<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Thrall: Drachend�mmerung</book-title><annotation><p>In den Tr�mmern lauert das B�se. Das Weltenbeben hat das Antlitz Azeroths f�r immer ver�ndert. St�dte wurden �berflutet, ein alter Feind ist erwacht und mit den Worgen und Goblins tauchten zwei neue V�lker auf der Bildfl�che des World of Warcraft-Universums auf. Der ehemalige Kriegsh�uptling der Orcs, Thrall, versucht in diesen Zeiten des Umbruchs zu retten was zu retten ist. Als Azeroth noch jung war, wiesen die erhabenen Titanen die f�nf gro�en Drachenschw�rme an, die aufbl�hende Welt zu besch�tzen. Die Anf�hrer der Schw�rme wurden dazu mit einem Teil der gewaltigen Macht der Titanen ausgestattet. Gemeinsam verpflichteten sich diese majest�tischen Drachenaspekte dazu, jegliche Bedrohung von der neugeborenen Welt abzuwenden, jener Welt, bekannt als: World of Warcraft.</p><p>Vor �ber zehntausend Jahren ersch�tterte der Verrat des wahnsinnigen schwarzen Drachenaspekts Todesschwinge die St�rke und Einheit der Drachenschw�rme. Sein j�ngster Angriff auf Azeroth�� das Weltenbeben�� hat die Welt ins Chaos gest�rzt. Am Mahlstrom�� dem Zentrum der Instabilit�t�� setzen der fr�here Kriegsh�uptling Thrall und andere f�hige Schamanen alles daran, Azeroth vor dem w�tenden Ansturm Todesschwinges zu bewahren. Doch auch in Thrall tobt eine Schlacht, die ihn daran hindert, seine normalerweise unvergleichlichen F�higkeiten als Schamane des Irdenen Rings zu nutzen. Unf�hig, sich auf seine Pflichten zu konzentrieren, �bernimmt Thrall einen scheinbar belanglosen Auftrag vom mysteri�sen gr�nen Drachenaspekt Ysera. Doch dieser Auftrag erweist sich schnell als eine gefahrenvolle Reise durch Azeroth und �ber die Grenzen der Zeit hinaus, die Thrall in Kontakt mit den alten Drachenschw�rmen bringt. Zerrissen durch Konflikte und Misstrauen wurden diese Drachen zur leichten Beute einer furchtbaren neuen Waffe, die von den Schergen Todesschwinges entfesselt wurde. Ein lebender Albtraum, der die gefl�gelten W�chter Azeroths ausl�schen soll. Eine noch viel gr��ere Gefahr geht allerdings von einer m�glichen Zukunft aus, deren Zeuge Ysera in einer Vision wurde: die Stunde des Zwielichts. Bevor diese apokalyptische Weissagung zu bitterer Wahrheit werden kann, muss Thrall seine eigenen Zweifel besiegen und seine Bestimmung erkennen. Nur dann kann er den Drachenschw�rmen Azeroths bei ihrer gr��ten Pr�fung beistehen. Diese wird in die Annalen Azeroths eingehen als: Drachend�mmerung</p></annotation><date>2012</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Mick</first-name><last-name>Schnelle</last-name></translator><sequence name="World of Warcraft" number="9"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Thrall: Twilight of the Aspects</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>A450FF5F-AFF9-4DA6-8E5D-C1D05515342B</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Thrall</p><p><sup>Drachend�mmerung</sup></p><p>Von Christie Golden</p></title><epigraph><p>Da es ein Buch �ber die Heilung einer verwundeten Welt ist, m�chte ich es gern einigen der Lehrer und Heiler widmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unsere wieder gesunden zu lassen:</p><p>Jeffrey Elliott, Greg Gerritsen, Kim Harris, Peggy Jeens, Anne Ledyard, Mary Martin, Anastacia Nutt, Katharine Roske, Richard Suddath, David Tresemer, Lila Sophia Tresemer, Monty Wilburn.</p></epigraph><section><title><p>1</p></title><p>Thrall, einst Kriegsh�uptling der ebenso gro�en wie m�chtigen Horde, war nun als Schamane nicht bedeutender als jene, die gerade neben ihm standen. Er kniff die Augen zusammen und k�mpfte darum, auf den Beinen zu bleiben. Denn die Erde unter ihren F��en bebte�� ein armseliges kleines St�ck Land, das sich aus einem wild tobenden Ozean erhob. Es zitterte und schauderte in seinem Schmerz.</p><p>Vor nicht allzu langer Zeit hatte sich ein wahnsinnig gewordener Drachenaspekt den Weg nach Azeroth gebahnt und die Welt grundlegend ver�ndert. Der verr�ckte Todesschwinge streifte wieder durch die Welt und hatte Azeroth eine klaffende Wunde zugef�gt. Wer noch Hoffnung hatte, der glaubte, Azeroth heilen zu k�nnen. Doch es w�rde nie wieder dasselbe sein.</p><p>Im Herzen der Welt lag ein Ort namens Mahlstrom, wo lang begrabene Erde donnernd an die Oberfl�che geschleudert worden war. Und dort hatten sich all diejenigen versammelt, die verzweifelt versuchten, das zerborstene Land zu heilen.</p><p>Es waren Schamanen, jeder f�r sich m�chtig, Mitglieder des Irdenen Rings, die andere wichtige Aufgaben beiseitegeschoben hatten, um sich hier zu versammeln. Einer allein konnte nur wenig ausrichten. Doch viele, besonders die Talentiertesten und Weisesten, konnten deutlich mehr erreichen.</p><p>Es waren Dutzende, die allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen auf den schl�pfrigen Sch�ren herumstanden und sich m�hten, das Gleichgewicht auf dem sich aufwerfenden Boden zu halten. Sie waren nicht physisch miteinander verbunden, aber auf einer spirituellen Ebene. Die Schamanen hatten die Augen geschlossen und waren tief in die Vorbereitung eines Heilzaubers versunken.</p><p>Sie versuchten, die Elemente der Erde zu beruhigen. Gleichzeitig wollten sie sie ermutigen, sich selbst zu heilen. Nat�rlich waren es die Elemente, die verletzt waren�� und nicht die Schamanen. Doch hatten die Elemente mehr Macht als die Schamanen. Wenn sich die Erde lange genug beruhigen lie� und das auch erkannte, konnte sie von ihrer eigenen riesigen Kraft zehren. Die Erde, die Steine, der Boden und die Knochen von Azeroth mussten es allerdings noch mit etwas anderem aufnehmen: Verrat. Denn der schwarze Drachenaspekt Todesschwinge, einst als Neltharion bekannt, war der W�chter der Erde gewesen. Seine Aufgabe war es gewesen, sie zu sch�tzen und ihre Geheimnisse zu wahren. Doch das war ihm nun nicht mehr wichtig. Wie beil�ufig riss er sie in seinem Wahn in St�cke. Der angerichtete Schaden und der verursachte Schmerz waren ihm egal.</p><p>Die Erde st�hnte und hob sich heftig.</p><p>�Bleibt standhaft!�, rief eine Stimme, die irgendwie selbst �ber das Donnern der bebenden Erde hinweg an Thralls Ohren drang. Sie �bert�nte auch das Krachen der w�tenden Wellen, die versuchten, die Schamanen von ihren gef�hrlichen Standorten wegzurei�en. Die Stimme geh�rte Nobundo, dem ersten Zerschlagenen, der Schamane geworden war. Dieses Mal war er an der Reihe gewesen, das Ritual zu leiten. Und er hatte es meisterhaft getan.</p><p>��ffnet euch euren Br�dern und Schwestern! Sp�rt sie, f�hlt sie, seht den Geist des Lebens, der wie eine herrliche Flamme hell in ihnen erstrahlt!�</p><p>Aggra stand neben Thrall auf einer der gr��eren neu gebildeten Sch�ren. Sie war eine Mag�har und Nachfahrin des Frostwolfklans, die Thrall in Nagrand kennen- und lieben gelernt hatte. Sie hatte braune Haut und ihr rotbraunes Haar war zu einem Pferdeschwanz auf dem ansonsten kahlen Sch�del zur�ckgebunden. Sie packte Thrall mit fester Hand. Denn ihre Arbeit hier war alles andere als leicht, vielmehr eine Aufgabe, die an K�rper und Geist zehrte.</p><p>Die beiden standen gef�hrlich nahe an der Kante der steilen Klippen. Der Wind peitschte den Ozean unter ihnen auf und sandte Wellen, die hohl krachend gegen die rauen Felsen donnerten. Alle mussten ruhig sein, damit die Heilung beginnen konnte, doch es war eine gewagte Aktion.</p><p>Thrall sp�rte, wie seine Muskeln sich spannten, w�hrend sie versuchten, ihn an Ort und Stelle zu halten. St�ndig musste er seinen Stand korrigieren, um sich aufrecht auf der wild bebenden Erde halten zu k�nnen und nicht kopf�ber in den hungrigen Ozean oder zwischen die scharfkantigen Felsen zu st�rzen. Und dabei musste er immer noch das Zentrum des inneren Friedens finden, das es ihm erlaubte, sich auf einer tiefgr�ndigen Ebene mit den anderen Schamanen zu verbinden. Wenn der Schamane erfahren und richtig vorbereitet war, konnte dann der Geist des Lebens eindringen. Nur so erlangte er die Energie, die es einem Schamanen erm�glichte, mit den Elementen zu interagieren und sich mit den anderen Schamanen zu vereinen, die dasselbe taten.</p><p>Er konnte sp�ren, wie die Schamanen ihn zu erreichen versuchten. Ihre Essenz war eine Oase der Ruhe im Chaos. Er k�mpfte darum, tief in seinen inneren Kern vorzudringen. Mit M�he bekam Thrall seine Atmung unter Kontrolle, wobei er es vermied, schnell und flach zu atmen. Denn das w�rde seinen K�rper nur dazu zwingen, Sorge und Angst zu versp�ren. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, die feuchte, salzige Luft tief in seine Lungen ein- und auszuatmen.</p><p><emphasis>Ein durch die Nase... aus durch den Mund... von den Fu�sohlen in die Erde str�mend, bis zum Herzen reichend. Sich dicht an Aggra schmiegen, sie aber nicht fest umklammern. Schlie�e die Augen, �ffne den inneren Geist. Das Zentrum finden�� und im Zentrum den Frieden. Den dort gefundenen Frieden nehmen und ihn mit den anderen teilen</emphasis>.</p><p>Thrall sp�rte, wie seine H�nde schwitzten. Er wankte und einen Augenblick lang rutschte er. Er fing sich jedoch schnell und versuchte, wieder tief zu atmen, um das Ritual zu beginnen. Doch es war, als h�tte sein K�rper einen eigenen Willen und w�rde nicht auf Thralls Befehle reagieren. Er wollte k�mpfen, etwas tun, nicht einfach herumstehen und atmen und ruhig sein. Er...</p><p>Pl�tzlich blitzte ein Licht auf, das so hell war, dass der Orc es durch die geschlossenen Lider sehen konnte. Ein schreckliches Knacken dr�hnte in seinen Ohren, als der Blitz viel zu nah einschlug. Ein tiefes Donnern ert�nte und die Erde bebte noch heftiger. Thrall �ffnete die Augen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie ein gro�er Brocken Erde�� verbrannt von dem Blitzeinschlag�� nur wenige Meter entfernt unter den F��en eines Goblins und eines Zwergs zerbrach. Sie schrien �berrascht auf, klammerten sich aneinander und packten an jeder Seite einen Schamanen. Schlie�lich baumelten sie �ber den donnernden Wellen und den zerkl�fteten Felsen.</p><p>�Haltet aus!�, rief der Taure, der den Goblin mit der Hand fest umklammerte. Er stemmte die Hufe in den Boden und zog. Der Draenei, der den Zwerg hielt, tat es ihm gleich. Keuchend brachten sie die zwei Schamanen in Sicherheit.</p><p>�Zieht euch zur�ck, zieht euch zur�ck!�, schrie Nobundo. �Zu den Unterk�nften, schnell!�</p><p>Die versammelten Schamanen brauchten keine weitere Aufforderung, als eine nahe gelegene Sch�re zerbarst. Orcs und Tauren, Trolle und Goblins, Zwerge und Draenei, sie alle liefen zu ihren Reittieren, kletterten auf die zitternden Tiere und trieben sie zur�ck zu den Unterk�nften, die auf einer der gr��eren Sch�ren lagen. Der Himmel brach auf und lie� dicke Regentropfen auf die Haut der Schamanen prasseln. Thrall wartete gerade lang genug, um sicher zu sein, dass Aggra auf ihr gefl�geltes Reittier gestiegen war, dann dr�ngte er seinen eigenen Wyvern himmelw�rts.</p><p>Die Unterk�nfte waren kaum mehr als behelfsm��ige H�tten, die so weit wie m�glich im Landesinnern lagen und von Schutzzaubern gesichert wurden. Jeder einzelne Schamane und jedes Paar hatte seine eigene Behausung. Die H�tten standen im Kreis um einen gr��eren rituellen Bereich herum. Die Zauber sch�tzten die Schamanen vor den kleineren Manifestationen der w�tenden Elemente wie Blitzen, obwohl sich die Erde immer noch unter ihnen auftun konnte. Doch diese Bedrohung bestand immer, ganz egal, wo die Schamanen sich aufhielten.</p><p>Thrall hob die B�renfellklappe gerade so lange hoch, dass Aggra hineinschl�pfen konnte, dann lie� er sie fallen und band sie zu. Der Regen trommelte w�tend gegen die Au�enhaut, als verlange er Einlass, und die H�tte bebte leicht vom Wind, der an ihr zerrte. Doch sie w�rde halten.</p><p>Dann begann Thrall schnell, seine durchweichte Kleidung auszuziehen, er zitterte etwas. Aggra tat leise dasselbe. Die feuchte Kleidung konnte sie wahrscheinlich leichter t�ten als ein Zufallstreffer des Blitzes, wenn auch nicht so schnell. Sie trockneten ihre feuchte Haut, die eine gr�n, die andere braun, und holten frische, trockene Kleidung aus einer Kiste. Thrall z�ndete eine kleine Kohlenpfanne an.</p><p>Er sp�rte Aggras Blick auf sich und die Luft im Zelt war schwer von unausgesprochenen Worten. Schlie�lich brach sie die Stille.</p><p>�Go�el�, begann sie. Ihre Stimme war tief und rauchig, voller Sorge.</p><p>�Sag nichts�, sagte Thrall und besch�ftigte sich damit, Wasser zu erhitzen, um f�r sie, beide hei�e Getr�nke zuzubereiten.</p><p>Er sah, dass sie ihn finster anblickte, dann rollte sie mit den Augen und zog fast schon sichtbar ihre Worte zur�ck. Er sprach nicht gern so zu ihr, doch er hatte keine Lust, �ber das Geschehene zu diskutieren.</p><p>Der Zauber hatte versagt und Thrall wusste, dass es an ihm gelegen hatte.</p><p>Sie sa�en schweigend da und es war unbehaglich, als der Sturm �ber sie hereinbrach und die Erde wieder bebte. Doch wie ein Kind, das sich selbst in den Schlaf geweint hat, schien sich die Erde schlie�lich zu beruhigen. Thrall konnte sp�ren, dass sie nicht friedlich war und lange noch nicht geheilt. Aber sie war ruhig.</p><p>Bis zum n�chsten Mal.</p><p>Fast augenblicklich h�rte Thrall Stimmen von drau�en. Er und Aggra traten in den grauen Tag hinaus, der Boden unter ihren nackten F��en war nass. Andere versammelten sich im Hauptbereich, in ihren Gesichtern spiegelte sich ernste Sorge, M�digkeit und Entschlossenheit.</p><p>Nobundo wandte sich Thrall und Aggra zu, als sie n�her kamen. Er geh�rte zu einer Gruppe ehemaliger Draenei. Sein K�rperbau war nicht stolz, stark und hoch aufgerichtet, sondern gebeugt, fast missgestaltet durch die Einwirkung von Teufelsmagie. Viele Zerschlagene waren dunkel und korrumpiert, doch nicht Nobundo. Er war gesegnet, sein gro�es Herz hatte sich den schamanischen Kr�ften ge�ffnet und er hatte diese Kr�fte zu seinem Volk gebracht. Neben ihm standen mehrere Draenei, deren blaue Gestalten unverletzt waren, schlank, rein. Doch f�r Thrall und viele andere �berragte Nobundo sie alle. Eben weil er derjenige war, der er war.</p><p>Als der Blick des Hochschamanen auf Thrall fiel, wollte der Orc wegschauen. Dieses Wesen�� eigentlich alle hier versammelten Schamanen�� war jemand, den Thrall zutiefst respektierte und den er niemals hatte entt�uschen wollen. Und doch hatte er es getan.</p><p>Nobundo winkte Thrall mit seiner riesigen Hand zu sich. �Kommt her, mein Freund�, sagte er leise und betrachtete den Orc freundlich.</p><p>Viele waren nicht so gn�dig gestimmt und Thrall sp�rte w�tende Blicke, als er zu Nobundo trat. Andere gesellten sich hinzu, um an der formlosen Versammlung teilzunehmen.</p><p>�Ihr kennt den Zauber, den wir umsetzen wollten�, sagte Nobundo mit noch immer leiser Stimme. �Er sollte die Erde beruhigen und tr�sten. Zugegeben, es ist eine knifflige Sache, doch eine, die wir alle hier beherrschen. K�nnt Ihr mir sagen, warum...?�</p><p>�Red nicht um den hei�en Brei herum�, knurrte Rehgar. Er war ein riesiger Orc voller Kampfnarben. Wenn man ihn ansah, fiel einem nicht gleich das Wort �spirituell� ein, doch wer sich von seinem �u�eren leiten lie�, beging einen schweren Fehler. Rehgars Lebensreise hatte ihn vom Gladiator zum Sklavenbesitzer und engen Freund und Berater Thralls gemacht, und die Reise war noch lange nicht vorbei. Ein geringerer Orc als der Kriegsh�uptling der Horde h�tte vielleicht vor seiner Wut klein beigegeben. �Thrall... was zum Teufel war los mit dir? Wir konnten es alle sp�ren! Du warst nicht konzentriert!�</p><p>Thrall merkte, wie seine H�nde sich zu F�usten ballten, und zwang sich zur Ruhe. �Nur weil du mein Freund bist, erlaube ich dir, so mit mir zu sprechen, Rehgar�, sagte Thrall scheinbar gelassen, seine Stimme jedoch hatte einen scharfen Klang.</p><p>�Rehgar hat recht, Thrall�, sagte Muln Erdenwut mit seiner tiefen, dr�hnenden Stimme. �Die Arbeit ist hart, aber nicht unm�glich�� nicht einmal ungewohnt. Ihr seid Schamane, einer, der alle Riten seines Volkes durchschritten hat. Drek�Thar nannte Euch den Retter seines Volkes, weil die Elemente zu Euch sprachen, nachdem sie viele Jahre geschwiegen hatten. Ihr seid kein unerfahrenes Kind, das getr�stet werden muss. Ihr seid ein Mitglied des Rings�� geachtet und stark, sonst w�rt Ihr nicht hier.</p><p>Und doch seid Ihr in einem entscheidenden Moment zusammengebrochen. Wir h�tten die Beben abschw�chen k�nnen, aber Ihr habt unsere Arbeit gest�rt. Ihr m�sst uns sagen, was euch ablenkt, damit wir Euch vielleicht helfen k�nnen.�</p><p>�Muln...�, begann Aggra, doch Thrall hob die Hand.</p><p>�Es ist nichts�, sagte er zu Muln. �Die Arbeit ist anstrengend und erm�dend und ich habe gerade viel im Kopf. Es ist nichts anderes.�</p><p>Rehgar stie� einen Fluch aus. �Du hast eine Menge in deinem Kopf, spie er. �Nun, der Rest von uns auch. So triviale Dinge, wie <emphasis>die Welt davor zu bewahren, auseinandergerissen zu werden</emphasis>!�</p><p>Eine Sekunde lang sah Thrall rot. Muln sprach, bevor Thrall es konnte. �Thrall war der Anf�hrer der Horde, Rehgar, nicht Ihr. Ihr wisst nicht, welche Last er tragen musste und vielleicht noch tr�gt. Und als jemand, der selbst noch bis vor Kurzem Sklaven besessen hat, solltet Ihr ihn nicht auch noch moralisch verurteilen!� Er wandte sich an Thrall. �Ich greife Euch nicht an, Thrall. Ich will nur herausfinden, wie wir Euch helfen k�nnen, damit letztlich Ihr uns besser helfen k�nnt.�</p><p>�Ich wei�, was Ihr tut�, sagte Thrall, seine Stimme war nah an einem Zischen. �Und es gef�llt mir nicht.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Muln, um Diplomatie bem�ht, �braucht Ihr einige Zeit lang etwas Ruhe. Unsere Arbeit ist sehr anstrengend und auch die St�rksten m�ssen ruhen.�</p><p>Thrall w�rdigte den anderen Schamanen nicht mal einer Antwort�� er nickte nur kurz und ging zur�ck zu seiner H�tte.</p><p>Er war so w�tend wie lange nicht mehr. Und die Person, auf die er am meisten w�tend war, war er selbst. Er wusste, dass er das schwache Glied in der Kette gewesen war, das es nicht geschafft hatte, die notwendige Konzentration in dem Moment aufzubringen, als sie verzweifelt gebraucht wurde. Er konnte sich nicht tief genug fallen lassen, nicht den Geist des Lebens in sich ber�hren. Er wusste nicht, ob er jemals dazu f�hig sein w�rde. Und weil er es nicht konnte, war der Zauber schiefgegangen. Er war mit sich selbst unzufrieden. Mit der Arbeit, mit den kleinlichen Streitereien�� mit allem. Und er erkannte pl�tzlich, dass diese Unzufriedenheit schon seit langer Zeit in ihm schlummerte.</p><p>Vor ein paar Monaten hatte er eine schwierige Entscheidung getroffen. Er hatte sich dazu entschlossen, als Kriegsh�uptling der Horde zur�ckzutreten, um hierherzukommen, zum Mahlstrom. Er wollte dem Pfad des Schamanen folgen. Zuerst hatte er geglaubt, dass es nur vor�bergehend sei. Er hatte das Kommando an Garrosh H�llschrei �bergeben, den Sohn des verstorbenen Grom H�llschrei, um nach Nagrand zu reisen und bei seiner Gro�mutter Geyah zu lernen. Das war vor dem gro�en Kataklysmus gewesen, der Azeroth ersch�ttert hatte. Thrall hatte die unzufriedenen Elemente gesp�rt und gehofft, etwas tun zu k�nnen, um sie zu beruhigen und das zu verhindern, was dann schlie�lich doch geschehen war.</p><p>Dort hatte er gemeinsam mit einer sch�nen, aber oftmals irritierenden und frustrierenden Schamanin namens Aggra gelernt. Sie hatte ihn angetrieben, ihn gezwungen, tief nach Antworten zu graben, und die beiden hatten sich verliebt. Er war nach Azeroth zur�ckgekehrt, und nachdem der Kataklysmus eingetreten war, hatte er sich entschlossen, gemeinsam mit seiner Geliebten zum Mahlstrom zu gehen, um dort zu dienen.</p><p>Es hatte sich richtig angef�hlt, das zu tun�� eine schwere Entscheidung, die beste Wahl. Er hatte Gewohntes und Geliebtes verlassen, um f�r das �bergeordnete Wohl zu sorgen. Doch jetzt hatte er pl�tzlich Zweifel.</p><p>Nachdem Thrall nach Nagrand gereist war, hatte Garrosh Thralls guten Freund, den Taurenh�uptling Cairne Bluthuf, in einem rituellen Kampf get�tet. Thrall hatte sp�ter erfahren, dass Garrosh von Magatha Grimmtotem ausgetrickst worden war, einer langj�hrigen Rivalin von Cairne, damit er gegen Cairne mit einer vergifteten Klinge antrat. Thrall wurde den Gedanken nicht los, dass Cairne niemals Garroshs F�hrerschaft angezweifelt h�tte und er noch leben k�nnte, h�tte er Azeroth nicht verlassen.</p><p>Was Aggra anging... Er hatte angenommen... Ach, er wusste es auch nicht. Auf alle F�lle eine andere Art Beziehung als die, die sie hatten. Urspr�nglich war er von ihrer Schroffheit und ihren Ecken und Kanten abgesto�en gewesen, hatte sie dann aber allm�hlich sch�tzen und lieben gelernt. Doch statt einer festen Partnerin, die ihn unterst�tzte und ermutigte, hatte er nur eine weitere Person an seiner Seite, die ihn kritisierte.</p><p>Er schaffte es nicht einmal, dem Irdenen Ring zu helfen, die Elemente zu beruhigen. Wof�r das heutige Debakel der Beweis war. Er hatte das Amt des Kriegsh�uptlings abgelegt und die Ermordung eines geliebten Freundes ertragen m�ssen, um dem Ring helfen zu k�nnen. Und auch das gelang nicht.</p><p>Nichts funktionierte, nichts lief so, wie es sollte, und Thrall�� einst Kriegsh�uptling der Horde, Krieger, Schamane�� f�hlte sich, als ob nichts, was er tat, jemals klappen w�rde. Dieses Gef�hl war er nicht gewohnt. Er hatte die Horde gef�hrt, gut gef�hrt, viele Jahre lang. Er kannte die Taktiken auf dem Schlachtfeld und war in Diplomatie ge�bt. Er wusste, wann es f�r einen Anf�hrer an der Zeit war, zuzuh�ren, wann er reden musste und wann handeln. Dieses merkw�rdige, im Magen krampfende Gef�hl der Unsicherheit... das war neu und fremd und er hasste es.</p><p>Er h�rte, wie das B�renfell zur�ckgezogen wurde, drehte sich aber nicht um.</p><p>�Ich w�rde Rehgar f�r das, was er zu dir gesagt hat, gern die Ohren lang ziehen�, erklang Aggras rauchige und kr�ftige Stimme. �Ich h�tte das schon fr�her sagen sollen.�</p><p>Thrall knurrte leise. �Du hast eine tolle Art, mich zu unterst�tzen�, sagte er. �Das hat mir <emphasis>unheimlich</emphasis> geholfen. Jetzt sollte ich einfach rausgehen und mich ohne Probleme in mein tiefstes Selbst versenken k�nnen. Vielleicht h�ttest du statt meiner die Horde all die Jahre leiten sollen. Zweifelsohne w�ren Allianz und Horde dann schon vereint und die Kinder w�rden laut jubelnd durch Orgrimmar und Sturmwind laufen.�</p><p>Sie kicherte und ihre Stimme war warm, genauso wie ihre Hand, als sie sie auf seine Schulter legte. Er widerstand dem Drang, sie w�tend abzustreifen, doch er war nicht bes�nftigt. Stumm wartete er und r�hrte sich nicht. Sie dr�ckte seine Schulter, dann lie� sie los, trat um ihn herum und blickte ihn an.</p><p>�Ich habe dich beobachtet, seit wir uns kennen, Go�el�, sagte sie und ihre Augen suchten die seinen. �Zuerst mit Abneigung, sp�ter mit Liebe und Sorge. Mit dieser Liebe und Sorge betrachte ich dich jetzt. Und mein Herz ist beunruhigt �ber das, was es sieht.�</p><p>Er antwortete nicht, doch er h�rte zu. Ihre H�nde streichelten sanft �ber sein starkes Gesicht, ihre Finger fuhren die Falten auf seiner gr�nen Stirn nach, w�hrend sie sprach.</p><p>�Trotz allem, was wir erlebt haben, waren diese Linien, die ich gerade ber�hre, noch nicht da, als wir uns kennenlernten. Diese Augen�� blau wie der Himmel, blau wie das Meer�� waren nicht traurig. Dieses Herz...� Sie legte die Hand auf seine breite Brust. �... war nicht so schwer. Was auch immer in dir vorgeht, es schadet dir. Doch weil es keine Bedrohung von au�en ist, wei�t du nicht, wie du diesem Feind gegen�bertreten sollst.�</p><p>Seine Augen verengten sich in leichter Verwirrung. �Sprich weiter�, sagte er.</p><p>�Du driftest weg... nicht dein K�rper... du bist immer noch stark und kr�ftig... sondern dein Geist. Es ist, als ob ein Teil von dir mit jedem Windsto� weiter weggetragen wird oder weggewaschen vom peitschenden Regen. Du hast eine Verletzung, die dich vernichten wird, wenn du es zul�sst. Und ich�, sagte sie, pl�tzlich wild, und ihre hellbraunen Augen loderten, �werde das nicht erlauben.�</p><p>Er knurrte und wandte sich ab, doch sie folgte ihm. �Das ist eine Krankheit der Seele, nicht des K�rpers. Du hast dich zu tief im Alltagsgeschehen der Horde vergraben, sodass du, als du gegangen bist, dich selbst zur�ckgelassen hast.�</p><p>�Ich glaube, davon will ich nichts h�ren�, sagte Thrall in warnendem Ton.</p><p>Sie ignorierte ihn. �Nat�rlich willst du das nicht�, sagte sie. �Du magst keine Kritik. Wir alle m�ssen dir zuh�ren, und wenn wir anderer Meinung sind, m�ssen wir das respektvoll sein. Du musst immer das letzte Wort haben, Kriegsh�uptling.�</p><p>Es lag keinerlei Sarkasmus in ihrer Stimme, doch die Worte trafen ihn. �Was meinst du damit, dass ich keine Kritik vertrage? Ich habe mich mit verschiedenen Beratern umgeben. Ich rege sie dazu an, meine Pl�ne infrage zu stellen. Ich bin sogar auf den Feind zugegangen, wenn es im Interesse meines Volkes war!�</p><p>�Ich habe auch nicht gesagt, dass das nicht stimmt�, fuhr Aggra fort. Nach wie vor klang sie nicht ver�rgert. �Aber das bedeutet noch nicht, dass du mit Kritik umgehen kannst. Wie hast du auf Cairne reagiert, als er im Schatten von Mannoroths R�stung zu dir kam und sagte, dass du falschliegst?�</p><p>Thrall zuckte zusammen. Cairne... Seine Gedanken schweiften zur�ck zum letzten Mal, als er seinen teuren Freund lebend gesehen hatte. Cairne war zu ihm gekommen, nachdem Thrall dem alten Bullen erkl�rt hatte, dass Garrosh in seiner Abwesenheit die Horde f�hren w�rde. Cairne hatte unverbl�mt, ohne seine Worte zu mildern, erkl�rt, dass er glaube, Thrall begehe einen schrecklichen Fehler.</p><p><emphasis>Ich... brauche dich dabei, Cairne. Ich brauche deine Unterst�tzung, nicht deine Ablehnung</emphasis>, hatte Thrall gesagt.</p><p><emphasis>Du hast mich um Rat gefragt. Und ich habe darauf nur eine Antwort f�r dich. Gib Garrosh diese Macht nicht... Das ist mein Rat</emphasis>, hatte Cairne erwidert.</p><p><emphasis>Dann haben wir uns nichts mehr zu sagen</emphasis>. Und Thrall war weggegangen.</p><p>Er hatte Cairne nicht mehr lebend wiedergesehen.</p><p>�Du warst nicht dabei�, sagte Thrall. Seine Stimme klang rau, voll vom Schmerz der Erinnerung. �Du verstehst nicht. Ich musste...�</p><p>�Pah!�, sagte Aggra und wischte seine Entschuldigung mit der Hand weg wie ein paar Fliegen, die um sie herumschwirrten. �Das Gespr�ch selbst ist doch v�llig uninteressant. Vielleicht hattest du ja recht, aber im Moment ist mir das eigentlich auch egal. Du hast nicht zugeh�rt. Du hast ihn ausgeschlossen, als h�ttest du eine Regenhaut gegen den Sturm �bergezogen. Du h�ttest ihn vielleicht nie �berzeugt, aber hast du ihm �berhaupt zugeh�rt?�</p><p>Thrall antwortete nicht.</p><p>H�tte sie ihn geschlagen, w�re Thrall nicht schockierter gewesen. Er trat buchst�blich einen Schritt zur�ck, taumelte angesichts ihrer Worte. Es war etwas, was er nie ausgesprochen hatte, etwas, was er sich auch insgeheim gefragt hatte, sp�t in der Nacht, wenn der Schlaf nicht kommen wollte. In seinem Herzen wusste er, dass er nach Nagrand hatte gehen m�ssen und dass er angesichts der Lage die richtige Entscheidung getroffen hatte. Aber... wenn er geblieben w�re und mehr mit Cairne geredet h�tte... was w�re dann gewesen? Aggra hatte recht... doch das wollte er nicht wahrhaben.</p><p>�Ich konnte immer zuh�ren, wenn andere nicht mit mir �bereinstimmten. Denk nur an die Treffen mit Jaina! Sie ist oft nicht einer Meinung mit mir und sie nimmt kein Blatt vor den Mund.�</p><p>Aggra schnaubte. �Eine Menschenfrau. Was wei� die davon, wie man einem Orc unangenehme Dinge beibringt? Jaina Prachtmeer ist keine Bedrohung oder Herausforderung f�r dich.� Sie runzelte nachdenklich die Stirn. �Genauso wenig wie deine Taretha.�</p><p>�Nat�rlich war sie keine Herausforderung. Sie war meine Freundin!� Thrall wurde noch w�tender, als sie Taretha Foxton in diesen merkw�rdigen Streit hineinzog, den sie offenbar unbedingt mit ihm fuhren wollte. Taretha war ein Menschenm�dchen gewesen, das sich mit ihm angefreundet hatte, als sie noch Kinder gewesen waren; als Erwachsene hatte sie ihm geholfen, seinem Leben als Gladiator, Sklave des Menschenlords Aedelas Schwarzmoor, zu entfliehen. Daf�r hatte sie mit ihrem Leben bezahlt. �Wenige auf dieser Welt haben f�r mich so viel geopfert und sie war ein Mensch!�</p><p>�Vielleicht ist das dein Problem, Go�el, und das Problem, das andere mit dir haben. Die wichtigsten Frauen in deinem Leben sind Menschen.�</p><p>Seine Augen verengten sich. �H�te deine Zunge.�</p><p>�Ah, und wieder zeigst du mir, dass ich recht habe: Du willst keinen Widerspruch h�ren. Du w�rdest mich eher verstummen lassen, als mir zuzuh�ren!�</p><p>Das entsprach der Wahrheit und sie schmerzte. Mit M�he atmete Thrall tief ein und versuchte, seine Wut zu z�geln. �Dann sag mir: Was meinst du?�</p><p>�Ich bin erst seit kurzer Zeit in Azeroth, doch ich habe bereits Ger�chte geh�rt. Sie ersch�ttern mich und sicherlich auch dich. Dem Klatsch zufolge bist du mit Jaina zusammen�� oder mit Taretha, je nachdem, wo man hinh�rt.� Ihre Stimme war voller Wut und Emp�rung. Ob auf ihn oder die Ger�chte, wusste Thrall nicht und es war ihm auch egal.</p><p>�Du bewegst dich auf gef�hrlichem Terrain, Aggra�, knurrte er. �Taretha Foxton und Jaina Prachtmeer sind und waren beide starke, tapfere, intelligente Frauen, die ihr Leben riskierten�� und in Tarethas Fall auch <emphasis> verloren</emphasis> -, um mir zu helfen. Ich stehe hier nicht herum und h�re deine engstirnigen Anschuldigungen gegen sie an, nur weil sie keine Orcs sind!� Er war jetzt vorgetreten, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Sie wich nicht zur�ck, hob kaum eine Augenbraue.</p><p>�Du h�rst mir nicht richtig zu, Go�el. Ich habe nur Ger�chte wiedergegeben. Ich sagte nicht, dass ich sie glaube. Noch habe ich irgendetwas gegen eine der Frauen gesagt, au�er dass sie nicht wissen, wie man einen Orc kritisiert. Wenn �berhaupt, dann haben sie mir gezeigt, dass Menschen durchaus Respekt verdienen k�nnen. Aber sie sind keine Orcs, Thrall, und du bist kein Mensch und du wei�t nicht, wie man damit umgeht, wenn man von einer Frau deiner eigenen Art herausgefordert wird. Oder von <emphasis>irgendjemandem</emphasis>.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, dass ich mir das anh�ren muss!�</p><p>�Das kann ich auch nicht, weil du mir bis zu diesem Moment �berhaupt nicht zugeh�rt hast!�</p><p>Ihre beiden Stimmen erhoben sich und Thrall war sich bewusst, dass die kleinen H�tten kein Hindernis f�r andere darstellten, ihren Streit mit anzuh�ren. Doch Aggra dr�ngte weiter.</p><p>�Du hast dich unter dem Mantel des Kriegsh�uptlings versteckt. Deshalb findest du es jetzt auch so schwer, dich davon zu befreien.� Sie presste ihr Gesicht noch n�her an seines und zischte: �Du tr�gst den Namen eines Sklaven, weil du ein Sklave der Horde bist. Ein Sklave dessen, was du f�r Pflicht h�ltst. Und du nutzt diese Pflicht als Schild�� eine Barriere zwischen dir und den dunklen Orten, zwischen dir und der Schuld, Angst und den Selbstzweifeln. Und davor, dir wahrhaft selbst zu geh�ren�� oder irgendjemandem sonst. Du planst immer voraus, du nimmst dir nie die Zeit, zu �berlegen, was du erreicht hast. Das wundervolle Geschenk, das dein Leben ist. Du planst f�r morgen, was aber ist mit dem Jetzt? Dieser Moment... die kleinen Dinge?� Ihre Stimme wurde weicher�� ihre Augen nun freundlich statt w�tend�� und mit �berraschender Sanftheit ergriff sie seine Hand. �Was ist mit dieser starken Hand in deiner?�</p><p>Irritiert riss Thrall seine Hand weg. Er hatte genug davon. Zuerst vom Irdenen Ring, jetzt von Aggra, die eigentlich zu ihm stehen und ihn unterst�tzen sollte. Er wandte ihr den R�cken zu und ging zum Eingang.</p><p>Aggras Worte folgten ihm. �Du wei�t nicht, wer du ohne die Horde bist, Go�el�, sagte sie. Wie immer gebrauchte sie den Namen, den ihm seine Eltern gegeben hatten�� ein Name, den er selbst nie verwendete. Gegeben von einer Familie, die er nie gekannt hatte. Pl�tzlich, obwohl sie ihn schon tausend Mal benutzt hatte, machte ihn das w�tend.</p><p>�Ich bin nicht Go�el!�, knurrte er. �Wie oft muss ich dich noch bitten, mich nicht so zu nennen?�</p><p>Sie wich nicht zur�ck. �Siehst du!�, sagte sie und ihre Stimme klang traurig. �Wenn du nicht wei�t, wer du bist, wie kannst du dann wissen, was du tun sollst?�</p><p>Er antwortete nicht.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>�Dieses Treffen�, sagte Alexstrasza, die Lebensbinderin, der gro�e rote Drachenaspekt, �wird wahrscheinlich nicht angenehm werden.�</p><p>Korialstrasz lachte. �Meine Geliebte pflegt die Gabe der Untertreibung.�</p><p>Beide rote Drachen, der rote Aspekt und Korialstrasz�� ihr einzig �brig gebliebener Gef�hrte��, hatten sich f�r Elfenk�rper statt f�r ihre Drachengestalt entschieden, w�hrend sie sich im Rubinsanktum unterhielten. Jeder Drachenschwarm hatte einen solchen R�ckzugsort, einen Ort jenseits von Zeit und Raum, der eine ganz eigene magische Dimension darstellte. Das Erscheinungsbild eines Sanktums bestimmte der jeweilige Drachenschwarm. Das Rubinsanktum hatte einst wie das Land der Hochelfen ausgesehen, bevor die Gei�el eingedrungen war. Die Bl�tter der B�ume hatten eine warme purpurne F�rbung, die H�gel waren sanft und flie�end. Der einzige Zugang zu diesem besonderen Ort f�hrte durch ein Portal, das nach dem letzten Angriff des schwarzen Drachenschwarms und eines einzelnen Feindes, der sich selbst als Mitglied des Zwielichtdrachenschwarms bezeichnet hatte, nun viel aufmerksamer bewacht wurde. Das Sanktum war schwer besch�digt worden, doch es erholte sich allm�hlich.</p><p>Obwohl allein, waren sie dennoch von ihren Kindern umgeben. Hunderte Eier lagen um sie herum: sowohl die Kinder von ihr und ihrem Gef�hrten als auch die Kinder der anderen. Nicht alle roten Drachen w�hlten das Rubinsanktum, um dort ihre Eier abzulegen. Die ganze Welt war ihr Zuhause, eigentlich das Heim aller Schw�rme. Doch hier war das Herz, das Heiligtum, ein sicherer Ort, der ihnen allein geh�rte.</p><p>�Die meisten blauen Drachen sind best�rzt, dass Malygos umgebracht wurde, und ich kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen�, fuhr Alexstrasza fort.</p><p>Malygos, der Drachenaspekt der Magie und der Patriarch des blauen Schwarms, hatte ein tragisches Leben gef�hrt. Jahrtausende war er verr�ckt gewesen, in den Wahnsinn getrieben von Todesschwinge. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er sich schlie�lich von diesem entsetzlichen Zustand erholt, zur gro�en Freude seines eigenen Schwarms und aller anderen Drachen au�er den Schwarzen. Die Erleichterung und Freude �ber seine Wiederherstellung sollte jedoch nur eine �u�erst kurze Zeit w�hren. Denn die anderen Schw�rme fanden heraus, dass er schon bald begonnen hatte, die Rolle der Magie in Azeroth zu untersuchen�� dabei war er zu einer schrecklichen Schlussfolgerung gelangt: Malygos hatte gemeint, dass die arkane Magie in der Welt Amok lief�� und dass die sterblichen V�lker daf�r verantwortlich waren.</p><p>Und so hatte er einen Krieg begonnen.</p><empty-line/><p>Malygos hatte die magischen Kr�fte, die unter Azeroth str�mten, zu seinem eigenen Sitz der Macht umgeleitet, dem Nexus. Die Konsequenzen waren schrecklich gewesen, gef�hrlich und t�dlich. Die Kruste der Welt war geborsten und die daraus resultierenden instabilen Spalten hatten die Struktur der magischen Dimensionen, bekannt als Wirbelnder Nether, zerrissen. Malygos� fehlgeleiteter Versuch, den Missbrauch der arkanen Magie zu �korrigieren�, musste gestoppt werden, ganz egal, was es kostete.</p><p>Im bitteren Nexuskrieg hatte Drache gegen Drache gek�mpft. Und es war die Lebensbinderin selbst gewesen, die zu der qualvollen Entscheidung gekommen war, dass Malygos�� der sich gerade erst von seinem Jahrtausende andauernden Wahnsinn erholt hatte�� vernichtet werden musste.</p><p>Alexstrasza und ihr Schwarm hatten sich mit den Magiern der Kirin Tor verb�ndet. Angesichts dessen, was auf dem Spiel stand, waren die anderen Schw�rme einverstanden gewesen, sich in ihrer bitteren Aufgabe mit den roten Drachen zu vereinen. Die Allianz der Drachen wurde als Wyrmruhpakt bekannt. Gemeinsam waren sie in der Lage gewesen, Malygos zu besiegen und zu erschlagen, und der Krieg war vorbei. Nun war der blaue Drachenschwarm tief betr�bt und ohne Anf�hrer.</p><p>Und dieses Treffen des Wyrmruhpakts, das Alexstrasza vorbereitete und das am Wyrmruhtempel stattfinden sollte, w�rde das erste seit dem Tod des blauen Drachenaspekts sein. Seit dem Ende des Konflikts war der Pakt noch wertvoller f�r die Schw�rme geworden�� kostbar und fragil.</p><p>�Ich glaube nicht, dass sie als Schwarm bereit sind, mit uns zu reden�� oder �berhaupt etwas Sinnvolles zu sagen haben�, sagte Korialstrasz.</p><p>Alexstrasza streichelte sein Kinn, l�chelte, ihre Augen warm vor Zuneigung. �Solche Aussagen haben dich bei den letzten Treffen so <emphasis>unglaublich</emphasis> beliebt gemacht, mein Lieber.�</p><p>Korialstrasz zuckte ein wenig unbeholfen mit den Achseln und vergrub seinen Kopf liebevoll in ihrer Hand. �Das kann ich nicht bestreiten. Ich war nie der Beliebteste deiner Gef�hrten und jetzt bin ich der Einzige. Ich f�rchte, dass ich manches aus dem Gleichgewicht bringe. Doch ich muss die Dinge benennen, wie ich sie sehe. Das ist meine Pflicht, so kann ich am besten dienen.�</p><p>�Und das ist einer der Gr�nde, warum ich dich so sch�tze�, sagte Alexstrasza. �Aber mal ehrlich, das macht dich bei den anderen Schw�rmen auch nicht beliebter. Die Voreingenommenheit gegen die blauen Drachen�� Malygos hatte diese Entscheidung getroffen, nicht der ganze Schwarm. Das darfst du ihnen nicht vorwerfen. Sie haben schon genug darunter gelitten, dass die anderen Schw�rme ihnen bei jeder Gelegenheit Verrat unterstellen, nur wegen der Farbe ihrer Schuppen.�</p><p>Er z�gerte. �Ich�� du wei�t, dass ich Kalecgos mag�, sagte er. �Und es gibt andere, die offensichtlich in der Lage sind, die Situation mit k�hlem Kopf zu beurteilen. Aber die meisten kommen nicht �ber den Verlust hinweg�� und sie suchen jemanden, den sie daf�r verantwortlich machen k�nnen. Wir sind der Schwarm, von dem sie sich am ungerechtesten behandelt f�hlen.� Ein Stirnrunzeln verzerrte einen Moment lang ihre perfekten Augenbrauen und ihre melodische Stimme wurde sch�rfer. �Selbst wenn ich deine Deutlichkeit sch�tze, mein ganzer Schwarm denkt nicht so wie mein Gef�hrte.�</p><p>�Du hast das g�tigste Herz von ganz Azeroth. Doch manchmal ist ein g�tiges Herz blind...�</p><p>�Glaubst du, ich sehe nicht klar? Ich habe meinen Schwarm gegen einen verb�ndeten Aspekt gef�hrt, um Wesen zu retten, deren Leben f�r uns nur ein Augenblinzeln bedeuten. Du magst es, dich unter die Sterblichen zu begeben, Korialstrasz. Aber deshalb bist du nicht der Einzige, der klar sieht.�</p><p>Er �ffnete den Mund zu einer Erwiderung, dann schloss er ihn wieder. Schlie�lich sagte er ruhiger: �Ich spreche nur aus Sorge.�</p><p>Augenblicklich wurde seine Gef�hrtin sanfter. �Das wei� ich. Doch vielleicht wird deine... Sorge �ber die Blauen bei diesem Treffen nicht wohlwollend betrachtet.�</p><p>�Das war doch noch nie so�, gab er mit einem kleinen Grinsen zu. �Und so kommen wir zur�ck zum Ausgangspunkt.� Er hob ihre beiden schlanken H�nde und k�sste die weichen Handfl�chen. �Geh ohne mich, mein Herz. Du bist der Aspekt. Auf deine Stimme werden sie h�ren. Ich werde nur ein kleiner Kiesel sein, der zwischen den Schuppen steckt�� etwas reizend, aber wenig mehr.�</p><p>Sie nickte mit ihrem flammenfarbenen Kopf. �Bei diesem ersten Treffen werden die Spannungen stark sein. Sp�ter, wenn wir �ber die Pl�ne reden, ist dein Rat willkommen. Heute geht es, glaube ich, haupts�chlich darum, erst mal die Kontakte zu erneuern und alte Wunden zu heilen.�</p><p>Alexstrasza beugte sich vor. Ihre Lippen trafen sich so weich und s��. Das war eine der gro�en Vorz�ge, wenn sie Elfengestalt angenommen hatten, die sie beide so angenehm empfanden: Sie sp�rten liebevolle Ber�hrungen viel intensiver als mit Schuppen. Sie zogen sich zur�ck, l�chelten, der Streit�� wenn man es denn �berhaupt so nennen konnte�� war vergessen.</p><p>�Ich werde bald zur�ckkehren mit, so hoffe ich, guten Neuigkeiten.� Sie trat zur�ck. Ihr l�chelndes Gesicht ver�nderte sich, eine stolze Schnauze in strahlendem Rot streckte sich vor und die leuchtenden goldenen Augen vergr��erten sich. Fast schneller als das Auge folgen konnte, �nderte sich ihre Gestalt vom Elfenm�dchen zum herrlichen glitzernden roten Drachen.</p><p>Auch Korialstrasz verwandelte sich. Er mochte beide Gestalten, doch seine Nat�rliche war reptilienhaft, riesig und m�chtig. Einen Herzschlag sp�ter standen zwei rote Drachen�� jetzt eindeutig erkennbar, was und wer sie waren�� nebeneinander im Rubinsanktum.</p><p>Alexstrasza warf ihre H�rner in die Luft, dann presste sie sich mit einer Sanftheit gegen ihren Gef�hrten, die andere V�lker bei so einer riesigen Kreatur verwundert h�tte. Mit einer Anmut, die ihre Gr��e L�gen strafte, schoss sie hoch und mit ein paar Schl�gen ihrer kr�ftigen Fl�gel war sie fort.</p><p>Korialstrasz� Blick folgte ihr liebevoll, dann wandte er sich den Eiern zu, die �berall herumlagen. Er erlaubte sich, Stolz und Liebe zu empfinden, als er seine ungeschl�pfte Brut betrachtete. In den Winkeln seiner gro�en Augen blitzte der Schalk f�r einen Moment auf, als er etwas sagte, was ihn an die Sprichw�rter der Menschen erinnerte, die er so mochte: �Wie w�re es mit einer Gutenachtgeschichte, hm?�</p><empty-line/><p>Alexstrasza flog durch das Sanktum und konzentrierte sich darauf, ihre Besorgnis zu verdr�ngen. Stattdessen sollte die Sch�nheit dieses Ortes ihr Herz erf�llen. �berall lagen Dracheneier herum: in kleinen Hohlr�umen, unter roten B�umen, in speziellen Nestern nahe der aufragenden Steine. Auf beiden Seiten des Portals standen die W�chter der Kammer: besonders m�chtige Drakoniden, deren Aufgabe es war, die unschuldigen Welpen, die noch in ihren Schalen tr�umten, zu besch�tzen. Die Zukunft war hier und wurde liebevoll bewacht und ihr Herz war froh. Weil hier die Zukunft entstand und in diesem Moment mit dem Treffen der vier Drachenschw�rme begann.</p><p>Der schwarze Schwarm, einst so fest und treu wie die gute Erde, die er besch�tzte und von der er ein Teil war, war seinem verr�ckten Patriarchen Todesschwinge gefolgt und hatte dem B�sen gestattet, in sein Herz einzudringen. Die schwarzen Drachen zeigten keinerlei Interesse mehr an den anderen Schw�rmen, nicht einmal die verschlagen grinsende Yntrige war beim Tempel geblieben. Alexstrasza bezweifelte, dass sie jemals wieder ein Treffen einberufen w�rde, an dem rote, blaue, gr�ne, bronzene und schwarze Drachen gemeinsam teilnahmen. Der Gedanke machte sie traurig, doch es war ein alter Schmerz. Den zu ertragen, war sie gew�hnt und sie lie� sich davon nicht die Hoffnung auf einen positiven Ausgang dieses Treffens rauben.</p><p>Schnell flog sie durch das Portal, das das Rubinsanktum sicherte, und lie� sich von ihren Fl�geln hoch zur Spitze des Wyrmruhtempels tragen, der den Drachenschw�rmen seit Jahrtausenden heilig war. Elegante schlanke Linien reichten himmelw�rts, eisbedeckte B�gen und Spitzen umgaben ihn, schlossen den Raum aber nie ein. Der Tempel reichte hoch, mehrere Ebenen, jede kleiner als die vorhergehende. Der Himmel �ber Nordend w�lbte sich in einem schwachen Graublau mit ein paar d�nnen wei�en Wolken darin. Darunter war der Schnee fast schon schmerzhaft wei�, so rein war er.</p><p>Die Spitze des Tempels bildete ein runder Boden, in den blumige und geometrische Muster eingelegt waren. Mehrere Meter �ber dem Boden schwebte eine sch�ne schimmernde Kugel in sich wandelnden T�nen aus Blau und Wei�. Sie diente nur einem einzigen, sehr wichtigen Zweck: Sie war das Symbol der Einheit des Wyrmruhpakts.</p><p>Unter der Kugel der Einheit sah Alexstrasza Dutzende reptilienartige Gestalten. Mehrere Mitglieder ihres eigenen Schwarms warteten bereits, ebenso blaue und nicht wenige gr�ne Drachen. Die Schwarzen waren nat�rlich nicht hier�� und wenn sie es w�ren, w�rde Blut flie�en��, doch Alexstrasza war best�rzt, wenn auch nicht wirklich �berrascht, dass keinerlei bronzene Drachen anwesend waren, nicht einmal die fr�hliche und m�chtige Chromie.</p><p>Ihr Aspekt, Nozdormu der Zeitlose, war schon lange nicht mehr gesehen worden. Die Zeitwege wurden von einer mysteri�sen Gruppe angegriffen, die sich selbst der ewige Drachenschwarm nannte. Deren Motive waren unklar, aber sie konzentrierten sich darauf, den wahren Zeitweg zu zerst�ren. Alexstrasza vermutete, dass Nozdormu und die anderen seines Schwarms mehr als genug damit zu tun hatten.</p><p>Als sie zur Landung ansetzte, erklang eine scharfe, w�tende Stimme.</p><p>�Ein Aspekt!�, rief jemand.</p><p>Alexstrasza wusste, wer das war. Es war Arygos, ein energisches Mitglied des blauen Schwarms und Sohn von Malygos und seiner Lieblingsgef�hrtin Saragosa. W�hrend des Nexuskriegs hatte sich Arygos offen auf die Seite seines Vaters geschlagen und hatte ihn stets unterst�tzt. Es schien, dass er auch jetzt noch der F�rsprecher seines Vaters war.</p><p>�Der rote Schwarm und eine Gruppe Magier, nein, Drachen, entschieden, sie sollten einen Aspekt t�ten. Einer von nur f�nf�� vier, wenn wir Todesschwinge den Zerst�rer nicht mitz�hlen. Wie konntest du dich nur gegen einen der Deinen stellen? Wer ist als N�chstes dran? Die sanfte Ysera? Der stoische Nozdormu? Wenn man jemanden daf�r verantwortlich machen kann, dann ist es Alexstrasza. Die sogenannte <emphasis>Lebensbinderin</emphasis> scheint keine Skrupel zu kennen, jemanden zu t�ten, wenn es ihr passt.�</p><p>Mehrere K�pfe hatten aufgesehen, als Arygos sprach, und niemand sagte etwas, als die Lebensbinderin eintraf. Alexstrasza landete anmutig neben dem j�ngeren Drachen und sagte ruhig: �Meine Aufgabe ist es, die Unverletzlichkeit des Lebens zu sch�tzen. Malygos� Entscheidung und die daraus resultierenden Aktionen bedrohten Leben. Ich trauere um deinen Vater, Arygos. Die Entscheidung war schmerzlich. Doch was er vorhatte, war f�r zu viele zu gef�hrlich und h�tte die Welt vernichten k�nnen.�</p><p>Arygos trat einen schnellen Schritt zur�ck, dann verengten sich seine Augen und er hob den gro�en blauen Kopf.</p><p>�Auch wenn ich ber�cksichtige, was wir heute wissen, finde ich immer noch nicht, dass die <emphasis>Motive</emphasis> meines Vaters durch und durch falsch waren. Die Verwendung, oder sollte ich sagen: Die unsachgem��e, viel zu h�ufige Verwendung von Magie war tats�chlich seine gro�e Sorge. Wenn du seine Handlungen missbilligt hast, und vielleicht war er ja wirklich fehlgeleitet, h�tte es doch sicher andere Wege gegeben, Malygos entgegenzutreten!�</p><p>�Du hast es selbst gesagt�� er war ein Aspekt�, sagte Alexstrasza. �Und er konnte sich nicht mal hinter der Entschuldigung verstecken, er w�re dem Wahnsinn verfallen. Wenn du dich so um seine Sicherheit gesorgt hast, Arygos, dann h�ttest du uns dabei helfen k�nnen, einen Weg zu finden, um ihn zu b�ndigen.�</p><p>�Lebensbinderin�, erklang eine Stimme, jung, m�nnlich und so ruhig, wie Arygos aufgew�hlt war. Ein weiterer blauer Drache trat vor, neigte den Kopf respektvoll, doch nicht unterw�rfig. �Arygos tat nur, was er zu der Zeit f�r richtig hielt, so wie viele andere Mitglieder des blauen Schwarms auch. Ich bin mir sicher, er will wie jeder andere unseren Schwarm wieder aufbauen und die Verantwortung akzeptieren, wie wir alle es m�ssen�, sagte Kalecgos.</p><p>Alexstrasza freute sich, dass Kalecgos hier war. Das war der junge blaue Drache, den ihr Gef�hrte so mochte. Derjenige, von dem er gesagt hatte, er k�nne �mit Sinn und Verstand reden�. Was er, wie sie vermutete, bereits tat.</p><p>�Ich kann f�r mich selbst reden�, knurrte Arygos und warf Kalecgos einen irritierten Blick zu.</p><p>Viele der blauen Drachen glaubten, dass die anderen Schw�rme sie ungerecht behandelten. Nach Alexstraszas Meinung war Arygos eitler veranlagt als die meisten Mitglieder seines Schwarms. Sie vermutete, dass das mit der pers�nlichen Geschichte des jungen blauen Drachen zu tun hatte�� eine, in der es darum ging, verlassen worden zu sein. Nicht zum ersten Mal beklagte Alexstrasza den Verlust von Arygos� Gelegeschwester Kirygosa. Ihr Gef�hrte war get�tet worden und sie war nach dem Krieg verschwunden. Deshalb nahm man an, dass die junge Blaue, schwanger mit ihren ersten Eiern, wohl im Kampf gefallen war. Weil sie es stets gewagt hatte, sich gegen Arygos zu stellen, hatte sie sich auch mit den wenigen Blauen zusammengetan, die sich gegen Malygos gewandt hatten. Darin lag eine besondere Tragik. Denn es war sehr wahrscheinlich, dass sie von einem Mitglied ihres eigenen Schwarms get�tet worden war.</p><p>�Ich sehe ein, dass der Plan meines verstorbenen Vaters negative Konsequenzen hatte�, fuhr Arygos mit offensichtlichem Widerwillen fort.</p><p>�Wir alle sp�ren diese Konsequenzen noch�, sagte Afrasastrasz, der lange ein besonderer Unterst�tzer von Alexstrasza gewesen war. �Das tut die ganze Welt. Und das ist etwas, was direkt auf die Entscheidungen des blauen Drachenaspekts zur�ckgeht, den du und die anderen hier unterst�tzt habt. Ihr m�sst schon etwas mehr tun als zuzugeben, dass Ihr fehlgeleitet wart, junger Arygos. Ihr m�sst es <emphasis>richtig</emphasis> machen.�</p><p>Arygos� Augen verengten sich. �Es richtig machen? Wirst <emphasis>d u</emphasis> es richtig machen, Afrasastrasz? Oder du, Alexstrasza? Du hast mir meinen Vater genommen. Du hast einen ganzen Schwarm ohne <emphasis>Aspekt</emphasis> zur�ckgelassen. Bringst du ihn uns zur�ck?� Seine Stimme und sein ganzer K�rper strahlten Wut, Gekr�nktheit und einen echten, tiefen Schmerz aus.</p><p>�Arygos!�, schnappte Kalec. �Malygos war nicht verr�ckt, als er sich f�r den Krieg entschied. Er h�tte jederzeit aufh�ren k�nnen. Doch das tat er nicht.�</p><p>�Ich habe ihn nicht gern get�tet, Arygos�, sagte Alexstrasza. �Mein Herz schmerzt noch immer von dem Verlust. Wir haben <emphasis>alle</emphasis> so viel verloren�� alle Schw�rme, all die Aspekte. Jetzt ist die Zeit der Heilung. Wir sollten uns einander zuwenden, statt aufeinander loszugehen.�</p><p>�Ja�, sagte eine leise Stimme, die dennoch weit trug und den Streit augenblicklich beendete. �Wir sollten uns einander zuwenden, und zwar schon bald. Die Stunde des Zwielichts naht und wir m�ssen bereit sein.�</p><p>Die Stimme war sanft und melodisch und der gr�ne Drache trat fast sch�chtern vor. Die anderen Drachen zogen sich zur�ck, um ihm Platz zu machen. Er bewegte sich nicht mit starken, sicheren Schritten wie die meisten seiner Art, sondern fast tanzend. Seine Augen, die seit �onen geschlossen gewesen waren, standen nun weit offen, regenbogenfarben, und er bewegte den Kopf, wie um bereit zu sein, jeden Moment etwas Neues zu sehen.</p><p>�Was ist das f�r eine Stunde des Zwielichts, von der du da sprichst, Ysera?�, fragte Alexstrasza ihre Schwester. Nach Jahrtausenden, die sie im Smaragdgr�nen Traum verbracht hatte, war Ysera aufgewacht. Alexstrasza und viele andere waren nicht sicher, wie viel von ihr tats�chlich zur�ckgekommen war. Ysera schien immer noch nicht in dieser Welt verankert zu sein. Sie trieb davon gel�st dahin. Selbst ihr eigener Schwarm, deren Mitglieder wie ihr Aspekt fast immer im Smaragdgr�nen Traum hausten und W�chter der Natur waren, schien nicht zu wissen, wie er auf sie reagieren sollte. Yseras R�ckkehr in die wache Welt war alles andere als glatt gelaufen, um es vorsichtig auszudr�cken.</p><p>�Ist es etwas, was du in deinen Tr�umen gesehen hast?�, dr�ngte Alexstrasza.</p><p>�Ich habe alles im Traum gesehen�, antwortete Ysera schlicht.</p><p>�Das k�nnte schon wahr sein, doch es hilft uns nicht�, sagte Arygos und ergriff die Ablenkung, die der Aspekt des gr�nen Schwarms ihm verschafft hatte. �Du bist nicht mehr die Tr�umerin, Ysera, obwohl du sicherlich ein Aspekt bist. Vielleicht hast du alles im Traum gesehen und sahst Dinge, die gar nicht existieren.�</p><p>�Oh, das ist wahr�, stimmte Ysera bereitwillig zu.</p><p>Innerlich zuckte Alexstrasza zusammen. Nicht einmal sie wusste, was sie von Ysera der Erwachten halten sollte. Ja, sie war gesund�� doch sie hatte eindeutig Schwierigkeiten, die Dinge zusammenzubringen. Sie w�rde heute keine gro�e Hilfe sein.</p><p>�Es w�re wirklich gut, wenn wir zusammenarbeiten w�rden � auch vor dieser Stunde des Zwielichts.� Alexstrasza beobachtete Kalec und Arygos. �Die Blauen m�ssen festlegen, wie sie einen neuen Aspekt w�hlen und Entsch�digung leisten. Ihr m�sst beweisen, dass wir euch wieder trauen k�nnen. Das seht ihr sicher ein.�</p><p>�M�ssen wir das?�, antwortete Arygos. �Warum �m�ssen� wir das, Alexstrasza? Wie kommst du dazu, festzulegen, was der blaue Schwarm tun muss und was nicht? Wie kannst du uns verurteilen? Du bietest keine Entsch�digung an. Dabei m�ssen wir deinetwegen einen neuen Aspekt suchen. Wie willst du uns beweisen, dass wir dir trauen k�nnen?� Ihre Augen weiteten sich bei der Beleidigung, doch Arygos fuhr fort. �Woher soll ich wissen, dass du mich nicht t�ten willst�� wenn ich zum Aspekt erw�hlt werde�, f�gte er schnell hinzu. �Und dein Gef�hrte, Krasus, wie er gern genannt wird�� er ist kein Freund der Blauen. Er hat wiederholt gegen uns gesprochen. Mir f�llt auf, dass er bei diesem Treffen nicht anwesend ist. Vielleicht wolltest du ihn auch nicht dabeihaben?�</p><p>�Korialstrasz hat dein <emphasis>Leben</emphasis> gerettet, Arygos�, erinnerte Kalecgos ihn. �Als dein Vater so in seinem Wahn verloren war, dass er dich verlassen hat.�</p><p>Es war ein schmerzhafter Punkt f�r Arygos und nur wenige waren tapfer genug, um ihn daran zu erinnern. Das Gelege, in dem sich die Eier von Arygos und Kirygosa befunden hatten, war tats�chlich w�hrend Malygos� Wahnsinn verwaist. Korialstrasz hatte es entdeckt, wie so viele andere, und hatte es zu Nozdormu gebracht. Sp�ter waren die Gelege dem roten Schwarm �bergeben worden. Es war ein leuchtendes Beispiel f�r die Zusammenarbeit unter den drei Schw�rmen gewesen. Und sie hatten ein gemeinsames Ziel gehabt: die hilflosen Welpen zu pflegen, sobald sie aus der Schale schl�pften. Egal, ob sie rot, blau, gr�n oder bronzen waren.</p><p>�Und auch wenn er und ich unsere Differenzen haben, hat mich das nie daran gehindert, Respekt f�r ihn zu empfinden. Ich habe ihn stets f�r vern�nftig und weise gehalten�, fuhr Kalec fort. �Korialstrasz hat nichts �ber das Verhalten unseres Schwarms gesagt, was ich nicht auch gesagt h�tte.�</p><p>�Wirklich? Und was macht das dann aus dir, Kalecgos?�, gab Arygos zur�ck.</p><p>�Genug�, zischte Alexstrasza, Sie hatte nicht erwartet, dass das Treffen reibungslos verlaufen w�rde. Doch sie hatte auf mehr gehofft als diese Zankerei. �Sicherlich haben die Schw�rme gen�gend Feinde dort drau�en, weshalb wir keine wertvolle Zeit darauf verschwenden sollten, uns gegenseitig zu bek�mpfen! Todesschwinge ist zur�ck, m�chtiger denn je�� und er hat Azeroth dabei fast zerrissen. Nun hat er Verb�ndete au�erhalb seines Schwarms: den Schattenhammerkult. Was auch immer diese Stunde des Zwielichts sein mag, von der Ysera spricht, so sind die <emphasis>Zwielichtdrachen</emphasis> sicherlich eine unmittelbare Bedrohung. Das Rubinsanktum erholt sich noch von dem letzten Angriff. Wenn wir keinen Weg finden, unsere kleinlichen Differenzen beiseitezuschieben...�</p><p>�Du hast <emphasis>meinen Vater ermordet</emphasis>! Wie kannst du es wagen, das kleinlich zu nennen?!�</p><p>Alexstrasza wurde nicht schnell w�tend, doch nun trat sie zu dem j�ngeren Drachen und erkl�rte: �Ich sagte: genug! Wir m�ssen alle nach vom blicken. Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Wir sind <emphasis>jetzt</emphasis> in Gefahr. H�rst du mich? Verstehst du nicht? <emphasis>Todesschwinge ist zur�ckgekehrt</emphasis>!�</p><p>Sie stand beinahe Schnauze an Schnauze mit Arygos. Ihre Ohren lagen flach am Sch�del an. �Unsere Welt war nie zerbrechlicher! Wir Drachen sind m�chtige Wesen, doch selbst <emphasis>wir</emphasis> sollten Angst vor dem haben, was geschehen wird. Wir leben in dieser Welt, Arygos. Wir m�ssen sie besch�tzen, sie heilen oder selbst die Drachen�� das schlie�t auch die Blauen ein!�� werden vernichtet werden. Wir m�ssen...�</p><p>Einige K�pfe hoben sich auf den geschmeidigen H�lsen und wandten sich himmelw�rts. Und dann h�rte Alexstrasza es auch und erkannte, was es war.</p><p>Drachen.</p><p>Einen kurzen Augenblick wagte Alexstrasza zu hoffen, dass es der bronzene Schwarm war. Doch einen Moment sp�ter sah sie die F�rbung und erfasste mit Schrecken, welcher Schwarm es wirklich war.</p><p>�Die Zwielichtdrachen�, keuchte sie.</p><p>Sie kamen zum Wyrmruhtempel.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Es war nicht so, dass Alexstrasza es sich gew�nscht h�tte, aber die pl�tzliche Ankunft des Zwielichtdrachenschwarms veranlasste die anderen Schw�rme zu einem einm�tigen Vorgehen. Ohne einen weiteren Atemzug auf den Streit untereinander zu verschwenden, stiegen sie in die L�fte auf, um den Feind anzugreifen und den heiligen Tempel vor Gefahren zu sch�tzen.</p><p>Es war ein unpassend sch�ner Kampf. Dutzende der m�chtigen Gestalten in Rot und Gr�n und Blau wirbelten durch die Luft. Ihre Feinde waren allesamt von dunklerer Schattierung, wie wenn der Tag sich zur Nacht neigte�� violett, lila, indigofarben��, und Anmut und Brutalit�t vereinten sich zu einer blutigen Schlacht.</p><p>Als sie aufeinanderprallten, schien eine Stimme in den K�pfen der farbigen Drachen zu erschallen: �Wie freundlich, dass so viele hier an diesem Ort versammelt sind, damit mehr von euch schwachen Kreaturen get�tet werden k�nnen.�</p><p>Alexstrasza flog direkt zwischen drei Drachen und vermied dabei ihren t�dlichen Atem, der so lila war wie ihre Feinde. Aus dem Augenwinkel heraus erkannte sie, dass einer der blauen Drachen einen Moment lang auf der Stelle schwebte, einen Zauber sprach, dann seine Fl�gel anlegte und nach unten stie�. Sie wich kurz aus und vermied so den pl�tzlich aufkommenden Sturm, der aus Eiszapfen zu bestehen schien. Einer der Zwielichtdrachen schaffte es, sich selbst feinstofflich zu machen, doch die anderen beiden waren zu langsam. Alexstrasza nutzte die Gelegenheit und schoss aufw�rts, um ihre riesigen Z�hne in seinen geschmeidigen Hals zu schlagen. In seiner k�rperlichen Gestalt erwischt und zu schwach, um sich zu verwandeln, stie� der Zwielichtdrache einen w�rgenden Schrei aus und schlug mit seinen indigofarbenen Fl�geln wild in der Luft bei dem Versuch, von ihr wegzukommen. Seine schwarzen Klauen schlugen nach ihrem Bauch. Ihre Schuppen nahmen dem Angriff die Sch�rfe, hielten ihn aber nicht v�llig ab. Stechender Schmerz schoss durch ihren Magen. Sie biss fester zu und der Schmerz schwand. Sie �ffnete das Maul, lie� den schlaffen K�rper fallen und w�rdigte ihn keines zweiten Blickes, als er in die Tiefe st�rzte.</p><p>�Wer bist du?�, rief sie, ihre eigene Stimme wurde von der kalten Luft verst�rkt und weitergetragen. �Zeig dich, sag, wer du bist, oder sei als der Feigling und das Gro�maul bekannt, das du zu sein scheinst!�</p><p>�Ich bin weder Gro�maul noch Feigling�, erklang die Stimme erneut. �Meine Anh�nger kennen mich als Vater des Zwielichts. Sie sind meine Kinder und ich liebe sie.�</p><p>Ein Schaudern durchlief die gro�e Lebensbinderin, obwohl sie nicht wusste, warum. Wenn der Name richtig war, dann war er der Patriarch dieser Wesen...</p><p>�Dann tritt vor und sch�tze deine Kinder, Vater des Zwielichts, oder setz dich und sieh zu, wie wir sie eines nach dem anderen t�ten.�</p><p>Zwei von ihnen n�herten sich ihr aus entgegengesetzten Richtungen. Sie hatte sich derma�en darauf konzentriert, die Quelle der Stimme zu lokalisieren, dass sie beinahe nicht mehr rechtzeitig reagiert h�tte. In Sekundenschnelle faltete sie die Fl�gel zusammen, fiel wie ein Stein und wandte sich dabei um. Direkt �ber ihr verwandelten sich die beiden Zwielichtdrachen nur einen Wimpernschlag vor dem Zusammensto� in ihre schemenhaften Gestalten. Wodurch ihre K�rper gefahrlos durch einander durch flogen.</p><p>Hartes, s�ffisantes Gel�chter umgab sie. �Du bist ein n�rrisches kleines M�dchen, Lebensbinderin. Es wird herrlich, dabei zuzusehen, wie du von den kommenden Ereignissen zermalmt wirst.�</p><p>Ein Br�llen dr�hnte in ihren Ohren und Alexstraszas Herz schmerzte, als einer der Ihren im Kampf fiel. Seine gro�en roten Schwingen versuchten noch, ihn in der Luft zu halten, einer der Fl�gel in Streifen zerfetzt. Sie tauchte augenblicklich zu den M�rdern ihres Artgenossen hinab, br�llend und Feuer spuckend. Einer von ihnen verwandelte sich sofort, wurde feinstofflich und warf sich aus der Flammenbahn. Der andere, entweder tapferer oder d�mmer als der Erste, wandte sich um und sandte Dolche aus schwarzer Magie auf Alexstrasza zu, bevor auch er sich verwandelte. Diese Arroganz kostete ihn das Leben. Sie riss das Maul auf und stie� eine Flamme �ber die ganze L�nge seines K�rpers aus, bevor die Verwandlung vollst�ndig vollzogen war. Da ihr Feuer m�chtiger war als das eines gew�hnlichen roten Drachen, schien es f�rmlich die verf�rbten Schuppen zu schmelzen. Sie ringelten sich auf, w�hrend das Fleisch darunter bis auf die Knochen verbrannte. Eine Seite seines K�rpers war bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Der Drache st�rzte unter Schmerzen ab�� halb in der einen, halb in der anderen Gestalt.</p><p>Aus dem Augenwinkel heraus sah Alexstrasza ihre normalerweise sanfte Schwester Ysera ebenso wild k�mpfen. Ihr Maul weit aufgerissen, stie� sie Luft aus, die so s�� wie Sommerblumen sein konnte, nun aber gr�nlich und giftig war. Zwei Zwielichtdrachen prallten zur�ck, schnappten nach Luft, ihre Fl�gelschl�ge wurden z�gerlicher. So waren sie lange genug von Ysera abgelenkt, dass sie mit ausgestreckten Klauen einen schnellen Zauber wirken konnte. Sie heulten vor Schreck und begannen, einander zu bek�mpfen. Jeder von ihnen war davon �berzeugt, dass sein Kamerad der Feind war. In wenigen Sekunden taten sie Alexstraszas Arbeit f�r sie.</p><p>Alexstrasza wehrte einen weiteren Angriff ab, tauchte hinab und stie� zur�ck �ber ihren Feind, um ihn in den Hals zu bei�en und mit einem m�chtigen Schlag ihres kr�ftigen Schwanzes zu erledigen. Als der leblose K�rper zur Erde st�rzte, erkannte sie zwei Dinge gleichzeitig.</p><p>Zum einen waren zwei Aspekte anwesend, beide in guter Verfassung zum K�mpfen. Und es waren viel zu wenige Zwielichtdrachen, besonders weil die Elite-Drakoniden, die normalerweise Wache an den Eing�ngen des Sanktums standen, zeitweise ihre Posten verlassen hatten, um in den Kampf einzugreifen. Sie konnten zwar nicht fliegen, aber jeder Drache, der das Pech hatte, verletzt in ihrer N�he zu landen, wurde schnell get�tet. Es war zu einfach. Und zum anderen�� der ganze Kampf war auf einen Ort begrenzt...</p><p>Warum?</p><p>Eine bessere Taktik w�re es gewesen, die angreifenden Drachen aufzuteilen, sie zu umzingeln, von den sch�tzenden Verteidigern wegzulocken und die Architektur des Tempels selbst als Waffe zu nutzen. Doch die Zwielichtdrachen blieben �ber der Spitze des Tempels auf einem Haufen, so dicht wie Ameisen, wo sie gute Ziele f�r Ysera und Alexstrasza abgaben.</p><p>Alexstraszas Magen verknotete sich, als eine namenlose, fast schon k�rperliche Furcht durch ihren Kopf schoss. Etwas stimmte hier �berhaupt nicht.</p><p>�L�st euch vom Feind!�, rief sie, ihre Stimme klang klar und stark. Ihre Furcht unterdr�ckte sie. �Lockt sie vom Tempel weg und greift sie einen nach dem anderen an!�</p><p>Die Drachen h�rten es und verteilten sich augenblicklich in alle Richtungen. Die Zwielichtdrachen blieben auf einem engen Haufen, nur ein paar brachen aus. F�r Alexstrasza wirkte das eher wie eine Formation, die ihrer Beute folgte. Und dann erkannte sie, was es war. Sie waren nicht hier, um anzugreifen. Sie sollten ablenken...</p><p>Die Explosion war sowohl physisch wie metaphysisch stark genug, um Alexstrasza Hals �ber Kopf durch die Luft taumeln zu lassen, hilflos wie ein frisch geschl�pfter Welpe, der in einem Zyklon gefangen ist. Sie streckte die Fl�gel aus und br�llte vor scharfem Schmerz �berrascht auf, als sie beinahe zerfetzt wurde, doch sie schaffte es, sich zu fangen. Ihr ganzer K�rper f�hlte sich an, als sei sie von einem lebendigen Berg verpr�gelt worden, und einen langen Moment konnte sie nichts h�ren.</p><p>Aber sie konnte sehen. Und als der Schmerz durch ihren K�rper schoss, w�nschte sie, sie k�nnte es nicht. Der Wyrmruhtempel stand noch. So gerade eben. Mehrere der herrlichen, anmutigen Bogen waren zerschmettert, die �berreste wirkten wie geschmolzenes Eis. Magische rote Energie stieg vom Fu� des Tempels auf.</p><p>Und am Fu� des Tempels waren...</p><p>�Die Sankt�mer!�, schrie jemand. �Unsere Kinder!�</p><p>Viele von ihnen st�rzten nach unten und f�r einen schrecklichen Moment, der ewig zu dauern schien, fand Alexstrasza ihre Stimme nicht.</p><p>Das Rubinsanktum... die Kinder... <emphasis>Korialstrasz</emphasis>�!</p><p>Als sie schlie�lich wieder sprechen konnte, wollte sie selbst nicht glauben, was sie sagte.</p><p>�Bleibt standhaft!�, rief sie. �Wir k�nnen es uns nicht erlauben, noch jemanden zu verlieren! Treibt den Feind weg, mein Schwarm! Sie d�rfen uns nicht noch mehr schaden!�</p><p>Viele ihrer eigenen roten Drachen sammelten sich bei ihrem erregten Ruf, konzentrierten ihre Wut, Trauer und Angst auf das, was sie f�rchteten. Die Zwielichtdrachen schienen von der Wildheit erschreckt und flohen.</p><p>Alexstrasza folgte ihnen nicht. Sie faltete ihre Fl�gel und stie� nach unten, ihr Herz pochte �ngstlich, voller Panik, was sie vorfinden w�rde.</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts stand auf einem der vielen Berge, die sich �ber der Drachen�de erhoben. Er schien nicht zu frieren, w�hrend der Wind an seinem Kapuzenmantel zerrte, und hielt die Kapuze mit einer Hand fest. Die andere Hand umklammerte eine kleine Silberkette, deren Glieder fein gearbeitet waren. Aus der schattenhaften Dunkelheit der Kapuze sahen seine Augen hervor, die tief in einem rauen, graub�rtigen Gesicht lagen. Er hatte dem Kampf befriedigt zugesehen und seine dr�hnenden Verspottungen gerufen, um die Lebensbinderin mit einer fast kindlichen Ausgelassenheit aus dem Konzept zu bringen.</p><p>Doch die Explosion, die den Drachenschwarm derart durcheinandergewirbelt hatte, hatte auch ihn �berrascht und erschreckt.</p><p>Neben dem gro�en, untersetzten Mann stand eine sch�ne junge Frau. Langes blauschwarzes Haar wehte im Wind, was ihren eigentlich bleichen Wangen ein rosiges Aussehen gab. Die d�nne Kette, die der Vater des Zwielichts in seiner behandschuhten Hand hielt, lief in einem Kreis um ihren schlanken Hals, fast wie eine elegante Halskette. Auch ihr schien die K�lte nichts auszumachen, obwohl ihr die Tr�nen auf dem Gesicht gefroren waren. Doch jetzt l�chelte sie und die Tr�nen brachen weg und fielen herab wie kalte kleine Steine.</p><p>Langsam wandte sich die Gestalt an das M�dchen. �Wie hast du ihnen eine Nachricht zukommen lassen? Wie hast du das gemacht? <emphasis>Wer hat dir geholfen</emphasis>?�</p><p>Das L�cheln des M�dchens wurde breiter. �Deine Anh�nger sind viel zu loyal, um mir zu helfen. Ich habe ihnen keine Nachricht zukommen lassen. Doch es scheint, jemand ist schlauer als du... <emphasis>Vater des Zwielichts</emphasis>.� Sie sprach den Titel nicht mit dem Respekt der Kultisten aus, sondern beleidigend. �Dein Plan ist schiefgegangen.�</p><p>Er trat n�her an sie heran, dann lachte er pl�tzlich. �Wie dumm du doch bist. Es gibt immer neue M�glichkeiten. Und ein weiser alter Mann hat immer mehr als einen Plan.�</p><p>Beil�ufig verst�rkte er den Griff um die Kette. Das M�dchen keuchte, ihre H�nde schossen an ihre Kehle, als die Kette sich drehte, wei� gl�hte und begann, sie zu verbrennen. Er l�chelte bei dem Geruch des verbrannten Fleisches, dann beendete er den Zauber ebenso beil�ufig.</p><p>Sie fiel nicht auf die Knie, nicht richtig, doch ihr Keuchen und Zittern waren genug, um ihn zu bes�nftigen.</p><p>Sie hatten tats�chlich einen R�ckschlag erlitten. Einen schweren. Doch was er seiner Gefangenen gesagt hatte, stimmte. Ein weiser Mann hatte mehr als einen Plan. Und der Vater des Zwielichts war in der Tat weise.</p><p>Er war weit davon entfernt, geschlagen zu sein.</p><empty-line/><p>Sie waren fort.</p><p>Die Sankt�mer�� alle. Fort, als h�tte es sie nie gegeben. F�nf Miniaturdimensionen, heilige Orte f�r jeden Schwarm, ausgel�scht. Und zusammen mit den Sankt�mern waren die unaussprechlich wertvollen Sch�tze verschwunden, die sie bargen: ihre Jungen. Tausende Leben waren vernichtet worden, bevor sie auch nur die Chance zum Atmen hatten oder mit ihren Fl�geln zu schlagen.</p><p>Alexstrasza hatte die Wachen begleitet, doch es war nicht einmal etwas �brig zum Untersuchen. Irgendwie hatten die Zwielichtdrachen es geschafft, dass jedes Sanktum implodiert war. Zur�ckgeblieben war nichts als Spuren der Energie, die benutzt worden war, um sie zu zerst�ren. Das Wie und vielleicht das Warum daf�r herauszufinden, w�re die Arbeit eines anderen Tages, wenn die K�pfe k�hler und die Herzen ruhiger waren. Jetzt waren die Drachenschw�rme tats�chlich vereinigt in Schmerz und Verlust.</p><p>Es gab keine Hoffnung und doch hatte Alexstrasza sie. Sie �ffnete sich, mit ihrem Herzen, ihrer Magie als Lebensbinderin, ihrer grenzenlosen Liebe, um eine Spur von demjenigen zu finden, der der Erste in ihrem Herzen war. Ihr Band war so stark, dass sie ihn noch sp�ren w�rde, selbst wenn er weggezaubert worden w�re. Das war immer so gewesen.</p><p><emphasis>Korialstrasz</emphasis>?</p><p>Stille.</p><p><emphasis>Geliebter</emphasis>?</p><p>Nichts.</p><p>Korialstrasz war fort�� ebenso wie die Sankt�mer�� die Eier und die Hoffnung f�r die Zukunft der Drachen.</p><p>Alexstrasza kroch auf der schneebedeckten Erde. Torastrasza, der Majordomus des Herrscherrates des Paktes, stand neben ihr und versuchte sie zu tr�sten. Doch f�r etwas so Schreckliches konnte wahrscheinlich kein Trost gefunden werden, zumindest nicht f�r lange. Wenn �berhaupt jemals.</p><p>Tariolstrasz trat zu Torastrasza: �Kann ich mit dir reden?�</p><p>Torastrasza strich Alexstrasza sanft �ber die Schnauze. �Ich bin gleich wieder zur�ck�, sagte sie.</p><p>Alexstrasza verstand Torastraszas Worte einen Augenblick lang nicht. Dann nickte sie: �Oh, ja... nat�rlich.�</p><p><emphasis>Mein Geliebter, mein Herz, mein Leben... Warum habe ich dich gebeten zur�ckzubleiben? W�rst du mit mir gekommen, h�ttest du vielleicht �berlebt</emphasis>...</p><p>Erregte Stimmen erklangen um sie herum, voller Wut, Angst und Furcht. Das Einzige, was Alexstrasza davon abhielt, sich selbst zu verlieren, war gn�dige Benommenheit, die begann, sich aufzul�sen, je l�nger dieser Albtraum, der unm�glich real sein konnte, andauerte. Sie sp�rte ein sanftes Streicheln am Hals und wandte sich um. Sie erblickte Ysera, die sie voll Mitgef�hl aus ihren regenbogenfarbenen Augen anblickte. Der gr�ne Drachenaspekt schwieg, sie wusste, es konnte nichts gesagt werden. Deshalb legte sie sich neben ihre Schwester und sie ber�hrten sich an der Seite.</p><p>�Lebensbinderin�, erklang Torastraszas Stimme nach einiger Zeit. Alexstrasza hob mit M�he den Kopf und betrachtete den anderen Drachen.</p><p>�Korialstrasz...�, begann Torastrasza und konnte dann nicht fortfahren.</p><p>�Ich weiߓ, sagte Alexstrasza. Ihr Herz brach noch ein wenig mehr, indem sie das anerkannte. Als h�tten die Worte dazu beigetragen, es realer zu machen. �Er... war da. Im Sanktum. Mein Geliebter ist fort.�</p><p>Doch seltsamerweise sch�ttelte Torastrasza den Kopf. Pl�tzliche Hoffnung erf�llte Alexstrasza. �Hat er �berlebt?�</p><p>�Nein, nein, ich... Es scheint Selbstmord gewesen zu sein.�</p><p>Sie starrte Torastrasza an, als redete der Majordomus Unsinn. �Deine Worte ergeben keinen Sinn!�, sagte sie und schlug mit ihrer Vorderpfote auf.</p><p>�Er war... Er hat das <emphasis> getan</emphasis>. Das Wenige, was davon �brig ist, tr�gt sein energetisches Zeichen. Es ist gr�n... und lebendig.�</p><p>�Du sagst, dass der Geliebte meiner Schwester die Sankt�mer zerst�rt hat? Zusammen mit den Eiern und sich selbst?�, fragte Ysera, ihre Stimme noch ruhig und gel�st.</p><p>�Es... gibt keine andere Erkl�rung.�</p><p>Alexstrasza starrte Torastrasza an. �Das ist nicht m�glich�, sagte sie. Ihre Stimme war h�rter als Stein. �Du <emphasis>kennst</emphasis> Korialstrasz. Du wei�t, dass er dazu gar nicht <emphasis>f�hig</emphasis> ist.�</p><p>�Und wenn er f�r den Schattenhammer arbeitet?� Arygos� Stimme war voller Wut. �Die ganze Zeit hat er dich gedr�ngt, meinen Vater zu t�ten. Den Nexus anzugreifen. Und ganz nebenbei plante er die Vernichtung unseres ganzen Volkes!�</p><p>Wut explodierte wie ein Feuerball in Alexstraszas Blut. Sie richtete sich auf, ihr Blick lag auf dem blauen Drachen, und langsam ging sie auf ihn zu.</p><p>�W�hrend dein Vater sich in seinem Wahn gesuhlt hat, haben Korialstrasz und ich f�r Azeroth gek�mpft. Wir haben uns mit allen Alliierten zusammengetan, die wir finden konnten. Wir haben sogar die Zeit manipuliert, wir riskierten den Tod und Schlimmeres f�r diese Welt. Er war immer neben mir, sein Herz rein und stark. Er liebte selbst dich, Arygos, er rettete dein Leben und das von Jury und von so vielen anderen. Er hat immer wieder unsere Welt gerettet und unser Volk. Und jetzt kommst du und verk�ndest allen Ernstes, dass er sich mit Todesschwinge verb�ndet hat? Mit einem Kult, der das Ende von allem will?�</p><p>�Arygos�, dr�ngte Kalec, �es k�nnte eine andere Erkl�rung geben.�</p><p>Da konnte... da war... da musste... Alexstrasza wusste es. Und dennoch...</p><p>�Diese Kampftaktik der Zwielichtdrachen sollte bezwecken, uns hoch �ber den Tempel zu locken und zu k�mpfen�, fuhr Torastrasza fort. Ihre Stimme klang so freundlich, wie ihre Worte gnadenlos waren. �Es war eine Ablenkung, um uns zu besch�ftigen... um die Wyrmruhbesch�tzer wegzulocken, sodass...� Torastrasza unterbrach sich und sah zu Boden, unf�hig, ihre verehrte Lebensbinderin anzublicken, als sie die Worte sprach, von denen sie wusste, dass sie das Herz der Drachenk�nigin in St�cke rei�en w�rde.</p><p>�Alexstrasza�, sagte Kalec freundlich, �sag uns, warum Krasus heute nicht mitgekommen ist. Er wollte bestimmt kommen... ich bin mir sicher. Aber du hast ihn gebeten, zur�ckzubleiben, oder?� Seine Stimme klang flehentlich.</p><p>Sie blickte Kalec an. Ihr Herz brach noch mehr, als sie sich an das Gespr�ch erinnerte�� das letzte, das sie jemals gehabt haben w�rden.</p><p><emphasis>Geh ohne mich, mein Herz. Du bist der Aspekt. Auf deine Stimme werden sie h�ren. Ich werde nur ein kleiner Kiesel sein, der zwischen den Schuppen steckt�� etwas reizend, aber wenig mehr</emphasis>.</p><p>Er war es gewesen, der vorgeschlagen hatte, zur�ckzubleiben.</p><p>�Nein�, keuchte sie, sowohl als Antwort auf Kalecs Frage wie auch in der verzweifelten Weigerung, anzuerkennen, was die Wahrheit zu sein schien�� dass Korialstrasz das tats�chlich geplant hatte.</p><p>Kalec sah sie �ngstlich an. �Ich... Selbst angesichts der Anzeichen... Auch wenn alles danach aussieht... Ich kann nicht glauben, dass Krasus einen V�lkermord begehen w�rde! Das ist nicht der Krasus, den ich kannte!�</p><p>�Vielleicht ist der Wahnsinn nicht nur auf Aspekte beschr�nkt�, zischte Arygos.</p><p>Etwas machte Klick in Alexstrasza. Sie warf den Kopf zur�ck und schrie ihren Schmerz heraus. Ein durchdringendes Ger�usch, das die Luft zerspringen lie� und �ber dem gefrorenen Boden bebte. Sie sprang hoch, die Fl�gel schlugen im Takt mit ihrem rasenden Herzen, die Augen hefteten sich auf die sch�ne Kugel der Einheit.</p><p>Sie flog direkt darauf zu.</p><p>Alexstrasza senkte den Kopf in der letztm�glichen Sekunde, wie ein Schafbock, der auf einen Feind zugaloppierte. Ihre riesigen H�rner trafen die grazile Kugel. Mit einem unwirklichen metallenen Ger�usch zerbarst die Kugel der Einheit in Tausende leuchtende Teile, wie prasselnder Regen fielen sie auf die Drachen darunter hinab.</p><p>Sie musste von hier fort. Weg von den Drachen, die so schnell das Schlimmste von einem annahmen, der immer einer der Besten gewesen war. Nicht nur von den blauen, gr�nen oder von ihrem eigenen Schwann, die es h�tten besser wissen m�ssen...</p><p>H�tte sie <emphasis>selbst</emphasis> es besser wissen m�ssen? Was, wenn es sich als wahr erwies?</p><p>Nein. Nein, sie konnte und w�rde nicht einen Hauch davon in ihr Herz einlassen. Sonst w�rde sie jemanden verraten, der stets ihres Vertrauens w�rdig gewesen war.</p><p>Torastrasza, Ysera und Kalecgos flogen neben ihr her. Sie sagten etwas, was sie nicht verstehen konnte, und Alexstrasza wirbelte mitten im Flug herum und griff sie an.</p><p>Erschreckt drehten sie ab. Sie folgte ihnen nicht. Sie wollte nicht t�ten. Sie wollte nur, dass sie sie allein lie�en, damit sie diesem Ort entfliehen konnte, diesem furchtbaren Ort, der nun ein Platz von unaussprechlichem, fast unvorstellbarem Schrecken war. Sie konnte nie wieder den Tempel anblicken, ohne diesen Moment erneut zu durchleben. Und nun�� es war unertr�glich.</p><p>Alles war unertr�glich.</p><p>In ihrer Zerbrochenheit klammerte sich Alexstrasza an eine Sache�� eine Hoffnung, dass sie, wenn sie nur weit genug, nur schnell genug fliegen konnte, alles vergessen w�rde.</p><empty-line/><p>Alexstraszas Angriff wurde von Wut und Angst befeuert, er war kein ernsthafter Versuch, zu t�ten. Und Ysera, Torastrasza und Kalec wichen ihr mit Leichtigkeit aus. Ysera f�hlte ihren eigenen Schmerz�� viele der Eier, die bei der Explosion zerst�rt worden waren, hatten ihrem Schwarm geh�rt, wenn nicht gar ihr selbst. Doch sie wusste, dass das nichts war im Vergleich zu dem, was ihre Schwester durchlitt.</p><p>Alexstrasza hatte den Gef�hrten, ihre Kinder und die Hoffnung verloren, alles auf einen schrecklichen Schlag.</p><p>Ysera flog zur�ck zum Tempel, traurig, ihr Herz schwer. Ihr Geist nagte an den r�tselhaften Teilen eines Puzzles.</p><p>Die Drachen zogen in Gruppen ab. Tief betr�bt, w�tend. Niemand, so schien es, wollte hier bleiben, unter all dem, was einst so wertvoll gewesen war.</p><p>Der Wyrmruhpakt war ebenso zerst�rt wie das Symbol. Und der Tempel war nun bedeutungslos.</p><p>Doch Ysera floh nicht. Sie kreiste langsam um den Tempel, betrachtete ihn unbefangen, landete dann, verwandelte sich in Elfengestalt und ging auf zwei Beinen um das Geb�ude herum. �berall lagen Leichen: rote, blaue, gr�ne und Zwielichtdrachen. Die unangemessene Energie und Lebenskraft der Magie, die Korialstrasz benutzt hatte, um die Sankt�mer zu zerst�ren, drang langsam an die Oberfl�che. Lebende Pflanzen brachen durch die Kruste des wei�en Schnees.</p><p>Ysera sch�ttelte traurig den Kopf. Was f�r kr�ftiges Leben, das solchen Tod verursacht hatte. Sie b�ckte sich, um ein langes gr�nes Blatt zu pfl�cken.</p><p>Ihre Augen waren offen, doch sie achtete nicht darauf, was sie damit sah. Sie hatte alles versucht, um mit den anderen Drachen �ber ihre unvollst�ndige Vision zu reden. Doch das war fast unm�glich: Der einzige Weg f�r jemand anderen, es wirklich zu verstehen, w�re, dass auch er schlief, zehntausend Jahre lang tr�umte und erst jetzt erwachte und versuchte, den Sinn darin zu erkennen. Ysera wusste, dass sie nicht verr�ckt war, und sie f�hlte, dass auch die anderen es wussten. Doch sie hatte mittlerweile ein gewisses Verst�ndnis f�r Wahnsinn.</p><p>Die Stunde des Zwielichts. Sie hatte davon auf dem Treffen gesprochen, versucht, die anderen davor zu warnen. Doch die Warnung war verloren gegangen. Ein kleines, helles Fragment von... etwas..., was schnell beiseitegeschoben wurde wie eine zerbrochene Scherbe eines Topfes unter einem flei�igen Besen. Es war...</p><p>Sie nagte an ihrer Unterlippe und dachte nach.</p><p>Es war die gr��te Herausforderung, der sich der Drachenschwarm stellen musste. Doch sie wusste nicht, gegen wen sie k�mpfen w�rden. Es konnte schon bald geschehen... oder erst in einigen �onen. Konnte es etwas mit Todesschwinges R�ckkehr zu tun haben? Sicherlich musste es das... oder doch nicht? Das Zerbrechen der Welt war eines der schlimmsten Dinge, die jemals auf Azeroth geschehen waren.</p><p>Wie konnte sie die anderen dazu bringen, die Ernsthaftigkeit der Lage zu erkennen, wenn sie selbst sie nicht beschreiben konnte? Sie stie� einen kleinen Laut des �rgers und der Frustration aus.</p><p>In einer Sache war sie sich sicher. Es fehlten noch viele Teile in diesem Puzzle. Und es gab ein Kernst�ck, das notwendig war, bevor alle anderen ihren Platz finden konnten. Es war ein sehr merkw�rdiges Teil, ein unwahrscheinliches im besten Fall, und sie war unsicher, wie es hineinpassen sollte. Sie wusste nur, dass es hineinpassen musste.</p><p>Ysera hatte ihn in ihren Traum hinein- und herausgleiten gesehen. Sie hatte gedacht, sie w�rde die Rolle der Dinge verstehen. Doch nun, so seltsam es auch schien, brachte etwas... eine innere Sicherheit, die sie nicht vollst�ndig verstand, sie auf den Gedanken, dass sie nicht die volle Tragweite seines Beitrags f�r Azeroth erkennen konnte.</p><p>Er war kein Drache. Doch er trug die Interessen der Drachenschw�rme in seinem Herzen. Ob er das nun wusste oder nicht. Er war einzigartig.</p><p>Sie neigte den Kopf, lie� den Wind mit ihrem langen gr�nen Haar spielen.</p><p>Vielleicht passte er deshalb hinein. Selbst die Aspekte waren keine einzigartigen Wesen, obwohl jeder einzigartige F�higkeiten besa�. Nicht einer, sondern f�nf waren es am Anfang gewesen, als die Titanen gekommen waren und ihre Kr�fte zum Wohle Azeroths geteilt hatten. Jetzt waren es noch vier, doch es w�rden bald wieder f�nf sein, wenn die Blauen entschieden hatten, wen sie zu ihrem Anf�hrer w�hlen w�rden.</p><p>Doch dieses Wesen gab es nur einmal.</p><p>Es gab nur einen Thrall.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Thrall konnte nicht schlafen. Aggra schlummerte ruhig neben ihm auf ihren Schlaffellen. Doch sein Geist kam nicht zur Ruhe. Er lag auf dem R�cken und starrte zu den Fellen hoch, die die H�tte bedeckten. Schlie�lich stand er auf, warf ein paar Kleidungsst�cke und einen Umhang �ber und ging nach drau�en.</p><p>Er atmete die feuchte Luft ein und sah zum Nachthimmel empor. Die Sterne zumindest schienen ihm etwas Frieden zu bringen und die beiden Monde�� die Wei�e Dame und das Blaue Kind�� waren nicht beeinflusst von Todesschwinges gewaltt�tiger Wiedergeburt. Im Moment waren die Elemente so stabil, wie sie sein konnten, hier im Mahlstrom�� doch seiner Hilfe war das nicht zu verdanken, wie er wusste, und er runzelte die Stirn.</p><p>Er ging ohne bestimmtes Ziel los. Er wollte sich einfach nur bewegen, in Stille und Einsamkeit, und sehen, ob das seine Gedanken weit genug beruhigen w�rde, damit er schlie�lich schlafen konnte.</p><p>Was sich w�hrend des Zaubers und danach ereignet hatte�� sowohl mit den Mitgliedern des Rings und mit Aggra im Besonderen��, hatte ihn ersch�ttert. Er fragte sich, ob sie recht hatten. Half er hier wirklich? Er hatte alles aufgegeben, um hierherzukommen, und dennoch schien es, dass er nicht nur keine Hilfe war, er war auch noch ein Unruhestifter. Er war heute zur�ckgeblieben, �um sich auszuruhen�, w�hrend die anderen ihre Arbeiten erledigt hatten. Das war besch�mend und schmerzvoll. Er knurrte tief in der Kehle und beschleunigte seine Schritte.</p><p>Er wollte nicht glauben, dass Aggra recht hatte�� dass er sich hinter seiner Anf�hrerschaft versteckte und ein Sklave seiner Plichten war. Wenn es so war, warum konnte er sich dann nicht hier in der Arbeit verlieren?</p><p>�Was stimmt nicht mit mir?�, murmelte er und schlug mit seiner gro�en Faust in die Fl�che seiner Hand.</p><p>�Das�, erklang eine melodische weibliche Stimme, �wei� ich noch nicht. Vielleicht werde ich es aber bald erkennen.�</p><p>Erschreckt wandte er sich um. Ein paar Meter entfernt stand eine gro�e, aber schlanke, verh�llte Gestalt. Der Umhang um ihren K�rper zeigte, dass sie weiblich war, doch ihr Gesicht blieb im Schatten der Kapuze verborgen. Thrall erkannte die Stimme nicht, runzelte leicht die Stirn und fragte sich, wer die Fremde sein mochte.</p><p>�Vielleicht werde ich das auch�, sagte er. Er neigte den Kopf zum Gru�. �Ich bin Thrall.�</p><p>�Ich wei�. Euretwegen bin ich hier.� Ihre Stimme war melodisch, hypnotisierend.</p><p>Er blinzelte. �Meinetwegen? Warum? Wer seid Ihr?�</p><p>�Das ist... schwer zu erkl�ren�, sagte sie und neigte den Kopf, als lausche sie auf etwas, was er nicht h�ren k�nnte.</p><p>�Ist es schwer, Euren Namen zu nennen?�</p><p>�Oh, das... nein. Es ist etwas anderes, was schwierig ist. Wisst Ihr... ich habe eine kleine Aufgabe f�r Euch, Thrall.�</p><p>Er war eher am�siert, denn beleidigt. �Eine Aufgabe? Etwas f�r den Ring?�</p><p>�Nein, etwas f�r die Dorfbewohner.�</p><p>�Die Dorfbewohner?�</p><p>�In Feralas. Es ist wenig mehr als ein kleines Lager...� Dabei lachte sie, als w�rde sie einen Witz machen. �... das Tr�umersruh genannt wird. Dort leidet das Land, ein Geh�lz, das schon viele Jahre alt ist, und die Druiden, die dort leben. Die Elemente dort sind au�er Kontrolle, wie sie es in so vielen Teilen dieser armen, verwundeten Welt sind. Und sie werden das Dorf zerst�ren, wenn man nichts unternimmt. Nur ein Schamane kann mit den Elementen reden und sie zur Harmonie bewegen.�</p><p>Thralls Belustigung schwand. Er begann, einen Scherz zu vermuten. Und der gefiel ihm nicht. �Dann soll das der Schamane des Dorfes tun�, sagte er, etwas scharf.</p><p>�Dort gibt es keinen Schamanen. Es ist zu klein und es gibt nur Druiden�, sagte die Fremde einfach, als w�rde das alles erkl�ren.</p><p>Thrall atmete tief ein. Was sie von ihm verlangte, war trivial. So etwas konnten Anf�nger bew�ltigen. Er wusste nicht, warum sie mit so einer Aufgabe ausgerechnet zu ihm kam, und es war ihm auch egal.</p><p>�Sicherlich gibt es andere, die das tun k�nnen�, sagte er, z�gelte seinen �rger und versuchte, Haltung zu bewahren. Es war sicher eine Art bizarrer Test des Irdenen Rings und er wollte nicht vor unbeherrschtem Zorn explodieren. Egal, wie sehr ihn dieses zappelige weibliche Wesen auch �rgerte.</p><p>Sie sch�ttelte energisch den Kopf und trat auf ihn zu. �Nein�, widersprach sie und schien es ernst zu meinen. <emphasis>�Keinen</emphasis> anderen. Niemanden wie Euch.�</p><p>Das war absurd. �Wer seid Ihr, um mir so eine Aufgabe anzutragen?�</p><p>Ihr Gesicht lag immer noch im Schatten, doch ihre strahlenden Augen beleuchteten ein L�cheln von gespenstischer S��e. War das eine Nachtelfe? �Vielleicht bringt das Klarheit.�</p><p>Bevor er zur�ckweichen konnte, war sie in die Luft gesprungen�� hoch�� h�her als jede echte Elfe springen konnte. Der Umhang fiel von ihr ab, als sie die Arme weit spreizte und ihr Gesicht in den Himmel reckte. Ihr K�rper begann sich schneller zu verwandeln, als das Auge folgen konnte, und wo zuvor, wie er dachte, eine Nachtelfe gestanden hatte, blickte nun ein riesiger Drache auf ihn herab, der mit den Fl�geln schlug, w�hrend er sich zur Landung herabsenkte.</p><p>�Ich bin Ysera... die Erwachte.�</p><p>Thrall machte einen Schritt zur�ck und keuchte. Er kannte den Namen Ysera. Sie war die Tr�umerin gewesen, die W�chterin �ber den Smaragdgr�nen Traum. Doch jetzt tr�umte sie nicht mehr.</p><p>Vieles hatte sich seit dem Kalaklysmus ge�ndert, schien es.</p><p>�Tut es, Thrall�, sagte Ysera. Ihre Stimme war immer noch angenehm, doch in ihrer Drachengestalt tiefer und klangvoller.</p><p>Er antwortete beinahe: <emphasis>Ja, nat�rlich</emphasis>. Aber seine bisherigen Fehler erschreckten ihn. Was sie verlangte, schien tats�chlich einfach zu sein. Doch wenn man bedachte, wer sie war, musste die Aufgabe doch sehr wichtig sein. Und er wusste nicht, ob er momentan mit etwas Wichtigem betraut werden konnte.</p><p>�M�chtige Ysera... darf ich dar�ber nachdenken?�</p><p>Sie sah entt�uscht aus. �Ich hatte auf ein Ja gehofft.�</p><p>�Es ist... nur ein kleines Lager, oder?�</p><p>Ihre Entt�uschung schien sich zu vertiefen. �Ja. Es ist ein kleines Lager und eine kleine Aufgabe.�</p><p>Scham lief �ber seine Wangen. �Dennoch m�chte ich Euch bitten: Kommt am Morgen wieder, dann habe ich eine Antwort.�</p><p>Sie stie� einen schweren, melancholischen Seufzer aus und ihr Atem roch nach frischem Gras und Nebel. Dann nickte Ysera die Erwachte, schoss hoch in die Luft und verschwand mit ein paar Fl�gelschl�gen.</p><p>Thrall lie� sich schwer nieder.</p><p>Er war gerade von einem Drachen um etwas gebeten worden und er hatte ihn auf den Morgen vertr�stet. Wer glaubte er, dass er war? Und dennoch...</p><p>Er legte den Kopf in die Hand und presste die Finger fest gegen die Schl�fen. Dinge, die leicht sein sollten, waren meist schwierig, zu schwierig. Sein Kopf war nicht klar und es schien, dass das auch f�r sein Herz galt. Er f�hlte sich... verloren und unentschlossen.</p><p>Thrall war seit dem Streit mit Aggra gestern f�r sich geblieben. Nun sa� er hier allein, nur mit den Monden und den Sternen als Gesellschaft, und er musste sie suchen. Aggra war klug und lebenserfahren, auch wenn er erst gerade herausgefunden hatte, dass ihm oft nicht gefiel, was sie zu sagen hatte. Aber er war eindeutig nicht in der Position, eine Entscheidung ohne Unterst�tzung zu f�llen. Ansonsten h�tte er sofort Ja oder Nein zu dem m�chtigen Aspekt sagen k�nnen.</p><p>Langsam stand er auf und ging zur�ck zur H�tte.</p><p>�Haben dir die Monde F�hrung gebracht?�, fragte Aggra leise in der Dunkelheit. Er h�tte es besser wissen m�ssen, als zu glauben, dass seine Bewegungen, wie leise sie auch sein mochten, sie nicht aufgeweckt h�tten.</p><p>�Nein�, sagte er. �Aber... ich w�rde dich gern um etwas bitten.� Er erwartete eine sarkastische Antwort, stattdessen h�rte er die Felle rascheln, als sie sich aufsetzte.</p><p>�Ich h�re�, war alles, was Aggra sagte.</p><p>Er sa� neben ihr auf den Schlaffellen. Ruhig hatte er ihr von der Begegnung erz�hlt und sie hatte zugeh�rt, ohne zu unterbrechen. Obwohl sich ihre Augen an einigen Stellen geweitet hatten.</p><p>�Das scheint... fast schon beleidigend�, sagte Thrall schlie�lich. �Es ist eine kleinere Aufgabe. Mich hier wegzuholen, wo meine Hilfe dringend ben�tigt wird, um ein kleines Dorf zu retten, in Feralas...� Thrall sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht, ob das eine Pr�fung ist oder eine Falle oder sonst was. Ich verstehe es nicht.�</p><p>�Bist du sicher, dass es Ysera war?�</p><p>�Es war ein gro�er gr�ner Drache�, zischte Thrall und f�gte dann ruhiger hinzu, �und ich <emphasis>sp�rte</emphasis>, dass sie es war.�</p><p>�Es ist egal, ob es eine Pr�fung ist oder eine Falle. Es ist egal, dass es wie eine einfache Aufgabe wirkt. Wenn Ysera dich um etwas bittet, solltest du gehen, Thrall.�</p><p>�Aber meine Hilfe hier...�</p><p>Aggra bedeckte seine Hand mit ihrer. �... wird nicht ben�tigt. Nicht jetzt. Du kannst nicht tun, was du tun musst, um uns zu helfen. Das hast du gestern ja erlebt�� das haben wir alle. Du nutzt momentan niemandem hier. Nicht dem Irdenen Ring, nicht der Horde, nicht mir�� und sicher nicht dir selbst.�</p><p>Thrall verzog das Gesicht, doch es lag keinerlei Verachtung oder Wut in Aggras Stimme. Stattdessen war sie freundlicher, als er sich seit langer Zeit erinnern konnte, genauso wie ihre Hand auf seiner.</p><p>�Go�el, mein Geliebter�, fuhr sie fort. �Geh und erledige diese Sache. Geh und gehorche der Bitte des Aspekts. Und sorge dich nicht, ob es um etwas Gro�es oder Kleines geht. Geh und gib zur�ck, was du gelernt hast.� Sie l�chelte ein wenig neckend. �Hast du denn nichts bei deiner Initiation gelernt?�</p><p>Thrall dachte an die Tage seiner Initiation in Garadar zur�ck, was ewig her zu sein schien. Er erinnerte sich an die Kleidung, die er dort getragen hatte, und rief sich ins Ged�chtnis, dass ein Schamane Stolz und Demut abw�gen musste.</p><p>Er war recht sicher, <emphasis> nicht</emphasis> dem�tig zu sein, wenn er daran dachte, die Bitte des Aspekts abzulehnen.</p><p>Thrall holte tief Luft, hielt den Atem einen Moment an, dann stie� er ihn langsam aus.</p><p>�Ich werde gehen�, sagte er.</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts war ein wenig entt�uscht, wie schnell die roten, blauen und gr�nen Drachen geflohen waren. Er hatte erwartet, dass sie l�nger k�mpfen w�rden. Dennoch hatte es die Aufgabe leichter gemacht und er wurde von den Kultisten nun noch mehr verehrt, die jedem seiner Befehle gehorchten. Das war gut, selbst wenn ein h�rter errungener Sieg s��er geschmeckt h�tte.</p><p>Er hatte mit dem M�dchen zugesehen, wie die Drachen weggeflogen waren. Einige allein, andere zu zweit oder in Gruppen. Die einzigen Drachen, die noch da waren, waren leblos, au�er denjenigen, die unter seinem Kommando standen.</p><p>Er hatte seine Leute vorausgeschickt, um seine Anh�nger zusammenzurufen, und jetzt standen sie am Fu� des Vorgebirges und zitterten in der K�lte. Ihre Gesichter waren so unterschiedlich, geh�rten zu Orcs und Trollen, Menschen und Nachtelfen�� eigentlich zu den meisten V�lkern Azeroths��, und hatten doch eine tiefe �hnlichkeit in ihrem Ausdruck begeisterter Verehrung.</p><p>�Und so kommt unsere lange Reise wenn schon nicht zu ihrem Ende, so doch zumindest an den Ort, wo wir uns ausruhen, unsere Kr�fte sammeln und stark werden wollen. Der Wyrmruhtempel wurde einst als Symbol der uneinnehmbaren Macht der vereinigten Drachenschw�rme gesehen. Es hei�t, er wurde von den Titanen selbst errichtet, und die Drachen betrachteten ihn als unverletzlich und heilig. Heute haben wir erlebt, wie sie ihn aufgegeben haben�� darunter zwei Aspekte. Jetzt ist er unsere Heimat, solange wir das wollen. Dieser uralte Ort der Macht muss fallen�� wie alles andere auch!�</p><p>Jubel brandete aus Hunderten Kehlen auf. Der Vater des Zwielichts hob die H�nde und nahm die Welle der Verehrung entgegen, die zu ihm von der Menge hochschlug.</p><p>�Das Ende der Dinge ist stets mit uns, selbst im Moment unseres Triumphes. Nun lasst uns in Besitz nehmen, was uns zugefallen ist, damit es unserer Sache dienen kann.�</p><p>Einer der gro�en Zwielichtdrachen, der gehorsam geschwebt war, setzte zur Landung an. Wie ein braves Haustier postierte er sich vor ihm und presste den lilafarbenen Bauch auf den kalten Stein, damit er leichter hinaufklettern konnte. Der Vater des Zwielichts trat vor und die Kette, die das M�dchen fesselte, straffte sich. Mild �berrascht drehte er sich um.</p><p>Das M�dchen bewegte sich nicht, betrachtete den Drachen mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid.</p><p>�Nun, nun, meine Teure�, sagte er und seine Worte klangen sp�ttisch, �du brauchst nicht zu z�gern.� Der Vater des Zwielichts grinste unter der Kapuze. �Obwohl das vermutlich kaum die Heimkehr ist, die du dir erwartet hast, hm?�</p><p>Kirygosa, Tochter von Malygos, Schwester von Arygos, blickte von dem Zwielichtdrachen zum Vater des Zwielichts. Ihre blauen Augen verengten sich vor Verachtung und sie bewahrte ihr eisiges Schweigen.</p><empty-line/><p>Als sie zum Wyrmruhtempel kamen, bemerkte Kirygosa, dass etwas anderes sich ebenfalls n�herte. Ein riesiger Schlitten, der mehrere Dutzend Menschen aufnehmen konnte, glitt unter ihr durch die Landschaft. Die wei�en Schneewehenelche, die ihn zogen, strengten sich sichtbar an. Unter Kirygosas Blicken brach einer zusammen. Der Schlitten kam zum Stehen. Vier Akolythen des Schattenhammers eilten herbei. Sie schnallten die armselige Kreatur los und ersetzten sie durch einen anderen Elch. Das ersch�pfte Tier taumelte mehr, als dass es ging, w�hrend sie an den Z�geln zogen und es von seinen Artgenossen wegf�hrten. Als es erneut im Schnee zusammenbrach und seinen Kopf flehentlich hob, machte einer der Akolythen eine Handbewegung. Mehrere Orcs stiegen von ihren gro�en schwarzen W�lfen. Die Tiere warteten gehorsam, die Augen auf ihre Herren gerichtet, bis das Kommando gegeben wurde. Dann sprangen die W�lfe gleichzeitig los und fielen mit erschreckender Geschwindigkeit �ber den hilflosen Elch her. Weicher wei�er Schnee wurde aufgewirbelt, als der Elch sich wehrte. Pl�tzlich f�rbte er sich rot und die j�mmerlichen Schreie des Tieres erstickten unter wildem Knurren.</p><p>Kirygosa sah weg. Zweifellos war dieses Schicksal gn�diger, als den Elch einfach erfrieren zu lassen. Und die W�lfe brauchten Nahrung. Sie waren nicht schuld daran und ganz normale Tiere. Anders als ihre Herren.</p><p>Sie konzentrierte sich wieder auf den Schlitten, der von einer Plane bedeckt wurde. Darunter lag eine gro�e, plumpe Gestalt. Kirygosa sah sie zum ersten Mal, doch etwas daran war ihr vertraut...</p><p>�Neugierig, meine Teure?�, fragte der Vater des Zwielichts und hob seine Stimme, um �ber dem Schlagen der Drachenfl�gel geh�rt zu werden. �Beizeiten wirst du es erfahren, deshalb sind wir ja hier. Vielleicht erinnerst du dich, was ich dir gesagt habe: Der weise Mann hat immer noch einen Plan.�</p><p>Der Tonfall in seiner Stimme lie� Kirygosa erschaudern. Der Zwielichtdrache trug sie w�hrenddessen in Richtung Wyrmruhtempel. Sie sah �ber die Schulter zur�ck zu dem Schlitten, der in der Ferne unter ihr verschwand. Wenn seine Fracht das war, was der Schattenhammer als �noch einen Plan� bezeichnete, wollte sie gar nicht wissen, was es war.</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts glitt vom R�cken des Drachen auf den mit Ornamenten verzierten Boden des Wyrmruhtempels, der an einigen Stellen mit rotem Drachenblut bedeckt war. Darin verteilt lagen die kleinen glitzernden Scherben, die von der Kugel der Einheit �brig geblieben waren.</p><p>Kirygosa folgte in v�lliger Stille.</p><p>Er �bergab Kirygosas Kette einem Akolythen. Sie alle wussten, wie man die Drachenfrau kontrollierte. Ein einzelner Zug, auf eine bestimmte Art, mit einer gewissen Festigkeit, verursachte schreckliche Schmerzen. Zudem verhinderte die Kette, dass sie ihre eigentliche Gestalt annehmen konnte�� und die war erheblich schrecklicher als die einer normalen Menschenfrau.</p><p>�Stell sicher, dass sie ruhig bleibt, doch verletze sie nicht nur zum Spaߓ, f�gte er hinzu.</p><p>Der Troll blickte entt�uscht. Wenn Kirygosa zu sehr gefoltert wurde, w�rde sie f�r den Schmerz unempfindlich werden, und das durfte nicht passieren. Der Troll f�hrte Kirygosa zu einer S�ule und dr�ckte sie auf den Boden, dann blieb er stehen und erwartete weitere Befehle vom Vater.</p><p>Der Vater des Zwielichts holte eine kleine Kugel unter seinem Umhang hervor und legte sie fast ehrf�rchtig auf den blutigen Boden. Sofort begann sie zu pulsieren und dunkel zu leuchten, als ob ein kochender schwarzer Nebel darin gefangen w�re. Pl�tzlich, als w�re die Kugel zu klein, um so etwas M�chtiges zu beherbergen, platzte sie auf und Nebel stieg auf. Eigentlich war es eher <emphasis>Rauch</emphasis>, dick und schwer, mit orangeroter Asche versehen. Er bildete eine Wolke�� schw�rzer als die Nacht und so viel unnat�rlicher��, die w�tend wirbelte, bis sie letztlich Gestalt und Form annahm. Unheilvolle orangegelbe Augen, die wie fl�ssiges Feuer wirkten, sahen daraus hervor und spie�ten den Vater des Zwielichts mit ihren Blicken f�rmlich auf. Ein riesiges Gebiss, aus schwarzem Metall gefertigt, �ffnete sich. Das verr�ckte, verschlagene L�cheln lie� Kirygosa zur�ckzucken.</p><p><emphasis>Todesschwinge</emphasis>!</p><p><emphasis>Der</emphasis> Vater des Zwielichts kniete vor der Kugel. �Mein Meister�, sagte er unterw�rfig.</p><p>�Hattest du Erfolg?�, fragte Todesschwinge ohne Einleitung. Die tiefe Stimme schien den Tempel zu ersch�ttern. Sie durchdrang den K�rper, als sei Todesschwinge tats�chlich anwesend.</p><p>�Auf... eine gewisse Art�, sagte der Vater des Zwielichts, verzweifelt bem�ht, sich das leichte Zittern in der Stimme nicht anmerken zu lassen. �Wir haben die Drachen vom Wyrmruhtempel vertrieben, auch Alexstrasza und Ysera. Ich habe ihn im Namen des Schattenhammerkults �bernommen. Er ist nun Eure Feste, Gro�es Wesen.�</p><p>Die gro�en, irren Augen zogen sich zusammen. �Das war nicht so geplant�, zischte Todesschwinge. <emphasis>�Geplant</emphasis> war etwas anderes. Und du hast versagt. Du solltest die Drachen <emphasis>vernichten</emphasis> und nicht einfach ihren Tempel einnehmen!�</p><p>�Das�� das stimmt, mein Lord. Dem Plan ist... etwas in die Quere gekommen, was wir nicht voraussehen konnten.� Schnell erkl�rte er alles. Todesschwinge h�rte schweigend zu, was schlimmer war, als wenn er w�tend gebr�llt h�tte. Seine Gesichtsz�ge blieben klar, obwohl der Rauch, der sie bildete, sich ohne Unterlass bewegte. Einmal konnte man das Flattern eines zerfetzten, von Feuer beleuchteten Fl�gels h�ren. Als der Vater des Zwielichts geendet hatte, gab es eine lange, unangenehme Pause. Todesschwinge neigte den Kopf, offensichtlich dachte er nach.</p><p>�Das �ndert nichts. Du hast versagt.�</p><p>Der Vater des Zwielichts begann trotz der K�lte zu schwitzen. �Es ist ein R�ckschlag, Gro�es Wesen, nicht mehr. Kein Versagen. Und es k�nnte positive Auswirkungen haben. Es hat die Drachen vertrieben und die Lebensbinderin�� Eure gr��te Feindin�� scheint von den Ereignissen ersch�ttert zu sein.�</p><p>�Das ist bedeutungslos�, donnerte Todesschwinge. �Du musst einen anderen Weg finden, um das Ziel, das ich dir gesteckt habe, zu erreichen. Oder ich ersetze dich durch einen General, der nicht an wichtigen Entscheidungen scheitert.�</p><p>�Ich... verstehe, Gro�es Wesen.� Die Augen des Vaters des Zwielichts flackerten zu Kirygosa, verengten sich nachdenklich und kehrten dann zu Todesschwinge zur�ck. ��berlasst das mir. Die Dinge sind bereits in Bewegung. Es wird schon bald beginnen.�</p><p>�Glaube ja nicht, du k�nntest mich hintergehen, du niedere Kreatur�, knurrte Todesschwinge.</p><p>Unter seinem Umhang sp�rte der Vater des Zwielichts, wie er bleich wurde. �Das w�rde ich nie tun, Gro�es Wesen. Ich diene Euch gern.�</p><p>�Du dienst mir, so wie ich es dir sage, und nicht einen Herzschlag eher. Ist das klar?�</p><p>Der Vater des Zwielichts konnte nur noch nicken. Doch obwohl Todesschwinge w�tend war, dass er unterbrochen wurde, machte er eine lange Pause, bevor er weitersprach.</p><p>�Es k�nnte sein, dass ein neues Hindernis aufgetaucht ist. Ich hatte <emphasis>erwartet</emphasis>, dass die Drachenschw�rme nicht in der Lage sind, gleichzeitig gegen dich, den Schattenhammerkult und den, dem wir helfen wollen, anzukommen. Ich hatte einen <emphasis>Sieg</emphasis> erwartet. Du hast gesagt, Ysera ist geflohen. Es w�re besser gewesen, das w�re nicht passiert.�</p><p>�Mylord?� Der Vater des Zwielichts konnte nicht anders. Er musste schwer schlucken.</p><p>�Sie lebt, wegen dir�, zischte Todesschwinge. �Und weil sie lebt, hatte sie die Gelegenheit, mit demjenigen zu reden, der bestimmt ist, mir entgegenzutreten. Sein Eingreifen k�nnte das Z�nglein an der Waage sein.�</p><p>Die Gedanken des Vaters des Zwielichts rasten angesichts der Neuigkeiten und ihrer Auswirkungen. Was hatte die erwachte Tr�umerin getan? Wen oder welche m�chtige Macht hatte sie angerufen? Todesschwinge war zutiefst besorgt�� und das erschreckte den Vater des Zwielichts. Seine Kehle war trocken, doch er presste heraus: �Mit welcher Art Wesen hat sie sich verb�ndet?�</p><p>�Einer niederen Kreatur�, sagte Todesschwinge und spie die Worte beinahe aus.</p><p>Der Vater des Zwielichts war sich nicht sicher, ob er es richtig verstanden hatte. �Was? Aber sicherlich...�</p><p>�Ein Orc!�</p><p>Beide schwiegen jetzt. Diese beiden Worte sagten dem Vater des Zwielichts alles, was er wissen musste. Vor langer Zeit war Todesschwinge gewarnt worden, dass ein Orc�� scheinbar der niedrigste der Niederen�� sich erheben w�rde, um ihn herauszufordern, und ihn m�glicherweise besiegen konnte.</p><p>Niemand, schon gar nicht der Vater des Zwielichts, hatte viel darauf gegeben. Er versuchte es mit einem Achselzucken abzutun. �Mylord, Prophezeiungen sind stets kryptisch. Ihr seid m�chtig, Todesschwinge. Ihr habt die Welt zerfetzt. Wir k�mpfen gegen Drachen�� und sogar gegen die Aspekte! M�chtige Wesen, keine staubfressenden Orcs. Selbst ein M�chtiger ist kein Gegner f�r Euch.�</p><p>�Dieser ist anders. Das war er schon immer. Er hat bemerkenswerte Erfahrungen, auf die er zur�ckgreifen kann. Er denkt nicht wie Drachen... und genau deshalb k�nnte er sie retten.�</p><p>Der Vater des Zwielichts war verwirrt, doch er zeigte es nicht. �Sagt mir, wie dieser kurzlebige Feind hei�t, mein Lord. Sagt mir, dass ich ihn vernichten soll.�</p><p>�Du musst mehr tun, als ihn zu vernichten. Du musst ihn, der Thrall genannt wird, v�llig aufl�sen�� oder dieser Orc wird die Aufl�sung von allem sein. <emphasis>Allem</emphasis>!�</p><p>�Es wird geschehen, das schw�re ich.�</p><p>�Ja�, stimmte Todesschwinge zu. �So soll es sein. Die Zeit wird dir knapp, Vater.� Er zeigte die makabre Imitation eines Drachengrinsens. Sein Unterkiefer klappte herab und enth�llte raue, metallische Z�hne. �Aber verzweifle nicht. Ich habe vielleicht Hilfe f�r dich. Ich bin alt, doch meine Geduld hat Grenzen. Melde dich wieder, wenn du bessere Nachrichten hast.�</p><p>Der Rauch, der Todesschwinges Bild geformt hatte, verlor seine Festigkeit und wurde wieder zu wirbelndem schwarzem Nebel. Langsam sammelte er sich am Boden, dann zog er sich zu einer schwarzen Sph�re zusammen. Einen Augenblick sp�ter war selbst diese Dunkelheit verschwunden. Dort war jetzt wieder eine kleine, kristallene Kugel. Stirnrunzelnd steckte der Vater des Zwielichts sie ein und stand auf.</p><p>�Du hast gedacht, es w�re so leicht�, erklang eine klare weibliche Stimme. �Du und dein gro�er, �berkomplizierter Plan. Und wie dein Meister sagte, l�uft dir jetzt die Zeit davon, um Thrall auszuschalten. Die Str�me sind in Bewegung, Vater des Zwielichts, und dein Bart ist grau. Du betr�gst dich selbst. Du dienst ihm nicht mehr lange. Du wirst nicht gewinnen.�</p><p>Er wandte sich an die versklavte Drachenfrau und ging auf sie zu. Sie blickte herausfordernd zu ihm auf, w�hrend er sie einen langen Moment ansah.</p><p>�N�rrischer kleiner Wyrm�, sagte er schlie�lich. �Du kennst nur einen kleinen Teil meiner Pl�ne. Thrall ist ein Floh, der schon bald zerquetscht wird. Komm�, sagte er und nahm die Kette. �Ich werde dir etwas zeigen und dann sehen wir ja, ob ich mich selbst betr�ge... oder ob <emphasis>du</emphasis> diejenige bist, die verr�ckt wird.�</p><p>Er f�hrte sie zum Rand der Plattform und wies nach unten.</p><p>Der mysteri�se Schlitten erreichte den Fu� des Wyrmruhtempels. Nachdem sie nicht mehr zum Ziehen des Schlittens ben�tigt wurden, waren die Schneewehenelche allesamt den W�lfen �berlassen worden. Die Kultisten blickten auf und erwarteten das Signal von ihrem verehrten Vater. Er hob die Hand und auf dieses Zeichen hin zogen die dunkel gekleideten Kultisten die Plane weg, die verborgen hatte, was sich auf dem Wagen befand.</p><p>Kirygosa keuchte, ihre Hand flog vor Schreck zu ihrem Mund.</p><p>Ausgestreckt auf dem Wagen lag ein Drache. Sein K�rper war riesig, noch weit gr��er als der Drachenaspekt. Und er war missgebildet. Seine stumpfen Schuppen waren von einem h�sslichen Lila auf bleicher Haut. Und das Schrecklichste war, dass er nicht nur einen Kopf hatte. Er hatte <emphasis>f�nf</emphasis>. Selbst im schwachen Licht konnte sie mit ihren menschlichen Augen erkennen, dass jeder Kopf eine andere Farbe hatte�� rot, schwarz, bronzen, gr�n und blau.</p><p>Kirygosa wusste genau, was das war.</p><p>�Ein chromatischer Drache�, sagte sie mit gepresster Stimme.</p><p>Chromatische Drachen waren eine Abscheulichkeit, eine Verletzung alles Nat�rlichen. Die Monstrosit�ten waren von Todesschwinges Sohn geschaffen worden, Nefarian. Ein m�chtiger schwarzer Drache, der fast so b�se war wie sein Vater. Nefarian hatte versucht, einen neuen Drachenschwarm zu erschaffen, der die Kr�fte aller f�nf Schw�rme vereinigte. Ein Drachenschwarm, der vielleicht alle anderen vernichten konnte. Das Experiment war schiefgegangen. Viele Welpen waren vor dem Schl�pfen gestorben. Die meisten, die lange genug gelebt hatten, waren unberechenbar und missgestaltet gewesen. Nur wenige waren erwachsen geworden, k�nstlich gealtert durch einen merkw�rdigen magischen Prozess.</p><p>Doch dieser war definitiv ein erwachsener Drache. Aber er regte sich nicht. �Ich habe gedacht, sie w�rden nur selten erwachsen�, sagte Kirygosa. �Wie auch immer�� er ist tot. Warum sollte ich einen Leichnam f�rchten?�</p><p>�Oh, Chromatus <emphasis>ist</emphasis> tot�, sagte der Vater des Zwielichts leichthin. �Technisch gesehen. F�r den Augenblick. Doch er wird leben. Er war Nefarians letztes Experiment. Es hat viele Fehlschl�ge gegeben, wie du sicherlich wei�t. Aber daraus lernt man schlie�lich, oder nicht? Durch Versuch und Irrtum.�</p><p>Er zeigte ein onkelhaftes Lachen, als sie ihn weiter angewidert anstarrte.</p><p>�Chromatus stellt beispielhaft die Spitze all dessen dar, was Nefarian durch verschiedene Experimente herausgefunden hat�, fuhr der Vater des Zwielichts fort. �Nefarian wurde tragischerweise get�tet, bevor er Chromatus den Funken des Lebens einhauchen konnte.�</p><p>�Eine bessere Tat wurde nie begangen, als Nefarian das Monster zu t�ten�, murmelte Kirygosa.</p><p>Der Vater des Zwielichts warf ihr einen am�sierten Blick zu. �Du w�rst vielleicht �berrascht, zu erfahren, dass genau wie die Kreatur auf dem Schlitten auch ihr Sch�pfer bereits das Leben wieder gekostet hat. Ja�� Nefarian ist wieder da... auf eine gewisse Art und Weise. Er ist untot, doch recht aktiv. F�r Chromatus... habe ich andere Pl�ne.�</p><p>Kirygosa konnte die Augen nicht losrei�en. �Also dieses... <emphasis>Ding</emphasis>... war der Grund f�r alles, was du getan hast?� Ihre Stimme brach. �Ein Monster ins Leben zu bringen, das noch nie ein Recht auf Leben hatte?�</p><p>�Komm schon, Kirygosa!�, schalt sie der Vater des Zwielichts sp�ttisch. �Du solltest mehr Respekt zeigen. Du k�nntest f�r diese Aufgabe sehr wichtig sein.�</p><p>Ihre Augen weiteten sich. �Nein... keine Experimente mehr.�</p><p>Er beugte sich zu ihr, �bergab dem Troll-Akolythen die Kette, der aufsprang. �Du siehst, meine Teure�, sagte er freundlich, �Die Einzige, der die Zeit davonl�uft, bist du.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Es war eine lange, beschwerliche Reise vom Mahlstrom nach Feralas. Thrall war am Treffpunkt erschienen, wie er es versprochen hatte, um Ysera seine Antwort zu �berbringen, nur um festzustellen, dass nichts von dem gr�nen Drachenaspekt zu sehen war. Er war zun�chst irritiert, dann besch�mt von seiner Reaktion. Ysera hatte zweifellos viel wichtigere Aufgaben zu l�sen, als auf die Antwort eines einfachen Schamanen zu warten. Er war mit seiner Aufgabe betraut, hatte sie angenommen und w�rde sie erledigen. Obwohl er w�nschte, Ysera h�tte einen der gro�en gr�nen Drachen dagelassen, um die Reise zu beschleunigen. Das hatte sie nicht, deshalb gab er sein Bestes per Wyvern, Schiff und Wolf.</p><p>Ysera hatte ihm gesagt, dass Tr�umersruh sich an einen der beiden Zwillingskolosse schmiege. Er ritt die �berwucherte Stra�e auf seiner getreuen Frostw�lfin Schneesturm entlang. Er sp�rte die feuchte Hitze, die so anders war als die Temperaturen von Lordaeron, wo er aufgewachsen war, und die trockene W�rme von Orgrimmar. Dabei merkte er, wie sie ihm die Energie entzog.</p><p>Thrall schnupperte und sah den Rauch schon aus einiger Entfernung. Er dr�ngte seine W�lfin zu gr��erem Tempo. Der bei�ende Qualm war scharf und mit dem schweren bl�ttrigen Geruch von Feralas erf�llt.</p><p>Als er n�her kam, sp�rte Thrall die Abneigung und Verunsicherung schwinden, die Ysera ihm vermittelt hatte. Diese Leute, diese Druiden waren in Schwierigkeiten. Sie brauchten Hilfe.</p><p>Und welche Gr�nde der gr�ne Drachenaspekt auch haben mochte, sie wollte, dass er ihnen half. Und das w�rde er auch tun.</p><p>Er umrundete eine Ecke und pl�tzlich lag das Lager vor ihm. Thrall blieb angesichts des Anblicks abrupt stehen.</p><p>Schnitzereien von Eulen... alte Ruinen... ein Mondbrunnen...</p><p>�Nachtelfen�, murmelte er laut. Ysera hatte nur �Druiden� erw�hnt. Sie hatte offensichtlich das kleine Detail vergessen, dass Tr�umersruh keine <emphasis>Tauren-Druiden</emphasis> beherbergte, sondern m�glicherweise�� h�chstwahrscheinlich�� feindliche Nachtelfen. War das eine Falle? Er war schon einmal so von der Allianz gefangen genommen worden, als �Paket�, und gerettet von den unwahrscheinlichsten Rettern, die man sich vorstellen konnte. Er w�rde nicht zulassen, dass er noch einmal derart benutzt wurde.</p><p>Thrall stieg ab und wies Schneesturm mit der Hand an, zu warten. Langsam und vorsichtig trat er vor, um besser sehen zu k�nnen. Wie Ysera ihm gesagt hatte, war Tr�umersruh tats�chlich klein. Es schien verlassen zu sein. Vielleicht waren alle Bewohner fort, um das Feuer zu l�schen.</p><p>Die Urtume wussten, dass es eng wurde.</p><p>Er konnte mehrere B�ume am entfernten Ende des Lagers erkennen, hinter ein paar lilafarbenen Reisepavillons, die dort aufgestellt worden waren. Und wieder, wie die Erwachte ihm versichert hatte, war es nur der Rand dessen, was f�r Thrall wie ein sehr alter Forst aussah.</p><p>Er konnte hier eindeutig die Wut und die Angst der Elemente sp�ren. Es war fast ansteckend und seine Augen f�llten sich mit Tr�nen. Wenn nicht bald etwas getan w�rde...</p><p>Er sp�rte etwas Scharfes und Hartes auf seinem Nacken landen und blieb stehen.</p><p>�Redet langsam, Orc, und sagt uns, warum Ihr gekommen seid. Wollt Ihr den Druiden der Kralle �rger bereiten?� Die Stimme war weiblich, hart und duldete keinen Widerspruch.</p><p>Thrall verfluchte sich. Er hatte sich vom Schmerz der Elemente zu sehr ablenken lassen und war unvorsichtig gewesen. Zumindest lie� ihn die Elfe sprechen.</p><p>�Ich wurde hergeschickt, um zu helfen�, sagte er. �Ich bin Schamane. Durchsucht meine Taschen, wenn Ihr m�gt, Ihr werdet meine Totems finden.�</p><p>Ein Schnauben erklang. �Ein Orc kommt her, um Nachtelfen zu helfen?�</p><p>�Ein Schamane kommt, um zu heilen und das w�tende Land zu bes�nftigen�, sagte er. �Ich arbeite mit dem Irdenen Ring zusammen. Sowohl Horde wie auch Allianz versuchen einen Weg zu finden, die Welt zu retten. Die Druiden haben eine �hnliche Organisation namens Zirkel des Cenarius. In meinen Sachen habe ich einen Beutel, in dem sich die Totems befinden. Durchsucht ihn, wenn Ihr wollt. Ich will nur, dass Ihr mich helfen lasst.�</p><p>Das spitze Objekt wurde von seinem Nacken genommen. Doch Thrall war nicht so dumm, anzugreifen. Die Elfe war sicher nicht allein. Er spannte sich, als der Schicksalshammer, den er auf dem R�cken trug, entfernt wurde, doch er behielt die Kontrolle �ber sich. H�nde durchw�hlten seine Sachen und holten den Beutel heraus.</p><p>�Das sind tats�chlich Totems�, sagte eine m�nnliche Stimme. �Und er hat Gebetsperlen dabei. Dreht Euch um, Orc.�</p><p>Thrall gehorchte langsam. Zwei Nachtelfen musterten ihn. Eine war eine W�chterin mit gr�nem Haar und violetter Haut. Die andere war m�nnlich, glatt rasiert, das gr�ne Haar zu einem Knoten gebunden. Seine Haut war von tiefem Dunkellila und seine Augen leuchteten in einem goldenen Farbton. Beide waren verschwitzt und ru�verschmiert. Offensichtlich hatten sie versucht, die Flammen zu bek�mpfen. Jetzt kamen weitere an und schauten vorsichtig, aber auch neugierig.</p><p>Die Frau las in Thralls Gesicht und dann erkannte sie ihn.</p><p>�Thrall�, sagte sie ungl�ubig. Sie blickte zu dem Schicksalshammer, der auf dem Boden lag, dann wieder auf ihn.</p><p>�Der Kriegsh�uptling der Horde?�, fragte eine andere Stimme.</p><p>�Nicht mehr, zumindest wenn die Ger�chte stimmen�, sagte die Frau. �Wir haben geh�rt, dass er verschwunden ist�� er hat sein Amt als Kriegsh�uptling niedergelegt. Wo er hingegangen ist, haben die W�chterinnen nicht gesagt. Ich bin Erina Weidenkind, eine W�chterin, und das ist Desharin Gr�nweise, einer der Druiden der Kralle. Ich war einst Teil der diplomatischen Vertretung in Orgrimmar.� Erina hatte ihre Gleve abwehrend vor sich gehalten, jetzt senkte sie sie. �Ihr seid eine viel zu wichtige Person, um zu unserem Lager zu kommen. Wer hat Euch geschickt?�</p><p>Thrall seufzte innerlich, er hatte gehofft, die Einzelheiten seiner Aufgabe verschweigen zu k�nnen. �Die Ger�chte stimmen. Ich habe mein Amt niedergelegt, um dabei zu helfen, den Schaden zu heilen, den Azeroth durch den Kataklysmus erlitten hat. Beim Mahlstrom habe ich mit anderen Mitgliedern des Irdenen Rings zusammengearbeitet. Dort hat mich Ysera, die Erwachte, aufgesp�rt�, sagte er. �Sie hat mir von den Problemen in Tr�umersruh berichtet. Dass Ihr keinen Schamanen habt, der Euch dabei helfen kann, mit den Elementen in Kontakt zu treten.�</p><p>�Und das soll ich glauben?�, fragte Erina.</p><p>�Ich tue es�, sagte Desharin. Erina blickte ihn �berrascht an. �Thrall war stets gem��igt, selbst als Kriegsh�uptling. Und jetzt dient er dem Irdenen Ring. Vielleicht wurde er wirklich hierher gesandt.�</p><p>�Von einem Drachen�, meinte Erina sarkastisch. �Entschuldigt bitte... und nicht irgendein Drache, sondern Ysera vom Smaragdgr�nen Traum. Und er hat den Schicksalshammer bei sich.�</p><p>�Wer sonst k�nnte Druiden helfen wollen?�, entgegnete Desharin. �Und der Schicksalshammer geh�rt ihm doch. Er kann ihn tragen, wo immer er will.�</p><p>Darauf hatte die W�chterin keine Antwort und wandte sich jemand anderem zu, der hinzugetreten war. Auch er hatte langes gr�nes Haar, das offen herabhing, und auch er trug einen kurzen Bart. Sein Gesicht war verwittert und weise und er betrachtete Thrall nachdenklich.</p><p>�Das ist Euer Lager, Telaron�, sagte Erina respektvoll. �Sagt uns, was wir tun sollen. Er ist ein Orc und unser Feind.�</p><p>�Er ist auch Schamane und deshalb ein Freund der Elemente�, antwortete Telaron. �Und die Elemente sind so aufgew�hlt, dass wir es uns nicht leisten k�nnen, seine Freundschaft abzulehnen. Wir werden Euch einer Pr�fung unterziehen, Thrall vom Irdenen Ring. Kommt mit.�</p><p>Thrall folgte Telaron �ber die abfallenden H�gel n�her an das lodernde Feuer heran. Die B�ume in der N�he des Lagers hatten gl�cklicherweise noch nicht Feuer gefangen. Thrall konnte sehen, dass sie mit Wasser begossen worden waren. Alles Unterholz war entfernt worden, nur der alte Wuchs war noch vorhanden. Sein Herz schmerzte, als er das sah.</p><p>Viele der gro�en B�ume waren schon jenseits aller Rettung verbrannt. Andere waren gerade erst entz�ndet worden, doch das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Thrall erinnerte sich an die Feuersbrunst, die durch Orgrimmar getobt war, und holte schnell das Feuertotem aus seinem Beutel. Er trat vor, stemmte die nackten F��e fest in die Erde und hob seine H�nde himmelw�rts. Er schloss die Augen und schickte Geist und Herz aus.</p><p><emphasis>Geister des Feuers, was stimmt nicht mit euch? Lasst mich euch helfen. Lasst mich euch von diesem Ort entfernen, an dem ihr alte, seltene und unersetzbare Dinge besch�digt, und lasst mich euch zu einem Ort bringen, wo ihr lebende, atmende Wesen w�rmen und tr�sten k�nnt</emphasis>.</p><p>Es lag eine seltsame Verbissenheit im Wesen des einen Elementars, als es antwortete. Es war der d�steren Wut der Flamme �hnlich, die vor einigen Monden gedroht hatte, Orgrimmar zu zerst�ren. Und es lag etwas Entschlossenes in der Natur dieser Elementare.</p><p><emphasis>Ich tue, was getan werden muss. Feuer reinigt. Das wei�t du. Feuer verbrennt, was unrein ist, damit es der Erde zur�ckgef�hrt werden kann und der Kreislauf von Neuem beginnt. Es ist meine Pflicht, Schamane</emphasis>!</p><p>Mit immer noch geschlossenen Augen zuckte Thrall zusammen, als w�re er geschlagen worden. <emphasis>Deine Pflicht? Sicherlich erf�llst du deine Pflicht, Geist des Feuers. Aber was haben diese allen B�ume getan, dass du glaubst, sie m�ssten gereinigt werden? Sind sie krank? Verseucht? Verflucht</emphasis>?</p><p><emphasis>Nichts davon</emphasis>, gab der Elementar zu und sprach in Thralls Herz.</p><p><emphasis>Warum, dann? Sag es mir. Ich w�rde es gern verstehen, wenn ich kann</emphasis>.</p><p><emphasis>Sie sind... verwirrt. Etwas stimmt nicht mit ihnen. Sie wissen nicht, was sie wissen m�ssten. Sie m�ssen vernichtet werden</emphasis>!</p><p>Thrall war jetzt selbst verwirrt von dieser Antwort. Er wusste sehr gut, dass alle Dinge einen Geist hatten. Selbst Steine, die nicht wirklich �lebende� Wesen waren, selbst Feuer, das in seinem Kopf und Herzen �sprach�. Doch er konnte es nicht verstehen.</p><p><emphasis>Was wissen sie</emphasis>?, fragte Thrall den Geist des Feuers.</p><p><emphasis>Was falsch ist</emphasis>!</p><p><emphasis>�Falsch� wie unnat�rlich oder �falsch� wie nicht richtig</emphasis>?</p><p><emphasis>Nicht richtig</emphasis>.</p><p>Thrall dachte angestrengt nach. <emphasis>K�nnten sie lernen, was richtig ist</emphasis>?</p><p>Einen langen Augenblick dachte er, er h�tte die Aufmerksamkeit des Geistes verloren. Er war aufgew�hlt, verwirrt, verzweifelt. Wenn er ihm nicht zuh�rte...</p><p><emphasis>Sie wussten es einst. Sie k�nnten es wieder lernen</emphasis>.</p><p><emphasis>Dann, Geist des Feuers, vernichte sie nicht. Ich flehe dich an, dich zur�ckzuziehen. Wenn du brennen musst, brenn als Fackel oder als Herdfeuer, um Essen zu kochen und k�hle K�rper zu w�rmen. Verletze diese B�ume nicht mehr, sonst zerst�rst du f�r immer ihre F�higkeit, eines Tages lernen zu k�nnen, was richtig ist</emphasis>!</p><p>Thrall wartete mit angespannten Muskeln. Er hoffte verzweifelt, dass er auf der richtigen Spur war. Die einzige Art, das herauszufinden, war abzuwarten, ob das Feuer ihm gehorchte. Das Feuer knackte und brannte und Hitze stieg von den verzehrten B�umen auf, die immer schw�rzer wurden.</p><p>Dann: <emphasis>In Ordnung. Sie m�ssen neu lernen, was wahr ist. Jemand muss es ihnen beibringen. Wenn nicht, werden sie brennen. Sie werden brennen</emphasis>.</p><p>Und das Feuer schwand langsam zu Nichts. Thrall taumelte vorn�ber, seine Augen �ffneten sich und auf einmal war er von seiner Arbeit ausgelaugt. Starke H�nde fingen ihn auf, als Jubel aufbrandete.</p><p>�Gut gemacht, Schamane�, sagte Telaron und l�chelte anerkennend. �Gut gemacht! Euch geb�hrt unser Dank. Bitte�� bleibt bei uns �ber Nacht. Ihr seid unser Ehrengast.�</p><p>M�de von der Reise und dem angespannten Arbeiten nahm Thrall an. Auch die Elfen, die normalerweise am Tag schliefen, waren ersch�pft. In dieser Nacht sch�ttelte er den Kopf vor stiller Bewunderung, als er sich zu Schneesturm setzte, a�, trank und mit den W�chterinnen und Nachtelfen lachte. Er erinnerte sich an das Treffen vor nicht allzu langer Zeit, bei dem zehn Druiden�� f�nf Nachtelfen und f�nf Tauren�� zusammengekommen waren, um friedlich Handelsrouten auszuhandeln. Sie waren �berfallen und abgeschlachtet worden. Der Erzdruide der Tauren, Hamuul Runentotem, war der einzige �berlebende gewesen. Die Aktion hatte sowohl Allianz wie auch Horde emp�rt. Es wurde vermutet, dass Garrosh H�llschrei die Angreifer geschickt hatte. Doch es wurde nie bewiesen und trotz Garroshs Hei�bl�tigkeit glaubte Thrall den Ger�chten nicht.</p><p>W�re das Treffen erfolgreich verlaufen, �berlegte Thrall traurig, w�ren N�chte wie diese, in denen Lieder gesungen und Geschichten erz�hlt wurden, nicht so ungew�hnlich zwischen den beiden Fraktionen. Vielleicht g�be es mehr Einigkeit und mehr Heilung in der Welt, die sie sich beide teilten.</p><p>Thrall ging schlafen, w�hrend seine nachtelfischen Gastgeber immer noch Lieder zu den Sternen sangen. Die Ger�usche der Wildnis waren Musik in seinen Ohren, eingeschlagen in Schlaffelle, mit nur seiner Hand als Kissen.</p><p>Er schlief sehr tief, das erste Mal seit langer Zeit.</p><empty-line/><p>Thrall wurde durch ein leichtes R�tteln geweckt.</p><p>�Thrall�, erklang die melodische Stimme eines Kaldorei. �Ich bin�s, Desharin. Aufwachen. Ich muss Euch etwas zeigen.�</p><p>Nach so vielen Jahren im Kampf war Thrall daran gew�hnt, schnell aufzuwachen und sofort bereit zu sein. Er stand leise auf und folgte dem Elf. Vorsichtig ging er um die schlafenden Nachtelfen herum. Sie kamen am Mondbrunnen vorbei und gingen an den Pavillons entlang tiefer in den alten Hain.</p><p>�Wartet hier und seid leise�, fl�sterte Desharin. �H�rt zu.�</p><p>Die B�ume, diejenigen, denen das Schlimmste des Feuers erspart geblieben war, bewegten sich und seufzten, ihre �ste knackten, die Bl�tter rauschten. Thrall wartete noch einen Moment, dann wandte er sich an seinen Begleiter und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich h�re nichts.�</p><p>Desharin l�chelte. �Thrall�, sagte er leise, �da ist kein Wind.�</p><p>Und pl�tzlich erkannte Thrall, dass der Kaldorei recht hatte. Die B�ume bewegten sich, als w�rde ein sanfter Wind wehen�� doch die Luft war still.</p><p>�Seht sie Euch an�, sagte Desharin. �Vorsichtig.�</p><p>Thrall tat es und konzentrierte sich. Die Knoten und Knorren an den St�mmen... die dornigen �ste...</p><p>Seine Augen weiteten sich und pl�tzlich verstand er, was�� oder wen?�� er da beobachtete. Er hatte nat�rlich bereits zuvor davon geh�rt. Doch er hatte noch nie einen gesehen.</p><p>�Das sind die Urtume�, keuchte er.</p><p>Desharin nickte.</p><p>Thrall blickte ehrf�rchtig und fragte sich, wie es sein konnte, dass es ihm nicht vorher schon aufgefallen war. Er sch�ttelte langsam den Kopf. �Und ich habe geglaubt, ich komme nur hierher, um einen Wald zu retten. Sie schienen... genau wie B�ume.�</p><p>�Sie haben geschlafen. Ihr habt sie erweckt.�</p><p>�Ich? Wie denn?� Thrall konnte die Augen nicht von den Urtumen l�sen. Das waren sehr alte Wesen, viele von ihnen H�ter der Weisheit von vor �onen. Sie bewegten sich und knackten und schienen... zu reden?</p><p>Thrall strengte sich an, um sie zu verstehen, und nach einem Moment merkte er, dass er die tiefen, sanft gesprochenen Worte begriff.</p><p>�Wir haben getr�umt. Verwirrende Tr�ume, die uns verunsichert haben. Und deshalb sind wir nicht aufgewacht, als das Feuer kam. Erst als wir das uralte Ritual h�rten, von Schamane zu Element, sind wir erwacht. Du hast uns gerettet.�</p><p>�Das Feuer sagte mir, dass es versucht hat, euch zu reinigen. Dass es sp�rte, ihr w�rt... unrein�, sagte Thrall und versuchte, sich genau daran zu erinnern, was der Feuerelementar ihm gesagt hatte. �Es sagte, ihr w�rt verwirrt. Ihr w�sstet nicht, was ihr wissen solltet. Dass euer Wissen fehlerhaft sei. Ich fragte, ob ihr lernen k�nntet, was richtig w�re, und der Geist des Feuers glaubte das. Deshalb war er einverstanden, euch nicht zu verbrennen.�</p><p>Thrall erkannte jetzt, da das Feuer keine Bedrohung mehr darstellte, dass auf einigen der Urtume kleine Kreaturen sa�en, die in ihren Asten nisteten. Sie sahen wie kleine Drachen aus, mit winzigen, lebhaft gef�rbten bunten Fl�geln wie Schmetterlinge und fedrigen Antennen, die ihre K�pfe zierten. Eine davon l�ste sich von den �sten, flog herum, landete auf Desharins Schulter und liebkoste ihn z�rtlich.</p><p>�Das sind Grimmlingflitzer�, sagte Desharin und streichelte die kleine Kreatur. �Es sind keine Drachen, aber magische Besch�tzer und Verteidiger des Smaragdgr�nen Traums.�</p><p>Und pl�tzlich verstand Thrall. Er musterte die Urtume, ihre kleinen magischen Besch�tzer und Desharins gr�nes Haar.</p><p>�Ihr seid ein gr�ner Drache�, sagte er leise. Es war eine Feststellung, keine Frage.</p><p>Desharin nickte. �Meine Aufgabe war es, Euch zu beobachten.�</p><p>Thrall runzelte die Stirn, die alte Verunsicherung kehrte zur�ck. �Mich beobachten? War das eine Pr�fung? Habe ich Yseras Erwartungen erf�llt?�</p><p>�Nicht ganz�, sagte er. �Es war keine Pr�fung Eurer F�higkeiten. Ich sollte beobachten und sehen, was in Eurem Herzen vorging, w�hrend Ihr uns geholfen habt. Wie Ihr die Aufgabe angegangen seid. Ihr m�sst eine Reise unternehmen, Thrall, Sohn von Durotan und Draka. Wir mussten sehen, ob Ihr bereit seid, sie zu unternehmen.�</p><p>Die Urtume begannen wieder in ihrer merkw�rdigen knackenden Sprache zu reden: �Lange haben wir die Erinnerungen der Welt f�r uns behalten. Lange haben wir das Wissen geh�tet, das andere verloren hatten. Doch der Geist des Feuers hatte recht. Etwas fehlt. Die Erinnerungen, die wir haben, sind neblig geworden, verwirrend... verloren. Etwas ist mit der Zeit nicht in Ordnung.�</p><p><emphasis>Sie m�ssen neu lernen, was wahr ist. Jemand muss es ihnen beibringen. Wenn nicht, werden sie brennen. Sie werden brennen</emphasis>.</p><p>�Das war es, was der Geist des Feuers versucht hat, uns zu sagen�, sagte Thrall. �Ich wusste, dass ihre Erinnerungen falsch waren, unzutreffend. Doch das Feuer dachte, sie k�nnten die richtigen Erinnerungen wiedererlangen. Das bedeutet, es gibt Hoffnung.�</p><p>Desharin nickte und dachte laut nach. �Etwas stimmt nicht mit den Erinnerungen der Urtume. Sie sind nicht wie wir. Ihre Erinnerungen k�nnen nicht ver�ndert werden, es sei denn, die Dinge, an die sie sich erinnern, wurden ge�ndert. Das bedeutet, dass die Zeit selbst damit in Kontakt getreten ist.� Er wandte sich an Thrall, ernst und gleichzeitig aufgeregt. �Das ist dann Eure Reise. Ihr m�sst zu den H�hlen der Zeit reisen. Ihr m�sst herausfinden, was geschehen ist, und dabei helfen, die Zeitwege in Ordnung zu bringen.�</p><p>Thrall sah ihn gebannt an. �Die Zeitwege... sie existieren also <emphasis>wirklich</emphasis>. Ich hatte gedacht...�</p><p>�Es gibt sie, Nozdormu und der Rest des bronzenen Drachenschwarms k�mmern sich darum. Und zu ihm m�sst Ihr mit dieser Information gehen.�</p><p>�Ich? Warum sollte er mit mir reden? W�re ein Drache nicht die bessere Wahl?� Es war ein fast �berw�ltigender Gedanke: in der Zeit zur�ckzureisen, um die Geschichte zu ver�ndern oder einzugreifen. Was anf�nglich wie ein einfacher Auftrag geklungen hatte, hatte nun ernsthafte Bedeutung erlangt.</p><p>�Ich werde mit Euch reisen, wenn Ihr wollt�, bot Desharin an. �Doch der Aspekt war entschieden der Ansicht, dass Ihr wichtig daf�r seid. Seid bitte nicht beleidigt, aber ich bin genauso wie Ihr verwirrt, warum sie das denkt.� Er grinste ihn an und wirkte dadurch j�nger, als er fraglos war. �Immerhin ist Eure Haut gr�n.�</p><p>Thrall wollte aufbegehren, doch pl�tzlich musste auch er lachen. �Ich w�re dankbar f�r jegliche Hilfe und Erleuchtung, die Ihr mir gew�hren k�nnt, und ich f�hle mich geehrt, dass Ysera mich f�r wichtig erachtet. Ich werde mein Bestes geben und helfen.� Er wandte sich an die Urtumen. �Ich werde euch helfen, wenn ich kann.�</p><p>Die Urtume knisterten und Thrall h�rte, wie etwas sanft zu Boden fiel und vor seinen F��en liegen blieb.</p><p>�Das ist ein Geschenk f�r Euch�, sagte Desharin.</p><p>Thrall b�ckte sich und hob es auf. Es war eine Eichel und sie sah f�r ihn v�llig gew�hnlich aus. Doch er wusste, dass sie viel mehr war. Und er sp�rte einen Schauder, als er seine Hand f�r einen Moment sch�tzend drum herum legte, bevor er sie sorgf�ltig in seinem Beutel verstaute.</p><p>�Passt gut darauf auf, sagte Desharin mit pl�tzlicher Ernsthaftigkeit. �Diese Eichel enth�lt all das Wissen seines Elternbaums und all das Wissen von dessen Elternbaum... und so weiter. Zur�ck bis zum Anfang aller Dinge. Ihr sollt sie pflanzen, wo es Euch richtig erscheint.�</p><p>Thrall nickte, seine Kehle zog sich zu angesichts des Geschenks und der bevorstehenden Aufgabe.</p><p>�Das werde ich tun�, versicherte er den Urtumen.</p><p>�Und nun, Freund Orc�, sagte Desharin und blickte empor zum sich erhellenden Himmel, �machen wir uns auf zu den H�hlen der Zeit.�</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Die Reise auf dem R�cken des Drachen w�rde nicht lange dauern, hatte Desharin erkl�rt und Thrall hatte zugestimmt. Schneesturm musste er zwangsl�ufig zur�cklassen. Telaron selbst versicherte Thrall, dass man sich um sie k�mmern w�rde.</p><p>�Eure Freundschaft mit Lady Jaina ist wohlbekannt�, hatte der Nachtelf gesagt. �Wir werden uns um Eure Wolfsfreundin k�mmern, bis wir sie zur�cksenden k�nnen. Schneesturm ist ein edles Tier und verdient nichts Geringeres.� Die Druiden w�rden sich ausgezeichnet um das Wohl des Tieres k�mmern und Jaina w�re sicher in der Lage, eine friedvolle Reise zu arrangieren. Schneesturm k�nnte in keinen besseren H�nden sein. Thrall streichelte sie ein letztes Mal hinter den Ohren, bevor er sich an Desharin wandte.</p><p>Desharin hatte seine normale Gestalt angenommen und betrachtete Thrall, als er n�her kam.</p><p>�Ihr ehrt mich, indem Ihr mich tragt�, sagte Thrall zu dem gr�nen Drachen.</p><p>�Ihr habt einen Auftrag von Ysera erhalten�, antwortete Desharin. �Die Ehre ist ganz auf meiner Seite. Habt keine Angst. Ich werde Euch schnell und sicher tragen. Darauf habt Ihr mein Wort. Ich b�rge mit meinem Leben daf�r, meinen Aspekt nicht zu entt�uschen.�</p><p>�Ist sie schrecklich in ihrer Wut?�</p><p>�Gut m�glich, wenn sie mit Wut erwacht. Sie ist ein Aspekt.</p><p>Sie verf�gt �ber eine unglaubliche Kraft. Doch ihr Herz ist freundlich�, sagte Desharin. �Wir dienen ihr nicht aus Furcht, sondern aus Liebe. Es w�rde mich vernichten, wenn ich ihr irgendwelche Sorge bereiten w�rde.�</p><p>Die Worte zeugten von Respekt und Verehrung, und die tiefe Loyalit�t, die Ysera in ihrem Schwarm genoss, ber�hrte Thrall.</p><p>So merkw�rdig dieses Abenteuer auch war, so war er doch froh, dass er es angenommen hatte. Langsam kletterte er auf das gro�e Wesen und dann, fast ohne Anstrengung, war der Drache in der Luft.</p><p>Thrall blieb der Atem weg bei der Magie und Macht, die Desharin ausstrahlte. Seine H�gel schlugen kr�ftig, die Luft str�mte k�hl �ber Thralls Haut und er stieg scheinbar m�helos aufw�rts. Als er wieder atmen konnte, wollte Thrall fast lachen. Fr�her, so erkannte er, hatte er Tiere geritten, die fliegen konnten. Doch nun f�hlte er sich, als w�re er selbst so ein Tier.</p><p>�K�nnt Ihr mir mehr von Euch erz�hlen? Von den anderen Drachen?�, fragte Thrall. �Ich wei� nur wenig, und um ehrlich zu sein... ich wei� nicht, was davon Legende und was Fakt ist.�</p><p>Desharin lachte tief und warm. �Das werde ich, Thrall, obwohl Ihr, wenn es um die aktuellere Geschichte geht, bedenken m�sst, dass ich im Smaragdgr�nen Traum war und gerade erst erwacht bin. Doch ich werde Euch alles berichten, was ich wei�. Eins ist auf jeden Fall klar: Aspekte mischen sich nur �u�erst selten in die Angelegenheiten der kurzlebigen V�lker ein. Und der Rest meiner Art? Viele sind fasziniert von den �niederen V�lkern�, wie sie sie arroganterweise nennen. Wir nehmen manchmal aus Spa� ihre Gestalt an.�</p><p>�So wie die von Kaldorei.�</p><p>�Genau�, stimmte Desharin zu. �Obwohl ich jede Gestalt annehmen kann, die ich will. Auch wenn wir Individuen sind und jeder von uns ein bevorzugtes Erscheinungsbild hat, werdet Ihr bei jedem Schwarm Vorlieben f�r eine bestimmte Erscheinungsform finden. Zum Beispiel neigen wir gr�nen Drachen dazu, uns als Kaldorei zu geben, weil eine Beziehung mit dem gro�en Druiden Malfurion Sturmgrimm besteht, der so lange den Traum mit uns geteilt hat.�</p><p>Thrall nickte. Das klang logisch.</p><p>�Ich habe beobachtet, dass die roten Drachen gern Teil der Sin�dorei sind und die blauen sich oft f�r eine menschliche Gestalt entscheiden. Die bronzenen Drachen, deren Aufgabe notwendigerweise eine Reihe von Formen erfordert, scheinen gern als Gnome Gestalt anzunehmen.�</p><p>Thrall lachte. �Vielleicht genie�en sie es, klein zu sein und harmlos zu wirken.�</p><p>�Vielleicht k�nnt Ihr sie ja fragen.�</p><p>�Ich... nein, das glaube ich nicht.�</p><p>�Ihr seid weise.�</p><p>�Ich habe ein paar Dinge gelernt�, sagte Thrall. �Hat einer von Euch jemals...� Wie sollte er es ausdr�cken? Er zuckte mit den Achseln und sagte es geradeheraus: �... versucht, eine Positionen der Macht unter den kurzlebigen V�lkern einzunehmen?�</p><p>�Generell nicht, obwohl Todesschwinge es probiert hat und seine Tochter Onyxia gerade damit Erfolg hatte�, knurrte Desharin. �Und Krasus ist... war... ein m�chtiges Mitglied der Kirin Tor.�</p><p>�War?�</p><p>�Er hat sein Ende gefunden.� Das war alles, was Desharin dazu sagte, und er wurde still. Es handelte sich eindeutig um eine delikate Angelegenheit.</p><p>Thrall wechselte das Thema. �Ich habe geh�rt, es soll noch andere Drachenarten geben als die f�nf Schw�rme.�</p><p>�Das stimmt�� sie sind unser aller Feinde, mit Ausnahme der Schwarzen, denen sie dienen�, sagte Desharin. �Todesschwinges Sohn Nefarian versuchte, eine neue Art zu erschaffen, die er chromatische Drachen nannte. Mithilfe magischer Experimente wollte er die F�higkeiten aller anderen Drachenschw�rme kombinieren. Die daraus entstandenen Welpen waren oftmals missgestaltet und lebten gl�cklicherweise nie lange. Keiner davon existiert mehr. Die Zwielichtdrachen haben eine �hnliche Herkunft, allerdings benutzte ihre Sch�pferin Sinestra einige alte Drachenartefakte und die Kraft der Netherdrachen. Ihre Welpen waren robuster und lebten l�nger... und k�nnen feinstofflich werden.�</p><p>�Ein herausfordernder Gegner�, sagte Thrall.</p><p>�Allerdings�, stimmte Desharin zu. �Besonders, wenn sie vom schwarzen Drachenschwarm <emphasis>kontrolliert</emphasis> werden.�</p><p>Thrall beobachtete, wie das Gr�n von Feralas in die weiten Wasser �berging, die nun die Tausend Nadeln bildeten. Thrall sch�ttelte den Kopf, blickte hinunter zu den Dutzenden kleinen Inseln, die einst die Spitzen der Felsformationen gewesen waren, die den Tausend Nadeln ihren Namen gegeben hatten. Die Welt hatte sich so sehr ver�ndert. Das war ihm nat�rlich bekannt. Er hatte alle Berichte geh�rt. Doch als er jetzt das Desaster mit eigenen Augen aus der Luft sah, fragte er sich, ob die anderen Schamanen vom Irdenen Ring auch mitbekommen hatten, was er gerade sah. Und wenn nicht, ob sie es vielleicht besser sollten.</p><p>Dann flogen Thrall und Desharin schnell �ber die W�ste von Tanaris und Thrall konnte die kantigen Spitzen der scharfen Felsen hervorstechen sehen. Die Landschaft wirkte wie verfallene Ruinen mit mehreren merkw�rdigen Geb�uden darin. Dort stand ein eckiger Turm, da ein geborstenes kuppelf�rmiges Geb�ude, das wie eine typische orcische H�tte wirkte und... war das ein zerlumptes Segel eines Schiffs? Von oben konnte Thrall zwei Bronzedrachen erkennen, die einander umkreisten.</p><p>�Dieser Bereich�, sagte Desharin ernst, �ist der Vorhof zu den H�hlen der Zeit. Ich werde landen und zu Fu� hineingehen. Sie werden wissen wollen, warum wir gekommen sind.�</p><p>�Dessen bin ich mir sicher�, sagte Thrall.</p><p>Desharin landete, behielt aber seine Drachengestalt. Thrall wollte von ihm herunterklettern, aber Desharin sagte: �Bleibt, wo Ihr seid, mein Freund Thrall. Es gibt keinen Grund, Eure kurzen Beine mehr als n�tig zu erm�den.� Desharin wanderte durch den weichen Sand und hielt auf den Bogen eines kuppelf�rmigen Geb�udes zu, das halb in den Fels hineingebaut schien. Fast augenblicklich kam einer der Drachen zu ihnen herabgeflogen.</p><p>�Das ist nicht dein Reich, gr�ner Drache�, erkl�rte der bronzefarbene Artgenosse mit tiefer, w�tender Stimme. �Geh, und zwar schnell. Du hast hier nichts verloren.�</p><p>�Mein bronzener Bruder�, erwiderte Desharin mit tiefem Respekt. �Ich bin hier auf Anweisung meines Aspekts.�</p><p>Die gro�en Augen verengten sich und der bronzene Drache blickte Thrall an, der auf Desharins R�cken sa�. Er sah ein wenig �berrascht aus, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Desharin zu.</p><p>�Du sagst, du bist im Auftrag von Lady Ysera hier�, sagte er, seine Stimme klang nun weniger einsch�chternd. �Ich bin Chronalis und ich bin der Torh�ter der H�hlen der Zeit. Sag mir, warum du gekommen bist.�</p><p>�Ich bin Desharin und ich bin hier, um diesem Orc zu helfen. Das ist Thrall, einst Kriegsh�uptling der Horde, jetzt Mitglied des Irdenen Rings. Ysera die Erwachte glaubt, dass er Nozdormu suchen und finden muss.�</p><p>Der bronzene Drache lachte. �Oh, ich habe von Thrall geh�rt�, antwortete er, dann wandte er sich direkt an den Orc. �Und nach allem, was ich �ber Euch wei�, seid Ihr f�r ein so kurzlebiges Wesen nicht gerade unbedeutend. Doch ich glaube nicht, dass ausgerechnet Ihr Nozdormu finden k�nnt, wenn sein eigener Schwarm es nicht vermag.�</p><p>Als Kriegsh�uptling der Horde war Thrall nicht besonders �berrascht, dass er dem bronzenen Drachenschwarm bekannt war. Was ihn mehr erschreckte, war das Verschwinden von Nozdormu.</p><p>�Vielleicht kann der Orc etwas, was der Rest von uns nicht kann?�, gab Desharin freundlich zu bedenken.</p><p>�Sie ist zu Euch gekommen? Ysera die Erwachte?�, fragte Chronalis Thrall neugierig.</p><p>Thrall nickte und berichtete von seinem Treffen mit Ysera. Er versuchte nicht, sich selbst besser darzustellen, als er war. Und er gestand ein, die Aufgabe anfangs untersch�tzt zu haben. Schlie�lich erkl�rte er, dass er nun verstand, wie wichtig sie war, nachdem er erfahren hatte, dass der Hain die Heimat der Urtume war. Er berichtete Chronalis auch von der Antwort des Feuerelementars auf seine Bitte, die B�ume nicht mehr zu sch�digen.</p><p>Chronalis nickte und h�rte gebannt zu.</p><p>�Ich wei� nicht, wie ich Nozdormu finden kann, wo andere doch versagt haben�, sagte Thrall geradeheraus. �Doch ich gebe Euch mein Wort, ich werde mein Bestes geben.�</p><p>Chronalis dachte nach. �Wir haben schon andere in die H�hlen gelassen, um uns zu helfen, die Zeitwege rein zu halten�, sagte er nachdenklich. �Obwohl mich die darin liegende Ironie schon am�siert. Wenn du ihn begleiten willst, Desharin, dann d�rft ihr mir beide folgen.�</p><p>�Ironie?�, fragte Thrall, als die beiden gro�en Drachen den sandigen Weg entlanggingen, der zuerst in eins der Geb�ude zu f�hren schien. Doch schnell stellte es sich als Herz des Berges heraus.</p><p>�In der Tat�, sagte Chronalis und blickte ihn �ber seine gefalteten Fl�gel hinweg an. �Wie ich bereits erw�hnte, erlauben wir manchmal bestimmten Sterblichen, uns dabei zu helfen, die wahren Zeitwege wiederherzustellen. Die Zeitwege stehen... derzeit unter dem Angriff einer mysteri�sen Gruppe namens ewiger Drachenschwarm. Der bronzene Drachenschwarm und vor allem der Zeitlose Nozdormu sollen die Zeitwege in dem Zustand bewahren, wie sie urspr�nglich waren. Wenn sie besch�digt oder ver�ndert werden, w�rde die Welt, wie wir sie kennen, aufh�ren zu existieren. Aus uns unbekannten Gr�nden hat der ewige Drachenschwarm verschiedene Zeitwege infiziert und versucht, sie zu ver�ndern. Und Eure Flucht von Durnholde, Thrall, ist eins der Ereignisse, das sie �ndern wollten.�</p><p>Thrall starrte ihn an: <emphasis>�Was</emphasis>?�</p><p>�Wenn Ihr niemals Durnholde entkommen w�rt, w�re die Welt heute eine andere. Ihr h�ttet niemals die Horde neu aufgebaut oder Euer Volk aus den Internierungslagern befreit. Und so h�ttet Ihr keine Hilfe gegen die Brennende Legion sein k�nnen, als die D�monen kamen. Azeroth w�re zerst�rt worden.�</p><p>Desharin blickte Thrall mit neuem Respekt an. �Ah, kein Wunder, dass der Aspekt Euch f�r bedeutend h�lt�, meinte er.</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Dieses Wissen l�sst mich vielleicht mehr �ber mich selbst nachdenken, aber dabei... f�hle ich nur Demut. Bitte... dankt allen, die helfen, den Zeitweg zu sichern. Um mir zu helfen. Und...� Seine Stimme brach. �... wenn sie Taretha sehen, sagt ihnen, sie sollen nett zu ihr sein.�</p><p>�Wenn sie Taretha sehen und alles gut geht, werdet Ihr mit ihr gehen, so wie es einst geschehen ist�, erwiderte Chronalis.</p><p>Sie gingen tiefer in den Berg hinein. Thrall f�hlte sich, als h�tte er einen Trank zu sich genommen wie beim Ritus der Vision. Doch seine Gedanken waren klar. Er erblickte ein Haus, das wirkte, als ob es sich mitten im Stein der H�hle materialisiert h�tte. Ein anderes Haus ragte in einem unm�glichen Winkel auf, der Himmel w�lbte sich dar�ber. Himmel? In einem <emphasis>Berg</emphasis>? Die Farben Lila und Magenta waren vermischt mit einer merkw�rdigen Energie. S�ulen schossen hoch und st�tzten nichts. B�ume wuchsen an Orten ohne Wasser oder Sonnenlicht. Sie kamen an einem Friedhof vorbei. Thrall fragte sich aber nicht, wer dort wohl begraben lag. Auf der anderen Seite konnte er merkw�rdige schwebende Steine verschiedener Gr��e erkennen. Da lebte ein Nachtelf, dort dr�ben war ein Schiff.</p><p>Es gab Lebewesen, wahrscheinlich Bronzedrachen. Kinder von beinahe allen V�lkern liefen herum. Und sechsgliedrige goldene, schuppige Drachenbrutpatrouillen, die m�gliche Eindringlinge suchten. Und daneben bronzene Drachen in ihrer nat�rlichen Gestalt, die ruhig �ber ihnen flogen.</p><p>Irgendwann blickte Thrall �ber die Schulter und erkannte nach wenigen Augenblicken, dass die Fu�abdr�cke des Drachen verschwunden waren.</p><p>�Das ist kein normaler Sand�, sagte Chronalis. �Eure Anwesenheit hier hinterl�sst keine Spuren. Schaut dort.�</p><p>Und Thralls Augen weiteten sich.</p><p>Die Apparatur schwebte in der Luft vor ihm. Sie war eines Goblins oder Gnomen Geist w�rdig. Das Ganze sah wie ein Stundenglas aus, aber keines, wie er es je zuvor gesehen hatte.</p><p>In drei Beh�ltern rieselte endlos Sand herab.</p><p>Und in drei Beh�ltern rieselte der Sand endlos <emphasis>hinauf</emphasis>.</p><p>Um alle sechs und um ihre F��e herumgewunden lag ein Rahmen, der sie umgab, ohne sie zu ber�hren. Er drehte sich langsam und der Sand der Zeit�� Thrall war klar, dass es sich darum handeln musste�� rieselte hinauf und herunter.</p><p>�Das ist alles so...� Er suchte nach Worten, konnte sie nicht finden und sch�ttelte einfach den Kopf vor Verwunderung.</p><p>Desharin blieb stehen und Thrall deutete das als Zeichen, abzusteigen. Nachdem er es getan hatte, nahm der gr�ne Drache Elfengestalt an und legte seine Hand sanft auf Thralls Schulter.</p><p>�F�r alle, die keine Drachen sind, ist es schwer zu erfassen�, sagte er und f�gte grinsend hinzu: �Selbst f�r uns andere Drachen ist es schwer zu begreifen. Macht Euch keine Sorgen. Ihr m�sst die Launen der Zeitwege nicht verstehen.�</p><p>�Nein�, sagte Thrall und lie� etwas Sarkasmus in seiner Stimme mitschwingen. �Ich muss nur den Zeitlosen finden, der die Launen der Zeitwege <emphasis>wirklich</emphasis> versteht und den sonst niemand finden kann.�</p><p>Desharin klopfte Thrall auf den R�cken. �Genau�, sagte er lachend.</p><p>Ihre Blicke trafen sich und Thrall grinste. Er entschied, dass er den gr�nen Drachen mochte. Nach Yseras fast exzentrischem Verhalten und der kalten Distanziertheit von Chronalis schien Desharin doch eher bodenst�ndig zu sein.</p><p>�Ich wei� nicht, wie wir weitermachen sollen�, sagte Chronalis.</p><p>Thrall blickte zu Desharin.</p><p>�Ich glaube, wir sollten uns etwas Zeit nehmen, um dar�ber nachzudenken, bevor wir beginnen�, sagte der gr�ne Drache. �Klarheit findet sich oft in der Stille und Thrall ist wohl verst�ndlicherweise noch �berw�ltigt von allem, was er gesehen hat.�</p><p>Chronalis senkte den goldenen Kopf. �Wie Ihr w�nscht. Ihr d�rft Euch frei bewegen, aber bitte�� die Zeitwege sind nichts, was man sorglos betreten sollte. Das k�nnte leicht Euer Ende sein. Unter keinen Umst�nden solltet Ihr sie betreten, ohne mit einem von uns gesprochen zu haben. Ich bin sicher, Ihr versteht, warum.�</p><p>Thrall nickte. �Ja, das tue ich. Danke daf�r, dass Ihr uns aufgenommen habt, Chronalis. Ich werde mein Bestes geben, um Euch zu helfen.�</p><p>�Daran habe ich keinen Zweifel�, sagte Chronalis. Er schoss hoch und schien pl�tzlich zu verschwimmen. Dann war er fort.</p><p>�Was...�, wollte Thrall Desharin fragen, dann erkannte er, was geschehen sein musste. Chronalis war ein Meister der Zeit und hatte einfach ebendiese Zeit beschleunigt und war bereits zur�ck auf seinem Posten. Thrall sch�ttelte den Kopf und wunderte sich.</p><p>Sie entfernten sich von den Bronzedrachen, die offenbar dringende Angelegenheiten und Aufgaben zu erledigen hatten, selbst die Kinder. Es war leicht zu erkennen, dass es keine echten Kinder waren. Ihre Gesichter und ihre Haltung zeigten die Ernsthaftigkeit ihrer Aufgaben. B�ume wuchsen hier und dort, Immergr�ne, die im Sand verwurzelt waren. Es war eine der Merkw�rdigkeiten dieses Ortes und Thrall zuckte die Achseln und akzeptierte es. Der Geruch nach Pinien war scharf und frisch.</p><p>Augenblicklich wurde er an seine Jugend erinnert, wie er in Durnholde aufgewachsen war. Als ihm erlaubt wurde, drau�en zu trainieren, hatte er diesen Geruch oft wahrgenommen. Es war merkw�rdig, wie machtvoll Geruch mit Erinnerungen verbunden war. Sowohl an gute als auch schlechte Dinge. An ein M�dchen, das alles geopfert hatte, um ihm zu helfen, an einen �Herrn�, der ihn im Rausch fast totgeschlagen hatte. Im H�gelland hatte Thrall den ersten anderen Orc gesehen und seinen Bruder f�r ein Monster gehalten.</p><p>�Ihr seid aufgew�hlt�, sagte Desharin ruhig. �Und wenn ich recht habe, liegt das nicht nur an diesen Offenbarungen.�</p><p>Thrall nickte. �Ich wurde an einen Ort meiner Jugend erinnert�, sagte er. �Die Erinnerungen sind nicht unbedingt angenehm.�</p><p>Desharin nickte. �Kommt, Freund Thrall. Lasst uns einen Ort finden, der still und schlicht ist, bevor wir versuchen, �ber diese Zeitwege zu gehen. Anders als die Bronzedrachen ist f�r uns die Vergangenheit einfach die Vergangenheit und sollte nicht eine �berm��ige B�rde sein. Wir stehen schon vor genug Herausforderungen, ohne dass wir uns dar�ber auch noch Sorgen machen sollten.�</p><p>Sie gingen eine Weile still nebeneinanderher, bis Desharin stehen blieb. �Dieser Ort scheint Ruhe auszustr�men�, sagte er und blickte sich um. �Hier sollten wir nicht gest�rt werden.� Er setzte sich zwischen zwei B�ume und legte die H�nde auf die Knie. Thrall tat es ihm gleich.</p><p>Er war angespannt, doch nicht wegen dem, was er gerade erlebt hatte. Es lag auch nicht an den Erinnerungen, die der Geruch der B�ume ausgel�st hatte. Vielmehr erinnerte er sich an das letzte Mal, als er versucht hatte zu meditieren. Es war ein entsetzlicher Fehler gewesen. Der Drache bemerkte seine Unsicherheit.</p><p>�Ihr seid Schamane und das schon seit einiger Zeit�, sagte er. �Innere Ruhe zu finden, sollte Euch vertraut sein. Warum habt Ihr solche Schwierigkeiten?�</p><p>�Nun, Ihr seid ein gr�ner Drache. Ihr seid mehr ans Schlafen gew�hnt als ans Wachsein�, entgegnete Thrall.</p><p>Desharin ging auf die Provokation nicht ein und nahm sich einen Moment, um sein langes Haar zur�ckzustreichen, w�hrend Thrall versuchte, sich zu beruhigen. Der gr�ne Drache schloss die Augen und atmete tief ein.</p><p>Thrall tat dasselbe. Desharin hatte recht. Nat�rlich war ihm das vertraut. Er beobachtete den Drachen einen Moment, seine Gedanken aber tauchten nicht tief genug ab, sondern blieben bei den Ereignissen, die k�rzlich geschehen waren. Er hatte die F�hrerschaft �ber die Horde abgegeben, war nach Nagrand gereist und hatte Aggra kennengelernt. Dann war da Cairnes Tod gewesen. Und der Kataklysmus hatte die Welt aufgerissen und sie auf den Kopf gestellt. Und schlie�lich seine Unsicherheit und die Unf�higkeit, sich zu fokussieren. Dann noch Yseras Aufgabe und das Zusammentreffen mit den Urtumen... und letztlich dieser Drache, der vor ihm sa� und der nicht wie sein wahres Ich wirkte. Vielmehr erinnerte er an einen meditierenden Nachtelfen.</p><p>Dieser Ort zerrte an den Nerven. Thrall wollte die Augen nicht schlie�en und sein Inneres erforschen. Er wollte in die H�hlen der Zeit.</p><p>Und das w�rde er, schon bald. Aber er musste sich auf so eine wichtige Aufgabe so gut wie m�glich vorbereiten. Und so schloss er, wenn auch ungern, die Augen und begann, langsam und ruhig zu atmen.</p><p>Es geschah blitzschnell. Erst als er den Lufthauch sp�rte, der �ber seine Wange strich und ihn so an die Gefahr gemahnte, �ffnete er die Augen. Doch da war Desharins Kopf bereits von den Schultern getrennt worden.</p><p>Thrall warf sich zur Seite und landete auf den F��en. Er g�nnte dem Leichnam seines neuen Freundes keinen Blick. Desharin war tot und Thrall w�rde ihm bald folgen, wenn er nicht vorsichtig war. Er griff nach dem Schicksalshammer, packte ihn und wirbelte ihn mit der Leichtigkeit und Geschwindigkeit langer Vertrautheit herum. Seine Augen waren fest auf die pl�tzliche Bedrohung gerichtet: Sie war gro�, doch nicht so gro� wie ein Orc, und sie trug eine schwere schwarze Plattenpanzerung. Stacheln ragten aus Ellbogen, Schultern und Knien hervor. Und gepanzerte H�nde hielten ein gro�es, leuchtendes zweih�ndiges Breitschwert. Aber was ein Streich gegen die K�rpermitte des Fremden h�tte werden sollen, um dessen R�stung wie einen billigen Zinnkrug zu zerquetschen, traf nur auf leere Luft.</p><p>Sein Feind taumelte weg und der schwere Kopf des Schicksalshammers verpasste ihn um knapp eine Fingerbreite. �berrascht verlor Thrall eine wertvolle Sekunde bei dem Versuch, den m�chtigen Schlag abzubremsen und den Hammer f�r einen zweiten Hieb herumzuwirbeln. Sein Angreifer hatte sich bereits erholt und schlug mit seinem massiven Breitschwert auf ihn ein, das vor Magie nur so leuchtete. Der Schlag kam viel schneller, als Thrall geglaubt hatte. Der Orc hatte eine d�stere Vorahnung. Wer <emphasis>w a r</emphasis> dieser unbekannte Feind? Wild, schnell, stark...</p><p>Instinktiv lie� er sich von dem Schwung des Schicksalshammers aus dem Weg des angreifenden Gegen�bers tragen. Er l�ste eine Hand von dem Griff, hob den Hammer und rief einen starken, konzentrierten Windsto� herbei. Der Mensch�� zumindest glaubte Thrall angesichts der Gr��e und Art der R�stung, dass es einer war�� taumelte und fiel beinahe in den weichen Sand. Erneut rief Thrall den Wind und mehrere Handvoll Sand erhoben sich und rasten auf die Vorderseite des Helms zu. Der Helm bot zwar etwas Schutz, aber nicht genug�� der Sand, von Thrall geleitet, durchdrang die Augenschlitze und machte den Gegner zeitweise blind. Ein Schrei drang aus dem Helm, die Stimme eines m�nnlichen Menschen, der vor Schmerz und Wut heulte. Er hob sein Schwert, um das Gesicht abzuschirmen. Die leuchtende Aura des Breitschwerts pulsierte rot und so w�tend wie ihr Herr, dann senkte sie sich auf Thrall herab.</p><p>Thrall erkannte, dass er nicht nur einem �berraschend wendigen und starken Gegner gegen�berstand, sondern zudem einem, der eine Waffe f�hrte, die genauso m�chtig war wie der Schicksalshammer.</p><p>Desharin hatte es unvorbereitet erwischt�� doch das h�tte nicht sein d�rfen. Wie hatte dieser Mann seine Anwesenheit verbergen k�nnen? Wie hatte er sich vor einem gr�nen Drachen und dem ehemaligen Kriegsh�uptling der Horde verstecken k�nnen? Wo waren die anderen bronzenen Drachen? Thrall dachte daran, sie zu rufen, aber sie waren wahrscheinlich zu weit entfernt: Er und Desharin hatten�� n�rrischerweise, im R�ckblick�� einen abgelegenen Ort f�r ihre Meditation aufgesucht.</p><p><emphasis>Geister der Erde, werdet ihr mir helfen</emphasis>?</p><p>Ein Loch tat sich unter dem eine Fu� des schwarz gepanzerten Mannes auf. Er taumelte und st�rzte auf ein Knie. All seine Anmut und Kraft verwandelten sich in verzweifelte Tollpatschigkeit, als er versuchte, sein Bein zu befreien. Thrall zischte, hob den Schicksalshammer und schlug damit zu...</p><p>Es klirrte und er traf auf die Klinge des zweih�ndigen Schwertes. Eine gepanzerte Hand hielt die Klinge gepackt. Magie knisterte entlang der Waffe und der Mensch dr�ckte so kr�ftig, dass Thrall r�ckw�rts taumelte, als w�rde er von einer Riesenhand weggeschleudert. Der Mensch war wieder auf den Beinen, stand �ber Thrall, die leuchtende Waffe erhoben. Er stach mit dem Schwert zu.</p><p>Thrall rollte sich zur Seite, doch nicht schnell genug. Das Schwert erwischte zwar nicht seinen Oberk�rper, doch es f�gte ihm eine Wunde an seiner Seite zu. Thrall sprang auf die F��e.</p><p>In diesem Moment fiel ein gro�er Schatten �ber sie. Bevor er begriff, was geschah, wurde Thrall von einer riesigen Hand gepackt. Der Drache war alles andere als freundlich.</p><p>�Wir k�mmern uns um den Eindringling�, grollte der Drache. �Deine Aufgabe ist es, Nozdormu zu finden!� Und da bemerkte Thrall, dass der Drache genau auf den wirbelnden, peitschenden Umriss des Portals zu einem der Zeitwege zuflog�� zu welchem, wusste er nicht.</p><p>Bevor Thrall etwas sagen konnte�� oder auch nur Luft holen konnte��, lie� sich der Bronzedrache fallen und warf den hilflosen Orc durch das Portal. Bevor er darin verschwand, konnte Thrall seinen Feind hinter sich rufen h�ren, mit einer Stimme, die ihm merkw�rdig bekannt vorkam.</p><p>�Du wirst mir nicht so leicht entkommen, Thrall! Du kannst dich da drin nicht ewig verstecken, und wenn du zur�ckkommst, werde ich dich finden! Ich werde dich finden und ich werde dich t�ten! H�rst du mich?!�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Unter seinen F��en verwandelte sich der Sand, der Thrall so t�ckisch verlangsamt hatte, zu Gras und Erde. �ber ihm erhoben sich statt der bizarren Decke der H�hlen der Zeit Pinienb�ume, schwarzen Himmel und blinkende Sterne. Thrall wurde langsamer, blieb ganz stehen und versuchte seinen Aufenthaltsort zu ermitteln.</p><p>Der vertraute Geruch der Pinien und der Erde, verst�rkt durch die neblige und leicht frostige Luft, verriet ihm, wo er war. Ein Strom pl�tscherte in ein paar Metern Entfernung und Thrall erhaschte einen Blick auf den buschigen wei�en Schwanz eines Fuchses. Thrall war nie an genau diesem Ort gewesen, dennoch kannte er ihn. Er war hier aufgewachsen. Er befand sich in den Ausl�ufern des H�gellandes in den �stlichen K�nigreichen.</p><p><emphasis>So</emphasis>, �berlegte er, <emphasis>ich wei�, wo ich bin. Doch viel wichtiger ist die Frage... wann</emphasis>?</p><p>Er hatte etwas getan, was nur wenige getan hatten. Etwas, was er vor einiger Zeit noch nicht f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Wann war er?</p><p>Er lehnte sich schwer gegen einen Baum, lie� den Schicksalshammer zu Boden gleiten, als ihn die Erkenntnis traf. Er war von Desharins pl�tzlichem Tod und der Wucht des Angriffs zu abgelenkt gewesen, um wirklich zu bemerken, was er tat.</p><p>Der Schnitt an seiner Seite verlangte Aufmerksamkeit. Thrall dr�ckte eine Hand auf die Wunde, die Heilung brauchte. Seine Hand leuchtete sanft, spendete W�rme und die Wunde darunter schloss sich. Er zog seine Sachen aus, reinigte sie im Strom vom Blut und wollte gerade in neue Kleidung schl�pfen, als Stimmen an sein Ohr drangen.</p><p>Die Stimmen von Orcs.</p><p>Schnell wickelte er den zu leicht erkennbaren Schicksalshammer in die alten Sachen und verstaute ihn, so gut es ging, in seinem Rucksack. Er hoffte, die Orcs ersp�hen zu k�nnen, w�hrend er gleichzeitig �ber eine plausible Geschichte nachdachte.</p><p>Seine Augen weiteten sich leicht und er war pl�tzlich sehr froh, dass er den Schicksalshammer au�er Sichtweite verstaut hatte. Er erkannte das Banner, das einer von ihnen trug. Eine schwarze Bergsilhouette auf rotem Untergrund. Sie geh�rten zum Schwarzfelsklan. Das bedeutete eins von zwei Dingen, abh�ngig davon, zu welcher Zeit er sich in der Weltgeschichte befand. F�r die meisten Mitglieder des Schwarzfelsklans empfand Thrall keinerlei Respekt. Er dachte an Schwarzfaust, grausam und herrschs�chtig, und seine S�hne Rend und Maim, die im Schwarzfelsgebirge lebten.</p><p>Doch es gab einen Schwarzfels, der nach Thralls Meinung den Klan wieder legitimiert hatte. Ein Orc namens Orgrim Schicksalshammer. Thralls Herz hob sich bei dem Gedanken, dass er sich wom�glich in einer Zeit befand, als sein Mentor und Freund noch lebte. Der Orc, der mit ihm einen Kampf begonnen hatte, als einfacher Reisender verkleidet. Der sich ihm mit guter orcischer Wut zum Kampf gestellt hatte... und der froh gewesen war, dass er von Thrall besiegt worden war. Der Orc, der ihm orcische Schlachttaktiken beigebracht und mit seinem letzten Atem Thrall zum Kriegsh�uptling der Horde gemacht hatte. Schlie�lich hatte er dem j�ngeren Orc seine ber�hmte R�stung... und den Schicksalshammer �berlassen.</p><p>Orgrim. Thrall war pl�tzlich von dem Verlangen erf�llt, den m�chtigen Orc zu sehen�� seinen Freund. Und das war hier m�glich... jetzt.</p><p>Der n�her kommende Orc zog eine Axt. �Wer bist du?�, wollte er wissen.</p><p>�Th-Thra�kash�, sagte Thrall schnell. Er konnte sich nicht als Schamane vorstellen, nicht in dieser �ra. Wie konnte er... �Ein Hexenmeister.�</p><p>Die Wache musterte ihn. �Mit einem interessanten Kleidergeschmack. Wo sind deine Totensch�del und die geschm�ckten Gew�nder?�</p><p>Thrall richtete sich zu voller Gr��e auf und machte einen bedrohlichen Schritt auf die Wache zu. �Der Grund, um in den Schatten zu agieren, ist unwichtig�, sagte er. �Vertrau mir. Nur die Unsicheren brauchen schwarze Kleidung und Knochen, um zu beweisen, wie gef�hrlich sie sind. Der Rest von uns <emphasis>wei�</emphasis>, was er kann, und muss nicht damit prahlen.�</p><p>Die Wache trat einen Schritt zur�ck und sah sich dann gr�ndlich um. �Sollst du uns... bei der Mission heute Abend helfen?�</p><p>Seine Stimme besa� eine Sch�rfe, die Thrall nicht gefiel. Doch er brauchte etwas, um das Misstrauen des Orc schnell zu zerstreuen. Also nickte er und antwortete: �Ja, nat�rlich. Warum sonst w�re ich hier?�</p><p>�Merkw�rdig, einen Hexenmeister zu schicken�, sagte die Wache und ihre Augen verengten sich f�r einen Moment. Thrall hielt dem pr�fenden Blick stand und schlie�lich zuckte die Wache mit den Schultern. �Nun gut. Ich bin nicht hier, um Fragen zu stellen, ich soll nur Befehle befolgen. Ich hei�e Grukar. Ich muss mich um einige Dinge k�mmern, bevor es Zeit ist. Komm mit ans Feuer beim Zelt. Die Nacht ist kalt.�</p><p>Thrall nickte. �Vielen Dank, Grukar.�</p><p>Thrall folgte Grukar und der andere Orc f�hrte ihn tiefer in die H�gellande. Bald tauchte ein kleines Zelt in Rot und Schwarz vor ihnen auf. Die Eingangsklappe war heruntergeschlagen und zwei Orcs standen links und rechts davon Wache. Sie blickten Thrall neugierig an, doch er kam ganz eindeutig mit Grukar und bald <emphasis>schon verloren</emphasis> sie das Interesse an ihm.</p><p>�Warte hier auf mich�, sagte Grukar leise. �Es wird nicht lange dauern.�</p><p>Thrall nickte und ging zum Lagerfeuer, das ein paar Meter entfernt prasselte. Mehrere Wachen waren hier versammelt und hielten ihre H�nde �ber die Flammen. Thrall tat es ihnen gleich und versuchte, so wenig Aufmerksamkeit wie m�glich auf sich zu ziehen. Und dann h�rte er Stimmen. Oder eher nur eine einzige Stimme.</p><p>Thrall konnte nicht alle Worte verstehen, doch jemand sprach �ber Gul�dan. Thralls Augen verengten sich, w�hrend er zuh�rte. Gul�dan hatte die Orcs verraten. Er hatte sich mit D�monen verb�ndet, um seine eigene Macht zu st�rken, und den Schattenrat gebildet, um die Klans zu unterwandern. Am schlimmsten war gewesen, dass er die h�chstrangigen Orcs dazu �berredet hatte, D�monenblut zu trinken. Es war dieser Makel, der sie so lange verfolgt hatte. Selbst bei denjenigen, die nicht einen unl�schbaren Durst aufs Abschlachten bekommen hatten, war die Haut gr�n geworden, bis Thralls Freund Grom H�llschrei schlie�lich <emphasis>die</emphasis> Orcs befreit hatte, indem er den D�mon Mannoroth t�tete, dessen Blut der Grund f�r diese Folter gewesen war.</p><p>Doch diese heroische Tat lag noch viele Jahre in der Zukunft, wie Thrall wusste. In diesem Zeitweg war Gul�dans Verrat noch frisch. Und jemand war gekommen, um Orgrim Schicksalshammer zu �berreden, Gul�dan zu st�rzen.</p><p>Schlie�lich erstarb das Gespr�ch. Einen Augenblick lang herrschte Stille.</p><p>Und dann vernahm Thrall eine Stimme, von der er niemals geglaubt h�tte, sie noch einmal zu h�ren. Sie war j�nger, etwas h�her, als Thrall sich erinnerte. Doch er erkannte sie sofort und ein Klo� bildete sich in seinem Hals.</p><p>�Ich glaube dir, alter Freund.�</p><p>Orgrim Schicksalshammer.</p><p>�Lass mich dir versichern, ich halte nichts von Gul�dans Pl�nen f�r unser Volk. Wir werden mit dir gegen die Finsternis stehen.�</p><p>Thrall fragte sich pl�tzlich: War er �berhaupt schon geboren, als dieses Gespr�ch stattfand? Wer hatte den Schneid, um zu Schicksalshammer mit so einer...</p><p>Und dann wusste er es und das Wissen raubte ihm den Atem.</p><p>�Eine meiner pers�nlichen Wachen wird dich an einen sicheren Ort bringen. Ein Strom liegt in der N�he und zu dieser Jahreszeit gibt es viel Wild in den W�ldern. Du solltest also nicht hungern m�ssen. Ich werde f�r dich tun, was ich kann, und wenn die Zeit reif ist, werden du und ich Seite an Seite stehen und wir t�ten den Verr�ter Gul�dan gemeinsam.�</p><p>Aber das war nicht geschehen. Stattdessen war...</p><p>Die Zeltklappe wurde zur�ckgeschlagen. Drei Orcs traten heraus. Einer war Schicksalshammer�� j�nger, fit, stark und stolz. In seinem Gesicht konnte Thrall bereits den �lteren Orc erkennen, der er eines Tages sein w�rde. Doch obwohl er noch vor einem Moment geglaubt hatte, dass er sich danach verzehrte, Orgrims Gesicht wiederzusehen, stellte er fest, dass seine Augen sich auf die anderen beiden Orcs geheftet hatten.</p><p>Sie waren ein Paar und trugen Fellkleidung, die viel zu dick f�r dieses Klima war. Bei ihnen war ein gro�er wei�er Wolf�� ein Frostwolf, wie Thrall wusste. Sie gingen aufrecht und stolz, der Mann kr�ftig und kampferfahren, die Frau jeder Zoll eine Kriegerin wie ihr Mann.</p><p>Und auf ihren Armen trug sie ein Kind.</p><p>Thrall kannte das Kind.</p><p>Es war er selbst... und die Orcs, die dort vor ihm standen, waren seine Eltern.</p><p>Er starrte sie einfach an, Freude und Schock und Schrecken durchfuhren ihn.</p><p>�Kommt, Durotan, Draka�, sagte Grukar. �Thra�kash und ich werden euch sicher zu eurem Lager bringen.�</p><p>Das Baby weinte. Die Frau...</p><p>... <emphasis>Mutter</emphasis>...</p><p>... sah hinab auf das Kind. Ihre starken, stolzen orcischen Gesichtsz�ge wurden weich vor Liebe. Dann sah sie Thrall an. Ihre Blicke trafen sich.</p><p>�Deine Augen sind merkw�rdig, Thra�kash�, sagte sie. �Ich habe so blaue Augen bislang nur bei meinem Kleinen hier gesehen.�</p><p>Thrall suchte nach Worten, doch Grukar sah ihn auf einmal so merkw�rdig an. �Wir sollten uns beeilen�, sagte er. �Gewiss kann eine Diskussion �ber Augenfarben warten, bis ihr an Eurem neuen Aufenthaltsort in Sicherheit seid.�</p><p>Thrall war sich in seinem ganzen Leben noch nie so verloren vorgekommen. Er folgte still, w�hrend Grukar seine Eltern zu demselben Ort f�hrte, wo er den Zeitweg verlassen hatte. Er dachte an die Auswirkungen.</p><p>Er konnte seine Eltern retten.</p><p>Er konnte sich selbst retten, damit er nicht gefangen genommen wurde und als Gladiator bei dem grausamen, doch erb�rmlichen Aedelas Schwarzmoor aufwachsen musste. Er konnte bei dem Angriff auf Gul�dan helfen. Die Orcs vielleicht Jahrzehnte zuvor von der d�monischen Befleckung befreien, bevor H�llschrei es tat. Er konnte Taretha retten.</p><p>Er konnte sie <emphasis>alle</emphasis> retten.</p><p>Er hatte mit Orgrim Schicksalshammer �ber den Mord an seiner Familie gesprochen. Worte des Gespr�chs fielen ihm wieder ein�� vor langer Zeit, doch in dem Zeitweg immer noch in der Zukunft.</p><p><emphasis>Hat mein Vater dich gefunden</emphasis>?, hatte Thrall gefragt.</p><p><emphasis>Das hat er</emphasis>, hatte Orgrim geantwortet. <emphasis>Und meine gr��te Schande ist es, dass ich sie nicht bei mir behalten habe. Ich dachte, es w�re gut f�r meine beiden Krieger und Durotan. Sie kamen und brachten dich, junger Thrall, und berichteten mir von Gul�dans Verrat. Ich glaubte ihnen</emphasis>...</p><p>Er wusste, dass er das Paar anstarrte. Doch er konnte nicht aufh�ren, genauso wenig, wie er das Atmen einstellen konnte. Er hungerte nach diesem Anblick�� einem Anblick, der ihm h�tte gew�hrt werden sollen, als er aufwuchs. Ein Anblick, der ihm f�r immer genommen werden w�rde, wenn er das, was in K�rze stattfinden w�rde, nicht verhinderte.</p><p>Sie bemerkten es schlie�lich. Durotan schien neugierig, jedoch nicht feindselig zu sein und Draka war offensichtlich am�siert.</p><p>�Du scheinst dich f�r uns zu interessieren, Fremder�, sagte sie. �Hast du denn nie zuvor einen Frostwolf gesehen? Oder fasziniert dich das blau�ugige Baby?�</p><p>Thrall konnte keine Worte finden. Durotan ersparte ihm eine Antwort. Er hatte sich umgesehen und hielt den Ort f�r gut. Er war abgelegen und gr�n. Durotan wandte sich l�chelnd an Draka. �Ich wusste, dass wir unserem alten Freund trauen k�nnen. Es wird nicht mehr lange dauern, bevor...� Und dann brach Durotan mitten im Satz ab und erstarrte. Bevor Thrall begriff, was geschah, stie� der H�uptling des Frostwolfklans seinen Kriegsschrei aus und zog seine Axt.</p><p>Es geschah so schnell.</p><p>Es waren drei, jeder griff aus einer anderen Richtung an�� einer Durotan, einer Draka und einer den Wolf, der vorw�rts sprang, um seine Begleiter zu sch�tzen.</p><p>Thrall schrie rau auf, langte nach dem Schicksalshammer und wollte seiner Familie helfen.</p><p>Eine starke Hand packte seinen Arm und zog fest daran. �Was machst du da?�, zischte die Wache. Und dann erkannte Thrall zwei Dinge auf einmal, als weitere Fetzen seines Gespr�chs mit Schicksalshammer zur�ckkehrten.</p><p><emphasis>Obwohl ich es nicht sicher wei�, bin ich davon �berzeugt, dass die Wache, der ich Durotan anvertraut habe, stattdessen die M�rder rief, um sie zu t�ten</emphasis>.</p><p>Die Wache geh�rte zu dem Angriff. Und er hatte angenommen, dass auch Thrall dazugeh�rte. Die zweite Sache, die Thrall erkannte, war schlimmer; Er konnte nicht aufhalten, was geschah�� nicht, wenn er den wahren Zeitweg bewahren wollte.</p><p>Seine Eltern mussten sterben. Er musste von Schwarzmoor gefunden werden, musste im Kampf ausgebildet werden, wenn er sein Volk aus den Internierungslagem befreien wollte�� wenn er die Welt, die er kannte, vor der Zerst�rung retten wollte.</p><p>Er stoppte mitten in der Bewegung. Es war eine Qual. Jede Faser seines Wesens befahl ihm, zu k�mpfen, die M�rder zu vernichten, seine Mutter zu retten und seinen Vater. Doch das durfte er nicht.</p><p>Draka hatte das Kind Thrall auf dem Boden abgelegt und k�mpfte nun wie wild, um sowohl ihr Kind als auch sich selbst zu sch�tzen. Sie warf Thrall einen Blick zu, erf�llt mit Wut, Verachtung und Hass. Er wusste, dass er diesen Stachel mit ins Grab nehmen w�rde. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Kampf zu, stie� Fl�che gegen den Orc aus, der sie angriff, und gegen Thrall f�r seinen Verrat. Nicht weit entfernt str�mte Durotans Blut aus einem brutalen Schnitt an seinem Bein, w�hrend er gleichzeitig versuchte, seinen zuk�nftigen M�rder zu erdrosseln. Es erklang ein scharfes Heulen, das abrupt abbrach, als der Wolf fiel. Draka k�mpfte weiter.</p><p>Und das Kind Thrall, das hilflos auf der Erde lag, w�hrend seine Eltern k�mpften, jammerte vor Angst.</p><p>Krank vor Abscheu sah Thrall zu, unf�hig, die Geschichte zu �ndern, wie sein sterbender Vater mit neuer St�rke k�mpfte und es schaffte, seinem Gegner den Hals zu brechen.</p><p>In diesem Moment wirbelte der M�rder, der den Wolf get�tet hatte, zu Grukar herum. Der Verr�ter war so �berrascht angesichts dieser Wendung der Ereignisse, dass er nicht mal daran dachte, seine Waffe zu ziehen.</p><p>�Nein!�, rief er, seine Stimme war hoch vor Schreck und Angst. �Nein, ich bin einer von euch, sie sind das Ziel...�</p><p>Ein riesiges zweih�ndiges Schwert schnitt durch Grukars Hals. Der abgetrennte Kopf flog weg, Blut spr�hte �ber Thralls Kleidung. Jetzt wandte sich der M�rder Thrall zu.</p><p>Das war ein gro�er Fehler.</p><p>Das konnte Thrall zumindest tun: sich selbst verteidigen. Sein Tag w�rde kommen, sicher. Doch nicht heute. Thrall stie� einen Kriegsschrei aus und griff an. Er kanalisierte seine Trauer, legte Entsetzen und Wut in einen Angriff, der seinen M�chtegernm�rder erschreckte. Doch der M�rder war immer noch ein K�nner und er fing sich. Der Kampf fand auf engem Raum statt und war sehr heftig. Thrall schwang seine Arme, duckte sich, sprang zur Seite, trat zu. Der M�rder hackte, knurrte, stie�.</p><p>Seine Aufmerksamkeit war auf sein eigenes �berleben konzentriert. Thralls Herz schmerzte dennoch, als er Durotans Schrei beim Anblick von Drakas verst�mmeltem K�rper vernahm. Das Ger�usch schw�chte Thrall nicht. Stattdessen sp�rte er neue Energie in sich aufsteigen. Er griff entschlossener an, schob seinen nunmehr alarmierten Gegner zur�ck, bis der andere Orc taumelte und st�rzte.</p><p>Augenblicklich war Thrall �ber ihm. Er hielt den Meuchelm�rder am Boden mit einem Fu� fest und hob den Schicksalshammer. Er wollte mit der m�chtigen Waffe zuschlagen, dem Orc den Sch�del zerschmettern, doch er hielt inne. Er durfte den Zeitweg nicht �ndern. Was, wenn diese b�se Kreatur leben musste, aus irgendeinem Grund, den er nicht kannte?</p><p>Thrall knurrte und spie dem Orc ins Gesicht, dann sprang er von ihm herunter. Er trat auf das gro�e Schwert, das der andere gef�hrt hatte. �Geh�, sagte er. �Und lass mich niemals wieder dein Gesicht sehen. Hast du das verstanden?�</p><p>Der Meuchelm�rder stellte sein Gl�ck nicht infrage und lief weg.</p><p>Sobald er sicher war, dass er wirklich fort war, wandte sich Thrall seinen Eltern zu. Draka war tot. Ihr K�rper war fast in St�cke zerhackt worden, ihr Gesicht erstarrt in einem ver�chtlichen Z�hnefletschen. Thrall drehte sich zu seinem Vater um, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie der dritte M�rder Durotan beide Arme abschlug. Damit nahm er ihm die M�glichkeit, seinen Sohn zu halten, bevor er starb. Thrall hatte viele Grausamkeiten gesehen. Doch dieser Schrecken lie� ihn an Ort und Stelle erstarren, unf�hig, sich zu bewegen.</p><p>�Nimm... das Kind�, kr�chzte Durotan.</p><p>Der M�rder kniete sich neben ihn und sagte: �Wir lassen das Kind f�r die Waldtiere liegen. Vielleicht kannst du zusehen, wie sie es zerfetzen.�</p><p>Sp�ter konnte sich Thrall nicht mehr daran erinnern, wie er von dem einen Ende der kleinen Lichtung an das andere gekommen war. Das N�chste, was er wusste, war, dass er so laut schrie, dass seine Kehle schmerzte. Der Schicksalshammer war nur ein verschwommener Schemen. Der M�rder k�mpfte ebenfalls, weil alles in ihm danach brannte, diesen Bastard in kleine Teile blutigen Schleims zu schlagen. Die Klarheit kam zu Thrall zur�ck, als er auf H�nden kniete und schluchzte.</p><p>�Mein Kind�, fl�sterte Durotan.</p><p>Er lebte noch!</p><p>Thrall kroch zu dem Kind und nahm es hoch. Er blickte in seine eigenen blauen Augen und ber�hrte sein eigenes kleines Gesicht. Dann kniete er sich neben seinen Vater und rollte ihn auf den R�cken. Durotan grunzte vor Schmerz. Thrall legte das Kind, eingewickelt in Windeln, die das Abzeichen der Frostw�lfe trug, auf Durotans Brust.</p><p>�Du hast keine Arme, um ihn zu halten , sagte Thrall und seine Stimme klang belegt, Tr�nen erf�llten seine eigenen blauen Augen wie die des Kindes, das weinte. �Und so lege ich ihn auf dein Herz.�</p><p>Durotan, das Gesicht vor Qualen verzerrt, die Thrall sich kaum vorstellen konnte, nickte. �Wer bist du? Du verr�tst uns... du... l�sst mich und meine Gef�hrtin sterben... und doch greifst du unsere M�rder an...�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Du w�rdest mir nicht glauben, Durotan, Sohn von Garad. Doch ich bitte dich... bei den Ahnen, ich bitte dich, das zu glauben: <emphasis>Dein Sohn wird leben</emphasis>. �</p><p>Hoffnung flackerte in den schw�cher werdenden Augen.</p><p>Thrall sprach schnell, bevor es zu sp�t war. �Er wird leben und stark werden. Er wird sich daran erinnern, was es bedeutet, ein Orc zu sein, und sowohl Krieger wie auch Schamane werden.�</p><p>Der Atem kam schnell, zu schnell. Durotan k�mpfte, um am Leben zu bleiben, und h�rte verz�ckt zu.</p><p>�Unser Volk wird sich von der Dunkelheit des Gul�dan erholen. Wir werden heilen. Wir werden eine Nation werden, stolz und m�chtig. Und dein Sohn wird von dir und seiner tapferen Mutter wissen und ein gro�es Land nach dir benennen.�</p><p>�Wie... kannst du das wissen...?�</p><p>Thrall unterdr�ckte die Tr�nen und legte eine Hand auf die Brust seines Vaters, neben die so viel j�ngere Version seiner selbst. Der Herzschlag schwand.</p><p>�Vertrau darauf, dass ich es weiߓ, sagte Thrall, seine Stimme ersch�ttert von Gef�hlen. �Dein Opfer war nicht umsonst. Dein Sohn lebt, um die Welt zu �ndern. Das verspreche ich dir.�</p><p>Die Worte waren einfach so aus ihm herausgesprudelt und Thrall erkannte, w�hrend er sie aussprach, dass sie stimmten. Er <emphasis>hatte</emphasis> gelebt und er <emphasis>hatte</emphasis> die Welt ver�ndert�� indem er sein Volk befreite, indem er die D�monen bek�mpfte, indem er den Orcs eine Heimat gab.</p><p>�Das verspreche ich�, wiederholte er.</p><p>Durotans Gesicht entspannte sich und ein schwaches L�cheln glitt �ber seine Lippen. Thrall nahm das Baby und hielt es ihm sehr lange ans Herz.</p><empty-line/><p>Das Kind schlief schlie�lich. Thrall hielt es und schaukelte es durch die Nacht. Seine Gedanken und sein Herz drohten zu bersten.</p><p>Es war eine Sache, davon zu h�ren, wie seine Eltern dabei gestorben waren, ihn zu besch�tzen. Es war eine ganz andere, tats�chlich dabei gewesen zu sein. Als S�ugling war er aufrichtig und innig geliebt worden, ohne dass er daf�r etwas tun musste. Dieses Kind hatte keine Leistungen erbracht, hatte keine Leben gerettet, keine Schlachten gewonnen, keine D�monen besiegt. Es wurde einfach um seiner selbst wegen geliebt�� Tr�nen und Geschrei, Lachen und Weinen.</p><p>Mehr als alles im Leben hatte Thrall sich gew�nscht, seine Eltern retten zu k�nnen. Doch die Zeitwege waren gnadenlos. Was geschehen war, musste geschehen, ansonsten musste es von den Agenten des bronzenen Drachenschwarms korrigiert werden.</p><p>�Es muss <emphasis>richtig</emphasis> gemacht werden.� Gute Leute mussten sterben, unschuldige Leute�� das bedeutete, etwas <emphasis>richtig</emphasis> zu machen. Es war grausam. Es war vernichtend. Doch er verstand es.</p><p>Thrall blickte auf, zuckte zusammen und sah von der Stelle weg, wo die hingemetzelte Familie lag. Er blinzelte. Etwas wurde vom Wasser reflektiert�� etwas Goldenes, Leuchtendes und Schuppiges...</p><p>Thrall versuchte zu erkennen, woher die Spiegelung kam. Doch da war nichts: nur B�ume, Erde und Himmel. Es war kein Riesendrache da, wie er erwartet hatte. Er stand auf, hielt das Kind und sah wieder auf das Wasser.</p><p>Ein gro�es Auge schaute ihn daraus an.</p><p>�Nozdormu?� Der Fluss war viel zu klein, um einen Drachen zu beherbergen�� es musste eine Reflexion sein... und dennoch...</p><p>Thralls Konzentration wurde durch ein pl�tzliches Schreien unterbrochen. Es schien, dass der kleine Thrall aufgewacht war�� und hungrig. Thrall wandte seine Aufmerksamkeit dem Kind zu, versuchte etwas zu fl�stern, das Baby zu beruhigen, dann sah er zur�ck auf das Wasser. Die Reflexion war fort. Doch Thrall war sicher, dass er sie gesehen hatte. Er sah sich um. Nichts.</p><p>Eine menschliche Stimme schnitt durch die Stille des Waldes. �Beim Licht, was f�r ein L�rm!� Die Stimme war voll respektvoller Anteilnahme. �Wir k�nnen auch genauso gut umdrehen, Leutnant. Etwas derart Lautes hat sicherlich jegliches Wild hier drau�en verschreckt.�</p><p>�Hast du denn nichts bei mir gelernt, Tammis? Es geht genauso darum, von dieser verdammten Festung wegzukommen wie das Mittagessen mitzubringen. Soll doch, was immer das ist, weiterheulen, wie es will.�</p><p>Thrall kannte die Stimme. Hatte geh�rt, wie sie Lob aussprach. Doch �fter hatte er sie Fl�che aussto�en h�ren, voll w�tender Verachtung. Dieser Mann war Teil seiner Bestimmung gewesen. Dieser Mann war der Grund, warum er immer noch den Namen Thrall trug�� ein Name, um jedermann zu zeigen, was der Orc nicht mehr war.</p><p>Die Stimme geh�rte zu Aedelas Schwarzmoor.</p><p>Jeden Moment w�rden Schwarzmoor und sein Begleiter�� der Tammis Foxton sein musste, Schwarzmoors Diener und Taretha Foxtons Vater�� auf diese Lichtung treten. Schwarzmoor w�rde das Baby finden, das Thrall gerade in seinen Armen hielt, und es als sein eigenes mitnehmen. Er w�rde Thrall das K�mpfen, das T�ten und die Kriegskunst beibringen. Und dann eines Tages w�rde Thrall ihn t�ten.</p><p>Behutsam legte Thrall das Kind auf den Boden. Seine Hand ruhte einen Moment auf dem kleinen schwarzen Kopf und liebkoste die noch nicht ausgeblichene Windel.</p><p>�So ein z�rtlicher und doch grotesker Moment.�</p><p>Thrall wirbelte herum, zog den Schicksalshammer und stellte sich zwischen das Kind und den Besitzer der Stimme. Der geheimnisvolle M�rder, der ihn in den H�hlen der Zeit angegriffen hatte, stand nur ein paar Schritte entfernt. Thrall hatte geglaubt, dass die Bronzedrachen mit ihm fertig werden w�rden. Doch es schien, dass er trotz seines frustrierten Aufschreis den Bronzedrachen entkommen und irgendwie in diesen Zeitweg gelangt war. Und Thrall gefunden hatte.</p><p>Wieder konnte Thrall sich nicht dieses befremdlichen Gef�hls der Vertrautheit erwehren. Die R�stung�� die Stimme...</p><p>�Ich kenne Euch�, sagte er.</p><p>�Dann sag meinen Namen.� Es war eine angenehme, dr�hnende Stimme, in der Schalk mitschwang.</p><p>Thrall knurrte. �Ich kann Euch nicht benennen�� noch nicht��, aber da ist etwas an Euch...�</p><p>�Ich sollte dir wirklich danken�, fuhr der Meuchelm�rder fort. �Mein Meister hat mir eine Aufgabe gestellt, und zwar den m�chtigen Thrall zu t�ten. Du bist mir bereits einmal durch die Finger geschl�pft. Und vielleicht gelingt es dir noch einmal. Doch du hast etwas vergessen, eine... <emphasis>kleine</emphasis>... Sache...�</p><p>Mit jedem der letzten Worte machte der M�rder einen Schritt vorw�rts und Thrall erkannte pl�tzlich, was er meinte. Er packte den Schicksalshammer fester und richtete sich zu voller Gr��e auf. Der Mensch war gro� f�r sein Volk, fast so gro� wie ein Orc.</p><p>�Ihr werdet diesem Kind nichts tun!�, zischte Thrall.</p><p>�Oh, ich glaube, das werde ich doch�, entgegnete die Gestalt in der schwarzen R�stung. �Siehst du... ich wei�, wer hier in ein paar Augenblicken auftauchen wird. Und das ist jemand, den du nicht verletzen willst�� weil dann dieser Zeitweg genauso verletzt w�rde, wie wenn deine Eltern �berlebt h�tten. Du wei�t, Aedelas Schwarzmoor wird hier erscheinen, das kleine gr�ne Baby mitnehmen und es zu einem Gladiator erziehen. Und du willst doch bei diesem Treffen garantiert nicht dabei sein.�</p><p>Verflucht sollte der Bastard sein, er hatte recht. Thrall durfte nicht gesehen werden. Und er durfte Schwarzmoor nicht bek�mpfen und riskieren, ihn zu verletzen oder gar zu t�ten.</p><p>Noch nicht.</p><p>�Deshalb musst du fort. Doch du musst auch dein j�ngeres Ich verteidigen. Weil es meine Aufgabe ist, dich zu t�ten... Und es ist doch viel leichter, ein Baby zweizuteilen als einen ausgewachsenen Orc. Obwohl ich das schon oft gemacht habe, wie ich mir immer sage. Was soll ich tun, was soll ich tun...?�</p><p>�Es h�rt nicht auf, beklagte sich Schwarzmoor. Er war nun n�her, obwohl er noch immer einige Schritte von der Lichtung entfernt sein musste.</p><p>�Es k�nnte eine verletzte Kreatur sein, Sire, unf�hig sich zu bewegen�, schlug Tammis vor.</p><p>�Dann sollten wir sie finden und von ihrem Elend erl�sen.�</p><p>Der Fremde lachte und pl�tzlich war Thrall klar, was er tun musste. Stumm, obwohl seine ganze Seele danach lechzte, einen Kriegsruf auszusto�en, st�rzte er sich auf den M�rder. Nicht mit dem Hammer, sondern mit seinem m�chtigen K�rper. Der Mensch hatte den Angriff nicht erwartet und schaffte es nicht einmal, die Waffe zu heben, bevor Thrall in ihn krachte. Der Schwung lie� sie beide in den glitzernden Strom st�rzen.</p><empty-line/><p>�Was war das f�r ein Platschen?� Leutnant Aedelas Schwarzmoor nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche.</p><p>�Vielleicht eine der gro�en Schildkr�ten, die hier leben, Sire�, sagte Tammis.</p><p>Bereits angeheitert und auf dem Weg zur Volltrunkenheit nickte Schwarzmoor. Sein Pferd Nachtlied blieb stehen. Schwarzmoor starrte auf die Leichen von nicht weniger als drei erwachsenen Orcs und einem gro�en wei�en Wolf. Eine Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit und Schwarzmoor erkannte pl�tzlich die Quelle des schrecklichen L�rms. Es war das h�sslichste Ding, das er jemals gesehen hatte�� ein Orc-Baby, gewickelt in etwas, was zweifelsfrei bei diesen Kreaturen als Windel angesehen wurde.</p><p>Er stieg ab und ging zu ihm.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Mehrere Tage waren seit dem Debakel am Wyrmruhtempel vergangen. Kalec hatte�� so dumm es nun auch klang�� angenommen, dass mit dem tragischen, aber notwendigen Tod von Malygos etwas Heilung, etwas Frieden und Einheit zwischen den Drachenschw�rmen entstehen w�rde. Er war zu dem Treffen mit Hoffnung im Herzen gekommen und nun lag so viel mehr als sein eigener Traum in Tr�mmern.</p><p>Der Verlust von so vielen Eiern von allen Schw�rmen, die alle auf einmal vernichtet worden waren. Get�tet von einem der ihren. Das war ein wirklich vernichtender Schlag, angesichts dessen Kalec sich fragte, ob sie sich davon je erholen w�rden. Korialstrasz, sein alter Freund, jemand, dem Kalec voll und ganz vertraut hatte... Er sch�ttelte den Kopf und senkte trauernd seinen gro�en Hals.</p><p>Ysera war erwacht, war aber immer noch unkonzentriert und verwirrt. Von ihrem Schwarm hatte er geh�rt, dass sie auf Wanderung gegangen sei. Nozdormu war seit einiger Zeit verschwunden. Alexstrasza, von Krasus� Verrat zerschmettert, war fortgeflogen. Malygos war tot und Todesschwinge plante irgendwo auf der Welt ihrer aller Vernichtung.</p><p>Selbst die �ltesten unter ihnen gestanden sich ein, dass es seit Todesschwinges eigentlichem Verrat keine solche Zeit der Verzweiflung und des Chaos gegeben hatte.</p><p>Jeder Schwarm hatte sich in sich selbst zur�ckgezogen. Kalec hatte Freunde unter den meisten, doch der Kontakt zu ihnen war voller Spannungen gewesen. Auch wenn die gr�nen, roten und bronzenen Schw�rme nicht wussten, wo sich ihre Aspekte derzeit aufhielten, lebten die immerhin noch. Das war bei den blauen Drachen anders und ihr Hauptaugenmerk hatte in diesen letzten Tagen darauf gelegen, das zu korrigieren.</p><p>Die Blauen waren sich auf dem Nexus n�hergekommen, dem Ort, der immer ihre Heimat gewesen war. Dort, in ihren kalten H�hlen, hatten sie viel miteinander geredet, analysiert, theoretisiert und das magische Protokoll diskutiert. Doch nur sehr wenig war getan worden.</p><p>Kalecgos glaubte, dass sein Schwarm viel zu sehr an der Theorie interessiert war, wie sie vielleicht einen neuen Aspekt erschaffen oder w�hlen konnten, als dass jemand die dr�ngende Notwendigkeit erkannt h�tte, tats�chlich einen zu haben. Doch ihm war klar, dass das kaum verwunderlich war. Die blauen Drachen liebten intellektuelle Herausforderungen. Nur die Verachtung, die sie f�r die �niederen V�lker� empfanden, hielt sie davon ab, verschiedene Gestalten anzunehmen�� wie der verstorbene Krasus es getan hatte��, um sich unter andere Magiebenutzer zu begeben, wie etwa die Magier der Kirin Tor. Arkane Magie�� kalt und intellektuell�� war ihr Geburtsrecht. Das ging noch auf die Entscheidung der Titanen zur�ck, Malygos zum Aspekt der Magie in dieser Welt zu machen. Die j�ngeren V�lker hatten damit nichts zu tun. So glaubten zumindest viele. Eigentlich waren es Kalecs Meinung nach zu viele.</p><p>Methoden, wie man einen neuen Aspekt erschuf oder w�hlte, schien es so viele zu geben wie blaue Drachen. Oder�� so verbesserte sich Kalec, dessen N�stern vor Ver�rgerung leuchteten�� so viele, wie jeder Drachen <emphasis>Schuppen</emphasis> hatte.</p><p>Eine fr�he Furcht war schnell beruhigt worden, als einer der j�ngeren blauen Drachen besorgt gefragt hatte: �Was, wenn es keinen neuen Aspekt gibt? Die Titanen haben Malygos zum Aspekt der Magie gemacht. Was, wenn nur die Titanen einen neuen ernennen k�nnen und die anderen Schw�rme uns dazu verdammt haben, f�r immer ohne Aspekt leben zu m�ssen?�</p><p>Die �lteren Drachen hatten die K�pfe gesch�ttelt und waren v�llig unbesorgt. �Wir alle wissen, dass die Titanen m�chtig und weise waren�, hatte einer von ihnen gesagt. �Wir gehen davon aus, ihnen war klar, dass so etwas eines Tages passieren k�nnte. Unsere Gelehrten sind sich sicher, mit genug Forschung herausfinden zu k�nnen, was wir tun sollen.�</p><p>Kalecgos glaubte ihnen. Er glaubte an die Weisheit der Titanen, die vor so langer Zeit alle Aspekte ernannt hatten. Andere blaue Drachen glaubten aber mehr an die �berlegenheit und F�higkeiten des blauen Schwarms selbst. Sie w�rden sicherlich bald eine eigene Methode bevorzugen. Ihnen mangelte es nicht an Theorien.</p><p>Laut der Legende gab es bei der ersten Erschaffung der Aspekte eine seltene Verbindung zwischen Azeroths beiden Monden. Eine Wiederholung derselben Konstellation w�rde in wenigen Tagen stattfinden. Einige erachteten dies f�r elementar, damit die Magie richtig wirken konnte, die n�tig war, um einen normalen blauen Drachen in einen Aspekt zu verwandeln. Sie hielten es letztlich f�r eine Frage des richtigen Zeitpunkts.</p><p>Andere wollten, dass eine Mehrheit der blauen Drachen bei der Zeremonie anwesend war. �Wir <emphasis> werden</emphasis> einen Aspekt bekommen, auf die eine oder andere Weise�, sagte einer der pragmatischeren magischen Gelehrten. �Wenn es keine physische Transformation gibt, gew�hrt von der Konjunktion der beiden Monde, dann k�nnen wir als Schwarm entscheiden, wen wir f�r den besten Anf�hrer halten.�</p><p>�Es ist ja auch nicht so, dass der gro�e Malygos starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen�, hatte Arygos sich zu Wort gemeldet. �Ich selbst bin ein Kind von Malygos und seiner ersten Gef�hrtin. Es k�nnte gut sein, dass mir die F�higkeit im Blut liegt, ein Aspekt zu sein. Wir m�ssen das unbedingt in Erw�gung ziehen.�</p><p>�Es gibt nichts, was darauf hinweist�, hatte Kalecgos darauf erwidert. �Nicht alle Aspekte waren urspr�nglich verwandt.� Er mochte Arygos� Einstellung nicht und er wusste, dass der Sohn des Malygos sich von allen bedroht f�hlte, die er �Empork�mmlinge� nannte. Wenn es eine Teilung zwischen den Drachenschw�rmen gab, so gab es auch eine Teilung innerhalb der blauen Drachen. Malygos� Geist war immer noch vorhanden. So gab es da jene wie Arygos, die in den Fu�spuren des alten Aspekts wandelten und sich so weit wie m�glich aus dieser Welt zur�ckziehen wollten. Und diejenigen, die wie Kalec dachten: Sie lebten nun einmal in dieser Welt und mussten sich mit den anderen V�lkern und Schw�rmen verbinden. Dadurch w�rde der blaue Drachenschwarm nur st�rker und bereichert.</p><p>Es hatte unterschwellig bereits vor dem Angriff der Zwielichtdrachen eine Teilung im blauen Drachenschwarm geherrscht. Doch nun klaffte ein leuchtender, offener Riss. Einer, der Kalec nicht gefiel, doch er war nicht so naiv, ihn zu ignorieren. Er mochte dieses ganze neue Konzept des �W�hlens� nicht. Schon gar nicht von einem Aspekt. Denn dann w�re es nur noch ein leerer Titel ohne echte Macht dahinter. Schlie�lich war das Konzept der Aspekte seit Anbeginn der Zeiten ein Teil dieser Welt gewesen. Nur die Erinnerungen der Urtume mochten weiter zur�ckreichen. Man konnte daraus keinen Wettbewerb machen, um den blauen Drachen zu belohnen, der am beliebtesten war oder der den gr��ten Teil des Schwarms beeinflussen konnte... Er sch�ttelte w�tend den Kopf und entfernte sich von der Diskussion.</p><p>Arygos bemerkte es und rief: �Kalecgos! Wo gehst du hin?�</p><p>�Ich brauche etwas frische Luft�, gab Kalec �ber die Schulter zur�ck. �Hier drin ist es mir zu stickig.�</p><empty-line/><p>Der Mensch mit der schweren R�stung sank wie ein Stein, obwohl er tapfer gek�mpft hatte. Er lie� sein riesiges Schwert los und klammerte sich stattdessen mit der behandschuhten Hand an Thralls Kleidung fest. Sie sanken zusammen hinab. Thrall versuchte mit seiner Waffe den Arm des Mannes wegzuschlagen. Doch seine Bewegungen wurden durch das Wasser zu sehr verlangsamt. Stattdessen zerrte er an der Hand des Menschen und bog, indem er seine �berlegene St�rke einsetzte, dessen Finger auf.</p><p>Luftblasen quollen aus dem Helm des Menschen, als er Thralls Robe loslassen musste und die andere Hand nach ihm ausstreckte, doch Thrall trat fest zu und schwamm au�erhalb seiner Reichweite.</p><p>Das war der Moment, in dem er erkannte, dass dieser Strom viel tiefer war, als es schien. Viel tiefer, als er eigentlich sein konnte. Er ersp�hte ein Glitzern aus den Augenwinkeln und wandte den Kopf. Es war das glitzernde Gold von Bronzedrachenschuppen�� dasselbe Bild, das er zuvor auf dem Wasser gesehen hatte. Thrall bemerkte pl�tzlich, dass das hei�e, brennende Gef�hl seiner Lungen nach Luft schwand. Das hing irgendwie mit der Magie der Zeitwege zusammen und er wusste es, er akzeptierte es. Er hielt den Blick auf die verf�hrerischen Schuppen gerichtet und schwamm darauf zu.</p><p>Das Wasser �ber ihm schimmerte und er sp�rte eine merkw�rdige kribbelnde W�rme �berall entlang seines K�rpers. Die Schuppen verschwanden. Er durchstie� die Oberfl�che...</p><p>... des Meeres. Als er sich umsah, um sich zu orientieren, erkannte er mehrere Schiffe. Oder zumindest das, was von ihnen �brig war.</p><p>Das waren die Schiffe, die er, Grom H�llschrei und die anderen Orcs von den Menschen gestohlen hatten, um dem Rat des merkw�rdigen Propheten zu folgen�� des Propheten, der sie dazu gedr�ngt hatte, die �stlichen K�nigreiche Richtung Kalimdor zu verlassen.</p><p>Thrall trieb vor der K�ste und sah sich zwischen den im Wasser treibenden Wrackteilen um. Er packte eine Kiste und schwamm an Land. Als er festen B�den unter den F��en sp�rte, rief ihn jemand.</p><p>�Kriegsh�uptling!�</p><p>Wie lange, �berlegte Thrall, war es her, dass er so angesprochen worden war? Er wandte sich um�� und ersp�hte einen laufenden Orc...</p><p>�Hier�, sagte ein anderer Thrall. �Das bin ich...�</p><p>Gerade noch hatte er sich selbst als Kind gesehen. Doch das schien nun schon eine Weile her zu sein und er erkannte, dass er eine andere Version seiner selbst vor sich hatte. Er h�rte der Unterhaltung zu und versuchte, nicht dabei erwischt zu werden, wie er den Thrall dieses Zeitwegs anstarrte. Das war noch viel merkw�rdiger als damals, als er w�hrend der schamanischen Initiation eine andere Version seiner selbst gesehen hatte. Diesmal stand er physisch nur wenige Meter von sich selbst entfernt.</p><p>�Unser Schiff hat schweren Schaden erlitten, als wir durch den Mahlstrom gefahren sind�, berichtete der Orc.</p><p>Wieder ein merkw�rdiger Stich. Der Mahlstrom... der Ort, den er verlassen hatte. Der Ort, wo Todesschwinge durchgebrochen war. Der Ort, den der Irdene Ring verzweifelt heilen wollte. Er sch�ttelte den Kopf, verwundert, wie viel sich in wenigen fahren ge�ndert hatte.</p><p>�Wir m�ssen es ausschlachten�, grunzte der Orc.</p><p>Der Thrall dieses Zeitwegs nickte. �K�nnen wir unsere Position bestimmen? Ist das hier Kalimdor?�</p><p>�Wir sind nach Westen gefahren, wie befohlen. Das sollte es sein.�</p><p>�Sehr gut.�</p><p>Immer noch verstohlen zusehend, erinnerte sich Thrall an den Moment vor acht Jahren, erinnerte sich, was ihm am wichtigsten gewesen war.</p><p>�War irgendein Zeichen von Grom H�llschrei oder einem der anderen Schiffe auszumachen?�, fragte der Thrall dieses Zeitwegs.</p><p>�Nein, Kriegsh�uptling. Nicht, seit wir getrennt wurden.�</p><p>�Hm. Bereitet euch zum Abmarsch vor. Wenn unsere Kameraden es bis hierher geschafft haben, sollten wir sie entlang der K�ste finden.�</p><p>Thrall wandte sich wieder dem langen Sandstrand zu�� und ersp�hte ein goldenes Glimmern. Es verschwand sofort wieder. Es h�tte nicht mehr als eine Spiegelung in der Sonne sein k�nnen. Doch Thrall wusste es besser.</p><p>Die anderen waren damit besch�ftigt, die besch�digten Schiffe auszuschlachten und die Vorr�te an Land zu bringen. Bald schon w�rde das Lager errichtet sein. Thrall �berlie� das seinem j�ngeren Ich.</p><p>Er ging nach Westen und folgte den leuchtenden Schuppen. Dieses Mal fand er ein kleines Loch in der Erde von der Gr��e eines Kaninchenbaus. Und darum herum... der nun vertraute Glimmer der Zeitwegportale.</p><p>War Nozdormu tats�chlich gefangen? Thrall fragte sich das, w�hrend er weiterging. Oder f�hrte er Thrall nur auf seiner Suche?</p><p>Das Loch wuchs und nahm ihn auf. Er st�rzte, doch bevor er erschrecken konnte, kam er auf der anderen Seite heraus, kletterte aus dem Portal und sah im Gras vor sich einen gro�en schwarzen Vogel sitzen. Er neigte den Kopf und fixierte ihn mit seinen leuchtenden roten Augen.</p><p>Der Schnabel �ffnete sich: �Seid gegr��t, Sohn von Durotan. Ich wusste, dass Ihr den Weg finden w�rdet.�</p><p>Medivh! Der gro�e Magier war Thrall im Traum erschienen und hatte ihm befohlen, ihm zu folgen. Thrall hatte gehorcht und Medivh hatte seine Ausdauer belohnt. Doch war er bei dem Gespr�ch damals nicht in Menschengestalt erschienen?</p><p>Thrall versuchte sich zu erinnern, was er gesagt hatte. �Euch habe ich in meinen Visionen gesehen. Wer seid Ihr? Woher kennt Ihr mich?�</p><p>Der Rabe neigte den schwarzen Kopf. �Ich wei� viele Dinge, junger Kriegsh�uptling, �ber Euch und Euer Volk. Zum Beispiel, dass Ihr nach Nozdormu sucht.�</p><p>Thralls Mund �ffnete sich.</p><p>�Ihr befindet Euch jenseits der Zeit... und das auf viele Arten. Wisset, dass ich die Zukunft und den brennenden Schatten gesehen habe, der die Welt verschlingen will. Und als ich diese Zukunft erkannte, habe ich auch noch andere gesehen. Ich verrate Euch, was ich kann, den Rest m�sst Ihr selbst besorgen.�</p><p>Thrall lachte pl�tzlich und fragte sich, warum er so �berrascht war. Es handelte sich schlie�lich um Medivh. Er wusste nicht genau, was er wirklich war. Doch in der Zeit herumzuspringen, war f�r ihn anscheinend nicht unm�glich.</p><p>�Es war klug, damals auf Euren Rat zu h�ren�, sagte er. �Ich glaube, das wird es auch diesmal sein.�</p><p>�K�nnt Ihr weben, Thrall?�</p><p>Von der Frage �berrascht antwortete Thrall: �Ich... habe einige Webarbeit gesehen, doch es ist sehr kompliziert und ich beherrsche dieses Handwerk nicht.�</p><p>�Ihr m�sst es auch nicht beherrschen�, sagte der Rabe, der keiner war. �Der Umgang mit Durchschuss und Faden. Das Muster erkennen. Das Schiffchen f�hren. Dabei erkennt man schnell, dass etwas, was vorher nicht existierte, direkt vor Euren Augen entsteht. Das Weben ist eine eigene kleine Welt f�r sich. Und Euch wird klar werden, dass es ausreicht, an einem losen Faden zu ziehen, wenn man einen Teil auftrennen will.�</p><p>Thrall sch�ttelte langsam den Kopf. �Magier, Ihr verwirrt mich. Ich habe heute den Mord an meinen Eltern erlebt. Habe gegen einen geheimnisvollen Meuchelm�rder gek�mpft, der wahrscheinlich vom ewigen Drachenschwarm geschickt wurde. Und ich versuche, den Zeitlosen zu finden, der mich auf eine fruchtlose Suche f�hrte. Und der beste Rat, den Ihr mir geben k�nnt, ist, �ber das Weben nachzudenken?�</p><p>Der Vogel vollf�hrte so etwas �hnliches wie ein Achselzucken, indem er den Kopf senkte und die Schultern hob.</p><p>�H�rt mir zu. Ich wei�, was Ihr sucht. Achtet darauf, dass Ihr auch das Richtige sucht. Dieser Ort ist voller Illusionen. Es gibt nur einen Weg, herauszufinden, was Ihr wirklich sucht�� nur einen Weg, wie Ihr Euch selbst finden k�nnt. Lebt wohl, Go�el, Sohn von Durotan und Draka.� Die Fl�gel des Vogels flatterten und binnen weniger Sekunden war er au�er Sicht geschwebt.</p><p>Thrall wusste nicht mehr ein noch aus. Worte kamen �ber seine Lippen und er war �berrascht �ber ihren Inhalt. �Nichts davon ergibt einen Sinn, doch die Geister sagen mir... dass ich ihnen vertrauen soll.�</p><p>Das waren exakt dieselben Worte, die er am Ende seines allerersten Treffens mit Medivh gesprochen hatte. Und er erkannte erschrocken, dass die Worte so wahr waren wie damals. Die Geister <emphasis>hatten</emphasis> ihm geraten, dem Magier zu trauen. Er schloss die Augen und wandte sich ihnen zu. Den Elementen von Erde, Luft, Feuer, Wasser�� und dem letzten Element: dem Leben, das immer in seinem Herzen war.</p><p>Er verstand immer noch nicht wirklich, was der Magier von ihm wollte. Die Worte ergaben immer noch keinen Sinn. Doch Thrall war nun ruhiger und er wusste, dass er es, wenn der richtige Moment kam, irgendwie verstehen w�rde.</p><p><emphasis>F�hrt mich</emphasis>, erbat er von den Elementargeistern. <emphasis>Ich brauche Hilfe, doch ich scheine nicht dieses gro�e Wesen finden zu k�nnen, das zu finden ich ausgesandt wurde. Ich sehe Bilder von ihm, Hinweise, doch jedes Mal falle ich nur in eine weitere meiner Lebenssituationen und komme ihm nicht n�her</emphasis>.</p><p>Er �ffnete die Augen.</p><p>Nozdormu stand vor ihm. Oder eher ein durchscheinendes Bild von ihm. Der gro�e Drache hatte den Mund ge�ffnet und sagte etwas, doch Thrall h�rte nichts.</p><p>�Was wollt Ihr, Zeitloser?�, rief er. �Ich versuche, Euch zu finden!�</p><p>Nozdormu streckte ein Vorderbein aus, die Handfl�che nach oben zeigend, und winkte Thrall heran. Der Orc st�rmte vorw�rts...</p><p>Und da war es, kam jedes Mal schneller�� das Leuchten des Sonnenlichts auf bronzenen Schuppen. Das war nicht der Ort in der Zeit, den Thrall erwartet hatte.</p><p>Er erinnerte sich an etwas, was Cairne ihm einst vor langer, langer Zeit gesagt hatte. <emphasis>Deine Bestimmung... wird dich in der Zeit finden</emphasis>...</p><p><emphasis>Wo ist die richtige Zeit</emphasis>?, wollte Thrall rufen. Er war krank, seelenkrank von der Jagd nach merkw�rdigen Illusionen, die ihn scheinbar nur neckten und auf einen weiteren Zeitweg lockten.</p><p>Jedes Mal, wenn er dem Bild des Zeitlosen folgte, f�hrte es ihn an einen anderen Punkt seines Lebens. Einige waren angenehm zu durchleben, andere weit weniger. Aber jeder war ein bedeutender Moment, ein tiefgr�ndiger Ort in der Zeit. Und in jedem dieser Momente sah Thrall Nozdormu. Er achtete darauf, ob der geheimnisvolle Meuchelm�rder wieder auftauchte, nur schien es kein Anzeichen von diesem beharrlichen Menschen zu geben. Thrall hoffte, dass der Bastard ertrunken war, ertrunken durch das Gewicht seiner merkw�rdig vertrauten R�stung in einem Strom, der viel mehr war als ein Strom. Doch die Hoffnung, dass kein weiteres Aufeinandertreffen mehr stattfinden w�rde, schw�chte seine Wachsamkeit nicht.</p><p>Thrall erkannte, dass er schon viel zu lange ohne Nahrung und Schlaf gewesen war, als er durch ein weiteres Portal in einen d�mmrigen Wald trat. Er war vertraut... zu vertraut.</p><p>�Wieder die H�gellande�, murmelte er und rieb sich das Gesicht.</p><p>Gut, immerhin kannte er den Weg. Der Wald hatte sich ver�ndert, seit er das letzte Mal hier gewesen war�� vor wie langer Zeit? Sein knurrender Magen und sein m�der K�rper sagten ihm, dass fast ein Tag vergangen war. Die B�ume wirkten �lter, was ihn zu dem Schluss brachte, dass Jahre vergangen sein mussten, seit... seit er den Tod seiner Eltern miterlebt hatte. Und es herrschte eine andere Jahreszeit. Es war mitten im Sommer. Das bedeutete, viel Wild und Beeren und Fr�chte, die man sammeln konnte. Also w�rde er wenigstens nicht verhungern, w�hrend er darauf wartete, welchen Moment aus der Vergangenheit er miterleben w�rde.</p><p>Er stellte schnell eine Falle auf, um ein Kaninchen zu fangen, und ging dann eine Weile auf Nahrungssuche, genoss die Stille, die lange D�mmerung. Die Schlinge schnappte zu. Thrall entfachte ge�bt ein Feuer, um das kleine Tier zu braten. Obwohl viele Orcs rohes Fleisch bevorzugten, mochte er es lieber gegart. Dann streckte er sich am Feuer aus, um etwas verzweifelt ben�tigten Schlaf nachzuholen.</p><p>Als er etwas sp�ter erwachte, war er sofort alarmiert. Er r�hrte sich nicht. Etwas Kaltes und Metallisches presste sich gegen seine Kehle.</p><p>�Dumme, dreckige Orcs�, erklang eine Stimme. Sie war weiblich und irgendwie rau, als w�re sie einige Zeit nicht mehr benutzt worden. �Wenn es nicht ums Geld ginge, dass du mir einbringst, w�rde ich dich dort t�ten, wo du gerade liegst.�</p><p>Geld? Sie musste von einer Art Kopfgeld sprechen. War im Land der Allianz eins auf seinen Kopf ausgesetzt? Und war er in der Dunkelheit so leicht zu erkennen? Nein, das h�tte die Frau sicherlich sofort gesagt und nicht eine allgemeine Drohung gegen Orcs ausgesto�en.</p><p>�Ich tue dir nichts�, sagte Thrall, seine Stimme so ruhig wie m�glich. Es war eine Donnerb�chse, die sie gegen seinen Hals dr�ckte. Er �berlegte, wie gut die Chancen standen, sie ruckartig zu sich zu ziehen und sich wegzudrehen, bevor sie feuern konnte. Wahrscheinlich standen sie nicht allzu gut.</p><p>�Oh, ich wei�, dass du mir nichts tust, weil ich dir sonst das Hirn rausschie�en w�rde. So, steh langsam auf, beweg dich. Lebend bist du mehr wert als tot. Aber glaub nicht, ich w�rde mich nicht auch mit einem kleineren Kopfgeld zufriedengeben, wenn du �rger machst.�</p><p>Er gehorchte, bewegte sich langsam, wie sie es befohlen hatte, hielt seine H�nde, wo sie sie sehen konnte.</p><p>�R�ber zu dem Baum, nach links, dann dreh dich um und sieh mich an�, befahl sie.</p><p>Thrall gehorchte, drehte sich langsam...</p><p>Und keuchte.</p><p>Die Frau vor ihm war d�nn, fast schon hager. Ihr kurz geschnittenes Haar war hell. Sie schien Anfang drei�ig zu sein und trug praktische Hosen, Stiefel und ein Hemd. Das Mondlicht lie� ihr Gesicht verh�rmt wirken, mit Schatten unter ihren Wangenknochen und den Augen. Doch Thrall glaubte, dass Sonnenlicht auch nicht gn�diger gewesen w�re. Einst mochte sie sch�n gewesen sein. Eigentlich wusste Thrall ganz genau, dass sie es gewesen war.</p><p>�Taretha�, keuchte er.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Tarethas Augen verengten sich, als sie mit der Donnerb�chse direkt auf seine breite Brust zielte. �Ich schie�e nicht daneben�, sagte sie. �Woher kennst du meinen Namen?�</p><p>Einen wilden Moment lang war Thrall v�llig verwirrt. Und dann verstand er. Er musste in einen der falschen Zeitwege gestolpert sein�� einen von denen, die die Bronzedrachen versuchten zu reparieren. Denn, so schmerzvoll es auch sein mochte, er wusste, dass Taretha Foxton, seine einzige Freundin w�hrend der Kindheit, niemals �lter als Mitte zwanzig geworden war.</p><p>�Das h�rt sich jetzt vielleicht ziemlich merkw�rdig an, aber bitte�� du musst mir glauben�, sagte er und versuchte, ruhig zu klingen�� und so vern�nftig wie m�glich.</p><p>Sie hob eine Augenbraue. �Du kannst gut reden... f�r eine stinkende Gr�nhaut.�</p><p>Es schmerzte, Taretha so sprechen zu h�ren. Sie, die ihn stets wie einen Bruder behandelt hatte. Doch er reagierte nicht darauf.</p><p>�Es ist, weil ich�� von Menschen erzogen wurde�, sagte er. �Ich wurde von Lord Aedelas Schwarzmoor aufgenommen und als Gladiator ausgebildet. Er sorgte daf�r, dass ich lesen und schreiben lernte. Ich bekam Unterricht in Kriegskunst. Deine Mutter, Clannia, hat mir das Leben gerettet, Taretha. Sie zog mich gro�, als ich ein Kind war. Mein Name ist... Thrall.�</p><p>Das Gewehr wackelte, doch nur einen Moment lang. Thrall konnte an der Art, wie sie damit umging, erkennen, dass Taretha Feuerwaffen nicht fremd waren.</p><p>�Das ist eine L�ge�, sagte sie. �Der Orc ist nach ein paar Tagen gestorben.�</p><p>Thralls Gedanken rasten. Also <emphasis>hatte</emphasis> er in diesem Zeitweg existiert... aber er war als Kind gestorben. Das war alles so schwer zu verstehen. Er versuchte es erneut. �Hast du schon mal von Drachen geh�rt, Taretha?�</p><p>Sie schnaubte. �Beleidige mich nicht. Nat�rlich habe ich das. Was haben die mit einem Orc zu tun, mit dem ich allm�hlich meine Geduld verliere?�</p><p>Sie war so schroff, so bitter. Doch Thrall versuchte es weiter. �Dann wei�t du vielleicht, dass es eine Gruppe von Drachen gibt, die der bronzene Drachenschwarm genannt wird. Ihr Anf�hrer ist Nozdormu. Sie stellt sicher, dass sich die Zeit so entfaltet, wie sie es soll. Auf einem anderen Zeitweg habe ich �berlebt und wurde Gladiator, so wie Schwarzmoor es wollte. Du hast mir Nachrichten geschickt, versteckt in B�chern. Du wurdest meine Freundin.�</p><p>�Ich, die Freundin eines Orcs?� Unglaube lie� ihre Stimme schrill werden. �Das halte ich f�r sehr unwahrscheinlich.�</p><p>�Nein�, sagte er, �sogar h�chst unwahrscheinlich. Aber wundervoll. Du hast dich an das Baby erinnert, um das deine Mutter sich gek�mmert hat, und du mochtest es�� mich. Und du hast gehasst, was sie mit mir machten. Ich habe dich gerade erst getroffen, doch ich wei� bereits etwas von dir. Ich glaube, du magst es nicht, wenn denen Gewalt angetan wird, die sich nicht verteidigen k�nnen.�</p><p>Das Gewehr wackelte zum zweiten Mal und ihre Augen flackerten f�r eine Sekunde, bevor sie ihren Blick wieder auf ihn richtete. Hoffnung erf�llte Thralls Herz. Was immer diese freundliche junge Frau so schroff und verbittert hatte werden lassen, konnte nichts daran �ndern, dass immer noch Taretha in ihr steckte. Und wenn sie immer noch Tari war, dann konnte er sie vielleicht auch erreichen. Konnte ihr helfen, irgendwie, und zwar auf diesem Zeitweg, auf eine Art, zu der er in seinem eigenen Zeitweg damals nicht f�hig gewesen war.</p><p>�Du hast mir bei der Flucht geholfen�, fuhr er fort. �Ich habe mein Volk aus den Internierungslagern befreit. Ich t�tete Schwarzmoor und schliff Durnholde. Sp�ter vereinigten sich Menschen, Orcs und andere V�lker, um einen Angriff von einer d�monischen Macht, genannt die Brennende Legion, auf unsere Welt abzuwehren. Und das alles nur dank dir, Tari. Mein Zeitweg schuldet dir sehr viel.�</p><p>�Das ist eine nette Geschichte und viel schlauer als jede, die ich von einem Orc erwartet h�tte�, sagte Taretha. �Doch es ist eine L�ge. Die Welt hier ist sicherlich nicht so. Und das ist die einzige Welt, die ich kenne.�</p><p>�Was, wenn ich es beweisen k�nnte?�, fragte er.</p><p>�Das ist unm�glich!�</p><p>�Aber�� wenn ich es k�nnte?�</p><p>Taretha war immer noch misstrauisch, doch er konnte erkennen, dass sie langsam neugierig wurde. �Wie?�, fragte sie.</p><p>�Du hast das Orc-Baby gesehen� sagte Thrall. �Erinnerst du dich, welche Augenfarbe es hatte?�</p><p>�Blau�, sagte sie wie aus der Pistole geschossen. �Niemand hatte je zuvor einen Orc mit blauen Augen gesehen.�</p><p>Thrall wies auf sein Gesicht. �Meine Augen sind blau, Taretha. Und auch ich kenne keinen anderen Orc mit blauen Augen.�</p><p>Sie schnaubte. �Als w�rde ich nah genug rankommen, um mitten in der Nacht in deine Augen zu schauen�, sagte sie. �Netter Versuch.� Sie wies mit dem Kopf nach links. �Los, beweg dich, Gr�nhaut.�</p><p>�Warte. Da ist noch eine Sache... um dich zu �berzeugen.�</p><p>�Ich habe genug davon.�</p><p>�Der Rucksack�, dr�ngte er. �Schau in den Rucksack. Darin liegt ein kleiner Beutel. Und dann... findest du etwas, was du sicher erkennst.�</p><p>Er betete, dass er recht hatte. Der kleine Beutel enthielt ein paar Dinge. Seine Totems. Die Eichel nat�rlich�� das Geschenk der Urtume. Ein Behelfsaltar mit Nachbildungen aller Elemente. Und... etwas Wertvolles. Etwas, was verloren gewesen war, doch was er wiedergefunden hatte... etwas, was er mit sich herumtragen w�rde, bis er starb.</p><p>�Wenn das ein Trick ist, verpasse ich dir ein Loch, so gro�...�, murmelte sie, doch mit finsterem Blick und offensichtlich gegen ihr besseres Wissen kniete sie sich hin und begann, in dem Beutel zu w�hlen. �Was suche ich denn?�</p><p>�Wenn ich recht habe... erkennst du es, wenn du es siehst.�</p><p>Sie murmelte wieder etwas, nahm das Gewehr in die rechte Hand und sch�ttelte den Beutel mit der linken aus.</p><p>�Also, ich sehe nur einen Stein, eine Feder, ein...�</p><p>Taretha verstummte. Sie starrte auf die kleinen Juwelen, die im Mondlicht glitzerten. Sie schien Thrall v�llig vergessen zu haben, als sie mit zittriger Hand die silberne Kette hervorzog. Ein Halbmond hing daran. Sie blickte Thrall mit offenem Mund an und statt Wut, unterschwellige Angst und Hass, die ihr sch�nes Gesicht zuvor verzerrt hatten, lag darin Schrecken... und Verwunderung.</p><p>�Meine Kette�, sagte sie, ihre Stimme sanft.</p><p>�Die hast du mir gegeben�, sagte Thrall, �als du mir bei der Flucht geholfen hast. Da war ein umgest�rzter Baum, in dem ich sie verstecken sollte. Nahe einem Fels, der aussah wie ein Drache.�</p><p>Langsam, ohne ihn anzusehen, legte sie das Gewehr hin. Mit ihrer anderen Hand griff Taretha unter ihr abgetragenes Leinenhemd und holte die Kette heraus, die identisch mit der war, die sie in der Hand hielt.</p><p>�Als ich klein war, war ein Zahn darin�, sagte sie. �Richtig... hier...�</p><p>In beiden Ketten befand sich exakt derselbe Zahn: mit einer leichten Missbildung am unteren Scheitel des Halbmonds.</p><p>Sie blickte zu ihm auf und zum ersten Mal konnte er die Taretha sehen, an die er sich erinnerte. Langsam ging er zu ihr und kniete sich neben sie.</p><p>Ihre Hand schloss sich um die zweite Kette, dann reichte sie sie ihm. Taretha lie� die Kette los und das Schmuckst�ck fiel in seine gro�e gr�ne Hand. Sie sah ihn an, ohne Angst, und l�chelte.</p><p>�Deine Augen�, sagte sie leise, �<emphasis>sind</emphasis> blau.�</p><empty-line/><p>Thrall war froh, aber nicht �berrascht, dass Taretha ihm glaubte, so unglaubw�rdig die Geschichte auch klingen mochte. Er hatte ihr einen Beweis geliefert, den sie nicht ignorieren konnte. Die Taretha, die er gekannt hatte, h�tte solch einen Beweis v�llig unbefangen anerkannt. Die Frau vor ihm war immer noch Taretha, sosehr sie sich von der freundlichen, herzlichen jungen Frau auch unterscheiden mochte, an die er sich erinnerte.</p><p>Sie redeten eine lange Zeit. Thrall berichtete ihr von seiner Welt, obwohl er Taretha nicht erz�hlte, was ihr dort widerfahren war. Er w�rde nicht l�gen, wenn sie danach fragte, doch das tat sie nicht. Er erz�hlte ihr seine Geschichte und erw�hnte die Aufgabe, die Ysera ihm aufgetragen hatte.</p><p>Und auch sie verriet ihm bruchst�ckhaft, wie sich die Dinge in diesem neuen Zeitweg entwickelt hatten, w�hrend sie das Feuer sch�rte.</p><p>�Oh, Schwarzmoor gibt es definitiv in diesem Zeitweg�, sagte sie bitter, als das Gespr�ch sich dem erb�rmlichen Mann zuwandte. �Doch der aus deiner Welt gef�llt mir besser.�</p><p>Thrall grunzte. �Ein ausgekochter, selbsts�chtiger Trunkenbold, der versucht, eine Armee von Orcs gegen seine eigenen Leute einzusetzen?�</p><p> �In diesem Zeitweg ist er ein selbsts�chtiger General, der keine Orc-Armee <emphasis>braucht</emphasis>, die er gegen seine eigenen Leute einsetzt�, sagte sie. �Nach allem, was du mir erz�hlt hast�, sie wandte ihren kurz geschorenen Sch�del seinem kr�ftigen Kopf zu, �bist du ein m�chtiger Krieger. Das glaube ich dir auch. Offensichtlich hat sich Schwarzmoor zu sehr auf dich und seinen geheimen Plan verlassen. Als du starbst, musste er die Arbeit selbst tun.�</p><p>�Normalerweise ist das ein begr��enswerter Charakterzug�, sagte Thrall.</p><p>�Normalerweise. Doch er ist kaum... normal.� Sie wandte sich ab. Etwas lag in ihrer Miene, was Thrall augenblicklich aufschreckte. Eine merkw�rdige Wut und... Scham?</p><p>�Er... du warst auch in diesem Zeitweg seine Geliebte�, sagte er. �Das tut mir leid.�</p><p>Sie lachte harsch. �Geliebte? Eine Geliebte wird auf Feiern mitgenommen. Sie bekommt Schmuck und Kleider und geht mit ihrem Herrn auf die Jagd. Es wird sich gut um ihre Familie gek�mmert. Ich wurde nie als Geliebte <emphasis>respektiert</emphasis>.� Sie atmete tief ein und fuhr fort: �Ich war nur eine Ablenkung. Er war meiner schnell �berdr�ssig. Zumindest daf�r kann ich dankbar sein.�</p><p>�Deine Eltern... was ist mit denen geschehen?�</p><p>�Sie wurden bestraft.� Sie l�chelte, doch das L�cheln erreichte nicht ihre Augen. �Weil sie dich haben �sterben lassen�, nicht lange nach dem Verlust meines Bruders Faralyn. Vater verlor seine Position und wurde zu den niedersten Aufgaben abgestellt, wie St�lle ausmisten. Mutter starb, als ich acht war. Schwarzmoor schickte ihr in diesem Winter nicht mal einen Arzt. Vater starb wenige Jahre sp�ter. Ich nahm die kargen Ersparnisse und ging ohne einen Blick zur�ck. Schwarzmoor war es egal. Er war zu sehr mit Herrschen besch�ftigt.�</p><p>�Herrschen?� Thrall sah sie an.</p><p>�Nat�rlich erkennt niemand seinen Anspruch auf den Thron von Lordaeron an. Aber keiner traut sich, ihn da runterzusto�en.�</p><p>Thrall sank zur�ck und versuchte, es zu verstehen. �Erz�hl weiter�, sagte er mit ausdrucksloser Stimme.</p><p>�Er war so beliebt. Er begann nur mit seinen eigenen M�nnern, trainierte sie bis zur Perfektion.�</p><p>Thrall dachte an die endlosen Gladiatorenk�mpfe, die er gezwungen gewesen war zu bestehen. Das klang auf eine verdrehte, seltsame Art nach Schwarzmoor.</p><p>�Dann heuerte er S�ldner an und bildete sie genauso aus. Und nach dem Kampf um die Schwarzfelsspitze war er nicht mehr aufzuhalten.�</p><p>�Was ist dort geschehen?�</p><p>�Er t�tete Orgrim Schicksalshammer im Zweikampf, sagte Taretha schnell und nahm eine Handvoll Beeren, die Thrall zuvor gesammelt hatte.</p><p>Thrall glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Schwarzmoor? Dieser weinerliche, betrunkene Feigling? <emphasis>Er</emphasis> hatte Orgrim Schicksalshammer, den Kriegsh�uptling der Horde, zu einem Kampf herausgefordert? Und hatte <emphasis>gewonnen</emphasis>?</p><p>�Diese Niederlage hat die Gr�nhaut... tut mir leid, die Orcs v�llig entmutigt�, korrigierte sich Taretha schnell. �Sie wurden Sklaven, Thrall. Ihre Geister waren gebrochen. Sie wurden nicht mal in Lagern gehalten, von denen du mir berichtet hast. Jeder wild herumlaufende Orc wird vom K�nigreich gekauft und entweder zum Dienst gezwungen, oder wenn er zu aufs�ssig ist, get�tet.�</p><p>�Deshalb wolltest du mich lebend haben�, sagte Thrall leise.</p><p>Sie nickte. �Wenn ich einen wilden Orc mit zur�ckbr�chte, k�nnte ich von dem Geld mehr als ein Jahr leben. Es ist... So ist es in meiner Welt, Thrall. So war sie schon immer. Aber...� Taretha runzelte die Stirn. �... ich habe mich immer... nun, es war nie <emphasis>richtig</emphasis>. Nicht nur moralisch, sondern...� Ihre Stimme verlor sich.</p><p>Thrall verstand, was sie zu sagen versuchte. �Es f�hlte sich nie richtig an, weil es das nicht ist�, stellte Thrall fest. �Diese Zeitlinie ist falsch. Schwarzmoor ist tot, die Orcs haben ihr eigenes Land, und ich habe Freunde unter den Menschen gefunden.� Er l�chelte. �Beginnend mit dir.�</p><p>Sie l�chelte sch�chtern zur�ck und sch�ttelte den Kopf. �Es ist merkw�rdig, aber... das erscheint mir richtig.� Sie z�gerte. �Mir ist aufgefallen, dass du nicht erw�hnt hast, was mit mir in diesem anderen Zeitweg passiert ist.�</p><p>Er zuckte zusammen. �Ich hatte gehofft, dass du nicht fragen w�rdest. Doch ich h�tte es besser wissen m�ssen.�</p><p>�Ich, ahm... ich hoffe mal, ich ende nicht wie diese Jaina Prachtmeer, von der du so viel gesprochen hast�, sagte sie und versuchte, gelassen zu wirken.</p><p>Er musterte sie gedankenvoll. Dann fragte er ernst: �Willst du das wirklich wissen?�</p><p>Taretha runzelte die Stirn, stocherte im Feuer, dann schob sie den Ast hinein und lehnte sich zur�ck. �Ja, ich will es wissen.�</p><p>Nat�rlich wollte sie das. Taretha war dem unangenehmen Dingen nie ausgewichen. Er hoffte nur, dass das, was er ihr sagen musste, sich nicht gegen ihn wenden w�rde. Doch es w�re falsch, ihr etwas anderes als die Wahrheit zu sagen.</p><p>Er wartete einen Moment, sammelte seine Gedanken, und sie unterbrach ihn nicht. Das einzige Ger�usch war das Knistern des Feuers und der sanfte Klang der Nachtkreaturen.</p><p>�Du bist gestorben�, sagte Thrall schlie�lich. �Schwarzmoor fand heraus, dass du mir geholfen hattest. Er war dir gefolgt, als du dich mit mir getroffen hast, und als du zur�ckkamst, t�tete er dich.�</p><p>Sie machte kein Ger�usch, aber ein Muskel in ihrem Gesicht zuckte. Dann sagte sie mit merkw�rdig ruhiger Stimme: �Erz�hl weiter. Wie bin ich gestorben?�</p><p>�Das wei� ich nicht genau�, antwortete Thrall. �Aber...� Er schloss f�r einen Moment die Augen. Zuerst musste er den Mord an seinen Eltern miterleben und jetzt das. �Er hat dir den Kopf abgeschnitten und in einen Beutel gesteckt. Und als ich nach Durnholde kam und ihn bat, die Orc-Gefangenen freizulassen... warf er ihn mir zu.�</p><p>Taretha schlug die H�nde vors Gesicht.</p><p>�Er dachte, das w�rde mich brechen. Und auf eine gewisse Weise hat es das auch�� aber nicht so, wie er wollte.� Thralls Stimme wurde tiefer. �Es machte mich wild. Wegen all dem, was er mir angetan hatte�� weil er die Sorte Mann war, als die er sich erwiesen hatte. Ich w�rde ihm keine Gnade gew�hren. Am Ende bedeutete dein Tod seinen. Ich habe mich immer gefragt, ob ich irgendetwas h�tte tun k�nnen, um dich zu retten. Es tut mir leid, dass ich das nicht konnte, Taretha. So sehr leid.�</p><p>Sie hielt ihr Gesicht bedeckt, und als sie schlie�lich sprach, war ihre Stimme belegt und dumpf.</p><p>�Sag mir eins�, sagte sie. �Habe ich f�r einen Unterschied gesorgt?�</p><p>Er konnte nicht glauben, was sie da fragte. Verstand sie denn nicht, was er ihr erz�hlt hatte?</p><p>�Taretha�, sagte er. �Nur dank deiner Freundlichkeit konnte ich anderen Menschen vertrauen. Und deshalb war ich bereit, mich mit Jaina Prachtmeer zu verb�nden. Nur dank dir glaubte ich, dass ich mehr war als... ein gr�nh�utiges Monster. Und deshalb war auch mein Volk�� jeder Orc�� mehr wert und durfte nicht wie Tiere behandelt werden.�</p><p>Er legte eine Hand auf ihre Schulter. Sie hob den Kopf und wandte sich ihm zu. Tr�nen liefen ihr �bers Gesicht.</p><p>�Taretha, treue Freundin�, sagte er, seine Stimme bebte. �Meine Schwester im Geiste. Du hast nicht nur <emphasis>einen</emphasis> Unterschied gemacht. Du hast <emphasis>den</emphasis> Unterschied gemacht.�</p><p>Zu seinem Erstaunen warf sie ihm ein zittriges L�cheln zu. �Du verstehst nicht�, sagte sie mit brechender Stimme. �Ich habe nie irgendeinen Unterschied gemacht. Ich habe nie <emphasis>gez�hlt</emphasis>. Ich habe nie auch nur eine Sache gemacht, die irgendetwas oder irgendjemand betroffen h�tte.�</p><p>�Deine Eltern...�</p><p>Sie gab ein geringsch�tziges Ger�usch von sich. �Die Eltern aus deiner Welt klingen liebevoller als meine. Ich war weiblich und ihnen nur von geringem Nutzen. Wir waren alle zu besch�ftigt mit dem Versuch, zu �berleben. Der Schulunterricht, �ber den du gesprochen hast�� den habe ich nie bekommen. Ich kann nicht <emphasis>lesen</emphasis>, Thrall. Ich kann nicht <emphasis>schreiben</emphasis>.�</p><p>Thrall konnte sich nicht vorstellen, dass Taretha Analphabetin war. Gerade B�cher hatten sie einander �berhaupt erst n�hergebracht. Ohne ihre Nachrichten w�re er vielleicht nie geflohen. Er hatte ihr Schicksal im wahren Zeitweg f�r schrecklich gehalten. Er hatte gesp�rt, dass es ungerecht jemandem gegen�ber war, der so freundlich und gro�herzig war. Doch auf eine Art war das Leben, das sie hier f�hrte, noch schlimmer.</p><p>Aggra hatte ihn auf seinem schamanischen Ritus der Vision begleitet und auf eine gewisse Art Taretha auch �getroffen�.</p><p><emphasis>Sie h�tte nicht sterben sollen</emphasis>, hatte Thrall auf der spirituellen Reise gesagt.</p><p><emphasis>Woher wei�t du, dass das nicht ihre Bestimmung war? Vielleicht hatte sie alles getan, wozu sie geboren war</emphasis>?, hatte Aggra geantwortet. <emphasis>Das wei� nur sie</emphasis>.</p><p>Und Thrall erkannte mit einem Schlag seines Herzen, dass Taretha�� in beiden Zeitwegen�� es wusste.</p><p>�Das von dir zu h�ren�� zu wissen, dass ich gez�hlt habe, f�r alle, ganz zu schweigen von den Nationen... und der Geschichte der Welt��, du wei�t gar nicht, was das f�r mich bedeutet. Mir ist egal, ob ich gestorben bin. Mir ist egal, <emphasis>wie</emphasis> ich gestorben bin. Am Ende habe ich gez�hlt!�</p><p>�Das stimmt und es ist heute noch so�, sagte Thrall, seine Stimme klang eindringlich. �Du magst in dieser Welt noch keinen Unterschied ausgemacht haben. Aber das bedeutet ja nicht, dass du es nicht noch wirst.�</p><p>�Wenn ich einen wilden Orc mit zur�ckbr�chte, k�nnte ich von dem Geld mehr als ein Jahr leben... So ist meine Welt, Thrall. So ist sie immer gewesen. Aber...�, Taretha runzelte die Stirn, ich habe immer gesp�rt... nun, dass es nicht <emphasis>richtig</emphasis> war. Nicht nur moralisch, sondern...� Ihre Stimme verklang.</p><p>Thrall blinzelte. �Das hast du schon gesagt.� Es war eine wichtige Einsicht, aber er verstand nicht, warum sie sie jetzt wiederholte.</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Was habe ich gesagt?�</p><p>Die Luft f�hlte sich anders an. Thrall stand auf und nahm Tarethas Gewehr. Er musste es Taretha hoch anrechnen, dass sie nicht in Panik verfiel. Stattdessen stand sie rasch auf und sp�hte in den Wald nach Feinden. �Hast du etwas geh�rt?�</p><p>�Das hast du getan und wirst es tun.� Thrall sa� neben ihr. �Du hast vielleicht jetzt noch keinen Unterschied gemacht. Aber das bedeutet ja nicht, dass du es nicht wirst...�</p><p>Er unterbrach sich mitten im Satz. Und dann verstand er.</p><p>�Der Zeitweg ist falsch�, sagte er. �Das wissen wir beide. Und etwas daran ist so falsch, so verkehrt, dass die Zeit nicht mal mehr korrekt flie�t. Die Dinge... wiederholen sich. Die Dinge l�sen sich auf.�</p><p>Taretha erbleichte, w�hrend er sprach. �Du meinst�� du glaubst, diese Welt <emphasis> endet</emphasis> gerade?�</p><p>�Ich wei� nicht, was hier im Moment vorgeht�, sagte Thrall ehrlich. �Doch wir m�ssen herausfinden, wie wir es aufhalten k�nnen und aus diesem Zeitweg herauskommen. Ansonsten wird alles�� deine Welt und meine und wer wei�, wie viele andere noch�� zerst�rt werden.�</p><p>Sie wirkte �ngstlich. Sie sah zum Feuer, biss sich auf die Lippe und dachte nach.</p><p>�Ich brauche deine Hilfe�, sagte Thrall sanft.</p><p>Sie blickte zu ihm auf und l�chelte. �Die hast du. Ich werde einen Unterschied machen�� mal wieder.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Die Welt war still.</p><p>Es gab keinen Schrei der Wut, des Schmerzes oder der Freude. Nicht das sanfte Ger�usch des Atmens. Kein einziger Schlag eines Fl�gels oder Herzens. Nicht das kaum wahrnehmbare Ger�usch eines Blinzelns oder einer Pflanze, die Wurzeln schlug.</p><p>Nichts, nur totale Stille. Die Ozeane bewegten sich, ihre Wellen liefen den Strand hinauf, zogen sich wieder zur�ck. Und nichts existierte in ihren Tiefen. Der Wind blies, r�ttelte an den Dachrinnen der H�user, die niemanden beherbergten, strich durch Gras, das gelb wurde.</p><p>Ysera bewegte sich, sie war das einzige lebendige Wesen an diesem Ort. Ihr Unbehagen wurde gr��er, wurde zu Furcht, zu Schrecken.</p><p>Die Stunde des Zwielichts war gekommen.</p><p>Ihre Klauen trafen auf Erde, die aufgeh�rt hatte, Leben zu spenden. Sie w�rde <emphasis>nie</emphasis> Leben spenden. Niemals w�rde sie einen Hauch von Gr�n hervorbringen. Ysera streifte �ber jeden Kontinent, hoffte verzweifelt, dass irgendwo ein Ort verschont worden war.</p><p>Tot, alles tot. Keine Drachen, keine Menschen oder Elfen oder Orcs, keine Fische, keine V�gel, keine B�ume, kein Gras, keine Insekten. Mit jedem bitteren Schritt trat Ysera auf ein Massengrab.</p><p>Warum war sie am Leben?</p><p>Sie schrumpfte bei der Frage, f�rchtete die Antwort und ging weiter.</p><p>Die Beutebucht, Orgrimmar, Donnerfels, Dunkelhain, Desolace�� Leichen lagen �berall herum, verrottet, sogar von den Aasfressern verschont, weil die selbst verrottet waren. Ysera sp�rte, wie sie angesichts der Brutalit�t des Augenblicks der Wahnsinn umfing, und verdr�ngte das Gef�hl r�cksichtslos.</p><p><emphasis>Unser Tempel</emphasis>...</p><p>Sie wollte ihn nicht sehen und doch musste sie es...</p><p>Und dort war sie, am Fu� des Tempels, ihre gro�en, einst schlafenden Augen standen weit offen.</p><p>Hier gab es Fl�gelschl�ge. Und Atmen und Schreie von einem hasserf�llten Sieg. Die Luft rauschte von den Zwielichtdrachen, den letzten Wesen, die lebendig waren und auf dem Leichnam der Welt triumphierten. Am Fu� des Wyrmruhtempels lagen die Leichen der m�chtigen Aspekte. Alexstrasza, zu Tode verbrannt, ihre Rippen verkohlt und herausstechend. Ein blauer Aspekt, dessen Gesicht sie nicht erkennen konnte, eingefroren in den Zuckungen des Schmerzes. Nozdormu, der Zeitlose, der nun in der Zeit feststeckte, reglos wie ein Stein. Und ihr eigener K�rper, �berwachsen mit dem, was einst gr�n und lebendig gewesen war. Doch jetzt waren sogar die Ranken, die sich um ihre Kehle geschlungen hatten, um sie zu erdrosseln, tot. Jeder Aspekt schien von seinen oder ihren eigenen speziellen Kr�ften get�tet worden zu sein.</p><p>Doch das war es nicht, weshalb ihr kalt wurde vor Schrecken.</p><p>Ysera, die Erwachende, starrte auf einen einzigen riesigen K�rper. Er wurde von dem schwachen, d�steren Licht des Zwielichthimmels von Nordend beleuchtet, ein schlaffes und ebenso regloses Ding.</p><p>Es war auf der obersten Spitze des Wyrmruhtempels aufgespie�t, w�hrend die aufgeblasene rotorange Sonne dahinter m�rrisch unterging.</p><p>Ysera sank zur Erde, zitterte, wollte sich die Augen ausrei�en und konnte es doch nicht.</p><p>�Todesschwinge�, fl�sterte sie.</p><p>Sie sprang zur�ck in die Realit�t, ihre Gedanken kl�rten sich, obwohl ihr K�rper noch von der Vision zitterte. Sie sch�ttelte den Kopf und fl�sterte: <emphasis>�Nein, nein, nein</emphasis>...�</p><p>Es war eine Vision, aber eine, von der sie wusste, dass sie nicht in Stein gemei�elt war. Eine, die noch ver�ndert werden konnte... doch nur, wenn ein Orc das tat.</p><p><emphasis>Thrall, ich wei� nicht, was Eure Rolle hierbei ist, doch ich bitte Euch... bitte, bitte, versagt nicht</emphasis>.</p><p><emphasis>Lasst diese Welt nicht so still werden</emphasis>.</p><empty-line/><p>Die Frage war, wie konnten sie den Zeitweg korrigieren?</p><p>�Erz�hl mir alles, was geschehen ist, beginnend mit meinem Tod�, sagte Thrall.</p><p>�Das... ist eine ganze Menge�, antwortete Taretha. �Wie ich bereits sagte, st�rzte Schwarzmoor sich in seine Aufgabe. Er trainierte und schliff seine M�nner und dann die S�ldner. Nach dem Kampf um die Schwarzfelsspitze l�ste er sein pers�nliches Milit�r nicht auf. Sobald sich die Orcs ergeben hatten, traf er eine geheime Absprache mit ihnen�� eine Absprache, die den Rest der Allianz erschreckte. Die Orcs sollten sich mit Schwarzmoors eigener Armee verb�nden und Schwarzmoor w�rde sich gegen K�nig Terenas und die anderen wenden und sie t�ten. Err�tst du, was sie getan haben?�</p><p>Thrall nickte. �Nat�rlich. Sie sind darauf eingegangen. Schlie�lich k�mpften sie ja gegen denselben Feind. Und so fiel Terenas.�</p><p>Taretha nickte. �Und so erging es auch Uther, dem Lichtbringer, und Anduin Lothar.�</p><p>In Thralls Zeitweg war Lothar gestorben, als er in der Schlacht an der Schwarzfelsspitze gegen Schicksalshammer k�mpfte. �Was ist mit Prinz Varian?�</p><p>�Sowohl Varian wie auch Arthas, Terenas� Sohn, waren zu jung zum K�mpfen. Sie flohen und beide �berlebten.�</p><p>Arthas... der gefallene Paladin... der Lichk�nig.</p><p>�Gab es merkw�rdige Krankheiten im Land? Vergiftetes Korn, Seuchen?�</p><p>Taretha sch�ttelte den blonden Kopf. �Nein, nichts davon.�</p><p>Das traf Thrall wie ein Schlag. In dieser Welt lebte Schwarzmoor noch, das war nur zu wahr und verachtenswert. Aber Taretha lebte auch... und unz�hlige Unschuldige, die weder zu Gei�eldienern noch zu Vergessenen geworden waren.</p><p>�Kennst du den Namen Kel�Thuzad?�, fragte er. Kel�Thuzad, ein fr�heres Mitglied des Herrscherrates von Dalaran, hatte in Thralls Zeitlinie nach Macht gegiert. Die Lust auf Macht hatte ihn auf dunkle Wege gef�hrt. Wege, die ihn mit den �berg�ngen zwischen Leben und Tod experimentieren lie�en. Bei solch einer Neigung war es nur passend, dass Arthas Kel�Thuzads K�rper als Lich wiederbelebt hatte.</p><p>�Oh ja�, sagte Taretha und verzog das Gesicht. �Schwarzmoors oberster Berater.�</p><p>Also war Kel�Thuzad dem Lockruf der Macht auch in diesem Zeitweg erlegen. Nur dass es hier sterbliche, politische Macht war und nicht alte, b�se, die ihn verf�hrt hatte.</p><p>�Antonidas und Dalaran haben alle Verbindung mit ihm abgebrochen�, fuhr Taretha fort. �Sie wollen lieber unbefangen sein, doch es gibt Ger�chte, dass ihre Treue eher Sturmwind als Lordaeron gilt, auch wenn die Magierstadt so nahe liegt.� Sie zuckte die Achseln. �Ich wei� nicht, wie verl�sslich diese Angaben sind. Ich h�re nur hier und dort etwas, wenn ich nach S�derstade reise.�</p><p>Dalaran gab es noch und Antonidas war immer noch der Kopf der Magier. Die Stadt war nicht gefallen, sie war nicht nach Nordend verlegt worden.</p><p>�Wo sind Arthas und Varian?�</p><p>�Varian regiert Sturmwind. Arthas ist bei ihm. Sie stehen sich nah wie Br�der. Varian war sein Trauzeuge.�</p><p>�Bei der Hochzeit mit Jaina Prachtmeer�, sagte Thrall leise.</p><p>Taretha nickte. �Sie haben ein Kind, einen kleinen Jungen. Prinz Uther.�</p><p>Es gab keine Pest, keinen Lichk�nig. Noch nicht, immerhin. Arthas war ein verheirateter Mann und Vater. Lordaeron war nicht zu Unterstadt geworden, bev�lkert von den Untoten, sondern stattdessen regiert von Schwarzmoor, der auf dem Thron eines guten Mannes sa�.</p><p>�Wenn man bedenkt, dass er die Welt so fest im Griff hat murmelte er.</p><p>�Was es umso eigenartiger erscheinen l�sst, dass er pl�tzlich verschwunden ist�, sagte Taretha.</p><p>�Verschwunden?�</p><p>�Ja. Seine Berater haben versucht, es zu vertuschen. Sie sagen, er sei auf einer Mission, um weitere Orcs aufzuscheuchen oder einige Drachen zu t�ten oder einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, je nachdem, wem man glaubt. Aber er ist verschwunden.�</p><p>�Vielleicht hat ihn ja jemand get�tet�, �berlegte Thrall. Er l�chelte leicht. �Das kann man nur hoffen.�</p><p>�Wenn es so w�re, dann w�re es Zeit f�r einen Putsch�, erwiderte Taretha. �Der Thron w�rde von jemand anderem besetzt�� entweder von Arthas als rechtm��igem Erben oder von Schwarzmoors M�rder. Nein, da geht etwas Merkw�rdiges vor. Doch es wird nicht lange so bleiben. Ich bin sicher, dass Arthas und Varian bereits einen Angriff planen. Sie m�ssen Spione haben.�</p><p>Sie hatte recht. Auch wenn sie keine Ausbildung erhalten hatte, war Taretha eine hochintelligente Frau. Es musste nat�rlich Spione geben, und Arthas und Varian w�rden garantiert so schnell reagieren wie m�glich, um aus der mysteri�sen �Abwesenheit� ihren Vorteil zu ziehen.</p><p>Thrall dachte angestrengt nach. Er wusste, er musste den Zeitweg reparieren oder die Welt w�rde sich aufl�sen. Vielleicht war es eine gute Sache, dass Schwarzmoor fort war. Vielleicht w�rde diese Welt so einen Weg er�ffnen, damit sich der Zeitweg selbst reparieren konnte.</p><p>Und dennoch�� das w�rde solch eine Trag�die bedeuten.</p><p>Die Seuche w�rde das Land �berziehen. Tausende w�ren tot oder Schlimmeres.</p><p>Arthas w�rde der Lichk�nig werden. Ein Gedanke lie� ihm den Schwei� ausbrechen: Was, wenn in dieser Welt Schwarzmoor der Lichk�nig wurde? Er hatte Kel�Thuzad, der ihm Verlockungen einfl�sterte.</p><p>Antonidas w�rde sterben und Dalaran w�rde fallen, so wie Quel�Thalas, die Elfenstadt.</p><p>Und Taretha...</p><p>Er st�tzte die Stirn einen Moment lang in seine Hand. Die Aufgabe schien unm�glich. Wenn er doch nur die Bronzedrachen finden k�nnte, um mit ihnen zu reden, zu erkl�ren, was vorging. Selbst ein gr�ner oder roter Drache w�re eine Hilfe gewesen. Sie kannten die Aufgabe der Bronzenen, sie w�rden ihm die Geschichte der falschen Zeitwege glauben, zumindest in der Theorie.</p><p>�Glaubst... du, dass wir einen Unterschied machen?�, fragte Taretha leise.</p><p>Er lachte bitter. �Ich glaube, wir m�ssen einen Drachen finden�, sagte er. �Einen, der einem Orc zuh�rt, ohne mich gleich zu t�ten, und...�</p><p>Seine Augen weiteten sich.</p><p>�... und ich wei�, wo wir einen finden k�nnen.�</p><empty-line/><p>Krasus sa� in seinem Studierzimmer. Selten hatte er sich wohler gef�hlt als hier. Es war ein warmer Raum, kleiner, als er ihm durch seine Position bei den Kirin Tor zugestanden h�tte, aber gem�tlich. Momentan war jedes bisschen Platz, vom Schreibtisch �ber kleine Ablagen bis hin zur Spitze eines B�cherstapels, mit aufgeschlagenen B�chern bedeckt. Nur wenn er an der Seite seiner Gef�hrtin Alexstrasza war, sp�rte er mehr Freude im Herzen als hier. Er war ungern von ihr getrennt. Doch niemand verstand �Pflicht� besser als die Lebensbinderin. Sie wusste, dass seine Arbeit hier unter den Kirin Tor letztlich dem Schwarm, und was in den Augen seiner Geliebten noch wichtiger war, auch Azeroth helfen w�rde. Die Menschen, Hochelfen und Gnome, mit denen er zusammenarbeitete, glaubten, dass Drachen, die so lange lebten, voneinander gelangweilt waren und deshalb gern mal ausw�rts arbeiteten. Doch da lagen sie falsch.</p><p>Eine Kugel schwebte in der N�he. In Gr�n, Braun und Blau gehalten war sie eine exakte Nachbildung von Azeroth. Hier und dort verteilt lagen Ger�tschaften, Schmuckst�cke und andere unbezahlbare Dinge. Im Moment �bertrug Krasus gesch�ftig etwas aus einem sehr alten Buch auf Pergamentpapier. Denn w�rde das Buch zu oft benutzt, w�rde es zu Staub zerfallen. Magie hielt das Buch derzeit sch�tzend zusammen, aber Krasus war pragmatisch und wusste, dass eine Kopie stets eine weise Sache gegen die Unbilden der Zeit war. Diese Aufgabe h�tte ein Anf�nger mit Leichtigkeit erledigen k�nnen, doch Krasus machte es lieber selbst. Es passte einfach zu seiner lehrerhaften, magischen Art, ein wenig still zu sitzen und altes Wissen zu studieren.</p><p>Es klopfte an der T�r.</p><p>�Herein�, rief er und blickte nicht auf.</p><p>�Lord Krasus?� Das war Devi, eine der jungen Hochelfenlehrlinge.</p><p>�Ja, was ist, Devi?�, fragte Krasus.</p><p>�Eine junge Lady ist hier, um Euch zu sehen. Mit ihrem Sklaven. Sie bestand darauf, Euch das hier zu bringen. Aber... darf ich frei sprechen?�</p><p>�Das tust du doch immer�, sagte er und l�chelte. �Und ich sch�tze es stets. Also bitte.�</p><p>�Es scheint etwas... merkw�rdig an ihr zu sein. Nicht feindlich, aber...� Sie sch�ttelte ihren rabenschwarzen Kopf, runzelte die Stirn, nagte an dem Problem. �Sie bat mich, Euch dies zu geben.�</p><p>Krasus war augenblicklich alarmiert. Devi hatte gute Instinkte, was Leute betraf. Der Lehrling kam n�her und lie� etwas Kleines, Braunes, v�llig normal Aussehendes in seine ausgestreckte Hand fallen. Eine gew�hnliche Eichel.</p><p>Krasus atmete tief ein.</p><p>Wissen�� so viel Wissen! �onen des Wissens, des Zeugnisses, enthalten in diesem kleinen, unwichtigen Ding. Es lag in seiner Hand und er schloss sie einen Moment darum und wollte nicht loslassen.</p><p>Devi beobachtete ihn. Sie war noch eine Anf�ngerin und konnte nicht erkennen, was Krasus in der Hand hielt: eine Eichel der Urtume. Es war wie ein Fl�stern, das nur ausgebildete, scharfe Ohren h�ren konnten.</p><p>�Danke f�r deine Beobachtungen, Devi. Bring sie rein�, sagte Krasus, ohne sich etwas anmerken zu lassen.</p><p>�Ihr solltet wissen, dass sie darauf besteht, ihren Orc mitzubringen�, sagte Devi.</p><p>�Warum, glaubst du, will sie das?�</p><p>Devi neigte den Kopf nachdenklich. �Ehrlich gesagt, Sire, ich wei� nicht, warum. Er wirkt v�llig eingesch�chtert, doch die Frau sagt, es sei sehr wichtig. Ich glaube nicht, dass sie Euch etwas tun wollen. Aber mir f�llt auch sonst nichts ein. Es ist verwirrend.� Ein Runzeln lief �ber ihre sch�ne dunkle Haut. Devi mochte keine R�tsel.</p><p>�Dann lass auch den Orc herein. Ich glaube, ich bin in der Stimmung f�r ein M�dchen und ihren gez�hmten Orc.� Ihre Blicke trafen sich und sie grinste. Andere hielten die dunkelh�utige, scharfz�ngige Elfe f�r vorlaut. Aber Krasus gefiel, dass sie sich nicht von ihm einsch�chtern lie�.</p><p>�Sofort, Sire�, sagte sie.</p><p>Die Eichel eines Urtums. Krasus entfaltete die langen Finger und betrachtete sie erneut. Eine seltene Sache, ein sch�nes und m�chtiges Ding. Wer war das M�dchen?</p><p>Die T�r �ffnete sich wieder, Devi brachte die G�ste herein und schloss die T�r hinter sich, als sie ging. Krasus stand auf und musterte das blonde M�dchen.</p><p>Sie war schlank und w�re sch�n gewesen, tr�ge sie nicht die untr�glichen Zeichen eines entbehrungsreichen Lebens. Die Kleidung, die sie trug�� ein einfaches Kleid samt Umhang�� war sauber, aber offensichtlich mehr als einmal geflickt. Sie war gepflegt, doch ihre H�nde hatten Schwielen und abgebrochene N�gel. Sie stand aufrecht, war aber eindeutig nerv�s. Jetzt machte sie einen tiefen Knicks.</p><p>�Lord Krasus�, sagte sie, �mein Name ist Taretha Foxton. Ich danke Euch, dass Ihr uns empfangt.�</p><p>Der Name sagte ihm nichts. Aber es war eine interessante Wortwahl...</p><p>�Uns?�, sagte Krasus milde, die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt. In Wahrheit war der Orc beeindruckender als die Frau. Gr��er als die meisten, war er kr�ftig und mit Muskeln �berzogen, trug aber nur ein einfaches braunes Gewand. Auch seine H�nde waren schwielig�� jedoch vom Waffengebrauch, nicht von der Arbeit auf den Feldern. Es war ein Unterschied, wie man eine Waffe griff oder ein Werkzeug. Und Krasus hatte genug Krieger gesehen, um einen zu erkennen, wenn er vor ihm stand. Der Orc hatte auch nicht so abgebaut wie die meisten seiner Art und er begegnete Krasus� Blick gleichm�tig.</p><p>Mit blauen Augen.</p><p>�Bemerkenswert�, murmelte Krasus. �Wer seid Ihr?�</p><p>�Mein Name�, sagte der Orc, �ist Thrall.�</p><p>�Ein passender Name f�r einen Sklaven. Aber ehrlich gesagt, daf�r halte ich dich nicht�, sagte Krasus. Er streckte die Hand aus, die immer noch die Eichel umschloss. �Sehr schlau, das zu benutzen, um Zugang zu mir zu erhalten. Ihr wusstet, dass ich das Wissen darin sp�ren w�rde. Wie seid Ihr an so ein wertvolles Ding gekommen?�</p><p>Er war nicht �berrascht, als Taretha Thrall fragend anblickte.</p><p>�Ich habe... eine Geschichte zu erz�hlen, Magier�, sagte Thrall. �Oder sollte ich Euch lieber... Drachenlord nennen?�</p><p>Krasus behielt sein ruhiges Gesicht, doch ein Schreck durchfuhr ihn. Nur sehr wenige wussten von seiner wahren Identit�t als Korialstrasz, dem Gef�hrten von Alexstrasza. Und bis zu dieser Sekunde hatte er geglaubt, dass er jeden davon kannte.</p><p>�Dieser Tag�, sagte Krasus mit erzwungener Ruhe, �wird immer interessanter. Kommt und setzt Euch, und ich lasse etwas zu essen bringen. Ich vermute, dass diese Geschichte etwas l�nger dauern k�nnte.�</p><p>Er hatte recht. Taretha und Thrall setzten sich in die gro�en St�hle�� Letzterer ziemlich behutsam�� und begannen zu sprechen. Sie legten eine Pause zum Essen ein�� einfacher Tee und Kekse, �ber die das arme M�dchen wie ein hungriger Wolf herfiel��, doch davon abgesehen nahm die Geschichte fast ohne Unterbrechungen den gr��eren Teil des Nachmittags ein. Krasus unterbrach hin und wieder f�r einige Fragen oder um etwas klarzustellen, doch die meiste Zeit h�rte er einfach zu.</p><p>Es war verr�ckt. Es war absurd. Aberwitzig.</p><p>Es war aber auch v�llig logisch.</p><p>Erfundene Geschichten waren voller L�cher. Das war Korialstrasz klar, der durch die vielen Jahrtausende seines Lebens schon so einige geh�rt hatte. Stets gab es Stellen, die nicht stimmten. Doch w�hrend dieser merkw�rdige Orc von Dingen sprach, die unm�glich erschienen, wusste Korialstrasz, dass sie das nicht waren. Wie Krasus kannte Thrall die Natur von Ysera der Tr�umerin und ihrem Schwarm. Thrall sagte, die Eichel, die Krasus immer noch in der Hand hielt, sei ein Geschenk gewesen. Krasus sp�rte, dass in der Eichel ein Friede lag, der nicht vorhanden gewesen w�re, wenn sie durch Zufall gefunden worden w�re oder sie jemand gewaltsam in seinen Besitz gebracht h�tte. Der Orc wusste, wie die Zeitwege funktionierten. Er kannte sogar die Namen der Bronzedrachen, die Freunde von Korialstrasz und seiner K�nigin waren.</p><p>Kein Orc-Sklave konnte solche Dinge wissen.</p><p>Als Thrall geendet hatte, nahm Krasus einen Schluck Tee, untersuchte die wertvolle Eichel in seiner Hand, dann gab er sie zur�ck und lie� sie in Thralls Hand fallen.</p><p>�Das ist nicht f�r mich�, sagte er leise. �Nicht wirklich, oder?� Es war eine Feststellung, keine echte Frage.</p><p>Thrall sah ihn einen Moment lang an, sch�ttelte den Kopf und steckte die Eichel in seinen Beutel. �Ich soll sie pflanzen, wo es richtig erscheint�, antwortete er. �Ich glaube nicht, dass Dalaran der Ort daf�r ist.�</p><p>Korialstrasz nickte. Er hatte dasselbe in der Eichel gesp�rt.</p><p>�Ich verachte Aedelas Schwarzmoor von Herzen�, fuhr der Drachenmagier fort. �Fast jeder tut das, es sei denn, er steht in seinen Diensten, und ich w�rde zu behaupten wagen, dass selbst solche Leute nur das Geld lieben, nicht den Mann. Ich w�rde seinen Verlust nicht betrauern, w�rde er aufgeschlitzt, wie Ihr es beschrieben habt. Aber das w�rde die Dinge nicht korrigieren, Thrall. W�hrend mir die Notwendigkeit klar ist, den richtigen Zeitweg wiederherzustellen, wei� ich doch, dass Ihr nur wenige Lebewesen finden werdet, die Eure Welt ihrer eigenen vorziehen. Seuchen, ein Lichk�nig, Dalaran zerst�rt und wiederaufgebaut, Orcs, die ihre eigene Heimat haben�� das wird ein harter Kampf, mein Freund.�</p><p>�Aber es ist das Richtige�, sagte Thrall. �Wenn es nicht korrigiert wird, dann wird mein Zeitweg�� der echte�� vernichtet! Und dieser hier ist bereits dem Untergang geweiht!�</p><p>�Ich wei� das. Ihr wisst das. Ein paar Mitglieder der Kirin Tor wissen das. Der bronzene Drachenschwarm wei� es sicherlich auch. Doch Ihr sprecht von einem Massenumbruch einer ganzen Welt.� Er wies auf die schwebende Sph�re, die Azeroth bildete.</p><p>Thrall stand auf und ging zu der Kugel hin�ber. Er beobachtete, wie d�nne Miniaturwolken �ber die Oberfl�che glitten. Er beobachtete sie scharf, traf aber keine Anstalten, sie zu ber�hren.</p><p>�Das... ist echt, oder?�, fragte er.</p><p>Neugierig erhob sich Taretha und trat zu ihm. Ihre Augen weiteten sich, als sie die sich langsam drehende Kugel betrachtete.</p><p>�Lasst es mich so sagen�, antwortete Krasus. �Ihr k�nntet die Welt nicht mit der Faust zerquetschen, wenn es Euch darum geht.�</p><p>�Nein... doch das w�rde zumindest ein Problem l�sen, oder?�, sagte Thrall ironisch.</p><p>�Das k�nnte sein�, stimmte Krasus zu, seine Lippen pressten sich vor Vergn�gen zusammen.</p><p>�Aber... sind wir darauf? Oder nur Kopien von uns?�, fragte Thrall.</p><p>�Ja, genau hier�, sagte Krasus. �Unsere... geistige Essenz, einen besseren Ausdruck habe ich nicht, kann aufgesp�rt werden.�</p><p>�Und Ihr k�nntet Arthas oder Varian finden?�</p><p>�Nicht wirklich. Ich wei�, wo wir sind, weil... gut... ich wei�, wo wir sind�, sagte Krasus. �Ich kann sp�ren, dass Arthas auf dieser Welt ist, aber...� Seine dunklen Augen weiteten sich. �Ich verstehe, worauf Ihr hinauswollt.�</p><p>�Hinterlassen die Toten... solche Signaturspuren?�</p><p>�Das tun sie�, sagte Krasus. �Ihr wollt, dass ich Schwarzmoor suche.�</p><p>Der Orc nickte.</p><p>Krasus zog eine Augenbraue hoch, dann hob er die Hand. Er spreizte die Finger vorsichtig und hielt sie wenige Zentimeter �ber die wei�en Wolken, w�hrend die Nachbildung von Azeroth sich drehte. Er runzelte die Stirn. Langsam trat er um den Globus herum, hielt weiter seine Hand dar�ber. Schlie�lich senkte er sie und wandte sich an Thrall. �Deine Ahnung war richtig�, sagte Krasus. �Aedelas Schwarzmoor ist nirgendwo auf dieser Welt.�</p><p>�Was bedeutet das?�, fragte Taretha mit leiser Stimme.</p><p>�Nun, es k�nnte mehrere Dinge bedeuten�, antwortete Krasus. �Er k�nnte einen Weg gefunden haben, seine Signatur zu verbergen. Oder sein Geist kann gestohlen worden sein. Das passiert von Zeit zu Zeit. Er k�nnte physisch nicht auf dieser Welt sein. Wir beide wissen, es gibt Wege zu anderen existierenden Welten.� Krasus sah zu Thrall und runzelte die Stirn. Der Orc wirkte aufgeregt und versuchte offensichtlich, sich selbst zu beruhigen. �Thrall, was ist los?�</p><p>Thrall antwortete nicht. Er wandte sich stattdessen an Taretha und legte seine gro�e Hand auf ihre Schulter. �Tari... du hast gesagt, dass Schwarzmoor Orgrim Schicksalshammer im Zweikampfbesiegt hat.�</p><p>Sie nickte. �Ja, das stimmt.�</p><p>�Hat er... den Schicksalshammer genommen? Oder Orgrims R�stung?�</p><p>�Der Hammer wurde im Kampf zerschmettert, das sagen alle�, antwortete Taretha. �Und die R�stung war ihm zu gro�.�</p><p>Thrall entspannte sich etwas. Er schien erleichtert. �Nat�rlich nicht. Er k�nnte sie kaum tragen.�</p><p>Taretha nickte. �Deshalb nahm er nur ein paar symbolische Platten. Er verwendete sie als Teil einer ganz neuen R�stung, die speziell f�r ihn entworfen wurde.�</p><p>Die Hand des Orcs fiel von ihrer Schulter und er starrte sie an.</p><p>�Thrall?�, fragte sie besorgt. �Was ist los? Was stimmt nicht?�</p><p>Der Orc drehte langsam den Kopf und betrachtete das um seine Achse kreisende Miniatur-Azeroth. Einen Moment lang sprach er nicht. Schlie�lich sagte er mit schwerer Stimme: �Ich wei�, was mit Schwarzmoor geschehen ist.�</p><p>Taretha und Krasus tauschten Blicke und warteten darauf, dass Thrall fortfuhr.</p><p>�Er ist nicht hier, weil er nicht mehr auf diesem Zeitweg ist. Er ist entkommen. Er ist frei. Er muss seinen Gesetzen nicht mehr gehorchen. Und er hat ein Ziel. Eine Sache, die ihn antreibt.� Er wandte sich zu ihnen um. �Und dieses Ziel ist es, mich zu t�ten.�</p></section><section><title><p>11</p></title><p>�Das klingt logisch�, mutma�te Krasus. �Man kann die Zeitwege �berschreiten. Doch man muss vorsichtig sein. Man kann leicht von Illusionen gefangen werden.�</p><p>�Ich kann tats�chlich die Zeitwege �berschreiten�, stimmte Thrall zu. �Aber ich bin nicht vollst�ndig aus <emphasis>meinem</emphasis> Zeitweg verschwunden. Das wei� ich, weil ich ihn an verschiedenen Punkten besucht habe. Schwarzmoor <emphasis>ist</emphasis> v�llig aus seinem Zeitweg verschwunden. Und das, weil er Hilfe hatte. Es muss der ewige Drachenschwarm sein, der dahintersteckt. Das ist die einzige sinnvolle Erkl�rung. Deshalb waren die Urtume so besorgt. Das ist der Grund, warum ihr Wissen jetzt besch�digt ist.�</p><p>Krasus rieb sich die Schl�fen. Thrall beobachtete ihn sehr genau und er war sich bewusst, wie sehr er wollte, dass der Rotdrachenmagier ihm eine L�sung anbot.</p><p>�Was w�rde geschehen, wenn er dich t�ten w�rde, Thrall?�, fragte Taretha und richtete die Frage an sie beide.</p><p>�Meine beste Sch�tzung? Ein Desaster�, sagte Krasus schroff. �Ich kann unm�glich glauben, dass im wahren Zeitweg Thrall von den H�nden Schwarzmoors aus einem v�llig <emphasis>anderen</emphasis> Zeitweg sterben soll. Thrall ist eine kritische Komponente in der Zukunft des Zeitwegs. Wenn er get�tet wird, w�rde sich viel zu viel aufl�sen. Nicht nur unser Zeitweg w�rde auseinanderfallen�� ich glaube, alle Zeitwege w�rden das tun.�</p><p>�Und andersherum?�, fragte Taretha.</p><p>�Wenn wir in Betracht ziehen, dass dieser Zeitweg, offen gesagt, etwas ist, was niemals h�tte sein sollen... eine Illusion... k�nnte er vielleicht die Balance wiederherstellen.� Krasus hob eine Hand. �Ich bin kein Bronzedrache, bedenkt das bitte. Ich sage nur, was logisch klingt, basierend auf dem wenigen, was ich wei�.�</p><p>�Ich muss hier raus�, knurrte Thrall. Seine H�nde ballten sich immer wieder. �Ich muss Nozdormu finden und das alles aufhalten. Aber ich wei� nicht, <emphasis>wie</emphasis>.�</p><p>Er setzte sich wieder und st�tzte den Kopf in die Hand. Er war v�llig am Ende. Er entt�uschte die Drachenschw�rme und Ysera, entt�uschte Aggra und den Irdenen Ring, entt�uschte die Welt. Als eine kleine Hand sich auf seine Schulter legte und sanft dr�ckte, bedeckte er sie mit seiner eigenen. Er entt�uschte auch Taretha. Die teure, schlecht behandelte Taretha, die nicht mal mehr am Leben sein sollte.</p><p>Er dachte an das Glitzern der Schuppen, die ihn auf einen anderen Zeitweg locken wollten. Er hatte eine Antwort gefunden, zumindest wusste er, wer ihn jagte. Und dieses Wissen ersch�tterte ihn mehr, als er zugeben wollte.</p><p>�Yseras Weltsicht ist... anders als die der meisten�, sagte Krasus leise. �Doch es steckt Wahrheit darin, tiefer als das Wissen der Wachenden. Ich glaube nicht, dass sie Euch mit der Aufgabe betraut h�tte, Thrall, wenn Ihr nicht in der Lage w�rt, ihr zu helfen.�</p><p>Thrall war zu frustriert, um zu streiten. Nichts war echt. Die glitzernden Schuppen, die ihn von Zeitweg zu Zeitweg lockten, ein Meuchelm�rder, der nicht existieren sollte, einige tiefe Drachenmysterien�� sein Kopf schwirrte bei dem Versuch, das alles zu verarbeiten. Tarethas Hand auf seiner Schulter war nicht echt. Was war Traum? Was Realit�t? Was...</p><p>Und dann pl�tzlich, mit der Sanftheit einer Brise und der Kraft einer Explosion, verstand Thrall.</p><p>Er sah wieder den schwarzen Vogel Medivh, der zu ihm sprach. <emphasis>Dieser Ort ist voller Illusionen. Es gibt nur einen Weg, herauszufinden, was Ihr wirklich sucht�� nur einen Weg, wie Ihr Euch selbst finden k�nnt</emphasis>.</p><p>Und Krasus Worte: <emphasis>Doch man muss vorsichtig sein. Man kann leicht von Illusionen gefangen werden... Dieser Zeitweg ist, offen gesagt, etwas, was niemals h�tte sein sollen... eine Illusion</emphasis>...</p><p>Die Zeitwege waren nicht voller Illusionen. Dieser Zeitweg war keine Illusion.</p><p>Es war die <emphasis>Zeit selbst</emphasis>, die die Illusion war.</p><p>Historiker und Propheten gaben viel auf Vergangenheit und Zukunft. Es wurden etliche B�cher geschrieben �ber alte Schlachten, Kriegskunst, historische Ereignisse und wie sie die Welt ver�ndert hatten. Und es gab Prophezeiungen und Vorhersagen, Hoffnungen und Spekulationen f�r die n�chsten f�nfhundert Jahre oder die n�chsten f�nf Minuten.</p><p>Aber die einzige wahre Realit�t war jetzt.</p><p>Gelehrte hatten Debatten �ber das gef�hrt, womit er gerade rang. Doch in seinem Kopf schien es pl�tzlich so einfach und offensichtlich. Es gab nur einen Moment.</p><p>Diesen.</p><p>Jeder vergangene Moment war eine Erinnerung. Er war vorbei. Jeder zuk�nftige Moment war Hoffnung oder Furcht. Er hatte sich noch nicht manifestiert.</p><p>Doch nur in <emphasis>diesem Moment</emphasis> war das Jetzt und selbst der schl�pfte in die Vergangenheit und der zuk�nftige Moment wurde zu <emphasis>diesem Moment</emphasis>.</p><p>Es war so elegant, so friedvoll und ruhig. Thrall sp�rte, wie er so viele Dinge loslie�, die er kaum verstanden hatte. Sie glitten von seinen Schultern wie ein Rucksack, den man ablegte. Die Besessenheit vergangener Handlungen. Die Sorge �ber die Zukunft.</p><p>Und dennoch gab es da die Notwendigkeit, zu planen, die Notwendigkeit, zu bereuen. Die Weisheit diktierte, dass selbst in <emphasis>diesem Moment</emphasis> solche Dinge notwendig waren. Die Vergangenheit zu verstehen, war das Beste, was man in <emphasis>diesem Moment</emphasis> tat. An der Zukunft teilzuhaben, konnte <emphasis>diesen Moment</emphasis> gestalten.</p><p>Aber all das wurde so viel leichter�� wurde leicht wie eine Feder und magisch und unschuldig��, nachdem er es erst mal verstanden hatte.</p><p>Ja, er war in der Zeit gefangen. Auf diesem scheinbar endlosen Pfad, seine Vergangenheit erneut zu besuchen�� oder, gerade erst, eine m�gliche Zukunft zu erhaschen.</p><p>Doch alles, was er tun musste, war, aus dem Kreis herauszutreten, in dem er wahrhaftig in diesem Moment war. Und Nozdormu...</p><p>Thrall blinzelte und bebte angesichts der Tragweite der Erkenntnis, die �ber ihn hereinbrach. Jetzt verstand er beides. Wie es sein konnte, dass er so verstrickt in diese Zeitwege war, die sich so pers�nlich anf�hlten. Denn er sah Nozdormu in ihnen allen. Thrall war in einem einzigen Moment gefangen�� einem wichtigen Moment seiner eigenen Vergangenheit. Der m�chtige Zeitlose war <emphasis>in allen Momenten der Zeit</emphasis> gefangen.</p><p>Mit neu gefundener Leichtigkeit wusste Thrall, dass er nun den gro�en Leviathan finden konnte.</p><p>Krasus l�chelte ihn an. Thrall wusste, dass der rote Drache im echten Zeitweg tot war. Doch das war nicht die Wahrheit, nicht die Realit�t. Das hier war echt. Und Taretha war auch real und am Leben. Er konnte fast ihren Atem sp�ren, der aus ihren Lungen kam, jeden ihrer s��en Herzschl�ge, als w�re es der einzige Herzschlag, der existierte. Was er war.</p><p>�Du hast es herausgefunden�, sagte Krasus, ein L�cheln auf den Lippen.</p><p>�Das habe ich�, sagte Thrall. Er wandte sich an Taretha und l�chelte in ihre Augen. �Ich bin froh, hier bei dir zu sein.�</p><p>Nicht froh, gewesen zu sein. Sondern jetzt zu sein. Er schloss die Augen.</p><empty-line/><p>Als er sie wieder �ffnete, wusste er, dass er an einem Ort v�llig und vollst�ndig au�erhalb der Zeit war. Er schwebte, nicht mal von der Schwerkraft festgehalten, die Dunkelheit um ihn herum nur vom sanften Leuchten einer wahrhaft unendlichen Zahl von Portalen beleuchtet. Und durch eins konnte Thrall die goldenen Schuppen leuchten sehen.</p><p>Es war ein erschreckendes, beunruhigendes Bild, doch Thrall sp�rte v�lligen Frieden im Herzen, als er in das Nichts driftete, umgeben von allem. Seine Gedanken waren klar und frei und hielten etwas, was er nicht l�nger als einen Moment halten sollte. Doch er wusste, mehr als ein Moment war nicht n�tig, war alles, <emphasis>was jemals</emphasis> n�tig war.</p><p>Und dann fiel sein K�rper mit einem Mal auf weichen Sand und er erkannte, er war wieder in den H�hlen der Zeit. Er �ffnete die Augen und blickte den Zeitlosen an.</p><p>Doch er sah nicht nur ein einziges Wesen, wenngleich es auch glorreich war. Auf jeder dieser Schuppen, diesen glitzernden Dingen, die ihn auf so eine unglaubliche Reise mitgenommen hatten, erkannte Thrall Momente.</p><p>Seine Momente.</p><p>All die gro�en Taten in Thralls Leben liefen auf diesen Schuppen des Zeitlosen ab. Hier bekam er die R�stung von Orgrim. Da k�mpfte er mit Cairne Bluthuf und besch�tzte das Dorf des gro�en Tauren. Dort dr�ben rief er die Elemente zum ersten Mal an, da hinten stand er zusammen mit Grom H�llschrei. Zahllose Momente, Momente, die einen Helden ausmachten, eine Legende. Momente, die wahrlich seine Welt ver�ndert hatten.</p><p> �Ssseht Ihr esss?�</p><p>Die Stimme war ein tiefes Dr�hnen, tiefer als alles, was Thrall je von einem Drachen geh�rt hatte. Sie dr�hnte in seinem Blut, sang in seiner Seele.</p><p>�Ich�� sehe es�, fl�sterte er.</p><p><emphasis>�Was</emphasis>... ssseht Ihr?�</p><p>�Die wichtigsten Momente in meinem Leben�, sagte Thrall, seine Augen schossen von einem zum n�chsten. Es war so viel, er konnte es kaum fassen. Doch der Moment konnte es und er tat es.</p><p>�Eure Taten, die den Lauf der Geschichte ver�ndert haben�, stimmte Nozdormu zu. �Ich h�te sie alle. All die gro�en Taten aller Wesen, die je gelebt haben. Aber da issst noch mehr.�</p><p>Thrall war hin- und hergerissen von den Szenen, die tanzten und sch�n waren, und er sehnte sich danach, von ihnen aufgenommen zu werden. Sanft, mit Mitgef�hl f�r sein Verlangen, war er dennoch fest im Sand verwurzelt. Thrall im Jetzt, der Nozdormu im Jetzt beobachtete.</p><p>Er drehte den Kopf, um das Gesicht des Drachen anzusehen. Die Weisheit in den leuchtenden, sonnenfarbenen Augen war fast unvorstellbar alt und dennoch merkw�rdig jugendlich. M�chtig, jenseits von Thralls Vorstellungskraft. Sch�n.</p><p>�Es gibt mehr im Leben als gro�e Momente, als diejenigen, die die Welt sieht�, fuhr Nozdormu fort. �Die m�sst Ihr f�r Euch selbst erkennen.�</p><p>Und Thrall tat es. Die Entdeckung von Tarethas erster enthusiastischen Nachricht und als sie ihm zugewinkt hatte, als sie noch ein M�dchen war. Die stillen Abende in den Lagern, nach Schlachten, Trinken und Lachen und Geschichten, Erz�hlen am Feuer. Als Geisterwolf zu laufen und mit den Elementen zu arbeiten.</p><p>�Diese starke Hand in meiner�, murmelte er, die Erinnerung an Aggras braune Finger, von seinen gehalten.</p><p>�Da sind wir empf�nglich und k�nnen etwas lernen, wo wir etwas aufnehmen. Ruhm, Kampf, gro�e Momente�� dort geben wir der Welt etwas. Aber wir k�nnen nichtsss geben, ohne etwasss zu erhalten. Wir k�nnen nichtsss teilen, dasss wir nicht in uns haben. Es ist diese Stille, diese Pause zwischen den Atemz�gen. Sie gibt uns die St�rke f�r all unsere Reisen.�</p><p>Aggra.</p><p>Die Momente schimmerten, vergingen und Thrall blickte auf nichts mehr�� oder weniger�� als die sch�nen goldenen Schuppen des H�ters der Zeit. Er erkannte auch, dass er und Nozdormu nicht allein in den H�hlen waren. Sie wurden von mehreren stillen, aber gl�cklichen Mitgliedern des Bronzeschwarms umgeben, die stumm neben ihnen sa�en.</p><p>Nozdormu sah jeden an, darunter auch seinen Sohn Anachronos, dann wieder Thrall. �Ich schulde Euch etwasss, wasss ich wohl nicht zur�ckzahlen kann�, sagte Nozdormu. �Ihr habt mich zur�ckgebracht. Ich war �berall und zugleich nirgendwo. Ich hatte die erssste Lektion vergesssen. Ich, der Zeitlose.� Er machte ein dr�hnendes Ger�usch, zum Teil selbstironisch, zum Teil ver�rgert. �Man k�nnte glauben, dass ich mich, umgeben von den Sandk�rnern der Zeit, bessser an die kleinen Dinge erinnern k�nnte.�</p><p><emphasis>Diese starke Hand in meiner</emphasis>.</p><p>�Ich wei�, warum Ihr gekommen seid�, fuhr Nozdormu fort. Thrall kam sich pl�tzlich dumm vor. �Oder besser... ich kenne alle Gr�nde, warum Ihr gekommen seid. Einige m�ssen nicht notwendigerweise richtig sein. Sprecht, mein Freund.�</p><p>Thrall tat es. Er begann mit dem Besuch von Ysera und allem, was seitdem geschehen war, Nozdormus N�stern leuchteten und seine gro�en Augen verengten sich bei der Beschreibung der Urtume.</p><p>�Auch sie sind auf ihre eigene Art H�ter der Zeit�, sagte er, ging aber nicht n�her darauf ein.</p><p>Thrall fuhr fort, sprach von dem mysteri�sen Meuchelm�rder und seiner Erfahrung mit den verschiedenen Manifestationen der Zeitwege. �Ich habe herausgefunden, dass mein Verfolger niemand anders war als mein m�glicherweise gr��ter Feind�, sagte er leise. �Aedelas Schwarzmoor, der stark, durchtrieben und entschlossen war.�</p><p>�Und�, Nozdormu seufzte, �ein Agent des ewigen Drachenschwarmsss ist.�</p><p>�Woher wisst Ihr...?�</p><p>Nozdormu hielt eine Vorderklaue hoch. �Gleich. Ich habe Eurer Geschichte gelauscht, und nach dem, was ich alles wei�, bin ich zu einem verst�renden Schlusss gekommen. Einem Schlusss�, sagte er und wandte sich nicht an Thrall, sondern die versammelten Bronzedrachen, �der schwer zu akzeptieren sein wird. Doch das m�ssen wir. Meine Kinder... allesss ist miteinander verbunden.�</p><p>Die Bronzedrachen tauschten Blicke aus. �Was meinst du damit, Vater?�, fragte Anachronos. �Wir wissen, dass eine Einmischung in die Zeitwege schlimme Auswirkungen haben kann.�</p><p>�Nein, nein, es issst viel gr��er... weiter reichend... nahezu unfassbar. Und diese Verbundenheit betrifft unsss. Die Drachen. Ja, so ist es dazu gekommen, dass ich in jedem Moment gefangen war. Ich wurde von der Illusion der Zeit gefangen gehalten. Und in dieser Gefangenschaft wurde ich Zeuge. Ich habe Dinge gesehen, die keimten, st�rker wurden und sich manifestierten. Und ich sage Euch, das war kein Zufall.�</p><p>Er atmete tief ein und sah sie fest an.</p><p>�All die Ereignisse, die �ber die Jahrtausende stattgefunden haben, um die Aspekte und ihre Schw�rme zu verletzen�� sie sind kein Zufall oder einfach nur zuf�llige Ereignissse. Diese Ver�nderung der Zeitwege, die Verwandlung von Schwarzmoor zum Monster. Der Smaragdgr�ne Albtraum, der so viele verletzte. Der Angriff der Zwielichtdrachen, der Wahnsinn von Malygosss und selbst Neltharion�� all diese Ereignisse sind <emphasis>miteinander verbunden</emphasis>. Vielleicht sogar von denselben H�nden geleitet.�</p><p>Einen Augenblick lang sagte niemand etwas. So viele Ereignisse miteinander verbunden? Teil einer weitreichenden Verschw�rung, die so gro� war, dass es �onen dauerte, bis sie sich manifestierte?</p><p>Thrall brach die Stille. �Wozu?�, fragte er. Von einigen der Vorkommnisse hatte er noch nie geh�rt. Es war f�r ihn fast zu viel, um es zu verstehen.</p><p>�Um die Aspekte und die Schw�rme f�r immer zu vernichten. Um jegliche Chance auf Ordnung und Stabilit�t zu vernichten.� Er wandte sich an Thrall und senkte die gro�e Hand auf die H�he des Orcs. Sorge lag in den unglaublichen Augen, als er sprach. �Ich war in den Zeitwegen verloren, Thrall. In jedem einzelnen Moment gefangen. Wisst Ihr, warum ich dort eigentlich war?�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich war dort, um zu verstehen, wie etwasss Dunkles entstanden issst. Um zu erfahren, wie man es verhindert. Ihr habt mich gefragt, woher ich wussste, dasss der ewige Drachenschwarm hinter Schwarzmoorssss Entstehung und Befreiung steckte.� Er z�gerte, dann blickte er weg, unf�hig, Thralls blau�ugigem Blick standzuhalten. �Ich weisss es, weil... ich ihn hinter Euch hergeschickt habe.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Was?� Thrall dachte zuerst, dass es sich um einen Witz handelte, der Versuch eines Drachen, den Humor der Sterblichen nachzuahmen. Aber Nozdormu schien es ernst zu meinen. Thrall war gleichzeitig w�tend und v�llig verwirrt. Selbst die anderen Bronzedrachen zogen sich zur�ck und fl�sterten miteinander.</p><p>Nozdormu stie� einen schweren Seufzer aus. �Es ist mir gegeben, dass ich die exakte Stunde und Art meines Todes kenne�, sagte er. �Ich w�rde das niemalsss f�r mich ausnutzen. Doch nur einer der Wege zu meinem Schicksal kann der richtige sein. Und in einer noch zu entwickelnden Zukunft wurde ich der Anf�hrer des ewigen Drachenschwarms. Deshalb bin ich in den Zeitwegen verloren gegangen, Thrall. Ich versuchte zu verstehen, wie so etwas sein konnte. Wie kann ich, der stets bem�ht war, die gro�e Aufgabe zu ehren, mit der mich die Titanen beauftragt hatten, derart auf Abwege geraten?�</p><p>Thrall nickte, obwohl er immer noch schockiert war und mehr als ein bisschen misstrauisch.</p><p>�Habt... Ihr entdeckt, wie wir das verhindern k�nnen?�, fragte er.</p><p>Langsam sch�ttelte Nozdormu den gro�en Kopf. �Ungl�cklicherweise noch nicht. Eine Sache wei� ich, und zwar, dasss alle Schw�rme sich vereinen m�ssen gegen die gegenw�rtige Bedrohung. Ysera hatte recht. Ihr habt gewisse Fertigkeiten, Wege des Denkens, Wege des Redens, die andere bewegen. Ihr habt schon so viel geholfen, doch ich muss Euch ein weiteres Mal um Hilfe billen.�</p><p>Dem zuk�nftigen Anf�hrer des ewigen Drachenschwarms helfen? Thrall z�gerte. Und dennoch�� er konnte nichts B�ses in Nozdormu sp�ren. Noch nicht. Er sp�rte nur Sorge und Verdruss.</p><p>�F�r Ysera�� und besonders f�r Desharin, der sein Leben gab, damit ich Euch, Zeitloser, finden konnte, werde ich Euch helfen. Aber ich muss mehr wissen. Ich f�rchte, dass ich die meiste Zeit im Dunkeln getappt bin.�</p><p>�Wenn man bedenkt, dass Ysera Euch auserw�hlt hat, �berrascht mich das nicht�, erkl�rte Nozdormu trocken, aber warmherzig. �Sie ist selten klar. Thrall, Sohn von Durotan und Draka, mein tiefster Dank ist Euch gewiss. Wir werden mit Euch teilen, was wir k�nnen... doch Ihr m�sst das allein tun. Diese Theorie, diese �berzeugung�� ich muss mehr dar�ber wissen, um zu verstehen, was ich tun muss. <emphasis>Sorgt Euch nicht</emphasis>�� ich werde nicht vergesssen, an was Ihr mich erinnert habt. Ich werde nicht erneut in den Zeitwegen verloren gehen. Es ist eine schwierige Aufgabe, die aber alles retten k�nnte. Ihr m�sst Alexstrasza finden, die Lebensbinderin, und sie aus ihrer Trauer r�tteln.�</p><p>�Was ist geschehen?�, wollte Thrall wissen.</p><p>�Ich war nicht dabei, doch ich wei� es�, sagte Nozdormu. Thrall nickte. Wenn Nozdormu in jedem Moment gefangen gewesen war, wusste er es nat�rlich. �Es gab vor nicht allzu langer Zeit ein Treffen mehrerer Schw�rme beim Wyrmruhtempel. Es war das erste seit dem Tod von Malygos und dem Ende des Nexuskriegesss. Alexstraszas Gef�hrte Korialstrasz, den Ihr als Krasus kennt, blieb im Rubinsanktum zur�ck. Jeder Schwarm hat ein eigenes Sanktum, eine Art... Dimension, die nur f�r ihn da ist. Das Treffen wurde durch einen Angriff von einem Schwarm der Zwielichtdrachen unterbrochen�� die Todesschwinge dienen und dem Schattenhammerkult.�</p><p>Thrall runzelte die Stirn. �Ich kenne diesen Kult�, sagte er.</p><p>�W�hrend der Schlacht gab es eine schreckliche Explosion. Jedesss der Sankt�mer wurde zerst�rt. Mit ihnen Krasus... und alle Eier in jedem Sanktum. Er hat sie alle get�tet.�</p><p>Thrall starrte den Bronzedrachen an. Er dachte daran, wie er Krasus kannte�� ruhig, intelligent, sich sorgend. �Er... hat sie ermordet? Alle?�</p><p>�So scheint es�, knurrte Anachronos dazwischen. Sein Schwanz schlug aus und seine Augen zogen sich zusammen.</p><p>Thrall sch�ttelte entschieden Kopf. �Nein. Das glaube ich nicht. Es muss eine Erkl�rung daf�r geben, einen Grund...�</p><p>�Die Lebensbinderin ist am Boden zerst�rt�, unterbrach Nozdormu ihn. �Stellt Euch vor, wie sie sich f�hlen musss. Zu glauben, dasss ihr Liebster verr�ckt geworden ist oder zu dem Kult geh�rt�� das hat sie vernichtet. Ohne ihren Aspekt werden die roten Drachen nicht dabei helfen, den Schattenhammerkult zu bek�mpfen. Und ohne die roten Drachen haben wir keine Chance auf den Sieg. Alles wird verloren sein.� Er richtete seine gro�en Augen auf Thrall und sagte bestimmt: �Ihr m�sst sie an ihre Pflichten erinnern�� an die F�higkeit ihres Herzens, sich um andere zu sorgen, selbst wenn sie verwundet ist. K�nnt Ihr das tun, Thrall?�</p><p>Thrall hatte keine Ahnung. Es war eine entmutigende Aufgabe. Konnte das denn kein Drache erledigen? Er hatte keine pers�nliche Beziehung zu ihr. Wie in aller Welt sollte er sie �berzeugen, die �berm�chtige Trauer zu �berwinden und wieder in den Kampf zu ziehen?</p><p>�Ich werde es versuchen�, war alles, was Thrall antwortete.</p><empty-line/><p>Alexstrasza erinnerte sich nicht, wo sie die letzten Tage gewesen war. Ebenso wenig wusste sie, wohin sie gehen sollte. Sie flog einfach nur, geblendet von Schmerz und dem Verlangen, allem zu entfliehen. Deshalb lie� sie sich von ihren Fl�geln dahin tragen, wohin sie wollten.</p><p>Sie war �ber leere, graue Weiten des Ozeans geflogen, �ber Elfenland und zerst�rte W�lder und Winterlandschaften. Bis sie diesen Ort erreicht hatte, der so einsam, gebrochen und leer wirkte wie sie selbst. Ihr Ziel, so hatte sie entschieden, w�rde Desolace sein�� ein passender Name, dachte sie bitter.</p><p>Sie verwandelte sich und wanderte auf zwei Beinen s�dlich des Steinkrallengebirges entlang. Sie kam an einer Schlacht zwischen Horde und Allianz vorbei, achtete nicht darauf, lie� die kurzlebigen V�lker sich gegenseitig vernichten. Das war nicht mehr ihre Sache. Sie erreichte ein narbiges Tal, das vor Lava pulsierte, mit Temperaturen, die nur ein schwarzer Drache ertragen konnte, und warf lediglich einen tr�ben Blick darauf. Sollte die Welt sich doch selbst zerst�ren. Ihre Liebe war nicht mehr�� ihre Liebe, die sie vielleicht verraten hatte und alles, wof�r sie gek�mpft hatte.</p><p>Alexstrasza verfluchte sich selbst, ihren Schwarm, die anderen Schw�rme. Sie verfluchte die Titanen, die ihr eine solche B�rde auferlegt hatten. Sie hatte nicht darum gebeten und jetzt erkannte sie, dass sie sie nicht tragen konnte.</p><p>Sie zog die Stiefel aus, um wieder feste Erde unter den F��en zu sp�ren. Dabei achtete sie nicht auf die Blasen, die sich gebildet hatten. Der steinige Pfad �nderte sich, doch das umliegende Land lie� jeden Gedanken an Gras schwinden und war stumpf und grau. Der Boden war merkw�rdig pulverig unter ihren wunden F��en und tr�stete auf eine Art, wie es der Stein nicht getan hatte. Sie sp�rte die Energie des B�sen, nahm sie aber einfach hin und ging Schritt f�r Schritt weiter. Dabei hinterlie� sie verschmierte blutige Fu�abdr�cke.</p><p>Die Toten waren hier. Sie bemerkte zahllose Knochen von Kodos und anderen Tieren, die das Alter gebleicht hatte. Die Skelette bedeckten die Landschaft wie B�ume. Die wenigen lebenden Tiere schienen sich am Aas zu laben�� Hy�nen, Geier. Alexstrasza sah gelangweilt zu, wie ein Geier �ber sie hinwegflog. Sie fragte sich, ob er je zuvor Drachenfleisch gefressen hatte.</p><p>Bald schon w�rde er es. Dieser Ort war genau richtig. Sie w�rde ihn nicht mehr verlassen.</p><p>Langsam stieg die als Lebensbinderin bekannte Drachenfrau auf einen der aufragenden Gipfel und blickte �ber die Ein�de, w�hrend sie auf den Tod wartete. Hier w�rde ihr Leiden schlie�lich enden.</p><empty-line/><p>Thrall w�re fast an ihr vorbeigeflogen.</p><p>Selbst vom R�cken eines der gro�en Bronzedrachen aus konnte er nicht alles erkennen. Er suchte einen roten Drachen, der an diesem Ort eigentlich leicht zu sehen sein m�sste. Dabei achtete er nicht auf die magere Elfe, die allein auf einem Steingipfel kauerte.</p><p>�Ich setze Euch ein St�ck entfernt ab�, sagte Tick. Sie war einer der Drachen, der die H�hlen der Zeit bewachte. Sie hatte sich freiwillig gemeldet, Thrall an sein Ziel zu bringen�� angefangen mit diesem gottverlassenen Ort. �Ich glaube, ich bin hier nicht willkommen.�</p><p>In ihrer Stimme lag keinerlei feindlicher Unterton, sondern nur tiefes Bedauern. Thrall glaubte, dass alle Drachenschw�rme das Schicksal der Lebensbinderin betrauerten. Wahrscheinlich w�rde jedes empfindsame Wesen sie betrauern, �berlegte Thrall.</p><p>�Ich glaube, das ist das Beste�, stimmte Thrall zu.</p><p>Beim N�herkommen sah er die kleine Gestalt besser. Noch konnte er ihr Gesicht nicht erkennen, doch sie war eng zusammengekauert, hatte die Beine an die Brust gedr�ckt und den rothaarigen Kopf dar�ber gelegt. Jeder Zoll an ihr schien vor Schmerz und Verzweiflung zu schreien.</p><p>Der Bronzedrache landete etwas abseits und legte sich nieder, damit Thrall absteigen konnte.</p><p>�Kommt hierher zur�ck, wenn Ihr zum R�ckflug bereit seid�, sagte Tick.</p><p>�Ich hoffe ja, dass Alexstrasza und ich gemeinsam zur�ckkehren werden�, antwortete Thrall.</p><p>Tick schaute d�ster drein. �Kommt zur�ck, wenn Ihr zum R�ckflug bereit seid�, wiederholte sie und schoss in den Himmel.</p><p>Thrall seufzte, blickte zur Bergspitze hinauf und machte sich an den Aufstieg.</p><p>�Ich h�re Euch, Orc�, sagte Alexstrasza, bevor er auch nur die H�lfte des Weges zur�ckgelegt hatte. Ihre Stimme war sch�n, klang aber gebrochen. Wie eine wundervolle Glasskulptur, die von unvorsichtiger Hand besch�digt worden war�� immer noch gl�nzend, immer noch anmutig, aber nicht mehr heil.</p><p>�Ich wollte mich nicht an Euch heranschleichen�, antwortete Thrall.</p><p>Sie sagte nichts weiter. Er beendete den Aufstieg und setzte sich neben sie auf den harten Stein. Sie gew�hrte ihm nicht einen Blick und schon gar kein Wort.</p><p>Nach einer Weile sagte er: �Ich wei�, wer Ihr seid, Lebensbinderin. Ich...�</p><p>Sie wirbelte zu ihm herum, ihr erdiges, sch�nes Gesicht war wutverzerrt, die Z�hne gefletscht. �Nennt mich nicht mehr so! Niemals! Ich binde kein Leben mehr. Nie mehr.�</p><p>Ihr Ausbruch erschreckte ihn, �berraschte ihn aber nicht. Er nickte. �Wie Ihr wollt. Ich bin Thrall, einst war ich Kriegsh�uptling der Horde, nun bin ich Mitglied des Irdenen Rings.�</p><p>�Ich wei�, wer Ihr seid.�</p><p>Thrall wich ein wenig zur�ck, fuhr aber fort: �Es ist ganz egal, wie ich Euch nun nennen soll. Ich habe den Auftrag, Euch zu finden.�</p><p>�Wer hat Euch beauftragt?�, fragte sie. Ihre Stimme und ihre Miene waren wieder ausdruckslos, als sie sich abwandte und in die leere, h�ssliche Landschaft blickte.</p><p>�Ysera und Nozdormu.�</p><p>Kurz schien Interesse in ihrem Gesicht aufzuflammen. So wie das Aufblitzen von etwas Glitzerndem auf dem Wasser. �Er ist zur�ck?�</p><p>�Ich habe ihn gesucht und gefunden, so wie ich Euch gesucht und gefunden habe�, antwortete Thrall. �Er hat sehr viel erfahren�� und vieles davon solltet auch Ihr h�ren.�</p><p>Sie antwortete nicht. Die hei�e Luft spielte mit ihren dunkelroten Locken. Thrall wusste nicht, wie er fortfahren sollte. Er war auf Trauer und Wut vorbereitet gewesen, aber diese teilnahmslose, t�dliche Verzweiflung...</p><p>Er berichtete ihr, was geschehen war. Dabei versuchte er, die Geschehnisse wie eine Geschichte klingen zu lassen. Wenn er doch nur etwas Interesse wecken k�nnte... irgendetwas, was diesen schrecklichen, einer Totenmaske �hnlichen, bleichen Gesichtsausdruck verschwinden lie�. Er berichtete von Ysera und dem Feuerelementar, der versucht hatte, die Urtume zu vernichten. Der Wind blies, hei� und grausam, und dennoch blieb Alexstrasza so unbeweglich, als w�re sie aus Stein gemei�elt.</p><p>�Die Urtume haben gesprochen�, fuhr Thrall fort. �Ihre Erinnerungen werden wirr. Jemand besch�digt die Zeitwege.�</p><p>�Das wei� ich�, antwortete sie schroff. �Ich wei�, dass die Bronzedrachen dar�ber besorgt sind. Sie nehmen die Hilfe der Sterblichen an, um die Fehler zu korrigieren. Ihr erz�hlt mir nichts Neues, Thrall, und schon gar nichts, was mich zur R�ckkehr bewegen k�nnte.�</p><p>Ihre Worte waren giftig. Hass lag darin�� aber Hass, das wusste Thrall, der nicht gegen ihn gerichtet war. Er war auf Alexstrasza selbst gerichtet.</p><p>Er dr�ngte weiter. �Nozdormu glaubt, dass viele Dinge miteinander verbunden sind. Es sind keine isolierten Ereignisse. All die schrecklichen Dinge, die die Aspekte erleiden mussten: der mysteri�se Angriff des ewigen Drachenschwarms, der Smaragdgr�ne Albtraum�� selbst der Wahnsinn von Todesschwinge und Malygos. Nozdormu sp�rt in all dem ein Muster. Das Muster eines Angriffs, der sich gegen die Aspekte und ihre Schw�rme richtet. Ein Angriff, der sie niederringen und wohl sogar vernichten soll. Oder er sorgt daf�r, dass sie sich gegeneinander wenden.�</p><p>�Wer sollte so etwas tun, wenn das wirklich wahr ist?�, murmelte sie leise.</p><p>Thrall f�hlte sich durch dieses schwache Zeichen der Neugierde ermutigt. �Nozdormu braucht mehr Zeit, um es herauszufinden�, antwortete er. �Momentan vermutet er, dass der ewige Drachenschwarm daran beteiligt ist.�</p><p>Stille trat ein. �Ich verstehe.�</p><p>�Nozdormu bat mich, Euch zu finden und Euch zu helfen. Zu helfen, Euch zu heilen.� Thrall mochte kaum glauben, dass er, ein einfacher Orc-Schamane, die Lebensbinderin heilen konnte. Sie, die vielleicht gr��te Heilerin aller Zeiten. Er erwartete beinahe, dass sie das Angebot ablehnte, doch sie schwieg. Also fuhr er fort. �Wenn Ihr Euch erholt, werden viele andere Dinge auch geheilt. Gemeinsam k�nnen wir zum Nexus fliegen, mit den blauen Drachen reden und ihnen dabei helfen, Klarheit zu erlangen. Dann...�</p><p>�Warum?� Die Frage war simpel, geradeheraus gestellt und machte ihn einen Augenblick sprachlos.</p><p>�Weil... es ihnen helfen wird.�</p><p>�Ich frage noch mal: Warum?�</p><p>�Wenn wir den blauen Drachen helfen, k�nnen sie sich mit uns verb�nden und wir k�nnen herausfinden, was los ist. Und wenn wir das herausgefunden haben, k�nnen wir es �ndern. Wir k�nnen den Schattenhammerkult bek�mpfen und schlagen. Aufdecken, was die Motive des ewigen Drachenschwarms sind. Todesschwinge ein f�r alle Mal aufhalten... und diese Welt retten, die gerade in St�cke gerissen wird.�</p><p>Sie starrte ihn an, ihre Augen durchbohrten ihn f�rmlich.</p><p>Eine lange Zeit sagte sie nichts.</p><p>�Ihr versteht es nicht�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Was verstehe ich nicht, Alexstrasza?�, fragte er sehr sanft.</p><p>�Dass alles egal ist.�</p><p>�Was meint Ihr damit? Wir haben Informationen. Wir wissen, dass all diese Ereignisse Teil eines gro�en Plans sind, der vielleicht schon seit Jahrtausenden verfolgt wird! Wir k�nnten sie vielleicht aufhalten!�</p><p>Alexstrasza sch�ttelte langsam den Kopf. �Nein. Das ist egal. Alles. Es ist egal, ob alles miteinander in Verbindung steht. Es ist egal, wie lange das schon so l�uft. Es ist auch egal, ob wir es aufhalten k�nnen.�</p><p>Er starrte sie verst�ndnislos an.</p><p>�Die Kinder�, sagte sie gepresst, �sind <emphasis>tot</emphasis>. Korialstrasz ist <emphasis>tot</emphasis>. Ich bin praktisch auch schon tot, lange wird es nicht mehr dauern. Es gibt keine Hoffnung mehr. Nichts ist mehr da. Nichts ist wichtig.�</p><p>Thrall wurde pl�tzlich w�tend. Er sp�rte immer noch den Verlust von Taretha als stillen Schmerz in seinem Herzen. Ihr Verlust war notwendig gewesen, wenn alles so ablaufen sollte, wie es richtig war. Doch er w�rde sie vermissen, stets und immer. Er dachte daran, wie wichtig es ihr gewesen war, einen Unterschied zu machen, zu z�hlen. Sie hatte gewusst, dass sie nur wenig tun konnte. Doch sie hatte gegeben, was sie geben konnte. Die Lebensbinderin konnte sicherlich leicht mit einer Schuppe Dinge erreichen, die Taretha nicht einmal verstand. Und dennoch zog der rote Drache es vor, hierzubleiben und sich darauf zu versteifen, dass alles nicht wichtig war.</p><p>Die Dinge waren wichtig. Taretha war wichtig. Azeroth war wichtig. Egal, was Alexstrasza auch erlitten hatte, sie hatte nicht das Vorrecht, sich in ihrem Schmerz zu suhlen.</p><p>Er dr�ngte die Wut zur�ck und milderte sie mit Mitgef�hl, das er wahrlich f�r Alexstrasza empfand. �Es tut mir leid, dass Ihr Eure Eier verloren habt, dass Ihr mehr als eine Generation verloren habt. Ich kann mir Euren Schmerz nicht einmal vorstellen. Und es tut mir leid, dass Ihr Euren Gef�hrten verloren habt, besonders auf diese Art. Aber... ich kann nicht glauben, dass Ihr all denen, die Euch jetzt brauchen, den R�cken zuwendet�, sagte er und Wut lag in seiner Stimme. �Seid ein Aspekt, um der Urtume willen. F�r diese Aufgabe wurdet Ihr einst geschaffen. Ihr...�</p><p>Blitzschnell, sodass das Auge kaum folgen konnte, sprang sie auf. Einen Herzschlag sp�ter schwebte ein riesiger roter Drache �ber Thrall. Der feine graue Staub des toten Landes wurde aufgewirbelt und bedeckte seine Haut und Kleidung. Seine Augen tr�nten. Er sprang ebenfalls auf, trat schnell zur�ck und fragte sich, was wohl als N�chstes geschehen w�rde.</p><p>�Ja, daf�r wurde ich gemacht�, sagte Alexstrasza. Ihre Stimme klang nun tiefer, rauer und voller Wut und gl�hender Bitterkeit. �Ich wurde zur Lebensbinderin, ohne wirklich zu verstehen, was damit von mir verlangt wurde. Und was von mir verlangt wird, ist nicht l�nger auszuhalten. Ich habe alles geopfert und gegeben, habe geholfen und gek�mpft. Und mein Lohn ist mehr Schmerz, mehr Sehnsucht und der Tod aller, die ich liebe. Ich will Euch nicht t�ten, aber ich werde es tun, Orc, wenn Ihr mich weiter bel�stigt. Nichts ist wichtig! <emphasis>Nichts! GEHT</emphasis>!�</p><p>Er versuchte es noch einmal. �Bitte�, sagte er. �Bitte denkt doch an die Unschuldigen, die...�</p><p><emphasis>�GEHT</emphasis>!�</p><p>Alexstrasza b�umte sich auf, schlug mit den Fl�geln und �ffnete ihr riesiges, scharfzahniges Maul. Thrall floh. Eine Wand aus auflodernden orangeroten Flammen st�lpte sich �ber den Stein, auf dem er eben noch gesessen hatte. Er h�rte, wie sie erneut Atem holte, und lief halb rennend, halb st�rzend den Berg hinab.</p><p>Ein Br�llen erf�llte die schwere Luft. Es war eine Mischung aus Wut und Angst, und Thralls Herz schmerzte vor Sorge um den trauernden Aspekt. Er w�nschte, er h�tte einen Weg finden k�nnen, an sie heranzukommen. Der Gedanke, dass sie hier sterben w�rde, allein, aus Mangel an Nahrung und Wasser und an gebrochenem Herzen, schmerzte ihn. Er stellte sich mit Bedauern Reisende vor, die eines Tages ihre Knochen finden w�rden, ausgeblichen und alt wie die anderen Skelette, die diese Landschaft bedeckten.</p><p>Er rutschte und schlitterte den Rest des Weges hinab. Zerschrammt, voll bedr�ckender Gedanken und mit schweren Schritten erreichte er den Treffpunkt mit Tick. Der Drache kreiste einen Moment �ber ihm, dann landete er und betrachtete ihn traurig.</p><p>�Wohin soll ich Euch bringen, Thrall?�, fragte Tick leise.</p><p>�Wir fliegen zum Nexus, so wie geplant�, sagte Thrall, seine Stimme klang rau. �Wir werden die blauen Drachen �berzeugen, sich mit den anderen Schw�rmen zu vereinen, wie Nozdormu es wollte.�</p><p>�Und... wir fliegen allein.�</p><p>Thrall nickte. �Allein.� Er blickte zum Umriss des gro�en roten Drachen hinauf, dessen Fl�gel wild schlugen. Ihr K�rper wand sich, als sie den geh�rnten Kopf zur�ckwarf. Vielleicht w�rde sie es sich noch einmal �berlegen, wenn sie erst merkte, was die anderen Drachen taten. �Zumindest f�r den Augenblick.�</p><p>Doch selbst w�hrend sie nach Norden flogen, konnte Thrall �ber Ticks Fl�gelschlag das bittere, br�llende Trauern der gebrochenen Lebensbinderin h�ren.</p><empty-line/><p>Wie ein Schatten, der sich zur D�mmerung �ber das Land ausbreitete, erhob sich etwas Dunkles aus einem Hohlraum, in dem es sich verborgen gehalten hatte. Die Gestalt war weit genug entfernt, sodass sie nicht gesehen wurde, aber noch nahe genug an der Beute dran, um in Reichweite zu bleiben. K�nig Aedelas Schwarzmoor folgte Thrall auf einem Zwielichtdrachen.</p><p>Der Wind wehte sein langes schwarzes Haar zur�ck. Sein Gesicht war zwar grausam, doch nicht h�sslich. Ein kurz geschnittener Spitzbart umgab seine Lippen und seine blauen Augen lagen zwischen den elegant geschwungenen schwarzen Brauen.</p><p>Nach dem ersten Angriff hatte Schwarzmoor sich entschieden, Thrall nicht durch die Zeitwege zu folgen. Das war zu kniffelig. Die Wahrscheinlichkeit, dass seine Beute ihm entkam und ihn auf eine fruchtlose Jagd f�hrte, war einfach zu gro�.</p><p>Besser war es, abzuwarten, auf den richtigen Moment zu lauern und bereit zu sein, denn er wusste, dass Thrall schlie�lich erscheinen musste.</p><p>Thrall. Er hatte genug von Thrall geh�rt, dass er ihn mit einem Messer zerlegen wollte. Thrall, der ihn get�tet hatte, dessen schiere Existenz aus Schwarzmoor einen betrunkenen Feigling gemacht hatte. Thrall, der eine Orc-Armee gegen Durnholde gef�hrt hatte. Nein, es war die reine Freude, die vor ihm lag. Der Sieg w�rde umso s��er sein, wenn man die Herausforderung bedachte, die die Gr�nhaut momentan darstellte.</p><p><emphasis>Flieg weg, Orc</emphasis>, murmelte er. Seine d�nnen Lippen kr�uselten sich. <emphasis> Flieg, doch du entkommst mir nicht</emphasis>.</p><p><emphasis>Ich werde dich finden und ich werde dich t�ten. Und dann werde ich dabei helfen, die Welt zu zerst�ren</emphasis>.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Thrall musste sich selbst eingestehen, dass er sich nicht sonderlich wohl dabei f�hlte, den blauen Drachenschwarm in dessen eigenem Bau aufzusuchen. Der Umgang mit den riesigen Echsen war keinesfalls weniger einsch�chternd geworden. Je mehr er �ber Drachen erfuhr, desto mehr imponierten sie ihm�� gr�ne und bronzene Drachen oder die starke, doch an gebrochenem Herzen leidende Lebensbinderin, die fraglos der m�chtigste Drache in ganz Azeroth war. Selbst der kleinste Drache konnte ihn mit einem einzigen Schwanzschlag unter seinen Klauenf��en zerschmettern.</p><p>Doch sie hatten ihn nicht nur physisch beeindruckt. Ihre Gehirne waren nicht wie die der �kurzlebigen� V�lker, wie sie sie nannten. Sie dachten in gr��eren Ma�st�ben, und egal, wie lange er leben w�rde, Thrall wusste, dass er nur einen winzigen Teil ihrer Komplexit�t erahnen konnte. So wie Yseras Vertr�umtheit, die selbst als Erwachte Dinge sah, die kein anderes Wesen erkennen konnte. Oder das Erschaffen des Lebens auf Nozdormus Schuppen und der Schmerz einer Drachendame, die das Mitgef�hl der Welt in ihrem Herzen trug...</p><p>Jetzt flogen Thrall und Tick direkt zu dem Schwarm, der k�rzlich so viel Schaden angerichtet hatte. Sein Aspekt war eigentlich als W�chter der arkanen Magie auf dieser Welt ausersehen. Doch Malygos war wahnsinnig geworden. Als er dann endlich gesundete, hatte er Dinge getan, die schlimmer waren als alles, was er im Wahn angerichtet hatte. Thrall war nicht im Smaragdgr�nen Traum gewandelt. Doch er hatte sein Bestes gegeben, Alexstrasza zu helfen. Schlie�lich hatte er den Zeitlosen erleuchten k�nnen.</p><p>Aber die Blauen...</p><p>Sie mochten die �niederen V�lker� nicht, dieser Schwarm�� Meister der arkanen Magie�� lebte in Klimazonen, die so blau, wei� und kalt waren wie sie selbst.</p><p>Er lachte bitter, als er an das Treffen dachte. �Vielleicht h�tte ich einfach zu Hause bleiben sollen�, sagte er zu Tick.</p><p>�Wenn Ihr das getan h�ttet�, vermutete Tick, �dann w�re dieser Zeitweg noch viel mehr ver�ndert worden�� und Ihr h�ttet meinen Artgenossen noch mehr Arbeit bereitet.�</p><p>Thrall brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass der bronzene Drache, obwohl er meist sehr ernst war, offensichtlich auch einen Sinn f�r Humor hatte. Thrall lachte.</p><p>Das Blaugrau des k�hlen Ozeans unter ihm, das Thrall fast ausschlie�lich auf dieser Reise begleitet hatte, wandelte sich zu wei�grauen Klippen. Thrall hatte an diesem Tag bereits einige beeindruckende Anblicke erlebt. Doch der Nexus �bertraf sie alle.</p><p>Er war blau, v�llig blau, mit silbernen und wei�en Einsprengseln hier und dort. Mehrere flache Scheiben schwebten in der Luft, die um den Nexus selbst angeordnet waren. Als Tick n�her heranflog, konnte Thrall erkennen, dass diese Scheiben Plattformen waren. Ihre B�den waren mit eingelegten leuchtenden Siegeln durchzogen, und auf einigen standen sch�ne kristalline B�ume, deren �ste aus Eis geformt schienen, mit Frost auf den Bl�ttern.</p><p>Der Nexus selbst schien aus vielen Ebenen zu bestehen, jede �ber Str�nge magischer Energie mit der dar�ber verbunden. Er geh�rte fraglos zu den sch�nsten Orten, die Thrall je gesehen hatte. Mehrere Drachen kreisten tr�ge um den Nexus�� ihre K�rper leuchteten in allen Schattierungen von Himmelblau �ber Aquamarin bis Kobaltblau.</p><p>Thrall und Tick wurden nat�rlich fast augenblicklich bemerkt und vier blaue Drachen l�sten sich von den anderen und kamen n�her. Ihre Ablehnung richtete sich zun�chst nicht gegen den Orc, sondern gegen den bronzenen Drachen. Thrall wurde von ihnen v�llig ignoriert.</p><p>�Wir gr��en unsere bronzene Schwester�, sagte einer von ihnen, w�hrend sie in einem offensichtlich l�ssigen, nichtsdestotrotz einsch�chternden Kreis um Tick herumflogen. �Doch der Nexus ist kein Zeitweg, den du erforschen sollst. Warum bist du zu unserem Heiligtum gekommen? Niemand hat dich eingeladen.�</p><p>�Ich bin nicht hergekommen, sondern der Orc, den ich trage�, erkl�rte Tick. �Und ich habe ihn auch nicht hierher geschickt. Er wurde urspr�nglich von Ysera, der Erwachten, ausgesandt�� und dann von Nozdormu, dem Zeitlosen. Er hei�t Thrall.�</p><p>Die blauen Drachen tauschten Blicke. �Ein kurzlebiges Wesen, das auch uns bekannt ist�, sagte einer.</p><p>�Thrall�, sagte ein anderer, als versuche er sich zu erinnern. �Der Kriegsh�uptling der Horde.�</p><p>�Nicht mehr�, ergriff Thrall das Wort. �Ich bin jetzt ein Schamane, der mit dem Irdenen Ring zusammenarbeitet. Wir wollen diese von Todesschwinge verwundete Welt heilen.�</p><p>Kurz fragte er sich, ob er das h�tte sagen sollen. Die Augen der blauen Drachen blitzten augenblicklich w�tend und einer von ihnen flog los und drehte mehrere Schleifen, bevor er zur�ckkehrte. Ganz offensichtlich hatte er sich erst beruhigen m�ssen.</p><p>�Dieser Verr�ter wollte unseren ganzen Schwarm vernichten�, knurrte einer von ihnen. Seine Stimme war kalt wie das Eis, dem er so �hnlich war. �Wir werden die anderen von Eurem Eintreffen unterrichten. Wartet hier, bis wir Euch bitten, n�her zu treten oder zu gehen.�</p><p>Die blauen Drachen tauchten ab, wurden zu blauen Silhouetten vor dem dunkelblau und lavendelfarbenen Himmel.</p><p>Zu Thralls �berraschung landeten sie nicht auf einer der schwebenden Ebenen des Nexus, sondern flogen stattdessen zum Eis und Schnee unter ihnen.</p><empty-line/><p>Kalecgos seufzte. <emphasis>Es geht wieder los</emphasis>, dachte er und blickte zur eisigen Decke, die sich �ber der tief liegenden Versammlungshalle w�lbte.</p><p>Der blaue Drachenschwarm hatte viel geredet und es kamen weitere Drachen zum Nexus und erh�hten stetig die zuvor magere Anzahl. Doch er f�hlte nicht, dass sie einer Entscheidung n�her gekommen w�ren.</p><p>Die meisten waren der Meinung, dass die Konjunktion der beiden Monde g�nstig war. Einer oder zwei hatten alte Zauber ausgegraben, die sie ausprobieren wollten, doch bei weiterer Untersuchung hatten diese sich als unzureichend erwiesen. Es schien, als reiche es den blauen Drachen, jemanden aus ihrer Mitte zu �erw�hlen�. Und auch wenn das sicherlich ein bewegender astronomischer Moment war, lag doch kein echtes Gef�hl darin. Kein Sinn, der zeigte, dass sie das einzig Richtige taten.</p><p>Arygos pochte immer noch auf seine Abstammung. Er war schlie�lich der Sohn des Malygos und allein schon deshalb die beste Wahl. Kalec hatte das bereits einmal geh�rt und war zu niedergeschlagen, um ihn zu unterbrechen. Er blickte auf, als zwei weitere blaue Drachen eintrafen, und runzelte die Stirn. Sein Interesse war geweckt.</p><p>Das waren keine Neuank�mmlinge, sondern zwei der Besch�tzer des Nexus. Sie landeten neben Arygos, unterbrachen den Drachen in seiner Ansprache und redeten leise mit ihm.</p><p>Arygos sah w�tend drein. �Unter keinen Umst�nden!�, sagte er barsch.</p><p>�Narygos�, rief Kalec, �was ist los?�</p><p>�Halte dich da raus�, sagte Arygos schnell. An Narygos gewandt befahl er schroff: �T�tet ihn.�</p><p>�Wen t�ten?�, wollte Kalec wissen, ignorierte die an ihn gerichtete Warnung und eilte zu Arygos und den anderen beiden Drachen. �Narygos, was ist geschehen?�</p><p>Narygos sah von Arygos zu Kalec und sagte dann: �Da ist ein Fremder, der mit uns reden will. Er geh�rt zu den niederen V�lkern. Ein Orc, einst Kriegsh�uptling der Horde: Thrall. Er und der Bronzedrache, der ihn tr�gt, behaupten, dass Ysera und Nozdormu sie zu uns geschickt haben.�</p><p>Kalecs Ohren richteten sich auf. �Nozdormu? Ist er wieder zur�ck?�</p><p>�Anscheinend�, erwiderte Narygos.</p><p>Kalec warf Arygos einen ungl�ubigen Blick zu. �Ihr wollt ihn <emphasis>t�ten</emphasis>?�, fragte Kalecgos laut. �Einen Orc, den zwei Aspekte geschickt haben? Der freiwillig von einem Drachen getragen wird?�</p><p>Sie zogen allm�hlich die Aufmerksamkeit der anderen auf sich und Arygos runzelte die Stirn. �Nun gut, tut ihm nichts�, sagte er. �Doch ein Mitglied der niederen V�lker hat keinen Grund, hier zu sein. Ich werde ihn nicht empfangen.�</p><p>W�tend wandte sich Kalec an Narygos. <emphasis>Ich</emphasis> empfange den Orc�, sagte er. �Bringt ihn her.�</p><p>�Mir w�re es egal, auch wenn die Titanen selbst ihn herbr�chten. Ich werde keinen Kurzlebigen an unserem privaten R�ckzugsort empfangen!� Arygos war au�er sich vor Wut. Er lief auf und ab, sein gro�er Schwanz zuckte, seine Fl�gel falteten sich auseinander und wieder zusammen. Andere hatten den Streit zwischen den beiden mitgeh�rt und begannen das Wort zu ergreifen.</p><p>�Aber... Ysera und Nozdormu!�, protestierte nun auch Narygos. �Das ist alles andere als ein gew�hnliches Ereignis. Ysera hat viel in ihren Tr�umen gesehen und Nozdormu den Zeitlosen konnte sein Schwarm allein nicht finden. Es k�nnte sicher nicht schaden, den Orc anzuh�ren.�</p><p>�Die niederen V�lker, wie sie von einigen genannt werden, haben sich beizeiten als �berraschend erwiesen. An ihnen ist mehr, als wir ihnen zutrauen. Die Tatsache, dass zwei Aspekte den Orc zu uns geschickt haben, sagt mir alles, was ich wissen muss�, bekr�ftigte Kalec. �Ich sage, wir lassen ihn zu uns kommen und finden heraus, was er uns zu sagen hat.�</p><p>�Du w�rdest das�, zischte Arygos. �Du spielst gern im Schlamm mit den niederen V�lkern. Das habe ich nie verstanden, Kalecgos.�</p><p>Kalec musterte Arygos traurig. �Und ich habe nie verstanden, warum du niemals Hilfe oder Informationen angenommen hast, wenn sie von au�erhalb unseres Schwarms kamen�, antwortete er. �Warum verachtest du sie so? Es waren die kurzlebigen V�lker, die dich aus deiner tausendj�hrigen Gefangenschaft in Ahn�Qiraj befreit haben! Ich h�tte gedacht, du w�rst dankbar daf�r.�</p><p>Bevor Arygos zu einer zweifelsfrei w�tenden und emp�rten Antwort ansetzen konnte, keckerte ein �lterer Drache namens Teralygos: �Die Aufgaben unseres Schwarms kennt niemand besser als wir selbst!�</p><p>�Das stimmt! Wir m�ssen uns um unsere eigenen Angelegenheiten k�mmern, oder hast du das etwa vergessen, Kalecgos?�, legte Arygos nach. �Die Zeremonie, um einen neuen Aspekt zu erw�hlen, findet bereits in ein paar Tagen statt. Sie sollten wir vorbereiten und uns nicht vom Plappern eines Orcs ablenken lassen!�</p><p>�T�tet ihn und wir sind ihn los�, murmelte Teralygos.</p><p>Kalec drehte sich um. �Nein. Wir sind doch keine Schl�chter. Und wie wollt Ihr Ysera und Nozdormu ins Gesicht sehen und ihnen beibringen, dass Ihr den Orc umgebracht habt, den sie extra zu uns geschickt haben? <emphasis>Ich</emphasis> will das nicht. Ganz egal, wie verwirrt die erwachte Ysera auch noch sein mag.�</p><p>Es entstand etwas Gemurmel unter den Drachen und Kalec sah einige K�pfe nicken.</p><p>�Lasst den Orc vor uns treten und seine Gr�nde nennen, warum er hier ist�, fuhr Kalec fort. �Wenn uns nicht gef�llt, was er zu sagen hat, k�nnen wir ihn immer noch wegschicken. Aber zumindest sollten wir ihn anh�ren.�</p><p>Arygos starrte finster vor sich hin, doch auch er musste zugeben, dass er Kalecgos im Moment kaum widersprechen konnte. �Ysera und Nozdormu haben anscheinend mehr Einfluss auf den blauen Drachenschwarm als wir selbst�, �u�erte er matt.</p><p>�Du bist noch nicht unser Aspekt, Arygos�, entgegnete Kalec scharf. �Wenn du erw�hlt bist, dann hast du das letzte Wort. Bis dahin, ohne Anf�hrer, wird die Mehrheit entscheiden.�</p><p>Arygos wandte sich an Narygos. �Bring ihn her�, sagte er.</p><p>Narygos nickte und schoss in den Himmel.</p><p>Als Arygos sich umwandte, runzelte er die Stirn. Kalecgos hatte Halbelfengestalt angenommen, so wie einige andere Drachen sich ebenfalls in Menschen oder Elfen verwandelt hatten, um weniger bedrohlich zu wirken. Das war ein Zeichen der H�flichkeit gegen�ber ihrem Gast. Arygos folgte ihrem Beispiel nicht, sondern behielt seine Drachengestalt.</p><p>Kalecgos sah sich um. Die Kammer war kaum einladend f�r irgendjemand anderen als die blauen Drachen. Er konzentrierte sich und bewegte die H�nde.</p><p>In einem Bereich der H�hle erschienen zwei Kohlepfannen. Dutzende Felle bedeckten nun den Boden mehrere Zentimeter hoch. Ein dichter Fellumhang war �ber den gebogenen Lehnsessel geworfen, der aus Mammutz�hnen und H�uten gearbeitet war. Essen und Trinken standen auf einem kleinen Tisch: Fleischkeulen, Kaktus�pfel, Kr�ge voll mit sch�umendem Bier. Tierk�pfe und Waffen�� �xte, Schwerter und b�sartig aussehende Dolche�� hingen an den Steinw�nden.</p><p>Kalec l�chelte. Er war mehr an den Kontakt mit den V�lkern der Allianz gew�hnt, aber er hatte einiges von der Welt gesehen und sp�rte, dass er eine recht komfortable Horden- Enklave im Herzen des Territoriums der blauen Drachen geschaffen hatte.</p><p>Kurz darauf kam ein Bronzedrache in Sicht, begleitet von vier blauen Drachen. Er flog niedrig, doch der Raum war weit genug�� immerhin sollten hier Drachen Platz finden. Kalecgos erkannte sie. Es war Tick, einer der Drachen, die normalerweise den Eingang zu den H�hlen der Zeit bewachten. Es war ein Beweis f�r Thralls Wichtigkeit, dass ein Bronzedrache sogar bereit war, als Transportmittel zu dienen. Ihre Blicke trafen sich und Kalec nickte zustimmend. Tick landete anmutig und kauerte sich auf den Boden, damit der Orc von ihr absteigen konnte.</p><p>Kalec musterte den orcischen Gast scharf. Er trug eine normale braune Kutte und verneigte sich mit korrekter H�flichkeit vor dem versammelten Schwarm. Dennoch lag etwas in der Haltung seiner Schultern und die ruhige Aufmerksamkeit in seinen blauen Augen zeugte von seiner Vergangenheit als bedachter und m�chtiger Anf�hrer.</p><p>Kalec l�chelte warm und �ffnete den Mund.</p><p>�Ihr seid hier nur, weil zwei Aspekte Euch geschickt haben, Thrall�, sprach Arygos, bevor Kalec etwas sagen konnte. �Ich schlage vor, Ihr sagt schnell, was Ihr wollt. Ihr seid nicht unter Freunden.�</p><p>Der Orc l�chelte. �Das habe ich auch nicht erwartet�, erwiderte er. �Aber ich bin hier, weil ich an meine Mission glaube. Ich werde so schnell sprechen, wie ich kann, doch es k�nnte l�nger dauern, als Ihr denkt.�</p><p>�Dann beginnt�, befahl Arygos schroff.</p><p>Thrall atmete tief ein und erz�hlte den Drachen von Yseras Bitte, von den verwirrten Urtumen, davon, wie er sich in den Zeitwegen verloren hatte und wie er dadurch, dass er sich selbst gefunden hatte, Nozdormu entdeckt hatte. Trotz Arygos� schroffer Worte h�rten alle gebannt zu. Es waren Drachen der Magie, des Intellekts. Wissen, selbst wenn es von einem Orc �berbracht wurde, war Nahrung und Labsal f�r sie.</p><p>�Nozdormu glaubt, dass all diese Ereignisse�� die Trag�dien��, die die Drachenschw�rme herausgefordert haben, miteinander zusammenh�ngen�, schloss Thrall. �Er vermutet, dass der ewige Drachenschwarm dahintersteckt, und hat noch gewartet, weil er mehr Informationen sammeln wollte, bevor er zu Euch mit allem kommt, was er wei�. Er bat mich, die Lebensbinderin zu finden und sie mitzubringen, aber... sie hat einen gro�en Verlust erlitten und ist dar�ber zu ersch�ttert, um zu kommen. Deshalb brachte Tick mich allein hierher. Das ist alles, was ich wei�, doch wenn Ihr noch Fragen habt, werde ich antworten, so gut ich kann. Ich bin bereit, Euch zu helfen.�</p><p>Kalec starrte den Orc an, er war bis ins Mark ersch�ttert. �Das sind alles... unglaubliche Neuigkeiten�, sagte er und sah seine eigene Besorgnis gespiegelt auf den Gesichtern von vielen der anderen blauen Drachen.</p><p>Doch nicht auf allen.</p><p>Arygos und seine Gruppe schienen davon nicht ber�hrt. �Bei allem Respekt f�r Ysera, so muss sie nach den vielen Jahrtausenden, die sie fast ausschlie�lich im Smaragdgr�nen Traum verbracht hat, erst noch vieles richtig einordnen. Sie ist... verwirrt. Sie wei� nicht, was wahr ist, was ein Traum ist und was nur in ihrer eigenen Vorstellung existiert. Und Nozdormu... Ihr sagtet, er war... gefangen? In seinen eigenen Zeitwegen? Und <emphasis> Ihr</emphasis> konntet ihm bei der Flucht helfen? Das erkl�rt uns doch mal.�</p><p>Thralls Wangen verdunkelten sich angesichts der offenen Skepsis in Arygos� Worten. Doch sein Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, und als er sprach, war seine Stimme ruhig.</p><p>�Ich verstehe Eure Zweifel, Arygos. Die hatte ich auch. Allerdings scheint es, dass Ysera recht hatte. Ich konnte bereits zwei Drachenschw�rmen helfen�� wenn auch nicht Alexstrasza selbst. Wenn Ihr unterstellt, dass Nozdormu in den Zeitwegen verwirrt wurde, dann bitte ich Euch, mit Tick zu reden und Euch anzuh�ren, was sie dar�ber denkt. Ich jedenfalls glaube das nicht. Ihr fragt, wie ich als einzelner Orc den Zeitlosen befreien konnte? Es... war ganz einfach.�</p><p>Es erhob sich w�tendes und erregtes Gemurmel, doch Thrall hielt beschwichtigend eine Hand hoch.</p><p>�Wisset, ich mache niemanden kleiner, wenn ich dies sage. �Einfach� bedeutet nicht �leicht�. Ich habe gelernt, dass die Dinge, die am einfachsten wirken, oft die m�chtigsten sind. Das sind die Dinge, die am Ende z�hlen. Was Nozdormu angeht: Um jemanden befreien zu k�nnen, der in allen Momenten der Zeit steckt, musste ich lernen, wahrlich in einem Moment zu sein�� <emphasis>dem</emphasis> Moment.�</p><p>Arygos� Abneigung vertiefte sich. �Das k�nnte jeder!�</p><p>�Jeder <emphasis>kann</emphasis> es�, stimmte Thrall zu. �Aber keiner <emphasis>hat</emphasis> es getan. Es ist ein einfacher Gedankengang, in dem Moment selbst zu sein�� einer, den ich selbst erst lernen musste.� Er l�chelte, als er bemerkte, dass die Ver�rgerung bei einigen Drachen abnahm und die Echsen nachdenklicher wurden. �W�hrend die Lektion selbst einfach war, war es das Lernen nicht. Wir lehren am besten, was wir selbst gelernt haben. Wenn ich zwei Aspekten helfen konnte, dann kann ich vielleicht auch Euch helfen.�</p><p>�Wir haben keinen Aspekt in unserem Schwarm�, sagte Arygos. �Auch wenn solch ein Problem f�r uns neu und ziemlich verwirrend ist, k�nnt Ihr uns sicher nicht dabei helfen.�</p><p>�Es ist auch f�r mich neu und verwirrend. Das macht uns einander gleich.�</p><p>Die Abneigung der versammelten blauen Drachen schien mehr und mehr zu schwinden, selbst bei denen, die mit Arygos verb�ndet waren.</p><p>�Orc, Ihr seid als Gast unseres Schwarms hier�, sagte Arygos und der Hauch einer Warnung lag in seiner Stimme. �Es w�re gut f�r Euch, uns nicht zu verspotten.�</p><p>Kalec seufzte. Vor seinem Wahn war Malygos f�r seinen Humor und seine Verspieltheit bekannt gewesen, zwei Eigenschaften, die seinem Sohn v�llig zu fehlen schienen.</p><p>�Arygos, er verspottet uns nicht. Er erkl�rt eine ernsthafte Sache auf leichte Art. Dies sind unsichere Zeiten. Wir beschreiten neue Wege, machen Geschichte auf eine Art, wie es selbst die Aspekte nie getan haben. Thrall kommt mit der Zustimmung zweier Aspekte. Worin liegt der Schaden, ihn zuh�ren zu lassen und seine Meinung anzuh�ren?� Kalec spreizte die H�nde. �Er geh�rt nicht zu uns und das wei� er ganz genau. Ihm k�nnten Dinge auffallen, die uns entgehen. Ich glaube, es w�re ein schwerer Fehler, wenn wir ihn nicht bleiben lassen, damit er zuh�ren kann und seinen Teil beitr�gt.�</p><p>Arygos sch�ttelte sich, hob den Kopf und blickte gebieterisch auf die kleinere Halbelfengestalt hinunter. �Du w�rdest jedem Mitglied der niederen V�lker ein weiches Bett und reichlich Essen geben, wenn du k�nntest�, zischte er.</p><p>Kalec l�chelte freundlich. �Und ich wei� nicht, was daran falsch sein soll. Er ist ein Orc. Ich kann nicht glauben, dass du dich vor ihm f�rchtest.�</p><p>Das traf Arygos. Er schlug mit dem Schwanz und die anderen, die wie er dachten, schauten ebenfalls betroffen. �Angst? Ich? Nicht vor einem mickrigen Orc, den ich mit einer Klaue zerquetschen k�nnte!�</p><p>�Nun gut�, sagte Kalec und l�chelte. �Dann sollte es ja keine Probleme mit seinem Aufenthalt hier geben, oder?�</p><p>Arygos versteinerte. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er starrte Kalecgos eine Weile an. �Ich f�rchte nichts von diesem Sterblichen. Aber was wir hier tun, hat eine tiefe Bedeutung f�r den gesamten blauen Drachenschwarm. Ich wei� nicht, ob es einem niederen Wesen zusteht, diese Ereignisse mitzuerleben, ganz davon zu schweigen, es auch noch dazu beitragen zu lassen.�</p><p>Kalec verschr�nkte die Arme und blickte einen langen, nachdenklichen Moment den Orc an. Etwas sagte ihm, dass Thrall hier sein musste. Es war schon mehr als Respekt, den alle Drachen vor der Meinung eines Aspekts haben sollten. Wenn die Welt tats�chlich dieser Art Gefahr gegen�bertrat, die Nozdormu vermutete, dann konnten es sich die blauen Drachen nicht leisten, irgendeinen Rat zu ignorieren, egal aus welcher Quelle. Sie konnten es sich ebenso wenig leisten, sich aus einem falschen Gef�hl der �berlegenheit heraus, geboren aus Ignoranz und Arroganz, zu isolieren. Er richtete seinen durchdringenden Blick auf Tick, hob fragend eine Augenbraue. Der Bronzedrache erwiderte Kalecs Blick gelassen. In diesen Augen las Kalec eine unersch�tterliche Sicherheit, die seine eigene widerspiegelte. Er traf eine Entscheidung. Es war ein riskantes Spiel, aber eins, das er sehr gut kannte.</p><p>�Thrall bleibt�, sagte Kalecgos ruhig, �oder ich gehe.�</p><p>Ein ungl�ckliches Murmeln stieg auf.</p><p>Arygos sagte nichts, doch sein Schwanz zuckte.</p><p>�Ich habe deinen Vater Malygos geehrt und respektiert�� f�r das, was er war, und als der Aspekt, der er war. Doch seine Entscheidungen waren falsch, nicht nur f�r andere, auch f�r uns. Es kann sein, dass auch wir letztlich den falschen Weg beschreiten. Doch solange ich atme und in meinem K�rper Leben ist, werde ich so einen Pfad niemals wissentlich einschlagen. Thrall soll hierbleiben, er hat f�r die Drachenschw�rme fast so viel getan wie die meisten Drachen. Ich wiederhole: Wenn er geht, gehe ich auch. Und andere mit mir.�</p><p>Es war keine leere Drohung. Wenn Arygos eine Spaltung erzwingen wollte, dann sollte es hier und jetzt geschehen. Kalecgos w�rde den Nexus nicht allein verlassen. Und Arygos konnte das nicht zulassen. Zu vieles lag im Ungewissen.</p><p>Arygos schwieg mehrere Herzschl�ge lang. Dann eilte er zu Thrall, senkte den Kopf herab, bis er nur noch wenige Zentimeter von dem Orc entfernt in der Luft schwebte. �Ihr seid hier Gast�, dr�hnte er und wiederholte seine fr�heren Worte. �Ihr erweist uns Respekt und H�flichkeit und gehorcht unseren W�nschen.�</p><p>�Ich bin Botschafter�, sagte Thrall. �Das ist mir bewusst. Ich habe zu meiner Zeit mit vielen Botschaftern zu tun gehabt, Arygos. Ich verstehe mich auf Respekt und H�flichkeit.� Dabei schien er das W�rtchen �ich� zu betonen.</p><p>Arygos� N�stern leuchteten, dann wandte er sich an den Bronzedrachen. �Tick, du wirst hier nicht mehr gebraucht. Thrall f�llt jetzt unter unsere Verantwortung.�</p><p>Tick widersprach nicht. Sie verneigte sich so tief, dass es schon an Spott grenzte. �Ich kehre zu meinem Schwarm zur�ck. Pass gut auf ihn auf, Arygos.�</p><p>Arygos sah zu, wie sie wegflog, dann wandte er sich wieder an die versammelten blauen Drachen. �Ich glaube, es k�nnte neue Informationen bez�glich dieses... Rituals... geben�, sagte der Drache. �Lasst uns die Magier anh�ren, die gerade zur�ckgekehrt sind.�</p><empty-line/><p>Wie sich herausstellte, hatten die Neuank�mmlinge nur sehr wenig herausgefunden. Wie viele Gelehrte, die ihr Hauptaugenmerk nur auf die Details des Arkanen gerichtet hatten, erregten sie sich schon �ber die Entdeckung von ein paar magischen Nuancen, die etwas Erleuchtung in den Prozess der Bestimmung eines neuen Aspekts brachten. Doch letztlich waren diese von keiner gro�en Bedeutung. Nach einigen Diskussionen und mehreren Streitereien�� von denen eine in lautes Gebr�ll ausartete und mit einem Beinaheangriff auf einen von Kalecs Kollegen endete�� wurden weitere Nachforschungen vereinbart, wobei niemand wusste, ob dabei etwas herauskommen w�rde. Thrall sa� still in seiner kleinen Ecke, nahm an dem Essen teil und lauschte. Er sagte beinahe nichts, sprach nur, um nach Erl�uterungen zu fragen. Den Rest der Zeit lehnte er sich zur�ck, verschr�nkte die Arme �ber seiner breiten Brust und sah einfach zu.</p><p>Als das Treffen vorbei war, herrschte reges Durcheinander und viele Blicke wanderten zu dem Orc. Schlie�lich verlie�en die meisten der blauen Drachen den Raum. Arygos war der Letzte, der ging, und hielt kurz am Ausgang der H�hle inne. Er hob den Kopf, drehte ihn �ber die Schulter und starrte Thrall b�se an. Er sagte nichts, doch Thrall sank trotz des Niederstarrens nicht in sich zusammen. Schlie�lich verengte Arygos die Augen, wandte sich ab und ging.</p><p>Kalecgos atmete aus, beschwor einen zweiten einfachen Stuhl und lie� sich darauf nieder. Er legte die Ellbogen auf den Tisch und rieb sich die m�den Augen.</p><p>�Ich habe einige Spannungen w�hrend der Versammlung gesp�rt�, sagte Thrall.</p><p>Kalec lachte. Er winkte mit der Hand, erschuf einen Weinkelch und nahm einen Schluck. �Ihr habt die Gabe der Untertreibung, Freund Thrall. Ich rechnete bei mindestens drei Gelegenheiten allein an diesem Nachmittag mit Gewaltausbr�chen. Vielleicht ist es Eure Anwesenheit, die Arygos zur�ckh�lt. Nach allem, was seinem Vater geschehen ist, will er sicher nicht vor jemandem sprunghaft wirken, der das Ohr von zwei Aspekten hat. Allein daf�r spendiere ich Euch eines Tages ein Bier in einer Taverne, wenn Ihr es am wenigsten erwartet.� Er grinste. Seine blauen Augen blitzten vor Fr�hlichkeit.</p><p>Thrall merkte, wie er zur�ckl�chelte. Er mochte Kalec. Der junge blaue Drache war recht angenehm in seiner Elfengestalt. Thrall erkannte, dass Kalec ihn an Desharin erinnerte, und seine Stimmung wurde bitters��. Er sp�rte, wie sein L�cheln erstarb.</p><p>Kalec entging die Ver�nderung nicht. �Stimmt etwas nicht?�</p><p>�Da war ein anderer Drache, den ich auf meiner Reise getroffen habe. Er war wie Ihr. Er hie� Desharin. Er war...�</p><p>�... ein gr�ner Drache�, beendete Kalec den Satz, seine Augen waren d�ster geworden. �Er ist nicht mehr.�</p><p>Thrall nickte. �Er half mir auf meiner Reise, brachte mich zu den H�hlen der Zeit. Dort wurde er von einem Angreifer get�tet, der uns beide �berfiel, w�hrend wir meditierten.�</p><p>Er konnte die Wut nicht aus der Stimme verbannen und Kalec nickte. �Effektiv... doch die Taktik eines Feiglings.�</p><p>Thrall schwieg einen Moment. �Ja�, stimmte er ihm zu. �Ich habe im letzten Zeitweg, in dem ich gefangen war, entdeckt, wer das war. Ihr kennt wohl Aedelas Schwarzmoor nicht und dar�ber bin ich froh. In diesem Zeitweg ist er gl�cklicherweise unbedeutend. Er fand mich, als ich ein Kind war, und bildete mich zum Gladiator aus. Sein Ziel war es, mich an die Spitze einer Armee aus Orcs zu setzen und die Allianz zu unterwerfen.�</p><p>�Offensichtlich hatte er keinen Erfolg damit�, sagte Kalec.</p><p>�Nicht auf diesem Zeitweg. In dem anderen starb ich als Kind und Schwarzmoor stieg selbst auf, um die Armee zu f�hren.�</p><p>�Ein erschreckendes Szenario�, erwiderte Kalec, �aber Ihr sagtet, er griff Euch <emphasis>au�erhalb</emphasis> der Zeitwege an. Wie...?� Seine Augen weiteten sich, als er es verstand. �Der ewige Drachenschwarm muss ihn aus dem Zeitweg gerissen haben, damit er Euch jagen kann.�</p><p>Thrall nickte.</p><p>�Be�ngstigend, dass sie so etwas k�nnen.�</p><p>�Alles, was ich auf dieser Reise gelernt habe, ist verst�rend�, erkl�rte Thrall. Er blickte auf seinen Krug. �Au�er der Tatsache, dass herbeigezaubertes Bier einfach k�stlich schmeckt.� Er prostete seinem Gastgeber zu und lachte.</p><p>Kalecgos warf den blauen Kopf zur�ck und lachte ebenfalls.</p><empty-line/><p>Die Monde hatten fast ihre Mitternachtsposition erreicht, doch das konnte man nicht �ndern. Arygos konnte keinen weiteren Abend warten, um seine Sache durchzuziehen. Wie alle blauen Drachen sp�rte er die K�lte nicht, w�hrend seine Fl�gel gleichm��ig schlugen und ihn durch die frostige Nacht trugen, die so klar war, dass die Sterne wie Eisst�ckchen am Himmel prangten.</p><p>Er achtete peinlichst darauf, dass er nicht verfolgt wurde, und drehte sich oft um. Stetig flog er nach Osten, seine Fl�gel schlugen schnell. Die zackigen Gipfel von Kaltarra wichen flacheren Landschaften. Quellen aus siedend hei�em Wasser, die direkt aus Azeroths Herzen entsprangen, spien und zischten. Geysire, Dampfquellen, �berflutete Ebenen�� er ignorierte sie, besessen von seinem Ziel.</p><p>Die Spitzen des Wyrmruhtempels kamen in Sicht und lagen bleich im Mondlicht. Er war besch�digt, aber nicht unbewohnt. Gestalten wie Schatten, schwarz und lila und indigofarben, kreisten langsam um ihn, w�hrend andere in verschiedenen Ecken des Tempels schliefen. Zwei faulenzten auf dem Mosaikboden auf der obersten Ebene, lagen lang ausgestreckt wie riesige gefl�gelte Echsen.</p><p>Er wurde entdeckt.</p><p>Mehrere der Zwielichtdrachen, die den Tempel bewachten, verlie�en ihre Bahnen und hielten direkt auf Arygos zu. Pl�tzlich ert�nte eine Stimme, die von �berall und nirgendwoher zu kommen schien.</p><p>�Arygos, Sohn von Malygos�, erklang die vertraute Stimme�� dieselbe Stimme, die Alexstrasza und den Rest der Drachen an jenem schicksalhaften Tag vor nicht langer Zeit verh�hnt hatte.</p><p>�Ich bin es�, rief Arygos als Antwort. Er landete auf der obersten Ebene. Und verneigte sich dem�tig vor dem Vater des Zwielichts.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Kirygosa hatte eng zusammengerollt geschlafen, ihre Tr�ume waren wirr und beunruhigend gewesen. Als sie einen Moment die Stimme ihres Bruders h�rte, glaubte sie, in einem weiteren Albtraum gelandet zu sein. Doch nicht zum ersten Mal entdeckte sie, dass die Realit�t schlimmer war als die Tr�ume.</p><p>Sie richtete sich so weit auf, wie es die Kette um ihren Hals zulie�, hob den Kopf und sah, wie ihr Bruder Arygos sich vor dem Bastard verneigte, der sie alle angegriffen hatte. Ihre F�uste ballten sich.</p><p>Er hob den Kopf und sein Blick fiel auf sie. �Kirygosa�, sagte er. �Wie angenehm... und �berraschend... dass du immer noch lebst.�</p><p>�Wenn ich meine wahre Gestalt annehmen k�nnte, w�rde ich dir die Augen ausrei�en�, zischte sie.</p><p>�Nun, nun�, unterbrach der Vater des Zwielichts sp�ttisch. �Ich hasse es, derartigen Zank zwischen Geschwistern zu sehen.�</p><p>Kiry fletschte die Z�hne. Es war Arygos, der sie verraten und in die H�nde dieses... dieses... Wie hatte sie derart naiv sein k�nnen? Sie hatte ihren Bruder ihr ganzes Leben lang gekannt. Sie wusste, dass er ihren Vater verehrte. Und dennoch hatte sie ihm geholfen, als er in jener Nacht zu ihr gekommen war, von der �nderung in seinem Herzen berichtete und sie um Hilfe gebeten hatte.</p><p>�Komm mit mir�, hatte er gesagt. �Du und ich... wir k�nnen einen Plan ersinnen. Ich liebe Vater, Kiry. Was auch immer er getan hat. Wir k�nnen einen Weg finden, diesen Krieg zu beenden, ohne ihn zu t�ten.�</p><p>So viele waren damals bereits gestorben gewesen, darunter ihre eigene Mutter, Saragosa, die sich auf die Seite von Malygos gestellt hatte. Ihr Tod hatte sie alle getroffen, aber Kiry war eisern geblieben. Malygos musste aufgehalten werden.</p><p>�Denkst du das wirklich?�, hatte Kiry gefragt. Sie hatte ihrem Bruder so gern glauben wollen.</p><p>�Das tue ich. Ich erkenne jetzt, dass du recht hattest. Ich habe bereits mit Kalec gesprochen und er erwartet uns. Lass uns aufbrechen. Wenn wir einen vielversprechenden Plan erarbeiten, wird uns vielleicht auch die Lebensbinderin anh�ren.�</p><p>So war sie freiwillig mitgekommen, mit Hoffnung und Liebe im Herzen, mit der Zukunft in ihrem K�rper. Und er hatte sie und ihre ungeborenen Kinder dem Vater des Zwielichts wie eine Troph�e ausgeliefert.</p><p>Worte kochten in ihrer Kehle hoch, dr�ngten sie, sie auszusprechen: <emphasis>Was f�r eine Macht hat er dir gew�hrt? Welche L�gen hat er dir erz�hlt? Wusstest du, was er mir antun w�rde? Hast du auch nur einen Moment gez�gert</emphasis>? Doch sie w�rde ihm diese Befriedigung nicht bereiten und so schluckte sie die bitteren Worte hinunter.</p><p>Nachdem er ihre Gegenwart zur Kenntnis genommen und sich versichert hatte, dass der Vater des Zwielichts immer noch gl�cklich mit seiner Gefangenen war, wandte sich Arygos seinem Meister zu.</p><p>�Wie laufen die Gespr�che?�, fragte der Vater des Zwielichts. �Je eher du herausfindest, was ben�tigt wird, desto besser f�r uns alle.�</p><p>�Es ist... schwierig�, gestand Arygos. �Keiner von uns wei�, wie wir fortfahren sollen. Niemals war so etwas je zuvor n�tig.�</p><p>Er klang seiner selbst unsicher�� etwas, was Kirygosa noch nie in seiner Stimme geh�rt hatte. <emphasis>Er will Best�tigung</emphasis>, erkannte sie. <emphasis>Er will h�ren, dass er es gut gemacht hat, dass er dieses Monster befriedigt hat</emphasis>. Der Gedanke machte sie krank. Doch sie blieb stumm. Was sie herausgefunden hatte, konnte f�r Kalecgos wertvoll sein�� wenn sie je eine M�glichkeit fand, sich zu befreien.</p><p>�Du hast mir versichert, dass du einen Weg finden w�rdest�� und dass der Schwarm dich als neuen Aspekt w�hlen w�rde�, sprach der Vater des Zwielichts. �Wie sonst willst du sie mir wie versprochen ausliefern?�</p><p>�Ich bin sicher, dass ich erw�hlt werde, es scheint zu funktionieren�, sagte Arygos schnell.</p><p>Nat�rlich, dachte Kirygosa. Nachdem ihr Vater tot war, waren die blauen Drachen ohne Aspekt. Aber einen neuen w�hlen? Wie war so etwas m�glich? Die Titanen hatten die Aspekte ernannt. Konnten niedere Wesen das auch tun?</p><p>�Wir brauchen dich. Unser Drache muss geweckt werden und er braucht eine Armee, wenn die Schw�rme geschlagen werden sollen.�</p><p>�Das werden sie, ich schw�re es!� Arygos� Stimme war voller Eifer. �Wir werden sie schlagen und die Welt vernichten. Alles wird verschwinden, wenn der Schattenhammer f�llt!�</p><p>Eine Armee. Eine Armee, die aus ihrem eigenen Drachenschwarm bestand... Kirygosa schloss die Augen, k�mpfte gegen die Tr�nen an. Arygos war genauso verloren wie sein Vater.</p><p>�Sie werden dir ausgeliefert. Chromatus soll leben.� Seine Augen leuchteten in der Dunkelheit, sein K�rper war gespannt vor Vorfreude.</p><p>Der Vater des Zwielichts l�chelte.</p><p>�Dir soll f�r diese Aufgabe ihre Energie und meine eigene zur Verf�gung stehen, Vater des Zwielichts. Aber... sie m�ssen erst mir geh�ren, bevor ich sie dir geben kann.�</p><p>�Was ist passiert?� Der Vater des Zwielichts hatte, genau wie Kiry, seine Unsicherheit gesp�rt. Hoffnung keimte in ihrem Herzen. Die Dinge liefen nicht glatt.</p><p>�Der Orc hat mich vor dir gewarnt. Er ist gekommen, so wie du es bef�rchtet hattest.�</p><p>Thrall! In den Schatten, mit abgewandtem Kopf, konnte Kirygosa ein L�cheln nicht unterdr�cken.</p><p>Der Vater des Zwielichts fluchte. �Das wird unseren Meister nicht gl�cklich machen�, grollte er. �Mir wurde gesagt, dass Schwarzmoor Thrall aufhalten w�rde. Sag mir, welchen Schaden er bislang angerichtet hat�� und warum du ihn nicht selbst get�tet hast.�</p><p>Arygos fuhr auf. �Das habe ich versucht, aber Kalecgos lie� mich nicht und unser Treffen lief in der �ffentlichkeit ab.�</p><p>�Thrall ist nur ein Orc!�, zischte der Vater des Zwielichts. �Du h�ttest ihn leicht t�ten k�nnen, bevor irgendjemand die Gelegenheit gehabt h�tte, zu protestieren!�</p><p>�Zwei Aspekte haben ihn zu uns geschickt! Ich w�re ihn nicht losgeworden, ohne entweder Verdacht zu erregen oder viele Mitglieder meines Schwarms vor den Kopf zu sto�en�� und ich brauche jeden einzelnen von ihnen, um Aspekt zu werden!�</p><p>�Muss ich dich wie ein Kind an die Hand nehmen, Arygos?� Der m�chtige Drache zuckte tats�chlich unter dieser Kritik zusammen. �Arrangiere einen Unfall!�</p><p>�Du bist hier in Sicherheit, ohne sp�hende Augen, die auf Schw�chen von dir lauern�, spie Arygos w�tend. �Es ist leicht f�r dich, von Unf�llen zu reden, solange du nicht dort bist! Wenn irgendetwas passiert, f�llt der Verdacht doch sofort auf mich!�</p><p>�Glaubst du, ich wei� nichts dar�ber, seine wahre Natur zu verbergen?� Der Vater des Zwielichts warf den Kopf zur�ck und lachte. �Ich bewege mich unter meiner Art wie du unter deiner und keiner ahnt etwas von meinen wahren Pl�nen. Das ist eine F�higkeit, die du erlangen musst, junger blauer Drache.�</p><p>�Es gibt genug Drachen, die Kalec beherrscht. Ich kann es mir einfach nicht leisten, dass jemand sich fragt, warum ich so scharf darauf bin, einen einfachen Orc zu t�ten!�</p><p>�Er ist kein einfacher Orc!�, erwiderte der Vater des Zwielichts heftig. �Verstehst du das nicht? Thrall wird dich vernichten, wenn du ihn nicht zuvor umbringst! Und genau das will ich und das will Lord Todesschwinge! Willst du deinen Meister entt�uschen, nur weil du Angst hast, beschuldigt zu werden? Ich glaube, da gibst du dich der falschen Furcht hin!�</p><p>�Kalec hat ihn unter seine Fittiche genommen�, rechtfertigte sich Arygos und sein Kopf senkte sich. �Ich kann nichts tun. Doch immerhin wissen wir, wo er ist. Wir k�nnen ihn im Auge behalten. Und vielleicht ergibt sich eine Gelegenheit. Bald schon ist das alles unwichtig, weil ich der neue Aspekt sein werde. Dann kann ich tun, was ich will.�</p><p>�Hast du ihn gesehen?�</p><p>Die Frage des Vaters des Zwielichts und der offensichtliche Wechsel des Themas verwirrten beide blaue Drachen. Den einen, an den sie gerichtet war, und den anderen, der das Gespr�ch belauschte.</p><p>�Wen gesehen?�, fragte Arygos.</p><p>�Flieg wieder los�, ordnete der Vater des Zwielichts mit pl�tzlich ruhiger Stimme an. �Flieg nach Nordwesten. Sieh auf zu ihm und kehre zu mir zur�ck. Geh!�</p><p>Arygos nickte und flog in die Nacht. Der Vater des Zwielichts trat zu der Kante und beobachtete ihn, die K�lte verwandelte seinen Atem in kleine W�lkchen.</p><p>Kirygosa schluckte schwer. Sie wusste nun, wen Arygos sich ansehen sollte. Chromatus. Der mit den vielen K�pfen. Der, der niemals h�tte atmen sollen. Das war die Art von Groteskem, womit sich ihr Blutsbruder verb�ndet hatte. Sie sp�rte ein Prickeln, als der Vater des Zwielichts sie ansah.</p><p>�Er wird sterben�, sagte er im Plauderton. �Ich wei�, dass du das wissen willst.�</p><p>�Arygos? Sicher�, gab sie zur�ck.</p><p>�Mir ist gerade nicht danach, zu dir r�berzukommen, um dich zu foltern�, sagte er. �Kalec wird sterben, genau wie du. Niemand kann sich gleichzeitig gegen Chromatus und Todesschwinge stellen. Selbst die Welt schreit vor Schmerz unter seiner Folter.�</p><p>�Vielleicht stirbt Kalec tats�chlich�, stimmte Kirygosa zu. �Und vielleicht auch ich. Aber jemand wird sich gegen Todesschwinge erheben�� und gegen dieses <emphasis>Ding</emphasis>, das sein Sohn erschaffen hat.�</p><p>Kiry war wahnsinnig stolz auf Kalec. Sie wusste nicht, ob er bereits vermutete, dass Arygos ihn verriet, oder ob er einfach sicherstellen wollte, dass Thrall vor jedem gesch�tzt war, der ihm aus welchen Gr�nden auch immer schaden wollte. Sicherlich gab es gen�gend Mitglieder im blauen Drachenschwarm, die Vorsicht walten lie�en.</p><p>Ihre Hand wanderte zu der tr�gerisch einfachen Kette, die sie gefangen hielt. Die andere wanderte zu ihrem Bauch. Sie erinnerte sich an die Folter und ein tiefes Bedauern stieg in ihr auf. Sie lie� zu, dass es sie �berkam, durchstr�mte, und atmete leise aus. Sie war noch nicht gebrochen. Sie w�rde auch jetzt nicht klein beigeben, egal, wie schrecklich der Gedanke war, sowohl Chromatus mit seinen vielen K�pfen als auch Todesschwinge selbst zu bek�mpfen. Nicht, wenn es tats�chlich noch Hoffnung gab.</p><p>Wie ein Lied schlugen Fl�gel in der Nacht und der schwer beeindruckte Arygos kehrte zur�ck.</p><p>Der Vater des Zwielichts musterte den Drachen mit festem Blick, dann sagte er sehr leise: �Du tust, was du versprochen hast.�</p><p>Und der gro�e blaue Drache vor ihm erbebte.</p><empty-line/><p>�Erz�hlt mir etwas �ber dieses himmlische Ereignis�, bat Thrall.</p><p>�Azeroth hat zwei Monde�, begann Kalec. �Verschiedene Kulturen m�gen unterschiedliche Namen f�r sie haben, aber gew�hnlich drehen sich diese Begriffe um das Thema Mutter und Kind, weil der wei�e Mond viel gr��er ist als der blaue.�</p><p>Thrall nickte. �Mein Volk nennt sie die Wei�e Dame und das Blaue Kind�, sagte er.</p><p>�Genau. Das Ereignis findet statt, wenn sie in perfekter Konjunktion zueinander stehen. Sie wird oft als Umarmung bezeichnet. Weil es scheint, als ob der wei�e Mond, die Mutter, das blaue Kind h�lt. Es ist ein extrem seltenes Ereignis�� einmal in vierhundertdrei�ig Jahren findet es statt. Ich habe es nie selbst erlebt.�</p><p>�Also stimmt Ihr mit denen �berein, die glauben, dass dies der richtige Weg ist?�, fragte Thrall. �Dass dieses Ereignis die Macht des Aspekts bringen wird?�</p><p>�Die Legende besagt, dass die Monde in Konjunktion standen, als die Titanen die ersten Aspekte schufen�, sagte Kalecgos. �Wenn es irgendeinen Zeitpunkt gibt, an dem unser Schwarm den Titel des Aspekts an einen normalen Drachen vergeben sollte, dann jetzt.�</p><p>�Titel? Ihr glaubt nicht, dass irgendetwas Besonderes geschehen wird?�</p><p>Kalec seufzte und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. �Noch so vieles ist unbekannt. Wir m�ssen einen Aspekt haben, Thrall, und wenn man das am besten tut, indem man Wahlzettel z�hlt und jemanden Aspekt nennt, dann soll es so sein.�</p><p>Thrall nickte. �Es scheint... wie ein stilles Ende von einem gro�en Musikst�ck�, meinte er und suchte nach Worten. �Ein Aspekt ist so ein m�chtiges Wesen... und Ihr, die blauen Drachen, seid die H�ter der Magie, von so vielem, das so blendend und fantasievoll ist. Und der Schwarm soll einfach w�hlen...� Er beendete den Gedankengang nicht. Er musste es nicht.</p><p>Kalec erwiderte leise: �Ich hege keine besonderen Ambitionen auf den Titel, Thrall, aber ich sage Euch eins: Ich habe Angst um meinen Schwarm und die Welt, wenn Arygos der blaue Aspekt wird.�</p><p>Thrall l�chelte. �Nicht alle, die Anf�hrer werden, sehnen sich nach der Macht, die damit verbunden ist�, sagte er. �Ich tat es nicht. Aber ich brannte darauf, meinem Volk zu helfen. Es zu befreien. Eine Heimat zu finden, wo es hingeh�rt. Es zu besch�tzen, damit unsere Kultur erbl�hen konnte.�</p><p>Kalec blickte ihn absch�tzend an. �Und das habt Ihr wahrlich getan. Selbst einige Mitglieder der Allianz sprechen gut von Euch. Man k�nnte sagen, dass Euer Volk Euch gerade jetzt mehr denn je braucht, mit der Welt in diesem Zustand. Und dennoch seid Ihr hier, als einfacher Schamane.�</p><p>�Ich erhielt einen anderen Ruf�, sagte Thrall. �Wie Ihr sagtet... die Welt braucht eher Hilfe als mein Volk. Ich ging, um meiner Welt zu helfen. Und durch eine sehr merkw�rdige Wendung des Schicksals helfe ich meiner Welt, indem ich hier bin. In der Gesellschaft von blauen Drachen, die herausfinden wollen, wer ihr Aspekt werden soll. Das ist eine riesige Verantwortung, Kalec. Ich wei� zwar nicht viel, aber nach allem, was ich gesehen habe, glaube ich, dass Ihr die beste Wahl seid. Ich hoffe nur, der Rest Eures Schwarms sieht das ebenso.�</p><p>�Ich w�rde sicher nicht Aspekt werden, wenn ich nicht m�sste�, sagte Kalec. �Auf eine Art bin ich mir nicht sicher, worauf ich hoffen soll: auf einen Aspekt, der nur dem Namen nach einer ist. Oder auf einen Aspekt mit all der Macht, die er haben sollte. F�r mich w�re es sehr schwer, mich in etwas zu ergeben, was so anders ist. Das ist etwas, �ber das ich bislang nie nachdenken musste. Etwas, was niemand je getan hat. Es... ist eine gro�e B�rde.�</p><p>Thrall beobachtete, wie Kalec sprach, und glaubte, dass er verstand.</p><p>Kalec... hatte... Angst.</p><p>�Ihr glaubt, dass es Euch ver�ndert, wenn es wirklich passiert�, sagte Thrall und die Worte waren keine Frage.</p><p>Still nickte Kalec. �Daf�r halten mich die meisten Leute in der alten Welt bereits: f�r ein m�chtiges Wesen. So war es schon immer und so ist diese Verantwortung leicht zu tragen. Aber... ein Aspekt?� Er sah einen Moment lang zur Seite, sein Blick in die Unendlichkeit gerichtet. �Thrall... ein Aspekt ist nicht einfach ein Drache mit besonderen Kr�ften. Es ist etwas ganz anderes. Etwas...� Er suchte nach Worten. �Es wird mich ver�ndern. Das muss es. Aber... zwei der f�nf Aspekte wurden verr�ckt. Alexstrasza mag auf diesem schmalen Grat ja wandern k�nnen und Nozdormu ist tats�chlich in seinem eigenen Reich der Zeit verloren gegangen. Was wird aus mir, wenn ich Aspekt werde?�</p><p>Es war richtig, Angst zu haben. Thrall hatte etwas �hnliches erlebt, an dem Tag, an dem Orgrim Schicksalshammer gefallen war und er Thrall zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Er hatte nicht um diese B�rde gebeten, doch er hatte sie angenommen. Er war etwas Gr��eres als er selbst geworden, mehr als einfach Thrall, Sohn von Durotan und Draka. Er war der Kriegsh�uptling geworden. Und jahrelang hatte er diese Verantwortung getragen. Er war, wie es Aggra in ihrer nervigen, doch liebenswert ehrlichen Art beschrieben hatte, ein �Thrall�, ein �Sklave� der Horde geworden. Kalec w�re nie in der Lage, den Titel des Aspekts einfach abzulegen. Und er w�rde sehr viel l�nger leben als ein Orc. Es w�rde ihn ver�ndern und er k�nnte es niemals r�ckg�ngig machen. Er w�re vielleicht Kalecgos, der blaue Drachenaspekt, doch er w�re niemals mehr Kalec. Was <emphasis>w�rde</emphasis> das f�r ihn bedeuten?</p><p>�Das ist eine sehr wichtige Frage, mein Freund�, sagte Thrall leise. �Ihr wisst <emphasis>nicht</emphasis>, was es aus Euch machen wird. Und es wird immer Dinge geben, die auch ein Drache nicht vorausahnen kann. Ihr k�nnt nur nach dem handeln, was Ihr <emphasis>wisst</emphasis>. Was Euer Herz, Euer Verstand und Euer Bauchgef�hl Euch sagen. Die Frage�� was es aus Euch machen wird�� braucht Ihr Euch nicht zu stellen. Ihr habt bereits die richtige Frage gestellt.�</p><p>�Was mit meinem Volk geschehen wird, wenn Arygos Aspekt wird?�, fragte Kalec.</p><p>Thrall nickte. �Seht Ihr? Ihr wisst bereits, was Ihr fragen m�sst. Und Ihr kennt die Antwort darauf ebenfalls nicht. Doch Ihr wisst, dass Ihr Euch der Verantwortung stellen werdet, statt Euer Volk Arygos� Herrschaft zu �berlassen.�</p><p>Kalec schwieg.</p><p>�Arygos gibt viel auf seine Herkunft�, sagte er schlie�lich. �Doch er versteht nicht, dass unser ganzer Schwarm, unser ganzes <emphasis>Volk</emphasis> eine Familie sein sollte. Vereinigt sein sollte. Arygos� Art, zu denken, wird uns nicht mehr helfen�� das hat es nie getan. Und wenn der Schwarm ihm folgt, dann werden sie unabh�ngige blaue Drachen sein, als Schwarm geteilt, doch ganz sie selbst. Aber sie werden auch tot sein oder Schlimmeres.� Er l�chelte. �Mein Kopf, Herz und Bauch sagen mir das.�</p><p>�Dann habt Ihr Eure Entscheidung l�ngst getroffen.�</p><p>�Ich habe immer noch Angst. Und ich werde das Gef�hl nicht los, dass mich das zu einem Feigling macht.�</p><p>�Nein�, sagte Thrall. �Es macht Euch nur weise.�</p><empty-line/><p>Es war an der Zeit.</p><p>Thrall zog den schweren Pelzumhang enger um sich. Er stand auf der obersten der schwebenden Plattformen des Nexus, von wo er einen perfekten Blick auf den freien Himmel hatte. Einige Drachen standen in Menschengestalt neben ihm, w�hrend andere in der Luft schwebten und warteten. Die Nacht war bitterkalt wie �blich und sie war klar. Die Sterne glitzerten vor dem pechschwarzen Hintergrund. Thrall freute sich dar�ber, auch wenn es gr��ere K�lte bedeutete. Er wollte dieses bemerkenswerte, seltene Ereignis sehen, obwohl die blauen Drachen ihm versichert hatten, dass Wolken keinerlei Einfluss darauf hatten.</p><p>Sie standen bereits nahe beieinander, die Wei�e Dame und das Blaue Kind, und bald w�rde die Umarmung stattfinden. Die blauen Drachen waren �u�erst still, was Thrall zuvor noch nie erlebt hatte. Trotz ihrer kalten Art schienen sie ein sehr lebhafter Schwarm zu sein. Die Bronzedrachen waren bed�chtiger. Zweifellos lastete auf einer gewissen Ebene jedes Wort und jede Tat der Zeitwege auf ihnen. Die gr�nen Drachen schienen ruhiger, nachdem sie Jahrtausende lang getr�umt hatten. Doch die blauen Drachen waren so lebendig wie das Knistern der Magie, die ein Teil von ihnen war. Ihr Geist war messerscharf und ihre Stimmung schwankend, ihre Bewegungen schnell und lebendig. Zuzusehen, wie sie alle zusammen so ruhig beieinanderstanden oder einfach nur schwebten, ihre Augen unverwandt auf den Himmel gerichtet�� das War bemerkenswert.</p><p>Selbst Kalecgos war ungewohnt bedr�ckt. Wie alle anderen hatte er seine Drachengestalt angenommen. Obwohl Thrall es als angenehmer empfunden h�tte, mit ihm in seiner Halbelfengestalt zu reden, war er doch mit dem jungen blauen Drachen vertraut genug geworden, sodass Kalec f�r ihn nun einfach Kalec war, egal in welcher Gestalt. Thrall trat n�her und legte tr�stend eine Hand auf das untere Vorderbein des m�chtigen Drachen, das so hoch war, wie er gerade noch greifen konnte. Es entsprach einem Schulterdr�cken und Kalec sah zu ihm herab. Seine Augen spiegelten sein L�cheln, bevor er wieder den m�chtigen blauen Kopf hob, um das Ph�nomen am Himmel zu beobachten.</p><p>Thrall dachte dar�ber nach, was er sah und welche Bedeutung darin lag. Die Umarmung. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Er dachte an Malygos. Nach allem, was er gesehen und geh�rt hatte, war Malygos, bevor er dem Wahn verfallen war, so fr�hlich und gro�herzig gewesen wie Kalec. Was Todesschwinge ihm, den blauen Drachen und eigentlich allen Drachenschw�rmen auf dieser Welt angetan hatte... Thrall sch�ttelte traurig den Kopf angesichts des grimmigen Schicksals, dem einzigen Grund, warum dieses Ereignis �berhaupt stattfinden musste.</p><p>Das Kind ging gerade zur Mutter. Thrall l�chelte, selbst als er wegen der f�rchterlich kalten Luft zitterte. Eine Umarmung. Ein Moment, um zu pausieren und �ber Liebe und Magie nachzudenken und dar�ber, dass beide nicht so unterschiedlich waren.</p><p>Es war zu sp�t, um noch jemanden mit einem vern�nftigen Argument zu �berzeugen, weshalb Arygos gef�hrlich und Kalec die bessere Wahl war. Alles, was gesagt werden konnte, war bereits gesagt worden. Jeder Drache war ein Individuum. Jeder w�rde ganz individuell w�hlen. Thrall dachte an Nozdormu und die Natur der Zeit und dass diese Entscheidung bereits getroffen worden war. Es gab weder Hoffnung noch Furcht. Es gab nur noch diesen Moment. Hier in der K�lte zu stehen und zuzusehen, wie etwas Sch�nes und Seltenes direkt vor seinen Augen geschah. Der Moment w�rde sich wandeln und zu einem anderen Moment werden. Dann w�re dieser Moment die Vergangenheit und f�r immer fort�� au�er in seinem Ged�chtnis. Doch im Moment <emphasis>war</emphasis> er einfach nur.</p><p>Das Blaue Kind bewegte sich langsam�� und dann geschah es. Nach all dem Warten und Beobachten, nach all der Zeit, die so langsam verstrichen war, passierte es. Der gr��ere wei�e Mond �hielt� den kleineren. Und Thrall f�hlte Freude und �u�ersten Frieden und sah einfach zu.</p><p>Die eisige, kalte Stille des Moments wurde pl�tzlich zerst�rt, als Arygos aufw�rts in den Himmel schoss. Seine kr�ftigen Fl�gel schlugen kr�ftig und lie�en ihn an Ort und Stelle schweben. Er hob den Kopf und rief: �Lasst mich euch f�hren! Gebt mir den Segen zum Aspekt! Ich bin meines Vaters Sohn und ich sollte es sein!�</p><p>Neben Thrall keuchte Kalec. �Nein�, fl�sterte er. �Er wird uns alle vernichten...�</p><p>Arygos entschiedener Schritt erregte Aufmerksamkeit. Die Drachen wandten sich um, fast erschreckt von dem Ausbruch, und blickten Arygos statt des Ereignisses am Himmel an.</p><p>Davon ermutigt fuhr Arygos fort, seinen Schwarm um sich zu sammeln. �Ja! Ich stehe f�r das, was wahrlich wahr ist: die wahren Meister der Magie. Diejenigen, die die Kr�fte des Arkanen leiten! Ihr kennt meine F�higkeiten�� ich bin noch kein Aspekt, aber ich bin der wahre Sohn meines Vaters. Ich glaube an das, wof�r er gek�mpft hat. Ich glaube daran, dass wir unsere eigene Bestimmung w�hlen sollten! Wir sollten die arkane Magie als Werkzeug nutzen, und zwar f�r <emphasis>unsere</emphasis> Zwecke, <emphasis>unseren</emphasis> Vorteil! F�r die blauen Drachen! Daf�r wurde die Magie gemacht!�</p><p>Die Monde, Mutter und Kind, interessierten sich nicht f�r das, was im Nexus vor sich ging. Sie leuchteten weiter sanft, ihr blauwei�er Schein wurde von dem Schnee reflektiert. Es war sch�n und gespenstisch. Thrall sp�rte, dass seine Augen nicht auf den br�llenden Drachen gerichtet waren, dessen Fl�gel im Wind schlugen, sondern auf die Stille des Augenblicks.</p><p>Und langsam drehten sich auch die anderen K�pfe wieder um. Wandten sich von Arygos und seinem Versprechen von Magie als Werkzeug ab. Wandten sich dem atemberaubenden Anblick der himmlischen K�rper in perfekter Anordnung zu, dem Wunder ihres gefrierenden Atems in der kalten Luft.</p><p>Und Thrall erkannte, dass der blaue Drachenschwarm sich zwischen den beiden Wegen entschieden hatte�� zwischen Arygos und seiner Anrufung des Ruhms der Vergangenheit und zwischen der simplen Betrachtung der Umarmung. Die Drachen hatten die stille Ruhe gew�hlt... die <emphasis>Magie</emphasis>... des Augenblicks.</p><p>Arygos rief weiter, prahlte, bettelte. Dennoch schienen ihm die blauen Drachen nicht zuh�ren zu wollen. Wie Statuen, die unter dem blauen und wei�en Licht der beiden Monde standen, richteten sie ihre Aufmerksamkeit auch weiterhin auf die Umarmung. Sie schienen... �berrascht, wie sch�n sie war.</p><p>Thrall bemerkte, dass das blauwei�e Licht eine magische Illusion erschuf, die auf die ruhigen Leviathane selbst wirkte. Sie schienen zu leuchten, waren von einem besonderen Licht erf�llt und wirkten so �berw�ltigend, dass Thrall sich von den Monden abwandte und stattdessen die Drachen bestaunte.</p><p>Und dann �nderte sich das Licht. Es schien zu schwinden, l�ste sich von Arygos und legte sich auf den versammelten Drachenschwarm. Selbst Thrall wusste, dass er zu diesem erlesenen Kreis geh�rte. Und dann langsam schwand es auch von ihnen.</p><p>Es schwand nicht von Kalecgos.</p><p>Und dann verstand Thrall.</p><p>Dieses Ritual war keine Sache des Geistes. Ebenso wenig ging es um eine Wahl unter den blauen Drachen, wen sie f�r den besten Kandidaten hielten. Es ging nicht darum, den �Titel� des Aspekts zu vergeben, damit der ihn als Werkzeug f�r sich selbst und seinen Schwarm nutzte.</p><p>Das himmlische Ph�nomen wurde Umarmung genannt. Dabei ging es um das Herz des blauen Drachenschwarms, nicht um sein Gehirn. Dem neuen Aspekt konnten die Kr�fte nie durch Gedanken allein �bertragen werden. Die Titanen hatten getan, was sie f�r richtig <emphasis>hielten</emphasis>. Und in diesem Moment hatte der blaue Drachenschwarm das gleiche getan.</p><p>Sie hatten nicht einfach auf ihren Verstand geh�rt, sondern auf ihr Herz, als er und Kalec gesprochen hatten. Sie hatten Thrall und seine Reaktionen beobachtet, wie er sie beobachtet hatte. Offensichtlich hatten sie ihn geh�rt. Was er zum Thema �im Augenblick leben� gesagt hatte, �ber das Wunder, mit dem sie ihre eigenen Leben betrachten sollten, ihre eigenen F�higkeiten, ihr eigenes Ich. Sie waren etwas wirklich Sch�nes und Magisches�� mit der Kraft, die nur aus ihrer Anmut und Seltenheit entsprang und die keinerlei Dominanz oder Macht bot. Als sie zu ihnen gekommen war, hatten sie sich ihr zugewandt wie eine Blume der Sonne. Und ihre Herzen wurden bewegt, aus Angst wurde Hoffnung, statt um Aussperren ging es um das Hereinlassen.</p><p>Das Leuchten um Kalecgos wurde intensiver, selbst als es um die anderen Drachen schwand, und dann bewegte sich am Himmel das blaue Kind aus der liebenden Umarmung der Mutter.</p><p>Kalec atmete jetzt schnell, seine Augen waren vor Erstaunen weit ge�ffnet. Auf einmal schoss er in den Himmel. Thrall hob eine Hand, um sich vor der Helligkeit zu sch�tzen, die der neugeborene Aspekt ausstrahlte. Es war unertr�glich, Kalecgos anzusehen, so grell war er, wie ein Stern�� nein, wie eine Sonne�� strahlend, sch�n und schrecklich. Ihm oblag nun die ultimative Herrschaft der arkanen Magie, die ihm freiwillig von seinem Schwarm gegeben worden war. Voller Hoffnung, Liebe und Vertrauen, von Mutter und Kind, von dem Echo dessen, was die Titanen bereitwillig vor langer Zeit gegeben hatten.</p><p>Und dann pl�tzlich, als seine Fl�gel beim Schlagen schon den Himmel zu zerschneiden drohten, geschah etwas Unerwartetes.</p><p>Kalecgos lachte.</p><p>Das fr�hliche Ger�usch ging von ihm aus. Es war hell und kristallin wie der wei�e Schnee, leicht wie eine Feder, rein wie die Liebe einer Mutter. Es war nicht der zischende Laut eines Siegers, der vor Triumph lachte. Es war so k�stlich, dass man es nicht zur�ckhalten konnte. Etwas so Starkes, Lebendiges und wahrlich <emphasis>Magisches</emphasis>, was mit anderen geteilt werden musste.</p><p>Thrall bemerkte, dass auch er vor Freude lachte. Er konnte den Blick nicht von der Gestalt des blauwei�en Drachen l�sen, der am Nachthimmel tanzte. Drachengel�chter, glockenhell und merkw�rdig s��, stieg um ihn herum auf. Thralls Herz war unglaublich erf�llt, und als er sich umsah, f�hlte er in diesem verzauberten Moment eine Verbundenheit mit den gr��ten Drachen dieser Welt. Er sah auch in ihren Augen Tr�nen der Freude glitzern. Sein Herz wurde leicht und gleichzeitig ruhig und f�r einen Moment glaubte er, er k�nnte auch fliegen.</p><p>�Ihr <emphasis>Narren</emphasis>!� Wut und Schrecken in Arygos Stimme lie�en den Moment in tausend Scherben zerbersten. �Ihr dummen <emphasis>Narren</emphasis>! Ihr seid diejenigen, die den Schwarm verraten haben, nicht ich!�</p><p>Bevor Thrall die Chance hatte, die Worte zu verdauen, warf Arygos den Kopf zur�ck und stie� einen schrecklichen Schrei aus. Thrall sp�rte, wie er ihn fast k�rperlich traf. Es lag mehr als Luft und Stimme in diesem Schrei. Darin steckte auch Magie und sie bebte durch Thralls Blut und Knochen und warf ihn auf die Knie.</p><p>... <emphasis>Ihr seid diejenigen, die den Schwarm verraten haben, nicht ich</emphasis>...</p><p>Er sah zu Kalecgos auf, dem neuen blauen Drachenaspekt, der immer noch hell strahlte vor arkaner Magie. Kalecgos war nun sichtbar gr��er als sein ehemaliger Rivale, der weniger wie ein glorreiches Wesen aussah, sondern mehr wie ein h�sslicher Schmierfleck vor dem Nachthimmel. Immer noch strahlend, immer noch herrlich war Kalecgos nicht mehr ein freudvoller Herrscher, sondern ein r�chender Gott. Er faltete die Fl�gel und stie� auf Arygos zu.</p><p>�Nein, Arygos! Ich werde nicht zulassen, dass du uns zerst�rst!�</p><p>In diesem Moment erf�llte ein gr�ssliches Ger�usch die Luft�� das Ger�usch Dutzender m�chtiger schlagender Fl�gel. Thralls Augen weiteten sich beim Anflug der Zwielichtdrachen. Sie waren wie dunkle Geister, lebendige Schatten in der Gestalt von Drachen, die auf die Feste der blauen Drachen zuhielten.</p><p>Die blauen Drachen reagierten mit f�r diese riesenhaften Wesen erschreckender Geschwindigkeit. Bevor Thrall etwas erkennen konnte, schossen sie schon in den Himmel und rasten auf den Feind zu. Der Nachthimmel wurde von wei�en und hellblauen Eruptionen arkaner Energie erleuchtet. Thrall sah zu der Stelle auf, wo Kalec und Arygos in einen Kampf verstrickt waren.</p><p>�Kalec�, schrie Thrall und dachte, dass der neue Aspekt ihn unm�glich �ber die Ger�usche der Schlacht hinweg h�ren konnte. Doch ihm war klar, dass er es trotzdem versuchen musste. �Pass auf!�</p><p>Einen schrecklichen Moment lang schien es nicht so, als habe Kalec ihn geh�rt. Dann, in allerletzter Sekunde, lie� er Arygos los und warf sich nach links. Drei der Zwielichtdrachen�� obwohl Thrall nie einen gesehen hatte, wusste er, dass es sich um solche Gesch�pfe handeln musste�� hielten direkt auf Arygos zu. Zu Thralls Schreck wurden alle drei in letzter Sekunde feinstofflich und flogen harmlos durch ihren blauen Verb�ndeten hindurch, dann wirbelten sie herum, um sich erneut in die Schlacht zu werfen.</p><p>Thrall sp�rte den Drachen hinter sich eher, als dass er ihn h�rte. Er wirbelte herum, zog den Schicksalshammer und packte ihn mit beiden H�nden, seine Z�hne waren gefletscht. Er w�rde ihn mit seinem ganzen Herzen f�hren und den Drachenschwarm besch�tzen, den er zu sch�tzen und respektieren gelernt hatte. Er war gekommen, um beim Heilen zu helfen.</p><p>Er w�rde die Drachen mit seinem Leben verteidigen.</p><p>Der Zwielichtdrache war sch�n und schrecklich. Er �ffnete das Maul, zeigte seine Z�hne, die fast so gro� waren wie Thralls ganzer K�rper. Seine Vorderbeine streckten sich ihm entgegen, die Klauen ausgefahren, um ihn zu packen und zu zerrei�en, wenn das klaffende Maul ihn nicht schon vorher t�tete.</p><p>Thralls Schlachtruf: �F�r die Horde!�, kam ihm �ber die Lippen, doch er hatte ihn nicht gebr�llt. Er k�mpfte nicht f�r die Horde, nicht mehr. Er k�mpfte f�r so viel mehr�� f�r die Allianz und den Irdenen Ring, f�r den Zirkel des Cenarius und die Zerschlagenen und die Drachenschw�rme.</p><p>Er k�mpfte f�r Azeroth.</p><p>Er hob den Hammer.</p><p>Der Zwielichtdrache war fast bei ihm.</p><p>Und unvermittelt befand sich Thrall einige Meter in der Luft, etwas Starkes, Unerbittliches und Sicheres legte sich um seinen K�rper. Er blickte hinunter und sah, dass ihn Klauen umgaben. Kalecs Stimme erklang. �Auf meinen R�cken, schnell! Dort seid Ihr sicherer!�</p><p>Und Thrall wusste, dass das stimmte. Als Kalec den Orc zu seinen riesigen gefl�gelten Schultern bef�rderte, �ffnete er die Klauen. Thrall sprang, flog ein paar Sekunden durch die Luft, bevor er auf Kalecs breitem R�cken landete.</p><p>Trotz der Wesensverwandtschaft der blauen Drachen mit der kalten Magie f�hlte sich Kalecgos f�r Thrall warm an. W�rmer als selbst Desharin oder Tick, als er auf ihnen geritten war. Wenn man seinen Flug auf den beiden Drachen mit einem Fl�stern verglich, dann war das Sitzen auf dem R�cken des blauen Aspekts ein freudvoller Schrei. Energie durchfloss Thrall, die Magie knisterte und er hielt sich fest, als Kalecgos losschoss und sich hinabst�rzte. Kalec flog auf zwei Zwielichtdrachen zu und stie� seinen t�dlichen, eisigen Atem aus. Die Gegner br�llten vor Schmerz und wurden feinstofflich�� au�er an den Stellen, an denen Kalecs Atem sie vorher getroffen hatte und ihr Fleisch gefroren war. Kalec wendete, schlug mit seinem Schwanz und zerschmetterte das gefrorene Vorderbein des einen. Der Fl�gel des anderen war vereist und der Zwielichtdrache st�rzte ab�� sein nutzloser Fl�gel trug ihn nicht l�nger.</p><p>Der Orc und der Aspekt bewegten sich in sch�nster Synchronit�t. Thrall hielt sich auf Kalec, als w�re er dort festgeschwei�t, und sp�rte keine Furcht, als das gro�e Wesen hinabtauchte, wieder stieg und und sich in Kurven legte. Kalec griff mit Magie an, mit Illusionen, die einen der Zwielichtdrachen herbeilockten, w�hrend der blaue Aspekt sich auf einen anderen st�rzte und sich dabei so geschickt bewegte, dass er einem Dritten derart nahe kam, dass Thrall einen eigenen Angriff starten konnte.</p><p>�Der Hinterkopf des Sch�dels!�, rief Kalecgos.</p><p>Thralls Sprung erg�nzte Kalecgos� Bewegungen so perfekt, dass er nicht mal dar�ber nachdachte. Er landete auf dem Nacken des Zwielichtdrachen und schlug mit dem Schicksalshammer genau auf die Stelle, die Kalec ihm genannt hatte. Die Kreatur war so �berrascht, dass sie nicht mal mehr die Chance hatte, sich zu verwandeln, sondern augenblicklich starb und zur Erde hinabst�rzte.</p><p>Und da war Kalec, der elegant herangeflogen kam, und Thrall sprang erneut vom R�cken eines Drachen zum anderen. Die Fl�gel des Aspekts schlugen und sie stiegen auf, bereit, die Schlacht fortzusetzen. Der Orc blickte sich um, kaum ersch�pft, die Sinne angespannt, und erlaubte sich ein kleines L�cheln.</p><p>Die blauen Drachen gewannen.</p></section><section><title><p>15</p></title><p><emphasis>Die blauen Drachen gewannen</emphasis>!</p><p>Sie waren unterlegen, doch sie gewannen fraglos diese Schlacht. Die blauen Drachen waren durch das Auftauchen des neuen Aspekts ermutigt. Das Ritual hatte funktioniert, die Segnung der Titanen war erbeten und gew�hrt worden. Freude und Erleichterung hatten den Drachen neue Energie gegeben und die Willensst�rke, zu k�mpfen und sich zu sch�tzen.</p><p>So hatte es nicht ablaufen sollen!</p><p>Blutend, ein Teil von ihm erfroren, ein Fl�gel von einem gezielten Angriff von Kalecgos verletzt, hielt sich Arygos nur mit M�he in der Luft. Er f�hlte sich schwach, ver�ngstigt und an keines der beiden Gef�hle war er gew�hnt.</p><p>Wie hatten die Dinge nur so schrecklich schiefgehen k�nnen?</p><p>Alles, woran Arygos im Moment denken konnte�� wie ein gefangenes Tier, �berlegte er mit einer Mischung aus Panik und Emp�rung��, war Sicherheit. Eine H�hle. Ein Ort, wo er sich erholen, ausruhen und nachdenken konnte. Es gab so einen Ort, um sich zu beruhigen und den Schrecken abzusch�tteln, der sich in sein Hirn gefressen hatte wie ein dunkler Nebel.</p><p>Er blickte sich hitzig nach Kalecgos um. Da war er, gro�, leuchtend und stolz. Er strahlte mit all der Macht, die er, Arygos, sich entschlossen hatte zu verk�rpern. Und wie eine zus�tzliche Beleidigung sa� auf seinem R�cken Kalecs geliebter Orc, der wie eine Klette an ihm hing, den Hammer schwang und die Sch�del von Arygos� Zwielichtdrachen zerschmetterte.</p><p>Das Auge. Er musste zum Auge der Ewigkeit, um nachzudenken, um sich zu sammeln, um einen Plan zu entwickeln. Es war das Herz des Nexus, der R�ckzugsort seines Vaters, und es rief ihn in diesem Moment der Panik. Nur dieser Gedanke brachte ihm wenigstens etwas Ruhe. Wimmernd, was so unpassend f�r einen Drachen war, flog er los. Wie ein Stein stie� er von der Spitze des Nexus hinab, wo der Luftkampf so unerwartet schlecht lief. Er fiel mehr, als dass er flog, im letzten Moment �ffnete er die Fl�gel und glitt in den Eingang des Nexus hinein. Dann segelte er durch die labyrinthartigen G�nge, sein Herz raste, w�hrend die Panik ihre eisigen Klauen in sein Herz schlug.</p><p>Und dort war es, ein wirbelndes, nebliges Portal. Auf der anderen Seite wartete das Auge der Ewigkeit. Arygos flog schnell hindurch, tauchte in den Nachthimmel dieser kleinen Dimension. Einst war dort eine blaugraue Plattform gewesen, auf der man landen und sich erholen konnte, w�hrend man �ber die Mysterien nachdachte, die die Vergangenheit umgaben. Magische Runen hatten getanzt, waren wie leicht fallende Schneeflocken erschienen und wieder verschwunden. Der schwarze Nachthimmel war mit kalten Sternen bedeckt gewesen, er hatte sich ver�ndert, war verdreht, und in einem Teil wirbelte nun ein blauwei�er Nebel.</p><p>Die Plattform gab es nicht mehr. Sie war zerschmettert, in der Schlacht vernichtet worden, in der seinem Vater das Leben genommen worden war. Eins der herumwirbelnden Bruchst�cke enthielt immer noch eine magische Kugel, bekannt als die fokussierende Iris. Malygos hatte sein eigenes Blut benutzt, um die Kugel, die seit Jahrtausenden geschlafen hatte, zu aktivieren und zu beherrschen. Mit der ge�ffneten fokussierenden Iris war Malygos in der Lage gewesen, m�chtige Nadeln zu kontrollieren, um damit arkane Magie aus Azeroths Leylinien zu ziehen und in den Nexus zu leiten. Und es war die �ffnung der fokussierenden Iris gewesen, ein d�nner Riss mit einem lang vergessenen Schl�ssel, die Malygos zu seiner letzten Schlacht gelockt hatte.</p><p>Auch wenn es ihn an einen schlimmen Moment seines Leben erinnerte, war dieser Ort tr�stend und vertraut. Arygos sp�rte, wie er sich entspannte. Er landete auf einem der sich langsam bewegenden Teile der Plattform, faltete die Fl�gel zusammen und �ffnete das Maul. Gierig sog er die Luft in tiefen Atemz�gen ein.</p><p>�Arygos?�</p><p>Der Drache �ffnete die Augen und entfaltete augenblicklich seine Fl�gel. Wer wagte es...?</p><p>�Schwarzmoor!� Er atmete erleichtert aus. �Ich bin froh, Euch zu sehen.�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte das Gleiche sagen�, erwiderte der Mensch und trat vor. Er stand auf einem der anderen Plattformteile und sah zu dem schwebenden Drachen empor. Er nahm den Helm herunter und sein langes schwarzes Haar fiel herab. Seine blauen Augen flackerten zu Arygos. �Was ist passiert? Ich wei� nicht viel �ber Aspekte, aber ich vermute mal, Ihr seid es nicht geworden.�</p><p>Arygos wimmerte. �Nein. Sie w�hlten... <emphasis>Kalecgosss</emphasis>.� Er zischte den Namen, er war so w�tend und es klang so falsch. �Dieser dumme Orc�� er nahm mir das Herz des Drachenschwarms, das rechtm��ig mir zusteht!�</p><p>Schwarzmoor runzelte die Stirn. �Das ist nicht gut�, sagte er.</p><p>�Glaubt Ihr, das wei� ich nicht?� W�tend schlug Arygos mit seinem Schwanz auf die Plattform, die sich gef�hrlich neigte. �Das ist alles Thralls Schuld. Wenn Ihr ihn einfach get�tet h�ttet, wie Ihr solltet...�</p><p>Die Augen des Menschen verengten sich. �Ja, und wenn Ihr Aspekt geworden w�rt, wie <emphasis>Ihr</emphasis> solltet, m�ssten wir jetzt nicht diese angenehme Unterhaltung f�hren.� Seine Stimme knallte wie eine Peitsche. �Doch keiner von uns hat, was wir haben wollten, also schieben wir unsere Wut beiseite und finden heraus, wie wir es dennoch bekommen k�nnen.�</p><p>Der Mensch hatte recht. Arygos beruhigte sich. Er musste sich konzentrieren, deshalb war er ja hierhergekommen.</p><p>�Zusammen k�nnen wir vielleicht unsere beiden Ziele erreichen�, sagte Arygos, �und den Vater des Zwielichts und Todesschwinge zufriedenstellen.�</p><p>Schwarzmoor musterte ihn. �Fahrt fort.�</p><p>�Wir beide wollen, dass Thrall stirbt. Und wir beide wollen, dass ich Aspekt werde. Kommt mit mir zur�ck in den Kampf, K�nig Schwarzmoor. Nehmt Eure Rache. Wenn Ihr den Orc t�tet, wird Kalec sehen, dass nicht alles so l�uft, wie er will. Und wenn Kalec wankt, wird das Vertrauen des Schwarms ersch�ttert�� diese unseligen Wyrm. Dann ist Kalecgos verwundbar und ich kann ihn vernichten.� Er wurde aufgeregter, w�hrend er sprach, den Plan ausarbeitete, sich jeden einzelnen Schritt ausmalte. �Wenn Kalecgos erst besiegt ist, werden die blauen Drachen verzweifelt nach jemandem suchen, der sie f�hrt, und sich mir zuwenden�� so erhalte ich die Kr�fte eines Aspekts, wie ich sie von vornherein h�tte erhalten sollen! Alles ist dann, wie es h�tte sein sollen!�</p><p>�Ist das sicher?�, fragte ihn Schwarzmoor herausfordernd.</p><p>�Nein... nicht ganz, jedenfalls. Aber zu wem sonst sollte die Kraft �bergehen? Ich war der Einzige, der gegen Kalec angetreten ist. Sie werden sich mir zuwenden, wenn ich ihn als den Feigling entlarve, der er ist.�</p><p>Schwarzmoor strich mit der gepanzerten Hand durch seinen Spitzbart und dachte nach. �Mir gefallen die Chancen nicht. Ich bin nur ein Mensch. Gegen einen oder ein paar Drachen komme ich vielleicht an�� aber gegen einen ganzen Schwarm?�</p><p>�Vertraut mir. Thrall wird v�llig verwirrt sein, wenn er Euch sieht�, dr�ngte Arygos. Er mochte es nicht, zu betteln, aber er brauchte den Menschen. �Und wenn Thrall tot ist, sind die blauen Drachen geschlagen. Es sind immer noch viele Zwielichtdrachen in der Luft. Gemeinsam k�nnen wir es schaffen!�</p><p>Der Mensch nickte nachdenklich. �Nun gut. Ein riskanter Plan, aber was ist das Leben ohne Risiko, was?� Er grinste, seine wei�en Z�hne leuchteten, das L�cheln eines J�gers.</p><p>�Es ist nur ein kleines Risiko�, sagte Arygos, �f�r so eine gro�e Belohnung.� Er war erleichterter, als er gedacht hatte. Er kannte die Geschichte dieses Menschen, kannte seinen Hass auf Thrall. Schwarzmoor wollte diesen Orc tot sehen. So wie Arygos Kalec tot sehen wollte. Arygos flog zur Plattform, auf der der Mensch stand. Er kauerte sich so hin, dass Schwarzmoor leicht auf seinen R�cken klettern konnte.</p><p>Sie konnten es schaffen. Er wusste, dass sie es konnten. Dann w�ren endlich alle Hindernisse beseitigt. Er w�re Aspekt, wie er es immer hatte sein wollen.</p><p>Sein Herz hob sich mit jedem Fl�gelschlag, w�hrend er auf das wirbelnde Portal zuflog. Unter ihm schwebten und drehten sich die Teile der Plattform tr�ge. Arygos sah hinunter und bemerkte, wie sich eins �berschlug und so die fokussierende Iris enth�llte, die sich direkt unter ihm befand.</p><p>Der Schmerz kam pl�tzlich, war schockierend und scharf. Eine gl�hende Nadel durchdrang seine Sch�delplatte. Nachdem Schwarzmoors Schwert zugesto�en hatte, blieb Arygos noch lange genug am Leben, um zu sehen, wie sein rotes Blut auf die fokussierende Iris traf und wie sie sich weit �ffnete. Als er hinabst�rzte, verfolgte er, wie Schwarzmoor einen gewagten Sprung von seinem R�cken auf ein sich langsam drehendes Teil der Plattform vollf�hrte. Arygos, der Sohn des Malygos, begriff, dass er durch Verrat gestorben war.</p><empty-line/><p>In der einen Hand hielt Thrall den Schicksalshammer, w�hrend er die andere hob. Blitze krachten, bildeten in einer Kettenreaktion eine Zickzacklinie und bedeuteten den brennenden Tod von nicht weniger als vier Zwielichtdrachen. Der Schlag lie� sie alle erstarren, versengte sie und ihre ledrigen Fl�gel. Sie schrien vor Schmerz und blieben gerade noch lange genug in ihrer k�rperlichen Gestalt, dass Thrall von Kalecs R�cken auf einen der Zwielichtdrachen springen, den Schicksalshammer heben und ihm dem Drachen �ber den Sch�del ziehen konnte. Er traf nicht richtig und der Drache konnte sich noch feinstofflich machen. Thrall st�rzte ab. Er blickte hinunter auf den Schnee, der ihm entgegenzurasen schien. Doch dann erkannte er pl�tzlich Kalecs� breiten, leuchtend blauen R�cken. Thrall landete hart darauf, aber sicher.</p><p>Thrall suchte den n�chsten Feind, als der Nexus pl�tzlich ersch�ttert wurde. Licht schien von �berall her zu explodieren und selbst der m�chtige Aspekt wirbelte herum und st�rzte. Thrall klammerte sich an Kalecs R�cken.</p><p>�Was ist geschehen?�, rief Thrall.</p><p>�Eine Explosion arkaner Magie!�, rief Kalec zur�ck. Sein langer, geschmeidiger Hals war gesenkt, w�hrend er hinunter auf den Nexus blickte, der immer noch magische Energien wie ein Feuerwerk verspr�hte. �Ich bin nicht sicher, was...�</p><p>�Die Zwielichtdrachen!� Thrall schaute sich um, w�hrend Kalec nach unten sah. �Sie fliehen zur�ck zum Tempel.�</p><p>�Blaue Drachen! Zu mir!�, rief Kalec, seine Stimme klang verst�rkt und tiefer und bebte durch Thralls Sehnen. �Unser Feind flieht�� wir sind im Vorteil! Vernichtet sie, bevor sie zu ihrem Herrn zur�ckeilen k�nnen!�</p><p>Wenn Thrall geglaubt hatte, Kalec w�re zuvor schnell gewesen, konnte er jetzt kaum atmen, so pfeilschnell flog der Drachenaspekt. Die Zwielichtdrachen gaben ihr Bestes bei ihrer verzweifelten, abrupten Flucht. Sie waren so mit Fliehen besch�ftigt, dass sie das K�mpfen verga�en. Alle waren in feinstofflicher Gestalt.</p><p>Die blauen Drachen antworteten einzig mit magischen Angriffen. Die Luft zischte und knisterte vor wei�er arkaner Energie, schimmerte von eisigem Frost und den pl�tzlichen B�en eines einzigen Schneesturms. Mehrere Gegner fielen, doch noch mehr entkamen.</p><p>Die blauen Drachen folgten ihnen, grimmig und zu allem entschlossen.</p><empty-line/><p>Kirygosa beobachtete das alles und war erschrocken. Sie hoffte von ganzem Herzen, dass das B�se keinen Erfolg hatte.</p><p>Sie sp�rte, wie ihr Bruder starb, sp�rte, wie seine Lebensenergie, das Blut eines Nachk�mmlings des Malygos, benutzt und in einer Art kanalisiert wurde, die ihr verst�rend vertraut war. Der Vater des Zwielichts schien dank der Informationen, die Todesschwinge ihm gegeben hatte, zweifelsfrei genau zu wissen, was er tat.</p><p>Sekunden nach dem Tod ihres Bruders zog ein Sturm am Himmel �ber dem Wyrmruhtempel auf. Schwarz-lila Wolken wirbelten w�tend umher. Mit einem m�chtigen Krachen entlud sich der Himmel. Kirygosa schrie auf und presste die H�nde auf ihre gepeinigten menschlichen Ohren.</p><p>Blendend wei�es Licht schoss nach oben und unten. Es war wie eine Lanze, die den Himmel bis ins Unendliche durchstie� und ebenso tief in die Erde eindrang. Sie erkannte es als eine Nadel, ein Werkzeug, das aus arkaner Energie bestand. Einst hatte Malygos solche Nadeln benutzt, um arkane Magie aus den Leylinien von Azeroth in den Nexus zu transferieren.</p><p>Nun wurde der Prozess umgekehrt. Die Nadel zog <emphasis>Kraft aus</emphasis> dem Nexus.</p><p>Und gefangen von der Nadel zwischen Himmel und Erde war Chromatus.</p><p>Die Spitze von fast unfassbarer magischer Energie bohrte sich in den riesigen, gesprenkelten, leblosen K�rper der Monstrosit�t. Kirygosa zitterte, w�hrend sie es beobachtete, schlang die Arme um sich und registrierte kaum die Nadeleinstiche und Narben auf ihrer bleichen Haut. Sie wusste nur zu genau, dass sie ein Grund von mehreren war, weshalb dieser gespenstische Vorgang vor ihr ablief. Sie hatten sie f�r Experimente benutzt. Doch sie hatten sie aus zwei Gr�nden am Leben gelassen: wegen ihrer Abstammung und ihres Geschlechts.</p><p>�Du hast Gl�ck, meine Liebe�, sagte der Vater des Zwielichts neben ihr. �Gl�cklich unter den Drachen bist du, dies mitzuerleben... und etwas dazu beigetragen zu haben.�</p><p>�Sieht so aus, als h�tte mein Bruder einen gr��eren Anteil geleistet�, sagte Kiry so zornig, dass ihre Stimme rau und br�chig klang. �So also belohnt der Schattenhammer Dienst und Treue. Arygos hat f�r Eure Sache einen ganzen Schwarm verraten�� eigentlich ein ganzes Volk�� und du hast ihn get�tet!�</p><p>�Ich habe ihn get�tet, weil er versagt hat, nicht, weil er diente�, erwiderte der Vater des Zwielichts milde. �Und ja, so honoriert der Schattenhammer Versagen.�</p><p>�Todesschwinge schien nicht sehr zufrieden mit den Fortschritten zu sein, die <emphasis> du</emphasis> gemacht hast�, zischte Kirygosa eisig. �Du k�nntest der N�chste sein, nach meinem armen irregef�hrten Brud...�</p><p>Er zog an der Kette. Ihre Worte wurden zu einem gequ�lten Wimmern, als sich die Kette in ihren Hals brannte. �Ich w�rde meine Worte sorgf�ltiger w�hlen, Kleine.�</p><p>Sie bekam wieder Luft und einen verzweifelten Moment lang erschien ihr der drohende Tod s��er als eine Existenz als Werkzeug, das ihrem Schwarm schadete. Sie �ffnete den Mund zu einer beleidigenden Antwort, als ein wildes, euphorisches Br�llen von einer aufgeregten Gruppe Kultisten unter ihnen ihr die Worte in der Kehle ersterben lie�.</p><p>Chromatus <emphasis>bewegte</emphasis> sich.</p><p>Nur ein wenig und schwer zu erkennen, aber eine Klaue �ffnete und schloss sich. Der Rest von ihm lag da wie tot. Dann zuckte der m�chtige Schwanz. Ein Kopf�� der Schwarze�� drehte sich.</p><p>Der Vater des Zwielichts lief zum Rand der Plattform. �Er lebt! <emphasis>Er lebt</emphasis>!� Er ballte eine Faust und stie� sie in die Luft.</p><p>Die Gruppe unten jubelte noch lauter.</p><p>Die magische Nadel pulsierte. Ihre Energie bohrte sich in den belebten K�rper. Mit jedem Moment, der verging, schien es Kirygosa, als w�rde das Monster st�rker. Seine anderen Gliedma�en begannen zu zucken. Einer nach dem anderen hoben sich die h�sslichen K�pfe. Wie Tentakel eines riesigen Seeungeheuers zuckten und bewegten sie sich, sahen sich um, �ffneten ihre M�uler. Zehn Augen standen nun offen und ihre Farbe zeigte eine �bereinstimmung, die dem Rest des Drachen fehlte. Jedes Augenpaar war von hell leuchtendem Lila. Er war zwar am Leben und bewegte sich. Aber an einigen Stellen waren die Knochen zu sehen. Schuppen waren abgefallen, verwesende Haut darunter sichtbar geworden. Jedem der K�pfe schien <emphasis>etwas</emphasis> zu fehlen�� ein Ohr, ein triefendes Auge...</p><p>�Chromatus!�, rief der Vater des Zwielichts. �Zu mir, mein Sohn, den ich geboren habe. Sieh mich an!�</p><p>Ein rotes Ohr zuckte. Gr�ne N�stern leuchteten. Der bronzefarbene Kopf drehte sich langsam auf dem Hals. Einer nach dem anderen, zun�chst noch unbeholfen, da unge�bt, folgten die K�pfe, bis alle f�nf den Vater des Zwielichts ansahen.</p><p>�Unser... Vater�, sprach der bronzefarbene Kopf mit vornehmer Stimme, obwohl die Worte zun�chst noch schwerf�llig klangen.</p><p>Die lila Augen in dem blauen Kopf zogen sich zusammen, als ihr Blick auf Kirygosa fiel. D�steres Gel�chter dr�hnte durch den blauen Kopf. Als er sprach, klang seine Stimme merkw�rdig lieblich, auch wenn die Worte nur z�gernd kamen.</p><p>�Hab keine Angst, kleine Blaue. Dein Bruder lebt�� in mir. Wir sp�ren unsere Verwandtschaft.� Die anderen K�pfe wandten sich ab, waren wenig interessiert an dem, was der blaue Kopf zu sagen hatte. �Auch du wirst dienen.�</p><p>�Niemals!�, schrie Kirygosa, deren Geist sich aufzul�sen drohte angesichts der Schrecken, die sie gezwungen war mitanzusehen. �Die blauen Drachen werden dir niemals dienen! Nicht, solange Kalecgos sie anf�hrt!� Sie erwartete einen harten Zug an der Kette und wappnete sich gegen den scharfen Schmerz.</p><p>Stattdessen lachte der Vater des Zwielichts. �Verstehst du es denn immer noch nicht? Und ich dachte, die blauen Drachen w�ren intelligent!�</p><p>Sie wollte es nicht h�ren. Sie wollte es nicht verstehen. Aber sie bemerkte, wie ihre Lippen die Frage stellten: �Was verstehen?�</p><p>�Wof�r er gemacht wurde!�</p><p>Kirygosa zwang sich, Chromatus anzusehen. Sie sah einen h�sslichen chromatischen Drachen, wegen seiner f�nf K�pfe schrecklicher als jeder andere, die...</p><p>�Nein�, fl�sterte sie, als sie die Erkenntnis wie ein physischer Schlag traf. �Nein...�</p><p>�Jetzt... jetzt erkennst du es�, s�uselte der Vater des Zwielichts, seine Stimme klang fr�hlich. �Herrlich, nicht wahr, dieser kommende Untergang in all seiner Unausweichlichkeit! Es ist uninteressant, ob die blauen Drachen wieder einen Aspekt haben. Es ist uninteressant, ob Ysera erwacht ist oder ob Nozdormu gefunden wurde, selbst ob die Lebensbinderin zur�ckkehrt.� Er presste die Lippen an ihr Ohr und fl�sterte, als w�rde er ein besonders intimes Geheimnis verraten: �Chromatus lebt... damit die Aspekte sterben.�</p><p>Kirygosa verlor den letzten Halt, den sie vielleicht noch gesp�rt hatte. Sie warf sich auf den Vater des Zwielichts, schrie, kratzte und biss. Ihre einfache menschliche Attacke war seiner Magie nicht gewachsen�� und der Kraft der Kette. Sie schrie ein einziges vergebliches Wort, als k�nne das die kommende Katastrophe verhindern.</p><p>�Nein!... Nein!... Nein!...�</p><p>�Ruhe!�, br�llte der Vater des Zwielichts und zerrte an der silbernen Kette.</p><p>Kiry st�rzte und zuckte vor Schmerz.</p><p>�Ach nein�, fuhr der schwarze Kopf von Chromatus fort. Seine Stimme war seidig, zischend, kalt. Chromatus erhob sich langsam, aber seine Bewegungen wurden immer anmutiger, w�hrend er entdeckte, wie er seinen K�rper kontrollieren konnte. �Lass die kleine Blaue ruhig reden. Es wird sp�ter umso s��er. Sie wird...�</p><p>Der rote Kopf unterbrach den schwarzen und wandte sich in Richtung Westen. Er bewegte sich ungelenk, immer noch nicht richtig vertraut mit seinem K�rper. �Sie kommen�, schrie der Kopf mit klarer, kr�ftiger Stimme. �Ich bin noch nicht v�llig erholt! Was hast du getan, Vater?�</p><p>Und Kirygosa begann zu lachen. Es schrillte ihr in den Ohren und sie wusste, dass es hysterisches Gel�chter war, aber es sprudelte aus ihr heraus wie ein pl�tzlich gebrochener Damm. Sie hob einen zitternden <emphasis>Finger</emphasis>, wies auf die Zwielichtdrachen, die mit vollem Tempo auf den Tempel zuflogen, nicht weit dahinter ihr eigener blauer Schwarm.</p><p>�Du hast dich verrechnet!�, rief sie. �Der gro�e Vater des Zwielichts mit all seinen wundervollen Pl�nen! Aber deine Drachen haben den Schwanz zu schnell eingezogen und mein Schwarm kommt, um euch zu vernichten, deine Abscheulichkeit und dich! Welchen Plan hast du nun, o weiser Mann?�</p><p>Der Vater des Zwielichts war so w�tend, dass er sich gar nicht erst mit der Kette abgab. Seine behandschuhte Hand traf ihre Wange so hart, dass ihr Kopf zur Seite flog. Doch Kirygosa lachte immer noch und winkte mit den Armen.</p><p>�Kalecgos! Kalec!�</p><p>Und da war er!</p><p>Ihr Herz pochte. Weisheit und Mitgef�hl hatten sich durchgesetzt. Der Aspekt der Magie war gr��er als jeder andere Drache und er trug in seinem strahlenden Licht eine kleine Gestalt auf dem R�cken. Es hatte lange gedauert, aber nun wurde all die Kraft weder von einem wahnsinnigen Geist geleitet noch von einem, der auf Rache und Verrat aus war. Tr�nen f�llten ihre Augen und sie weinte vor Gl�ck.</p><p>Er w�rde nicht sterben und auch keiner der anderen Aspekte. Sie schlugen endlich zu, bevor Chromatus sein volles vernichtendes Potenzial erreicht hatte.</p><p>Unter ihr warf Chromatus seine K�pfe zur�ck und br�llte, alle Stimmen�� zischend, stark, melodisch�� vereinten sich zu einer schrecklichen Symphonie. Das Monster stie� sich ab und flog hoch in den Himmel. Einen Augenblick lang wankte es, dann wurde sein Fl�gelschlag kr�ftiger und es griff an.</p><p>Kirygosa hatte vor allem in den letzten Monaten ihrer Gefangenschaft Albtr�ume gehabt. T�glich war sie gefoltert worden, gefangen in ihrer menschlichen Gestalt. Dabei hatte sie auf den Tod gewartet. Ja, sie hatte viele Albtr�ume durchlitten. Doch die waren nichts gegen die schreckliche Realit�t gewesen, die sie nun miterleben musste.</p><p>Chromatus bewegte sich ruckartig, wie eine Puppe, ein Ding, das niemals existieren d�rfte. Doch er war sogar gr��er als der Aspekt Kalecgos. Und seine ungelenken Bewegungen liefen irgendwie schneller ab, seine brutalen Schl�ge waren t�dlicher als die der lebendigen Drachen, egal, ob sie an seiner Seite oder gegen ihn k�mpften. Er setzte mehr als physische St�rke und Beweglichkeit ein. Unter das Wei� arkaner Magie und das Lila der Zwielichtdrachenangriffe mischten sich andere Farben: das Rot vom Feuer der roten Drachen, eine smaragdgr�ne Giftwolke der gr�nen Drachen: Chromatus k�mpfte mit den F�higkeiten aller anderen Drachenschw�rme gleichzeitig.</p><p>Kirygosa konnte die Triumphschreie der Zwielichtdrachen h�ren, die pl�tzlich mit neuem Enthusiasmus k�mpften. Noch vor wenigen Augenblicken hatten sie feige den Schwanz herumgeworfen, jetzt waren sie wieder eisern entschlossen und unerbittlich in ihrem Kampf.</p><p>Schon der reine Anblick dieser Obsz�nit�t war erschreckend. Dieses Monster h�tte nicht <emphasis>sein</emphasis> sollen und doch war es hier, spie Feuer, benutzte Illusionen, ging mit dem Tod auf seine ungelenke Art um, die irgendwie brutal und zugleich t�dlich effektiv war.</p><p>Mehrere Drachen aus Kirygosas Schwarm wurden unmittelbar von Chromatus get�tet. Andere waren starr vor Schreck und wie hypnotisiert von dem Anblick des chromatischen Drachen, dass sie nicht auf die Zwielichtdrachen achteten, die immer noch in der Luft waren. Kirygosa sah, wie ein blauer Drache versuchte, von hinten an Chromatus heranzukommen. Doch mit einem einzigen, fast beil�ufigen Schlag seiner machtvollen Klaue brach er ihm das Genick. Der blaue Drache war augenblicklich tot und wieder mit seinem Artgenossen vereint. Schmerzerf�llt wandte sich Kirygosa ab und verbarg ihr Gesicht. Eine feste Hand packte ihre und zog sie weg. Sie richtete ihre tr�nenerf�llten Augen auf den Vater des Zwielichts. Dabei h�tte sie beinahe die Gesichtsz�ge unter der dunklen Kapuze erkannt.</p><p>�Wer lacht jetzt, kleines blaues M�dchen?�, zischte er. �Chromatus ist kaum aus dem Schlaf des Todes erwacht und sieh nur, was er tut! Sieh!� Er zerrte sie zum Rand der Plattform, packte ihr Kinn und schob die Arme beiseite. <emphasis>�Sieh</emphasis>!�</p><p><emphasis>Immerhin</emphasis>, dachte Kirygosa, <emphasis>kann er mich nicht zwingen, meine Augen zu �ffnen</emphasis>.</p><empty-line/><p>Thrall konnte f�rmlich sp�ren, wie das Gef�hl der Niederlage durch den blauen Drachenschwarm lief. Er f�hlte es mit ihnen.</p><p>Es war ein Drache, aber ein Drache, der aus dem schlimmsten Albtraum der Verlassenen hervorgegangen schien. Er hatte f�nf K�pfe, jeder von einer anderen Farbe. Das Monster bewegte sich ruckartig und war halb verrottet, als w�rde die Gei�el zum Angriff blasen. Doch dieses Ding lebte, es war nicht untot. Jeder der K�pfe griff mit solcher Gewalt an, dass ein ganzer Schwarm, der den Sieg praktisch schon in H�nden gehalten hatte, in Panik verfiel.</p><p>�Was ist das?�, rief er Kalec zu.</p><p>Der Aspekt antwortete nicht sofort. Er war zu besch�ftigt, ein paar Angriffe abzuwehren. Dann schrie er zur�ck: �Ein chromatischer Drache!�</p><p>Thrall erinnerte sich, was Desharin ihm �ber diese Kreaturen berichtet hatte. Es waren Flickwerk-Monster, deren Teile aus allen f�nf Schw�rmen stammten. Desharin hatte gesagt, sie alle w�ren tot.</p><p>Dieses hier war jedoch offensichtlich sehr lebendig.</p><p>Thrall starrte eine Sekunde das Biest an, versuchte herauszufinden, was es war und was es dem blauen Drachenschwarm und selbst Kalecgos, dem neuen Aspekt, antat. Es war nur ein Augenblick der Unachtsamkeit, des Schrecks�� aber es war ein Augenblick zu lang.</p><p>Das Ding griff sie an, die f�nf K�pfe bereit. Der Gestank seines verrotteten Fleischs war fast �berm�chtig. Kalec warf sich aus dem Weg. Thrall klammerte sich mit all seiner Kraft fest. Er w�hnte sich schon in Sicherheit, als etwas gegen seinen K�rper krachte. Irgendetwas schlug nach ihm, als w�re er nicht mehr als eine Fliege, die auf dem R�cken eines Wolfs ritt. Obwohl Kalecs kunstvolles Man�ver ihn vor einem direkten Angriff des vielk�pfigen chromatischen Drachen bewahrt hatte, erkannte er, dass selbst dieser fast beil�ufige Schubser ausreichte, um ihn von Kalec herunterzuschlagen.</p><p><emphasis>Das ist also schlie�lich der Tod</emphasis>, dachte er, als er vom R�cken des Aspekts st�rzte und auf die rauen Felsen zu krachen drohte.</p><p>Er schloss die Augen, dr�ckte den Schicksalshammer an sein Herz und war froh, mit einer Waffe in der Hand zu sterben. Er fragte sich, ob er den Aufprall wohl sp�rte, bei dem sein R�ckgrat zerschmettert oder sein Sch�del zertr�mmert w�rde.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Thrall sp�rte beides nicht. Es folgte ein Aufprall, der weit weicher war als erwartet, aber er hielt seinen Fall nicht auf. Eine Sekunde sp�ter, als er schlie�lich zur Ruhe kam, erkannte er, dass kalte Feuchtigkeit ihn umgab. Er konnte nichts sehen, konnte kaum atmen. Er war offensichtlich nicht auf den Fels aufgeprallt, sondern in den Schnee gefallen, der seinen Fall gebremst hatte. Er lebte. Er hatte Prellungen am ganzen K�rper, aber seine Lungen arbeiteten... und er war am Leben.</p><p>Er schloss die Augen und blendete die Realit�t aus.</p><p>Vor seinem inneren Auge sah er, wie er auf einer Felsspitze neben einer sch�nen, gebeugten Gestalt sa�. Alexstrasza blickte ihn an, ihr K�rper strahlte Trauer und dumpfe Verzweiflung aus.</p><p><emphasis>Ihr versteht es nicht</emphasis>, hatte sie zu ihm gesagt.</p><p><emphasis>Was verstehe ich nicht, Alexstrasza</emphasis>?</p><p><emphasis>Das ist egal. Alles. Es ist egal, ob alles miteinander in Verbindung steht. Es ist egal, wie lange das schon so l�uft. Es ist auch egal, ob wir es aufhalten k�nnen</emphasis>.</p><p><emphasis>Die Kinder sind tot. Korialstrasz ist tot. Ich bin praktisch auch schon tot, lange wird es nicht mehr dauern. Es gibt keine Hoffnung mehr. Nichts ist mehr da. Nichts ist wichtig</emphasis>.</p><p>Er hatte es nicht erkannt, nicht damals. Er war voller Hoffnung gewesen, nachdem er Nozdormu befreit hatte. Auch Kalec mit seinem fr�hlichen Optimismus hatte Thrall ermutigt, weiterzuk�mpfen, sich weiter abzum�hen, sich dem eindringenden Zwielicht entgegenzustellen.</p><p>Aber Alexstrasza hatte recht. Das alles war egal.</p><p>Kalecgos war wahrscheinlich von der schrecklichen Kreatur besiegt worden, die es geschafft hatte, den Angriff der blauen Drachen zur�ckzuschlagen, als w�ren es nur Stiche von vielen w�tenden Insekten gewesen. Der Schattenhammerkult w�rde siegen. Sie w�rden sie erst versklaven und dann vernichten.</p><p>Wie egal war es da, dass er weiteratmete? Wie egal war da all die harte Arbeit, Sorge und Anstrengung, die der Irdene Ring aufbot, um die Welt zu heilen? Es war f�r nichts.</p><p>Es sei denn...</p><p>Das feine Gesicht der ersch�tterten Lebensbinderin wich einem anderen. Es war schroffer, kantiger, mit Sto�z�hnen und dunkler Haut. Doch sein Herz begann pl�tzlich zu pochen und zu schmerzen, als w�rde es erwachen.</p><p>Vielleicht zerst�rte der Kult diese Welt. Vielleicht hielten sich die Schamanen vom Irdenen Kult selbst zum Narren, wenn sie versuchten, das Land zu heilen, nur um in ihren Untergang zu gehen.</p><p>Doch in der Trostlosigkeit, der Verzweiflung und der Dunkelheit wusste Thrall eine Sache.</p><p><emphasis>Korialstrasz ist tot</emphasis>, hatte Alexstrasza gesagt. Sie w�rde niemals wieder ihren Gef�hrten sehen, ihren Begleiter und Freund, niemals wieder sein Gesicht ber�hren, niemals wieder sein L�cheln sehen.</p><p>Aber Aggra war nicht tot. Und �berraschenderweise war Thrall es nach diesem Sturz auch nicht.</p><p>Er keuchte, als der Schmerz zur�ckkehrte. Seine k�hlen Lippen bewegten sich und fl�sterten einen Namen: <emphasis>�Aggra</emphasis>...�</p><p>Sie hatte ihn ermutigt, zu gehen�� hatte es ihm auf ihre schroffe Art praktisch befohlen. Doch hinter diesem �Befehl� steckte so viel Liebe, das erkannte er erst jetzt. Sie hatte ihn nicht zu ihrem eigenen Wohl weggeschickt. Sie hatte es, weil es f�r ihn gut war und f�r diese Welt. Er erinnerte sich daran, wie sehr ihn ihre Weisheit und ihre spitze Zunge irritiert hatten. Sie sagte, was sie dachte, und f�hlte, was sie f�hlte, w�hrend sie es dachte und f�hlte. Er erinnerte sich an die Z�rtlichkeit, als sie ihn w�hrend des Ritus der Vision besch�tzt und gef�hrt hatte. Und die wahrlich s��e Mischung aus Freundlichkeit und Wildheit, die ihre Beziehung ausmachte.</p><p>Er wollte sie wiedersehen. Vor dem Ende aller Dinge.</p><p>Und anders als Alexstrasza, die verletzt und allein in Desolace kauerte, die sich mit einer Leere umgab, die f�r ihr eigenes verw�stetes Herz stand, <emphasis>konnte</emphasis> er seine Geliebte wiedersehen.</p><p>Ihm war kalt, sein K�rper wurde rasch taub, aber er stellte sich vor, wie er mit Aggra zusammen war�� so lebhaft, warm und echt��, und befreite sich aus der Lethargie. Thrall zwang seine Lungen f�rmlich, zu arbeiten, die kalte Luft, so tief er konnte, einzuatmen, und klammerte sich an den Lebensgeist, der in ihm schlummerte.</p><p>Das war es, was den Schamanen die Verbindung mit den Elementen erm�glichte. Alle Wesen hatten diese Verbindung, doch nur die Schamanen verstanden sie und konnten sie nutzen. Einen Moment lang erschrak Thrall vor dem eigenen Versagen. Das war der Teil, mit dem er damals am Mahlstrom Probleme gehabt hatte. Er hatte vor den Mitgliedern des Irdenen Rings versagt. Thrall war zu abgelenkt gewesen und hatte sich nicht richtig konzentrieren, sich nicht tief genug in sich selbst versenken und das dort lauernde Wissen zutage f�rdern k�nnen.</p><p>Aber dieses Mal war er weder niedergeschlagen noch unkonzentriert. Er sah Aggras Gesicht wie eine Fackel in der Dunkelheit einer unbekannten Zukunft vor sich. Mit geschlossenen Augen erblickte er sie, l�chelnd, mit einem Hauch Verspieltheit in ihren goldenen Augen, und hielt ihre Hand.</p><p><emphasis>Diese starke Hand in deiner</emphasis>...</p><p>Oh, wie sehr er das wollte. Wie richtig es ihm jetzt erschien. Eigentlich war es nur eine kleine Sache, doch in seinem Herzen war sie gr��er als jede Furcht vor Tod und Zerst�rung.</p><p>Und als er ihr und dem Geist des Lebens sein Herz �ffnete, empfing er noch eine Vision.</p><p>Diese Vision stammte nicht von Aggra oder aus seinem eigenen Leben. Wie eine Szene in einem Theaterst�ck spielte sie sich in seinem Geist ab: Da war ein Held, ein B�sewicht, eine schockierende Enth�llung; Trag�die und Missverst�ndnisse. Sein Herz, das Aggra immer noch vermisste, schmerzte nun nicht vor Zuneigung zu seiner Frau, sondern vor Mitgef�hl, weil er diese Erfahrung teilte.</p><p>Dieses Wissen... Alexstrasza...</p><p>�Sie muss es erfahren�, fl�sterte er und bewegte die kalten Lippen. �Ich muss sie finden und es ihr berichten.�</p><p>Am Ende waren es nur diese Verbindungen, die z�hlten. Am Ende waren sie alles, was z�hlte. Sie waren es, die Lieder und die Kunst inspirierten, den Antrieb, in die Schlacht zu ziehen, bildeten: die Liebe zum Land oder zur Kultur, zu einem Ideal oder einem Individuum. All das lie� die Herzen schlagen, bewegte Berge, formte die Welt. Und Thrall wurde durch beide Visionen klar, dass er und eine andere, die ebenso trauerte, wirklich tief und innig geliebt wurden. Geliebt f�r das, was sie <emphasis>waren</emphasis>, und nicht f�r das, was sie tun konnten. Und es war egal, welchen Titel der Macht sie trugen.</p><p>Aggra liebte Thrall f�r das, was er im Kern war, und er liebte sie auf die gleiche Art und Weise.</p><p>Alexstrasza war auch so geliebt worden und musste nur wieder daran erinnert werden. Thrall war tief in seinem Innern klar, dass er der Einzige war, der sie das wissen lassen konnte.</p><p>Der Geist des Lebens �ffnete sich ihm. Er floss durch ihn, war warm und sanft, aber auch stark. Energie str�mte durch beinahe erfrorene Gliedma�en und er begann, sich den Weg durch den Schnee nach oben zu erk�mpfen. Er arbeitete im Rhythmus seines eigenen Atems, machte nur kurz Pausen, um einzuatmen, und schob den Schnee beim Ausatmen fort. Er war ruhig und klar, konzentriert, wie er es noch nie zuvor gewesen war, sein Herz voll mit neuen Offenbarungen, die er unbedingt weitergeben musste.</p><p>Es war nicht leicht, aber der Geist des Lebens baute ihn auf�� seine Energie war stark und gleichzeitig freundlich. Schlie�lich zog Thrall sich selbst aus dem Loch, setzte sich auf und kam zu Atem. Langsam stemmte er sich hoch und begann seine n�chsten Schritte zu �berdenken.</p><p>Seine Kleidung war durchn�sst. Er brauchte W�rme, ein Feuer, und dann musste er seine nasse Kleidung ausziehen, bevor sie ihn umbrachte�� und bei diesem Wetter w�rde das schnell geschehen. Er schaute sich nach irgendwelchen Drachen um, die nach ihm suchten, sah aber nichts am Himmel au�er Wolken und den �blichen V�geln. Er wusste nicht, wie lang er ohnm�chtig gewesen war, aber die Schlacht war eindeutig vorbei�� auf die eine oder andere Weise.</p><p>Schutz zuerst, dann Feuer. Er sah sich nach einem passenden Ort um. Dort dr�ben schien eine H�hle zu sein oder zumindest ein Hohlraum in den Felsen, ein dunklerer Fleck im Grau der Umgebung.</p><p>Und es war seine Zielgerichtetheit, seine Klarheit, nicht seine Sinne, die ihm einen Herzschlag sp�ter das Leben retteten.</p><p>Er wirbelte herum, den Schicksalshammer bereit, und konnte gerade noch rechtzeitig den Schlag abblocken, den der Schatten austeilte, der ihn schon so lange jagte.</p><p><emphasis>Schwarzmoor</emphasis>!</p><p>Er trug die Teile der Plattenpanzerung, die Thrall nun klar erkannte, das leuchtende Breitschwert, das fast gr��er war als er selbst. Schwarzmoor setzte nach, dabei steckte etwas in ihm, das gr��er war als normale menschliche St�rke.</p><p>Doch diesmal war es anders.</p><p>Das erste Mal, als der dunkle Meuchelm�rder aus den Schatten getreten war und derart unerwartet angegriffen hatte, dass er Desharins Kopf vom K�rper trennen konnte, war Thrall vollkommen �berrascht gewesen. Als Schwarzmoor ihm durch den Zeitweg gefolgt war und versucht hatte, das Kind Thrall zu t�ten, war er unsicher gewesen. Und als er die wahre Identit�t des geheimnisvollen M�rders entdeckte, best�rzt.</p><p>Die Tatsache, dass Schwarzmoor nicht nur lebte, sondern auch solche Kraft in sich trug, hatte Thralls Vertrauen in alles ersch�ttert, was er je getan hatte. Es hatte einen Schatten auf alles geworfen, was Thrall war. Alles, was er erreicht hatte, was er geworden war.</p><p>Doch nun fletschte Thrall die Z�hne und lie� nicht zu, dass er von diesen Dingen derma�en geschw�cht wurde. Sein K�rper war geheilt, aber immer noch halb erfroren, und er wusste, dass seine Bewegungen zu langsam waren, um sich ohne Hilfe verteidigen zu k�nnen.</p><p><emphasis>Geist des Lebens, hilf mir, diesen Feind zu besiegen, der nicht leben sollte, damit ich deine Visionen zu all denen bringen kann, die davon wissen m�ssen</emphasis>!</p><p>W�rme durchflutete ihn, freundlich, doch m�chtig, gew�hrte seinen Gliedern Kraft und Gelenkigkeit. Am Rande bekam Thrall mit, dass selbst seine Kleidung irgendwie getrocknet war. Eine tr�stende Energie st�rkte ihn. Er fragte nicht, nahm die Hilfe einfach dankbar an. Thrall griff an, ohne dar�ber nachzudenken, lie� Jahre der Erfahrung in Schlachten seine Hand leiten und landete Treffer auf Treffer auf der gestohlenen R�stung, die Schwarzmoor zu tragen wagte. Der Mensch erschrak und sprang zur�ck, ging in Verteidigungshaltung und hielt das riesige Schwert bereit.</p><p>�Ich verstehe, warum ich dich ausbilden lassen wollte�, zischte Schwarzmoor, dabei erkannte Thrall seine Stimme, auch wenn Schwarzmoor einen Helm trug. �Du bist sehr gut... f�r eine Gr�nhaut.�</p><p>�Die Entscheidung, mich auszubilden, war schon einmal dein Tod, Aedelas Schwarzmoor, und sie wird es wieder sein. Du kannst das Schicksal nicht betr�gen.�</p><p>Schwarzmoor lachte, ein lautes Ger�usch voll echtem Spott. �Du bist aus einer unglaublichen H�he gest�rzt, Orc. Du bist verwundet und lebst kaum noch. Es ist dein Schicksal, hier im frostigen Norden zu sterben, nicht meines, von dir get�tet zu werden. Auch wenn du bemerkenswert stark warst, wird es ein Genuss sein, dich zu zermalmen. Doch ich f�rchte, ich muss mich noch um andere Angelegenheiten k�mmern. <emphasis>Fleischfetzer</emphasis> hat sich schon seit einer Weile nicht mehr gelabt. Ich mache es kurz.�</p><p>Er betonte den Namen, als wolle er Thrall die Furcht direkt ins Herz stechen. Stattdessen lachte der Orc.</p><p>Schwarzmoor runzelte die Stirn. �Was am�siert dich so im Augenblick deines Todes?�</p><p>�Daran bist <emphasis>du</emphasis> schuld�, sagte Thrall. �Der Name deines Schwertes ist einfach l�cherlich.�</p><p>�L�cherlich? Das sollte er nicht sein. Es hat tats�chlich das Fleisch derjenigen zerfetzt, die ich get�tet hatte!�</p><p>�Oh, nat�rlich�, sagte Thrall. �Doch es ist so primitiv�� so plump und ungebildet. So, wie du tief in deinem Innern bist. Was du so verzweifelt vermeiden wolltest.�</p><p>Schwarzmoors Stirnrunzeln vertiefte sich, w�hrend er knurrte: �Ich bin K�nig. Bedenke das.�</p><p>�Nur von einem gestohlenen K�nigreich. Und du wirst aus mir keine Leiche machen!�</p><p>W�tend griff Schwarzmoor erneut an. Doch Thrall parierte den Angriff trotz seiner Verletzungen von dem beinahe t�dlichen Sturz und ging in die Offensive.</p><p>Schwarzmoor hatte damals im Augenblick seines Todes gesagt, dass Thrall nur das war, was er�� Schwarzmoor�� aus ihm gemacht hatte. Es war eine Bemerkung, die den Orc gekr�nkt hatte. Er hatte nicht glauben wollen, dass irgendetwas von diesem Mann ein Teil von ihm war. Drek�Thar hatte ihm geholfen, einiges davon ins rechte Licht zu r�cken, doch nun, als die Waffen gegeneinanderschlugen und Funken spr�hten, erkannte Thrall, dass er in seinen Gedanken Schwarzmoors b�sen Einfluss nie ganz losgeworden war.</p><p>Der Mann vor ihm, der das Breitschwert mit starken Armen und t�dlicher Entschlossenheit f�hrte, war seine Schattenseite. Durch ihn hatte Thrall die v�llige Machtlosigkeit kennengelernt und er hatte danach die meiste Zeit seines Lebens mit dem Vorsatz verbracht, niemals wieder so hilflos zu sein. Und mit der Klarheit und Einsicht der beiden Visionen hatte er eingesehen, dass Schwarzmoor all das darstellte, wogegen Thrall in sich selbst ank�mpfte.</p><p>�Einst habe ich dich gef�rchtet�, grunzte Thrall.</p><p>Er hielt den Schicksalshammer in seiner starken gr�nen Hand, hob die andere und spreizte die Finger. Dann �ffnete er den Mund und ein Schrei gerechter Wut durchschnitt die kalte Luft. Ein Wirbelwind erschien und nahm wie ein Zyklon aus Eis den gefrorenen Schnee auf. Mit einer schnellen, pr�zisen Bewegung seiner Hand lenkte Thrall ihn gegen Schwarzmoor. Der Wirbel hob ihn hoch und h�her. Mit einer weiteren Handbewegung holte Thrall seinen ehemaligen Peiniger wieder herunter. Er lag, wo er hingefallen war, einen Arm an die Brust gedr�ckt, und schnell �berbr�ckte Thrall die Distanz zwischen ihnen.</p><p>Er starrte auf die schlaffe Gestalt, seine Augen verengten sich. W�hrend er sprach, hob er den Schicksalshammer zum t�dlichen Schlag �ber den Kopf.</p><p>�Du warst alles, was ich gehasst habe... Schw�che, die nur durch Gl�ck in einer Machtposition war. Du hast daf�r gesorgt, dass ich mich selbst hasste... auf eine Art...�</p><p>Schwarzmoor kam auf die Knie und stie� mit Fleischfetzer nach Thralls ungesch�tztem Torso. Thrall warf sich zur�ck, aber die �u�erste Spitze traf. Der Orc zischte, als zwei Zentimeter Stahl in seinen Bauch eindrangen und er in den Schnee st�rzte.</p><p>�Sag ruhig alles, damit du dich besser f�hlst, Orc�, spottete Schwarzmoor. �Du bist immer noch auf dem besten Weg, deinen Ahnen zu begegnen.�</p><p>Die Stimme klang br�chig und der Sto� war deutlich schw�cher gewesen als die vorherigen. Thrall musste Schwarzmoor verwundet haben, und zwar st�rker, als er urspr�nglich gedacht hatte.</p><p>Thrall zischte, schwang den Schicksalshammer erneut und zielte auf die Beine seines Gegen�bers. Schwarzmoor hatte wohl erwartet, dass der Orc sich erst erhob, bevor er zuschlug, und nicht aus der liegenden Position angreifen w�rde. Deshalb schrie er laut auf, als der Schicksalshammer so unerwartet in ihn krachte. Die R�stung fing zwar einiges ab, doch der Schlag war kr�ftig genug, um Schwarzmoor von den Beinen zu rei�en.</p><p>Dieser Mann war kein Riese unter den Menschen. So wie Taretha auf dem korrumpierten Zeitweg sie selbst geblieben war, so war es auch bei Schwarzmoor. Er mochte sich nicht dem Trinken ergeben haben, doch nach wie vor zog er seine Energie aus der St�rke anderer. Und er war immer noch Aedelas Schwarzmoor: ein kleingeistiger Mann, der sich auf Verrat und Manipulation verlie�.</p><p>Und Thrall war immer noch der, der <emphasis>er</emphasis> war.</p><p>Als Jugendlichen hatte Schwarzmoor Thrall einsch�chtern k�nnen. Und er hatte ihn auf dem falschen Fu� erwischt, als er erneut auftauchte und ein st�rkeres Individuum zu sein schien. Doch obwohl Thrall nur seine Robe trug, umgab ihn dennoch eine neue R�stung. Obwohl er den vertrauten Schicksalshammer f�hrte, schwang er neue Waffen. Er sp�rte die Liebe zu Aggra in seiner Seele brennen. Es war keine Ablenkung, sondern eine stete, tr�stliche Glut, best�ndig und wahr�� wahrer als der Hass, der von diesem Mann ausging, der verzweifelt auf den Schnee schlug und versuchte, auf seine beiden verwundeten Beine zu kommen. Der ein Schwert mit einem geschw�chten Arm f�hrte, der schnell nutzlos wurde. Aggras Liebe war R�stung und Waffe, die Thrall sch�tzten, ihm erm�glichten, sein Allerbestes in diesen Kampf einzubringen, egal ob es um Geist oder K�rper ging.</p><p>Thrall verstand wie nie zuvor, dass diese Momente, in denen Schwarzmoor gewonnen hatte, indem er ihn einsch�chterte und seine Entschlossenheit untergrub, nun vorbei waren. Dadurch verlor er die Macht �ber ihn.</p><p>Thrall lebte in <emphasis>diesem Moment</emphasis> und in <emphasis>diesem Moment</emphasis> hatte er keine Angst.</p><p>In <emphasis>diesem</emphasis> Moment w�rde Schwarzmoor nicht gewinnen.</p><p>Es war an der Zeit, die Sache zu beenden. Schwarzmoor zu seiner Bestimmung zu verhelfen: dem Tod durch Thralls Hand. All die Zweifel und Unsicherheiten und �ngste dorthin zu schicken, wohin sie geh�rten: wahrlich und f�r immer in die Vergangenheit.</p><p>Seine Wunde blutete, die W�rme seines eigenen schwarzroten Blutes durchn�sste seine Robe. Der Schmerz half ihm, sich zu konzentrieren.</p><p>Thrall f�hrte den Schicksalshammer wie ein Meister der Waffen, der er ja auch war. Der Hammer schlug Fleischfetzer beiseite, Schwarzmoors geschw�chter Arm war nicht mehr in der Lage, ein zweih�ndiges Schwert effektiv zu f�hren.</p><p>Im selben Augenblick l�ste Thrall eine Hand vom Schaft und hob sie hoch in den Himmel. Ein Knacken erklang und ein gro�er Eisbrocken l�ste sich vom Fels�berhang �ber ihnen. Wie ein Dolch, von ge�bter Hand gef�hrt, stie� er auf Schwarzmoor zu. Es war nur gefrorenes Wasser, es konnte eine R�stung nicht durchdringen. Aber es konnte den Menschen wie eine Riesenfaust niederstrecken.</p><p>Ein Schmerzensschrei entrang sich Schwarzmoor, als er im Schnee auf die Knie fiel. Waffenlos, beinahe ohnm�chtig hob Schwarzmoor die H�nde Thrall flehentlich entgegen.</p><p>�Bitte...� Die Stimme war rau und schwach, doch in der klaren Luft konnte Thrall ihn gut h�ren. �Bitte verschone mich...�</p><p>Thrall war nicht ohne Mitleid. Doch gr��er als das Mitleid in seinem Herzen war der Wunsch nach Gerechtigkeit. Sowohl in dem verdrehten Zeitweg, der diesen Aedelas Schwarzmoor hervorgebracht hatte, wie auch auf Thralls eigenem Zeitweg, wo der Mensch nicht hingeh�rte.</p><p>Thrall hob die Waffe hoch �ber den Kopf. Sein Blick ruhte weniger auf der flehentlichen Geste, sondern auf dem Leuchten der Plattenpanzerung, die Orgrim Schicksalshammer einst getragen hatte. Die er, Thrall, einst getragen und die er ehrf�rchtig abgelegt hatte.</p><p>Die Schlange streifte ihre Haut ab. Sein Geist wurde immer klarer und st�rker. Es schien, dass das Ablegen seines alten Ichs ein lebenslanger Prozess war. Nun war Thrall bereit, all die zur�ckgebliebenen �berreste der Macht abzustreifen, die dieser Mensch �ber ihn hatte.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Sein Herz war ruhig. Weder Freude noch Rache erf�llten ihn, denn in dem, was er tun musste, lag keine Freude. Und doch war es eine Art Befreiung.</p><p>�Nein�, sagte Thrall. �Du solltest nicht hier sein, Schwarzmoor. Du solltest nirgendwo sein. Mit diesem Schlag stelle ich die Dinge richtig.�</p><p>Er schlug mit dem Schicksalshammer zu, zermalmte den Metallhelm mitsamt dem Kopf darin. Schwarzmoor war augenblicklich tot.</p><p>Thrall hatte seinen Schatten get�tet.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Schwarzmoor starb stumm. Der Schnee unter seinem Leichnam wurde matschig und rot. Thrall atmete tief ein, dann wieder aus und taumelte zur Seite, bevor er sich schwerf�llig niederlie�. Die Anstrengung der Schlacht und der Sturz machten sich bemerkbar. Thrall sp�rte, wie sich ein L�cheln �ber sein Gesicht ausbreitete, und er merkte, dass es sehr wehtat. Er schloss die Augen, bat um Heilung und sp�rte die W�rme durch seinen K�rper str�men. Er war ersch�pft und hatte Schmerzen, doch er hatte sich dem Schlimmsten gestellt und �berlebt.</p><p>Er war immer noch nicht bereit, aufzugeben. Er g�nnte sich einen Moment Ruhe, um sich zu erholen, dann stand er auf. Er musste Schutz finden. Er brauchte ein Feuer und Nahrung. Er w�rde hier nicht sterben, nicht solange er Aggra hatte, zu der er zur�ckkehren konnte�� und ein anderes Wesen, das seine Hilfe ben�tigte.</p><p>Er war schon einige Zeit mit schleppenden Schritten gegangen, als pl�tzlich ein gro�er Schatten auf den Schnee fiel. Thrall blickte auf, seine Augenlider waren mit Eis verkrustet, und er erkannte eine gro�e, reptilien�hnliche Gestalt, die �ber ihm schwebte. Sie befand sich zwischen ihm und der Sonne und er konnte seine Farbe nicht erkennen. Sein K�rper war total schlaff, er konnte sich kaum bewegen, trotzdem hob er den Schicksalshammer. Er wollte nicht zulassen, dass so etwas Simples wie ein Zwielichtdrache zwischen ihn und Aggra trat.</p><p>�Haltet ein, Freund Orc�, erklang eine leicht am�sierte Stimme. �Ich bin hier, um Euch zu W�rme und Nahrung zu bringen. Naja, eigentlich hatte ich gedacht, dass ich Euch zu Eurem eigenen Heldenbegr�bnis zur�ckbringe. Doch stattdessen ist mir der Dank meines Aspekts sicher.�</p><p>Es war ein blauer Drache! Thrall war so erleichtert, dass seine Beine nachgaben. Bevor er ohnm�chtig wurde, sp�rte er als Letztes, dass m�chtige Klauen sich sanft um ihn schlossen.</p><empty-line/><p>Eine Stunde sp�ter war Thrall zur�ck in dem mittlerweile vertrauten magisch verzauberten Raum im Nexus. Er sa� auf einem Stuhl, eingeschlagen in eine warme Decke, hielt eine dampfende Tasse eines Getr�nks in der Hand, das s�� und w�rzig war und seine St�rke mit jedem Schluck zur�ckbrachte.</p><p>Die Kohlenpfanne loderte hell und Thrall streckte die H�nde in ihre Richtung. Er war heute dem Tode mehrfach nahe gewesen�� dem Tod von mehr als nur seinem K�rper. Doch er hatte sich geweigert, zu sterben, und nun war er hier und froh dar�ber. Dankbar f�r die W�rme des Feuers und die Freundschaft der blauen Drachen, die noch nach ihm gesucht hatten, als alle Hoffnung schon vergebens schien.</p><p>�Thrall...�</p><p>Der Orc erhob sich, um seinen Freund Kalecgos zu begr��en. Ein erleichtertes L�cheln zeigte sich auf dem Halbelfengesicht des Drachen und beide H�nde packten Thralls Oberarme. �Ihr seht schlimm aus. Aber es ist ein wahrer Segen, dass wir Euch an diesem ansonsten d�steren Tag gefunden haben. Erz�hlt mir, was geschehen ist. Mein Herz war tief verwundet, als Ihr gest�rzt seid... Ich konnte Euch nicht finden.�</p><p>Thrall l�chelte, seine Augen waren feucht. �Der Schnee bremste meinen Sturz, er verbarg mich aber auch vor Euch allen. Offenbar sind die Ahnen noch nicht bereit, mich aufzunehmen.�</p><p>�Narygos, der Euch gefunden hat, sagte mir, dass nicht weit entfernt eine Leiche lag�, meinte Kalec.</p><p>�Schwarzmoor�, sagte Thrall. Er hatte Wut erwartet, wenn er den Namen laut aussprach. Doch �berrascht musste er feststellen, dass er einfach keine Wut und keinen Hass in seinem Herzen trug. Schwarzmoor war wahrlich besiegt. Er war fort, und das nicht nur aus diesem Zeitweg, wo er niemals h�tte sein d�rfen. Sein Einfluss war ebenfalls fort. Jede Macht, die er �ber Thrall gehabt hatte, war mit ihm gestorben.</p><p>Kalec nickte. �Das hatte ich mir schon gedacht, als mir der Leichnam beschrieben wurde. Ich bin froh, dass Ihr gewonnen habt�� aber �berrascht, wenn ich das sagen darf. Solch einen Sturz zu �berleben und die K�lte. Und dann musstet Ihr auch noch k�mpfen. Nun, anscheinend seid Ihr Orcs h�rter, als ich angenommen hatte.�</p><p>�Ich war nicht allein in meinem Kampf, sagte Thrall leise. �Aber ich kenne jemanden, der es ist.� Kalec sah ihn neugierig an und Thrall erkl�rte: �Ich habe jemanden zur�ckgelassen, weil Ysera mich darum gebeten hat. Ich werde sie wiedersehen, egal, was mit dieser Welt geschieht.�</p><p>Nun nickte der blaue Drache. �Ich verstehe�, sagte er. �Ich hoffe, das werdet Ihr, Thrall.�</p><p>�Dessen bin ich mir sicher.� Er beobachtete Kalec. �Aber ich glaube... dass Ihr Euch nicht so sicher seid.�</p><p>Kalec runzelte die Stirn und wandte sich ab. �Ihr seid w�hrend des Kampfs hinuntergest�rzt, Thrall�, sagte er leise. �Ihr habt nicht gesehen, was danach geschah.�</p><p>Er wurde still und Thrall wartete geduldig.</p><p>�Dieses Wesen, dieser Chromatus, wie der Vater des Zwielichts ihn genannt hat... wisst Ihr, was er ist?�, fragte Kalec.</p><p>�Ihr nanntet ihn einen chromatischen Drachen. Desharin berichtete mir von solchen Kreaturen. Er sagte, sie w�ren alle tot.�</p><p>Kalec nickte mit seinem leuchtenden blauen Kopf. �Das dachten wir auch. Sie sind nichts Nat�rliches, Thrall. Sie sind Kreationen. K�nstlich erschaffene Wesen. Und dieser�� von dem ich noch niemals zuvor geh�rt habe�� war eindeutig Nefarians Sch�pfung. Ich habe noch nie eine Bestie mit f�nf K�pfen gesehen.�</p><p>�F�nf K�pfe�, �berlegte Thrall, �jeder mit der Farbe von einem der Schw�rme.� Es war ein schreckliches Bild, eines, das er nicht verbannen konnte, sosehr er es auch versuchte.</p><p>�F�nf K�pfe�, wiederholte Kalecgos mit wachsendem Schrecken. �Das ist es, Thrall! Chromatische Drachen lebten nie sehr lange. Aber vielleicht steckt darin das Geheimnis, das Nefarian entdeckte: f�nf K�pfe, f�nf Gehirne. Vielleicht macht das Chromatus so m�chtig, auch wenn... auch wenn er schwach wirkte.�</p><p>Jetzt konnte Thrall seine Verwunderung nicht verbergen. �Schwach?�</p><p>Kalec wandte sich ihm zu. �Schwach�, wiederholte er. �Er taumelte, er sank hinab. Manchmal konnten seine Fl�gel ihn kaum tragen. Und doch konnte mein Schwarm nicht gegen ihn und die Zwielichtdrachen bestehen. Er hat mich geschlagen, Thrall. Ich bin ein Aspekt und ich bin nicht arrogant, wenn ich davon ausgehe, dass kein Drache, mit Ausnahme anderer Aspekte, in der Lage sein sollte, mich zu schlagen. Aber ich musste den R�ckzug anordnen oder er h�tte mich und meinen ganzen Drachenschwarm get�tet. Wir machten gegen ihn, was wir konnten. Und er war <emphasis>schwach</emphasis>.�</p><p>Thrall wusste, dass Kalec stets versuchte, positiv zu denken. Er gab sich nicht leichtfertig negativen Gef�hlen wie Wut oder Verzweiflung hin. Und dennoch bemerkte Thrall Niedergeschlagenheit, Sorge und auch Hoffnungslosigkeit in seiner Mimik und Stimme. Thrall verstand, warum. �Er war aus irgendwelchen Gr�nden noch nicht vollst�ndig erstarkt�, sagte er. �Aber wenn er das ist...�</p><p>Kalecs blaue Augen enthielten ein Universum des Schmerzes. �Es scheint, dass nichts ihn aufhalten kann�, sagte er leise.</p><p>�Ja�, stimmte Thrall gedankenvoll zu. �Nicht <emphasis>ein</emphasis> Ding.�</p><p>�Wir sind zu einer Zeit zersplittert, wo wir die Einheit am meisten brauchen�, sagte Kalec. �Dieser Chromatus an der Spitze der Zwielichtdrachen... er wird siegen, er wird sowohl mich als auch meinen Schwarm v�llig <emphasis>ausradieren</emphasis>, wenn wir ihn auch nur eine Sekunde ohne Verst�rkung angreifen.�</p><p>�Ysera und Nozdormu werden kommen�, sagte Thrall zuversichtlich. �Sie und ihre Schw�rme werden sich mit Euch verb�nden.�</p><p>�Das wird nicht reichen�, erwiderte Kalec matt. �Wir brauchen die roten Drachen. Nein... mehr als das, wir brauchen die Lebensbinderin selbst. Mein Schwarm ist best�rzt, Thrall, und ich gebe es zu: Ich bin es auch. Dieses Ding zu sehen, zu wissen, dass man nicht gewinnen kann...� Er sch�ttelte den Kopf. �Wir brauchen die Hoffnung, die nur sie uns bringen kann. Doch sie hat selbst keine. Und ohne sie, glaube ich, werden wir fallen.�</p><p>�Ich werde noch einmal mit ihr reden�, sagte Thrall.</p><p>�Sie hat Euch schon beim letzten Mal nicht zugeh�rt�, sagte Kalec, eine f�r ihn v�llig uncharakteristische Bitterkeit vergiftete seine angenehme Stimme. �Sie wird Euch auch diesmal nicht zuh�ren. Wir sind verloren, Thrall, und... ich wei� nicht, was ich tun soll. Ich bin ein Aspekt. Mir wurden... neue Einblicke gew�hrt und ich sp�re dennoch auf so viele Arten, dass ich mich nicht ver�ndert habe. Ich sp�re, dass ich einfach Kalecgos bin und nicht wei�, was ich tun soll.�</p><p>Thrall ging zu seinem Freund und legte die gro�e gr�ne Hand auf Kalecs Schulter. �Es ist diese Bescheidenheit in Eurem Herzen, mit der Ihr Euren Schwarm f�r Euch gewinnen konntet. Ihr m�gt all die Macht eines Aspekts besitzen, aber das hat nichts daran ge�ndert, wer Ihr in Eurem Herzen seid. Ich wei�, dass Ihr tapfer seid, Kalec. Und ich wei�, dass es fast unm�glich ist. Aber... w�hrend ich im Schnee lag, halb zwischen Leben und Tod...�, er z�gerte, �... hatte ich eine Vision. Eine, von der ich in meinem Herzen wei�, dass sie wahr ist und nicht der letzte, wirre Atemzug der Hoffnung eines sterbenden Orcs.�</p><p>Kalecgos nickte und schien ihm zu glauben. �Was war das f�r eine Vision?�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Das kann ich Euch nicht sagen, noch nicht. Erst muss Alexstrasza sie h�ren. Und deshalb glaube ich, dass ich sie vielleicht doch zur�ckbringen kann. Und mit der Lebensbinderin und ihren roten Drachen an unserer Seite�� nun, da denke ich, dass sich Chromatus doch ein bisschen unwohl f�hlen sollte.�</p><p>Und sie grinsten einander an.</p><empty-line/><p>Die Mitglieder des Schattenhammerkults hatten pausenlos zu tun. Chromatus hatte den Funken des Lebens erhalten, obwohl sein K�rper immer noch abscheulich war und verweste. Jetzt lag er v�llig ausgehungert auf dem Schnee vor dem Tempel und sie brachten ihm Fleisch, um ihn zu f�ttern. Jeder Kopf schlemmte gefr��ig.</p><p>Der Vater des Zwielichts stand neben ihm und war fast euphorisch �ber den Sieg. Todesschwinge w�rde keinen Fehler entdecken k�nnen bei all dem, was an diesem Tag geschehen war. Schwarzmoor hatte die Entt�uschung namens Arygos vernichtet und das seltene Blut des Drachen benutzt, der Sache auf einer Art und Weise zu helfen, die der blaue Drache zu Lebzeiten vers�umt hatte. Au�erdem hatte einer der Zwielichtdrachen berichtet, dass Thrall von Kalecs R�cken gefallen war. Schwarzmoor war ihm gefolgt, f�r den Fall, dass er �berlebt haben sollte. Die Zwielichtdrachen hatten die blauen Drachen vertrieben, und was das Wichtigste war, Chromatus war zum Leben erwacht. Und selbst als Neugeborener hatte er die Besten des blauen Drachenschwarms geschlagen, angef�hrt von ihrem neuen Aspekt Kalecgos.</p><p>Chromatus hatte die letzte Stunde meist geschwiegen, w�hrend er mit Schneewehenelchen gef�ttert worden war. Doch nun machte er eine Pause und hob seinen gro�en schwarzen Kopf.</p><p>�Ich brauche mehr�, sagte er ohne Interesse.</p><p>�Du bekommst alles, was du brauchst, Chromatus�, versicherte der Vater des Zwielichts ihm. �Wir bringen dir Fleisch, bis du selbst jagen kannst.�</p><p>�Das werde ich bald�, sagte der schwarze Kopf mit tiefer Stimme, die man mehr f�hlte als h�rte. �Je n�her es noch dem Leben ist, wenn meine Z�hne es zerfleischen, desto s��er der Geschmack.�</p><p>�Das stimmt�, sagte der Vater des Zwielichts.</p><p>Chromatus lie� den schwarzen Kopf sinken, um weiterzufressen, aber er hob den roten. Den Kopf im Profil, rollte eines der riesigen Augen und starrte auf den Menschen hinunter.</p><p>�Die Drachen werden sich nicht einfach so freiwillig ergeben�, sagte er. �Sie werden es erneut versuchen.�</p><p>Der Vater des Zwielichts erkannte die Warnung, die in der Stimme lag, nicht wirklich. �Sie w�ren Narren, wenn sie es t�ten. Ich glaube, sie sind zu demoralisiert, um so dumm zu sein�, entgegnete er. �Ysera ist verschwunden und ihr Schwarm wei� nicht mehr ein noch aus. Nozdormu wurde vielleicht gefunden, doch er muss sich und seinen Schwarm erst zusammenf�hren, um ihren Freunden zu helfen. Alexstrasza heult wie ein Menschenm�dchen und ihr Schwarm kann offensichtlich selbst grundlegende Dinge nicht ohne sie tun. Du hast den blauen Drachen gezeigt, wie m�chtig du bist, und ihr Aspekt ist zu weichherzig, um sie mit der n�tigen St�rke zu f�hren. Ihr angeblicher Held Thrall liegt entweder tot in einer Schneewehe oder wurde von Schwarzmoors Breitschwert aufgespie�t. Ich glaube, du kannst dich in Ruhe erholen, mein Freund.�</p><p>Der rote Kopf des Drachen starrte ihn b�se mit seinen leuchtenden lila Augen an. �Ich bin nicht dein Freund, Vater des Zwielichts�, sagte er leise, doch mit einer gewissen Sch�rfe, die das Herz des Menschen einen Moment aussetzen lie�. �Noch bin ich dein Kind oder Diener. Wir beide dienen dem m�chtigen Todesschwinge. Um ihm zu dienen, wurde ich erschaffen, und das ist unsere einzige Gemeinsamkeit.�</p><p>Der Vater des Zwielichts zeigte seine Angst nicht, obwohl er vermutete, dass der Drache sie riechen konnte. Er nahm sich einen Moment, um sicherzustellen, dass seine Stimme nicht zitterte. �Nat�rlich, Chromatus. Wir beide dienen ihm in vollkommener Loyalit�t.�</p><p>Die gro�en Augen zogen sich zusammen, doch Chromatus ging auf diesen Punkt nicht weiter ein. �Du bist kein Drache. Du verstehst sie nicht wie ich. Vielleicht sind sie im Moment uneins und verzweifelt, doch sie werden wiederkommen. Sie werden kommen, bis keiner von uns oder ihnen mehr da ist.�</p><p>�Was�, f�gte der blaue Kopf lachend hinzu, �nach dem n�chsten Gefecht der Fall sein k�nnte. Trotzdem bist du derjenige, der ein Narr w�re, wenn du nicht vorsichtig bist. Ich erhole mich noch zu meiner vollen St�rke. Ich werde beim n�chsten Angriff st�rker sein als jetzt.� Er machte eine Pause, senkte den blauen Kopf und �ffnete das Maul weit, um eine ausgewachsene Elchkuh in einem Bissen zu verschlingen. �Malygos� Tochter lebt doch noch, oder?�</p><p>Der Vater des Zwielichts war verwirrt. �Ja, sie lebt noch. Aber wir haben bereits das Blut eines Nachfahren von Malygos, um die Nadel zu aktivieren.�</p><p>Der schwarze Kopf nickte dem Menschen zu. �Es ist ihre Abstammung, nicht ihr Blut, das jetzt z�hlt.�</p><p>�Oh�, sagte der Vater des Zwielichts, als ihm die Erkenntnis d�mmerte: <emphasis>�Oh</emphasis>. Soll ich, ahm, sie jetzt zu dir bringen?�</p><p>�Die Zeit vergeht�, sagte der bronzene Kopf. �Ich bin der einzige Erfolg der Experimente meines Vaters. Vielleicht sollten wir eine weniger labile... mehr... <emphasis>traditionelle</emphasis>... Methode, chromatische Welpen zu zeugen, w�hlen, um sicherzustellen, dass sie stark genug zum �berleben sind. Ich als Vater und das letzte Kind von Malygos als Mutter? Ja... unsere Kinder werden st�rker sein. Doch zuerst muss ich mich ausruhen. Bring sie in ein paar Stunden zu mir. Mach dir keine Gedanken um die Kette... Ich werde sie befreien, wenn ich so weit bin. Selbst in Drachengestalt ist sie keine Herausforderung f�r mich.�</p><p>Der Vater des Zwielichts wandte sich an einen der Helfer. �In drei Stunden bringt ihr die blaue Drachengefangene zu Chromatus. Ich muss mit unserem Meister sprechen und ihn �ber unseren Erfolg informieren.�</p><p>�Euer Befehl ist mein Leben�, erwiderte der Helfer und hastete davon.</p><p>Chromatus� gr�ner Kopf fra� einen weiteren Elch, zermalmte die Knochen, w�hrend er den Helfer forteilen sah. Mit einem mehrstimmigen Seufzen, das nach rohem Fleisch roch, lie� er sich auf den schneebedeckten Boden nieder und schloss seine zehn Augen. Doch bevor er sich dem Schlaf ergab, sprach der schwarze Kopf noch einmal: �Und mein Befehl�, sagte er zum Vater des Zwielichts, �das <emphasis>deine</emphasis>.�</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts kniete vor der Kugel, die mit Dunkelheit und Gefahr gef�llt war.</p><p>�Mein Lord Todesschwinge�, sagte er dem�tig.</p><p>Die Kugel sprang auf, entlie� den dunklen Rauch, der das Bild des glut�ugigen, monstr�sen Drachen bildete. �Ich hoffe, du hast gute Nachrichten f�r mich�, dr�hnte der schwarze Drachenaspekt.</p><p>�Die habe ich�, sagte der Vater des Zwielichts schnell. �Die bestm�gliche Nachricht. Chromatus lebt!�</p><p>Ein tiefes, zufriedenes Lachen dr�hnte und sowohl in der Antwort wie auch im Echo sp�rte der Vater des Zwielichts die Erde selbst beben, wenn auch nur schwach. �Das <emphasis>sind</emphasis> gute Neuigkeiten. Ich bin erfreut �ber deinen Erfolg! Berichte mir weitere gute Neuigkeiten.�</p><p>Der Vater des Zwielichts z�gerte. Ungl�cklicherweise gab es schlechte Nachrichten, doch selbst die hatten ihr Gutes. �Arygos hat versagt, aber er konnte uns am Ende doch noch n�tzlich sein, wie Ihr es eigentlich von der Frau vermutet hattet. Sein Blut aktivierte die fokussierende Iris und mit der Iris konnten wir die ganze arkane Energie des Nexus nutzen! Wir erschufen eine Nadel, um all die herrliche Kraft direkt in Chromatus zu leiten.�</p><p>Es folgte eine Stille, die fast schrecklicher war als Todesschwinges Wut und der Augenblick schien sich �ber Jahrhunderte auszudehnen.</p><p>�Dann wurde Arygos nicht als Aspekt erw�hlt? Er lieferte mir nicht die blauen Drachen?� Die Stimme war leise, fast ruhig. Doch nichts war wirklich ruhig an dem verr�ckten Aspekt.</p><p>�Nein, mein Lord. Ich verstehe auch nicht, wie das passieren konnte. Doch irgendwie wurden die Kr�fte des Aspekts auf jemand anders �bertragen.�</p><p>�Kalecgos�, sagte Todesschwinge, spie das Wort aus und erf�llte es mit Hass.</p><p>�Ja, mein Lord. Arygos rief die Zwielichtdrachen herbei, als er erkannte, was geschah. Dann floh er zu dem Auge, wo Schwarzmoor ihn t�tete und sein Blut nahm. Der blaue Schwarm, angef�hrt von Kalecgos, griff uns augenblicklich an. Doch, mein Lord, Chromatus, obwohl erst gerade geboren und schwach, konnte sie trotzdem in die Flucht schlagen. Wenn er erst bei voller St�rke und Kraft ist, wird nichts und niemand gegen ihn bestehen k�nnen. Ihr seht also, es ist egal, ob Kalecgos der neue Aspekt ist. Wir werden dennoch siegen!�</p><p>Er wartete auf die Antwort seines Herrn. Der Schwei� sammelte sich unter seinen Achselh�hlen. Es dauerte lange.</p><p>�Ich hatte schon gedacht, ich m�sste kommen und die Aufgabe selbst erledigen�, sagte Todesschwinge. In seiner Stimme schwang eine unterschwellige Warnung mit.</p><p>Der Vater des Zwielichts bem�hte sich, seine Erleichterung nicht zu zeigen. �Nein, Gro�es Wesen. Ihr seht, ich diene Euch gut.�</p><p>�Es ist... beruhigend. Ich bin an einem wichtigen Wegpunkt meiner Pl�ne angekommen. Es h�tte mich w�tend gemacht, mich davon abwenden zu m�ssen. Was du sagst, ist verdienstvoll. Aber was ist mit Thrall? Ist er tot?�</p><p>�Er st�rzte in der Schlacht von Kalecgos� R�cken�, berichtete der Vater des Zwielichts. �F�r den Fall, dass er �berlebt hat, was unwahrscheinlich ist, folgte ihm Schwarzmoor.�</p><p>�Du glaubst also, er ist tot?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich glaube das nicht�, sagte Todesschwinge. �Ich will seinen Leichnam sehen. Such so lange, wie du musst, und bring ihn mir. Ich will ihn sehen, bevor ich ihn abschreibe.�</p><p>�Wie mein Lord will, so soll es geschehen.�</p><p>�Chromatus braucht immer noch ein wachsames Auge, bis er sich v�llig erholt hat. Ihm darf nichts geschehen.�</p><p>�Ihm wird nichts geschehen. Chromatus hat ein Auge f�r die Zukunft. Er hat verlangt, dass Kirygosa zu ihm gebracht wird. Mit dem Versprechen ihrer Eier, denke ich, haben wir das Problem der kurzlebigen chromatischen Drachen gel�st.�</p><p>�Chromatus ist weise. Gut, gut. Sie sollte sich geehrt f�hlen, die Mutter der Zukunft zu sein.� Sein groteskes metallisches Gebiss �ffnete sich in der Nachahmung eines Grinsens. �Das gef�llt mir. Du hast es gut gemacht, trotz aller R�ckschl�ge, die du erlitten hast, Vater. Mach weiter so und du sollst belohnt werden.� Der Rauch, der Todesschwinge gebildet hatte, wirbelte auf, senkte sich zu Boden und verwandelte sich wieder zu einer festen schwarzen Kugel, die sich kl�rte, um ihre eigentliche Gestalt anzunehmen. Der Vater des Zwielichts atmete aus und wischte sich �ber seine feuchten Brauen.</p><empty-line/><p>Sie hatten tats�chlich ein fast vollst�ndiges Laboratorium mitgebracht. Und dieses Labor war Kirygosa so vertraut geworden. Sie wusste, dass jeder Becher, jede Phiole, Nadel und �Probe� in ordentlich beschrifteten Beh�ltern lagerte. Sie kannte die Ger�che und den Klang des Orts und sie kannte die Werkzeuge, mit denen die Apotheker ihre Arbeit verrichteten.</p><p>Hier hatte sie Schmerz erlitten, Erniedrigung und qu�lende Trauer. Doch sie hatte immer gewusst, auch wenn sie sich manchmal den Tod gew�nscht hatte, sie wollte ihn doch nicht wirklich. Und sie hatte gewusst, dass sie sie nicht t�ten w�rden... nicht solange sie noch gebraucht wurde. Doch wenn sie mit ihr fertig waren, w�rden sie sie tats�chlich nicht mehr brauchen.</p><p>Ihr Herz raste. Sie beobachteten sie genau. In der Vergangenheit hatte sie ihre W�chter mit Z�hnen und Klauen bek�mpft. Sie hatte sich stets eine kleine Befriedigung verschafft, indem sie sie verletzte, bevor sie begannen, sie zu foltern. Jetzt erwarteten sie fraglos einen noch wilderen Kampf. Stattdessen hatte sie ein freudloses Gesicht aufgesetzt. Ersch�pft, wie sie war, traten ihr ohne Probleme Tr�nen in die Augen.</p><p>�Die blaue Drachenfrau protestiert nicht mehr?�, fragte einer sp�ttisch, halb um sie zu reizen, halb war er ehrlich �berrascht.</p><p>�Warum sollte ich das auch?�, fragte Kirygosa matt zur�ck. �Es hat mir bislang nichts gebracht. Und davor hatte ich die Hoffnung auf Rettung.� Sie blickte ihn aus tr�nenerf�llten Augen an. �Aber diesmal werde ich nicht weggeschleppt und vergessen, bis ihr mich das n�chste Mal braucht, oder?�</p><p>Der andere, ein weiblicher Troll namens Zuuzuu, sch�ttelte den Kopf und gackerte. �Ich glaube, niemand hat dir gesagt, wo es diesmal hingeht.�</p><p>Schreck durchfuhr kalt Kirygosas Bauch. �Ich... dachte, ihr br�chtet mich wieder ins Labor.�</p><p>Die beiden Kultisten tauschten ein grausames L�cheln aus. �Nein, du niedliches kleines Drachenm�dchen�, sagte Zuuzuu. �Du kommst zu Chromatus.�</p><p>�W-Was?�, stammelte Kiry. Sie konnten doch nicht meinen, was sie dachte, dass sie meinten... nicht dieses f�nfk�pfige verwesende Monster...</p><p>�Er glaubt, dass ihr beide eine gesunde chromatische Brut zeugen k�nnt�, sagte Josah, ein gro�er, st�mmig gebauter Mensch mit rotblondem Haar. �Ein Wort der Warnung: Erwarte lieber kein nettes Abendessen davor.�</p><p>Beide lachten, Zuuzuu mit dem f�rchterlichen Gegacker und Josah mit seinem selbstgef�lligen herzhaften Bellen.</p><p>Kirygosa wollte sie t�ten. Sie wollte sie zerrei�en, wollte fliehen, fliegen, um von den Zwielichtdrachen get�tet oder zu Tode gefoltert zu werden. Jedes Schicksal war ihr lieber als das, das sie erwartete.</p><p>Im selben Moment erkannte sie, dass das die Gelegenheit war, die sie nie zuvor gehabt hatte. Sie schluckte den Klo�, der in ihrem Hals aufgestiegen war, herunter, zwang sich, nicht vor Wut und Schrecken zu beben, und runzelte die Stirn, w�hrend sie nachdachte.</p><p>�Wenn wir es t�ten�, sagte sie, �w�re ich etwas wert.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Zuuzuu. �Mit deiner Abstammung k�nntest du die Einzige sein, die Chromatus die Art Babys schenken kann, die er sich w�nscht.�</p><p>Kiry zwang sich bei dem Gedanken an andere Weibchen aus den Schw�rmen, die Chromatus� Verlangen gehorchen mussten, nicht zu verkrampfen. Stattdessen nickte sie. �Ich k�nnte K�nigin sein.�</p><p>�Eine Zeit lang vielleicht�, sagte Josah. Er ging bereits vor Kiry her. �Doch das Ende aller Dinge wird kommen. Selbst f�r dich.�</p><p>Zuuzuu hielt die Silberkette, aber Kirygosa hatte bemerkt, dass die Trollfrau den Griff gelockert hatte. Sie blickte zu ihren Waffen�� zwei Dolche in ihren Scheiden an den Seiten ihrer H�fte. Sie kamen zu einer sich windenden Rampe, die sie nach unten f�hrte. Zu Chromatus. Josah hatte den Abstieg bereits begonnen und in einer Sekunde w�rde sie im G�nsemarsch hinter ihm hergehen m�ssen.</p><p>Jetzt.</p><p>Mit der rechten Hand zerrte Kiry die Kette aus der achtlosen Hand der Trollfrau. Ihr linker Arm legte sich um Zuuzuus Hals. Zuuzuus Finger flogen hoch, um den w�rgenden Arm abzuwehren, und kratzten lange Striemen in Kirys Arm. Der Drache ignorierte den Schmerz, dr�ckte fest und schnell zu, bis die Augen der Trollfrau sich verdrehten und ihr K�rper schlaff wurde. Kiry legte den K�rper ab und zerrte Zuuzuus Dolch mit einer schnellen Bewegung aus der Scheide.</p><p>Sie war sehr leise vorgegangen. Josah hatte nichts bemerkt und f�hrte immer noch die nun einseitige Unterhaltung. �Ich hoffe, ich lebe lange genug, um es zu sehen�, sagte er fast wehm�tig, �das Ende, wei�t du. Obwohl es unser Schicksal ist, zu sterben, wie der Vater des Zwielichts es befiehlt. Vielleicht w�re er erfreut, wenn...�</p><p>Seine Worte endeten in einem verbl�fften Gurgeln, als Kirygosa Zuuzuus Klinge in seine Kehle stie�. Sie bedeckte seinen Mund, sodass das h�ssliche Ger�usch nicht zu h�ren war. Dann legte sie ihn auf den Boden, wie sie es mit Zuuzuu gemacht hatte.</p><p>Ihre H�nde waren mit Blut verschmiert, ihr Herz raste und sie keuchte. Sie wischte den Dolch an Josahs Robe ab, so gut sie konnte, ihre Ohren lauschten auf Anzeichen, dass sie entdeckt worden war.</p><p>Alles blieb ruhig.</p><p>Mit einer Hand nahm sie die Kette kurz. Sie hielt sie immer noch in der schw�cheren menschlichen Gestalt gefangen. Doch immerhin hielt kein Feind das Ende.</p><p>Es gab keinen Ort, an dem sie die Leichen verstecken konnte. Der Tempel war offen und luftig angelegt, mit sehr wenigen Nischen. Sehr bald schon w�rde man nach ihnen suchen und die Leichen auf der Rampe finden. Doch mit etwas Gl�ck war Kirygosa dann schon lange weg.</p><p>Sie bewegte sich schnell und leise, die F��e in den Stiefeln machten fast kein Ger�usch, als sie die Rampe hinuntereilte. Gl�cklicherweise war es nach Sonnenuntergang und so konnte sie wenigstens darauf hoffen, sich in den Schatten verbergen zu k�nnen.</p><p>Selbst nach Einbruch der Dunkelheit hielt der Vater des Zwielichts seine Schergen auf Trab. Fackeln steckten im Schnee und ihr orangerotes Licht vertrieb die lilablauen Schatten.</p><p>Kirygosa erreichte die unterste Ebene, presste sich gegen einen der Torb�gen und sah sich um. Wenn sie sich doch nur in ihre normale Gestalt verwandeln und wegfliegen k�nnte! Aber sie hatten daf�r gesorgt, dass das nicht ging. Sie fingerte an der Kette an ihrem Hals herum, die sie in dieser Gestalt gefangen hielt, und dachte nach.</p><p>Sie w�rde ein Reittier brauchen. Die Kultisten benutzten alle m�glichen Arten als Packtiere�� beispielsweise jene, die noch vor Kurzem den riesigen Wagen gezogen hatten, auf dem der tote K�rper des Albtraums gelegen hatte, der nun nicht weit entfernt von diesem Ort d�ste, wo Kirygosa sich in den Schatten versteckt hielt. Doch es gab auch pers�nliche Reittiere. Ein paar der h�herrangigen Mitglieder des Kults besa�en welche. Sie waren nicht gezwungen gewesen, wie die meisten anderen w�hrend des brutalen Trecks zum Tempel, zu Fu� durch Nordend zu laufen. Dort dr�ben waren gleich mehrere angebunden, eine gutes St�ck vom Licht der Fackeln entfernt. Sie sah ein paar W�lfe, dick eingewickelte Pferde, Nachts�bler und sogar ein paar Elche und einen oder zwei Wy vern. Einige w�rden keinem anderen als ihrem Reiter erlauben, sie zu besteigen.</p><p>Doch einige w�rden es.</p><p>Da gab es nur ein Haken: Um dorthin zu gelangen, musste sie an dem schlafenden Chromatus vorbeikommen.</p><p>Sie z�gerte, der Schrecken kehrte wieder... wenn er aufwachte...</p><p><emphasis>Dann w�rst du nicht besser dran, als wenn du freiwillig zu ihm gegangen w�rst. Doch wenn du an ihm vorbeikommst</emphasis>...</p><p>Es war der einzige Weg. Wenn sie nicht an ihm vorbeikam, hatte sie ja immer noch den Dolch. Sie w�rde ihn gegen sich selbst richten, statt sich solch einer Abnormit�t hinzugeben.</p><p>Sie zog die herabh�ngende Kette unter ihr Leinenhemd, packte den Dolch�� eine erb�rmliche Waffe gegen eine so gro�e Kreatur�� und trat langsam vor.</p><p>Sein Atem blies wie ein sanfter Wind, w�hrend die Luft aus den riesigen Lungen str�mte. In ihrer Menschengestalt f�hlte sich Kirygosa wie eine Maus vor einem Tiger. Dennoch glaubte sie, dass das Ger�usch ihrer schneeged�mpften Schritte und ihr pochendes Herz ihn aufwecken k�nnten. Er hatte sich nicht zusammengerollt, sondern lag mit den K�pfen ausgestreckt da. Sein K�rper bewegte sich bei jedem Atemzug langsam auf und ab.</p><p>Kiry wollte losrennen, tat es aber nicht. Stattdessen bewegte sie sich behutsam Schritt f�r Schritt vorw�rts, an der L�nge der riesigen gesprenkelten Gestalt entlang. Er roch moschusartig und furchtbar, als k�nnte der Gestank des Todes, der so lange an ihm gehangen hatte, nicht einfach vertrieben werden, indem man ihm den Funken des Lebens gab. Pl�tzlich stieg Hass in ihr hinauf, dessen Hitze sie w�rmte und der ihr neue Entschlossenheit verlieh.</p><p>Hier stand mehr auf dem Spiel als ihr Leben. Sie war lange genug die Gefangene des Vaters des Zwielichts gewesen, um einige Dinge zu erfahren�� Dinge, von denen er nicht ahnte, dass sie sie wusste. Wenn sie zu Kalec gelangen und den blauen Drachen mit diesen Informationen versorgen konnte, w�rde ihnen das m�glicherweise bei ihrem Angriff helfen.</p><p>Und sie w�rden sicherlich wieder angreifen. Kirygosa kannte ihr Volk. Und dieses Mal wollte sie bei ihm sein, nicht hilflos gefangen und schwach durch eine Kette um ihren Hals.</p><p>Chromatus regte sich.</p><p>Kirygosa hielt mitten im Gehen inne. Hatte er ihren pl�tzlichen Hassanfall irgendwie gesp�rt? Ihn vielleicht gerochen? Oder war sie zu sorglos gewesen und hatte einen Zweig im Schnee zertreten?</p><p>Er bewegte sich, hob den riesigen bronzenen Sch�del, legte ihn zur�ck und stie� ein langes Seufzen aus. Der Schwanz schlug auf den Boden. Dann lag er wieder ruhig und das schwere Atmen deutete auf tiefen Schlaf hin.</p><p>Kirygosa schloss kurz erleichtert die Augen und setzte langsam und vorsichtig ihren Weg an dem schlafenden chromatischen Drachen vorbei fort auf die Stelle zu, wo die Reittiere angebunden waren. Die W�lfe und Nachts�bler waren zu sehr an ihre Reiter gebunden, um sie zu stehlen. Die Elche waren nicht ausreichend gez�hmt, um Reiter zu tragen, obwohl sie in diesem Land geboren waren und sie schnell transportiert h�tten. Au�erdem w�rden sie und die anderen Pflanzenfresser sicherlich nerv�s auf das Blut reagieren, das immer noch an ihr klebte. Die Wyvern, die die Horde gern zum Fliegen benutzte, waren �berraschend ruhig, und weil es nur so wenige davon hier am Tempel gab, duldeten sie jeden auf ihren R�cken.</p><p>Jeden, der wusste, wie man mit ihnen umging. Kirygosa dr�ngte erneut die Tr�nen zur�ck und sagte sich selbst, welches Gl�ck sie hatte, dass gleich zwei dieser Tiere verf�gbar waren.</p><p>Sie n�herte sich dem, das sie erw�hlt hatte, und murmelte sanft vor sich hin. Der l�wenartige Kopf wandte sich ihr zu, die Augen blitzten vor Langeweile, w�hrend die fledermausartigen Fl�gel sich streckten und spannten. Der Wyvern trug keinen Sattel und sie durfte keine Zeit verschwenden, einen zu suchen. In jedem Augenblick konnte jemand Alarm schlagen und sie musste bis dahin eine m�glichst gro�e Distanz zwischen sich und den Tempel bringen.</p><p>Kirygosa hatte dabei zugesehen, wie Wyvern geritten wurden, aber war noch nie selbst auf einem gesessen. Vorsichtig schwang sie ein Bein �ber das gro�e Tier. Es grunzte, wandte sich zu ihr um, sp�rte offensichtlich, dass sie keine ge�bte Reiterin war.</p><p>Kiry streichelte es in einer, wie sie hoffte, bes�nftigenden Art, packte die Z�gel und dirigierte den Wyvern himmelw�rts. Gehorsam und gut trainiert sprang er in die Luft�� sie keuchte, setzte sich zurecht und klammerte sich fest. Er bewegte sich schnell und gleichm��ig, schwebte, erwartete ihre Befehle. Sie nahm die Z�gel, wandte den Wyvern nach Westen Richtung Kaltarra und dem Nexus und hoffte verzweifelt, dass sich dort Kalecgos und ihr Schwarm immer noch sammelten.</p><p>Sie beugte sich dicht an das Ohr des Wyvern, nutzte die schwache Magie der �berredung, die trotz der Kette um ihren Hals m�glich war, und beruhigte sich selbst.</p><p>�Wir beide wissen, wie man fliegt�, fl�sterte sie. �Bring mir bei, wie man ein Windreiter wird, mein Freund.�</p><p>Vielleicht war es nur Einbildung. Doch sie glaubte, sie h�rte ein zustimmendes Bellen.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Thrall hatte nicht gedacht, dass er zu ihr zur�ckkehren w�rde. Doch w�hrend er auf dem R�cken von Narygos sa�, sp�rte Thrall, dass er nun eine v�llig andere Person war als beim letzten Mal, als er bei der Lebensbinderin gewesen war.</p><p>Der Gedanke an Aggra brannte warm in seinem Herzen, ein stilles, von Asche gen�hrtes Feuer, das sowohl Mut spendete als auch beruhigte. Er hatte dabei zugesehen, wie die blauen Drachen ihre wahre geistige Tiefe wiederentdeckten, ihre eigenen Herzen und ihre Gef�hle. Er hatte sogar eine wichtige Rolle dabei gespielt. Sie hatten den Aspekt erhalten, den sie verdienten: einen, der St�rke, Mitgef�hl und Weisheit verk�rperte, der wirklich nur die besten Interessen des Schwarms im Sinn hatte.</p><p>�Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, war sie hier�, sagte Thrall.</p><p>Der Drache stie� sanft hinab und flog auf den Steingipfel zu. Beim N�herkommen erkannte Thrall, dass Alexstrasza immer noch hier war. Sie hatte die Beine an die Brust gezogen und bot ein Bild des Schmerzes. Er fragte sich besorgt, ob sie sich seit seinem letzten Besuch �berhaupt bewegt hatte.</p><p>�Setzt mich ein St�ck entfernt ab�, sagte Thrall. �Ich glaube nicht, dass sie irgendjemanden sehen will. Es wird vielleicht leichter, wenn ich allein zu ihr gehe.�</p><p>�Wie Ihr wollt�, sagte Narygos, landete anmutig und kauerte sich hin, damit Thrall leichter absteigen konnte.</p><p>Thrall wandte sich um und sah ihn an. �Ich danke Euch daf�r, dass Ihr mich hierher getragen habt�, sagte er. �Doch... vielleicht solltet Ihr nicht auf mich warten.�</p><p>Narygos neigte den Kopf. �Wenn Ihr es nicht schafft, sie zu �berzeugen...�</p><p>�Wenn ich das nicht schaffe�, sagte Thrall mit stiller Ernsthaftigkeit, �dann gibt es kaum einen Grund f�r mich, zur�ckzukehren.�</p><p>Narygos nickte und verstand. �Viel Gl�ck dann, zu unserem aller Besten.� Er gab Thrall einen freundlichen, liebevollen Stupser, dann sammelte er sich und schoss in den Himmel. Thrall beobachtete, wie er in der Ferne verschwand, dann ging er zu der Lebensbinderin.</p><p>Sie h�rte, wie er sich aufs Neue n�herte.</p><p>Ihre Stimme klang rau. �Ihr seid entweder der tapferste oder der d�mmste Orc, da Ihr es wagt, ein zweites Mal zu mir zu kommen�, sagte sie.</p><p>Er l�chelte ein wenig. �Das haben andere auch schon gesagt, Mylady�, antwortete er.</p><p>�Andere�, sagte sie, hob den Kopf und ihr Blick durchdrang ihn mit hoher Intensit�t, �sind nicht ich.�</p><p>Trotz allem, was er in seinem Leben gesehen und bek�mpft hatte, f�hlte Thrall, wie er bei der leisen Drohung in ihrer Stimme erbebte. Er wusste, dass sie recht hatte. W�rde ihr einfallen, ihn t�ten zu wollen, h�tte er keine Chance.</p><p>�Seid Ihr zum Foltern hier?�, fragte sie.</p><p>Thrall war sich nicht sicher, ob sie meinte, dass er sie folterte oder sie ihn. Vielleicht beides. �Ich hoffe, alles zu einem Ende zu bringen oder Euch zumindest Linderung zu verschaffen, Mylady�, entgegnete er ruhig.</p><p>Die Wut in ihrem Blick hielt sich f�r einen weiteren Moment, dann sah sie weg und erinnerte ihn erneut mehr an ein trauriges Kind als an einen der m�chtigsten Aspekte.</p><p>�Das tut nur der Tod�� und vielleicht nicht einmal der�, sagte Alexstrasza und ihre Stimme brach.</p><p>�Ich wei� nicht genug, um Ja oder Nein zu sagen�, meinte Thrall. �Doch ich muss es versuchen.�</p><p>Sie seufzte.</p><p>Er sah sie sich genauer an. Sie war d�nner als beim letzten Mal. Ihre Wangenknochen, bereits zuvor knochig, schienen ihre Haut beinahe zu durchstechen. Um die Augen herum lagen dunkle Schatten und Alexstrasza wirkte, als k�nne ein kr�ftiger Wind sie wegblasen.</p><p>Thrall wusste es besser.</p><p>Er setzte sich neben sie auf die Steine.</p><p>Sie regte sich nicht.</p><p>�Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben�, fuhr er fort, �habe ich Euch gebeten, mit mir zum Nexus zu kommen. Um mit den blauen Drachen zu reden. Ihnen zu helfen.�</p><p>�Das habe ich nicht vergessen. Auch meine Antwort habe ich nicht vergessen.�</p><p><emphasis>Das ist egal. Alles. Es ist egal, ob alles miteinander in Verbindung steht. Es ist egal, wie lange das schon so l�uft. Es ist auch egal, ob wir es aufhalten k�nnen</emphasis>.</p><p><emphasis>Die Kinder sind tot. Korialstrasz ist tot. Ich bin praktisch auch schon tot, lange wird es nicht mehr dauern. Es gibt keine Hoffnung mehr. Nichts ist mehr da. Nichts ist wichtig</emphasis>.</p><p>�Ich habe es auch nicht vergessen�, sagte Thrall. �Aber andere wissen es nicht oder glauben nicht, dass es egal ist, und machen stur weiter. So wie die blauen Drachen. Sie haben einen neuen Aspekt gew�hlt: Kalecgos. Und sie haben einen neuen Feind: einen chromatischen Drachen namens Chromatus.�</p><p>Ein schwaches �berraschtes Flackern �berzog ihr Gesicht bei der Erw�hnung von Kalecgos, aber ihre Augen wurden beim Namen Chromatus wieder tr�b.</p><p>�F�r jeden Sieg eine Niederlage�, murmelte sie.</p><p>�Ich bin w�hrend der Schlacht gefallen�, berichtete Thrall knapp. �Sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fiel von Kalecs R�cken und landete im Schnee. Ich h�tte mich beinahe Tod und Verzweiflung ergeben. Doch etwas geschah. Etwas, was daf�r sorgte, dass ich meine gefrorenen Glieder bewegte, mich aus dem Schnee arbeitete�� und einen �berraschungsangriff von einem sehr alten Feind �berlebte.�</p><p>Sie r�hrte sich nicht. Sie schien ihn komplett zu ignorieren. Aber immerhin war sie nicht in Wut verfallen und hatte nicht versucht, ihn zu t�ten, wie beim letzten Mal. Vielleicht h�rte sie doch zu.</p><p><emphasis>Ihr Ahnen, ich bete, dass ich das Richtige tue. Ich handele mit dem Herzen und das ist das Beste, was ich tun kann</emphasis>.</p><p>Er streckte eine Hand aus. Sie wandte den Kopf und blickte ihn ausdruckslos an. Er bewegte sich auf sie zu und bedeutete ihr, seine Hand zu ergreifen. Sie drehte langsam den Kopf weg und starrte zum Horizont.</p><p>Sanft langte Thrall nach unten und nahm ihre Hand. Ihre Finger waren schlaff. Er legte seine starke gr�ne Hand sorgf�ltig darum.</p><p>�Ich hatte eine Vision�, sagte er mit sanfter Stimme, fast als versuche er, ein scheues Waldtier nicht zu erschrecken. �Eigentlich zwei. Es ist... solch ein Gl�ck, damit gesegnet zu sein. Besonders, wenn man eine Vision mit jemand anders teilen soll... das war eine unerwartete Ehre.� Die Worte waren in aller Bescheidenheit gesprochen. Auch wenn er wusste, dass seine Kr�fte wuchsen, seine Verbindungen mit den Elementen sich vertieften, war er immer noch geehrt von der Gro�mut, die ihm gew�hrt wurde. �Eine war f�r mich. Und diese... soll ich mit Euch teilen.�</p><p>Er schloss die Augen.</p><empty-line/><p>Der Welpe schl�pfte aus dem Ei.</p><p>Es war eine n�chterne Umgebung f�r eine Geburt, ein behelfsm��iges Labor unter einem gro�en Zelt. Drau�en tobte der Sturm, als der kleine Welpe gegen die Schale ank�mpfte.</p><p>Viele waren da, um seine Ankunft mitzuerleben. Einer schien ein Mensch zu sein, eingewickelt in einen Kapuzenumhang, der sein Gesicht verbarg. Die anderen trugen Roben, die sie sofort als Mitglieder des Schattenhammerkults auswiesen. Sie alle wirkten gl�cklich, ihre Blicke auf das schl�pfende Kind gerichtet.</p><p>Neben dem Menschen stand eine attraktive Menschenfrau mit blauschwarzem Haar, die eine d�nne Kette um den Hals trug, die in seiner Hand endete, im Gegensatz zu den anderen beobachtete sie die Szenerie mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck, eine Hand ruhte auf ihrem Bauch, die andere war zur Faust geballt.</p><empty-line/><p>�<emphasis>Kirygosa</emphasis>!�</p><p><emphasis>Alexstrasza fl�sterte den Namen. Ihre Stimme drang nur an Thralls Ohren</emphasis>.</p><p><emphasis>Die Vision entfaltete sich exakt so, wie es beim ersten Mal der Fall gewesen war. Er sp�rte ein Stechen, als dieser Name erklang. Das war also mit Arygos� Schwester geschehen, die verschwunden war. Verschwunden, aber nicht tot, noch nicht. Ihr Gesicht verriet ihm alles, was er wissen musste</emphasis>.</p><empty-line/><p>Das kleine Wesen dr�ckte und schob und ein Teil der Schale brach heraus. Sein Maul �ffnete sich und es schnappte nach Luft.</p><p>Es war h�sslich.</p><p>Es war blau, schwarz und lila, mit grotesken bronzefarbenen, roten und gr�nen Klecksen hier und dort. Eins seiner Vorderbeine endete in einem Stumpf. Es hatte nur ein zerfressenes Auge, mit dem es sein Publikum musterte.</p><p>Kirygosa stie� ein Heulen aus, dann wandte sie sich ab.</p><p>�Nein, nein, meine Liebe, wende deine Augen nicht ab. Sieh, was wir aus deinem blauen Kind gemacht haben�, freute sich der Mensch h�misch. Er streckte die behandschuhte Hand aus und schob den chromatischen Welpen auf seine Handfl�che.</p><p>Das Ding lag schlapp da, doch die kleine Brust hob sich. Einer seiner Fl�gel war an einer Seite eingedr�ckt.</p><p>Der Mann in dem Umhang ging ein paar Schritte weg und setzte es auf die Erde. �Nun, mein Kleiner, lass uns sehen, ob du f�r uns gr��er werden kannst.�</p><p>Einer der Kultisten trat vor und verneigte sich unterw�rfig. Der Mensch streckte die H�nde aus. In einer lag ein halb verdecktes Artefakt, das vor violetter Energie nur so leuchtete. Die Finger der anderen Hand bewegten sich beim Zaubern. Er sprach eine Beschw�rung und ein Strahl wei�er arkaner Energie schoss aus dem Artefakt hervor. Er wickelte sich um den Welpen und begann die goldene Lebensenergie aus dem kleinen Drachen herauszusaugen. Er kreischte vor Schmerz.</p><p>�Nein!�, schrie Kirygosa und st�rzte vor. Der Mann zog fest an der Kette. Kirygosa fiel auf die Knie, keuchte vor Schmerz.</p><p>Der Welpe wuchs. Er �ffnete das Maul und stie� einen kleinen quiekenden Schrei aus, w�hrend sein K�rper zuckte. Thrall konnte fast die Knochen knacken h�ren und sah, wie die Haut sich spannte, w�hrend der Magier ihm Lebensenergie entzog und der Welpe schnell alterte. Pl�tzlich wurde das Quieken zu einem dunkleren Kr�chzen und dann zu einem spitzen Schrei. Ein Fl�gel schlug wild, der andere, der immer noch auf einer Seite eingedr�ckt war, zitterte nur.</p><p>Der chromatische Welpe brach zusammen.</p><p>Der Mensch seufzte. �Es war fast schon Drachengr��e�, sagte er. Er trat vor und ber�hrte den Leichnam mit dem Zeh. �Schon besser, Gahurg. Schon besser. Das Blut des Aspekts in ihr scheint die Kinder st�rker zu machen als die anderen. Sie sind offensichtlich eher in der Lage, die Modifikationen zu ertragen. Aber es ist immer noch nicht perfekt. Nimm das weg. Pr�pariere es, lerne davon und mach es beim n�chsten Mal eben besser.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Vater des Zwielichts�, sagte Gahurg. Vier andere Kultisten traten vor und trugen den chromatischen Drachen fort.</p><p>�Was machst du <emphasis>mit meinen Kindern</emphasis>?� Kirygosas Stimme hatte tief begonnen, tief in ihrer Brust, und baute sich zu einem wilden Br�llen auf. Sie ignorierte den Schmerz, von dem sie gewusst haben musste, dass er kommen w�rde, und warf sich auf den Mann, den man Vater des Zwielichts nannte.</p><empty-line/><p>�<emphasis>O mein Liebling�, fl�sterte Alexstrasza</emphasis>.</p><p><emphasis>Thrall wusste, auch sie sah die Striemen auf Kirygosas K�rper, wo sie geblutet hatte, weil man mit ihr experimentierte. Merkw�rdigerweise gab das Mitgef�hl in Alexstraszas Stimme Thrall Hoffnung. Besser der Schmerz und der Schrecken als diese stumpfe Leere</emphasis>.</p><empty-line/><p>�Ich erschaffe nur perfekte Dinge�, erwiderte der Vater des Zwielichts und zog erneut an der Kette.</p><p>Kirygosa wimmerte, dann kam sie wieder zu Atem. �Ich bin froh, dass ich nur einmal beim Schl�pfen meiner Eier zusehen muss, die deiner Obsz�nit�t geopfert werden�, zischte Kirygosa. �Mein Gef�hrte ist tot. Ich gebe dir keine mehr.�</p><p>�Ah, aber du bist immer noch eine Tochter von Malygos�, erkl�rte der Vater des Zwielichts.</p><p>�Und wer wei� schon, ob das Schicksal... oder ich... nicht noch einen anderen Gef�hrten f�r dich finde, hm?�</p><empty-line/><p><emphasis>Die Szene �nderte sich. Thralls Augen waren immer noch geschlossen, die Vision spielte sich in seinem Geist ab. Er konnte Alexstraszas Hand f�hlen, wie ihre Finger sich um seine legten. Doch das Gef�hl war irgendwie fern, wie ein Ger�usch, das man von weit her h�rte. Er wusste, was sie als N�chstes sehen w�rde, und er wusste, dass es sie entweder vernichten w�rde oder es ihm erm�glichen, sie zu retten. Egal, wie und was passierte, er w�rde hier bei ihr sein</emphasis>.</p><empty-line/><p>Als N�chstes sah er ein Sanktum. Thrall hatte es augenblicklich erkannt, auch wenn er das Rubinsanktum niemals mit eigenen Augen gesehen hatte. Es war ganz offensichtlich noch vom letzten Angriff besch�digt. Doch der sch�ne Wald, mit hellen Wiesen und sanft raschelnden B�umen, durch den B�che liefen, heilte sich bereits selbst.</p><p>Ein gro�er m�nnlicher Drache lag im Schatten eines Baums. Er wirkte in seiner Entspannung ein wenig unbeholfen, als gestatte er es sich nicht oft, dem Nichtstun zu fr�nen, w�hrend er die Dracheneier durch halb geschlossene Augen beobachtete.</p><empty-line/><p><emphasis>Ihr Atemzug war schwer, voller Verlangen und Schmerz</emphasis>.</p><p>�<emphasis>Korialstrasz�, fl�sterte die Lebensbinderin. �O mein Lieber... Thrall, muss ich das sehen</emphasis>?�</p><p><emphasis>Sie war derma�en verst�rt, dass sie nicht befahl, sondern nur bat. Ob aus Verzweiflung oder Hoffnung, die gro�e Lebensbinderin Alexstrasza hatte sich offenbar fest in Thralls Hand begeben. �Ja, Mylady�, sagte er und lie� seine tiefe Stimme so freundlich wie m�glich klingen. �Haltet noch einen Moment aus und Euch wird alles enth�llt</emphasis>.�</p><empty-line/><p>Und dann, von einer Sekunde zur anderen, war Korialstrasz alarmiert und sprang auf alle vier Pfoten, schn�ffelte in der Luft, die Ohren lauschten auf das leiseste Ger�usch. Einen Herzschlag sp�ter war der rote Drache in der Luft, bewegte sich schnell und anmutig, seine Blicke suchten den Boden ab.</p><p>Seine Augen weiteten sich, dann verengten sie sich und mit einem w�tenden Schrei faltete er die Fl�gel und st�rzte hinab. Eine Sekunde sp�ter erblickten auch Thrall und Alexstrasza das, was Krasus bemerkt hatte: mehrere Eindringlinge aus allen V�lkern, die sich nur darin glichen, dass sie die kastanienbraunen und schwarzen Roben des Schattenhammerkults trugen.</p><p>Korialstrasz spie weder Feuer noch setzte er Magie ein, da die Eindringlinge sich zwischen den wertvollen Eiern verteilt hatten. Stattdessen st�rzte er, die riesigen Klauen vorgestreckt, hinunter und krachte so schnell und effektiv mitten in die Kultisten. Sie gaben keinen Schrei der Furcht von sich. Thrall sah w�tend zu, wie sie l�chelten, w�hrend der Tod sie umarmte.</p><p>Die Gefahr schien vor�ber. Korialstrasz landete neben einigen Eiern, senkte den schuppigen roten Kopf und stupste sie so sanft wie m�glich an. Eins von ihnen brach auf. Ein h�sslicher ockerfarbener Nebel stieg aus dem Ei und Krasus� Augen weiteten sich, als er vor dem Anblick des kleinen, deformierten Umrisses eines chromatischen Drachen zur�ckprallte.</p><empty-line/><p>�<emphasis>Nein!�, schrie Alexstrasza</emphasis>.</p><p><emphasis>Thrall f�hlte mit ihr. Es war f�r die Lebensbinderin schmerzvoll genug gewesen, Kirygosas Folterung mitzuerleben. Zu wissen, dass dasselbe schreckliche Schicksal auch �ber ihre eigenen Kinder gekommen war</emphasis>...</p><empty-line/><p>Erschrocken stupste Korialstrasz die kleine Kreatur vorsichtig mit seiner Klaue an. Es gab ein sanftes Ger�usch und immer mehr Eier begannen aufzuplatzen. All die Geschl�pften waren quiekende, deformierte chromatische Drachen.</p><p>Und dann keuchte Krasus, als er an sich selbst hinuntersah. Die Spitze seiner Vorderklaue begann sich schwarz zu f�rben. Langsam, aber unausweichlich breitete sich die Kontaminierung aus, kletterte von seinen Klauen �ber sein Vorderbein.</p><p>Ein tiefes Lachen, schwach, aber triumphierend, lenkte die Aufmerksamkeit des Drachen auf sich.</p><p>�Und so werden alle Kinder zu Kindern des Wahnsinnigen, des gro�en Todesschwinge�, murmelte einer der Kultisten. Es war ein Troll, seine Haut dunkelblau. Korialstrasz hatte seine Rippen zerquetscht, Blut tr�pfelte aus seinem Mund und von den Hauern, doch er lebte noch. �Alle deines V-Volkes... werden ihm geh�ren...�</p><p>Krasus starrte den infizierten K�rperteil an. Er ballte die Faust und hielt sie einen Moment lang an seine Brust. Seine Augen schlie�end senkte er den Kopf.</p><p>�Nein�, sagte er leise. �Ich werde nicht zulassen, dass das passiert. Ich werde mich selbst zerst�ren... und meine Kinder, statt zuzulassen, dass sie derma�en mutieren.�</p><p>Der Kultist lachte erneut. Er begann zu husten, spie schaumiges Blut, das die Luft rosa f�rbte. �Wir ge-gewinnen trotzdem�, keuchte er.</p><p>Krasus starrte ihn an. Dann pl�tzlich erinnerte er sich an die genauen Worte, die der Troll benutzt hatte. �Was hast du mit �alle Kinder� gemeint?� Der Kultist schwieg, grinste nur anz�glich, w�hrend er um Atem rang. �Wie viele sind infiziert? <emphasis>Sag es mir</emphasis>!�</p><p>�<emphasis>Alle</emphasis>�, kr�hte der Troll triumphierend. Seine Augen leuchteten und sein L�cheln war breit. <emphasis>�Alle</emphasis> Eier! <emphasis>Alle</emphasis> Sankt�mer! Du kommst zu sp�t! Sie alle schl�pfen jetzt. Du kannst es nicht aufhalten.�</p><p>Krasus wurde sehr nachdenklich. Er zog die Augen zusammen und neigte den Kopf.</p><p>�Doch�, sagte er dann leise. �Doch, das kann ich.�</p><empty-line/><p>�Alle Eier�, fl�sterte Alexstrasza. �Alle... von uns...�</p><p>�Es war eine schreckliche Entscheidung�, sagte Thrall ruhig. �Er wusste, dass niemand jemals erfahren w�rde, was wirklich geschehen war. Dass andere ihn als Verr�ter brandmarken w�rden. Dass selbst Ihr das vielleicht glauben w�rdet.�</p><p>Er h�rte sie keuchen und wimmern und dr�ckte ihre Hand.</p><p>�Er hat uns gerettet... Er hat uns niemals verraten... er <emphasis>hat uns gerettet</emphasis>...� Sie beobachteten still und mit geschlossenen Augen, wie Korialstrasz seine ganze Energie und Magie auf sich selbst versammelte. Er atmete tief ein und aus und fl�sterte nur ein einziges Wort: �Geliebte.�</p><p>Dann wurde es dunkel.</p><empty-line/><p>Thrall �ffnete die Augen, Alexstraszas� standen bereits weit offen. Sie blickte ins Leere, alles Blut war aus ihrem Gesicht gewichen, ihre Hand umklammerte so fest Thralls, dass es wehtat. �Er... er nutzte seine Lebensenergie, um die Portale zu verbinden�, fl�sterte Alexstrasza. �Um all die kontaminierten Eier zu zerst�ren, bevor irgendjemand sonst infiziert wurde. Ich konnte nicht verstehen, warum so viel Gr�n geblieben war... Jetzt wei� ich es. Irgendwie verstehe ich es. Er brachte Tod mit <emphasis>Leben</emphasis>... um andere Leben zu retten.�</p><p>�Der Geist des Lebens zeigt Euch Dinge, die im Verborgenen ruhen�, sagte Thrall leise. �Deshalb musste ich kommen. Korialstrasz war kein Verr�ter. Er war ein Held. Und er starb gut und willentlich, rettete nicht nur seinen eigenen Schwarm, sondern alle Schw�rme, mit Euch in seinem Herzen.�</p><p>�Er war der Beste von uns�, fl�sterte sie. �Er hat nie versagt. Ich... ich habe versagt und gewankt, aber nicht er. Nicht mein Korialstrasz.� Sie hob das Gesicht zu Thralls. �Ich bin froh, dass ich wei�, wie tapfer er war. Ich bin so stolz auf ihn. Wie kann ich nur ohne ihn weiterleben? K�nnt Ihr, so kurzlebig Ihr seid, vielleicht verstehen, was ich verloren habe?�</p><p>Thrall dachte an Aggra. �Vielleicht habe ich nur eine kurze Lebensspanne zur Verf�gung, aber ja, ich kenne die Liebe. Und ich wei�, wie ich mich f�hlen w�rde, wenn ich meine Geliebte so verloren h�tte wie Ihr.�</p><p>�Wie k�nntet Ihr dann ohne diese Liebe weiterleben? Wozu soll man weitermachen?�</p><p>Er starrte sie an, sein Kopf war auf einmal leer. All die Bilder, die Ideen, die pathetischen Worte und Klischees, die ihm auf den Lippen lagen, schienen so abgedroschen und ohne Bedeutung. Welchen Grund g�be es, als �berlebender weiterzumachen, wenn man solch eine Liebe verloren hatte?</p><p>Und dann dachte er an sie.</p><p>Er hielt immer noch die Hand der Lebensbinderin in seiner rechten. Mit der Linken griff er in seinen Beutel und holte ein kleines, unscheinbares Objekt hervor.</p><p>Es war die Eichel, die ihm die Urtume geschenkt hatten. Desharins Worte fielen ihm wieder ein: <emphasis>Passt gut darauf auf. Diese Eichel enth�lt all das Wissen seines Elternbaums und all das Wissen von dessen Elternbaum... und so weiter und so weiter, zur�ck bis zum Anfang aller Dinge. Ihr sollt sie pflanzen, wo es Euch richtig erscheint</emphasis>.</p><p>Krasus hatte gewusst, dass sie nicht f�r ihn bestimmt war, obwohl es ihn danach verlangt hatte. Thrall fragte sich, ob der rote Drache geglaubt hatte, dass sie f�r seine Gef�hrtin gedacht war. Thrall hoffte es.</p><p>Der Orc nahm Alexstraszas Hand, legte die Eichel auf ihre Handfl�che und schloss sanft ihre Finger darum.</p><p>�Ich habe Euch von Tr�umersruh in Feralas erz�hlt�, sagte Thrall leise. �Von den Urtumen, die dort in Not waren. Aber ich habe Euch nicht gesagt, wie herrlich sie wirklich sind. Ich sagte Euch nichts von ihrer... Pr�senz. Die einfache Macht von Alter und Weisheit, die sie durchstr�mte. Wie klein und ehrf�rchtig ich mich f�hlte, als ich von ihnen umgeben war.�</p><p>�Ich... habe die Urtume gekannt�, sagte Alexstrasza, ihre Stimme klang zaghaft. Sie hielt ihre Faust eine Sekunde lang fest um die Eichel geschlossen, dann �ffnete sie sie.</p><p>Die Eichel bewegte sich in ihrer Hand. Die Bewegung war so schwach, dass Thrall zun�chst dachte, sie w�rde nur �ber die Berge und T�ler ihrer Hand rollen. Dann erschien ein kleiner Riss in dem hellbraunen Boden. Der Riss erweiterte sich und etwas kleines Gr�nes spross hervor, das nur einen Bruchteil eines Zentimeters lang war.</p><p>Alexstrasza stie� ein heulendes Keuchen aus. Ihre andere Hand flog zu ihrem Herzen, dr�ckte sich fest auf die schlanke Brust, die sich pl�tzlich hob, einmal, zweimal, dreimal, begleitet von gequ�lten Schluchzern. Sie presste sie weiter an ihr Herz, als w�rde es schmerzen. Eine Sekunde lang war Thrall besorgt, ob das alles nicht zu viel war�� dass es sie vielleicht t�tete.</p><p>Und dann verstand er. Das Herz der Lebensbinderin hatte sich verschlossen�� verschlossen vor dem Schmerz, den die Sorgen mit sich brachten. Vor der Qual, jemand wirklich Geliebten zu verlieren. Vor dem Schmerz des Mitleids.</p><p>Und nun platzte ihr Herz auf wie die Schale der Eichel, wie Eis w�hrend des Fr�hlingstauwetters.</p><p>�Ich bin die, die ich bin�, fl�sterte sie und starrte immer noch auf die keimende Eichel. �Egal, ob in Freude oder Schmerz. Ich bin die, die ich bin.�</p><p>Ein weiterer Schluchzer folgte und dann noch einer. Tr�nen str�mten aus ihren Augen, w�hrend sie um ihre verlorene Liebe trauerte. Schlie�lich weinte sie die heilenden Tr�nen, die in ihrem ersch�tterten Herzen gefangen gewesen waren.</p><p>Thrall legte einen Arm um ihre Schulter und sie lehnte sich an seine breite Brust. Sie, die einst gefoltert und von Orcs versklavt worden war, weinte hemmungslos an seiner Seite.</p><p>Ihre Tr�nen schienen endlos, wie es die Tr�nen der Lebensbinderin sein sollten. Es war mehr als der Verlust von Krasus, vermutete Thrall. Er sp�rte, dass sie um all die Dinge weinte, die gefallen waren. Die Unschuldigen und die Schuldigen. Um Malygos und Todesschwinge und um alle, die sie verletzt hatten. Um die korrumpierten Kinder, die niemals die Chance hatten, wirklich zu leben. Um die Toten und die Lebenden, um alle, die gelitten und den salzigen Geschmack ihres Schmerzes auf ihren Wangen geschmeckt hatten.</p><p>Sie kamen nun frei, ihr Weinen war so nat�rlich und rein wie das Atmen. Tr�nen rollten ihr Gesicht hinunter und fielen auf die Eichel, die sie hielt, und auf die Erde darunter, wo sie sa�.</p><p>Als die erste Tr�ne sanft zu Boden getropft war, begann eine Blume sich ihren Weg durch die Kruste der Erde zu bahnen.</p><p>Thrall sah ungl�ubig zu. Vor seinen Augen, zehntausend Mal schneller, als es h�tte passieren sollen, beobachtete er, wie Pflanzen sprossen: Blumen aller Schattierungen, kleine Triebe, die zu Sch�sslingen wurden und zu dichtem gr�nem Gras. Er konnte sogar das Ger�usch der wachsenden Dinge h�ren, ein lebendiges, freudiges Streben und Knistern.</p><p>Er erinnerte sich daran, wie hart die Druiden gearbeitet hatten, um das Leben an diesen Ort zur�ckzubringen. Ihre Bem�hungen waren von Zeit zu Zeit erfolgreich, aber stets nur vor�bergehend. Tief in seinem Innern wusste er, dass das neue bl�hende Leben, das er sah, mit der Zeit nicht schwinden w�rde. Nicht, wenn es aus den Tr�nen des neu erwachten Mitgef�hls und der Liebe der Lebensbinderin geboren war.</p><p>Alexstrasza r�hrte sich neben ihm und zog sich sanft zur�ck. Er nahm den Arm von ihren Schultern. Sie atmete tief und zitternd ein und versuchte etwas unsicher, sich auf die Erde zu knien. Thrall half ihr nicht, er sp�rte, dass sie das nicht wollte. Sanft grub Alexstrasza in der neu ergr�nten Erde, dr�ckte die Eichel tief hinein und bedeckte sie ehrf�rchtig. Sie erhob sich und sah ihn an.</p><p>�Ich bin... best�rzt�, sagte sie leise. Ihre Stimme war immer noch belegt von Schmerz, aber darin lag auch eine Ruhe, die vorher nicht da gewesen war. �Ihr habt mich an Dinge erinnert, die ich in meinem Schmerz vergessen hatte, Dinge... von denen <emphasis>er</emphasis> nicht wollte, dass ich sie jemals vergesse.� Sie l�chelte, und obwohl sie traurig war, war ihr L�cheln ehrlich und s��. Ihre Augen waren rot vom Weinen, aber es lag eine Klarheit darin, und Thrall wusste, dass es ihr gut ging.</p><p>Und tats�chlich, als sie zur�cktrat und ihre Arme zum Himmel hob, trug ihr Gesicht den Ausdruck gerechtfertigter Wut. Es gab noch viel zu betrauern und sie wusste es.</p><p>Doch nicht jetzt. Jetzt nutzte die Lebensbinderin ihren Schmerz, um ihre Handlungen zu befeuern, nicht die Tr�nen. Und Thrall sp�rte fast einen Hauch Mitleid f�r jene, die ihre Hitze der Wut zu sp�ren bekommen w�rden.</p><p>Fast.</p><p>Wie er es schon einmal bei ihr erlebt hatte, beobachtete Thrall erneut, wie sie aufw�rtsschoss und sich von einem schlanken, elfengleichen M�dchen in den m�chtigsten Aspekt verwandelte�� wohl das m�chtigste Wesen der Welt. Diesmal wusste er, dass er von ihr in dieser Gestalt nichts bef�rchten musste.</p><p>Sie sah auf ihn herab, ihre Augen blickten freundlich, und dann landete die Lebensbinderin, damit der Orc auf ihren breiten R�cken klettern konnte.</p><p>�Wir gehen zu meinen Br�dern und Schwestern, wenn Ihr mitkommen wollt�, sagte sie ruhig.</p><p>�Ich bin gern behilflich�, erwiderte Thrall, erneut voll Ehrfurcht und eingesch�chtert von der reinen Herrlichkeit des roten Drachen. Er kletterte vorsichtig und respektvoll auf ihren R�cken und setzte sich an den Rand des Halses. �Ich glaube, dass die blauen Drachen sich nach ihrer Niederlage zum Nexus zur�ckgezogen haben.�</p><p>�Vielleicht�, sagte sie. �Wir werden sie entweder dort finden oder Kalec hat sich mit anderen Schw�rmen vereinigt und sie sammeln sich am Wyrmruhtempel.�</p><p>�Die Zwielichtdrachen werden sie bemerken�, dachte Thrall laut.</p><p>�Ja�, stimmte Alexstrasza zu, sammelte sich kurz und schoss in die Luft. �Das werden sie. Was sollen wir tun?�</p><p>�Das Element der �berraschung ist fort�, erwiderte Thrall.</p><p>�Das brauchen wir auch nicht mehr�, sagte Alexstrasza. Ihre Stimme war stark und ruhig, und Thrall entspannte sich, w�hrend sie sprach. �Unser Erfolg oder Versagen h�ngt von etwas ab, was wichtiger ist als milit�rische Strategien.� Sie wandte den Hals und sah ihn an, w�hrend ihre Fl�gel m�chtig und rhythmisch in der Luft schlugen. �Es ist an der Zeit f�r die Drachenschw�rme Azeroths, ihre Streitigkeiten beiseitezulegen und sich zu vereinen. Ansonsten f�rchte ich, dass alles verloren ist.�</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Alexstrasza hatte recht gehabt. Als sie und Thrall nur noch ein paar Meilen vom Wyrmruhtempel entfernt waren, bemerkten sie blaue und gr�ne Drachen in der Luft und auf dem Boden.</p><p>Sie wurden sofort entdeckt. Mehrere Artgenossen flogen ihr entgegen und waren ziemlich euphorisch.</p><p>�Lebensbinderin!�, rief Narygos gl�cklich. �Dunkel ist die Stunde und dunkel sind unsere Herzen, aber du bringst Licht f�r beides. Thrall�� danke f�r das, was Ihr getan habt.�</p><p>�Freund Narygos�, erwiderte Alexstrasza warm. �Ich sehe meine Schwester Ysera und den neuen Aspekt Kalecgos und ihre Schw�rme. Mein eigener roter Schwarm wird kommen, sobald er wei�, dass ich hier bin.�</p><p>�Ich werde ihn sofort aufsuchen, Lebensbinderin�, sagte einer der gr�nen Drachen. Thrall fragte sich, wie es sein konnte, dass die gr�nen Drachen wussten, wo die roten waren. Vielleicht wusste es Ysera und hatte es ihnen gesagt. Es gab noch so viel, was er �ber die Drachen lernen musste.</p><p>�Haben wir nichts von Nozdormu geh�rt?�, fragte Alexstrasza.</p><p>Narygos und die anderen lie�en sich zur�ckfallen, flogen �ber und unter ihr, begleiteten und bewachten sie, w�hrend sie zum Versammlungsplatz flog.</p><p>�Noch nicht�, antwortete Narygos mit einem schnellen Blick zu Thrall. �Wir haben nichts von ihm geh�rt. Habt Ihr?�</p><p>�Ich wurde nicht kontaktiert�, antwortete Thrall. �Ich kann nur annehmen, dass er immer noch auf der Suche ist und lernt.�</p><p>�Wissen ist Macht�, stimmte ihm ein gro�er gr�ner Drache zu. �Aber es wird uns nichts helfen, wenn er etwas N�tzliches erf�hrt und Chromatus uns bis dahin alle get�tet hat.�</p><p>�Schweig, Rothos�, gebot Alexstrasza ernst. �Es ist nicht der Fehler des Orcs, wenn der Zeitlose nicht hier ist. Wir... tun, was wir tun m�ssen.� Den letzten Satz sprach sie mit s��er, trauriger Stimme und Thrall wusste, dass sie an Korialstrasz dachte. Er hatte getan, was er tun musste, und einen schrecklichen Preis daf�r bezahlt.</p><p>Rothos warf Thrall einen entschuldigenden Blick zu. �Es tut mir leid, mein Freund, aber Ihr wisst, dass wir k�mpfen m�ssen. Ich h�tte Nozdormu und seine Bronzedrachen gern dabei, wenn es so weit ist.�</p><p>�Kein Problem, ich stimme Euch zu�, sagte Thrall ernst.</p><p>Sie waren fast am Versammlungsort angekommen. �Bitte... flieg vor und versammle alle anderen�, bat Alexstrasza Rothos. �Ich habe... einige Informationen f�r sie.�</p><p>�Informationen �ber Chromatus?�, fragte Rothos hoffnungsvoll.</p><p>Alexstrasza sch�ttelte den Kopf. �Nein. Doch ich hoffe, dass sie trotzdem Mut machen und neue Hoffnung, und das sind wahrlich gute Waffen.�</p><p>Ein paar Augenblicke sp�ter landeten sie. Melodischer Drachenjubel erf�llte die bitterkalte Luft. Thrall l�chelte, als er von Alexstraszas R�cken in den h�fthohen Schnee kletterte.</p><p>�Thrall!�</p><p>Er wandte sich um und bemerkte Kalecgos, der auf ihn herabsah. Der gro�e Aspekt streckte die Tatze aus und nahm Thrall darin sehr sanft auf. Thrall sp�rte keinerlei Sorge, nur die Freude, seinen Freund wiederzusehen.</p><p>�Ich muss damit aufh�ren, Euch zu untersch�tzen�, sagte Kalec und brachte den Orc n�her an sein Gesicht heran. �Ihr habt getan, was Ihr versprochen hattet. Ihr habt uns unsere Lebensbinderin zur�ckgebracht�� im wahrsten Sinne des Wortes�, f�gte er hinzu und blickte zu Alexstrasza, die sehr m�tterlich sowohl gr�ne wie auch blaue Drachen mit der Schnauze anstupste, die zu ihr eilten. �Ich wei� nicht, welche Magie Ihr benutzt habt, aber ich danke Euch daf�r.�</p><p>�Nur die Magie des Herzens�, sagte Thrall. �Sie wird Euch sagen, was ich erfahren und mit ihr geteilt habe. Alle werden es erfahren.�</p><p>Ysera drehte den Kopf beim Klang von Thralls Stimme und trat zu ihm. Sie senkte den Kopf auf dem langen biegsamen Hals in einer Geste des Respekts. �Ihr wart ein Teil meiner Tr�ume und einer der Besten�, sagte sie. �Ihr habt so viel getan, um uns zu helfen. Ich trauere um Desharin, doch ich bin froh, dass Ihr entkommen konntet.�</p><p>�Wisset, dass ich, wenn ich ihn h�tte retten k�nnen, es getan h�tte.�</p><p>Sie nickte. �Die Stunde des Zwielichts erwartet uns�, sagte sie. Sie hob den Kopf und sah sich um. Ihre regenbogenfarbenen Augen leuchteten vor Freude. �Ich sehe gr�ne und blaue Drachen versammelt. Das ist gut, Sohn von Durotan. Aber... ah, unsere roten Br�der und Schwestern sind gekommen, um sich uns anzuschlie�en!�</p><p>Thrall drehte sich um und folgte ihrem Blick. Kurz darauf konnte er die eintreffenden Riesen sehen und h�ren. Es waren Dutzende, die sich dem Versammlungsort n�herten. Thrall sah sich verwundert um. Drei Drachenaspekte und ihre Schw�rme waren jetzt hier versammelt. Er erinnerte sich an den Kampf gegen die Zwielichtdrachen und sp�rte, wie Hoffnung in ihm keimte. Diesmal waren hier dreimal mehr Drachen versammelt, als es in dem Kampf damals gewesen waren, und sie hatten die Lebensbinderin, die sie anf�hrte...</p><p>Alexstrasza schoss in die Luft. Die roten Drachen sammelten sich und flogen um sie herum, stupsten sie ehrf�rchtig und fielen respektvoll wieder zur�ck. Es lag eine Freude in ihr, die er zuvor noch nicht gesehen hatte. Freude, mit ihrem Schwarm zusammen zu sein, nach so viel Qual und Bitterkeit. Nach ein paar Luftt�nzchen anl�sslich dieses sch�nen Wiedersehens landete Alexstrasza leichtf��ig auf einer der hervorstehenden Felsspitzen, sodass jeder sie sehen konnte.</p><p>Die Drachen wurden still und erwarteten sehns�chtig die Worte der Drachenk�nigin. Sie sah sie alle einen Moment lang an, ihr Kopf wanderte langsam �ber die Menge hinweg.</p><p>�Meine Br�der und Schwestern�, sagte sie, �wir stehen am Rande einer schrecklichen Schlacht gegen einen Feind, dessen Kraft furchtbar ist. Doch es gibt etwas, was ihr wissen m�sst, bevor wir planen k�nnen. Etwas, was euch, so hoffe ich, noch mehr Gr�nde zum K�mpfen gibt, f�r euch selbst, f�r eure Schw�rme und eure ungeschl�pften Welpen.�</p><p>Das wurde schweigend aufgenommen. Jemand bewegte sich unschl�ssig. Es war, als h�tten sich pl�tzlich alle daran erinnert, dass Alexstraszas Gef�hrte derjenige gewesen war, der ihre Eier zerst�rt hatte.</p><p>Kalecgos hob Thrall sanft auf seine Schulter. Der Orc machte den bereits vertrauten Sprung und landete sicher auf dem blauen Drachenaspekt, w�hrend Kalec sich erhob und flog, um neben Alexstrasza zu landen. Er bot ihr wortlos seine Solidarit�t, als sie den anderen Drachen von der Vision berichtete, die Thrall mit ihr geteilt hatte. Ysera segelte zu Alexstraszas linker Seite und unterst�tzte ihre Schwester ebenfalls.</p><p>Die einen, wohl jene, die Korialstrasz gut gekannt hatten, schienen Alexstrasza zu glauben. In ihren schuppigen Gesichtern und blitzenden Augen spiegelte sich tief empfundene Sympathie. Andere, obwohl sie nicht protestierten�� Thrall vermutete, dass auch sie froh waren, dass die Lebensbinderin zur�ckgekehrt war, sodass sie ihre Geschichte nicht offen infrage stellten��, schienen jedoch skeptisch zu sein.</p><p>Thrall war zufrieden, wenn auch nicht �berm��ig �berrascht, dass Kalecgos unter denen war, die es sofort glaubten.</p><p>Er f�hlte auch mit den blauen Drachen, als Alexstrasza beschrieb, was mit Kirygosa geschehen war. Viele der blauen Drachen reagierten w�tend, doch Kalec sah einfach nur weg, sein Gesicht von Schmerz gezeichnet. Als Alexstrasza fertig war, war es Kalec, der die Stille durchbrach.</p><p>�So viel ist nun klar�, sagte er. �Wir wissen, dass ein chromatischer Drache existiert. Und obwohl ich best�rzt bin, dass Kirygosa... auf so eine schreckliche Art gefoltert wurde, bin ich zutiefst froh, dass sie noch lebt. Als die Sankt�mer zerst�rt wurden, waren wir unwissend. Wir konnten uns keinen Grund vorstellen, warum Korialstrasz so gehandelt haben k�nnte. Doch nun kennen wir ihn. Wir verstehen es.�</p><p>�Wenn alles wirklich so war�, sagte einer der �lteren blauen Drachen. Thrall erkannte ihn als Teralygos, einer, der fest zu Arygos gestanden hatte. �Alles, was wir kennen, ist eine sogenannte Vision. Es gibt keinen Beweis, dass es wirklich so gewesen ist.�</p><p>�Das ist Alexstrasza�, sagte Narygos. �Sie ist ein Aspekt... die Lebensbinderin!�</p><p>�Und es ist sehr praktisch, dass gerade sie diese Vision hatte. Nein, warte, dass ein Orc genau zur richtigen Zeit vorbeikam, um ihr von einer Vision zu berichten, die ihren Gef�hrten freispricht und Arygos verdammt�, fuhr der �ltere blaue Drache fort. �Was sagst du, wenn ich eine Vision habe, bei der herauskommt, dass Alexstrasza das nur erfunden hat? Oder wahnsinnig geworden ist? Dass es vielleicht die verschwundene Kirygosa war, die...�</p><p>�Ich kann alles best�tigen, was die Lebensbinderin berichtet hat�, erklang eine d�nne, raue Stimme. Ein weiterer blauer Drache landete und er trug ein Menschenm�dchen auf dem R�cken.</p><p>Thrall erkannte sie sofort: Es war Kirygosa aus seiner Vision.</p><p>�Kiry!�, rief Kalec. Thrall glitt schnell von seiner Schulter und Kalec verwandelte sich in seine Halbelfengestalt, w�hrend Kirygosa unsicher abstieg. Er rannte zu ihr, fing sie in seinen Armen auf und dr�ckte sie fest an sich. Sie l�chelte ihm und den anderen, die zu ihnen eilten, schwach zu. Sie sah m�de aus und war schrecklich d�nn. Doch sie war offensichtlich erfreut, wieder bei ihrem Schwarm zu sein.</p><p>�Geht es dir gut?�, fragte Kalec besorgt. �Nach allem, was... sie dir angetan haben?�</p><p>�Ja, jetzt, da ich frei bin�, antwortete Kirygosa und lehnte sich gegen Kalecgos. �Wie ich sagte: Was Thrall in dieser Vision �ber mich sah, stimmt. Ich glaube, dass auch die Vision �ber Korialstrasz wahr ist.� Sie sah zu dem gro�en roten Drachen hin�ber, der wohlwollend auf sie herabl�chelte. �Alexstrasza, ich betrauere deinen Verlust.�</p><p>�Danke, Kirygosa�, erwiderte Alexstrasza. Ihre Stimme war schwer von Trauer, aber es lag keine Verzweiflung darin. Nicht mehr. �Und ich betrauere deinen Verlust.�</p><p>Kalecs gerunzeltes Gesicht schien noch besorgter. �Wei�t du das von Arygos?�, fragte er Kiry leise.</p><p>Kirygosa nickte. �Ja. Er wurde vom Vater des Zwielichts betrogen und von einem Meuchelm�rder namens Schwarzmoor get�tet. Ich wei�, dass dieser Schwarzmoor auch Euch t�ten sollte, Thrall�, sagte sie und wandte sich an den einzigen anwesenden Orc. �Ich bin erleichtert, zu sehen, dass das nicht gegl�ckt ist. Der Vater des Zwielichts und Todesschwinge f�rchten Euch. Ich bin froh, dass Ihr auf unserer Seite steht.�</p><p>�Komm, setz dich und erhole dich�, dr�ngte Kalecgos. �Iss etwas und berichte uns, was du wei�t.�</p><p>�Die Kette...� Kiry holte mit den Fingern eine schlanke Silberkette hervor, die um ihren Hals hing. Ein einfach aussehendes Ding. Kalec erkannte sofort, was es war. �Ich habe so versucht, sie zu zerrei�en...�</p><p>�Das kann ich mir denken�, sagte Kalec sanft. �Dar�Khan hat einst so eine Kette um mich gelegt. Ich kenne deine Furcht und Frustration gut, werte Schwester. Einst musste ich gerettet werden... und nun befreie ich dich.�</p><p>Sanft nahm er die Kette zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit schwachem Zug zerriss der Drachenaspekt die Kette, als w�re sie nicht mehr als ein normales Schmuckst�ck. Kirygosa schluchzte freudig. Die anderen traten zur�ck, l�chelten, um ihr Platz zu geben, damit sie sich in ihre wahre Gestalt verwandeln konnte. Thrall l�chelte, als er zusah, wie sie in die Luft aufstieg und zwar schwach, aber freudig herumflog�� endlich wieder frei.</p><empty-line/><p>Dann k�mmerte man sich um Kirygosa. Thrall half dabei, sie zu heilen, w�hrend Kalecgos Fleisch und Getr�nke f�r sie herbeizauberte. Alexstrasza und Ysera standen neben ihr in ihren menschlichen Gestalten und boten jeden Trost, den sie konnten. Thrall war �berrascht, Yseras bevorzugte Gestalt zu sehen. Sie war ihm damals in Nachtelfengestalt erschienen. Jetzt hatte sie immer noch die lilafarbene Haut und die langen Ohren der Kaldorei. Doch die Krone aus wilden H�rnern, die auf ihrem gr�nen Haar thronte, zeigte ihre wahre Natur. Ein paar Drachen, einige in menschlicher Gestalt, andere in ihren Drachengestalten, traten hinzu, um Kirygosas schreckliche Erlebnisse anzuh�ren.</p><p>�Ich berichte euch alles, was ich wei�, und hoffe, dass euch etwas davon hilft�, sagte sie. �Und um ehrlich zu sein, gibt es so vieles, was mich meiner Hoffnungen beraubt.�</p><p>�Du bist entkommen, was doch eigentlich unm�glich war�, sagte Kalecgos. �Ich finde, dass gerade darin schon viel Hoffnung liegt.�</p><p>Sie versuchte zu l�cheln, aber etwas beunruhigte sie zutiefst. �Ich danke dir daf�r, doch... nun, du wirst verstehen, was ich meine.�</p><p>�Fang von vorn an�, bat Alexstrasza. �Wie wurdest du gefangen?�</p><p>�Nach dem Verlust von Jarygos... meinem Gef�hrten... hat Arygos mich dazu �berredet, ihn zu begleiten. Er �bergab mich dem Menschen. Und ich bin mir v�llig sicher, dass es ein Mensch ist. Sie nennen ihn den Vater des Zwielichts. Dieser Vater des Zwielichts und Arygos arbeiteten mit dem Zwielichtdrachenschwarm zusammen�� und mit Todesschwinge.�</p><p>Die drei Aspekte tauschten Blicke. �Beim ersten Angriff�, sagte Alexstrasza, �der, bei dem wir verspottet wurden�� da nannte er sich selbst Vater des Zwielichts.�</p><p>�Berichte weiter, meine Liebe�, sagte Ysera sanft.</p><p>�Sie hielten mich in meiner Drachengestalt gefangen, bis ich die Eier gelegt hatte. Dann legten sie mir die Kette an.� Kiry weinte, als sie sich daran erinnerte.</p><p>�Es war leichter, dich in Menschengestalt zu kontrollieren�, sagte Kalec.</p><p>Sie nickte. �Sie begannen Experimente... mit mir, mit meinen Kindern...� Ihre Stimme brach.</p><p>Alexstrasza legte ihre Hand tr�stend auf Kirys Schulter. Der blaue Drache warf ihr ein schwaches L�cheln zu und fuhr fort.</p><p>�Das, Lebensbinderin, war es, worauf Korialstrasz gesto�en war. Die Kultisten verbesserten die Chancen, gesunde chromatische Drachen zu z�chten, indem sie mit meinen Kindern Experimente durchf�hrten. Offensichtlich bekomme ich als Tochter des Malygos kr�ftigere Kinder. Korialstrasz versetzte ihnen einen ernsthaften Schlag, als er ihre potenzielle Armee vernichtete. Ein weiterer Schlag war, dass Arygos nicht Aspekt wurde. Er hatte versprochen, den blauen Drachenschwarm dem Vater des Zwielichts auszuliefern.�</p><p>�Wir werden nie erfahren, ob Arygos geistig gesund war, als er diesen Handel einging�, sagte Kalec in stiller Wut. �Aber damit er uns allen besser in Erinnerung bleibt, sollten wir hoffen, dass es nicht so war.�</p><p>Kirygosa nickte und beruhigte sich etwas. �Er war auf jeden Fall dem Kult ergeben, doch bei allem anderen bin ich mir nicht sicher.�</p><p>�Was er dir angetan hat...�</p><p>�Das ist geschehen und vorbei�, sagte sie und Thrall erkannte, dass sie Kalecgos zu beruhigen versuchte. Und das nach allem, was sie selbst durchlitten hatte. Sie war unglaublich tapfer. �Also wurde ihr Plan gleich doppelt vereitelt. Aber sie haben immer noch Chromatus.� Ihre Stimme brach und sie k�mpfte merklich um ihre Fassung. �Ich wei� nicht, wo sie ihn gefunden haben. Die Kultisten brachten ihn den ganzen Weg nach Nordend. Sie wussten, dass sie riesige Mengen an arkaner Energie ben�tigten, um ihm den Funken des Lebens einzuhauchen. Und daf�r brauchten sie eine magische Nadel, die sie aus dem Blut eines Kindes von Malygos erschufen.�</p><p>�Dann... Vergib mir�, sagte Thrall. �Aber... warum benutzten sie nicht dein Blut? Dann h�tten sie das schon viel eher erreichen k�nnen!�</p><p>�Ich glaube, sie wollten warten, bis Arygos ihnen die blauen Drachen zugef�hrt hatte�, sagte sie. �Bedenke, welcher Anblick sich den restlichen Drachen geboten h�tte: Chromatus w�re bei seinem ersten Auftritt bei voller St�rke gewesen und h�tte eine riesige Armee angef�hrt. Ich glaube nicht, dass der Vater des Zwielichts Arygos von Anfang an t�ten wollte. Doch als mein Bruder versagte, stellte der Vater des Zwielichts sicher, dass er dennoch von Nutzen war. Und das war auch ich. Ich floh, bevor sie versuchen konnten... mich zu diesem <emphasis>Ding</emphasis> zu bringen.�</p><p>Thrall war ersch�ttert. Den beiden weiblichen Aspekten schien es nicht gut zu gehen und Thrall glaubte, dass Kalec ihn freudig zerfetzt h�tte, wenn der Vater des Zwielichts pl�tzlich hier aufgetaucht w�re. Und der Orc h�tte sich daran beteiligt.</p><p>�Vielleicht h�tte es funktioniert�, fuhr Kiry fort. �Ich h�tte die Mutter eines ganzen Schwarms von Abscheulichkeiten werden k�nnen. Chromatus war das letzte Experiment von Nefarian�� der, wie ich erfahren habe, ebenfalls wieder lebt. Zumindest auf eine gewisse Weise. Er wurde wiederbelebt, aber nicht so, wie es bei Chromatus geschehen ist.�</p><p>�Nefarian ist eine untote Scheu�lichkeit.� W�hrend Kirygosa gesprochen hatte, waren die anderen Drachen n�her herangetreten. Und nun kam ein gigantischer roter Drache mit seinem riesigen K�rper hinzu, der sich sch�tzend �ber Alexstrasza und Kirygosa beugte. Ihre beiden Herzen und ihr Verstand waren schrecklich mitgenommen und dennoch waren sie beide so stark. Der rote Drache fuhr fort. �Ist er auch dort?�</p><p>Kiry sch�ttelte den Kopf. �Nein, ich glaube, Todesschwinge hat andere Pl�ne mit ihm. Chromatus wird ausreichen. Kalec�� du hast ihn das letzte Mal �berrascht. Er war gerade erst geboren. Und selbst da...� Ihre Stimme versagte.</p><p>�Selbst da wurde mein ganzer Schwarm geschlagen�, beendete Kalec den Satz f�r sie.</p><p>�Du bist nicht allein, Kalecgos�, versicherte Alexstrasza ihm. �Drei Schw�rme halten zusammen. Er konnte vielleicht einen Schwarm besiegen, aber drei? Es ist lange her, dass wir gemeinsam gek�mpft haben, und ich glaube nicht, dass ein einziger Drache, so monstr�s er auch sein mag, gegen uns alle bestehen kann!�</p><p>Kirygosa schien angesichts der Worte aufgew�hlt und nahm Alexstraszas Hand. �Lebensbinderin�, sagte sie, �Er... er existiert wegen dir.� Sie blickte Kalec und Ysera an. �Es geht um euch alle. Er ist mehr als nur ein au�ergew�hnlich m�chtiger chromatischer Drache. Er wurde aus einem besonderen Grund erschaffen: um die Aspekte zu vernichten!�</p><p>Thrall �ffnete den Mund. Wollte es verneinen. Doch dann schloss er ihn wieder. Er hatte Chromatus gesehen. Er wusste, wozu das Monster f�hig war. Bei voller Gesundheit, mit den F�higkeiten jedes Schwarms...</p><p>�Also stimmt es�, sagte Ysera zerknirscht. �Meine Vision ist wahr.�</p><p>Alexstrasza streckte ihre andere Hand nach Ysera aus. �Sprich, Schwester�, flehte sie.</p><p>�Ich hatte gehofft, ich l�ge falsch...� Ysera schloss die Augen und sprach mit vertr�umter Singsangstimme. Es lag kein Zauber darin, nicht im eigentlichen Sinne des Wortes, aber die Szene, die sie beschrieb, hatte ihre ganz eigene Magie. Thrall konnte es beinahe deutlich vor sich sehen: den Tod aller Dinge au�er dem Zwielichtdrachenschwarm. Keine Pflanzen, keine Tiere, keine Wesen, kein lebendes Ding, das wie sie atmete. Und alle Aspekte waren tot und steif. Selbst der D�sterste, Grausamste. Derjenige, der geholfen hatte, das Monster zu erschaffen, das dies alles verursacht hatte.</p><p>Todesschwinge.</p><p>Thrall zitterte und sp�rte kalten Schwei� �ber seine Haut rinnen. Panik drohte ihn zu �berw�ltigen. Andere um ihn herum erhoben die Stimmen vor Angst und grimmiger Zustimmung, aber eine Stimme setzte sich durch.</p><p>�Es ist <emphasis>nicht</emphasis> unser Untergang!� Die Stimme geh�rte der Lebensbinderin. Sie hatte noch immer ihre menschliche Gestalt, hielt noch immer die Hand ihrer Schwester und der traumatisierten Kirygosa. Ihr Gesicht strahlte vor Entschlossenheit und Hingabe. �Wir haben Todesschwinges grandiosen Plan schon einmal vereitelt. Arygos� Versagen. Kirys Flucht. Die blauen Drachen, die Chromatus angriffen, bevor er bereit war. Ich sage euch, das ist alles noch nicht in Stein gemei�elt. Yseras Visionen hatten stets eine Bedeutung. Aber Tr�ume ben�tigen immer Interpretationen. Schwester, k�nnte das eine Warnung sein? Eine Aussicht auf das, was passiert, wenn wir nicht k�mpfen?�</p><p>Ysera neigte den geh�rnten Kopf. �Ja�, sagte sie. �Nur Nozdormu wei�, was wirklich sein wird. Ich berichte euch nur, was ich gesehen habe.�</p><p>�Dann lasst uns jetzt entscheiden�, sagte Alexstrasza. �Wir werden diesen Kampf mit allem f�hren, was wir haben. Jeder blaue, gr�ne, jeder rote Drache�� ihr k�mpft nicht nur um euer Leben, sondern um die Leben <emphasis>aller</emphasis>. Wir werden uns diesen sogenannten Aspektm�rder vornehmen und wir werden dem Vater des Zwielichts und Todesschwmge selbst zeigen, dass wir uns nicht einsch�chtern lassen. Egal, was wir bereits verloren haben�� oder noch verlieren werden��, unsere Welt werden wir nicht verlieren. Chromatus wird fallen!�</p><p>Und die Hoffnung, die Thrall versp�rte, war so real, dass er sie beinahe schmecken konnte. Er hob seine eigene orcische Stimme zu einem Schrei reiner Entschlossenheit und Willenskraft, der die Luft erf�llte.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Trotz ihres Leidenswegs war Kirygosa mehr als bereit�� und f�hig��, bei dem Angriffsplan zu helfen. Thrall fiel auf, dass selbst diejenigen, die Arygos unterst�tzt hatten, sich zu ihr hingezogen f�hlten. Der <emphasis>Prozess</emphasis>, die <emphasis>Herzen und</emphasis> die Seele der blauen Drachen zu gewinnen, hatte mit Kalec und seiner erfreulichen Ernennung zum Aspekt im Licht der beiden Monde begonnen und wurde nun durch Kirygosas ruhigen Mut verfestigt.</p><p>Die drei Aspekte, Thrall, Kirygosa und ein paar Repr�sentanten jedes Schwarms, alle in menschlicher Gestalt, versammelten sich, um Strategien zu erarbeiten. Alle Anwesenden wussten, wie der Wyrmruhtempel aufgebaut war. Und Kirygosa konnte ihnen exakt sagen, was jetzt wo war. Da schlief Chromatus und erholte sich. �Mit jeder verstreichenden Stunde wird er st�rker�, warnte sie d�ster. Dort verbrachte der Vater des Zwielichts die meiste Zeit. Alle Lasten- und Reittiere befanden sich in einem anderen Bereich. Und sie konnte sehr gut einsch�tzen, auf wie viele Kultisten und Drachen die drei Schw�rme sto�en w�rden.</p><p>�Gibt es irgendwelche Schw�chen, die wir ausnutzen k�nnen?�, fragte der rote Drache Torastrasza.</p><p>�Der Vater des Zwielichts ist ein Mensch�, antwortete Kirygosa. �Er ist schon �lter, mit einem gegerbten Gesicht und grauem Bart, und er ist extrem arrogant. Ich wei�, dass er auf seine Art m�chtig ist und dass diejenigen, die er anf�hrt, nichts von seinen wahren Absichten ahnen.�</p><p>�Er ist ein Anf�hrer?�, fragte Thrall. �Ein milit�rischer Befehlshaber vielleicht?�</p><p>�Er kommt mir wie ein Mann des Milit�rs vor�, antwortete Kirygosa. �Aber ich muss zugeben, dass ich wenig �ber die Menschen wei�. Doch eine Sache wei� ich: Er hat Angst vor Todesschwinge.�</p><p>�So wie alle gesunden Wesen es haben sollten�, murmelte Ysera und sie neigte den Kopf vor Trauer.</p><p>�Nutzen wir doch seine Selbst�bersch�tzung aus�, meinte Torastrasza. �Vielleicht begeht er einen dummen Fehler.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob seine Selbst�bersch�tzung von Nachteil f�r ihn ist, mit einem Verb�ndeten wie Chromatus�, sagte Thrall. �Ihr habt die Schlacht gegen die blauen Drachen nicht miterlebt. Wir sind jetzt mehr und haben andere Angriffsmethoden. Aber wir sollten ihn auf keinen Fall untersch�tzen.�</p><p>�Au�erdem werden die Kultisten nur zu gern f�r ihn sterben�, sagte Kirygosa. �Sie werden bis zum Letzten k�mpfen.�</p><p>�Verl�sst sich der Vater des Zwielichts allein auf Chromatus und die Zwielichtdrachen oder hat er auch noch andere Waffen?�, fragte Alexstrasza.</p><p>�Sie haben keine wirklich verheerenden Waffen f�r Boden- oder Luftangriffe�, sagte Kirygosa. �Aber ich wei� auch nicht, ob sie die �berhaupt brauchen. Ein ganzer Schwarm und Chromatus mit all seinen K�pfen�� jeder mit einem Gehirn, das alle F�higkeiten seines Schwarms auf sich vereint.�</p><p>Diese einfache, aber m�chtige Erkenntnis lie� sie alle verstummen.</p><p>�Offensichtlich kennen wir unseren Feind�, sagte Alexstrasza schlie�lich. �Kiry, steht Chromatus irgendwie unter der Kontrolle des Vaters des Zwielichts?�</p><p>Der blaue Drache sch�ttelte den Kopf. �Nein, er ist er selbst. Er steht Todesschwinge sehr nahe, der wahrlich stolz auf ihn ist�� und gro�e Pl�ne mit ihm hat.�</p><p>�Dann werden wir drei Aspekte ihn zu unserem vornehmlichen Ziel erkl�ren�, beschloss Alexstrasza. �Was auch immer sie sonst noch gegen uns schicken, wir m�ssen unsere Bem�hungen ganz auf ihn konzentrieren. Der Rest der Schw�rme muss daf�r sorgen, dass wir von anderen Angriffen verschont bleiben. Wenn er f�r Todesschwinge derart wichtig ist, w�re sein Tod mehr als ein taktischer Sieg. Wir k�nnen uns jederzeit zur�ckziehen und sp�ter wiederkommen, um uns den Vater des Zwielichts und die Kultisten vorzunehmen. Aber Chromatus <emphasis>muss</emphasis> sterben.�</p><p>Alle versammelten Drachen nickten zustimmend, so auch Thrall.</p><p>Chromatus musste tats�chlich sterben. Sonst w�rden die Kultisten, deren Hauptanliegen es war, diese Welt zu vernichten, ihr Ziel nur allzu fr�h erreichen.</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts hatte befohlen, dass die Leichen von Zuuzuu und Josah ohne irgendwelche Feierlichkeiten beseitigt wurden. Zudem wurden alle Kultisten gez�chtigt. So fand er zumindest ein wenig Trost in ihren Schmerzensschreien.</p><p>Wie hatten sie das zulassen k�nnen? Kirygosa war nur ein einziges Wesen, in dieser Gestalt gerade so stark wie ein Mensch. Sie h�tte nicht in der Lage sein d�rfen, zu fliehen. Oder nur einen Kultisten zu �berw�ltigen, von zwei ganz zu schweigen. Und wer war nur so dumm gewesen, die Wyvern nicht zu bewachen? Niemand hatte diesen unerh�rten Mangel an Weitsicht zugegeben.</p><p>�Wir haben die Chance verloren, unsere Zukunft mit den Welpen zu gestalten�, knurrte Chromatus, als der Vater des Zwielichts mit den schlechten Neuigkeiten zu ihm kam. �Und wenn sie es �berlebt, kann sie Informationen �ber uns weitergeben, die uns m�glicherweise schaden.�</p><p>Dieser Gedanke war dem Vater des Zwielichts auch bereits gekommen. Mit einem Selbstvertrauen, das er nicht hatte, sagte er: �Was kann sie ihnen schon verraten? Sie wei�, dass wir hier sind, doch das wissen sie sowieso. Vielleicht hat die Sache ja sogar ihr Gutes. Sie wissen, dass du zu dem Zeitpunkt, als sie angegriffen haben, schwach warst. Und dennoch hast du sie in die Flucht geschlagen. Ich glaube, die Neuigkeiten, die sie ihnen bringt�� wenn sie �berlebt��, wird die Drachen weiter entmutigen. Und wenn wir dann gewonnen haben und sie �berlebt hat, kannst du immer noch einen ganzen Schwarm von chromatischen Drachen mit ihr zeugen.�</p><p>Chromatus betrachtete die kleinere Gestalt. �Das ist m�glich. Aber jeder strategische Vorteil, den wir ihnen geben, ist einer zu viel. Ich bin sicher, Todesschwinge wird nicht gl�cklich sein, wenn er davon h�rt.�</p><p>Darauf wusste der Vater des Zwielichts keine Antwort.</p><empty-line/><p>Sie kamen in der D�mmerung.</p><p>Der sich bereits verdunkelnde Himmel wurde bei ihrem Eintreffen schwarz und das Ger�usch Hunderter schlagender Fl�gel lie� die Luft vibrieren, als die Drachenschw�rme n�her kamen.</p><p>Der Vater des Zwielichts war aufgeregt. Sicherlich waren Chromatus� dr�hnende Worte der Warnung noch untertrieben, was Todesschwinge betraf.</p><p>In den Strahlen der untergehenden Sonne konnte er drei Farben der Drachen erkennen, die auf den Tempel zuflogen. Also hielten sich die bronzenen Drachen noch zur�ck, ihr Anf�hrer war nicht in Sicht. Umso besser.</p><p>Wie zur Antwort erklang das Schlagen der Fl�gel, als seine eigene Armee von Zwielichtdrachen sich in den Himmel erhob. Hinter ihnen, fast schon tr�ge, flog Chromatus.</p><p>Der Vater des Zwielichts konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sollten sie doch kommen. Sollten sie in ihren Untergang fliegen. Chromatus w�rde sie schlagen und der Vater des Zwielichts w�rde an diesem Abend den Tod von nicht weniger als drei Aspekten melden k�nnen.</p><empty-line/><p>Thrall sa� nicht auf Kalecgos, nicht dieses Mal. Torastrasza, die Alexstraszas rechte Hand in milit�rischen Fragen war�� oder vielleicht ihre Vorderklaue?��, wie er erfahren hatte, hatte sich bereit erkl�rt, Thrall zu tragen. Die Aspekte mussten ungebunden sein, um sich auf den Angriff auf Chromatus konzentrieren zu k�nnen. Sie durften nicht einmal kurz durch Sorge um sein Schicksal�� oder eigentlich das Schicksal aller�� abgelenkt werden.</p><p>Thrall verstand das v�llig. Er w�rde k�mpfen, so gut es ging, ohne dass sich einer der Aspekte um ihn k�mmern musste. Er war immer noch ganz vorn mit dabei, als sie erneut auf den Wyrmruhtempel herabsanken.</p><p>Sie trafen zuerst auf eine Welle von Zwielichtdrachen, diese sch�nen, aber schrecklichen Wesen, die direkt auf die drei Aspekte losgingen. Augenblicklich gerieten die Zwielichtdrachen selbst unter Beschuss. Die Drachen der verschiedenen Schw�rme setzten ihnen zu, lenkten ihre Aufmerksamkeit von den Aspekten weg. Die gr�nen Drachen benutzten ihren Giftatem, oder schlimmer noch, ihre F�higkeit, Albtr�ume zu kreieren. Zumindest glaubte Thrall das, als er zwei Zwielichtdrachen bemerkte, die pl�tzlich aufkreischten und wild flohen, als ob etwas unglaublich Schreckliches hinter ihnen her sei.</p><p>Die roten und blauen Drachen arbeiteten zusammen. Die Blauen nutzten ihre F�higkeit, mit kalter Magie ihre Feinde einzufrieren oder zu verlangsamen, und die Roten griffen sie dann mit Feuer an. Dieses Mal waren die vereinten Drachenschw�rme dem einzelnen Zwielichtdrachenschwarm zahlenm��ig vier- bis f�nfmal �berlegen. Und was der Feind zweifelsfrei f�r einen vernichtenden Angriff oder zumindest eine Ablenkung der m�chtigen Aspekte geplant hatte, war kaum bedrohlicher als ein Schwarm Fliegen, die um sie herumschwirrten.</p><p>Sie h�rten Chromatus, bevor sie ihn sahen.</p><p>�Kalecgos, da bist du ja. Willst du dir noch ein wenig Folter abholen?� Die Stimme kam von dem schwarzen Kopf. Sie war tief und dr�hnte bis in die Knochen und das Blut.</p><p>Thrall zitterte, dann biss er sich auf die Z�hne.</p><p>�Todesschwinge hat einst versucht, deinen Schwarm auszul�schen�, erkl�rte der blaue Kopf. �Du hast dein Volk, indem du hergekommen bist und mich herausgefordert hast, zum Sterben verdammt. Und du hast, wie ich sehe, deine kleinen Freunde mitgebracht.�</p><p>Der rote Kopf sprach in sp�ttischem Tonfall: �Na, Lebensbinderin, ausgeweint?�, und der gr�ne Kopf sagte: �Bist du doch noch aufgewacht, Ysera?�</p><p>Die Worte waren voller Bosheit und Verachtung, doch sie stie�en auf taube Ohren. Die einstige Tr�umerin war nun wirklich erwacht. Ihre Fl�gel schlugen schnell und sicher wie die Kalecs� und Alexstraszas. Die Lebensbinderin war wieder sie selbst und Thrall wusste, dass das Opfer ihres Geliebten ihr neue St�rke f�r den Kampf gegeben hatte. Er wollte Chromatus antworten, ihn wissen lassen, wie n�rrisch es gewesen war, sie zu verh�hnen. Doch er war kein Drache und seine Worte w�ren im Wind verloren gegangen.</p><p>Die Aspekte waren derart konzentriert, dass die Beleidigungen von ihren Schuppen abperlten wie Regentropfen. Elegant, doch voll zielgerichteter Entschlossenheit, wie sie es ge�bt hatten, brachten sie sich anmutig in Angriffsformation.</p><p>Es war, als w�rde man einen sch�n choreografierten Tanz beobachten. Kalecgos, Ysera und Alexstrasza nahmen ihre Positionen um Chromatus herum ein. Alexstrasza flog �ber ihn, st�rzte dann auf ihn hinunter und schlug mit ihren orangeroten Flammen zu. Kalecgos griff von unten an, verpasste ihm eine eisige K�lteattacke und magische Sch�den. Ysera schoss unerwartet auf ihn zu, sobald sich L�cken in seiner Deckung andeuteten. Dank ihrer launenhaften Natur wusste Chromatus nie, wo sie als N�chstes sein w�rde.</p><p>Thrall hatte ehrf�rchtig, mit offenem Mund beobachtet, wie sie f�r diesen Angriff trainiert hatten. Sie hatten mit roten, blauen und gr�nen Drachen ge�bt, t�uschten Angriffe vor, indem sie jeden �Chromatus� ermutigten, mit den Taktiken jedes Schwarms �anzugreifen.� Und nun schien es, als w�rden sie gewinnen.</p><p>Nach Yseras grausigen Beschreibungen, dass jeder der Aspekte von ihrer oder seiner eigenen Magie get�tet w�rde, hatten sie sich dazu entschlossen, dass jeder von ihnen einen anderen Kopf des chromatischen Drachen angriff. Ysera konzentrierte sich auf den bronzenen Kopf, griff aber nicht mit ihrem giftigen gr�nen Atem an, sondern erschuf die Illusion eines riesigen Bronzedrachen. Mehr als die anderen war Ysera unvorhersehbar und schien einen Schritt oder zwei vor Chromatus� bronzenem Drachenhirn zu bleiben. Kalec zielte auf den roten Kopf und konterte den feurigen Atem mit Eis und Magie.</p><p>Alexstrasza k�mmerte sich um den wahrscheinlich intelligentesten von allen: den blauen Kopf. In ihrer Wut war sie zweifelsfrei das sch�nste, gef�hrlichste Wesen, das Thrall je gesehen hatte. Der blaue Kopf schien in die Defensive zu geraten, als sie unabl�ssig angriff, Feuer spie und aus dem Weg sprang. Dabei sch�ttelte sie gleichzeitig die Mengen von Zwielichtdrachen ab, als w�ren sie nur Regentropfen, die auf ihre Schuppen fielen. Alles, was ihr in dieser Welt wichtig war, war ihr von jenen genommen worden, die f�r Chromatus� unnat�rliches Leben verantwortlich waren: der mysteri�se Vater des Zwielichts und nat�rlich Todesschwinge selbst. Sie war fest entschlossen, das f�nfk�pfige Monster nicht weiterleben zu lassen.</p><p>Chromatus war offensichtlich durch die Flexibilit�t der koordinierten Angriffe angeschlagen.</p><p>Zumindest f�r ein paar Augenblicke.</p><p>Dann, als h�tte er bislang nur mit ihnen gespielt, begann er pl�tzlich mit doppelter Geschwindigkeit und Entschlossenheit zur�ckzuschlagen. Er hatte f�nf K�pfe und es waren drei Gegner. Der blaue und der rote Kopf k�mpften weiter gegen Alexstrasza und Kalecgos, der schwarze und der gr�ne wandten pl�tzlich ihre langen H�lse und halfen dem bronzenen Kopf im Kampf gegen Ysera. Die war auf den pl�tzlichen Wechsel der Taktik unvorbereitet. Eines seiner Vorderbeine war von einer schattenhaften Flamme umgeben und der gr�ne Kopf fixierte sie mit einem intensiven Blick, und Thrall dachte, dass es vielleicht ein Versuch war, den gr�nen Drachenaspekt auf einen ihrer eigenen Albtr�ume zu schicken. Doch Ysera hatte Thrall erz�hlt, dass sie Dinge erlebt hatte, die sich die Kreatur nicht mal vorstellen konnte. Ysera tauchte ab, sch�ttelte den Kopf und schloss die Augen. Dabei mied sie geflissentlich den Versuch des gr�nen Kopfs, ihre eigene Magie gegen sie einzusetzen.</p><p>Der bronzene Kopf �ffnete das Maul und spie Sand aus, sch�ttelte Ysera ab, w�hrend die schwarzen Z�hne sich um ihren Fl�gel legten, fest zubissen und daran zerrten. Ysera schrie auf und riss sich los. Dabei blieb ein St�ck des Fl�gels im Maul des Angreifers h�ngen. Schnell heilte sie sich selbst von ihren Verletzungen, doch in diesem wertvollen Moment stellten die anderen beiden K�pfe den Kampf mit Alexstrasza und Kalecgos ein und alle f�nf st�rzten sich auf den gr�nen Aspekt, der nun eindeutig um sein Leben k�mpfte.</p><empty-line/><p>Thrall hielt sich an Torastrasza fest, als sie hin und her flog. Er benutzte den Schicksalshammer, wann immer er konnte, doch die Zwielichtdrachen waren mittlerweile auf solche Angriffe gefasst. Wenn ihnen Torastrasza zu nahe kam, wurden sie feinstofflich und k�mpften nur noch mit ihrer h�sslichen lilafarbenen Magie. Thrall erkannte, dass er ab jetzt seine schamanischen Kr�fte nutzen musste, und �ffnete sich den Elementen.</p><p><emphasis>Ich k�mpfe, um euch alle zu retten</emphasis>, sagte er, <emphasis> alle Elementare. Dieses ganze verwundete Land. Kommt mir zu Hilfe, damit ich euch besch�tzen kann</emphasis>!</p><p>Zuerst waren sie noch unentschlossen, doch Thrall legte all seine Dringlichkeit in seine Bitte. Und schlie�lich folgten sie. Ein Windelementar nahm die Form eines Zyklons an, hob riesige Felsen in die Luft und st�rzte sich auf Thralls Feinde. Sturmb�en kamen auf seinen Ruf, Scherwinde, die ausgebreitete Fl�gel erfassten und ihre Besitzer ineinander krachen lie�en. Blind machender Schnee wirbelte auf und umgab ihre Feinde, nur um sich in kochendes Wasser zu verwandeln, das auf offene Augen gerichtet war.</p><p>Gemeinsam t�teten er und Torastrasza mehrere Zwielichtdrachen. Dann pl�tzlich tauchte der gro�e rote Drache in einem engen, kontrollierten Sturz ab. Thrall fragte sich, was sie da tat, dann erkannte er es. Sie flog dicht �bers Land und hielt auf eine Gruppe Schattenhammerkultisten zu, �ffnete ihr riesiges Maul und spie Feuer. Die Roben der Kultisten fingen schnell Feuer und sie schrien vor Schmerzen. Es schien, dachte Thrall d�ster, dass doch nicht alle Kultisten sich bereitwillig selbst opferten, wenn sie dem Tod durch einen gro�en roten Drachen gegen�berstanden.</p><p>Torastrasza wirbelte herum, stieg fast schon gem�chlich auf und kurvte um den Tempel auf die andere Seite. Wieder flog sie niedrig, spie Feuer auf die schreienden Kultisten, dann nutzte sie den Wind und stieg anmutig auf, um erneut am Gefecht weit oben in der Luft teilzunehmen.</p><p>Thrall warf einen Blick hin�ber zum Kampf mit Chromatus und sein Mut sank. Er konnte sehen, dass alle drei Aspekte verwundet waren: verbrannt, erfroren, verkr�ppelt oder auf eine andere Weise verletzt. Und Chromatus schien kaum beeindruckt. Thrall sah, wie der Drache zwei K�pfe zur�ckwarf und lachte.</p><p>�Das Leben ist s��, wenn es solche Unterhaltung bietet�, bellte er. �Kommt wieder! Lasst uns spielen!�</p><p>Ysera scherte j�h aus. Sie kam nahe an Thrall heran, bevor sie zur�ckflog�� lange genug f�r ihn, um die Angst und Verzweiflung in ihren leuchtenden Augen zu erkennen.</p><p>Kirygosas Worte fielen ihm ein: <emphasis>Er existiert... wegen dir. Es geht um euch alle. Er wurde aus einem besonderen Grund erschaffen: um die Aspekte zu vernichten</emphasis>!</p><p>Sie fielen fast wie Regentropfen, die roten, blauen und gr�nen Drachen. Der Wyrmruhtempel h�tte jetzt auch Wyrmruh-Schlachthof hei�en k�nnen.</p><p>Das durfte nicht sein! Drei Aspekte und ihre Schw�rme�� sicher, die Kultisten und Zwielichtdrachen wurden immer weniger. Doch Chromatus schien an St�rke zu gewinnen, je l�nger die Schlacht andauerte.</p><p>Wo waren die Bronzedrachen? Nozdormu hatte gesagt, er w�rde kommen. Die Bronzedrachen wurden nun verzweifelt gebraucht. Mit einem weiteren Aspekt w�rde es vielleicht gelingen, doch noch zu gewinnen. Thrall sah sich wild um, hoffte entgegen aller Wahrscheinlichkeit, dass...</p><p>Unvermittelt tauchten dunkle Flecken am Abendhimmel auf. Weitere Zwielichtdrachen? Dann erkannte Thrall, dass ihre Schuppen sehr viel heller waren als die der Zwielichtdrachen. Viel heller als bei jedem anderen Drachenschwarm.</p><p>�Dort!�, rief Thrall. �Die Bronzedrachen! Sie sind gekommen!�</p><p>Die anderen Drachen hatten sie auch bemerkt. Eine Welle der Freude stieg in ihnen auf. Gemeinsam mit dem bronzenen Drachenschwarm konnten sie noch gewinnen. Vier Aspekte konnte bestimmt selbst Chromatus nicht besiegen!</p><p>Die bronzenen Drachen verteilten sich, vereinigten sich mit ihren Artgenossen und griffen die Zwielichtdrachen an, w�hrend Nozdormu direkt zu den anderen Aspekten stie�. Sie brachen den Angriff ab, wirbelten herum, um sich auf halber Strecke mit ihm zu vereinen. Es war ein sch�ner Anblick: vier Aspekte, die zusammen flogen, vereint im Kampf.</p><p>Und dann schrie Nozdormu etwas, was Thrall nicht zu h�ren erwartet hatte.</p><p>�R�ckzug!�, rief er. �R�ckzug! Folgt mir!�</p><p>Thrall sp�rte fast schon k�rperlich, wie sein Herz sank, und er wusste, die anderen Aspekte f�hlten genauso. Alle Augen richteten sich auf die Lebensbinderin. Eine Weile schwebte sie auf der Stelle. Dann traf Chromatus die Entscheidung f�r sie. Er war ein St�ck vorgesto�en, zweifelsohne verwirrt von dem abrupten Abbruch, und waltete darauf, dass sie den Angriff wieder aufnahmen. Als sie das nicht taten, verfolgte er sie in t�dlicher Absicht.</p><p>�R�ckzug!�, rief Alexstrasza mit rauer Stimme.</p><p>�R�ckzug, R�ckzug!� Ysera und Kalecgos nahmen den Ruf auf und befahlen ihren eigenen Schw�rmen, zu folgen.</p><p>Diejenigen, die es konnten, gehorchten sofort. Andere waren noch in K�mpfe verwickelt und kamen, sobald sie konnten�� oder gar nicht. Sie flogen so schnell wie m�glich nach Osten. Thrall sa� auf Torastraszas kr�ftigem R�cken und klammerte sich fest, als der Wind, der durch das hohe Tempo erzeugt wurde, ihn herabzurei�en drohte. Er reckte den Hals und sah �ber die Schulter zur�ck. Chromatus folgte ihnen immer noch, er �ffnete gerade das rote Maul und stie� eine Flamme aus. Dann brach er die Attacke ab und flog zum Tempel zur�ck. Ein paar der Zwielichtdrachen folgten ihnen noch, doch bald drehten auch sie um.</p><p>Warum? Die Feinde gewannen. Warum brachen sie den Angriff ab?</p><p>Nach kurzer Zeit eines schnellen Flugs stellten sie fest, dass die Albtraumkreaturen sie nicht mehr verfolgten, und die Aspekte wurden langsamer. Sie landeten auf den schneebedeckten Felsspitzen, ihre Schw�rme kamen nahe bei ihnen herunter.</p><p>Alexstrasza wirbelte zu Nozdormu herum. Trauer und Wut bebten durch jede Faser ihrer roten Gestalt. �Warum? Warum hast du uns nicht geholfen, Nozdormu?�, schrie sie. �Wir h�tten...�</p><p>�Nein�, unterbrach der Zeitlose sie schroff. �Wir w�ren alle gessstorben, wenn wir den Angriff fortgesetzt h�tten.�</p><p>�Wie sollte das m�glich sein?�, spie Torastrasza. Thrall konnte sp�ren, dass die Wut ihren K�rper erzittern lie�. �Du hast deinen ganzen Schwarm mitgebracht�� und dich selbst�� vier Aspekte! Wie k�nnte irgendetwas dagegen bestehen?�</p><p>Selbst der normalerweise so ruhige Kalec blickte frustriert drein und sogar die milde Ysera schien aufgew�hlt. Auch Thrall war verwirrt, vertraute Nozdormu aber. Die anderen mussten das ebenfalls, sonst h�tten sie den Angriff nicht abgebrochen.</p><p>�Ich habe vielesss auf meinen Wanderungen auf den Zeit wegen erfahren�, sagte Nozdormu. �Ich bat diesen Orc, den anderen auszurichten, dasss ich immer noch nach Antworten suchte. Ich habe schlie�lich einige gefunden. Wir k�nnen Chromatusss nicht ohne wahre Einheit unter uns besiegen.�</p><p>Die anderen Drachen tauschten Blicke. �Wir arbeiten bereits zusammen wie selten zuvor�, protestierte Kalec. �Alle vier Schw�rme sind vereinigt! Du hast uns gesehen, wir haben zusammengeholfen, keiner von uns suchte Ruhm f�r sich allein!�</p><p>�Vielleicht war es das, was die Vision mir sagen wollte�, erklang die sanfte Stimme von Ysera. �Wir k�nnen ihn nicht besiegen, indem wir einfach zusammen k�mpfen. Wir m�ssen... <emphasis>gemeinsam</emphasis> k�mpfen.�</p><p>�Genau!�, sagte Nozdormu.</p><p>Die anderen starrten ihn nur an und Thrall wusste, was sie dachten. Waren Nozdormu und Ysera verr�ckt geworden?</p><p>Nozdormu sch�ttelte sich ungeduldig. �Wir sind Aspekte�, sagte er. �Wir sind nicht einfach nur Drachen mit unterschiedlichen F�higkeiten und mehr Kraft. Wir wurden ver�ndert, als die Titanen uns unsere F�higkeiten gaben. Wir k�nnen diesesss Monster nicht dadurch besiegen, dass wir unsere Angriffe koordinieren. Wir m�ssen wie ein einziges Wesen denken und handeln. Teil der Essenz sein, was es wirklich bedeutet, ein Aspekt zu sein.�</p><p>�Ich glaube, ich verstehe�, sagte Alexstrasza und runzelte die Stirn. �Wir sollen uns verb�nden. Unsere F�higkeiten und unser Wissen vereinen. Meinst du das damit?�</p><p>�Ja. Das ist es, genau, Lebensbinderin! Erinnerst du dich daran, wasss die Titanen sagten, als sie gingen?�</p><p>�F�r jeden von euch eine Gabe, f�r jeden von euch eine Pflicht�, wiederholte Alexstrasza und ihre Augen weiteten sich. �Wir... waren Teile eines Ganzen. Wir sollten nie getrennt werden.�</p><p>�Werden... wir uns verlieren?�, fragte Kalec leise.</p><p>Thrall wusste, wie wichtig Kalec seine Individualit�t war. Mehr als jeder andere Aspekt war er daran gew�hnt, er selbst zu sein. Ein Aspekt zu sein, war immer noch neu f�r ihn, und der Gedanke, sein Ich zu verlieren, gefiel ihm nicht. Doch Thrall kannte seinen Freund und wusste, wenn Kalec als Individuum �sterben� musste, um Chromatus aufzuhalten, dann w�rde er nicht z�gern und dieses Opfer gern bringen.</p><p>�Nein�, antwortete Nozdormu. �Nicht, wenn wir es richtig machen. Wir sind Teile eines Ganzen, aber auch in unserem Ich vereint. <emphasis>Das</emphasis> ist das gro�e Mysterium.�</p><p>Pl�tzlich schloss Alexstrasza die Augen vor Schmerz. �Dann... sind wir tats�chlich verdammt�, sagte sie, ihre Stimme versagte ihr den Dienst.</p><p>�Was?�, sagte Torastrasza. �Lebensbinderin, du hast so viel gelitten und ertragen. Warum willst du jetzt aufgeben?�</p><p>Und dann erkannte es auch Kalec. �Wir sind nur vier�, sagte er. �Wir werden niemals wieder so sein, wie wir einst gedacht waren. Neltharion ist nun Todesschwinge und es gibt keinen Aspekt der Erde mehr.�</p><p>Die Stille war fast unertr�glich. Dennoch sagte niemand etwas. Es war eine niederschmetternde Erkenntnis, aber trotzdem wahr. Sie konnten nicht einmal versuchen, einen neuen Aspekt zu rufen, weil Todesschwinge noch lebte.</p><p>Und Chromatus war Todesschwinges Werkzeug.</p><p>Thrall taumelte angesichts dieser Erkenntnis. Ihnen blieb nur, ihre Leben in den Kampf gegen Chromatus zu werfen und zu versagen. Die Welt und jedes lebende Wesen darin au�er den Zwielichtdrachen w�rde vernichtet werden. Der Kult w�rde siegen und Todesschwinge, verr�ckt und b�se, w�rde siegreich sein und lange genug leben, um auf der Spitze des Wyrmruhtempels aufgespie�t zu werden. Thrall w�rde nie zu Aggra zur�ckkehren, niemals f�r den Irdenen Ring arbeiten, um...</p><p>Er blinzelte. War es m�glich? Konnte er...</p><p>Seine Verbindung mit den Elementen war auf dieser unerwarteten Reise kr�ftiger geworden. Seine erneuerte Verbindung mit dem Geist des Lebens machte ihn st�rker. Das Wissen um die Wichtigkeit des Moments hatte ihn... gefestigt. Solange er sich daran erinnerte, konnte nichts ihn entwurzeln.</p><p>�Lebensbinderin�, sagte er, seine Stimme bebte vor Hoffnung. �Ich... habe vielleicht eine L�sung.�</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Sie wandten ihm ihre m�den K�pfe erwartungsvoll zu. Er sah sie der Reihe nach an. �Es funktioniert vielleicht nicht, aber ich glaube�� ich glaube, es ist einen Versuch wert�, sagte er. �Das klingt vielleicht�� nun, ich bitte euch einfach, mich anzuh�ren.�</p><p>�Mein Freund, das tun wir nat�rlich�, sagte Kalec. �Und ich hoffe mit meinem ganzen Wesen, dass Ihr eine L�sung f�r uns habt.�</p><p>�V...vielleicht. Hier sind vier Aspekte versammelt: die Lebensbinderin, die erwachte Tr�umerin, der H�ter der Magie, der W�chter der Zeit. Es fehlt nur einer und das ist der Erdenh�ter. Ich bin Schamane. Ich arbeite mit den Elementen. Ich k�nnte nichts tun, um euch zu helfen, wenn einer von euch fehlen w�rde. Ich k�nnte nicht in die Rolle schl�pfen, die einer von euch vieren besetzt. Aber euch fehlt weder Magie noch die Herrschaft �ber die Zeit oder die Kraft des Lebens oder das Wissen der Traumerzeugung. Euch fehlt die Erde. Und das... nun, ich wei�, wie man damit arbeitet.� Er hoffte, dass sie nicht w�tend wurden. Er, ein einfacher Schamane, bot an, den Platz eines Drachenaspekts einzunehmen.</p><p>Ysera richtete sich auf. Nozdormu beobachtete ihn absch�tzend und Alexstrasza blickte unsicher zu Kalecgos.</p><p>�Ich wusste, dass Ihr wichtig sein w�rdet�, sagte Ysera gl�cklich. �Ich wusste nur nicht, wie.�</p><p>�Bitte f�hlt Euch nicht angegriffen, mein Freund�, sagte Kalec. �Aber... Ihr seid nicht mal ein Drache, schon gar kein Aspekt.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Thrall. �Aber ich habe Jahre damit verbracht, mit den Elementen zu arbeiten. Und ich habe viel gelernt w�hrend meiner Reise.� Er sah zu Nozdormu. �Ihr wisst, dass das stimmt.�</p><p>Der Zeitlose nickte langsam. �Ihr habt Einsicht erlangt, die Ihr vorher nicht hattet�, sagte er. �Die Sorte Einsicht, die den Geist beruhigt, statt ihn aufzuw�hlen. Es ist nichts Schlechtes, das zu versuchen.�</p><p>�Aber wie k�nnt Ihr uns helfen, Thrall?�, fragte Alexstrasza. �Ihr k�nnt nicht mit uns gemeinsam k�mpfen.�</p><p>�Ich wiederhole es, Lebensssbinderin, hier geht es nicht um individuelle Taten in der Schlacht�, fuhr Nozdormu fort. �Es geht darum, unsere Esssenzen zu vereinen. Offensichtlich kann Thrall nicht selbst angreifen. Aber er kann uns m�glicherweise �ber seinen Geist die Unterst�tzung bieten, die uns sonst nur ein anderer Aspekt liefern k�nnte. Ich sage dir, sonst gibt es keine Hoffnung. Keine. Jeder Aspekt allein wird fallen und es wird dasss Ende sein: Zuerst sterben die Drachenschw�rme, dann ganz Azeroth. Ich... habe dasss Ende gesehen.�</p><p>Das hatte Ysera auch, die ihnen davon berichtet hatte. Nozdormus Stimme war d�ster und Thrall sp�rte, wie ihm ein Schauer �ber den R�cken lief. Doch merkw�rdigerweise dachte Thrall nicht weiter dar�ber nach. Er sp�rte direkt in seinem Herzen einen Weg, den er nicht recht beschreiben konnte. Es schien Jahre her zu sein, dass er abgelenkt und unentschlossen gewesen war, dass er beim Versuch des Irdenen Rings, die Elemente zu beruhigen, versagt hatte. Seine gest�rkte Verbindung mit dem Geist des Lebens machte die Arbeit mit den anderen Elementen leicht�� sogar freudvoll. Die Erde enthielt Leben, sie n�hrte die Samen und die Wurzeln, die wiederum von den Tieren gefressen wurden. Der Geist der Erde und der Geist des Lebens w�rden ihn nun willkommen hei�en. Sie w�rden ihm vertrauen. Er konnte sie sanft leiten, auch wenn er mit den vier Drachenaspekten zusammenarbeitete. Die Erde war riesig, ihr Geist war gro� und Thrall wusste, dass er sein Ziel erreichen konnte.</p><p>�Lasst es mich wenigstens versuchen�, sagte er.</p><p>�Mein Schwarm hat getan, was wir einst f�r unm�glich gehalten haben�, sagte Kalecgos. �Wir haben einen neuen Aspekt erw�hlt. Nach allem, was ich von Thrall, Chromatus und meinem eigenen Schwarm wei�, glaube ich, es k�nnte vielleicht funktionieren. Ich sage, lasst es uns versuchen.�</p><p>�Ja�, sagte Ysera. �Thrall hat hier immer noch eine Rolle zu spielen. Die Puzzlest�cke in meinem Kopf passen noch nicht wirklich zusammen.�</p><p>Alexstrasza sah ihn freundlich an. �Ihr habt mir geholfen, mein Herz zu �ffnen, als ich dachte, es w�re ein f�r alle Mal gebrochen. Wenn Ihr glaubt, Ihr k�nnt diese Dinge tun, dann bin auch ich bereit, es zu versuchen. Aber bitte... beeilen wir uns.�</p><p>�Es ist ein altes, formelles Ritual�, sagte Thrall. Er glitt von Torastraszas breitem R�cken. �Ich mache, so schnell ich kann. K�nntet ihr vier eure menschliche Gestalt annehmen?�</p><p>Schnell folgten sie seiner Bitte. Thrall blickte auf die Hoch- und Halbelfen. Drei der Aspekte hatte er bereits so gesehen, aber nicht Nozdormu, dessen Aussehen v�llig anders war. Die �brigen hatten sich allesamt sch�ne Gestalten ausgesucht, voller Anmut. Einige behielten ihre H�rner, andere nicht. Nicht so der Zeitlose. W�hrend er einen schlanken, aber starken, elfen�hnlichen K�rperbau hatte, schien daraus Sand zu str�men. Er trug simples wei�es Leinen und sein Gesicht war wie das einer Eule�� weise und ruhig.</p><p>�Ich habe bereits an �hnlichen Zirkeln teilgenommen�, begann Thrall, der sich nun auf das bevorstehende Ritual konzentrierte und nicht auf Nozdormus �berraschendes Erscheinungsbild, �aber niemals mit so m�chtigen Teilnehmern.�</p><p>�Wir vertrauen Euch�, sagte die Lebensbinderin und l�chelte.</p><p>Thrall war tief bewegt. Er dachte an Aggra. Sie konnte ihm in diesem Moment sicherlich nicht mangelnde Demut vorwerfen.</p><p>�Ich werde den Kreis beschw�ren und das Einverst�ndnis der Elemente erbitten�, sagte er. �Offensichtlich m�ssen wir diese Aufgabe bew�ltigen, um zu einer anderen zu gelangen. Eure Herzen und Geister, alles, was euch zu euch macht, macht euch auch zu einem Aspekt. Das ist nicht die Zeit f�r Geheimnisse, auch nicht zum Selbstschutz. Ich bin geehrt, dass ihr mir vertraut. Aber ihr m�sst auch euch selbst trauen�� und jedem anderen. Nehmt euch an den H�nden, st�rkt diese Verbindung. Seid ihr bereit?�</p><p>Sie blickten einander an, nickten und taten, was er verlangte. Thrall nahm einen tiefen Atemzug�� durch die Nase ein, durch den Mund aus�� und lie� sich an einen friedlichen Ort fallen. Er sah nach Osten, der schon seit Langem mit dem Element der Luft verbunden war.</p><p>�Gesegneter Osten�, sagte Thrall, seine Stimme stark und klar. �Du neuer Anfang, wo die Sonne aufgeht. Die Heimat der Luft, die den Geist belebt und die Gedanken regiert. Ich ehre und...�</p><p>�<emphasis>Sie kommen</emphasis>!� Der gequ�lte Ruf erf�llte die Luft.</p><p>Thrall �ffnete die Augen, seine Konzentration schwand. Pl�tzlich h�rte er das nun vertraute Dr�hnen Hunderter ledriger Fl�gel, die in der Luft schlugen. Die Zwielichtdrachen waren zur�ckgekehrt. Und dieses Mal w�rden sie gewinnen. Geschw�cht, wie die Aspekte waren, w�rden sie als einzelne Wesen nicht gegen den wiederbelebten Chromatus ankommen, wenn er erst ins Gefecht eingriff.</p><p>Thrall empfand bittere Verzweiflung. Er war so �berzeugt gewesen, dass es funktionieren w�rde�� so voll Hoffnung��, und sie waren so nahe dran gewesen. Und nun war keine Zeit mehr, das Ritual zu beenden.</p><p>Etwas blitzte in seinem Geist auf.</p><p>Es <emphasis>war</emphasis> noch Zeit, erinnerte er sich.</p><p>Bilder erf�llten pl�tzlich seinen Geist: die aufgehende Sonne, stark und lebensspendend. Die Freude, die mit neuen Ideen kam, lebhafte Gespr�che, Durchbr�che und Erfolge und neue Anf�nge.</p><p>Zu seiner �berraschung sah er die Aspekte einander ansehen, nicken und l�cheln, und er wusste, dass sie durch ihn diese Bilder auch sehen konnten.</p><p>Und das war alles in der Zeit geschehen, die ein Auge zum Blinzeln brauchte.</p><p>Nun waren diese Bilder in ihm�� von Lagerfeuern, dem Dschungel des Schlingendorntals, den gluthei�en Landen von Durotar. Das war das Feuer, dessen Heimat der S�den war, das allen lebenden Wesen die Leidenschaft gab, ihre Ziele und Tr�ume zu erreichen.</p><p>Schwach konnte Thrall die Ger�usche der Drachen h�ren, die um ihn herum k�mpften: die Wutschreie, das Br�llen des Schmerzes. Er konnte das brennende Fleisch riechen. Er hielt die Augen fest geschlossen. Noch ein Moment und sie konnten helfen.</p><p>Noch ein Moment...</p><p>Schnell kamen die Bilder vom Westen: Ozeane, Wasser, Tr�nen an diesem Ort des Herzens, tiefe Gef�hle.</p><p>Und dann der Norden, das Reich der Erde. Thrall sah Berge und H�hlen und den lautlosen, friedlichen Schleier des Winters auf dem Land.</p><p>In den tanzenden Bildern ihrer geteilten Visionen sa�en sie nicht l�nger auf dem kalten Stein, auf der Spitze eines Berges auf dem Dach der Welt. Ersah jeden der Aspekte, aber nicht, wie sie gerade tats�chlich aussahen, mit umklammerten H�nden, nicht einmal, wie sie in ihrer Drachengestalt aussahen.</p><p>Thrall sah nicht, was sie waren, sondern <emphasis>wer</emphasis> sie waren, und ihre Sch�nheit war fast �berw�ltigend.</p><p>Die sanfte Ysera, ein leuchtender gr�ner Nebel, die Essenz der Sch�pfung, des Wandels und des Wachsens. <emphasis>Du bist gebunden an den erwachenden Traum der Sch�pfung. Die Natur ist dein Reich und alle Dinge erhaschen einen kurzen Blick auf den Smaragdgr�nen Traum, wenn sie schlafen. Du siehst sie alle, Ysera. Und sie sehen dich, obwohl sie es vielleicht nicht wissen. Wie die Lebensbinderin ber�hrst du alle lebenden Wesen und singst ihnen die Lieder der Sch�pfung</emphasis>.</p><p>Die Aspekte seufzten leise und Thrall verstand, dass er irgendwie h�rte, was einer der Titanen in dem Augenblick gesagt hatte, als Ysera ihre Kr�fte erhalten hatte. Die Stimme in ihrem Kopf war tot, aber nicht der Sinn f�r Ehrfurcht.</p><p><emphasis>Ehrw�rdiger Kalec, ein Splitter glitzernden Eises, so sch�n wie ein Edelstein, schimmernder Kern der arkanen Magie, die Magie der Macht und der Zauber und der Runen, selbst des Sonnenbrunnens. Magie der Gedanken, des Verst�ndnisses, der Verbindung. Ich glaube, du wirst herausfinden, dass mein Geschenk an dich nicht nur eine tiefgr�ndige Pflicht ist�� was sie nat�rlich auch ist��, sondern auch eine Freude! Magie muss reguliert werden, verwaltet und kontrolliert. Doch sie muss auch wertgesch�tzt werden und nicht gehortet. Das ist der Widerspruch, mit dem du zurechtkommen musst. M�ge es dir eine Pflicht sein... und gleichzeitig eine Freude</emphasis>.</p><p>Die Schlacht �ber ihnen tobte nach wie vor. Thralls Herz schmerzte, aber er schloss die Ger�usche aus, schloss das Verlangen aus, seinen Kriegsschrei auszusto�en und sich in den Kampf zu st�rzen. Es war Zeit daf�r, wenn...</p><p>Zeit...</p><p>Der Sand der Zeit rieselte hoch und hinunter, in alle Richtungen�� Vergangenheit und Zukunft und dieser wertvolle Moment.</p><p><emphasis>Dir ist die gro�e Aufgabe auferlegt, die Zeit rein zu halten. Wisse, dass es nur eine wahre Zeitlinie gibt, doch es gibt auch alle anderen, die sonst m�glich w�ren. Du musst sie besch�tzen</emphasis>.</p><p><emphasis>Ohne die Wahrheit der Zeit wird mehr verloren, als du dir vielleicht vorstellen kannst. Der Stoff der Realit�t wird sich aufl�sen. Es ist eine schwere Aufgabe�� die Grundlage edler Aufgaben dieser Welt, weil nichts ohne die Zeit geschehen kann</emphasis>.</p><p>Und Alexstrasza...</p><p>Thrall liebte sie. Wie h�tte er nicht? Wie konnte auch nur irgendjemand die feurige und gleicherma�en sanfte Essenz der reinen Herzensenergie nicht lieben? Sie war wie eine Kohlenpfanne in kalter Nacht; das Leben, das in einem Samen oder einem Ei steckt; war wie alle wachsenden Dinge hell und sch�n. Kein Wunder, dass die Schw�rme aller Farben sie verehrten. Kein Wunder, dass sie der letzte Gedanke von Korialstrasz gewesen war, bevor er so viel zerst�rte, aber dadurch auch so viel mehr bewahrte.</p><p><emphasis>Das ist mein Geschenk�� Mitgef�hl f�r alle lebenden Dinge. Die Neigung, sie zu sch�tzen und zu n�hren. Und die F�higkeit, zu heilen, was andere nicht heilen k�nnen, zu geb�ren, was andere nicht geb�ren k�nnen, und selbst die Unliebbaren zu lieben�� die diese Zuneigung sicher mehr brauchen als andere Seelen</emphasis>.</p><p>Und er selbst...</p><p>Er f�hlte sich tief verwurzelt, weise. Thrall wusste sehr gut, dass es nicht sein eigenes Wissen war, das er wahrnahm, sondern das Wissen der Erde. Hier hatten die Urtume ihre Wurzeln geschlagen, hier, wo sich Knochen im Laufe der Zeit in Stein verwandelten. Er f�hlte sich gr��er, als er je gewesen war, weitreichender�� die ganze Welt in seinem Geist.</p><p><emphasis>Meine Gabe an dich wirkt klein, verglichen mit denen, die den anderen verliehen wurden: die Verwaltung der Zeit, die Liebe, das Tr�umen und die Magie. Ich biete dir die Erde. Den Boden, den Grund, die tiefen Orte. Denn die Erde ist die Basis aller Dinge. Dort sind wir verwurzelt. Wo du herkommen musst, wenn du gehen willst. Von hier kommt wahre St�rke. Aus tiefen Orten... in der Welt und in dir selbst</emphasis>.</p><p>Der Segen war eigentlich nicht f�r seine Ohren bestimmt gewesen. Aber in diesem Moment dann doch.</p><p>Die Energien der f�nf Aspekte standen zusammen, wie sie es seit Jahrtausenden nicht mehr getan hatten.</p><p>Und dann geschah es.</p><p>Die Bilder, die die Aspekte und Thrall in diesem spirituellen Zustand zu sehen bekommen hatten, explodierten. Es geschah nicht mit Gewalt oder w�tend, sondern als k�nne die Freude nicht l�nger einer Struktur oder einer Gestalt innewohnen. Wie ein Feuerwerk schnellte die Essenz dessen empor, wer oder was jeder Aspekt wirklich war. Sie trafen sich, die Farben von jedem, Bronze, Gr�n, Rot, Blau und Schwarz, und verwoben sich miteinander.</p><p>Wie Adern und F�den zu einem Muster.</p><p>... <emphasis>wenn man einen Teil auftrennen will, reicht es aus, an einem losen Faden zu ziehen</emphasis>.</p><p><emphasis>Nein</emphasis>, dachte Thrall pl�tzlich, als ihm die Worte wieder einfielen, die Medivh in den Zeitwegen gesprochen hatte. Nicht �weben�. F�den konnten gezogen oder zerrissen werden. Doch sie mussten nicht verwebt werden, sondern durchmischt...</p><p>Thrall stellte sich seine Farbe vor, ein reines, friedvolles Schwarz, das sich mit den anderen tanzenden Farben der Aspekte mischte. Sie verstanden augenblicklich und jeder brachte seinen Teil ein. Die Farben begannen sich zu mischen, nahmen eine einzige Farbe an...</p><p><emphasis>�Er kommt</emphasis>!�</p><p>Die Stimmen der Wachen zerst�rten den Moment. Thrall m�hte sich, an diesem heiligen Ort zu bleiben, sich ruhig zu l�sen. Doch es gab zu viel Dr�ngendes. Noch bevor er die Augen ge�ffnet hatte, waren die vier Aspekte nach oben geschossen, nahmen ihre wahre Gestalt an und stiegen in den Himmel. Als die Drachen hochsprangen, schlugen ihre Fl�gel einen Moment lang wild und Thrall dachte, er w�rde zur�ckgelassen. Doch da wurde er von einer riesigen Pfote hochgenommen. Er wandte den Hals und sah Tick, die den Orc schnell auf ihre Schulter setzte.</p><p>Gleichzeitig st�rzte der verfaulende chromatische Drache in vollem Tempo auf seine Gegner zu.</p><p>�Habt ihr wirklich geglaubt, wir h�tten euch vergessen?�, rief eine Stimme, die nicht Chromatus geh�rte.</p><p>Thrall blickte auf und erkannte im Mondlicht, dass eine kleine Gestalt auf Chromatus� riesigem R�cken kauerte. Das musste der Vater des Zwielichts sein.</p><p>Die Kultisten, die Torastraszas Angriffe �berlebt hatten, sa�en ebenfalls auf dem R�cken des Drachen. Sie schwangen ihre Waffen, die Thrall im schwachen Licht glitzern sehen konnte. Und sie kannten garantiert einige Zauber und waren dadurch auf die Entfernung noch gr��ere Gegner. Er erkannte, dass sie die Entscheidung suchten und der Vater des Zwielichts w�rde verlieren, was n�tig war, um letztlich zu siegen.</p><p>Thrall brauchte mehrere Minuten, um all das zu verarbeiten. Er wusste nicht, ob die Zeremonie, die er gerade geleitet hatte, tats�chlich funktioniert hatte. Er h�tte sich mehr Zeit gew�nscht�� Zeit, damit sich die Aspekte voll integrieren konnten. Damit sie sich vollst�ndig mischten und in eine neue Art des Seins �bergingen, bevor sie ihre volle Aufmerksamkeit auf Chromatus und den Kult wendeten. Doch solche Gedanken waren im Moment nicht wichtig, wie er erfahren hatte. Er hatte in der zur Verf�gung stehenden Zeit getan, was er konnte, und ein erwartungsvoller Friede legte sich bei diesem Gedanken auf seine Seele.</p><p>Offensichtlich hatten sich die Aspekte schneller erholt als er, obwohl sie das Ritual, durch das er sie gef�hrt hatte, nicht gekannt hatten. Thrall wagte zu hoffen, dass es so war, weil sie das Richtige taten�� etwas, was sie die ganze Zeit schon h�tten tun sollen. Sie bewegten sich schnell und mit grimmiger Entschlossenheit auf Chromatus zu. Der hielt inne und schwebte in der Luft, schlug mit seinen merkw�rdig verbundenen Fl�geln, bevor er die M�uler aller f�nf K�pfe aufriss. Flammen, Eis, gr�ne Energie, Sand und eine schreckliche schwarze Wolke h�llten die Aspekte ein. Alle vier wurden zur�ckgeworfen, getroffen von einer Kraft von f�nf parallel einschlagenden Zaubern.</p><p>�Nein!�, rief Thrall, doch sein Ruf kam in dem Moment �ber seine Lippen, als sich die Aspekte bereits erholten. Sie fingen ihren Taumel ab�� anmutig und vereint wie schon zuvor setzten sie ihren Angriff fort.</p><p>Thrall brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass er sie deutlicher erkennen konnte, als es h�tte m�glich sein sollen. Und pl�tzlich wurde ihm klar, dass jede Gestalt, obwohl ihre Farbe geblieben war, von einem goldwei�en Licht umgeben war. W�hrend er zusah, schien dieses Licht zu knistern und zu pulsieren. Ihre Haltungen strahlten... irgendwie Ruhe aus. Zwar unbeirrt, aber nicht dr�ngend. Sie hatten ein Ziel und erreichten es als geschlossene Einheit, nicht als vier Individuen.</p><p>Auch Chromatus schien das zu bemerken. Er schoss pl�tzlich hoch, wirbelte herum, sein K�rper angespannt und alarmiert. �So�, bellte der schwarze Kopf. �Ihr glaubt, ihr k�nnt mich besiegen, indem ihr euch vereint. Ich sp�re die neue Einigkeit unter euch. Wisset, dass ihr garantiert versagen werdet. Wie nett. Aber ihr werdet nie vollst�ndig sein! Euch fehlt jemand, oder habt ihr das vergessen? Todesschwinge ist mein Patron und er will, dass ihr alle vernichtet werdet!�</p><p>Die Stimme hatte lauter geklungen, als sie es tats�chlich gewesen war, dr�hnend und schrecklich. Thrall konnte seine Augen nicht von dem Spektakel l�sen, obwohl er seinen Freunden in diesem vielleicht letzten Gefecht unbedingt helfen wollte. Und letztlich war er ja jetzt ein elementarer Bestandteil von ihnen. Deshalb hatte er auch solche Probleme, wieder er selbst zu werden: weil ein Teil von ihm immer noch mit den Drachenaspekten verbunden war.</p><p>Sie hatten Todesschwinge f�r das Ritual nicht gebraucht. Sie hatten die Erde. Sie hatten <emphasis>Thrall</emphasis> und f�r diese kleine Weile hatte der Geist des Lebens ihm die St�rke verliehen, die ihnen einst von den Titanen pers�nlich gew�hrt worden war.</p><p>Gerade als er seine R�stung gegen die Robe austauschte, um eine andere Art von Schlacht zu schlagen�� eine, um die Erde zu beruhigen und zu heilen��, musste Thrall erkennen, dass er seine F�higkeit als Individuum gegen etwas Gr��eres eingetauscht hatte. Er war kein Aspekt, konnte nie einer sein. Aber er half dabei, sie aneinander zu binden, damit sie tun konnten, was sie tun mussten.</p><p>Tick stellte Thralls pl�tzliche Unt�tigkeit nicht infrage, k�mpfte selbst aber weiter. Sie wirkte einen Zauber, der mehrere Zwielichtdrachen einzufrieren schien, und Thrall erkannte, dass f�r diese Ungl�cklichen die Zeit selbst stehen geblieben war. Tick stie� nun herab und griff an, schlug mit den m�chtigen Klauen zu und traf sie hart mit ihrem riesigen Schwanz. Thrall sah zu, doch seine wahre Aufmerksamkeit war weiterhin darauf gerichtet, den Aspekten zu helfen, ihre neu entdeckte Einheit zu wahren.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und fand es pl�tzlich schwer, sich zu konzentrieren. Warum? Vor einem Moment war er noch so hoch konzentriert. Seine Gedanken wirbelten durcheinander, entglitten seinem Griff. Pl�tzliche Furcht erfasste ihn. Er war der Anker, was half es da... was?</p><p>W�tend kratzte sich Thrall mit der linken Hand am rechten Arm, der Schmerz half ihm, sich zu konzentrieren. Seine Gedanken gingen drunter und dr�ber. Er blickte auf und sah die Gestalt auf Chromatus die H�nde nach ihm ausstrecken�� und diese Gestalt war ein lilablaue Wellen werfender Schatten �ber ihm. Thrall knurrte, grub sich die N�gel tiefer in den Arm und k�mpfte dagegen an.</p><p>Chromatus sch�ttelte seine h�sslichen K�pfe. Das krankhafte Gr�n, das alle zehn Augen ausstrahlten, war ein d�steres Abbild der Strahlung, das die Aspekte umgab, w�hrend sie gewandt um ihn herumflogen. Ein lilafarbenes Licht erhellte die missgebildeten Gesichtsz�ge auf grausige Weise. Und als er sich spannte und seine M�uler �ffnete, glaubte Thrall, er w�rde wieder etwas derart D�steres, B�ses und Unnat�rliches bek�mpfen wie die Brennende Legion.</p><p>Wo zuvor jeder der f�nf K�pfe des Monsters noch einzeln gek�mpft hatte, agierten sie nun als Einheit. Alle K�pfe zogen sich zur�ck, inhalierten tief und dann �ffneten sich f�nf M�uler zum Angriff. Diesmal wurden aus f�nf einzelnen Farben von f�nf einzelnen K�pfen dunkelviolette Flammen, die das schimmernde goldwei�e Licht angriffen. Mehr als einer der Aspekte schrie vor Schmerz und Thrall sah Kalecgos und Ysera im selben Moment kurz zusammenbrechen. Ihre Farben verdunkelten sich, als die Strahlung nachgab, dann leuchtete sie in neuer St�rke wieder auf.</p><p>Die Aspekte stie�en wie zuvor hinab, koordiniert und elegant, und als sie ihre riesigen M�uler �ffneten, schien wei�es Feuer f�rmlich daraus zu explodieren. Es war nicht das leichte Lavendel der arkanen Magie noch sah es �berhaupt aus wie ein Zauber, den Thrall je gesehen hatte. Es war Atem in der Gestalt einer Flamme, das reinste Wei�, dass Thrall je erblickt hatte. Sie alle zielten auf denselben Punkt�� Chromatus� Brust, die frei lag, weil alle f�nf H�lse sich zur�ckgezogen hatten, um einen zweiten giftigen Atemangriff zu starten.</p><p>Thrall musste seine Augen abschirmen, so blendend hell war das Licht, als es auftraf. Vier Str�me von strahlendem Wei� krachten in den gro�en Drachen und lie�en ihn taumeln. Chromatus schrie vor Schmerz. Er verlor f�r einen Moment die Kontrolle, bevor er ungelenk mit den Fl�geln flatterte, um sich abzufangen. Seine K�pfe handelten nicht l�nger in sch�ner Eintr�chtigkeit, sondern zuckten wild und stie�en dunkle Flammen aus, verpassten ihre Ziele aber weit. In seinem verzweifelten Kampf, die Kontrolle zur�ckzugewinnen, tat er nichts anderes, als seine bereits geschw�rzte Brust erneut zu entbl��en.</p><p>Wieder stie�en die Aspekte vereint den Atem aus, erschufen die merkw�rdige Flamme, die eigentlich keine war, und lenkten sie auf das Herz des chromatischen Drachen. Er bockte und zuckte, seine K�pfe verdrehten sich und er stie� noch Fl�che aus, als sich sein K�rper bereits zusammenzog.</p><p>�Ihr k�nnt mich nicht aufhalten!�, schrie der blaue Kopf und dann fiel er mit geschlossenen Augen zur�ck.</p><p>�Ich kenne all eure Geheimnisse�, warnte sie der rote Kopf, bevor auch sein Lebenslicht erlosch.</p><p>Am erschreckendsten war der schwarze Kopf. �Ihr musstet euch vereinen, um auch nur den Versuch zu starten, mich zu vernichten! Glaubt ihr, Todesschwinge zu besiegen, wird leichter? Er wird diese Welt zerrei�en, euch zermalmen! Und ich werde dort sein mit...� Es gab ein letztes Zucken, ein raues Kr�chzen vom schwarzen Kopf und dann starb Chromatus.</p><empty-line/><p>Der Vater des Zwielichts klammerte sich verzweifelt an Chromatus, als die beiden in Richtung Erde st�rzten. Sein Geist war taub vor Schreck. Er fand kaum genug Entschlusskraft, um einen Schild zu erschaffen, der ihn sch�tzte. Schon vor wenigen Augenblicken, als der Drache verletzt worden war, waren dem Vater des Zwielichts Fragen durch den Kopf geschossen. Was war mit den Aspekten geschehen? Wo hatten sie diese neue F�higkeit her? Was war das? Wie konnte so etwas geschehen? Chromatus war doch unverwundbar!</p><p>Und dann verschwanden alle Fragen hinter der Panik. Er klammerte sich an einen toten Drachen und st�rzte auf schartige Felsen und Schnee zu.</p><p>Er schloss die Augen. Der gro�e K�rper landete mit einem lauten Schlag und der Vater des Zwielichts schrie auf, als er in einen Schneehaufen fiel. Heftig zitternd bahnte er sich einen Weg aus dem pudrigen Schnee. Er war dankbar, irgendwie �berlebt zu haben, doch erschrocken �ber den Widerhall des Versagens. Er streckte die H�nde zu Chromatus aus und versuchte, irgendwelche Lebenszeichen zu sp�ren.</p><p>Es gab keine. Allerdings�� der Drache war weder tot noch untot. Kein Atem, keine Bewegung, kein Herzschlag, aber genauso wenig war da die Leere eines Leichnams. Er befand sich in einer Art �bergangsstadium. Ihm fehlte der Funke des Lebens. Und der Vater des Zwielichts wusste, dass es einen anderen Weg gab, wie der K�rper wiederbelebt werden konnte. Das war immerhin schon mal etwas. W�re Chromatus v�llig zerst�rt worden, w�re auch der Vater des Zwielichts lieber im Kampf gestorben. Denn das w�re s�� und schmerzlos gewesen im Vergleich zu dem, was Todesschwinge mit ihm gemacht h�tte. Oder ihm immer noch antun konnte.</p><p>Seine Kleider waren durchn�sst und klebten an ihm, ihm drohte ein unr�hmlicher Tod durch Erfrieren, w�hrend er sich den Weg durch den Schnee bahnte, �ber Felsen, an dem gefallenen Leichnam vorbei zu einem kleinen �berhang. Die kleine Kugel, die er benutzte, um mit Todesschwinge Kontakt aufzunehmen, war noch unversehrt. Es brauchte schon mehr als einen solchen Sturz, um das Artefakt zu besch�digen. Mit tauben Fingern holte er es aus dem Beutel an seiner H�fte und betrachtete es einen Moment lang. Er �berlegte, ob er einfach versuchen sollte zu verschwinden�� aber wie? Er war allein, mitten im Nirgendwo, mit roten, gr�nen, bronzenen und blauen Drachen �berall, wohin das Auge blickte�� ganz zu schweigen von vier Aspekten, die es irgendwie geschafft hatten, mehr Kraft zu vereinen, als er sich je hatte vorstellen k�nnen.</p><p>Nein. Todesschwinge hatte viel Zeit und M�he investiert, den Vater des Zwielichts zu erschaffen. Er w�rde ihn nicht aus einer Laune heraus vernichten. Chromatus lebte nicht mehr�� aber er war auch noch nicht tot. Das musste reichen.</p><p>Unter den erb�rmlichen Schutz gekauert, legte der Vater des Zwielichts die Kugel in den Schnee und kniete davor. Er zitterte stark. Die Kugel war klar, mit der tintigen Schw�rze, in der nur das orangegelbe Leuchten eines Auges zu sehen war. Eine Sekunde sp�ter knackte die Kugel auf. Dichter schwarzer Rauch str�mte aus ihr heraus und erf�llte den begrenzten Raum. Das Bild des monstr�sen schwarzen Drachen erschien. Und der Schrecken, den es hervorrief, war in keiner Weise geringer.</p><p>�Sie sind nicht vernichtet�, sagte Todesschwinge ohne Einleitung. �Das h�tte ich gesp�rt.�</p><p>�Ich wei�, M-Meister�, stammelte der Vater des Zwielichts. �Sie haben... etwas getan und sie haben deinen Champion g-g-geschlagen. Er liegt leblos dort, ist aber nicht tot.�</p><p>Es war ein schrecklicher Moment. �Also v�lliges Versagen.�</p><p>Die kalten Worte waren schlimmer als ein Wutausbruch. Der Vater des Zwielichts erschauderte. �Nein, Chromatus kann nicht get�tet werden! Er ist geschlagen, aber nur f�r den Moment.�</p><p>Er h�rte das Ger�usch von Fl�geln �ber ihm und blickte auf. Seine Augen weiteten sich und er kroch tiefer in den Schutz. �Mylord, ich werde weiterhin Eure Arbeit in dieser Welt tun. Aber ich werde es nicht mehr sehr viel l�nger k�nnen. Sie suchen mich und�� und es scheint, als ob der Zwielichtdrachenschwarm flieht...� Er versuchte, die Panik aus seiner Stimme zu verbannen.</p><p>�Du bist eine herbe Entt�uschung�, dr�hnte Todesschwinge. �Wir hatten den Sieg in Griffweite. Und dennoch leben die Aspekte noch... Chromatus ist... besch�digt... und der Kult hat einen ernsthaften R�ckschlag erlitten. Warum sollte ich dich nicht unseren Feinden �berlassen?�</p><p>�Ich�� ich wei� immer noch viel N�tzliches!�, schrie der Vater des Zwielichts, packte die Kugel, als w�rde er die Hand seines Herrn ergreifen. �Ich habe noch viele, die mir vertrauen�� Ihr wisst das. Lasst mich zu ihnen zur�ckkehren. Lasst sie mich zu Euch f�hren. Der Kult ist �ber die ganze Welt verteilt�� selbst wenn die Drachenschw�rme ihn hier vernichten, werden sie ihn doch nicht v�llig ausl�schen k�nnen! �berlegt nur, wie viel Zeit Ihr ben�tigen w�rdet, um mich durch jemand Neues zu ersetzen!�</p><p>�Menschen sind erb�rmlich gierig und leicht zu beeinflussen�, knurrte Todesschwinge. �Und dennoch ergibt es einen Sinn, was du sagst. Wir haben bereits genug Zeit verloren. Ich kann keine weiteren Verz�gerungen gebrauchen. Komm. Ergib dich dem Rauch�, sagte er und lie� das Bild, das der dunkle, seidige Rauch der Kugel geformt hatte, verschwinden. Schattententakel streckten sich aus, umgaben den Vater des Zwielichts und er erzitterte. �Das Portal bringt dich nach Hause. Dort magst du weiterhin das Vertrauen jener verraten, die dich verehren, und du wirst erneut bereit sein, wenn ich es dir sage.�</p><p>Der Vater des Zwielichts legte seine Kutte ab und gab sich dem Rauch des Schattens hin. Nun trug er auch wieder seine vertrauteren Klerikergew�nder.</p><p>�Danke, Mylord�, fl�sterte Erzbischof Benedictus. �Danke!�</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Sie standen auf der obersten Ebene des Wyrmruhtempels, als der Morgen anbrach: vier Aspekte und ein <emphasis>Orc</emphasis>. Alle waren m�de, doch siegreich. Die vergangenen Stunden zwischen dem Fall von Chromatus und diesem Moment waren von all den erforderlichen Kleinigkeiten in Anspruch genommen worden, die einer solchen Schlacht folgten: die Toten z�hlen und benennen, die Verwundeten heilen und die Nachz�gler suchen.</p><p>Viele�� zu viele�� waren bei den Angriffen gefallen und die ernste Aufgabe, die Leichen zu bergen, w�rde bis zum Sonnenaufgang andauern. F�r den Augenblick war jedoch alles Wichtige erledigt.</p><p>Sie hatten den Vater des Zwielichts nicht unter den get�teten Kultisten gefunden, obwohl Thrall darauf hingewiesen hatte, dass es eine ganze Reihe verkohlter Leichen gab�� einige davon eindeutig menschlich und m�nnlich. Kirygosa hatte ihren blauschwarzen Kopf gesch�ttelt. �Nein�, sagte sie, �ich w�rde ihn erkennen. Ich w�rde ihn �berall erkennen.�</p><p>Kalecgos hatte sie mit einem besorgten Gesichtsausdruck gemustert. Nur die Zeit w�rde zeigen, ob Kirygosa sich von den Monaten der Folter erholen w�rde. Doch sie war zu ihrem Schwarm zur�ckgekehrt und hatte einen festen Platz im Herzen der Lebensbinderin. Thrall vermutete, dass es ihr gut gehen w�rde.</p><p>Die einzigen Zwielichtdrachen, die sie gefunden hatten, waren tot. Der Rest war geflohen, f�hrerlos und ver�ngstigt. Und Chromatus...</p><p>Besorgt, dass irgendeine dunkle Macht versuchen k�nnte, Chromatus wiederzubeleben, hatten die Drachen versucht, den Leichnam zu zerst�ren.</p><p>Es war ihnen nicht gelungen. Irgendein m�chtiger Zauber, wom�glich tief in die Synthese von Magie und Technologie verwoben, die ihn �berhaupt erst belebt hatte, besch�tzte den K�rper.</p><p>�Dann muss er so lange bewacht werden, bis wir einen Weg gefunden haben, ihn v�llig zu vernichten�, hatte Alexstrasza entschieden. �Repr�sentanten von unseren Schw�rmen werden ihn im Auge behalten. Er ist nicht tot... aber er liegt hier ohne einen Lebensfunken. Solange wird er niemandem schaden.�</p><p>�W�hrend des Nexuskriegs erschuf Malygos arkane Gef�ngnisse�, hatte Kalecgos angemerkt. �Wir wissen, wie gut sie funktioniert haben. Wir k�nnten eines bauen, das gro� und stark genug ist, ihn aufzunehmen.�</p><p>Nun standen f�nf Gestalten, vier Drachen und ein Orc, zusammen und blickten nach Osten. �Wir werden in K�rze wieder getrennte Wege gehen�, sagte Nozdormu leise. �Aber wir werden nie wieder wirklich getrennt sein. Nie wieder.� Er hob den Kopf und sah sie an. �Thrall... ich habe Euch gesagt, wasss ich erfahren habe.� Thrall nickte und h�rte stumm zu, w�hrend Nozdormu den anderen Aspekten das schreckliche Wissen weitergab, das er bereits mit Thrall geteilt hatte.</p><p>�Thrall fand mich, als ich versssucht habe, die Antwort auf etwasss zu finden. Ihr alle wisst, dass ich Stunde und Art meines Todesss kenne. Und obwohl ich mein Wisssen nie ausnutzen w�rde, wurde ich doch auf meinen Reisen auf einem Zeitweg der Anf�hrer desss ewigen Drachenschwarmsss.�</p><p>Sie starrten ihn erschrocken an. F�r einen langen Moment konnte niemand etwas sagen. Dann meinte Alexstrasza sanft: �Du sagtest Zeitweg. Ist es der wahre, alter Freund?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, erwiderte er. �Ich wollte genau das herausfinden. Ich wollte einen Weg finden, um zu vermeiden, dass ich etwasss Derartigesss tun werde. Und auf dieser Suche erfuhr ich, was Thrall euch dann berichtete: dass all das Leiden, mit dem wir es zu tun haben�� der Wahnsinn von Malygos und Todesschwinge, der Smaragdgr�ne Traum, der sich in einen Albtraum verwandelte, der Schattenhammerkult�� alles miteinander in Verbindung steht. Das sagte ich Thrall. Und der Grund, warum ich so sp�t zu eurer Hilfe eilte, war, dass ich einer anderen Spur folgte. Ich habe entdeckt, wer hinter dieser gro�en und schrecklichen Verschw�rung steckt.� Seine Augen leuchteten, hell vor gerechtem Zorn. �Es... Ich kann es kaum ausssprechen, selbst jetzt. Es sind...�, seine m�chtige Stimme wurde zu einem tiefen Fl�stern, �... die Alten G�tter.�</p><p>Die drei anderen m�chtigen Drachenaspekte starrten ihn an, ihre Augen weit ge�ffnet vor Schreck und Sorge.</p><p>Thralls Herz pochte. Er wusste �ber sie Bescheid, sie waren alt und b�se. Zwei von ihnen versteckten sich in Ulduar und Ahn�Qiraj. �Ich habe bereits von diesen Wesen geh�rt�, sagte Thrall. �Aber du wei�t sicherlich mehr.�</p><p>Einen Moment lang sprach niemand, als w�rden sie erscheinen, wenn sie dar�ber redeten.</p><p>�Ihr kennt die alten Geschichten, Thrall�, ergriff schlie�lich Alexstrasza das Wort. �Geschichten vom B�sen, das in Euren Geist eindringt. Das Euch zu dunklen, schrecklichen Dingen treibt. Subtile Einfl�sterungen, die wie Eure eigenen Gedanken klingen.�</p><p>Und Thrall wusste, dass er tats�chlich bereits davon geh�rt hatte. �Die Tauren sagen, dass das B�se zum ersten Mal zu ihnen kam, als sie auf dunkle Einfl�sterungen h�rten.�</p><p>Ysera nickte. Sie sah schlecht aus. �Die Fl�stereien kamen sogar bis in den Smaragdgr�nen Traum�, berichtete sie.</p><p>�Sie drangen auch in Todesschwinges Geist ein�, sagte Kalecgos, �als er noch Neltharion war, der Erdenh�ter. Es waren die Alten G�tter, die ihn in den Wahnsinn trieben, Thrall�� die <emphasis>alle</emphasis> schwarzen Drachen verr�ckt machten.�</p><p>�Sie sind alt, �lter alsss wir�, sagte Nozdormu. �Sie waren schon hier, bevor die Titanen kamen, und h�tten die Welt vernichtet, h�tten unsssere Sch�pfer nicht eingegriffen. Ein Kampf, wie ihn diese Welt seitdem nicht mehr erlebt hat. Sie wurden weggeschlosssen: versteckt an dunklen Orten dieser Erde, tr�umend in verzaubertem Schlaf.�</p><p>�Nur ihre Fl�stereien konnten uns erreichen�, sagte Alexstrasza. �Zumindest... bis vor Kurzem.� Sie hob die m�den Augen zu Nozdormu. �Und du sagst, sie stecken dahinter? Neltharions Korrumpierung. Der Riss in den Zeitwegen? Aber stecken sie wirklich hinter allem? Seit so vielen Jahrtausenden?�</p><p>�Wozu?�, fragte Kalecgos.</p><p>�Brauchen sie einen Grund?�, fragte Ysera. �Wer wei� schon, wie die Alten G�tter denken oder tr�umen? Sie sind b�se und selbst im Schlaf breitet sich das B�se aus.�</p><p>�Warum stecken sie hinter all diesen dunklen Ereignissen, warum haben sie sie verursacht? Machen sie das einfach, weil sie alles hassen oder weil sie gern planen? Das wissen wir nicht. Wir m�ssen nur wissen, dass es so ist und welch schreckliche Konsequenzen daraus entstehen.�</p><p>Kalecgos blickte sie eindringlich an. ��berlegt nur, welchen Schaden jedes Einzelne dieser Ereignisse angerichtet hat. Sie haben uns zerrissen. Sie lie�en uns einander misstrauen. Erinnert euch, wie schnell wir uns gegen Korialstrasz gewandt haben, obwohl seine Tat selbstopfernd und heroisch war. Selbst du hast gezweifelt, meine Liebe�, sagte er sanft zu Alexstrasza, die ihren roten Kopf senkte.</p><p>�Ich glaube, dass selbst mein Aufstieg zum Anf�hrer des ewigen Drachenschwarms, wenn er denn tats�chlich stattfindet, auf sie zur�ckzuf�hren issst. Aber heute... haben wir etwasss Neuesss gelernt. Wir, die wir so alt, so scheinbar weise sind.� Er lachte. �Wir haben entdeckt, dass wir zusammenarbeiten m�ssen, wenn wir gegen das B�se bestehen wollen.� Er wandte sich an Ysera. �Werden wir auch andersss siegen k�nnen?�, fragte er sehr sanft.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein�, sagte sie. �Ohne die Einheit, die wir gefunden haben�� ohne die Einheit, die wir noch finden m�ssen��, werden wir nie in der Lage sein, gegen die kommende Stunde des Zwielichts zu bestehen�� und die Vision, die ich sah.�</p><p>�Ich dachte, das sei bereits die Stunde des Zwielichts gewesen�, meinte Thrall verwirrt.</p><p>Sie sch�ttelte erneut den Kopf. �Das war sie nat�rlich nicht�, erkl�rte sie nachsichtig.</p><p>Thralls einziger Trost war, dass die anderen versammelten Drachen ebenso verwirrt schienen wie er. Ysera war m�chtig und g�tig, aber sie existierte <emphasis> wahrlich</emphasis> weit entfernt von anderen Wesen.</p><p>�Ihr habt uns geholfen, wie ich es vorausgesehen habe�, fuhr der gr�ne Aspekt fort. �Ich war nicht sicher, wie... doch ihr habt es getan. Das Mosaik ist nicht l�nger einfach nur eine Ansammlung von bunten Steinen. Es nimmt Gestalt und Form an. Die Visionen und Tr�ume, die ich habe�� sie manifestieren sich. Es hat einen, der eigentlich nicht zu uns geh�rt, gebraucht, um uns zusammenzubringen. Und weil wir zusammen sind... wenn die wahre Stunde kommt... werden wir nicht versagen.�</p><p>�Vor langer Zeit kam ich mit der Hoffnung der Einheit unter den Drachenschw�rmen in meinem Herzen hierher�, sagte Alexstrasza. �Und nach so viel Schmerz und Verlust und Kampf... ist es auf eine Art geschehen, die ich mir niemals h�tte vorstellen k�nnen. Meine roten Drachen werden Euch stets willkommen hei�en, Thrall, Sohn von Durotan und Draka. Nehmt dies als Zeichen unseres Dankes.� Vorsichtig nahm sie die riesige Vorderklaue, um etwas an ihrem Herzen zu kratzen. Eine einzige kleine Schuppe fiel zu Boden, rot glitzernd. Thrall hob sie auf und legte sie respektvoll in seinen Beutel�� denselben Beutel, in dem einst die Eichel der Urtume gelegen hatte und der immer noch die Kette enthielt, die ihm ein junges Menschenm�dchen geschenkt hatte.</p><p>�Dasss gilt auch f�r meine bronzenen Drachen, Freund der Zeitwege�, sprach Nozdormu. Auch er schenkte Thrall eine wertvolle glitzernde Schuppe.</p><p>�Der Smaragdgr�ne Traum ist nicht Euer Reich, aber wisset, von Zeit zu Zeit schicke ich Euch heilende Tr�ume. Auch eine Schuppe von mir sollt Ihr haben. Sie kommt von ganzem Herzen, weil Ihr meinen Auftrag angenommen habt�, sagte Ysera.</p><p>Kalec beugte den Kopf herab und in den ersten Anzeichen des warmen rosafarbenen Lichts des Morgens meinte Thrall eine einzelne Tr�ne in seinen strahlenden Augen zu erkennen, als auch der blaue Aspekt eine Schuppe von �ber dem Herzen gab.</p><p>�Ihr habt, ohne zu �bertreiben und ohne Zweifel, den blauen Drachenschwarm gerettet. Alles, was Ihr erbittet, sollt Ihr bekommen.�</p><p>Thrall war �berw�ltigt. Er nahm sich einen Moment und rang nach Fassung.</p><p>�Auch wenn ich dankbar f�r das Geschenk der Schuppen von jedem von euren Schw�rmen bin, erbitte ich nur eure Freundschaft�, sagte er schlicht zu allen. �Und...�, er l�chelte ein wenig,... �einen Weg, um zu meiner Geliebten zur�ckzukommen.�</p><empty-line/><p>Thrall �berlegte, dass er sich daran gew�hnt hatte, auf dem R�cken eines Drachen zu reisen. Besonders der R�cken dieses Drachen. Er und Tick waren w�hrend der letzten Wochen des Reisens und gemeinsamen K�mpfens gute Freunde geworden, und Thrall wusste, er w�rde sie vermissen. Der Orc war gespannt gewesen, als Tick angeboten hatte, ihn zur�ckzubringen, besorgt, dass der Flug von den Kontinenten zum Mahlstrom f�r einen normalen Drachen zu weit sein w�rde.</p><p>Tick hatte gelacht. �Wir haben die F�higkeit, die Zeit zu verlangsamen oder zu beschleunigen, erinnerst du dich?�, rief sie Thrall ins Ged�chtnis. �Ich werde sie f�r uns beschleunigen... und werde so viel schneller und weiter fliegen k�nnen.�</p><p>Thrall war aufs Neue erstaunt und seine Demut vor den Eigenschaften der sogenannten normalen Drachen stieg. Und nach scheinbar nur wenigen Momenten flogen sie bereits �ber dem Mahlstrom. Thrall sp�rte, wie der bronzene Drache kurz einatmete, w�hrend sie den w�tenden Wirbelstrom betrachtete.</p><p>�Also hier ist Todesschwinge in unsere Welt gekommen�, murmelte Tick. �Es ist kein Wunder, dass die Erde noch in solchem Aufruhr ist.�</p><p>�Du klingst wie einer meiner Taurenfreunde, die Mutter Erde betrauern.�</p><p>Die gro�e Kreatur reckte den Hals und sah Thrall an. �Wer sagt, dass sie unrecht haben?�</p><p>Thrall lachte. �Ich nicht�, sagte er. �Ganz sicher nicht ich.�</p><p>Sie fanden eine sicher aussehende Stelle ein gutes St�ck entfernt von der Hauptsiedlung. Mit aller Vorsicht, denn Tick wusste, dass die Erde immer noch ungl�cklich war, landete der Drache �u�erst sanft. Thrall rutschte vom R�cken des bronzenen Drachen und blickte ihn lange an.</p><p>�Du hast dir den Dank unserer Schw�rme verdient�, sagte Tick. �Du hast die Schuppen. Benutze sie, wenn du unsere Hilfe brauchst, und sie wird dir gew�hrt. Ich kann nur hoffen, dass dieses verwundete Azeroth von deiner Pflege genauso profitieren wird wie wir.�</p><p>�Du besch�mst mich, meine Freundin. Ich habe nur getan, was ich konnte.�</p><p>Ein am�sierter Ausdruck glitt �ber das schuppige Gesicht. �Du w�rst �berrascht, wie wenige auch nur versuchen, das zu tun. Du bist nun zu Hause, Thrall. Ich muss zur�ck. Die Stunde des Zwielichts wird eines Tages kommen und ich muss bereit sein, um zu Nozdormu, meinem Herrn, zu stehen. Danke noch mal... dass du uns geholfen hast, uns und einander zu finden.�</p><p>Sie beugte den Kopf bis dicht �ber den Boden, was, wie Thrall wusste, eine tiefe Ehrerbietung ausdr�ckte. Er sp�rte, wie seine Wangen hei� wurden, und nickte. Dann sah er zu, wie Tick sich sammelte und losflog. Der m�chtige Drache schrumpfte auf die Gr��e eines Vogels, dann eines Insekts und verschwand schlie�lich vollkommen.</p><p>Thrall schloss die Augen, sandte ein Fl�stern in den Wind und rief so einen Wyvern zu sich. Er t�tschelte die Kreatur, kletterte hinauf und flog zum Lager.</p><p>Die Wachen bemerkten ihn, und als Thrall das Lager des Irdenen Rings erreichte, hatten sich bereits viele Schamanen versammelten.</p><p>�Willkommen zu Hause�, dr�hnte Muln Erdenwut und trat vor, um den Orc bei den Schultern zu fassen. �Ihr wart lange fort, doch Ihr seid zu uns zur�ckgekehrt.�</p><p>Thrall l�chelte den Tauren an. �Manchmal brauchen Lektionen Zeit, um gelernt zu werden�, sagte er schnell. �Ich glaube, Ihr werdet feststellen, dass ich meine eigenen... D�monen beruhigt habe und zu Euch mit Wissen zur�ckkehre, das uns bei unserer Arbeit n�tzen wird�� und unserer Welt n�tzen wird.�</p><p>�Ich bin froh, das zu h�ren�, antwortete Muln. �Nicht, weil es uns Vorteile bringt, sondern weil ich Einiges in Euch sp�ren kann. Ihr seid...�, er neigte den Kopf mit den langen H�rnern und suchte nach dem richtigen Wort, �befreiter, ruhiger.�</p><p>Thrall nickte. �Das stimmt.�</p><p>�Ihr seid wieder da!� Das war Nobundo, der kam und Thralls Schulter liebevoll dr�ckte. Der Zerschlagene l�chelte warm, sein vertrautes Gesicht vor Freude erhellt. �Willkommen zur�ck�, sagte Nobundo. �Ich habe mitbekommen, was Ihr zu Muln gesagt habt. Und ich bin sehr froh. Habt Ihr Hunger? Eure Reise muss sehr beschwerlich gewesen sein. Wir haben Fleisch auf dem Feuer.�</p><p>�Danke euch allen�, sagte Thrall. �Aber auch, wenn es gut ist, euch alle hier zu sehen, gibt es eine, die ich vermisse. Entschuldigt mich, ich muss sie finden.� Er verneigte sich vor seinen Kollegen.</p><p>Aggra war nicht hier. Sie w�re sonst herausgekommen. Er hatte eine Idee, wo er sie finden konnte.</p><empty-line/><p>Es gab eine kleine Anh�he, die weniger besch�digt wirkte als die meisten anderen. Unterschiedlichste Kr�uter wuchsen hier, die ums �berleben k�mpften, und Aggra kam oft hierher, um sie behutsam zu ernten. Und�� wie Thrall wusste�� um einfach hier zu sitzen und zu meditieren.</p><p>Dort war sie, sa� ruhig auf der Anh�he, die Beine untergeschlagen, die Augen geschlossen.</p><p>Einen Moment lang gestattete sich Thrall, sie zu betrachten, w�hrend sie ihn noch nicht entdeckt hatte. So lange hatte er von diesem Moment getr�umt, zu seiner unglaublichen, inspirierenden Frau zur�ckzukehren, die sein Herz und seine Seele mit einer so strahlenden Liebe erf�llte. Sie war so stark, dass er es kaum fassen konnte. Das hier war das Gesicht�� braun, grobknochig, mit Hauern��, das ihn davon abgehalten hatte, sich der K�lte zu ergeben. Das war der K�rper, muskul�s, kurvenreich und m�chtig, den er f�r den Rest seines Lebens in den Armen halten wollte. Ihr Lachen war die Musik seines Universums, ihr L�cheln seine Sonne, sein Mond und seine Sterne.</p><p>�Aggra�, sagte er und seine Stimme bebte bei diesem Wort. Er sch�mte sich nicht.</p><p>Sie �ffnete die Augen und kleine F�ltchen bildeten sich in den Augenwinkeln, als sie l�chelte. �Du bist zur�ck�, sagte sie leise, doch Freude klang in ihren Worten mit. �Willkommen daheim.�</p><p>Thrall war mit zwei Schritten bei ihr, und noch bevor sie ein Wort sagen konnte, hielt er sie in den Armen und dr�ckte sie fest an seine Brust.</p><p>Sie lachte �berrascht, aber zufrieden, und ihre Arme umschlossen ihn. Ihr Kopf lehnte an seiner Schulter, wo er perfekt hinpasste. Er konnte ihr Herz f�hlen, wie es gegen seine Brust schlug, schnell vor Aufregung und Freude.</p><p>Eine sehr lange Zeit lang hielt er sie so. Er wollte sie niemals mehr loslassen. Auch sie hing an ihm und protestierte nicht, w�hrend der Moment sich hinzog.</p><p>Schlie�lich lehnte er sich zur�ck und nahm ihr Gesicht in seine gro�en gr�nen H�nde. �Du hattest recht�, sagte er ohne Einleitung.</p><p>Sie hob eine Augenbraue und bedeutete ihm damit, dass er fortfahren solle.</p><p>�Ich habe mich hinter dem Amt des Kriegsh�uptlings versteckt. Ein Sklave der Horde, weil ich das als meine Pflicht auffasste. Und das hielt mich davon ab, tief in mich hineinzuschauen und Dinge zu sehen, die mir nicht gefallen. Doch wenn ich das nicht tue, kann ich sie auch nicht �ndern. Ich kann nicht besser werden.�</p><p>Er trat zur�ck, griff nach ihren braunen H�nden. Er umschloss ihre Finger mit seinen, als w�rde er das erste Mal die Scharten und Narben auf ihrer beider Haut wahrnehmen. Gr�n wie Braun f�hlte er, wie die rauen Oberfl�chen gegeneinander rieben. Dann hob er ihre Hand und ber�hrte mit ihr seine Stirn, bevor er sie senkte und ihr tief in die Augen sah.</p><p>�Ich konnte weder die kleinen noch die gro�en Dinge wirklich sch�tzen. Wie diese starke Hand in meiner.�</p><p>Ihre Augen leuchteten. Glitzerten sie vor Tr�nen? Aber sie l�chelte breit, genoss den Moment, wie er war.</p><p>�Ich sch�tze diese Dinge nun, Aggra. Jeden Regentropfen, jeden Strahl des Sonnenlichts, jeden Atemzug, der meine Lunge f�llt, jeden Schlag meines Herzens. Es gibt Gefahr und es gibt Schmerz, aber hier ist auch die stille, stete Freude, wenn wir uns nur an sie erinnern und wissen, dass sie da ist. Ich wusste nicht, wer ich war oder wer Thrall werden w�rde, nachdem ich alles hinter mir gelassen hatte, was ich aufgebaut hatte. Aber jetzt tue ich es. Ich wei�, wer ich bin. Ich wei�, was ich tun muss. Ich wei�... wen ich will.�</p><p>Ihr L�cheln wurde breiter, aber sie blieb stumm und h�rte weiter zu.</p><p>�Und ich wei� in meinem Herzen, dass ich, wenn es an der Zeit ist, tun kann, was n�tig ist.�</p><p>�Erz�hl�, sagte sie leise.</p><p>Und dort standen sie, ihre Arme umeinandergeschlungen, und er berichtete. Er erz�hlte ihr von den Urtumen und von Desharin. Von dem M�rder, der sich als ein sehr alter Feind herausstellte, der neu erschaffen worden war und sich in den richtigen Zeitweg gest�rzt hatte. Vom Schmerz, den Mord an seinen Eltern nicht verhindern zu k�nnen, gemischt mit der Freude, Durotan versichern zu k�nnen, dass sein Kind leben w�rde.</p><p>Er weinte, als er das erz�hlte, er erinnerte sich an alles, was er gesehen hatte. All die Schrecken und sch�nen Dinge, die geschehen waren�� und eine starke braune Hand wischte die salzigen Tr�nen aus seinem gr�nen Gesicht.</p><p>Er erz�hlte von Taretha und Krasus, von Nozdormu, von Alexstrasza und Kalecgos und Kirygosa. Von seiner eigenen Erkenntnis, zu verstehen und anzuerkennen und wirklich pr�sent zu sein. Von den Erfahrungen, die ein einfacher sterblicher Orc gemacht hatte, und der Hilfe, die er den m�chtigen Drachenaspekten bieten konnte.</p><p> �Du hast ein Geschenk bekommen�, sagte Aggra, als er verstummte. �Dir wurde die Chance gegeben, zu sehen, wer du warst, aus deinen Fehlern zu lernen und dich zu wandeln und zu wachsen. Wenige gewinnen solche Einsicht, mein Herz.�</p><p>Er hielt immer noch ihre Hand und dr�ckte sie fest. �Du warst es, die mir durch die schlimmsten Momente geholfen hat�, sagte er. �Du hast mir erm�glicht, die gebrochene Lebensbinderin an sich selbst zu erinnern.�</p><p>Sanft fl�sterte er die Worte, er berichtete Aggra von seinem tiefen Bed�rfnis, mit ihr zusammen zu sein, ihr Gesicht anzusehen. Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen, w�hrend sie zuh�rte, und Thrall erkannte, dass es tats�chlich m�glich war, ein liebendes Herz auf einem geliebten Gesicht gespiegelt zu sehen.</p><p>�Also bin ich heimgekommen�, sagte er schlie�lich. �Dem�tiger, aber stolz darauf, woran ich Anteil habe. Bereit, mehr zu tun. Mein Bestes zu geben, mein h�chstes Selbst, zu allen Zeiten, um dich zu ehren und meine Freunde und meine Welt. Ich stehe bereit.�</p><p>Eine Weile sagte Aggra nichts. Dann, schlie�lich, mit einer Stimme so voll von Emotionen, voll Stolz und Freude, sagte sie: �Da, <emphasis>das</emphasis> ist mein Go�el.�</p><p>Thralls Lippen verzogen sich um seine Hauer zu einem Grinsen. �Go�el�, sagte er, das Wort f�hlte sich merkw�rdig angenehm in seinem Mund an. �Mein Geburtsname.� Er betrachtete sie einen Moment und machte den Mund auf. Doch bevor er ein Wort sagen konnte, h�rte er eine fr�hliche Stimme hinter sich.</p><p>�Thrall! Ich habe es gerade erst geh�rt. Du bist lebend zur�ck, wie ich sehe!� Es war Rehgar. Entweder bemerkte er den intimen Moment nicht, den er unterbrach, oder was wahrscheinlicher war, es war ihm egal. Er lief strahlend zu Thrall und schlug dem Orc auf die Schulter. �Ich wette, du hast jede Menge Geschichten f�r uns!�</p><p>Thrall trat ein wenig von Aggra zur�ck und wandte sein Gesicht seinem Freund zu. Er klatschte Rehgar seinerseits auf die Schulter. �Rehgar, alter Freund... der Thrall, den du kanntest, gibt es nicht mehr. Ich bin Go�el, Sohn von Durotan und Draka. Thrall nur f�r mich selbst...�, er wandte sich wieder Aggra zu, dr�ckte ihre H�fte und l�chelte, �... und f�r meine Liebe.�</p><p>Rehgar warf den Kopf zur�ck und lachte. �Gut gesprochen, mein Freund. Gut gesprochen. Ich werde es dich den anderen sagen lassen, aber mach schnell. Das R�stfleisch ist fast fertig und wir sind ausgehungert. Wir warten auf dich, aber wir warten nicht ewig!� Mit einem letzten Winken wandte sich Rehgar ab und ging zur�ck zum Lager.</p><p>Go�el sah ihm nach, l�chelte, dann wandte er sich wieder zu Aggra um. Er wurde ernst, nahm ihre beiden H�nde in seine und sagte leise: �Ich meinte das so. Ich werde nur f�r mich ein Sklave sein und f�r meine Liebe�� wenn sie mich denn will. F�r den Rest unseres Lebens.�</p><p>Ein gl�ckliches L�cheln breitete sich �ber Aggras Gesicht aus. Sie dr�ckte seine H�nde so fest, dass er beinahe winselte.</p><p>�Ich war bereit, Thrall bis ans Ende dieser Welt oder einer anderen zu folgen�, sagte Aggra. �Wie viel mehr will ich mein Leben an Go�els binden!�</p><p>Er konnte nicht aufh�ren, zu l�cheln. Er glaubte nicht, dass er je gl�cklicher gewesen war. Er lehnte seine Stirn an ihre, unendlich dankbar, dass er gelernt hatte, den Augenblick in seinem Herzen zu bewahren, weil dieser hier unglaublich s�� war. Schlie�lich zog er sich zur�ck, lie� den Moment in die Vergangenheit ziehen und hie� die Gegenwart willkommen. Weil die ebenso hell und fr�hlich war.</p><p>�Lass uns zur�ckgehen und es den anderen sagen. Wir haben Aufgaben und harte Pflichten vor uns. �ber einige werden wir triumphieren und mit anderen k�mpfen. Doch wir werden es immer... gemeinsam tun.�</p><p>Hand in Hand mit seiner Lebensgef�hrtin kehrte Go�el zur�ck zum Lager, wo die anderen Mitglieder des Irdenen Rings warteten. Dort wurde an diesem Abend gelacht und getanzt, seine Wiederkehr und seine zuk�nftigen Pl�ne gefeiert.</p><p>Am Morgen wartete dann die ernste Pflicht, die verwundete Welt zu heilen.</p><p>Und Go�el war bereit.</p></section></body><binary id="cover" 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