sie nach oben stachen.</p><p>Hamuul war fast zweieinhalb Meter gro�, und das, obwohl auch er den charakteristischen Buckel seiner Art hatte. Sein feines, graubraunes Fell tendierte mittlerweile eher zu grau. Als Broll den Tauren kennengelernt hatte, war das noch anders gewesen. Hamuul trug zwei dicke Z�pfe �ber der Brust, die ebenfalls ergrauten. Er war erst sp�t Druide geworden, und das auch nur, weil Malfurion Sturmgrimm ihn dazu ermutigt hatte. Der Tauren war der Erste seines Volkes gewesen, der seit zwanzig Generationen auf diesen Rang aufstieg, und obwohl es mittlerweile auch noch andere gab, war doch keiner so versiert wie er.</p><p>�Die Reise verlief ereignislos, eigentlich schon <emphasis>verd�chtig</emphasis> ruhig�, bemerkte der Tauren. Seine ausdrucksvollen gr�nen Augen zogen sich unter den dichten Augenbrauen zusammen, als wollte er noch etwas hinzuf�gen, um sich dann aber doch anders zu entscheiden.</p><p>Der Nachtelf nickte, seine Gedanken wandten sich kurz der Frage zu, wie er selbst wohl von den anderen wahrgenommen wurde. So viel war von Broll erwartet worden, so viel seit seiner Geburt... und alles nur wegen eines einzigen Zeichens, das er mit Malfurion teilte. Ein einziges Zeichen, das f�r Broll auch ein ewiges Stigma, ein Makel, war.</p><p>Das Geweih auf seinem Kopf war �ber sechzig Zentimeter lang, und wenn es auch nicht so beeindruckend wirkte wie das des ber�hmten Erzdruiden, so fiel es doch auf. Es hatte Broll bereits als Kind gezeichnet, dabei war es damals noch nicht mehr als kleine W�lste an jeder Seite gewesen. Doch sie wurden als Zeichen einer zuk�nftigen Ehrung betrachtet. Schon als Kind war ihm prophezeit worden, dass er eines Tages�� irgendwann�� Stoff einer Legende werden w�rde.</p><p>Doch w�hrend andere das Geweih als Geschenk der G�tter betrachteten, war Broll schnell klar geworden, dass es ein Fluch war. Und in seinen Augen hatte ihn das Leben darin bislang nur zu sehr best�tigt.</p><p>Wozu waren die Ausw�chse letztendlich n�tze gewesen, wenn er in den kritischsten Momenten seines Lebens Hilfe gebraucht hatte?</p><p>Zum Beispiel, als Broll den Angriff der D�monen und Untoten abwehren musste, die unter der abscheulichen Herrschaft des Grubenlords Azgalor gestanden hatten. Damals hatte er geglaubt, dass letztlich alle Vorhersagen doch wahr geworden waren. Er hatte den G�tzen von Remulos benutzt und damit seine F�higkeiten als Druide erweitert. Der Feind war zur�ckgeschlagen worden, wodurch sich Brolls Kameraden zur Hauptarmee zur�ckziehen konnten.</p><p>Doch wieder einmal hatte er sich der Aufgabe als nicht gewachsen erwiesen. Seine Ersch�pfung hatte ihm zugesetzt. Azgalors Klinge T�cke, die dieser so gekonnt f�hrte, durchdrang seine geschw�chte Verteidigung. Sie durchstie� seine Hand, und Broll lie� das G�tzenbild fallen.</p><p>Die Macht der D�monklinge korrumpierte augenblicklich die der Figur eigenen Energien, und sie entluden sich zu einer verzerrten magischen Kraft�� eine, die den letzten Verb�ndeten an Brolls Seite traf.</p><p>Seit damals war der Nachtelf oft versucht gewesen, das Geweih einfach abzuschneiden und die W�lste zu ver�den, damit sie nicht nachwuchsen. Doch er hatte sich nie zu diesem letzten Schritt durchringen k�nnen.</p><p>Broll bemerkte, dass Hamuul still geworden war und ihn anblickte. Nach einer Weile raunte der Tauren: �Sie wird stets bei dir sein. Die Geister unserer geliebten Angeh�rigen wachen immer �ber uns.�</p><p>�Ich habe nicht an Anessa gedacht�, log der Nachtelf.</p><p>Hamuul nickte. �Dann entschuldige ich mich vielmals, sie erw�hnt zu haben.�</p><p>Broll winkte zur Entschuldigung des Tauren, als wollte er sie wegscheuchen. �Ihr habt nichts falsch gemacht�, murmelte er. �Lasst uns aufbrechen. Die anderen werden sich schon am Portal versammelt haben...�</p><p>Hamuul runzelte die Stirn. �Aber wir m�ssen nicht hoch nach Darnassus zur Enklave des Cenarius gehen! Fandral wollte, dass unsere Versammlung woanders stattfindet... ziemlich genau entgegengesetzt unserer derzeitigen Position. Wusstest du das nicht?�</p><p>�Nein...� Broll stellte die Entscheidung des Erzdruiden nicht in-frage. Denn Fandral Hirschhaupt, ihrem Anf�hrer, lag nur ihr Wohl am Herzen. Wenn er es f�r kl�ger hielt, sich hier unten zu treffen statt in Darnassus, dann sollte es so sein. Sicherlich gab es gute Gr�nde daf�r.</p><p>Pl�tzlich keimte Hoffnung in ihm. Vielleicht hatte Fandral einen Weg gefunden, ihren Shan�do zu retten...</p><p>�Machen wir uns auf�, sagte er zu Hamuul. Der Nachtelf konnte es kaum noch erwarten, zum Versammlungsort zu gelangen. Angespornt von der tiefen, unersch�tterlichen Hoffnung, die ihn jedes Mal erf�llte, wenn er nach Teldrassil zur�ckkehrte, war Broll davon �berzeugt, dass Fandral eine Antwort auf Malfurions schreckliche Lage gefunden hatte.</p><p>Und wenn nicht?</p><p>Der Nachtelf schauderte bei dem Gedanken an den Weg, den sie dann beschreiten mussten...</p></section><section><title><p>2</p><p> Die Versammlung</p></title><p>Lucan Fuchsblut hatte seit Tagen nicht mehr geschlafen. Und das, weil er zum einen wach bleiben <emphasis>wollte</emphasis>, und weil es andererseits <emphasis>notwendig</emphasis> war. Er versuchte sogar, so selten wie m�glich zu rasten, weil jede Unterbrechung auf seiner scheinbar endlosen Reise das Risiko barg, dass er einnickte. Dennoch kam immer wieder der Punkt, an dem der Kartograf mit den sandfarbenen Haaren nicht mehr weiterkonnte, wenn seine Beine einknickten und er oftmals bereits ohnm�chtig und tr�umend zu Boden fiel.</p><p>Dann litt er unter Albtr�umen. Dieselben Albtr�ume, die auch alle anderen an den Orten durchlitten, die er bereist hatte. Darunter Goldhain, Westfall und Sturmwind, seine Heimatstadt...</p><p>Lucan wirkte wie ein ehemaliger Soldat, und tats�chlich hatte er in einigen Schlachten gek�mpft, kaum dass er erwachsen geworden war. Doch nun z�hlte er bereits drei Jahrzehnte und sah immer noch aus, als bef�nde er sich mitten in einem Krieg. Seine einst braune Tunika und die Hosen hatten die Farbe von Schlamm angenommen, und die feinen N�hte an den runden Schultern und entlang der Beine fransten bereits aus. Seine Lederstiefel waren fleckig und voller Risse.</p><p>Der Kartograf selbst wirkte wenig besser als seine Kleidung. Obwohl man seine Patriziergesichtsz�ge immer noch erahnen konnte, lie�en ihn die Bl�sse der Haut und der ungepflegte Bartwuchs wie eine langsam verfaulende Kreatur der untoten Gei�el wirken. Nur seine Augen, gr�n wie die einer Katze, zeigten ein lebendiges Funkeln.</p><p>W�hrend seiner benommenen Wanderschaft hatte er alle Werkzeuge seines Handwerks verloren. Selbst der Beutel, in dem er seine k�rglichen Habseligkeiten und eine Decke zum Schlafen aufbewahrte, war ihm abhandengekommen. Lucan wusste nicht einmal mehr den Namen der letzten Siedlung, in der er untergekommen war. Er konnte sich kaum noch an sein Leben erinnern, bevor die Tr�ume und Albtr�ume ihn vereinnahmt hatten, und manchmal war er sich nicht sicher, ob diese wenigen Erinnerungen tats�chlich echt waren... oder �berbleibsel der Albtr�ume selbst.</p><p>Die Region, durch die er wanderte, war dicht bewaldet. Doch es h�tten auch Berge aus Diamant aufragen k�nnen, er h�tte sie nicht bemerkt. Lucan Fuchsblut wollte einfach nur in Bewegung bleiben.</p><p>Er blinzelte, das erste Mal seit einigen Minuten.</p><p>Die Landschaft um ihn herum wurde pl�tzlich smaragdgr�n, mit einem sanften blauen Farbton darin, und die neblige Luft umh�llte seine Gestalt wie ein dickes Tuch. Viele der charakteristischen Merkmale verschwanden, weshalb die Umgebung des Kartografen wie ein halb vollendetes Gem�lde wirkte. Doch trotz dieser bemerkenswerten �nderung stolperte Lucan ohne Interesse weiter.</p><p>Er blinzelte erneut. Um ihn herum erlangte das Land wieder seine normale Farbe... doch einige Details hatten sich ver�ndert. Es war nicht mehr l�nger die Gegend, durch die er eben noch gereist war. Zwar standen auch hier immer noch B�ume, doch in der Ferne lag eine Siedlung, die dort vorher nicht gewesen war. Au�erdem erreichte nun Meeresgeruch seine Nase, obwohl er das genauso wenig bemerkte wie den d�steren Schatten, der sich �ber die ganze Landschaft gebreitet hatte.</p><p>Lucan kam an einer steinernen Wegmarkierung vorbei, deren Schrift er auch dann nicht h�tte lesen k�nnen, wenn er darauf geachtet h�tte. Doch ein Nachtelf h�tte bei ihrem Anblick genau gewusst, wo er gelandet war.</p><p>In Auberdine...</p><empty-line/><p>Ein kalter rauer Wind traf Broll und den Tauren, als sie zu dem Ort gingen, wo laut Hamuul die Zusammenkunft stattfinden w�rde. Beide Druiden hielten den Kopf gesenkt, k�mpften gegen den Wind, als w�re er ein Feind. Hamuul sagte nichts, doch der Tauren stie� ein Grunzen aus, das wie ein Echo der wachsenden Unruhe des Nachtelfen klang.</p><p>Das Rascheln der Bl�tter wurde lauter. Neugierig blickte Broll auf.</p><p>Der Druide erstarrte. Seine Augen weiteten sich vor Schreck.</p><p>Teldrassil hatte sich ver�ndert. Die m�chtige Krone war immer noch voller Bl�tter, doch viele waren pl�tzlich vertrocknet, w�hrend andere schwarz wurden und sich ringelten. Sie alle, auch die noch gr�nen, waren mit scharfen Dornen besetzt.</p><p>Broll h�rte Hamuuls Stimme, doch es war, als bef�nde sich der Tauren meilenweit entfernt. Die Bl�tter kr�mmten sich weiter, wurden immer schw�rzer, und nun �nderten sich auch die Fr�chte, die der Baumriese hervorbrachte. Unter den knorrigen Zweigen sprossen runde, totenbleiche Beeren von Kopfgr��e und noch gewaltiger. Von ihnen ging ein Gestank nach Verwesung aus. Kein Druide�� kein Nachtelf�� h�tte es gewagt, so etwas zu essen, selbst wenn er am Verhungern gewesen w�re.</p><p>Die furchtbare Verwandlung lie� nichts unber�hrt. Teldrassils Borke war an vielen Stellen aufgeplatzt, und durch diese Stellen konnte er Adern eines schwarzen Saftes sehen. Der Saft tr�pfelte zun�chst, dann floss er in Str�men. Ungeziefer krabbelte �ber den Weltenbaum, Tausendf��ler und andere Kreaturen krochen in den Stamm hinein und wieder heraus. Es waren so viele, dass man davon ausgehen konnte, dass im Innern noch viel mehr waren.</p><p>�Nein...�, murmelte Broll. �Nein...�</p><p>Eine Dunkelheit ging von Teldrassil aus, die sich schnell ausbreitete. Obwohl der Nachtelf sich nicht umdrehte, um das Wachstum zu verfolgen, wusste er sofort, dass die Finsternis weit �ber Teldrassil hinaus vorgedrungen war, das Hauptland erreicht hatte und die L�nder dahinter ebenfalls schon infizierte.</p><p>Dann erklang ein Ger�usch wie heftiger Regen. Broll riss seinen Blick von dem verfaulenden Stamm los und blickte wieder in die Krone.</p><p>Was er f�r Regen gehalten hatte, erwies sich als ein noch heftigeres Rauschen der Bl�tter. Die �ste schwangen vor und zur�ck, bewegten sich nun mit solcher Kraft, als wollten sie sich selbst von den d�steren Bl�ttern befreien.</p><p>Und sie hatten Erfolg. Tausende der verderbten Bl�tter begannen zu fallen. Es war tats�chlich ein Regen, obwohl die Tropfen nicht aus Wasser bestanden.</p><p>Die fallenden Bl�tter hatten sich ebenfalls verwandelt. Sie wurden zu kleinen schwarzen und smaragdgr�nen Kreaturen, die ein wenig an Nachtelfen erinnerten. Doch sie hatten Beine wie Tiere und gebeugte R�cken wie die Tauren. Es waren f�rchterliche Gestalten, ohne feste Gesichtsz�ge auf ihren schmalen K�pfen. Daf�r prangten dort b�sartig aussehende gebogene H�rner. Sie stie�en ein nervt�tendes Zischen aus und fielen in endlosen Str�men auf die beiden Druiden herab...</p><p>�Broll B�renfell, ist alles in Ordnung?�</p><p>Aufgeschreckt taumelte der Nachtelf zur�ck. Doch als er die Fassung zur�ckgewann und seine Augen �ffnete, stellte er fest, dass der Weltenbaum wieder seine normale Gestalt angenommen hatte. Die �ste waren ruhig, und die Bl�tter wieder satt und gr�n.</p><p>Hamuul beugte sich vor. Besorgnis lag auf dem Gesicht des Tauren. Broll nickte versp�tet, und als ein Horn erklang, war er dankbar, dass er nicht erkl�ren oder verstehen musste, was gerade geschehen war.</p><p>�Wir m�ssen weiter�, dr�ngte Broll. �Das Treffen beginnt schon.�</p><p>Der Tauren blinzelte und folgte dem Nachtelfen. Wenig sp�ter kamen sie in Sichtweite des Ortes, wo Fandral die Versammlung abhalten wollte.</p><p>Es waren mehr Druiden anwesend, als Broll je auf einem anderen Treffen gesehen hatte, und immer noch kamen weitere aus allen Richtungen hinzu. Zwei erregten augenblicklich sein Interesse. Eine m�rrische junge Frau unterhielt sich mit einem Mann, der nach au�en zufrieden wirkte und viel Macht ausstrahlte. St�ndig knetete er seine H�nde, als furchte er sich vor irgendetwas. Elerethe Renferal und Naralex waren Leidensgenossen, selbst wenn die Gr�nde f�r beide jeweils andere waren. Elerethe hatte w�hrend des letzten Krieges zwischen Allianz und Horde die Fauna und Flora des Alteractals retten wollen. Aber sie konnte das Blutbad nicht verhindern, f�r das nicht allein die beiden k�mpfenden Armeen verantwortlich waren, sondern auch ein Orcschamane. Nach dem Krieg hatte sie gelobt, das Tal zu retten. Jetzt, mehrere Jahre sp�ter, versuchte sie es immer noch.</p><p>Naralex war das Opfer seiner gro�en Ambitionen geworden. Er wollte Leben an einen Ort zu bringen, der lange leblos gewesen war. Begleitet von einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter war er in das trostlose Brachland gezogen und hatte mit einem klugen Zauberspruch Wasser zutage gef�rdert, das tief unter dem ausgetrockneten Boden verborgen geruht hatte. So hatte er eine Handvoll Oasen erschaffen. Doch dann hatte etwas B�ses nicht nur die Kontrolle �ber seine Arbeit �bernommen, sondern auch von dem v�llig unvorbereiteten Naralex und vielen seiner Begleiter Besitz ergriffen. Die Druiden waren <emphasis>korrumpiert</emphasis> worden. B�se Versionen ihrer selbst mit keinem anderen Verlangen, als der Finsternis zu dienen. Naralex selbst war dem Wahnsinn verfallen. Doch dann hatte er wieder zur Vernunft gefunden, nur um kurz darauf erneut im Wahnsinn zu landen und immer so weiter. Rettung hatte er nur durch die unerwartete Hilfe einer Gruppe von Abenteurern erfahren.</p><p>Als sein Geist wieder mehr oder weniger klar war, wusste Naralex nicht, was ihn oder die anderen besessen hatte. Und auch wenn es im Brachland derzeit ruhig war, war auf Fandrals Befehl hin weder er noch irgendjemand anderes jemals dorthin zur�ckgekehrt. Der Erzdruide sah keine Notwendigkeit, ihre Leben oder Energien f�r einen Ort zu riskieren, den die Gro�e Teilung am Ende des Kriegs der Ahnen in eine W�ste verwandelt hatte. Nach Fandrals Auffassung hatten selbst ausgetrocknete Landstriche auf Azeroth ihren Sinn und Zweck.</p><p>Ihre Blicke und die einiger anderer richteten sich auf die Neuank�mmlinge... und erinnerten Broll wieder an seinen Makel. Je mehr ein Druide mit der Natur und seiner Berufung in Einklang stand, desto gr��er war die Wahrscheinlichkeit, dass seine Augen den goldenen Glanz von Azeroths Leben annahmen. Gro�e Druiden waren so ausgezeichnet worden.</p><p>Doch Broll B�renfells Augen blieben schmutzig-braun mit einem nur schwachen blauen Leuchten. Es wirkte derart weit entr�ckt, dass es nur sehr wenig bedeutete.</p><p>Broll sch�ttelte seine Frustration ab und ging auf die beiden zu, dann aber ert�nte ein zweites Horn. Die versammelten Druiden blickten allesamt in die Richtung des Ger�uschs. Ein einzelner Druide mit einem gr�nen Band auf seinem linken Unterarm senkte das Ziegenhorn, dann blickte er Teldrassil an.</p><p>Die raue Borke, auf die der Hornbl�ser blickte, bewegte sich. Broll erschauderte und erinnerte sich augenblicklich an seine bizarre Vision. Dann teilte sich die Rinde und �ffnete sich gerade weit genug, damit ein Nachtelf eintreten konnte... oder, wie in diesem Fall, herauskommen konnte.</p><p>Die Druiden senkten respektvoll die K�pfe, als Fandral Hirschhaupt erschien. Er hatte die Haltung von jemandem, der alles unter Kontrolle hat. Seine Augen leuchteten golden, w�hrend er vielen der Versammelten zunickte. Fandral trug einfachere Kleidung als die meisten anderen. Sein Oberk�rper war nur an den Schultern von einer sch�tzenden Holzr�stung bedeckt, die wie die K�pfe von Bestien geformt war. Selbst deren leuchtende Augen waren eingearbeitet. Seine H�nde steckten in gewebten Handschuhen ohne Fingerkuppen, die bis zum Ellbogen reichten, wo sie in h�lzernen Enden ausliefen.</p><p>Fandral ging barfu�. Das tat er, um seine Einheit mit der Natur zu demonstrieren. Als einziges Zeichen seiner Extravaganz trug er um die H�fte einen verzierten G�rtel mit einer gro�en rubinroten Schnalle und einem dekorativen, mehrteiligen Ring, der daran hing. Um jede Seite des G�rtels waren Borkenst�ckchen gewickelt.</p><p>�Der Wald ist der Lebensnerv der Welt�, intonierte Fandral.</p><p>�Der Wald ist der Lebensnerv der Welt�, wiederholten Broll und die anderen Druiden.</p><p>�Teldrassil ist der Lebensnerv der Welt...�</p><p>Broll und der Rest wiederholten erneut seine Gesangsvorgabe.</p><p>�Ich bin froh, dass so viele von Euch so schnell zu dieser Zusammenkunft erschienen sind�, sagte der Erzdruide dann. �Ich muss Eure schlimmsten Bef�rchtungen best�tigen. Teldrassil ist krank...�</p><p>Die Druiden blickten einander �ngstlich an. Eigentlich war das, was Fandral ihnen verk�ndet hatte, keine gro�e �berraschung. Dennoch war es schockierend, den Erzdruiden so offen dar�ber sprechen zu h�ren. Obwohl beinahe alle Druiden an seiner Erschaffung mitgewirkt halten, war Teldrassil haupts�chlich Fandrals Werk, und mehr als alle anderen wachte er �ber dessen Gesundheit.</p><p>Fandral Hirschhaupt war der Erste gewesen, der den zweiten Weltenbaum vorgeschlagen hatte. Malfurion hatte den Vorschlag allerdings abgelehnt, sodass er zun�chst nicht umgesetzt wurde. Doch trotz Malfurions Opposition blieb Fandrals Loyalit�t bestehen. Erst nachdem das schreckliche Schicksal des gro�en Erzdruiden bekannt geworden war, hatte Fandral die F�hrung �bernommen. Dabei hatte es nur wenig Protest von den anderen gegeben. Seine vorrangige Aufgabe, so hatte er feierlich verk�ndet, war es, ihren geliebten Shan�do zu retten.</p><p>Unter seiner F�hrung hatten die �lteren Druiden vom Zirkel des Cenarius entschieden, dass Malfurions reglose Gestalt in der Gruft auf der Mondlichtung bleiben sollte. Dort, umgeben von den nat�rlichen Energien der Welt und der magischen Pflege der Schwestern von Elune, verhungerte der K�rper nicht oder litt unter Wassermangel. Darauf gr�ndete sich die Hoffnung, dass Malfurion m�chtig genug war, um nach so langer Zeit doch noch zur�ckkehren zu k�nnen.</p><p>Fandral hatte sich nicht auf die Hoffnung allein verlassen. Der Zirkel <emphasis>hatte</emphasis> Versuche unternommen, nicht nur den K�rper wieder herzustellen, sondern auch Malfurions Geist zur�ckzuholen. Doch die Versuche scheiterten allesamt. Sie hatten sich sogar an die Herrin des Smaragdgr�nen Traums gewandt�� den gro�en gr�nen Drachen Ysera -, aber das hatte ebenfalls nicht funktioniert. Auch Ysera konnte keine Verbindung zu dem Erzdruiden herstellen.</p><p>Bis vor Kurzem war all das vor dem Volk der Nachtelfen geheim gehalten worden. Selbst die meisten Angeh�rigen der Schwesternschaft und der Druiden wussten nichts davon. Doch als immer mehr Fragen aufkamen, sah sich der z�gerliche Fandral schlie�lich dazu gezwungen, wenn schon nicht den Rest des Volkes, dann doch zumindest seine Druiden von der Hoffnungslosigkeit der Situation zu unterrichten. Das war auch der Hauptgrund gewesen, warum so viele Druiden zu der pl�tzlich einberufenen Versammlung gekommen waren. Broll war �berzeugt davon, dass die anderen Druiden wie er selbst geglaubt hatten, dieses Treffen w�rde irgendwie mit Malfurions Rettung zusammenh�ngen.</p><p>Doch Teldrassil war auch ein wichtiger Grund, wenn nicht sogar noch wichtiger f�r alle Nachtelfen. Denn das eigentliche Ziel des neuen Weltenbaums war es urspr�nglich gewesen, ihre Unsterblichkeit zur�ckzuerhalten und letztlich ihre Kr�fte zu vergr��ern. Fandral hatte ihnen erkl�rt, dass der magische Baum zugleich auch ihre einzige Hoffnung sein k�nnte, um die Traumgestalt ihres Gr�nders zu finden und somit zu seiner Rettung beizutragen.</p><p><emphasis>Wenn Teldrassil wirklich so krank ist, dann</emphasis>... Broll runzelte die Stirn und sah, wie sich seine Besorgnis auf den Gesichtern von Hamuul und dem Rest der Druiden widerspiegelte.</p><p>Fandral mischte sich unter die anderen. Sein scharfer Blick blieb kurz auf Broll liegen. Obwohl es eindeutig nicht die Absicht des Erzdruiden war, erinnerte dieser Blick Broll an sein schreckliches Versagen. Allerdings war ihm diese Erinnerung sowieso stets gegenw�rtig.</p><p>Der �ltere Erzdruide l�chelte wie ein Vater, der zu seinen Kindern spricht. �Doch verzweifelt nicht, meine Freunde�, sagte er. �Ich habe Euch nicht hierher gerufen, um �ber den Untergang zu sprechen...�</p><p>�Gibt es denn Hoffnung?�, stie� ein anderer Druide hervor.</p><p>�Es gibt mehr als Hoffnung!�, verk�ndete Fandral. �Ich habe Euch an diesem Ort versammelt, hier bei Teldrassils Wurzeln, damit wir dem Weltenbaum bei seiner Heilung helfen.� Er l�chelte aufmunternd. �Und wenn es Teldrassil wieder gut geht, k�nnen wir uns auf unsere Suche nach Malfurion Sturmgrimm konzentrieren...�</p><p>�Aber wie k�nnen wir Teldrassil helfen?�, rief ein anderer.</p><p>�Hiermit.� Der Erzdruide streckte die Hand aus. Darin lag ein Objekt, das alle erkannten... und das Broll einen Seufzer der Best�rzung und �berraschung entlockte.</p><p>Fandral hielt das G�tzenbild von Remulos in der Hand.</p><p>Der Name war vielleicht irref�hrend, weil das G�tzenbild so gar nicht nach der Gottheit aussah, nach der es benannt worden war. Die Figur glich einem sich aufb�umenden gr�nen Drachen und war vom Halbgott Remulos geschaffen worden, dem unsterblichen Sohn des Cenarius. Der bot seinerseits selbst einen erstaunlichen Anblick. Die untere H�lfte von Remulos� K�rper war wie die eines stolzen Hirsches geformt, doch wo die Vorderbeine auf den Hals h�tten treffen sollen, befand sich eine menschliche Brust. Seine Hufe waren gespalten und m�chtig. Wie sein Vater war der Halbgott halb ein Waldtier, dessen Oberk�rper jedoch einem Nachtelfendruiden glich. Seine Arme liefen in belaubten h�lzernen Krallen aus, und sein Haar und der Bart bestanden aus Bl�ttern, Gestr�pp und Moos.</p><p>Remulos war zugleich der W�chter der Mondlichtung. Broll hatte sich schon gefragt, ob der unsterbliche Druide hier erscheinen w�rde, obwohl Remulos bereits seit einiger Zeit nicht mehr an den Treffen teilnahm. Ger�chtweise f�hrte er seine eigene Suche nach Malfurion durch...</p><p>Das G�tzenbild war ein m�chtiges magisches Artefakt, das sicherlich in der Lage war, die Zauber der Druiden zu verst�rken... wenn es nicht vorher gr��eren Schaden anrichtete.</p><p>Tats�chlich konnte Broll sich kaum zur�ckhalten. Es platzte aus ihm heraus: �Erzdruide, bei allem Respekt... sollen wir das G�tzenbild wirklich benutzen?�</p><p>Fandral wandte sich ihm zu und b�ckte Broll ernst an. �Eure Sorgen sind verst�ndlich, guter Broll. Anessas Verlust war nicht Euer Fehler. Ihr habt getan, was Ihr konntet, um viele Leben zu retten und die D�monen zur�ckzuschlagen.�</p><p>Broll bem�hte sich, bei Fandrals Worten nicht zu erschaudern, auch wenn sie ihn eigentlich nur beruhigen sollten. Ein menschliches Gesicht regte sich in Brolls Erinnerungen. Ein entschlossener dunkelhaariger Mann mit Augen, die von einem gr��eren Verlust erz�hlten, als ihn selbst der Nachtelf erfahren hatte. Varian Wrynn war gemeinsam mit Broll losgezogen, um die verfluchte Figur von einem verr�ckt gewordenen Furbolg zur�ckzuholen. Sie beide hatte bereits zuvor ein starkes Band verbunden, als sie noch Sklaven und Gladiatoren gewesen waren. Varian hatte ihm geholfen, obwohl er seine eigene Vergangenheit nicht kannte. Er wusste nicht, dass ein ganzes Reich seines K�nigs beraubt war...</p><p>Fandral wandte sich wieder Broll zu. Er hielt die Figur hoch, dann richtete er sie auf den Weltenbaum. �Einst speisten wir ihn, damit er aus einer einzelnen Nuss zu dem wunderbaren Riesen heranwuchs, der er jetzt ist. Diese M�hen kosteten uns viel, doch die Belohnung war mannigfaltig... eine neue Heimat, Nahrung, Wasser und Schutz vor unseren Feinden...�</p><p>Die Druiden nickten, obwohl Broll bemerkte, dass Fandral nicht die Unsterblichkeit erw�hnte, die sein Volk immer noch verloren hatte. Doch vielleicht reagierte er empfindlich darauf, weil Teldrassil sie noch nicht wieder hergestellt hatte.</p><p>Der Erzdruide richtete das G�tzenbild auf einen anderen Druiden, der ihm am n�chsten stand. Der andere Nachtelf trat instinktiv einen Schritt zur�ck. �Doch als er uns so viel gab, wurde Teldrassil f�r Krankheiten anf�llig. Er braucht uns wieder. Im Gegenzug... wird er uns dann sicherlich den Weg weisen, um unseren Shan�do zu finden!�</p><p>Fandrals Enthusiasmus war ansteckend. Die anderen raunten ihre Zustimmung.</p><p>�Der Traum wird rasend schnell vom Albtraum verzehrt...�, fuhr er feierlicher fort und fasste das furchtbare Wissen zusammen, das bereits alle teilten. �Ohne Nachricht von seiner Herrin habe ich seit den letzten t�richten Versuchen allen anderen den Zutritt verboten...� Fandral blickte die Versammlung an, als wollte jemand nicht gehorchen. �Denn Malfurion wollte sicherlich nicht, dass um seinetwillen weitere Leben gef�hrdet werden...�</p><p>Er legte die Hand an die Brust, dann malte er einen Kreis in die Luft, dem er zwei senkrechte geschwungene Striche hinzuf�gte. Die Striche symbolisierten das Geweih des Cenarius. Das ganze Symbol repr�sentierte den Zirkel des Cenarius.</p><p>Die Druiden schlugen in Vorbereitung ihres Zaubers die H�nde zusammen. Broll reinigte seinen Geist von Bedenken und kleinlichen Moralvorstellungen und begann stattdessen, sich selbst in eine meditative Trance zu versetzen. Neben ihm tat Hamuul es ihm gleich.</p><p>Fandral wandte sich Teldrassil zu und ber�hrte den gro�en Stamm mit der Hand. Seine Finger fuhren die raue Rinde hinunter.</p><p>In dem Weltenbaum begann sich etwas zu regen, etwas, das jeder Druide sp�ren konnte, als w�re es ein Teil von ihm selbst. Selbst in seiner Meditation f�hlte Broll die Gegenwart des Riesen... Teldrassils Essenz ber�hrte diejenigen, die ihm beim Wachsen geholfen hatten.</p><p>Der Weltenbaum war mehr als nur die Heimat der Nachtelfen. Er war mit der Gesundheit von Azeroth verbunden. War er krank, dann beeinflusste er nicht nur die direkte Umgebung, sondern auch die L�nder jenseits der Insel. Selbst die Luft und die rauschende See waren nicht immun dagegen. Und schlie�lich konnte ein Teldrassil, dem es schlecht ging, nicht die Balance zwischen Natur und Verfall halten.</p><p>Der Boden bebte, doch weder Broll noch einer der anderen versp�rte Furcht, nicht einmal, als etwas unter ihnen hervorbrach, das wie Tentakel wirkte.</p><p>Doch es waren keine Tentakel. Es waren die <emphasis>Wurzeln</emphasis> von Teldrassil. Auf jeden Druiden bewegte sich eine Wurzel zu, sie schl�ngelten sich heran, als wollten sie angreifen. Dennoch r�hrte sich niemand. Sie alle wussten, dass Teldrassil sie nicht verletzen wollte, sondern stattdessen um Hilfe bat...</p><p>Eine riesige Wurzel wand sich bereits um Fandral. Dabei bildeten sich an der Hauptwurzel kleine Ausw�chse. Sie wiederum wickelten sich um den Erzdruiden wie Rankengew�chse, bis er von ihnen halb bedeckt war.</p><p>Es war eine Variante�� eine gigantische, nat�rlich�� jener Methode, wie die Druiden mit der Flora von Azeroth kommunizierten. Was man nicht sehen konnte, war, dass die Ranken ihr Innerstes durchdrangen, Nachtelf und Pflanze fast zu einem einzigen Wesen machten.</p><p>Fandral hielt das G�tzenbild von Remulos ausgestreckt. Es leuchtete nun in einem schwachen Gr�n. Diese Farbe deutete auf den Drachen hin, mit dem das G�tzenbild verbunden war. Nicht einmal Remulos wusste, an welchen der gr�nen Drachen seine Kreation gebunden war. Diese Wahl war im Geheimen von Ysera getroffen worden. Doch dieser Drache musste sehr m�chtig sein.</p><p>Broll sp�rte etwas Angst, als die Magie der Figur sowohl ihn als auch Teldrassils Wurzel ber�hrte. Doch sein Vertrauen in den Erzdruiden verdr�ngte seine Erinnerung an die scheu�lichen Taten des Artefakts. Die Magie drang in den Geist des Druiden und seine Seele ein...</p><p>Er wurde zu <emphasis>Teldrassil</emphasis>, und Teldrassil wurde zu <emphasis>ihm</emphasis>.</p><p>Broll konnte die Freude nicht zur�ckhalten, die ihn �berkam. Er f�hlte sich, als l�ge ihm ganz Azeroth zu F��en, so tief und so weit reichten die Wurzeln des Weltenbaums mittlerweile. Er blickte weit �ber die Insel hinaus, weit �ber die umgebenden Wasser...</p><p>Bevor seine Wahrnehmung sich allerdings noch mehr ausdehnen konnte, sp�rte Broll ein Ziehen. Ein Hauch von Schw�che ber�hrte ihn. Doch Fandrals Gedanken erf�llten seinen Geist und versicherten ihm�� und dem Rest -, dass sie sich auf dem richtigen Weg befanden.</p><p>Die Macht der Druiden floss in Teldrassil hinein und n�hrte ihn. St�rkte ihn. Was auch immer den Baum qu�lte, w�rde sich ihrem vereinten Willen und Verlangen nicht dauerhaft widersetzen k�nnen. Und dann w�rde ihnen Teldrassil bei der Suche nach Malfurion helfen, wie der Erzdruide es versprochen hatte...</p><p>Er hatte gerade an seinen Shan�do gedacht, da bemerkte Broll einen Missklang in seinem Bewusstsein. Finsternis breitete sich in seinen Gedanken aus, und er sp�rte dasselbe Unbehagen, das er erlebt hatte, als er die Vision des korrumpierten Teldrassils gesehen hatte. Broll versuchte, dieses Unbehagen loszuwerden, doch stattdessen wuchs es...</p><p><emphasis>Broll B�renfell</emphasis>...</p><p>Der Klang seines Namens verdr�ngte den letzten Rest innerer Ruhe. Kannte er die Stimme? War es...</p><p>Die Verbindung zwischen Teldrassil und ihm brach ab. Broll keuchte und fiel auf die Knie. Vage sp�rte er die anderen um sich herum, darunter Hamuul. Hatte Hamuul nach ihm gerufen, so wie schon zuvor? Nein, es hatte fast schon nicht echt geklungen. Das Ger�usch war spurlos aus seinen Gedanken verschwunden.</p><p>Es war schwer, sich darauf zu konzentrieren. Wie ein Traum entschl�pfte es in sein Unterbewusstsein...</p><p>Hamuul legte eine Hand auf seine Schulter. Broll sah auf. Eine Handvoll Druiden umstanden ihn, die meisten waren Freunde.</p><p>�Es geht mir gut�, sagte er atemlos. �Vergebt mir, dass ich den Zauber brach...�</p><p>�Ihr hattet nichts damit zu tun�, antwortete Naralex verbl�fft, als er sich zu Broll hinabbeugte. �Hamuul rief uns zu Euch, und wir waren die N�chststehenden. Doch Ihr habt unseren Zauber nicht unterbrochen...�</p><p>Naralex und Hamuul halfen dem Druiden beim Aufstehen. Broll err�tete vor Verlegenheit. �Wenn ich es nicht war, wer dann?�</p><p>Doch noch w�hrend er sprach, sp�rte er durch das Land um sich herum, dass die Druiden nicht mehr allein waren. Eine fremde Pr�senz n�herte sich schnell.</p><p>Broll blickte zu Fandral, der mit dem R�cken zu Teldrassil stand und seinen Blick auf den Pfad zu ihrer Linken gerichtet hatte. Es war ihm nun klar, dass der Erzdruide den Zauber unterbrochen hatte, und zwar wegen der Ankunft von Au�enstehenden.</p><p>Eine Gruppe Neuank�mmlinge schritt ohne zu z�gern in ihre Versammlung. Sie stellten sich sch�tzend vor ihren Anf�hrer. Obwohl es Nachtelfen waren, konnte man sie nicht mit Druiden verwechseln.</p><p>Alle waren weiblich und geh�rten einem religi�sen Orden an. Sie trugen leere Scheiden an der Seite und K�cher auf dem R�cken. Broll nahm an, dass sie ihre Waffen aus Respekt vor der Versammlung der Druiden zur�ckgelassen hatten. Er konnte an ihrem geschmeidigen Auftreten und der Anmut erkennen, dass sich diese Frauen nicht nur mit einer Vielzahl von Waffen auskannten, sondern auch im Nahkampf.</p><p>Die Gruppe bestand aus elf Kriegerinnen, obwohl die Zahl ihres Ordens bei Weitem gr��er war. Sie waren in Roben aus schimmerndem Mondlichtsilber gekleidet, die bis zu den Kn�cheln hinabreichten. Darauf befanden sich elegante silberne Tr�nenstr�me, die von der Mitte bis zu den Oberschenkeln hinabliefen und jeweils in einer blauen Kugel endeten. An der H�fte trugen sie G�rtel mit dekorativen Schnallen. Die Roben fielen frei und erlaubten so den im Nahkampf versierten Frauen viel Beinfreiheit. Selbst ohne ihre Klingen oder die B�gen stellten diese Elfen eine kampfbereite Truppe dar.</p><p>Ihre Anf�hrerin blickte schnell�� fast schon ungeduldig�� �ber die Druiden hinweg. Sie breitete die H�nde aus... und durch den bew�lkten Himmel schien pl�tzlich der gr��ere von Azeroths zwei Monden und spendete Licht.</p><p>�Unsere Anwesenheit st�rt Euch doch nicht, oder?�, fragte Tyrande Wisperwind h�flich. �Immerhin ist dies nicht der Ort, wo sich der Zirkel normalerweise trifft...�</p><p>�Die Schwestern der Elune sind uns stets willkommen�, antwortete Fandral. �Obwohl eine Versammlung der Druiden f�r die Hohepriesterin der Mondg�ttin und Herrscherin der Nachtelfen von geringer Bedeutung sein d�rfte...�</p><p>�Sie w�re tats�chlich nicht bedeutsam, auch nicht an diesem un�blichen Ort...�, antwortete sie. Ihr Gesichtsausdruck verh�rtete sich auf eine Art, die Fandral die Stirn runzeln lie�. Die anderen Druiden wurden unruhig, �... wenn Elune mir nicht pers�nlich eine schreckliche Wahrheit er�ffnet h�tte...�</p><p>Die Druiden begannen zu rumoren. Fandral gebot ihnen mit einer Geste Ruhe, dann fragte er: �Welche �schreckliche Wahrheit�, Hohepriesterin?�</p><p>Tyrande schluckte�� der einzige Hinweis darauf, dass die Nachricht sie tiefer ber�hrte. �Malfurion�� <emphasis>stirbt</emphasis>...�</p><p>�Unm�glich! Wir sorgen f�r die Sicherheit der Gruft, und Eure eigenen Priesterinnen wachen t�glich �ber seinen K�rper. Es gibt keinen Grund f�r solch d�stere Annahmen...�</p><p>�Dennoch sind sie berechtigt�, antwortete sie. �Sein Zustand hat sich ver�ndert. Malfurion liegt im Sterben, und wir m�ssen so schnell wie m�glich handeln.�</p><p>Bevor Fandral antworten konnte, sagte Broll: �Und was sollen wir tun, Hohepriesterin?�</p><p>Tyrandes Stimme war hart wie Stahl. �Als Erstes m�ssen wir zur Mondlichtung reisen...�</p></section><section><title><p>3</p><p>Der Baum</p></title><p>Der Schmerz durchdrang ihn unaufh�rlich.</p><p>Er sp�rte, wie sich die langsamen, aber gleichwohl furchtbaren Ver�nderungen fortsetzten. Seine Arme waren l�ngst um seinen Kopf verdreht, und seine Finger dehnten und streckten sich in alle Richtungen. Seine Beine waren zu einem dicken Stamm verwachsen, die zwei Gliedma�en hatten sich vereint�� ein Zustand, der bereits ein Leben lang anzudauern schien.</p><p>Aber wie lange stand er <emphasis>tats�chlich</emphasis> hier, so starr und bewegungslos? Wie lange war es her, seit der Herr des Albtraums ihn gefangen genommen hatte? Was geschah derweil auf der Ebene der Sterblichen?</p><p>Was war mit Tyrande passiert?</p><p>Wie schon viele Male zuvor, k�mpfte Malfurion Sturmgrimm gegen den Schmerz an. Er h�tte auch geschrien�� wenn er denn noch einen Mund besessen h�tte. Nur seine Augen hatte sein monstr�ser Entf�hrer nicht verwandelt. Der Feind wollte, dass er seine eigene Transformation mit ansah, wollte sich an der Hoffnungslosigkeit in seinem Gesicht erg�tzen.</p><p>Malfurion, der Nachtelf, war nicht mehr. An seine Stelle war ein makaberer skelettartiger Baum getreten, eine Esche. Die Bl�tter mit den scharfen Dornen sprossen aus ihm hervor, wo einst Arme und Finger gewesen waren. Sie waren nun in �ste verwandelt. Der Stamm bog sich in merkw�rdigen Winkeln, wo einmal der Torso gewesen war. Die F��e waren zu gekr�mmten Wurzeln geworden.</p><p>Um seinen Geist besser gegen den Schmerz wappnen zu k�nnen, stellte sich Malfurion Tyrandes Gesicht vor und erinnerte sich an den Moment, da sie beide in aller Stille ihre Liebe entdeckt hatten. Als sie ihn seinem ehrgeizigen Bruder Illidan vorzog.</p><p>Eigentlich hatte Malfurion erwartet, dass sie seinen Zwillingsbruder erw�hlen w�rde. Nicht zuletzt dank seiner R�cksichtslosigkeit gelangen Illidan beim Studium der Magie rasch gro�e Fortschritte. Und seine Erfolge im Kampf gegen die Brennende Legion hatten ihn in den Augen vieler Nachtelfen�� und manchmal auch in Malfurions�� zu einem Hoffnungstr�ger werden lassen.</p><p>Doch Tyrande, damals eine Sch�lerin der Elune, hatte offensichtlich auch in dem Gr�nschnabel Malfurion eine gro�e Qualit�t gesp�rt, etwas Besonderes.</p><p>Was das sein sollte, wusste er bis heute nicht.</p><p>Malfurion merkte, dass er Kr�fte aus dieser Erinnerung zog, doch auch ein hohes Ma� an Schuld begleitete die Gedanken an Tyrande. Es war seine Entscheidung gewesen, sie alleinzulassen. Sie musste jahrhundertelang Azeroth bewachen, w�hrend er und die Druiden durch den Smaragdgr�nen Traum zogen. Was z�hlte es schon, dass sich seine Wahl f�r das Wohl der Welt als richtig herausgestellt hatte. Er hatte sie dennoch verlassen.</p><p>Dem Erzdruiden war pl�tzlich nach Weinen zumute. Die Gedanken und Gef�hle waren seine eigenen, dennoch stellte er sich die Frage, ob sie von seinem Entf�hrer beeinflusst wurden. Es w�re nicht das erste Mal gewesen. Die heimt�ckische Pr�senz hatte seinen Geist bereits viele Male infiltriert, hatte die Erinnerungen und Gedanken des Nachtelfen verdorben.</p><p>Im Gegensatz zu den schrecklichen Transformationen war dies der subtilere Teil seiner Folter.</p><p>Es h�tte kein Schmerz vorhanden sein sollen. Immerhin war dies der Smaragdgr�ne Traum, und er war in seiner Traumgestalt eingetreten, nicht mit der physischen. Qualen wie diese h�tten unter den gegebenen Umst�nden unm�glich sein m�ssen.</p><p>Als wollte er diese Tatsache widerlegen, wurde sein K�rper weiter misshandelt. Wieder konnte er sein Leiden nicht hinausschreien.</p><p><emphasis>Malfurion</emphasis>?</p><p>Die Stimme schnitt durch den Schmerz, der sich anf�hlte, als w�rde es ein Leben lang andauern. Der Ruf kam von fern... war kaum ein Fl�stern... Dennoch klang es wie... klang es so sehr wie...</p><p><emphasis>Malfurion? Hier... Tyrande... Ihr seid</emphasis>...</p><p><emphasis>Tyrande</emphasis>! Wenn sein Gedanke h�rbar gewesen w�re, h�tte man ihn bei seiner Intensit�t meilenweit h�ren k�nnen. <emphasis>Tyrande</emphasis>!</p><p><emphasis>Malfurion</emphasis>? Die Stimme wurde st�rker. Malfurion sp�rte, wie seine Hoffnung stieg. Seit zehntausend Jahren und mehr hatte er sie geliebt. Sie h�tte ihn f�r die lange Abwesenheit, in der er f�r die Druiden unterwegs gewesen war, hassen m�ssen. Doch stets war sie am Ende f�r ihn da gewesen. Und jetzt... Wieder hatte Tyrande bewiesen, dass <emphasis>nichts z</emphasis>wischen ihnen stehen w�rde.</p><p><emphasis>Malfurion</emphasis>? Ihr Ruf war deutlicher, unmittelbarer. Fast, als w�re sie schon ganz nah -</p><p>Ein schemenhafter K�rper erschien vor ihm. Jeder Schmerz wich nun aus seiner Traumgestalt. Der Erzdruide war au�er sich vor Freude, als er die sich n�hernde Silhouette sah.</p><p>Das Leuchten, das Tyrande umgab, unterschied sie von allen anderen�� sie war von einem zarten und doch strahlenden Silberschein erf�llt. Die Macht von Elune hatte der Hohepriesterin eine einzigartige Traumgestalt verliehen. Malfurion h�tte gel�chelt, wenn er einen Mund besessen h�tte.</p><p>Tyrande sprach, doch die Worte brauchten einen Moment, um seinen Geist zu erreichen. <emphasis>Malfurion? Seid... seid Ihr das</emphasis>?</p><p>Er wollte antworten, doch Tyrandes n�chste Reaktion verbl�ffte ihn.</p><p>Sie wich angeekelt zur�ck.</p><p><emphasis>Wie... absto�end</emphasis>!, h�rte der Erzdruide.</p><p>Tyrande zog sich weiter zur�ck und sch�ttelte den Kopf.</p><p><emphasis>Tyrande... Tyrande</emphasis>... Doch seine Rufe an sie blieben ohne Resultat, so als k�nnte sie ihn nicht mehr h�ren. Stattdessen streckte die Hohepriesterin abwehrend die Hand aus.</p><p><emphasis>Nein</emphasis>..., stie� sie schlie�lich hervor. <emphasis>Ich habe Besseres von Euch erwartet</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide war verwirrt. Doch bevor er erneut versuchen konnte, mit ihr zu sprechen, materialisierte eine zweite Gestalt hinter ihr.</p><p><emphasis>Ich habe Euch gewarnt, meine Liebe</emphasis>, sagte das zweite, gr��ere Wesen. <emphasis>Ich habe Euch gewarnt, dass er nicht das ist, was Ihr Euch erhofft habt</emphasis>...</p><p>Malfurion war sprachlos. Er kannte diese Stimme. F�rchtete sie. Sie erinnerte ihn an einen weiteren gro�en Fehler, vielleicht seinen gr��ten.</p><p>Illidan kam in Sicht, doch es war nicht der Illidan, wie er als Malfurions Zwillingsbruder ausgesehen hatte, sondern die Monstrosit�t, zu der er geworden war.</p><p>Illidan Sturmgrimm war ein D�mon. Aus seinem Kopf wuchsen gro�e gebogene H�rner wie die eines riesigen Widders. Schwere ledrige Fl�gel ragten aus seinen Schulterbl�ttern hervor. Illidans Antlitz war zu einer verzerrten Parodie seines fr�heren Selbst geworden. Das Gebiss war markanter, und der Mund steckte voller scharfer Z�hne. Die Wangenknochen standen h�her. Eine Flut von wildem, dunklem Haar bedeckte sein Gesicht.</p><p>Ein Band verbarg, was einst Illidans sterbliche Augen gewesen waren. Augen, die von Sargeras, dem D�monenlord, w�hrend des Kriegs der Ahnen ausgebrannt worden waren, als Zeichen von Illidans Loyalit�t gegen�ber seinem neuen Meister in der Brennenden Legion. An ihrer Stelle sorgte ein sengendes gr�nes Leuchten, das D�monenfeuer, daf�r, dass Malfurions Bruder nicht nur die Welt um sich herum sehen konnte, sondern auch alle mystischen Energien, die ihr innewohnten.</p><p><emphasis>Illidan</emphasis>, murmelte Tyrande voller Zuneigung. Ihr Blick war immer noch auf Malfurion gerichtet. Der Erzdruide konnte keinerlei Emp�rung darin erkennen. Dann sagte sie: <emphasis>Illidan, seht ihn nur an</emphasis>...</p><p>Der D�mon stapfte auf seinen schweren Hufen vorw�rts. Er war jetzt viel gr��er als zu seinen Zeiten als Nachtelf. Seine Brust war breit, breiter, als sie h�tte sein sollen. Illidans Oberk�rper war nackt, abgesehen von arkanen T�towierungen, die ebenfalls vor gr�ner Energie gl�hten. Seine einzige Kleidung bestand aus Hose und Schuhen, �berbleibsel seiner sterblichen Vergangenheit.</p><p><emphasis>Beruhigt Euch, mein Schatz</emphasis>, antwortete Illidan. Seine Lippen bewegten sich asynchron. Zu Malfurions Schrecken legte sein Zwilling den muskul�sen Arm um Tyrandes Schulter, bedeckte sie mit einer Hand, die in gewundenen Krallen auslief.</p><p>Und zum noch gr��eren Entsetzen des Erzdruiden fand Tyrande Trost in dieser grotesken Umarmung.</p><p><emphasis>Ich ertrage seinen Anblick nicht! Er ist nicht im Geringsten das, was ich einst glaubte</emphasis>!</p><p>Illidan grinste �ber ihren Kopf hinweg zu seinem ver�nderten Bruder. <emphasis>Es ist nicht Euer Fehler, Tyrande! Er ist schuld daran...er hat Euch verlassen...Er verlangte, dass alle anderen seinen Geboten folgen sollten, selbst wenn es f�r sie eine Trag�die bedeutete... Es ist seine gerechte Strafe</emphasis>...</p><p><emphasis>Das ist eine L�ge</emphasis>!, begehrte Malfurion auf, doch keiner der beiden achtete auf ihn. Stattdessen wandte Tyrande Malfurion den R�cken zu und erwiderte Illidans Umarmung leidenschaftlich.</p><p><emphasis>Ich habe so viele Jahrhunderte an ihn verschwendet</emphasis>!, sagte die Hohepriesterin verbittert. <emphasis>Er hat mich immer warten lassen... weil seine eigenen W�nsche stets wichtiger waren als ich</emphasis>...</p><p>Der D�mon blickte zu ihr hinab und hob ihr Kinn mit seiner Hakenklaue leicht an. <emphasis>Ich w�rde Euch so etwas nie antun, mein Schatz� Ich w�rde Euch und mich vereinen</emphasis>...</p><p>Tyrande blickte in sein schreckliches Antlitz. Sie l�chelte. <emphasis>Dann tut es</emphasis>!</p><p><emphasis>Mein Liebling</emphasis>... Er legte beide Klauenh�nde auf ihre Schultern. Seine Augen funkelten. Das Feuer schoss hervor. Es schloss Tyrande ein. Malfurion schrie, doch das �nderte nichts. Die Hohepriesterin wurde davon eingeh�llt.</p><p>Und dann... <emphasis>ver�nderte</emphasis> sich Tyrande.</p><p>H�rner entstanden auf ihrer Stirn, H�rner, die hoch aufragten und sich dann w�lbten. Aus ihrem R�cken traten W�lste, die schnell gr��er wurden und sich ausbreiteten. Netzartige Fl�gel entfalteten sich. Die N�gel ihrer schlanken H�nde, die Illidan festhielt, wuchsen und wurden schwarz.</p><p><emphasis>Nein</emphasis>!, versuchte Malfurion zu rufen. <emphasis>Nein</emphasis>!</p><p>Tyrande richtete ihren Blick auf den Erzdruiden. Doch jetzt waren ihre Augen gl�hende gr�ne Kugeln. Sie legte die Stim in Falten und starrte den hilflosen Malfurion an.</p><p><emphasis>Das habt Ihr mir angetan</emphasis>.... sagte <emphasis>sie... Ihr</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide gab ein stummes Flehen von sich... und erwachte.</p><p>Er steckte immer noch in seiner Traumgestalt, war immer noch gefangen und qualvoll verdreht. Doch er entdeckte, dass das Leid, das er gerade durchgemacht hatte, nicht echt gewesen war�� jedenfalls noch nicht.</p><p>Doch Malfurion empfand keine Erleichterung. Es war nicht das erste Mal, dass er einen solchen Albtraum durchlebt hatte, und es wurde immer schwerer zu unterscheiden, wann er schlief und wann er wach war.</p><p>Sein Peiniger trieb ein b�ses Spiel mit ihm. Eines, von dem der Erzdruide wusste, dass er es langsam, aber sicher verlor.</p><p>Und obwohl es nur ein Albtraum <emphasis>gewesen</emphasis> war, hatte das Erlebnis ihn ersch�pft, beeinflussbarer gemacht.</p><p><emphasis>Tyrande</emphasis>, dachte Malfurion. <emphasis>Es tut mir so leid</emphasis>...</p><p><emphasis>Vielleicht denkt sie gar nicht mehr an dich</emphasis>, erklang eine neue Stimme in seinem Geist. <emphasis>Nach so langer Zeit, nachdem sie so oft verlassen wurde. Das Schicksal so vieler lastet auf ihr, w�hrend du dich vor der Welt und deiner Verantwortung versteckt hast</emphasis>.</p><p>Malfurion versuchte, den Kopf zu sch�tteln, doch er hatte gar keinen Kopf mehr, um das tun zu k�nnen.</p><p>Die Stimme meldete sich erneut. Wie eine giftige Kreuzotter kroch sie durch Malfurions Seele. <emphasis>So wie du den anderen verlassen hast, der dir so wichtig war. Ihn verraten, in die Gefangenschaft getrieben und in die Verdammnis geschickt hast</emphasis>...</p><p>Illidan.</p><p>Malfurion hatte versucht, seinen Zwillingsbruder zu retten. Doch am Ende hatte Illidans Ehrgeiz ihn zu dem gemacht, was Malfurion bek�mpfen musste. Einen <emphasis>D�mon</emphasis>. H�tte Malfurion von Anfang an anders gehandelt, seinem Bruder vielleicht geholfen, statt ihn einzusperren, dann h�tte Illidan m�glicherweise gerettet werden k�nnen.</p><p><emphasis>Nein</emphasis>!, loderte es durch den Geist des gefangenen Erzdruiden. <emphasis>Ich habe versucht, ihm zu helfen! Ich ging immer wieder zu seinem Kerker, in der Hoffnung, ihn zur�ck zum Licht f�hren zu k�nnen</emphasis>.</p><p><emphasis>Aber du hast versagt... du versagst immer... du hast vor dir selbst versagt, und deshalb wirst du vor Azeroth versagen</emphasis>...</p><p>Im Smaragdgr�nen Traum�� dem <emphasis>Albtraum</emphasis>�� wurde das Wesen, das einst Malfurion Sturmgrimm gewesen war, weiter ver�ndert. Er leuchtete nicht mehr im hellen Gr�n, das seine Traumgestalt immer annahm, wenn sie das magische Reich betrat. Stattdessen h�llte ein d�sterer Schatten ihn ein.</p><p>Eine noch dichtere Dunkelheit umgab den eingesperrten Erzdruiden�� der einzige Hinweis auf jene Kreatur, die sich selbst <emphasis>Albtraumlord</emphasis> nannte. Von der scheu�lichen Finsternis ausgehend, strebten Ranken auf Malfurion zu, die nicht nur die Ver�nderung seiner Gestalt n�hrten, sondern auch weiter in den Geist des Nachtelfen vorstie�en und ihn immer mehr in einen Baum verwandelten.</p><p>Ein Gew�chs, das aus nichts anderem zu bestehen schien als aus unfassbarem, qu�lendem Schmerz...</p><empty-line/><p>Malfurions Gruft sah noch genauso aus, wie Tyrande Wisperwind sie von ihren beiden Visionen und fr�heren Besuchen in Erinnerung hatte. Von der wahren Person hinter der Legende war wenig zu sehen. Die Gruft bestand aus einer Reihe von unterirdischen G�ngen, in die sich niemals ein Sonnenstrahl verirrte, doch Nachtelfen waren Kreaturen der Dunkelheit und verf�gten zudem �ber mystische Kr�fte. Statt �llampen erhellte sanftes Mondlicht die Hauptkammer, was den Gebeten der Schwesternschaft zu verdanken war.</p><p>Der Erzdruide lag aufgebahrt, als w�rde er schlafen�� was er in gewissem Sinne auch tat. Nur seine offenen Augen gaben einen Hinweis darauf, dass er noch lebte.</p><p>Die diensthabende Priesterin trat beiseite. Einer nach dem anderen aus der Gruppe begab sich zu dem reglosen K�rper. Die Druiden knieten ehrf�rchtig vor ihrem Gr�nder, w�hrend die Schwestern der Elune sich einfach verneigten, Groll fand, dass das Geschehen an eine Beerdigung erinnerte. Doch diesen Gedanken behielt er f�r sich, besonders, weil Malfurions Geliebte dabei war.</p><p>Als die Hohepriesterin an der Reihe war, beugte sie sich so tief herab, dass es zuerst so aussah, als wolle sie Malfurion k�ssen, was f�r die meisten nicht �berraschend gewesen w�re. Doch im letzten Moment zog Tyrande ihren Kopf zur�ck und strich stattdessen �ber seine Stirn.</p><p>�Kalt...�, murmelte sie. �K�lter, als er sein sollte...�</p><p>�Wir sprachen die Gebete regelm��ig�, antwortete Merende sofort. Ein Hauch von �berraschung schwang in ihrem Tonfall mit. �Es d�rfte sich nichts ge�ndert haben...�</p><p>Es war kein Groll in Tyrandes Stimme, als sie antwortete: �Ich wei�... aber er ist k�lter... Elunes Vision ist wahr...� Sie blickte zu ihm. �Und seine Augen verlieren den goldenen Glanz... als w�rde er seine Verbindung zu Azeroth verlieren...�</p><p>Sie trat schlie�lich zur�ck und machte Platz f�r den obersten Erzdruiden. Fandral verbrachte noch mehr Zeit bei Malfurion als die Hohepriesterin. Er fl�sterte etwas und strich mit beiden H�nden �ber den K�rper des Erzdruiden. Broll sah, wie er etwas Pulver �ber der Brust verteilte und fragte sich, was Fandral vorhatte. Die Priesterin und der Druide hatten bereits Zauber gewirkt, die dabei helfen sollten, Malfurions K�rper zu erhalten und seine ersehnte R�ckkehr vorzubereiten.</p><p>Der oberste Erzdruide wischte eine Tr�ne fort und trat zur�ck. Broll betete zu den Geistern des Waldes, dass, was immer Fandral vorhatte, helfen m�ge. Sie brauchten Malfurion mehr denn je, besonders wenn Teldrassils Krankheit nicht mit ihren Kr�ften zu heilen war.</p><p>�Meine Schwestern werden ihre Anstrengungen erh�hen�, sagte Tyrande nach kurzer Diskussion mit Merende und den anderen beiden Priesterinnen. �Elune wird ihnen Kraft geben, seinen K�rper am Leben zu erhalten... zumindest f�r eine Weile. Aber wir m�ssen das Problem schnellstens l�sen.�</p><p>�Hier k�nnen wir nichts mehr tun�, bemerkte Fandral mit einem respektvollen Blick auf Malfurion Sturmgrimms K�rper. �Lasst uns wieder nach drau�en gehen...�</p><p>Als die Druiden und die anderen gehorchten, bemerkte Broll, wie Tyrande Malfurion an der Wange ber�hrte. Dann verh�rtete sich ihr Gesichtsausdruck, und sie folgte Fandral, als wollte sie in den Krieg ziehen.</p><p>Die D�sternis von Malfurions Kammer wich der �ppigen Sch�nheit des Landes an der Oberfl�che�� einer bergigen Region, gesprenkelt mit zahllosen H�geln, unter denen die Heiligt�mer anderer Druiden lagen. Zwischen den Gr�bern befanden sich B�gen aus Stein oder Holz, die mit �ppigem, lebendigem Gr�n geschm�ckt waren. Das verlieh der Mondlichtung ein fremdartiges Aussehen.</p><p>Dennoch war es mehr als der sichtbare Eindruck, der die Mondlichtung zu dem machte, was sie war. Als Druide konnte Broll den tiefen Frieden sp�ren, der allem hier innewohnte. Es stand au�er Frage, warum die Druiden diesen Ort so verehrten.</p><p>�So ein friedlicher Flecken�, meinte die Hohepriesterin.</p><p>�Der Geist Cenarius� ist gro�er Bestandteil davon�, antwortete Fandral und wirkte erfreut �ber Tyrandes Kompliment, �und ist auch in seinem W�chter gegenw�rtig, seinem Sohn...�</p><p>�Wenn das stimmte, dann w�re ich mein Vater�, erklang eine Stimme, die das Gef�hl des Fr�hlings mit sich brachte. �Wenn das stimmte, w�re ich...�</p><p>Die Druiden hatten nicht bemerkt, wie der Halbgott eingetroffen war, denn seine Schritte verursachten keinerlei Ger�usch. Sie knieten sich augenblicklich respektvoll nieder, und selbst die Priesterinnen ehrten Remulos� Erscheinen mit einem formellen Nicken. Trotzdem wirkte er nicht allzu zufrieden mit dem Empfang.</p><p>�Erhebt euch!�, verlangte er von den Druiden, w�hrend sich die Luft um ihn herum mit Blumenduft f�llte und das Gras unter seinen Hufen �ppiger wuchs. �Ich brauche keine Ehrbezeugung von euch�, f�gte Remulos m�rrisch hinzu und sch�ttelte seine bl�ttrige M�hne. �Ich bin ein erb�rmlicher Versager!�</p><p>Fandral streckte die Hand protestierend aus. �Ihr, Gro�es Wesen? Solche Worte gelten sicherlich nicht f�r den Herrn der Mondlichtung!�</p><p>Das fast nachtelfen�hnliche Gesicht sah auf die versammelten Gestalten herab, und seine N�stern bebten wie die eines w�tenden Hirsches. Er blickte kurz zu Broll�� der augenblicklich den Blick senkte -, dann wandte er sich an Fandral. �Doch, die Worte sind angemessen, Fandral. Denn all meine Bem�hungen, Hilfe f�r Malfurion zu finden, sind fehlgeschlagen. Er schl�ft immer noch... und sein Zustand muss noch schlechter sein, als ich dachte. Welchen anderen Grund k�nnte es geben, so zahlreich zur Mondlichtung zu kommen?�</p><p>�Er... stirbt�, gestand Tyrande ein.</p><p>Ein Schock lief �ber Remulos� Gesicht. Die vier flinken Beine traten ger�uschlos zur�ck. Bunte Wildblumen sprossen in den Abdr�cken, die sie hinterlie�en.</p><p>�Er stirbt...� Der Schock wich und wurde von etwas D�sterem ersetzt. �Das erkl�rt manches... denn der Albtraum weitet sich schneller aus als je zuvor. Sein Wahnsinn ist mittlerweile fast �berall im Smaragdgr�nen Traum sp�rbar! Und er bewegt sich wie entfesselt, erwischt mehr Tr�umer v�llig unvorbereitet... korrumpiert ihren Geist und ihre Seele...�</p><p>Remulos derart sprechen zu h�ren, verst�rkte nur die Bef�rchtungen, die Broll, Tyrande und die anderen hegten. Broll ballte f�r einen kurzen Moment die F�uste und w�nschte sich die vergleichsweise problemlosen Jahre als Gladiator zur�ck.</p><p>Ob es die geballten F�uste waren oder etwas anderes Bemerkenswertes, jedenfalls blickte der Halbgott ihn wieder an. Dennoch waren Remulos� Worte nicht f�r Broll bestimmt, sondern an Fandral gerichtet. �Das G�tzenbild ist immer noch in deiner Obhut, Erzdruide?�</p><p>�Ja, Gro�es Wesen.�</p><p>Remulos blickte Fandral an. �Benutze es nicht. Verstecke es. Lass seine Macht Azeroth nicht ber�hren... zumindest jetzt nicht...�</p><p>Mehrere der Druiden, darunter Broll, blickten ihren Anf�hrer an. Fandral erw�hnte seine aktuelle Entscheidung nicht, nickte dem Halbgott nur zu und antwortete: �Es befindet sich in Sicherheit in meiner Wohnstatt. Und dort bleibt es auch.�</p><p>�Denke daran, was ich gesagt habe. Ich kann dir im Moment keinen Grund nennen�� weil ich mir selbst nicht sicher bin...�</p><p>�Ich schw�re es�, gelobte Fandral.</p><p>Die vor ihm aufragende Gottheit nahm den Schwur an und zog sich dann zur�ck. Dabei verschmolz ihre Gestalt irgendwie mit der Umgebung. �Diese Nachricht, so schlecht sie auch sein mag, spornt mich zu neuen Taten an. Hohepriesterin, du hast mein Mitgef�hl...�</p><p>Ein kurzes Senken der Augenlider war Tyrandes Antwort. Doch bis dahin <emphasis>war</emphasis> Remulos bereits zur Umgebung geworden. Er verschwand wie eine von den Bl�ttern, Zweigen und der sonstigen Flora geschaffene Illusion von der mystischen Lichtung.</p><p>Doch seine Stimme blieb. �Eine letzte Warnung, meine Freunde... Es hat Ger�chte gegeben... von Schl�fern �berall in den K�nigreichen, Schl�fern von allen V�lkern... Es hei�t, sie k�nnten nicht erwachen, egal, wie sehr ihre Familien sich auch darum bem�hen... Achtet auf solche Geschichten, ebenso wie ich es tue... sie k�nnten wichtig sein...�</p><p>Und dann war er fort.</p><p>�Schl�fer... die nicht aufwachen k�nnen...�, murmelte Tyrande. �Was kann er damit gemeint haben?�</p><p>�Er meint vielleicht gar nichts�, antwortete Fandral. �Wie Remulos sagte, sind es nur Ger�chte. Gut m�glich, dass nicht mehr dahintersteckt.�</p><p>Hamuul grunzte und meinte: �Ich habe von einem vertrauensw�rdigen Orc geh�rt, dass es ein Dorf gibt, wo f�nf starke Krieger nicht aufgeweckt werden konnten.�</p><p>Der oberste Erzdruide wirkte nicht im Geringsten �berzeugt. �Das Wort eines Orcs...�</p><p>Der Tauren zuckte mit den Schultern. �Er hatte keinen Grund zu l�gen.�</p><p>Tyrande kam Hamuul zu Hilfe. �Malfurion ist im Smaragdgr�nen Traum gefangen... klingt das nicht, als h�tte es irgendwie damit zu tun?�</p><p>Fandral verneigte sich vor ihr und sch�ttelte den Kopf. �Hohepriesterin, Ihr begeht einen verst�ndlichen Fehler. Obwohl wir es Smaragdgr�ner Traum nennen�� oder Albtraum�� sind druidische Projektion und der normale Schlaf von Sterblichen zwei v�llig verschiedene Dinge.�</p><p>�Ja... ich glaube, Ihr habt recht.� Ein bitterer Ausdruck �berzog erneut ihr Gesicht. �Er h�tte nie selbst gehen d�rfen. Nicht, nachdem er andere Druiden vor den Ver�nderungen im Smaragdgr�nen Traum gewarnt hatte.�</p><p>Broll sah, wie Tyrande die Augen einen Moment lang schloss und ihr Zorn sich in Traurigkeit verwandelte.</p><p>�Er wusste von Druiden, die bereits zuvor in dem Zustand aufgefunden wurden, in dem er sich jetzt befindet�, fuhr Tyrande fort. �Arme Seelen, die nicht die St�rke und den Willen hatten, um ihre K�rper am Leben zu erhalten, nachdem ihre Traumgestalt zu lange fort war...�</p><p>Dass die Hohepriesterin sich so gut in druidischen Angelegenheiten auskannte, �berraschte keinen der Druiden. Sie war seit den Anf�ngen dabei gewesen, seit ihr Shan�do mit der Ausbildung begonnen hatte. Als ihr Geliebter hatte er seine Erfahrungen gewiss mit ihr geteilt.</p><p>�Er tat, was er tat, Tyrande Wisperwind, so wie wir jetzt tun, was wir tun m�ssen�, antwortete der oberste Erzdruide. Fandral wirkte entspannter. �Und der Weltenbaum bleibt immer noch unsere gr��te Hoffnung, ihn zu retten.�</p><p>Die Hohepriesterin schien nicht so zuversichtlich zu sein, obwohl sie zustimmend nickte. Sie blickte zu Broll, den sie besser kannte als alle anderen Druiden. Er erwiderte den Blick, wie er hoffte, tr�stend.</p><p>Fandral wollte der Hohepriesterin etwas anderes sagen, doch ein Ger�usch erregte Brolls Aufmerksamkeit, und er folgte der Unterhaltung nicht weiter. Die Nackenhaare des ehemaligen Sklaven richteten sich auf, als er den Ursprung des Ger�uschs erkannte. Seine Augen sahen zu den B�umen empor, wo die Bl�tter sich wie unter einem starken Wind sch�ttelten.</p><p>Wie zuvor mit Teldrassil geschehen, stoben die Bl�tter aller B�ume und B�sche auf der Mondlichtung in die L�fte und lie�en die �ste v�llig kahl zur�ck. Die Bl�tter stiegen hinauf in den Himmel... und regneten mit t�dlicher Pr�zision auf die Gruppe herab.</p><p>Dabei �nderten sie wieder ihre Form, wurden zu immer gr��eren Silhouetten von Kreaturen, mit Hufen und Beinen, die mehr Tier als Nachtelf waren.</p><p>Doch dann �nderte sich die Vision. Zwischen den Nachtelfen und den monstr�sen Angreifern bildete sich eine Gestalt, die im Licht des Smaragdgr�nen Traums leuchtete. Broll dachte instinktiv an Malfurion, doch diese Gestalt war kleiner und nicht im entferntesten so gebaut wie Angeh�rige seines Volkes. Stattdessen erinnerte sie an...</p><p>�Broll!� fl�sterte eine heisere Stimme in sein Ohr. �Broll B�ren-toll!�</p><p>Der Nachtelf sch�ttelte sich. Die D�monen wurden wieder zu Bl�ttern, und die Bl�tter kehrten nun, wie in der Vision von Teldrassil, zu ihren angestammten Pl�tzen im Gr�n zur�ck.</p><p>Broll blickte in Hamuuls besorgte Augen. Er erkannte, dass er und der Tauren allein waren, die anderen war nur noch in der Ferne zu sehen und verlie�en die Lichtung bereits.</p><p>�Broll B�renfell, etwas plagt dich.� Hamuul wandte sich um, sah seinen Freund an. �Den anderen ist nichts aufgefallen. Denn als ich bemerkte, wie du dich versteift hast, tat ich so, als w�rden wir uns unterhalten. Selbst dieses vorget�uschte Gespr�ch konnte nicht zu dir durchdringen. Du warst v�llig reglos�� so wie zurzeit auch unser Shan�do.�</p><p>Broll sp�rte, wie ihm die Beine schwach wurden, und er griff nach Hamuuls Arm. Als er antwortete, erschrak er selbst �ber seine raue Stimme. �Nein... es war nicht wie bei Malfurion. Ich hatte... ich hatte eine Vision...�</p><p>�Eine Vision? Wie kann das sein?�</p><p>Der Nachtelf �berlegte. �Nein. Es war keine richtige Vision. Es war, als w�rde... als w�rde Azeroth... oder etwas anderes... versuchen, mich zu warnen.�</p><p>Broll erkannte, dass er jetzt zu <emphasis>irgendjemandem</emphasis> Vertrauen haben musste. Deshalb berichtete er dem Tauren kurz und knapp, was er erlebt hatte,</p><p>Hamuul machte sich auf die ihm eigene Art Luft, w�hrend Broll berichtete. Typisch f�r ein Gesch�pf seiner Herkunft, wenn es ersch�ttert oder aufgeregt war, schnaubte der Tauren mehr als nur einmal. �Wir sollten es den anderen sagen�, schlug Hamuul vor, nachdem Broll geendet hatte.</p><p>Broll sch�ttelte den Kopf. �Fandral w�rde es als nichts anderes als Furcht betrachten... oder vielleicht Wahnsinn. F�r ihn ist Teldrassil der Schl�ssel�� und er hat vielleicht recht.�</p><p>�Aber deine Visionen�� die du nun schon zweimal hattest�� m�ssen wichtig sein, Broll B�renfell.�</p><p>�Da bin ich nicht so sicher... wenn stimmt, was ich gesehen habe�� was immer es auch genau war -, warum bin ich dann der Einzige, der es sieht?�</p><p>Der Tauren dachte einen Moment lang dar�ber nach, dann antwortete er: �Vielleicht weil du am geeignetsten daf�r bist...�</p><p>�Am geeignetsten <emphasis>wof�r</emphasis>�</p><p>�Auch wenn ich mittlerweile selbst Erzdruide bin, birgt Azeroth doch noch viele Geheimnisse, deren Antworten ich nicht kenne. Die Antwort auf deine Vision musst du wahrscheinlich selbst finden, so wie Azeroth es verlangt...�</p><p>Der Nachtelf furchte die Stirn, dann nickte er. Da sie nichts mehr zu ihrer geheimen Diskussion beitragen konnten, beeilten sie sich, um die anderen einzuholen.</p><p>Doch als sie gingen, blickte Broll verstohlen zu dem Tauren, und eine Welle der Schuld �berkam den Nachtelf. Er hatte eine Sache verschwiegen, die er in seinen Visionen gesehen hatte... eigentlich nur in der letzten Vision, um genau zu sein. Kurz, bevor Hamuul ihn von dem d�steren Bild losgerissen hatte, hatte Broll schlie�lich erkannt, was da erschienen war�� beinahe wie ein Schutzschild gegen all das B�se, das auf ihn herabregnete.</p><p>Es war das <emphasis>G�tzenbild von Remulos</emphasis> gewesen.</p></section><section><title><p>4</p><p>Die Schatten r�hren sich</p></title><p>�Diese r�udigen Hunde m�ssen in den tieferen Stollen lauern�, knurrte Marschall Dughan, an seine M�nner gewandt, als er durch die Augenschlitze seines Helms in den Schacht der Jaspismine blickte. Staub geriet ihm in den Hals, und er wandte sich ab, um auf den Boden zu spucken. �Ich glaube, hier ist es sicher genug f�r einen kurzen Halt.�</p><p>Die Ger�usche klirrender R�stungen hallten von den W�nden der Mine wider, als die f�nfzehn M�nner des Marschalls sich lockerten. Doch Zaldimar Wefhellt, ein eher mittelm��iger Magier aus Goldhain, der die Gruppe auf ihrer Mission begleitete, behielt seine Position bei, wobei seine Augen in den dunklen Tunnel gerichtet waren.</p><p>�Ich sagte, dass Ihr eine Pause einlegen k�nnt�, zischte Dughan.</p><p>Der grauhaarige b�rtige Magier schlenderte zu den anderen. Obwohl in Goldhain angesehen, hatte Zaldimar sich noch keinen Namen <emphasis>in</emphasis> den Hauptst�dten gemacht. Doch auch wenn der von Dughan zusammenw�rfelte Haufen eigentlich stark genug war, um die Bastarde zu besiegen, konnten die Zauber des Magiers bei einer raschen und umfassenden S�uberung �beraus hilfreich sein.</p><p>In den H�geln des Waldes von Elwynn gelegen, war die Jaspismine einer der wichtigen Lieferanten jenes Erzes gewesen, das f�r die Herstellung von Waffen und R�stungen gebraucht wurde. Doch da Sturmwind milit�risch stark unter Druck stand, ging die Zahl der Streitkr�fte, die f�r den Schutz der Minen des Waldes abgestellt wurden, gegen Null. So hatte es geschehen k�nnen, dass die Jaspismine und einige andere Stollen von Kobolden besetzt worden waren.</p><p>Unbehelligt waren die Kobolde�� schnurrb�rtige Gesellen mit langen Schnauzen, die normalerweise mehr st�rend als gef�hrlich waren�� in die Gegend zur�ckgekehrt. Sie waren weder versierte K�mpfer noch sonderlich schlau. Doch sie vermehrten sich wie die Karnickel und traten in gro�er Zahl auf.</p><p>Aber nicht mehr lange, wenn es nach Marschall Dughan ging. Er hatte im Gebiet zwischen der Jaspismine und der Tiefenschachtmine weiter im S�dwesten w�hrend der vergangenen Wochen gute Fortschritte gemacht. Er konnte nicht mehr z�hlen, wie viele Gegner er bereits erschlagen hatte, so regelm��ig hatten sie die Feinde besiegt.</p><p>Dughan nahm seinen Helm ab. Der Marschall hatte ein breites Gesicht, kurz geschorene Haare, einen dichten Schnauzbart und ein Kimib�rtchen. Schon als er noch j�nger gewesen war, hatte er bereits in mancher Schlacht gek�mpft. Nach dem mysteri�sen Tod seines Vorg�ngers war Dughan zum Marschall ernannt worden. Er hatte Ruhe und Ordnung nach Goldhain gebracht und sie auch erhalten, indem er sich nicht nur die Kobolde vorkn�pfte, sondern ebenso wilde W�lfe, B�ren, Banditen, die fisch�hnlichen Murlocs und dergleichen mehr.</p><p>Doch nun waren die Kobolde zur�ckgekehrt.</p><p>�Dieses Ungeziefer wehrt sich mit H�nden und F��en, H�mmern und �xten, wenn wir es aufst�bern�, sagte Dughan. �Doch wenn wir sie irgendwo in die Enge getrieben haben, kommt Ihr ins Spiel, Zaldimar...�</p><p>Der Magier, dessen purpurblaue Robe trotz des Staubes, der jeden anderen aus der Gruppe bedeckte, makellos rein war, nickte ernst. �Eine Reihe von arkanen Explosionen w�ren am effek�� �</p><p>Dughan schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. �Erspart mir die Details. T�tet sie, verwundet sie und versetzt so viele wie m�glich in Panik, bevor wir da hineingehen. Kriegt Ihr das hin?�</p><p>Zaldimar nickte. Dughan setzte seinen Helm wieder auf und signalisierte der Gruppe den Aufbruch. Er schlug mehrere dichte Spinnweben weg, die ihm im Weg waren. Sie stammten von den gro�en Minenspinnen, die normalerweise alles jagten, was dumm genug war, sich hier hineinzuwagen. Ganz besonders hatten sie es auf Kobolde abgesehen. Als er ein weiteres Spinnennetz entfernte, fiel ein alter Koboldsch�del zu Boden, dessen lautes Scheppern durch die Mine hallte.</p><p>Dughan fluchte. Die Kobolde mochten ihre Anwesenheit bereits vermutet haben, doch jetzt hatte er ihnen die Best�tigung geliefert.</p><p>Mehrere der M�nner husteten vom Staub, der in der Luft flirrte und dichter als �blich zu sein schien. Es dauerte nicht lange, bis der Grund daf�r deutlich wurde. Einer der Seitensch�chte, der zu einem zweiten Eingang f�r die Minenarbeiter f�hrte, war eingest�rzt. Der Marschall erblickte tonnenweise Felsbrocken, Erde und zerschmetterte Holzstreben.</p><p>�Ein Unfall�, verk�ndete Zaldimar. �Ich hatte davor gewarnt, zu viel Druck auszu�ben, als wir zuletzt hier unten waren...�</p><p>�Das macht nichts�, sagte Dughan. �Was z�hlt ist, dass es unsere Aufgabe erleichtert.�</p><p>Zaldimar nickte. Es gab nur noch wenige Richtungen, in denen sich die Kobolde aufhalten konnten. Die einzigen Ausg�nge waren nun blockiert. Die Konfrontation stand unmittelbar bevor...</p><p>Sie stie�en auf einen Leichnam, mit dem sie nicht gerechnet hatten�� eine Minenspinne, etwa so gro� wie ein Hund. Mit ihrem Gift und <emphasis>den</emphasis> Extremit�ten, die ihr zu Verf�gung standen, h�tte sie einen Kobold mit Leichtigkeit �berw�ltigen k�nnen... vielleicht sogar einen Menschen.</p><p>Sie war in zahlreiche Teile zerhackt. Im schwachen Licht konnte der Marschall Fu�spuren erkennen.</p><p>�Die Kobolde werden offenbar cleverer. Sie schlie�en sich zu Gruppen zusammen, um es mit den Spinnen aufnehmen zu k�nnen.�</p><p>�Das sollten wir uns merken�, meinte Zaldimar.</p><p>Dughan nickte schroff und umfasste den stachelbewehrten Streitkolben fester. Mit seiner freien Hand strich sich der Marschall mechanisch den Staub vom Waffenrock. Der goldblaue L�wenkopf auf seiner Brust leuchtete wieder markant. Dann gab er den Befehl zum Weitermarschieren.</p><p>Pl�tzlich ert�nte in der Dunkelheit zuerst eine raue Stimme, dann noch eine zornige andere.</p><p>Ein kurzes Aufflammen wie von einer Kerze weiter unten... dann erlosch es wieder.</p><p>�Zaldimar...�, fl�sterte Dughan.</p><p>Der Magier trat nach vorne. Er hob die H�nde und gestikulierte �berlegt.</p><p>Ein gr�nes Licht flammte auf, begleitet von einem pulsierenden Ger�usch. Der Blitz schoss den Tunnel hinab auf die Stelle zu, wo zuvor das kurze Aufflackern zu sehen gewesen war. Einen Augenblick sp�ter schlug er ein... dann wieder... und noch einmal.</p><p>Die Mine erbebte. Staub und Ger�ll regneten auf die K�mpfer herab, und der Marschall verfluchte die Fahrl�ssigkeit des Magiers.</p><p>Der Weg geradeaus wurde kurz von einem gr�nlichen Schimmer erhellt, der so grell leuchtete, dass Dughan seine Augen abschirmen musste. Von dort erklang ein vielstimmiges Knurren.</p><p>Der Marschall blinzelte, als sich seine Augen den Lichtverh�ltnissen angepasst hatten. �Beim K�nig!�, keuchte er.</p><p>Der Gang war bis unter die Decke vollgepackt mit Kobolden. Es waren mehr rattengesichtige Feinde, als alle Berichte hatten ahnen lassen�� viel mehr.</p><p>Pl�tzlich wirkte Dughans gut ausgebildete Truppe hoffnungslos unterlegen.</p><p>Die Kobolde vorn im Pulk stie�en bestialische Schreie aus und schwenkten ihre Waffen. Ihre Schw�nze wippten vor und zur�ck und signalisierten so ihre wachsende Erregung. Nicht einer schien von Zaldimars Angriff verletzt worden zu sein.</p><p>�Bereitet den geordneten R�ckzug vor�, befahl Dughan. Seine K�mpfer waren auf etwas Derartiges nicht vorbereitet. Statt die Mine zu s�ubern, liefen er und seine M�nner jetzt Gefahr, abgeschlachtet zu werden.</p><p>Vor ihm r�hrte Zaldimar sich nicht. Er starrte die Kreaturen an, w�hrend die leuchtenden Effekte des Blitzes zu verblassen begannen.</p><p>�Tut etwas, Magier! Schleudert einen weiteren Blitz!�</p><p>Der Zauberer drehte sich um. Zaldimars Gesichtsausdruck zeugte von �u�erster Verwirrung. �Ich... ich brauche noch eine Minute... diese Aktionen laugen meinen K�rper aus...�</p><p>Obwohl er kein Magier war, wusste der Marschall, dass Zaldimar alle Kraft w�rde aufbieten m�ssen, um sie noch zu retten�� und zwar schnell. Er riss Zaldimar am Arm und zog ihn zur�ck zum Rest der Gruppe. �Ihr m�sst es versuchen, Zaldimar! Unser Leben... k�nnte sehr wohl davon abh�ngen!�</p><p>Bevor der Magier antworten konnte, st�rmten die Kobolde vor. Was normalerweise komisch gewirkt und allenfalls kleinen Kindern Angst eingefl��t h�tte�� Kobolde waren schlie�lich im besten Fall etwa 1,20 Meter gro� -, war nun eine t�dliche Gefahr f�r alle.</p><p>�Zur�ckziehen! Zur�ckziehen! Ihr drei! Nach vorn, jeder gibt dem anderen Deckung.� Dughan schob Zaldimar hinter sich. Auch wenn der Magier nicht von gro�em Nutzen war, w�rde der Marschall ihn nicht hier zur�cklassen.</p><p>Der erste Kobold erreichte die Verteidiger. Dughan schlug nach einer der Kreaturen, dann nahm er es mit einer anderen, viel gr��eren auf.</p><p>�Du nicht nehmen Kerze!�, br�llte sie, der fragliche Gegenstand sa� auf ihrem Kopf in einer kleinen Halterung. Kobolde konnten gut im Dunkeln sehen, doch in einer Mine brauchten auch sie in den tiefsten Stollen Licht.</p><p>�Ich will deine verdammte Kerze nicht!�, br�llte Dughan entnervt zur�ck.</p><p>Er schlug wieder und wieder zu. Ein Rattengesicht nach dem anderen kam in Sicht, nur um von der ge�bten Hand des Marschalls niedergemetzelt zu werden. Um ihn herum bewiesen die M�nner Mut. Sie r�umten gnadenlos unter den Kobolden auf.</p><p>Das Blatt hatte sich gewendet. Die gro�e Anzahl der Kobolde wurde zu Leichenhaufen. Ein Grinsen bildete sich auf Dughans Gesicht.</p><p>Am Ende standen die Streitkr�fte von Goldhain knietief im Blut und zwischen verst�mmelten Leichen. Der Gestank der toten Kobolde war noch hundertmal �rger als der Geruch, den sie schon lebendig verstr�mten. Doch die M�nner waren bereit, ihn zu ertragen, so allumfassend war ihr Sieg ausgefallen. Selbst die letzte Kerze der Kobolde war ausgel�scht worden.</p><p>Marschall Dughan z�hlte seine M�nner. Sie waren alle noch da. Einige hatten kleinere Verletzungen�� meistens Kratzer�� erlitten, doch alle waren nach wie vor kampfbereit und fit.</p><p>Nein... es fehlte doch einer.</p><p>�Wo ist der Magier?�</p><p>Die anderen sch�ttelten den Kopf. Dughan stach an einer Stelle in den Leichenhaufen, wo er Zaldimar zuletzt gesehen hatte. Doch der Zauberer blieb unauffindbar.</p><p>Dughan vermutete, dass der Versager Zaldimar lieber vor der Schlacht geflohen war. Sie w�rden den Feigling zweifellos in Goldhain finden. �Weiter geht es�, entschied der Kommandant. �Stellt sicher, dass die anderen Stollen sauber sind.� Er bezweifelte, dass sie noch mehr als ein paar Kobolde finden w�rden, doch auch die mussten ausgeschaltet werden.</p><p>Sie marschierten weiter, Dughan �bernahm die F�hrung. Der Marschall bedeckte sich die Nase, denn der Geruch der toten Kobolde wurde stetig schlimmer, obwohl die M�nner die Leichen allm�hlich hinter sich zur�cklie�en.</p><p>Pl�tzlich wurde die Jaspismine ersch�ttert, als h�tte weiter unten eine Explosion stattgefunden. Die St�tzbalken knackten bedrohlich.</p><p>Dughan streckte sein Schwert aus. �Vorw�rts!�</p><p>Doch als der Boden weiter bebte, knackte einer der entfernteren Balken. Die beiden H�lften brachen auseinander und st�rzten herab.</p><p>�Vorsicht!�, br�llte der Kommandant.</p><p>Die Decke der Mine st�rzte an einer Stelle ein. Dadurch kam es zu einer Kettenreaktion. Weitere Balken barsten. Massen von Erde und Stein donnerten herab.</p><p>Die M�nner flohen zur�ck, doch dann gab die Decke vollends nach. Der Staub und die Dunkelheit machten Dughan und seine M�nner blind, sie stie�en miteinander zusammen, als sie zu fliehen versuchten.</p><p>Pl�tzlich h�rte der Marschall einen furchteinfl��enden Schrei.</p><p>Gerade, als das Beben schw�cher zu werden begann, taumelte er in eine freie Zone. Hustend versuchte Marschall Dughan, sich zu konzentrieren. Er konnte die schemenhaften Umrisse von mindestens drei M�nnern ausmachen.</p><p>Als es still genug geworden war, um wieder Geh�r zu finden, rief er: �Meldet euch!�</p><p>Elf Stimmen antworteten, einige mit Schmerz in der Stimme. Elf, nicht f�nfzehn.</p><p>Die Verw�stung lie� es sinnlos erscheinen, nachzusehen, ob die anderen vier noch lebten. Dughan musste den Rest seiner M�nner in Sicherheit bringen. Ihnen blieb nur noch die M�glichkeit, zu der Stelle zur�ckzukehren, wo sie gegen die Kobolde gek�mpft hatten. Manchmal gruben Kobolde unter Tage tiefe H�hlen neben den Stollen, die Fluchtwege nach drau�en beinhalteten.</p><p>Darauf setzte er all seine Hoffnung.</p><p>�Folgt mir!�</p><p>Der Weg war dunkler und l�nger, als er ihn in Erinnerung hatte. Nur der starke Gestank schien Dughan darin zu best�tigen, dass sie sich ihrem Ziel n�herten. Doch als er die Gruppe z�gig durch einen der G�nge f�hrte, standen sie pl�tzlich vor einer geschlossenen Felswand.</p><p>�Was ist das?�</p><p>Die Wand bedeutete, dass sie an dem Punkt, an dem sie die Kobolde das erste Mal gesehen hatten, schon vorbei waren. Aber wo waren die Leichen?</p><p>Dughan suchte in seinen Beuteln nach etwas, womit er die Umgebung erhellen konnte, doch er fand nichts.</p><p>Pl�tzlich entstand jedoch ein violettes Leuchten neben ihm. Der Marschall wirbelte mit erhobenem Streitkolben herum.</p><p>Zaldimar blickte ihn aus dem Leuchten heraus an. Dughan konnte nichts au�er dem Gesicht des Magiers sehen. Sein Gesichtsausdruck wirkte verh�rmt.</p><p>�Hilft das?�, kr�chzte er.</p><p>�Beim Licht, wo seid Ihr gewesen? Habt Ihr irgendein Anzeichen f�r einen Weg nach drau�en gefunden? Der Gang, durch den wir kamen, ist unpassierbar!�</p><p>Zaldimar nickte. �Ich wei�. Ich habe daf�r gesorgt.�</p><p>�Ihr habt... <emphasis>was</emphasis>?�</p><p>Das Leuchten breitete sich aus. Dughans Augen weiteten sich.</p><p>Die Kleidung des Magiers hatte sich ver�ndert. Er trug nun eine schwarze R�stung mit Sch�deln an Knieschutz und Brustteil. Er hatte eine Kapuze �ber den Kopf gezogen. Seine Augen leuchteten dunkelviolett.</p><p>�Und um zu fliehen, wird mir ein einfacher Zauber gen�gen.�</p><p>Marschall Dughan dr�ckte Zaldimar grob die Spitze seines Streitkolbens unter das Kinn. �Dann nehmt Ihr uns mit Euch!�</p><p>Etwas bewegte sich am Rande des Lichtscheins. Es schlug die Waffe des Marschalls nieder. W�hrend Dughan sich bem�hte, den Streitkolben nicht entgleiten zu lassen, erkannte er eine vertraut wirkende Schnauze.</p><p>�Kobolde...� Doch das Wort erstarb auf seinen Lippen, als Zaldimar das unheimliche Licht noch verst�rkte.</p><p>Es war kein normaler Kobold�� sondern ein toter. Der Wanst der Kreatur war aufgeschlitzt, verfaulende Organe hingen heraus. Der Kobold umklammerte seine Waffe und starrte den Offizier mit blicklosen Augen an.</p><p>Als das Licht sich ausbreitete, erkannte Marschall Dughan, dass es noch viele andere gab, die so waren wie er�� all die Kobolde eben, die er und seine M�nner get�tet hatten. Vielleicht sogar noch mehr, Kreaturen, die lange vor dem j�ngsten Gemetzel gefallen waren...</p><p>�Was ist passiert?�, wollte er wissen.</p><p>�Sie dienen nun mir... so, wie ich unserem rechtm��igen Herrn diene...�, kr�chzte Zaldimar und grinste, als geh�rte er ebenfalls zu den Untoten. �Und so, wie Ihr es auch bald tun werdet, guter Marschall...�</p><p>Die Kobolde bewegten sich auf ihn zu. Marschall Dughan und seine M�nner kauerten sich zusammen.</p><p>�Es wird nicht lange wehtun...�</p><p>V�llig lautlos dr�ngten die Kobolde vor. Dughan schnitt einem von ihnen die Kehle durch, aber es schien nichts zu n�tzen. Verzweifelt schlug er h�rter zu und enthauptete ihn.</p><p>Doch der Leichnam griff unvermindert w�tend an.</p><p>�Ich muss Euch f�r eine kleine Weile verlassen�, sagte Zaldimar. �Ich werde mir als N�chstes Goldhain vornehmen, eine Aufgabe, bei der Ihr und Eure M�nner mir behilflich sein werdet, sobald Ihr erst... umgewandelt worden seid.�</p><p>�Seid verdammt, Ihr...� Doch Marschall Dughans Stimme vermummte wie abgeschnitten, als der Nekromant verschwand�� und mit ihm das <emphasis>Licht</emphasis>.</p><p>Die Luft wurde dick und schwer. Der Gestank der toten Kobolde war allgegenw�rtig. Ohne das magische Licht konnte Dughan nicht sehen, wie die Gestalten auf ihn zukamen.</p><p>Ein Mann schrie gellend auf, und Angstrufe l�sten sich aus den M�ndern der anderen. Dughan versuchte verzweifelt, die Flut von Angreifern abzuwehren.</p><p>Noch ein Mann schrie auf. Einen Augenblick sp�ter hallte das monstr�se Ger�usch von etwas, das zerrissen wurde, durch den Schacht.</p><p>�Marschall?�, flehte der Mann neben ihm.</p><p>�K�mpft weiter!�</p><p>Doch dann fiel Dughan beinahe zur Seite, als der Soldat hinter ihm fortgezerrt wurde. Der Soldat br�llte erneut... dann mischte sich ein h�sslicher Schrei in das vertraute Ger�usch von Waffen, die in Fleisch eindrangen. All das hallte von den W�nden wider.</p><p>Das Klirren der Waffen wurde schw�cher und schw�cher...</p><p>Marschall Dughan wusste, dass er der letzte �berlebende war. Er sp�rte, wie sich die untoten Kobolde um ihn scharten. Zum ersten Mal leuchteten ihre Augen. Sie strahlten ein t�dliches wei�es Licht aus, das G�nsehaut erzeugte.</p><p>Und unter diesen Gegnern erkannte Dughan nun auch andere, die sich von den Toten erhoben hatten. Sie sahen f�rchterlich zugerichtet aus. Seine eigenen M�nner waren jetzt Teil der gottlosen Meute... und dr�ngten vorw�rts.</p><p>Marschall Dughan k�mpfte wild entschlossen. Sein Streitkolben traf immer wieder auf Fleisch, doch die Kobolde und die ver�nderten Soldaten st�rmten unbeeindruckt weiter vor. Sie waren jetzt �berall, rissen mit ihren Klauen an ihm, bissen ihn oder hieben mit ihren Waffen auf ihn ein.</p><p>Er schrie, als ihn die Untoten unter sich begruben...</p><empty-line/><p>Marschall Dughan lag in seinem Bett, obwohl im St�dtchen Goldhain bereits der Tag angebrochen war und die Sonne schien.</p><p>Er bewegte sich unruhig und runzelte die Stirn. Sein K�rper war verschwitzt. Seine Lippen bewegten sich, als wolle er sprechen�� oder schreien -, und seine H�nde verkrampften sich so fest ineinander, dass die Kn�chel wei� hervortraten.</p><p>Abrupt setzte sich Dughan auf und schrie. Doch der Marschall wachte nicht auf, sondern fiel wieder auf das Bett zur�ck. Er w�lzte sich hin und her und keuchte, als k�mpfe er im Traum gegen etwas.</p><p>Sein Schrei war laut genug gewesen, um weithin in der Stadt geh�rt zu werden. Dennoch kam niemand, weder seine Familie noch irgendwelche Diener, um nachzusehen, was den Marschall qu�lte.</p><p>Sie konnten es nicht. Niemand in Goldhain konnte es, weil <emphasis>alle</emphasis> in ihren Betten lagen, <emphasis>alle</emphasis> schliefen... und unter f�rchterlichen Tr�umen litten.</p><empty-line/><p>Obwohl sie eine Hohepriesterin der Mondg�ttin war, hielt Tyrande den Sonnenaufgang f�r etwas Erhabenes, wenngleich das helle Licht ein wenig in den Augen eines Nachtwesens stach. In ihrer Jugend hatte sie es nicht als so schmerzhaft empfunden. Tats�chlich waren sie, Malfurion und Illidan oftmals bei Tag ausgeritten, wenn die meisten anderen schliefen, und hatten die von Helligkeit erf�llte Welt erforscht. Selbst Malfurions Unterricht bei Cenarius war bei Tag erfolgt.</p><p><emphasis>Vielleicht werde ich doch alt</emphasis>, dachte sie. Unter den Nachtelfen war Tyrande eine der �ltesten. Sie hatte so viele �berlebt, auch all ihre geliebten Freunde, mit Ausnahme von zweien.</p><p>Der Weg zur Mondlichtung war lang. Deshalb mussten sie, ihre Leibwache und Erzdruide Fandral samt seinen Druiden alle einen Tag lang rasten, bevor sie nach Darnassus zur�ckkehren konnten. W�hrend es vielen der Druiden reichte, in den Gr�ften, den unterirdischen Kammern, zu schlafen, erinnerten sie Tyrande zu sehr an andere Orte der Vergangenheit, die sie vergessen wollte, so wie die Gew�lbe unter Azsharas Palast.</p><p>Als K�nigin wollte Azshara ihr Volk ihrem Wahn und ihrer Besessenheit opfern und hatte der Brennenden Legion willentlich den Weg ge�ffnet. Ihr oberster Berater, Xavius, hatte sie noch weiter angestachelt, und die beiden waren f�r viele der zahllosen Toten verantwortlich, die den D�monen zum Opfer fielen. Tyrande wollte niemals mehr in Azshara denken m�ssen. Doch es gab so viele Erinnerungen, die sie zwangen, es doch zu tun.</p><p>Deshalb verlie� sie die Gruft und baute zusammen mit ihren Anh�ngern und ein paar Druiden Zelte aus Ranken und Bl�ttern.</p><p>In ihrem Zelt�� aufgebaut in respektabler Entfernung zu dem Ort, wo Fandral und seine Druiden schliefen�� �bte die Herrscherin der Nachtelfen ihre Kampfk�nste. Ihr Zelt war drei mal drei Meter gro� und bestand aus miteinander verflochtenen Bl�ttern, die von Teldrassil selbst stammten. Erfahrene Weber hatten Muster erschaffen, die zu den Schwestern der Elune passten, vor allem der Mond war h�ufig abgebildet. Da das Zelt zudem von Mutter Mond gesegnet war, lag auch noch ein schwacher silberner Schimmer darauf.</p><p>Drinnen gab es nur wenig Schmuck. Tyrande hatte sich auf das Notwendigste beschr�nkt. Ein kleiner h�lzerner Tisch und ein Hocker waren die einzigen M�belst�cke, die ihnen die Druiden geliefert hatten. Ihre Mondgleve hatte sie bei den Decken zur�ckgelassen, die ebenfalls aus Teldrassils Bl�ttern gewoben waren und ihr als Bett dien-len. Das alte dreiklingige Schwert war bei ihrem Volk sehr beliebt, vor allem unter den Schildwachen. Weil sie sich der drohenden Gefahren auf der Welt stets bewusst war, �bte Tyrande oft mit der Gleve.</p><p>Doch nun wollte sie an ihren Nahkampff�higkeiten arbeiten. Eigentlich wollte sie nur ihre Muskeln ein wenig strecken. Schon der Umgang mit Fandral hatte ihr gen�gend Spannung beschert. Doch die Reise hierher, um Malfurions K�rper zu sehen, hatte ihr mehr zugesetzt, als sie geglaubt hatte.</p><p>Obwohl sie den Erzdruiden und sein Amt respektierte, gefielen ihr Fandrals Pl�ne nicht. Sie hatte sich f�r den Augenblick gef�gt. Doch das lange Warten, das seine Methode erforderte, ging ihr allm�hlich gegen den Strich. Sie war es gewohnt, schnell und entschieden zu handeln. Eben wie eine Kriegerin...</p><p>Um �bersch�ssige Energie abzubauen, st�rzte sich Tyrande voller Tatendrang in ihre �bungen. Die Hohepriesterin winkelte die Arme an und trat aus. Sie hatte es seit ihren Tagen als Novizin weit gebracht, in einigen Kampfarten sogar weiter als Malfurion, der w�hrend der letzten zehn Jahrtausende allzu oft Azeroth verlassen hatte, um in die scheinbare Perfektion des Smaragdgr�nen Traums einzudringen. Es hatte Zeiten w�hrend seiner Abwesenheit gegeben, da sie ihm das ver�belt hatte und ihn sogar hasste, weil er sie verlassen hatte... doch stets hatte ihre Liebe diese d�steren Gef�hle �berwunden.</p><p>Tyrande wirbelte herum und schlug mit der linken Hand zu. Die ausgestreckten Finger bildeten eine scharfe Kante, die in der Lage war, eine Kehle zu zerschmettern. Sie stellte sich auf die Zehen des rechten Fu�es und streckte die rechte Hand nach oben�� und pl�tzlich sp�rte sie etwas hinter sich.</p><p>Die Hohepriesterin wirbelte auf den Zehen herum und trat nach dem Angreifer. Niemand h�tte ohne Warnung eintreten sollen. Wo waren ihre Wachen?</p><p>Doch auch jetzt noch k�mpfte Tyrande nur, um den Gegner kampfunf�hig zu machen und nicht, um zu t�ten. Jeder Eindringling wurde lebend gebraucht, um Fragen zu beantworten.</p><p>Aber statt irgendetwas Festes zu treffen, sah Tyrande, wie ihr Fu� durch eine dunstig schwarze und smaragdgr�ne Gestalt hindurchfuhr. Der schattenhafte Attent�ter zerbarst in tausend Teile und bildete sich dann neu.</p><p>Doch die Nachtelfe hatte sich bereits weiterbewegt, um die Mondgleve aufzunehmen. Dabei sah sie zwei weitere der albtraumhaften Gestalten. Sie wirkten irgendwie verschwommen, was es ihr unm�glich machte, die wahren Gesichtsz�ge zu erkennen. Doch Tyrande meinte, dass sie von halb tierhafter Gestalt waren. Aus irgendeinem Grund l�ste dies irrationale �ngste in ihr aus.</p><p>In diesem kurzen Moment sprangen die d�monischen Schatten auf sie zu. Tyrande riss die Gleve gerade noch rechtzeitig hoch und schnitt durch beide hindurch.</p><p>Aber die Gleve sorgte nur daf�r, dass sich die obere und untere H�lfte kurzzeitig trennten. Die Schatten bildeten sich sofort neu, und die Gegner schlugen mit langen Krallen, die aus ihren H�nden wuchsen, nach ihr.</p><p>�<emphasis>Unngh</emphasis>!� Tyrande wich so gut sie konnte zur�ck und versuchte, zu Atem zu kommen. Es gab keine blutigen Kratzer, wo die Krallen sie getroffen hatten. Aber der Nachtelfe kam es dennoch so vor, als w�rde sie von Dolchen aus Eis aufgespie�t. Ein Teil von ihr wollte die Waffe fallenlassen und sich am Boden winden.</p><p>Doch das h�tte den sicheren Tod bedeutet. Die Hohepriesterin schlug wild mit der Gleve um sich. Dadurch wollte sie haupts�chlich die Angreifer dazu bringen, sich neu manifestieren zu m�ssen. Darauf, Schmerzen zu verursachen, konnte sie nicht hoffen.</p><p>Ein zweiter, noch schrecklicherer Schrei entfuhr ihr, als sie sp�rte, wie die eisigen Dolche in ihren R�cken eindrangen. Von den anderen abgelenkt, hatte sie den Angreifer hinter sich nicht bemerkt.</p><p>Die Gleve entglitt ihren zitternden H�nden. Tyrande fragte sich, warum ihre Schreie niemanden alarmiert hatten. Vielleicht hatten die D�monen alles abgeschirmt. Die Attent�ter w�rden sie t�ten, und niemand w�rde es bemerken, bis das Zelt aus irgendeinem anderen Grund betreten wurde.</p><p><emphasis>Nein... so weit wird es nicht kommen</emphasis>, dachte Tyrande. <emphasis>Ich bin eine Priesterin von Mutter Mond�� das Licht von Elune ist ein Teil von mir</emphasis>...</p><p>Und bei diesem Gedanken schmolz sowohl das Eis als auch die Furcht, die ihren Willen l�hmte.</p><p>�Ich bin die Hohepriesterin von Mutter Mond...�, verk�ndete sie den schattenhaften Gegnern. �Sp�rt das Licht...�</p><p>Ein silbriges Leuchten erf�llte das Zelt. Die smaragdgr�nen Gestalten erschauderten in seinem Glanz.</p><p>Trotz der erfolgversprechenden Reaktion lie� die Nachtelfe nicht nach. Sie �ffnete sich Elune. Der sanfte Trost von Mutter Mond umgab sie. Elune w�rde ihre Tochter besch�tzen.</p><p>Das silbrige Licht wurde tausendfach st�rker.</p><p>Mit tiefen kr�chzenden Lauten l�sten sich die monstr�sen Angreifer auf, als best�nden sie aus nichts anderem als Schatten.</p><p>Pl�tzlich war alles v�llig schwarz. Tyrande rang nach Luft. Das Licht von Elune war fort, und sie sa� auf dem Boden, als w�rde sie meditieren.</p><p>Die Hohepriesterin warf einen Blick zur Gleve�� sie lag immer noch auf den Decken, wo sie sich befunden hatte, bevor die Eindringlinge gekommen waren.</p><p>Doch waren sie das wirklich? Der eisige Schmerz in ihrem R�cken kehrte zur�ck�� oder vielleicht war es nur ein Fr�steln, das ihr zwischen den Schulterbl�ttern hinablief. Sie schluckte, ihr Mund war trocken, und ihr Herz h�mmerte immer noch wie rasend.</p><p>W�hrend Tyrande aufstand, st�rmte pl�tzlich eine Wache ins Zelt. Tyrande bemerkte den verwirrten Blick der Schildwache, versuchte aber, ihre eigene Konfusion zu verbergen. Am Gesichtsausdruck der Priesterin sollte die Wache nichts �ber den Mordversuch an ihrer Herrin ablesen k�nnen.</p><p>�Vergebt mir, dass ich eintrat�, murmelte der W�chter. �Aber ich h�rte Euch keuchen und f�rchtete, Euch k�nnte etwas widerfahren sein...�</p><p>�Ich habe nur ge�bt und geriet au�er Atem.�</p><p>Die andere Nachtelfe runzelte die Stirn, dann nickte sie. Sie verbeugte sich und verlie� das Zelt.</p><p>Tyrande fiel etwas ein. Diese merkw�rdige d�stere Vision hatte ihr einige Dinge klargemacht. Denn wenn sie etwas ohne Wissen von Erzdruide Fandral erledigen wollte, musste sie zuerst eine Sache kl�ren.</p><p>�Wartet!�</p><p>�Herrin?�</p><p>�Ich habe eine Aufgabe f�r Euch... die einen der Druiden betrifft...�</p><empty-line/><p>Vielleicht weil er einst ein Sklave gewesen war, fand Broll B�renfell die Gruft zu beengend. Und so schlief er, wie einige andere auch, drau�en auf der Mondlichtung unter freiem Himmel. Hamuul ruhte ganz in der N�he zu seiner Rechten. Zwischen ihnen bestand eine Seelenverwandtschaft, sie waren beide, jeder auf seine Art, einzigartig unter ihren Br�dern.</p><p>Neben Varian Wrynn und der jungen Valeera Sanguinar�� einer <emphasis>Blutelfenschurkin</emphasis>�� war Hamuul vielleicht der engste Freund des Nachtelfen. Brolls Freundeskreis mochte merkw�rdig sein und auf manch anderen beunruhigend wirken, doch Broll interessierte nicht mehr, was andere dachten.</p><p>Viele Dinge belasteten den Nachtelfen�� zu viele, um einschlafen zu k�nnen. W�hrend der Tauren neben ihm schnarchte, dachte Broll eine Zeit lang an Valeera, die f�r ihn wie eine Tochter geworden war. Als Blutelfe war die junge Frau s�chtig nach arkaner magischer Energie. Diesem dunklen Pfad hatte sich ihr Volk nach der Zerst�rung des Sonnenbrunnens, der Machtquelle der Hochelfen, verschrieben.</p><p>Broll h�tte es fast geschafft, ihr dabei zu helfen, die Sucht zu �berwinden... doch dann hatten die Umst�nde Valeera gezwungen, erneut den Weg ihres Volkes zu beschreiten.</p><p>Kurz bevor Broll zu dieser Versammlung gerufen worden war, hatten sie sich zumindest vor�bergehend getrennt. Er hoffte, dass es ihr mittlerweile besser ging, f�rchtete aber, dass ihre Sucht sich verschlimmert haben k�nnte.</p><p>Seufzend versuchte Broll, sich zu beruhigen. Momentan konnte er nichts f�r Valeera tun, bevor ihm nicht selbst Hilfe zuteil wurde... und das f�hrte seine �berlegungen zur�ck zu seinem Shan�do.</p><p>Zum ersten Mal fiel ihm etwas auf�� oder besser, <emphasis>versuchte</emphasis> etwas, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Doch der Gedanke lie� sich von seinem m�den Geist nicht recht fassen. Der Druide versuchte immer wieder, sich zu konzentrieren, aber stattdessen entschl�pfte ihm die Wahrheit immer weiter. Fast meinte er...</p><p>Ein Ger�usch erreichte ihn von den B�umen hinter ihm. Es h�rte sich beinahe so an, als w�rde jemand nach Luft schnappen...</p><p><emphasis>Vater</emphasis>...</p><p>Der Nachtelf versteifte sich. Hatte er... <emphasis>sie</emphasis> geh�rt?</p><p>Broll setzte sich leise auf.</p><p><emphasis>Vater</emphasis>...</p><p>Da war es wieder. Er kannte die Stimme besser als seine eigene. Broll zitterte. Sie <emphasis>konnte</emphasis> es nicht sein. Es konnte nicht... konnte niemals... <emphasis>Anessa</emphasis> sein�� oder etwa doch?</p><p>Er blickte zu Hamuul, dessen Schnarchen gleichm��ig blieb. Der Tauren hatte nichts bemerkt. Broll war beinahe �berzeugt, sich das vermeintlich Geh�rte nur eingebildet zu haben, als...</p><p><emphasis>Vater... Ich brauche Euch</emphasis>...</p><p><emphasis>Anessa</emphasis>! Broll schnappte nach Luft. Er <emphasis>hatte</emphasis> sie geh�rt!</p><p>Der Druide reagierte instinktiv, stand auf und blickte auf der Suche nach seiner Tochter in den Wald. Er rief nicht nach ihr. Er f�rchtete nicht nur, damit die anderen aufzuwecken, sondern auch, dass er seine geliebte Tochter verjagen w�rde.</p><p><emphasis>Aber</emphasis>, erinnerte ihn ein Teil von ihm, <emphasis>Anessa ist tot... und ich bin schuld daran</emphasis>...</p><p>Obwohl er sich dieser Sache mehr als bewusst war, sp�rte Broll, wie sein Herz heftiger denn je schlug. Er tat einen vorsichtigen Schritt in die Richtung, aus der er glaubte, den Ruf geh�rt zu haben.</p><p><emphasis>Vater... Helft mir</emphasis>...</p><p>Tr�nen stiegen in die Augen des Druiden. Er dachte an Anessas Tod und daran, welche Rolle er dabei gespielt hatte. Der alte Schmerz r�hrte sich wieder. Erinnerungen an die Schlacht stiegen auf.</p><p>Ja, Anessa war tot.</p><p><emphasis>Aber sie ruft mich</emphasis>!, beharrte sein Innerstes. <emphasis>Dieses Mal kann ich sie retten</emphasis>!</p><p>Etwas Schattenhaftes bewegte sich unter den B�umen direkt vor ihm. Broll wandte sich der kaum sichtbaren Gestalt zu.</p><p>Pl�tzlich <emphasis>verschwamm</emphasis>, die Welt des Druiden. Die B�ume bewegten sich, als best�nden sie aus Rauch. Die schemenhafte Gestalt entfernte sich. Der Himmel wurde zum Boden und der Boden zum Himmel. Broll kam es so vor, als h�tten seine Knochen sich verfl�ssigt. Er versuchte, seine Tochter zu rufen.</p><p>Etwas n�herte sich ihm aus dem Wald, wuchs zu erschreckenden Proportionen an. Aber noch immer konnte der Druide keine klaren Gesichtsz�ge erkennen. Es sah fast so aus wie -</p><p>Broll versuchte zu schreien.</p><p>Er erwachte.</p><p>Seine Sinne kehrten allm�hlich zur�ck. Dem Nachtelfen d�mmerte, dass einige Dinge, die ihn umgaben, irgendwie falsch waren.</p><p>Die Umgebung war anders als zuvor. Er stand nicht l�nger am Waldrand, sondern lag auf dem Boden, so als h�tte er geschlafen. Blinzelnd blickte Broll auf. Dem Stand der Sonne nach zu urteilen, mussten mehrere Stunden vergangen sein.</p><p>Die Lieder der V�gel und das Seufzen des Windes begr��ten ihn. Doch ein anderes Ger�usch fehlte. Er blickte zur Seite und sah, wie Hamuul ihn voller Ernst betrachtete. Der Erzdruide kniete neben ihm und sch�ttelte seinen Freund.</p><p>�Du bist wach�, bemerkte der Tauren. �Geht es dir nicht gut? Du siehst...�</p><p>Der Nachtelf lie� ihn den Satz nicht vollenden. �Es war ein Traum. Oder wohl eher ein <emphasis>Albtraum</emphasis>...�</p><p>�Ein Traum... nun, wenn du meinst.� Hamuul war einen Augenblick lang still, dann sagte er: �Ich bin schon fr�her aufgewacht. Schlie�lich ist es heller Tag. Und ich bin kein Nachtelf, habe einen leichten Schlaf. Du hast etwas gemurmelt. Es war... ein Name�, fuhr der Tauren mit leichtem Z�gern fort. �Der Name von jemandem, der dir nahe steht.�</p><p>�Anessa...� Teile des Albtraums kehrten zur�ck. Broll schauderte. Er hatte schon fr�her von seiner Tochter getr�umt, doch nie auf diese Weise.</p><p>Der Tauren neigte bei der Erw�hnung von Brolls verlorenem Kind wieder den Kopf. �Anessa, ja...� Er blickte zu dem Nachtelfen auf. �Jetzt geht es dir wieder gut, oder, Broll B�renfell?�</p><p>�Mir geht es jetzt gut. Danke...�</p><p>�Das war nicht nat�rlich, Broll B�renfell... genauso wenig wie deine fr�heren Visionen�� obwohl, glaube ich, jede von ihnen anders war.�</p><p>�Es war nur ein schlimmer Albtraum, Hamuul.� Brolls Tonfall machte deutlich, dass er �ber diesen Punkt nicht weiter reden wollte. �Weder er noch andere bedeuten <emphasis>irgendetwas.�</emphasis></p><p>Der Tauren blinzelte, dann zuckte er mit den Schultern. �Ich will nicht darauf herumreiten, mein Freund. Es w�rde deine Qualen nur verst�rken. Doch wir wissen beide, dass es nicht stimmt...�</p><p>Bevor jemand noch etwas anderes sagen konnte, erklang aus den W�ldern ein fernes knisterndes Ger�usch. Broll verspannte sich augenblicklich, und Hamuuls Augen weiteten sich.</p><p>Hinter den B�umen trat eine Gestalt hervor. Doch es war nicht der Schatten von Anessa, der auf die Ebene der Sterblichen zur�ckgekehrt war. Vielmehr handelte es sich um eine der Priesterinnen, die Tyrande zur Mondlichtung begleitet hatten.</p><p>�Meine Herrin w�nscht, mit Euch zu sprechen, Druide�, sagte die schlanke Gestalt zu Broll. Ihr Blick wanderte zu dem Tauren. �Sie will, dass Ihr allein kommt�� und mit dem geb�hrenden Respekt, Druide...�</p><p>Die Priesterin wartete die Antwort nicht ab, stattdessen verschwand sie wieder in den H�gelw�ldern. Als Druide h�tte Broll ihr leicht folgen k�nnen. Doch ihr vorsichtiges Verhalten und ihre kurze, irgendwie mysteri�se Nachricht machten klar, dass eine solche Reaktion nicht angebracht war. Er musste allein gehen, so als w�re es seine Entscheidung gewesen.</p><p>�Gehst du hin?�, fragte Hamuul.</p><p>�Ja�, antwortete der Nachtelf sofort. �Das werde ich.�</p><p>�Ich verrate nichts.�</p><p>Das Versprechen des Tauren bedeutete Broll viel. Dankend nickte der Nachtelf und brach auf. Seine Gedanken waren bereits bei den m�glichen Gr�nden, warum die Hohepriesterin der Elune und Herrscherin der Nachtelfen ein geheimes Treffen mit ihm w�nschte. Tyrande Wisperwind hatte etwas vor, das sie vor vielen anderen geheim halten wollte, auch vor Erzdruide Fandral Hirschhaupt.</p><p>Und Broll hatte eine furchtbare Ahnung, was sie beabsichtigte.</p></section><section><title><p>5</p><p>Der Verrat des Druiden</p></title><p>�Er ist gekommen�, raunte die Wache Tyrande vom Eingang des Zeltes aus zu.</p><p>�Bittet ihn herein und achtet auf jeden, der sich n�hert�, befahl die Hohepriesterin.</p><p>Mit einem Nicken ging die Wache hinaus. Einen Augenblick sp�ter trat Broll B�renfell respektvoll ein. Der Druide verneigte sich tief, wie ein Untertan vor seiner Herrscherin. Mit ged�mpfter Stimme sagte er: �Hohepriesterin, Ihr habt mich gerufen...�</p><p>�Seid hier nicht so formell, Broll. Wir kennen uns schon eine ganze Weile.�</p><p>Der Druide nickte, erwiderte aber nichts.</p><p>�Bitte�, begann die Hohepriesterin und wies auf eine Grasmatte, in die komplexe Mondmuster eingearbeitet waren. �Nehmt Platz.�</p><p>Broll sch�ttelte den Kopf. �Wenn es Euch nichts ausmacht, ziehe ich es vor zu stehen.�</p><p>Sie nickte. �Nun gut. Ich werde mich ohnehin kurz fassen... und ich sage Euch gleich, dass Ihr jedes Recht habt, meine Bitte abzuschlagen.�</p><p>Seine dichten Augenbrauen hoben sich. Tyrande h�tte ihm einfach <emphasis>befehlen</emphasis> k�nnen, all ihren W�nschen nachzukommen. Doch das war nicht ihre Art.</p><p>�Broll... Ihr seid der Einzige, den ich das fragen kann. Malfurion vertraute Euch mehr als jedem anderen. Und so lege ich mein Vertrauen in Eure H�nde�� immerhin tragt Ihr das Zeichen der Gr��e, und Eure Taten w�hrend des Dritten Krieges haben seine St�rke unter Beweis gestellt.� Sie blickte zu seinem Geweih.</p><p>�Ihr schmeichelt mir, Herrin.� Der Druide schlug die Augen nieder. �Und Ihr �bertreibt. Die Zeit, die ich von meinesgleichen fort war, d�rfte mir kaum seine Wertsch�tzung eingebracht haben, wenn er davon erfahren h�tte...� Seine Augen wanderten zu der Gleve auf dem Tisch.</p><p>Tyrande blickte ihn eindringlich an. Sie hatte die primitive Waffe bewusst in Sichtweite platziert, um Broll an seine Vergangenheit als Gladiator zu erinnern. Die Hohepriesterin hatte ihn f�r die Aufgabe ausgew�hlt, weil sie hoffte, dass Brolls j�ngste Heldentaten in fernen Landen seine Loyalit�t Malfurion gegen�ber gest�rkt hatten. Dann w�rde er vielleicht auch vom offiziellen Weg abweichen, den der Zirkel des Cenarius eingeschlagen hatte.</p><p>�Ich habe nicht �bertrieben. Bevor er verschwand, hat sich Malfurion unmissverst�ndlich �ber Euch ge�u�ert. Er verstand den Kummer und die Wut, die Ihr erleidet, und er wusste, dass Ihr selber dar�ber hinwegkommen m�sst.� Ihre Augen verengten sich. �Lasst mich offen sein, Broll. Malfurions Traumgestalt muss in seinen K�rper zur�ck. Fandrals Plan wird ihn nicht retten, dessen bin ich mir sicher. Und obwohl ich wei�, dass der oberste Erzdruide es gut meint, ist doch offensichtlich, wie starrsinnig er ist�� nicht einmal ich kann ihn dazu bringen, seine Meinung zu �ndern. Ihr und ich m�ssen Malfurion retten, in welchem Gef�ngnis er auch immer schmachten mag.�</p><p>Broll z�gerte. �Seid Ihr Euch da absolut sicher? K�nnte es sich nicht um einen Irrtum handeln?�</p><p>�Die Vision stammt von Mutter Mond�, sagte sie voller �berzeugung, denn Elune narrte ihre Anh�nger nicht.</p><p>Zu ihrer Erleichterung nickte der Druide schlie�lich. Brolls Entschlossenheit zeigte ihr, dass ihre Wahl auf den Richtigen gefallen war.</p><p>�Ich kenne Euch, und ich kenne Elune.� Wie die meisten Nachtelfen war Broll mit der Anbetung von Mutter Mond aufgewachsen. Seine Berufung zum Druiden war erst sp�ter erfolgt, doch sie hatte die Ehrerbietung vor der G�ttin nie beeinflusst. �Aber auch wenn Fandrals Plan gut ist, bin ich doch eher geneigt, Euch zu glauben. Was auch immer Ihr vorhabt, Herrin, ich bin dabei. Etwas muss getan werden, und ich f�rchte, dass Teldrassil uns nur vom richtigen Weg ablenkt. Wie sieht Euer Plan aus?�</p><p>Seine Entscheidung, ihr zuzustimmen, war pl�tzlich erfolgt, obwohl er keinen richtigen Grund daf�r hatte. Urspr�nglich war Broll mit Fandrals Plan einverstanden gewesen. Er hatte ihn sogar mit Hoffnung erf�llt. Doch Tyrandes Flehen hatte ihn verunsichert. Und diese Verunsicherung war seit der letzten f�rchterlichen Vision, die er durchlebt hatte, nur gr��er geworden. Etwas B�ses war am Werk�� etwas, hinter dem ganz sicher der Albtraum steckte. Dass diese Visionen ihm pl�tzlich derart zusetzten und die j�ngste sogar seine verstorbene Tochter betraf, best�rkte ihn nur in den Bef�rchtungen der Hohepriesterin. Etwas Schreckliches stand kurz bevor, und es schien gleichzeitig Malfurions Untergang zu sein.</p><p><emphasis>Nein... Teldrassil zu heilen, wird viel zu lange dauern</emphasis>, �berlegte der Druide. Doch Fandral h�tte das nicht verstanden.</p><p>Er hatte immer noch keine Antwort auf seine Frage bekommen, deshalb stellte er sie erneut.</p><p>Sie blickte weg. Ein gro�er Teil von Tyrandes Pl�nen basierte auf dem Wissen �ber die Druiden, das Malfurion ihr verraten hatte. Es gab eine gro�e Wahrscheinlichkeit, dass die Hohepriesterin einige falsche Schl�sse gezogen hatte. Wenn das stimmte, war ihr Plan gescheitert, noch bevor er begonnen hatte.</p><p>�Ich will, dass Ihr nach Schattengr�n geht...�</p><p>Er versteifte sich bei der Erw�hnung des Namens. Ihre Absicht war ihm augenblicklich klar.</p><p>�Schattengr�n�, murmelte der st�mmige Nachtelf. �Ich wei�, was Ihr vorhabt. Es erscheint mir am logischsten... besonders, wenn die Zeit so sehr dr�ngt, wie ich glaube...�</p><p>Ihre Hoffnung wuchs. �Glaubt Ihr, es k�nnte funktionieren?�</p><p>�Mylady... es k�nnte die einzige Chance sein, die wir haben... aber es wird nicht leicht, es sei denn...�</p><p>Sie wartete, doch als Broll weiterhin stumm in sein Innerstes blickte, fragte sie schlie�lich: �Es sei denn <emphasis>was?�</emphasis></p><p>Kopfsch�ttelnd murmelte der Druide: �Am besten wisst Ihr das gar nicht.� Entschlossener f�gte er hinzu: �Aber ich werde dorthin reisen.�</p><p>�Da ist immer noch die Sache mit der Versammlung und Fandrals Pl�nen�, fuhr die Hohepriesterin fort. �Ihr werdet warten m�ssen, bis all das geregelt ist�� doch ich f�rchte, wir d�rfen keine Zeit verschwenden.�</p><p>�Es gibt nur eine Sache, um die ich mich k�mmern muss, Hohepriesterin�� und wenn Erzdruide Fandral mich nicht dabei erwischt, verschwinde ich gleich danach.� Er furchte die Stirn. �Dazu muss ich zuerst mit den anderen zur Enklave des Cenarius zur�ckkehren, obwohl...�</p><p>Wieder wartete Tyrande auf weitere Erkl�rungen, und wieder gab Broll keine. Sie nickte dem Druiden schlie�lich zu, vertraute ihm, egal welches Geheimnis er auch immer vor ihr verbarg. Sie wusste, es diente nur ihrem�� oder Malfurions�� Besten.</p><p>�Ich danke Euch�, murmelte Tyrande. Ihr Gesichtsausdruck verh�rtete sich. �Aber da gibt es noch etwas. Ihr werdet nicht alleine reisen. Ich schicke Shandris mit, sie wird Euch unterwegs treffen... Ihr seid mit Auberdine vertraut, oder?�</p><p>�Ich war schon mal dort. Es ist kein Ort, der einem Druiden gefallen k�nnte�� und wie meine Br�der bevorzuge ich andere Arten des Reisens. Sollen wir uns dort treffen?�</p><p>�Ja, dann k�nntet ihr beide nach Eschental Weiterreisen.�</p><p>Sein Gesichtsausdruck verhehlte nicht, dass ihm ihre Entscheidung, ihm eine Partnerin zuzuteilen, missfiel. �Bei allem gebotenen Respekt vor der Generalin und ihren beachtlichen F�higkeiten w�rde ich doch lieber alleine gehen.�</p><p>Die Hohepriesterin beharrte auf ihrer Entscheidung. �Das kommt nicht infrage. Und wenn ich es Euch befehlen muss...�</p><p>Broll seufzte. �Das m�sst Ihr nicht. Wenn Ihr es wirklich f�r das Beste f�r Malfurion haltet, vertraue ich Euch, Hohepriesterin.�</p><p>Tyrandes Stimmung hellte sich auf. Sie griff pl�tzlich nach seiner Schulter. Dabei erschien ein schwaches Leuchten von Mondlicht. Es h�llte Broll kurz ein, bevor es <emphasis>in ihn</emphasis> eindrang. �Ihr habt den Segen von Mutter Mond... und meinen Dank.�</p><p>Der Nachtelf verneigte sich tief. �Ich f�hle mich von beidem tief geehrt, Mylady.�</p><p>�F�r Euch bin ich Tyrande.�</p><p>Der Druide verneigte sich erneut, dann begann er, sich zur�ckzuziehen. �Nein... das seid Ihr f�r Malfurion�� f�r mich... seid Ihr meine Hohepriesterin, die Verk�rperung aller Hoffnungen meines Volkes...�</p><p>Er verlie� das Zelt. Tyrande kr�uselte die Lippen und fragte sich, ob sie das Richtige getan hatte.</p><p>Dann wanderte ihr Blick zur Gleve... und ihre Entschlossenheit wuchs.</p><empty-line/><p>Broll verriet Hamuul nichts, als er zur�ckkehrte, und der sture Tauren fragte nicht nach. Der Nachtelf schlief nicht mehr viel an diesem Tag, und als die Druiden ihre Abreise von der Mondlichtung vorbereiteten, nickte er der Hohepriesterin nur mit einer respektvollen Verbeugung zu, die nicht vertraulicher wirkte als die seiner anderen Br�der.</p><p>Die Schwestern der Elune hatten ihre eigene Methode, um nach Darnassus zu reisen: m�chtige Hippogryphen.</p><p>Nachdem er ein paar Worte mit Tyrande Wisperwind gewechselt hatte, f�hrte Fandral Hirschhaupt deshalb die Druiden zu einer bestimmten Stelle auf der Mondlichtung.</p><p>�Ich habe beschlossen, dass die Situation hier die augenblickliche Fortsetzung all unserer Bem�hungen erfordert, den Weltenbaum zu heilen�, verk�ndete der oberste Erzdruide, als sie sich auf die Abreise vorbereiteten. �Wir werden unsere Anstrengungen noch in dieser Nacht verst�rken...�</p><p>�Noch in dieser Nacht?�, fragte ein Druide. �Nach so einem langen Flug?�</p><p>�Wir werden nat�rlich zuerst eine Weile meditieren. Au�erdem werde ich genau �berlegen, wie unsere Kraft am besten einzusetzen ist. Schlie�lich haben wir das G�tzenbild von Remulos nicht zur Verf�gung...� Fandral lehnte jeden weiteren Einwand mit einem Wink ab. �Es ist beschlossen! Nun, um Malfurions willen, sollten wir uns rasch auf den Weg machen...�</p><p>Fandral hob die Arme. Gleichzeitig begannen die Druiden zu schrumpfen. Sie beugten sich vor, und aus ihrer violetten Haut wuchsen Federn. Ihre Nasen und M�nder streckten sich und wurden zu Schn�beln.</p><p>Der kleine Schwarm Sturmkr�hen erhob sich in die Luft und verschmolz fast unsichtbar mit dem Nachthimmel.</p><p>Fandral, ein gro�er Vogel mit silbernen Str�hnen �ber jedem Fl�gel, f�hrte die Druiden mit hohem Tempo. Er wollte Teldrassil so schnell wie m�glich erreichen. Der Anblick war selten, weil nur die erfahrensten und m�chtigsten Druiden die Mysterien des Flugs erlernen konnten. Mit Ausnahme von Broll waren alle Erzdruiden von einigem Rang. Das war ein weiterer Hinweis auf die Kraft, die in Broll schlummerte. Doch er konnte sich nicht genug darauf konzentrieren, um den ihm zustehenden Platz unter seinen Br�dern einzunehmen. Dass er �berhaupt hier dabei war, verdankte er allein Fandral, und deshalb f�hlte sich Broll umso schuldiger, wenn er an seine Pl�ne dachte.</p><p>Broll befand sich weiter hinten im Schwarm als �blich. Hamuul flog in einiger Entfernung davor. Der Tauren war die einzige andere Sorge, die Broll neben Fandral hatte. Aber Hamuul war darauf konzentriert, sein Tempo zu halten. Der Tauren war m�chtig, doch er war auch schon recht alt f�r jemanden seines Volkes. Deshalb musste er sich mehr anstrengen als die Nachtelfen.</p><p>Nach langen Stunden erschien der Weltenbaum vor ihnen. Fandral schwenkte ein, und der Schwarm sank tiefer... Broll fiel ungesehen zur�ck und wandte sich aufw�rts. Er schlug so fest er konnte mit den Fl�geln und stieg immer h�her. Teldrassils m�chtiger Stamm wirkte wie eine undurchdringliche Barriere, dennoch flog der Nachtelf weiter.</p><p>Und dann... nahm ihn die riesige Krone auf. Ungesehen von den anderen schoss Broll unter die ausladenden �ste.</p><p>Ein Teil dessen, was von au�en wie Blattwerk aussah, bewegte sich pl�tzlich. Obwohl er h�chstens eine Sekunde hingeschaut hatte, gen�gte Broll der kurze Blick auf die langen, vorstehenden Hauer, die riesige baumgleiche Gestalt und das bl�ttrige Kost�m, um zu erkennen, dass die gro�e Gestalt ein Urtum war. Eines jener Wesen, die nicht nur den Weltenbaum und das Reich der Nachtelfen besch�tzten, sondern auch Darnassus Kriegern die dunklere Seite der Natur beibrachten und wie man sie im Kampf einsetzen konnte.</p><p>Das Urtum schien seinerseits Broll nicht zu bemerken, was dem Druiden gut zupass kam. Obwohl keine physische Gefahr von ihm drohte, f�rchtete er, dass das Wesen Fandral unabsichtlich Brolls Anwesenheit verraten konnte. Der Grund daf�r w�rde dem Erzdruiden irgendwann sowieso bekannt werden. Doch Broll wollte, dass es eher sp�ter als fr�her passierte. Denn dann war er schon lange fort.</p><p>Und falls die Dinge nicht so liefen, wie Broll sie geplant hatte, war er sehr wahrscheinlich sowieso tot.</p><p>Der Druide korrigierte die Flugbahn, um anderen, schlaueren W�chtern auszuweichen, die sich in den �sten versteckten. Die Schildwache, Darnassus� bewaffnete Streitkr�fte, patrouillierte in Teldrassils Krone. Sie wurden von Shandris Mondfeder angef�hrt, die ihrer Herrscherin v�llig ergeben war.</p><p>Nur wenige Nachtelfen waren f�higer oder erfahrener als Shandris, die Tyrande vor langer Zeit auf dem Schlachtfeld w�hrend des Ersten Krieges gegen die Brennende Legion gerettet hatte. Shandris war ein Waisenkind gewesen, eins von so vielen. Unter Anleitung der Hohepriesterin war sie im Rang aufgestiegen und hatte sich als eine der begabtesten Kriegerinnen ihres Volkes erwiesen.</p><p>Es war v�llig logisch gewesen, dass Tyrande Shandris f�r eine so wichtige Mission ausgew�hlt hatte. Die Hohepriesterin w�rde in einer heiklen Angelegenheit wie dieser niemand anderem vertrauen. Broll f�hlte sich geehrt, zu diesen Vertrauten zu geh�ren.</p><p>Er sp�rte, dass er seinem Ziel nahe war und schob die Gedanken an Tyrandes Wahl beiseite. Kaum einen Fl�gelschlag sp�ter brach die Sturmkr�he durch das Blattwerk... und gelangte in einen Bereich der Hauptstadt, der als Enklave des Cenarius bekannt war.</p><p>Wie bei so vielem in Darnassus war es f�r einen Au�enstehenden unm�glich zu erkennen, dass dieser heilige Ort zu einer Stadt geh�rte, die auf dem <emphasis>Ast eines Baumes</emphasis> errichtet worden war. Gro�e B�ume�� haupts�chlich Eichen und Eschen�� durchzogen die Enklave. Jeder Baum trug mystische Runen, die aus der Rinde gebildet waren. Der kreisrunde Hain bestand aus einer Handvoll Geb�uden, die aus lebenden B�umen und sorgf�ltig geformten Steinen errichtet waren. Sie waren die �blichen Versammlungsorte f�r die Treffen der Druiden. Das gr��te Haus diente Fandral Hirschhaupt als Wohnung.</p><p>Die Sturmkr�he flog nicht direkt auf das Sanktum des Erzdruiden zu, stattdessen landete sie zun�chst auf einem Ast, der es ihr erlaubte, den Bereich zu �berblicken. Die Enklave des Cenarius strahlte vor allem Ruhe aus, und sie war ein gem�tlicher Ort. Doch auch hier gab es W�chter, besonders die, die von Fandral selbst eingesetzt worden waren.</p><p>Broll flatterte zu einem anderen Ast und blieb dabei tief genug, um nicht innerhalb der Enklave aufgesp�rt zu werden. Dabei blieb er aber stets nahe genug beim Sanktum des Erzdruiden. Er musste schnell eindringen, aber vorsichtig.</p><p>Alles wirkte ruhig, doch als Broll das gr�ne und purpurne Geb�ude beobachtete, bemerkte er feine Ranken, die im Zickzack verliefen. Er neigte den Kopf und beobachtete die kleinen Knospen, die sich entlang der Ranken befanden. Sie wirkten wie eine dekorative Pflanze... und waren der einzige Hinweis auf Fandrals Gerissenheit. Selbst die meisten anderen Druiden�� und Erzdruiden�� h�tten es schwer gehabt, die Ranken als Gefahr zu erkennen.</p><p>Die Sturmkr�he drehte den Kopf und zupfte eine Feder von ihrem K�rper. Den kleinen Schmerz ignorierend, flog Broll hoch �ber die Ranken. Er lie� die Feder fallen.</p><p>Die Feder traf auf eine Knospe, die sich augenblicklich �ffnete. Daraus schoss eine Art Saft hervor, der die Feder augenblicklich ein-schloss. Mit einem Plumps fiel sie zu Boden. Der Saft war schnell hart geworden.</p><p>Es gab Hunderte, vielleicht Tausende dieser kleinen Knospen. Eine derart gro�e Zahl h�tte Broll leicht mit dem Saft bedecken und ihn so gefangen nehmen k�nnen, bis Fandral zur�ckkam.</p><p>Broll erforschte die Ranken und beobachtete sie weiter. Ein paar kleine Bienen summten ungehindert an den Knospen vorbei.</p><p>Die Sturmkr�he stie� einen leisen, aber triumphierenden Laut aus, dann flatterte sie zu Boden. Broll achtete dabei darauf, sich vom Sanktum des Erzdruiden fernzuhalten.</p><p>Erst auf dem Boden nahm Broll wieder seine wahre Gestalt an. Er verschwendete keine Zeit und murmelte etwas. Der Druide gebrauchte keine Worte, sondern Kl�nge, die alle einen scharfen, summenden Ton in sich trugen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter h�rte Broll ein weiteres Brummen. Er summte weiter und beobachtete, wie sich die Bienen vor ihm sammelten. Sie flogen um ihn herum und schienen besonders neugierig zu sein.</p><p>Der Druide �nderte das Tempo seines Zaubers, und der Schwarm reagierte augenblicklich. Die Bienen flogen in Massen auf das rankenbewehrte Geb�ude zu.</p><p>Broll verwandelte sich wieder in eine Sturmkr�he und folgte den Bienen, deren Zahl immer noch anstieg, als er sich zu ihnen gesellte. Sie waren alle als Antwort auf den Ruf hier, den er als Einladung ausgesandt hatte. Die Bienen sammelten sich nun an der Stelle, wo der Nachtelf sie hinf�hrte. Vor einer Fenster�ffnung befanden sich dicht stehende Ranken.</p><p>F�r Broll w�re es unm�glich gewesen, durch das Fenster zu fliegen. Selbst wenn er so schnell gewesen w�re, wie seine Fl�gel es zulie�en. Doch die Bienen schwebten jetzt �ber den Knospen und versuchten vergeblich, die Bl�ten zu best�uben, die ihnen versprochen worden waren. Broll bedauerte diese List, doch er hatte keine andere Wahl.</p><p>Als er sicher war, dass alle Knospen besetzt waren, flog der Druide auf das Fenster zu. Kaum hatte er es erreicht, sah er, wie sich einige der Knospen bewegten. Doch die Anwesenheit der Bienen hielt sie davon ab, den Saft auszusto�en.</p><p>Sein fliegender K�rper passte kaum durch, aber schlie�lich gelangte er doch hinein. Broll landete auf dem Boden, dann wechselte er erneut die Gestalt. Er wusste, wo Fandral aufbewahrte, wonach er suchte. Der Erzdruide schien niemanden f�r wagemutig genug zu halten, ein derartiges Vergehen in die Tat umzusetzen.</p><p>Broll achtete nicht auf den Rest der Umgebung und ging direkt zu einer Kiste, die aus Stahlgras gefertigt war. W�hrend sie von au�en weich wirkte, konnte Stahlgras doch hart wie Metall werden. Ein normaler Nachtelf w�re nicht in der Lage gewesen, es zu durchschneiden oder den Deckel aufzubrechen. Doch Broll war mit Fandrals Methoden vertraut, die sie beide von Malfurion erlernt hatten. Broll wusste sogar ein paar Dinge, von denen er glaubte, dass Fandral sie nicht kannte.</p><p>Der Druide legte die H�nde zusammen und testete die Beschaffenheit der Kiste. Er sp�rte die bindenden Zauber, die Fandral benutzt hatte und die Methoden, mit denen der Erzdruide das Stahlgras selbst geformt hatte.</p><p>Die Str�nge, die die Kiste versiegelten, �ffneten sich. Broll z�gerte, dann hob er den Deckel.</p><p>Das G�tzenbild von Remulos starrte ihn an. Die Drachenfigur schien fast begierig auf seine Ankunft gewartet zu haben.</p><p>Erneut entbrannte ein Kampf in seinen Gedanken. Er erkannte die D�monen der Brennenden Legion und ihren Anf�hrer, den Grubenlord Azgalor. Broll musste wieder hilflos mit ansehen, wie er von der D�monenklinge getroffen wurde und ihm dann das G�tzenbild aus der Hand rutschte.</p><p>Und erneut schlossen die entfesselten und korrumpierten Kr�fte das einzige Wesen ein, das an seiner Seite stand. Seine Tochter. Anessas Tod war nicht leicht gewesen. Sie war schrecklich verbrannt, ihr Fleisch verdorrte vor seinen Augen...</p><p>Broll biss die Z�hne zusammen, als er den Schmerz seines Versagens zur�ckdr�ngte. Er lie� nicht zu, dass seine Gef�hle die Kontrolle �ber ihn erlangten. Er hatte die Statue, nur das z�hlte... das und Malfurions Schicksal.</p><p>Es hatte die M�glichkeit bestanden, dass Fandral Remulos nicht gehorcht und die Statue zu sich zur�ckgerufen hatte. Doch Fandral hatte tats�chlich auf den Rat des W�chters der Mondlichtung geh�rt und so daf�r gesorgt, dass Broll sein Ziel erreichen konnte.</p><p>Der Nachtelf nahm die Figur sanft auf und bewunderte nicht zum ersten Mal ihre beinahe schon surreale Majest�t. Einen Augenblick lang fragte er sich, wie eine so exzellente Arbeit gleichzeitig die Quelle von etwas derma�en B�sen sein konnte. Nat�rlich war das G�tzenbild mittlerweile von allem D�monischen gereinigt worden, vielleicht machte das ja den Unterschied aus.</p><p>Der Nachtelf dachte an Remulos� Warnung, sah aber keine andere M�glichkeit, um seine Pl�ne umzusetzen. Broll brauchte das G�tzenbild. Er w�rde sich nur ganz besonders in Acht nehmen m�ssen.</p><p>Er z�gerte nicht weiter und versiegelte die Kiste schnell wieder.</p><p><emphasis>So, jetzt kann ich Diebstahl zur Liste meiner Taten hinzuf�gen</emphasis>, dachte Broll bitter. <emphasis>Wie w�rden Varian und Valeera dar�ber lachen</emphasis>...</p><p>Er verbarg die Statue unter seinem Umhang. So wie der Rest seiner Kleidung und seiner pers�nlichen Dinge w�rde auch sie an einen magischen Ort gebracht, sobald er sich verwandelte.</p><p>Doch als der Druide wieder zur Sturmkr�he wurde, h�rte er ein schweres Plumpsen. Er neigte den Kopf und sah, dass die Statue neben seinen Krallen lag.</p><p>Broll stie� ein leises frustriertes Kr�chzen aus und flog hoch, dann griff er die Statue mit den Klauen. Als er schlie�lich das G�tzenbild aufgenommen hatte, war er zu gr��ter Eile gezwungen. Vielleicht achtete man nicht so sehr auf eine Sturmkr�he, die einfach wegflog. Aber eine Sturmkr�he, die eine Statue trug, w�rde sicherlich mehr Fragen aufwerfen, als ihm lieb war.</p><p>Flatternd wandte Broll sich dem Fenster zu. Dabei fiel sein Blick auf eine weitere Statue. Diese stand auf einem Ast, der wie ein Tisch oder ein Regal geformt war. Runen prangten darauf, doch es war der Gegenstand, der einen Moment lang die Aufmerksamkeit des Druiden erregte. Es war die Figur eines j�ngeren Nachtelfen, die Fandral sehr �hnlich sah. Obwohl es nicht Fandral selbst war.</p><p><emphasis>Volstann</emphasis>... Broll neigte den Kopf aus Respekt vor dem Nachtelfen, den die Elfenstatue darstellte. Wie Broll hatte Fandral sein einziges Kind verloren. In diesem Fall seinen Sohn. Obwohl die Umst�nde v�llig andere gewesen waren�� der Erzdruide war nicht verantwortlich f�r Volstanns Tod gewesen -, war der Verlust immer ein verbindendes Element zwischen den beiden �lteren Nachtelfen gewesen.</p><p>Ein Band, das Brolls Tat f�r immer durchtrennen w�rde.</p><p>Er konnte sp�ren, wie die Bienen das Interesse allm�hlich verloren. Schnell flog Broll auf das Fenster zu. Der Druide erkannte, wie der erste Schwarm bereits abhob. Er beschleunigte, dann faltete er die Fl�gel eng an den K�rper, als er durch das Fenster schoss.</p><p>Die Bienen flogen hoch. Es waren zu viele. Das bedeutete, dass einige der Knospen jetzt nicht mehr bedeckt waren.</p><p>Etwas traf seinen linken Fl�gel an der Spitze, Broll ruckte zur Seite. Diese unfreiwillige Aktion bewahrte seinen Kopf davor, in der klebrigen Substanz eingefangen zu werden.</p><p>Er wurde wieder getroffen, diesmal am rechten Bein, bevor er schlie�lich au�er Reichweite gelangte. Selbst dann wurde Broll nicht langsamer. Er hatte das Undenkbare getan, und seine einzige Hoffnung war, dass sein verr�ckter Plan irgendetwas ver�ndern konnte.</p><p>Malfurion war im Smaragdgr�nen Traum verloren. Es gab weder Kontakt zum gro�en Aspekt Ysera noch zu einem der anderen gr�nen Drachen, die diese magische Ebene bewachten. Tyrandes Vorschlag, nach Eschental zu gehen, machte am meisten Sinn. Doch wenn sie eine echte Aussicht auf Erfolg haben wollten, w�rden sie Hilfe gr��erer Art brauchen als die eines einsamen Druiden von fragw�rdiger Eignung und einer Priesterin der Mondg�ttin.</p><p>Und durch das G�tzenbild von Remulos hoffte Broll, genau diese Hilfe kontaktieren zu k�nnen... falls nicht schon der Versuch ihn umbrachte.</p><empty-line/><p>Thura k�mpfte sich durch die dichte Vegetation. Ihr Orcsinn f�rs Praktische sah keinen Grund, warum sie die magische Axt nicht auch f�r eine solch banale Aufgabe nutzen konnte. Denn wozu war eine Waffe sonst gut, wenn man damit seinen Feind nicht erreichen konnte?</p><p>Sie sp�rte, dass sie sich ihrem Ziel n�herte. Die Reise konnte vielleicht noch Tage dauern. Vielleicht war sie aber auch schon am n�chsten Morgen vorbei. Doch der Schl�ssel, den verr�terischen Elf zu finden, war nah.</p><p>Der Wald wich schlie�lich offenerem Land und dann einer Kette von h�heren H�geln. Die Orcfrau erblickte mehrere H�hleneing�nge von verschiedener Gr��e. Thura umklammerte die Axt nun wieder wie eine Waffe. H�hlen konnten Gefahr bedeuten, besonders, wenn hungrige Tiere oder wilde Trolle darin hausten.</p><p>Als sie die H�gel erreichte, bemerkte Thura, dass eine merkw�rdige Stille �ber dem Land lag. Wo waren die V�gel? Ein paar Insekten k�ndeten von ihrer Anwesenheit, doch nichts Gr��eres schrie oder flog in Sicht. Ein ideales Gebiet f�r die Jagd war das hier nicht... doch vielleicht wurde sie selbst gejagt.</p><p>Schon nach wenigen Minuten auf dem neuen Terrain verlangte die Ersch�pfung ihr Recht. Thura blieb nichts anderes �brig, als sich auszuruhen und ein wenig Schlaf zu riskieren. Sie blickte zu den dunklen H�hleneing�ngen um sich herum. Sie w�hlte einen Unterschlupf, der zu klein war, um einen gro�en J�ger beherbergen zu k�nnen, aber ausreichend gro� f�r ihre Bed�rfnisse.</p><p>Die H�hle wurde nach nur ein paar Metern gr��er, bevor sie vor einer gew�lbten Wand endete. Nachdem sie sich versichert hatte, dass es keine versteckten �ffnungen gab, die irgendeine Gefahr beherbergen konnten, lie� sich die Kriegerin in einer Ecke nieder, von der aus sie sowohl die H�hle als auch den Eingang beobachten konnte.</p><p>Sie hatte nur noch wenige Vorr�te �brig behalten, und das Wenige teilte Thura sorgf�ltig ein. Drei St�cke getrocknetes Ziegenfleisch, einige langsam verrottende Knollen und einen halben Beutel voll Wasser. Thura a� eins der Fleischst�cke und eine Knolle. Dann gestattete sie sich zwei kleine Schlucke des brackigen Wassers. Sie ignorierte den Protest ihres Magens, der schon seit Tagen nicht mehr gef�llt worden war. Irgendwo w�rde sie genug zu essen finden, um weiterzumachen, bis sie ihren Blutschwur erf�llt hatte. Nur dann, und wenn sie es �berlebte, w�rde Thura sich mit profaneren Dingen abgeben k�nnen...</p><p>Ein Zischen hallte durch die H�hle.</p><p>Die Orcfrau brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass das Ger�usch von drau�en gekommen war. Thura packte die Axt und lief zum Eingang. Das Zischen stammte von keiner gew�hnlichen Schlange oder Echse. Der Intensit�t nach zu schlie�en, kam es von etwas viel, viel Gr��erem.</p><p>Das Fehlen der V�gel und Tiere in der Gegend erschien auf einmal verst�ndlicher.</p><p>Thura wartete, doch das Ger�usch wiederholte sich nicht. Schlie�lich trat sie einen Schritt nach drau�en, bereit, es mit <emphasis>jedem</emphasis> Gegner aufzunehmen.</p><p>Ein starker Wind kam pl�tzlich auf. So stark, dass er die st�mmige Orcfrau fast in die H�hle zur�ckgedr�ngt h�tte. Die ohnehin schon d�stere Region wurde noch dunkler, als h�tte jemand die Sterne und den Mond ausgeblendet.</p><p>Und dann geschah etwas. Ein gro�er Schatten legte sich �ber Thuras Aufenthaltsort. Er glitt �ber sie hinweg, tiefer in das Land hinein.</p><p>Die Orcfrau trat weiter hinaus und versuchte, mehr zu erkennen. In der Ferne verschwand die riesige Gestalt hinter dem Horizont.</p><p>Nachdem sie eine Weile abgewartet hatte, ob das Wesen sich wieder in den Himmel erheben w�rde, ging Thura in die H�hle zur�ck. Sie lie� sich nieder, behielt die Axt aber in der Hand. Ein schwacher Schimmer lag nun in ihren Augen.</p><p>Das war ein Zeichen gewesen. Als sie das letzte Mal geschlafen hatte, hatte sich der vorher immer gleiche Traum ver�ndert. Es war ein Hinweis auf etwas gewesen�� ein kurzes Aufleuchten, eine vage erkennbare Gestalt, die sie erst sp�ter richtig erkannt hatte.</p><p>Eine Gestalt, derjenigen sehr �hnlich, die Thura gerade gesehen hatte.</p><p>Dort war ein Drache gewesen.</p></section><section><title><p>6</p><p>Drachen und T�uschung</p></title><p>Malfurion sp�rte, wie der Schatten drohend �ber ihm aufragte, und wusste, was es bedeutete. Eine neue Folter stand bevor.</p><p>Die dunklen smaragdgr�nen Linien breiteten sich weiter �ber ihn aus. Zuerst schienen sie schartige knochige Finger zu bilden, die sich dann aber als die Umrisse eines gro�en Baumes herausstellten, der selbst den Erzdruiden�� oder das, was aus ihm geworden war�� �berragte. Doch obwohl sein Sichtfeld stark eingeengt war, wusste der Nachtelf, dass dem Schatten zum Trotz... kein anderer Baum erkennbar war.</p><p><emphasis>Kannst du ihre Tr�ume kosten</emphasis>?, s�uselte der Albtraumlord. <emphasis>Kannst du ihre �ngste kosten? Seihst deine Liebsten sind nicht immun dagegen</emphasis>...</p><p>Malfurion antwortete nicht, obwohl er wusste, dass der Entf�hrer immer noch seine Gef�hle sp�ren konnte. Deshalb versuchte der Erzdruide fortw�hrend, sich auf sein Innerstes zu konzentrieren. Je ruhiger er blieb, desto gr��er waren die Hoffnungen f�r die anderen.</p><p>Und desto besser standen die Chancen, dass der Albtraumlord nichts von seinen wahren Bem�hungen ahnte. Sein Entf�hrer glaubte, dass die Zauber, die den Nachtelf umgaben, Malfurion daran hinderten, Kontakt �ber jemand anderen mit seiner geliebten Tyrande aufzunehmen. Und gr��tenteils stimmte das auch. Doch der Erzdruide konnte auf seine zehntausendj�hrige Erfahrung zur�ckgreifen. Dennoch wagte er es nicht, Tyrande oder andere Verb�ndete direkt zu kontaktieren.</p><p>Doch es gab noch andere Wege der Kommunikation, die wegen ihrer komplizierten Natur allerdings ein wenig Feingef�hl erforderten. Wenn der Albtraumlord etwas davon mitbekam, war Malfurion ganz sicher verloren. Und mit ihm auch alles andere.</p><p>Der Schatten wuchs und wand sich, als ob der d�stere Baum seine Beute besser erkennen wollte. Malfurion selbst wurde auch pl�tzlich verdreht. Der Baum der Qual, zu dem er geworden war, nahm einen neuen, finsteren Blickwinkel ein. Aus seinen Bl�ttern entsprangen schwarze Bl�ten. Jede neu entstandene Bl�te war wie eine Nadel, die man dem Nachtelfen ins Auge stach. Es waren Hunderte, die schon bald den gr��ten Teil seines Oberk�rpers bedeckten.</p><p>Auf jeder Bl�te wuchs pl�tzlich ein smaragdgr�nes Ei. Malfurion wollte schreien, konnte es aber nat�rlich nicht.</p><p>Aus einem der Eier platzte ein Ding mit Tentakeln und Fl�geln heraus. Als es sich bewegte, triefte es nur so vor purem Schrecken.</p><p>Ein zweiter Gegner schl�pfte, gefolgt von einem dritten und immer weiteren. Sie krabbelten �ber Malfurion, kratzten und bissen.</p><p>Schlie�lich verlie� die schreckliche Schar den Erzdruiden. Sie huschten <emphasis>um</emphasis> ihn herum, als w�rden sie auf Befehle warten.</p><p>Der Schatten kam n�her, als wollte er sie liebkosen.</p><p><emphasis>Geschaffen aus deinen eigenen �ngsten, angetrieben durch mein Verlangen... sie sind sch�n anzusehen, nicht wahr</emphasis>?</p><p>Wie auf ein unh�rbares Signal hin breitete sich der Schwarm in verschiedene Richtungen aus. Die Krabbler verschwanden schnell in der Tiefe. Feuchter gr�ner Nebel umgab alles au�er Malfurions unmittelbarer Umgebung.</p><p><emphasis>Es gibt immer mehr Schl�fer, mein Freund, immer mehr, die empf�nglich sind f�r diese Tiere... ihre Albtr�ume n�hren mich durch dich und die anderen</emphasis>...</p><p>Malfurion bem�hte sich zu verdr�ngen, dass seine eigenen F�higkeiten dabei halfen, diesen Albtraum �ber den Smaragdgr�nen Traum hinaus zu verbreiten. Doch die Sorge drang tief in ihn hinein. Eine Sorge, die sein Entf�hrer ungl�cklicherweise sp�ren konnte.</p><p><emphasis>Ja, mein Freund, du hast dein Volk verraten, deine Welt und deine Geliebten...du kennst die Wahrheit</emphasis>...</p><p>Der K�rper des Erzdruiden wurde weiter verdreht. Ein neuer stummer Schrei hallte durch seinen Geist, aber er reichte nicht aus, um all den Schmerz zu lindern. Trotz seiner Ausbildung, trotz seiner F�higkeiten konnte Malfurion den Schmerz der Folter nicht v�llig unterdr�cken.</p><p><emphasis>Verfalle dem Wahnsinn, Malfurion Sturmgrimm... verfalle dem Wahnsinn... aber wisse, dass selbst der Wahn keine Zuflucht ist... ich wei� es... denn ich werde dort auf dich warten... es gibt keinen Ort, an dem du dich verstecken kannst</emphasis>...</p><p>Der Schatten des monstr�sen Baums verschwand aus Malfurions Sicht. Doch der Erzdruide konnte immer noch seine Gegenwart sp�ren. Als neue knorrige Zweige aus ihm heraussprossen, wo einst seine Arme gewesen waren, wurde Malfurion bewusst, dass der Albtraumlord gerade erst begonnen hatte, ihn zu benutzen. Der Nachtelf war der Schl�ssel f�r den Plan dieser Kreatur. Weil Malfurion gleicherma�en eine m�chtige Verbindung zu seinem Reich und nach Azeroth hatte.</p><p>Doch er war nicht der einzige Schl�ssel. Malfurion wusste das nur allzu gut. Das B�se, der Albtraum, hatte noch andere, m�chtigere Wesen als ihn gefangen... und wenn schon der Nachtelf ein furchtbares Schicksal erlitt, so dienten die anderen dem Albtraumlord auf noch verderbtere Weise. Sie waren nun willige J�nger der Finsternis, die sie eifrig verbreiteten. Sie wollten sehen, wie die ganze Ebene der Sterblichen davon verschlungen wurde.</p><p>Der Albtraumlord hatte Drachen, die ihm dienten. Gr�ne Drachen...</p><empty-line/><p><emphasis>Etwas Unaussprechliches versucht, die Herrschaft �ber die Welt an sich zu rei�en</emphasis>, dachte die von einer Kapuze bedeckte Gestalt, als sie die schwebenden Kugeln vor sich betrachtete. Auf einem Stuhl sitzend, der aus einem Stalagmiten gefertigt war, betrachtete die hagere, <emphasis>fast</emphasis> elfengleiche Gestalt die Bilder in jeder Kugel. Auf ihren Befehl hin zeigten sie Szenen von Orten �berall in Azeroth.</p><p>Der Mann trug die violetten Gew�nder der Kirin Tor, obwohl er nichts mehr mit ihnen zu tun hatte. Daran �nderte selbst die Tatsache nichts, dass der Anf�hrer dieser Magier sein ehemaliger Sch�ler war.</p><p>Bis auf Weiteres zumindest hatte Krasus mit den Zauberern gebrochen, sein eigener Weg verlangte es so. Er, der �ber die j�ngeren V�lker gewacht hatte, musste sich wieder einmal auf die Drachen konzentrieren. Denn nach vielen Jahrhunderten der Kontinuit�t ver�nderten sich die gro�en gefl�gelten Kreaturen pl�tzlich. Diese Entwicklung war Krasus ganz besonders wichtig.</p><p>Immerhin war er selbst einer von ihnen.</p><p>Vom Aussehen her war er schlaksig, mit raubvogelhaften Gesichtsz�gen und drei langen Narben, die seine rechte Wange hinunterliefen. Sein Haar war zum gr��ten Teil silbern, mit vereinzelten schwarzen und roten Str�hnen, obwohl man auch anhand des Silbers sein wahres Alter kaum erraten konnte. Dazu musste man in seine leuchtend schwarzen Augen blicken�� Augen, wie sie kein Sterblicher hatte. Die Augen und die Narben waren die einzigen Hinweise auf seine Identit�t als gro�er Drache Korialstrasz.</p><p>In seiner wahren Gestalt war er der Hauptgemahl der K�nigin der roten Drachen und des Aspekts des Lebens, der herrlichen Alexstrasza. Und als solcher war er ihr wichtigster Agent, wenn es um den Schutz von Azeroth ging.</p><p>Und so war es auch nun wieder. Denn es war eine Situation entstanden, die seine <emphasis>beiden</emphasis> gro�en Sorgenkinder betraf�� Azeroth und sein eigenes Volk. Das B�se breitete sich nicht nur auf der Welt der Sterblichen aus, sondern es ber�hrte auch den Smaragdgr�nen Traum. Er hatte versucht, Ysera zu kontaktieren, doch er konnte sie nicht finden. Tats�chlich konnte er keinen der gr�nen Drachen aufsp�ren au�er einem... und mit dem wollte Krasus nichts zu tun haben.</p><p>Er musste nicht erst danach fragen, wer wirklich daf�r verantwortlich war. F�r jeden anderen h�tte es keine definitive Antwort gegeben, doch Krasus kannte sie genau. Er kannte das B�se dahinter aus tiefster Seele.</p><p>�Ich kenne dich, Zerst�rer�, fl�sterte er, als er eine andere Kugel betrachtete. �Ich kenne deinen Namen, <emphasis>Todesschwinge...�</emphasis></p><p>Nur der schwarze Drache konnte dahinterstecken. Der verr�ckte Aspekt, der einst Neltharion genannt wurde, der Erdenw�chter. Krasus stand auf. Er w�rde sofort handeln m�ssen...</p><p>Vertrautes Gel�chter schallte durch seine Bergfeste, ein verstecktes Refugium, nicht weit entfernt von dem Ort, wo einst das fantastische Dalaran, die Stadt der Magier, gelegen hatte. Doch jetzt markierte ein klaffender Krater, was selbst Krasus hatte eingestehen m�ssen: Dass einer der erstaunlichsten�� wenn auch potenziell katastrophalsten�� Zauber, die je gewirkt wurden, daf�r verantwortlich war. Dalarans Fehlen bedeutete, dass nur wenige einen Grund hatten, zu diesem trostlosen Ort zu kommen... es sei denn, sie suchten den Drachenmagier selbst.</p><p>Krasus lie� instinktiv die Bilder auf den Kugeln mit einem Handzeichen verschwinden�� dann sah er mit Schrecken, dass sie alle nur eine einzige Vision zeigten. Es war ein Auge, das brennende Auge des <emphasis>Zerst�rers</emphasis>...</p><p>�Todesschwinge...�</p><p>Gerade als er den Namen des schwarzen Drachen aussprach, explodierten die Kugeln. Scharfe Splitter flogen durch die Kammer und schlugen in die Steinw�nde und Kalksteinfelsen ein. Die meisten trafen aber Krasus. Der Zauber, den er wirkte, erwies sich als nutzlos, und der Angriff warf Krasus gegen den steinernen Stuhl.</p><p>Obwohl er gebrechlich wirkte, war sein K�rper immer noch geschmeidiger als der jedes Elfen oder Menschen. Der Stein knackte, und Krasus und der Stuhl wurden umgeworfen. Doch der Magier achtete wenig auf die Kollision. Der Schmerz von den vielen Scherben, die in ihm steckten, war viel schlimmer.</p><p>Aber er kam wieder auf die F��e und bereitete den Gegenangriff vor. Obwohl er nicht so m�chtig wie ein Aspekt war, geh�rte Krasus zu den vielseitigsten und gerissensten seiner Art. Au�erdem hatte Todesschwinge es gewagt, ihn in seinem Privatgemach anzugreifen, wo es jede Menge Dinge gab, die Alexstraszas Gemahl n�tzlich sein konnten.</p><p>Doch als er die Energien herbeirief, die er f�r seinen Zauber ben�tigte, leuchteten die Scherben grell auf. Ein Schock lief durch seinen K�rper.</p><p>Die Scherben, die �berall in seinem Privatgemach eingeschlagen waren, l�sten sich von ihren Pl�tzen. Der schmerzgeplagte Krasus beugte sich vorn�ber. Sein K�rper begann zu wachsen, die Arme und Beine bogen sich, wurden reptilienartiger. Aus seinem R�cken entsprossen zwei ledrige Fl�gel, die augenblicklich gr��er wurden.</p><p>Todesschwinges Gel�chter erf�llte die Privatgem�cher. Wieder leuchteten die Scherben. Krasus, mitten in seiner Verwandlung zu Korialstrasz, dem roten Drachen, wankte.</p><p>Die anderen Scherben erreichten ihn. Doch statt in Krasus einzuschlagen wie die vorhergehenden, blieben sie an seinem K�rper haften. Krasus wollte sie wegbrennen, sie sogar absch�tteln, doch es misslang.</p><p>Fest umschlossen sie seine Haut. Der Drachenmagier konnte sich nicht mehr bewegen. Zu seinem Schrecken stellte er fest, dass die Scherben von au�en her <emphasis>dr�ckten</emphasis>. Sie pressten ihn immer weiter zusammen, als h�tte er keine Knochen, keine Substanz.</p><p>Und als die Scherben ihn v�llig eingeschlossen hatten, wurde Krasus klar, dass er gefangen war. Nicht in einer Kugel, sondern in einer goldenen Scheibe.</p><p>Seine Augen weiteten sich. �Nein...�</p><p>Eine monstr�se Fratze glotzte ihn von drau�en an. Es war das vernarbte und verbrannte Antlitz von Todesschwinge. �Korialstrasz...�</p><p>Als Antwort griff der Drachenmagier sein Gef�ngnis mit all seiner magischen Macht an. Doch statt die Scheibe zu schw�chen, lie�en seine Anstrengungen sie nur heller leuchten.</p><p>�Ja�, spottete Todesschwinge. �N�hre meine Sch�pfung... das ist nur fair�� die Letzte hast du ja zerst�rt...�</p><p>Krasus sch�ttelte den Kopf. �Das ist unm�glich...�</p><p>�O doch�, antwortete der schwarze Riese, sein Grinsen wurde breiter. �Du wirst meine Sch�pfung f�r immer n�hren, denn du wirst das Herz meiner neuen <emphasis>D�monenseele sein</emphasis>...�</p><p>Die schreckliche Scheibe leuchtete. Krasus br�llte vor Schmerz.</p><p>Und dann, nur einen kurzen Augenblick lang, sah er sich selbst -oder eher sein wahres Ich, Korialstrasz�� wie er in der Zuflucht im Berg schlief. Einen Augenblick sp�ter war die Vision schon wieder verschwunden, zu stark war der Schmerz. Doch Krasus hatte eine Idee. Er hatte sich gefragt, wie er von Todesschwinges Angriff derart hatte �berrascht werden k�nnen. Er bezweifelte, dass der schwarze Drache das abscheuliche Artefakt wirklich neu erschaffen konnte.</p><p>Krasus kannte die Wahrheit.</p><p><emphasis>Er tr�umte</emphasis>.</p><p>Sein wahres Ich war der schlafende Drache. Er war in einem Albtraum gefangen, wie er ihn nie zuvor erlebt hatte.</p><p>Mit diesem Wissen k�mpfte Krasus gegen den Traum an. Sein Gef�ngnis war nicht echt. Todesschwinge war nicht echt. Es war alles nur eine Illusion.</p><p>Doch nichts geschah.</p><p>Todesschwinge lachte, sein Gesicht wurde durch die Scheibe verzerrt. �Ich werde deine K�nigin erobern und sie zu meiner Gef�hrtin machen! Meine Kinder werden die L�fte beherrschen, und Azeroth wird zu Asche verbrannt. Das kurzlebige Ungeziefer, das du so sehr liebst, wird vernichtet!�</p><p><emphasis>Das ist nur ein Traum, ein Albtraum</emphasis>!, widersprach Krasus. <emphasis>Ein Albtraum</emphasis>!</p><p>Doch obwohl er das wusste, obwohl er die Gr�nde daf�r zu verstehen begann, vermochte Krasus nicht aufzuwachen...</p><empty-line/><p>Die Hippogryphen warteten unruhig nahe der K�ste. Die gefl�gelten Tiere waren mit dem Terrain hier nicht vertraut. Sie kannten zwar den Weg nach Auberdine, doch der Ernst der Lage hatte es erfordert, dass sie nahe der Mondlichtung landen mussten.</p><p>Eins der M�nnchen�� ein Fransenfeder-Hippogryph mit einem sch�nen blauen und t�rkisenen Federkleid�� richtete sich auf seinen pferde�hnlichen Hinterbeinen auf. Die Priesterin, die die Reittiere unter Kontrolle halten sollte, murmelte schnell beruhigende Worte. Das M�nnchen fiel wieder zur�ck, die Krallen am Ende der vogelartigen Vorderbeine gruben sich in den Boden. Der mit einem Geweih geschm�ckte Kopf des Raubvogels senkte sich. Er wollte gestreichelt werden.</p><p>Die Schwestern von Elune waren allein. Die Druiden waren schon vorausgeflogen, wozu sie ihre wundersamen gestaltwandlerischen F�higkeiten genutzt hatten. Tyrande hatte sie nicht gedr�ngt zu warten, sie wusste, dass Fandral es eilig hatte. Das kam ihr sehr zupass.</p><p>Sie beobachtete die Mondlichtung einen Moment lang, dann sagte sie zu ihren stets treuen Wachen: �Ich m�chte f�r einen Moment allein sein. Wartet bitte hier.�</p><p>Der Vorschlag gefiel den Kriegerinnen offensichtlich nicht, doch sie gehorchten. Tyrande wandte sich von ihnen ab und ging zur�ck zu dem W�ldchen, aus dem sie gerade erst gekommen waren. Sie trat hinein und genoss das Mondlicht und die Stille.</p><p>Trotz der Ruhe der Umgebung stellte die Hohepriesterin fest, dass sie sich immer noch nach dem Frieden des Tempels sehnte. Sie hatte sich als Herrscherin ihres Volkes nie wohlgef�hlt. Besonders dann nicht, wenn sie die Leben anderer in Gefahr bringen musste. Jedes Leben war ihr wertvoll. Sie erinnerte sich daran, wie die vorherige Herrscherin der Nachtelfen willentlich ihr Volk zu ihrem eigenen Ruhm abschlachten lie�. F�r Azshara war das Volk dazu da, um nach ihrem Willen zu leben oder zu sterben.</p><p>�Aber ich bin <emphasis>n ich t</emphasis> Azshara. Ich werde niemals Azshara sein...�, sagte die Hohepriesterin nicht zum ersten Mal.</p><p>�Ihr k�nntet nie wie sie sein, Herrin... Ihr seid eine weitaus w�rdigere Herrscherin...�</p><p>Tyrande wandte sich um, und ihr Stirnrunzeln vertiefte sich. �W�rdiger? Ihre ergebensten Anh�nger lobten Azshara vielleicht auf genau die gleiche Weise, Shandris...�</p><p>Die Kriegerin trug eine R�stung, die vom Hals hinab reichte. Sie bestand aus einer hautengen Brustplatte, Schulterpolstern und metallenen und ledernen Beinsch�tzern, die von ihrer H�fte bis zu den dazu passenden Stiefeln reichten. Der gr��te Teil der R�stung war von gr�nlicher Farbe und mit einem Violett versetzt, das der Hautfarbe der meisten Nachtelfen glich.</p><p>�Immerhin geb�hrt Euch dieses Lob.� Shandris Mondfeder zog die Handschuhe aus. Sie kam unbewaffnet zur Hohepriesterin, so, wie es in Darnassus Sitte war�� eine Sitte, die die Generalin der Nachtelfen nach Kr�ften f�rderte. Ihre Gesichtsz�ge waren noch klarer geschnitten als die der meisten ihrer Art, und in ihren stets zusammengezogenen Augen lag eine fast schon enthusiastische Entschlossenheit. Tyrande wusste, dass diese Entschlossenheit nur ihr allein galt. Shandris Mondfeders ganzer Lebensinhalt bestand darin, der Hohepriesterin zu dienen.</p><p>Tyrande erinnerte sich an das Waisenkind, das sie einst w�hrend des Vorsto�es der Brennenden Legion im schrecklichen Ersten Krieg vor zehntausend Jahren gerettet hatte. Die ehemals unschuldigen, furchterf�llten Augen hatten sich mittlerweile ver�ndert. Shandris war die Tochter geworden, die Tyrande nie gehabt hatte... und die sie auch nie erwartet hatte.</p><p>Shandris reckte den Hals, der von einem ledernen und metallenen Kragen gesch�tzt wurde. Unter ihren Augen schienen grobe T�towierungen Tyrande zu verspotten, weil sie den furchterregenden Blick der j�ngeren Nachtelfe unterstrichen. Die Hohepriesterin hatte nie gewollt, dass sich die verschreckte junge Waise in eine Kriegsmaschine verwandelte, dennoch hatte sie es getan.</p><p>�Dar�ber gibt es nichts zu reden, Shandris�, merkte die Hohepriesterin m�rrisch an und bezog sich damit auf die hohe Meinung, die die Generalin von ihr hatte.</p><p>�Stimmt, weil ich recht habe.� Obwohl sie ihrer Retterin jeden Respekt zollte, war Shandris die einzige Person, die stets geradeheraus und unverbl�mt mit Tyrande sprach. Die Generalin wechselte das Thema. �Ich kam allein und heimlich an diesen Ort, wie Ihr es befahlt, bevor Ihr die Insel verlie�et. K�nnt Ihr mir nun den Grund nennen? Wegen der Mondlichtung vermute ich mal, dass es etwas mit den Druiden zu tun hat.� W�hrend sie sprach, ging sie auf und ab wie ein Nachts�bler, eine der gro�en Raubkatzen, die den Schildwachen sowohl als Lasttiere als auch als Waffe dienten.</p><p>�Ja, es hat mit den Druiden zu tun... und mit Malfurion im Besonderen.�</p><p>Shandris nickte, ihr Gesichtsausdruck war unergr�ndlich. �Wir m�ssen einen Weg finden, ihn zu uns zur�ckzubringen, Shandris. Und das aus vielerlei Gr�nden. Was auch immer im Smaragdgr�nen Traum passiert, betrifft nicht nur die Druiden. Ich glaube, es ber�hrt auch Teldrassil... und vielleicht sogar andere Teile von Azeroth...�</p><p>Die Augen der Generalin wurden zu schmalen Schlitzen. �Es hat einige vage Berichte gegeben, au�erdem Ger�chte aus den Menschen- und Zwergenl�ndern. Stets ging es darum, dass Schlafende nicht mehr aufwachen k�nnen. Mir fiel gleich auf, dass es Parallelen zu Malfurion geben k�nnte...�</p><p>Tyrande blickte zum Mond, um etwas Trost zu bekommen. Dann legte sie eine Hand auf Shandris� Schulter und murmelte: �Elune hat mir gezeigt, dass Malfurion stirbt. Ich dachte, das w�sstet Ihr bereits.�</p><p>Die Generalin schaute ihr in die Augen. �Wei� ich auch. Und es tut mir leid, so leid.�</p><p>Tyrande l�chelte traurig. �Danke. Aber Elune zeigte mir auch, wie all dies weit �ber meine pers�nlichen Bef�rchtungen hinausreicht. Ich muss daf�r sorgen, dass alles zum Wohle Azeroths getan wird... und deshalb habe ich Euch gerufen.�</p><p>Shandris Mondfeder fiel sofort auf die Knie. �Befehlt, was Ihr wollt, Herrin! Ich werde gehorchen und gehen, wohin Ihr wollt. Mein Leben geh�rt Euch... auf ewig!�</p><p>Die alte Schuld meldete sich wieder. �Ich muss Euch um einen riesigen Gefallen bitten. Einen Gefallen, keinen Befehl...�</p><p>�Dann fragt!�</p><p>�Ihr kennt doch Broll B�renfell.�</p><p>�Er ist mehr Krieger als Druide, Herrin�, gab Shandris zur Antwort.</p><p>�Broll reist nach Eschental, um Malfurion zu retten. Wisst Ihr, warum?�</p><p>In ihrem Bestreben, die bestm�gliche Kommandeurin zu sein, hatte Shandris ein Netzwerk zur Sammlung von Informationen aufgebaut, das sich weit �ber Darnassus und das Land der Nachtelfen hinaus erstreckte. Deshalb war sie bestens �ber Eschental informiert. Shandris� Miene verschloss sich, doch es war auch ein Hauch von Zustimmung zu erkennen.</p><p>�Es ist gewagt. Gef�hrlich. Aber auch, wie ich glaube, die einzige Hoffnung, die wir noch haben.�</p><p>�Ich will nicht, dass er allein geht.�</p><p>�Ich hatte so etwas schon vermutet. Deshalb habe ich mich auf eine lange Reise vorbereitet!� Die Augen der Nachtelfe leuchteten vor Vorfreude. Shandris sprang auf und presste ihre Faust gegen die Brust. �Ich kann von hier aus sofort aufbrechen! Ich kenne die Gefahren und die Dringlichkeit dieser Mission! Sie kann nicht irgendjemandem anvertraut werden...�</p><p>�Genau.� Tyrande straffte sich, entschlossen, jetzt als Herrscherin zu sprechen. �Und deshalb werde <emphasis>ich</emphasis> ihn dabei begleiten.�</p><p>Ihre Worte schlugen ein wie ein Blitz. Shandris taumelte einen Schritt zur�ck. Sie starrte die Hohepriesterin an.</p><p>�Ihr? Aber Darnassus braucht Euch! Ich bin diejenige, die gehen sollte...�</p><p>�Elune hat mir gezeigt, dass ich als ihre Hohepriesterin am besten daf�r geeignet bin. Diese Aufgabe erfordert s�mtliches Wissen der Schwesternschaft, und als ihre F�hrerin kann ich die Erledigung von keinem anderen verlangen. Au�erdem kennt niemand Malfurion so gut wie ich... niemand ist derart an ihn gebunden. Wenn jemand seine Traumgestalt zu finden vermag, dann ich.� Ihr Blick war fest. �Und w�hrend es mein ganz pers�nliches Bestreben ist, Malfurion zu retten, k�nnte er auch <emphasis>Azeroths</emphasis> einzige Hoffnung sein. Als Hohepriesterin <emphasis>muss</emphasis> ich Broll begleiten...�</p><p>Shandris nickte schlie�lich. Doch obwohl sie ihr zustimmte, hatte die Generalin noch Fragen. �Was h�lt Fandral davon?�</p><p>�Ich bin Fandral keine Rechenschaft schuldig.�</p><p>�Manchmal scheint er das nicht zu wissen.� Shandris� Worte wurden von einem L�cheln begleitet. Sie war eine der wenigen, die wusste, dass er und ihre Herrin nicht immer einer Meinung dar�ber waren, wie Tyrande regierte. Besonders, wenn ihre Entscheidungen die Druiden betrafen.</p><p>Dann wurde sie wieder ernst. �Und Darnassus?�</p><p>�Es liegt an Euch, Darnassus zu bewachen, Shandris, wie Ihr es sonst auch tut, wenn ich wegen Regierungsgesch�ften fort muss.�</p><p>�Das ist wohl kaum dasselbe...� Wieder kniete sich die Kriegerin hin. �Trotzdem werde ich Stadt und Reich selbstredend besch�tzen, bis <emphasis>Ihr zur�ckkehrt.�</emphasis></p><p>Ihre Betonung des letzten Wortes klang fast wie ein Befehl, dass Tyrande auf jeden Fall zur�ckkommen <emphasis>m�sse</emphasis>. Die Herrscherin der Nachtelfen streckte die Arme aus und ber�hrte Shandris an der Wange. �Meine Tochter...�</p><p>Die hartgesottene Kriegerin sprang vor und schlang die Arme um die Hohepriesterin. Shandris vergrub ihr Gesicht an Tyrandes Hals. �Mutter...�, fl�sterte sie mit einer Stimme, die genauso klang wie die der verschreckten Waise vor so langer Zeit.</p><p>Genauso schnell zog sich Shandris zur�ck. Abgesehen von einer Tr�ne auf der Wange war sie wieder ganz die erfahrene Kommandeurin der Schildwachen. Sie salutierte vor Tyrande.</p><p>�Ihr nehmt nat�rlich mein Reittier�, sagte Shandris. �Wie ich schon sagte, ist es bereit f�r eine lange Reise. Au�erdem gibt es kein besseres. Es ist nicht weit weg. Folgt mir einfach.�</p><p>Shandris wandte sich steif um und f�hrte sie tiefer in den Wald hinein. Keine von ihnen sprach, aber beide waren tief in Gedanken versunken.</p><p>Nach fast f�nf Minuten h�rte Tyrande das Schnauben einer gro�en Kreatur. Als Shandris keinerlei Besorgnis zeigte, folgte die Hohepriesterin ihr.</p><p>Einen Augenblick sp�ter traten sie vor einen gro�en m�nnlichen Hippogryphen, der an einer schweren Eiche angebunden war. Sein Federkleid war auff�lliger als das anderer Tiere, die von der Gruppe geritten wurden. Die Federn waren dunkler, und rote Linien zierten die schwarzen Fl�gel. An den oberen Enden waren sie von einem leichten T�rkis durchzogen. Purpurrote Federn begrenzten den ansonsten blauschwarzen Kopf. Der Hippogryph trug einen Schutzhelm und etwas K�rperr�stung. Obwohl alle Hippogryphen kr�ftig gebaut waren, war dieser hier eigens f�r den Krieg gez�chtet worden.</p><p>�Er und ich sind schon oft zusammen in die Schlacht gezogen. Ihr k�nnt ihm so vertrauen wie mir�, sagte die Generalin leise. �Er hei�t Jai�alator.�</p><p>�Edle Klinge der Elune�, �bersetzte Tyrande. �Das ist ein stolzer Name.�</p><p>Der Hippogryph neigte den gro�en Kopf. Die gefl�gelten Tiere waren gewitzt. Sie besa�en eine eigene Intelligenz und wurden eher als <emphasis>Verb�ndete</emphasis> denn als Diener betrachtet. Sie <emphasis>erlaubten</emphasis>, dass man auf ihnen ritt.</p><p>�Es ist mir eine Ehre, mit Euch zu fliegen�, sagte Tyrande zu dem Hippogryphen.</p><p>Shandris l�ste die Z�gel des Tiers und gab sie ihrer Herrin. �Er reagiert auf �Jai�. Wenn Ihr niedrig �ber den B�umen fliegt, werden die anderen Euch nicht sehen. Ich kehre gleich zu ihnen zur�ck und halte sie noch ein wenig auf.�</p><p>Nickend nahm die Hohepriesterin die Z�gel entgegen. �Danke, Shandris.� Tyrande gab ihr ein Letztes mit auf den Weg: �Shandris... seid auf der Hut.�</p><p>Die Augen der Generalin zogen sich zusammen. �Vor wem?�</p><p>Wie sollte sie erkl�ren, wogegen sie gek�mpft hatte? �Vor allem, was Elunes Licht verzehren muss...�</p><p>Shandris runzelte die Stirn, erwiderte aber nichts. Sie salutierte noch einmal, dann drehte sie sich um und schritt in Richtung der anderen Priesterinnen davon.</p><p>Die Hohepriesterin wischte sich eine Tr�ne aus dem Augenwinkel, dann richtete sie ihre Gedanken auf ihre bevorstehende Reise... Eins der gr��ten Probleme w�rde sein, Broll B�renfell davon zu �berzeugen, sie nach Eschental mitzunehmen.</p><p>Zum Gro�en Baum.</p><p>Und damit zum Tor in den Smaragdgr�nen Traum.</p></section><section><title><p>7</p><p>Auberdine</p></title><p>Broll landete gerade au�erhalb der Sichtweite von Auberdine. Er war bereits ungeduldig und wollte sich auf den Weiterweg machen. Obwohl sie offiziell zum Reich der Nachtelfen geh�rte, mied sein Volk die Region, die nach dem merkw�rdigen Nebel, der oft alles bedeckte, Dunkelk�ste genannt wurde. Es hatte Versuche gegeben, das Land zu besiedeln�� einige davon nicht von seinem Volk -, doch alle waren fehlgeschlagen. Ruinen waren �ber die Wildnis verteilt, viele von ihnen beherbergten nun Gefahren f�r Reisende, die das Gebiet freiwillig oder gezwungenerma�en durchquerten.</p><p>Auberdine war die einzige Festung weit und breit, wenn man sie denn so nennen konnte. Es war ein d�sterer Ort, und das meinten nicht nur die Nachtelfen. Selbst Menschen und Zwerge fanden ihn finster. Er schien immer von Sturmwolken gekr�nt zu sein, und es wehte ein k�hler Wind, der jedem durch die Seele schnitt. Auberdine war der Notwendigkeit geschuldet, dass Darnassus einen Ort auf dem benachbarten Festland brauchte, an dem es mit der Au�enwelt Handel treiben konnte.</p><p>Die Bewohner der Hauptstadt schauten f�r gew�hnlich auf die Einwohner dieser Stadt herab. Ein Fehler, den Broll gelegentlich auch selbst beging. Auberdine wurde von Ausgesto�enen und Au�enseitern bewohnt. Es gab zwar auch eine Wachgarnison und sogar einige Druiden. Doch sie hielten sich, soweit es m�glich war, von den Einheimischen fern.</p><p>Broll fluchte, als er den Fu� sch�ttelte. In seiner Gestalt als Sturmkr�he wurden seine Arme zu Fl�geln und seine F��e zu Krallen. Ungl�cklicherweise hatten einige der Knospen auf den Krallen gesessen, weshalb das G�tzenbild jetzt an seinem Fu� klebte.</p><p>Broll holte verschiedene Kr�uter aus einem Beutel an der H�fte und verteilte sie �ber den Saft. Wie Schnee in der Sonne wurde der getrocknete Saft schlie�lich weich, dann schmolz er weg. Das G�tzenbild von Remulos fiel unr�hmlich zu Boden.</p><p>Broll hob es auf und blickte nach vorn. Der Pfad war dunkel, und obwohl das den Nachtelfen nicht sonderlich st�rte, fragte er sich, warum es, trotz des Nebels, keine Lichter am Horizont gab. Er konnte sich nicht erinnern, irgendein Leuchten w�hrend seiner Landung bemerkt zu haben. Auberdine h�tte hell genug leuchten m�ssen, um von seinem Standort aus gesehen werden zu k�nnen. Und wenn das Licht auch nur von den anderen V�lkern stammte, die die Siedlung regelm��ig besuchten.</p><p>Grunzend stapfte er weiter. Er h�tte n�her bei der Stadt landen k�nnen. Doch er wollte nicht mehr Aufmerksamkeit erregen als n�tig war.</p><p>Broll versteckte das G�tzenbild in seinem Umhang und bewegte sich schneller. Er hoffte, dass Fandral den Diebstahl noch eine Zeit lang nicht bemerken w�rde. Der Erzdruide hatte keinen Grund, nach der Figur zu schauen... doch Broll traute seinem Gl�ck nicht.</p><p>Als er den Gipfel des H�gels erreichte, wurde der Druide vorsichtiger. Er konnte immer noch keine Beleuchtung in Auberdine erkennen, und aus dieser N�he h�tte der Nebel die Sicht nicht derma�en stark einschr�nken d�rfen.</p><p>Eine Vorahnung auf Schreckliches stieg in ihm auf. Broll �berdachte seine fr�here Entscheidung, nicht direkt zur Stadt zu fliegen. Er holte das G�tzenbild wieder heraus und stellte es neben seinen Fu�.</p><p>Doch als er die Arme hob, erkannte er, dass er nicht allein war. Das Flattern von Fl�geln lie� ihn augenblicklich an Fandral denken, der vielleicht schon Jagd auf den fehlgeleiteten Druiden machte. Aber was Broll am Himmel entdeckte, war keine Sturmkr�he, sondern die verschwommene Gestalt eines Hippogryphs.</p><p>Auf dem Tier sa� ein Reiter. Obwohl er ihn nicht erkennen konnte, musste das Shandris Mondfeder sein.</p><p>Die Priesterin flog sehr niedrig, gerade �ber den Baumspitzen. Dann verschwand sie aus seiner Sicht, bevor er ihr ein Zeichen geben konnte. Broll bezweifelte, dass Shandris direkt in Auberdine landen w�rde. Wie er selbst w�rde sie einen Platz kurz hinter der Stadt w�hlen. Sie waren beide �bervorsichtig, doch es war ein Wesenszug, der Broll bislang stets zum Vorteil gereicht hatte, und zweifelsfrei dachte die Generalin genauso... Vor allem, wenn man das merkw�rdige Fehlen allen Lichtes bedachte.</p><p>Broll beendete schnell seine Verwandlung, dann griff er sich die Figur und stieg in die L�fte auf. Wie der Reiter des Hippogryphen blieb er dicht �ber den Baumspitzen. Der Druide verfolgte den Weg des anderen, so gut er konnte. Doch er vermochte Shandris nirgendwo zu entdecken. Das bedeutete wahrscheinlich, dass sie bereits gelandet war.</p><p>Auberdine war nicht mehr weit entfernt. Die tief liegenden, h�lzernen Geb�ude erhoben sich wie nebelverhangene Gr�fte vor ihm. Zumindest die Br�cken und Pfade h�tten beleuchtet sein m�ssen. Doch alles, was Broll sehen konnte, waren die bogenf�rmigen Umrisse von ein paar Geb�uden.</p><p><emphasis>Was ist in Auberdine geschehen</emphasis>? Keiner der Druiden auf der Versammlung hatte irgendetwas B�ses erw�hnt. Und sicherlich waren doch ein paar von ihnen durch oder zumindest �ber diese Region gereist. Wenn hier etwas geschehen war, dann also w�hrend der letzten zwei Tage.</p><p>Der Druide landete. Er nahm wieder seine normale Gestalt an, versteckte aber das G�tzenbild. Dann n�herte er sich den Randbereichen der Stadt. Eine t�dliche Stille war alles, was Broll empfing. In den W�ldern fehlten die Schreie der n�chtlichen Kreaturen, nicht einmal Insekten waren zu h�ren.</p><p>Broll ber�hrte eine Eiche, hoffte, dadurch etwas zu erfahren. Dabei entdeckte er etwas Beunruhigendes. Der Baum schlief, und nicht einmal das Ansto�en des Druiden konnte ihn aufwecken. Er ging zu einem zweiten Baum, dieses Mal eine Esche, und stellte fest, dass es hier dasselbe war.</p><p>Beunruhigt entschied sich Broll schlie�lich, die nebelverhangene Stadt selbst zu betreten. Kurioserweise <emphasis>verdichtete</emphasis> sich der Nebel, als er eintrat. Selbst der scharfe Blick des Druiden konnte den Schleier nur ein paar Zentimeter weit durchdringen.</p><p>Der Druide schn�ffelte in der Luft. Zu seiner Erleichterung roch er kein verwesendes Fleisch. Er hatte bef�rchtet, dass irgendeine Katastrophe�� Seuche oder Angriff- die Bev�lkerung dahingerafft haben k�nnte. Doch schien das nicht der Fall zu sein. Die Feuchtigkeit von Auberdines Luft, die zum gro�en Teil von der nahe gelegenen See stammte, h�tte tote K�rper schnell verwesen lassen. Mehrere hundert Leichen h�tten einigen Gestank verursacht.</p><p>Die Bauweise der H�user in Auberdine zeigte die typischen geschwungenen B�gen der Nachtelfen und h�tte Broll eigentlich Trost spenden sollen. Doch in dem Nebel wirkten die Geb�ude, als w�ren sie aus <emphasis>Knochen</emphasis> gefertigt. Broll ber�hrte sie sogar, um sicherzugehen, dass nicht eine schreckliche Metamorphose stattgefunden hatte. Doch das Holz war nur Holz...</p><p>Etwas n�herte sich. Das Ger�usch war nur kurz aufgeklungen und wiederholte sich nicht. Doch Broll hatte es geh�rt. Mit blitzschnellen Reflexen, die er als Druide beherrschte und die er durch lange Jahre des Kampfes noch verfeinert hatte, tauchte er augenblicklich in die Deckung eines der Geb�ude ein. Er glaubte nicht, dass der andere ihn geh�rt hatte, was dem Druiden einen Vorteil verschaffte.</p><p>Ein kurzes Grunzen entschl�pfte dem Nebel. Es war kein Ger�usch, das von einem Nachtelfen ausgesto�en worden war oder jemandem aus einem �hnlichen Volk. Das Ger�usch stammte von einem Tier. Etwas sehr Gro�es strich durch Auberdines Stra�en.</p><p>Broll griff in seinen Beutel und holte ein Pulver hervor, das seine Finger reizte. Er ignorierte die Schmerzen und schaute um die Ecke.</p><p>Eine gro�e Gestalt n�herte sich seiner Position. Was auch immer das f�r eine Bestie war, sie hatte ihn schlie�lich gewittert.</p><p>Broll warf das Pulver auf das Tier.</p><p>Die Bestie stie� ein w�tendes Kr�chzen aus und sprang hoch. Broll duckte sich und hoffte, dass die Kreatur nicht auf ihn springen w�rde. Doch sie landete nicht einmal auf dem Weg hinter ihm. Stattdessen schoss das Tier himmelw�rts und sprang auf eines der nahe gelegenen Geb�ude. Dort hockte es sich hin und begann zu niesen und zu fauchen.</p><p>Zur gleichen Zeit fra� ein silbernes Licht den Nebel auf, der Broll umgab. Der Nachtelf wirbelte nach rechts herum.</p><p>Das Licht kam von oben. Im Gl�nze stand eine Priesterin der Elune. Broll wollte sie gerade auffordern, das grelle Licht einzud�mmen, als er erkannte, wer da n�her kam.</p><p>�Mylady... Hohepriesterin! Was macht Ihr denn hier?�</p><p>�Euch treffen, auch wenn ich das eigentlich so nicht geplant hatte.� Ihre Augen wanderten von einer schattigen Ecke zur n�chsten, als erwartete sie, unerw�nschte Besucher zu entdecken.</p><p>Der Druide starrte sie mit offenem Mund an. �Ihr selbst habt mir gesagt, dass ich mich hier mit Shandris treffen w�rde. Ich hatte sie erwartet...�</p><p>�Das gilt auch f�r sie. Doch es ist einfach meine Mission... und je l�nger ich an diesem Ort bin, desto mehr wei� ich, dass meine Entscheidung richtig war. Wenn ich Euch verraten h�tte, dass ich selber komme, h�ttet Ihr vielleicht abgelehnt. Und das durfte ich nicht zulassen.�</p><p>�Hohepriesterin, Ihr solltet nicht hier sein! Irgendetwas stimmt ganz und gar nicht in Auberdine...�</p><p>Sie nickte ernst. �Kommt mit mir, und Ihr werdet sehen, was das genau ist.�</p><p>�ber ihnen kr�chzte das Reittier w�tend�� ihr Hippogryph, wie Broll vermutete. Tyrande fl�sterte ihm etwas zu. Der Hippogryph sank widerstrebend tiefer und landete nah seiner Reiterin. Eines seiner unheilvollen Augen war auf den Druiden gerichtet.</p><p>�Was habt Ihr mit Jai gemacht?�, fragte sie ruhig. Dabei strich sie mit der Hand �ber seinen Schnabel.</p><p>�Es war ein bei�endes Kraut...�</p><p>Die Hohepriesterin l�chelte. �Ihr hattet Gl�ck, wage ich mal zu behaupten. Wenn Ihr etwas anderes versucht h�ttet, w�re Jai nicht vor Euch weggeflogen, sondern durch Euch <emphasis>hindurch</emphasis>. Er wusste nat�rlich, dass ich, wenn m�glich, einen Gefangenen machen wollte. Einen lebendigen.�</p><p>Als Tyrande weiterhin mit der Hand �ber das Gesicht des Tieres strich, sagte Broll: �Die Wirkung der Kr�uter wird in ein paar Augenblicken verfliegen.�</p><p>�Wir haben nicht mal Zeit daf�r.� Ein schwaches Leuchten str�mte aus ihrer Hand zu den Augen des Hippogryphs. Jai sch�ttelte den Kopf, dann wirkte er schon gl�cklicher. Zufrieden nickend blickte die Hohepriesterin wieder zu dem Druiden. Ihr Gesichtsausdruck war jetzt ernster denn je. �Kommt mit mir. Ich muss Euch etwas zeigen.�</p><p>Mit dem Hippogryphen im Schlepp f�hrte Tyrande Broll zu den n�chstgelegenen H�usern. Sie schockierte den Druiden, als sie ohne zu z�gern ein Geb�ude betrat. Es war ein Zeichen, dass die Dinge bereits schlimmer standen, als er gedacht hatte. Er hatte eine b�se Vorahnung, was sie drinnen Schreckliches vorfinden w�rden.</p><p>Das Haus wirkte wie ein typisches Heim von Nachtelfen. Der Nebel, der Auberdine bedeckte, durchdrang auch dieses Geb�ude und verst�rkte das Gef�hl einer bevorstehenden Katastrophe.</p><p>Jai, der zu gro� war, um durch den Eingang zu passen, lugte unruhig hinein. Broll sah, wie Tyrande in die Schlafquartiere blickte. Sie trat zur�ck und forderte Broll mit einer Geste auf, selbst hineinzuschauen.</p><p>Vorsichtig folgte der Druide ihrem Wunsch. Seine Augen weiteten sich angesichts des Anblicks drinnen.</p><p>Zwei Nachtelfen�� ein Mann und eine Frau�� lagen auf gewebten Matten. Der Arm der Frau lag �ber der Brust des Mannes. Beide waren v�llig reglos, was Broll das Schlimmste bef�rchten lie�.</p><p>�Es ist genauso wie �berall, wo ich nachgesehen habe�, bemerkte seine Begleiterin ernst.</p><p>Der Druide wollte zu dem Paar eilen, doch aus Respekt hielt er Abstand. �Wisst Ihr, wie sie gestorben sind?�</p><p>�Sie sind nicht tot.�</p><p>Er blickte zu ihr und kniete neben den beiden nieder.</p><p>Beide atmeten ruhig und gleichm��ig.</p><p>�Sie... schlafen?�</p><p>�Ja�� und ich konnte die anderen nicht aufwecken, die ich vorher fand.�</p><p>Trotzdem konnte Broll nicht widerstehen, den Mann an der Schulter anzutippen. Als er ihn so nicht wach bekam, wiederholte er es bei der Frau. Als letzten Versuch nahm Broll einen Arm von jedem und sch�ttelte daran. Der Druide knurrte: �Wir m�ssen die Quelle dieses Zaubers finden! Hier muss ein wahnsinniger Magier am Werk gewesen sein!�</p><p>�Man muss schon sehr m�chtig sein, um so etwas anzurichten�, sagte die Hohepriesterin. Sie wies zur T�r. �Kommt mit mir. Ich will Euch noch etwas zeigen.�</p><p>Sie verlie�en das Heim mit Jai im Gefolge. Tyrande f�hrte Broll �ber eine Br�cke, die zum H�ndlerviertel von Auberdine f�hrte. Der Nebel verbarg viele Details des Dorfes, doch Broll ersp�hte ein Schild, das sowohl auf darnassisch als auch in der Gemeinsprache beschriftet war, und auf dem schlicht HAFENSCHENKE zu lesen stand.</p><p>Broll wusste, dass die Schenke auf jeden Fall beleuchtet und mit Leben h�tte erf�llt sein m�ssen. Neben dem �rtlichen Gasthaus war die Schenke einer der wenigen �ffentlichen Versammlungsorte hier.</p><p>Jai blieb am Eingang stehen. Der Hippogryph blickte in den Nebel und suchte nach potenziellen Feinden. Die Hohepriesterin ging wortlos hinein, ihr Schweigen bereitete Broll auf das vor, was kommen w�rde.</p><p>Die Schenke wirkte nicht wie das andere Geb�ude, welches trotz der bizarren Szenerie ordentlich und aufger�umt gewesen war. Hier lagen St�hle �ber den Holzboden verstreut, und einige der Tische waren umgeworfen. Die Theke am Ende war fleckig, und das nicht allein durch die jahrelange Benutzung betrunkener G�ste. Es lagen auch mehrere zerschmetterte Flaschen und F�sser darauf.</p><p>Und �berall im Gasthaus ruhten ausgestreckt die K�rper von Nachtelfen, einer Handvoll Gnome und Menschen und eines einzelnen Zwergs.</p><p>�Ich bin nicht fern von diesem Bereich gelandet und wurde unruhig, als ich keine Lichter und Leben fand�, erkl�rte die Hohepriesterin. �Das hier war der n�chstgelegene �ffentliche Ort, und so trat ich ein.�</p><p>�Schlafen... auch sie?�</p><p>Tyrande beugte sich �ber einen Menschen. Er war �ber den Tisch gesunken und wirkte, als w�re er dort vor schierer Ersch�pfung hingefallen. Sein Haar und der Bart waren unordentlich. Doch seine Kleidung stammte, obwohl etwas Staub darauf lag, eindeutig von einer hochrangigen Person. Neben ihr lag ein Nachtelf, der offensichtlich aus dem Ort stammte. Obwohl er auf der Seite lag, waren seine H�nde noch zu dem Menschen hin ausgestreckt. Wie der Mensch wirkte auch der Nachtelf merkw�rdig ungepflegt. Sie waren diejenigen, die am schlimmsten aussahen, obwohl alle Schl�fer in der Schenke aussahen, als h�tten sie sich sehr angestrengt.</p><p>�Hier hat ein Kampf stattgefunden�, stellte Broll fest.</p><p>Tyrande erwiderte: �Das muss dann aber ein sehr freundschaftlicher Kampf gewesen sein, wenn es denn tats�chlich stimmen sollte. Die einzigen Prellungen, die ich gefunden habe, wurden durch die St�rze verursacht. Ich glaube, die beiden sind einfach zusammengebrochen.� Sie wies auf den Zwerg und ein paar der anderen G�ste. �Seht Ihr, wie sie angeordnet sind?�</p><p>Nach einem Moment des Beobachtens blickte Broll finster. �Sie wirken, als w�rden sie sich ausruhen. Alle!�</p><p>�Sie alle schlafen jetzt, selbst dieses erste verzweifelt wirkende Paar. Seht Euch um. Die Schenke erweckt den Anschein, als h�tte man sich auf eine Verteidigung vorbereitet.�</p><p>�Das h�tte mir auch selbst auffallen m�ssen.� Erst jetzt bemerkte der Druide, dass die Tische und St�hle eine Art von Wall gegen den Eingang und die Fenster bildeten. �Aber gegen was haben sie sich verteidigt?�</p><p>Darauf wusste Tyrande keine Antwort.</p><p>Broll blinzelte. In den letzten Minuten hatte er des �fteren blinzeln m�ssen, obwohl seine Sicht mit der untergehenden Sonne eigentlich sch�rfer werden sollte. �Der Nebel wird dichter... und dunkler.�</p><p>Drau�en kr�chzte Jai eine leise Warnung.</p><p>Tyrande und Broll eilten zum Eingang. Der Hippogryph scharrte unruhig mit den Krallen. Doch es gab kein Anzeichen daf�r, dass sich etwas in der N�he befand, und der sich verdunkelnde Nebel verringerte ihre Sichtweite immer mehr.</p><p>Ein St�hnen kam von drinnen. Broll eilte an der Hohepriesterin vorbei. Er wollte den Verursacher aufsp�ren, er musste sich unter den herumliegenden Gestalten im hinteren Bereich der Schenke befinden. Dann erklang ein weiteres St�hnen aus einer anderen Richtung. Broll glaubte, dass es von dem Nachtelfen in der N�he des Menschen kam. Er beugte sich zur n�chsten Gestalt hinab.</p><p>Tyrande kam zu ihm. �Was ist los? Ist er wach?�</p><p>�Nein...� Broll drehte den Kopf des Schl�fers leicht. �Ich glaube, dass er tr�umt...�</p><p>Ein drittes St�hnen gesellte sich zum vorhergehenden. Pl�tzlich jammerten alle herumliegenden Gestalten. Brolls Nackenhaare richteten sich auf, als er entdeckte, was ihren Stimmen gemein war: Angst.</p><p>�Das sind keine simplen Tr�ume�, korrigierte er sich selbst, stand auf und blickte zur�ck zum Eingang. �Sie haben Albtr�ume. Alle.�</p><p>Jai gab erneut eine Warnung von sich. Sie kehrten zu dem Hippogryphen zur�ck und sahen nichts... daf�r h�rten sie so einiges.</p><p>Das St�hnen erklang nun �berall in Auberdine.</p><p>�Das hat alles mit Malfurion zu tun�, stellte Tyrande �berzeugt fest.</p><p>�Aber wie?�</p><p>Jai trat vor. Das Tier neigte den Kopf zur Seite und lauschte.</p><p>Eine d�stere Gestalt kam kurz in Sicht und verschwand dann wieder. Sie war kleiner als ein Nachtelf, eher von der Gr��e eines Menschen. Der Hippogryph wollte hinterherlaufen, doch Tyrande rief ihn leise beim Namen. Das Tier blieb stehen.</p><p>Die Hohepriesterin �bernahm wieder die F�hrung. Broll trat schnell an ihre Seite, bereit, seine K�nste zu nutzen, um ihr zu helfen. Jai blieb ihnen auf den Fersen.</p><p>�Da!�, zischte sie und wies nach links.</p><p>Broll hatte kaum Zeit, die Gestalt zu sehen, bevor sie wieder im Nebel verschwand. �Sieht aus, als w�rde sie taumeln. Vielleicht ein �berlebender.�</p><p>�Der Nebel scheint sich um unseren Fl�chtigen herum zu verdichten.� Tyrande legte die H�nde zusammen. �Vielleicht kann Mutter Mond das �ndern.�</p><p>Vom bedeckten Himmel direkt �ber der Hohepriesterin senkte sich ein silbriges Leuchten in die Richtung der mysteri�sen Gestalt herab. Es brannte sich durch den Nebel und enth�llte dabei alles auf seinem Weg Liegende. Broll hob die Augenbrauen, als er sah, dass das Licht die Richtung wie ein lebendiges Wesen wechselte und sich immer weiter ausbreitete, um den Fremden zu finden.</p><p>Und dann stand er pl�tzlich da: ein m�nnlicher Mensch. Seine Kleidung verriet, dass er schon bessere Zeiten gesehen hatte. Seitdem hatte er ganz offensichtlich einen Abstieg erlebt. Er starrte sie aus leeren Augen an, was wohl auf Schlafmangel zur�ckzuf�hren war. Der Mensch wirkte ausgemergelter als die Gruppe, die sie in der Schenke gefunden hatten. Irgendwie blieb er in Bewegung.</p><p>�Bei Nordrassil!�, stie� Broll hervor.</p><p>Der Mensch war nicht nur in Bewegung geblieben, sondern vor den Augen der beiden Nachtelfen einfach <emphasis>verschwunden</emphasis>.</p><p>�Ein Magier�, knurrte Tyrande. �Er ist der T�ter, nicht das Opfer...�</p><p>�Ich wei� nicht, Mylady.� Broll konnte es nicht genau erkl�ren, doch da war etwas an der Art des Verschwindens des Mannes, das sich... vertraut anf�hlte.</p><p>Der Druide konzentrierte sich darauf, was er gesehen hatte. Der Mensch hatte zu ihnen geschaut, dann einen Schritt gemacht...</p><p>�Er ist <emphasis>durch</emphasis> etwas hindurchgegangen... <emphasis>in</emphasis> irgendetwas hinein�, murmelte Broll zu sich selbst. Er �berlegte, was genau er dann gesp�rt hatte.</p><p>�Es ist doch egal, ob er einfach verschwunden oder durch ein Portal gegangen ist�, zischte Tyrande grimmig. Sie ging schnell zu dem Hippogryphen zur�ck und zog ihre Gleve aus einer Satteltasche. �Er k�nnte der Schl�ssel zu Malfurion sein...�</p><p>Bevor Broll sie aufhalten konnte, schoss die Hohepriesterin auf den Punkt zu, wo der Mensch eben noch gestanden hatte. Vielleicht hatte der Fremde ja tats�chlich Schuld, wie Tyrande vermutete. Doch gerade dann mussten sie vorsichtiger sein, vor allem, wenn ihr Gegner wirklich ein Zauberer war.</p><p>Tyrande erreichte den letzten Standort des Menschen und hielt die Gleve bereit, w�hrend sie ein Gebet murmelte. Das Licht von Elune umgab sie, dann breitete es sich mehrere Meter in jede Richtung aus.</p><p>Doch es gab keine Spur auf den Verbleib des Menschen.</p><p>Broll trat zu ihr. �Herrin, ich...�</p><p>Sie verzog das Gesicht. �Ich bin nicht K�nigin Azshara. Bitte verwendet nicht solch eine Anrede...�</p><p>Neues St�hnen durchdrang den dichten Nebel�� ebenso scharf, wie es das Licht von Elune getan hatte. Die Angst darin war mehr als deutlich zu erkennen.</p><p>�Wir m�ssen sie irgendwie aufwecken!�, knurrte Broll. �Es muss doch einen Weg geben...�</p><p>Jai stie� einen Warnschrei aus. Broll und Tyrande vermuteten, dass der Mensch wieder aufgetaucht war. Beide Nachtelfen wandten sich dem Ger�usch zu...</p><p>Verh�llt von dem mysteri�sen Nebel, taumelten mehrere Gestalten auf sie zu, w�hrend der Dunst das gespenstische St�hnen weitertrug.</p><p>Broll sp�rte, wie seine Furcht wuchs. Pl�tzlich wollte er weglaufen oder in Deckung gehen. Er wollte sich einfach nur einigeln und beten, dass die schattenhaften Gestalten ihm nichts antun w�rden. Schwei� bildete sich auf seiner Stirn.</p><p><emphasis>Was geschieht mit mir</emphasis>?, fragte er sich. Broll war eigentlich nicht anf�llig f�r Furcht. Doch der Drang, sich zu ergeben, war stark. Er blickte zu Tyrande und sah die Hand zittern, in der sie die Gleve hielt. Das lag gewiss nicht nur an dem Gewicht der Waffe. Die Hohepriesterin presste die Lippen zusammen. Selbst Jai zeigte Zeichen von Anspannung. Der Atem des m�chtigen Hippogryphen kam immer schneller.</p><p>Tyrande blickte nach links. �Dort sind sie auch!�</p><p>�Rechts ebenfalls�, f�gte Broll hinzu. �Und hinter uns sind sicherlich auch welche, vermute ich mal.�</p><p>�Ich werde nicht auf die Knie sinken und wie ein kleines Kind um Gnade winseln!�, rief Tyrande den kaum sichtbaren Schatten trotzig entgegen. Ihre H�nde zitterten dennoch, wodurch auch Brolls eigene Furcht gr��er wurde.</p><p>�ber der Hohepriesterin erstrahlte ein silbernes Licht, das die beiden Nachtelfen und den Hippogryphen einh�llte. Es breitete sich zu den Schatten hin aus und beschien die erste schreckliche Gestalt.</p><p>Im Leuchten des Mondlichts sahen sie ein Wesen, das gleicherma�en verrottet und verfault war. Es glotzte sie aus leeren, leblosen Augen an. Sein Gesicht war selbst im Tod von Schmerz verzerrt�� ein Gesicht, das Broll pl�tzlich als das des Nachtelfen erkannte, der in der Schenke auf dem Boden gelegen hatte.</p><p>Aber wenn sie auch das Gesicht des Schl�fers trug, war die Gestalt doch eine v�llig andere. Sie wirkte wie ein schemenhafter Umriss von etwas, das Broll gehofft hatte, nie wiedersehen zu m�ssen. Der Nachtelf glich von seinem K�rperbau her einem D�mon der Brennenden Legion.</p><p>Als der Mob n�herkam, wurde ein zweites Wesen sichtbar, das ein halb skelettiertes Gesicht hatte und ansonsten dem Menschen glich. Doch auch sein K�rper wirkte wie der eines D�mons.</p><p>�Sie...�, murmelte Broll. �Sie sind zur�ck...�</p><p>�Nein... das kann nicht sein!�, erwiderte Tyrande. �Keine Satyre mehr... bitte... keine Satyre...�</p><p>Die beiden Nachtelfen blieben reglos stehen. Sie wollten sich selbst verteidigen, doch die monstr�sen Gestalten, die sich um sie herum scharten, ersch�tterten die beiden so sehr, dass ihre K�rper wie paralysiert waren.</p><p>In diesem Moment trat eine neue Gestalt vor den Druiden und seine Begleiterin. Es war der zerlumpte Mensch, den sie gejagt hatten. Er taumelte auf sie zu. Seine Augen schauten an ihnen vorbei.</p><p>Broll blinzelte, versuchte genau hinzusehen, doch offensichtlich hatte der Nebel sich verdichtet. Oder hatten seine Augen den Fokus verloren? Die gegnerischen Gestalten mit den Gesichtern von Auberdines ungl�ckseligen Bewohnern waren wieder zu nebligen Schemen geworden. Pl�tzlich hatte der Druide das Gef�hl, dem Boden ziemlich nah zu sein... und, mit seinen H�nden herumtastend, stellte er fest, dass er kniete. Er erkannte, dass er getr�umt hatte. Die D�monen, die er gesehen hatte, existierten nur in seiner Vorstellung.</p><p>�Bei Mutter Mond!�, h�rte er Tyrande seufzen, doch es war nur wie ein schwaches Echo. �Was...?�</p><p>Der hohl�ugige Mensch, der aus dem Nichts getreten war, sprach durch die unnat�rliche Dunkelheit. �Nicht wieder einschlafen... nicht einschlafen...�, fl�sterte er.</p><p>Broll sp�rte, wie ihm ein Arm um die Schulter gelegt wurde und wie er und Tyrande, die neben ihm kniete, von dem hageren Menschen mit M�he festgehalten wurden.</p><p>Die Welt wurde durchscheinend. Sie verschwand nicht v�llig. Sie <emphasis>verblasste</emphasis>, als w�re sie eher eine Erinnerung denn echte Materie.</p><p>Und gleichzeitig nahm sie eine tiefgr�ne Farbe an.</p><p>Das war nicht mehr Auberdine. Eher eine kaum erkennbare Landschaft. Broll versuchte, sich zu konzentrieren um herauszufinden, wo sie sich befanden. Doch dann rauschte die Landschaft an ihm vorbei, als w�rde er mit einer f�r ein sterbliches Wesen unm�glichen Geschwindigkeit rennen.</p><p>Genauso pl�tzlich verlor ihre neue Umgebung die gr�nliche F�rbung. Die Landschaft wurde wieder deutlicher. Es war Nacht, und obwohl auch hier Nebel herrschte, war er nicht so dicht wie in Auberdine.</p><p>Broll bemerkte, dass er sich bewegte. Doch als er versuchte, seine Bewegung zu kontrollieren, st�rzte der Druide der L�nge nach hin.</p><p>Der Boden war hart, aber zum Gl�ck mit etwas bewachsen. Broll landete auf den Knien. Neben ihm hatte Tyrande mehr Gl�ck, sie machte noch einige Schritte, bis sie sich sicher auf den Beinen halten konnte.</p><p>Die Hohepriesterin sprach als Erste wieder. Immer noch schwankend beobachtete sie ihre Umgebung. �Wo... wo sind wir? Das ist nicht Auberdine!�</p><p>Es war nicht Auberdine, und auf den ersten Blick war es gar kein Ort, der dem Druiden vertraut war. Er sch�ttelte den Kopf und versuchte, sich besser zu konzentrieren. Einige der Dinge, die gerade geschehen waren, begannen einen Sinn zu ergeben... wenn auch nicht den Sinn, der ihm gefiel.</p><p>�Nein, nicht Auberdine...�, kr�chzte der Grund f�r ihre Verwirrung. Der heruntergekommene Mensch stolperte zu Broll. Er blickte flehend von dem Druiden zur Hohepriesterin. �Ihr habt mich geweckt... und ich konnte gehen...�</p><p>Broll stand auf und hielt den Mann am Arm fest. Obwohl der Fremde Varian Wrynn keinesfalls �hnlich war, weckte sein Leid doch Erinnerungen an Brolls alten Freund. Worunter auch immer der Mensch litt, es war mindestens so schlimm wie Varians langzeitiger Ged�chtnisverlust.</p><p>�Was habt Ihr getan?�, fragte Broll. �Habt Ihr uns wirklich mit hindurchgenommen...?�</p><p>Der Fremde presste sich gegen ihn, seine Augen brannten f�rmlich. �Ich bin so m�de! Ich kann nicht wach bleiben! Bitte lasst mich schlafen...� Er stie� ein gutturales Ger�usch aus, dann sank er ohnm�chtig gegen den Nachtelf.</p><p>�berrascht musste Broll schnell seine Haltung korrigieren. Sanft legte er den Menschen zu Boden.</p><p>�Wir m�ssen ihn aufwecken!�, erkl�rte Tyrande. �Ihr habt geh�rt, was er gesagt hat! Ihr habt Auberdine gesehen!�</p><p>Broll schaute ihren neuen Begleiter genau an. �Wir k�nnen ihn jetzt nicht aufwecken, selbst wenn wir beide unsere Kr�fte vereinen. Er schl�ft tief und fest.�</p><p>�Er ist unsere einzige Spur zu Malfurion!� Die Hohepriesterin griff nach unten, als wollte sie den Menschen sch�tteln, dann z�gerte sie. Ihr Gesichtsausdruck beruhigte sich pl�tzlich. �Vergebt mir...�</p><p>�Da gibt es nichts zu vergeben.� Broll blickte zu dem Mann. �Seine Kleidung wurde garantiert einst bei Hofe getragen, aber sonst kann ich nicht Bemerkenswertes an ihm erkennen.�</p><p>�Er scheint ein au�ergew�hnlicher Magier zu sein.�</p><p>Der Druide nickte. �Da stimme ich Euch zu... kein mir bekannter Magier h�tte tun k�nnen, was er eben getan hat.� Der ehemalige Gladiator schnaubte. �Kein Mensch oder Zwerg und nicht einmal die Nachtelfen... es sei denn, ich liege v�llig daneben.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Was sonst als Magie h�tte es sein k�nnen? Es war eine merkw�rdige Magie, aber ganz eindeutig Magie! Er nahm uns alle mit...� Tyrande machte eine Pause �Au�er Jai...�</p><p>Broll hatte bereits an den Hippogryphen gedacht. �Er schl�ft, Euer Majest�t. Jai ist jetzt ein Teil von Auberdine.�</p><p>Die Hohepriesterin blickte ihn traurig an. �Arme Kreatur... so viele arme Kreaturen...� Sie straffte sich und fragte: �Und was sollen wir nun mit ihm machen? Wenn er keinen Zauber gewirkt hat, wie hat er uns dann aus Auberdine herausgebracht und hier abgesetzt?�</p><p>�Das kann nur auf eine Art geschehen sein.� Brolls Tonfall konnte seine Zweifel nicht verbergen. �Ich glaube... ich glaube, dass er uns f�r vielleicht einen Moment lang... mit in den <emphasis>Smaragdgr�nen Traum</emphasis> genommen hat.�</p></section><section><title><p>8</p><p>Lucan</p></title><p>Etwas anderes bewegte sich nahe Malfurions vernebeltem Gef�ngnis, etwas, das ihm sowohl vertraut als auch fremd erschien.</p><p>Der Erzdruide fragte sich, welche neue Folter der Albtraumlord wohl nun wieder im Sinn hatte. Der Schmerz seiner fortgesetzten Umwandlung drang immer noch in ihn ein. Doch Malfurion konnte einen Teil seines Geistes dagegen abschirmen. Er wusste, dass sein Peiniger so etwas ahnte und die Abschirmung einrei�en wollte. Und deshalb erwartete er genau das als N�chstes.</p><p>Malfurion war sich seiner eigenen F�higkeit, alldem zu widerstehen, nicht sicher. Seine Pl�ne auszuf�hren und gleichzeitig der Folter standzuhalten, hatte ihm enorm viel abverlangt. Der Albtraumlord wusste nur zu gut, wie man folterte. Dazu benutzte er jeden und alles, was der Erzdruide liebte oder am meisten f�rchtete.</p><p>Die Gestalt war gro�, allerdings nicht so gro� wie der Schatten des riesigen Baumes. Mehr wusste Malfurion nicht von seinem Feind. Diese neue Gestalt bewegte sich mit einer Zuversicht und Anmut, die den Nachtelf verst�rten. Er w�nschte sich, dass der dichte, beunruhigende Nebel, der sein kleines Gef�ngnis umgab, sich wenigstens f�r einen Moment gelichtet h�tte, damit er das Wesen besser h�tte sehen k�nnen. Dann h�tte er vielleicht erahnen k�nnen, welch neue �bel es mit sich brachte.</p><p><emphasis>Ich bin hier</emphasis>..., erklang eine Stimme in seinem Kopf. Es war nicht der Albtraumlord, sondern wahrscheinlich die neue Gestalt. Sie redete auch nicht mit Malfurion, er h�rte nur, wie sie zu jemand anderem Kontakt aufnahm.</p><p>Und dieser andere kam auch. Der Schatten des Baumes beugte sich �ber Malfurions verdrehte Gestalt. Die Zweige des Albtraumlords wanden sich wie Ranken auf den Neuank�mmling zu.</p><p>Es herrschte Stille. Malfurion erkannte, dass sein Entf�hrer mit der Gestalt sprach. Doch anders als der Besucher hielt der Albtraumlord sein Begehren vor dem Gefangenen verborgen. Der Nachtelf fragte sich, warum das n�tig war.</p><p>Der neue Schatten stie� ein sp�ttisches Lachen aus. <emphasis>Ja... so machen wir es... was f�r ein Spa� das sein wird</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide h�tte die Stirn gerunzelt, wenn er es denn gekonnt h�tte. Das war keine neue Folter f�r ihn. Stattdessen hatte sein Peiniger offenbar eine Aufgabe f�r den anderen Schatten.</p><p>Nachdem er das erkannt hatte, wurde Malfurion entschlossener. Er nutzte seine Schmerzen, um seine Kr�fte zu fokussieren. Er war immer noch im Smaragdgr�nen Traum�� oder nun Albtraum -, und trotz seiner Bem�hungen, den Nebel zu durchdringen und zu sehen, wie das Reich vom B�sen ver�ndert worden war, hatte er bislang versagt. Doch vielleicht... vielleicht konnte Malfurion mit etwas mehr Konzentration mehr erfahren.</p><p>Der Schleier w�rde sich nicht aufl�sen. Der Umriss blieb das, was er war. Immer noch konzentrierte sich der Erzdruide und benutzte dieselbe Methode, die man anwandte, um in das eigene Innere zu schauen. Er musste sich in die gleiche Meditation versetzen, die dem Verlassen des K�rpers in Traumgestalt vorausging. Malfurions ganzes Streben war, nun alles aufzusp�ren, was diesen beunruhigenden Besucher auszeichnete. Er hatte dies bereits mit dem Albtraumlord versucht und dabei versagt. Doch wenn die beiden nicht vermuteten, dass er es bei dem Neuank�mmling noch einmal probieren w�rde...</p><p><emphasis>Du bist doch ein neugieriger Wicht</emphasis>!</p><p>Malfurions Geist wurde von einer mentalen Kraft getroffen, die so gro� war, dass sie ihn augenblicklich bet�ubte. Interessanterweise wurde dabei der urspr�ngliche Schmerz geringer�� wenn auch nur f�r eine Sekunde.</p><p><emphasis>Ich gehe</emphasis>... sagte der Schatten zu dem Peiniger des Nachtelfen. Der Erzdruide konzentrierte sich erneut und bekam so mit, wie die Gestalt im dichten Nebel entschwand.</p><p>Der Schattenbaum, der den Albtraumlord hier verk�rperte, lehnte sich zur�ck, um �ber Malfurion aufzuragen. <emphasis>In dir steckt immer noch zu viel Geist, aber nicht mehr lange... so viel M�hsal laugt dich aus, oder nicht? Wie geht es deiner sterblichen H�lle, mein Freund</emphasis>?</p><p>Der Nachtelf verstand sofort. Er sp�rte eine Schw�che, die nicht von seiner Traumgestalt ausging, sondern von seinem <emphasis>echten K�rper</emphasis>. Sein Versuch, mehr herauszufinden, hatte ihn wertvolle Lebenskraft gekostet.</p><p>Die Schatten�ste legten sich �ber seine Augen, fast, als ob sie sie abpfl�cken wollten. Doch Malfurion wusste, dass seine Augen wohl der am wenigsten gef�hrdete Teil seiner Traumgestalt waren. Das B�se, das ihn gefangen hielt, wollte, dass er alles sah, selbst wenn es nichts zu sehen gab... oder vielleicht <emphasis>weil</emphasis> es nichts zu sehen gab.</p><p><emphasis>Du m�chtest etwas sehen? Da h�ttest du doch nur fragen m�ssen, mein Freund... das ist doch das Mindeste, was ich f�r jemanden tun kann, der mir so viel von seinen Sehns�chten gibt</emphasis>...</p><p>Die �ste streckten sich vorw�rts, teilten sich in zwei H�lften auf, die den Nebel wie riesige H�nde <emphasis>wegstie�en</emphasis>... und zum ersten Mal enth�llten, was aus dem Smaragdgr�nen Traum geworden war.</p><p>Malfurion h�tte geschrien, wenn er es gekonnt h�tte.</p><p>Die �ste zogen sich zur�ck. Der Nebel schloss sich wieder �ber dem gefangenen Erzdruiden.</p><p>Die sp�ttische Stimme erf�llte seine Gedanken. Die Freude darin hieb wie ein Dolch auf den Geist des Nachtelfen ein. <emphasis>Und wir schulden dir etwas daf�r, Malfurion Sturmgrimm... so viel</emphasis>.</p><p>Der Schattenbaum verschwand. Die Stimme verstummte. Einen Augenblick lang wurde Malfurion mit diesem Schrecken allein zur�ckgelassen. Es war die neueste Folter, die dazu dienen sollte, den Teil von ihm zu brechen, der sich noch nicht ergeben hatte.</p><p>Aber sein Peiniger wusste nicht, dass der Nachtelf seinerseits ebenfalls etwas Wichtiges erfahren hatte. Eigentlich waren es sogar zwei Dinge. Zum einen wusste er jetzt, wer der Diener des Albtraumlords war. Die Antwort h�tte offensichtlich sein m�ssen. Doch wegen Malfurions stetem Leiden hatte es der abrupten Wut der Kreatur selbst bedurft, um sie zu verraten.</p><p>Ein gr�ner Drache �bte also das B�se aus... doch nicht irgendein gr�ner Drache...</p><p>Er betete, dass Ysera davon wusste, damit sie davon nicht �berrascht wurde. Wenn die Herrin des Smaragdgr�nen Traums in Gefangenschaft geriet, war wirklich alles verloren.</p><p>Und das zweite, was er durch die Enth�llung von Malfurions wahrer Umgebung erfahren hatte, diente dazu, eine Entscheidung zu �berpr�fen, die der Erzdruide bereits vor langer Zeit getroffen hatte.</p><p>Denn wenn er Ysera und den Smaragdgr�nen Traum retten wollte, w�rde Malfurion sterben m�ssen...</p><empty-line/><p>Trotz allem, was sie gesehen hatten, trotz allem, was es eventuell f�r sie bedeuten konnte, wussten Tyrande und Broll, dass sie irgendwann schlafen mussten. Der schreckliche Kampf in Auberdine hatte sie mehr ersch�pft als sie geahnt hatten.</p><p>Tyrande und Broll wussten nicht, wo sie sich in Relation zu Auberdine oder dem Eschental genau befanden. Doch der Druide glaubte, dass sie ihrem Ziel trotz allem n�her gekommen waren. Ungl�cklicherweise hatten sie nun Jai nicht mehr, weshalb sie nicht fliegen konnten. Denn so kr�ftig Broll in seiner Sturmkr�hengestalt auch war, konnte er die Hohepriesterin und ihren merkw�rdigen neuen Begleiter doch nicht tragen.</p><p>Tyrande beobachtete den schlafenden Menschen. Er wirkte harmlos, und sie sp�rte keinerlei magische Pr�senz um ihn herum. Als Hohepriesterin der Elune und jemand, der sich seit Jahrhunderten mit den verschiedenen Arten der Magie besch�ftigt hatte, h�tte sie wenigstens irgendetwas sehen m�ssen. Dennoch <emphasis>gab</emphasis> es etwas an ihm, das von Magie zeugte. Doch es war von untergeordneter Art. Fast wie ein Teil seines innersten Wesens, der jedoch nie durch das Studium der mystischen K�nste perfektioniert worden war.</p><p>Sie blickte zum Himmel, der sich von grau zu schwarz ver�nderte. Ein Tag war vergangen, ein wertvoller Tag war verloren, w�hrend sie darauf warteten, dass der Mensch endlich aufwachte. Obwohl er im Schlaf murmelte, verhielt er sich nicht wie die Bewohner von Auberdine. Seine Albtr�ume mochten lebhaft sein, doch sie waren noch nicht zum Leben erwacht.</p><p>Wenn sie an Auberdine dachte, schauderte die Hohepriesterin. Sie und Broll w�ren beinahe dem B�sen zum Opfer gefallen, wie der arme Jai. Tyrande durchlebte den Albtraum, den sie erlitten hatte, erneut�� teuflisch grinsende Satyre, die sie zu ihrem Meister bringen wollten�� und war dankbar, dass der Mensch gekommen war. Broll hatte ihr von seinen eigenen Monstern erz�hlt, in seinem Fall waren es makabere untote D�monen der Brennenden Legion gewesen. F�r beide Nachtelfen hatten die Kreaturen wie schreckliche Parodien der schlafenden Einwohner von Auberdine ausgesehen.</p><p>Nicht zum ersten Mal wollte Tyrande ihren neuen Begleiter sch�tteln, bis er aufwachte. Malfurion n�herte sich immer mehr dem Vergessen. Und mit jedem verstreichenden Tag wurde es schlimmer. Trotzdem waren sie und der Druide �bereingekommen, dass es keinen Sinn hatte, es noch einmal zu versuchen. Der Mensch war bewusstlos geblieben, trotz ihrer anf�nglich sehr rabiaten Versuche, ihn zu wecken. Es schien, dass er nicht erwachen w�rde, bevor <emphasis>er</emphasis> es selbst wollte.</p><p><emphasis>Aber ich will Malfurion nicht wieder verlieren</emphasis>!, dachte Tyrande, und ihr Gesichtsausdruck verh�rtete sich. <emphasis>Ich will ihn nicht verlieren, selbst wenn es sein eigener Fehler war, der ihn da hingef�hrt hat</emphasis>...</p><p>Ein Gef�hl der Scham �berkam sie. Malfurion war fort und suchte nach m�glichen Gefahren. Dabei hatte er nicht nur das Beste f�r die Druiden im Sinn gehabt. Ihm ging es um ganz Azeroth, als er ausgezogen war... wie schon so viele Male zuvor...</p><p>Tyrande versuchte, den Gedanken abzusch�tteln. Sie war froh, als sie h�rte, wie Broll sich r�hrte.</p><p>Er bemerkte ihren ver�nderten Gesichtsausdruck nicht, seine Aufmerksamkeit war auf den Menschen gerichtet. �Er schl�ft immer noch, wie ich sehe.�</p><p>�Ich habe meine Zweifel, dass er erwachen wird.�</p><p>�Ich auch. Er verh�lt sich nicht wie die anderen. Aber den ganzen Tag durchzuschlafen, nachdem er bereits die halbe Nacht davor geruht hat...�</p><p>Die Hohepriesterin spielte mit der Gleve. Sie war froh, dass sie sie von Jais Sattel geholt hatte. H�tte sie es nicht getan, w�re die Waffe in Auberdine zur�ckgeblieben. Auch wenn Tyrande in sich die Gaben von Mutter Mond trug, war sie doch nicht unverwundbar. Die Gleve war eine robuste und n�tzliche Waffe. �Sollen wir ihn hierlassen? Mir gef�llt der Gedanke allerdings nicht, schlie�lich hat er uns geholfen.�</p><p>�Das sehe ich auch so. Dennoch m�ssen wir ins Eschental, und obwohl ich ihn eine Weile tragen k�nnte, w�rde er uns behindern.�</p><p>Sie berichtete ihm schlie�lich, was sie sich fast w�hrend der ganzen wachen Zeit �berlegt hatte. �Ihr solltet allein weitergehen. Das hattet Ihr doch sowieso geplant, als ich die Reise ins Eschental vorschlug.�</p><p>Broll blickte sie entsetzt an. �Ich lasse Euch hier nicht allein! Schon gar nicht nach allem, was in Auberdine geschehen ist! Wir gehen gemeinsam nach Eschental...� Er deutete mit dem Daumen auf den Menschen. �Und den Burschen hier nehmen wir mit...�</p><p>�Wie?�</p><p>Der Druide blickte schuldbewusst. �Auf eine Weise, die ich sowieso vorhatte, wenn ich Auberdine erst hinter mir gelassen h�tte.� Aus seinem Umhang holte er den Gegenstand, den er aus Fandrals Heim mitgenommen hatte. �Es ist an der Zeit, dass mein Diebstahl sich mal als n�tzlich erweist�� falls das �berhaupt m�glich sein sollte.�</p><p>Sie konnte nicht glauben, was sie sah. �Ist das... ist das das G�tzenbild von Remulos?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich dachte, Ihr h�ttet es dem Erzdruiden Fandral zur Aufbewahrung gegeben...�</p><p>�Und nun habe ich es mir geborgt.� Sein Gesichtsausdruck bat sie, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen. Als Tyrande nickte, wirkte Broll erleichtert. Er f�gte hinzu: �Es k�nnte unsere einzige Hoffnung sein, wenn wir erfolgreich das Portal durchqueren wollen.�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Remulos sagte, dass es mit einem gr�nen Drachen von gro�er Macht verbunden sei. Doch der Aspekt Ysera wollte nicht verraten, welchen genau sie dazu erw�hlt hatte. Remulos tippte auf denselben Drachen wie ich. Ich habe ihn kurz gesehen, als ich versuchte, das G�tzenbild von der Korrumpierung zu befreien. Dabei sp�rte ich seine gro�e Macht. Es k�nnte einer ihrer Gemahle sein.�</p><p>Was nach Auffassung der Hohepriesterin ein Drache mit unvergleichbarem Wissen und Macht sein musste. Tyrande verstand Brolls Argumentation. �Glaubt Ihr, Ihr k�nntet durch die Figur Kontakt mit ihm aufnehmen?�</p><p>�Es w�re einen Versuch wert, ja.�</p><p>Ihr gefiel der Klang seiner Worte nicht. �Was wird Fandral tun, wenn er herausfindet, dass Ihr das G�tzenbild entwendet habt?�</p><p>Broll zuckte mit den Achseln. �Keine Ahnung. Aber wenn ich all das hier �berlebe, werde ich es herausfinden.�</p><p>Tyrande betrachtete die Figur und betete darum, dass sie das Risiko f�r den Druiden wert war... f�r sie beide. �Was wollt Ihr machen... und kann ich Euch dabei irgendwie helfen?�</p><p>�Nein, das muss ich ganz allein erledigen.� Broll stellte die Figur auf den Boden vor sich, dann setzte er sich im Schneidersitz hin. Die Augen des Drachen starrten direkt in die des Druiden. �Ich versuche etwas anderes�, murmelte er. �Ich will nicht das Artefakt selber nutzen...� Der Druide d�mpfte seine Stimme. �Ich h�tte nie gedacht, dass ich das verfluchte Ding wiedersehen m�sste, deshalb...�</p><p>Die Hohepriesterin sagte nichts, sie war sich der Qual bewusst, die Broll bei seiner letzten Begegnung mit der Figur erlebt hatte. Er war derart geschw�cht gewesen, dass er seine Tochter nicht vor den verderbten Kr�ften des G�tzenbildes hatte retten k�nnen.</p><p>Broll wandte die Handfl�chen dem G�tzenbild zu und begann zu murmeln. Das G�tzenbild war immer noch an den Drachen gebunden, welcher auch immer es sein mochte. Broll hoffte, sich in diese Verbindung einklinken zu k�nnen und den Geist des Drachen zu ber�hren. Tyrande wusste genau, warum. Der gr�ne Drache konnte ihnen einen Hinweis darauf geben, was gerade geschah. Und was noch wichtiger war, er konnte ihnen dabei helfen, in den Smaragdgr�nen Traum einzudringen. Einst war das G�tzenbild dazu in der Lage gewesen�� Broll hatte es so benutzt, als er einst in B�rengestalt gegen seinen eigenen Zorn gek�mpft hatte. Das war gewesen, bevor der Albtraum diesen unber�hrten Ort schwer erreichbar gemacht hatte. Doch ihre Chancen zu �berleben und vielleicht zu siegen, w�ren mit einem der W�chter dieses Reiches auf ihrer Seite bedeutend gestiegen.</p><p>Ein schwacher Rest von Mondlicht ber�hrte das G�tzenbild, und dabei l�ste sich ein d�nner Energiestrom von der Figur.</p><p>Die Magie verband das G�tzenbild mit dem geheimnisvollen Drachen.</p><p>Tyrandes Aufmerksamkeit wurde pl�tzlich von Broll in Anspruch genommen, um den herum ein schwaches Leuchten entstand, das eher waldgr�n war. Interessanterweise schien es nicht von ihm selbst auszugehen, sondern stieg von dem mit Gras bewachsenen Boden auf.</p><p>Als Druide bezog Broll viel von seiner Kraft aus der Flora und Fauna von Azeroth, und zum ersten Mal sah Tyrande, wie das funktionierte. Doch es ruhte auch eine Kraft in ihm selbst�� genauso wie in Malfurion. Aber diese Eigenart der Druiden hatte sie noch nicht richtig erfasst. In gewisser Weise glich sie den Kr�ften von Mutter Mond.</p><p><emphasis>Vielleicht sind Malfurion und ich gar nicht so verschieden</emphasis>, �berlegte die Hohepriesterin. <emphasis>Und vielleicht haben wir uns gerade deshalb so weit voneinander entfernt</emphasis>...</p><p>Eigentlich h�tte sie diese Kr�fte viel besser kennen m�ssen. Schlie�lich war auch sie von Cenarius unterrichtet worden. Zudem hatte sie mit ihrem Geliebten und den anderen Druiden Seite an Seite gek�mpft. Azeroth war so sehr ein Teil der Druiden, dass es sie permanent ber�hrte. Wenn Malfurion darauf eingestimmt war, sp�rte er das alles sicherlich noch viel st�rker als Broll.</p><p><emphasis>Er kann sich seiner Berufung genauso wenig entziehen wie ich mich meiner... doch diese Berufungen �berschneiden sich, wie sich auch unsere Leben �berschneiden... wenn wir das hier �berleben... m�ssen wir lernen, uns besser zu einigen... und so herausfinden, wie wir schlie�lich zusammenkommen k�nnen</emphasis>.</p><p><emphasis>Wenn wir es �berleben</emphasis>...</p><p>Das Waldgr�n begann sich auszubreiten, wurde zu einem magischen Strom, der durch die Ebene von Azeroth bis zu dem Ort floss, wo der Drache sich gerade aufhielt. Doch die Magie hatte kaum zu wirken begonnen, da schwand sie auch schon wieder. Sie traf auf Widerstand.</p><p>Broll murmelte etwas.</p><p>Der Widerstand wurde schw�cher.</p><p>�Nein! Das darfst du nicht!�</p><p>Der Mensch in ihrer Mitte sah sich mit wildem Blick um. Er rutschte auf den Knien und griff verzweifelt nach dem G�tzenbild.</p><p>Als er n�herkam, erblickte Tyrande um ihn herum eine Landschaft, die hier war und doch auch wieder nicht. Ein Teil davon schien so harmlos zu sein, der andere...</p><p>Die Hohepriesterin trat zu. Doch nicht der Mensch war ihr Ziel, sondern das G�tzenbild des Remulos.</p><p>Die Drachenstatue flog davon. Sie prallte gegen eine Anh�he, dann landete sie auf einem Stein.</p><p>Broll, dessen Zauber gerade unterbrochen worden war, blickte die beiden mit einer Mischung aus Frustration und Verwirrung an. �Was beim Weltenbaum macht Ihr da?�, wollte er von Tyrande wissen. Der Druide sprang auf und packte den Menschen am Genick. �Und was f�r einen Unfug treibt Ihr hier? Mit welchem Trick habt Ihr sie dazu verleitet?�</p><p>Der Mund des Mannes bewegte sich, doch kein Ton drang daraus hervor. Die Bilder, die Tyrande um ihn herum gesehen hatte, verblassten, und trotz ihrer Versuche, sie sich ins Ged�chtnis zu brennen, verschwanden sie wieder aus ihrem Kopf... so wie Tr�ume, egal ob gut oder b�se, es manchmal zu tun pflegten.</p><p>Aber sie erinnerte sich an eine Sache. Sie trat an Brolls Seite und hielt ihn davon ab, den zerzausten Menschen weiter zu bedr�ngen. �Lasst ihn! Er wollte uns helfen!�</p><p>�Uns helfen? Er hat Euch dazu verleitet, den Zauber zu unterbrechen, als er gerade zu wirken begann!� Doch er respektierte ihre Meinung und lie� den Menschen los.</p><p>�Funktionierte nicht, funktionierte nicht�, brabbelte der Mann, seine Augen blickten an ihnen vorbei. �Funktionierte nur f�r sie...�</p><p>�F�r wen?�, fragte Tyrande und legte eine Hand beruhigend auf seine Schulter.</p><p>Schlie�lich kl�rte sich der Blick des Mannes. Er sah sie an. �Ich... ich wei� es nicht... <emphasis>ihnen</emphasis>... den Albtr�umen...� Der Mann schaute zu Boden. �Ich schlief... ich kann nicht schlafen... nicht schlafen...�</p><p>�Wer seid Ihr?�, fragte Broll jetzt in freundlicherem Ton. �Wie ist Euer Name?�</p><p>�Name?� Einen Augenblick lang schwand seine Aufmerksamkeit. Blinzelnd schien ihr Begleiter sich ein wenig zusammenzurei�en. �Lucan... Lucan Fuchsblut...� Mit seinem verbliebenen Stolz richtete er sich auf. �Dritter Hilfs-Kartograf Seiner Majest�t, K�nig Varian! Auf einer Erkundungsmission nach... nach...� Sein Gesichtsausdruck glich dem eines Kindes, das sich verlaufen hatte. �Daran kann ich mich nicht mehr erinnern, nicht mehr...�</p><p>�Macht Euch keine Gedanken darum�, beruhigte ihn Tyrande. �Sagt uns, woher wusstet Ihr, dass der Zauber eine Gefahr bedeutet?�</p><p>�Ich... ich wusste es einfach. Es... es hatte mit dem Ort in meinen Tr�umen zu tun... ich sp�rte sie... ich sp�rte etwas nahen...�</p><p>Broll holte die Figur zur�ck. �Vielleicht war es derjenige, den wir erreichen wollten.�</p><p>Obwohl das logisch klang, erinnerte sich Tyrande immer noch daran, wie sie sich gef�hlt hatte, nachdem sie gesehen hatte, was hinter Lucan Fuchsblut aufgetaucht war. �Nein... er hat recht, Broll. Da kam etwas D�steres. Deshalb tat ich, was ich tun musste. Ich vertraute seinem Wort...�</p><p>Lucan blickte sie an, als h�tte sie seinen Kopf gerade vor einer Axt gerettet. �Danke, sch�ne Dame! Danke!�</p><p>�Beruhigt Euch, Lucan. Ihr seid unter Freunden... und dankt mir nicht mehr. Eure Reaktion hat uns vielleicht gerettet.�</p><p>�Glaubt Ihr das wirklich?�, fragte der Druide, der immer noch die Statue betrachtete. �Vielleicht... vielleicht auch nicht...� Er stellte die Statue ab. �Jetzt k�nnen wir nur noch eins tun.� Broll blickte zu Lucan. �Wisst Ihr, wo wir sind?�</p><p>�Nein... nein... Ich bin nur immer weitergegangen... bin nur weitergegangen...�</p><p>�Wie ich es mir gedacht hatte.� Broll trat zur�ck. An Tyrande gewandt sagte er: �Ich habe es Euch nicht schon vorher gesagt, aber w�hrend Ihr schlieft, habe ich einen kurzen Flug unternommen. Doch ich konnte nicht erkennen, wo wir sind. Ich glaube, ich versuche es noch mal, damit wir besser wissen, was wir jetzt tun k�nnen.�</p><p>Tyrande st�rte die Enth�llung nicht. Sie wusste, dass Broll sie und Lucan nicht in Gefahr gebracht h�tte. Sie nickte zustimmend. �Was ist mit dem G�tzenbild?�</p><p>Er zuckte mit den Achseln. �Was soll damit sein? Wenn wir dieses verfluchte Ding nicht benutzen, sind wir auch nicht in Gefahr. Es kann hierbleiben, bis ich zur�ckkehre.�</p><p>Er streckte die Arme aus und nahm die Gestalt der Sturmkr�he an. Lucan keuchte und taumelte auf Tyrande zu, die ein wenig Schuld versp�rte. Sie und Broll waren weit mehr an Magie gew�hnt als die meisten Menschen.</p><p>�Es ist nichts�, sagte sie zu Lucan. �Nichts, �ber das Ihr Euch sorgen m�sst.�</p><p>�Mein... mein Vetter war auch ein Druide�, murmelte Lucan, der dabei klang, als w�rde die Erinnerung ihn stolz machen. Dann kehrte sein Stirnrunzeln zur�ck. �Jetzt ist er tot.�</p><p><emphasis>Wie so viele</emphasis>, dachte die Hohepriesterin und erinnerte sich derer, die im letzten Krieg gefallen waren. <emphasis>Und jetzt... was kommt jetzt auf Azeroth zu</emphasis>?</p><p>Broll hob ab und beendete ihr Gr�beln. Sie und Lucan beobachteten mit Bewunderung, wie der gro�e Vogel in den Himmel aufstieg. Tyrande beneidete die Druiden um die besondere F�higkeit, <emphasis>auf diese Weise</emphasis> fliegen zu k�nnen...</p><p>Doch kaum hatte die Sturmkr�he eine respektable H�he erreicht, begann sie augenblicklich zu ihren Begleitern herabzusinken. Lucan starrte sie einfach an, er verstand nichts. Doch Tyrande wusste, dass Broll nicht so schnell zur�ckgekehrt w�re, wenn es nicht wichtige Neuigkeiten g�be.</p><p>Sie ergriff das G�tzenbild, bevor Broll sie erreichte. Sie wusste irgendwie, dass sie es gleich eilig haben w�rden. Die Haltung, die der Druide bei der R�ckverwandlung zeigte, reichte ihr als Best�tigung f�r ihre Annahme.</p><p>�Hast du herausgefunden, wo wir sind?�, fragte Lucan naiv.</p><p>�Was habt Ihr gesehen?�, fragte Tyrande. �Sind wir irgendwo in der N�he des Gebiets der Horde?�</p><p>�Die Horde ist das geringste unserer Probleme�, knurrte Broll. �Wir m�ssen Deckung suchen, und zwar schnell...�</p><p>Er fasste Lucan am Arm und zerrte ihn auf die H�gel zu. Tyrande hielt mit dem Druiden Schritt, das G�tzenbild hatte sie sich unter den Arm geklemmt.</p><p>�Was ist los? Weitere albtraumhafte Kreaturen wie in Auberdine?�</p><p>Broll schnaubte. �Nein... nur ein noch gr��erer Albtraum.� Er richtete die Finger auf den Himmel im Osten aus. �Da drau�en ist ein Drache... und er ist schwarz.�</p><empty-line/><p>Thura beobachtete die Fremden von einer H�gelkuppe weiter im Westen aus. Zwei Nachtelfen und ein Mensch. Zwei M�nner und eine Frau. Sie sortierte den Menschen sofort aus, denn er wirkte kaum wie ein Krieger, obwohl er sich im besten Mannesalter befand. Die beiden Nachtelfen schienen dagegen w�rdigere Gegner zu sein. Der Mann sah wie ein Schamane ihres Volkes aus, obwohl er als Nachtelf sicherlich eher ein Druide war. Thura respektierte die Macht, die sie aus der Natur zogen.</p><p>Die Frau faszinierte den weiblichen Orc am meisten. Denn Thura hatte stets das Verlangen, ihre F�higkeiten mit denen des gleichen Geschlechts anderer V�lker zu messen. Die Nachtelfe bewegte sich mit beeindruckender Anmut, und die Gleve, die sie trug, verlangte einiges an Kraft und �bung. Thura vertraute nat�rlich ihrer Axt, aber sie fragte sich, wie ein Kampf wohl ausgehen w�rde.</p><p>Doch die Realit�t l�schte solch m��ige Neugierde schnell aus. Was z�hlte war, dass die drei hier waren. Am gleichen Ort, zur gleichen Zeit wie sie. Die drei waren irgendwie mit ihrer Mission verbunden. Der offensichtlichste Grund hatte mit den beiden Nachtelfen zu tun. Thuras Ziel war ebenfalls ein Nachtelf. Sie waren Kampfgenossen. Die Frau war vielleicht auch seine Gef�hrtin.</p><p>Der breite Mund der Orcfrau weitete sich zu einem grimmigen L�cheln. <emphasis>Wegen ihnen bin ich hier</emphasis>, entschied sie. <emphasis>Sie werden mich zu ihm f�hren... sie werden mich zu Malfurion bringen... dem Verr�ter meiner Kameraden und Vernichter des Lebens</emphasis>...</p><p>Sie hatte gesehen, wie der Druide m�chtige Magie gewirkt hatte, ein Vogel geworden war, der hoch fliegen konnte. Noch mehr als die Frau musste er schnell sterben, wenn sie gegen ihn k�mpfte. Er war sehr f�hig, fast so f�hig wie der m�rderische Druide in ihren Tr�umen. Es w�re eine gute �bung f�r ihr Duell mit ihrem eigentlichen Feind.</p><p>Dann erkannte Thura, warum der Druide nur so kurz geflogen war. Die gro�e dunkle Gestalt, die in den Himmel aufstieg, war dieselbe, die sie zuvor als Schatten gesehen hatte. Jetzt flog sie auf den Ort zu, wo das Trio eben noch gestanden hatte, und obwohl sie alle drei sehr flink waren, selbst der Mensch, waren sie sicherlich dem Tode geweiht. Die Orcfrau fluchte, weil sie erkannte, dass der beste Hinweis auf den Verbleib ihrer Beute im Begriff war, gefressen zu werden.</p><p>Dann geschah etwas Erstaunliches.</p><p>Die vermeintlichen Opfer des Drachen l�sten sich einfach in Nichts auf. Eben noch rannten sie um ihr Leben, und in der n�chsten Sekunde waren sie fort. Nur der Hauch eines gr�nlichen Schimmers lieferte Thura einen Hinweis darauf, was geschehen war. Sie vermutete, dass einer der Nachtelfen irgendeinen Zauber gewirkt hatte, der das Trio an einen weit entfernten Ort versetzte.</p><p>Doch als sie wieder zu dem Drachen blickte, �berraschte sie etwas noch viel mehr. Das riesige Tier wandte sich gerade ab und verschwand mit kraftvollem Fl�gelschlag au�er Sicht. Es z�gerte nicht, sondern drehte eiligst ab.</p><p>Am merkw�rdigsten daran war, dass es, obwohl die Dunkelheit keinen optimalen Blick auf den Riesen gew�hrte, f�r Thura so aussah, als w�re der Drache, von pl�tzlicher <emphasis>Furcht</emphasis> ergriffen, vor etwas geflohen...</p></section><section><title><p>9</p><p>Wie man einen Drachen jagt</p></title><p>Die Druiden waren m�de. Sie hatten gegeben, was man nur geben konnte, und obwohl Fandral ihnen gesagt hatte, dass ihre Bem�hungen nicht umsonst waren, fiel es ihnen schwer, das auch zu glauben. Teldrassil sah nach wie vor nicht anders aus... und f�r Hamuul Runentotem war etwas an dem Weltenbaum, das ihn nur mehr st�rte.</p><p>Seine Sorge wurde noch durch Fandrals pl�tzliches Interesse an Brolls Abwesenheit verst�rkt. Angesichts so vieler Druiden und der dr�ngenden Probleme h�tte Brolls Verschwinden eigentlich unbemerkt bleiben m�ssen. Doch nun schien der erste Erzdruide sich diesem Thema ganz besonders anzunehmen.</p><p>Hamuul hatte versprochen, nach Broll zu suchen, doch das war haupts�chlich geschehen, um Fandral zu beschwichtigen. Mehr konnte Hamuul nicht tun, um ein anderes Versprechen einzuhalten, das er voller Schuldbewusstsein wohl nicht w�rde erf�llen k�nnen.</p><p>Er hatte versucht, sich so weit wie m�glich von der Versammlung fernzuhalten, doch er wusste, dass seine eigene Abwesenheit ebenfalls bemerkt werden k�nnte. Er hoffte, weitere Fragen zu vermeiden, und hielt sich am Rand der Gruppe auf. Ging hierhin und dorthin, als w�rde er nach etwas suchen.</p><p>Hamuul trat zu Naralex. Obwohl er so ersch�pft wie der Rest war, betrachtete der Nachtelf interessiert einen einzelnen Samen in seiner Hand. Als der Tauren n�her kam, bewegte Naralex sanft seine Hand �ber den Samen und murmelte etwas wie zu einem Kind.</p><p>Der Samen platzte auf. Eine kleine Ranke stieg daraus hervor. Nachdem sie mehr als zehn Zentimeter gewachsen war, bewegte Naralex die freie Hand nach links. Der Pflanzenspross w�lbte sich in diese Richtung.</p><p>Der Nachtelf machte eine Bewegung nach rechts. Und die neue Pflanze folgte dieser Geste.</p><p>�Das ist unsere eigentliche Aufgabe�, meinte Naralex feierlich zu Hamuul. �H�ter des Lebens, G�rtner des Paradieses...�</p><p>�Wenn denn Azeroth perfekt w�re, ja�, stimmte ihm der Tauren zu. �Aber das ist es nicht.�</p><p>�Nein... das ist es nicht.� Naralex setzte den Samen zu Boden. Er zog einen Kreis um den Samen herum.</p><p>Der Boden um den Kreis r�hrte sich. Der Samen sank ein, bis nur noch der Sch�ssling �brig blieb.</p><p>Naralex reinigte den Bereich um die Pflanze, dann wandte er seine Aufmerksamkeit Hamuul zu. �Und habt Ihr unseren Bruder Broll gefunden?�</p><p>Der Tauren bem�hte sich nicht zu schnauben. �Ich suche immer noch nach ihm.�</p><p>Die Augen des Nachtelfen verengten sich. �Wir beide wissen, dass er nie mit uns zur�ckgekommen ist, Bruder Hamuul.�</p><p>Hamuul best�tigte es nicht, aber genauso wenig widersprach er. �Ich habe dem Erzdruiden Fandral Hirschhaupt versprochen, nach Broll zu suchen. Ich muss weiter.�</p><p>Naralex streckte die Hand vor, um den Tauren aufzuhalten, was unter anderen Umst�nden eine gef�hrliche Aktion gewesen w�re. �Erzdruide Fandral k�mmert sich gerade um etwas anderes. Er ist im Augenblick nicht einmal hier, Bruder Hamuul.�</p><p>�Nicht hier?� Erneut versuchte der Tauren, jedes Anzeichen von Vorsicht zu verbergen.</p><p>�W�hrend Ihr... anderswo wart... schlug er vor, dass wir alle tun, was wir k�nnen, um unsere Gedanken zu reinigen, damit wir nach unserer R�ckkehr mit einem neuen Zauber f�r Teldrassil beginnen k�nnen.�</p><p>�Und wo ist er in der Zwischenzeit hin?�</p><p>Naralex blickte hoch... und noch h�her. �Zur Enklave nat�rlich. Er sagte, dass er in der Abgeschiedenheit seines Sanktums nach F�hrung sucht.�</p><p>Hamuul schnaubte, bevor er es unterdr�cken konnte. Er hatte eine Vermutung, wo Broll B�renfell hingeflogen sein mochte, obwohl er �ber das genaue Ziel nur spekulieren konnte. Der Tauren konnte sich vorstellen, was Broll dort wollte. Doch er selbst w�re nicht so k�hn gewesen... oder doch?</p><p>Naralex senkte den Arm. �Ich dachte, Ihr w�sstet es vielleicht gern. Glaubt Ihr, dass unser Bruder Broll vielleicht einen �hnlichen Gedanken gehabt haben k�nnte... F�hrung in der Enklave zu suchen, meine ich nat�rlich?�</p><p>V�llig gefasst antwortete Hamuul: �Ich bezweifle, dass Broll B�renfell dort oben gefunden werden kann.�</p><p>Der Nachtelf nickte leicht. �Das bezweifle ich ebenfalls. Ich bin froh, dass wir einer Meinung sind.�</p><p>Hamuul verlie� Naralex und dachte nach. Naralex hatte versucht, ihn zu warnen, f�r den Fall, dass Broll oben in der Enklave w�re. Der Nachtelf hatte sich wahrscheinlich gefragt, warum Broll nicht zur Versammlung zur�ckgekehrt war und war zu dem Schluss gekommen, den er vermutlich f�r die naheliegendste Antwort hielt.</p><p>Und das bedeutete, dass der oberste Erzdruide vielleicht zu dem gleichen Schluss gekommen war.</p><p>Stirnrunzelnd lehnte sich der Tauren zur�ck, um nach Darnassus hinaufzublicken. Er hoffte, dass er mit einer Sache richtig lag. Dass Broll B�renfell <emphasis>nicht</emphasis> oben in der Enklave war. Denn der Druide hatte dort eigentlich nichts verloren, es sei denn, dass er etwas im Sanktum von Erzdruide Fandral suchte. Hamuul bef�rchtete, dass es sich dabei um das G�tzenbild des Remulos handeln k�nnte. Der Tauren konnte sich nichts anderes vorstellen. Immerhin war das G�tzenbild an den Smaragdgr�nen Traum gebunden, in dem Erzdruide Malfurion Sturmgrimms Traumgestalt verloren gegangen war.</p><p>Und es war an etwas gebunden, dass jemand so Ungest�mes wie Broll h�tte nutzen k�nnen, um den vermissten Shan�do zu finden.</p><p><emphasis>Das w�rde er nicht tun... Broll w�rde das nicht riskieren</emphasis>...</p><p>Hamuul blinzelte. Doch. Broll w�rde.</p><p>Ein Schatten glitt �ber ihn. Er drehte sich und sah, wie eine gro�e Sturmkr�he landete. Das konnte nur Fandral sein, der zur�ckkehrte. Der oberste Erzdruide zog diesmal die Schnelligkeit der Fluggestalt dem ehrw�rdigeren Auftritt vor, den er bei Beginn der Versammlung gew�hlt hatte.</p><p>Als die Sturmkr�he landete, wurden aus Fl�geln Arme, die Beine wuchsen, und aus Krallen wurden F��e. Die Federn flogen fort oder wurden zu Haaren und Kleidung. Der Schnabel wich zur�ck, verwandelte sich in einen Mund und die Nase...</p><p>Fandral, der wieder er selbst war, straffte sich. Unter allen versammelten Druiden richtete er seinen Blick auf den entfernt stehenden Hamuul.</p><p>Erhebliche Entt�uschung erf�llte den Blick des Erzdruiden. Hamuul erkannte sofort, dass Fandral �ber <emphasis>alles</emphasis> im Bilde war, was Broll getan hatte.</p><p>Der Tauren betete darum, dass sein Freund wusste, was er riskierte.</p><empty-line/><p>Sie waren schon wieder gesprungen. Broll wusste es, obwohl er sich wieder einmal nicht lange genug auf den Ort konzentrieren konnte, von dem sie gekommen waren. Er war sicher, dass es der Smaragdgr�ne Traum gewesen war... doch warum waren dann seine Erinnerungen an diese Momente so fl�chtig wie der Nebel, der Auberdine umgab?</p><p>Und wie konnte ein Mensch�� ein <emphasis>Mensch</emphasis>!�� in der Lage sein, das mystische Reich physisch zu betreten, ohne es zu bemerken?</p><p>Doch im Moment hatten sie keine Zeit, solche Antworten von Lucan Fuchsblut zu bekommen. Die drei waren immer noch auf der Flucht, weil Lucans pl�tzliche Aktion sie nicht von dem Drachen weg bef�rdert hatte... sondern stattdessen <emphasis>darunter</emphasis>.</p><p>�Runter!�, fl�sterte Tyrande.</p><p>Schnell wie der Wind stie� der Schatten hinter ihnen herab. Der Windsto�, den er dabei erzeugte, best�tigte die Vermutung der Hohepriesterin. Die drei wurden in die Knie gezwungen.</p><p>Doch... der Drache wendete nicht. Er ging nicht in Schr�glage oder st�rzte sich auf sie. Stattdessen tauchte er tief in die H�gel hinab, knapp au�erhalb ihrer Sichtweite... und stieg nicht wieder auf.</p><p>Broll war der Erste, der aussprach, was die anderen sicherlich dachten. �Bei dieser Geschwindigkeit h�tte er entweder hochkommen m�ssen, oder er ist abgest�rzt...�</p><p>�Was treibt ein schwarzer Drache hier?�, fragte Tyrande. �Wo immer <emphasis>hier</emphasis> auch sein mag...�</p><p>�Er war nicht schwarz.�</p><p>Die Nachtelfen blickten Lucan an. Mit immer noch wildem Blick wiederholte er seine Behauptung. �Er... er war nicht schwarz... er war gr�n.�</p><p>�Ein farbenblinder Mensch�, grunzte Broll.</p><p>�Wenn er farbenblind w�re, h�tte er nicht gr�n statt schwarz gesehen�, meinte die Hohepriesterin. In beruhigendem Tonfall sagte sie zu Lucan: �Erz�hlt uns, warum Ihr glaubt, dass der Drache gr�n war.�</p><p>Er zuckte mit den Achseln. �Er war nah genug, dass man es erkennen konnte.�</p><p>Der Druide sch�ttelte den Kopf. �Na, das ist mal eine Antwort. Und noch die falsche dazu. Wir waren schlie�lich auch nah genug um zu beurteilen, dass er <emphasis>schwarz</emphasis> war.�</p><p>Tyrande musterte den Menschen. Schlie�lich sagte sie: �Eine Antwort, die einige Wahrheit enth�lt. Zumindest so, wie Lucan die Welt sieht.� Sie �berpr�fte die Gleve. �Ich glaube, wir sollten diesen Drachen untersuchen, der schwarz sein k�nnte oder auch gr�n. Es k�nnte einen Grund geben, warum wir in seiner N�he herausgekommen sind.�</p><p>�Und wenn sich herausstellt, dass es ein schwarzer Drache ist?�</p><p>Sie gingen in die Richtung, in der sie die Bestie zuletzt gesehen hatten. Tyrande hielt die Gleve wurfbereit. �Dann t�ten wir ihn.�</p><p>Lucan blickte zu Broll, als w�rde er darauf hoffen, dass er ihm sagte, Tyrande h�tte es nicht so gemeint. Stattdessen packte der Druide den Kartografen am Arm, zog ihn hinter sich her und sagte: �Bei uns bist du besser aufgehoben als allein...�</p><p>Lucan wirkte nicht allzu �berzeugt.</p><p>Sie machten sich auf den Weg �ber die H�gel und gingen so schnell, wie Lucan es zulie�. Er war nicht langsam, doch weder war er m optimaler Verfassung noch ein Nachtelf. Dennoch hielt er das Tempo besser durch, als Broll es erwartet hatte nach seiner Erfahrung mit all den Menschen, mit denen er schon zu tun gehabt hatte.</p><p>Sie hatten kurz angehalten, als Broll ein Jucken im Nacken versp�rte. Er blickte sich um.</p><p>�Was ist?�, fragte Tyrande leise.</p><p>�Ich dachte, jemand folgt uns... doch ich habe mich geirrt.�</p><p>Wenig sp�ter blieb die Priesterin erneut stehen. Lucan nutzte den Moment, um zu Atem zu kommen, w�hrend die Nachtelfen sich unterhielten.</p><p>�Wenn der Drache wirklich gelandet ist... muss er bereits sehr nah sein�, bemerkte Tyrande.</p><p>�Stimmt. Wir sind an ein paar H�hlen vorbeigekommen, doch keine war gro� genug f�r ein solch riesiges Wesen... und dieser Drache ist gr��er als die meisten anderen, egal von welcher Farbe.�</p><p>�Dennoch haben wir ihn nicht in der Luft gesehen.�</p><p>Broll dachte nach. �Vielleicht ist an dem, was Lucan gesagt hat, doch etwas dran. Wenn der Drache...�</p><p>Tyrande blickte sich um. �Wo steckt Lucan?�</p><p>Der Druide drehte sich um. Der Mensch war nicht mehr dort, wo er ihn zur�ckgelassen hatte.</p><p>Einen Augenblick lang blickten sich die Nachtelfen an, als w�rden sie beide dasselbe denken... dass Lucan wieder einmal dorthin verschwunden war, was Broll f�r einen Teil des Smaragdgr�nen Traums hielt. Ein kurzes Klackern von Steinen vor ihnen verriet den beiden dann die simple Wahrheit.</p><p>Lucan war nur vorausgegangen.</p><p>Oder besser gesagt... er kletterte den Berghang in einem bemerkenswerten Tempo hinauf, wenn man bedachte, wie ersch�pft er war.</p><p>�Lucan!�, rief der Druide so vorsichtig, wie er konnte. �Lucan!�</p><p>Doch der Kartograf ignorierte ihn. Broll folgte ihm schlie�lich. Tyrande war nur einen Schritt dahinter. In der N�he einer m�glichen Drachenh�hle konnten sie sich so einen Leichtsinn kaum leisten.</p><p>Lucan arbeitete sich zur Spitze des H�gels vor. Broll erwischte ihn am Kn�chel, kurz bevor der Mensch die andere Seite wieder hinuntergehen konnte. Der Druide zog sich zu Lucan hoch.</p><p>�Seid Ihr verr�ckt geworden...?� Broll war �berzeugt, dass er die Antwort darauf kannte. Denn Lucan starrte ihn an, als h�tte er auch noch den Rest von Verstand verloren.</p><p>�Er ist dort unten�, murmelte Lucan schlie�lich. Er wies auf eine Handvoll H�hlen unterhalb ihrer Position. �Die, mit der Spitze �ber dem Eingang. Dort ist der Drache.�</p><p>�Und woher wisst Ihr das?�</p><p>Als Antwort konnte Lucan nur mit den Achseln zucken.</p><p>Tyrande trat zu den beiden M�nnern. �Habe ich ihn richtig verstanden? Der Drache ist dort unten?�</p><p>�Er scheint sich sicher zu sein.� Ein Ger�usch erregte Brolls Aufmerksamkeit. Er blickte den Weg hinab, den sie gekommen waren. �Da <emphasis>ist</emphasis> etwas oder jemand hinter uns...�</p><p>�K�mmert Euch nicht darum. Lucan geht schon weiter!�</p><p>Broll wandte sich um und sah, dass der Mann tats�chlich, nachdem der Druide ihn nicht mehr festhielt und beide Nachtelfen abgelenkt waren, die andere Seite des Berges hinabstieg. Obwohl Broll wusste, dass sie einen Verfolger im Nacken hatten, eilte er hinter Lucan her.</p><p>Am Fu� des H�gels holte er den Kartografen ein. Broll riss Lucan herum und erkannte den beinahe leeren Blick.</p><p>�Wollt Ihr sterben?�, fragte er den Menschen.</p><p>�Nein...� Lucan schien schlie�lich zu begreifen, wo er war. Sein Gesicht wurde noch bleicher. �Ich bin... ich bin nur dahin gegangen, wo ich hin musste.�</p><p>Broll gab die Hoffnung auf, seinen Begleiter verstehen zu wollen und begann, Lucan zur�ck zu Tyrande zu zerren, die dicht hinter ihnen war.</p><p>Ein tiefes, trauriges Reptilienzischen erklang aus der H�hle.</p><p>Die drei r�hrten sich nicht. Schlie�lich machte die Hohepriesterin einen Schritt auf die H�hle zu.</p><p>�Es muss noch einen anderen Eingang geben!�, murmelte sie. �Der ist viel zu klein f�r einen Drachen...�</p><p>Broll verzog bei dem Gedanken das Gesicht. �Dann... ist es ein guter Eingang f�r uns!�</p><p>Tyrande nickte. Lucan schluckte und sagte nichts.</p><p>Besorgt um den Menschen, der sicherlich kein so erfahrener K�mpfer war wie Varian Wrynn, sagte Broll: �Dort dr�ben befinden sich ein paar gro�e Felsen. Ihr k�nnt Euch dort verstecken. Wenn wir in gut einer Stunde nicht zur�ck sind, haltet Euch Richtung Osten. Ich glaube, ich wei� ungef�hr, wo wir sind. Wir befinden uns schon n�her bei Eschental, als ich zun�chst dachte.�</p><p>Zur �berraschung beider Nachtelfen straffte sich Lucan und antwortete: �Nein. Ich komme mit euch. Ihr habt mir geholfen... und ich habe euch hierher gebracht.�</p><p>Sie hatten keine Zeit f�r Diskussionen. Broll nickte, Tyrande zog einen Dolch aus dem G�rtel und gab ihn Lucan. Er nahm ihn an, obwohl ihm klar sein musste, wie nutzlos er gegen einen Drachen war. Dennoch spendete ihm die Waffe etwas Trost... und m�glicherweise wurde dem Menschen bewusst, dass er sie im verzweifeltsten aller F�lle auch gegen sich selbst richten konnte...</p><p>Broll wollte die F�hrung �bernehmen, doch Tyrande war bereits vorausgegangen. Sie schien begierig darauf, sich dem Drachen entgegenzustellen. Als k�nnte das Malfurion zur�ckbringen.</p><p><emphasis>Oder sie zu</emphasis> ihm <emphasis>bringen, wenn sie beide sterben</emphasis>?, fragte sich der Druide mit pl�tzlicher Sorge.</p><p>Tyrande hielt die Gleve hoch, bereit sie zu werfen, als sie die H�hle betraten. Die H�hle war dunkel. Im Gegensatz zu Lucan st�rte das die beiden Nachtelfen nicht. Dennoch erzeugte die Hohepriesterin ein kleines Licht, vielleicht f�r den Menschen oder auch nur, um die Aufmerksamkeit des Drachen zu erregen.</p><p>�Bleibt zusammen�, ermahnte Broll vor allem den Kartografen. Er bezweifelte nicht, dass Lucan das auch vorhatte. Doch so wie der Mann f�r gew�hnlich herumspazierte, war es sicher nicht verkehrt, wenn man ihn daran erinnerte.</p><p>Die H�hle zog sich von einer Seite zur anderen und wurde hinter dem Eingang schmaler. Sie war nun so eng, dass sie kaum nebeneinander hergehen konnten. Wenn irgendwo weiter vorne ein Drache lauerte, <emphasis>musste</emphasis> es einfach einen anderen Eingang geben. Das behielten sie im Hinterkopf f�r den Fall, dass dieser Ausgang vielleicht blockiert wurde.</p><p>Nat�rlich w�rde der andere Eingang dem Drachen auch erlauben zu fliehen.</p><p>Die H�hle wurde k�lter. Schwarze Drachen bevorzugten w�rmere Orte, was Lucans Vermutung best�tigte, dass Broll falschlag. Dennoch hatten der Druide und die Hohepriesterin beide eine schwarze Kreatur gesehen.</p><p>Wenn es kein schwarzer Drache war, warum sollte sich ein Drache von anderer Farbe derart tarnen?</p><p>Broll erinnerte sich pl�tzlich an etwas, das er in ihrer derzeitigen schlimmen Situation bislang verdr�ngt hatte. Vor langer Zeit hatte er der schrecklichen Tochter des gro�en schwarzen Drachen Todesschwinge gegen�bergestanden. Wie der Vater, so war auch Onyxia ein wahres Monster gewesen. In diesem Zusammenhang fiel Broll ein, dass sie auch eine andere Gestalt hatte annehmen k�nnen... selbst das Aussehen deutlich <emphasis>kleinerer</emphasis> Arten.</p><p>Er ber�hrte Tyrande an der Schulter. Die Hohepriesterin drehte sich leise um.</p><p>�Vorsicht�, fl�sterte Broll. �Diese Tunnel sind vielleicht doch gro� genug f�r einen Drachen.�</p><p>Ihre Augen verengten sich. Tyrande Wisperwind war sich ebenfalls dieser speziellen F�higkeit der Drachen bewusst. Sogar mehr noch als Broll, der ihre Verbindung zu dem roten Drachen Korialstrasz nicht kannte. �Ja�, murmelte sie. �Wir m�ssen sehr vorsichtig...�</p><p>Dann erklang ein Ger�usch. Es war eine kaum wahrnehmbare Bewegung von irgendwo tiefer drinnen. Die drei versteiften sich augenblicklich. Broll schob Lucan hinter Tyrande und sich selbst. Die Hohepriesterin trat vor, bevor Broll sie zur�ckhalten konnte.</p><p>Nur ein paar Meter weiter in der H�hle kamen sie zu einer gr��eren Kammer, die mit L�chern durchsetzt war�� allesamt gro� genug, um durchgehen zu k�nnen. Die Kammer war vielleicht zehn Mal so gro� wie der Druide, und die rauen Kanten enth�llten Pfade, von denen einige sicherlich gef�hrlich waren und �ber die man viele der Durchg�nge erreichen konnte.</p><p>Doch am wichtigsten waren die Fu�abdr�cke, die Broll unter den Stalagmiten am Boden der Kammer entdeckte. Er kniete nieder, um sie zu untersuchen.</p><p>�Sie sehen aus, als stammten sie von jemandem wie uns�, meinte der Druide zu Tyrande. �Oder vielleicht von Lucans Volk. Sie �berlagern sich zudem. Wem auch immer sie geh�ren, er hat diese H�hle oft betreten.�</p><p>�Ich sp�re einen Windzug�, bemerkte sie. Sie stie� die Spitze der Gleve auf den Boden. �Es gibt noch mindestens einen weiteren Eingang in der N�he.�</p><p>�Suchen wir danach?�</p><p>�Wohin f�hren die meisten Fu�abdr�cke?�</p><p>Er untersuchte sie genau, schlie�lich wies er nach rechts. �Da lang...�</p><p>Als Broll aufstand, blinzelte Lucan, dann setzte er an, um Tyrande etwas zu sagen. Doch die Hohepriesterin ber�hrte schnell sein Handgelenk und dr�ckte es sanft.</p><p>�Der Windhauch kommt exakt aus der Richtung, in die die Spuren f�hren�, sagte die Hohepriesterin und lie� das Handgelenk des Menschen los. �Wir k�nnen ihnen entweder folgen oder...�</p><p>Tyrande verstummte. Ihr Gesicht war pl�tzlich hoch konzentriert.</p><p>Das Licht von Elune erhellte die Kammer.</p><p>Und in dem Licht wurde eine Gestalt enth�llt, die bis eben noch unsichtbar f�r sie gewesen war. Doch Lucan hatte sie mit seinem besonderen Talent bereits gesp�rt. Tyrande hatte das erkannt und ihn verstummen lassen, um ihren Beobachter zu �berraschen.</p><p>Der war in eine lange Kapuzenrobe geh�llt und wirkte wie eine Mischung aus Magier und Priester. Die Gestalt war ein paar Zentimeter gr��er als Broll, der mit seinen 2,10 Metern selbst nicht klein war. Doch die Gestalt war zierlicher. Ihre H�nde �hnelten denen eines Nachtelfen. Das Gesicht wies auch die Z�ge von Nachtelfen auf, doch es war viel blasser. So etwas gab es unter den Elfen nicht.</p><p>Mehr konnten die drei nicht erkennen, weil die Gestalt augenblicklich ihre Hand in Richtung der vermeintlich gr��ten Bedrohung ausstreckte. Sie richtete den Arm auf die Hohepriesterin.</p><p>Das war ein Fehler, den Broll ausnutzte.</p><p>Der Druide warf sich auf den mysteri�sen Zauberer. Doch nicht in seiner Gestalt als Nachtelf. Broll verwandelte sich in eine riesige pelzige Gestalt, die mehr als den doppelten Umfang von Broll hatte. Der Mund des Druiden und die Nase verl�ngerten sich, wuchsen zusammen und bildeten ein z�hnefletschendes Maul. Mit seinen gro�en Tatzen riss er an dem Zauberer. Broll war nun ein grimmiger B�r.</p><p>Sein Feind taumelte unter dem Ansturm von K�rpermasse und dem daraus resultierenden Schwung zur�ck. Einen Augenblick lang sah es so aus, als w�rde die Gestalt zu Boden gehen.</p><p>Pl�tzlich wurde Brolls Gegner von einer gr�nen Aura eingeh�llt. Der Druide flog zur Seite und prallte schlie�lich gegen zwei Stalagmiten, zerschmetterte einen und war f�r einen Moment benommen.</p><p>Tyrande hielt ihre Gleve bereit, doch sie griff nicht an. Die Hohepriesterin blickte den Zauberer an.</p><p>Erst als sie seine Augen sah, �berkam die Hohepriesterin das Gef�hl, dass sie wissen sollte, wem sie da gegen�berstand. Seine Gestalt war ein klein wenig ver�ndert, sonst, da war sich Tyrande sicher, h�tte sie ihn schon viel eher erkannt. Sie versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern.</p><p>Zum Schrecken aller drei stie� der Mann einen schmerzgeplagten Schrei aus, legte einen Arm vor das Gesicht... und begann, sich zu verwandeln.</p><p>�Wartet!�, rief Tyrande. �Wartet! Es sei denn, Ihr geh�rt zu den schwarzen Drachen, wir suchen Hilfe, keinen Kampf!�</p><p>Die Transformation hatte gerade erst begonnen, sodass seine wahre Gestalt sich noch nicht im Geringsten ver�ndert hatte. Der Zauberer unterbrach die Verwandlung, lie� den Arm sinken und starrte sie mit einem Ausdruck an, der an <emphasis>Mitleid</emphasis> erinnerte.</p><p>�Es w�re besser f�r dich, wenn du tats�chlich einem Drachen von Todesschwinges Sippe gegen�berstehen w�rdest, kleine Nachtelfe! Er w�re weit weniger ein Monster, als ich es bin!�</p><p>�Ihr seid ein Monster?�, raunte Broll und kehrte zu seiner wahren Gestalt zur�ck. Er sah sich um und suchte den Gegenstand, den er in seiner B�rengestalt nicht mit sich herumtragen konnte.</p><p>Er lag zu F��en seines Gegners, der ihn nun vom Boden der Kammer aufhob. �Ah! Dieses verfluchte Ding! Ich habe seine Gegenwart gesp�rt! Ich w�nschte, sie h�tte mich niemals gebeten, meine Kraft dort hineinzulegen!�</p><p>Der Druide stand auf. �Dann seid <emphasis>Ihr</emphasis> der gr�ne Drache, der an das G�tzenbild des Remulos gebunden ist!�</p><p>�Gebunden ist das treffende Wort!� Die Figur flog auf Broll zu. Als der Nachtelf sie mit einer Hand fing, zischte der Drache. �Daran gebunden mit all meiner Essenz... auch wenn meine Ysera nicht vorhersehen konnte, welch schreckliche Dinge damit ausgel�st werden sollten. Als das G�tzenbild urspr�nglich erschaffen wurde, wollten wir Remulos und allen, die er f�r wert befand, eine n�tzliche Hilfe an die Hand geben.� Er blickte zu dem Druiden. �Wo wir gerade davon sprechen. Ich erkenne dich an deiner magischen Signatur, wenn auch nicht dem Namen nach. Du hast das Ding vor einiger Zeit benutzt, mit schrecklichen Auswirkungen...�</p><p>Broll verzog das Gesicht. �Aye, sehr schrecklichen... und als ich dann dachte, es w�re verloren, stellte sich heraus, dass es befleckt war...�</p><p>Die Gestalt in der Kapuze lachte verbittert auf. �Diese Befleckung war gar nichts gegen die wahre Gefahr, Druide... Du hast Gl�ck, dass ich nur noch ein Schatten meiner Selbst bin, sonst h�tte diese Verderbtheit vor gar nicht so langer Zeit dein Herz ber�hrt...�</p><p>Der Druide machte sich f�r einen weiteren Angriff bereit, war aber so schlau, noch einen Moment zu warten. Er wollte mehr erfahren... und vielleicht eine M�glichkeit finden, Blutvergie�en zu vermeiden. �Was meint Ihr damit?�</p><p>Sein Gegner blickte skeptisch. �Bist du blind? Hast du den Albtraum nicht gesp�rt?�</p><p>�Aye, ich habe ihn gesp�rt, so wie die meisten anderen Druiden auch! Zwar sind wir keine Drachen, doch auch wir haben f�r den Smaragdgr�nen Traum gek�mpft...�</p><p>�Dummes Geschw�tz!� Der schlaksige Elf wurde gr��er, seine Worte endeten in einem Br�llen. �Du wei�t gar nichts! Du verstehst gar nichts! Nicht einmal ich habe verstanden, ich, der an ihrer Seite stand! Ich habe sie verraten, verriet den Traum und half dem Albtraumlord dabei, nicht nur dieses Reich zu erobern... sondern auch noch die ganze Ebene der Sterblichen!�</p><p>Jetzt wusste Broll zumindest, wem sie gegen�berstanden. Als der Drache weniger Elf seiner Gestalt nach wurde und mehr seiner eigenen Art glich, ging der Druide zu Tyrande. Sie w�rden all ihre Kraft brauchen, wenn sie dem Drachen entfliehen wollten.</p><p>�Ich kenne Euch nun�, sagte er ruhig zu dem halb verwandelten Riesen. �Ihr seid einer der korrumpierten Drachen! Ihr seid einer von denen, die der Albtraum gegen Ysera selbst einsetzt...�</p><p>Gro�e ledrige Fl�gel breiteten sich �ber die gesamte L�nge der Kammer aus. Lange scharfe H�rner stie�en aus dem Kopf hervor. Der K�rperumfang des Drachen nahm mehr als zwei Drittel des Raums ein. Gr�ne Drachen waren geschmeidiger als die meisten anderen, �therischer. Doch dieser hier war ein Riese, der seinen langen Hals beugen musste, um stehen zu k�nnen. Die Augen blitzten so wild wie die von Lucan in seinen schlimmsten Zeiten. Broll erkannte, dass der Drache sie die ganze Zeit lang mit <emphasis>offenen</emphasis> Augen beobachtet hatte, obwohl die Augen von gr�nen Drachen normalerweise geschlossen waren, weil sie permanent halb im Traum lebten.</p><p>�Einer der korrumpierten Drachen... was f�r eine Vereinfachung, kleiner Nachtelf... Du kannst kaum verstehen, was das bedeutet! Du verstehst nicht, was es bedeutet, wenn Geist, Herz und Seele -Seele, so wie wir Drachen sie verstehen�� entfernt werden, von der Dunkelheit aufgefressen werden und du in deine k�rperliche H�lle zur�ckgezwungen wirst!� Wieder ert�nte das bittere Gel�chter und ersch�tterte die H�hle derart, dass einige der Stalaktiten abbrachen. Das Trio konnte den herabst�rzenden Steinen ausweichen, doch der Drache lie� sich von den Tonnen Kalkstein und Fels, die gegen seine geschuppte Haut krachten, nicht im Geringsten ablenken.</p><p>�Einer der Korrumpierten�, wiederholte der gr�ne Riese. �W�re das so, w�re ich nicht nur <emphasis>irgendeiner</emphasis> von ihnen!� Der Kopf des gro�en Reptils neigte sich hinab und verharrte nur wenige Zentimeter von den Nachtelfen und dem Menschen entfernt. �Ich war mehr als das, kleine Kreaturen! Ich war ihr engster Vertrauter... und deshalb war mein Verrat so viel schlimmer und in letzter Konsequenz weitaus schrecklicher! Habt ihr die Schl�fer gesehen? Habt ihr ihre Schatten gesehen? Das alles begann mit meiner Hilfe...�</p><p>Tyrande wagte etwas zu sagen. Ihre Stimme klang gleichm��ig und beruhigend. �Ich erkenne Euch jetzt, obwohl Ihr Euch in einer mir nicht vertrauten Gestalt zeigt. Doch jetzt seid Ihr ganz eindeutig nicht mehr korrumpiert. Ihr habt es �berwunden...�</p><p>�Mit der Hilfe anderer... doch was ich damals nicht wusste, war, dass er mich erneut rufen w�rde... jeden Moment... ruft er mich! Er begehrt mich mehr als alle anderen, denn ich bin... war... <emphasis>ihr</emphasis> Geliebter... ihr <emphasis>Gemahl</emphasis>...�</p><p>�Gemahl?� Broll knirschte mit den Z�hnen. �Ihr seid...�</p><p>Der Drache br�llte und lie� ihn verstummen. Die Augen�� diese kalten smaragdgr�nen Augen�� fixierten den Druiden. �Ja... ich bin Eranikus, erster Gemahl von Ysera...� Sein Maul �ffnete sich weit. �Und da ihr wisst, dass ich hier lebe... m�sst ihr alle sterben...�</p></section><section><title><p>10</p><p>Einer nach dem anderen</p></title><p>Sturmwind war die letzte starke Bastion des menschlichen Volkes. Das K�nigreich hatte die Zerst�rung von gro�en Teilen des Kontinents �berstanden und war nach dem Ersten Krieg wieder aufgebaut worden. Varian Wrynn herrschte nun �ber Sturmwind�� oder herrschte <emphasis>wieder</emphasis>.</p><p>Eine Zeit lang war er verschwunden gewesen, bis er erst k�rzlich zur�ckgekehrt war. Von der Festung von Sturmwind aus, die genauso wie das K�nigreich hie�, versuchte der braunhaarige, ungest�me Anf�hrer sowohl sein Land als auch die Allianz intakt zu halten.</p><p>Varian war ein getriebener Mann. Der Tod seiner geliebten Frau Tiffin w�hrend eines Aufstands vor beinahe dreizehn Jahren hatte ihn dazu gemacht. Sein einziger Trost war sein Sohn Anduin, der zur Zeit ihres Todes noch ein Baby gewesen war. Er hatte Varian w�hrend seiner langen Abwesenheit vertreten.</p><p>Angesichts von so viel Tragik und Kampf �berraschte es nicht, dass K�nig Varian unter schlimmen Tr�umen litt. Neuerdings schlief er nur noch mithilfe von Schlafmitteln, die diese Tr�ume fernhielten. Doch sie waren nur die letzte Rettung. Bis er m�de wurde, spazierte Varian �ber die Wehrg�nge.</p><p>Er war ein gro�er Mann in mittleren Jahren, von herber Attraktivit�t und mit braunem Haar, das sich nicht z�hmen lie�. Varian war f�r sein Volk der Inbegriff des Helden. Er selbst sah das eher gegenteilig. Doch er versuchte, sein Volk so gut zu f�hren, wie er konnte.</p><p>Aber nun drohte eine Gefahr, von der Varian nicht wusste, wie er damit umgehen sollte.</p><p>Sein Volk wachte nicht auf.</p><p>Jeden Tag stieg die Zahl der Schl�fer an. Es hatte mit einem oder zweien angefangen, dann waren es f�nf, zehn und mehr geworden. Mit jedem neu entdeckten Schl�fer wurde die Bev�lkerung nachdenklicher. Einige glaubten an eine Seuche, doch die Gelehrten, mit denen der K�nig sprach, waren der Meinung, dass viel mehr dahintersteckte. Irgendeine Macht griff Sturmwind an und verwendete dabei eine merkw�rdige Form der Zerm�rbung... Und Varian glaubte genau zu wissen, wer dahintersteckte.</p><p>Die Horde.</p><p>Er hatte keinen Beweis, doch es erschien Varian nur logisch. Es gab viel zu viele Elemente in der Horde, denen man nicht trauen konnte. Abgesehen vielleicht von den Orcs, die Varian allerdings auch verd�chtig waren. Der K�nig wusste keinen guten Grund, warum er an die Ehre von Blutelfen glauben sollte�� Hochelfen, die sich nach dem Verlust des Sonnenbrunnens, ihrer Machtquelle, einer verzehrenden d�monischen Magie zugewandt hatten und s�chtig nach dieser Teufelsmagie geworden waren. Er hatte auch keinerlei Vertrauen in die untoten Verlassenen, die behaupteten, sich selbst von der Herrschaft des Lichk�nigs befreit zu haben. Die Tauren waren die Einzigen, die in Sturmwinds Anf�hrer nicht den Wunsch ausl�sten, zur Waffe zu greifen. Doch seit sie an der Seite der Orcs standen, waren auch sie ihm suspekt geworden.</p><p>Varian beschloss, eine Nachricht an Lady Jaina Prachtmeer zu schicken, die Erzmagierin und Herrscherin von Theramore, das an der s�d�stlichen Seite von Kalimdor lag. Der Kontinent selbst befand sich im Westen der Gro�en See. Der K�nig hatte schon die letzten Tage dar�ber nachgedacht, aber er hatte es immer wieder verschoben. Ihm war klar, dass er gleich zu Beginn mit Jaina in Kontakt h�tte treten sollen.</p><p>Eine mit Helm und R�stung ausgestattete Wache an der Mauer, die den stolzen L�wen von Sturmwind auf der Brustplatte trug, salutierte zackig. Sie war die erste Wache, an der Varian seit einiger Zeit vorbeigekommen war. Selbst die Dienerschaft in der Burg war um mehr als ein Drittel reduziert.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte er.</p><p>�Ja, Mylord!� Die Wache z�gerte, dann f�gte sie hinzu: �Alles in Ordnung, au�er dem verdammten Nebel, der sich dort dr�ben aufbaut...�</p><p>Varian blickte �ber den Wehrgang. Der Nebel <emphasis>war</emphasis> dichter als in der Nacht davor... und der Nacht <emphasis>davor</emphasis>. Die Wachen hatten ihn vor einer Woche das erste Mal bemerkt... kurz vor dem Morgen, an dem die ersten Schl�fer entdeckt worden waren.</p><p>Er erinnerte sich an das letzte Mal, da Sturmwind in einen derartigen Nebel geh�llt gewesen war. Damals sollte er das Vorr�cken der untoten Gei�el verbergen. Diese Leichensch�nder hatten den Dunst dazu benutzt, sich ungesehen an die Stadt anzuschleichen. Doch auch wenn es eine entfernte �hnlichkeit gab, war der Nebel dieses Mal �therischer und d�sterer. Offenbar lebte er... und ber�hrte den Geist genauso wie den K�rper. In der Tat schien er gleicherma�en aus einem dunklen Traum zu stammen, wie er real war.</p><p>Der K�nig blinzelte. F�r einen Augenblick h�tte er schw�ren k�nnen, dass sich etwas im Nebel <emphasis>bewegt</emphasis> hatte. Varian beugte sich vor, konnte aber nichts erkennen. Dennoch geh�rte er nicht zu den M�nnern, die sich schnell etwas einbildeten.</p><p>�Bleib wachsam�, ermahnte er die Wache. �Und gib das an die anderen weiter.�</p><p>�Ja, Euer Majest�t.�</p><p>Als er ging, konnte Varian ein G�hnen nicht unterdr�cken. Irgendwann musste er sich ausruhen. Doch nicht, bevor er nicht einen Trank zu sich genommen hatte, den die Alchemisten f�r ihn gebraut hatten. Danach w�rde er wenigstens keine Tr�ume mehr haben...</p><p>Varian runzelte die Stirn. Das Pulver schien ihm beim Schlafen zu helfen. Half es auch dabei, ihn vor dem Schicksal derjenigen zu bewahren, die nicht mehr aufwachen konnten? Das hatte er noch nicht bedacht. Der K�nig kannte sich nicht mit Alchemie aus, doch er wirkte ausgeruhter als alle anderen. Gab es eine Verbindung zwischen den Albtr�umen, unter denen die Schl�fer zu leiden schienen und der Tatsache, dass er selbst gar keine Tr�ume hatte?</p><p>Der Gedanke erschien Varian so logisch, dass er sein Tempo erh�hte. Es sollte immer noch m�glich sein, die Alchemisten und andere, die sich besser damit auskannten als er, zu versammeln und ihnen seine Erkenntnis mitzuteilen. Wenn sie ihm glaubten, dann war es vielleicht m�glich, die anderen ebenfalls mit dem Schlafpulver zu versorgen, um weitere Opfer zu vermeiden...</p><p>Er rannte beinahe in eine atemlose Wache hinein, die gerade den Wehrgang heraufkam. Varian nahm an, dass der Mann zu sp�t zum Dienst kam. Doch er hatte keine Zeit, um ihn zu ermahnen und wollte um den Soldaten herumlaufen.</p><p>�Mylord! Ich wurde�� ich wurde geschickt, um nach Euch zu suchen�, keuchte der Mann. �Schlechte Neuigkeiten, Mylord!�</p><p>Varian dachte instinktiv an die Bewegung, die er im Nebel zu erkennen geglaubt hatte. �Da drau�en...�, murmelte er.</p><p>Der Helm bedeckte einen Gro�teil vom Gesicht des Mannes, doch sein Tonfall verriet seine gro�e Verwirrung. �Nein, Mylord. Wir�� wir fanden ihn lang ausgestreckt auf einem Stuhl in der gro�en Halle. Er�� er war nicht drau�en!�</p><p>Schrecken erfasste den K�nig. Er packte den Soldaten an der Schulter und br�llte: �Wen? Von wem redest du?�</p><p>�Vom Prinzen! Prinz Anduin...�</p><p>Varian sp�rte, wie das Blut aus seinem Gesicht entwich. �Anduin... mein Sohn... <emphasis>tot?�</emphasis></p><p>Er stie� den Mann beiseite, als er �ber die Stufen in die Burg rannte. Alles war f�r Varian verschwommen. Er hatte gerade erst sein Ged�chtnis und seinen Sohn zur�ckerhalten! Welcher boshafte Attent�ter hatte Anduin ermordet?</p><p>Er lief zur gro�en Halle, wo fr�her lediglich das Abgleichen der G�steliste f�r die B�lle zu den wichtigsten Aufgaben geh�rt hatte. In dem gro�en Raum kam Varian an einer �ngstlichen Gruppe von Wachen, Dienern und anderem Personal vorbei.</p><p>�Beiseite!�, rief der K�nig. �Macht Platz!�</p><p>Die Wand von Menschen teilte sich. Varian sah seinen Sohn.</p><p>Der Junge hatte die besten Eigenschaften von Vater und Mutter geerbt. Seine Haare waren ein wenig heller als die Varians, und sein Gesicht wirkte noch weicher, was er nicht nur Tiffins Gesichtsz�gen verdankte, sondern auch daran lag, dass er noch nicht mit den H�rten des Lebens konfrontiert worden war. Doch f�r einen Dreizehnj�hrigen wirkte Anduin �lter.</p><p>Und in diesem Moment erschien er zumindest f�r Varian <emphasis>blutleerer</emphasis>.</p><p>Anduin lag immer noch auf dem Stuhl. Der Hauptmann der Wache, ein grobschl�chtiger Veteran mit kurzem braunem Bart, sah aus, als wollte er den Prinzen in eine bequemere Position setzen. Er hatte jedoch Angst, den Thronfolger zu ber�hren.</p><p>Varian sah nur seinen Sohn, und mit nichts anderem im Kopf st�rzte er an dem Hauptmann vorbei und griff nach Anduin.</p><p>Er sah, wie die Brust des Jungen sich hob und senkte! Seine Hoffnung stieg... bis er h�rte, wie Anduin ein leises Wimmern ausstie�.</p><p>Sein Sohn war einer der Schl�fer geworden.</p><p>�Nein...�, keuchte der Herr �ber Sturmwind. Er sch�ttelte Anduin, doch der Junge wachte nicht auf. �Nein...�</p><p>Schlie�lich erhob sich Varian und seufzte: �Bringt ihn zu Bett. Sanft. Ich werde bald nachkommen.�</p><p>Zwei der Wachen taten, was er befohlen hatte. Zu dem Hauptmann f�gte der K�nig hinzu: �Suche die Alchemisten! Ich will sie alle augenblicklich sehen...�</p><p>Ein Horn erklang. Wie ein Mann blickten die Versammelten auf. Varian wusste, woher das Signal kam. Vom Wehrgang, wo er gerade hergekommen war.</p><p>�K�mmert euch um Anduin!�, ermahnte er die Wachen. �Sucht die Alchemisten, Hauptmann!�</p><p>Der K�nig wartete die Antwort nicht ab und rannte in die Richtung zur�ck, aus der er gerade erst gekommen war. Auf dem Wehrgang starrte eine Handvoll Soldaten in den Nebel hinaus. Als einer sich umwandte und den K�nig sah, warnte er gleich den Rest. Die Wachen nahmen Haltung an.</p><p>�R�hren!� Varian trat hinter sie und blickte auf Sturmwinds Stadtgrenze hinaus. �Was habt ihr...�</p><p>Er erstarrte. Jetzt waren dort ganz eindeutig Gestalten zu erkennen, die sich durch den Nebel bewegten. Hunderte... nein... es mussten Tausende sein...</p><p>�Schickt jeden verf�gbaren K�mpfer zur...� Erneut stockte Varian. Doch dieses Mal aus einem anderen Grund. Obwohl der Nebel und die sich darin befindenden Gestalten noch weit weg waren, war sich der K�nig aus irgendeinem Grund sicher, dass er sie <emphasis>alle</emphasis> erkannte. Das war auch nicht weiter erstaunlich, weil es immer wieder dieselben beiden Leute waren.</p><p>Es waren Anduin... und seine Mutter.</p><p>Doch das war nicht die geliebte Tiffin aus Varians Erinnerung. Jeder der Doppelg�nger taumelte der Stadt auf Beinen entgegen, die halb aus Knochen, halb aus gr�nlichem, verfaulendem Fleisch bestanden. Tiffins einst sch�nes Gesicht war von W�rmern und aasfressenden Insekten zerfressen. Spinnen krochen in ihrem verfilzten Haar, und das Kleid, in dem sie beerdigt worden war, war mit Dreck beschmiert und zerrissen. Die monstr�se Szene wiederholte sich wieder und wieder.</p><p>Und Anduin, obwohl er noch heil schien, blieb nah bei seiner Mutter und lie� zu, dass sie ihre skelettierte Hand um seine Schultern legte, was eher besitzergreifend denn liebevoll aussah. F�r Varian wirkte es, als w�rde diese schreckliche Erscheinung dem K�nig mitteilen, dass sein Sohn nun <emphasis>ihr</emphasis> geh�rte.</p><p>�Nein...� Varian w�nschte, er selbst w�re einer der Schl�fer, und das alles w�re nur ein Albtraum. Es gab nur wenig, was ihn ersch�ttern konnte. Doch das hier war ein so d�steres Bild, wie er es sich niemals h�tte ausdenken k�nnen. Es musste ein Albtraum sein... es musste...</p><p>Varian erkannte allerdings, dass er, anders als sein Sohn, etwas <emphasis>Wirkliches</emphasis> durchlebte, selbst wenn es albtraumhaft sein mochte. Der K�nig hatte das Pulver schon vor dem Auftreten des ersten Schl�fers genommen. Er war sich sicher, dass der Trank ihn irgendwie besch�tzte, weil er dadurch keine Tr�ume hatte. Ungl�cklicherweise war Varian diese Idee nicht schon fr�her gekommen, um seinen Sohn davor bewahren zu k�nnen, dem Schlaf ebenfalls zum Opfer zu fallen.</p><p>Aber was auch immer hinter den Schl�fern lauerte, hinter ihren aufw�hlenden Tr�umen, griff nun auf die Hauptstadt �ber und �bte seine eigenen �belsten �ngste aus.</p><p>Varian zog aus diesem Gedanken etwas St�rke. Er wandte sich an die n�chststehende Wache�� die Frau, mit der er zuvor schon gesprochen hatte�� und fragte: �Siehst du etwas im Nebel?�</p><p>Ihre zitternde Stimme reichte ihm, um ihm zu sagen, wie schrecklich der Anblick f�r sie war. �Ich sehe... meinen Vater... tot im Gefecht... Tomas... meinen Schildgef�hrten... Ich sehe...�</p><p>K�nig Varian blickte die versammelten Wachen an. �Ihr seht nichts au�er eurer Einbildung! Nichts als eure eigenen �ngste! <emphasis>Es</emphasis> oder <emphasis>sie</emphasis> kennt eure �ngste und labt sich daran! Das sind nur Albtr�ume, was bedeutet, dass sie nicht das sind, was ihr glaubt...�</p><p>Sie zogen Trost und St�rke aus seiner Stimme. Varian versteckte seine eigene Angst beim Gedanken an Anduin und Tiffin. Wenn er schon von den Visionen beeinflusst wurde, obwohl ihm klar war, dass sie nicht echt waren�� wie erging es dann erst den anderen in der Stadt?</p><p>Von den Mauern der Hauptstadt und nahe dem Rande des Nebels erklang ein weiteres Horn von einer der Nachtpatrouillen. Varian hatte sie einen Moment lang vergessen. Es war eine von einem halben Dutzend heute Nacht...</p><p>�Ruf sie zur�ck!�, befahl er dem n�chsten Trompeter. �Gib das Signal sofort! Ich will, dass sie alle hier drinnen sind!�</p><p>Der Soldat blies das Signal! Varian wartete.</p><p>Eine Patrouille im Westen antwortete. Dann eine andere weiter s�dlich. Aus dem Nordwesten ert�nte eine weitere.</p><p>Das vierte Signal kam von nahe dem Nebel. Varian stie� ein Zeichen der Erleichterung aus, als das Horn schmetterte...</p><p>Und dann brach der Klang des Horns zu fr�h ab.</p><p>Schlimmer noch... es kam keine Antwort von den anderen beiden.</p><p>�Noch mal!�</p><p>Der Trompeter blies. Der K�nig und die Soldaten warteten.</p><p>Stille.</p><p>Varian sah die sich bewegenden Gestalten im Nebel. Wieder war es, als s�he er alles durch ein Vergr��erungsglas, damit er es besser erkennen konnte. Er wusste, dass es nicht aus Zufall geschah, sondern das Werk desjenigen war, der sich seiner Stadt n�herte. Er wollte, dass Varian genau mitbekam, was geschah, es sah und sich f�rchtete...</p><p>Und was der Herrscher von Sturmwind erblickte, lie� ihn erschaudern, weil es mehrere Fragen zugleich beantwortete. Die vielen Anduins und Tiffins waren nicht mehr allein. Ihre Reihen wurden von torkelnden Gestalten aufgef�llt, die R�stungen trugen, auf deren Brustplatte der stolze L�we prangte. Varian konnte die hingestreckten Leichen derselben M�nner auf dem Boden liegen sehen. Selbst ihre Pferde brachen mit ihnen zusammen. In der Tat ritten viele der finster blickenden M�nner Pferde, die Augen ohne Pupillen hatten und deren K�rper irgendwie verdreht waren.</p><p>�Die Gei�el kommt, um uns erneut heimzusuchen!�, rief jemand.</p><p>Ohne zu schauen, wer da gesprochen hatte, befahl der K�nig: �Ruhe! Das ist ein magischer Trick, nicht mehr. Nichts!�</p><p>Dann... bewegten sich der Nebel und die Armee vor den Mauern nicht mehr. Die Anduins und Tiffins blickten hoch, ihre seelenlosen Augen waren auf Varian gerichtet. Hinter ihnen starrten auch die anderen Gestalten zum Wehrgang hinauf.</p><p>Ohne Warnung schauten die Anduins und Tiffins �ber die Schulter auf den unheiligen Pulk. Varian konnte nicht anders, als ihrem Blick zu folgen.</p><p>Zuerst sah er nur die Soldaten, die unter ihnen standen. Dann wurden andere Gestalten sichtbar. Sie erschienen undeutlich... schemenhaft... ihre Gesichter waren schreckliche Parodien normaler Menschen.</p><p>Und dann... erkannte er unter ihnen eine deutliche Gestalt. Eine Frau mit heller Haut und blondem Haar. W�re sie nicht wie eine Magierin gekleidet gewesen, h�tte Varian sie als einen weiteren Schatten ignoriert.</p><p>Es war Lady Jaina Prachtmeer.</p><p>Ihr Gesichtsausdruck war so gr�sslich wie beim Rest der Verdammten. Ein Ding, gefangen zwischen Schrecken und Tod. Varian trat zur�ck, begriff, dass die Situation schlimmer war, als er geglaubt hatte. Wie zur Best�tigung zeigte sich zu Jainas Rechten eine weitere Gestalt im Nebel. Das Gesicht kannte der K�nig nicht, doch das z�hlte nicht. Er sah, wie ein anderes Wesen Gestalt annahm, dann noch eins.</p><p>�Warum greifen sie nicht an?�, fragte die Wache, mit der er anf�nglich gesprochen hatte. �Warum?�</p><p>Er antwortete nicht, obwohl er den Grund kannte. Sie <emphasis>griffen</emphasis> an. St�ck f�r St�ck. Die Zerm�rbung, an die er zuvor gedacht hatte, hatte noch einen zweiten Zweck. Der Feind dezimierte nicht nur die Reihen der Verteidiger... er f�gte die Opfer auch seinen eigenen Truppen hinzu. Mit jedem neuen Schl�fer�� besonders solchen wie Anduin, die unerwartet von der Ersch�pfung �bermannt wurden�� stieg ihre Zahl an.</p><p>K�nig Varian wurde klar, dass der Feind im Moment nur abwarten musste... um den sicheren Sieg einzufahren.</p><empty-line/><p>Tyrande betete... und Elune antwortete ihrer Dienerin.</p><p>Als w�rde der volle silbrige Mond selbst pl�tzlich die Kammer erf�llen, wurde das Licht der G�ttin tausendfach verst�rkt und badete alles in seiner Herrlichkeit. F�r die Priesterin, Broll und Lucan spendete das Licht Trost. Es tat ihren Augen nicht weh, sondern bes�nftigte sie.</p><p>Das galt nicht f�r Eranikus. Der gr�ne Drache zog sich zur�ck, seine geschmeidige, aber schwere Gestalt kollidierte mit der Wand und der Decke hinter ihm. Die Kammer wurde ersch�ttert, und gro�e Felsbrocken brachen aus der H�hlenwand. Doch das Licht von Mutter Mond hielt das Gestein von dem Trio fern.</p><p>Der Drache stie� ein w�tendes Fauchen aus. Aber statt erneut hervorzuspringen, zog sich Eranikus weiter zur�ck. W�hrenddessen begann er zu schrumpfen und sich zu verwandeln.</p><p>�Ihr hattet Gl�ck!�, br�llte er. �Mehr Gl�ck, als ich je...�</p><p>Der Drache hatte sich bereits in seine falsche Elfengestalt verwandelt. Nur Spuren hier und da verrieten, wer er wirklich war.</p><p>Broll griff schon wieder an, dieses Mal allerdings war sein Angriff nicht physisch. Stattdessen malte er eine Rune in die Luft und zauberte.</p><p>Eranikus stie� einen gewaltigen Brodem aus. Der falsche Elf blinzelte. Er blickte den Druiden an.</p><p>�Ein starker Versuch�, begl�ckw�nschte er ihn. �Und beinahe erfolgreich... doch ich kann niemals wirklich bes�nftigt werden, selbst durch das ruhige, liebende Licht der Elune nicht�� zu viel foltert mein Herz...�</p><p>Immer noch griff die Gestalt nicht an und floh auch nicht. Stattdessen lie� sie sich gegen die Wand sinken und schloss die Augen. Ein Schauder durchlief Eranikus.</p><p>�Ich habe sie im Stich gelassen. Ich habe sie und alle anderen im Stich gelassen...�</p><p>Tyrande d�mpfte das Mondlicht und lie� es auf einem Niveau, das es Lucan erlaubte, trotzdem etwas zu sehen.</p><p>Eranikus sank zu Boden und setzte sich schlie�lich auf den Bereich der Wand, der wie ein Stuhl hervorstand.</p><p>�Gro�es Wesen�, murmelte Tyrande. �Wenn Ihr auch einst korrumpiert wart, so seid Ihr es jetzt eindeutig nicht mehr. Welche Versagen Ihr Euch auch anlastet, Ihr habt jetzt die Gelegenheit, sie zu korrigieren.�</p><p>F�r ihren Vorschlag erntete sie ein bitteres Lachen.</p><p>�Solche Naivit�t! Wie lange lebst du schon, Nachtelfe? Tausend Jahre oder f�nftausend?�</p><p>Sie richtete sich stolz auf. �Ich bek�mpfte die Brennende Legion, seit sie das erste Mal nach Azeroth kam! Ich trat gegen Azshara an! Ich war hier, als der Brunnen der Ewigkeit zerst�rt wurde!�</p><p>�Dann eben zehntausend Jahre�, antwortete Eranikus. Sein Tonfall klang nicht im Geringsten beeindruckt. �Nur ein winziger Hauch von Zeit und Erfahrung, verglichen mit meinem Volk und meinen Altersgenossen. Du kannst mein Ungl�ck kaum ermessen. Kannst du an deine schrecklichsten Fehler zur�ckdenken?�</p><p>�Ich bin mir ihrer wohl bewusst, ja...�</p><p>�Dann multipliziere sie mit einer Zahl so gro� wie der Weltenbaum, und du wirst vielleicht gerade mal verstehen...� Eranikus blickte sie finster an, doch seine schlechte Stimmung war gegen sich selbst gerichtet. �Ich habe schreckliche Dinge getan... und das Schlimmste daran ist, dass ich sie wieder tun k�nnte!�</p><p>Broll und Tyrande blickten einander an. Die Hohepriesterin sagte schlie�lich: �Aber Ihr seid frei von der Korrumpierung... ich war selbst dabei... es war das Licht von Elune. Ich selbst und einige Priesterinnen haben Euch letztlich davon befreit! Ich h�tte Euch sofort erkannt, wenn Ihr nicht eine andere Gestalt gew�hlt h�ttet.�</p><p>�Das habe ich auch geglaubt... doch als der Albtraum st�rker wurde, entdeckte ich die Wahrheit! Ein Schatten davon wird immer in mir sein, so lange wie er existiert... und ich bin schuld, dass er �ber das Reich meiner K�nigin hinaus existiert...� Er knurrte. �Deshalb verwandle ich mich nicht mehr in die Elfengestalt, die du kennst und tarne mich als schwarzer Drache, wenn ich jagen muss! Ich wollte, dass niemand mich erkennt! Ich wollte, dass niemand mich sucht!�</p><p>�Aber Ysera und der Smaragdgr�ne Traum...�, begann die Hohepriesterin.</p><p>�Nenn es doch, wie es jetzt ist! Nenn es Smaragdgr�ner <emphasis>Albtraum! Unseren</emphasis> Albtraum!� Br�llend sprang Eranikus auf die Beine. Seine Gestalt wandelte sich, wurde wieder halb Elf, halb Drache. Er wirkte sogar ein wenig �therisch, als <emphasis>w�re er</emphasis> selbst Teil des Traums.</p><p>Dann wurde seine Gestalt fester. Eranikus starrte in den Raum, sein Gesichtsausdruck wirkte erschreckt. �Nein... ich h�tte fast... ich h�tte das nicht tun sollen... die Grenze zwischen den beiden Reichen sehwindet... doch so schlimm sollte es nicht sein...�</p><p>Hinter Tyrande verschmolz Lucan mit den Schatten. Broll bemerkte die Bewegung, und Eranikus beobachtete Broll dabei.</p><p>�Mennschhh...� Der gr�ne Drache, immer noch eine bizarre Mischung seiner zwei Ichs, ging auf Lucan zu. Im Elfengesicht prangten nun eine stumpfe Schnauze und Z�hne, die zu scharf f�r einen Sterblichen waren. Die kleinen Fl�gel flatterten vor und zur�ck, und wo H�nde h�tten sein m�ssen, waren nun t�ckische Pranken mit langen N�geln. �Es kommt von dem Mennnschennnnn...�</p><p>Die Hohepriesterin stellte sich verteidigend vor den Kartografen. �Tut mir leid, doch der Mensch steht unter dem Schutz von Elune.�</p><p>Broll ging auf sie zu. �Und unter meinem Schutz.�</p><p>Eranikus machte eine beil�ufige Geste.</p><p>Die beiden Nachtelfen wurden in entgegengesetzte Richtungen geschleudert, und Lucan stand dem gr�nen Drachen pl�tzlich allein gegen�ber.</p><p>Er reckte sich und trat vor. �T�te mich, wenn du willst. Dann ist es vorbei. Ich habe schon zu viel mitgemacht, deshalb ist es mir egal, ob ich von einem Monster gefressen werde oder nicht...�</p><p>�Ich bevorzuge einfachere Kost�, antwortete Eranikus barsch. Er benahm sich wieder ein wenig elfen�hnlicher, als er den hageren Sterblichen beobachtete. �Ich will nur tiefer in dich hineinsehen...�</p><p>Tyrande war auf den Beinen, die Gleve zum Wurf erhoben. Doch Broll, der ebenfalls aufstand, bedeutete ihr, sich zur�ckzuhalten. Er konnte sp�ren, dass der Drache keine Gefahr darstellte... zumindest im Moment nicht.</p><p>Und sollte sich das �ndern, hatte Broll schon einen Angriff parat.</p><p>Hochgewachsen wie er war, �berragte Eranikus Lucan, der f�r einen Menschen gar nicht so klein war. Der Kartograf blickte den halb verwandelten Drachen tapfer an, w�hrend der mit seiner scharfen Klaue auf seine Brust wies.</p><p>�Ihr Menschen wart immer schon die faszinierendsten Tr�umer�, murmelte Eranikus und klang ruhiger. �Solch unterschiedliche Arten des Begehrens. Eure Tr�ume enthalten gleicherma�en Sch�nheit und Schrecken...�</p><p>�Ich tr�ume nicht gern�, stellte der Mann fest.</p><p>Der Drache lachte unerwartet. �Das tue ich derzeit auch nicht... wirklich nicht.�</p><p>Die klauenartigen Finger waren nur noch eine Haaresbreite von Lucan entfernt... und pl�tzlich wurden Drache und Mensch von einem smaragdgr�nen Leuchten umgeben.</p><p>Broll sch�ttelte den Kopf. �Das ist doch nicht m�glich! Er ist ein Mensch, kein Nachtelf oder Tauren!�</p><p>�Was meint Ihr?�, fragte Tyrande.</p><p>�Das andere Reich ber�hrt ihn, ist ein Teil von ihm und steht ihm offen�, antwortete Eranikus und wunderte sich. Er zog die Finger zur�ck. �Ich kenne dich, wenn ich auch nicht wei�, wie du hei�t! Du warst gerade geboren, da habe ich dich entdeckt...�</p><p>Lucan Fuchsblut schluckte, doch ansonsten blieb er standhaft. �Ich bin nur ein Kartograf.�</p><p>�Ein Kartenmacher, ein Sch�ler der Landschaften... Du hast die verborgene Erinnerung in dir so gut verarbeitet, wie es ging. Obwohl du nichts daf�r konntest...�, zischte Eranikus. �Und sie auch nicht.�</p><p>�Sie?�, wiederholte der Mensch.</p><p>�Die Frau, die dich geboren hat, Kleiner! Deine Mutter wurde von einer todgeweihten Kreatur in den Traum gelockt. Sie war jung, und ihr Mann hatte sie kurz vor deiner Geburt verlassen! Ich bin auf die ganze Sache gesto�en, als dieses Wesen darauf wartete, dich f�r seine dunklen Zwecke zu missbrauchen. Es floh, als ich kam und lie� die sterbende Mutter und ihr schwaches Kind zur�ck...�</p><p>Lucan blickte zu Broll und Tyrande, als w�rde er hoffen, dass sie es besser verstanden. Doch dem war nicht so.</p><p>�Du warst kein Traum, und deshalb geh�rtest du nicht hierher. Meine K�nigin gab dich jemandem, der die Menschen besser kannte, obwohl er zu unserem Volk geh�rt. Es war ein roter Drache namens Korialstrasz...�</p><p>�Den kenne ich!�, rief die Hohepriesterin.</p><p>�Nun, das solltest du auch! Er ist der Gemahl der K�nigin des Lebens, Alexstrasza...� Eranikus� Stirn furchte sich �rgerlich. �... und ein besserer und vertrauensw�rdigerer Gef�hrte als ich...�</p><p>Tyrande begann, zumindest einige Dinge zu verstehen. �Und Ihr habt ihn aus dem Smaragdgr�nen Traum herausgebracht?�</p><p>�Nachdem ich ihn mit einem Zauber geheilt hatte! Auf Befehl meiner K�nigin�� der sehr merkw�rdig war�� gab ich ihm einen winzigen Teil von mir, damit er leben konnte...�</p><p>�Was erkl�ren w�rde, warum er Euch als das erkannte, was Ihr wirklich seid. Wir hielten Euch f�r einen schwarzen Drachen, wie Ihr es beabsichtigt hattet.�</p><p>Eranikus zischte. �Der Hunger trieb mich immer weiter hinaus. Es schien mir die beste Tarnung zu sein... die nur bei ihm nicht funktionierte.� Er beobachtete Lucan zweifelnd. �Ich h�tte nie erwartet, dass ich durch meine Tat eine Verbindung zwischen uns herstellte...�</p><p>�Und deshalb kann er in den Traum hinein- und wieder hinausgehen, ohne es zu merken?�, fragte Broll.</p><p>Seine Frage erf�llte den m�chtigen Drachen mit neuem Schrecken. �Tut er das? Tut er das wirklich?� Eranikus fletschte die Z�hne und blickte Lucan an. Der Mensch und die Nachtelfen f�rchteten schon das Schlimmste. �Er geht in den Albtraum?�</p><p>�Ja, das glaube ich�, antwortete Broll, der seinen Zauber bereithielt. �Und er kam unkorrumpiert wieder heraus.�</p><p>�Das sollte nicht sein... doch er ist dort geboren, und deshalb ereilt ihn der Ruf von hier... aber Azeroth ruft ihn auch...� Eranikus trat zur�ck. Dabei lie� er Lucan nicht aus den Augen. �Und wie lange leidest du schon darunter, kleiner Sterblicher?�</p><p>�Mein Name ist Lucan Fuchsblut.� Nachdem er festgestellt hatte, dass er dem Drachen furchtlos gegen�bertreten konnte, hatte er ebenfalls festgestellt, dass er nicht gern �kleiner Sterblicher� genannt wurde.</p><p>�Dieses Recht will ich dir zugestehen�, antwortete Eranikus in einem Tonfall, der besagte, dass der Mensch ansonsten <emphasis>kaum noch weitere</emphasis> Rechte besa�. Auch wenn ein Drache durchaus vern�nftig mit einer Kreatur reden konnte, die nicht seinem Volk angeh�rte, sch�tzte er doch stets das eigene Volk am h�chsten. �Aber sag mir, wann ist das zuerst aufgetreten? Erinnerst du dich daran?�</p><p>�Ich habe immer schon von einem idyllischen Land getr�umt, unber�hrt von Zeit und Menschen...�, sagte Lucan mit verkl�rtem Blick. Dann jedoch verd�sterte sich sein Gesicht. �Doch die ersten Albtr�ume... die ersten schlechten Tr�ume...� Er dachte kurz nach, dann fuhr er fort zu erz�hlen, bis Eranikus ihn mit gefurchter Stirn unterbrach.</p><p>�Ein paar Jahre also. Das ist f�r einen Drachen nur ein Augenblick, aber viel Zeit f�r Sterbliche...�</p><p>�Eine zu lange Zeit�, antwortete der Kartograf.</p><p>�Und das ist sicherlich kein Zufall!�, zischte Broll. Die anderen blickten ihn fragend an. Er musterte Tyrande grimmig. �Wenn ich es richtig �berblicke, begannen Lucans Albtr�ume, kurz bevor Ihr Malfurions K�rper gefunden habt...�</p><empty-line/><p>Trotz ihrer Gr��e konnten sich Orcs nahezu ungesehen fortbewegen. Thura bildete da keine Ausnahme. Sie hatte das Trio erfolgreich verfolgt und war ihm sogar nah genug gekommen, um ihre Stimmen h�ren zu k�nnen. Nicht alle Worte hatten Sinn ergeben, und einige waren unverst�ndlich geblieben, doch ein Wort im Speziellen spornte sie an.</p><p>Der Name des B�sen. Des Nachtelfen. <emphasis>Malfurion</emphasis>.</p><p>Thura bekam das Wort nicht mit, das seinem Namen folgte, sonst h�tte sie sich gefragt, ob ihre Beute bereits tot war. Deshalb wusste�� oder glaubte�� sie nur eine Sache: Bald w�rde sie Brox� M�rder gegen�berstehen und demjenigen, der Azeroth verw�sten w�rde...</p><p>Die Orcfrau glitt zur�ck, immer noch verbl�fft. Der Drache war jetzt nicht mehr da, stattdessen wirkte irgendein Zauber, so schien es zumindest. Sie hatte nicht genug verstanden, um die Wahrheit zu kennen.</p><p>Thura hatte nicht viel f�r Zauberer �brig. Sie waren Feiglinge, die sich in der Schlacht stets hinten hielten und sich dabei Methoden bedienten, die f�r einen ehrenhaften Krieger nicht infrage kamen. Dass sie Schamanen und sogar Druiden h�her einsch�tzte, war weitgehend den Vorurteilen ihres Volkes geschuldet.</p><p>In ihren Augen waren diese Bedenken nur ein weiteres Hindernis, das sie beiseiter�umen w�rde, um ihren Blutsverwandten zu r�chen.</p><p>Die Orcfrau arbeitete sich voran und suchte einen Punkt, von dem aus sie den H�gel als Ganzes �berblicken konnte. Egal welchen Ausgang die drei auch w�hlten, Thura w�rde es mitbekommen. Und dann w�rde sie der Spur folgen. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie von Tr�umen geleitet wurde oder einfach Malfurions Gef�hrten folgte.</p><p>Pl�tzlich erklang ein Ger�usch von oben, und Thura presste sich gegen eine nahe gelegene Bergwand. Die Orckriegerin blickte hoch und grunzte. Jetzt waren alle ihre Feinde da. Der Letzte hatte sich gerade gezeigt, auch wenn Thura immer noch nicht wusste, wie er aus der H�hle herausgeschl�pft war, ohne dass sie es bemerkt hatte.</p><p>Die schemenhafte Gestalt eines Drachen glitt �ber das Land. Thura beobachtete ihn, als er �ber den H�geln schwebte, wo sie seine Wohnstatt vermutete. Am Nachthimmel war der Drache eine gro�e schwarze Silhouette, es war schwer, die Echse von der Dunkelheit zu unterscheiden. Zum Gl�ck hatte Thura das Tier bereits zuvor unter besseren Bedingungen gesichtet. Sonst h�tte sie gerade an ihren Augen gezweifelt. Der Drache wirkte viel gr��er als vorher, geradezu riesig im Vergleich. Er war so gro�, dass er unm�glich dasselbe Wesen sein konnte, das sie zuvor gesichtet hatte. Das hier war ein wahrer Riese unter Riesen.</p><p>Thura umfasste die Axt fester, bereit, sie einzusetzen, wenn es sein musste. Doch der Drache verweilte nicht l�nger, sondern flog weiter.</p><p>Und h�tte Thura das Land besser gekannt, w�re ihr klar gewesen, dass der Drache nach Eschental flog.</p></section><section><title><p>11</p><p>Nach Schattengr�n</p></title><p>Wenig Licht drang von drau�en herein. Der gr��te Teil der Beleuchtung in der H�hle war immer noch Tyrandes Werk. Doch selbst das schwache Leuchten von drau�en schien den Drachen immer nerv�ser zu machen.</p><p>�Das ist nicht normal�, murmelte er. �Der Himmel sollte heller sein.� Eranikus schloss f�r einen Augenblick die Augen, sein Gesichtsausdruck verh�rtete sich, dann �ffnete er sie wieder und sagte: �Ihr h�ttet nicht bleiben sollen! Ich habe es drau�en gesehen. Nicht die Wolken verdecken die Sonne, sondern ein Nebel, der sich eigentlich schon aufgel�st haben sollte. Es ist nicht normal... Ich sp�re es�� ich sp�re den Albtraum n�her als jemals zuvor...�</p><p>Der gr�ne Drache nannte das Reich selten bei seinem Namen, unter dem es seit ewigen Zeiten bekannt war. F�r ihn existierte dort nur noch der Schrecken, zu dem es geworden war.</p><p>�ber das Schicksal seiner Herrin Ysera sagte er nichts, was Broll nichts Gutes ahnen lie�. Obwohl auch er sich um seine K�nigin und Gef�hrtin sorgte, weigerte sich Eranikus kategorisch, sie nach Eschental zu begleiten�� dar�ber stritten sie schon die ganze Nacht.</p><p>Eranikus blieb in seiner falschen Elfengestalt, als f�rchtete er, in seinem wahren K�rper erneut korrumpiert zu werden. Der Drache hatte sie mehr als einmal zum Gehen aufgefordert. Doch weder der Druide noch die Hohepriesterin w�rden ihm diesen Gefallen tun. Nicht einmal, wenn er ihnen drohte. Beide wussten, dass sie angesichts solch ernster Probleme jemanden brauchten, der sich im Smaragdgr�nen Traum noch besser auskannte als Broll. Gl�cklicherweise war es recht offensichtlich, dass Eranikus keinerlei Absicht hatte ihnen zu schaden.</p><p>�Ich bin sehr geduldig mit euch gewesen�, knurrte der Drache und wandte sich von ihnen ab. �Geht, bevor ich euch hier rauswerfe.�</p><p>�Das h�ttet Ihr schon mehr als einmal tun k�nnen�, meinte Broll. �Und Ihr habt es nicht getan.�</p><p>�Verwechsle mein Elend nicht mit Schw�che!�, antwortete Eranikus und wandte sich an den Nachtelf. �Und nutze mein Bedauern nicht aus! Ich habe etwas Schlimmes angerichtet und wei� das auch. Doch selbst meine Geduld hat ihre Grenzen...�</p><p>Lucan h�rte ihnen zu und ahnte, dass der Untergang bevorstand. Er hatte der Diskussion nicht folgen k�nnen. Er verstand jedoch, dass die Dinge schlechter wurden und dass alles irgendwie mit ihm zu tun hatte.</p><p>Er wollte zumindest ein wenig Ruhe haben. Und dieses Verlangen war allm�hlich immer st�rker geworden. Der Kartograf gab dem Dr�ngen schlie�lich nach. Da die Nachtelfen immer noch mit dem Drachen stritten�� <emphasis>stritten</emphasis>, entschied sich Lucan fortzugehen. Nicht weit. Nur weit genug, um etwas Frieden zu finden.</p><p>Eranikus blockierte den Weg, durch den das Trio eingetreten war. Deshalb ging Lucan in die andere Richtung. Er w�hlte den Weg zuf�llig, wichtig war nur, dass er weit genug wegkam, um den Stimmen zu entkommen. Er wollte nur fort von hier.</p><p>Obwohl er kaum so unsichtbar wie der Druide oder die Hohepriesterin war, verlie� der Mensch die H�hle, ohne bemerkt zu werden. Aufatmend schlenderte Lucan die enge Passage hinab.</p><p>Die Stimmen erklangen hinter ihm. Unbefriedigt ging Lucan weiter. Der Streit verblasste zu reinen Hintergrundger�uschen, aber das reichte ihm noch nicht.</p><p>Lucan hatte den Lichtkegel, den Tyrande erschaffen hatte, verlassen. Doch etwas Licht von vorn erhellte das Dunkel ein wenig. Instinktiv ging er darauf zu.</p><p>Schlie�lich erreichte er einen Ausgang. Drau�en war es zwar kaum heller, und der Nebel drang in den Durchgang ein. Aber trotz seiner Vorsicht sp�rte Lucan den Drang weiterzugehen. Es konnte nicht schaden, nur einen einzigen Schritt nach drau�en zu tun. Beim geringsten Anzeichen von Gefahr musste er nur wieder hineingehen.</p><p>Von dieser Logik �berzeugt verlie� der Mensch den Durchgang. Er wurde von einer nebligen Landschaft empfangen, die ihn an die Gegend erinnerte, von der er schon getr�umt hatte. Obwohl er sich f�rchtete, ging er hinaus.</p><p>Doch nach einer Nacht in der H�hle drau�en zu sein, verschaffte Lucan auch Erleichterung. <emphasis>Ich bleibe nur einen Moment hier drau�en</emphasis>, dachte er. <emphasis>Vielleicht... vielleicht wissen sie dann, was zu tun ist</emphasis>...</p><p>Er wusste nur, dass er nicht die geringste Lust hatte, nach Eschental zu reisen. Er hatte bereits erkannt, dass der Ort mit dem Traumreich verbunden war. Lucan hatte den Nachtelfen verschwiegen, dass, je n�her sie dem Ort kamen, den der Drache zu Recht Albtraum genannt hatte, das Gef�hl immer st�rker wurde, zwischen Azeroth und diesem Ort hin- und herwechseln zu m�ssen. Alles, was mit dem Traumreich verbunden war, rief ihn.</p><p>Das, so erkannte Lucan, war der Grund, warum er hier �berhaupt gelandet war. Er war von Anfang an in Richtung des Drachen gegangen. Denn Eranikus war nicht nur ein Teil seiner gleicherma�en erstaunlichen wie schrecklichen Vergangenheit, einer Vergangenheit, mit der Lucan gerade erst zurechtkam. Der Drache war, zumindest in der Vergangenheit, zudem ein integraler Bestandteil des Albtraums gewesen. Was auch immer diesen Teil in Lucan geweckt hatte, schien entschlossen zu sein, ihn auf diesem Weg in das andere Reich zu locken... Und genau das wollte Lucan unter allen Umst�nden vermeiden.</p><p>Der Kartograf ging auf und ab. Die ganze Nacht lang, w�hrend die anderen sich zu einigen versucht hatten, hatte er zu verstehen versucht, warum er dazu gezwungen werden sollte. Als Waise, die von guten Menschen in Sturmwind aufgezogen worden war, hatte er ein ganz normales Leben erwartet. Magie und Monster waren nichts f�r ihn. Seine Reiselust basierte nur auf dem Wunsch, das Kartenmaterial zu verbessern, auf das sein Meister seinen eigenen Namen setzen w�rde. Mehr wollte Lucan gar nicht.</p><p>Er war absolut kein Feigling. Doch au�erhalb seiner Tr�ume war er auch kein Abenteurer.</p><p>Beim letzten Gedankengang verzog er das Gesicht. <emphasis>Gerade meine Tr�ume sind ja das Problem</emphasis>!</p><p>Pl�tzlich knirschten irgendwo ein paar Steine, und Lucan blickte sich um. Erst da bemerkte er, dass er weiter von der H�hle weggegangen war, als er gewollt hatte. Der Durchgang war nun nur noch ein ferner Schemen hinter ihm.</p><p>Er wandte sich um und eilte hastig darauf zu.</p><p>Eine kr�ftige Gestalt packte ihn von hinten. Er roch einen K�rper, der noch ungewaschener als sein eigener war. Lucan sah die H�nde, die den Axtgriff umklammert hielten und ihm die Luft aus der Brust pressten. Dadurch wurde er zudem daran gehindert, um Hilfe zu rufen. Dann bemerkte er, dass die H�nde dick und gr�n waren.</p><p>�Orc...� keuchte er. Das Wort war kaum mehr als ein Fl�stern. Lucan versuchte es erneut, nur dieses Mal hatte er gar keine Luft mehr. Ihm begann schwindelig zu werden, und sein Blick verschwamm.</p><p>Doch er wurde auch... gr�n.</p><p>Als das geschah, verschwand der Druck von seiner Brust. Trotzdem presste ihn eine starke Kraft zu Boden. Lucan fiel aufs Gesicht, der Boden f�hlte sich pl�tzlich viel weicher an, angenehmer als zuvor.</p><p>�Ja...�, raunte eine tiefe Stimme, die dennoch weiblich klang. �Ich bin... dem Ort der smaragdgr�nen Schatten nah...�</p><p>�Sma... smaragdgr�n?�, stie� Lucan hervor. Er blickte mit Schrecken auf und sah, dass die Stimme die Wahrheit gesagt hatte. Er war im anderen Reich... nur dieses Mal war er nicht nur einfach durchgereist.</p><p>Bevor der Kartograf mehr erkennen konnte, wurde er auf die Beine gerissen und dann herumgewirbelt.</p><p>Vor ihm stand ein Orc, und er war <emphasis>weiblich</emphasis>. Lucan hoffte f�r die Frau, dass sie mit so einem Gesicht zumindest unter ihresgleichen attraktiv wirkte. Der Mund war breit, und auf der kurzen, platten Nase wuchs eine d�nne Schicht von Haaren. Die Augen blickten ihn b�se an und waren so ziemlich das Einzige, was man attraktiv nennen konnte. Bei einer Menschenfrau w�ren sie sogar umwerfend gewesen.</p><p>Der Kopf einer Axt stie� unter sein Kinn. Die Orcfrau knurrte: �Bring mich zu ihm!�</p><p>�Zu... zu wem?�</p><p>�Dem Ehrlosen! Dem M�rder! Der b�sen Bedrohung f�r alle! Dem Nachtelf, der sich Malfurion Sturmgrimm nennt!�</p><p>Lucan versuchte das Kinn zu heben, doch die Axt lie� ihn nicht los. Durch zusammengepresste Z�hne antwortete er: �Ich wei� nicht�� wo er sich aufh�lt!�</p><p>Es lief nicht gut mit seiner Gegnerin. Lucan fragte sich, warum er nicht nach Azeroth zur�ckglitt, so wie stets in der Vergangenheit. Er konzentrierte sich... aber nichts geschah, mit Ausnahme, dass die Orcfrau den Axtkopf nun fester unter sein Kinn presste.</p><p>�Du wei�t schon! Die Vision hat es mir in der letzten Nacht verraten! Ich habe dich dort gesehen, als er den gro�en und treuen Brox erschlug...�</p><p>�Ich wei�... nicht, was du wi...� Er h�rte auf, als ein stechendes Gef�hl unter seinem Kinn ihm verriet, dass die Axt ihn geschnitten hatte.</p><p>�Der Traum war schon wieder anders! Jedes Mal sagt er mir, was ich tun muss! Ich bin dem Ende nahe, Mensch! Ich werde meinen Blutsverwandten r�chen... und du wirst mir dabei helfen oder das Schicksal des Nachtelfen teilen!�</p><p>Lucan wusste, dass sie es auch so meinte. Er murmelte vorsichtig: �Ja... ich bringe dich dorthin.�</p><p>Der Axtkopf senkte sich. Die Orckriegerin beugte sich vor, ihr Atem stank fast so schlimm wie ihr K�rper. Sie blickte durch ihn hindurch. Offensichtlich war sie mit den Gedanken anderswo. �Meine Rache ist vorbestimmt... Ich habe getr�umt, dass du aus der H�hle herauskommen w�rdest und wusste auch wo. Und genauso ist es auch geschehen! Malfurion <emphasis>wird</emphasis> sterben...�</p><p>Sie drehte ihn wieder zur�ck, sodass er sie f�hren konnte. Erst dann sah Lucan zum ersten Mal den Ort, den er zuvor durchlaufen oder nur halbtot erlebt hatte.</p><p>Die Landschaft wirkte sehr idyllisch. Es war ein unber�hrter Fleck reiner Natur. Langes, flie�endes Gras wuchs auf H�geln und Feldern.</p><p>Und �berall standen �ppige B�ume. Hierher war die Zivilisation sicherlich noch nicht vorgedrungen. Es gab Tiere. In der Ferne zwitscherten einige V�gel. <emphasis>Es wirkt tats�chlich wie einem Traum entsprungen</emphasis>, dachte er.</p><p>Dann bemerkte der Kartograf, dass es in direkter N�he keine V�gel gab. <emphasis>Alle</emphasis> schienen weit weg zu sein. Weil er sonst nichts Interessantes erkennen konnte, warf er einen Blick �ber seine Schulter zur�ck.</p><p>Lucan blieb der Mund offen stehen. Auch wenn sich der Anblick noch in einiger Entfernung befand, versuchte er doch verzweifelt, auf die Ebene der Sterblichen zur�ckzukehren, um dem, was er sah, zu entfliehen... aber es war vergebens.</p><p>Als w�rde sie nicht erkennen, was eigentlich keinem lebendigen Wesen entgehen konnte�� und was kein lebendiges Wesen jemals sehen wollte -, benutzte die Orcfrau den Axtstiel, um Lucan unsanft vorw�rtszusto�en... direkt auf den Albtraum zu.</p><empty-line/><p>Eranikus erschauderte. �Der Weg wurde ge�ffnet!� Er blickte sich um. �Wo ist der Mensch?�</p><p>Alle Streiterei war vergessen, als das Trio nach Lucan suchte. Broll entdeckte die Spur zuerst. �Er ist da lang!�</p><p>Tyrande folgte dem Druiden, doch Eranikus rannte in die entgegengesetzte Richtung. Keiner der Nachtelfen hatte die Zeit, sich um den Drachen zu k�mmern, der sich weiterhin unersch�tterlich weigerte, ihnen zu helfen.</p><p>Augenblicke sp�ter st�rzte Broll ins Freie. Der Nebel war dichter und erinnerte viel zu sehr an Auberdine.</p><p>�Seht Ihr ihn?�, fragte die Hohepriesterin.</p><p>�Nein, aber in dieser dichten Suppe kann er nicht weit gekommen sein.�</p><p>Tyrande streckte die Handfl�che vor sich und begann fl�sternd zu beten. Der Nebel zog sich zur�ck, als w�rde er von einer unsichtbaren Hand beiseitegeschoben.</p><p>Nur gab es auch jetzt kein sichtbares Anzeichen des Kartografen. Der Druide untersuchte wieder den Boden. Schnell fand er Lucans kaum sichtbare Spuren.</p><p>�Er ist hier langgegangen. Doch es sieht aus, als w�re er viel hin- und hergelaufen. Er...� Broll pausierte, dann presste er sein Gesicht fest gegen den Boden, als er die Spuren genauer analysierte. �Da sind noch weitere Abdr�cke... die sehen aus, als ob sie von einem <emphasis>Orc</emphasis> stammen.�</p><p>�Ein Orc? Hier?�</p><p>Ein schweres Fl�gelschlagen lie� beide Nachtelfen aufblicken. �ber ihnen erschien die riesige Gestalt des gr�nen Drachen in all seiner Pracht. Er war gro� im Vergleich zu allen anderen Drachen, die sie bislang gesehen hatten. Abgesehen vielleicht von den gro�en Aspekten. Doch Eranikus war schlanker und l�nger als die meisten anderen seiner Artgenossen. Schwebend hatte er die Fl�gel weit zu jeder Seite ausgestreckt. Auf seinem Kopf prangten zwei lange H�rner. Sein schmales Maul �ffnete sich, und man konnte die beunruhigend scharfen Z�hne erkennen, die jeder so lang wie Brolls Arm waren. Unter seinem Kinn wuchs ein kleines Haarb�schel, was ihm zu einem gelehrten Aussehen verhalf.</p><p>Doch viel erstaunlicher war, dass Eranikus leicht <emphasis>schimmerte</emphasis>, als w�re er nicht vollst�ndig mit der Ebene der Sterblichen verbunden. Dadurch erhielt der riesige Drache ein �therisches Aussehen, was zudem die Bande zum Smaragdgr�nen Traum betonte, die er trotz seiner momentanen Sorgen immer noch hatte.</p><p>Eranikus beobachtete die Landschaft.</p><p>�Kein Anzeichen von dem kleinen Menschen, nirgendwo! Obwohl ich beinahe blind bin, wenn ich meine Augen wie ein sterbliches Wesen benutze!�, zischte der Drache schlie�lich. Dabei verschwieg er, dass er es unter den gegebenen Umst�nden nicht wagte, zu viel Kontakt zum Smaragdgr�nen Traum�� und damit zum Albtraum�� aufzunehmen. �Und der Weg hat sich wieder geschlossen!�</p><p>�Er wurde von einem Orc gefangen genommen, wie es scheint�, meinte Broll.</p><p>Der riesige Drache zeigte seine scharfen Z�hne. �Er muss versucht haben zu fliehen, indem er seine einzigartige F�higkeit benutzte.�</p><p>�Wenn er das getan hat... dann hat er den Orc mit sich genommen�, meinte Tyrande.</p><p>Immer noch schwebend neigte Eranikus den Kopf. �Ich habe den Orc hier gewittert. Doch es war nur ein sehr schwacher Geruch. Das bedeutet vielleicht, dass es nur ein Einziger ist. Und kein Orc w�re dumm genug, mich zu suchen...�, zischte er. �Anders als so manche Nachtelfen!�</p><p>Broll gefiel der Tonfall in seiner Stimme nicht. �Warum sollte ein Orc mehrere Tage lang hierbleiben? Was k�nnte er an diesem Ort wollen?�</p><p>�Es k�nnte reiner Zufall sein�, antwortete die Hohepriesterin. �Doch ich glaube, irgendjemand wollte den Orc von Anfang an hier haben. Wenn man zudem bedenkt, dass Lucan gleichzeitig hier auftaucht, der �ber seine Vergangenheit mit Eranikus verbunden ist, dann sind mir das ein paar Zuf�lle zu viel, um daran glauben zu k�nnen...�</p><p>Der gr�ne Drache grollte d�ster. Er blickte die Nachtelfen an. �Ich bleibe so lange bei euch, bis ich euch nach Eschental gebracht und sichergestellt habe, dass euer Weg dorthin frei ist! Mehr mache ich nicht!�</p><p>Obwohl beide dankbar waren, musste Broll fragen: �Warum habt Ihr Eure Meinung ge�ndert? Warum bringt Ihr uns zu dem Ort, der f�r Euch doch so schrecklich ist?�</p><p>Eranikus starrte in die Luft, als ob er �ber etwas nachdachte. Schlie�lich sagte er: �Weil mir der Gedanke nicht gef�llt, dass da etwas die ganze Zeit <emphasis>am Werke</emphasis> ist... etwas, das es einem Orc erm�glicht, den Albtraum zu betreten!�</p><p>Der Druide war skeptisch. �Aber aus welchem Grund?�</p><p>Der gro�e Drache blickte besorgt. So besorgt, dass das Unbehagen des Nachtelfen wuchs. �Nun, das ist die Frage, kleiner Druide... das ist die Frage...�</p><p>Er landete, und mit der Spitze seines Kopfs bedeutete er den beiden, auf seinen Hals zu klettern. Tyrande war schon zuvor auf Drachen geflogen und gehorchte deshalb ohne zu z�gern. Broll runzelte die Stirn, folgte dann aber auch. Seine Fluggestalt als Sturmkr�he konnte mit dem Tempo des Drachen nicht mithalten.</p><p>Als sie bereit waren, hob Eranikus ab. Er kreiste einmal, dann flog er in die Richtung, in der, wie der Druide vermutete, Eschental lag.</p><p>�Wie lange brauchen wir, bis wir da sind?�, rief Tyrande. �Wie weit ist es bis nach Eschental?�</p><p>�Nicht so lange, doch vielleicht zu lange!�, br�llte der Drache. �Dr�ckt euch gegen meinen Hals und haltet euch fest!�</p><p>Sie rasten mit einer Geschwindigkeit �ber den Himmel, die den Nachtelfen beinahe den Atem raubte. Der b�ige Wind w�re vielleicht schwer zu ertragen gewesen, doch Eranikus bog seinen Hals so, dass er sie ein wenig davor sch�tzte.</p><p>Broll beugte sich nach rechts. Aber nur so weit, um den Boden sehen zu k�nnen. Was er sah, beunruhigte ihn noch mehr. �berall war Nebel. Er war kein dickes Tuch, noch gab es ein paar freie Flecken. Doch das Muster erinnerte ihn an etwas.</p><p>Als Druide fiel es ihm schlie�lich ein. <emphasis>�ste... die Ranken des Nebels sehen wie �ste aus. �ste von einem b�sen Baum</emphasis>...</p><p>Die �hnlichkeit wurde noch durch die Bereiche verst�rkt, die an Bl�tter mit zahnigen Kanten erinnerten. Broll wurde dadurch an die Visionen erinnert, die er zuvor durchlitten hatte, und er �berlegte, wie das alles wohl zusammenhing.</p><p>Sie flogen immer weiter. Die H�gel wurden zu bewaldetem Land. Die Luft k�hlte sich ein wenig ab. Die W�lder verdichteten sich zu saftigen gr�nen Forsten, die Broll von fr�heren Reisen her kannte.</p><p>�Ich sehe es...�, informierte Eranikus sie. �Schattengr�n liegt direkt vor uns...�</p><p>�Direkt vor uns�, bedeutete f�r die Passagiere, dass es noch einige Minuten f�r sie au�er Sieht blieb. Dann...</p><p>�Ich sehe es!�, rief Tyrande.</p><p>Broll tippte ihr zustimmend auf die Schulter. Auch er konnte schlie�lich den Gro�en Baum erkennen.</p><p>Er war kleiner als seine m�chtigeren Geschwister. Doch er erhob sich immer noch hoch �ber die Region, ein wahrer K�nig. Aus der Ferne schien sich der Baum in guter Verfassung zu befinden, auch wenn sein Fu� von Nebel bedeckt war. Seine gro�en �ste breiteten sich beinahe �ber eine Meile aus, und in seinen Zweigen konnte man viele Kreaturen erkennen, darunter einige, die als W�chter dienten. Er geh�rte zu einer Handvoll von besonderen B�umen. Die anderen standen zum Beispiel im erstaunlichen Kristallsangwald, der kein richtiger Wald war, sondern ein mystischer Ort im kalten Nordend, wo statt B�umen Kristallformationen wuchsen. Ein anderer Baum stand im Hinterland, �stlich des Nistgipfels gelegen, der Heimat der auf Greifen reitenden Wildhammerzwerge. Im d�steren und gef�hrlichen D�mmerwald wuchs ein weiterer dieser B�ume, und im tiefen, dunklen Dschungel von Feralas befand sich ebenfalls einer.</p><p>An all diesen Orten gab es Portale, aber f�r die Druiden und Broll war Eschental der mit Abstand sicherste Ort. Zumindest bislang.</p><p>Doch als sie sich n�herten, sagte der Drache: �Die Gegend ist v�llig unbelebt. Ich kann niemanden sehen, weder Nachtelf noch sonst jemanden...�</p><p>�Das kann nicht sein�, antwortete Broll. �Die Druiden wurden abberufen, es gab allerdings noch einige andere, die hier sein sollten!�</p><p>�Wir werden sehen.� Eranikus kreiste einmal, dann sank er tiefer.</p><p>Als der Drache landete, konnten die Nachtelfen einen ersten Blick auf den Fu� des gro�en Baums und das Portal werfen, das ihre gr��te Hoffnung darstellte.</p><p>Das Portal war von Ranken ges�umt, und geriffelte, breite S�ulen standen daneben. Ein aus Felsbrocken gebildeter Weg f�hrte zwischen ihnen hindurch direkt zum Baum.</p><p>Das Portal selbst war rund. Es wurde von den Wurzeln des Baums geformt. Sie wanden sich umeinander und bildeten so einen Bogen. In dem Bogen waberte eine zweite Grenzschicht von violetter Farbe, die Energie ausstrahlte.</p><p>Doch der Kern zog alle Blicke auf sich. In dem Portal wirbelte smaragdgr�ne Energie. Immer wieder leuchteten darin kleine gr�ne Blitze auf.</p><p>Dieses Portal war der Schl�ssel zu ihrem Plan, Malfurion zu befreien. Es bildete gleicherma�en den physischen Weg in den Smaragdgr�nen Traum und den Albtraum. Dabei war es der einzige Weg, dem man vielleicht noch trauen konnte�� und er lag offen vor ihnen.</p><p>Aber das konfrontierte sie mit einer weiteren Sorge.</p><p>�Es ist, wie Ihr gesagt habt�, sagte Tyrande zu dem Drachen. �Niemand ist hier, obwohl viele W�chter anwesend sein sollten.�</p><p>�K�nnten sie im Osten sein?�, fragte Broll. �Die Horde ist j�ngst recht frech geworden und hat versucht, diesen Teil des Waldes abzuernten. Dar�ber war Malfurion bereits vor ein paar Jahren schon sehr besorgt.�</p><p>�K�nnte sein�, gestand der Drache ein. �Doch die meisten W�chter sind meiner K�nigin unterstellt... und w�rden nicht weggehen, zumindest nicht ohne ihr Einver...�</p><p>Eranikus stie� ein erschrecktes Br�llen aus, als ein gro�er Fels auf seinen R�cken donnerte. Die Attacke war unvorbereitet gekommen. Und weil er gerade die beiden Nachtelfen transportiert hatte, hatte er sich nicht sonderlich um die Verteidigung gegen solch einen primitiven, aber m�chtigen Angriff gewappnet.</p><p>Noch bevor der Drache wusste, wie ihm geschah, traf ihn ein zweites Geschoss. Eranikus taumelte auf das Portal zu und warf mehrere S�ulen um.</p><p>Die Nachtelfen wandten sich dem Feind zu. Broll verwandelte sich in den schrecklichen B�ren, und Tyrande umfasste die Gleve.</p><p>Aus dem Wald brach ein Riese hervor, der von den B�umen selbst abzustammen schien. Sein K�rper war mit dicker Borke bedeckt, und er hatte einen langen Bart aus Bl�ttern. Zwei Sto�z�hne stie�en aus seinem Maul, und seine Augen waren von einem goldenen Zorn erf�llt, der sich nicht gegen die Nachtelfen richtete, sondern gegen den Drachen.</p><p>�Korrumpierter...�, knirschte er, seine Stimme klang, als schabe Holz gegen Holz. �Du kommst nicht vorbei...�</p><p>�Ein Urtum des Krieges!�, rief die Hohepriesterin.</p><p>So schnell er sich verwandelt halte, nahm Broll wieder seine wahre Gestalt an. Er lief zu dem tobenden Riesen und baute sich furchtlos vor den schrecklichen Klauen auf, die gro�en scharfen Holzsplittern glichen und sicherlich mehrere Druiden auf einmal aufspie�en konnten.</p><p>�Knorre!�, rief Broll so laut er konnte. �Knorre, Urtum des Krieges, Besch�tzer von Eschental und Waldeslied! Ihr kennt mich! Ihr kennt mich!�</p><p>Das Urtum z�gerte. Die m�chtige Kreatur trug kaum R�stung, die zudem eher dekorativ denn sch�tzend war. Furchterregende Gesichter und mystische Muster schm�ckten sie. In Wahrheit brauchte das Urtum kaum Schutz. Es gab nicht viel, was einen wie ihn h�tte verletzen k�nnen. Die Urtume geh�rten zu den �ltesten Wesen auf Azeroth, den ersten W�chtern des Lebens. Sie waren genauso sehr Pflanze wie Tier und bargen geheimes Wissen von jeder Art.</p><p>Der Riese neigte den Kopf, als er den Druiden beobachtete. Sein plumpes Gesicht �hnelte ein wenig dem eines Hundes, doch die Augen zeugten von einer Intelligenz, die viel gr��er war. In der Tat hatten die Urtume des Krieges den Nachtelfen erst viele ihrer F�higkeiten beigebracht.</p><p>�Ja, ich kenne dich, Nachtelf! Du bist der Wanderer und Freund, den man Broll B�renfell nennt...� Knorre neigte kurz den Kopf. �Mein Beileid zum Tod deines Kindes...�</p><p>Broll ballte die Faust, obwohl er das vor dem Urtum verbarg. Urtume lebten viel l�nger als die Nachtelfen, deshalb waren f�r sie Jahre nur wie Sekunden. F�r Knorre war Anessas Tod gerade erst geschehen, und so war es noch neu f�r ihn. Knorre wollte Broll nicht daran erinnern... nicht, dass der Druide ihren Tod je h�tte vergessen k�nnen.</p><p>Doch dann wandte Knorre seine Aufmerksamkeit wieder Eranikus zu, der sich schlie�lich senkrecht aufgerichtet hatte. Der Drache breitete die Fl�gel aus und zischte dem Urtum etwas entgegen. Obwohl Knorre kleiner war, wirkte der W�chter nicht ver�ngstigt, als er Eranikus direkt gegen�bertrat.</p><p>�Korrumpierter! Du wurdest gewarnt...�</p><p>�Ich habe nur diese beiden hierher gebracht, damit sie meiner K�nigin und ihrem Freund helfen, der auch dein Freund ist! Malfurion Sturmgrimm!�</p><p>�Sturmgrimm...� Knorre blickte unsicher. �Wir haben seine Abwesenheit bemerkt... aber auch seine Gegenwart...� Die Augen blickten Eranikus an. �So wie wir dein Herannahen w�hrend der letzten Tage gesp�rt haben... und die Korrumpierung, die du mit dir bringst...�</p><p>Der Drache verwandelte sich zur�ck. Es war offensichtlich, dass die Bemerkung des Urtums irgendetwas in ihm aufgew�hlt hatte.</p><p>�Er ist von der Korrumpierung befreit!�, korrigierte ihn Broll und verteidigte Eranikus. �Er ist ein Verb�ndeter und wieder ein Freund!�</p><p>�Nein!� Knorre hob die m�chtige Hand. �Er...� Der Riese blinzelte. �Ich sah, wie er dem B�sen erneut verfiel! Er...� Knorre blinzelte. �Nein... das war nur ein Albtraum... einer von vielen in letzter Zeit. Er wirkt gar nicht korrumpiert... doch...�</p><p>Broll nutzte das Z�gern des Urtums aus und stellte eine Frage, die ihn besch�ftigt hatte. �Knorre... wo sind die anderen W�chter?�</p><p>Der Gesichtsausdruck des Waldh�ters wurde grimmiger. �Einige sind im Osten, einige im Norden, andere im S�den... und wieder andere... schlafen und wachen nicht auf...� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich habe sie in Sicherheit gebracht... doch ich wurde selbst so m�de... vielleicht werde ich auch bald zu einem der ihren.�</p><p>�Was ist geschehen?�</p><p>Knorre berichtete ihnen, wie die W�chter�� Urtume, Nachtelfen, gr�ne Drachlinge, Dryaden und die Drachen der gr�nen Sippe�� viel zu lange schon keine Befehle mehr von Ysera erhalten hatten. Sie hatten sich gesorgt. Ihre Sorge war schlimmer geworden, als eine Dryade namens Shael�dryn zu ihnen kam, nachdem sie von ihrem Mondbrunnen geflohen war. Diese Brunnen�� die an die Magie der Natur und das Licht von Elune gebunden waren�� waren Orte der Heilung f�r das Land und aller, die das Wasser daraus tranken. Magier und andere Spruchweber konnten ihr Mana dort auffrischen. Es war ein Geschenk von Mutter Mond an alle Verteidiger Azeroths. Shael�dryn war die H�terin des n�rdlichsten Brunnens gewesen.</p><p>�Ich kenne sie�, sagte Broll mit einem leicht schiefen L�cheln. �Eine Wortakrobatin, sie liebt Wortspiele...�</p><p>Knorre sch�ttelte den schroffen Kopf. �Als sie zu uns kam, hat sie nicht gelacht. Sie warnte uns�� vor Angreifern im Dunklen, die die Brunnen heimsuchten. Die Dryade nannte sie nur Schatten, obwohl sie meinte, dass sie sie noch an etwas anderes erinnerten.�</p><p>Niemand h�rte, wie Tyrande scharf einatmete. Dann fragte sie: �Wo ist sie? Es w�re klug, mit ihr zu reden.�</p><p>�Das ist unm�glich�, antwortete das Urtum. �Sie schl�ft bereits seit zwei Tagen.�</p><p>Er fuhr fort und berichtete ihnen, wie, nach allem, was er von der Dryade erfahren hatte, die Urtume und die anderen W�chter aufgeteilt worden waren, um die Mondbrunnen und andere strategische Positionen zu verteidigen. Und Knorre war zum Schutz des Portals zur�ckgeblieben.</p><p>�Es waren mehr als ein Dutzend hier... alle stark... besonders die Drachen. Doch damals wussten wir nichts von dem Schlaf, aus dem man nicht mehr erwacht. Davon haben wir erst erfahren, nachdem wir uns aufgeteilt und verabschiedet hatten...�</p><p>�Ihr wurdet wie Schachfiguren behandelt�, sagte Eranikus, nicht ohne eine gewisse Befriedigung �ber die Fehler anderer zu zeigen. �Hmmmpf!�</p><p>Knorre interessierte sich offensichtlich nicht f�r die Kommentare des Drachen. Deshalb verteidigte er sich und seine Kameraden nicht. Stattdessen wies das Urtum zum Portal hin. �Ich werde euch nicht im Weg stehen... geht durch, wenn ihr es f�r n�tig haltet...�</p><p>�Ich bin nicht so dumm, dort einzutreten! Das bleibt den beiden hier vorbehalten!�</p><p>Jetzt zeigte Knorre seine Verachtung, obwohl Eranikus ihn ignorierte. Den Drachen vergessend, sagte der Waldh�ter zu Broll: �Waldbruder, ich w�rde mitgehen... doch einer muss hierbleiben...�</p><p>�Das verstehe ich. Ich werde allein gehen...�</p><p>�Wir gehen zusammen�, unterbrach ihn Tyrande.</p><p>Wie immer gab es keine Diskussion mit der Hohepriesterin. Broll zuckte die Achseln. �Dann sollten wir aufbrechen.�</p><p>Eranikus bewegte sich zur Seite. Die Nachtelfen gingen auf die glitzernden Energien im Portal zu.</p><p>Tyrande keuchte. �Es sieht so... sch�n aus.�</p><p>�Einst war es das auch.�</p><p>�Wie treten wir ein?�</p><p>�Geht einfach hinein�, antwortete der Druide. �Und dann seid auf alles vorbereitet.�</p><p>�Das bin ich immer.�</p><p>�Lebt wohl�, sagte Knorre. Das Urtum hob eine seiner schweren H�nde. �Das Gef�hl der Korrumpierung ist immer noch nahe...�</p><p>�Der Albtraum hat schon viel Gebiet vom Traum erobert�, erkl�rte Eranikus ungeduldig. Er war jetzt vorsichtiger, nachdem die beiden dabei waren, einzutreten. �Ich sp�re das B�se mehr denn je. Wenn ihr erst durch seid, werde ich fortgehen!�</p><p>Broll an der Spitze wartete und blickte ein letztes Mal zu dem Drachen. �Wir danken Euch trotzdem f�r Eure Hilfe.�</p><p>�Dankt mir nicht daf�r, dass ich euch in eine m�gliche Katastrophe gef�hrt habe, kleiner Nachtelf!�</p><p>Tyrande blickte auf das Portal und unterbrach sie. �Broll, da ist etwas...�</p><p>Das Portal leuchtete. Die smaragdgr�nen Energien verdunkelten sich, dann <emphasis>schwollen</emphasis> sie an, breiteten sich aus und umschlossen die beiden Nachtelfen.</p><p>Als sie versuchten, sich aus diesem Griff zu l�sen, erklang sp�ttisches Gel�chter in ihren Ohren, und ein furchterregender Kopf, der sowohl wie Nebel als auch real wirkte, st�rzte auf sie zu. Wie die Energien des Portals war die Kreatur ein gr�sslicher gr�ner Schatten.</p><p>�<emphasis>Wir haben auf euch gewartet...�</emphasis>, sagte der Drache.</p></section><section><title><p>12</p><p>Die Diener des Albtraums</p></title><p>Der gr�ne Drache war zwar nicht so gro� wie Eranikus, doch alles andere als klein und begierig, es mit den Nachtelfen aufzunehmen. Broll beschwor einen Beruhigungszauber, der zumindest teilweise bei Yseras Gemahl gewirkt hatte und hoffte, die angreifende Bestie so zu verlangsamen.</p><p>Doch f�r seine Bem�hungen erntete er nur b�ses Gel�chter. Der Drache w�re �ber ihn hergefallen, h�tte Tyrande nicht den Druiden zur Seite geschubst und ihre Gleve geworfen.</p><p>In Elunes Licht leuchtend, traf die dreiklingige Waffe genau ins Ziel. Die Spitze schnitt �ber das Maul des Drachen und erwischte genau den Bereich, der fast einem Bart �hnelte. Obwohl das Ungeheuer halb feinstofflich zu sein schien, stieg ein Blitz von d�sterer smaragdgr�ner Energie aus dem Schnitt auf. Der geh�rnte Drache beugte den Hals, schien aber eher w�tend denn verwundet zu sein. Er breitete die Fl�gel weit aus und offenbarte dabei eine Stelle roter Haut, die mit der ansonsten gr�nen Erscheinung kontrastierte. Lethons feindlich gesonnene Augen waren vor Wut weit aufgerissen, und es wurde �berdeutlich, dass dieser korrumpierte Riese sehr gut sehen konnte. Anders als Eranikus oder die anderen Drachen der gr�nen Sippe, die die Welt in einem halb wachen und halb schlafenden Zustand betrachteten.</p><p>�<emphasis>Ich werde euch auf euren Platz, in der Nahrungskette verweisen...�</emphasis>, zischte die Bestie, w�hrend die Gleve zu Tyrande zur�ckkehrte.</p><p>�Weg vom Portal!�, befahl Broll. �Zieht Euch von dort zur�ck!�</p><p>Die beiden liefen los, versuchten, nach Eschental zur�ckzukehren. Doch die Energien des Portals breiteten sich aus und folgten ihnen. So sehr sie sich auch bem�hten, sie konnten die Ebene der Sterblichen doch nicht erreichen.</p><p>Dann griff eine m�chtige Gestalt nach ihnen. Knorre, halb eingetaucht in die Energien des Portals, packte Tyrande mit einer seiner gro�en H�nde und Broll mit der anderen, als der d�stere Drache vorw�rtsdrang.</p><p>�<emphasis>Du kannst nicht entkommen... der Albtraum ist um dich herum und �berall in dir!�</emphasis></p><p>Bei diesen Worten bildeten sich schattenhafte Kreaturen aus der Luft, die die Nachtelfen umgab. Tyrande keuchte erschreckt. Obwohl sie nur schemenhaft zu sehen waren, wirkten sie alle wie Satyre. Ihre muskul�sen Beine waren denen der Ziegen �hnlich und endeten in Hufen. Ihre K�pfe entsprachen eher den Nachtelfen. Ihre wilden Klauen waren gut erkennbar. Dass es sich um Schattenwesen handelte, f�gte dem Schrecken eine neue Dimension f�r all jene hinzu, die schon gegen echte Satyre gek�mpft hatten.</p><p>Schnell wurden es mehr und ihre gro�e Zahl drohte, die beiden zu �berw�ltigen. Knorre zog die Nachtelfen mit sich, dann wandte er sich den Satyren zu. Begierig sprangen sie auf das Urtum. Dabei kratzten und zerrten sie und bissen mit schwarzen F�ngen und Klauen. Sie rissen die harte Borkenhaut herunter. Ein tiefbrauner Saft troff aus den Wunden, die �berall auf dem Urtum prangten. Doch Knorre ignorierte die Verletzungen.</p><p>Das Urtum packte einen Satyr und dr�ckte fest zu. Die Bestie zerbarst in tausend Teile. Knorre pfl�ckte einen weiteren aus der Luft und wiederholte seine Aktion.</p><p>Doch die Teile des ersten Monsters sammelten sich bereits wieder. Aus dem einen vernichteten Satyr wurden ein halbes Dutzend neue geboren. Dasselbe geschah mit den Teilen des zweiten.</p><p>Doch das Urtum hatte seinen beiden Begleitern Zeit erkauft, um ihren eigenen Gegenangriff zu planen. Die Hohepriesterin warf die Gleve. Die Waffe wurde zum wirbelnden Tod, der sich einen Schatten nach dem anderen vornahm. Das Mondlicht, das die Klingen umgab, brannte die zerschnittenen Gestalten f�rmlich hinweg.</p><p>Broll verwandelte sich, doch dieses Mal nahm sein K�rper eine eher b�renhafte Gestalt an. Der gro�e, dunkle B�r st�rzte sich auf die Satyre. Mit den Klauen riss und zerrte er an den Gestalten mit Klauen, die vor purpurrotem Feuer leuchteten. Die Satyre fielen in Scharen, als Broll seinen animalischen Instinkten freie Bahn lie�.</p><p>Das garstige Lachen des Drachen �bert�nte alle anderen Ger�usche. Er rauschte auf Broll zu. �<emphasis>Deine kleinen Flammen k�nnen mich nicht verletzen!�</emphasis></p><p>Der Riese �ffnete sein Maul weit und atmete aus. Eine gro�e Wolke tiefster Finsternis schoss daraus hervor.</p><p>Sie h�llte den Druiden ein. Broll konnte nichts sehen oder sp�ren. Knurrend schlug er zu und biss, fand aber nichts Festes.</p><p><emphasis>Vater! Vater</emphasis>!</p><p>Der schwere B�r knurrte vor Misstrauen und Furcht. Broll erkannte die Stimme seiner Tochter.</p><p><emphasis>Nein, Vater, nein</emphasis>!</p><p>Er wusste, dass dies nicht echt war, dass es ein Albtraum sein musste, den der Drache beschworen hatte... doch der Ruf h�rte sich so echt an.</p><p>Nur f�r einen Augenblick erblickte Broll die weibliche Nachtelfe. Das st�rkte seine Sehnsucht nach Anessa. Der Druide kehrte in seine nat�rliche Gestalt zur�ck...</p><p>Die Schatten drangen weiter vor... doch aus ihnen heraus entstand eine Gestalt, die er nur ganz kurz gesehen hatte. Sie packte ihn fest und zog ihn mit sich.</p><p>�Broll! Wacht auf!�</p><p>Er blinzelte, er war sich nicht sicher, wann er die Augen geschlossen hatte. �A-Anessa?�</p><p>�Nein! Tyrande!�</p><p>�Tyrande...� Die Sinne des Druiden kehrten zur�ck. Er stand neben der Hohepriesterin, die ihre Hand <emphasis>um</emphasis> seine H�fte gelegt hatte, w�hrend sie mit der anderen Hand die gro�e, leuchtende Gleve f�hrte.</p><p>Elunes Licht umgab die Waffe immer noch, gab ihr Kraft gegen die schattenhaften Satyre.</p><p>�Er kommt zur�ck!�, warnte sie ihn.</p><p>Broll musste nicht fragen wer, weil der monstr�se Drache bereits �ber ihnen aufragte. Von Knorre war nichts zu sehen, und der Druide fragte sich, was wohl mit Eranikus geschehen war. Hatte er sie nur hierher gef�hrt, damit der andere Drache ihnen auflauern konnte? Nein... das ergab keinen Sinn! <emphasis>Wenn er das gewollt h�tte, dann w�re er auch hier, um sich ihres Todes zu versichern</emphasis>!</p><p>Doch das Einzige, was im Moment z�hlte, war das �berleben. Der Drache schoss herunter. Sein Maul war weit ge�ffnet, und Broll f�rchtete ein weiteres Aussto�en des dunklen Albtraums.</p><p>Dann, mit einem gutturalen Br�llen, erschien Knorre wieder. St�cke seiner Borkenhaut hingen von dem K�rper des Urtums herab, und der Saft tropfte �berall herunter. Doch Knorre zeigte keine Schw�che, als er das reptilienartige Ungeheuer packte.</p><p>�Du wirst sie nicht kriegen, Lethon!� knirschte er.</p><p>�<emphasis>Ihr alle werdet uns geh�ren...�</emphasis>, spottete der korrumpierte Drache. �<emphasis>Ihr k�nnt euch nicht verstecken vor dem, was in euch allen steckt...�</emphasis></p><p><emphasis>Lethon</emphasis>... Broll kannte den Namen. �Er wurde get�tet!�, berichtete der Druide Tyrande, w�hrend sie darum k�mpften, den Energien des verdrehten Portals zu entkommen. �Lethon sollte eigentlich tot sein!�</p><p>�Wie existiert er dann hier?�</p><p>Der Druide verstand es schlie�lich. Es erkl�rte, warum die Energien aus dem Portal zu ihnen hinausreichten. �Nur seine Traumgestalt lebt noch! Er ist ein gr�ner Drache, einer von denen, die an das andere Reich gebunden waren! Was auch immer ihn korrumpiert hat, muss in der Lage gewesen sein, diesen Teil am �Leben� zu halten. Doch das klappt nur, solange er von der Ebene der Sterblichen fernbleibt...�</p><p>�Was geschieht, wenn nicht?�</p><p>�Das sollten wir versuchen herauszufinden�, murmelte Broll. �Eranikus sei verflucht! Wenn er davon wusste... wenn er uns deshalb allein dem Albtraum gegen�bertreten lie�...�</p><p>Es war keine Zeit f�r weitere Worte, weil die dunklen gr�nen Gestalten sich um sie herum wieder zusammenzogen. Und schlimmer noch, schien Knorre gerade Lethon zu unterliegen. Obwohl der W�chter selbst riesig war, und die Kraft und Z�higkeit des gro�en Baumes verk�rperte, dem er �hnelte, war Lethon ebenfalls sehr stark. Der Drache rang das verwundete Urtum nieder, dann erhob er seine Pfote, die in riesigen Klauen endete.</p><p>Die Nachtelfen wussten nicht, wie sie ihm helfen konnten. Sie wurden nicht nur von dem Urtum weggetrieben, sondern auch noch von den feindlichen Schemen voneinander getrennt.</p><p>�Hinfort von mir!�, br�llte Tyrande, die sich freizuk�mpfen versuchte. Mit der wirbelnden Gleve und dem Licht von Elune m�hte sie durch die teuflischen Reihen. Die Satyre schmolzen f�rmlich hin wie Tau in der Morgensonne.</p><p>Broll nahm wieder B�rengestalt an. Dabei nutzte er das magische violette Feuer, um die m�chtigen Schl�ge zu verst�rken. Doch die Albtr�ume schienen ohne Ende zu sein.</p><p>Mittlerweile hatte Lethon seine Aufmerksamkeit ganz auf Knorre gerichtet. Das Urtum hatte es geschafft, sich auf die Knie zu erheben, konnte seinen riesigen Gegner aber immer noch nicht abwerfen.</p><p>�<emphasis>Jetzt habe ich dich!�</emphasis>, br�llte Lethon wild grinsend, wodurch man seine zahlreichen Z�hne sehen konnte.</p><p>�Ich habe lange gelebt... Ich f�rchte den Tod nicht...�</p><p>Der korrumpierte Drache lachte noch rauer. �<emphasis>Tot haben wir nichts von dir...�</emphasis></p><p>Mit seiner m�chtigen Klaue schubste er Knorre tiefer in den Nebel hinein.</p><p>Das Urtum konnte sich am �u�ersten Rand abfangen. Erstaunt erhob er sich, um wieder in den Kampf zu ziehen.</p><p>Aus dem Nebel erschien eine dunkle Hand. Sie war klein, doch sie zerrte an Knorres Bein mit einer derartigen Heftigkeit, dass das Urtum hinuntersah. Pl�tzlich zog eine zweite, identische Hand an seinem Arm.</p><p>Andere H�nde schossen aus dem Nebel. Sie ballten sich zusammen, als wenn sie alle Teile desselben K�rpers gewesen w�ren. Knorre knurrte und versuchte sich loszurei�en. Doch zu viele H�nde hielten ihn mittlerweile fest.</p><p>Broll br�llte Tyrande eine Warnung zu. Die beiden Nachtelfen versuchten, sich den Weg zu ihrem Retter freizuk�mpfen.</p><p>Trotz seines titanischen Kampfes konnte das Urtum sich nicht selbst befreien. Immer mehr H�nde zerrten an ihm. Sie packten ihn, hielten ihn fest umschlungen wie ein Verhungernder ein St�ck Brot. Langsam begannen sie, Knorre in den Nebel zu ziehen.</p><p>Lethon geriet zwischen den Riesen und die Nachtelfen. Er wirbelte zu Broll herum, das Lachen des Drachen jagte dem gro�en B�ren einen Schauder �ber das R�ckgrat. Broll br�llte, w�hrend er gleichzeitig versuchte, einen Weg um ihn herum zu finden. Weiter hinten k�mpfte Tyrande weiterhin gegen die Schatten, die sich zu einem neuen Angriff formiert hatten.</p><p>�<emphasis>Du verschwendest deinen Atem... niemand kann mir entkommen... niemand kann fliehen... du wirst zu uns geh�ren</emphasis>...�</p><p>Knorre war bereits halb im Nebel verschwunden. Immer noch packten mehr und mehr H�nde seine Arme, zerrten an seinen Beinen und seinem Torso. Andere zogen den Kopf des W�chters zur�ck und versuchten, seine Stimme zu ersticken.</p><p>Doch Knorre konnte noch etwas rufen. �Flieht zum Portal! Flieht zum...�</p><p>Die H�nde�� geformt wie die von Nachtelfen, Menschen, Orcs, Tauren und anderen Kreaturen von Azeroth�� bedeckten nun alle das Urtum. Es waren so viele, dass Knorre sich kaum noch bewegen konnte. Ein Fu� wurde in den Nebel gezogen. Eine Schulter folgte ihm, dann der ganze Arm. Knorres Kopf verschwand pl�tzlich in dem undurchdringlichen Nebel.</p><p>Das Urtum schauderte. Es schien die Bl�tter h�ngen zu lassen.</p><p>Die H�nde zogen den Rest von ihm in den Nebel hinein.</p><p>Tyrande hatte einen Weg um Lethon herum gesucht. Doch erst als Knorre verschwunden war, kam sie pl�tzlich durch. Sie war so verzweifelt bem�ht, zu ihrem Verb�ndeten zu gelangen, dass die Hohepriesterin bereits ein paar Schritte vorw�rts machte, bevor sie erkannte, dass es nicht nur zu sp�t f�r Knorre war, sondern Lethon dieses Man�ver nur zugelassen hatte, damit sie sein n�chstes Opfer wurde.</p><p>Die ersten H�nde griffen bereits nach ihr, so gierig wie immer.</p><p>Pl�tzlich war die Hohepriesterin gezwungen sich zu wehren, damit sie nicht auch Knorres Schicksal erlitt. Deshalb wandte sie sich von Lethon ab und setzte Elunes Licht und die Gleve gegen die H�nde ein.</p><p>Ein titanisches Br�llen ersch�tterte die drei K�mpfer. Eine glitzernde Gestalt erschien unter ihnen. Eranikus.</p><p>Die geschlossenen smaragdgr�nen Augen des Drachen richteten sich auf Lethon.</p><p>Der korrumpierte Drache br�llte pl�tzlich. Er wand sich und schrie: �Die B�ume... sie dringen auf mich ein!�</p><p>Als er das sagte, beobachteten Broll und die anderen, dass sich weiche, nebelige B�ume tats�chlich um den korrumpierten Drachen zusammenzogen. Auf den Druiden wirkten sie harmlos, heilend... doch f�r Lethon schienen sie das reinste Gift zu sein.</p><p>Doch dann sch�ttelte Lethon den Kopf. Die Nebelb�ume verschwanden.</p><p>�Ich gebe dir eine Chance!�, br�llte Eranikus seinem Gegenst�ck entgegen. �Entsage der Korrumpierung, Lethon! Es kann gelingen!�</p><p>Lethons Blick auf Eranikus war m�rderisch. �<emphasis>Solch armselige Traumattacken k�nnen mir nichts anhaben! Du tr�umst zu viel, mein lieber Eranikus... du tr�umst zu viel und verstehst zu wenig von dem, was ich durch die wachsende Macht des Albtraums geworden bin</emphasis>... � Die versengten Wunden heilten. Lethon beugte sich vor, und obwohl er nicht so gro� wie Eranikus war, wirkte er dennoch furchterregend. �<emphasis>Doch du wirst es verstehen, wenn du erst wieder einer von uns bist...�</emphasis></p><p>Lethons Augen weiteten sich... dabei ver�nderten sie sich. Was die Gruppe zuvor gesehen hatte, waren nur Illusionen gewesen. Jetzt erkannten sie die schreckliche Realit�t.</p><p>Die Augen waren tiefe Kl�fte der Finsternis, die jeden, auf den sie gerichtet waren, zu verschlingen schienen. In ihnen loderte derselbe Hunger, derselbe Schrecken, der die H�nde angetrieben hatte. Doch in dem Drachen wurde es zu einem anderen �bel, einem pers�nlicheren.</p><p>�<emphasis>Ich bestehe nur noch aus Korrumpierung, Eranikus! Es hat mich verzehrt, und ich koste das aus...�</emphasis></p><p>�Dann... gibt es keinen Grund f�r dich, weiterhin...�</p><p>Yseras Gemahl blickte Lethon an.</p><p>Broll bemerkte, dass der korrumpierte Drache nicht zusammenzuckte oder k�mpfte. Stattdessen wartete Lethon... mit <emphasis>Vorfreude</emphasis>.</p><p>�Eranikus!�, rief der Druide. �Da ist noch einer!�</p><p>Lethon drehte den Kopf, und die hohlen Augen schienen Brolls tiefste Seele zu verschlingen. Der Druide keuchte, doch er bek�mpfte die �belkeit.</p><p>Der Nebel um Eranikus verwandelte sich zu einer schrecklichen Gestalt, die der personifizierte Albtraum war. Es war ein Wesen, das von Eranikus� eigenem Volk abstammte, zumindest beinahe. Die W�rde, die einen gr�nen Drachen ausmachte, war durch etwas ersetzt worden, das derart verwest war, dass sein Fleisch verfaulte. Sie war weiblich, doch nur schwer als Frau erkennbar. Fleischfetzen hingen auf der violetten Haut der Fl�gel, und ein Gestank nach Verwesung str�mte �ber die Nachtelfen hinweg.</p><p>Tyrande erschauderte. Sie durchlebte erneut den Ersten Krieg gegen die Brennende Legion, als das Land nur so von unschuldigen Toten bedeckt gewesen war. Broll stie� einen Schmerzensschrei aus, als er Anessa abermals sterben sah, wie so viele andere in der Schlacht gegen die D�monen am Berg Hyjal.</p><p>Diese neue Schreckgestalt hatte d�stere schwarze Augen mit leichenblassen Pupillen. Sie packte Eranikus und schlug ihre skelettartigen Klauen in seine Vorderbeine.</p><p>�Hast du die liebe Smariss vergessen?�, fragte der makabere Drache mit einer Grabesstimme. �Wir verzehren uns danach, dich wieder bei uns zu haben, Eranikus...�</p><p>�Nein! Ich werde nicht zulassen, dass der Albtraum mich noch einmal nimmt!� Er richtete seinen Blick auf sie.</p><p>Sie spuckte. Eine gr�ne faulige Substanz bedeckte Eranikus� Auge.</p><p>Er br�llte und versuchte, den modrigen Stoff wegzuwischen, doch er blieb hartn�ckig kleben. Und Lethon ging nun auch zum Angriff �ber.</p><p>�Wir haben dich so sehr vermisst...�, gurrte Smariss. �Lehne uns nicht ab... akzeptiere das Unausweichliche...�</p><p>�Nein! Niemals! Ich kann es nicht! Ich werde es nicht!� Doch trotz der Proteste konnte Eranikus die beiden nicht davon abhalten, ihn auf den Nebel zuzuziehen. Dort erschienen die H�nde und griffen aus Vorfreude auf den k�mpfenden Riesen in die Luft.</p><p>Weder Broll noch Tyrande konnte irgendetwas tun, sie waren kaum in der Lage zu verhindern, dass sie selbst �berw�ltigt wurden. Nur weil Eranikus derzeit im Fokus des korrumpierten Drachen stand, hatten die Nachtelfen noch eine Gnadenfrist.</p><p>Purpurnes Feuer, das hinter Yseras Gemahl aufstieg, umschloss Smariss und Lethon. Erschreckt und w�tend lie�en sie los und fl�chteten in den Nebel. Eranikus zog sich augenblicklich zur�ck, in seiner Furcht verga� er seine beiden Begleiter v�llig.</p><p>Doch sie erhielten weitere Hilfe. Zwei gro�e H�nde aus sanfter roter Energie schoben den dunklen Pulk hinfort, dann hoben sie den Druiden und die Hohepriesterin an, als w�ren sie Spielzeuge. Die H�nde zogen sich zur�ck und holten sie aus dem Portal heraus.</p><p>Die dunklen smaragdgr�nen Kr�fte wirkten augenblicklich wieder normal.</p><p>Eranikus war vorn�bergefallen, Yseras Gemahl keuchte. Sein Blick wurde zu der Stelle gelenkt, wo die Nachtelfen und ihr Retter standen.</p><p>Ihr Retter war... noch ein anderer Drache.</p><p>Ein roter Drache.</p><p>Ein sehr gro�er roter Drache, einer, gegen den selbst Eranikus klein wirkte.</p><p>Zwei massige H�rner stiegen von dem stolzen Reptilienkopf auf. Der gr��te Teil vom K�rper des Riesen war von �berw�ltigendem Purpur. Doch auf der Brust prangte ein gro�er silberner Fleck von derselben Farbe wie die Klauen.</p><p>Aber was den Drachen von allen anderen unterschied, waren�� neben seiner immensen Gr��e�� die Augen. Es waren keine glitzernden Kugeln wie bei Eranikus� Sippe �blich, sondern eher schwelende goldene Lichter, die, trotz der Erlebnisse der Nachtelfen, Ruhe und Hoffnung vermittelten.</p><p>Als der Drache sprach, klang seine Stimme eher befehlend denn beruhigend. �Sie sind geflohen. Mit mir hatten sie nicht gerechnet. Traurig zu sagen, dass ich sie auch nicht erwartet hatte. Denn sonst h�tte ich euch von Anfang an geholfen.�</p><p>�Ihr... seid ein Aspekt...�, erkl�rte Tyrande feierlich. �Ihr seid...�</p><p>Der riesige Drache verneigte den Kopf. �Ich bin... Alexstrasza. Und ich kenne dich, Tyrande Wisperwind. Zum einen aus dem Krieg der Ahnen, und von der Segnung Nordrassils, die kurz danach stattfand.�</p><p>�Alexstrasza...� Die Hohepriesterin war ger�hrt beim Gedanken an einen anderen Namen, der im Zusammenhang mit dem Aspekt stand. Es war ein zweiter Verb�ndeter. �Ist Krasus auch hier? Lebt er noch? Er k�nnte ein paar Antworten f�r uns haben...�</p><p>Der Drache sch�ttelte den Kopf. Ihr Blick war besorgt. �Es gibt viele Schl�fer, Tyrande Wisperwind... und er geh�rt dazu.�</p><p>Die Elfe runzelte die Stirn. �Das tut mir f�r Euch leid.�</p><p>Der Aspekt neigte den Kopf, erschreckt. �Es tut dir f�r mich leid?� Alexstrasza blickte zu Broll, der seine Neugierde so gut versteckte, wie es ging. Wie die meisten Druiden kannte er die beiden Magier, Krasus und Rhonin, denen nachgesagt wurde, eine wichtige Rolle in Malfurions Geschichte vor zehntausend Jahren gespielt zu haben. Was das genau war, hatte ihm sein Shan�do nie verraten. �Und gilt das auch f�r ihn?�</p><p>�Er wei� es nicht. Ich habe es von Malfurion erfahren.�</p><p>�Das ist in Ordnung, wenn man deinen Anteil an dieser Geschichte ber�cksichtigt, Tyrande Wisperwind.� An Broll gewandt sagte Alexstrasza: �Und es ist genauso in Ordnung, dass du es ebenfalls wei�t. Mein Gemahl Korialstrasz und der Magier Krasus sind ein und dieselbe Person.�</p><p>�Ein und dieselbe Person?� Das erkl�rte so vieles. Doch Broll war klar, dass er allein niemals zu diesem Schluss gekommen w�re.</p><p>Der gro�e Drache erhob sich auf die Hinterbeine und faltete die Fl�gel ein. Dabei begann sie zu schrumpfen. Ihre Fl�gel wurden kleiner, verwandelten sich schnell in W�lste, dann verschwanden sie. Alexstraszas Vorderbeine wurden zu Armen, ihre Beine drehten sich nach au�en und erinnerten nun mehr an die eines Nachtelfen.</p><p>Jetzt war sie knapp doppelt so gro� wie Broll und hatte nur noch einen Bruchteil ihres fr�heren K�rperumfangs. Der Aspekt fuhr mit der bemerkenswerten Umwandlung fort. Ihr Maul wurde zu einem Gesicht, Nase und Mund bildeten sich. Die H�rner schwanden, und ihr �ppiges Haar wuchs. Einen Augenblick sp�ter war die Verwandlung beinahe komplett, und die Gestalt, die teilweise elfischer Abstammung war, stand vor dem Druiden und seiner Begleiterin.</p><p>�ppige Locken von feurigem Haar, mit z�ngelnden Flammen, die stets der wilden M�hne entkommen wollten, fielen auf ihre schlanken Schultern hinab. Alexstrasza war wie eine weibliche K�mpferin gekleidet, mit langen, gepanzerten Stiefeln, die bis zu den Oberschenkeln reichten und einem Brustpanzer, der die Formen ihres weiblichen K�rpers betonte. Ihre H�nde wurden von aufwendigen Handschuhen gesch�tzt, die fast bis zur Armbeuge reichten, und ein purpurner Mantel, der an ihre Fl�gel erinnerte, wehte hinter ihr her. Was einst die H�rner gewesen waren, war nun, zu Brolls Erstaunen, entweder zu einem komplizierten Kopfschmuck geworden... oder zu deutlich kleineren H�rnern.</p><p>Ihre Kleidung war von Purpur, Violett und einem Hauch von Schwarzblau�� alle eingerahmt von einem goldenen Rand�� und ihre Haut schimmerte in einem sanften br�unlichen Rot. Ihr Gesicht war runder als das von Tyrande oder jedes anderen Nachtelfen, fast, als steckte etwas Menschliches darin. Die Nase war kleiner und ihr Mund perfekt geformt. Das Haar rahmte ihr Gesicht auf beiden Seiten ein.</p><p>Nur die Augen des Aspekts hatten sich nicht ver�ndert, abgesehen davon, dass sie sich der Gr��e angepasst hatten. Broll und Tyrande gingen beide auf die Knie und neigten huldigend ihre H�upter. Obwohl sie einem anderen Herrn dienten, ehrten doch alle die Lebensbinderin.</p><p>�Erhebt euch�, befahl sie. �Ich suche keine Untergebenen, sondern Verb�ndete...�</p><p>Tyrande erhob sich und sagte ernst: �Wenn Elune es zul�sst, erbiete ich Euch die Kraft meiner Gleve und meiner Gebete. Ich habe mit Euch zusammen vor zehntausend Jahren gegen die D�monen gek�mpft, und wenn unsere Probleme heute dieselben sind, dann werde ich wieder zu Euch stehen!�</p><p>�Das sind sie.� Die herrliche Gestalt blickte zu Broll. �Und du, Druide? Was sagst du?�</p><p>�Wir schulden Euch bereits unsere Leben, Herrin, und auch Eurer Schwester Ysera. Ihr seid hier, um uns zu helfen, und deshalb gibt es keine Diskussion: Ich biete Euch meine Hand...�</p><p>Sie nickte dankbar. �Mein Korialstrasz, mein gesch�tzter Gef�hrte, liegt in diesem Schlaf, aus dem er nicht erwachen kann, obwohl ich sp�re, wie er es versucht. Er ist nicht der Einzige, wie ihr, meine Kinder, sicher bereits vermutet habt. Doch es betrifft nicht nur uns Drachen�� wobei es allerdings weniger sind, weil wir nicht so viel schlafen wie die anderen V�lker-, dieser schreckliche Schlaf bedroht auch jedes andere Volk. Zudem scheint dieser unnat�rliche Schlaf vor allem die Wichtigen und M�chtigen zu betreffen... Magier, K�nige, Gener�le, Philosophen...�</p><p>�Shandris!�, keuchte Tyrande.</p><p>�Wenn sie eine der Euren ist, mein Kind, dann hat sie eine bessere Chance. Die Nachtelfen leiden nicht so sehr wie andere V�lker. Ich finde das faszinierend. Ich glaube, dass wir noch einen weiteren Verb�ndeten haben, obwohl ich gespannt bin, ob meine Vermutung stimmt...�</p><p>Bevor sie mehr sagen konnte, erklang von der Seite her ein St�hnen. Broll blickte zu Eranikus, der immer noch dort lag, wo er hingest�rzt war, als er seinem korrumpierten Artgenossen entkommen war. �Einen besseren Verb�ndeten als <emphasis>dieser</emphasis> traurige Anblick, hoffe ich mal! Er rannte um sein Leben, nachdem er uns hierher gef�hrt hat. Er sollte es besser wissen...�</p><p>Der gr�ne Drache hob den Kopf. Seine reptilienartigen Gesichtsz�ge waren zu einem erb�rmlichen Anblick verzerrt.</p><p>�Du verstehst es auch jetzt noch nicht, kleiner Druide! Nicht einmal nach diesem schwachen Vorgeschmack auf den Albtraum, den du erlebt hast! Hast du sie nicht gesehen? Hast du nicht verstanden, was Lethon und Smariss geworden sind? Wolltest du nicht auch fliehen?�</p><p>�Nicht ohne meine Freunde.�</p><p>Mit einem weiteren St�hnen wandte sich der Drache ab. �Du verstehst es nicht...�</p><p>Alexstrasza wandte sich an das riesige Tier. Obwohl ihr Gesichtsausdruck keinen Zorn enthielt, war ihr Tonfall alles andere als nachsichtig. �Das tue ich auch nicht, Eranikus... und das allein sagt schon viel �ber deine Handlungen aus.� Als der gr�ne Drache protestieren wollte, schnitt der Aspekt ihm das Wort ab. �Und, ja, ich wei�, wie es ist, ein Sklave des dunklen Willens von jemand anderem zu sein. Ein Sklave, verantwortlich f�r abscheuliche Taten.�</p><p>Eranikus beobachtete sie. Dann nickte er schlie�lich. �Das stimmt.�</p><p>�Und ich wei� auch mehr �ber das, was hier geschieht, als du.� Sie trat direkt vor sein riesiges Maul, und obwohl sie in ihrer gegenw�rtigen Gestalt sehr viel kleiner als er war, wirkte sie doch wie die Gr��ere. �Ich wei�, dass Ysera von deiner Erl�sung und deinem �berleben wusste... sie wusste auch von deiner Entscheidung, nicht an ihre Seite zur�ckzukehren aus Angst, dass du sie eines Tages erneut betr�gen k�nntest, egal, ob willentlich oder nicht.�</p><p>Sein m�chtiger Blick konnte ihrem nicht standhalten. Broll, der dabei zusah, hatte sich zuerst gefragt, warum er nicht seine Augenlider schloss, so wie es bei seinem Volk �blich war. Erst jetzt wurde dem Druiden klar, dass es f�r Eranikus bedeutet h�tte, sich dem Albtraum zu �ffnen. Und das war das Letzte, was er wollte.</p><p>�Sie... wusste es?�, fragte der Riese schlie�lich Alexstrasza. �Wusste sie auch, dass mich der Albtraum rief, als ich zu ihr unterwegs war? Ich sp�rte ihn, trotz meiner Befreiung, mit einer solchen St�rke, dass mir klar wurde, wie tr�gerisch meine neue Hoffnung war.�</p><p>�Sie wusste es augenblicklich und liebte dich doch so sehr, dass sie deine Wahl akzeptierte in der Hoffnung, du w�rdest vielleicht doch noch zu ihr zur�ckkehren.�</p><p>�Und nun... und nun ist es zu sp�t... sie wurde auch verschlungen...�</p><p>Die erstaunlichen Augen des Aspekts verengten sich. �Nein... noch nicht.�</p><p>Eranikus blickte sie mit verzweifelter Hoffnung an. �Ist sie in Sicherheit?�</p><p>�Wohl kaum.� Alexstrasza streckte eine Hand aus, um die beiden Nachtelfen mit einzuschlie�en. �Ich wei� mehr �ber den Albtraum, als jeder von euch dreien bislang erfahren hat. Er ist eine Gefahr, die Ysera eine Zeit lang bek�mpft hat...�</p><p>Ysera hatte gemerkt, wie die Tr�ume d�sterer wurden, trotz ihrer absoluten Kontrolle dar�ber. Zuerst schob sie es nur auf ihre eigenen Bedenken, doch dann entdeckte sie die Wahrheit�� allerdings zu sp�t. Die Albtr�ume, die sie erlebt hatte, ber�hrten Azeroth, nahmen Leben und reichten in die K�pfe der Sterblichen hinein.</p><p>Und dann beging sie einen schrecklichen Fehler. Die Herrin des Smaragdgr�nen Traums blickte in die schlafenden K�pfe, suchte die Quelle dessen, was selbst ihr eigenes Unterbewusstsein infiltriert hatte. Sie tat es und war sich nicht bewusst, dass diese Gefahr genau das von ihr wollte.</p><p>�Lethon kam �ber sie, als sie sich gerade auf die Suche konzentrierte�, berichtete Alexstrasza. �Er wurde von Schatten begleitet, den Satyren, gegen die ihr eben erst gek�mpft habt. Sie fielen �ber sie in ihrer Traumgestalt her, und Lethon nahm ihr, was er am meisten begehrte... das <emphasis>Auge</emphasis>.�</p><p>Eranikus sprang auf. Sein Blick war Broll und Tyrande unertr�glich. �Das Auge von Ysera wurde erobert? Das hatte ich bef�rchtet! Woher wei�t du dann, dass meine geliebte K�nigin nicht ihre Gefangene ist?�</p><p>�Das Auge ist der Ort, an dem Ysera und ihre Sippe im Traum existieren�, informierte Broll leise Tyrande. �Man sagt, es w�re der idyllischste Ort dort. Malfurion hat ihn bereits gesehen, und ich wei�, dass Fandral auch schon dort war, so wie auch einige andere Druiden. Aber es waren nur sehr wenige. Man erz�hlte mir, es w�re ein Tal, das von gro�en H�geln umgeben l�ge. Das Land sei saftig und erf�llt mit Gras und Blumen. Doch der Name kommt von der herrlichen Kuppel in der Mitte, wo Ysera selbst lebt... lebte...�</p><p>Der gr�ne Drache schnaubte. �Eine schwache, doch akzeptable Beschreibung, kleiner Druide! Es gibt keinen perfekteren Ort in der ganzen Sch�pfung!� Pl�tzlich st�hnte er. �Das Auge wurde erobert! Wo ist meine K�nigin dann, wenn sie nicht gefangen genommen wurde?!?�</p><p>Alexstrasza lie� Eranikus ihre Geringsch�tzung sp�ren. �Sie k�mpft immerhin! Sie, ihre restlichen Ehegatten und eine Handvoll anderer Drachen k�mpfen nicht nur, um sich selbst zu retten, sondern um die Wahrheit �ber den Kern des Albtraums herauszufinden! Sie will, dass weder ihr Reich noch Azeroth diesem monstr�sen Ding zum Opfer fallen!�</p><p>�Ysera ist verr�ckt! Wenn sie ihm in die H�nde f�llt, ist alles vorbei! Der Albtraum ist so m�chtig, dass ich angenommen habe, er h�tte sie bereits gefangen genommen. Doch wenn sie die Wahrheit sucht und seine Macht, wird es aus ihr etwas Schlimmeres machen als selbst Lethon oder Smariss. Dann werden durch Ysera beide Welten in einen Ort des Schreckens verwandelt, der viel schlimmer ist als alles, was wir bislang erlebt haben!�</p><p>�Sie tut, was sie tun muss�, antwortete Alexstrasza ruhig. �Und ich werde ihr dabei helfen, wenn ich kann. Ich leihe ihr meine St�rke aus der Ferne, wache �ber die Versuche des Albtraums, in dieser Welt Fu� zu fassen, suche Verb�ndete, die uns helfen k�nnen... und k�mmere mich um die Korrumpierten, die nicht mehr aufwachen k�nnen.�</p><p>Der Drache blickte zu Boden. Voller Selbstabscheu antwortete er: �Du unterst�tzt sie, w�hrend sie ihr Leben riskiert und ich... ich sitze in einer H�hle und verstecke mich vor dem Weltuntergang! Verstecke mich davor, meine Geliebte und K�nigin zu verteidigen! Ich kenne Korialstrasz schon fast ebenso lange wie dich, Lebensbinderin! Ich bin deiner Gegenwart nicht w�rdig oder der von Ysera...� Alexstrasza wollte etwas sagen, aber Eranikus sch�ttelte den Kopf: �Doch ich kann mich ihrer doch noch w�rdig erweisen. Es gibt einen Weg f�r mich!�</p><p>Der gro�e gr�ne Drache wandte sich zum Portal um. Die Energien darin pulsierten sanft und unschuldig.</p><p>Eranikus ging darauf zu. �Ich kann den Albtraum nicht mehr sp�ren. Die verdammte Korrumpierung ist fort. Momentan k�nnt ihr ohne Gefahr eintreten... doch was euch dahinter erwartet, wei� ich nicht...� Er schaute zu den Nachtelfen. �Eure Aufgabe endet hier.�</p><p>�Wir gehen mit Euch�, entgegnete Tyrande. �Ich glaube, es war kein Zufall, dass wir uns getroffen haben. Irgendjemand wollte all die Wesen zusammenbringen, die Azeroth am besten dienen k�nnen. Nichts geschieht ohne Grund...�</p><p>�Nat�rlich tut das jemand!�, antwortete Yseras Gemahl, dabei zeichnete sich eine verzweifelte Hoffnung auf seinem Gesicht ab. �Es kann nur meine K�nigin sein! Obwohl sie gerade angegriffen wird, plant sie unsere Errettung! Ich h�tte es erkennen m�ssen...�</p><p>�Nein, das ist nicht Ysera. Nicht meine Schwester�, sagte Alexstrasza. Sie blickte Tyrande und Broll an. �Ich glaube, dass uns jemand anderer leitet... wahrscheinlich ist es <emphasis>Malfurion Sturmgrimm</emphasis> h�chstpers�nlich.�</p><empty-line/><p><emphasis>Es kommt alles zusammen</emphasis>, wagte Malfurion zu hoffen. Der Erzdruide tat, was er konnte, um diese Gedanken von seinem Entf�hrer zu verbergen. <emphasis>Sie k�nnten es vermuten... doch das ist gut, so lange er nicht</emphasis>...</p><p>Die schrecklichen Schatten erstreckten sich pl�tzlich �ber den Baum des Schmerzes, in den der Nachtelf sich mittlerweile verwandelt hatte. Die heimt�ckische Pr�senz des Albtraumlords umgab Malfurion und erf�llte seinen Geist und seine Seele.</p><p><emphasis>Liebst du den Schmerz doch noch? Ist er so sehr ein Teil von dir geworden, dass du ihn nicht mehr von dir trennen kannst</emphasis>?</p><p>Malfurion antwortete nicht. Es gab keinen Grund zu antworten. Es h�tte nur seinem Entf�hrer gen�tzt.</p><p><emphasis>H�ltst du Rat mit deinen eigenen Gedanken, Malfurion Sturmgrimm</emphasis>? Die skelettartigen Ranken des Schattenbaums wickelten den gefangenen Erzdruiden ein. <emphasis>Sollen wir diese Gedanken diskutieren... diese Tr�ume... diese Hoffnungen</emphasis>?</p><p>Obwohl er sich bem�hte, wurde der Nachtelf von diesen Worten ersch�ttert. Wusste dieses schreckliche Wesen Bescheid?</p><p><emphasis>Lass uns ein paar deiner Betrachtungen teilen... lass uns ein paar deiner Ambitionen teilen</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide vergrub seine Gedanken so tief wie m�glich. Sein Plan war der Erf�llung nahe. Er hatte eine Chance...</p><p>Der Albtraumlord lachte in seinem Kopf. <emphasis>Und was das Wichtigste ist, Malfurion Sturmgrimm, lass uns �ber deinen n�rrischen Rettungsplan reden</emphasis>...</p></section><section><title><p>13</p><p>Am Rande des Albtraums</p></title><empty-line/><p>Die Druiden waren ersch�pft. Sie hatten sich derart verausgabt, dass mehrere von ihnen sicherlich tagelang keine Zauber mehr wirken konnten. Ihre vereinte Macht hatte Teldrassil immer mehr gen�hrt, doch es war ohne sichtbaren Erfolg geblieben... zumindest, soweit Hamuul es beurteilen konnte.</p><p>Der Tauren war f�r die meisten der anderen ein Ausgesto�ener geworden. Obwohl er offiziell nicht getadelt wurde, es keine Verdammung durch den Erzdruiden gab. Fandral hatte Hamuul nicht einmal verraten, was Broll eigentlich getan hatte. Er hatte den Tauren nur lange missbilligend angeschaut, sodass die anderen mitbekamen, dass Hamuul seine Gunst verloren hatte.</p><p>Naralex und ein paar andere machten dabei nicht mit. Doch Hamuul gab sein Bestes, ihnen aus dem Weg zu gehen, aus der Sorge heraus, dass auch sie darunter zu leiden h�tten. Der alte Tauren nahm freiwillig die Verantwortung auf sich, wodurch er es Broll erm�glichte, lange unbemerkt zu bleiben. Er vertraute seinem Freund. Fandral hatte allerdings auch jedes Recht ver�rgert zu sein.</p><p>Der Erzdruide hatte darauf bestanden, dass sie alle in der N�he von Teldrassil blieben, weit weg von Darnassus. Nur er selbst war in die Stadt zur�ckgekehrt. Jedes Mal, wenn er wieder kam, dr�ngte er die Druiden auf eine andere Art. Er versicherte ihnen, dass sie Fortschritte machen w�rden, dass der Weltenbaum allm�hlich gesund wurde.</p><p>Hamuul musste zugeben, dass er nicht ausreichend bewandert war, um zu sp�ren, was Fandral tat.</p><p>Der Tauren sa� im Schneidersitz ein wenig von den anderen entfernt. Die Druiden meditierten, versuchten, die St�rke f�r Fandral s n�chsten Zauber aufzubauen. Hamuul hatte sich noch nie in seinem Leben so ausgelaugt gef�hlt, nicht einmal w�hrend der wochenlangen Jagd, die Teil seines Ritus des �bergangs gewesen war, mit der der Eintritt zum Erwachsenensein zelebriert wurde. W�hrend der ganzen Pr�fung hatte er fasten m�ssen.</p><p><emphasis>Ich werde alt</emphasis>..., war sein erster Gedanke. Dennoch schien keiner der Nachtelfen st�rker als er zu sein. Bislang hatten die Pl�ne des obersten Erzdruiden lediglich erreicht, dass jedes Mitglied am Rand der Ersch�pfung stand.</p><p>Hamuul dachte erneut an Fandral. Doch er konnte ihn nirgendwo finden. Der Tauren vermutete, dass Fandral vielleicht zur Enklave des Cenarius zur�ckgekehrt war, um einen alten Text zurate zu ziehen. Hamuul hoffte, dass er sie mit mehr greifbaren Resultaten als bislang versorgen w�rde.</p><p>Momentan konnte er nicht mehr meditieren und stand deshalb auf. Als er sah, dass keiner der anderen auf ihn achtete, ging er auf den Weltenbaum zu.</p><p>Auch wenn Hamuul nicht zu denen geh�rt hatte, die solch einen Weltenbaum gewollt hatten, konnte er dessen Majest�t nur bewundern. Ebenso Teldrassils Einfluss auf die Welt. Als Tauren glaubte Hamuul sehr an das Gleichgewicht zwischen der Natur und dem Leben der verschiedenen V�lker auf Azeroth. Deshalb war er urspr�nglich zu Malfurion Sturmgrimm gegangen und hatte darum gebeten, in den druidischen K�nsten unterwiesen zu werden. Und auch wenn Hamuul erst seit ein paar Jahren Druide war, hatte er sich gut bew�hrt. Sonst w�re er wohl kaum zu einem der wenigen Erzdruiden ernannt worden, dem Einzigen seines Volkes.</p><p>Der Tauren w�nschte sich, dass er mehr f�r Broll h�tte tun k�nnen. Er glaubte immer noch, dass Broll die richtige Entscheidung getroffen hatte, wie sehr sie auch Fandrals gute Absichten durchkreuzen mochte. Er stand vor Teldrassil und blickte hoch in die Wolken, wo Darnassus lag. Wenn das Portal sehr nahe gewesen w�re, w�re Hamuul vielleicht versucht gewesen, einfach durchzugehen. Aber so wie es war, h�tte er schon dahin fliegen m�ssen...</p><p>Mit einem Grunzen lehnte er sich mit einer Hand gegen Teldrassil. Er musste mehr tun. Wenn Broll...</p><p>Jemand fl�sterte.</p><p>Hamuul trat vom Baum weg und suchte nach dem Sprecher. Doch das Fl�stern verstummte augenblicklich.</p><p>Gedankenvoll runzelte er seine dichten Brauen und n�herte sich wieder dem Stamm.</p><p>Das Fl�stern begann erneut. Hamuul starrte auf Teldrassil... dann blickte er hinunter zu seinem Fu�. Dort ber�hrte er mit der rechten Seite eine der Wurzeln des Weltenbaums.</p><p>Er legte die Hand auf den Stamm.</p><p>Das Fl�stern erf�llte seinen Kopf. Hamuul konnte es nicht verstehen. Es war keine Sprache, die von den intelligenten V�lkern Azeroths gesprochen wurde. Stattdessen erinnerte sie ihn an etwas anderes, etwas, das die Tauren gut kannten...</p><p>�Shakuun, leite meinen Speer...�, murmelte er und sprach damit einen Taurenschwur aus. Shakuun war der Vater seines Vaters gewesen, und Tauren riefen ihre verehrten Ahnen an, damit sie �ber sie wachten. Der Schwur sollte allerdings nicht w�rtlich genommen werden. Hamuul bat seinen Gro�vater um Hilfe, damit er verstand, was er entdeckt hatte.</p><p>Der Erzdruide lauschte der Stimme Teldrassils.</p><p>Alle Druiden kannten die Sprache der B�ume, obwohl einige sie besser verstanden als andere. Dies war nicht das erste Mal, dass Hamuul dem Weltenbaum zugeh�rt hatte. Doch es war das erste Mal, dass er dieses Fl�stern h�rte. Die Stimme des Weltenbaums konnte man normalerweise im Rascheln der �ste und der Bl�tter h�ren und durch das Flie�en des Safts, der wie Blut den gro�en Stamm durchstr�mte. Es war ebenfalls ein Fl�stern, allerdings eins, das man verstehen konnte.</p><p>Doch Hamuul konnte nicht verstehen, was er gerade h�rte. Das Fl�stern war ohne richtigen Rhythmus, ohne Form. Als der Erzdruide weiter zuh�rte, setzte es sich immer weiter fort, als ob...</p><p>�Was macht Ihr da, Hamuul Runentotem?� erklang Fandrals Stimme pl�tzlich hinter ihm.</p><p>Seinen Schrecken unterdr�ckend wandte sich der Tauren zu dem obersten Erzdruiden um. Er hatte nicht gesp�rt, wie der Nachtelf sich gen�hert hatte, was einiges �ber Hamuuls gegenw�rtigen Geisteszustand aussagte. Als Tauren r�hmte er sich der F�higkeit, dass sein Volk sich als Einziges an Fandrals Volk anschleichen konnte.</p><p>Hamuul wollte ehrlich sein. Diese Sache war etwas, das Fandral vor allen anderen Druiden erfahren sollte.</p><p>Doch wie erkl�rte man es am besten? �Erzdruide Fandral, wirst du Teldrassil einen Augenblick lang zuh�ren? Ich f�rchte, dass die Dinge schlimmer sind, als wir gedacht haben! Als ich mit meiner Hand den Stamm ber�hrt habe, gerade eben...�</p><p>Der Nachtelf wartete nicht darauf, dass der Tauren ausredete. Fandral legte seine flache Handfl�che gegen Teldrassil. Er schloss die Augen und konzentrierte sich.</p><p>Ein paar Atemst��e sp�ter blickte der oberste Erzdruide den Tauren an. �Ich sp�re nichts anderes als vorher. Teldrassil geht es nicht gut, doch es gibt Fortschritte.�</p><p>�Fortschritte?� Hamuul starrte ihn mit offenem Mund an. �Erzdruide, ich sp�rte...�</p><p>Fandral unterbrach ihn mit einem mitf�hlenden Gesichtsausdruck. �Ihr seid m�de, Hamuul, und ich war Euch gegen�ber nicht sehr nett. Ihr wart Broll nur ein loyaler Freund, der sich f�r dessen R�cksichtslosigkeit verantworten musste. Es ist unter meiner W�rde, die Entt�uschung an Euch auszulassen, wenn Broll eigentlich schuld ist.�</p><p>�Ich...�</p><p>Fandral hob eine Hand. �H�rt mich an, guter Hamuul. Ich habe gerade einige interessante Dinge erfahren. Wir m�ssen einen neuen und st�rkeren Versuch starten, um Teldrassils Schmerz zu heilen. Ihr, mit Eurem starken Geist, w�ret eine gro�e Hilfe dabei, doch Ihr m�sst Eure St�rke erst zur�ckgewinnen. Wenn Ihr bef�rchtet, dass dem Weltenbaum doch noch mehr fehlt, werdet Ihr mich sicherlich bei dem neuen Versuch unterst�tzen.�</p><p>Der Tauren neigte den Kopf und antwortete: �Wie du befiehlst, Erzdruide Fandral.�</p><p>�Ausgezeichnet! Nun kommt mit mir. Ich werde Euch mehr �ber den n�chsten Versuch sagen. Es wird sehr m�hevoll werden. Es k�nnte mehr als einen Tag der Meditation brauchen, um uns davon zu erholen...�</p><p>Fandral ging los. Hamuul konnte nichts anderes tun, als ihm zu folgen. Doch selbst als er dem Nachtelfen zuh�rte, wie er seinen Plan erl�uterte, blickte er auch zu dem Stamm zur�ck, den er ber�hrt hatte. Er hatte das zusammenhanglose Fl�stern geh�rt, und er wusste, dass es die Stimme des Weltenbaums gewesen war. H�tte nicht der oberste Erzdruide die Sache auch untersucht, w�re der Tauren noch besorgter gewesen, als er es ohnehin schon war. Doch es blieb noch genug Sorge, dass Hamuul sich weiterhin seine eigenen Gedanken machte...</p><p>F�r Hamuul Runentotem konnte das nur eins bedeuten.</p><p>Teldrassil wurde <emphasis>verr�ckt</emphasis>.</p><p/><empty-line/><p>Sie betraten das Portal nicht sofort, obwohl sie das eigentlich geplant hatten. Eranikus und Alexstrasza testeten es vorsichtig. Sie schickten ihre Kr�fte weit hinein, um zu �berpr�fen, ob Lethon oder Smariss ihnen eine Falle gestellt hatten. Erst als sie keine fanden, gaben die Drachen das Portal frei.</p><p>�Wurde auch verdammt noch mal Zeit�, murmelte Broll. Tyrande nickte. Sie war derselben Meinung. Beide dr�ngte es, Malfurion zu suchen. Doch eine Sache st�rte sie noch. Denn Lucan Fuchsblut und die mysteri�se Orckriegerin waren nach wie vor verschwunden. Die Orcfrau war wahrscheinlich nur durch Zufall in die Sache hineingeraten, aber dennoch...</p><p>�Ihr versteht immer noch nicht die wahre Gefahr des Albtraums�, antwortete der gr�ne Drache mit einiger Bitterkeit in der Stimme. �Seid nicht so begierig darauf einzutreten, ohne euch richtig darauf vorzubereiten.�</p><p>�Die Zeit dr�ngt.�</p><p>Alexstrasza nickte zustimmend. �Genauso ist es, Broll B�renfell. Doch wenn ich recht habe und Malfurion Sturmgrimm wirklich versucht, uns zu ihm zu f�hren, dann w�rde er wollen, dass wir die Dinge richtig �berdenken.� Der Drache l�chelte grimmig. �Und das haben wir jetzt getan.�</p><p>�Ich bin bereit�, verk�ndete Eranikus.</p><p>�Bist du dir sicher?�, fragte der Aspekt.</p><p>Seine Bitterkeit wurde offensichtlicher. �Ja, bin ich. Ich schulde es meiner Ysera.�</p><p>Die Lebensbinderin neigte den Kopf. Ein warmes, tr�stendes Leuchten ging von Alexstrasza aus. Es ber�hrte die drei. Die Nachtelfen l�chelten und selbst Eranikus wirkte dankbar.</p><p>�M�ge mein Segen euch sch�tzen und eure Jagd zum Erfolg f�hren�, sagte der Aspekt.</p><p>�Wir f�hlen uns geehrt und danken Euch�, antwortete Tyrande.</p><p>Eranikus atmete ein, breitete die Fl�gel aus und trat auf das Portal zu. �Ich gehe vor... um euch zu decken.�</p><p>Die Energien innerhalb des Portals regten sich, als er n�her trat. Ohne zu z�gern ging der Drache in das Portal.</p><p>Und dann war er fort.</p><p>Broll und Tyrande traten auf das Portal zu.</p><p>�Ihr solltet hierbleiben�, sagte er zu ihr.</p><p>�Ich war schon viel zu lange von Malfurion getrennt�, gab sie zur�ck.</p><p>Bevor er irgendetwas anderes sagen konnte, sprang sie hindurch.</p><p>Broll stie� ein ver�rgertes Schnauben aus, dann folgte er ihr.</p><p>Das Gef�hl, physisch in das andere Reich einzutreten, war, als w�rde man einschlafen. Als Lethon sie angegriffen hatte, hatte Broll keine Zeit gehabt, dar�ber nachzudenken, doch jetzt erkannte er es. Es war v�llig anders, wenn er seine Traumgestalt bewusst hierher schickte. Denn dann f�hlte er sich, als h�tte er eine schwere B�rde abgelegt und war schlie�lich frei von all seinen weltlichen Problemen.</p><p>Doch das war jetzt nicht so. Mehr denn je war er sich bewusst, was in dem Albtraum auf ihn lauern konnte. Doch im Moment sah er au�er dem dichten Nebel nichts. Der Albtraum war also noch nicht v�llig verschwunden.</p><p>�So k�nnen wir nicht reisen�, verk�ndete Eranikus. Der Drache flog direkt �ber den Nachtelfen. Seine Fl�gel schlugen langsam. Er wirkte, als w�rde man ihn durch flie�endes Wasser hindurch sehen, ein weiterer Effekt, den Broll ebenfalls w�hrend ihres verzweifelten Kampfes nicht bemerkt hatte. Dasselbe galt f�r Tyrande.</p><p>Der Drache beugte sich zur�ck, dann hauchte er etwas in den Nebel hinein. Eine sanfte Gischt smaragdfarbenen Lichts ber�hrte alles vor ihnen liegende.</p><p>�Elune, steht uns bei!�, keuchte die Hohepriesterin, als der Weg ger�umt war.</p><p>In diesem Moment h�tte Broll gern die Hilfe von jedem Gott oder Halbgott angenommen. Selbst die Gesellschaft eines Drachen schien im Moment nicht auszureichen.</p><p>Fr�her war der Smaragdgr�ne Traum ein Ort gewesen, der wie ein Azeroth aussah, das niemals von irgendwelchen V�lkern wie etwa den Nachtelfen besiedelt worden war. Seine H�gel und Berge waren perfekt gebildet, weil es keine Erosion gab. Hohes Gras und sch�ne B�ume hatten sich �ber die Landschaft ausgebreitet. Die Fauna war furchtlos und friedlich. F�r Druiden wirkte es wie das Paradies.</p><p>Doch jetzt passte kein Name besser als der, den Eranikus benutzt hatte... <emphasis>Albtraum</emphasis>.</p><p>Das Land war mit einer feuchten, verfaulenden Substanz �berzogen, die vor sich hin blubberte. Die sch�nen smaragdgr�nen Schatten waren der F�ulnis gewichen. Die B�ume waren zu deformierten Parodien ihrer selbst geworden. Die Bl�tter schwarz, scharfkantig und voller giftiger Flecken. Kleines dunkles Ungeziefer krabbelte �ber die schorfige Borke und n�hrte sich an dem dickfl�ssigen �bel riechenden Saft, der aus den Rissen im Stamm sickerte.</p><p>�Cenarius, steht uns bei...�, kr�chzte der Druide. Broll betrachtete seine Umgebung ungl�ubig und trat dann vor. Ein knirschendes Ger�usch unter den F��en lenkte seine Blicke nach unten.</p><p>Der Boden war bedeckt mit kleinen gr�nen Skorpionen, Tausendf��lern, fingergro�en Schaben, Spinnen mit K�rpern so gro� wie eine Faust und anderem Ungeziefer. Ein dichter, klebriger Belag bedeckte die Unterseite von Brolls Sandalen, denn mit jedem Schritt zerquetschte er einige dieser Kreaturen.</p><p>�Sie sind �berall�, keuchte Tyrande. �Sie bedecken den Boden, so weit das Auge reicht...�</p><p>�Nicht mehr lange�, antwortete der gr�ne Drache entschlossen. Er blies seinen Brodem �ber den Boden. Es war, als h�tte Eranikus Feuer gespuckt. Das Knistern von Tausenden kleinen verbrennenden K�rpern erf�llte ihre Ohren, und selbst der Drache erschauderte bei dem Ger�usch.</p><p>Das Land, das Eranikus versengt hatte, war nun schwarz. Er nickte, zufrieden mit seinem Werk.</p><p>Doch pl�tzlich regte sich etwas innerhalb der ger�steten Insekten. Aus einer verbrannten gepanzerten Schabe platzten mehrere Beine heraus. Eine neue Schabe, so furchtbar anzusehen wie die letzte, schl�pfte aus ihrer Vorg�ngerin.</p><p>Und zum Missfallen der drei wiederholte sich das mit jedem der vernichteten K�rper. Was immer Eranikus auch vernichtet hatte, wurde ersetzt...</p><p>Nebelranken waberten �ber die makabre Szenerie, als w�rden sie die Luft wieder erobern wollen, die Yseras Gemahl gereinigt hatte. Der gr�ne Drache stie� einen zweiten Atemzug aus, der den Nebel wegwischte... zumindest f�r den Augenblick,</p><p>�Es ist unglaublich...�, sagte die Hohepriesterin und versuchte erfolglos, sich vorw�rtszubewegen, ohne auf etwas zu treten. Jeder Schritt wurde von einem Knirschen begleitet, das einen dichten Belag zerquetschter Insekten erzeugte. Und noch w�hrend sie weitergingen, setzte bereits die scheu�liche Wiedergeburt ihrer Opfer ein.</p><p>�Das ist nur der Anfang...�, murmelte Eranikus. Das Leuchten seiner Augen war an diesem Ort schw�cher. �Ich sp�re, dass der Albtraum st�rker geworden ist, schlimmer, als ich je gedacht hatte...�</p><p>W�hrend er sprach, bemerkten alle die Bewegung am Rande des Nebels. Bald schon konnte man Umrisse erkennen... aber nur sehr vage.</p><p>�Die Schatten-Satyre sind zur�ckgekehrt�, sagte Tyrande.</p><p>Eranikus antwortete nicht. Stattdessen sandte er noch mehr Brodem aus und badete die n�chsten der kaum sichtbaren Gestalten f�rmlich darin. Wie bei den Kreaturen unter ihren F��en entflammten auch diese Wesen augenblicklich.</p><p>Wilde und klagende Schreie bet�ubten ihre Ohren. V�llig reglos brach der gr�ne Drache den Angriff schnell ab. Broll und Tyrande hielten sich die Ohren angesichts der schrecklichen Ger�usche zu. Das waren nicht die Schreie sterbender Monster.</p><p>�M�ge Ysera mir vergeben!�, stie� Eranikus aus, als der Nebel wich und seine Opfer enth�llte.</p><p>Es waren vernunftbegabte Wesen gewesen�� Nachtelfen, Menschen, Orcs, Zwerge... Mitglieder aller sterblichen V�lker. Alles, was nach Eranikus� gnadenlosem Angriff �brig geblieben war, waren verbrannte Leichen, die weiterhin zuckten, als wollten sie die Arme Hilfe suchend ausstrecken oder zumindest ihrem Leiden ein Ende setzen.</p><p>Das Ungeziefer ignorierend, lief Broll zum n�chsten Opfer. Tyrande war an seiner Seite. Eranikus blieb, wo er war. Der gr�ne Drache war offensichtlich ersch�ttert �ber das Ungl�ck, das er verursacht hatte.</p><p>�Die Schl�fer...�, erkannte Broll. �Das sind die Schl�fer...�</p><p>�Vielleicht habe ich sie alle in Azeroth get�tet. Es ist, als h�tte ich �ber dem Bett jedes Einzelnen gestanden und sie gleich dort verbrannt!�, knurrte Yseras Gef�hrte. �Sie konnten ihren Tr�umen nicht entkommen und h�tten dort genauso gelitten, so wie sie es hier getan haben!�</p><p>�Das wisst Ihr nicht�, bemerkte der Druide. �Ihr wisst es nicht...�</p><p>Die br�chigen Knochen des Nachtelfen, �ber dem er gerade kniete, bewegten sich.</p><p>Eine geschw�rzte fleischlose Hand griff nach seinen Handgelenken und ein Totensch�del mit zwei verbrannten Augen hob sich ihm entgegen.</p><p>Der zerst�rte K�rper kreischte seinen Schmerz wieder hinaus. Es streckte seine verzehrten Finger nach ihm aus.</p><p>Broll zerrte, so fest er konnte. �Ich kann mich nicht selbst befreien!�</p><p>Das Kreischen lie� nach. Das Skelett schwand.</p><p>Doch andere Opfer begannen jetzt zu st�hnen. Tyrande setzte ihre Gebete fort, sie benutzte ihre Hand, um die Macht ihrer Herrin �ber der Landschaft auszubreiten.</p><p>Die geschundenen Leichen verschwanden. Erst als der letzte Tote fort war, h�rte die Priesterin damit auf. Sie zitterte.</p><p>Broll und Eranikus erging es nicht viel besser. �Sie haben gelitten!�, fauchte der Druide. �Sie haben wirklich gelitten!�</p><p>�Das konnte ich nicht ahnen!�, antwortete der Drache. �Ich k�nnte den Unschuldigen nie etwas antun! Das war der Albtraum�, meinte Eranikus. �Er wei�, was euch am meisten schmerzt, was ihr am meisten f�rchtet... und er n�hrt sich davon...�</p><p>Tyrande sch�pfte etwas Hoffnung. �Dann ist all das nur eine Illusion?�</p><p>�Nein... der Albtraum ist deshalb so gef�hrlich, weil er immer realer, wirklicher wird.�</p><p>Broll traf eine Entscheidung. �Wir m�ssen Malfurion finden, und zwar schnell...� Er blickte in den Nebel und erkannte zum ersten Mal die Ungeheuerlichkeit seines Vorschlags. �Aber... in welche Richtung m�ssen wir gehen?�</p><p>�Ich werde ihn finden�, erkl�rte die Hohepriesterin mit �u�erster �berzeugung. Sie blickte sich gehetzt um. �Niemand, nicht einmal Ihr als sein folgsamer Druide, kennt ihn so gut wie ich, Broll.�</p><p>Er bestritt diese Tatsache nicht. �Doch ich habe auch eine Idee, wie wir ihn finden k�nnen. Ich...�</p><p>Die Landschaft bewegte sich pl�tzlich. Die Nachtelfen st�rzten auf den mit Unkraut �berwucherten Boden. Eranikus stieg in die Luft auf. Doch auch dort wurde er ersch�ttert.</p><p>Schlie�lich beruhigte sich wieder alles. Tyrande stand auf und wischte schnell all die Tausendf��ler und das andere Aasgetier weg, das noch an ihr klebte. Broll murmelte einen Zauber, doch das Ungeziefer h�rte nicht auf ihn. Sie waren nicht wie die Fauna auf Azeroth. Wie die Hohepriesterin zuvor, resignierte er und sch�ttelte die Tiere einfach ab.</p><p>Eranikus landete. Der Hohepriesterin beobachtete ihn tadelnd. �berraschenderweise blickte der gr�ne Drache schuldbewusst zur Seite.</p><p>�Was ist denn da geschehen?�, fragte Broll Eranikus. Sie waren nun in einer h�gligeren Region, mit merkw�rdigen, schattigen Pfaden, die in dem teuflischen Nebel verschwanden.</p><p>�Dies ist der Albtraum. Frag mich nicht, warum das so ist. Ich wei� nur, dass wir es sicher nicht so wollen!�</p><p>Tyrande blickte nach vorn. �Da liegt eine Burg oder irgendein Geb�ude vor uns. Dort, auf dem dritten H�gel.�</p><p>Der gr�ne Drache und Broll sch�ttelten beide den Kopf. Der Druide sagte: �Es gibt hier keinerlei Geb�ude, au�er beim Auge.�</p><p>�Dann war das, was auch immer ich gesehen habe, Teil des Albtraums.� Bevor sie mehr sagen konnte, war wieder Bewegung im Nebel zu sehen. Die Hohepriesterin verschwendete keine Zeit. Sie beleuchtete die Umgebung mit dem Licht von Mutter Mond.</p><p>Doch was sie enth�llte war nicht das, was sie erwartet hatten.</p><p>Es war Lucan Euchsblut.</p><p>�Ihr!�, polterte Broll. Er packte den Menschen, bevor irgendetwas sie wieder trennen konnte. Lucan starrte ihn aus Augen an, die so gro� und hohl waren wie der Tod. Der Mensch war aber eindeutig keine Sinnest�uschung.</p><p>�Du bist echt...�, fl�sterte er. Ein schwaches, wahnsinniges Grinsen flackerte �ber sein Gesicht. �Du bist es...� Er blickte zu Tyrande Wisperwind, und sein Grinsen wurde etwas entspannter. �... und du...� Dann sah er, was hinter dem Nachtelfen aufragte, und seine wachsende Erleichterung verschwand.</p><p>�Wir alle sind Eure Freunde�, versicherte ihm Tyrande.</p><p>Lucan beruhigte sich. �Ihr seid echt... ihr alle...� Sein Blick schoss zur Seite. �Ich wollte fort von hier, doch etwas hat mich hier festgehalten... Ich wollte wirklich fort, doch etwas wollte, dass sie weitermacht...�</p><p>Der Druide hakte nach. �Sie? Meint Ihr den Orc? Eine Frau?�</p><p>�Ja... ja...�</p><p>�Im Kampf unterscheiden sich weibliche und m�nnliche Orcs kaum voneinander�, erkl�rte Tyrande Broll. �Man sollte keinen von beiden je untersch�tzen.�</p><p>�Das will ich auch nicht bestreiten. Ich frage mich nur, wer sie sein k�nnte und was sie hier will.�</p><p>�Sie hei�t Thura�, erkl�rte Lucan fast tonlos. �Sie kam, um mich zu t�ten. Sie kam, um Malfurion Sturmgrimm zu t�ten.�</p><p>Der Drache starrte ihn mit offenem Mund an. Tyrande packte Lucan an der Kehle, doch Broll konnte sie beruhigen.</p><p>�Lasst ihn ausreden, Mylady! Es ist nicht seine Schuld!�</p><p>�Er sagte, dass sie Malfurion t�ten will! Er brachte sie hierher...� Doch Tyrande fasste sich schlie�lich. �Obwohl... es geschah gegen seinen Willen... so viel ist mir klar... Lucan... es tut mir leid.�</p><p>Lucan warf ihr ein nerv�ses L�cheln zu. Es war offensichtlich, dass er die Hohepriesterin mochte.</p><p>Broll brachte ihn auf die eigentliche Sache zur�ck. �Die Orckriegerin! Sie ist hier, um Malfurion zu t�ten... aber warum? Woher wusste sie, wo sie ihn finden w�rde? Hat sie etwas dar�ber gesagt?�</p><p>�Die Visionen... sie redete irgendetwas �ber Visionen... sie sagte, dass... Visionen sie zu mir gef�hrt h�tten... dass sie ihr den Weg hierher St�ck f�r St�ck gezeigt h�tten... die Visionen helfen ihr, ihren Artgenossen zu r�chen und gleichzeitig Azeroth zu retten. Das hat sie mir auch verraten...�</p><p>�Ein orcischer Blutschwur�, murmelte Tyrande. �Den kenne ich gut. Sie wird nicht ruhen, bis sie entweder tot ist oder Erfolg hatte.� Die Hohepriesterin sch�ttelte den Kopf. �Und die Rettung von Azeroth... das ist doch Wahnsinn....�</p><p>�Was auch immer der Fall sein mag, jemand m�chte, dass sie Erfolg hat�, f�gte der Druide hinzu. An Lucan gewandt fragte er: �Doch was noch wichtiger ist... glaubt sie wirklich, dass Malfurion einen ihrer Artgenossen get�tet hat? Orcs meinen damit stets den Tod in der Schlacht.�</p><p>Der Mensch konzentrierte sich. �Sie sagte�� sie sagte, dass er ein feiger M�rder sei. Dass er seinen Freund verriet und ihn t�tete, als der ihm den R�cken zuwandte... glaube ich zumindest.�</p><p>Das war mehr, als Tyrande ertragen konnte. Sie zog die Gleve, was Lucan besorgt einen Schritt zur�ckweichen lie�. �L�gen! Alles L�gen! Eine Gefahr f�r Azeroth? Ha! Was f�r ein Wahnsinn! Und dann auch noch ein Verrat�� Malfurion hat so etwas nie getan! Das w�re auch nur schwerlich m�glich gewesen. Denn die Orcs, mit denen er befreundet ist, kann man an einer Hand abz�hlen!�</p><p>�Sie hat den Namen nur einmal erw�hnt! Bruxigan... Broxigan...�</p><p>�<emphasis>Broxigar</emphasis>?� Die Hohepriesterin taumelte zur�ck. Sie lie� die Gleve fallen. Tr�nen traten ihr in die Augen. �Brox!�, rief Tyrande den anderen zu. �Das war ein Orc, der vor dieser Zeit gelebt hat! Ich habe mich mit ihm angefreundet, als ich noch eine Novizin und er der Gefangene meines Volkes war! Er k�mpfte mit uns gegen die Brennende Legion und Azsharas Diener.� Sie schluckte. �Und er starb im Kampf gegen den Schreckenslord Sargeras h�chstpers�nlich.�</p><p>Der Blick des Druiden sch�rfte sich. �Sie muss ihn meinen.�</p><p>�Doch er war Malfurions <emphasis>Freund!�</emphasis>, fuhr die verzweifelte Hohepriesterin fort. �Sie haben nie gegeneinander gek�mpft. Und Malfurion ehrte ihn mit mir, als es vorbei war! Unser Volk errichtete ihm eine Statue, es ist der einzige Orc, der je diese Auszeichnung von uns erhielt!�</p><p>�Ich erinnere mich daran.� Broll runzelte die Stirn. �Dann wurde sie ausgetrickst... und der Albtraum scheint dahinterzustecken...�</p><p>�Aber aus welchem Grund?�</p><p>�Ist das nicht offensichtlich, Herrin? Weil Malfurion eine Gefahr f�r die Macht ist, die sich dahinter verbirgt... Das gibt uns dann ein wenig Hoffnung, denn es bedeutet, dass Malfurion noch in der Lage sein muss, f�r sich selbst zu k�mpfen...�</p><p>Tyrande zehrte von dieser Hoffnung. Sie trocknete die Augen und sagte: �Dann m�ssen wir zu ihm eilen! Lucan, als Ihr entkommen seid, habt Ihr darauf geachtet, in welche Richtung sie ging? Ich wei�, der Nebel ist �berall, doch da ist diese... Burg...� Die Hohepriesterin wies auf den fernen Umriss. �Kennt Ihr den Weg dahin?�</p><p>Er straffte sich und blickte ein wenig zuversichtlicher. �Ja, ja, Mylady! Es... es ist mein Beruf, Orte und Richtungen zu kennen!� Der Kartograf wies zur Linken. �Hier lang...�</p><p>�Wir k�nnten fliegen�, bot Eranikus an. �Doch ich f�rchte, dass Lucan uns von oben den Weg nicht mehr weisen k�nnte. Der Nebel ist zu dicht, um etwas zu erkennen...�</p><p>Tyrande hatte Lucan bereits am Arm gefasst. �Dann gehen wir jetzt. F�hrt uns!�, befahl sie dem Menschen.</p><p>Nickend trat Lucan einen Schritt vor. Tyrande hielt ihre Gleve bereit. Broll nahm die andere Seite des Mannes ein, und der Drache flog �ber den dreien.</p><p>�Dieser Orc beunruhigt mich�, sagte der Druide. �Ich verstehe nicht, wie er eine Gefahr f�r meinen Shan�do darstellen k�nnte.�</p><p>Der gr�ne Drache l�chelte sp�ttisch auf ihn hinab. �Und damit hast du recht! Ein Orc ist kaum eine Gefahr an einem Ort wie diesem! Selbst wenn er vom Albtraum geleitet wird, ist doch Malfurion Sturmgrimm schlie�lich der oberste Druide! Sein Volk r�hmt seine Taten! Keine weltliche Waffe w�re eine Gefahr f�r ihn...�</p><p>Lucan schluckte. �Sie hat eine Axt.�</p><p>Tyrande blickte ihn an, ihr Gesichtsausdruck war misstrauisch. �Die Orckriegerin hat eine Axt dabei?� Sie drehte sich um und blickte Lucan an. �Beschreibt sie mir!�</p><p>�Es war eine Axt mit zwei Schneiden. Eine Kriegsaxt.�</p><p>�Und wie war sie gemacht? War der Kopf aus Eisen oder Stahl? Sagt es mir!�</p><p>Broll trat auf Tyrande zu, um die Hohepriesterin zu beruhigen. Doch sie wies ihn fort. Atemlos wartete sie auf Lucans Antwort.</p><p>�Weder aus Eisen noch Stahl�, antwortete er schlie�lich. Sein Gesicht verzog sich vor Konzentration. �Ich glaube... sie sah aus, als w�re sie aus <emphasis>Holz</emphasis> gearbeitet...� Der Mensch nickte. �Ja, Holz! Ich habe nie zuvor eine aus Holz gefertigte Axt gesehen! Klingt nicht sehr praktisch, es sei denn, sie ist wirklich scharf, und selbst dann k�nnte sie leicht brechen...�</p><p>�Aus Holz gefertigt�, keuchte die Nachtelfe best�rzt. Sie blickte die anderen an. �Ihr wisst es nicht! Ihr wart nicht dabei, als Cenarius die Axt h�chstpers�nlich f�r Brox angefertigt hat!�</p><p>�Ich habe irgendwann <emphasis>schon mal</emphasis> davon geh�rt�, antwortete Broll. Er sah jetzt genauso besorgt aus wie sie. �Aus Holz gemacht, von einem Halbgott gesegnet... und so m�chtig, dass sie sogar Sargeras verletzen konnte...�</p><p>�Und die Orcfrau jagt Malfurion damit�, f�gte Tyrande hinzu. Die Hohepriesterin blickte in den Nebel, besonders auf das kaum sichtbare Geb�ude... das einzige Geb�ude. �Lucan, seid Ihr ihr wirklich entkommen?�</p><p>�Nein... sie sagte, dass sie mich nicht mehr brauchen w�rde. Sie war ihrem Ziel nahe.�</p><p>�Nahe...� Tyrandes Augen weiteten sich, sie griff die Gleve... und pl�tzlich st�rmte sie in den Nebel.</p></section><section><title><p>14</p><p>Der Albtraum im Innern</p></title><p><emphasis>Nein</emphasis>!, dachte Malfurion. <emphasis>Nein</emphasis>...</p><p>Er hatte geahnt, dass seine geheimen Hoffnungen gef�hrdet sein w�rden, sobald sein Plan endlich Fr�chte trug. Der Albtraumlord hatte ihn verspottet, ihn mit Bildern von Tyrande gefoltert, die verloren im Nebel herumirrte und starb.</p><p>Und schlimmer noch, er drohte ein Teil dessen zu werden, das sich nahe dem Zentrum des Albtraums sammelte und sogar �ber den Nebel hinausreichte, der ihn umgab.</p><p><emphasis>Ich muss mich... mehr anstrengen</emphasis>...</p><p>Er konnte seinen Entf�hrer nicht in der N�he sp�ren, was aber nicht bedeutete, dass er unbeobachtet war. Deshalb musste Malfurion auf subtilere Art vorgehen.</p><p>Mit M�he bewegte er die �ste, die einst seine Arme gewesen waren. Der Nachtelf hatte das schon mehr als einmal getan, wenn er versuchte, seine Schmerzen zu lindern. Der Schmerz blieb, doch der kleine abgeschirmte Teil in ihm hatte etwas anderes vor. Er wollte eine m�gliche Ablenkung schaffen.</p><p>Doch das Wesentliche geschah unter der Oberfl�che. Unten, wo die Wurzeln ihn im Boden verankerten. Eigentlich dienten sie dem Albtraumlord, hielten ihn fest und n�hrten ihn mit den Schrecken, die noch darunter lauerten. Doch sein Entf�hrer war zu selbstsicher, und deshalb entging ihm, dass eine einzelne kleine Wurzel h�chst wichtig f�r Malfurion geworden war.</p><p>Durch Konzentration und Willenskraft hatte der Erzdruide sie unter seine Kontrolle gebracht. Weil das alles so wenig war, wurde es vom Albtraumlord ignoriert. Deshalb nutzte Malfurion jeden Moment aus, um seine Macht zu st�rken, damit die Wurzel schlie�lich tat, was er wollte.</p><p>Und jetzt wollte er, dass sie sich tiefer in den Boden bohrte, tiefer als alle anderen Wurzeln. Malfurion erinnerte sich aller Dinge, die er �ber die Bindung der Druiden an die Natur wusste. Er �berredete die Wurzel zu wachsen, f�hrte sie immer tiefer am Ungeziefer vorbei, das im Dreck w�hlte. Jenes Ungeziefer, das im wahrsten Sinne des Wortes alles untergrub, was einst der Smaragdgr�ne Traum gewesen war.</p><p>Dann, als er tief genug war, musste er der Wurzel eine neue Richtung geben. Vorsichtig, damit der Albtraumlord nichts merkte, konzentrierte der Erzdruide seinen Willen darauf, die Wurzel aus dessen Reichweite heraus und tief in den Nebel hinein zu bewegen.</p><p>Er kam seinem Ziel immer n�her. Er hatte keine andere Wahl, als immer weiterzumachen, selbst wenn das den Schattenbaum schlie�lich doch noch alarmierte. Zeit war ein nebul�ser Begriff an diesem Ort, doch f�r Malfurion lief sie ab. Entweder erreichte er die Freiheit... oder die Verdammnis w�rde ihn holen, und er w�rde willentlich dem Schrecken dienen.</p><p>Zentimeter f�r Zentimeter arbeitete sich der Elf vor. Die Wurzel war nun fast am Ziel.</p><p>Malfurion sp�rte, wie der Schattenbaum sich auf ihn zubewegte.</p><p>Die skelettartigen �ste durchst�berten die Erde vor ihm. Der Albtraumlord redete nicht, was nichts Gutes erahnen lie�. Die Schatten breiteten sich genau in die Richtung aus, in die Malfurion die Wurzel geschickt hatte.</p><p>Tiefes b�ses Gel�chter ber�hrte seine Gedanken. Doch Malfurion unterdr�ckte die Angst vor der Entdeckung.</p><p><emphasis>Diese Narren geben einfach nicht auf</emphasis>..., spottete der Albtraumlord. <emphasis>Selbst wenn ihre Zahl schwindet... und ihre Verluste zum Albtraum kommen</emphasis>...</p><p><emphasis>Sie werden ausharren</emphasis>!, antwortete der Erzdruide und hoffte, jegliche Aufmerksamkeit von seinen eigenen Anstrengungen abzulenken. <emphasis>Der Albtraum wird besiegt werden! Ihr werdet besiegt werden</emphasis>!</p><p><emphasis>Sie wissen noch nicht einmal, was es bedeutet, auszuharren</emphasis>..., entgegnete der Schattenbaum. <emphasis>Sie wissen noch nicht einmal, was es bedeutet, zu planen und zu warten... und zu warten</emphasis>... Das Lachen wurde schrecklicher. <emphasis>Und wir werden f�r unsere Geduld belohnt werden... wir werden Azeroth verschlingen</emphasis>...</p><p>Der Schatten zog sich zur�ck. Malfurion nahm sich seine Worte nicht einen Augenblick lang zu Herzen. Doch der Albtraumlord w�rde ihn auch weiterhin beobachten. Sein d�sterer Feind manipulierte st�ndig zahllose Dinge. Der Erzdruide wusste besser als alle anderen, was geschah, wenn sein Plan nicht funktionierte...</p><p>Die Wurzel erreichte ihr Ziel.</p><p>Alles, was Malfurion jetzt noch tun konnte, war, der Dinge zu harren, die da kommen w�rden... und beten.</p><empty-line/><p>Unf�hig, Tyrande aufzuhalten, war Broll gezwungen, hinter der Hohepriesterin herzulaufen. Er tat es aber nicht als er selbst, sondern verwandelte sich in die gro�e Raubkatze. Der Druide st�rzte sich in den dichten Nebel und benutzte seinen nun empfindlicheren Geruchs- und H�rsinn, um die begrenzte Sicht auszugleichen.</p><p>Er nahm Tyrandes Spur augenblicklich auf. Es stellte sich als leichter heraus als gedacht. Obwohl sie ihre Liebe zu Malfurion �ber ihre eigene Sicherheit gestellt hatte, verga� Tyrande dar�ber die Gefahren nicht, die auf sie lauerten. Broll war sicher, dass ihnen das Schlimmste aus dem Albtraum noch erst begegnen w�rde. Die Hohepriesterin von Elune hinterlie� eine Spur aus monderleuchteten Schritten, die den Weg von den schrecklichen Parasiten reinigte. Broll war bei seinen eigenen Methoden nicht so w�hlerisch. Seine Klauen zermatschten die Kreaturen einfach, w�hrend er weiterlief.</p><p>Nur kurz erblickte er eine Gestalt vor ihm, doch sie folgte nicht genau dem Weg, den Tyrande genommen hatte. Der Druide stie� ein tiefes Knurren aus und wandte sich dann ab, um ein Zusammentreffen zu vermeiden. Broll hatte keine Zeit f�r Konfrontationen...</p><p>Der Boden vor ihm hob sich. Schwarze K�fer str�mten hervor.</p><p>�<emphasis>Vater! Vater!�</emphasis></p><p>Anessa war vor Broll dort. Verzweifelt hielt sie ihre Arme ausgestreckt, ihr Gesicht blickte ihn flehentlich an. Sie war zierlicher als Tyrande und einen Kopf kleiner. Ihre Augen waren voller Unschuld und Unverst�ndnis.</p><p>Broll grub seine Klauen in den Boden und blieb stehen. <emphasis>Ihr seid nicht echt</emphasis>!, dachte er. <emphasis>Ihr seid nicht real</emphasis>! In seinem Geist sah er sie wieder von den Energien eingeh�llt, als die vereinigten Kr�fte des G�tzenbildes und des befleckten D�mons sie verzehrten. So war sie gestorben. Schuld daran waren Azgalors Angriff und sein Versagen. Anessa war <emphasis>tot</emphasis>... tot.</p><p>�<emphasis>Vater! Bitte rettet mich!�</emphasis>, schrie die Vision von Anessa.</p><p>Und trotz des sicheren Wissens, dass dies nicht seine geliebte Tochter war, sp�rte der Druide, wie ihm seine Sinne wieder entglitten. Ein Teil von ihm wollte sie so sehr retten...</p><p>Smaragdgr�ne Ranken zerrten an Anessa. Sie kreischte und versuchte, vor ihnen zu fliehen. Doch sie hielten sie fest.</p><p>Die Katze wich zur�ck und verwandelte sich wieder in den Nachtelfen. <emphasis>So ist sie nicht gestorben</emphasis>...</p><p>Die smaragdgr�nen Ranken wanden sich enger und enger um das M�dchen. Anessas K�rper knackte. Ihr Kopf war in einem schrecklichen Griff gefangen.</p><p>Der Sch�del brach, doch Anessa schrie immer noch um Hilfe. Und aus ihrem Mund�� und aus jedem zerborstenen Teil ihres K�rpers�� str�mten Tausendf��ler, Schaben und andere Aasfresser. Gleichzeitig lief eine tinten�hnliche Substanz aus, die die gr�ne Farbe der Verwesung hatte.</p><p>Vor Brolls erschreckten Augen verschwanden die letzten erkennbaren Spuren seiner Tochter in den Ranken. Alles, was �brig blieb, waren die grotesken Insekten, die aus ihr herausgestr�mt waren. Sie fielen zu Boden und verteilten sich auf dem Dreck, der bereits dort lag.</p><p>�Du�� <emphasis>bist</emphasis>�� echt...�, erklang eine Stimme. Der benommene Broll erkannte erst einen Augenblick sp�ter, dass es nicht seine eigene war. �Anders als deine Tochter, die nur erschaffen wurde, um dich in den Albtraum hineinzuziehen...�</p><p>Eine gro�e Gestalt trat aus dem Nebel vor ihm. Broll wechselte zur B�rengestalt und drohte dem Wesen mit seinen Klauen.</p><p>�Nein, Druide... ich will dir nichts tun...� Es war eins der Urtume.</p><p>Broll fragte: �Knorre?!?�</p><p>Doch schon als er das sagte, erkannte der Druide, dass es nicht stimmte. Die Gestalt �hnelte Knorre zwar, doch sie ging gebeugter, und ihre Sto�z�hne waren l�nger. Die borken�hnliche Haut war gr�nlicher, selbst wenn man die Farbschattierungen der Umgebung bedachte.</p><p>Au�erdem kannte Broll dieses Urtum genauso gut wie Knorre. �Ich erinnere mich an Euch�, sagte der Nachtelf. �Arei...�</p><p>Das Urtum des Krieges verneigte den ausladenden Kopf. Viele seiner Bl�tter, die Teil seines Bartes und der M�hne h�tten sein sollen, waren vertrocknet. Das Urtum wirkte sehr m�de. �Der bin ich...� Sein Blick pr�fte den Druiden. �Und du bist Broll B�renfell.� Arei blinzelte. �Ich vermute, du bist durch ein Portal gekommen... Eschental wahrscheinlich...�</p><p>�Ja.�</p><p>Das riesige Wesen runzelte die Stirn. �Und deinen Worten entnehme ich, dass Knorre es nicht mehr sichert, oder?�</p><p>Schluckend antwortete der Nachtelf: �Knorre wurde... vom Albtraum genommen...�</p><p>Arei stie� ein Ger�usch aus, das klang, als w�rde ein riesiger Baum langsam in zwei H�lften zerbrechen. Broll schauderte, weil der Schrei so durchdringend war. Er konnte Areis immensen Verlust sp�ren.</p><p>�Noch einer gefallen...�, murmelte der gro�e W�chter. �Unsere Zahl schwindet in dem Ma�e, wie der Albtraum w�chst... Wir k�mpfen einen Kampf, den wir nicht gewinnen k�nnen...�</p><p>�Wer ist, wir? Was tut Ihr hier?�</p><p>�Was wir k�nnen.� Das Urtum blickte zur�ck. �Komm... er wird wissen wollen, dass du hier bist...�</p><p>�Von wem redet Ihr?�, fragte Broll. Doch das Urtum war bereits tief in den Nebel eingedrungen.</p><p>Der Druide blieb noch einen Moment lang stehen. Er war hin- und hergerissen. Sollte er Tyrande oder dem Urtum folgen? Doch die Entscheidung wurde ihm abgenommen, weil die Spur der Hohepriesterin nun verschwunden war und Broll bezweifelte, dass er sie selbst in Gestalt einer Katze wieder h�tte aufnehmen k�nnen.</p><p>Es blieb nur noch eine Hoffnung... dass Arei oder dieser andere, von dem er gesprochen hatte, wussten, wo Malfurion Sturmgrimm war. Das w�rde gleichzeitig den Druiden wieder auf Tyrandes Spur bringen. Mit dieser verzweifelten Hoffnung entschied sich Broll, dem Urtum hinterherzujagen... und zu beten, dass er nicht dem Albtraum in eine neue, schreckliche Falle ging.</p><empty-line/><p>Tyrande wusste, dass sie v�llig r�cksichtslos gehandelt hatte, als sie einfach in den Nebel gelaufen war. Doch eine unbeschreibliche Angst um Malfurion hatte sie ergriffen. W�hrend der vielen Jahrtausende, in denen ihre Herzen miteinander verflochten waren, war sie schon mehrere Male vom Tod bedroht gewesen. Doch seit dem ersten Gefecht gegen die D�monen der Brennenden Legion hatte die Hohepriesterin nicht mehr eine so schreckliche Angst um ihn gehabt wie jetzt.</p><p>Brox� Axt hatte es ihr wieder klargemacht. Sie kannte ihre Kraft, kannte ihre riesige St�rke und die m�chtige Magie, die darin steckte. In Brox� H�nden hatte sie gro�e Dinge getan, m�chtige Dinge...</p><p>Und nun waren diese St�rke und Magie gegen Malfurion gewandt worden. Sie konnte nur vermuten, dass dies der neueste schreckliche Scherz des Albtraums auf ihrer beider Kosten war.</p><p><emphasis>Nein! Ihr werdet nicht sterben</emphasis>!, dachte Tyrande fast schon w�tend. <emphasis>Ich werde das nicht zulassen</emphasis>!</p><p>Ihre Wut war nat�rlich unangebracht. Aber sie trieb sie an. Tyrande hatte nur den vagen Umriss der Burg vor Augen, die es hier gar nicht geben sollte. Selbst durch den dichtesten Nebel blieb sie immer noch gut sichtbar. Wieder war sie sich bewusst, dass es eine Falle sein konnte, aber es war ihr einziger Hinweis auf Malfurion.</p><p>Tyrande dachte daran, dass da noch etwas anderes war, das im Nebel auf sie lauerte. Etwas, das sich danach verzehrte, sie zu erwischen. Sie wusste, es war an die Schl�fer gebunden, die zu verletzen Eranikus gef�rchtet hatte, als er ihre Traumgestalten angegriffen hatte. Doch sie sp�rte, dass dieses Etwas tiefer in den Albtraum hinabreichte und finsterer war als selbst diese Gestalten.</p><p>Und was es auch sein mochte, es kam immer n�her und n�her, w�hrend sie weiterging.</p><p>Dagegen schien sie der d�steren Burg keinen Schritt n�her gekommen zu sein. Auch das machte ihr Sorgen. Im Albtraum waren Entfernung und Zeit ohne Bedeutung. Das hatte Malfurion ihr erkl�rt. F�r ihn k�nnte die Gefangenschaft schon Jahrhunderte dauern statt Jahre. Er konnte ganz in der N�he sein, es w�re aber auch m�glich, dass sie mehrere Tage laufen musste, um ihn zu erreichen.</p><p>�Nein!� murmelte sie. �Ich werde ihn finden, und zwar bald!�</p><p><emphasis>Nein... nein... nein</emphasis>..., fl�sterte der Nebel pl�tzlich mit tausend Stimmen. <emphasis>Nein... nein... nein</emphasis>...</p><p>Die Hohepriesterin blickte auf die feuchte, beinahe kaum sichtbare Landschaft und suchte die Fl�sterer. Sie betete zu Elune, und die Gleve leuchtete. Tyrande richtete die Waffe nach links, doch sie erblickte nur weitere wegkrabbelnde Aask�fer.</p><p>Aber jenseits des Lichts...</p><p>Tyrande bewegte sich darauf zu. Doch was auch immer es war, es zog sich mit dem Nebel zur�ck. Doch es war da, nur vage zu erkennen.</p><p>Und es wartete darauf, dass sie einen fatalen Fehltritt tat.</p><p><emphasis>Mutter Mond, f�hrt mich nun... st�rkt meinen Willen</emphasis>..., betete die Nachtelfe.</p><p><emphasis>Willen... Willen</emphasis>... fl�sterte es um sie herum.</p><p>Sie schauderte. Nicht nur ihre Worte erklangen, sondern sogar ihre eigensten Gedanken. War sie denn nirgends sicher?</p><p><emphasis>Nirgends sicher... nirgends sicher... nirgends sicher</emphasis>...</p><p>Tyrande hatte die Antwort. Nichtsdestotrotz dachte sie nicht daran, sich zur�ckzuziehen. Ihr Verlangen, ihre Mission war klar. Sie hatte niemals geglaubt, dass sie sich unbemerkt Malfurion n�hern konnte. Die Hohepriesterin erwartete zu k�mpfen, und es w�rde kein leichter Kampf werden. Wenn der Albtraum also wusste, dass sie da war und was sie wollte, machte es kaum einen Unterschied aus.</p><p>�Ich werde allem entgegentreten, was Ihr mir entgegenwerft�, murmelte sie dem Nebel zu. �Und ich werde Euch besiegen!�</p><p>Es gab kein sp�ttisches Gefl�ster. Aber ob das gut oder schlecht war, konnte Tyrande nicht beurteilen.</p><p>Sie ging weiter. Obwohl das Ungeziefer vor ihr floh, konnte sie erkennen, dass es auch schnell wieder zur�ckkehrte. Au�erdem wurde der Boden immer glitschiger, als eine schwarz-gr�ne Substanz sie wieder daran erinnerte, dass die Innereien der K�fer alles bedeckten. Sie musste ihre Beine davon befreien, was ein irgendwie krankes, klebriges Ger�usch verursachte. Sie kam immer langsamer vorw�rts.</p><p>�Es bedarf schon mehr als das�, sagte sie dem Nebel.</p><p>Ein weibliches Lachen hallte durch das Grau. Es lie� Tyrande mehr fr�steln als alles andere. Sie kannte es, tr�umte davon.</p><p>Es war Azsharas Lachen.</p><p>Doch die K�nigin der Nachtelfen war auf dem Grunde des Sees, wo ihre Stadt und der Brunnen der Ewigkeit einst gelegen hatten... zumindest, soweit Tyrande es wusste. Es war dieser kleine Zweifel, das Wissen, dass sie ja nicht tats�chlich bei Azsharas Tod anwesend gewesen war, was ihr schon seit Jahrhunderten Albtr�ume bescherte. Obwohl die wahnsinnige K�nigin, die von Sargeras versklavt worden war und glaubte, dass sie die zuk�nftige Gemahlin des D�monenlords werden w�rde, sicherlich keine Gelegenheit gehabt hatte, aus Zin-Azshari zu fliehen. Aber vielleicht war es ihr doch irgendwie gelungen.</p><p><emphasis>Das ist also Euer Plan</emphasis>!, dachte sie trotzig zum Nebel. <emphasis>Eine dreiste Wahl und v�llig �bertrieben</emphasis>!</p><p>Um ihren Trotz zu betonen, breitete sie die H�nde aus, als w�rde sie den neuen Angriff erwarten. Doch nichts geschah. Die schreckliche K�nigin materialisierte nicht pl�tzlich vor ihr, es erklang nicht einmal ein weiteres Lachen.</p><p>�Dann spielt Eure Spielchen�, sagte die Hohepriesterin laut. �Ich habe wichtigere Dinge zu erledigen.�</p><p>Erneut schritt sie voran, zertrat das Ungeziefer und k�mpfte sich weiter. Allm�hlich schien die Nachtelfe n�her an die Burg heranzukommen. Tyrande sp�rte teilweise, dass ihre �u�erste Entschlossenheit ihr nun dabei half, Fortschritte zu machen. Der Albtraum gab�� zumindest irgendwie�� ihrem Willen nach. Nichtsdestotrotz traf sie zus�tzliche Vorkehrungen, indem sie ein stummes Gebet zu Elune sandte, dass die Burg nicht pl�tzlich verschwinden oder im letzten Moment zur�ckweichen m�ge.</p><p>Der Geruch nach Verwesung wurde st�rker und der Boden glitschiger. Tyrande h�tte fast schw�ren k�nnen, dass er <emphasis>pulsierte</emphasis>, als wenn etwas Gro�es langsam atmete. Die Hohepriesterin redete sich selbst ein, dass dies nur der Albtraum war, der ihre Entschlossenheit brechen wollte. Doch sie wurde trotzdem vorsichtiger.</p><p>Dann rutschte sie aus. Tyrande konnte nichts dagegen tun. Mit dem Gesicht voran st�rzte sie in den widerlichen Mist. Ein ekelhafter Schleim bedeckte ihre Lippen und brannte auf der Zunge. Sie spuckte ihn schnell aus, er konnte schlie�lich giftig sein.</p><p>Ihre Gleve lag ein St�ck weit entfernt, im Nebel verborgen. Tyrande kam auf die Knie, was anstrengender war, als sie gedacht hatte. Der Boden war so glitschig, dass ihre H�nde kaum Halt finden konnten.</p><p>Ein schabendes Ger�usch richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Gleve.</p><p>Etwas zog die Waffe in den Nebel hinein. Die Gleve rutschte �ber den Boden, mehr und mehr gelangte sie au�er Sichtweite.</p><p>Die Nachtelfe st�rzte ihr nach und landete wieder auf dem Bauch. Nun war nur noch die Spitze zu sehen.</p><p>Sie beruhigte sich, rief das Licht von Elune an und leitete es auf das Schwert zu...</p><p>Etwas glitt hinter Tyrande her. Die Nachtelfe blickte sich sofort um, doch sie konnte nichts erkennen. Schnell richtete sie die Aufmerksamkeit wieder auf die Waffe.</p><p>Sie war fort.</p><p>Azsharas Lachen drang erneut an Tyrandes Ohren.</p><p>Sie versuchte, zur Quelle des d�steren Lachens herumzuwirbeln. Aber Tyrande beschmutzte sich dabei nur noch mehr. Schlie�lich nahm sie wieder bei Elunes Licht Zuflucht und hoffte, dass es den Boden h�rter machen konnte.</p><p>Doch als sie das versuchte, h�rte sie erneut ein Schlittern. Tyrande weigerte sich aufzugeben. Aber sie konnte nicht widerstehen nachzusehen, was auf sie zukam...</p><p>Etwas Muskul�ses, Feuchtes wickelte sich mit der Festigkeit einer Peitsche um ihre Kehle. Tyrande brach den Zauber ab, um das Wesen zu bek�mpfen, das ihr die Luft raubte.</p><p>Es hob die Hohepriesterin mehr als einen halben Meter vom Boden an. Zur gleichen Zeit wurde das Gleiten lauter.</p><p>Und wieder ert�nte das vertraute Gel�chter.</p><p>�Was f�r ein sch�nes, s��es Wesen du doch bist! Das hatte ich glatt vergessen!�</p><p>Tyrande, die immer noch um Atem k�mpfte, wandte sich nach rechts.</p><p>Ein monstr�ses, blaugr�nes Gesicht grinste sie anz�glich an. Es war elfengleich und doch auch ein wenig einem riesigen Fisch �hnlich. Finnen�hnliche Ans�tze standen nicht nur vom Kopf ab, sondern liefen gleicherma�en den geschuppten R�cken hinunter. Die Schuppen bedeckten auch das Gesicht und verliefen �ber die Brust.</p><p>Die H�nde waren mit Schwimmh�uten �berzogen und endeten in Klauen. Dadurch glichen sie denen eines J�gers im Meer. Dennoch waren sie den Nachtelfen �hnlicher als der untere Teil des K�rpers, der eher wie eine Mischung aus Schlange und Aal wirkte.</p><p>Der �bertrieben lange, stachelige <emphasis>Schwanz</emphasis> am Ende des Torsos versuchte mit wachsendem Erfolg, Tyrande zu erdrosseln.</p><p>�So sch�n�, s�uselte Azshara.</p><p>Obwohl sie den Kampf um die Luft zu verlieren drohte, starrte Tyrande mit geweiteten Augen auf die Kreatur. Es war die K�nigin und dann auch wieder nicht. Azsharas Gesichtsz�ge lagen ganz eindeutig auf dem geschuppten Gesicht. Doch die Augen waren feurige rote Kugeln, die sich in den Geist der Hohepriesterin brennen wollten.</p><p>Und um sie herum n�herten sich andere glitschige Gestalten. Die weiblichen hatten �hnlichkeit mit den Nachtelfen, doch die m�nnlichen wirkten primitiver und wilder. Ihre Gesichter waren wie von einem fleischfressenden Fisch, und ihre gierigen roten Augen zeigten, dass sie dem Genuss von Fleisch nicht abgeneigt waren.</p><p>Wenn dieses Monster wirklich Azshara war, dann konnten diese Kreaturen nur die Hochgeborenen sein. Sie geh�rten zu der Kaste treuer Diener, die sich der K�nigin in ihrem Wahn angeschlossen hatten. Nichts anderes hatte f�r sie existiert, als Azsharas Ruhm zu dienen, selbst wenn Tausende anderer Elfen dabei starben.</p><p>Nun... dienten sie ihr immer noch. Nun waren sie, wie Azshara, zu einem Schrecken geworden, den Tyrande kannte. Die Schlangengestalt war unverwechselbar.</p><p>Es waren die <emphasis>Naga</emphasis>. Die scheu�lichen Bewohner der Meere.</p><p>�Einst bot ich dir einen Platz an meinem Hofe an�, murmelte die K�nigin freundlich, als sie mit ihrem Schwanz Tyrande so nah zu sich heranzog, dass ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Extremer Gestank ging von Azshara aus... ein Gestank, der an eine Leiche erinnerte, die seit Tagen im Wasser gelegen hatte. �Solch eine feine Kammerzofe h�ttest du abgegeben...�</p><p>Tyrande versuchte, Elune anzurufen. Doch das Licht, das sie bereits wirkte, wurde nur noch blasser. Als es schw�cher wurde, kamen die Naga n�her, begieriger. Sie umzingelten sie...</p><p>�Und dienen sollst du mir immer noch...�, sagte die K�nigin und grinste mit gebleckten Rei�z�hnen.</p><p>Die Beine der Nachtelfe klatschten zusammen. So sehr sie es auch versuchte, die halb ohnm�chtige Tyrande konnte sich nicht l�sen. Sie sp�rte, wie ihre Beine f�rmlich <emphasis>zusammenschmolzen</emphasis>.</p><p>Azshara verwandelte sie in eine Naga.</p><p>Tyrande zog fester an dem Ring um ihren Hals. Sie war kaum noch bei Bewusstsein. Das Denken fiel ihr schwer.</p><p>Doch mit dem letzten bisschen Bewusstsein erf�llte Malfurions Gesicht ihre Gedanken. Er sagte nichts, blickte sie nur aufmunternd an.</p><p>Das regte die Hohepriesterin zu einem weiteren Versuch an, ihre Herrin anzurufen. Obwohl Tyrande nicht sprechen konnte, bildeten ihre Lippen Elunes Namen.</p><p>Das silberne Leuchten von Mutter Mond erf�llte sie.</p><p>Sie verlor das Bewusstsein.</p><p>Azshara�� alle Naga�� waren nirgendwo mehr zu sehen. Tyrande lag bewegungslos auf dem glitschigen Boden, die Aask�fer krochen langsam �ber ihren K�rper. Der Nebel verdichtete sich um die Hohepriesterin.</p><p>Doch Tyrande bewegte sich immer noch nicht. Sie lag dort, mit den H�nden an der Kehle...<emphasis>um</emphasis> ihre Kehle.</p><p>Als wollte sie sich selbst erw�rgen.</p></section><section><title><p>15</p><p>Die Verteidigung des Traums</p></title><p>Den m�chtigen Mauern von Orgrimmar mangelte es an der �Kultiviertheit� von Sturmwind, ihre schroffe Majest�t war dennoch un�bersehbar. Gro�, mit schweren Wacht�rmen, die das umgebende Land �berblickten, waren sie eine Warnung an jedermann, der t�richt genug war, angreifen zu wollen. Sie prophezeiten einen hohen Blutzoll.</p><p>Ernst blickende Posten patrouillierten auf den inneren Wehrg�ngen, unter ihnen eine Anzahl von Dunkelspeertrollen und selbst untote Verlassene.</p><p>Den Menschen w�re Orgrimmar wie ein barbarischer Ort erschienen mit seiner Bev�lkerung, die auf kleine T�ler verteilt war, statt in Vierteln zu leben, und seinen dorf�hnlichen Bauten, die besser zur nomadischen Vergangenheit der Orcs passten. Dennoch war Orgrimmar ein genauso wichtiges Zentrum f�r die Gemeinschaft der Orcs wie es die Hauptstadt von Sturmwind f�r ihre Bewohner war. Tausende lebten hier, handelten, lernten, bereiteten sich auf den Krieg vor...</p><p>Am Fu� des Berges, nahe dem Tal von Durotar gelegen, war Orgrimmar das Symbol des Kampfes ihres gro�en Befreiers Thrall, der seinen Anh�ngern ein richtiges Zuhause geschenkt hatte. W�hrend Thrall das Tal nach seinem ermordeten Vater benannt hatte, ging der Name der Stadt selbst auf jenen Kriegsh�uptling zur�ck, der dem entflohenen Sklaven und Gladiator Schutz geboten und der Thrall sp�ter zu seinem Nachfolger ernannt hatte.</p><p>Thrall regierte von der Feste Grommash aus, die sich im Tal der Weisheit erhob, einem zentralen Bereich der Hauptstadt. Grommash war mit jedem Zoll wilde Sch�nheit.</p><p>Die Feste bestand aus gro�en runden Geb�uden, die von scharfen Spitzen gekr�nt wurden. Es gab runde Eing�nge und zahlreiche Dekorationsst�cke an den grauen Steinw�nden, die wichtige Siege des Kriegsh�uptlings und der Horde zeigten. Darunter befanden sich furchterregende mumifizierte K�pfe von Kreaturen, die von der Brennenden Legion eingesetzt worden waren, Waffen und R�stungen, die von den D�monen selbst stammten, und sogar R�stungen und Banner eines anderen Feindes�� der Allianz. Dass die inzwischen zu den Verb�ndeten geh�rte, machte f�r die Orcs keinen Unterschied�� es waren Siege gewesen, und so wurden sie auch geehrt und zur Schau gestellt.</p><p>Doch an glorreiche Siege dachten die Orcwachen und der Schamane zurzeit nicht, die sich im Heim des Kriegsh�uptlings versammelt hatten. Die Krieger beobachteten �ngstlich, wie der Schamane Kreise �ber der liegenden Gestalt in die Luft malte. Sie ruhte in dem grob gearbeiteten Eichenbett, die Felle wilder Tiere dienten als Decken. Jedes Mal, wenn der Schamane seine Hand wegzog, beugten sich die Krieger erwartungsvoll vor... aber nur, um sich kurz darauf wieder entt�uscht zur�ckzulehnen.</p><p>Die Gestalt im Bett schlug pl�tzlich um sich und murmelte etwas. Ihre H�nde wischten durch die leere Luft. Dann bewegte sie den Arm, als f�hre sie eine Axt.</p><p>Diese Bewegung ermutigte die Zuschauer nicht gerade. Sie hatten sie schon viele Male gesehen. Thrall war dem Erwachen nicht n�her als beim letzten Versuch des Schamanen.</p><p>�Er hat immer noch diese schrecklichen Tr�ume�, meinte der grauhaarige Schamane. �Sie plagen ihn immer wieder, und <emphasis>nichts</emphasis>, was ich tue, kann sie durchdringen...� Der alte Orc, dessen Haare silberwei� waren, blickte durch tief liegende Augen auf den Dolch, der auf einem runden h�lzernen Tisch in der N�he lag. Er hatte ihn zuvor benutzt, um den schlafenden H�uptling zu piksen, in der Hoffnung, dass ein pl�tzlicher scharfer Schmerz den Albtraum zu durchbrechen vermochte.</p><p>Das war ebenfalls schiefgegangen.</p><p>�Legen wir ihn zu den anderen?�, fragte eine der Wachen z�gernd. Der andere Wachtposten schlug ihm augenblicklich kr�ftig vor den Kopf. Wache Nummer eins blickte die zweite an, und wenn nicht der runzelige Schamane sich zwischen sie geworfen h�tte, w�re ein Kampf ausgebrochen.</p><p>�Sch�mt euch, alle beide! Der gro�e Thrall liegt hier verzaubert, und ihr bek�mpft euch! W�rde er das wollen?�</p><p>Die beiden gema�regelten Krieger sch�ttelten die K�pfe. Obwohl sie doppelt so schwer waren wie der in B�renfell gekleidete Schamane, f�rchteten sie seine Macht. Er war der talentierteste Schamane in Orgrimmar. Eigentlich geb�hrte dieser Titel Thrall selbst. Aber der alte Schamane war zumindest immer noch <emphasis>wach</emphasis>. Deshalb war er derzeit die beste Wahl.</p><p>Doch diese Hoffnung schwand allm�hlich.</p><p>Von der anderen Seite der Kammer her ert�nte ein klagendes Geheul. Wie ein Mann wandten sich die Orcs um und blickten die gro�e wei�e W�lfin an, die am Fenster bellte. Das Tier war so gro�, dass jeder der Krieger darauf h�tte reiten k�nnen, als w�re es ein Pferd. Tats�chlich benutzte der Kriegsh�uptling seinen loyalsten Untertanen genau zu diesem Zweck. Die beiden waren legend�re Partner im Kampf. Die W�lfin hatte freien Zugang zum Geb�ude, und keine Wache beklagte sich je dar�ber.</p><p>Das schwere Tier stie� ein weiteres Heulen aus. Das Ger�usch ersch�tterte die Krieger und den Schamanen mehr als alles andere seit der Entdeckung von Thralls Zustand.</p><p>�Still, Schneesturm�, murmelte der Schamane. �Dein Jagdbruder wird bald befreit werden...�</p><p>Doch die W�lfin versuchte, aus dem Fenster zu klettern. Obwohl die Fenster�ffnungen nicht gerade klein waren, reichten sie f�r den riesigen J�ger nicht aus. Mit einem frustrierten Knurren wandte sich Schneesturm um und sprang auf die geschlossene T�r zu.</p><p>Die Augen des Schamanen weiteten sich. ��ffnet sie! Schnell!�</p><p>Eine der Wachen gehorchte eiligst. Kaum hatte er die T�r aufgerissen, da donnerte Schneesturm in ihn hinein. Wie ein loses Blatt, das von einem wilden Sturm getroffen wurde, flog der kr�ftige Orc zur�ck und krachte schlie�lich gegen die Wand. Die W�lfin rannte unbeeindruckt weiter.</p><p>�Folgt ihr!�, befahl der �ltliche Schamane. �Sie wittert etwas...�</p><p>Verfolgt von den Orcs raste die W�lfin durch die Burg. Sie blieb an zwei Fenstern stehen, die jedoch auch nicht gro� genug waren. Schlie�lich jagte sie auf die gro�en Tore am Vordereingang zu.</p><p>Die Wachen dort versteiften sich bei dem erstaunlichen Anblick, der auf sie zurannte. Bevor der Schamane ihnen etwas zurufen konnte, war einer schlau genug, eine der T�ren aufzudr�cken. Wenn die W�lfin mit einem derartigen Tempo auf die Au�entore zust�rmte, dann, so hatte die Wache angenommen, drohte Gefahr.</p><p>Schneesturm lief hinaus. Der W�lfin blieb kurz stehen, bestimmte die Richtung neu und rannte dann auf die Stadtmauern von Orgrimmar zu.</p><p>Obwohl er weit �lter als seine Begleiter war, �berraschte der Schamane sie, indem er schneller war. Mit geschmeidigen Bewegungen, die denen der W�lfin �hnelten, hielt er fast mit Schneesturm Schritt. Es gab andere Methoden, mit deren Hilfe er sich noch schneller h�tte bewegen k�nnen. Doch eine angeborene Vorsicht hielt ihn zur�ck.</p><p>Trolle und Orcs, die allesamt ihren Gesch�ften nachgingen, sprangen Schneesturm aus dem Weg. Die meisten zogen gleich ihre Waffen. Orgrimmar stand unter Hochalarm, und die Eile der W�lfin schien vielen wie ein Zeichen, dass die Zeit zum K�mpfen gekommen war.</p><p>Der Schamane blickte sich um. Trotz ihrer gro�en Zahl waren weit weniger Verteidiger in Orgrimmar anwesend, als es h�tten sein sollen. Und als sie sich der Mauer n�herten, erkannte er, dass der Nebel weiter in die Hauptstadt vorgedrungen war. Es war fast unm�glich, die Wachen oben auf der Mauerkrone zu erkennen.</p><p>Nicht zum ersten Mal w�nschte sich der alte Orc, dass nicht ausgerechnet die erfahrensten K�mpfer und Schamanen zu den Ersten geh�rt hatten, die wie Thrall nicht mehr aufwachten.</p><p>Schneesturm rannte nicht den ganzen Weg die Stufen zum Wachturm nach oben hinauf. Stattdessen fand die wei�e W�lfin Halt auf einer Leiter zu einer der niedrigeren Ebenen. Dort suchte sich das schlaue Tier selbstst�ndig den Weg, bis es schlie�lich die Spitze der Mauer erreicht hatte.</p><p>Das frostige Fell der W�lfin fiel selbst in dem dichten smaragdgr�nen Nebel auf. Der Schamane kletterte hinter dem Tier her. Dabei bemerkte er, dass eine der Wachen sich nicht mehr r�hrte.</p><p>�Was qu�lt dich?�, wollte der Orc wissen. Als der Wachtposten nicht antwortete, ber�hrte der Schamane ihn am Arm.</p><p>Erst dann fiel der Kopf des Orcs zur Seite.</p><p>Der Schamane dachte zuerst, dass der Krieger tot war. Doch als er eine Hand auf seine Brust legte, stellte er fest, dass sein Herz noch schlug. Er blickte ihm ins Gesicht und erkannte, dass die Augen geschlossen waren.</p><p>Obwohl er stand, <emphasis>schlief der</emphasis> W�chter.</p><p>Der Schamane blickte zum n�chsten... und sah dasselbe.</p><p>Einige der Wachen, die ihm gefolgt waren, erreichten die Mauerkrone. Sie starrten mit Erstaunen auf ihre Kameraden.</p><p>�Schick eine Nachricht!�, befahl der �ltere Orc. �Such ein paar Krieger, die die Mauer besch�tzen...�</p><p>Schneesturm heulte wieder klagend. Die W�lfin stand auf den Hinterbeinen, ihre Vorderpfoten waren auf die Mauerkrone gest�tzt, sodass sie �ber Orgrimmar hinaussehen konnte.</p><p>Die Orcs blickten in dieselbe Richtung, in die Schneesturm schaute.</p><p>Im Nebel bewegten sich Gestalten. Es waren Hunderte oder mehr.</p><p>Eine der Wachen nahm ein Horn, das an einem h�lzernen Aufh�nger an der Innenseite der Mauer hing. Doch bevor der Orc es an den Mund heben konnte, erstarrte er, genauso wie der Schamane und die anderen.</p><p>Die Gestalten waren an den Rand des Nebels getreten.</p><p>Es waren Orcs.</p><p>�Grago�, grunzte ein Krieger �berrascht. �Mein Bruder schl�ft... doch ich sehe ihn dort drau�en...�</p><p>�Hidra... meine Gef�hrtin marschiert mit ihnen!�, keuchte ein anderer.</p><p>�Das ist ein Trick!�, meinte ein weiterer. �Magier-Tricks! Die Allianz...�</p><p>�Es ist nicht die Allianz�, stellte der Schamane schlicht fest. Er beugte sich vor. �Es sind die Schlafenden... <emphasis>alle</emphasis> von ihnen...�</p><p>Als er das sagte, schien sich seine Angst zu erf�llen. Thrall stand pl�tzlich dort, doch es war ein Thrall, der eine groteske Parodie des Kriegsh�uptlings war. Seine Haut hing an ihm herab, als w�rde sie verwesen, und die Knochen schauten hervor. Seine Augen leuchteten rot... dasselbe Rot, wie die befleckten D�monen es trugen.</p><p><emphasis>Jeder</emphasis> der schattenhaften Orcs hatte solche Augen.</p><p>�Ein Trick!�, raunte der Krieger �ngstlich. �Sie halten uns zum Narren! Illusionen! Ich sage immer noch, dass die Allianz dahintersteckt!�</p><p>Der Schamane sagte nichts, studierte die Gestalt Thralls so genau, wie er es wagte. Er versuchte, nicht den d�steren Blick zu treffen... doch schlie�lich konnte er nicht anders.</p><p>Eine gro�e dunkle Leere mit einem unangenehmen gr�nen Farbton schien sich vor ihm zu �ffnen. Nur mit M�he schaffte es der Schamane, seine Augen davon zu l�sen.</p><p>Doch in diesem kurzen Moment hatten sich seine schlimmsten �ngste bewahrheitet.</p><p>Es <emphasis>war</emphasis> Thrall... oder zumindest einige Essenz von ihm.</p><p>Dem alten Orc war in dem kurzen schrecklichen Moment des Kontakts etwas klar geworden. Diese albtraumhaften Versionen der Schl�fer warteten auf ein Signal. Wenn das Signal kam, w�rde die b�se Macht, die diese Schatten repr�sentierten, �ber Orgrimmar herfallen. Nicht in einem wahren physischen Kampf nat�rlich. Die gro�en Legionen der Kreaturen, die wie die Blutsverwandten der Verteidiger aussahen, dienten nur dazu, sie zu �ngstigen. Wenn die Dunkelheit zuschlug... w�rde es jeden Krieger dort erwischen, wo er sich am wenigsten verteidigen konnte.</p><p>In der Seele.</p><p>Dass der Angriff noch nicht geschehen war, gab dem Schamanen nicht viel Hoffnung. Das Signal�� was immer es auch sein w�rde�� stand kurz bevor. Sehr kurz bevor.</p><p>�Wir m�ssen die anderen alarmieren...�, sagte der Schamane, als er von der Wand zur�cktrat. �Wir m�ssen uns alle bereit machen, jung und alt...�</p><p>Doch was er nicht sagte, als er sich zum Gehen umwandte, war, dass es gegen solch einen Feind, der wahrscheinlich nicht von einer Axt gef�llt werden konnte, nur sehr wenig gab, was die Verteidiger von Orgrimmar anderes tun konnten, als zu <emphasis>sterben</emphasis>.</p><p/><empty-line/><p>Broll dachte, dass er Arei verloren hatte. Doch dann kehrte das Urtum zu ihm zur�ck.</p><p>�Bleib in der N�he. Wir sind sehr nah dran. Er wei�, dass wir kommen.�</p><p>�Er?�</p><p>Bevor das Urtum etwas antworten konnte, umgab sie pl�tzlich eine noch dichtere smaragdgr�n gef�rbte Finsternis.</p><p>Stimmen drangen in Brolls Hirn. Ein Schauder erfasste sein Herz. Es war, als w�rde ihm die Haut bei lebendigem Leib vom K�rper gerissen. Und unter den Stimmen erklangen die Schreie seiner Tochter. Der Druide wurde in einen Abgrund gezerrt, H�nde rissen verzweifelt an ihm und zogen ihn immer tiefer hinein... tiefer und tiefer...</p><p><emphasis>Hinfort mit euch</emphasis>!, befahl eine neue, sehr lebhafte Stimme, die dem Nachtelfen Halt gab. Das Stimmengewirr verschwand. Die H�nde verschwanden. Der Schauder in seinem Herzen verging...</p><p>Die Dunkelheit legte sich wieder �ber den immer noch bedrohlichen Nebel. Broll bemerkte, dass er keuchend auf den Knien lag. Eine Hand hatte er an die Brust gepresst.</p><p>Ein sanftes Licht umgab den Druiden. Broll hob den Blick.</p><p>�Remulos?�, stie� er hervor.</p><p>Doch obwohl die leuchtende Gestalt dem W�chter der Mondlichtung �hnlich sah, erkannte Broll schnell, dass er es nicht war. Anders als er oder das Urtum war dieses Wesen nicht von fester Gestalt.</p><p>Der Nachtelf schluckte schwer, als er schlie�lich erkannte, wer dort vor ihm stand�� nein, <emphasis>schwebte</emphasis>.</p><p>Der Grund f�r die �hnlichkeit zu Remulos war offensichtlich, es war der Bruder des Halbgottes... Zaetar.</p><p>Doch Zaetar war tot.</p><p>Broll sprang auf. Zaetar hatte sich in Theradras verliebt, einen weiblichen Erdelementar. Mit ihr, so die Legende, hatte er den ersten Zentauren gezeugt. Doch Zaetars gewaltt�tige Kinder hatten ihm ihre Existenz wenig gedankt und den H�ter des Waldlandes get�tet. Die Legende besagte, dass Theradras, von Gram zerfressen, ihn nicht gehen lassen konnte und deshalb seine �berreste versteckt hatte.</p><p><emphasis>Bleib ganz ruhig</emphasis>!, sagte der Riese, der ebenfalls ein Geweih trug. Sein Mund bewegte sich nicht, doch Broll verstand die Worte klar und deutlich. <emphasis>Deine Sorge ist verst�ndlich, doch die Wahrheit hat sich ge�ndert</emphasis>...</p><p>Zaetar war von gr�nerer Farbe als sein noch lebender j�ngerer Bruder, was selbst in dieser Umgebung und trotz der Tatsache, dass er nicht aus Fleisch bestand, offensichtlich war. Ansonsten waren die beiden titanischen Gestalten ganz eindeutig die S�hne des Cenarius. Zaetars Gesicht war ein wenig l�nger, und darin lag eine stete Traurigkeit�� wenig verwunderlich angesichts seiner derzeitigen Lage.</p><p>Der Druide blickte Arei an, der ihm zunickte. Das Urtum des Krieges schien hagerer zu sein al s kurz vor dem Angriff auf Broll, weshalb der Nachtelf sich fragte, ob Arei ebenfalls gelitten hatte.</p><p><emphasis>Ihr wurdet beide vom Albtraum ber�hrt, obwohl Arei besser darauf vorbereitet war</emphasis>, sagte Zaetar. Offensichtlich hatte er Brolls Gedanken gelesen. Broll wurde noch vorsichtiger...</p><p><emphasis>Wir sind Verb�ndete, Broll B�renfell</emphasis>, erkl�rte der Geist und zeigte dem Nachtelf die offenen Handfl�chen. Als er �sprach�, schien Zaetars Gestalt zu wabern, als w�re sie ein Teil des Nebels.</p><p>�Er hat uns durch diese Pr�fung gef�hrt�, f�gte Arei hinzu, �und er ist einer der Gr�nde, warum wir noch leben...�</p><p><emphasis>Obwohl es fraglich ist, ob wir noch l�nger als die paar Wochen durchhalten k�nnen, die wir haben</emphasis>...</p><p>�Ein paar Wochen?�, platzte Broll heraus. �Ihr k�mpft hier schon seit ein paar Wochen?�</p><p>Der Gesichtsausdruck des Geistes verfinsterte sich. Er blickte weg.</p><p>�Als wir hier eintrafen, hatten Zaetar und seine Kampfgef�hrten geglaubt, sie w�ren schon l�nger als ein Jahr hier. Dabei waren doch nur ein paar Wochen verstrichen�, antwortete das Urtum des Krieges. Es runzelte die raue Stirn. �Was f�r ein Tag war, als du hier eingetreten bist, Broll B�renfell?�</p><p>Der Nachtelf sagte es ihm.</p><p>Areis Schock war offensichtlich. �Nur elf Tage? Ich war mir sicher, dass wir schon eine ganze Jahreszeit lang hier sind...�</p><p><emphasis>Der Albtraum verdreht die Zeit auch an diesem Ort</emphasis>, sagte Zaetar w�tend. <emphasis>Alles hier ist bedeutungslos, mit Ausnahme des Kampfes</emphasis>...</p><p>�Ihr habt von anderen berichtet, die ebenfalls gegen den Albtraum k�mpften�, sagte Broll und �berlegte, ob nicht zumindest einer von ihnen Tyrande gefunden haben konnte. �Ich hoffe, dass sie mir bei der Suche nach meiner Begleiterin helfen k�nnen! Wo sind sie?�</p><p>Jetzt machte der Geist ein grimmiges Gesicht. Er wies in den dunklen Nebel hinein. <emphasis>Druide, sie sind um uns herum</emphasis>...</p><p>Als Zaetar das sagte, schien seine Hand den verderbten Nebel um sie herum zur�ckzudr�ngen. Die Luft kl�rte sich zwar nicht gerade, doch Broll konnte nun ein wenig in die Ferne blicken.</p><p>Und was er sah, schockierte ihn.</p><p>Die anderen standen allein oder in kleinen Gruppen. Sie waren so weit verteilt, wie er durch den Nebel blicken konnte, und er hatte keinen Zweifel daran, dass weiter drau�en noch weitere waren. Es waren Druiden, Urtume des Krieges, Dryaden und einige andere Wesen mit Bindungen an Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum. Einige waren von fester Gestalt, andere existierten in ihrer Traumgestalt. Ein paar waren wie Zaetar.</p><p>Broll erkannte einige der Traumgestalten, und der Schrecken �berw�ltigte ihn beinahe. Es waren Druiden, die auf Azeroth schon lange als verschollen galten. Ihre K�rper brauchten dringend Nahrung und Wasser. Einige waren schon seit Monaten tot, doch ihre Traumgestalt schien nicht zu erkennen, dass es f�r sie keine R�ckkehr mehr gab.</p><p>Vielleicht war es ihnen doch bewusst, denn viele von ihnen k�mpften in den vordersten Reihen und wagten viel, um den Albtraum aufzuhalten.</p><p>Der Albtraum selbst kam in Gestalt derselben gr�sslichen Finsternis, die Broll erst k�rzlich �berw�ltigt hatte. Sie �hnelte am ehesten einer heimt�ckischen Wolke oder vielleicht einem riesigen Schwarm von schwarzen Ameisen. Der Albtraum bewegte sich vor und zur�ck, waberte, und wo immer ein Gegner wankte, dr�ngte er mit offensichtlichem Eifer vorw�rts. Lange Ranken schossen weit an Zaetars Kameraden vorbei wie als Beweis, dass all ihre Anstrengungen nicht ausreichten, den Albtraum zu besiegen.</p><p>Die Verteidiger bek�mpften ihn mit einer gro�en Zahl von unterschiedlichen Zaubern, der einzigen echten Verteidigungsm�glichkeit gegen einen derartigen Gegner. Weil die meisten der magiebegabten Wesen Druiden waren, k�mpften sie, wie es bei ihnen �blich war. Riesige B�ren standen Seite an Seite neben geschmeidigen Raubkatzen. Jeder Biss, jeder Schlag mit den Klauen wurde von m�chtigen Blitzen begleitet. So konnten sie zwar die Finsternis unter Kontrolle halten. Doch Broll wurde das Gef�hl nicht los, dass sie den Albtraum nicht wirklich <emphasis>verletzten</emphasis>.</p><p>�ber ihnen n�herte sich eine Sturmkr�he dem Albtraum. Es zeugte von einiger Verzweiflung, dass die Druiden selbst in Traumgestalt in ihre Tierk�rper wechseln mussten, um f�r den Kampf gewappnet zu sein. Der Smaragdgr�ne Traum war stets ein Ort gewesen, an dem die Druiden keine Fesseln gekannt hatten. Doch das hatte sich nun ge�ndert.</p><p>Andere Druiden behielten ihre eigentliche Gestalt bei. Sie versuchten, den Traum gegen den Albtraum einzusetzen. Unter der Leitung einiger von Brolls Br�dern schoss pl�tzlich saftig gr�nes Gras in die H�he, dessen Halme gr��er als die B�ume waren. Und als w�rde ein m�chtiger Windhauch wehen, <emphasis>zerschnitten</emphasis> sie die herannahenden Schatten f�rmlich, die augenblicklich zerfielen.</p><p>Dann ert�nte der Schrei eines Vogels. Die Sturmkr�he in Traumgestalt hatte sich so sehr auf den Kampf konzentriert, dass ihr einige Ranken, die sie selbst vom Albtraum abgetrennt hatte, entgangen waren. Jetzt hatten ein paar dieser losen Enden ihre Fl�gel gefesselt.</p><p>Als die Kr�he auf die d�stere Masse des Albtraums zust�rzte, regte sich Zaetars Geist, um ihr zu helfen. Mit der Kraft seiner Gedanken n�herte er sich dem angeschlagenen Druiden.</p><p>Doch noch bevor Zaetar etwas ausrichten konnte, schoss etwas D�steres, das dem Kopf eines gewaltigen Drachen glich, aus dem Albtraum heraus und verschlang die Sturmkr�he in einem St�ck. Mit Schrecken sahen die Verteidiger, wie der Vogel durch die �Kehle� des dunstigen Feinds hindurchglitt. Verzweifelt versuchte der Druide, wieder seine normale Gestalt anzunehmen. Doch weil er noch in seiner Traumgestalt war, konnte er das monstr�se Gef�ngnis nicht durchbrechen.</p><p>Der Kopf verschwand wieder im Albtraum.</p><p>Die Druiden und ihre Verb�ndeten setzten die normalen Angriffe fort. Doch Broll konnte sp�ren, wie die Moral seiner Gef�hrten sank. Dies war wohl nicht der erste Verlust dieser Art und w�rde sicherlich auch nicht der letzte gewesen sein.</p><p><emphasis>Einst waren wir mehr als doppelt so viele</emphasis>, sagte der Geist traurig zu ihm. Zaetar ballte die H�nde zu F�usten. <emphasis>Doch auf die eine oder andere Art wurden sie uns genommen... und jetzt sind sie alle korrumpiert und dienen ihm</emphasis>...</p><p>�Lethon...�, murmelte der Nachtelf. Der Schatten hatte ihn an den verderbten gr�nen Drachen erinnert.</p><p><emphasis>Es gibt selbst Schlimmeres als Drachen. Doch Lethon und Smariss haben dem Albtraum stets gut gedient</emphasis>.</p><p>Broll hatte genug gesehen... oder zu viel. �Ich muss Tyrande finden. Sie wollte Malfurion suchen! Hier l�uft ein Orc herum, und der hat eine Waffe dabei, die Malfurion t�ten k�nnte...�</p><p><emphasis>Ich habe den anderen bereits Bescheid gegeben, dass sie nach ihr Ausschau halten sollen</emphasis>, antwortete der flackernde Zaetar. Offensichtlich konnte er Brolls Gedanken lesen. <emphasis>Keiner von ihnen hat etwas gesehen</emphasis>.</p><p>�Sie wollte etwas untersuchen, das sie f�r eine Burg hielt.�</p><p><emphasis>So etwas gibt es hier nicht</emphasis>.</p><p>�Ich habe sie selbst gesehen! Ich folgte ihr...� Broll blickte zu Arei, doch das Urtum sch�ttelte das gewaltige Haupt. �Wir haben sie gesehen...�</p><p>Der Nebel legte sich erneut um sie. Einer nach dem anderen verschwanden die fernen Verteidiger aus der Sicht des besorgten Nachtelfen. Irgendwo dort drau�en waren sein Shan�do und die Hohepriesterin.</p><p>Und ein m�rderischer Orc.</p><p>Zaetar wirkte verst�rt. <emphasis>Ich wei�, was du vorhast... es ist n�rrisch! Du spielst nur dem Albtraum in die H�nde</emphasis>.</p><p>�Wenn das geschehen soll, geschieht es sowieso auf die eine oder andere Weise�, erwiderte Broll zischend. Er dachte angestrengt nach. �Wo wirkt der Albtraum am schlimmsten?�</p><p>Resigniert wies der Geist weit nach links. Der Nebel wurde gerade so licht, dass Broll H�gel in der smaragdgr�nen Finsternis erkennen konnte. <emphasis>Das ist nur ein Hauch dessen, was sich drinnen befindet. Bleib hier und k�mpfe mit uns, Broll B�renfell</emphasis>...</p><p>Als Antwort nahm der Druide seine Raubkatzengestalt an und rannte auf das Ziel zu. Arei wollte ihm folgen, doch Zaetar sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Lass ihn seine Suche beenden. Vielleicht hat er ja Erfolg und befreit Malfurion Sturmgrimm</emphasis>.</p><p>�Ist das m�glich?�, fragte das Urtum.</p><p>Der Geist wandte sich wieder dem Kampf zu. Obwohl er weit von der Front entfernt war, griff er mit seinen Kr�ften doch das stetig wachsende B�se an. <emphasis>Nein... aber genauso, wie wir bereits zum Versagen verdammt sind und dennoch k�mpfen... so werden auch Broll B�renfell und Malfurion Sturmgrimms Freundin weiter nach ihm suchen. Selbst wenn der Albtraum sie am Ende alle verzehren wird</emphasis>...</p><p/><empty-line/><p>Sie war fast am Ziel. Thura konnte ihre Beute regelrecht wittern�� zumindest glaubte sie das. Der Druide versteckte sich irgendwo in dieser schattenhaften Burg.</p><p>Die Orcfrau kannte das neblige Land nicht. Doch das Unbehagen, das sie beim Durchqueren dieser Gegend versp�rte, war nichts, verglichen mit dem Drang, dem feigen M�rder endlich nahe zu kommen. Schon bald, sehr bald, w�rde sie ihre Familie r�chen.</p><p>Etwas bewegte sich im Nebel. Thura wusste schon seit einiger Zeit, dass sich auch noch andere in ihrer N�he befanden. Es waren keine Tiere, und sie �hnelten auch keinem Feind, den sie kannte. Wahrscheinlich dienten diese Wesen Malfurion Sturmgrimm. Nat�rlich lie� er sich von anderen besch�tzen.</p><p>Sie umfasste die Axt. Seit sie den Smaragdgr�nen Traum betreten hatte, hatte die Axt einen goldenen Schimmer angenommen. Thura wertete das als ein weiteres Zeichen f�r die mystischen Eigenschaften der Waffe.</p><p>Etwas bewegte sich vom linken Rand ihres Gesichtsfeldes auf sie zu.</p><p>Die Orcfrau schlug zu. Die Axt traf auf keinen Widerstand, aber Thura h�rte ein Zischen, gefolgt von einem Heulen. Sie erblickte ein Wesen, das sich auf zwei Hufen bewegte und augenblicklich verging, als best�nde es in Wahrheit nur aus Schatten.</p><p>Doch als die Axt durch die Gestalt hindurch schnitt, erschien eine weitere von der anderen Seite. Die Orcfrau wirbelte herum. Die Axt f�hlte sich gut an in ihrer Hand, als sie auf eine weitere der schattenhaften Gestalten traf.</p><p>Wieder ert�nte das Zischen, gefolgt von Geheul.</p><p>Der gefallene Gegner hinterlie� ebenso wenig wie seine Vorg�nger irgendwelche Spuren. Die anderen Schatten im Nebel hatten sich in gr��ere Entfernung zur�ckgezogen, ein Zeichen daf�r, dass sie Thura und die Axt wahrlich f�rchteten.</p><p>Thura lachte h�hnisch in die Finsternis hinein und wandte sich wieder ihrem urspr�nglichen Weg zu.</p><p>Die Burg war nicht mehr da.</p><p>Thura fluchte, schaute noch einmal hin. Die Burg war tats�chlich nicht mehr da, doch etwas anderes war an ihre Stelle getreten.</p><p>Ein Baum.</p><p>Orcs waren an ein Leben in unwirtlichen Gebieten gew�hnt. Deshalb st�rte sie der verwachsene, fast schon aberwitzig verdrehte Baum nur wenig�� zumal er irgendwie an einen d�steren Ort wie diesen passte.</p><p>Doch die Burg war ihr Ziel gewesen, kein wie auch immer geformter Baum. Frustriert wollte sich die Orcfrau abwenden. Die Feste musste woanders liegen.</p><p>Kurz bevor sie den Baum aus den Augen verlor, bemerkte die Orcfrau eine Ver�nderung. Thura konzentrierte sich augenblicklich darauf.</p><p>Der Baum hatte sich in die d�stere Silhouette einer gro�en vermummten Gestalt verwandelt.</p><p>Fast so schnell wie Thura die Gestalt wahrgenommen hatte, legte sich der Nebel dar�ber. Was von der Silhouette blieb, erinnerte erneut an einen Baum, der aussah, als h�tte man ihm Gewalt angetan�� als w�re er von unbekannten Kr�ften <emphasis>wider die Natur</emphasis> zu dem geformt worden, was er nun darstellte.</p><p>Doch der zielstrebigen Orcfrau reichte der fl�chtige Anblick einer Gestalt, um sie darauf zust�rmen zu lassen. Sie erkannte den Umriss sofort, den sie schon so oft in ihren Tr�umen gesehen hatte. Eine gro�e Gestalt, wie ein Nachtelf gebaut und auf dem Kopf ein Geweih tragend.</p><p>Sie hielt Brox� Axt fest umklammert und verzog das Gesicht zu einem grimmigen L�cheln.</p><p>Endlich hatte sie Malfurion Sturmgrimm gefunden.</p></section><section><title><p>16</p><p>Der Schatten breitet sich aus</p></title><p>Tyrande sp�rte, wie eine Hand sanft ihre Wange ber�hrte. Sie blickte sich um und erkannte, dass jemand neben ihr kniete.</p><p>Es war Malfurion, der sie anl�chelte. Er sah genauso aus wie bei ihrem letzten Treffen. Gro�, breitschultrig f�r einen Nachtelf, doch nicht ganz so kr�ftig gebaut wie ein erfahrener Krieger, so wie Broll B�renfell beispielsweise. Seine Augen und das Gesicht zeugten von Jahrhunderten voller Anstrengungen, die er im Dienste der Druiden und ganz Azeroths unternommen hatte. Sein Geweih war lang und stolz, ein Symbol f�r seine N�he zur Natur und zu der Welt, die er liebte.</p><p>Mit Herzklopfen erhob sich die Hohepriesterin und umarmte den Druiden innig.</p><p>�Mal...�, fl�sterte Tyrande, dabei klang sie f�r einen Augenblick um Jahrtausende j�nger, als sie tats�chlich war. �Oh, Mal... ich habe Euch endlich gefunden! Gepriesen sei Elune!�</p><p>�Ich habe Euch so sehr vermisst�, antwortete er und hielt sie ebenfalls fest. Pl�tzlich verlor sein Tonfall an Freude. �Aber Ihr solltet nicht hier sein. Ihr solltet gehen. Ich hatte nicht erwartet, dass Ihr mich als Erste finden w�rdet...�</p><p>�Ich soll gehen?� Die Hohepriesterin stand auf und blickte ihn ungl�ubig an. �Ich werde Euch jetzt nicht verlassen!�</p><p>Der Druide schaute sich um, als w�rde ihn etwas beunruhigen. Tyrande sp�rte seinen Blick, sah aber nur die unber�hrte, mitrei�ende Landschaft des Smaragdgr�nen Traums. Sie war genau so, wie Malfurion sie immer beschrieben hatte...</p><p>Tyrandes Herz pochte. �Etwas ist nicht richtig... irgendetwas stimmt nicht mit uns...�</p><p>�Das ist nur ein Bild in Eurem Kopf, antwortete der Erzdruide mit wachsender Vorsicht. �Ich wollte, dass Ihr mich seht und wisst, dass ich es bin.�</p><p>�Malfurion...�</p><p>�H�rt mir zu! Alles l�uft genau so, wie es soll. Doch Ihr m�sst umkehren. Ihr k�nnt nur hier sein, weil <emphasis>er</emphasis> es geahnt hat! Ich h�tte wissen m�ssen, dass er so etwas plant. Ich sollte nicht mal mit Euch reden, denn ich bef�rchte, dass er uns hier aufsp�rt und die ganze Wahrheit erkennt.�</p><p>�Wer? Von wem sprecht Ihr?�</p><p>Malfurion verzog das Gesicht. �Wenn der Albtraumlord etwas mit Euch vorhat, dann m�sst Ihr so schnell wie m�glich fort von hier! Er ist der Grund, warum Ihr �berhaupt so weit gekommen seid...�</p><p>�Ich bin auf der Suche nach Euch beinahe gestorben!�, antwortete die Hohepriesterin aufgebracht. �Niemand hat mich an der Nase herumgef�hrt...�</p><p>�Er liebt es, Spielchen zu treiben, qu�lt auch diejenigen, die er braucht! Er...� Der Druide wandte sich pl�tzlich von ihr ab. Er blickte zu etwas, das Tyrande nicht erkennen konnte und dr�ngte dann: �Wacht auf und geht zur�ck, Tyrande! Alles ist dann so, wie es sein soll! Wenn Ihr fort seid, wird sein Plan scheitern und meiner gelingen!�</p><p>�Welcher Plan? Was...�</p><p>Malfurion wandte sich ihr wieder zu und murmelte: �Ich kann ihn sp�ren! Er wei� viel, doch nicht genug. Ich wage es nicht, mehr zu sagen, selbst Euch nicht, denn Eure Gedanken stehen ihm offen. Nun geht! Das ist Eure einzige Chance!�</p><p>Und damit brach er den Kontakt ab. Tyrande k�mpfte dagegen an, wollte die Verbindung aufrechterhalten, erfolglos.</p><p>Doch sie sp�rte, dass er noch in der N�he war. Ein Gef�hl, das sie nicht absch�tteln konnte.</p><p>Tyrande sah sich um. Der verderbte Nebel war nur wenige Zentimeter von ihr entfernt. An seinem Rand krabbelte das schwarze Ungeziefer, bestrebt, wieder dorthin zur�ckzukehren, wo Tyrande stand.</p><p>Die Hohepriesterin wollte es schon ignorieren, doch aus irgendeinem Grund blickte sie nach unten...</p><p>Wenige Zentimeter von ihr entfernt befand sich eine kleine, nach oben gedrehte Wurzel. Sie war wie Tausende andere Wurzeln in der N�he... und doch auch wieder nicht. Etwas nicht Sichtbares erregte Tyrandes Aufmerksamkeit. Sie sp�rte den Drang, die Wurzel zu ber�hren.</p><p>Aber als sie es gerade tun wollte, sp�rte Tyrande, wie Elune sie erf�llte. Die Hohepriesterin versteifte sich, als Mutter Mond ihr Verst�ndnis einhauchte.</p><p>Die Wurzel... war irgendwie an Malfurion gebunden.</p><p>Seine Worte fielen ihr wieder ein. Sein Flehen, sie m�ge ihn zur�cklassen. Doch trotz des Ernstes in seiner Stimme war die Hohepriesterin nicht bereit, aufzugeben. Wenn Malfurion einen Fehler hatte, dann den, dass er glaubte, nur er allein k�nne die Last der Welt schultern und nur er allein d�rfe das auch riskieren. Wahrscheinlich hatte sein Verhalten damit zu tun, dass er im Krieg der Ahnen miterleben musste, wie so viele Leben brutal vernichtet worden waren. Leben, von denen er vermutlich annahm, dass er sie h�tte retten k�nnen.</p><p>Sie hatte die Gleve nicht mehr, doch das war egal. Die Nachtelfe machte sich auf den Weg.</p><p>Die Burg war nirgendwo zu erkennen. Die Hohepriesterin sah nur den verderbten Nebel und die kaum sichtbaren Umrisse, die knapp hinter seiner Grenze lauerten.</p><p>Sie dachte kurz �ber Malfurions Warnung nach. <emphasis>Werde ich gef�hrt? Hat er recht</emphasis>?</p><p>Doch selbst wenn das stimmen mochte, schenkte ihr schon das blo�e Wissen, sich dessen bewusst zu sein, einen Vorteil. Malfurion hatte einiges riskiert und alle Vorsicht fahren lassen, um sie zu warnen. Dabei hatte er darauf geachtet, dass sein Entf�hrer�� dieser Albtraumlord�� es nicht bemerkte.</p><p>Tyrande sch�ttelte schlie�lich ihre Besorgnis ab. Alles, was z�hlte, war, dass sie Malfurion fand.</p><p>Die Landschaft �nderte sich nicht. Das Licht, das Tyrande beschworen hatte, hielt das Ungeziefer auf Abstand, und auch, was sie sonst noch belauern mochte, wurde dadurch ferngehalten. Zufrieden suchte die Hohepriesterin weiterhin nach Spuren ihres Geliebten. Er war in der N�he, die Wurzel bewies es.</p><p>Sie musste �ber seine Durchtriebenheit l�cheln. Selbst in Gefangenschaft war es ihm in der Traumgestalt gegl�ckt, eine Pflanze f�r seine Zwecke einzuspannen�� einen <emphasis>Baum</emphasis>.</p><p><emphasis>Die Wurzel</emphasis>! Tyrande untersuchte den Winkel, in dem sie wuchs. Daraus leitete sie die Richtung ab.</p><p>Nachdem sie sich versichert hatte, dass sie richtig lag, blickte die Hohepriesterin in den Nebel. Und in dem abscheulichen Dunst ersp�hte sie einen Baum. Obwohl es auch jeder andere der zehntausend B�ume h�tte sein k�nnen, wusste Tyrande doch, dass sie den richtigen gefunden hatte. Den Baum, der sie zu Malfurion f�hren w�rde.</p><p>Es war kaum mehr als ein weiterer Schatten, aber was f�r einer. Er ragte immer h�her �ber ihr auf, obwohl er noch ein gutes St�ck entfernt war. Er hatte keine Bl�tter, die sie erkennen konnte, nur t�ckisch wirkende �ste, die an eine riesige Knochenhand erinnerten.</p><p>Der Schatten waberte. Tyrande konnte den Baum selbst nicht mehr erkennen, doch er musste irgendwo in der N�he stehen. Trotz seines schrecklichen Aussehens wurde die Nachtelfe von seiner blo�en Existenz ermutigt. Es musste der Ausgangspunkt jener Wurzel sein, die Malfurion benutzt hatte.</p><p>Etwas bewegte sich von rechts auf sie zu.</p><p>Tyrande wirbelte herum.</p><p>Ein kr�ftiger Schlag traf sie, dann krachte ein muskul�ser K�rper mit solcher Wucht in die Nachtelfe, dass Tyrande weit zur�ckgeschleudert wurde. Sie landete r�cklings auf dem Ungeziefer und zerquetschte mehrere der kleinen Krabbler. Der Rest stob auseinander, als sich das Licht von Mutter Mond ausbreitete.</p><p>Die Hohepriesterin erhob sich�� aber nur, um zu erkennen, dass die t�dliche Klinge einer Axt gegen ihre Kehle gepresst wurde. Eine Axt, die sie noch nach mehr als zehntausend Jahren erkannte.</p><p>�Nachtelfe!�, knurrte das Orcweib, das das Geschenk in H�nden hielt, das Brox von Cenarius erhalten hatte. �Du bist seine Gef�hrtin...�</p><p>Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Dass die Orcfrau sie nicht augenblicklich get�tet hatte, obwohl sie wusste, dass sie Malfurions Partnerin war, ermutigte Tyrande in gleichem Ma�e, wie es sie verwirrte. Gab es eine Chance, der anderen Frau ins Gewissen zu reden?</p><p>�Ich hei�e Tyrande...�</p><p>Die Axt kam n�her. �Namen interessieren mich nicht! Du kennst ihn! Er kennt dich! Er wird zu dir kommen...�</p><p>�Malfurion ist nicht Euer Feind...�</p><p>�Er ist unser aller Feind! Er wird Azeroth vernichten!� Die Augen der Orcfrau spr�hten vor Hass auf den Druiden. �Und das Blut meiner Familie klebt an seinen H�nden. Broxigar wird ger�cht werden. Ich, Thura, werde mir den Kopf dieses Feiglings holen�� und vielleicht auch deinen!�</p><p>Trotz der Gefahr konnte die Hohepriesterin diese Anschuldigung nicht hinnehmen. �Malfurion ist keine Gefahr f�r Azeroth. Er ist sein Besch�tzer.� Tyrandes Gesichtsausdruck verh�rtete sich. �Und Brox war unser Freund! Er starb, als er uns rettete. Wir ehren sein Andenken.�</p><p>Ihre Entf�hrerin knurrte wild. Doch pl�tzlich zog sie die Axt zur�ck.</p><p>Der Gesichtsausdruck der Orcfrau war undeutbar. Offensichtlich war nur, dass Thura nicht viel geschlafen hatte�� und dieser Mangel an Erholung nun seinen Tribut forderte.</p><p>M�glicherweise, dachte Tyrande, erkannte Thura auch, dass sie zu ihrer Blutrache verleitet worden war.</p><p>Aber wieder richtete die Orcfrau ihre Axt gegen Tyrande. �Aufstehen!�</p><p>Die Nachtelfe gehorchte. Stehend hatte sie gr��ere Chancen gegen Thura. Doch Tyrande hatte nicht nur Respekt vor den F�higkeiten der Kriegerin, sondern betrachtete die Orcfrau auch als Wesen, das sich unschuldig in den Machenschaften des Albtraumlords verstrickt hatte.</p><p>�Ich dachte, ich h�tte ihn�, murmelte Thura, sie sprach halb zu sich selbst. �Habe ihn gesehen und kam nah an den Ort heran, wo <emphasis>er</emphasis> sein sollte... doch er war nicht da...� Sie blickte Tyrande an. �Druidentricks! Die Tricks deines Gef�hrten!� Die muskul�se Orcfrau schwenkte die Axt. �Du bringst mich zu ihm!�</p><p>Tyrande blieb stehen. �Um Malfurion zu t�ten? Nein.�</p><p>�Dann t�te ich dich!�</p><p>�H�tte Brox das getan?�, konterte die Hohepriesterin. �H�tte er jemanden get�tet, weil der sich weigert, gegen ihn zu k�mpfen?�</p><p>Thura blickte sie an, dann wiederholte sie ihre Forderung. �Bring mich zu ihm! Sofort!�</p><p>�Das werde ich nicht...�</p><p>Sie unterbrach sich, als die Orcfrau pl�tzlich zur Seite blickte. Tyrande h�rte nichts, doch sie vertraute den Instinkten der erfahrenen J�gerin.</p><p>Die Orcfrau knurrte erneut. Thura blickte sich um, dann grinste sie, als sie etwas sah. �Der Baum! Der Baum ist wieder erschienen!�</p><p>Dem Blick der Orcfrau folgend sah Tyrande, dass der gro�e Schatten zur�ckgekehrt war. Den Baum selbst konnte sie immer noch nicht erkennen. Doch sie wusste, dass er sich in der N�he befinden musste.</p><p>�Er wird dort sein�, murmelte Thura fr�hlich zu sich selbst. �Die Vision verhei�t es so...�</p><p>Die Hohepriesterin konnte auf keine weiteren Gelegenheiten mehr warten. Als Thuras Aufmerksamkeit abgelenkt war, griff sie an.</p><p>Tyrande durfte sich nicht auf Elunes Magie verlassen. Denn das Licht h�tte ihre Gegnerin zu fr�h gewarnt. Sie musste ihre eigenen Nahkampfk�nste einsetzen.</p><p>Ihre ausgestreckten Finger schossen auf den verwundbaren Hals der Orcfrau zu.</p><p>Thura wirbelte zur�ck. Das stumpfe Ende des Axtstiels sauste schneller auf die Schl�fe der Hohepriesterin zu, als Tyrande ausweichen konnte. Sie hatte nur einen Augenblick, um zu erkennen, dass sie ausman�vriert worden war. Dann traf der Stiel sie auch schon.</p><p>Doch die �ber Jahrhunderte im Kampf geschulten Reflexe der Nachtelfe sorgten daf�r, dass der Stiel sie nur streifte. Als Thura erneut mit der Axt ausholte, duckte sich Tyrande unter dem Schlag weg und trat zu.</p><p>Ihr meisterhaft ausgef�hrter Tritt traf die Orcfrau unterhalb des Knies. Thura knickte ein und fiel zur Seite. Sie lie� die Waffe fallen. Die Hohepriesterin griff danach.</p><p><emphasis>Tyrande</emphasis>..., rief eine Stimme in ihrem Kopf.</p><p>�Malfurion?� Sie war sich nicht sicher, doch er schien es tats�chlich zu sein. �Malfurion...�</p><p>Derart abgelenkt entging ihr Thuras n�chster Angriff. Die schwere Faust der Orcfrau traf sie an der Kehle.</p><p>Keuchend st�rzte sie zu Boden. Verzweifelt nach Luft schnappend wurde Tyrande bewusst, dass Thura sie nun t�ten w�rde... und alles nur wegen dieser Stimme.</p><p>Die Hohepriesterin k�mpfte, rechtzeitig wieder zu Atem zu kommen.</p><p>Der todbringende Treffer lie� weiter auf sich warten.</p><p>Als Tyrande wieder durchatmen konnte, blickte sie auf.</p><p>Thura war fort.</p><p>Tyrande k�mpfte sich auf die Beine. Sie sah den gro�en Schatten und wusste, wo die Orcfrau hin war. Es erstaunte sie immer noch, dass Thura nicht versucht hatte, sie zu t�ten. Die Nachtelfe nahm die Verfolgung auf.</p><p>Doch wo der Nebel in der Vergangenheit so bereitwillig dem Licht von Mutter Mond gewichen war, war jetzt sein Ziel, die Nachtelfe aufzuhalten. Tyrande konzentrierte sich und versuchte, sich zu beruhigen. Dabei wurde das silberne Licht st�rker, und der Nebel zog sich ein wenig zur�ck.</p><p>Tyrande wusste, dass sie damit zufrieden sein musste und st�rmte vorw�rts. Sie konzentrierte sich auf den gro�en Schatten. Er ragte immer h�her auf, dennoch konnte sie den Baum, der ihn warf, nicht erkennen.</p><p>Aber sie entdeckte etwas anderes. Einen weiteren kleineren Baum. Tyrande verlangsamte bei dem Anblick ihre Schritte. Als Nachtelfe war sie angesichts der verdrehten Gestalt bis ins Mark ersch�ttert. Sie f�hlte sich ob seiner erlittenen Folter gleichzeitig abgesto�en und traurig.</p><p>Von Thura gab es kein Zeichen. Tyrande bef�rchtete, dass sie dem falschen Pfad gefolgt war. Doch als sie sich nach links wandte, lenkte Irgendetwas ihren Blick erneut auf den schrecklichen Baum. Doch der zerst�rte sie nicht so sehr wie der Schatten, der dar�ber aufragte. Der Schatten, der immer noch nicht seinen Ursprung preisgab.</p><p>Jemand fl�sterte. Tyrande drehte sich um und versuchte herauszubekommen, woher das Ger�usch stammte. Dann h�rte sie ein zweites aus der entgegengesetzten Richtung. Ein drittes erreichte ihr Ohr, noch bevor die Nachtelfe sich umdrehen konnte.</p><p>Der Nebel war pl�tzlich mit Fl�stern erf�llt. Doch es war nicht irgendein Fl�stern. Obwohl Tyrande nicht verstehen konnte, was die Stimmen sagten, schienen sie doch <emphasis>zu flehen</emphasis>. Sie brauchten Hilfe. Sie <emphasis>bettelten</emphasis> um Hilfe.</p><p>Und trotz der d�steren Falschheit des Nebels wusste die Hohepriesterin, dass das Flehen echt war.</p><p>Von Mitleid getrieben wandte sich Tyrande wieder dem gefolterten <emphasis>Baum zu. Sie</emphasis> streckte ihre <emphasis>Hand zu einem der d�steren Schemen</emphasis> aus. Zum ersten Mal kam eins der Wesen auf sie zu, statt zu fliehen.</p><p>Etwas zog sie pl�tzlich am Bein. Sie glaubte, in eine Falle gelaufen zu sein und erh�hte deshalb augenblicklich die Helligkeit ihres Zaubers. Dann bildete sie einen Speer aus reinem Licht. Dieser Zauber war anstrengend, doch ohne die Waffe w�rde sie keine Chance haben.</p><p>Sie f�hrte den Speer gegen den Gegner, der sie am Fu� festhielt. Das Licht durchdrang ihn, als best�nde es aus echtem Stahl.</p><p>Was sie zuerst f�r einen Tentakel gehalten hatte, lie� augenblicklich los. Von ihrem leuchtenden Speer festgehalten wand es sich vor Schmerzen.</p><p>Erst da erkannte Tyrande, dass es kein Tentakel war, sondern eine Wurzel.</p><p>Als ihr das klar wurde, traf sie das Ausma� ihrer Tat mit voller Wucht. Die Hohepriesterin lie� augenblicklich den Speer aus Licht verschwinden. Dann kniete sie sich hin, um die Wurzel zu heilen. Sie war keine Druidin, aber sie glaubte fest daran, dass Elune den kleinen Schaden, den ihre Hohepriesterin versehentlich verursacht hatte, beheben w�rde.</p><p>Als sie die Wurzel erneut ber�hrte, sp�rte Tyrande abermals Malfurions Gegenwart. Sie war so stark, dass die Nachtelfe fast glaubte, er sei tats�chlich dort.</p><p>Ihre Augen weiteten sich.</p><p>Sie blickte den gepeinigten Baum an und erbleichte. �Malfurion...�</p><empty-line/><p>Das Fl�stern drohte, ihn in den Wahnsinn zu treiben. Zumindest hatte Broll diesen Eindruck, als er in der Gestalt einer Raubkatze durch das feuchte Land hetzte. Dummerweise funktionierte sein Geh�r in Katzengestalt auch noch besser, was das Fl�stern nur verst�rkte.</p><p>Daf�r war ihm sein verbesserter Geruchssinn von Nutzen. Er hatte Tyrande gewittert, und es war keine vom Albtraumlord geschaffene Illusion. Er war ihr tats�chlich nah.</p><p>Seine Pranken waren mit einem widerw�rtigen Schlamm �berzogen, der aus den Innereien des Ungeziefers bestand. Doch selbst das s�ureartige Brennen konnte den Druiden nicht aufhalten. Mit jedem Schritt zertrat er mehr der widerlichen Kreaturen. Broll tat es nur leid, dass sich hinter ihm gleich wieder neue Insekten aus den zerquetschten �berresten der alten bildeten.</p><p>Der Nebel drohte immer noch, ihn zu verschlingen. Aber mit einem beil�ufigen Prankenhieb und etwas magischem violetten Feuer hielt sich die Katze sowohl den Nebel als auch alles, was darin lauerte, auf sicherer Distanz.</p><p>Pl�tzlich ersch�tterte ein starkes Beben Broll und seine Umgebung. Trotz seiner blitzschnellen Reflexe wurde die gro�e Katze herumgeschleudert. Mit M�he landete Broll wieder auf den Beinen, dann grub er die Krallen in den Boden.</p><p>Ein gro�er Schatten schoss von oben herab. Dem ersten folgte ein zweiter, dann kamen noch einer und noch einer.</p><p>Und selbst durch den dichten Nebel konnte der Druide erkennen, dass es sich um Drachen handelte. Drachen von smaragdgr�ner Farbe.</p><p>Yseras Untertanen verteidigten den Traum noch immer. Der Druide z�hlte mindestens zehn der riesigen Echsen und betete, dass es noch mehr waren.</p><p>Doch als sie Broll passierten, l�ste sich pl�tzlich einer aus der Gruppe. Er stie� zu dem Druiden herab, der den Drachen als Weibchen identifizierte.</p><p>�Was machst du hier allein, Nachtelf... und in deiner sterblichen Gestalt?�</p><p>Er kannte den Drachen nicht, was aber nicht �berraschend war. Broll verwandelte sich zur�ck und berichtete kurz</p><p>Der Drache keuchte vor �berraschung. �Eranikus ist wieder im Traum unterwegs! Das...� Die Echse blickte in die Richtung, wohin ihre Artgenossen verschwunden waren, als w�rde sie etwas h�ren. Ihre Augen weiteten sich. Sie knurrte, dann sagte sie: �Nachtelf, klettere auf mich! Ich nehme dich mit mir!�</p><p>�Meine Freunde...�</p><p>�Klettere auf mich! Ich erkl�re es dir, wenn wir in der Luft sind!�</p><p>Der Drache behauptete mit keinem Wort, dass es in der Luft momentan sicherer sei, und Broll war klar, dass das auch gar nicht stimmte. Denn wenn �berall Korrumpierte wie Lethon lauerten und der Albtraum �ber F�higkeiten verf�gte, die ihm immer noch ein R�tsel waren, war es gut m�glich, dass es derzeit am Himmel noch weit unsicherer zuging als am Boden.</p><p>Aber mit dem Drachen als Reittier f�hlte sich der Nachtelf zumindest <emphasis>ein wenig</emphasis> sicherer.</p><p>Als der Drache aufstieg, sah Broll, dass die F�ulnis des Albtraums sich bereits weit �ber die bekannte Fl�che hinaus ausdehnte. Weit und breit waren nur vom Nebel bedeckte H�gel zu sehen.</p><p>Nein, da war noch etwas anderes. Praktisch �berall�� selbst weiter oben�� zuckten Blitze aus magischer Energie, die wie ein fantastischer Sturm wirkten. Wieder bebte die Erde. Die Ersch�tterung war so stark, dass selbst der gr�ne Drache einen Augenblick lang in der Luft schwankte.</p><p>�Was geschieht da?�, rief Broll.</p><p>Der Drache wandte den Kopf und blickte ihm tief in die Augen. �Hast du seinen Ruf nicht geh�rt? Du geh�rst doch zu seinem Volk und suchst ihn doch gerade. H�r nur!�</p><p>�Seinen...� Doch gerade als er zu sprechen begann, <emphasis>h�rte</emphasis> der Druide den Ruf tats�chlich. Broll h�tte allerdings nie damit gerechnet, ausgerechnet <emphasis>ihn</emphasis> hier zu h�ren.</p><p>Insgeheim hatte er jedoch darauf gehofft.</p><p>Es war Malfurions Ruf.</p><p>Er wurde nicht aus Worten gebildet, und dennoch rief der Erzdruide allen K�mpfern gegen den Albtraum zu, vorsichtig zu sein. Schon bald w�rde etwas geschehen, etwas Wichtiges.</p><p>Es war eindeutig eine Warnung an sie. Malfurion wollte nicht, dass jemand verletzt wurde oder gar starb. Der Erzdruide�� wo immer er auch stecken mochte�� wusste offensichtlich, dass diese Gefahr nicht nur in seinem Gef�ngnis lauerte. Sie bedrohte auch <emphasis>alles andere</emphasis>.</p><p>�Aber wie kann das sein?�, fragte der Nachtelf. �Und was sollen wir denn dann tun?�</p><p>�Erkennst du es denn nicht?�, rief der gr�ne Drache und schlug fester mit den Fl�geln. �Kannst du die Falschheit nicht sp�ren? Sieh nach vorn... und blicke hinein!�</p><p>Broll gehorchte... und im Nebel vor ihm, kaum erkennbar, bildete sich ein Schatten. Der Schatten eines Baumes. Ein derart verderbter Baum, wie ihn die Natur nie h�tte hervorbringen k�nnen.</p><p>�Mein Shan�do ist dort unten�, knurrte der Nachtelf.</p><p>�Und der Grund f�r den Albtraum�, f�gte der Drache hinzu.</p><p>Von ihrem Standpunkt aus gesehen war der Albtraum eine riesige grau-gr�ne Masse, die pulsierte, als w�rde sie leben. Einige Gestalten bewegten sich darin, beunruhigende Gestalten, die man nicht genau erkennen konnte. Dennoch wirkten sie wie etwas, das Broll h�tte erkennen <emphasis>m�ssen</emphasis>. Er fragte sich, warum sie sich versteckten und was geschehen w�rde, wenn sie sich irgendwann zeigten. Der Druide erschauderte.</p><p>Der Albtraum war mit m�chtigen Blitzen von Magie erf�llt, die nicht smaragdgr�n leuchteten, sondern von einem unreinen Gr�n waren, vermischt mit einem blutigen Purpurrot und anderen Farben. Broll konnte sp�ren, dass die smaragdgr�nen Blitze von den Verteidigern kamen... die anderen, das konnte er nur vermuten, stammten aus einer d�steren Quelle.</p><p>Broll erkannte, dass erstaunliche Kr�fte am Werk waren und wusste, dass alles, was er sah, nur ein Abglanz jenes m�chtigen Zaubers war, der hier wirkte. Doch trotz aller Bem�hungen wollte der Albtraum offensichtlich nicht weichen. An manchen Stellen, wie der, auf die sie zuflogen, wirkte er sogar noch dunkler.</p><p><emphasis>Alles ist so dunkel... und dennoch wirkt der Schattenwurf deutlicher denn je</emphasis>..., dachte der Nachtelf.</p><p>Aber wo befand sich der Baum, der daf�r verantwortlich war?</p><p>�Das ist eine Frage von gro�er Bedeutung�, antwortete der Drache, als h�tte Broll seinen Gedanken laut ausgesprochen. In besorgterem Tonfall f�gte er hinzu: �W�re Ysera hier, k�nnte sie uns vielleicht einiges erz�hlen...�</p><p>Der Druide zuckte zusammen, als pl�tzlich etwas anderes offensichtlich wurde. Das Fl�stern war nun selbst hier in der Luft zu vernehmen. Es klang wild und verlangend.</p><p>�Etwas stimmt nicht! Wir sollten besser...�</p><p>Doch der Drache hatte die Gefahr auch gesp�rt. Er leitete ein Man�ver ein, um der bislang unbekannten Gefahr auszuweichen.</p><p>Was bislang reines Fl�stern gewesen war, entwickelte sich nun zu Schreien. Es waren so viele, und sie waren so laut, dass Broll sich die Ohren zuhalten musste. Dennoch konnte er immer noch nicht verstehen, was sie sagten. Der Druide zitterte unkontrolliert, und selbst der Drache war w�hrend des Fluges angespannt.</p><p>Ein gro�er schwarzer Abgrund �ffnete sich vor ihnen.</p><p>Der Druide blinzelte. Nein, es war kein Abgrund.</p><p>Es war ein riesiges, schreckliches Maul.</p><p>Und aus dessen Tiefe stiegen die Schreie auf, die noch kr�ftiger klangen als zuvor. Obwohl er die Worte nicht verstehen konnte, sp�rte der Druide die <emphasis>Furcht</emphasis>, die vom Albtraumlord auch als Waffe gegen Broll und den Drachen benutzt wurde.</p><p>Der Druide bemerkte, dass der gr�ne Drache nicht mehr versuchte, sich vorw�rtszubewegen. Er schlug fest mit den Fl�geln, um zu fliehen. Aber trotz aller Anstrengung bewegten sie sich immer noch auf den f�rchterlichen Schlund zu.</p><p>�Es... es ist die Macht ihrer Angst�� die Angst der schreienden Stimmen�� die uns anzieht!�, br�llte der Drache. �Was f�r eine Kraft!</p><p>Es ist, als ob ich gegen Tausende gleichzeitig k�mpfen w�rde. Es ist zu stark. Ich kann nicht fliehen, nur versuchen, so weit wie m�glich davon entfernt zu bleiben!�</p><p>�Wie w�re es mit einem Zauber?�</p><p>�Wenn ich mich darauf konzentriere�� sind wir im Schlund verschwunden, bevor ich... ich ihn beenden kann!�</p><p>Broll hatte allerdings gar nicht gemeint, dass der Drache einen Zauber wirken sollte. Es war offensichtlich, dass die Flugechse trotz ihrer enormen F�higkeiten ihre ganze Konzentration brauchte, um sich dem Sog entgegenzustemmen. Genau das war die Absicht hinter diesem Angriff gewesen, erkannte Broll.</p><p>Doch dann kam ihm eine Idee, und zwar so pl�tzlich, dass Broll sich selbst dar�ber wunderte. Er wusste nicht, ob sie funktionierte, aber er w�rde es ausprobieren.</p><p>Und w�hrend seine Begleiterin gegen die physische Wut des kreischenden Schlunds ank�mpfte, kanalisierte der Druide seinen ungew�hnlichen Zauber. Eigentlich war es ein Heilzauber, ein Zauber der Stille.</p><p>Er konzentrierte sich und versuchte, sich daran zu erinnern, was sein Shan�do ihm beigebracht hatte. Dabei konnte Broll Malfurions Stimme beinahe h�ren.</p><p><emphasis>Das Geheimnis des Zaubers der Stille ist, den friedvollsten und f�rsorglichsten Teil der Natur Azeroths einzusetzen... die Natur des Smaragdgr�nen Traums</emphasis>...</p><p>Sie waren jetzt beinahe bei dem dunklen Maul angekommen. Broll sp�rte, dass sie gerade nah genug heran waren, um seinem Plan Aussicht auf Erfolg zu geben. Gleichzeitig durften sie nicht mehr l�nger warten, sonst w�rden sie verschlungen werden. Der Druide verinnerlichte sich den Teil des Traums, der noch rein geblieben war.</p><p>Er wirkte den Zauber.</p><p>Der Spruch war eigentlich nur schwach, verglichen mit der Macht des B�sen und seiner Furcht. Broll glaubte nicht im Entferntesten daran, den d�steren Schlund vernichten zu k�nnen.</p><p>Er wollte dem Drachen nur eine Chance zur Flucht verschaffen.</p><p>�Haltet Euch bereit!�, ermahnte der Druide ihn.</p><p>Alles hing davon ab, ob Brolls Annahmen �ber die Schreie richtig waren. Dabei wies vieles darauf hin, dass der Albtraum einen Gro�teil seiner St�rke aus den wachsenden Legionen von Unschuldigen zog, die ihm zum Opfer fielen, wenn die Ersch�pfung sie schlie�lich �bermannte. Der Albtraum benutzte die dunkelsten Gef�hle, um seine furchterregenden Visionen zu erschaffen. Und diese Furcht war das, was Broll und den Drachen gerade angriff.</p><p>Der Zauber ber�hrte einen der kaum erkennbaren Schemen�� gefolterte Sklaven des Albtraums.</p><p>F�r einen kurzen Augenblick�� einen winzigen Augenblick nur -schwand die Kontrolle ein wenig, die der Albtraum �ber die schreienden Stimmen hatte.</p><p>Der Drache br�llte laut, als er sich selbst von dem Abgrund fortkatapultierte. Broll hielt sich an seinem dicken Hals fest und bem�hte sich gleichzeitig, nicht hinunterzufallen. Der smaragdgr�ne Riese schlug immer wieder mit den Fl�geln, bis das dunkle Maul nur noch ein kleiner Punkt am Horizont war.</p><p>Doch so schnell der Zauber gewirkt hatte, so schnell h�rte er auch wieder auf. Der schreckliche Schlund wurde wieder gr��er und zog sie erneut an.</p><p>Da erschien eine riesige smaragdgr�ne Gestalt zwischen den beiden und dem Albtraum. Sie breitete ihre Fl�gel aus. Ein wundersames Leuchten ging von ihnen aus. Es erinnerte den Druiden daran, wie dieses Reich einst�� vor dem Angriff des Albtraums�� gewesen war.</p><p><emphasis>Hinfort mit dir</emphasis>!, rief die Gestalt dem Albtraum entgegen. <emphasis>Hinfort</emphasis>!</p><p>Hinter dem riesigen Drachen erschienen weitere Mitglieder der gr�nen Sippe. Doch so m�chtig sie auch gemeinsam wirken mochten, verblassten sie doch vor der unglaublichen Kraft des riesigen Drachen.</p><p>Der Abgrund wich ein wenig zur�ck. Die Schreie verklangen. Obwohl sie nicht besiegt waren, war das Gekreische nun auf ein ertr�gliches Ma� ged�mpft.</p><p>Ysera, die Herrin des Smaragdgr�nen Traums, hatte Malfurions Ruf erh�rt und war erschienen.</p></section><section><title><p>17</p><p>Der Albtraum wird enth�llt</p></title><p>Lucan war bis auf einen launischen gr�nen Drachen allein im Nebel. Zudem sa� er rittlings auf dem Hals der Flugechse, was Eranikus offensichtlich noch weniger leiden konnte als den Kartografen selbst.</p><p>�Wir h�tten uns nicht aufteilen sollen!�, knurrte Eranikus. �Nicht hier! Nicht jetzt!�</p><p>Der Kartograf sagte nichts. Er f�hlte sich wertlos. Bislang war er nur von einem Ort zum anderen geflohen, um seinen stetig schlimmer werdenden Albtr�umen zu entkommen. Dann hatte ihn eine m�chtige Gestalt nach der anderen herumgeschubst. Jeder behandelte ihn bestenfalls wie ein Kleinkind.</p><p>Und jetzt war er ausgerechnet an einem Ort, wo das bisschen Begabung, das er als Hilfs-Kartograf hatte, auch noch so gut wie nutzlos schien.</p><p>Der gr�ne Drache blickte in die d�stere Welt hinein, seine Wut schwoll immer mehr an. Viel davon war reine Verbitterung gegen sich selbst. �Ich h�tte f�r sie da sein m�ssen, aber <emphasis>nein</emphasis>, ich habe versagt! Jetzt ist sie irgendwo dort drau�en und muss sich dem Albtraum ohne mich stellen!�</p><p>Lucan h�tete sich, das zu kommentieren. Was h�tte er auch sagen sollen? Er war ein Nichts... nein, weniger als das.</p><p>Eranikus stie� ein weiteres Knurren aus, doch war es diesmal gegen den Albtraum gerichtet. �Was schr�nkt unsere Sicht nur so ein? Welch Hinterlist h�lt dieser Albtraum noch bereit... und warum?�</p><p>Der Mensch �ffnete den Mund und wollte einen Vorschlag machen, doch dann schloss er ihn schnell wieder. Seine Ideen waren wohl kaum von Belang.</p><p>Doch pl�tzlich hatte er einen Einfall. Lucan konnte sich nur mit M�he beherrschen, nicht laut mit der Idee herauszuplatzen. Das Einzige, was ihn davon abhielt, war das Wissen, dass der Drache ihm solch eine Sache nie erlauben w�rde, selbst wenn es m�glich sein sollte... oder zumindest einen Versuch wert war.</p><p>Aber schlie�lich konnte sich Lucan nicht mehr zur�ckhalten. Er war mehr als einmal von anderen gerettet worden. Es war an der Zeit, dass er etwas zur�ckzahlte, indem er seine wundersamen F�higkeiten zu ihrem Vorteil einsetzte. Im schlimmsten Fall wurden die anderen dadurch von seinem erb�rmlichen Dasein erl�st.</p><p>Lucan konzentrierte sich. Zuerst stiegen Bilder von Sturmwind in ihm auf. Er sah seinen schm�chtigen Meister, Lord Edrias Utnur, den obersten Kartografen Seiner Majest�t K�nig Varian, der missbilligend auf Lucans Arbeit blickte... dieselbe Arbeit, die Edrias sp�ter ohne �nderungen unterzeichnen w�rde. Er sah die feinen H�flinge, die die Karten des K�nigs bewunderten, die zwar Lucan angefertigt hatte, f�r die aber sein Vorgesetzter s�mtliche Meriten einstreichen w�rde. Und er sah die feinen Damen, vor allem zwei ganz besondere, die in sein Leben hinein- und wieder hinausgetreten waren, ohne es zu wissen.</p><p>Erst als Eranikus etwas sagte, wurde Lucan aus diesen Tagtr�umen von Versagen und Bedauern herausgerissen. Es war ihm egal, wor�ber sich der Drache jetzt schon wieder aufregte. Eranikus war sogar noch verbitterter als Lucan selbst.</p><p>Lucan versuchte, sich erneut zu konzentrieren. Dieses Mal fokussierte sich der Kartograf auf die Person, die er suchte. Augenblicklich erschien das Bild in seinem Geist, und zwar mit solcher Sch�rfe, dass er wusste, er war auf der richtigen Spur.</p><p>Eranikus br�llte jetzt mit gro�er Freude in der Stimme, doch was auch immer der gefl�gelte Riese Lucan mitteilen wollte, es ging verloren.</p><p><emphasis>Denn der Kartograf war bereits verschwunden</emphasis>.</p><p><emphasis>Sie ist nah... sehr nah</emphasis>..., dachte Malfurion unruhig. <emphasis>Aber wei� er es, und wei� er auch, warum</emphasis>?</p><p/><empty-line/><p>Trotz seiner furchtbaren Gefangenschaft hatte sich Malfurion bislang im Verborgenen sehr bem�ht, mitzubekommen, wie es den K�mpfern gegen den Albtraum erging. Er wagte nicht, sie direkt zu kontaktieren. Stattdessen hatte er bis zu dem Moment gewartet, an dem seine Pl�ne Fr�chte trugen. Nur die Herrin dieses Reichs wusste, was er plante und dass sein Plan lediglich auf einem fl�chtigen Gedanken basierte.</p><p>Und jetzt hatte Ysera ihre Drachensippe mobilisiert. Sie, die Druiden und einige andere Besch�tzer von Azeroth hatten einen Gro�angriff gestartet, der aber zum Scheitern verurteilt war, wenn er die Dinge nicht perfekt durchdacht hatte.</p><p>Bevor nicht <emphasis>sie</emphasis> mit ihm Kontakt aufnahm, wusste Malfurion nicht, ob es geklappt hatte.</p><p>Er sp�rte, dass der Albtraumlord in der N�he war. Doch der d�stere Schatten schien mit den Drachen und den anderen K�mpfern besch�ftigt zu sein. Malfurion gab sein Bestes, um so unbemerkt wie m�glich ihr Nahen zu verbergen. Es war wichtig, dass die Orcfrau ihn kontaktierte und handelte, ohne dass der Schatten davon wusste.</p><p>Etwas bewegte sich durch den immer dichter werdenden Nebel. Der Erzdruide betete darum, dass nur er es sp�ren konnte. So raffiniert wie m�glich verhinderte Malfurion, dass die Orcfrau bemerkte, was wirklich um sie herum lauerte.</p><p>Sie trat auf die kleine Lichtung, die ihn umgab.</p><p>Die Orcfrau l�chelte, als der Blick ihrer tief liegenden Augen auf den Baum fiel. Sie sah nicht den Baum. Stattdessen meinte sie, vor Malfurion Sturmgrimm, dem Erzdruiden, dem ruchlosen M�rder und Verderber von Azeroth zu stehen, der trotzig l�chelnd zur�ckblickte. Es war eine Illusion f�r sie, und nur f�r sie. Eine, die Malfurion sorgf�ltig entworfen hatte, so wie jede der vorherigen Visionen, mit deren Hilfe er sie hierher gelockt hatte.</p><p>Malfurion empfand dar�ber keinen Triumph. Er riskierte sowohl ihre Seele als auch ihr Leben. Doch auf der verzweifelten Suche nach jemandem, der ihn befreien konnte, hatte er Brox� magische Axt gesp�rt. Malfurion wusste, wie sie wieder bei den Orcs gelandet war, obwohl er von der Geschichte erst Tausende Jahre sp�ter erfahren hatte. Der rote Drache, Korialstrasz�� einigen wenigen Auserw�hlten auch als der Magier Krasus bekannt�� hatte sie in der Verkleidung eines �ltlichen Orcschamanen zur�ckgebracht. Damit wollte er Brox Ehre erweisen f�r das gro�e Opfer, das der Orc erbracht hatte, als er gegen den D�monenlord Sargeras k�mpfte.</p><p>Doch die Axt war von gr��erer Kraft, als die Orcs ahnten. Niemand wusste das besser als Malfurion. Sein eigener Shan�do hatte sie mit Kr�ften versehen, die an die Welt selbst gebunden waren. Kr�fte, die die Axt so sehr zu einem Teil von Azeroth machten wie Wasser, Land und Luft.</p><p>Und mit dieser Axt hoffte Malfurion, den Albtraumlord zu besiegen und sich selbst zu befreien.</p><p>Thura n�herte sich ihm. Sie stellte nicht infrage, was sie sah. Der Druide hatte ihre Tr�ume viel zu lange beeinflusst. Thura nahm alles als gegeben hin, was er ihr vorgaukelte. Das erf�llte ihn mit noch mehr Bedauern. Er hatte ihren Geist missbraucht, wenn auch aus gutem Grund.</p><p>�Nachtelf�, knurrte sie mit dunkler Stimme. �Du hast mein Volk bedroht, meine Welt! Und das Blut meines Klans klebt an deinen unehrenhaften H�nden! Ich bin hier, um dir ein Ende zu setzen!�</p><p><emphasis>Schlagt zu</emphasis>!, befahl er ihr leise. <emphasis>Schlagt zu</emphasis>! Malfurion erkl�rte ihr sogar, <emphasis>wo</emphasis> sie treffen sollte. Es war lebenswichtig, dass sie ihn genau an der gezeigten Stelle traf.</p><p>Sie blickte auf das, was sie f�r den Bauch des Druiden hielt. In Wahrheit war es die Mitte des Baumstamms. Thura f�gte hinzu: �Ich gebe dir eine Chance! Ich werde dich Wiedergutmachung leisten lassen...�</p><p>Der Erzdruide war ersch�ttert. Obwohl er sich als so �bel und boshaft pr�sentiert hatte, war sie gewillt, ihm eine Chance zu geben, sein Leben zu retten!</p><p><emphasis>Schlagt zu</emphasis>!, wiederholte er und suggerierte ihr ein Bild der Verachtung.</p><p>Thura blickte ihn an.</p><p>�Wenn das deine Antwort ist...�, zischte die Orckriegerin und holte mit der Axt aus. �Ich habe dir deine Chance zu leben gegeben... jetzt gew�hre ich dir die Gnade des Todes...�</p><p>Pl�tzlich umgab eine gro�e silberne Sph�re die Orcfrau.</p><p><emphasis>Nein! Nein! Nein</emphasis>!, flehte der Erzdruide. <emphasis>Nicht jetzt! Ihr wisst nicht, was Ihr da tut</emphasis>!</p><p>Aber seine geliebte Tyrande h�rte ihn nicht, obwohl Malfurion mit all seiner Macht versuchte, sich verst�ndlich zu machen. Die schlanke Hohepriesterin griff die Orcfrau an, die ihren Schlag zu Ende f�hrte�� oder es zumindest versuchte.</p><p>W�re Elunes Licht nicht gewesen, h�tte die Axt ihre Aufgabe gut erf�llt. Doch obwohl die Magie der Waffe die Sph�re schw�chte, erreichte die Axt niemals den Baum.</p><p>Tyrande stie� ein �berraschtes Grunzen aus angesichts der Macht der Axt. Augenblicklich trat sie nach Thura. Ihr Fu� traf die Orckriegerin in die Seite, als Thura versuchte, zu ihr herumzuwirbeln.</p><p>Thura taumelte zur�ck.</p><p>Die Hohepriesterin setzte den Angriff fort und trat zweimal nach. Der erste Tritt landete hart auf der Brust ihrer Gegnerin, doch den zweiten hielt die keuchende Kriegerin mit den Unterarmen auf.</p><p>Thura schlug mit der Axt zu und dr�ngte Tyrande zur�ck. Als Antwort beschwor die Nachtelfe Elunes Licht. Doch bevor sie den Zauber wirken konnte, schlug Thura mit Brox� Waffe zu. Tyrande wurde zur�ckgedr�ngt.</p><p>Dieser Kampf tobte vor einem immer besorgter werdenden Malfurion. Je l�nger die beiden k�mpften, desto geringer war die Chance, dass eine von ihnen �berleben w�rde. Er versuchte, die beiden mit seinen Gedanken zu erreichen, aber er schaffte es nicht.</p><p>Wie hatte Tyrande ihn ausgerechnet in diesem Moment gefunden? Malfurion hatte sehr genau gewusst, wie weit sie entfernt gewesen war. Zudem hatte er sein Bestes gegeben, sie insgeheim vom Weg abzubringen, doch das war fehlgeschlagen...</p><p>Eine weitere Gestalt betrat unerwartet das Schlachtfeld. Es war ein zerlumpt wirkender Mensch, der nur deshalb interessant wirkte, weil er eigentlich unm�glich hier sein konnte. Doch Malfurion wusste genau, wer es war, und jetzt hatte er auch seine Erkl�rung, wie Tyrande ihn zu diesem kritischen Zeitpunkt gefunden hatte.</p><p>Ysera hatte Malfurion versprochen, dass ihre Diener Thura, die ja Teil seines Plans war, in ihr Reich f�hren w�rden, ohne dass der Albtraumlord etwas davon erfuhr. Malfurion hatte geglaubt, dieser F�hrer w�re ein Druide oder einer von Yseras Drachensippe gewesen. Als er einen gr�nen Drachen nahe Thura gesp�rt hatte, hatte es gut ins Bild gepasst.</p><p>Aber warum musste es ausgerechnet ein <emphasis>Mensch</emphasis> sein?</p><p>Die zerlumpte Gestalt war hinter Thura aufgetaucht. Es war fraglich, ob der Mensch unter normalen Umst�nden den Kampf mit einer erprobten Kriegerin gewinnen konnte. Doch hier herrschten keine normalen Umst�nde.</p><p>Zu Malfurions �berraschung packte der Mann Thura einfach an der H�fte. Welchem Zweck das diente, wurde einen Augenblick sp�ter klar, als die Orcfrau und ihr Angreifer <emphasis>verschwanden</emphasis>.</p><p>Und mit ihnen schwand die Axt... und damit Malfurions letzte Hoffnung.</p><p>Aber im letzten Moment wand sich Thura aus seinem Griff. Sie st�rzte auf die Knie.</p><p>W�hrenddessen sp�rte Malfurion, wie sich die Aufmerksamkeit des Albtraumlords schlie�lich doch auf die Geschehnisse um seinen wertvollen Gefangenen herum richtete.</p><p>Es war zu sp�t f�r den Erzdruiden. Doch er gab sein Bestes, um Tyrande und die anderen zu warnen. Seine �ste sch�ttelten sich, und die scharfkantigen Bl�tter zitterten, als er mit aller Willenskraft vor der Gefahr warnte.</p><p><emphasis>Viel zu sp�t</emphasis>.... spottete der Albtraumlord. <emphasis>Viel zu sp�t</emphasis>...</p><p>Schatten erschienen �ber Malfurion, die skelettartigen Schatten der �ste des unsichtbaren Baums.</p><p>Aber der Angriff richtete sich nicht gegen den Erzdruiden. Stattdessen zielten die �ste auf die anderen.</p><p>Malfurion versuchte wieder, sie zu warnen, doch nur der Mensch schien ihn zu bemerken. Er blickte auf Malfurions makabre Gestalt und �ffnete den Mund. Er sagte etwas zu den beiden K�mpfenden. Der Erzdruide sch�pfte Hoffnung...</p><p>Eine gewaltige smaragdgr�ne Kraft �berstrahlte alles.</p><p>Der Schattenbaum prallte zur�ck. Der verderbte Nebel wich, und der Schrecken, von dem allein Malfurion wusste, dass er immer noch darin hauste, verschwand und suchte sich einen sichereren Ort.</p><p>Tyrande und Thura unterbrachen ihren Kampf, um mit ihren Blicken dem ausgestreckten Finger des Menschen zu folgen. Und obwohl Malfurion das Objekt ihres Interesses nicht sehen konnte, verstand er mit seinen anderen Sinnen die Bedeutung vielleicht besser, als sie es taten.</p><p>Der Himmel war voller Drachen. Yseras Drachen. Alle, die noch nicht korrumpiert waren, waren zu diesem verzweifelten Zeitpunkt herbeigeeilt, um den Albtraum und seinen d�steren Gebieter anzugreifen.</p><p>Eigentlich waren sie gekommen, um <emphasis>ihn</emphasis> zu retten.</p><p>Das war es aber nicht, was Malfurion gewollt hatte. Die Drachen riskierten ihr Leben. Doch er tr�stete sich mit dem Gedanken, dass der Albtraum vor ihnen schwand.</p><p>Was als Ablenkungsman�ver begonnen hatte, um die Pl�ne des Erzdruiden umzusetzen, war nun zum eigentlichen Teil seiner Rettung geworden. Der gro�e Aspekt hatte erkannt, dass die Orcfrau nicht wie vorgesehen handelte. Tyrandes Eingreifen h�tte sich beinahe unabsichtlich zu einer Katastrophe entwickelt.</p><p>Der Nebel zog sich zur�ck, als w�re er verbrannt worden. Wo immer Yseras Diener ihre Kr�fte einsetzten, zogen sich die d�steren Ranken zur�ck, und der Traum wurde wieder hergestellt. Das Ungeziefer verging in einem smaragdgr�nen Leuchten und verblasste zu nichts. Das Gras und die B�ume waren wieder da.</p><p>Und diesen Moment nutzte Thura, um ihre Mission zu erf�llen. Sie lie� die abgelenkte Tyrande zur�ck und l�ste sich aus dem verzweifelten Griff des Menschen.</p><p>Malfurion dr�ngte sie weiter. Er sah, wie sie die Axt hob.</p><p>Tyrande erblickte sie. Die Hohepriesterin leuchtete f�rmlich bei dem Versuch, die Orcfrau aufzuhalten.</p><p>Der Schattenbaum bewegte sich. Malfurion erkannte, dass Tyrande immer noch nicht glaubte, dass sie manipuliert werden konnte. Malfurion hatte nichts mehr zu verlieren und �bernahm die Kontrolle �ber eine weitere Wurzel. Mit der hatte er gearbeitet, seit die erste Wurzel sich �ber sein Gef�ngnis hinaus erstreckt hatte. Eigentlich war sie dazu gedacht gewesen, Thura zu helfen, nicht Tyrande. Doch nun w�rde sie die Nachtelfe <emphasis>ablenken</emphasis>, wenn auch nur f�r eine einzige kritische Sekunde.</p><p>Doch noch jemand anderes kam Malfurion zu Hilfe. An seinem Geweih erkannte der Erzdruide, wer es war. Broll B�renfell st�rmte in Gestalt einer riesigen Raubkatze heran und erregte mit seinem Fauchen Tyrandes Aufmerksamkeit. Dadurch war offensichtlich, dass er wusste, was Malfurion vorhatte. Das war f�r Malfurion keine �berraschung, denn Broll war zusammen mit den gr�nen Drachen aufgetaucht.</p><p>Sein Erscheinen kam wie gerufen. Tyrande wurde abgelenkt und verpasste ihre Chance, Thura aufzuhalten.</p><p>Thura schlug zu. Der Schattenbaum, eigentlich der Albtraumlord, reagierte zu langsam.</p><p>Die Axt traf genau dort, wo Malfurion es gehofft hatte. Schmerz durchzog ihn, doch nach den stetigen Qualen, die er erlitten hatte, konnte er diesen Schmerz leicht ertragen. Wichtig war, dass die Axt�� von Cenarius geformt und mit der Lebenskraft von Azeroth erf�llt�� beim Aufprall auch die Zauber zerst�rte, die Malfurion �berrascht und letztlich eingefangen hatten.</p><p>Mit einem Schrei der Erleichterung warf Malfurion seine verderbten Fesseln ab. Die schwarzen, dornenbewehrten Bl�tter vergingen. Die �ste, die seine Arme und H�nde gewesen waren, sanken zusammen und entrollten sich. Die Wurzeln zogen sich zur�ck, wurden zu F��en, die dann wieder zu zwei Beinen wurden.</p><p>Das dunkle verweste Gr�n verschwand, und das strahlende Smaragdgr�n seiner Traumgestalt erschien wieder.</p><p><emphasis>Nein</emphasis>.... erklang die Stimme des Albtraumlords. <emphasis>So einfach geht das nicht</emphasis>...</p><p>Die Schatten von mehreren �sten legten sich �ber Malfurions Brust.</p><p>Obwohl die Zweige wie auch er selbst feinstofflich waren�� vielleicht genau <emphasis>deswegen</emphasis> -, f�hlte sich der Nachtelf, als w�rde seine Brust zerquetscht. Die Euphorie seiner Flucht schwand, als er sp�rte, wie sein Feind erneut in seine Gedanken und seine tiefste Seele eindrang.</p><p>�Mal!�, rief Tyrande. Sie und Broll dr�ngten beide auf den Erzdruiden zu. Auch der Mensch folgte.</p><p>Thura war sprachlos, so hatte sie sich ihren Angriff nicht vorgestellt. Sie blickte wie jemand, der bitter entt�uscht worden war.</p><p>Weitere Schatten�ste senkten sich herab und dr�ngten mit Leichtigkeit Malfurions vermeintliche Retter beiseite. Thura erkannte, was die gr��ere Gefahr war und schlug nach einem der Schatten, der die Brust des Erzdruiden umschloss.</p><p>Es gab ein Zischen, als das magische Holz den Schatten ber�hrte. Ein einzelner Ast flog weg, als best�nde er aus fester Substanz. Er landete in einiger Entfernung, wo er sich aufl�ste.</p><p>Der Albtraumlord heulte, wodurch Malfurion fast in Ohnmacht fiel.</p><p>Der Boden unter Thuras F��en brach auf. Schattenwurzeln zerrten an ihren Beinen, und die Orcfrau schrie. Eine Hand hatte die Axt schon losgelassen. Die andere drohte ebenfalls den Halt zu verlieren.</p><p><emphasis>Der Albtraum will, dass sie Brox� Axt verliert</emphasis>! Malfurion m�hte sich, um der Orcfrau zu helfen, doch die Schatten pressten seine Brust fester zusammen.</p><p><emphasis>Komm</emphasis>..., h�rte er seinen Entf�hrer murmeln. <emphasis>Komm</emphasis>...</p><p>Aber der Erzdruide hatte nicht die Absicht, sich der Finsternis zu ergeben. Er strengte sich an und gab alles, um nicht zerquetscht zu werden.</p><p>Um sie herum reinigten die gr�nen Drachen das Land vom Albtraum. Die einzige Ranke, die noch weit hinausreichte, lag um Malfurion und den Schattenbaum. Trotz der drohenden Niederlage wollte der Herr des Albtraums ihn nicht gehen lassen.</p><p>Malfurion verstand warum. Der Albtraum brauchte ihn. Er war der Schl�ssel zum Wachstum des Albtraums, sowohl im Smaragdgr�nen Traum wie auch in Azeroth.</p><p>Doch die anderen wussten das auch nur zu gut. Der Schattenbaum wurde pl�tzlich in reine magische Energie gebadet, die zur gleichen Zeit den Nachtelfen mit Euphorie erf�llte.</p><p>Nur ein Wesen konnte eine derartige Macht aus�ben. Malfurion k�mpfte darum, aufzublicken, und er sah nun, was �ber ihm schwebte.</p><p>�Keine Verunreinigung des Schattens soll in meinem Reich zur�ckbleiben!�, rief Ysera. Ihre Augen waren geschlossen, aber Malfurion wusste, dass sie mit gr��ter Genauigkeit sah, wo ihr Feind am verwundbarsten war. �Ich werde keines meiner Kinder an den Albtraum verlieren...�</p><p>Ysera �ffnete die Augen. Der Blick des Aspekts funkelte, und obwohl er auf Malfurion nicht bedrohlich wirkte, sp�rte er das Unbehagen und die Furcht seines Entf�hrers. Die Schatten�ste flohen vor dem Druiden.</p><p>Einer der anderen gr�nen Drachen stie� zu der Gruppe hinab. Yseras Diener nutzte seine Magie, um jeden aufsitzen zu lassen, auch Thura. Es war sogar egal, dass Malfurion nur in seiner Traumgestalt anwesend war. Die Magie des Drachen hob ihn hoch, als best�nde er aus Fleisch und Blut.</p><p>Doch als sie in den Himmel hinaufgetragen wurden, erklang ganz in der N�he in einer anderen Region des Nebels der Schrei eines anderen Drachen. Malfurion erblickte eines der gr��eren M�nnchen aus Yseras Sippe.</p><p>Eranikus.</p><p>Malfurion kannte die bewegte Vergangenheit von Yseras Gef�hrten gut und hatte schon des �fteren seine Gegenwart gesp�rt. Er hatte Eranikus hier nicht erwartet, v�llig �berrascht war er von seiner Anwesenheit allerdings auch nicht. Der ehemals korrumpierte Drache wollte sich rehabilitieren und war dem Albtraum mit viel Selbstvertrauen entgegengetreten.</p><p>Und jetzt hatte der ihn erwischt. Hunderte der schrecklichen Nebelh�nde hielten ihn fest. Binnen Sekunden waren nur noch sein Kopf, eine Vorderpranke und ein Fl�gel sichtbar. Er blickte ver�ngstigt zu Ysera.</p><p>Der Aspekt reagierte. Ysera wollte ihren Gef�hrten retten und achtete nur einen Augenblick lang nicht auf den Albtraum...</p><p>Und in diesem Augenblick schwoll der Schattenbaum zu unfassbarer Gr��e an und <emphasis>packte</emphasis> sie.</p><p>Die schrecklichen �ste umschlossen Ysera. Bevor sie reagieren konnte, stie�en die Zweige sie zur�ck und schubsten sie in den Nebel hinein.</p><p>Im selben Moment stie� Eranikus ein wildes Lachen aus. Er verwandelte sich... in den hinterlistigen Lethon. Dessen widerliche Fratze verspottete die vor Schreck erstarrten Verteidiger einen Moment lang, bevor der korrumpierte Drache die Illusion vollst�ndig aufl�ste und dem wahren Ziel des Albtraums folgte... Ysera.</p><p>Die anderen Drachen machten sich augenblicklich auf, um ihre Herrin zu retten. Doch der Albtraum wehrte sich mit einer derartigen Kraft, die niemand, nicht einmal Malfurion, erwartet hatte. Als best�nde er aus Tausenden Kraken, tasteten sich Ranken aus dem Nebel, die jeden packten, der unvorsichtig genug war, sich zu n�hern. Der Albtraum erwischte zwei weitere Mitglieder der gr�nen Drachensippe, bevor sich die restlichen gr�nen Drachen z�gerlich zur�ckzogen.</p><p>Malfurion br�llte. Er konnte nicht fassen, was geschehen war. H�tte Ysera nicht versucht ihn zu retten, w�re sie auch nicht in Gefangenschaft geraten.</p><p>Der Albtraum breitete sich immer weiter aus. Schnell, wie ein rei�ender Fluss, rauschte er auf seine Gegner zu. Die Ranken peitschten wild auf der Suche nach neuen Opfern.</p><p>Sie hatten keine Wahl, sie mussten fliehen.</p><p>Der Erzdruide wusste, dass er keine Chance hatte, dennoch lie� er den magischen Schutz des gr�nen Drachen hinter sich. Er konnte nicht zulassen�� w�rde nicht zulassen -, dass Ysera als Gefangene dieser schrecklichen Macht zur�ckblieb.</p><p>Doch obwohl der Nebel immer weiter vordrang, zerfaserte er an einigen Stellen auch ein wenig. Einige unter den gr�nen Drachen interpretierten es als Zeichen der Schw�che. Vielleicht hatte sich der Albtraum �bernommen, als er die Herrin des Traums gefangen hatte.</p><p>Malfurion aber konnte die vordersten der ungest�men Drachen nicht mehr rechtzeitig warnen. Einer der Ersten, der sich in den Nebel st�rzte, machte es den Ranken durch seinen Eifer nur leichter, ihn zu packen und hineinzuziehen. Wie die anderen zuvor, wurde er g�nzlich verschlungen.</p><p>Die restlichen Drachen wurden zur�ckgetrieben. Zudem sp�rte Malfurion, dass die an anderen Orten k�mpfenden Verb�ndeten ebenfalls wichen. Es war, als st�nden sie einem v�llig neuen und weit f�higeren Gegner gegen�ber. Drachen, Urtume, Druiden... sie alle mussten sich zur�ckziehen, wollten sie nicht ebenfalls vom Nebel verschluckt werden.</p><p>Hinter ihnen allerdings wurde der Nebel immer d�nner. Langsam wurde die zerst�rte Landschaft wieder sichtbar, die einst der Smaragdgr�ne Traum gewesen war. Ehemals stolze H�gel waren nun mit schwarzen Pockennarben bedeckt, und Ungeziefer krabbelte dar�ber. Die �brig gebliebenen B�ume hatten die meisten ihrer Bl�tter verloren und waren von kleinen r�tlichen Saugern �bers�t, die nur aus M�ulern und Z�hnen zu bestehen schienen. Die �ste wanden sich die ganze Zeit, als w�rden sie nach etwas suchen, das so unvorsichtig war, in ihre Reichweite zu gelangen.</p><p>Auf dem Boden wimmelte es von K�fern und anderem Krabbelgetier. Dazu tropfte etwas Widerliches wie Eiter aus den schroffen Rissen, die sich nun �berall �ffneten. Der Geruch nach Verwesung erf�llte die Luft schlimmer denn je.</p><p>Und dann offenbarte der Albtraum den anderen, was Malfurion bereits wusste. Der Druide hatte gehofft, dass das B�se nach seiner Flucht zumindest etwas geschw�cht sein w�rde. Doch es war noch viel schrecklicher geworden als alles, was sein Entf�hrer ihm zuvor gezeigt hatte.</p><p>�berall, wo der Nebel lag, ballten die Feinde sich zusammen. Ihre Reihen breiteten sich so weit aus, wie das Auge sehen konnte und noch dar�ber hinaus. Und mit jeder Sekunde wurden es mehr, jedes Gesicht war von Schmerz und Gier gezeichnet.</p><p>Es waren die Schl�fer, die dem Albtraum unwissentlich zum Opfer gefallen waren. Und es waren viele. Malfurion hatte gegen D�monen und die untote Gei�el gek�mpft. Beide wirkten regelrecht harmlos gegen die grausamen Nachahmungen dieser Schl�fer. Sie hatten ihre Seelen verloren, und das zeigte sich auch auf ihren K�rpern. Wenn sie sich bewegten, geschah das sehr flie�end, gleichzeitig war es aber auch offensichtlich mit einem derart starken Schmerz verbunden, dass Malfurions eigene Folter wie nichts dagegen wirkte.</p><p>Verschrumpelte Haut umspannte die Sch�del. Ihre M�nder �ffneten sich zu endlosen Schreien und wurden dabei gr��er, als physisch �berhaupt m�glich war. Ihre Augen lagen tief in den Sch�deln und starrten mit Abscheu auf alles, das <emphasis>nicht</emphasis> ihre Leiden teilte.</p><p>Und es wurden immer mehr. Mehr, als auf hundert Welten so gro� wie Azeroth gepasst h�tten. Sie entstammten <emphasis>jedem</emphasis> schrecklichen Traum, den jeder Schl�fer durchlebte, und deshalb waren es wohl auch so endlos viele. Sie streckten die klauen�hnlichen H�nde aus, w�hrend sie immer n�her und n�her kamen...</p><p>Malfurion wusste, was diese Gegner wollten. Sein Entf�hrer war nur zu erpicht darauf gewesen, ihm nicht nur ihre Leiden zu zeigen. Er hatte ihn auch sp�ren lassen, was er ihnen als Rettung vorgegaukelt hatte.</p><p>Ihr einziges Ziel bestand darin, das zu bekommen, und sei es nur f�r einen winzigen Augenblick, was alle, die dem Albtraum noch nicht zum Opfer gefallen waren, noch besa�en: die F�higkeit, ohne Schmerz und Angst zu tr�umen.</p><p>Doch es war ein falsches Verlangen. Etwas, das sie niemals erreichen konnten. Er war nur ein Trick, um sie weiterzutreiben. Um sie in eine derartige Verzweiflung zu st�rzen, dass sie sich gegen ihre Freunde und Familien wandten. Und das alles nur zum Nutzen des Albtraums.</p><p>Und egal, wie gut die meisten dieser Menschen im Leben auch gewesen sein mochten... ihre Ichs aus dem Albtraum w�rden keine Sekunde z�gern, Azeroth zu vernichten.</p><p>Es wurden immer mehr, ihre Zahl stieg weiter an. Die verbleibenden Mitglieder von Yseras Drachensippe waren nichts gegen sie. Die Drachen griffen immer wieder an, doch sie h�tten genauso gut mit ein paar Sandk�rnern versuchen k�nnen, eine Flut aufzuhalten.</p><p>Malfurion wusste, warum. Er wusste auch, dass er vom Albtraumlord manipuliert worden war. Bei all seiner Gerissenheit hatte er dem Schatten einfach gegeben, was der in Wahrheit begehrt hatte. Der Nachteil hatte seinem Entf�hrer in die H�nde gespielt, als w�re er selbst einer der Korrumpierten...</p><p>�Wir m�ssen fort von hier!�, br�llte einer der �lteren gr�nen Drachen. �Wir m�ssen uns neu formieren!�</p><p><emphasis>Neu formieren? Warum</emphasis>?, fragte sich Malfurion im Stillen, immer noch erschreckt �ber die Rolle, die er gespielt hatte. <emphasis>Welche Hoffnung gibt es jetzt noch</emphasis>?</p><p>Der Albtraum hatte nie Malfurion selbst gewollt. Dessen Gebieter war Malfurions Plan allerdings sehr recht gewesen.</p><p>Malfurion war nur der K�der gewesen. Seine Kr�fte, seine Bindung an Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum waren stark genug, um den Absichten des Albtraums dienlich zu sein. Aber das hatte nicht ausgereicht, sie wirklich zu erf�llen. Der Schatten hatte das Wesen gebraucht, das am engsten mit diesem magischen Reich verbunden war.</p><p>Von Anfang an hatte der Albtraum nur die Herrin des Smaragdgr�nen Traums gewollt.</p></section><section><title><p>18</p><p>Verlorene Tr�ume</p></title><p>In Sturmwind, Eisenschmiede, Dalaran, Orgrimmar, Donnerfels und allen anderen St�dten und D�rfern begann sich der Nebel zu regen. Selbst in Unterstadt, wo die Untoten lebten, die nicht tr�umen sollten, beeinflusste er die geheimen Albtr�ume seiner Bewohner. Die Verlassenen waren dazu verdammt, ihre verlorenen Leben noch einmal zu durchleiden. In diesen Tr�umen wurde ihnen eine Fluchtm�glichkeit in Aussicht gestellt, die aber nie eingel�st wurde.</p><p>Unterstadt trug ihren Namen aus vielerlei Gr�nden zu Recht. So lag sie tats�chlich <emphasis>unter</emphasis> den Ruinen einer der gr��ten St�dte von ganz Azeroth: Lordaeron. Doch im Dritten Krieg hatte Prinz Arthas -damals bereits vom Lichk�nig korrumpiert�� die Hauptstadt seines Vaters erobert und Terenas in seinem eigenen Thronsaal get�tet. Der verr�ckte Prinz glaubte, mit diesem Gemetzel ein neues Lordaeron erschaffen zu k�nnen und hatte damit begonnen, die riesigen unterirdischen Katakomben auszubauen.</p><p>Doch sein furchtbares Schicksal hatte Arthas ins kalte Nordend gezogen, und w�hrend dieser Zeit hatten die Verlassenen�� die Untoten, die sich aus der Sklaverei des Lichk�nigs befreien konnten�� die Ruinen erobert. Sie hatten erkannt, wie gut sich die Ruinen verteidigen lie�en und erschufen in den Tiefen ihre eigene Hauptstadt. Sie erweiterten die Katakomben und errichteten Geb�ude, die auf die Lebenden wie eine schreckliche Verh�hnung ihrer verlorenen Existenzen wirkten.</p><p>Ihr Wahrzeichen, eine d�stere Krone, die aus drei �berkreuzten Pfeilen bestand�� einer davon zerbrochen -, bedeckt von einer wei�en, zerbrochenen Maske, war in der Stadt allgegenw�rtig. Doch es war nicht nur das Wahrzeichen der Verlassenen, sondern auch das ihrer K�nigin. Unterstadt war ein Ort der d�steren Farben, steinernen Wege und Stufen. Die Untoten schliefen nicht und genauso wenig tat dies die Stadt. Es gab Tavernen, Schmieden und L�den, die nicht nur den Bed�rfnissen der Untoten, sondern auch Besuchern der Horde dienten, mit denen sich die Verlassenen verb�ndet hatten.</p><p>Es gab <emphasis>ein wenig</emphasis> Licht in Form schwacher Lampen und tr�b flackernder Fackeln. Sie waren weniger f�r die Lebenden gedacht, obwohl die Untoten im Grunde keine echte Verwendung f�r das Licht hatten. Doch niemand wollte sich eingestehen, dass es seinen Bewohnern zumindest den Anstrich einer lebendigen Existenz verlieh.</p><p>Aber nun... war etwas Neues und Beunruhigendes in die Hauptstadt der Verlassenen eingekehrt, etwas, das selbst die Erbauer von Unterstadt beunruhigte, weil es... dem <emphasis>Schlaf</emphasis> glich...</p><p>Die Anf�hrerin der Verlassenen�� eine furchterregende Banshee namens Sylvanas Windl�ufer�� hatte den merkw�rdigen neuen Zustand ihrer Anh�nger untersucht, die nun wahrlich tot wirkten�� und doch auch wieder nicht. Denn die Befallenen regten sich gelegentlich.</p><p>Die Bansheek�nigin war auch als Untote noch eine Sch�nheit. Einst war sie eine Hochelfe gewesen, die Waldl�ufergeneralin des untergegangenen Elfenreichs Silbermond. Und in ihrer gegenw�rtigen Rolle war Sylvanas ebenfalls einzigartig. Denn anders als die anderen Banshees war sie kein Geist, sondern hatte einen K�rper aus Fleisch und Blut. Schlank, elegant und mit einer Haut, wei� wie Elfenbein, bewegte sie sich anmutig zwischen den am Boden liegenden Gestalten, die ihre Diener hier deponiert hatten.</p><p>Es war bei allen dasselbe. Keiner gab Antwort, was Sylvanas derma�en frustrierte, dass sie sich fast wieder lebendig f�hlte.</p><p>Sie trug eine hautenge Lederr�stung, in der sie sich geschmeidig bewegen konnte. In ihrem mantel�hnlichen Kapuzenumhang mit einem Hauch von tiefem Purpur darin wirkte Sylvanas wie der personifizierte Sendbote des Untergangs. Selbst die vier untoten Hochelfenwachen mit ihren verrotteten Gesichtern, den vorstehenden Rippen und den hohlen Augen konnten nicht so viel Furcht erzeugen wie die Banshee.</p><p>�Nun, Varimathras�, sagte sie zu einer schattenhaften Gestalt, die in der Ecke der feuchten, mit Spinnenweben �berzogenen Kammer stand, die unterhalb ihrer Zitadelle lag. Ihre Stimme klang auf eine Art verf�hrerisch, wie die Dunkelheit auf manche Wesen wirkte. Gleichzeitig war sie aber auch eisig wie ein schneidender Wind. �Hast du mir nichts zu berichten?�</p><p>Der Schatten l�ste sich von der Wand. Die riesige Gestalt trat vor, ein <emphasis>D�mon</emphasis>. Er trug eine R�stung aus Leder und Metall, schwarz wie Ebenholz. Sylvanas Tonfall lie� auf ein gewaltiges Misstrauen zwischen ihnen beiden schlie�en. Der D�mon trat zu ihr und bewegte sich dabei auf zwei hufbewehrten Beinen. Seine Haut war von blutig violetter Farbe, die zu den beiden gro�en Fl�geln passte, die aus seinen Schultern entsprangen. Sein Kopf war lang und keilf�rmig, mit einer dunklen Haarm�hne, die von seinem ansonsten kahlen Sch�del herabfloss. Zwei t�ckische schwarze H�rner prangten auf den Schl�fen. Gr�ne Edelsteine schm�ckten die R�stung an den Unterarmen und der H�fte. Ihre Farbe und das Leuchten passten zu seinen unmenschlichen Augen. Damit blickte er nun in die flammend roten Augen der Banshee.</p><p>�Ich habe Zauber um Zauber gewirkt, habe mich tief in jeden dieser Narren hineinbegeben... und stets mit demselben Resultat, Eure Majest�t...�, antwortete er k�hl. Der D�mon neigte den Kopf zur Seite, und mit analytischem Interesse beobachtete er den gequ�lten Gesichtsausdruck seiner Herrin.</p><p>�Wir tr�umen nicht!�, entgegnete Sylvanas, ihre Stimme war jetzt so schrill, dass der D�mon seine langen spitzen Ohren bedecken muss-te. Selbst dann sp�rte er noch den kurzen, aber scharfen Schmerz. Der Schrei einer Banshee war eine schreckliche Waffe, und Sylvanas war die t�dlichste und einzigartigste aller Banshees.</p><p>�Das alles d�rfte uns nicht betreffen�, f�gte die K�nigin der Untaten ruhiger hinzu. �Sie tr�umen nicht, Varimathras...�</p><p>�Nicht einmal... Sharlindra?�</p><p>Sylvanas musste zu der bewegungslosen Gestalt blicken. Anders als der Rest war sie sorgf�ltig auf die Steinempore gelegt worden. Der K�rper schien eher ein Trugbild als real zu sein, eine schwindende Illusion. Er strahlte eine wei�e Aura mit blauen Untert�nen aus. Im Leben war dies eine liebreizende Elfenfrau gewesen, und ihre Anmut war auch im Tod erhalten geblieben. Sie war Sylvanas eine weise und, anders als der D�mon, <emphasis>vertrauensw�rdige</emphasis> Beraterin gewesen.</p><p>Doch Sharlindra war als Erste gefallen. Sylvanas beunruhigte allerdings noch mehr, dass sie etwas murmelte, als sie sich �ber sie gebeugt hatte.</p><p>Das tat sie immer noch. Sie alle taten es. Das alles wies daraufhin, dass der D�mon recht hatte. Sie <emphasis>tr�umten</emphasis>.</p><p>�Das ist ein Trick!� Doch Sylvanas wusste aus eigener bitterer Erfahrung, dass so etwas nicht m�glich war. �Das ist ein Trick, genauso wie dieser gr�nliche Nebel, der �ber Unterstadt liegt...� Sie wandte sich von Sharlindra ab und blickte Varimathras an. Ihre Augen blitzten, als sie �berlegte, wer wohl hinter dieser Sache stecken konnte.</p><p>Ihr fiel nur ein Name ein, und als sie ihn nannte�� selbst nur gefl�stert -, �berkam sie eine Wut, die sogar Stein zum Beben brachte. ,<emphasis>Arthas</emphasis>... das ist das Werk des Lichk�nigs... Doch das ist gar nicht mehr m�glich...�</p><p>Keuchend �ffnete Sharlindra pl�tzlich die Augen. Sie blickte auf und sah etwas, das Sylvanas nicht erkennen konnte.</p><p>Die tote Banshee l�chelte. Sie streckte ihre schlanke, feinstoffliche Hand aus. �<emphasis>Leben... ich werde wieder leben</emphasis>...�</p><p>Sie schloss die Augen und senkte die Hand. Wieder murmelte sie etwas, obwohl Sylvanas die Worte nicht verstehen konnte.</p><p>Sylvanas� Augen brannten vor Wut. Sie beugte sich �ber die stumme Gestalt. �Was f�r eine verderbte Narretei ist das? Sie hat unm�gliche Tr�ume von noch unm�glicheren Dingen. Sie tr�umt von den <emphasis>Lebenden</emphasis>. Wahnsinn!�</p><p>�Das ist gar nicht so verr�ckt�, bemerkte Varimathras hinter ihr. �Ein einfacher Zauber, in der Tat.�</p><p>Die Banshee wirbelte angesichts der skeptischen Bemerkung des D�mons mit offenem Mund herum. Varimathras h�tete sich, sie zu verspotten. Er hatte schnell gelernt, dass seine Artgenossen nicht die einzigen Meister der Folter waren. �Du bewegst dich auf einem gef�hrlichen Pfad...�</p><p>Doch der Gefl�gelte zuckte nur mit den Achseln. �Ich sage lediglich die Wahrheit. Wiederbelebung ist f�r einen Schreckenslord eine recht einfache Sache.�</p><p>�Du meintest doch, dass es unm�glich ist! Ich habe dich gewarnt...� Sylvanas� Wut kochte �ber. Sie konzentrierte sich auf Varimathras.</p><p>Immer noch unbeirrt gestikulierte er: �Lass es mich dir zeigen.�</p><p>Eine Kraft so gro�, als w�rde ganz Unterstadt �ber ihr einst�rzen, warf die Banshee zu Boden. Instinktiv wollte sie von der festen Gestalt in den feinstofflichen K�rper wechseln, doch das schien nicht zu funktionieren, denn sie sp�rte trotzdem den heftigen Aufprall. Sylvanas war kurzzeitig benommen, doch der k�hle, feuchte Stein an ihrer Wange brachte sie wieder zu vollem Bewusstsein.</p><p>Und dann wurde ihr klar, dass sie solche Gef�hle eigentlich gar nicht h�tte sp�ren d�rfen... eigentlich h�tte sie <emphasis>�berhaupt</emphasis> nichts sp�ren d�rfen.</p><p>Der unaufh�rliche Gestank nach Verwesung erf�llte ihre Nase. Er war st�rker als jemals zuvor seit Gr�ndung der Stadt. Er war so intensiv, dass sie hustete, und sie musste erst tief einatmen, um sich zu beruhigen.</p><p>Nur... atmete sie eigentlich gar nicht. Sie war schlie�lich tot.</p><p>Oder doch nicht?</p><p>Sylvanas beobachtete ihre Hand. Die bleiche Haut war einem blassen Rosa gewichen.</p><p>�Nein...� Sie keuchte beim Klang ihrer eigenen Stimme... Ihre Stimme war, wie sie vor ihrer Verwandlung zur Banshee geklungen hatte.</p><p>Varimathras ragte �ber ihr auf. Der D�mon hielt ihr einen gro�en Spiegel mit goldenem Rand entgegen. �Siehst du? Ich habe nicht gelogen... zumindest nicht dieses Mal.�</p><p>Sylvanas starrte sich selbst an, ihr fr�heres lebendiges, atmendes Ich. Sie ber�hrte ihre Wangen, ihr Kinn, ihre Nase.</p><p>�Ich lebe...�</p><p>�Ja, das stimmt.� Varimathras schnippte mit seinen krallenbewehrten H�nden.</p><p>Die vier grausigen Hochelfen kamen herbei und packten Sylvanas. Sie stanken f�rchterlich. Kleine schwarze Kreaturen krabbelten �ber die Stellen, wo ihr Fleisch offen vom Knochen hing. Sylvanas wollte sich �bergeben, und diese Tatsache allein erschreckte sie noch mehr.</p><p>Sie musste sich zusammenrei�en. Sie war Kommandeurin der Hochelfen gewesen, und jetzt war sie die K�nigin der Verlassenen. Sylvanas blickte die Hochelfen an und befahl: �Lasst mich los!�</p><p>Aber sie packten nur fester zu. Sylvanas blickte in die eingefallenen Augen des einen�� und erkannte darin einen derart starken Hass auf sie, dass sie einfach sprachlos war.</p><p>�Vielleicht sind sie ein wenig eifers�chtig�, bemerkte Varimathras, der wieder im Schatten versank. �Doch das sollten sie nicht. Du bleibst ja nicht lange so!�</p><p>Die Hochelfe schwankte zwischen Angst und Bedauern. �Es h�lt nicht lange an?�</p><p>�Es w�rde andauern, wenn wir es dir erlauben w�rden.�</p><p>Das sagte nicht der D�mon, sondern jemand anderes, der ohne Sylvanas� Wissen eingetreten war. Sie konnte den Neuank�mmling von ihrer Position aus nicht sehen. Doch Sylvanas kannte die Stimme gut... und erschauderte.</p><p>Varimathras befahl den Wachen, Sylvanas umzudrehen.</p><p>Sie erblickte eine in eine schwarze, eisige R�stung geh�llte Gestalt.</p><p>Es war der Lichk�nig.</p><p>Sie k�mpfte darum, sich zu befreien, aber die Wachen hielten sie mit ihrem sprichw�rtlichen Todesgriff fest. Schlimmer noch, sie schleiften sie auf den Lichk�nig zu.</p><p>Arthas packte sie am Kinn. Seine menschlichen Gesichtsz�ge waren kaum durch die �ffnungen im Helm erkennbar. Frostiger Atem schlug ihr entgegen, als er sprach.</p><p>�Du siehst gut aus als Hochelfe... und als Banshee wirkst du noch besser...�</p><p>Sie wurde auf die steinerne Plattform gestellt und angekettet. Varimathras trat zum Lichk�nig, der erneut seiner Gefangenen �ber das Kinn strich.</p><p>�Diesmal...verwandle ich dich richtig�, versprach Arthas. Sein kalter Atem fuhr �ber Sylvanas� Gesicht, doch es war nicht der Atem, der sie fr�steln lie�.</p><p>Arthas wollte sie abermals zur Banshee machen...</p><p>Sylvanas erinnerte sich noch daran, welche Schmerzen sie bei der letzten schrecklichen Verwandlung erlitten hatte. Sie ahnte, dass sie diesmal einen Schrecken durchleben musste, der tausend Mal st�rker war.</p><p>�Nein!�, schrie sie und versuchte, ihre Kr�fte einzusetzen. Ungl�cklicherweise geh�rten ihr diese Kr�fte nicht mehr, solange dieser monstr�se Zauber noch wirkte.</p><p>Arthas hob sein langes, glattes Schwert, Frostgram. Das B�se darin stand dem Lichk�nig in nichts nach. Er richtete die Spitze auf Sylvanas, und die Waffe f�llte ihren panischen Blick aus.</p><p>�Ja, fortan wirst du eine wirklich gehorsame Dienerin sein, meine teure Sylvanas... selbst wenn wir dich immer wieder aufs Neue beleben m�ssen, damit es diesmal auch wirklich richtig funktioniert...�</p><p>Sylvanas schrie.</p><empty-line/><p>�Sie wird nicht aufwachen�, murmelte Sharlindra und sp�rte in sich ein Gef�hl der Furcht, wie sie es seit ihrem eigenen Tod nicht mehr erlebt hatte. Sie beobachtete die anderen Verlassenen um sich herum und erkannte, dass sie dasselbe f�hlten. Sylvanas redete �ber Varimathras, den Verr�ter, den sie selbst get�tet hatte. Und �ber den Lichk�nig, der lange besiegt war! Was f�r eine Art Traum durchlebte sie nur? Und <emphasis>warum</emphasis> tr�umte sie �berhaupt?</p><p>Beinahe die H�lfte von Sylvanas� Untertanen waren in demselben Zustand wie ihre K�nigin. Mit Ausnahme einiger weniger erging es den anderen V�lkern der Horde �hnlich, obwohl es in deren Fall nachvollziehbarer war.</p><p>Aber noch schlimmer war... dass die Verlassenen angegriffen wurden.</p><p>Angegriffen von den Schatten ihrer eigenen Angeh�rigen, die zu etwas noch Abscheulicherem geworden waren als es selbst die Bewohner von Unterstadt darstellten. Die Verlassenen wussten, dass diese Wesen nicht real waren, doch sie waren auch keine Illusionen. Den Untoten machten diese Kreaturen, die irgendwo zwischen Leben und Tod standen, mehr zu schaffen, als es zuvor ihr eigener Tod getan hatte. Sie verw�steten Unterstadt auf eine Art, die die Verlassenen daran erinnerte, wie es gewesen sein musste, als die Untoten selbst als Teil der Gei�el dieses einst lebendige K�nigreich �berrannt hatten.</p><p>Ein Schrei ersch�tterte Sharlindra erneut. Er kam nicht von Sylvanas, sondern war �ber ihr erklungen. Sie wusste, dass es der Schrei einer Banshee gewesen war. Aber es war weder eine Warnung gewesen noch ein Kampfschrei.</p><p>Es war ein Schrei der Furcht... die Furcht der Untoten.</p><p>Sharlindra blickte alle an, die sich mit ihr hier versammelt hatten. So furchterregend sie auf Au�enstehende auch wirken mochten, verstr�mten die Verlassenen nun ein Gef�hl, das un�blich f�r sie war. Die Untoten, die sie anblickte, wirkten unsicher, wie aus dem Gleichgewicht gebracht.</p><p>Weitere Schreie ert�nten von den oberen Etagen von Unterstadt. Die Banshee blickte zu ihrer K�nigin, doch es gab keine Hoffnung auf F�hrung durch Sylvanas.</p><p>�Der Nebel...�, warnte eine raue Stimme. Der Sprecher hatte kaum noch Fleisch am K�rper und konnte nur dank seiner Magie �berhaupt sprechen, weil sein Mund schlaff zur Seite hing. �Der Nebel...�, wiederholte er.</p><p>Sharlindra blickte zu den Stufen, die zu ihnen f�hrten. Der d�stere gr�ne Nebel glitt dort hinunter, als w�rde ein lebendes Wesen langsam seine Beute umstreichen.</p><p>Die Verlassenen wichen zur�ck. Gleichzeitig begannen sich im Nebel Gestalten zu bilden.</p><p>Die Banshee trat ebenfalls zur�ck. Sie kannte einige dieser Gestalten. Anhand der Reaktionen der anderen merkte sie, dass auch sie ihre Verwandten und Freunde erkannten�� allesamt Lebende, die derzeit st�rker gefoltert wurden als sie.</p><p>Die Banshee stie� einen Schrei aus, der als verzweifelter Angriff begann und in Entsetzen endete.</p><p>Der Albtraum verschlang Unterstadt.</p><empty-line/><p>In Sturmwind beobachtete K�nig Varian, wie sich der Nebel und die schaurige Streitmacht auf die Burg zubewegten. Aus verschiedenen Teilen der Stadt erklangen Schreie.</p><p><emphasis>Wir werden angegriffen... und wir k�nnen den Feind nicht besiegen</emphasis>...</p><p>Sie hatten es mit Pfeilen versucht. Pfeile mit �lgetr�nkten, brennenden Spitzen. Sie waren nicht effektiver gewesen als Schwerter, Lanzen und alle anderen Waffen. S�mtliche Magier und die anderen Zauberwirker, die in der Stadt noch bei Bewusstsein waren, gaben ihr Bestes, aber ihre Effektivit�t war begrenzt.</p><p>Die tapferen Verteidiger von Sturmwind warteten auf die Befehle ihres Monarchen.</p><p>Varian sah seinen Sohn und seine tote Frau. Beide waren immer noch hundertfach vervielfacht und durchquerten gerade das Tor, als best�nde es aus Luft. Nichts hielt diesen lebendigen Albtraum auf.</p><p>Pl�tzlich wurde Varian klar, dass er gar keine Befehle mehr geben <emphasis>konnte</emphasis>... selbst wenn Burg und K�nigreich unterzugehen drohten.</p><empty-line/><p>Durch fast alle bekannten L�nder von Azeroth setzte sich der Albtraum fort. Dabei schwand der Nebel stets so weit, dass die wachen Wesen sehen konnten, was aus seinen Opfern geworden war... und welches Schicksal ihnen drohte. Doch egal, ob es die Orcs aus Orgrimmar waren, die Zwerge aus Eisenschmiede oder eins der anderen V�lker in einem anderen Land, niemand ergab sich. Sie wussten, dass sie keine andere Wahl hatten... egal, wie wenig Hoffnung sie auch haben mochten.</p><empty-line/><p>Doch es <emphasis>gab</emphasis> ein Reich, das merkw�rdigerweise frei vom Nebel war. Es war Teldrassil und somit auch Darnassus.</p><p>Das bedeutete nicht, dass Shandris Mondfeder nicht gewusst h�tte, was auf dem Kontinent vor sich ging. Tyrandes Generalin war durch ihr Netzwerk stets gut informiert.</p><p>Ein Netzwerk, das derzeit in rasendem Tempo zusammenbrach.</p><p>Shandris legte die letzte Nachricht beiseite, die sie von einem Agenten aus der N�he von Orgrimmar bekommen hatte. Darin stand nur, was auch aus Sturmwind, Donnerfels und allen anderen Orten, �ber die Shandris ihr Netz gestrickt hatte, berichtet wurde.</p><p>Der mysteri�se Nebel breitete sich aus. Schlimmer f�r sie war jedoch die Tatsache, dass auch sie nicht wusste, wo sich ihre K�nigin befand. Tyrande war nach Eschental gereist... und dann scheinbar verschwunden.</p><p><emphasis>Sie ist nicht tot</emphasis>!, redete die Nachtelfe sich ein.</p><p>Shandris verlie� ihr Quartier. Sie h�tte in den Gem�chern der K�nigin wohnen k�nnen, wie Tyrande es ihr angeboten hatte, wenn sie in Staatsgesch�ften unterwegs war. Doch Shandris bevorzugte ihr eigenes spartanisches Quartier. Hier gab es nichts Schm�ckendes, das die Natur ehrte, nur Waffen und Kriegstroph�en. Shandris ganzes Streben galt dem Schutz ihrer K�nigin und ihres Volkes. Mehr als einmal hatte sie w�hrend Tyrandes Abwesenheit versucht, einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der K�nigin durch die Visionen anderer Priesterinnen zu bekommen.</p><p>Das war fehlgeschlagen. Stattdessen hatte Elune ihr eine andere Vision geschickt, eine, die die Generalin verwirrte.</p><p>Es war eine Vision von Teldrassil gewesen, der von innen her zerfressen wurde. Ein f�rchterlicher, schw�render Verfall w�rde sich nicht nur �ber die Wurzeln ausbreiten, sondern auch bis zur Krone vordringen. Er w�rde den Weltenbaum schnell verschlingen.</p><p>Die Vision war kurz gewesen, nur drei oder vier Atemz�ge lang. Shandris war sie sorgf�ltig mit jeder Priesterin durchgegangen und verstand sie dennoch nicht.</p><p>Die Vision hatte Shandris heute derma�en beunruhigt, dass sie nicht mehr l�nger still sitzen konnte. In der Hoffnung, ihre Gedanken zu kl�ren, war sie pers�nlich die ganze Hauptstadt abgelaufen, war von der befestigten Bastion zur Terrasse der Krieger unten im Handelsbezirk gegangen, durch den mystischen Tempel des Mondes und �ber die saftigen, mit Skulpturen versch�nerten Inselchen in den G�rten. Dort hatte sie einen Abstecher zur Handwerkerterrasse gemacht, bevor sie zu den Kriegerquartieren zur�ckgekehrt war.</p><p>Nur bei der Enklave des Cenarius war sie nicht gewesen. Shandris hatte keine Angst, in die Festung der Druiden zu gehen. Noch respektierte sie Fandral so sehr, dass sie seinetwegen von dort ferngeblieben w�re. Ihre Loyalit�t galt Tyrande. Selbst jetzt w�re die Generalin normalerweise an der Enklave vorbeigegangen. Aber Shandris hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass, wenn man Antworten finden wollte, es oft besser war, nicht nach der offensichtlichen Quelle zu suchen.</p><p>Die schreckliche Vision immer noch im Kopf, erkannte sie pl�tzlich, dass es jemanden unter den Druiden gab, der ihr vielleicht n�tzlich sein konnte. Jemand, der ihr die Vision erkl�ren konnte, ohne Fandral davon zu berichten.</p><p>Als jemand, die von ihren Untergebenen nichts verlangte, was sie nicht selbst zu tun bereit war, verlie� Shandris leise die Kriegerterrasse. Kaum dass sie aus dem Holzgeb�ude trat, erreichte der vertraute Klang milit�rischen Drills ihr Ohr. F�r Shandris war dies s��er als die Musik ihres Volkes. Seit dem Tod ihrer Eltern im Krieg der Ahnen hatte sie keine Musik mehr genossen... au�er den Liedern und Ges�ngen, die die Priesterinnen w�hrend des Kampfes benutzten, wenn sie Elunes Kraft anriefen. Die waren immerhin n�tzlich.</p><p>Sie wollte sich gerade umdrehen... als sie eine Gestalt erblickte, die verstohlen die Tempelg�rten nach Norden hin durchquerte. Der Umhang wies sie als Druiden aus, doch ansonsten konnte sie die Person nicht identifizieren.</p><p>Shandris ging weiter... dann wandte sie sich um. Sie konnte nicht sagen, warum, aber sie entschied sich, dem Druiden zu folgen.</p><p>Die Gestalt verschwand schnell in dem dichten Hain, der zur Enklave geh�rte. Shandris folgte ihr. Die Kommandantin der Schildwache bewegte sich wie ein Schatten unter den gro�en B�umen. Viele wirkten wie verkleinerte Versionen von Teldrassil. Das wiederum erinnerte sie an ihre Vision.</p><p>Der Druide kam wieder in Sicht. Etwas war merkw�rdig an seinem Gang�� sie vermutete, dass die Gestalt m�nnlich war�� und dem Umstand, dass er sich unter seinem Umhang versteckte. Es wirkte beinahe so, als w�re er nicht gern in der Enklave.</p><p>Der Druide blieb stehen. Die Gestalt blickte von links nach rechts, als w�rde sie �berlegen, was sie tun sollte.</p><p>Dann traf sie eine Entscheidung. Shandris l�chelte, weil sie es erraten hatte.</p><p>Sie folgte dem Druiden. Oder besser, sie <emphasis>versuchte</emphasis>, ihm zu folgen. Ihr Fu� verfing sich in einer Wurzel, der die Nachtelfe eigentlich ausgewichen war. Als Shandris beiseitetrat, schien sich die Wurzel �ber den Boden zu winden, um sie wieder am Fu� zu packen.</p><p>Die W�chterin bewegte sich geschmeidig, um der Wurzel zu entkommen. Doch ein Ast traf ihr Gesicht. Der Aufprall war so hart, dass Shandris vor den n�chsten Baum torkelte.</p><p>Die Wurzeln des Baumes umschlossen ihre Kn�chel. Shandris zog die Klinge, die sie immer bei sich trug, um sich freizuschneiden.</p><p>Doch ein weiterer Ast traf sie am Kopf. Reglos ging Shandris zu Boden.</p><p>In diesem Moment <emphasis>�ffnete</emphasis> sich die raue Borke. Obwohl sie benommen war, sp�rte Shandris, wie sie <emphasis>in</emphasis> den Stamm hineingezogen wurde.</p><p>Sie m�hte sich, ihre Konzentration zur�ckzuerlangen. Aber erneut wurde sie vor den Kopf geschlagen. Das Innere der gro�en Eiche umgab sie. Mit verschwommenem Blick beobachtete die Priesterin, wie die Borke sich wieder schloss.</p><p>Eine Finsternis, die selbst sie nicht durchdringen konnte, umgab sie. Gleichzeitig bildete sich ein Druck auf ihrer Brust. Shandris erkannte vage, dass es hier drin zu eng war. Sie konnte nicht atmen...</p><p>Die Nachtelfe wurde ohnm�chtig und wusste, dass der Tod unmittelbar bevorstand.</p><p>Dann wich die Borke wieder. Der Druck schwand. Frische Luft umgab Shandris, sie taumelte vorw�rts.</p><p>Sie landete in den Armen einer kr�ftigen Gestalt. Shandris versuchte, sich zu erholen. Sie war sich sicher, dass ihr Gegner sie erwischt hatte.</p><p>Ein moschusartiger Geruch umgab die Nachtelfe und holte sie ins Bewusstsein zur�ck. Sie blickte auf und erkannte die Gestalt.</p><p>Es war ein Tauren.</p><p>Hamuul Runentotem blickte sie aus zusammengezogenen Augen an. �So... du bist es also...�</p></section><section><title><p>19</p><p>Erwachen im Albtraum</p></title><p>Es gab keine Hoffnung. In seinem ganzen langen Leben hatte Malfurion eine solche Gefahr nur einmal erlebt. Das war im Krieg der Ahnen gewesen.</p><p>Der gr�ne Drache, den ihnen Ysera geschickt hatte, trug immer noch Malfurion, Tyrande, Broll, Lucan und auch Thura von der Katastrophe weg. Die gr�nen Drachen befanden sich auf dem R�ckzug, und die letzten Verteidiger am Boden waren in v�lliger Aufl�sung begriffen, weil sie wussten, was geschehen war. Ihre Moral war so gering wie die von Malfurion, vielleicht sogar noch geringer. Sie wussten, dass sie allm�hlich verloren. Doch nun erkannten sie zudem, dass all ihre Bem�hungen nichts als L�gen gewesen waren. Der Albtraum hatte sie provoziert und auf seine Gelegenheit gewartet.</p><p><emphasis>Da er Ysera in seiner Gewalt hat, kann er alles machen! Warum hat sie das alles f�r mich riskiert</emphasis>?</p><p>Ysera war zwar erst durch Lethons Trickserei gefangen genommen worden. Doch sie w�re gar nicht in Gefahr geraten, w�re da nicht ihr v�llig unerkl�rliches Interesse an Malfurions Flucht gewesen.</p><p>�Er holt uns ein!�, br�llte Tyrande.</p><p>Sie sprach die schreckliche Wahrheit aus. In seinem Kopf sah Malfurion den leuchtenden Umriss eines anderen Druiden in seiner Traumgestalt, der nicht von den Ranken des Schattenbaums angriffen wurde, sondern von den Opfern des Albtraums. Deren Klauenh�nde zerrten an der Traumgestalt, als best�nde der Nachtelf aus d�nnem Stoff. Er schrie, als sein innerstes Wesen in tausend St�cke gerissen wurde...</p><p>Kaum einen Augenblick sp�ter sah Malfurion den Druiden in vorderster Reihe der monstr�sen Horde des Albtraums k�mpfen. Seine Traumgestalt war nun dunkler und hagerer. Korrumpiert richtete er seine verderbten Finger auf den n�chsten der �brig gebliebenen Verteidiger, damit er sich dem Albtraum anschloss.</p><p>Aber so f�rchterlich sein Versagen auch war, so verschwindend gering die Chancen, wusste der Erzdruide dennoch, dass er sich dem Unausweichlichen nicht verschlie�en konnte. Er durfte nicht zulassen, dass der Albtraum noch einen Sieg errang, w�hrend er floh.</p><p>Doch als er sich in den Kampf st�rzen wollte, br�llte ihm der gr�ne Drache zu: �Jetzt ist nicht die Zeit daf�r! Ysera hat sich nicht f�r dich geopfert, damit du gleich wieder verloren gehst! Meine K�nigin sagte uns kurz vor dem Angriff, dass du wichtiger f�r Azeroth bist als sie! Und obwohl wir das kaum glauben konnten, vertrauen wir doch ihrem Wort!�</p><p>�Wichtiger?�, fragte Malfurion ungl�ubig. �Sie hat den Albtraum so lange bek�mpft, dass ihr Geist sicherlich darunter gelitten hat!� Er gab sich mehr M�he, sich zu befreien und sp�rte schlie�lich, wie sich seine Traumgestalt von dem Drachen l�ste.</p><p>Tyrande sp�rte, was er tat. Sie griff nach dem Erzdruiden. �Malfurion! Nein!�</p><p>Ihre Hand glitt durch seine Traumgestalt hindurch. Malfurion bem�hte sich, nicht auf sie zu achten. Ein Teil von ihm wollte nichts anderes, als bei Tyrande bleiben, aber seine Pflicht verlangte ihn anderswo.</p><p>Zu seiner Best�rzung begann die Umgebung zu verblassen. Zu sp�t erkannte der Erzdruide, dass er durch seine Anstrengung, sich vom Zauber des gr�nen Drachen zu befreien, etwas anderes in Gang gesetzt hatte.</p><p>�Nein!� Malfurion versuchte das Unausweichliche aufzuhalten. �Nein!�</p><p>Der Erzdruide setzte sich auf. Der Schmerz durchzuckte augenblicklich seinen K�rper. Er fasste sich an die Brust und rollte sich herum.</p><p>Er war wieder zur�ck in der Gruft. Es h�tte ihn nicht �berraschen d�rfen. Das Band zwischen seinem K�rper und seiner Traumgestalt war stark.</p><p>Doch etwas f�hlte sich falsch an. Malfurion bleckte die Z�hne und k�mpfte gegen den Schmerz an. Lag es daran, dass er so lange fort gewesen war?</p><p>Der Erzdruide stie� ein Grunzen aus. Ihm war klar, dass er ohne die Hilfe anderer m�glicherweise nicht so lange �berlebt h�tte.</p><p>Sein K�rper befand sich in gutem Zustand. Er sp�rte die Ber�hrung Elunes, eine Kraft, die der Nachtelf noch gut von Tyrande kannte. Malfurion hatte keinen Zweifel, dass seine Geliebte hinter den Rettungsma�nahmen steckte.</p><p>Aber obwohl er so laut st�hnte, kam ihm keine Priesterin zu Hilfe.</p><p>Allm�hlich erholte er sich. Pl�tzlich sp�rte Malfurion etwas, das er nur mit den hoch entwickelten F�higkeiten eines Druiden bemerken konnte.</p><p>Die Quelle seines Leidens�� die ihn immer noch t�ten wollte�� war die winzige Menge eines Pulvers. Schnell identifizierte er das magisch verst�rkte Kraut, das zu seiner Herstellung benutzt worden war. Morgenkorn. Morgenkorn wurde angeblich f�r einige primitivere Fl�che verwendet. Doch obwohl es durchaus wirksam war, hatte irgendjemandem die ihm innewohnende Kraft allein nicht ausgereicht. Dieser schwache Zauber h�tte gen�gen m�ssen, um Malfurions langsamen, aber sicheren Tod zu garantieren.</p><p>Wer immer auch daf�r verantwortlich war, hatte jedoch das heilende Licht von Mutter Mond untersch�tzt. Damit hatten die Priesterinnen Malfurions K�rperh�lle am Leben gehalten, obwohl das Gift auf die Dauer vielleicht doch noch gewirkt h�tte.</p><p>Malfurion konzentrierte sich auf das Pulver und zog es aus seinen K�rperzellen heraus. Er bildete eine faulige Kugel daraus...</p><p>Pl�tzlich musste sich der Erzdruide �bergeben.</p><p>Er konnte die kleine Kugel nicht erkennen, die er ausspuckte. Aber er sp�rte, wie ihr gr�sslicher Einfluss schwand. Malfurion schnappte nach Luft, als er sich langsam erneut erhob.</p><p>Erst dann erblickte er die beiden Priesterinnen. Beide lagen auf dem Boden seiner Gruft. Sie lebten noch, waren aber ohne Bewusstsein.</p><p>Dabei zuckten sie und murmelten immer wieder etwas mit angsterf�llter Stimme.</p><p>Auch in der Gruft hatte sich der nur allzu vertraute Nebel ausgebreitet.</p><p>Malfurion hatte urspr�nglich vorgehabt, erneut zu meditieren, um in seine Traumgestalt zur�ckzukehren. Doch nun ging er vorsichtig durch den Nebel auf den Eingang zu. Er konnte nichts f�r die Priesterinnen tun, zumindest nicht im Augenblick. Der Erzdruide musste wissen, wie weit sich die Bedrohung bereits �ber die Mondlichtung ausgebreitet hatte.</p><p>Aber das Bild, das sich ihm drau�en bot, zeigte, wie falsch er gelegen hatte. Die Mondlichtung war v�llig vom Nebel bedeckt, wodurch sie eher wie ein Friedhof wirkte. Kein Ger�usch war zu h�ren, nicht einmal eine Grille.</p><p>Der Nachtelf schlich vorsichtig durch das Gestr�pp und kam zu einer weiteren Gruft. Er schl�pfte hinein.</p><p>Er erblickte eine reglose Gestalt in vertrauter Robe. Die Kapuze bedeckte das Gesicht des Schl�fers. Malfurion kniete neben dem Druiden nieder und ber�hrte die Handgelenke des Nachtelfen.</p><p>Sie f�hlten sich kalt an.</p><p>Malfurion schob schnell die Kapuze beiseite.</p><p>Der offen stehende Mund der Leiche lie� den Erzdruiden erschaudern. Der Bewohner der Gruft hatte offensichtlich seine Traumgestalt ausgeschickt, war aber nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig zur�ckzukehren. Malfurion fragte sich, ob der arme Kerl zu denen geh�rt hatte, die den Albtraum bek�mpften oder ob er schon vorher fortgegangen war.</p><p>Weil Malfurion derzeit nichts f�r die sterblichen �berreste des Druiden tun konnte, verlie� er die Gruft. Er fragte sich, wie viele der anderen irdenen Gr�fte solche Leichen enthielten.</p><p>Malfurion wusste, dass seine Chancen, den Lebenden zu helfen, gr��er waren als bei den Toten. Er �berlegte, wie er am besten vorgehen sollte. Der Erzdruide dachte nicht l�nger an Meditation, die Mondlichtung war befleckt worden. Die R�ckkehr in seine Traumgestalt war zu riskant. Er musste an einen anderen Ort, andere Verb�ndete finden.</p><p>Doch am wichtigsten war, herauszufinden, was mit Tyrande und den anderen geschehen war. Sie hatten den Smaragdgr�nen Traum in ihrer physischen Gestalt betreten. Malfurion war klar, dass sie ein Portal benutzt hatten. Und das n�chste befand sich im Eschental.</p><p>Kaum hatte er seinen neuen Weg gew�hlt und begonnen, sich in eine Sturmkr�he zu verwandeln, als Malfurion erkannte, dass er sich auf etwas anderes konzentrieren musste, das ihn fast in die entgegengesetzte Richtung f�hrte. Obwohl er lange eingesperrt gewesen war, wusste Malfurion, dass sein Volk eine neue Siedlung im Westen geplant hatte, einen Ort fern der K�ste. Selbst durch den Albtraum hindurch hatte Malfurion die m�chtigen Versuche der anderen Druiden gesp�rt, etwas zu tun. Ungl�cklicherweise hatte er nicht mitbekommen, wie es ausgegangen war, weil er seine eigenen Aktionen vor dem Albtraum verborgen halten musste. Er hatte allerdings ein paar Hinweise und Vermutungen...</p><p>Er schaute sich auf der nebelverhangenen Lichtung um. Es gab kein Anzeichen von Remulos. Sicherlich w�re der W�chter der Mondlichtung erschienen, wenn er gesp�rt h�tte, dass Malfurion erwacht war. Malfurion lie� seine Gedanken weit hinauswandern, konnte den Halbgott aber immer noch nicht finden. Hatte sich Remulos auch den anderen Druiden angeschlossen?</p><p>Die Ironie, dass er nun auf Azeroth genauso allein war wie als Gefangener des Albtraumlords, entging dem Erzdruiden nicht. Er dachte dar�ber nach�� und dann fragte er sich, warum er eigentlich noch seine Zeit verschwendete, statt sofort zu handeln.</p><p>Malfurion konzentrierte sich. Augenblicklich verschwamm seine Umgebung... und erst da erkannte er die wahre Gefahr.</p><p>Er war einem <emphasis>Tagtraum</emphasis> zum Opfer gefallen. Er konnte nichts daf�r. Der Albtraum war so m�chtig, dass er die Mondlichtung bereits durchdrungen hatte. Gefangen in der Sorge um andere, hatte der Erzdruide nicht bemerkt, wie er in einen halbd�mmernden Zustand geglitten war. Wahrscheinlich war den Priesterinnen neben seinem K�rper dasselbe passiert.</p><p>Aber das hatte dem Albtraum nicht gereicht. Malfurion bewegte sich und stellte fest, dass die Lichtung selbst ihn angriff.</p><p>Die Grashalme legten sich um seine Beine, den K�rper und die Anne. Die B�ume beugten sich vor, um ihn komplett zu bedecken. Sie alle waren von der vertrauten dunklen Macht ber�hrt worden, die er im Smaragdgr�nen Traum kennengelernt hatte... nur dass diese Welt <emphasis>wach</emphasis> war. Der Albtraumlord hatte Yseras gro�e Macht benutzt, um die letzte Grenze zwischen Traum und Realit�t zu zerst�ren.</p><p>Nur f�r einen kurzen Moment �berlegte Malfurion, ob er sich einfach seinem Untergang hingeben sollte. Er war verantwortlich daf�r, dass der Aspekt in Gefangenschaft geraten war und ganz Azeroth Gefahr drohte. Doch dieser Gedanke schwand schnell, als Tyrandes vertrauensseliger Blick in seinen Gedanken erschien.</p><p>Der Erzdruide konzentrierte sich. <emphasis>Das ist nicht Eure Natur</emphasis>, ermahnte er das Gras und die B�ume. <emphasis>Dies ist eine Perversion dessen, was doch ein Teil von Euch ist</emphasis>...</p><p>Er sp�rte, wie das Gras loslie�. Aber die B�ume antworteten noch nicht. Sie sch�ttelten ihre Wurzeln, als wollten sie sich selbst befreien, w�hrend sie gleichzeitig immer noch Malfurion angriffen. Pl�tzlich bewegte sich die Borke und bildete das Gesicht des Nachtelfen wie zum Spott nach.</p><p>�Das ist nicht Eure Natur�, sagte Malfurion nun laut. Zur gleichen Zeit konzentrierte er sich mit seiner jahrtausendealten Erfahrung auf die Flora. �Dies ist ein Ort des Friedens, der Ruhe... dieser Ort ber�hrt das Herz von Azeroth und wird ebenso von ihm ber�hrt...�</p><p>Das Gras lie� ihn los. Die B�ume versteiften sich pl�tzlich. Die Abbilder seines Gesichts verschwanden von der Borke.</p><p>Die Mondlichtung war wieder still, wenn auch immer noch nebelbedeckt.</p><p>Malfurion atmete tief durch. Was er getan hatte, war nicht leicht gewesen. Der Albtraumlord hatte sich ganz speziell auf ihn konzentriert. Gl�cklicherweise hatte das B�se den Erzdruiden untersch�tzt.</p><p>Dadurch wurde Malfurion eines klar: Er musste in den Smaragdgr�nen Traum zur�ckkehren�� oder dem, was noch davon �brig war -, bevor es zu sp�t war. Der gr�ne Drache hatte etwas Interessantes gesagt. Ysera schien der Meinung zu sein, dass Malfurion wichtiger war als sie selbst. So wichtig, dass sie ihr Leben daf�r riskierte.</p><p>Malfurion schrie frustriert auf. Er war sicherlich <emphasis>kaum</emphasis> wichtiger als die Herrin des Smaragdgr�nen Traums! Dennoch schuldete er <emphasis>ihr</emphasis> etwas f�r ihr Opfer. Und auch Azeroth schuldete er etwas. Denn nur durch seine Gefangennahme hatte der Albtraumlord �berhaupt zuschlagen k�nnen.</p><p>Er fragte sich, warum der Albtraum nicht bereits die ganze Welt unterjocht hatte. Sein Gebieter hatte Ysera in seiner Gewalt, worauf wartete er? Hielt ihn irgendetwas davon ab?</p><p><emphasis>Wenn es so etwas gibt, dann werde ich es nicht finden, indem ich hier herumstehe</emphasis>!, ermahnte er sich �rgerlich selbst. <emphasis>Auf jede Frage gibt es eine Antwort</emphasis>...</p><p>Ohne zu z�gern verwandelte sich der Erzdruide in eine Sturmkr�he. Malfurion stieg von der Mondlichtung auf. Seine Fl�gel schlugen kr�ftig, als er immer h�her und h�her flog...</p><p>In den Wolken verweilte er einen Moment. Seine scharfen Augen nahmen den Anblick unter ihm auf. Es entlockte ihm einen Schrei. Vielleicht hatte er Unrecht gehabt. Vielleicht war seine Hoffnung auf den Sieg auch nur ein letzter Albtraum, den ihm sein Feind geschickt hatte, um ihn zu verh�hnen.</p><p>Der Nebel bedeckte nicht nur die Mondlichtung. Er bedeckte auch das Land dahinter und jenseits davon.</p><p>Eigentlich... bedeckte er ganz Azeroth, so weit Malfurion blicken konnte.</p><empty-line/><p>�Malfurion!�, rief Tyrande. Sie blickte zu Broll. �Was ist mit ihm geschehen?�</p><p>�Er muss sich selbst zur�ck in seinen K�rper gezaubert haben! Er soll in Ord...�</p><p>Der gr�ne Drache musste pl�tzlich abdrehen, weil ohne Vorwarnung der Nebel um sie herum aufstieg.</p><p>Eine schreckliche gefl�gelte Gestalt materialisierte darin.</p><p>�<emphasis>Der Albtraum will diese Sterblichen haben... besonders die Nachtelfe</emphasis>...�, s�uselte der verderbte Drache Smariss. Sein verwester und verfaulender K�rper verpestete die Luft. �<emphasis>Kommt, akzeptiert das Unausweichliche... Azeroth und der Albtraum sind nun eins...�</emphasis></p><p>�Du wirst sie nicht kriegen!�, entgegnete der gr�ne Drache. Er stie� seinen Atem aus, der Feuer glich.</p><p>Aber es war ein Feuer, das eher geisterhaft denn real wirkte.</p><p>Doch als es Smariss traf, heulte der korrumpierte Drache vor Schmerz auf, und sein K�rper glitzerte, als w�re er pl�tzlich von Millionen Gl�hw�rmchen �berzogen.</p><p>Yseras Diener wartete nicht ab. Er umkreiste den sich wehrenden Feind.</p><p>Doch ein w�tendes Br�llen deutete darauf hin, dass Smariss die Schmerzen bereits abgesch�ttelt hatte. Einen Augenblick sp�ter schoss der korrumpierte Drache auf sie zu.</p><p>�Sie fliegt zu schnell, und ich k�mpfe gegen unsichtbare Kr�fte, die mich verlangsamen!�, sagte der gr�ne Drache zu seinen Sch�tzlingen. �Es gibt nur noch eine Sache, die ich tun kann!�</p><p>Die Magie, die die Sterblichen umgab, leuchtete so hell, dass vor allem die Nachtelfen die Augen abschirmen mussten.</p><p>�Findet euren Malfurion Sturmgrimm!�, rief ihnen ihr Retter zu. �Meine Herrin w�rde nicht l�gen!�</p><p>Und mit diesen Worten zauberte er sie fort.</p><p>Der Zauber sch�tzte sie vor weiteren Angriffen. Broll erkannte vor allen anderen, was der gr�ne Drache vorhatte.</p><p>�Das Portal! Er schickt uns da durch...�</p><p>Bevor er den Satz beenden konnte, flogen sie hindurch.</p><p>Die Magie l�ste sich in dem Augenblick auf, da sie zur�ck in Azeroth waren. Doch der gr�ne Drache hatte daf�r gesorgt, dass sie sich bei der Landung nicht verletzten.</p><p>Sie verlie�en das Portal nur wenige Zentimeter vom Boden entfernt, und als der Zauber schwand, plumpsten sie einfach zu Boden.</p><p>Alle au�er Lucan sprangen sofort auf. Als Broll sich dem Portal n�herte, <emphasis>froren</emphasis> die darin wohnenden Energien f�rmlich <emphasis>ein</emphasis>.</p><p>�Das ist nicht m�glich...�, murmelte er. Der Druide lief auf das Portal zu und streckte eine Hand durch die magische L�cke.</p><p>Es war, als h�tte er eine eiserne T�r getroffen. Broll verzog das Gesicht angesichts des heftigen Schmerzes, den ihm sein Ungest�m eingebracht hatte.</p><p>Die Hohepriesterin trat zu ihm. �K�nnen wir nicht durch?�</p><p>�Nein... Entweder hat der gr�ne Drache es hinter uns versiegelt... oder etwas anderes tat dies, sodass er uns nicht folgen konnte...�</p><p>Tyrande sch�ttelte den Kopf. �Der gr�ne Drache hat uns auf seine Kosten in Sicherheit gebracht... und das alles f�r Malfurion!�</p><p>Der Druide blickte �ber die Schulter. �Es stellt sich die Frage, ob wir �berhaupt in Sicherheit sind...�</p><p>Sie wandten sich zu Thura um. Die Orckriegerin hielt Brox� Axt bereits in den H�nden. Sie be�ugte die anderen vorsichtig.</p><p>�Wo ist er? Wo ist Malfurion Sturmgrimm?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>Tyrande trat auf die kr�ftige, gr�nh�utige Kriegerin zu. Als sie sich n�herte, leuchteten die H�nde der Hohepriesterin im Licht von Elune. �Er ist au�erhalb Eurer Reichweite, Attent�terin!�</p><p>Thura blickte sie an... und zu jedermanns �berraschung senkte die Orckriegerin die Waffe. Sie wirkte extrem m�de.</p><p>�Er hat mich verf�hrt, ihn zu jagen... er hat mich ausgetrickst. Warum wollte er sterben?�</p><p>Die Nachtelfen blickten einander an. �Er hat den Tod nicht gesucht�, sagte Tyrande. �Eure Axt war n�tig, um den Zauber zu brechen, glaube ich...�</p><p>Die Orcfrau fiel in sich zusammen. �Also... war meine ganze Suche nur eine T�uschung... Ich bin ein Nichts.�</p><p>�Entschuldigt�, unterbrach Lucan. Die anderen blickten ihn an. �Sollte der da mit uns durchs Portal zur�ckkommen?�</p><p>Die anderen blickten in die Richtung, in die Lucan wies. Broll erkannte die Gestalt als Erster.</p><p>�Knorre!�, rief er freudig. �Du...�</p><p>�Haltet Euch von ihm fern!� Tyrande riss Broll zur�ck.</p><p>Das Urtum des Krieges stie� ein scheu�liches Lachen aus. Als es n�her kam, konnte man seinen von Pilzen bedeckten Kopf erkennen. Seine Bl�tter waren mit F�ule �berzogen, und die Augen leuchteten schwarz. �Er will, dass du zur�ckkehrst...�, kr�chzte es. Seine Augen waren auf Tyrande gerichtet.</p><p>�Bleibt zur�ck!� Trotz ihrer Ersch�pfung fokussierte sich die Hohepriesterin. Doch ihre Konzentration reichte nicht aus, um das Licht zu beschw�ren.</p><p>Knorres gro�er Arm schlug nach ihnen. Broll stie� die anderen zur Seite und wurde von dem Schlag gestreift. Die Wucht des Treffers reichte immer noch aus, um ihn in die Knie zu zwingen.</p><p>Das Urtum griff nach dem gefallenen Nachtelfen. Tyrande trat vor Broll, ihr Gesichtsausdruck war grimmig. �Es tut mir leid, Knorre...�</p><p>Das Licht von Elune traf das korrumpierte Urtum frontal. Knorre taumelte zur�ck... und richtete sich dann auf.</p><p>�Dieses Mal ist er zu stark f�r dich�, spottete Knorre. �Azeroth geh�rt ihm schlie�lich...�</p><p>W�hrend er sprach, verdichtete sich der Nebel. Die vier dr�ngten sich enger aneinander. Knorre stie� ein h�ssliches Lachen aus.</p><p>Broll blinzelte. Er stand mitten in einem anderen Gefecht, und in seiner Hand befand sich ein vertrautes Objekt. Das G�tzenbild des Remulos. Der Druide sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Das ist wieder ein Traum! Das ist wieder ein Trick</emphasis>!</p><p>Doch seine Umgebung �nderte sich nicht. Au�erdem erklang eine Stimme in seiner N�he, die ihn um Hilfe anrief. Obwohl er es besser wusste, blickte der ehemalige Gladiator dorthin...</p><empty-line/><p>Tyrande kniete neben einem Steinh�gel. Sie weinte, doch es dauerte einen Moment, um zu begreifen, warum.</p><p><emphasis>Malfurion</emphasis> lag dort begraben.</p><p>Er war tot, obwohl sich die Hohepriesterin nicht an den Grund seines Todes erinnern konnte. Sie wusste nur, dass sie sich nach ihm sehnte. Sie sehnte sich nach einem gemeinsamen Leben, das ihnen beiden stets verwehrt geblieben war.</p><p>�Nein!�, schrie Tyrande w�tend und erhob sich gleichzeitig. �Ich lasse mich nicht betr�gen! Wir lassen uns nicht betr�gen!�</p><p>Sie blickte zum Himmel, wo der Mond voll und hell stand. Die Hohepriesterin hob die H�nde zum Mond empor, zu Elune.</p><p>�Gew�hrt mir einen Wunsch! Erf�llt mich mit Eurem Licht, wie Ihr es noch nie zuvor getan habt...�</p><p>Tyrande wusste, dass ihre Hoffnung falsch war�� eigentlich war an der gesamten Situation etwas falsch -, doch eine schreckliche Entschlossenheit erf�llte sie. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> Malfurion zur�ckbekommen! Sie w�rde es!</p><p>Das Licht von Mutter Mond strahlte aus ihr heraus. Sie vollf�hrte einige Gesten in Richtung des Steinhaufens. Das silberne Licht umflutete ihn.</p><p>Die Steine bebten. Ein paar oben liegende Br�ckchen fielen herunter.</p><p>Dann schoss eine skelettartige Hand daraus hervor.</p><p>Tyrande versuchte, ihren Zauber aufzuhalten, doch Elunes Licht n�hrte den Steinhaufen immer weiter. Die Hand schob weitere Steine beiseite. Trotz der silbernen Natur von Mutter Monds Geschenk leuchteten die kadaverhaften Finger in einem d�steren Gr�n.</p><p>Dann brach der Steinhaufen laut rumpelnd auseinander. Steine regneten auf Tyrande herab.</p><p>Aus der zerst�rten �ffnung erhob sich ein monstr�ser Malfurion...</p><empty-line/><p>Die Ahnen in Orgrimmar standen um Thura herum. Sie f�hlte sich besch�mt, hier vor ihnen zu stehen. Und ganz vorne war der gro�e Thrall pers�nlich. Er blickte sie entt�uscht an, entt�uscht und w�tend.</p><p>�Du hast unser Volk besch�mt, deinen Klan besch�mt�, verk�ndete Thrall. �Dir wurde eine gro�e Waffe gegeben, und du nahmst eine Blutrache an, um Broxigar zu r�chen!�</p><p>Sie fiel auf die Knie. �Ich habe versagt, das wei� ich. Doch der Nachtelf...�</p><p>�Der lebt und lacht dich aus, w�hrend Broxigars Blut noch von seinen widerlichen H�nden tropft!�</p><p>Thura hatte darauf keine Antwort.</p><p>Der Anf�hrer der Orcs streckte ihr die Hand entgegen. �Dir steht es nicht zu, diese ruhmreiche Axt zu f�hren. Gib sie mir zur�ck.�</p><p>Mit gesenktem Kopf bot Thura Thrall die Waffe an. Ein Gef�hl der Schuld durchlief sie, als sie die Axt in seinen H�nden zur�cklie�.</p><p>Thrall nahm die Waffe und bewunderte ihr ausbalanciertes Gleichgewicht und die hohe Handwerkskunst, die zu ihrer Fertigstellung n�tig gewesen war. Der Kriegsh�uptling umfasste die Axt fest und blickte die Orcfrau an. �Und nun wirst du Bu�e f�r deinen Fehler tun...� Er hob die Axt hoch und bereitete sich auf den t�dlichen Schlag vor...</p><empty-line/><p>Lucan blickte seine Begleiter an. Sie waren reglos wie Statuen, und ihre Augen waren halb geschlossen. Ihre Blicke schienen kein Ziel zu haben.</p><p>Sie waren im Albtraum gefangen.</p><p>Warum er nicht davon betroffen war, wusste er nicht. Wahrscheinlich, weil er die geringste Bedrohung f�r den Albtraum darstellte. Selbst jetzt war alles, was der Kartograf tun konnte, sich zu verstecken.</p><p>Und in seiner Verzweiflung schien genau das die kl�gste Entscheidung zu sein.</p><p>Der Mensch packte seine drei Begleiter, so gut er konnte, und hoffte, dass seine Ber�hrung allein schon ausreichen w�rde, um sie zu wecken. Aber auch dann bewegten sie sich noch nicht. Lucan hatte keine Zeit, um sich Sorgen �ber ihren Zustand zu machen.</p><p>Er versuchte etwas zu tun, was in der Vergangenheit stets nur dann funktioniert hatte, wenn er es <emphasis>nicht</emphasis> versucht hatte. Doch in letzter Zeit hatte es einen oder zwei Momente gegeben, in denen er diese einzigartige F�higkeit bewusst hatte nutzen k�nnen.</p><p>Die Sklaven des Albtraums fielen �ber die hilflose Gruppe her...</p><p>Gleichzeitig verschwanden Lucan und seine Leute.</p><p>Sie materialisierten mitten im Smaragdgr�nen Traum, dem letzten Ort, zu dem Lucan zur�ckkehren wollte. Er war sich sicher, dass der Albtraum sie auch dort verfolgen w�rde.</p><p>Die anderen begannen, aus ihren pers�nlichen Albtr�umen zu erwachen. Sie wirkten m�de und desorientiert.</p><p>Lucan war der Einzige, der den Schatten bemerkte, der pl�tzlich �ber ihnen erschien. Er blickte hoch.</p><p>�Was willst du <emphasis>denn jetzt schon wieder</emphasis> von mir?�, knurrte Eranikus.</p></section><section><title><p>20</p><p>Die Enklave</p></title><p>Hamuul Runentotem war nicht allein. Naralex, den Shandris gut kannte, stand bei dem Tauren.</p><p>Seine Anwesenheit reichte aus, um den Verdacht der Generalin zu best�tigen, dass die beiden hinter ihrer Gefangennahme steckten. Sie befreite sich aus Hamuuls Griff und zog einen Dolch.</p><p>Doch Hamuul reagierte schnell und sicher auf ihren Angriff. Er stie� mit der Hand vor und fing den Dolch ab, nicht ohne sich dabei die Hand zu verletzen.</p><p>Der Tauren ignorierte das Blut und prallte mit ihr zusammen. Dabei fl�sterte er: �Du musst aufh�ren, oder er bemerkt uns noch, Shandris Mondfeder!�</p><p>�Wer?�, wollte sie ruhig wissen.</p><p>�Ein Verr�ter in unserer Mitte! Ein Verr�ter, der ganz Darnassus bedroht!�</p><p>Er stoppte. Hamuul und Naralex blickten einander besorgt an.</p><p>�Er wei� es...�, murmelte der Nachtelf.</p><p>�Schnell! Stell dich zwischen uns!�, befahl Hamuul Shandris.</p><p>Instinktiv gehorchte Shandris, gleichzeitig verwandelten sich die beiden Druiden in V�gel.</p><p>Aus dem Boden brachen lange Ranken hervor, die das Trio einwickeln wollten. Shandris zerteilte zuerst nur zwei mit dem Dolch, dann noch mehrere andere.</p><p>Hamuul wollte hochfliegen, doch der Tauren wurde von zwei anderen Ranken eingefangen. Als sie seine Fl�gel fesselten, erwuchs daraus etwas, das wie Bl�tenknospen aussah.</p><p>Die Knospen �ffneten sich... und offenbarten scharfe Dornen, wie spitze Z�hne.</p><p>Der Tauren w�re gebissen worden, doch Naralex benutzte seinen Schnabel, um die Ranke durchzuhacken. Sie fiel hinab, aber aus den abgehackten Enden entstanden zwei neue Wurzeln.</p><p>Hamuul kr�chzte etwas zu Naralex. Der verwandelte Nachtelf flog augenblicklich zu Shandris. Als sie eine weitere Ranke zerteilte, packte er sie an der Schulter und hob sie hoch.</p><p>W�hrend sie aufstiegen, fiel noch etwas anderes aus den �sten �ber ihnen herab. Es waren schattenhafte Gestalten, die aus den Bl�ttern selbst zu erwachsen schienen. Naralex, der seine Fracht in Sicherheit bringen wollte, flog genau in ihre Mitte.</p><p>Eine der Schattengestalten stie� mit ihrer feinstofflichen Hand auf Shandris zu. Die Nachtelfe kreischte, als ein eiskalter Schauder ihre tiefste Seele ber�hrte. Die Kommandantin der Schildwache verlor den Dolch aus der Hand. Ihr K�rper erbebte.</p><p>Wie sehr sie auch litt, Naralex� Leiden waren weitaus gr��er. Die Schattenkreaturen umschw�rmten ihn und zerrten wild und lustvoll an der Sturmkr�he.</p><p>Naralex taumelte. Er versuchte, seine Angreifer abzusch�tteln. Doch als das fehlschlug, trudelte der Druide auf den Boden zu, nahe dem Pfad zur Enklave.</p><p>Er lie� Shandris in dem Moment los, als sie schon so niedrig waren, dass sie sich bei dem Sturz nicht verletzen konnte. Immer noch von dem schrecklichen Schauder ersch�ttert, fiel sie auf die Knie.</p><p>Ein Br�llen hallte in ihren Ohren wider. Hamuul hatte seine urspr�ngliche Gestalt angenommen, und er hatte mehrere Ranken mit seiner gro�en Kraft losgerissen. Doch statt sie zur Seite fallen zu lassen, warf er sie in die Luft.</p><p>Ein smaragd-gr�nes Leuchten umgab sie. Jede Ranke sank schnell in sich zusammen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter fielen die Samen, in die sie sich wieder verwandelt hatten, harmlos zu Boden.</p><p>Ungl�cklicherweise zogen sich die Schattenkreaturen auch um Hamuul zusammen. Der Tauren griff in einen Beutel, und dann schleuderte er den Inhalt auf den n�chstbesten Gegner.</p><p>Obwohl seine Angreifer nicht aus greifbarer Substanz zu bestehen schienen, landete das braune Pulver der Erzdruiden auf ihnen, als w�ren sie fest. Mit verheerender Wirkung. Die schattenhaften Gestalten wanden sich und zuckten. Sie begannen zu schrumpfen und �nderten die Gestalt. Ihr Untergang wurde von einem monstr�sen Zischen begleitet.</p><p>Hamuuls Augen weiteten sich. Die Schatten waren wieder zu Bl�ttern geworden. Das war nicht die Absicht seines Zaubers gewesen. Der Tauren konnte nur vermuten, dass die Bl�tter die wahre Natur der Angreifer darstellten.</p><p>�Nein...�, grummelte er. �Es kann nicht so weit gereicht haben...�</p><p>Doch die Ablenkung war f�r den Tauren fatal. Ein anderer Schatten stie� mit der Hand durch seinen R�cken. Als die schreckliche K�lte seine Seele umschloss, schlug ein weiterer Schatten durch Hamuuls Brust.</p><p>Der Tauren fiel auf die Knie. Sein Blick wurde glasig.</p><p>Shandris sah, wie er fiel, konnte aber nichts dagegen tun. Sie wollte ihre Gleve werfen...</p><p>Die �ste stie�en herab und packten sie. Einige entrissen ihr die Waffe. Der Rest band sie fest.</p><p>Ein weiterer schwerer Ast schlug der Kommandantin der Schildwachen gegen den Hinterkopf, und sie fiel in Bewusstlosigkeit.</p><p>Naralex stie� ein st�hnendes Kr�chzen aus, als er auf den Boden prallte. Auf den ersten Blick schien er, als w�rde er physisch in St�cke gerissen. Doch jedes St�ck, das der Schattenbaum abriss, verschwand.</p><p>Der Nachtelf nahm wieder seine normale Gestalt an. Keuchend fletschte er die Z�hne und blieb reglos liegen.</p><p>Von ihm ausgehend explodierte magisches violettes Feuer. Die Schatten, die ihn angriffen, wurden davon weggebrannt.</p><p>Von den B�umen herab stieg ein weiterer Druide. Er blickte erst den erstarrten Tauren an, dann die ohnm�chtige W�chterin.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Fandral Hirschhaupt, und es klang ehrlich, auch wenn die beiden seine Worte nicht h�ren konnten, weil sie nicht vollst�ndig bei Bewusstsein waren. �Das m�sst Ihr mir glauben.�</p><p>Der oberste Erzdruide trat unter die Schatten, die ihm respektvoll aus dem Weg gingen. Fandral ging zu Naralex, der v�llig reglos war.</p><p>Er b�ckte sich und ber�hrte den Hals des Nachtelfen.</p><p>�Er lebt noch...�</p><p>Fandral stand auf und blickte die Gruppe entt�uscht an.</p><p>�Irgendetwas muss mit Euch geschehen.� Er dachte nach, dann legte sich ein L�cheln auf sein Gesicht. �Valstann wird es wissen! Mein Sohn hat die Antwort...�</p><p>Er ging zur�ck zu seinem Heim, ohne einen weiteren Blick auf Shandris oder den Tauren zu werfen. Die Schattenkreaturen umringten die beiden, ber�hrten sie aber nicht. Stattdessen hoben die �ste, die die Priester festhielten, sie in die dunkle, bl�ttrige Baumkrone. Andere zerrten an Hamuul und trugen den schweren Tauren hinterher.</p><p>Als das geschehen war, l�sten sich die Schattenkreaturen auf. Ihre Essenz stieg unter den B�umen auf, wo sie ihre ruhende Gestalt wieder einnahmen... als Bl�tter von Teldrassil.</p><empty-line/><p>Der Nebel erstreckte sich bis auf die See hinaus. Malfurion konnte nicht glauben, wie dicht er war. Als Wind aufkam, schlug er fester mit den Fl�geln. Ein Sturm braute sich zusammen, ein Sturm, der, wie der Erzdruide annahm, sich nur seinetwegen bildete.</p><p>Malfurion wusste nicht, was er tun sollte, zumindest nicht genau. Doch irgendetwas zog ihn zu der Insel, auf der sein Volk seine neue Heimat bezogen hatte. Er war sich fast sicher, dass dort mindestens einer der Schl�ssel zur Verhinderung der Katastrophe lag, die gleich <emphasis>beide</emphasis> Welten betraf.</p><p>Der Hurrikan schlug zu.</p><p>Obwohl Malfurion darauf vorbereitet war, erschreckte ihn seine Intensit�t doch. Er wurde zur�ckgeschleudert. Blitze zuckten �ber den Himmel, einige schlugen gef�hrlich nahe ein. Der Erzdruide merkte, wie er von der immer noch im Nebel liegenden Insel f�rmlich <emphasis>weggedr�ckt</emphasis> wurde.</p><p>Einer der Blitze h�tte ihn beinahe getroffen. Nur durch Gl�ck konnte er ihm entgehen. Irgendeine Macht hatte diesen Sturm inszeniert, um Malfurion anzugreifen. Nur seine Instinkte bewahrten den Nachtelfen vor Schlimmerem.</p><p>Seine Furcht stieg mit der St�rke des Gewitters. Jeder weitere verstreichende Moment f�hrte Azeroth und alle, die Malfurion liebte, insbesondere Tyrande, n�her ans Verderben heran. Und so sehr er sich auch bem�hte, konnte Malfurion sich derzeit kaum selbst retten. Erneut dachte der Erzdruide �ber das sinnlose Opfer des Aspekts nach. Ysera glaubte tats�chlich, dass er f�r beide Reiche wichtiger sei als sie...</p><p>Obwohl Malfurion anderer Meinung war, wurde ihm doch eine Sache bewusst. Schon wieder hatte er dem Albtraum genau in die H�nde gespielt. Seine Unsicherheit hatte dessen eigene d�stere Tr�ume abermals gen�hrt.</p><p>Das bedeutete nicht, dass der Sturm nicht echt war. Der Herr des Albtraums beherrschte mittlerweile auch solche f�rchterlichen Kr�fte. Aber seine Intensit�t wurde noch durch den Geist des Nachtelfen verst�rkt.</p><p>Dann wurde der Sturm schw�cher. Davon ermutigt konzentrierte Malfurion sich auf sein Ziel. Er schlug immer schneller mit den Fl�geln.</p><p>Der Sturm h�rte nicht einfach auf. Der Wind beruhigte sich nur. Malfurion flog durch den Nebel. Er wusste, dass er nur eine kleine Schlacht gewonnen hatte. Zu viel Selbstvertrauen konnte genauso gef�hrlich sein wie �bertriebene Furcht.</p><p>Dann ragte pl�tzlich etwas vor ihm auf. Es war so gro�, dass Malfurion selbst von hier oben aus die Spitze nicht erkennen konnte. Er wusste augenblicklich, um was es sich dabei handelte, obwohl er schon vor dessen Erschaffung gefangen gewesen war. Fandral hatte so oft betont, wie notwendig dieses Wesen war, damit ihr Volk seine Unsterblichkeit und seinen Ruhm zur�ckerlangte.</p><p>Der zweite Weltenbaum empfing ihn. Er war beeindruckend. Er war imposant.</p><p>Doch w�hrend Malfurion den Baum beobachtete, wurde ihm klar, dass er vom Albtraum st�rker verderbt war als alles andere</p><p>Der Erzdruide ging in Querlage, dabei lie� er den riesigen Baum nicht aus den Augen. Nach au�en hin wirkte alles normal. Aber seine Sinne verrieten ihm, dass er von dem B�sen befallen war, das sich aus dem anderen Reich heraus ausgebreitet hatte.</p><p><emphasis>Warum haben die Druiden es nicht gemerkt</emphasis>?, fragte sich Malfurion. <emphasis>Was haben sie sich denn dabei gedacht? Wie konnte Fandral es so weit kommen lassen</emphasis>?</p><p>Als er sich der Insel n�herte, sp�rte er eine gro�e Aktivit�t. Zahlreiche Druiden waren dort unten versammelt, und sie alle wirkten gemeinsam einen Zauber. Seine Hoffnung stieg. Die anderen hatten endlich erkannt, dass der Weltenbaum befleckt war und bek�mpften das B�se.</p><p>Doch schon einen Augenblick sp�ter erkannte Malfurion, dass es genau umgekehrt war. Der Zauber war sehr m�chtig. Aber anstatt den Baum zu heilen, n�hrte er die Verderbtheit noch. Das konnte nur ein Irrtum sein. Er konnte die Befleckung sp�ren und wunderte sich, dass die anderen nichts davon bemerkten.</p><p>Ohne zu z�gern stie� Malfurion nach unten. Gleichzeitig versuchte er, zu den anderen Druiden zu gelangen und sie vor ihrem furchtbaren Zauber zu warnen.</p><p>Doch etwas blockierte seinen Versuch, die Zauberer zu kontaktieren. Malfurion war nicht �berrascht, es bedeutete allerdings, dass er die Druiden schnellstens erreichen musste. Die Befleckung des Weltenbaums und Yseras Gefangennahme w�rden sonst dem Albtraum zum Sieg verhelfen.</p><p>Pl�tzlich ber�hrte ihn die Seele eines anderen. Zuerst glaubte er, einer der Druiden unter ihm h�tte den Kontakt aufgebaut. Doch dann stellte er fest, dass das Signal von <emphasis>oben</emphasis> kam. Dabei war das Gedankenmuster, trotz der schlechten Verbindung, so einzigartig, dass er ganz genau wusste, wer dahintersteckte.</p><p><emphasis>Hamuul Runentotem</emphasis>? Die Antwort auf Malfurions Frage kam verst�mmelt. Es war, als w�re der Tauren nicht ganz bei Bewusstsein. Malfurion sp�rte, dass eine Dringlichkeit von dem Tauren ausging, eine Dringlichkeit und eine Warnung.</p><p>Die Warnung war so intensiv, dass der Erzdruide augenblicklich wieder gen Himmel flog. Er stieg hoch und erblickte schlie�lich die Baumkrone.</p><p>Alles sah aus, wie es sollte. Doch Malfurion konnte sp�ren, dass die Befleckung sich auch hier wie im Stamm ausgebreitet hatte. Der Erzdruide erreichte vorsichtig, aber mit der gebotenen Eile die ersten �ste.</p><p>Er passierte die Zweige, ohne das geringste Anzeichen von Gefahr zu sp�ren. Tiefer drinnen erkannte er erste Spuren von Fauna in der Form von V�geln und Eichh�rnchen. Hatte er sich geirrt? War der Baum gar nicht verderbt?</p><p>Die Sturmkr�he stieg immer h�her. In gewisser Hinsicht wusste Malfurion, was er finden w�rde. Schon lange vor seinem Verschwinden hatte es Diskussionen um die Gr�ndung einer neuen Hauptstadt gegeben. �ber den genauen Ort war damals noch nicht entschieden gewesen, doch Malfurion hatte keinen Zweifel, dass er Darnassus oben auf dem Weltenbaum finden w�rde.</p><p>Was bedeutete, dass Tausende Leben nicht einmal ahnten, dass ihre Heimat mittlerweile zu einem Hort der Finsternis geworden war.</p><p>Malfurion hatte schlie�lich keine andere Wahl mehr, als genau in die Krone zu fliegen. Es war der direkteste Weg zu dem Ort, an dem er den Tauren vermutete... und vielleicht das Geheimnis um die F�ule im Weltenbaum.</p><p>Obwohl er als Sturmkr�he nicht klein war, schoss Malfurion mit Leichtigkeit durch die gro�e Krone. Traurig blickte er den Weltenbaum an. Das lag nicht nur an der Befleckung. Ihn �berkam auch die Erinnerung an Nordrassil und was er einst gewesen war.</p><p><emphasis>Wenn sie nur gewartet h�tten! Nordrassil h�tte wiederhergestellt werden k�nnen... mit etwas Zeit</emphasis>...</p><p>Das Laubwerk wurde immer dichter und zwang Malfurion schlie�lich, langsamer zu werden. Er konnte sp�ren, dass er sich seinem Zielort n�herte...</p><p>Sein Weg war pl�tzlich voller �ste und Bl�tter. Malfurion umflog sie.</p><p>Doch das Laubwerk bewegte sich, versperrte erneut seinen Weg.</p><p>Der Erzdruide versuchte, die Hindernisse zu umfliegen, aber es war zu sp�t. Er kollidierte mit etwas.</p><p>Das Blattwerk wickelte ihn ein. Es versuchte, seine Fl�gel festzubinden, seinen Schnabel zu umwickeln und seinen K�rper zu zermalmen, bis alle Knochen brachen.</p><p>Malfurion sp�rte die vertraute und schreckliche Pr�senz des Albtraumlords. Sie war nicht in voller St�rke vorhanden. Stattdessen wirkte es, als habe die b�se Macht einen Teil von sich hier zur�ckgelassen.</p><p>Schallendes Gel�chter erf�llte Malfurions Geist. Die Bl�tter schienen Gesichter zu bekommen, schattenhafte Gesichter, die sich beinahe in schreckliche Gestalten verwandelten.</p><p>Malfurion nahm augenblicklich seine eigentliche Gestalt an und �berraschte das Blattwerk damit. Die Bl�tter �nderten sich ihrerseits und wurden immer mehr zu Schatten mit Hufen, die sich begierig auf den Nachtelfen st�rzten.</p><p>Malfurion keuchte und versuchte, sich zu konzentrieren. Ein starker Wind von der St�rke eines Hurrikans kam auf. Die gro�en �ste wurden zur�ckgepeitscht, als w�ren sie Grashalme, und die Schattenkreaturen wurden weggeblasen wie die Bl�tter, aus denen sie entstanden waren.</p><p>Der Nachtelf kletterte aufw�rts, dann verwandelte er sich wieder. W�hrend der Sturm tobte, flog er mit all seiner Macht auf die Spitze zu. Weitere Bl�tter folgten ihm und versuchten ihn daran zu hindern, doch sie waren zu langsam.</p><p>Malfurion betrat Darnassus.</p><p>Zwei Dinge bemerkte er augenblicklich. Eins davon betraf die Stadt selbst. Stolz erstreckte sie sich �ber die beiden gro�en �ste. Seinen Br�dern und allen, die ihnen bei der Erschaffung der neuen Hauptstadt der Nachtelfen geholfen hatten, war wirklich ein Meisterwerk gelungen.</p><p>Die zweite Sache, die Malfurion auffiel, war, dass die Stadt offensichtlich �berhaupt nicht auf die Gefahr reagierte, die Teldrassil und den Rest von Azeroth bedrohte. Er sah Bewegungen in einigen Geb�uden und h�rte aus einer Richtung sogar Musik.</p><p><emphasis>Wie k�nnen sie es nicht wissen? Wie k�nnen sie nur so Ignorant sein</emphasis>?</p><p>Die Antwort war einfach. Jemand <emphasis>wollte</emphasis>, dass es so war.</p><p>Dennoch war es merkw�rdig, dass die W�chter von dieser Sache keinerlei Ahnung hatten. Malfurion kannte Shandris Mondfeder sehr gut, irgendwie war er sogar so etwas wie ihr Stiefvater. Sie h�tte ihre Stadt nicht derart schutzlos zur�ckgelassen.</p><p>Doch er hatte keine Zeit herauszufinden, was die W�chter wussten oder nicht. Hamuuls verzweifelter Ruf war aus einer anderen Richtung gekommen.</p><p>Malfurion bewegte sich darauf zu und vermied jeden Kontakt mit seinem Volk. Zu ihrer eigenen Sicherheit wollte er nicht, dass irgendjemand wusste, wo er gerade war. Derzeit schien der Albtraumlord kein Verlangen zu versp�ren, Darnassus anzugreifen. Es war eine prek�re Lage, und Malfurion gefielen die Alternativen nicht. Aber es f�hrte kein Weg daran vorbei.</p><p>Ohne sie zu kennen, wusste er, dass er an der neuen Enklave des Cenarius angekommen war. �ber diesen Ort der Meditation und der Versammlung hatten sie bei der Planung der Stadt lange diskutiert. Malfurion selbst hatte viele der Details vorgeschlagen, die er jetzt direkt vor sich sah. Doch sein Herz wurde krank, als er die Befleckung sp�rte, die auch hier stark war.</p><p>Malfurion landete und seine Gestalt wandelte sich dabei. Alles war ruhig, zu ruhig f�r einen Ort, wo sich V�gel und andere Tiere tummeln sollten, egal ob bei Tag oder Nacht.</p><p>Er hatte keine andere Wahl, als die B�ume zu meiden, die die Enklave begrenzten. Der Erzdruide wusste, dass sie wahrscheinlich so verderbt wie die Zweige waren, gegen die er zuvor gek�mpft hatte.</p><p>Ein Verdacht, der schon seit Langem in ihm schwelte, regte sich. Der Angriff hatte ihn in seiner Meinung nur best�tigt. Obwohl Malfurion es immer noch nicht wahrhaben wollte...</p><p>Der Gedankengang wurde von einem kurzen Kontakt Hamuuls unterbrochen. Er dr�ngte zur Eile. Malfurion versuchte, den Druiden zu erreichen, doch er hatte keinen Erfolg.</p><p>Aber er wusste, von wo aus Hamuul ihn kontaktiert hatte. Malfurion eilte zu dem Geb�ude, das sich in der Mitte der Enklave befand.</p><p>Dort hatte auch der Mann sein Heim gew�hlt, der die Druiden nach Malfurions Verschwinden gef�hrt hatte.</p><p>Malfurion n�herte sich dem Geb�ude�� und blieb pl�tzlich vor Schreck erstarrt stehen.</p><p>Zwei Gestalten waren in den Ranken verflochten, die das Heim bedeckten. Ihre Glieder waren weit auseinandergestreckt. Malfurion erkannte Hamuul Runentotem. Daneben erblickte er Shandris Mondfeder. Sie beide schienen ohnm�chtig zu sein... oder Schlimmeres...</p><p>Malfurion erkannte, dass er hierher gelockt worden war.</p><p>�Seht an, der verloren geglaubte Shan�do ist zur�ckgekehrt, um uns mit seinem unverdienten Ruhm zu ehren�, erklang die Stimme von Fandral Hirschhaupt, die von �berall her gleichzeitig zu kommen schien. �Stets der Einzige, der die Welt retten kann. Das behauptet er zumindest selbst. Ich sp�rte schon vor langer Zeit, dass Ihr kommen w�rdet, und ich habe Euch einen entsprechenden Empfang bereitet...�</p><p>Malfurion blickte sich nicht um, um nach Fandral zu suchen. Denn das wollte der Erzdruide ja. Stattdessen sprach er einfach mit dem Geb�ude. �Was ist hier geschehen, Fandral? Warum tut Ihr das?�</p><p>�Ist das nicht offensichtlich?�, antwortete die Stimme. �Diese beiden sind eine Gefahr f�r unser Volk! F�r ganz Azeroth!�</p><p>�Hamuul und Shandris?� Malfurion versuchte, Fandrals wahren Aufenthaltsort herauszubekommen. Der Druide war offensichtlich vom Albtraumlord ausgetrickst worden und sah die Dinge deshalb falsch. Wenn Malfurion Fandral diese Tatsache klarmachen konnte, dann schaffte er es vielleicht auch, seinen Druidenbruder den F�ngen des Zaubers zu entrei�en. �Shandris ist eine tapfere Verteidigerin unseres Volkes, und Hamuul ist ein ehrliches, w�rdiges Mitglied unserer Bruderschaft...�</p><p>�L�gen, L�gen, L�gen!� Die Worte hallten durch Malfurions Kopf. �Sie wollen alles zerst�ren! Sie wollen uns vernichten. Er hat es mir gesagt!�</p><p>�Wer, Fandral? Wer?�</p><p>Ein Bereich der Ranken, der nicht benutzt wurde, um Malfurions Freunde zu fesseln, zog sich zusammen, formte sich zu einer Gestalt, die etwa so gro� wie Malfurion war.</p><p>Die Ranken verschwanden pl�tzlich.</p><p>Fandral Hirschhaupt starrte auf seinen Shan�do. �Das w�rdet Ihr gern wissen, oder? Ich wei�, dass auch Ihr ein Verr�ter seid!� Auf seinem Gesicht zeigte sich ehrliche Trauer�� gemischt mit Wahnsinn. �Aber Ihr seid zu gef�hrlich! Die Frau und das Tier�� sie sind fehlgeleitet. Doch nun schlafen und tr�umen sie. Sie werden erfrischt aufwachen, so wie alle anderen auch!�</p><p>Malfurion trat auf Fandral zu. �Niemand wird aufwachen! Der Albtraum erstreckt sich schon �ber den Smaragdgr�nen Traum hinaus! Ganz Azeroth, au�er Darnassus, wird vom B�sen heimgesucht, und dieses B�se erf�llt auch den Weltenbaum!�</p><p>�Ihr lehnt meinen Teldrassil immer noch ab!�, zischte der Erzdruide grimmig. �Aber ich habe so viel damit erreicht! Er hat mir geholfen, nicht nur unser Volk, sondern ganz Azeroth neu zu formen!�</p><p>Fandral starrte nach unten. �Ich wei�, dass Teldrassils Herz besser ist als Eures oder das jedes anderen! Ich habe ihm mein Herz gegeben, und f�r dieses Opfer hat er mir <emphasis>ihn</emphasis> zur�ckgegeben...�</p><p>Erst jetzt bemerkte Malfurion einen Schatten, der �ber der linken Schulter des Nachtelfen schwebte. Es war eine der verderbten Gestalten, die ihn auf dem Weg hierher angegriffen hatten.</p><p>Doch obwohl Fandral den Schatten anblickte, schien er nicht beunruhigt von dessen offensichtlich d�steren Pr�senz zu sein. Stattdessen l�chelte Fandral ihn mit v�terlicher Zuneigung an.</p><p>�Teldrassil hat mir meinen Sohn zur�ckgegeben, Malfurion. Meinen Sohn! Ist Valstann nicht so stolz und sch�n wie immer?�</p><p><emphasis>Er wird von dem Wahn verzehrt</emphasis>, erkannte Malfurion traurig. <emphasis>Er ist jenseits aller Rettung</emphasis>...</p><p>Und das bedeutete, dass Malfurion nur eine M�glichkeit hatte. Er konzentrierte sich...</p><p>Fandral runzelte die Stirn. Er blickte seinen ehemaligen Shan�do ebenso traurig an wie der ihn. �Ich hatte mir etwas anderes erhofft. Das war Eure letzte Chance, mein Lehrer...�</p><p>Der Schatten, der vorgab, Valstann zu sein, lachte d�ster, obwohl nur Malfurion es zu h�ren schien.</p><p>Es gab ein schreckliches Beben. Malfurion wurde zu Boden geworfen. Doch Fandral schien davon unber�hrt zu sein.</p><p>Der Boden erzitterte, und die B�ume beugten sich, als versuchten sie, sich selbst zu entwurzeln. Eine dunkle Furcht ergriff Malfurion, als er sp�rte, wie die Befleckung in Teldrassil immer schlimmer wurde.</p><p>�Ich habe ihm geraten noch zu warten!�, rief Fandral. �Doch es scheint, dass Valstann die Wahrheit gesagt hat! Ihr, Darnassus... alles... muss gereinigt werden! Valstann und ich werden unserem Volk den Weg weisen, und alle werden es gut haben! Teldrassil wird das Instrument des neuen, glorreichen Azeroths werden!�</p><p>Er plapperte noch weiter, blind f�r die schreckliebe Wahrheit um ihn herum. Malfurion versuchte, das Gleichgewicht zu wahren. Aber der Boden brannte wie Feuer. Ihm wurde schwarz vor Augen. F�rchterliche Bl�tter, so schwarz wie die Nacht und mit wilden Dornen gespickt, sprossen �berall hervor.</p><p>Die B�ume wankten immer wilder, einige von ihnen rissen sich los. Sie trugen eine F�ule in sich, die vorher nicht offenbar gewesen war. Aus ihren Kronen fielen Hunderte der kleinen dornigen Bl�tter.</p><p>Die Bl�tter begannen, sich in die Schattenkreaturen zu verwandeln.</p><p>Zum ersten Mal h�rte Malfurion Rufe und Schreie, die von au�erhalb der Enklave kamen. Darnassus erging es schlie�lich wie dem restlichen Azeroth. Der Schrecken des Albtraums war erwacht, in einer neuen und auf seine Art noch furchtbareren Gestalt.</p><p>Die Heimat der Nachtelfen�� Teldrassil�� war ihr Feind geworden.</p></section><section><title><p>21</p><p>Sturm �ber Sturmwind</p></title><p>Broll erwachte aus der Bewusstlosigkeit. Er konnte sich nicht genau erinnern, wann er dem Albtraum zum Opfer gefallen war. Er stand bei Tyrande, Lucan und der Orckriegerin... und blickte auf einen sehr bedr�ckt wirkenden Eranikus.</p><p>Sie waren wieder im Smaragdgr�nen Traum�� oder dem, was davon �brig geblieben war. Die Gruppe befand sich in einem tiefen Tal, das immer noch den schwindenden Glanz des einst sagenhaften Reiches ausstrahlte. Hohe H�gel umgaben sie, und obwohl sie wie starke aufmerksame W�chter wirkten, wusste der Druide ganz genau, wie wenig Schutz sie tats�chlich boten.</p><p>Der gr�ne Drache blickte Lucan an, als w�re er eine Seuche, die man am besten vernichtete. Doch der Kartograf stand dem riesigen Drachen ohne zu zittern gegen�ber.</p><p>�Zum ersten und letzten Mal, nimm deine Freunde und verschwindet von hier! Es w�re am besten, wenn du das, was auch immer uns beide verbinden mag, entfernen w�rdest, Mensch!�</p><p>�Ich wollte uns nur woanders hinbringen�, antwortete Lucan verbittert. �Ich wusste nicht, dass ich damit zu dir zur�ckkehre!�</p><p>Der Drache zischte. �Wenn ich gewusst h�tte, dass du mir so viel �rger bereitest, h�tte ich dich als Baby im Smaragdgr�nen Traum zur�ckgelassen! Unfassbar, dass ein Mensch solche gef�hrlichen und willk�rlichen F�higkeiten besitzen kann, nur weil er hier geboren ist! Ich h�tte dich besser den Launen des Schicksals �berlassen...�</p><p>Trotz seines Protests erkannte Broll an Eranikus� Tonfall, dass sein �rger nicht wirklich Lucan galt. Die Wut des Drachen richtete sich eigentlich gegen ihn selbst.</p><p>Doch damit musste Eranikus allein klarkommen. Etwas anderes bereitete Broll viel mehr Sorgen. Etwas, das Tyrande f�r ihn ansprach.</p><p>�K�nnt Ihr uns zu Malfurion bringen?�, fragte sie den Drachen. �Wir m�ssen ihn finden. <emphasis>Ich</emphasis> muss ihn finden!�</p><p>�Aus welchem Grund?�, spottete Eranikus. �Alles l�uft sowieso auf ein schreckliches Ende hinaus. Der Albtraum hat meine K�nigin gefangen, meine Gef�hrtin! Es gibt keine Hoffnung mehr. Ich habe sie erneut entt�uscht...�</p><p>Die Hohepriesterin ma� ihn mit einem ver�chtlichen Blick. �Und so suhlt Ihr Euch in Selbstmitleid! Nun gut, wir tun das nicht!�</p><p>Eranikus breitete die Fl�gel aus. Er blickte sich um, fast als h�tte er Angst, dass der Albtraum ihn sp�ren konnte. Dann wurde die Wut st�rker als seine Furcht. Er zischte. �Du kannst gehen, wohin du willst und tun, welche Narretei dir auch immer gef�llt. Wenn ich nur nie wieder daran erinnert werde, was geschehen ist!�</p><p>Er wischte mit seinem Fl�gel �ber die kleinen Gestalten hinweg. Broll schubste Tyrande auf Lucan zu und sah, dass auch Thura seine Absicht erkannte.</p><p>Lucan tat das, was Eranikus offensichtlich gewollt hatte. Instinktiv... verschwand der Mensch aus dem Smaragdgr�nen Traum.</p><p>Die anderen verschwanden mit ihm. In einem Moment schwebte noch der gr�ne Drache �ber ihnen, im n�chsten standen sie auf den Zinnen einer gro�en Burg.</p><p>Sie befanden sich inmitten einer wild tobenden Schlacht.</p><p>Die schrecklichen Traumgestalten der Opfer des Albtraums �berrannten die Verteidigungsanlagen und zogen sich rund um die Burg zusammen. Ihre grotesken, leidenden Gestalten, ihre kreischenden M�nder... alles an ihnen r�hrte an den tiefsten �ngsten selbst der tapfersten K�mpfer. Die leeren Augen der Angreifer suchten nach jemandem, mit dem sie ihre Folter teilen konnten.</p><p>Eine schwindende Gruppe von Verteidigern in vertraut wirkender R�stung versuchte, sich dem Ansturm entgegenzustemmen, was ganz offensichtlich nicht zu schaffen war. Ihr Mut war gro�, denn niemand floh, obwohl sie weit in der Unterzahl waren. Auch als der leichenblasse Feind sich n�herte, blieben die K�mpfer allesamt standhaft.</p><p>Mit Schrecken stellte Broll fest, dass er diesen Ort kannte. �Das ist Sturmwind�� die k�nigliche Burg!�</p><p>Ein Soldat erblickte sie. Er brauchte einen Moment, um ihr merkw�rdiges Auftauchen zu verdauen, dann rief er eine Gruppe von Kameraden zu sich. Die drei M�nner bewegten sich �ngstlich auf die Neuank�mmlinge zu und schwenkten dabei Fackeln und Schwerter.</p><p>Die Orckriegerin nahm Kampfhaltung ein, doch Tyrande hielt Thura zur�ck. �Die M�nner halten uns f�r einen Teil des Albtraums!�, rief die Hohepriesterin Broll zu. �Wir m�ssen sie vom Gegenteil �berzeugen!�</p><p>Bevor die anderen ihn davon abhalten konnten, trat Lucan vor. Er hielt die H�nde ausgestreckt, seine Handfl�chen waren offen, und rief: �Wartet! Wir sind Freunde! Ich bin Lucan Fuchsblut, dritter Assistent des k�niglichen Kartografen! Wir m�ssen Seine Majest�t sehen!�</p><p>Die Soldaten z�gerten. Misstrauisch be�ugten sie die Orcfrau. Broll �berlegte, was sie wohl dachten. Welche Art Albtraum nahm schon eine so merkw�rdige Gestalt an?</p><p>Einer der Soldaten signalisierte seinen Kameraden, zur�ckzubleiben und trat in Waffenreichweite vor Lucan. Er richtete sein Schwert auf den Kartografen, der sich nicht r�hrte.</p><p>Die Spitze ber�hrte seine Haut. Der Soldat wirkte dabei erleichterter als Lucan. Dennoch blickte er wieder zu Thura.</p><p>Die Hohepriesterin trat neben Lucan und verstellte so die Sicht auf die Orcfrau. �Ich bin Tyrande Wisperwind, Herrscherin der Nachtelfen, und bei mir ist Broll B�renfell, ein Kampfgef�hrte von K�nig Varian! Die Orcfrau geh�rt zu uns. Sie ist keine Bedrohung...�</p><p>�Broll B�renfell...� Der Name schien dem Soldaten etwas zu sagen. Er nickte beiden Nachtelfen respektvoll zu. �Mylady... wir sind sehr geehrt...�</p><p>�Der K�nig...�, erinnerte ihn Lucan. �Wir m�ssen sofort mit K�nig Varian sprechen!�</p><p>�Kommt am besten mit mir�, antwortete der K�mpfer. �Wir m�ssen hier sowieso weg!�</p><p>Kaum hatte er das gesagt, als ein Schrei in der N�he erklang. Sie wandten sich um und erblickten einen weiteren Verteidiger ein paar Meter hinter ihnen entfernt, der sich durch den Nebel k�mpfte. H�nde bildeten sich darin und zerrten an ihm, und die grauenhaften Gesichter der Sklaven des Albtraums bedeckten begierig den ungl�ckseligen Soldaten, als wollten sie ihn verschlingen.</p><p>Bevor ihm jemand helfen konnte, verschwand der Mann. Sein Schrei hallte nach und wurde selbst zum Teil des Albtraums.</p><p>�Schneller!�, befahl der K�mpfer, der Broll zuerst gegen�bergetreten war.</p><p>Mit gro�er Eile wurden sie eine lange Abfolge von Steinstufen hinabgef�hrt, und dann ging es �ber einen Hof zu einem anderen Teil der Mauer. Als sie den erreichten, fragte �roll ihren F�hrer: �Wie steht es um die Stadt?�</p><p>�Die liegt in Tr�mmern! Der Handelsdistrikt, der Hafen, das Tai der Helden... die Finsternis ist �berall!�, rief der Mann zur�ck. �Ab und zu h�ren wir Kampfesl�rm aus der Altstadt und dem Zwergendistrikt. Und das Magierviertel ist immer noch nicht gefallen!� Er wies nach rechts, wo der Druide ein sich stetig ver�nderndes Spektrum von Farben aufleuchten sah, was auf den massiven Einsatz von Zauberei hinwies. Es gab ein paar Bereiche, wo ebenfalls noch ein wenig Licht zu herrschen schien.</p><p>�Vor einer Stunde war es noch heller�, fuhr der Soldat fort. �Wir halten es nicht auf. Niemand h�lt es auf...�</p><p>�Es ist schon erstaunlich, dass Ihr �berhaupt noch hier seid�, unterbrach ihn Tyrande. �Was meint Ihr, Broll?�</p><p>Der Druide nickte. �So tapfer und stark Sturmwinds Verteidiger auch sein m�gen�� egal, ob Krieger oder Magier -, eigentlich h�tten sie schon lange verloren haben m�ssen...� Er �berlegte, und ein wenig Hoffnung stieg in ihm auf. �Es k�nnte Malfurions Werk sein. Doch ich glaube eher, dass Ysera dahintersteckt.�</p><p>�Aber Ysera wurde gefangen genommen!�</p><p>Broll war ein wenig stolz auf das, was er als N�chstes sagte. �Sie ist ein Aspekt, einer der gro�en Drachen! Au�erdem <emphasis>ist</emphasis> sie der Smaragdgr�ne Traum! Selbst als Gefangene des Albtraums k�mpft sie weiter...�</p><p>Thura dachte an die tr�ben Aussichten, die sich ihnen unausweichlich boten. �Sie k�mpft f�r uns, aber diese Stadt wird fallen... und vielleicht auch Orgrimmar.�</p><p>Sie eilten eine weitere Treppenflucht hinab. Mehr als einmal h�rten sie Schreie des Schreckens und der Best�rzung.</p><p>�Ysera hat sich selbst geopfert, damit Malfurion fliehen konnte!�, f�gte der Druide hinzu. �Offensichtlich ist sie der Meinung, dass mein Shan�do noch etwas bewirken kann!�</p><p>�Und was ist mit uns?�, fragte Tyrande.</p><p>Darauf hatte Broll keine Antwort. Er konnte ihr einfach nicht sagen, was stetig an ihm nagte. Der letzte Albtraum, in dem seine Tochter vorgekommen war, hatte ihm sein Versagen mit voller Wucht in Erinnerung gebracht. Er war nicht Malfurion Sturmgrimm, er war nicht einmal ein Erzdruide.</p><p>Er war nur ein rebellischer ehemaliger Gladiator und Sklave.</p><p>Doch das trieb Broll auch an. Der Soldat f�hrte sie schlie�lich zu einer vertrauten Gestalt. Selbst unter der R�stung war die K�rperhaltung des Mannes einzigartig.</p><p>�Lo�Gosh!�, br�llte Broll.</p><p>Die ger�stete Gestalt wirbelte herum. Durch die Helmschlitze blickten ihn Varians geweitete Augen an.</p><p>Ungl�cklicherweise fiel der Blick des K�nigs auf Thura. �Ein Orc in Sturmwind!�</p><p>Varian st�rmte augenblicklich vor, sein legend�res Schwert Shalamayne hoch erhoben. Shalamaynes gro�artige Klinge mit der einzigartigen Spitze und der dickeren, abgewinkelten Kante weiter unten wirkte, als k�nnte sie Thura in zwei Teile schneiden. Der Edelstein am unteren Ende der Klinge strahlte wie eine w�tende Sonne.</p><p>Thura begann sich selbst zu verteidigen, was Varian nur als Best�tigung seines Verdachts ansah. Er umfasste entschlossen den langen schmalen Griff des Schwertes, die gebogene Parierstange sch�tzte seine steifen Finger. �M�ge dein Blut das erste von Tausenden Orcs sein, die in dieser Nacht sterben werden. Ich...�</p><p>Doch Broll stellte sich vor Thura. �Habt Ihr was an den Augen, Lo�Gosh? Das ist nicht gut f�r einen K�nig und erb�rmlich f�r einen Gladiator!�</p><p>�Broll B�renfell!� Obwohl der K�nig seinen Freund bemerkte, senkte er das Schwert nicht. �Geh von dem verdammten gr�nen Ungeheuer weg! Ich werde es erschlagen...�</p><p>�Sie geh�rt zu uns! Sie hat nichts damit zu tun, genauso wenig wie Thrall!�</p><p>Varian konnte es nicht fassen. Doch dem Herrn von Sturmwind war klar, dass sein alter Kamerad tats�chlich zwischen Thura und ihm stand.</p><p>�Ich wei� noch nicht einmal, ob das hier wirklich real ist!�, knurrte Varian. �Sag mir, dass du echt bist, Broll...�</p><p>Der Druide streckte die Hand aus. Nach einer z�gerlichen Pause ergriff sie der Herr von Sturmwind. Sein Blick wurde milder, als er dem Druiden die Hand sch�ttelte.</p><p>�Du <emphasis>bist</emphasis> es wirklich! Wahrlich... glaube ich zumindest!�</p><p>�Wenn Ihr sp�ren k�nnt, wie meine Knochen gerade brechen, dann wisst Ihr auch, dass ich echt bin!� Broll und der K�nig lie�en einander los. Die Freude �ber ihr Wiedersehen wurde von dem schrecklichen Anlass getr�bt. �Was ist mit Valeera? Ist sie nicht auch dabei?�</p><p>�Ich habe deine Blutelfenschurkin schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Du wei�t, wie eigensinnig sie sein kann!� Varian verzog das Gesicht. �Glaub mir, so eine K�mpferin k�nnten wir hier gut gebrauchen, Broll. Ich hoffe, sie wurde nicht wieder beim Stehlen erwischt. Nicht, dass sie wieder f�r jemanden wie Rehgar Erdenwut k�mpfen muss�, schloss Varian und bezog sich auf den orcischen Schamanen, f�r den sie als Gladiatoren und Sklaven im Purpurroten Ring gek�mpft hatten. Alle K�mpfe dort gingen bis zum Tod, und selbst Valeera hatte einige Gegner get�tet.</p><p>Der Druide verbarg seine Entt�uschung nicht. Er konnte nur hoffen, dass die Blutelfe in Sicherheit war, wo auch immer sie gerade stecken mochte.</p><p>Doch wo genau <emphasis>sollte</emphasis> ein sicherer Ort liegen?</p><p>�Ich kenne dich�, sagte Varian und blickte an dem Nachtelfen vorbei zu Lucan. �Fuchsblut. Wir glaubten dich schon verloren.�</p><p>Der Kartograf erwiderte: �Das war ich auch.�</p><p>Varian nickte Tyrande kurz, aber sehr freundlich zu. Sie hatte den K�nig kennengelernt, kurz nachdem er den Thron wiedererhalten hatte. �Euer Majest�t...� Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Thura. Er hob das Schwert erneut an und zielte damit auf die Orcfrau. �Aber warum bringst du solchen Abschaum mit nach Sturmwind, Broll? Was hast du dir dabei nur gedacht? Ihr Kriegsh�uptling nutzte einst den Nebel, um sich an unsere Mauern heranzuschleichen, wie ein ehrloser Meuchelm�rder. Statt sich uns offen entgegenzustellen, nutzte er eine Seuche, um uns zu schw�chen. So eine verderbte Waffe w�rde kein wahrer Krieger je einsetzen...�</p><p>�Thrall ist weder ein Meuchelm�rder, der durch den Nebel streicht, noch ein ehrloser Krieger!�, antwortete Thura. �So darfst du nicht �ber ihn sprechen...�</p><p>Bevor die Lage eskalieren konnte sagte Broll: �Ruhig, Lo�Gosh! Wir haben keine Zeit f�r Streitereien! Sie geh�rt zu uns. Ich b�rge f�r sie mit meinem Leben! Mit meinem Leben!�</p><p>�Dann scheinst du dein Leben nicht sehr hoch zu achten, Broll...�</p><p>�Aufh�ren! Wir haben wichtigere Dinge zu besprechen! Sagt mir ehrlich, wie lange h�lt Sturmwind noch durch?�</p><p>�Eigentlich haben wir bereits verloren. Doch obwohl der Feind stetig weiter vorr�ckt, geschieht das nur sehr langsam. Unsere Waffen sind zum gr��ten Teil nutzlos, und alle Bezirke, bis auf ein paar, sind gefallen. Morgen schon k�nnte nur noch ein Rest der Burg Widerstand leisten, wenn es denn ein Morgen gibt. Wenn du irgendeine Idee hast, wie du uns retten kannst, dann unterst�tze ich dich dabei, so gut ich kann. Das wei�t du.�</p><p>�Freut mich, das zu h�ren. Ich hoffe, dass Ihr das immer noch meint, wenn ich Euch gesagt habe, was wir vorhaben.� Der Druide erkl�rte schnell seine Absichten.</p><p>Varian runzelte die Stirn, als er dem Plan zu folgen versuchte. �Ich nehme dich beim Wort, Broll�, sagte der Monarch schlie�lich. �Die Frage bleibt, was sollen wir dagegen tun?�</p><p>�Mein Shan�do ist der Schl�ssel... irgendwie. Ich glaube, dass er der Schl�ssel zur L�sung all unserer Probleme ist.� Broll wies auf Lucan. �Euer Mann hat ein sehr bemerkenswertes Talent... doch gelegentlich f�hrt es uns auf einen anderen Weg. Wir m�ssen schnell nach Darnassus reisen... schneller, als selbst ich es k�nnte, wenn ich allein w�re...�</p><p>�Wir haben noch fliegende Reittiere in der Burg�, meinte Varian. �Ein paar davon k�nnten wir euch geben...�</p><p>Tyrande trat vor. �K�nig Varian. Gestattet mir eine Frage, denn ich glaube, dass es einen anderen Weg geben k�nnte, wie zumindest <emphasis>einer</emphasis> von uns Darnassus noch schneller erreichen kann. Schneller als selbst das schnellste Reittier.�</p><p>�Wenn ich Euch dienlich sein kann, dann fragt...�</p><p>�Wisst Ihr, wo sich unsere Botschafterin gerade aufh�lt?�</p><p>Varian blickte finster. �Sie ist wie so viele andere im Schlaf gefangen... in ihrer Kammer, wenn ich mich recht erinnere.�</p><p>�Wir brauchen jemanden, der uns zu ihr bringt�, meinte die Hohepriesterin.</p><p>�Ich kann die Burg nicht verlassen.� Der K�nig blickte von Tyrande zu Broll. �Major Mattingly!�</p><p>Ein grauhaariger Veteran in rotgoldener R�stung mit k�nigsblauem Umhang, auf dem der stolze L�we von Sturmwind prangte, eilte herbei. Sein Gesicht war gezeichnet von langer Erfahrung, und er trug einen kurz geschnittenen Bart. In seiner rechten Hand hielt er ein langes Schwert.</p><p>�Der Druide!�, kr�chzte der Major, als er Broll sah. �Ich kenne dich...�</p><p>�Und ich Euch�, antwortete Broll. �Ihr habt unter General Marcus Jonathan gedient...� Der Nachtelf erinnerte sich an die Worte des Soldaten, der sie hergebracht hatte. Das Tal der Helden, wo der General und Mattingly postiert waren, war bereits gefallen.</p><p>Der Blick des Majors best�tigte Brolls Bedenken. �Als der Nebel unsere M�nner zu verschlingen begann, schickte der General nach Unterst�tzung. Er sandte mich aus. Doch bevor ich zur�ckkehren konnte... bedeckte der Nebel das ganze Tal...�</p><p>�Und dieser verdammte Narr w�re beinahe selbst wieder hineingeritten�, f�gte Varian ohne Wut hinzu. �Doch Mattingly wusste, dass wir jeden Mann brauchten und befahl seine gerade zusammengerufene Streitmacht hierher zur�ck...� An den Major gewandt sagte der K�nig von Sturmwind: �Ihr wisst, wo die Botschafterin der Nachtelfen lebte�� lebt. Ich brauche einen vertrauensw�rdigen Mann, der vorsichtig genug ist, um dorthin zu gelangen... obwohl man mir nicht sagt, worum es dabei genau geht.�</p><p>Tyrande z�gerte nicht. �Sie hat einen Ruhestein.�</p><p>Varian riss nicht als Einziger die Augen weit auf. Broll wusste, wovon die Hohepriesterin sprach, obwohl selbst er nur zweimal einen solchen Gegenstand gesehen hatte. Ein Ruhestein war ein handfl�chengro�er, oval geformter Kristall, der durch arkane Magie an seinen Tr�ger und einen bestimmten Ort gebunden war. Meistens waren es wichtige St�dte, wie Sturmwind oder in diesem Fall Darnassus. Die Entfernung spielte dabei keine Rolle.</p><p>�Ich habe sie immer f�r eine Legende gehalten�, sagte Varian vorsichtig. �So etwas gibt es doch nur in Geschichten von Magiern... oder Elfen.�</p><p>�Oder Elfen�, wiederholte die Hohepriesterin mit einem kurzen grimmigen L�cheln.</p><p>�Interessant, dass Eure Botschafterin einen besitzt.�</p><p>�Aber gut f�r uns�, antwortete Tyrande ruhig.</p><p>Der K�nig nickte und sagte nichts mehr. Er blickte zu dem Major, der salutierte. Mattingly bedeutete den anderen, ihm zu folgen.</p><p>Varian unternahm keinen Versuch, die Orckriegerin davon abzuhalten, sich den Nachtelfen anzuschlie�en. Und weder Broll noch Tyrande wollten Thura bei den Menschen zur�cklassen. Thura schien auch nur wenig Neigung zu versp�ren hierzubleiben.</p><p>Doch ein Mitglied der Gruppe sorgte f�r eine �berraschung. Statt bei seinem K�nig zu bleiben, folgte Lucan Fuchsblut ihnen ebenso.</p><p>�Ihr seid zu Hause�, murmelte Broll. �Bleibt hier!�</p><p>�Ich werde vielleicht gebraucht�, erwiderte Lucan. Er blickte ihn entschlossen an. �Meine F�higkeiten m�gen unzuverl�ssig und gef�hrlich sein, doch sie sind n�tzlich... falls wir mal wieder fliehen m�ssen...�</p><p>Der Druide sagte nichts weiter. Sie waren bereits an den Toren der Burg angekommen.</p><p>Ein gebr�hter Befehl des Majors �ffnete den Weg, auch wenn die Wachen den Eingang hinter ihnen eiligst wieder schlossen. Als sie die Burg verlie�en, bemerkte Tyrande etwas, das augenblicklich auch allen anderen auffiel.</p><p>�Der Nebel ist hier dichter. Doch von den armen Seelen ist nichts zu sehen...�</p><p>�Warum sollten sie hier sein?�, antwortete Broll grimmig. �Dieser Teil von Sturmwind befindet sich bereits unter der Kontrolle ihres Herrn!�</p><p>Tats�chlich erklang kein Ger�usch aus der N�he, obwohl sie in der Ferne Rufe, Schreie und Explosionen h�ren konnten�� letzte Zeichen der schwindenden Verteidigung. Die unheimliche Stille erinnerte sie daran, wie der gr��te Teil von Azeroth derzeit aussah.</p><p>�Sie muss durchhalten�, knurrte der Druide und bezog sich auf Ysera. �Sie muss...�</p><p>�Und wir m�ssen beten, dass es Malfurion gut geht und er uns helfen kann�, f�gte Tyrande hinzu. Sie sagte nicht, was aus ihrem Tonfall sowieso klar herauszuh�ren war�� dass sie aus Liebe um sein Leben f�rchtete.</p><p>�Eure Botschafterin wohnt im Handelsbezirk�, erkl�rte der Major. �Dabei habe ich nie verstanden, warum sie diesen Ort dem Park vorgezogen hat, wo Euer Volk normalerweise zusammenkommt.� Als die Hohepriesterin es nicht erkl�rte, zupfte sich Mattingly am Bart und wechselte das Thema. �Am besten meiden wir den Platz vor der Kathedrale. Dort wird noch gek�mpft, und wir k�nnten irrt�mlich von einem Zauber getroffen werden. Wir sollten auch die Kan�le meiden... dort ist der Nebel besonders stark... eine Menge Leute hat es dort unten v�llig unvorbereitet erwischt, als er das erste Mal in die Stadt kroch.�</p><p>Lucan verzog das Gesicht. �Aber das bedeutet, dass wir durch die Altstadt m�ssen.�</p><p>Mattingly lachte heiser auf. �Dort sieht es mittlerweile auch nicht mehr anders als im Rest der Hauptstadt aus, Fuchsblut!�</p><p>Sie rannten eine gepflasterte Stra�e hinunter, an deren n�rdlichem Ende der Eingang zum Zwergendistrikt lag. Von dort erklangen Ger�usche des verzweifelten Kampfes. Die Zwerge zumindest k�mpften noch.</p><p>Vorsichtig f�hrte der Major sie �ber eine Stra�e in die Altstadt. Trotz Mattinglys Bemerkung erkannten sie, dass Lucan zu Recht besorgt gewesen war. Die Altstadt war nicht allzu stark von den Orcs besch�digt worden, und deshalb hatte man sie nie renoviert. Obwohl es noch recht ordentlich aussah, war der Stadtteil bei Weitem nicht so makellos wie der Rest der Stadt. Zwar standen die Halle der Champions und ebenfalls die Kasernen der Armee hier, doch gab es auch Bettler, Diebe und anderes Elend. Die Stra�en waren weit schmutziger als alle anderen, �ber die die Gruppe bislang gereist war. Und der Geruch nach Verwesung stammte nicht vom Albtraum.</p><p>�Achtung, da liegt jemand...� warnte sie Mattingly.</p><p>Drei zerlumpte Menschen lagen vor ihnen am Boden. Der Erste hatte eine Hand zur Faust geballt. Sein Mund stand offen. Die anderen beiden sahen aus, als ob sie einander beim Gehen hatten helfen wollen, jeder hatte den Arm um den anderen gelegt. Der Major lie� den Anblick lange genug wirken, um die Gruppe anzuspornen.</p><p>�Der Erste ist tot�� vor Angst, so erscheint es mir -, aber die beiden daneben schlafen lediglich, wie alle anderen auch�, berichtete er. �Wir gehen weiter.�</p><p>Schon bald wurde offensichtlich, dass sie sich ohne ihren F�hrer leicht verlaufen h�tten. Selbst Lucan der Kartenmacher schien diesen Teil von Sturmwind nicht gut zu kennen.</p><p>Doch ihr Fortkommen wurde nicht nur vom Nebel behindert. Die Stra�en schl�ngelten sich oft derart merkw�rdig, dass die Furcht der Gruppe davon noch gesch�rt wurde.</p><p>Sie kamen an weiteren am Boden liegenden Menschen vorbei, doch Major Mattingly blieb nicht wieder stehen, um sie zu untersuchen. Es war klar, dass sie alle Opfer des Albtraums waren, egal, ob tot oder lebendig.</p><p>Zu seiner Erleichterung stellte Broll schlie�lich fest, dass sie den Kanaleingang zum Handelsbezirk erreicht hatten. Der Nebel war dort so dicht wie in der Altstadt. Doch es gab keinerlei Anzeichen f�r einen Kampf, der nach wie vor um Burg und Kathedrale tobte. Niemand glaubte allerdings, dass sie vom Albtraum unbehelligt bleiben w�rden.</p><p>�Wir wenden uns nach links, wenn wir aus dem Durchgang heraus sind�, informierte der Offizier sie.</p><p>Broll beugte sich zu Tyrande hin�ber und fl�sterte: �<emphasis>Warum</emphasis> lebt denn die Botschafterin in diesem Teil der Stadt statt am Park?�</p><p>Kaum h�rbar antwortete die Hohepriesterin: �Weil wir uns hier heimlich mit Leuten treffen, die im Park viel zu auff�llig w�ren.� Als Broll die <emphasis>Stirn runzelte, f�gte Tyrande hinzu</emphasis>: �Das ist nicht gegen Varian und Sturmwind gerichtet. Ganz im Gegenteil, Broll. Und fragt mich jetzt bitte nicht weiter.�</p><p>Er respektierte ihren Wunsch. Immerhin war sie als Herrscherin seines Volkes zu politischen Handlungen gezwungen, von denen selbst ihre Vertraute Shandris nichts wusste. So etwas geschah nicht nur zum Wohle der Nachtelfen, obwohl deren Belange nat�rlich vorrangig behandelt wurden. Doch letztlich n�tzten diese Dinge ganz Azeroth.</p><p>Der Handelsbezirk war ein gepflegteres, vielschichtigeres Viertel als die Altstadt gewesen. Broll war stets gern �ber die mit Kopfstein gepflasterten Stra�en geschlendert. Der Trubel des Viertels, die verschiedenen V�lker und Berufsklassen... das alles hatte f�r die Vielfalt gestanden, die es auf Azeroth einst gab.</p><p>Doch jetzt glich der Handelsbezirk viel zu sehr der Altstadt. Der Nebel hing �ber L�den, Tavernen und den anderen Geb�uden, als bef�nde man sich in einer gro�en und komplex aufgebauten Totenstadt. �berall lagen Leichen und Schlafende herum, als w�ren viele der Bewohner einfach mitten in ihrer Besch�ftigung umgefallen.</p><p>�Sind sie tot oder schlafen sie?�, fragte Thura pl�tzlich. Die Orc-frau war bislang auffallend still gewesen. Ihr Tonfall deutete ihre Unsicherheit an, die sie wahrscheinlich verbergen wollte. F�r solche Gefahren wurden Krieger nicht ausgebildet.</p><p>�Wir haben keine Zeit, um das zu �berpr�fen oder uns darum zu k�mmern�, antwortete Mattingly. Er wies auf ein schattenhaftes Geb�ude zur Rechten. �Wir m�ssen zu diesem Haus dort.�</p><p>Sie erreichten den Bau�� ein Gasthaus�� ohne Probleme. Broll und Tyrande tauschten besorgte Blicke aus. Sie hatten bislang schon zu viel Gl�ck gehabt.</p><p>�Am besten bewachen ein paar von uns die Stra�e�, schlug der Major vor und beobachtete die wie ausgestorben wirkende Gasse. Der Kampfesl�rm war stark ged�mpft, als h�tten Sturmwinds letzte Verteidiger bereits verloren.</p><p>�Ich suche den Raum�, entschied Tyrande.</p><p>�Und ich gehe mit Euch�, erkl�rte Broll. �Mein Shan�do w�rde mir etwas anderes nie verzeihen, und ich auch nicht.�</p><p>Thura grunzte: �Ich bleibe hier, wo eine Axt gebraucht wird.�</p><p>�Ich bleibe auch.� Lucan blickte nacheinander den Major und die Orcfrau an und stellte sich dann zwischen sie. Mattingly gab ihm einen langen Dolch.</p><p>�Wir beeilen uns�, versprach die Hohepriesterin. Eigentlich konnten die drei zur�ckbleibenden Gruppenmitglieder nur wenig zur Verteidigung beitragen. Sie dienten am besten als Beobachter.</p><p>Das Innere des Gasthauses wurde vom K�rper eines kr�ftigen Mannes dominiert, der entweder der Besitzer oder ein Diener des Hauses war. Er sa� in einem Stuhl, seine Arme hingen schlaff zur Seite. Sein Gesichtsausdruck war derma�en vor Schreck verzerrt, dass die Nachtelfen stehen blieben.</p><p>Broll beugte sich zu ihm hinab. Der Mensch murmelte etwas. Seine Stirn runzelte sich.</p><p>�Wir m�ssen weiter.� Tyrande nahm jeweils zwei der h�lzernen Stufen auf einmal.</p><p>Broll blickte den Mann noch einen Augenblick l�nger an. Aus irgendeinem Grund fand er dieses Opfer des Albtraums interessant. Immer noch unzufrieden folgte der Druide Tyrande.</p><p>Er erreichte den oberen Stock und sah, dass einige T�ren bereits offen standen. Weit hinten �ffnete Tyrande die letzte T�r am Ende des Ganges.</p><p>�Hier ist es...�, sagte die Hohepriesterin.</p><p>Doch als Broll zu ihr trat, sah er nichts au�er einer fast leeren Kammer mit mehreren bl�henden Pflanzen, die immer noch frisch und gepflegt wirkten, und ein Bett, das mit einem gr�nen Laken bedeckt war.</p><p>�Sie ist fort...�, sagte der Druide. �Varian hat gemeint, sie w�rde schlafen, so wie die anderen.�</p><p>Tyrande trat wortlos in die Kammer und suchte den Kleiderschrank am anderen Ende. Sie riss eine der beiden T�ren auf, das knackende Ger�usch hallte bedrohlich von den W�nden wider.</p><p>Die Hohepriesterin betete. Das Licht von Elune leuchtete und lie� den Raum erstrahlen... doch dann konzentrierte sie sich auf eine leere Ecke. Tyrande ber�hrte sie.</p><p>Sie ber�hrte etwas Unsichtbares. Als die Hohepriesterin aufstand, konnte man den Gegenstand gut im Licht erkennen.</p><p>Es war der Ruhestein.</p><p>�Er wirkt alt�, meinte Broll.</p><p>�Einer der �berlebenden aus Zin-Azshari hat ihn mitgebracht�, sagte Tyrande widerwillig. �Ich h�tte ihn aufgrund seiner Bindungen an diesen verfluchten Ort vernichten sollen. Doch einen neuen Ruhestein zu erschaffen, ist noch anstrengender, als das Zaubermuster eines alten Steins zu �ndern...�</p><p>Lang, oval und von kristalliner Beschaffenheit, war er mit schwach leuchtenden blauen Runen bedeckt. Diese Runen symbolisierten den Ort, an den der Stein gebunden war und das Wesen, dem der Stein geh�rte. Damit konnte diese Person augenblicklich von �berall her an den Bestimmungspunkt des Ruhesteins gelangen... in diesem Fall, Darnassus.</p><p>�Warum hatte die Botschafterin so etwas?�, fragte der Druide.</p><p>�Um von hier zu fliehen, falls es notwendig werden sollte.�</p><p>�Hmm. Hat aber nicht so toll geklappt, oder?�</p><p>Die Hohepriesterin sagte nichts. Stattdessen vertiefte sie sich in das Artefakt. Einst war es von arkanen Kr�ften erschaffen worden. Doch Mutter Mond hatte Tyrande schon einmal die Kraft gegeben, es zu ver�ndern. Sie nahm den Stein in beide H�nde und begann zu beten. Sie hoffte, dass die G�ttin ihr diese Gabe ein zweites Mal gew�hrte.</p><p>�Etwas stimmt hier nicht�, fl�sterte Broll. �Etwas stimmt ganz und gar nicht...�</p><p>Tyrande achtete nicht darauf. �Der Ruhestein widersetzt sich. Die Botschafterin lebt also noch, wo immer sie auch...�</p><p>Aus dem Kleiderschrank ert�nte ein schreckliches Geheul.</p><p>Tyrande wandte sich um, konnte aber nicht mehr verhindern, dass eine skelettartige Gestalt sie packte, die sich irgendwie dort versteckt gehalten hatte, wo selbst das Licht von Elune nicht hinreichte. Das Wesen warf die Hohepriesterin zu Boden. Der Ruhestein fiel ihr aus den H�nden.</p><p>Eine wahnsinnig wirkende Kreatur st�rzte sich auf Broll. Sie trug die zerfetzten Kleider einer hochstehenden Elfe. Doch erst durch den Anh�nger um ihren Hals wurde deutlich, dass es sich dabei um die verschwundene Botschafterin handelte.</p><p>�Ihr werdet meine Kinder nicht bekommen, ihr D�monen!�, schrie sie. �Ihr werdet sie nicht kriegen!�</p><p>Ihre Augen erregten Brolls Aufmerksamkeit, weil man sie <emphasis>nicht</emphasis> sehen konnte. Die Lider der Botschafterin waren fest zusammen-gepresst.</p><p>�Sie tr�umt!�, rief er.</p><p>In diesem Moment erklang von drau�en ein Warnruf des Majors. Dann ert�nten Schreie, die die Nachtelfen nur allzu deutlich an ihre Angreifer erinnerten.</p><p>Tyrande betete. Silbernes Licht ergoss sich �ber den K�rper der rasenden Frau vor ihr. Die Botschafterin schien sich zu beruhigen...</p><p>Doch dann glitt ein Schatten �ber ihr Gesicht. Ihr Mund verformte sich, und sie begann von Neuem zu schreien.</p><p>Links und rechts von ihr entstanden Schattenkreaturen, wie sie die Hohepriesterin bereits in ihrem Zelt angegriffen hatten. Sie lauerten Tyrande auf und h�tten sie gepackt, w�re das Mondlicht nicht gewesen. Das Licht reagierte wie ein lebendiges Wesen und stellte sich zwischen Elunes Dienerin und die Angreifer. Die beiden Schatten wichen zur�ck.</p><p>Tyrande stie� die Botschafterin fort und rief: �Broll! Der Ruhestein! Nehmt ihn!�</p><p>Er tat, wie sie befahl. Doch als er ihr das Artefakt zuwerfen wollte, sch�ttelte sie den Kopf. �Ihr k�nnt den Stein nun auch selbst benutzen! Er sollte Euch direkt nach Darnassus bringen!�</p><p>�Ihr wollt, dass ich Euch zur�cklasse?�</p><p>�Nein! Ich will, dass Ihr uns allen dabei helft, Malfurion zu finden! Geht! Ich befehle es Euch!�</p><p>Sie hatte dem Druiden noch nie einen richtigen Befehl erteilt, und er wusste, dass das eigentlich auch nicht ihre Art war. Doch Broll verstand die Notwendigkeit ihres Wunsches, obwohl es ihm gar nicht gefiel, die anderen hier zur�ckzulassen.</p><p>�Ich werde ihn finden! Wir halten das B�se auf!�</p><p>Er umfasste den Ruhestein und konzentrierte sich. Der Stein begann zu leuchten.</p><p>Die Schattenkreaturen konzentrierten sich auf ihn. Die Grenze zwischen Albtraum und Realit�t wurde immer d�nner, und der Druide hatte keinen Zweifel daran, dass diese Feinde ihn nun t�ten konnten. Broll wusste, dass er sich auf den Ruhestein und den Ort, an den er gebunden war, konzentrieren musste.</p><p>Silbernes Licht verschlang den N�chsten der Angreifer. Der Schatten stie� ein gequ�ltes Zischen aus und wand sich, bevor er schwand.</p><p>Der Zweite wandte sich Tyrande zu, die mit der ungl�ckseligen Botschafterin k�mpfte. Broll h�tte beinahe die Kreatur verfolgt, doch Tyrande blickte den Druiden an.</p><p>Der Ruhestein leuchtete.</p><p>Broll verschwand aus dem Raum...</p><p>... und materialisierte in Darnassus.</p><p>In einem Darnassus, das mitten in seinem eigenen Schrecken steckte. Broll wurde durchgesch�ttelt. Er verlor den Ruhestein aus der Hand, der au�er Sichtweite rollte.</p><p>Zuerst dachte der Druide, dass in Darnassus ein Erdbeben getobt hatte. Aber das war auf Teldrassils Spitze eigentlich nicht m�glich. Dann sp�rten seine gesch�rften Sinne die schreckliche Wahrheit. Es war Teldrassil selbst, der die Nachtelfen attackierte. Seine Zweige griffen jedes Geb�ude an. Die gro�en �ste, auf denen die Stadt ruhte, bebten, sie waren der Grund f�r die Ersch�tterung. �berall st�rzten sich schwarze dornige Bl�tter auf die B�rger, durchdrangen ihre Haut und hinterlie�en lange, b�sartige Schnitte. Mehrere Leichen lagen auf der einst sch�nen Landschaft.</p><p>Doch die Bewohner der Hauptstadt waren nicht ohne Schutz. Die Schwestern der Elune standen an vorderster Front und besch�tzten alles um sie herum, so gut sie konnten. Ihr Licht behinderte das B�se oder hielt es sogar zur�ck.</p><p>Aber selbst das Gras unter ihren F��en war ein �hnlich verschlagener Feind wie die dunklen Bl�tter oder die Schattenkreaturen, die sich aus diesen Bl�ttern gebildet hatten. Alles, was ein Teil von Teldrassil gewesen war, hatte sich nun gegen Brolls Volk gewandt.</p><p>Und erst jetzt konnte Broll sp�ren, wie schrecklich verderbt der Weltenbaum war. �hnlich best�rzt war er �ber die unglaubliche Macht, die nicht nur Teldrassil, sondern die ganze Verderbtheit n�hrte.</p><p>Ausgerechnet die <emphasis>Druiden</emphasis> unterst�tzten diesen Terror. Ihre Zauber st�rkten den Weltenbaum auf eine Weise, von der Broll nicht glauben konnte, dass sie sie wirklich verstanden.</p><p>Broll lief in Richtung des Portals, das ihn zu den Druiden bringen w�rde. Sie mussten gewarnt werden, und zwar schnell.</p><p>Doch die Bl�tter attackierten ihn. Broll verbrannte das Laub mit einem hellvioletten Feuer, bevor es ihn ber�hren konnte. Nachdem der Weg zumindest zeitweise frei war, verwandelte er sich in eine Raubkatze, weil er so einfach schneller war.</p><p>Das Portal kam in Sicht. Broll z�gerte nicht, hindurchzuspringen. Wenn er erst bei seinen Br�dern war, konnten sie ihm dabei helfen, diesen schrecklichen Angriff aufzuhalten.</p><p>Die Welt um ihn herum drehte sich. Es war ein v�llig anderes Gef�hl als mit dem Ruhestein. Der Druide f�hlte sich, als w�rde er vorw�rtsgesto�en.</p><p>Einen Atemzug sp�ter sprang Broll aus dem Portal am Fu� von Teldrassil. Die gro�e Katze untersuchte die Umgebung und war nicht �berrascht, dass niemand in der N�he war. Die Druiden waren immer noch am Versammlungsort.</p><p>Auf seinen vier starken Beinen lief Broll entlang der Grenze von Teldrassil und suchte die Versammlung. <emphasis>Wie konnten sie nur derma�en unvorsichtig sein</emphasis>?, fragte er sich. <emphasis>Zumindest Fandral und die anderen Erzdruiden h�tten sp�ren m�ssen, was geschah</emphasis>...</p><p>Fandral.</p><p>Eine b�se Vorahnung �berkam Broll. Er erinnerte sich daran, wie nah Fandral Teldrassil stand. Der Weltenbaum war f�r den obersten Erzdruiden wie ein Kind. Fandral h�tte wirklich sp�ren m�ssen, was vorging.</p><p>Es sei denn...</p><p>Ein Dornenregen traf die gro�e Katze. Broll br�llte vor Schmerz, verlor den Halt und st�rzte vorw�rts. Er f�hlte sich benommen, und es war eine beunruhigende Benommenheit, die nicht normal sein konnte.</p><p>Die Dornen waren mit Drogen pr�pariert gewesen. Sein erfahrener Geist �berlegte schnell, welche Kr�uter verwendet worden waren. Zu seiner Erleichterung waren keine davon t�dlich. Sie sollten ihn nur kampfunf�hig machen.</p><p>Broll sp�rte, wie seine Muskeln allm�hlich erschlafften. Er war halb bewusstlos, unf�hig sich zu bewegen. Der Nachtelf nahm wieder seine wahre Gestalt an. Das brachte ihm jedoch keine Erleichterung.</p><p>Eine Hand packte ihn grob am Arm. Broll wurde auf den R�cken gew�lzt. Durch seine verschwommenen Augen sah er mindestens vier Druiden, die sich �ber ihn beugten. Aber er konnte sie nicht genau erkennen.</p><p>�Jemand sollte Fandral Bescheid geben�, sprach einer von ihnen. �Jemand sollte ihm mitteilen, dass wir den Verr�ter geschnappt haben...�</p></section><section><title><p>22</p><p>Die Verderbten</p></title><p>Die Opfer von Sturmwind kamen immer n�her. Lucan, Thura und der Major waren umzingelt von den verwahrlosten, schlafwandelnden Gestalten. Jede schrie irgendetwas �ber eine schreckliche Tat, f�r die irgendwie die drei verantwortlich sein sollten. Und sie alle bewegten sich trotz geschlossener Augen zielstrebig auf die drei Verteidiger zu.</p><p>�Was sollen wir tun?�, fragte Lucan.</p><p>�Wir bek�mpfen sie!�, knurrte die Orcfrau mit der Axt in der Hand. �Wir bek�mpfen sie, oder sie zerfetzen uns, du Narr!�</p><p>�Das sind Unschuldige!�, konterte Major Mattingly mahnend. �W�rdest du sie auch t�ten, wenn sie von deinem Volk stammten?�</p><p>�Ja... weil es getan werden muss.�</p><p>Mattinglys Blick zeigte deutlich, dass er ihre Logik verstand. Dennoch sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Fuchsblut! Nehmt sie mit und seht nach, was mit den Nachtelfen geschehen ist�, befahl Mattingly schlie�lich.</p><p>�Aber dann seid Ihr hier nur noch ganz allein...�</p><p>Die beiden Menschen blickten einander einen Moment lang an. Lucan verstand schlie�lich. Mattingly wollte die unschuldigen Schlafwandler vor Thura bewahren, die sicherlich einen schrecklichen Blutzoll einfordern w�rde, bevor die Schlafwandler sie schlie�lich �berw�ltigten. Der Major hoffte zudem offensichtlich auf ein Wunder von Tyrande und Broll.</p><p>�Komm!�, befahl der Kartograf der Orcfrau, genauso �berrascht �ber den Befehlston in seiner Stimme wie sie. Thura folgte z�gerlich, w�hrend der Major mit seinem Schwert �ber die kleiner werdende L�cke zwischen sich und den schlafwandelnden Einwohnern strich.</p><p>Doch kaum hatten sie das Geb�ude betreten, als eine st�mmige Gestalt Lucan mit seiner Axt angriff.</p><p>�Das ist mein Hof!�, rief der Mann. �Ihr werdet ihn nicht abbrennen!�</p><p>Die Axt w�re tief in Lucans Brust eingedrungen, h�tte Thura nicht eingegriffen. Sie blockte den Schlag mit dem Schaft ihrer Waffe ab. Der Schlafwandler wandte sich ihr zu, seine geschlossenen Augen wirkten unheimlich. Die Wut auf seinem Gesicht war �berw�ltigend.</p><p>Er hieb nach der Orckriegerin. Sie parierte den Angriff und schlug dann zur�ck.</p><p>�Nein!�, rief Lucan, doch sie war nicht mehr aufzuhalten.</p><p>Ihre magische Axt zog eine rote Linie �ber die Brust des Mannes, der die eigene Waffe fallen lie� und dann zu Boden st�rzte.</p><p>Der Kartograf war w�tend. �Er konnte nichts daf�r!�</p><p>Thura wirkte nicht ungl�cklich �ber ihre Tat, doch sie fragte: �Was h�ttest du denn gemacht?�</p><p>Darauf wusste Lucan keine Antwort. Von oben erklangen Kampfger�usche und weitere Schreie. Sie liefen hoch.</p><p>Dort trafen sie auf Tyrande, die mit einer wilden Kreatur k�mpfte. Das konnte nur die Botschafterin der Nachtelfen sein. Lucan eilte der Priesterin zu Hilfe und wurde von einer Schattenkreatur angegriffen.</p><p>�Geh zu ihr�, br�llte Thura. Sie rannte an Lucan vorbei. Obwohl ihre Axt nicht an den Schatten heranreichte, wich er doch zur�ck.</p><p>Der Weg war frei, und der Kartograf gelangte zu Tyrande. Er packte die schreiende Gestalt am Arm, wodurch Tyrande sich besser konzentrieren konnte.</p><p>Die Hohepriesterin ber�hrte die Schlafwandlerin an der Brust. Ein schwacher silberner Schein bedeckte die Haut.</p><p>Die Schlafwandlerin keuchte und fiel der Hohepriesterin in die Arme. Lucan und Tyrande legten sie sanft ab.</p><p>In dem Augenblick stie� die Orcfrau zu. Ihre Axt schnitt durch den Schatten, der zischte... und dann verschwand er.</p><p>W�hrend es drinnen einen Moment der Ruhe gab, wurde es drau�en immer hektischer. Die Schreie wurden lauter, schrecklicher. Einer erhob sich kurz �ber den Rest, bevor er abrupt abriss.</p><p>�Das war der Major!�, keuchte Lucan. Er versuchte zu einem Fenster zu gehen, doch Tyrande hielt ihn zur�ck.</p><p>�Es ist zu sp�t f�r ihn.� Die Hohepriesterin blickte Lucan in die Augen. �Zu sp�t f�r so viele. Doch es gibt immer noch Hoffnung f�r Azeroth und Hoffnung f�r uns... wenn Ihr uns von hier fortbringt.�</p><p>Er nickte. �Ich kann nicht versprechen, dass wir nicht wieder bei diesem gr�nen Drachen enden...�</p><p>�Eranikus ist unser geringstes Problem�� eigentlich ist Eranikus f�r niemanden ein Problem, au�er f�r sich selbst.�</p><p>Lucan konzentrierte sich. Tyrande streckte die Hand nach Thura aus, die sie annahm.</p><p>Die Welt wurde pl�tzlich smaragdgr�n.</p><p>Und dann noch dunkler. Von Wahnsinn k�ndende Schreie maltr�tierten ihre Ohren, und die Landschaft war mit dem vertrauten, abscheulichen Nebel bedeckt, in dem groteske Gestalten herumirrten. Schwindelgef�hle �berkamen sie, gesteigert von einer wachsenden Furcht und Orientierungslosigkeit, die alles andere als nat�rlich war.</p><p>Sie waren wieder im Albtraum.</p><p>�Nein...�, murmelte Lucan. �Lass mich...�</p><p>Der Schatten eines riesigen, skelettartigen Baumes erstreckte sich �ber sie, seine Silhouette war trotz der Dunkelheit gut zu erkennen.</p><p><emphasis>Seid willkommen</emphasis>..., erklang die schreckliche Stimme in ihren K�pfen. <emphasis>Und ein besonderes Willkommen an dich, Tyrande Wisperwind</emphasis>...</p><p>Die Hohepriesterin wurde totenbleich. Selbst die Orcfrau erschauderte unter dem Tonfall des Baumes.</p><p>�Nein...� Tyrande sch�ttelte den Kopf. �Nein...�</p><p><emphasis>Ja... o ja</emphasis>..., antwortete die Stimme.</p><empty-line/><p>�Denkt nach, Fandral, denkt nach!�, rief Malfurion. �Ist wirklich alles so, wie Ihr es haben wolltet? Habt Ihr Teldrassil erschaffen, um Euer Volk zu vernichten?�</p><p>�Ich zerst�re uns nicht, ich rette uns vor Euch und all denen, die unsere Welt verraten haben!� Als er sprach, neigte Fandral seinen Kopf dem Schatten zu, den er f�r seinen Sohn hielt. Der wahnsinnige Erzdruide nickte, dann f�gte er, an Malfurion gewandt, hinzu: �Ihr habt Euch gegen Teldrassils Geburt ausgesprochen! Ihr wusstet, dass er unser Volk wieder erstarken lassen, ihm zu dem Ruhm und der Unsterblichkeit verhelfen w�rde, die uns schon immer zustanden!�</p><p>Malfurion wich einer Blume aus, die vor ihm aufbl�hte. Es war eine schwarze Lilie, und daraus schossen wei�e Pollen hervor. Er wusste nicht, was die Pollen anrichten w�rden, doch jede Pflanze, die vom Albtraum verderbt worden war, stellte eine Gefahr dar.</p><p>Die Pollen landeten vor ihm. Der Boden unter Malfurions F��en brannte und zog sich zusammen.</p><p>Ein stechender Schmerz durchfuhr seine linke Hand. Ein einzelnes Korn war auf seinem Daumen gelandet. Und dieses eine Korn reichte aus, dass Malfurion vor Schmerz die Z�hne zusammenbei�en musste. H�tten ihn Tausende getroffen...</p><p>Druck baute sich in seiner Brust auf. Malfurion fiel auf die Knie. Der Druck stieg an. Er konnte nicht mehr atmen.</p><p>Der Erzdruide �berpr�fte blitzschnell seinen K�rper und suchte nach dem, was ihn angriff. Es war alles bislang viel zu leicht gewesen.</p><p>Der Pollen war eine List gewesen, wenngleich eine gef�hrliche. Zu sp�t erkannte Malfurion, dass Fandral einen subtileren Druidenangriff gew�hlt hatte. W�hrend Malfurion der Lilie ausgewichen war, hatte er einige der kleinen Sporen eingeatmet. Sie erf�llten nun seine Lungen.</p><p>Doch wie er es auch mit dem Gift gemacht hatte�� Gift, dessen Quelle er nun kannte -, zwang Malfurion die Sporen wieder aus seinem K�rper heraus. Es war nicht so einfach und nicht etappenweise ausf�hrbar, wie er es in der Gruft gemacht hatte. Diesmal musste er wirklich schnell handeln. Malfurion hustete heftig, schied so die Sporen aus und sandte sie zu ihrem Sch�pfer zur�ck.</p><p>Ein kurzer Schwindelanfall �berkam ihn, w�hrend dem Fandral ihn h�tte angreifen k�nnen. Doch der musste gleichzeitig die unsichtbaren Sporen abwehren. Fandral vollf�hrte eine Geste, und der Wind blies die Pollen fort.</p><p>Doch obwohl Malfurion f�r den Moment gerettet war, wusste er, dass jede Sekunde, die er gegen Fandral k�mpfen musste, nur dem Albtraum in die H�nde arbeitete. Fandral war verloren, sein Wahnsinn verzehrte ihn.</p><p>Es sei denn...</p><p>Mit nach oben ge�ffneten Handfl�chen konzentrierte sich Malfurion.</p><p>Stille senkte sich �ber die Enklave. Die B�ume regten sich nicht mehr, und auch die anderen Pflanzen wurden ruhig. Malfurion l�chelte grimmig. Die Verderbtheit hatte Teldrassil befallen, doch nicht ganz Teldrassil war von ihr verzehrt worden. Er hatte die letzten noch reinen �berbleibsel angerufen, um den Baum daran zu erinnern, was er in Wirklichkeit war.</p><p>Doch kaum einen Atemzug sp�ter kehrte der Schrecken zur�ck. Fandral hielt die Arme ausgestreckt, und die Schatten standen an seiner Seite.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass Ihr mir meinen Sohn wieder nehmt!�, br�llte er.</p><p>Malfurion achtete nicht mehr auf Fandrals wirre Worte. Er konzentrierte sich erneut, um die letzten Reste des Guten anzurufen, die noch in Teldrassil steckten. Es war nicht viel, die Verderbtheit war gr��er. Doch unter seiner F�hrung hielt das Gute zumindest einen winzigen Moment lang stand.</p><p>Und mehr brauchte Malfurion auch nicht.</p><p>Mittlerweile wurde jedoch nicht mehr nur die Enklave davon beeinflusse Malfurion strengte sich an, als er seinen Zauber �ber ganz Darnassus ausdehnte. Von �berall dort kamen noch Schreie und Kampfesl�rm. Aber stetig wurde der Widerstand geringer, und er sp�rte, dass sein Plan funktionierte.</p><p>Sein K�rper und seine innerste Seele schmerzten. Malfurion bek�mpfte nicht nur einen Feind, sondern zwei. Irgendwo tief im Weltenbaum steckte ein Teil des Albtraumlords, eine echte physische Pr�senz. Er wollte sie suchen, sie bek�mpfen. Doch solange war er Fandral wehrlos ausgeliefert.</p><p>Er strengte sich weiter an. Malfurion sp�rte, wie seine Kr�fte schwanden. Fandral war zwar nicht st�rker als er. Doch Malfurion versuchte gleichzeitig, auch noch die B�rger zu sch�tzen.</p><p><emphasis>Es muss bald geschehen! Sie m�ssen es verstehen</emphasis>!, dachte er.</p><p>Dann sp�rte er die Gegenwart der anderen Druiden in der Enklave. Und seine Hoffnung und Sorge stiegen gleicherma�en an. Ihre Reaktion w�rde den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.</p><p>Fandral lie� im Angriff nach, hielt ihn nur aufrecht, um Malfurion weiter zu besch�ftigen. Malfurion hatte so etwas vermutet. Er dagegen lie� die H�nde sinken und beendete seinen Zauber.</p><p>Einen Augenblick lang war Fandral hin- und hergerissen, doch dann stellte auch er seinen Angriff ein. Jetzt war nicht die Zeit, sich als Aggressor zu beweisen. Sie wurden von den anderen Druiden beobachtet.</p><p>Die hochrangigen Erzdruiden versammelten sich um sie herum. Die meisten mit vorsichtigem oder unsicherem Blick. Malfurion blickte jeden Einzelnen an, lie� sie in seine Seele blicken. Er hatte nichts zu verbergen, Fandral schon.</p><p>So zum Beispiel die Schattengestalt, von der er glaubte, sie w�re Valstann. Der Erzdruide stand mit einem frommen L�cheln im Gesicht vor seinen Br�dern, als h�tte er sie hierher gerufen. Doch die Verantwortung lag bei zwei unglaublichen Wesen�� eigentlich dreien, erkannte Malfurion pl�tzlich -, die nun in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung r�ckten.</p><p>Fandral warf einen Blick hinter sich. Hamuul Runentotem und Shandris Mondfeder waren keine Gefangenen mehr.</p><p>Malfurions Angriff hatte gleich mehreren Zwecken gedient. So hatte er den Erzdruiden bek�mpft und die Ablenkung durch den Kampf gleichzeitig dazu benutzt, um die d�steren Ranken zu l�sen, die die beiden gefesselt hatten.</p><p>Malfurion versuchte, Naralex wiederzubeleben, doch der Nachtelf blieb besinnungslos. Bei Hamuul und Shandris hatte er mehr Erfolg gehabt. Er hatte Naralex in Hamuuls Obhut gelassen und sie beide zu dem Portal geschickt. Dabei hatte er gehofft, dass Fandrals Wahnsinn die anderen Nachtelfen davon abhalten w�rde, mitzubekommen, was gerade geschah.</p><p>Malfurion hatte Erfolg gehabt. Doch es war immer noch die Frage, ob die beiden mit Unterst�tzung zur�ckgekommen waren�� oder mit weiterer Hilfe f�r Fandral. Das dritte Mitglied der Gruppe schien die letztere M�glichkeit zu best�tigen, denn er knurrte die Druiden an. Malfurion wollte unbedingt wissen, wie Broll B�renfell hierher gekommen war. Die Antwort auf diese Frage musste aber noch warten.</p><p>�Sehr gut!�, verk�ndete Fandral den Neuank�mmlingen. �Die Verr�ter sind versammelt! Exzellente Arbeit!�</p><p>�Sie behaupten aber, dass Ihr der Verr�ter seid, Meister Fandral�, sagte ein Druide vorsichtig.</p><p>Broll ging auf den Sprecher zu. �Und genau das ist er auch! Obwohl es ein Weilchen gedauert hat, bis ich endlich erkannt habe, dass er Euch alle nur dazu benutzt hat, die Befleckung Teldrassils zu f�rdern, statt den Weltenbaum zu heilen!� An Malfurion gewandt sagte er: �Als ich die anderen warnen wollte, nahmen mich einige Druiden gefangen! Gl�cklicherweise erschienen Hamuul und Shandris gerade noch rechtzeitig, um ihnen zumindest <emphasis>ein wenig</emphasis> Vernunft beizubringen...�</p><p>�Wir taten, was wir f�r richtig hielten�, konterte der Druide, der bereits gesprochen hatte. Einige der Druiden schienen zum Kampf mit Broll bereit zu sein. Hamuul Runentotem trat neben den Nachtelfen. Shandris ging auf sie zu, doch dann blickte sie zu Malfurion.</p><p>Er nickte ihr zu und sagte zu den versammelten Druiden: �Ihr kennt mich. Die meisten von Euch habe ich selbst ausgebildet. Blickt in Euch selbst und seht, ob ihr meinem Wort immer noch vertraut.�</p><p>�Der Albtraum hat ihn verf�hrt!�, unterbrach ihn Fandral. �Ihr wisst, wie lange er verschwunden war. So gro� unser Shan�do auch einst gewesen sein mag, so ist er jetzt doch ein Sendbote der Finsternis! Glaubt seinen Worten nicht!�</p><p>�Und warum sollten sie <emphasis>E u c h</emphasis> glauben, Fandral?�, erwiderte Broll. �Ihr habt versprochen, dass Teldrassil unser Volk wiederherstellen w�rde. Doch nun m�ssen sie nur ihre Sinne einsetzen, um zu erkennen, was daraus geworden ist!�</p><p>Malfurion blickte Broll anerkennend an. �Ihr untersch�tzt Euch immer noch. Ihr wisst, was in dem Weltenbaum lauert, oder nicht, Broll?� Er wandte sich an den Tauren. �Und Ihr auch, Hamuul...�</p><p>�Ich habe es gesp�rt, aber ich konnte es nicht glauben, Malfurion Sturmgrimm. Naralex sp�rte es auch, und gemeinsam trafen wir auf die Generalin, die auch auf der Suche nach der Wahrheit war...�</p><p>�Naralex?� Malfurion schaute sich um. Doch er konnte den Nachtelfen nicht entdecken.</p><p>�Er ist immer noch ohnm�chtig�, stellte der Tauren grimmig klar. �Er wurde am schwersten verletzt. Ich habe f�r ihn getan, was ich konnte... aber er braucht noch weitere Hilfe...�</p><p>Unter den versammelten Druiden rumorte es. Sie waren best�rzt. Naralex war ein m�chtiger Druide, den die meisten mochten. Nun sahen sie Fandral in einem neuen Licht.</p><p>Fandral blickte jeden finster an, der sich nun gegen ihn gestellt hatte. �Naralex ist auch ein Verr�ter. Er lie� mir keine Wahl! Sie alle sind Verr�ter!�</p><p>Seine arroganten Worte nahmen die Menge nur weiter gegen ihn ein. Mehrere der �brig gebliebenen Druiden gingen zu Broll und den anderen, die sich bereits auf Malfurions Seite geschlagen hatten. Malfurion trat vor, entschlossen, die Verantwortung f�r jede von Fandrals Taten zu �bernehmen.</p><p>�Wie viele mehr m�ssen noch leiden und sterben?�, fragte Malfurion. �Ganz Azeroth stirbt, Fandral!� An die versammelten Druiden gerichtet, erkl�rte er: �W�hrend er Euch hier festgehalten hat und behauptete, den Weltenbaum zu heilen, wurde der Rest der Welt angegriffen. Blickt in Euch und sp�rt Azeroths Schmerz...�</p><p>Sie taten, was er erbat, und praktisch augenblicklich keuchten mehrere Druiden vor Entsetzen auf.</p><p>�Die Mondlichtung!�, stie� einer hervor. �Selbst die Mondlichtung! Doch wo ist Remulos? Er hat sie doch sicherlich nicht verlassen?�</p><p>Das war eine gute Frage, deren Beantwortung Malfurion �bernahm. Er wusste, dass Fandral weder m�chtig noch schlau genug war, um den H�ter der Lichtung zu �berw�ltigen. Doch diese b�se Kraft hinter dem wahnsinnigen Nachtelfen war es vielleicht schon. �Nun, Fandral? Wo <emphasis>ist</emphasis> Remulos?�</p><p>�Er ist auch ein Verr�ter! Er bleibt so lange gefangen, bis er die Wahrheit erkennt!� Der verr�ckte Erzdruide zeigte auf die versammelten Druiden. �Ihr alle werdet ver�ndert, damit Ihr die Wahrheit erkennt!�</p><p>Fandral lie� alle T�uschung fallen und vollf�hrte einige Gesten. Viele der Druiden fassten sich pl�tzlich an die Brust.</p><p>Aus einem entsprang eine lange Ranke, die sich wie eine Schlange vor und zur�ck wand. Trotz der schrecklichen Wunde packte der Druide sie�� nur um zu erkennen, dass ihm weitere gr�ssliche Ranken aus H�nden, Armen und <emphasis>dem ganzen K�rper</emphasis> wuchsen.</p><p>�Ich habe mich auf Euren Verrat vorbereitet�, erkl�rte Fandral. Seine Augen blinzelten nicht. �Auf die eine oder andere Weise... werdet Ihr alle Teldrassil und seinen Zielen dienen!�</p><p>Dem ersten Opfer folgten weitere. Malfurion reagierte augenblicklich und versuchte, das Wachstum von Fandrals b�ser Saat zu stoppen. Wahrscheinlich hatten die Druiden sie eingeatmet, wie die Sporen, die ihn angegriffen hatten. Fandral war bereit, jeden anderen Druiden f�r seine Ziele zu opfern.</p><p>Aber nicht alle waren von seinem Zauber betroffen. So blieben alle Druiden, die sich Fandral angeschlossen hatten, verschont. Dass sogar einige seiner Br�der bereits verderbt worden waren, machte Malfurion traurig.</p><p>Aber er hatte keine Zeit sich zu fragen, warum jemand einen solchen Weg einschlug. Er musste die Betroffenen retten.</p><p>Doch weder Fandral noch der Albtraumlord gaben ihm diese Zeit. Die Befleckung in Teldrassil schritt weiter voran. Darnassus wurde erneut angegriffen, als weitere Schattenkreaturen aus den schwarzen Bl�ttern des Weltenbaums wuchsen.</p><p>Malfurion musste sich um Fandral und seinen Herrn k�mmern. Das bedeutete jedoch, seine Br�der zu opfern. Der erste Druide war bereits verloren. Was von seinem K�rper �brig war, wurde von dem explosionsartigen Wachstum der parasit�ren Ranken verzehrt.</p><p>Aber es gab eine Hoffnung, eine die stark genug war�� wenn er denn daran glaubte. �Broll! Seht mich an! Begreift, was getan werden muss!�</p><p>�Es bedeutet nichts!�, rief Broll verbittert zur�ck und wies auf sein gro�es Geweih. �Ich bin nicht wie Ihr, Shan�do!�</p><p>�Doch, seid Ihr!�, widersprach Malfurion, die Anstrengung in seiner Stimme wurde h�rbarer. �Sp�rt Eure Verbindung zu Azeroth! Ihr k�nnt das B�se aufhalten! Oder wollt Ihr zusehen, wie alle einen schrecklichen Tod erleiden?�</p><p>Es war eine brutale Frage, und Malfurion hasste sich daf�r, sie stellen zu m�ssen. Doch er konnte nicht l�nger warten. Der Rest des Nachtelfenvolkes�� der Rest von Azeroth�� hatte kaum noch mehr Zeit als die Druiden.</p><p>Malfurion konzentrierte sich auf Fandral. Als er seinen Rivalen ansah, erblickte er die Schattengestalt hinter ihm, die gleichzeitig auch Teil des wahnsinnigen Erzdruiden war. Sie leitete Fandrals Gedanken f�r ihren wahren Herrn.</p><p>Malfurion erkannte, was er zu tun hatte, auch wenn er daf�r viel riskieren musste.</p><p>Er st�rzte sich auf Fandral und nahm die Raubkatzengestalt an. Fandral reagierte wie erwartet. Er holte eine Handvoll der kleinen Dornen aus einem Beutel und warf sie auf die riesige Katze.</p><p>Malfurion wich zur�ck und wirkte einen weiteren Zauber. F�r die meisten Druiden, selbst wenn sie �ber Fandrals F�higkeiten verf�gt h�tten, w�ren die Aussichten auf Erfolg gering gewesen. Doch Malfurion war der Erste gewesen, der vom Halbgott Cenarius ausgebildet worden war. Er hatte sein Handwerk im Ersten Krieg gegen die Brennende Legion gelernt und seine F�higkeiten �ber die letzten zehntausend Jahre noch verbessert.</p><p>Der Hurrikan erfasste die Dornen und trieb sie zu Fandral zur�ck, der einen eigenen Zauber wirkte. Die Ranken, die zuvor Hamuul und Shandris gefesselt hatten, feuerten Hunderte Tr�pfchen eines klebrigen Safts auf die Dornen ab und versiegelten so die t�dlichen Geschosse.</p><p>�Kaum der Aufmerksamkeit wert...�, sagte Fandral.</p><p>Die Schattenkreatur hinter Fandral wurde von einem Feuer getroffen, das wie die Sterne leuchtete. Das war Malfurions eigentlicher Angriff gewesen.</p><p>Die d�stere Gestalt wand sich, als die Flammen sie verzehrten. Sie zischte und heulte. Teile des brennenden Schattens stoben in den Wind.</p><p>�Valstann!� Fandral griff verzweifelt nach dem Schatten. Vergeblich versuchte er, das Feuer zu ersticken. Er wurde nur selbst darin gefangen. Doch auch dann achtete der Erzdruide keinen Moment auf den Schmerz, sondern ber�hrte den Feind, den er f�r seinen Sohn hielt.</p><p>Dann wurde Fandral herumgewirbelt. Bevor er reagieren konnte, schlug Malfurion ihm ins Gesicht. Es war der schw�chste Angriff, den er gegen den Erzdruiden f�hren konnte. Malfurion hatte gute Gr�nde daf�r.</p><p>Fandral taumelte zur�ck.</p><p>Von der Schattenkreatur war nicht mehr viel �brig geblieben. Wie Fandral vor ihm griff Malfurion nach den �berresten. Das Feuer verbrannte selbst ihn, doch er wusste, wie man den Schmerz milderte. Es war lebenswichtig, dass er Kontakt mit dem Schatten aufnahm.</p><p>Deshalb hatte Malfurion versucht, den Angriff abzuschw�chen. Aber dennoch war es fast zu sp�t f�r eine Kontaktaufnahme.</p><p>Er stie� seine Hand direkt in den Schatten. Augenblicklich erschauderte seine Seele. Malfurion straffte sich und drang mit seinem Geist immer tiefer in den Schatten ein.</p><p>Was er sp�rte, erkl�rte seine Angst, die stetig in ihm gewachsen war, seit er das erste Mal vom Albtraumlord gefangen genommen wurde.</p><p>Der Schatten verbrannte, und damit erstarb das Feuer. Malfurion atmete tief durch, als er sein Gleichgewicht wiedererlangte. Er wandte sich an Fandral, aber der Nachtelf lag ausgestreckt auf dem Boden. Fandrals Augen standen offen, doch sie schienen nichts zu sehen. Der zweite Verlust seines �Sohns� war zu viel f�r ihn gewesen.</p><p>Malfurion blickte zu Broll�� und seine Augen weiteten sich.</p><p>Broll B�renfell stand mitten unter den leidenden Druiden, die H�nde �ber den Kopf erhoben, und die Energien von Azeroth umgaben ihn. Seine ehemals silbernen Augen leuchteten nun so golden wie Malfurions. Von seinen H�nden str�mte Energie zu jedem einzelnen der Druiden.</p><p>Zwei von Wurzeln durchbohrte Leichen lagen auf dem Boden. Das waren Fandrals erste Opfer gewesen. Doch f�r die anderen Druiden bestand noch Hoffnung. Hamuul Runentotem blieb bei Broll und half, wo er konnte, aber am meisten m�hte sich der Nachtelf.</p><p><emphasis>Jetzt habt Ihr Eure Bestimmung erfahren</emphasis>, dachte Malfurion erleichtert und mit Stolz.</p><p>Erst jetzt bemerkte er, dass Shandris nirgends zu sehen war. So, wie er sie kannte, war sie bestimmt direkt zu Darnassus� Verteidigern gegangen.</p><p>Malfurion verwandelte sich. Erneut rannte er als gro�e Raubkatze durch die Enklave nach Darnassus hinein. Um ihn herum tobte der Kampf noch immer. Selbst ohne die Bedrohung durch Fandral war Darnassus in schrecklicher Gefahr. Doch Malfurion konnte nur helfen, indem er weitermachte.</p><p>Er rannte hinaus in den Wald, der hinter der Hauptstadt lag. Augenblicklich versuchten die �ste und Bl�tter, ihm den Weg zu versperren. Malfurion wich ihnen geschmeidig aus und k�mpfte sich den Weg mit Klauen und Z�hnen frei, wenn er sonst nicht weiterkam. Sein dickes Fell bewahrte ihn vor so mancher Verletzung. Dennoch bekam er etliche Kratzer ab, bevor er das Innere von Teldrassils Krone erreichte.</p><p>Ein wilder Riese trat hervor, der so sehr selbst Teil des Baumes war, dass der Erzdruide ihn nicht sofort erkannte. Das Urtum versuchte, Malfurions Ausweichman�ver vorauszuahnen. Deshalb sprang Malfurion einfach direkt darauf zu.</p><p>Der korrumpierte Waldw�chter versuchte zu reagieren, doch Malfurion sprang einfach durch die Beine der Kreatur hindurch. Als Katze war Malfurion schneller und beweglicher und wich so dem Riesen aus.</p><p>Die Krone des Weltenbaums war dicht und finster. �berall wuchsen Dornen. Keine echte Katze von der Gr��e Malfurions h�tte derma�en schnell reagieren k�nnen. Der Nachtelf nutzte seine �ber die Jahrhunderte verfeinerten Reflexe.</p><p>Aber gerade als er sp�rte, wo sein Ziel lag, sprang eine kleine, pelzige Gestalt auf sein Maul und kratzte ihm in die Augen. Es war nur ein Eichh�rnchen, einer der vielen Bewohner des Baumes, und selbst dieses Gesch�pf war korrumpiert worden.</p><p>Das Eichh�rnchen war ein leicht zu besiegender Gegner, den er einfach mit dem Kopf absch�ttelte. Doch das war nicht die wahre Gefahr.</p><p>Malfurion versuchte, sich auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten. Als ein kleinerer Ast gegen seine Pfote schlug und er beinahe ins Taumeln geraten w�re, kehrte der Erzdruide augenblicklich in seine normale Gestalt zur�ck und fing sich wieder, bevor er von weiteren �sten getroffen werden konnte.</p><p>Mehrere Schattenkreaturen st�rzten aus den �sten �ber ihm herab. Es waren enorm viele, und sie verletzten Malfurions K�rper und Seele gleicherma�en.</p><p>Er verbrannte die ersten paar mit magischem violettem Feuer, dann wurde er von der schieren Zahl, die folgte, dazu gen�tigt, sich erneut zu verwandeln.</p><p>Er br�llte wild, und die Schatten wichen zur�ck. Mit seinen m�chtigen, leuchtenden Pranken schlug er nach den Kreaturen und zerfetzte einige. In seiner Raubkatzengestalt nutzte Malfurion seine nat�rlichen F�higkeiten, um die Zahl der finsteren Angreifer zu dezimieren.</p><p>Sie starben unter seinen Klauen wie das Gras unter der Sense. Binnen Sekunden war nur noch Malfurion als Raubkatze �brig. Kurz br�llte er seinen Sieg hinaus. Dann eilte er seinem Ziel entgegen.</p><p>Das B�se wuchs auf dem Stamm des Weltenbaums, und obwohl es teilweise wie einer der riesigen �ste geformt war, die �berall aus Teldrassil ragten, unterschied es sich farblich doch stark. Mit dieser Farbe verband Malfurion etwas v�llig anderes als einen Baum, egal, ob er verderbt sein mochte oder nicht. Er musste sich nur wieder in einen Nachtelfen verwandeln und auf seine Hand blicken, um Haut von derselben Farbe zu sehen.</p><p>Auch ohne es zu ber�hren, konnte der Erzdruide sp�ren, wie gekonnt das B�se in den damals sicherlich noch nicht ausgewachsenen Teldrassil eingepflanzt worden war. Malfurion erkannte Fandrals Werk und wusste, dass der Erzdruide viele Male hierher zur�ckgekehrt sein musste, um das B�se in seinem Wachstum zu st�rken. Der Ast war jetzt mehr als zweieinhalb Meter hoch, seine eigenen Zweige ma�en sicherlich selber schon einen Meter oder mehr und waren mit dunklen, dornigen Bl�ttern bedeckt. Blasse Fr�chte hingen an dem Ast, sie erinnerten entfernt an Sch�del.</p><p>Malfurion trat an den verderbten Zweig heran. Die Fr�chte schimmerten, und eine fiel zu Boden. Sie zerplatzte beim Aufprall. Eine dicke schwarze Fl�ssigkeit floss heraus, die wie ein ganzes Feld voller verfaulender Leichen stank.</p><p>Malfurion wich zur�ck, obwohl er sich so weiter von dem verderbten Ast entfernte. Er wusste, dass der Albtraumlord genau das wollte, doch er konnte nichts dagegen tun.</p><p>Eine weitere Frucht fiel herab. Als sie aufplatzte, verwandelte sich die schwarze Fl�ssigkeit in Hunderte knochenbleicher Tausendf��ler mit K�pfen, die an die Totensch�del von Nachtelfen erinnerten.</p><p><emphasis>Malfurion Sturmgrimm</emphasis>..., riefen sie, w�hrend sie sich um ihn herum zusammenzogen. <emphasis>Malfurion Sturmgrimm... es ist an der Zeit, dass du dich uns anschlie�t</emphasis>...</p><p>Er erkannte diese Stimmen. Jede war anders, doch er kannte jede einzelne davon. So zum Beispiel Lord Rabenkrone, der die Nachtelfen-Streitkr�fte befehligt hatte, bis er von Agenten der K�nigin Azshara ermordet wurde. Oder die Hohepriesterin Dejahna�� Tyrandes Vorg�ngerin. Dann war da noch der dem B�sen verfallene Hauptmann Varo�then�� Azsharas ergebener Diener�� und so viele, viele andere, die seine und sicherlich auch Tyrandes Gedanken w�hrend der Jahrtausende heimgesucht hatten.</p><p><emphasis>Malfurion... wir haben so lange gewartet... komm und schlie�e dich uns in unserer langen Rast an</emphasis>...</p><p>Er schwankte, stand da und unternahm nichts, als die monstr�sen Tausendf��ler seine Beine erreichten. Der Erste krabbelte auf seinen Fu�, sein skelettartiges Maul �ffnete sich weit...</p><p>Der Erzdruide griff nach unten und packte das Ungeziefer. Er dr�ckte fest zu.</p><p>Der Tausendf��ler heulte wie ein sterbender Nachtelf. Seine geisterhafte Schale platzte auf und offenbarte eine sch�ne, aufbl�hende Rose.</p><p>Der Rest des Schwanns begann ebenfalls zu heulen. Jeder einzelne Tausendf��ler erlitt dieselben Schmerzen wie der in Malfurions Hand.</p><p>�M�ge dies ihr Verm�chtnis sein�, sprach er zu dem verderbten Ast, als die Rosen �berall um ihn herum hervorschossen. �M�ge dies all diejenigen ehren, die Azeroth verteidigt und sich nicht f�r seine Macht verkauft haben...�</p><p>Teldrassils Krone erzitterte, als w�rde ein starker Wind hindurch wehen. Das Rauschen der Bl�tter wurde in Malfurions Ohren zu einem w�tenden Br�llen.</p><p>Er nutzte den Moment der Wut des Albtraumlords aus, um seine Gestalt erneut zu wechseln. Doch dieses Mal wurde er zu einem gro�en B�ren, einem schrecklichen B�ren. Mit seiner Kraft packte Malfurion den verderbten Ast und riss ihn aus Teldrassil heraus. Er reichte tief in den Stamm hinein, und Malfurion benutzte seine druidischen F�higkeiten, um selbst die �Wurzeln� auszumerzen.</p><p>Der Weltenbaum erbebte. Einige der gro�en �ste brachen ab. Malfurion der B�r presste sich gegen den Stamm, als die Ersch�tterungen st�rker wurden. Er konnte nur hoffen, dass die Bewohner von Darnassus sich selbst sch�tzen konnten.</p><p>Das Beben lie� nach. Aber obwohl es nur kurz gedauert hatte, war es doch stark genug gewesen, um die W�lder von Teldrassil zu zerst�ren. Ganze Eichen waren zerborsten. Ein Gro�teil der Krone war nur noch ein Haufen gef�hrlicher Schutt.</p><p><emphasis>Darnassus muss ger�umt werden</emphasis>, �berlegte der Erzdruide. Bevor man nicht das ganze Ausma� des Schadens am Weltenbaum untersucht hatte, war jedermann in Gefahr.</p><p>Pl�tzlich wurden die massigen umgest�rzten B�ume zu schwer f�r die darunter stehenden. Mit einem Ger�usch wie Donnerhall brachen die tragenden �ste, und Holz und Erde st�rzten gleich tonnenweise nach unten. Dadurch wurden weitere der riesigen B�ume mitgerissen, und der atemberaubende Vorgang wiederholte sich.</p><p>Doch trotz der Leiden des Weltenbaums blickte der Erzdruide zu dem einen Ast, den er aus dem Stamm herausgerissen hatte. Er war viel blasser geworden, und jetzt tropfte etwas daraus hervor. Es war eine dickliche Substanz mit der Konsistenz von Baumsaft, doch von v�llig anderer Farbe. Malfurions B�rensinne nahmen den Geruch auf, der eine unglaubliche Wut in ihm entfachte.</p><p>Das war die Quelle der Befleckung, die Teldrassil verseucht hatte.</p><p>Malfurion stie� ein bestialisches Knurren aus. Er wusste, was es war... und genauso erkannte er, wie es so weit hatte kommen k�nnen.</p><p>Es war <emphasis>Blut</emphasis>, wenn auch sehr z�hfl�ssig. Doch es war frisch und sah ansonsten exakt so aus, als entstamme es einem Nachtelfen.</p><p>Blut... von einem Baum.</p><p>Der Druide nahm wieder seine normale Gestalt an, als ihn die Erkenntnis traf. Es gab nur einen solchen Baum. Vor Jahrtausenden hatte Malfurion daf�r gesorgt, dass dieser Baum entstand. Er hatte es getan, um dem B�sen ein Ende zu setzen, damit etwas Gutes aus ihm erwuchs... aber ganz offensichtlich hatte er nur eine noch schrecklichere Gefahr geschaffen.</p><p>Der Ast stammte von dem Baum, der den Schatten des Albtraumlords warf.</p><p>Ein Baum, der einst der schreckliche Ratgeber der verr�ckten K�nigin Azshara gewesen war.</p><p>Sein Name rann wie Gift �ber Malfurions Lippen. �<emphasis>Xavius...�</emphasis></p></section><section><title><p>23</p><p>Teldrassils Erl�sung</p></title><p>Xavius. Wie gut Malfurion sich doch immer noch an den b�sartigen Vertrauten der K�nigin erinnern konnte. Es war Lord Xavius gewesen, der die Magie von Azsharas hochgeborenen Zauberern �berhaupt erst erm�glicht hatte, indem er der Brennenden Legion den Weg nach Azeroth �ffnete. Statt von seiner Entdeckung abgesto�en zu sein, hatte Xavius seiner heimt�ckischen K�nigin noch dabei geholfen, die D�monen willkommen zu hei�en.</p><p>Zweimal hatte Malfurion geglaubt, er sei tot. Das erste Mal w�hrend des verzweifelten Kampfes auf dem Turm, wo das Portal f�r die D�monen ge�ffnet worden war. Malfurion hatte mit seinen starken druidischen F�higkeiten einen Sturm erschaffen, der Xavius durch Blitzschlag in Brand gesteckt hatte und ihn dann vom Regen f�rmlich zerschmelzen lie�, um ihn schlie�lich mit einem Donnerschlag buchst�blich zu zerschmettern. Malfurion konnte sich noch an Xavius� verzerrtes Gesicht erinnern�� besonders die magisch geschaffenen schwarzen Augen, in denen ein rubinroter Schimmer lag. Der Erzdruide erinnerte sich an den letzten f�rchterlichen Schrei des Beraters, als w�re es gestern gewesen.</p><p>Und dann hatte Xavius aufgeh�rt zu existieren.</p><p>Doch Malfurion und alle Beteiligten hatten die Macht des finsteren Titans Sargeras untersch�tzt. Nachdem er zusammengesucht hatte, was noch von Xavius� k�rperlosem Geist �brig geblieben war und er ihn lange genug f�r sein Versagen gefoltert hatte, hatte Sargeras den ehemaligen Berater zu etwas noch Schrecklicherem geformt. Xavius war als Satyr zur�ckgekehrt�� als eines dieser ziegen�hnlichen Monster, die nun schon so lange die Feinde der Nachtelfen waren -, und seine B�sartigkeit war noch gestiegen.</p><p>Malfurion hatte beinahe Tyrande an Xavius und seine korrumpierten hochgeborenen Gefolgsleute verloren. Schlie�lich hatte der Druide Azeroths Macht angerufen, um den Satyr zu verwandeln und zu verhindern, dass Xavius dem Tod noch einmal entkam. Obwohl Xavius sich gewehrt hatte, hatte der junge Druide seinen Feind in einen harmlosen Baum verwandelt.</p><p>Zumindest hatte er das die letzten zehn Jahrtausende geglaubt. Das B�se hatte die ganze Zeit �ber Azeroth gelauert, und Malfurion hatte es nicht bemerkt.</p><p>�ber all das dachte Malfurion w�tend nach, als er zur�ck nach Darnassus eilte. Er hatte sich wieder in eine Raubkatze verwandelt, den verderbten Ast hielt er im Maul. Er machte sich Vorw�rfe f�r alles, was geschehen war. Doch der Erzdruide fragte sich auch, wie Xavius so lange �berlebt haben konnte, um der Albtraumlord zu werden.</p><p>Als er die Hauptstadt betrat, schob er diesen Gedanken beiseite und verwandelte sich wieder zur�ck. Darnassus war zerst�rt, was zum gr��ten Teil an den weggebrochenen �sten lag. Die Opfer der Diener des Albtraums lagen �berall herum. Die Schwestern von Elune und die Schildwache versuchten zu helfen, wo sie konnten.</p><p>Er erblickte Shandris Mondfeder, die beiden Gruppen Weisungen erteilte. Die Generalin wirkte m�de, aber sie war in ihrem Element. Ungl�cklicherweise erkannte sie nicht die Gefahr, die ihrem Volk immer noch drohte.</p><p>�Shandris!� Als sie seine Stimme h�rte, wirbelte sie herum.</p><p>�Malfurion...� Die Generalin gr��te ihn respektvoll. Dabei wirkte sie sehr erleichtert. �Elune sei gepriesen, es geht Euch gut.� Sie bemerkte den bedrohlich wirkenden Ast, den er nun in beiden H�nden trug, und sie runzelte die Stirn. �Bei Mutter Mond! Welche Verderbtheit hat das bewirkt?�</p><p>�Die Verderbtheit, die sich durch Teldrassil ausgebreitet hat�, antwortete der Erzdruide schnell. �Aber das ist im Moment nicht so wichtig! Darnassus muss evakuiert werden! Der Weltenbaum hat sehr gelitten. Die abgebrochenen �ste, die hier herumliegen, sind nur ein Bruchteil von dem, was noch herunterfallen kann! Zu Eurer eigenen Sicherheit m�sst Ihr alle fort von hier!�</p><p>Wie zur Best�tigung pflanzte sich ein weiteres Krachen durch Darnassus. Die Stadt erbebte. Teldrassil w�rde nicht fallen, doch f�r die Hauptstadt drohte dennoch Gefahr.</p><p>�Ich sorge daf�r, dass es geschieht�, versprach Shandris.</p><p>�Ich k�mmere mich um die Druiden�, sagte Malfurion, als sie sich trennten. �Vielleicht k�nnen sie es ja auffangen... aber ich kann nichts versprechen!�</p><p>�Verstanden!�</p><p>Ein Schmerzensschrei erklang aus der Ferne, die Stimme war voll des Verlustes. Doch der Schrei kam von keinem der Opfer, zu denen Malfurion gerade blickte, sondern aus einer v�llig unerwarteten Richtung.</p><p>Er wandte sich der Enklave zu und stellte fest, dass die anderen Druiden bereits von dort forteilten. Broll f�hrte sie an, Hamuul kam kurz dahinter.</p><p>Die Quelle des scheinbar nie endenden Schreis war Fandral. Der Erzdruide br�llte den Namen seines Sohnes immer und immer wieder. Er bettelte, Valstann m�ge zu ihm zur�ckkehren.</p><p>Zwei Druiden f�hrten ihn an der Hand, als er hinter ihnen hertaumelte und den Namen seines Sohnes rief. Hinter ihnen bewachten Druiden eine kleine Gruppe... dazu geh�rten einige Br�der, die ebenfalls Fandrals Wahnvorstellungen verfallen waren. Malfurion war klar, was mit ihnen geschehen musste. Auf der Mondlichtung gab es Orte, wo man die Kranken oder geistig Verwirrten unterbringen konnte. F�r Fandrals Anh�nger bestand Hoffnung, dass sie erl�st werden konnten.</p><p>Doch als er Valstanns Vater beobachtete, fragte sich Malfurion, ob es f�r Fandral selbst jemals Heilung geben w�rde. Zwischen dem Albtraum und seinem pers�nlichen Verlust zerrieben, wirkte der verr�ckte Erzdruide, als h�tte er sich selbst f�r immer verloren.</p><p>Malfurion traf sich mit Broll und berichtete ihm, was er bereits Shandris mitgeteilt hatte. Broll nickte verstehend, seine Blicke verharrten auf dem grausigen Ast. Malfurion er�ffnete ihm schlie�lich, was er herausgefunden hatte.</p><p>�Xavius...� Broll sagte der Name nichts. Er hatte aber die gro�e Wut und Furcht in der Stimme seines Shan�dos erkannt, als Malfurion von ihm sprach.</p><p>�Die Druiden m�ssen den Leuten beim Aufbruch helfen, dann werdet Ihr von mir h�ren. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Beeilt Euch.�</p><p>�Was wollt Ihr tun?�</p><p>Malfurion brach einen kleineren Ast nahe der Spitze ab. Die dickfl�ssige, widerliche Fl�ssigkeit tropfte daraus hervor.</p><p>�Was ich tun muss!�</p><p>Mit diesen Worten erschuf Malfurion schnell eine Fackel. Er verbarg das kleine St�ck des Zweiges an seinem K�rper und entflammte den restlichen Ast. Im selben Augenblick verbrannte er zu Asche, die Malfurion vom Wind wegtragen lie�.</p><p>�Seid bereit�, wandte er sich an Broll.</p><p>�Nat�rlich, Shan�do! Ich...�</p><p>Aber Malfurion hatte sich bereits verwandelt und war in den Himmel aufgestiegen.</p><empty-line/><p>Tyrande wusste, wer da sprach, auch wenn sie w�hrend ihrer fr�heren Begegnung bewusstlos gewesen war. Sie wusste es, weil Malfurion ihr sp�ter die f�rchterliche Wahrheit enth�llt hatte... und auch, was er ihrem Entf�hrer angetan hatte.</p><p>�Ihr k�nnt es nicht sein...�, murmelte sie abwehrend.</p><p>Der Schatten des riesigen skelettartigen Baumes legte sich �ber das Trio. Die Hohepriesterin sp�rte, wie sich ihre Brust verengte. Doch wenn sie mit ihrer Hand danach tastete, konnte sie nichts Festes f�hlen. Tyrande bemerkte, dass Lucan und Thura dasselbe taten.</p><p><emphasis>Ich bin es und werde es immer sein... Tyrande Wisperwind... Ich bin der Albtraum, und der Albtraum ist ich... Wir sind ewig... und bald schon wird Azeroth ein Teil von uns sein</emphasis>...</p><p>�Niemals!� Sie betete zu Elune, und das Licht von Mutter Mond erf�llte sie. Tyrande konzentrierte das Licht augenblicklich auf den Schatten.</p><p>Im Licht schwand der Baum. Tyrande sp�rte, wie der Druck auf ihrer Brust nachlie�.</p><p>Dann verdunkelte sich der Schatten erneut, trat deutlicher hervor. Die Hohepriesterin konnte nicht frei atmen. Sie m�hte sich, um nicht umzufallen. Die anderen litten ebenso.</p><p>Das silbrige Licht schwand und hinterlie� nur den widerlich gr�nen Schein des Albtraums... und den Schatten des Baumes, der einst der Nachtelf Xavius gewesen war.</p><p><emphasis>Ich stehe nun �ber deiner kleinen G�ttin... Ysera geh�rt mir, so wie ihre Schwester, die Lebensbinderin... Erkenne alle beide und erzittere angesichts deiner verlorenen Hoffnung</emphasis>...</p><p>Der Nebel teilte sich... und hinter dem Schatten erschien die Herrin des Smaragdgr�nen Traums. Schattenranken, die ebenfalls von ihrem Entf�hrer zu stammen schienen, fesselten sie. Yseras Kopf war gen Himmel gerichtet, als hielte sie nach etwas Ausschau, doch ihre Augen waren geschlossen. Jemand hatte ihre Fl�gel und Gliedma�en gestreckt, was ihr sicherlich gro�e Qualen bereitete.</p><p>Eine smaragdgr�ne Aura ging von Ysera aus, doch nur wenige Zentimeter von ihr entfernt wurde sie zu dem widerlichen fauligen Gr�n des Albtraums. Es war nur zu klar, dass die Kraft des Aspekts nach Xavius� W�nschen verkehrt worden war.</p><p>Und hinter ihr schwebte Alexstrasza. Ihre Augen starrten leblos geradeaus, und ihr Maul hing schlaff herab. Sie wirkte ausgetrocknet und mehr tot als lebendig. Ihre lebhafte rote Farbe war verblasst, und sie schien kaum noch zu atmen.</p><p>Der Nebel umgab die beiden gro�en Drachen wieder. Tyrande war ersch�ttert. Sie erinnerte sich, dass Alexstrasza in schrecklicher Gefahr gewesen war, als sie sie das letzte Mal gesehen hatte. Doch sie hatte geglaubt, dass der Aspekt irgendwie schon entkommen w�rde.</p><p>Tyrande h�rte das Schlagen von Fl�geln. Eine riesige gr�ne Gestalt sch�lte sich aus dem Nebel. Zuerst dachte Tyrande, dass Eranikus zu ihrer Rettung herbeigeeilt w�re. Doch dann landete der Drache zwischen dem Albtraumlord und den drei Gefangenen. Es war eine schreckliche Kreatur, deren Z�ge offenbarten, wie tief sie bereits korrumpiert worden war.</p><p>Lethon verneigte sich vor dem Baum. �<emphasis>Ich bin gekommen, wie du befohlen hast...�</emphasis></p><p><emphasis>Bereite sie vor... es ist bald so weit... und dann... wird der Sieg des Albtraums allumfassend sein</emphasis>...</p><p>Der gr�ne Drache grinste die drei b�se an. � <emphasis>Kommt, meine kleinen Lieblinge... Smariss wartet schon auf uns...�</emphasis></p><p>Die Magie des Drachen trug sie fort.</p><empty-line/><p>Malfurion stieg in den Himmel empor, der nun �ber der Insel genauso nebelverhangen war wie �berall sonst auch. Der Albtraumlord hatte keinen Grund mehr, Darnassus zu verschonen, nachdem Fandral verloren war.</p><p>Der Erzdruide flog eine Kurve. Teldrassil erstreckte sich unter ihm. Er konnte nicht die ganze Krone erkennen, doch er sah den zentralen Bereich, der sein Ziel war.</p><p>Mittlerweile sollten die Druiden bereit sein. Sie <emphasis>mussten</emphasis> bereit sein...</p><p>Hamuul... Broll... Obwohl er nur die beiden beim Namen nannte, ber�hrte Malfurion danach den Geist jedes einzelnen Druiden um den Weltenbaum herum. Sie alle antworteten schnell.</p><p><emphasis>Wir werden Teldrassil heilen</emphasis>, sagte er ihnen.</p><p>Viele waren verbl�fft. Besonders jetzt, nach Fandrals Verrat. Doch weil sie Malfurion vertrauten, befolgten sie seine Anweisungen ohne zu z�gern.</p><p>Malfurion stie� hinab und landete in der Mitte der Krone. Dort verwandelte er sich. Die Luft war hier kalt, weil er sich oberhalb der W�lder befand, die auf der Spitze wuchsen. Dennoch war der Erzdruide unbesorgt. Nur sein Plan war momentan von Bedeutung.</p><p>Der Erzdruide streckte die H�nde aus, als wollte er die gro�e Baumkrone komplett umfassen, und st�rkte das Band mit der Hilfe der anderen Druiden.</p><p><emphasis>Lasst uns das Leben von Azeroth dazu nutzen, die Verderbtheit auszumerzen</emphasis>...</p><p>In seinem Geist konnte er sehen, dass die anderen Druiden ihm nacheiferten. Malfurion nahm nun Kontakt zu Teldrassil auf. Der Weltenbaum war von der Korrumpierung durchdrungen, doch er konnte noch gerettet werden. Er suchte den Kern der verbliebenen Gesundheit. Es war ein Ort, der nicht in dem hohen Stamm verborgen lag, sondern tief in den Wurzeln.</p><p>Malfurion ermutigte diese Wurzeln zu wachsen, tiefer zu graben. Sie sanken tief hinab, erreichten den urspr�nglichsten Teil Azeroths... der gleichzeitig der reinste Ort war.</p><p><emphasis>N�hrt und heilt</emphasis>..., forderte er den Weltenbaum auf. <emphasis>N�hrt und heilt</emphasis>...</p><p>Die Reaktion des Baums darauf war tr�ge, wie Malfurion es schon vermutet hatte. Aber er dr�ngte weiter. Weil Teldrassil immer noch krank war, musste er ermutigt werden.</p><p>Schlie�lich begann Teldrassil sich doch zu regen. Mithilfe der Druiden erholte sich der Weltenbaum allm�hlich. Azeroth unterst�tzte ihn dabei, wie es das mit allem Leben tat. Teldrassil wurde st�rker.</p><p>Die Heilung strengte die Druiden allerdings sehr an. Malfurion schwitzte trotz der kalten Luft, und er wusste, dass es seinen Anh�ngern �hnlich erging. Dennoch gab niemand auf, was ihn mit Stolz erf�llte.</p><p>Was normalerweise mehrere Jahre gedauert h�tte�� was sie selbst mit der Hilfe des urspr�nglichen Weltenbaums Nordrassil f�r unm�glich gehalten hatten -, geschah nun allerorten auf Teldrassil. Pl�tzlich entwickelte sich �berall ein wunderbarer Ansturm des Lebens...</p><p>Aus der Krone ert�nte ein Gewirr von ohrenbet�ubenden Knackger�uschen. Malfurion f�rchtete zuerst, dass die Anstrengungen der Druiden den Baum zu stark belastet hatten und nun all die abgebrochenen Zweige herabst�rzten. Doch kein einziger Ast fiel. Stattdessen begannen alle Zweige in Sichtweite, selbst die v�llig zerst�rten, zu <emphasis>heilen</emphasis>. Risse schlossen sich nahtlos. Das Ger�usch stammte von den �sten, die wieder an ihren alten Platz zur�ckkehrten.</p><p>Und wo die �ste heilten, begann der Baum sofort zu erbl�hen. Knospen sprossen hervor und verwandelten sich augenblicklich in wundersch�ne Bl�tter.</p><p>Doch die Heilung fand nicht nur auf der Oberfl�che statt. Der Erzdruide sp�rte, wie die Energie Teldrassil durchdrang. Sie stieg von den Wurzeln auf, bis zur Spitze und in jeden Ast hinein. Der Weltenbaum seinerseits n�hrte viele der kleineren B�ume und andere Pflanzen, die darauf wuchsen... bis alle geheilt waren.</p><p>Alles schien getan, doch die Druiden lie�en nicht nach, weil Malfurion es ihnen noch nicht gestattete. Obwohl er und der Rest bereits ersch�pft waren, durchsuchte Malfurion den Weltenbaum mit seinen verst�rkten Sinnen.</p><p>Er konnte kein Anzeichen der Verderbtheit mehr erkennen. Erleichtert erlaubte er den Druiden, ihren Zauber zu beenden.</p><p>Malfurion brach die Verbindung ab, nachdem er den anderen gesagt hatte, dass sie sich ausruhen sollten. Denn die Druiden w�rden keine gro�e Hilfe mehr sein, wenn sie sich nicht erholen konnten. Sich selbst erlaubte er einen tiefen, k�hlen Atemzug, bevor er sich in eine Sturmkr�he verwandelte und abermals losflog.</p><p>Der schnelle und wunderbare Erfolg gab ihm neue Kraft. Der Erzdruide stieg hoch auf, um die erneuerte Baumkrone besser sehen zu k�nnen... dann z�gerte er, als er den Umriss eines gro�en Reptils sah, das sich aus dem dichter werdenden Nebel sch�lte. Einen Moment lang glaubte er, dass es vielleicht Ysera w�re, die geflohen war.</p><p>Doch obwohl es ein sehr gro�er Drache war, erkannte er augenblicklich, dass er nicht gr�n war... sondern rot.</p><p>Nur <emphasis>ein</emphasis> roter Drache war so gro�.</p><p>�Erzdruide!�, br�llte der weibliche Drache. �Ich erkenne dich, auch in dieser Gestalt. Du bist Malfurion Sturmgrimm!� Der Drache neigte den Kopf. �Ich dachte, du w�rst verschwunden?�</p><p>Der Erzdruide stie� zur Krone des Weltenbaums hinab und landete. Malfurion verwandelte sich wieder zum Nachtelfen und rief: �Alexstrasza! Gro�e Lebensbinderin, Schwester von Ysera! Wisst Ihr etwas �ber Yseras Flucht?�</p><p>Ihr atemberaubendes Gesicht wurde traurig. �Nein, Sterblicher, das wei� ich nicht! Ich hoffe nur, dass sie auch aus der Gefangenschaft heraus k�mpft! Ich bin hier, weil ich bl�hendes Leben in Zeiten der Not versp�rt habe! Dieses Gef�hl war so stark, dass ich einfach herkommen und nachsehen musste... Und du scheinst die Quelle all dessen zu sein!� Alexstrasza blickte Teldrassil an. �Was f�r ein Kunstst�ck, Malfurion Sturmgrimm!�</p><p>�Teldrassil musste geheilt werden, Lebensbinderin! Auch wenn er gegen unseren Wunsch aufgezogen wurde, ist er doch mittlerweile eine von Azeroths st�rksten Kr�ften, die noch lebt!�</p><p>�Das ist wahr... das ist wahr...� Der Gesichtsausdruck des Aspekts signalisierte Vorsicht. Ihr gingen sicherlich einige Dinge durch den Kopf. Schlie�lich sagte sie: �Auch wenn er ohne den Segen eines Aspekts erschaffen wurde, ist er dennoch ein sch�ner und stolzer Anblick...�</p><p>In diesem Augenblick schwindelte den Erzdruiden pl�tzlich. Er musste sich anstrengen, um nicht vom Baum herunterzufallen.</p><p>Der gro�e Drache musterte die kleine Gestalt intensiv. �Malfurion Sturmgrimm, hast du dir keine Pause geg�nnt, als du jedem anderen geholfen hast?�</p><p>�Es... es war nicht genug Zeit...�</p><p>Der rote Drache blickte von ihm zur Baumkrone und dann wieder zur�ck. Nach einem Moment sagte sie: �Daf�r muss Zeit sein.�</p><p>Alexstrasza nahm den Erzdruiden in die Hand. Dann flog sie immer h�her, bis man schlie�lich die ganze Krone �berschauen konnte. Malfurion hielt den kleinen Zweig immer noch umschlossen und sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. Er selbst h�tte niemals so hoch fliegen k�nnen.</p><p>�Ich habe eine Entscheidung gef�llt�, erkl�rte der Aspekt mit dr�hnender Stimme. �Obwohl ich und die anderen den Baum zu Beginn nicht gesegnet haben, ist der Segen jetzt vonn�ten!�</p><p>Sie breitete die Fl�gel aus, und ein herrlicher, warmer Lichtschein strahlte von ihr aus. Die Lebensbinderin l�chelte auf Teldrassil hinab wie zu einem ihrer eigenen Kinder.</p><p>�M�ge dieser Segen Teldrassil und alles darauf ber�hren!�, verk�ndete der rote Drache. �Und m�ge er f�r uns eine neue Hoffnung und einen neuen Anfang schaffen!�</p><p>Das rotgoldene Leuchten breitete sich von Alexstrasza zur Baumkrone aus. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit fuhr es den Stamm hinab und verlor sich aus Malfurions Blick.</p><p>Und dann... war es vollbracht. Teldrassil war nicht nur geheilt... er war nun auch gesegnet, wenn auch nur von der Lebensbinderin. Doch das bedeutete schon einiges.</p><p>Alexstrasza kreiste hoch �ber dem Weltenbaum. Die Umwandlung war komplett. Das herrliche Leuchten verblasste, doch es verschwand nicht von Teldrassil.</p><p>�Es ist vollbracht...�, erkl�rte sie. �Und keinen Augenblick zu sp�t!�</p><p>�Warum? Was geschieht denn gerade?�</p><p>�Sp�rst du es denn nicht? Der Albtraum verschlie�t alle Wege in ihn hinein! Jetzt, da er direkt nach Azeroth hineinreicht, h�lt er jeden davon ab, physisch in ihn einzudringen! Du als Druide solltest das sp�ren k�nnen! Die Portale werden eines nach dem anderen geschlossen!�</p><p>�Die Portale...� Malfurion schloss einen Moment lang die Augen und sp�rte, dass es stimmte. Das brachte ihn auf einen anderen Gedanken. �Was ist mit den gr�nen Drachen? W�rde Yseras Sippe so etwas nicht verhindern?�</p><p>�Die k�mpfen alle noch im Albtraum. Doch ihre Chancen schwinden, genauso wie die der wenigen, die noch an ihrer Seite mitstreiten! Sie haben weder die Zeit noch sind sie stark genug, um dagegen anzukommen...�</p><p>Der Nachtelf starrte sie mit offenem Mund an. �Darnassus!�</p><p>Der Aspekt blickte ihn an. �Darnassus?�</p><p>�Das Portal dort! Es war noch offen, als ich dort fortging! Vielleicht...�</p><p>Ohne ein weiteres Wort eilte die Lebensbinderin auf die Hauptstadt zu. Sie war so schnell, dass sie die Stadt binnen weniger Augenblicke erreicht hatten. Alexstrasza neigte sich nach links und flog auf die �berreste der Tempelg�rten zu.</p><p>Sie landete und lie� den Erzdruiden absteigen. Malfurion blickte sich schnell um und entdeckte Broll, Hamuul und einige andere Druiden, die ihm entgegenliefen. Sie wurden von einer Handvoll Schildwachen begleitet, darunter Shandris. Angesichts des Drachen waren sie fassungslos.</p><p>�Shan�do�, rief Broll im Laufen. �Teldrassil ist... wieder gesund!�</p><p>�Ich w�nschte, das k�nnte man auch von Darnassus behaupten murmelte Shandris, als sie zu der Gruppe um Malfurion trat. �Oder den Rest von Azeroth.�</p><p>Der Erzdruide winkte jeden weiteren Kommentar ab. �Das Portal? Sind alle schon durchgegangen? Funktioniert es noch...?�</p><p>W�hrend er sprach, sp�rte Malfurion erneut ein Schwindelgef�hl. Der Adrenalinschub schwand, Broll und Hamuul mussten ihn festhalten, damit er nicht zu Boden st�rzte.</p><p>Doch w�hrend Malfurion sich zu erholen versuchte, sp�rte er pl�tzlich eine tr�stende Pr�senz in der N�he. Eine, die er nie zuvor bemerkt hatte. Sie war etwas �hnlich, das der Erzdruide f�r immer verloren geglaubt hatte... und deshalb konnte er sie identifizieren.</p><p>Teldrassil nahm Kontakt mit ihm auf. So wie er geheilt worden war, so bot er nun Malfurion Heilung an. Nicht nur die Verderbtheit war verschwunden, sondern auch <emphasis>Fandrals</emphasis> Einfluss. Der Weltenbaum benahm sich fast so, als h�tte Malfurion ihn erschaffen.</p><p>�Ihr wisst es schon?� Er h�rte, wie Shandris knurrte. �Kaum war der Baum geheilt, da hat es sich geschlossen! Zuerst haben wir geglaubt, dass Ihr es getan h�ttet, aber...�</p><p>�Der Albtraum verschlie�t alle physischen Wege in den Traum hinein�, berichtete der rote Drache. �Also sind wir auch hier zu sp�t gekommen.�</p><p>Malfurion sagte nichts, als sein Kopf etwas klarer geworden war. Durch Teldrassils Ber�hrung hatte der Erzdruide noch etwas von gro�er Bedeutung erfahren.</p><p>Malfurion straffte sich. �Die Enklave... wir m�ssen zur Enklave.�</p><p>Ohne zu z�gern nahm der Aspekt nicht nur ihn auf, sondern auch noch Broll und Hamuul. F�r den Drachen war es eine Kleinigkeit, sie das kurze St�ck zur Enklave mitzunehmen und dort wieder zu landen.</p><p>Fandrals Heim war zerst�rt. Die Ranken, die es besch�tzt hatten, waren abgestorben. Es gab nichts zu bergen, denn sie waren das Ergebnis der Arbeit eines wahnsinnigen Erzdruiden gewesen, der sich mit dem Albtraum eingelassen hatte.</p><p>�Hat Fandral dort schon immer gelebt?�</p><p>�Nein�, antwortete Broll. �Urspr�nglich wohnte er in der obersten Kammer auf dem gr��ten Baum. Dieser Baum dort.� Der Nachtelf wies auf einen Bereich, der nicht weit entfernt rechts von ihnen lag. �Doch vor kurzer Zeit hat er pl�tzlich dies hier erschaffen.�</p><p>Malfurion nickte. �Das best�tigt, was ich mir gedacht hatte. Ich brauche einen Moment.� Er gab Broll den kleinen Zweig. �Passt f�r mich darauf auf, seid aber vorsichtig.�</p><p>�Ich verstehe, Shan�do�, murmelte Broll.</p><p>Malfurion stand mit erhobenen Armen in der Mitte der Enklave und blickte in das Zentrum von Teldrassil s gro�er Krone. Die Zeit dr�ngte, und er betete darum, dass sein Versuch nicht lange dauern w�rde. Er betete ebenso darum, dass er mit seinen Annahmen recht behielt.</p><p>Obwohl er stand, begab sich der Nachtelf in eine meditative Trance. Seine lange Erfahrung erm�glichte es ihm, diesen Zustand schnell zu erreichen. Dabei ging er das Risiko ein, zeitweilig wehrlos gegen den Albtraum und Xavius zu sein. Doch dieser Weg er�ffnete ihm Teldrassils M�glichkeiten.</p><p>Er nahm mit Geist und Seele Kontakt zum Weltenbaum auf... und der Baum begr��te ihn. Der Erzdruide sp�rte seine sanfte Ber�hrung und wurde gleichzeitig erregt und traurig. Er betete f�r Nordrassils Erholung und die von Azeroth, sollte die Welt diesen Angriff �berstehen.</p><p>Teldrassil betete mit ihm.</p><p>Der Nachtelf lie� jede Form der Verteidigung fallen und �ffnete sich dem Baum v�llig. W�re noch ein F�nkchen von Xavius� altem B�sem �brig gewesen, h�tte sich Malfurion ebenso seinem Feind ge�ffnet.</p><p>Doch alles, was er sp�rte, war Teldrassils wundervolle W�rme. All das Leiden, all der Mangel an Nahrung und Ruhe begannen zu schwinden. Malfurion l�chelte.</p><p>Ein primitiver Teil von Malfurion wollte nach Teldrassil hinein fliehen, Teil von ihm werden und seine sterbliche Existenz aufgeben. Das war immer ein Risiko f�r Druiden, wenn sie von der Herrlichkeit der nat�rlichen Welt derart stark eingefangen wurden, dass ihre eigene Existenz dagegen verblasste.</p><p>Doch dann holte ihn das Gesicht, das stets Malfurions Herz und Seele mehr r�hrte als sein Verlangen, zur�ck in die harte Realit�t.</p><p>�Tyrande...�, fl�sterte er.</p><p>Teldrassil schien ihm zuzustimmen, denn seine frischen, saftigen Bl�tter raschelten, obwohl kein Wind wehte. Malfurion h�tte schw�ren k�nnen, dass dieses Ger�usch dem Namen der Hohepriesterin glich.</p><p>Malfurion wusste nicht, wie er Tyrande retten konnte. Er kannte nur einen m�glichen Weg.</p><p>Die Lebensbinderin war als Einzige bei ihm geblieben. Malfurion h�tte nie gewagt, den Aspekt zum Gehen aufzufordern. Doch Alexstrasza blieb geduldig und stumm. Sie hatte offensichtlich erkannt, dass der Nachtelf zurzeit derjenige war, dessen Handlungen am wichtigsten waren.</p><p>Er kniete sich hin und legte eine Hand auf den Boden vor dem Haus. Dann redete Malfurion mit Teldrassil und erbat Hilfe beim Aufsp�ren der Wahrheit.</p><p>Die Kraft str�mte aus dem Erzdruiden und dem Baum. Das besch�digte Geb�ude erbebte. Die einst t�dlichen Ranken verbrannten zu Asche, und die von Fandral errichteten Zauber l�sten sich auf. Das Geb�ude ver�nderte sich, wurde zu etwas Vertrautem, aber dennoch Erstaunlichem.</p><p>�Unm�glich!�, keuchte Broll.</p><p>Malfurion stand auf und trat auf seine Entdeckung zu. Er hatte seine Gegenwart gesp�rt. Er hatte gewusst, dass es dort sein w�rde, trotz der Tatsache, dass es dort nicht hingeh�rte.</p><p>Fandral hatte sich heimlich sein eigenes Tor in den Smaragdgr�nen Traum geschaffen.</p><p>Es war schlicht, seine runde Form wurde von gewundenen Zweigen und Mauerwerk gebildet. M�chtige Zauber hatten es vor den anderen verborgen.</p><p>�Es ist immer noch offen...�, sagte Alexstrasza.</p><p>Malfurion nickte, dann nahm er durch seine Gedanken Kontakt mit den anderen Druiden auf. <emphasis>Meine Freunde... kommt zur Enklave</emphasis>...</p><p>Die Druiden erschienen nur wenige Augenblicke sp�ter. Alle waren erstaunt, was Fandral vollbracht hatte. Doch Malfurion konnte ihnen nicht die Zeit geben, alles in Ruhe zu verdauen.</p><p>�Jetzt liegt es an uns�, sagte Malfurion. �Wir m�ssen uns zum letzten Gefecht gegen den Albtraum stellen. Darauf wurden wir vorbereitet. Eine Verderbtheit durchdringt Azeroth. Als H�ter der W�lder, der Ebenen und aller anderen L�nder, die ihre G�rten sind... m�ssen wir dieser Heimsuchung ein Ende setzen...�</p><p>Die versammelten Druiden knieten vor ihm nieder, und auch als er sie bat wieder aufzustehen, blieben sie respektvoll unten.</p><p>�Was sollen wir tun?�, fragte Broll, der der Sprecher der anderen zu sein schien.</p><p>�Was ich niemals von Euch verlangen sollte. Ich brauche Euch und alle anderen, die wir noch hierher rufen k�nnen, ganz egal, ob sie Druiden sind oder nicht. Wir durchschreiten dieses m�glicherweise letzte Portal auf Azeroth und begeben uns ins Reich des Albtraums</p></section><section><title><p>24</p><p>Das Heer sammelt sich</p></title><p>Tyrande, Lucan und Thura fanden sich in einem d�steren Tal wieder. Um sie herum h�rten sie st�ndig Schreie von Opfern des Albtraums. Sie alle waren Xavius zu Willen. Der Boden war bedeckt mit dunklem Ungeziefer aus dem Albtraum.</p><p>�Schau mal, was ich dir mitgebracht habe...�, sagte Lethon zu dem Nebel.</p><p>Der Nebel teilte sich, als die faulige Gestalt von Smariss auftauchte. Der Drache grinste die Gefangenen an.</p><p>�<emphasis>So gesund... so unber�hrt</emphasis>...�, s�uselte sie. �<emphasis>W�re es nicht ein Spa�, sie alle zu verderben?�</emphasis></p><p>�<emphasis>Du wei�t, was der Meister will.�</emphasis></p><p>Smariss schien nicht gern gema�regelt zu werden. �<emphasis>Nat�rlich wei� ich das!�</emphasis></p><p>Tyrande lauschte dem Gespr�ch mit wachsendem Unbehagen. Doch ihre Sorge galt mehr den anderen und Malfurion, wo immer er jetzt auch sein mochte. Sie wusste, dass er alles in seiner Macht Stehende tat, um den Albtraum zu bek�mpfen. Doch da selbst Alexstrasza Xavius� Sklavin war, war die Aussicht auf Erfolg gleich Null.</p><p>Aber <emphasis>war</emphasis> die Lebensbinderin wirklich seine Sklavin? Tyrande erinnerte sich, was sie gesehen hatte. Doch sie kannte auch die Falschheit des Albtraums. Die Vision war zu fl�chtig gewesen. Warum versteckte er sie vor ihnen? Warum versteckte er Alexstrasza vor ihrem Blick?</p><p>Vielleicht war <emphasis>alles</emphasis> nur eine Illusion gewesen, um ihr und den anderen die Hoffnung zu rauben.</p><p>Die Hohepriesterm ballte die Faust. Sie war dem Albtraum nicht zum ersten Mal auf den Leim gegangen.</p><p>�Zuerst die Axt�, befahl Lethon.</p><p>Die Worte des korrumpierten Drachen erregten Tyrandes Aufmerksamkeit, und sie fragte sich, warum die Orcfrau die Waffe so lange behalten durfte. Sicherlich h�tte Xavius sie Thura wegnehmen k�nnen, sobald die Gruppe vor dem Schatten gestanden hatte. Denn egal, was f�r ein Wesen der Albtraumlord jetzt auch sein mochte, so wollte er doch sicherlich nicht, dass einer seiner Feinde eine derart m�chtige Waffe in seiner N�he f�hrte.</p><p>Wieder dachte Tyrande an die Vision von Alexstrasza. Alles war dazu gedacht, Verzweiflung in ihnen zu sch�ren. Vielleicht war das seine einzige Waffe?</p><p>Smariss starrte die Orckriegerin an. Thura umfasste die Axt entschlossen. Sie wollte sie dem Drachen offensichtlich nicht geben. Sie hielt dem Drachen die Axt entgegen, der, was Tyrande interessiert bemerkte, darauf achtete, dass er ihr nicht zu nahe kam.</p><p><emphasis>Es muss sein</emphasis>!, entschied die Hohepriesterin.</p><p>�Dieses kleine Spielchen hilft dir auch nicht!�, zischte Smariss. Der Drache beobachtete Thura weiterhin, deren H�nde zu zittern begannen.</p><p>�Die Axt geh�rt mir!�, knurrte die Kriegerin.</p><p>�Nicht mehr...�, unterbrach sie Lethon, der nun auch Thura anstarrte.</p><p>Die Orcfrau fiel auf die Knie. Ihre H�nde zitterten heftig, doch sie lie� die Axt immer noch nicht los.</p><p>Die Hohepriesterin wusste, was sie Thura antaten. Sie griffen sie mit ihren Traumf�higkeiten an. Thura durchlebte immer wieder ihren pers�nlichen Albtraum. Und das alles, damit sie die Waffe loslie�.</p><p>Die Waffe...</p><p>�Lucan... die Axt...�, dr�ngte Tyrande leise.</p><p>Er blickte sie an, sah die Richtung ihres Blicks, und obwohl er ein wenig unsicher wirkte, bewegte er sich.</p><p>Tyrande lauschte in ihr Herz und betete zu Elune. Dabei erkundete sie, was sie urspr�nglich dazu bewogen hatte, eine von Mutter Monds Akolytinnen zu werden. Sie erinnerte sich an die Sanftheit, die Sch�nheit des Mondes und wie sie erkannt hatte, dass sie damit vielleicht anderen helfen konnte.</p><p>Das silberne Leuchten erschien �ber ihr.</p><p>�Kleine N�rrin!�, zischte Smariss. Lethon knurrte und wandte sich ebenfalls der Nachtelfe zu.</p><p>Lucan packte Thura. Die Orcfrau verstand sofort, was der Mensch vorhatte.</p><p>Mensch und Orc schwanden, als Lucan sie beide aus dem Albtraum nach Azeroth brachte. Aber kurz bevor das geschah, strich der Schatten eines Astes �ber sie. Niemand, nicht einmal die Hohepriesterin, bemerkte es.</p><p>Tyrande blieb. Sie hatte nie die Absicht gehabt, mit den anderen zu fliehen. Sie hatte nur als Ablenkung f�r die anderen beiden gedient. Die Drachen waren zu selbstsicher gewesen, zu sehr darauf versessen, Thura die Axt zu entrei�en. Das hatten sie ausgenutzt, damit die Orcfrau und Lucan in die Freiheit gelangen konnten.</p><p>Doch eine schreckliche Kraft traf sie. Tyrande st�rzte in die K�fer hinein, die blitzschnell �ber sie krabbelten. Sie strich sie weg, als pl�tzlich Smariss� eiterbedecktes Gesicht �ber ihr aufragte.</p><p>�Danke, dass du deinen Teil erledigt hast...�, lachte der monstr�se Drache.</p><p>Lethon gab sich dieser d�steren Erheiterung ebenfalls hin. Als Tyrande aufstand, erkannte sie, dass, obwohl ihre Gef�hrten tats�chlich geflohen waren, etwas zur�ckgeblieben war.</p><p>�<emphasis>Deine ganzen Bem�hungen waren umsonst!�</emphasis>, spottete Lethon. �<emphasis>Dein Ablenkungsman�ver hat die Konzentration der Orcfrau gest�rt, und sie lockerte genau im richtigen Moment den Griff</emphasis>...�</p><p>Bedeckt von krabbelndem Ungeziefer lag die Axt, die einst Brox geh�rt hatte, nur wenige Meter von Tyrande entfernt.</p><p>Und dar�ber schwebte der Schatten eines skelettartigen Astes.</p><empty-line/><p>Niemand protestierte gegen Malfurions Entscheidung. Alle vertrauten ihm. Doch sie hatten kein Vertrauen in das, was vor ihnen lag und ohne ihr Wissen geschaffen worden war.</p><p>Das Portal stand an der R�ckseite von Fandrals Haus. Es war weder gro� noch sonderlich geschm�ckt, so wie die anderen Tore in den Smaragdgr�nen Traum. Aber da die fantastischen Energien darin waberten, war es ganz offensichtlich funktionst�chtig... und f�r Malfurion ein Hoffnungsschimmer.</p><p>�Wie konnte er so etwas erschaffen, ohne dass wir davon etwas mitbekamen?�, fragte ein Druide.</p><p>�Ihr wart von so vielen anderen Dingen abgelenkt�, sagte Malfurion entschuldigend. Dabei dachte er daran, was seine Suche nach dem Smaragdgr�nen Traum alles verursacht hatte. �Doch seid dankbar, denn das Portal ist immer noch offen...�</p><p>Broll be�ugte es misstrauisch. �Aber wird es auch offen bleiben?�</p><p>�Ich werde daf�r sorgen.�</p><p>Selbst Malfurion war erstaunt, als er die Stimme der Lebensbinderin h�rte. Noch mehr �berraschte ihn Alexstraszas Auftreten. Sie hatte ihre elfische Gestalt angenommen. Kleine Fl�mmchen spr�hten aus ihren langen roten Locken. Sie bewegte sich gleicherma�en wie eine K�nigin und wie eine Mutter, was ihr Blicke des Vertrauens und Glaubens von den Druiden einbrachte. Obwohl Ysera ihre Herrin war, bezeugten Malfurion und die Druiden dem Aspekt ohne zu z�gern ihren Respekt.</p><p>�Gro�e Lebensbinderin, dies ist kein...�, begann Malfurion.</p><p>�Frag nicht.� Die feurige Gestalt trat auf das Portal zu. �In genau diesem Augenblick sp�rt der Albtraum, dass das Portal entdeckt wurde.�</p><p>Zu Malfurions �berraschung blieb Alexstrasza erst kurz vor den wild wabernden Energien stehen. Die Lebensbinderin blickte in das Tor.</p><p>Das feurige Leuchten ihres K�rpers wurde intensiver und schoss dann in das Portal hinein. Die Flamme leuchtete kurz darin auf, und ihnen allen war klar, dass, wenn jemand auf der anderen Seite gestanden hatte, er zu Asche verbrannt worden war.</p><p>�Nichts wird von der anderen Seite durchkommen, und nichts wird dieses letzte Portal verschlie�en k�nnen�, erkl�rte sie in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. �Das Portal wird offen bleiben, Malfurion Sturmgrimm... Darum werde ich mich k�mmern. Es ist zu wichtig.�</p><p>Der Erzdruide nickte grimmig. �Dann haben wir keinen Grund mehr zum Z�gern! Hamuul! Ihr helft mir, und Ihr auch, Broll. Ihr anderen wisst, was Ihr zu tun habt...�</p><p>Die Druiden begannen, sich den ihnen zugeteilten Aufgaben zu widmen. Viele versammelten sich in der N�he des Portals. Andere nahmen die Gestalt von schnellen Tieren an und verschwanden in der Enklave.</p><p>Malfurion setzte sich in die Mitte des Druidenhains. Hamuul und Broll knieten neben ihm. Malfurion schloss die Augen, doch bevor er die Meditation begann, sagte er zu den beiden: �Ich brauche all Eure Kraft und Eure Vorsicht. Ich entschuldige mich f�r die Gefahr, in die ich Euch gebracht habe.�</p><p>Der Tauren schnaubte, und Broll knurrte: �Ich habe jahrelang als Gladiator gek�mpft. Doch lieber k�mpfe ich Seite an Seite mit Euch!�</p><p>Malfurion war ihnen dankbar f�r ihre Loyalit�t und Opferbereitschaft und zog sich in sich selbst zur�ck. Er musste mit ein paar anderen Verb�ndeten Kontakt aufnehmen, die vielleicht mit ihnen k�mpfen w�rden�� wenn es sie denn noch gab. Er w�rde von jedem Einzelnen ein weiteres gro�es Opfer verlangen, und vielleicht brachte er dadurch den Albtraum seinem Sieg sogar ein bisschen n�her.</p><p>Doch sie hatten keine andere Wahl mehr.</p><p>Es war nicht schwer f�r Malfurion, den ben�tigten Zustand zu erreichen, trotz des Drucks, der auf ihm lastete. Der Erzdruide sp�rte, wie sich die Bindung zwischen seiner Traumgestalt und seinem physischen K�rper l�ste. Es war ein wenig schwierig, die sterbliche H�lle hinter sich zu lassen und zwischen Broll und Hamuul aufzusteigen.</p><p>Obwohl sie ihn nicht sehen konnten, blickten die beiden instinktiv hoch. Malfurion nahm mit seinen Gedanken Kontakt zu ihnen auf, informierte sie dar�ber, was er vorhatte und welche Hilfestellung sie ihm geben konnten.</p><p>Dann versuchte Malfurion etwas, das er noch nie getan hatte. Es war seine letzte Hoffnung, um all die zu erreichen, die Azeroth noch helfen konnten. Der Erzdruide nutzte Teldrassil, um nach Azeroth hinein Kontakt aufnehmen zu k�nnen. Dabei machte er sich die Tatsache zu eigen, dass egal, wo man sich aufhielt, doch alles Teil ein- und derselben Welt war.</p><p>Und Teldrassil und Azeroth gaben ihm, was er wollte.</p><p>Malfurion keuchte schwer, als er pl�tzlich <emphasis>alles �berall zugleich</emphasis> auf der Welt sah. Es war fast schon zu viel. Jemand anderes als Malfurion w�re verr�ckt geworden, weil sich sein Geist in Millionen Teile und mehr zerlegt h�tte. Es gab Dinge, von denen er nie gewusst hatte, dass sie existierten. Und dann wieder andere Dinge am Rande, die ihn mit schrecklichem uraltem B�sen erf�llten, das tief in der Welt eingeschlossen war. Doch irgendwie kam es ihm auch vertraut vor.</p><p>Das alles trat allerdings in den Hintergrund, als Tausende andere Dinge seine Aufmerksamkeit erforderten. Es gab so viel zu tun und Malfurion musste aufpassen, dass er dar�ber nicht wahnsinnig wurde.</p><p>Wieder waren es der Weltenbaum und Azeroth, aus denen er seine Kraft bezog. Die Gefahr, f�r immer verloren zu gehen, schwand. Malfurion blickte auf eine belagerte Welt und fand diejenigen, nach denen er suchte.</p><p>Es waren nicht ann�hernd so viele, wie er gehofft hatte. Doch darunter entdeckte er alle, die von essenzieller Bedeutung f�r seinen Plan sein konnten.</p><empty-line/><p>Varian beobachtete seine angeschlagene Truppe. Er wusste, dass einige Soldaten immer noch hier und dort �ber die Hauptstadt verstreut waren und vielleicht auch woanders. Doch ihre Zahl schwand schnell. Das war keine �berraschung, weil Waffen nutzlos waren. Meistens mussten er und seine M�nner fliehen, ein schmachvoller Weg, doch leider n�tig.</p><p>Feuer schien die schreckliche Horde zu verlangsamen�� zumindest ein wenig. Die neueste Welle des Schreckens�� die Schlafwandler�� war ein viel gr��erer Schock f�r den eigenen Geist. Gleichzeitig waren sie aber auch ein Feind, den <emphasis>man</emphasis> physisch bek�mpfen konnte. Das einzige Problem war, dass Varians Streiter keine Unschuldigen verletzen wollten. Selbst dann nicht, wenn diese Unschuldigen sie wild angriffen.</p><p>Die Verzweiflung hatte immer mehr von Varians weniger werdenden K�mpfern dazu gezwungen, ihre Waffen dennoch mit Blut zu besudeln, und auch er selbst musste einige harte Schl�ge austeilen.</p><p><emphasis>Varian... K�nig von Sturmwind</emphasis>...</p><p>Am ruhigen und tr�stenden Tonfall der Stimme erkannte Varian, dass er nicht dem Albtraum zum Opfer gefallen war. Der Albtraum bot keine Sicherheit. Er schien seine Opfer direkt in ihre �ngste zu zerren.</p><p><emphasis>Varian... Freund von Broll B�renfell... Ich bin Malfurion Sturmgrimm</emphasis>...</p><p>Er straffte sich augenblicklich. Obwohl Varian den ber�hmten Erzdruiden nie kennengelernt hatte, wie so viele andere Anf�hrer der Allianz und der Horde, wusste er doch, dass Malfurion die Druiden anf�hrte. Deren Taten hatten entscheidenden Anteil am Sieg in der Schlacht am Berg Hyjal gehabt. Varian war zu dieser Zeit nicht in Kalimdor gewesen, aber er hatte sich die Geschichte ausf�hrlich erz�hlen lassen.</p><p>Dass die Stimme des Erzdruiden nun im Kopf des K�nigs erklang, war wenig �berraschend. Doch so willkommen Malfurions Lebenszeichen auch war, konnte Varian ihm nicht viel Zeit opfern. Die Lage wurde mittlerweile <emphasis>noch</emphasis> verzweifelter.</p><p>�Was immer du willst, sage es lieber schnell!�, murmelte der Herr von Sturmwind leise, damit sich seine Soldaten nicht wunderten, dass er mit Schatten sprach.</p><p><emphasis>Varian, Ihr m�sst die K�mpfer anf�hren, die den Albtraum dort angreifen, wo er am verwundbarsten ist... im Smaragdgr�nen Traum</emphasis>...</p><p>�Ich werde Sturmwind nicht im Stich lassen!� Ohne dass er es merkte, hob Varian die Stimme an. Einige seiner Soldaten blickten ihn an. Dann wandten sie sich wieder der wilden Schlacht zu.</p><p><emphasis>Jeder muss das verlassen, was er liebt, wenn er es retten will</emphasis>...</p><p>Varian fletschte die Z�hne. �Sei verdammt... doch wie sollten wir hier wegkommen, und wo k�nnten wir hin, wenn wir es denn schaffen sollten?�</p><p><emphasis>Ihr m�sst nicht selber fortgehen... Ihr m�sst nur einfach meinen Anweisungen folgen</emphasis>...</p><p>Eine br�llende Gestalt st�rzte sich auf den K�nig. Es war einer seiner pers�nlichen Diener. Die Augen des Mannes waren geschlossen, sein Gesicht war gr�sslich verzerrt, und er schrie. Es sah aus, als w�re sein Kiefer ausgeh�ngt worden. Warum er schrie, interessierte Varian nicht. Die Schlafwandler litten alle unter ihren eigenen Albtr�umen, in denen sie sich gegen ihre Folterer wehrten�� die stets die Gegner des Albtraums waren.</p><p>Varian versuchte, dem Mann mit der flachen Seite seiner Klinge vor die Schl�fe zu schlagen. Manche Schlafwandler <emphasis>konnte</emphasis> man auf diese Weise ausschalten, obwohl man generell mehr als einen Schlag brauchte.</p><p>Doch der Diener �nderte pl�tzlich seine Position. Statt ihn mit der flachen Seite zu treffen, erwischte ihn Varians Klinge mit der scharfen Kante.</p><p>Blut str�mte aus der Wunde. Der getroffene Schlafwandler fiel auf den K�nig. Einer der Soldaten zog augenblicklich den sterbenden Mann von Varian herunter.</p><p>Doch der Herr von Sturmwind bemerkte es nicht. Er wusste nur, dass er gerade einen seiner eigenen Untergebenen erschlagen hatte. Ein weiterer Albtraum kam zu denen hinzu, unter denen er bereits litt.</p><p>�Was auch immer du tun willst, tu es gleich!�, knurrte er zu dem unsichtbaren Malfurion. �Und tu es schnell!�</p><p>Der Erzdruide sagte ihm, was er von ihm wollte. Varian blickte sich skeptisch um, dann folgte er Malfurions Vorschl�gen.</p><p>�Legt eure Waffen nieder!�, rief er den anderen zu. �Blast das Signal zum Wegtreten!�</p><p><emphasis>Ich werde etwas Kraft einsetzen m�ssen</emphasis>..., f�gte Malfurion hinzu. <emphasis>Ich fange mit Euch an, damit Ihr dann den Rest ber�hren k�nnt</emphasis>...</p><p>�Ich hoffe, du wei�t, was du tust! Wir nehmen einen Trank, um uns...�</p><p><emphasis>Das macht nichts. Mein Werk setzt alle anderen Zauber au�er Kraft</emphasis>...</p><p>Der K�nig grunzte. Als seine verbl�fften Untergebenen ihn anblickten, schloss Varian widerstrebend die Augen.</p><p>Und schlief augenblicklich ein.</p><empty-line/><p>Hoch �ber dem n�rdlichen Mulgore�� auf den hohen Klippen nahe dem Steinkrallengebirge�� lag die Hauptstadt der Tauren. Bevor Donnerfels gebaut worden war, hatten die meisten Tauren ein nomadisches Leben gef�hrt. Erst in j�ngerer Zeit, nach der Vertreibung der Zentauren-Marodeure, hatte Hamuuls Volk schlie�lich eine Siedlung gegr�ndet, die es mit Orgrimmar, Sturmwind und den anderen Hauptst�dten auf Azeroth aufnehmen konnte.</p><p>Vier Tafelberge bildeten Donnerfels, wobei der gr��te und am dichtesten besiedelte in der Mitte lag. Die gro�en Totems der Tauren standen hoch �ber den Geb�uden, die noch sehr stark an ihre Vergangenheit als Nomaden erinnerten. Selbst die gr��ten H�user waren lange h�lzerne Bauten, wie sie viele St�mme fr�her als Winterlager genutzt hatten. Die darum herumstehenden kleineren Domizile wirkten wie die spitz zulaufenden H�tten aus Holz- und Tierh�uten, die seit vielen Generationen die Alltagszelte der Nomaden ausgemacht hatten.</p><p>Die Tauren hatten die Lage von Donnerfels aus strategischen Gr�nden gew�hlt. Die Tafelberge gaben ihnen gute Verteidigungsm�glichkeiten gegen die meisten Feinde. Doch sogar die Klippen waren kein Schutz gegen einen Feind, der zum gr��ten Teil in ihnen selbst steckte...</p><p>Das wusste Baine Bluthuf, der Sohn des gro�en Taurenh�uptlings Cairne, nur zu gut. Mit der Axt in der einen Hand, dem Speer in der anderen, stand er an vorderster Front einer Gruppe von Kriegern, die die Br�cke zum mittleren Tafelberg blockierten. Hier lag der H�ndlerbereich, der bis vor Kurzem voll von gesch�ftigem Treiben gewesen war. Der mittlere Tafelberg war alles, was ihnen nach der Verteidigung im n�rdlichen und �stlichen Teil von Donnerfels geblieben war. Den Rest hatten die Schrecken �bernommen, obwohl es noch ein paar kleine Widerstandsnester gab.</p><p>Der Anf�hrer der Tauren stie� mit dem Speer auf eine Gestalt ein, die nur ein paar Meter von ihm entfernt stand. Es war ein ehemaliger Kamerad namens Gam. Gemeinsam hatten sie gegen die Zentauren gek�mpft, und die Z�pfe an Baines Kopf und Bart zeugten von den Gegnern, die er w�hrend dieses Feldzugs get�tet hatte.</p><p>Jetzt versuchte Gam Cairnes Sohn zu t�ten, als w�re er ein Zentaur. Dabei hielt er die Augen geschlossen, und er murmelte irgendetwas �ber die vierbeinigen Marodeure. Am Ende hatte Baine keine andere Wahl. Sein dunkelbraunes Fell und die schwarze M�hne waren trotz des sch�tzenden Leders auf Schultern, R�cken und Armen mit Blut bespritzt. Baine trieb den Speer in Gams Brust.</p><p>Grunzend lie� der schlafwandelnde Tauren die Waffe fallen, dann st�rzte er von der H�ngebr�cke. Sein K�rper prallte auf die Ebene darunter. Gl�cklicherweise verschwand er in dem verdammten Nebel und ersparte es Baine, zusehen zu m�ssen, wie der K�rper seines Freundes zerschmetterte.</p><p>Der Aufzug war nicht fern, aber dort konnte man nicht hinunter. Die Kundschafter, die Baine ausgeschickt hatte, waren nicht mehr zur�ckgekommen, obwohl sie schon lange �berf�llig waren. Das bedeutete wahrscheinlich, dass sie gefallen und nun selbst Teil der Gefahr waren.</p><p>Die Br�cke wackelte, als weitere Schlafwandler vorw�rtsdr�ngten.</p><p>�Was sollen wir tun?�, fragte einer der Krieger. Tauren waren von Natur aus stoisch, doch dieser Kampf trieb ihnen die Sorge ins Gesicht... und ihre geweiteten Augen waren blutunterlaufen vom Schlafmangel.</p><p><emphasis>K�nntest du mir nur helfen, Vater</emphasis>, dachte Baine. Doch Cairne war unter den ersten Opfern gewesen, und Baine vermutete, dass das aus einem bestimmten Grund geschehen war. Die meisten Tauren konnten sich ein Leben ohne ihren ehrw�rdigen H�uptling nicht vorstellen, besonders Baine nicht.</p><p>Schnaubend kam Cairnes Sohn zu einer Entscheidung. Sie w�rde ihnen nur eine kleine Galgenfrist erkaufen. Aber sie hatten keine andere Wahl. Er sprach ein Gebet f�r die Unschuldigen, die er in den Tod schicken w�rde.</p><p>�Schneidet die Seile durch!�, befahl Baine.</p><p>�Die Seile?� Der andere Tauren blickte betroffen.</p><p>�Schneidet sie durch!�, wiederholte Baine, hob seine Axt und hieb selbst auf das n�chste Seil ein.</p><p>In diesem Moment erklang in seinem Kopf eine Stimme.</p><p><emphasis>Baine Bluthuf... ich hin der Erzdruide Malfurion Sturmgrimm, ein Freund von Hamuul Runentotem... ich biete Euch eine Chance auf Hoffnung... f�r uns</emphasis>...</p><p>Baine dankte den Ahnen, und ohne sich darum zu scheren, was die anderen denken mochten, antwortete er: �Sag es mir... aber beeile dich...�</p><empty-line/><p>Eine Frage, die Malfurion lange besch�ftigt hatte, wurde beantwortet, als er in die ferneren Regionen Azeroths blickte. Die Frage, was derzeit in Dalaran geschah. Sein erster Blick auf das Reich der Magier erschreckte ihn. Weil das ganze K�nigreich von Dalaran nicht dort war, wo es h�tte sein sollen. Stattdessen <emphasis>schwebte</emphasis> es am Himmel.</p><p>Nachtelfen sch�tzten Magier und andere arkane Spruchwirker nicht sonderlich. Malfurion aber, der die Zauberer besser als viele Mitglieder seines eigenen Volkes kannte, hatte mit ihnen in der Vergangenheit schon gut zusammengearbeitet. Doch als der Erzdruide ermutigt von dieser Demonstration ihrer unglaublichen F�higkeiten versuchte, einige Magier zu erreichen�� vor allem Rhonin, den er schon �ber zehntausend Jahre lang kannte -, entdeckte er, dass selbst Dalaran dem Albtraum anheimgefallen war.</p><p>Eigentlich war ihm Dalaran <emphasis>ganz, besonders</emphasis> anheimgefallen. Malfurions erste Blicke auf die gro�en, magisch beleuchteten Stra�en der fliegenden Stadt zeigten nichts als in Nebel geh�llte Verlassenheit. Als er die verschiedenen merkw�rdig geformten Geb�ude betrat, traf er gleich auf die ersten Schl�fer. Sie lagen in gro�er Zahl einfach herum, einige in ihren Betten, andere, wo die Ersch�pfung sie hatte umfallen lassen.</p><p>Und in einem dieser Betten fand er nicht nur Rhonin, sondern auch die Gef�hrtin des Magiers, die Hochelfe Vereesa. Obwohl Malfurion sie nie selbst getroffen hatte, kannte er sie doch aus Rhonins Erz�hlungen. Sie waren beide im Schlaf gefangen. Ihre Gesichter zeigten, dass auch sie den Schrecken des Albtraums durchlitten.</p><p>Es gab keine Schlafwandler, obwohl Malfurion sp�rte, dass viele der Opfer kurz davor standen, welche zu werden. Doch ein Zauber hielt sie fest... und dessen Ursprung fand er schlie�lich in der Violetten Zitadelle.</p><p>Das m�chtige Geb�ude erhob sich �ber alle anderen. Es war wie ein hoher Turm gebaut, mit konischen Erweiterungen, die die niedrigeren Seiten flankierten. Hoch �ber der Stadt gelegen, war die Spitze von einem kreisf�rmigen Feld umgeben, das von m�chtigen Zauberspr�chen getragen wurde.</p><p>Malfurion ignorierte die Zauber und die zahllosen violett gedeckten T�rme. Stattdessen nahm er Kontakt zu den Magiern darin auf. Dabei fiel sein Augenmerk sofort auf eine �ltere Magierin namens Modera. Vor seinem Auge entstand das Bild einer energischen Frau mit kurzem grauem Haar und einem steten leichten Stirnrunzeln. Sie trug nicht die blauviolette Robe des Regierungsrates, der Kirin Tor, stattdessen hatte sie eine blaugraue R�stung an.</p><p><emphasis>Der Erzdruide</emphasis>..., antwortete sie ersch�pft. <emphasis>Also ist noch nicht ganz Azeroth gefallen</emphasis>...</p><p>Er war beeindruckt, dass sie ihn so schnell erkannt hatte. Doch schon der n�chste Satz d�mpfte seine Euphorie, denn die Magier in der Kammer waren von der Au�enwelt v�llig abgeschnitten.</p><p><emphasis>Wir k�nnen gerade mal daf�r sorgen, dass unsere schlafenden Br�der sich nicht gegen uns erheben... und selbst das haben wir erst im letzten Moment geschafft... wir haben mehrere Mitglieder unserer Gruppe verloren, als die ersten Schlafwandler auftauchten</emphasis>...</p><p>Sie hatte seine Fragen beantwortet, bevor er sie stellte. Die Magier hier in Dalaran konnten ihm nicht helfen. Sie bem�hten sich nach Kr�ften zu verhindern, dass sich einige der gr��ten Magier der Armee des Albtraums anschlossen.</p><p>Malfurion brachte Modera auf denselben Wissensstand wie Varian. Sie nickte, obwohl sie nicht sonderlich viel Vertrauen in ihn zu haben schien. <emphasis>Hast du mit den anderen Magiern au�erhalb von Dalaran schon gesprochen</emphasis>?</p><p><emphasis>Das habe ich</emphasis>.</p><p>Modera war genauso ersch�pft wie die Handvoll anderer Zauberer, die entweder bei ihr waren oder sich in anderen Teilen der Zitadelle aufhielten. <emphasis>M�gen sie hilfreich f�r dich sein... und m�ge das Gl�ck dir hold sein... ich f�rchte, dein Plan ist unsere letzte Chance</emphasis>...</p><p>Malfurion brach den Kontakt zu ihr ab. Er hoffte, dass er sich nicht selbst verraten hatte. Modera h�tte ihn f�r �berheblich halten k�nnen, wenn sie geahnt h�tte, was er wirklich mit ihren Magiern und all den anderen, die er um sich versammelte, vorhatte...</p><empty-line/><p>Und so wie Malfurion mit Varian, Baine und Modera redete, redete er auch mit vielen anderen. Er sprach mit dem Orcschamanen Zor Einbaum in Orgrimmar, mit K�nig Magnis� Berater in Eisenschmiede, mit dem Trollkundschafter Rokhan�� der gezwungen war, eine Gruppe seines Volkes aus der Hauptstadt in Sicherheit zu bringen�� und vielen, vielen anderen. Wie die Trolle, waren einige V�lker Malfurion gegen�ber feindlich gesinnt. Doch er versuchte, sie dennoch zu �berzeugen. Bei einigen hatte er Erfolg, bei anderen nicht.</p><p>Er konnte denjenigen, die seine Hilfe nicht wollten, keinen Vorwurf machen. Denn schlie�lich verlangte er von ihnen ja, dass sie sich dem Albtraum schutzlos auslieferten.</p><p>Doch auch unter denen, die sich ihm anschlossen, sp�rte Malfurion Vorsicht und Sorge... bis sie etwas entdeckten, das sie f�r Geister hielten. Aber in Wahrheit waren es nur ihre Traumgestalten, die an einem Ort materialisierten, den sich die meisten nicht vorstellen konnten.</p><p>Dem Smaragdgr�nen Traum.</p><p>�Was ist das f�r ein Ort?�, fragte Varian f�r alle anderen.</p><p>Ebenfalls in Traumgestalt erkl�rte Malfurion, <emphasis>Dies ist der Ort, an dem sich Traum und Erwachen treffen... einst war es ein Ort des friedlichen Gespr�chs. Doch nun wurde er vom Albtraum �berrannt</emphasis>...</p><p><emphasis>Aber... warum hast du uns dann hierher gebracht? W�re es nicht besser, wenn wir wenigstens in unseren eigenen L�ndern sterben w�rden</emphasis>? Viele stimmten ihm zu.</p><p><emphasis>Weil Ihr nur hier etwas bewirken k�nnt... nur hier werden Eure Waffen von Nutzen sein</emphasis>...</p><p>Das war die Ermutigung, die sie brauchten. Allerdings teilten sich die meisten auch dann noch nach Volk und Beruf auf. Aber das w�rde nicht funktionieren. Malfurion brauchte sie als eine Einheit.</p><p><emphasis>Varian wird Euch anf�hren</emphasis>..., sagte er geradeheraus.</p><p>Doch der K�nig blickte w�tend zu den Orcs hin�ber. <emphasis>Ich werde diesen Abschaum nicht anf�hren! Soll der Albtraum sie doch holen</emphasis>...</p><p><emphasis>So, wie er in Sturmwind Euren Sohn geholt hat und noch so viele andere? Wenn Ihr Anduin wiedersehen wollt, m�sst Ihr den Albtraum besiegen... und das klappt nur, wenn wir alle zusammenarbeiten</emphasis>...</p><p><emphasis>Ich</emphasis>... Varian rang mit sich und der Entscheidung zwischen Liebe und Hass.</p><p>Die Liebe obsiegte. <emphasis>Nun gut... so soll es geschehen</emphasis>...</p><p>Aber nun schienen viele Mitglieder der Horde wenig geneigt, sich einer Armee unter Varian anzuschlie�en. Doch dann stellte sich Baine, der H�uptling der Tauren, neben den Menschen. <emphasis>Ich vertraue darauf, dass dieser Mensch, den ein Freund erw�hlt hat, uns alle ehrenvoll f�hren wird</emphasis>...</p><p>Als der Tauren das sagte, schmolz der Widerstand. Malfurion dankte ihm und konzentrierte sich. Endlich hatte er alle gefunden, die schon die ganze Zeit versuchten, den Albtraum aufzuhalten. Es waren weniger als erwartet, was ihm Sorgen bereitete. Er nahm Kontakt mit dem Geist von Zaetar auf.</p><p><emphasis>Malfurion Sturmgrimm</emphasis>?, fragte Remulos� Bruder �berrascht und voll verzweifelter Hoffnung.</p><p>Der Nachtelf �ffnete seine Erinnerungen, wodurch er dem Geist augenblicklich alle Informationen gab, die er brauchte. Zaetars Hoffnung wuchs, dann sank sie wieder. <emphasis>Was ist mit meinem Bruder</emphasis>?</p><p><emphasis>Ich wei� nichts Neues von ihm</emphasis>.</p><p>Zaetar lie� diese Information einsinken, obwohl der Mangel an Nachrichten ihn eindeutig st�rte. Er akzeptierte Malfurions Plan, den der Erzdruide ihm offenbarte. Doch er hatte noch eine letzte Frage. <emphasis>Und all diese Wesen, die du zu uns gebracht hast... ahnen nichts von deinen wahren Absichten</emphasis>?</p><p><emphasis>Nein... denn wenn sie nichts wissen... dann wei� auch der Albtraumlord vielleicht nichts</emphasis>...</p><p>Der Geist sagte nichts mehr zu der Sache. Stattdessen nahm Zaetar Kontakt mit Varian auf. Der K�nig verbarg gekonnt seine �berraschung, als er Zaetars Gegenwart bemerkte.</p><p>�Wir kommen�, versprach er Remulos� Bruder.</p><p>Der K�nig von Sturmwind hob sein Schwert�� das eigentlich Teil seiner Traumgestalt war�� und f�hrte seine Armee voran.</p><p>Der Erzdruide blickte Varian an. Nur f�r einen Augenblick schien sich Varians Antlitz in etwas anderes verwandelt zu haben. In das eines <emphasis>Wolfs</emphasis>. Ihm fiel ein Name ein, es war ein uralter Geist, der von vielen V�lkern, auch den Nachtelfen, verehrt wurde.</p><p><emphasis>Goldrinn</emphasis>..., dachte Malfurion und erinnerte sich an den legend�ren Ahnen. Der wei�e Wolf hatte Hunderte D�monen w�hrend des Kriegs der Ahnen get�tet, bevor er selbst gefallen war. Doch sein Geist sollte angeblich weiterleben und �ber all jene wachen, die er mochte.</p><p><emphasis>M�get Ihr einer von ihnen sein</emphasis>, dachte der Erzdruide bei Varians Anblick. Ihm war klar, dass er sich den Wolf vielleicht auch nur eingebildet hatte. <emphasis>M�ge Goldrinn �ber Euch und all die anderen wachen, die gegen den Feind marschieren</emphasis>...</p><p>Als sich die Armee aus Traumgestalten auf den Albtraum zubewegte, schlossen sich ihnen immer weitere K�mpfer an, die Malfurion und die Druiden herbeigerufen hatten. Von seinen zahlreichen Blickwinkeln aus sah Malfurion nicht nur Urtume des Krieges kommen, sondern auch viele andere. Ihre Gestalt war so unterschiedlich, wie es Baumarten auf Azeroth gab. Und obwohl sie immer noch ihren alten Lehren verpflichtet waren, waren sie gleichzeitig entschlossene Verteidiger der nat�rlichen Welt. Einige hatten Fl�gel, andere Klauen, und obwohl ihre Zahl nicht gro� war, repr�sentierte jedes Wesen doch eine m�chtige Kraft.</p><p>Und sie kamen nicht allein. Mit ihnen kamen die Treants. Sie glichen den W�ldern, die sie sch�tzten und waren kleiner und weniger stark als die Urtume. Dennoch konnte man sie keineswegs als schwach bezeichnen. Und sie waren deutlich zahlreicher als die Urtume. Malfurion hie� sie deshalb genauso willkommen wie die Dryaden�� ebenfalls H�ter des Waldes�� und die m�chtigen T�chter des verschwundenen Remulos.</p><p>Zahlreiche Hippogryphen kamen, begleitet von anderen Bewohnern der L�fte, darunter Greifen, riesige Motten, Aasv�gel, Drachenfalken und nat�rlich die verbliebenen Drachen der roten, gr�nen und blauen Sippe. Obwohl sie nicht von ihren Aspekten angef�hrt wurden, waren die Drachen versierte K�mpfer. Die drei Drachensippen flogen voneinander getrennt, weil jede ihren eigenen Kampfstil hatte. Die Blauen wirkten m�chtige Zauber, die Roten spien verzehrendes Feuer, und die Gr�nen nutzten nat�rlich ihre F�higkeiten des Traums aus.</p><p>Selbst Kobolde und andere Kreaturen, die einander feindselig gesinnt waren, hatten letztlich zugestimmt, sich dem gro�en Pulk anzuschlie�en. Furchterregende b�renartige Furbolgs, die sich wohler unter wilden Tieren f�hlten denn unter vernunftbegabten Wesen, heulten auf, um ihre Teilnahme am letzten Gefecht zu signalisieren. Riesige Panther, mit Sto�z�hnen bewehrte Eber, furchterregende Basilisken, Krokolisken, Hy�nen und andere Tiere waren nur ein Teil der Tierlegion, die ihnen folgte. Viele wurden von den empfindsamen Raptoren angetrieben. Die Druiden leiteten diese Bestien, die zwar nicht immer wussten, was das Ziel dieses Kampfes war, doch auch ihnen war klar, dass ihre Leben und das ihrer Nachkommenschaft bedroht waren.</p><p>Malfurion bedankte sich bei allen. Er erkannte immer mehr, dass jedes Volk eine wichtige Rolle spielte. Dass er sie genauso sehr brauchte wie sie ihn.</p><p>Auch die Verlassenen wollten sich an dem Kampf beteiligen, obwohl ihre Zahl kleiner denn je war. Sie standen bei ihren Verb�ndeten und warteten auf die Gelegenheit zur�ckzuschlagen.</p><p>Malfurion beobachtete das alles und versp�rte gleicherma�en Dankbarkeit und Bedauern. Nur Zaetar kannte die Wahrheit. Nur Zaetar verstand, dass all dies vielleicht umsonst geschah, wenn der Plan des Erzdruiden fehlschlug.</p><p>Dieser Gedankengang f�hrte den Nachtelf zu Remulos. Er konnte Cenarius� Sohn nirgendwo sp�ren. Malfurion hatte gehofft, Remulos mithilfe seines Zaubers zu finden, und die Tatsache, dass es nicht geklappt hatte, lie� nichts Gutes erahnen. Nur wenn der Albtraum bereits einen beherrschenden Einfluss �ber den Traum hatte, blieben dem Erzdruiden manche Dinge dort verborgen... und wenn Remulos dort war...</p><p>Malfurion konnte sich nicht mit dem verschollenen Halbgott belasten, egal, wie sehr Remulos� Macht ihre Chancen auch erh�ht h�tte. Dem Sohn des Cenarius geb�hrte nicht seine dringlichste Sorge. Das war und w�rde immer Tyrande sein, die er wieder einmal v�llig vernachl�ssigt hatte.</p><p><emphasis>Tyrande</emphasis>...</p><p>Gerade als er an sie dachte, ber�hrte etwas nur ganz kurz seinen Geist. Er wusste augenblicklich, dass <emphasis>sie</emphasis> es war, dass nur sie es sein konnte. Genauso wie vor zehntausend Jahren stand Tyrande immer noch zu ihm. Sie tat es, obwohl er sie im Laufe der Jahre immer wieder verlassen hatte. Wenn sie nun schwand... w�rden diese verlorenen Jahre noch mehr in seiner Seele brennen. Er selbst war der Einzige�� der <emphasis>ausschlie�liche</emphasis>�� Grund f�r ihre Trennungen.</p><p>Malfurion erschauderte bei solchen Gedanken. Denn er wusste, dass sie im Schatten des Baumes stand, der seine pers�nliche Nemesis war... und dass selbst die Gaben von Mutter Mond alleine nicht ausgereicht hatten, um den momentanen Kontakt mit ihm herstellen zu k�nnen.</p><p>Der Albtraumlord lud ihn zu sich ein.</p><p>Der Erzdruide befahl sich selbst zur�ck in seinen K�rper. Er sp�rte Brolls und Hamuuls gro�e Erleichterung bei seiner R�ckkehr.</p><p>Er sp�rte auch noch jemand anderen in ihrer N�he... jemanden, der dort nicht h�tte sein sollen.</p><p>Malfurion sprang auf, sobald er wieder Kontrolle �ber seinen K�rper hatte. Broll und der Tauren zuckten �berrascht zur�ck.</p><p>�Geht es Euch gut, Shan�do? Ist etwas geschehen?�</p><p>Doch Malfurion antwortete ihnen nicht. Stattdessen straffte er sich, um sich der unerwarteten Gefahr zu stellen, die ihnen allen drohte.</p><p>Die Gestalt warf einen Schatten �ber die drei Druiden. Sie l�chelte nicht, sondern nickte Malfurion nur grimmig zu. In einer Hand trug sie einen langen Speer, der aus einem einzelnen Ast gefertigt war. In der anderen...</p><p>Seine andere Hand und der daran befindliche Arm bildeten eine verdorrte, vertrocknete Masse, die einem verrotteten Baum glich.</p><p>Vor ihnen stand Remulos auf seinen vier Hufen, der Waldland-Halbgott, der Sohn des Cenarius. Einst hatte das Gef�hl des Fr�hlings sein innerstes Wesen durchdrungen. Doch nun schien der W�chter des Waldes einen Mantel aus kaltem Winter zu tragen. Seine Haut war grauer und die Bl�tter in seinem Haar braun und trocken.</p><p>�Ich bin froh, dich hier zu finden, Malfurion.� Remulos zeigte ihm seine verst�mmelte Extremit�t, dann knurrte er: �Ich war im Herzen des Albtraums. Wenn du stark genug an K�rper und Seele bist, dann m�ssen wir beide <emphasis>augenblicklich</emphasis> dorthin zur�ck�� oder alles ist verloren...�</p></section><section><title><p>25</p><p>Eine Entscheidung f�llt</p></title><p>Sie waren wieder auf Azeroth, obwohl Lucan diesen Teil der Welt nicht kannte. Das einzig Vertraute hier war etwas, das inzwischen �berall die Welt zu durchdringen schien... der scheu�liche Nebel des Albtraums.</p><p>Eine kr�ftige Hand packte ihn am Kragen. Thura beugte sich ganz nah zu ihm. Der hei�e Atem der w�tenden Orcfrau stank. �Die Axt! Was hast du mit der Axt gemacht?�</p><p>�Ich wei� nicht, wovon du redest!�</p><p>Thura zeigte ihm ihre andere Hand, die nun eine bedrohliche Faust bildete. �Die Axt von Broxigar! Ich hatte sie in der Hand... und jetzt ist sie weg!�</p><p>�Hast du sie losgelassen?� Der Gesichtsausdruck der Orckriegerin lie� ihn die M�glichkeit schnell verwerfen. �Sie h�tte bei dir bleiben sollen! Das habe ich vorher schon mal gemacht!�</p><p>Die Kriegerin lie� ihn los und blickte ihn w�tend an. �Wo ist sie dann, Mensch?�</p><p>Lucan wusste es genauso wenig, wie er diesen Ort hier kannte. Die h�gelige Landschaft war voller t�ckischer Schluchten und wirkte trostlos. Es gab nur ein wenig Gestr�pp, und auf einem H�gel stand ein gro�er h�sslicher Baum...</p><p>Der Kartograf schluckte. Der Baum passte nicht zu dem kargen Bild um ihn herum. Er war das Einzige, was hier zu gedeihen schien. Dennoch trug er keine Bl�tter.</p><p>Aber das war es nicht, was Lucan so sehr an dem Baum st�rte. Es war der Umriss, den er selbst im Dunst hatte.</p><p>Wie eine riesige Skeletthand.</p><p>Nun verstand er, warum und wie die Axt zur�ckgeblieben war. Jemand <emphasis>wollte</emphasis>, dass sie da blieb, jemand, der die Macht dazu hatte.</p><p>�Wir m�ssen hier weg!�, rief er.</p><p>�Ich werde mir die Axt zur�ckholen!�, erkl�rte Thura, die nicht ahnte, was Lucan entdeckt hatte.</p><p>Ein knisterndes Ger�usch um sie herum unterbrach sie.</p><p>Der Boden unter ihren F��en begann sich zu bewegen, als w�rde sich etwas Gro�es nach oben durchgraben. Gleichzeitig bildeten sich im Nebel Schatten, die halb wie Nachtelfen und halb wie Ziegen aussahen.</p><p>Eine Wurzel schoss aus einem der Risse und suchte Lucans Kn�chel. Thura zerrte daran und brach ein gro�es St�ck der Spitze ab. Aus den abgebrochenen Enden tropfte eine Fl�ssigkeit, die wie Blut aussah.</p><p>Die Wurzel zog sich zur�ck, doch andere schossen hervor. Die Orckriegerin schlug mit der Wurzel nach den herannahenden Schattensatyren.</p><p>Einer st�rzte vor. Thura stie� die Spitze in die d�stere Gestalt hinein.</p><p>Der Schatten zischte, dann verging er.</p><p>Doch es kamen immer mehr. Thura blickte zu Lucan. �Es sind zu viele! Wenn ich die Axt h�tte...�</p><p>Sie h�rte auf, als sie den Gesichtsausdruck des Menschen sah. Lucan starrte auf einen der Risse, der von den Wurzeln geschaffen worden war. Sein Gesicht war noch bleicher als sonst�� wenn das �berhaupt m�glich war.</p><p>Die Orckriegerin packte seinen Arm, was die Faszination zu brechen schien, die von dem Spalt ausging. Lucan zerrte an Thura.</p><p>�Ich kann nicht vorhersagen, wo im Albtraum wir landen werden!�</p><p>Thura stie� nach einem weiteren Schatten und sah zu, wie er schwand. �Bring uns einfach hier weg!�</p><p>Sie verschwanden... und tauchten in einer nur allzu vertrauten smaragdgr�nen Umgebung wieder auf.</p><p>Aber sie waren nicht allein.</p><p>�Ihr schon wieder?�, br�llte Eranikus. Seine Wut lie� die Umgebung, eine H�hle, erbeben. Der gr�ne Drache breitete seine Fl�gel aus und zerschmetterte mehrere Stalaktiten. �Ich will mit diesem Wahnsinn nichts zu tun haben! Das hatte ich euch doch gesagt!�</p><p>�Wir konnten nicht anders!�, antwortete Lucan. �Wir mussten fliehen�� und ich wollte an einen sicheren Ort!�</p><p>�In meiner N�he seid ihr wohl kaum sicher, du Wurm!� Eranikus senkte den Kopf zu den beiden herab. �Und das gilt auch f�r dich, Orc, selbst wenn du diese magische Waffe besitzt...�</p><p>�Ich habe die Axt nicht mehr�, knurrte Thura und zeigte ihm ihre leeren H�nde. �Offensichtlich haben wir sie verloren, als sich die Hohepriesterin tapfer selbst opferte, um uns die Flucht vor den korrumpierten Drachen zu erm�glichen!�</p><p>�Korrumpierte Drachen? Meinst du Lethon und Smariss? Die Nachtelfe ist bei diesem abscheulichen Paar zur�ckgeblieben... und die Axt haben sie jetzt auch noch?�</p><p>�Es ging nicht anders...�, begann Lucan, doch Yseras Gef�hrte h�rte ihm schon nicht mehr zu.</p><p>�Es wird nicht enden... bis... Doch ich kann nicht...� Der gr�ne Drache zischte, w�hrend er mit sich selbst sprach. �Ich kann nicht schlafen... Ich kann es nicht vergessen... sie war verschollen...�</p><p>Der verst�rte Drachen heulte laut auf. Thura und Lucan suchten Deckung, als Eranikus in Selbstmitleid ausbrach.</p><p>Als das letzte Echo seines Schreis verklungen war, wandte der Drache seine Aufmerksamkeit wieder den beiden zu. Sein Gesichtsausdruck war schwer zu deuten.</p><p>�Scheinbar gibt es nur einen Weg, euch wieder loszuwerden...�</p><p>Eranikus griff nach ihnen.</p><empty-line/><p>�Euer Arm...� antwortete Malfurion leise. �Was ist mit Eurem Arm passiert?�</p><p>Remulos starrte darauf. Sein Blick war besorgt. �Das ist die geringste meiner Verletzungen, das kannst du mir glauben.�</p><p>�Er erschien aus dem Nichts, kurz bevor Ihr erwacht seid�, erkl�rte Broll. �Wir haben fast unsere Konzentration verloren, so �berrascht waren wir.�</p><p>�Und es spricht f�r deine Ausbildung, dass es nicht geschah.� Der Sohn des Cenarius wies mit seinem Speer auf Malfurion. �Aber wir haben keine Zeit, um l�nger dar�ber zu reden, werter Thero�Shan, Lieblingssch�ler meines Vaters! Wir haben nur eine Chance, um die Dinge doch noch zum Guten zu wenden, aber wir m�ssen sofort los!�</p><p>Malfurion blickte die anderen an. �Ich kann hier jetzt nicht weg...�</p><p>�Erzdruide, du wei�t, dass der Albtraum deine Tyrande hat...�</p><p>�Das wei� ich nur zu gut...�</p><p>�Und kennst du den wahren Namen des <emphasis>Albtraumlords</emphasis>?� Remulos betonte den Titel mit all der Abscheu, die Malfurion tief in seiner Seele versteckt hielt. �Es ist eine diabolische Kreatur, die einst Xavius hie�! Derselbe Xavius�� wie du mir sp�ter verraten hast -, der eurer K�nigin Azshara dabei half, die Brennende Legion nach Azeroth zu holen und so meiner Familie viel Leid zuf�gte...�</p><p>Selbst nach all den Jahrtausenden konnte sich Malfurion noch gut an Cenarius� Beinahetod im Kampf gegen den D�mon Archimonde erinnern, und wie dieser Kampf Malorne das Leben gekostet hatte�� den wei�en Hirsch. Malorne war Cenarius� Vater gewesen und letztlich der Gro�vater von Remulos.</p><p>�Xavius hat Tyrande... und er hat auch die Axt, die mein Vater f�r den tapferen Orc Broxigar anfertigte...�</p><p>Die Nachricht traf Malfurion h�rter als selbst Broll oder Hamuul. Er wusste, was er zu tun hatte, auch wenn dadurch alles in Gefahr geriet.</p><p>Der Erzdruide wandte sich an Broll und sagte: �Broll, ich muss Euch darum bitten, die Druiden zu f�hren, w�hrend ich fort bin. Hamuul, Ihr m�sst ihm helfen. Kann ich mich auf Euch beide verlassen?� Als beide sich verneigten, fragte Malfurion Remulos: �Sind Tyrande und die Axt am selben Ort? Seid Ihr Euch da sicher?�</p><p>�Das bin ich. Sie befinden sich tief im Albtraum.�</p><p>�Dann m�ssen wir ihn durch Fandrals Portal betreten.�</p><p>Der Halbgott sch�ttelte den geweihtragenden Kopf. �Nein. Ich kenne einen anderen Weg.�</p><p>Malfurion runzelte die Stirn. �Welchen denn?�</p><p>�So bin ich auch hierher gekommen.� Remulos malte einen gro�en Kreis mit der Speerspitze. Als er fertig war, begann der Kreis zu leuchten, die R�nder waren von einem alles verzehrenden dunklen Gr�n.</p><p>Der Waldlord murmelte etwas, das Malfurion nicht verstehen konnte. Der Kreis wuchs an, bis beide nebeneinander eintreten konnten.</p><p>�Komm!�, rief Remulos.</p><p>Der besorgte Broll griff nach Malfurion. �Shan�do...�</p><p>�Alles wird gut!� Der Erzdruide wies auf Fandrals Portal. �Tut, was getan werden muss.�</p><p>Nachdem er das gesagt hatte, ging er mit Remulos durch das Tor.</p><p>Eisige K�lte umfing ihn, als sie den Albtraum betraten. Malfurion sp�rte, dass sie dem Ort, wo der d�stere Schatten seine Traumgestalt eingesperrt und ver�ndert hatte, sehr nah waren. Der Gedanke daran, was Xavius Tyrande antun konnte, machte ihn w�tend. Doch er hielt diesen Gef�hlsausbruch vor seinem Begleiter verborgen.</p><p>�Vorsicht...�, fl�sterte Remulos. �Einer der Drachen ist in der N�he... ich glaube, es ist Smariss...�</p><p>Malfurion vertraute darauf, dass der Halbgott die Gefahr richtig identifiziert hatte. Doch dann sp�rte der Nachtelf selbst etwas. Au�er dem Drachen war noch jemand anderes in der N�he. Sein Herz pochte wild, als er erkannte, wer es war.</p><p><emphasis>Tyrande</emphasis>...</p><p>Aber Remulos ging in eine andere Richtung. �Die Axt von Broxigar liegt hier dr�ben. Wir m�ssen uns beeilen! Wenn der Albtraum sich ihre Macht aneignen kann, wird er noch gef�hrlicher. Doch wenn wir sie in die Finger bekommen, k�nnen wir vielleicht Ysera befreien. Sonst k�nnte es passieren, dass sie den Albtraum nicht l�nger daran hindern kann, ihre Macht zu nutzen...�</p><p>Malfurion runzelte die Stirn. �Konntet Ihr sie nicht selbst aufnehmen?�</p><p>�Sieh dir meine Hand an. Das ist beim letzten Versuch passiert. Es m�ssen schon wir beide sein, die es gleichzeitig mit dem Drachen aufnehmen und die Axt ergreifen... und letztlich auch Tyrande retten, mein Freund...�</p><p>Der Erzdruide nickte feierlich und �berlie� dem Halbgott die F�hrung. Malfurion beobachtete die Umgebung�� oder was davon �brig war.</p><p>�Es ist sehr still... warum?�</p><p>�Der Albtraumlord ist wahrscheinlich jetzt mehr mit deiner tapferen Armee besch�ftigt�, antwortete Remulos, ohne zur�ckzublicken. �Und da Smariss sowohl die Waffe als auch die Hohepriesterin bewacht, muss er sich doch keine Sorgen machen.�</p><p>�Wenn dem Albtraum die Axt so wichtig ist, dann sollte doch etwas mehr als ein einziger Drache auf Tyrande und die Waffe aufpassen�, meinte Malfurion. �Ich lie�e sie jedenfalls nicht so leicht bewacht zur�ck... besonders nicht <emphasis>sie</emphasis>...�</p><p>�Dein Vertrauen in deine Geliebte ist lobenswert, aber untersch�tze nicht die Macht des korrumpierten Drachen! Au�erdem arbeitet der Albtraum an vielen Aufgaben parallel, und seine Diener m�ssen sich auch darum k�mmern...�</p><p>Der Erzdruide antwortete nicht, denn in diesem Moment h�rten sie ein schweres Keuchen. Malfurions Herzschlag begann sich dem d�steren Atmen anzupassen, das, wie er wusste, von Smariss stammen musste.</p><p>�Halte dich bereit!�, murmelte Remulos. �Gemeinsam sollten wir sie zumindest abwehren k�nnen...�</p><p>Der d�stere Umriss der gro�en gefl�gelten Gestalt begann vor ihnen f�rmlich ineinander zu flie�en. Smariss schien auf etwas zwischen ihren vorderen Klauen konzentriert zu sein, wahrscheinlich war es die sagenhafte Axt.</p><p>Malfurion w�hlte diesen Moment, um sich umzusehen, doch fast augenblicklich erforderte Remulos seine Aufmerksamkeit. �Da, andere Seite! Nicht weit weg von dem Drachen! Die Hohepriesterin!�</p><p>Der schattenhafte Umriss weiter vorn wirkte wie eine Nachtelfe, die wie Tyrande gekleidet war. Malfurion fletschte die Z�hne. Tyrande hing mehrere Meter �ber dem Boden, als h�tte man sie an einem unsichtbaren Pfahl aufgeh�ngt oder vielleicht an einem <emphasis>Baum</emphasis>. Arme und Beine waren fest auf dem R�cken verschn�rt. Zu allem Ungl�ck dr�ngten sich unter ihr noch mehr als ein Dutzend Satyre, die mit ihren Klauen nach ihr schlugen. Dabei verpassten sie sie stets nur knapp.</p><p>�Bek�mpfe Smariss, und die Brut wird fliehen�, versicherte ihm der Halbgott. �Halte dich bereit.�</p><p>Remulos hob den Speer. Die Spitze leuchtete gr�n.</p><p>Ein �hnliches Leuchten entstand um den Drachen herum. In dessen Licht sah Smariss� verweste Gestalt noch schrecklicher aus.</p><p>Als sein Gef�hrte zuschlug, vollf�hrte Malfurion eine Geste zum Boden hin. Der Smaragdgr�ne Traum selbst war korrumpiert worden, doch, anders als bei dem Drachen, steckte immer noch etwas von seiner wahren Natur in ihm.</p><p>Frische Ranken und Reben wuchsen pl�tzlich unter Smariss. Als sie den Drachen ber�hrten, reagierte er, als w�re er verbrannt worden. Die Drachen-Frau zischte, heulte und schlug mit den Klauen nach den Gew�chsen und dem Leuchten.</p><p>In offensichtlicher Verzweiflung verbrannte Smariss die Ranken mit ihrem feurigen Atem. Die Halme wurden gelb, dann vertrockneten sie.</p><p>Malfurion dachte an Remulos� verwundeten Arm und hatte ein schlechtes Gewissen. Dann verst�rkte er seinen Zauber.</p><p>Die Ranken wuchsen h�her, die Grashalme waren sch�rfer. Smariss heulte wieder. Das Leuchten verst�rkte sich ebenfalls.</p><p>Mit lautem Gebr�ll flog der Drache in den Himmel und floh. Remulos� Zauber umgab sie immer noch.</p><p>Als der Drache im Nebel verschwand, wandten sich die Schatten-Satyre Remulos und Malfurion zu. Doch der Halbgott richtete den Speer auf ihre Reihen, und ein Leuchten umgab die Monster. Anders als Smariss zerschmolzen sie einfach zu nichts.</p><p>Malfurion lief auf Tyrande zu, doch Remulos baute sich vor ihm auf.</p><p>�Die Axt! Nimm sie, schnell!�</p><p>Die Waffe lag verloren herum, obwohl Malfurion wusste, dass das nicht stimmte. Thura h�tte die Axt niemals freiwillig aufgegeben. Der Erzdruide h�tte gern erfahren, was hier geschehen war und ob Thura tot war oder noch lebte.</p><p>Die kr�nklich gr�ne Farbe des Albtraums umgab Brox� ehemalige Waffe. Aber da war noch eine andere Aura von hellerem Gr�n, die von der Axt auszugehen schien.</p><p>�Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen�, sagte Remulos erleichtert. �Die Axt wurde noch nicht verwandelt.�</p><p>�Nein...� Malfurion kniete neben der Waffe nieder. Er legte die Handfl�chen auf die Axt und versuchte zu sp�ren, was geschah. Der Erzdruide konnte die innewohnende Magie sp�ren, die vor so langer Zeit von Cenarius gewirkt worden war. Eine Magie, die von Azeroths ureigensten Energien gespeist wurde. �Was sollen wir tun?�</p><p>�Du musst die Energien aus der Axt ziehen. Sie in ihren urspr�nglichen Zustand versetzen.�</p><p>Aufblickend meinte der Nachtelf: �Das k�nnte die Axt schw�chen, sie wom�glich zerst�ren.�</p><p>�Ich halte mich bereit, um die Energien zu regenerieren und darauf zu achten, dass sie so geformt sind, wie wir sie brauchen.�</p><p>Stirnrunzelnd erhob sich Malfurion. �Vielleicht w�re es besser, wenn Ihr das zuerst tun w�rdet. Ich f�rchte, dass ich versagen k�nnte.�</p><p>Remulos� Hufe scharrten ungeduldig auf dem Boden. �Das wirst du nicht, Malfurion! Nun beeile dich! Da ist noch Tyrande, wei�t du noch?�</p><p>�Das habe ich nicht vergessen.� Der Erzdruide begann, auf die schattenhafte Gestalt zuzulaufen. �Ich k�mmere mich zuerst um sie.�</p><p>�<emphasis>Du tust, was ich dir befehle!�</emphasis></p><p>Malfurion hatte geahnt, was geschehen w�rde und sprang deshalb vorw�rts. Hinter ihm schlug das gr�ne Leuchten ein, das Remulos gegen den Drachen und die Satyre eingesetzt hatte. Doch jetzt wirkte es d�ster und glich der b�sen Aura, die um die Axt herum schimmerte.</p><p>Malfurion blickte Remulos an... aber das war nicht der Remulos, den er kannte. Der Arm war immer noch versengt. Wie der Halbgott selbst gesagt hatte, war es das Resultat des vorherigen Kampfes gegen Smariss... aber Cenarius� Sohn war nun eine abscheuliche Karikatur seiner selbst. Das Laubwerk in seinem Bart und dem Haar bestand aus Disteln und schwarzem Unkraut. Gesicht und Gestalt �hnelten einem Skelett. Seine Haut war wei� wie der Tod, und die Augen hatten dieselbe Farbe wie der Albtraum.</p><p>Er war korrumpiert worden. Sein neuer Herr hatte sich offensichtlich viel M�he gegeben, um die Verwandlung des Halbgottes zu verbergen. Und f�r ein paar Sekunden, nachdem Malfurion mit Remulos in der Enklave gesprochen hatte, hatte der Erzdruide gedacht, dass sein alter Freund tats�chlich zwar verletzt, aber mit gesundem Verstand zur�ckgekehrt sei.</p><p>Doch der alte Remulos h�tte sich zuerst um Tyrande gek�mmert, und zwar, <emphasis>bevor</emphasis> er die Axt zur�ckholte.</p><p>Korrumpiert konnte Remulos offensichtlich die Axt genauso wenig f�hren wie sein neuer Herr. Der Albtraum war v�llig unnat�rlich, das Gegenteil von Cenarius� Sch�pfung. Deshalb hatten sie Malfurion gebraucht. Und deshalb hatten nur Smariss und die Schattensatyre die Waffe und Tyrande bewacht.</p><p>Tyrande war nur der K�der gewesen, um sicherzustellen, dass der Erzdruide hierherkommen w�rde, falls die Axt ihm als Ziel nicht gereicht h�tte.</p><p>Malfurion war diese Wahrheit klargeworden, kurz nachdem er hier eingetroffen war. Zu viele Dinge waren zu leicht gewesen. Xavius und der Albtraum hatten ihn diesmal untersch�tzt.</p><p>Sie hatten auch die tiefe Verbundenheit mit seiner Geliebten untersch�tzt.</p><p>All dies ging ihm im Bruchteil eines Atemzugs durch den Kopf. Zur gleichen Zeit bereitete sich der Erzdruide darauf vor, seinem ehemaligen Freund im Kampf gegen�berzutreten. Remulos griff Malfurion an, der sich in einen B�ren verwandelte. Klauen trafen auf Tatzen. Die nat�rlichen Energien umgaben den Erzdruiden, doch die F�ulnis des Albtraums st�rkte Remulos. Ihr Kampf erreichte ein Patt, das Malfurion sich nicht leisten konnte.</p><p>Dann ver�nderte sich Remulos� Gesichtsausdruck. Seine Stimme �nderte sich. Die Augen wurden tiefschwarz mit rubinroten Streifen darin, die Malfurion auch nach zehn Jahrtausenden noch allzu vertraut waren.</p><p>�Dieses Mal gibt es keine Hoffnung mehr f�r dich...�</p><p>Die Stimme lie� Malfurion erschaudern. Er kannte sie wirklich gut. Fast ohne nachzudenken kehrte der Erzdruide in seine alte Gestalt zur�ck. �Ich war zu nett zu Euch, Xavius...�</p><p>�Nett? Ich war eingesperrt, wurde zehn Jahrtausende lang gefoltert!�, br�llte Xavius/Remulos und spie auf seinen Feind. �Warten und zusehen und um Freilassung betteln! Ich brannte, als das Land brannte, nur damit meine Borke heilte und meine �ste neu wuchsen! Was du erlitten hast, war gerade mal eine Minute dessen, was ich immer und immer wieder durchlebt habe!�</p><p>�Das tut mir leid...�, antwortete Malfurion und meinte es ernst. Er hatte seine Arbeit zu gut getan. Xavius der Albtraumlord war so sehr sein Gesch�pf wie das von Azsharas Berater. �Ich w�rde in der Zeit zur�ckgehen und es �ndern, wenn ich k�nnte...�</p><p>Xavius/Remulos lachte ver�chtlich. �Aber ich will gar nicht mehr ge�ndert werden! All das Leiden, all das Warten... das war es mir wert! Azeroth wird neu erschaffen, und jeder wird die Qualen erleiden, die nur ich mir w�hrend meiner eigenen endlosen Folter ausdenken konnte! Es wird herrlich sein!�</p><p>Die Krallen kratzten �ber Malfurions Brust. Der Nachtelf schrie vor Schmerz, gab aber nicht nach. Er suchte Remulos in seinem Feind.</p><p>Doch er konnte in der bedrohlichen Gestalt vor sich nichts von dem Halbgott erkennen. Cenarius� Sohn war entweder vom Albtraum v�llig verzehrt worden oder so tief in seiner Seele begraben, dass es keine Hoffnung gab, ihn befreien zu k�nnen.</p><p>�Es tut mir leid�, murmelte Malfurion.</p><p>�Immer noch der trauernde Narr!�, spottete Xavius.</p><p>Doch der Erzdruide entschuldigte sich nicht wirklich. Er griff in einen seiner Beutel und holte etwas heraus, das er gesucht hatte. Er rieb augenblicklich den Inhalt seiner H�nde gegen den K�rper von Remulos.</p><p>Der Halbgott br�llte. Seine Haut wurde h�rter und nahm die Form von fester Borke an.</p><p>Es war eine einzigartige Variation des Zaubers, der benutzt wurde, um die Haut des Druiden gegen Angriffe zu st�rken. Malfurion hatte ihn gegen die Brennende Legion entwickelt. Vor langer Zeit war er zu der Erkenntnis gelangt, dass jeder Zauber auch umgekehrt werden konnte. In diesem Fall sogar <emphasis>kontr�r</emphasis> zu seinem urspr�nglichen Zweck. Das Pulver basierte auf der h�rtesten Borke.</p><p>Remulos versteifte sich. Er glich nun eher einer Statue denn etwas Lebendigem. Die Wut in seinen Augen war eindeutig die des Albtraumlords. Die Ironie des Zaubers entging Malfurion nicht. Er hatte Xavius in einen Baum verwandelt, und nun tat er praktisch das Gleiche mit dem armen Remulos. Ein Teil des Erzdruiden wollte aufh�ren, doch unter Tr�nen wurde Malfurion bewusst, dass er diesen schrecklichen Zauber beenden musste.</p><p>Ein wortloser Schrei entfloh dem Mund des Halbgottes, obwohl sein Mund eigentlich nicht mehr funktionierte. Er versuchte den Speer zu werfen, doch seine Hand versagte den Dienst.</p><p>Malfurion taumelte zur�ck und ignorierte seinen Versuch. Er warf einen kurzen Blick auf die Axt und wusste, dass seine Feinde sie nicht ber�hren konnten. Dann rannte er nicht auf die schattenhafte Gestalt seiner Geliebten zu, sondern zu dem Ort, wo er sie urspr�nglich gesp�rt hatte.</p><p>Schattensatyre sprangen aus dem Nebel und st�rzten sich auf ihn. Malfurion wechselte in seine Raubkatzengestalt und zerfetzte sie.</p><p>Schlie�lich erreichte er Tyrande. Erregung wie auch schreckliche Furcht erf�llten ihn gleicherma�en, als er sie anblickte. Sie war genauso gefesselt wie in der falschen Illusion des Schattens. Ihre Augen waren geschlossen. Er hatte gewusst, dass sie noch lebte, doch der Erzdruide wusste nicht, ob sie bereits korrumpiert worden war.</p><p>Noch in Katzengestalt sprang Malfurion. Obwohl Tyrande in der Luft hing, war sie f�r ihn nur ein kurzes St�ck entfernt. Als er sich ihr n�herte, nahm der Erzdruide wieder seine normale Gestalt an. Zur gleichen Zeit erkannte er, dass ihr K�rper in einem schwachen, doch steten silbernen Licht leuchtete. Es gab keinen Zweifel an der Reinheit von Elunes Macht, die sie umgab. Sie war gefangen gewesen, aber sie war noch nicht korrumpiert worden.</p><p>Sie fiel ein St�ck, sobald er sie befreit hatte. Doch Malfurion verwandelte sich kurz in einen B�ren und fing die Hohepriesterin mit seinen starken Armen auf.</p><p>Dann verwandelte er sich wieder zur�ck und weinte ganz offen, als er ihre Hand und Wange streichelte. Er war so dankbar, dass sie lebte und gesund war...</p><p>Doch schlie�lich bemerkte er, dass sie sich nicht r�hrte. Sie war beinahe so reglos wie Remulos, als er ihn zur�ckgelassen hatte.</p><p>Beim Erklingen von Hufschlag straffte sich der Erzdruide. Und dann h�rte Malfurion auch noch das Flattern von Fl�geln.</p><p>Er hatte den korrumpierten Halbgott nicht aufhalten k�nnen... und nun war Smariss vermutlich aufgefallen, dass ihre Falle nicht funktioniert hatte, und sie war ebenfalls zur�ckgekehrt.</p><p>Remulos b�umte sich vor ihm auf. Teile seines K�rpers waren immer noch von der Borke umschlossen. Dennoch bewegte er sich mit gro�er Schnelligkeit. Er blickte zu dem Nachtelfen hinab und warf seinen Speer.</p><p>Malfurion sprach schnell einen Zauber, aber einen, der auf ihn selbst gerichtet war. Er sp�rte, wie seine Verteidigung wuchs und gleichzeitig St�rke und Beweglichkeit gr��er wurden. Der Druide rief die Gaben der Wildnis. Das hatte er von Cenarius gelernt. Nun war er gezwungen, sie gegen den Sohn seines Shan�dos einzusetzen.</p><p>Obwohl er sein Bestes gab, um dem Speer auszuweichen, streifte ihn die Waffe dennoch. Trotz seines Schutzzaubers versengten die darin wohnenden m�chtigen Energien den Erzdruiden bis auf die Knochen.</p><p>Malfurion k�mpfte gegen den Schmerz an und fiel auf die Knie. Das rettete ihn vor Remulos� blitzenden Hufen. Doch sie erwischten die Spitze von Malfurions Geweih. Sie brach ab und flog fort.</p><p>Der Nachtelf blickte in das finstere Gesicht des Halbgottes. Er konnte Xavius darin nicht mehr sp�ren, aber er sah auch den wahren Remulos nicht.</p><p>Der trat wieder mit den Hufen auf ihn ein. Wie der Speer leuchteten die unglaublichen dunklen Energien. Malfurion wirbelte herum, wollte ihnen ausweichen und sah, dass die abgebrochene Spitze jetzt zu einer absurden, knochigen Masse verkommen war. Er konnte sich gut vorstellen, was mit ihm passieren w�rde, wenn diese Hufe ihn direkt trafen.</p><p>Malfurion griff in einen anderen Beutel und suchte ein bestimmtes Pulver. Er betete zum Geist von Cenarius, ihm seine geplante Tat zu vergeben.</p><p>Gekonnt warf er dem Halbgott das Pulver ins Gesicht.</p><p>Remulos� Hand stie� auf das fliegende Pulver zu. Das meiste wurde verbrannt und verschwand dann. Ein paar Reste kamen aber durch.</p><p>Der H�ter nieste.</p><p>�Ein letzter, wahrlich verzweifelter Versuch...�</p><p>Doch Remulos� arrogante Bemerkung verwandelte sich in Schmerzensschreie. Er blickte an sich hinab und erkannte, dass Malfurion ihm nun die Spitze seines eigenen Speers in die Brust dr�ckte. Der Nachtelf hatte nur eine kleine Ablenkung gebraucht, um den Speer zu erringen.</p><p>Die Waffe verbrannte trotz des Schutzes seine Handfl�chen. Doch Malfurion lie� nicht los. Er schob den Speer immer tiefer in den Halbgott hinein:</p><p>Remulos schlug mit seinen Klauen nach ihm und der Waffe. Seine Brust brannte vor knisternder Energie.</p><p>Dann stie� der korrumpierte H�ter ein letztes Mal den Atem aus... und brach zusammen.</p><p>Malfurion zog den Speer aus ihm heraus. Remulos atmete noch, doch ob er sich je erholen w�rde, war fraglich.</p><p>�Es tut mir leid...�, fl�sterte der Erzdruide.</p><p>Er wurde von einer gewaltigen Kraft getroffen. Ein monstr�ses Br�llen erf�llte seine Ohren.</p><p>Smariss packte ihn mit ihrer Pfote und hob ihn an, als w�re er ein Spielzeug. Der korrumpierte Drache flog in den Himmel empor.</p><p>�Auf die eine oder andere Art... wirst du uns dienen!�, zischte er. � <emphasis>Du wirst die Axt von Azeroth losl�sen und sie uns geben...�</emphasis></p><p>Ein blendendes silbernes Licht umgab sie beide. Malfurion erfuhr das wundervolle Gef�hl der Verj�ngung. All seine Verletzungen und Schmerzen�� mit Ausnahme der emotionalen Qualen, die er erlitten hatte, weil er gegen Remulos hatte k�mpfen m�ssen�� verschwanden.</p><p>Aber Smariss schien genau das Gegenteil zu sp�ren. Sie br�llte. Ihr K�rper zuckte wild.</p><p>Vor Schmerz lie� der Drache Malfurion los. Der Erzdruide verwandelte sich augenblicklich in eine Sturmkr�he. Er breitete die Fl�gel weit aus und landete.</p><p>Und dann sah er Tyrande, ihr Gesicht war vor Konzentration verzerrt. Die Beine der Hohepriesterin wankten, aber sie blieb entschlossen stehen, als Elunes Licht die gro�e Bestie einh�llte.</p><p>Smariss scherte aus. Der korrumpierte gr�ne Drache stie� seinen Odem in Tyrandes Richtung aus. Doch das Licht lie� den t�dlichen Atem verschwinden. Verst�ndnislos blickte Smariss mit ihrem geisterhaften Gesicht Tyrande an.</p><p>�<emphasis>Was tust du denn da? Was tust du denn da?�</emphasis>, schrie sie Tyrande an. �<emphasis>Ich sp�re... Ich sp�re...�</emphasis></p><p>Ihr K�rper wurde durchsichtig und verlor seine feste Form. Smariss wurde zu etwas kaum Erkennbarem, als w�rde sie zu einem Teil des Nebels selbst.</p><p>Malfurion landete neben Tyrande. Er wechselte die Gestalt und rannte zu ihr. Kurz bevor ihre Beine schlie�lich nachgaben, konnte sie der Erzdruide noch auffangen. Er atmete innerlich auf, erleichtert, dass er sie nicht wieder verloren hatte.</p><p>�ber ihnen stie� Smariss ihren Odem aus. Sie war mittlerweile kaum noch als Drache zu erkennen. Vor Malfurions Augen l�ste sie sich schlie�lich auf.</p><p>Die Hohepriesterin atmete tief aus und lie� die H�nde sinken.</p><p>�Ich war mir nicht sicher... ob es funktionieren w�rde... und erst recht nicht... nicht so...�</p><p>�Ob <emphasis>was</emphasis> funktionieren w�rde, Tyrande?�</p><p>Sie fasste sich. �Ich habe daran gedacht, was aus den Korrumpierten geworden ist, und ich hoffte, eine andere Taktik ausprobieren zu k�nnen. Ich habe Elunes Heilkraft so weit ausgesch�pft wie m�glich, um die Verderbtheit zu entfernen...�</p><p>Malfurion blickte zu der Stelle auf, wo Smariss zuletzt geschwebt hatte. �Ich verstehe.�</p><p>�Ja... es war nichts anderes �brig als nur die Korrumpierung... und als ich versuchte, sie zu heilen... blieb nur Leere zur�ck...�</p><p>Der Erzdruide wollte antworten, doch er sp�rte eine neue Gefahr. �Xavius� Schatten kommen. Es sind zu viele, vermute ich. Ich muss Euch von hier wegbringen.�</p><p>�Aber die Axt!� Sie packte ihn am Arm. �Thura hat ihre Axt hiergelassen...�</p><p>�Darum k�nnen wir uns nicht k�mmern�, antwortete er knapp. Stattdessen rannte er auf den Speer zu. Obwohl er wusste, wie weh es tun w�rde, hob er ihn auf. Als dann Tyrande bei ihm stand und Remulos bewegungslos zwischen ihnen lag, tat Malfurion, was der korrumpierte Waldh�ter getan hatte.</p><p>Ein Spalt �ffnete sich genau vor ihnen. Malfurion nahm B�rengestalt an und hielt dabei den Speer in der Hand, als er den schweren Remulos packte.</p><p>�Mal, was tut Ihr da! Wir m�ssen die Axt zur�ckbekommen! Ich wei� es jetzt! Ich wei�, was...�</p><p>Er br�llte ihr zu, durch das Portal zu gehen. Erleichtert bemerkte er, wie sie gehorchte.</p><p>Malfurion zog Remulos hinter sich her und folgte ihr.</p><p>Der Spalt schloss sich.</p><empty-line/><p>Die Schattensatyre verschwanden im gleichen Augenblick wie der Spalt. Eine Zeit lang herrschte Stille. Dann dehnte sich der Schatten des Baumes �ber den Bereich aus, wo die Axt lag.</p><p>Die Silhouette der skelettartigen Zweige legte sich �ber die Waffe, konnte sie aber nicht packen. Doch der Albtraumlord war nicht frustriert, obwohl Xavius sie nicht ber�hren konnte. Denn dort, wo sie jetzt lag, konnte sie auch keinen Schaden mehr anrichten.</p><p>Das tiefe Gel�chter des Albtraumlords hallte �ber die neblige Region. Der Schatten des Baumes zog sich zur�ck... und der Nebel verh�llte die Axt.</p></section><section><title><p>26</p><p>Der Albtraum im Albtraum</p></title><p>K�nig Varian stand bei der Armee und beobachtete, wie der Albtraum sich ausbreitete. In den d�steren Nebeln bewegten sich schemenhafte Gestalten und weniger gut erkennbare Kreaturen.</p><p>Die versammelte Armee wartete nicht nur auf sein Signal, sondern auch auf das von Broll. Varian war nicht so vermessen, zu glauben, er h�tte das alleinige Kommando. Wie jeder andere hatte auch er erwartet, dass Malfurion Sturmgrimm derjenige sein w�rde, durch den die Druiden und ihre Verb�ndeten die Armee koordinierten.</p><p>Doch als Broll kurz seinen Geist ber�hrt hatte und ihm mitteilte, dass er nun mit Varian zusammenarbeiten w�rde, hatte der Herr von Sturmwind nichts dagegen gehabt. Die beiden hatten ein wildes Leben als Gladiatoren gef�hrt und kannten sich gut. Deshalb schl�pften sie mit Leichtigkeit in ihre alte Rolle als Kampfgef�hrten, als Broll schlie�lich verk�ndete, dass der Augenblick gekommen sei.</p><p>Die Traumgestalt-Armee zog aus, um sich der Finsternis zu stellen. Als sich der Albtraum um sie herum zusammenzog, bildeten sich zahllose Schattensatyre mit extrem langen Klauen.</p><p>Doch kurz bevor der erste Feind zuschlagen konnte, begannen die versammelten Druiden und Zauberer ihren eigenen Angriff. Die Druiden f�hrten sie an, weil sie sowohl den Traum als auch den Albtraum am besten kannten. Silbernes Feuer erhellte die Landschaft und strich durch die gegnerischen Reihen. Schattensatyre verbrannten in gro�er Zahl.</p><p>In dem Chaos schlugen Varians Anh�nger zu. Ihre Traumklingen t�teten einen Satyr nach dem anderen. Doch anders als in der Welt der Sterblichen bildeten sich die Kreaturen nicht neu. Stattdessen zerfielen sie wie B�nder aus durchtrennter Seide zu Fetzen, die unter den F��en, Hufen und Pfoten der Verteidiger zertrampelt wurden.</p><p>Die Druiden arbeiteten mit allem, was noch vom Traum �brig geblieben war. Die Samen von B�umen wurden zu einem Regen wilder Geschosse, die mitten im Albtraum landeten und dann keimten. Binnen Sekunden erwuchsen neue B�ume durch die Magie der von Broll angef�hrten Druiden.</p><p>Ein Satyr schlug nach dem n�chsten Stamm. Der Baum schied einen dicken Saft aus. Der Schatten zuckte mit einem Zischen zur�ck, als der Saft ihn traf und ihn zur Unbeweglichkeit verdammte.</p><p>Doch das war nicht alles, da die Tr�pfchen sich ausbreiteten und dabei den Satyr verbrannten. Der Schatten versuchte zu fliehen, doch das konnte er nicht. Binnen weniger Sekunden hatte der Saft ihn v�llig aufgefressen.</p><p>Die B�ume spien den Saft nun �berall hin, besonders auf die hoch gelegenen �ste. Ein Regen versengender Tr�pfchen, geleitet von den Druiden, ging �ber einem Gro�teil des Terrains nieder. Die meisten Schattensatyre brannten lichterloh.</p><p>Der Zusammenbruch der ersten Reihe des Albtraums ermutigte die Verteidiger. Obwohl auch sie Verluste erlitten, schien jetzt doch noch Hoffnung zu bestehen. Erbitterte Feinde k�mpften freiwillig Seite an Seite und sch�tzten sich gegenseitig. Seit dem Krieg gegen die Brennende Legion hatten nicht mehr so viele verschiedene Streitkr�fte zusammengearbeitet. Wenn man die Kreaturen dazu z�hlte, die Malfurion und die Druiden gerufen hatten, war Azeroth nie zuvor besser repr�sentiert worden.</p><p>Doch Varian und Broll waren voller Argwohn, weil die Schlacht bislang so problemlos verlaufen war. Sie blieben durch den Nachtelf miteinander verbunden und tauschten ihre Besorgnis aus, dass der Albtraum so leicht eigentlich nicht besiegt werden konnte.</p><p>Und nur wenige Augenblicke sp�ter best�tigten sich ihre Bef�rchtungen. Aus dem Nebel drangen Albtraumwesen hervor, wie Broll sie mittlerweile kannte... die scheu�lichen, verfluchten Traumgestalten von Tausenden Opfern, die mehrfach vervielf�ltigt worden waren. Von dem Unterbewusstsein der Schl�fer angezogen, erschienen sie in einer makaberen Version der unschuldigen Opfer, wodurch sie auf die Verteidiger noch schrecklicher wirkten.</p><p><emphasis>Wir d�rfen uns nicht von ihnen aufhalten lassen</emphasis>!, dr�ngte Broll Varian. <emphasis>Es sind nur Tr�ume</emphasis>!</p><p><emphasis>Ich wei�</emphasis>..., antwortete der K�nig grimmig, der bereits seinen Sohn entdeckt hatte und die Albtraumversion seiner toten Frau. Varian reckte sein Schwert und f�hrte die Armee an. Er schnitt sich durch das erste Abbild seines Sohnes. Auch wenn ihm das Abbild seiner Frau dabei zu erkennen half, dass dies nicht der wahre Anduin war, erschauderte er dennoch, als Shalamayne durch seinen Sohn hindurchschnitt und die Gestalt schlie�lich verschwand.</p><p>Und das, so wussten sie alle, war genau das, was der Albtraum wollte�� die Moral der Verteidiger untergraben.</p><p>Doch unter der F�hrung des K�nigs r�ckte die Legion der Traumgestalten immer weiter vor. Immer wieder kam es zu l�ngeren Verz�gerungen entlang des Weges, aber das war nicht zu �ndern. Varian und Broll konnten nur beten, dass es die tapferen Seelen ihrer M�nner ertragen w�rden, immer wieder von ihren wahnsinnig gewordenen Verwandten angegriffen zu werden.</p><p>Dann erklang ein verzerrter Schrei unter seinen Leuten. Varian blickte gerade noch rechtzeitig zur Seite, um zu erkennen, wie sich einer seiner eigenen Soldaten aus Sturmwind�� in seiner blassgr�nen Traumgestalt�� an die Kehle griff. Der K�mpfer lie� die Waffe fallen, die ebenfalls nur in Traumform existierte, und starb. Mit einem letzten Keuchen kippte der Mann um.</p><p>Seine Traumgestalt verschwand, bevor sie den Boden erreichte. Varian hatte keinen Zweifel, dass der Mann nicht einfach aufgewacht, sondern tats�chlich gestorben war... Aber sicher konnte er sich nicht sein.</p><p>Ein zweiter K�mpfer, ein grobschl�chtiger Orc, fasste sich an den Bauch. Dann taumelte er ebenso wie der Mensch und starb.</p><p>Als der dritte verschwand, versuchte Varian verzweifelt, von Broll eine Erkl�rung f�r dieses Ph�nomen zu bekommen. Zu seiner �berraschung ber�hrte eine andere Stimme, eine andere Kreatur, seine Gedanken.</p><p><emphasis>Ich bin Hamuul, K�nig Varian Wrynn...du musst aufpassen... der Albtraum schl�gt nun in Azeroth auf eine Art zu, die gar nicht m�glich sein sollte</emphasis>...</p><p><emphasis>Wie meinst du das</emphasis>?, wollte der Herr von Sturmwind wissen. Zwei weitere seiner Krieger fielen. Die anderen wurden sich der mysteri�sen, l�hmenden Gefahr in ihrer Mitte bewusst.</p><p><emphasis>Die Schlafwandler greifen die Schlafenden an, die zu deiner Armee geh�ren... und irgendwie lassen sie deine K�mpfer gleichzeitig in ihrer Traumgestalt und im wahren Leben sterben... Das d�rfte so gar nicht funktionieren! Die Traumgestalten sollten �am Leben� bleiben</emphasis>...</p><p>Varian erinnerte sich bitter an die albtraumhaften Gestalten, die seine M�nner angegriffen hatten, bevor Malfurion Sturmgrimm sie alle rekrutiert hatte. Er hatte schon bef�rchtet, dass die Albtraumwesen die hilflosen K�rper der Verteidiger angreifen k�nnten, und nun wurde <emphasis>dieser</emphasis> Albtraum wahr.</p><p><emphasis>Was schl�gt Broll vor? Wo ist Broll</emphasis>?</p><p><emphasis>Wir m�ssen weiterk�mpfen</emphasis>..., antwortete Hamuul. <emphasis>Wir m�ssen weiterk�mpfen</emphasis>...</p><p><emphasis>Wo ist Broll</emphasis>?, fragte Varian erneut... doch der Tauren antwortete nicht...</p><p>Ein weiterer Orckrieger brach zusammen und verschwand. Varian knurrte frustriert und k�mpfte weiter. Er hatte keine Wahl. Niemand hatte eine Wahl.</p><p><emphasis>Wo ist Broll</emphasis>?, fragte er sich weiterhin, als er verzweifelt erneut Sohn und Frau erschlug. <emphasis>Und wo ist Malfurion Sturmgrimm</emphasis>?</p><p/><empty-line/><p>Sie waren in einer Gegend gelandet, die ganz sicher nicht in der N�he von Teldrassil oder Darnassus lag. Der korrumpierte Remulos hatte die Macht seines neuen Herrn genutzt, um sich und Malfurion tief in den Traum/Albtraum hineinzubef�rdern.</p><p>Tyrande blickte sich um. Sie war sprachlos. �Mal, wo sind wir? Wo liegt dieses trostlose Land?�</p><p>Der Erzdruide antwortete nicht sofort. Stattdessen blickte er zu dem ohnm�chtigen Remulos. Als er sich davon �berzeugt hatte, dass der H�ter des Waldes immer noch weggetreten war, nahm Malfurion seine wahre Gestalt an und blickte sich um. Der Nebel des Albtraums war hier sehr dicht, doch etwas vage Vertrautes pr�gte den Ort. Malfurion war wenig �berrascht, dass sie sich ausgerechnet hier befanden. Denn es war genau der Ort, an den Remulos ihn gebracht hatte und wo er ihn auch haben wollte... aber wie Tyrande litt auch Malfurion unter der Trostlosigkeit.</p><p>�Ungl�cklicherweise nahe an unserem Ziel�, antwortete der Erzdruide geheimnisvoll. Jetzt war tats�chlich der Moment gekommen, auf den er gewartet hatte. Doch nicht alle Wesen, die er ben�tigte�� ob sie Teil seines Plans sein wollten oder nicht�� waren dort, wo sie sein sollten.</p><p>Er blickte wieder zu Remulos. Er hatte nicht geplant, dass Cenarius� Sohn hier sein w�rde. �Tyrande, k�nnt Ihr Euch darum k�mmern, dass er von irgendetwas gesch�tzt wird? Wir m�ssen ihn eine Zeit lang hier liegen lassen...�</p><p>Malfurion sagte nicht, dass seine letzte Aussage auf der Annahme beruhte, dass sie �berleben w�rden. Wenn nicht, war es aber auch egal, wo Remulos lag.</p><p>Die Hohepriesterin neigte den Kopf und betete. Einen Augenblick sp�ter leuchtete Elunes Licht und durchdrang den Nebel. Es legte sich wie ein Tuch auf Remulos. Der Waldh�ter war nun vollst�ndig davon bedeckt.</p><p>�Das wird ihn sicher sch�tzen�, versprach sie feierlich.</p><p>In diesem Augenblick ber�hrte eine Stimme seine Gedanken, auf die er ungeduldig gewartet hatte. <emphasis>Ich habe ein paar herumstreunende Narren f�r dich</emphasis>...</p><p><emphasis>Es sind keine Narren... nicht mehr als Ihr, Eranikus</emphasis>...</p><p>Der Tonfall des gr�nen Drachen deutete auf eine andere Meinung als Malfurions hin. <emphasis>Ich war schon ein Narr, lange bevor du mich im Geheimen kontaktiert hattest, als der Kartograf auf meinem R�cken ritt! Ich war so dumm, deinem Plan zuzustimmen... aber ich konnte nicht ablehnen... und wenn es auch nur die geringste Chance gibt, sie dabei zu retten</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide musste Eranikus aus seinen Selbstvorw�rfen rei�en, und zwar schnell. Jeder vertane Moment bedeutete, dass Xavius seinen Plan doch noch erraten konnte. <emphasis>Ihr habt Lucan und Thura bei Euch... bringt sie nun dorthin, wo ich sie brauche</emphasis>...</p><p>Einen Augenblick sp�ter antwortete Eranikus mit sp�ttischem Grunzen, <emphasis>Ah, die Ironie! Sie sind ihrem Zielort schon nahe... Der Mensch plappert immer noch etwas �ber ein �Ding� in irgendeinem Spalt</emphasis>...</p><p><emphasis>Jetzt nicht mehr</emphasis>!, ermahnte ihn Malfurion. <emphasis>Ich rede mit ihnen</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide versuchte, die beiden gleichzeitig zu kontaktieren. Beide erschreckten sich, wenngleich bei Thura der Schrecken nur kurz anhielt. Sie war immer noch verbittert, weil er sie benutzt hatte. Obwohl er keine andere Wahl gehabt hatte, �bermittelte Malfurion ihr sein Bedauern. Und das betraf nicht nur alles, was er ihr bereits angetan hatte, sondern auch alles, was er ihr noch antun w�rde. Schnell erkl�rte er seinen Plan und lie� auch keine der Fakten, ob gut oder schlecht, aus, die in seinem urspr�nglichen Plan gar nicht enthalten gewesen waren.</p><p>Sie akzeptierten seine Worte aus demselben Grund wie Eranikus... weil alles andere den Sieg des Albtraums bedeutet h�tte. Doch Malfurion versp�rte auch Mut und war dankbar daf�r.</p><p><emphasis>Der gr�ne Drache</emphasis> blieb <emphasis>f�r</emphasis> den Erzdruiden jedoch ein unsicherer Kandidat. Dennoch versprach Eranikus, seinen Teil beizutragen... so lange, wie der Nachtelf seinen eigenen erf�llen konnte.</p><p>Jetzt musste er sich nur noch um Broll k�mmern. Es hatte nur wenige Sekunden gedauert, den Kontakt zwischen Malfurion und den anderen herzustellen. Er kontaktierte Broll, holte ihn mitten aus dem Kampf und machte Hamuul stattdessen zum Mittler zwischen K�nig Varians Streitkr�ften und Azeroths Druiden.</p><p><emphasis>Ich h�re Euch, mein Shan�do</emphasis>..., antwortete Broll.</p><p><emphasis>Ihr seid schon lange nicht mehr mein Sch�ler</emphasis>, antwortete Malfurion. <emphasis>Einen Sch�ler k�nnte ich nie um das bitten, was ich von Euch will</emphasis>.</p><p><emphasis>Ich tue, was immer Ihr verlangt</emphasis>.</p><p>Noch jemand, der so sehr an Malfurion glaubte, dass es den Erzdruiden traurig stimmte. Viele waren bereits gestorben, weil sie getan hatten, was getan werden musste, und viele weitere w�rden folgen.</p><p>Er erkl�rte, was er ben�tigte und erhielt von Broll augenblickliche Unterst�tzung. Auf Hamuul konnte man sich verlassen. Er w�rde die Dinge mit K�nig Varian und den anderen schon koordinieren. Der Tauren w�rde sicherstellen, dass die Bem�hungen der Verteidiger nicht erlahmten.</p><p>Sie durften es nicht... obwohl es sehr wahrscheinlich war, dass selbst die vereinten Anstrengungen aller nicht ausreichen w�rden, um die b�se Flut aufzuhalten.</p><p>Nachdem�� hoffentlich�� jeder an Ort und Stelle war, musste Malfurion schlie�lich Tyrande mitteilen, wo sie waren. �Die Gegend sieht nun anders aus, doch Ihr m�sstet Euch eigentlich daran erinnern k�nnen.�</p><p>Die Hohepriesterin hatte sich w�hrend seines kurzen Kontakts mit den anderen umgesehen. Ihr Gesichtsausdruck war dabei immer besorgter geworden.</p><p>�Ich kann ein Gef�hl nicht absch�tteln...� Tyrande blickte ihm in die Augen, ihre eigenen waren geweitet. �Malfurion, dies ist doch nicht, wo... Aber Suramar wurde doch erobert...�</p><p>�Ja�, murmelte er. �Wir sind in Azshara... am Rande dessen, was einst Zin-Azshari gewesen ist.�</p><p>Die Hohepriesterin erschauderte, dann festigte sich ihre Entschlossenheit. �Wo gehen wir hin?�</p><p>Der Erzdruide wies nach rechts. Dort konnte man einige H�gel im Nebel ausmachen. Der Geruch des Meeres�� des Korallenmeeres, wie sie beide wussten�� lag in der Luft. In der Ferne konnten sie die Wellen gegen die hohen Klippen schlagen h�ren, die das dunkle Meer �berragten. Dort, wo in ferner Vergangenheit die legend�re Hauptstadt der Nachtelfen und der Brunnen der Ewigkeit gestanden hatten.</p><p>Tyrande nickte, dann runzelte sie die Stirn. �Er h�tte mit dem Rest vom Meer verschlungen werden m�ssen, Malfurion...�</p><p>Der Blick des Erzdruiden verengte sich gedankenverloren. �Da... so h�tte es sein sollen.�</p><p>Mit grimmigem Gesicht ging sie auf die H�gel zu. Doch Malfurion packte sie am Arm. �Nein, Tyrande... wir m�ssen es anders machen.�</p><p>Er warf den Speer weg. Aus seinem G�rtel holte er den Rest des kleinen Astes, den er abgebrochen hatte. Malfurion hatte ihn dort verstaut, kurz bevor er Remulos gefolgt war.</p><p>Zu ihrer �berraschung setzte er sich.</p><p>�Mal! Seid Ihr verr�ckt geworden?�</p><p>�H�rt mir zu�, dr�ngte er sie. �Schaut mir genau zu. Ich muss etwas tun, das mich in gro�e Gefahr bringen k�nnte. Doch es muss getan werden, wenn die anderen ihren Teil dazu beitragen. Seid vorsichtig... er k�nnte diese Zeit leicht nutzen, um uns anzugreifen.�</p><p>Sie beobachtete den Nebel. �Es ist hier sehr still.�</p><p>�Und genau dann ist die Gefahr am gr��ten.� Malfurion nahm eine meditierende Pose ein und schloss die Augen. �Wenn ich alles richtig mache, dauert es nur einem Moment.�</p><p>Der Erzdruide atmete aus und konzentrierte sich. Trotz seiner Sorge erreichte er schnell den Zustand, den er anstrebte.</p><p>Die Reste des einst herrlichen Smaragdgr�nen Traums empfingen ihn. Malfurion rannte vorw�rts. Sein Ziel lag direkt voraus.</p><p>Ein Schatten bewegte sich. Es war keiner der Satyre, <emphasis>sondern</emphasis> ein gro�er, schrecklicher Baum mit skelettartigen �sten.</p><p><emphasis>Ich habe auf deine R�ckkehr gewartet</emphasis>...</p><p>Er ignorierte den Albtraumlord. Nur ein paar Meter fehlten noch...</p><p>Der Boden bebte. Malfurions Traumgestalt wurde zur�ckgeworfen. Er hielt den Ast fest in der Hand, als er sich m�hte, das Gleichgewicht zu wahren.</p><p>Die Schattenglieder griffen nach ihm. Gleichzeitig str�mten aus dem Boden groteske Gestalten, die dem Erzdruiden allesamt aus dem Ersten Krieg gegen die Brennende Legion bekannt waren.</p><p><emphasis>Komm, schlie�e dich uns an... Komm, schlie�e dich uns an</emphasis>..., hallte es in seinem Kopf wider.</p><p>Obwohl er wusste, dass es nur Fantasien waren, war die Kraft seines Gegners doch so gro�, dass Malfurion darum k�mpfen musste, das nicht zu vergessen. Solche Visionen waren es gewesen, die den Nachtelfen urspr�nglich eingelullt hatten, sodass Xavius ihn gefangen nehmen konnte.</p><p>�Nicht dieses Mal�, murmelte Malfurion. Der Erzdruide presste beide H�nde zusammen und umklammerte, was er darin verborgen hielt.</p><p>Dann entsprang aus seinen H�nden ein langer silberner Stab. Der Schattenbaum zog sich zur�ck. Doch es war nicht der Stab allein, der den Feind des Erzdruiden weichen lie�. Es war die Essenz des Baumes. Des Baumes, der Xavius der Albtraumlord wirklich war. Nur Malfurion mit seinem uralten Wissen und seiner gro�en Erfahrung konnte einen Teil der physischen Welt mitnehmen, wenn er in seiner Traumgestalt unterwegs war. Es hatte ihn viel M�he gekostet, aber es war n�tig gewesen.</p><p>Malfurion hob den Stab �ber den Kopf und wirbelte ihn immer wieder herum. Smaragdgr�ne und goldene Energie spr�hte aus den Spitzen und fra� den Nebel auf.</p><p>�Von dem, der den Traum gestohlen hat, geht auch die Erl�sung aus!�, verk�ndete der Erzdruide.</p><p>Der Schatten zog sich weiter in den Nebel zur�ck. Malfurion dr�ngte nach.</p><p>Die geisterhaften Visionen seiner Vergangenheit umschw�rmten ihn, doch der Stab schnitt durch sie hindurch, als best�nden sie aus Luft. Sie verschwanden mit schrecklichen Seufzern.</p><p>Er kam in Sichtweite der Axt, n�herte sich ihr aber nicht. Stattdessen ging Malfurion weiter auf den Schatten des Baumes zu.</p><p>Doch der Schattenlord zog sich nicht l�nger zur�ck. Xavius sp�rte vielleicht, was Malfurion von Anfang an gewusst hatte.</p><p>Ein langer, knochiger Schatten schoss aus dem Baum hervor. Er wollte in die Brust des Erzdruiden eindringen. Malfurion hatte keine andere Wahl, als sich zu verteidigen. Stab und Schatten trafen sich in einem kurzen, d�steren Blitz.</p><p>Ein kleines St�ck des Schattens l�ste sich und verschwand augenblicklich. Doch im Kopf des Nachtelfen ert�nte Xavius� Lachen. Der Albtraumlord wusste, dass er nicht vernichten konnte, was er mit seiner physischen Essenz gen�hrt hatte. Aber es reichte auch nicht aus, um ihm Schaden zuzuf�gen.</p><p><emphasis>Das Ende dieses kleinen Dramas ist nahe</emphasis>, spottete Xavius. <emphasis>Und alles, was du noch tun kannst, ist zu versagen, zu versagen, zu versagen, Malfurion Sturmgrimm</emphasis>...</p><p>Der Schatten breitete sich pl�tzlich weit �ber den Erzdruiden hinaus aus. Die Silhouette der skelettartigen �ste kratzte an Malfurion. Einer n�herte sich der Brust des Nachtelfen.</p><p>Malfurion nahm den Stab und stie� ihn mit der Spitze voran in den Schatten. Sein Schlag verfehlte jedoch sein Ziel. Stattdessen traf die Spitze den Boden.</p><p>Die �ste versuchten, den Erzdruiden in ihrem Griff zu zerquetschen. Sie versagten, doch Malfurion verlor den Stab aus der Hand.</p><p>Xavius� Gel�chter erklang von �berall her. Die Schatten umgaben den Erzdruiden.</p><p>Malfurion verschwand�� und erwachte.</p><p>Doch er stellte fest, dass die Situation auf Azeroth kaum besser war.</p><p>�Mal! Gepriesen sei Elune!�, rief Tyrande.</p><p>Um sie herum schossen dunkle schwere Ranken aus dem ausgetrockneten Boden. Wie hungrige Blutegel st�rzten sie sich auf den Erzdruiden und die Hohepriesterin. Malfurion wehrte mehr als ein Dutzend ab, doch es kamen immer mehr aus den gro�en Spalten, die sich nun �ffneten.</p><p>Tyrande bek�mpfte sie, so gut sie konnte. Sie hatte das Licht von Elune zu einer Waffe gemacht, die ihrer Gleve glich. Damit sprang die agile Kriegerin zwischen die suchenden Ranken. Einige waren so dick wie die St�mme von Eichen. Sie zerteilte alles, was sich zu nah an sie und Malfurion heranwagte. Mehrere abgeschnittene Teile lagen bereits um sie herum, aber der Erzdruide bemerkte, dass keiner der Angreifer verwundet wirkte.</p><p>Warum das so war, erkannte er einen Augenblick sp�ter, als sie ein weiteres St�ck abschnitt. Die Ranke versiegelte augenblicklich die Wunde, und die Spitze wuchs neu.</p><p>�Zieht Euch zur�ck!�, rief Malfurion Tyrande zu.</p><p>Doch in ihrer Entschlossenheit, sie beide zu sch�tzen, machte die Hohepriesterin schlie�lich einen Fehler. Eine der Ranken packte ihr Bein und wollte sie auf einen qualmenden Spalt zuziehen.</p><p>Malfurion warf sich zur Seite. Aber die Ranke erwies sich als st�rker als sie beide zusammen. Tyrandes Bein rutschte in den Spalt. Sie griff nach Malfurion, als er zu verhindern versuchte, dass sie in die dunkle Tiefe gerissen wurde.</p><p>Seine Hand glitt zu der angreifenden Ranke. Dabei bemerkte der Erzdruide, dass sie, obwohl sie der Pflanzenwelt entstammte, auch noch etwas anderes war. Er blickte nach oben, wo er die wahre Quelle vermutete. Selbst er konnte nicht erkennen, woher die Ranken�� nein, eigentlich waren es eher <emphasis>Wurzeln</emphasis>�� kamen.</p><p>Als Malfurion sich noch in der Gewalt des Albtraumlords befunden hatte, hatte er Wurzeln erschaffen, die er so lange hatte wachsen lassen, dass er sie f�r seine Zwecke einsetzen konnte. Xavius hatte w�hrend seiner zehntausend Jahre w�hrenden Gefangenschaft in Baumgestalt offensichtlich dasselbe getan, nur auf einer weit komplexeren Ebene.</p><p>Seine Wurzeln erstreckten sich �ber etliche Meilen. Und ihre Beweglichkeit erkl�rte, warum er hier war, statt auf dem Grund des Meeres, wo er eigentlich hingeh�rte.</p><p>Malfurion hatte keine Zeit, den richtigen Zauber zu wirken, keine Zeit, Xavius aus der Ferne anzugreifen. Stattdessen bat er Azeroth selbst um Hilfe, doch zun�chst fand er nur tote Erde. Nichts Lebendiges war darin, keine Insekten, keine Pflanzen... nichts. Xavius hatte ihr alles Leben entzogen, um noch st�rker und t�dlicher zu werden. Der letzte, am besten sichtbare Teil der Verw�stung war erst vor Kurzem geschehen. Der Albtraumlord war schlau vorgegangen. Hatte sich den Weg von unten her gebahnt mit seinen t�dlichen Wurzeln und den Rest erst erledigt, als er schlie�lich zum Angriff bereit war.</p><p>Und Xavius hatte diese gro�e Rolle nur spielen k�nnen, weil Malfurion ihn in einen Baum verwandelte.</p><p>Gemeinsam mit Tyrande k�mpfte er dagegen an, nicht nach unten gezogen zu werden. Doch st�ndig griffen weitere Wurzeln an. Malfurion schaffte es, sie abzuwehren, aber er wusste, dass der Albtraumlord die Hohepriesterin unerbittlich immer tiefer zog.</p><p>Der Erzdruide stie� mit seinem Geist immer weiter vor, suchte das Leben, das irgendwo sein musste. Er weigerte sich zu glauben, dass Xavius die ganze Region in eine W�ste verwandelt hatte. Nicht so langsam und im Geheimen.</p><p>Stattdessen fand Malfurion etwas, das ihn noch mehr schockierte. Es war etwas B�ses, so intensiv, so monstr�s, dass er vor Schreck beinahe Tyrande loslie�. Nur seine Liebe zu ihr bewahrte den Erzdruiden davor zu versagen. Wieder hatte er ein Teil des Puzzles enth�llt. Jetzt war ihm klar, wie Xavius den Ort ver�ndert hatte.</p><p>Etwas w�hlte Malfurion auf. Erneut suchte er nach Azeroths Lebenskr�ften und fand sie schlie�lich auch. Der Erzdruide nahm sie in sich auf.</p><p>Donner krachte. Der Boden erbebte wieder.</p><p>Ein Blitz leuchtete weiter vorne auf, wo sich der Albtraumlord wirklich befand.</p><p>Die Wurzeln lie�en Tyrande los. Doch der Boden begann sich zu schlie�en. Malfurion zerrte Tyrande gerade noch rechtzeitig heraus, bevor ihre Beine von dem Spalt zerquetscht werden konnten.</p><p>Beide st�tzten sich gegenseitig, als sie den Bereich der Ersch�tterung verlie�en. Der Boden bebte, und hohe H�gel wurden aufgeworfen, wo Erde auf Fels traf.</p><p>�Was geht hier vor?�, rief Tyrande.</p><p>�Zwei Kr�fte prallen aufeinander! Eine stammt vom Albtraum!�</p><p>�Und die andere?�</p><p>Er antwortete nicht, obwohl er die Wahrheit kannte. Irgendwie hatte Malfurion Azeroth derart in Aufruhr versetzt wie noch nie zuvor. Das Land wehrte sich gegen das B�se, gegen Xavius.</p><p>Nein... der Erzdruide runzelte die Stirn. Das B�se war <emphasis>st�rker</emphasis> als Xavius.</p><p>Sie rannten, bis sie nicht mehr konnten. Hinter ihnen ver�nderten gro�e Umw�lzungen das Land. Jetzt bedeckte nicht mehr der Nebel allein es, sondern auch riesige Wolken aus Staub und Dampf.</p><p>Und es ging noch weiter.</p><p>Doch obwohl Malfurion eine Kraft entfesselt hatte, die ihn selbst erstaunte, sp�rte er keine Hoffnung. Malfurion war tiefer in den Boden vorgedrungen, als er geglaubt hatte. Er hatte nicht nur Azeroths Kern ber�hrt, sondern auch die Quelle, aus der Xavius seine d�stere Macht zog. Ein Ort, jenseits der Welt der Sterblichen und des Smaragdgr�nen Traums gelegen, aber beide betreffend.</p><p>Und an diesem schrecklichen Ort sp�rte er etwas unglaublich Altes�� und irgendwie <emphasis>Vertrautes</emphasis>. Der hartgesottene Erzdruide erschauderte.</p><p>Eine andere, noch dunklere Macht stand hinter dem Albtraumlord.</p></section><section><title><p>27</p><p>In das Auge hinein</p></title><p>Menschen, Elfen verschiedener Art, Orcs, Zwerge, Trolle, Tauren, Gnome, Furbolgs, Untote und noch viele mehr setzten den Kampf gegen die unerbittliche Flut von Feinden fort. Krieger, Druiden, Magier, Priester�� sie und alle anderen nutzten ihre besonderen F�higkeiten.</p><p>Varians Armee aus Traumgestalten opferte sich weiterhin an der Front und t�tete eine unl�ssbare Zahl von Feinden. Die K�mpfer starben nicht nur durch die Klauen der Satyre, sondern auch, weil ihre physischen K�rper vermehrt versagten. Hamuul, der all dies beaufsichtigte, �berlegte angestrengt, warum die Traumgestalten nicht weiterexistierten, wenn ihre echten K�rper tot waren. Er nahm an, dass die Magie des Albtraums dabei eine gro�e Rolle spielte, die �ber die bestehende Verbindung von Azeroth in die Traumgestalten floss.</p><p>Die Druiden setzten all ihre Zauber ein. Hier explodierten Samen in reinigendem silbernem Feuer, dort setzten andere Druiden in Gestalt von B�ren und Raubkatzen ihre magisch verst�rkten Klauen, Z�hne und selbst ihr Gebr�ll ein, um so viele Diener der Finsternis zu t�ten wie nur m�glich.</p><p>Doch ihr Angriff verlangsamte sich, geriet ins Stocken...</p><p>Und dann entdeckten sowohl die auf Azeroth zur�ckgebliebenen Krieger wie auch die hier K�mpfenden die n�chste Welle des B�sen. Aus den Nebeln beider Ebenen marschierte eine Armee heran, die aus von Schatten besessenen Drakoniden, niederen Drachlingen und anderen korrumpierten Drachen bestand.</p><p>Und dann... geschah etwas, das kein Druide, nicht einmal Malfurion, erwartet h�tte.</p><p>Die Grenze zwischen Smaragdgr�nem Traum/Albtraum und Azeroth begann zu schwinden... und beide verschmolzen langsam miteinander.</p><empty-line/><p>Die eigentlich unm�gliche Verschmelzung �berraschte Eranikus. Er verlor kurz die Kontrolle, doch dann versuchte er, sie zur�ckzuerlangen und gleichzeitig Thura und Lucan nicht zu verlieren.</p><p>Lucan h�rte eine Stimme, die ihn rief. Sie war nicht ausschlie�lich an ihn gerichtet, sondern galt jedem, der ihr zuh�ren wollte. Etwas Vertrautes lag darin, etwas, das ihn an die verlorenen Tage erinnerte, als der Schlaf und seine Tr�ume noch sanft gewesen waren. Er wurde davon angezogen...</p><p>Und ohne nachzudenken rutschte er aus Eranikus� Pranken. Doch er fiel nicht. Stattdessen st�rzte Lucan nur einen halben oder ganzen Meter durch die Luft... Dann hatte er das Gef�hl, als w�rde etwas Unsichtbares an ihm ziehen. Eranikus und Thura verschwanden...</p><p>Einen Augenblick sp�ter tauchte der Kartograf in einer Gegend auf, die auf jeden Fall Teil des Albtraums war. Schreie drangen an seine Ohren. Schreckliche Gestalten bewegten sich im Nebel... aber sie st�rten Lucan nicht mehr so sehr. Er erhob sich von dem ungezieferverseuchten Boden, der sich eigentlich Hunderte Meter unter dem Drachen und seinen Reitern h�tte befinden sollen.</p><p>Lucan erkannte, dass etwas vor ihm im Nebel lag. Etwas, das ihn, obwohl es sich mitten im Albtraum befand, doch mit ein wenig Hoffnung erf�llte.</p><p>Trotz der Gefahren des Albtraums rannte er darauf zu. Beim N�herkommen wunderte er sich �ber den Anblick. Das Geb�ude�� eine Ansammlung von hohen Kuppeln�� war nicht von Menschen erbaut worden. Es war zu perfekt. Von seinem Standort aus konnte er nicht erkennen, ob die kleineren Kuppeln eine Gr��ere umstanden oder sich nur daneben befanden.</p><p>Alles war von einer wundersamen goldenen Farbe, die Lucan trotz der F�ule des Albtraums auf eigent�mliche Art tr�stete.</p><p>Der Kartograf f�hlte sich von der goldenen Kuppel angezogen. Trotz seiner Vorsicht ging er schneller voran. Lucan war so auf die goldene Kuppel fixiert, dass er den Albtraum gar nicht mehr bemerkte. Er wusste nur, dass er das Geb�ude erreichen <emphasis>musste</emphasis>.</p><p>Sp�ter h�tte er nicht mehr sagen k�nnen, wie lange er gebraucht hatte, um das Geb�ude zu erreichen. Es war ihm auch egal. Ein paar Minuten, Stunden... Zeit bedeutete hier nichts. Wichtig war nur, dass er zu dem Eingang gelangte. Dort allerdings stellte er fest, dass er von einer Finsternis verschlossen war, die vom Albtraum stammte.</p><p>Diese Entdeckung erinnerte ihn wieder an die wahren Umst�nde, und Lucan w�re am liebsten fortgerannt. Doch dann sp�rte er, dass sich das Wesen, das ihn hierher gelockt hatte, im Geb�ude befand.</p><p>Und dass es ihn brauchte...</p><p>Aus einer anderen Richtung h�rte er Fl�gelschlag und wirbelte herum. Kaum hatte er das getan, ragte eine riesige Gestalt �ber ihm auf.</p><p>Obwohl Lucan es f�r unm�glich gehalten hatte, einen Drachen am Gesicht zu erkennen, war er sicher, dass dieser hier Lethon hie�. Der schwarzgeschuppte Drache, dessen geisterhafte Gestalt im kr�nklich gr�nlichen Licht des Albtraums erstrahlte, sah sich misstrauisch um.</p><p>Seine Augen, schwarze, bodenlose Kl�fte, blickten in Lucans Richtung. Der Blick fand sein Ziel, kurz bevor er auf den Menschen traf.</p><p>Lethon schnaubte, dann ging er weiter.</p><p>Der Drache verschwand in der Ferne. Seufzend lehnte sich der Kartograf an die Wand.</p><p>Die Wand leuchtete auf.</p><p>Er fiel hindurch.</p><p>Doch er gelangte nicht in einen Raum, sondern in einen Wirbel magischer Kr�fte, die ihn herumschleuderten. Dabei sp�rte Lucan, dass ihn seine eigenen Kr�fte verlie�en. Er wusste, dass er nicht mehr lange wach bleiben konnte.</p><p><emphasis>Ganz ruhig, junger Lucan... Ich wehre diese Effekte lange genug f�r dich ab... Ich hoffe</emphasis>...</p><p>Er kannte die Stimme, kannte sie, selbst bevor sein K�rper sich der Quelle zuwandte.</p><p>Wie der Mensch schwebte auch der gro�e Drache Ysera im Zentrum der Kr�fte. Wenngleich Ysera deutlich mehr davon angegriffen wurde. Ihre Fl�gel waren weit ausgebreitet, und sie war von einer d�nnen smaragdgr�nen Aura umgeben, die permanent flackerte, als wollte sie schwinden. Die langen schmalen Drachenaugen waren geschlossen, dennoch schien sie ihn sehen zu k�nnen.</p><p>Lucan sp�rte, dass der weibliche Drache alles andere als hilflos war, trotz der Gefangenschaft, und immer noch k�mpfte...</p><p>Aber das konnte nicht sein. Er hatte gesehen, wie sie verloren hatte. Der Albtraum hatte sie �berw�ltigt, sie seinem Willen unterworfen...</p><p><emphasis>Vom Albtraum und seinem Herrn kommen nur L�gen</emphasis>, antwortete Ysera auf seine unausgesprochene Frage. <emphasis>Ich bin eine Gefangene, aber ich leiste noch ein wenig Widerstand... obwohl er schwindet, wie ich zugeben muss</emphasis>...</p><p><emphasis>Was ist das f�r ein Ort</emphasis>?, fragte er leise.</p><p>Ihr Kopf drehte sich zur Seite. <emphasis>Vor langer Zeit, als Azeroth noch jung war und wir es zusammen mit dem Smaragdgr�nen Traum zum ersten Mal besch�tzen mussten, ehrten mich die Mitglieder meiner Sippe, indem sie diesen Ort, das Auge von Ysera nannten. Von dort aus wachten wir �ber alles</emphasis>... Ihr Gesichtsausdruck wurde traurig. <emphasis>Nun, durch Lethons Verrat... ist er zu meinem Kerker geworden</emphasis>...</p><p>Der gro�e Aspekt knurrte pl�tzlich vor Schmerz. Yseras K�rper erzitterte, und einen Atemzug lang wurde sie feinstofflich.</p><p>Obwohl es vergeblich war, streckte Lucan die Hand aus, um Ysera zu tr�sten.</p><p><emphasis>Die Grenze zwischen dem umk�mpften Traum und Azeroth schwindet</emphasis>!, verk�ndete sie in schrecklicher Sorge. <emphasis>Obwohl ich immer noch k�mpfe, binden sie immer schneller meinen Willen und nutzen meine Kr�fte, um alles andere zu vernichten</emphasis>!</p><p><emphasis>Was k�nnen wir tun</emphasis>?, fragte der Kartograf entsetzt.</p><p>Sie sammelte alle Kraft, die sie noch hatte und antwortete: <emphasis>Erfahre die Wahrheit, Lucan Fuchsblut... Ich kenne dich schon, seit Eranikus dich gefunden hat... Ich entschied mich, abzuwarten, was aus dir werden w�rde... Selbst Eranikus wusste nichts davon... Er handelte nur, wie sein Herz es ihm befahl</emphasis>...</p><p>Lucan beobachtete sie mit offenem Mund.</p><p><emphasis>Ich konnte an den Umst�nden deiner Geburt nichts �ndern, doch vielleicht... war ich anma�end, als ich dir nicht zumindest von Anfang an... ein wenig Schutz gab</emphasis>. Ysera keuchte erneut, dann fuhr sie fort: Aber <emphasis>wir haben keine Zeit, in der Vergangenheit zu schwelgen... Ich habe erfolglos versucht... jemand anderen zu kontaktieren... Doch deine Einzigartigkeit kann mir dabei helfen, ihn noch zu erreichen</emphasis>...</p><p><emphasis>Ich? Was kann ich tun</emphasis>?</p><p>Wieder litt der Drache gro�e Schmerzen und verschwand fast. <emphasis>Wir... wir erreichen den Punkt ohne Wiederkehr</emphasis>!, sagte Ysera schlie�lich. <emphasis>Du k�nntest mir den Weg bereiten, um die Zauber des Albtraumlords zu �berlisten, die mich an der Kontaktaufnahme zu Malfurion Sturmgrimm hindern</emphasis>...</p><p><emphasis>Malfurion? Ich tue alles, um dir zu helfen, selbst wenn es mich mein Leben kostet</emphasis>!, antwortete der Kartograf. Er erkannte, dass er es auch so meinte. Was war sein Leben schon wert, wenn alles andere an den Albtraum fiel?</p><p><emphasis>Lass uns hoffen, dass es nicht so weit kommen wird</emphasis>, meinte der Aspekt und schien wieder seine Gedanken zu lesen. Mit geschlossenen Augen f�gte Ysera hinzu: <emphasis>Bist du dir sicher, Lucan Fuchsblut? Bist du dir sicher, dass du die Risiken verstehst</emphasis>?</p><p>Er nickte.</p><p><emphasis>Ich werde versuchen, so sanft wie m�glich zu sein</emphasis>...</p><p>Ysera �ffnete die Augen. Ihr Blick traf den des Menschen.</p><p>F�r den Menschen war es, als ob jeder Traum, den er je gehabt hatte, von Neuem beginnen w�rde. In Yseras Augen befand sich ein ganzes Kaleidoskop von Bildern, die allesamt mit Lucan verbunden waren... und Bilder jeder anderen Kreatur, die tr�umte. Er wurde ein Teil dieser Tr�ume und �ffnete dem Drachen so die verstecktesten Regionen seines Unterbewusstseins...</p><p>Lucan Fuchsblut erstarrte in Ehrfurcht, als er in die Aura des Aspekts eintauchte.</p><empty-line/><p><emphasis>Wir m�ssen zur�ck nach Azeroth</emphasis>, ermahnte Varian Hamuul. <emphasis>Sag Malfurion Sturmgrimm, dass es sein muss! Sie greifen unsere K�rper an, selbst jetzt, wo wir hier gegen sie k�mpfen</emphasis>!</p><p>Der Tauren nahm seine Worte wahr, antwortete aber nicht. Doch er suchte augenblicklich nach Malfurion, um ihn vor dem drohenden Desaster zu warnen.</p><empty-line/><p>Die Sorgen des Tauren erreichten Malfurion, gerade als der Nachtelf die Wahrheit hinter Xavius� erstaunlicher Kraft erkannte. Er hatte das uralte B�se schon zuvor gesp�rt und konnte es nicht vergessen. Kein Wunder, dass Xavius so viel erreicht hatte, denn eine noch viel gr��ere Finsternis stand hinter ihm.</p><p>Noch behielt Malfurion dies jedoch f�r sich. Weil er wusste, dass alles verloren war, wenn erst einmal alle Hoffnung schwand. Er h�rte, wie Varians Wunsch ihn durch Hamuul erreichte. Der Erzdruide verstand, was der K�nig wollte und warum. Malfurion verfluchte sich, weil er so etwas zugelassen hatte. Er hatte schon bef�rchtet, dass Xavius die ungesch�tzten sterblichen H�llen der Verteidiger angreifen w�rde.</p><p>Der Erzdruide berichtete Tyrande, was gerade geschah und was er zu tun hatte. Sie nickte verstehend, obwohl auf ihrem Gesicht Schrecken und Mitleid lagen f�r alles, was sich Malfurion auf die Schultern geladen hatte.</p><p>�Sind wir dann verloren?�, fragte die Hohepriesterin direkt. Sie hatte offensichtlich die Dinge ebenso �berdacht wie er. �Ist ganz Azeroth verloren?�</p><p>Bevor er antworten konnte, erreichte ihn wieder eine Stimme in seinem Kopf. Eine Stimme, um die er gebetet hatte, sie zu h�ren, bevor es zu sp�t war.</p><p><emphasis>Malfurion Sturmgrimm... kannst du mich h�ren</emphasis>?</p><p><emphasis>Herrin</emphasis>?</p><p><emphasis>Ja... ich bin es, Ysera... h�r mir zu... sieh mich</emphasis>...</p><p>Ein bewegtes Bild erf�llte pl�tzlich seinen Geist. Er sah Ysera in ihrem Gef�ngnis. Der Aspekt bem�hte sich, seine vollen F�higkeiten zur�ckzuhalten, damit Xavius und sein geheimer Meister sie nicht benutzen konnten.</p><p>Und als er das sah, erkannte Malfurion etwas Neues �ber seine Feinde und deren Natur. Er verstand, dass er gerade im Begriff war, einen kritischen Fehler zu begehen.</p><p><emphasis>Dann erkennst du die Wahrheit</emphasis>...</p><p>Malfurion tat es... er sp�rte auch, dass er nicht allein mit Ysera sprach. Er waren noch zwei andere anwesend. Einer war der Mensch, Lucan, der als Yseras Vermittler diente, damit sie ihren Kerker umgehen konnte.</p><p>Der andere... sollte hiervon eigentlich gar nichts wissen. Doch irgendwie hatte er das Gespr�ch gesp�rt... und war dar�ber sehr w�tend geworden.</p><p><emphasis>Du bist es! Ich habe es sofort gesp�rt! Sie halten dich im Auge gefangen, das h�tte ich wissen m�ssen! Diese Dreistigkeit... und diese Dummheit</emphasis>...</p><p>Es war Eranikus. Malfurion sp�rte, dass der Drache gerade Thura bei Broll abgesetzt hatte. Nachdem er nun den verzweifelten Kontakt seiner K�nigin mit dem Erzdruiden gesp�rt hatte, war nur noch ein einziger dr�ngender Wunsch im Kopf des Drachen... sie zu befreien.</p><p><emphasis>H�r mir zu, mein Gemahl</emphasis>!, flehte Ysera und versuchte, ihn aufzuhalten. <emphasis>Dein Platz ist bei Malfurion</emphasis>...</p><p><emphasis>Ich werde dich retten</emphasis>!, unterbrach sie Eranikus. Seine Worte klangen so machtvoll, dass Malfurion und Lucan der Sch�del dr�hnte. <emphasis>Das schw�re ich</emphasis>!</p><p>Ysera verbot es ihm, aber Eranikus h�rte nicht zu. Malfurion begann mit ihm zu sprechen. Doch bevor er etwas sagen konnte, sch�ttelte ihn eine Hand und brach den Kontakt ab.</p><p>�Mal! Vorsicht!�, schrie Tyrande.</p><p>Er konzentrierte sich wieder auf seine Umgebung.</p><p>�berall waren Schattensatyre.</p><p>Doch sie waren nicht feinstofflich, sondern �beraus real. Es waren lebendige Satyre, Nachfahren von K�nigin Azsharas hochgeborenen Dienern, die Xavius in die Verdammnis gefolgt waren. Verf�hrt von der Macht, �ber die der wiedergeborene Xavius gebot, hatten sie ihre sch�nen Gestalten gegen diese monstr�sen K�rper eingetauscht. Und das alles, um Sargeras, dem Herrn der Brennenden Legion, zu dienen.</p><p>Ihre Zahl schien endlos zu sein. Malfurion war wie gebannt. Die Satyre hatten sich verborgen gehalten und zweifellos lange auf das jetzt Kommende vorbereitet.</p><p><emphasis>Meine Kinder haben auf diese Gelegenheit, Ruhm zu erlangen, gewartet</emphasis>!, spottete der Albtraumlord schadenfroh. <emphasis>Ich habe sie ihnen gew�hrt</emphasis>...</p><p>Die Satyre hatten H�rner, und obwohl ihre Gesichter noch gr��tenteils aussahen wie vor der Korrumpierung, trugen ihre d�monischen Fratzen doch tierhafte Z�ge. Sie grinsten wild und zeigten dabei ihre scharfen Z�hne. Raues braunes Fell bedeckte die Arme, den R�cken und die Beine, die in Hufen endeten. Sie hatten zottelige M�hnen und Barte, die ihnen ein groteskes Aussehen verliehen, und in ihren Augen lag ein verderbter gr�ner Glanz.</p><p><emphasis>Er ist es tats�chlich</emphasis>!, verk�ndete Xavius den heranst�rmenden Satyren. <emphasis>Der verfluchte Malfurion Sturmgrimm</emphasis>...</p><p>Mehrere Satyre heulten aus Vorfreude, als sie die beiden angriffen.</p><p>Tyrande stellte sich vor den Erzdruiden und warf die Mondlichtgleve.</p><p>�Ich wei�, dass Ihr Euch auf die Schlacht konzentrieren m�sst!�, rief die Hohepriesterin, als die Waffe den ersten Satyr zerteilte. Die drei scharfen Klingen schnitten tief in die d�steren Kreaturen hinein, bevor sie zu ihr zur�ckkehrten. Die Satyre starben, die obere K�rperh�lfte war von der anderen beinahe abgetrennt.</p><p>Dieser gnadenlose und effiziente Schlag verlangsamte die Satyre ein wenig. Doch sie versuchten weiterhin, herauszubekommen, wie sie am besten an Tyrande und den t�dlichen Klingen vorbeikamen.</p><p>Malfurion aber wollte sie nicht mit ihren Gegnern alleinlassen. �Du kannst sie nicht alle besiegen!�</p><p>�Mithilfe der anderen kann ich sie vielleicht lang genug aufhalten!�</p><p>Bevor Malfurion fragen konnte, wen sie damit meinte, riss Tyrande die Gleve wie zum Gru� hoch und murmelte etwas in der geheimen Sprache der Schwesternschaft. In diesem Moment hatten die Satyre wieder genug Mut gesammelt und st�rmten vor.</p><p>Das Licht von Mutter Mond leuchtete direkt vor Malfurion auf und badete Tyrande und ihre Umgebung in seinem Glanz. Malfurion bemerkte eine ganze Reihe von Gestalten, die allesamt wie Priesterinnen in Kampfr�stung wirkten. Sie sahen Tyrande sogar alle ein wenig �hnlich.</p><p>Tyrande hatte Elune um Hilfe gebeten, und sie war ihr gew�hrt worden. Die K�mpferinnen bestanden aus Mondlicht. Sie trugen Gleven, B�gen, Schwerter, Lanzen, St�be und andere Waffen und vernichteten die Satyre in der ersten Reihe. Doch immer weitere dr�ngten nach.</p><p>Malfurion blieb nicht tatenlos, w�hrend Tyrande und alle, die sie herbeigerufen hatte, ihn verteidigten. Sie hatte recht, er musste sich auf die wahre Schlacht konzentrieren. Malfurion richtete seine Aufmerksamkeit auf zwei Dinge.</p><p>Zum einen regte er Varian und Hamuul zu energischerem Vorgehen an. <emphasis>Der Albtraum muss im Traumreich bek�mpft werden</emphasis>!, dr�ngte er. <emphasis>Seine Kraft liegt in den Schlafenden begr�ndet und in all dem, was er Ysera abpressen kann! Zwingt ihn, seine Kraft vornehmlich dort einzusetzen, um sich zu verteidigen</emphasis>!</p><p>Beide willigten ein. Malfurion f�hlte sich immer noch schuldig, weil allen Bem�hungen zum Trotz wahrscheinlich noch viele andere sterben w�rden.</p><p>Dann nahm er zu Broll Kontakt auf.</p><p><emphasis>Habt Ihr Thura gefunden</emphasis>?</p><p>Broll B�renfell antwortete augenblicklich. <emphasis>Ja, Shan�do! Doch sie kann hier nicht effektiv k�mpfen! Bringen wir sie nach Azeroth zur�ck, dann</emphasis>...</p><p><emphasis>Nein... Ihr wisst, was sie hier zu tun hat</emphasis>.</p><p>So wie Hamuul und K�nig Varian stimmte auch Broll zu.</p><p>Malfurion blickte wieder zu Tyrande. Sie stellte sich den Gegnern, wie sie es schon so oft zuvor im Krieg der Ahnen getan hatte. Ihr Gesicht war dunkel verf�rbt�� so wie es aussah, wenn Nachtelfen err�teten -, und sie warf die Gleve immer wieder. Die leuchtende Waffe trennte Gliedma�en ab, schnitt den Satyren tief in die Brust und schlug einem von ihnen sogar den Kopf ab.</p><p>Doch der Erzdruide bemerkte, dass das Mondlicht um sie herum leicht schw�cher wurde, ebenso wie Elunes W�chterinnen. Die Hohepriesterin bek�mpfte nicht nur physische Feinde. Xavius leitete seine gesammelten Kr�fte in die Satyre und st�rkte besonders diejenigen, die gegen Tyrande k�mpften. Aus ihr bezogen die W�chterinnen ihre Substanz. Wenn sie fiel, w�rden sie sich schnell aufl�sen.</p><p>Malfurion wandte sich seinem zweiten Problem zu. Er kontaktierte eilig den Geist des m�nnlichen Drachen. <emphasis>Eranikus! Denkt nach</emphasis>!</p><p><emphasis>Nein! Ich werde das Auge nicht ohne sie verlassen</emphasis>!</p><p>Der Blickwinkel des Nachtelfen �nderte sich. Malfurion sah durch Eranikus� Augen, wie der Gemahl des Aspekts hinabflog. Der Drache war beinahe an seinem Ziel angekommen.</p><p>Das Auge sah anders aus, als es der Erzdruide in Erinnerung hatte. Und als Eranikus sich n�herte, ver�nderte sich sein Erscheinungsbild. Die Geb�ude wurden schroffer, waren voller Spitzen und bereit, den Drachen aufzuspie�en. Dann begannen sie, untereinander die Pl�tze zu tauschen.</p><p><emphasis>Sie k�nnen mich nicht narren</emphasis>!, sagte Eranikus. <emphasis>Versteckt sie ruhig an Tausenden solcher Orte, und ich werde sie dennoch finden! Ysera und ich sind miteinander verbunden, und diesmal wird nichts dieses Band aufl�sen! Ich werde sie immer finden</emphasis>!</p><p><emphasis>Seid vorsichtig</emphasis>!, rief Malfurion vergeblich.</p><p>Eranikus stie� auf eines der weniger beeindruckenden Geb�ude herab. Pl�tzlich begann es, vor ihm in die H�he zu wachsen.</p><p><emphasis>Siehst du</emphasis>?, sagte er triumphierend. <emphasis>Sie ist in dem gro�en Geb�ude, obwohl sie sich sehr bem�ht haben, es anders aussehen zu lassen</emphasis>...</p><p>Malfurion, der mehr auf die Dinge im Auge achtete, die nicht mit Ysera zu tun hatten, bemerkte eine Bewegung im Albtraum. <emphasis>Eranikus</emphasis>...</p><p>Lethon materialisierte �ber dem anderen Drachen, dann st�rzte er sich auf ihn.</p><p>�Willkommen zur�ck, Bruder Eranikus!�, spottete er, als seine Klauen sich in Yseras Gemahl bohrten. Der korrumpierte Drache schleuderte seine dunkelgr�ne Energie in Eranikus hinein.</p><p>Eranikus schrie, als sein K�rper heftig pulsierte. Seine schuppige Haut wand und bewegte sich, als w�rde ein gro�er Wurm sich durch das Fleisch und die Knochen bohren und nun zur Oberfl�che durchbrechen.</p><p>�<emphasis>Dein gr��ter Albtraum wird wahr...�</emphasis>, s�uselte Lethon. �<emphasis>Willkommen zur�ck...�</emphasis></p><p>Malfurion versuchte, die Verbindung zu Eranikus zu halten, aber obwohl es ihm gelang, war sie schwach, sodass er nicht sp�ren konnte, was der Drache dachte.</p><p>Au�erdem verstand Eranikus ihn auch nicht mehr. Der Erzdruide bef�rchtete, dass Lethon die Wahrheit sagte. Malfurion war sich Eranikus� Angst, wieder korrumpiert zu werden, wohl bewusst.</p><p>Und tats�chlich st�hnte der Drache laut, als die verderbten Energien des Albtraums in ihn eindrangen. Obwohl er noch flog, rollte sich Eranikus zu einem Ball zusammen.</p><p>Mit einem w�tenden Br�llen lie� er seine eigene Kraft auf Lethon los.</p><p>Der korrumpierte Drache war zu selbstgef�llig gewesen und zuckte nun zur�ck. Mit einem schmerzerf�llten Br�llen stieg Lethon in einer Spirale vom Auge Yseras auf.</p><p>Ohne zu z�gern wandte Eranikus seine Aufmerksamkeit wieder dem Gef�ngnis seiner K�nigin zu. Er krallte seine vier Klauen in das Geb�ude.</p><p>Der Kerker schimmerte. Der gr�ne Drache wurde von der Verderbtheit des Albtraums angegriffen. Eranikus� Gestalt bog sich, wurde pervertiert, als die Korrumpierung versuchte, ihn zu �berw�ltigen. Doch er hielt stand, lie� seine eigene Macht in das Geb�ude flie�en.</p><p>Weil er sich schon auf so viele Dinge konzentrieren musste, konnte Malfurion nur wenig tun. Doch er gab Yseras Gemahl so viel Hilfe wie m�glich. Die Ausbreitung der Verderbtheit wurde pl�tzlich aufgehalten.</p><p>Das Gef�ngnis erbebte. Der Angriff auf Eranikus endete abrupt. Der Drache stie� einen Triumphschrei aus.</p><p>Aber dann riss ihn eine m�chtige Kraft von Yseras Gef�ngnis weg. Hell gl�hend und gespeist von den schrecklichen Energien des Albtraums schoss Lethon auf ihn hinab.</p><p>Malfurion versuchte, Eranikus zu helfen. Doch der Drache wies nun jede Hilfe zur�ck und br�llte im Kopf des Erzdruiden: <emphasis>Nein! Sie ist beinahe frei! Ich halte ihn auf, w�hrend du es zu Ende bringst</emphasis>!</p><p>Der Nachtelf stimmte ihm zu. Ysera zu befreien war viel wichtiger. Sie war die Herrin des Smaragdgr�nen Traums, an ihn gebunden und mit seiner innersten Kraft vertraut. Der Albtraum brauchte sie, um seine Verbindung zum Smaragdgr�nen Traum zu verst�rken und so die Magie des Reiches besser manipulieren zu k�nnen.</p><p>Ysera musste um jeden Preis befreit werden. Das w�rde den Albtraum sicherlich schw�chen und die Chancen der Verteidiger steigern.</p><p>Malfurion konnte nun den Aspekt selbst sp�ren, der seine geschw�chte Zelle untersuchte. Eranikus hatte recht. Es gab jetzt viel mehr Hoffnung auf Erfolg.</p><p>Der Erzdruide konzentrierte sich, um sowohl aus Azeroth wie auch dem angeschlagenen Smaragdgr�nen Traum so viel Kraft zu ziehen, wie er nur konnte. Er war �berrascht, wie leicht diese Kr�fte, besonders die aus dem Smaragdgr�nen Traum, seinem Wunsch nachkamen. Dann entschied Malfurion, dass er es nicht allein schaffen konnte. Ysera musste ihm irgendwie helfen.</p><p>W�hrend er gemeinsam mit dem Aspekt versuchte, Ysera zu befreien, sp�rte Malfurion, wie Eranikus� Kampf tobte. Die beiden Drachen waren ineinander verschlungen, ihre jeweiligen Kr�fte denen des anderen ebenb�rtig. Anfangs schien keiner die Oberhand zu gewinnen, obwohl der Nachtelf bef�rchtete, dass auf kurz oder lang ihre Umgebung schlie�lich der korrumpierten Bestie zum Vorteil gereichen w�rde.</p><p>Er sp�rte, wie Ysera immer st�rker von innen dr�ngte. Doch sie sorgte sich nicht um sich selbst, sondern um ihre Gef�hrten, Malfurion und Lucan.</p><p><emphasis>Rette ihn zuerst, denn er ist nicht an den Zauber des Albtraums gebunden wie ich</emphasis>, befahl sie Malfurion und wies auf den Menschen. Obwohl er in die goldene Kuppel h�tte eintreten k�nnen, schien Lucan zu ersch�pft zu sein, um seine merkw�rdigen F�higkeiten einzusetzen. Er war das geringste Problem f�r Malfurion, der den Kartografen nach Azeroth zu Hamuul zur�ckbringen konnte.</p><p>Ysera bem�hte sich st�rker. Die Barriere wurde schw�cher. Malfurion konnte es sp�ren...</p><p>�Nein... noch nicht ganz.� Lethon, der die Kr�fte seines Herrn einsetzte, h�tte beinahe die Bem�hungen der beiden zunichte gemacht. Malfurion sah im Geist all seine Aktionen in furchterregenden Bildern. Der Erzdruide wusste, dass es Albtr�ume waren, die von der Finsternis erzeugt wurden. Doch es war schwer, sie zu ignorieren und gleichzeitig den Angriff auf die Zelle des Aspekts fortzusetzen.</p><p>Lethon schrie pl�tzlich auf. Durch seine eigenen Gedanken erhaschte Malfurion die Bilder eines sehr verschreckten, desorientierten Eranikus, der seinen korrumpierten Gegenpart mit Klauen und Magie festhielt. Eranikus hatte offensichtlich einiges abbekommen, aber durch seine Entschlossenheit hatte er dennoch momentan die Oberhand errungen.</p><p>Das w�rde sicherlich nicht lange anhalten. Widerstrebend drosselte Malfurion seine Anstrengungen, Ysera zu befreien.</p><p><emphasis>NEIN</emphasis>!, dr�hnte Eranikus in seinem Kopf. <emphasis>Sie muss gerettet werden! Ich werde schon mit Lethon fertig</emphasis>!</p><p>Lethon bekam das offensichtlich mit, weil der verderbte Drache ob solcher Anma�ung lachte. Die Macht des Albtraums erf�llte ihn. Er war nun gr��er als Yseras Gemahl.</p><p>�<emphasis>Du bist erledigt, Eranikus! Gib dich dem Albtraum hin! Lass ihn dich umarmen! Die Mauern zwischen Azeroth und hier werden schw�cher! Schon bald werden wir ungehindert �ber Azeroths Himmel fliegen k�nnen</emphasis>...</p><p><emphasis>Azeroths Himmel</emphasis>..., wiederholte Eranikus.</p><p>Pl�tzlich umgab ein Leuchten Yseras Gemahl. Das Gesicht des Drachen wurde grimmig.</p><p>Zur gleichen Zeit blickte Lethon unsicher.</p><p>�Was machst du da?�, wollte er von Eranikus wissen.</p><p>Doch der Drache sagte nichts. Stattdessen sp�rte Malfurion, wie er andere Energien anzog. Dann durchschaute der Erzdruide pl�tzlich Eranikus� Plan.</p><p>Und als die beiden titanischen Gestalten zu schwinden begannen, begriff es auch Lethon. �<emphasis>Das k�nnt ihr nicht machen! Tut es, und ihr vernichtet euch selber! Ich schw�re es! Die Instabilit�t wird euch mit mir nehmen!�</emphasis></p><p><emphasis>So sei es dann</emphasis>, h�rte Malfurion Eranikus antworten.</p><p><emphasis>Mein Gemahl</emphasis>!, rief Ysera... aber es war zu sp�t.</p><p>Der Albtraum versuchte, den Smaragdgr�nen Traum und Azeroth zu vereinen. Die Macht dieses neuen Reiches w�re un�berwindbar.</p><p>Doch die Vereinigung war noch nicht vollendet... und hier, in der N�he des Auges, dem zentralen Punkt des Smaragdgr�nen Traums, erkannte Malfurion, dass die schwindenden Grenzen zwischen beiden Reichen instabil waren. Dadurch wurde der Aufenthalt im Zentrum die reinste Einladung zur v�lligen Vernichtung...</p><p>Eranikus weigerte sich, die korrumpierte Gestalt loszulassen. Die beiden gelangten in den Bereich der Instabilit�t zwischen beiden Welten.</p><p>Wie Lethon vorhergesagt und Malfurion und Ysera bef�rchtet hatten, zog der verzweifelte Lethon die Kraft seines Herrn in sich hinein, in dem sinnlosen Versuch, das Unausweichliche zu vermeiden.</p><p>Das Monster heulte auf, als es auseinandergerissen wurde. Die furchterregenden Kr�fte, die alles waren, was von ihm �brig blieb, wurden freigesetzt.</p><p>Ein feuriger Mahlstrom brach dort aus, wo Lethon eben noch gestanden hatte. Dieser Mahlstrom verschlang Eranikus, der gar nicht erst zu fliehen versuchte.</p><p>Die entfesselten Kr�fte schlugen nach �berall hin aus. Malfurion sp�rte, wie Ysera ihn dr�ngte, etwas zu tun, um sie zu absorbieren. Der Erzdruide war sich nicht sicher, was sie von ihm erwartete, doch er versuchte es trotzdem.</p><p>Pl�tzlich hatte er einen verzweifelten Plan. Er lenkte die Energien zu einem ganz besonderen Ort.</p><p>Sie trafen Yseras Gef�ngnis und verwandelten das Zentrum des Auges vollst�ndig in eine Art Dampf... und befreiten schlie�lich Ysera.</p><p>Die Herrin des Smaragdgr�nen Traums br�llte vor Erleichterung und stieg �ber den �berresten ihres Gef�ngnisses in die L�fte auf. Eine smaragdgr�ne Aura umgab sie, eine Aura, die kurzzeitig das ganze Auge erhellte.</p><p>Doch der Nebel zog sich bereits wieder um sie herum zusammen. Ysera stie� ein weiteres Br�llen aus, und die Aura verdreifachte sich. Alles, was sie ber�hrte, erwachte pl�tzlich wieder zu frischem Leben und einer Sch�nheit, f�r die der Smaragdgr�ne Traum bekannt war. Der Nebel zog sich augenblicklich zur�ck...</p><p>Und in diesem besonderen Moment verschwand der Aspekt.</p><p>Malfurion sp�rte sie nicht mehr innerhalb des Reiches. Ysera hatte sich nach Azeroth zur�ckgezogen. Sie wusste besser als jeder andere, wie die Verbindung zwischen diesen beiden Orten funktionierte, und materialisierte nahe den Druiden, die in Darnassus k�mpften.</p><p><emphasis>Danke... Malfurion Sturmgrimm</emphasis>..., sagte sie traurig. <emphasis>Du... und Eranikus</emphasis>...</p><p><emphasis>Er tat, was er tun musste</emphasis>, antwortete der Erzdruide schnell. Und ehrte das Opfer des Drachen. Doch er wusste, dass noch weitere Opfer n�tig sein w�rden. Aber er war auch voller Hoffnung, nun, da die Herrin des Smaragdgr�nen Traums frei war. Xavius hatte keine m�chtige Gefangene mehr. Mit Yseras Kraft, die sie alle leitete, w�rden sie...</p><p><emphasis>Nein�� Malfurion�� ich f�rchte�� ich f�rchte, dass nur wenig �brig ist, was ich dir anbieten kann... Meine Bem�hungen, den Albtraum daran zu hindern, mich auszusaugen, waren kr�ftezehrender... als ich dachte</emphasis>...</p><p>Die Worte l�hmten Malfurion, sodass er beinahe die Verbindung zu den anderen verloren h�tte. Er hatte auf diese Hoffnung gebaut! Welche Macht war gr��er als ihre, wenn es um den Smaragdgr�nen Traum und die Verderbtheit ging? Sie hatte den Albtraum nur deshalb nicht schon l�ngst vernichtet, weil er dummerweise in Gefangenschaft geraten war. H�tte Xavius seine m��igen F�higkeiten nicht durch ihre Energie verst�rkt, w�re all das Chaos nie passiert...</p><p><emphasis>Das ist... nicht wahr, Malfurion</emphasis>! Ysera hatte offensichtlich Probleme, bei Bewusstsein zu bleiben. <emphasis>Du kennst doch die Kr�fte, die hier am Werk sind und wei�t, wie lange sie das schon tun</emphasis>!</p><p><emphasis>Aber was macht das aus</emphasis>?, antwortete er. <emphasis>Wenn selbst Ihr nicht in der Lage seid es zu beenden, dann sind wir verloren</emphasis>!</p><p>Der Aspekt verlor beinahe das Bewusstsein. Es war alles, was sie tun konnte, um sich selbst zu sch�tzen. <emphasis>Es gibt Hoffnung... Ich bin... Ich bin der Smaragdgr�ne Traum... doch du... du kommst aus dem Smaragdgr�nen Traum... und aus Azeroth! Darin... liegt deine Chance... Was meint Ihr</emphasis>...?</p><p>Der Kontakt brach ab. Der Aspekt hatte den Kampf gegen den Schlaf verloren. Die Anstrengungen waren zu viel gewesen.</p><p>Und als Yseras Gedanken schwanden, schien der Albtraumlord in Malfurions Kopf aufzulachen.</p><p>Ysera hatte das Schicksal beider Reiche in Malfurions H�nde gelegt... der aber keine Vorstellung hatte, was er zu tun hatte.</p></section><section><title><p>28</p><p>Vor dem Baum</p></title><p>Broll B�renfell m�hte sich, Thura davon abzuhalten, vor ihm herzulaufen. Die Orcfrau dr�ngte zur Eile, obwohl sie sich wom�glich an einem der �belsten Orte �berhaupt befanden.</p><p>Der Nachtelf war hier, weil Malfurion ihn hier brauchte. Malfurion hatte ihm nicht erkl�rt warum, doch Broll traute seinem Shan�do. Er h�tte aber gerne gewusst, was die Orckriegerin hier tun sollte. Thura hatte keine n�tzliche Waffe, und ihre dickk�pfige Art w�rde sie in die Arme des Albtraums treiben.</p><p>�Wir m�ssen da lang!�, zischte sie nicht zum ersten Mal. �Da lang!�</p><p>Nichts hatte sie bislang behindert, au�er dem schrecklichen Nebel. Broll hielt das f�r kein gutes Omen. Der Albtraum sch�tzte sie m�glicherweise nicht als gro�e Bedrohung ein, und der Druide war sogar geneigt, ihm darin recht zu geben.</p><p><emphasis>Was habt Ihr vor, Malfurion</emphasis>?, wollte Broll wissen. <emphasis>Was</emphasis>?</p><p>Vor ihm machte der Nebel pl�tzlich etwas v�llig Neues und Beunruhigendes. Er zog sich zur�ck. Nicht vollst�ndig, doch der entstehende Weg reichte aus, dass sie beide nebeneinander hergehen konnten.</p><p>Thura st�rmte nat�rlich einfach weiter.</p><p>�Wartet!�, rief der Druide.</p><p>Aber sie ignorierte ihn. Stattdessen erh�hte sie das Tempo. �Da ist es!�</p><p>Broll, der sich um ihr Leben sorgte�� und ihre geistige Gesundheit, sollte der Albtraum sie �berw�ltigen�� verstand zuerst nicht, was sie wollte. Dann sah er die Axt.</p><p>Die magische Axt. Kein Wunder, dass Thura sie haben wollte. Mit der Waffe konnte sie sich den Schatten und dem Albtraum entgegenstellen.</p><p>Doch der Druide bezweifelte, dass sie die Axt einfach nur aufheben mussten.</p><p>Thura griff danach... und die Axt leuchtete smaragdgr�n auf.</p><p>Zur gleichen Zeit ert�nte ein Wutschrei. Broll wirbelte herum, weil der Laut von �berallher zu kommen schien. Zuerst f�rchtete er, dass es eine neue Manifestation seiner eigenen alten Wut war. Jener rohen Wut, die er nur mit gro�er M�he besiegt hatte, als er das letzte Mal im Smaragdgr�nen Traum gewesen war. Doch fast augenblicklich wusste der Druide, dass die Wut eine andere, schrecklichere Quelle hatte.</p><p>Der Albtraum war w�tend.</p><p>Er verstand nicht, warum. Die Orcfrau schien entweder unf�hig oder nicht willens zu sein, die Axt zu ber�hren.</p><p>�Was stimmt nicht, Thura?�, murmelte er. �K�nnt Ihr sie nicht aufheben?�</p><p>Die Orcfrau sch�ttelte den Kopf. Sie blickte ma�los verwirrt zu dem Nachtelfen. �Ich... ich wei� nicht, Druide... ich wei� nicht... wei� nicht...�</p><p>Und gerade als sie das sagte, schloss sich der Nebel um sie. Broll sp�rte, wie sich die Wut des Albtraums auf sie konzentrierte. Obwohl er Thura die Axt weggenommen hatte, konnte er sie offensichtlich nicht benutzen. Deshalb hatte er auf jemanden gewartet, der es <emphasis>konnte</emphasis>.</p><p>�Du wirst sie f�hren, Orc�, erklang eine Stimme, die den Druiden erschaudern lie�, weil er wusste, wer da sprach. �<emphasis>Und durch dich wird diese Axt zu unserer Waffe werden...�</emphasis></p><p>Eine gro�e Faust erschien aus dem Nebel, von verfaulender Borke bedeckt. Aask�fer krabbelten dar�ber. Sie traf Broll fest in die Seite. Er taumelte von der Orcfrau weg.</p><p>Knorre trat aus dem Nebel. Das korrumpierte Urtum grinste. Seine Augen hatten dieselbe Farbe wie der Albtraum. Dicke �ste entsprangen seinem K�rper, und die boshaften Bl�tter, die Broll in seinen fr�hen Visionen gesehen hatte�� Malfurions damaliger Versuch, Kontakt aufzunehmen�� bedeckten nun die Kreatur.</p><p>�Ich benutze diese Waffe nicht f�r dich!�, br�llte Thura.</p><p>�Du wirst es tun...�, antwortete er mit einer Stimme, die genauso dem Albtraumlord geh�rte wie auch Knorre.</p><p>Das Urtum griff nach ihr. Thura versuchte, sich zu bewegen, doch der Boden war wieder mit Aask�fern bedeckt, und die Orckriegerin verlor den Halt. Als sie st�rzte, platzte etwas aus dem Boden, das auf den ersten Blick wie schwarze W�rmer wirkte. Aber es waren keine W�rmer, sondern die Schatten der Wurzeln.</p><p>Die Wurzeln des Skelettbaums.</p><p>Doch selbst wenn sie nur Schatten waren, wollten sie doch die Orcfrau fesseln. Sie k�mpfte dagegen an.</p><p>Broll stand wieder auf. Er hatte die ganze Zeit einen Angriff erwartet, allerdings nicht von Knorre. Deshalb war er zumindest zum Teil darauf vorbereitet gewesen. Dennoch hatte der Schlag ihm f�r den Moment die Luft geraubt.</p><p>Er sprang auf das Urtum und verwandelte sich dabei in eine Raubkatze. Doch so war er immer noch ein kleiner Gegner gegen Knorre.</p><p>Das korrumpierte Urtum wollte ihn wieder schlagen. Aber Broll war jetzt widerstandsf�higer. Er wand sich und duckte sich unter der gro�en Faust hindurch. Gleichzeitig kratzte er seinen Gegner am Bein.</p><p>Knorre schrie vor Schmerz und Wut. Er verga� Thura und wandte sich der Raubkatze zu.</p><p>�<emphasis>Der Traum und Azeroth werden schon bald dem Albtraum geh�ren...�</emphasis>, knurrte Knorre/der Albtraumlord. �<emphasis>Und f�r dich, Nachtelf, haben wir eine besonders schreckliche, ewige Vision...�</emphasis></p><p>Schattenhafte Gestalten zogen sich aus allen Richtungen um die Katze zusammen. Broll blickte �ber seine Feinde hinweg zu Thura. Sie hatte eine Hand frei, eine Hand, die in Reichweite der Axt war. Wenn sie sie nur h�tte greifen k�nnen...</p><p><emphasis>Nein</emphasis>! Broll h�tte die Wahrheit auch erkannt, wenn er nicht gesehen h�tte, wie eine Wurzel die freie Hand <emphasis>mied. Der Albtraum will, dass sie die Axt ohne nachzudenken nimmt</emphasis>!</p><p>Der Albtraum konnte die Waffe aus irgendwelchen Gr�nden nicht selbst aufheben. Und ebenso wenig konnte es einer seiner korrumpierten Diener. Doch er glaubte offensichtlich, sie durch Thura benutzen zu k�nnen, wenn sie sie erst hatte.</p><p>Er versuchte, sie zu warnen, aber die Schatten wurden zu Satyren, die ihn sogleich umschw�rmten. Broll wurde unter ihnen begraben. Sein letzter Blick galt Knorre, der sich zu Thura umdrehte.</p><p><emphasis>Shan�do</emphasis>!, rief der Druide in seinen Gedanken. <emphasis>Malfurion</emphasis>!</p><p>Doch er bekam keine Antwort.</p><empty-line/><p>Malfurion h�rte Brolls Warnung und versuchte zu antworten. Aber er sp�rte nur eine schreckliche Leere. Zuerst f�rchtete er, dass Broll tot war... oder etwas noch Schlimmeres... Aber dann erkannte der Erzdruide, dass der Albtraumlord versuchte, den Kontakt zwischen den beiden zu unterbinden. Das konnte nur bedeuten, dass Xavius Malfurions Absichten erkannt hatte, was den Rest des Plans des Nachtelfen gef�hrdete.</p><p>Doch dann zweifelte Malfurion, ob der Plan �berhaupt jemals eine Chance gehabt hatte. Er hatte sich darauf verlassen, dass Ysera da w�re, um alles zu koordinieren. Als Sch�ler der druidischen Lehren und Suchender im Smaragdgr�nen Traum war Ysera f�r Malfurion und seine Br�der die f�hrende Expertin, wenn es um die ineinander verflochtene Natur der beiden Reiche ging.</p><p>Ysera war immer noch bewusstlos, und Malfurion wusste, dass es nicht ihre Schuld war.</p><p>Tyrande und die Geister-Priesterinnen bildeten immer noch eine undurchdringliche Barriere gegen die Satyre, deren K�rper an einigen Orten dreifach �bereinandergestapelt lagen. Allerdings leuchteten sie selbst und die Geister jetzt weit weniger, und einige der �therischen Priesterinnen waren schon ziemlich transparent geworden.</p><p>Tyrande verlie� sich darauf, dass Malfurion sie rettete. Sie alle verlie�en sich darauf. Und auch wenn sie es nicht verstanden, verlie� er sich auf sie ganz genauso. Sie alle wurden gebraucht, wenn er Erfolg haben wollte. Wenn er Azeroth retten wollte. Malfurion fletschte die Z�hne und griff nach einer letzten Hoffnung.</p><p>Er ber�hrte Alexstraszas Gedanken, doch jede Zuversicht, dass sie helfen k�nnte, schwand augenblicklich. Der Drache wurde selbst angegriffen. Furchterregende Energien attackierten das Portal von der anderen Seite aus, und f�r ein paar Augenblicke war es blockiert, nur um von dem Drachen m�hevoll wieder ge�ffnet zu werden.</p><p>Malfurion fragte sich, warum Xavius dieses letzte Portal unbedingt schlie�en wollte. Es schien so unbedeutend...</p><p>Die Lebensbinderin schickte dem Nachtelf ihre Gedanken. <emphasis>Der Angriff hier wird immer wilder! Der Albtraum will das Portal unter allen Umst�nden versiegeln! Ich brauche meine ganze Kraft, um ihn davon abzuhalten! Ich kann nichts f�r dich tun</emphasis>!</p><p>Er hatte noch nicht einmal gefragt, aber sie hatte gewusst, warum er Kontakt zu ihr aufgenommen hatte. Dieser weitere R�ckschlag schw�chte Malfurions Entschlossenheit.</p><p>Der rote Drache sagte noch etwas, doch nun verlangten andere Stimmen in seinem Kopf Geh�r. K�nig Varian und seine Armee waren in schrecklicher Verfassung. Ihre physischen K�rper fielen immer h�ufiger den Sklaven des Albtraums auf Azeroth zum Opfer. Brolls Schicksal war immer noch ein R�tsel, und Hamuul sandte nur eine kurze Bemerkung, dass korrumpierte Diener der Natur�� Urtume, Dryaden und einige andere�� die Druiden unter Druck setzten und Lucan willig unter der F�hrung des Tauren k�mpfte.</p><p>Xavius�� und der wahre Herr des Albtraums�� standen unmittelbar vor ihrem Triumph.</p><p>Die direkten Auswirkungen all dessen konnte man nun bei Tyrande sehen. Sie, die Malfurion nicht nur liebte, sondern ihn auch unabdingbar f�r Azeroths �berleben hielt, wurde nun gequ�lt wie nie zuvor. Die Hohepriesterin fiel auf die Knie, als sie mit der Mondlichtgleve drei Satyre davon abhielt, sie in St�cke zu rei�en. Doch w�hrenddessen schwand zuerst nur eine, dann eine zweite ihrer geisterhaften Mitstreiterinnen, wie so viele von Malfurions Hoffnungen.</p><p>Wild und hemmungslos dr�ngten die Satyre vorw�rts, um Tyrande und Malfurion zu �berrennen.</p><p>Die Katastrophe, die Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum vereinnahmt hatte, war vergessen. Malfurion sah nur, dass Tyrande verloren war, wenn er nicht augenblicklich etwas unternahm. Nichts anderes z�hlte mehr. In diesem Moment interessierte es ihn nicht, ob Azeroth oder <emphasis>irgendetwas</emphasis> �berlebte, wenn das bedeutet h�tte, dass seine Geliebte dabei starb.</p><p>Er sp�rte, wie das Schuldgef�hl in ihm immer gr��er wurde. Eine Schuld, wie er sie noch nie zuvor erlebt hatte. Nicht zum ersten Mal sah Malfurion in seinem Geist all die Strapazen, die er Tyrande zugemutet hatte und wie sie ihn doch immer wieder unterst�tzt hatte. Er erinnerte sich auch an all die sch�nen Zeiten, als ihnen Frieden und Abgeschiedenheit verg�nnt waren. Malfurion sch�tzte besonders den Bau der ersten neuen Hauptstadt der Nachtelfen nach dem Krieg der Ahnen. Durch seine druidischen F�higkeiten und ihre Kr�fte hatten sie eine gro�e, lebendige Laube mitten im Zentrum geschaffen, die den Neuanfang ihres Volkes symbolisieren sollte. Insgeheim stand sie aber auch f�r ihre eigene tiefe Beziehung. Sie hatten die Eichen angeregt, ineinander zu wachsen, und mit Bl�ten besetzte Ranken verzierten dieses Konstrukt. Dann hatte Elune es durch ihre Hohepriesterin mit einem sanften wei�blauen Leuchten versehen, wodurch die Laube ein Gef�hl der Ruhe ausstrahlte, das jeder sp�rte, der sich darunter einfand.</p><p>Es war nur eine kleine Sache gewesen, klein, verglichen mit dem Ausma� ihres titanischen Kampfes durch all die Zeitalter. Doch vielleicht sch�tzte es Malfurion deshalb so sehr. Es war etwas, das sie gemeinsam aus einfachen, reinen Gr�nden geschaffen hatten. Sie h�tten sehr viel mehr gemeinsam tun k�nnen, wenn er es denn gewollt h�tte. Sie h�tte ihn wegen seiner langen Zeiten der Abwesenheit, w�hrend all der Jahrtausende, f�r immer versto�en sollen... aber das hatte sie nicht getan. Trotz all ihrer anderen Aufgaben�� und die waren au�ergew�hnlich�� war Tyrande immer da gewesen und hatte auf ihn gewartet.</p><p>Und nun w�rde sie sterben, weil wieder einmal <emphasis>seine</emphasis> Aufgaben Vorrang vor ihr gehabt hatten.</p><p>�Nicht dieses Mal...�, knurrte der Erzdruide. �Niemals wieder!�</p><p>Mit verschr�nkten H�nden rief Malfurion so gut er konnte seine innersten Kr�fte an, die er gemeinsam mit Ysera gesammelt hatte, um bei der Flucht zu helfen. Ein Mahlstrom von Energien stieg vom Boden auf, w�hrend andere vom verdeckten Himmel herabsanken.</p><p>Der Boden hob sich. Ein gr�ner Wald spross daraus hervor, der die Satyre und Tyrande einschloss. W�hrend die Feinde verschluckt wurden, wurde die Hohepriesterin sanft von dem pl�tzlichen Wachstum angehoben und von den hervorsprie�enden �sten zu ihrem Geliebten geleitet.</p><p>Als Xavius das ganze Land um ihn herum verschlungen hatte, waren die kleinen vertrockneten Samen seiner vielen Opfer zur�ckgeblieben. Sie waren f�r ihn so bedeutungslos gewesen, dass der Albtraumlord sie nicht einmal bemerkt hatte. Doch Malfurions druidische Kr�fte hatten sie gefunden, wie tief oder lange sie auch vergraben gewesen sein mochten. Der Erzdruide hatte nicht nur ihr Potenzial wiederbelebt, sondern es zudem freigesetzt.</p><p>Zu Tyrande war der Wald freundlich gewesen. Doch die Satyre hatten einen schweren Tod erlitten. Dutzende waren aufgespie�t worden, weil Malfurion keine Zeit f�r den Austausch von Freundlichkeiten hatte. Sie waren schnell gestorben, das war das Beste, was er f�r sie tun konnte.</p><p>Dennoch kamen immer mehr, und Malfurion, der bef�rchtete, sie k�nnten seine Geliebte immer noch erreichen, erbat von Azeroth mehr Kraft. Er kontaktierte Teldrassil und selbst Nordrassil, und beide gaben ihm zu seiner Erleichterung und gro�en Dankbarkeit, was er ben�tigte... auch wenn Nordrassil sich immer noch vom letzten Krieg gegen die Brennende Legion erholen musste.</p><p>Der Wind heulte immer lauter und st�rker. Eine ganze Reihe Satyre wurde von ihm in den t�dlichen Wald geblasen. Schlie�lich z�gerten sie. Tyrande und Malfurion waren nicht das leichte Ziel, das ihnen ihr �Gott� versprochen hatte. Malfurion war der Verdammte, dessen St�rke sie kaum fassen konnten.</p><p>Doch in Malfurions Augen reichte das Z�gern nicht aus. Sie hatten Tyrande bedroht. Er warf sie zur�ck und zog Tyrande n�her zu sich heran.</p><p>Pl�tzlich rief ihm die Hohepriesterin zu: �Macht Euch um mich keine Sorgen! Die anderen brauchen Euch mehr!�</p><p>Malfurion verminderte seinen Schutz nicht, aber er verstand, was sie meinte. Tats�chlich erf�llte ihn die Tatsache, dass er ihr Leben �ber alles andere gestellt hatte, mit einem neuen Sinn f�r sein eigenes Leben. Dabei meinte er nicht das Leben, das er dieser Welt gewidmet hatte. Er hatte seine neue St�rke darin gefunden, das Wertvollste des Nachtelfen Malfurion Sturmgrimm zu sch�tzen, nicht das des gro�en Erzdruiden aus den Legenden.</p><p>So wie er es mit Azeroth getan hatte, schickte der gest�rkte Malfurion seinen Willen nun in den Smaragdgr�nen Traum und versuchte, mehr von seiner Energie anzuzapfen, um den Albtraum abzuwehren. Als der Smaragdgr�ne Traum ihm gab, worum er bat, war er erleichtert. Mit diesen zus�tzlichen Energien trieb der Erzdruide den Nebel von Varians Armee aus Traumgestalten fort. Die gr�nen Felder erstanden neu.</p><p>Doch noch bemerkenswerter war, dass nicht nur die Schattenkreaturen gemeinsam mit dem Nebel schwanden, sondern auch die Sklaven des <emphasis>Traums</emphasis>. Die Verteidiger mussten nicht mehr gegen die Abbilder ihrer fr�heren Kameraden und Geliebten k�mpfen. Es war, als h�tten sie nie existiert.</p><p>Ein Gef�hl �u�erster Ruhe erfasste Malfurion. Er kannte dessen Quelle, wusste, dass Tyrande zu Elune gebetet hatte, damit die Liebe der Hohepriesterin nicht nur Malfurion sch�tzen sollte, sondern ihm auch weiterhin half. Die Ruhe und die Liebe, mit denen Tyrande sein Herz ber�hrte, gaben Malfurion den Ansto�, noch weiter �ber seine Grenzen zu gehen. Dieses Mal kontaktierte der Erzdruide Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum gleichzeitig.</p><p>Es funktionierte. Mit Tyrandes Kraft, die ihm von innen her Mut machte, f�hlte sich der Nachtelf noch st�rker und erfrischter als durch die vereinte Kraft beider Reiche zusammen.</p><p>Dann musste er seine Gedanken wieder Ysera zuwenden. Er war sicher, dass sie ein integraler Bestandteil war, der es ihm erst erm�glichte, eine solche Kraft zu meistern. Doch zu seiner �berraschung war der riesige Drache extrem ersch�pft und litt Schmerzen. Sie w�rde ihm sicherlich keine Hilfe sein...</p><p>Die Entdeckung schockierte Malfurion. Sie bedeutete, dass nur er und Tyrande den Albtraum in Schach hielten. Das h�tte gar nicht sein d�rfen...</p><p>Der Gedanke erlosch, als der Boden unter seinen F��en bebte. Die neuen B�ume und die anderen bemerkenswerten Pflanzen, die er zum Bl�hen animiert hatte, wurden untergraben.</p><p>Riesige rote Wurzeln hoben die B�ume und auch die Satyre an. Mehrere B�ume flogen auf den Erzdruiden zu.</p><p>Malfurion wechselte in die Gestalt der Raubkatze und bewegte sich flink, um dem t�dlichen Regen zu entkommen. Obwohl die Hohepriesterin sehr m�de war, benutzte sie weiterhin Elunes Gaben, um Malfurion so gut zu sch�tzen, wie es ging. Das Mondlicht blendete die Satyre, die durch die L�cken str�mten, die von den Wurzeln geschaffen worden waren. Dabei hielt es die Wurzeln kurzzeitig in Schach, wenn auch nur f�r ein paar kritische Augenblicke.</p><p>Der Erzdruide brachte Tyrande an einen Ort zeitweiliger Sicherheit, dann kehrte er zur�ck. �Ihr m�sst hier fort!�</p><p>�Seid vern�nftig! Wo soll ich denn hin? Ganz Azeroth wird angegriffen! Wenn das Ende wirklich kommt, dann, bei Elune, will ich bis zum Schluss bei Euch sein! Wir haben gemeinsam zu viel verloren!�</p><p>�Und das ist alles meine Schuld�, stimmte Malfurion ihr zu.</p><p>Der Boden bebte erneut. Weitere Wurzeln schossen nahe ihren F��en hoch. Tyrande warf schnell ihre Gleve und schlitzte dann eine Wurzel auf. Sie keuchte vor Anstrengung, doch sie gab nicht nach.</p><p>Malfurion griff in seinen schwindenden Vorrat an Kr�utern und Pulvern. Er blies eine feine Wolke von gr�nen Sporen auf die n�her kommenden Wurzeln.</p><p>Als die Sporen sie ber�hrten, unterst�tzte der Erzdruide ihre Wirkung. Kleine, grabende Ranken entstanden. Die Sporen bohrten sich in die Wurzeln.</p><p>Die Wurzeln schrumpelten, als Hunderte von kleinen L�cher entstanden. Eine Wurzel fiel um. Aus den L�chern tropfte eine dicke, blut�hnliche Fl�ssigkeit.</p><p>Doch dieselbe Fl�ssigkeit f�llte die L�cher der �brig gebliebenen Wurzeln. Die kleinen Parasiten wurden ausgetrieben und starben.</p><p><emphasis>Sinnlos... es ist alles sinnlos</emphasis>..., hallte Xavius� Stimme in Malfurions Kopf wider. <emphasis>Alles wird zum Albtraum werden</emphasis>...</p><p>Es stimmte. Egal, von wo Malfurion auch Hoffnung oder Hilfe beziehen wollte, er fand keine. K�nig Vanans Armee verlor den Kampf. Broll war nicht auffindbar, und mit ihm war auch die Orcfrau verloren. Ysera und der Mensch waren bewusstlos, und Alexstraszas Kontrolle �ber ihr eigenes Portal schwand. Der Albtraum war �berall, sowohl im Smaragdgr�nen Traum als auch in Azeroth. Alles war verloren...</p><p>Malfurion stie� ein Br�llen aus... Ausdruck seiner Wut, nicht der Verzweiflung.</p><p>�Ihr hattet mich beinahe so weit, Xavius!� rief er seinem Feind zu. Verzweiflung und Angst waren die gr��ten Waffen des Albtraums. Xavius�� zweifellos mit der Kraft des alten B�sen versehen, das seinen Willen st�rkte�� hatte Malfurions Unsicherheit wohl gen�hrt. �Aber das funktioniert nicht mehr!�</p><p>Tyrande packte ihn an der Schulter. Ihre Liebe verst�rkte Elunes Gaben an ihn. Der Erzdruide blickte zu seinem unsichtbaren Feind und rief die beiden Reiche an, um noch ein wenig mehr von ihrer St�rke zu erbitten.</p><p>Er sp�rte, wie die zus�tzlichen Energien in ihn str�mten. Malfurion konzentrierte sich.</p><p>Der Himmel knisterte vor Blitzen, die in die aufgeworfene Erde schlugen. Die Wurzeln glitten zur�ck in ihre L�cher...</p><empty-line/><p>In Sturmwind, Orgrimmar und den anderen umk�mpften Hauptst�dten kam Wind auf. Er brauste und griff jeden an, der eine Gefahr darstellte. Aber er lie� die schlafenden, ungesch�tzten K�mpfer unber�hrt, deren Traumgestalten im Smaragdgr�nen Traum f�r Malfurion k�mpften.</p><p>Doch der Erzdruide tat auch etwas f�r die Opfer des Albtraums, die ihm nun unfreiwillig dienten. Sie lagen eng beieinander, so dicht gepackt, dass sie sich gegenseitig nichts mehr antun konnten.</p><p>Die Schattensatyre allerdings, der Nebel und die korrumpierten Gestalten griffen immer noch die schwindenden Verteidiger an. Und obwohl die lebenden Marionetten zur�ckgeworfen worden waren, hatten ihre Albtr�ume noch genug Substanz im Smaragdgr�nen Traum und selbst auf der Ebene der Sterblichen.</p><p>Xavius� Macht war einfach schrecklich geworden.</p><p>Schwitzend vor Anstrengung k�mpfte Malfurion gegen seinen Feind an. Winde kamen �berall auf, sogar im Smaragdgr�nen Traum. Egal ob Schatten oder Korrumpierte, die Diener des Albtraums wurden von ihrem weiteren Vorr�cken abgehalten.</p><p>Es reichte dennoch nicht aus.</p><p>�Es wird niemals enden, bevor ich ihn nicht gestellt habe!�, sagte Malfurion zu Tyrande. �Ich muss im Herz der Finsternis zuschlagen... Xavius ist der Schl�ssel... Ohne ihn kann selbst das B�se hinter diesem f�rchterlichen Werk den Albtraum nicht zusammenhalten...�</p><p>Die Hohepriesterin beobachtete die Satyre und die Wurzeln, die immer noch versuchten, sie zu erreichen. Nur Malfurions konstante Bem�hungen hielten sie zur�ck. Tyrande packte ihre Waffe aus Mondlicht. �Sehr gut... lasst uns beginnen...�</p><p>�Ihr kommt nicht mit...�</p><p>�Ich werde Euch folgen. Ihr k�nnt das nicht alleine machen, und das wisst Ihr auch. Das ist selbst f�r Euch zu viel.�</p><p>Sie hatte recht. Er musste die Welt nicht alleine retten. Malfurion gab nach und wandte sich den Feinden zu. �Ich verdiene Euch nicht.�</p><p>�Nein, tut Ihr nicht�, antwortete sie mit einem bem�hten Lachen.</p><p>Der Erzdruide atmete ein und streckte seine Hand aus.</p><p>Sturm und Blitze griffen ihn an. Jetzt kam auch noch Regen dazu.</p><p>Die Satyre zogen sich zur�ck. Die Wurzeln versuchten vergeblich, die Blitze zu meiden. Drei von ihnen verwandelten sich in brennende St�mpfe.</p><p>Ein Weg �ffnete sich.</p><p>�Jetzt!� Malfurion wurde wieder zur Raubkatze. Tyrande setzte sich auf ihn. Der Erzdruide rannte mit halsbrecherischer Geschwindigkeit los, sprang hoch �ber die zerst�rte Landschaft.</p><p>Satyre lauerten �berall. Doch die erfahrene Hohepriesterin schlug ihnen Klauen, ganze Gliedma�en und selbst H�nde mit der Gleve ab. Malfurion trampelte andere nieder, die ihm den Weg versperrten, schlug mit den Pranken nach allen, die stehen blieben und zerfleischte viele weitere.</p><p>Stetig griffen die Wurzeln nach seinen Beinen oder versuchten, Tyrande von seinem R�cken zu sto�en. Malfurion wand sich aus ihrer Reichweite, und Tyrande trennte mehr als eine nach ihr greifende Spitze ab. Der Weg wurde rutschig, doch Malfurion hielt sich mit den Krallen besser als die Satyre mit ihren Hufen. Die Landschaft rauschte an ihnen vorbei.</p><p>Und schlie�lich tauchte etwas Unheilvolles und gleichzeitig Vertrautes aus dem Nebel vor ihnen auf. Es war immer noch weit von den beiden entfernt und doch gigantisch. Tats�chlich erkannte Malfurion, dass es sehr viel gr��er war als alle normalen B�ume und dass seine �ste, die aus der Ferne leblos wirkten, sich bis zum Horizont erstreckten. Das war weder Teldrassil noch einer der anderen gro�en B�ume... es war ein Baum von titanischen Ausma�en.</p><p>Und so verdreht der Schatten gewesen war, hatte auch er nicht die schreckliche Majest�t des wahren Baumes erahnen lassen. Es waren Hunderte, Tausende von kleineren �sten, alle genauso boshaft wie die gro�en. Als Tyrande und Malfurion sich n�herten, bemerkten sie, dass es dort <emphasis>tats�chlich</emphasis> Bl�tter gab. Doch anders als die korrumpierten Bl�tter des Weltenbaums waren diese lang und gebogen, und von Malfurions erh�hter Warte aus wirkten sie wie messerscharfe Sicheln.</p><p>Beim N�herkommen sahen Malfurion und Tyrande, dass die Bl�tter und der Baum nicht schwarz waren, wie es zuerst den Anschein gehabt hatte... sondern von derselben tiefroten Farbe wie der �Saft�, der ihn durchfloss.</p><p>Das war nicht mehr derselbe Baum, in den ein viel j�ngerer Malfurion seinen Gegner vor Tausenden von Jahren verwandelt hatte. Der war ein Symbol der Erneuerung gewesen, etwas, das Leben bringen w�rde, wo Xavius doch den Tod suchte.</p><p>Malfurion hatte nach dem Krieg immer zur�ckkommen wollen, um zu sehen, wie er wuchs. Andere Dinge waren jedoch stets dringlicher gewesen... und dann hatte er es vergessen.</p><p><emphasis>Aber wie konnte diese Perversion nur vor uns versteckt bleiben</emphasis>?, fragte sich Malfurion. <emphasis>Sicherlich wurde dieser Plan schon vor langer Zeit geschmiedet</emphasis>...</p><p>Die dunkle Macht hinter dem Albtraumlord musste Xavius schon kurz, nachdem Malfurion den neuen Baum verlassen hatte, kontaktiert haben. Denn dieser Baum hatte sicherlich viele Jahrtausende gebraucht, um so zu wachsen. Es zeigte die heimt�ckische Geduld, �ber die nicht nur Azsharas ehemaliger Berater, sondern auch sein monstr�ser Herr verf�gten. Erst als er m�chtig genug geworden war, b�se genug, hatte es keinen Grund mehr gegeben, seine Anwesenheit zu verschleiern.</p><p>Als w�re ein starker Wind aufgekommen, bewegten sich die �ste pl�tzlich gleichzeitig auf Malfurion und Tyrande zu. Trotz der gro�en Entfernung, die noch zwischen ihnen und dem Baum lag, kamen die �ste immer n�her...</p><p>Und sie waren beinahe bei ihnen.</p><p>Malfurion sp�rte, wie der Boden wieder bebte. Er knurrte Tyrande eine Warnung zu und warf sich dann zur Seite. Die Wurzeln brachen dort hervor, wo sie eben noch gewesen waren. Sie schossen so hoch, dass sie beinahe mit den niedrigsten �sten kollidierten.</p><p>Ein d�steres Rascheln erklang. Der Erzdruide drehte sich mitten im Sprung. Mehr als ein Dutzend kleinerer �ste zischten nur Zentimeter von ihnen entfernt vorbei. An jedem hingen die langen sichelf�rmigen Bl�tter. Malfurion m�hte sich redlich, um ihnen allen auszuweichen, doch zwei erwischten ihn.</p><p>Die Bl�tter schlitzten seine Haut auf, und er h�rte Tyrande keuchen.</p><p>Die Katze wirbelte herum. Der Weg hinter ihnen f�llte kurz seinen Blick aus. Eine Wand aus Wurzeln versperrte ihnen jeden Fluchtweg, und die Satyre eilten begierig durch die einzige verbliebene L�cke.</p><p>Xavius hatte gewollt, dass sie zu ihm kamen.</p><p>�Vorsicht!�, rief Tyrande. Ihre Gleve durchtrennte drei �ste, bevor die t�dlichen Bl�tter die beiden ber�hren konnten.</p><p>Malfurion traf eine Entscheidung. Er hatte immer noch Kontakt zu den anderen. Versuchte immer noch, sie zu f�hren. Die Anstrengung war gewaltig, doch der Erzdruide wusste, dass er noch mehr tun musste.</p><p>Mit einem Knurren warnte er Tyrande, dass er gleich erneut seine Gestalt wechseln w�rde. Die Hohepriesterin sprang gekonnt herab, w�hrend sie immer noch die Gleve benutzte, um jeden Ast abzuschlagen, der nach ihnen griff.</p><p>Malfurion blickte nun nach Azeroth und in den Smaragdgr�nen Traum hinein. Er musste dieses Mal tiefer einsinken, das galt f�r die beiden Reiche wie auch f�r ihn selbst.</p><p>Der Himmel brauste. Er brauste nicht nur �ber ihnen, sondern <emphasis>�berall</emphasis> in Azeroth, <emphasis>�berall</emphasis> im Smaragdgr�nen Traum/Albtraum. Malfurion strengte sich noch mehr an und achtete nicht darauf.</p><p>Doch sein Angriff richtete sich nicht gegen den Feind, zumindest nicht direkt. Stattdessen konzentrierte sich Malfurion auf diejenigen, die er am meisten brauchte.</p><p><emphasis>Broll... Thura</emphasis>...</p><p>Dieses Mal konnte er sie sp�ren. Dieses Mal konnte er f�hlen, wie der Druide sich dagegen wehrte, vom Albtraum �berw�ltigt zu werden.</p><p><emphasis>Shan... do</emphasis>..., ert�nte die schwache, aber entschlossene Antwort.</p><p><emphasis>Jetzt ist es an der Zeit... Die Werkzeuge sind an Ort und Stelle... der Ast, den ich Euch gegeben habe... Ich verrate Euch die Wahrheit �ber seinen Ursprung und was wir tun m�ssen</emphasis>.</p><p><emphasis>Ich bin... bereit</emphasis>...</p><p>Mehr musste Malfurion nicht h�ren. �ber das stete Rauschen hinweg rief er Tyrande zu: �Rettet Euch! Ich muss es jetzt beenden! Ich kann nicht versprechen...�</p><p>�Nein! Wir leben und sterben gemeinsam!�</p><p>Er wollte nicht streiten. Der Erzdruide ging ein letztes Mal in sich.</p><p>Und pl�tzlich... schwoll der Sturm wieder an.</p></section><section><title><p>29</p><p>Die zwei B�ume</p></title><p>Broll B�renfell hatte mit dem Tod gerechnet. Doch irgendwie war es ihm gelungen, den Angriff auf seinen K�rper und die noch heimt�ckischere Attacke auf seinen Geist abzuwehren. Der Albtraum suchte ihn, denn er war einer von Malfurions wichtigsten Verb�ndeten. Er h�rte Schreie, und in seinen Gedanken entstand erneut das Bild seiner sterbenden Tochter und seiner Schuld an ihrem Tod. Es war ein wohlgezielter Angriff des Albtraums, denn Anessa war schon immer Brolls wunder Punkt gewesen.</p><p>Doch das war vorbei. Broll kannte die Schrecken des Albtraums und verfluchte sich daf�r, dass er durch ihren Tod fast dem Albtraum zum Opfer gefallen w�re.</p><p>Anessa h�tte nicht gewollt, dass ihr Vater aus Kummer um sie starb. Er ehrte ihr Andenken besser, wenn er den Kampf aufnahm.</p><p>Das war Broll jedoch erst richtig bewusst geworden, als er miterleben musste, wie so viele andere um ihre verlorenen Angeh�rigen trauerten�� und wie sie litten. Der Albtraum war ein Meister darin, die Gedanken seiner Opfer zu verwirren und Liebe in Folter zu verwandeln.</p><p>Der Druide warf eine Handvoll Pulver auf seine Feinde. Er hatte es aus Pflanzen gemischt, die f�r ihre feurigen Eigenschaften bekannt waren. Als es seine finsteren Gegner traf, zischte es. Die Schatten verbrannten und heulten gequ�lt auf. Broll blickte zu Thura und erwartete das Schlimmste. Doch die Orcfrau hockte neben ihm, ihre Augen waren geschlossen, ansonsten ging es ihr gut.</p><p>�Ich habe einen Schwur geleistet...�, sagte sie. �Und ich werde ihn erf�llen...�</p><p>Broll vertrieb den Nebel, und zum ersten Mal sah er, dass hier nicht nur die Axt lag, sondern auch noch ein anderes, merkw�rdigeres Ding. Einst war es lebendig gewesen, und derjenige, der es an diesen Ort gebracht hatte, hatte es mit Sorgfalt eingepflanzt. Trotzdem hatte er nicht damit gerechnet, es erbl�hen zu sehen.</p><p>Es war ein Ast. Ein verderbtes Ding, das Broll augenblicklich erkannte. Er begriff auch, warum es hier platziert worden war. Ihr Plan hatte immer noch eine Chance.</p><p>Und w�hrend er dar�ber nachdachte, erreichte ihn der Sturm. Aber Broll sp�rte keine Furcht, nicht einmal Besorgnis. Er wusste, woher der Wind kam und dass er zu ihrer aller Schutz diente.</p><p>Der Druide packte den Ast. Verglichen mit dem Baum, dem er urspr�nglich entstammte�� um dann in Teldrassil eingepflanzt zu werden -, war er ein Nichts. Tot.</p><p>Doch es steckte immer noch die Essenz des Albtraumlords darin. �Thura! Ihr m�sst Euch die Axt im selben Moment greifen, wenn ich zuschlage!�</p><p>Die Kriegerin verstand ihn sofort. Dann wirkte Broll einen schrecklichen Zauber. Wer stark genug war, konnte aus scheinbar toten Pflanzen, selbst B�umen, noch etwas Leben herausholen. F�r eine echte Pflanze h�tte Broll zweifellos alles getan, obwohl er seine Grenzen kannte. Nun jedoch versuchte er, etwas Monstr�ses wiederzubeleben. Sein Shan�do hatte ihm die ganze Wahrheit �ber den Ast und den Baum mitgeteilt. Alles �ber seine Herkunft. Broll konnte selbst noch in diesem kleinen St�ck die Falschheit sp�ren, die d�monische Essenz. Der Ast war nichts Nat�rliches mehr, er war ein an der Natur begangener Gewaltakt.</p><p>Doch als er seinen Zauber begann, sp�rte Broll das andere, �ltere �bel, vor dem Malfurion ihn auch gewarnt hatte. Dieses B�se hatte seinen eigenen teuflischen Einfluss in die Erschaffung des Albtraumlords einflie�en lassen.</p><p>Der Funke, so glaubte Broll, war da. Er machte weiter, auch wenn die Falschheit sich noch verst�rkte.</p><p>Der Ast bebte, k�mpfte gegen seine Umklammerung an.</p><p>�Jetzt!�, rief der Druide und hob den Ast hoch.</p><p>Thura griff nach der Axt, die immer noch von einem Leuchten erf�llt war, das sowohl ihrer eigenen guten Kraft als auch den finsteren M�chten des Albtraums entsprang.</p><p>Die Hand der Orcfrau und der Ast begannen zu leuchten, sobald sie sich ber�hrten. Mehr brauchten die Verteidiger nicht. Der Albtraum hatte keine Kontrolle mehr �ber die Waffe. Cenarius hatte diese reine Axt erschaffen, und Brox hatte sie durch seine Taten noch verst�rkt.</p><p>Und die von Malfurion erw�hlte Thura war eine w�rdige Nachfolgerin. Sie nahm die Waffe auf. Broll warf den Ast weg, der ohne den Zauber nicht �berleben konnte. Der Druide verwandelte sich in eine Raubkatze.</p><p>Thura sprang auf seinen R�cken. Er trug sie mit sich. Der Schatten des Baumes streckte sich, um sie einzuholen. Doch der Sturm setzte ihm schwer zu, zerrte an den �sten und blies den Nebel fort. Blitze verbrannten die Schattenkreaturen und setzten sogar einige der �ste in Brand.</p><p>Broll wunderte sich �ber den Sturm. Er hatte schon miterlebt, wie bei langen Druidenversammlungen St�rme erschaffen worden waren, wenn Regen ben�tigt wurde. Doch keiner war so gewaltig wie dieser gewesen.</p><p><emphasis>Daf�r m�ssen Malfurion und alle Druiden zusammengearbeitet haben</emphasis>!</p><p>Wie auch immer sein Shan�do den Sturm erschaffen hatte, er erm�glichte Broll und Thura, den Schattenbaum zu erreichen. Die feindliche Silhouette erhob sich �ber ihnen...</p><p>Eine gro�e Hand drosch auf sie beide ein. Knorre zerrte an der reglosen Thura, die immer noch die Axt umklammert hielt.</p><p>�Der Albtraum wird alles �bernehmen!�, br�llte das korrumpierte Urtum.</p><p>Broll �berschlug sich und blieb liegen. Er verwandelte sich wieder in seine normale Gestalt. Mit vor Schmerzen gefletschten Z�hnen sprach er einen Zauber.</p><p>Das Urtum war genauso sehr Pflanze wie Tier. Selbst korrumpiert war es mit einem riesigen, wenngleich nun b�sartigen Bewuchs �berzogen. Und dieser Bewuchs war f�r einen erfahrenen Druiden beeinflussbar.</p><p>Die verkr�ppelten Ausw�chse wurden dicker, Ranken wanden sich um Knorres K�rper und wickelten die Gliedma�en des Urtums binnen Sekunden ein. Auch die Hand, die Thura umklammerte, wurde davon zusammengezogen, sodass Knorre sie �ffnen musste.</p><p>Die Orcfrau fiel zu Boden und landete auf den F��en. Sie wankte, doch dann fing sie sich.</p><p>Knorre taumelte. Einige der Ranken, die seine Beine und einen Arm fesselten, zerrissen. Erneut griff er nach Thura...</p><p>Grunzend verst�rkte Broll den Zauber. Die Ranken wurden st�rker und dicker.</p><p>Kurz bevor die Klauen die Orcfrau erneut zu fassen bekamen, fesselten die Ranken das korrumpierte Urtum derart nachhaltig, dass es sich nicht mehr bewegen konnte. Broll lie� nicht nach in seinem Bem�hen. Die Ranken wuchsen weiter und zogen sich immer enger zusammen.</p><p>Das Urtum st�rzte zu Boden und konnte sich keinen Deut mehr bewegen. Der Nachtelf wunderte sich �ber sein eigenes Werk. Er wusste, dass seine Kr�fte vor Kurzem noch nicht ausgereicht h�tten, jemanden wie Knorre zu besiegen, ohne ihn t�ten zu m�ssen.</p><p>Thura hatte die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sie war fast schon bei dem Schatten und griff sich die Axt.</p><p>Der Sturm lie� nach. Der Wind wurde schw�cher.</p><p>Der Baum bewegte sich.</p><p>Ein Schattenast stie� die Orcfrau vor die Brust. Obwohl er keine feste Substanz hatte, wurde sie davon aufgespie�t. Thura erstarrte, die Axt hatte sie immer noch erhoben.</p><p>Die anderen �ste st�rzten sich auf Broll...</p><empty-line/><p><emphasis>Sie sind zu schwach... wir sind zu stark... Du hast versagt, werter Malfurion</emphasis>...</p><p>Malfurion weigerte sich, auf solche Worte zu achten, obwohl sie nicht ganz falsch waren. Er wusste, dass er selbst mit Tyrandes Hilfe schnell an seine Grenzen gelangen w�rde.</p><p><emphasis>Sieh, wie sie nun alle sterben</emphasis>..., sagte der Albtraumlord.</p><p>Vor den Augen des Erzdruiden erschienen wieder Visionen all derer, die sich auf ihn verlie�en. Thura war aufgespie�t worden. K�nig Varian f�hrte eine stetig kleiner werdende Armee. Die anderen Druiden taten unter Hamuuls F�hrung ihr Bestes, um gegen den unaufhaltsamen Feind zu bestehen, der beide Reiche verwandelte...</p><p>Doch das war ihm schon zuvor gezeigt worden, er hatte es schon zuvor gesp�rt. Aber das vernichtende Gef�hl, schon so weit gekommen zu sein, nur um wieder zu versagen, war einfach zu viel. H�tte er Hunderte Malfurions gehabt, oder Tausende, dann h�tte er vielleicht siegen k�nnen... doch er war ganz allein.</p><p><emphasis>Verzweifle... und sei gewiss... dass ich dir nur gezeigt habe, was wirklich geschieht... dieses Mal erkennst du selbst dein Versagen</emphasis>...</p><p>Xavius lachte laut.</p><p>Der Sturm erstarb fast v�llig. Sein Gegner hatte recht. Xavius tat gar nichts, er zeigte Malfurion nur, was er selbst bereits wusste... dass der Erzdruide alle entt�uscht hatte.</p><p>Aber als die Finsternis beinahe sein Herz umschloss, ber�hrte ihn ein beruhigendes Licht von innen. Er wusste sofort, woher es kam.</p><p>�Malfurion!�, wisperte Tyrande in sein Ohr. Ihre Stimme klang ausgezehrt, doch immer noch unbeugsam. �Bitte! Gebt... nicht auf! Er spielt mit Euren Gedanken...�</p><p>Der Erzdruide r�hrte sich und stellte fest, dass sie beide in den boshaften �sten gefangen waren. Nur weil Tyrande sich offensichtlich an ihn geklammert hatte, als sie gepackt wurden, waren sie zusammen.</p><p><emphasis>All das ist der Albtraum</emphasis>!, sagte Xavius, der Baum. <emphasis>Du... sie... wir alle... Wie lange habe ich darauf gewartet... so lange war ich gefangen, wartete und wurde unter seiner F�hrung immer st�rker... Ich wuchs, bis die Zeit reif war, und dann erhob ich mich aus den Tiefen, um auf den �stlichen Klippen, die mein verlorenes Zin-Azshari �berragen, Wurzeln zu schlagen! Hier herrschte einst meine K�nigin, hier hatte ich Macht. Wie passend ist es, dass du hier sterben wirst und der Albtraum alles vereinnahmen wird... wie passend</emphasis>!</p><p><emphasis>Alles</emphasis>... Das Wort schlug eine Saite in Malfurion an.</p><p><emphasis>Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht</emphasis>. Er wusste, was er tun musste, um den Albtraum ein f�r allemal zu beenden. Sieg oder Niederlage hingen nicht von ihm alleine ab, auch nicht von ihm und Tyrande, obwohl sie die Feinde gemeinsam bek�mpft hatten. Nein, <emphasis>sie alle</emphasis> mussten so koordiniert zusammenarbeiten wie niemals zuvor.</p><p>Gest�rkt von dieser letzten Erkenntnis schlugen von Malfurion gef�hrte Blitze in den vordersten Ast ein, der sie festhielt. Die beiden Nachtelfen wurden in die Luft geschleudert. Malfurion verwandelte sich in eine Sturmkr�he und packte Tyrande mit seinen Krallen. Er setzte sie au�erhalb der Reichweite der �ste ab, dann nahm er wieder seine normale Gestalt an.</p><p>�Ich habe einen Fehler gemacht�, sagte er. �Ich kenne jetzt die Wahrheit.�</p><p>Sie nickte. Tyrande wusste, was er von ihr erwartete. Ohne abzuwarten begann die Hohepriesterin, zu Elune zu beten.</p><p>Malfurion versuchte, die anderen Druiden zu kontaktieren... jeden Druiden, egal in welchem Reich, au�er Broll. <emphasis>Lasst mich euch zeigen, was wir�� gemeinsam!�� erreichen k�nnen</emphasis>...</p><p>Damit alles klappte, musste Malfurion die anderen Druiden bitten, auf eine eigene Verteidigung zu verzichten. Er war genauso �berrascht wie dankbar, als ein jeder ohne Z�gern einwilligte.</p><p>Er zeigte ihnen, was sie bereits wussten, aber nicht v�llig verstanden. Sie waren Druiden. Sie waren Azeroths H�ter, Azeroths W�chter. Und dasselbe galt auch f�r den Smaragdgr�nen Traum.</p><p>Und obwohl sie wussten, dass die Verbindung mit der Natur in beiden Reichen sehr m�chtig war, hatten sie doch nicht erkannt, dass ihre M�glichkeiten deutlich weniger begrenzt waren, als sie vermutet hatten.</p><p>Die beiden Reiche waren auf eine Art miteinander verwoben, die selbst die Druiden niemals ganz verstanden hatten. Die Verbindung war komplexer und wahrscheinlich m�chtiger, als sie geglaubt hatten.</p><p>Die anderen wunderten sich �ber das, was ihnen ihr Shan�do offenbarte. Malfurion jedoch konnte sie nicht l�nger bei dieser erstaunlichen Entdeckung verweilen lassen. Er leitete sie weiter an, sodass sie ihre Zauber nach seinen Vorstellungen ver�ndern konnten.</p><p>Der Sturm war sein Sturm. Die anderen Druiden waren zwar notwendig, um ihn zu erschaffen und damit er anwuchs. Aber seine richtige Gr��e, das wahre epische Ausma�, erhielt er von Malfurion. Tyrande half mit Gebeten an Mutter Mond, damit sein Geist w�hrenddessen vom Albtraum verschont blieb.</p><p>Ein tiefes Beben ersch�tterte Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum. K�nig Varian hielt Ordnung unter seinen Kriegern. Doch er wusste, dass sie nicht darauf hoffen durften, dass dieses Beben ihnen neue Hoffnung brachte. W�hrend der Herr von Sturmwind den Kampf anf�hrte, erschien das Bild des Wolfes auf seinem Gesicht und verlieh den Kriegern, die von der Gunst des Geistes wussten, neuen Mut.</p><p>Die Lebensbinderin k�mpfte an dem einzigen Tor, das alle Anstrengungen des Albtraums behinderte. Sie l�chelte grimmig in Anerkennung dessen, was Malfurion schon geleistet hatte. Dann gab sie das Ihre, um sicherzustellen, dass sie nicht versagte.</p><p>Malfurion sp�rte, wie alles zusammenkam. Die Druiden wurden unter seiner F�hrung geeint. Er f�hlte ein Verst�ndnis f�r beide Welten, das er sich nie h�tte vorstellen k�nnen. Aber erst durch seine Verbindung mit Tyrande konnte er dieses Verst�ndnis auch richtig nutzen.</p><p>Der Sturm wurde entfesselt.</p><p>Er tobte mit einer Wut, wie noch kein Sturm vorher es getan hatte. Azeroth erbebte. Der Smaragdgr�ne Traum schimmerte. Sie waren zwei, die eins waren. Allerdings nicht so, wie Xavius es gewollt hatte. Er wollte ein ganzes Reich verderben, es zum Spiegelbild seines eigenen B�sen und der Macht machen, die hinter ihm stand.</p><p>Malfurion schenkte ihm stattdessen die Reinheit und die St�rke der Natur.</p><p>Der Wind heulte. Er brachte Bewegung in den Nebel. Seine Kraft lie� die albtraumhaften Gestalten und Schattensatyre wie Staub zerstieben. Sturmwind, Orgrimmar... jeder umk�mpfte Ort auf Azeroth wurde nun gereinigt.</p><p>Der Regen fiel kr�ftig, Fl�sse verteilten sich, wo immer auch das B�se sich ausgebreitet hatte, �ber die Landschaft. Das reine Wasser sp�lte weitere Schatten des Albtraums fort, weitere schreckliche Traumkreaturen, und brachte neues Leben und neues Wachstum dorthin, wo der Albtraum es verkr�ppelt oder manipuliert hatte.</p><p>Das Ungeziefer verging im Regen, seine F�ule konnte dieser Kraft nicht widerstehen. Wer bereits zu stark vom Albtraum korrumpiert war, floh gemeinsam mit dem Nebel.</p><p>Doch der Albtraum beherrschte immer noch viele seiner Opfer, und die Macht, die von ihren �ngsten ausging, war enorm. Die Schlafwandler erhoben sich in gro�er Zahl, getrieben von ihren schrecklichen Tr�umen, um die Lebenden zu bek�mpfen.</p><p>Malfurion hatte gewusst, dass es so kommen w�rde. Er rief den Donner zur Erde herab.</p><p>Noch nie hatte es auf Azeroth ein derartiges Ger�usch gegeben. Hunderte Vulkane waren nichts im Vergleich dazu. Alle St�rme in Azeroths Geschichte zusammen kamen dieser fantastischen Kraft nicht einmal nahe.</p><p>Und keine Kreatur, egal, wie tief sie schlief, wie tief versteckt sie in irgendeiner H�hle lauerte oder hoch in den Bergen oder hinter dicken Steinmauern... h�tte es �berh�ren k�nnen.</p><p>Der Donner ert�nte.</p><p>Die Schl�fer erwachten.</p><p>Die Macht des Albtraums zerbarst.</p><p>Xavius� Emp�rung hallte einen Augenblick sp�ter in Malfurions Kopf wider. Ein mitleiderregendes Ger�usch im Vergleich zur Majest�t des Sturms. Doch der Erzdruide war sich seines Sieges noch nicht sicher. Malfurion streckte die Arme aus, ballte die H�nde zu F�usten und legte seinen ganzen Willen in das, was er und die Druiden erschaffen hatten. Dann schickte er diese Macht dem Albtraumlord entgegen.</p><p>Der Sturm w�tete weiter.</p><p>Wo auch immer die Verderbtheit noch herrschte, zuckten Blitze und lie�en die Dunkelheit schwinden. Die Blitze waren nicht wie �blich wei� oder gelb, sondern so leuchtend gr�n wie saftige Weiden. Wo die Blitze einschlugen, verbrannte der Boden nicht, sondern er <emphasis>erbl�hte</emphasis>.</p><p>Malfurion lie� in keinem der beiden Reiche nach, damit der Albtraum keinen neuen Br�ckenkopf bilden konnte. Als das B�se jedoch immer weiter zur�ckgedr�ngt wurde, wuchs sein Widerstand. Malfurion sp�rte, wie einige der Drachen erlahmten, und aus Sorge um sie nahm er eine gr��ere Last auf sich. Tyrande st�rkte ihn dabei. Ihre Entschlossenheit war so gro� wie seine. Alles <emphasis>w�rde</emphasis> hier enden...</p><p>Mitten in seinen Bem�hungen sp�rte Malfurion, wie das B�se hinter Xavius zum ersten Mal selbst Einfluss nahm... und zur�ckschlug.</p><p>Es dauerte einen Augenblick, bis der Erzdruide verstand, warum. Es lag an den Schlafenden. Sie waren nun wach, doch die Schrecken ihrer f�rchterlichen Tr�ume waren noch bei ihnen. Ihre �ngste n�hrten den Albtraum noch immer.</p><p>Malfurion und Tyrande sp�rten zur gleichen Zeit, was getan werden musste. Seine linke Hand beschrieb einen Bogen. Der Regen �ber Azeroth ver�nderte sich, wurde feiner, w�rmer. Er nahm einen r�tlichen Farbton an, einer Rose �hnlich. Gleichzeitig bat Tyrande Elune um Hilfe. Das silberne Licht von Mutter Mond schien auf sie herab und vereinte sich mit dem Regen.</p><p>Als der erstaunliche Regen die Opfer des Albtraums ber�hrte, �berkam sie augenblicklich ein Gef�hl der Ruhe. Sie verga�en, was sie erlitten oder was sie anderen als Sklaven des Xavius angetan hatten.</p><p>Der Widerstand gegen Malfurions Zauber wurde schw�cher. Ermutigt drang er immer weiter vor... bis er den Baum und seinen Schatten erreicht hatte.</p><p>Bis er Xavius erreichte und nicht weiterkonnte.</p><p><emphasis>Ich werde immer bei dir sein</emphasis>, spottete der Albtraumlord. <emphasis>Ich hin du, Malfurion Sturmgrimm</emphasis>...</p><p>Der Erzdruide antwortete nicht. Er rief alle Energien von Azeroth und dem Smaragdgr�nen Traum an und schleuderte sie dem gro�en schrecklichen Baum entgegen.</p><p>Nichts geschah.</p><p>Malfurion wandte den Blick zum Smaragdgr�nen Traum und dem Schatten des Xavius. Dort sah er, was er bereits wusste. Thura war immer noch durchbohrt, und Broll k�mpfte darum, nicht von den �sten eingefangen zu werden.</p><p>Die geb�ndelten Energien trafen den Schatten... und richteten nicht mehr aus als gegen einen gew�hnlichen Baum.</p><p><emphasis>So, das wollt Ihr also von mir</emphasis>, dachte Malfurion. <emphasis>Nun gut</emphasis>.</p><p>Er konzentrierte sich und benutzte die aberwitzigen Kr�fte, die er aus beiden Reichen gezogen hatte. Er trennte seine Traumgestalt auf eine Art und Weise von seinem physischen K�rper, die selbst er nicht f�r m�glich gehalten h�tte. Malfurion war nun zwei unterschiedliche Wesen, doch immer noch dieselbe Person. Sein physischer K�rper schlief nicht. Er war gleicherma�en im Smaragdgr�nen Traum und auf Azeroth vorhanden und konnte dort ebenfalls eingreifen.</p><p>Auch das war eigentlich unm�glich, und kein Druide vor ihm hatte es je versucht. M�glich wurde diese einzigartige Tat, weil der Albtraum versucht hatte, die beiden Reiche zu verschmelzen.</p><p>Es war der einzige Weg, wie er seinen Angriff exakt zur gleichen Zeit auf den Baum und den Schatten konzentrieren konnte. Erst so wurden sie beide empf�nglich f�r seine Kraft.</p><p>Aber genau das Gleiche wollte auch Xavius. Denn Malfurion war w�hrend dieses Aktes zweifellos auch doppelt so empf�nglich f�r die Gefahren aus beiden Reichen.</p><p>Die schattenhaften �ste griffen seine Traumgestalt an. Der pervertierte Baum attackierte w�hrenddessen mit neuer St�rke seinen physischen K�rper.</p><p>Doch als der Albtraumlord angriff, nahm Malfurion Kontakt mit dem Geist eines anderen auf. <emphasis>Broll... wir m�ssen zuschlagen</emphasis>...</p><p>Der Druide best�tigte kurz den Kontakt. Da der Albtraum ihn f�r unbedeutend hielt, bekam er die eine Sekunde, die er brauchte, um seine eigenen Kr�fte ins Spiel zu bringen.</p><p>Broll verwandelte sich wieder in eine Raubkatze, benutzte das Maul und befreite Thura aus dem Griff des Schattens. Ihre Haut war kalt, doch als der Kontakt mit dem Schatten abbrach, wurde der K�rper sofort w�rmer.</p><p>Die Orcfrau r�hrte sich. Broll st�rzte vorw�rts.</p><p>Tausend Schatten�ste stie�en in Malfurions Traumgestalt. Auf Azeroth hielt Tyrande den Erzdruiden fest, als ihn die schlimmsten Schmerzen durchfuhren, die er je versp�rt hatte. Selbst als Baum hatte er so etwas nicht erleiden m�ssen.</p><p>Die Hohepriesterin schrie auf, als sie diesen Schmerz annahm und zu ihrem eigenen machte, damit der Erzdruide sich besser auf seinen Angriff konzentrieren konnte.</p><p>Malfurion fletschte die Z�hne. Der Nachtelf konzentrierte die Wucht des gigantischen Sturms auf zwei Orte�� auf Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum. Der Baum des Albtraumlords und sein Schatten gaben unter dem verst�rkten Angriff nach. Die �ste, die sich in die Brust von Malfurions Traumgestalt gebohrt hatten, wurden vom Wind davongetragen. Die des wahren Baumes verbrannte der Blitz. Neue �ste entstanden, als der Albtraumlord im Gegenzug versuchte, seinen Feind zu packen. Doch Malfurions Zauber hielt ihn in Schach.</p><p>Und im Smaragdgr�nen Traum griff Thura, abgeschirmt von Broll, den schattenhaften Stamm an. Sie hob die Axt, die mit all der Herrlichkeit der innewohnenden Energien leuchtete, die der Halbgott Cenarius vor zehntausend Jahren f�r Broxigar hineingearbeitet hatte.</p><p><emphasis>Schlagt hier zu</emphasis>!, sagte ihr Malfurion und zeigte ihr in Gedanken ein Bild der verwundbarsten Stelle.</p><p>Mit einem verschlagenen Grinsen erwischte die Orcfrau den Schatten an genau diesem Punkt.</p><p>Ein Schrei hallte �ber den Smaragdgr�nen Traum, ein Schrei, der auch auf Azeroth erklang. Die Axt versank tief in dem Baum, als w�rde sie in etwas Festes eindringen.</p><p>Der Schatten wankte.</p><p>Als Thura zuschlug, verst�rkte Malfurion den Angriff auf den physischen Baum tausendfach. Smaragdgr�ne Blitze trafen ihn immer wieder und setzten einen Ast nach dem anderen in Brand.</p><p><emphasis>Mylord</emphasis>!, rief Xavius pl�tzlich. <emphasis>H�rt mich an</emphasis>!</p><p>Doch Malfurion sp�rte, wie die uralte Finsternis ihren wertlosen Diener verlie�. Obwohl er sich dar�ber wunderte, wagte der Erzdruide es nicht, seinen Angriff gegen Xavius abzuschw�chen. Er wusste nur zu gut, sollte nur irgendein Funke von ihm zur�ckbleiben, w�rde Xavius erneut auferstehen... in einer Gestalt, die wahrscheinlich noch schrecklicher war. Die ganze f�rchterliche Tortur w�rde von Neuem beginnen.</p><p>Thura traf den Schatten ein zweites Mal, und seine Gestalt begann zu schwinden. Malfurion setzte seinen Angriff auf den realen Baum mit Blitzen fort, die ein Inferno ausl�sten. Xavius schleuderte diese Flammen auf seine Feinde zur�ck. Gleichzeitig gab Tyrande ihr Bestes, um Malfurion zu sch�tzen, dennoch wurde ihm die Haut versengt.</p><p>Thura traf ein drittes Mal. Die magische Axt drang so tief in den Schattenbaum ein, dass die Klinge vollst�ndig darin verschwand.</p><p>Und dann... als sie die Waffe wieder herauszog... verschwand der Schattenbaum und l�ste sich in Nichts auf.</p><p>Der Albtraumlord kreischte.</p><p>Auf Azeroth bebte der wahre Baum. Er begann schnell zu vertrocknen. Die �ste fielen ab. Die gro�en Wurzeln ringelten sich und verk�mmerten.</p><p>Die bittere, w�tende Stimme des Albtraumlords dr�hnte in den Gedanken des Erzdruiden. <emphasis>Malfurion Sturmgrimm! Ich werde dich niemals verlassen! Ich werde immer dein Albtraum bleiben! Ich</emphasis>...</p><p>Die Krone des schrecklichen Baumes krachte in sich zusammen. Schwarze Asche zeugte von seinem Tod. Die unteren �ste brachen ab, zerfielen zu Staub, als sie auf dem harten Boden auftrafen. Selbst der Stamm kollabierte, gro�e St�cke brachen aus ihm heraus und verteilten sich �ber die Landschaft. Malfurion wehrte alles ab, was ihn oder Tyrande h�tte treffen k�nnen. Die geschw�rzte Borke verrottete schnell.</p><p>Am Ende blieb nur ein toter Stumpf �brig�� der bereits mehrere Jahrhunderte alt zu sein schien -, als der Staub sich gelegt hatte.</p><p>Xavius, einst Berater von K�nigin Azshara, einst der Oberste Satyr, einst der Albtraumlord... war schlie�lich nicht mehr.</p><p>Malfurion schwelgte nicht in seinem Sieg. Stattdessen machte er weiter, zerst�rte, was vom Albtraum noch �brig war, wollte ihn v�llig vernichten.</p><p>Die Verwandlung von Xavius� Baum, die von Fandral in Teldrassil eingebracht worden war, hatte Xavius eine Verbindung in beide Reiche erm�glicht und erlaubte es dem B�sen hinter dem Albtraumlord, Azeroth und den Smaragdgr�nen Traum gleichzeitig zu besudeln. Doch Xavius� physische Gestalt war auf Azeroth am st�rksten gewesen, und ohne den Baum, der die Verbindung aufrechterhielt, konnte sich der �berrest des Albtraums nicht mehr halten.</p><p>Als Azeroth von der Verderbnis befreit war, konzentrierten sich Malfurion und Tyrande v�llig auf den Smaragdgr�nen Traum. Sie waren fest entschlossen, auch ihn zu reinigen. Der Albtraum schwand, ging immer weiter zur�ck...</p><p>Doch in einem kleinen Winkel des Smaragdgr�nen Traums, in einem tiefen Spalt, den die Druiden als Spalt von Aln kannten, der der Legende nach am Ausgangspunkt des magischen Reiches lag, konnten selbst die vereinten Kr�fte des Erzdruiden und der Hohepriesterin den Kampf nicht v�llig beenden.</p><p>Der Albtraum hielt sich hartn�ckig an diesem Ort, von dem die Druiden annahmen, dass er bis in den Wirbelnden Nether und das Dunkle Jenseits hineinreichte.</p><p>Malfurion blickte hinein und sah nur einen bodenlosen Spalt, der die urzeitlichen Energien ausstrahlte, die selbst er nicht zu untersuchen wagte. Der Spalt an sich schien halb ein Traum zu sein. Eine surreale Aura umgab ihn, und der Erzdruide meinte, immer wieder eine Verschiebung zu erahnen, als wollte er schwinden oder sich zumindest verwandeln.</p><p>Merkw�rdigerweise sp�rte Malfurion erst da, dass das uralte B�se aus den Tiefen von Azeroths Ozeanen heraus agierte. Auch ohne Xavius� Verbindung zum Traumreich war es noch m�chtig genug, diesen Ort unter seiner schrecklichen Herrschaft zu halten.</p><p>Schlie�lich wurde klar, dass es sonst nichts mehr zu tun gab. Malfurion versiegelte die Umgebung um den Spalt. Er traf ein stilles Abkommen mit Tyrande. Sie hatten die Welt gerettet... und dieser andere Krieg w�rde auf andere, bessere Zeiten warten m�ssen.</p><p>Nachdem die akute Gefahr vorbei war, sp�rte der Nachtelf, wie ihm die unglaublichen Energien wieder entglitten. Eigentlich st�rte es ihn nicht, doch er hatte noch einige Dinge zu erledigen, bevor sie v�llig verschwanden. Er eilte �ber beide Reiche und suchte nach �berlebenden Korrumpierten. Es waren nur wenige, und davon konnte er nur eine Handvoll erl�sen. Knorre geh�rte dazu, weil er noch nicht so lange unter dem Einfluss des B�sen gestanden hatte. Remulos war bereits gereinigt worden. Doch viele andere waren bedauernswerterweise wie Lethon und Smariss geworden und konnten nicht ohne den Albtraum �berleben. Sie vergingen wie die Schattensatyre. Malfurion trauerte um sie, ganz gleich, was auch immer sie gewesen sein mochten.</p><p>Als n�chstes stellte er die K�rper von Varians Traumgestaltarmee wieder her, egal, von woher sie gerufen worden waren. Nachtelfen, Orcs, Trolle, Draenei, Blutelfen, Tauren, Zwerge, Gnome, Goblins, Menschen... sie alle hatten ihren Teil dazu beigetragen, sogar einige der Untoten waren dabei. Er verweilte nur einen Augenblick, um zuzusehen, wie ein K�nig zu seinem Sohn lief und die beiden sich umarmten. Die Verteidiger, die nicht in eine physische Gestalt zur�ckkehren konnten, verband der Erzdruide mit dem Smaragdgr�nen Traum, damit sie dort leben konnten.</p><p>F�r seine engsten Verb�ndeten nahm er sich ein wenig Extrazeit. Thura brachte er zur�ck zu ihrem Volk und berichtete ihrem Anf�hrer Thrall, wie wichtig sie im Kampf gewesen war. Lucan Fuchsblut, der Mensch mit den besonderen F�higkeiten, wurde der Sch�ler von Hamuul Runentotem. Der Tauren fand sich bereit, eine Zeit lang in Darnassus zu bleiben, um dem Kartografen beizubringen, wie er seine einzigartigen F�higkeiten am besten kontrollieren konnte. Die beiden passten auf eine merkw�rdige Weise zueinander, und Malfurion hegte gro�e Hoffnung, dass beide Seiten davon profitieren w�rden.</p><p>Dann sp�rte er, wie Tyrande die Schwestern der Elune dazu aufrief, hinaus in die von der Allianz besetzten Gebiete zu ziehen, um den Opfern zumindest Ruhe und Ordnung zu bringen. Die Schamanen und Druiden setzten ihre F�higkeiten auch ein, um den ehemaligen Sklaven des Albtraums zu helfen. Dabei achteten sie darauf, dass jeder sich vornehmlich um das eigene Volk k�mmerte, um weitere Spannungen zu vermeiden. Selbst Malfurion war es unm�glich, alle Wunden zu heilen. Es waren viel zu viele gestorben, als dass irgendeine Macht all diese Erinnerungen zu l�schen vermocht h�tte.</p><p>Obwohl das B�se in den Spalt von Aln verbannt worden war�� wo es hoffentlich auch bleiben w�rde -, w�rde das Erbe des Albtraums die Welt noch �ber Jahre heimsuchen.</p><p>Malfurion wusste noch viele andere Dinge, f�r die er gern die Gaben von Azeroth und dem Smaragdgr�nen Traum verwendet h�tte. Doch ihm war klar, dass es f�r ihn an der Zeit war, dem allen ein Ende zu setzen. Dankbar erlaubte er den Druiden, den Zauber einzustellen. Sie hatten viel mehr gegeben, als er h�tte verlangen k�nnen. Er war stolz auf sie alle.</p><p>Nur widerstrebend trennte sich Malfurion selbst von dem Zauber und gab ihn den beiden Reichen zur�ck. Der Erzdruide konzentrierte sich wieder auf die reale Welt. Sein Blick blieb auf der Frau liegen, die von Anfang bis Ende bei ihm gewesen war. Trotz der gro�en Fehler, die letztlich zu seiner Gefangennahme und Folter gef�hrt hatten, und trotz aller M�hen, die sie seinetwegen hatte erleiden m�ssen. Malfurion erkannte die Liebe in ihr, und obwohl er wusste, dass er ihrer nicht w�rdig war, wollte er nie wieder von ihr getrennt werden.</p><p>Er legte seine Hand sanft auf Tyrandes Wange.</p><p>Ersch�pfung �berkam ihn.</p><p>Malfurion brach in ihren Armen zusammen.</p></section><section><title><p>30</p><p>Eine Zusammenkunft der Hoffnung</p></title><p>Broll B�renfell nahm die Nachricht von Malfurions Erwachen mit einer ausgelassenen Freude auf, wie sie bei den meisten Nachtelfen nur selten vorkam�� bei den Druiden schon gar nicht. Er stie� einen leidenschaftlichen Schrei aus, der durch die Enklave bis zum Tempel des Mondes hallte. Dabei rannte er an denen vorbei, die deutlich gesitteter zum Heim der Schwesternschaft schritten.</p><p>Ihm war nur wichtig, dass sein Shan�do gesund zu sein schien.</p><p>Zwei bewaffnete Schwestern verstellten ihm den Weg, bis ihn eine von ihnen erkannte. �Unsere Befehle lauten, dass wir nur wenige bestimmte Personen einlassen d�rfen�, erkl�rte sie. �Damit der Tempel nicht von allen �berrannt wird, die sich um die Gesundheit des Erzdruiden sorgen.�</p><p>Broll nickte, dankbar, dass er zu den Auserw�hlten geh�rte, denen Tyrande den Zugang gestattete. Er wusste, wo er Malfurion finden w�rde. Er lief durch den Tempel und verneigte sich mehr als einmal vor Mutter Monds Abbild.</p><p>Man hatte Malfurion unter der gro�en Statue aufgebahrt, wo das Mondlicht immer schien. Die Hohepriesterin hatte darauf bestanden, dass er zum Tempel gebracht wurde, obwohl die Druiden ihren gesch�tzten Shan�do eigentlich zur Mondlichtung hatten tragen wollen. Doch Tyrande hatte es einfach nicht gestattet. Schlie�lich war sie nicht nur die Herrscherin der Nachtelfen, sondern auch Malfurions Geliebte. Ihr konnte sich niemand widersetzen.</p><p>Mit geschlossenen Augen lag Malfurion auf miteinander verflochtenen Bl�ttern und Kr�utern, um letztlich auch die Druiden zufriedenzustellen. Tyrande kniete neben ihm und hielt ein weiches, feuchtes Tuch in der Hand. Sie hatte sich um ihn gek�mmert, als w�re sie eine Novizin und nicht die Herrin des Ordens. Hinter ihr stand Wache haltend die ebenfalls recht stille Shandris Mondfeder. Die Generalin machte ein Gesicht, wie es Broll eher von einem Kind erwartet h�tte, das sich um seine Eltern sorgte, aber nicht von einer erfahrenen K�mpferin.</p><p>�Mylady�, murmelte Broll, als er sich n�herte. Shandris warf ihm einen kurzen Blick zu. Sie hatte seine Gegenwart schon vorher gesp�rt und war deshalb unbesorgt. �Ich habe geh�rt, dass er... dass er wach sei...�</p><p>�Und das... und das bin ich auch�, antwortete Malfurion, dessen Augen sich langsam �ffneten. Sie strahlten wie die Sonne... und w�rden es von nun an immer tun. Er schenkte dem Nachtelfen ein kurzes L�cheln. �Doch sie...� Mit einem Blick wies er auf Tyrande, �... besteht darauf, dass ich mich etwas mehr ausruhe. Ein Befehl, dem ich mich nicht verweigern kann... nachdem ich schon einmal... schon einmal erfolglos versucht habe... aufzustehen.� Malfurions Grinsen wurde breiter. �Aber ich bin nachl�ssig. Ich sehe, dass der Kampf auch Euch ver�ndert hat, Broll...�</p><p>Der Erzdruide bezog sich auf Brolls Augen, die zwar nicht so leuchteten wie die seines Shan�dos, aber nun ebenfalls golden erstrahlten. Indem er in sich selbst und nach Azeroth hineingeschaut hatte, hatte Broll schlie�lich den Damm gebrochen�� eine selbst errichtete Barriere�� und war wahrlich der gro�e Druide geworden, den so viele schon viel fr�her in ihm gesehen hatten. Die Ver�nderung reichte bis tief in ihn hinein. Brolls Unsicherheit war verschwunden. Ihm war klar geworden, dass er jetzt endlich so war, wie er schon immer h�tte sein sollen. Mit jeder Bewegung strahlte er nun die unvergleichliche Selbstsicherheit eines echten Druiden aus.</p><p>Doch das interessierte ihn im Augenblick nicht. Nur eine Sache war wichtig. �Aber... geht es Euch wirklich gut?�</p><p>Die Hohepriesterin unterbrach ihre Pflege und blickte Broll an, als h�tte er den Verstand verloren. �Malfurion ist hier im Haus der Elune, und ich bin ihre Stellvertreterin auf dieser Welt... glaubt Ihr, da ginge es ihm schlecht?�</p><p>�Vergebt mir�, antwortete der Druide lachend. �Das habe ich ganz bestimmt nicht gemeint.�</p><p>Malfurion legte seine Hand auf ihr Knie. Tyrandes Gesichtsausdruck wurde sanfter. An Broll gewandt antwortete der Erzdruide: �Sie will mich nur besch�tzen. Ich habe ihr etwas versprochen, das ihr wichtig ist.�</p><p>�Ein Versprechen?�</p><p>�Ein Gl�ck, dass Ihr gerade hier seid, Broll. Weil ich mir niemand anderen vorstellen kann, den ich bei mir haben will, wenn Tyrande und ich uns das Gel�bnis geben.�</p><p>Broll brauchte einen Moment, um zu verstehen, was er meinte. Shandris lachte wegen seiner versp�teten Reaktion.</p><p>�Ihr beide�� Ihr wollt heiraten?�</p><p>�Jetzt seid doch nicht so erschrocken.� Die Hohepriesterin l�chelte. �Ich glaube, dass ich lange genug darauf warten musste, dass er endlich vern�nftig wird.�</p><p>�Und ich glaube, dass Ihr schon l�ngst jemanden mit mehr Verstand als mich h�ttet kriegen k�nnen�, antwortete Malfurion deutlich erholter. Er hielt ihre Hand und fragte Broll: �Nun, Broll B�renfell, wollt Ihr das f�r mich tun?�</p><p>�Da gibt es sicherlich andere...�</p><p>�Es gibt viele gute Seelen, doch ich w�hle Euch.�</p><p>Der Druide neigte den Kopf. �Dann f�hle ich mich geehrt. Ich bete nur, dass ich keinen Fehler mache.�</p><p>Sein Shan�do lachte. �Ihr k�nnt keinen gr��eren Fehler machen als ich. Schlie�lich war ich es, der Tyrande �ber die Jahrtausende hinweg viel zu oft alleine lie�, mein Freund.�</p><p>�Wann findet die Feier denn statt?�</p><p>Wie aus einem Mund antworteten Malfurion und Tyrande: �So bald wie m�glich!�</p><empty-line/><p>Obwohl Darnassus nicht unbedingt der praktischste Ort f�r eine solche Zeremonie war, gab es zugleich wohl auch keinen, der besser geeignet gewesen w�re. Denn f�r Malfurion Sturmgrimm, Anf�hrer der Druiden, und Tyrande Wisperwind, Hohepriesterin der Elune und Herrscherin der Nachtelfen, kam nur die Hauptstadt in Frage.</p><p>Lange vor dem Abend der Zeremonie hatten die beiden bereits alle Fragen �ber ihre zuk�nftigen Rollen gekl�rt. Eigentlich hatte Tyrande das getan. Malfurion wusste, dass sie die beste Herrscherin war, die sein Volk sich w�nschen konnte, zumal er selbst keine Ambitionen in dieser Richtung hatte. Dennoch bestand sie auf der Idee, dass sie Seite an Seite regierten, gleichberechtigt in allen Dingen, was ihr Volk betraf. Sie blieb zudem die Hohepriesterin der Elune und er der oberste Erzdruide. Aber von nun an w�rden diese beiden �mter enger miteinander verbunden sein, was den Nachtelfen nur n�tzen konnte.</p><p>Die Zeremonie fand nat�rlich im Tempel der Elune statt. Doch das bedeutete auch, dass die anwesende Zuschauerschar etwas arrangiert werden musste. Generalin Shandris jedoch erwies sich bei der Organisation der G�ste als ebenso kompetent wie im Feld. Es gab manchen, der au�erhalb ihrer H�rweite sogar tuschelte, dass sie diese Aufgabe mehr zu genie�en schien als ihre normalen Pflichten.</p><p>Neben den Schwestern w�rden auch die Schildwachen aufpassen und sicherstellen, dass niemand �rger bereitete. Das war notwendig, denn neben ihren eigenen Leuten hatten Malfurion und Tyrande noch K�nig Varian, Erzmagier Rhonin und andere Anf�hrer eingeladen. Nat�rlich erschien ein jeder von ihnen mit seinem eigenen Gefolge und seinen pers�nlichen Wachen.</p><p>Trotz der �berall stattfindenden Aufbauarbeiten hatten Varian und die anderen es als ihre vorrangige Pflicht betrachtet, an diesem wegweisenden Ereignis teilzunehmen. Schlie�lich verdankten sie es Malfurion, dass Azeroth �berhaupt noch existierte. Selbst der unabh�ngige Windhammerklan�� die ber�hmten Greifenreiter vom Nistgipfel�� war gekommen, angef�hrt von ihrem Hochthan Falstad.</p><p>Thrall, der Vertreter der Horde, lie� Gru�worte an Malfurion und Tyrande �bermitteln. Das seit jeher fragile B�ndnis zwischen Horde und Allianz fiel allm�hlich auseinander, weil pers�nliche Animosit�ten nun, nachdem die Hauptgefahr gebannt war, offensichtlich wurden. Auf mehr h�tte das Paar auch nicht hoffen k�nnen, denn beide wussten, wie fl�chtig dieser Friede war. Das einzig Gute an den Gr��en war, dass Thura sie �berbrachte. Sie hatte den Kriegsh�uptling gebeten, sie �bermitteln zu d�rfen. F�r sie waren der Erzdruide, die Hohepriesterin und all die anderen Blutsverb�ndete.</p><p>Obwohl die eigentliche Zeremonie stattfinden w�rde, wenn die Wei�e Lady�� der gro�e silberne Mond, der f�r die Nachtelfen Elune selbst verk�rperte�� im Zenit stand, gab es auch andere Beleuchtung, die der Feier Glanz verleihen w�rde und f�r die weniger nachtaktiven G�ste gedacht war. Tausende Gl�hw�rmchen zierten die B�ume, und kleine silberblaue Kugeln aus Mondlicht schwebten �ber den Besuchern. Rhonin�� der das Paar auf einzigartige Weise schon l�nger kannte als jeder andere�� hatte angeboten, dass seine Magier eine Reihe von herrlichen Regenbogen erzeugten, die am dunklen Himmel die zehn Jahrtausende symbolisierten, die Malfurion und Tyrande nun schon zusammen waren.</p><p>Neben Rhonin standen seine Frau, die Hochelfe Vereesa�� Anf�hrerin der Hochelfen des Silberbundes, der aus Protest gegen die Aufnahme der Blutelfen bei den Kirin Tor gegr�ndet worden war�� und ihre Zwillingss�hne. Die beiden Jungen wirkten bedr�ckt. Sie hatten das rote Haar ihres Vaters und trugen seine breiten Gesichtsz�ge. Doch sie waren schlanker gebaut und hatten ein wenig l�ngere Ohren. Die Mischung aus Elf und Mensch h�tte sich als nicht so vorteilhaft erweisen k�nnen, aber beide waren gut aussehend.</p><p>Die H�rner verk�ndeten schmetternd den Eintritt der Hochzeitsgesellschaft. Zuerst kam eine Ehrenwache aus Schildwachen mit Lanzen, die abwechselnd das Mondbanner der Schwesternschaft und den Wappenrock vom Zirkel des Cenarius trugen, ein gro�es Blatt, aus dem ein riesiges Geweih erwuchs. Ihnen folgte eine feierliche Prozession von Druiden und Mitgliedern der Schwesternschaft. Hinter ihnen kamen ernst blickende Veteranen der Schildwachen, ausnahmslos handverlesen von Generalin Shandris.</p><p>Und dann�� zuletzt�� erschienen Malfurion Sturmgrimm und Tyrande.</p><p>Malfurion hatte das Kinn hoch erhoben, das Geweih war himmelw�rts gerichtet. Er trug einen langen Umhang aus Waldbl�ttern und einen Brustpanzer, der aus herabgefallenem Holz gefertigt war. Darauf war der Weltenbaum eingraviert, mit dem Zeichen vom Zirkel des Cenarius dar�ber. Dazu trug der Erzdruide einen knielangen gr�nen Kilt und Sandalen.</p><p>Tyrande leuchtete im liebevollen Licht von Elune. Mutter Mond gab dieser Vereinigung ganz offensichtlich ihren Segen. Als sie vorbeiritt, knieten viele Nachtelfen automatisch nieder. Tyrande war wie eine Hohepriesterin gekleidet. Sie trug zudem ein gro�es Cape aus silberblauem Licht, das �ber ihr Reittier hinaus floss. Ihr mitternachtsblaues Haar war offen und lang, und obwohl sie so weise wie eine Herrscherin wirkte, schien doch ein wenig Jugend ihre gewaltige Sch�nheit zu veredeln, die, da waren sich alle sicher, von der Freude des Augenblicks herr�hrte.</p><p>Shandris und Broll ritten hinter dem Paar her, beide auch in lange M�ntel gekleidet, die denen des Erzmagiers und der Hohepriesterin glichen, aber nicht ganz so prachtvoll waren. Ihre Aufgabe war es, ihren jeweiligen Kameraden als Zeugen beizustehen. Eine Aufgabe, auf die sie ganz offen stolz waren.</p><p>In der Mitte blieb die Gruppe stehen. Malfurion und Tyrande stiegen ab und ergriffen die ausgestreckte Hand des jeweils anderen, dann schritten sie feierlich weiter. Broll und Shandris stiegen ebenfalls ab, traten zur Seite und hinter das Paar, wobei der Druide nahe bei seinem Mentor stand und die Generalin bei ihrer Herrscherin.</p><p>Die Ehrengarde, die Druiden und die Schwestern teilten sich in zwei Reihen auf, die sich in unterschiedliche Richtungen wandten.</p><p>Man hatte lange dar�ber diskutiert, wer die Zeremonie leiten sollte. W�ren die Dinge anders gewesen, so glaubten viele, h�tte Remulos es getan. Doch der Waldh�ter erholte sich noch und war sehr schwach. Er war unter den Zuschauern, so wie einige andere, Elerethe Renferal etwa, die Naralex neben sich half. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten nur die Hohepriesterin und der Erzdruide, wer es sein w�rde. Nicht einmal Broll und Shandris kannten die Wahrheit.</p><p>Malfurion und Tyrande waren bereit. Gemeinsam blickten sie zum Himmel auf.</p><p>Das Licht der Elune schien auf das Paar hinab. Doch etwas anderes erregte ihre Aufmerksamkeit.</p><p>Das Schlagen von Fl�geln erklang aus der H�he. Die Menge, darunter Lucan, Hamuul und Thura, folgten Malfurions und Tyrandes zufriedenem Blick.</p><p>Der Tauren blickte auf. Seine Augen waren nicht nur golden, es lag auch noch ein smaragdgr�ner Glanz darin. Er hatte so viel von sich selbst gegeben, um Malfurion zu helfen, dass er genauso gezeichnet worden war. Lucan war jetzt nicht nur Hamuuls Sch�ler, sondern von K�nig Varian�� der von Malfurion und Broll erfahren hatte, wie viel sein Untertan zum Sieg beigetragen hatte�� auch zum Meister-Kartografen von Sturmwind ernannt worden. Jetzt zeigte er besondere Freude bei dem fantastischen Anblick. Obwohl er sich damit ein paar entgeisterte Blicke einfing, winkte er, als w�rde er einen Freund unter den Drachen erkennen, die nun �ber ihnen kreisten.</p><p>Rote und gr�ne Drachen bev�lkerten die L�fte �ber Darnassus.</p><p>�Ganz ruhig�, sagte Malfurion, bevor Chaos ausbrechen konnte. �Sie sind als Freunde und G�ste hier...�</p><p>Die meisten Drachen schwebten noch, doch die vier gr��ten landeten. Die beiden kleineren�� eindeutig M�nnchen�� lie�en sich auf dickeren �sten nieder.</p><p>Ein Lachen entfuhr Erzmagier Rhonin, der, wie das Brautpaar, den roten Drachen Korialstrasz kannte, den Hauptgemahl von Alexstrasza. Er war gemeinsam mit allen anderen erwacht und half aktiv beim Wiederaufbau von Azeroth mit.</p><p>Doch f�r die drei und Rhonins Gef�hrtin Vereesa war er gleichzeitig auch der mysteri�se Magier Krasus. Wie bei Rhonin konnte man ebenso leicht an Korialstrasz� Gesichtsausdruck erkennen, dass der Drache diesen entscheidenden Moment um nichts auf der Welt h�tte verpassen wollen.</p><p>Und nat�rlich war Korialstrasz in Begleitung seiner K�nigin gekommen. Alexstrasza schwebte genau �ber den S�ulen, neben ihr flog Ysera.</p><p>Der gr�ne Drache wirkte ersch�pft und mager, ihr titanischer Kampf hatte sie sehr mitgenommen. Doch sie trug auch einen Ausdruck enormen Stolzes auf ihrem Gesicht, und dieser Stolz galt Malfurion Sturmgrimm.</p><p>Die beiden gro�en Drachen schwebten noch einen Moment lang, dann landeten sie vor den erschreckten Augen des Publikums und verwandelten sich. Die Fl�gel wurden kleiner, und die K�rper zogen sich zusammen. Die Drachen schwanden auf die Gr��e von Nachtelfen und nahmen eine �hnliche Gestalt an.</p><p>Alexstrasza wurde so, wie Broll und die anderen sie kennengelernt hatten, eine herrliche, feurige G�ttin. Ysera war nicht weniger beeindruckend, obgleich �therischer. In ein hauchd�nnes smaragdgr�nes Gewand gekleidet, wirkte sie ansonsten Alexstrasza sehr �hnlich. Nur ihre Haut war von blassem Gr�n und ihre Augen waren, wie �blich, geschlossen.</p><p>Die beiden Drachen l�chelten die Hohepriesterin und den Erzdruiden an. Ysera nahm nahe Malfurion Platz, w�hrend sich Alexstrasza zu Tyrande setzte.</p><p>�<emphasis>Wir f�hlen uns sehr geehrt, dass wir diese Verbindung der beiden Geister vollziehen d�rfen�</emphasis>, sangen sie gemeinsam. �<emphasis>Doch in Wahrheit sind diese beiden Geister schon seit Beginn an eins gewesen...�</emphasis></p><p>Die Drachen legten die H�nde des Paars zusammen, dann schlossen sie ihre eigenen darum herum.</p><p>�<emphasis>Obwohl diese Zeremonie kurz sein soll, soll sie f�r immer zehntausend Jahre der Liebe und Bestimmung f�reinander markieren�</emphasis>, fuhren Alexstrasza und Ysera fort. �<emphasis>M�ge das Paar den Frieden finden, den es allen anderen gebracht hat und stets f�r andere opferte...�</emphasis></p><p>Das Mondlicht schien auf das Hochzeitspaar und wurde st�rker. Gleichzeitig entstand eine pr�chtige purpurrote Aura um Alexstrasza herum sowie eine smaragdgr�ne um Ysera.</p><p>Die Auren vermengten sich mit dem Mondlicht und badeten die Hohepriesterin und den Erzdruiden darin.</p><p>�<emphasis>Der Segen unseres Volkes sei mit dir, Tyrande Wisperwind, Hohepriesterin der Elune und Herrscherin der Nachtelfen, und mit dir, Malfurion Sturmgrimm, Erzdruide und Anf�hrer vom Zirkel des Cenarius...�</emphasis></p><p>Nun erstrahlten Malfurion und Tyrande hell. Das Licht h�tte alle geblendet, w�re es nicht gleichzeitig so unvergleichlich <emphasis>sanft</emphasis> gewesen.</p><p>�<emphasis>Dieser Tag soll in die Geschichte von Azeroth eingehen</emphasis>!� Die Drachen zogen ihre H�nde zur�ck. Das Leuchten der Auren und das Mondlicht vermischten sich immer noch um das frisch verheiratete Paar herum. �<emphasis>Doch am wichtigsten ist, dass sich diese beiden hier diesen Tag hoch verdient haben! Tyrande Wisperwind... Malfurion Sturmgrimm... wir segnen diese Verbindung... und als unser Geschenk... machen wir an diesem herrlichen Tag noch etwas ganz Besonderes...�</emphasis></p><p>Den Gesichtern der Nachtelfen konnte man ansehen, dass sie genauso wenig wie die Zuschauer wussten, was diese Ank�ndigung bedeuten sollte. Als Antwort wiesen Ysera und Alexstrasza hin zu Teldrassils m�chtiger Krone.</p><p>�<emphasis>Dieser Baum wurde ohne unseren Segen geboren...er wurde von den Druiden gereinigt und von, einem von uns gesegnet... Doch nun soll er noch einen besonderen Segen erhalten...so m�ge er nun durch uns unsere W�nsche f�r diese Welt und eine Zukunft, auf die wir stolz sein k�nnen, erhalten...�</emphasis></p><p>Das Paar blickte auf Teldrassils Mitte. Die beiden Aspekte wiesen mit der Hand in diese Richtung. Malfurion und Tyrande l�chelten beide verstehend.</p><p>Von den beiden verwandelten Drachen ging ein wundersames Licht aus, das erst zu dem Erzdruiden und der Hohepriesterin floss und sich schlie�lich dar�ber hinaus erstreckte.</p><p>Dann strahlte es binnen eines Herzschlags �ber die ganze Krone, breitete sich �ber die �ste zum Stamm nach unten hin aus und verschwand schnell au�er Sicht. Den Zuschauern erschien fortan der Baum st�rker und bl�hender. Teldrassil wirkte einfach... lebendiger.</p><p>Die Tragweite des Geschehens �berw�ltigte Malfurion. Sein Volk, seine Welt waren in Sicherheit. Teldrassil war gereinigt.</p><p>Doch das Wichtigste war, dass er endlich eins mit seiner Geliebten war.</p><p>Ein Gef�hl der Erf�llung �berkam ihn. Der Erzdruide l�chelte.</p><p>Pl�tzlich keuchte die Menge.</p><p>�Mal!�, rief Tyrande. �Was macht Ihr denn?�</p><p>Auf einmal erkannte er, dass er leuchtete und dieses Leuchten Teldrassil nun auf seine Art ber�hrte wie zuvor der Segen der beiden Drachen.</p><p>Die G�ste blickten einander ehrf�rchtig an, als selbst der Boden unter ihren F��en verwandelt wurde.</p><p>Das Leuchten um Malfurion herum schwand, doch Teldrassil blieb erleuchtet. In diesem Licht wuchsen seine Bl�tter noch saftiger als damals, da Malfurion sie von der Verderbtheit des Albtraums gereinigt hatte. Gro�e mehrfarbige Fr�chte bl�hten auf den �sten, und als sie so dick wie ein gro�er Apfel geworden waren, fielen sie langsam zu Boden. Die Versammelten lachten entz�ckt, als sie die Fr�chte auffingen und probierten.</p><p>�Wie der s��este Nektar!�, rief Elerethe Renferal.</p><p>�Ich muss zugeben, so was haben wir am Nistgipfel nicht�, knurrte Falstad, als er eine der beiden Fr�chte verspeiste, die er aufgefangen hatte.</p><p>Tyrande probierte eine Frucht und l�chelte ebenfalls. �Mal... die sind unglaublich...�</p><p>Er blickte ihr tief in die Augen. �Nur wegen Euch...�</p><p>Sie err�tete.</p><p>�M�ge euer Leben so lebendig sein, wie Teldrassil es nun ist�, sagte Alexstrasza zu Braut und Br�utigam, und Ysera trat noch weiter zur�ck.</p><p>�Unsere Zeit auf dieser Feier ist zu Ende�, f�gte Ysera hinzu. �Herzlichen Gl�ckwunsch, mein Kind�, sagte die Herrin des Smaragdgr�nen Traums zu Malfurion. �Sei ihrer w�rdig...�</p><p>�Darum werde ich stets bem�ht sein.�</p><p>Ysera wurde ernsthafter. �Das ist nur der Anfang. Ihr beide... doch vor allem du, Malfurion... habt einen neuen Abschnitt erreicht. Wenn Zeit ist... und ich sage <emphasis>wenn</emphasis>... musst du eine komplexe Ausbildung absolvieren, eine, der sich noch niemand zuvor gestellt hat.�</p><p>�Ich freue mich auf Eure Lehrstunden, gro�es Wesen...�</p><p>Der Aspekt neigte den Kopf. �Ich kann dir nichts beibringen... das ist etwas, das du selbst lernen musst. Du hast getan, was niemand anderes, nicht einmal ich, h�tte tun k�nnen.� Nach einer Pause f�gte der Drache hinzu: �Doch ich biete dir gern Rat an... obwohl, wenn ich Malfurion Sturmgrimm w�re, w�rde ich am meisten auf die Frau neben mir h�ren...�</p><p>Malfurion dr�ckte Tyrandes Hand. �Oh, das werde ich.�</p><p>Alexstrasza und Ysera nickten. Dann stiegen sie ohne ein weiteres Wort in die L�fte, nun wieder in ihrer Drachengestalt.</p><p>Die beiden Nachtelfen blickten einander an. Tyrande nickte schnell.</p><p>Zu Ysera hinauf rief der Erzdruide: �Ysera... gro�es Wesen... wir m�chten Euch unser Beileid f�r den tapferen Eranikus aussprechen!�</p><p>�Und ich nehme es an...� Ysera neigte den Kopf, Trauer und Dankbarkeit lagen in ihrem Tonfall. �Von diesem gl�cklichen Ort wende ich mich nun meiner Trauer zu. Ich werde sein Opfer f�r immer ehren...�</p><p>�So wie wir alle�, f�gte Alexstrasza hinzu.</p><p>Mit diesen Worten stiegen die beiden h�her und h�her in den Himmel auf. Korialstrasz und das gr�ne M�nnchen gesellten sich zu ihnen. Der rote Drache nickte den Nachtelfen kurz wissend zu.</p><p>�Danke, meine guten Freunde...�, rief er, bevor er verschwand.</p><p>Die beiden gro�en Drachensippen kreisten �ber Darnassus. Die meisten erwarteten, dass sie nun wegfliegen w�rden. Doch zuvor stie� eines der gro�en Wesen ein triumphierendes Br�llen aus... als letzte Ehrung f�r Malfurion und seine Braut.</p><p>Und als Ysera und Alexstrasza ihr Volk schlie�lich fortf�hrten, wandten sich der Erzdruide und die Hohepriesterin wieder denen zu, die hier waren, um sie zu w�rdigen. Malfurion blickte die Versammelten an und fragte sich, ob Azeroth wohl wieder vollst�ndig aufgebaut werden konnte. Und ob es sich weiterentwickeln w�rde, in eine Zukunft, die Hoffnung barg.</p><p>Dann erinnerte sich Malfurion an das, was noch immer den Spalt von Aln kontrollierte und wurde nachdenklich. Diese Bedrohung durfte man nicht lange aus den Augen verlieren. Der Erzdruide begann zu �berlegen, was sie tun konnten...</p><p>Er sp�rte, wie Tyrande seine Hand dr�ckte. Sie beugte sich zu ihm und k�sste ihn.</p><p>�Genie�t den Tag, Mal... mehr werden wir nicht bekommen... heute und... <emphasis>gemeinsam</emphasis>...� Sie k�sste ihn erneut, dann f�gte sie eindringlicher hinzu: �Und <emphasis>dann</emphasis> widmen wir uns der Verderbtheit, die Xavius geleitet hat...�</p><p>Der Erzdruide nickte und akzeptierte ihre Weisheit. Er <emphasis>w�rde</emphasis> den heutigen Tag genie�en�� und jede Minute mit Tyrande -, weil ihm klar war, dass er sich nichts Besseres w�nschen konnte. Sie blickten beide voller Hoffnung in die Zukunft.</p><p>Und Malfurion Sturmgrimm wusste, dass gro�e Dinge schon auf einem sehr viel d�rftigerem Fundament begr�ndet worden waren...</p></section><section><title><p>�ber den Autor</p></title><p>Richard A. Knaak hat �ber 40 Romane verfasst, von denen sich einige Titel auf der Bestsellerliste der New York Times platzieren konnten. Zudem verfasste er zahlreiche Geschichten, die im <emphasis>Warcraft-, Diablo-, Drachenlanze-, Age of Conan</emphasis>�� oder in dem von ihm entwickelten <emphasis>Dragonrealm</emphasis>-Universum spielen. Auch f�r einige <emphasis>Warcraft</emphasis>-Mangas von Tokyopop leistete er Beitr�ge, beispielsweise die <emphasis>Sonnenbrunnen</emphasis>- und die bald erscheinende <emphasis>Dragons of Outland</emphasis>-Trilogie. Daneben hat er Hintergrundmaterial f�r Spiele entwickelt. Seine Arbeiten werden weltweit in zahlreichen Sprachen ver�ffentlicht.</p><p>Zu seinen neuesten Ver�ffentlichungen geh�ren <emphasis>Legends of the Dragonrealm</emphasis>, eine Sammlung, die die ersten drei Romane der epischen Fantasyreihe zusammenfasst, oder <emphasis>Beastmaster:Myth</emphasis>, eine heroische Saga, die ihren klassischen Film- und Fernseh-Helden zur�ck zu seinen Wurzeln f�hrt und in ein v�llig neues Abenteuer st�rzt, sowie <emphasis>The Gargoyle King</emphasis>�� sein dritter Roman in der <emphasis>Ogre Titans</emphasis>-Trilogie, der im <emphasis>Drachenlanze</emphasis>-Kosmos spielt.</p><p>Richard A. Knaak lebt abwechselnd in Chicago und Arkansas. N�here Informationen �ber ihn und sein Schaffen enth�lt seine Webseite www.richardknaak.com</p></section></body><binary id="cover" 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