<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Keith</first-name><middle-name>R. A.</middle-name><last-name>DeCandido</last-name></author><book-title>Teufelskreis</book-title><annotation><p>Die Brennende Legion wurde besiegt und die �stlichen Regionen von Kalimdor werden nun von zwei Parteien beherrscht: Auf der einen Seite die Orks von Durotar, unter dem Kommando des charismatischen Kriegsh�uptlings Thrall�� auf der anderen Seite die Menschen von Theramore�� angef�hrt von der m�chtigsten Magierin dieser Zeit: Lady Jaina Proudmoore.</p><p>Doch der Frieden zwischen Orks und Menschen ist br�chig. Wiederholte Angriffe auf Durotar legen den Verdacht nahe, dass die alte Feindschaft zwischen den beiden V�lkern erneut entbrannt ist. Thrall und Jaina setzen alles daran, dass die Woge des Hasses nicht erneut �ber Kalimdor brandet und das Land in einen weiteren furchtbaren Krieg zieht...</p></annotation><date>2006</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Mick</first-name><last-name>Schnelle</last-name></translator><sequence name="World of Warcraft" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Keith</first-name><middle-name>R. A.</middle-name><last-name>DeCandido</last-name></author><book-title>Cycle of Hatred</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>CAC578D9-939B-4FDB-AA05-4F438EC33C3E</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Teufelskreis</p><p>Keith R.A. Decandido</p></title><epigraph><p>F�r Grace Anne Andreassi DeCandido, Helga Borck, Ursula K. LeGuin, Constance Hassett, Joanne Dobson und all die anderen Frauen, die mir so vieles beigebracht haben.</p></epigraph><section><title><p>1</p></title><p>Erik hatte gerade Bier von dem D�monensch�del gewischt, der hinter dem Tresen hing, als der Fremde eintrat. In das Demonsbane Inn verirrten sich normalerweise kaum Reisende. Nur �u�erst selten war das Gesicht eines Gastes Erik unbekannt. Weniger selten war, dass ihm der Name nicht gel�ufig war. Er merkte sich Gesichter nur durch regelm��ige Begegnungen. Erik k�mmerte es nicht, <emphasis>wer</emphasis> in seine Kneipe kam, solange dieser jemand nur gen�gend Durst und Bares mitbrachte.</p><p>Der Fremde, der an einem der Tische sa�, schien entweder auf etwas zu warten oder nach etwas zu suchen. Er beachtete weder die kleinen runden Holztische und St�hle noch die dunklen Holzw�nde, die ohnedies nur schwer zu erkennen waren. Das Demonsbane hatte keinerlei Fenster, lediglich ein paar Fackeln spendeten leidlich Helligkeit. Erik machte sich nie die M�he, die Tische geordnet aufzustellen, weil die Leute sie ohnehin so platzierten, wie es ihnen am besten in den Kram passte. Nach einer Weile stand der Fremde auf und trat vor die Holztheke. �Gibt es hier keine Bedienung?�, wandte er sich an den Wirt.</p><p>�Scharf beobachtet�, entgegnete Erik und betrachtete angelegentlich den Lappen, mit dem er sich um das Wahrzeichen seines Hauses gek�mmert hatte. Er sah nicht ein, gutes Geld f�r einen Kellner auszugeben. Wenn die Leute etwas zu trinken haben wollten, fanden sie ganz von allein zur Theke. Und wenn sie daf�r schon zu betrunken waren, kam ihm das auch entgegen. Das hielt sie davon ab, sich um den letzten Rest Verstand zu saufen, zu randalieren und am Ende noch die Einrichtung zu demolieren. Nein, auf Pr�geleien konnte Erik getrost verzichten, er betrieb eine ruhige Taverne.</p><p>Der Fremde warf ein Silberst�ck auf den Tresen und fragte: �Was ist Euer teuerstes Getr�nk?�</p><p>�Eberschnaps aus dem Norden�, erwiderte Erik, ohne auch nur einen Moment nachdenken zu m�ssen. �Die Orcs stellen ihn her. Machen das fabelhaft, die gr�nen Jungs, wie mir aus dem berufenen Mund meiner Stammg�ste immer wieder versichert wird...�</p><p>Der Fremde r�mpfte abf�llig die Nase. �Nein, nichts, was von Orcs kommt!�</p><p>Erik zuckte die Achseln. Die Leute hatten oft merkw�rdige Ansichten, wenn es um Alkohol ging. Er kannte G�ste, die sich �ber die fragw�rdigen Vorz�ge von Bier oder Brandy heftiger stritten als �ber Politik oder Religion. Und wenn dieser Gentleman Orc-Getr�nke nicht ausstehen konnte, sollte das nicht Eriks Problem sein.</p><p>�Ich h�tte auch ganz banalen frisch gebrannten Korn.�</p><p>�Her damit!� Der Fremde hieb mit der Faust auf den h�lzernen Tresen, und die Ersch�tterung wirbelte Nussschalen, Beerenk�rner und Staub auf, die sich dort angeh�uft hatten. Erik s�uberte den Tresen h�chstens einmal im Jahr. Au�er ihm und dem D�monensch�del konnte niemand hinter die Theke blicken, folglich gab es keinen Grund, dort zu putzen.</p><p>Einer der von Erik erw�hnten Stammg�ste, ein Soldat, der am liebsten Eberschnaps trank, wandte sich zu dem Fremden um. �Macht es Euch etwas aus, mir zu verraten, was Ihr gegen das Orc-Ges�ff einzuwenden habt? Ich habe nie etwas Besseres die Kehle runterrinnen lassen!�</p><p>Der Fremde blickte fast mitleidig, w�hrend Erik eine Glasflasche aus dem Regal angelte und etwas von ihrem Inhalt in einen leidlich sauberen Becher f�llte.</p><p>�Ich habe gar nichts gegen das <emphasis>Ges�ff</emphasis> von Orcs, guter Mann � nur die Orcs selbst, die mag ich nicht.� Der Fremde streckte seine Hand aus. �Ich hei�e �brigens Margoz. Ich bin Fischer und alles andere als gl�cklich dar�ber, wie leer meine Netze in letzter Zeit bleiben.�</p><p>Der Soldat ignorierte die ihm dargebotene Hand und erwiderte, ohne sich selbst vorzustellen: �Das sagt f�r mich nur, dass Ihr kein wirklich guter Fischer seid.�</p><p>Margoz senkte die Hand wieder, als ihm klar wurde, dass der Soldat ihn nicht sonderlich mochte. Stattdessen nahm er seinen Becher auf und brummte: �Ich <emphasis>bin</emphasis> ein guter Fischer, Sir. Ich stamme urspr�nglich aus Kul Tiras � doch die Umst�nde zwangen mich, von dort fortzugehen.�</p><p>Neben Margoz sa� ein H�ndler, der an seinem Bier nippte. �Die Umst�nde, hm. Richtig, wurdest sicher eingezogen, um deinen h�bschen Kopf gegen die Brennende Legion hinzuhalten, was?�</p><p>Margoz nickte d�ster und fuhr sich mit der Hand �ber den Nacken �Wie so viele andere auch, ja. Ich habe versucht, mir hier in Theramore ein neues Leben aufzubauen. Aber wie k�nnte ich das wohl bei all den verdammten Gr�nh�uten, die die guten Fischgr�nde ganz f�r sich allein beanspruchen?�</p><p>Erik ertappte sich dabei, wie er zustimmend nickte. Zumindest einem Teil von Margoz' Argumentation konnte er nur beipflichten. Er selbst war erst nach Theramore gekommen, als die Brennende Legion bereits geschlagen war. Nicht, um zu k�mpfen � die K�mpfe waren bereits vorbei gewesen �, sondern um sein Erbe anzutreten. Eriks Bruder Olaf war gegen die Legion marschiert und gefallen. Er hatte Erik genug Geld hinterlassen, um diese Taverne zu er�ffnen � was eigentlich Olafs eigener Traum f�r die Zeit nach dem Milit�rdienst gewesen war. Au�er einem h�bschen S�mmchen hatte Olaf ihm auch noch die h�ssliche kn�cherne Fratze eines D�mons vererbt, den der Bruder eigenh�ndig im Kampf besiegt hatte.</p><p>Erik hatte eigentlich keine besondere Lust gehabt, eine Taverne zu betreiben. Aber eigentlich hatte er auch nie zu etwas anderem besondere Lust gehabt. Deshalb er�ffnete er das Demonsbane in Gedenken an seinen Bruder. Er setzte v�llig zu Recht darauf, dass die B�rger von Theramore einen Ort mit einem Namen sch�tzen w�rden, der die Vertreibung der D�monen symbolisierte. Letztlich hatte das ja zur Gr�ndung ihres Stadtstaates gef�hrt.</p><p>�Das sehe ich anders�, brummte der Soldat und spielte mit seinem Becher. �Ihr habt selbst im Krieg gek�mpft, Fischer. Ihr wisst also, was die Orcs f�r uns getan haben.�</p><p>�Was sie f�r uns getan <emphasis>haben</emphasis>, bereitet mir auch keinerlei Bauchgrimmen, guter Mann�, sagte Margoz, �aber es stinkt mir ganz gewaltig, was sie uns <emphasis>derzeit</emphasis> zumuten.�</p><p>�Sie kriegen von allem nur das Beste�, best�tigte ein Schiffskapit�n an einem der Tische hinter dem Soldaten. �Oben bei Ratchet bevorzugen die Gnome die Orcs immer bei Reparaturen oder der Vergabe von Landepl�tzen. Letzten Monat musste ich einen halben Tag warten, bevor sie mich mit meinem Kahn andocken lie�en. Aber so ein Orc-Boot kam zwei Stunden nach mir an und durfte sofort anlegen.�</p><p>Der Soldat drehte sich um, fixierte den Kapit�n scharf und schnarrte: �Dann fahrt doch woanders hin als nach Ratchet.�</p><p>�Man hat nicht immer die Wahl�, sagte der Kapit�n st�rrisch. Sein narbiges Gesicht war ger�tet und aufgedunsen. In seinen Augen schien es zu flackern.</p><p>,,S' ist ja auch nicht so, dass sie Reparaturen �berhaupt <emphasis>n�tig</emphasis> h�tten�, meinte der Mann neben dem Kapit�n. Von einer Schl�fe zur anderen verlief eine Narbe, die den Anschein erweckte, als h�tte vor langer Zeit jemand versucht, ihn seines Skalps zu berauben. Was der Unbekannte nicht geschafft hatte, war der seither verstrichenen Zeit mit sichtbar mehr Erfolg gelungen: Bis auf einen sch�tteren Haarkranz, der noch dazu h�chst ungepflegt wirkte, verbarg nichts mehr die altersfleckige Haut, die sich �ber der Halbkugel seines Sch�dels spannte.</p><p>Erik �berlegte, dass das trotz des fortgeschrittenen Alters wohl der Erste Maat des Kapit�ns sein musste, weil beide die gleiche Kleidung trugen. �Sie haben Eichen oben in den Bergen �ber Orgrimmar, machen ihre Schiffe daraus. Und was haben wir? Schwache Fichten, das ist alles. Sie horten es, jawohl, behalten all das gute Holz. Unsere Boote lecken �berall. Und das nur wegen dem Ausschuss, mit dem wir arbeiten m�ssen.�</p><p>Mehrere Stimmen murmelten Zustimmung.</p><p>�So, Ihr fandet es also alle besser, als die Orcs noch nicht da waren?� Der Soldat lie� seine Faust auf die Theke krachen. �Und vergesst dabei: Ohne sie w�ren wir l�ngst alle D�monenfutter, das ist doch wohl klar!�</p><p>�Ich glaube nicht, dass das jemand bestreitet.� Margoz nippte an seinem Becher. Der Blick war auf die Tischplatte gerichtet, schien aber sehr viel weiter zu gehen. �Trotzdem, die Verteilung der Ressourcen scheint ein wenig ungleich vonstatten gegangen zu sein.�</p><p>�Orcs waren mal Sklaven, m�sst Ihr wissen.� Das sagte jemand anderes, den Erik nicht sehen konnte und auch nicht an der Stimme erkannte. �Bei den Menschen und der Brennenden Legion gleicherma�en, wenn man es recht bedenkt. Kann es ihnen nicht verdenken, wenn sie sich jetzt alles nehmen, was sie kriegen k�nnen.�</p><p>�Ich schon, jedenfalls wenn sie es <emphasis>uns</emphasis> wegnehmen.�, sagte der Kapit�n zerknirscht.</p><p>Der H�ndler nickte. �Ihr wisst ja, die sind nicht von hier. Die kamen aus einer anderen Welt. Die Brennende Legion brachte sie hierher.�</p><p>Der Erste Maat schnappte: �Vielleicht sollten sie einfach dahin zur�ck, wo sie hergekommen sind.�</p><p>�Man fragt sich, was Lady Proudmoore sich dabei gedacht haben mag�, sagte Margoz. Es klang wie beil�ufig eingeworfen, aber die Wirkung, die seine Worte erzielten, machten unverz�glich klar, dass die Bemerkung ein Missgriff gewesen war.</p><p>Erik runzelte die Stirn. Pl�tzlich wurde es totenstill in der Taverne.</p><p>Viele Leute hatten sich bislang rege an der Diskussion beteiligt. Aber kaum, dass Margoz Jaina Proudmoore erw�hnte � schlimmer noch, sie in herabsetzender Weise erw�hnte �, verstummten alle Gespr�che.</p><p>In den drei Jahren, seit Erik die Taverne besa�, hatte er zwei Grundsituationen erlebt, in denen er davon ausgehen konnte, dass eine Pr�gelei unmittelbar bevorstand. Ein verl�sslicher Hinweis war, wenn es zu laut war � der andere, wenn es <emphasis>zu leise</emphasis> wurde. Wie jetzt. Und immer wenn Letzteres eintrat, brachen die wirklich w�sten Schl�gereien aus...</p><p>Ein anderer Soldat baute sich neben dem ersten auf. Er hatte breitere Schultern und redete meist nicht viel. Aber wenn er es tat, geschah es mit einer dr�hnenden Stimme, die den D�monensch�del hinter dem Tresen zum Wackeln brachte. �Niemand redet schlecht von Lady Proudmoore, wenn er seine Z�hne behalten will.�</p><p>Margoz schluckte h�rbar, duckte sich leicht und versicherte schnell: �Ich w�rde es mir nie erlauben, von unserer Herrin jemals anders als mit h�chster Ehrfurcht zu sprechen, guter Herr. Das schw�re ich.� Er kippte mehr von seinem Hochprozentigen die Kehle hinunter, als auf einen Zug ratsam war, und schon quollen ihm die Augen aus den H�hlen. Er sch�ttelte mehrmals den Kopf.</p><p>�Lady Proudmoore war sehr gut zu uns�, sagte der H�ndler mit m�hsam unterdr�cktem Zorn. �Nachdem wir die Brennende Legion geschlagen hatten, machte sie uns zu einer Gemeinschaft. Eure Klagen, Margoz, sind berechtigt. Aber f�r keine davon ist die Lady verantwortlich. Ich habe in meinem Leben schon so einige Zauberer getroffen, und die meisten davon taugten nicht den Dreck unter meinen Fingern�geln. Aber die Lady geh�rt zu den Guten. Und Ihr werdet hier niemanden finden, der etwas Schlechtes auf sie kommen l�sst...�</p><p>�Es war nie meine Absicht, jemanden herabzusetzen, guter Mann�, sagte Margoz, der nicht nur von dem etwas zu gro�en Schluck Brandy zittrig in den Gliedern geworden war. �Aber man muss sich schon fragen, warum keine Handelsvertr�ge geschlossen worden sind, um an das vorz�gliche Holz zu kommen, das diese feinen Herren hier erw�hnt haben.� Er schaute f�r einen Moment gedankenverloren. �Vielleicht hat sie es ja versucht, aber die Orcs haben es nicht zugelassen.�</p><p>Der Kapit�n nahm etwas von seinem Bier, leckte sich den Schaum von der Oberlippe und sagte: �Vielleicht haben ihr die Orcs befohlen, Northwatch zu verlassen.�</p><p>�Wir <emphasis>sollten</emphasis> Northwatch verlassen�, erkl�rte der H�ndler leidenschaftlich. �Das Brachland ist neutrales Gebiet, das wurde von vornherein so festgelegt.�</p><p>Der Soldat versteifte sich. �Ihr m�sst verr�ckt sein, wenn Ihr glaubt, wir w�rden ausgerechnet Northwatch aufgeben.�</p><p>Margoz warf vorsichtig ein: �Das ist dort, wo die Orcs Admiral Proudmoore bek�mpft haben.�</p><p>�Ja, eine Schande. So gut wie Lady Proudmoore als unser Oberhaupt ist, so ein Narr war ihr Vater.� Der H�ndler sch�ttelte den Kopf. �Diese erb�rmliche Geschichte sollte endlich aus unseren K�pfen verschwinden. Aber das geschieht nicht, bevor...�</p><p>Der Kapit�n unterbrach ihn. �Wenn Ihr mich fragt, m�ssen wir �ber Northwatch hinaus expandieren.�</p><p>Ver�rgert � Erik wusste nicht, ob wegen der Unterbrechung oder wegen des Arguments, es interessierte ihn auch nicht � fauchte der H�ndler: �Seid Ihr vollkommen �bergeschnappt?�</p><p>�Ihr seid �bergeschnappt. Die Orcs quetschen uns aus. Sie sind �berall auf diesem gesegneten Kontinent, und wir haben nur Theramore. Es ist jetzt drei Jahre her, seit die Brennende Legion vertrieben wurde. Verdienen wir nicht etwas Besseres, als die unterste Klasse in unserem eigenen Land zu sein, begrenzt auf diese Kloake von einem Stadtstaat?�</p><p>�Theramore ist eine genauso gute Stadt wie jede andere auch in den L�ndern der Menschen.� Der Soldat sprach die Worte mit verteidigendem Stolz, nur um in resignierterem Tonfall fortzufahren: �Aber es ist wahr, die Orcs besitzen das gr��ere Territorium. Deshalb ist Northwatch so wichtig. Es erlaubt uns, die Verteidigung jenseits der Mauern von Theramore aufrecht zu erhalten.�</p><p>�Au�erdem�, sagte der Erste Maat und lachte verhalten in seinen Bierkrug, �m�gen uns die Orcs dort nicht sonderlich. Wenn Ihr mich fragt, ist das Grund genug, es zu behalten.�</p><p>�Niemand hat Euch gefragt�, versetzte der H�ndler abf�llig.</p><p>Der andere Mann am Tresen � Erik hatte sich ans untere Ende der Theke bewegt und erkannte, dass es der Buchhalter war, der in den Docks arbeitete � mischte sich ein. �Vielleicht sollte das aber jemand tun. Die Orcs f�hren sich auf, als ob Ihnen Kalimdor geh�rte und wir die Besucher w�ren. Aber dies ist auch unsere Heimat, und es wird Zeit, dass wir danach handeln. Orcs sind keine Menschen, stammen nicht mal von dieser Welt. Mit welchem Recht schreiben sie uns vor, wie wir leben sollen?�</p><p>�Sie haben das Recht, <emphasis>ihr</emphasis> Leben zu leben, oder nicht?�, fragte der H�ndler.</p><p>Der Soldat nickte. �Sie haben es sich verdient, als sie gegen die Brennende Legion gek�mpft haben. Waren gegen sie...� Er kippte den Rest seines Schnapses hinunter, dann schubste er den Becher zu Erik. �Gib mir Bier.�</p><p>Erik z�gerte. Er hatte schon nach der Flasche mit Eberschnaps gegriffen. Dieser Soldat kam ins Demonsbane, seit Erik es er�ffnet hatte, und er hatte selten etwas anderes bestellt.</p><p>Aber die dreij�hrige Stammkundschaft verschaffte ihm das Privileg, sich f�r einen Geschmackswechsel nicht rechtfertigen zu m�ssen. Au�erdem, so lange er bezahlte, h�tte er auch Seifenlauge trinken k�nnen, so weit es Erik betraf.</p><p>�Fakt ist nun mal�, sagte der Kapit�n, �dies ist unsere Welt, durch unser Geburtsrecht. Die Orcs sind nur G�ste in unserer Heimat, und es wird h�chste Zeit, dass sie sich auch so <emphasis>benehmen</emphasis>.�</p><p>Von da an kam die Unterhaltung wieder in Fahrt. Erik servierte ein paar weitere Drinks, warf ein paar Becher ins Sp�lbecken, die sp�ter gereinigt werden sollten, und erst als er dem H�ndler ein weiteres Bier gab, bemerkte er, dass Margoz, der die ganze Unterhaltung begonnen hatte, gegangen war.</p><p>Er hatte nicht mal Trinkgeld dagelassen. Erik sch�ttelte emp�rt den Kopf. Den Namen des Fischers hatte er l�ngst wieder vergessen. Aber er w�rde sich an sein Gesicht erinnern. Und vielleicht in den n�chsten Drink spucken, sollte der Bastard noch einmal vorbeikommen. Nur einen Drink nehmen und Stunk machen... Erik hasste Unruhestifter in seiner Taverne. Hasste sie einfach.</p><p>Mehrere Leute begannen, sich �ber die Orcs zu beschweren. Einer, der kr�ftige Kerl neben dem Soldaten, knallte seinen Bierkrug so fest auf die Theke, dass etwas Fl�ssigkeit auf den D�monensch�del spritzte. Seufzend nahm Erik ein Tuch und brachte die Sache wieder in Ordnung.</p><empty-line/><p>Fr�her w�re Margoz zu �ngstlich gewesen, allein im Dunkeln durch die Stra�en von Theramore zu gehen. Und das, obwohl es kein echtes Verbrechertum in einer so kleinen Gemeinde gab, jeder kannte jeden, und wenn nicht, kannte man jemanden, der den Fraglichen kannte. Deshalb war Kriminalit�t eher selten. Die wenigen Verbrechen wurden generell schnell und rigoros von Lady Proudmoores Soldaten bestraft.</p><p>Trotzdem, Margoz war immer klein und schwach gewesen, und die Gro�en und Starken neigten dazu, die Kleinen und Schwachen zu qu�len. Deshalb vermied es Margoz normalerweise, nachts allein herumzulaufen. Man wusste nie, welcher gro�e und starke Kerl nur darauf lauerte zu zeigen, wie gro� und stark er war, indem er einen Kleineren verpr�gelte. Oft schon war Margoz der Leidtragende gewesen. Er hatte schnell gelernt, dass es das Beste war zu tun, was man ihm sagte und diese Leute zufrieden zu stellen, wollte man Gewalt vermeiden.</p><p>Aber heute Margoz sp�rte diese Angst nicht mehr. Oder jede andere Form von Angst. Denn jetzt hatte er einen Besch�tzer.</p><p>Zugegeben, auch diesmal musste er nach der Pfeife eines anderen tanzen. Aber dieses Mal waren der Lohn daf�r Macht und Reichtum. Fr�her war die Belohnung gewesen, nicht verpr�gelt zu werden. Vielleicht tauschte er nur eine Angst gegen eine andere ein. Aber Margoz fand, dass sich die neue deutlich mehr auszahlte.</p><p>Vom Hafen wehte eine salzige Brise heran. Margoz atmete tief ein, der Geruch erfrischte ihn. Er hatte zumindest teilweise die Wahrheit im Demonsbane gesagt; er war Fischer, auch wenn er niemals ein wirklich guter gewesen war. Aber anders als behauptet hatte er nicht gegen die Brennende Legion gek�mpft. Er kam hier erst an, nachdem diese schon geschlagen war. In dieser Stadt erhoffte er sich mehr M�glichkeiten als in Kul Tiras.</p><p>Es war nicht <emphasis>sein</emphasis> Fehler, dass seine Netze minderwertig gewesen waren. Bessere konnte er sich nicht leisten. Aber das musste man mal den Aufsehern bei den Docks erz�hlen und zusehen, was einem das einbrachte.</p><p>Er hatte sich meist Pr�gel eingehandelt.</p><p>Deshalb war er nach Kalimdor gegangen und dem Strom von Menschen gefolgt, die darauf hofften, den Leuten von Lady Proudmoore ihre Dienste anbieten zu k�nnen. Aber Margoz war nicht der einzige Fischer gewesen, der seine Dienste offeriert hatte, noch war er auch nur ann�hernd einer der f�higsten. Bevor er seinen Besch�tzer traf, war Margoz praktisch pleite gewesen. Sein Fang reichte nicht mal aus, um sich selbst zu ern�hren, ganz zu schweigen davon, dass er etwas h�tte verkaufen k�nnen. Und er �berlegte ernsthaft, sich einfach den Anker seines Bootes zu schnappen und mit ihm �ber Bord zu springen. Um sich von allem Elend zu befreien.</p><p>Aber dann war der Besch�tzer aufgetaucht, und alles wurde besser.</p><p>Margoz bekam bald eine bescheidene Wohnung. Sein Besch�tzer hatte ihm verboten, in etwas Besseres umzuziehen. Obwohl er ihn darum gebeten hatte � der Besch�tzer nannte es <emphasis>Betteln</emphasis> und <emphasis>ungeh�rig</emphasis> � wegen der schlechten Durchl�ftung, dem �rmlichen Mobiliar und den Ratten. Aber der Besch�tzer hatte ihm versichert, dass ein pl�tzlicher Wohlstand zu gro�e Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt h�tte. Denn bislang war er unbeachtet geblieben.</p><p>Bis heute Abend, als er den Befehl erhalten hatte, ins Demonsbane zu gehen und gegen die Orcs Stimmung zu machen. Fr�her h�tte er es niemals gewagt, auch nur einen Fu� an solch einen Ort zu setzen. Der Typ Mensch, der ihn gern verpr�gelte, pflegte sich in solchen Tavernen in gro�er Zahl zu versammeln, weshalb Margoz es vorzog, diese Lokale zu meiden.</p><p>Oder besser: Er <emphasis>hatte</emphasis> es vorgezogen, sie zu meiden. � </p><p>Er betrat seine Kammer. Ein Bett, dessen Matratze d�nner war als eine Scheibe Brot; eine Decke aus Sackleinen, die so stark kratzte, dass man sie nur benutzte, wenn der Winter besonders hart war und es sich nicht vermeiden lie�; eine Lampe und sonst herzlich wenig mehr. Eine Ratte huschte durch den Raum und verschwand in einem der zahlreichen Risse in der Wand.</p><p>Er seufzte, weil er wusste, was als N�chstes getan werden musste. Abgesehen davon, dass er nicht in ein besseres Quartier umziehen durfte, hasste Margoz am Abkommen mit dem Besch�tzer am meisten den Geruch, den der verstr�mte. Es war irgendein Nebeneffekt der Magie, die er verwendete. Aber was auch der Grund sein mochte, es st�rte Margoz. Trotzdem war es die Sache wert, schon wegen der Macht. Und der Freiheit durch die Stra�en zu gehen und im Demonsbane zu trinken, ohne Angst vor k�rperlicher Gewalt haben zu m�ssen.</p><p>Er schob seine Hand unter den Kragen und griff unter sein Hemd. Margoz zog eine Kette hervor, an der ein Silberanh�nger hing, die Darstellung eines in Flammen stehenden Schwertes. Er umklammert ihn so fest, dass er sp�rte, wie sich die Kanten des Talismans in seine Handballen bohrten. Dabei sagte er die Worte, deren Sinn er nie verstanden hatte, die ihn aber jedes Mal, wenn er sie aussprach, mit einer unaussprechlichen Ehrfurcht erf�llten: <emphasis>�Galtak Ered'nash. Ered'nash ban galar. Ered'nash havikyrthog. Galtak Ered'nash</emphasis>.�</p><p>Der Gestank von Schwefel erf�llte den kleinen Raum. Das war der Teil des Paktes, an den sich Margoz nie gew�hnen w�rde.</p><p>Galtak Ered'nash. Hast Du getan, was ich Dir befohlen habe?</p><p>�Ja, Herr, das habe ich.� Margoz war verlegen, als er erkannte, dass seine Stimme viel zu hoch klang, fast piepsig. Er r�usperte sich und bem�hte sich um eine tiefere Tonlage. �Ich habe getan, was Ihr verlangt habt. Sobald ich die Schwierigkeiten mit den Orcs erw�hnte, hat mir fast jeder in der Taverne zugestimmt.�</p><p>Fast?</p><p>Margoz gefiel die Drohung nicht, die in der einsilbigen Erwiderung schwang.</p><p>�Ein Mann war nicht so leicht zu �berzeugen, aber die anderen haben sich alle gegen ihn gestellt. Diente als Blitzableiter f�r ihre Wut. Wirklich.�</p><p>Vielleicht. Du hast gute Arbeit geleistet.</p><p>Margoz seufzte erleichtert. Sein Herz h�rte auf wie rasend zu schlagen. �Danke, Herr, danke. Ich bin froh, Euch zu Diensten sein zu d�rfen.� Er z�gerte. �Wenn Ihr erlaubt, Herr, w�re jetzt nicht ein guter Zeitpunkt, um �ber bessere Wohnverh�ltnisse nachzudenken? Ihr habt vielleicht die Ratte gesehen, die...�</p><p>Du hast uns gedient. Du wirst belohnt werden.</p><p>�So wie ihr befohlen habt, Herr, aber... nun, ich hatte zu hoffen gewagt, dass die Belohnung <emphasis>bald</emphasis> kommen w�rde.� Er entschloss sich, seine �ngste, die ihn ein Leben lang verfolgt und gequ�lt hatten, als Argument anzuf�hren. �Ich war heute Abend in gro�er Gefahr, wisst Ihr? Ganz allein bei den Docks rumzulaufen, kann...�</p><p>Dir wird nichts geschehen, so lange du mir dienst. Du musst niemals mehr Angst haben, Margoz.</p><p>�Na-nat�rlich nicht, ich wei�. Ich dachte nur...�</p><p>Du willst einfach nur das Leben leben, das dir nie gestattet war. Das ist ein verst�ndlicher Wunsch. Sei geduldig, Margoz. Deine Belohnung kommt zu gegebener Zeit.</p><p>Der Schwefelgestank begann zu schwinden. Und von Margoz' Brust l�ste sich ein unsichtbarer eiserner Ring, der ihm vor�bergehend das Atmen erschwert hatte. �Danke, Herr. <emphasis>Galtak Ered'nash</emphasis>.�</p><p>Schwach erklang die Stimme des Besch�tzers: <emphasis>Galrak Ered'nash</emphasis>. Dann wurde es wieder still in Margoz' Wohnung.</p><p>Ein Pochen ert�nte an der Wand, gefolgt von der dumpfen Stimme seines Nachbarn: �H�rt mit dem Krach auf. Wir wollen hier schlafen!�</p><p>Fr�her h�tten solche Vorkommnisse Margoz vor Furcht zittern lassen. Doch heute ignorierte er sie einfach, legte sich auf sein Bett und hoffte nur, dass ihn der immer noch in der Luft h�ngenden Gestank nicht vom Schlafen abhalten w�rde.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>�Ich verstehe nicht, was f�r einen Sinn Nebel hat. Wem n�tzt er? Wem?�</p><p>Kapit�n Bolik, Herr des Orc-Handelsschiffs Orgath'ar wusste, dass er seine Worte bereuen w�rde. Aber er f�hlte sich verpflichtet, auf die Bemerkung seines Offiziersb�rschchens einzugehen. �Muss er denn zu etwas n�tze sein?�</p><p>Rabin sch�ttelte den Kopf und machte sich wieder daran, die Hauer seines Herrn zu reinigen. So etwas machte nicht jeder Orc, aber Bolik hielt es als Kapit�n der Orgath'ar f�r seine Pflicht, sich in bestm�glicher Art und Weise zu pr�sentieren. Die Orcs waren ein stolzes Volk, das seiner Heimat entrissen und versklavt worden war, sowohl von D�monen als auch Menschen. Versklavte Orcs waren immer schmutzig und ungek�mmt. Doch um als freier Orc in Durotar zu leben, unter der g�tigen Regentschaft des gro�en Kriegers Thrall, wollte Bolik so wenig wie m�glich wie ein Sklave aus alten Tagen auszusehen. Das bedeutete, dass man sich pflegen musste, so fremdartig dieses Konzept den meisten Orcs auch erscheinen mochte. Und das Gleiche erwartete er von seiner Mannschaft.</p><p>Am eifrigsten von allen befolgte Rabin die Anordnungen seines Kapit�ns. Er hielt dessen Augenbrauen gestutzt, seine Hauer und Z�hne sauber sowie die Fingern�gel poliert und scharf. Wobei er Verzierungen auf ein gerade noch ertr�gliches Ma� beschr�nkte � in Boliks Fall waren dies ein Nasenring und eine T�towierung.</p><p>Als Antwort auf die Frage seines Kapit�ns sagte Rabin: �Nun, alles auf der Welt dient doch <emphasis>irgendeinem</emphasis> Zweck, oder etwa nicht, Sir? Das Wasser zum Beispiel gibt es, um uns Fische zum Essen zu schenken und die M�glichkeit, mit dem Boot zu reisen. Die Luft ist daf�r da, dass wir atmen k�nnen. Der Boden gibt uns ebenfalls Nahrung, nicht zu vergessen, dass wir darauf unsere H�user errichten k�nnen. Aus B�umen bauen wir Boote. Selbst Regen und Schnee sind n�tzlich. Sie spenden uns Wasser, das wir zum Leben ben�tigen, und es ist von anderer Art als jenes, das uns die See anbietet... All das hat also eine weitreichende Bedeutung.�</p><p>Rabin widmete sich konzentriert Boliks Fingern�geln, an denen er feilte. Indes lehnte sich der Kapit�n entspannt auf dem Schemel gegen die Bordwand.</p><p>�Und Nebel�, fuhr Rabin nach kurzem Schweigen fort, �sollte das gar keinen tieferen Sinn haben?�</p><p>�Alles, was er tut, ist, uns im Weg zu sein � einen Nutzen kann ich daran nicht erkennen!� Bolik grinste, und seine frisch polierten Z�hne gl�nzten im schwachen Schein der Laterne, die die Kaj�te erhellte. Durch das Bullauge drang wegen des dichten Nebels, �ber den sich Rabin gerade auslie�, kein Licht. �Aber Schnee und Regen sind uns schlie�lich auch nicht selten im Weg.�</p><p>�Wohl wahr, Kapit�n, wohl wahr.� Rabin beendete die Sch�rfung des Daumennagels und wandte sich den anderen Fingern zu. �Aber wie ich bereits sagte: Schnee und Regen erf�llen einen h�heren Zweck. Selbst wenn sie uns mitunter hinderlich sind, hat man doch wenigstens etwas davon, wenn man sich nur entsprechend darauf vorzubereiten wei�... Doch sagt mir, Sir, wie bereitet man sich auf Nebel vor? Er verstellt uns dem Anschein nach tats�chlich nur die Sicht, ohne daf�r etwas Sinnvolles zur�ckzugeben.�</p><p>�Vielleicht.� Bolik betrachtete seinen Burschen. �Oder vielleicht haben wir beide seinen geheimen Zweck nur noch nicht erkannt. Immerhin gab es einmal Zeiten, in denen wir nicht mal wussten, dass Schnee einfach nur gefrorener Regen ist. Die Orcs von damals sahen Schnee genauso als Problem an wie wir heute zum Beispiel den Nebel. Doch schlie�lich wurde, wie du bereits bemerkt hast, sein wahrer Nutzen erkannt, n�mlich, uns mit Trinkwasser in den k�lteren Jahreszeiten zu versorgen. Deshalb ist es nicht der Fehler des Nebels, sondern unserer, wenn wir die Wahrheit noch nicht begreifen. Und so soll es wohl auch sein. Die Welt sagt uns, was wir wissen m�ssen, sobald wir daf�r bereit sind � keinen Moment vorher. Das ist der Lauf der Dinge.�</p><p>Rabin dachte �ber die Worte des Kapit�ns nach, w�hrend er das Sch�rfen beendete und mit dem Polieren begann.</p><p>�Ich vermute, das mag so sein, Sir. Aber das hilft uns heute nicht weiter, oder?�</p><p>�Nein, da hast du Recht. Wie geht die Mannschaft damit um?�</p><p>�So gut sie kann, denke ich�, erwiderte Rabin achselzuckend. �Der Ausguck sagt, er kann von da oben nicht die Hauer in seinem eigenen Gesicht sehen.�</p><p>Bolik runzelte die Stirn. Das Boot schaukelte die meiste Zeit relativ gleichm��ig, doch jetzt h�pfte es ein wenig st�rker. Das bedeutete normalerweise, dass sie in das Kielwasser eines anderen Schiffes geraten waren.</p><p>Bolik stand von seinem Schemel auf, obwohl Rabin noch nicht fertig war und sagte: �Wir beenden das sp�ter, Rabin.�</p><p>Rabin erhob sich von seinen Knien und nickte. �Aye, Kapit�n.�</p><p>Bolik nahm den Stab seines Vaters und verlie� die Kaj�te durch den schmalen Gang dahinter. Die Orgath'ar, die Bolik nach Orgath � seinem stolzen Vater und dem urspr�nglichen Besitzer des Stabes, der im Kampf gegen die Brennende Legion gefallen war �, benannt hatte, war von Gnomen gebaut worden, weil er nur das Beste wollte.</p><p>Der Schiffsbauer, ein schlauer alter Gnom namens Leyds, hatte Bolik versichert, dass er die G�nge extra breit anlegen w�rde, um der Leibesf�lle von Orcs gerecht zu werden. Ungl�cklicherweise waren die Auffassungen der Gnome von �extra breit� ein klein wenig anders als die von Bolik. Deshalb musste sich der Kapit�n doch ziemlich anstrengen, um es zu schaffen, seinen massigen K�rper durch den Treppenaufgang zu zw�ngen, der zum Deck f�hrte.</p><p>Als er die Treppe hinaufstieg, sah er seinen Ersten Maat Kag heruntersteigen, der sofort stehen blieb, als er den Kapit�n gewahrte. �Ich wollte gerade zu Euch, Sir.� Kag l�chelte, und seine langen Hauer trafen fast seine Augen. �Ich h�tte wissen m�ssen, dass Ihr die Ver�nderung sp�rt.�</p><p>Bolik lachte, aber als er wenig sp�ter in Begleitung des Maats auf das Deck trat, bereute er es, Kag nicht zu sich nach unten gerufen zu haben. Der Nebel war so dicht, dass er mit dem Schwert h�tte geschnitten werden k�nnen.</p><p>Bolik kannte die Orgath'ar jedoch gut genug, um selbst vollkommen blind zur Reling zu finden � was momentan auch die einzige M�glichkeit der Fortbewegung in der dicken Nebelsuppe war. Kag folgte ihm und stand dem Kapit�n praktisch Auge in Auge gegen�ber, um ihn �berhaupt sehen zu k�nnen.</p><p>Bolik begriff, dass er nicht in der Lage sein w�rde, irgendein anderes Fahrzeug jenseits der eigenen Schiffsbretter auszumachen. Es war sogar so schlimm, dass es keinen einzigen <emphasis>sichtbaren</emphasis> Beweis gab, �berhaupt selbst auf dem Wasser zu schwimmen, weil auch das im Grau verschwand. Er drehte sich um. �Wie ist die Lage?�</p><p>Kag sch�ttelte seinen Kopf. �Schwer zu sagen. Der Ausguck kann wenig erkennen, behauptet aber steif und fest, Schiffsumrisse bemerkt zu haben. Dabei meint er einmal, eins von Theramores Kriegsschiffen erkannt zu haben, dann wieder, es s�he aus wie ein ganz normales Menschen- oder Orc-Boot.�</p><p>�Und was glaubst du?�</p><p>Ohne zu z�gern sagte Kag: �Auf den Mann im Ausguck ist normalerweise Verlass, er w�rde nichts melden, wenn er nicht felsenfest davon �berzeugt w�re. Wenn er also sagt, er habe Theramores Kriegsschiff gesehen und dann wieder etwas anderes, bedeutet das f�r mein Daf�rhalten, dass er jedes Mal verschiedene Dinge gesehen hat. Mit anderen Worten, ich glaube, es sind <emphasis>zwei</emphasis> Schiffe. Au�erdem ist das Kielwasser stark genug f�r zwei � oder f�r eins, das im Kreis f�hrt. In diesem Nebel ist aber die eine Erkl�rung so wahrscheinlich wie die andere.�</p><p>Bolik nickte. Vielleicht konnte ihr Ausguck, Vak, bei etwas aufklarender Sicht sogar sagen, ob das mutma�liche Fischerboot von Gnomen oder Menschen gebaut worden war � und ob der Marinetransporter aus der Zeit vor oder nach der Invasion der Brennenden Legion stammte.</p><p>�Drei Schiffe auf so engem Raum�, brummte er, �bedeuten �rger. Wir sollten das Horn blasen. Holt...�</p><p>�Schiff voraus!�</p><p>Bolik konzentrierte seinen Blick auf den Mast und versuchte, Vak zu erkennen. Aber alles �ber seinem Kopf wurde vom Nebel verschluckt.</p><p>Vaks Stimme klang vom �Kr�hennest� herunter � wie Menschen den Ausguck nannten. Die Erkl�rung daf�r hatte Bolik nie verstanden. Er wusste, dass Kr�hen eine Vogelart waren, aber er war sich nicht sicher, was deren Nest mit einem Ausguck zu tun haben sollte. Wie dem auch sei, der Kapit�n konnte Vak jedenfalls nicht erkennen.</p><p>Kag rief nach oben: �Was kannst du sehen?�</p><p>�Schiff n�hert sich. Menschen! Haben keine Flagge gehisst, soweit ich das feststellen kann.�</p><p>�Was ist mit dem Kriegsschiff?�</p><p>�Kann ich im Moment nicht ausmachen. Aber vor einem Augenblick war es noch da. Laufen parallel zu uns.�</p><p>Bolik gefiel das nicht. Ein Menschenschiff ohne Flagge bedeutete normalerweise Piraten, was aber in dieser besonderen Situation nicht unbedingt sein musste. Flaggen waren in so starkem Nebel bedeutungslos. Und vielleicht waren die Menschen nicht in der Lage, das Orc-Schiff zu erkennen und sich veranlasst zu f�hlen, eine eindeutige Identifizierung zu erm�glichen.</p><p>Darauf wollte Bolik es aber nicht ankommen lassen oder gar seine Ladung riskieren. Wenn er die Kisten nicht sicher nach Razor Hill brachte, wurde er auch nicht bezahlt � was bedeutete, dass die Mannschaft nicht entlohnt werden k�nnte. Tage, an denen eine Crew ihre Heuer verlor, waren niemals gute Tage f�r einen Schiffseigner.</p><p>�Blas' das Horn! Und stell Wachen in den Frachtraum!�</p><p>Kag nickte. �Aye, Sir.�</p><p>�Harpunen!�</p><p>Auf Vaks Ruf fluchte Bolik verdrossen. Harpunen konnten zweierlei bedeuteten: zum einen, dass das andere Schiff die Orgath'ar mit einer gro�en Meereskreatur wie einem Wal oder einer Seeschlange verwechselt hatte, zum anderen aber bedeuteten sie <emphasis>Piraten</emphasis> � die ihre Harpunen mit Enterseilen verkn�pft hatten.</p><p>Weil Seeschlangen und Wale so weit im Norden eigentlich nicht anzutreffen waren, war sich Bolik sicher, dass Letzteres zutraf.</p><p>Die Harpunen krachten in das Deck, in die Seite des Abgangs, der zum Unterdeck f�hrte, und bohrten sich auch in andere Stellen, die Bolik im Nebel nicht erkennen konnte. Dann strafften sich die Seile, die daran befestigt waren.</p><p>�Bereitet euch auf die Enterer vor!�, schrie Kag.</p><p>Bolik vernahm eine heisere Stimme, die rief: �Kappt die Seile!�</p><p>Er h�rte etwas, das wie eine Faust klang, die auf Fleisch traf, dann folgte Kags Stimme: �Seid kein Narr! Schwerter k�nnen diese Seile nicht durchtrennen, und Ihr seid im Falle eines Angriffs ungedeckt.�</p><p>Jede weitere Unterhaltung verstummte, als die ersten Enterer wie durch Magie aus dem Nebel auftauchten. Es waren Menschen, sah Bolik, und sie trugen keinerlei milit�rische Uniform. Abgesehen davon war sich Bolik nicht sicher, was sie �berhaupt trugen. Die menschliche Begeisterung f�r Oberbekleidung �ber das absolut Notwendige hinaus war etwas, das Bolik immer wieder verwirrt hatte. Er wusste, was Lady Proudmoores Soldaten zu tragen pflegten, aber das war es auch schon.</p><p>�T�tet die Piraten!�, schrie Bolik, aber seine Mannschaft h�tte diese Aufforderung kaum gebraucht. Der Kampf entbrannte. Bolik nahm den Stab seines Vaters in die rechte Hand und schmetterte ihn gegen den am n�chsten stehenden Menschen. Der duckte sich und machte einen Ausfallschritt mit seinem Schwert.</p><p>Bolik parierte die Klinge mit seiner Linken, aber als er seinen Stab �ber seinem Kopf f�r einen zweiten Schlag schwang, riss der Mensch sein Schwert nach oben und blockte ihn ab. Dabei lehnte er sich weit vor und brachte so seinen Bauch n�her an Bolik heran, was es dem Orc-Kapit�n leicht machte, den Gegner mit der Faust zu treffen. Vor Schmerz keuchend brach der Mensch auf dem Deck zusammen, und Bolik hieb ihm den Stab ins Genick. Das beendete die Sache.</p><p>Zwei weitere Piraten sprangen auf Bolik zu. Zweifellos erwarteten sie, dass er angesichts ihrer �berzahl zur�ckweichen w�rde. Doch Bolik war aus anderem Holz geschnitzt. Als Sklave in dieser Welt geboren, war er von Thrall befreit worden und hatte geschworen, niemals wieder vor einem Menschen zur�ckzuweichen. Zugegeben, er hatte mit ihnen zusammen gek�mpft. Aber er w�rde sich niemals vor ihnen beugen. Und schon gar nicht vor diesen beiden, die mit ihren Schwertern gegen ihn anrannten.</p><p>Der Pirat zu seiner Linken attackierte ihn mit seiner Klinge, einer gebogenen, wie sie Bolik nur ein einziges Mal zuvor gesehen hatte, w�hrend der zu seiner Rechten zwei Kurzschwerter schwang. Bolik blockte die gebogene Klinge mit seinem linken Arm, und dieses Mal fra� sich die Schneide in seinen Unterarm, w�hrend er den Stab dazu benutzte, um eines der beiden Kurzschwerter abzuwehren. Das andere Kurzschwert verfehlte Boliks Brust nur um Haaresbreite.</p><p>Obwohl der Treffer einen sengenden Schmerz durch seinen linken Arm jagte, lie� ihn Bolik blitzschnell nach unten sinken � noch w�hrend die Klinge darin steckte. Seine gr��ere St�rke und die Hebelwirkung sorgten daf�r, dass der Feind zur Linken jetzt entwaffnet war. Seine Waffe blieb in Boliks Fleisch.</p><p>W�hrend er nach dem Piraten zu seiner Rechten trat, griff sich Bolik den Kopf des Linken, dr�ckte ihn nach unten und zwang den Piraten so in die Knie. Der Angreifer mit den Kurzschwertern schlug nach, stolperte auf dem Decksboden und schaffte es gerade noch, dem Tritt auszuweichen. Aber letztendlich verlor er doch die Balance.</p><p>Bolik, dessen massige linke Hand immer noch auf dem Kopf des Piraten mit der Krummklinge ruhte, schleuderte den Narren zur Seite. Der Kopf des Menschen machte unliebsame Bekanntschaft mit dem Mast, der sich als eindeutig h�rter erwies.</p><p>Das gab dem anderen jedoch die M�glichkeit, wieder auf die Beine zu kommen. Als er mit seinen beiden Schwertern vorst�rzte, wich Bolik seitlich aus, richtete seinen rechten Arm nach hinten und schwang den Stab �ber seinem Kopf, ehe er ihn mit f�rchterlicher Gewalt auf den Sch�del des Menschen niederfahren lie� und ihn augenblicklich t�tete.</p><p>�Vak!�, br�llte Bolik zum Mast empor, w�hrend er die gebogene Klinge aus seinem Arm entfernte und sie neben ihren reglosen Besitzer auf die Decksplanken warf. �Blas das Horn!�</p><p>Die Piraten konnten die Sprache der Orcs nicht verstehen, deshalb w�rden sie nicht erwarten, dass ausgerechnet das Nebelhorn ert�nte. Sekunden sp�ter erf�llte jedoch dessen ohrenbet�ubender L�rm die Luft. Bolik war auf das Ger�usch vorbereitet, das seine Knochen zum Vibrieren brachte.</p><p>Die Menschen, die Bolik sehen konnte, nicht. Sie waren f�r einen Moment v�llig perplex. Darauf hatte Bolik gesetzt. Die Orcs nutzten ihren Vorteil. Auch Bolik wirbelte seinen Stab �ber seinem Kopf, bis er ein gutes Ziel fand. Er rammte die Waffe seines Vaters in die Schulter eines nahe stehenden Piraten, der zu Boden ging und vor Schmerzen wimmerte.</p><p>Bolik h�rte eine Stimme ein Wort in der Menschensprache rufen, das, wie er sicher wusste, �R�ckzug� bedeutete. Eine Einsch�tzung, die sich als richtig erwies, denn die Piraten begannen, �ber die Seile zur�ck zu ihrem Schiff zu klettern. Bolik sah, wie Kag das Bein eines Nachz�glers aufschlitzte, worauf dieser in die Gro�e See st�rzte und die rettenden Planken nie erreichte.</p><p>Kag schaute zu Bolik. �Sollen wir sie verfolgen?�</p><p>Bolik sch�ttelte den Kopf. �Nein. Lasst sie laufen.� Es hatte keinen Zweck, dem anderen Schiff in diesem verdammten Nebel nachzustellen. ��berpr�f' lieber die Ladung.�</p><p>Er blickte nach oben. �Ausguck, was ist mit dem anderen Schiff, dem der Marine?�</p><p>�Die haben sich nicht bewegt�, sagte Vak, �bis wir das Nebelhorn geblasen haben. Dann haben sie abgedreht. Kann sie jetzt nicht mehr sehen.�</p><p>Bolik ballte seine H�nde zu F�usten, seine Rechte umklammerte dabei den Stab seines Vaters so fest, dass er dachte, er w�rde ihn zerbrechen. Die Menschen waren ihre Verb�ndeten. Und wenn schon Lady Proudmoores edle Soldaten in der N�he kreuzten, warum hatten sie ihnen dann nicht geholfen, als die Piraten die Orgath'ar enterten?</p><p>�Sir�, sagte Kag. Forx, der Krieger der die Ladung bewachen sollte, begleitete ihn. �Eine der Kisten wurde zerst�rt, eine andere von einem Menschen �ber Bord geworfen, um seine Flucht zu decken.�</p><p>Forx f�gte hinzu: �Sie haben die meisten ihrer M�nner zu uns runtergeschickt. Wir haben sie gut zur�ckgeschlagen. Die h�tten sonst alles mitgehen lassen.�</p><p>�Gut gemacht, Forx. Daf�r wirst du belohnt werden.� Bolik wusste aber auch, was die Bilanz bedeutete. Zwei verlorene Kisten, das hie� zwanzig Prozent verlorene Ladung und damit zwanzig Prozent weniger Einnahmen.</p><p>Bolik legte eine Hand auf Forx' Schulter. �Ihr sollt alle den Anteil erhalten, den ihr auch bekommen h�ttet, wenn die Ladung v�llig intakt geblieben w�re. Die Differenz werde ich aus eigener Tasche decken.�</p><p>Kags Augen weiteten sich. �Ihr ehrt uns, Kapit�n.�</p><p>�Nicht im geringsten. Ihr habt mein Schiff verteidigt und sollt dadurch keinen Nachteil haben.�</p><p>Forx l�chelte. �Ich informiere Eure Mannschaft, Sir.�</p><p>Als Forx gegangen war, wandte sich Bolik an Kag. �Stell die Sch�den fest, schmei� alle menschlichen K�rper ins Meer und bring uns zur�ck auf Kurs.� Er atmete tief ein, dann blies er die Luft durch seine Hauer aus. �Und wenn wir ankommen, will ich einen Boten sehen. Thrall muss sofort informiert werden.</p><p>Kag nickte. �Aye, Kapit�n.�</p><p>Bolik starrte in den Nebel, der es den Piraten erlaubt hatte, so nah an sie heranzukommen, und entschied, dass Rabin offenbar doch Recht hatte. Zumindest den Freibeutern war der fahle Dunst von gro�em Nutzen gewesen.</p><p>Was ihn Bolik allerdings um kein Jota sympathischer machte.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Lady Jaina Proudmoore stand auf der Spitze eines der H�gel von Razor Hill und schaute �ber den Flecken Erde, auf dem die unwahrscheinlichste Allianz der Weltgeschichte geschmiedet worden war.</p><p>Razor Hill war selbstverst�ndlich Orc-Territorium, aber Jaina und Thrall waren sich einig gewesen, dass es das Beste sei, ihr Treffen hier stattfinden zu lassen, in Thralls gewohnter Umgebung. Was Jaina betraf, so erlaubte die Magie ihr, ohne Zeitverlust dorthin zu reisen, wohin ihr gerade der Sinn stand.</p><p>F�r sie war es eine regelrechte Erl�sung gewesen, als Thralls Ruf sie erreicht hatte. Jainas ganzes Erwachsenenleben schien sich dadurch auszuzeichnen, dass stets eine Krise von der n�chsten abgel�st wurde. Sie hatte D�monen ebenso bek�mpft wie Orcs und Kriegsherren und das Schicksal der Welt mehr als einmal in ihren H�nden gehalten.</p><p>Einst war sie Arthas' Geliebte gewesen � als er noch als edler Krieger galt. Aber dann war er korrumpiert worden und verk�rperte nun den Lich-K�nig, den grausamen Kriegsherr einer Welt, die wahrlich genug vom Krieg gesehen hatte. Eines Tages w�rde sie sich ihm im Kampf stellen m�ssen. Medivh, der von Sargeras verfluchte Zauberer, der nicht hatte verhindern k�nnen, dass D�monen und Orcs diese Welt �berrannten, war mittlerweile zum treuen Verb�ndeten geworden. Er hatte Jaina und Thrall davon �berzeugt, ihre beiden V�lker eine Allianz mit den Nachtelfen bilden zu lassen, um gemeinsam gegen die Brennende Legion vorzugehen.</p><p>Nachdem die Menschen Theramore als ihre neue Heimat auf Kalimdor gegr�ndet hatten, hatte Jaina gehofft, dass sich alles etwas beruhigen w�rde. Aber es wurde niemals wirklich ruhig, wenn man regierte. Selbst in Friedenszeiten nicht, und w�hrend sie die Tagesgesch�fte in Theramore f�hrte, hatte sie festgestellt, dass sie sich nach den Zeiten, da sie um ihr Leben k�mpfen musste, zur�ckzusehnen begann.</p><p>Zumindest war dies oberfl�chlich betrachtet so. Tats�chlich hatte sie nichts wirklich zu bedauern. Aber sie hatte die Gelegenheit f�r eine kurze Amtspause ergriffen, wie ein D�rstender in der W�ste einen Wasserschlauch.</p><p>Sie stand am Rand der Kuppe und blickte auf das kleine Orc-Dorf am Fu�e der H�gel hinab. Gut befestigte H�tten bedeckten die harsche braune Landschaft. Selbst in Friedenszeiten sicherten die Orcs ihre Heime. Ein paar Orcs liefen zwischen den Bauten herum, gr��ten einander, und einige blieben stehen, um sich zu unterhalten. Jaina musste l�cheln angesichts solch allt�glicher Banalit�t.</p><p>Dann h�rte sie das tiefe, gleichm��ige Dr�hnen, das die Ankunft von Thralls Luftschiff ank�ndigte. Sie drehte sich um und sah, wie es eintraf. Als es sich n�herte, bemerkte sie, dass Thrall allein auf der Transportplattform stand, unter der mit hei�er Luft gef�llten H�lle, die die Maschine durch die Luft bewegte. Besagte H�lle war mit einer Vielzahl von Symbolen verziert. Einige erkannte Jaina als Piktogramme einer fr�hen Version der Orc-Sprache. Ein anderes war das Zeichen von Thralls Familie, dem Eiswolf-Clan. Darin bestand der Hauptunterschied der Orc-Luftschiffe zu denen der Menschen. Die Luftschiffe, die Theramore von den Gnomen gemietet hatte, waren unpers�nlich. Jaina fragte sich, ob die Art der Orcs nicht die bessere war, den toten Transportern etwas Pers�nlichkeit zu verleihen, wie man sie auch lebenden Lasttieren zugestand.</p><p>Wenn sie sich fr�her auf dem H�gel getroffen hatten, war Thrall immer von ein, zwei Wachen begleitet worden. Diesmal reiste er allein, was Jaina sehr besorgte.</p><p>Als sich das Luftschiff n�herte, zog Thrall an einigen Hebeln, und es wurde langsamer, bis es schlie�lich �ber der H�gelkuppe schwebte. Thrall bet�tigte einen weiteren Mechanismus, senkte so eine Strickleiter ab und kletterte herunter.</p><p>Wie die meisten Orcs hatte Thrall gr�ne Haut und schwarzes Haar, das er geflochten �ber der Schulter trug. Der schwarze Brustpanzer mit den bronzenen Dekorationen geh�rte einst Orgrim Doomhammer, Thralls Mentor, der zugleich auch derjenige war, nach dem man Durotars Hauptstadt benannt hatte. Auf seinem R�cken trug der Kriegsh�uptling Orgrimms legend�re Waffe, den Doomhammer, der beidh�ndig gef�hrt wurde. Jaina hatte gesehen, wie Thrall ihn in der Schlacht benutzt hatte. Das Blut von zahllosen D�monen war von diesem gro�artigen Ger�t vergossen worden.</p><p>Am meisten fielen an Thrall seine blauen Augen auf. Eine Farbe, die es bei den Orcs nur selten gab. Sie verrieten gleicherma�en Intelligenz und Freundlichkeit.</p><p>Vor drei Jahren, als Theramore und die St�dte von Durotar aus dem Boden emporgewachsen waren, hatte Jaina Thrall einen magischen Talisman geschenkt: einen kleinen Stein in der Form einer der alten <emphasis>Tirisfalen-Runen</emphasis>. Jaina hatte das Gegenst�ck in ihrem Besitz. Thrall musste ihn nur festhalten und an sie denken, und Jainas Talisman begann zu gl�hen. Umgekehrt funktionierte es genauso.</p><p>Wenn sie ein geheimes Treffen w�nschten, um Dinge zu besprechen, die einen von ihnen oder sie beide betrafen � oder wenn sie einfach nur wie zwei alte Freunde und Kampfgef�hrten miteinander reden wollten �, mussten sie nur den Talisman aktivieren. Jaina teleportierte dann zu der H�gelkuppe, und Thrall kam per Luftschiff dorthin, weil die Kuppe auf keinem anderen Weg zu erreichen war.</p><p>�Es tut gut, dich zu sehen, mein Freund�, sagte Jaina mit einem warmen L�cheln. Und das meinte sie auch so. In ihrem ganzen Leben hatte sie keine ehrenhaftere und verl�sslichere Person kennen gelernt als den Orc.</p><p>Einst h�tte sie auch ihren Vater und Arthas dazu gez�hlt. Aber Admiral Proudmoore hatte darauf bestanden, die Orcs auf Kalimdor anzugreifen und sich geweigert, seiner eigenen Tochter zu glauben, als sie ihm beteuerte, dass die Orcs genauso Opfer der Brennenden Legion waren wie die Menschen und gewiss nicht <emphasis>b�se</emphasis>. Wie so viele Leute, die Jaina kannte, war Admiral Proudmoore nicht in der Lage gewesen zu akzeptieren, dass sich die Welt seit seiner Jugendzeit ver�ndert hatte und dass er gegen nichts anderes als diese Ver�nderung ank�mpfte. Sein Denken schloss die Anwesenheit von Orcs ein. Jaina war in die schreckliche Lage geraten, ihren eigenen Vater an Thralls Volk verraten zu m�ssen, in der Hoffnung, dadurch das sinnlose Blutvergie�en zu stoppen.</p><p>�hnliches galt f�r Arthas. Aus ihm war eines der boshaftesten Wesen dieser Welt geworden. Und heute musste Jaina erkennen, dass sie dem Anf�hrer der Orcs mehr vertraute, als dem Mann, den sie einst geliebt hatte � oder selbst ihrem Vater.</p><p>Als ihr Vater angegriffen hatte, hatte Thrall Wort gehalten. Er hatte den Schmerz in Janias Augen gesehen, als sie ihm verriet, wie man den Admiral schlagen konnte. Und er war niemand, der die Welt so hinnahm, wie sie war. Er war als Kind in Gefangenschaft geraten und wurde von einem Menschen namens Aedelas Blackmoore gro� gezogen, um der perfekte Sklave zu werden. Was selbst durch den Namen dokumentiert wurde, den man ihm verliehen hatte. Aber Thrall sprengte seine Ketten und f�hrte die Orcs zuerst in die Freiheit und dann zu der alten Lebensweise seines Volkes zur�ck, die es durch die d�monischen Horden verloren hatte, als sie es auf diese Welt gebracht hatten.</p><p>Jetzt sah Jaina einen anderen Ausdruck in Thralls ungew�hnlich blauen Augen. Ihr lieber Freund war w�tend.</p><p>�Wir haben nie ein Abkommen unterzeichnet, du und ich�, begann Thrall sofort und ohne Gru�. �Wir haben keine Regeln f�r unser B�ndnis festgelegt. Wir haben auf unser mit Blut geschmiedetes Band vertraut, dass wir einander nie betr�gen w�rden.�</p><p>�Ich habe dich nie betrogen, Thrall.� Jaina verspannte sich kurz, schaffte es aber, ihre Gef�hle unter Kontrolle zu halten. Die Andeutung des Verrats ohne den Austausch auch nur der geringsten H�flichkeiten ver�rgerte sie. Neben dieser v�llig unbegr�ndeten Anschuldigung w�re zumindest eine Anerkennung ihres Bundes angebracht gewesen. Aber das Erste, was eine angehende Magierin lernte, war, dass starke Gef�hle und Zauberei sich nicht miteinander vertrugen. Sie verst�rkte den Griff um den verzierten Holzstab, den sie bei sich f�hrte, ein Verm�chtnis ihres Mentors, des Erzmagiers Antonidas.</p><p>�Ich glaube auch nicht, dass <emphasis>du</emphasis> das getan hast.� Thralls Tonfall war immer noch aggressiv. Anders als bei anderen Angeh�rigen seines Volks geh�rte Schroffheit nicht zu Thralls normalem Naturell, was man zweifellos auf seine menschliche Erziehung zur�ckf�hren konnte. �Doch es scheint, dass deine Leute unseren Bund nicht so hoch sch�tzen wie du.�</p><p>Mit gepresster Stimme fragte Jaina: �Thrall, wovon redest du?�</p><p>�Eins von unseren Handelsschiffen, die Orgath'ar, wurde von Piraten aufgebracht.�</p><p>Jaina runzelte die Stirn. So sehr sie sich auch bem�hten, es zu unterbinden, blieb Freibeuterei doch ein Problem auf See. �Wir haben die Zahl der Patrouillen so stark erh�ht wie eben m�glich, aber...�</p><p>�Patrouillen sind nutzlos, wenn sie einfach nur <emphasis>zusehen</emphasis>! Der Ausguck der Orgath'ar <emphasis>sah</emphasis> eines von euren Patrouillenbooten in unmittelbarer N�he des Geschehens. Es war nah genug, um selbst im herrschenden Nebel zu erkennen, was da vorging. Trotzdem taten sie nichts, um Kapit�n Bolik und seiner Mannschaft zu helfen. Bolik lie� sogar das Nebelhorn blasen, doch deine Leute <emphasis>r�hrten sich nicht</emphasis>.�</p><p>Im Kontrast zu Thralls Wut v�llig ruhig sagte Jaina: �Du sagst, euer Ausguck konnte sie sehen. Das hei�t nicht unbedingt, dass sie auch die Orgath'ar sehen konnten.�</p><p>Thrall schnaubte.</p><p>Jaina fuhr fort: �Deine M�nner k�nnen besser sehen als wir. Und als unsere Leute das Nebelhorn geh�rt haben, haben sie es vielleicht f�r eine Warnung gehalten, einer drohenden Kollision aus dem Weg zu gehen.�</p><p>�Wenn sie in Sichtweite meiner Leute waren, dann waren sie auch nah genug, um die Enterer zu <emphasis>h�ren</emphasis>. Meine Leute k�nnen besser sehen, das stimmt, aber auch wir k�mpfen nicht lautlos. Ich <emphasis>glaube</emphasis> einfach nicht, dass deine Patrouille nicht bemerkt hat, was passiert ist.�</p><p>�Thrall...�</p><p>Der Orc drehte sich um und warf die H�nde in die Luft. �Ich habe gedacht, die Dinge w�ren hier anders! Ich habe geglaubt, dass dein Volk das meine endlich als gleichwertig betrachtet. Ich h�tte erkennen m�ssen, dass uns die Menschen verraten, sobald es gegen die eigene Art geht.�</p><p>Jetzt fiel es Jaina deutlich schwerer, ihr Temperament zu z�geln. �Wie kannst du so was nur sagen? Ich meinerseits habe geglaubt, dass du meinem Volk, nach allem, was wir gemeinsam durchmachten, wenigstens <emphasis>etwas</emphasis> vertrauen w�rdest.�</p><p>�Die Beweise...�</p><p>�Welche Beweise? Mit wem au�er mit Kapit�n Bolik und seiner Mannschaft hast du gesprochen?�</p><p>Thralls Schweigen beantwortete Jainas Frage.</p><p>�Ich werde herausfinden, welches Patrouillenboot es war. Wo genau wurde die Orgath'ar angegriffen?�</p><p>�Eine halbe Meile vor der K�ste nahe Ratchet, eine Stunde vom Hafen entfernt.�</p><p>Jaina nickte. �Ich lasse das untersuchen. Diese Patrouillen werden von Northwatch aus koordiniert.�</p><p>Thrall spannte sich an.</p><p>�Was ist?�</p><p>Der Orc drehte wandte sich ihr zu, um ihr ins Gesicht zu sehen. �Ich werde von vielen Seiten dazu gedr�ngt, Northwatch mit Gewalt zur�ckzuerobern.�</p><p>�Auch ich werde von vielen Seiten gedr�ngt, und zwar, es unter allen Umst�nden zu halten.�</p><p>Thrall und Jaina schauten einander an. Jetzt, da er sie erneut ansah, bemerkte Jaina etwas anderes in den blauen Augen des Orcs: nicht l�nger Wut, sondern Verwirrung.</p><p>�Wie konnte es so weit kommen?� Thrall stellte die Frage mit ruhigerer Stimme, alle Streitlust schien aus ihm verschwunden zu sein. �Wie konnte es so weit kommen, dass wir uns �ber so etwas N�rrisches streiten?�</p><p>Jaina musste lachen. �Wir sind Anf�hrer, Thrall. Wir haben gro�e Verantwortung.�</p><p>�Anf�hrer f�hren ihre Krieger in die Schlacht.�</p><p>�Im Krieg, ja�, sagte Jaina. �In Friedenszeiten f�hren sie sie anders. Krieg ist eine gro�e M�hsal, die das t�gliche Dasein bestimmt. Aber wenn er vorbei ist, bleibt der Alltag �brig.� Sie ging zu ihrem alten Kampfgef�hrten und legte ihre kleine Hand auf seinen massigen Arm. �Ich werde den Vorfall untersuchen, Thrall, und die Wahrheit herausfinden. Und wenn meine Soldaten ihre Pflicht verletzt haben, dann, das schw�re ich dir, werden sie bestraft.�</p><p>Thrall nickte. �Danke, Jaina. Ich entschuldige mich f�r die Vorw�rfe. Aber mein Volk hat so viel erduldet. Ich habe so viel erduldet, und ich will meinesgleichen nicht noch einmal schlecht behandelt sehen.�</p><p>�Das will ich auch nicht�, sagte Jaina sanft. �Und vielleicht...� Sie z�gerte.</p><p>�Was?�</p><p>�Vielleicht <emphasis>sollten</emphasis> wir einen formellen Vertrag schlie�en. Weil du vorhin Recht hattest. Du und ich, wir trauen einander. Aber nicht alle Menschen und Orcs sehen das genauso. Und so sehr wir es uns ja auch w�nschen m�gen, wir werden nicht ewig leben.�</p><p>Thrall nickte. �Es ist oft so... schwierig, meine Leute daran zu erinnern, dass ihr nicht l�nger unsere Sklavenhalter seid. Sie wollen die Rebellion fortsetzen, obwohl die Zeit der Unterdr�ckung lange vorbei ist. Manchmal lasse ich mich auch mitrei�en, besonders weil ich in Gefangenschaft von einer Kreatur aufgezogen wurde, die so b�sartig wie irgendein Mitglied der Brennenden Legion war. Manchmal glaube ich das Schlechteste, und das wird auch mein Volk tun, wenn ich nicht mehr bin und sich niemand mehr an mich erinnert. Vielleicht hast du ja Recht.�</p><p>�Lass uns erst diese Krise l�sen�, sagte Jaina und l�chelte Thrall an. �Dann reden wir �ber Vertr�ge.�</p><p>�Danke.� Pl�tzlich sch�ttelte Thrall den Kopf und lachte.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Du bist eigentlich gar nicht mit ihr vergleichbar, aber... als du gerade gel�chelt hast, nur f�r einen kurzen Augenblick, hast du mich an Tari erinnert.�</p><p>Jaina wusste, dass Taretha Foxton, die er meist Tari nannte, die Tochter eines Mitglieds von Aedelas Blackmoores Haushalt gewesen war. Sie war der Schl�ssel zu Thralls Flucht aus Blackmoores Klauen und hatte daf�r mit ihrem Leben bezahlen m�ssen.</p><p>Die Orcs machten sie unsterblich, indem sie ein Lied �ber sie dichteten � ein <emphasis>Lok'amon</emphasis> chronologisierte die Gr�ndung einer Familie, ein <emphasis>Lok'tra</emphasis> eine Schlacht, ein <emphasis>Lok'vadnod</emphasis> das Leben eines Helden. Seit Orc-Gedenken war der einzige Mensch, dem jemals ein <emphasis>Lok'vadnod</emphasis> gewidmet wurde, jene Tari.</p><p>Deshalb neigte Jaina ihr Haupt und sagte: �Ich f�hle mich tief geehrt, mit ihr verglichen zu werden. Ich werde Oberst Lorena nach Northwatch entsenden, und sobald ich Antwort habe, werde ich dich informieren.�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Noch so eine Frau in deinem Milit�r. Ihr Menschen erstaunt mich manchmal.�</p><p>Jainas Tonfall wurde frostig, und sie umfasste ihren Stab wieder fester. �Was soll das hei�en? K�nnen M�nner und Frauen nicht gleich sein in deiner Welt?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich w�rde jedoch auch nicht sagen�, erg�nzte er schnell, bevor Jaina ihn unterbrechen konnte �dass sie <emphasis>ungleich</emphasis> sind. Genauso wenig, wie ich sagen w�rde, dass ein Insekt und eine Blume gleich sein k�nnten. Das sind zwei komplett verschiedene Dinge.�</p><p>Dankbar f�r die Vorlage erz�hlte Jaina Thrall das selbe, was sie Antonidas gesagt hatte, damals, als sie als junge Frau frech darauf bestanden hatte, seine Sch�lerin zu werden. Der Zaubermeister hatte ihr zur Antwort gegeben: �Es liegt genauso wenig in der Natur der Frau, Magierin zu werden, wie es in der Natur des Hundes liegt, eine Arie zu komponieren.�</p><p>Und wie sie damals ihm erwidert hatte, sagte sie jetzt zu Thrall: �Ist nicht der Hauptunterschied, der uns von den Tieren trennt, der, dass wir unsere Natur �ndern k�nnen? Immerhin gibt es Leute, die dar�ber diskutieren, ob die Natur der Orcs nicht das Sklavendasein ist...� Dann sch�ttelte Jaina den Kopf. �Wie auch immer, es gibt viele, die so denken wie du. Aber genau deshalb m�ssen Frauen auch immer doppelt so hart arbeiten wie M�nner, um dieselbe Position zu erreichen. Und deshalb vertraue ich Lorena mehr als jedem anderen meiner Offiziere. Sie wird die Wahrheit herausfinden.�</p><p>Darauf warf Thrall seinen massigen Kopf zur�ck und lachte herzhaft. �Du bist eine unglaubliche Frau, Jaina Proudmoore. Du erinnerst mich daran, wie viel ich immer noch �ber die Menschen lernen muss, obwohl ich von ihnen aufgezogen wurde.�</p><p>�Wenn man bedenkt, wer dich aufgezogen hat, w�rde ich eher sagen, <emphasis>trotzdem</emphasis> du von ihnen aufgezogen wurdest.�</p><p>Thrall nickte. �Gut gekontert. Lass deinen weiblichen Oberst die Sache untersuchen. Wir reden wieder, wenn sie Ergebnisse vorzuweisen hat.� Er ging zur Strickleiter, die immer noch von dem schwebenden Luftschiff herabhing.</p><p>�Thrall.�</p><p>Er blieb stehen und drehte sich zu ihr um. Sie warf ihm den aufmunterndsten Blick zu, den sie �berhaupt zu Stande brachte. �Wir werden dieses B�ndnis nicht scheitern lassen, nicht wahr?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, das werden wir nicht.� Dann erklomm er die Strickleiter.</p><p>Jaina murmelte eine Beschw�rung in einer Sprache, die nur Magiern bekannt war. Dann atmete sie tief ein und aus. Ihr Magen f�hlte sich an, als w�rde er durch ihre Nase herausgesaugt, als die H�gelkuppe, das Luftschiff, Thrall und Razor Hill sich verschoben und die Landschaft um sie herum sich ver�nderte, alles undeutlich und diesig wurde. Einen Moment sp�ter verschmolz alles zur gewohnten Umgebung ihrer R�ume im obersten Stockwerk der Burg von Theramore.</p><p>Meist bevorzugte sie es, die Regierungsarbeit in diesem kleinen Raum mit einem Tisch und Tausenden von Schriftrollen zu erledigen, der Thronsaal war ihr daf�r nicht halb so lieb. Jaina sa� ungern auf dem Symbol ihrer Herrschaft. Selbst w�hrend der w�chentlichen Termine, wenn sie Bittsteller empfing, ging sie normalerweise vor dem peinlich gro�en Ding auf und ab, anstatt sich darauf zu setzen; sie benutzte den Raum insgesamt sehr selten. Diese Kammer hingegen war mehr wie Antonidas Studierzimmer, wo sie ihre besondere Kunst perfektioniert hatte, gepr�gt von einem unaufger�umten Schreibtisch und schlecht sortierten Schriftrollen. Die �hnlichkeit zu jener Stube von einst machte es zu einem Zuhause.</p><p>Etwas anderes, was es in der Kammer nicht gab, daf�r aber im Thronsaal, war ein Fenster mit Aussicht. Jaina wusste, dass sie niemals ihre Arbeit mit Blick auf Theramore h�tte erledigen k�nnen. Sie w�rde abwechselnd von den Wundern, die dort entstanden und der Furcht, f�r all das verantwortlich zu sein, abgelenkt werden.</p><p>Teleportieren war immer ein sehr intensiver, kr�ftezehrender Prozess. Und obwohl Jainas Training ihr inzwischen erm�glichte, unmittelbar nach Beendigung eines Sprungs kampfbereit zu sein, bevorzugte sie es doch, ein wenig Zeit zu haben, um sich zu erholen. Einen dieser Momente g�nnte sie sich jetzt, Sekunden bevor sie nach ihrer Zofe rief.</p><p>�Duree!�</p><p>Die alte Witwe kam durch den Haupteingang. Die Kammer hatte drei Zug�nge. Zwei kannte ein jeder, den, den Duree gerade benutzt hatte und den, der zu Gang und Treppe und Jainas Privatr�umen f�hrte. Der dritte war ein Geheimnis, gedacht als Fluchtweg. Nur sechs Personen wussten davon, und f�nf davon waren jene Arbeiter, die ihn gebaut hatten.</p><p>Duree schaute w�tend durch die Gl�ser ihrer Brille auf Jaina. �Kein Grund, so zu br�llen. Ich sitze direkt vor der T�r � wie immer. Wie ist Euer Treffen mit dem Orc verlaufen?�</p><p>Seufzend erinnerte Jaina sie nicht zum ersten Mal: �Sein Name ist Thrall.�</p><p>Duree fuchtelte so wild mit den Armen, dass die zierliche Frau fast das Gleichgewicht verloren h�tte. Ihre Brille rutschte von ihrer Nase und baumelte an einem Band um ihren Hals. �Ich wei�, aber es ist ein so dummer Name. Ich meine, Orcs haben Namen wie Hellscream und Doomhammer und Drek'Than und Burx oder so was. Und er nennt sich Thrall? Welcher Orc mit etwas Selbstachtung w�rde sich denn so rufen lassen?�</p><p>Jaina erkl�rte nicht, dass Thrall mehr Selbstachtung hatte als jeder andere Orc, den sie kannte, weil dieser Hinweis die vorherigen hundert Male auch nicht in Durees Ged�chtnis haften geblieben war. Stattdessen verbesserte sie: �Es hei�t Drek'Thar, nicht Drek'Than.�</p><p>�Wie auch immer.� Duree pflanzte ihre Brille wieder auf die Nase. �Das sind gute Orc-Namen. Nicht Thrall. Doch egal, wie ist es gelaufen?�</p><p>�Wir haben ein Problem. Hol Kristoff. Und schick jemanden, der Oberst Lorena sucht und ihr sagt, dass sie einen Trupp zusammenstellen soll, der nach Northwatch reist und mir von dort berichtet. Sobald sie mit den Vorbereitungen fertig ist, will ich sie sehen.� Jaina sa� an ihrem Tisch und begann die Schriftrollen zu sortieren. Auf diese Weise versuchte sie, die Schiffsberichte zu finden.</p><p>�Warum Lorena? Sollten nicht besser Lothar oder Pierce gehen? Jemand, der etwas weniger... ich wei� nicht... <emphasis>weiblich</emphasis> ist? Die in Northwatch sind ein rauer Haufen.�</p><p>Jaina fragte sich, ob sie diese Unterhaltung jedes Mal f�hren musste, wenn Lorenas Name fiel. �Lorena hat mehr Durchsetzungsverm�gen als Lothar und Pierce zusammen. Sie wird das gut machen.�</p><p>Duree schmollte, ein j�mmerlicher Anblick bei einer so alten Frau. �Es ist nicht richtig. Das Milit�r ist keine Frauenarbeit.�</p><p>Jaina gab es auf, nach den Schiffsberichten zu suchen und funkelte ihre Zofe an. �Das gilt auch f�r das Regieren einer Stadt.�</p><p>�Nun, das ist etwas anderes�, beteuerte Duree schwach.</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil es eben so ist.�</p><p>Jaina sch�ttelte den Kopf. Drei Jahre, und Duree hatte immer noch keine bessere Antwort parat. </p><p>�Hol einfach Kristoff und schicke nach Lorena, bevor ich dich in einen Molch verwandele.�</p><p>�Wenn Ihr mich in einen Molch verwandelt, werdet Ihr nie wieder etwas in diesem Durcheinander finden.�</p><p>Jaina warf frustriert ihre H�nde hoch und sagte: �Ich kann schon <emphasis>jetzt</emphasis> nichts finden. Wo sind diese verdammten Schiffsberichte?�</p><p>Lachend antwortete Duree: �Kristoff hat sie. Ich sage ihm, er soll sie mitbringen, wenn er vorbeikommt. Soll ich?�</p><p>�Bitte.�</p><p>Duree verbeugte sich, was ihre Brille dazu brachte, wieder abzurutschen. Dann verlie� sie die Kammer. Jaina �berlegte kurz, ob sie ihr einen Feuerball hinterherwerfen sollte. Dann entschied sie sich dagegen. Duree hatte Recht. Ohne sie h�tte Jaina wirklich rein gar nichts gefunden.</p><p>Augenblicke sp�ter trat Kristoff ein, mehrere Schriftrollen in den H�nden. �Duree hat gesagt, Ihr wolltet mich sprechen, Milady. Oder wolltet Ihr nur das hier?� Er zeigte auf die Dokumente.</p><p>�Eigentlich beides. Danke�, f�gte sie hinzu, als sie ihm die Rollen abnahm.</p><p>Kristoff war Jainas K�mmerer. W�hrend sie Theramore regierte, war Kristoff derjenige, der es <emphasis>verwaltete</emphasis>. Sein Talent f�r interne Details pr�destinierte ihn f�r den Job und war eines der ersten Dinge gewesen, die Jaina davon abgehalten hatten, Amok zu laufen, als das Anf�hrersein zum ersten Mal zu viel f�r ihre nicht sehr breiten Schultern geworden war. Er war vor dem Krieg Hochlord Garithos Verwalter gewesen und hatte da sein legend�res Organisationstalent unter Beweis gestellt.</p><p>Selbstverst�ndlich hatte er keine Karriere innerhalb des Milit�rs gemacht. Dazu war er zu schwach. Kristoff war zwar gro�, aber spindeld�rr. Er wirkte fast so zerbrechlich wie Duree, die aber immerhin ihr hohes Alter als Entschuldigung hatte. Sein dunkles, etwas mehr als schulterlanges und glatt fallendes Haar umrahmte ein hageres Gesicht mit Adlernase. Ein Gesicht, das immer finster dreinzuschauen schien.</p><p>Jaina erz�hlte Thralls Geschichte vom Angriff auf die Orgath'ar und dem Menschenschiff in der N�he, das nichts getan hatte, um zu helfen.</p><p>Kristoff hob seine d�nne Augenbraue und sagte: �Die Geschichte klingt nicht glaubw�rdig. Eine halbe Meile vor Ratchet, sagtet Ihr?�</p><p>Jaina nickte.</p><p>�In diese Region wurden gar keine Boote geschickt, Milady.�</p><p>�Der Nebel war dicht. Ist es m�glich, dass das Boot, das Kapit�n Bolik gesehen hat, vom Kurs abgekommen ist?�</p><p>Kristoff nickte und �berdachte den Punkt. �Wie auch immer, Milady, es ist genauso gut m�glich, dass dieser Kapit�n Bolik falsch liegt.�</p><p>�Das halte ich f�r unwahrscheinlich.� Jaina ging auf die andere Seite ihres Tisches, setzte sich und legte die Schiffsberichte auf den einzigen freien Platz. �Orcs k�nnen besser sehen als wir, denkt daran, und sie neigen dazu, diejenigen mit den <emphasis>besten</emphasis> Augen in den Ausguck zu setzen.�</p><p>�Wir m�ssen aber auch die M�glichkeit in Betracht ziehen, dass die Orcs l�gen.� Bevor Jaina widersprechen konnte � und sie wollte widersprechen �, hielt Kristoff seine langgliedrige Hand hoch: �Ich rede jetzt nicht von Thrall, Milady. Der Kriegsh�uptling der Orcs ist ein ehrenhafter Mann, das stimmt. Ihr tut recht daran, Euer Vertrauen in ihn zu setzen. Ich glaube nur, dass er sich einfach darauf verl�sst, was ihm seine Leute sagen.�</p><p>�Und was k�nnte dahinterstecken?� Jaina kannte die Antwort, aber sie wollte sie von Kristoff best�tigt h�ren.</p><p>�Ich bleibe bei dem, was ich Euch die ganze Zeit schon erz�hle, Milady. Wir k�nnen es uns nicht leisten, den Orcs blind zu vertrauen. Einzelne Orcs haben sich als ehrenhaft erwiesen, ja, aber die ganze Rasse? Wir w�ren Dummk�pfe, wenn wir annehmen w�rden, dass sie uns alle wohl gesonnen und so erleuchtet sind wie Thrall. Er war ein starker Verb�ndeter gegen die Brennende Legion. Und ich bewundere alles, was er leistete. Aber das war doch nur zeitlich begrenzt.� Kristoff legte seine schmalen H�nde auf den Tisch und beugte sich zu Jaina vor. �Das Einzige, was die Orcs auf Linie h�lt, ist Thrall. Und in der Minute, in der er weg ist, das versichere ich Euch, Milady, werden sich die Orcs wieder zur�ckverwandeln und alles tun, um uns zu vernichten.�</p><p>Jaina lachte unfreiwillig auf. Kristoffs Worte spiegelten exakt Jainas und Thralls Gespr�ch wider. Allerdings h�rte es sich aus dem Mund des K�mmerers weit weniger vern�nftig und nachvollziehbar an.</p><p>Kristoff straffte sich. �Etwas am�siert Euch, Milady?�</p><p>�Nein. Ich glaube nur, Ihr bewertet die Lage falsch.�</p><p>�Und ich glaube, Ihr untersch�tzt sie. Dieser Stadtstaat ist alles, was Kalimdor davor bewahrt, komplett von den Orcs �berrannt zu werden.� Kristoff z�gerte, was ungew�hnlich war. Der K�mmerer hatte Karriere gemacht, weil er geradeheraus war, was eine seiner n�tzlicheren Charaktereigenschaften war.</p><p>�Was meint Ihr, Kristoff?�</p><p>�Unsere Verb�ndeten sind besorgt. Der Gedanke eines ganzen Kontinents unter Orc-Herrschaft ist... f�r viele verst�rend. Derzeit passiert in dieser Hinsicht wenig, teilweise weil es andere Angelegenheiten gibt, aber...�</p><p>�Aber gerade jetzt bin ich alles, was eine Invasion verhindert.�</p><p>�So lange wie Lady Proudmoore, die gro�e Magierin und Siegerin �ber die Brennende Legion, �ber die Menschen auf Kalimdor herrscht, wird der Rest der Welt ruhig schlafen. Das wird sich �ndern, sobald man glaubt, dass Lady Proudmoore die Orcs nicht mehr auf Linie halten kann. Und die dann drohende Invasionsflotte wird die Flotte Eures verstorbenen Vaters wie ein paar verirrte Ruderboote erscheinen lassen.�</p><p>Jaina lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck. Die Wahrheit war, dass sie nur wenige Gedanken an die Welt jenseits von Kalimdor verschwendet hatte, weil sie zu besch�ftigt damit gewesen war, D�monen zu bek�mpfen und dann Theramore aufzubauen. Und der Angriff ihres eigenen Vaters hatte deutlich gemacht, dass diejenigen, die nicht gemeinsam mit den Orcs gek�mpft hatten, sie immer noch f�r wenig mehr als Tiere hielten.</p><p>Aber Kristoff h�tte es besser wissen m�ssen. �Was schlagt Ihr vor, K�mmerer?�</p><p>�Dass dieser Kapit�n Bolik nur ein Aufwiegler ist, der versucht, Thrall gegen Euch aufzubringen, gegen <emphasis>uns</emphasis>. Selbst mit Northwatch stehen wir sehr allein. Wir k�nnten leicht von den Orcs eingeschlossen werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Trolle schon auf ihrer Seite sind und die Gnome wohl f�r niemanden Partei ergreifen werden.�</p><p>Jaina sch�ttelte den Kopf. Kristoffs Vorhersage war der schlimmste Alptraum f�r jeden Menschen, der auf Kalimdor lebte. Es schien erst gestern gewesen zu sein, dass sie auf dem besten Weg gewesen waren, solche katastrophalen Entwicklungen unm�glich zu machen. Der Handel mit den Orcs lief reibungsfrei, im Brachland, neutrales Gebiet zwischen Durotar und Theramore, war alles ruhig, und die beiden Rassen, die einander einst verachtet hatten, lebten seit drei Jahren miteinander in Frieden.</p><p>Jaina w�nschte sich, das alles w�re ein Symbol daf�r gewesen, wie die Dinge sein sollten � oder war alles doch nur eine Atempause, in der sie sich von der Brennenden Legion erholen konnten, der n�chste Sturm aber unmittelbar bevorstand?</p><p>Bevor Jaina sich weiter damit besch�ftigen konnte, trat eine hochgewachsene, dunkelhaarige Frau ein. Sie hatte ein eckiges Gesicht, eine spitze Nase und breite Schultern. Sie trug die Standard-Uniform, bestehend aus einem Brustpanzer mit gr�nem Waffenrock, auf dem das ankerf�rmige Symbol von Kul Tiras prangte, der fr�heren Heimat der Familie Proudmoore.</p><p>Die rechte Hand zum Gru� an der Stirn sagte sie: �Oberst Lorena meldet sich wie befohlen, Milady�</p><p>Jaina erhob sich und erwiderte: �Danke, Oberst. Steht bequem. Hat Duree Euch gesagt, was ben�tigt wird?� Jaina f�hlte sich auf sonderbare Weise immer <emphasis>klein</emphasis> neben Lorena. Deshalb zog sie es vor, in ihrer Gegenwart wenigstens zu stehen, wodurch sie glaubte, sich wenigstens das geringe Ma� an eigener Stattlichkeit bewahren zu k�nnen, das sie sich selbst zugestand.</p><p>Lorena senkte ihre Hand und verschr�nkte beide Arme hinter dem R�cken. Aber sonst blieb sie aufrecht stehen wie ein Ladestock, mit perfekter Haltung. �Ja, Ma'am, das hat sie. Wir brechen innerhalb einer Stunde nach Northwatch auf. Ich habe einen L�ufer vorgeschickt, der Major Davin von unserer Ankunft informiert.�</p><p>�Gut, das ist alles.� Sie blickte vom Oberst zu ihrem K�mmerer. �Das gilt auch f�r Euch.�</p><p>Lorena salutierte, machte auf dem Absatz kehrt und ging. Kristoff hingegen z�gerte.</p><p>Weil er nichts sagte, fragte Jaina: �Was ist denn noch, Kristoff?�</p><p>�Es w�re eine gute Idee, wenn der Trupp, der Lorena nach Northwatch begleitet, dort bliebe, um die Festung zu verst�rken.�</p><p>Ohne Z�gern sagte Jaina: �Nein.�</p><p>�Milady...�</p><p>�Die Orcs wollen uns komplett aus Northwatch heraushaben, Kristoff. Und da klar ist, warum wir diesem Wunsch nicht nachgeben k�nnen, werde ich mich nicht zu einer Provokation hinrei�en lassen, wie sie die Verst�rkung der Festung eindeutig darstellte. Ganz besonders nicht jetzt, da die Orcs glauben, dass wir ihnen unsere Hilfe gegen die Piraten versagt haben.�</p><p>�Ich denke immer noch...�</p><p>�Ihr seid entlassen, K�mmerer�, fiel ihm Jaina eisig ins Wort.</p><p>Kristoff blickte sie kurz finster an, dann verbeugte er sich knapp, breitete seine Arme aus und rang sich ein �Milady� ab, bevor er ging.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, wo das Problem liegt, Oberst...�</p><p>Lorena blickte aus dem Fenster des kleinen Wachraums in der Feste Northwatch. Die Antwort kam von Major Davin, dem Festungskommandanten, der Lorena frustrierte, seit sie und ihr Sechs-Mann-Trupp vor einer Stunde eingetroffen waren.</p><p>Von seinem Platz an dem kleinen Tisch in der Mitte des Wachb�ros hatte Davin, ein st�mmiger Mann mit einem dichten Vollbart, Lorena er�ffnet, dass sich ein Patrouillenschiff im Nebel verfahren hatte. M�glicherweise war es dieses Schiff gewesen, das die Orcs behaupteten gesehen zu haben.</p><p>Lorena drehte sich um. Sie schaute auf ihn herab � was leicht war, weil er sa�. Aber auch stehend w�re Lorena gr��er als der Major gewesen. �Das Problem, Major, ist, dass die Orcs von uns Hilfe erwarten. Und dass sie die auch h�tten kriegen m�ssen.�</p><p>�Wieso?� Davin klang ehrlich �berrascht.</p><p>�Sie sind unsere <emphasis>Verb�ndeten</emphasis>.� Lorena konnte nicht glauben, dass sie das erkl�ren musste. Davin war ein Held im Krieg, der einzige �berlebende eines brutalen Massakers an der Eskorte eines Zauberers. Die Informationen, die er mitgebracht hatte, waren unbezahlbar gewesen.</p><p>Aber jetzt zuckte der Kriegsheld nur die Achseln. �Sie haben mit uns zusammen gek�mpft, sicher, aber das geschah aus purem Selbstzweck, Oberst. Diese Wesen sind nicht mal <emphasis>zivilisiert</emphasis>. Der einzige Grund, weshalb wir uns mit denen zusammentaten, war Thrall. Und der ist es auch nur deshalb wert, weil er von Menschen aufgezogen wurde... Was mit denen passiert, soll nicht unsere Sache sein.�</p><p>�Lady Proudmoore ist nicht dieser Ansicht�, sagte Lorena mit gepresster Stimme, �und genauso sehe ich das auch.� Sie drehte sich wieder um. Der Anblick der Gro�en See hier oben vom Fenster aus war spektakul�r, und Lorena h�tte diesen Anblick jederzeit Davins verdrie�lichem Gesicht vorgezogen. �Ich habe meine Leute losgeschickt, um Kapit�n Avinal und seine Mannschaft zu finden, damit ich ihre Version der Geschichte erfahre.�</p><p>Jetzt stand Davin auf. �Bei allem geb�hrenden Respekt, Oberst, es gibt keine <emphasis>Version</emphasis>. Avinals Boot hat sich verfahren. Sie haben zur�ck auf Kurs gefunden. Sie kamen heim. Wenn ein Orc-Boot von Piraten angegriffen wurde, dann gut, aber es ist nicht unser Problem.�</p><p>�Doch, genau das ist es.� Sie dachte nicht daran, sich ihm zuzuwenden. �Piraten sind generell nicht gerade w�hlerisch darin, wen sie attackieren. Sie greifen Gnome, Orcs, Trolle, Oger, Elfen, Zwerge oder Menschen an. Und <emphasis>wenn</emphasis> es Piraten gibt, die so nah bei Ratchet operieren, dann <emphasis>geht</emphasis> es uns sehr wohl etwas an.�</p><p>�Ich bin bereits seit drei Jahren auf diesem Posten.� Davin klang nun gereizt. �Ich brauche Euch nicht, um etwas �ber die Mentalit�t oder die Vorgehensweise von Piraten zu lernen.�</p><p>�Wenn das der Fall ist, solltet Ihr mich auch nicht daf�r n�tig haben, Euch erst daran erinnern zu m�ssen, warum ein angegriffenes Orc-Schiff Euch � und uns alle � etwas angeht.�</p><p>Ein kleiner Gefreiter, dessen Uniform aussah, als w�re sie f�r jemanden gemacht worden, der einen ganzen Kopf gr��er war, klopfte sch�chtern an die T�r der Wachstube. ��hm, Sir, da sind Leute, die Euch sehen m�chten � und Oberst Lorena ebenfalls, Sir, wenn das in Ordnung geht, Sir.�</p><p>�Wer?�, fragte Davin.</p><p>��hm, Kapit�n Avinal, Sir, und ein Soldat, den ich nicht kenne.�</p><p>�Das muss Strov sein�, sagte Lorena. �Er ist derjenige, dem ich befohlen hatte, den Kapit�n herzuschaffen.�</p><p>Davin warf Lorena einen w�tenden Blick zu. �Und wozu soll es gut sein, einen Mann zu besch�men, indem man ihn hier auf die Wache bringt wie einen gew�hnlichen Gauner?�</p><p>Lorena begann in Gedanken einen Brief an Lady Proudmoore und General Norris zu schreiben, in dem sie empfahl, Davin zum K�chendienst zu versetzen. �Erstens, Major, hatte ich angenommen, Ihr w�rdet es begr��en, wenn ich Euren Kapit�n in Eurer Gegenwart vernehme. Zweitens, verfrachtet Ihr gew�hnliche Gauner etwa hierher statt in eine Zelle?�</p><p>Davin begn�gte sich damit, weiterhin finster dreinzublicken. Eine Antwort auf die gestellte Frage gab er nicht. Deshalb wandte sich Lorena an den jungen Offizier. �Schickt sie beide herein, <emphasis>bitte</emphasis>, Gefreiter.�</p><p>Irritiert sah der Gefreite zuerst zu Davin. Der Major nickte widerwillig, und da erst gehorchte er.</p><p>Zwei M�nner betraten das kleine B�ro. Strov war die durchschnittlichste Person, die Lorena kannte. Allerweltsgr��e, Allerweltsgewicht und Allerweltsk�rperbau, braunes Haar, braune Augen, schmaler Schnurrbart. Er sah aus wie viele m�nnliche Erwachsene, was einer der Gr�nde daf�r war, warum er ein so exzellenter Sp�rhund war. Er war ein so unscheinbarer Mensch, dass selten jemand seine Anwesenheit �berhaupt bemerkte.</p><p>Der Mann, der Strov folgte, hatte das wettergegerbte Aussehen eines erfahrenen Seemanns. Sein Gang wirkte unbeholfen, als erwarte er, dass ein Schiffsdeck unter ihm schwankte. Sein Gesicht war von Falten durchzogen und ger�tet, was von langen Aufenthalten an der frischen Luft zeugte.</p><p>�Kapit�n Avinal�, sagte Davin und kehrte zu seinem Stuhl zur�ck, �das ist Oberst Lorena. Lady Proudmoore hat sie von Theramore hierher geschickt, um herauszufinden, warum das Piratenschiff das Orc-Schiff angriff.�</p><p>Avinal zuckte mit den Achseln. �Ich denke, das ist offensichtlich, Oberst.�</p><p>Einen Moment lang z�gerte Lorena. Sie nutzte die kurze Spanne, um Davin einen finsteren Blick zuzuwerfen. Dann widmete sie sich Avinal. �Der Grund, den der Major f�r mein Hiersein angegeben hat, ist nicht ganz korrekt. Ich wei�, warum ein Piratenschiff einen Orc-H�ndler angreift. Was ich nicht wei�, ist, warum Ihr ihm nicht beigestanden habt.�</p><p>Avinal zeigte auf Strov und fragte: �Ist es das, warum dieser Mann und seine Leute mich und meine Mannschaft bel�stigt haben?�</p><p>�Strov und seine Kameraden haben nur die Befehle der Lady befolgt � genau wie ich.�</p><p>�Ich habe eine Patrouille zu f�hren, Ma'am. Das kann dann ja wohl noch warten, bis...�</p><p>�Nein, Kapit�n, das kann es nicht.�</p><p>Avinal blickte zu Davin. Davins Schulterzucken schien sagen zu wollen, dass er es nicht mehr in der Hand hatte. Dann sah der Kapit�n wieder zu Lorena. �Na gut. Wann soll dieser Angriff stattgefunden haben?�</p><p>�Vor f�nf Tagen. Wie wir von Major Davin erfahren haben, stecktet Ihr an diesem Morgen im Nebel fest.�</p><p>�Ja, Ma'am, genau so war es.�</p><p>�Habt Ihr irgendwelche anderen Schiffe an dem Morgen gesehen?�</p><p>�Schon m�glich. Ein paar Umrisse, die ein Boot gewesen sein k�nnten. Ich bin mir nicht sicher. An einer Stelle waren wir aber auf jeden Fall nah an einem Boot. Es lie� sein Nebelhorn erklingen.�</p><p>Lorena nickte. Das deckte sich mit dem, was die Orcs Lady Proudmoore berichtet hatten.</p><p>�Aber wir haben nichts Eindeutiges gesehen. Man konnte die eigene Hand nicht vor Augen ausmachen. Ich segle schon f�nfzig Jahre, Oberst, aber ich habe nie einen derartigen Nebel gesehen. Sargeras pers�nlich h�tte �bers Deck wandeln k�nnen, und ich h�tte es nicht bemerkt. Das Letzte, was uns interessiert hat, war ein Haufen Gr�nh�ute.�</p><p>Mehrere Sekunden lang starrte Lorena dem Kapit�n tief in die Augen. Dann seufzte sie. �Sehr gut, Kapit�n, danke. Das ist alles.�</p><p>�Verdammte Zeitverschwendung�, murmelte Avinal und verlie� den Wachraum.</p><p>Nachdem der Kapit�n gegangen war, sagte Strov: �Der gr��te Teil der Mannschaft l�sst genau das Gleiche verlauten, Ma'am.�</p><p>�Nat�rlich tun sie das�, knurrte Davin. �Und zwar weil es die Wahrheit ist, so wie es f�r jeden, der auch nur kurz dar�ber nachdenkt, auf der Hand liegt.�</p><p>Lorena wirbelte herum. �Sagt mir, Major, warum habt Ihr nicht erw�hnt, dass Kapit�n Avinal einem anderen Boot nahe kam oder dass es sein Nebelhorn blies?�</p><p>�Ich dachte nicht, dass es wichtig w�re.�</p><p>Lorena �nderte ihren Brief im Geiste, sodass Davin nun doch eher zum Latrinendienst verdonnert wurde. �Es ist nicht Euer Job, Wichtigkeit zu werten. Es ist Euer Job, Eure Pflicht, den Befehlen Eurer Vorgesetzten zu folgen.�</p><p>Davin atmete tief aus. �Oberst, Ihr wurdet hierher geschickt, um herauszufinden, ob Kapit�n Avinal irgendetwas falsch gemacht hat. Das hat er nicht. Und was z�hlt es, ob eine Horde Gr�nh�ute ihre Ladung verloren hat?�</p><p>�Das haben sie gar nicht. Denn sie haben die Piraten selbst und sehr erfolgreich bek�mpft.�</p><p>Jetzt stand Davin ruckartig wieder auf. Er musterte Lorena, als zweifele er an ihrem Verstand. �Bei allem gebotenen Respekt, Ma'am, warum dann diese Befragung? Es ist ja nicht so, dass die Gr�nh�ute unsere Hilfe <emphasis>n�tig</emphasis> gehabt h�tten. Weshalb werden wir also wie Verbrecher behandelt? Wie ich schon sagte, wir haben nichts Falsches getan und uns auch sonst nichts zuschulden kommen lassen!�</p><p>Lorena sch�ttelte den Kopf. Sie konnte dieser Sicht der Dinge absolut nicht zustimmen.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Byrok h�tte sich nie vorstellen k�nnen, dass er einmal die gl�cklichste Zeit seines Lebens beim Fischen verbringen w�rde.</p><p>Auf den ersten Blick schien das nichts f�r einen Orc zu sein. Fischen hatte nichts mit K�mpfen zu tun, es gab keinen Ruhm zu ernten, keinen echten Kampf als Herausforderung, kein Ringen gegen einen gleichwertigen Feind. Es wurden keine Waffen benutzt, und Blut floss auch nicht.</p><p>Aber es war weniger, was er tat, als vielmehr das, <emphasis>warum</emphasis> er es tat. Tun konnte. Byrok ging fischen, weil er frei war.</p><p>In seiner Jugend war er auf die falschen Versprechungen von Gul'dan und dem Schattenrat hereingefallen, die eine neue Welt prophezeit hatten, wo der Himmel blau und die Bewohner leichte Beute f�r die hoch �berlegenen Orcs sein w�rden. Byrok war zusammen mit anderen seines Clans Gul'dans Befehlen gefolgt, niemals ahnend, dass Gul'dan und der Rat Sargeras' W�nschen und denen seiner widerlichen D�monen folgte. Und er hatte auch nicht erkannt, dass der Preis f�r diese neue Welt ihre Seelen sein sollten.</p><p>Es dauerte ein volles Jahrzehnt, bis die Orcs geschlagen waren. Entweder wurden sie von den D�monen versklavt, die sie f�r ihre Wohlt�ter gehalten hatten, oder von Menschen unterworfen, die bewiesen, dass sie mehr Kampfgeist in sich trugen, als die D�monen sich offenbar vorstellen konnten.</p><p>D�monische Magie hatte Byroks Erinnerungen an sein Leben in der alten Orc-Heimat gel�scht. Und der Wunsch nach Verdr�ngung hatte seine Erinnerungen an die Zeit in menschlicher Gefangenschaft getilgt. Er erinnerte sich h�chstens noch daran, dass die Arbeit hart und erniedrigend gewesen war und dass sie auch noch das bisschen Geist erstickt hatte, das ihnen die D�monen am Ende lie�en.</p><p>Dann aber war Thrall gekommen.</p><p>Alles hatte sich von da ab ge�ndert. Der Sohn des gro�en Durotan, dessen Tod auf viele Arten das Ende der alten Lebensweise der Orcs bedeutet hatte, war ihrer aller Rettung aus dem Jammertal gewesen. Ihre Erl�sung. Und Zukunft.</p><p>Thrall war seinen Peinigern entkommen und wandte die Taktiken der Menschen in der Folge gegen sie an. Er erinnerte die Orcs an ihre lange vergessene Vergangenheit, weckte l�ngst Versch�ttetes.</p><p>An dem Tag, an dem Thrall und seine wachsende Armee Byrok befreit hatten, hatte er geschworen, dass er dem jungen Orc dienen w�rde, bis einer von ihnen beiden starb.</p><p>Bislang war der Tod noch nicht gekommen, trotz gr��ter Bem�hungen von Menschensoldaten und D�monenhorden. Ein niederes Mitglied der Brennenden Legion konnte immerhin f�r sich beanspruchen, Byroks rechtes Auge gestohlen zu haben. Im Gegenzug jedoch hatte Byrok den <emphasis>Kopf des</emphasis> D�mons f�r <emphasis>sich</emphasis> beansprucht.</p><p>Als der Krieg endete, als die Orcs sich in Durotar ansiedelten, erbat sich Byrok, aus dem Dienst entlassen zu werden. Sollte der Kriegsruf wieder erschallen, versprach Byrok, w�rde er jedoch zu den Ersten geh�ren, die den Umhang des Kriegers wieder anlegten, selbst mit nur einem Auge.</p><p>Vorerst aber wollte er nur seine Freiheit genie�en, f�r die er so hart gek�mpft hatte.</p><p>Thrall hatte sie ihm gew�hrt, ebenso wie allen anderen, die sie sich erbaten.</p><p>Byrok war nat�rlich nicht gezwungen, sich als Fischer zu verdingen. In Durotar gab es ausgezeichnetes Farmland. Weil die S�dlande auf sumpfigem Gebiet lagen, bauten die dort lebenden Menschen kein Getreide an, sondern steckten ihre meiste Energie ins Fischen. Ihren �berschuss tauschten sie mit den Orcs gegen Getreide.</p><p>Aber Byrok wollte keinen Fisch, den Menschen gefangen hatten. Er wollte nichts mit Menschen zu tun haben, wenn es sich irgendwie vermeiden lie�. Ja, die Menschen hatten auf Seiten der Orcs gegen die Brennende Legion gek�mpft. Aber das war ein Zweckb�ndnis gewesen. Menschen waren Monster, und Byrok wollte mit diesen unzivilisierten Kreaturen m�glichst nichts zu schaffen haben.</p><p>Deshalb war es ein regelrechter Schock, als der ein�ugige Orc an seinem �blichen Angelplatz am Deadeye Shore sechs Menschen entdeckte.</p><p>Das Gel�nde, das Byroks Angelplatz umgab, war hohes Grasland. Byroks Gesp�r war � auch mangels heilem rechtem Auge � ein wenig eingerostet. Davon abgesehen fand sich aber tats�chlich keinerlei Hinweis darauf, dass irgendjemand au�er ihm selbst k�rzlich durch das Gras gelaufen war. Schon gar keine Menschen, die f�r solch kleine, leichtgewichtige Kreaturen traurig tiefe Abdr�cke in der Natur hinterlie�en. Sie waren eben eher tumb in ihren Bewegungen.</p><p>Byrok sah auch keine Luftschiffe in der N�he oder Boote auf dem Wasser innerhalb der Sichtweite der Fischgr�nde.</p><p>Wie sie eigentlich genau hierher gekommen waren, bereitete Byrok allerdings auch deutlich weniger Sorgen als die Tatsache, <emphasis>dass</emphasis> sie da waren. Er legte sein Angelzeug ab und l�ste den Morgenstern von seinem R�cken. Die Waffe war ein Geschenk von Thrall, nachdem der Kriegsh�uptling ihn aus der Gefangenschaft befreit hatte. Byrok ging nirgendwo ohne ihn hin.</p><p>W�ren die Leute bei Byroks Fischgr�nden Orcs gewesen, h�tte er den Grund ihrer Anwesenheit erfragt. Aber Menschen, vor allem menschliche <emphasis>Ruhest�rer</emphasis>, verdienten eine solche Behandlung nicht. Er w�rde ihre Absichten herausfinden. Im besten Fall waren es Narren, die sich zu weit nach Norden gewagt und nicht mitbekommen hatten, dass sie auf fremdes Gebiet vorgedrungen waren. Byrok lebte schon lange und hatte herausgefunden, dass Dummheit durchaus h�ufiger vorkam als echte Boshaftigkeit.</p><p>Aber im schlimmsten Fall konnte es sich auch um echte Eindringlinge handeln, und wenn das zutraf, w�rde Byrok sie nicht lebend aus seinen Fischgr�nden entkommen lassen.</p><p>Byrok hatte die Sprache der Menschen w�hrend seiner Gefangenschaft erlernt, deshalb verstand er auch die Unterhaltung der sechs. Zumindest die Worte, die er aufschnappte. Von da, wo er im hohen Gras kauerte, konnte er beileibe nicht alles verstehen.</p><p>Was er aber h�rte, klang nicht gut. �Umsturz� war eines der W�rter, �Thrall� ein anderes. Genauso wie �Gr�nhaut�, eine abwertende Bezeichnung der Menschen f�r Orcs.</p><p>Dann verstand er den Satz: �Wir t�ten sie alle und nehmen uns den Kontinent.�</p><p>Ein anderer stellte eine Frage. Das einzige Wort, das Byrok davon verstand, war �Trolle�.</p><p>Derjenige, der den Kontinent erobern wollte, sagte darauf: �Die t�ten wir auch.�</p><p>Byrok schob das Gras beiseite und sah sich die Menschen genauer an. Ihm fiel nichts Besonderes auf. Alle Menschen sahen f�r Byrok gleich aus. Aber was der alte Orc bemerkte, war, dass die beiden, die ihm am n�chsten standen, das Zeichen eines brennenden Schwerts am K�rper trugen, einer als T�towierung auf dem Arm, der andere als Schmuckst�ck, das an seinem Ohr baumelte.</p><p>Das Blut schien ihm in den Adern gefrieren zu wollen.</p><p>Byrok erinnerte sich, wo er dieses Symbol schon einmal gesehen hatte. Es war lange her, damals, als die Orcs das erste Mal auf Gul'dans Gehei� in diese Welt gekommen waren. Jene Orcs damals nannten sich selbst <emphasis>das Flammende Schwert</emphasis>, und ihre R�stungen und ihr Banner trugen dasselbe Symbol, wie es diese beiden Menschen zur Schau stellten. Das Flammende Schwert, das waren die verschworensten Anh�nger des Schattenrats gewesen. Sie wurden sp�ter vernichtet, und keiner aus diesem d�monenverliebten Clan �berlebte.</p><p>Aber das hier waren <emphasis>Menschen</emphasis>, die das Symbol trugen. Und sie sprachen davon, Thrall zu t�ten!</p><p>Sein Blut kochte. Byrok stand auf und begann auf das Sextett zuzulaufen. Seinen Morgenstern schwang er �ber dem Kopf. Selbst bei seiner Masse war das einzige Ger�usch, das er dabei verursachte, das Zischen, das seine kreisende Waffe hervorrief. Die Dornen gespickte Kugel rotierte um den Kopf des Orcs.</p><p>Aber das war ungl�cklicherweise offenbar L�rm genug. Zwei der Menschen, die beiden mit dem Schwert-Symbol, wirbelten herum. Deshalb zielte Byrok auf den N�chststehenden der beiden, lenkte den Morgenstern direkt gegen den rasierten Sch�del und lie� den Griff los. Er machte sich keine Sorgen darum, seine Waffe zu verlieren. Kein Mensch konnte das Ding aufheben, deshalb lag es sicher, bis er es sich holen w�rde.</p><p>�Ein Orc!�</p><p>�Wurde auch Zeit, dass mal einer auftaucht!�</p><p>�T�tet ihn!�</p><p>Weil das �berraschungsmoment weg war, br�llte er so laut er nur konnte. Das sch�chterte die Menschen immer ein. Dann sprang er auf einen zu, der einen Vollbart trug. Byroks gewaltige Faust kollidierte mit dem Kopf des B�rtigen.</p><p>Der mit dem rasierten Sch�del umklammerte seine Schultern. Sehr zu Byroks Entt�uschung hatte er es geschafft, auszuweichen und so vermieden, am Kopf getroffen zu werden. Nun versuchte er, den Morgenstern mit seiner unverletzten Hand hochzuheben.</p><p>Wenn er Zeit gehabt h�tte, h�tte Byrok schallend gelacht. Aber er war zu besch�ftigt damit, den Sch�del eines anderen Menschen in seine rechte Hand zu nehmen und den Gegner gegen einen seiner Kameraden zu werfen.</p><p>Doch ein anderer Mensch attackierte ihn von rechts und verhinderte die Ausf�hrung der geplanten Aktion. Byrok verfluchte sich selbst, weil er vergessen hatte, dass er auf dieser Seite blind war. Er drosch mit seinem rechten Arm zu, obwohl in diesem Moment Schmerz in seine Seite schnitt.</p><p>Zwei weitere Menschen st�rzten sich auf ihn, einer schlug ihn, der andere attackierte ihn mit seiner Klinge. Byrok schaffte es, auf das Bein eines der Angreifer zu treten und es augenblicklich zu brechen. Die Schreie seines Opfers stachelten den Orc an, und er verdoppelte die Wucht seiner Attacke.</p><p>Aber es waren einfach zu viele Gegner. Obwohl zwei von ihnen schlimm verletzt waren, drangen sie doch vereint auf ihn ein. Und selbst Byrok konnte nicht sechs Menschen besiegen, wenn er unbewaffnet war.</p><p>Er erkannte, dass er seine Waffe brauchte, atmete tief ein, br�llte und stie� im selben Moment seine beiden F�uste mit aller Kraft nach vorn. Dadurch setzte er seine Feinde nur f�r einen Moment au�er Gefecht, aber ein Moment war alles, was er brauchte. Er langte nach seiner Waffe, seine Finger schlossen sich um den Griff...</p><p>Bevor er sie heben konnte, hieben zwei der Menschen gegen seinen Kopf. Und ein weiterer trieb einen Dolch durch seinen linken Oberschenkel. Byrok schlug mit beiden Armen um sich, die Kugel des Morgensterns flog durch die Luft und verfehlte knapp einen der Menschen.</p><p>Dann, so ungern er das auch tat, sah er sich gezwungen, sein Heil in der Flucht zu suchen.</p><p>Es war eine harte Entscheidung f�r ihn, nicht nur wegen des Dolches, der immer noch aus seinem Oberschenkel ragte und ihn behinderte. Vor einem Kampf davonzulaufen, war sch�ndlich. Aber Byrok wusste, dass er eine h�here Aufgabe zu erf�llen hatte. Das Flammende Schwert war zur�ck, nur dass es sich diesmal aus <emphasis>Menschen</emphasis> zusammensetzte. Und s�mtliche Angreifer, nicht nur die beiden, bei denen es ihm vorher aufgefallen war, hatten das Zeichen des Flammenden Schwerts getragen, als Kette, als T�towierung oder irgendetwas anderes.</p><p>Das war eine Information, die Thrall erreichen musste.</p><p>Deshalb rannte Byrok davon.</p><p>Oder besser gesagt, er humpelte. Seine Wunden forderten ihren Tribut. Selbst das Atmen wurde zum Kampf.</p><p>Aber er lief weiter.</p><p>Schwach erkannte er, dass ihn die sechs verfolgten, aber er konnte sich nicht darum k�mmern. Er musste zur�ck nach Orgrimmar und Thrall berichten, was passiert war. Selbst verwundet waren seine Schritte raumgreifender als die der Menschen. Er konnte sie absch�tteln. Wenn er erst weit genug vor ihnen war, w�rde er sie im Unterholz, das er besser kannte als jeder andere, abh�ngen. Au�erdem erweckten sie den Eindruck, als wollten sie den Orc nur schlimm verpr�geln, nicht t�ten. Sie wussten wahrscheinlich nicht, dass Byrok ihre plumpe Sprache verstand. Und ahnten so auch nicht, dass Byrok wusste, wer sie waren. Sie w�rden ihn nicht weiter verfolgen als bis zu dem Punkt, den sie f�r sich als Genugtuung verbuchen konnten.</p><p>Zumindest hoffte er das.</p><p>Es gab keine Gedanken mehr in Byroks Geist. Er befreite seinen Kopf von allem, was hinderlich war, um die vordringliche Aufgabe zu erf�llen. Er war nur noch darauf bedacht, einen Fu� sicher vor den anderen zu setzen. Der Boden schien unter seinen Sohlen zu pochen. Er ignorierte die Schmerzen in seinem Bein und an all den anderen Stellen, wo sie ihn geschlagen, getreten oder mit ihren Waffen verletzt hatten, ignorierte sogar, dass sein vor dieser Begegnung noch heiles Auge immer tr�ber wurde, ignorierte die M�digkeit, die alle St�rke aus seinen Gliedern sog.</p><p>Er lief und lief.</p><p>Dann aber stolperte er. Sein linkes Bein blieb stehen, aber sein rechtes wollte weiterrennen, tat es, und deshalb st�rzte er zu Boden, das Gesicht voran ins hohe Gras. Schmutz drang ihm in Mund und Nase und Augen.</p><p>�Ich... muss... aufstehen...�</p><p>�Du gehst nirgendwohin, <emphasis>Monster</emphasis>.�</p><p>Byrok konnte die Stimme h�ren, die Schritte der Menschen und den Druck f�hlen, als sich zwei von ihnen auf ihn setzten und ihn so jeder M�glichkeit beraubten, sich zu bewegen. �Weil deine Zeit abgelaufen ist. Verstehst du mich?�</p><p>Byrok schaffte es, seinen Kopf zu heben, damit er die beiden Menschen ansehen konnte. Was aber nicht alles war, was er wollte.</p><p>Er spuckte sie an.</p><p>Die Menschen lachten. �Los, fangen wir an, Jungs. <emphasis>Galtak Ered'nash</emphasis>!�</p><p>Die anderen f�nf antworteten im Chor: <emphasis>�Galtak Ered'nash</emphasis>!�</p><p>Dann begannen sie, wie von Sinnen auf den hilflosen Orc einzudreschen.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Eine Stunde nach der Befragung von Davin und Avinal sammelte Oberst Lorena ihre Abteilung auf einer Lichtung au�erhalb von Northwatch. Felsen und m�chtige B�ume sprenkelten die Landschaft. Wilder W�stenbeifuss spross �berall aus dem unebenen Boden hervor. Die Sonne knallte auf Boden und Pflanzen, lie� alles scheinbar gl�hen und sorgte f�r reichlich W�rme unter der Panzerung der R�stungen.</p><p>Die meisten M�nner, die Lorena mitgenommen hatte, waren dabei, weil ihre Namen oben auf dem Dienstplan gestanden hatten. Zwei jedoch hatte sie handverlesen.</p><p>Einer davon war Strov. Obwohl er noch jung war, vertraute sie ihm am meisten. Er versah seinen Dienst, ohne Fragen zu stellen und konnte, wenn n�tig, auch improvisieren. Aber ansonsten befolgte er seine Anweisungen buchstabengetreu. Au�erdem besa� er die F�higkeit, jemanden verfolgen zu k�nnen, ohne ihn aus den Augen zu verlieren oder seine Zielpersonen �berhaupt wissen zu lassen, dass er ihr auf den Fersen war.</p><p>Der andere war das genaue Gegenteil von Strov. Jalod war ein altgedienter Soldat, der schon gegen Orcs gek�mpft hatte, als noch niemand wirklich wusste, was ein Orc war. Ger�chte besagten, dass er Admiral Proudmoore ausgebildet hatte, obwohl Lorena das nicht glaubte. Er hatte schon alles gesehen, alles getan... und alles �berlebt. Nun konnte er ausschweifende Geschichten dar�ber erz�hlen, was er auch ausgiebig zu tun pflegte.</p><p>Strov sagte: �Wie ich schon im Wachb�ro verlauten lie�, Ma'am, die andere Mannschaft hat best�tigt, was Kapit�n Avinal meinte. Sie konnten da drau�en nichts sehen. Ich bezweifle, dass sie etwas von der Orgath'ar und den Piraten mitbekommen haben.�</p><p>�Und wenn sie dort waren�, f�gte ein anderer Soldat, ein Veteran namens Paolo, hinzu, �waren sie nicht in der Lage zu helfen. Die Seeleute, mit denen ich gesprochen habe, hatten alle Angst vor dem Nebel.�</p><p>Mal, der Jahre zuvor in der Marine von Azeroth gedient hatte, nickte. �Man kann's ihnen nicht ver�beln. Nebel ist das Schlimmste. Keine M�glichkeit, den Kurs zu bestimmen. Normalerweise ist es das Beste, man setzt Anker, bis es vorbei ist. Bin �berrascht, dass sie es nicht getan haben, um ehrlich zu sein.�</p><p>�Was macht das schon?� sagte Jalod.</p><p>Lorena runzelte die Stirn. �Was soll das jetzt...?�</p><p>�Diese Orcs haben Admiral Proudmoores Flotte vernichtet! T�teten einen der besten M�nner. H�tte ich Avinals Boot unter meinem Kommando gehabt, ich h�tte den <emphasis>Piraten</emphasis> geholfen. Es ist eine Schande, dass Lady Proudmoore die eigene Familie an diese Wilden verraten hat. Ihren eigenen <emphasis>Vater</emphasis> betrogen hat f�r solche...� Er suchte nach einem passenden Ausdruck, was ihm aber offenbar nicht rasch genug gelang, deshalb fuhr er fort: �Es ist besch�mend, dass sie uns befohlen hat, diese Befragung durchzuf�hren. Wir sollten besser diese Monster jagen.�</p><p>Alle traten bei seinen Worten verlegen von einem Fu� auf den anderen.</p><p>Zumindest alle au�er Lorena, die ihr Schwert zog und die Spitze direkt auf Jalods Kehle setzte. Der alte Mann schien �berrascht zu sein, und mehr als das. Seine blauen Augen weiteten sich vor Angst, was man selbst unter den Falten sehen konnte, die sein Gesicht durchzogen.</p><p>Lorena sagte leise und gerade deshalb so bedrohlich: �Sprecht niemals wieder in meiner Gegenwart schlecht von Lady Proudmoore, Sergeant. Mich interessiert es nicht, mit wem Ihr zusammen gedient oder wie viele Trolle und D�monen Ihr get�tet habt. Wenn Ihr jemals so etwas auch nur wieder denkt, werde ich Euer Innerstes nach au�en kehren und die Einzelteile an die Hunde verf�ttern. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>Strov trat vor. �Ich bin mir sicher, der Sergeant wollte Lady Proudmoore nicht beleidigen, Ma'am.�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Jalods Stimme klang jetzt br�chig. �Ich zolle ihr h�chsten Respekt, Ma'am, Ihr wisst das. Es ist nur...�</p><p>�Was?�</p><p>Jalod schluckte, sein Adamsapfel stie� gegen Lorenas Schwertspitze. �Diesen Orcs kann man nicht trauen. Das ist alles, was ich sage.�</p><p>Das war <emphasis>nicht</emphasis> alles gewesen, aber Lorena senkte ihr Schwert dennoch. Jalods jahrzehntelanger Dienst verschaffte ihm das Recht auf ein paar Zweifel, und seine Worte waren letztlich nur allzu verst�ndlich f�r einen Mann, der wacker unter Lady Proudmoore gedient hatte. Dessen Dienst zur�ckreichte bis in die Zeit, bevor Arthas dem B�sen verfallen war. W�re es irgendjemand anderes gewesen, h�tte sie es nicht bei einer Verwarnung belassen, sondern ihn tats�chlich an Ort und Stelle ausgeweidet.</p><p>Lorena steckte ihr Schwert zur�ck. �Lasst uns zu den Docks zur�ckkehren. Es ist eine lange Reise bis nach Hause.�</p><p>Als sie zu der Stelle marschierten, wo ihr Schiff vert�ut lag, fragte sich Lorena, was eigentlich los war. Sie war ihr ganzes Erwachsenenleben lang Soldat gewesen. Als j�ngstes von zehn Kindern, das einzige M�dchen, hatte sie Soldat werden wollen, genau wie ihre Br�der und ihr Vater. Sie hatte sich daf�r sogar selbst davon �berzeugt, ein Junge zu sein � bis ihr K�rper sie in ihrem dreizehnten Sommer mit der Realit�t konfrontierte, dass sie genau das eben nicht war. Sie war so geschickt mit Schwert und Schild, dass ihr Vater seinen Widerstand schlie�lich aufgab und ihren Wunsch unterst�tzte, der Stadtwache von Kul Tiras beizutreten. �ber die Jahre arbeitete sie sich in den R�ngen nach oben, um schlie�lich im Krieg gegen die Brennende Legion Oberst unter Lady Proudmoore zu werden.</p><p>Im Laufe der Zeit hatte sie ihren Instinkt gesch�rft. Den Instinkt eines Soldaten, der einer Familie von Soldaten entstammte. Und dieser Instinkt sagte ihr jetzt, dass hinter der Sache mit dem Patrouillenboot, das weder das Handelsschiff noch die angreifenden Piraten im Nebel gesehen hatte, mehr steckte. Der Verdacht war schon von dem Moment an in ihrem Hinterkopf herumgegeistert, da sie in Northwatch angekommen war. Aber Jalods Worte hatten ihn noch best�tigt.</p><p>Sie war sich nicht sicher, was genau nicht stimmte. Aber sie hatte vor, genau das herauszufinden.</p><empty-line/><p>Als sie zum Rand der Lichtung marschierten, war Strov darauf bedacht, Sergeant Jalod die ganze Zeit im Auge zu behalten. Er wusste nicht, was in den alten Bussard gefahren war, aber Strov gefiel es nicht, kein bisschen.</p><p>Es war eine Sache, sich �ber die Orcs zu beschweren. Das war angesichts der Ereignisse vielleicht zu erwarten und verst�ndlich. Wenngleich Strov selbst die Orcs eher f�r Opfer des d�monischen Einflusses hielt. Es war genauso sinnvoll, sie zu hassen wie Medivh, und der wurde als Held verehrt, trotz allem, was die D�monen ihm angetan hatten.</p><p>Dennoch konnte Strov verstehen, warum einige Menschen die Orcs nicht ausstehen konnten.</p><p>Aber Lady Proudmoore? Die Einzigen, die berechtigten Grund hatten, schlecht von ihr zu denken, waren die Brennende Legion und deren Sympathisanten.</p><p>Jalod hatte solche Ansichten in der Vergangenheit nie ge�u�ert. Was Strov auf den Gedanken brachte, dass der Sergeant vielleicht allm�hlich verr�ckt wurde.</p><p>Das war nichts Ungew�hnliches. So etwas passierte den besten Leuten. Aber es konnte alle anderen in Gefahr bringen. Was man in der Ausbildung beigebracht bekam, war, dass man sich auf die Leute in seiner Einheit verlassen k�nnen musste. Strov war sich nicht sicher, ob er sich auf Jalod noch verlassen konnte.</p><p>Strov war so damit besch�ftigt, den Sergeanten im Blick zu halten, dass ihm nur langsam etwas auffiel, das er eigentlich schon fr�her h�tten bemerken m�ssen. Die B�ume und Felsen bildeten zusammen mit ein paar Lagerh�tten eine fast kreisf�rmige Grenze. Als sie sich dem Rand des Kreises n�herten, sah Strov vier Gestalten in Kutten, die sich hinter den Lagerh�tten, den B�umen und Steinen versteckt hielten. Sie waren gut verborgen, aber Strov hatte sch�rfere Augen als die meisten.</p><p>�Hinterhalt!�</p><p>Auf Strovs Ruf hin gingen alle sieben Soldaten in Kampfposition und zogen ihre Schwerter. Gleichzeitig sprangen sieben Gestalten � Strov waren also drei entgangen � aus der Deckung.</p><p>Die Gestalten waren massig, ihre Kutten konnten kaum verbergen, dass es sich um Orcs handelte. Aber der Stoff verhinderte, dass man erkennen konnte, um wen es sich genau handelte.</p><p>Strov fiel noch etwas auf, w�hrend er den Kn�ppel abwehrte, der gegen seinen Kopf schwang: Die Kutten hatten ein Emblem auf der Brust, ein brennendes Schwert. Strov kam es bekannt vor, aber er hatte keine Zeit, den Gedanken zu Ende zu f�hren, weil der vermummte Orc sein Bestes gab, um Strovs Leben auszul�schen.</p><p>Der Orc schlug weitere drei Mal mit seinem Kn�ppel zu, und alle drei Hiebe parierte Strov. Nach dem dritten griff er selbst an und trat den Orc in den Bauch. Mit einer solchen Attacke hatte sein Gegner nicht gerechnet. Er strauchelte, und Strov stie� mit dem Schwert nach. Doch selbst im Stolpern konnte der Orc den Vorsto� mit seinem Kn�ppel abblocken.</p><p>Zum Ungl�ck des Orcs gewann Strov durch diese Aktion aber immer mehr Oberwasser. Er attackierte nun ohne Unterlass mit verschiedenen St��en und Schl�gen und hoffte darauf, den Orc unvorbereitet zu treffen. Aber sein Gegner war gewieft. Er hatte erstaunliche Reflexe und war nun auf weitere Tritte und Schl�ge von Strov vorbereitet.</p><p>Strov wusste, dass sich viele Menschen voll auf ihre Waffe verlie�en. Aber er selbst zog es vor, seinen ganzen K�rper einzusetzen.</p><p>Er stie� nach unten und hoffte, dass der Orc tief genug kontern w�rde. Dadurch w�rde sich seine Abwehr �ffnen, und Strov k�nnte einen hohen Schlag auf den Sch�del anbringen. Doch der Orc sah das voraus und hielt den Kn�ppel nur mit einer Hand, die andere hatte er erhoben, um sein Gesicht zu sch�tzen.</p><p>Deshalb trat Strov dem Orc gegen das Bein. Der Tritt war nicht fest genug, um den Knochen zu brechen, aber der Orc stolperte und fuchtelte mit beiden Armen, um die Balance zu halten. Das gab Strov die L�cke, die er suchte, um dem Orc in die Brust zu stechen.</p><p>Zumindest dachte er das. Das Schwert durchdrang die Kutte mit Leichtigkeit, bis die Klinge halb eingedrungen war. Aber es f�hlte sich nicht an, als ob sie in Fleisch schneiden w�rde. Und als er sie herauszerrte, was ihm mehr M�he bereitete als erwartet, war auch tats�chlich kein Blut darauf zu sehen.</p><p>Strov biss die Z�hne zusammen und konzentrierte sich, damit ihn die �berraschung dar�ber, kein Blut vergossen zu haben, nicht von seinem Gegner ablenkte, der jetzt wieder sicher auf den Beinen stand.</p><p>Strov atmete tief ein, griff erneut an und verbot sich jede Schw�che. Er schlug auf den Hals des Orcs ein, wurde abgewehrt, hieb dann sofort auf den Bauch, dann wieder gegen den Hals und noch einmal auf die Beine. Seine Arme schienen aufgrund ihrer Geschwindigkeit zu verschwimmen, als er den Orc weiter und weiter bedr�ngte und keinen Zoll Boden wieder preisgab. Er lie� seinem Gegner kaum Zeit zu parieren und hoffte, dass die Gegenwehr fr�her oder sp�ter erlahmen w�rde.</p><p>Pl�tzlich erschien wie aus dem Nichts eine Klinge und traf den Kopf des Orcs. Die Kutte wurde vom Stahl durchtrennt; eine H�lfte fiel herab und enth�llte das w�tende gr�ne Gesicht eines m�nnlichen Orcs. In seinen linken Hauer war ein brennendes Schwert eingraviert.</p><p>Die zu Hilfe geeilte Klinge geh�rte Oberst Lorena. Strov nahm an, dass sie ihren eigenen Gegner bereits erledigt hatte.</p><p>Dann br�llte der Orc den Befehl zum R�ckzug und alle riefen im Chor: <emphasis>�Galtak Ered'nash</emphasis>!�</p><p>Strov kannte viele Sprachen, darunter die der Orcs, Trolle, Gnome und Zwerge und ebenso alle vier Dialekte der Elfen. Doch diesen Ausruf hatte er noch nie zuvor geh�rt.</p><p>Als sein Gegner fl�chtete, blickte sich Strov um und bemerkte, dass lan und Mal am Boden lagen, der eine tot, mit aufgeschlitzter Kehle, der andere lebend, aber am Bein verletzt. Ansonsten waren Lorena, Jalod, Paolo und Clai unverwundet. Auch einer der Orcs lag am Boden, die anderen sechs suchten das Weite, zwei bluteten.</p><p>�Strov, Clai, verfolgt sie!�, rief Lorena, w�hrend sie zu Mal rannte.</p><p>Clai war der beste K�mpfer des Trupps. Strov sah, dass sein Mitstreiter jede Menge Orc-Blut an seinem Schwert hatte. �Konntest du das Fleisch treffen?�, fragte Strov und lief in dieselbe Richtung wie die sechs Orcs.</p><p>Clai nickte. �Aber nur, wenn ich den Kopf oder den Hals erwischt habe. Es war, als ob ihre K�rper aus Rauch oder so was best�nden.�</p><p>Die Gestalten waren zwischen �berh�ngenden Weiden�sten verschwunden, die fast wie eine Wand wirkten. Nur ein paar Schritte dahinter rannten Clai und Strov ebenfalls hindurch und... fanden niemanden mehr vor.</p><p>Kein Lebenszeichen von den Orcs. Selbst die Blutspur der beiden Verletzten war verschwunden. Man konnte gut eine halbe Meile in jede Richtung blicken. Es w�re den Orcs unm�glich gewesen, in der kurzen Zeit au�er Sichtweite zu gelangen.</p><p>Strov blieb stehen und atmete tief durch. �Riechst du das?�</p><p>Clai sch�ttelte seinen Kopf.</p><p>�Schwefel. Und Kr�uter, Thymian denke ich.�</p><p>Verwirrt fragte Clai, �Was bedeutet das?�</p><p>�Magie. Und es erkl�rt auch, warum wir sie nicht verletzen konnten.�</p><p>Mit einem fast schon wahnsinnigen Ausdruck in den Augen fragte Clai: �D�monen?�</p><p>�Bete drum, dass es keine sind.� Strov schauderte. Clai war neu, ein Rekrut, der zu jung war, um bereits gegen die Brennende Legion gek�mpft zu haben. Den Wunsch, die D�monen zu bek�mpfen, hatte ohnehin nur jemand, der noch niemals gegen diese Wesen antreten musste.</p><p>Strov rannte durch das Ge�st zur�ck zu Lorena. Clai folgte ihm.</p><p>Der Oberst kniete bei Mal. Paolo versorgte seine Wunden. Als sie Strov und Clai sah, stand sie auf und fragte w�tend: �Was ist passiert?�</p><p>�Sie sind verschwunden, Ma'am. Vollst�ndig, selbst ihre Blutspur. Au�erdem stinkt es dort, wo wir sie verloren, nach Magie.�</p><p>Lorena spie aus. �Verdammt!� Sie pfiff durch die Z�hne und zeigte dann auf die Kutte am Boden �Aber das passt. Den hier k�nnen wir wohl auch nicht mehr befragen.�</p><p>Als er genau hinschaute, erkannte Strov, dass die Kutte leer war. Er stocherte mit seinem Schwert in der Kleidung herum, wodurch er etwas Asche aufwirbelte. Dann sah er den Oberst an.</p><p>�<emphasis>Definitiv</emphasis> Magie�, sagte sie mit einem Nicken.</p><p>�Ma'am, da f�llt mir etwas ein...� Als er sich an eine Unterhaltung mit seinem Bruder erinnerte, d�mmerte es Strov endlich, was ihm so vertraut vorgekommen war. �Das ist es!�</p><p>�Was, Gefreiter?�</p><p>�Als ich das letzte Mal zu Hause war, hat mir mein Bruder Manuel von einer Gruppierung erz�hlt, die sich <emphasis>Flammendes Schwert</emphasis> nennt. Jemand versuchte, ihn im Demonsbane daf�r anzuwerben. Man hat ihm erz�hlt, dass sie Leute suchen, die damit unzufrieden sind, wie sich die Dinge derzeit entwickeln. Aber mehr wusste er auch nicht.�</p><p>Jalod schnaubte. �Niemand ist damit zufrieden, wie sich die Dinge derzeit entwickeln. Aber das ist doch kein Grund f�r eine Verschw�rung.�</p><p>Strov fand Jalods Antwort merkw�rdig, wenn man bedachte, was er zuvor ge�u�ert hatte. Aber er ging nicht darauf ein, sondern setzte seinen Bericht an den Oberst fort. �Ma'am, der Orc, den ich bek�mpft habe, hatte ein brennendes Schwert in seine Hauer eingraviert.�</p><p>�Ein brennendes Schwert.� Lorena sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Der, den ich bek�mpft habe, der sich danach in Asche verwandelte, hatte auch eine solche Verzierung � an seinem Nasenring.�</p><p>Clai hob seine Hand. �Darf ich, Ma'am?�</p><p>Lorena nickte.</p><p>�Meiner hatte auch eine. Es war wie bei dem vom Gefreiten Strov, Ma'am, auf seinem Hauer.�</p><p>�Verdammt.� Sie sah zu Paolo, der nun �ber Mal stand. �Wie geht es ihm?�</p><p>�Braucht einen richtigen Heiler, aber ich k�mmere mich darum, bis wir zur�ck nach Theramore kommen.� Er schaute an Lorena vorbei in Richtung Northwatch. �Ich w�rde keinem Lazarett vor Ort trauen, Ma'am.�</p><p>Durch seine zusammengepressten Z�hne sagte Mal: �Das finde ich auch, Ma'am.�</p><p>�Gut.� Sie steckte ihr Schwert zur�ck, ohne es abzuwischen. Strov nahm an, dass sie es auf dem Boot nachholen w�rde. Er folgte Lorena in Richtung der Docks.</p><p>�Lasst uns zum Schiff gehen und gebt ihm etwas von meinem Brandy, um seine Schmerzen zu lindern, wenn wir an Bord sind�, ordnete sie an.</p><p>Grinsend kommentierte Mal: �Der Oberst ist eine gro�z�gige Frau.�</p><p>Lorena schenkte dem Korporal ein schiefes L�cheln und erwiderte: �Nicht <emphasis>so</emphasis> gro�z�gig. Nur zwei Fingerbreit hoch und nicht mehr. Das Zeug ist teuer.�</p><p>Paolo gab Clai ein Zeichen, und die beiden hoben Mal an. Sie hielten sein verwundetes Bein ruhig, w�hrend sie ihn Seite an Seite zu den Docks trugen. Strov schleppte indes Ians blut�berstr�mten K�rper.</p><p>Lorena sagte: �Gefreiter, sobald wir zur�ck in Theramore sind, will ich, dass Ihr mit Eurem, Bruder sprecht. Ich m�chte so viel wie nur irgend m�glich �ber dieses Flammende Schwert erfahren.�</p><p>�Alles klar, Ma'am, kein Problem. Ich k�mmere mich darum.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Das steinerne Gew�lbe, in dem sich Thralls Sitz der Macht und sein Empfangsraum als Kriegsh�uptling der Horde befand, war k�hl. Thrall mochte es so. Orcs waren keine Kreaturen der K�lte, deshalb f�hlten sie sich hier leicht unwohl. Da er glaubte, dass es das Beste f�r die Besucher war, sich nicht <emphasis>zu</emphasis> gut in der Gegenwart ihres Anf�hrers zu f�hlen, akzeptierte er das eigene Unbehagen. Beim Bau hatte er darauf geachtet, dass die Mauern dick waren und keine Fenster hatten. Licht gab es nur von ein paar Laternen, keinen Fackeln, weil diese weniger W�rme spendeten.</p><p>Nicht, dass es jemals wirklich unangenehm kalt gewesen w�re. Er wollte schlie�lich nicht, dass seine Leute leiden mussten, wenn sie ihn um etwas baten. Aber er wollte es ihnen auch nicht zu leicht machen. Es war ein schwieriger Weg gewesen, den Thrall eingeschlagen hatte, und er wusste wie wertvoll, aber auch gef�hrdet seine aktuelle Position war. Er nahm deshalb jede M�glichkeit wahr, sich einen Vorteil zu verschaffen, selbst wenn es etwas so Unbedeutendes war, wie den Thronsaal k�hl zu halten.</p><p>Er traf sich mit Kalthar, seinem Schamanen, und Burx, seinem st�rksten Krieger. Beide standen vor Thrall, der auf seinem Thron aus Fellen von eigenh�ndig erlegten Tieren sa�.</p><p>�Die Menschen sind immer noch in der Feste Northwatch. Das Letzte, was wir geh�rt haben, war, dass ein Schiff mit neuen Truppen ankam. Das klingt, als wollten sie den St�tzpunkt verst�rken.�</p><p>�Wohl kaum.� Thrall lehnte sich auf dem Thron zur�ck. �Lady Proudmoore hat mich dar�ber informiert, dass sie einen ihrer Krieger dorthin entsendet, um Kapit�n Boliks Bericht zu untersuchen.�</p><p>Burx richtete sich auf. �Misstrauen sie etwa dem Wort eines Kriegers?�</p><p>Kalthar, dessen gr�ne Haut mit dem Alter bleich und faltig geworden war, lachte kehlig. �Ich bin mir sicher, Burx, dass sie dem Wort eines Orcs genauso trauen wie du dem eines Menschen.�</p><p>�Menschen sind feige und verachtungsw�rdig�, sagte Burx geringsch�tzig.</p><p>�Die Menschen von Theramore sind nicht so.� Thrall beugte sich vor. �Und ich will nicht, dass in meiner Gegenwart noch einmal schlecht von ihnen gesprochen wird.�</p><p>Burx stampfte mit dem Fu� auf. Thrall musste sich beherrschen, um den Krieger nicht auszulachen. Die Geste erinnerte ihn an ein Menschenkind, das einen Wutanfall hatte. Unter Orcs war dieses Gebaren allerdings ein v�llig legitimes Zeichen von Verstimmung. Obwohl er der Lord der Clans war, gab es Zeiten, in denen Thrall sich zwingen musste, sich zu erinnern, dass er nicht von seiner eigenen Art aufgezogen worden war.</p><p>�Dies ist <emphasis>unser</emphasis> Land, Thrall. Die Menschen haben kein Recht, es zu beanspruchen. Lass sie zur�ck �ber die Gro�e See gehen, wo sie hingeh�ren. Und lass uns zu dem Leben zur�ckkehren, das wir geliebt haben, bevor uns die D�monen verhext haben. Weit weg von <emphasis>allen</emphasis> b�sen Einfl�ssen, egal ob sterblicher oder anderer Natur.�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. Er hatte geglaubt, diese Diskussion bereits vor zwei Jahren beendet zu haben. �Die Menschen haben das unwirtlichste Land auf Kalimdor bekommen und sogar ausgesprochen wenig davon. Wir haben die Marschen von Dustwallow nie gewollt. Jainas Leute hingegen...�</p><p>�Jaina?� sp�ttelte Burx.</p><p>Jetzt stand Thrall auf. �Sei vorsichtig, Burx. Lady Proudmoore, <emphasis>Jaina</emphasis>, hat sich meinen Respekt verdient. Du verlierst ihn gerade.�</p><p>Burx duckte sich leicht. �Es tut mir Leid, Kriegsh�uptling, aber du musst verstehen, du wurdest von ihnen aufgezogen. Es macht dich manchmal... blind f�r Dinge, die f�r den Rest von uns offensichtlich sind.�</p><p>�Ich bin f�r gar nichts blind, Burx. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich es war, der den Orcs auf dieser Welt die Augen ge�ffnet hat, als sie dem d�monischen Fluch zum Opfer gefallen waren. Ich war es, der sie daran erinnert hat, <emphasis>wer wir sind</emphasis>. Glaube ja nicht, dass du mich belehren k�nntest wie...�</p><p>Ein atemloser junger Orc st�rzte herein und unterbrach sie. �Donnerechsen!�</p><p>Thrall blinzelte. Thunder Ridge, die Heimat dieser Kreaturen, war weit weg von hier. Wenn einige dieser Tiere in Orgrimmar selbst aufgetaucht w�ren, w�re der Alarm jedoch gewiss anders ausgefallen.</p><p>�Wo?� fragte Burx.</p><p>�Weit weg von hier jedenfalls�, sagte Kalthar, der eine �hnliche Einsch�tzung zu haben schien wie Thrall, �andernfalls h�tte man sicher nicht nur einen Boten geschickt, noch dazu einen solchen J�ngling.�</p><p>Der J�ngling, wie ihn Kalthar nannte, trug in der Tat den blitzf�rmigen Nasenring eines Boten. Es bestand kein Zweifel, er war von Thunder Ridge hierher gelaufen, um Thrall Bericht zu erstatten.</p><p>�Sprich�, forderte Thrall ihn auf.</p><p>�Ich komme von der Drygulch Klamm, Kriegsh�uptling. Die Donnerechsen sind aus Thunder Ridge entkommen.�</p><p>�Wie konnte das passieren?� fragte Burx.</p><p>Thrall funkelte seinen Krieger an. �Lass ihn sprechen � vielleicht erfahren wir es dann.� Zu dem Jungen sagte er: �Weiter.�</p><p>�Ein Farmer namens Tulk h�rte sie heranst�rmen. Er rief seine S�hne, und sie verjagten die Echsen, bevor sie seine Ernte zerst�ren konnten. Aber niemand hat je davon geh�rt, dass Donnerechsen Thunder Ridge verlassen h�tten. Deshalb haben er und seine S�hne sich mit dem Nachbarfarmer und <emphasis>dessen</emphasis> S�hnen zusammengetan und sind nach Thunder Ridge gezogen.�</p><p>Thrall nickte. Thunder Ridge wurde von einem dichten Wald begrenzt � mit dicken, tief verwurzelten B�umen �, den die Echsen nicht durchqueren konnten. Wer beweglich und biegsam war, konnte den Wald �berwinden. Aber Donnerechsen gewiss nicht.</p><p>�Als sie dort ankamen, sahen sie, dass der Wald abgeholzt war. Die Echsen haben sich selbst einen Weg geschaffen. Die Farmer f�rchten um ihre Ernte.�</p><p>Thrall war gedanklich noch beim ersten Teil der Meldung. �Abgeholzt? Wie genau?�</p><p>�Die B�ume waren allesamt <emphasis>abgeschnitten</emphasis>. Die St�mpfe, die �brig waren, reichten nur eine Handbreit �ber den Boden.�</p><p>Burx fragte: �Wo wurde das viele Holz hingebracht?�</p><p>Der Junge zuckte mit den Schultern. �Keine Ahnung. Sie haben keine �ste gesehen, nichts, nur die St�mpfe.�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Wie ist das m�glich?�</p><p>�Ich wei� nicht, wie das <emphasis>m�glich</emphasis> ist, Kriegsh�uptling�, sagte der Junge. �Aber genauso ist es passiert, das ist so sicher, wie ich hier stehe.�</p><p>�Das hast du gut gemacht.� Thrall entlie� den Boten mit einem milit�rischen Gru�. �Lass dir etwas zu essen und zu trinken geben. Vielleicht habe ich noch ein paar Fragen, nachdem du dich gest�rkt hast.�</p><p>Der Junge nickte. �Danke, Kriegsh�uptling.� Damit eilte er hinaus.</p><p>�Das waren die Menschen�, sagte Burx, kaum dass der Bote den Thronsaal verlassen hatte. �So muss es sein. Sie haben schon so oft nach Holz aus den W�ldern von Thunder Ridge gefragt. Ein Orc w�rde das Land sicher nicht so sch�nden.�</p><p>Obwohl Thrall nicht schlecht von den Menschen denken wollte, musste er Burx insgeheim Recht geben. Kein Orc aus Durotar w�rde so etwas tun.</p><p>�Sie k�nnen unm�glich so viel Holz von Thunder Ridge zur K�ste transportiert haben, ohne dabei beobachtet worden zu sein. W�ren sie �ber Land gezogen, h�tte man sie auch sehen m�ssen, dasselbe gilt f�r den Fall, dass sie Luftschiffe einsetzten.�</p><p>�Es g�be eine dritte M�glichkeit�, sagte Kalthar.</p><p>Wieder sch�ttelte Thrall seufzend den Kopf, denn er ahnte, worauf Kalthar hinaus wollte. �Magie?�</p><p>�Ja, Magie�, sagte Burx. �Und die m�chtigste Zauberin in Theramore ist deine h�bsche Lady Proudmoore, Jaina.�</p><p>�Lady Proudmoore kann nicht dahinterstecken�, sagte Kalthar. �Diese Sch�ndung des Landes ist verwerflich. Die Menschen sind daf�r verantwortlich... und doch nicht.�</p><p>�Was willst du uns denn jetzt damit wieder sagen?�, fragte Burx �rgerlich.</p><p>�Du sprichst in R�tseln�, sagte auch Thrall. Dann lachte er. �Wie immer.�</p><p>�Hier sind h�here Kr�fte am Werk, Thrall�, sagte Kalthar. �Machtvolle Kr�fte.�</p><p>Burx stampfte mit seinem Fu� auf. �Lady Proudmoore <emphasis>verf�gt</emphasis> �ber machtvolle Zauberei. Die Menschen haben viele Gr�nde, warum sie diese B�ume in ihren Besitz bringen k�nnten. Dadurch erhalten sie st�rkeres Holz f�r ihre Boote. Was es ihnen wiederum erleichtern w�rde, unsere Handelsschiffe zu bel�stigen. Au�erdem setzt es die Donnerechsen frei, wodurch unsere Farmen verw�stet werden...� Burx stellte sich vor Thralls Thron. Sein Gesicht war dem des Kriegsh�uptlings so nah, dass seine Hauer die von Thrall fast ber�hrten. �Es passt, Kriegsh�uptling, es passt <emphasis>alles</emphasis>. Und du wei�t es.�</p><p>In leisem Ton sagte Thrall: �Was ich sicher wei�, Burx, ist, dass Lady Proudmoore sich gegen ihren eigenen Vater gestellt hat, statt das B�ndnis zwischen Durotar und Theramore zu zerst�ren. Glaubst du wirklich, sie w�rde die Allianz wegen ein paar <emphasis>B�umen</emphasis> opfern?�</p><p>Burx trat zur�ck und warf die Arme in die Luft. �Wer kann schon sagen, was Menschen denken?�</p><p>�Ich kann es. Wie du eben ausgef�hrt hast, wurde ich von Menschen erzogen. Ich habe beides gesehen, die beste und die �belste Seite der Menschen. Und ich kann, wie du wei�t, erkennen, dass Jaina Proudmoore nicht zu den Menschen geh�rt, die so etwas tun <emphasis>w�rden</emphasis>.�</p><p>Burx verschr�nkte verteidigend seine Arme vor der Brust und sagte: �Es gibt keine Menschenmagier auf Kalimdor, von denen wir w�ssten. Was l�sst das f�r andere M�glichkeiten zu, Kriegsh�uptling?�</p><p>�Das wei� ich nicht.� Thrall l�chelte. �Als Leutnant Blackmoore mich wie einen Mensch erziehen lie�, musste ich viele philosophische und naturwissenschaftliche Abhandlungen lesen. Bemerkenswert unter all dem war ein Vermerk, der mir im Ged�chtnis haften blieb. Und zwar, dass am Anfang aller Weisheit die Aussage ,Ich wei� es nicht' steht. Wer zu diesem Eingest�ndnis nicht f�hig ist, wird niemals etwas lernen. Und ich r�hme mich der F�higkeit, lernen zu <emphasis>k�nnen</emphasis>, Burx.� Er stand wieder auf. �Schick Krieger nach Drygulch. Sie sollen versuchen, die Donnerechsen einzufangen. Gib ihnen alle Unterst�tzung, die sie brauchen, um das Problem unter Kontrolle zu bringen.� Dann sah er Kalthar an. �Hol den Talisman. Ich werde mit Lady Proudmoore reden.�</p><p>�Wir sollten etwas <emphasis>tun</emphasis>.� Burx stampfte wieder mit dem Fu� auf, selbst als Kalthar langsam aus dem Raum ging, um zu erledigen, was Thrall ihm aufgetragen hatte. �Wir sollten nicht nur <emphasis>reden</emphasis>...�</p><p>�Reden ist der zweite Schritt, wenn man Dinge lernen will, Burx. Ich habe vor, herauszufinden, wer daf�r verantwortlich ist. Jetzt geh und befolge meine Anweisungen.�</p><p>Burx wollte etwas erwidern, aber Thrall unterband es.</p><p>�Schweig, Burx! Du hast deine Position mehr als klar gemacht. Selbst du wirst mir zustimmen, dass die Probleme von Drygulch im Moment dringlicher sind. Jetzt geh und tu, was ich dir aufgetragen habe, bevor unsere Farmen noch <emphasis>tats�chlich</emphasis> verw�stet werden.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, Kriegsh�uptling�, murrte Burx. Er gr��te, wie es der Bote getan hatte, und ging.</p><p>Thrall hoffte, dass Jaina seine Verteidigung verdiente, und tief in seinem Herzen wusste er, dass es so war.</p><p>Aber wenn nicht Jaina Proudmoore die B�ume gestohlen und die Donnerechsen freigelassen hatte... wer dann?</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Lorena wurde von Duree, der verr�ckten alten Zofe, die die Angelegenheiten von Lady Proudmoore regelte, in deren Gemach gef�hrt. Doch der Raum war leer.</p><p>Lorena wirbelte zu Duree herum, die sie um einen ganzen Kopf �berragte und fragte: �Wo ist sie?�</p><p>�Sie wird bald zur�ck sein, gr�mt Euch nicht. Sie ist vor einer Stunde gegangen, um sich mit diesem Orc-Kriegsh�uptling zu treffen. Sie sollte jeden Moment wieder zur�ck sein.�</p><p>Ver�rgert fragte Lorena: �Sie trifft sich mit Thrall?�</p><p>Duree legte ihre Hand auf den Mund. �Oh, meine Liebe, ich durfte das gar nicht erz�hlen. Vergesst einfach, dass ich irgendetwas gesagt habe. W�rdet Ihr das bitte tun, meine Teure?�</p><p>Der Oberst blieb ihr die Antwort schuldig. Stattdessen verzog sie ihr kantiges Gesicht und gab ein Knurren von sich, weil sie wollte, dass die alte Frau endlich das Zimmer verlie�. Sie hatte Erfolg mit ihrer Drohgeb�rde, denn Duree preschte f�rmlich aus der Kammer, so �berhastet, dass ihr fast die Brille von der Nase rutschte.</p><p>Einen Moment sp�ter erschien Kristoff. �Oberst. Duree sagte, Ihr wolltet Meldung machen.�</p><p>Lorena schaute auf den K�mmerer. Wie die Zofe war auch Kristoff ein notwendiges �bel. Immerhin funktionierte eine Nation nicht nur allein durch das Milit�r. Eine der ersten Lektionen, die ihr Vater und ihre Br�der ihr erteilt hatten, war gewesen, nett zu Verwaltern und Ihresgleichen zu sein. Denn sie waren es, die noch viel entscheidender als ein hochdekorierter Offizier daf�r sorgten, dass eine Einheit funktionierte.</p><p>Duree war ihr jedoch so l�stig, dass sie bei ihr diesen guten Rat fast immer verga�. Kristoff hingegen war die rechte Hand der Lady. Deshalb schob Lorena ihre intensive Abneigung gegen diesen Mann beiseite und zwang sich ein L�cheln ins Gesicht.</p><p>�Ja, K�mmerer, ich habe einen Bericht f�r die Lady, sobald sie eintrifft.�</p><p>Kristoff l�chelte. Es war das falscheste L�cheln, das Lorena jemals gesehen hatte und das, obwohl sie Jahre damit verbracht hatte, die Burg von Kul Tiras zu bewachen, wo es gro�e Rivalit�ten gab. �Ihr k�nnt Euren Rapport auch bei mir ablegen, und ich versichere Euch, dass ich seinen Inhalt an Lady Proudmoore weiterleiten werde.�</p><p>�Ich ziehe es vor, auf die Lady zu warten, Sir, wenn Ihr erlaubt.�</p><p>�Sie ist in offiziellen Angelegenheiten unterwegs.� Kristoff zog die Luft scharf ein. �Es k�nnte l�nger dauern.�</p><p>Der Oberst schenkte dem K�mmerer nun ihrerseits ein falsches L�cheln und meinte: �Die Lady ist eine Magierin. Wenn die Angelegenheit erledigt ist, wird sie innerhalb k�rzester Zeit zur�ckkehren. Und sie w�nschte, meine Meldung pers�nlich von mir zu erhalten.�</p><p>�Oberst...�</p><p>Was immer Kristoff sagen wollte, wurde von einem Ger�usch �bert�nt, das die Ankunft von Lady Proudmoore ank�ndigte und von der Luft erzeugt wurde, die ihr materialisierender K�rper verdr�ngte.</p><p><emphasis>Besonders beeindruckend sieht sie nicht aus</emphasis>, dachte der Oberst wie stets, wenn es zu einer Begegnung kam. Aber Lorena hatte fr�h gelernt, dass man Magier nicht nach ihrem �u�eren Erscheinungsbild beurteilen durfte. Sie selbst hatte sich ihr ganzes Leben lang darum bem�ht, so m�nnlich wie m�glich auszusehen. Sie hielt ihr Haar kurz geschnitten, lie� die Beine unrasiert und trug Unterkleider, die ihre Br�ste verbargen. Und trotzdem war sie mehr als einmal ob ihres Frauseins herabgew�rdigt worden. Deshalb erstaunte es Lorena umso mehr, wie diese kleine d�nne Frau mit dem goldenen Haar und den tiefblauen Augen es geschafft hatte, den Respekt so vieler zu erringen.</p><p>Teilweise, so nahm sie an, lag es an der Art, wie sie sich bewegte. Sie wirkte immer wie die gr��te Person, wo und neben wem sie auch gerade stehen mochte. Und das, obwohl sie objektiv und n�chtern betrachtet oft die Kleinste war. Ihre Kleidung war fast immer komplett wei� gehalten: Schuhe, Blusen, Hose, Umhang. Noch erstaunlicher aber war, dass diese Sachen wei� <emphasis>blieben</emphasis>.</p><p>Es nahm eine Woche jedes Jahres im Leben eines Soldaten in Anspruch, die wei�en Verzierungen auf dem Brustpanzer davon abzuhalten, braun oder grau zu werden. Und die meisten hatten keinen Erfolg damit. Aber Lady Proudmoores Kleidung strahlte immer wie neu.</p><p>Lorena vermutete, dass das einer der positiveren Nebeneffekte eines Lebens als m�chtige Magierin war.</p><p>�Oberst, Ihr seid zur�ck.� Lady Proudmoore redete, als w�re sie die ganze Zeit im Raum gewesen. �Bitte berichtet.�</p><p>Kurz und pr�gnant schilderte Lorena ihr und dem K�mmerer, was sie und ihre Leute in Northwatch erfahren hatten.</p><p>Kristoff sch�rzte die Lippen. �Ich habe noch niemals von diesem Flammenden Schwert geh�rt.�</p><p>�Ich schon.� Die Lady hatte ihre Kapuze zur�ckgeworfen, sodass ihr goldenes Haar offen herabfallen konnte. Sie sa� an ihrem Tisch, w�hrend Lorena Bericht erstattete, und legte einen Finger an ihr Kinn. �Es gab einen Orc-Clan dieses Namens, aber er wurde vernichtet. Und einige Leute meiner Leibwache haben eine solche Gruppierung erw�hnt.�</p><p>Lorena gefiel nicht, was sie h�rte: Es war eine Sache, dass Strov davon geh�rt hatte. Aber wenn Ger�chte �ber diese Organisation die Leibwache der Lady erreichten, dann stimmte etwas nicht. �Das waren Orcs, Ma'am, davon bin ich �berzeugt.�</p><p>�Oder sie sollten wie Orcs aussehen�, sagte Lady Proudmoore. �Sie benutzten offensichtlich Magie, was irritierend genug ist. Und deshalb k�nnten sie sich auch verkleidet haben. Immerhin, ein unprovozierter Angriff auf Menschensoldaten durch Orcs w�rde viel dazu beitragen, unser B�ndnis zu destabilisieren.�</p><p>�Es ist genauso m�glich�, warf Kristoff ein, �dass es Orc-Aufr�hrer sind, die den Namen dieses ausgestorbenen Clans f�r ihre eigenen Zwecke missbrauchen.�</p><p>Lorena sch�ttelte ihren Kopf. �Das erkl�rt nicht, warum Strovs Bruder davon in einer Taverne in Theramore h�rte.�</p><p>Die Lady nickte so tief in Gedanken versunken, als h�tte sie vergessen, dass sich auch noch andere im Raum aufhielten. Lorena kannte nicht viele Zauberer, aber sie alle hatten die Tendenz, hin und wieder in tranceartige Zust�nde zu verfallen.</p><p>Doch anders als andere Magier, die oft einen Schlag auf den Kopf ben�tigten, um die Welt um sich her wieder wahrzunehmen, war Lady Proudmoore meist in der Lage, sich selbst zur�ck in die Realit�t zu holen.</p><p>Das tat sie gerade und stand dabei auf. �Oberst, ich m�chte, dass Ihr diese Vereinigung namens Flammendes Schwert auskundschaftet. Wir m�ssen wissen, wer dahintersteckt, wie sie operiert und ganz besonders, ob sie Magie einsetzt. Wenn Orcs daf�r rekrutiert wurden, warum sollten sie sich dann noch mit Menschen abgeben? Geht dem auf den Grund, Lorena. Setzt ein, was immer Ihr f�r n�tig erachtet.�</p><p>Lorena richtete sich auf und salutierte zackig. �Jawohl, Ma'am.�</p><p>�Kristoff, ich f�rchte, ich muss sofort abreisen. Donnerechsen sind aus Thunder Ridge entkommen und bedrohen die Drygulch Klamm.�</p><p>�rgerlich sagte der K�mmerer. �Ich verstehe nicht, inwieweit das uns k�mmern m�sste � oder Euch.�</p><p>�Ein Teil des Waldes, der die Echsen auf Thunder Ridge h�lt, wurde bis zum Stumpf abgeholzt. Orcs <emphasis>tun</emphasis> so etwas nicht.�</p><p>�Wie k�nnt Ihr da so sicher sein?� Kristoff klang ungl�ubig.</p><p>Das gleiche Gef�hl �berkam Lorena angesichts der t�richten Frage des K�mmerers. �Es k�nnen unm�glich Orcs gewesen sein!�, platzte es aus ihr heraus.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass es ihr nicht zugestanden hatte, etwas zu �u�ern, deshalb suchte sie den Blickkontakt zu Lady Proudmoore. �Es tut mir Leid, Ma'am.�</p><p>L�chelnd sagte die Lady: �Ist schon in Ordnung. Bitte, fahrt fort.�</p><p>Lorena sah wieder Kristoff an und erkl�rte: �Selbst unter dem Bann der Brennenden Legion h�tten Orcs so etwas <emphasis>niemals</emphasis> getan. Orcs haben eine tiefe Ehrfurcht vor dem Land, so tief, dass sie manchmal, mit Verlaub, schon ans Psychotische grenzt.�</p><p>Lady Proudmoore schmunzelte. �Eigentlich w�rde ich eher sagen, die menschliche Neigung, die Natur zu missbrauchen, grenzt ans Psychotische. Aber der Oberst hat einen guten Punkt angesprochen. Orcs sind einfach nicht in der Lage, so etwas zu machen. Besonders, wenn man �berlegt, was die Donnerechsen anrichten k�nnten. Also bleiben nur die Trolle, die sich jedoch selbst Thralls Herrschaft unterworfen haben, die Gnome, die aber neutral sind � und wir, die Verb�ndeten von Durotar.� Sie seufzte. �Dazu kommt, dass es keine Spur von dem Holz gibt. Es m�sste irgendwie transportiert worden sein. Aber es gibt keinerlei Berichte �ber Transporte zu Wasser, zu Lande oder durch die L�fte. Was auf Magie hindeutet.�</p><p>�Nachdem ich Euren Bericht geh�rt habe, Oberst, tendiere ich sehr in diese Richtung, und dar�ber m�chte ich mehr von Euch erfahren.�</p><p>Kristoff verschr�nkte seine spindeld�rren Arme vor der schmalen Brust. �Ich verstehe nicht, warum Ihr deshalb Theramore verlassen m�sst.�</p><p>�Ich habe Thrall versprochen, dass ich das pers�nlich untersuche.� Sie l�chelte schief. �Im Moment bin ich eine der Hauptverd�chtigen, weil ich sehr wohl dazu in der Lage w�re, die B�ume abzuholzen und nach sonst wohin zu teleportieren. Welchen besseren Weg, meine Unschuld zu beweisen, g�be es, als selbst die Wahrheit herauszufinden?�</p><p>�Mir fielen mehrere Wege ein�, meinte Kristoff s�uerlich.</p><p>Lady Proudmoore ging zur anderen Seite des Tisches und stand ihrem K�mmerer gegen�ber. �Es gibt noch einen anderen Grund. Es kann gut sein, dass fremde Magie dahintersteckt. Machtvolle Magie. Wenn es Magie von dieser St�rke auf Kalimdor gibt, dann muss ich wissen, wer sie aus�bt. Und herausfinden, warum sich der betreffende Zauberer versteckt h�lt.�</p><p><emphasis>�Wenn</emphasis> Magie dahintersteckt.� Kristoff klang gereizt, weshalb Lorena ihn leidenschaftlich gern verpr�gelt h�tte. Doch dann atmete er tief aus und senkte seine Arme. �Dennoch <emphasis>ist</emphasis> es ein legitimer Einwand. Und der muss untersucht werden. Ich ziehe meine Einspr�che zur�ck.�</p><p>�Ich bin froh, dass Ihr zustimmt, Kristoff, sagte die Lady spr�de. Sie ging zu ihrem Tisch und durchsuchte den Stapel Schriftrollen. �Ich werde am Morgen abreisen. Kristoff, Ihr werdet Euch um alles k�mmern, so lange ich weg bin, weil ich nicht wei�, wie lange ich fort bleiben werde. Ihr seid erm�chtigt, in meinem Namen zu handeln, bis ich wieder da bin.� An Lorena gewandt erg�nzte sie: �Viel Gl�ck, Oberst. Ihr seid entlassen.�</p><p>Lorena salutierte, drehte sich um und ging. Als sie hinaustrat, h�rte sie Kristoff etwas sagen, aber die Lady unterbrach ihn. �Ich habe gesagt, Ihr seid entlassen, K�mmerer.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, Ma'am.�</p><p>Der Oberst musste angesichts des ver�rgerten Tons des K�mmerers l�cheln.</p><empty-line/><p>Es gab Zeiten, in denen es Jaina Proudmoore hasste, Recht zu behalten. Falsch zu liegen war nie etwas, das sie gest�rt hatte. Daf�r machte sie vor allem Antonidas verantwortlich. Ihr Mentor hatte ihr vom ersten Moment ihrer Lehrzeit an eingebl�ut, dass Arroganz die gr��te S�nde des Magiers und die am leichtesten zu begehende war.</p><p>�Mit so viel Macht unter den Fingerspitzen wie du sie besitzt, ist man leicht versucht, sich f�r allm�chtig zu halten�, hatte der alte Magier gesagt. �Die meisten Zauberer erliegen dieser Versuchung irgendwann. Das ist einer der Gr�nde, warum ich nicht m�de werde, dich zu warnen. Ich spreche aus leidvoller eigener Erfahrung.� Letzteres hatte er mit einem leichten L�cheln gesagt.</p><p>�Ihr seid nicht gef�hrdet�, hatte Jaina bemerkt.</p><p>�Doch, doch�, war die Antwort des Magiers gewesen. �Niemand bleibt davon unbeeindruckt. Der Trick dabei, um dem zu widerstehen, ist, den Makel in dir selbst zu erkennen und daran zu arbeiten.�</p><p>Sp�ter hatte ihr Mentor von Magiern aus alten Tagen erz�hlt. Solchen wie Aegwynn und Medivh, den letzten beiden W�chtern von Tirisfal. In beiden F�llen hatte Arroganz ihren Untergang besiegelt. Jahre sp�ter sollte Jaina mit Medivh zusammenarbeiten und erkennen, dass zumindest er sich davon losgesagt hatte. Seine Mutter, Aegwynn, hatte weniger Gl�ck. Sie war die erste weibliche W�chterin, eine Frau, die Jaina �ber weite Strecken ihres Lebens bewundert hatte. Ihr einziger Fehler in all den Jahrhunderten als W�chterin war es gewesen zu glauben, Sargeras allein besiegt zu haben. Tats�chlich zerst�rte sie nur seinen Avatar und erlaubte es dem D�mon, sich in ihrer Seele zu verstecken. Der blieb dort jahrhundertelang, bis Aegwynn Medivh gebahr. Dann wechselte Sargeras in diesen �ber.</p><p>Medivh war das Medium f�r Sargeras Invasion gewesen und verantwortlich f�r die Anwesenheit der Orcs in dieser Welt. Und das alles nur, weil Aegwynn arrogant genug gewesen war zu glauben, dass sie Sargeras allein besiegen k�nnte...</p><p>Jaina hatte sich diese Worte zu Herzen genommen und immer ihre eigene Selbstsicherheit angezweifelt. Sie bewunderte Aegwynn immer noch. Ohne sie als Wegbereiterin w�re die einzige Antwort auf Jainas Versuch, Magie zu studieren, Gel�chter gewesen, statt der Skepsis, die sie vorfand.</p><p>Und sie hatte Antonidas beeinflusst.</p><p>Manchmal hatten die Selbstzweifel gegen sie gearbeitet. Sie hatte l�nger, als es gut gewesen war, nicht ihrem Instinkt vertraut, dass Arthas dem B�sen verfallen war. Wenn sie Arthas' Niedergang bedachte, fragte sie sich immer noch, ob alles anders gekommen w�re, h�tte sie nur fr�her gehandelt. Aber meistens hatten sie ihr gut geholfen. Sie machten sie auch, das hoffte sie zumindest, zu einer weisen Herrscherin von Theramore.</p><p>Als Thrall ihr von der Zerst�rung des Waldes von Thunder Ridge berichtet hatte, hatte sie sofort gewusst, dass Magie im Spiel war � und zwar m�chtige Magie. Aber sie hatte auch gehofft, dass sie falsch mit ihrer Annahme lag.</p><p>Was sich als tr�gerische Hoffnung erwiesen hatte.</p><p>Sie war geradewegs von ihrer Kammer in Theramore zu dem betreffenden Wald <emphasis>gegangen</emphasis>. Sobald sie materialisierte, konnte sie die Magie f�rmlich riechen. Und selbst ohne ihre besonderen F�higkeiten h�tte sie wissen m�ssen, dass hier Zauberei wirkte.</p><p>Vor ihr befand sich ein Feld von Baumst�mpfen, das sich so weit erstreckte, wie ein Mensch sehen konnte, bevor es sich �ber dem H�gel verlor, der hinunter zum Gebirgskamm f�hrte. Jeder Stumpf zeigte eine perfekte Schnittfl�che.</p><p>Es war, als w�re eine riesige Sense durch alle B�ume auf einmal gefahren. Mehr noch, die Schnitte waren allesamt gleich � ohne Risse oder Br�che. Solch einen Grad an Perfektion konnte man nur mit Magie erreichen.</p><p>Jaina kannte die meisten Magier, die noch lebten. Und die wenigen, die au�er ihr zu so etwas in der Lage waren, befanden sich nicht auf Kalimdor. Au�erdem f�hlte sich diese Magie <emphasis>anders</emphasis> als jede an, die sie kannte.</p><p>Jeder Magier verwendete seine Kr�fte auf ureigene Art und Weise. Wenn man sensibel genug war, konnte man die Unterschiede zwischen den Zaubern erkennen. Und diese Magieform hier rief leichten Ekel in Jaina hervor, was sie vermuten lie�, dass es sich um <emphasis>D�monenmagie</emphasis> handelte. Das Ekelgef�hl war zwar kein eindeutiges Indiz daf�r, aber auch die Zauberei der Brennenden Legion hatte Jaina immer krank gemacht. Doch das hatte auch die Magie von Kel'Thuzads, als Antonidas sie in Jainas drittem Lehrjahr einf�hrte. Und das war zu einer Zeit gewesen, als der Erzmagier einer der besten Zauberer von Kirin Tor war (lange bevor er zur Nekromantie wechselte und ein Vasall des Lich-K�nigs wurde).</p><p>Allerdings war die Quelle der Zerst�rung weniger wichtig als deren Auswirkungen. Donnerechsen streiften nun durch Drygulch � und m�glicherweise noch viel weiter. Jaina musste einen entlegenen Ort finden, wohin sie sie bringen konnte, damit sie nicht �ber die Farmen und St�dte der Orcs herfielen.</p><p>Sie griff unter ihren Umhang und zog eine Karte hervor � eine der beiden Sachen, die sie aus der Unordnung auf ihrem Schreibtisch gefischt hatte. Sie hatte sich f�r das Hochland von Bladescar als idealem Exil entschieden, um die Echsen umzusiedeln. Im s�dlichen Bereich von Durotar gelegen, �stlich von Ratchet, war das Hochland weit genug entfernt und vom restlichen Land durch Berge getrennt, die den Donnerechsen das Entkommen schwer machen w�rden. Au�erdem gab es gen�gend Gras zum Weiden, Platz, um nach Herzenslust herumzulaufen und einen Gebirgsfluss, der fast so gro� war wie der Fluss, an den sie in Thunder Ridge gew�hnt waren. Die Echsen w�rden sicher sein und ebenso die Bev�lkerung von Durotar.</p><p>Zuerst hatte sie sie noch weiter fortschaffen wollen. Zum Beispiel nach Feralas auf die andere Seite des Kontinents. Aber selbst Jainas F�higkeiten waren Grenzen gesetzt. Sie selbst konnte sich mit Leichtigkeit dorthin teleportieren. Aber zusammen mit Hunderten von Echsen war das mehr, als selbst sie �ber eine solche Distanz zu schaffen vermochte.</p><p>Dann zog sie den anderen Gegenstand aus ihrem Umhang: eine Schriftrolle, die einen Spruch enthielt, der es ihr erm�glichen w�rde, die Gedanken von jeder Donnerechse auf dem Kontinent zu ersp�ren.</p><p>Sie murmelte die Beschw�rung, und lie� dann ihre Sinne wandern. Anders als die meisten Reptilien besa�en Donnerechsen einen Herdentrieb wie Rinder. Deshalb blieben sie meist zusammen, selbst wenn sie ihre Heimat verlie�en.</p><p>Schnell fand sie eine Herde grasend an dem Fluss, der die Drygulch-Klamm mit Wasser versorgte. Sie waren gerade in einer friedlichen Stimmung, was Jaina das Leben merklich erleichterte. Sie war auch darauf vorbereitet, sie magisch in diesen Zustand zu versetzen, falls es n�tig werden sollte. Donnerechsen waren entweder absolut friedfertig oder sie randalierten. Zwischen diesen beiden Extremen gab es nichts. Und es w�re sehr viel problematischer geworden, sie zu teleportieren, w�hrend sie gerade au�er Rand und Band waren.</p><p>Generell zog sie es vor, die Tiere nicht mehr als n�tig in ihrer Routine zu st�ren, aber das schloss nicht aus, dass sie heilfroh war, sie gerade im kooperativeren Zustand anzutreffen.</p><p>Im Allgemeinen hie� es, ein Zauberer ben�tige Blickkontakt mit dem �Passagier�, wenn er ihn bei der Teleportation mitnehmen wollte. So stand es in den Schriftrollen, die es zum Thema gab. Aber Antonidas hatte Jaina beigebracht, dass es auch funktionierte, wenn man einen Gedankenkontakt herstellte. Dazu musste die Magierin den Geist derer ber�hren, die sie auf ihrem Sprung begleiten sollten. Was bedeutend riskanter war, da es etliche Gesch�pfe gab, deren Geist zu ber�hren schwierig oder gar gef�hrlich war. Andere Magier oder D�monen hatten sich dagegen gesch�tzt, und selbst einige besonders willensstarke Menschen w�ren in der Lage, Widerstand zu leisten.</p><p>Im Fall der Donnerechsen bestand diese Gefahr jedoch nicht. Momentan waren ihre Gedanken auf drei existentielle Dinge beschr�nkt: essen, trinken oder schlafen. Abgesehen von der Paarungszeit waren dies zugleich die Aktivit�ten, die das Denken der Donnerechsen die meiste Zeit ihres Lebens ausf�llten.</p><p>Trotzdem ben�tigte Jaina mehrere Stunden, um mit ihrem Geist �ber den vernichteten Wald zu tasten auf der Suche nach jeder Donnerechse, die sich in Drygulch herumtrieb, und ebenso jedem Nachz�gler, der sich auf Razor Hill zu bewegte.</p><p>Gras. Wasser. Augen schlie�en. Ausruhen. Kauen. Schlucken. Schl�rfen. Schlafen. Atmen.</p><p>F�r einen Moment verlor sie sich fast im Wust der Impressionen. Die Gedanken der Echsen waren nicht sonderlich komplex, aber es gab <emphasis>Hunderte</emphasis>, und Jaina bemerkte, dass sie von deren instinktiven Bed�rfnissen � essen, trinken, schlafen � f�rmlich �berrollt wurde.</p><p>Sie biss die Z�hne zusammen und behauptete ihr eigenes Ich gegen das von Hunderten von Donnerechsen. Dann begann sie, die Beschw�rung f�r den Teleportspruch zu murmeln.</p><p>Qual!</p><p>Sengender, gl�hend hei�er Schmerz durchtobte Jainas Sch�del, als sie die letzte Silbe des Spruchs �ber ihre Lippen brachte. Der zerst�rte Wald schmolz vor ihr wie in einer Implosion zusammen... und eruptierte im n�chsten Moment wieder zu seiner alten Form zur�ck.</p><p>Ein milderer Schmerz pflanzte sich durch Jainas linkes Knie, und erst da erkannte sie, dass sie zu Boden gest�rzt war. Ihr Knie war auf einen Baumstumpf geprallt.</p><p>Schmerz. Verletzt. Verletzt. Verletzt. Laufen. Laufen. Laufen. Laufen. Kein Schmerz mehr. Laufen, kein Schmerz.</p><p>Schwei� perlte von ihrer Stirn. Jaina widerstand dem Drang, durch den Wald zu rennen. Irgendetwas war mit dem Teleportspruch schief gegangen, aber Jaina hatte nicht die Zeit, herauszufinden, was passiert war. Denn die Schmerzen, die der fehlgeschlagene Spruch ausl�ste, wurden �ber die mentale Verbindung auf die Donnerechsen �bertragen.</p><p>Ein Reiz, stark genug, um sie aus ihrer Friedfertigkeit zu rei�en und in Berserker zu verwandeln!</p><p>Jaina musste die Tiere stoppen, bevor sie neuerlich Amok durch Drygulch liefen.</p><p>Jeder Instinkt in ihr forderte, dass sie die Verbindung augenblicklich abbrach. Die Aussicht, die wie tollw�tig gewordenen Echsen aufzuhalten und wieder zu bes�nftigen, lagen fast bei Null. Aber die einzige Chance, sie zu beruhigen, bestand darin, die Verbindung aufrecht zu halten.</p><p>Sie schloss die Augen und zwang sich zur Konzentration. Dann sagte sie einen Spruch auf, von dem Antonidas behauptet hatte, er sei speziell f�r bockende Reittiere geschrieben worden. Sie ballte die H�nde zu F�usten, so fest, dass sie f�rchtete, ihre Fingern�gel w�rden in die Handballen eindringen. Gleichzeitig brachte sie so viel wie m�glich von sich selbst in den Spruch ein, um sicherzustellen, dass <emphasis>alle</emphasis> Echsen erreicht wurden.</p><p>Augenblicke sp�ter schliefen sie ein. Jaina schaffte es kaum, die geistige Verbindung zu l�sen und drohte selbst einzunicken. Dazu h�tte fast schon ihre eigene Ersch�pfung ausgereicht, der magischen R�ckkopplung h�tte es gar nicht bedurft...</p><p>Ihre Glieder und ihre Augen wurden schwer. Teleportspr�che waren selbst unter g�nstigsten Voraussetzungen kr�ftezehrend. Und sowohl die schiere Menge dessen, was sie bewegen wollte, als auch die St�rung des Spruchs verschlechterten die Bedingungen zus�tzlich. Jaina wollte nichts anderes mehr als sich hinlegen und wie die Echsen einschlafen. Aber das konnte sie sich nicht leisten. Der Spruch w�rde die Echsen lediglich f�r sechs Stunden beruhigen. Vielleicht sogar weniger, da der Zauber so breit gef�chert worden war. Sie musste herausfinden, was in Bladescar verhindert hatte, dass sie den Spruch ordentlich hatte beenden k�nnen.</p><p>Sie setzte sich und �berkreuzte die Beine. Ihre Arme hingen an der Seite herab, und sie kontrollierte ihren Atem. Dann sandte sie wieder ihre Sinne aus, diesmal Richtung Bladescar, zu dem kleinen Gebiet im Herzen der bergigen Region.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis sie fand, wonach sie suchte.</p><p>Jemand hatte magische Barrieren im gesamten Hochland errichtet. Jaina konnte die Art der hier angewandten Magie nicht exakt bestimmen, aber die Hindernisse eigneten sich perfekt, um Teleportspr�che zu st�ren und um das, was auch immer jenseits von ihnen liegen mochte, zu sch�tzen.</p><p>Jaina stand auf und sammelte sich. Sie setzte zum Teleportzauber an, der sie nach Bladescar bringen w�rde, doch dann hielt sie inne. Sie griff in den kleinen Beutel, der an ihrem G�rtel befestigt war, und holte etwas zu essen heraus. Eine weitere von Antonidas fr�hesten Lektionen war die Ermahnung gewesen, dass Magie den K�rper verzehrte, und der einzige Weg, um ihn wieder zu regenerieren, der war, gehaltvolle Nahrung zu sich zu nehmen. �Viele Zauberer,� hatte er gesagt, �sind gestorben, weil sie so besch�ftigt mit der Erforschung der Wunder der Magie waren, dass sie schlicht verga�en, sich zu <emphasis>ern�hren</emphasis>.�</p><p>Ihr Gebiss schmerzte vom Kauen auf dem harten getrockneten Fleisch. Dann wirkte die erfrischte, ausgeruhte Jaina einen Spruch, der sie knapp vor einer der Barrieren absetzte, die �ber das Hochland verteilt waren.</p><p>Der einzige Nachteil ihres Plans, etwas zu essen, bevor sie teleportierte, war das Grummeln im Magen. Ein Nebeneffekt, der sich mit <emphasis>unverdauter</emphasis> Nahrung in ihrem Bauch noch viel st�rker bemerkbar machte als mit gar keiner. Aber sie schob die Gedanken daran beiseite, w�hrend sie sich an der Grenze zum Hochland umsah. Hinter ihr ragte eine scharfe Klippe auf, vor ihr lag ein Steilhang. Es gab kaum genug Platz zum Stehen.</p><p>Nat�rlich waren die magischen Barrieren f�r das normale Auge unsichtbar. Aber Jaina konnte sie f�hlen. Sie waren nicht besonders stark, aber das mussten sie auch nicht sein. Wenn ihre Aufgabe tats�chlich darin bestand, etwas oder jemanden zu verbergen � wovon Jaina inzwischen �berzeugt war �, war es das Beste, die Barrieren auf einem niedrigen Niveau zu halten. W�ren sie zu stark gewesen, h�tten sie auf andere Magier wie ein Leuchtfeuer gewirkt.</p><p>Aus der N�he erkannte Jaina auch die Charakteristik der Magie, die diese Barrieren erzeugt hatte. Das letzte Mal hatte sie dergleichen in der Begleitung von Medivh gesp�rt, w�hrend des Krieges. Das war die Magie der <emphasis>Tirisfalen</emphasis>. Aber alle W�chter waren tot, Medivh eingeschlossen, der der letzte gewesen war.</p><p>Nun, da sie wusste, wo sie sich befanden, bedurfte es nur einer Geste, um die Barrieren zu entfernen. Danach schritt sie weiter und begann, das Hochland zu erforschen. Dann machte sie eine kurze Pause, um einen Unsichtbarkeitszauber f�r sich selbst zu wirken und sich unerkannt bewegen zu k�nnen.</p><p>Anfangs war es genauso, wie sie es erwartet hatte: Grasland, gesprenkelt mit Fr�chte tragenden B�schen und dem �blichen Baumbestand. Wind wehte von der Gro�en See her, kanalisiert von den Bergen. Jainas wei�er Umhang bauschte sich auf. In Thunder Ridge war es wolkig gewesen, aber das Hochland lag �ber den Wolken. Deshalb war es hier hell und sonnig. Jaina schlug die Kapuze ihres Umhangs zur�ck, damit sie die Sonne genie�en konnte, die ihr ins Gesicht schien.</p><p>Schnell entdeckte sie ersten Spuren desjenigen, der sich hier versteckt hielt: Von mehreren B�schen waren erst k�rzlich Fr�chte gepfl�ckt worden.</p><p>Als sie weiter bergauf ging, fand sie einen Brunnen und etwas Feuerholz gestapelt daneben. Auf der anderen Seite eines gro�en Baumes sah sie eine H�tte. Ordentliche Reihen von Nutzpflanzen, meist Gem�se und einige Kr�uter, wuchsen hinter der H�tte.</p><p>Einen Augenblick sp�ter kam eine Frau in Sicht. Sie trug nur ein abgetragenes hellblaues Leinenkleid und lief barfu�. Ihr Gang war fest. Als sie den Brunnen erreichte, sah Jaina, dass sie ungew�hnlich gro� f�r eine Frau war. Auf jeden Fall gr��er als Jaina. Au�erdem war sie unzweifelhaft alt. Falten und tiefe Furchen verunstalteten ihr Gesicht, das, wie Jaina bemerkte, einst sch�n gewesen sein musste. Die Frau hatte wei�es Haar, das von einem silbernen Diadem gehalten wurde, und die gr�nsten Augen, die Jaina jemals gesehen hatte. Sie passten zu dem besch�digten Jade-Anh�nger, der um ihren Hals hing.</p><p>Pl�tzlich stellten sich Jainas Nackenhaare auf, weil sie die Frau zu erkennen glaubte. Sie hatten sich nie getroffen, aber w�hrend ihrer Lehrzeit hatte Jaina Beschreibungen �ber sie gelesen. Und alle Quellen erw�hnten ihre Gr��e, ihr blondes Haar, das von einem einfachen Silberdiadem gehalten wurde, ihre Augen. <emphasis>Jeder</emphasis> erw�hnte diese Augen.</p><p>Wenn sie es wirklich war, erkl�rte das die Barrieren.</p><p>Obwohl man doch davon ausging, dass sie schon vor langer Zeit gestorben war...</p><p>Die Frau stemmte ihre F�uste in die H�ften. �Ich wei�, dass Ihr hier seid, deshalb braucht Ihr auch nicht weiter den Unsichtbarkeitszauber zu verschwenden.� Sie sch�ttelte den Kopf, als sie zum Brunnen ging und einen Eimer hinablie�, indem sie ein Seil Hand �ber Hand abwickelte. �G�tiger, sie bringen Euch jungen Magiern heute <emphasis>gar nichts</emphasis> mehr bei. Die Violette Zitadelle ist vor die Hunde gegangen, so viel steht fest.�</p><p>Jaina beendete den Zauber. Die Frau reagierte kaum, au�er das sie ein <emphasis>Tsss</emphasis> von sich gab, w�hrend sie das Seil ablie�.</p><p>�Mein Name ist Lady Jaina Proudmoore. Ich regiere Theramore, die Menschenstadt auf diesem Kontinent.�</p><p>�Sch�n f�r Euch. Wenn Ihr zur�ck zu diesem Theramore kommt, �bt den Unsichtbarkeitszauber. Ihr k�nntet Euch, so wie Ihr ihn momentan beherrscht, nicht mal vor einem erk�lteten Bluthund verstecken.�</p><p>Jaina schwindelte, als ihr klar wurde, dass diese Frau unm�glich eine andere sein konnte als diejenige, f�r die sie sie hielt. So unm�glich das auch immer sein mochte. �Magna, es ist mir eine Ehre, Euch zu treffen. Ich habe gedacht, Ihr w�rt...�</p><p>�Tot?� Die Frau schnaufte, als sie das Seil zur�ckzog. Ihr verkniffener Mund verriet die Anstrengung, die es kostete, einen mit Wasser gef�llten Eimer emporzuhieven. �Ich <emphasis>bin</emphasis> tot, Lady Jaina Proudmoore von Theramore. Oder doch wenigstens so nah dran, dass es keinen Unterschied mehr macht. Und nennt mich nicht mehr ,Magna'. Das war eine andere Zeit und ein anderer Ort, und ich bin nicht mehr diese Frau.�</p><p>�Diesen Titel kann man nicht verlieren, Magna. Und ich kann Euch nicht anders nennen.�</p><p>�Papperlapapp. Wenn Ihr mich schon irgendwie <emphasis>nennen</emphasis> m�sst, tut es bei meinem Namen. Ich bin Aegwynn.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Viele Jahre lang war Rexxar, der letzte des Mok'Nathal-Clans, allein durch Kalimdors Weiten gezogen. Immer in Begleitung seiner gro�en Braunb�rin Misha. Als Mischling, in dem Orc- und Oger-Blut flossen, wie bei den meisten seines nun ausgestorbenen Clans, war er des Streits, der R�cksichtslosigkeit und des endlosen Krieges m�de geworden � womit zugleich all das umschrieben war, was l�cherlicherweise als Zivilisation ger�hmt wurde. Rexxar fand mehr Zivilisation bei Mishas B�renfreunden oder bei den W�lfen von Winterspring, als in einer der St�dte, die Menschen, Zwerge, Elfe oder Trolle errichtet hatten und die die Landschaft verschandelten.</p><p>Nein, Rexxar zog es vor umherzuziehen, vom Land zu leben und niemandem Rechenschaft ablegen zu m�ssen. Wenn er je das Bed�rfnis versp�rte, einen Ort <emphasis>Heim</emphasis> zu nennen, wusste er, dass er ein solches in Durotar hatte. Als die Nation der Orcs gegr�ndet wurde, war Rexxar einer sterbenden Gr�nhaut zu Hilfe geeilt, die eine Nachricht an Thrall �berbringen sollte. Dem Krieger seinen letzten Wunsch erf�llend hatte Rexxar Thrall die Meldung zukommen lassen und festgestellt, dass jene Orcs zur�ck zur alten Lebensart gefunden hatten, welche noch aus der Zen stammte, bevor Gul'dan und sein Schattenrat ihr einst so stolzes Volk missbraucht hatten.</p><p>Aber obwohl Rexxar die Ehre hatte, Thrall einen Freund nennen zu d�rfen und ihm Treue geschworen hatte � und dieser Pflicht gern nachkam, indem er den Orcs gegen Admiral Proudmoores Verrat half �, dr�ngte es Rexxar schlie�lich doch wieder, seine Wanderschaft fortzusetzen. Selbst eine so gro�artige Nation wie Durotar hatte St�dte, Siedlungen und <emphasis>Regeln</emphasis>. Rexxar jedoch war f�r die Freiheit der Wildnis geschaffen.</p><p>Ohne Vorwarnung begann Misha loszurennen.</p><p>Rexxar z�gerte eine Sekunde, dann folgte er seiner Begleiterin. Er durfte nicht darauf hoffen, mit dem galoppierenden Gang des vierbeinigen Tiers Schritt halten zu k�nnen. Aber die Beine des Halbbluts waren stark genug, um ihn in Sichtweite der B�rin zu halten. Misha w�rde sich nicht ohne guten Grund von seiner Seite entfernen.</p><p>Sie befanden sich in der N�he der K�ste, in einem Gebiet, das mit hohem Gras bewachsen war. Obwohl niedere Kreaturen es vermutlich als anstrengend empfunden h�tten, das Terrain zu durchqueren, schafften Rexxar und Misha dies m�helos.</p><p>Eine Minute sp�ter blieb Misha stehen, ihre Schnauze vom schulterhohen Gras verborgen. Rexxar wurde langsamer und legte seine Hand um den Griff einer seiner �xte, die auf seinem R�cken befestigt waren.</p><p>Was Misha gewittert hatte, war der K�rper eines Vollblut-Orcs. Rexxar wusste das, weil ein beachtlicher Teil eben dieses Blutes vergossen worden war.</p><p>Rexxar sch�ttelte seinen Kopf.</p><p>�Ein gefallener Krieger. Es ist nur bedauerlich, dass er allein gestorben ist, ohne Kameraden, die ihm im Kampf h�tten beistehen k�nnen...�</p><p>Noch bevor der Halbblut-Wanderer in Betracht ziehen konnte, den tapferen Orc zu begraben, h�rte er ein Fl�stern.</p><p>�Bin... noch nicht... tot...�</p><p>Misha gab ein Jaulen von sich, als w�re sie davon, dass der Orc sprechen konnte, �berrascht worden. Rexxar schaute sich genauer an, was er f�r einen Leichnam gehalten hatte. Er bemerkte, dass dem Orc ein Auge fehlte, diese Wunde aber l�ngst verheilt war, weshalb sie nicht von derselben Hand verursacht worden sein konnte, die den Orc so �bel zugerichtet hatte.</p><p>�Flammendes... Schwert. � M�ssen nach... Orgrimmar. Thrall... warnen... Flammendes... Schwert...�</p><p>Rexxar wusste nicht, was an einem Schwert, das in Flammen stand, so wichtig sein sollte. Aber dieser Krieger hatte sich offensichtlich ans Leben geklammert, um genau diese Botschaft an Thrall zu �bermitteln.</p><p>Er erinnerte sich an den Treueschwur, den er dem Kriegsh�uptling geleistet hatte, und fragte: �Wie hei�t du?�</p><p>�By...Byrok.�</p><p>�F�rchte dich nicht, Byrok. Ich bin Rexxar von den Mok'Nathal, und ich schw�re dir, dass Misha und ich daf�r sorgen werden, dass du nach Orgrimmar gebracht wirst, damit du deine Warnung an den Kriegsh�uptling �berbringen kannst!�</p><p>�Rexxar... ich... kenne dich... Wir... M�ssen... beeilen.�</p><p>Das Halbblut kannte den Orc nicht � aber das war ohne Bedeutung. Mit einer Sanftheit, die er nur selten zum Vorschein kommen lie�, hob er Byroks blutenden K�rper an und legte ihn �ber Mishas breiten R�cken. Die B�rin trug die Last ohne Murren. Obwohl sie sich keine besondere Treue geschworen hatten, war das Band zwischen Rexxar und Misha unzertrennlich. Was immer Rexxar von ihm forderte oder erbat, Misha h�tte es getan.</p><p>Ohne ein weiteres Wort wandten sie sich westw�rts und schritten auf Orgrimmar zu.</p><empty-line/><p>Als Rexxar das erste Mal nach Orgrimmar gekommen war, wurde noch daran gebaut. Ringsum waren Heerscharen von Orcs damit besch�ftigt, H�user zu errichten, Wege anzulegen und die raue Wildnis Kalimdors in eine neue Heimat zu verwandeln.</p><p>Bei seiner R�ckkehr stellte er fest, dass diese Arbeiten inzwischen erledigt waren. Aber es waren immer noch viele Dutzend Orcs durch die Tore sichtbar, die sich mit den Allt�glichkeiten des Lebens besch�ftigten.</p><p>Obwohl er wenig f�r die Zivilisation �brig hatte, erf�llte Rexxar das, was er sah, mit Stolz und Freude. Seit er in diese Welt gekommen war, war das Volk seiner Mutter entweder besessenes Werkzeug von Gul'dans d�monischen Meistern gewesen oder gebrochene Sklaven der menschlichen Feinde. Wenn Orcs auf dieser Welt leben sollten, dann besser zu ihren eigenen Bedingungen.</p><p>Auf drei Seiten war die Stadt von H�geln umgeben, auf der vierten hatte man eine massive Steinmauer errichtet. Von riesigen Holzst�mmen verst�rkt, wurde die Wand nur von einem gro�en Holztor unterbrochen, das derzeit offen stand. Und von zwei Wacht�rmen. Auf der Mauer befanden sich Stangen mit spitzen Enden und noch mehr St�mme, allesamt zugespitzt, um Feinde davon abzuhalten, die Tore zu erst�rmen. Das purpurne Banner der Horde wehte von beiden T�rmen und an einigen der Stangen.</p><p>Es war, befand Rexxar, ein furchterregender Anblick, passend zur Heimstatt der m�chtigsten Krieger der Welt.</p><p>Eine Wache, die einen Speer trug, kam ihm vom Tor entgegen. �Wer bist du?�</p><p>�Ich bin Rexxar, der letzte Sohn der Mok'Nathal. Ich trage Byrok, der verletzt wurde und eine Botschaft f�r Kriegsh�uptling Thrall hat.�</p><p>Die Wache schaute finster drein und sp�hte zu einem der Wacht�rme hoch. Der dort postierte Krieger rief nach unten: �Ist schon in Ordnung. An den kann ich mich erinnern und ebenso an seine B�rin. Kenne auch die Wolfsmaske. Er ist ein Freund des Kriegsh�uptlings. Lass ihn ein.�</p><p>Rexxar trug den ausgebleichten Sch�del eines Wolfs, den er selbst erlegt hatte, wie einen Kriegshelm. Er dient ebenso als Kopfschutz wie als Schreckenssymbol f�r seine Feinde.</p><p>Die Wache gab sich damit zufrieden, trat zur Seite und erlaubte Rexxar, Misha und der Last auf dem R�cken der B�rin den Zutritt nach Orgrimmar.</p><p>Die Orc-Stadt war wie eine gro�e Schlucht gebaut, mit traditionellen Sechseck-Geb�uden zu den Seiten. Als er durch das Tal der Ehre schritt, wo das Tor zum Tal der Weisheit stand, in dem sich Thralls Thronsaal befand, war Rexxar gleicherma�en fasziniert wie betroffen. Ersteres. weil die Orcs es in gerade mal drei Sommern so weit gebracht hatten. Letzteres, weil es noch eine weitere Stadt war in einer Welt, in der es schon viel zu viele davon gab.</p><p>Als er das Tal der Weisheit zur H�lfte durchquert hatte, wurde er von einem mittelgro�en Orc empfangen. Nazgrel war der Anf�hrer von Thralls Leibwache und erwartete ihn zusammen mit vier anderen Kriegern. �Sei gegr��t, letzter Sohn der Mok'Nathal. Es ist viel zu lange her.�</p><p>Aus Respekt nahm Rexxar seinen Helm ab. �Seit ich dich gesehen habe, Nazgrel, ja. Seit ich die Stadt gesehen habe, nein. Ich habe Thrall die Treue geschworen, und ich w�rde diesen edlen Krieger hier nie im Gras sterben lassen.�</p><p>Nazgrel nickte. �Wir sind gekommen, um dich zu ihm zu geleiten. Der Schamane wurde ebenfalls gerufen, damit er sich um Byrok k�mmert. Wir sind auch gekommen, um Misha von ihrer B�rde zu befreien.�</p><p>Auf ein Zeichen von Nazgrel hin hoben zwei seiner Wachen Byroks blutenden K�rper von Mishas R�cken. Zuerst br�llte die B�rin, aber nach einem Wink von Rexxar h�rte sie auf.</p><p>Sie setzten den Weg durch die langen und gewundenen Stra�en von Orgrimmar fort, bis sie zu einem gro�en sechseckigen Geb�ude an der entfernten Seite des Tals der Weisheit gelangten. Thrall empfing sie im Thronsaal, der Rexxar so kalt vorkam wie der Frostsaber Rock.</p><p>Thrall sa� auf seinem Thron. Auf der einen Seite stand sein verschrumpelter Schamane Kalthar und auf der anderen ein Orc, den Rexxar nicht kannte. Als die Wachen Byrok auf den Boden gelegt hatten, beugte sich Kalthar zu dem Krieger hinab.</p><p>Leicht fr�stelnd salutierte Rexxar vor dem Kriegsh�uptling. �Ich entsende dir Gr��e, Kriegsh�uptling der Horde.�</p><p>Thrall l�chelte. �Es tut gut, dich wieder zu sehen, mein Freund. Ich w�nschte nur, es h�tte nicht erst einer meiner Leute fast tot gepr�gelt werden m�ssen, damit du nach Orgrimmar zur�ckfindest.�</p><p>�Es ist nicht meine Art, unter St�dtern zu leben, Kriegsh�uptling, wie du gut wei�t.�</p><p>�In der Tat, das tue ich. Wieder hast du uns einen gro�en Dienst erwiesen.� Er drehte sich zu dem Schamanen um. �Wie geht es ihm?�</p><p>�Er wird es �berleben. Er ist stark. Und er w�nscht, mit dir zu sprechen.�</p><p>�Kann er das denn?�, fragte Thrall.</p><p>Kalthar schnaufte �Nicht gut, aber ich bezweifle, dass er mir erlaubt, ihn richtig zu behandeln, bevor er das getan hat.�</p><p>�Ich muss... mich aufsetzen... Hilf mir, Schamane,� sagte Byrok. Er klang st�rker, als er es im Gras getan hatte, wenn auch nur geringf�gig.</p><p>Mit einem langen Seufzer gab der verrunzelte Orc Nazgrels Wachen ein Zeichen, damit sie Byrok in eine sitzende Position halfen.</p><p>Z�gerlich, immer wieder unterbrochen von Atempausen, erz�hlte Byrok, was ihm widerfahren war. Rexxar wusste nichts vom Flammenden Schwert, aber die anderen offensichtlich durchaus.</p><p>�Das kann nicht dasselbe sein�, meinte der Orc, den Rexxar nicht kannte, irgendwann. �Nicht das, was wir kennen.�</p><p>�Es scheint unwahrscheinlich, das ist wahr, Burx�, sagte Thrall, �aber wenn ihr Symbol exakt so aussieht...�</p><p>Burx sch�ttelte seinen Kopf. �Es k�nnte Zufall sein, aber das glaube ich nicht. Ich habe Ger�chte �ber einen Menschenkult geh�rt, der in Theramore entsteht. Er wird das Flammende Schwert genannt. Es k�nnte sein, dass einer von denen ein paar unserer Leute als Sklaven hielt, davon geh�rt hat und es f�r seine Zwecke missbrauchte.�</p><p>Nazgrel nickte. �Ich habe auch derartige Ger�chte geh�rt, Kriegsh�uptling.�</p><p>�Bei allem Respekt�, sagte Kalthar, �ich muss diesen Mann behandeln. Er hat seine Pflicht erf�llt. Jetzt werde ich ihn aus diesem unertr�glich kalten Thronsaal fortbringen und heilen.�</p><p>�Nat�rlich.� Thrall nickte, und auf Anweisung des alten Schamanen trugen die Wachen Byrok aus dem Saal.</p><p>Thrall stand von seinem Thron aus Fellen auf und begann auf und ab zu gehen. �Was wei�t du von diesem Flammenden Schwert, Nazgrel?�</p><p>Nazgrel zuckte mit den Achseln. �Sehr wenig. Menschen, die sich in ihren H�usern versammeln, um Dinge zu besprechen.�</p><p>Burx lachte h�hnisch. �Sitzen und reden k�nnen die Menschen <emphasis>wirklich</emphasis> gut.�</p><p>�Aber wenn sie frech genug werden, einen Orc innerhalb der Grenzen von Durotar anzugreifen�, f�gte Nazgrel hinzu, �dann sind sie ein gutes St�ck m�chtiger geworden, als wir dachten.�</p><p>�Wir m�ssen darauf reagieren�, sagte Burx. �Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns die Menschen sonst ihrerseits angreifen.�</p><p>Rexxar hielt das f�r eine �bertriebene Einsch�tzung. �Du w�rdest eine ganze Spezies nach den Taten von sechs Einzelnen beurteilen und strafen?�</p><p>�Sie w�rden dasselbe mit uns tun, ohne mit der Wimper zu zucken�, schnaubte Burx. �Und wenn wir es dabei nicht mit denselben sechs zu tun haben, die schon unsere B�ume stahlen und die nur herumstanden und nicht einschritten, als Orc-H�ndler attackiert wurden, dann sprechen wir von wesentlich mehr als nur <emphasis>sechs</emphasis>.�</p><p>Thrall drehte sich und sah Burx an. �Theramore ist unser Verb�ndeter, Burx. Jaina w�rde nicht erlauben, dass solche Sachen eine derartige Reaktion entfachen.�</p><p>�Sie hat vielleicht keine Kontrolle mehr dar�ber�, sagte Nazgrel. �Trotz all ihrer Macht, trotz allem, was ihr unseren Respekt eingebracht hat, ist und bleibt sie doch stets nur eine Menschenfrau.�</p><p>Rexxar erinnerte sich an Jaina Proudmoore als den einzigen ehrenhaften Menschen, den er je kennen gelernt hatte. Als sie sich entscheiden musste, sich auf die Seite ihres Vaters zu stellen, ihrem eigenen Fleisch und Blut, oder ein Versprechen mit den Orcs zu einzuhalten, hatte sie das Letztere getan.</p><p>Ihre Wahl bewahrte Durotar davor, zerst�rt zu werden, noch bevor es �berhaupt richtig erbaut worden war.</p><p>�Lady Proudmoore�, sagte er, �wird das Richtige tun.�</p><p>Burx sch�ttelte den Kopf und entgegnete: �Dein Vertrauen ist r�hrend, Mok'Nathal, aber unangebracht. Glaubst du wirklich, dass eine <emphasis>Frau</emphasis> menschliches Verhalten �ndern kann, das �ber Jahrzehnte gewachsen ist? Sie bek�mpften uns und t�teten uns und <emphasis>versklavten</emphasis> uns. Glaubst du, das �ndert sich, nur weil eine einzige Person es sagt?�</p><p>�Die Orcs haben sich ge�ndert, weil <emphasis>eine</emphasis> Person es gesagt hat�, erwiderte Rexxar leise. �Diese Person steht jetzt vor dir als Kriegsh�uptling. Misstraust du ihm?�</p><p>Darauf lenkte Burx ein. �Nat�rlich nicht. Aber...�</p><p>Thrall hatte seine Entscheidung schon getroffen. Er setzte sich zur�ck auf seinen Thron und verbot Burx, weiterzusprechen. �Ich wei�, wozu Jaina in der Lage ist, und ich kenne ihr Herz. Sie wird uns nicht verraten, und falls Vipern in ihrer Mitte sind, werden die Horde und die m�chtigste Zauberin des Kontinents sich <emphasis>gemeinsam</emphasis> darum k�mmern. Wenn sie mit den Donnerechsen fertig ist, werde ich mit ihr �ber das Flammende Schwert sprechen.� Er drehte sich um und musterte Burx eindringlich. �Was wir aber nicht machen werden, ist unser Wort brechen und die Menschen angreifen � haben wir uns verstanden?� �Das haben wir, Kriegsh�uptling.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Strov hatte bereits eine Stunde in einer dunklen Ecke des Demonsbane Inn gesessen, als sein Bruder Manuel endlich mit vier Arbeitskollegen hereinschneite.</p><p>Auf Oberst Lorenas Anweisung hin hatte Strov mit seinem Bruder �ber das Flammende Schwert gesprochen. Manuel hatte gesagt, dass er die Person, die ihn zu rekrutieren versucht hatte, seitdem nicht mehr gesehen hatte. Aber die letzten Male im Demonsbane hatte er geh�rt, wie ein wieseliger kleiner Fischer namens Margoz nach einigen Bechern Brandy etwas �ber das Flammende Schwert gebrabbelt hatte. Strov hatte gehofft, den eigentlichen Anwerber aufsp�ren zu k�nnen, von dem ihm Manuel eine Woche zuvor erz�hlte. Aber laut Manuel war der Mann seitdem nicht mehr im Demonsbane gesichtet worden.</p><p>Manuel konnte noch nie gut Menschen beschreiben. Murgoz bezeichnete er als �wieselig�, was etwa auf die H�lfte der G�ste im Demonsbane zutraf. Aber Manuel war sich sicher, dass er den Mann wiedererkennen w�rde, sobald er ihm gegen�berstand. Deshalb versprach er, nach seiner Schicht in den Docks zum Demonsbane zu kommen.</p><p>Strov traf bereits fr�h ein und nahm in der Ecke Platz. Er wollte mit dem Hintergrund der Taverne verschmelzen und die Leute beobachten. Nach ein paar Stunden war ihm klar, dass er niemals wieder hierher kommen w�rde. Der Tisch war schmutzig, der Stuhl, auf dem er sa�, schief, und er wackelte auf dem ungewischten Boden. Er hatte sich sein erstes Getr�nk, ein w�ssriges Bier, selbst an der Theke geholt. Seitdem hatte niemand versucht, ihm nachzuf�llen. Strov war erstaunt, dass sich der Besitzer mit dieser Einstellung halten konnte.</p><p>Au�erdem fand Strov den D�monensch�del hinter dem Tresen unglaublich st�rend. Es war, als w�rde ihn das Ding die ganze Zeit anstarren. Obwohl, wenn man es recht bedachte, konnte er sich gut vorstellen, wie die Anwesenheit dieses Sch�dels die Leute dazu anspornte, mehr zu trinken � schon um ihn irgendwann <emphasis>nicht</emphasis> mehr zu sehen, zumindest nicht klar. So gesehen war es letztlich wohl doch eine dem Umsatz f�rderliche Entscheidung, das h�ssliche Ding hier aufzuh�ngen.</p><p>Manuel trat mit einer Gruppe von Leuten ein, die wie er selbst st�mmig und laut waren und �rmellose Hemden �ber weiten Baumwollhosen trugen. Strovs Bruder bestritt seinen Lebensinhalt mit dem Be- und Entladen von Schiffen, die in Theramore anlegten, und verbrachte die meiste freie Zeit beim W�rfeln oder in dieser Taverne. Es war ein Job, der den K�rper forderte, nicht den Geist, weshalb er f�r Strov uninteressant war, aber dem deutlich fantasieloseren Manuel gen�gte. Strovs �lterer Bruder strengte nicht allzu gern seinen Grips an. Selbst die eher rustikale Soldatenausbildung, die Strov genossen hatte, w�re zu anspruchsvoll f�r ihn gewesen. Er bevorzugte es schlicht. Ihm gen�gte es, dass man ihm auftrug, eine Kiste von einem Ort zu einem anderen zu bef�rdern. Alles, was dar�ber hinausging � wie etwa die Feinheiten eines Schwertkampfes �, bereitete ihm Kopfschmerzen.</p><p>Als die Dockarbeiter zur Theke gingen, sagte Manuel: �Sucht einen Tisch, Jungs. Ich ordere die Getr�nke.�</p><p>�Die erste Runde geht auf dich?�, fragte einer mit breitem Grinsen.</p><p>�Klar, wir verrechnen es sp�ter.� Manuel lachte und ging zur Bar. Strov bemerkte, dass sein Bruder nicht den direkten Weg dorthin einschlug. Stattdessen bewegte er sich in einem merkw�rdigen Winkel, sodass er sich zwischen zwei Leuten hindurchzw�ngen musste, um sein Ziel zu erreichen.</p><p>�N'abend, Erik�, begr��te er den Wirt.</p><p>Der nickte nur und wartete auf die Bestellung.</p><p>�Zwei Bier, einen Brandy, einen Wein und einen Eberschnaps!�</p><p>Strov grinste. Manuel hatte schon immer eine Schw�che f�r Eberschnaps gehabt, der selbstverst�ndlich das teuerste Getr�nk in der Taverne war. Das war einer der Gr�nde, warum er immer noch bei ihren Eltern lebte, w�hrend Strov l�ngst seine eigene Behausung hatte.</p><p>�Verstehe, das �bliche�, sagte Erik. �Kommt sofort.�</p><p>Als Erik sich abwandte, um die Bestellung zusammenzustellen, drehte sich Manuel um und blickte den Mann, der ihm am n�chsten sa�, unverwandt an. Der war nach Strov gekommen, trank aber bereits seinen dritten Brandy.</p><p>�Hey�, sagte Manuel, �du bist Margoz, richtig?�</p><p>Der Mann schaute wortlos und mit leerem Blick zu Manuel auf.</p><p>�Du bist doch mit diesen Flammendes-Schwert-Leuten zusammen, oder? Da war doch dieser Kerl hier drin, schon 'ne Weile her, und der hat nach neuen Rekruten gesucht. Zu dem geh�rst du, oder?�</p><p>�Keine Ahnung, wovon du sprichs'�, nuschelte Margoz und verschluckte dabei den einen oder anderen Buchstaben. �Schulligung.�</p><p>Margoz stand auf, st�rzte ungelenk zu Boden, stand wieder auf, lehnte jede Hilfe von Manuel ab und bewegte sich dann ebenso langsam wie unsicher auf die T�r zu.</p><p>Einen Augenblick, nachdem Manuel genickt hatte, verabschiedete sich Strov von seinem l�ngst geleerten Krug und trat ebenfalls auf die Stra�e hinaus.</p><p>Das Kopfsteinpflaster war wie ein Gitternetz angeordnet, um Passanten, Reittieren und Wagen einen festen Untergrund zu bieten und zu verhindern, das sie in dem sumpfigen Boden, auf dem die Stadt errichtet worden war, stecken blieben. Die meisten Leute bevorzugten es, darauf zu gehen, statt auf dem Schlamm und Gras an den Seiten. Deshalb waren die Durchg�nge so stark frequentiert, dass Strov Margoz folgen konnte, ohne bef�rchten zu m�ssen, von ihm entdeckt zu werden.</p><p>Nachdem Margoz mit vier verschiedenen Leute zusammengesto�en war, von denen zwei auch noch angestrengt versucht hatten, genau das zu vermeiden, wurde Strov klar, dass sie auch weit und breit die Einzigen auf der Stra�e h�tten sein k�nnen, ohne dass Margoz ihn entdeckt h�tte. Der Kerl war so betrunken, dass er sogar einen Drachen �bersehen h�tte, wenn der ihm feuerspeiend gefolgt w�re.</p><p>Trotzdem blieb Strov vorsichtig. Er hielt sicheren Abstand, starrte seine Zielperson nur selten direkt an und behielt sie stattdessen lieber aus den Augenwinkeln im Blick.</p><p>Nach kurzer Zeit erreichten sie ein kleines Haus aus gebrannten Lehmziegeln nahe den Docks. Dieses Haus war aus noch billigeren Materialien als Holz oder Stein, was darauf hindeutete, dass wirklich arme Leute darin lebten. Wenn dieser Margoz tats�chlich Fischer war, musste er ein ziemlich schlechter sein. Man musste schon reichlich unbegabt sein, um als Fischer an der K�ste der Gro�en See ein so spartanisches Leben zu f�hren.</p><p>Die nahe gelegene Jauchegrube war offenbar nur unzul�nglich abgedeckt, und Strov w�rgte, als er den Geruch der F�kalien einatmete.</p><p>Margoz betrat das Geb�ude, das vermutlich urspr�nglich als Behausung mit vier R�umen errichtet worden war, bewohnt von <emphasis>einer</emphasis> Familie. Jetzt aber hatte jeder Raum einen anderen Mieter.</p><p>Strov bezog hinter einem der gegen�berliegenden B�ume Position.</p><p>In dreien der R�ume brannten bereits Laternen. Die vierte ging rund eine halbe Minute an, nachdem Margoz das Haus betreten hatte. Strov verlie� seinen Platz, schlenderte hin�ber und blieb nahe bei Margoz' Fenster stehen. Dabei tat er so, als m�sse er urinieren. Er stolperte mit Absicht, damit Passanten ihn f�r einen Betrunkenen hielten, der seine Erleichterung suchte. In dieser Gegend waren Trunkenbolde nichts Ungew�hnliches und erst recht nicht, dass sie dort, wo sie gerade standen, die �bervolle Blase leerten.</p><p>Aus Margoz' Quartier h�rte Strov dumpfe Worte. <emphasis>�Galtak Ered'nash. Ered'nash ban galar. Ered'nash havikyrthog. Galtak Ered'nash</emphasis>.�</p><p>Den Rest verstand Strov nicht. Aber der erste und der letzte Teil waren zweifelsfrei dem Idiom entliehen, das die Orcs verwendeten, die sie in Northwatch angegriffen hatten.</p><p>Zufrieden, die richtigen Schl�sse gezogen zu haben, h�rte Strov weiter zu.</p><p>Sein Gesicht verzog sich vor Ekel, als er pl�tzlich auftretenden Schwefelgestank bemerkte. Eigentlich h�tte der Schwefel wenigstens etwas angenehmer riechen m�ssen � oder zumindest weniger widerw�rtig � als der �berw�ltigende Geruch aus der Jauchegrube. Aber etwas stimmte daran nicht. Etwas <emphasis>B�ses</emphasis> lag darin. Margoz Worte hatten wie eine Beschw�rung geklungen, und jetzt das. Magie schien im Spiel zu sein. Und Strov h�tte sein Schwert darauf verwettet, dass es sich um <emphasis>d�monische</emphasis> Zauberkunst handelte.</p><p>�Tut mir Leid, Herr, ich wollte nicht...� Margoz schwieg. �Ja, ich verstehe, Ihr wollt nicht gest�rt werden, wenn es nicht wichtig ist, aber es dauert jetzt schon <emphasis>Monate</emphasis>, Herr, und ich hause immer noch in demselben Loch. Ich will ja nur wissen...� Wieder eine Pause. �Aber es ist wichtig f�r mich. Und was noch wichtiger ist: Die Leute reden mit mir, als ob ich ihnen helfen k�nnte.�</p><p>Strov konnte die andere H�lfte der Unterhaltung nicht h�ren, woraus er schloss, dass Margoz entweder verr�ckt war und mit sich selbst sprach (was, wie Strov einr�umen musste, nicht v�llig unwahrscheinlich war), oder der Dialogpartner artikulierte sich auf eine Art, die nur Margoz h�ren konnte.</p><p>�Ich wei� nicht, wovon Ihr redet. Keiner ist...� Wieder eine Pause. �Nun, woher sollte ich denn das wiss... H�? Ich hab doch hinten keine Augen.�</p><p>Was Strov �ber D�monen wusste, drehte sich weitgehend darum, wie man sie t�tete. Aber diese einseitige Unterhaltung trug definitiv die Handschrift von D�monen. Und das nicht nur wegen des Schwefels.</p><p>Er zog seine Hose hoch. Er hatte genug geh�rt, was er Oberst Lorena berichten konnte. Au�erdem mochte er die Vorstellung nicht, sich so nah bei einem D�mon aufzuhalten.</p><p>Als er sich umdrehte, starrte er in absolute Dunkelheit.</p><p>�Was zum Teuf...?� Er wirbelte herum. Aber auch dort gab es nur tintige Schw�rze. Theramore war vollst�ndig verschwunden.</p><p>Ich mag keine Spione.</p><p>Strov h�rte die Stimme weniger, als dass er sie bis tief ins Mark seiner Knochen <emphasis>sp�rte</emphasis>. Es war, als h�tte ihm jemand die Augen zugen�ht � nur dass sie weit offen standen und er dennoch <emphasis>absolut nichts</emphasis> sehen konnte.</p><p>Aber war nicht nur die Sicht, die ihm abhanden gekommen war. Die Dunkelheit legte sich auch auf seine �brigen Sinne. Er konnte weder den Stra�enl�rm von Theramore h�ren noch die von der See hergetragene Salzluft schmecken, noch die Brise sp�ren, die von der Gro�en See her�berwehte.</p><p>Das Einzige, was er nach wie vor roch, war Schwefel.</p><p>Warum spionierst du meinem Untertan hinterher?</p><p>Strov schwieg. Er war sich nicht mehr sicher, ob er �berhaupt der Sprache m�chtig war, und selbst wenn, wollte er solchen Kreaturen niemals irgendwelche Informationen zukommen lassen.</p><p>Ich habe f�r solche Spielchen keine Zeit. Mir scheint, du solltest einfach sterben.</p><p>Die Dunkelheit brandete auf Strov herab. Sein K�rper wurde kalt, das Blut gefror ihm in den Adern, sein Geist schrie in unendlicher Qual.</p><p>Der letzte Gedanke, den Strov zu formen im Stande war, galt Manuel. Er hoffte inst�ndig, dass sein Bruder nicht Strovs gesamte Hinterlassenschaft in Eberschnaps umsetzen w�rde...</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Muzzlecrank liebte es, ein Gnomenb�ttel zu sein. Und als er damit angefangen hatte, war es ein leichter Job gewesen. B�ttel sicherten den Frieden in Ratchet, und die Bezahlung war gut. Muzzlecrank verbrachte seine Schicht damit, in seinem Bereich am Pier von Ratchet auf und ab zu gehen, die �blichen Betrunkenen und Landstreicher zu verpr�geln, Bestechungen von Schiffsmeistern, die Schmuggelware bef�rderten, entgegenzunehmen, diejenigen einzusperren, die zu dumm oder zu geizig waren, Bestechungen zu zahlen, und generell alle m�glichen Arten von Leuten zu treffen.</p><p>Muzzlecrank hielt sich seit jeher f�r den geselligen Typ. Ratchet war ein neutraler Hafen. Gnome hatten es sich zur Regel gemacht, in den zahlreichen Konflikten, die das Land verw�steten, keine Partei zu ergreifen. Als Resultat davon kam so ziemlich jede Spezies, die man auf der Welt finden konnte, fr�her oder sp�ter hier durch. Elfen, Zwerge, Menschen, Orcs, Trolle, Oger, ja sogar gew�hnliche Gnome. Hier war der Knotenpunkt von Kalimdor.</p><p>Muzzlecrank liebte es, die wechselseitigen Beziehungen zu beobachten, ob es nun Zwerge waren, die Baumaterial an die Elfen verschifften, Elfen, die Edelsteine zu den Menschen schafften, Orcs, die den Elfen Getreide lieferten, Menschen, die Fisch zu den Oger brachten oder Trolle, die Waffen an so ziemlich jeden verh�kerten.</p><p>Aber dann waren die Beziehungen schlagartig abgek�hlt. Besonders zwischen Menschen und Orcs. Was problematisch war, weil die meisten Besucher in Ratchet zu einer dieser beiden Rassen geh�rten. Ratchet lag an Durotars s�dlichster K�ste und war auch der Theramore am n�chsten gelegene Hafen.</p><p>Erst letzte Woche hatte Muzzlecrank einen Streit zwischen einem Orc-Seemann und einem Menschen-H�ndler beenden m�ssen. Der eine war auf den Zeh des anderen getreten, und der Mensch hatte sich dar�ber ziemlich aufgeregt. Muzzlecrank war gezwungen gewesen, sie auseinander zu bringen, bevor der Orc den Menschen zu Brei schlagen konnte, was alles andere als ein Spa� gewesen w�re.</p><p>Muzzlecrank bevorzugte K�mpfe gegen Betrunkene oder Landstreicher, weil die so freundlich waren, nicht zur�ckzuschlagen. Wildgewordene Orcs hingegen waren ein ganz anderes Kaliber, und Muzzlecrank wollte damit lieber nichts zu tun haben.</p><p>K�mpfe bedeuteten normalerweise, dass er sein Netzgewehr in Anschlag bringen <emphasis>musste, und</emphasis> jedes Mal, <emphasis>wenn er</emphasis> das tat, riskierte er, dass jemand herausfand, wie schlecht er wirklich mit dem dummen Ding umzugehen verstand.</p><p>Ja klar, er konnte es sehr leicht abfeuern. Jeder Idiot konnte das � nur Zielen und den Abzug dr�cken, und ein Schwall komprimierter Luft jagte ein Netz raus, um das einzufangen, worauf man eben gerade schoss.</p><p>Aber Muzzlecrank zielte im Regelfall sehr schlecht, das Netz verpasste fast immer das Ziel und veranstaltete dann eine ziemliche Sauerei. Gl�cklicherweise reichte es normalerweise v�llig aus, wenn ein B�ttel mit der riesigen M�ndung des Gewehrs auf jemanden <emphasis>zielte</emphasis>, um die meisten Konflikte zu beenden. Oder die Kontrahenten wenigstens so lange hinzuhalten, bis Verst�rkung eintraf.</p><p>Seitdem waren keine neuen K�mpfe mehr entbrannt. Aber eine Flut von Schimpfworten wurde ausgetauscht, und hitzige Diskussionen folgten. Es war so weit gekommen, dass viele der Handelsschiffe neuerdings nur noch mit einer bewaffneten Eskorte nach Ratchet kamen � die Orc-Boote mit Kriegern aus Orgrimmar, die Menschen-Schiffe mit Soldaten aus Northwatch.</p><p>Muzzlecranks Bereich war die n�rdlichste Sektion des Piers, ein Gebiet mit zwanzig Ankerpl�tzen, und als er dort entlang schlenderte, sah er, dass f�nfzehn der zwanzig Docks belegt waren. Noch aber blieb zu seiner Erleichterung alles ruhig. Die Sonne schien ihm ins Gesicht und w�rmte ihn in seinem Brustpanzer. Vielleicht w�rde es heute ein guter Tag werden.</p><p>Nach ein paar Minuten verschwand die Sonne. Ein paar Wolken waren aufgezogen. Bald w�rde es zu regnen anfangen. Muzzlecrank seufzte. Er verabscheute Regen.</p><p>Am kurzen Ende des Docks sah er einen Menschen und einen Orc, die eine lebhafte Unterhaltung miteinander f�hrten. Muzzlecrank gefiel nicht, was er sah. Lebhafte Unterhaltungen zwischen Menschen und Orcs neigten in diesen Zeiten dazu, in Gewalt auszuarten.</p><p>Er ging n�her heran. Das Boot des Menschen war direkt neben dem des Orcs vert�ut, an den n�rdlichsten Anlegepl�tzen. Muzzlecrank erkannte den Orc. Es war Kapit�n Klart von der <emphasis>Raknor</emphasis>, einem Handelsschoner, der Getreide von den Bauern in der Razor-Hill-Region transportierte.</p><p>Obwohl er sich nicht an den Namen des Menschen erinnerte, wusste Muzzlecrank, dass dessen Schiff ein Fischtrawler namens <emphasis>Lohn der Leidenschaft</emphasis> war. Muzzlecrank hatte wenig Verst�ndnis f�r die Namenskonventionen der Menschen. Klatt hatte die <emphasis>Raknor</emphasis> nach seinem Bruder benannt, der im Kampf gegen die Brennende Legion gefallen war, aber der Gnom hatte nicht die geringste Ahnung, worauf sich der Name <emphasis>Lohn der Leidenschaft</emphasis> bezog. Bestimmt nicht aufs Fischen.</p><p>Der Handel mit Waren boomte. Getreideanbau war schwierig in den Marschen von Dustwallow, wo die Menschen auf Kalimdor lebten. Aber es gab ausreichend Fisch. Razor Hill dagegen lag zum Fischen viel zu tief landeinw�rts. Deshalb tauschten die Menschen des �fteren ihren �bersch�ssigen Fang gegen das �bersch�ssige Getreide der Orcs.</p><p>�Ich tausche doch nicht meinen besten Lachs gegen diese Abf�lle!�</p><p>Muzzlecrank seufzte. Offensichtlich liefen die Gesch�fte heute nicht sonderlich gut.</p><p>Klatt stampfte mit dem Fu� auf. �Abf�lle? Du l�gst, du kleine Made. Das ist mein bestes Getreide.�</p><p>�Das spricht nicht f�r deine Farm�, konterte der Mensch trocken. �Das Korn sieht aus, als sei ein Oger darauf herumgetrampelt. Und es riecht auch so.�</p><p>�Ich stelle mich doch hier nicht hin und lasse mich von einem <emphasis>Menschen</emphasis> beleidigen!�</p><p>Der Mensch richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf, wodurch er dem Orc gerade mal bis zur Schulter reichte. �Nicht du bist derjenige, der hier beleidigt wird. Ich habe meinen besten Fang, und du bietest mir den Bodensatz aus deinem Fass zum Tausch an!�</p><p>�Dein Lachs taugt nicht mal als Streu!�</p><p>Zu sp�t bemerkte Muzzlecrank, dass der Mensch mit etwas bewaffnet war, das wie ein Langschwert aussah, w�hrend Klatt unbewaffnet schien. Weil er annahm, dass der Mensch im Umgang mit der Klinge ge�bt war, relativierte das die Vorteile, die Klatt in einem Kampf aus seiner Gr��e ziehen konnte.</p><p>�Und dein Korn taugt nicht mal f�r die Hunde!�</p><p>�Feigling!�</p><p>Muzzlecrank zuckte bei Klatts Worten zusammen. �Feigling� war die gr��te Beleidigung, die ein Orc von sich geben konnte.</p><p>�Dreckige Gr�nhaut! Ich h�tte gro�e Lust...�</p><p>Wozu der Mensch gro�e Lust hatte, ging unter, als Klatt ihn angriff. Der Mensch war nicht in der Lage, sein Langschwert rechtzeitig zu ziehen, und die beiden rollten miteinander ringend �ber das Dock. Klatt hieb immer wieder auf den Menschen ein.</p><p>Noch w�hrend er �berlegte, wie genau er die Sache beenden sollte, wurde ihm die Entscheidung von der Menscheneskorte erleichtert. Drei Wachen, die Brustpanzer trugen, die sie als Lady Proudmoores Truppen auswiesen, sprangen von der <emphasis>Lohn der Leidenschaft</emphasis> und rissen Klatt von ihrem Kapit�n fort.</p><p>Aber Klatt lie� sich von gerade mal drei Menschen nicht nachhaltig bremsen. Er boxte einem in den Bauch, griff sich den zweiten und schleuderte ihn gegen den dritten.</p><p>Nun begannen die Orcs von der <emphasis>Raknor</emphasis> zu springen und in die Schl�gerei einzugreifen. Muzzlecrank erkannte, dass er etwas tun musste, bevor <emphasis>alles</emphasis> aus dem Ruder lief.</p><p>Er legte sein Netzgewehr an, hoffte dabei von ganzem Herzen, dass er es nicht wirklich einsetzen musste und br�llte: �Okay, das war's! Aufh�ren, <emphasis>sofort</emphasis>, oder ihr habt alle ein Problem! Kapiert?�</p><p>Klatt, der gerade wieder auf den Menschenkapit�n zuspringen wollte, stoppte. Sein Widersacher, der aus Nase und Mund blutete, schrie: �Er hat mich angegriffen!�</p><p>Die Stimme des Menschen hatte einen nasalen Beiklang, vermutlich das Resultat seiner l�dierten Nase.</p><p>�Ja, das hast du auch verdient � wer sein Wort bricht...�, schnaubte Klatt.</p><p>�Das ist doch kein Grund, einem Mann an die Gurgel zu gehen!�</p><p>�Ich sagte Ruhe!� Muzzlecrank ergriff das Wort, bevor Klatt antworten konnte. �Ihr steht beide unter Arrest. Ihr kommt entweder friedlich mit � oder in Einzelteilen. F�r mich macht das keinen Unterschied.� Er sah die Orc-Krieger und die Menschen-Soldaten an. �Hier ist Gnomengebiet, und das bedeutet, dass <emphasis>ich</emphasis> hier die Befehle gebe, kapiert? Deshalb habt ihr jetzt zwei M�glichkeiten: Helft mir, diese beiden einzusperren, bis ein Schiedsmann sich des Falls annimmt, oder schafft eure �rsche raus aus Ratchet. Es bleibt ganz Euch �berlassen.�</p><p>Muzzlecrank hatte seine Stimme gesenkt in der Hoffnung, dass er so seinen Worten mehr Autorit�t verleihen konnte. Aber er wusste, dass er keine M�glichkeit hatte, diese Leute aufzuhalten, wenn sie sich seinen Worten zum Trotz doch entschlossen, weiterzuk�mpfen. Falls er gezwungen wurde, das Netzgewehr abzufeuern, w�rde er bestenfalls einen der Landepfosten in Mitleidenschaft ziehen.</p><p>Zu seiner Erleichterung sagte einer der Menschen: �Wir wollen keinen �rger. Wir ziehen ab.�</p><p>Augenscheinlich wollten auch die Orcs nicht die Souver�nit�t der Gnome von Ratchet verletzen, wenn es schon die Menschen nicht taten. Deshalb rief einer der Orcs schnell: �Wir auch!�</p><p>Als er Klatt und den blutenden Menschen zur�ckbrachte, versuchte Muzzlecrank, seinen Atem unter Kontrolle zu bekommen, um nicht zu hyperventilieren. Er war f�r diese Art Aufregung nicht geschaffen, aber ihm fiel auch auf Anhieb kein anderer Job ein, in dem er seinen Mann gestanden h�tte.</p><p>Wie auch immer, B�ttel zu sein hatte <emphasis>definitiv</emphasis> an Attraktivit�t eingeb��t.</p><empty-line/><p>Major Davin war so w�tend, dass er an seinem Bart riss. Er zwang sich aufzuh�ren. Das letzte Mal, als er so w�tend gewesen war, hatte er ganze B�schel ausgerupft, was nicht nur schmerzvoll war, sondern auch gegen die Kleiderordnung verstie�.</p><p>Der Grund seiner Wut war Korporal Rychs Bericht, den dieser nach seiner hastigen R�ckkehr aus Ratchet verfasst hatte. �Sie haben tats�chlich Captain Joq eingesperrt?�</p><p>�Nun, das geschah nur der Fairness halber, Sir�, sagte Rych, �sie haben den Orc ebenfalls eingesperrt. Kaum ging die Streiterei los, kam dieser Gnomenb�ttel dazu.�</p><p>�Und Ihr habt ihn Joq einsperren lassen?�</p><p>Rych blinzelte. �Mir blieb keine Wahl, Sir. Gnome sind f�r Ratchet zust�ndig. Wir haben keinerlei...�</p><p>Davin sch�ttelte den Kopf. �Keine Befehlsgewalt, ich wei�, ich wei�.� Er stand von seinem Stuhl auf, und begann im B�ro auf und ab zu gehen. �Es ist l�cherlich. Wir sollten diesem Schwachsinn nicht ausgesetzt sein.�</p><p>�Sir, ich verstehe nicht, worauf...�</p><p>�Die Orcs haben wirklich Nerven, wenn sie versuchen, uns so zu hintergehen.� Er drehte sich um und trat zum Fenster.</p><p>Rych nickte schnell und sagte: �Das ist sicherlich richtig, Sir. Das Korn, das sie uns angeboten haben, war wirklich widerlich, Sir. Eine Beleidigung war das. Und dann hat dieser Orc den Captain angegriffen. V�llig grundlos.�</p><p>Der Major blieb stehen und �ffnete das Fenster. Er sah hinaus auf die Gro�e See. Kleine Wellen schwappten sanft gegen den sandigen Strand. Es war ein friedliches Bild. Ein Idyll, von dem Davin wusste, dass es tr�gerisch war. �Alles ger�t au�er Kontrolle. Wenn die Orcs so weitermachen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder mit ihnen im Krieg liegen.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass das passieren wird, Sir.� Rych klang zweifelnd, aber Davin wusste es besser.</p><p>�Oh, es wird, Korporal, da k�nnt Ihr Euch <emphasis>absolut</emphasis> sicher sein. Und mit den Tauren und den Trollen auf ihrer Seite werden sie uns �berrennen. � Es sei denn, wir sind vorbereitet.� Er wandte sich zur T�r. �Gefreiter!�</p><p>Der Gefreite Oreil kam herein. Wie immer, wenn er ihn sah, seufzte Davin. Ganz gleich, wie viele Male der junge Gefreite auch eingekleidet wurde, immer war ihm die R�stung um einiges zu gro�.</p><p>�Ja, Sir?�</p><p>�Nachricht nach Theramore, sofort. Wir brauchen Verst�rkung, und zwar so schnell wie m�glich!�</p><p>�Jawohl, Sir, wird erledigt, Sir.� Oreil salutierte und verlie� das Wachb�ro, um den magischen Stein zu holen, den Lady Proudmoore ihnen gegeben hatte, um die Kommunikation zwischen Northwatch und Theramore zu verbessern. L�ngere Unterhaltungen konnte man damit zwar nicht f�hren, aber f�r kurze Botschaften reichte es.</p><p>Rych rieb sich gedankenverloren die Wangen. �Oh, Sir, bei allem gebotenen Respekt, aber ist das wirklich eine so gute Idee, Sir?�</p><p>�Sogar eine <emphasis>sehr</emphasis> gute.� Davin setzte sich wieder an seinen Tisch und versp�rte nicht l�nger den Drang, sich die Haare aus dem Bart zu rupfen. Endlich hatte er die Initiative ergriffen, und es wirkte befreiend auf ihn. �Ich lasse ganz bestimmt nicht zu, dass uns diese gr�nh�utigen Bastarde unvorbereitet treffen!�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Aegwynn w�nschte sich sehnlichst, dass diese l�stige junge Frau einfach verschwinden m�ge.</p><p>Doch das w�rde nat�rlich nicht passieren. Aegwynn war zu sehr Realistin, um etwas anderes zu erwarten. Aber das hielt sie nicht davon ab, es sich von ganzem Herzen zu w�nschen. Sie war seit zwei Jahrzehnten allein und hatte es sch�tzen gelernt, sich selbst genug zu sein. In diesen zwanzig Jahren war sie gl�cklicher gewesen, als in den Hunderten davor.</p><p>Sie hatte gehofft, dass dieses Hochland mit seinen unpassierbaren Bergen abgelegen genug war und niemand in der Lage sein w�rde, sie zu finden. Aber diese Hoffnung hatte sich als tr�gerisch erwiesen.</p><p>�Ich kann nicht glauben, dass Ihr immer noch lebt.�</p><p>Diese Proudmoore-Frau klang wie eine Halbw�chsige. Aegwynn wusste jedoch, dass das eigentlich nicht ihre Natur war, sondern sie sich erst in diese Rolle hineingesteigert hatte, als sie erfuhr, wer Aegwynn in Wahrheit war.</p><p>�Ihr wart immer einer meiner Helden. Als ich noch Sch�lerin war, habe ich die Aufzeichnungen Eurer Taten studiert. Ihr wart der bedeutendste W�chter�, fuhr Proudmoore fort.</p><p>Aegwynn schauderte bei dem Gedanken, was diese schlotternden alten Dummk�pfe in der Violetten Zitadelle �ber sie verbreitet und niedergeschrieben haben mochten, und sagte: �Wohl kaum.�</p><p>Sie konnte dieses Geschw�tz nicht l�nger ertragen, hob den Wassereimer an und ging zur�ck zur H�tte. Wenn sie Gl�ck hatte, w�rde diese Proudmoore sie nicht weiter bel�stigen.</p><p>Aber Aegwynn hatte heute nicht sonderlich viel Gl�ck.</p><p>Proudmoore folgte ihr. �Wegen Euch konnte ich �berhaupt erst Magierin werden.�</p><p>�Grund genug f�r mich zu bereuen, dass <emphasis>ich</emphasis> eine wurde.�</p><p>�Ich verstehe nicht. Warum seid Ihr hier? Warum habt Ihr nicht allen erz�hlt, dass Ihr noch lebt? Ehrlich gesagt h�tten wir Eure Hilfe im Kampf gegen die Brennende...�</p><p>Aegwynn schleuderte den Eimer zu Boden und wirbelte zu Proudmoore herum. �Warum ich hier bin, geht nur mich etwas an. Jetzt lasst mich in Frieden.�</p><p>Ungl�cklicherweise f�hrte diese Aktion nur dazu, dass Proudmoore ihr bisheriges Gehabe aufgab und wieder zu jener starken Pers�nlichkeit wurde, die sie eigentlich war. �Es tut mir Leid, aber das kann ich nicht, Magna. Ihr seid zu wichtig f�r...�</p><p>�Ich bin f�r niemanden wichtig. Versteht Ihr das nicht? Ihr kleines dummes Kind! Ich bin nicht auf menschliche Gesellschaft vorbereitet � oder orcische, oder die von Trollen, Zwergen... wen immer Ihr wollt.�</p><p>Dieser Ausbruch brachte erneut das junge Ding in Proudmoore zum Vorschein. Aegwynn konnte die Magie in ihr sehen und erkannte � mochte sie auch im Vergleich zu ihr ein Kind sein �, dass sie sehr m�chtig war. Sie war durch die Barrieren gelangt, ohne dass Aegwynn etwas davon mitbekommen hatte. Das zeugte von einem gewissen K�nnen. �Ich bin kein kleines M�dchen. Ich bin eine Magierin aus Kirin Tor.�</p><p>�Und ich bin tausend Jahre alt, und so weit es mich betrifft, habt Ihr noch ein paar Jahrhunderte vor Euch, bevor ich eventuell in Erw�gung ziehen k�nnte, Euch nicht mehr als kleines M�dchen zu bezeichnen, kleines M�dchen... Jetzt geht. Ich m�chte allein sein.�</p><p>�Warum?� Proudmoore klang ehrlich verwirrt, was Aegwynn zu der Erkenntnis brachte, dass die junge Zauberin ihren Werdegang nicht richtig studiert hatte. Oder ihr Lebenslauf war gr�ndlich ver�ndert � verf�lscht worden, bis Proudmoore ihn in die Finger bekommen hatte. Das M�dchen fuhr fort: �Ihr wart diejenige, die Frauen den Weg geebnet hat, �berhaupt Zauberinnen werden zu k�nnen. Ihr seid einer der besungenen Helden von Azeroth. Wie konntet Ihr Euch nur abwenden...�</p><p>�Wie? Hm, ganz einfach � <emphasis>so</emphasis>.� Aegwynn drehte sich um und ging ins Haus. Ihren Eimer lie� sie stehen. Sie w�rde ihn sp�ter holen.</p><p>Nat�rlich gab Proudmoore nicht auf, sondern folgte ihr durch die klapprige Holzt�r. �Magna, Ihr...�</p><p>Sie standen jetzt in dem Raum, den Aegwynn scherzhaft das Wohnzimmer nannte. Es war zugleich der einzige Raum in der H�tte und diente auch als Schlafstube, K�che und Esszimmer. Aegwynn rief erbost: �H�rt auf, mich so zu <emphasis>nennen</emphasis>. Ich bin keine Magierin mehr. Ich bin auch kein Held, und ich will Euch nicht in meinem Haus haben. Ihr sagtet, dass ich Frauen den Weg zum Magiersein geebnet h�tte. Wenn ich mir �berhaupt etwas anrechnen darf, dann ist es, der beste Grund zu sein, warum Frauen <emphasis>niemals</emphasis> Magierinnen werden sollten.�</p><p>�Ihr liegt falsch�, sagte Proudmoore. �Es ist, weil Ihr...�</p><p>Aegwynn presste ihre H�nde auf die Ohren und sagte: �Um Himmels willen, w�rdet Ihr bitte damit aufh�ren?�</p><p>Ruhig antwortete Proudmoore: �Ich sage nichts, was Ihr nicht schon w�sstet. Wenn Ihr nicht gewesen w�rt, w�ren die D�monen schon viel fr�her gekommen, und wir...�</p><p>�Und welchen Unterschied <emphasis>genau</emphasis> h�tte das ausgemacht?� Aegwynn l�chelte das M�dchen hohntriefend an. �Die D�monen kamen trotzdem, und Lordaeron wurde trotzdem zerst�rt, der Lich-K�nig regiert immer noch, und Sargeras hat immer noch gewonnen.�</p><p>Proudmoore zuckte bei der Erw�hnung des Lich-K�nigs aus irgendeinem Grund zusammen. Aber Aegwynn interessierte das Warum nicht. Das M�dchen antwortete: �Ihr k�nnt Eure Beteiligung leugnen, so lange Ihr wollt, aber das �ndert gar nichts. Ihr wart eine Inspiration f�r alle...�</p><p>Sie l�chelte. �F�r alle ,kleinen M�dchen', die Magierinnen werden wollten. In der Zitadelle war meine Lieblingsgeschichte immer die, wie Ihr von Scavell als erster weiblicher W�chter auserw�hlt wurdet. Dem ersten Magier, der den Wert weiblicher Sch�ler erkannt hat � und wie die W�chter von Tirisfal die Wahl begr��t haben, und...�</p><p>Aegwynn musste lachen. Sie lachte lang und laut. Sie hatte sogar Schwierigkeiten, Luft zu bekommen vor lauter Prusten. Sie fing an zu husten, bekam sich aber wenig sp�ter wieder unter Kontrolle. Nach tausend Jahren begann ihr K�rper jetzt zu altern, aber sie hatte immer noch genug Lebenskraft, um sich von ein bisschen Gel�chter nicht umwerfen zu lassen.</p><p>Genau genommen war es der beste Lacher, der seit Jahrhunderten aus ihr herausgebrochen war.</p><p>Proudmoore schaute wie jemand, der in eine Zitrone gebissen hatte. Ihr Gesicht war wutverzerrt. �Ich verstehe nicht, was daran so komisch sein soll.�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Aegwynn lachte und atmete ein paar Mal tief ein und aus. �Wenn Ihr all den M�ll glaubt, der �ber mich kursiert, seid Ihr selber schuld.� Sie tat einen weiteren Atemzug, der sich in ein Seufzen verwandelte. �Nun, wenn Ihr wahrhaftig darauf besteht, in meine Privatsph�re einzudringen, Lady Jaina Proudmoore aus der ach so noblen Stadt Theramore, dann setzt Euch.� Sie wies auf den geflochtenen Stuhl, f�r dessen Herstellung sie das gesamte dritte Jahr ihres Exils geopfert hatte, sich aber nach seiner Fertigstellung weigerte, je darauf Platz zu nehmen.</p><p>�Setzt Euch, und ich werde Euch die <emphasis>wahre</emphasis> Geschichte erz�hlen, wie ich zur W�chterin von Tirisfal wurde... und warum ich die Letzte bin, die Ihr als irgendeine Art von Heldin feiern solltet...�</p><subtitle>Achthundertvierundsiebzig Jahre zuvor</subtitle><p>Zum ersten Mal seit Jahren jagte Tirisfal Aegwynn Angst ein. Die W�lder n�rdlich der Hauptstadt von Lordaeron waren immer ein Ort der Sch�nheit und Ruhe gewesen, fern vom Alltag. Ihre Mutter hatte sie das erste Mal auf einem Ausflug hierher mitgenommen, als sie noch ein junges M�dchen gewesen war. Die kleine Aegwynn hatte die Landschaft gleichzeitig als erschreckend und faszinierend empfunden. Sie war �berrascht, dass die Tiere frei herumliefen, war fasziniert von der unglaublichen Farbenpracht der Vegetation und begeistert, wie viele Sterne sie des Nachts sehen konnte, weit weg von den Lichtern der Stadt.</p><p>Im Laufe der Zeit war die Angst verschwunden. Sie wich Freude, Verwunderung und immer wieder Erleichterung.</p><p>Bis heute. Heute war die Angst mit aller Macht zur�ckgekehrt.</p><p>Seit ihrer Kindheit war sie eine Sch�lerin des Zauberers Scavell, zusammen mit vier anderen, die aber nat�rlich Jungen waren. Aegwynn wollte schon immer Magierin werden, aber ihre Eltern hatten ihr stets gesagt, dass sie irgendwann irgendjemandes Frau werden w�rde. Und dass ihr Herumspielen mit Kr�utern im Augenblick noch in Ordnung sei. Aber bald schon w�rde sie wichtigere Dinge lernen � wie N�hen und Kochen...</p><p>Diese Predigten lie� sie so lange �ber sich ergehen, bis sie Scavell traf und er sie bat, seine Sch�lerin zu werden. Dabei machte er deutlich, dass er ein Nein als Antwort nicht akzeptieren w�rde. Ihre Eltern jammerten, sie w�rden ihr kleines M�dchen verlieren. Aber Aegwynn war begeistert. Aus ihr w�rde eine Magierin werden!</p><p>Damals gab es nur drei andere Sch�ler: Falric, Jonas und Manfred. Sie waren genauso merkw�rdig wie alle anderen Knaben, die Aegwynn kannte, aber immerhin ein wenig ertr�glicher. Der vierte, Natale, stie� erst ein Jahr sp�ter zu ihnen.</p><empty-line/><p>Heute Morgen hatte Scavell verk�ndet, dass er Mitglied eines geheimen Ordens w�re, den man die W�chter von Tirisfal nannte. Aegwynns erste Assoziation, die sie damit verkn�pfte, war, dass der Wald, den sie so liebte, danach benannt worden war. Aber es stellte sich heraus, dass es genau umgekehrt war. Sie nannten sich so, weil sie sich schon seit vielen Jahrhunderten auf dieser Lichtung trafen. Das erstaunte Aegwynn, weil sie nie solche Treffen bemerkt hatte, obwohl sie seit Jahren regelm��ig Ausfl�ge in die Glades unternahm.</p><p>Dann hatte Scavell ihnen erkl�rt, dass sie nun in die Glades gehen w�rden, um die Tirisfalen zu <emphasis>treffen</emphasis>.</p><p>Die Knaben unterhielten sich �ber Geheimgesellschaften und wie aufregend das alles war. Als wenn es sich um eine Art Abenteuer gehandelt h�tte. Aber Aegwynn blieb still. Sie wollte genau wissen, <emphasis>was</emphasis> diese Tirisfalen darstellten. Scavell blieb �u�erst vage in diesem Punkt. W�hrend die Knaben auf Scavells Wort vertrauten, wollte Aegwynn mehr wissen.</p><p>�Das wirst du schon noch fr�h genug herausbekommen, mein M�dchen,� hatte Scavell auf ihre Frage geantwortet. Er nannte sie immer �mein M�dchen�.</p><p>Als Scavell sie in die Glades brachte, war Aegwynn verwirrt, weil sich niemand auf der Lichtung befand. Doch nur Augenblicke sp�ter, gerade als sie Scavell fragen wollte, was denn nun sei, gab es einen Lichtblitz. Danach wurden sie, Scavell und ihre Mitsch�ler von sieben Gestalten umstanden � in einem perfekten Kreis. Drei waren Menschen, drei waren Elfen, und einer war ein Gnom. Alle waren M�nner.</p><p>�Wir haben gew�hlt�, sagte einer der Elfen.</p><p>Falric echote: �Gew�hlt?�</p><p>Der Gnom antwortete: �Schweig, Junge, das wirst du schon bald selbst herausfinden.�</p><p>Der Elf wandte sich an Scavell. �Du hast alle f�nf Sch�ler gut ausgebildet, Magna Scavell.�</p><p>Aegwynn runzelte die Stirn, sie hatte diese Ehrenbezeichnung noch nie zuvor geh�rt.</p><p>�Trotz allem gibt es einen Sch�ler, der aus den anderen hervorsticht. Ein Sch�ler hat sich auf den wissbegierigen Wegen der Magie bewiesen � was �ber normale Neugierde weit hinausgeht. Einer hat eine Begabung beim Wirken von Zaubern gezeigt, die ohne Gleichen ist, und er hat sogar schon die Schriftrollen des Meitre gemeistert.�</p><p>Jetzt raste Aegwynns Herz. Der Nachtelf Meitre war ein gro�er Zauberer gewesen, der vor vielen tausend Jahren gelebt hatte. Elfenmagier versuchten sich nicht vor dem letzten Jahr ihrer Ausbildung an Meitres Spr�chen. Und Menschenmagier versuchten es w�hrend ihrer Ausbildung oft �berhaupt nicht. Aegwynn aber beherrschte Meitres Spr�che schon seit Ende ihres ersten Jahres.</p><p>Sie hatte es in aller Heimlichkeit getan. Scavell hatte darauf bestanden, weil es sonst �die Knaben �rgern w�rde�.</p><p>Falric schaute seine Mitsch�ler der Reihe nach an. �Wer beherrscht Meitres Spr�che?�</p><p>Mit einem Grinsen sagte Aegwynn triumphierend: �Ich.�</p><p>�Wer hat dir das erlaubt?�, fragte Manfred �rgerlich.</p><p>Mit seiner br�chigen Stimme sagte Scavell: �Das war ich, junger Manfred. Und du und Falric w�rt gut beraten, nicht noch einmal unaufgefordert zu sprechen.�</p><p>Falric und Manfred neigten ihre K�pfe. �Ja, Meister.�</p><p>Der Elf fuhr fort. �Was ich euch jetzt sagen muss, euch allen, ist, dass ein Krieg tobt. Er ist der �ffentlichkeit nicht bekannt, nur der Gemeinschaft der Magier, von der ihr alle eines Tages ein Teil sein werdet. D�monen sind in unsere Welt eingedrungen, und sie werden mit jedem Jahr aggressiver, egal, was wir auch dagegen unternehmen.�</p><p>�In der Tat�, warf der Gnom ein, was ihm einen tadelnden Blick des Elfen einhandelte. �Eigentlich werden sie <emphasis>wegen</emphasis> unserer Erfolge immer aggressiver.�</p><p>�D�monen?� Natale klang entsetzt. Er hatte sich immer schon vor D�monen gef�rchtet.</p><p>�Ja�, sagte einer der Menschen. �Bei jedem Umlauf versuchen sie, uns zu vernichten. Nur Zauberer k�nnen gegen sie ank�mpfen.�</p><p>�Den Tirisfalen wurde aufgetragen�, erg�nzte der Elf mit einem Blick auf den Menschen, der verriet, dass er die Unterbrechung nicht sch�tzte, �diese Welt zu besch�tzen, und wir haben einen W�chter daf�r berufen. Die besten jungen Magier im Land werden vom aktuellen W�chter zusammengebracht, eurem Meister Scavell in diesem Fall, der sie ausbildet. Dann bestimmen wir, welcher der Begabteste ist und der neue W�chter werden soll.�</p><p>�Die Wahl war nicht einfach�, sagte der Gnom.</p><p>Jonas murmelte: �Es ist eine dumme Wahl.�</p><p>�Was hast du gesagt, junger Mann?�, fragte ein anderer Elf.</p><p>�Ich sagte, die Wahl ist dumm. Aegwynn ist ein <emphasis>M�dchen</emphasis>. Sie taugt als weise Frau, die Kr�utertr�nke an die D�rfler verteilt, aber das ist schon alles. Wir anderen werden <emphasis>Magier</emphasis> sein.�</p><p>Aegwynn sah Jonas emp�rt an. Sie war ihm sehr nahe gekommen. Die beiden hatten ein paar Mal miteinander geschlafen, ihre Verbindung aber vor den anderen Sch�lern geheim gehalten, obwohl Scavell davon wusste. Es gab nichts, was dem alten Magier entging. Das Letzte, was sie erwartet h�tte, waren diese Worte aus seinem Mund. Von Falric vielleicht, er war oft unausstehlich, aber doch nicht Jonas. Aegwynn schwor sich, dass er sie niemals wieder in sein Bett bekommen w�rde...</p><p>�Es ist wahr�, sagte ein alter Mensch mit einem Seufzen, �dass Frauen emotional reagieren und zu unkontrollierten Ausbr�chen neigen, die einem Magier nicht zustehen. Aber es ist auch wahr, dass Aegwynn das gr��te Potenzial von allen hat, und wir k�nnen es uns nicht leisten, dass nicht der Beste W�chter wird. Selbst wenn das bedeutet, die Position einer Frau zu geben.�</p><p>Daraufhin entgegnete Aegwynn zornig: �Bei allem Respekt, gute Meister. Ich werde ein genauso guter Magier sein wie diese heranwachsenden <emphasis>M�nner</emphasis> da. Ich glaube sogar, dass ich besser sein werde. Weil ich viel mehr Hindernisse zu �berwinden hatte, um hierher zu kommen.�</p><p>Der Elf lachte. �Sie tr�gt ein gutes Argument vor.�</p><p>�Wartet mal�, sagte Natale, �ihr meint, dass sie dieses W�chter-Dings wird und wir anderen gar nichts kriegen?�</p><p>�Nicht doch�, sagte der Elf. �Ihr werdet alle wichtige Rollen bekleiden. Alle Zauberer in unserem Orden k�mpfen in dieser Schlacht. Es ist nur so, dass die Rolle des W�chters <emphasis>noch</emphasis> wichtiger ist.�</p><p>Aegwynn sah ihren Mentor an und fragte: �Scavell, was wird mit Euch? Warum m�sst Ihr das Amt des W�chters aufgeben?�</p><p>Scavell l�chelte. �Ich bin alt, mein M�dchen, und sehr m�de. Horden von D�monen zu bek�mpfen ist etwas f�r Junge. Ich w�nsche die mir verbleibenden Jahre damit zu verbringen, die n�chste Generation vorzubereiten.� Er betrachtete seine Sch�tzlinge. �Seid beruhigt, ich werde euer Mentor bleiben.�</p><p>�Na gro�artig�, murmelte Falric. Alle vier Knaben schmollten.</p><p>�Die Tatsache� sagte der Gnom gereizt, �dass ihr euch so unreif benehmt, ist exakt der Grund, warum wir Aegwynn vorziehen.�</p><p>�Au�erdem�, erg�nzte der �ltere Mensch, �ist der W�chter das Werkzeug des Rats. Ich vermute, dass ein M�dchen weniger willensstark ist und die Befehlskette besser achtet.�</p><p>�Das ist keine milit�rische Operation�, sagte einer der anderen Menschen.</p><p>Aegwynn konnte nicht anders als anzumerken: �Ihr habt es selbst als einen Krieg beschrieben.�</p><p>�Ganz richtig�, sagte der Elf mit einem verhaltenen Lachen. Dann schaute er Aegwynn aus Augen an, die sich direkt in ihre Seele zu brennen schienen. �Du hast noch Vorbereitungen zu treffen, <emphasis>M�dchen</emphasis>, bevor du dich der �bertragung der Kraft unterziehen musst. Die Magie aller Tirisfalen wird dir gew�hrt. Begreife Folgendes, Aegwynn: Du �bernimmst die gr��te Verantwortung, die ein Magier nur tragen kann.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Aegwynn, obwohl sie sich nicht sicher war, ob das stimmte. Aber sie wollte mehr als alles andere ein Magier sein, und sie wusste, die oberste Pflicht eines Zauberers war, die Welt zu sch�tzen. Im Idealfall wurde Magie von Zauberern nur daf�r eingesetzt, um Ordnung in die chaotische Welt zu bringen, und Aegwynn ahnte schon jetzt, dass eine Menge Arbeit auf sie zukam.</p><p>Sie hatte nur nicht geahnt, wie viel Arbeit es wirklich werden w�rde. Oder was Scavells wahre Gr�nde waren, als er ihr Meitres Schriftrollen gezeigt hatte...</p><p>Falric trat vor. �Verdammt, ich bin so gut wie jedes M�dchen. Besser noch. Ich kann auch einen von Meitres Spr�chen wirken. Seht!� Falric schloss seine Augen, �ffnete sie dann wieder und starrte auf einen Felsen, der aus dem Boden ragte, genau neben der Stelle, wo der Elf stand. Er murmelte eine Beschw�rung, dann wiederholte er sie. Meitres Spr�che bedurften immer der doppelten Beschw�rung, was, wie Scavell gesagt hatte, eine Sicherheitsvorkehrung war.</p><p>Licht blitzte, und der Fels gl�hte schwach in einem leichten Gelb. Falric grinste Aegwynn h�hnisch an und l�chelte dann in Richtung der Magier.</p><p>�Stein zu Gold�, sagte der Gnom. �Wie wenig originell.�</p><p>�Eigentlich,� sagte der Elf mit einem L�cheln, �ist es Falschgold.�</p><p>Falrics Grinsen verschwand. �Wie kann das sein?� Er wirkte einen schnellen Identifizierungsspruch, und dann wurde sein Gesicht noch l�nger. �Verdammt!�</p><p>�Du hast eine gro�e Gabe zu lernen�, sagte der Elf, �aber du hast noch viel mehr Potenzial. Ihr alle, Falric, Manfred, Jonas, Natale, ihr werdet als Scavells Sch�ler euer Potenzial zur Entfaltung bringen.� Wieder sah er sie mit dem seelendurchdringenden Blick an. �Aegwynn, deine Bestimmung wird ein wenig eher kommen. Wir werden uns auf dieser Lichtung in einem Monat wieder treffen, um die Kraft zu �bertragen. Es gibt noch viel, worauf du dich vorbereiten musst.�</p><p>Damit verschwanden s�mtliche Mitglieder des Bundes in einem Lichtblitz.</p><empty-line/><p>Einen Monat sp�ter �bergab Scavell die Macht des W�chters an Aegwynn. Vorher hatte er ihr alles �ber die D�monen und ihre schrecklichen Diener beigebracht, die stetig versuchten, in die Welt einzudringen. Einzig W�chter wie Scavell hatten das erfolgreich verhindert. Es war mit nichts vergleichbar, was sie je zuvor erlebt hatte. An Zauber, die einst ihre volle Konzentration erfordert hatten, verschwendete sie inzwischen kaum mehr als einen fl�chtigen Gedanken. Auch ihre Auffassungsgabe verbesserte sich sprunghaft, weil sie nun den Kern der Dinge sehen konnte. War es einst mit gro�em Aufwand verbunden gewesen oder ben�tigte gar einen komplexen Spruch, die Natur einer Pflanze oder den emotionalen Zustand eines Tieres zu erfassen, schaffte sie das nun mit einem einzigen Blick.</p><p>Ein Jahr sp�ter starb Scavell friedlich im Schlaf. Als er erkannte, dass er sterben w�rde, arrangierte er es, dass neue Lehrer f�r Jonas, Natale und Manfred gefunden wurden. Falric konnte zu der Zeit schon auf eigenen Beinen stehen. Scavell vermachte Aegwynn all seine Besitzt�mer.</p><p>Weniger als einen Monat nach Scavells Tod kam Aegwynn gerade aus dem kleinen Dorf Jortas zur�ck, als der Rat sie auf magischem Weg rief.</p><p>Kaum war sie in Tirisfal Glade eingetroffen, sagte der Gnom, dessen Name, wie sie erfahren hatte, Erbag lautete: �Was hast du eigentlich in Jortas getrieben?�</p><p>�Die Menschen vor Zmoldor retten.� Aegwynn dachte, dass die Antwort auf der Hand l�ge.</p><p>�Und glaubst du, du hast von Zmoldor noch etwas erfahren, bevor du ihn vernichtet hast? Hattest du eine Strategie, wie man ihn loswerden konnte, ohne dass die Bev�lkerung von Jortas die Wahrheit erfahren w�rde? Oder bist du blind losgerannt in der Hoffnung, du w�rdest schon gewinnen?�</p><p>M�de und ver�rgert verhielt sich Aegwynn etwas freim�tiger, als es ihr vor dem Rat zugestanden h�tte. �Weder noch, Erbag, wie du sehr wohl wei�t. Ich hatte keine Zeit, um eine Strategie auszuarbeiten oder mehr herauszufinden. Sonst h�tte ich die Kinder in der Schule, die Zmoldor besetzt hatte, in Gefahr gebracht. Es waren <emphasis>Kinder</emphasis>. Sollte ich abwarten und...�</p><p>�Wir haben von dir erwartet�, sagte Erbag, �dass du <emphasis>tust</emphasis>, was man dir befielt. Hat Scavell dich nicht die Prinzipien der Tirisfalen gelehrt? Wir gehen mit Vorsicht zu Werke und mit...�</p><p>Aegwynn unterbrach den Gnom. �Ihr reagiert nur, Erbag. Das ist <emphasis>alles</emphasis>. Deshalb habt ihr auch kaum Fortschritte gemacht, w�hrend der letzten Jahrhunderte. Zmoldor war in der Lage, eine ganze Schule zu �bernehmen und wollte die Kinder von Jortas f�r ein Ritual missbrauchen, das ihre Seelen vergiftet h�tte. Es war purer Zufall, dass ich den �blen Geruch der D�monenmagie bemerkte und deshalb rechtzeitig eingreifen konnte. Eure Methoden sind nicht mehr zeitgem�� und nicht der Bedrohung angepasst. Wenn es nach euch ginge, w�rden wir stets nur <emphasis>reagieren</emphasis> und nicht selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich ist das so!� Erbag warf seine Arme vor und zur�ck. �Der Rat wurde geschaffen, um genau das zu tun: zu reagieren auf die Bedrohung der...�</p><p>�Und es hat nicht funktioniert. Wenn wir wirklich gegen diese Monster erfolgreich sein wollen, die in unsere Heimat eindringen und sie zu zerst�ren trachten, k�nnen wir ihnen nicht erlauben, sich hier so leicht einzuschleichen und <emphasis>Kinder</emphasis> gefangen zu nehmen, bevor wir �berhaupt davon erfahren. Wir m�ssen bei der Suche nach ihnen <emphasis>aktiv</emphasis> werden und sie eliminieren, bevor ihr Tun Wirkung zeigt � oder wir werden �berrannt.�</p><p>Erbag war nicht �berzeugt. �Und wenn die Leute erkennen, dass ihre Leben in Gefahr sind und dann in Panik verfallen?�</p><p>Statt auf die Frage zu antworten, blickte Aegwynn zu den anderen Ratsmitgliedern. �Spricht Erbag f�r euch alle, oder ist er nur der lauteste?�</p><p>Der �lteste der Elfen im Rat, Relfthra, bedachte Aegwynn mit einem L�cheln. �Beides, Magna.� Das L�cheln verschwand. �Erbag hat Recht, dass du zu r�cksichtslos bist.</p><p>Zmoldor war ein niederer D�mon im Dienste von Sargeras, er h�tte uns mit n�tzlichen Informationen �ber seinen Meister versorgen k�nnen.�</p><p>�Ja, und er <emphasis>k�nnte</emphasis> auch all die Kinder get�tet haben, bevor er uns die Informationen gegeben h�tte.�</p><p>�Vielleicht. Aber dieses Risiko m�ssen wir manchmal eingehen, um diesen Krieg zu gewinnen.�</p><p>Aegwynn war entsetzt. �Wir reden �ber das Leben von <emphasis>Kindern</emphasis>. Au�erdem ist das gar kein Krieg, es ist nur eine Verschleppungsschlacht, im besten Fall. Und wenn wir nicht aufpassen, wird sie uns alle umbringen, egal ob Kinder oder Erwachsene.� Bevor einer der anderen Magier etwas erwidern konnte, sagte sie: �Erhabene Magier des Rates, bei allem Respekt, ich bitte euch. Ich bin ersch�pft und brauche Schlaf. Gibt es sonst noch etwas?�</p><p>Relfthras Miene verfinsterte sich. �Bedenke deine Stellung, Magna Aegwynn. Du bist der W�chter, aber du dienst diesem Amt als der Arm des Rates der Tirisfalen. Vergiss das nie.�</p><p>�Ich bezweifle, dass ihr mir das jemals gestatten w�rdet�, murmelte Aegwynn. �Wenn das jetzt alles war...?�</p><p>�F�r diesmal�, sagte Relfthra.</p><p>Die Worte hatten kaum seinen Mund verlassen, als Aegwynn auch schon todm�de zur�ck zur Violetten Zitadelle teleportierte.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Lorena war entt�uscht, aber nicht wirklich �berrascht, als sie Kristoff auf Lady Proudmoores Thron sah. Die Lady selbst vermied es, auf diesem Ding zu sitzen. Ganz anders ihr K�mmerer, wenn er sie vertrat.</p><p>Kristoff hockte auch weniger auf dem Thron, als dass er sich darauf <emphasis>drapierte</emphasis>. Seine schmalen Schultern hingen herab, und er sa� schr�g, sodass ein Bein �ber die Seite baumelte. Er las in einer Schriftrolle, als Lorena von Duree hereingef�hrt wurde.</p><p>�Oberst Lorena m�chte Euch sehen, Sir�, sagte die alte Zofe kleinlaut.</p><p>�Was ist los, Oberst?�, fragte Kristoff, ohne von seinem Dokument aufzuschauen.</p><p>�Strov ist verschwunden�, sagte sie ohne Einleitung.</p><p>Jetzt blickte er doch von dem Papier auf und hob eine Augenbraue �Sollte mir dieser Name irgendetwas sagen?�</p><p>�Er w�rde es, wenn Ihr den Treffen in den Gem�chern der Lady etwas mehr Aufmerksamkeit zollen w�rdet.�</p><p>Kristoff legte die Schriftrolle zur Seite und richtete sich auf. �M��igt Euren Ton, wenn Ihr mit mir in diesem Raum sprecht, Oberst.�</p><p>Lorena starrte den K�mmerer verbl�fft an. �Ich rede mit Euch, wie es mir gef�llt, <emphasis>egal</emphasis>, in welchem Raum wir uns befinden. Lady Proudmoore hat Euch beauftragt, Theramore <emphasis>in ihrer Abwesenheit</emphasis> zu regieren. Das hei�t aber nicht, dass Ihr dadurch die Lady werdet.� Sie l�chelte selbstgef�llig. �Daf�r mangelt es Euch an Grundlegendem.�</p><p>Kristoff runzelte die Stirn. �Bis Lady Proudmoore zur�ckkommt, bin ich erm�chtigt, in ihrem Auftrag zu handeln. Und Ihr werdet dem mit Respekt begegnen.�</p><p>�Ihr seid der K�mmerer, Kristoff, was Euch dazu erm�chtigt, der Berater von Lady Proudmoore zu sein, genau wie ich. Verfallt deshalb nicht in Gr��enwahn.�</p><p>Kristoff lehnte sich auf dem Thron zur�ck, nahm die Schriftrolle auf und fragte gelangweilt: �Seid Ihr aus einem bestimmten Grund gekommen? Ich meine, au�er mich in Frage stellen zu wollen?�</p><p>�Wie ich schon sagte, Strov ist verschwunden. Ich hatte ihn losgeschickt, um nach den Mitgliedern des Flammenden Schwerts zu fahnden. Ich habe mit seinem Bruder Manuel gesprochen, der mir best�tigt hat, dass im Demonsbane alles wie geplant verlaufen ist. Strov sa� in einer Ecke, Manuel redete mit dem Kerl, von dem er annahm, dass er zum Flammenden Schwert geh�rt, und Strov folgte ihm. Das war vorgestern. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm geh�rt.�</p><p>�Und was geht mich das an?� Kristoff klang immer noch v�llig desinteressiert.</p><p>�Weil er, Ihr schwafelnder Narr, nach dem Flammenden Schwert gesucht hat. Demselben Flammenden Schwert, das mich und meine Leute in Northwatch angegriffen hat. Ich denke, das ist verd�chtig genug, oder nicht?�</p><p>�Nicht unbedingt.� Er legte die Schriftrolle erneut nieder. �Leute desertieren immer wieder vom Milit�r. Eine traurige Tatsache, von der ich annahm, dass sie Euch gel�ufig ist, Oberst.�</p><p>Lorena antwortete knapp: �Sie <emphasis>ist</emphasis> mir gel�ufig, K�mmerer. Aber ich kenne auch Strov. Er w�rde sich lieber ein K�rperteil abhacken als zu desertieren. Er ist der beste Soldat, den ich habe. Ich will die Insel auseinander nehmen und ihn <emphasis>finden</emphasis>. Ich werde nicht hinnehmen, dass er einfach verschwindet!�</p><p>�Nein.�</p><p>Lorenas Hand ging instinktiv zum Schwert, aber sie wusste, dass es dumm gewesen w�re, den Mann auf Theramores Thron niederzustrecken � ganz gleich wie wenig er seine momentanen Privilegien auch verdienen mochte. �Was meint Ihr mit ,nein'?�</p><p>�Ich hatte angenommen, Ihr w�rt mit der Definition des Wortes vertraut...�</p><p>�Sehr spa�ig.� Sie nahm ihre Hand vom Schwertgriff und ging zu dem gro�en Fenster, damit sie Kristoff nicht ansehen musste. Der Himmel war so klar, dass sie Alcaz Island im Nordosten sehen konnte. �Dieses Flammende Schwert macht mir Sorgen, K�mmerer. Sie benutzen Magie und sie...�</p><p>�Im Moment ist das Flammende Schwert wenig mehr als ein Ger�cht. Und noch dazu eines, m�chte ich hinzuf�gen, das Ihr nicht beweisen k�nnt, weil Euer Gefreiter vermisst wird. Es tut mir Leid, ich kann Theramores Ressourcen nicht vergeuden, um einen Deserteur zu finden. Nicht, wenn ich diese Ressourcen anderswo dringend ben�tige.�</p><p>Lorena wirbelte herum. �Wovon redet Ihr?�</p><p>�Euer Kommen hat mir die M�he erspart, Euch rufen zu lassen�, sagte Kristoff.</p><p>Lorena wunderte sich, warum er das nicht gleich gesagt hatte und sprach ihn darauf an.</p><p>Sp�ttisch antwortete Kristoff: �Es steht Euch nicht zu, die Person in Frage zu stellen, die auf dem Thron sitzt, Oberst. Stattdessen steht es Euch zu, den Befehlen dieser Person zu gehorchen. Und gerade jetzt sagt Euch diese Person, dass sich Orc-Truppen bei Kolkar Crag sammeln. Das ist der Grenzbereich zwischen Durotar und Northwatch.�</p><p>Sie verzichtete darauf, ihm zu erkl�ren, dass sie verdammt genau wusste, wo Kolkar Crag lag. Stattdessen fragte sie mit einem finsteren Blick: �Wann ist das passiert?�</p><p>�Gerade erst heute Morgen. Major Davin braucht zus�tzliche Verst�rkung. Ich will, dass Ihr sie anf�hrt.�</p><p>Es geh�rte nicht zu Lorenas Job, alle Truppenbewegungen innerhalb von Theramore und Northwatch zu �berwachen. Aber sie h�tte sehr wohl <emphasis>dar�ber</emphasis> informiert werden m�ssen. �Zus�tzliche Verst�rkungen? Wurde Northwatch denn vorher schon verst�rkt?�</p><p>�Ja, gestern. Es gab mehrere Zwischenf�lle entlang der Handelsk�ste mit Orcs, die Menschen provoziert haben. Es hat sogar Verhaftungen gegeben. Und gerade in diesem Moment wird ein Menschen-Kapit�n in Ratchet gefangen gehalten, weil ein Orc ihn angegriffen hat.�</p><p>Lorena nickte, weil sie den betreffenden Bericht gelesen hatte. �Und was ist daran schlimm? Die Gnome haben das Recht, Pr�geleien zu beenden.�</p><p>�Das war keine Pr�gelei!� Kristoff br�llte � ein Gef�hlsausbruch, der Lorena �berraschte. Der K�mmerer war oft hochm�tig, arrogant, und � das r�umte sie gern ein � auch brillant in seinem Job. Aber sie hatte noch nie erlebt, dass der d�rre Mann seine Stimme erhoben h�tte.</p><p>�Ob es eine Schl�gerei war oder nicht�, sagte sie in ruhigem Ton, den sie absichtlich als Kontrast zu Kristoffs anschwellender Lautst�rke w�hlte, �ist nicht unsere Angelegenheit. Warum wurde Northwatch verst�rkt?�</p><p>�Ich sagte Euch bereits, Orc-Truppen...�</p><p>�Ich meine die eigentliche Verst�rkung.�</p><p>Kristoff zuckte mit den Achseln. �Major Davin hielt es f�r notwendig, und ich stimmte zu.�</p><p>Lorena sch�ttelte ihren Kopf und drehte sich zum Fenster um. �Major Davin glaubt nicht, dass die Orcs irgendetwas wert sind, K�mmerer. Ich w�rde seiner Aussage in dieser Sache nicht trauen. Er �bertreibt m�glicherweise.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass er das tut. Schon gar nicht jetzt, wo sich gerade die Truppen sammeln.� Kristoff stand auf, verlie� den Thron und blieb neben Lorena stehen. �Oberst, wenn Northwatch zur Front eines neuen Krieges zwischen Menschen und Orcs wird, sind wir vorbereitet. Deshalb entsende ich zwei Garnisonen und ebenso die Leibwache.�</p><p>Als er das gesagt hatte, starrte Lorena ihn mit offenem Mund an. Sie wechselte rasch die Position, damit sie Kristoff ansehen konnte und sich gleichzeitig von ihm entfernte. �Die Leibwache? Deren Aufgabe ist der Schutz von Lady Proudmoore.�</p><p>Ruhig antwortete Kristoff: �Die gerade nicht mit uns in Kontakt steht und au�erdem auf sich selbst aufpassen kann. Besser ich setze sie in Northwatch ein, als dass ich sie hier nutzlos herumsitzen lasse.�</p><p>Wieder sch�ttelte Lorena den Kopf. �Ihr macht einen riesigen Fehler, Kristoff. Im Moment haben wir nur eine angespannte Situation. Das bedeutet nicht gleich einen neuen Krieg.�</p><p>�Vielleicht nicht. Aber besser, man ist auf einen Krieg vorbereitet, den man nicht austragen muss, als unvorbereitet auf einen zu sein, den man f�hren muss.�</p><p>Die Logik war bestechend, gefiel Lorena aber trotzdem nicht. �Und was, wenn die Orcs das als kriegerischen Akt betrachten?�</p><p>�So beurteile ich deren Aktionen, Oberst. Wir brauchen dort unseren besten Truppenkommandeur. Deshalb will ich, dass Ihr die Verst�rkung f�r Northwatch anf�hrt. Schnelligkeit z�hlt. Nehmt Eure h�heren Offiziere per Luftschiff mit, um alles vorzubereiten. Der Rest der Truppe wird im Boot reisen und rechtzeitig eintreffen, um Eure Anweisungen auszuf�hren, wenn er mit Euch zusammentrifft.�</p><p>Lorena seufzte. Wenn das Luftschiff bereits vorbereitet war, hatte Kristoff seine Entscheidung getroffen, bevor sie diesen Raum betreten hatte. Trotzdem konnte sie noch einen letzten Trumpf ausspielen. �Ich glaube, wir sollten warten, bis Lady Proudmoore zur�ckkommt.�</p><p>�Das zu glauben ist Euer gutes Recht.� Kristoff ging zur�ck zum Thron und setzte sich darauf. Dabei legte er seine Arme theatralisch auf die breiten Lehnen.</p><p>�Lady Proudmoore ist damit besch�ftigt, ihrem netten Orc-Freund zu helfen, w�hrend die Orcs ihre Verteidigungsanlagen bemannen und sich darauf vorbereiten, uns zu vernichten. Ich werde nicht zulassen, dass alles, was sie aufgebaut hat, zerst�rt wird, weil sie in Bezug auf Thrall blind ist. Nun denn, Oberst, Ihr habt Eure Befehle. F�hrt sie aus.�</p><p>�Kristoff, es ist ein Fehler. Lasst mich Strov suchen. Dann kann ich herausfinden...�</p><p>�Nein.� Kristoff entspannte sich. �Nun gut, Oberst. Ich will Euch ein Zugest�ndnis machen: Ihr d�rft zwei Soldaten f�r die Suche nach Strov abstellen. Mehr kann ich nicht entbehren.�</p><p>Sie nahm an, dass sie von dem K�mmerer nicht mehr bekommen w�rde. �Danke. Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen w�rdet. Es scheint, ich muss meine Offiziere zusammenrufen.�</p><p>Kristoff nahm die Schriftrolle mit seiner rechten Hand wieder auf und entlie� Lorena mit einem Wink seiner Linken. �Ihr d�rft gehen.�</p><p>Sie drehte sich um und verlie� den Thronsaal bebend vor Zorn.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Als Aegwynn ihre Erz�hlung, wie sie eine W�chterin wurde, beendet hatte, stellte Jaina fest, dass sie eher �berrascht als schockiert war. Die Geschichten, die sie gelesen hatte, hatten immer die Berufung von Aegwynn in einem vollst�ndig positiven Licht gezeigt.</p><p>Dass der Rat es zun�chst eher fragw�rdig fand, sie zu berufen und entgegen der Bedenken wegen ihres Geschlechts hatte, oder dass man ihre Methoden so vehement ablehnte... das alles war ihr v�llig neu.</p><p>Allerdings waren Aegwynns Erinnerungen an jene Tage mehrere Jahrhunderte alt, weshalb Jaina nicht umhin konnte einzuwerfen: �Eure Darstellung der Dinge deckt sich nicht mit den historischen Schriften, Magna.�</p><p>�Nein�, best�tigte Aegwynn seufzend. �So ist es wohl. Sie wollten euch junge Magier glauben lassen, dass alle Zauberer stets in perfekter Eintracht zusammenarbeiten.� Sie sch�ttelte den Kopf und rutschte etwas tiefer in ihren Sitz. �Aber es ist wahr, sie wollten kein M�dchen und akzeptierten mich nur, weil ihnen keine andere Wahl blieb. Ich war die Bestqualifizierte. Sicherlich besser als die anderen vier. Und sie bereuten es jede Minute.� Sie richtete sich wieder auf. �Am Ende taten wir das alle. Denn wenn ich nicht gewesen w�re...�</p><p>Jaina sch�ttelte ihren Kopf. �Das ist l�cherlich. Ihr habt so viel Gutes getan.�</p><p>�Was habe ich denn gemacht? Ich bestand darauf, dass die Tirisfalen im Umgang mit den D�monen aktiver wurden. Doch was wurde dadurch erreicht? Acht Jahrhunderte lang versuchte ich, die Flut einzud�mmen � gen�tzt hat es nichts. Zmoldor war nur der Erste. So viele D�monen, so viele Schlachten... und am Ende wurde ich von Sargeras einfach ausgetrickst. Ich...�</p><p>Dieses Mal brauchte Jaina die Geschichte nicht zu h�ren, um zu wissen, worauf Aegwynn anspielte. �Ich wei�, was passiert ist, als Ihr auf Sargeras getroffen seid. Ihr zerst�rtet seine physische Gestalt, aber seine Seele blieb in Euch. Und wurde an Medivh weitergegeben.�</p><p>Aegwynns Lachen war voller Bitterkeit. �Und Ihr glaubt immer noch, dass ich eine gro�e Magierin bin? Ich lie� zu, dass Arroganz mein Urteilsverm�gen tr�bte. Ich nahm an, dass die Tirisfalen eine Gruppe von engstirnigen alten Narren seien, anstatt zu erkennen, was sie wirklich waren: erfahrene Magier, die es besser wussten als ich. Und nachdem ich Sargeras besiegt hatte, wurde ich <emphasis>noch</emphasis> selbstgef�lliger � falls das �berhaupt m�glich ist. Ich ignorierte sogar die Rufe, die der Rat mir sandte, missachtete ihre Verfahren, missachtete ihre Anweisungen. Immerhin, ich hatte Sargeras besiegt, und er war ein <emphasis>Gott</emphasis>, was wussten <emphasis>die</emphasis> denn also schon?� Sie knurrte: �Ich war solch eine N�rrin!�</p><p>�Macht Euch doch nicht selbst so nieder.� Jaina konnte es nicht fassen. Schlimm genug, dass die gr��te Zauberin der Welt, die Frau, die sie Zeit ihres Lebens verehrt hatte, sich als eine derma�en unfreundliche Person entpuppte. Aber jetzt benahm sie sich auch noch einfach v�llig... verblendet. �Wir sprechen hier von Sargeras. Jeder Magier h�tte den Fehler gemacht, den Ihr begangen habt. Wie Ihr schon sagtet, er war ein <emphasis>Gott</emphasis>. Er wusste, dass er Euch in Anbetracht Eurer Macht und der ihm drohenden Gefahr austricksen musste. Und er wusste, wie man Euch manipulieren konnte. Was Ihr getan habt, war nur nat�rlich.�</p><p>Aegwynn starrte in eine der Ecken der bauf�lligen H�tte, die sie offenbar ihr Heim nannte.</p><p>�Ich habe viel, viel mehr als das getan. Da war auch noch Medivh.�</p><p>Jetzt war Jaina noch verwirrter. �Ich kannte Medivh, Magna. Er war...�</p><p>Aegwynn wirbelte herum, sah Jaina an und fauchte: �Ich spreche nicht davon, <emphasis>was</emphasis> mein Sohn war. Ich spreche davon, <emphasis>wie</emphasis> er war.�</p><p>�Was meint Ihr damit?� Jaina Verwirrung stieg. �Medivh wurde von Nielas Aran gezeugt, und...�</p><p>�Gezeugt?� Aegwynn machte ein Ger�usch, das wie berstender Fels klang. �Das ist ein vielleicht doch etwas zu weit hergeholter Begriff <emphasis>daf�r</emphasis>...�</p><subtitle>Vor neunundsechzig Jahren</subtitle><p>Der Ruf war dieses Mal dr�ngend, was der einzige Grund war, weshalb Aegwynn darauf reagierte. Die W�chter von Tirisfal hatten sich mit der Zeit ver�ndert. Die drei Elfen waren dieselben geblieben, aber die Menschen und der Gnom waren allesamt gestorben und ersetzt worden � und auch deren Nachfolger starben und hatten ihrerseits Nachfolger. In mancherlei Hinsicht aber hatten sie sich rein gar nicht ver�ndert. Doch anstatt sich mit ihnen oder mit einem Sch�ler abzugeben, hatte Aegwynn ihre Magie daf�r benutzt, um ihr Leben zu verl�ngern. So konnte sie ihr W�chter-Amt immer noch versehen.</p><p>Einmal w�re sie beinahe gestorben, als sie gerade auf einer Balkonbr�stung in Lordaeron gestanden hatte und einen Zauber wirkte. Damit hatte sie einen von Sargeras fr�heren Sklaven ausfindig machen wollen, der sich irgendwo in der N�he aufhalten sollte. Mitten in der Beschw�rung hatte der Rat sie mit einem so dr�ngenden Ruf zu sich zitiert, dass sie fast die Balance verloren h�tte. Es war der dritte Ruf in ebenso vielen Tagen gewesen, aber der erste, der zu einer solchen Beeintr�chtigung ihrer F�higkeiten gef�hrt hatte.</p><p>Sie erkannte, dass es nicht aufh�ren w�rde, wenn sie nicht endlich darauf reagierte. Deshalb teleportierte sie sich nach Tirisfal Glade. Sie stand auf dem Felsen, den Falric, der schon vor langer Zeit gestorben war � genauso wie die drei anderen Sch�ler und alle im Kampf gegen D�monen � in Falschgold verwandelt hatte. Die Zeit hatte ihn verwittern lassen. Ein dumpfes Braun ersetzte den hellen Goldton, den der Stein achthundert Jahre zuvor noch hatte.</p><p>�Was ist so wichtig, um mich in meiner Arbeit zu unterbrechen?�</p><p>�Die dauert jetzt schon acht Jahrhunderte, Aegwynn�, sagte einer der nachger�ckten Menschen. Aegwynn hatte sich nie die M�he gemacht, sich seinen Namen zu merken. �Es ist h�chste Zeit, dass Ihr Eure Aufgaben abgebt.�</p><p>Aegwynn richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf, was sie gr��er als jeden Mann auf der Lichtung machte, und erwiderte: �Korrekterweise werde ich mit ,Magna' angeredet. Das ist nur eine dieser l�cherlichen Formalit�ten, auf die Ihr besteht und der magischen Welt aufzwingt.�</p><p>Das Wort war zwergischen Ursprungs, bedeutete �Besch�tzer� und stellte die Ehrenbezeichnung f�r jeden W�chter dar. Aegwynn k�mmerte sich nicht um Titel, aber weil der Rat auch sonst auf allen Regeln und Regularien bestand, fand sie es nur recht und billig, solche Dinge anzumahnen � zumindest in der gereizten Verfassung, in der sie gerade war.</p><p>Relfthra rief: �Ach, auf einmal klebt Ihr an Bestimmungen, wie?�</p><p>Der Mensch warf Relfthra einen Blick zu und sagte dann: �Der Punkt, Magna, ist, dass Ihr Euch der Risiken Eurer Arbeit ebenso bewusst seid wie wir. Je �fter Ihr Euer Leben verl�ngert, desto gr��er wird das Risiko, dass es schief geht. Die Verj�ngungsmagie ist keine exakte Wissenschaft und noch weniger ist sie verl�sslich. Es kann jederzeit mitten in einem Kampf oder beim Wirken eines Zaubers passieren, dass man pl�tzlich auf sein tats�chliches Alter zur�ckgeworfen wird. Wenn das passiert, ohne dass ein Nachfolger bestimmt wurde...�</p><p>Aegwynn hob die Hand. Das Letzte, was sie brauchen konnte, war eine Lektion in Sachen Magie. Sie war eine st�rkere Zauberin als alle anderen zusammen. Hatten <emphasis>sie</emphasis> Sargeras pers�nlich gegen�bergestanden?</p><p>�Sehr gut. Ich werde also einen Nachfolger finden und die Macht des W�chters an diese Person �bertragen.�</p><p>Der Mensch widersprach mit drohendem Unterton: <emphasis>�Wir</emphasis> werden Euren Nachfolger aussuchen, so wie wir es auch bei Scavell taten. Und bei jedem W�chter davor.�</p><p>�Falsch. <emphasis>Ich</emphasis> werde die Wahl treffen. Ich glaube, ich wei� besser als irgendein anderer, worauf es ankommt, um ein W�chter zu sein. Auf jeden Fall wei� ich es besser als ihr alle, die ihr hier auf dieser Lichtung steht und nur Reden schwingt, w�hrend andere die Drecksarbeit erledigen.�</p><p>�Magna...�, begann der Mensch, aber Aegwynn wollte nichts mehr h�ren.</p><p>�Ich habe Euren Rat geh�rt, und zum ersten Mal ist er es wert, ihm Beachtung zu schenken.� Sie l�chelte. �Ich nehme an, es musste ja mal passieren. Selbst ein Dorftrottel mag ab und zu �ber wertvolle Ideen stolpern. Wenn mein Nachfolger gefunden ist, werdet ihr von mir informiert. Das ist alles.�</p><p>Ohne darauf zu warten, entlassen zu werden, teleportierte sie zur�ck auf die Balkonbr�stung, wo der Ruf sie ereilt hatte. Auch wenn der Hinweis des Rates tats�chlich vern�nftig war, musste sie doch immer noch in erster Linie ihre Pflicht erf�llen.</p><p>Sie sprach noch einmal den Suchzauber, um zu �berpr�fen, ob wirklich ein D�mon Lordaeron unsicher machte. Aber es stellte sich heraus, dass kein solcher hinter den aktuellen Geschehnissen steckte, nur ein paar Halbw�chsige, die mit Magie herumspielten. H�tten sie weitergemacht, w�re der D�mon vielleicht gerufen worden, aber Aegwynn kam den Bem�hungen der Unwissenden zuvor.</p><p>Danach reiste sie nach Stormwind ins Haus von Nielas Aran.</p><p>Aran war schon seit vielen Jahren einer ihrer Verehrer. Aegwynn schenkte ihm kaum Aufmerksamkeit, obwohl er �ber mehr Talent verf�gte als die meisten anderen Magier, die zu den Tirisfalen geh�rten. Gl�cklicherweise teilte er die Vorurteile des Rates nicht und beherrschte � als Hofmagier von K�nig Landan Wrynn � sein Handwerk hervorragend. W�re sie mehrere Jahrhunderte j�nger gewesen, h�tte sie vielleicht die stahlblauen Augen, seine breiten Schultern und sein angenehmes Lachen mehr gesch�tzt.</p><p>Aber sie war nicht mehrere Jahrhunderte j�nger und hatte deshalb weder Lust noch Verlangen, auch nur sein Interesse an ihr anzuerkennen. Sie hatte zahlreiche Liebschaften in ihren j�ngeren Tagen gehabt, angefangen bei Jonas, aber sie hatte schon lange die Geduld daf�r verloren.</p><p>Nach achthundert Jahren war f�r sie Romantik nur eine Anh�ufung von T�uschungen und Tricks, auf die sie mittlerweile keine Zeit mehr verwenden wollte.</p><p>Aber immer noch konnte sie ihren Charme einsetzen, den sie als Halbw�chsige zuerst an Jonas erprobt hatte, und so begann sie, mit Aran zu flirten. Urpl�tzlich war sie von seinen Hobbys fasziniert und teilte sein Interesse f�r zwergische Musik. All das diente nur einem einzigen Zweck � und lief darauf hinaus, dass er das Bett mit ihr teilte.</p><p>Am n�chsten Morgen wusste sie, das sie schwanger geworden war. Sie war ein wenig niedergeschlagen, als sie erkannte, dass die Frucht in ihrem Leib zu einem <emphasis>m�nnlichen</emphasis> Kind heranwachsen w�rde, denn insgeheim hatte sie auf eine Tochter gehofft � als weiteren Dorn im Auge des Rates. Aber nichtsdestotrotz w�rde dieser Junge den Zweck erf�llen, f�r den er gedacht war.</p><p>Sie trennte sich von dem mehr als entt�uschten Aran, der sich sehr viel mehr erwartet hatte, und verlie� Stormwind. Neun Monate lang erledigte sie ihre Aufgabe als W�chterin so gut sie es vermochte und gebar schlie�lich Medivh.</p><p>Erst dann kehrte sie zu Aran zur�ck, �bergab ihm das Kind und erkl�rte es zu ihrem Nachfolger.</p><empty-line/><p>�Ich kann von Eurem Gesicht ablesen, dass Ihr entsetzt seid.� sagte Aegwynn mit einem boshaften Grinsen.</p><p>�Allerdings.� Jaina hatte zusammen mit Medivh gek�mpft. Er war es gewesen, der sie ermutigt hatte, sich mit Thrall gegen die Brennende Legion zu verb�nden. Aber sie hatte nicht geahnt, dass die Herkunft des Propheten derart... geschmacklos war. Eigentlich wusste sie sehr wenig �ber ihn. Nur dass er von den Toten zur�ckgekehrt war und versuchte, f�r seine S�nden zu b��en, indem er alles in seiner Macht Stehende tat, um die Legion zu stoppen.</p><p>�Deshalb habe ich Euch diese Geschichte erz�hlt�, sagte Aegwynn. �Ich bin keine Heldin, ich bin kein Vorbild, ich bin keine Lichtgestalt, die Zauberer gleich welchen Geschlechts inspiriert. � Ich bin ein arrogantes Arschloch, das zugelassen hat, dass die eigene Macht und die List eines cleveren D�mons sie zerst�rten... und mit ihr den Rest der Welt.�</p><p>Jaina sch�ttelte den Kopf. Sie erinnerte sich an viele Gespr�che mit Kristoff, in denen klar geworden war, dass man die Lehren der Geschichte selten aus den niedergeschriebenen Worten zu ziehen vermochte. Weil solche Darstellungen immer von den Meinungen des Verfassers beeinflusst wurden. Und jetzt sah sie sich darin best�tigt, dass dies tats�chlich so war � dass dies auf die Geschichten, die sie in Antonidas Bibliothek �ber die W�chter von Tirisfal gelesen hatte, ebenso zutraf wie auf die historischen Schriften, von denen Kristoff gesprochen hatte.</p><p>Dann, pl�tzlich, sp�rte sie ein Prickeln in ihrem Nacken. Jaina stand auf.</p><p>Aegwynn tat es ihr gleich. Zweifellos sp�rte die alte Frau dasselbe. Was sich best�tigte, als sie sagte: �Die Barrieren sind wieder aktiv.�</p><p>Jaina fand es interessant, dass Aegwynn dies bemerkte. Insbesondere, wenn sie bedachte, dass Aegwynn es bei ihr, als sie sie �berlistete und aufhob, <emphasis>nicht</emphasis> bemerkt hatte. Das n�hrte einen ganz bestimmten Verdacht.</p><p>Viel besorgniserregender war allerdings, dass diese Barrieren st�rker waren als zuvor. Und sich v�llig <emphasis>falsch</emphasis> anf�hlten.</p><p>�Etwas stimmt hier nicht�, murmelte sie.</p><p>�Ja, ich kenne diese Magie. H�tte nie gedacht, dass ich ihr noch einmal begegnen w�rde, um ehrlich zu sein.� Aegwynn sch�ttelte den Kopf. �Ich bin mir nicht sicher, wie das �berhaupt m�glich ist.�</p><p>Bevor sie Aegwynn um eine Erkl�rung bitten konnte, musste Jaina sicherstellen, dass sie diese Barrieren ebenfalls durchdringen konnte. Sie versuchte einen Teleport-Spruch und f�gte dieses Mal eine Beschw�rung zur Barrierendurchdringung bei. Dann bereitete sie sich auf den Schmerz vor, sollte der Spruch seine Zweck nicht wie erhofft erf�llen.</p><p>Nat�rlich scheiterte sie. Beim ersten Mal h�tte es vielleicht funktioniert, aber da hatte sie darauf verzichtet. Sie hatte den Durchdringungsspruch beim Teleportieren der Donnerechsen nur deshalb nicht benutzt, weil sie das Hochland erst untersuchen wollte, bevor sie Hunderte gereizte Tiere herbrachte.</p><p>Sie schloss kurz ihre Augen, um den Schmerz zu blockieren, und schaute dann Aegwynn an. �Ich komme nicht durch.�</p><p>�Das hatte ich bef�rchtet.� Aegwynn seufzte. Offensichtlich wenig begeistert davon, mit dem �kleinen M�dchen� festzusitzen.</p><p>Jaina war von dieser Aussicht auch nicht sonderlich angetan. Haupts�chlich, weil sie ihr Versprechen, das sie Thrall gegeben hatte, nicht erf�llen konnte, so lange sie im Hochland gefangen war.</p><p>�Ihr sagtet, Ihr kennt die Magie?�</p><p>Aegwynn nickte. �Erinnert Ihr Euch an Zmoldor, den ersten D�mon, dem ich begegnet bin und der die Schulkinder einsperrte?�</p><p>Jaina nickte.</p><p>�Nun, diese neuen Barrieren stammen von ihm.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Kristoff hasste es, auf dem Thron zu sitzen, wenngleich er nat�rlich um die Notwendigkeit wusste, es zu tun. Von F�hrern wurde erwartet, dass sie ihre Autorit�t demonstrierten. Und die einsch�chternde Pr�senz des riesigen Thrones, der alles andere im Raum �berragte, erf�llte diesen Zweck eindrucksvoll.</p><p>Dennoch hasste er es, darauf zu sitzen. Gleichzeitig war er davon �berzeugt, dass es seiner Autorit�t Schaden zuf�gen w�rde, sollte er einen Fehler begehen.</p><p>Kristoff kannte seine Grenzen. Er war eben kein geborener F�hrer. Er hatte Jahre damit verbracht, wirkliche F�hrer aus erster Hand zu studieren und solche, an die er nicht herankam, aus B�chern. Inzwischen wusste er, was gute F�hrer auszeichnete, was sie richtig und was schlechte falsch machten. Etwas, was er fr�h gelernt hatte, war, dass sich arrogante Herrscher selten lange hielten. Herrscher machten Fehler. Die Arroganten gestanden sich das jedoch nicht ein. Das f�hrte oft zur Selbstzerst�rung oder zur Zerst�rung durch Kr�fte von au�en.</p><p>Mit Sicherheit traf das auf Kristoffs vorherigen Arbeitgeber, Garithos, zu. Wenn der Hochlord auf Kristoff geh�rt h�tte, oder einen der anderen sechs Ratgeber, h�tte er sich nicht mit den Verdammten eingelassen. Kristoff hatte vorhergesagt, dass die untoten Kreaturen Garithos verraten und seine Krieger in den Untergang f�hren w�rden.</p><p>Ungl�cklicherweise waren die Arroganten normalerweise auch diejenigen, die sich vor allen anderen in F�hrungspositionen dr�ngten. Kristoff hatte sich schon als junger Student damit auseinander gesetzt, denn es erkl�rte, warum es so wenige wirklich gro�e F�hrungspers�nlichkeiten gab.</p><p>Kristoff kannte sich gut genug, um zu wissen, dass er selbst unglaublich <emphasis>arrogant</emphasis> war. Das �berlegene Vertrauen in seine eigenen F�higkeiten war der Grund, warum er ein so guter Ratgeber f�r Lady Proudmoore war. Gleichzeitig verhinderte es aber auch, dass er ihren Platz einnehmen konnte.</p><p>Nichtsdestotrotz w�rde er tun, was ihm aufgetragen worden war und die Stelle der Lady vertreten, bis sie von ihrem Abstecher, den er keinesfalls bef�rwortete, zur�ckkehrte.</p><p>Mehr als alles andere aber hasste Kristoff den Thron als solchen, auch wegen seiner Unbequemlichkeit. Um den richtigen Effekt zu erzielen, musste man gerade sitzen, die Arme auf den Lehnen abgelegt, und auf den Bittsteller mit einem allwissenden Blick herabschauen. Allerdings war das aufrechte Sitzen f�r Kristoffs R�cken die H�lle. Die Wirbels�ulen maltr�tierende Position lie� sich nur vermeiden, wenn er mit dem Ges�� nach vorn rutschte und sich zu einer Seite neigte. Nur sah das dann aus, als w�rde er den Thron wie ein Sofa benutzen, was nicht ganz der Eindruck war, den er vermitteln wollte.</p><p>Es war eine schwierige Situation. Kristoff w�nschte sich inbr�nstig, dass die Lady nicht ins Orc-Land verschwunden w�re, um irgendeiner aberwitzigen Sache nachzugehen. Schlie�lich waren die Bed�rfnisse von Theramore deutlich wichtiger als die Umsiedlung irgendwelcher randalierenden Reptilien auf Durotar.</p><p>Lady Proudmoore hatte erstaunliche Dinge vollbracht. Nur wenige Personen ihres Geschlechts w�ren in der Lage gewesen zu erreichen, was sie geschafft hatte. Dabei spielte es keine Rolle, ob als Magier oder Herrscher. Nat�rlich, es gab viele weibliche Monarchen, aber sie erlangten ihr Amt durch Erbfolge oder Heirat, nicht durch blo�e Willensst�rke, wie es im Fall der Lady geschehen war. Medivh hatte die Absicht formuliert, aber Jaina Proudmoore hatte die unvorstellbare Aufgabe <emphasis>bew�ltigt</emphasis>, Menschen und Orcs zu einen. Nach seiner Meinung als Experte war sie die gr��te Anf�hrerin, die die Welt je erblickt hatte, und Kristoff betrachtete es als Ehre, einer ihrer vertrautesten Ratgeber zu sein.</p><p>Deshalb trieb ihn ihre Blindheit in Bezug auf die Orcs auch in den Wahnsinn. Kristoff konnte sie ja verstehen. Von allen Anf�hrern, die er getroffen und studiert hatte, war Thrall Lady Proudmoore am �hnlichsten. Wie er die Orcs geeint und vom Joch des D�monenfluchs, das sie so erniedrigte, befreit hatte, war noch beeindruckender gewesen.</p><p>Aber Thrall war einzigartig unter den Orcs. In ihrer Seele waren die Orcs unzivilisierte Bestien, kaum in der Lage, sich zu artikulieren. Ihre Sitten und Gebr�uche waren barbarisch, ihr Verhalten inakzeptabel. Ja, Thrall hatte sie auf Linie gehalten und dabei das genutzt, was er in seiner Zeit gelernt hatte, als er unter Menschen aufgewachsen war. Dadurch hatte er ihnen etwas Zivilisation beigebracht.</p><p>Doch Thrall w�rde nicht ewig leben. Wenn er starb, w�rde mit ihm auch der Flirt der Orcs mit den Menschen enden. Sie w�rden wieder zu den b�sartigen Tieren degenerieren, die sie waren, als Sargeras sie erstmals hierher brachte.</p><p>Doch Lady Proudmoore w�rde diese Worte nicht h�ren wollen. Kristoff hatte es versucht, aber auch die gr��ten Anf�hrer konnten blind f�r gewisse Dinge sein, und dies war eben <emphasis>ihre</emphasis> Schw�che. Sie glaubte so fest daran, dass die Orcs in Frieden mit den Menschen leben konnten, dass sie ihren eigenen Vater verraten hatte.</p><p>An diesem Punkt hatte Kristoff erkannt, dass er zu au�ergew�hnlichen Ma�nahmen greifen musste. Die Lady lie� eher ihren eigenen Vater t�ten, als das Vertrauen der Kreaturen zu entt�uschen, die, mit Ausnahme von Thrall, ihr diesen Gefallen niemals vergelten w�rden.</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte Kristoff niemals getan, was er jetzt tat. Jeden Tag wachte er auf und fragte sich, ob er den richtigen Weg verfolgte. Aber jeden Tag wachte er auch in Furcht auf. Vom ersten Moment an, da er nach Kalimdor gekommen war, vom Ende des Krieges bis hin zur Gr�ndung von Theramore, lebte Kristoff in der f�rchterlichen Panik, dass alles, was sie aufgebaut hatten, zerst�rt werden k�nnte. Mit Ausnahme des kleinen Forts an der Handelsk�ste reduzierte sich die menschliche Pr�senz in Kalimdor auf eine kleine Insel vor der �stlichen K�ste, auf drei Seiten von Kreaturen umgeben, die ihnen im besten Fall gleichg�ltig gesinnt waren � und im schlimmsten feindlich. Auf der vierten Seite begrenzte die Gro�e See ihr Hoheitsgebiet.</p><p>Trotz seiner �ngste und trotz seines lautstarken Rates, bevorteilte die Lady die Orcs st�ndig � zum Schaden der Menschen. Sie bezeichnete es als Gl�cksfall f�r die Allianz, und dass sie verb�ndet st�rker seien als getrennt. Das wahrhaft Tragische daran war, dass sie dies auch glaubte.</p><p>Aber Kristoff wusste es besser. Und als sich Lady Proudmoore als unf�hig erwies, die Gesamtsituation zu erfassen, das gro�e Bild, das Kristoff sein ganzes Leben lang bem�ht war zu erkennen, holte er sich Hilfe von au�en.</p><p>Duree streckte ihre verschrumpelte Hand in die Kammer.</p><p>�Sir, der magische Stein von Northwatch gl�ht. Ich glaube, er hat eine Botschaft.�</p><p>Trocken versetzte Kristoff: �Das bedeutet es f�r gew�hnlich, ja.� Er stand vom Tisch der Lady auf und ging hinaus in den Thronsaal, wo der Stein aufbewahrt wurde. Vermutlich war das entweder Lorena oder Davin, die ihn dar�ber unterrichten wollten, dass der Oberst endlich eingetroffen war. Ihre Truppen waren an diesem Morgen angekommen.</p><p>Kristoffs Plan, Lorena bereits dort zu haben, wenn der Truppentransport eintraf, war von mechanischen Problemen am Luftschiff vereitelt worden. Der Start hatte sich verz�gert. Au�erdem war der Truppentransporter durch starke Winde fr�her als erwartet eingetroffen.</p><p>Als er zu dem Stein ging, der auf einem Podest in der s�dwestlichen Ecke des Thronsaals ruhte, sah Kristoff, dass er tats�chlich rot leuchtete. Was darauf hinwies, dass sein Gegenpart in Northwatch aktiviert worden war.</p><p>Einen Moment z�gerte er, dann ergriff er den Stein. Wie erwartet schoss ein schmerzhafter Schock durch seinen Arm, der ihn fast zwang, den Stein wieder fallen zu lassen. Das Leuchten verschwand jedoch ebenso wie der Schmerz, und dann folgte Major Davins Stimme. Es klang, als w�rde Davin aus einer H�hle heraus br�llen.</p><p>�Lord K�mmerer, es ist meine traurige Pflicht, Euch davon in Kenntnis zu setzen, dass sich Oberst Lorenas Luftschiff noch nicht gemeldet hat. Beobachter sahen das Luftschiff, doch es fuhr Richtung Nordosten. Die Truppen sind angekommen, aber ich wei� nicht, was der Oberst mit ihnen vorhatte. Bitte gebt mir Anweisungen.�</p><p>Kristoff seufzte, als er den Stein zur�ck auf das Podest legte. �Verdammt sei diese Frau!�</p><p>�Welche Frau?�, fragte Duree.</p><p>�Oberst Lorena. Wen hat sie im Luftschiff mitgenommen?�</p><p>Ohne z�gern kramte die alte Frau die Antwort aus ihrem Ged�chtnis. So sonderbar ihre Manieren auch sein mochten, so unglaublich effizient war sie. �Major Bek, Captain Harcort, Captain Mirra und Lieutenant Norjo. Oh, und Corporal Booraven.�</p><p>Kristoff runzelte die Stirn, �Warum hat sie einen Korporal mitgenommen?� Er hatte klar angeordnet, dass nur die rangh�heren Offiziere auf dem Luftschiff mitfahren und die gemeinen Truppen im Boot nachkommen sollten. Langsam bahnte sich die Erinnerung den Weg in sein Hirn. �Ich kenne den Namen von irgendwoher.�</p><p>Duree, Gott sch�tze sie, eilte ihm zu Hilfe. �Das ist die, die man damals im Krieg den Gl�cksbringer nannte. Eine Sensitive, wenn ich mich recht erinnere, kann Magie auf hundert Schritte <emphasis>riechen</emphasis>.�</p><p>�Richtig, genau.� Kristoff erinnerte sich, dass die Booraven, die w�hrend des Krieges Gefreiter gewesen war, nicht nur in der Lage war, D�monen aufzusp�ren, die mit blo�em Auge nicht gesehen wurden, sondern auch herauszufinden im Stande war, ob jemand von einem Mitglied der Brennenden Legion besessen war. Sie besa� au�erdem die F�higkeit, auch Lady Proudmoore oder jeden anderen Zauberer ausfindig zu machen. Davon hatten mehrere Gener�le Gebrauch gemacht, wenn die Lady schwierig aufzusp�ren gewesen war.</p><p>Sofort erkannte Kristoff, was Lorena vorhatte. �Verdammt sei sie!� Er seufzte und murmelte: �Und verdammt sei auch ich!�</p><p>�Was ist los, Sir?�, fragte Duree.</p><p>�Nichts�, sagte Kristoff schnell. Er konnte es sich nicht leisten, die Zofe ins Vertrauen zu ziehen. �Das w�re dann alles.�</p><p>Verwirrt erwiderte Duree: �In... Ordnung, Sir.� Mit einem merkw�rdigen Blick verlie� sie den Thronsaal.</p><p>Kristoff starrte aus dem gro�en Fenster. Es war heute diesig, und er konnte nicht mehr als eine Meile oder zwei auf die Gro�e See hinausschauen.</p><p>Nachtr�glich erkannte Kristoff, dass der Fehler wirklich bei ihm lag. Er hatte es zugelassen, dass die Feindseligkeit des Oberst � die immer da gewesen war und noch in Kriegstage zur�ckreichte � seine Reaktionen ihr gegen�ber beeinflusste.</p><p>Er behandelte sie mit der gleichen Geringsch�tzung, mit der sie ihn behandelte. Eine Schw�che, die akzeptabel war, wenngleich manchmal auch kontraproduktiv, wenn sie beide die Lady berieten. Selbstm�rderisch wurde es jedoch, wenn er, wie gegenw�rtig, auf ihrem Thron sa�. Teil des Symbolismus des erhabenen Thrones war, dass der Anf�hrer �ber allem anderen zu stehen hatte. Einschlie�lich der kleinen Rivalit�ten bei Hofe.</p><p>Dieselbe Arroganz, die in Garithos und so vielen vor ihm gewirkt hatte, steckte auch in Kristoff. H�tte der K�mmerer Lorena mit Respekt behandelt, h�tte sie vielleicht das getan, was er befohlen hatte. Aber weil er es vers�umt hatte, nahm sie Booraven mit, um wieder einmal Lady Proudmoore zu suchen. Das erkl�rte auch, warum sie nord-�stlich flog, nach Durotar, wo die Lady sich um die Donnerechsen k�mmerte.</p><p>So sehr es ihn auch �rgerte, blieb ihm doch nur eine M�glichkeit. Der Plan musste fortgesetzt werden, wenn auch mit kleinen �nderungen. Die w�rden sp�ter Probleme verursachen, aber bis dahin w�rden die W�rfel gefallen sein. Es war der einzige Weg, damit Jaina Proudmoore erkannte, dass man den Orcs nicht trauen konnte. Der ohnehin unausweichliche Krieg mit ihnen musste beschleunigt herbeigef�hrt werden!</p><p>Am Ende nahm er den Stein wieder auf, diesmal mit beiden H�nden, was der Stein als Verlangen verstand, eine Botschaft zu senden. Diesmal gl�hte er blau. �Hier ist K�mmerer Kristoff. Ich f�rchte, unsere schlimmsten Bef�rchtungen haben sich best�tigt. Lady Proudmoore und Oberst Lorena wurden von einem Orc-Kult namens Flammendes Schwert gefangen genommen. Die Orcs m�ssen daf�r bezahlen. Major Davin, Ihr �bernehmt das Kommando �ber alle Truppen in Northwatch und bereitet Euch auf die Schlacht vor.�</p><p>Als er den Stein zur�cklegte, verschwand das Gl�hen. Seine Botschaft wurde durch den �ther zu seinem Gegenst�ck auf der Feste geschickt.</p><p>Danach ging Kristoff zur�ck in seine Kammer, um die unterbrochene Arbeit zu beenden. Doch als er eintraf, durchdrang der Geruch von Schwefel den Raum, was bedeutete, dass Zmoldor angekommen war.</p><p>Galtak Ered'nash. Berichte, K�mmerer.</p><p>Kristoff kr�uselte seine Nase wegen des Gestanks. Er hasste es, mit D�monen zu paktieren, und wenn die Ziele nicht so wichtig gewesen w�ren, h�tte er sich nie mit dieser Kreatur eingelassen. Aber eine andere Lektion, die Kristoff gelernt hatte, war jene, dass man manchmal merkw�rdige Verb�ndete akzeptieren musste, um dem h�heren Wohl des eigenen Volkes zu dienen. Das war der Grund gewesen, warum Lady Proudmoore den ungew�hnlichen Schritt unternommen hatte, Menschen und Orcs zusammenzubringen und warum Kristoff denselben Schritt jetzt mit Zmoldor wagte. Es war eine zeitlich begrenzte Allianz mit einem niederen D�mon, was im Gesamtbild kaum etwas bedeutete. In Wahrheit <emphasis>benutzte</emphasis> Kristoff Zmoldor. Er spielte mit der Eitelkeit der Kreatur und kroch nur vor ihr, um sie dazu zu bringen, ihm zu Diensten zu sein.</p><p>�Alles verl�uft genau nach Plan. Die Menschen von Theramore sind auf einen Angriff gegen die Orcs vorbereitet und werden sie vernichten.�</p><p>Gut. Ich ziehe gro�e Befriedigung daraus, wenn diese �blen Verr�ter von der Welt gefegt werden.</p><p>�So wie ich.� Kristoff meinte diese Worte ernst. Zmoldor war ein n�tzlicher Verb�ndeter f�r Kristoff, weil beide dasselbe Verlangen teilten, die Welt von den Orcs zu befreien. Und wenn alles vorbei war und die Orcs keine Bedrohung mehr darstellten, plante Kristoff, die Welt von Zmoldor zu befreien...</p><p>M�ge unser Herzenswunsch bald erf�llt werden, K�mmerer. Leb wohl. Galtak Ered'nash.</p><p>W�hrend er nickte, wiederholte Kristoff die beiden letzten Worte in Zmoldors eigener Sprache, was �bersetzt so viel bedeutete wie: �Heil dir, Flammendes Schwert!�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Aegwynn beobachtete mit einem wehm�tigen L�cheln, wie ihre Besucherin sich bem�hte, die d�monische Barriere au�er Kraft zu setzen. Die Frau hatte Aegwynns H�tte verlassen, um an den Rand des Barrierenfeldes zu treten, das sich an gleicher Stelle befand wie das alte, und versuchte, es aus der N�he zu durchbrechen. Aegwynn glaubte nicht, dass sie dabei erfolgreicher sein w�rde.</p><p>Zmoldor hatte offenkundig kein Interesse mehr, Aegwynn wiederzubegegnen. Schlie�lich hatte er sich die M�he gemacht, sie hier festzuzusetzen, nachdem Proudmoore die alten Barrieren deaktiviert hatte. So lange Aegwynn Barrieren aktiv gewesen waren, hatte sich Zmoldor keine Gedanken machen m�ssen. Aber die Deaktivierung der Barrieren bereitete ihm Sorgen, und deshalb errichtete er neue.</p><p>Nicht, dass es wirklich etwas ausgemacht h�tte. Aegwynn war lange �ber den Punkt hinaus, dass sie D�monen magisch bek�mpfen konnte.</p><p>Nach ihrem neuerlichen fehlgeschlagenen Versuch griff Proudmoore in ihren Umhang und holte etwas Nahrung heraus. Fast ohnm�chtig gab Aegwynn nickend ihre Zustimmung. Wer auch immer dieses <emphasis>M�dchen</emphasis> ausgebildet hatte, war schlau genug gewesen, ihr die praktischen Dinge des Lebens beizubringen. Das war etwas, was Scavell bei all seiner Brillanz vers�umt hatte. Sie selbst hatte erst daran gedacht, etwas Proviant mit auf eine Mission zu nehmen, nachdem sie bereits das dritte Mal auf der Jagd nach einem D�mon vor Hunger zusammengebrochen war.</p><p>Kurz darauf drehte sich das M�dchen zu Aegwynn um. �Vielleicht k�nnen wir es schaffen, wenn wir unsere Kr�fte b�ndeln.�</p><p>�Nicht sehr wahrscheinlich.� Aegwynn lachte bitter. �Meine Kr�fte mit Euren zu vereinen, w�rde keinen gro�en Unterschied machen. Meine magischen F�higkeiten sind schon lange... verk�mmert.� Das Wort war unpr�zise, aber ausreichend f�r den Zweck, Proudmoores Fragen zu beantworten. �Schade, dass niemand da ist, der als Leiter dienen k�nnte.�</p><p>�Als Leiter?�</p><p>Aegwynn revidierte ihre Einsch�tzung vom Lehrer der Proudmoore. �Kennt Ihr nicht Meitres Durchdringungsspruch?�</p><p>Proudmoore sch�ttelte den Kopf. �Die meisten von Meitres Schriftrollen wurden vor zehn Jahren zerst�rt. Ich studierte die, die gerettet wurden. Aber der kommt mir nicht bekannt vor.�</p><p>�Traurig�, war alles, was Aegwynn dazu sagte. Es hatte sie nicht interessiert, wessen Barrieren aktiv gewesen waren, so lange sie sie hier sicher hielten. Sie hatte nichts anderes gewollt, als den Rest ihrer Tage weit weg von der Welt zu verbringen, der sie schon so viel Schaden zugef�gt hatte.</p><p>�Warum seid Ihr so geschw�cht?�</p><p>Aegwynn seufzte. Sie h�tte damit rechnen m�ssen. Andererseits, Proudmoore musste wohl die <emphasis>ganze</emphasis> Geschichte erfahren. Oder jedenfalls Aegwynns ureigene Version davon...</p><subtitle>Vor f�nfundzwanzig Jahren</subtitle><p>Medivh war in den Turm von Kharazan im Redridge-Gebirge eingezogen, der in H�gel eingebettet lag, nur umgeben von Reben und Unkraut. Die alten B�ume des Waldes von Elwynn schafften es nicht mehr so weit. Sie waren gestorben, nachdem Medivh hier eingezogen war. Der kahle H�gel, auf dem Medivh seine Burg errichtet hatte, war genau wie ein menschlicher Sch�del geformt.</p><p>Aegwynn fand die Form traurig angemessen. Sie n�herte sich dem Ort zu Fu�, sie wollte vermeiden, dass ihr Sohn vorzeitig von ihrem Besuch erfahren k�nnte.</p><p>Die W�chter von Tirisfal waren tot. Orcs zogen brandschatzend durch Azeroth. Krieg war �berall auf der Welt ausgebrochen. Und die Quelle all dessen?</p><p>Ihr eigen Fleisch und Blut.</p><p>Sie wusste nicht, wie das hatte geschehen k�nnen. Sie hatte Medivh geboren, damit er ihre Arbeit fortsetzen w�rde, nicht, um sie zu zerst�ren.</p><p>Erst als sie am Tor eintraf, f�hlte sie es. Ihr Sohn war da, das wusste sie, genauso wie Moroes, der Hausdiener, und der Koch. Beide schliefen in ihren Kammern. Aber sie f�hlte noch eine andere Pr�senz, eine, deren Essenz mit der ihres Sohnes verflochten war. Eine, die sie Jahrhunderte zuvor besiegt hatte.</p><p>Sie k�mmerte sich nicht weiter darum, sondern wirkte einen Windzauber, der gegen das Tor hieb und orkanartige Kr�fte entfesselte, die das Holz in tausend Teile zerschmetterten.</p><p>Ihr Sohn stand auf der anderen Seite. Er hatte Aegwynns Gr��e und ihre gr�nen Augen geerbt, von Nielas Aran stammten die breiten Schultern und die elegante Nase. Sein graugeflecktes Haar war zur�ckgebunden zu einem bemerkenswerten Pferdeschwanz, und er hielt seinen Bart sauber gestutzt. Sein kastanienbrauner Umhang wehte hinter ihm in einer Brise. Das Wesen, das vor ihr stand, war unverkennbar ihr Sohn. Doch obwohl ihre Augen Medivh sahen, sp�rte ihre ganze Magie nur Sargeras.</p><p>�Wie ist das m�glich? Ich habe Euch <emphasis>get�tet</emphasis>.�</p><p>Medivh lachte d�monisch. �Mutter, bist du wirklich so eine N�rrin? Glaubst du ernsthaft, dass ein einfaches M�dchen eine Macht wie Sargeras vernichten kann? Er benutzte dich. Benutzte dich, um mich zu erschaffen. Er versteckte sich in dir, als du so hingebungsvoll meinen Vater verf�hrt hast, �bertrug sein Wesen in meinen F�tus. Er war mein st�ndiger Begleiter, mein Mentor, der Elternteil, den du mich niemals haben lie�est.�</p><p>Aegwynn konnte es nicht glauben. Warum war sie nur so blind gewesen? �Du hast den Rat get�tet.�</p><p>�Hast du nicht immer gesagt, dass sie nur Narren seien?�</p><p>�Das ist nicht der Punkt! Sie verdienten es nicht zu sterben!�</p><p>�Nat�rlich taten sie es. Du hast mir nicht sehr viel beigebracht, Mutter. Du warst immer viel zu besch�ftigt mit deinen Aufgaben als W�chterin, um tats�chlich den Sohn aufzuziehen, den du in die Welt gesetzt hattest, damit er dein Nachfolger wird. Aber eine Lektion hast du mich gelehrt bei den seltenen Gelegenheiten, zu denen du so g�tig warst, dich zu bequemen, meine Existenz zur Kenntnis zu nehmen. Und zwar, dass der Rat aus Narren besteht. Sargeras hat mir schlie�lich gezeigt, was das endg�ltige Schicksal aller Narren sein muss. Du siehst, Mutter, ich habe all meine Lektionen gut gelernt.�</p><p>�H�r auf, dich zu verstellen, Sargeras�, sagte sie. �H�r auf, mit der Stimme meines Sohnes zu sprechen.�</p><p>Medivh warf seinen Kopf zur�ck und lachte. �Verstehst du nicht, kleines M�dchen? Ich <emphasis>bin</emphasis> dein Sohn!� Er hob seine Hand. �Und ich bin dein Ende.�</p><p>Was als N�chstes folgte, passierte viel schneller, als Aegwynn es erwartet hatte. Sie erinnerte sich kaum an die Details, was vielleicht eine Gnade war. Alles, was sie sicher wusste, war, dass sie es schwerer und schwerer hatte, Medivhs � oder besser Sargeras � Spr�che zu kontern, und dass es ihm leichter und leichter bei den ihren fiel.</p><p>Geschw�cht, zerschunden, blutend brach Aegwynn auf dem Boden zusammen, kaum mehr f�hig, den Kopf zu heben. Ihr Sohn stand �ber ihr und lachte. �Warum schaust du so traurig, Mutter? Ich bin genauso, wie du mich gemacht hast. Immerhin hast du mich geboren, um den Rat zu �berlisten und dein Erbe fortzuf�hren. Das hast du getan. Von dem Augenblick an, da du Sargeras physische Form zerst�rt und ihn so befreit hattest, dass er in dir leben konnte, war es dein Schicksal, Sargeras Willen zu erf�llen. Nun hast du deinen Zweck erf�llt.� Er grinste. �Ein letzter Dolchsto� in das Auge des Rates, eh?�</p><p>Aegwynns Blut gefror zu Eis. Das waren ihre eigenen Gedanken bei Medivhs Empf�ngnis gewesen. Sie hatte diesen Satz nie laut ausgesprochen und ganz sicherlich niemals gegen�ber Medivh. Sie war tats�chlich nur wenig pr�sent in seinem Leben gewesen. Am Anfang vielleicht und da haupts�chlich zu seinem eigenen Schutz. Sie hatte es sich nicht leisten k�nnen, dass bekannt wurde, dass ihr Sohn in Stormwind lebte. Ihre Feinde h�tten das gegen sie eingesetzt. Sie offenbarte ihm erst, dass sie seine Mutter war, als er die Pubert�t beendet hatte.</p><p>In diesem Moment lie� sie jeden Widerstand fallen. Sie wollte nicht l�nger in einer Welt leben, die sie so nachhaltig betrogen hatte. In ihrem Eifer, ihre Bestimmung zu erf�llen, dem Rat zu beweisen, dass er einen Fehler beging, wenn er sie absetzte, hatte sie den D�monen zum Sieg verholfen.</p><p>Seit dem Ende ihrer Ausbildung hatte Aegwynn nicht mehr geweint. Die Geburt ihres Kindes, der Tod der Eltern, die Niederlagen gegen D�monen... nichts davon hatte sie zum Weinen gebracht. Sie war immer st�rker als das alles gewesen. Doch jetzt rannen Tr�nen �ber ihre Wangen, als sie ihren Sohn ansah, der angesichts ihrer Qual lachte.</p><p>�T�te mich.�</p><p>�Und dich so vom Haken lassen? Sei keine N�rrin, Mutter. Ich sagte, das ist dein Ende, nicht dein Tod. Dir das Sterben zu erlauben, w�re keine Bu�e f�r das, was du mir alles angetan hast.� Dann murmelte er eine Beschw�rung.</p><p>Vor acht Jahrhunderten hatte ihr der Rat die Macht der W�chter verliehen. Das war die wunderbarste Erfahrung in ihrem Leben gewesen. Es war so, wie es f�r einen Blinden sein musste, das erste Mal zu sehen. Als sie die Macht an Medivh �bergab, war es weniger wundervoll, aber es gab immer noch das Gef�hl der Befriedigung. Das Schwinden ihrer Kr�fte war leicht und angenehm gewesen, wie das allm�hliche Hin�bergleiten in den Schlaf.</p><p>Doch jetzt wurde ihr die Macht von Medivh <emphasis>herausgerissen</emphasis>. Es f�hlte sich an, wie blind, taub und stumm geschlagen zu werden. Ihr gesamter K�rper wurde abget�tet. Es war weniger wie einschlafen, mehr wie ein ins Koma fallen.</p><p>Aber sie blieb wach und bekam mit, was passierte. Dann erkannte sie, dass, wenn sie bleiben w�rde, Medivh, oder eher Sargeras, sie hier behalten w�rde. Sie m�sste in den Gew�lben der Burg hausen, ohne Zweifel, um alles, was geschehen w�rde, sehen und h�ren zu k�nnen. Aufmerksam gemacht auf jede b�se Tat, die ihr Sohn in Sargeras Namen beging.</p><p>Sie erkannte noch etwas anderes. Sie war immer noch jung. Das bedeutete, dass Medivh ihr nicht die Verj�ngungsmagie genommen hatte.</p><p>Das war ihre Rettung. Sie sammelte die verbliebenen Reste ihrer Konzentration und entfesselte die Magie der Verj�ngungsmagie. Sie griff danach, formte und erschuf daraus einen Teleportspruch, der sie von hier fortbringen w�rde.</p><p>Augenblicke sp�ter, ihr Haar war wei� geworden, ihre Haut runzelig und ihre Knochen br�chig, fand sie sich auf Kalimdor wieder, an der Ostk�ste des Kontinents, in einer grasreichen Region in den Bergen.</p><empty-line/><p>Proudmoores Stimme war gefasst, als sie sagte: �Das muss schrecklich f�r Euch gewesen sein.�</p><p>�Das war es.� Aegwynn schauderte. In Wahrheit war es noch schlimmer gewesen. Aber sie hatte nur die H�hepunkte erz�hlt, um Proudmoore zu schonen. Sie hatte urspr�nglich versucht, mit Medivh zu reden, um eine Erkl�rung von ihm zu erhalten, warum er tat, was er tat. Als ob Sargeras tats�chlich einen Grund gebraucht h�tte. Aber sie sah keine Veranlassung, Proudmoore mit so etwas zu belasten.</p><p>Die vorrangigste Absicht der Geschichte war, ihr den ganzen Umfang ihrer Dummheit zu offenbaren. Sie fuhr fort: �Als ich herkam, nutzte ich das bisschen Magie, das ich noch besa�, um festzustellen, dass niemand au�er mir in der Gegend war. Ich baute meine H�tte, bepflanzte meinen Garten, grub meinen Brunnen. Die Barrieren stellte ich nicht auf, bevor Thrall und seine Leute hier in der N�he siedelten.�</p><p>�Ich bin nicht �berrascht.� Da war ein merkw�rdiger Tonfall in Proudmoores Stimme. Als ob sie etwas wusste, wovon Aegwynn nichts ahnte.</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>Bevor Proudmoore antworten konnte, h�rte Aegwynn etwas. Proudmoore vernahm es auch, und beide drehten sich um, blickten nach S�den. Es klang vertraut, aber Aegwynn hatte das Ger�usch seit Jahren nicht mehr geh�rt.</p><p>Augenblicke sp�ter wurde ihr Verdacht best�tigt: Das Ger�usch wurde von einem gewaltigen Luftschiff verursacht, das nun um die Bladescar-Spitze herumkam. Es stoppte direkt vor den Barrieren und schwebte auf der Stelle. Aegwynn vermutete, dass sich ein Magier oder zumindest jemand an Bord befand, der Zauberei erkennen konnte.</p><p>Eine Strickleiter fiel vom Unterbau, und eine Gestalt im Brustpanzer begann hinabzuklettern. Als sie n�her kam, erkannte Aegwynn die Abzeichen eines Oberst.</p><p>Zu ihrem Schrecken war die Gestalt eine Menschenfrau. Sie drehte sich um und schaute Proudmoore fragend an.</p><p>Das M�dchen l�chelte. �Wenn eine Frau W�chter von Tirisfal werden kann, warum dann nicht auch Oberst?�</p><p>Darauf konnte Aegwynn nichts erwidern.</p><p>�Milady�, sagte die Frau, nachdem sie von der unteren Sprosse der Leiter gesprungen war. �Ich f�rchte, ich bringe schlechte Neuigkeiten.� Dann sah sie fragend zu Aegwynn.</p><p>�Oberst Lorena, dies ist Magna Aegwynn. Ihr d�rft mit ihr so offen sprechen, wie mit mir.�</p><p>Der Oberst nickte und begann mit ihrem Rapport. Augenscheinlich reichte diesem Oberst das Wort von Jaina Proudmoore. Aegwynn erkannte widerwillig an, dass sie beeindruckt war. Eine Frau stieg nicht in solche Positionen auf, ohne gro�e Leistungen. Sie vermutete, dass Lorena doppelt so gut war wie jeder m�nnliche Oberst, einfach, weil sie es sein musste, um sich durchzusetzen. Wenn jemand derma�en Talentiertes Proudmoore so bedingungslos vertraute, dann war sie ein noch bemerkenswerterer Mensch, als Aegwynn es sich zun�chst hatte eingestehen wollen.</p><p>Vielleicht gab es ja doch noch etwas Verehrungsw�rdiges an dem Helden des M�dchens.</p><p>Lorena sagte: �Ma'am, ich bin mir sicher, dass K�mmerer Kristoff ein Anh�nger des Flammenden Schwerts ist. Er hat unsere Truppen in der Feste Northwatch verst�rkt, um die Orcs zu provozieren.�</p><p>Die Z�ge Proudmoores entgleisten. �Kristoff? Das glaube ich nicht.�</p><p>Aber der Oberst verbrachte die n�chste Minuten damit zu erkl�ren, was in Proudmoores Abwesenheit in Theramore passiert war.</p><p>Als sie geendet hatte, fragte Aegwynn: �Wann hat das mit dem Flammenden Schwert angefangen?�</p><p>�Wir sind uns nicht sicher�, sagte Proudmoore. �Wir denken, dass es mit einem ehemaligen Orc-Clan zusammenh�ngt. Warum?�</p><p>�Weil Zmoldor einen Kult gegr�ndet hat, der <emphasis>das Flammende Schwert</emphasis> genannt wurde. Das Schwert, das er benutzte, um die Kinder zu opfern, war mit �l �berzogen und wurde angez�ndet, sobald die Opferung begann. Da Zmoldor in der Gegend ist, ist es m�glich, dass er auch etwas mit diesen Orcs zu tun hat.�</p><p>Lorena entgegnete etwas, bevor Proudmoore antworten konnte. �Milady, warum seid Ihr hinter den Barrieren? Ich habe Booraven mitgebracht, um Euch zu finden und sie sagte, dass diese Barrieren aktiv sind und wir sie nicht passieren k�nnen. Ihr hingegen... warum kommt Ihr nicht dahinter hervor?�</p><p>�Ich f�rchte, ich kann es nicht. Als ich hier ankam, war ich in der Lage, sie zu durchdringen, aber dieser Zmoldor hat sie inzwischen durch d�monische ersetzt. Ich f�rchte, mir fehlt das Hintergrundwissen, um sie au�er Kraft zu setzen.�</p><p>�Eine Schande�, sp�ttelte Aegwynn. �Wenn das noch meine Barrieren w�ren, ich w�rde Euch sofort durchlassen.�</p><p>Schnaubend sagte Proudmoore: �Macht Euch nicht l�cherlich. Es waren niemals Eure Barrieren. Es waren die von Medivh.�</p><p>Aegwynn starrte Proudmoore mit offenem Mund an. �Woher wusstet Ihr...�</p><p>�Als ich hier ankam, erkannte ich die Magie, die f�r die Barrieren benutzt wurde, als die eines Tirisfalen. Und nachdem ich sie durchdrungen hatte, bemerkte ich, dass ich wusste, von <emphasis>welchem</emphasis> Tirisfalen sie stammte, weil ich ihn schon mal getroffen hatte. Wie ich Euch bereits versucht habe zu erz�hlen, kannte ich Medivh. Er war es, der Menschen und Orcs in dieses Land gebracht hat, und er �berzeugte uns davon, uns gegen die Brennende Legion zu verb�nden. Ich kenne seine Magie recht gut.�</p><p>Lorena sprach, bevor Aegwynn antworten konnte. �Milady, bei allem Respekt, die Zeit wird knapp. Wir m�ssen Euch da rausholen. Es <emphasis>muss</emphasis> einen Weg geben.�</p><p>Proudmoore schaute zu Aegwynn. �Es gibt einen. Lehrt mich den Spruch von Meitre.� Sie zeigte auf den Oberst und f�gte hinzu: �Wir haben jetzt einen <emphasis>Leiter</emphasis>.�</p><p>�Sehr gut�, sagte Aegwynn, �und einverstanden � wenn das bedeutet, dass Ihr mich in Frieden lasst.�</p><p>�Es tut mir Leid, das ist nicht m�glich.�</p><p>Aegwynn blinzelte. �Wie bitte?�</p><p>�Ihr kommt mit uns.�</p><p>Aegwynn schnaubte: �Tue ich das?�</p><p>�Ja. Ihr seid die Magna, der W�chter, der alles ist, was zwischen uns und den d�monischen Horden steht. Es obliegt Eurer Verantwortung, mit uns zu kommen.�</p><p>�Wie kommt Ihr darauf?�</p><p>�Ihr sagtet, dass Zmoldor diese Barrieren errichtet hat.</p><p>Das bedeutet, er lebt. Nach allem, was wir wissen, ist er verantwortlich f�r das Flammende Schwert, das gerade eben durch die Allianz schneidet, die Thrall und ich auf Anweisung Eures Sohnes geschmiedet haben. Aber Ihr habt geglaubt, Ihr h�ttet ihn vor achthundert Jahren besiegt. Offensichtlich habt Ihr Eure Arbeit nicht richtig beendet, und es ist Eure Pflicht...�</p><p>�Was wisst Ihr schon von Pflicht?�, schrie Aegwynn. �Seit acht...�</p><p>�Ja, ich wei�, was Ihr getan habt, Magna, Ihr habt mir ein wenig von Euren Fehlern erz�hlt, Euren T�uschungen, Euren L�gen, Eurer Arroganz. Aber woran Ihr mich noch erinnert habt, ist, dass Ihr Euch niemals vor den Pflichten eines W�chters gedr�ckt habt. Alles, was Ihr gemacht habt, von der Konfrontation mit Zmoldor bis zur Vernichtung des Rates durch Medivhs Zeugung, tatet Ihr, weil Ihr an das geglaubt habt, was Ihr initiiert habt. Ungeachtet Eurer Fehler, der Niederlagen, Ihr habt nie die Aufgaben eines W�chters vernachl�ssigt. Bis jetzt.� Proudmoore sch�ttelte den Kopf. �Ihr habt mich gefragt, was ich von Verantwortung wei�, und jetzt behaupte ich: Mehr als Ihr. Weil Ihr nie f�r etwas anderes verantwortlich wart als f�r Euch selbst. Ich habe Menschen in die Schlacht gef�hrt, ich habe sie regiert, als die Schlacht vorbei war. Und gerade jetzt brauchen mich die Leute, die mir vertraut haben. Und das kann gut wegen eines D�mons sein, den <emphasis>Ihr</emphasis> h�ttet t�ten sollen. Ich werde nicht alles, was wir aufgebaut haben, wegen Eures Selbstmitleids zerst�ren lassen, Magna.�</p><p>�Ich glaube, ich habe mir das Recht verdient, mein eigenes Schicksal zu bestimmen.�</p><p>�Weil Ihr Medivh zur�ckgebracht habt?�</p><p>Wieder hatte es Proudmoore geschafft, Aegwynn mit ihrem Scharfsinn zu beeindrucken. Sie brachte keinen Ton heraus.</p><p>�Wir alle haben uns gefragt, wie Medivh von den Toten zur�ckkommen konnte, nachdem Khadgar und Lothar ihn besiegt hatten. Man brauchte schon machtvolle Magie daf�r. Ich w�re dazu f�hig gewesen, und auch noch ein oder zwei andere. Aber wenn sie es getan h�tten, h�tten sie es eingestanden. Ihr habt gesagt, Ihr w�rt bei dem Kampf mit Medivh ausgezehrt worden. Aber es gibt etwas, das als Ersatz f�r die notwendige Kraft dienen konnte und das ist das Band zwischen Mutter und Sohn.�</p><p>Aegwynn nickte und starrte auf einen unbestimmten Punkt �ber einer der Bladescar-Spitzen. �Mit dem, was von der Verj�ngungsmagie noch �brig blieb, war ich in der Lage, in den Brunnenwassern die Zukunft zu sehen. Ich sah meinen Sohn, get�tet von seinem Sch�ler und seinem besten Freund. Und ich sah Sargeras, der aus ihm vertrieben wurde. Deshalb habe ich Jahre damit verbracht, meine Kraft aufzubauen, um ihn zur�ckzubringen. Als ich es tat, brachte es mich fast um. Deshalb waren die Barrieren von Medivh. Ich hatte nicht mehr die Kraft, sie zu setzen. Oder irgendetwas anderes zu tun. Bis heute nicht.� Sie drehte sich um und sah Proudmoore an. �Das war mein Schwanengesang, Lady Proudmoore. Es kann nicht mal ansatzweise wiedergutmachen, was ich falsch gemacht habe.�</p><p>�Ich widerspreche. Was Ihr getan habt, ist, einen Sohn zu geb�ren, der die Welt gerettet hat. Es mag eine Weile gedauert haben, aber was er tat, war genau das, was <emphasis>Ihr</emphasis> getan h�ttet. Was Ihr f�r ihn geplant hattet. Er ging gegen das konventionelle Wissen an und wurde aktiv im Bek�mpfen der Brennenden Legion, indem er Thrall und mich �berzeugte, unsere Kr�fte zu vereinen. Das hat er nicht von Sargeras gelernt, und er hat das nicht im Jenseits gelernt, aus dem Ihr ihn zur�ckholtet. Das hat er von <emphasis>Euch</emphasis> gelernt.�</p><p>Lorena folgte unruhig der Unterhaltung. Ihr offensichtlicher Respekt vor Lady Proudmoore rang mit ihrem soldatischen Wunsch zu handeln. �Milady...�</p><p>�Ja, selbstverst�ndlich�, sagte Aegwynn, �Euer Oberst hat Recht. Zmoldor muss besiegt werden. Dauerhaft dieses Mal.� Sie seufzte. �Bereitet Euch vor, Oberst Lorena. Was jetzt folgt, mag ein bisschen wehtun. Lady Proudmoore, sprecht mir nach.�</p><p>Und dann lehrte Aegwynn Jaina Proudmoore den Durchdringungsspruch des Meitre.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Thrall hatte den Tag damit verbracht, Bittsteller anzuh�ren. Meist ging es um banale Dinge, mit denen sich auch seine Untergebenen h�tten auseinander setzen k�nnen. Es gab ein paar Streitigkeiten, die geschlichtet werden mussten, solche, bei denen beide Seiten einfach nicht von sich aus in der Lage waren, sich zu einigen und deshalb eine neutrale Seite hinzuzogen. Tats�chlich h�tte jeder die Sache regeln k�nnen, aber als Kriegsh�uptling war es nun mal seine Pflicht, sich auch um Lappalien zu k�mmern.</p><p>Als der letzte der Bittsteller den Saal verlassen hatte, erhob sich Thrall von seinem Thron aus Tierfellen und ging im Raum auf und ab. Er war dankbar, sich wieder strecken zu k�nnen.</p><p>Noch immer hatte er von Jaina nichts �ber die Sache mit den Donnerechsen geh�rt, aber es gab auch keine weiteren Berichte �ber randalierende Echsen. Deshalb nahm er an, dass die Situation unter Kontrolle war. Er hoffte, dass sie das Problem schnell l�ste, damit er sie wegen des Flammenden Schwerts konsultieren konnte.</p><p>Dann waren Kalthar und Burx eingetreten. Der Krieger sprach im dr�ngenden Ton: �H�uptling, es ist jemand da, der mit dir reden muss. Sofort.�</p><p>Thrall hasste es, wenn Burx ihm Befehle erteilte. Aber bevor er etwas erwidern konnte, warf ihm Kalthar einen vielsagenden Blick zu.</p><p>�Meinst du, ich sollte mit dieser Person sprechen, Schamane?�, fragte Thrall.</p><p>�Ja, das meine ich�, sagte der Schamane ruhig.</p><p>�Nun gut.� Thrall blieb stehen, des Thrones �berdr�ssig geworden.</p><p>Burx ging hinaus und f�hrte einen Kundschafter herein, einen Dschungel-Troll. Er trug eine Schmuckr�stung, die traditionell bei Angeh�rigen des Darkspear-Stammes anzutreffen war: Federn, Holz, und Farbe kombiniert mit einem dreieckigen Helm, um einen m�glichst Furcht erregenden Eindruck zu erzeugen.</p><p>Nachdem er seinen Helm abgenommen hatte, offenbarte sich ein freundliches, offenes Gesicht, das weit angenehmer war, als man es von den Darkspears gemeinhin erwartete. Dschungel-Trolle setzten uralte Magie ein, die keine andere Rasse jemals gemeistert hatte. Das wusste Thrall von einigen Menschen, die es probiert hatten und daran gescheitert waren � und mit ihrem Seelenheil daf�r bezahlen mussten. Die Darkspears hatten Thrall die Treue geschworen.</p><p>�Das hier�, sagte Burx, �ist Rokhan.�</p><p>Die Vorstellung war unn�tig. Der Ruf des Trolls eilte ihm voraus. Er war einer der besten Kundschafter auf Kalimdor.</p><p>Mit seinem Helm unter dem Arm trat Rokhan vor. �Es tut mir Leid, dass ich schlechte Neuigkeiten zu �berbringen habe. Die Menschen entsenden mehr und mehr Truppen nach Northwatch.�</p><p>Thrall konnte nicht glauben, was er h�rte. �Sie <emphasis>verst�rken</emphasis> die Feste?�</p><p>�Danach sieht es aus. Ich habe viele Boote voll mit Soldaten gesehen. Und sie sandten eines ihrer Luftschiffe nach Norden, nach Bladescar.�</p><p>Thrall runzelte die Stirn. �Wie viele Truppen?�</p><p>Rokhan zuckte mit den Schultern. �Es waren mindestens zwanzig Boote, und auf jedem fuhren zwanzig Soldaten.�</p><p>�Vierhundert Mann also�, sagte Burx. �Und das passierte, kurz nachdem deine Freundin Jaina loszog, um das Donnerechsenproblem zu l�sen. Das die <emphasis>Menschen</emphasis> verursacht haben. � Wir k�nnen nicht darauf warten, bis sie es erledigt hat, Kriegsh�uptling. Ich bin mir sicher, dass Jaina lautere Absichten hat. Aber ihre Leute offenbar weniger. Und das <emphasis>k�nnen</emphasis> wir nicht ignorieren.�</p><p>�Burx hat Recht.� Kalthar sprach mit m�der Stimme. Thrall rief sich in Erinnerung, wie alt der Schamane war. �Die Instandsetzung der Feste von Northwatch war eine vors�tzliche Machtdemonstration der Menschen. Diese Verst�rkungen im Licht anderer aktueller Ereignisse betrachtet kann nur als Akt der Aggression gewertet werden, und zwar als einer, auf den wir <emphasis>unbedingt</emphasis> reagieren m�ssen.�</p><p>�Die Feste von Northwatch war Admiral Proudmoores Festung.� Burx musste Thrall kaum daran erinnern, dass ihn das nicht aufhalten w�rde. �Und nun versuchen die Untergebenen von Admiral Proudmoores Tochter, sein kriegstreiberisches Werk zu vollenden � hinter ihrem R�cken.�</p><p>Burx' Worte beeindruckten Thrall nicht sonderlich, Kalthars Argumente hingegen sehr wohl. Au�erdem war Rokhan sein bester Kundschafter. Seinen Beobachtungen konnte man vertrauen.</p><p>�Nun gut, Burx, lass Nazgrel eine Armee zusammenstellen und sie ins �dland entsenden. Lasst die Krieger au�erhalb von Northwatch Position beziehen. Au�erdem will ich, dass du eine Flotte von Booten nimmst und ebenfalls flussabw�rts f�hrst. Ruf die Trolle, damit sie das Gleiche tun.�</p><p>Er seufzte. Er hatte gehofft, dass die Tage, da er Menschen bek�mpfen musste, endg�ltig der Vergangenheit angeh�rten. Aber es schien, als sei der alte, tiefverwurzelte Hass einfach nicht auszurotten. �Wenn die Menschen den Kampf unbedingt herausfordern wollen, werden sie uns dazu bereit finden.�</p><empty-line/><p>Nachdem Burx Nazgrel und dem Hafenmeister letzte Anweisungen erteilt hatte, ging er nach Hause. Er musste noch Vorbereitungen treffen, bevor er sich �ber die Gro�e See begab, um der Menschenplage ein f�r allemal ein Ende zu bereiten.</p><p>Als er seine Axt sch�rfte, durchzog pl�tzlich Schwefelgestank seine H�tte. Er sp�rte einen warmen Hauch in den Falten seiner Hose, in der kleinen Innentasche, wo er den Talisman verborgen hielt, den ihm Zmoldor als Symbol seiner Treue gegeben hatte.</p><p>Galtak Ered'nash. Verl�uft alles nach Plan?</p><p>Burx hasste die Vorstellung, irgendjemand anderem als seinem eigenen Kriegsh�uptling die Treue zu schw�ren. Aber er spielte mit und antwortete: <emphasis>�Galtak Ered'nash</emphasis>. Ja, das tut es. Thrall schickt Truppen zu Land und zur See. Innerhalb von zwei Tagen liegen unsere M�nner mit den Menschen im Krieg. Innerhalb einer Woche sind die Menschen Geschichte.�</p><p>Exzellent. Das hast du sehr gut gemacht, Burx.</p><p>So weit es Burx betraf, war Zmoldor das kleinere �bel. Die D�monen waren Bastarde, aber sie hatten auch immer die Interessen der Orcs ber�cksichtigt. Sie hatten die Orcs auf diese Welt gebracht, damit sie dar�ber herrschen konnten. Es war nicht der Fehler der D�monen, dass die Menschen so widerspenstig und stark waren, dass es ihnen sogar gelang, sie einzusperren und sie vergessen zu lassen, wer sie einmal waren. Sicher, die D�monen benutzten die Orcs, aber immerhin dem�tigten sie sie nicht.</p><p>Burx war als Sklave aufgewachsen. Menschen verpr�gelten ihn regelm��ig, verspotteten ihn, bewarfen ihn mit Dreck und zwangen ihn dann, alles wieder aufzur�umen � w�hrend sie ihn auslachten. Sie belegten ihn mit allen erdenklichen Spitznamen, von denen ,du gr�nh�utiger Schwachkopf' noch einer der nettesten war, und sie achteten stets darauf, ihm auch ja nur die entw�rdigendsten Aufgaben zu geben. Burx wusste nie, warum er aus all den Orcs herausgepickt worden war, um all das �ber sich ergehen lassen zu m�ssen. Niemand hatte es je f�r n�tig gehalten, es ihm zu sagen.</p><p>Vielleicht war es ja nur ein ungl�cklicher Zufall gewesen...</p><p>Verglichen mit dem, was er als Menschensklave durchmachen musste, war das, was die D�monen ihm angetan hatten, gar nichts. Und wenn er mit einem von ihnen zusammenarbeiten musste, um sicherzustellen, dass die Plage Mensch ausgel�scht wurde, dann war das f�r Burx akzeptabel.</p><p>Er verdankte Thrall alles � und noch mehr als das �, aber Thrall hatte lange �ber den Punkt hinweggesehen, der ihn, was die Menschen betraf, blind machte. Thrall war ja auch von seinem Herrn respektiert worden, auch wenn Aedelas Blackmoore �ble Pl�ne mit ihm gehabt hatte. Aber er hatte ihn weit besser behandelt, als es Burx' Herrn je in den Sinn gekommen w�re.</p><p>Wahrscheinlich sogar besser als die meisten Orcs.</p><p>Langsam, aber sicher sah Thrall seine Fehler ein. Die Truppenverst�rkung in Northwatch hatte offenbar dazu beigetragen, ihm endlich die Augen zu �ffnen. Von nun an war es nur noch eine Frage der Zeit. Orc- und Trollkrieger so nah bei den Menschen � das war ein Pulverfass.</p><p>Burx h�rte auf, seine Axt zu sch�rfen und freute sich bereits auf den Moment, da ihre Klinge sich rot f�rben w�rde von Menschenblut.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Lorenas Brust schmerzte. Sie hatte M�he zu atmen, denn ihr R�stungspanzer schien sie zerquetschen zu wollen.</p><p>Aber Lady Proudmoore und ihre Freundin Aegwynn vermochten die d�monischen Barrieren zu durchbrechen, die sie gefangen gehalten hatten. Wer auch immer diese Frau war, die Lady begegnete ihr mit mehr Respekt und Ehrfurcht, als Lorena es jemals zuvor beobachtet hatte. Offenbar hatten sie Lorenas K�rper dazu benutzt, um die Barrieren von der anderen Seite her aufzuheben. Der Oberst verstand von all dem nicht das Geringste. Gerede �ber Magie verursachte ihr f�r gew�hnlich Kopfschmerzen; alles, was sie daran interessierte, war, ob sie funktionierte.</p><p>Lady Proudmoore wandte sich an die �ltere Frau. �Magna, ich habe eine Bitte.�</p><p>�Ja?�</p><p>�H�ttet Ihr etwas dagegen, den Platz mit ein paar Donnerechsen zu teilen? Ich kann Barrieren herbeizaubern, die Euer Haus, Euren Garten und Euren Brunnen sch�tzen. Und das Hochland wird sie zusammenhalten.� Sie erkl�rte schnell das Problem mit den Donnerechsen.</p><p>Als sie es h�rte, lachte die alte Frau. �Ich habe keine Einw�nde. Ich hielt mir einst eine Donnerechse als Haustier.�</p><p>Lorenas Mund �ffnete sich vor �berraschung. �Bitte sagt mir, dass Ihr scherzt.�</p><p>�Nicht im geringsten. Es war kurz nach meinem vierhundertsten Geburtstag. Nach so langer Zeit wurde die Einsamkeit �berw�ltigend, deshalb entschloss ich mich, ein Haustier zu halten. Ich betrachtete einen domestizierten Kodo als Herausforderung. Ich nannte ihn Scavell � nach meinem Mentor.�</p><p>�Kodo?�, fragte Lorena mit einem Stirnrunzeln.</p><p>Aegwynn zuckte mit den Achseln. �So nannten wir sie damals. Ich hatte schon immer eine Schw�che f�r die Biester und teile mein Zuhause gern mit ihnen.�</p><p>�Danke, Magna.� Lady Proudmoore wandte sich an Lorena. �Gebt mir f�nf Minuten, um zu erledigen, was mich nach Durotar gef�hrt hat. Dann werde ich nach Theramore zur�ckkehren. Ich versetze uns alle drei hin. Befehlt Euren Soldaten, sofort per Luftschiff nach Theramore zur�ckzukehren.� Sie l�chelte ironisch. �Ich f�rchte, ein ganzes Luftschiff zu teleportieren, nachdem ich die Donnerechsen hergebracht habe, �berstiege meine Kr�fte.�</p><p>�Sehr gut, Milady�, sagte Lorena mit einem Nicken.</p><p>�Danke, Oberst.� Die Lady sprach mit einem warmen L�cheln, und Lorena f�hlte einen Anflug von Stolz. Der Oberst hatte ein gro�es Risiko auf sich genommen, hierher zu kommen. Sie hatte auf Booravens F�higkeiten gebaut, um Lady Proudmoore im Orc-Land aufzusp�ren und darauf gehofft, dass die Lady angesichts dieser Anma�ung nicht ver�rgert sein w�rde. Aber es schien, dass es richtig gewesen war, ihren Instinkten zu vertrauen. Und au�erdem hatte sie aktiv dabei mitgewirkt, die Lady und ihre Freundin aus der Gefangenschaft zu befreien.</p><p>W�hrend Lady Proudmoore ihre Augen schloss und sich auf das Zaubern konzentrierte, schaute Lorena zu der alten Frau. �Ihr seid wirklich <emphasis>vierhundert</emphasis> Jahre alt?�</p><p>�Nein. Mehr achthundert.�</p><p>Lorena nickte. �Ah.� Sie blinzelte erneut. �Dann habt Ihr Euch gut gehalten.�</p><p>Aegwynn grinste. �Ihr h�ttet mich vor drei�ig Jahren sehen sollen.�</p><p>Lorena entschied, dass ihr diese Unterhaltung viel zu bizarr wurde und ging zur Strickleiter, um Major Bek und den anderen die neuen Anweisungen zu erteilen. Bek nahm den Befehl entgegen, w�nschte ihr Gl�ck und bereitete das Luftschiff auf die R�ckreise vor.</p><p>Indem sie die Leiter hinunterkletterte, signalisierte Lady Proudmoore ihre Bereitschaft zum Aufbruch. Sobald Lorena von der untersten Sprosse getreten war, ordnete Bek an, die Leiter einzuziehen, und das Luftschiff trat seine Reise zur�ck nach S�den an.</p><p>�Der K�mmerer hat die meiste Zeit im Thronsaal verbracht.� Lorena schaffte es nicht, ihre Abneigung aus der Stimme herauszuhalten. Dann fragte sie sich, warum sie es �berhaupt versuchte. �Meist sa� er auf Eurem Thron.�</p><p>Lady Proudmoore nickte. �Kristoff war der Thron immer wichtig.�</p><p>�Ein wenig <emphasis>zu</emphasis> wichtig, wenn Ihr mich fragt�, best�tigte Lorena.</p><p>�Allerdings. Ich bin so weit.�</p><p>Lorena versteifte sich. Sie war nur einmal teleportiert worden, damals im Krieg, und sie hatte Magenschmerzen davon bekommen.</p><p>Dann stand die Welt Kopf, das Innerste wurde nach au�en gest�lpt. Lorena f�hlte sich, als w�re ihr der Kopf entfernt und zwischen den Kniescheiben platziert worden, w�hrend die F��e pl�tzlich aus dem Hals ragten.</p><p>Eine Sekunde sp�ter normalisierte sich alles wieder, und Lorena erhob sich vom Steinboden. Sie registrierte beil�ufig, dass dies Lady Proudmoores Thronsaal war und Duree sie anschrie, weil sie nicht an sich halten konnte und sich �bergab.</p><p>�Milady!�, erklang Kristoffs Stimme. �Ihr seid zur�ck! Und Oberst Lorena auch. Wir hatten schon bef�rchtet, Ihr w�rt vom Flammenden Schwert gefangen genommen worden. Ihr werdet erfreut sein zu h�ren, dass wir Northwatch mit Truppen verst�rkt haben. Was sich gut trifft, da Orc- und Troll-Armeen dorthin unterwegs sind... Und wer ist das?�</p><p>Lorena w�rgte schon wieder. Ihr Magen krampfte sich zusammen, aber diesmal beherrschte sie sich.</p><p>�Mein Name ist Aegwynn.�</p><p>�Wirklich?� Kristoff klang so �berrascht, als w�sste er, um wen es sich bei Aegwynn handelte. Lorena selbst hatte nicht den Hauch einer Ahnung, abgesehen davon, dass es sich offenkundig um eine sehr alte Frau handelte.</p><p>�Ja. Und obwohl ich eigentlich nicht l�nger wirklich eine Tirisfalin bin, erkenne ich doch den Gestank von D�monen, wenn ich ihn rieche � und hier ist er allgegenw�rtig.�</p><p>Obwohl ihr Bauch wahrscheinlich l�ngst leer war, w�rgte Lorena neuerlich und fragte sich, was eine Tirisfalin sein mochte.</p><p>�Wovon redet Ihr da?�, raunzte Kristoff �rgerlich.</p><p>�Bitte, Kristoff, sagt mir, dass Aegwynn sich irrt�, forderte die Lady ihn auf. �Sagt mir, dass Ihr Euch nicht mit Zmoldor und dem Flammenden Schwert verb�ndet habt!�</p><p>�Milady, es ist nicht so, wie Ihr offenbar glaubt...�</p><p>Nachdem ihr Magen aufgeh�rt hatte, sie zu qu�len, konnte Lorena endlich wieder aufrecht stehen. Sie sah sich mit einem interessanten Szenario konfrontiert: Kristoff stand direkt vor dem Thron und schaute h�chst erschrocken drein; Aegwynn blickte ver�rgert � was sich kaum von ihrem �blichen Gesichtsausdruck unterschied; aber in Lady Proudmoores Z�gen entdeckte sie etwas Neues, kalte Wut. Ein Sturm schien hinter ihren Augen aufzuziehen, und Lorena war dankbar, dass die Lady auf ihrer Seite stand.</p><p>�Nicht, wie ich <emphasis>glaube</emphasis>? Was sollte ich denn glauben, Kristoff?�</p><p>�Die Orcs m�ssen eliminiert werden, Milady. Zmoldor hat dasselbe Ziel, und er ist ein niederer D�mon. Ich habe bereits einen Plan, wie wir ihn, wenn wir fertig sind, von dieser Welt verschwinden lassen...�</p><p>�Fertig? Fertig womit? Sagt mir, was Ihr da in Bewegung gesetzt habt, Kristoff.�</p><p>�Eine Kette von Ereignissen, die die Orcs von unserer Welt vertreiben werden. Es ist alles nur zum Besten, Milady. Sie geh�ren nicht hierher und...�</p><p>�Armseliger Narr!�</p><p>Kristoff reagierte, als w�re er geschlagen worden. Lorena war nicht weniger �berrascht als der K�mmerer. In all der Zeit, die sie unter ihr gedient hatte, hatte sie Lady Proudmoore nie so sprechen geh�rt.</p><p>�Zmoldor ist ein <emphasis>D�mon</emphasis>. Glaubt Ihr wirklich, Ihr k�nntet ihn stoppen?� Sie wies auf die alte Frau. �Das ist Aegwynn, die M�chtigste der W�chterinnen.�</p><p>Aegwynn schnaufte zu den Worten, aber die Lady und Kristoff ignorierten es.</p><p>�Nicht einmal sie war imstande, Zmoldor vollst�ndig zu schlagen � obwohl sie auf dem H�hepunkt ihrer Macht stand. Was l�sst Euch also glauben, dass <emphasis>Ihr</emphasis> erfolgreicher sein k�nntet? Und selbst wenn Ihr es w�rt... kein Ziel ist es wert, sich mit einem D�mon zu verb�nden. Deren <emphasis>einziges</emphasis> Ziel es ist, Chaos zu s�en. � Oder hat Euch die Zerst�rung von Lordaeron noch nicht gereicht? Muss Kalimdor ihm in den Sog folgen, wenn erst der Krieg, auf den Ihr so begierig seid, nach Northwatch schwappt?�</p><p>�Au�erdem�, f�gte Aegwynn hinzu, �selbst wenn Ihr die Absicht hattet, Zmoldor zu vernichten oder zu verbannen, so h�ttet Ihr es nicht vermocht. Niemals. Ihr seid sein Sklave.�</p><p>�Das ist absurd!� Kristoff klang jetzt noch nerv�ser als zuvor. �Das ist nur ein Zweckb�ndnis, und wenn erst die Orcs weg sind...�</p><p>�Die Orcs sind unsere <emphasis>Verb�ndeten</emphasis>, Kristoff.� Blitze schienen um ihr goldenes Haar zu knistern, und ein schwacher Wind materialisierte an ihren Kn�cheln und lie� den wei�en Umhang der Lady aufwallen. �Diese Allianz wurde mit Blut geschmiedet. Und die D�monen sind der Feind allen Lebens. Wie konntet Ihr uns nur verraten? <emphasis>Mich</emphasis> verraten?�</p><p>Kristoff geriet jetzt �ber die Ma�en ins Schwitzen. �Ich schw�re Euch, Milady, es ist kein Verrat. Ich habe einfach getan, was ich f�r das Beste f�r Theramore hielt. Das Flammende Schwert ist nicht mehr als eine von Zmoldor angef�hrte Gruppe aus Zauberern, welche die nat�rliche Feindseligkeit gegen die Orcs f�r ihre Zwecke ausnutzt. Sie sch�ren nichts, was nicht schon da w�re.�</p><p>�Was ist mit den Orcs, die bei alldem mitmachen?�, fragte Lorena.</p><p>�Wie?� Kristoff klang verwirrt.</p><p>�Die Orcs, die mich und meine Truppen in Northwatch angegriffen haben, geh�rten dem Flammenden Schwert an. Wie passt das zusammen?�</p><p>�Ich...� Kristoff wirkte ratlos.</p><p>Lady Proudmoore sch�ttelte �rgerlich den Kopf. �Wie viele, Kristoff? Wie viele m�ssen sterben, um Eure perfekte, von Orcs befreite Welt zu erschaffen?�</p><p>Jetzt w�hnte sich der K�mmerer auf sichererem Terrain. �Weit weniger, als wenn wir darauf warten, dass Thrall stirbt oder die Orcs sich wieder zur�ckverwandeln. Er war der Einzige...�</p><p>�Genug!� Jetzt verst�rkte sich die Brise, Blitze schossen aus den Fingerspitzen der Lady.</p><p>Kristoff schrie eine Sekunde sp�ter auf und fasste sich an seine linke Schulter. Rauch kr�uselte zwischen seinen Fingern.</p><p>Instinktiv rannte Lorena zu ihm und zerrte ihm den brennenden Stoff vom Leib. Auf seiner nackten Schulter prangte eine T�towierung, die identisch mit jener war, welche Lorena, Strov, Clai, Jalod und die anderen an den Orcs von Northwatch gesehen hatten � die lodernde Klinge eines Schwertes.</p><p>Auch die T�towierung fing nun Feuer.</p><p>Eine Sekunde sp�ter war sie verschwunden und hinterlie� nur verkohltes Fleisch. Kristoff brach kraftlos zusammen, seine Augenlider flatterten.</p><p>In gefasstem Ton sagte Aegwynn: �Zmoldor ist weg.�</p><p>�Ja.� Auch Lady Proudmoore klang jetzt wieder ruhiger. �Und mein Bannspruch hat ihm verraten, dass wir ihm auf der Spur sind.�</p><p>�... so Leid...�</p><p>Lorena kniete neben Kristoff, der zu fl�stern begonnen hatte. Die Worte, die �ber seine Lippen kamen, waren kaum mehr als ein Hauch.</p><p>�Dachte... was ich tat... geschehe aus freiem... Willen... aber Zmoldor... kontrollierte... <emphasis>alles</emphasis>. Tut... so Leid... so Leid...�</p><p>Das Licht schwand aus seinen Augen.</p><p>Alle drei Frauen schwiegen f�r eine Weile. F�r Lorena war es das Schlimmste, dass Kristoff im Grunde wahrscheinlich gar kein �bler Mensch gewesen war. Er hatte lediglich das getan, was <emphasis>er</emphasis> f�r das Beste f�r Theramore hielt. Er hatte gemeint, seine Pflicht zu erf�llen. Nat�rlich hatte er dies denkbar falsch angestellt, aber er hatte das Herz am rechten Fleck getragen.</p><p>Sie f�hlte sich schuldig. Es hatte Zeiten gegeben, in denen sie Kristoff nichts mehr als den Tod gew�nscht hatte. Aber nun, da er tot <emphasis>war</emphasis>, f�hlte sie nur eine gro�e Traurigkeit.</p><p>Sie blickte zu Lady Proudmoore. �Wir m�ssen nach Northwatch. Wenn wir Gl�ck haben, hat der Krieg noch nicht begonnen, und vielleicht k�nnen wir die Truppen noch aufhalten. Ihr m�sst das pers�nlich erledigen, Milady. Major Davin wird von niemand anderem Befehle entgegennehmen.�</p><p>Lady Proudmoore nickte. �Ihr habt Recht. Ich werde...�</p><p>�Nein�, warf Aegwynn ein.</p><p>Die Lady musterte sie k�hl. �Wie bitte?�</p><p>�Es ist Magie im Spiel, Lady Proudmoore, und Ihr seid die einzige Person in Kalimdor, die sie stoppen kann. Euer ehemaliger K�mmerer hatte mit einem Recht: Zmoldor ist ein niederer D�mon. Er war einer von Sargeras' Handlangern. Er selbst hat nicht die Macht, so viele Leute zu beeinflussen � oder einen Wald abzuholzen und die B�ume zu teleportieren. Diese Zauberer, die Kristoff erw�hnte, sind die Wurzel allen �bels. Sie handeln in Zmoldors Namen, vielleicht als Gegenleistung f�r seltene Schriftrollen.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Zauberer sind hinter Spr�chen her wie ein S�chtiger hinter einer Schlafmohnpflanze. Es ist abscheulich...�</p><p>�Wir haben nicht die Zeit, auf die Jagd nach einer Gruppe von Zauberern zu gehen�, sagte Lorena.</p><p>�Diese Zauberer sind das Z�nglein an der Waage, Oberst�, beteuerte Aegwynn.</p><p>Lorena schaute zu Lady Proudmoore. �Nach allem, was wir wissen, Milady, haben die K�mpfe bereits begonnen. Und wenn es noch nicht passiert ist, kann es jederzeit losgehen, falls Kristoff in Bezug auf die Orcs Recht hat und diese Truppen hierher ziehen. Wenn erst die K�mpfe beginnen, z�hlt es nicht mehr, wer oder was sie ausgel�st hat. Es <emphasis>wird</emphasis> ein Blutvergie�en geben, und wenn diese Grenze erst �berschritten ist, wird die kostbare Allianz f�r immer zerschlagen sein.�</p><p>Aegwynn sah die Lady an. �Die Zeit dr�ngt. Ihr habt selbst gesagt, Zmoldor wei�, dass wir ihm auf der Spur sind. Wir m�ssen <emphasis>jetzt</emphasis> zuschlagen, bevor er die M�glichkeit hat, sich eine Strategie gegen Euch einfallen zu lassen. Und Ihr k�nnt nicht an zwei Orten zugleich sein.�</p><p>Da l�chelte die Lady. Es war ein strahlendes Lachen, das Lorena als Ausdruck von Erleichterung auffasste, nach all dem Zorn, den Kristoff in ihr entfacht hatte.</p><p>�Ich <emphasis>muss</emphasis> nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.� Sie ging zum Eingang ihrer Kammer und trat hinein.</p><p>Lorena und Aegwynn tauschten erstaunte Blicke miteinander. Dann folgten sie ihr. Als sie drinnen ankamen, sahen sie, wie Lady Proudmoore in ihren Schriftrollen w�hlte. Pl�tzlich hielt sie inne und rief: �Ah! Da ist er ja!�</p><p>Sie drehte sich um und hielt einen Stein, den ein verschlungenes Symbol zierte, in der Hand. Einen Stein, der pl�tzlich und warnungslos zu gl�hen begann...</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Sir, die Orcs haben ihr Lager aufgeschlagen.�</p><p>Major Davin begann Haarb�schel aus seinem Bart zu rei�en � zum Teufel mit der Kleiderordnung. �Wie viele?�</p><p>Korporal Rych zuckte mit den Achseln �Unm�glich, mit Gewissheit zu sagen, Sir.�</p><p>Davin schloss resigniert die Augen und z�hlte insgeheim bis f�nf. �Dann <emphasis>ratet</emphasis>�, quetschte er schlie�lich hervor.</p><p>Noch ein Achselzucken. �Der Sp�her behauptet, dass es mindestens sechshundert sind. Es ist schwer abzusch�tzen, Sir. Sie halten weit genug Abstand, um keine Grenze zu verletzen, aber...�</p><p>Als Rych z�gerte, seufzte Davin. �Aber was?�</p><p>�Nun, Sir, im Moment sitzen sie da nur rum. Aber ich glaube nicht, dass das so bleiben wird. Besonders nicht, wenn die Boote eintreffen.�</p><p>Wieder seufzte Davin. Es schien, als w�re dieses Seufzen alles, was er in diesen Tagen wirklich in Perfektion beherrschte. Dutzende Boote, die Orcs und Trolle transportierten, waren tags zuvor gesichtet worden, wie sie auf der Gro�en See nach S�den fuhren � Richtung Northwatch. In wenigen Stunden w�rden sie ihr Ziel erreichen. Und sp�testens dann w�rde Davin eine Entscheidung treffen <emphasis>m�ssen</emphasis>.</p><p>Die Anweisungen von K�mmerer Kristoff, der den Oberbefehl innehatte, w�hrend Lady Proudmoore von diesen Flammendes-Schwert-Leuten gefangen gehalten wurde, lauteten, Northwatch um jeden Preis zu halten.</p><p>Davin wusste nicht, wie er das schaffen sollte.</p><p>Eigentlich hatte er nie Soldat werden wollen. Zugegebenerma�en hatte er jedoch einen Hang zur Gewalt, der dem Anwerber aufgefallen war, als er in seinem Dorf nach Nachwuchs gesucht hatte. Dazu war er allerdings auch ein entsetzlicher Feigling, der es aber schaffte, diesen Umstand w�hrend der Ausbildung zu verbergen. Haupts�chlich deshalb, weil er niemals in wirklich ernsthafte Gefahr geriet. Er musste nur etwas schauspielern, und das fiel Davin leicht. Sein Schwert an einer Strohpuppe einsetzen? Kein Problem. Aber ein echter Kampf gegen einen Feind aus Fleisch und Blut? Darin war er hoffnungslos schlecht.</p><p>Deshalb hatte er beim ersten Mal, als er einem echten Gegner gegen�berstand, auch gedacht, er sei verloren. Aber er hatte Gl�ck gehabt, weil er einer wirklich f�higen Truppe angeh�rte. Davin hatte sehr wenig f�r den Sieg getan, als es gegen die aufst�ndischen Zwergen gegangen war. Diese waren auf der Flucht vor der Justiz in sein Dorf gekommen, nachdem ein Putsch gegen die Regierung der Zwerge gescheitert war. Aber der Rest seines Trupps hatte exzellente Arbeit geleistet und die Zwerge gefangen genommen oder get�tet.</p><p>Davin konnte sich im Ruhm seiner Kameraden sonnen.</p><p>Dann war die Brennende Legion auf den Plan getreten. Es war schrecklich gewesen. Leute um ihn her waren gestorben. Lordaeron war zerst�rt worden. Menschen und Orcs hatte Seite an Seite gek�mpft. Die ganze Welt war in Chaos versunken. Davin hatte nie verstanden, warum Lady Proudmoore das B�ndnis mit den Orcs eingegangen war. Das waren Teufel, nicht viel besser als die D�monen selbst.</p><p>Aber niemand hatte Davin nach seiner Meinung gefragt.</p><p>Sein schlimmster Tag war in einem Wald im Nirgendwo gewesen. Davin hatte nicht gewusst, wo er sich befand, nur dass er sich dort mit den angeschlagenen Resten seines Trupps aufgehalten hatte. Sie waren unterwegs, um eine D�monenburg zu finden, damit ein Zauberer oder jemand anderes dort nach Geheimnissen suchen konnte. Davins Job war simpel gewesen, er lautete: Besch�tze den Zauberer!</p><p>Alle anderen suchten nach der Festung.</p><p>Ungl�cklicherweise hatten sie sie auch gefunden. Und die D�monen reagierten nicht gerade nett darauf.</p><p>Kaum dass sie mit ihren glosenden Augen angriffen, war Davin von Panik gepackt worden. Er versteckte sich hinter ein paar Eichen, lie� den Zauberer unbesch�tzt zur�ck. Und w�hrend der Magier sein Bestes gab, um sich zu verteidigen, setzte ihn schlie�lich einer der D�monen in Brand.</p><p>Davin sah aus der Sicherheit seines Baumverstecks zu, wie der Zauberer, den er hatte sch�tzen sollen, vor Schmerzen br�llte und sehr, sehr langsam starb.</p><p>Irgendwie � Davin hatte nie begriffen, warum � �bersahen ihn die D�monen. Vielleicht betrachteten sie Davin nicht als Bedrohung, was sicherlich auch stimmte. Als sein Trupp ausgel�scht war und die D�monen davonzogen � wohin auch immer D�monen ziehen mochten �, lief Davin zum Basislager zur�ck und erwartete, scharf f�r seine Feigheit ger�gt zu werden. Er war bereit, die Konsequenzen zu tragen, wenn er nur nicht wieder hinaus musste, um so etwas noch einmal durchzumachen.</p><p>Stattdessen feierten sie ihn als Helden, weil er das Gemetzel �berlebt hatte und zur�ckgekommen war, um dar�ber zu berichten.</p><p>Und dann bef�rderten sie ihn.</p><p>Davin stand alldem fassungslos gegen�ber. Er war kein Held, ganz gewiss nicht, eher das genaue Gegenteil. Aber jeder Versuch dies klarzustellen, brachte ihm nichts anderes ein, als dass er f�r �berm��ig bescheiden gehalten wurde.</p><p>Es war verr�ckt. Statt vom Kampf befreit zu werden, erhielt er das Kommando �ber Truppen.</p><p>Bald darauf jedoch war der Krieg so freundlich, vorbei zu sein. Was Davin die Peinlichkeit ersparte, tats�chlich eine Armee in eine Schlacht f�hren zu m�ssen, die er unm�glich siegreich h�tte beenden k�nnen.</p><p>Die Brennende Legion wurde zur�ckgeschlagen nach Woher-auch-immer-sie-gekommen-war, und Davin erhielt noch eine weitere Bef�rderung. Dieses Mal zum Major. Nach Admiral Proudmoores Ankunft und anschlie�endem Tod wurde Davin schlie�lich das Kommando �ber die Feste Northwatch �bertragen.</p><p>Bis vor kurzem hatte er dieses Leben gemocht. Northwatch war ein friedlicher Flecken, und auch wenn Davins Feigheit ihm das K�mpfen unm�glich machte, war er in Verwaltungsdingen durchaus talentiert.</p><p>Jedenfalls so lange nichts passierte, was das geregelte Tagwerk ins Chaos st�rzte.</p><p>Davin mochte Oberst Lorena nicht sonderlich. Dennoch w�nschte er, sie w�re jetzt hier gewesen. Sie konnte eine Garnison im Ernstfall bei weitem besser befehligen als er, denn im Gegensatz zu Davins Karriere basierten Lorenas Bef�rderungen auf echten Verdiensten.</p><p>Und wenn die Streiter des Flammenden Schwerts schon sie erwischt hatte, ganz zu schweigen von Lady Proudmoore, welche Hoffnung blieb dann ihm noch, Davin?</p><p>Oreil kam hereingest�rmt, seine zu gro�e R�stung schepperte bei jedem Schritt. �Major Davin! Major Davin! Die Orcs r�cken an. Ihre Boote haben bereits angelegt.�</p><p>Davin seufzte ein weiteres Mal. �Die Boote haben bereits angelegt?�</p><p>�Hat Euch niemand informiert?� Oreil blinzelte unruhig. �Oh, wartet, <emphasis>ich</emphasis> sollte das ja tun. Es tut mir Leid, Sir, aber ich war so aufgeregt. Bitte bestraft mich daf�r nicht.�</p><p>Davon stand hinter seinem Tisch auf und ging zur T�r. �Gefreiter, im Moment sollte ein Milit�rgericht die geringste Eurer Sorgen sein!�</p><p>Langsam stieg Davin die enge Treppe hinunter, die zum Boden des im Zentrum der Festung gelegenen Turms f�hrte. Northwatch war auf einem welligen H�gel, der zur Gro�en See hinlief errichtet worden. Die �stliche Begrenzung der Feste bildete eine Steinwand, die zwischen zwei H�geln lag. Die Geb�ude, aus denen sich Northwatch zusammensetzte, wiesen zur Westseite der Mauer hin, die Ostseite war ein mit Palmen bewachsener Strand.</p><p>Als er den Bogengang erreichte, der durch die Steinmauer zum Strand hinausf�hrte, sah Davin Orcs und Trolle.</p><p><emphasis>Viele</emphasis> Orcs und Trolle.</p><p>Ihre Boote waren alle an Pf�hlen vert�ut, die jemand in den Sand gerammt hatte. Es gab Dutzende, jedes vollbesetzt mit einem Dutzend Trollen und Orcs. Einige trugen Tierh�ute, andere die Sch�del gef�hrlicher Bestien als Helme. Alle waren mit �xten, Breitschwertern, Morgensternen, Kn�ppeln und anderen Waffen ausger�stet, die auf den ersten Blick gr��er zu sein schienen als Davin.</p><p>�Das ist es also�, murmelte er selbstvergessen. �Wir werden alle sterben...�</p><p>�Was sagtet Ihr, Major?�, fragte einer der Soldaten, der den Bogengang bewachte.</p><p>Davin sch�ttelte rasch den Kopf. �Nichts.�</p><p>Irgendwie schaffte er es, sich dazu zu zwingen, einen Fu� vor den anderen zu setzen. Nachdem er den Bogengang passiert hatte, versanken seine Stiefel mit jedem Schritt tiefer im Sand.</p><p>Beil�ufig registrierte er, dass Dutzende Truppen mit ihm auf einer Linie liefen. Er warf einen Blick �ber die Schulter und stellte fest, dass weitere von ihnen vor der Mauer eine Schlachtreihe bildeten, andere bezogen ihre Positionen auf den Zinnen. Davin war dankbar, dass offenbar irgendjemand den Befehl dazu gegeben hatte, und er fragte sich fl�chtig, wer es gewesen sein mochte.</p><p>Er wandte sich den Neuank�mmlingen zu. �Ich bin Major...� Er r�usperte sich und setzte erneut an. Seine Stimme war immer noch br�chig, aber jetzt weithin vernehmlich. �Ich bin Major Davin. Ich habe das Kommando �ber die Feste Northwatch. Was treibt Euch hierher?�</p><p>F�r einen kurzen Moment gab sich Davin der Hoffnung hin, dass die Orcs antworten w�rden, sie w�ren nur auf der Durchreise und innerhalb einer Stunde wieder abzugsbereit. Er hoffte es genauso inst�ndig, wie er damals nach seiner R�ckkehr vom Massaker an seinem Trupp gehofft hatte, aus der Armee entlassen zu werden. Und damit hatte diese Hoffnung wohl die gleiche bescheidene Aussicht, sich zu erf�llen...</p><p>Der gr��te und schrecklichste Orc trat vor. (Davin war schon allein deshalb gewillt, ihn als den Gr��ten und Schrecklichsten anzusehen, <emphasis>weil</emphasis> er vortrat.)</p><p>�Ich bin Burx. Ich spreche f�r Thrall, den Kriegsh�uptling der Horde und Lord der Clans. Diese Eure Feste verletzt das B�ndnis zwischen unseren V�lkern. Ihr habt eine Stunde, um sie zu r�umen und alle Spuren Eurer Anwesenheit zu tilgen.�</p><p>Davin stammelte: �Ihr... das kann nicht Euer Ernst sein. Es ist unm�glich, die Feste binnen nur einer Stunde zu r�umen!�</p><p>Burx grinste. Es war die Art von L�cheln, die ein Raubtier zeigte, wenn es lediglich die Z�hne fletschte und kurz davor stand, sich auf seine hoffnungslos unterlegene Beute zu st�rzen. �Wenn Ihr dieser Anordnung nicht folgt, lasst Ihr uns keine andere Wahl als anzugreifen. Und Euch alle zu t�ten.�</p><p>Davin hegte nun keinerlei Zweifel mehr, dass ihm und den anderen Bewohnern genau das bevorstand.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Jaina hatte Aegwynn und Lorena zu dem kleinen Speiseraum geschickt, der sonst hochrangigen Offizieren und Vertretern des Staates vorbehalten war. Letztere Titulierung war f�r den k�rzlich verstorbenen Kristoff und Jaina selbst reserviert gewesen, hatte ihnen Duree, die kleine Frau, die Jaina zur Seite stand, erkl�rt. Die junge Magierin hatte Aegwynn ebenfalls den Zutritt gestattet. Als Duree Einspruch erhob, erkl�rte Jaina, dass ein W�chter einen <emphasis>h�heren</emphasis> Rang hatte als ein Staatsoberhaupt.</p><p>Jaina hatte sich in ihre Kammer zur�ckgezogen. Auch sie musste etwas zu sich nehmen, aber gleichzeitig auch herausfinden, wo sich die Zauberer aufhielten. Lorena wollte eigentlich schnellstm�glich zu ihren Truppen nach Northwatch � f�r den Fall, dass Thrall es nicht schaffte, die Kampfhandlungen zu stoppen. Aber Jaina hatte das abgelehnt. Sie vertraute Thrall offenbar voll und ganz. Au�erdem brauchte sie Lorena als Schutz, wenn sie auf Zmoldor und seine Diener traf. Vor allem, weil Kristoff ihre Leibwache nach Northwatch geschickt hatte.</p><p>Aber Jaina musste in Ruhe arbeiten, deshalb schickte sie die alte W�chterin und den jungen Oberst zum Essen. Aegwynn bestellte nur einen Salat und etwas Fruchtsaft, Lorena hingegen orderte einen Teller voller Fleisch und einen Eberschnaps. Ein Getr�nk, von dem Aegwynn noch nie etwas geh�rt hatte. Lorena erkl�rte ihr jedoch bereitwillig, dass die Orcs es herstellten.</p><p>Aegwynn lachte auf, als sie das h�rte. �Wie die Zeiten sich doch ge�ndert haben...�</p><p>�Was meint Ihr damit?�</p><p>�Es ist noch nicht lange her, dass die Orcs die Schergen der D�monen waren, deren Vernichtung ich mein Leben geweiht hatte. Sie waren Monster, Berserker die das Land im Namen von Gul'dan verw�steten, der Sargeras diente. Die Vorstellung, dass Menschen ein Orc-Getr�nk genie�en, ist im besten Fall... bizarr.�</p><p>Lorena l�chelte. �Ja, aber ist ,nicht lange her' nicht ein relativer Begriff, wenn man mit jemanden redet, der so alt ist wie Ihr?�</p><p>Aegwynn gluckste. �Ein guter Einwand.�</p><p>�Ihr seid wirklich tausend Jahre alt?�</p><p>Ironisch l�chelnd und mit einer wegwerfenden Handbewegung erwiderte Aegwynn: �Ein Jahrhundert mehr oder weniger � was macht das schon aus?�</p><p>Lorena sch�ttelte den Kopf. �Magie... Ich habe sie niemals verstanden, habe sie immer gehasst, selbst wenn sie auf mein Gehei� zum Einsatz kam.�</p><p>Aegwynn zuckte die Achseln. �Ich wollte niemals etwas anderes als ein Zauberer sein. Seit ich ein kleines M�dchen war, war das die Antwort auf all meine Sehns�chte und Fragen. Die Erwachsenen sahen mich immer merkw�rdig an, wenn ich laut davon tr�umte. Zauberer waren immer nur <emphasis>M�nner</emphasis> gewesen.� Letzteres sagte sie voller Bitterkeit.</p><p>�Das gilt auch f�r das Soldatentum. Ich wuchs unter neun Br�dern auf, und sie waren alle Soldaten, so wie unser Vater. Ich wollte nicht einsehen, warum ich daf�r nicht auch geeignet sein sollte.� Lorena schmunzelte. �Auch ich erntete ein paar <emphasis>h�chst</emphasis> merkw�rdige Blicke, das d�rft Ihr mir getrost glauben.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter kamen die Getr�nke, ebenso wie Aegwynns Salat. Lorena hob ihren Krug. �M�chtet Ihr einen Schluck nehmen und kosten?�</p><p>Eberschnaps stank fast genauso erb�rmlich wie das Tier, nach dem man ihn benannt hatte. Ihre Nase kr�uselnd lehnte Aegwynn h�flich ab. �Seid mir nicht b�se, aber ich hatte keinen Alkohol mehr seit... nun ja, Jahrhunderten. Magier k�nnen es sich nicht leisten, die geistige Klarheit zu verlieren. Deshalb habe ich den Gefallen daran schon vor einer Weile verloren.� Sie hielt ihren eigenen Krug hoch, dessen Inhalt ein Saft aus drei verschiedenen Fr�chten war. �Das ist das St�rkste, was ich mir g�nne.�</p><p>�Verstehe.� Lorena nahm einen gro�en Schluck von ihrem Getr�nk. �Ich kann <emphasis>vier</emphasis> hiervon trinken, bevor man mir etwas anmerkt. War schon immer hart im Nehmen.� Sie grinste. �Selbst als Neuling bei der Stadtwache von Kul Tiras trank ich die M�nner meiner Wachstube stets unter den Tisch. Wir begannen Wettbewerbe mit den anderen Stuben auszutragen, und ich war immer die Geheimwaffe � der Trumpf im �rmel.� Sie lachte. �Auf diese Weise vervierfachte ich mein Einkommen allein im ersten Jahr. Wetten k�nnen sehr lukrativ sein � wenn man auf der Gewinnerseite steht.�</p><p>Aegwynn l�chelte, w�hrend sie an ihrem Salat zu knabbern begann. Sie stellte fest, dass sie das Gespr�ch mit dieser Frau genoss. Ein Gef�hl, das sie noch vor einem Tag nicht f�r m�glich gehalten h�tte. Sie war fest davon �berzeugt gewesen, keinen Bedarf mehr an der Gesellschaft anderer Menschen zu haben.</p><p>Der Diener brachte eine Auswahl von Fleischsorten, allesamt knusprig gegart. Aegwynn erkannte nur ein paar davon, aber sie nahm an, dass der Viehbestand auf Kalimdor sich von dem gewohnten gen�gend unterschied, um das zu erkl�ren. Es war schon Jahre her, seit sie zuletzt Fleisch gegessen hatte, und im Gegensatz zum Aroma, das das Getr�nk des Oberst verstr�mte, war der Geruch des Fleisches fast �berw�ltigend. In ihrer Zeit als Magierin war Fleisch ihr st�ndiger Begleiter gewesen. Die ersch�pfenden Anstrengungen beim Zaubern verlangten nach regelm��iger Proteinzufuhr. Aber seit ihrem selbst gew�hlten Exil in Kalimdor ben�tigte sie die Jagd nicht mehr, noch sp�rte sie das Bed�rfnis, Fleisch zu essen. Deshalb war sie Vegetarierin geworden.</p><p>�Darf ich einen Bissen haben?� Zu Aegwynns eigener �berraschung klang ihre Stimme sch�chtern � noch so ein Gef�hl, dessen sie sich nicht f�r f�hig erachtet hatte.</p><p>Lorena schob ihr den Teller zur Mitte hin entgegen. �Bedient Euch ohne Scheu.�</p><p>Als Aegwynn hungrig ein St�ck, das wie ein Schweinsw�rstchen ausgesehen hatte, kaute, fragte Lorena: �Ich muss es wissen, Magna, wie ist das?�</p><p>�Nennt mich Aegwynn�, warf sie ein, w�hrend sie die Wurst verspeiste. �Ich habe aufgeh�rt, W�chter zu sein, als ich die Kraft auf meinen Sohn �bertrug. Ich w�re gewiss nicht mehr in der Lage, die Verantwortung zu rechtfertigen, die der Titel erfordert.� Sie schluckte, dann fragte sie: �Wie ist <emphasis>was</emphasis>?�</p><p>�So lange zu leben. Ich bin als Soldat geboren und erzogen worden, und ich wusste von Anfang an, dass ich mein vierzigstes Lebensjahr vermutlich nicht erreiche. Ihr hingegen habt Euer vierzigstes <emphasis>Jahrzehnt</emphasis> erlebt. Sogar das Doppelte davon � ich vermag mir das kaum vorzustellen.�</p><p>Aegwynn gab einen langen Seufzer von sich, und ihr Atem roch jetzt nach Schweinswurst � was immer noch angenehmer war als die Fahne, die der Schnaps erzeugte. �Da gibt es wirklich nicht viel zu erz�hlen. W�chter ist man rund um die Uhr, es gibt keinen M��iggang, keine Freizeit � traurigerweise. D�monische Angriffe waren eine allgegenw�rtige Bedrohung, seit ich geboren wurde. Die Attacken wurden zunehmend �ffentlicher ausgetragen, was die Dinge ein wenig vereinfachte. Aber als ich darin versagte, die D�monen aufzuhalten, verbarg ich mein Scheitern so gut es ging vor denen, die meiner Hilfe bedurft h�tten. Die meisten Leute wissen nichts davon, wissen wenig oder nichts �ber mich, auch heute noch, und der Rat wollte es schon damals dabei belassen.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Es ist merkw�rdig, ich verachtete ihn aus vielerlei Gr�nden, doch diese Entscheidung trug ich mit. Aus Scham? Ich wei� es nicht. Ich wei� auch nicht, ob es ein Fehler war, mein Versagen nicht vor der �ffentlichkeit einzugestehen. Fakt ist, die Leute <emphasis>f�hlten</emphasis> sich vermutlich sicherer, weil sie die Wahrheit nicht kannten. Viele sind in den vergangenen Schlachten gestorben, aber die D�monen wurden ebenfalls empfindlich getroffen und am Ende zur�ckgeworfen. Nehmt nur Eure Lady Proudmoore und ihren Orc-Freund. Die beiden haben der gesamten D�monenschaft mehr geschadet, als ich es in tausend Jahren davor vermochte.�</p><p>�Wir sind eben streits�chtige Kreaturen, Sterbliche, die man besser nicht reizt.� Lorena grinste. �Gebt uns einen Feind, den wir bek�mpfen k�nnen, und wir tun es bis zum letzten Atemzug. Und noch dar�ber hinaus, falls n�tig.�</p><p>�In der Tat, Oberst. D�rfte ich noch etwas haben?�</p><p>Lorena lachte. �Bedient Euch.�</p><p>Als sie ein weiteres Bratenst�ck nahm, wiederum eines, das sie nicht kannte, fragte sich Aegwynn, was geschehen w�rde, wenn auch noch die letzte Bedrohung verschwunden war. Sie fand die Aussicht, in ihre kleine H�tte im Hochland von Bladescar zur�ckzukehren, weniger verlockend, als sie es noch vor kurzem gedacht h�tte. Jaina hatte Recht gehabt: Menschen und Orcs hatten sich hier ein Leben aufgebaut, und das war mit Medivhs Verdienst.</p><p>Was bedeutete, dass es auch ihr Verdienst war. Vielleicht war es das Beste, was man sich w�nschen konnte, die Fr�chte all ihrer M�hen...</p><p>Bevor sie weiter gr�beln konnte, betrat Jaina den Raum und sagte: �Ich habe sie gefunden. Wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>Die junge Magierin sah ersch�pft aus. Aegwynn stand auf. �Geht es Euch gut?�</p><p>�Ich bin ein wenig m�de, aber mir geht es gut, ja�, versicherte Jaina.</p><p>Aegwynn deutete auf den Teller mit den Bratenst�cken. �Esst etwas. Es n�tzt niemandem, wenn Ihr zusammenbrecht. Ich wei� besser als jeder andere, was mit einem Zauber passiert, der nicht mit voller Konzentration gewirkt wird.�</p><p>Jaina �ffnete ihren Mund, schluckte aber den Widerspruch hinunter, der ihr auf der Zunge lag. �Ihr habt sicherlich Recht, Magna.�</p><p>Lorena beugte sich zu Jaina hin�ber. �Sie mag es nicht, so genannt zu werden.�</p><p>Als sie das h�rte, gab Aegwynn ein bellendes Lachen von sich. Sie begann diesen Oberst wirklich zu m�gen.</p><p>Nachdem Jaina etwas hinuntergeschlungen hatte � Aegwynn bemerkte am�siert, dass Lorena wohl den kleinsten Anteil an der urspr�nglich f�r sie bestimmten Mahlzeit erhalten hatte �, sagte die Lady: �Das Flammende Schwert operiert von einer H�hle auf dem Gipfel des Dreadmist aus.�</p><p>Lorena zuckte zusammen. �Na gro�artig.�</p><p>Aegwynn sah Lorena fragend an. �Wo liegt das Problem?�</p><p>�Auf dem Dreadmist sind die Gipfelregionen von einem orangefarbenen Nebel bedeckt.�</p><p>Jaina sagte: �Es liegt der Rest eines alten d�monischen Fluchs auf diesem Ort. Deshalb hat ihn Zmoldor wahrscheinlich gew�hlt. Deshalb und seiner g�nstigen Lage wegen, gleichweit entfernt von Orgrimmar und Theramore. Auf jeden Fall wird uns meine Magie alle drei vor den Effekten des Nebels besch�tzen.�</p><p>�Gut�, sagte Lorena mit Nachdruck.</p><p>�Au�erdem hat Duree das hier gefunden.� Jaina zog eine vertraut wirkende, entsiegelte Schriftrolle aus ihrem Umhang und reichte sie an Aegwynn weiter.</p><p>Aegwynn nahm sie entgegen und erkannte, dass das erbrochene Siegel von Tirisfalen stammte. Dann �ffnete sie das Dokument � und lachte. Der Text war in ihrer eigenen Handschrift verfasst.</p><p>Sie gab die Schriftrolle an Jaina zur�ck. �Das ist meine Verbesserung des D�monenbannspruchs. Ich habe die Formel vor dreihundert Jahren aufgeschrieben, nachdem Erthalif gestorben war und ich Zugang zu seiner Schanze erhielt.� Sie sch�ttelte sich bei dem Gedanken an die Bibliothek des alten Elfs, die um einiges h�tte reinlicher sein m�ssen, um wenigstens als Schweinestall durchzugehen.</p><p>Sie ben�tigte zehn Wochen, um mit Erthalifs Bediensteten s�mtliche Schriftrollen auch nur zu <emphasis>sortieren</emphasis> sowie die angetrockneten Speisereste abzukratzen und das Ungeziefer zu bek�mpfen. Als sie die Aufzeichnungen des legend�ren Elfenzauberers Kithros �ber das Bewegen von Objekten von einem Reich in ein anderes fand, war es Aegwynn gelungen, sie zu einem wirkungsvollen Bannspruch gegen D�monen zu modifizieren.</p><p>�Ich wage zu behaupten, dass wir, h�tte ich diesen Spruch schon vor achthundert Jahren besessen, heute keinerlei Probleme mehr mit Zmoldor h�tten...�</p><p>Jaina verstaute die Schriftrolle wieder unter ihrem Umhang. �Das ist eine Fehleinsch�tzung. Ich habe es �berpr�ft, und es stellte sich heraus, dass Ihr Zmoldor schon beim ersten Mal erfolgreich au�er Gefecht gesetzt habt. Aber als die Brennende Legion angriff, rekrutierte sie viele D�monen, einschlie�lich derer, die von den Tirisfalen gebannt worden waren. Als der Krieg endete, gelang es einigen Nachz�glern, in dieser Welt zu bleiben, auch als die Legion zur�ckgeworfen wurde.�</p><p>�Und Zmoldor war einer von ihnen?�, fragte Aegwynn.</p><p>Jaina nickte.</p><p>Lorena z�ckte ihr Schwert � was auf Aegwynn �bereifrig wirkte, insbesondere f�r jemanden, der so viel Angst davor hatte, sich zu diesem Dreadmist-Ort zu begeben und sagte: �Milady, wenn Ihr mir die Frage gestattet � <emphasis>worauf warten wir eigentlich noch</emphasis>?�</p><p>�Nur noch eine Warnung�, antwortete Jaina. �Ich war nicht in der Lage, allzu viel vorauszusehen, da ich f�rchten musste, entdeckt zu werden. So bin ich mir auch nicht sicher, welcher Natur der Schutz ist, mit dem sich Zmoldor und seine Zauberer umgeben. Wir m�ssen auf alles vorbereitet sein.� Sie drehte sich zu Aegwynn um. �Magna Aegwynn. Ihr m�sst uns nicht begleiten. Es wird vielleicht gef�hrlich.�</p><p>Aegwynn schnaubte, denn es war mit Sicherheit der falsche Moment, um so etwas zu sagen, vor allem, wenn man ihre fr�here Stellung als W�chterin bedachte.</p><p>Noch vor kurzem hatte sie geglaubt, in ihrem Amt versagt zu haben. Nun wusste sie es besser. Und nach wie vor trug sie ein ger�tteltes Ma� an Verantwortung.</p><p>�Ich sah mich schon, als Eure Ur-Ur-Gro�eltern noch Kinder waren, mit sehr viel �rgeren Gefahren konfrontiert als dieser Wicht von einem D�mon sie darstellt... Wir vergeuden blo� Zeit.�</p><p>Jaina l�chelte zufrieden. �Dann los!�</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Korporal Rych wusste nicht, wer die Schlacht eigentlich begonnen hatte. Als es losging, stand er in der Schlachtenreihe vor der Mauer von Northwatch, den Gefreiten Hoban zu seiner Linken, den Gefreiten Allyn zu seiner Rechten. Sie befanden sich rund zwanzig Schritte hinter Major Davin.</p><p>Der Major war schlicht beeindruckend, wie er dem Orc gegen�berstand, ganz der Kriegsheld, der er auch tats�chlich war. Zeigte nicht das geringste Anzeichen von Angst. Er machte sie alle stolz, der Major.</p><p>Im n�chsten Augenblick dann wurde die Schlachtenreihe ersch�ttert, und Orcs, Trolle und Menschen fielen �bereinander her. Von �berall her h�rte der Korporal das Ger�usch von Metall, das auf Metall traf und die Anfeuerungsrufe beider Seiten, den Feind ohne Z�gern � und auch ohne Gnade � zu t�ten.</p><p>Nicht, dass Rych sich darum geschert h�tte. Er wusste auch ohne Aufforderung, worauf es hier und jetzt ankam.</p><p>Die Orcs waren wirklich dreist. Offenbar reichte es ihnen nicht, dass sie ihre R�nke in Ratchet schmiedeten, die dazu gef�hrt hatten, dass ein guter Mann wie Captain Joq festgenommen worden war. Nein, jetzt versuchten sie auch noch, die Menschen von ihrem rechtm��igen Platz in Northwatch zu vertreiben!</p><p>Rych w�rde das auf keinen Fall zulassen, auf gar keinen Fall.</p><p>Er zog das Familienschwert. Sein Vater hatte in der Armee von Kul Tiras gedient, wo ihm die Klinge gute Dienste geleistet hatte. Nachdem er an einer Lungenentz�ndung gestorben war, trat Rychs Mutter in die Armee ein � und t�tete ebenfalls viele Gegner. Sie starb im Kampf gegen die Brennende Legion, und so wechselte das Schwert in Rychs Besitz. Ein Gl�cksfall, denn sein altes Langschwert hatte nichts getaugt.</p><p>Obwohl er nicht so gut wie seine Mutter k�mpfte � die �berragend gewesen war �, schlug er sich immerhin besser als sein Vater. Und heute wollte er reichlich Orc- und Trollblut vergie�en.</p><p>Einer der Trolle st�rmte mit seinem riesigen, �ber den Kopf erhobenen Beil direkt auf ihn zu. Rych parierte die Waffe, dann trat er dem Troll in den Bauch. Der Trick hatte bei den Betrunkenen, die er daheim aus Mowbrys Taverne geworfen hatte, stets zur vollsten Zufriedenheit funktioniert.</p><p>Ungl�cklicherweise besa�en Trolle jedoch h�rtere und muskul�sere B�uche, und dieser hier lachte nur schadenfroh auf, bevor er sein Beil v�llig unbeeindruckt erneut schwang.</p><p>Blut tropfte in den Sand, aber Rych konnte sich nicht erlauben, sich zu vergewissern, von wem es stammte.</p><p>�Darauf wartest du schon verdammt lange, was?�, zischte der Troll, als er mit dem Beil ausholte.</p><p>Noch w�hrend die groteske Gestalt mit ihrer Ansprache wertvolle Zeit verschwendete, stach Rych ihr beherzt in die Brust.</p><p>Als sein Gegner in den Sand fiel, zog Rych sein Schwert zur�ck, drehte sich um und sah, dass das zuvor bemerkte Blut von Hoban und Allyn stammte, die tot am Boden lagen. Sie waren mit zahlreichen Wunden �bers�t.</p><p>Ein Orc, der auf die Burgtore zust�rmte, hielt eine Axt, von der frisches Blut tropfte. Rych sah rot, schrie, rannte der Gr�nhaut hinterher und hieb ihr in den R�cken.</p><p>Sie brach ohne Gegenwehr zusammen.</p><p>�Hey, Mensch!�</p><p>Rych wirbelte herum und sah sich einem weiteren Orc gegen�ber.</p><p>�Du hast Gorx get�tet!�</p><p>�Gorx hat meine Freunde get�tet�, knurrte Rych.</p><p>�Ja, aber er hat ehrenvoll gegen sie gek�mpft. Du jedoch hast ihm dein Schwert in den R�cken gesto�en!�</p><p>Rych wusste nicht, was daran so erw�hnenswert sein sollte. �Er hat <emphasis>meine Freunde</emphasis> get�tet�, wiederholte er dumpf.</p><p>Der Orc erhob sein riesiges Schwert. �Nun, und jetzt t�te ich dich!�</p><p>Die Klinge des anderen war um einiges gr��er als Rychs Waffe. Doch bedeutete das auch, dass es den Orc mehr Zeit kostete, damit auszuholen. Dadurch erhielt Rych Gelegenheit, entweder auszuweichen oder zu parieren. Der Versuch, Letzteres zu tun, endete im Funken spr�henden Zusammenprall beider Klingen. Die Ersch�tterung lie� Rychs K�rper vibrieren, und er w�nschte sich inst�ndig, lieber ausgewichen zu sein.</p><p>Als er dem Riesenschwert gerade zum vierten Mal auswich, rannte er in den Gefreiten Nash. Nash fuhr erschrocken herum und lief dem wie tollw�tig k�mpfenden Orc genau in die Klinge.</p><p>Rych kochte vor Wut. Offenbar reichte es nicht, dass diese Orcs eine Schlacht vom Zaum brechen mussten, jetzt t�teten sie auch noch einen nach dem anderen seiner Kameraden!</p><p>Unter wildem Gebr�ll st�rmte er dem Orc mit seinem Schwert entgegen.</p><p>Der trat nach links, und brauchte sein Riesenschwert nur noch von sich zu strecken. Es schnitt m�helos durch Rychs Brustpanzer und Oberk�rper. Wogen von Schmerz brandeten durch seinen K�rper, und sein Schrei wurde noch gellender. Mit der Rechten f�hrte er das Schwert, w�hrend die Linke versuchte, die barbarische Wunde zu bedecken.</p><p>Pl�tzlich sa� das Schwert fest und lie� sich nicht mehr bewegen. Wie benebelt drehte sich Rych um. Er sah, dass seine Waffe den Kopf des Orcs gespalten und sich im Knochen verkeilt hatte.</p><p>�Geschieht dir recht�, schaffte er noch durch zusammengebissene Z�hne zu keuchen.</p><p>Irgendwie gelang es ihm, das Schwert doch wieder frei zu bekommen. Aber die Anstrengung trieb ihm erneut qualvolle Schmerzen durch seine Brust.</p><p>Aus irgendeinem Grund waren die Kampfger�usche verstummt. Alles, was Rych noch h�rte, war ein monotones Brummen. Er benutzte seine Familienwaffe als Kr�cke, stolperte vorw�rts und hielt Ausschau nach weiteren Orcs, die er zur Strecke bringen konnte.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Vor einem Lidschlag hatte sich Aegwynn noch in Theramore befunden. Vor einem Lidschlag hatte Lorena einen tiefen Atemzug genommen, w�hrend sie besorgt in die Runde blickte. (Aegwynn erinnerte sich an die Worte des Oberst, wie sehr sie die Magie und den Brechreiz, den Teleportationen hervorriefen, hasste. Umso fragw�rdiger schien, ob es wirklich empfehlenswert gewesen war, dass Lorena vor dem Sprung noch etwas gegessen hatte.) Vor einem Lidschlag war Jaina Proudmoores Miene voller Entschlossenheit gewesen. Und jetzt...</p><p>... standen sie am Eingang zu einer H�hle und waren umgeben von giftig orangefarbenem Nebel!</p><p>Aegwynn verstand sehr gut, warum die Idee, sich hierher zu begeben, so wenig Begeisterung in Lorena geweckt hatte. Der orangene Dunst hing wie Pestatem in der Luft. Aegwynn f�hlte sich davon regelrecht erdr�ckt.</p><p>Gegen die Nebenwirkungen des Teleportierens war sie hingegen seit langem immun. Das Gef�hl von Orientierungslosigkeit, das ihr zusetzte, musste also von dem Nebel verursacht werden.</p><p>Sie warf Lorena einen Blick zu. Obwohl sie bleich aussah, hielt sie immer noch ihr Schwert verteidigungsbereit ausgestreckt. Offensichtlich war sie auf alle Eventualit�ten vorbereitet.</p><p>Jaina war ebenso blass wie Lorena, was kein gutes Zeichen war.</p><p>Doch Aegwynn schwieg. Jetzt gab es kein Zur�ck mehr, und das Letzte, was Jaina gebrauchen konnte, war jemand, der sich wie eine Glucke benahm.</p><p>Aegwynn hatte es immer gehasst, wenn jemand � im Regelfall Scavell, oder, wenn sie miteinander geschlafen hatten, Jonas � nerv�s reagierte, wenn sie, obwohl l�ngst ersch�pft, noch einen Kampf vor sich hatte. Deshalb sah sie keinen Grund, Jaina mit unn�tigen Bemerkungen noch mehr zu verunsichern.</p><p>Trotzdem gab es Anlass zur Sorge. So weit Aegwynn wusste, hatte Jaina vier Teleportspr�che gewirkt. Sich selbst hatte sie nach Bladescar versetzt, die Donnerechsen ebenfalls dorthin, sie drei zur�ck nach Theramore und anschlie�end noch zu dieser H�hle. Dann hatte sie Zmoldors Aufenthaltsort herausgefunden und irgendetwas getan, damit die Donnerechsen unter Kontrolle blieben. Und schlie�lich musste Jaina sie alle drei gegen das sch�tzen, was dieser Nebel sonst mit ihnen angestellt h�tte. So viel Zauberei an einem Tag forderte ihren Tribut.</p><p>Und nach allem, was Aegwynn wusste, bl�hte ihnen noch wesentlich mehr.</p><p>Als Jaina den Weg durch die H�hle beschritt, fragte sich Aegwynn, wann sie aufgeh�rt hatte, das goldhaarige M�dchen �Lady Proudmoore� zu nennen oder �das nervige kleine M�dchen� und stattdessen begonnen hatte, von ihr als �Jaina� zu denken.</p><p>Laut sagte sie: �Zmoldor ist bereits hier.� Sie erschauderte. �Er ist �berall.�</p><p>Der D�mon hatte sich offensichtlich in der H�hle eingenistet. Seine Pr�senz steckte in jedem Stein. Eine derartige Bosheit hatte sie nicht mehr �berw�ltigt, seit sie bei Kharazan ihrem Sohn gegen�bergestanden hatte.</p><p>Obwohl � etwas von diesem Gef�hl mochte auch vom Nebel auf sie einstr�men.</p><p>Jaina sprach einen Lichtzauber, der ihnen bessere Sicht erm�glichen sollte. Aber eigentlich hellte er nur den Nebel auf. Davon abgesehen <emphasis>wollte</emphasis> Aegwynn gar keinen besseren Blick auf die feuchten W�nde oder die Stalaktiten, deren Spitzen ihren Kopf bedrohten � oder den t�ckischen Boden.</p><p>Nachdem sie zwanzig Schritte weit in die H�hle vorgedrungen waren, versteifte sich Aegwynn pl�tzlich. �Da ist...�</p><p>�Ich habe es�, fiel ihr Jaina ins Wort. Dann murmelte sie eine schnelle Beschw�rung.</p><p>Aegwynn nickte. Beide hatten den Fallenzauber gesp�rt. Ein einfacher Spruch, den jeder Sch�ler bereits im ersten Jahr erfolgreich zu wirken lernte. Man hatte ihn wohl haupts�chlich eingesetzt, um streunende Tiere oder Wanderer fernzuhalten.</p><p>Dabei war es unwahrscheinlich, dass sich irgendjemand in diesen Alptraum von H�hle verirren w�rde. Aber Aegwynn hatte schon Merkw�rdigeres erlebt. Es musste nur ein Wolf oder einer dieser verr�ckten kletternden Zwerge hierher gelangen und sich genau dann in die H�hle quetschen, wenn Zmoldor und seine Diener mitten in einer komplizierten Beschw�rung steckten.</p><p>Am besten �berlie� man nichts dem Zufall.</p><p>Au�erdem diente das Entsch�rfen des Spruchs auch als Alarm. Aegwynn achtete darauf, dass sich Lorena mit ihrem Schwert und Jaina mit ihrer Magie zwischen ihr und der H�hle befanden.</p><p>Augenblicke sp�ter rief Lorena scharf: �Runter!�</p><p>Da sie keine N�rrin war, lie� sich Aegwynn sofort auf den kalten Boden fallen. Lorena tat es ihr gleich.</p><p>Jaina hingegen blieb stehen und hielt ihre Fackel hoch. Der Feuerball, der auf sie zutoste, sah aus, als wolle er sie verschlingen...</p><p>... aber er stoppte eine Arml�nge vor ihr � und verschwand dann.</p><p>Aegwynn richtete sich wieder auf. �Ich glaube, die wissen, dass wir da sind.�</p><p>�Ach?� Jainas Stimme war nur ein Fl�stern.</p><p>Ohja.</p><p>Aegwynn st�hnte. Die Stimme schien von �berall her zu kommen. Ein uralter D�monentrick. �Verkneif dir diese billigen M�tzchen, Zmoldor. Wir sind nicht deine hirnlosen Schergen und lassen uns davon nicht beeindrucken!�</p><p>Aegwynn! Was f�r eine angenehme �berraschung. Ich habe gedacht, du seiest schon lange durch die Hand deines Sohnes gestorben. Wie sch�n f�r mich, dass ich das nun selbst erledigen darf. Daf�r schulde ich dir etwas.</p><p>Selbst �ber den Wortschwall des D�mons hinweg h�rte Aegwynn merkw�rdige knackende Ger�usche, eine Art Keckem.</p><p>�Ich kenne diese Lache.� Lorena klang angeekelt. �Grellkins.�</p><p>Pl�tzlich st�rmte eine Horde kleiner D�monen, deren Fell die Farbe des Nebels hatte, auf sie zu.</p><p>Lorena eilte nach vorn, um Aegwynn und Jaina zu sch�tzen. �Ich hasse diese kleinen Kerle!� Noch w�hrend sie sprach leitete sie die Gegenattacke ein.</p><p>Es waren zu viele Biester f�r eine einzelne Frau. Aber gl�cklicherweise gab es ja auch <emphasis>zwei</emphasis>, die sich ihrer annahmen. Jaina wirkte mehrere Zauber, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Grellkins hatten. Einige setzten den Pelz in Brand. Andere blockierten die Atmung. Wieder andere Grellkins wurden von orkanartigen Winden gegen die H�hlenw�nde geschmettert und zerquetscht. Keiner der Zauber war etwas Besonderes, sie waren allesamt simpel genug, um Jainas Kr�fte zu schonen. Aber das war nur der Auftakt. Nachdem die ersten zwanzig get�tet waren, tauchten zwanzig neue auf.</p><p>�Das ist ein Ablenkungsman�ver�, knurrte Aegwynn.</p><p>�Ja�, best�tigte Jaina. Sie setzte einen weiteren Zauber ein, der die zwanzig Grellkins verschwinden lie�.</p><p>�Oberst�, sagte Jaina schnell, �k�nnt Ihr Euch darum k�mmern?�</p><p>Lorena grinste. �Passt auf!�</p><p>�Gut.�</p><p>Als der Oberst in die d�monischen Angreifer hineinwatete, schloss Jaina die Augen und stolperte dabei fast. Aegwynn fing sie auf. �Ist alles in Ordnung?�</p><p>Mit erfrischender Ehrlichkeit sagte Jaina: �Nein. Ich kann den Bannzauber nur wirken, wenn ich mich um nichts sonst k�mmern muss. Lorena soll...�</p><p>Ein ohrenbet�ubender Schrei dr�hnte durch die H�hle, als Lorena die letzten drei Grellkins mit einem einzigen Streich ihres Schwertes t�tete. Danach seufzte sie h�rbar, als sie auf die wie mit Eiter verkrustete Klinge starrte. �Ich werde diesen Dreck niemals wieder abkriegen...�</p><p>Ich sch�tze, das sollte das geringste Eurer Probleme sein.</p><p>Diesmal kam die Stimme nicht von �berall her zugleich, sondern aus einer einzigen Richtung: von unmittelbar voraus. Der orangene Nebel l�ste sich auf. Doch das war, ahnte Aegwynn, gewiss kein <emphasis>gutes</emphasis> Zeichen.</p><p>Sie sollte Recht behalten, denn der weichende Dunst enth�llte den grotesken K�rper von Zmoldor.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Die Panik lie� Davin bis in die Zehenspitzen erzittern. Um ihn herum starben Soldaten, seine Soldaten. Ihre K�rper wurden verheert und verst�mmelt, die Gliedma�en und K�pfe abgetrennt. Klingen schnitten tief in Fleisch und Knochen. Der L�rm und das Geschrei schwollen zu einem infernalischen Konzert an.</p><p>Und Davin stand einfach da und wartete darauf zu sterben. Er war davon ausgegangen, dass Burx ihn mit seiner Axt augenblicklich zweiteilen w�rde. Aber ein paar Soldaten eilten ihrem Kommandeur zu Hilfe und attackierten den Orc. Davin war sich nicht sicher, womit er sich eine solche Loyalit�t verdient hatte. Aber er war dankbar daf�r. Er wollte nicht sterben.</p><p>Danach griff ihn niemand mehr an. Orcs und Trolle suchten sich Menschen, gegen die sie ihren Kampf fortsetzten, und irgendwie wurde Davin, der dem Wasser n�her stand als irgendein anderer, v�llig ignoriert.</p><p>Der K�rper eines Trolls fiel ihm vor die F��e, und Korporal Barnes flog hinter ihm in hohem Bogen vorbei, landete klatschend im Wasser. Davin fragte sich unwillk�rlich, warum derjenige, der Barnes niedergestreckt hatte, dessen K�rper so weit von sich schleuderte. Dann aber entschied er, dass er das gar nicht wissen wollte.</p><p>Pl�tzlich explodierte die Welt. Zumindest hatte es fast den Anschein. Ein Erdsto� ersch�tterte den Boden so heftig, dass etwas geschah, was die Panik bislang verhindert hatte: In Davin kam wieder Bewegung � auch wenn er nur zu Boden st�rzte.</p><p>Obwohl sich bislang keine Wolke am Himmel gezeigt hatte � der Tag war klar und sonnig gewesen � wurde es mit einem Mal finster. Blitze zuckten mit Donnergrollen und ohrenbet�ubendem Get�se zum Boden hinab und schlugen dort ein.</p><p>Davin vernahm ein Rumpeln und sah kurz darauf, wie sich eine riesige Wasserwand aufbaute. W�hrend all der Zeit in Northwatch hatte er nie eine auch nur ann�hernd so hohe Welle gesehen. Diese war so hoch wie die Mauern der Festung � und rollte geradewegs auf Davin zu.</p><p>Schnell versuchte er auf seine Beine zu kommen, aber seine Stiefel fanden keinen ausreichenden Halt im Sand. Er fiel auf das Gesicht. W�hrend er noch den Sand ausspuckte und sich gleichzeitig bem�hte, keinen neuen zwischen die Z�hne zu bekommen, ergab sich Davin dem Unausweichlichen, versteifte sich und rammte seine H�nde wie Anker in den Sand.</p><p>Das Wasser schlug �ber ihm zusammen und riss ihn fast von dem St�ck Boden, wo er sich mit allen verf�gbaren Mitteln zu halten versuchte. Dank seiner R�stung und der tief eingegrabenen Arme trotzte er den Gewalten, die an ihm zerrten. Er fragte sich, wie es wohl den anderen Soldaten, die weniger gut gewappnet waren, ergehen mochte � die Orcs und Trolle k�mmerten ihn nicht �, aber am meisten interessierte ihn, ob er jemals wieder w�rde Luft holen k�nnen.</p><p>Dann endlich ebbte das Wasser in entgegengesetzter Richtung ab. Die Welle hatte den Sand von Davins Gesicht gewaschen. Er war v�llig durchn�sst. Das Wasser hatte seine Haare in etwas verwandelt, das <emphasis>wie eine triefende</emphasis> Kappe an seiner Kopfhaut anlag, und sein Bart klebte f�hlbar durchweicht an seinem Gesicht.</p><p>�Ihr habt mich heute besch�mt, Krieger!�</p><p>Davin rollte sich auf den R�cken und blickte empor. Der Himmel war immer noch finster, abgesehen von einer Stelle, wo ein Luftschiff schwebte.</p><p>Davin erlaubte sich ein fl�chtiges Gef�hl von Hoffnung. Vielleicht geh�rte das Luftschiff Oberst Lorena, die sich und Lady Proudmoore aus der Gewalt des Flammenden Schwerts hatte befreien k�nnen. Dieser Alptraum von einer Naturkatastrophe, der gerade �ber ihn hinweggerollt war, konnte durchaus die Tat der Lady gewesen sein. Sie war zur�ckgekommen, um die Truppen zu verst�rken, die Orcs zur�ckzuschlagen und so letztlich die Rettung zu bringen.</p><p>Als er sich das Luftschiff jedoch genauer betrachtete, rutschte ihm das Herz in die Hose. Die H�lle war mit bizarren Symbolen bedeckt, die der Major ausnahmslos als orcischer Herkunft identifizierte. Zumindest zwei der Symbole hatte er auf Waffen und R�stungen gesehen, die Orcs in Schlachten getragen hatten. Krieger, die seine Soldaten get�tet hatten. Davins Kommandeur hatte damals gemeint, dass diese Symbole das �quivalent zu den unter Menschen gebr�uchlichen Wappen seien.</p><p>Davin war nie ein sonderlich religi�ser Mensch gewesen. Das einzige Mal, dass er gebetet hatte, war, als er sich hinter jenem Baum versteckte und flehte, die D�monen m�gen ihn nicht entdecken. Dieses Gebet war scheinbar erh�rt worden, aber Davin wollte das Gl�ck nicht herausfordern, hatte es nie �berstrapaziert.</p><p>Bis heute. Denn hier und jetzt machte er eine Ausnahme � um den Tag zu �berleben.</p><p>Irgendwie fand er die Kraft auf die Beine zu kommen. Die Worte, die er geh�rt hatte, waren aus dem Luftschiff erklungen, und nun fiel eine Strickleiter herab. Sie straffte sich, als der Orc, der die Worte gesprochen hatte, daran zu Boden kletterte.</p><p>Als die massige Gestalt den Strand erreichte, hoben die anderen Orcs � zumindest diejenigen, die Davin aus den Augenwinkeln erkennen konnte � die Waffen zum Gru�. Der Major stellte fest, dass der Neuank�mmling blaue Augen hatte, und auf einmal wurde ihm klar, wen er vor sich hatte � auch wenn er dem Kriegsh�uptling der Orcs noch nie zuvor pers�nlich begegnet war.</p><p>Gleichzeitig fiel ihm ein, dass Thrall ein m�chtiger Schamane war. Wie Lady Proudmoore konnte auch er hinter der gerade erlebten �berschwemmung stecken.</p><p>Seinen Kriegshammer hielt der Orc mit einer Hand zum Himmel gereckt, und Davin wusste, das es sich dabei um den legend�ren Doomhammer handelte, der einst Orgrim, Thralls Lehrmeister, geh�rt hatte.</p><p>Der Orc br�llte: �Ich bin Thrall, Kriegsh�uptling von Durotar, Lord der Clans, Anf�hrer der Horde! Ich bin gekommen um klarzustellen, dass...� Er zeigte auf Burx. �... dieser Orc <emphasis>nicht</emphasis> f�r mich spricht!�</p><p>In den letzten sechs Jahren hatte Davin vielen Treffen mit Orcs beigewohnt. Zuerst im Krieg, aber auch aufgrund Northwatchs exponierter K�stenlage war es immer wieder zu Zusammenk�nften gekommen. Zahlreiche Orcs zogen durch diese Gegend.</p><p>In all der Zeit jedoch hatte Davin nicht einmal ann�hernd eine solche Regung im Gesicht eines Orcs bemerkt, wie er sie jetzt bei Burx sah.</p><p>�Krieger von Durotar, legt die Waffen nieder!� Wieder wies Thrall auf Burx, doch dieses Mal tat er es mit seinem Hammer. Mit dieser f�rchterlichen Waffe, die Legende war.</p><p>�Diese schlechte Kreatur hat sich mit einem D�monen verb�ndet, damit zwischen unseren V�lkern Krieg herrscht. Ich aber werde unser Abkommen nicht brechen und damit jenen Kreaturen zuarbeiten, die versucht haben, uns zu vernichten � niemals!�</p><p>Burx fauchte: �Ich war immer ein treuer Diener...�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Mehrere Krieger berichteten von einem Talisman in Form eines in Flammen stehenden Schwertes, den du bei dir tr�gst. Dabei handelt es sich um das Symbol der Vereinigung Flammendes Schwert. Wie mir Jaina und eine alte Zauberin, die sich mit den Menschen verb�ndet hat, erkl�rten, sind alle, die dieses Zeichen tragen, Leibeigene eines D�mons namens Zmoldor. Dieser versucht, Unfrieden auf Kalimdor zu sch�ren und unser B�ndnis zu unterh�hlen. Und wie seit Orc-Gedenken �blich, benutzen uns die D�monen auch diesmal wieder, um uns zu schw�chen. Vielleicht wollen sich uns danach auch endg�ltig den Garaus machen!�</p><p>Burx zeigte mit seiner Waffe auf Davin. �<emphasis>Das da</emphasis> sind die Bastarde, die versucht haben, uns in den Untergang zu treiben! Sie haben uns versklavt <emphasis>und uns unser rechtm��iges Erbe verweigert</emphasis>!�</p><p>Im Gegensatz zu Burx' hysterischer Stimme antwortete Thrall ruhig und gefasst. �Richtig, einige von ihnen haben das getan. Sie taten es wegen der D�monen, die uns unsere Seele raubten und uns zwangen, ihren Krieg gegen die V�lker dieser Welt auszutragen. Einen Krieg, den wir schlie�lich verloren haben. � Aber wir haben diese Fesseln abgeworfen. Wir sind wiedererstarkt und beinahe so wie wir fr�her einmal waren. Und <emphasis>warum</emphasis>, Burx, ist uns das gelungen? Ich will es dir sagen: weil wir <emphasis>Krieger</emphasis> sind. Weil wir reinen Geistes sind. Oder zumindest die meisten von uns. Denn ich kann nicht diejenigen rein nennen, die mit H�llenkreaturen paktieren, um Orcs zu verleiten, ihr Wort zu brechen.�</p><p>Die Orcs und Trolle starrten Burx mit einer Mischung aus �berraschung und Ekel an. Ein paar, erkannte Davin, blickten v�llig verwirrt, und einer von ihnen fragte schlie�lich: �Ist das wahr, Burx? Du hast dich mit einem <emphasis>D�mon</emphasis> eingelassen?�</p><p>�Um die Menschen zu vernichten, w�rde ich mich mit <emphasis>tausend</emphasis> D�monen einlassen! Sie m�ssen vernichtet werden, koste es, was es wolle!�</p><p>Wie um die gerade ge�u�erte �berzeugung zu unterstreichen, griff Burx Davin an.</p><p>Jede Faser seines K�rpers dr�ngte den Major dazu, wegzulaufen. Aber seine Beine gehorchten ihm ebenso wenig wie kurz zuvor, als die Welle auf ihn zugerollt war.</p><p>Er sah, wie Burx mit seiner Streitaxt ausholte, um ihm den Sch�del zu spalten.</p><p>Aber bevor der den Schwung vollenden konnte, verfiel sein ganzer K�rper in heftige Zuckungen. Er stoppte inmitten der Vorw�rtsbewegung und fiel in den Sand. Davin sah, wie Thrall Burx mit seinem Doomhammer traf.</p><p>�Du hast Schande �ber Durotar gebracht, Burx. Du tr�gst Schuld am ehrlosen Tod von Orcs, Trollen und Menschen. Diese Schmach kann nur durch deinen Tod getilgt werden. Und als Kriegsh�uptling ist es meine heilige Pflicht, dieses Urteil zu vollstrecken!�</p><p>Thrall hob seinen Hammer und lie� ihn mit f�rchterlicher Gewalt auf Burx' Haupt krachen.</p><p>Davin fuhr unwillk�rlich zusammen, als Blut �ber den sandigen Boden spritzte und sowohl Thrall als auch ihn traf. Er war jedoch zu geschockt, um zu versuchen, den Lebenssaft des Orc abzuwischen. Nicht einmal das Blut, das sich mit der N�sse auf seiner linken Wange mischte, beachtete er. Oder die Sch�delsplitter, die sich in seinem Bart verfangen hatten.</p><p>Auch Thrall machte keinerlei Anstalten, die Spuren von Burx' zertr�mmertem Haupt von sich zu wischen, obwohl ihn noch wesentlich mehr davon getroffen hatte. Davin schloss nicht aus, dass das Blut eines Unterlegenen bei Orcs als Ruhmeszeichen galt.</p><p>Der Kriegsh�uptling trat vor und sagte an Davin gewandt: �Ich entschuldige mich im Namen von Durotar f�r diesen Verr�ter, Major, und f�r diese schreckliche Schlacht. Ich werde es zu verhindern wissen, dass das Flammende Schwert meine Leute noch einmal beeinflusst. Und ich hoffe, dasselbe k�nnt auch Ihr mir f�r Eure Seite versichern.�</p><p>Davin traute seiner Stimme nicht, deshalb nickte er nur.</p><p>�Dann werden wir nun abziehen�, versprach Thrall mit Genugtuung. �Ich bin untr�stlich, dass wir nicht rechtzeitig hier waren, um dieses Blutvergie�en zu verhindern. Aber zuerst musste ich die Truppen, die auf dem Landweg vorr�ckten, aufhalten. Wir werden alle nach Durotar zur�ckkehren und euch nicht mehr angreifen...� Der Kriegsh�uptling trat vor. �Jedenfalls nicht, so lange ihr uns keinen Anlass dazu gebt.�</p><p>Wieder nickte Davin, diesmal deutlich eifriger und mit allem Nachdruck, zu dem er f�hig war. Er verlie� seinen Platz auch nicht, als Thrall seinen Truppen den Befehl gab, die Toten und Verwundeten einzusammeln und zu den Booten zur�ckzukehren, um heim nach Kolkar Crag zu segeln. Davin stand lange nur da, seine Stiefel im Sand eingesunken.</p><p>Die �berreste von Burx' Blut, seinem Sch�del und Gehirn bedeckten noch immer den K�rper und die R�stung Thralls, als der Orc die Leiter seines Luftschiffs erklomm. Kurz darauf trat die Flotte ihre Reise nach Norden an.</p><p>Davin wunderte sich, dass seine Gebete erneut erh�rt worden waren. Vielleicht, dachte er, war ja an dieser ganzen Beterei doch etwas dran.</p><p>Auch dar�ber, wie rasch sich die Gesamtsituation zum Guten hin ver�ndert hatte, konnte er nur staunen. Ganz allein Thralls Ansprache hatte all dies bewirkt. Nat�rlich hatte ihm die spektakul�re Hinrichtung die n�tige Aufmerksamkeit gesichert. Aber ohne seine �berzeugungskraft h�tte dieser Effekt nur f�r kurze Zeit angehalten. Nein, Thralls Worte hatten die Orcs und Trolle <emphasis>�berzeugt</emphasis>, die K�mpfe einzustellen und sich zur�ckzuziehen.</p><p>Es fiel Davin schwer, es sich einzugestehen, dass er vom Auftritt des Kriegsh�uptlings beeindruckt war.</p><p>Schlie�lich fragte ein Captain: �Eure Befehle, Major?�</p><p>��h... Abmarsch, Captain.� Er stie� den Atem aus, von dem ihm nicht bewusst gewesen war, dass er ihn �berhaupt angehalten hatte, und f�hlte sich pl�tzlich sehr m�de. �Wir marschieren nach Hause.�</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Vor nicht einmal f�nf Minuten hatte Aegwynn Zmoldor gezwungen, Schluss zu machen mit seinen billigen Tricks. Der K�rperlose-Stimme-Zauber mochte vielleicht Durchschnittsmenschen beeindrucken. Aber es war ein simpler Spruch, den jeder Lehrling im ersten Jahr zu wirken lernte. Deshalb beeindruckte er Aegwynn nicht im Geringsten.</p><p>Doch als sie jetzt Zmoldor sah, gro�, mit ledriger Haut, Fledermausfl�geln und flammenden Augen, gelangte sie zu der �berzeugung, dass sie besser ihren vorlauten Mund gehalten h�tte.</p><p>D�monen waren generell keine sch�nen Gesch�pfe � aber Zmoldor war selbst nach diesen Ma�st�ben h�sslich. Acht mit Kapuzen verh�llte Gestalten umstanden den D�mon. Vermutlich die Zauberer, die ihre rhythmischen Ges�nge erschallen lie�en.</p><p>Jaina griff unter ihren Umhang und zog die Schriftrolle hervor. Aegwynn war froh, denn es bedeutete, dass es bald vorbei sein w�rde. Jetzt, da Zmoldor sich gezeigt hatte, konnte Jaina den Bannzauber sprechen.</p><p>Pl�tzlich aber br�llte Jaina auf und st�rzte wie ein Stein zu Boden.</p><p>�Jaina!� Aegwynn eilte an die Seite der jungen Magierin. Lorena, treue Streiterin, die sie war, positionierte sich zwischen Jaina und dem D�mon.</p><p>Schwei� perlte von Jainas Stirn, als sie sich aufrichtete. Gepresst brachte sie hervor: �Zauberer... blockieren den Spruch!�</p><p>Aus dieser N�he konnte Aegwynn die St�rke der Zauberer sp�ren. Die des Einzelnen mutete eher schwach an, doch weil es Dutzende waren, gelang es ihnen, ihrem Spruch die n�tige Durchschlagskraft zu verleihen. Dennoch h�tte eine Magierin von Jainas Format sie besiegen m�ssen.</p><p>Wenn sie sich nicht zuvor schon verausgabt h�tte...</p><p>Jaina bem�hte sich, Aegwynn konnte es f�hlen. Aber sie verlor gegen Zmoldors Diener zusehends an Boden.</p><p>Das l�uft ja besser, als ich gedacht habe. Ich werde daf�r sorgen, dass man die Orcs f�r Lady Proudmoores Tod verantwortlich macht. Es wird die Menschen in Rage versetzen. Nichts wird sie davon abhalten k�nnen, in den Krieg zu ziehen, und ohne sie als Anf�hrerin werden sie verlieren. � Aber nicht, bevor sie so viele Orcs wie m�glich get�tet haben. Es wird wunderbar!</p><p>�Wie die H�lle�, murmelte Aegwynn. Es gab f�r sie nur noch eines zu tun.</p><p>Fast vier Jahre war es her, dass sie Medivh zur�ckgebracht hatte. Dabei hatte sie alle zauberischen Kr�fte eingeb��t. Aber Magie verschwand niemals f�r immer. Zwei Jahrzehnte, nachdem sie nach Bladescar geflohen war, hatte sie gen�gend magische Kraft gehortet, um ihren Sohn zur�ckzuholen.</p><p>Obwohl sie in den letzten vier Jahren nicht ann�hernd so viel zur�ckerhalten hatte, konnte sie vielleicht doch schaffen, was notwendig war. Und wenn es <emphasis>nicht</emphasis> funktionierte, nun gut, sie hatte fast tausend Jahre gelebt, und wie Lorena es so klug ausgef�hrt hatte, war das deutlich l�nger, als die meisten Menschen auf Erden wandelten.</p><p>Schwei� rann �ber Jainas Gesicht. Sie kniete immer noch da, die F�uste geballt und auf ihren Fersen sitzend. Aegwynn konnte den Spruch sp�ren, den sie selbst erdacht hatte, und k�mpfte gleichzeitig darum, den Block zu �berwinden, den die Zauberer errichtet hatten.</p><p>An Jainas Seite ergriff Aegwynn die linke Faust der jungen Frau mit ihren beiden H�nden. Sie schloss die Augen, sammelte ihre Gedanken, ihre Kraft, ihre ganze Lebensessenz. Sie fokussierte und kanalisierte die Energie in ihre Arme... dann in ihre Unterarme... ihre H�nde... Und schlie�lich in Jaina.</p><p>Urpl�tzlich �berkam sie eine tiefe M�digkeit. Ihre Knochen f�hlten sich schwer an, ihre Muskeln schmerzten, als w�ren sie ein langes Rennen gelaufen, und ihr Atem kam in kurzen St��en. Aegwynn ignorierte das alles und b�ndelte weiter jede verf�gbare Energie. Ihr Leben, ihre Magie, selbst ihre Seele leitete sie in Jaina Proudmoore.</p><p>Jaina �ffnete ihre Augen. Normalerweise von eisigem Blau, leuchteten sie nun feurig rot.</p><p>Nein!</p><p>Fast gleichzeitig mit diesem gedanklichen Schrei antworteten Jaina und Aegwynn lapidar: �O doch!�</p><p>Ihr k�nnte das Flammende Schwert nicht aufhalten. Wir werden siegen, alles zerst�ren, was sich uns in den Weg stellt, und dann werden wir � aaarrrrgghhhhhhhhh...!</p><p>Zmoldors Br�llen hallte nicht nur von den W�nden wider, sondern str�mte auch aus den M�ndern der Zauberer, die den Schmerz durch das Band, das sie mit dem D�mon einte, ebenfalls sp�rten. Obwohl Aegwynn ihn aus dem Blickfeld verlor, sah sie in ihren Gedanken, wie sich Zmoldors h�sslicher K�rper wand und drehte und aufb�umte. Gelber Eiter spritzte aus schw�renden Wunden, die wenig sp�ter vollends aufbrachen.</p><p>Wind kam auf- STURM! �, als der Zauber, den Aegwynn ersonnen und gewirkt hatte, die Luftmassen auseinander riss und ein Tor zum Wirbelnden Nichts �ffnete, das augenblicklich an Zmoldors K�rper zerrte.</p><p>Neeeeiiin! Ich lasse mich nicht wieder einsperr...</p><p>Die Schreie des D�mons endeten wie abgeschnitten, als sein Kopf eingesogen wurde. Die Rufe der Zauberer aber erklangen weiter, selbst als der Boden unter Aegwynns F��en anfing zu beben.</p><p>Schlie�lich erstarben auch sie, nachdem die Handlanger des D�mons ins Wirbelnde Nichts gezogen worden waren, wo sie Qualen w�rden erleiden m�ssen, die um ein Vielfaches schlimmer waren als alles, was sie den Bewohnern Kalimdors hatten antun wollen.</p><p>Der Riss schloss sich, aber die H�hle erzitterte noch immer unter den freigesetzten Kr�ften.</p><p>Lorena erkannte das Offensichtliche mit soldatischem Pragmatismus und rief: �Wir m�ssen hier raus! Sofort!�</p><p>Aber Aegwynn war nicht in der Lage, sich von der Stelle zu bewegen. Ihre Arme und Beine wogen schwer wie Blei, und es kostete sie schon all ihre Kraft, wenigstens die Augen offen zu halten.</p><p>Einer der Stalaktiten l�ste sich mit einem Ger�usch wie Donnergrollen von der H�hlendecke und schlug unmittelbar neben der Stelle zu Boden, wo Aegwynn und Jaina knieten.</p><p>Aegwynn h�rte noch, wie Jaina einen Fluchtzauber wob.</p><p>Dann wurde sie ohnm�chtig.</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Wieder einmal stand Jaina Proudmoore auf dem H�gel nahe Razor Hill und blickte nach Durotar. Es dauerte nicht lange, bis sie das tiefe, gleichm��ige Rumpeln vernahm, das die Ankunft von Thralls Luftschiff ank�ndigte. Diesmal kam der Kriegsh�uptling in der Begleitung von Wachen, die gr��tenteils auf der Transportplattform blieben, w�hrend er die Strickleiter hinunterkletterte, um Jaina zu begr��en. Ein Krieger, den Jaina nicht erkannte, wich nicht von seiner Seite und blieb mit bereit gehaltener Axt hinter Thrall stehen.</p><p>Ironisch l�chelnd sagte Jaina: �Vertraust du mir nicht, Thrall?�</p><p>Thrall erwiderte das L�cheln warm. �Mein engster Berater hat mich verraten, Jaina. Ich denke, es ist das Beste, wenn ich allzeit bin, einen zweiten Vertrauensbruch zu verhindern. Es ist immer gut, jemanden zu haben, der einem den R�cken frei h�lt.�</p><p>�Das klingt weise und vorausschauend.� Sie nickte.</p><p>�Ist die Bedrohung wirklich vorbei?�</p><p>Jaina hob die H�nde. �Es scheint so. Zmoldor und die Zauberer sind ins Wirbelnde Nichts verbannt worden. Selbst die Brennende Legion h�tte ihre M�he, sie zu befreien. Und ein so niederer D�mon w�re der M�he sicher nicht wert.�</p><p>�Gut gemacht. Ich w�nschte nur, es w�re gelungen, bevor Blut vergossen wurde.� Thralls fasste an seinen G�rtel, an dem ein Talisman hing, der ein von flammenumlodertes Schwert darstellte. Jaina nahm an, dass er Burx geh�rt hatte, dem Berater, der mit Zmoldor verb�ndet gewesen war. Genau wie Kristoff.</p><p>Laut Major Davins Rapport, der zusammen mit dessen R�cktrittsgesuch eingetroffen war, hatte Thrall Burx vor einer gro�en Menge von Orc- und Trollkriegern get�tet, weil der mit dem Flammenden Schwert paktiert hatte.</p><p>Jaina seufzte. �Wir hatten sehr viel Gl�ck, Thrall. Zmoldor mag daf�r verantwortlich gewesen sein, aber er hat nur Hass benutzt, der schon vorhanden war. Schau, wie wenig dein Volk und das meine gebraucht haben, um sich gegenseitig bei Northwatch die Sch�del einzuschlagen.�</p><p>�Das stimmt. Es war f�r unsere V�lker um einiges einfacher zusammenzuarbeiten, als wir noch einen gemeinsamen Gegner hatten � die Brennende Legion. Jetzt hingegen...� Seine Stimme erstarb.</p><p>Eine Weile senkte sich Stille �ber sie, dann fuhr Jaina fort zu sprechen. �Wie ich schon sagte, wenn die Krise vorbei ist, sollten wir �ber ein B�ndnis zwischen unseren V�lkern verhandeln.�</p><p>Thrall machte eine Geste uneingeschr�nkter Zustimmung. �Du hast Recht. Die Allianz muss uns beide �berleben. Es gibt keine Alternative, wenn Menschen und Orcs �berleben wollen. Deshalb m�ssen wir unseren Pakt besiegeln.�</p><p>�Ich schlage vor, wir treffen uns in einer Woche in Ratchet. Es ist ein neutraler Hafen, dort k�nnen wir die Details ausarbeiten.� Sie blickte ihn an, erwartete seine Antwort.</p><p>�Akzeptiert. Ich werde Kalthar mitbringen. Er ist der Weiseste von uns.�</p><p>Jaina konnte sich nicht verkneifen zu fragen: �Auch weiser als der Kriegsh�uptling?�</p><p>Thrall lachte. �Um einiges weiser als der. So machen wir es, Jaina.�</p><p>�Ausgezeichnet. Leb wohl, Thrall. Ich sehe dich in einer Woche.�</p><p>�Leb wohl, Jaina. M�gen wir gest�rkt aus dieser Krise hervorgehen.�</p><p>Jaina nickte und wirkte den Zauber, der sie zur�ck in ihre Kammer brachte. Dort wartete Aegwynn auf sie. Es hatte die alte Frau Zeit gekostet, wieder zu sich zu kommen, nachdem sie in der H�hle ohnm�chtig geworden war, und Jaina hatte eine Weile sogar gef�rchtet, dass sich die W�chterin gar nicht mehr erholen w�rde.</p><p>Jaina hatte selbst kaum noch �ber gen�gend Kraft verf�gt, um sie zu dritt vom Deadmist-Gipfel weg zu bef�rdern, fort von dem verfluchten Nebel. Weit hatte sie es nicht geschafft, aber irgendwie war es ihr gelungen, Theramore zu kontaktieren und ein Luftschiff anzufordern.</p><p>W�hrend sich Jaina lediglich ersch�pft gef�hlt hatte, als das Luftschiff sie schlie�lich auflas, war Aegwynn schwach wie ein neugeborenes K�tzchen gewesen. Eine warme Mahlzeit, etwas Schlaf, mehr war nicht erforderlich gewesen, damit es Jaina wieder gut gegangen war. Aegwynn hingegen brauchte l�nger und sehr viel Zuwendung. Aber auch wenn die erste Prognose des Heilers noch schlecht ausgefallen war, attestierte er ihr schon nach wenigen Tagen die Z�higkeit eines Elfs. Was durchaus als Kompliment zu verstehen war.</p><p>Sie w�rde sich vollst�ndig erholen. Und jetzt sa� sie auf dem Besucherstuhl von Jainas Unterkunft. �Wurde auch Zeit, dass Ihr zur�ckkommt.�</p><p>�Ich bin froh, Euch wieder vollst�ndig erholt zu sehen, Magna. Eure spitze Zunge eingeschlossen.� In ihren Augen blitzte es vergn�gt.</p><p>Auch Aegwynn lachte. �Ja, es scheint aufw�rts zu gehen.�</p><p>Jaina sank mehr auf einen der freien St�hle, als dass sie sich setzte. Sie war nicht einfach nur m�de, es war eine tiefgr�ndende Ersch�pfung, die nach dem Sprung an ihr nagte, und sie h�tte nichts gegen ein paar Tage der wirklichen Erholung einzuwenden gehabt.</p><p>Doch eine so lange Auszeit konnte sie sich nicht g�nnen. Es gab keinen K�mmerer mehr, der sie entlastet h�tte.</p><p>Duree hatte ihr abgenommen, was sie konnte. Aber so n�tzlich und wertvoll die Zofe auch war, vermochte sie doch nicht die wirklich komplexen Dinge zu bew�ltigen, die n�tig waren, um das Leben in Theramore am Laufen zu halten.</p><p>Lorena war, zumindest in milit�rischen Angelegenheiten, etwas hilfreicher gewesen. Aber auch sie hatte keine Erfahrung mit Regierungsgesch�ften. Deshalb konnte sich Jaina keine Ruhepause g�nnen, sehr zum Unwillen des Heilers.</p><p>Sie betrachtete Aegwynn, die sie aus ihren tiefgr�nen Augen ansah. Es erschreckte Jaina, dass ihr ganzer Sieg �ber Zmoldor letztlich nur gelungen war, weil sie das Bladescar-Hochland ausgew�hlt hatte, um dort die Donnerechsen anzusiedeln. Selbst wenn sie gewusst h�tte, dass Zmoldor hinter allem steckte, h�tte sie den D�mon ohne die ehemalige W�chterin niemals bezwingen k�nnen.</p><p>�Ich wollte Euch danken, Mag... Aegwynn�, verbesserte sich Jaina rasch. �Ohne Euch w�re alles verloren gewesen.�</p><p>Aegwynn neigte ihr Haupt als Antwort.</p><p>�Ich nehme an, Ihr wollt zur�ck nach Bladescar.�</p><p>�Eigentlich�, erwiderte Aegwynn mit einen schwachen L�cheln, �nein.�</p><p>Jaina blinzelte �berrascht. �Nein?�</p><p>�Ich m�chte lediglich f�r eine gewisse Zeit zur�ckkehren, um dort noch ein paar Dinge zu regeln, meinen Garten ein letztes Mal sehen, beispielsweise, bevor die Donnerechsen alles zertrampelt haben. Aber ich war viel zu lange fern <emphasis>dieser</emphasis> Welt. Ich denke, es ist an der Zeit, wieder darin heimisch zu werden. Und ich hoffe, dass die Welt mich... nun, dass sie mich auch annimmt, nicht verst��t.�</p><p>�Ganz gewiss wird sie das tun. Die Welt braucht Gesch�pfe wie Euch. Das wei� ich.� Jaina richtete sich auf ihrem Stuhl auf. Sie hatte sich diese Antwort von Aegwynn gew�nscht, aber nicht in ihren k�hnsten Tr�umen erwartet, dass sich ihre Hoffnung erf�llen w�rde. �Wie es sich gerade trifft, habe ich die Stelle eines K�mmerers zu vergeben. Es ist eine Position, die spezielle Kenntnisse erfordert � Weitblick und die Bereitschaft, mich zurechtzuweisen und mir die Meinung zu sagen, wenn es vonn�ten ist. Ich behaupte, Ihr seid daf�r in jeder Hinsicht qualifiziert, insbesondere was das Zurechtstutzen angeht...�</p><p>Aegwynn lachte. �Sicherlich � obwohl man �ber den anderen Punkt streiten k�nnte. Doch vielleicht habe ich wirklich gen�gend Weitblick in den vergangenen tausend Jahren erlangt...� Sie stand auf. Jaina tat es ihr gleich. Aegwynn reichte ihr die Hand. �Ich nehme das Angebot mit Freuden an.�</p><p>Jaina erwiderte den Handschlag mit allem Nachdruck, zu dem sie f�hig war. �Ausgezeichnet. Ich danke Euch, Aegwynn. Ihr werdet es nicht bereuen.�</p><p>�Nein � aber Ihr vielleicht.� Aegwynn l�ste den H�ndedruck und nahm wieder Platz. �Und hier mein erster Ratschlag als Euer K�mmerer: Kristoff hatte Recht, Zmoldor war ein niederer D�mon. Er hatte nicht den Verstand, den es braucht, einen solchen Plan selbst zu entwickeln.�</p><p>Jaina runzelte die Stirn. �Ich dachte, Ihr h�ttet gesagt, dass er das Flammende Schwert gegr�ndet hat...�</p><p>�Ja, aber nur, um Seelen zu sammeln. Ein Plan wie dieser aber ist viel zu komplex f�r ihn. Ihr sagtet selbst, dass Zmoldor nicht der einzige D�mon war, der zur�ckgelassen wurde, als es gelang, die Brennende Legion zur�ckzuschlagen. War es nicht so? Und � was glaubt ihr, bedeutet das f�r uns...?�</p><p>Obwohl Jaina die Antwort kannte, wollte sie sie aus dem Mund der W�chterin h�ren und fragte deshalb: �Sagt Ihr es mir, Aegwynn.�</p><p>�Nun, ganz einfach, Jaina, ich f�rchte, dass es nicht das Letzte war, was wir vom Flammenden Schwert geh�rt oder gesehen haben.�</p></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>An erster Stelle muss ich mich beim Blizzard-Games-Guru Chris Metzen bedanken, dessen Beitr�ge zu <emphasis>Warcraft</emphasis> unentbehrlich waren. Unsere Telefongespr�che und Emails waren wirklich sehr fruchtbar und voller kreativer Energie.</p><p>Au�erdem danke ich Marco Palmieri, meinem Lektor bei Pocket Books, und seinem Chef Scott Shannon, die beide fanden, dieses Buch sei eine gute Idee, und Lucienne Diver, meiner wundervollen Agentin.</p><p>Dank auch an die anderen <emphasis>Warcraft</emphasis>-Autoren, Richard Knaak, Jeff Grubb und Christie Golden. Besonders Jeffs <emphasis>Der letzte W�chter</emphasis> und Christies <emphasis>Der Lord der Clans</emphasis> waren hilfreich f�r mich bei der Charakterisierung von Aegwynn und Thrall.</p><p>Weiterer Dank gilt der Malibu-Gang, den Elitist Bastards, Novelscribes, Inkwell und all den anderen Mailinglisten, die mich bei bester Gesundheit erhalten, indem sie mich schier wahnsinnig machen, CITH und CGAG, den Leuten bei Palombo, die mich unterst�tzt haben, <emphasis>Kyoshi</emphasis> Paul und dem Rest der netten Leute im Dojo.</p><empty-line/><p>Last but not least danke ich f�r die Nachsicht all derer, die mit mir zusammenleben, egal ob Mensch oder Katze, und f�r ihre fortw�hrende Unterst�tzung.</p></section><section><title><p>Anmerkung des Historikers</p></title><p>Diese Geschichte spielt ein Jahr vor <emphasis>World of Warcraft</emphasis>. Drei Jahre sind seit der Invasion der Brennenden Legion und deren Niederschlagung durch die vereinten Streitkr�fte von Orcs, Menschen und Nachtelfen vergangen.</p><p>(<emphasis>Warcraft 3: Reign of Chaos</emphasis> und <emphasis>Warcraft</emphasis>-Addon: <emphasis>The Frozen Throne</emphasis>)</p></section><section><title><p>�ber der Autor</p></title><p>Aus der Feder von Keith R.A. DeCandido flossen �ber zwei Dutzend Romane sowie etliche Novellen, Kurzgeschichten, eBooks, Comics und Sachb�cher. Neben <emphasis>Warcraft</emphasis> f�hlt er sich auch in den Welten von <emphasis>Star Trek, Star-Craft, Spider-Man, X-Men, Buffy, im Bann der D�monen, Serenity,  Farscape, Andromeda, Resident Evil</emphasis> oder <emphasis>Xena</emphasis> zuhause. Dar�ber hinaus erwarb er sich einen Namen als Herausgeber zahlreicher Anthologien, etwa der <emphasis>Star-Trek</emphasis>-Sammlungen <emphasis>Tales of the Dominion War</emphasis> und <emphasis>Tales from the Captain's Table</emphasis>. Seine Werke standen auf mehreren Bestsellerlisten. Kritikerlob erntete er unter anderem von <emphasis>Entertainment Weekly, TV Zone, Starburst, Dreamwatch, Library Journal</emphasis> und <emphasis>Cinescape</emphasis>. R. A. DeCandido lebt mit seiner Freundin und zwei verr�ckten Katzen in New York. Seine offizielle Internetseite ist unter www.DeCandido.net zu finden.</p></section></body><binary id="cover" 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