<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Jack</first-name><last-name>Campbell</last-name></author><book-title>Black Jack</book-title><annotation><p>Er starb im Krieg�� so glauben alle. In Wahrheit lag er 100 Jahre im K�lteschlaf. Nun feiert man ihn wegen seiner Kriegsverdienste als lebende Legende. Er erh�lt das Kommando �ber eine Flotte, die im feindlichen Territorium gestrandet ist. Sein Auftrag: m�glichst alle Schiffe lebend nach Hause bringen. Die Realit�t: Unz�hlige Feinde auf dem Weg. Und eine Meuterei in den eigenen Reihen, die ihn 40 Schiffe kostet�</p></annotation><date>2010</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Ralph</first-name><last-name>Sander</last-name></translator><sequence name="Die verschollene Flotte" number="2"/></title-info><src-title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Jack</first-name><last-name>Campbell</last-name></author><book-title>Fearless</book-title><date value="2007-02-01">2007</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Cosmopilit</nickname></author><program-used>calibre 2.53.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2016-07-23">22.7.2016</date><id>e6208e15-1eb8-4e06-97e0-05125f574ce3</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Jack Campbell. Black Jack</book-name><publisher>Bastei L�bbe</publisher><city>M�nchen</city><year>2010</year><isbn>978-3-404-23344-1</isbn></publish-info></description><body><title><p>Jack Campbell</p><p>Black Jack</p></title><section><p>F�r Stanley Schmidt, einen gro�artigen Redakteur und Autor und einen sehr anst�ndigen Menschen. Danke, dass du so vielen Autoren�� auch mir�� geholfen hast, ihr Handwerk besser zu beherrschen.</p><p>Trotz dieser Widmung bin ich davon �berzeugt, dass Stan mir auch weiterhin wie �blich alles zur�ckschickt, was nicht seinen Anspr�chen gen�gt.</p><empty-line/><p><emphasis>Wie immer f�r S.</emphasis></p></section><section><title><p>Danksagung </p></title><p>Ich danke meiner Redakteurin Anne Sowards f�r ihren unbezahlbaren R�ckhalt und ihren Einsatz, au�erdem meinem Agenten Joshua Bilmes f�r seine wertvollen Vorschl�ge und seinen Beistand. Ein Danke geht auch an Catherine Asaro, Robert Chase, J. G. (Huck) Huckenp�hler, Simcha Kuritzky, Michael LaViolette, Aly Parsons, Bud Sparhawk und Constance A. Warner f�r ihre Ideen, Anmerkungen und Empfehlungen. Und an Charles Petit geht ein Dankesch�n f�r seine Vorschl�ge zu Weltraumschlachten.</p></section><section><title><p>Eins</p></title><p>Pl�tzlich tauchten Schiffe vor der Schw�rze des Alls auf. Ganze Geschwader von Zerst�rern und leichten Kreuzern nahmen aus dem Nichts kommend Gestalt an, gefolgt von schweren Kreuzern und Schlachtschiffen, allesamt gewaltige Plattformen f�r die todbringendsten Waffen, die je von Menschenhand geschaffen wurden. In der Ferne markierte ein greller Lichtpunkt den Stern, dem die Menschheit den Namen Sutrah gegeben hatte und der so weit entfernt war, dass die Menschen auf der Welt im Orbit um diesen Stern erst in gut f�nf Stunden sehen w�rden, wie die Allianz-Flotte in ihr System geflogen kam.</p><p>Die Flotte, die hier in den Normalraum gesprungen war, machte einen ungeheuer schlagkr�ftigen Eindruck, wie sie so in Formation auf Sutrah zusteuerte. Man sollte kaum glauben, dass es irgendetwas gab, was diese Schiffe f�rchten k�nnten. Doch in Wahrheit rannte die Allianz-Flotte sprichw�rtlich um ihr Leben. Und das tief im feindlichen Territorium der Syndikatwelten gelegene System Sutrah war nur ein Zwischenstopp auf einem Weg, der die Flotte in Sicherheit bringen sollte.</p><p>�Wir haben leichte Kriegsschiffe der Syndiks geortet, zehn Lichtminuten voraus, zehn Grad nach Steuerbord.�</p><p>Captain John �Black Jack� Geary sa� im Kommandosessel auf der Br�cke des Allianz-Kreuzers <emphasis>Dauntless</emphasis> und sp�rte, wie sich seine angespannten Muskeln allm�hlich lockerten, da offensichtlich wurde, dass er einmal mehr richtiggelegen hatte. Man konnte auch sagen, die Befehlshaber der Syndikatflotte hatten falsch getippt, aber das lief auf dasselbe hinaus. Letztlich bedeutete es n�mlich, dass das Gebiet rund um den Sprungpunkt nicht vermint worden war, und die bislang in einiger Entfernung festgestellten feindlichen Kriegsschiffe stellten keine Bedrohung f�r Gearys Flotte dar.</p><p>Nein, die gr��te Gefahr f�r sein Schiff lauerte vielmehr in den eigenen Reihen.</p><p>Gearys Blick wich nicht von dem dreidimensionalen Display, das vor seinen Platz projiziert wurde, da er sehen wollte, ob die geordnete Allianz-Formation wohl in Chaos zerfiel, wenn zum wiederholten Mal alle Commander ihre Disziplin �ber Bord warfen, um die Syndik-Schiffe zu verfolgen und zu vernichten.</p><p>�Captain Desjani�, wies er die Befehlshaberin der <emphasis>Dauntless</emphasis> an. �Senden Sie bitte eine Aufforderung an diese Kriegsschiffe, sich unverz�glich zu ergeben.�</p><p>�Ja, Sir.� Tanya Desjani hatte mittlerweile gelernt, ihre Reaktionen auf Gearys altmodische und (nach modernen Ma�st�ben) nachsichtige Einstellungen zu verbergen, die unter anderem zur Folge hatten, dass einer feindlichen Streitkraft zuerst einmal die M�glichkeit einer Kapitulation einger�umt wurde, obwohl man sie m�helos h�tte vernichten k�nnen.</p><p>Geary hatte nach und nach herausgefunden, warum sie und die anderen in der Flotte so dachten. Die Syndikatwelten waren f�r ihre grausamen Herrscher ber�chtigt, und f�r die Allianz selbstverst�ndliche Dinge, wie die pers�nliche Freiheit und Gerechtigkeit, waren diesen Leuten fremd. Die grundlosen �berraschungsangriffe durch die Syndiks, durch die dieser Krieg erst ausgel�st worden war, hatten einen anhaltenden bitteren Nachgeschmack hinterlassen, und im Verlauf des seit Kriegsbeginn verstrichenen Jahrhunderts war den Syndiks keine Taktik zu sch�big gewesen, wenn sie dadurch einen Sieg erringen konnten. F�r Geary war die Erkenntnis ein Schock gewesen, dass die Allianz sich nicht zu schade war, sich auf das gleiche Niveau zu begeben, um begangenes Unrecht zu r�chen. Und auch wenn er inzwischen verstand, wie es dazu gekommen war, w�rde er dieses Verhalten niemals tolerieren. Er bestand darauf, dass sie sich an die alten Spielregeln hielten, wie er sie noch gelernt hatte. Spielregeln, die daf�r sorgten, dass die K�mpfenden sich nicht so sch�ndlich verhielten wie ihre Feinde.</p><p>Mindestens zum zehnten Mal, seit er sich hingesetzt hatte, �berpr�fte er die Systemanzeige, obwohl er sie bereits auswendig kannte. Der Sprungpunkt, durch den seine Flotte in den Normalraum zur�ckgekehrt war, lag nicht ganz f�nf Lichtstunden von Sutrah entfernt. Zwei Welten in diesem System waren bewohnt, aber die der Flotte am n�chsten gelegene war immer noch neun Lichtminuten von der Sonne entfernt, sodass man dort die Ankunft der Allianz-Flotte in fr�hestens viereinhalb Stunden feststellen w�rde. Die zweite Welt war mit nur siebeneinhalb Lichtminuten Abstand zur Sonne sogar noch weiter von Gearys Schiffen entfernt. Auf dem Transitflug durch das Sutrah-System zum n�chsten Sprungpunkt am anderen Ende w�rde sich die Flotte keinem der beiden Planeten n�hern m�ssen.</p><p>Rund um die Darstellung der Allianz-Schiffe auf dem Systemdisplay kennzeichnete eine sich ausweitende Blase den Bereich, in dem man die Ereignisse ann�hernd in Echtzeit mitverfolgen konnte. Im Moment konnte die Flotte die n�chste bewohnte Welt so sehen, wie sie sich vor viereinhalb Stunden gezeigt hatte. Das war eine passable Zeitspanne, aber sie bedeutete auch viel Spielraum f�r unerwartete Ereignisse und unerfreuliche �berraschungen, von denen man erst erfuhr, wenn das Licht einen endlich erreichte. Sutrah selbst konnte theoretisch vor vier Stunden explodiert sein, das Ereignis selbst w�rden sie dennoch erst in fast einer Stunde sehen.</p><p>�Blauverschiebung bei den Syndik-Schiffen�, meldete ein Wachhabender, der seine Entt�uschung nicht verbergen konnte.</p><p>�Sie ergreifen die Flucht�, f�gte Desjani unn�tigerweise an.</p><p>Geary nickte nachdenklich. Die Syndik-Streitmacht bei Corvus war ihnen hoffnungslos unterlegen gewesen, und trotzdem hatten sie angegriffen, wobei von vier Schiffen am Ende nur eines �berlebte. <emphasis>Der dortige Syndik-Befehlshaber zitierte Flottenvorschriften, die einen selbstm�rderischen Angriff von ihnen verlangten. Warum benehmen diese Syndiks hier sich anders?</emphasis> �Warum?�, fragte er laut.</p><p>Captain Desjani sah �berrascht zu Geary. �Weil sie feige sind.�</p><p>Er brachte es fertig, sie nicht wutentbrannt zurechtzuweisen. So wie viele andere Matrosen und Offiziere der Allianz war sie so lange mit Propaganda �ber den Feind gef�ttert worden, dass sie schlie�lich jedes Wort glaubte, selbst wenn es keinen Sinn ergab. �Captain, drei Syndik-Schiffe bei Corvus haben bis zu ihrer Vernichtung gek�mpft. Warum fliehen dann diese hier?�</p><p>Desjani gr�belte, schlie�lich erkl�rte sie: �Syndiks befolgen rigoros ihre Befehle.�</p><p>Das schien eine zutreffende Einsch�tzung zu sein, die zu allem passte, was Geary einmal gewusst und was er inzwischen zu sehen bekommen hatte. �Dann hat man ihnen den Befehl erteilt, vor uns davonzufliegen.�</p><p>�Um unsere Ankunft im Sutrah-System zu melden�, folgerte Desjani. �Aber zu welchem Zweck? Wenn sie an den anderen Sprungpunkten leichte Einheiten postiert haben, und wir sehen, dass das vor einigen Stunden der Fall war, welchen Nutzen soll es dann bringen, wenn jemand genau hier wartet? Ihr Bericht geht so oder so mit Lichtgeschwindigkeit raus, und da sie nicht an uns vorbeikommen, um den n�chsten Sprungpunkt zu erreichen, k�nnen sie auch nicht schnell aus dem System springen.�</p><p>Geary war in die Darstellung auf dem Display vertieft. �V�llig richtig. Warum also?� Wieder betrachtete er die Formation seiner Flotte und stellte mit einem erleichterten Aufatmen fest, dass noch immer niemand ausgeschert war. �Augenblick mal.� Innerhalb eines Sternensystems wurden Richtungsangaben stets mit Bezug auf die Umgebung eines Schiffs gemacht, damit andere Schiffe wussten, was gemeint war. Alles oberhalb der Systemebene wurde als �oben�, bezeichnet, alles darunter als �unten�. Zur Sonne weisend lag alles �rechts� oder �steuerbord� (oder sogar <emphasis>�sternenbord�,</emphasis> wie manche durchzusetzen versuchten), die entgegengesetzte Richtung war �links� oder �backbord�. Nach diesem allgemeing�ltigen Bezugssystem befanden sich die leichten Kriegsschiffe der Syndiks momentan unterhalb der Flotte und bewegten sich nun nach links oben. Warum sollten sie in eine Richtung fliehen, die sie nur n�her an seine Flotte heranbrachte? Es sei denn, diese Aktion diente einem ganz anderen Zweck.</p><p>Geary zeichnete eine Kurve zwischen seinem Schiff und der Syndik-Gruppe ein, die durch ein Gebiet f�hrte, das die Syndiks nicht durchflogen hatten. �Ich brauche ein gutes Bild von dieser Region da, und zwar schnell!�</p><p>Desjani sah ihn erschrocken an, gab den Befehl aber weiter. Er wartete noch auf die Reaktion, da bemerkte er, wie sich drei Zerst�rer und ein schwerer Kreuzer aus der Formation l�sten und mit voller Beschleunigung einen Satz nach vorn machten, um die fliehenden Syndiks aufzuhalten. <emphasis>Nein! Ihr Idioten!</emphasis> Sofort tippte Geary eine Taste an seiner Konsole. �Alle Einheiten! Kurs um drei null Grad nach oben �ndern. Ich wiederhole: drei null Grad nach oben! Sofort ausf�hren! Auf unserer geplanten Flugbahn befinden sich Minen.�</p><p>Er brauchte einen Moment, um die vier Schiffe zu identifizieren, die aus der Formation ausgeschert waren. �<emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis>, <emphasis>Mace</emphasis>, <emphasis>Cuirass!</emphasis> Verlassen Sie auf der Stelle Ihren derzeitigen Kurs! Drei null Grad nach oben! Sie fliegen geradewegs in ein Minenfeld!�</p><p>Dann blieb Geary nichts anderes �brig, als auf das Display zu starren und zu warten. Die Flotte war �ber einen Bereich von mehreren Lichtminuten verteilt, und das vorderste Schiff der Gruppe w�rde den Befehl erst in zwei Minuten empfangen. Die drei Zerst�rer und der Kreuzer <emphasis>Cuirass</emphasis> waren sowieso schon gut eine Lichtminute entfernt, und bei voller Beschleunigung konnte man in dieser Zeit eine weite Strecke zur�cklegen.</p><p>Eine Wachhabende auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> erstattete laut Meldung. �Anomalien auf der geplanten Route festgestellt. Mit mehr als achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich um getarnte Minen. Empfehle Ausweichkurs.�</p><p>Desjani gab ein Handzeichen, um die Meldung zu best�tigen, dann schaute sie ihn voller Bewunderung an. Geary wurde bewusst, dass auch die anderen Offiziere und Matrosen auf der Br�cke ihm Blicke zuwarfen, die einer Heldenverehrung gleichkamen. Obwohl er damit schon seit Monaten leben musste, hasste er dieses Verhalten noch immer so sehr wie am ersten Tag. �Woher wussten Sie das, Captain Geary?�, fragte Desjani.</p><p>�Es war zu offensichtlich�, erl�uterte er und rutschte unbehaglich auf seinem Platz hin und her, da die anderen Br�ckenoffiziere ihn weiter musterten. �Die Kriegsschiffe waren weit genug vom Sprungpunkt entfernt, um nicht mit eintreffenden Feinden aneinanderzugeraten, aber sie waren immer noch nah genug, damit sie andere Syndik-Schiffe warnen konnten. Dazu kommt der Kurs, den sie geflogen sind. Der schien darauf abzuzielen, dass wir bei ihrer Verfolgung ein bestimmtes Gebiet durchqueren.� Er lie� unausgesprochen, was sie beide wussten: W�re diese Flotte noch der gleiche undisziplinierte Haufen gewesen, mit dem er nach Corvus geflogen war, dann w�rden nicht nur vier, sondern fast alle Schiffe nichtsahnend auf das Minenfeld zusteuern.</p><p>Die breit gef�cherte Formation aus Allianz-Schiffen begann, sich in der Mitte durchzubiegen, da die n�chstgelegenen Schiffe bereits reagierten, ehe auch die weiter entfernten den Befehl zur Kurs�nderung erhielten. Das Bild erinnerte Geary an einen Mantarochen, dessen K�rper schon im Aufsteigen begriffen war, w�hrend sich die Flossen noch ein St�ck tiefer befanden.</p><p>Er wartete ab und sah auf die drei Zerst�rer und den Kreuzer, die ihren Kurs unver�ndert beibehielten, als sei die Verfolgung der Fl�chtenden das Einzige, was z�hlte. Er �berpr�fte die Zeit. F�nf Minuten waren verstrichen. Da der Befehl bei Lichtgeschwindigkeit eine Minute ben�tigte, um die Schiffe zu erreichen, und eine Reaktion nach einer weiteren Minute erkennbar werden konnte, waren drei zus�tzliche Minuten in einer Notsituation wie dieser einfach zu viel Zeit, wenn rein gar nichts geschah. � <emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis>, <emphasis>Mace</emphasis>, <emphasis>Cuirass!</emphasis> �ndern Sie sofort Ihren Kurs nach oben, maximale Kurskorrektur. Vor Ihnen liegt ein Minenfeld. Best�tigen Sie den Befehl und machen Sie sofort kehrt!�</p><p>Wieder eine Minute. �Wie weit sind sie von diesen Anomalien entfernt?�, fragte er und versuchte, einen ruhigen Tonfall zu wahren.</p><p>�Auf dem momentanen Kurs ��, Desjani tippte hastig auf ihre Kontrollen, um die Zeit zu berechnen. �� werden sie in drei�ig Sekunden dort sein.� Sie sprach ruhig und diszipliniert. In ihrer noch recht kurzen Karriere hatte sie den Tod zahlreicher Allianz-Schiffe miterlebt und etliche Matrosen der Allianz sterben sehen. Geary war diese Tatsache erst nach und nach bewusst geworden, und jetzt wurde ihm klar, dass Desjani auf ihre Erfahrungen zur�ckgriff und sich f�r das wappnete, was wohl nicht mehr zu vermeiden war.</p><p>Drei�ig Sekunden. Zu wenig, um noch einen weiteren Befehl zu senden. Geary wusste, dass einige Befehlshaber innerhalb seiner Flotte eigentlich nicht dazu geeignet waren, ein Schiff zu f�hren, w�hrend viele andere immer noch an dem Gedanken festhielten, nichts sei glorreicher, als ohne zu z�gern und gedankenlos auf den Feind loszust�rmen. Es w�rde noch lange dauern, bis er ihnen beigebracht hatte, dass ein guter Krieger nicht nur Mut bewies, sondern auch seinen Verstand einsetzte�� falls es ihm �berhaupt gelingen sollte. Aber das erkl�rte nicht, welcher Wahnsinn von diesen vier Captains Besitz ergriffen hatte, seine ausdr�cklichen Befehle zu ignorieren und auf das Minenfeld zuzuhalten. Sie mussten so sehr auf die feindlichen Schiffe fixiert sein, dass ihnen alles andere egal war, Hauptsache, sie gelangten in Feuerreichweite zu den Syndiks.</p><p>Vielleicht w�rden die Schiffe lange genug im Minenfeld �berleben, um eine andere Warnung auszusprechen. W�hrend er versuchte, sich seine Sorge nicht anmerken zu lassen, rief er sie erneut: �<emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis>, <emphasis>Mace</emphasis>, <emphasis>Cuirass!</emphasis> Hier spricht der Befehlshaber der Flotte. Sie begeben sich in ein Minenfeld. �ndern Sie sofort Ihren Kurs. Maximale Kurskorrektur!�</p><p>Er wusste, sie flogen jetzt in das Minenfeld hinein. Das Licht der vier Schiffe war eine halbe Minute alt, und w�hrend er sie noch unversehrt weiterfliegen sah, waren sie vermutlich schon mit den ersten Minen kollidiert. Ihm blieb nichts weiter zu tun, als das Display zu betrachten und auf das Unvermeidbare zu warten. Er wusste, dass den Besatzungen dieser Schiffe nur noch ein Wunder helfen konnte, und genau daf�r betete er insgeheim.</p><p>Das Wunder ereignete sich nicht. Exakt eine Minute und sieben Sekunden nach Desjanis Warnung sah Geary auf seinem Display etliche Explosionen aufleuchten, als die drei Zerst�rer in die dicht beieinander platzierten Minen rasten und von den Detonationen zerfetzt wurden. Besatzungsmitglieder und Tr�mmerst�cke wurde durchs All geschleudert, doch die Minen waren intelligent genug, um auf diese Ber�hrungen nicht zu reagieren.</p><p>Wenige Sekunden sp�ter sah Geary, dass die <emphasis>Cuirass</emphasis> endlich zu einem Wendeman�ver angesetzt hatte, doch das kam viel zu sp�t, da die Vorw�rtsbewegung den Kreuzer unerbittlich in die Minen trieb. Ein Sprengk�rper verursachte ein gro�es Loch mittschiffs, ein zweiter riss einen betr�chtlichen Teil des Hecks weg, dann verloren die optischen Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> vor�bergehend den Kreuzer aus den Augen, da seine Tr�mmer und die der Zerst�rer die Sicht auf das Wrack nahmen.</p><p>Geary benetzte seine pl�tzlich trocken gewordenen Lippen und dachte an die Matrosen, die einen v�llig sinnlosen Tod gestorben waren. Er ignorierte seine Gef�hle und konzentrierte sich ganz auf seine n�chste Aufgabe, w�hrend er das Display studierte. �Zweites Zerst�rergeschwader, Sie werden sich vorsichtig in die N�he der Ungl�cksstelle begeben und nach �berlebenden suchen. Ohne meinen ausdr�cklichen Befehl werden Sie nicht in das Minenfeld hineinfliegen.� Vermutlich gab es nicht einen einzigen �berlebenden. Die vier Schiffe waren so schnell zerst�rt worden, dass es kaum jemand bis in eine Rettungskapsel geschafft haben konnte. Trotzdem war dies eine notwendige Ma�nahme, um sicherzustellen, dass niemand in die H�nde der Syndiks fiel und in einem ihrer ber�chtigten Arbeitslager endete.</p><p>Eine Minute verstrich unendlich langsam. �Hier Zweites Zerst�rergeschwader, haben verstanden. Machen uns auf die Suche nach �berlebenden.� Die Stimme des Geschwaderf�hrers klang bedr�ckt.</p><p>Wieder warf Geary einen Blick auf seine Formation, die nun komplett auf neuem Kurs war und �ber die Ebene des Sutrah-Systems aufstieg, um das Minenfeld, das auf dem Display nun mit deutlichen Warnzeichen versehen war, in einem Bogen zu umfliegen. �Alle Einheiten, Kurs �ndern um zwei null Grad nach unten bei Zeit eins f�nf.�</p><p>Alle sahen ihn an und schienen eine Ansprache zu erwarten, wie heldenhaft diese vier Crews ihr Leben verloren hatten. Geary stand auf, die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengekniffen, und verlie� kopfsch�ttelnd die Br�cke, da er seiner Stimme nicht vertrauen konnte. �ber Tote sollte man nicht schlecht reden, und er wollte nicht auf der Br�cke �ber die Dummheit der eitlen Commander dieser Schiffe reden, die ihre Crews ermordet hatten.</p><p>Obwohl sich genau das zugetragen hatte �</p><p>Victoria Rione, Co-Pr�sidentin der Callas-Republik und Mitglied im Senat der Allianz, wartete an der T�r zu seiner Kabine auf ihn. Geary nickte ihr knapp zu, dann trat er ein, ohne sie ausdr�cklich hereinzubitten. Sie folgte ihm dennoch und blieb stehen, w�hrend er w�tend die Sternenlandschaft betrachtete, die eine Wand schm�ckte. Sie hatte keinerlei Befehlsgewalt �ber die Flotte, aber als Senatorin stellte sie eine so hochrangige Regierungsvertreterin der Allianz dar, dass er sie nicht rauswerfen konnte. Au�erdem h�rten die zur Flotte geh�renden Schiffe der Callas-Republik und der Rift-F�deration auf Riones Befehl, falls sie zu dem Entschluss k�me, nicht l�nger mit Gearys Vorgehen einverstanden zu sein. Er musste sich dieser Zivilistin und Politikerin gegen�ber diplomatisch verhalten, auch wenn er am liebsten wahllos irgendjemanden angeschrien h�tte.</p><p>Schlie�lich begn�gte er sich mit einem finsteren Blick. �Was wollen Sie, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>�Von Ihnen erfahren, welche Wut Sie momentan auffrisst�, erwiderte sie ruhig.</p><p>Einen Moment lang sackte er in sich zusammen, dann schlug er mit der Faust nach der Sternenlandschaft, die kurz flimmerte und sich gleich wieder beruhigte. �Wieso? Wieso kann irgendjemand <emphasis>so d�mlich</emphasis> sein?�</p><p>�Ich habe diese Flotte bei Corvus erlebt, Captain Geary. Die Taktik der Syndiks h�tte dort die H�lfte aller Schiffe ausgel�scht. Aber das war zu einem Zeitpunkt, als Sie diesen Leuten noch keine Nachhilfestunden in Sachen Disziplin erteilt hatten.�</p><p>�Soll ich mich jetzt besser f�hlen?�, fragte er bitter.</p><p>�Ja, das sollten Sie.�</p><p>Mit einer Hand rieb er sich �bers Gesicht. �Ja�, stimmte er ihr m�de zu. �Das sollte ich tats�chlich. Aber schon ein einziges Schiff � und wir haben sogar vier verloren.�</p><p>Rione sah ihn eindringlich an. �Immerhin k�nnen die vier noch als abschreckendes Beispiel daf�r dienen, wie wichtig es ist, Befehle zu befolgen.�</p><p>Sein Blick war nicht weniger eindringlich, w�hrend er gr�belte, ob sie ihre Worte wohl ernst meinte. �Das ist f�r meinen Geschmack etwas zu kaltbl�tig, Madam Co-Pr�sidentin.�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Sie m�ssen das realistisch betrachten, Captain Geary. Bedauerlicherweise gibt es immer wieder Leute, die einfach nicht lernen wollen, bis sie sehen, wie ihre eigene Dummheit ihnen einen Schlag ins Gesicht verpasst.� Sie wurde leiser und schloss die Augen. �So wie es gerade eben passiert ist.�</p><p>Also schmerzte sie der Verlust sehr wohl, stellte Geary erleichtert fest. Als die einzige Zivilistin der Flotte, als Einzige, die nicht seinem Kommando unterstand, vermittelte sie ihm das Gef�hl, sich ihr anvertrauen zu k�nnen. Allm�hlich gelangte er auch zu der Einsicht, dass sie ihm sympathisch war, was f�r ihn nach einem Jahrhundert in v�lliger Isolation ein seltsames Gef�hl darstellte. Immerhin umgaben ihn seit seinem Aufwachen aus dem K�lteschlaf Menschen, deren Kultur sich im Gro�en ebenso wie im Kleinen zum Teil radikal ver�ndert hatte.</p><p>Rione sah ihm wieder in die Augen. �Sie fragen nach dem Grund, Captain Geary? Ich kann nicht von mir behaupten, eine Expertin auf milit�rischem Gebiet zu sein, aber die Commander dieser vier Schiffe hatten gesehen, dass Ihre Vorgehensweise funktionierte. Sie hatten erlebt, wie Ihre Taktiken aus alten Zeiten zum Erfolg f�hrten. Sie waren Zeuge geworden, wie eine gro�e Syndik-Streitmacht komplett zerschlagen wurde. Wie konnten sie da allen Ernstes glauben, es sei ein kluger Zug, auf den Feind loszust�rmen?�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf, ohne sie anzublicken. �Weil die Menschheit das Pech hat, dass es in der Milit�rgeschichte gen�gend Befehlshaber gibt, die ihre erfolglosen Taktiken wieder und wieder zur Anwendung bringen und immer auf die gleiche Weise k�mpfen, obwohl ihre eigenen Streitkr�fte vor ihren Augen stetig dezimiert werden. Ich will gar nicht erst so tun, als k�nnte ich das erkl�ren, aber leider gibt es diese Leute: Befehlshaber, die weder kurz- noch langfristig aus ihren Fehlern lernen, sondern ihre Untergebenen weiter in den Tod schicken, als m�sste ihre Taktik Erfolg haben, wenn sie sie nur lange genug verfolgen.�</p><p>�Aber es sind doch nicht alle Befehlshaber so.�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Allerdings kommt es mir so vor, als w�rden sie sich vor allem in den h�chsten Dienstgraden tummeln, wo sie das meiste Unheil anrichten k�nnen.� Schlie�lich sah er sie wieder an. �Viele dieser Commander sind gute, tapfere Matrosen. Doch sie haben ihre ganze Karriere damit verbracht, auf die eine Art zu k�mpfen, die man ihnen befohlen hat. Es dauert eine Weile, bis man diese Leute davon �berzeugt hat, dass Ver�nderung nichts Schlechtes sein muss. Ver�nderungen beim Milit�r lassen sich nicht so leicht durchsetzen, selbst wenn es um die R�ckkehr zu bew�hrten Taktiken aus der Vergangenheit geht. Es ist und bleibt eine Ver�nderung, mit der einem etwas Vertrautes weggenommen wird.�</p><p>Seufzend sch�ttelte Rione den Kopf. �Ich habe viele alte Traditionen gesehen, die vom Milit�r hochgehalten werden, und manchmal frage ich mich, ob sich davon nicht zu viele Menschen angezogen f�hlen, denen das Festhalten an alten Z�pfen wichtiger ist als neue Errungenschaften.�</p><p>�Mag sein�, r�umte Geary schulterzuckend ein. �Aber aus diesen Traditionen kann man auch Kraft sch�pfen. Sie sagten mir einmal, diese Flotte sei spr�de und k�nne allzu leicht zerschlagen werden. Wenn es mir gelingt, ihr neue Kraft zu geben und sie zu festigen, dann wird das zu einem gro�en Teil auch daran liegen, dass ich auf alte Traditionen zur�ckgreifen kann.�</p><p>Sie akzeptierte seine Worte, ohne dabei erkennen zu lassen, ob sie ihm auch glaubte. �Ich habe Informationen f�r Sie, die vielleicht teilweise behilflich sein k�nnen, das Verhalten dieser vier Commander zu erkl�ren. Seit wir den Sprungraum verlassen haben und das Komm-Netz wieder aktiv wurde, meldeten mir einige meiner Quellen, dass Ger�chte in der Flotte die Runde machen. Ger�chte, wonach Sie Ihren Kampfgeist verloren haben sollen und lieber Syndik-Kriegsschiffe entkommen lassen, um irgendwann sp�ter gegen sie zu k�mpfen, wenn Sie damit ein Gefecht jetzt und hier vermeiden k�nnen.�</p><p>Ungl�ubig musste Geary laut lachen. �Wie kann nach Kaliban noch irgendwer so etwas glauben? Wir haben diese Syndik-Flotte aufgerieben. Es ist niemand davongekommen.�</p><p>�Die Leute glauben, was sie glauben wollen�, stellte Rione fest.</p><p>�Sie meinen so, wie Black Jack Geary ein mythischer Held ist?�, frage er m�rrisch. �Erst wollen sie mich anbeten, mich, den Krieger aus der Vergangenheit, der diese Flotte retten wird, indem er einen hundert Jahre alten Krieg gewinnt. Und dann wieder verbreiten sie Ger�chte �ber mich, ich sei unf�hig oder �ngstlich.� Schlie�lich setzte er sich hin und bedeutete Rione, ihm gegen�ber Platz zu nehmen. �Und was verraten Ihnen Ihre Spione in der Flotte noch so alles, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>�Spione?�, wiederholte sie �berrascht, als sie sich hinsetzte. �Das klingt so abf�llig.�</p><p>�Abf�llig ist es nur, wenn die Spione f�r den Feind arbeiten.� Er st�tzte das Kinn auf eine Faust und musterte Rione. �Sind Sie mein Feind?�</p><p>�Sie wissen, ich misstraue Ihnen�, erwiderte sie. �Anfangs f�rchtete ich die Heldenverehrung, die Sie f�r die Allianz zu einer genauso gro�en Bedrohung wie die Syndiks h�tte machen k�nnen. Jetzt liegt es daran, dass Sie sich als sehr f�higer Mann erwiesen haben, was eine noch gef�hrlichere Kombination ergibt.�</p><p>�Aber solange ich im Interesse der Allianz handele, stehen wir auf der gleichen Seite, oder?�, fragte Geary mit einem Anflug von Sarkasmus. �Mir macht Sorgen, was mir der Hinterhalt mit dem Minenfeld �ber unseren Feind verr�t, Madam Co-Pr�sidentin.�</p><p>Sie stutzte. �Was k�nnte Ihnen das �ber unseren Feind verraten, was wir nicht l�ngst wissen?�</p><p>�Es verr�t, dass die Syndiks ihren Kopf gebrauchen. Sie sind schlau, was sie auch schon bewiesen haben, als sie diese Flotte dazu veranlassten, das Hypernet zu benutzen, um in eine Falle zu laufen, die dem Krieg ein Ende h�tte setzen k�nnen.�</p><p>�Was ihnen auch gelungen w�re, wenn nicht �berraschend der �ber hundert Jahre alte Held der Allianz Captain Black Jack Geary eingegriffen h�tte�, fugte Rione halb im Scherz hinzu. �Jener Held, der am Rande des Todes stehend in einer vergessenen Rettungskapsel gefunden wurde, ganz so, wie ein K�nig aus der Antike einem Wunder gleich zum Leben erweckt wird, um sein Volk zu retten, wenn die Not am gr��ten ist.�</p><p>Er verzog das Gesicht. �F�r Sie mag das witzig sein, weil Sie nicht mit Leuten zurechtkommen m�ssen, die Sie f�r diese Person halten.�</p><p>�Ich sagte Ihnen schon, dass Sie diese Person <emphasis>sind,</emphasis> und nein, ich finde das nicht witzig.�</p><p>Geary w�nschte, er w�rde sie besser verstehen. Seit seiner Rettung hatte er nur mit dem Milit�r zu tun, und einige der dortigen kulturellen Ver�nderungen nach einhundert Jahren Krieg waren f�r ihn schon b�se �berraschungen gewesen. Aber seine einzige Verbindung zur zivilen Kultur stellte diese Frau dar, und die verschwieg ihm einiges. Wie viel sich zu Hause ver�ndert hatte, konnte er aus ihr nicht herausholen, dabei h�tte er es so gern gewusst.</p><p><emphasis>Aber Rione wird mir nicht helfen, die zivile Kultur der Allianz besser zu verstehen, weil sie glaubt, ich k�nnte dieses Wissen benutzen, um eine gr��ere Bedrohung f�r die Regierung zu werden. Vielleicht wird sie mir ja eines Tages so weit vertrauen, dass sie mir diese Dinge verr�t.</emphasis> Er lehnte sich vor und bediente die Kontrollen auf der Tischplatte, mit denen er auch nach Monaten in dieser Kabine noch nicht vollst�ndig vertraut war. Ein Bild von Sutrah nahm Gestalt an, gleich neben einer gr��eren Darstellung der Sterne in der N�he dieser Sonne. �Wir werden den Rest des Weges sehr sorgf�ltig zur�cklegen. Ich nehme an, die Syndiks haben an den anderen Sprungpunkten auch Minenfelder eingerichtet, aber wir k�nnen sie aufsp�ren und ihnen aus dem Weg gehen.�</p><p>Rione zeigte auf die Symbole auf dem Display. �Diese beiden Milit�rbasen der Syndiks � Stellen die eine Bedrohung dar?�</p><p>�Sieht nicht so aus. Allem Anschein nach sind sie veraltet, also genau das, was man von einem System erwarten kann, das nicht an das Syndik-Hypernet angeschlossen ist.� Eine Weile betrachtete er die Symbole der Basen und dachte dar�ber nach, wie sehr sich durch das Hypernet alles ver�ndert hatte, was er kannte. Das Hypernet, das schneller war als die bisherigen Spr�nge mit �berlichtgeschwindigkeit, hatte das interstellare Reisen revolutioniert und unz�hlige Sternensysteme wie abgebrochene Zweige eines Baums verk�mmern lassen, wenn sie nicht Besonderes vorweisen konnten, das die Kosten f�r die Installation eines Portals rechtfertigte.</p><p>Geary tippte auf die Aktualisierungstaste, damit die j�ngsten Informationen zum Sutrah-System angezeigt wurden. Die einzige Ver�nderung fand sich bei den leichten Syndik-Kriegsschiffen, die seine vier Schiffe in das Minenfeld gelockt hatten. Die waren noch immer auf der Flucht und zogen sich mit einer Geschwindigkeit von 0,2 Licht zur�ck. Sie hatten ihre Schiffe so extrem beschleunigt, dass die Tr�gheitskompensatoren am Rande ihrer Leistungsf�higkeit angelangt sein mussten und die Crew zweifellos in ihre Sitze gepresst wurde. Eine Verfolgung war sinnlos, denn sie konnten einfach weiter davonfliegen, w�hrend die Allianz-Flotte sich fr�her oder sp�ter zu einem der Sprungpunkte begeben musste, um Sutrah verlassen zu k�nnen. Dennoch l�ste der Anblick der Schiffe bei Geary Ver�rgerung aus, da er wusste, dass Vergeltung nicht zur Debatte stand.</p><p>Doch die List der Syndiks st�rte ihn noch aus ganz anderen Gr�nden, die Rione nicht zu verstehen schien. Das �berleben dieser Flotte hing davon ab, dass Geary die richtigen und das Syndik-Kommando die falschen Entscheidungen traf. Wenn die Syndiks ihre Selbst�bersch�tzung abgelegt hatten und sorgf�ltig zu planen begannen, dann war Geary m�glicherweise nicht mehr in der Lage, dem Feind einen Schritt voraus zu sein, und die Allianz-Flotte lief Gefahr, von den Syndiks einen schweren, einen t�dlichen Schlag versetzt zu bekommen.</p><p>Aber auch die kleinen Schl�ge konnten sich zu etwas Gravierendem addieren. Auf die Hunderte von Schiffen dieser Flotte umgelegt, war der Verlust der vier Ausrei�er noch zu verschmerzen. Doch auch auf diese Weise konnte eine Flotte aufgerieben werden, wenn sie bei jedem Stern ein paar Schiffe verloren. Schlie�lich lagen noch zahlreiche Sterne vor ihnen, bis sie die Heimat erreichen w�rden.</p><p>Er sah sich das Display an und w�nschte, Sutrah w�re n�her am Territorium der Allianz. Oder das System verf�ge �ber ein unbewachtes Hypernet-Portal. Aber wenn er schon dabei war, konnte er sich genauso gut w�nschen, er w�re vor hundert Jahren auf seinem Schiff gestorben. Dann h�tte er nicht das Kommando �ber diese Flotte, und all die Schiffe und Menschenleben w�rden nicht von ihm abh�ngen. <emphasis>Rei� dich zusammen, Geary. Du hattest allen Grund, deprimiert zu sein, als sie dich auftauten. Aber das liegt jetzt hinter dir.</emphasis></p><p>Der Kommunikator machte summend auf sich aufmerksam. �Captain Geary, wir sind auf etwas Interessantes gesto�en.� Desjani unterdr�ckte irgendeine Gef�hlsregung, die er nicht so recht einordnen konnte.</p><p>�Etwas Interessantes?�, wiederholte er. W�re es eine Bedrohung gewesen, dann h�tte sie das sicherlich gesagt.</p><p>�Auf der f�nften Welt findet sich etwas, das wie ein Arbeitslager aussieht.�</p><p>Geary sah zu Rione, um festzustellen, wie sie auf diese Meldung reagierte, aber sie schien das auch nicht f�r etwas besonders Interessantes zu halten. Auf vielen Syndikatwelten gab es Arbeitslager, weil die Syndiks viel Zeit und M�he darauf verwandten, sich mit echten oder angeblichen Feinden in den eigenen Reihen zu besch�ftigen. �Ist an dem Lager irgendetwas ungew�hnlich?�</p><p>Diesmal konnte er deutlich h�ren, wie angestrengt Desjanis Stimme klang. �Wir empfangen Komm-Verkehr aus dem Lager, der darauf hindeutet, dass dort Kriegsgefangene der Allianz einsitzen.�</p><p>Geary starrte auf die f�nfte Welt im Sutrah-System. Neun Lichtminuten von der Sonne und immer noch etwas �ber vier Lichtstunden von der Flotte entfernt. Er hatte nicht damit gerechnet, sich einer der bewohnten Welten in diesem System widmen zu m�ssen. Er war nicht davon ausgegangen, dass es einen Aufenthalt geben w�rde.</p><p>Wie es aussah, waren seine Pl�ne soeben �ber den Haufen geworfen worden.</p><p><emphasis>Ich hasse diese Zusammenk�nfte,</emphasis> dachte Geary wohl schon zum hundertsten Mal, was recht beachtlich war, hatte er bislang doch nur an f�nf solchen Treffen teilgenommen. Im Konferenzraum war der Tisch nur wenige Meter lang, aber dank des Komm-Netzes, das die Schiffe der Flotte miteinander verband, und dank der neuesten virtuellen Konferenztechnologie erstreckte sich der Tisch etliche Meter weit. Jeder Sessel war vom Befehlshaber eines der Schiffe besetzt, wobei die hochrangigsten Offiziere ganz vorne auf den ersten Pl�tzen sa�en. Doch Geary musste nur irgendeinen Teilnehmer ansehen, auch wenn der ganz hinten sa�, dann r�ckte der prompt nach vorn, w�hrend rechts von ihm alle Angaben eingeblendet wurde, die f�r eine Identifizierung erforderlich waren.</p><p>Hinzu kam, dass diese Konferenzen einem merkw�rdigen Rhythmus folgten. Zwar r�ckte die Flotte w�hrend der Besprechungen enger zusammen, aber da die Kommunikation auf Lichtgeschwindigkeit beschr�nkt war, hingen die am weitesten zur�ckliegenden Schiffe immer noch zwanzig bis drei�ig Sekunden hinterher. Dabei handelte es sich um die kleinsten Schiffe unter F�hrung jener Commander, die die geringste Erfahrung besa�en und von denen nicht mehr erwartet wurde, als dass sie teilnahmen, lernten und den Mund hielten. Deshalb hatte die von ihnen ausgehende zeitliche Verz�gerung die geringste Auswirkung. Doch auch bei den n�heren Schiffen konnte zwischen Frage und Antwort eine Pause von mehreren Sekunden klaffen, was die Teilnehmer dazu zwang zu reden, eine Pause einzulegen, weiterzureden und erneut zu pausieren, damit die anderen Zeit und Gelegenheit bekamen, Fragen und Kommentare beizusteuern.</p><p>Captain Numos von der <emphasis>Orion</emphasis> betrachtete Geary herablassend, zweifellos machte ihm immer noch sein schwacher Auftritt bei Kaliban zu schaffen, f�r den er nat�rlich nicht sich selbst, sondern Geary die Schuld gab. In Numos� N�he sa� Captain Faresa von der <emphasis>Majestic,</emphasis> die so giftig wie immer dreinblickte. Einen willkommenen Kontrast zu den beiden bildete Captain Duellos von der <emphasis>Courageous,</emphasis> der sich offenbar ganz entspannt, aber mit hellwachem Blick in seinem Sessel zur�cklehnte. Captain Tulev von der <emphasis>Leviathan</emphasis> sa� steif und starr da und musterte mit abf�lliger Miene Numos und Faresa. Ein St�ck weiter fand sich die hitzk�pfige Commander Cresida von der <emphasis>Furious,</emphasis> die mit breitem Grinsen zu verstehen gab, dass sie sich schon auf den n�chsten tatkr�ftigen Einsatz freute. Nicht weit von ihr entfernt befand sich Colonel Carabali, der die Marines unterstellt waren, ebenfalls eine f�hige und zuverl�ssige Frau.</p><p>Captain Desjani, die gleich neben Geary sa�, war die Einzige, die au�er ihm tats�chlich im Raum anwesend war. Co-Pr�sidentin Rione hatte darum gebeten, der Besprechung fernzubleiben, aber Geary wusste, dass die Offiziere von den Schiffen der Rift-F�deration und der Callas-Republik ihr ohnehin einen umfassenden Bericht �ber alles liefern w�rden, was besprochen wurde. Seine Vermutung war, dass sie auf diesem Weg herausfinden wollte, was er sagte, wenn sie nicht anwesend war.</p><p>Geary nickte den versammelten Offizieren knapp zu. �Zun�chst einmal m�chte ich den Besatzungen der Zerst�rer <emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis> und <emphasis>Mace</emphasis> sowie des Kreuzers <emphasis>Cuirass</emphasis> die letzte Ehre erweisen, die sich nun im Kreis ihrer Vorfahren befinden. Sie alle starben in Erf�llung ihrer Pflicht gegen�ber ihrer Heimat und ihren Familien.� Er kam sich ein wenig wie ein Heuchler vor, weil er keine mahnenden Worte anf�gte, dass es eben das Verhalten dieser Commander gewesen war, das �berhaupt erst die Zerst�rung dieser Schiffe bewirkt hatte, doch das schien nicht der richtige Moment daf�r zu sein.</p><p>�Ist es sicher, dass es keine �berlebenden gibt?�, fragte jemand.</p><p>Geary deutete auf den Commander des Zweiten Zerst�rergeschwaders, der sich r�usperte und dann mit betr�bter Miene antwortete: �Wir haben eine gr�ndliche Suche durchgef�hrt. Die wenigen Rettungskapseln, die wir orten konnten, waren schwer besch�digt und inaktiv.�</p><p>Mit rauer Stimme meldete sich Numos zu Wort. �Wir h�tten diese Syndik-J�ger verfolgen sollen, um sie daf�r bezahlen zu lassen, dass sie diese Schiffe zerst�rt und deren Besatzungen ermordet haben.�</p><p>�Und wie h�tten Sie sie stellen wollen?�, hielt Duellos in einem Tonfall dagegen, der keinen Hehl aus seiner Verachtung gegen�ber dem Mann machte.</p><p>�Nat�rlich mit einer Verfolgungsjagd bei maximaler Beschleunigung.�</p><p>�Selbst der j�ngste Offizier in dieser Flotte ist mit den physikalischen Gesetzen gut genug vertraut, um zu wissen, dass man diese Schiffe fast bis zum n�chsten Stern verfolgen m�sste, um sie einzuholen, und dabei w�rde nahezu unser ganzer Treibstoff drauf gehen.�</p><p>Vorwurfsvoll meldete sich Captain Faresa zu Wort: �Ein Offizier der Allianz sollte nicht schon aufgeben, bevor er es �berhaupt versucht hat. �Strebe nach dem Unm�glichen, und du wirst es erreichen�.�</p><p>Die Art, wie das Zitat vorgetragen wurde, hatte etwas erschreckend Vertrautes an sich. Geary sah zu Captain Desjani, die ihm zunickte und ihre stolze Miene nicht verbergen konnte. Ein weiteres �Zitat� von Black Jack Geary, zweifellos v�llig aus dem Zusammenhang gerissen, sofern er das �berhaupt jemals gesagt hatte, und dazu missbraucht, Handlungen zu rechtfertigen, die der wahre Black Jack niemals gutgehei�en h�tte und die er jetzt erst recht nicht guthei�en konnte. �Ich muss nachschlagen, wann ich das gesagt habe und wie das von mir gemeint war�, gab er dann mit ruhiger Stimme zur�ck. �Aber ich bin einer Meinung mit Captain Duellos. Eine Verfolgung w�re sinnlos gewesen. Ich muss die Verantwortung f�r diese Flotte �ber meinen Wunsch nach Rache stellen, und ich erwarte von jedem Offizier, dass er diese Einstellung teilt.�</p><p>�Die Flotte hat sich daran gew�hnt, vom Flaggschiff zu erwarten, dass es sie in die Schlacht f�hrt!�, betonte Faresa, als sei mit diesen Worten irgendetwas bewiesen.</p><p>Geary verkniff sich eine bissige Erwiderung. <emphasis>Nur weil sich die Flotte daran gew�hnt hat, Dummheit zu erwarten, muss ich mich deshalb noch lange nicht dumm verhalten.</emphasis></p><p>Aber Desjani antwortete bereits, da sie sich nicht nur von dem Vorwurf an Geary, sondern auch von der indirekten Beleidigung ihres Schiffs in ihrem Stolz getroffen f�hlte. �Die <emphasis>Dauntless</emphasis> befand sich im Mittelpunkt der Formation bei Kaliban, also genau dort, wohin der Angriff der Syndiks zielte�, machte sie deutlich.</p><p>�Genau�, stimmte Geary ihr zu. <emphasis>Wenn ich allerdings ganz ehrlich sein soll, dann stellte diese Position f�r die Dauntless den sichersten Platz bei dieser Auseinandersetzung dar.</emphasis> Das sprach er jedoch nicht aus, da er wusste, dass er die Sicherheit des Flaggschiffs gew�hrleisten musste, bis sie in Allianz-Territorium gelangten, ganz gleich, was die Flottentraditionen verlangten. An Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> befand sich nach wie vor der Hypernet-Schl�ssel der Syndiks, was au�er ihm selbst und Captain Desjani aber kaum jemand wusste. Selbst wenn er jedes andere Schiff dieser Flotte verlor�� der Schl�ssel musste der Allianz �berbracht werden, weil er ihr einen entscheidenden Vorteil �ber die Syndiks verschaffen w�rde. Nat�rlich beabsichtigte Geary nicht, jedes andere Schiff zu verlieren, wenn es noch irgendeinen anderen Weg gab, um die <emphasis>Dauntless</emphasis> nach Hause zu bringen.</p><p>Numos machte den Eindruck, als wolle er noch etwas anf�gen, weshalb Geary prompt auf die Darstellung des Sutrah-Systems zeigte, die �ber dem Konferenztisch schwebte. �Es war nicht vorgesehen, in diesem System einen Zwischenstopp einzulegen, um uns mit den bewohnten Welten zu befassen. Aber wie Sie ja alle wissen, haben wir lernen m�ssen, dass Pl�ne sich manchmal �ndern k�nnen. Wir haben Hinweise darauf entdeckt, dass auf dem f�nften Planeten ein Arbeitslager existiert, in dem Gefangene der Allianz sitzen.�</p><p>��Hinweise�?�, fragte Captain Tulev. �Dann glauben Sie nicht, dass es wirklich so ist?�</p><p>Geary atmete tief durch. �Man hat uns in diesem System schon einmal reingelegt. Es w�re f�r die Syndiks ein Leichtes, Nachrichten�bertragungen zu fingieren, damit wir glauben, in diesem Lager w�rde Personal der Allianz festgehalten.� Es kostete ihn keine M�he, die aufkeimende Rebellion der anderen Offiziere wahrzunehmen. �Ich beabsichtige allerdings sehr wohl, hinzufliegen und mich an Ort und Stelle davon zu �berzeugen. Aber wir m�ssen wachsam sein, damit wir nicht in einen weiteren Hinterhalt geraten.�</p><p>�Ein K�der, um uns zum f�nften Planeten zu locken?�, fragte Colonel Carabali und kniff skeptisch die Augen zusammen.</p><p>�Es w�re m�glich. Beim Anflug auf den Planeten haben wir Zeit genug, Minenfelder aufzusp�ren, auch wenn die noch so gut getarnt sind. Was k�nnte uns dort sonst noch erwarten, das uns Sorgen bereiten sollte?�</p><p>Carabali zuckte mit den Schultern. �Auf einem solchen Planeten kann man schwere Waffen in Stellung bringen, aber solche Geschosse m�ssen erst mal das Schwerkraftfeld �berwinden und sich mit den atmosph�rischen Bedingungen auseinandersetzen, bevor sie Ziele im Weltall anfliegen k�nnen. Und abgesehen davon�� wenn sie uns mit so was beschie�en wollen, dann m�ssen wir einfach nur auf Abstand bleiben und den Planeten mit gro�en Felsbl�cken bewerfen.�</p><p>Ein nachdenklich dreinblickender Captain sah hoch. �Sie reden von schweren kinetischen Geschossen?�</p><p>�Ja�, best�tigte die Frau. �Genau das habe ich ja gesagt. Ich kann nicht behaupten, dass ich begeistert bin, meine Jungs und M�dels auf eine von Syndiks bev�lkerte Welt zu schicken. Wir haben nicht einmal genug Bodentruppen, um ein angemessen gro�es Gel�nde zu sichern. Aber der ganze Planet h�ngt vom guten Benehmen der Syndiks ab, und f�r uns gibt es keine Alternative.�</p><p>�Wir m�ssen die Marines runterschicken?�, fragte Geary.</p><p>Captain Desjani nickte. �Nach ein paar Zwischenf�llen recht fr�h in diesem Krieg kamen wir zu dem Schluss, dass die Syndiks einen Teil ihrer Gefangenen zur�ckhalten, vor allem diejenigen, die aus ihrer Sicht besonders wertvoll sind. Um sicherzugehen, dass wir niemanden zur�ckgelassen haben, m�ssen wir selbst auf die Aufzeichnungen der Lagerleitung zugreifen, um von der Anzahl der Personen bis hin zu den Lebensmittelrationen alles zu �berpr�fen, damit wir Gewissheit haben, dass ihre Angaben zu unseren Zahlen passen.�</p><p>�Einverstanden.� Das ergab nat�rlich einen Sinn, auch wenn es Geary nicht gefiel, dass sie sich dem f�nften Planeten weit genug n�hern und langsamer werden mussten, damit sie mit Shuttles die Gefangenen herausholen konnten. �Ich nehme an, den Syndik-Shuttles k�nnen wir nicht �ber den Weg trauen, also m�ssen wir uns auf unsere eigenen verlassen.� Diesmal nickten alle zustimmend. �Jeder von Ihnen, der Shuttles an Bord hat, soll sie einsatzbereit machen. Ich werde Co-Pr�sidentin Rione bitten, den Syndiks unser Ultimatum hinsichtlich der Gefangenen zu �bermitteln.�</p><p>Numos warf ihm einen fassungslosen Blick zu. �Warum sollte sie einbezogen werden?�</p><p>�Weil sie unsere f�higste Unterh�ndlerin ist�, antwortete Geary ohne Umschweife. Er wusste nicht, warum Numos auf einmal so gegen Rione eingestellt war.</p><p>�Riones Lapsus bei Corvus h�tte uns fast die <emphasis>Titan</emphasis> gekostet!�</p><p>Geary f�hlte, wie Wut in ihm aufstieg. Der Syndik-Verrat bei Corvus, als sie Handelsschiffe losschickten, um die Flotte angeblich mit Vorr�ten zu versorgen, war weder Rione noch sonst jemandem anzukreiden. Numos musste das doch klar sein. �Diese Einsch�tzung kann ich nicht teilen.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Da Co-Pr�sidentin Rione sehr viel Zeit allein mit Ihnen in Ihrer Kabine verbringt, glauben Sie ganz sicher, dass ��</p><p>Geary brachte ihn zum Schweigen, indem er mit der Faust auf den Tisch schlug. Aus dem Augenwinkel bemerkte er die entr�steten Mienen jener Befehlshaber, denen die Schiffe der Rift-F�deration und der Callas-Republik unterstanden. �Captain Numos, Sie vergreifen sich im Ton!�, zischte er ihm bedrohlich zu.</p><p>Captain Faresa kam ihm mit ihrer typischen von sich �berzeugten Art zu Hilfe. �Captain Numos spricht nur aus, was jeder ��</p><p>�Captain Faresa!�, schnitt Geary ihr das Wort ab. �Ich h�tte nicht gedacht, dass ich den Tag erlebe, an dem Offiziere der Allianz sich wie Klatschweiber auff�hren. Sie und Captain Numos m�ssen sich offenbar noch einmal gr�ndlich mit den Vorschriften befassen, wie sich Offiziere pers�nlich und dienstlich zu verhalten haben.� Faresa wurde kreidebleich, Numos bekam einen noch r�teren Kopf, aber beide sahen sie Geary mit dem gleichen hasserf�llten Blick an. �Co-Pr�sidentin Rione von der Callas-Republik ist Senatsmitglied der Allianz. Sie wird mit dem Respekt behandelt, den ihre Position mit sich bringt. Wenn Sie nicht in der Lage sind, diesen Respekt aufzubringen, dann ist es Ihre Pflicht, den Dienst in der Flotte zu quittieren. Ich werde keine Beleidigungen oder Unterstellungen dulden, die gegen einen Offizier oder gegen einen Vertreter der Allianz-Regierung in dieser Flotte gerichtet werden. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>Geary atmete tief durch und lie� seinen Blick �ber den Tisch schweifen, ohne zu wissen, wie seine Worte bei den versammelten Offizieren angekommen waren. Captain Tulev blickte finster drein, machte jedoch eine zustimmende Kopfbewegung. �Es gab zu viel Tratsch und zu viele Ger�chte. Es sind zu viele Beleidigungen ausgesprochen worden, die die Kommandoebene betreffen�, f�gte er mit einem Blick in Numos Richtung an. �Ger�chte, die manche Schiffskommandanten dazu veranlasst haben, an der alten Tradition festzuhalten und den Feind ohne R�cksicht auf eigene Verluste zu verfolgen�� und das mit den Konsequenzen, die wir heute erlebt haben.�</p><p>Alle dachten sie dabei zwangsl�ufig dar�ber nach, was diese vier Captains wohl angetrieben haben musste, die Syndik-Kriegsschiffe zu verfolgen. Captain Numos schluckte, sein Mund bewegte sich, dann sprach er endlich aus, was er erwidern wollte. �Ich hatte damit nichts zu tun. Wenn Sie mir unterstellen wollen ��</p><p>�Er unterstellt Ihnen �berhaupt nichts!�, fiel Geary ihm aufbrausend ins Wort. �Er macht uns nur darauf aufmerksam, welche Konsequenzen es nach sich ziehen kann, wenn Befehlshaber dazu angespornt werden, sich �ber Befehle hinwegzusetzen. Mir sind die Ger�chte bekannt, von denen Captain Tulev spricht, und ich kann Ihnen versichern, wenn ich herausfinde, dass jemand die befehlshabenden Offiziere der <emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis>, <emphasis>Mace</emphasis>, <emphasis>Cuirass</emphasis>��� er sprach die Schiffsnamen bewusst langsam aus, damit jeder noch einmal an sie erinnert wurde�� �dazu angestachelt hat, sich so zu verhalten, dann werde ich h�chstpers�nlich daf�r sorgen, dass derjenige sich w�nscht, er w�re mit diesen Besatzungen einen ehrenvollen Tod gestorben.� W�hrend er sich dem Ende dieser Ausf�hrungen n�herte, lie� Geary seinen Blick auf Numos ruhen, der noch mehr err�tete, bis er aussah, als sei er durch Strahlung verbrannt worden. Doch davon abgesehen sa� Numos schweigend da, da er offenbar begriffen hatte, dass Geary nicht in der Laune war, sich noch weiter reizen zu lassen.</p><p>�Also�, fuhr Geary dann deutlich ruhiger fort. �Bei unserer gegenw�rtigen Geschwindigkeit erreichen wir den f�nften Planeten in etwa vierzig Stunden. Sorgen Sie daf�r, dass alle Shuttles bis dahin einsatzbereit sind. Ich habe hier einen Plan f�r die Verteilung des Allianz-Personals auf unsere Schiffe, sobald wir die Leute da unten rausgeholt haben.� Es war lachhaft einfach gewesen, da er nur den intelligenten Assistenten in seinem System hatte aufrufen und fragen m�ssen, wie man f�nftausend zus�tzliche Menschen auf die Schiffe dieser Flotte aufteilte. Da es sich um eine simple, aber erm�dende Rechenaufgabe handelte, bei der Kapazit�ten, Crewst�rke und Lebenserhaltungssysteme miteinander verglichen werden mussten, hatte der Computer das innerhalb weniger Augenblicke erledigt. F�r solche Arbeiten hatten Flottenkommandeure fr�her ihren Stab, aber die automatisierten Systeme wickelten heutzutage viele Verwaltungs- und Kommandot�tigkeiten ab, mit denen sich ein Gro�teil des Personals einsparen lie�. Dabei spielte aber noch eine andere Tatsache eine Rolle: Der anscheinend unendliche Krieg hatte so viele Opfer gefordert, dass die Reihen der alten St�be gepl�ndert werden mussten, damit es nicht zu einem Defizit an Offizieren kam.</p><p>Als Befehlshaber der Flotte stand Geary immer noch ein Stabschef zu, doch der war zusammen mit Gearys Vorg�nger Admiral Bloch ums Leben gekommen, als sie w�hrend der Verhandlungen mit den Syndiks in eine Falle gerieten. Er hatte auch Anspruch auf einen Adjutanten, aber er w�rde den Teufel tun und einen Junioroffizier von dem Posten abziehen, auf dem er dringend gebraucht wurde, nur damit der als sein pers�nlicher Diener agierte.</p><p>�Sehen Sie sich den Plan an�, fuhr Geary fort. �Lesen Sie durch, wozu Ihr Schiff laut Plan in der Lage sein sollte, und lassen Sie mich wissen, wenn es Probleme gibt. Fressen Sie es nicht einfach in sich hinein, nur weil Sie hoffen, Sie werden schon mehr geregelt bekommen, als Ihr Schiff in Wahrheit leisten kann. Erste Sch�tzungen gehen von drei- bis f�nftausend Gefangenen aus, womit wir klarkommen k�nnen. Wir k�mmern uns sp�ter darum, die besonderen Fertigkeiten der Leute festzustellen und sie auf die Schiffe zu bringen, auf denen sie vor allem ben�tigt werden � Colonel Carabali.�</p><p>Die Frau nickte.</p><p>�Machen Sie Ihre Marines bereit. Ich will f�nf Stunden vor der Ankunft bei diesem Planeten Ihren Plan sehen, wie Sie das alles angehen wollen.� Geary wandte sich an die Gruppe insgesamt. �Irgendwelche Fragen?�</p><p>�Was werden wir mit der Syndik-Milit�rbasis auf dem f�nften Planeten machen?�, kam von irgendwoher die Reaktion.</p><p>�Dar�ber muss noch entschieden werden�, entgegnete Geary und bemerkte, wie sich Entt�uschung am Tisch breitmachte. F�r viele dieser Commander war nur ein toter Syndik ein guter Syndik, und sie wollten jede Gelegenheit nutzen, um diese Feinde zu t�ten. �Ich darf Sie daran erinnern, dass die Einrichtungen in diesem System veraltet sind. Ihr Unterhalt kostet die Syndiks Geld, und solange sie nicht aufgegeben werden, werden Syndik-Truppen ausgebildet und zugeteilt. Wenn diese Basis eine echte Bedrohung f�r uns darstellt, werden wir sie ausradieren. Falls nicht, m�chte ich den Syndiks keinen Gefallen tun, indem ich diese Einrichtung von der Liste der Dinge streiche, um die sie sich k�mmern m�ssen.�</p><p>Er hielt kurz inne und �berlegte, was er noch hatte sagen wollen. �Ob da unten tats�chlich unsere Leute gefangen gehalten werden, wissen wir mit Sicherheit erst, wenn die Marines in diesem Lager Kriegsgefangene entdecken, die zur Allianz geh�ren.� Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Syndiks eine ganze bewohnte Welt aufs Spiel setzen w�rden, nur um ein paar weitere Allianz-Schiffe zu zerst�ren. Allerdings hatte er seit seiner Rettung einiges zu sehen bekommen, was er zuvor niemals f�r m�glich gehalten h�tte. �Wir haben die Gelegenheit, Menschen etwas Gutes zu tun, die l�ngst nicht mehr mit einer Befreiung rechnen. Daf�r danke ich den lebenden Sternen und appelliere an Sie, sich so zu verhalten, dass unsere Vorfahren stolz auf uns sein k�nnen.�</p><p>Die Menge l�ste sich mit der �blichen erstaunlichen Geschwindigkeit auf, da die virtuellen Bilder der Schiffskommandanten wie Seifenblasen zerplatzten. Allen voran verschwanden Numos und Faresa sofort, nachdem Geary die Konferenz f�r beendet erkl�rt hatte. Captain Desjani warf einen bedeutungsvollen Blick auf den Platz, an dem sich die beiden eben noch befunden hatten. Dann sch�ttelte sie den Kopf und entschuldigte sich, um auf altmodische Weise den Raum zu verlassen, indem sie zur T�r ging.</p><p>Wie erhofft blieb das beruhigende Abbild von Captain Duellos zur�ck, nachdem alle anderen verschwunden waren. Auch er zeigte auf Numos� und Faresas Pl�tze. �Ich h�tte das zuvor nicht gesagt, aber die beiden stellen eine Gefahr f�r die Flotte dar.�</p><p>Geary lehnte sich ersch�pft zur�ck und rieb sich �ber die Stirn. �Was meinen Sie mit �zuvor�?�, wollte er wissen.</p><p>�Den Moment, als vier Schiffe zu dieser verr�ckten Verfolgungsjagd ansetzten.� Duellos� Bild schien auf Geary zuzugehen und nahm auf dem Stuhl gleich neben ihm Platz. �Tapfer! Glorreich! Hirnlos! Ich kann es nicht beweisen, aber ich wei�, Numos steckte dahinter.�</p><p>�Das denke ich auch�, stimmte Geary ihm zu und f�gte verbittert an: �Aber der Mangel an Beweisen ist mein Problem. Wenn ich Kommandanten ihres Postens enthebe�� was vor allem f�r jemanden von Numos� Kaliber gilt��, ohne einen stichhaltigen Beweis f�r ein Fehlverhalten liefern zu k�nnen, dann k�nnte es passieren, dass noch mehr Schiffe tapfer und hirnlos in Minenfelder hineinrasen.�</p><p>Captain Duellos verzog den Mund. �Es war eine eindrucksvolle Lektion, die den anderen durch diese vier Schiffe erteilt wurde. Ganz gleich, welche L�gen Numos verbreitet hat, jeder wird sich daran erinnern, dass es richtig von Ihnen war, diese Schiffe zur�ckzupfeifen und die Syndik-J�ger nicht zu verfolgen.�</p><p>Geary konnte nicht anders und schnaubte ver�chtlich. �Man sollte meinen, dass mein Ansehen etwas mehr steigt, wenn ich etwas Richtiges tue. Aber was glauben Sie? Wird jeder meine Befehle verfolgen, wenn wir uns dem f�nften Planeten n�hern?�</p><p>�Nach meinem momentanen Daf�rhalten schon.�</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, woher dieser Unsinn �ber Co-Pr�sidentin Rione und mich stammt?�</p><p>Duellos wirkte ein wenig �berrascht. �Ich hatte den Eindruck, Sie beide verstehen sich gut. Aber selbst wenn Sie sich noch viel besser verstehen, ist das nicht meine Sache. Co-Pr�sidentin Rione untersteht nicht Ihrem Befehl, und eine pers�nliche Beziehung mit ihr hat keinen Einfluss auf Ihre Bef�higung als Kommandant.�</p><p>Geary starrte einen Moment lang vor sich hin, dann lachte er. �Pers�nliche Beziehung? Mit Co-Pr�sidentin Rione?�</p><p>Diesmal zuckte Duellos mit den Schultern. �Die Ger�chtek�che behauptet, dass Sie beide viel Zeit miteinander verbringen.�</p><p>�F�r Besprechungen! Ich bitte sie um ihren Rat.� Wieder musste er lachen. �Bei unseren Vorfahren, Victoria Rione kann mich ja nicht mal leiden! Daraus macht sie auch keinen Hehl. Ich mache ihr Angst, weil sie sich sorgt, dass ich mich in Black Jack Geary verwandele und mit dieser Flotte heimkehre, um die gew�hlten F�hrer der Allianz zu entmachten und mich zum Gott-Imperator oder etwas �hnlichem aufzuschwingen.�</p><p>�Co-Pr�sidentin Rione ist eine listige und intelligente Frau�, stellte Duellos v�llig ernst fest. �Sie hat Ihnen gesagt, dass sie Sie nicht mag?�</p><p>�Ja! Sie �� Wenn er es recht �berlegte, dann hatte Rione wiederholt erkl�rt, sie vertraue ihm nicht. Aber er konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zu ihm gesagt hatte, dass sie ihn nicht leiden konnte. �Ja, ich glaube schon.�</p><p>�Ob das nun stimmt oder nicht, ist v�llig bedeutungslos. Ich sage es Ihnen noch einmal: Sie ist nicht Ihre Untergebene, sie hat mit dem Milit�r nichts zu tun, und eine pers�nliche Beziehung zu ihr ist kein Grund, sich Sorgen zu machen. Falls sich eine solche Beziehung entwickeln sollte.�</p><p>Geary konnte sich einen dritten Lacher nicht verkneifen, w�hrend er sich von Captain Duellos verabschiedete. Zweifellos hatte Rione durch ihre Spione in der Flotte l�ngst von dieser angeblichen Beziehung erfahren. Warum aber hatte sie ihn bislang noch nicht darauf angesprochen, wenn sie doch schon auf die anderen Ger�chte zu sprechen gekommen war?</p><p>Konnte es sein, dass dieses Getuschel der eisernen Politikerin peinlich war? Aber falls ja, warum suchte sie ihn dann weiterhin auf?</p><p>Einen Moment lang st�tzte er sich am Schott ab und sah auf das Deck, w�hrend er an die ersten Tage nach der Rettung aus dem k�nstlichen Tiefschlaf zur�ckdachte, der ihn ein Jahrhundert lang am Leben erhalten hatte, eine Zeitspanne, in der jeder alt geworden und im Kampf gefallen oder an Altersschw�che gestorben war, den er je gekannt oder geliebt hatte. Der Schock, erfahren zu m�ssen, dass niemand von diesen Menschen mehr lebte, war so gro� gewesen, dass er sich vornahm, keine neuen Beziehungen mehr einzugehen. Das Eis in seinem Inneren schien sich fast ganz aufgel�st zu haben, aber noch immer lag es fest um eine Stelle, die es nicht aufgeben, wo es keine W�rme zulassen wollte.</p><p>Schon einmal hatte er jeden verloren, und das konnte wieder geschehen, doch er wollte nicht, dass es bei einem n�chsten Mal wieder so sehr schmerzte.</p></section><section><title><p>Zwei</p></title><p>Der f�nfte Planet sah wie f�r ein Arbeitslager der Syndiks geschaffen aus. Er war zu weit von der Sonne entfernt, um jemals einen richtigen Sommer zu erleben, und �ber die Oberfl�che erstreckte sich eine unauff�llige Tundra, hier und da unterbrochen von einer zerkl�fteten Gebirgskette, die wie Inseln aus einem Meer flacher, z�her Vegetation herausragte. Gletscher erstreckten sich weitl�ufig um die Polkappen und schienen einen Gro�teil des Wassers dieser Welt zu speichern, da die nicht von Eis bedeckten Fl�chen nur von kleinen Seen durchsetzt waren. Beim Anblick dieser k�mmerlichen Welt war Geary auf Anhieb klar, warum das System nicht f�r w�rdig befunden worden war, einen Zugang zum Hypernet zu erhalten. Der vierte Planet konnte nicht absolut paradiesisch sein, da er sich etwas zu nahe an der Sonne befand und dort vermutlich unangenehm hohe Temperaturen herrschten, weshalb die Syndiks das Thema Sutrah als bedeutungslos abgehakt hatten, als sie ihr Hypernet schufen.</p><p>Als man noch auf den Sprungantrieb angewiesen war, der ein Schiff von einem Stern zum n�chsten brachte, mussten alle die Systeme durchqueren, die sich zwischen Start und Ziel befanden. Jedem System war ein gewisser Anteil am Schiffsaufkommen sicher gewesen, da sie alle auf dem Weg zu irgendeinem Ziel lagen. Doch das Hypernet erm�glichte es den Schiffen, ohne Zwischenstopp den gew�nschten Stern anzufliegen, auch wenn er noch so weit entfernt sein mochte. Ohne diesen Schiffsverkehr waren die Systeme, die keine besonderen Vorz�ge aufwiesen, pl�tzlich im Nichts gestrandet und verk�mmerten allm�hlich, da jeder, der dazu in der Lage war, in Systeme umsiedelte, die an das Hypernet angeschlossen waren. Die menschlichen Ansiedlungen auf dem f�nften Planeten von Sutrah waren sogar einem noch schnelleren Schwund ausgesetzt als �blich. Die Sensoren wiesen zwei Drittel der Unterk�nfte auf dieser Welt als verlassen aus, und es gab keine Hinweise darauf, dass sich dort noch irgendwelche Aktivit�ten abspielten.</p><p>Geary konzentrierte sich auf die Darstellung des Arbeitslagers auf diesem Planeten. In der N�he befanden sich Minen, die einen wirtschaftlichen Wert besitzen mochten, die aber ebenso gut nur dem Zweck dienen konnten, die Gefangenen zu besch�ftigen. Mauern gab es rings um das Lager nicht, doch das war auch nicht n�tig, da es weit und breit nur Tundra gab. Eine Flucht kam einem Selbstmord gleich, es sei denn, man versuchte zum Landeplatz zu gelangen, der jedoch mit einem hohen Stacheldrahtzaun umgeben war.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass Captain Desjani geduldig darauf wartete, von ihm bemerkt zu werden. �Entschuldigen Sie, Captain. Was halten Sie von meinem Plan?� Da Geary nur ungern mit der Flotte in einen Orbit um den Planeten einschwenken wollte, hatte er �berlegt, sich der Welt zu n�hern, die Geschwindigkeit zu verringern, damit die Shuttles abgesetzt werden konnten, um dann in einem weiten Bogen um die kleinen Monde des f�nften Planeten zu fliegen und auf dem R�ckweg die Shuttles mit den befreiten Gefangenen an Bord zu nehmen.</p><p>�Es ginge schneller, wenn wir einige Schiffe im Orbit lassen w�rden�, schlug Desjani vor.</p><p>�Ich wei�.� Er betrachtete nachdenklich das Display. �Hinweise auf Minenfelder gibt es keine, schwere Waffen scheinen sich auch nicht auf dem Planeten zu befinden, und selbst diese Milit�rbasis der Syndiks scheint nur noch mit halber Besetzung zu arbeiten. Trotzdem st�rt mich da irgendwas.�</p><p>Desjani nickte verstehend. �Nach dem Versuch der Syndiks, diese Handelsschiffe als Selbstmordkommandos gegen uns zu richten, kann ich verstehen, dass Sie skeptisch sind.�</p><p>�Die Syndiks hatten Zeit genug, um das Minenfeld einzurichten. Das hei�t, sie h�tten auch das Arbeitslager tarnen oder zumindest die Gefangenen wegbringen k�nnen. Aber auf eine solche Ma�nahme deutet nichts hin. Wieso nur? Weil die Einrichtung noch ein viel besserer K�der ist als diese leichten Kriegsschiffe in der N�he des Sprungpunkts? Weil es etwas gibt, das wir nicht ignorieren k�nnen?�</p><p>�Allerdings haben wir keinen Hinweis auf irgendeinen erdenklichen Hinterhalt.�</p><p>�Stimmt�, pflichtete Geary ihr bei und fragte sich, ob er vielleicht nur �bervorsichtig war. �Co-Pr�sidentin Rione sagte, die zivilen F�hrer dieser Welt seien nahezu in Panik gewesen, als sie mit ihnen sprach. Aber kein Offizier des Milit�rs habe f�r ein Gespr�ch zur Verf�gung gestanden.�</p><p>Das lie� Desjani aufhorchen. �Interessant. Aber was k�nnten sie planen? Wenn sie irgendetwas vor uns verstecken, h�tten wir es l�ngst entdecken sollen.�</p><p>Gereizt tippte Geary auf einige Tasten. �Angenommen, wir schwenken in einen Orbit ein. Diese Flotte ist so gro�, dass wir einen entsprechenden Abstand zum Planeten halten m�ssen.�</p><p>�Diese Monde werden uns dabei im Weg sein, allerdings sind sie nicht viel gr��er als Asteroide. Jede unserer Formationen kann ihnen m�helos ausweichen, da sie sich dicht beieinander befinden und einer festen Flugbahn folgen.�</p><p>�Ja, und sogar mit meinem Plan m�ssten wir an den Monden vorbeifliegen.� Er betrachtete m�rrisch das Display. Nichts, was er seit seiner Rettung �ber diesen Krieg in Erfahrung gebracht hatte, half ihm jetzt weiter, also versuchte er, sich stattdessen daran zu erinnern, welche Lektionen er seinerzeit von erfahrenen, mittlerweile l�ngst verstorbenen Offizieren gelernt hatte. Von jenen M�nnern, die in den ersten Jahrzehnten dieses Krieges ebenso gestorben waren wie diejenigen, an die sie ihr Wissen und ihre Tricks und Kniffe weitergegeben hatten. Aus irgendeinem Grund weckte der Anblick der kleinen Monde bei ihm die Erinnerung an einen dieser Tricks: ein einzelnes Schiff, das hinter einer viel gr��eren Welt lauert, um pl�tzlich hervorzuschie�en und ein vorbeifliegendes Ziel anzugreifen. Aber das funktionierte hier nicht, denn die Monde des f�nften Planeten waren viel zu klein, sodass sich dahinter allenfalls ein paar leichte Einheiten h�tten verstecken k�nnen. Selbst wenn die einen Selbstmordversuch wagen sollten, w�rden sie gegen die geballte Macht der Allianz-Flotte nichts ausrichten k�nnen, die in einer dichten Formation unterwegs war, damit die Shuttles nur eine m�glichst kurze Strecke zur�cklegen mussten.</p><p>Aber was h�tte der Commander dieses anderen Schiffs gesagt? �<emphasis>W�re ich eine Schlange, h�tte ich Sie bei�en k�nnen. Ich war genau �ber Ihnen, und Sie haben es nicht mal geahnt.�</emphasis></p><p>Geary grinste finster. �Ich glaube, ich wei�, was die Syndik-Milit�rs beabsichtigen und warum die Zivilisten auf der f�nften Welt solche Angst haben. Wir werden an meinem Plan ein paar �nderungen vornehmen.�</p><p>Die f�nfte Welt, die im typischen B�rokratenstil der Syndikatwelten den poetischen Namen Sutrah V trug, war bei der gegenw�rtigen Geschwindigkeit der Flotte nur noch drei�ig Minuten entfernt. Nach seinem urspr�nglichen Plan h�tten die Schiffe an diesem Punkt einen Schwenk nach Backbord gemacht, um �ber den Planeten hinwegzufliegen und schlie�lich den Orbit der Monde von Sutrah zu kreuzen.</p><p>Wieder betrachtete er die f�nf Monde, die im Abstand von nur ein paar zehntausend Kilometern untereinander als Gruppe die Welt umkreisten. Vor langer Zeit hatte wom�glich ein einziger Trabant bestanden, der irgendwann den Anziehungskr�ften des f�nften Planeten nicht mehr hatte standhalten k�nnen oder aber durch eine Kollision mit einem anderen Objekt in f�nf Fragmente zerschlagen worden war.</p><p>Geary tippte auf seine Kommunikationskontrollen. �Captain Tulev, sind Ihre Schiffe bereit?�</p><p>�Bereit, Sir�, meldete Tulev ohne erkennbare Begeisterung.</p><p>�Sie d�rfen das Feuer er�ffnen�, befahl Geary ihm.</p><p>�Verstanden. Geschosse werden jetzt abgefeuert.�</p><p>Auf Gearys Display l�sten sich gro�e Objekte aus dem Pulk, den Tulevs Schiffe bildeten, Raketenantriebe beschleunigten sie auf etwas mehr als jene 0,1 Licht, mit denen die Flotte unterwegs war.</p><p>Co-Pr�sidentin Rione auf ihrem Beobachterplatz auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> sah zu Geary hin�ber. �Wir feuern? Auf wen?�</p><p>�Auf diese Monde�, erkl�rte er und bemerkte, dass Captain Desjani ihre Belustigung �ber Riones Erstaunen zu �berspielen versuchte.</p><p>�Die Monde der f�nften Welt?� Ihr Tonfall verriet eine Mischung aus Skepsis und Neugier. �Haben Sie eine besondere Abneigung gegen Monde, Captain Geary?�</p><p>�Normalerweise nicht.� Geary am�sierte sich k�stlich �ber die Tatsache, dass Riones Spione in der Flotte von dieser Operation nichts mitbekommen hatten.</p><p>Sie wartete und war schlie�lich so ungeduldig, dass sie sich zur n�chsten Frage durchrang. �Und warum greifen Sie diese Monde an?�</p><p>�Weil ich glaube, dass sie Waffen darstellen.� Er tippte auf seine Kontrollen und lie� ein vergr��ertes Bild der Monde entstehen, deren Oberfl�che an die von Asteroiden erinnerte. �Sehen Sie das da? Hinweise darauf, dass dort Bereiche ausgeholt wurden. Gut versteckt, sodass wir erst einmal eine Weile danach suchen mussten. Aber wir sind f�ndig geworden.�</p><p>�Auf kleinen Monden ohne Atmosph�re?�, fragte sie. �Wie k�nnen Sie erkennen, dass es j�ngeren Datums ist?�</p><p>�Von hier aus gar nicht. Aber auf allen f�nf Monden sind identische Spuren zu finden.�</p><p>�Ich verstehe. Und was glauben Sie, was in diesen Monden vergraben wurde, Captain Geary?�</p><p>�Feuerwerksk�rper, Madam Co-Pr�sidentin. Richtig gro�e Feuerwerksk�rper.� Die Anzeigen f�r die abgefeuerten Projektile n�herten sich auf einer geschwungenen Flugbahn den Monden. Obwohl sie verheerende Sch�den anrichten konnten, kamen solche Waffen f�r gew�hnlich nicht zum Einsatz, da sie recht schwerf�llig waren und ein Schiff ihnen m�helos ausweichen konnte. Aber die Monde folgten einer festen Flugbahn, und das schon seit unz�hligen Jahren, sodass der Gedanke etwas seltsam anmutete, dass sie das nach dem heutigen Tag nicht mehr machen w�rden.</p><p>Geary �ffnete die Komm-Verbindung zur gesamten Flotte. �Alle Einheiten, f�hren Sie das vorbereitete Man�ver Sigma bei Zeit vier f�nf durch.�</p><p>Die Zeit lief zur�ck, und jedes Schiff in der Flotte drehte sich um seine Achse, um mit der Antriebseinheit die Geschwindigkeit zu verringern und um den Kurs nach Steuerbord zu �ndern, damit sie Sutrah V auf der Seite passieren konnten, die von der Kollision der Monde mit den Geschossen abgewandt war. Geary beobachtete das Man�ver und genoss das komplexe Ballett, als sich alle Schiffe vor der Schw�rze des Alls gleichzeitig bewegten. Sogar die schwerf�lligen und recht irref�hrend bezeichneten Schnellen Hilfsschiffe wie die <emphasis>Titan</emphasis> und die <emphasis>Witch</emphasis> bewegten sich mit einer ungew�hnlich anmutenden Schnelligkeit.</p><p>Zwanzig Minuten sp�ter bewegte sich die best�ndig langsamer werdende Flotte immer noch auf Sutrah V zu, als die gro�en Projektile von Tulevs Schiffen mit einer Geschwindigkeit von mehr als drei�igtausend Stundenkilometern fast gleichzeitig auf allen f�nf Monden einschlugen.</p><p>Selbst der kleinste dieser Monde war nach menschlichen Ma�st�ben noch gewaltig, aber die mit jeder Kollision einhergehende kinetische Energie gen�gte, um einen ganzen Planeten zu ersch�ttern. Gearys Sicht auf die Monde war verdeckt, da die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> automatisch die grellen Lichtblitze des Zusammenpralls filterten. Dann war nur noch eine schnell gr��er werdende Wolke aus Staub und Tr�mmern zu sehen, die sich von der Detonation wegbewegte.</p><p>Geary wartete in Ruhe ab, da er wusste, dass Desjani den Wachhabenden auf der Br�cke bereits entsprechende Befehle erteilt hatte, die damit wussten, wonach sie Ausschau halten mussten. Bis zur ersten Meldung dauerte es nicht lange. �Spektroskopische Analyse ergibt ungew�hnlich gro�e Mengen an radioaktivem Material und Spuren von Gasen, die zu sehr gro�en Nuklearsprengk�pfen passen.�</p><p>�Sie hatten richtig vermutet�, stellte Desjani fest und lie� in ihrem Blick das grenzenlose Vertrauen erkennen, das Geary so zu schaffen machte. Er mochte es bei ihr genauso wenig wie bei jedem anderen in der Flotte, weil er davon �berzeugt war, dieses Vertrauen fr�her oder sp�ter zu entt�uschen. Sie hielten ihn f�r vollkommen, und er wusste, dass das Gegenteil der Fall war.</p><p>�W�rden Sie mir das bitte erkl�ren?�, fragte Rione mit schneidender Stimme. �Warum sollten die Syndiks gro�e Nuklearwaffen in diesen Monden verstecken? Einige der gr��eren Tr�mmerst�cke werden Sutrah V treffen.�</p><p>�Sie waren bereit, dieses Risiko einzugehen�, antwortete Geary. �Angesichts der sp�rlichen Bev�lkerung sind die Chancen gering, dass dort unten irgendetwas Wichtiges getroffen wird. Sehen Sie, Madam Co-Pr�sidentin, die Syndiks wussten, dass wir auf jeden Fall zu zwei Man�vern gezwungen waren: Wir mussten uns dem Planeten n�hern, und wir mussten in einer sehr kompakten Formation fliegen, damit unsere Shuttles nicht l�nger als unbedingt n�tig unterwegs sein w�rden, um die Gefangenen aus dem Arbeitslager zu holen, zur�ckzukehren und sie auf den Schiffen zu verteilen.� Er deutete auf die Tr�mmerwolke. �Sobald wir in die N�he dieser Monde gelangt w�ren, h�tten sie die Explosionen ausgel�st und uns mit den Tr�mmerst�cken bombardiert. Das h�tte uns viele Schiffe gekostet, und vermutlich sogar einige gro�e Kriegsschiffe.�</p><p>Riones Augen funkelten w�tend. �Kein Wunder, dass diese Zivilisten solche Angst hatten, als ich mit ihnen sprach.�</p><p>�Ich bezweifele, dass die F�hrer des Planeten wussten, was genau ihnen bevorstand�, wandte Geary ein. �Aber ihnen war zumindest klar, dass die Syndik-F�hrer in diesem System etwas unternehmen w�rden.�</p><p>�Etwas, das sie der Gefahr eines Bombardements mit den Tr�mmerst�cken der Monde und einem Vergeltungsschlag der Flotte ausgesetzt h�tte.� Rione machte eine finstere Miene. �Captain Geary, ich wei�, das Kriegsrecht erlaubt Ihnen, auf diesen geplanten Anschlag mit einem fl�chendeckenden Bombardement der Einrichtungen und St�dte auf Sutrah V zu antworten. Dennoch m�chte ich Sie bitten, gegen�ber den unbeteiligten Zivilisten auf dieser Welt Gnade walten zu lassen.�</p><p>Geary konnte fast Desjanis ablehnenden Gesichtsausdruck sehen, als er nickte. �Wir werden Vergeltung �ben, Madam Co-Pr�sidentin, aber ich werde keine unschuldigen Zivilisten abschlachten. Nehmen Sie bitte mit den Zivilbeh�rden auf Sutrah V Kontakt auf und fordern Sie sie auf, sofort alle Industrieanlagen, Bergwerke und Transportcenter zu evakuieren. Alle Weltraumeinrichtungen sind ebenfalls zu r�umen. Richten Sie ihnen aus, dass ich erst entscheide, wie viel ich davon zerst�re, und dass ich mir vorbehalte, weitere Ziele auf die Liste zu setzen, wenn ich wei�, wie unsere Marines im Arbeitslager empfangen worden sind.� Er lie� seine Wut �ber das durchschimmern, was unter anderen Umst�nden h�tte geschehen k�nnen. �Machen Sie ihnen klar, wenn sich noch weitere Probleme ergeben, dann werden sie daf�r bezahlen m�ssen.�</p><p>Rione nickte und l�chelte fl�chtig. �Gut, Captain Geary. Ich werde daf�r sorgen, dass Ihre Befehle verstanden werden und dass ihr �berleben davon abh�ngt, wie sie mit uns kooperieren.�</p><p>Desjani rutschte hin und her, als sei ihr unbehaglich. �Das gilt auch f�r die Milit�rbasis, richtig, Captain Geary?�</p><p>Er sah auf sein Display und stellte fest, dass die Basis inzwischen in Sichtweite der Flotte ger�ckt war. �Ich nehme an, die wurde bereits evakuiert.�</p><p>Desjani stutzte und �berpr�fte ihre Anzeigen. �Nein, es scheint momentan eine teilweise Evakuierung zu laufen.�</p><p>�Teilweise?�</p><p>�Ja. Da sind einige Kolonnen mit Bodenfahrzeugen unterwegs, aber die scheinen lediglich Familienangeh�rige zu transportieren. Uniformiertes Personal ist kaum zu entdecken.� Desjani schaute fragend zu Geary. �Es sieht so aus, als planten die Syndik-Truppen, ihre Positionen bis zum Ende beizubehalten.� Es schien Desjani nicht zu st�ren.</p><p>Geary sah das jedoch anders. Nachdenklich rieb er sich das Kinn. �Bodenfahrzeuge. Sonst hat nichts die Basis verlassen?�</p><p>�Mal sehen.� Diesmal zog Desjani verwundert die Augenbrauen hoch. �Ah, doch. Vor einer halben Stunde haben mehrere Luftfahrzeuge die Basis verlassen und sind zur n�chstgelegenen Gebirgskette geflogen. Das System konnte sie verfolgen.�</p><p>�Die oberste F�hrungsebene. Die Herren Offiziere wollen sich in ihren Kommandobunker zur�ckziehen, um in Sicherheit und Luxus unseren Vergeltungsschlag abzuwarten�, erkl�rte er.</p><p>Desjani nickte zustimmend.</p><p>�Ich will diesen Bunker ausfindig machen.�</p><p>Sie grinste.</p><p>�Ich nehme an, wir haben gen�gend kinetische Salven, um damit ein Loch in massiven Fels zu sprengen, oder?�</p><p>�Ja, die haben wir, Sir�, erwiderte Desjani strahlend. Geary hatte soeben den Wunsch durchblicken lassen, Syndiks zu t�ten, und damit war ihre Welt wieder in Ordnung.</p><p>Ein ganzer Schwarm Shuttles hatte die Allianz-Flotte verlassen und senkte sich wie ein gro�er Insektenschwarm auf Sutrah V herab. �ber ihnen waren die Schiffe der Flotte zu einer kompakten Formation zusammengeschlossen, die dennoch einen weitl�ufigen Bereich in Anspruch nahm. Geary wusste, dass die Bewohner von Sutrah V in diesen Sekunden �ngstlich zum Himmel aufblickten, da sie wussten, dass diese Flotte den Tod auf sie herabregnen lassen und den ganzen Planeten binnen k�rzester Zeit v�llig unbewohnbar machen konnte.</p><p>Das virtuelle Display, das die Positionen der Shuttles anzeigte, schwebte gleich neben Gearys Platz. Die begleitenden Marines wurden daneben wie auf Sammelkarten dargestellt. Mit einer Bewegung seiner Finger konnte er mit jedem von ihnen in direkten Kontakt treten oder mittels Helmsensoren das sehen, was sie selbst sahen. Aber der einzige Marine, den er rief, war Colonel Carabali, da er niemanden in der Befehlskette �bergehen wollte, auch wenn die technischen M�glichkeiten ihm genau das verlockend einfach machten.</p><p>�Die Erkundungsshuttles haben rings um das Arbeitslager keine Hinweise auf Nuklearwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen finden k�nnen�, meldete Carabali. �Wir suchen noch einmal alles ab, dann landen die Erkundungsteams.�</p><p>�K�nnen Sie best�tigen, dass die angegebene Zahl an Gefangenen zutrifft?�, fragte er sie.</p><p>�Sieht ganz so aus�, meinte sie grinsend. �Und von hier oben betrachtet, wirken sie ziemlich fr�hlich.�</p><p>Geary lehnte sich l�chelnd zur�ck. Seit seiner Rettung war er in viele Situationen geraten, mit denen er nie gerechnet h�tte, und die meisten von ihnen waren unangenehm gewesen. Die Pflicht war f�r ihn eine schwere Last, doch jetzt waren da einige tausend Menschen, die niemals mit einer Befreiung gerechnet hatten, und die sahen nun die Flotte aus Shuttles, die sich ihnen n�herte. Menschen, die vielleicht schon seit Jahrzehnten hier gefangen waren und keine Hoffnung mehr auf Rettung besa�en. Diese Flotte, <emphasis>seine</emphasis> Flotte w�rde sie retten, und das war ein gutes Gef�hl.</p><p>Wenn die Syndiks blo� nicht noch einen weiteren Trick versuchten. Es war immer noch m�glich, dass Tausende, die kurz vor ihrer Befreiung standen, doch sterben mussten.</p><p>�Erkundungsshuttles gelandet�, meldete Carabali und best�tigte damit die Anzeige auf Gearys Display, das er auf das Lager ausgerichtet hatte. �Teams gehen von Bord.�</p><p>Geary konnte der Versuchung nicht widerstehen und rief einen der Offiziere aus Carabalis Team auf. Ein Fenster �ffnete sich, das den Blick vom Helm des Mannes aus darstellte. Staub und Schmutz waren ebenso zu sehen wie ramponierte Bauwerke. Der Himmel zeigte ein verwaschenes Blau, das zu Grau tendierte und so trostlos wirkte, wie das Leben in diesem Arbeitslager gewesen sein musste. Syndik-Wachen waren nirgends zu sehen, aber die Gefangenen hatten sich in Reihen aufgestellt, die Offiziere vor ihnen, w�hrend sie nerv�s und auch ein wenig benommen zusahen, wie die Marines an ihnen vorbeieilten, um nach Hinweisen auf m�gliche Gefahren zu suchen.</p><p>Der Marine, durch den Geary das Geschehen mitverfolgte, blieb vor einer Gruppe von Gefangenen stehen und wandte sich der Frau an deren Spitze zu. �Wissen Sie, ob hier irgendwo Waffen verborgen sind? Irgendwelche ungew�hnlichen Aktivit�ten?�</p><p>Die d�nne �ltere Frau, deren Haut ledrig geworden war, nachdem sie ohne entsprechende Schutzkleidung wohl den gr��ten Teil ihres Lebens hier zugebracht hatte, antwortete ruhig und pr�zise: �Nein, Lieutenant. Wir wurden letzte Nacht in unsere Quartiere geschickt und konnten nichts von dem beobachten, was drau�en vor sich ging, aber wir h�rten, wie die Wachen vor Sonnenaufgang in aller Eile das Lager verlie�en. Wir haben alles abgesucht, Waffen haben wir allerdings keine gefunden. Das Verwaltungsgeb�ude ist dieses dort dr�ben.�</p><p>Der Marine hielt kurz inne und salutierte. �Vielen Dank, Commander.�</p><p>Geary zwang sich, dieses Fenster zu schlie�en und stattdessen die gesamte Flotte im Auge zu behalten.</p><p>�Sieht ruhig aus�, lie� Desjani ihn wissen. �Die einzige feststellbare Aktivit�t sind die Kolonnen mit Evakuierten, die sich von den Zielen entfernen. Ein Tr�mmerst�ck der Monde bewegt sich auf eine Stelle zu, die rund dreihundert Kilometer vom Lager entfernt liegt�, f�gte sie an und deutete auf das Display. �Rings um die Absturzstelle wird alles verw�stet werden, aber im Lager d�rften sie davon wohl nur einen dumpfen Knall und die Ausl�ufer der Druckwelle mitbekommen.�</p><p>Geary las die Berechnung f�r den Aufprall durch. �Und vielleicht werden sie ein Zittern im Boden sp�ren. Immer, wenn wir bislang geglaubt haben, dass in diesem System Ruhe herrscht, warteten die Syndiks mit einer neuen b�sen �berraschung auf. Was k�nnten wir diesmal �bersehen haben?�</p><p>Desjani sch�rzte die Lippen und gr�belte. �Die Marines untersuchen die Gefangenen, ob sie biologischen Kampfstoffen ausgesetzt wurden, die erst mit Verz�gerung ihre Wirkung entfalten. Die Gefangenen selbst m�ssten bemerkt haben, wenn irgendetwas im Lager vergraben worden w�re. Die einzigen Syndik-Schiffe im System sind�� von ein paar Frachtern abgesehen�� die drei J�ger, die wir seit unserer Ankunft im Auge behalten und die alle mehr als eine Lichtstunde von uns entfernt sind. Ich w�rde ihnen zutrauen, dass sie den ganzen Planeten in die Luft jagen, nur um uns schwere Verluste zuzuf�gen, aber es gibt keine Waffe, die so etwas bewerkstelligen kann.�</p><p>Vor Geary �ffnete sich ein Fenster, und Colonel Carabali salutierte. �Ich schicke jetzt die Hauptgruppe rein, Captain Geary. Bislang keine Bedrohung entdeckt.� Auf seinem Display konnte er mitverfolgen, wie der Pulk der Shuttles zur Landung ansetzte; viele davon au�erhalb des Lagers, da nicht genug Platz vorhanden war. Marines st�rmten heraus und wirkten in ihrer Gefechtsausr�stung selbstbewusst und todbringend.</p><p>Geary empfand den Anblick jedoch als besorgniserregend. Fast alle Marines der Flotte waren dort unten. Wenn ihnen etwas zustie�, w�rde er eine sehr wichtige Kampfeinheit verlieren, die zugleich jenen Teil der Flotte darstellte, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte. Im n�chsten Moment gab er sich im Geist eine Ohrfeige, dass er die m�glichen Verluste allein danach bema�, anstatt daran zu denken, wie viele gute M�nner und Frauen er verlieren w�rde.</p><p>Co-Pr�sidentin Rione schien Gearys Unbehagen zu teilen. �Nach all diesen Fallen, die uns die Syndiks hier gestellt haben, geht das jetzt fast schon eine Spur zu glatt.�</p><p>Geary nickte. �Aber im Lager ist nichts zu finden. Die Gefangenen sagten, sie h�tten es selbst abgesucht, und sie m�ssten wissen, wenn sich dort etwas Ungew�hnliches bef�nde.�</p><p>Wieder meldete sich Colonel Carabali. �Wir haben das Verwaltungsgeb�ude eingenommen und gehen jetzt die Akten durch. Alle Gefangenen sind mit Implantaten versehen, um ihre Position zu �berwachen, au�erdem verl�uft um das Lager herum eine virtuelle Mauer, damit sie nirgendwo hingehen, wo sie nichts zu suchen haben. Wir deaktivieren derzeit die Implantate und die Mauer.�</p><p>�Gut.� Geary sah zur�ck zum Display. �Wenn die virtuelle Mauer abgeschaltet ist, k�nnen die Gefangenen das Lager verlassen und sich zu den Shuttles begeben�, sagte er zu Desjani.</p><p>�Verdammt!�</p><p>Abrupt drehte er sich auf seinem Platz herum, da ihn Riones lauter und untypischer Fluch v�llig unvorbereitet getroffen hatte. Sie zeigte auf die Displays. �<emphasis>Au�erhalb</emphasis> des Lagers, Captain Geary! Sie alle halten Ausschau nach Bedrohungen, die im Lager auf Sie warten k�nnten, aber die meisten Ihrer Shuttles sind au�erhalb des Lagers gelandet!�</p><p>Geary sp�rte, wie sich sein Magen verkrampfte, als ihm klar wurde, was Rione meinte. Er tippte auf seine Kontrollen, um Carabali zu rufen. �Au�erhalb des Lagers, Colonel! Dort konnten die Gefangenen nicht hingehen, also konnten sie da auch nicht suchen! Wir haben uns bei unserer Suche ganz auf das eigentliche Lager konzentriert. Etliche Shuttles stehen da drau�en, und dort sollen die Gefangenen hingebracht werden.�</p><p>Carabali presste die Lippen aufeinander. �Verstanden.�</p><p>Geary sah, wie das Kommando- und Kontrollnetzwerk der Marines aufleuchtete, als Carabali mit ihren Leuten Kontakt aufnahm. Einheiten, die unterwegs waren, um einen weiten Bereich zu sichern, begannen sich zur�ckzuziehen und schw�rmten in Suchmustern aus, w�hrend andere aus dem Lager kamen, um die unmittelbare Umgebung abzusuchen.</p><p>�Nuklearwaffen h�tten wir auch dort entdeckt�, wandte Desjani w�tend ein.</p><p>�Richtig�, stimmte Geary ihr zu. �Aber da k�nnte auch etwas anderes vergraben sein.�</p><p>�Wir sind auf Minen mit verz�gertem Ausl�ser gesto�en�, meldete sich pl�tzlich Carabali in k�hlem Tonfall. �Eine Mischung aus Splitterbomben mit Chemikalien. �ltere Modelle, dennoch nicht so leicht zu entdecken. H�tten wir den Bereich jetzt nicht gesondert abgesucht, w�ren wir nicht auf die Dinger gesto�en. Meine Minenexperten vermuten, dass sie so eingestellt sind, dass sie erst reagieren, wenn sie gen�gend Menschen registrieren. Wir arbeiten mit hochenergetischen Impulsen, um die Z�nder durchzuschmoren, damit sie keinen Schaden mehr anrichten k�nnen.�</p><p>�Und wie sieht es weiter weg vom Lager aus?�, wollte Geary wissen.</p><p>�Da suchen wir im Augenblick.� Wut mischte sich in Carabalis sonst so ruhigen Tonfall. �Ich werde einen umfassenden Bericht meines Versagens hinsichtlich dieser Bedrohung vorlegen, damit Sie die entsprechenden disziplinarischen Ma�nahmen ergreifen k�nnen, Sir.�</p><p>Geary konnte sich einen Seufzer nicht verkneifen, w�hrend er zu Rione sah, die nun wieder mit regloser Miene dasa�. �Danke, Colonel, aber wir haben diese M�glichkeit genauso �bersehen, also k�nnen wir uns die Schuld teilen. Sie k�nnen sich bei Co-Pr�sidentin Rione bedanken, weil es ihr noch rechtzeitig eingefallen ist.�</p><p>Als Carabali sich wieder meldete, schimmerte in ihren Worten Selbstironie durch. �Bitte richten Sie der Co-Pr�sidentin meinen Dank aus, Sir.�</p><p>Geary schaute Rione an. �Haben Sie das geh�rt?�</p><p>Rione nickte dankend. �Ich bin daran gew�hnt, die m�gliche Bedeutung von Worten zu untersuchen. Es gibt Momente, da ist sogar der verschlagene Verstand eines Politikers noch zu etwas gut, nicht wahr, Captain Geary?�</p><p>�Ja, allerdings�, stimmte er ihr zu. Er sah Captain Desjani grinsen und erkannte, dass ihre Meinung �ber Rione sich soeben deutlich gebessert hatte.</p><p>�Die Zahl der Gefangenen und die Daten der Syndiks stimmen �berein�, gab Carabali bekannt. �Meine Leute erfassen jetzt die ehemaligen Gefangenen und werden sie an Bord der Shuttles gehen lassen, sobald der Landebereich keine Gefahr mehr darstellt.�</p><p>Geary tippte auf eine Kontrolle und lie� die gesamte Oberfl�che von Sutrah V darstellen. Quer �ber die ganze Karte waren unz�hlige Ziele markiert, und als Geary den Bereich heranzoomte, der die meisten Symbole aufwies, ver�nderte sich die Darstellung und zeigte die tats�chliche Landschaft. Die meisten industriellen Anlagen waren l�ngst erkaltet, da sie seit langer Zeit nicht mehr in Betrieb waren. Der Raumhafen war heruntergekommen und bauf�llig. Als Geary andere Ziele betrachtete, wurde ihm klar, warum die Syndiks ein vergeltendes Bombardement riskiert hatten. Diese Welt verf�gte �ber keinerlei aktive Industrie, sie besa� keine Ressourcen und milit�risch war sie ohne Wert. <emphasis>Nur rund hunderttausend Menschen, die hierzu �berleben versuchen.</emphasis> �Captain Desjani, verf�gen wir �ber Daten zu Sutrah IV?�</p><p>Desjani konnte sich ein gen�ssliches Grinsen nicht ganz verkneifen, als sie die Daten auf Gearys Display �bertrug. Sutrah IV ging es im Vergleich wesentlich besser als der Schwesterwelt. <emphasis>Okay, wir k�nnen die Syndiks nicht in dem Glauben lassen, dass wir ihnen das durchgehen lassen. Aber ich will keine Zivilisten t�ten, worauf die Syndiks vermutlich hoffen, weil sie das f�r ihre Propaganda ausschlachten k�nnen.</emphasis> Geary markierte die gro�en Raumhafen auf Sutrah IV, die Milit�rbasis, den Regierungskomplex in der Hauptstadt und zum guten Schluss alle orbitalen Einrichtungen. Dann schaltete er zur�ck zu Sutrah V und markierte den gr��ten Raumhafen und die noch aktiven Industriegebiete.</p><p>Dann hielt Geary inne und musterte wieder die Milit�rbasis. Er zoomte den Ausschnitt heran und �berflog die geheimdienstlichen Informationen, die daneben angezeigt wurden. Die Konvois mit Zivilisten waren noch immer unterwegs, und die meisten Milit�rs hielten die Stellung in der Basis. <emphasis>Wo sind diese sogenannten Anf�hrer?</emphasis> Er ver�nderte den Ma�stab und bekam die Daten geliefert. Linsen, die so entwickelt waren, dass sie �ber Milliarden von Kilometern Details erfassen konnten, zeigten ihm den Eingang zum Kommandobunker, wo sich die rangh�chsten Offiziere verkrochen hatten. Geary merkte, wie grimmig er grinste, als er dieses Ziel f�r eine kinetische Salve kennzeichnete, die beim Einschlag tief bis ins Innere vordrang.</p><p>Als er �ber das Schicksal von zwei Welten entschieden hatte, verlie�en soeben die ersten Shuttles Sutrah V, und die Allianz-Flotte kehrte von ihrer Schleife zur�ck, um jene Stelle zu passieren, an der sich vor Kurzem noch die f�nf Monde befunden hatten. Viele kleine Tr�mmerst�cke waren vom Schwerkraftfeld von Sutrah V erfasst worden und w�rden vielleicht eines Tages einen d�nnen Ring um den Planeten bilden.</p><p>�Captain Geary�, meldete Colonel Carabali. �Alle Personen sind an Bord. Die letzten Shuttles sollten bei Zeit eins sechs starten.�</p><p>�Verstanden, Colonel, vielen Dank.� Geary �bertrug die Zielerfassungsdaten an das Gefechtssystem, das die Ziele bewertete, die auf jedem Schiff verf�gbaren Waffen erfasste und die Abschusswinkel berechnete, ehe es zwei Sekunden sp�ter einen detaillierten Plan ausspuckte. Geary �berflog diesen Plan, �berpr�fte, wie viele kinetische Waffen ihn sein Vergeltungsschlag kosten w�rde, und kam zu dem Schluss, dass ihm gen�gend Geschosse zur Verf�gung standen, selbst wenn die <emphasis>Titan</emphasis> und ihre Schwesterschiffe keinen Nachschub w�rden herstellen k�nnen. Beim Blick auf die gesch�tzte Zahl der Opfer hielt er inne. �Ich muss eine Nachricht an alle Syndiks in diesem System schicken.�</p><p>Desjani nickte und gab dem Kommunikationsoffizier ein Zeichen, der sofort einen Kanal �ffnete und dann den Daumen hochreckte. �Sie k�nnen, Sir.�</p><p>Geary sammelte sich. Er vergewisserte sich, dass die letzten Allianz-Shuttles den Planeten verlassen hatten. �Bewohner des Sternensystems Sutrah, hier spricht Captain John Geary, Befehlshaber der Allianz-Flotte, die Ihr System durchfliegt. Sie wurden von Ihren F�hrern verraten. Deren hinterh�ltige Attacken auf diese Flotte und auf die Streitkr�fte, die Kriegsgefangene befreit haben, zwingen uns, diese Taten mit einer Bombardierung Ihrer Welten zu vergelten.� Er machte eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen. �In der Hoffnung, einige unserer Schiffe zu besch�digen, haben diese F�hrer Ihr Zuhause und Ihr Leben in unsere H�nde gelegt. Sie k�nnen sich gl�cklich sch�tzen, dass die Allianz-Flotte keinen Krieg gegen Zivilpersonen f�hrt.� Jedenfalls <emphasis>nicht mehr.</emphasis> Zumindest nicht, solange Geary das Kommando hatte. Hoffentlich w�rden seine �altmodischen� Einstellungen eines Tages auch auf die anderen Offiziere abf�rben.</p><p>�Wir werden Vergeltungsschl�ge gegen von uns ausgew�hlte Ziele auf Sutrah IV und Sutrah V f�hren. Eine Liste mit Zielen, die in von Zivilisten bewohnten Bereichen oder in deren N�he liegen, wird dieser Mitteilung folgen, damit vor der Bombardierung eine Evakuierung erfolgen kann. Wir sind nicht dazu verpflichtet, eine solche Liste zur Verf�gung zu stellen, aber unser Krieg richtet sich gegen Ihre F�hrer. Denken Sie immer daran, dass wir nach dem Kriegsrecht alles Leben in diesem System ausl�schen d�rften. Wir haben uns dagegen entschieden. Die Allianz ist nicht Ihr Feind, sondern Ihre eigenen F�hrer sind Ihre Feinde.�</p><p>Nach einer kurzen Pause f�gte er hinzu: �Auf die Ehre unserer Vorfahren!� Man hatte ihm gesagt, dass diese alte Form als Abschluss einer Nachricht kaum noch Verwendung fand, dennoch hielt er daran fest. Er glaubte immer noch daran, und es half ihm, sich in dieser Zukunft zurechtzufinden, in der der Ehre manchmal eine seltsame Bedeutung zukam. �Hier spricht Captain John Geary, Befehlshaber der Allianz-Flotte. Ende der �bertragung.�</p><p>Rione meldete sich hinter ihm zu Wort. �Danke, dass Sie das Leid der Zivilbev�lkerung auf diesen Welten auf ein Minimum beschr�nken.�</p><p>Er sah zu ihr. �Gern geschehen. Aber ich h�tte das so oder so getan. Es ist das, was die Ehre von mir verlangt.�</p><p>�Die Ehre unserer Vorfahren�, sprach Rione ohne eine Spur von Ironie in ihrem Tonfall.</p><p>Captain Desjani stand auf. �Die Shuttles der <emphasis>Dauntless</emphasis> werden in K�rze wieder andocken. Ich sollte mich zum Shuttlehangar begeben und unsere G�ste begr��en.�</p><p>�Das sollte ich besser auch machen�, stimmte Geary ihr zu, erhob sich ebenfalls und versuchte, seine ablehnende Haltung zu �berspielen. Es war tats�chlich seine Pflicht, die befreiten Gefangenen zu begr��en, obwohl er sich viel lieber in seine Kabine zur�ckgezogen h�tte, um dem damit verbundenen Rummel zu entgehen.</p><p>�Darf ich Sie begleiten?�, fragte Rione sie beide.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, erwiderte Desjani, die von der Bitte offenbar �berrumpelt worden war. Sie musste �berrascht sein, weil Rione eigentlich jedes Recht hatte, auf ihrer Anwesenheit zu bestehen. Stattdessen hatte sie um Erlaubnis gefragt. Unwillk�rlich fragte er sich, ob da politisches Kalk�l im Spiel war, um Desjani f�r sich zu gewinnen, oder ob sie die �bergeordnete Rolle des Captains anerkannte. Er konnte nur hoffen, dass Letzteres der Fall war.</p><p>Zu dritt begaben sie sich zum Shuttlehangar, wobei Geary und Desjani jedes Besatzungsmitglied der <emphasis>Dauntless</emphasis> gr��ten, das ihnen begegnete. Geary genoss es, wie viele von der Crew ihm dabei salutierten. Seine Kampagne, den Salut wieder zu einem Teil der Begr��ung zu machen, schien Fr�chte zu tragen.</p><p>�Gef�llt es Ihnen, mit Salut begr��t zu werden?�, fragte Rione in neutralem Tonfall. �Der Salut scheint wieder in Mode zukommen.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf. �Ich brauche das nicht f�r mein Ego, wenn Sie darauf anspielen. Es geht um das, was der Salut bedeutet, Madam Co-Pr�sidentin, um das Ma� an Disziplin, von dem ich glaube, dass die Flotte davon profitiert.� Er verkniff sich die Anmerkung, dass diese Flotte solche Disziplin dringend n�tig hatte, wenn sie nicht auseinanderbrechen und auch weiterhin in der Lage sein wollte, sich gegen die Syndiks zur Wehr zu setzen. Der Sprung von einem simplen Salut bis hin zu einer sicheren Heimkehr der Flotte mochte gewaltig erscheinen, doch Geary war davon �berzeugt, dass diese Verbindung existierte.</p><p>Erst als sie den Shuttlehangar erreichten, wurde Geary bewusst, dass er sich dort nicht mehr aufgehalten hatte, seit Admiral Bloch mit seinem Stab zu jenem schicksalhaften Zusammentreffen mit den Syndiks abgereist war. Er war in fast jedem Winkel der <emphasis>Dauntless</emphasis> gewesen, also musste er unbewusst einen Bogen um den Hangar gemacht haben. Er versuchte sich zu erinnern, wie er sich damals gef�hlt hatte; er dachte an das Eis, das seine Gef�hle und seinen Geist �berzogen hatte. Er versp�rte Erleichterung dar�ber, dass er dieses Eis hatte zur�ckdr�ngen k�nnen, da der Druck des Kommandos auf ihm lastete. Oder vielleicht <emphasis>obwohl</emphasis> dieser Druck auf ihm lastete. Auf jeden Fall konnte er jetzt hier stehen, ohne von Admiral Blochs Geist verfolgt zu werden, der ihn anflehte, den Rest der Flotte in Sicherheit zu bringen.</p><p>Er sah zu Captain Desjani, die neben ihm stand und wartete, dass die ersten Passagiere die Shuttles verlie�en. W�hrend sie sonst eigentlich eher ernst war und sich nur freuen konnte, wenn Syndik-Schiffe in St�cke geschossen wurden, machte sie jetzt einen ganz anderen Eindruck. Die Vorfreude auf die Begegnung mit den befreiten Gefangenen lie�en sie ungew�hnlich gl�cklich erscheinen. �Tanya?� Desjani sah ihn verbl�fft an, da er nur selten ihren Vornamen benutzte. �Ich wollte Sie nur wissen lassen, wie froh ich bin, dass die <emphasis>Dauntless</emphasis> mein Flaggschiff ist. Sie ist ein gutes Schiff, und Sie sind eine gute Befehlshaberin. Ihre Kenntnisse und Ihre Unterst�tzung bedeuten mir wirklich viel.�</p><p>Sie wurde vor Verlegenheit rot. �Vielen Dank, Captain Geary. Sie wissen, ich bin seit Ihrem Auffinden sehr froh �ber Ihre Anwesenheit.�</p><p>Er l�chelte ein wenig sp�ttisch. Desjani geh�rte zu denjenigen, die davon �berzeugt waren, dass die lebenden Sterne ihn zur Flotte geschickt hatten, um ihr in der Stunde ihrer gr��ten Not beizustehen. Geary konnte sich nicht vorstellen, dass ihm dieses Ma� an Vertrauen und Glauben wirklich jemals behagen w�rde. In dieser Hinsicht teilte er sogar Victoria Riones Ansicht: Wenn ihm diese Heldenverehrung jemals zusagen w�rde, dann war er l�ngst im Begriff, f�r diese Flotte eine gr��ere Gefahr darzustellen als die Syndiks selbst.</p><p>Als h�tte sie seine Gedanken gelesen, meldete sich Co-Pr�sidentin Rione zur�ckhaltend zu Wort: �Wir k�nnen in der Tat froh sein, dass Captain Geary unser Befehlshaber ist.�</p><p>Die Shuttles der <emphasis>Dauntless</emphasis> bewegten sich wie riesige, schwerf�llige Tiere in den Hangar. Kein Wunder, dass ein Shuttle im Flottenslang als �Vogel� bezeichnet wurde. Die �u�eren Hangartore schlossen sich, die inneren gingen auf, und einen Moment sp�ter wurden die Rampen der Shuttles heruntergelassen.</p><p>Die der <emphasis>Dauntless</emphasis> zugeteilten Marines gingen als Erste von Bord, stellten sich in Formation auf und hielten respektvoll ihre Waffen hoch. Dann kam die Gruppe ehemaliger Gefangener zum Vorschein. Die Leute sahen sich um, als w�rden sie erwarten, dass sie jeden Moment aufwachten und sich immer noch in lebenslanger Gefangenschaft auf einer vergessenen Syndik-Welt befanden, von der es kein Entrinnen gab. Sie alle waren schmal, fast schon mager. Nur wenige besa�en noch eine unversehrte Uniform, w�hrend die anderen etwas trugen, das nach abgelegter Zivilkleidung aussah.</p><p>Captain Desjani sprach in ihre mobile Komm-Einheit. �An alle auf der <emphasis>Dauntless.</emphasis> Das von uns befreite Allianz-Personal ben�tigt Uniformen. Ich bitte jeden, das zur Verf�gung zu stellen, was er er�brigen kann.� Sie sah Geary an. �Wir werden sie wieder ordentlich einkleiden, Sir.�</p><p>�Das werden sie sicher zu sch�tzen wissen�, gab er zur�ck, w�hrend er sich vorstellte, dass sich �hnliche Szenen wie diese im Augenblick in der gesamten Flotte abspielten.</p><p>Geary h�rte Captain Desjani �berrascht nach Luft schnappen, als die befreiten Gefangenen an ihnen vorbeigingen. �Casell?�</p><p>Ein Mann mit den matten Abzeichen eines Lieutenants an seiner zerfetzten Jacke drehte sich um, als er seinen Namen h�rte. Sein Blick erfasste Desjani. �Tanya?� Einen Moment sp�ter lagen sich die beiden in den Armen. �Ich kann es nicht fassen! Die Flotte taucht hier urpl�tzlich auf, und du bist mit dabei!�</p><p>�Ich dachte, du w�rst bei Quintarra umgekommen�, sagte sie, und Geary nahm fassungslos zur Kenntnis, dass die sonst so willensstarke Befehlshaberin der <emphasis>Dauntless</emphasis> gegen Tr�nen anzuk�mpfen schien.</p><p>�Nein�, gab Casell zur�ck. �Die halbe Crew hatte �berlebt, aber wir wurden alle von den Syndiks einkassiert.� Dann fiel sein Blick auf ihre Uniform, er bekam den Mund nicht mehr zu und ging einen Schritt zur�ck. �Captain? Du bist ein � Captain?�</p><p>Desjani grinste ihn an. �Viele sind w�hrend der K�mpfe bef�rdert worden. Das hier ist mein Schiff.� Sie wandte sich zu Geary um. �Sir, das ist ein alter Freund von mir, Lieutenant Casell Riva.�</p><p>L�chelnd streckte Geary seine Hand aus. Nach den viel zu jungen Senioroffizieren, die Geary bislang gesehen hatte, die s�mtlich allzu schnell in ihren jetzigen Positionen bef�rdert werden mussten, weil der Krieg zu viele Opfer kostete, war es umso eigenartiger, einem �lteren Junioroffizier gegen�berzustehen. Allerdings wurde in einem Arbeitslager auch niemand bef�rdert. �Ist mir ein Vergn�gen, Lieutenant. Sch�n, Sie an Bord zu haben. Ich bin Captain John Geary, Befehlshaber der Flotte.�</p><p>Lieutenant Riva, der noch immer verarbeiten musste, dass seine alte Freundin inzwischen Captain war, ergriff Gearys Hand reflexartig, als er mit einiger Versp�tung verstand, was der gesagt hatte: �Sa-sagten Sie Captain <emphasis>John</emphasis> Geary, Sir?�</p><p>Desjani l�chelte ihn strahlend an. �Captain John �Black Jack� Geary. Er lebt, Casell. Er ist unser Befehlshaber, und er bringt diese Flotte heim.�</p><p>Rivas Gesicht nahm jenen Ausdruck an, den Geary f�rchten gelernt hatte: eine Mischung aus Ehrfurcht, Unglauben und Staunen. �Nat�rlich�, hauchte der Mann. �Einer der Marines sagte, Captain Geary habe die Flotte hergebracht, aber wir hielten das nur f�r eine Redewendung. Doch es ist wahr.� Begeisterung lie� seine Miene aufleuchten. �Die Syndiks sind zum Untergang verdammt. Tanya � ich meine, Captain Desjani, wissen Sie, wer der Senioroffizier im Lager war? Captain Falco.�</p><p>Desjani starrte ihren alten Freund an. �Falco der K�mpfer? Er lebt auch noch?�</p><p>�Ja, und mit ihm und Black Jack �� Lieutenant Riva schluckte. �Ich wollte sagen, mit ihm und Captain Geary ist diese Flotte unschlagbar!�</p><p>Geary nickte und behielt sein h�fliches L�cheln bei. Wenn er sich die Flotte ansah, die er geerbt hatte, dann konnte ein Offizier mit dem Spitznamen �der K�mpfer� nur f�r all das stehen, was Geary abzuschaffen versuchte. Aber vielleicht auch nicht. Er konnte nicht einen Mann vorverurteilen, der offenbar gro�es Ansehen genoss.</p><p>Ein gro�er d�nner Mann tauchte am Kopf der Shuttlerampe auf und hielt mit dramatischer Geste inne, verschaffte sich einen Eindruck von der Szene und kam dann mit forderndem Ausdruck in den Augen zu ihnen. Er trug das Abzeichen eines Flottencaptains, das am Kragen einer vergleichsweise gut erhaltenen Jacke befestigt war. Andere Leute drehten sich zu ihm um, da der Mann die Aufmerksamkeit seiner Umgebung einem Magneten gleich an sich zog. Geary musste unwillk�rlich an Riones Abneigung gegen�ber �Helden� denken, die eine Flotte in ihren Untergang f�hren konnten. Dieser Mann war dazu auch f�hig, �berlegte Geary.</p><p>Der Mann blieb vor Geary stehen und l�chelte ihn selbstbewusst und kameradschaftlich an. �Ich muss zum Befehlshaber der Flotte.�</p><p>Geary entging nicht, dass sein Gegen�ber diese Worte nicht als Bitte ausgesprochen hatte. �Ich bin der Befehlshaber dieser Flotte.�</p><p>�Ein Captain!� Der Mann blickte sich irritiert um, als suche er nach einem Admiral, der sich irgendwo versteckt hielt. �Sie m�ssen schwere Verluste erlitten haben.�</p><p>�Das ist leider richtig�, best�tigte Geary.</p><p>Der Mann seufzte und machte eine bedauernde Miene, die andeutete, dass das nicht passiert w�re, wenn er das Kommando gehabt h�tte. Geary wurde bewusst, der Mann war ein Meister darin, Unausgesprochenes so zu projizieren, dass jeder glaubte, er habe es tats�chlich gesagt. �Also gut. Den M�den g�nnt man keine Pause, nicht wahr?�, sagte er zu Geary und warf ihm erneut einen verstehenden Blick zu. �Aber die Pflicht ist eine brutale Geliebte, die von den Ehrbaren nicht ignoriert werden kann. Dann �bernehme ich jetzt das Kommando.�</p><p>Geary schaffte es, seine Reaktion auf ein Zucken seiner Augenbrauen zu beschr�nken. �Wie bitte?�</p><p>Der Mann, den Geary f�r Falco den K�mpfer hielt, reagierte mit einem �berraschten Blick. �Ich denke, ich gehe recht in der Annahme, dass ich hier der dienst�lteste Captain bin. Von daher ist es meine Pflicht und meine Verantwortung, das Kommando zu �bernehmen.�</p><p>Geary nickte auf eine Weise, von der er hoffte, dass sie nicht als Zustimmung gedeutet wurde, sondern lediglich als Best�tigung, dass er ihn geh�rt hatte. �Die Situation d�rfte sich nicht so gestalten, wie Sie es glauben, Captain �?�, fragte er, obwohl er den Namen bereits erahnte.</p><p>Seine Worte brachten ihm ein zutiefst ver�rgertes Stirnrunzeln ein. Der Schuss, den er auf das Ego des Mannes abgegeben hatte, durchdrang m�helos jenen Schild aus kameradschaftlicher Autorit�t, mit dem er sich un�bersehbar gern umgab. �Sie sollten mich erkennen.�</p><p>Lieutenant Riva, der die Spannung zwischen den beiden nicht bemerkte, verk�ndete voller Stolz: �Das ist Captain Falco, Sir.�</p><p>�Captain Francesco Falco�, pr�zisierte der Mann. �Ich darf davon ausgehen, dass der Name Ihnen ein Begriff ist.�</p><p>�Um ehrlich zu sein, habe ich ihn vor ein paar Minuten zum ersten Mal geh�rt.� Geary wusste nicht, warum er das gesagt hatte, aber der Gesichtsausdruck, den er damit bei Falco ausl�ste, war jegliche Konsequenzen wert. �Freut mich, Sie kennenzulernen�, f�gte Geary in neutralem Tonfall an.</p><p>�Nach Ihrem Alter zu urteilen�, erkl�rte Falco ernst, �ist es offensichtlich, dass ich der dienst�lteste Captain bin.� Es war nicht zu �berh�ren, dass er sich entschieden hatte, Geary unmissverst�ndlich klarzumachen, wer hier das Sagen hatte. �Wenn Sie mir dann meine Kabine zeigen w�rden. Ich bin mir sicher, es gibt eine Menge zu tun. Und berufen Sie zum fr�hestm�glichen Zeitpunkt eine Flottenkonferenz ein.� Er wartete darauf, dass Geary sich r�hrte, doch der starrte ihn einfach nur an und zeigte keine weitere Regung. Falco war offenbar nicht daran gew�hnt, seine Befehle wiederholen zu m�ssen. �<emphasis>Wer</emphasis> sind Sie, Captain?�</p><p>Desjani war die angespannte Atmosph�re sehr wohl aufgefallen, da sie sich sehr behutsam einmischte: �Captain Falco, dies ist Captain Geary.�</p><p>�Geary? Wohl mit dem Helden verwandt, wie?� Falco hatte einen mahnenden Tonfall angenommen, als w�rde er mit einem widerspenstigen Kind reden. �Wir alle verdanken dem Vorbild von Black Jack Geary viel, aber das hei�t noch lange nicht ��</p><p>�Nein�, fiel Geary ihm ins Wort. �Ich f�rchte, Sie irren sich.� Falco legte die Stirn in Falten, was er oft zu tun schien, wenn etwas nicht nach seinen W�nschen und Vorstellungen verlief oder wenn man ihn unterbrach. �Ich bin nicht mit ihm verwandt. Mein Name ist John Geary.�</p><p>Falco setzte wieder die Miene des Kumpeltyps auf, der zuf�lligerweise das Kommando hatte. Sein Blick wanderte zu Desjani, die best�tigend nickte. �Captain Geary ist nicht vor hundert Jahren bei Grendel ums Leben gekommen�, erz�hlte sie, als zitiere sie aus einem Bericht. �Diese Flotte fand seine Rettungskapsel, kurz bevor sie versagte, und wir konnten ihn wiederbeleben.�</p><p>�Black Jack Geary?� Falco schien von dieser Information regelrecht �berfahren zu werden, da er mit einem Mal nur noch zu einem verwirrten Gesichtsausdruck f�hig war.</p><p>Gen�sslich konterte Geary: �Ich bin tats�chlich schon etwas l�nger Captain als Sie. Genau genommen sind das fast hundert Jahre. Aber nat�rlich danke ich Ihnen f�r Ihre Bereitschaft, der Allianz Ihre Dienste anzubieten.� Das war ein Satz aus Gearys Zeit, der �blicherweise zum Einsatz kam, bevor ein besonders unangenehmer Befehl erteilt wurde. Jetzt erschien es ihm als passende Phrase, um Falcos Ansinnen abzulehnen und dabei auch noch respektvoll zu klingen. �Als dienst�ltester Offizier und als der Offizier, dem von Admiral Bloch unmittelbar vor dessen Tod das Kommando �bertragen wurde, werde ich auch weiterhin diese Flotte befehligen.� Ein Teil von ihm war schockiert. Wie oft hatte er sich gew�nscht, irgendwem in dieser Flotte das Kommando zu �bertragen! Aber nicht diesem Mann! Es hatte nicht nur damit zu tun, dass der seine Autorit�t herausgefordert hatte, sagte sich Geary. Nein, Falco erschien ihm auch wie jemand, der mehr Wert auf sein Auftreten legte als darauf, was er tats�chlich leistete.</p><p>Geary sah, dass Rione ihn beobachtete und zweifellos an all die Male dachte, als er in ihrem Beisein geschworen hatte, die erstbeste Gelegenheit zu nutzen, um das Kommando abzugeben. Aber er wusste auch, was Rione von �Helden� hielt, und sie w�rde sicher nicht von ihm erwarten, dass er das Kommando �ber die Flotte einem Mann wie Falco in die H�nde legte.</p><p>Die Erkenntnis, wer vor ihm stand, hatte Falco vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht. Geary deutete unterdessen auf Desjani. �Dies ist Captain Tanya Desjani, Befehlshaberin der <emphasis>Dauntless.�</emphasis></p><p>Falco nickte rasch und sah Desjani an. Als habe er etwas ben�tigt, worauf er sich konzentrieren konnte, erlangte er die Ausstrahlung eines Vorgesetzten zur�ck, der zugleich ein Kamerad war. �Es ist immer eine Freude, einem tapferen Offizier der Allianz-Flotte zu begegnen. Es ist nicht zu �bersehen, dass Sie Ihr Schiff gut im Griff haben, Captain Desjani.�</p><p>Sie reagierte mit einem h�flichen Nicken. �Vielen Dank, Captain Falco.�</p><p>�Und dies�, fuhr Geary mit einer Geste zu Rione fort, �ist Victoria Rione, Co-Pr�sidentin der Callas-Republik und Senatsmitglied der Allianz.�</p><p>Diesmal drehte sich Falco um, nickte langsam und h�flich, was von Rione erwidert wurde. Das Funkeln in ihren Augen verriet Geary, dass sie Falco nicht im Mindesten leiden konnte. Er fragte sich, was sie �ber ihn wusste, um so zu reagieren. Ihm fiel auf, dass Falco Desjani mit einem Kompliment bedacht hatte, das zweifellos frei erfunden sein musste, da er keine Grundlage f�r die Behauptung besitzen konnte, sie habe ihr Schiff gut im Griff. Gegen�ber der Senatorin verhielt er sich allerdings viel zur�ckhaltender, ja, er behandelte sie wie eine Rivalin. Jemand, mit dem man sich arrangieren musste. Jemand, der nicht zu seinen von Bewunderung erf�llten Untergebenen geh�rte.</p><p>Desjani war aufmerksam genug, um das ebenfalls zu bemerken. Er sah ihrem Blick an, dass es ihr nicht gefiel, f�r jemanden gehalten zu werden, den man mit ein paar schmeichelnden Worten einlullen konnte. Rione wiederum reagierte mit einer Bemerkung, der es an jeglicher W�rme fehlte. �Ihr Ruf eilt Ihnen voraus, Captain Falco.�</p><p>Geary r�tselte noch, was sie damit meinte, als ihm auffiel, dass die anderen befreiten Gefangenen ihn mit dem gleichen hoffnungsvollen und bewundernden Blick bedachten, den Lieutenant Riva schon zur Schau gestellt hatte. Geary, der versuchte, nicht mit Ablehnung zu reagieren, bemerkte, dass Captain Falco etwas Neues gefunden hatte, das sein Missfallen erregte. <emphasis>Er mag es nicht, dass sie mich so ansehen. Aber nicht aus dem Grund, der Rione Sorgen macht. Nein, wenn ich Captain Falco richtig einsch�tze, ist er eifers�chtig.</emphasis></p><p><emphasis>Wunderbar. Als h�tte ich nicht schon genug Probleme.</emphasis> �Captain Falco, Lieutenant Riva�, erkl�rte er h�flich. �Ich muss mich um dringende Angelegenheiten k�mmern. Captain Desjanis Crew wird sich um Sie k�mmern.�</p><p>Falco, dessen zwischenzeitlich gelassene Miene in Anbetracht der j�ngsten Entwicklungen nicht l�nger aufrechtzuerhalten war, verfiel wieder in einen m�rrischen Gesichtsausdruck. �Angelegenheiten?�</p><p>�Eine Besprechung�, warf Rione wie beil�ufig ein. �Captain Geary und ich m�ssen jetzt gehen. Im Namen der Allianz-Regierung�, fuhr sie laut genug fort, damit man sie �berall im Hangar h�rte, �hei�e ich Sie alle in der Flotte willkommen.�</p><p>Schwacher Jubel kam in den Reihen der ehemaligen Gefangenen auf, w�hrend Rione Geary aus dem Hangar dirigierte. Geary hatte das Gef�hl, dass sich Falcos Blick in seinen R�cken bohrte, da der Mann in ihm zweifellos das gr��ere Problem sah. Er wollte jedoch nicht �ber Falco reden, solange irgendjemand etwas von ihrer Unterhaltung mitbekommen konnte. Also gingen er und Rione schweigend durch die Korridore, bis sie seine Kabine erreicht hatten. Erst als sich die T�r hinter ihnen geschlossen hatte, drehte sich Rione zu ihm um. �Dieser Mann stellt eine Gefahr dar.�</p><p>�Ich dachte, ich sei die Gefahr�, gab er m�rrisch zur�ck und lie� sich in seinen Sessel fallen.</p><p>�Ja, und zwar weil Sie intelligent sind. Von Captain Falco geht eine andere Art von Gefahr aus.�</p><p>�Wie Sie sich denken k�nnen, wei� ich gar nichts �ber ihn. Wollen Sie damit sagen, dass er dumm ist?�</p><p>Rione machte eine wegwerfende Geste. �Nein. Ihr Dauerkontrahent Captain Numos ist dumm. Seine Dummheit ist sogar so unglaublich konzentriert, dass mich wundert, dass er nicht seinen eigenen Ereignishorizont besitzt. Aber Captain Falco ist auf seine Art sehr gerissen.�</p><p>Geary gelang es, �ber die allzu zutreffende Bemerkung �ber Numos nicht zu lachen. �Kannten Sie Falco, bevor er in Gefangenschaft geriet?�</p><p>�Halten Sie mich ernsthaft f�r so alt?�, gab Rione verwundert zur�ck. �Captain Falco wurde vor �ber zwanzig Jahren gefangen genommen. �ltere Politiker erz�hlten mir von ihm, als ich Senatsmitglied wurde. Captain Falco war zum Zeitpunkt seiner Gefangennahme ein sehr ehrgeiziger und charismatischer Offizier, der in der Lage war, ein Blutbad als gro�artigen Sieg zu verkaufen. Er lie� auch verlauten, dass die Syndiks nur dann vernichtend geschlagen werden k�nnten, wenn wir bereit w�ren, unser angeblich wirkungsloses demokratisches System vor�bergehend zugunsten einer autokratischen Regierung aufzugeben, wie sie die Syndiks praktizieren.�</p><p>Kein Wunder, dass Falco gar nicht erst versucht hatte, Rione zu umschmeicheln. Selbst wenn ihm nicht aufgefallen sein sollte, was sie von ihm hielt, betrachtete er gew�hlte Politiker als Rivalen bei seinen Machtbestrebungen. Geary lachte humorlos auf. �Ich darf wohl annehmen, dass Captain Falco bei einer solchen autokratischen Regierung eine zentrale Rolle zukommen w�rde. Warum hat die Regierung ihn f�r eine solche Bemerkung nicht unehrenhaft entlassen?�</p><p>Rione seufzte. �Die Allianz suchte damals genauso verzweifelt nach Helden wie heute. Captain Falco schaffte es, gen�gend Senatoren so zu umgarnen, dass sie sich sch�tzend vor ihn stellten. Und er war ausgesprochen beliebt. Sie haben ihn ja eben da drau�en erlebt. Falco k�nnte eine Schlange �berreden, Vegetarier zu werden. Der regierende Rat f�rchtete sich vor der �ffentlichen Emp�rung, die Falcos Entlassung nach sich gezogen h�tte. Aber schlie�lich nahm seine Gl�cksstr�hne ein Ende, und er verschwand so spurlos wie viel zu viele von unseren Leuten. Dass die Flotte ihm nachtrauerte, habe ich nie verstanden, denn er hat mehr Allianz-Matrosen auf dem Gewissen als get�tete Syndiks auf seinem Konto. Die Allianz-Regierung war nicht sonderlich betr�bt, ihn los zu sein, auch wenn sie �ffentlich ihr Beileid aussprach.�</p><p>�Und jetzt ist er wieder da�, sagte Geary. �Ich kann verstehen, warum die Flotte ihn mochte. Er ist einer von diesen Leuten, die einem ein Messer in den R�cken jagen und dabei noch das Gef�hl ausl�sen, sie h�tten einem damit einen Gefallen getan.�</p><p>�Ich sagte doch, er ist charismatisch, oder nicht?�</p><p>�F�r meinen Geschmack viel zu charismatisch. Zu schade, dass mir kein Vorwand einf�llt, um ihn den Syndiks zur�ckzugeben.�</p><p>�Wenn mir einer einf�llt, werde ich es Sie wissen lassen.� Sie stand da und starrte gedankenverloren auf das Schott. �Captain Falco wird versuchen, Ihnen das Kommando abspenstig zumachen.�</p><p>�Daf�r hat er keine Grundlage�, erkl�rte Geary. �Ich habe mindestens achtzig Dienstjahre mehr auf dem Buckel.�</p><p>Rione l�chelte fl�chtig. �Das hat Captain Falco nicht gut aufgenommen.�</p><p>�Das ist mir nicht entgangen. Aber wenigstens hat mir diese Tatsache zur Abwechslung einmal Spa� gemacht.�</p><p>�Falco wird versuchen, Ihnen das Kommando �ber die Flotte streitig zu machen, Captain Geary, und die Vorschriften werden ihn dabei nicht k�mmern. Wenn Sie Captain Numos und seine Verb�ndeten bislang f�r gef�hrlich hielten, dann nehmen die sich nun neben Falco wie Chorknaben aus.�</p><p>�Danke f�r Ihre Einsch�tzung der Situation.� <emphasis>Die leider mit meiner absolut identisch ist.</emphasis> Rione schien seine Bemerkung mit Skepsis aufzunehmen, also bekr�ftigte er: �Ihr Urteil ist mir sehr wichtig, das ist mein Ernst. Ich bin wirklich dankbar daf�r, dass Sie mit der Flotte reisen.�</p><p>Eine Weile musterte sie ihn, ohne dass er ihre Miene zu deuten wusste. �Danke, Captain Geary.�</p><p>Nachdem Rione gegangen war, nahm sich Geary die Zeit, einen Blick auf die Aufzeichnungen von Captain Falcos Schlachten zu werfen. Als die im Gefechtssimulator gezeigt wurden, erkannte er schnell, wie zutreffend Riones Einsch�tzung war. Die Verluste, die Falco bei diesen angeblichen Siegen hatte hinnehmen m�ssen, waren erschreckend. Und seine Niederlagen waren mehr als einmal die Folgen von kapitalen Fehlern. Falco der K�mpfer? <emphasis>Schon kurios, dass der k�mpferische Captain so viele Schlachten �berlebt hat, w�hrend unz�hlige andere Allianz-Offiziere gefallen waren.</emphasis></p><p>Es gab auch Reden und Nachrichtenausschnitte, die einen viel j�ngeren Falco zeigten, wie er mit hochtrabender Rhetorik und scheinbar v�lliger �berzeugung die Zuh�rer in seinen Bann schlug. Einen Moment lang fragte Geary sich, ob er den Mann wohl falsch eingesch�tzt hatte, doch dann h�rte er genauer hin, was Falco erz�hlte. Erschrocken h�rte er genau das, was Rione gesagt hatte: Falco schob die Schuld am Verlauf des Krieges der Regierung in die Schuhe und kandidierte indirekt f�r die Rolle des alleinigen F�hrers. <emphasis>Ich frage mich, was passiert w�re, wenn die Syndiks Falco nicht in ihre Gewalt bekommen h�tten. Kein Wunder, dass Co-Pr�sidentin Rione so besorgt war, als ich das Kommando �bernahm. Sie dachte, ich w�rde mich wie Falco auff�hren. Aber zum Gl�ck stamme ich noch aus einer Zeit, als Flottenoffiziere so etwas schlicht nicht taten. Ich h�tte nie gedacht, dass jemand sich so benehmen w�rde wie er�� und damit auch noch erfolgreich sein k�nnte, indem er sich ans Volk wandte.</emphasis></p><p>Zwanzig Jahre. Desjani kannte Falco nur dem Ruf nach. Im ersten Moment schien sie begeistert zu sein, doch das �nderte sich sichtlich, als Falco ihm das Kommando streitig zu machen versuchte. Geary fragte sich, wie der Rest der Flotte zu diesem Mann stehen w�rde. Vor allem dann, wenn er und Falco offen um die Befehlsgewalt streiten sollten.</p><p><emphasis>Ich will nicht ewig das Kommando �ber diese Flotte am Hals haben, aber ich kann es auch nicht jemandem mit Falcos Vergangenheit �berlassen. Er w�rde sie in den Untergang f�hren und dann eine Presseerkl�rung herausgeben, welch gro�artigen Sieg er damit errungen hat. Und falls es ihm irgendwie gelingen sollte, ins Gebiet der Allianz zur�ckzukehren, dann w�rde er f�r die Regierung genau die Bedrohung darstellen, die Rione in ihm sieht.</emphasis></p><p><emphasis>Es sei denn, die Zeit im Arbeitslager hat aus ihm einen anderen Menschen gemacht. Ich darf den Mann so lange nicht vorverurteilen, bis ich wei�, wie sich diese Erfahrung auf ihn ausgewirkt hat.</emphasis></p><p>Das erinnerte ihn daran, dass er sich im Augenblick besser mit der aktuellen Situation seiner Flotte besch�ftigen sollte, anstatt sich �ber Falco Gedanken zu machen. Die Flotte verlie� Sutrah V und begab sich in den freien Raum oberhalb des Systems, wo keine Fallen der Syndiks auf sie lauern konnten, also gab es f�r die Schiffe keine akute Bedrohung. Selbst wenn vor einem der Sprungpunkte eine Syndik-Flotte auftauchen sollte, h�tten sie noch fast einen Tag Zeit, um sich darauf vorzubereiten. <emphasis>Aber was ist l�ngerfristig? Was hecken die Syndiks in diesem Moment aus, um dieser Flotte im n�chsten und im �bern�chsten Sternensystem Schaden zuzuf�gen?</emphasis></p><p>Geary rief das Display f�r diese Region des Alls auf und besch�ftigte sich lange Zeit damit, indem er im Geist die Flotte von einem Stern zum n�chsten springen lie� und alle zur Auswahl stehenden Ziele ansteuerte. Aber egal, wie er vorging, er gelangte stets zur gleichen unerfreulichen Schlussfolgerung. So erging es ihm schon, seit die Flotte in Sutrah eingetroffen war, und er fand nie eine andere L�sung. Auch ohne Simulationen durchzuf�hren, sagte sein Instinkt ihm, dass sich das Netz der Syndiks immer enger um die Flotte zog. Entkommen konnte er dem Feind nur, wenn er etwas so Unwahrscheinliches tat, das die Syndiks es nicht einmal in Erw�gung ziehen w�rden. Was war so unwahrscheinlich, dass es nicht zugleich auch selbstm�rderisch war?</p><p>Sein Blick kehrte immer wieder zu einem Stern zur�ck. Sancere.</p><p><emphasis>Nein, das ist verr�ckt.</emphasis></p><p><emphasis>Ist es verr�ckt genug, dass die Syndiks nicht glauben werden, ich k�nnte die Flotte dorthin bringen?</emphasis></p><p><emphasis>Vielleicht. Ich bin mir sicher, die Syndiks sind davon �berzeugt, dass es nicht auf die Art erfolgen kann, die mir vorschwebt. Aber da irren sie sich. Ich wei� n�mlich einen Weg.</emphasis></p><p><emphasis>Die Frage ist nur, wie �berzeuge ich die Flotte davon, mir nach Sancere zu folgen?</emphasis></p></section><section><title><p>Drei</p></title><p>Die T�rglocke zu Gearys Kabine wurde bet�tigt und lie� ihn hochschrecken. �berrascht stellte er fest, wie viel Zeit er damit verbracht hatte, �ber die n�chsten Schritte seiner Flotte nachzudenken. Er aktivierte auch das Flottendisplay und �berpr�fte die aktuelle Position im Sutrah-System. Wie geplant hatte die Flotte Sutrah V hinter sich gelassen und folgte jetzt einem Kurs bis zu dem Punkt, an dem ihr zwei Sprungpunkte im System zur Verf�gung standen. Nur noch eine Stunde, bis die kinetischen Waffen sich auf den Weg machten, um die beiden bewohnten Welten zu bombardieren. Es gab keinen Grund zur Eile, da weder die beiden Planeten noch die anvisierten Ziele ihnen entkommen konnten. �Herein�, rief Geary.</p><p>Captain Falco hatte es sehr schnell bewerkstelligt, sich eine neue Uniform mit all den Abzeichen und Ehrungen zu beschaffen, die zu tragen er offenbar berechtigt war. Er hatte sich auch die Haare schneiden lassen, dennoch fiel Geary auf, dass der forsche junge Mann aus den alten Berichten nicht blo� um zwanzig Jahre gealtert war, sondern durch die Entbehrungen im Arbeitslager der Syndiks deutlich �lter wirkte. Falco l�chelte ihn freundlich und selbstbewusst an und sah damit genauso aus wie in den alten Aufzeichnungen, die Geary sich angesehen hatte. �Ich bin mir sicher, Sie w�rden gern mit mir �ber unsere Optionen f�r die k�nftige Vorgehensweise reden�, erkl�rte Falco g�nnerhaft. �Meine Expertise und meine F�hrungsqualit�ten stehen Ihnen selbstverst�ndlich zur Verf�gung.�</p><p>In Wahrheit war er nicht mal auf die Idee gekommen, irgendetwas mit Falco zu besprechen. <emphasis>Vor allem, weil ich von Ihrer Expertise gar nichts halte und Ihre F�hrungsqualit�ten mich �berhaupt nicht beeindrucken.</emphasis> Dennoch nickte Geary ihm h�flich zu. �Es wird in K�rze eine Flottenkonferenz stattfinden.�</p><p>�Ich meinte unter vier Augen�, stellte Falco klar. �Es ist doch immer besser, sich vor der Schlacht einen Schlachtplan zurechtzulegen, nicht wahr? Ein guter F�hrer wie Sie wei� das, und ich habe eine Menge dar�ber geh�rt, was Sie mit dieser Flotte geleistet haben. Aber selbst der beste Befehlshaber kann nicht auf das Wissen f�higer Leute verzichten, die ihn unterst�tzen. Daher habe ich mir die Zeit genommen, die Position unserer Flotte zu beurteilen und einen Plan f�r unsere weitere Vorgehensweise auszuarbeiten.�</p><p>So viel Lob machte Geary skeptisch, und er begann zu gr�beln, was der Mann beabsichtigte. �Das ging aber schnell.�</p><p>Den unterschwelligen Sarkasmus schien Captain Falco nicht zu bemerken, da er sich hinsetzte und auf das Display zeigte, das die Umgebung des Sutrah-Systems darstellte. �Ich sage Ihnen, was wir tun sollten. Der direkte Weg ins Allianz-Gebiet f�hrt �ber Vidha. Von dort ��</p><p>�Vidha verf�gt �ber ein Hypernet-Portal der Syndiks�, unterbrach Geary ihn sofort. �Da das unser wahrscheinlichstes Ziel ist und die Syndiks dort schnell ihre Truppen zusammenziehen k�nnen, wird uns dort erheblicher Widerstand begegnen, ganz abgesehen davon, dass die Sprungpunkte massiv vermint sein werden.�</p><p>Falco runzelte wieder die Stirn, was bei ihm automatisch der Fall zu sein schien, sobald er in seinem Redefluss gestoppt wurde. Er bekam sich aber gleich wieder in den Griff und spielte den respektvollen Kollegen. �Diese Flotte kann jeden Syndik-Widerstand �berwinden�, erkl�rte er. �Das muss ich einem Befehlshaber wie <emphasis>Ihnen</emphasis> wohl nicht erst noch sagen. Diese Flotte hat die Initiative ergriffen und befindet sich in einer Vorw�rtsbewegung, die jetzt nicht gebremst werden darf. <emphasis>Sie</emphasis> wissen, wie wichtig es ist, den Feind weiterhin dazu zu zwingen, auf unsere Schachz�ge zu reagieren. Also, von Vidha aus ��</p><p>�Wir fliegen nicht nach Vidha.� Da Falco nicht f�hig zu sein schien, Andeutungen zu begreifen, musste Geary seine Einstellung deutlich zum Ausdruck bringen�� obwohl er eine gewisse Bewunderung f�r Falcos Art empfand, seine eigenen Ideen so zu formulieren, dass ein vern�nftiger Befehlshaber wie Geary eigentlich gar nichts dagegen einwenden konnte.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis Gearys Worte zu seinem Gegen�ber durchdrangen. Unerwartete Entwicklungen schienen den Mann auf eine Weise aus dem Konzept zu bringen, dass Geary nur staunen konnte. War es nur gespielt, um seine Kontrahenten zu t�uschen, damit sie ihn untersch�tzten? In den alten Unterlagen war Geary auf keine Hinweise gesto�en, die eine solche Taktik erw�hnten.</p><p>Schlie�lich sch�ttelte Captain Falco den Kopf. �Mir ist klar, dass uns bei Vidha Syndik-Streitkr�fte erwarten werden. So wie wir sehen die Syndiks Vidha auch als die einzige vern�nftige Alternative an.�</p><p>Dass er Begriffe wie �wir� und �uns� einflie�en lie�, war ebenfalls eine kluge Taktik, musste Geary dem Mann zugestehen.</p><p>�Von dort gelangen wir nicht nur z�gig zur�ck ins Allianz-Gebiet, wir bekommen auch die Gelegenheit, die bei Vidha lauernden Syndiks vernichtend zu schlagen.�</p><p>�Ich betrachte das eher als eine Gelegenheit, barfu� in einen Korb voller Skorpione zu steigen�, hielt Geary dagegen. �Unsere beste Wahl ist immer noch die, dann einen Kampf zu beginnen, wenn wir den Ort und den Zeitpunkt bestimmen k�nnen. Wenn wir nach Vidha reisen, bestimmen die Syndiks dar�ber. Bei Vidha k�nnen wir bestenfalls damit rechnen, massive Verluste zu erleiden und alle �berlebenden im n�chsten System zur leichten Beute f�r den Feind zu machen, wenn wir �berhaupt noch eines erreichen.�</p><p>Falco zog die Augenbrauen zusammen und machte eine lange Pause, um Gearys Worte zu verarbeiten. �Ich verstehe. Sie betrachten das Ganze unter dem materiellen Gesichtspunkt.� Er lie� es klingen, als sei das eine fehlgeleitete, wenn auch nicht v�llig unvern�nftige Einstellung.</p><p>�Materieller Gesichtspunkt?�, wiederholte Geary. �Sie meinen Dinge wie Anzahl und die Art der Gegner? Eingerichtete Minenfelder? Feste Verteidigungsanlagen, die nur darauf warten, die mobilen Einheiten zu unterst�tzen?�</p><p>�Ja, genau�, meinte Falco strahlend und lie� Bewunderung f�r Gearys Verst�ndnis erkennen. �Das sind v�llig zweitrangige Faktoren. <emphasis>Sie</emphasis> wissen das! <emphasis>Sie</emphasis> sind Black Jack Geary! Die Moral steht in einem Verh�ltnis von drei zu eins zum Material! Mit uns als Befehlshabern �� Falco z�gerte und l�chelte gut gelaunt. �Mit Ihnen als Befehlshaber und mit mir an Ihrer Seite besitzt diese Flotte eine �berw�ltigende moralische �berlegenheit. Die Syndiks werden in heller Aufregung die Flucht ergreifen, und wir werden keine Schwierigkeiten haben, sie zu zermalmen.�</p><p>Geary fragte sich, ob er sich einfach nicht anmerken lassen wollte, wie entsetzt er war. Die Feuerkraft zu einem zweitrangigen Faktor nach der Moral zu erkl�ren! Zugegeben, die Moral z�hlte auch, aber seit Geary das Kommando �bernommen hatte, waren ihm die Syndiks nicht als so schlecht ausgebildet und so unmotiviert erschienen, dass sie sich von der Allianz-Flotte in Panik versetzen lassen w�rden. �Captain Falco, diese Flotte hat bei Kaliban gegen eine erhebliche Syndik-Streitmacht gek�mpft. Sie hat nicht besonders gut gek�mpft, aber sie hat gek�mpft.�</p><p>�Ich habe mir die Aufzeichnungen dieser Schlacht angesehen�, merkte Falco an. �F�r Ihre Anstrengungen sind Sie wirklich zu begl�ckw�nschen. Aber sehen Sie doch nur, wie wenige unserer Schiffe wir verloren haben! Die Syndiks haben so schlecht gek�mpft, weil unsere moralische Kraft sie �berw�ltigt hat!�</p><p>�Die Syndiks wurden �berw�ltigt, weil wir zahlenm��ig �berlegen waren und weil wir alte Taktiken eingesetzt haben, auf die sie nicht vorbereitet waren�, berichtigte Geary ihn. �Bislang habe ich immer wieder erleben m�ssen, dass die Syndiks sogar dann k�mpfen, wenn sie hoffnungslos unterlegen sind und wenn der gesunde Menschenverstand ihnen vorschreibt, dass man besser keine Flotte herausfordert, die in der Lage ist, ganze Planeten zu zerst�ren.�</p><p>�Niemand hat gesagt, dass die Syndiks schlau sind�, tat Falco mit einem erneuten L�cheln kund. �Unser Ziel ist es, die Syndik-Flotte in einen Kampf zu verwickeln und dabei auszul�schen. Wenn die blindlings in ihr Verderben laufen wollen, kommt uns das nur umso gelegener.�</p><p>�<emphasis>Mein</emphasis> Ziel ist, diese Flotte so vollst�ndig wie m�glich nach Hause zu bringen�, machte Geary ihm klar. Einen Moment lang �berlegte er, ob er Falco von dem Hypernet-Schl�ssel erz�hlen sollte, der sich an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> befand, verwarf diesen Gedanken aber gleich wieder. Nach allem, was er bislang von dem Mann zu sehen und zu h�ren bekommen hatte, wollte er Falco einfach nicht eine so heikle Information anvertrauen. �Ich hoffe, wir k�nnen den Syndiks dabei erheblichen Schaden zuf�gen, aber das oberste Ziel ist und bleibt, diese Flotte heimzubringen.�</p><p>Falco starrte Geary an und war diesmal offenbar richtig schockiert. �Sie k�nnen doch nicht eine solche Gelegenheit zum K�mpfen ungenutzt verstreichen lassen!�</p><p>Geary stand auf und ging langsam in seiner Kabine auf und ab, ohne den anderen Captain anzusehen. �Warum nicht?�</p><p>�Das ist � das ist eine Allianz-Flotte!�</p><p>�Ganz genau.� Er warf Falco einen ausdruckslosen Blick zu. �Und ich habe nicht vor, sie grundlos in ihren Untergang zu f�hren. Damit w�rden wir nur den Syndiks einen Gefallen tun. Wie ich bereits erw�hnte, k�mpfe ich nach M�glichkeit immer nur, wenn und wo ich es will.�</p><p>�Aber Sie sind Black Jack Geary!�</p><p>�Ich bin John Geary, und ich werde weder die Schiffe dieser Flotte noch ihre Besatzungsmitglieder einem Risiko aussetzen.�</p><p>Falco hatte den Schock �berwunden und setzte eine verbohrte Miene auf. �Das ist unglaublich. Wenn die Befehlshaber unserer Schiffe abstimmen ��</p><p>�Es wird nicht dar�ber abgestimmt, welche Ma�nahmen in dieser Flotte ergriffen werden, Captain Falco.�</p><p>Das schien den Mann noch mehr zu ersch�ttern als alles, was Geary bislang gesagt hatte. Er war mittlerweile davon �berzeugt, dass Falcos Geschick, so wie das von Admiral Bloch, sich ganz auf ein politisches Taktieren konzentrierte, um den Ausgang solcher Abstimmungen zu seinen Gunsten zu manipulieren. Vermutlich hatte Falco seine gr��ten Siege am Konferenztisch errungen, aber nicht auf dem Schlachtfeld. Auf einmal redete Falco langsam weiter, als sei es ihm wichtig, dass Geary etwas begriff. �Die Tradition verlangt, dass die Weisheit und die Erfahrung eines jeden Schiffskommandeurs bei der Entscheidung �ber die Vorgehensweise der Flotte eine Rolle spielen.�</p><p>�Tradition?� Kopfsch�ttelnd ging Geary erneut hin und her. �Ich glaube, ich wei� besser als Sie dar�ber Bescheid, welche Tradition bei dieser Flotte einmal gez�hlt hat. Versuchen Sie es mal mit Vorschriften, mit Ordnung und Disziplin. Ich bin der Befehlshaber dieser Flotte, Captain Falco. Ich werde mir jeden Rat und jeden Vorschlag anh�ren, der mir unterbreitet wird, aber am Ende entscheide ich dar�ber, was diese Flotte macht oder was sie unterl�sst.�</p><p>�Sie m�ssen den Kommandanten dieser Flotte mit dem angemessenen Respekt begegnen!�</p><p>Geary nickte. �In dem Punkt sind wir uns einig, aber das hei�t nicht, dass ich deswegen meine Verantwortung und meine Pflicht vernachl�ssige, wichtige Entscheidungen zu treffen.�</p><p>�Ich muss darauf bestehen, dass die Kommandoprozeduren befolgt werden, die diese Flotte im Angesicht eines unendlichen Krieges entwickelt hat.� Falco wirkte stur und stolz, da er in diesem Punkt nicht nachgeben wollte. Geary erkannte, dass der Mann auf die gleiche Weise in den Kampf gezogen war, wenn er nicht einsehen wollte, dass ein Frontalangriff sinnlos war. Bemerkenswert daran war, wie offen er diese Einstellung vertrat. Falco glaubte allen Ernstes, seine Methode sei die richtige.</p><p>Also brachte Geary seinen Tonfall unter Kontrolle und erkl�rte ruhig: �Ich habe gro�en Respekt vor den Offizieren, an deren Seite ich diene. Ich habe ebenfalls gro�en Respekt vor den Traditionen der Flotte. Ich bin aber auch verpflichtet, meine Aufgaben zu erf�llen, wie sie durch die Regeln und Vorschriften der Flotte bestimmt werden. Mit diesen Regeln und Vorschriften habe ich mich eingehend besch�ftigt, und die sagen nichts dar�ber aus, dass Entscheidungen des Befehlshabers durch eine Abstimmung best�tigt werden m�ssen.�</p><p>�Es geht hier nicht um stures Festhalten an Regeln, die angesichts der Bedrohung, der wir gegen�berstehen, hoffnungslos veraltet sein k�nnten�, konterte Falco.</p><p>Geary kam dieser Spruch bekannt vor. Falco hatte sich vor seiner Gefangennahme durch die Syndiks so oder �hnlich bei zahlreichen Anl�ssen ge�u�ert, und �blicherweise waren diese Bemerkungen gegen die Regierung der Allianz gerichtet gewesen. �Ob es Ihnen gef�llt oder nicht, Captain Falco, ich habe auch Respekt f�r diese �berholten Regeln, und ich bestehe darauf, dass die Flotte sie auch befolgt.�</p><p>�Ich wiederhole, ich bestehe darauf ��</p><p>�Sie besitzen keine Autorit�t, auf irgendetwas zu bestehen. Ich bin der dienst�lteste Offizier in dieser Flotte, und ich habe das Kommando. Ich halte nichts von Befehlsstrukturen, die auf Abstimmungen beruhen, und ich werde diese Prozeduren nicht anwenden. Das ist mein letztes Wort.� Falco wollte zum Reden ansetzen, aber Geary brachte ihn mit einem eindringlichen Blick zum Schweigen. �Sie haben Ihren Vorschlag unterbreitet. Gibt es sonst noch etwas?�</p><p>Schlie�lich stand Falco auch auf, sein Gesicht war rot angelaufen. �Ich habe mir Ihren Plan angesehen, mit dem Sie Vergeltung �ben. Diese erste kinetische Salve, mit der Sie die beiden bewohnten Welten in diesem System bombardieren wollen, wird viele wichtige Ziele verschonen. Wir m�ssen alles vernichten, was den Syndiks in diesem System n�tzt.�</p><p>�Ich lasse industrielle und milit�rische Einrichtungen ebenso zerst�ren wie Regierungsgeb�ude, Captain Falco.�</p><p>�Sie lassen viele Syndik-Arbeiter am Leben, die so weiterhin f�r die Syndikatwelten aktiv sein k�nnen. Deren F�higkeit, die Kriegsanstrengungen der Syndiks zu unterst�tzen, muss dauerhaft unterbunden werden.�</p><p>�Dauerhaft unterbunden?�, gab Geary zur�ck. �Ist das eine Umschreibung daf�r, dass wir sie umbringen sollen?�</p><p>Falco sah ihn ungl�ubig an. �In diesem Krieg geht es um alles, woran wir glauben, Captain Geary. Wir k�nnen nicht zulassen, dass gesetzliche Spitzfindigkeiten uns daran hindern, alles zu tun, was getan werden muss, um unser Zuhause und unsere Familien zu sch�tzen.�</p><p>�Gesetzliche Spitzfindigkeiten? So nennen Sie das? Und Sie glauben, die sind das Einzige, was uns davon abh�lt, die Zivilbev�lkerung dieser beiden Welten abzuschlachten, Captain Falco?�, fragte Geary in einem tr�gerisch ruhigen Tonfall.</p><p>Falco schien die Frage zu verbl�ffen, und er antwortete darauf, als h�tte er ein Kleinkind vor sich. �Die sind ein Teil der Kriegsmaschinerie der Syndiks. Nur wenn wir alle Aspekte ihrer Macht zerschlagen, k�nnen wir siegen.�</p><p>�Und Sie sind der Ansicht, dass ein solches Handeln f�r alles steht, woran wir glauben? Dass unsere Vorfahren einen Massenmord guthei�en werden?�</p><p>�Die Syndiks haben Schlimmeres verbrochen!�</p><p>�Und deshalb k�mpfen wir gegen sie, nicht wahr?� Geary beschrieb mit seiner Hand energische Gesten. �Ich werde Grausamkeiten weder selbst begehen noch zulassen, dass ein anderer sie begeht, solange ich das Kommando habe. Es wird nur eine Salve auf diese beiden Welten abgefeuert, um die Aktionen der Syndiks gegen unsere Flotte zu vergelten. Die Ziele sind industrielle, milit�rische und Regierungseinrichtungen. Punkt.�</p><p>Falco schien zwischen Erstaunen und Entr�stung zu schwanken. �Ich hatte davon geh�rt, dass Sie gefangene Syndiks verschont haben, aber ich h�tte nicht geglaubt, Sie k�nnten so weich sein.�</p><p>�Weich?� Der Begriff �rgerte Geary nicht, sondern am�sierte ihn. �Ich habe kein Problem damit, gegen Syndik-Milit�rs zu k�mpfen. Wenn Sie sich wirklich damit besch�ftigt haben, was bei Kaliban geschehen ist, dann sollte Ihnen das klar sein. Was die Behandlung von Kriegsgefangenen angeht, h�tte ich gedacht, dass Ihnen durch Ihre letzten beiden Jahrzehnte in Gefangenschaft bewusst geworden w�re, was es hei�t, mit Kriegsgefangenen nach dem Kriegsrecht zu verfahren.� Er hielt inne, da er erkannte, dass es zu nichts f�hrte, wenn er Falco noch l�nger Kontra gab. Aber ihm war auch klar, dass Falco jede Schw�che nutzen w�rde, die er bei seinem Gegner zu erkennen glaubte. �Ich wurde ausgebildet, um Dinge auf eine Weise zu erledigen, die irgendwann in Vergessenheit gerieten, Captain Falco. Ich habe diese Ausbildung aus der Vergangenheit mitgebracht, damit ich dieser Flotte helfen kann, besser zu k�mpfen. Ich habe auch eine Einstellung mitgebracht, die von manchen als veraltet angesehen wird. Aber ich glaube an diese Einstellung, und ich glaube, sie wird die Flotte st�rken.�</p><p>Falco sah ihn mit starrer Miene an. �Das sagen Sie.� Es kostete ihn sichtlich M�he, sich unter Kontrolle zu bekommen. �Vielleicht sollten wir noch einmal von vorn anfangen.�</p><p>Geary nickte. �Keine schlechte Idee.�</p><p>�Wir wollen beide das Gleiche�, begann er und l�chelte wieder gef�llig, w�hrend Geary sich fragte, was Falco unter diesem �Gleichen� verstand. �Gemeinsam k�nnen wir viel erreichen.�</p><p>�F�r die Allianz?�, hakte Geary nach.</p><p>�Ja, nat�rlich. Aber die Allianz ben�tigt starke F�hrungskr�fte! Das k�nnen wir f�r die Allianz sein.� Falco sch�ttelte den Kopf und seufzte theatralisch. �Sie sehen ja, wie sich die Dinge heutzutage gestalten. Der Zustand der Flotte. Die Leute, die der Flotte Befehle geben. Diese Rione. Eine Allianz-Senatorin, die die Flotte begleitet. Als ob wir Politiker br�uchten, die uns �ber die Schulter schauen, ob wir unsere Arbeit auch ja richtig machen! Ich h�rte, dass diese Frau Ihnen das Leben schwer macht, und ich habe auch nichts anderes vermutet.�</p><p>Geary versuchte, eine nichtssagende Miene zu machen. �Das haben Sie geh�rt?�</p><p>�Von vielen Seiten. Aber nat�rlich k�nnen wir zusammenarbeiten und ihren Einfluss neutralisieren.�</p><p>�Interessante Idee�, sagte Geary so unbeteiligt, wie er nur klingen konnte. Ihm wurde bewusst, dass Falco das gleiche Gespr�ch wom�glich bereits mit der Co-Pr�sidentin gef�hrt hatte, um sich bei ihr �ber Gearys Anwesenheit zu beklagen und ihr vorzuschlagen, gemeinsam gegen ihn zu arbeiten. Er fragte sich, ob Rione ihm davon etwas sagen w�rde, falls er sie darauf ansprach.</p><p>Falco beugte sich vor und hob den Zeigefinger. �Wenn diese Flotte in Allianz-Gebiet zur�ckkehrt, dann k�nnen ihre Anf�hrer selbst �ber ihre eigene Zukunft bestimmen. Das ist Ihnen sicher klar. Uns bietet sich die historische Gelegenheit, die Richtung vorzugeben, wie die Allianz diesen Krieg vorantreiben und wie sie Entscheidungen treffen soll. Dadurch wird es uns m�glich, die Bedingungen zu schaffen, die diesem Krieg ein Ende bereiten werden. Sie werden jemanden an Ihrer Seite ben�tigen, der mit den aktuellen Verh�ltnissen vertraut ist. Jemand, der Ihnen hilft, sich gegen die Politiker zur Wehr zu setzen, die alles Menschenm�gliche getan haben, um die Allianz in den Ruin zu treiben und sie hilflos den Syndiks zu �berlassen.�</p><p>Geary sah ihn einfach nur an, ohne eine Miene zu verziehen. <emphasis>Warum werde ich das Gef�hl nicht los, dass Captain Falco bei der R�ckkehr ins Allianz-Gebiet eine Presseerkl�rung herausgeben wird, in der er sich diesen Erfolg zuschreibt und mich bestenfalls auf eine Nebenrolle reduziert?</emphasis> �Captain Falco, Sie haben eine Weile in einem Arbeitslager der Syndiks zugebracht. Ihr eigenes Wissen �ber die aktuellen Verh�ltnisse hinkt der Realit�t zwanzig Jahre hinterher.�</p><p>Falcos L�cheln hatte jetzt nicht nur etwas Vertrauliches, sondern auch etwas Verschw�rerisches. �Ich habe Freunde, die mich umgehend auf den neuesten Stand bringen k�nnen. Immerhin habe ich deutlich weniger Jahrzehnte nachzuholen als Sie, nicht wahr?�</p><p>�Captain Falco, ich bin f�r jeden n�tzlichen Ratschlag dankbar. Aber meine vorrangige Aufgabe ist es, diese Flotte sicher nach Hause zu bringen. Wenn wir dort angekommen sind, werde ich die Flotte der gew�hlten F�hrung der Allianz �bergeben, ganz gleich, was ich von deren Entscheidungen halte. Wenn ich rechtm��ige Entscheidungen der Allianz-F�hrung nicht guten Gewissens mittragen kann, dann ist es meine Pflicht, von meinem Posten in dieser Flotte zur�ckzutreten.�</p><p>�Der Erhalt der Allianz ist wichtiger als irgendwelche Vorrechte von Politikern�, meinte Falco abf�llig.</p><p>�Captain Falco, in der Zeit, aus der ich komme, bedeutete der Erhalt der Allianz, dass man das bewahrte, wof�r die Allianz stand: den Erhalt der individuellen Rechte und des Wahlrechts.� Falco gab sich erkennbar M�he, nicht schon wieder die Stirn in Falten zu legen. �Ich m�chte weiterhin auf konstruktive Weise mit Co-Pr�sidentin Rione zusammenarbeiten. Und ich hoffe darauf, dass Sie hinter all meinen Entscheidungen stehen.�</p><p>Falco musterte ihn mit einem Hauch von Skepsis in seinen Augen, obwohl er unver�ndert l�chelte. �Ein solcher R�ckhalt hat seinen Preis.�</p><p>Na, was f�r eine �berraschung! �Ich f�rchte, ich kann Ihnen im Gegenzug nicht mehr bieten als das Wohlergehen der Flotte und der Allianz.�</p><p>�Das ist alles, was mich interessiert!� Es klang ehrlich, und vermutlich war es auch so gemeint. Falco glaubte, er k�nne die Allianz retten und bessere Entscheidungen treffen als die gew�hlten F�hrer der Allianz. �Die Allianz braucht eine starke F�hrungspers�nlichkeit. Ich muss wissen, ob Ihr Handeln kurz- und langfristig dem Wohl der Allianz dienen wird, und im Augenblick habe ich ehrlich gesagt das Gef�hl, dass Ihnen nicht klar ist, wie dramatisch sich die Lage in den vielen Jahren zugespitzt hat, die Sie im K�lteschlaf verbrachten.�</p><p>Es war leichter gewesen, Falco f�r einen Opportunisten zu halten. Stattdessen jedoch wurde er allem Anschein nach von der ehrlichen �berzeugung angetrieben, dass nur er allein die Allianz retten konnte. In gewisser Weise machte ihn das zu einem noch gef�hrlicheren Mann, �berlegte Geary. Niemand sonst konnte an sein Idealbild von der besten F�hrungspers�nlichkeit heranreichen, weil dieser Posten in seiner Welt ausschlie�lich f�r Falco reserviert war. Und genauso konnte auch niemand etwas richtig machen, wenn Falco etwas dagegen einzuwenden hatte.</p><p>Geary versuchte, so sachlich wie m�glich zu reden. �Ich verstehe, dass Sie um das Wohlergehen der Allianz besorgt sind. Wir m�gen auch von Zeit zu Zeit geteilter Meinung sein, was die richtige Vorgehensweise betrifft. Aber das Schicksal und mein Dienstgrad haben mich zum Befehlshaber dieser Flotte gemacht. Ich kann nicht guten Gewissens meine Pflicht gegen�ber der Flotte und der Allianz leugnen, die von mir verlangt, dass ich alles tue, um sie zu f�hren. Ich denke, wir sind einer Meinung, dass es f�r den weiteren Kriegsverlauf wichtig ist, die Flotte in Allianz-Gebiet zur�ckzubringen, und ich danke Ihnen f�r Ihre Unterst�tzung, dieses Ziel Wirklichkeit werden zu lassen.�</p><p>Wieder war Falco ernst geworden. �Sie erwarten von mir, dass ich tatenlos zusehe, wie Sie Gelegenheiten ungenutzt lassen, um den Syndikatwelten vernichtende Schl�ge zuzuf�gen? Und das, w�hrend die Flotte durch abgelegene Systeme schleicht, anstatt die Konfrontation mit dem Feind zu suchen? W�hrend ahnungslose, unerfahrene Politiker uns vorschreiben wollen, wie wir diesen Krieg zu f�hren haben?�</p><p>�Nichts davon entspricht den Tatsachen�, gab Geary zur�ck. �Wir stellen uns dem Feind, wir sind auf dem Heimweg, und Co-Pr�sidentin Rione mischt sich nicht in die Entscheidungen ein, die ich f�r diese Flotte treffe.�</p><p>�Langer K�lteschlaf bleibt nicht folgenlos�, erkl�rte Falco in einem so bissigen Tonfall, dass er es mit Captain Faresa h�tte aufnehmen k�nnen. �Er wirkt sich auf das Urteilsverm�gen aus.�</p><p>�Und Ihr Urteilsverm�gen ist absolut tadellos?�, fragte Geary. �Haben Sie jemals einen Fehler gemacht, Captain Falco? Jemals?�</p><p>Falco sah ihn mit unverhohlener Feindseligkeit an. �Es gab Zeiten, da habe ich manchen Untergebenen zu sehr vertraut, aber mir pers�nlich ist es immer gelungen, kapitale Fehler zu vermeiden. Und deshalb sollte ich derjenige sein, der diese Flotte befehligt. Ich werde versuchen, meine Kameraden von dieser Tatsache zu �berzeugen.�</p><p>�Ich verstehe.� Einen Moment lang fragte sich Geary, was wohl passieren w�rde, wenn Leute, die an perfekte Helden glaubten, mit einem Mann zusammenkamen, der sich selbst f�r perfekt hielt. Die Vorstellung hatte etwas Erschreckendes an sich. �Captain Falco, ich habe hier einen Job zu erledigen, und die damit verbundene Verantwortung nehme ich sehr ernst. Ihre Pflicht gegen�ber der Allianz besteht darin, meine Bem�hungen zu unterst�tzen. Ich werde es nicht tolerieren, wenn Sie versuchen sollten, mich in meiner Arbeit zu behindern oder meine Befehlsgewalt zu unterh�hlen. Falls Sie das tun, werde ich daf�r sorgen, dass Sie es bereuen. Zweifeln Sie nicht meine Ehre an, Captain Falco. Es mag sein, dass sie etwas Altmodisches ist, aber ich nehme sie sehr ernst.�</p><p>Falco starrte Geary sekundenlang an, dann machte er auf dem Absatz kehrt und st�rmte zur T�r. �Captain Falco.� Mitten in der Bewegung hielt er inne und wartete, was Geary von ihm wollte. �Sie d�rfen jetzt wegtreten.� Zwar konnte er Falcos Gesicht nicht sehen, aber ihm entging nicht, wie sich sein Genick dunkelrot verf�rbte.</p><p>Er wirbelte zu Geary herum, im gleichen Moment �ffnete sich die Luke und gab den Blick frei auf Rione, die drau�en stand und im Begriff gewesen war, die T�rglocke zu bet�tigen.</p><p>Sie blieb dort stehen, w�hrend Falco eine unverhohlene Drohung aussprach, ohne dass er Rione bemerkt hatte. �Diese Flotte verdient einen Befehlshaber, dessen Tapferkeit und K�hnheit es mit der ihrer Matrosen aufnehmen kann. Wenn Sie kein solcher Befehlshaber sein k�nnen, dann wird sich diese Flotte einen neuen suchen.� Er drehte sich weg, erstarrte kurz, als er Rione erblickte, und st�rmte dann wortlos an ihr vorbei nach drau�en.</p><p>Rione sah Geary interessiert an. �Und? Ist Ihre Besprechung angenehm verlaufen?�</p><p>�Sehr witzig. Was f�hrt Sie zu mir zur�ck?�</p><p>�Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass Captain Falco mir gegen�ber Zweifel angemeldet hat, ob Sie tats�chlich im Interesse der Allianz handeln�, lie� sie ihn wissen.</p><p>�Bei mir hat er sich in ganz �hnlicher Weise �ber Sie ausgelassen�, erwiderte Geary.</p><p>�Und �ber einiges andere auch noch, darf ich annehmen�, sagte Rione. �Jetzt wissen Sie, woran Sie bei ihm sind.� Mit diesen Worten verlie� sie ihn gleich wieder.</p><p>Geary schloss die Augen und rieb sich die Stirn in dem vergeblichen Bem�hen, sich zu entspannen. Die Luke schloss sich, und er setzte sich wieder hin. Nachdem er eine Weile mit den Fingern auf die Armlehne getrommelt hatte, rief er Captain Desjani. �H�tten Sie Zeit, in meine Kabine zu kommen? Ich w�rde gern ein paar Dinge mit Ihnen besprechen.�</p><p>Wenige Minuten sp�ter war sie bereits eingetroffen und warf ihm einen fragenden Blick zu. �Sie wollten mit mir unter vier Augen sprechen, Sir?�</p><p>�Ja.� Geary deutete auf einen Sessel, in dem sie so steif Platz nahm, als sitze sie in Habtachtstellung da. Ich muss wissen, was andere Offiziere denken. �Captain, ich w�sste gern Ihre ehrliche Meinung �ber Captain Falco.�</p><p>Desjani z�gerte. �Genau genommen steht Captain Falco �ber mir.�</p><p>�Ja, aber Sie haben den gleichen Dienstgrad, und er wird diese Flotte nicht befehligen.�</p><p>Nun schien sie etwas ruhiger zu werden. �Captain Falco ist mir nur seinem Ruf nach ein Begriff, und ich kenne die Geschichten, die �ltere Offiziere �ber ihn erz�hlen, Sir.�</p><p>�Ich habe den Eindruck gewonnen, dass er gut angesehen ist.�</p><p>�Ja, im Sinne eines toten Helden. Captain Falco wurde als ein inspirierendes Beispiel angesehen.� Sie verzog den Mund. �Wollen Sie, dass ich offen spreche, Sir?� Geary nickte. �Wenn Black Jack Geary in der Flotte den Ruf genie�t, ein Gott zu sein, dann wird Falco der K�mpfer als Halbgott angesehen. Die Offiziere loben seinen Kampfgeist und seine gesamte Einstellung.�</p><p>Wieder nickte Geary und dachte �ber die Ironie nach, dass die beiden Eigenschaften, die an Falco bewundert wurden, genau die waren, die er an dem Mann �berhaupt nicht ausstehen konnte. �H�lt man ihn immer noch f�r einen guten Befehlshaber?�</p><p>Desjani dachte sekundenlang nach. �Wenn ein anderer Captain als Sie das Kommando �ber die Flotte h�tte, dann w�re Captain Falco sehr wahrscheinlich bereits der neue Befehlshaber.�</p><p>�Wie w�rde Ihnen das gefallen?�</p><p>Abermals verzog sie den Mund. �Irgendwann habe ich mich daran gew�hnt, mit einem Commander zusammenzuarbeiten, der nicht darauf aus ist, dass ich auf der Flottenkonferenz f�r seine Vorschl�ge stimme, Sir. Wenn Sie sich erinnern, Sir, Sie hatten mich gelobt, als wir im Shuttlehangar standen. Das hat mir sehr viel bedeutet, weil Sie in der Lage sind, mich und mein Schiff beurteilen zu k�nnen. Als Captain Falco sein Lob aussprach �, da wusste ich, das hatte ich mir nicht verdient. Der Kontrast war sehr deutlich: Ein Commander respektiert meine Arbeit, ein anderer will mir nur schmeicheln, um mich sp�ter zu benutzen.�</p><p>Geary dankte insgeheim jenem Impuls, der ihn zu seinen �u�erungen veranlasst hatte. Vielleicht hatten ja manchmal doch die Vorfahren ihre Hand im Spiel. �Noch andere Eindr�cke?�</p><p>�Er ist sehr engagiert, Sir�, antwortete sie nach l�ngerem Z�gern. �Ich dachte, Admiral Bloch sei schon gut gewesen, aber er h�tte es mit Falco �berhaupt nicht aufnehmen k�nnen. Inzwischen habe ich noch mal mit Lieutenant Riva gesprochen. Er und andere befreite Gefangene sind fest davon �berzeugt, dass Captain Falco nichts st�rker am Herzen liegt als das Wohl der Allianz. Er hat im Arbeitslager viel daf�r getan, die Moral zu st�rken und jedem zu versichern, der Sieg der Allianz sei nicht mehr fern. Lieutenant Riva glaubt, etliche Mitgefangene h�tten ohne Falcos Vorbild den Mut und damit den Lebenswillen verloren.�</p><p><emphasis>Das w�re alles einfacher, ginge es Falco nur um den Ruhm,</emphasis> �berlegte er. <emphasis>Aber er ist ein so inspirierender F�hrer, und ihm ist die Allianz wichtig. Leider bedeutet seine Vision von der Errettung der Allianz, dass er aus ihr ein Spiegelbild der Syndikatwelten schaffen w�rde. M�gen uns die Vorfahren vor jenen Menschen besch�tzen, die von sich behaupten, sie verteidigen die Allianz, obwohl sie in Wahrheit alles zerst�ren, was diese Allianz ausmacht.</emphasis> �Danke, Captain Desjani. Ich habe Grund zu der Annahme, dass Captain Falco beabsichtigt, sich selbst zum rechtm��igen Befehlshaber der Flotte zu ernennen.�</p><p>�Sir, wie ich schon sagte � wenn ein anderer als Sie die Flotte f�hren w�rde, und wenn Sie uns nicht schon erfolgreich hierher gebracht und diese Schlacht bei Kaliban gewonnen h�tten, dann w�rde Captain Falco wohl innerhalb von ein paar Tagen das Kommando �bernehmen. Er ist � �hm ��</p><p>�Etwas charmanter als ich?�, fragte Geary ironisch.</p><p>�Ja, Sir.� Sie schwieg einen Moment lang. �Ehrlich gesagt, wenn ich ihm vor Ihnen begegnet w�re, k�nnte ich anders dar�ber denken. Die Ver�nderungen, die Sie eingef�hrt haben, waren oft nur schwer zu akzeptieren. Aber Sie haben mir ein neues Bild von vorgesetzten Offizieren vermittelt.�</p><p>Geary sah zur Seite, da ihm so viel Lob peinlich war. �Was ist mit den �brigen Schiffskommandeuren? Glauben Sie, die denken genauso wie Sie?�</p><p>�Schwer zu sagen. Es gibt nach wie vor einen harten Kern, der lieber auf die �ehrbare� Art k�mpfen w�rde anstatt auf diese diszipliniertere Weise, die Sie eingef�hrt haben. Das sind Leute, die glauben, der Kampfgeist sei das wichtigste Element bei einem Gefecht. Die sind der Ansicht, es mangelt Ihnen an diesem Kampfgeist, Sir.�</p><p>Das war f�r ihn nichts Neues. �Ich wei�. �Die Moral steht in einem Verh�ltnis von drei zu eins zum Material!� Eigentlich m�sste diese Haltung doch genug Katastrophen nach sich gezogen haben, um auch diejenigen zur Einsicht zu bringen, die an diesem Glauben festhalten.�</p><p>Desjani l�chelte humorlos. �Ein Glaube ist nun mal dazu da, dass man an ihm festh�lt.�</p><p>So wie der Glaube an ihn, oder besser gesagt an Black Jack Geary, den er sich zunutze gemacht hatte. Er nickte nachdenklich; �Da haben Sie recht. Gibt es genug von diesen � Gl�ubigen, dass sie Captain Falco an die Macht bringen k�nnten?�</p><p>�Nein, Sir. Es gibt immer noch viele Skeptiker, aber deshalb w�rden sie sich noch lange nicht hinter Captain Falco stellen. Viele waren von Ihren Leistungen sehr beeindruckt, Sir.� Sie musste seine zweifelnde Miene bemerkt haben. �Bei Kaliban haben Sie es ihnen allen gezeigt, Sir, auch wenn die Erkenntnisse aus dieser Schlacht eine Weile brauchen, bis sie �berall in der Flotte Eingang finden. Und da Sie mich schon gebeten haben, offen zu reden, Sir, m�chte ich anf�gen, dass Ihre moralischen Standpunkte viele Offiziere und Matrosen tief beeindruckt haben, weil sie auf dem beruhen, woran unsere Vorfahren glaubten. Wir haben so vieles vergessen, oder wir haben uns gestattet, so vieles zu vergessen, aber Sie halfen uns, diese Dinge in Erinnerung zur rufen.�</p><p>Geary war zu verlegen, um ihr in die Augen sehen zu k�nnen. �Danke. Ich hoffe, ich kann einer solchen Einsch�tzung auch gerecht werden. Captain Desjani, bei der Flottenkonferenz, die ich gleich einberufen werde, k�nnte es Arger geben.�</p><p>�Das ist doch bei Flottenkonferenzen normal�, stellte Desjani fest.</p><p>�Ja�, stimmte er ihr mit einem fl�chtigen L�cheln zu. �Aber diesmal d�rfte es schlimmer werden als �blich. Zum Teil hat das damit zu tun, dass ich mit Captain Falcos Anwesenheit rechne, der sein Gewicht in die Waagschale werfen wird. Zum Teil h�ngt es mit dem Vorschlag zusammen, den ich dort verk�nden will.�</p><p>�Was genau planen Sie, Sir?�</p><p>�Ich plane, mit dieser Flotte nach Sancere zu fliegen.�</p><p>�Sancere?�, wiederholte Desjani verwundert und versuchte zu �berlegen, was es mit dem System auf sich hatte, dann machte sie pl�tzlich gro�e Augen. �O ja, Sir, das wird allerdings Arger geben.�</p><p>Geary war auf dem Weg zur Br�cke, sah auf die Uhr und traf noch kurz vor dem Abschuss der kinetischen Waffen ein. Er nahm in seinem Kommandosessel Platz, w�hrend Captain Desjani ihn mit einem angedeuteten Nicken begr��te, als bef�nde sie sich schon seit Stunden auf der Br�cke und sei nicht erst wenige Minuten vor ihm eingetroffen.</p><p>Das Display schaltete auf die Darstellung der Planeten um, die Ziele der Waffen leuchteten auf. Geary ging sie noch einmal durch und dachte dar�ber nach, dass er die Macht besa�, ganze Welten in Schutt und Asche zu legen. Falco hatte den Eindruck erweckt, dass er genau das auch ohne zu z�gern tun w�rde. Aber nach zwanzig Jahren auf einem kargen Felsblock w�re Geary vielleicht auch darauf versessen, diese Welt zum Teufel zu bomben. �Sie k�nnen wie geplant mit der Bombardierung beginnen.�</p><p>Desjani nickte wieder, dann gab sie dem Waffen-Wachhabenden ein Zeichen, der eine einzelne Taste dr�ckte und den Autorisierungscode eingab.</p><p>Es schien alles so einfach, so sauber und ordentlich. Geary rief das Flottendisplay auf und wartete. Dann sah er, wie seine Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer ihre Salven abfeuerten. Robuste Flugk�rper aus Metall, aerodynamisch geformt und mit einer speziellen Keramikschicht �berzogen, damit sie beim Eintritt in die Atmosph�re nicht vergl�hten. Mit hoher Geschwindigkeit wurden die kinetischen Geschosse abgefeuert, die beim Anflug auf ihre planetaren Ziele durch deren Anziehungskraft weiter beschleunigten. Sobald sie die Oberfl�che erreichten, wurde diese kinetische Energie in Form von Explosionen freigesetzt, die nur riesige Krater und Tr�mmer hinterlie�en.</p><p>Geary sah mit an, wie die auf Sutrah V gerichteten Flugk�rper in die Atmosph�re eintauchten, und er fragte sich, was f�r ein Anblick das f�r diejenigen auf dem Planeten war. �Die m�ssen sich sehr hilflos f�hlen.�</p><p>�Sir?� Desjanis Frage lie� Geary erkennen, dass er seinen Gedanken laut ausgesprochen hatte.</p><p>�Ich habe nur �berlegt, wie man sich f�hlen muss, wenn man auf dem Planeten steht und das Bombardement kommen sieht�, gab er zu. �Keine M�glichkeit, es abzuwenden, keine Chance, noch davonzulaufen, wenn man sich dort aufh�lt, wo sie niedergehen sollen, und kein Schutzraum, der diesem Aufprall standhalten kann.�</p><p>Desjanis Blick tr�bte sich, als sie sich diese Bilder ebenfalls durch den Kopf gehen lie�. �So habe ich dar�ber noch nie nachgedacht. Allianzwelten haben das auch schon erlebt, und ich wei�, wie hilflos ich mich f�hlte, als ich davon h�rte, weil ich nichts dagegen unternehmen konnte. Ja, ich muss schon sagen, ich habe lieber etwas, das sich steuern und im Kampf einsetzen l�sst.�</p><p>Inzwischen gl�hten alle auf Sutrah V gerichteten Geschosse, da sie in die Atmosph�re hinein flogen und sich wie ein Schwarm todbringender Gl�hw�rmchen der Planetenoberfl�che n�herten. Von der Position der <emphasis>Dauntless</emphasis> aus konnte Geary sehen, dass �ber einen Teil der Welt die Nacht hereingebrochen war. Dort am dunklen Himmel wirkte das zerst�rerische Farbenspiel noch pr�chtiger. �Es hat nichts Ehrbares an sich, hilflose Menschen zu t�ten�, murmelte er und gedachte dessen, wozu Falco ihn hatte dr�ngen wollen.</p><p>Zu seiner �berraschung nickte Desjani zustimmend. �Das ist wahr.�</p><p>Er erinnerte sich daran, wie sie einmal ihr Bedauern dar�ber ausgedr�ckt hatte, dass die Null-Feld-Waffen nur eine kurze Reichweite besa�en und innerhalb eines Schwerkraftfelds keine Wirkung erzielten, weshalb sie nicht gegen Planeten eingesetzt werden konnten. Geary fragte sich, ob das immer noch ihre Meinung war.</p><p>Er ver�nderte den Ma�stab seines Displays, damit er eines der Ziele genauer betrachten konnte, eine noch funktionst�chtige Industrieanlage, die in der multispektralen Darstellung die W�rme der Ger�te und die Strahlung der elektronischen Signale aus den Kabeln anzeigte. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sich dort noch Menschen aufhielten. Offenbar hatten sie seine Warnung ernst genommen und das Gebiet weitr�umig evakuiert. Geary konnte nicht sehen, wie das Geschoss einschlug, weil dieser Moment f�r das menschliche Auge viel zu schnell ablief. Sein Verstand stellte sich dennoch vor, wie etwas Verwischtes auftraf, gefolgt von einem grellen Blitz, der von Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> sofort abgeblockt wurde. Als er die Darstellung etwas verkleinerte, konnte er beobachten, wie eine Druckwelle aus zu Staub zerfallenen Tr�mmern sich ausbreitete, die Geb�ude ersch�tterte und die Planetenoberfl�che erzittern lie�. Er ging mit der Kamera noch weiter zur�ck, bis er jene Rauchpilze in die Atmosph�re aufsteigen sah, an deren Anblick sich die Menschen l�ngst viel zu sehr gew�hnt hatten. Binnen Sekunden waren Industrieanlagen und Raumh�fen zerst�rt worden, an denen die Menschen auf Sutrah V �ber Jahrhunderte hinweg gebaut hatten.</p><p>Zwischen der Faszination dieser Zerst�rungen und der Trauer angesichts ihrer Unvermeidbarkeit hin- und hergerissen, w�hlte Geary eine andere Einstellung aus und zoomte sie heran. Das Ziel in der Gebirgskette schien auf den ersten Blick noch recht unversehrt zu sein, doch das lag nur daran, dass dieses kinetische Geschoss so ausgelegt war, beim Aufprall tief in den Fels vorzudringen, bevor es detonierte. Die Folge davon war ein tiefer, aber kleiner Krater, der dort entstanden war, wo sich zuvor noch ein geheimer Kommandoposten befunden hatte. Geary fragte sich, ob die hochrangigen Offiziere, die sich dort verkrochen hatten, w�hrend sie die Bev�lkerung schutzlos einem Bombardement �berlie�en, wohl noch Zeit genug gehabt hatten, um einzusehen, dass sie sich keineswegs in einem sicheren Versteck aufhielten.</p><p>�Ich wei�, die Syndik-Milit�rbasis ist f�r Sie nur eine Altlast�, merkte Desjani an. �Aber es h�tte uns nicht viel gekostet, sie auch noch auszul�schen, wenn wir den Syndiks sowieso schon eine Lektion erteilen.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf, sein Blick ruhte immer noch auf den �berresten des geheimen Bunkers. �Das kommt darauf an, welche Lektion wir erteilen wollen, nicht wahr? Ist es Rache? Oder Gerechtigkeit?�</p><p>Desjani schwieg lange Zeit. �Rache ist leichter zu ver�ben, richtig?�</p><p>�Ja, weil man nicht viel nachdenken muss.�</p><p>Bed�chtig nickte sie. Auch wenn seine Lektionen in erster Linie den Syndiks galten, schien Desjani in letzter Zeit ebenfalls viel und h�ufig nachzudenken.</p><p>Auf seinem Display sah er den Schwarm aus Projektilen, die nach Sutrah IV unterwegs waren. Die Menschen dort hatten zweifellos die Einschl�ge auf der Nachbarwelt mit angesehen und wussten, welches Schicksal vielen Standorten auf der Welt bevorstand, die sie als ihre Heimat betrachteten. Sie w�rden auch noch gut eine Stunde lang mitverfolgen k�nnen, wie sich die Geschosse ihrer Welt n�herten, was dieses Erlebnis nur umso schlimmer machte. Ob sie wohl der Allianz die Schuld geben w�rden? Oder vielleicht den Syndik-Anf�hrern, die r�cksichtslos das Leben der Bewohner aufs Spiel gesetzt hatten?</p><p>Eine weitere Konferenz war einberufen worden, und es herrschte eine angespannte Stimmung, weil jeder anwesende Commander wusste, dass Geary seine n�chsten Schritte bekannt geben w�rde. Neben Geary war wie �blich nur Captain Desjani tats�chlich anwesend, und wieder fehlte Co-Pr�sidentin Rione. Diesmal fragte sich Geary unwillk�rlich, ob ihre Abwesenheit etwas mit den Ger�chten zu tun hatte, die �ber ihr Verh�ltnis zueinander verbreitet wurden.</p><p>Dass Captain Falco durch Abwesenheit gl�nzte, war zwar eine angenehme �berraschung, dennoch begann Geary zu gr�beln, was der Mann beabsichtigte. Falco war nicht der Typ, der so leicht aufgab, und es w�re Geary lieber gewesen, dessen politische Spielchen mit ansehen zu k�nnen, anstatt nur zu spekulieren, in welcher d�steren Ecke er wom�glich Intrigen schmiedete. Er hoffte, dass Riones Spione ihr mitteilen w�rden, wenn sie etwas Bedenkliches erfuhren�� und dass Rione diese Berichte an ihn weiterleitete.</p><p>Geary sah sich am Konferenztisch um. Er wusste, er w�rde einen Sturm der Entr�stung entfesseln, aber es gab einfach keine Alternative. �Ladies und Gentlemen, die Syndiks ziehen ihr Netz enger um uns. Die Fallen, auf die wir in diesem System gesto�en sind, sprechen eine deutliche Sprache: Die Syndiks kalkulieren unsere n�chsten Schritte gut genug, um auf unsere Ankunft gefasst zu sein. Wie Sie alle wissen�, <emphasis>oder wissen sollten,</emphasis> f�gte Geary in Gedanken an, �hatten die Syndiks an allen Sprungpunkten in diesem System leichte Kriegsschiffe postiert, von denen drei zum Sprung ansetzten, als sie das Licht von unserer Ankunft erreichte. Diese Portale f�hren zu drei m�glichen Zielen, und jedes System ist l�ngst gewarnt worden, um sich auf unser m�glicherweise bevorstehendes Eintreffen gefasst zu machen.�</p><p>Er wartete auf irgendwelche Kommentare, doch es kam nichts. Alle schienen sie nur auf seine Idee zu warten. �Ich habe mir die Ziele angesehen, zu denen wir von hier aus gelangen k�nnen, ebenso die Sterne, die sich von dort aus erreichen lassen, und dabei wird offensichtlich, dass die Syndiks unsere Wahlm�glichkeiten einengen k�nnen, damit wir fr�her oder sp�ter einer massiv �berlegenen Streitmacht in die Arme fliegen.� Wieder unterbrach er kurz, um seine Worte wirken zu lassen. �Ich bezweifle nicht, dass wir den Syndiks schwere Verluste zuf�gen k�nnten, aber dabei w�rde unsere Flotte vollst�ndig aufgerieben werden.� Er sprach damit ihren Stolz an, au�erdem hielt er ihnen vor Augen, dass es nach wie vor um die R�ckkehr nach Hause ging.</p><p>�Die Marines waren in der Lage, im Arbeitslager eine veraltete, aber trotzdem n�tzliche Sternenkarte der Syndikatwelten sicherzustellen.� Geary deutete auf Colonel Carabali. �Nachdem ich mich mit dieser Karte besch�ftigt habe, bin ich auf eine andere Option gesto�en, mit der wir nicht nur der auf uns lauernden Falle aus dem Weg gehen, sondern den Syndiks einen schweren Schlag zuf�gen k�nnen, der ihre Pl�ne durcheinanderwirbelt und uns viele M�glichkeiten bietet, um ins Allianz-Gebiet zur�ckzukehren.� Mit dem Finger zeichnete er eine Linie durch das Display. �Wir kehren mit der Flotte um zu dem Sprungpunkt, durch den wir herkamen, allerdings reisen wir nicht nach Kaliban zur�ck, sondern springen nach Strabo.�</p><p>�Strabo?�, rief jemand nach einigen Sekunden. �Was gibt es bei Strabo?�</p><p>�Nichts. Nicht mal genug Felsbl�cke, auf denen sich Menschen h�tten ausbreiten k�nnen, weshalb das System inzwischen vollst�ndig aufgegeben wurde.�</p><p>Der Captain der <emphasis>Polaris</emphasis> musterte das Display. �Strabo liegt f�r uns fast in entgegengesetzter Richtung.�</p><p>�Richtig�, stimmte Geary ihm zu. �Die Syndiks halten einen R�ckflug in die Richtung, aus der wir kamen, f�r so unwahrscheinlich, dass sie seit unserer Ankunft kein Schiff durch diesen Sprungpunkt geschickt haben. Wenn sie erst mal erfahren, dass wir den gleichen Sprungpunkt noch einmal benutzt haben, werden sie Strabo sogar f�r ein noch unwahrscheinlicheres Ziel ansehen. Aber wir werden sie noch weiter in die Irre f�hren.� Wieder zeichnete er eine Linie und machte sich auf die Proteste gefasst, die jeden Moment aufkommen w�rden. �Von Strabo springen wir n�mlich nach Cydoni.�</p><p>�Cydoni?� Captain Numos war damit gen�gend provoziert worden, um Geary abermals herauszufordern. �Das ist ja noch tiefer im Syndik-Territorium!�</p><p>�Richtig. Die Syndiks werden letztendlich herausfinden, dass wir nach Strabo gesprungen sind, und annehmen, wir seien von dort zu einem der drei Sterne weitergesprungen, die uns wieder n�her an Allianz-Gebiet heranf�hren. Sie werden viel Zeit verlieren, bis sie dahinterkommen, dass wir nach Cydoni entkommen sind.�</p><p>�Und welchem Zweck soll das dienen?�, wollte Numos wissen. �Sollen wir bis zum anderen Ende des Syndik-Gebiets davonlaufen, nur weil sie das nicht erwarten? Haben Sie eine Vorstellung davon, wie dringend wir unsere Vorr�te aufstocken m�ssen, wenn wir Cydoni erreichen? Was gibt es da?�</p><p>�Nichts.� Alle starrten sie Geary verbl�fft an. �Das ist ein weiteres verlassenes System. Die Photosph�re des Sterns dehnt sich aus, und der eine bewohnbare Planet wurde vor Jahrzehnten evakuiert. Nein, worauf es ankommt, ist das, was hinter Cydoni liegt.� Wieder eine Geste, mit der er versuchte, etwas Dramatik in seinen Vortrag zu bringen. �Am Rand der Sprungreichweite von Cydoni befindet sich Sancere. Abermals ein St�ck weiter vom Allianz-Gebiet entfernt, doch daf�r stehen unsere Chancen hervorragend, dass unsere Ankunft bei Sancere die Syndiks ganz und gar unvorbereitet treffen wird.�</p><p>�Sancere ist der Standort einiger der gr��ten Schiffswerften der Syndiks�, sagte Captain Duellos in das sich anschlie�ende entsetzte Schweigen. �Aber schaffen wir es wirklich von Cydoni dorthin? Die Daten des Sprungantriebs geben nicht an, dass sie �ber eine solche Reichweite verf�gen.�</p><p>�Das schaffen wir. Ich habe schon weitere Spr�nge mitgemacht�, erwiderte Geary. �Seit der Erfindung des Hypernets ist von Ihnen niemand mehr auf den Sprungantrieb angewiesen. Zu meiner Zeit gab es zum Sprungantrieb �berhaupt keine Alternative, und wir fanden Mittel und Wege, wie sich die offiziell angegebene Reichweite vergr��ern l�sst.�</p><p>�Das ist doch Irrsinn!�, kommentierte Captain Faresa verbl�fft. �Da dringen wir wiederholt tiefer in feindliches Gebiet vor, um ein Ziel zu erreichen, das zweifellos schwer bewacht wird, w�hrend sich unsere Vorr�te dem Ende zuneigen!�</p><p>�Das System wird nicht schwer genug bewacht sein, um uns Widerstand bieten zu k�nnen�, beteuerte Geary mit einer �berzeugung, die er so deutlich gar nicht empfand. Es bestand immer die Gefahr, dass er sich irrte, doch das konnte er nicht eingestehen, wenn er eine Chance haben wollte, diese Leute f�r seinen Plan zu gewinnen. �Die Syndiks m�ssen gro�e Truppenteile in jede Richtung entsenden, um nach uns zu suchen und uns abzufangen. Sie werden niemals auf die Idee kommen, dass wir so tollk�hn sein k�nnten, um bei Sancere zuzuschlagen, selbst wenn einer von ihnen sich daran erinnern sollte, dass unser Sprungantrieb diese Entfernung bew�ltigen kann. Nachschub f�r unsere Vorr�te ist kein Problem, weil dieses Schiffbauzentrum eine hohe Bev�lkerungszahl aufweist. Da findet sich alles, was wir haben wollen.�</p><p>�Ein Hypernet-Portal eingeschlossen�, warf Captain Tulev ein.</p><p>�Richtig�, best�tigte Geary und sah in die Gesichter der anderen, von denen die meisten Unsicherheit ausstrahlten. �Wenn sie das Portal zerst�ren, dann verhindern sie damit, dass Verst�rkung noch schnell genug eintrifft. Wenn sie es nicht zerst�ren �� Er lie� den Satz unvollendet, um ihn als K�der zu benutzen.</p><p>�� k�nnen wir nach Hause gelangen. Und zwar schnell�, hauchte jemand.</p><p>Numos musterte Geary kritisch. �Dann existiert dieser Hypernet-Schl�ssel also noch, den wir von diesen Verr�tern erhalten hatten?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir h�tten nach Cadiz springen und ihn dort einsetzen k�nnen!�</p><p>Geary versp�rte Wut �ber Numos� Mischung aus Starrsinn und Dummheit. �Wir waren uns zu der Zeit einig, dass Cadiz ein zu offensichtliches Ziel war. Die Syndiks h�tten mit einer erdr�ckenden �bermacht auf uns gewartet.�</p><p>�Und das werden sie bei Sancere nicht machen? Wie k�nnen Sie ein so wahnsinniges Risiko eingehen?�, wollte Numos wissen.</p><p>Geary warf ihm einen eisigen Blick zu. �Ich dachte, ich war bislang immer zu vorsichtig. Wollen Sie mir jetzt etwa vorwerfen, ich sei zu wagemutig?� Er sah zu den anderen Offizieren. �Sie kennen die Wahrheit so gut wie ich. Die Syndiks hatten f�r uns in diesem System drei Fallen vorbereitet. Au�erdem informierten sie alle m�glichen Zielsysteme, in die wir springen k�nnten, wenn wir unserem bisherigen Kurs folgen. Die Pl�ne der Syndiks k�nnen wir nur durchkreuzen, indem wir etwas Unerwartetes unternehmen, und zwar nicht nur einmal, sondern gleich dreimal hintereinander, damit sie nicht wissen, wo sie noch nach uns suchen sollen.� Er zeigte auf das System. �Sancere war schon vor dem Hypernet ein Schiffbauzentrum, nicht nur weil es sich um ein wohlhabendes Sternensystem handelt, sondern weil sich sechs Sterne in Sprungreichweite befinden, Cydoni nicht mitgerechnet. Sechs Optionen, von denen f�nf in Richtung Allianz f�hren. Nein, ich bin auch nicht begeistert dar�ber, welche Strecke wir dabei zur�cklegen m�ssen, aber wir f�gen den Syndiks einen schweren Schlag zu, und wir machen ihre Pl�ne zunichte, uns zu erm�den und in eine Falle laufen zu lassen. Und dabei werden wir auch noch in der Lage sein, alles an Bord zu nehmen, was wir f�r die weitere Reise ben�tigen.�</p><p>�Und wenn alles nach Plan l�uft�, f�gte Duellos hinzu, �schaffen wir es bis zu einem Hypernet-Portal, das uns nach Hause bringen wird.�</p><p>Zu viele Augen waren auf den Weg gerichtet, den er eingezeichnet hatte. Er wusste, dass diese Offiziere alle �berlegten, wie weit Gearys Plan sie vom Allianz-Gebiet wegf�hren w�rde. �Wenn unser Ziel nach wie vor darin besteht, nach Hause zur�ckzukehren�, betonte er, �und den Syndiks bei der Gelegenheit Schaden zuzuf�gen, dann ist Sancere der richtige Weg.�</p><p>�Das ist Unsinn�, verk�ndete Numos. �Ich verlange eine Abstimmung.�</p><p>�In meiner Flotte wird nicht abgestimmt�, gab Geary zur�ck.</p><p>�Wenn man von mir verlangt, dass ich mich auf ein Selbstmordkommando einlasse und tiefer in Syndik-Gebiet vordringen soll, dann sollte ich auch das Recht haben, dar�ber abstimmen zu k�nnen! Das gilt f�r jeden hier!�</p><p>Captain Tulev gab einen abf�lligen Laut von sich. �Dar�ber haben Sie schon l�ngst abgestimmt, und zwar als Admiral Bloch das Kommando �ber die Flotte hatte. Oder haben Sie vergessen, dass es eine Abstimmung war, die uns �berhaupt erst in diese Situation gebracht hat?�</p><p>Numos lief vor Wut rot an. �Das war eine vollkommen andere Situation. Wo ist Captain Falco? Was schl�gt er vor?�</p><p>�Das m�ssen Sie ihn schon selbst fragen�, antwortete Geary ihm. �Ich habe seine Meinung bereits geh�rt.� Und verworfen. Aber das musste er ja niemandem sagen.</p><p>�Wo ist Captain Falco?�, wollte nun auch Captain Faresa wissen, die wie �blich Numos hinterherlief.</p><p>Captain Desjani reagierte darauf so ruhig, als w�rde sie einen Routinebericht kundtun: �Captain Falco unterzieht sich verschiedenen Untersuchungen, die das medizinische Personal der <emphasis>Dauntless</emphasis> empfohlen hat.�</p><p>Geary versuchte, weder �berrascht noch belustigt zu reagieren. Er h�tte Desjani eine solche List nicht zugetraut.</p><p>Faresa dagegen war au�er sich. �Medizinische Untersuchungen?�</p><p>�Ja�, best�tigte sie beil�ufig. �Zu seiner eigenen Sicherheit. Er stand im Arbeitslager unter erheblichem Stress, zudem lastete der Druck auf ihm, dass er dort der rangh�chste Offizier der Allianz war. Das medizinische Personal war nach Captain Falcos erster Untersuchung um ihn besorgt und bat darum, ihn so bald wie m�glich gr�ndlicher zu untersuchen.�</p><p>�Was hat Captain Falco empfohlen?�, meldete sich jemand zu Wort.</p><p>�Was er empfohlen hat, geht nur ihn und mich etwas an�, erwiderte Geary, doch das kam bei den Offizieren nicht allzu gut an. Also f�hrte er aus: �Ich kann dazu sagen, dass Captain Falco keine Zeit gehabt hatte, um sich ein Bild von der Gesamtsituation zu verschaffen, in der sich die Flotte befindet. Er empfahl auch ein viel umfassenderes Bombardement der beiden bewohnten Welten in diesem System. Ich hielt das nicht f�r klug, mitmenschlich oder gerechtfertigt, daher lehnte ich seinen Ratschlag ab.�</p><p>�Captain Falco ist ein Commander, der den Kampf w�hlt�, erkl�rte der Captain der <emphasis>Brigandine</emphasis> nach einer langen Pause.</p><p>�Mein Vater starb, w�hrend er unter ihm diente�, erg�nzte der Captain der <emphasis>Steadfast.</emphasis></p><p>Jetzt wurde es Geary endg�ltig zu bunt. �Sehr viele Matrosen, die unter Captain Falco dienten, haben ihr Leben verloren.� Schweigen machte sich breit. �Wenn jemand meinen Kampfgeist mit dem von Captain Falco vergleichen m�chte, dann darf er auch gern unseren Kampf im Kaliban-System mit jeder beliebigen Schlacht vergleichen, die Falco gef�hrt hat. Da ich der Ansicht bin, dass wir der Allianz am besten dienen, indem wir zugleich Siege erringen <emphasis>und</emphasis> dabei �berleben, scheue ich keine Gegen�berstellung der verlorenen Schiffe auf beiden Seiten sowie der Zahl der Gefallenen.�</p><p>�Ich habe unter Captain Falco bei Batana gedient�, lie� Captain Duellos in fast m��igem Tonfall verlauten. �Meine erste und beinahe auch letzte Schlacht. Mein befehlshabender Offizier kommentierte anschlie�end zu der Tatsache, dass wir genauso viele Matrosen verloren hatten wie die Syndiks, es w�re doch einfacher gewesen, wenn Captain Falco jedem seiner Schiffe gleich befohlen h�tte, ein Schiff der Syndiks zu rammen. Das Ergebnis w�re das gleiche gewesen, und man h�tte viel Zeit und M�he gespart.�</p><p>�Captain Falco ist ein Held der Allianz!�, rief irgendwer.</p><p>�Captain Falco ist ein Offizier dieser Flotte�, erwiderte Commander Cresida energisch. �Suchen wir uns jetzt unsere Befehlshaber wieder per Abstimmung aus? Haben wir vom letzten Mal noch nicht genug? Hat Captain Geary irgendeinen Anlass geliefert, um jetzt an seiner Urteilsf�higkeit zu zweifeln? Wie viele von Ihnen w�ren bei Kaliban lieber gestorben, nur um die Schlacht ruhmreicher zu machen?�</p><p>Ihre Worte schienen die meisten Anwesenden zum Nachdenken zu bringen, lediglich Captain Faresa warf ihr einen besonders giftigen Blick zu. �Wir m�ssen uns nichts von Offizieren erz�hlen lassen, deren Dienstgrad und Erfahrung so niedrig ist.�</p><p>Commander Cresida err�tete, doch dank der Zeitverz�gerung des Signals von Cresidas Schiff, kam ihr Geary zuvor. �Ich leite diese Konferenz, und ich befehlige diese Flotte�, warf er schroff ein. �Und ich entscheide, was wir uns erz�hlen lassen und was nicht.�</p><p>Weitere Widerspr�che regten sich, aber Geary entkr�ftete jeden von ihnen. Wieder wurde der Wunsch laut, Falcos Meinung zu h�ren, doch Gearys wichtigste Verb�ndete wehrten das mit dem Hinweis ab, dass der Mann noch immer nicht �ber alle Umst�nde auf dem Laufenden war, die die Flotte betrafen. Schlie�lich hob Geary die Hand, um f�r Ruhe zu sorgen. �Es muss eine Entscheidung gef�llt werden, und es liegt in meiner Verantwortung, sie zu f�llen. Fazit ist: Ich werde diese Flotte nach Sancere bringen, weil wir so die besten �berlebenschancen haben. Wenn wir dort eintreffen, werden wir den Syndiks eine schwere Niederlage zuf�gen und die Schiffe <emphasis>Anelace</emphasis>, <emphasis>Baselard</emphasis>, <emphasis>Mace</emphasis> und <emphasis>Cuirass</emphasis> r�chen.�</p><p>Diverse Commander machten eine ungl�ckliche Miene, etliche sahen zu Numos, da sie hofften, dass er an ihrer Stelle weitere Einwendungen einbringen w�rde, doch ein warnender Blick von Geary lie� ihn schweigen. Wichtiger aber war, dass eine deutliche Mehrheit nicht nur bereit zu sein schien, seinem Plan zu folgen, sondern offenbar auch von Gearys Argumenten �berzeugt worden war. �Das w�re alles�, sagte er. �In wenigen Minuten werden Sie alle Ihre Befehle erhalten, um zu dem Sprungpunkt zur�ckzukehren, durch den wir in dieses System gelangten.�</p><p>Die Anwesenden verschwanden z�gig, bis nur der virtuelle Captain Duellos �brig war. Desjani stand auf und l�chelte finster. �Ein weiterer Sieg, Sir.�</p><p>�Ich glaube, lieber k�mpfe ich gegen die Syndiks�, gab Geary zu. �Lassen Sie bitte den Befehl zur Kurs�nderung senden. Ausgef�hrt werden soll er bei �� Er betrachtete die Anzeigen. �Bei Zeit zwei null.�</p><p>�Ja, Sir.� Desjani salutierte, ehe sie den Raum verlie�.</p><p>Geary nickte Duellos zu. �Danke f�r die Unterst�tzung.�</p><p>Duellos reagierte mit einem skeptischen Blick. �Sie erwarten doch nicht tats�chlich, dass die Syndiks uns ihr Hypernet-Portal bei Sancere benutzen lassen werden, oder?�</p><p>�Nein�, bekr�ftigte Geary, senkte den Blick und verzog den Mund. �Ich glaube, die Syndiks wissen, dass sie diese Flotte nicht mit einem funktionierenden Hypernet-Schl�ssel entwischen lassen d�rfen. Das w�rde der Allianz in diesem Krieg einen entscheidenden Vorteil verschaffen.�</p><p>�Also werden sie lieber zum letzten Mittel greifen und ihr Portal zerst�ren, anstatt uns auf diesem Weg entwischen zu lassen.�</p><p>�Vermutlich ja�, meinte er schulterzuckend. �Es besteht immer die Chance, dass sie es nicht machen. Eine sehr winzige Chance, aber immerhin existiert sie.�</p><p>�Stimmt.� Duellos seufzte. �Ihnen ist doch klar, dass die Flotte Ihnen ohne das Portal niemals nach Sancere gefolgt w�re, oder?�</p><p>�Ja, ich wei�.�</p><p>�Aber wenn wir es schaffen und siegen, dann werden die Zweifler M�he haben, noch irgendwo Geh�r zu finden.� Duellos salutierte sorgf�ltig. �Das ist ein gewaltiges Risiko, aber Sie haben sich um unser Vertrauen in Sie verdient gemacht.�</p><p>Geary erwiderte den Salut. �Danke.�</p><p>�Sind Sie �brigens wirklich davon �berzeugt, dass wir es mit dem Sprungantrieb von Cydoni bis nach Sancere schaffen?�</p><p>�Auf jeden Fall.�</p><p>Nachdem Duellos �gegangen� war, kehrte Geary m�de in seine Kabine zur�ck. Er musste nicht auf der Br�cke sein, wenn die Flotte wendete, da er das Man�ver ebenso gut auf dem Display in seiner Kabine mitverfolgen konnte. Normalerweise bem�hte er sich, so viel Zeit wie m�glich auf der Br�cke zu verbringen, weil die Crew daran glauben musste, dass er sich f�r ihre Arbeit interessierte. Doch nach so vielen langwierigen und in zu vielen F�llen feindseligen Diskussionen hatte er eine Verschnaufpause dringend n�tig.</p><p>Vor seiner Kabine wartete bereits Co-Pr�sidentin Rione auf ihn. Er wusste, dass sie Zeit genug gehabt hatte, um sich von den Kommandeuren der Schiffe der Callas-Republik �ber die j�ngsten Entwicklungen unterrichten zu lassen. Nach dem w�tenden Funkeln in ihren Augen zu urteilen, musste seine Verschnaufpause wohl noch eine Weile warten.</p><p>Rione stand schweigend da, lie� ihn eintreten, folgte ihm und wartete, bis sich die Luke hinter ihr geschlossen hatte. Erst dann lie� sie ihre wahren Gef�hle erkennen.</p><p>Als er sie ansah, wurde ihm klar, dass er Co-Pr�sidentin Rione noch nie w�tend erlebt hatte. Es war ein Anblick, auf den er gern verzichtet h�tte. �Wie konnten Sie nur so etwas machen?�, fuhr sie ihn an.</p><p>�Ich glaube, das ist der beste Weg f�r ��</p><p>�Sie haben diese Flotte verraten! Sie haben die Allianz verraten! Und Sie haben mich verraten!�</p><p>Ihre Worte und der aufgebrachte Tonfall lie�en ihn zusammenzucken, dennoch war ihm der letzte Teil nicht entgangen. �Wieso habe ich Sie verraten?�</p><p>Rione wurde rot und wich zur�ck. �Das ist � vergessen Sie�s! Das war ein Versprecher. Ich wollte sagen, Sie haben jeden in dieser Flotte verraten! Alle Offiziere und Matrosen, die darauf vertraut haben, dass Sie Ihre Macht klug einsetzen! Ich habe nicht gegen Sie gearbeitet, sondern versucht, Ihre Anstrengungen zu unterst�tzen. Ich war der Ansicht, Sie h�tten einen mangelnden pers�nlichen Ehrgeiz ebenso bewiesen wie ein gewisses Ma� an gesundem Menschenverstand. Ich habe mich geirrt, Captain Geary. Indem Sie mir etwas vorspielten, gelang es Ihnen, die Flotte so zu manipulieren, dass Sie den Helden spielen k�nnen, was Sie offenbar von vornherein vorhatten! Und dabei haben Sie mich zu einer ahnungslosen Komplizin gemacht!�</p><p>�Ich bin kein Held�, herrschte Geary sie an. �Darum geht es hier �berhaupt nicht. Wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen, um sich meine Gr�nde anzuh���</p><p>�Ihre <emphasis>Gr�nde</emphasis>? Die kenne ich l�ngst!�, fiel Rione ihm ins Wort. �Sie haben Angst, Captain Falco k�nnte Ihnen das Kommando �ber diese Flotte abnehmen. Ich habe geh�rt, was er zu Ihnen gesagt hat, als er Sie warnte, die Flotte w�rde sich einen anderen Commander suchen, wenn Sie nicht k�hn genug handeln! Um das zu verhindern, sind Sie bereit, die Zerst�rung der ganzen Flotte zu riskieren! Als ob die Flotte nur ein Spielzeug w�re, um das Sie und Captain Falco sich wie zwei kleine Kinder streiten! Wenn Sie die Flotte nicht haben d�rfen, dann soll sie auch kein anderer bekommen!�</p><p>Es kostete Geary viel M�he, sein Temperament im Zaum zu halten. �Madam Co-Pr�sidentin�, brachte er heraus. �Ich habe jede erdenkliche Vorgehensweise gr�ndlich durchgespielt und ��</p><p>�Ach, wirklich? Und wo sind dann die Aufzeichnungen Ihrer gr�ndlichen �berlegungen, Captain Geary?�, wollte sie wissen.</p><p>Diese Worte brachten Geary einen Moment lang aus dem Konzept. �Sie k�nnen auf meine pers�nlichen Strategiemodelle und Simulationen zugreifen? Die sollten eigentlich so gesichert sein, dass nur ich Zugang darauf habe.�</p><p>Rione schien zu bereuen, dass sie sich zu dieser Bemerkung hatte hinrei�en lassen, dennoch fuhr sie aufgebracht fort: �Haben Sie irgendetwas zu verbergen, Captain Geary? Beispielsweise das Fehlen jeglicher Simulationen, von denen Sie behaupten, dass auf ihnen Ihre Entscheidung beruht?�</p><p>�Ich habe keine Simulationen laufen lassen�, fauchte er sie an. �Das kann ich im Kopf erledigen. Vielleicht nicht ganz so pr�zise wie eine Simulation, aber immer noch nahe genug an der Wirklichkeit, um zu erkennen, wo welche Gefahren lauern!�</p><p>�Und das soll ich Ihnen abnehmen? Halten Sie mich etwa f�r dumm <emphasis>und</emphasis> leichtgl�ubig? Mit welchen Tricks wollten Sie mich jetzt wieder manipulieren? Meinen Sie, ich h�tte keinen Stolz und kein Ehrgef�hl?�</p><p>Noch immer versuchte er, seine Wut in den Griff zu bekommen. �Ich habe Ihnen nichts vorgemacht und ich habe Sie auch nicht manipuliert. Ich war immer ehrlich zu Ihnen.�</p><p>Rione beugte sich vor, ihre Augen loderten. �Ich habe zum Wohl der Allianz eine Menge �ber mich ergehen lassen, Captain Geary. Aber dass mich ein Mann auf eine solche Art und Weise behandelt, das ist dem�tigender als alles, was ich je mitgemacht habe. Und das ist nicht mal das Schlimmste! Indem Sie mich f�r Ihre Zwecke benutzten, haben Sie diese Schiffe und vielleicht sogar die Allianz selbst dem Untergang geweiht. Die Menschen der Callas-Republik, denen ich meine treuen Dienste geschworen habe, sind dem Untergang geweiht. Ich habe versagt, Captain Geary. Ich hoffe, das verschafft Ihnen Befriedigung. Sie m�ssen nicht weiter so tun, als w�rde ich Ihnen zu Unrecht etwas vorwerfen.�</p><p>Er reagierte mit einem ebenso w�tenden Blick. �Ob Sie�s glauben oder nicht, aber es geht dabei nicht um Sie.�</p><p>�Richtig, Captain Geary. Es geht nicht um mich. Es geht um Tausende M�nner und Frauen, die von Ihnen in den Tod gef�hrt werden.�</p><p>Geary sah zur Seite und versuchte, seine Fassung zur�ck zu erlangen. �Wenn Sie so freundlich w�ren, mich erkl�ren zu lassen, welche Absichten ��</p><p>�Ihre Absichten habe ich bereits geh�rt.� Rione wandte sich ab und machte einen Schritt von ihm weg, dann drehte sie sich wieder zu ihm um. �Die Simulationen, die Sie angeblich durchgespielt haben, existieren gar nicht.�</p><p>�Ich habe nie behauptet, dass ich Simulationen durchgespielt habe!�</p><p>Rione hielt kurz inne, dann verzog sie den Mund zu einem schiefen L�cheln. �Dann hat der schlichte Krieger seine Worte mit so gro�er Sorgfalt gew�hlt? Um alle glauben zu lassen, dass etwas existiert, obwohl das gar nicht der Fall ist.�</p><p>�Ich wollte nicht, dass irgendjemand meine Gr�nde f�r diese Vorgehensweise falsch auslegt. Sie m�ssen mir einfach glauben, dass ich das alles gr�ndlich durchdacht habe.�</p><p>�Wie praktisch�, gab Rione frostig zur�ck. �Ich muss Ihnen also einfach nur glauben. Mir war nicht klar, dass Sie mich f�r so dumm halten. Bin ich wirklich derart leicht zu manipulieren?�</p><p>�Ich habe Sie nicht manipuliert! Das war nie meine Absicht.�</p><p>�Das sagen Sie.� Sie sch�ttelte langsam den Kopf, ohne den Blick von ihm abzuwenden. �Ihre wahren Absichten sind mir l�ngst klar.�</p><p>�Sch�n�, knurrte Geary. �Dann erz�hlen Sie doch mal, was Ihrer Meinung nach meine wahren Absichten sind.�</p><p>�Das habe ich Ihnen bereits gesagt. Als Sie mit einem ernsthaften Herausforderer um das Kommando �ber diese Flotte konfrontiert wurden, haben Sie sich genau f�r die waghalsige, gedankenlose Vorgehensweise entschieden, um die Sie in den letzten Monaten immer einen gro�en Bogen machten. Ihre Absicht, Captain Geary, ist es, den Beweis zu liefern, dass Sie genauso hirnlos und aggressiv handeln k�nnen wie Captain Falco, weil Sie so sicherstellen, dass diese Schiffe Ihnen weiterhin folgen werden, ganz gleich, welche Konsequenzen das f�r sie haben kann.�</p><p>�Das ist nicht hirnlos�, herrschte er sie an. �Ich habe alle M�glichkeiten abgewogen.�</p><p>�Und dabei offensichtlich alle intelligenten L�sungen ausgeschlossen!�</p><p>�Ich will nicht, dass diese Flotte ausgel�scht wird. Wenn wir wie geplant weiterfliegen, werden wir erst durch kleinere Verluste in jedem weiteren System dezimiert und zerm�rbt, bis die Syndiks uns mit einer gro�en Streitmacht empfangen, der wir dann nichts mehr entgegenzusetzen haben!� Geary fiel auf, dass er sie wieder anbr�llte. Er war so w�tend wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit seiner Rettung.</p><p>�Wo ist der Beweis, dass Sie sich wirklich mit den anderen M�glichkeiten befasst haben?�, br�llte Rione im Gegenzug. �Wo sind Ihre Simulationen?�</p><p>�In meinem Kopf!�</p><p>�Denken Sie ernsthaft, ich w�rde Ihnen ein solches Argument abkaufen, das niemand au�er Ihnen �berpr�fen kann? Ich soll Ihnen einfach weiterhin vertrauen?�</p><p>�Ja! Ich glaube, ich habe mich um einen gewissen Vertrauensvorschuss verdient gemacht!�</p><p>�Einen Vertrauensvorschuss? Den habe ich Ihnen von der ersten Minute an gew�hrt, Captain Geary, nur um es jetzt bitter zu bereuen. Aber Sie k�nnen nicht einen handfesten Beweis liefern, der Ihre Vorgehensweise rechtfertigen w�rde. Nicht einen einzigen! Diese Entscheidung entbehrt jeder vern�nftigen Grundlage. Sie sollten Ihren Anspruch auf diesen Kommandoposten rechtfertigen, indem Sie beweisen, dass Sie ein besserer Mann sind als Captain Falco, aber nicht ein noch gr��erer Idiot als er!�</p><p>�Ich habe nie behauptet, der bessere Mann zu sein.�</p><p>�Doch, das haben Sie�, warf sie ihm vor. �Sie sprachen davon, dass Ihnen das Leben der Matrosen dieser Flotte wichtig ist. Sie sprachen davon, sie weise und wohl�berlegt zu f�hren. Sie �� Sie brach mitten im Satz ab und verzog zornig das Gesicht. �Wie konnten Sie mir das antun?�</p><p>�<emphasis>Ihnen?</emphasis>� Da war schon wieder eine solche Bemerkung. Geary brachte es fertig, sein Temperament zu z�geln, w�hrend er sich fragte, warum Riones Wut ihm so sehr zu schaffen machte. �Ich habe Ihr Vertrauen nicht missbraucht. Und ich habe Sie nie manipuliert. Ich schw�re Ihnen, ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich die Flotte am Leben erhalten und nach Hause bringen m�chte.�</p><p>�Das glauben Sie tats�chlich?�, fauchte Rione. �So dumm k�nnen Sie gar nicht sein, also m�ssen Sie l�gen.�</p><p>�Es ist die Wahrheit.� Er zeigte auf das Display, das die Umgebung des Systems darstellte. �Wenn Sie mir nicht glauben, dann f�hren Sie doch Ihre eigenen Simulationen durch! Dann werden Sie schon sehen, was passieren wird, wenn wir eines der Ziele anfliegen, die wir in Erw�gung gezogen haben.�</p><p>�Das werde ich machen! Ich werde die Simulationen vornehmen und ein <emphasis>nachpr�fbares</emphasis> Ergebnis liefern. Und wenn ich den Beweis habe, dass Sie mit Ihren Schlussfolgerungen v�llig falsch liegen, dann werde ich Ihnen diesen Beweis demonstrieren. Vorausgesetzt, dieses Schiff ist dann noch intakt und nicht nur noch ein Wrack, das auf Bergungsteams von den Syndiks wartet.�</p><p>Sie st�rmte nach drau�en, zur�ck blieb der Nachhall ihrer Wut und Entt�uschung. Er drehte sich zu der projizierten Sternenlandschaft um und schlug wiederholt mit der Faust dagegen. Die Sterne schlugen jedes Mal ein paar Wellen, sonst jedoch tat sich nichts.</p><p>Die Allianz-Flotte setzte zum Wendeman�ver an. Hunderte von gro�en und kleinen Schiffen drehten ihren Bug um hundertachtzig Grad und die Antriebseinheiten flammten auf, um die Schiffe auf den neuen Kurs zu bringen. Der f�hrte zur�ck �ber die Ebene des Sutrah-Systems und dann hinunter zum Sprungpunkt, durch den die Flotte vor nicht allzu langer Zeit gekommen war.</p><p>Geary war zufrieden �ber das reibungslos ausgef�hrte Man�ver, auch wenn er wusste, dass es mittels automatischer Steuerung durchgef�hrt worden war. Gleichzeitig behielt er die leichten Kriegsschiffe der Syndiks im Auge, die sich nach wie vor in den Randbereichen des Systems aufhielten. Die n�chstliegenden waren fast zwei Lichtstunden entfernt, und so lange w�rde es auch dauern, bis ihnen auffallen konnte, dass die Flotte eine Kurs�nderung vorgenommen hatte. Danach w�rden sie aber noch weiter abwarten, um herauszufinden, wohin sich die Schiffe bewegten. Erst wenn sie Gewissheit hatten, dass die Flotte das System durch den Sprungpunkt verlie�, durch den sie gekommen war, w�rden sie zur Tat schreiten k�nnen.</p><p><emphasis>Sie haben da ein Schiff, dort ein weiteres, und dahinten sind noch drei. Sie k�nnen nicht allen drei m�glichen Zielsternen eine Nachricht zukommen lassen, ohne zu jedem von ihnen ein Schiff zu schicken. Sie k�nnen eine Warnung an alle senden, dass wir uns anscheinend zur�ckziehen, oder sie k�nnen Alarm schlagen, wenn wir tats�chlich den Sprungpunkt benutzen, um das System zu verlassen. Beides geht allerdings nicht, also m�ssen sie abwarten, bis sie wissen, dass wir weg sind. Das gibt uns mehr Zeit, und die Syndiks haben mit mehr Unw�gbarkeiten zu k�mpfen. Es wird ihnen auch eine Lektion sein, dass sie nur so viele Schiffe auf uns ansetzen, um uns �effizient� zu �berwachen, anstatt genug Schiffe abzustellen, um auf das Unerwartete gefasst zu sein.</emphasis></p><p>Nat�rlich wollte er nicht, dass die Syndiks aus ihren Erfahrungen mit ihm etwas lernten. Sie hatten schon genug dazugelernt, um im Sutrah-System einige unangenehme �berraschungen versteckt zu haben, und Geary konnte nur hoffen, dass es bei Strabo nicht genauso aussah.</p></section><section><title><p>Vier</p></title><p>Noch sieben Stunden bis zum Sprung nach Strabo. Geary ordnete die Formation, um sie auf den Sprung vorzubereiten. Wenn sie Strabo erreichten, w�rden die Schiffe genauso angeordnet sein wie zu Beginn des Sprungs, und er wollte versuchen, alles so zu arrangieren, dass nicht wieder jemand eigenm�chtig zu einer wilden Verfolgungsjagd ansetzen konnte. Bei der gro�en Zahl von Schiffskommandanten konnte Geary nicht wissen, wie jeder einzelne von ihnen in einer bestimmten Situation reagieren w�rde, also holte er diejenigen Schiffe in die vorderste Reihe, von deren Befehlshabern er glaubte, ihnen vertrauen zu k�nnen. Bedauerlicherweise gab es von der Sorte Commander nicht so viele, wie ihm lieb gewesen w�re. Er betrachtete die aktuelle Formation und wunderte sich, warum so viele Shuttles unterwegs waren.</p><p>Er sah in dem Moment auf, als die T�rglocke zu seiner Kabine ert�nte. Einen Augenblick sp�ter ging die Luke auf und Captain Desjani trat ein. Geary gr��te sie mit einem L�cheln. �Gutes Timing. Ich wollte eben bei Ihnen anfragen, was all diese Shuttles da machen.�</p><p>�Da findet ein Austausch statt�, erkl�rte sie. �Personal. Die befreiten Gefangenen haben alle Untersuchungen und Besprechungen hinter sich. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen wurden in die Datenbank eingegeben. Momentan wird ausgetauscht, weil das eine Schiff den einen Spezialisten gebrauchen kann, w�hrend ein anderes Schiff einen anderen Experten ben�tigt. Die Datenbank der Flotte koordiniert automatisch den gesamten Ablauf.�</p><p>Ver�rgerung regte sich bei Geary. Warum hatte ihn niemand davon in Kenntnis gesetzt? Wieso holte niemand seine Erlaubnis ein? Aber dann wurde ihm klar, dass nichts von beidem erforderlich gewesen war. Er musste keine normalen Versetzungen zwischen den Schiffen genehmigen, und er hatte auch gar keine Zeit, um sich um solche Dinge zu k�mmern. Die Schiffe konnten das mithilfe der Datenbank problemlos unter sich regeln, ohne dass Geary sich einmischen musste. �Ich nehme an, wenn es ein Problem gegeben h�tte, w�re ich wohl informiert worden.�</p><p>�Nat�rlich, Sir.� Desjani hielt inne und machte einen ungew�hnlich verlegenen Eindruck. �Darf ich Sie um einen pers�nlichen Rat bitten?�</p><p>�Einen pers�nlichen Rat?� Eine private Angelegenheit, zu der sie seine Meinung h�ren wollte? �Selbstverst�ndlich. Nehmen Sie Platz.�</p><p>Wie zuvor setzte Desjani sich auch jetzt stocksteif hin, einen Moment lang kaute sie auf ihrer Unterlippe. �Sir, Sie haben doch Lieutenant Riva kennengelernt, als er an Bord kam.�</p><p>Geary erinnerte sich an den befreiten Gefangenen auf dem Hangardeck. �Ja, Ihr alter Bekannter.�</p><p>�Lieutenant Riva war � mehr als nur ein Bekannter, Sir.�</p><p>�Oh.� Dann fiel ihm etwas an ihrer Wortwahl auf. <emphasis>�War?�</emphasis></p><p>Desjani atmete tief durch. �Wir waren mal zusammen, mal nicht, Sir. Aber wir haben uns nie richtig getrennt. Und jetzt � nun, jetzt ist er hier, aber er hat einen deutlich niedrigeren Dienstgrad als ich.�</p><p>�Das kann problematisch werden�, stimmte Geary ihr zu und dachte an die Flottenvorschriften und an den Eindruck insgesamt, den ein solches Verh�ltnis hervorrufen konnte. �Aber wenn er Ihr Ex-Freund ist, dann werden Sie beide damit doch professionell umgehen k�nnen.�</p><p>�Er ist nicht �� Desjani err�tete ein wenig. �Als ich Lieutenant Riva wiedersah, war das eine sehr emotionale Erfahrung. Wie emotional, ist mir erst jetzt bewusst geworden.�</p><p>�Oh.� <emphasis>F�llt dir eigentlich nichts Besseres als �Oh� ein?</emphasis> �Er k�nnte also wieder Ihr Freund sein?�</p><p>�Ja, Sir. Die Gef�hle sind auf jeden Fall da. Zumindest von meiner Seite. Nach unseren kurzen Unterhaltungen zu urteilen, scheint Cas�, Lieutenant Riva genauso zu empfinden.� Sie zuckte hilflos mit den Schultern. �Aber solange er auf meinem Schiff ist, darf da nichts passieren. Es wird schon wegen des Dienstgrads schwierig werden, doch wenn er meinem Kommando unterstellt wird, dann ist das ganz und gar unm�glich.�</p><p>Endlich wurde ihm das ganze Ausma� ihrer Misere klar. �Aber nachdem er lebend aufgefunden wurde, m�chten Sie eigentlich auch nicht, dass er auf ein anderes Schiff versetzt wird.�</p><p>�Richtig, Sir.�</p><p>Das war tats�chlich eine Zwickm�hle, die Art von Dilemma, bei dem sich jeder vorgesetzte Offizier w�nschte, er k�nnte die Angelegenheit auf einen anderen abw�lzen. Aber die Regelung solcher Dinge�� oder zumindest der Versuch einer Regelung�� fiel in seine Zust�ndigkeit, und zu allem �berfluss hatte er auf diesem Gebiet selbst Erfahrungen gemacht. �Okay, wenn Sie meinen Rat h�ren wollen, dann sage ich dazu Folgendes: Wenn Lieutenant Riva auf diesem Schiff bleibt, dann d�rfen Sie keine private Beziehung zu ihm unterhalten. Das gilt auch f�r den Fall, dass wir einen Job f�r ihn finden, bei dem er mir unterstellt ist. Ihm w�rde das so wenig behagen wie Ihnen. Und wenn ich Sie richtig einsch�tze, Tanya, dann ist alles, was dienstlich unangemessen ist, f�r Sie ohnehin undenkbar.�</p><p>Sie nickte stumm.</p><p>�Ich finde, er sollte auf ein anderes Schiff wechseln�, riet Geary ihr. �Suchen Sie ihm einen Commander, von dem Sie eine gute Meinung haben. W�hrend wir im Normalraum unterwegs sind, haben Sie genug Gelegenheit, ungest�rt mit ihm Verbindung aufzunehmen, und gleichzeitig bleiben Sie auf Distanz zu ihm, sodass nichts passieren kann. Au�erdem k�nnen Sie beide in Ruhe die Ver�nderungen verarbeiten, die seit Ihrer letzten Begegnung eingetreten sind.�</p><p>Desjani sah ihn entgeistert an. �Und wenn das andere Schiff im Gefecht zerst�rt wird? Das Schiff, auf das ich ihn geschickt habe?�</p><p>Er fragte sich, ob es wohl irgendein Argument gab, das er noch nicht geh�rt hatte. �Warum waren Sie und Riva bei Quintarra nicht auf dem gleichen Schiff?�</p><p>�Wir � wir brauchten eine Auszeit.� Sie schob den Unterkiefer vor. �Ich brauchte eine Auszeit. Und dann galt Rivas Schiff auf einmal als zerst�rt.�</p><p>Geary seufzte und stellte sich vor, welche Schuldgef�hle Tanya Desjani seit der Schlacht von Quintarra mit sich herumtrug. �Es will nat�rlich niemand, dass sich so etwas wiederholt. H�ren Sie, Tanya, ich kann nur sagen, ich versuche mein Bestes, keine weiteren Schiffe zu verlieren. Entscheiden Sie sich f�r einen guten Captain, jemanden wie Duellos, Tulev oder Cresida. Jemanden, von dem Sie wissen, dass er besonnen k�mpft. Bitten Sie ihn darum, Riva als pers�nlichen Gefallen zu �bernehmen. Wenn Ihnen das unangenehm ist, dann werde ich das f�r Sie �bernehmen.�</p><p>�Danke, Sir.�</p><p>�Und ich m�chte, dass Sie Lieutenant Riva reinen Wein einschenken, warum er dieses Schiff verl�sst�, ordnete Geary an. �Nicht, weil Sie mehr Zeit zum Nachdenken brauchen oder weil Sie ihn loswerden wollen. Lassen Sie Riva nicht im Unklaren, denn wenn einem von Ihnen etwas zust��t, dann wird er niemals erfahren, was Sie wirklich f�r ihn empfinden.�</p><p>�Ja, Sir.� Sie sah ihn eindringlich an, bis sich Geary zu fragen begann, wie viel er von seiner eigenen Vergangenheit preisgegeben hatte. �Es tut mir leid, Sir.�</p><p>�Das ist schon lange her�, erwiderte er und wich ihrem Blick aus. Die meisten Dinge in seinem Leben waren schon lange her. �Ich hoffe, Sie und Lieutenant Riva bekommen das zum Guten gel�st.�</p><p>Nachdem Desjani gegangen war, sa� er eine Weile da und wurde von den Erinnerungen an eine Frau verfolgt, die seit langer Zeit tot war. Er fragte sich, warum er sich w�nschte, Victoria Rione k�nnte jetzt hier sein, damit er mit ihr dar�ber reden konnte. Aber Victoria Rione war der �berzeugung, dass Geary der schlimmsten Versuchung erlegen war, und redete nicht mehr mit ihm. Nachdem sie damit ausfiel, musste Geary einmal mehr einsehen, dass seine letzten Freunde schon vor vielen, vielen Jahren gestorben waren.</p><p>Geary betrat die Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und wunderte sich �ber Desjanis w�tende Miene, die aber offenbar nicht ihm galt. Ihre Wachhabenden schauten drein, als h�tten sie alle mit der m�ndlichen Version der neunschw�nzigen Katze Bekanntschaft gemacht. �Was ist los?�</p><p>�Captain Falco ist nicht mehr an Bord�, berichtete sie. �Er hat ohne mein Wissen das Schiff mit einem der Shuttles verlassen.�</p><p>Er sah zu den Wachhabenden. �Wir nahmen an, Captain Falco sei dazu autorisiert�, erkl�rte einer von ihnen und sah nerv�s zwischen Geary und Desjani hin und her.</p><p>Kopfsch�ttelnd setzte Geary sich hin. Er h�tte wissen m�ssen, dass Falco in der Lage war, Junioroffiziere zu allem zu �berreden, was er wollte. �Wo ist er hin?�</p><p>�Auf die <emphasis>Warrior,</emphasis> Sir.�</p><p>�Die <emphasis>Warrior</emphasis>?� Er h�tte auf Numos� Schiff <emphasis>Orion</emphasis> oder auf Faresas <emphasis>Majestic</emphasis> getippt. �Wer befehligt die <emphasis>Warrior</emphasis>?�, murmelte er vor sich hin, w�hrend er die Tasten seines Displays bediente.</p><p>Captain Kerestes. Die Dienstakte stand auf Tastendruck zur Verf�gung, Geary �berflog sie. Ja, nat�rlich. Kerestes hatte den Krieg viel l�nger �berlebt als die meisten anderen Offiziere, sogar so lange, dass er tats�chlich unter Falco gedient hatte, und zwar bei der von Duellos erw�hnten Schlacht. Auch noch auf dem gleichen Schiff! Die aufgeblasenen Berichte �ber Kerestes� Verhalten im Gefecht sagten wenig �ber den Mann aus, doch die Tatsache, dass Geary bislang weder Kerestes noch dessen Schiff <emphasis>Warrior</emphasis> ein Begriff waren, konnte fast nur eines bedeuten: Kerestes war alles andere als ein dynamischer, energischer Befehlshaber.</p><p>Geary �ffnete einen privaten Kanal und rief Duellos auf der <emphasis>Courageous</emphasis>: �Was k�nnen Sie mir �ber Captain Kerestes erz�hlen? Sie und er waren bei Batana auf demselben Schiff.�</p><p>Die Anfrage schien Duellos zu �berraschen. �Sagen Sie nicht, dass er tats�chlich irgendetwas Erw�hnenswertes getan hat.�</p><p>�Captain Falco hat es geschafft, auf die <emphasis>Warrior</emphasis> zu kommen. Ich frage mich, warum er ausgerechnet dieses Schiff ausgew�hlt hat.�</p><p>�Weil Captain Kerestes weder Initiative noch Intellekt besitzt, daf�r aber gehorsam bis zum �u�ersten ist. Er wird alles tun, was Falco ihm sagt.�</p><p>Geary nickte und verkniff sich ein L�cheln. <emphasis>Nur zu, Captain Duellos. Erz�hlen Sie mir, was Sie wirklich von dem Mann halten.</emphasis> �Dann stellt Kerestes kein Problem dar?�</p><p>�Machen Sie sich seinetwegen keine Gedanken�, riet Duellos ihm. �Inzwischen ist Captain Falco in jeder Hinsicht der Kommandant der <emphasis>Warrior</emphasis>.�</p><p>�Danke.� Gleich nach dem Gespr�ch mit Duellos �berpr�fte Geary die vorgesehene Flugformation f�r den Sprung und stellte fest, dass die <emphasis>Warrior</emphasis> sich an einer Flanke befand, um dort leichtere Einheiten zu unterst�tzen. Jetzt war es zu sp�t, um das Schiff noch umzudirigieren, damit Falco weniger Spielraum f�r irgendwelche Spielchen hatte. <emphasis>Ich werde damit leben m�ssen und darauf hoffen, dass Falco kompromissbereiter ist, als ich es vermute.</emphasis></p><p>Er versuchte sich zu erinnern, was er noch hatte fragen wollen, bevor die Nachricht von Falcos Wechsel ihn �berrumpelte. �Captain Desjani, was diesen Offizier angeht, �ber den wir gesprochen haben�� hat sich da eine zufriedenstellende L�sung ergeben?� Wenn man lange genug in der Flotte diente, dann konnte man jedes Gespr�chsthema so verpacken, dass es einen offiziellen Anstrich bekam.</p><p>�Er wurde auf die <emphasis>Furious</emphasis> versetzt, Sir�, erwiderte Desjani im gleichen sachlichen Tonfall. �Wie vorgeschlagen, habe ich ihm die Situation geschildert und ihm die Gr�nde f�r seine Versetzung erl�utert.�</p><p>�Wie hat er das aufgenommen?�</p><p>�Ihm schien die Gelegenheit zu gefallen, die sich ihm dadurch bietet, Sir.�</p><p>�Gut.� Es klang alles so offiziell, dass Geary Schwierigkeiten hatte, sich vor Augen zu halten, dass es hier um eine rein private Angelegenheit ging. Er hoffte, sein Ratschlag w�rde f�r Desjani und Riva zu einem besseren Ende f�hren, als es bei ihm der Fall gewesen war.</p><p>�Dann wollen wir mal von hier verschwinden�, verk�ndete er, warf einen letzten Blick auf die mit Stunden Versp�tung eintreffenden Bilder der Syndik-Schiffe, ging dann die lange Liste seiner Schiffe durch, ob auch bei allen ein gr�nes Licht anzeigte, dass sie f�r den Sprung bereit waren, und befahl der Flotte, nach Strabo aufzubrechen.</p><p>Der Transit nach Strabo dauerte lediglich f�nf Tage, und der anschlie�ende Sprung nach Cydoni sollte ebenfalls keine langwierige Angelegenheit sein�� doch der Sprung nach Sancere w�rde das alles mehr als wettmachen.</p><p>Der Sprungraum war schon immer sonderbar gewesen. Eine scheinbar endlose, mattschwarze Leere, in der nur hin und wieder ein paar Lichtkleckse auftauchten, umgab alles. Was das f�r Lichter waren und wodurch sie verursacht wurden, das war zu Gearys Zeiten schon ein R�tsel gewesen, und daran hatte sich bis heute nichts ge�ndert, da man noch immer nicht wusste, wie man den Sprungraum erforschen sollte. In gewisser Weise hatte das auf Geary eine beruhigende Wirkung: Es gab etwas aus seiner Vergangenheit, an dem sich bis in die Gegenwart hinein nichts ge�ndert hatte.</p><p>Allerdings war das auch der einzige Trost, den er w�hrend der Reise empfand. Es war schlimm genug, dass Co-Pr�sidentin Rione ihn seit dem Streit nicht mehr aufgesucht hatte, war sie doch die Einzige, der er sich zumindest teilweise anvertrauen konnte. Und es war auch schlimm, dass er sich wie �blich Sorgen machte, mit welcher unangenehmen �berraschung die Syndiks sie wom�glich bei Strabo erwarteten. Wom�glich hatten sie ihn durchschaut und erahnt, dass er sich f�r die unwahrscheinlichste von allen L�sungen entscheiden w�rde. Aber wenn er sich von dieser Angst �berw�ltigen lie�, wenn sie ihn l�hmte, dann konnte er �berhaupt keine Entscheidungen mehr treffen, weil die Syndiks <emphasis>theoretisch</emphasis> jeden seiner Schachz�ge vorausahnen konnten.</p><p>Nein, es gab noch etwas anderes, das ihm diesmal Sorgen bereitete, und am vierten Tag im Sprungraum hatte er die Probleme auf zwei Themen eingrenzen k�nnen. Eines davon betraf Captain Falco, das andere drehte sich um Captain Numos und die anderen ver�rgerten Offiziere, f�r die er stand. <emphasis>Eines von den beiden Problemen kann ich allein bew�ltigen, aber beide zusammen? Was ist, wenn Numos Falco zu der Galionsfigur macht, die er braucht, um mir einen Kn�ppel zwischen die Beine zu werfen? Wenn wir Strabo erreichen, hatten die beiden fast eine Woche Zeit, um sich einen Plan zurechtzulegen, wie sie mir das Leben schwer machen und wie sie die Flotte in Gefahr bringen k�nnen.</emphasis></p><p>Noch frustrierender war dabei, dass eine Durchsicht der Heerscharen von Nachrichten, die vor der Abreise aus dem Sutrah-System zwischen den Schiffen der Flotte ausgetauscht worden waren, keinen Hinweis auf einen Kontakt zwischen Falco und Numos ergab, denn das musste nichts bedeuten. Bei dem Hin und Her der Shuttles zwischen den Schiffen w�re es kein Problem gewesen, eine Nachricht zu �berbringen. Dass es keine Kommunikation zwischen Falco und anderen Offizieren gab, wirkte auf Geary wie ein Fanal. Falco war ein Mann, der aufbl�hte, wenn er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, der seine zwischenmenschlichen F�higkeiten nutzte, um auf der Karriereleiter weiter nach oben zu kommen und um der Allianz etwas Gutes zu tun. Er w�rde nicht davor zur�ckschrecken, andere Offiziere davon zu �berzeugen, dass sie sich ihm anschlossen, und das konnte nur bedeuten, dass Falco seine Nachrichten auf eine Weise verbreitet hatte, die weder Geary noch einem seiner Verb�ndeten unter den Befehlshabern aufgefallen war.</p><p><emphasis>Bin ich paranoid? Aber Duellos und Rione haben mich beide vor Falco gewarnt, und ihre Ratschl�ge haben sich bislang immer als zutreffend erwiesen. Zu schade, dass Duellos nur einfache, kurze Nachrichten empfangen kann, solange wir im Sprungraum sind. Und zu schade, dass Rione nicht mit mir reden will.</emphasis></p><p>Geary beobachtete die wandernden Lichter im Raum. Er wurde zunehmend gereizter und begann sich zu fragen, was im Strabo-System geschehen w�rde.</p><p>F�r einen Stern hatte Strabo sehr wenig zu bieten. Mit Blick auf seine Ausma�e schien er kaum gro� genug, dass in seinem Inneren die Fusionsreaktionen ausgel�st wurden, die ihn zu einem Stern machten und nicht nur zu einem sehr gro�en Planeten. Seine Satelliten passten denn auch mehr zu einem Planeten als zu einer Sonne: eine Ansammlung von kargen Felsen in geringer Entfernung zu dem Stern. Geary hatte schon einige Sternensysteme zu sehen bekommen, doch keines davon war je so unscheinbar und bemitleidenswert gewesen wie dieses hier. Kein Wunder, dass die von den Syndiks eingerichtete Notfallstation schon vor langer Zeit eingemottet worden war.</p><p>�Nichts�, stellte Captain Desjani fest.</p><p>Geary nickte. �Beziehen Sie sich auf Bedrohungen durch die Syndiks, oder war das ein Kommentar zu diesem System?�</p><p>�Sowohl als auch�, meinte sie grinsend.</p><p>�Scannen die Flottensensoren nach Hinweisen auf Anomalien irgendwo im System, die auf Minenfelder hindeuten k�nnten?�</p><p>�Ja, Sir. Die Sensoren tasten alles automatisch ab, allerdings arbeiten sie effizienter, wenn sie auf ein bestimmtes Gebiet gerichtet werden. Bislang keine Minen entdeckt.�</p><p>�Gut.� Syndik-Schiffe waren im System auch nirgends festzustellen. Die Allianz-Flotte breitete sich um die <emphasis>Dauntless</emphasis> herum aus, jedes Schiff nahm die ihm zugewiesene Position ein. Keine Bedrohungen, keine erkennbaren Probleme aus Falcos oder Numos� Richtung. Genau wie bei der Situation bei Sutrah begann Geary sich auch jetzt zu fragen, was er �bersehen hatte.</p><p>Strabo konnte auch nicht beeindrucken, wenn es um die Zahl der Sprungpunkte ging, die das System zu bieten hatte. W�hrend Sutrah immerhin vier besa�, waren es hier nur drei. In Relation zu der Stelle, an der die Flotte angekommen war, lag der Sprungpunkt nach Cydoni auf der anderen Seite des Systems. Um dorthin zu gelangen, mussten sie den dritten Sprungpunkt passieren, von dem aus man direkt das einzige ans Hypernet angeschlossene System erreichte, ehe man zu zwei weiteren Syndik-Welten weiterspringen konnte. In allen F�llen ging Geary davon aus, dass sie schwer bewacht wurden oder vermint worden waren, da es sich bei ihnen um jene Systeme handelte, die sie auch von Sutrah aus h�tten erreichen k�nnen. Es gefiel ihm gar nicht, so dicht an diesem Sprungpunkt vorbeizufliegen, aber es gab auch keinen plausiblen Grund, warum sie um den Punkt einen Bogen machen sollten, den sie in einem Abstand von mehreren Lichtminuten passieren w�rden. Ein Umweg w�rde blo� jenen Ger�chten Nahrung geben, dass er ein zu �ngstlicher Commander war.</p><p>Er �berpr�fte den Flugplan und befahl der Flotte, sich zum Sprungpunkt nach Cydoni zu begeben. Da Strabo ein so kleines System war, lie� sich das Ziel in nur eineinhalb Tagen erreichen.</p><p>Diese Zeit nutzte er, um die Befehlshaber f�r eine weitere Gefechtssimulation einzuberufen. Alles lief genau nach Plan, jedes Schiff befolgte exakt Gearys Anweisungen, was ihn eigentlich h�tte freuen sollen. Doch das Gegenteil war der Fall, denn seine bekanntlich problematischen Commander verhielten sich untypisch friedlich. Falco, Numos und die anderen, die immerhin bekundet hatten, wie wenig sie Geary vertrauten, schwiegen beharrlich. Hier und da flogen Shuttles von einem Schiff zum anderen, aber dabei handelte es sich offiziell um den Transport von Personal und Material. Geary war davon �berzeugt, dass an Bord dieser Shuttles auch Nachrichten von Falco an die anderen Befehlshaber weitergeleitet wurden, doch ihm wollte kein Weg einfallen, um das zu unterbinden. <emphasis>Ich habe bereits mit dem Sicherheitsdienst gesprochen, und da kann mir niemand garantieren, dass eine verborgene Videonachricht tats�chlich gefunden wird, selbst wenn sie das Shuttle in seine Einzelteile zerlegen. Duellos hat auch nichts geh�rt, aber ihm wird auch keiner etwas sagen, weil sie wissen, er ist mein Verb�ndeter.</emphasis></p><p><emphasis>Ich k�nnte Falco vorsorglich festnehmen lassen, doch damit l�se ich vermutlich auf einigen Schiffen eine Meuterei aus, zumal ich keinen Grund benennen kann. Ich k�nnte ihm den Befehl geben, auf die</emphasis> Dauntless <emphasis>zur�ckzukehren, doch wenn er die R�ckkehr hinausz�gert oder mich einfach ignoriert, dann muss ich ihm das entweder durchgehen lassen, oder aber ich lasse ihn festnehmen, was mich wieder vor das Problem einer Meuterei stellt.</emphasis></p><p><emphasis>Momentan kann ich nichts unternehmen, ohne Gefahr zu laufen, selbst die Probleme vom Zaun zu brechen, von denen ich glaube, dass Falco sie mir bereiten k�nnte.</emphasis></p><p>Kurz entschlossen nahm er mit Captain Falco Kontakt auf, da es immer noch besser war, mit dem Mann zu reden, anstatt sich st�ndig Gedanken zu machen, was er vielleicht hinter Gearys R�cken anstellte. Ein nerv�s dreinblickender Captain Kerestes meldete sich. �Es tut mir leid, Captain Geary, aber die Flotten�rzte der <emphasis>Warrior</emphasis> haben Captain Falco Bettruhe verordnet.�</p><p>�Captain Falco f�hlt sich nicht wohl?� Er wollte das klar und deutlich ausgesprochen wissen, falls sie jemand belauschte.</p><p>�Nur eine vor�bergehende Erkrankung�, antwortete Kerestes un�bersehbar schuldbewusst.</p><p>�Verstehe.� Jeder weitere Versuch, zu Falco selbst durchgestellt zu werden, h�tte blo� Gearys Unf�higkeit betont, dass er den Mann zu nichts zwingen konnte. �Richten Sie ihm bitte aus, ich hoffe, er f�hlt sich bald wieder gesund genug, um im Interesse der Allianz und dieser Flotte zu handeln.�</p><p>�Ja, Sir, das werde ich machen.� Nachdem Kerestes die Verbindung unterbrochen hatte, konnte Geary sich lebhaft vorstellen, welche Erleichterung den Mann in diesem Augenblick �berkam.</p><p>Aber von der Gewissheit abgesehen, dass Kerestes offenbar von Vorgesetzten m�glichst nicht zur Kenntnis genommen werden wollte, hatte dieses Gespr�ch nichts ergeben.</p><p>�Madam Co-Pr�sidentin.� Seine Besorgnis hatte schlie�lich doch �ber seinen Stolz gesiegt.</p><p>Ihre Stimme klang frostig und distanziert. Den Bildschirm hatte sie abgeschaltet, sodass Geary sich nur w�nschen konnte, ihren Gesichtsausdruck zu sehen. �Was wollen Sie, Captain Geary?�</p><p>�Ich muss wissen, ob Ihre Quellen in der Flotte auf irgendwelche Probleme aufmerksam geworden sind.�</p><p>Es dauerte einen Moment, ehe sie erwiderte: �Probleme?�</p><p>�Irgendetwas in Verbindung mit Captain Falco oder Captain Numos.�</p><p>Wieder vergingen ein paar Sekunden. �Es wird ein wenig geredet, weiter nichts.�</p><p>�Ein wenig Gerede? Das klingt nach weniger als bislang �blich.�</p><p>�Es ist auch weniger�, sagte Rione. �Aber sonst habe ich nichts geh�rt.�</p><p>�Ich w�re Ihnen dankbar, wenn Sie mich wissen lassen w�rden, falls Ihnen etwas zu Ohren kommt.�</p><p>�Wovor f�rchten Sie sich, Captain Geary? Vor Ihren eigenen Offizieren?� Diesmal war aus ihrer Stimme deutliche Ver�rgerung herauszuh�ren. �Das ist das Schicksal der Helden.�</p><p>�Ich bin kein �� Er hielt inne und z�hlte stumm bis f�nf. �Ich mache mir Sorgen, dass etwas geschehen k�nnte, das viele Matrosen in dieser Flotte in Gefahr bringt. Ich hoffe, Sie k�nnen Ihre Ver�rgerung �ber mich zur�ckstellen und mir helfen. Sonst begeht noch jemand ��</p><p>�� eine Dummheit?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Als Gegensatz zu einer Heldentat?�, fragte sie mit tiefgek�hlter Stimme.</p><p>�Verdammt, Madam Co-Pr�sidentin ��</p><p>�Ich werde bei meinen Quellen nachfragen. Aus Sorge um das Wohl der Matrosen in dieser Flotte. Irgendjemand muss sich schlie�lich dieser Leute annehmen.�</p><p>Die Verbindung wurde unterbrochen, und Geary musste sich beherrschen, um nicht mit seiner Faust den Wandlautsprecher zu zertr�mmern.</p><p>�Captain Geary.� Desjanis Stimme klang ruhig und beherrscht. �Da tut sich etwas.�</p><p>Die Flotte war noch eine Stunde vom Sprungpunkt entfernt. Geary vergeudete keine Zeit damit, sich erst auf die Br�cke zu begeben, stattdessen aktivierte er das Flottendisplay �ber dem Tisch in seiner Kabine.</p><p>Das �Etwas� wurde sofort deutlich. In der Formation der Flotte klafften L�cken und L�cher, da etliche Schiffe ihre Position verlassen hatten. Nach den Flugbahnen zu urteilen, die das System berechnet hatte, waren all diese Schiffe auf dem gleichen Kurs unterwegs. Geary erfasste ihre Namen. <emphasis>Warrior</emphasis>, <emphasis>Orion</emphasis>, <emphasis>Majestic</emphasis>, <emphasis>Triumph</emphasis>, <emphasis>Invincible</emphasis>, <emphasis>Polaris</emphasis> und <emphasis>Vanguard.</emphasis> Vier Schlachtschiffe und drei Schlachtkreuzer. Dazu sechs schwere Kreuzer, vier leichte Kreuzer und �ber zwanzig Zerst�rer. Insgesamt fast vierzig Schiffe.</p><p>Geary lie� den Kurs weiterberechnen und erkannte, dass sie zu dem anderen Sprungpunkt unterwegs waren. <emphasis>Die Vorfahren m�gen ihnen beistehen! Sie nehmen den direkten Weg zur�ck zum Allianz-Gebiet, und zweifellos vertrauen sie dabei ganz auf ihren �Kampfgeist�, um die Syndiks zu �berwinden, die mit einer erdr�ckenden �berlegenheit bereits auf sie warten werden.</emphasis> Er �ffnete den Kommunikationskanal und �berlegte kurz, was er am besten sagen sollte. �Alle Einheiten: Kehren Sie umgehend in die Formation zur�ck.� Das war nutzlos. Wenn sie schon beschlossen hatten, seine Befehle zu ignorieren, w�rden sie jetzt nicht auf einmal darauf reagieren. �Sie sind auf dem Weg in ein massiv gesichertes Sternensystem der Syndiks. Sie werden es nicht schaffen, deren Verteidigung zu durchbrechen.�</p><p>Keine Reaktion. Die abtr�nnigen Schiffe flogen weiter. <emphasis>Ich kann sie nicht umstimmen. Jetzt nicht mehr. Sie vertrauen auf Falco und ihre vermutlich �berlegene moralische St�rke. An ihre Vernunft zu appellieren hilft da nicht weiter. Aber ich muss sicherstellen, dass sich ihnen nicht weitere Schiffe anschlie�en. Was soll ich sagen?</emphasis> �Ihre Pflicht gegen�ber der Allianz verlangt von Ihnen, bei der Flotte zu bleiben, anstatt Ihre Kameraden im Stich zu lassen.� Das sollte ihnen einen Stich versetzen, was auch nur richtig war, immerhin liefen sie der Flotte davon. �Kehren Sie sofort auf Ihre zugewiesenen Positionen zur�ck, und es werden keine disziplinarischen Ma�nahmen folgen.� Das w�rde auch nicht n�tig sein, denn wenn Falco und Numos jetzt kehrtmachten, dann w�rden ihre Anh�nger ihnen nicht l�nger vertrauen.</p><p>Schlie�lich kam eine Reaktion. �Hier spricht Captain Falco, Befehlshaber jener Schiffe, die willens sind, den Ruhm und die Ehre der Allianz-Flotte hochzuhalten. Ich rufe �� Ein Symbol leuchtete auf Gearys Kommunikationsdisplay auf, im gleichen Moment verstummte Falco.</p><p>�Hier ist Captain Desjani�, meldete sie sich auf dem internen Kanal der <emphasis>Dauntless</emphasis> bei Geary. �Ich habe den Widerruf des Flottenkommandos aktiviert, damit werden alle Signale von anderen Schiffen als unserem vollst�ndig blockiert. Wir werden alles h�ren, was an uns direkt gerichtet ist.�</p><p>�Danke.� H�tte er doch eine ganze Flotte mit Befehlshabern, die so waren wie Tanya Desjani. Er selbst hatte zu sp�t daran gedacht, dass er Falco kein Forum geben durfte, um weitere Schiffe zum Desertieren zu �berreden. Wieder wandte er sich an die Abtr�nnigen. �An alle Schiffe! Es hat nichts Ehrbares, Ihre Kameraden im Stich zu lassen und rechtm��ige Befehle zu ignorieren. Wir k�mpfen f�r den Sieg, f�r die Sicherheit unserer Heimat, aber nicht f�r den Ruhm. Alle Einheiten, kehren Sie sofort in die Formation zur�ck. Sie werden ben�tigt, wenn die Syndiks das n�chste Mal zuschlagen.� Vielleicht konnte er ja so noch den einen oder anderen zur Umkehr bewegen.</p><p>Doch die insgesamt neununddrei�ig Schiffe, die Falcos Streitmacht darstellten, gingen nach und nach in eine eigene Formation und steuerten zielstrebig auf den anderen Sprungpunkt zu, der nicht mehr weit entfernt war. Der Wunsch �berkam ihn, das Feuer auf Falco zu er�ffnen, aber er dr�ngte ihn schnell wieder zur�ck. <emphasis>Unm�glich. Den Befehl werde ich nicht erteilen. Und selbst wenn, wer w�rde ihn schon ausf�hren? Das w�re etwas, was die Syndiks machen w�rden. Aber was soll ich machen? Ich kann sie nicht aufhalten. Sie sind nur noch f�nfzehn Minuten vom Sprungpunkt entfernt.</emphasis> �Alle Einheiten, die die Formation verlassen haben: �berdenken Sie noch einmal Ihr Handeln und denken Sie dabei auch an Ihre Kameraden und an Ihre Besatzungen. Auf den Wegen, die Sie �ber diesen Sprungpunkt erreichen k�nnen, werden Sie nicht �berleben.�</p><p>Die Schiffe waren bereits mehrere Lichtminuten entfernt, aber selbst wenn man die Zeitverz�gerung einkalkulierte, war l�ngst deutlich, dass Gearys j�ngster Appell fehlgeschlagen war. F�r einen weiteren Anlauf reichte die Zeit nicht mehr, nur noch f�r eine kurze Mitteilung. Er sah auf das Display der Sternensysteme, in Gedanken ging er die Sprungpfade durch, die die n�chsten Sterne miteinander verbanden. �Alle Einheiten, die die Formation verlassen haben: Ilion. Ich wiederhole: Ilion.�</p><p>Gut zw�lf Minuten sp�ter sah Geary die Bilder der fliehenden Schiffe, wie sie mit einem Sprung aus dem System verschwanden.</p><p>Er verbrachte eine Weile damit, seine Flotte neu zu ordnen, damit die entstandenen L�cken geschlossen wurden, dann sa� er schweigend da und wartete, bis sie den Sprungpunkt nach Cydoni erreicht hatten. �Alle Schiffe: Springen Sie jetzt.�</p><p>Seit er das Kommando �ber diese Schiffe �bernommen hatte, war er von der Bef�rchtung begleitet worden, ein Teil der Flotte k�nnte sich abspalten. F�r ihn war es offensichtlich, dass eine Spaltung ihrer Streitmacht tief in feindlichem Territorium eine v�llig verr�ckte Idee darstellte. Allerdings hatte er auch von Anfang an einsehen m�ssen, dass es Commander gab, die zu einer rationalen Sichtweise gar nicht in der Lage waren. Nun war der bef�rchtete Fall eingetreten. Fast vierzig Schiffe flogen einem ungewissen Schicksal entgegen, angef�hrt von Befehlshabern, die Geary mit Ablehnung, Misstrauen und, mindestens in Numos� Fall, mit Verachtung begegneten. Wenn es nur einen Weg gegeben h�tte, dass die Besatzungen dieser Schiffe nicht das gleiche Schicksal ereilte wie ihre Vorgesetzten �</p><p><emphasis>Aber es besteht eine Chance. Wenn sie nachdenken und erkennen, dass ein glorreicher Tod dem Schutz ihrer Heimatwelten keinen Dienst erweisen kann, wenn sie bereit sind, das zu nutzen, was ich ihnen beigebracht habe. Wenn sie bereit sind, auf das zu h�ren, was ich ihnen als letzte Nachricht mit auf den Weg gegeben habe. Und wenn die Syndiks diese Information nicht von ihnen erfahren, damit sie f�r uns keinen Hinterhalt vorbereiten k�nnen. Ich w�nschte, ich w�sste es.</emphasis></p><p>Da er die Stille in seiner Kabine nicht l�nger ertrug, in der er sich noch einsamer vorkam, seit Co-Pr�sidentin Rione ihre Besuche eingestellt hatte, begab sich Geary wieder einmal auf eine Tour durch die verschiedenen Abteilungen der <emphasis>Dauntless.</emphasis> Auf diese Weise konnte er Zuversicht verbreiten, nachdem die Crew durch die Flucht zahlreicher Kameraden geschockt worden war. Er versuchte, die Leute von der Entwicklung im Strabo-System abzulenken und sie dazu zu bringen, dass sie den Blick wieder nach vorn richteten. Im Rahmen der beschr�nkten Kommunikationsm�glichkeiten lie� er diese Nachrichten auch an die anderen Schiffe der Flotte senden, um dort die gleiche Wirkung zu erreichen.</p><p>In der verbleibenden Zeit widmete Geary sich weiteren Gefechtssimulationen. Damit hoffte er, einige der Kampftechniken weiterzugeben, die er vor �ber hundert Jahren erlernt hatte. Techniken, die im Lauf der Zeit in Vergessenheit geraten waren, da die verheerenden Verluste an Schiffen und Menschenleben die kollektiven Erinnerungen und F�higkeiten ausgel�scht hatten. Er wusste blo� nicht, wie viel Zeit ihm noch blieb, um dieses Wissen zu �bermitteln.</p><p>Geary betrat die Br�cke der <emphasis>Dauntless,</emphasis> als die Flotte sich eben darauf vorbereitete, den Sprungraum zu verlassen.</p><p>Captain Desjani drehte sich zu ihm um, ihre Sorge um ihn war nicht zu �bersehen. Er nickte schwerf�llig zur�ck und lie� sich in seinen Kommandosessel sinken. Ihm war nicht klar gewesen, wie mitgenommen er nach Falcos Verrat aussehen musste. Mitgenommen genug, dass Desjani es bemerkte. Es war nur zu hoffen, dass die Crew nicht genauso aufmerksam war wie ihr Captain. Aber vielleicht sah er jetzt auch besonders schlecht aus, nachdem er in der letzten Nacht nicht hatte schlafen k�nnen, da er voller Sorge war, was sie im Cydoni-System erwartete. Und da er nicht wusste, ob sich weitere Schiffe von der Flotte verabschieden w�rden.</p><p>Um diese augenblicklich wiedererwachende Angst zu �berspielen, rief Geary das Flottendisplay auf und tat so, als sei er in die Anzeige vertieft. Er hatte versucht, sich einen Plan f�r Sancere zurechtzulegen, obwohl er bis zu ihrem Eintreffen �berhaupt nicht wissen konnte, was sie dort vorfinden w�rden. Gestern war ihm eine Idee gekommen, deren Ursprung ironischerweise in den Ereignissen im Strabo-System lag, und er hatte sich einige Minuten lang damit besch�ftigt und die Namen und Akten einiger der verbliebenen Commander �berpr�ft.</p><p>�Bereit machen zum Verlassen des Sprungraums�, lie� Desjani verlauten.</p><p>Hastig schaltete Geary auf das Systemdisplay um und wartete. Momentan zeigte es nur die historischen Informationen aus dem Syndik-Handbuch an, das ihnen auf Sutrah V in die H�nde gefallen war. Sobald die Flotte am Rand des Cydoni-Systems in den Normalraum zur�ckkehrte, w�rden die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> und aller anderen Schiffe damit beginnen, die Daten anhand dessen zu aktualisieren, was sie von ihrer Position aus feststellen konnten.</p><p>Gearys Magen drehte sich um, dann wich das Mattschwarz des Sprungraums dem funkelnden, von Sternen �bers�ten Universum des realen Raums. Er wartete und sah zu, wie sich die Anzeigen ver�nderten. Keine Schiffe. Keine Minen zu entdecken. Nichts. Captain Desjani strahlte triumphierend.</p><p>Doch Gearys Blick galt weiterhin dem Systemdisplay, auf dem die sich ausdehnende Photosph�re der Sonne den einst von Leben erf�llten Planeten erreicht hatte. Die Szene l�ste etwas von der kranken Faszination aus, die beim Anblick eines verungl�ckten Zuges aufkommt, nur dass sich dieser Prozess nicht innerhalb von Sekunden abspielte, sondern sich �ber Jahrhunderte erstreckte, und ihm hier eine ganze Welt zum Opfer fiel.</p><p>Der gr��te Teil der Atmosph�re des vormals bewohnbaren Planeten war mittlerweile weggerissen worden. Die Schluchten der Ozeane waren vor langer Zeit ihres Wassers beraubt worden, das unter dem Partikelbombardement und der Hitze jener Sonne ins All geschleudert worden war, die einst Leben auf dieser Welt erm�glicht hatte. Nun wurde der Planet langsam von der Sonne aufgezehrt, und schon jetzt waren keine Spuren von Leben mehr feststellbar.</p><p>�Wahrscheinlich existieren unter der Planetenoberfl�che noch einige Lebensformen, die auch mit extremen Bedingungen zurechtkommen�, meldete ein Wachhabender. �Die werden noch eine Weile durchhalten.�</p><p>�Und wie lange noch, bis die Photosph�re den Planeten vollst�ndig eingeh�llt hat?�, fragte Geary.</p><p>�Schwer zu sagen, Sir. Die Ausdehnung eines solchen Sterns spielt sich in Sch�ben ab. Vermutlich irgendwo zwischen f�nfzig und zweihundert Jahren, immer abh�ngig davon, was sich in dem Stern tats�chlich abspielt.�</p><p>�Danke.� Geary betrachtete eine vergr��erte Darstellung des Planeten. Die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> hatten einige Bereiche markiert, in denen noch Ruinen standen, die allerdings unter den extremen Umweltbedingungen so sehr gelitten hatten, dass sie aussahen, als seien sie einige Jahrtausende alt. Eine Vielzahl Ruinen lag unmittelbar an einem ausgetrockneten Meer, die teilweise erhaltenen W�nde waren fast ganz von Staubd�nen bedeckt worden, die der Wind dorthin getragen hatte, bevor die Atmosph�re zu d�nn wurde. Das Land leuchtete im Schein des sich ausdehnenden Sterns in einem r�tlichen Licht. Geary fragte sich, wie diese Stadt wohl ausgesehen hatte, als noch die Wellen an den Strand schlugen. Die Informationen aus dem Syndik-Handbuch standen ihm zur Verf�gung, also griff er auf sie zu. Portjunosa. Bereits vollst�ndig aufgegeben, bevor die Syndiks diese mittlerweile veralteten Daten zusammengestellt hatten. Menschen hatten dort gelebt, hatten die Stadt errichtet und sie zu einem Ort gemacht, an dem eine menschliche Gemeinschaft entstanden war. Geblieben waren davon nur noch Ruinen, und ein Jahrhundert weiter w�rden sie von dem sich ausweitenden Stern ebenfalls ausgel�scht worden sein. Nach den unbewohnten Systemen Strabo und Cydoni w�rde es eine angenehme Abwechslung sein, wieder in ein von Leben erf�lltes System wie Sancere zu gelangen, auch wenn da nur der Feind zu Hause war.</p><p>�Wir m�ssen einen Kurs einschlagen, der uns in sicherem Abstand um die angeschwollene Photosph�re herumf�hrt�, lie� Captain Desjani verlauten.</p><p>Geary nickte. �Richtig. Haben Sie Probleme mit dem Kurs, den das Steuersystem des Schiffs vorgeschlagen hat? Wir brauchen so zwar vier Tage, bis wir den Sprungpunkt nach Sancere erreichen, aber ich sehe keine brauchbare Alternative.�</p><p>�Es gibt auch keine�, stimmte Desjani ihm zu. �Das ist die beste Option, die wir haben.�</p><p>Vier Tage. Vier Tage Zeit f�r die nicht ganz so zuverl�ssigen Commander in der Flotte, um dar�ber nachzudenken, was bei Strabo vorgefallen war. Vier Tage Zeit, um zu �berlegen, ob sie einen anderen Sprungpunkt anfliegen sollten. <emphasis>Ich muss sie irgendwie besch�ftigen, damit sie auf Sancere konzentriert bleiben. Sie m�ssen mit Simulationen, Man�vern und Pl�nen �berh�uft werden, die sie nur an Sancere denken lassen, aber an nichts anderes. Es wird mich bis an den Rand der Ersch�pfung bringen, aber ich sehe keine Alternative.</emphasis></p><p>Er begann eine Flottenkonferenz im kleineren Rahmen vorzubereiten, an der die Befehlshaber von nur gut drei�ig Schiffen teilnehmen w�rden. Wer sollte sie leiten? Bislang war er unschl�ssig gewesen, aber ein Blick auf die Liste der f�higen Befehlshaber lie� sofort einen Namen ins Auge springen. Trotzdem gab es da noch eine ungekl�rte Frage, auf die die Datenbank der <emphasis>Dauntless</emphasis> offenbar so schnell keine Antwort liefern konnte. Oder aber er hatte seine Frage so formuliert, dass die k�nstliche Intelligenz ihn nicht verstand. Das Problem war ihm schon viel zu oft begegnet. �Wie lange dauert es eigentlich, bis diese KI-Einheiten mich verstehen?�, beschwerte er sich un�berh�rbar.</p><p>Desjani warf einer Wachhabenden einen auffordernden Blick zu, woraufhin die sich r�usperte und antwortete: �Sir, die KI-Einheiten haben ihre Antwortmuster so erlernt, wie sich die Denk-, Sprech- und Schreibcharakteristika der Personen gestalten, mit denen sie zu tun haben.� Sie geriet ins Stocken.</p><p>�Und ich denke nicht wie diese Personen, wie?�</p><p>�Nein, Sir. Ihre unausgesprochenen Annahmen, Ihre Denkmuster und die Art, wie Sie S�tze formulieren, entsprechen nicht dem � �hm ��</p><p>�Dem modernen Verstand?�, half Geary ihr weiter, konnte sich aber einen ironischen Unterton nicht verkneifen. Es ergab sogar einen Sinn, wie er erkennen musste. In einem Jahrhundert entwickelten sich viele unterschwellige und gar nicht so unterschwellige Ver�nderungen in der Art, wie die Menschen dachten und wie sie diese Gedanken zum Ausdruck brachten. <emphasis>Entweder ich lache jetzt dar�ber oder ich �rgere mich, aber ich habe zu viele andere Dinge um den Kopf, um mich dar�ber zu �rgern.</emphasis></p><p>Die Wachhabende l�chelte nerv�s. �Ja, Sir. Ich f�rchte, es ist genau so, Sir. Die meisten Menschen, die Fragen an die KI-Einheiten richten, gehen mit Informationen anders um als Sie, darum stellen sie sich nicht auf Sie ein.�</p><p>�Warum k�nnen Sie nicht eine Subroutine einrichten, mit der die KI-Einheiten reagieren, wenn sie mit Captain Geary zu tun haben?�, fragte Desjani. �Dann k�nnten sie sich auf seine Formulierungen einstellen, w�hrend die Eingaben der �brigen Offiziere und Crewmitglieder wie gewohnt bearbeitet werden.�</p><p>�Die Flottenvorschriften regeln den Einsatz von KI-Einheiten, Captain. KI-Einheiten in Schiffssystemen sollen nie in pers�nliche Einheiten f�r einzelne Individuen ver�ndert werden. Das kann bei der k�nstlichen Intelligenz zu einem Interessenskonflikt f�hren.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf und wunderte sich, warum es sogar f�r etwas so Simples derart komplizierte Vorschriften gab. �Kann der Flottenbefehlshaber diese Vorschrift au�er Kraft setzen, wenn ein Notfall vorliegt?�</p><p>Die Wachhabende sah ihn unschl�ssig an. �Sir, ich m�sste erst nachschlagen, was laut Vorschriften als Notfall gelten kann.�</p><p>�Lieutenant!�, ermahnte Desjani sie. �Wir befinden uns tief in feindlichem Gebiet und versuchen, m�glichst heil nach Hause zu kommen. F�r mich ist damit der Tatbestand eines Notfalls erf�llt.�</p><p>�F�r mich auch�, pflichtete Geary ihr bei. �Erledigen Sie das, Lieutenant. Das wird mir das Leben sehr erleichtern.�</p><p>Die Wachhabende zeigte sich erleichtert, da sie nun eine klare Anweisung hatte, die ihr aus ihrem Dilemma heraushalf. �Ja, Sir. Selbstverst�ndlich, Sir. Wir begeben uns sofort an die Arbeit.�</p><p>�Danke.� Er sah zu Desjani. �Das wird mir die Planung sehr erleichtern.�</p><p>Desjani l�chelte, da sie wie immer vollstes Vertrauen in seine F�higkeiten hatte. �Haben Sie einen Plan f�r Sancere?�</p><p>�Ja, den habe ich. Sancere wird wahrscheinlich gut gesch�tzt sein. Ich nehme an, wir werden eine Streitmacht vorfinden, die uns Schwierigkeiten bereiten kann. Falls ich mich irre, k�nnen wir uns problemlos auf geringeren Widerstand einstellen.�</p><p>�Sie haben es auf das Hypernet-Portal abgesehen?�</p><p>�Richtig.� Nachdenklich senkte er den Blick. �Ich habe versucht, dar�ber etwas herauszufinden. Ich nehme an, die Syndiks k�nnten versuchen, das Portal zu zerst�ren. Wissen Sie, wie schwierig es ist, das zu bewerkstelligen?�</p><p>Desjani sah ihn �berraschte an. �Ich habe keine Ahnung. Es wird schon mal dar�ber geredet, aber soweit ich wei�, hat das noch nie jemand tats�chlich gemacht.�</p><p>�Ich hoffe, es kommt auch nicht dazu�, meinte er achselzuckend. �Wenn wir die Syndik-Verteidiger von ihren Positionen weglocken k�nnen und dann einen Satz in Richtung Hypernet-Portal machen, k�nnte es uns gelingen, sie von dessen Zerst�rung abzuhalten. Wenn wir das geschafft haben, k�nnen wir die Verteidiger schlagen, die Vorr�te pl�ndern und alle Einrichtungen zerst�ren, die die Syndiks f�r den Krieg nutzen.�</p><p>Desjanis Augen begannen zu leuchten. �Das wird f�r die Syndiks ein schwerer Schlag sein, wenn wir dort angreifen, wo sie nicht mit uns rechnen.�</p><p>�Genau.� <emphasis>Vorausgesetzt, sie haben da nicht schon die gleiche Art von Hinterhalt vorbereitet, der diese Flotte im Heimatsystem der Syndiks fast ausgel�scht h�tte. Und vorausgesetzt, meine Flotte verliert auf dem Weg dorthin nicht noch weitere Schiffe.</emphasis> �Ich treffe mich mit einigen Befehlshabern.�</p><p>Commander Cresida schien gleich neben Geary zu sitzen, die �brigen achtundzwanzig Kommandeure sa�en aufgereiht zu beiden Seiten des Konferenztischs und waren sichtlich neugierig, aus welchem Grund sie f�r dieses virtuelle Treffen ausgew�hlt worden waren.</p><p>�Sie wurden von mir ausgesucht, weil Ihre Dienstakten Sie alle als tapfere und zuverl�ssige Offiziere ausweisen�, erl�uterte Geary. �Wenn wir Sancere erreichen, dann wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Es ist unwahrscheinlich, dass die Syndiks uns mit einer Streitmacht konfrontieren, der wir hoffnungslos unterlegen sein werden�, betonte er mit bewusster Zuversicht. �Aber es wird genug sein, um uns Verluste zuzuf�gen, wenn wir nicht richtig darauf reagieren. Ich erkl�re Ihnen nun, was Sie tun m�ssen. Commander Cresida von der <emphasis>Furious</emphasis> wird das Kommando �ber eine spezielle Eingreiftruppe �bernehmen, die sich aus Ihren Schiffen zusammensetzt. Die Eingreiftruppe Furious wird sich nicht vom Rest der Flotte absondern, wenn wir Sancere erreichen. Was Sie aber tun werden, ist Folgendes: Sie werden vort�uschen, dass Sie aus der Formation ausbrechen, zuerst die <emphasis>Furious,</emphasis> dann nach und nach die anderen, als w�rden Sie v�llig undiszipliniert auf eigene Faust auf die st�rksten Syndik-Schiffe losgehen, die wir finden k�nnen.�</p><p>Commander Cresida und die anderen konnten ihr Erstaunen nicht verbergen. �Sie <emphasis>wollen,</emphasis> dass wir die Formation verlassen?�, fragte Cresida. �Damit es so aussieht, als w�ren wir so aggressiv, dass wir uns nicht um Ihre Befehle k�mmern?�</p><p>�Genau.� Geary zeigte auf die Darstellung des Sancere-Systems. �St�rmen Sie auf den Feind los. Sie sind nicht schlagkr�ftig genug, um es mit der zu erwartenden Zahl an Syndik-Schiffen aufzunehmen, die Sancere besch�tzen oder die dort repariert oder umger�stet werden. Das ist der Sinn der Sache. Es soll so aussehen, als w�ren Sie eine kleine Gruppe, die sich v�llig un�berlegt von der Flotte gel�st hat und die m�helos zerschlagen werden kann. Sie fliegen mit hoher Geschwindigkeit auf den Feind zu, allerdings nur so weit, dass Sie nicht in dessen Feuerreichweite gelangen. Dann machen Sie kehrt, aber nicht im geordneten R�ckzug, sondern immer noch wie eine Gruppe, in der jeder macht, was er will. Sie fliehen vor den Syndiks und dem Rest der Flotte nach unten.� Mit dem Zeigefinger beschrieb Geary die Flugrichtung innerhalb des Systems.</p><p>Cresidas Miene zeigte einen entsetzten Ausdruck. �Als w�rden wir vor dem Feind davonlaufen?�</p><p>�Exakt.� Keiner der Anwesenden schien dar�ber gl�cklich zu sein. �Es gibt einen guten Grund daf�r. Der Gedanke dahinter ist der ��</p><p>�Sir�, unterbrach ihn Cresida besorgt. �Das werden die Syndiks uns nicht abnehmen.�</p><p>Einen Moment lang wollte Geary aufbrausen, weil es so aussah, als zeige sich Cresida pl�tzlich genauso verbohrt wie Numos. Aber seine Wut wurde im Keim erstickt, weil es so klang, dass es einen guten Grund f�r ihren Widerspruch gab. �Wieso nicht?�</p><p>�Wir fliehen nicht vor einem Kampf.� Der Stolz in Cresidas Stimme war nicht zu �berh�ren. �Egal, wie aussichtslos der auch sein mag.� Die anderen Commander nickten zustimmend. �Die Syndiks wissen das, und eine vorget�uschte Flucht k�nnen wir ihnen nicht weismachen.�</p><p>Das war ein Problem, und Geary wusste kein Argument, um Cresidas Einsch�tzung zu widerlegen; schon gar nicht, wenn alle �brigen handverlesenen Captains ihre Meinung teilten. Es passte auch zu dem Unsinn vom Kampfgeist um jeden Preis, den Falco von sich gegeben hatte. Wie sollte er einen Ratschlag derjenigen Offiziere verwerfen, die er bereits als besonders vertrauensw�rdig eingestuft hatte? �Dann m�chte ich Ihre Vorschl�ge h�ren. Von jedem von Ihnen. Wie lenken wir die Syndik-Verteidiger ab, damit sie die Eingreiftruppe verfolgen und nicht darauf achten, was der Rest der Flotte macht?�</p><p>Commander Neeson von der <emphasis>Implacable</emphasis> zuckte mit den Schultern. �Captain Geary, wenn Sie das erreichen wollen, dann w�rde ich einen Beschuss im Vorbeiflug empfehlen.</p><p>Schnelle und r�cksichtslose Ann�herung, alle Waffen auf die vordersten Schiffe richten und sie mit allem bombardieren, was wir zu bieten haben, um dann sofort wieder wegzufliegen.�</p><p>�Ja, genau.� Cresida nickte best�tigend. �Provozieren Sie sie. Und noch besser w�re es, wenn wir gleich danach auf ein weiteres Ziel zufliegen k�nnten. Etwas, das wir unter keinen Umst�nden erreichen sollen. Wir schie�en auf sie und visieren ein wichtiges Ziel an.�</p><p>�Sancere m�sste von wichtigen Zielen nur so �bers�t sein�, merkte jemand an. �Da sollten wir auf die Schnelle etwas identifizieren k�nnen.�</p><p>Geary lie� sich das Ganze durch den Kopf gehen und betrachtete dabei die Darstellung des Sternensystems. �Und wenn Sie dabei zu tief in die Verteidigungslinien der Syndiks geraten? Ich will kein Selbstmordkommando daraus machen. Ich will, dass Sie da wieder rauskommen, ohne in St�cke gerissen zu werden.�</p><p>Auch Neeson sah sich das Display an. �Das sollten wir schon schaffen. Sobald wir Kurs auf etwas Wichtiges nehmen, gehen die Syndiks auf Abfangkurs und beschleunigen. Dann drehen wir abrupt ab, und die Syndiks haben ihre urspr�ngliche Position l�ngst verlassen. Wovon sollen wir sie eigentlich ablenken, Sir?�</p><p>�Ich will unsere Flotte das Hypernet-Portal erreichen lassen, bevor die Syndiks erkennen, dass sie das Portal brauchen, um die Flucht zu ergreifen. Wenn wir die Kontrolle �ber das Portal erlangen und verhindern k�nnen, dass uns jemand entwischt, dann haben wir genug Zeit, um die Syndik-Einrichtungen zu zerst�ren, die ihren Kriegsanstrengungen dienen. Anschlie�end k�nnen wir das Hypemet-System benutzen, um in Allianz-Gebiet zur�ckzukehren.�</p><p>�Wenn die Syndiks das Portal zerst�ren ��, begann Cresida z�gerlich.</p><p>�Dann m�ssen wir nicht bef�rchten, dass wir es auch noch mit deren Verst�rkung zu tun bekommen�, erwiderte Geary.</p><p>�Aber der Energiesto� k�nnte uns in Gefahr bringen.�</p><p>Anscheinend hatte er die Expertin f�r Hypernet-Portale gefunden, nach der er bereits gesucht hatte. �Erz�hlen Sie mir mehr dar�ber.�</p><p>Sie deutete auf die Darstellung des Sancere-Portals auf dem Display. �Das Portal ist eine Art gebundene Energiematrix. Ein Hypernet-Schl�ssel funktioniert in der Weise, dass er die Partikelmatrix in einem Portal auf die Partikelmatrix eines anderen Portals abstimmt, damit ein Pfad entsteht, den ein Schiff benutzen kann. Die Matrix wird von diesen Strukturen aufrechterhalten.� Sie deutete auf Objekte, die sich um das Portal wanden. �Wie Sie sehen, gibt es die zu Hunderten. Das sind die sogenannten Trossen, auch wenn es keine richtigen Trossen sind. Aber in gewissem Sinne halten sie die Partikelmatrix in der gew�nschten Form. Ein Portal zerst�rt man, indem man die Trossen abschaltet oder zerst�rt. Aber wenn es dazu kommt, dann zerbricht die Matrix, und die gebundene Energie wird freigesetzt.� Einige der Anwesenden nickten bekr�ftigend.</p><p>�Eine gute Beschreibung, Commander�, gab Geary zur�ck, der sich vorstellen konnte, dass die tats�chliche Wissenschaft der Portale erheblich komplizierter war als das, was Cresida f�r ihn zusammengefasst hatte. Er w�nschte, jeder w�re so gut wie sie in der Lage, schwierige technische Sachverhalte so vereinfacht und verst�ndlich wiederzugeben. �Wie viel Energie, und in welcher Form?�</p><p>Cresida verzog den Mund. �Das ist eine theoretische Frage, weil es in der Praxis noch nie getestet wurde. Es wird die Ansicht vertreten, dass der Bruch einer Portal-Matrix einen Energiesto� erzeugt, der der Explosion einer Supernova entspricht.�</p><p>�Eine Supernova?�, wiederholte Geary ungl�ubig. �Eine Supernova setzt bei einer Explosion so viel Energie frei wie ein Stern bei einer Lebensspanne von zehn Milliarden Jahren. Eine solche Explosion w�rde nicht nur das betreffende Sternensystem ausl�schen, sondern auch noch einige umliegende Systeme.�</p><p>�Richtig�, best�tigte Cresida. �Das w�re ein unerfreuliches Ergebnis.�</p><p>�Allerdings�, stimmte Geary ihr zu.</p><p>�Andere Meinungen gehen allerdings davon aus, dass sich die Energie innerhalb der Matrix in sich � nun � zusammenfaltet. So wie ein unendliches Origami. Dabei wird sie immer kleiner und kompakter, bis sie in eine andere Existenzebene ger�t und unserem Universum entzogen wird. Der Energieaussto� l�ge in dem Fall bei null.�</p><p>Geary schaute sich um und sah, dass die anderen abermals Cresidas Meinung teilten. �Dann kann es also sein, dass einige Sternensysteme ausgel�scht werden, es kann aber auch sein, dass gar nichts geschieht. Aber welcher Energieaussto� wird als der wahrscheinlichste angesehen?�</p><p>Cresida sah zu den anderen Offizieren, w�hrend sie redete: �Die meisten Wissenschaftler glauben, dass sich der Energieaussto� unterhalb dem einer Supernova bewegt, aber mehr als nichts betr�gt. Bislang hat niemand �berzeugend darlegen k�nnen, was wirklich geschehen wird.�</p><p>�Sie scherzen, oder?�</p><p>�Nein, Sir.�</p><p>�Das ist alles, was die Wissenschaft dazu sagen kann? Und diese Portale werden errichtet, obwohl man wei�, dass sie ein Loch in den jeweiligen Teil der Galaxis rei�en k�nnen?�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Sie erlauben es einem, sehr schnell zu reisen�, f�gte Commander Neeson an.</p><p>Geary musterte die Darstellung des Hypernet-Portals von Sancere und fragte sich, wie viele Katastrophen auf den Wunsch der Menschheit zur�ckzuf�hren waren, um noch schneller als zuvor reisen zu k�nnen. <emphasis>Ich m�chte wissen, ob nichtmenschliche Intelligenzen in irgendeiner Form mit diesem schrecklichen Krieg zu tun haben, den wir seit hundert Jahren f�hren. Allerdings sollte mir inzwischen klar sein, dass wir keine nichtmenschlichen Intelligenzen brauchen, um Dummheiten zu begehen.</emphasis></p><p><emphasis>Augenblick mal! Da stimmt doch was nicht!</emphasis> �Wieso wissen wir nicht mehr dar�ber? Wir haben das Hypernet-System entworfen und gebaut. Wie kann es dann sein, dass wir zu wichtigen Eigenschaften so wenig sagen k�nnen?�</p><p>Wieder tauschten Commander Cresida und die anderen Befehlshaber Blicke aus. �Das kann ich Ihnen nicht so genau beantworten, Captain Geary. Der praktische Durchbruch bei der Konstruktion des Hypernets ging den Theorien voraus, die seine Existenz erkl�ren. An vielen Aspekten der Theorie wird immer noch geforscht. Aber das ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Die Leute finden oft einen Weg, dass etwas funktioniert, ehe sie verstehen, wie das �berhaupt m�glich sein kann.�</p><p>�Wir <emphasis>und</emphasis> die Syndiks? Wir haben beide gleichzeitig diesen praktischen Durchbruch geschafft?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Die Syndiks haben uns das Wissen gestohlen, Sir. Davon gehen wir aus, allerdings habe ich f�r diese Sicherheitsstufe keine Freigabe, darum kann ich das nicht mit Gewissheit sagen.�</p><p><emphasis>Oder wir haben es ihnen gestohlen.</emphasis> �Fazit ist: Sie glauben, dass die Syndiks es nicht wagen werden, das Portal zu zerst�ren?�</p><p>��hm � nein, Sir. Das wissen wir nicht. Sie k�nnten entschieden haben, dass das Risiko vertretbar ist.�</p><p>Geary versuchte, sich seine Gef�hle nicht ansehen zu lassen. <emphasis>Das wissen wir nicht. Was ist, wenn die extreme Einsch�tzung zutrifft, und die Syndiks setzen eine Zerst�rung in Gang, der nicht nur diese Flotte und das Sancere-System zum Opfer fallen, sondern auch noch etliche Systeme ringsum? Allein das Auftauchen dieser Flotte bei Sancere k�nnte die Syndiks dazu veranlassen, das Portal zu vernichten, sobald sie uns entdecken. Aber ich kann es mir nicht leisten, auf den Flug nach Sancere und auf den Angriff zu verzichten. Die Flotte braucht dringend Vorr�te. Es gibt keine Alternative. Ich kann nur darauf hoffen, dass der Energieaussto� des Portals schwach genug ausf�llt, sodass die Sternensysteme und meine Schiffe unversehrt bleiben.</emphasis></p><p><emphasis>Oh, verdammt, ich wei�, was sie vorhaben!</emphasis></p><p>�Wir m�ssen davon ausgehen, dass die Syndiks abwarten, bis wir uns dem Portal gen�hert haben, um es dann zu zerst�ren�, lie� Geary die anderen wissen, die ihn anstarrten. �Sie werden hoffen, dass die Explosion stark genug ist, um unsere Flotte auszul�schen, aber schwach genug, dass Sancere verschont bleibt.�</p><p>Cresida nickte zustimmend. �Und wenn Sancere doch dabei untergeht, dann ist das in deren Augen eben ein Kollateralschaden.�</p><p>�Aber was sollen wir stattdessen machen?�, warf Neeson ein. �Wir k�nnen das Portal doch nicht ignorieren.�</p><p>�Ich werde mir etwas �berlegen�, versprach Geary. <emphasis>Das hoffe ich jedenfalls.</emphasis> �Wenn dieses Ablenkungsman�ver erfolgreich ist, k�nnen wir die Syndiks daran hindern, dass sich deren Streitkr�fte dort befinden, wo sie dem Portal Schaden zuzuf�gen in der Lage sind. Wie es aussieht, sind wir einer Meinung, was die Vorgehensweise der Eingreiftruppe Furious angeht. Sie l�sen sich aus der Formation, attackieren die Syndik-Verteidigung und steuern dann scheinbar auf eine wichtige Anlage zu, �ndern aber den Kurs, sobald die Syndiks versuchen, Sie abzufangen.� Er machte eine kurze Pause. �Abh�ngig von der Situation, die sich daraus ergibt, werde ich Ihnen die weiteren Befehle �bermitteln. Wichtig ist mir, dass Sie auf keinen Fall auf eigene Faust mitten in die Syndik-Verteidigungslinie fliegen. Ziehen Sie sich gleich wieder zur�ck, damit ich Sie in �bereinstimmung mit dem Rest der Flotte einsetzen kann.� Alle nickten. �Ich werde daf�r sorgen, dass jeder von Ihnen seinen Einsatzbefehl erh�lt. Vielen Dank. Commander Cresida, Sie warten bitte noch.�</p><p>Nachdem die anderen virtuell Anwesenden sich aufgel�st hatten, betrachtete Geary Commander Cresida mit ernster Miene. �Sie werden weit von der Flotte entfernt sein, wenn Sie erst einmal die Syndiks attackiert haben. Sie k�nnten dabei �ber eine Lichtstunde weit weg sein. Das bedeutet, wenn Sie in Schwierigkeiten geraten, werde ich das eine Stunde sp�ter wissen. Ich vertraue darauf, dass Sie umsichtig k�mpfen, Commander. Besch�ftigen Sie die Syndiks, sorgen Sie daf�r, dass die sich ganz auf Sie konzentrieren, aber lassen Sie sich nicht abschie�en. Sind Sie in der Lage, den R�ckzug anzutreten, wenn das Ihre beste Alternative ist?�</p><p>Einen Moment lang schien Cresida �ber die Frage nachzudenken, dann nickte sie. �Ja, Sir.�</p><p>�Ich m�chte, dass Sie leben und k�mpfen, aber nicht stolz und tot sind.�</p><p>Sie grinste ihn an. �Sir, Sie haben uns gezeigt, dass wir leben und k�mpfen und dabei auch noch stolz sein k�nnen. Ich versuche immer noch zu verstehen, wie Sie es geschafft haben, dass bei Kaliban alles so perfekt zusammenlief und die Syndiks zerquetscht werden konnten.�</p><p>�Bew�hren Sie sich bei Sancere�, entgegnete er l�chelnd, �dann gebe ich Ihnen pers�nlich Nachhilfeunterricht.�</p><p>�Einverstanden, Sir.� Sie standen beide auf, und Cresida salutierte musterg�ltig. Offenbar hatte sie ge�bt. Geary sagte ihr nicht, dass der Flottensalut meistens etwas nachl�ssiger ausgef�hrt wurde, w�hrend sie mehr wie ein Marine wirkte.</p><p>Aber vielleicht hatte sie sich ja von Colonel Carabali darin unterrichten lassen. Geary wusste, dass die Marines sich k�stlich am�sierten, wenn sie den Matrosen zusahen, wie die sich damit abm�hten, Gearys Gesten nachzuahmen, seit der den Salut wieder einzuf�hren versuchte.</p><p>Nachdem sich Cresida zur�ckgezogen hatte, setzte er sich hin und betrachtete das Display, wobei sein Blick vor allem auf dem Hypernet-Portal ruhte. Ihm war bislang nicht in den Sinn gekommen, dass von diesen Portalen m�glicherweise eine immense Gefahr ausging.</p><p>Wom�glich stellten sie sogar die verheerendste Waffe dar, die je von Menschenhand gebaut worden war.</p><p>Und ihm blieb keine andere Wahl, als den gr��ten Teil seiner Flotte zum Hypernet-Portal von Sancere zu schicken.</p></section><section><title><p>F�nf</p></title><p>Der Komm-Alarm klingelte so eindringlich, dass Geary sofort hellwach war. Er drehte sich um und dr�ckte automatisch auf eine Taste, mit der er die eingehende Nachricht annahm. Insgeheim f�rchtete er zu h�ren, dass sich weitere Schiffe von der Flotte abgespalten hatten.</p><p>�Captain Geary�, meldete sich eine aufgeregt und zugleich �ngstlich klingende Commander Cresida. �Ich habe noch mal �berlegt. Ziemlich verwegene Konzepte. Aber mir ist aufgefallen: Wenn die Hypernet-Matrizen auf so viele Trossen verteilt sind, w�rde eine Matrix vielleicht so reagieren wie ein Netz oder ein Segel. Das w�rde bedeuten, dass der Kollaps der Matrix davon abh�ngt, in welcher Form die Trossen gel�st werden.�</p><p>Geary versuchte das zu erfassen, aber zum Gl�ck war Cresidas Vergleich nicht allzu kompliziert geraten. �Was bedeutet das f�r uns?�</p><p>�Nun, Sir, wenn die Art und Weise, wie eine Matrix in sich zusammenf�llt, sich auf die Menge Energie auswirkt, die dabei freigesetzt wird�� was auch der Fall sein sollte��, und wenn die Matrix davon abh�ngig so zusammenf�llt, wie die Trossen abgeschaltet werden, dann sollte es theoretisch m�glich sein, durch ein gezieltes Abschalten einzelner Trossen die freigesetzte Energie zu beeinflussen.�</p><p>�So wie eine Nuklearwaffe mit einem w�hlbaren Wirkungsgrad?�</p><p>�In etwa, ja � Auch wenn der physikalische Prozess und die damit verbundene Wissenschaft v�llig verschieden sind.�</p><p>�Was ben�tigen Sie, um diese Idee genauer zu untersuchen?�, wollte Geary wissen. �Und k�nnen Sie eine Antwort liefern, mit der sich etwas anfangen l�sst?�</p><p>�M�glicherweise.� Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern. �Ich ben�tige vorrangigen Zugriff auf das flottenweite Netzwerk, Sir.�</p><p>�Auf alles?� Die Rechenkapazit�t des Netzwerks war etwas, das �ber Gearys Verstand hinausging, aber die Tatsache, dass sie es ben�tigte, vermittelte ihm einen Eindruck davon, wie komplex Cresidas Idee war. �Okay. Sollen Sie haben.�</p><p>Nachdem die Verbindung l�ngst unterbrochen war, sa� er noch eine Weile da und �berlegte, ob er wirklich wollte, dass sie eine Antwort fand. Aber wenn sie mit ihrer Theorie richtig lag, dann bedeutete das einen taktischen Vorteil, den er sich nicht entgehen lassen konnte.</p><p>Die Gefechtssimulation, die Geary durchspielen lie�, w�hrend die Flotte auf den Sprungpunkt nach Sancere zuflog, lief zu seiner Zufriedenheit ab. Doch bei der anschlie�enden Flottenkonferenz st�rte es ihn, dass Offiziere wie Numos und Faresa nicht l�nger anwesend waren. Nat�rlich war es angenehm, nicht mit ihnen diskutieren zu m�ssen, aber ihr Fehlen erinnerte vor allem daran, dass sich vierzig seiner Schiffe auf einen Weg begeben hatten, der nach Gearys Ansicht nur in den Untergang f�hren konnte. Auch die anwesenden Offiziere sahen sich um und hielten nach vertrauten Gesichtern Ausschau, die nicht mehr zu finden waren.</p><p>Es war sicher nicht verkehrt, die Leute ein wenig abzulenken. �Hat jeder von Ihnen die modifizierten Einstellungen f�r den Sprungantrieb erhalten und �bernommen, damit wir den Sprung bis nach Sancere schaffen?�</p><p>Alle Offiziere an dem nur scheinbar gro�en Tisch nickten, doch den M�nnern und Frauen war ihre Nervosit�t deutlich anzumerken. Er wusste, was ihnen Sorgen bereitete. Sich in den Kampf gegen einen menschlichen Gegner zu st�rzen war eine Sache, aber sich auf eine zu weite Reise in den befremdlichen Sprungraum zu begeben, das war ein ganz anderes Thema. Schiffe, die einen zu gro�en Sprung unternommen hatten, waren nie wieder aufgetaucht. Geary kannte die Geschichten, die Matrosen sich erz�hlten. Geschichten �ber seit langer Zeit verschollene Schiffe, die pl�tzlich in einsamen Sternensystemen auftauchten, ihre Besatzungen auf eine grausame Weise zu Tode gekommen. Oder sie suchten nach wie vor ihr Schiff heim, da der Sprungraum sie zu etwas ver�ndert hatte, das nicht l�nger leben, aber auch nicht sterben konnte. Ihm waren solche Geschichten in Bars und w�hrend der langen Nachtschichten an Bord von Schiffen zu Ohren gekommen, wenn die d�steren, verlassenen Korridore mit einem Mal eine unheimliche Stille ausstrahlten. Geary fragte sich, ob es wohl neue Versionen von den billigen alten Horrorfilmen �ber Untote aus dem Sprungraum gab.</p><p>�Ich versichere Ihnen�, betonte er. �Diese Einstellungen werden funktionieren. Ich habe mehr als einmal Spr�nge �ber solche Entfernungen unternommen.� Das schien nicht die beruhigende Wirkung zu zeigen, die er sich erhofft hatte. �Sie m�ssen sich dabei nicht allein auf mein Wort verlassen. Wenn Sie in der Datenbank der Flotte suchen, werden Sie auf verschiedene Berichte sto�en. Ich kann Ihnen die Quellenangaben nennen.� Diese Berichte gingen in der immensen Masse an Informationen fast unweigerlich unter, und er selbst hatte sie auch nur finden k�nnen, weil er genau wusste, wonach er suchen musste. Immerhin war er seinerzeit selbst dabei gewesen. Manchmal fragte er sich, wie viel gesammeltes Wissen unter der F�lle von Daten begraben lag, die unabl�ssig zusammengetragen und gespeichert wurden. In fr�heren Zeiten ging das Wissen verloren, weil die Aufzeichnungen nicht l�nger existierten, heute dagegen existierten von absolut allem Aufzeichnungen, und in dieser Flut von Informationen etwas zu finden war noch schwieriger als die ber�hmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen�� und das selbst dann, wenn man wusste, dass bestimmte Informationen existierten.</p><p>Allein die Tatsache, dass es einen Beweis f�r Gearys Behauptungen gab, sorgte allgemein f�r bessere Laune. �Glauben Sie mir, es wird f�r die Syndiks eine sehr unangenehme �berraschung sein, wenn wir aus diesem Sprungpunkt bei Sancere zum Vorschein kommen. In ihren Augen wird die Allianz-Flotte das Unm�gliche geleistet haben.� Endlich sah Geary hier und da an dem langen virtuellen Tisch ein L�cheln aufblitzen. �Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass wir sie v�llig �berrumpeln. Das wird uns einen entscheidenden Vorteil verschaffen, weil die Kommandoebene der Syndiks in Sancere wertvolle Zeit verlieren wird, bis man den ersten Schreck �berwunden und verstanden hat, dass wir den Krieg zu ihnen gebracht haben.�</p><p>�In den Schiffswerften von Sancere entstehen zahlreiche Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer der Syndiks�, warf Captain Duellos ein.</p><p>�Selbst wenn nur die H�lfte von dem da ist, was wir erwarten�, sagte Geary, �werden es mehr als genug Ziele sein. Deshalb wird es auch extrem wichtig sein, dass wir unsere Angriffe aufeinander abstimmen. Wenn einfach jeder auf das losst�rmt, was ihm besonders ins Auge sticht, kann es schnell vorkommen, dass ein Syndik-Schiff in seine Atome zerschossen wird, w�hrend ein halbes Dutzend andere Schiffe entkommt. Wir wollen aber nicht, dass uns auch nur ein einziges Schiff entwischt.� Dass es den Offizieren gefiel, so etwas zu h�ren, konnte er ihnen anmerken. Es sollte ihm helfen, sie im Zaum zu halten, wenn sie erst einmal mit einer ganzen F�lle von Zielen konfrontiert wurden.</p><p>�Captain Tyrosian.�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Die Schnellen Hilfsschiffe in Ihrer Division haben hervorragende Arbeit geleistet, neue kinetische Bomben zu bauen und sie auf die anderen Schiffe zu verteilen. Den Besatzungen von <emphasis>Titan</emphasis>, <emphasis>Witch</emphasis>, <emphasis>Goblin</emphasis> und <emphasis>Jinn</emphasis> m�chte ich f�r den Einsatz und die Hingabe meine Gratulation und meinen Dank aussprechen.� Tyrosian machte einen zu Recht zufriedenen Eindruck. <emphasis>Dank sei den lebenden Sternen, dass keines der Hilfsschiffe sich mit Falcos Gruppe davongemacht hat. Ich brauche diese Schiffe und das, was sie leisten k�nnen, um die Flotte nach Hause zu bringen.</emphasis></p><p>Captain Tulev verzog skeptisch den Mund. �Wir haben zwar Grund zu der Annahme, dass wir die Syndiks v�llig unvorbereitet erwischen, aber wir m�ssen auch davon ausgehen, dass die Verteidigung im Sancere-System auf dem neuesten Stand und nicht zu knapp bemessen sein wird.�</p><p>�Das sehe ich auch so�, entgegnete Geary. �Wenn wir in den Sprung wechseln, wird sich die Flotte in einer allgemeinen Angriffsformation befinden, aber das werden wir sofort anpassen, wenn ich ein Gef�hl daf�r bekommen habe, wie wir ihre Verteidigung am besten �berwinden. Wie Sie meinem Angriffsplan entnehmen k�nnen, sollen die Schiffe der Eingreiftruppe Furious vorgeben, sie w�rden aus der Formation ausbrechen. Unsere Hoffnung ist, dass die Syndik-Kriegsschiffe sich an die Eingreiftruppe h�ngen und uns den Weg zum Hypernet-Portal freimachen.� Er hielt kurz inne, da er nicht den Enthusiasmus ersticken wollte, der bei der Erw�hnung des Hypernet-Portals aufkeimte. �Wir m�ssen auch davon ausgehen, dass die Syndiks versuchen werden, das Portal zu zerst�ren, bevor wir es benutzen k�nnen.�</p><p>�Diese Portale sind sehr robust�, meldete sich ein anderer Kommandant zu Wort. �Die bestehen aus so vielen �berfl�ssigen Bauteilen, dass sie eine Menge einstecken k�nnen.�</p><p>�Ja�, stimmte Geary ihm zu. <emphasis>Mittlerweile wei� ich, dass sie ganz bewusst so konstruiert sind, damit sie nicht bei der kleinsten Besch�digung zerst�rt werden, denn das kann unberechenbare Auswirkungen haben. Aber wenn ich allen erz�hle, was unter Umst�nden passieren k�nnte, riskiere ich, dass im entscheidenden Moment Panik ausbricht.</emphasis> �Aber sie sind nicht daf�r ausgelegt, einem gezielten Beschuss standzuhalten. Es kann sein, dass wir nicht schnell genug sind, um das Portal rechtzeitig zu erreichen. Aber wir werden unser Bestes versuchen.�</p><p>Sekundenlang herrschte Schweigen, dann fragte der Kommandant eines Zerst�rers: �Sir, was ist mit den Schiffen, die sich bei Strabo von uns getrennt haben?�</p><p>Geary biss einen Moment lang die Z�hne zusammen, dann erwiderte er: �Da k�nnen wir nicht viel machen. Verdammt, da k�nnen wir �berhaupt nichts machen. Wir k�nnten ihnen ja nicht einmal folgen, um ihnen zu helfen, weil wir nicht wissen, zu welchem Stern sie gesprungen sind.� <emphasis>Was nat�rlich damit zusammenh�ngt, dass ich die �bertragung von Falcos Ansprache an die Flotte blockieren lie�, der zweifellos verk�ndet hat, wohin er mit seinen Schiffen reist, damit ihm noch mehr Commander auf seinem sinnlosen Feldzug folgen.</emphasis> �Ich glaube, sie werden in einen Syndik-Fleischwolf geraten, der von ihnen nichts �brig l�sst. Kampfgeist ist gut und sch�n, und er ist tats�chlich unverzichtbar, aber er sch�tzt nur schlecht gegen feindliches Feuer.� Er hielt inne, weil es ihm zuwider war, das laut auszusprechen. Aber er hatte das Gef�hl, eine Tatsache zu best�tigen, die jedem von ihnen ohnehin klar war. �Aber sie haben noch eine Chance.�</p><p>�Ilion?�, fragte Captain Duellos. �Sie nannten ihnen vor dem Sprung aus dem Strabo den Namen dieses Sternensystems. Mir ist aufgefallen, dass es in Sprungreichweite von Sancere liegt.�</p><p>�Ja.� Geary zeigte auf das Sternendisplay �ber dem Tisch.</p><p><emphasis>Nat�rlich hat Duellos die Antwort auf diese Frage l�ngst recherchiert.</emphasis> �Wenn wir das Hypernet-Portal bei Sancere nicht benutzen k�nnen, dann springen wir von dort nach Ilion.�</p><p>�Warum Ilion?�, wollte der Captain der <emphasis>Terrible</emphasis> wissen. �Das ist von Sancere aus nicht die beste Route zur�ck ins Allianz-Territorium.�</p><p>�Richtig�, best�tigte Geary ruhig. �Aber es ist das einzige Sternensystem, das diese Schiffe erreichen k�nnen, falls sie kehrtgemacht haben und jetzt versuchen, sich uns wieder anzuschlie�en. Wenn es ihnen gelingt, den Syndiks zu entwischen, k�nnen sie sich nach Ilion zur�ckziehen und sich mit uns treffen.�</p><p>Captain Tulev betrachtete mit finsterer Miene das Display. �Sie meinen, falls es <emphasis>irgendeinem</emphasis> der Schiffe gelingen sollte, den Syndiks zu entkommen.�</p><p>�Ja. Falls sie es schaffen, wissen sie, wo sie uns finden k�nnen.� Geary sah einen Commander nach dem anderen an. �F�r uns bedeutet das ein Risiko. Wie bereits angesprochen, ist es nicht die beste Route in Richtung Heimat, und wir werden uns bei Ilion l�nger aufhalten m�ssen, als mir lieb ist. Aber ich m�chte den anderen Schiffen eine Chance geben, zur Flotte zur�ckzukehren. Leider ist es das Einzige, was wir in dieser Richtung tun k�nnen, und ich habe entschieden, dass wir dieses Risiko eingehen.�</p><p>Wieder folgte eine Pause, dann nickte der Captain der <emphasis>Terrible.</emphasis> �Jawohl, Sir. Vielen Dank, Captain Geary. Ich wei�, Sie lassen �ber Ihre Entscheidungen nicht abstimmen, aber wenn doch, h�tte ich f�r Sie gestimmt.�</p><p>Niemand widersprach ihm, und Geary erwiderte das Nicken. �Danke.� <emphasis>Was soll ich noch sagen? �Und seien Sie bitte so gut und setzen Sie sich mit Ihren Schiffen nicht auch noch ab�?</emphasis></p><p>Offenbar musste er aber weiter nichts sagen. Die allgemeine Unsicherheit war in unterschiedlichem Ma�e mal Begeisterung, mal Resignation gewichen. Die Besprechung l�ste sich auf. Nach und nach verschwanden die virtuellen Teilnehmer, bis nur Captain Duellos zur�ckblieb, der ihn ernst ansah. �Auf Ilion h�tten Sie sofort zu sprechen kommen sollen. Ich wollte es erw�hnen, aber dann kam mir die <emphasis>Terrible</emphasis> zuvor.�</p><p>�Ich war mir nicht sicher, wie sie es aufnehmen w�rden�, antwortete Geary ihm, �wenn ich auf die Schiffe zu sprechen komme, die Falco gefolgt sind.�</p><p>�Sie haben nicht als Einziger Angst, Captain Geary.� Duellos l�chelte fl�chtig, als er Gearys erschrockenen Blick sah. �Oh, Sie �berspielen das au�ergew�hnlich gut, aber ich wei� es, weil ich mittlerweile genug �ber Sie wei�, um die Zeichen richtig zu deuten. Lassen Sie sich nicht von den tapferen Erkl�rungen meiner Kollegen t�uschen. Wir haben alle Angst und fragen uns, ob das n�chste System unser letztes sein wird und ob wir in einem Arbeitslager wie dem auf Sutrah V enden werden.�</p><p>Geary schlug sich mit der Faust gegen die Stirn. �Sie mussten von mir h�ren, dass ich immer noch davon ausgehe, sie alle sicher nach Hause zu bringen, sogar die, die sich von uns abgespalten haben.�</p><p>�Ganz genau.� Duellos atmete mit einem gedehnten Seufzer aus. �Das ist �brigens f�r diese fast vierzig Schiffe die einzige Hoffnung. Dass sie die Flucht ergreifen, meine ich.�</p><p>�Ich wei�.� Geary bewegte seine Hand durch das Sternendisplay. �Aber mir wurde gesagt, dass die Flotte niemals die Flucht ergreift.�</p><p>�Hah! Lassen Sie mich raten: Desjani?�</p><p>Geary verzog den Mund zu einem schiefen L�cheln. �Nein.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Sie beobachtet Sie und lernt von Ihnen. Wer k�nnte denn � ach, nat�rlich. Cresida. Unser kleiner Hitzkopf von der <emphasis>Furious</emphasis>.�</p><p>�Die anderen Captains schienen ihre Ansicht zu teilen�, betonte Geary.</p><p>Duellos l�chelte. �Die Captains der Eingreiftruppe? Kein Wunder. Immerhin haben Sie diese Leute handverlesen. Aber wenn Sie nicht das Kommando h�tten, dann w�rden sogar sie den R�ckzug antreten, wenn es hart auf hart kommt. Und sie werden die Flucht ergreifen, wenn der glorreiche Falco der K�mpfer in den Hinterhalt ger�t, mit dem Sie und ich fest rechnen.�</p><p>Geary spielte gedankenverloren mit den Displaykontrollen. �Was glauben Sie, was geschehen wird? Was wird Falco machen?�</p><p>�Zusammenbrechen�, kam Duellos knappe Antwort. �Das ist mein Ernst. N�chtern betrachtet war er ein recht f�higer, aber fantasieloser Befehlshaber. Allerdings ging Captain Falco davon aus, dass der Feind genauso von ihm beeindruckt ist wie er selbst. Der Feind wurde dieser Annahme aber nicht immer gerecht, sehr zum Leidwesen der Allianz-Streitkr�fte, die Falcos Kommando unterstellt worden waren.�</p><p>Geary nickte und fand, dass diese Ausf�hrungen sehr zutreffend das zusammenfassten, was er �ber Falcos Schlachten gelesen hatte. �Aber er war nicht v�llig unf�hig. Ich kann noch immer nicht fassen, dass er mit so wenigen Schiffen geradewegs in eine garantierte Falle der Syndiks fliegt. Allerdings ist es mir auch ein R�tsel, wie ihm so viele Commander freiwillig folgen k�nnen.�</p><p>Duellos verzog das Gesicht, als h�tte er auf etwas Widerw�rtiges gebissen. �Captain Falcos �berredungskunst hat nicht allzu sehr gelitten. Ich konnte an eine Kopie der Nachricht gelangen, die er �ber die Shuttles auf diejenigen Schiffe geschmuggelt hat, von deren Befehlshabern er den Eindruck hatte, sie w�rden ihm folgen. Ich muss ehrlich sagen, es ist eine mitrei�ende Nachricht, die einen in ihren Bann schlagen kann.�</p><p>�Zu schade, dass keiner dieser Captains es f�r n�tig hielt, mich davon in Kenntnis zu setzen�, merkte Geary entt�uscht an. �Vielleicht h�tte ich einige von ihnen mitsamt ihren Schiffen vor einer Dummheit bewahren k�nnen. Aber es �berrascht mich nicht, wenn Sie sagen, die Nachricht war mitrei�end. Ich hatte ohnehin den Eindruck, dass Captain Falco sich ernsthaft f�r den Einzigen h�lt, der die Allianz retten kann. In der Hinsicht spielt er niemandem etwas vor.�</p><p>�Oh, die Allianz ist ihm tats�chlich wichtig�, best�tigte Duellos. �Oder besser gesagt: das, was er f�r die Allianz h�lt. Seine Reden sind so �berzeugend, weil sie von Herzen kommen. Aber weil Falco auch glaubt, dass nur er wirklich wei�, was getan werden muss, und dass niemand au�er ihm das leisten kann, hat er sich vor langer Zeit selbst weisgemacht, die Allianz zu retten und seine Karriere voranzubringen seien ein und dasselbe.� Duellos atmete schwer durch. �Er hat zwanzig Jahre damit verbracht, sich das Gleiche immer und immer wieder einzureden, und dabei war er von vornherein davon �berzeugt, der Erretter der Allianz zu sein.�</p><p>Geary dachte eine Zeit lang dar�ber nach, ehe er abermals nickte. �Seine Argumente sind so eindringlich, weil er sie selbst glaubt, aber sie haben inzwischen noch weniger Bezug zur Realit�t als vor zwanzig Jahren.�</p><p>�Sogar ganz erheblich weniger�, bekr�ftigte ein sichtlich ungl�cklicher Duellos. �Hinzu kommt, dass Falco lange Zeit in einem Arbeitslager gesessen hat, wo alles nach Routine abl�uft. Ist Ihnen aufgefallen, welche Schwierigkeiten er hat, auf etwas Unerwartetes zu reagieren, und das allein schon bei einer Unterhaltung? Er ist nicht mehr mit Notsituationen konfrontiert worden, er hat keine Gefechte ausgetragen, er hat keinerlei �bung mehr darin, ein Schiff zu befehligen. Und das ist nur die geistige Seite. K�rperlich ist er �lter geworden, und er hat unter aufreibenden Bedingungen gelebt. Die Ern�hrung war schlecht, die medizinische Versorgung noch schlechter.�</p><p>�Als ich diese Flotte �bernahm, lag mein letztes Kommando hundert Jahre zur�ck�, hielt er dagegen.</p><p>Diesmal grinste Duellos breit. �Aber nur aus unserer Sicht. F�r Sie waren nur ein paar Wochen vergangen. Und verzeihen Sie, wenn ich es so geradeheraus sage, aber Captain Falco hat mit Ihnen nur eine einzige Sache gemeinsam, n�mlich das Rangabzeichen.�</p><p>�Freut mich, das zu h�ren�, gab Geary zu und l�chelte dabei, um erkennen zu lassen, dass er das indirekte Kompliment nicht allzu ernst nahm. �Dann glauben Sie, Falco wird �berhaupt nicht in der Lage sein, ein funktionierendes Kommando zuf�hren?�</p><p>Duellos sch�ttelte grimmig den Kopf.</p><p>�Und was werden diese Schiffe dann machen? Zum glorreichen Sturm auf die Syndik-Flotte blasen, von der sie dann in St�cke gerissen werden?�</p><p>Einen Moment lang betrachtete Duellos mit ernster Miene die Sterne auf dem Display. �Unwahrscheinlich, w�rde ich sagen. Ein glorreicher Sturmlauf in den Tod muss von jemandem angef�hrt werden. Wenn ich mit meiner Einsch�tzung nicht falschliege, dann wird Falco von den Ereignissen �berw�ltigt werden und nicht in der Lage sein, das hinzubekommen. Die anderen Captains wie Numos oder Faresa haben weder eine mitrei�ende Wirkung, noch sind sie emotional in der Lage, diesen Mut der Verzweiflung aufzubringen. Also gibt es keinen Anf�hrer, der die anderen antreiben kann. Schlimmstenfalls verlieren sie den Kopf und rennen in alle Richtungen davon, womit sie eine leichte Beute f�r die Syndiks werden. Bestenfalls erinnern sie sich an Ilion, halten ihre Formation so geschlossen wie m�glich, um sich gegenseitig Schutz zu geben, und k�mpfen sich den Weg dorthin frei. Die Syndiks werden nicht erwarten, dass die Schiffe einen Sprung unternehmen, der nur noch tiefer in ihr Gebiet f�hrt. Dadurch k�nnte sich die Chance ergeben, mit dieser Taktik durchzukommen. Ist zwar nur eine minimale Chance, aber zumindest existiert sie.�</p><p>Geary nickte und musterte die gleichen Sterne. �Sie h�ren sich an, als h�tten Sie meine Gebete an meine Vorfahren belauscht. Denn ich bete, dass die Schiffe genau das machen werden.�</p><p>�Wenn sie nach Ilion springen�, machte Duellos klar, �dann werden die Syndiks sie verfolgen. Sehr viele Syndiks.�</p><p>�Ich wei�. Wenn es dazu kommt, werden wir darauf gefasst sein. Wenn die Chancen schlecht stehen, werden wir bereit sein, uns den Weg aus dem System freizuk�mpfen. Stehen sie gut, versuchen wir, die Syndik-Streitmacht aus diesem Sektor zu vertreiben.�</p><p>�Das h�tten Sie unseren Captains auch sagen sollen�, wandte Duellos ein.</p><p>�Das werde ich. Unmittelbar vor dem Sprung werde ich eine Nachricht senden.� Geary atmete tief durch. �Meinen Sie, es werden sich weitere Schiffe absetzen?�</p><p>�Jetzt? Nein, jetzt nicht mehr. Selbst diejenigen, die Ihnen mit einem unguten Gef�hl folgen, haben mehr Angst davor, die Flotte zu verlassen. Deshalb sind sie auch nicht Captain Falco gefolgt.�</p><p>�Ich glaube, das ist das Beste, das ich mir erhoffen kann�, meinte Geary lachend.</p><p>Duellos erhob sich und salutierte. �Ich sehe Sie in Sancere wieder, Captain Geary.�</p><p>Geary erwiderte den Salut. �Darauf k�nnen Sie z�hlen.�</p><p>Zu seiner �berraschung tauchte Commander Cresidas Bild wieder auf, kaum dass Duellos verschwunden war. Sie wirkte abgek�mpft. �Wir haben etwas, das funktionieren k�nnte.�</p><p>�Tats�chlich? K�nnen wir die Energie beschr�nken, die bei einem Ausfall des Portals freigesetzt wird?�</p><p>�Zumindest in der Theorie, sofern die Annahmen zutreffen.� Cresida machte eine hilflose Geste. �Ob es funktioniert, k�nnen wir mit Gewissheit erst dann sagen, wenn wir es ausprobieren.�</p><p>�Und wenn nicht, k�nnte es zu sp�t sein, noch etwas anderes zu versuchen�, erg�nzte Geary m�rrisch. �Trotzdem haben Sie gute Arbeit geleistet.�</p><p>Geary hielt eine Datendisk in seiner Hand, als die Flotte zum Sprung ansetzte und die aufgedunsene Sonne von Cydoni hinter sich zur�cklie�. Bis nach Sancere w�rden sie �ber zwei Wochen im Sprungraum ben�tigen, ein Zeitraum, den au�er Geary niemand in dieser Flotte ohne Unterbrechung dort verbracht hatte. Er nickte Captain Desjani zu, stand auf und wusste, dass er wahrscheinlich gedankenverloren wirkte. �Ich bin in meiner Kabine.�</p><p>Der Weg dorthin kam ihm ungew�hnlich kurz vor, da er mit seinen Gedanken anderswo war. Er setzte sich an seinen Tisch und tippte energisch auf die Komm-Kontrollen. �Madam Co-Pr�sidentin, ich muss mit Ihnen reden.�</p><p>�Das kommt mir jetzt ungelegen.� Victoria Riones Stimme klang nicht nur k�lter als das All, sondern auch gelangweilt.</p><p>�Ich muss darauf bestehen.�</p><p>Erst nach ein paar Sekunden kam ihre Erwiderung. �Um was geht es?�</p><p>�Um etwas �u�erst Wichtiges.�</p><p>�Und Sie erwarten, dass ich auf Ihre Einsch�tzung vertraue?�</p><p>Geary verkniff sich eine zornige Bemerkung. �Mir ist egal, ob Sie darauf vertrauen oder nicht. Ich muss etwas mit Ihnen besprechen. Wenn Ihnen die Sicherheit der Allianz wirklich etwas bedeutet, dann werden Sie herkommen und mit mir reden.�</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>Er starrte das Schott gegen�ber an. Er konnte mit Gewaltanwendung drohen, doch dann w�rde Rione ihm erst recht nicht zuh�ren. �Bitte, Madam Co-Pr�sidentin, ich schw�re bei der Ehre meiner Vorfahren, es ist etwas, das Sie erfahren m�ssen.�</p><p>Diese Pause fiel noch l�nger aus. �Also gut, Captain Geary. An die Ehre Ihrer Vorfahren glaube ich nach wie vor. Ich werde in K�rze bei Ihnen sein.�</p><p>Geary lie� sich in seinen Sessel sinken und rieb sich die Augen. <emphasis>Wenn ich mir vorstelle, dass ich mich mal auf Riones Besuche gefreut habe! Aber das ist zu wichtig, das kann ich nicht auf sich beruhen lassen.</emphasis></p><p>Die T�rglocke zu Gearys Kabine wurde bet�tigt, Rione trat ein. Ihre Miene verriet keine Regung, und ihre Augen glitzerten wie von einer Eisschicht �berzogen. �Ich h�re, Captain Geary.�</p><p>Er deutete auf den Sessel ihm gegen�ber. �Nehmen Sie bitte Platz.�</p><p>�Ich bleibe lieber stehen.�</p><p>�Setzen Sie sich einfach hin!�, herrschte er sie so pl�tzlich an, dass nicht nur Rione zusammenzuckte, sondern auch er selbst �ber seine Lautst�rke erschrak. �Entschuldigen Sie. Was ich mit Ihnen besprechen muss, ist von wirklich gro�er Bedeutung.� Der f�rmliche Tonfall half ihm, mit ruhigerer Stimme weiterzureden.</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete sie ihn, nahm dann aber im Sessel Platz. �<emphasis>Was gibt es,</emphasis> Captain Geary?�</p><p>Es fiel ihm schwer sie anzusehen, und sein Blick schweifte zu der Sternenlandschaft, w�hrend er sich vorstellte, wie die von gewaltigen Explosionen zerrissen wurde. �Wir haben uns damit besch�ftigt, was bei Sancere passieren k�nnte, wo es bekanntlich ein Hypernet-Portal gibt. Ich ging von der Annahme aus, die Syndiks k�nnten versuchen, diesen Zugang zu zerst�ren. Allerdings musste ich mittlerweile erfahren, dass die Vernichtung eines solchen Portals gro�e Mengen Energie freisetzen k�nnte. Oder vielleicht auch gar keine. Das ist alles strikt theoretisch.�</p><p>Mit frostiger Stimme fragte sie: �Gro�e Mengen Energie? Die Errichtung des Hypernet-Systems wurde genehmigt, lange bevor ich zum Allianz-Senat kam. Daher bin ich �ber die technischen Details nicht informiert. Wie gro� sind diese Energiemengen?�</p><p>�Sie sind vergleichbar mit einer Supernova.� Das l�ste bei Rione schlie�lich doch eine Reaktion aus, da sie schockiert die Augen aufriss. Geary atmete tief durch und fuhr fort: �Einer der Captains, Commander Cresida, hat eine Theorie �ber die Hypernet-Portale aufgestellt. Wenn sie damit richtigliegt, dann h�ngt das Ausma� an freigesetzter Energie davon ab, wie die Portaltrossen zerst�rt werden, also in welchen zeitlichen Abst�nden und in welcher Sequenz ihnen die Kontrolle �ber die Partikelmatrix entrissen wird. Das Flottennetzwerk hat diese Berechnungen mit einigen M�hen ausgef�hrt und einen Algorithmus f�r den Einsatz unserer Waffen entwickelt, der es uns erlauben sollte, die freiwerdende Energie auf ein absolutes Minimum zu beschr�nken.�</p><p>Riones Stimme war noch immer unterk�hlt, lie� aber ihre Verst�ndnislosigkeit erkennen. �Und warum beunruhigt Sie das, Captain Geary? Ich gebe zu, es �berrascht mich, dass Hypernet-Portale eine so gro�e potenzielle Gefahr darstellen. Aber wenn Sie einen Weg gefunden haben, den Schaden zu begrenzen, dann d�rfte das doch etwas Gutes sein, oder nicht?�</p><p>Geary betrachtete die silberne Scheibe in seiner Handfl�che. �Es beunruhigt mich aus einem bestimmten Grund, Madam Co-Pr�sidentin. Um herauszufinden, wie sich die Energieabgabe minimieren l�sst, mussten wir auch in Erfahrung bringen, wie man sie maximieren kann.� Er hielt die Datendisk hoch und sah Rione an. �Wenn die Theorie auf die Praxis �bertragbar ist, dann ist es uns m�glich, die Portale zu den zerst�rerischsten Waffen zu machen, die die Menschheit je gesehen hat. Wom�glich sind wir in der Lage, nicht nur komplette Sternensysteme auszul�schen, sondern ganze Regionen des Weltalls.�</p><p>Victoria Rione sah ihn zutiefst entsetzt an. �Wie konnten die lebenden Sterne etwas derartiges zulassen? Als wir die alte Welt verlie�en, da glaubte die Menschheit, wir h�tten die Gefahr gebannt, dass durch eine Katastrophe eine ganze Spezies ausgel�scht wird. Dass wir in Sicherheit sind, wenn wir uns inmitten der Sterne verteilen. Aber eine solche Waffe �� Ihr Blick richtete sich auf die Disk. �Was ist das?�</p><p>�Der Algorithmus f�r die Maximierung der Energieentladung. Wie ich bereits sagte, musste das Flottennetzwerk beide Varianten berechnen.� Er warf ihr die Scheibe zu, die sie reflexartig auffing. �Mir ist lieber, wenn diese Daten in Ihrem Besitz sind. Ich habe veranlasst, dass die Berechnungen im flottenweiten System gel�scht und �berschrieben werden. Das da ist die einzige existierende Kopie.�</p><p>Sie starrte die Disk an, als h�tte sie eine Giftschlange vor sich. �Warum?�</p><p>Er legte die Frage so aus, dass sie sich auf Rione bezog. �Weil es zu gef�hrlich ist, Madam Co-Pr�sidentin, sie irgendeinem anderen Menschen anzuvertrauen, mich eingeschlossen.�</p><p>Rione warf ihm einen stechenden Blick zu. �Warum wollen Sie das �berhaupt irgendwem anvertrauen? Warum lassen Sie �berhaupt eine Kopie erstellen?�</p><p>�Aus einem einfachen Grund: Wenn wir das berechnen k�nnen, ist das anderen ebenfalls m�glich.�</p><p>Nun wurde Rione bleich. �Sie meinen � Aber wenn die Syndiks dazu in der Lage w�ren ��</p><p>�Dann h�tte die Allianz inzwischen l�ngst die Folgen zu sp�ren bekommen�, beendete Geary den Satz f�r sie. �Da stimme ich Ihnen zu. Ich glaube, die Syndiks sind noch nicht zu dieser Erkenntnis gelangt. Und ich glaube sogar, dass nicht einmal Commander Cresida erkannt hat, welch verheerende Waffen diese Portale sein k�nnen. Aber ich glaube, es gibt jemanden, der es wei�.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, fuhr Rione ihn in nunmehr hitzigem Tonfall an. �Wenn Sie nicht glauben, dass die Syndiks diesen Schluss gezogen haben, wollen Sie dann behaupten, die Allianz wei� davon?�</p><p>�Nein, weder die Syndiks noch die Allianz�, sagte Geary geradeheraus. Er wusste, seine Worte waren brutal, aber er fand, er musste es aussprechen. �Ich habe erlebt, wie die Offiziere dieser Flotte nach hundert Jahren Krieg denken. W�sste die Allianz, dass die Portale Waffen darstellen, dann h�tte sie l�ngst begonnen, die Portale zu sprengen und ganze Syndik-Systeme auszul�schen. So ist es doch, nicht wahr, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>Nach kurzem Schweigen nickte Rione. �Es spricht vieles daf�r, dass Sie recht haben�, r�umte sie leise ein. �Was glauben Sie dann, wer von dieser erschreckenden Tatsache wei�? Es gibt keine Welten, die weder zu den Syndiks noch zur Allianz geh�ren. Es gibt niemanden sonst.�</p><p>�Niemanden, den wir kennen�, korrigierte Geary sie. �Niemanden von menschlicher Art.�</p><p>�Ist das Ihr Ernst?�, fragte sie kopfsch�ttelnd. �Welchen Beweis haben Sie daf�r?�</p><p>�Woher kommt das Hypernet?�</p><p>Die Frage schien sie zu �berrumpeln, ihre Feindseligkeit war f�r den Moment vergessen. �Es war ein sehr pl�tzlicher Durchbruch, mehr wei� ich dar�ber auch nicht.�</p><p>�Und die Theorie dahinter verstehen wir bis heute nicht�, f�gte Geary hinzu. �Das sagte mir Commander Cresida, und die Datenbank der Flotte best�tigt es. Wann gelangten die Syndiks in den Besitz der Hypernet-Technologie?�</p><p>�Etwa zur gleichen Zeit wie die Allianz.�</p><p>�Interessanter Zufall, nicht wahr?�, gab er zur�ck. �Ich h�rte, dass die Allianz glaubt, die Syndiks h�tten die Technologie gestohlen. Das w�re zumindest eine Erkl�rung.�</p><p>Rione nickte und senkte den Blick. �Ja, aber ich wei� aus anderen Berichten, dass die Syndiks glauben, wir h�tten ihnen die Technologie gestohlen.� Sie schloss die Augen und dachte nach. �Sie ziehen also ernsthaft in Erw�gung, dass eine nichtmenschliche Intelligenz uns mit der Technologie versorgt hat? Und zwar beide Seiten? Aber wieso? Das Hypernet ist f�r uns von betr�chtlichem Nutzen. Die F�higkeit, so schnell von einem Stern zum n�chsten zu reisen, hat den menschlichen Zivilisationen einen enormen Auftrieb beschert.�</p><p>Geary lie� sich in seinen Sessel sinken und rieb sich die Augen. �Haben Sie jemals vom Trojanischen Pferd geh�rt? Einer Sache, die nach einem ansprechenden Geschenk aussieht, die aber in Wahrheit eine gef�hrliche Waffe darstellt?�</p><p>Abermals wurde Rione bleich. �Sie meinen, jemand � etwas � hat uns diese Technologie in dem Wissen �berlassen, dass wir diese Portale bauen, die als Waffen gegen uns verwendet werden k�nnten?�</p><p>�Richtig.� Geary deutete auf sein Display. �Jede menschliche Kultur in jedem wichtigen Sternensystem verf�gt �ber Hypernet-Portale. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn in jedem dieser Systeme eine Supernova explodiert. Ach, eine einfache Nova gen�gt. Von mir aus sogar eine Mininova.�</p><p>�Aber � warum?�</p><p>�Vielleicht haben sie Angst vor uns. Vielleicht wollen sie auch, dass wir sie in Ruhe lassen. Oder es ist ihre Art von R�ckversicherung f�r den Fall, dass wir ihnen jemals gef�hrlich werden. Oder aber es ist ihre Art zu k�mpfen, indem sie sich im Schatten verborgen halten und ihre Gegner in eine Falle locken.� Geary sch�ttelte den Kopf. �Dieser Krieg begann aus Gr�nden, die niemand so ganz begreift. Und er zieht sich schon so lange hin, dass er l�ngst keinen Sinn mehr ergibt. Leider ist das in der Geschichte der Menschheit nichts Ungew�hnliches, aber dieser Krieg sorgt seit einem Jahrhundert daf�r, dass die menschliche Rasse sich mit nichts anderem mehr besch�ftigt. Weder die Syndiks noch die Allianz sind in diesen hundert Jahren in unerforschte Regionen vorgesto�en. Ich habe es nachgepr�ft.�</p><p>Victoria Rione starrte in die Ferne. �Ihre �berlegungen sind aber pure Spekulation. Oder gibt es irgendwelche Beweise?�</p><p>�Keine Beweise. Ein paar seltsame Entdeckungen im Kaliban-System, wo die Marines feststellten, dass der Syndik-Tresor mit der Hilfe von nichtstandardm��igem Werkzeug ge�ffnet worden war. Und niemand konnte sich erkl�ren, warum die Syndiks gewisse Ma�nahmen ergriffen hatten, bevor sie das System verlie�en. Das beweist nichts, au�er dass etwas Ungew�hnliches geschehen ist.�</p><p>Sie sah die Sternenlandschaft an. �Wie sollte jemand die Hypernet-Portale dazu bringen, zu explodieren und dabei die maximale Energie abzugeben? Ist es m�glich, irgendein Signal durch das Hypernet zu schicken? Uns ist keine Methode bekannt, wie das bewerkstelligt werden k�nnte.�</p><p>�Aber uns ist auch vieles andere �ber ihre Funktionsweise nicht bekannt�, betonte Geary. �Ich glaube, solange keine von beiden Seiten diesen Krieg gewinnt, d�rften wir in Sicherheit sein. Vorausgesetzt, ich liege mit meiner Spekulation richtig.�</p><p>�Eine schreckliche Spekulation, Captain Geary.�</p><p>Er nickte und sah sie lange an. �Ich w�re Ihnen dankbar, wenn Sie auch dar�ber nachdenken k�nnten. Ich w�re Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen k�nnten, dass ich mich irre. Aber behalten Sie diese Disk auf jeden Fall bei sich. Verstecken Sie sie, und verraten Sie mir das Versteck nicht.�</p><p>�Nicht einmal Sie w�rden sich versucht f�hlen, diese Informationen zu benutzen.�</p><p>�Nicht einmal ich?� Geary stie� ein schroffes Lachen aus. �Nicht einmal ich? Gibt es tats�chlich noch etwas, von dem Sie glauben, ich w�rde es nicht tun, Madam Co-Pr�sidentin? Sollte ich Ihnen daf�r dankbar sein?�</p><p>�Ja, und zwar so dankbar, wie ich es bin, da ich nun im Besitz eines Instruments bin, mit dem die ganze menschliche Rasse ausgel�scht werden kann!�, fuhr Rione ihn an.</p><p>Geary biss sich auf die Lippe. �Tut mir leid, aber es gibt sonst niemanden, dem ich glauben w�rde, dass er diese Informationen nicht benutzen wird.�</p><p>�Sie haben behauptet, Sie wollten keine Zivilisten t�ten und keine Planeten verw�sten.� Rione schien ihn anzuflehen. �Wollen Sie sagen, dass das auch nicht stimmte?�</p><p>Wut regte sich in ihm. ��Auch nicht�? H�ren Sie, Madam Co-Pr�sidentin, Sie m�ssen erst noch den Beweis erbringen, dass ich in irgendeiner Hinsicht gelogen habe! Solange Sie das nicht k�nnen, w�re ich Ihnen dankbar, wenn Sie nicht in einem Ton mit mir reden, als w�re ich bereits ehrlos.�</p><p>Ihre Miene verh�rtete sich, dennoch nickte Rione. �Also gut, Captain Geary. Ich werde Sie nicht weiter als unehrenhaft bezeichnen, solange ich das nicht belegen kann.� Ihr Tonfall lie� keinen Zweifel daran zu, dass sie davon ausging, den Beweis schon bald erbringen zu k�nnen.</p><p>�Danke�, erwiderte Geary k�hl. �Um auf Ihre Frage zur�ckzukommen: Nein, ich hoffe, mir niemals zu w�nschen, von dieser M�glichkeit Gebrauch zu machen. Aber ich habe mir vorgestellt, wie wir mit dem R�cken zur Wand stehen, w�hrend die Syndiks den Sieg �ber uns schon so gut wie in der Hand haben. Und ich fragte mich: Wenn alles verloren zu sein scheint, w�rde ich dann der Versuchung nachgeben und diese letzte Chance nutzen, auch wenn das Risiko besteht, dass die Energieentladung viel mehr vernichtet als nur den Gegner? Ich musste erkennen, dass ich diese M�glichkeit nicht mit absoluter Gewissheit ausschlie�en kann. Daher m�chte ich erst gar nicht, dass mir diese M�glichkeit zur Verf�gung steht.�</p><p>�Stattdessen wollen Sie, dass ich in Versuchung gef�hrt werde!�</p><p>�Ich vertraue Ihnen mehr als mir selbst, Madam Co-Pr�sidentin. Mein Ziel ist es, diese Flotte nach Hause zu bringen. Sie dagegen haben ein Gesamtbild im Blick.� Einen Moment starrte Geary vor sich hin. �F�r den Fall, dass es Ihnen nicht aufgefallen ist�� ich habe Ihnen damit auch eine Waffe gegen Black Jack Geary in die Hand gegeben. Damit haben Sie die M�glichkeit, ihn zu stoppen, wenn es notwendig werden sollte.�</p><p>Er wusste, sie �berwachte ihn. �Dann geben Sie also zu, dass Black Jack eine Gefahr f�r die Allianz darstellt.�</p><p>�Ich habe bereits zugegeben, dass er eine Gefahr f�r diese Flotte ist. Ich kann es mir nicht leisten, jemals zu glauben, dass ich der bin, den viel zu viele Menschen in der Allianz f�r Black Jack Geary halten. Aber ich bin mir sicher, Sie werden mir helfen, ein ehrlicher Mann zu sein.�</p><p>�Das versuche ich, seit Sie das Kommando �ber diese Flotte �bernommen haben. Allerdings bin ich momentan der Ansicht, dass ich versagt habe.� Sie hielt die Disk hoch. �Und woher wei� ich, dass das wirklich die einzige Kopie ist? Wer sagt mir, dass Sie nicht noch eine weitere Kopie besitzen?�</p><p>�Warum sollte ich Sie bel�gen?�, wollte Geary wissen. �Welchen Nutzen sollte ich daraus ziehen k�nnen?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Noch nicht.� Sie legte die Finger um die Disk, sodass sie seinen Blicken entzogen wurde. �Sie haben mir einmal etwas vorgemacht, Captain Geary, obwohl ich dachte, ich w�rde Sie kennen. Das wird sich nicht wiederholen.�</p><p>�Vielleicht machen Sie sich ja selbst etwas vor�, gab Geary zur�ck.</p><p>�Ja, vielleicht�, erwiderte sie, obwohl ihr Tonfall keinerlei Zustimmung signalisierte. �Ich wei�, was ich w�hrend der langen Reise nach Sancere tun werde. Was werden Sie in der Zeit machen?�</p><p>�Warum k�mmert Sie das?�, konterte Geary. �Ich werde keinen Plan schmieden, wie ich die Allianz �bernehmen oder einen weiteren Angriff auf das Heimatsystem der Syndiks durchziehen kann, falls Ihnen das Sorgen macht.�</p><p>�Sie scheinen zu glauben, Sie wissen, was mir Sorgen macht. Was macht Ihnen Sorgen, Captain Geary?�</p><p>Zu seiner �berraschung schien die Frage ehrlich gemeint zu sein. �Was mir Sorgen macht?� Er senkte den Blick und sp�rte einmal mehr, wie schwer das Kommando �ber die Flotte auf ihm lastete. �Mir macht Sorgen, dass die Syndiks diesen Zug vorausgeahnt haben k�nnten. Und dass vierzig Schiffe dieser Flotte unter dem Kommando dieses gr��enwahnsinnigen Dummkopfs Falco und seines schwachsinnigen Freundes Numos geradewegs in eine Falle fliegen.�</p><p>�Ich h�tte noch eine weitere Sorge, die ich dazu beisteuern kann. Wenn Ihre Annahme zutrifft, was die Herkunft und den m�glichen Zweck der Hypernet-Portale angeht, wagen Sie es dann zu siegen, Captain Geary?�</p><p>�Zu siegen?� Unwillk�rlich musste er lachen. �Glauben Sie etwa, ich spiele mit dem Gedanken, diesen Krieg zu gewinnen? Ich will diese Flotte sicher nach Hause bringen, Madam Co-Pr�sidentin. Dabei wird es mir vielleicht m�glich sein, den Syndiks den einen oder anderen R�ckschlag zu bescheren. Aber ich bin nicht dem Irrglauben verfallen, diese Pattsituation aufl�sen zu k�nnen.�</p><p>�Aber Sie sind auf eine Waffe gesto�en, die genau das bewirken k�nnte.�</p><p>Geary atmete tief ein und lie� die Luft langsam aus seinen Lungen entweichen, ehe er antwortete: �Das ist eine Waffe, die ich aus freien St�cken nicht einsetzen werde. Ich hoffe, ich muss sie niemals einsetzen, aber ganz sicher nicht aus freien St�cken. Bewahren Sie sie sicher auf, Madam Co-Pr�sidentin. Wenn wir zu Hause angekommen sind, wird es bestimmt jemanden geben, dem Sie dieses Wissen anvertrauen k�nnen.�</p><p>Sie sch�ttelte nachdr�cklich den Kopf. �Da irren Sie sich, Captain Geary. Niemandem kann man ein solches Wissen anvertrauen.�</p><p>�Wollen Sie die Disk zerst�ren?�</p><p>�Und wenn ich es mache?�</p><p>Einen Augenblick lang dachte er dar�ber nach. �Das werde ich wohl nie erfahren. Das ist ganz allein Ihre Entscheidung.�</p><p>Rione stand auf, kam n�her und musterte ihn eindringlich. �Ich werde aus Ihnen nicht schlau. Jedes Mal wenn ich glaube, Sie zu kennen, tun Sie etwas, das nicht zu den Dingen passt, die ich �ber Sie wei�.�</p><p>�Vielleicht strengen Sie sich einfach zu sehr an�, meinte er und grinste humorlos. �Ich bin gar nicht so komplex.�</p><p>�Untersch�tzen Sie sich nicht, Captain Geary. Sie sind sogar noch komplexer als die Theorie, auf denen die Hypernet-Portale basieren. Ich hoffe nur, dass ich letzten Endes doch noch aus Ihnen schlau werde.�</p><p>Er nickte. �Wenn Sie das geschafft haben, dann sagen Sie mir Bescheid, damit ich auch wei�, wer ich bin.�</p><p>�Das werde ich machen.� Rione wandte sich zum Gehen, sah aber �ber die Schulter zu ihm. �Entweder sind Sie der gef�hrlichste Demagoge, der sich nach au�en hin so ehrlich und anst�ndig gibt, dass ihn niemand hassen oder ihm misstrauen kann, oder aber ich habe Sie schon wieder falsch eingesch�tzt. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre, Captain Geary. Sonst sind Sie n�mlich sogar noch gef�hrlicher, als ich es bis jetzt geglaubt habe.�</p><p>Er sah ihr nach und versp�rte trotz ihres offensichtlichen Misstrauens und ihrer Feindseligkeit ein Gef�hl von Best�tigung. Wenn es in dieser Flotte jemanden gab, dem er diese Disk anvertrauen konnte, dann diese Frau. <emphasis>Gef�hrlich. Vor nicht allzu langer Zeit h�tte ich �ber dieses Attribut noch gelacht, aber jetzt wei� ich, dass eine Waffe existiert. Was ich mit diesem Wissen mache, k�nnte nicht nur f�r die Allianz den Untergang bedeuten.</emphasis></p><p><emphasis>Was wissen die Syndiks? Sie haben diesen verdammten Krieg begonnen. Warum? Wussten sie irgendetwas, das sie zu diesem Schritt zwang?</emphasis></p><p>Geary hatte das seltsame Gef�hl ganz vergessen, das auftrat, wenn man sich zu lange Zeit ununterbrochen im Sprungraum aufhielt. Es war so, als w�re die Haut nicht mehr die eigene und als w�rde sie nicht mehr richtig sitzen. Aber davon nahm er jetzt kaum etwas wahr, da er auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> sa� und darauf wartete, dass die Flotte den Sprung verlie�. Nur noch ein paar Minuten, und er w�rde wissen, ob seine Taktik zumindest teilweise erfolgreich w�re. Und innerhalb weniger Tage w�rde er h�chstwahrscheinlich erfahren, was geschah, wenn ein Hypernet-Portal vernichtet wurde.</p><p>Das Display f�r Sancere trieb gleich neben seinem Platz. Die Allianz besa� nur wenige Informationen �ber das System, und selbst die Syndik-Sternenkarte bot kaum mehr Brauchbares, weil die Standorte von Verteidigungsanlagen und deren Personalausstattung geheim waren. Sicher war nur, dass Sancere reich an Ressourcen und Sprungpunkten war. Acht nennenswerte Planeten kreisten um die Sonne, zwei kleinere in einem engen Orbit, zwei in einer Entfernung, die sie bewohnbar machte�� einer von ihnen mit nahezu perfekten Bedingungen��, dann ein k�lterer, aber immer noch brauchbarer Planet sowie drei weit entfernte Gasriesen mit betr�chtlichen Rohstoffvorkommen. Die Allianz-Flotte w�rde jenseits des Orbits des �u�ersten Gasriesen in den Normalraum zur�ckkehren, womit sie vom Stern selbst rund dreieinhalb Lichtstunden entfernt waren.</p><p>�Eine Minute bis Sprungende�, meldete Captain Desjani ruhig.</p><p>Geary sah sich auf der Br�cke um. Alle Wachhabenden wirkten nerv�s, aber auf eine aufgeregte, nicht auf eine ver�ngstigte Weise. <emphasis>Unwissenheit ist ein Segen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Nein, das kann nicht richtig sein. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich etwas nicht sofort wei�. Unwissenheit kann nur dann ein Segen sein, wenn einem gar nicht klar ist, dass man etwas nicht wei�.</emphasis></p><p>Er dachte noch immer dar�ber nach, als sich die Luke zur Br�cke wieder �ffnete und Co-Pr�sidentin Rione hereinkam, um sich auf den Beobachterplatz zu setzen, der seit ihrem Streit mit Geary im Sutrah-System leer geblieben war. Als er zu Rione sah, trafen sich ihre Blicke. Ihr Gesicht zeigte keine Regung, und ihre Augen lie�en nicht erkennen, was sie in diesem Moment f�hlte. Geary musste zur�ckdenken an seine Zeit als Oberf�hnrich, wenn die Pr�fer im Schiffssimulator hinter ihm standen und darauf lauerten, dass ihm irgendein Fehler unterlief.</p><p>Captain Desjani begr��te Rione h�flich, gab sich aber abweisend. Ihr war die frostige Atmosph�re zwischen Geary und Rione nicht entgangen, und Tanya Desjani konnte gar nicht anders, als sich hinter Geary und damit gegen jeden zu stellen, der etwas gegen ihn hatte. Da er einen offenen Schlagabtausch auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> vermeiden wollte, bei dem er zwischen den Fronten stehen w�rde, suchte er nach einer Ablenkung. �Captain Desjani, ich m�chte der Crew der <emphasis>Dauntless</emphasis> eine Mitteilung machen.�</p><p>Sie wandte ihren Blick von Co-Pr�sidentin Rione ab und nickte Geary zu. �Selbstverst�ndlich, Sir.�</p><p>Er tippte auf die notwendigen Kontrollen. Nat�rlich h�tte er Desjani nicht erst fragen m�ssen, aber es w�re aus seiner Sicht unangemessen gewesen, sich an die Crew zu wenden, ohne zuvor den Captain um Erlaubnis zu bitten. �An die gesamte Besatzung, hier spricht Captain Geary. Wir erreichen in wenigen Augenblicken das Sancere-System. Ich wei�, Sie alle werden Ihr �u�erstes geben, um die Ehre der Flotte und der Allianz zu wahren. M�gen die lebenden Sterne uns einen ruhmreichen Sieg bescheren, und m�gen unsere Vorfahren uns wohlgesinnt sein.� Einerseits h�tte er gar nichts sagen m�ssen, weil es Selbstverst�ndlichkeiten waren. Andererseits aber waren das aufmunternde Worte von der Art, die ein echtes menschliches Bed�rfnis erf�llten. Unwillk�rlich fragte er sich, ob diejenigen, die der Menschheit die Hypernet-Portale gegeben hatten, wohl �hnlich dachten und empfanden.</p><p>�Unsere Vorfahren haben uns bis hierher gef�hrt�, merkte Desjani in viel sanfterem Tonfall an. Sie sah ihn an und lie� unausgesprochen, dass die Vorfahren auch Geary selbst zur Flotte gef�hrt hatten. Doch ihm war nur zu bewusst, dass sie das in Gedanken anf�gte.</p><p>Ihr Glaube konnte bisweilen zerm�rbend sein, aber sie war nur eine von vielen Tausenden in der ganzen Flotte, die so dachten. <emphasis>Ich frage mich, ob Captain Falco je das Gef�hl empfand, dem Glauben nicht gerecht zu werden, den andere an ihn hatten. Machte er sich �berhaupt dar�ber Sorgen, solange die Leute ihn nur f�r gro�artig hielten? So wie ich ihn kennengelernt habe, verbringt Falco nicht viel Zeit damit, sich �ber andere Menschen Sorgen zu machen. Und das betrifft auch seine eigene F�higkeit, den Glauben der anderen in ihn zu rechtfertigen. Ich sch�tze, wenn man von der eigenen Unfehlbarkeit �berzeugt ist, erledigen sich einige �ngste ganz von selbst.</emphasis> In der letzten Nacht hatte Geary lange Zeit mit seinen Vorfahren gesprochen, ihnen seine �ngste geschildert und sie um Hilfe gebeten. In Zeiten wie diesen ohne einen Glauben zu leben musste schwierig sein, und er fragte sich, wie andere sich ruhig und gelassen einer Krise stellen konnten, die diesen moralischen R�ckhalt nicht besa�en.</p><p>�Bereithalten f�r Sprungende�, meldete ein Wachhabender. �Jetzt.�</p><p>Gearys Magen drehte sich leicht um, seine Haut sa� gleich wieder fest und straff, und die Sterne erstrahlten wie gewohnt auf den Bildschirmen. Auf dem Display des Sancere-Systems flammten in rascher Folge unz�hlige Lichtpunkte auf, die Verteidigungsanlagen und Einrichtungen der Syndiks kennzeichneten. Die hatten alle schon existiert, lange bevor sie hier eingetroffen waren, doch die Sensoren der Flotte entdeckten sie in diesen Sekunden zum ersten Mal. Berichte kamen herein, und die Wachhabenden wiesen auf die wichtigsten und bedenklichsten dieser Anlagen hin. Die menschliche Schnittstelle mochte ungenauer und langsamer als die automatisierten Systeme sein, doch all seiner Schw�chen und M�ngel zum Trotz war der menschliche Verstand immer noch das beste Mittel, um Informationen zu filtern und die wichtigsten hervorzuheben.</p><p>�Die <emphasis>Warhelm</emphasis> meldet einen �berwachungssatelliten der Syndiks in der N�he ihrer Position. Sie meldet, dass sie den Satelliten zerst�rt hat. Schiffe wurden zwanzig Lichtminuten nach Steuerbord auf der Systemebene ausgemacht und s�mtlich als unbewaffnete Mineraltransporter identifiziert. Keine Minen zu entdecken. Sechs, ich wiederhole, sechs Schlachtschiffe der F-Klasse in der Schiffswerft im Orbit um den vierten Planeten. Nur eines von ihnen erscheint einsatzbereit. Acht, ich wiederhole: acht Schlachtkreuzer der D-Klasse an der zweiten Schiffswerft im Orbit um den vierten Planeten. Einsatzstatus unbestimmt. Syndik-Milit�rbasis in vierzig Lichtminuten Entfernung auf einem Mond des achten Planeten lokalisiert. Neun � nein, zehn Massebeschleuniger in Verteidigungsposition um die Basis herum ��</p><p>Geary sah sich rasch sein Flottendisplay an und bet�tigte eine Taste. �Captain Tulev, veranlassen Sie, dass Ihre Schiffe diese Syndik-Basis nahe dem achten Planeten mit kinetischen Salven ausschalten. Die sollen gar nicht erst die Gelegenheit bekommen, einen Schuss auf uns abzufeuern.�</p><p>Es vergingen einige Sekunden, ehe Tulevs Antwort einging. �Bombardierung der Waffenpositionen beginnt jetzt. Was ist mit dem Rest der Basis?�</p><p>Ihm blieb jetzt keine Zeit zum �berlegen und Gr�beln, er musste agieren, bevor der Feind die Initiative ergriff und ihn zum Reagieren zwang. �Zerst�ren Sie die gesamte Basis. Wir k�nnen es uns nicht leisten, irgendeine Bedrohung im R�cken zu haben.�</p><p>Die Basis in der N�he des f�nften Planeten in einer Entfernung von �ber drei Lichtstunden war allem Anschein nach die n�chstgelegene Gefahrenquelle. �Captain Duellos, feuern Sie kinetische Salven auf die Milit�rbasis im Orbit um den f�nften Planeten ab. Die Basis soll nicht mehr existieren, wenn wir dort eintreffen.�</p><p>�Duellos verstanden. Bombardierung beginnt in zwei Minuten.�</p><p>Geary verkniff sich einen Fluch, als er sah, wie sich seine Formation pl�tzlich aufzul�sen begann, dann aber fiel ihm ein, was da vor sich ging: Es waren die Schiffe seiner Eingreiftruppe Furious, die wie geplant zu einer scheinbar eigenm�chtigen Attacke ansetzten. Hoffentlich w�rden sich die Syndiks davon genauso in die Irre f�hren lassen, wie es ihm sogar selbst soeben ergangen war. <emphasis>Vorfahren, seid bitte mit Commander Cresida, damit sie kehrtmacht, wenn die Situation es erfordert.</emphasis></p><p>�Syndik-Kriegsflotte zwischen der f�nften und der sechsten Welt gesichtet, Entfernung zur gegenw�rtigen Position der Flotte 5,8 Lichtstunden. Zehn Schlachtschiffe, sechs Schlachtkreuzer, zw�lf Schwere Kreuzer, zehn � Korrektur: elf J�ger. Momentane Position wird mit Zeitverz�gerung dargestellt, gesch�tzte tats�chliche Entfernung jetzt 5,6 Lichtstunden.�</p><p>�Nichts, womit wir nicht fertig werden k�nnten�, erkl�rte Desjani und l�chelte hintergr�ndig. �Und auch nicht ann�hernd genug leichte Begleitschiffe f�r die gro�en Kaliber.�</p><p>�Aber auch nichts, was wir auf die leichte Schulter nehmen k�nnten�, hielt Geary dagegen. �Ich vermute, die gro�en Schiffe f�hren hier �bungsfl�ge durch. Vielleicht weil sie neue Besatzungen erhalten haben, vielleicht weil sie l�ngere Zeit in der Werft waren. Also d�rfte das keine tats�chlich gefechtsbereite Formation sein, auch wenn sie sie wahrscheinlich einsetzen, um das System zu bewachen.� Sein Blick wanderte weiter zum Hypernet-Portal. �Da ist niemand. Kein einziges Schiff bewacht das Portal.� Auf einmal leuchteten mehrere Symbole auf. �Was ist das?�</p><p>Desjani stutzte und sah sich die Anzeigen an. �Getarnte Verteidigungseinheiten rings um das Portal. Begrenzte Man�vrierf�higkeit, leistungsf�hige Schutzschilde, m��ige Feuerkraft.�</p><p>�Die k�nnen man�vrieren?�</p><p>Sie nickte, um ihre Aussage zu unterstreichen.</p><p>�Das hei�t, wir k�nnen keine Raketen vorausschicken, um sie auszuschalten, weil sie ihnen ausweichen w�rden.� Er �berpr�fte die Entfernung. Fast f�nf Lichtstunden bis zum Hypernet-Portal. Auch wenn sie �ber Gefechtsgeschwindigkeit hinaus beschleunigen w�rden, h�tte die Flotte immer noch eine Reisedauer von mindestens f�nfunddrei�ig Stunden vor sich. <emphasis>Eine geh�rige Strecke. Aber die Eingreiftruppe Furious �attackiert� eine noch weiter entfernte Syndik-Streitmacht, die davon erst in fast sechs Stunden Notiz nehmen wird. Das d�rfe ein Schock f�r sie werden, aber ich kann nur hoffen, dass die Eingreiftruppe die Syndiks von uns ablenkt. Allerdings will ich auch nicht geradewegs auf das Portal zufliegen, wenn sich das irgendwie vermeiden lassen sollte.</emphasis></p><p>Er probierte verschiedene Optionen an seinem Man�verdisplay aus, plante Kurse zu anderen Syndik-Zielen und verschob sie so, dass die Flugbahn sich dem Portal n�herte. Wenn sie einen Bogen durch das System zu den Bergbauanlagen flogen, die sich um einen Gasriesen scharten, der eine Lichtstunde vom Stern Sancere entfernt lag, und dann das Portal ansteuerten, w�rden sie bei 0,1 Licht ungef�hr dreiundf�nfzig Stunden f�r die Strecke ben�tigen. Nach au�en hin w�rde das Ziel der Allianz-Flotte der Gasriese sein und erst bei einer Entfernung von weniger als zwei Lichtstunden zum Portal wechseln. Doch selbst das bedeutete immer noch �ber achtzehn Stunden Reisezeit. Das war zwar keine ideale Voraussetzung, doch den Syndiks w�rde damit nur noch wenig Zeit zum Reagieren bleiben, wenn sie bis dahin nicht schon zus�tzliche Einheiten am Portal in Position gebracht hatten.</p><p>�Hier�, sprach Geary Desjani an. �Wir werden auf diesen Kurs gehen und den Eindruck erwecken, wir wollten die Bergbau-Anlagen an diesem Gasriesen zerst�ren, um dann tiefer ins System einzudringen. In Wahrheit �ndern wir aber kurz davor den Kurs und steuern das Portal an.�</p><p>Sie nickte und befasste sich mit seinem Plan. �Wir k�nnen vor dem Wendeman�ver noch ein paar Bomben absetzen und damit noch einige Anlagen unbrauchbar machen.�</p><p>�Ich �berlege, ob wir irgendetwas von ihnen gebrauchen k�nnten�, sagte Geary. �Ich werde es herausfinden, bevor wir den Punkt erreicht haben, an dem wir das Feuer er�ffnen m�ssten. Es ist ja noch genug Zeit, um mit Captain Tyrosian von der <emphasis>Witch</emphasis> zu reden.� Die leitenden Ingenieure der Hilfsschiffe <emphasis>Titan</emphasis>, <emphasis>Witch</emphasis>, <emphasis>Goblin</emphasis> und <emphasis>Jinn</emphasis> w�rden wissen, welche Rohstoffe erforderlich waren, um das herzustellen, was die Flotte ben�tigte, um weiterfliegen zu k�nnen. Abermals betrachtete er das Display und spielte mit dem Gedanken, die Formation zu ver�ndern, verwarf ihn dann aber gleich wieder. Es war noch viel zu fr�h, um zu erkennen, wie die Syndik-Flotte reagieren w�rde. Au�erdem war diese Formation f�r einen Schlag gegen die Werften und andere Ziele im System genau richtig.</p><p>Er nahm sich einen Augenblick Zeit, um sich die Kriegsschiffe anzusehen, die im Bau befindlich waren. Was einmal eine ernsthafte Bedrohung darstellen w�rde, wenn diese Schiffe fertiggestellt und bemannt waren, sa� jetzt noch auf dem Pr�sentierteller und konnte von der Allianz-Flotte m�helos zerst�rt werden. Allerdings bestand immer noch die M�glichkeit, dass die Syndiks versuchen w�rden, mit den nahezu fertiggestellten Schiffen zu fliehen. Neben den fast kompletten Schiffen konnte er auch Komponenten ausmachen, die bei weiteren Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern Verwendung finden sollten. All das lie� sich ohne Weiteres zusammen mit den Werften vernichten.</p><p>�Das ist schon seltsam�, stellte Co-Pr�sidentin Rione fest. Sie war von der Situation so gebannt, dass ihre Stimme jegliche K�lte verloren hatte. �Wir befinden uns im Krieg und w�hlen unsere Angriffsziele aus, und gleichzeitig wei� in diesem System praktisch niemand etwas von unserer Ankunft.�</p><p>�Das wird sich bald �ndern�, erwiderte Captain Desjani mit einem finsteren L�cheln. �Sobald das Licht von unserer Ankunft sie erreicht, werden viele Syndiks anfangen, zu <emphasis>ihren</emphasis> Vorfahren zu beten.�</p><p>Geary musste zugeben, dass es interessant war, sich die Reaktion der Anf�hrer und der B�rger der Syndikatwelten vorzustellen, wenn sie die Ankunft der Allianz-Flotte bemerkten. Auf seinem System-Display war um die Flotte herum eine Blase zu sehen, die die Bewegung des Lichts im Verh�ltnis zum gesamten Sancere-System darstellte. Er sah zu, wie diese Blase sich ausdehnte, deren vorderster Punkt den �u�eren Gasriesen hinter sich gelassen hatte und sich weiter auf die n�chsten Planeten zu bewegte. Sobald das Licht der Flotte sie erreichte, w�rden die Montanschiffe und die Orbitaleinrichtung auf den Alarm reagieren, den automatische Systeme ausl�sten, sobald sich ein Feind n�herte. Sie w�rden auf ihre Anzeigen schauen und nicht glauben wollen, was sie zu sehen bekamen. Dann w�rden sie ihre Ger�te �berpr�fen, um sich zu vergewissern, und sich eine vergr��erte Darstellung zeigen lassen. Es war zu hoffen, dass viele von ihnen sich weigerten, den Alarm ernst zu nehmen, und Anfragen an ihre Vorgesetzten schickten, mit denen sie um eine Best�tigung der Alarmmeldung baten. Anfragen, die Stunden brauchen w�rden, ehe sie ihre Adressaten erreichten. Diejenigen, die keine Zweifel hatten, w�rden ebenfalls Anfragen �bermitteln, um Anweisungen zu erhalten, wie auf diese Bedrohung reagiert werden sollte.</p><p>All diese Nachrichten w�rden fast gleichzeitig bei den Syndik-F�hrern eingehen, nachdem man das Licht der Allianz-Flotte in diesem Sternensystem wahrgenommen hatte, und damit f�r zus�tzliche Verwirrung sorgen. Und w�hrend jeder seine Beobachtung auch allen anderen im System mitteilte und hektische R�ckmeldungen versandt wurden, w�rde das Kommunikationsnetz allm�hlich auf eine �berlastung zusteuern, was bedeutete, dass die Mitteilungen mit noch gr��erer Verz�gerung beim Empf�nger eintrafen, dessen Reaktion umso sp�ter entgegengenommen werden konnte.</p><p>Vielleicht w�rden die Verz�gerungen sogar den Vorteil wettmachen, den die Syndiks bei der Verteidigung ihres eigenen Systems hatten.</p><p>�An alle Einheiten�, wies Geary an. �Achten Sie st�ndig auf m�gliche kinetische Projektile, die auf uns abgefeuert werden, sowie auf treibende Minenfelder.� Er unterbrach sich, nahm noch einmal die gegenw�rtige Situation zur Kenntnis, dann entschied er sich f�r den Kurs, der einen Angriff auf den am n�chsten zur Sonne gelegenen Gasriesen vort�uschte. �Alle Einheiten der Hauptflotte, hier spricht Captain Geary. Gehen Sie nach Steuerbord auf Kurs drei drei neun, vier Grad nach unten, bei Zeit f�nf eins.�</p><p>Die Darstellung der Schiffe von Gearys Flotte auf dem Display flackerte in gr�nen Wellen, die sich von der <emphasis>Dauntless</emphasis> her ausbreiteten, w�hrend jedes Schiff seinen Befehl erhielt und best�tigte. Das war ein v�llig anderer Anblick als der wilde Haufen, den er vorgefunden hatte, als er diese Flotte bei Corvus befehligte. Unwillk�rlich musste er l�cheln.</p><p>Eine eingehende Nachricht lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. �Hier ist die <emphasis>Furious.</emphasis> Wir setzen den Angriff fort. N�chstes Ziel wird der f�nfte Planet sein.�</p><p>Geary nickte beil�ufig, bis er Riones argw�hnischen Blick bemerkte. �Das wird nat�rlich nicht passieren�, erkl�rte er ihr. �Sie werden einen Angriff auf den f�nften Planeten vort�uschen und dann beidrehen.� <emphasis>Zumindest hoffe ich das.</emphasis></p><p>Captain Desjani meldete sich sch�chtern zu Wort. �Unsere leichten Einheiten, die die Backbordflanke abschirmen, werden den Montanschiffen am �u�ersten Gasriesen recht nah kommen.�</p><p>�Ja.� <emphasis>Okay, diesmal haben Sie recht. Diese Schiffe sind berechtigte Ziele, weil sie ein wichtiges industrielles Kapital in diesem System darstellen.</emphasis></p><p>�Vierte Kreuzerdivision, Sechstes und Siebtes Zerst�rergeschwader, sobald wir den �u�ersten Planeten passieren, feuern Sie auf die in Reichweite befindlichen Handelsschiffe. Man�vrieren Sie eigenst�ndig so, wie es n�tig ist, um die Ziele zu erfassen. Informieren Sie zuvor deren Besatzungen, dass sie ihre Schiffe evakuieren sollen.� Damit hatte er das milit�risch Notwendige angewiesen und war seiner humanit�ren Pflicht nachgekommen.</p><p>Das Systemdisplay, das nach wie vor auf neue Informationen stie� und sie einordnete, kennzeichnete Syndik-Verteidigungssysteme auf verschiedenen Monden und hob auch Hauptquartiere und Koordinationszentren auf Planeten und in Orbitaleinrichtungen hervor. Geary studierte die F�lle an Zielen, die sich auf einem festen Orbit befanden und auf Objekten zu finden waren, die ihrerseits einem festen Orbit folgten. Es war eine immense Auswahl, die ihm da geboten wurde. Er markierte Syndik-Schlachtschiffe und -Schlachtkreuzer, die noch in den Werften festgemacht waren, dann bat er das Gefechtssystem, einen Angriffsplan f�r alle milit�rischen oder mit dem Milit�r verbundenen Einrichtungen vorzuschlagen. Sekunden sp�ter wurde dieser Plan angezeigt, der auch kennzeichnete, welche Schiffe sich f�r das jeweilige Ziel in der g�nstigsten Position befanden, um kinetische Projektile abzufeuern. Geary ging die Aufstellung durch, konnte nichts Ungew�hnliches entdecken, tippte auf �Zustimmen� und gleich danach auf �Ausf�hren�.</p><p>Die Schiffe der Allianz-Flotte begannen, einen Regen aus Projektilen abzufeuern, die sich auf die Verteidigungsanlagen der Syndiks zubewegten�� einen Regen, den kein Schirm abhalten konnte. Die Syndik-Vorgesetzten, die sich in wenigen Stunden beratschlagen w�rden, sobald die Nachricht von der Ankunft der Flotte die Runde machte, sollten nur wenig sp�ter mit ansehen m�ssen, dass das Bombardement bereits unmittelbar bevorstand. In gewisser Weise war es bedauerlich, dass die Waffen bis zu ihren Zielen l�nger ben�tigten als das Licht, das ihre Ann�herung verk�ndete, aber da diese Ziele den Geschossen weder ausweichen noch sie abwehren konnten, w�rde ihr Anblick lange vor dem verheerenden Einschlag die aufkommende Panik nur noch verst�rken.</p><p>Die Gefechtssysteme wiesen auch darauf hin, dass der <emphasis>Witch</emphasis>, <emphasis>Jinn</emphasis>, <emphasis>Goblin</emphasis> und <emphasis>Titan</emphasis> der Befehl gegeben werden sollte, vorrangig Ersatz f�r die abgefeuerten kinetischen Projektile zu produzieren. Geary tippte auf die entsprechenden Kontrollen, um diese Information an Captain Tyrosian weiterzuleiten. Von hier drau�en, am Rand des Systems, erschien das alles so m�helos und einfach. Je weiter die Flotte ins System vordrang und sich den Syndiks so weit n�herte, dass die Reaktionszeiten nur noch Sekunden oder Minuten anstelle von Stunden betragen w�rden, umso st�rker w�rde der Eindruck der M�helosigkeit schwinden. Und sobald die kinetischen Geschosse ihre Ziele erreichten, w�rde eine Welle der Vernichtung die Welten �berrollen, die um die Sonne von Sancere kreisten. Bei dem Gedanken daran, wie viele Allianz-Schiffe bei jenem Hinterhalt im Heimatsystem der Syndiks zerst�rt worden waren, bevor er das Kommando �ber die Flotte �bernahm, versp�rte Geary eine d�stere Befriedigung, wenn er sich vorstellte, wie die Syndik-F�hrer reagieren w�rden, sobald sie vom Angriff auf Sancere erfuhren. <emphasis>Ihr dachtet, wir w�ren so ver�ngstigt, dass wir um jeden Preis vor euch weglaufen w�rden. Jetzt werdet ihr sehen, wie sehr ihr euch geirrt habt.</emphasis></p><p>Eine Sache musste noch erledigt werden. Geary richtete sich in seinem Sessel auf und nahm eine m�glichst professionelle Haltung ein, dann setzte er zu einer Mitteilung an das gesamte Sternensystem an: �Bewohner des Sancere-Systems, hier spricht Captain John Geary, befehlshabender Offizier der Allianz-Flotte. Wir attackieren alle milit�rischen Ziele in diesem System. Alle �brigen Personen, Schiffe, B�rger, Kolonien, orbitale Einrichtungen und Planeten werden hiermit aufgefordert, sich sofort und bedingungslos zu ergeben. Wer sich ergibt, wird von uns dem Kriegsrecht entsprechend behandelt. Wer sich nicht ergibt, riskiert, als milit�risches Ziel angesehen und von uns zerst�rt zu werden. Jeder Angriff sowie jeder Versuch eines Angriffs auf die Schiffe der Allianz-Flotte wird von uns mit allen zur Verf�gung stehenden Mitteln erwidert. Auf die Ehre unserer Vorfahren, hier spricht Captain John Geary, befehlshabender Offizier der Allianz-Flotte.�</p><p>Er beendete die �bertragung und atmete tief durch, um zur Ruhe zu kommen. �Ich tauge nicht als Schauspieler�, wandte er sich an Captain Desjani.</p><p>�Meiner Ansicht nach hat sich das beeindruckend angeh�rt�, erwiderte sie. Desjanis Einstellung zum Abschlachten von Syndiks war unter Gearys Einfluss deutlich geringer geworden, trotzdem gefiel ihr offenbar die Drohung eines Massenmordes, die Geary soeben gesendet hatte.</p><p>Gut eineinhalb Stunden sp�ter passierte die Flotte den �u�ersten Gasriesen, und die Kreuzer und Zerst�rer auf der dem Planeten zugewandten Seite machten einen Schwenk in dessen Richtung, um die gro�en, schwerf�lligen Montanschiffe au�er Gefecht zu setzen. Die Darstellung der optischen und Spektralscans zeigte Geary dunkle Umrisse, die sich vor dem Hintergrund des blassgr�nen Gasriesen bewegten, w�hrend seine Kriegsschiffe vorbeiflogen und die geladenen Partikelspitzen ihrer H�llenspeere die unbewaffneten Montanschiffe in St�cke rissen. Als er sich zus�tzliche Informationen anzeigen lie�, konnte Geary die winzigen Rettungskapseln ausmachen, die sich z�gig von den Montanschiffen entfernten und in alle Richtungen davoneilten. Geary rief eine andere Darstellung auf und bekam mithilfe von feinen Linien den voraussichtlichen Kurs seiner Kriegsschiffe und der zivilen Schiffe angezeigt.</p><p>Aus der Ferne betrachtet, konnte ein Krieg ausgesprochen sch�n aussehen. Da Geary den Krieg aber aus der N�he erlebt hatte, fiel es ihm nicht schwer, diesen sch�nen Schein zu durchschauen und stattdessen die zerfetzten Schiffe und ihre verzweifelten Besatzungen zu sehen, die jahrelange Arbeit, die innerhalb von Sekunden durch den Beschuss eines Kriegsschiffs zunichte gemacht wurde. Selbst ein gro�artiger Sieg war alles andere als ansprechend, wenn man sich an Deck eines der beteiligten Schiffe befand.</p><p>Sich ausbreitende Tr�mmerwolken kennzeichneten die �berreste der Orbitaleinrichtungen, die bereits mit der Gewalt der kinetischen Salven Bekanntschaft gemacht hatten. �Das Licht unseres Bombardements der Syndik-Milit�rbasis auf dem gro�en Mond des achten Planeten erreicht uns jetzt�, lie� Desjani ihn wissen.</p><p>Geary schaltete die Darstellung um. Die optischen Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> lieferten trotz der immensen Entfernungen bemerkenswert klare Bilder. In diesem Fall nahmen ihm jedoch Wolken die Sicht, die sich aus aufgewirbeltem Staub und Tr�mmerst�cken der milit�rischen Einrichtung zusammensetzten. Die Bilder, die unmittelbar nach dem Einschlag der Projektile und vor dem Aufsteigen der Staubwolken empfangen worden waren, hatten dem Gefechtssystem des Schiffs erlaubt, eine Einsch�tzung des angerichteten Schadens zu liefern. Alle Angriffswaffen waren zerst�rt, alle Verteidigungssysteme eliminiert worden; Kommunikations- und Kontrollsysteme waren zertr�mmert worden, als tonnenschweres Metall mit einem guten Teil der Lichtgeschwindigkeit einschlug. Was dem Angriff nicht ausweichen konnte, wurde zermalmt. �Das ist kein Krieg, das ist Mord.�</p><p>Desjani sah Geary �berrascht an.</p><p>�Ich wei߫, fuhr er sogleich fort. �Es ist notwendig. Aber die Syndiks in diesen Basen haben keinerlei �berlebenschance, und ich kann mich nicht �ber die Tatsache freuen, dass diese armen Teufel dem Tod ausgeliefert sind.�</p><p>Desjani schien zu �berlegen, dann nickte sie. �Sie bevorzugen einen ehrlichen Kampf. Das ist zweifellos ehrbar.�</p><p>�Ja.� Das war ein Punkt, in dem er und die modernen Matrosen einer Meinung sein konnten. Geary schaute abermals auf sein Display. Seine leichten Einheiten hatten die Syndik-Schiffe nahe dem Gasriesen ausgel�scht und kehrten in die Formation zur�ck. Es w�rden noch Stunden vergehen, bevor die Syndik-Befehlshaber dieses Systems die Allianz-Flotte sehen konnten. So wie unz�hlige menschliche Milit�rstreitkr�fte vor ihnen musste auch diese Flotte sich dem uralten Ritual unterwerfen, erst in aller Eile zu handeln und dann wieder geduldig warten zu m�ssen.</p><p>Er musterte die Syndik-Flotte, deren um fast sechs Stunden verz�gerte Darstellung derzeit kaum etwas zu bedeuten hatte. Wenn die Flotte ihrem Kurs weiter gefolgt war, w�rde sie sich jetzt dort befinden, wo sie auf dem Display angezeigt wurde. Eine Kurs�nderung dagegen konnte auch bei einer Geschwindigkeit von 0,1 Licht zu einer deutlich anderen Position f�hren. Er musste unbedingt darauf achten, dass er diese Flotte mit Vorsicht behandelte. <emphasis>Wenn ich angesichts dieser ersten, leicht errungenen Erfolge zu selbstsicher werde, k�nnten mich die Syndiks �berraschen und uns Verluste zuf�gen, die in keinem Verh�ltnis zu ihrer Flottenst�rke stehen. Aber sie sind dennoch nicht zahlreich genug, um f�r uns eine Bedrohung darzustellen. Wenn es Cresida gelingt, mit ihrer Formation die Aufmerksamkeit der Syndiks lange genug auf sich zu lenken, werden deren Kriegsschiffe nicht vor uns das Hypernet-Portal erreichen k�nnen. Das sieht sehr gut aus.</emphasis></p><p>Rote Symbole flammten pl�tzlich in der N�he des Portals auf, Gearys Blick zuckte hin�ber. Weitere gleichartige Symbole folgten, w�hrend er versuchte, ihnen allein durch seine Willenskraft Einhalt zu gebieten. <emphasis>Zu fr�h gefreut. Haben die Syndiks doch durchschaut, was wir vorhatten? Haben sie es von �berlebenden der Schiffe erfahren, die Falco gefolgt waren? Aber sie k�nnten doch gar nicht genug Zeit gehabt haben, um darauf zu reagieren und Verst�rkung herzuschicken.</emphasis></p><p><emphasis>Nicht zu viele Kriegsschiffe. Keine zu gro�e Streitmacht. Vorfahren, ich bitte euch, lasst es nur eine kleine Flotte sein, mit der wir zurechtkommen k�nnen. Wir k�nnen dieses System nicht verlassen, ohne zuvor noch Vorr�te an Bord zu nehmen.</emphasis></p></section><section><title><p>Sechs</p></title><p>�Sieht nach einem Dutzend Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern aus�, stellte Desjani fest, die �ber die Aussicht auf ein gr��eres Gefecht erfreut zu sein schien. �Aber nur f�nf Schwere Kreuzer, ein Leichter Kreuzer und neun J�ger. Wieso nur eine so sp�rliche Eskorte?�</p><p>Die Antwort darauf wurde deutlich, als die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> auswerteten, was sie an Informationen �ber die Syndik-Schiffe zusammentragen konnten. �Sie sind im Kampf besch�digt worden�, meldete der Gefechtswachhabende. �Vermutlich wurden sie hergeschickt, um repariert zu werden. Der gr��te Teil der Eskorten wurde wohl bei der Schlacht zerst�rt, in deren Verlauf die gr��eren Schiffe Sch�den davontrugen.�</p><p>Geary nickte, w�hrend seine Gedanken in Richtung Allianz-Territorium drifteten. Waren diese Syndik-Schiffe die Sieger einer Schlacht, in deren Verlauf Captain Falcos Flotte aufgerieben worden war? Oder hatten sie sich mit einer im Allianz-Gebiet verbliebenen Streitmacht angelegt, die dort zur�ckgeblieben war, als der gr��te Teil der Schiffe sich ins Heimatsystem der Syndiks begeben hatte? �Wir m�ssen herausfinden, wo und von wem sie so zugerichtet wurden�, erkl�rte Geary.</p><p>�Das sollten uns Gefangene erkl�ren k�nnen�, entgegnete Desjani gut gelaunt. �Nach dem Gefecht k�nnen wir ein paar Rettungskapseln der Syndiks an Bord holen.� Sie deutete auf die Darstellung der soeben eingetroffenen Kriegsschiffe. �Wenn sie f�r Reparaturen herkommen, dann d�rften sie nur noch wenig bis gar keine Munition mehr an Bord haben. Keine Raketen, keine Kart�tschen.�</p><p>�Richtig�, stimmte Geary ihr zu. �K�nnten die eines der von uns identifizierten Munitionsdepots erreichen, noch bevor unsere kinetischen Bomben dort einschlagen?�</p><p>Desjani begann zu rechnen. �Vielleicht ja. Wenn sie mit voller Fahrt die entlegensten Depots ansteuern, sobald sie uns entdeckt haben. Aber ihnen wird nur wenig Zeit bleiben, und es wird schwer werden f�r sie, die Depots wieder zu verlassen, bevor unsere Projektile ihre Ziele erreichen.�</p><p>�Und damit w�rden sie f�r uns den Weg zum Hypernet-Portal frei machen�, folgerte Geary. �Ich hoffe, sie versuchen, eines der Lager zu erreichen.� Er rechnete die gesamte Flottenst�rke der Syndiks im System zusammen. Sechzehn Schlachtschiffe und ein Dutzend Schlachtkreuzer, dreizehn Schwere Kreuzer, ein Leichter Kreuzer, dazu genau zwanzig J�ger. Eine schlagkr�ftige Truppe, wenn es ihnen gelang, sich zusammenzuschlie�en und gemeinsam gegen die Allianz-Flotte zu k�mpfen. Zumindest in der Theorie war die Truppe schlagkr�ftig. Die Syndik-Flotte, die sie gleich beim Eintreffen in diesem System entdeckt hatten, verf�gte wom�glich �ber eine unvollst�ndige Bewaffnung, und die Crews waren vermutlich unerfahren. Die neu eingetroffene Streitmacht konnte h�chstwahrscheinlich wesentlich erfahrenere Crews vorweisen, hatten sie doch schon eine Schlacht mitgemacht und Verluste und Sch�den erlitten. Aber diese Schiffe waren besch�digt worden, und es war fast sicher, dass sie nur noch �ber wenige oder sogar �berhaupt keine Munition mehr verf�gten. Und selbst zu einer Flotte vereint, wurden die gr��eren Schiffe von einer viel zu schwachen Eskorte begleitet.</p><p>�Was meinen Sie, Sir?�, fragte Desjani.</p><p>Geary sa� sekundenlang schweigend da und zeichnete mit einem Finger die verschiedenen Flugbahnen auf dem Display nach. Dabei verlie� er sich ganz auf seine aus langj�hriger Erfahrung geborenen Instinkte, um einzusch�tzen, wie seine Flotte und die beiden Syndik-Flotten sich in Relation zueinander bewegen w�rden. �Es h�ngt alles davon ab, was sie machen�, erkl�rte er schlie�lich. �Wenn sie dumm sind, werden sie sich individuell in den Kampf st�rzen, dann k�nnen wir jede der Flotten mit einer sehr bequemen �berlegenheit hinsichtlich Anzahl der Schiffe und ihrer Feuerkraft schlagen.�</p><p>�Werden sie einen Zusammenschluss wagen?� Desjani deutete auf das Hypernet-Portal. �Wenn die wissen, dass wir in der Lage sein k�nnten, das zu benutzen ��</p><p>Oh verdammt. Desjani war auf das Hauptziel konzentriert geblieben, w�hrend Geary sich in den m�glichen Alternativen verloren hatte. �Nein, Sie haben recht. Diese neue Streitmacht wird die Anweisung erhalten, die Verteidigung des Portals zu unterst�tzen.� Oder das Portal zu zerst�ren. Aber was ist mit dieser anderen Flotte? �Die andere Flotte kann alles M�gliche machen, aber ich glaube, wenn sie sehen, dass wir auf dem Weg zum Portal sind, werden sie ihren Kurs dorthin �ndern. Oder sie bekommen den Befehl, sich dorthin zu begeben, obwohl sie zu sp�t dort eintreffen werden, um uns noch aufzuhalten.�</p><p>�Damit kommen wir klar�, bekr�ftigte Desjani.</p><p>Ihre ruhige Gelassenheit hatte etwas Ansteckendes. �Ja.� Geary lehnte sich zur�ck. �Ich sch�tze, wir haben noch ein Zeitfenster von einer halben Stunde, bevor irgendetwas passiert. Dann werden wir f�r stundenlang mit neuen Informationen versorgt werden, sobald wir sehen, wie die Syndiks auf uns reagieren. Bis dahin werde ich noch schnell einen Happen essen gehen.� Desjani nickte, ihr Blick war auf das eigene Display gerichtet. �Kann ich Ihnen was mitbringen?�, fragte er halb im Scherz.</p><p>Sie klopfte mit der Hand auf ihre Uniformtasche und grinste: �Ich habe einen Verpflegungsriegel.�</p><p>�Sie sind ein besserer Matrose als ich�, meinte er l�chelnd, stand auf und sah Co-Pr�sidentin Rione an, die auf ihrem Platz sa� und ihn mit ausdrucksloser Miene betrachtete. Geary nickte ihr zu. �So weit, so gut.�</p><p>�So weit�, wiederholte sie, aber er konnte nicht erkennen, ob in ihrem Tonfall ein Hauch von Belustigung oder Ablehnung mitschwang.</p><p>Was sich in den folgenden Stunden abspielte, in deren Verlauf die Allianz-Flotte tiefer ins Sancere-System vordrang, war zum gr��ten Teil absehbar. Zivile Schiffe waren auf dem Weg zu nahen Raumh�fen oder zogen sich in die leeren Regionen des Systems zur�ck, da sie hofften, dass die Allianz-Schiffe sich nicht die M�he machen w�rden, Zeit mit einer Verfolgungsjagd zu vergeuden. In den orbitalen Schiffswerften herrschte hektische Aktivit�t, da Schlepper versuchten, wertvolle Materialien ebenso in Sicherheit zu bringen wie einige der gr��eren, noch im Bau befindlichen Kriegsschiffe. Allerdings waren nicht genug Schlepper da, um alles zu retten, bevor die kinetischen Projektile einschlugen. Die beiden nur teilweise fertiggestellten Kriegsschiffe, die aus der Schusslinie gezogen wurden, konnten sie sp�ter immer noch zerst�ren, wenn sie in das Gebiet flogen, trotzdem musste Geary die Hingabe bewundern, mit der die Syndiks ans Werk gingen. Sie gaben nicht auf, obwohl ihnen ihre Anstrengungen genauso vergebens erscheinen mussten, wie sie es in Wahrheit auch waren.</p><p>Lange nach dem Licht, das die Ankunft der Flotte ank�ndigte, folgte das kinetische Bombardement, das sich im System ausbreitete und unabwendbar Ziele ansteuerte, die tief im inneren System lagen, wo industrielle und milit�rische Anlagen dicht an dicht standen.</p><p>Die Syndik-Streitmacht, die Geary insgeheim als �bungs-Flotte bezeichnete, die aber vom Gefechtssystem offiziell als Syndik-Streitmacht Alpha gef�hrt wurde, hatte fast vier Stunden vor der Sichtung von Gearys Flotte Kurs auf den f�nften Planeten genommen und damit unwissentlich den Abstand verringert. Als er dann sah, wie die Streitmacht eine abrupte Kurs�nderung beschrieb, wusste er, dass dieses Man�ver bereits vor f�nf Stunden stattgefunden hatte�� und ihm wurde bewusst, dass er sich bereits seit mehr als zehn Stunden auf der Br�cke aufhielt. Er verharrte dennoch an Ort und Stelle, bis erkennbar war, ob die �bungsflotte den K�der geschluckt hatte und auf die Eingreiftruppe Furious zusteuerte. Ein pr�fender Blick auf die andere Syndik-Flotte f�hrte leider zu der Erkenntnis, dass die kehrtgemacht hatte und zum Portal zur�ckflog. Geary betete, dass diese Syndiks das Portal benutzten, um aus dem System zu entkommen, da ihm so die Ungewissheit einer Konfrontation ebenso erspart bleiben w�rde wie die M�glichkeit, dass sie das Portal zerst�rten, bevor seine Flotte es erreichen konnte.</p><p>M�de rieb er sich die Augen. Es dauerte immer noch gut vierundzwanzig Stunden, ehe die Flotte in die N�he des Gasriesen gelangte, wo man eine Kurs�nderung vornehmen und geradewegs auf das Portal zusteuern wollte. Es gab Medikamente, die ihn tagelang hellwach halten w�rden, aber selbst die besten dieser Mittel hatten ihren Preis, den man f�r gew�hnlich dann bezahlen musste, wenn in einer Drucksituation eine schnelle Entscheidung erforderlich wurde. Der menschliche Verstand ben�tigte Schlaf, um sich zu erholen, und er wollte sich auch mit nichts anderem abspeisen lassen. Captain Desjani hielt ein Nickerchen in ihrem Sessel, der offenbar bequem genug daf�r war. Die Ger�uschkulisse der Br�cke schien sie nicht zu st�ren.</p><p>Aber so bald w�rde es keine neuen Entwicklungen geben. Aktualisierte Informationen konnten eingehen, doch jede m�gliche Bedrohung w�rde erst in einigen Stunden zur Gefahr f�r die Flotte werden. Geary tippte auf die Komm-Tasten. �An alle Schiffe: Sorgen Sie daf�r, dass die Schichtwechsel Ihrer Crew eingehalten werden und dass jeder genug Zeit bekommt, um sich auszuruhen.� Er stand auf und streckte sich, fest entschlossen, seinen Untergebenen mit gutem Beispiel voranzugehen. �Ich gehe nach unten und lege mich eine Weile schlafen�, lie� er die Wachhabenden auf der Br�cke wissen. �Rufen Sie mich, wenn sich irgendetwas Unerwartetes ergibt. Und ich will benachrichtigt werden, falls diese beiden Syndik-Flotten eine Kurs�nderung vornehmen.�</p><p>Mitten in einer Schlacht f�r sechs Stunden schlafen zu gehen, wirkte im ersten Moment v�llig absurd, aber wenn sich diese Schlacht in Zeitlupe abspielte und sich zum Teil �ber Tage hinzog, dann war es eine durchaus sinnvolle Ma�nahme. Wenn er noch l�nger wach blieb und zusah, wie sich nichts ereignete, w�rde er viel zu m�de sein, sobald sich etwas ereignete. Das hielt sich Geary vor Augen, als er sich in seine Koje legte und die Decke anstarrte. Es h�tte schlimmer kommen k�nnen. Die Verteidigung fiel angesichts so zahlreicher milit�rischer Einrichtungen in diesem System �berraschend schwach aus. Offenbar waren die Syndiks nicht davon ausgegangen, dass Sancere ein ernsthafter Kandidat f�r einen Angriff der Allianz sein k�nnte. Aber �berraschungen konnte es jederzeit geben, und er musste einen klaren Kopf haben, wenn er dann zu einer schnellen und richtigen Reaktion in der Lage sein wollte.</p><p>Rastlosigkeit brachte ihn nach einer Weile dazu, durch das Schiff zu streifen und mit Offizieren und Matrosen zu reden, die auf ihren Posten waren oder zwischendurch etwas a�en. Jeder wirkte nerv�s und aufgeregt, voller Sorge �ber das, was vielleicht kommen w�rde, aber auch begeistert von der Aussicht, dem Gegner einen schweren Schlag zuzuf�gen. Einige von ihnen gr�belten �ber das Hypernet-Portal nach, und Geary versicherte ihnen recht vage, das Portal sollte eingenommen werden, falls das �berhaupt m�glich war.</p><p>Sechs Stunden vor der Ankunft beim Gasriesen konnte die Flotte etwas Aufregendes beobachten, das sich von der Welle der Zerst�rung unterschied, die die kinetischen Geschosse der Flotte verursachten, sobald sie auf ihre Ziele trafen. Die Eingreiftruppe Furious hatte auf dem Weg zu den inneren Planeten auf 0,2 Licht beschleunigt und war jetzt zwei Lichtstunden von der Flotte entfernt. Sie bremste nun auf 0,1 Licht ab und n�herte sich schnell der Syndik-Streitmacht Alpha, der �bungsflotte.</p><p>Von dem Wissen erf�llt, dass er in das Geschehen nicht lenkend eingreifen konnte, da alles, was er zu sehen bekam, l�ngst geschehen war, konnte Geary nur zuschauen, wobei er versuchte, sich seine Nervosit�t nicht anmerken zu lassen. Sollten die ihm treuen Commander der Versuchung erliegen und einen Angriff auf die Syndiks unternehmen, dann w�re ein Blutbad unvermeidlich. Die drei�ig Schiffe unter Cresidas Kommando waren zahlenm��ig den neununddrei�ig Syndik-Schiffen unterlegen, und das galt auch f�r ihre Feuerkraft. Immerhin hatten die Syndiks zehn Schlachtschiffe vorzuweisen. Das Kr�fteverh�ltnis war ungleich genug verteilt, um die Syndiks zu einer Verfolgung der scheinbaren Angreifer zu verleiten, worauf Geary auch hoffte. Er war davon �berzeugt, dass Cresida nicht so dumm war, sich auf einen Nahkampf einzulassen, doch ein unbeabsichtigter Fehler auf ihrer Seite oder ein geschickter Zug der Syndiks konnte genau das nach sich ziehen.</p><p>Es lief alles darauf hinaus, dass er Cresida vertraute. Nach der Bescherung, die Numos mit dem Kommando �ber die ihm unterstellte Formation bei Kaliban angerichtet hatte, wollte Geary niemandem mehr die Befehlsgewalt �ber einen Teil der Flotte �bertragen, dem er nicht vertraute. Aber es war viel leichter, nicht zu vertrauen und seinen Untergebenen alles vorzuschreiben, anstatt sie einfach ihre Arbeit machen zu lassen. <emphasis>Schon witzig, dass sich daran nie etwas �ndert. Man muss es als Junioroffizier lernen, und als Senioroffizier muss man sich daran halten. Vorausgesetzt, man will ein guter Commander sein.</emphasis></p><p>Vor zwei Stunden, was aber f�r den Rest der Flotte erst jetzt erkennbar wurde, hatte Cresida geschickt agiert und einen Kurs gew�hlt, der beinahe zu einer Kollision mit dem Gegner f�hrte, nur um abrupt den Kurs zu �ndern und im Vorbeiflug einige Salven abzufeuern. Es blieb nicht genug Zeit, um zu reagieren, zudem verhielten sich die Schiffe auffallend tr�ge, was Gearys Einsch�tzung best�tigte, dass deren Besatzungen noch keine Kampferfahrung besa�en. Die Syndik-Formation versuchte, sich um die Achse des Flaggschiffs zu drehen, um sich der Eingreiftruppe als Wand aus geballter Feuerkraft zu pr�sentieren. Aber einige Schiffe drehten sich erst mit Versp�tung und schossen an anderen vorbei, wieder andere beschrieben ihre Wendung dort, wo bereits benachbarte Schiffe man�vrierten. Nur mit waghalsigen Bewegungen konnten sie einer Kollision aus dem Weg gehen, was in der Formation f�r zus�tzliche Unordnung sorgte und die der Eingreiftruppe zugewandte Flanke v�llig schutzlos zur�cklie�. W�hrend die Syndiks vergeblich versuchten, das Feuer auf die herannahenden Allianz-Schiffe zu konzentrieren, konnte die Eingreiftruppe sich auf die ungesch�tzte Flanke konzentrieren und sie unter massiven Beschuss nehmen.</p><p>Geary atmete erleichtert auf, als die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> ihm die Verluste der Syndiks auflisteten. Ein Schlachtschiff trieb tot im All, zwei Schlachtkreuzer waren schwer besch�digt. Alle vier Schweren Kreuzer an dieser Flanke sowie f�nf J�ger wurden vernichtet. Die Statusmeldungen trafen jetzt zusammen mit dem Licht des Gefechts ein und lie�en erkennen, dass nur einige von Cresidas Schiffen minimale Sch�den erlitten hatten, w�hrend die anderen v�llig unversehrt geblieben waren. �Gut gemacht�, lobte Captain Desjani.</p><p>�Sehr gut sogar�, bekr�ftigte Geary. Dann versteifte er sich abrupt. Die zwei Stunden alten Bilder zeigten, dass die Schiffe der Eingreiftruppe in einem weiten Bogen wendeten, als wollten sie ein weiteres Mal die �berrumpelten Syndiks attackieren. <emphasis>Davon war keine Rede, Cresida. Tun Sie das nicht.</emphasis></p><p>Bei der Geschwindigkeit, mit der die Schiffe der Eingreiftruppe unterwegs waren, dauerte es lange, und sie ben�tigten viel Raum, um ihre Wendung zu vollenden, auch wenn sie gleichzeitig abbremsten, um den Radius so klein wie m�glich zu halten. Schlie�lich gab es keinen Zweifel mehr daran, dass Cresida einen zweiten Angriff fliegen wollte. <emphasis>Verdammt, sie h�tte es besser wissen sollen.</emphasis></p><p>Die Syndiks hatten die Verschnaufpause genutzt, um ihre Formation in den Griff zu bekommen und die st�rkste Feuerkraft auf den Gegner auszurichten. Da sie offenbar mit einer weiteren Attacke auf die geschw�chte Flanke rechneten, befanden sich die �berlebenden leichten Einheiten nun in der Mitte, w�hrend die verbliebenen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer in zwei vertikal ausgerichteten Ebenen angeordnet waren und dabei wie zwei Scheiben wirkten, zwischen denen sich die schw�cheren Schiffe befanden. Es hatte etwas Ironisches, dass die gro�en Schiffe als Eskorte der kleineren Fahrzeuge dienten, die ihrerseits doch die Eskorte h�tten bilden m�ssen. Dennoch war Geary beeindruckt, dass die Syndiks so schnell einen Weg gefunden hatten, ihre Flanken gegen Cresidas Taktik zu sch�tzen.</p><p>�Was glauben Sie, was sie gemacht hat?�, fragte Captain Desjani, die eher fasziniert als besorgt klang. Die Vergangenheitsform klang seltsam, wenn sie dabei gleichzeitig das Geschehen mitverfolgten, aber es erinnerte ihn daran, dass alles, was sie sahen, l�ngst geschehen war.</p><p>�Das werden wir bald sehen�, erwiderte Geary, der sich bem�hte, seine Ver�rgerung �ber Cresidas eigenm�chtiges Handeln nicht zu zeigen. Er konnte sie nicht davon abhalten, er konnte nicht eingreifen. Ihm blieb nichts anderes �brig, als sich ein zwei Stunden altes Ereignis anzusehen, dessen Licht jetzt erst die <emphasis>Dauntless</emphasis> erreichte.</p><p>Die Eingreiftruppe Furious hatte nun die Formation eines breiten, flachen Streifens eingenommen. Geary starrte auf die Darstellung und fragte sich, was Cresida mit dieser Formation bezwecken wollte. Die beiden Streitm�chte steuerten aufeinander zu, die Eingreiftruppe beschleunigte so weiter, wie es die handverlesenen Schiffe zu leisten vermochten. Die Allianz-Flotte n�herte sich den Syndiks mit einer kombinierten relativen Geschwindigkeit von nicht ganz 0,2 Licht. Beiden Seiten w�rden die relativistischen St�rungen ernsthafte Schwierigkeiten bereiten, zielgenau auf den Gegner zu feuern; die Geschwindigkeit bewegte sich auch kaum noch innerhalb akzeptabler Gefechtsbedingungen.</p><p>Diese Schnelligkeit und die Probleme, den Gegner zu sehen, lie� den Syndiks weniger Zeit zu reagieren, als Cresida ihre Streitmacht abermals den Kurs �ndern lie�. Die Kriegsschiffe der Eingreiftruppe Furious tauchten nach unten weg und flogen unter den wartenden Syndiks hindurch, wobei sie auf eine ungesch�tzte Ecke der rechteckigen Formation an der Backbordseite der gegnerischen Streitmacht zielten. Das einzelne Schlachtschiff an eben dieser Ecke musste einen Beschuss von jedem Mitglied der Eingreiftruppe einstecken, w�hrend es selbst jeweils nur Einzelsch�sse auf die Gegner abfeuern konnte. Auch wenn viele Sch�sse der Allianz-Schiffe wegen der St�rungen durch das hohe Tempo das Ziel verfehlten, bekam das Syndik-Schlachtschiff immer noch genug Treffer ab.</p><p>Die Allianz-Formation flog weiter, zur�ck blieben die Tr�mmer eines Schlachtschiffs, das dem massiven Beschuss nicht hatte standhalten k�nnen.</p><p>Desjani lachte sanft. �Die werden auf Commander Cresida sehr w�tend sein. Das war ein guter Zug, Captain Geary. Sie hat zweimal mit ihnen gespielt, und beide Male konnte sie ihnen Verluste beibringen. Sehen Sie, die Syndiks drehen bei, um sie zu verfolgen, aber sie fliegt nicht auf den f�nften Planeten zu.�</p><p>�Nein.� Geary betrachtete die Flugbahn, auf die die Eingreiftruppe einschwenkte und die von den Steuersystemen der <emphasis>Dauntless</emphasis> schnell weiterberechnet wurde. �Cresida hat beschlossen, zu den Schiffswerften im Orbit um die vierte Welt zu fliegen.� Die gigantischen Industriekomplexe stellten vermutlich die kostbarsten Ziele in diesem System dar. Geary hatte Cresida ausdr�cklich angewiesen, diese Anlagen nicht zu zerst�ren, weil er sie pl�ndern wollte, aber die Eingreiftruppe konnte m�helos im Vorbeiflug das fast fertiggestellte Schlachtschiff und einen Schlachtkreuzer bombardieren, die beide hektisch weggeschleppt wurden, um sie vor den kinetischen Projektilen in Sicherheit zu bringen, die auf die im Bau befindlichen Schiffe abzielten.</p><p><emphasis>Sie hat es richtig gemacht, hat absolut alles richtig gemacht. Aber w�re eine Kommunikation mit ihr in Echtzeit m�glich gewesen, dann h�tte ich ihr befohlen, anders vorzugehen, weil ich nicht auf ihr Urteil vertraut h�tte. Halt dir das immer vor Augen, Geary! Unter diesen Schiffskommandanten befinden sich kluge K�pfe, und diese Leute h�ren auf das, was du sagst. Im Gegenzug musst du ihnen vertrauen.</emphasis> Auch wenn die Nachricht sie erst in einigen Stunden erreichen w�rde, tippte Geary auf seine Komm-Kontrollen. �An Commander Cresida und alle Schiffe der Eingreiftruppe Furious, hier spricht Captain Geary. Das war exzellente Arbeit. Machen Sie weiter so.�</p><p>Bis zu dem Zeitpunkt, da die Allianz-Flotte am innersten Gasriesen vorbeiflog, war auf Gearys Aufforderung zur Kapitulation keine Reaktion erfolgt. Die Flotte zerst�rte jene industriellen Ziele, die dem kinetischen Bombardement entgangen waren, und eliminierte alle noch verbliebenen Handelsschiffe in dieser Region. Der Antrieb von Erzfrachtern und anderen Schiffen, die nur f�r die Reise innerhalb des Systems ausgelegt waren, verf�gte nur �ber einen Bruchteil der Leistungsf�higkeit eines Kriegsschiffs. Mit der Zeit konnten sie eine passable Endgeschwindigkeit erreichen, doch bis dahin verging viel Zeit. Und genau diese Zeit war den Schiffen nicht geblieben.</p><p>Das kinetische Bombardement war noch ein paar Stunden vom vierten Planeten entfernt, sodass die Kommandostruktur der Syndiks im inneren System noch voll funktionsf�hig war. Geary w�nschte, er w�sste, welche Befehle dort in diesen Minuten von ganz oben ausgegeben wurden. �An alle Einheiten der Hauptflotte: �ndern Sie Ihren Kurs um zwei f�nf Grad nach Steuerbord und nach unten um null zwei Grad bei Zeit vier sieben.�</p><p>�Noch bevor die kinetischen Projektile sie erreichen, werden die genug Zeit haben, um neue Befehle zu erteilen, wenn sie sehen, dass wir Kurs auf das Portal nehmen.�</p><p>�Das l�sst sich nicht �ndern.� In einiger Entfernung flog die Eingreiftruppe Furious weiter auf die Schiffswerften um den vierten Planeten zu. Die gebeutelte und zweifellos vor Wut kochende Syndik-Streitmacht Alpha hatte an Geschwindigkeit zugelegt und war mit etwas mehr als 0,2 Licht auf einem Abfangkurs unterwegs, der sie kurz vor den orbitalen Schiffswerften des vierten Planeten mit der Eingreiftruppe zusammentreffen lassen sollte. �Was glauben die eigentlich, wie hoch ihre Trefferquote sein wird, wenn die so schnell fliegen?�</p><p>�Bei einer unerfahrenen Crew und Gefechtssystemen, die sich immer noch auf ihre Umgebung einzustellen versuchen? H�her als null wird sie nicht ausfallen�, erwiderte Desjani. �Sie m�ssten auf Gefechtsgeschwindigkeit runtergehen, aber wenn sie das machen, erreichen sie nicht mehr rechtzeitig den Treffpunkt.�</p><p>Desjani sah die Situation so wie er auch. Geary nickte, wurde dann aber stutzig, weil ihm einmal mehr der Gedanke zu schaffen machte, ihm sei irgendetwas durchgegangen. Doch was immer das auch sein mochte, es hielt sich beharrlich im hintersten Winkel seines Verstands und weigerte sich, nach vorn zu kommen. Schlie�lich versuchte Geary, gezielt an etwas anderes zu denken, weil er hoffte, dass ihm das helfen w�rde. Aber es half alles nichts.</p><p>Als sie noch f�nf Stunden vom Hypernet-Portal entfernt waren, stutzte Geary erneut. Die Syndik-Streitmacht Alpha hatte weiter auf 0,25 Licht beschleunigt und den Kurs leicht korrigiert, damit sie die Flugbahn der Eingreiftruppe Furious kreuzen konnte, bevor die den vierten Planeten erreichte. �Wieso sagt mir mein Gef�hl, dass die gar nicht vorhaben, unsere Eingreiftruppe auszubremsen?�</p><p>Auch Desjani war irritiert. �Ich wei� wirklich nicht, wie viele Treffer sie bei der Geschwindigkeit landen wollen. Ein Abfangkurs ergibt keinen Sinn, wenn er keine Bedrohung darstellt. Wenn Cresidas Schiffe irgendein Ausweichman�ver ausf�hren, fehlen den Syndiks schlagartig die Ziele, auf die sie feuern wollen, und durch die relativistische St�rung k�nnen die Syndiks nicht mal genau erkennen, was die Allianz-Schiffe �berhaupt machen. Selbst wenn das den Befehlshabern der Syndik-Schiffe nicht klar ist, sollte das aber ihren Vorgesetzten auf dem Planeten bewusst sein. Die hatten genug Zeit, der Streitmacht entsprechende Befehle zu erteilen, doch das ist nicht geschehen.�</p><p>�Warum halten die an einer Taktik fest, die ihnen praktisch jede Chance nimmt, eines unserer Schiffe zu treffen?�, �berlegte Geary laut. �Warum sollten ihre Vorgesetzten damit einverstanden sein?�</p><p>Er hatte ganz vergessen, dass Co-Pr�sidentin Rione mittlerweile wieder ihren Platz auf der Br�cke eingenommen hatte. Ihre Stimme klang wie die einer Lehrerin, die einem dummen Sch�ler auf die Spr�nge zu helfen versuchte, als sie sagte: �Vielleicht sollten Sie nicht l�nger davon ausgehen, dass Sie deren Absichten kennen.�</p><p>Er drehte sich zu ihr um. �Wie meinen Sie das?�</p><p>�Ich meine damit, Sie reden nur davon, was die Syndiks anders machen m�ssten, wenn sie Ihre Schiffe treffen wollen. Was, wenn es ihnen in erster Linie gar nicht darum geht, Ihre Schiffe zu treffen?�</p><p>Desjani, die sichtlich nicht davon angetan war, Rione zuzustimmen, ballte eine Faust. �Wenn sie uns nicht treffen k�nnen, dann bedeutet das, dass die gleichen relativistischen Faktoren uns daran hindern, zuverl�ssig auf sie zu zielen. Sie minimieren ihr Risiko, von uns getroffen zu werden.�</p><p>Dann ging es den Syndiks vor allem ums �berleben? Aber warum? �Welchen Sinn soll das ergeben, ihre Formation so vollst�ndig wie m�glich intakt zu halten, w�hrend wir Amok laufen d�rfen?�</p><p>�Die erwarten, dass etwas passiert, was das Blatt zu ihren Gunsten wenden wird�, sagte Desjani bed�chtig.</p><p>Geary knirschte mit den Z�hnen. Er und Desjani waren davon ausgegangen, das Vorhaben der Syndiks zu kennen, und sie hatten versucht, deren Handeln mit diesen Annahmen in Einklang zu bringen. Die wahren Absichten ihrer Gegner wurden jetzt klar, nachdem Rione ihnen deutlich gemacht hatte, was die Syndiks eigentlich taten. �Erwarten die Verst�rkung?�</p><p>�Es ist unwahrscheinlich, aber nicht auszuschlie�en, dass ein Kurier unbemerkt durch das Portal entkommen ist�, r�umte Desjani ein. �Doch selbst wenn, k�nnen sie nicht damit rechnen, dass jeden Moment Verst�rkung eintrifft. Dann m�ssten wir schon davon ausgehen, dass die Syndiks unsere Ankunft in Sancere erwartet haben.�</p><p>�Das passt nicht zu dem, was wir hier vorgefunden haben�, wandte Rione ein und versetzte Geary erneut in Erstaunen. �Alles deutete auf �berraschung angesichts unserer Ankunft hin. Das k�nnte nat�rlich Teil einer ausgekl�gelten Falle sein, um uns in Sicherheit zu wiegen und uns unvorsichtig werden zu lassen, aber wenn die Syndiks mit uns gerechnet h�tten, dann w�ren wir zweifellos mit einem Minenfeld am Sprungpunkt empfangen worden.�</p><p>�Sie haben beide recht�, erkl�rte Geary. �Das hei�t, der Abfangkurs ist nur eine Finte, mit dem sie versuchen wollen, das Vorr�cken der Eingreiftruppe zu behindern. Das passt zum Verhalten der Syndiks. Gehen wir davon aus, dass es mindestens einige Tage dauert, ehe eine angeforderte Verst�rkung eintreffen kann. Was gibt es sonst noch, das das Kr�fteverh�ltnis so sehr ver�ndern k�nnte, dass diese Syndik-Flotte das eigene �berleben �ber die Vernichtung des Feindes stellt?� Es musste etwas Gro�es sein, das verstand sich von selbst. Etwas wirklich Gro�es.</p><p>Geary sah sich die Darstellung der Syndik-Streitmacht Bravo auf seinem Display an. �Alpha bewegt sich so schnell, dass wir sie nicht treffen k�nnen, aber Bravo kauert einfach nur vor dem Portal und r�hrt sich nicht von der Stelle, obwohl klar ist, wohin wir wollen.�</p><p>Desjani sch�ttelte den Kopf. �Die m�ssen in n�chster Zeit Fahrt aufnehmen. Wenn sie dort verharren und auf uns warten, ist das glatter Selbstmord.�</p><p>�Und trotzdem hat man ihnen genau das befohlen. So wie die andere Formation alles unternehmen soll, um nicht noch weitere Schiffe zu verlieren.� Geary hantierte mit dem Display und ver�nderte die Perspektive, um die Syndik-Formation von verschiedenen Seiten aus zu betrachten. �Wie sieht die neueste Einsch�tzung der Sch�den an den Schiffen der Streitmacht Bravo aus?�</p><p>�Besch�digt sind sie alle, aber zwei Schlachtschiffe und drei Schlachtkreuzer haben so massive Sch�den davongetragen, dass sie vermutlich nur minimal gefechtstauglich sind�, antwortete Desjani.</p><p>Geary markierte die am schwersten besch�digten Syndik-Schiffe. Alle f�nf befanden sich in der Mitte der Formation, die sich ihrerseits vor dem Hypernet-Portal aufgestellt hatte. �Die Standardtaktik ist bislang gewesen, auf den Gegner loszust�rmen. Das habe ich doch richtig verstanden, oder?�</p><p>Desjani nickte.</p><p>�Warum bringen sie dann ihre schw�chsten Schiffe dort in Position? Warum befehlen sie ihnen nicht, in den freien Raum zu entfliehen? Dort, wo sie jetzt sind, k�nnen sie nichts anderes tun, als unsere Treffer einzustecken.�</p><p>Captain Desjani musterte nachdenklich das Display. �Ich k�nnte mir drei Gr�nde vorstellen. Der erste Grund w�re schlicht und einfach Dummheit; falls ihre Commander unf�hig sind. Der zweite w�re der, dass die f�nf besch�digten Schiffe als K�der dienen sollen. Und der dritte w�re, dass die leistungsf�higsten Schiffe aus einem bestimmten Grund die Umgrenzung dieser Formation bilden m�ssen.�</p><p>�Von Unf�higkeit m�chte ich an diesem Punkt nicht ausgehen. Das k�nnte uns �berm�tig werden lassen. Und abgesehen davon: Warum sollten die Syndiks den beiden Formationen keine aufeinander abgestimmten Befehle erteilen? Es ist schlie�lich nicht so, als w�rden die Syndik-F�hrer ihren untergeordneten Kommandanten irgendwelche Entscheidungsfreiheit zugestehen.�</p><p>Desjani nickte best�tigend.</p><p>Geary sp�rte, wie sich sein Magen verkrampfte. �Ich glaube, Ihr zweiter und dritter Grund treffen zu. Man erwartet von uns, dass wir genau auf diese Formation zuhalten, so wie es Allianz-Schiffe �blicherweise machen. Und in der Mitte der Formation warten die schw�chsten Gegner darauf, von uns erledigt zu werden. Ein K�der, wie Sie ganz richtig sagten.� Er dachte daran zur�ck, wie seine Flotte bei Corvus auseinandergebr�ckelt war, als jedes seiner Schiffe versucht hatte, ein paar hoffnungslos unterlegenen Syndik-Kriegsschiffen den vernichtenden Treffer zuzuf�gen. Ein Syndik-Commander, der von einem solchen Verhalten ausging, wusste deshalb, wie verlockend die besch�digten Schiffe f�r einen Allianz-Commander sein mussten. �Und wenn wir nahe genug herangekommen sind, werden diese Einheiten mit der leistungsf�higsten Feuerkraft�, er zeigte auf Schiffe am Rand der Formation, �sich das Portal selbst vornehmen. Die wollen uns zu sich locken und dann das Portal vernichten, weil sie hoffen, dass die entstehende Energieentladung stark genug ausf�llt, um vielen unserer Schiffe schwere Sch�den zuzuf�gen.�</p><p>Einen Moment lang herrschte Schweigen, w�hrend Desjani �ber seine Mutma�ung nachdachte. Dann schlug sie mit einer Faust auf die Armlehne ihres Kommandosessels. �Ich glaube, Sie haben recht, Sir. Wenn ein gro�er Teil der Schiffe unserer Hauptflotte durch das Hypernet-Portal au�er Gefecht gesetzt wird, dann verschiebt sich das Kr�fteverh�ltnis im System, und die Eingreiftruppe Furious k�nnte auf einmal als die einzige organisierte Streitmacht der Allianz bei Sancere dastehen.�</p><p>Geary �berpr�fte einige Statistiken. �Und trotz des Schadens, den die Eingreiftruppe der Syndik-Streitmacht Alpha zugef�gt hat, ist diese Flotte immer noch �berlegen. Darum versuchen sie, weitere Verluste zu vermeiden. Wenn ihr Plan am Portal funktioniert, sind sie die �berlegene Macht im System.�</p><p>�Wenn die Energieentladung beim Versagen des Portals so gro� ist, dass wir davon in Mitleidenschaft gezogen werden�, gab Desjani zu bedenken, �dann bleiben die Syndik-Schiffe aber nicht verschont.�</p><p>�Richtig.� Aber was waren schon ein paar Kriegsschiffe, davon die H�lfte schwer besch�digt, gegen eine vier- oder f�nfmal so gro�e Flotte aus Allianz-Schiffen? F�r die Erbsenz�hlermentalit�t der Syndiks war das vermutlich ein sehr gutes Gesch�ft, vor allem weil die �berreste der Allianz-Flotte danach bestimmt die Flucht ergreifen w�rden, sodass etliche industrielle und milit�rische Einrichtungen verschont blieben. �Ich frage mich, ob die Besatzungen dieser Schiffe das wissen.�</p><p>�Das m�chte ich bezweifeln.�</p><p>�Ich ebenfalls.� Geary spielte mit den Kontrollen, dann dr�ckte er entschieden eine Taste. �An die Kriegsschiffe der Syndikatwelten am Hypernet-Portal des Sancere-Systems, hier spricht Captain Geary, Befehlshaber der Allianz-Flotte im Sancere-System. Seien Sie gewarnt, dass die Energieentladung als Folge einer Zerst�rung des Hypernet-Portals sehr wahrscheinlich alle Schiffe zerst�ren wird, die sich zu dem Zeitpunkt in der N�he aufhalten.� Er hielt inne und �berlegte, ob er erw�hnen sollte, welche verheerenden Folgen eine Zerst�rung des Portals vermutlich noch nach sich ziehen w�rde. Doch er entschied sich dagegen. Wenn die Syndik-F�hrer nicht l�ngst von selbst dahintergekommen waren, wollte Geary nicht derjenige sein, der sie auch noch auf diesen Gedanken brachte. �Sie haben keine Chance, das zu �berstehen. Ihre Schiffe sind schon jetzt zu schwer besch�digt. Eine Kapitulation ist nichts Unehrenhaftes. Sie haben mein Wort, dass jeder von Ihnen, der sich ergibt, dem Kriegsrecht entsprechend behandelt wird.�</p><p>�Ich hoffe, Sie rechnen nicht ernsthaft damit, dass einer von denen kapitulieren wird�, meldete sich Co-Pr�sidentin Rione wieder zu Wort.</p><p>�Nein�, antwortete er ohne Umschweife. �Aber die Chance besteht trotzdem, und es w�rde uns das Leben um einiges leichter machen, sollten sie doch kapitulieren.�</p><p>�Glauben Sie blo� nicht, die Besatzungen dieser Schiffe k�nnten �ber ihr Schicksal selbst bestimmen�, redete Rione weiter.</p><p>Er sah Desjani fragend an, doch die schien auch nicht zu wissen, was die Co-Pr�sidentin damit meinte. �Was wollen Sie damit sagen?�</p><p>�Damit will ich sagen�, erkl�rte Rione finster, �dass unserer Ansicht nach die Syndik-Schiffe mit einem ferngesteuerten Widerruf ausgestattet sind, die es einem CEO erm�glichen, die Besatzung zu �bergehen und gegen deren Willen die Gefechts- und Man�versysteme eines Schiffs zu bedienen.�</p><p>�Mir sind Ger�chte in dieser Richtung zu Ohren gekommen�, sagte Desjani, �aber nichts Offizielles.�</p><p>Rione nickte ihr zu. �Dann betrachten Sie das hier als offizielle Best�tigung. Wir wissen es nicht mit absoluter Gewissheit, aber es gibt streng vertrauliche Beweise, die diese Vermutung st�tzen. Es ist eine Art letzte Option f�r einen Syndik-CEO, die aber nur selten zum Einsatz kommt. W�rde davon �fter Gebrauch gemacht, k�nnten wir das Signal feststellen und analysieren, um dann den gleichen Widerruf zu unserem Vorteil einzusetzen.�</p><p>Geary sp�rte, dass sich bei ihm ein Kopfschmerz regte, aber er versuchte ihn zu verdr�ngen, indem er die Finger gegen die Stirn dr�ckte. �Unglaublich.� <emphasis>Also gut. Nehmen wir an, das stimmt, und man will diese Besatzungen bewusst opfern, nur um uns in eine Falle zu locken. Und selbst wenn sie etwas dagegen zu unternehmen versuchen, k�nnen sie es trotzdem nicht verhindern. Das hei�t, sie k�nnen es nicht verhindern, wenn ihre Schiffe auf die Trossen des Portals feuern. Aber dieser Widerruf kann nicht flexibel sein, wenn er Schiffen exakt sagt, was sie zu tun haben.</emphasis> �Wenn wir wissen, was die Syndiks wahrscheinlich vorhaben, dann k�nnen wir auch vorhersagen, welche Befehle diese Schiffe ausf�hren werden.�</p><p>�Und das hei�t, wir werden wissen, wo sie sich befinden�, erg�nzte Desjani.</p><p>�Richtig.� Geary aktivierte das Waffeneinsatzsystem und gab die verschiedenen Annahmen ein. Wenn die Syndik-Schiffe, die sich im besten technischen Zustand befanden, den Auftrag hatten, die Portaltrossen zu zerst�ren, und wenn dieser Plan in Aktion treten sollte, sobald sich die Allianz-Flotte so dicht wie m�glich am Portal befand, welche Position w�rden die Syndiks dann zu welchem Zeitpunkt einnehmen m�ssen? Das System f�hrte die Berechnungen durch und lieferte nach einer Sekunde die wahrscheinlichsten Positionen der feindlichen Schiffe. �Wir k�nnen auf sie zielen. Schicken Sie kinetische Salven auf einen Abfangkurs, die schwer genug sind, um die Schilde zu durchdringen und die Schiffe au�er Gefecht zu setzen.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, wunderte sich Rione. �Normalerweise setzen Sie solche Waffen doch nicht gegen andere Schiffe ein.�</p><p>�Richtig, und das liegt daran, dass diese Schiffe den Projektilen ausweichen, sobald sie sie entdecken�, erkl�rte er. �Aber wenn bei den Schiffen hier ein fester Kurs eingegeben wurde, der von den Besatzungen nicht widerrufen werden kann, und wenn dieser Widerrufsmechanismus keine anderen Flugman�ver zul�sst, k�nnten wir in der Lage sein, einige Schiffe unsch�dlich zu machen.�</p><p>�Verstehe�, erwiderte Rione. �Das ist unsere einzige M�glichkeit, sie von einer Zerst�rung des Portals abzuhalten, bevor wir es erreicht haben, richtig?�</p><p>Geary sah zu Desjani, die ebenfalls nickte. �Ich glaube schon. Es ist zumindest einen Versuch wert. Captain Desjani, lassen Sie meine Berechnungen von Ihren Waffenspezialisten nachpr�fen und bereiten Sie alles f�r ein Gefecht vor. Ich m�chte, dass die kinetischen Salven mit einem einmin�tigen Countdown automatisch am optimalen Punkt abgefeuert werden.�</p><p>�Kein Problem, Sir.� Desjani gab dem zust�ndigen Wachhabenden ein Zeichen, der sich sofort �ber seine Konsole beugte.</p><p>Die Welle der Zerst�rung durch die kinetischen Bomben der Allianz erreichte den vierten Planeten, zog �ber ihn hinweg und traf eine Stunde sp�ter auf die dritte Welt in diesem System. Beim Anblick der stark vergr��erten Bilder des Geschehens konnte Geary die Explosionen auf der Planetenoberfl�che und in den orbitalen Einrichtungen mitverfolgen. Die noch im Bau befindlichen Kriegsschiffe wurden unter der Wucht der Einschl�ge in St�cke gerissen. Tr�mmer wirbelten ins All davon oder wurden vom Schwerkraftfeld der vierten Welt erfasst und von ihr angezogen. Kommando- und Kontrollzentren der Syndiks auf dem Planeten vergingen in intensiven Lichtblitzen, gefolgt von pilzf�rmigen Rauchwolken, die zum Himmel aufstiegen. Auf der Nachtseite der Welten zuckten die Blitze der Explosionen durch die Finsternis und h�tten einen wundersch�nen Anblick geboten, w�ren sie nicht verheerenden Zerst�rungen gleichbedeutend gewesen.</p><p>Neben den Bildern zeigten die Gefechtssysteme der <emphasis>Dauntless</emphasis> in so rascher Folge aktualisierte Zahlen an, dass man die kaum lesen konnte. Gereizt und unsicher, was die immer zahlreicher werdenden Angaben darstellten, schaltete Geary das Display um, damit es ihm anzeigte, wie viele Ziele noch aktiv waren. Diesmal rasten die Zahlen r�ckw�rts. Kommunikations-Zentren, Raumh�fen, gro�e Lufth�fen, Milit�rbasen, antiorbitale Verteidigungsanlagen, milit�risch ausgelegte Fabriken, Berge von Munition, Ersatzteilen und Ausr�stung, Forschungseinrichtungen. Im Orbit wurden Satelliten und Stationen getroffen und ver�nderten sich von kleinen, kompakten Punkten zu ausgedehnten Tr�mmerfeldern hoch �ber der Atmosph�re. Unter den �berresten hinterlie� der Regen aus metallenen Projektilen ein Meer aus Ruinen und Kratern.</p><p>Die angezeigten Zahlen n�herten sich rapide der Null. �Das ist fast so wie auf einem Schie�stand�, meinte Geary.</p><p>�Eigentlich schon mehr so, als w�rde man den Schie�stand bombardieren�, hielt Desjani dagegen, die so gut gelaunt wie stets war, wenn sie zusehen konnte, wie Syndik-Ziele dem Erdboden gleichgemacht wurden.</p><p>�Die Syndiks hatten Zeit genug, alle diese Ziele zu evakuieren�, warf Rione ein. �Wissen wir, ob sie das auch getan haben?�</p><p>Desjani zuckte mit den Schultern. �Madam Co-Pr�sidentin, nicht einmal die <emphasis>Dauntless</emphasis> kann so viele menschliche Ziele verfolgen, die sich unter einer Atmosph�re oder hinter einem Planeten bewegen. Wir konnten Hinweise auf Evakuierungsma�nahmen ausmachen, aber wenn Sie wissen wollen, ob Syndiks bei dem Bombardement ums Leben gekommen sind, dann kann ich Ihnen das nicht beantworten.�</p><p>�Sie haben einige Rohstoffvorr�te unversehrt gelassen�, stellte Rione fest.</p><p>�Richtig�, best�tigte Geary. �Und auch einige Orbitaleinrichtungen. Wir mussten den Syndiks etwas lassen, das sie uns geben k�nnen. Oder besser gesagt: das wir uns nehmen k�nnen. Da Verhandlungen mit ihnen bislang nicht gut gelaufen sind, werde ich Streitkr�fte losschicken, damit sie das holen, was wir gebrauchen k�nnen.�</p><p>Rione betrachtete Geary einen Moment lang, dann entgegnete sie: �Das d�rfte ein kluger Zug sein.�</p><p>Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass seine Worte falsch ausgelegt werden konnten. �Ich gebe Ihnen nicht die Schuld daf�r, dass die Syndiks sich nicht an die Vereinbarungen gehalten haben. Meine Entscheidung basiert ausschlie�lich auf der Erkenntnis, dass man den Syndiks offenbar nicht �ber den Weg trauen kann.�</p><p>Rione nickte. �Danke, aber so wie Sie f�hle ich mich auch f�r die Dinge verantwortlich, die sich eigentlich meiner Kontrolle entziehen.�</p><p>Diese Aussage klang fast nach einem Kompliment. Er fragte sich, wieso Rione pl�tzlich etwas zu ihm sagte, das sich zumindest freundlich anh�rte.</p><p>�Auf jeden Fall�, fuhr sie fort, �danke ich Ihnen, dass Sie zivile Ziele verschont haben, Captain Geary.�</p><p>�Gern geschehen.�</p><p>�Captain Geary�, meldete sich ein Wachhabender zu Wort. �Die Syndik-Streitmacht Alpha steht kurz davor, den berechneten Kurs der Eingreiftruppe Furious zu kreuzen.�</p><p>Was eigentlich bedeutete, dass sich dieses Ereignis bereits vor Stunden abgespielt hatte, was auch f�r das Bombardement der Welten galt, das sie soeben beobachten konnten. Geary ver�nderte die Darstellung auf seinem Display und sah die ausholende Kurve, auf der die Eingreiftruppe Furious zur vierten Welt flog. Und dort war die etwas flachere Flugbahn der Syndik-Flotte, die fast eine Lichtminute voraus den Weg der Allianz-Schiffe gekreuzt hatte. �Die werden doch da keine Minen ausgesetzt haben, oder?�</p><p>Desjani reagierte mit einem weiteren Schulterzucken. �Sie k�nnten es versucht haben, aber Commander Cresida wird darauf vorbereitet gewesen sein.�</p><p>Das traf offenbar zu, denn noch bevor die Syndiks tats�chlich die berechnete Flugbahn kreuzten, �nderte die Allianz-Formation den Kurs und flog einen weiteren Bogen. �Wohin zum Teufel will sie denn jetzt schon wieder?�, wunderte sich Geary laut.</p><p>�Captain Geary�, gab Desjani am�siert zur�ck. �Wenn Sie jemandem wie Commander Cresida freie Wahl lassen, welche Ziele sie anfliegen will, dann m�ssen Sie sich auch auf so manche �berraschende Entscheidung gefasst machen.�</p><p>Unwillk�rlich begann er zu lachen. �Ich sch�tze, wenn ich schon keine Ahnung habe, was sie als N�chstes tun wird, dann sind die Syndiks chancenlos, Cresidas Absichten vorauszuahnen.�</p><p>Ihre Geschwindigkeit und ihr Schwung trugen die Eingreiftruppe noch ein ganzes St�ck weit in die gleiche Richtung, doch der Kurs wich immer st�rker von der berechneten Flugbahn ab. Als die Region erreicht war, in der die Syndiks den urspr�nglich erwarteten Kurs gekreuzt hatten, waren die Allianz-Schiffe schon etliche Lichtsekunden entfernt. �Falls die Syndiks Minen abgesetzt haben, war das reine Vergeudung�, stellte Desjani fest. �Um ein paar Treffer zu erzielen, h�tten sie ein viel gr��eres Gebiet abdecken m�ssen.�</p><p>Die Eingreiftruppe flog weiter ihre Wende und tauchte nun unter die Systemebene, sodass eine Spirale entstand, als sie die Kehre vollendete. Der Kurs f�hrte dann wieder nach oben und auf das Schlachtschiff und den Schlachtkreuzer zu, die die Syndiks vor dem orbitalen Bombardement in Sicherheit gebracht hatten. In weiter Ferne jagte die Syndik-Streitmacht Alpha weiter quer durch das Sancere-System und vergr��erte so ganz erheblich den Abstand zur Eingreiftruppe.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter sah Geary mit an, wie die Eingreiftruppe an den ohnehin schwer in Mitleidenschaft gezogenen Werften vorbeiflog und zuvor verfehlte Ziele mit pr�zisem Beschuss durch H�llenspeere ausradierte. Zehn Minuten sp�ter, als die Syndik-Schlepper l�ngst die Verbindung zu ihrer Schlepplast gekappt hatten und sich in Sicherheit zu bringen versuchten, zerst�rte die Eingreiftruppe das Schlachtschiff und den Schlachtkreuzer, w�hrend die leichtesten Einheiten sich von der Truppe l�sten und den Schleppern folgten, um sie so m�helos zu vernichten, als w�rden sie mit einer Klatsche nach einer l�stigen Fliege schlagen.</p><p>Geary wandte seine Aufmerksamkeit von Cresidas Eingreiftruppe ab, da er wusste, dass nichts von dem, was ihre Schiffe noch bewirken konnten, einen Einfluss auf die entscheidende Schlacht um das Sancere-System haben w�rde. Diese Schlacht fand dort statt, wo sich die Syndik-Streitmacht Bravo noch immer aufhielt: nahe dem Hypernet-Portal.</p><p>Noch eineinhalb Stunden bis zum Kontakt, sofern die Syndiks nicht doch noch zum Angriff �bergingen und die Zeitspanne verk�rzten.</p><p>Und weniger als zwei Stunden bis zu dem fast sicheren Moment, an dem jeder im Sancere-System erfahren w�rde, was geschah, wenn ein Hypernet-Portal zerst�rt wurde.</p><p>�Captain Desjani�, fragte Geary. �Wieso hat eigentlich bislang noch niemand versucht, ein Portal zu zerst�ren? Ich wei� aus den Aufzeichnungen �ber den Krieg, dass Systeme nahe dem Feindgebiet angegriffen und eingenommen wurden, die �ber Portale verf�gten. Warum wurden die Portale in diesen Systemen nicht zerst�rt?�</p><p>Die Frage schien Desjani zu �berraschen. �Der Feind konnte bislang ein Portal der anderen Seite nicht benutzen. Das hier ist das erste Mal, dass eine Seite den Schl�ssel zum Hypernet des Gegners besitzt.�</p><p>�Ja, aber der Feind kann doch das Portal weiterhin nutzen, um Verst�rkung zu schicken oder um einen Gegenangriff zu starten, weil er das System zur�ckerobern will.�</p><p>�Ja, Sir.� Desjani schien zu glauben, dass eine Erkl�rung nicht erforderlich war.</p><p>Dann begann Geary der Grund zu d�mmern. Er hatte nicht wie diese modernen K�mpfer gedacht. �Sie wollen, dass der Feind sich zeigt, richtig?�</p><p>�Nat�rlich, Captain Geary. Der Zweck einer offensiven Aktion ist der, dem Feind zu begegnen und ihn zu vernichten�, antwortete sie, als rede sie �ber etwas, das jeder wusste. �Alles, was den gegnerischen Streitkr�ften den Weg zu uns erleichtert, dient dem Zweck, den Gegner in Gefechte zu locken. Ein funktionierendes feindliches Portal ist ein Garant f�r eine Schlacht.�</p><p>�Ja, richtig.� Wenn man den Krieg auf sein grundlegendstes Element reduzierte, dann war es das: T�te den Feind. Angesichts dieser Denkweise war es nur logisch, ein feindliches Hypernet-Portal unangetastet zu lassen. Schlie�lich w�rden weitere Gegner �ber diesen Weg ins System kommen, die man alle zu t�ten versuchen konnte. Der Feind konnte zwar durch das Portal schneller Verst�rkung schicken, als man sie selbst herbeiholen konnte, aber mehr Gegner bedeuteten ja auch mehr Ziele, auf die man schie�en konnte. <emphasis>Kein Wunder, dass sie solche Verluste erlitten haben. Ihnen ist nicht nur die Expertise auf dem Schlachtfeld abhandengekommen, es liegt auch an dieser Einstellung, die das T�ten �ber das Siegen stellt. Sie haben vergessen, dass ein klug errungener Sieg mehr Feinden das Leben kosten kann, als wenn man versucht, sich gegenseitig die Sch�del einzuschlagen.</emphasis></p><p>Zum sicherlich hundertsten Mal betrachtete Geary auf dem Display die Formation seiner Flotte, und wieder fragte er sich, wie er mit einem zahlenm��ig hoffnungslos unterlegenen Gegner umgehen sollte, der die Flotte in seine N�he zu locken versuchte. Auch jetzt kam er nur auf eine L�sung, die allerdings nicht narrensicher war. �Wir werden die Flotte aufteilen m�ssen.�</p><p>Desjani nickte und lie� keine Besorgnis erkennen.</p><p>Er f�llte eine Entscheidung, da er wusste, dass er ansonsten noch bis in alle Ewigkeit gr�beln w�rde, weil es nicht den einen, eindeutig richtigen Weg gab, um diese Situation anzugehen. An seinem Display arbeitete er daran, die Flotte in sechs Sektionen zu zerlegen, die jeweils eine Mischung aus gro�en Schiffen und Eskorten enthielten.</p><p>�Sechs Sektionen?�, fragte Desjani sichtlich erstaunt.</p><p>�Ja, ich m�chte vermeiden, dass wir das kompakte Ziel abgeben, auf das die Syndiks hoffen. Und ich will in der Lage sein, unsere gesamte Feuerkraft gegen sie zum Einsatz zu bringen, was ich nicht machen kann, wenn wir in einem gro�en Pulk fliegen, bei dem die hinteren Schiffe keinen Kontakt zum Feind haben.� Geary z�gerte kurz, bediente dann aber die Kontrolle, mit der seine Befehle an die Flotte gesendet wurden. �An alle Einheiten der Allianz-Flotte, hier spricht Captain Geary. Befehle f�r eine neue Formation gehen soeben an Ihre Einheiten raus. Ausgef�hrt wird die Formation bei Zeit zwei null. Ich beabsichtige, dass jede Formation Angriffe auf die Syndik-Streitmacht Bravo ausf�hrt, bis die entweder die Flucht ergreift oder komplett aufgerieben ist.�</p><p>Desjani sah sich die Befehle auf ihrem eigenen Display an und kniff nachdenklich die Augen zusammen. �Sechs Formationen. Jede fliegt einen Angriff auf die Syndiks, beschreibt dann einen Kreis und kehrt zu den anderen zur�ck, w�hrend die n�chste Formation bereits auf dem Weg ist. Wie ein gro�es Rad. Und wenn die sich nicht von der Stelle r�hren, werden sie von uns einfach in St�cke geschossen.�</p><p>�So ist es gedacht�, best�tigte er.</p><p>�Sie haben die <emphasis>Dauntless</emphasis> der Formation Delta zugeteilt�, fiel ihr auf.</p><p>�Richtig.� Er merkte Desjani an, dass sie ein wenig gekr�nkt war, drei anderen Formationen den Vortritt lassen zu m�ssen. �Ich glaube, w�hrend der ersten drei Wellen werden die Syndiks weiter abwarten. Wenn sich die vierte Formation n�hert, werden sie vermutlich irgendeine Reaktion zeigen, und wenn das passiert, m�chte ich mit der <emphasis>Dauntless</emphasis> dabei sein.� Bei diesen Worten begann Desjani zufrieden zu l�cheln, und die gleiche Reaktion zeigten die Wachhabenden auf der Br�cke. Geary versp�rte daraufhin leichte Schuldgef�hle, da er in Wahrheit ganz andere Motive f�r sein Handeln hatte. Seiner Ansicht nach sprach vieles daf�r, dass die Syndiks die ersten drei Wellen nicht �berleben w�rden, und das war ganz nach seinem Sinn, da er die Verpflichtung hatte, vor allem die <emphasis>Dauntless</emphasis> und mit ihr den Hypernet-Schl�ssel der Syndiks sicher ins Allianz-Gebiet zu bringen. Die Chancen standen gut, dass die <emphasis>Dauntless</emphasis> bei der vierten Angriffswelle nur noch durch die �berreste der Syndik-Flotte fliegen w�rde.</p><p>Es sei denn, die Dinge nahmen eine Wendung zum Schlechten, und die Syndiks er�ffneten das Feuer auf das Hypernet-Portal. Wenn das der Fall war, wusste Geary, dass er an vorderster Front sein musste.</p><p>�Kinetische Salven n�hern sich�, meldete der Waffen-Wachhabende fast schon gelangweilt. Sie waren mittlerweile einem halben Dutzend Versuchen der Syndiks ausgewichen, sie zu beschie�en. Die Geschosse waren so lange im Voraus zu sehen, dass minimale Kurskorrekturen gen�gten, um ihnen auszuweichen. �Abgefeuert von den Verteidigungsanlagen des Portals.�</p><p>�Denen werden wir noch fr�h genug Kopfzerbrechen bereiten�, freute sich Desjani.</p><p>Einen Moment lang fragte Geary sich, woran sie Spa� finden w�rde, wenn der Krieg pl�tzlich endete und das T�ten von Syndiks nicht l�nger einen akzeptierten Zeitvertreib darstellte.</p><p>Bei Zeit zwei null schalteten sich die Steuersysteme der <emphasis>Dauntless</emphasis> ein und bewegten das Schiff an jene Position, an der sich der Rest der Formation Delta um sie scharen w�rde. Auch ringsum setzten sich die Schiffe in Bewegung und nahmen ihre zugewiesenen Positionen ein, was so wirkte, als h�tte sich eine gigantische Maschine soeben selbst in ihre Einzelteile zerlegt. Die Teile trieben durchs All, bildeten komplexe Muster, und dann f�gte sich die Maschine zu sechs kleineren Maschinen zusammen, die alle wie Miniaturausgaben des gro�en Originals aussahen.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis alle Schiffe der Flotte ihre neue Position eingenommen hatten, und so hinkte die letzte Formation der ersten um mehrere Lichtminuten hinterher. Die Neuordnung war noch nicht ganz abgeschlossen, da meldete sich der Waffen-Wachhabende erneut. �Die Waffensysteme empfehlen, in einer Minute kinetische Salven auf die Syndik-Streitmacht Bravo abzufeuern.�</p><p>Geary nickte. �Tun Sie das.�</p><p>Die Umstellung der Flotte hatte von den Waffensystemen eine Neuberechnung dahingehend erfordert, welche Schiffe nun welchen Gegner unter Beschuss nehmen sollten; doch das war in weniger als einer Sekunde geschehen. Zum optimalen Zeitpunkt setzte das Sperrfeuer auf die Verteidiger des Hypernet-Portals ein.</p><p>Nur noch drei Lichtminuten trennten die f�hrenden Allianz-Schiffe vom Feind. Bei einer Geschwindigkeit von 0,1 Licht bedeutete das eine halbe Stunde, vielleicht die l�ngste halbe Stunde, die Geary je erleben w�rde. <emphasis>Das nenne ich eine relativistische St�rung.</emphasis> Die Zeit schien nur noch im Schneckentempo zu vergehen.</p><p>�Die Syndik-Schiffe starten Ausweichman�ver, um den kinetischen Salven aus dem Weg zu gehen�, meldete der Waffen-Wachhabende. �Die Systeme zeigen an, dass vier Syndik-Schlachtschiffe den vorausgesagten Kurs einschlagen.�</p><p>�Sie machen es�, murmelte Desjani. �Ganz so, wie Sie es vermutet haben, Captain Geary.�</p><p>�Wir wollen erst mal sehen, ob sie nicht doch eigenst�ndig genug man�vrieren k�nnen, um auszuweichen�, d�mpfte er ihre Freude.</p><p>�Formation Alpha beginnt Attacke auf Syndik-Verteidiger. Syndik-Streitmacht er�ffnet das Feuer.�</p><p>Geary richtete sein Display auf das Geschehen aus. Zerst�rer und Leichte Kreuzer der Allianz schossen auf die Syndiks zu, die dank leistungsf�higer Schilde diesen Beschuss ablenken konnten, doch dann folgten Schwere Kreuzer und feuerten in einem engen Gitter Kart�tschen ab und legten ein Sperrfeuer aus H�llenspeeren nach. Die Metallkugeln der Kart�tschen trafen auf die geschw�chten Schilde, die sich beim Aufprall in nichts aufl�sten. Und dann folgten die geladenen Partikelspeere, die sich in die gegnerischen Schiffe bohrten. Eine Einheit nach der anderen wurde von ihrer Position gefegt, wirbelte umher und verlor durch die Treffer jegliche Kampff�higkeit.</p><p>Unterdessen flogen die gro�en Kriegsschiffe in der Mitte der Allianz-Formation Alpha am Zentrum der Syndik-Streitmacht Bravo vorbei, deren schwer besch�digte Schiffe und Kreuzer noch immer ihre Position gegen�ber dem Mittelpunkt des Portals hielten. Die Allianz-Schlachtschiffe <emphasis>Fearless</emphasis>, <emphasis>Resolution</emphasis>, <emphasis>Redoubtable</emphasis> und <emphasis>Warspite</emphasis> nahmen die gl�cklosen Syndiks unter massiven Beschuss, sobald sie sich in unmittelbarer N�he des Feindes befanden. Die Kriegsschiffe hatten beschlossen, auf einen Angriff mit Kart�tschen oder Geistern zu verzichten, stattdessen verlie�en sie sich auf ihre H�llenspeer-Batterien. Schwaches Abwehrfeuer der Syndiks prallte wirkungslos von den leistungsf�higen Schilden der Allianz-Schiffe ab, w�hrend deren Salven sich in die ohnehin besch�digten gegnerischen Schiffe bohrten. Ein Schlachtschiff explodierte, dann ein weiteres, gefolgt von zwei Schlachtkreuzern, bis nur noch ein einzelner l�dierter Schlachtkreuzer sich in der Mitte der feindlichen Formation befand.</p><p>Geary beobachtete den Verlauf des Angriffs, rieb sich das Kinn und wartete auf das, was er als die unvermeidliche Reaktion der Syndiks ansah.</p><p>Erneuter Jubel riss ihn aus seiner Konzentration auf das Geschehen im Zentrum der Syndik-Formation, und als er zur Seite sah, bemerkte er, dass eines der noch nicht v�llig zerst�rten Kriegsschiffe mittschiffs von einer kinetischen Salve getroffen worden war und zur Seite geschleudert wurde. Die automatischen Kontrollsysteme der Syndiks hatten den Besatzungen tats�chlich keine M�glichkeit gegeben, aus eigener Kraft dem Beschuss auszuweichen.</p><p>Zu Gearys Erstaunen brach Desjani nicht in Jubel aus. Stattdessen war sie w�tend, und ihre Wangen liefen rot an. �Es sollte ihnen erlaubt sein, sich zur Wehr zu setzen�, fl�sterte sie. Als sie Gearys Blick bemerkte, zuckte sie ein wenig verlegen. �Wie Sie schon sagten, Sir, es ist nicht richtig, wenn es glatter Mord ist. Auch wenn es sich um Syndiks handelt.�</p><p>Er nickte. �Wir haben noch drei weitere Schlachtschiffe und zwei Schlachtkreuzer vor uns, die nach wie vor kampfbereit sind.�</p><p>Als die Allianz-Formation Beta vorr�ckte, machten die Eskortschiffe der Syndik-Flotte einen Satz nach vorn, um ihnen entgegenzukommen. Geary hielt gebannt den Atem an, w�hrend er zusah, wie f�nf Schwere Kreuzer, ein Leichter Kreuzer und neun J�ger auf eine Allianz-Formation aus vier Schlachtkreuzern unter dem Kommando von Captain Duellos an Bord der <emphasis>Courageous</emphasis> zuhielten. Begleitet wurde er von der <emphasis>Formidable,</emphasis> der <emphasis>Intrepid</emphasis> und der <emphasis>Renown,</emphasis> au�erdem von zehn Schweren Kreuzern, sechs Leichten Kreuzern und einem Dutzend Zerst�rern. Trotz dieser �berlegenheit war Geary besorgt, da er wusste, dass die Syndiks �ber genug Feuerkraft verf�gten, ihn den Angriff einige Schiffe kosten zu lassen, falls Duellos das verbockte. Geary versp�rte ein unb�ndiges Verlangen, seine Komm-Kontrolle zu bedienen und Duellos Anweisungen zu geben, was der tun sollte. Aber er war bereits ein paar Lichtminuten von dem sich anbahnenden Gefecht entfernt, und zwei Minuten Verz�gerung bei den Bildern, die er zu sehen bekam, konnten bereits ein entscheidender Zeitraum sein. Hinzu kam, dass er von all seinen Untergebenen in Duellos, Desjani und Cresida das gr��te Vertrauen hatte. <emphasis>Ich muss die Finger von der Komm-Kontrolle lassen. Die Leute m�ssen ihren Job erledigen k�nnen, ohne dass ich ihnen reinrede.</emphasis></p><p>Duellos entt�uschte dieses Vertrauen nicht. Als die Syndiks Kurs auf seine Formation nahmen, lie� er sie nach oben rotieren, sodass die Feuerkraft all seiner Schiffe auf das Gebiet ausgerichtet war, in das die Syndiks hineinfliegen w�rden. Wenige Minuten vor dem Kontakt beschleunigten auch die Zerst�rer und die Leichten Kreuzer und flogen nach oben und innen, um die Flanken der Syndik-Angreifer unter Beschuss zu nehmen. J�ger flammten unter konzentriertem Feuer auf und brachen auseinander, dann bewegten sich die Schweren Kreuzer zielstrebig in ein sorgf�ltig abgestimmtes Sperrfeuer aus Geistern, gefolgt von Kart�tschen und H�llenspeeren. Die vordersten drei Kreuzer hatten keine Chance, ein vierter verlangsamte und rollte zur Seite weg, w�hrend sich sofort mehrere Allianz-Kreuzer an seine Fersen hefteten. Ein f�nfter versuchte, sich in die entgegengesetzte Richtung zu retten, steuerte aber geradewegs auf vier Allianz-Kreuzer zu, die seine Schilde auf drei Seiten gleichzeitig ausfallen lie�en. Das Wrack des f�nften Schweren Kreuzers der Syndiks taumelte noch durchs All, da versuchte der �berlebende Leichte Kreuzer, die <emphasis>Courageous</emphasis> zu rammen. Unter dem geballten Beschuss aller vier Schlachtkreuzer wurde er jedoch binnen weniger Augenblicke restlos ausgel�scht.</p><p>�Sehr tapfer�, murmelte Desjani, die den zum Untergang bestimmten Angriffsversuch des Leichten Kreuzers anerkannte.</p><p>Die Allianz-Formation Beta flog nach oben und au�en weiter. Geary bewunderte, wie gut Duellos den Angriff beantwortet hatte, sah dann aber, dass die �berlebenden gro�en Syndik-Schiffe im Begriff waren, ihre Positionen rings um das Hypernet-Portal einzunehmen. Die selbstm�rderische Attacke hatte genau den gew�nschten Effekt nach sich gezogen: Sie hatte den anderen Kriegsschiffen eine Verschnaufpause verschafft, die die brauchten, um die Zerst�rung des Portals vorzubereiten.</p><p>�Formation Gamma, Captain Tulev. Ignorieren Sie die Schiffe in der Mitte des Portals. Feuern Sie stattdessen auf die Schiffe, die am Rand in Position gehen.�</p><p>�Tulev verstanden.� Er klang nicht nerv�s, aber das war bei Tulev nie der Fall. Geary sah mit an, wie der Mann den Kurs seiner Formation Gamma �nderte und seine Schlachtkreuzer in den Bereich fliegen lie�, wo zwei der �berlebenden Schlachtschiffe ein Bremsman�ver einleiteten, um langsam an einigen der nach Hunderten z�hlenden Trossen vorbeizugleiten, die die Partikelmatrix des Portals aufrechterhielten. Die Schweren Kreuzer der Formation Gamma schossen davon und steuerten auf den besch�digten Syndik-Schlachtkreuzer auf der anderen Seite des Portals zu. Unterdessen nahmen Tulevs <emphasis>Leviathan</emphasis> sowie die Schwesterschiffe <emphasis>Dragon</emphasis>, <emphasis>Steadfast</emphasis> und <emphasis>Valiant</emphasis> Kurs nach oben auf die beiden Schlachtschiffe.</p><p>Mit finsterem Blick musterte Geary die beiden einzigen gro�en Syndik-Schiffe, denen kein Schiff der Allianz-Formation gegen�berstand. An Tulevs Entscheidung gab es nichts auszusetzen. H�tte er die Schlachtkreuzer anders aufgeteilt, dann w�ren gleichstarke Schiffe aufeinandergetroffen, und das w�re wahrscheinlich nicht genug gewesen, um den Feind aufzuhalten. �Formation Delta: Die <emphasis>Dauntless</emphasis> und die <emphasis>Daring</emphasis> werden sich das Schlachtschiff bei zehn Grad backbord und sechs sieben Grad oberhalb der <emphasis>Dauntless</emphasis> vornehmen. Die <emphasis>Terrible</emphasis> und die <emphasis>Victorious</emphasis> k�mmern sich um den Schlachtkreuzer bei eins f�nf Grad backbord und vier eins Grad oberhalb der <emphasis>Dauntless.</emphasis> Schwere Kreuzer begleiten die <emphasis>Dauntless</emphasis> und die <emphasis>Daring,</emphasis> Leichte Kreuzer und Zerst�rer begleiten die <emphasis>Terrible</emphasis> und die <emphasis>Victorious.</emphasis> Alle Einheiten: Gehen Sie auf neuen Kurs f�nf null Grad nach oben bei Zeit null null.�</p><p>Geary beugte sich zu Captain Desjani vor. �Wir m�ssen sie schnell erledigen.�</p><p>Sie nickte. �Das werden wir machen, Sir.�</p><p>Tulevs Schiffe waren noch nicht in Feuerreichweite, als der Waffen-Wachhabende das rief, was Geary die ganze Zeit �ber bef�rchtet hatte: �Die �berlebenden Syndik-Schiffe haben das Feuer auf die Trossen des Hypernet-Portals er�ffnet.�</p></section><section><title><p>Sieben</p></title><p>Geary starrte auf sein Display, wo zu sehen war, wie die Trossen unter dem Beschuss durch Syndik-Waffen zerst�rt wurden. �Wie viel Schaden kann das Portal hinnehmen, bevor es kollabiert?�</p><p>�Ungewiss, Sir. Wir k�nnen zwar erkennen, wann es versagt, aber das wird uns erst in dem Moment m�glich sein, wenn es tats�chlich geschieht.�</p><p>Geary musste sich zusammenrei�en, um nicht die gesamte Br�ckenbesatzung anzubr�llen. <emphasis>Wenn ihr wieder so etwas Gef�hrliches bauen wollt, dann nehmt euch erst mal die Zeit, das Prinzip zu begreifen!</emphasis> Aber er wusste auch, dass das nicht fair gewesen w�re. Der Kriegsdruck und die Tatsache, dass der Feind im Besitz der gleichen Technologie war, hatte beide Seiten zur Eile angetrieben. Niemand konnte sich unter diesen Umst�nden die Zeit nehmen, die Theorie dieser Technologie erst einmal von allen Seiten zu beleuchten.</p><p>Er konnte nicht fassen, wie leicht die Trossen zu zerst�ren waren. Die Syndik-Schiffe nahmen keine Notiz von Tulevs Angriff, vermutlich weil sie immer noch ferngelenkt wurden und darauf fixiert worden waren, das Portal zu zerst�ren.</p><p>Dieser Preis bestand darin, dass der verbliebene besch�digte Schlachtkreuzer in der Mitte des Portals als Erster der Attacke zum Opfer fiel. Der geschw�chte Bugschild versagte, und der Rumpf war somit schutzlos den H�llenspeeren der vier Schweren Kreuzer ausgeliefert. Das Schiff erzitterte unter den Treffern und sackte schlie�lich nach unten, da offenbar alle Systeme ausgefallen waren.</p><p>Nur Minuten sp�ter flogen Tulevs Schlachtkreuzer gef�hrlich dicht an den beiden Syndik-Schlachtschiffen vorbei. Das erste bekam die volle Wucht einer Salve Geister zu sp�ren, denen nicht einmal die Schilde standhalten konnten, dann wurde es von den Kart�tschen zerrissen, die sich in den Rumpf bohrten. Das zweite Schiff hielt dem geballten Beschuss aller vier Allianz-Kreuzer nur wenig l�nger stand, dann fielen die Schilde aus und die H�llenlanzen schnitten die H�lle auf und brachten es zur Explosion.</p><p>Tulevs Schiffe flogen einen Bogen, der sie vom Hypernet-Portal wegf�hrte, w�hrend Geary die Formation Delta gegen die letzten beiden Syndik-Schiffe f�hrte.</p><p>Die <emphasis>Terrible</emphasis> und die <emphasis>Victorious</emphasis> erreichten ihr etwas n�her liegendes Ziel zuerst. Da alle wussten, dass die Syndiks ihre Waffen ausschlie�lich so ausgerichtet hatten, dass sie das Portal zerst�rten, jagten die Leichten Kreuzer und die Zerst�rer irrsinnig dicht an den Gegnern vorbei und feuerten ihre Waffen ab. Die Schilde eines Schlachtkreuzers reichten nicht an die eines Schlachtschiffs heran, und auf geringe Entfernung konnten selbst die Waffen der Leichten Schlachtschiffe der Allianz den gegnerischen Schilden erhebliche Sch�den zuf�gen. Den leichten Einheiten folgten die <emphasis>Terrible</emphasis> und die <emphasis>Victorious</emphasis> selbst, deren Kart�tschensalven die Schilde des Syndik-Schiffs endg�ltig zerschmetterten. Danach verwandelten die H�llenspeere das Schiff in ein Wrack.</p><p>Geary schaute immer wieder zwischen der Statusanzeige f�r das Portal und dem Syndik-Schlachtschiff vor ihnen hin und her. �Was macht das Tor? Geben Sie mir Ihre Einsch�tzung.�</p><p>Der Wachhabende z�gerte kurz. �Ich glaube, es h�lt nicht mehr lange durch�, meldete er mit schriller Stimme, was dem Stress zuzuschreiben war. �Wir d�rften zu sp�t kommen.�</p><p>Er bet�tigte die Komm-Taste. �An alle Einheiten der Allianz-Flotte, ausgenommen die <emphasis>Dauntless</emphasis>, <emphasis>Daring</emphasis> und die Vierte Kreuzerdivision: Hier spricht Captain Geary. Entfernen Sie sich mit h�chstm�glicher Geschwindigkeit vom Hypernet-Portal. Verst�rken Sie die zum Portal weisenden Schilde. Wir gehen davon aus, dass das Portal kollabiert und dabei ein sehr starker Energieimpuls entsteht. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> und die sie begleitenden Einheiten werden das verbliebene Syndik-Schiff vernichten und versuchen, das Portal zu stabilisieren. Sollte das misslingen, werden wir versuchen, den Energieaussto� so gering wie m�glich zu halten, indem wir gezielt Trossen zerst�ren. Ich wiederhole: Alle Einheiten der Allianz-Flotte, ausgenommen die <emphasis>Dauntless</emphasis>, <emphasis>Daring</emphasis> und die Vierte Kreuzerdivision, entfernen sich sofort mit h�chstm�glicher Geschwindigkeit vom Hypernet-Portal.�</p><p>Kaum hatte er zu Ende gesprochen, gelangten die Schweren Kreuzer in Feuerreichweite des Syndik-Schiffs und nahmen es sofort mit allen verf�gbaren Waffen unter Beschuss. Nat�rlich hielten die Schilde des Schlachtschiffs dem stand, doch jeder weitere Treffer lie� sie erzittern.</p><p>�<emphasis>Daring,</emphasis> hier ist die <emphasis>Dauntless</emphasis>�, sprach Desjani ruhig. �Wir kommen in Reichweite f�r die H�llenspeere mit begleitender maximaler Kart�tschensalve.�</p><p>�<emphasis>Dauntless,</emphasis> hier <emphasis>Daring</emphasis>. Haben verstanden. Wir sind gleich neben Ihnen.�</p><p>Geary wusste nicht, ob die ferngesteuerte Kontrolle �ber das Syndik-Schlachtschiff aufgehoben worden war oder ob es der Crew gelungen war, den Widerruf zu umgehen und zumindest einige Waffen wieder selbst zu bedienen. Auf jeden Fall feuerte es pl�tzlich auf die Schweren Kreuzer. Zwei von ihnen wurden durch die Wucht der H�llenspeere aus den Batterien des Syndik-Schiffs zur Seite geschleudert und waren mindestens so sehr besch�digt, dass sie nicht l�nger mitk�mpfen konnten. Ein dritter Kreuzer setzte zu einem Looping an, um dem Aufprall zu entgehen, w�hrend der vierte�� die <emphasis>Diamond</emphasis>�� sich zur Seite wegrollte und dabei weiter auf die Syndiks feuerte.</p><p>Die Kart�tschen der <emphasis>Dauntless</emphasis> und der <emphasis>Daring</emphasis> trafen auf die Schilde des Syndik-Schiffs und l�sten eine Abfolge von grellen Blitzen aus, als die Treffer ihre Energie in Hitze und Licht umwandelten. An verschiedenen Stellen wurden die Schilde d�nn genug, um Treffer durchzulassen, die auf der H�lle auftrafen. Noch bevor sich die angespannten Schilde regenerieren konnten, wurde der Rumpf zu beiden Seiten von den H�llenspeeren der <emphasis>Dauntless</emphasis> und der <emphasis>Daring</emphasis> getroffen. Das Schlachtschiff erzitterte, als sich die geladenen Partikel ihren Weg durch die Panzerung bahnten und wichtige Systeme sowie die Crewmitglieder trafen. �Geister�, rief Desjani. �Volle Salve.�</p><p>Sechs Raketen wurden von der <emphasis>Dauntless</emphasis> abgeschossen, ben�tigten einen Sekundenbruchteil, um sich zu orientieren, und nahmen dann Kurs auf das feindliche Kriegsschiff. Gewaltige Explosionen h�llten es ein; was sich dann von seiner Position in der N�he des Portals entfernte, war nur noch eine tote H�lle.</p><p>�Sie hatten �berhaupt keine Chance, solange sie wie angewurzelt dastanden�, stellte Desjani kopfsch�ttelnd fest.</p><p>�Das Portal kollabiert ohne jeden Zweifel�, rief der Wachhabende, in dessen Stimme nun Angst mitschwang.</p><p>Geary gab einen Code ein und aktivierte die Eingabe, um das Programm aufzurufen, das Commander Cresida entwickelt hatte. Vorfahren, lasst das bitte funktionieren. <emphasis>Das Programm will, dass ich verf�gbare Kriegsschiffe heranziehe. Okay, dann werde ich das eben machen. Ich w�nschte, ich h�tte mehr als nur drei Schiffe zur Verf�gung, aber wie viele brauche ich �berhaupt? Die letzten Formationen haben bereits meinen Befehl befolgt und bringen sich in Sicherheit.</emphasis> �<emphasis>Dauntless</emphasis>, <emphasis>Daring</emphasis>, <emphasis>Diamond,</emphasis> hier spricht Captain Geary. Ihre Gefechtssysteme werden jetzt unter die Kontrolle eines Programms gestellt, das versuchen soll, den Zusammenbruch des Hypernet-Portals zu verhindern. Ab � jetzt.� Er gab den Autorisierungscode ein und dachte unwillk�rlich �ber die Ironie nach, dass er in diesem Moment nichts anderes machte als das, was die Syndik-Befehlshaber mit der Streitmacht Bravo angestellt hatten. Aber er wollte damit eine gewaltige Zerst�rung verhindern, anstatt sie in die Wege zu leiten, und wenn seine Untergebenen es wollten, konnten sie sich jederzeit �ber das Programm hinwegsetzen.</p><p>Fast augenblicklich sp�rte er, wie die <emphasis>Dauntless</emphasis> sich zu drehen und mit maximaler Leistung zu bremsen begann, um sich dem Portal nur langsam zu n�hern. Er konnte erkennen, dass die <emphasis>Daring</emphasis> und <emphasis>Diamond</emphasis> auch mit der Schubumkehr k�mpften, damit sie ihre Positionen einnehmen konnten.</p><p>Geary schaute hoch zum visuellen Display, wo nun unheilvoll das Hypernet-Portal hing. Bislang hatte er nur ein solches Portal zu Gesicht bekommen, und das auch nur f�r wenige Augenblicke. Admiral Bloch war darauf versessen gewesen, es ihm zu pr�sentieren, doch Geary hatte sich noch halbtot gef�hlt nach seinem langen k�nstlichen Schlaf und nach dem Schock, ein Jahrhundert sp�ter aufzuwachen. Deshalb hatte er dem Ganzen keine gro�e Aufmerksamkeit geschenkt. Er konnte sich nur schwach an ein Schimmern im All erinnern, das so wirkte, als sei irgendetwas innerhalb des Portals nicht so ganz in Ordnung.</p><p>Jetzt dagegen sah er etwas ganz anderes vor sich. Die von den Syndik-Schiffen angerichteten Sch�den waren dadurch begrenzt worden, dass die Allianz-Flotte den Gegner vernichtend geschlagen hatte. Aber f�r die Partikelmatrix, die von den Trossen gehalten wurde, war das schon zu viel gewesen. Von einem Schimmern war nichts zu sehen, stattdessen liefen Wellen durch das All, die wie Zuckungen auf dem Fell einer ungeheuer riesigen Kreatur wirkten.</p><p>�Captain Geary�, sprach Desjani ihn in einem Tonfall an, als unterhalte sie sich �ber routinem��ige Man�ver. �Das Programm zur Neutralisierung des Portals gibt Positionen f�r alle drei Schiffe an.�</p><p>�Gibt es damit irgendwelche Probleme?�, fragte er sie.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir f�hren das Man�ver bereits aus, Sir.�</p><p>Geary sah mit an, wie das Portal an der <emphasis>Dauntless</emphasis> vorbeiglitt. Verglichen mit dessen immenser Gr��e wirkte der Schlachtkreuzer der Allianz verschwindend klein. Auf dem Display war zu beobachten, wie auch die <emphasis>Daring</emphasis> und die <emphasis>Diamond</emphasis> ihre Pl�tze einnahmen.</p><p>�Das Programm meldet, dass die Analyse zum Kollaps des Portals abgeschlossen ist�, sagte der Waffen-Wachhabende ein wenig verbl�fft. �Stabilisierung unm�glich. Die Neutralisierungssequenz wird eingeleitet.�</p><p>Offenbar war damit gemeint, dass das Feuer er�ffnet wurde. Im n�chsten Moment feuerten alle drei Schiffe H�llenspeere auf verschiedene Trossen rings um das Portal ab und zerst�rten sie nach einem System, in dem Geary keinen Sinn erkennen konnte. Sein Blick war gegen seinen Willen starr auf das Portal gerichtet, und er konnte nicht anders als den qualvollen Tod der Partikelmatrix innerhalb des Portals mitanzusehen.</p><p>Das Bild des Weltalls, das man durch das Portal hindurch sehen konnte, war nun verzerrt und verdreht, und etwas in Gearys Hinterkopf schreckte vor diesem Anblick zur�ck. Er wurde abgesto�en von einer Vision, die ihn der Illusion einer Festigkeit beraubte, die das Universum dem menschlichen Auge normalerweise vermittelte. Innerhalb dieser Matrix wurde die grundlegende Natur der Materie verdreht und verzerrt, und dabei wurden unvorstellbare Mengen an Energie erzeugt.</p><p>Die H�llenspeere der <emphasis>Dauntless</emphasis> feuerten weiter scheinbar wahllos auf die Trossen, die einzeln oder in ganzen Gruppen ausgel�scht wurden. Die <emphasis>Daring</emphasis> befand sich an Backbord oberhalb der <emphasis>Dauntless,</emphasis> die <emphasis>Diamond</emphasis> auf der gleichen Seite unterhalb von ihr. Alle drei feuerten sie ihre Waffen so ab, wie es das Programm von ihnen verlangte. Die visuelle Anzeige lie� keinen Schluss darauf zu, ob das Programm Wirkung zeigte oder nicht. �Was sagen die Energieanzeigen im Portal?�, fragte er im Fl�sterton, der aber in der Totenstille der Br�cke �berall klar und deutlich zu h�ren war.</p><p>�Sie bewegen sich in alle Richtungen�, meldete die Sensor-Wachhabende ungl�ubig. �Im einen Moment liegen die Werte jenseits der Skala, dann sind sie gar nicht feststellbar. Die Wechsel erfolgen v�llig abrupt. Und vieles von dem, was sich im Portal abspielt, kann von unseren Instrumenten offenbar gar nicht erfasst werden.�</p><p>�Captain Geary, hier ist die <emphasis>Diamond.</emphasis> Was zum Teufel ist denn da los?� Die Nachricht wurde immer wieder von statischem Rauschen unterbrochen, kam aber noch verst�ndlich an.</p><p>Geary dr�ckte auf einige Tasten, ohne den Blick von der visuellen Darstellung zu nehmen. �<emphasis>Diamond</emphasis>, Geary hier. Wir versuchen das Monster zu b�ndigen, bevor es dieses gesamte Sternensystem vernichten kann. Achten Sie darauf, dass Ihre vorderen Schilde mit maximaler Leistung arbeiten. <emphasis>Daring,</emphasis> das gilt f�r Sie auch. Und greifen Sie auf keinen Fall�� ich wiederhole�� auf keinen Fall in die Reihenfolge ein, in der Ihre Waffen abgefeuert werden.�</p><p>Ein merkw�rdiges Summen schien die Luft zu erf�llen, ein Schwingen, das alles in der unmittelbaren Umgebung des Portals erfasste. Geary f�hlte es sogar in seinem Inneren. Er h�rte, wie jemand ein Gebet sprach, aber er forderte nicht, dass der Betreffende schwieg. Der Blick durch das Portal hatte sich noch weiter verzerrt, und es stellte jetzt etwas dar, das nahezu unm�glich anzusehen war. <emphasis>Das Maul der Bestie. Die mythische Bestie, die Raumschiffe verschlingt und keine Spur von ihnen im All hinterl�sst. Jetzt habe ich sie gesehen. Bei den lebenden Sternen, ich bete daf�r, sie niemals wiedersehen zu m�ssen.</emphasis></p><p>Eine sehr tiefe Stimme ert�nte in seiner N�he. Es war Co-Pr�sidentin Rione, deren Tonfall die gleiche Ehrfurcht und Angst verriet, die Geary und jeder auf der Br�cke versp�ren musste. �Captain Geary, ich danke Ihnen, dass Sie es versucht haben.�</p><p>�Wir sind noch nicht gescheitert�, brachte er als Erwiderung heraus.</p><p>�Captain Desjani�, rief der Waffen-Wachhabende, dessen Stimme viel zu laut klang und einen panischen Unterton aufwies. �Die Batterien Zwei Alpha, Vier Alpha und F�nf Beta der H�llenspeere melden �berhitzung wegen des anhaltenden Feuers.�</p><p>�Nehmen Sie eine Notfallk�hlung vor�, gab Desjani mit fester Stimme zur�ck. �Wir haben Captain Geary an Bord, Ladies und Gentlemen. Wir werden weder ihn noch den Rest der Flotte entt�uschen, der auf uns z�hlt.�</p><p>Trotz seiner Angst versp�rte Geary Dankbarkeit f�r ihre Worte und Bewunderung f�r Desjanis F�higkeit, selbst dann den Eindruck zu erwecken, dass sie die Lage unter Kontrolle hatte, wenn sie vor sich das sah, was sich innerhalb des Portals abspielte.</p><p>Das seltsame Summen hatte sich zu einem St�hnen entwickelt, das alles und jeden durchdrang. Geary f�hlte die gleiche Art von Wankelm�tigkeit wie nach dem Genuss von zu viel Alkohol, und ihm wurde klar, dass die Ereignisse im Inneren des Portals irgendwie sein Nervensystem angriffen. Er hoffte nur, dass die elektrischen Systeme der <emphasis>Dauntless</emphasis> besser abgeschirmt waren als sein eigener K�rper.</p><p>�Captain Geary, hier ist die <emphasis>Diamond.</emphasis> Unsere sekund�ren Systeme fallen aus. Die Prim�rsysteme laufen auf Reserveschaltkreisen weiter. Wir haben eine H�llenspeer-Batterie durch �berhitzung verloren. Wir halten weiter unsere Position.�</p><p>�Hier ist die <emphasis>Daring.</emphasis> Wir haben die gleichen Probleme. Wir bleiben auf Position und feuern weiter.�</p><p>�Captain Desjani, wir haben Ausf�lle in den sekund�ren Systemen �berall auf dem Schiff. H�llenspeer-Batterie Zwei Alpha durch �berhitzung ausgefallen.�</p><p>�Verstanden�, erwiderte sie unver�ndert ruhig. �Position halten und weiterfeuern.�</p><p>Geary war stolz daraufgewesen, diese Flotte zu befehligen, wenn er von der Verantwortung nicht gerade �berw�ltigt wurde. Aber jetzt erf�llte ihn ein so immenses Ehrgef�hl, dass er die Tr�nen zur�ckhalten musste. �Verdammt, Sie sind alle gro�artig�, brachte er mit rauer Stimme hervor. �M�gen die lebenden Sterne einen solchen Mut belohnen.�</p><p>�Hier ist die <emphasis>Diamond.</emphasis> Keine unserer Waffen feuert noch. Alle Gefechtssysteme au�er Betrieb. Erwarte weitere Anweisungen.�</p><p>Geary schlug auf die Kontrollen. �Ziehen Sie sich zur�ck, <emphasis>Diamond.</emphasis> Maximale Geschwindigkeit. Volle Leistung auf die zum Portal weisenden Schilde.�</p><p>�<emphasis>Diamond</emphasis> verstanden. Befehl kann nicht ausgef�hrt werden. Tr�gheitskompensatoren arbeiten noch, aber die Steuerkontrollen sind eben ausgefallen. Sieht so aus, als w�rden wir Ihnen noch eine Weile Gesellschaft leisten.�</p><p>�Ich k�nnte mir keine angenehmere Gesellschaft vorstellen als Ihre und die der <emphasis>Daring</emphasis>�, erwiderte Geary. �Captain Duellos, falls die <emphasis>Dauntless</emphasis> zerst�rt werden sollte, erteile ich Ihnen hiermit den Befehl, das Kommando �ber die Flotte zu �bernehmen.�</p><p>Es w�rde eine Weile dauern, bis Duellos diesen Befehl zu h�ren bekam, vorausgesetzt, das sonderbare statische Rauschen aus dem Portal hatte ihn nicht vollst�ndig �berlagert. Geary holte tief Luft. �Wie lange k�nnen wir uns noch hier halten, Captain Desjani?�</p><p>�Unm�glich zu sagen, Sir�, erkl�rte sie mit leiser, aber fester Stimme. Einmal mehr musste er sich �ber ihre Selbstbeherrschung wundern. �Das Schiff wird nie gekannten Belastungen ausgesetzt.�</p><p>Das Tempo, mit dem die H�llenspeere abgefeuert wurden, verlangsamte sich schlie�lich und es kam zu unterschiedlich langen Pausen, ehe das Programm weitere Sch�sse auf die Trossen anwies. Der H�llenschlund im Inneren des Portals fluktuierte wie verr�ckt. Einen Moment schwoll er so an, als wolle er explodieren, im n�chsten zog er sich so sehr zusammen, dass er fast nicht mehr zu sehen war.</p><p>Geary sp�rte, wie sein ganzer K�rper pulsierte, und er fragte sich, wie lange Menschen das ertragen konnten, was dort drau�en mit der Struktur der Realit�t in diesem Teil des Alls geschah.</p><p>Im n�chsten Augenblick zog sich der H�llenschlund erneut zusammen, und dann war er auf einmal verschwunden. �Wa�?�</p><p>Seine Frage wurde j�h unterbrochen, da die <emphasis>Dauntless</emphasis> von einer Schockwelle getroffen wurde, die sich so schnell durch das All bewegte, dass, bedingt durch die N�he zum Portal, keine Vorwarnung m�glich war. Er hatte zeitverz�gerte Bilder von der Schockwelle einer Nova gesehen, und das hier schien damit vergleichbar zu sein, nur dass das Ereignis in Echtzeit so schnell ablief, dass den Sinnen so gut wie keine Zeit blieb, sie �berhaupt wahrzunehmen. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> wurde durchgesch�ttelt, die Tr�gheitsd�mpfer heulten auf, um die Gewalt des Aufpralls auszugleichen.</p><p>�Vordere Schilde werden verst�rkt.� Die Deckenbeleuchtung wurde schw�cher. �Alle Energie, die er�brigt werden kann, wird in die Schilde umgeleitet.�</p><p>Es war so schnell vor�ber, wie es begonnen hatte. Geary sah auf die visuelle Darstellung, die nur den normalen Raum zeigte. Die noch verbliebenen Trossen waren durch freigesetzte Energie beim Kollaps des Portals zerst�rt worden.</p><p>�<emphasis>Diamond! Daring!</emphasis> Statusbericht!�</p><p>�Sir, die Kommunikation ist ausgefallen. Systeme werden in diesem Moment wiederhergestellt. Kommunikationssysteme stehen Ihnen wieder zur Verf�gung, Sir.�</p><p>Wieder bet�tigte Geary die Kontrollen. �<emphasis>Diamond! Daring!</emphasis> Ich bitte um Statusbericht!�</p><p>Das Warten war eine Qual, doch dann kam die Antwort. �Hier ist die <emphasis>Daring.</emphasis> Ein gro�er Teil der Ausr�stung ist ausgefallen, aber wir haben keine ernsten Sch�den davongetragen. Mit ein wenig Zeit werden wir unsere volle Kapazit�t wiederherstellen k�nnen. Gesch�tzter Zeitaufwand f�r die Reparaturen wird Ihnen so bald wie m�glich mitgeteilt.�</p><p>�Hier ist die <emphasis>Diamond.</emphasis> Wir sollten in der Lage sein, uns wieder in Bewegung zu setzen, aber das wird noch etliche Stunden dauern. Ein Gro�teil der wichtigen Systeme ist ausgefallen, und wir sind f�r unbestimmte Zeit man�vrierunf�hig.�</p><p>Geary atmete aus, obwohl ihm gar nicht bewusst gewesen war, dass er den Atem �berhaupt angehalten hatte. �<emphasis>Daring</emphasis>, Sie bleiben bei der <emphasis>Diamond</emphasis>. Captain Tyrosian, schicken Sie eines Ihrer Hilfsschiffe zur <emphasis>Diamond</emphasis> und leisten Sie Unterst�tzung.� Er �berpr�fte das Systemdisplay und wunderte sich, dass die Schockwelle erst jetzt die n�chsten Allianz-Schiffe erreichte. �Wie schlimm war das? Sicher keine Nova.�</p><p>�W�re es die St�rke einer Nova gewesen, dann w�ren wir jetzt nicht mehr�, antwortete die Sensor-Wachhabende leicht zitternd. �Es war eher wie der Bruchteil einer Nova. Zum Gl�ck war es nur diese eine Schockwelle, denn �ber l�ngere Zeit h�tten wir selbst das nicht durchgestanden.�</p><p>Geary lie� sich ersch�pft in seinen Sessel sinken. Es gab keine M�glichkeit, den anderen Allianz-Schiffen eine Nachricht zukommen zu lassen, bevor die Schockwelle sie erreichte. Aber die sollten sowieso alle ihre Schilde hochgefahren haben, um gewappnet zu sein. Au�erdem lie� die St�rke der Schockwelle ganz erheblich nach, je weiter sie sich vom Portal entfernte und ausdehnte. Es war Cresidas Programm nicht gelungen, die Energieentladung vollst�ndig zu neutralisieren, aber sie war immerhin so schwach ausgefallen, dass alles im Sancere-System sie schadlos �berstehen sollte. �Sehr gute Arbeit, Captain Desjani. Das gilt f�r Sie und Ihre Crew. Und die <emphasis>Dauntless</emphasis> ist ein gro�artiges Schiff.�</p><p>�Danke, Sir.� Auch jetzt schien Desjani nicht ann�hernd so mitgenommen zu sein wie alle anderen auf der Br�cke. Offenbar war sie unverr�ckbar davon �berzeugt gewesen, dass ihr mit Geary an der Seite nichts passieren konnte.</p><p>Er h�rte, wie hinter ihm jemand tief durchatmete, und als er sich umdrehte, sah er Co-Pr�sidentin Rione, die zu Boden starrte und die F�uste geballt hielt. Als w�rde sie Gearys Blick sp�ren, stand sie bed�chtig auf und drehte sich zu ihm um. In ihren Augen stand ein unbeschreiblicher Schrecken geschrieben, und Geary glaubte den Grund daf�r zu wissen. Sie hatte soeben miterlebt, welche Kr�fte gezielt entfesselt werden konnten, wenn das Programm zum Einsatz kam, das Geary ihr zur sicheren Verwahrung �bergeben hatte. Bis zu diesem Moment hatte nicht einmal Geary selbst ein Gef�hl daf�r gehabt, was f�r eine schreckliche Last das sein konnte. �Es tut mir leid.�</p><p>Sie nickte, da sie genau wusste, was er damit meinte. �Mir auch, Captain Geary. Wir unterhalten uns sp�ter.� Rione atmete tief durch, straffte die Schultern und stellte sich kerzengerade hin, w�hrend sie mit purer Willenskraft ihre Fassung wiedererlangte. Obwohl er immer noch unter Schock stand, was die Zerst�rung des Portals anging, musste Geary zugeben, dass diese Frau ihn beeindruckte.</p><p>Desjani schien ganz gegen ihren Willen ebenfalls beeindruckt zu sein. Sie sah Rione nach, wie sie die Br�cke verlie�, dann drehte sie sich zu Geary um. �Befehle, Captain?�</p><p>�Wir kehren zur�ck zur Flotte, Captain Desjani.� Er musterte das Flottendisplay und k�mpfte gegen eine M�digkeit an, wie er sie nicht mehr versp�rt hatte, seit die Nachwirkungen seines langen k�nstlichen Schlafs abgeklungen waren. �An alle Einheiten mit Ausnahme der Eingreiftruppe Furious: Hier spricht Captain Geary. Sobald die Schockwelle weitergezogen ist, nehmen Sie Standardflottenformation Sigma ein. Eingreiftruppe Furious, Sie schirmen weiter die Flotte von der Syndik-Streitmacht Alpha ab. Sie haben alle hervorragende Arbeit geleistet. Sancere geh�rt uns.�</p><p>Die Allianz-Flotte w�rde zwar nicht durch das Syndik-Hypernet nach Hause zur�ckkehren k�nnen, jedenfalls nicht von Sancere aus, aber sie hatte �berlebt und f�gte jetzt den Syndiks einen schweren Schlag zu. Keine schlechte Leistung f�r eine Flotte, auf die vor gar nicht so langer Zeit nichts anderes als ihre v�llige Ausl�schung gewartet hatte.</p><p>Es dauerte zw�lf Stunden, bis die Flotte nach der Schockwelle des kollabierten Hypernet-Portals wieder ihre geschlossene Formation eingenommen hatte. Die von Geary gruppierten Unterformationen waren seinen Befehlen in einer zugegebenerma�en befriedigenden Weise gefolgt. Die Zusammenf�hrung der Schiffe dauerte eine Weile, zumal sich Geary nicht zu weit von der <emphasis>Daring</emphasis> entfernen wollte, die die <emphasis>Diamond</emphasis> zur�ck zum Rest der Flotte schleppte.</p><p>Da die drei�ig Schiffe unter der F�hrung der <emphasis>Furious</emphasis> noch immer fast zwei Lichtstunden entfernt waren und deren Commander dadurch nicht an der Einsatzbesprechung teilnehmen konnten, fiel die Zahl der teilnehmenden Befehlshaber auf den ersten Blick erschreckend gering aus. Aber in diesem Fall w�rden die fehlenden Schiffe zur Flotte zur�ckkehren.</p><p>Geary begr��te die virtuellen Anwesenden mit einem knappen Nicken. �Jeder von Ihnen hat hervorragende Arbeit geleistet. Vor uns liegen jetzt noch zwei wichtige Aufgaben. Zun�chst einmal m�ssen wir so viele Rohstoffe wie m�glich zusammentragen. Das Logistiksystem der Flotte hat die Best�nde der Syndiks aufgelistet, die wir gebrauchen k�nnen. Ich habe den Syndiks eine weitere Nachricht zukommen lassen, dass sie alle Forderungen erf�llen sollen, die wir stellen.�</p><p>�Die ist wahrscheinlich nicht angekommen�, warf Captain Tulev ein. �Diese Energiewelle hat offenbar die meisten der Syndik-Systeme durchschmoren lassen, die wir nicht anger�hrt hatten.�</p><p>Desjani zuckte mit den Schultern. �Dann sind sie auch nicht in der Lage, irgendwelche Aktionen gegen uns zu koordinieren.�</p><p>�Die zweite Aufgabe besteht darin, anschlie�end jene Ziele zu zerst�ren, die bei unserem ersten Bombardement verschont geblieben sind. Dummerweise h�lt sich die Syndik-Streitmacht Alpha immer noch im Randgebiet des Systems auf. Auch wenn diese Schiffe damit zu weit entfernt sind, um f�r uns eine Bedrohung darzustellen, k�nnen wir unsere Flotte nicht komplett aufteilen, obwohl wir unsere erste Aufgabe auf diese Weise schneller erledigen k�nnten. Ich habe �berlegt, noch einmal mit sechs Sektionen zu arbeiten. W�hrend die Eingreiftruppe darauf achtet, was diese Syndik-Streitmacht Alpha macht, k�nnen wir im Rotationsverfahren ins System vordringen und alles an Bord nehmen, was wir ben�tigen.� Sein Vorschlag wurde mit �berwiegendem Nicken beantwortet, Widerspruch gab es keinen. �Captain Tyrosian, ich muss wissen, ob ich Ihre Hilfsschiffe auf vier der Formationen aufteilen soll oder ob sie besser eine geschlossene Gruppe bleiben sollten.�</p><p>�Eine paarweise Aufteilung w�re die beste L�sung�, erwiderte Tyrosian, nachdem die Verz�gerung von f�nf Lichtsekunden zwischen seinem Schiff und der <emphasis>Dauntless</emphasis> �berwunden war. �Die <emphasis>Titan</emphasis> und die <emphasis>Jinn</emphasis>, die <emphasis>Goblin</emphasis> und die <emphasis>Witch</emphasis>.�</p><p>�Gut. Sie sagen mir, wohin die Schiffe sich begeben m�ssen und was an Bord gebracht werden soll. Sobald ich das wei�, arbeiten wir einen Plan aus, wie die anderen Schiffe am besten bei Ihnen neue Waffen und Brennstoffzellen abholen k�nnen.�</p><p>�Wir arbeiten schon auf Hochtouren�, versicherte Tyrosian ihm. �Vor allem ben�tigen wir Rohstoffe f�r neue Brennstoffzellen, aber davon haben die Syndiks genug vorr�tig.�</p><p>�Colonel Carabali�, fuhr Geary fort. �Ihre Truppen werden die Eskorten f�r die Teams von den Hilfsschiffen bilden.�</p><p>Carabali nickte, machte aber eine besorgte Miene. �Sir, selbst wenn Sie nur sechs Unterformationen bilden lassen, bedeutet das f�r meine Marines eine gro�e Verantwortung, da auf jede Formation nur relativ wenige meiner Leute kommen. Immerhin m�ssen wir davon ausgehen, dass s�mtliches Allianz-Personal, das ein Schiff oder Shuttle verl�sst, von Bodentruppen der Syndiks angegriffen werden k�nnte.�</p><p>�W�rde es Ihnen helfen, wenn wir einige Matrosen bewaffnen?�</p><p>Nach kurzem Z�gern entgegnete sie: �Bei allem Respekt, Sir, ich bin mir nicht sicher, wie die Sicherheit erh�ht werden kann, wenn Sie Waffen an Matrosen ausgeben.� Carabali entspannte sich ein wenig, als Geary und die anderen Flottenoffiziere daraufhin l�cheln mussten. �Ich will niemanden vor den Kopfsto�en, aber solche Situationen erfordern ein hohes Ma� an spezialisierter Ausbildung und Erfahrung.�</p><p>�Ich verstehe das schon�, versicherte Geary ihr. �Dann wird uns das etwas langsamer vorankommen lassen. Wir m�ssen sicherstellen, dass wir nur an so vielen Pl�tzen landen, wie auch von uns gesichert werden k�nnen. Ich will auf keinen Fall, dass es den Syndiks erm�glicht wird, Geiseln zu nehmen.�</p><p>�Wir haben eine ganze Menge mehr Geiseln als die�, meinte der Captain der <emphasis>Terrible</emphasis> lachend. �Ungef�hr eine Milliarde.�</p><p>�Stimmt. Aber selbst wenn wir uns an jedem einzelnen Syndik r�chen w�rden, bek�men wir deswegen unsere Leute nicht zwangsl�ufig lebend zur�ck.� Alle nickten wieder zustimmend. Wenigstens konnten sie dieser Logik folgen. �Noch irgendwelche Fragen?�</p><p>Eine lange Pause folgte, in der Geary die Offiziere �ber seine Aufforderung nachdenken lie�. Wenn es noch etwas zu kl�ren oder zu besprechen gab, dann wollte er es nach M�glichkeit jetzt erledigen.</p><p>Mit sichtlichem Unwillen meldete sich der Captain der <emphasis>Vambrace</emphasis> zu Wort. �Captain Geary, ich w�rde gern wissen, was Sie zu einem haarstr�ubenden Ger�cht sagen, das mir zu Ohren gekommen ist. Nat�rlich aus einer anonymen Quelle, da diejenigen, die es verbreiten, nicht den Mut haben, sich zu zeigen.� Die anderen Commander drehten den Kopf in seine Richtung. �Es wird behauptet, das Hypernet-Portal sei vors�tzlich zerst�rt worden.�</p><p>Geary sah den Mann ratlos an, da er den Sinn der Frage nicht begriff. �Nat�rlich wurde es vors�tzlich zerst�rt. Jeder von Ihnen sollte gesehen haben, wie die Syndiks das Feuer auf das Portal er�ffneten.�</p><p>�Nein, Sir. Das Ger�cht besagt, das Portal sei noch funktionst�chtig gewesen, und Sie h�tten es zerst�rt.� Der Captain der <emphasis>Vambrace</emphasis> verzog das Gesicht. �Ich finde, Sie sollten wissen, was die Leute so reden.�</p><p>�Warum sollte ich das Portal zerst�ren, wenn es noch funktionst�chtig gewesen w�re?�, gab Geary zur�ck, der zu erstaunt war, um sich zu �rgern.</p><p>�Angeblich, Sir, weil Sie das Kommando �ber die Flotte behalten wollen und weil Sie f�rchten, es w�rde Ihnen abgenommen, wenn wir ins Allianz-Gebiet zur�ckkehren.�</p><p>Geary f�hlte sich zwischen ungl�ubigem Gel�chter und einem Wutausbruch hin- und hergerissen. Mit der Handfl�che schlug er auf die Tischplatte. �Das ist ja nicht zu fassen. Ich kann Ihnen versichern, dass niemand hier mehr an einer schnellen und sicheren R�ckkehr in Allianz-Gebiet interessiert ist als ich.�</p><p>Kaum hatte er ausgesprochen, meldete sich ein anderer Offizier entr�stet zu Wort. �Wer zum Teufel glaubt denn einen solchen Quatsch?�</p><p>Entsetzt sah Geary zu dem Sprecher und erkannte, dass es sich um den Befehlshaber der <emphasis>Diamond</emphasis> handelte. Erst dann wurde ihm bewusst, dass die <emphasis>Diamond</emphasis> noch immer zwanzig Lichtsekunden entfernt war. Der Kommentar galt also nicht Gearys Beteuerung, sondern dem Ger�cht.</p><p>�Eine solche Unterstellung ist eine Schande f�r diese Flotte!�, redete der Captain der <emphasis>Diamond</emphasis> weiter. �Mein Schiff war dort, und wer irgendwelche Zweifel hat, kann sich gern die Logb�cher der <emphasis>Diamond</emphasis> ansehen. Das Portal war im Zusammenbruch begriffen, als wir es erreichten.� Er schaute zu Geary. �Ich gebe zu, ich geh�rte anfangs zu denjenigen, die ihre Zweifel an Captain Geary hatten; Zweifel an dem, was er tat und wie er es tat. Viele von Ihnen wissen das. Ich hatte meine Bedenken, ob er aggressiv genug sein w�rde. Aber ich sage Ihnen, wir sind auf dieses Portal zugest�rmt, und wir haben diese Syndik-Schiffe so schnell ausgeschaltet, wie wir nur konnten. Doch die hatten bereits zu viel Schaden angerichtet. �berpr�fen Sie die Logb�cher der <emphasis>Diamond,</emphasis> wenn Sie mir nicht glauben. Und wenn Sie schon damit besch�ftigt sind, dann k�nnen Sie sich auch gleich mit den Anzeigen aus dem kollabierenden Portal befassen. Unglaubliche Werte, das kann ich dazu nur noch sagen. Captain Geary hat getan, was er konnte. Ich habe an seiner Seite in den H�llenschlund geblickt, und das w�rde ich jederzeit wieder machen, wenn es erforderlich sein sollte.�</p><p>Schweigen folgte seinen Ausf�hrungen. Geary atmete tief durch, dann wurde ihm klar, dass noch etwas anderes angesprochen werden musste. �Ladies und Gentlemen, ich habe Ihnen bereits gesagt, wie sehr ich den Mut des Personals dieser Flotte bewundere. Ich gebe offen zu, ich hatte meine Probleme mit den Ver�nderungen, die zwischen meiner Zeit und der Gegenwart in der Allianz-Flotte Einzug gehalten haben. Ver�nderungen, die �ber ein Jahrhundert verteilt eingetreten sind, zudem in einem Jahrhundert des Krieges. Aber ich kann Ihnen sagen, dass mir erst heute eine Sache wirklich bewusst geworden ist.� Er lie� eine kurze Pause folgen, da er nach den passenden Worten suchte. �Die Flotte, die ich kannte, war kleiner, professionell und intensiver geschult. Aber uns hatte man nicht im Kampf auf die Probe gestellt. Nicht in dem Ma�, wie es Ihnen ergangen ist. Als die <emphasis>Dauntless,</emphasis> die <emphasis>Daring</emphasis> und die <emphasis>Diamond</emphasis> vor diesem Portal standen und nicht zur�ckwichen, obwohl sie mit etwas konfrontiert wurden, das schrecklicher war als alles, was ich mir je h�tte ausmalen k�nnen, da begann ich zu verstehen, wie tapfer Sie alle eigentlich sind. Jeder Offizier und jeder Matrose dieser Flotte hat das Recht, in einer Reihe mit denen zu stehen, die Gro�es f�r die Allianz geleistet haben. Sie k�nnten Ihren Vorfahren keine gr��ere Ehre erweisen, als Sie es bereits getan haben, indem Sie mit Hingabe Ihren Dienst verrichten, indem Sie auch im Angesicht eines scheinbar ewigen Kriegs nicht verzagen, indem Sie bereit sind, jede Last zu tragen, um Ihre Heimat zu verteidigen. Ich f�hle mich �ber alle Ma�en geehrt, Ihr Befehlshaber zu sein. Ich werde diese Flotte nach Hause bringen, denn jeder von Ihnen verdient es, dass andere von Ihren Leistungen erfahren. Und jeder von Ihnen verdient es, sicher heimzukehren. Ich werde Sie nach Hause bringen. Das schw�re ich Ihnen.�</p><p>Er h�rte auf zu reden, da er f�rchtete, dass er zu viel Gef�hl in seine spontane Ansprache gelegt und m�glicherweise l�cherlich oder gro�spurig geklungen hatte. Aber alle sahen ihn ernst und schweigend an, und schlie�lich war es der befehlshabende Offizier der <emphasis>Vambrace</emphasis>, der wieder das Wort ergriff. �Danke, Sir, die Ehre ist ganz unsererseits.� Niemand widersprach ihm. Zumindest nicht so, dass es jemand h�ren konnte.</p><p>Nach dem Ende der Besprechung setzte Geary sich, da die virtuellen Teilnehmer sich zur�ckgezogen hatten und nur Captain Desjani noch bei ihm war. L�chelnd salutierte sie und verlie� den Raum, um ihre Miene und die Geste f�r sich sprechen zu lassen.</p><p>Schon oft war ihm die Frage durch den Kopf gegangen, warum das Schicksal ihm diesen Platz zugewiesen hatte, warum er alles Vertraute verloren hatte und ihm ein Kommando �bertragen worden war, das seine fr�here Verantwortung um ein Vielfaches �berstieg. Dass er eines Tages f�r irgendetwas davon dankbar sein k�nnte, war ihm nie in den Sinn gekommen. Aber wenn er daran dachte, wie unersch�tterlich sich die <emphasis>Dauntless,</emphasis> die <emphasis>Daring</emphasis> und die <emphasis>Diamond</emphasis> im Angesicht des kollabierenden Portals gezeigt hatten, dann konnte er nur den Vorfahren danken, solche Schiffe und Matrosen an seiner Seite zu haben.</p><p>Die Schiffsnacht hatte begonnen, und Geary sa� in seiner Kabine und starrte vor sich hin, die Gedanken beim Anblick des H�llenschlunds im Hypernet-Portal, als pl�tzlich die T�rglocke bet�tigt wurde. Da er Captain Desjani erwartete, stutzte er, als Victoria Rione eintrat, deren Miene deutlich erkennen lie�, dass sie etwas auf dem Herzen hatte. <emphasis>Eigentlich sollte ich wohl w�tend auf sie sein, weil sie mir seit Sutrah das Leben noch schwerer macht, als es das ohnehin ist. Aber verglichen mit dem, was mir Falco angetan hat, ist das noch harmlos gewesen. Rione wird nichts unternehmen, was den Verlust eines Teils dieser Flotte nach sich ziehen wird.</emphasis> Also stand Geary auf und erkl�rte h�flich: �Madam Co-Pr�sidentin, ich gebe zu, Ihr Besuch �berrascht mich. Sie waren schon eine Weile nicht mehr hier.�</p><p>�Sie meinen, au�er wenn Sie darauf bestanden haben?�, gab Rione ruhig zur�ck.</p><p>�Ja. Ich hoffe, Sie beabsichtigen nicht, mich mit einem Problem von der Art zu konfrontieren, wie ich es Ihnen bei unserem letzten Zusammentreffen hier aufgetischt hatte.�</p><p>�Nein.� Sie hielt inne und schien sich f�r irgendetwas zu wappnen. �Captain Geary, ich m�chte mich entschuldigen.�</p><p>Das war allerdings eine �berraschung. �Entschuldigen?�</p><p>�Ja.� Sie deutete auf das Sternendisplay, das �ber dem Tisch schwebte. �Seit unserem Streit bei Sutrah habe ich das getan, was ich dabei versprochen hatte: Ich habe Simulationen durchgespielt. Ich lie� diese Flotte von Sutrah aus jeden Kurs nehmen, den die Sprungpunkte m�glich machten.� Sie z�gerte und presste einen Moment lang die Lippen zusammen. �Sie liefen alle auf dasselbe hinaus. Kleinere Verluste in jedem System, die sich zu gr��eren Verlusten addieren, w�hrend durch immer mehr Syndik-Pr�senz immer weniger Wege zur Wahl stehen, bis die Flotte zwischen �berlegenen Streitm�chten in der Falle sitzt.�</p><p>�Also hatte ich recht.� Geary konnte nicht anders, als das auszusprechen.</p><p>�Ja, Sie hatten recht�, stimmte Rione ihm mitschneidender Stimme zu.</p><p>�Was ich mir durch Gedankenspiele �berlegt hatte, war also akkurat genug, um exakt das vorherzusagen, was Ihre Simulationen ergeben haben.�</p><p>Sie nickte knapp und sah ihn mit verbissener Miene an. �Sie haben die Wahrheit gesagt, und das gebe ich auch zu. Ich entschuldige mich daf�r, dass ich Ihre Motive infrage gestellt habe.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und machte keinen Hehl aus seiner Ver�rgerung. �Meine Motive? Verdammt, Madam Co-Pr�sidentin, Sie haben mich indirekt als Verr�ter an dieser Flotte und an der Allianz bezeichnet. Und Sie haben mich einen L�gner genannt, nicht wahr?�</p><p>�Ja, das ist wahr, und ich gebe zu, das war verkehrt von mir.� Wut blitzte in Riones Augen auf. �Werden Sie meine Entschuldigung nicht annehmen?�</p><p>�Doch, das werde ich. Vielen Dank.� Geary zwang sich, nicht noch eine giftige Bemerkung hinterherzuschicken. Schlie�lich galt seine Ver�rgerung in Wahrheit Falco und Leuten von dessen Schlag. �Die letzten Wochen waren schwierig.�</p><p>�Ich wei�.� Nachdenklich sch�ttelte sie den Kopf. �Es muss sehr schwierig gewesen sein, mit Captain Falcos Verrat konfrontiert zu werden.�</p><p>�Es w�re nicht ganz so schwierig gewesen, wenn ich mit Ihnen dar�ber h�tte reden k�nnen.� Erschrocken dar�ber, dass er das tats�chlich ausgesprochen hatte, sah er Rione an, deren Gesicht nun keine Gef�hlsregung mehr verriet. �Mir haben Ihre Ratschl�ge gefehlt.�</p><p>�Meine Ratschl�ge? Ich freue mich, dass Ihnen meine Ratschl�ge willkommen sind�, sagte sie tonlos. �Aber Sie sind nicht auf sie angewiesen. Ihre Einsch�tzung, wohin diese Flotte fliegen sollte, war meiner weit �berlegen.�</p><p>Worauf war sie denn nun w�tend? �Madam Co-Pr�sidentin �� Er bem�hte sich, die richtigen Worte zu finden. �Ich ben�tige Ihre Ratschl�ge. Ich habe nicht viele Menschen um mich, denen ich mich anvertrauen kann. Und ich habe auch nicht viele Menschen um mich, denen ich so vertraue, wie ich Ihnen vertraue.�</p><p>Ihr Gesichtsausdruck verriet nichts, aber ihre Augen betrachteten forschend Gearys Miene. �Ich kann doch nicht der einzige Mensch in dieser Flotte sein, dem Sie vertrauen.�</p><p>�Nein. Aber es ist nicht nur das. Es ist �� Geary schaute zur Seite und rieb sich mit einer Hand den Nacken. �Ich habe Sie gern um mich.�</p><p>Langes Schweigen machte sich breit, und schlie�lich sah er Rione wieder an, die ihn immer noch musterte. �Denken Sie, ich bin f�r Sie eine Freundin, Captain Geary?�</p><p>Er hatte sich damit nicht besch�ftigt, weil er nicht dar�ber hatte nachdenken wollen. �Meine letzten Freunde sind vor langer Zeit gestorben.�</p><p>�Dann suchen Sie sich neue Freunde, Captain!� Ihre abermals erwachte Ver�rgerung erschreckte ihn.</p><p>�Sie sind nicht � Madam Co-Pr�sidentin, wenn ich �� Geary blieben die Worte im Hals stecken, als er �berrascht feststellte, wie schwer es ihm fiel, seine �ngste auszusprechen � Zu erkl�ren, was f�r ein Gef�hl das gewesen war, aus dem k�nstlichen Tiefschlaf zu erwachen und zu erfahren, dass jeder Freund, jeder Bekannte, jeder Mensch, den er je gekannt hatte, seit langer Zeit tot war �</p><p>�Ist das der Mann, der mutig genug war, die Allianz-Flotte nach Sancere zu f�hren?�, fragte Rione sp�ttisch. �Der Held der Flotte? Der Mann, der sich dem H�llenschlund gestellt hat? Und dieser Mann traut sich nicht, einen Freund zu akzeptieren, nur weil er Angst hat, er k�nnte ihn wieder verlieren?�</p><p>�Sie haben keine Ahnung, wie das ist�, gab Geary ver�rgert zur�ck. �Als ich aus dem Tiefschlaf geholt wurde, lebte kein Mensch mehr, den ich einmal gekannt hatte. Kein einziger!�</p><p>�Meinen Sie, Sie sind der erste Mensch, der jemanden verloren hat, der ihm wichtig war? Oder der alles verloren hat, was ihm wichtig war? Lassen Sie zu, dass Sie wieder leben k�nnen, Captain Geary!�</p><p>�Sie wissen nicht ��</p><p>Einen Moment lang nahm ihr Gesicht einen zornigen Ausdruck an. �Ein Mann ist tot, den ich mehr liebte als das Leben, Captain Geary. Ein weiteres Opfer in diesem abscheulichen, endlosen Krieg! Er starb vor mehr als zehn Jahren, und dennoch sehe ich ihn immer wieder klar und deutlich vor mir, sobald ich die Augen schlie�e. Ich musste f�r mich entscheiden, ob ich innerlich sterben oder ob ich wieder leben wollte. Ich wusste, was er gewollt h�tte. Ich kann nicht leugnen, dass es unertr�glich schwer f�r mich war, aber ich habe es durchgestanden.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte Geary leise. �Sehr leid.�</p><p>Ihr Zorn ebbte ab und wich Erm�dung. �Zum Teufel mit Ihnen, John Geary, niemand au�er Ihnen hat es seit seinem Tod geschafft, mich aus der Fassung zu bringen!�</p><p>�Warum interessiert es Sie?�, fragte er best�rzt. �Warum interessiert es Sie, was ich denke und was aus mir wird?�</p><p>Sie schwieg einen Augenblick lang. �Es interessiert mich eben. Sie sind ein bemerkenswerter Mann, Captain Geary. Selbst wenn Sie einen zur Wei�glut bringen.�</p><p>�Sie hassen mich!�</p><p>�Ich habe Sie nie gehasst!�, gab Rione prompt zur�ck, verzog dann aber den Mund. �Das ist nicht ganz richtig. Als ich dachte, Sie h�tten die Flotte verraten, als ich glaubte, Sie h�tten mich belogen und benutzt, da hasste ich Sie f�r das, was ich Ihnen f�lschlich unterstellte.�</p><p>�Sie warfen mir vor, ich h�tte Sie pers�nlich ebenso hintergangen wie die Flotte.�</p><p>Rione nickte. �Ich dachte ja auch, ich w�re von Ihnen manipuliert worden. Das hatte nicht nur meinen Stolz verletzt. Ich hatte mich dazu gebracht, an Sie zu glauben � und mich f�r Sie zu interessieren.�</p><p>Geary sch�ttelte abermals verbl�fft den Kopf. �M�gen Sie mich tats�chlich, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>Rione sah an die Decke, als erbitte sie Hilfe von oben. �So f�hig Sie darin sind, diese Flotte zu f�hren, so unf�hig sind Sie, die Gef�hle anderer Menschen zu deuten. Ich mag Sie schon seit einer ganzen Weile, Captain. Ich w�re nicht so au�er mir gewesen, als ich Ihnen einen Verrat unterstellte, wenn Sie mir nicht bereits so viel bedeutet h�tten�� und das, obwohl meine Instinkte mich vor M�nnern wie Ihnen warnen. Meine Instinkte, die mir sagen, dass man Ihnen nicht vertrauen kann und dass Sie es nicht ehrlich meinen k�nnen.�</p><p>Er fragte sich, ob ihm seine Verwirrung wohl anzusehen war. �Sie vertrauen mir nicht, aber Sie m�gen mich?�</p><p>�Ja. Ich werde Black Jack Geary niemals vertrauen�, erkl�rte sie und grinste ihn aus irgendeinem Grund ironisch an. �Aber ich kann John Geary gut leiden. Jedenfalls dann, wenn er mich nicht in den Wahnsinn treibt. Wer von beiden sind Sie?�</p><p>�John Geary, hoffe ich, Madam Co-Pr�sidentin.�</p><p>�Madam Co-Pr�sidentin? Ist das alles, was ich f�r Sie bin? Wenn Ihnen irgendetwas an mir liegt, wenn Sie mich als eine Freundin ansehen, dann nennen Sie mich wenigstens Victoria, John Geary!�</p><p>Wieder konnte er sie nur anstarren. �Wenn mir etwas an Ihnen liegt? Das tut es. Erst als ich eine Weile auf Ihre Gesellschaft verzichten musste, wurde mir deutlich, wie sehr ich mich bereits an Sie gew�hnt hatte.�</p><p>�Ich warte.�</p><p>�Victoria.�</p><p>�Na, bitte, es geht doch. Und wehgetan hat es auch nicht, oder?�</p><p>Lachend setzte er sich hin. �Doch, sehr sogar.�</p><p>�Versuchen Sie es noch mal. Mit der Zeit werden Sie sich daran gew�hnen.�</p><p>Er musterte sie und versuchte herauszufinden, was Rione vorhatte. �Also gut. Victoria.�</p><p>Sie setzte sich neben ihn und schaute ihn ernst an. �Sie sind nicht der einzige einsame Mensch in dieser Flotte, John Geary. Sie sind nicht der Einzige, der Trost braucht und sich daf�r nur an wenige Menschen wenden kann.�</p><p>�Das wei� ich. Aber ich wusste nur von meinen eigenen Gef�hlen. Es hat mir gefehlt, Sie zu sehen und mit Ihnen zu reden.�</p><p>�Warum haben Sie mir das nie gesagt?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und l�chelte wehm�tig. �Den Grund kennen Sie so gut wie ich. Abgesehen von der Tatsache, dass Sie gar nicht mit mir reden wollten, bin ich immer noch der Befehlshaber dieser Flotte. Ich kann mit niemandem in einer Form Umgang haben, die nichts mit meinem Dienst zu tun hat, au�er ich wei� genau, dass derjenige es so will. Ich besitze zu viel Macht, als dass es anders sein k�nnte, selbst wenn jede mir unterstellte Person nicht schon aus anderen Gr�nden tabu w�re.�</p><p>�Und jede Person in dieser Flotte ist Ihnen unterstellt�, gab Rione zur�ck. �Au�er einer. Ich bin nicht tabu.�</p><p>�Nein, aber � nicht mal Sie k�nnen vergessen, welche Macht ich besitze. Niemand kann mich anschauen und dabei nur mich als Menschen sehen. Jeder sieht in mir nur den Flottenbefehlshaber. Jeder sieht in mir jemanden, der die anderen f�r seine Zwecke missbrauchen kann. Und ich muss um jeden Preis vermeiden, dass der Eindruck entsteht, ich w�rde so etwas machen. So ist es nun mal.�</p><p>�Viele sehen in Ihnen aber Black Jack Geary�, hielt sie dagegen.</p><p>�Ich wei�. Sie sehen den in jeder Hinsicht perfekten Black Jack. Black Jack, der nicht mal im Traum daran denken w�rde, das Falsche zu tun, auch wenn er eine Frau noch so sehr m�gen w�rde.�</p><p>�Oh? M�gen Sie mich etwa so sehr?�</p><p>Unwillk�rlich begann er zu grinsen. �Nur wenn Sie mich nicht gerade in den Wahnsinn treiben.�</p><p>�Und warum haben Sie solche Angst davor, es wenigstens jetzt zu zeigen? Werden Sie nur reden oder auch handeln?�</p><p>Er war der Meinung gewesen, dass er nun schon einige �berraschungen erlebt hatte, doch diese Frage kam so aus dem Nichts, dass er nur verdutzt fragen konnte: �Was?�</p><p>Und dann l�chelte Rione ihn auch noch an. �Wir sind uns bereits dar�ber einig geworden, dass ich nicht tabu f�r Sie bin. Und wir sind uns einig, dass wir einsam sind und Trost suchen, und dass wir beide geliebte Menschen verloren haben. Jeder von uns tr�gt eine gro�e Verantwortung, die er mit niemandem teilen kann. Deshalb m�chte ich, dass Sie mir zeigen, wie sehr Sie mich m�gen.�</p><p>Geary war auf so ziemlich alles vorbereitet gewesen, was ihn und die Flotte im Sancere-System erwarten w�rde, aber das hier hatte eindeutig nicht dazugeh�rt. Er war so verbl�fft, dass er Rione nur anstarren konnte.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und l�chelte nach wie vor. �Sie tun so, als h�tten Sie noch nie eine Frau gek�sst.�</p><p>Es war kein Zweifel m�glich, sie meinte das ernst. Er hatte sich damit abgefunden, keinen k�rperlichen Kontakt zu anderen zu haben, weil das zu seiner gef�hlsm��igen Isolation passte, aber wie es schien, war das ein Irrtum gewesen. �So ist es nicht, aber das letzte Mal ist immerhin ein Jahrhundert her.�</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, dass Sie nicht vergessen haben, wie es geht.�</p><p>�Ich will es nicht hoffen.�</p><p>�Dann zeigen Sie es mir. F�r einen schneidigen Helden k�nnen Sie manchmal sehr z�gerlich sein.�</p><p>Sonderbarerweise f�hlte sich der Kuss f�r Geary tats�chlich so an wie der erste seit hundert Jahren. �Was l�uft hier ab, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>Rione sch�ttelte den Kopf und sah wieder zur Decke, diesmal un�bersehbar verzweifelt. �Madam Co-Pr�sidentin wird auf diese Frage nicht antworten.�</p><p>�Ich bitte um Verzeihung�, erkl�rte er mit gespielter F�rmlichkeit. �Victoria, was l�uft hier ab?�</p><p>�Ich versuche dich zu verf�hren, John Geary. Hast du das immer noch nicht gemerkt? Wie kannst du bei mir so ahnungslos sein, wenn du gleichzeitig genau vorhersagen kannst, wie die Syndiks drei Sternensysteme weiter reagieren werden?�</p><p>Eine Weile sah er sie nur an, bevor er �ber eine Antwort nachdachte. �Die Syndiks sind leichter zu durchschauen. Warum, Victoria?�</p><p>Sie seufzte leise. �Du d�rftest der einzige Matrose im Universum sein, der diese Frage vorher stellt anstatt hinterher. Warum, wei� ich nicht. Vielleicht weil wir beide heute einen Blick in die Unendlichkeit geworfen und es �berlebt haben. Warum ist das f�r dich so wichtig?�</p><p>�Ich vermute, es ist mir so wichtig�, entgegnete er schlie�lich, �weil du mir so wichtig bist.�</p><p>Daraufhin l�chelte sie ihn auf eine sehr nat�rliche Weise an, die ihr sehr gut stand, und er k�sste sie erneut. Bevor er sich von ihr l�sen konnte, hatte sie bereits die Arme um ihn geschlungen, und er kam zu dem Schluss, dass er gar nicht losgelassen werden wollte.</p><p>Wie sich herausstellte, war K�ssen nicht das Einzige, was Geary nach wie vor beherrschte. Als Victoria unter ihm lag und sich lustvoll wand, hatte sich Geary bereits an einige andere Dinge erinnert, mit denen er seine Partnerin zufriedenstellen konnte. Als sie beide ersch�pft auf sein Bett sanken, wurde ihm bewusst, dass er zum ersten Mal seit seiner Bergung aus der Rettungskapsel nicht dieses eisige Gef�hl in seinem K�rper oder seiner Seele sp�ren konnte. Diese Feststellung hatte etwas Erleichterndes, zugleich aber auch etwas Be�ngstigendes.</p><p>[Genereller Hinweis: Geary und Rione duzen sich hier zwar, aber in der Folge wechselt das immer wieder, abh�ngig von der jeweiligen Situation. Sobald sie dienstlich miteinander Umgang haben, siezen sie sich, aber in einer Szene auf der Br�cke, in der sie miteinander tuscheln, bin ich wieder zum Du �bergegangen.]</p></section><section><title><p>Acht</p></title><p>Sein Komm-Alarm ert�nte, und Geary schreckte hoch. Er rollte sich zur Seite und wollte bereits den Ruf annehmen, da fiel ihm im letzten Moment ein, nur Audio zu aktivieren, damit niemand sah, dass er nicht allein war. �Geary hier.�</p><p>�Sir, Captain Desjani m�chte Sie dar�ber informieren, dass Colonel Carabali ihre Sorge zum Ausdruck bringt, was die Bewegungen der Flottenformation Bravo betrifft.�</p><p>�Sorge?� Wenn die Marine bislang wegen irgendeiner Sache besorgt gewesen war, hatte sie damit jedes Mal recht gehabt. �Ich bin in einer Minute f�r sie da. Bitten Sie Carabali zu warten.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>Geary setzte sich vorsichtig auf und versuchte, keinen L�rm zu machen.</p><p>�Hast du wirklich gedacht, das h�tte mich nicht aufgeweckt?�, fragte Victoria Rione.</p><p>�Tut mir leid.�</p><p>�Ich sch�tze, daran werde ich mich gew�hnen m�ssen.�</p><p>Geary hielt in seiner Bewegung inne und sah zu ihr, wie sie auf dem R�cken dalag und ihn so selbstverst�ndlich anschaute, als w�rden sie schon seit Jahren jeden Morgen Seite an Seite aufwachen. �Willst du, dass das was Langfristiges wird?�</p><p>Fragend zog sie eine Augenbraue hoch. �Soll das hei�en, du willst das nicht?�</p><p>�Nein, das soll es nicht hei�en. Ich w�rde es gern versuchen. Ich glaube, etwas Langfristiges w�rde mich ��</p><p>�Gl�cklich machen? Es ist in Ordnung, gl�cklich zu sein, John. Nach dem Tod meines Mannes habe ich lange gebraucht, um das zu verstehen, aber schlie�lich habe ich es erkannt.�</p><p>�Wie lange hast du daf�r gebraucht?�, fragte er leise.</p><p>�Bis heute Nacht. Und jetzt sprich mit Colonel Carabali, und zieh dir vorher was an!�</p><p>�Ich m�chte wetten, Carabali hat schon Schlimmeres gesehen�, gab Geary zur�ck, zog aber hastig seine Uniform an, w�hrend er zu seinem Schreibtisch ging. Dort aktivierte er das Komm-Terminal und versuchte, seine Gedanken an die Nacht mit Rione zu verdr�ngen, damit er sich auf seine Arbeit konzentrieren konnte. �Was beunruhigt Sie denn, Colonel?�</p><p>Carabali war sichtlich �berm�det, was Geary Schuldgef�hle bereitete, da er so ausgeruht war wie schon lange nicht mehr. Die Befehlshaberin der Marines zeigte auf ein Display gleich neben ihr. �Sir, Ihre Schiffe bewegen sich ganz in der N�he der vierten Welt. Normalerweise geht mich das ja nichts an, aber es ist meine Aufgabe, Flottenoffiziere auf m�gliche Bedrohungen hinzuweisen, die von Planeten ausgehen k�nnen.�</p><p>�Bedrohungen? Wir haben auf dieser Welt alles zerbombt, was uns bedrohen k�nnte. Da sollte keine antiorbitale Waffe mehr �brig sein.�</p><p>�Richtig�, stimmte Carabali ihm zu. �Aber �sollte� besagt nicht, dass es auch so ist. Sir, wir haben alles getroffen, was wir aus einer Entfernung von einigen Lichtstunden erkennen k�nnen. Allerdings handelt es sich um eine dicht bev�lkerte und massiv bebaute Welt. Bei so vielen Geb�uden und Anlagen ist es nicht so einfach, alles zu erkennen, was es da unten gibt. Au�erdem haben die Einschl�ge unserer Waffen viel Staub und Wasserdampf in die obere Atmosph�re aufsteigen lassen, weshalb wir im Moment von der Oberfl�che praktisch nichts sehen k�nnen. Wir wissen nicht, was wir �bersehen haben, und wir haben auch keine Ahnung, was sich jetzt dort unten befindet.�</p><p>Geary betrachtete das Display und rieb sich nachdenklich das Kinn. �Gutes Argument�, musste er eingestehen. <emphasis>Der Kampf im All verleitet einen allzu leicht zu der Annahme, dass man jede Bedrohung sehen kann, lange bevor sie einen erreicht. Das trifft hier aber nicht zu, und das h�tte ich erkennen sollen. Die Siege �ber die Syndiks im Sancere-System und die vereitelte Katastrophe des zusammenbrechenden Hypernet-Portals haben mich zu selbstsicher werden lassen. Ich war nicht so paranoid wie sonst, um dar�ber zu spekulieren, was in diesem System vielleicht noch auf uns lauert.</emphasis> �K�nnen die uns durch diese Wolkendecke hindurch mit irgendetwas beschie�en?�</p><p>�Wir haben ganz sicher nicht jeden Luft- und Raumhafen erwischen k�nnen, Sir. Die m�ssen nur etwas weit genug in die Atmosph�re schie�en, das ein Bild von der Situation �ber der Wolkendecke an die Oberfl�che �bermittelt. Das k�nnte zum Beispiel eine unbemannte Drohne sein, die nur sehr schwer zu entdecken w�re.�</p><p>Geary rief den Flugplan auf, um sich anzusehen, wohin Formation Bravo unterwegs war. �Unsere Schiffe fliegen die Orbitalwerften an oder besser gesagt: das, was davon noch �brig ist, au�erdem einige gro�e zivile Orbitaleinrichtungen. Wir brauchen das, was sich dort befindet, Colonel, vor allem die Lebensmittelvorr�te und die Rohstoffe.�</p><p>�Sir, das gef�llt mir nicht.�</p><p>�K�nnen Sie einen Plan liefern, Colonel? Damit unsere Schiffe diese Einrichtungen zu pl�ndern in der Lage sind, w�hrend die Syndiks daran gehindert werden, Waffen von der Planetenoberfl�che auf uns abzufeuern, die uns entgangen sind?�</p><p>Nachdenklich senkte Carabali den Blick. �Wir haben Scoutschiffe, die wir in die Atmosph�re schicken k�nnten. Recce-Drohnen. Aber ich kann nichts dazu sagen, wie tief die gehen m�ssen, um sich umschauen zu k�nnen. Je tiefer sie sind, umso geringer ist der Radius, den sie erfassen k�nnen.�</p><p>��ber wie viele dieser Drohnen verf�gt die Formation Beta?�</p><p>Die Marine �berpr�fte etwas auf einer Anzeige, die Geary nicht sehen konnte. �Zehn, Sir, und alle einsatzf�hig. Aber wenn wir sie losschicken, gibt es keine Garantie, dass sie auch zu uns zur�ckkommen werden. Soweit ich wei�, k�nnen Ihre Hilfsschiffe die nicht herstellen.�</p><p>�Die k�nnen auch keine neuen Raumschiffe herstellen�, hielt Geary dagegen und �berlegte kurz. �Ich werde mit dem Commander der Formation Beta reden. Das ist Captain Duellos. Wir werden die Recce-Drohnen einsetzen, um einen Blick unter den M�ll in der Atmosph�re zu werfen. Und wir werden die Schiffe aus dem niedrigen Orbit raushalten. Ich werde sehen, was mir sonst noch einf�llt, und melde mich dann bei Ihnen.�</p><p>�Danke, Sir.� Colonel Carabali salutierte, dann l�ste sich ihr Bild auf.</p><p>Geary seufzte schwer und erhob sich von seinem Platz, dann drehte er sich zu Rione um. Sie stand nahe seiner Koje gegen das Schott gelehnt, war immer noch nackt und musterte ihn. �Dir g�nnt man auch keine f�nf Minuten Ruhe, nicht wahr?�</p><p>�Ich hatte mehr Ruhe als die meisten anderen�, murmelte er und sah zur Seite.</p><p>�Was ist los, Captain Geary?�, fragte Rione leicht am�siert.</p><p>�Ich versuche, mich auf meine Verantwortung als Befehlshaber der Flotte zu konzentrieren. Du lenkst mich ein wenig davon ab.�</p><p>�Nur ein wenig? Wir sehen uns sp�ter auf der Br�cke.�</p><p>�Okay.� Geary hielt inne, bevor er seine Kabine verlie�, dann programmierte er die Zugangsberechtigung so um, dass Rione jederzeit Zutritt hatte. Er wusste, sie sah ihm auch dabei zu.</p><p>Auf dem Weg zur Br�cke versp�rte er ein eigenartiges Unbehagen. Rione war extrem leidenschaftlich gewesen, als sie mit ihm geschlafen hatte, doch jetzt zeigte sie wieder diese k�hle Distanz, sogar als sie v�llig nackt vor ihm stand. Unwillk�rlich musste er an eine Katze denken, die die gew�nschte Zuneigung erfahren hatte, sich aber das Recht vorbehielt, sich jederzeit von einem abzuwenden und dabei keine Reue zu versp�ren. Er hatte nie ernsthaft in Erw�gung gezogen, Victoria Rione k�nnte an einer Beziehung zu ihm interessiert sein, deshalb war er auch nicht auf die Idee gekommen, sich Gedanken dar�ber zu machen, was eine solche Beziehung bedeuten k�nnte. Sie hatte gesagt, dass sie ihn mochte, aber das Wort <emphasis>Liebe</emphasis> war nicht gefallen. Benutzte Rione ihn nur, um sich selbst zu tr�sten? Oder�� was noch schlimmer w�re�� suchte sie seine N�he, um einen politischen Vorteil zu erlangen, entweder gegen�ber dem von ihr so gef�rchteten Black Jack Geary oder gegen�ber ihren Politikerkollegen?</p><p>Welchen Nutzen konnte ein ehrgeiziger Politiker daraus ziehen, wenn er der Gef�hrte des legend�ren Helden war, der wie durch ein Wunder die Allianz-Flotte sicher nach Hause gebracht hatte?</p><p><emphasis>Wie kann ich �ber so etwas nur nachdenken? Rione hat keinerlei Ehrgeiz in dieser Richtung erkennen lassen.</emphasis></p><p><emphasis>Aber sie hat auch viele andere Dinge nicht erkennen lassen, jedenfalls mir gegen�ber. Zum Beispiel die Tatsache, dass sie mit mir ins Bett wollte. Angenommen, sie will noch immer die Allianz vor Black Jack Geary retten: Wie schwierig ist es denn f�r sie, sich klarzumachen, welche Macht sie erlangt, wenn sie die N�he zu mir sucht, weil sie dann viel besser in der Lage ist, mich zu kontrollieren? Woher wei� ich, ob sich unter diesem engagierten �u�eren nicht doch eine �u�erst ehrgeizige Frau verbirgt, die mich benutzen will, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen?</emphasis></p><p><emphasis>Vorfahren, steht mir bei. Rione macht einen v�llig ehrlichen Eindruck. Warum muss ich anfangen, an ihr zu zweifeln? Warum muss ich ihr misstrauen?</emphasis></p><p><emphasis>Weil ich so verdammt viel Macht besitze, und ich werde noch viel mehr Macht erlangen, wenn ich diese Flotte nach Hause bringe. Rione ist diejenige, die mir genau das �berhaupt bewusst gemacht hat.</emphasis></p><p><emphasis>Sollte sie mich andererseits doch benutzen, dann kann ich das Vergn�gen genie�en, solange es geht. Und wenn ich f�r sie nur ein Mittel zum Zweck bin, um eine einflussreichere Position in der Allianz-Regierung zu erlangen, dann kann ich mir schlimmere Schicksale vorstellen. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass sie skrupellos oder machthungrig ist.</emphasis></p><p><emphasis>Gutes Argument, Geary. Du kannst die Frau so gut einsch�tzen, dass sie dich erst ins Bett zerren muss, damit du die Andeutung begreifst.</emphasis></p><p>Nicht zum ersten Mal war Geary verbl�fft dar�ber, wie Riones Verstand arbeitete, und er freute sich schon darauf, sich wieder mit einem relativ durchschaubaren Feind zu besch�ftigen, dem es nur darauf ankam, ihn zu t�ten.</p><p>Captain Desjani g�hnte und nickte Geary zum Gru� zu, als der die Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> betrat. �Sie haben mit Colonel Carabali gesprochen?�</p><p>�Ja�, erwiderte er, setzte sich und rief sein Display auf, um es sekundenlang anzustarren. In den letzten f�nf Stunden hatte er entweder geschlafen oder sich anderweitig mit Co-Pr�sidentin Rione besch�ftigt. Mit Blick auf das Sternensystem hatte sich in dieser Zeit nicht viel getan. Die Flottenformation Beta steuerte noch immer auf die vierte Welt zu, die mit ihren Vorr�ten und Rohstoffen lockte. Die <emphasis>Courageous</emphasis> war knapp �ber drei�ig Lichtminuten von der <emphasis>Dauntless</emphasis> entfernt, sodass eine Unterhaltung mit Captain Duellos sich zu einer langwierigen Angelegenheit entwickeln w�rde.</p><p>Nachdem Geary seine Gedanken geordnet hatte, nahm er mit der <emphasis>Courageous</emphasis> Kontakt auf. �Captain Duellos, hier ist Captain Geary. Hier wurde Sorge laut, was die Risiken angeht, wenn Sie mit Ihren Schiffen dieser dicht besiedelten Welt n�her kommen, die m�glicherweise noch �ber funktionst�chtige antiorbitale Systeme verf�gt, die jetzt nur durch die Staubwolken in der Atmosph�re verdeckt werden. Setzen Sie bitte die an Bord Ihrer Schiffe befindlichen Recce-Drohnen ein, damit die unterhalb der Wolkendecke nach Hinweisen auf m�gliche Bedrohungen suchen. Bringen Sie die Schiffe nach M�glichkeit nicht in einen zu niedrigen Orbit und scannen Sie die obere Atmosph�re nach Anzeichen f�r Syndik-Drohnen oder andere Aufkl�rungsbem�hungen vonseiten der Syndiks. Ergreifen Sie alle aus Ihrer Sicht notwendigen Sicherheitsma�nahmen und halten Sie mich auf dem Laufenden.� <emphasis>Sollte ich noch etwas hinzuf�gen? Nein, Duellos wei�, was er macht. Er muss sich von mir keine Predigten anh�ren, dass er vorsichtig sein und keine Schiffe verlieren soll.</emphasis> �Geary Ende.�</p><p>Er lie� sich in seinen Sessel sinken und rieb sich die Stirn. <emphasis>Als ich die Flotte aufgeteilt habe, war mir gar nicht bewusst, dass ich die Echtzeitverbindung zu den meisten Schiffen verlieren w�rde. Aber wenigstens muss ich mir keine Gedanken machen, Numos k�nnte wieder irgendetwas verbocken.</emphasis> Dummerweise erinnerte dieser schwache Trost ihn an die fast vierzig Schiffe, die Falco gefolgt und inzwischen m�glicherweise zerst�rt worden waren.</p><p>Desjani sch�ttelte den Kopf. �Mit Ihrer Erlaubnis, Captain Geary, w�rde ich mich gern nach unten begeben und ein paar Stunden echten Schlaf genie�en. Momentan vergeude ich hier oben nur meine Zeit.�</p><p>Automatisch warf Geary wieder einen Blick auf das Display. Die Formation Delta rings um die <emphasis>Dauntless</emphasis> war fast einen Tag von den Orbitalanlagen um den dritten Planeten entfernt, auf den sie zusteuerte. Von Syndik-Schiffen war im ganzen System keine Spur zu entdecken, wenn man von der Streitmacht Alpha absah, die sich zwischen dem siebten und achten Planeten aufhielt und damit einen gro�en Abstand zur Eingreiftruppe Furious hielt. Geary fragte sich, wann der Syndik-Commander wohl einsehen w�rde, dass es f�r seine Karriere nicht f�rderlich sein konnte, in sicherem Abstand zu verharren und mit seiner Flotte zu �berleben, w�hrend die Allianz in aller Ruhe das Sternensystem zerlegte. �Warum nur f�r ein paar Stunden?�, konterte er. �Ich werde erst mal eine Weile hier sein.�</p><p>�Danke�, sagte Desjani am�siert. �Aber auch wenn Sie auf der Br�cke sind, bin ich immer noch der Captain dieses Schiffs.�</p><p>�Wie w�re es, wenn ich Ihnen befehle, mindestens vier Stunden zu schlafen?�</p><p>�Einen ausdr�cklichen Befehl kann ich wohl kaum verweigern�, erkl�rte sie mit sichtlichem Widerwillen, stand auf und streckte sich. �Sie scheinen sich besser zu f�hlen, Sir, wenn ich das so sagen darf.�</p><p>�Es hilft eben, sich auszuruhen.� Co-Pr�sidentin Rione w�hlte ausgerechnet diesen Augenblick, um die Br�cke zu betreten. Sie nickte Desjani k�hl zu und lie� Geary zum Gru� die gleiche Geste zukommen. Er gr��te zur�ck, was er mit deutlich mehr Freude als in den letzten Wochen tat. Als er sich wieder umdrehte, sah er noch eben, wie Desjani ihren verwunderten Gesichtsausdruck hinter einer nichtssagenden Miene zu verbergen versuchte. <emphasis>Desjani hat es gemerkt? Wie kann das so offensichtlich sein?,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Wir haben nicht mal ein Wort gesprochen.</emphasis></p><p>Captain Desjani wandte sich ihrem Senior-Wachhabenden zu. �Ich bin in meiner Kabine und ruhe mich aus.� Bei den letzten Worten warf sie Geary einen Seitenblick zu, und ihr Mundwinkel zuckte bei dem nicht ganz erfolgreichen Bem�hen, sich ein L�cheln zu verkneifen. Als sie die Br�cke verlie�, blieb sie kurz bei Rione stehen. �Es ist ein Vergn�gen, Sie an Bord zu haben, Madam Co-Pr�sidentin.� Soweit Geary sich erinnern konnte, hatte Desjani sich gegen�ber Rione noch nie so ge�u�ert.</p><p>Geary sp�rte, wie bei ihm Kopfschmerzen einsetzten, auch wenn Rione Desjani am�siert nachschaute. �Wie ist das m�glich?�, raunte er Rione zu.</p><p>�Ich f�rchte, diese Information ist streng vertraulich�, erwiderte sie in einem sachlichen Tonfall.</p><p>�Mit anderen Worten, das ist was unter Frauen.�</p><p>�Wenn Sie es so sehen wollen.�</p><p>Er lehnte sich zur�ck und deutete auf das Display. �Was meinen Sie? Colonel Carabali war in Sorge, die Formation Beta k�nnte dem vierten Planeten zu nahe kommen. Sieht f�r Sie noch irgendwas anderes bedenklich aus?�</p><p>�Ich kann es mir anschauen. Aber Sie erwarten doch sicher nicht von mir, dass ich bef�higt bin, eine milit�rische Einsch�tzung abzugeben.�</p><p>�Nein. Trotzdem kann jemand mit einer milit�rischen Ausbildung manchmal Dinge �bersehen, die f�r einen Laien offensichtlich sind. Mir f�llt auf, dass Sie �berhaupt nicht beunruhigt wirken. Wenn wir sonst in Syndik-Gebiet unterwegs sind, dann �bersch�tten Sie mich f�r gew�hnlich mit Warnungen, was alles schiefgehen k�nnte.�</p><p>�Und das gef�llt Ihnen?�</p><p>�Sagen wir, ich habe mich daran gew�hnt. Au�erdem haben Sie des �fteren recht gehabt.�</p><p>Rione l�chelte ihn fl�chtig an, dann nickte sie und beugte sich vor, um das Display vor ihrem Sessel genauer zu studieren. Geary warf einen Blick auf die Uhr. Noch gut zwanzig Minuten, bevor Captain Duellos seine Nachricht erhalten w�rde. Und vermutlich rund eine Stunde bis zum Eintreffen der Antwort.</p><p>Wer h�tte je gedacht, dass ein Krieg so langweilig sein k�nnte? So langweilig, dass man es irgendwann mit der Angst zu tun bekam.</p><p>Duellos best�tigte Gearys Anweisungen und erg�nzte, er werde seine Schiffe m�glichst in einer Position halten, bei der sich die Orbitalanlagen zwischen der Flotte und dem Planeten befanden. Vermutlich w�rden nicht mal die Syndiks vors�tzlich ihre eigenen Einrichtungen zerst�ren, um an den Feind zu gelangen.</p><p>Die Formation, zu der die <emphasis>Dauntless</emphasis> geh�rte, hatte den Orbit der vierten Welt zum Teil hinter sich gebracht und war auf dem Weg zum dritten Planeten. Bei der k�rzesten Distanz war Geary vier Lichtminuten von der Formation Beta entfernt. Auf seinem Display markierten kleine Symbole die von den Recce-Drohnen weitergeleiteten Daten �ber die vierte Welt, wobei die �bertragung zeitweilig von statischem Rauschen �berlagert wurde, wenn der Staub in der oberen Atmosph�re zu sehr st�rte.</p><p>Als visuelle Darstellung zeigten die Bilder eine recht ansprechende Welt mit gro�en St�dten und Siedlungen sowie weiten Naturgebieten, die hier und da Narben aufwiesen, wo Bodensch�tze gef�rdert wurden. Nach diesen Bildern zu urteilen handelte es sich um eine nahezu verlassene Welt; Stra�en und Pl�tze waren fast frei von Menschen und Fahrzeugen. Die wenigen Fahrzeuge, die man entdecken konnte, waren eindeutig offizieller Natur und bewegten sich gr��tenteils in Konvois. Die restliche Bev�lkerung hatte wohl in Kellern und Bunkern Zuflucht gesucht, obwohl die keinen Schutz geboten h�tten, w�re die Allianz zu dem Entschluss gekommen, den Planeten massiv zu bombardieren.</p><p>Vereinzelt waren Krater zu sehen, wo die kinetischen Bomben eingeschlagen waren. Alle Bilder von diesem Planeten wirkten gr�ulich und verwaschen, als w�rde man einen sehr bew�lkten Tag erleben. Die �bertragungen von der Nachtseite zeigten nur v�llige Schw�rze, da die Staubschicht in der Atmosph�re verhinderte, dass Licht von den Sternen auf die Oberfl�che gelangte.</p><p>Mithilfe seiner Kontrollen konnte Geary die Darstellung auf Infrarot, Radar oder auf das elektromagnetische Spektrum umschalten. Ihm standen noch andere Varianten zur Verf�gung, doch von denen lie� er lieber die Finger, da er f�rchtete, unbeabsichtigt den Drohnen irgendeinen Befehl zu erteilen. Von Zeit zu Zeit meldete eine Drohne, dass sie von den Syndiks beschossen wurde, aber selbst unter besten Bedingungen stellten diese automatischen Aufkl�rer nur schwer erfassbare Ziele dar. Da sie nun auch noch in der dichten Wolkendecke Schutz suchen konnten, war es umso schwieriger, eine von ihnen abzuschie�en.</p><p>�Captain Geary, hier ist Captain Duellos. Das, was von den Verteidigungsanlagen auf der Planetenoberfl�che verblieben ist, versucht sich ein Bild von unserer Flotte zu verschaffen.� Mit der Nachricht wurde ein Link �bertragen, der zeigte, wie Syndik-Drohnen f�r wenige Augenblicke aus der Wolkendecke auftauchten, die Situation aufzeichneten, und dann auch schon wieder verschwanden, bevor die Allianz-Sensoren sie erfassen und das Feuer auf sie er�ffnen konnten. �Ein Muster ist nicht erkennbar. Wenn die versuchen, Zielerfassungsdaten zu sammeln, k�nnen wir nicht nachvollziehen, auf was sie ausgerichtet sind. Ich habe allen Schiffen in meiner Formation den Befehl gegeben, von Zeit zu Zeit Position und Geschwindigkeit zu �ndern.�</p><p>Duellos w�rde die Antwort erst in vier Minuten h�ren, als Geary erwiderte: �Danke, wollen wir hoffen �� Er unterbrach sich, als auf seinem Display ein Alarm ert�nte.</p><p>�Die Formation wird von der vierten Welt aus beschossen�, meldete ein Wachhabender der <emphasis>Dauntless.</emphasis> �Partikelkanonen. Sieht nach einer ganzen Batterie aus.�</p><p>Vor vier Minuten. �Wissen wir schon, ob es Treffer gab?�</p><p>Es folgte eine schier unertr�glich lange Pause. �<emphasis>Falchion</emphasis> und <emphasis>Renown</emphasis> wurden knapp verfehlt. Keine Treffer.�</p><p>Desjani, die zur�ck auf der Br�cke war und deutlich ausgeruhter wirkte, sch�ttelte ver�chtlich den Kopf. �Die feuern blindlings drauflos, und jetzt wissen wir, dass sie immer noch �ber aktive Verteidigungsanlagen verf�gen.�</p><p>�Duellos hatte unmittelbar zuvor noch zuf�llige Ausweichman�ver angeordnet�, machte Geary klar. �Ansonsten w�ren den Syndiks wom�glich ein paar Treffer gelungen.� Im Gegensatz zu den Waffen auf einem Schiff konnten planetare Partikelkanonen deutlich gr��er ausfallen, zumal sie mit erheblich mehr Energie versorgt werden konnten. Ein einziger Treffer war in der Lage, sich durch Schutzschilde zu fressen und sich in den Schiffsrumpf zu bohren.</p><p>Noch w�hrend Geary redete, meldeten die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> den Abschuss einer weiteren Salve. Es kribbelte ihm in den Fingern, Befehle zu geben, wie die Formation auf den Beschuss reagieren sollte, aber er musste sich vor Augen halten, dass das alles bereits vor einigen Minuten geschehen war und dass Duellos zweifellos Gegenma�nahmen eingeleitet hatte. �Das sollte eigentlich gen�gen, um die Position dieser Kanone auf dem Planeten zu bestimmen�, kommentierte Desjani.</p><p>Augenblicke sp�ter setzten Duellos� Schlachtkreuzer auch schon eine Salve kinetischer Geschosse ab, die sich ihren Weg durch die Wolkendecke bahnten, w�hrend die Schiffe abermals die Position innerhalb der Formation wechselten. Die Syndiks feuerten eine dritte Salve ab, der die <emphasis>Gauntlet</emphasis> nur knapp entging. �Ein Gl�ck, dass es eine Weile dauert, um diese Kanonen wieder aufzuladen�, kommentierte Geary.</p><p>�Eine weitere Salve werden sie wahrscheinlich noch abfeuern k�nnen�, gab Desjani zu bedenken und sollte recht behalten. Die Sch�sse jagten ziellos durch die Wolkendecke.</p><p>Eine der Recce-Drohnen hatte sich in eine Position gedreht, von der aus man den Standort der Kanone beobachten konnte. Die kinetischen Geschosse zuckten vom Himmel herab und hinterlie�en glei�ende Spuren. Der Aufprall wurde von grellen Blitzen begleitet, und als das Licht verblasste, bildeten sich Rauchpilze, die wie ein Grabstein f�r die zerst�rte Kanone wirkten.</p><p>�Hoffen wir, dass sie nicht mehr zu bieten haben�, meinte Geary seufzend.</p><p>�Unwahrscheinlich�, gab Desjani zur�ck.</p><p>�Ich wei�.� Er tippte wieder auf seine Komm-Kontrolle. �Captain Duellos, ich gratuliere Ihnen. Gute Arbeit. Halten Sie die Augen offen, falls sie es noch mal versuchen sollten.�</p><p>Beim Anblick der von den Recce-Drohnen �bermittelten Bilder verzog er das Gesicht. <emphasis>Ich kann verstehen, wieso es so verlockend ist, einfach einen ganzen Planeten in Grund und Boden zu bombardieren, damit da unten nach M�glichkeit nichts �berlebt, das uns gef�hrlich werden k�nnte. Aber was gibt mir das Recht, Millionen von Zivilisten zu t�ten, nur weil ich dabei hoffentlich getarnte Verteidigungsanlagen vernichten kann? Sollten die auch noch zus�tzlich gepanzert sein�� wovon auszugehen ist��, dann w�re nicht mal sicher, dass wir alles treffen.</emphasis> Er sah zu Desjani. �Glauben Sie, auf dem dritten Planeten erwartet uns das Gleiche?�</p><p>�Wom�glich. Wir werden auf jeden Fall davon ausgehen m�ssen, dass die Bedrohung existiert.�</p><p>Kopfsch�ttelnd lehnte er sich zur�ck. �Warum k�nnen die sich nicht vern�nftig verhalten? Sie haben kaum eine Chance, uns wehzutun, und mit jedem weiteren Schuss nehmen sie Vergeltungsma�nahmen in Kauf.�</p><p>Desjani sah ihn fragend an. �Sir, wir befinden uns jetzt seit einem Jahrhundert im Krieg. Ich glaube, die Vernunft ist da schon vor langer Zeit auf der Strecke geblieben.�</p><p>�Da muss ich Ihnen recht geben. Glauben Sie, es hilft etwas, wenn ich ihnen eine Aufforderung zukommen lasse, dass sie nicht unsere Schiffe angreifen sollen?�</p><p>�Schwer zu sagen�, meinte sie schulterzuckend. �Der Energieimpuls des kollabierenden Hypernet-Portals hat mit Sicherheit jeden ungesch�tzten Empf�nger in diesem System durchschmoren lassen, aber es k�nnte noch ein paar Ger�te geben, auf denen man Sie h�ren kann.�</p><p>�Nur geh�ren die wahrscheinlich alle der Regierung und dem Milit�r.�</p><p>�Ja, Sir, und die werden auf vern�nftige Forderungen wohl kaum reagieren.�</p><p>Geary nickte, dann betrachtete er Desjani. �Captain, als ich Sie kennenlernte, da h�tten Sie nicht gez�gert, alles menschliche Leben auf diesen Planeten auszul�schen. Jetzt scheinen Sie an so etwas nicht mehr interessiert zu sein.�</p><p>Sie sah eine Zeit lang vor sich hin, dann antwortete sie: �Ich habe Ihnen zugeh�rt, Sir, und ich habe mich ausf�hrlich mit meinen Vorfahren unterhalten. Es hat nichts Ehrenhaftes, die Wehrlosen zu t�ten. Und das, was wir hier angerichtet haben, zwingt die Syndiks zu erheblichen Wiederaufbauma�nahmen. H�tten wir alles ausgel�scht, k�nnten sie das System einfach abschreiben.� Nach einer kurzen Pause f�gte sie an: �Und es kann uns niemand vorwerfen, wir h�tten uns genauso verhalten wie die Syndiks. Wir sind nicht wie sie. Mir ist klar geworden, dass ich nicht die Dinge auf dem Gewissen haben m�chte, die die Syndiks tun w�rden.�</p><p>�Danke, Captain Desjani.� Zwischen Ehre und praktischen Erw�gungen war sie zu dem Schluss gekommen, dass er recht hatte. Es war ein viel angenehmeres Gef�hl, als wenn sie ihm einfach nur zugestimmt h�tte, weil er Black Jack Geary war. Er hatte sich bereits gefragt, was geschehen w�rde, sollte er pl�tzlich tot umfallen. Seine Bef�rchtung war gewesen, die Flotte k�nnte wieder auf die Taktiken und Denkweise verfallen, die vor seiner Ankunft allgemein anerkannt waren. Aber wie es aussah, kehrten zumindest einige Offiziere zu Taktiken zur�ck, mit denen Geary noch vertraut war. Er war nicht so dumm zu glauben, dass in der Vergangenheit immer nur alles gut gewesen war, aber es war nichts verkehrt daran, das Kriegsrecht zu beachten, ehrbar zu handeln und umsichtig, anstatt nur tapfer zu k�mpfen.</p><p>In den n�chsten Stunden, in denen sich Gearys Formation dem dritten Planeten n�herte, musste Captain Duellos die vierte Welt noch drei weitere Male bombardieren. Keiner der Versuche der Syndiks, eines seiner Schiff zu treffen, war erfolgreich verlaufen, was nicht weiter verwunderte, konnten doch die Waffen auf der Oberfl�che ihre Ziele nicht direkt anvisieren, sondern mussten sich auf die Daten von Drohnen verlassen, die immer nur kurz aus der Wolkendecke hervorkamen und nicht mehr als eine Augenblicksaufnahme von der Situation liefern konnten. Im Gegenzug h�rten zwei Recce-Drohnen auf, Daten zu �bertragen, was den Schluss zulie�, dass man sie abgeschossen hatte. Das w�rde Colonel Carabali gar nicht gefallen, doch Geary hielt zwei Drohnen f�r einen vertretbaren Preis daf�r, dass Treffer der Syndiks verhindert werden konnten.</p><p>Als sich die Formation Delta der dritten Welt n�herte, wurden Shuttles gestartet, die die Marines zu ihren Zielen brachten. Die meisten von ihnen steuerten einen gro�en, stark bev�lkerten orbitalen Komplex an, die �brigen nahmen Kurs auf Lagerh�user im Orbit, die Rohstoffe und Vorr�te enthielten, die normalerweise auf die Planetenoberfl�che gebracht oder zu anderen Standorten im System verschickt wurden, wo sie beim Bau von Syndik-Kriegsschiffen zum Einsatz kamen. Nun jedoch w�rde die Allianz-Flotte sie sich einverleiben, um die Vorr�te zu produzieren, die die Crews ben�tigten.</p><p>Mit skeptischem Blick beobachtete Geary die dritte Welt, der sich seine Formation n�herte. Sie war nicht ganz so dicht mit Verteidigungsanlagen und �hnlichen Einrichtungen �berzogen, weshalb dort insgesamt weniger Ziele getroffen worden waren. Dementsprechend war die Wolkendecke aus Staub und Wasserdampf nicht so dicht, dennoch war die Oberfl�che nicht allzu gut zu sehen. Auch wenn diese Welt nach menschlichen Ma�st�ben etwas zu warm war, lie� es sich dort aushalten. Zumindest war das bislang der Fall gewesen, doch jetzt w�rden die Massen von Staub das Leben auf dieser Welt f�r die n�chste Zeit etwas unangenehmer machen. Allerdings gab es f�r die Bewohner keinen Grund zur Beschwerde, immerhin h�tte die Allianz-Flotte den Planeten v�llig unbewohnbar machen und jede Stadt in Schutt und Asche legen k�nnen.</p><p>Die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> und die der anderen Schiffe in dieser Formation suchten die Planetenoberfl�che gr�ndlich ab, doch es schien, als h�tten die von der Allianz-Flotte abgefeuerten Geschosse keines der anvisierten Ziele verfehlt. �An alle Einheiten der Formation Delta: Gehen Sie nicht in einen zu niedrigen Orbit um den dritten Planeten. Nehmen Sie au�erdem zuf�llige Kurs- und Geschwindigkeitswechsel vor, solange wir uns in Waffenreichweite dieser Welt befinden.�</p><p>Der Befehl wurde noch von den anderen Schiffen best�tigt, da bahnten sich leistungsf�hige Partikelstrahlen ihren Weg durch die Atmosph�re der dritten Welt, die auf die <emphasis>Daring</emphasis> zielten. Zum Gl�ck waren die Syndiks �bereifrig gewesen und feuerten aus extrem gro�er Entfernung, weshalb sie den Schlachtkreuzer knapp verfehlten. Geary schlug mit der Faust auf seine Kontrollen. �<emphasis>Daring</emphasis>, vernichten Sie diese Kanonen.�</p><p>�Mit Vergn�gen, Sir�, erwiderte die <emphasis>Daring</emphasis>. Eine zweite Salve traf die Position, an der sich das Schiff gerade eben noch aufgehalten hatte, und gab der <emphasis>Daring</emphasis> die n�tigen Zieldaten f�r den Gegenschlag. Der Schlachtkreuzer spuckte kinetische Projektile aus, die durch die Atmosph�re rasten. Diesmal konnte Geary die Lichtblitze auf dem Planeten sehen, als die Geschosse die Partikelstrahl-Batterie zerst�rten und einen tiefen Krater in den Boden rissen.</p><p>Inzwischen variierten alle Schiffe der Formation immer wieder minimal Position und Geschwindigkeit, was bereits gen�gte, um den Beschuss von der Planetenoberfl�che ins Leere laufen zu lassen. Geary versuchte sich zu entspannen, obwohl er wusste, dass sie alle nerv�s mit weiteren Angriffen rechneten, solange sie sich in der N�he dieser Welt aufhielten. �Ich hoffe, dass uns nicht mehr als das erwartet�, sagte er zu Desjani.</p><p>Kaum hatte er das ausgesprochen, tauchte vor ihm in der Luft ein kleines Fenster auf, das Colonel Carabalis besorgte Miene zeigte. �Unsere Truppen werden in dieser orbitalen Stadt beschossen�, meldete sie.</p><p><emphasis>Das kommt davon, wenn man dummes Zeug redet. Ich habe den Arger nur herausgefordert.</emphasis> �Die orbitale Stadt.� Geary rief die Informationen auf. Die Bev�lkerung betrug rund f�nfzigtausend Personen, was die Einrichtung nach den allgemein g�ltigen Ma�st�ben zu einer Stadt erhob, die �ber einen erfreulich gro�en Vorrat an Lebensmitteln verf�gte, um nicht nur die Bewohner zu ern�hren, sondern auch die Besatzungen von Syndik-Kriegsschiffen, die herkamen, um ihre Best�nde aufzuf�llen. Die Allianz-Flotte konnte diese Lebensmittel gut gebrauchen, allerdings hatte Geary darauf bestanden, dass genug zur�ckgelassen wurde, dass keine Hungersnot ausbrach. �Was genau ist da los?�</p><p>�Wir haben die meisten Lebensmittellager gesichert, ebenso die umliegenden Bereiche, aber Spezialeinheiten der Syndiks feuern von au�erhalb auf uns und benutzen die Zivilbev�lkerung als Schutzschild. Sie tauchen aus der Menschenmenge auf, feuern und verschwinden dann gleich wieder.�</p><p>Es war klar, dass sich etliche Angeh�rige des Syndik-Milit�rs hier aufhalten mussten, und das nicht nur, um das System zu verteidigen. Sie sorgten zweifellos auch f�r die innere Sicherheit, was nichts anderes bedeutete, als dass sie ihre eigenen Leute �berwachten. Mindestens ein Teil dieser Milit�rs hatte kein Problem damit, den Tod jener Zivilisten in Kauf zu nehmen, die sie eigentlich besch�tzen sollten. Aber er dachte in diesem Moment wieder wie ein Vertreter der Allianz. Diese Truppen waren in Wahrheit nicht hier, um die B�rger von Sancere zu besch�tzen, sondern um die Interessen der Syndikatwelten und ihrer F�hrer zu wahren. Wenn dabei ein paar B�rger zu Tode kamen�� oder auch ein paar Millionen��, dann war das eben Pech f�r die Betroffenen. �Was wollen Sie unternehmen?�, fragte Geary.</p><p>Carabali blickte m�rrisch drein. �Uns bleiben drei M�glichkeiten. Erstens: Wir erwidern das Feuer, was zweifellos den Tod vieler Zivilisten zur Folge haben wird. Zweitens: Wir ziehen uns zur�ck und geben unsere Bem�hungen auf. Drittens: Wir erleiden weitere Verluste ohne eine Chance, uns zur Wehr zu setzen. Ihnen wird nicht entgangen sein, dass die Syndiks in jedem Fall die Sieger sind.�</p><p>�Verdammt.� Sollte er mit Vergeltungsma�nahmen gegen den Planeten drohen? W�rde das die Milit�rs von ihrem Tun abbringen? Leute, die jetzt schon gezeigt hatten, dass ihnen die Zivilbev�lkerung egal war. Und wenn sie nicht aufh�rten, war er dann bereit, seine Drohung in die Tat umzusetzen? �Wir brauchen diese Lebensmittel. Hat es sich als sicher erwiesen?�</p><p>�Bislang ja. Denen war nicht klar, dass wir deswegen herkommen, daher hatten sie auch keine Chance, es zu vergiften.�</p><p>Es musste doch noch eine vierte M�glichkeit geben. Ein Kompromiss war bei einer milit�rischen Aktion f�r gew�hnlich eine gef�hrliche Vorgehensweise, aber in diesem Fall schien es die einzige Wahl zu sein. �Was ist, wenn Sie eine Pufferzone um unsere Truppen herum schaffen und die Zivilisten wegschicken? Sagen Sie ihnen, sie sollen sich schnell zur�ckziehen, weil nach Ablauf einer bestimmten Zeit alles als Ziel angesehen wird, das sich in dieser Zone noch bewegt. W�rde das funktionieren?�</p><p>Carabali nickte nachdenklich. �K�nnte sein. Aber wenn Sie glauben, dass sich alle Zivilisten entfernen werden, dann t�uschen Sie sich. Einige werden immer bleiben. Manche, weil sie zu stur oder zu dumm sind, andere, weil sie sich aus den unterschiedlichsten Gr�nden nicht von der Stelle bewegen k�nnen. Einige werden sich weiter in der Gefahrenzone aufhalten.�</p><p>�Aber nicht ann�hernd so viele.�</p><p>�Nein, Sir.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf. �Ich sehe keine andere L�sung. Diese Spezialeinheiten dr�ngen uns in die Ecke. Zu schade, dass wir keine intelligente Munition haben, die nur die B�sen trifft.�</p><p>�Ich glaube, die hat sich seit dem ersten Krieg jeder Befehlshaber gew�nscht. Ausgenommen nat�rlich die b�sen Befehlshaber�, sagte Carabali.</p><p>�Erledigen Sie das, Colonel. Geben Sie den Zivilisten so viel Zeit, wie Sie f�r eine R�umung f�r n�tig halten, aber gehen Sie mit Ihren Truppen keine unn�tigen Risiken ein.� Kaum hatte Geary zu Ende gesprochen, wurde ihm klar, dass dies ein Befehl von dieser nervt�tend widerspr�chlichen Art war, die ihn fr�her verr�ckt gemacht hatten, wenn er sie erhielt. Carabali verdiente klarere Anweisungen. �Halten Sie eine halbe Stunde f�r ausreichend?�</p><p>�F�nfzehn Minuten w�ren mir lieber, Sir. Das sollte f�r den Bereich gen�gen, der ger�umt werden soll.�</p><p><emphasis>Ich werde nicht an der Entscheidung der Person zweifeln, die da dr�ben die Hauptverantwortung f�r diese Truppen tr�gt.</emphasis> �Also gut, f�nfzehn Minuten.�</p><p>�Und danach haben wir die Erlaubnis, in der Pufferzone vertretbare Gewalt anzuwenden?�</p><p>�Solange Sie keine L�cher in die Au�enh�lle dieser Stadt schie�en. Ich m�chte nicht, dass die gesamte Atmosph�re ins All entweicht.�</p><p>Carabali grinste. Ihre vorangegangene Aufregung war ihrem Sinn f�r Humor gewichen. �Jawohl, Sir. Ich werde die Befehle weitergeben.�</p><p>�Gern geschehen.� Nachdem das Gespr�ch beendet war, lehnte Geary sich zur�ck und bemerkte Rione, die auf die Br�cke gekommen war und ihn beobachtete. �Sieht so aus, als h�tte ich eine Marine gl�cklich gemacht.�</p><p>�Wieso? Darf sie jemanden erschie�en?�</p><p>�Vermutlich ja.� Er z�gerte und suchte das Systemdisplay nach Hinweisen auf andere Bedrohungen ab. Die Syndik-Streitmacht Alpha hatte sich jedoch noch immer nicht von der Stelle ger�hrt, und andere Aktivit�ten waren auch nicht festzustellen. Beruhigt zog Geary das Display der Landetruppen heran, deren zahlreiche kleine Bilder zeigten, was die Geschwaderf�hrer sahen, die sich durch die Orbitalstadt bewegten. Er w�hlte zuf�llig eines aus und ber�hrte es, um es zu vergr��ern.</p><p>Der Lieutenant, den Geary erwischt hatte, schaute �ber einen kleinen Hof hinweg zu einer Geb�udegruppe auf der anderen Seite, hinter der mehr von der Stadt zu sehen war, gebaut in der klassischen, zweckm��igen Zylinderform, die es erlaubte, auf k�nstliche Schwerkraft zu verzichten.</p><p>Etwas blitzte zwischen den Geb�uden auf, und der Lieutenant zog ruckartig den Kopf nach hinten. Splitter flogen durch die Luft, als ein massives Metallgeschoss Mauerwerk absprengte. Geary stellte den Ton lauter, sodass zu h�ren war, wie das Echo des Schusses nachhallte. Dann ert�nte eine dr�hnende Stimme: �Dieses Gebiet wird sofort ger�umt. Alle B�rger der Syndikatwelten werden aufgefordert, sich auf der Stelle in einen Bereich jenseits der F�nften Stra�e zur�ckzuziehen. Wer sich weiterhin auf dieser Seite der F�nften Stra�e aufh�lt, wird als feindlicher K�mpfer angesehen und angegriffen.�</p><p>Die Aufforderung wurde wiederholt, und Geary konnte aus der Sicht des Lieutenants mitverfolgen, wie M�nner, Frauen und Kinder aus den Geb�uden gest�rmt kamen und davonliefen. In einiger Entfernung stellte sich ein Mann mit einer Waffe den Fl�chtenden in den Weg und machte drohende Gesten, die die Menge anhalten lie�en. �Erledigt ihn�, befahl der Lieutenant, dann wurde ganz in der N�he eine Waffe abgefeuert, und Augenblicke sp�ter sank der Mann zuckend zu Boden, als h�tte ihn ein heftiger Schlag niedergestreckt. Die Zivilisten st�rmten weiter und nahmen keine Notiz von dem reglos daliegenden Mann.</p><p>Geary wechselte zu einigen anderen Kameras und bekam �berall die gleichen Bilder geliefert. Aus den Geb�uden gegen�ber den Marines wurden weiter Sch�sse abgefeuert, doch nach der f�nfzehnmin�tigen Schonfrist begannen diese Bauwerke zu explodieren, da die Marines mit schweren Waffen vorgingen. <emphasis>Habe ich das genehmigt? Eigentlich ja, oder?</emphasis></p><p>Es mochte sein, dass in den Geb�uden auch Zivilisten ums Leben kam, doch daran konnte er nun nichts mehr �ndern. Allerdings f�hlte er sich deswegen nicht besser. Gegen einen Feind zu k�mpfen, der ihn immer wieder dazu zu zwingen versuchte, Grausamkeiten gegen Unschuldige zu begehen, gefiel ihm ganz und gar nicht. Ich tue, was ich tun muss, aber kein bisschen mehr, ihr kaltbl�tigen Bastarde. Ihr werdet den Tod von Zivilisten weder mir noch meiner Flotte in die Schuhe schieben k�nnen.</p><p>Es dauerte fast einen Tag, um so viele Lebensmittel und andere Vorr�te aus den Lagerh�usern einzuladen und in Shuttles zu den verschiedenen Raumschiffen zu bringen, wie die Allianz-Flotte mitnehmen wollte. Die Allianz-Truppen mussten dabei immer wieder Sch�ssen von der Planetenoberfl�che ausweichen und Gegenschl�ge ausf�hren. Keine Waffenbatterie auf dem Planeten konnte irgendwelche Treffer erzielen, und keine �berlebte den ersten Schussversuch, und doch schienen immer neue, verborgene Einrichtungen aufzutauchen.</p><p>Zwanzig Stunden nach der Ankunft im Orbit der dritten Welt gab Geary den Befehl zum R�ckzug und �berflog erfreut, aber m�de die Liste der ihnen von den Syndiks ��berlassenen� Vorr�te. Die Orbitalstadt hatte zwar wegen der anhaltenden K�mpfe zwischen den Marines und den Syndik-Spezialeinheiten einige Sch�den hinnehmen m�ssen, doch sie war nun wieder sicher. Bei den Lagerh�usern im Orbit gestaltete sich das jedoch etwas anders. Nachdem Geary best�tigt worden war, dass sich kein Personal mehr dort aufhielt, ordnete er ihre Zerst�rung an. Alles, was die Allianz-Schiffe nicht mitnahmen, w�rde ansonsten von den Syndiks genutzt werden k�nnen. Das galt auch f�r die Lagerh�user, h�tte Geary sie unversehrt gelassen.</p><p>Sancere war nicht das einzige System, das die Syndiks mit Kriegsschiffen versorgte. Es gab gen�gend andere Systeme, die gro�e Schiffe und Heerscharen von kleineren Einheiten fast am laufenden Band produzierten. Daf�r wurde auf Ressourcen einer interstellaren Macht zugegriffen, die viele Sternensysteme umfasste. Doch der Verlust der Werften von Sancere w�rde etwas bewirken, weil die Syndiks wenigstens f�r eine Weile nicht so schnell ihre Verluste ausgleichen konnten.</p><p>�An alle Schiffe: Gut gemacht.� Er g�hnte, w�hrend er best�tigte, dass die Formation sich zu einer neuen Position au�erhalb des Orbits der vierten Welt begab. �Ladies und Gentlemen, ich werde mich jetzt eine Weile schlafen legen.� Desjani verzog den Mund zu einem m�den Grinsen, da sie sich gleichfalls bereit machte, die Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> zu verlassen.</p><p>Auf dem Weg zu seiner Kabine �berlegte Geary, ob Victoria Rione wohl auf ihn wartete.</p><p>�Geary hier.� Er zwinkerte, um den Schlaf aus seinen Augen zu vertreiben, und �berpr�fte, ob er die Video�bertragung auch abgeschaltet hatte.</p><p>�Sie wollten benachrichtigt werden, wenn sich die Formation Bravo vom vierten Planeten zur�ckzieht, Sir. Wir haben geh�rt, dass der R�ckzug begonnen hat, und wir haben die Best�tigung erhalten, da sich die Schiffe tats�chlich von der Stelle bewegen.�</p><p>�Danke�, sagte er und legte sich hin. Er war dankbar daf�r, dass es wenigstens einmal eine gute Meldung war, die keine sofortige Reaktion erforderte. Und er wusste damit auch, er k�nnte f�r eine Weile aufh�ren, sich Sorgen wegen der Partikelkanonen zu machen.</p><p>�Du wei�t, sie merken es, dass du etwas vor ihnen verheimlichst�, h�rte er Riones Stimme neben sich.</p><p>�Meinst du?�</p><p>�Ich wei� es, John. Hast du bislang die Video�bertragung blockiert? Ich glaube kaum. Au�erdem redest du mit ged�mpfter Stimme. Die werden sich ganz bestimmt l�ngst fragen, wen du nicht aufwecken willst.�</p><p>�Verdammt.� Ihre Worte lie�en pl�tzlich Angst in ihm wach werden. �Sie k�nnten glauben, es ist jemand aus der Flotte.� Eine Offizierin. Oder schlimmer noch: eine Matrosin. Also genau das, was er wegen seiner Autorit�t unbedingt vermeiden musste.</p><p>Rione st�tzte sich auf den Ellbogen auf und l�chelte ihn schmallippig an. �Also muss ich daf�r sorgen, dass die Flotte erf�hrt, mit wem ihr Held in Wahrheit schl�ft. Ich frage mich, wie eine solche Ank�ndigung aussehen soll.�</p><p>Er zuckte leicht zusammen. �Es war nie meine Absicht gewesen, dich zum �ffentlichen Gespr�chsthema zu machen. Das sollte etwas Privates sein.�</p><p>�Nichts von dem, was dich betrifft, kann jemals privat sein, John. Wenn es dir bislang nicht klar gewesen ist, dann sollte es das ab jetzt sein.�</p><p>�Es geht hier um dich, nicht um mich.�</p><p>�Willst du etwa meine Ehre verteidigen?�, gab sie sichtlich am�siert zur�ck. �Ich bin alt genug, um das selbst zu erledigen. Und f�r den Fall, dass du dich das fragst: Als ich mich darauf einlie�, war mir bewusst, dass daraus ein �ffentliches Gespr�chsthema entstehen w�rde.�</p><p>Leider erinnerten ihre Worte Geary an seine �berlegungen, Rione k�nnte sich mehr zu seiner Macht als zu ihm selbst hingezogen f�hlen. Doch wenn das tats�chlich der Fall war, w�rde sie es niemals zugeben. Und wenn es nicht der Fall war, m�sste er schon verr�ckt sein, sie darauf anzusprechen.</p><p>�Unsere Beziehung ist weder unangemessen noch illegal�, betonte sie. �Am Morgen werde ich die Befehlshaber der Schiffe der Callas-Republik und der Rift-F�deration informieren. Ich wei�, dass sie in der Vergangenheit auf Ger�chte angesprochen wurden, ob zwischen uns etwas ist, und sie haben stets verneint. Da sich das nun ge�ndert hat, werde ich es ihnen allein schon aus dem Grund sagen, dass das Vertrauensverh�ltnis nicht gest�rt wird. Sobald die Commander es wissen, wird es sich mit �berlichtgeschwindigkeit in der gesamten Flotte herumsprechen.�</p><p>Unwillk�rlich musste Geary seufzen. �Muss die Flotte wirklich davon erfahren?�</p><p>�Ja.� Sie sah ihn ernst an. �Und das wei�t du auch. W�rden wir versuchen, das pers�nliche Verh�ltnis zwischen uns zu vertuschen, dann k�me der Eindruck auf, dass wir selbst glauben, wir w�rden etwas Unrechtes tun.�</p><p>�Es ist nichts Unrechtes.�</p><p>�Versuchst du, mich davon zu �berzeugen, John? W�hrend ich mit dir im Bett liege? Das kommt aber ein bisschen sp�t.�</p><p>�Ich versuche, ernsthaft mit dir zu reden. H�r zu, da ist eine Sache, die mir Sorgen macht. Es gibt da etwas, auf das ich mich bei dir in der Vergangenheit immer verlassen konnte, und ich m�chte, dass das so bleibt.�</p><p>�Was soll das sein?�</p><p>�Ich m�chte, dass du meinen Pl�nen weiter mit Skepsis begegnest. Du musst skeptisch und fordernd sein, du musst mich hinterfragen. Du bist die Einzige in der Flotte, die in der Lage ist, meine Pl�ne wie eine Au�enstehende zu betrachten. Das brauche ich auch weiterhin von dir.�</p><p>�Du willst, dass ich fordernd bleibe?�, fragte sie. �Das ist f�r einen Mann etwas ungew�hnlich, aber ich werde gern versuchen, weiter so fordernd zu sein.�</p><p>�Ich meine es ernst, Victoria�, beharrte er.</p><p>�Victoria wird dir da wohl nicht helfen k�nnen, aber Co-Pr�sidentin Rione hat die Absicht, dich auch weiterhin mit Sorge und Skepsis zu beobachten. Beruhigt dich das?�</p><p>�Ja, das tut es.�</p><p>�Gut, dann m�chte ich mich wieder schlafen legen. Gute Nacht.� Sie drehte sich um und bot ihm den atemberaubenden Anblick ihres nackten R�ckens, ohne dass es ihr bewusst zu sein schien.</p><p>Es kostete ihn gro�e M�he, den Blick abzuwenden, dann starrte er eine Weile die Decke an. <emphasis>Dann wird sie also der ganzen Galaxis erz�hlen, dass sie mit mir schl�ft. Aber sie hat recht damit, dass wir es den anderen sagen m�ssen. Wenn Ger�chte die Runde machen, ich w�rde mit irgendeiner anderen Frau schlafen, k�nnte das gro�e Probleme nach sich ziehen. Ich wei� nicht, was ich davon halten soll, dass die ganze Flotte es erf�hrt, weil ich mir nicht sicher bin, wie ich eigentlich zu ihr stehe. F�hle ich mich nur zu ihr hingezogen, weil ich eine starke Frau an meiner Seite brauche? Oder ist es nur etwas K�rperliches, und ich rede mir blo� ein, dass sie mir wichtig ist? Nein, das kann ich selbst nicht glauben. Sie ist eine fantastische Frau, und mir gef�llt eine Menge an ihr. Aber wenn wir keinen Sex haben, gibt sie sich nicht sehr warm und anschmiegsam. Sie h�lt immer etwas zur�ck. Nein, das ist eine blanke Untertreibung. Sie h�lt eine Menge zur�ck. Wenn wir es bis nach Hause geschafft haben, k�nnte Victoria Rione zu dem Entschluss kommen, dass ich langweilig geworden bin, und dann wendet sie sich von mir ab. Oder sie beschlie�t, Black Jack zu stoppen. Oder aber ich bin ihr v�llig egal, und sie bleibt nur an meiner Seite, weil sie von meinem Status profitieren kann.</emphasis></p><p><emphasis>Oder aber ich bin ihr wirklich wichtig.</emphasis></p><p><emphasis>Sieh�s doch ein, Geary. Du hast keine Ahnung, was ihr beide f�reinander empfinden werdet, wenn ihr zur�ck im Allianz-Gebiet seid�� ob ihr zusammen nach Kosatka reisen werdet, um zu heiraten, oder ob ihr euch die Hand reicht und dann f�r den Rest eures Lebens getrennte Wege gehen werdet.</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube, damit kann ich mich befassen, wenn wir an diesem Punkt angekommen sind. Falls wir je dort ankommen.</emphasis></p><p>Die bislang �ber das Sancere-System zusammengetragenen Daten waren rein mengenm��ig �berw�ltigend, sie halfen aber in Bezug auf die wichtigsten Punkte nicht weiter. Die Marines hatten von verlassenen Syndik-Terminals so viele Dateien heruntergeladen, wie es nur ging, aber bislang hatte keine von ihnen brauchbare Informationen liefern k�nnen. Mehrere Rettungskapseln von den zerst�rten Schiffen der Syndik-Streitmacht Bravo waren geborgen worden, doch die an Bord befindlichen Matrosen konnten nur berichten, dass sie an einer Schlacht bei Scylla in der N�he der Grenze zur Allianz beteiligt gewesen waren. Ein Syndik-Offizier h�tte mehr erz�hlen k�nnen, jedoch waren die Rettungskapseln mit den Offizieren an Bord durch die Energieentladung des kollabierenden Portals vernichtet worden. Die Schlacht bei Scylla musste in einem blutigen Patt geendet haben, nach dem sich beide Seiten zur�ckgezogen hatten. Die kleinen Einrichtungen, die sich nach Gearys Erinnerung vor hundert Jahren bei Scylla befunden hatten, waren vor langer Zeit zerst�rt oder aufgegeben worden, als beide Seiten unabl�ssig um ein ansonsten v�llig nutzloses Sternensystem k�mpften.</p><p><emphasis>Sie haben wie verr�ckt aufeinander eingepr�gelt und dann den Kontakt abgebrochen. Es war keine gro�e Schlacht, denn was wir in Sancere eintreffen sahen, war in etwa die gesamte Syndik-Flotte. Und die Allianz war ungef�hr gleich gro�. Aber daraus kann ich keine R�ckschl�sse ziehen. Ich wei� nicht, was sich anderswo an der Front abspielt.</emphasis></p><p>Frustriert durchsuchte Geary die Komm-Verbindungen zum Geheimdienst der <emphasis>Dauntless.</emphasis> �Hier ist Captain Geary. Ich m�chte pers�nlich mit dem rangh�chsten oder dienst�ltesten Syndik-Matrosen reden, den wir aufgelesen haben. Ist das jetzt m�glich?�</p><p>Die Antwort brauchte einen Moment. �Ich muss nachsehen �� Die Stimme brach ab, dann h�rte Geary im Hintergrund jemanden aufgebracht br�llen. ��hm, jawohl, Sir!</p><p>Sofort, Sir! M�chten Sie einen virtuellen Kontakt oder ein tats�chliches Gespr�ch?�</p><p>�Ein tats�chliches Gespr�ch.� Geary war bis heute nicht den Verdacht losgeworden, das diese Software f�r die virtuellen Besprechungen nicht jede Bewegung und Nuance v�llig exakt �bertrug. Aus seiner Erfahrung wusste er, dass Software dazu neigte, die Dinge glattzub�geln, die nicht in ihre Parameter passten, obwohl Menschen oftmals gerade durch kleine, oftmals scheinbar widerspr�chliche Verhaltensweisen wichtige Sachen verrieten. Was die Software f�r eine Anomalie hielt und weglie�, konnte das Wichtigste sein, was eine Person von sich zu erkennen gab.</p><p>Die Geheimdienst-Abteilung befand sich hinter beeindruckenden Sicherheitsschleusen. Ein etwas nerv�ser Lieutenant wartete davor und f�hrte Geary eilig durch den Hochsicherheitsbereich. Aus einem unerfindlichen Grund kam es ihm dort immer so vor, als m�sse alles ganz leise zugehen, auch wenn es auf den ersten Blick so aussah wie in jeder beliebigen anderen Abteilung, nur dass hier noch ein paar Ausr�stungsgegenst�nde und Ger�te mehr auf den Tischen und in der einen oder anderen Ecke standen. Einer alten Tradition folgend war die Geheimdienst-Abteilung eine in sich geschlossene Welt, die zwar ein Teil des Schiffs darstellte, sich aber dennoch ganz von der restlichen Crew fernhielt. Diese enger gestrickte Umgebung, in der die Abteilungsmitglieder arbeiteten, wurde durch einen lockereren Umgang ausgeglichen.</p><p>Auf einem der Schreibtische stand sogar eine Gr�npflanze, eine kleine, echte Gr�npflanze. Geary warf dem Lieutenant einen fragenden Blick zu, der noch etwas nerv�ser antwortete: �Das ist Audrey, Sir.�</p><p>Nat�rlich. Wenn es auf einem Raumschiff eine Gr�npflanze gab, dann hie� sie �blicherweise Audrey. Der Grund daf�r�� sofern es �berhaupt einen Grund gab�� hatte sich im Nebel der Vergangenheit verloren, dennoch freute sich Geary, dass es etwas gab, das sich seit seiner Zeit bis heute nicht ge�ndert hatte. Geary l�chelte aufmunternd und folgte dem Lieutenant zum Verh�rraum.</p><p>Der Verh�rraum folgte einem Design, das �u�erlich seit Jahrhunderten keine Ver�nderung erfahren hatte. Geary sah durch eine von der anderen Seite verspiegelte Scheibe in den Raum, wo eine offenbar nicht gefesselte Syndik-Unteroffizierin auf einem Stuhl sa�. Sie wirkte benommen und ver�ngstigt, aber sie versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen. �Wenn sie einen Schritt auf Sie zumacht, schicken wir sie mit einer Bet�ubungsladung zu Boden�, versicherte der Lieutenant ihm.</p><p>�Sie scheint mir nicht der Typ zu sein, der in Selbstmordabsicht auf einen anderen losst�rmt�, meinte Geary und sah sich dann die Anzeigen der Instrumente gleich vor ihm an. �Spielen die alle eine Rolle bei Ihren Verh�ren?� Er war schon einmal hier unten gewesen, aber da hatten sich keine Gefangenen im Raum befunden.</p><p>�Ja, Sir.� Der Lieutenant deutete auf die Ger�te. �Wir k�nnen w�hrend der Befragung die Hirnaktivit�t scannen und dadurch feststellen, wann der Befragte uns etwas vormacht.�</p><p>�Und was tun Sie dann?�</p><p>�Manchmal hilft es schon, die Person damit zu konfrontieren. Einige Leute geben auf, wenn sie erkennen, dass wir ihre L�gen durchschauen. Bei den Z�hen ist die beste L�sung die, ihnen enthemmende Medikamente zu verabreichen. Wir fragen, sie reden.�</p><p>�Das h�rt sich menschlicher an, als sie zu schlagen�, kommentierte Geary am�siert.</p><p>�Sie zu schlagen?� Der Lieutenant schien seinen Ohren nicht zu trauen. �Warum sollten wir so etwas machen? Das liefert nur unzuverl�ssige Informationen.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Ja, Sir. Nicht ganz so schlimm wie bei Folter, aber immer noch unzuverl�ssig. Unsere Aufgabe ist es, Ihnen pr�zise Informationen zu liefern. K�rperliche und geistige Misshandlungen bringen einen Menschen zwar zum Reden, aber man erh�lt keine zuverl�ssigen Aussagen.�</p><p>Geary nickte und war innerlich erleichtert, dass schlichter Pragmatismus die Grausamkeiten vermeiden half, die er anderswo miterlebt hatte. H�tten seine Geheimdienstleute sich auf Foltermethoden verlassen, dann w�ren sie genauso gest�rt gewesen wie die Kampftaktiken der Flotte, die er anfangs hatte beobachten m�ssen. �Okay, dann lassen Sie mich mal rein.�</p><p>Die Syndik-Matrosin riss den Kopf hoch, als die schwere T�r ge�ffnet wurde. Geary trat ein, die Matrosin starrte auf sein Uniformabzeichen, w�hrend er n�her kam. �Wer sind Sie?�, fragte er. Die Geheimdienstleute h�tten ihm das auch sagen k�nnen, aber er hielt es f�r eine gute Er�ffnung f�r eine Unterhaltung.</p><p>Mit recht fester Stimme antwortete die Frau: �Gyal Barada, Matrosin siebten Grades des allgemeinen Dienstes, Selbstverteidigungsstreitm�chte der Syndikatwelten, Direktorat der mobilen Weltraum-Streitm�chte.�</p><p>Geary nahm ihr gegen�ber Platz und war dankbar daf�r, dass er bei einer Flotte diente, aber nicht bei einem �Direktorat der mobilen Weltraum-Streitm�chte�. �Ich bin Captain John Geary.� Die Frau blinzelte verdutzt. �Man nannte mich mal Black Jack Geary. Vermutlich ist Ihnen mein Name da schon einmal begegnet. Ich bin der Befehlshaber dieser Flotte.�</p><p>Ihre Verwirrung verwandelte sich in Angst. �Darum also ��, platzte die Matrosin heraus, verkniff sich aber jedes weitere Wort.</p><p>Im ruhigen Plauderton hakte Geary nach: �Darum also was?�</p><p>Sie starrte ihn fast wie in Panik an. �Ich h�rte die Offiziere reden, bevor unser Schiff zerst�rt wurde. Der Feind d�rfte gar nicht hier sein, sagten sie. Er kann eigentlich gar nicht hergekommen sein. Aber er war da.�</p><p>Geary nickte. �Damit hatte ich tats�chlich etwas zu tun.�</p><p>�Man sagte uns, diese Flotte sei zerst�rt worden. Im Heimatsystem. Und man sagte, Sie seien bereits vor hundert Jahren gestorben.� Die Frau war so blass geworden, dass Geary f�rchtete, sie k�nnte jeden Moment ohnm�chtig werden.</p><p>�Wurden Sie w�hrend des Gefechts verletzt?�, fragte er.</p><p>Sie sch�ttelte hastig den Kopf. �Nein, ich glaube nicht.�</p><p>�Hat man Sie dem Kriegsrecht entsprechend behandelt, seit Sie in Gefangenschaft geraten sind?�</p><p>Nun wirkte sie wieder verwirrt. �Ich � ja.�</p><p>�Gut. Wie kommt der Krieg voran?�</p><p>Sie schluckte und begann dann in einem Tonfall zu reden, als leiere sie etwas auswendig Gelerntes herunter. �Die Syndikatwelten eilen von Triumph zu Triumph. Der endg�ltige Sieg ist zum Greifen nah.�</p><p>�Ach ja?� Geary fragte sich, wie lange die Syndik-Propaganda schon den zum Greifen nahen Sieg ank�ndigte. �Haben Sie diese Erkl�rung schon mal infrage gestellt?� Die Frau sch�ttelte stumm den Kopf. �Das dachte ich mir. Wahrscheinlich ist es gef�hrlich, das anzuzweifeln.� Noch immer keine Antwort. �M�chten Sie gern zur�ck nach Hause?� Lange Zeit starrte sie Geary nur an, schlie�lich nickte sie. �Das m�chte ich auch. Aber in meiner Heimat bin ich frei. Sie sind es in Ihrer Heimat nicht. St�rt Sie das nicht?�</p><p>�Ich bin eine B�rgerin der Syndikatwelten, ich lebe in Wohlstand und Sicherheit, und das verdanke ich den Opfern, die meine F�hrer erbringen�, rasselte sie herunter.</p><p><emphasis>Erstaunlich. Seit einem Jahrhundert hat sich nichts an dem Unsinn ge�ndert, den man den Syndiks eintrichtert. Aber was soll man auch verbessern, wenn man eine so einfache und irref�hrende Formel gefunden hat?</emphasis> �Glauben Sie das wirklich?�</p><p>�Ich bin eine B�rgerin ��</p><p>�Ich habe Sie schon beim ersten Mal verstanden. Was ist n�tig, damit Sie auf meine Frage antworten?�</p><p>Sie starrte ihn an und war wieder v�llig ver�ngstigt. �Ich werde auf Ihre Fragen nicht antworten.�</p><p>Geary nickte. �Ich hatte gar keine Antwort erwartet. Ich bin nur neugierig, was passieren muss, damit jemand wie Sie sich gegen die Regierung auflehnt, von der Sie versklavt und benutzt werden.�</p><p>Die Matrosin sah ihn lange an, bis sie erwiderte: �Ich muss meine Heimatwelt verteidigen.� Wieder eine Pause. �Ich habe auf dieser Welt Familie.�</p><p>Er dachte �ber ihre Worte nach und nickte abermals. Alte, aber wirkungsvolle Motive. Verteidige deine Heimatwelt gegen Invasoren. Besch�tze deine Familie vor der eigenen Regierung. In der Menschheitsgeschichte hatten unz�hlige totalit�re Regime erfolgreich darauf gebaut. Jedenfalls f�r eine Weile. �Ich werde Ihnen jetzt etwas erz�hlen. Ich erwarte nicht, dass Sie mir glauben, aber ich erz�hle es trotzdem. Die Allianz will Ihre Heimatwelt nicht angreifen, und sie will auch Ihrer Familie nichts antun. Niemand in der Allianz k�mpft, weil er Angst vor seiner eigenen Regierung hat. Jeder, der zu den Syndikatwelten geh�rt, hat die Wahl, seinen F�hrern in diesen h�sslichen Krieg zu folgen oder darauf zu bestehen, dass er beendet wird und gegenseitige Sicherheit Einzug h�lt.�</p><p>Ihre Miene war so verschlossen wie die eines streng Gl�ubigen, dem man erz�hlte, dass seine Vorfahren in Wahrheit gar nicht �ber ihn wachten. Sie sa� nur da und schwieg. Schweigen im Angesicht der Autorit�t, selbst wenn man anderer Meinung war, musste eine �berlebenstaktik f�r die Bewohner der Syndikatwelten sein.</p><p>Geary stand auf. �Ihre Schiffe haben tapfer gek�mpft. Ich bedauere die Tatsache, dass wir sie zerst�ren mussten. M�gen unsere Kinder eines Tages in Frieden leben.� Diese Worte lie�en die Frau wenigstens aufhorchen, doch sie schwieg weiter, als er den Raum verlie�.</p><p>�Sie k�nnen sie nicht dazu bringen, gegen ihre F�hrer zu arbeiten�, sagte der Lieutenant zu ihm. �Wir haben es versucht. Man sollte meinen, dass ihr Eigennutz sie motivieren k�nnte.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf. �Lieutenant, wenn Eigennutz Menschen motivieren k�nnte, dann s��en Sie, ich und jeder Allianz- und Syndik-Soldat jetzt auf unserer Heimatwelt am Strand und w�rden ein Bier trinken. Ob zum Guten oder zum Schlechten, die Menschen glauben an das, wof�r sie zu k�mpfen bereit sind. F�r uns zum Guten, f�r sie zum Schlechten.�</p><p>�Ja, Sir. Aber Sie haben da drinnen eine interessante Saat ausgestreut, Sir. Uns war nicht klar, was dabei herauskommen w�rde.�</p><p>�Wovon reden Sie?�, fragte Geary.</p><p>�Sie h�lt Sie f�r tot und diese Flotte f�r zerst�rt. Haben Sie gesehen, wie ver�ngstigt sie war? Die Werte f�r ihren Metabolismus sind in die H�he gesprungen. Sie h�lt uns f�r eine Geisterflotte, die von einem Geist befehligt wird.� Der Lieutenant grinste. �Das k�nnte der Moral der Syndiks einen D�mpfer versetzen.�</p><p>�K�nnte sein.� Durch das verspiegelte Fenster sah er die Matrosin an. �Welche Pl�ne haben Sie mit ihr und den �brigen Gefangenen?�</p><p>�Das �berlegen wir derzeit noch. F�r unsere Abteilung sind sie wertlos. Aber wir k�nnen sie benutzen, um Ger�chte zu verbreiten, die f�r uns von Nutzen sein k�nnten�, erkl�rte der Lieutenant bed�chtig. �Vielleicht sollten wir �berlegen, sie � freizulassen.�</p><p>�Befinden sich deren Rettungskapseln noch an Bord?�</p><p>�Ja, Sir.� Der Lieutenant schien �berrascht, dass sich Geary �ber diesen Vorschlag nicht aufgeregt hatte. �Wir haben die Kapseln gr�ndlich durchsucht, ob sich irgendetwas von Wert an Bord befindet, aber das war nicht der Fall.�</p><p>Geary musterte die Syndik-Matrosin und �berlegte, dass er unter leicht ver�nderten Umst�nden jetzt an ihrer Stelle sein k�nnte. Allerdings schon vor hundert Jahren, wenn die Syndiks nach dem Gefecht seine Rettungskapsel an Bord geholt h�tten. Oder vor ein paar Monaten, wenn diese Flotte nicht aus dem Heimatsystem der Syndiks entkommen w�re. �Also gut, meine Befehle lauten wie folgt: Es ergibt keinen Sinn, wenn wir gefangene Syndiks mitnehmen, die f�r uns keinen Wert haben und die wir nur durchf�ttern und bewachen m�ssen. Ich glaube, Sie haben da einen sehr guten Vorschlag gemacht. Wir k�nnen diese Gefangenen tats�chlich f�r unsere Zwecke nutzen. Sorgen Sie daf�r, dass auch die anderen Gefangenen erfahren, wer diese Flotte befehligt. Ich werde jeden pers�nlich aufsuchen, der Ihnen nicht glaubt. Dann verfrachten Sie sie zur�ck in ihre Rettungskapseln, damit sie auf einer der Welten in diesem System landen k�nnen.�</p><p>Der Lieutenant grinste. �Jawohl, Sir. Die werden v�llig erstaunt sein.�</p><p>�Mir gef�llt es, die Syndiks in Erstaunen zu versetzen�, meinte Geary ironisch. �Ihnen nicht auch?� Das Grinsen des Lieutenants wurde noch breiter. �Stellen Sie sicher, dass die Lebenserhaltungssysteme der Kapseln arbeiten und dass sie auch genug Treibstoff haben, um es bis zu einem der Planeten zu schaffen. �berpr�fen Sie auch die anderen Systeme. Nicht, dass die Energie des Portals irgendetwas besch�digt hat.� Das waren Details, auf die man die Leute vom Geheimdienst hinweisen musste, weil sie von sich aus nicht darauf achteten. �Verstanden?�</p><p>�Ja, Sir.� Der Lieutenant z�gerte. �Es k�nnte sein, dass das nicht funktioniert, Sir. Und dass sie nicht dankbar f�r ihre Freilassung sind. M�glicherweise werden wir irgendwann wieder gegen sie k�mpfen.�</p><p>�Mag sein, muss aber nicht. Und ein paar Matrosen mehr oder weniger werden nicht �ber den Erfolg oder Misserfolg in diesem Krieg entscheiden.�</p><p>�Das ist wahr, Sir.�</p><p>�Da w�re noch etwas�, f�gte Geary an. �Ich konnte Ihnen anmerken, dass Sie nicht so recht wussten, ob Sie mir diesen Vorschlag unterbreiten sollten oder nicht. K�nftig m�chte ich informiert werden, wenn die Geheimdienstabteilung irgendwelche Vorschl�ge hat. Wenn ich sie nicht aufgreifen m�chte, kann ich das immer noch entscheiden, nachdem ich sie geh�rt habe.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Und man kann nie wissen, Lieutenant. Es kann sein, dass diese Matrosen das Ger�cht verbreiten, wir seien D�monen. Aber wir haben sie gut behandelt, und wenn genug Syndiks erfahren, dass wir keine D�monen sind, dann hilft das auch schon weiter.� Er verlie� die Abteilung und dachte dar�ber nach, dass sie Sancere in wenigen Tagen verlassen konnten. Gut eine Milliarde Syndik-B�rger w�rden dann zu den Sternen sehen und erleichtert aufatmen. Aber sie w�rden auch besorgt sein, dass die Allianz-Flotte vielleicht eines Tages zur�ckkehren k�nnte. Ihre F�hrer w�rden ihnen nat�rlich versichern, das sei nicht m�glich. Aber dann h�tte es auch nicht m�glich sein k�nnen, dass sie �berhaupt hergekommen war. Auf die eine oder andere Art hatte diese Flotte den Syndiks einiges zu gr�beln mit auf den Weg gegeben.</p><p>Nat�rlich war da drau�en immer noch die Syndik-Streitmacht Alpha unterwegs, und Geary war sich sicher, dass sie fr�her oder sp�ter doch noch irgendetwas unternehmen w�rde. Sie konnte die Allianz-Flotte nicht ohne irgendeine Art von Attacke davonkommen lassen, falls der CEO nicht um einen Kopf k�rzer gemacht werden wollte.</p></section><section><title><p>Neun</p></title><p>�Syndik-Streitmacht Alpha setzt sich in Bewegung.� Die Warnung des Wachhabenden der <emphasis>Dauntless</emphasis> ert�nte fast gleichzeitig mit einer Alarmmeldung der Allianz-Formation Echo, die gegenw�rtig den Befehl hatte, jeden Angriffsversuch vonseiten der Syndiks zu unterbinden.</p><p>Geary rieb sich das Kinn und betrachtete die Bilder, die auf sein Display �bertragen wurden. Die Syndik-Flotte war nunmehr seit Tagen am �u�ersten Rand des Systems umhergezogen, um von dort zu beobachten, wie die Allianz-Flotte systematisch alle Vorr�te pl�nderte und Sch�den an den eigenen Schiffen reparierte. Nun endlich beschleunigten die Syndiks und nahmen Kurs auf das innere System. �Noch l�sst sich nicht sagen, wohin sie wollen.�</p><p>�Stimmt, Sir�, best�tigte Captain Desjani.</p><p>�Aber auch nach den Verlusten, die die Eingreiftruppe Furious ihnen zugef�gt hat, verf�gen sie immer noch �ber acht Schlachtschiffe und vier Schlachtkreuzer.� Geary �berpr�fte die Angaben auf seinem Display. Die beiden von der Eingreiftruppe beschossenen Schlachtkreuzer hatten an den letzten zwei Tagen das System durch verschiedene Sprungpunkte verlassen. Zweifellos wollten sie die Syndik-F�hrung �ber das Auftauchen der Allianz-Flotte informieren und Verst�rkung anfordern. Auch einer der J�ger hatte sich aus dem Pulk gel�st und steuerte ein drittes Ziel an. Gut eine Woche im Transit war erforderlich, ehe diese Schiffe ihre Ziele erreichten. Dazu kam die Zeit, um weitere Kriegsschiffe zu versammeln, und dann noch einmal eine Woche f�r den R�ckflug. Es gab keinen Zweifel daran, dass weitere Syndiks herkommen w�rden, aber bis dahin wollte Geary mit seiner Flotte l�ngst weitergeflogen sein. �Dazu acht Schwere Kreuzer und f�nf J�ger. Damit sind sie jeder unserer Unterformationen �berlegen, auch wenn sie nicht �ber gen�gend Eskortschiffe verf�gen.�</p><p>Er lie� sich die Situation durch den Kopf gehen. Die Syndiks waren gut dreieinhalb Lichtstunden vom Stern Sancere selbst entfernt, als sie sich auf den Weg ins System machten. Die Allianz-Formation Echo befand sich hinter dem Orbit der f�nften Welt und damit nur drei�ig Lichtminuten von der Sonne. Die Syndiks hatten bereits drei Stunden lang beschleunigen und ins System fliegen k�nnen, bevor sie einem der Allianz-Schiffe aufgefallen waren. Drei Stunden Zeitverz�gerung lie�en sehr viel Spielraum f�r Ver�nderungen, von denen man jetzt noch nichts sehen konnte.</p><p>Aber selbst wenn die Syndiks bis auf 0,2 Licht beschleunigten, w�rden sie immer noch mindestens f�nfzehn Stunden ben�tigen, allein um die Region zu erreichen, in der sich Formation Echo derzeit aufhielt. Sollte eine der anderen Formationen ihr Ziel sein, dann betrug diese Zeitspanne zwischen zwanzig Stunden und einem vollen Tag. So schnell w�rde also nichts passieren; aber wenn es passierte, dann w�rde es schnell gehen.</p><p><emphasis>Nichts �berst�rzen, aber auch nichts auf die lange Bank schieben. Soll ich das Einsammeln von Vorr�ten und Rohstoffen unterbrechen, um mich der Streitmacht Alpha zu stellen? Aber selbst wenn, was wird die Syndiks dann davon abhalten, mit 0,2 Licht oder noch schneller durch das System zu rasen? Wie lange k�nnen sie das durchhalten und mir die Gelegenheit nehmen, den Kampf mit ihnen aufzunehmen, weil sie meine Leute sonst nur weiter daran hindern, alles Brauchbare an Bord unserer Schiffe zu bringen? Es w�re nat�rlich die intelligenteste L�sung, weil sie uns so unabl�ssig besch�ftigen w�rden! Ein Gl�ck, dass ihnen so etwas nicht schon fr�her eingefallen ist.</emphasis> �Captain Desjani. Angenommen, die Syndiks planen einen Angriff auf eine kleinere Formation, werden uns aber unentwegt aus dem Weg gehen, sobald sie mit einer �berlegenen Streitmacht konfrontiert werden. Was w�rden Sie empfehlen?�</p><p>Sie dachte �ber die Frage nach und studierte dabei ihr Display. �Wir k�nnten versuchen, ihnen Minen in den Weg zu legen. Aber angesichts der Geschwindigkeit, die n�tig w�re, um auf Abfangkurs zu gehen, sind die Chancen sehr gering, dass wir dort ein brauchbares Minenfeld ausgelegt bekommen.�</p><p>�Was w�re mit einem Gefecht bei hoher Geschwindigkeit? K�nnten wir ihnen auf diese Weise schwere Sch�den zuf�gen?�</p><p>Desjani verzog den Mund. �Wenn die mit 0,2 Licht fliegen und wir uns ihnen schnell n�hern? Die kombinierte Geschwindigkeit w�rde dann bei 0,25 oder sogar 0,3 Licht liegen. Die relativistische St�rung w�re dann ganz erheblich, und selbst der winzigste Fehler beim Kompensieren h�tte einen glatten Fehlschuss zur Folge.�</p><p>�Dann m�ssen wir sie also zwingen, auf Gefechtsgeschwindigkeit zu gehen, und uns ihnen mit einer gr��eren Streitmacht in den Weg stellen�, folgerte Geary.</p><p>�Ich glaube nicht, dass uns das gelingen wird�, meinte Desjani missmutig.</p><p>Co-Pr�sidentin Rione kam um sie herum. �Warum konzentrieren sich Milit�rs eigentlich immer nur auf eine Alternative?�, fragte sie. Geary sah sie verwundert an. �Wenn Sie wollen, dass die langsamer fliegen, dann m�ssen Sie ihnen nur ein interessantes Ziel bieten.�</p><p>�Ich m�chte nicht auf diese Weise irgendwelche Einheiten opfern�, erkl�rte er, und Desjani nickte bekr�ftigend.</p><p>Rione beugte sich vor. �Sie denken einfach zu ehrlich, Captain Geary. Und Sie ebenfalls, Captain Desjani. Stellen Sie ihnen eine Falle.�</p><p>Geary wechselte einen Blick mit Desjani, w�hrend er entgegnete: �Was f�r eine Falle?�</p><p>�Ich bin kein Milit�rexperte, Captain Geary�, sagte Rione. �Aber Ihnen wird doch sicher etwas einfallen.�</p><p>Desjani betrachtete mit zusammengekniffenen Augen das Display. �Das k�nnte funktionieren.�</p><p>�Obwohl die Syndiks jede unserer Bewegungen beobachten k�nnen?�, fragte er.</p><p>�Ja, Sir. Der Trick besteht darin, es nach einer bestimmten Absicht aussehen zu lassen, obwohl wir tats�chlich eine ganz andere Absicht verfolgen.�</p><p>�Ja, hervorragend�, stimmte Rione ihr zu. �Spielen Sie dem Feind etwas vor und t�uschen Sie ihn �ber Ihre wahren Absichten hinweg.�</p><p>W�hrend er zustimmend nickte, zwang sich Geary zu einer neutralen Miene. Einen solchen Vorschlag aus Riones Mund zu h�ren hatte etwas Unbehagliches, wenn er gleichzeitig an die Zweifel dachte, die er bez�glich ihrer wahren Motive hegte. �Die Streitmacht, mit der wir sie k�dern wollen, kann aber nicht zu schlagkr�ftig sein, sonst merken die Syndiks das.�</p><p>�Ich denke an einen Stern namens Sutrah�, erkl�rte Desjani bed�chtig.</p><p>Er schaute sie r�tselnd an, doch dann hellte sich seine Miene auf. �Das w�re ausgleichende Gerechtigkeit, nicht wahr?�</p><p>Letztlich erforderte es einen immensen Analyseaufwand f�r die Steuersysteme, eine Flugbahn zu entwickeln, mit der sich Desjanis Plan in die Tat umsetzen lie�. Alle sechs Unterformationen mussten in einem weiten Bogen durch das System fliegen und in einigen F�llen Schiffe austauschen, die eine Zeit lang einem eigenen Kurs folgen w�rden. Einige Schiffe und Formationen durchquerten dabei bestimmte eingegrenzte Regionen, die von den Syndik-Schiffen am wahrscheinlichsten passiert wurden, wenn man die Flugbewegungen der Allianz-Schiffe ber�cksichtigte, allen voran die der Formation Gamma. Das alles musste so ablaufen, dass die Syndiks nicht durchschauten, warum die Formationen ausgerechnet diesen Flugbahnen folgten. Gleichzeitig musste ein glaubw�rdiges Bild vermittelt werden, dass ein Teil der Flotte den Syndiks in Gefechtsabsicht entgegenflog, w�hrend der andere Teil scheinbar weiter die Vorr�te im System pl�nderte. Dabei war es wichtig, die Formation Gamma als ein verlockendes Angriffsziel zu pr�sentieren und es so aussehen zu lassen, als sei die sich ihrer bedenklichen Position gar nicht bewusst. Die Hoffnung beruhte darauf, dass die Syndiks Kurs auf diese Formation nahmen, um der gr��eren Streitmacht aus dem Weg zu gehen, die sich weiter vor ihnen versammelte.</p><p>Zu Captain Tulevs Schlachtkreuzern hatte sich das Schnelle Hilfsschiff <emphasis>Goblin</emphasis> gesellt, und gemeinsam bildeten sie den K�der, auch wenn es Geary gar nicht gefiel, eines der Hilfsschiffe aufs Spiel zu setzen. �Ohne ein Hilfsschiff in der Formation werden sie den K�der nicht schlucken�, beharrte Desjani, und Geary hatte ihr z�hneknirschend zugestimmt.</p><p>Jetzt sa� er da und betrachtete ausgiebig das komplexe Geflecht aus Flugbahnen, denen seine Schiffe folgen sollten. Dann erteilte er die Freigabe, mit der die Befehle an die Flotte gesendet wurden. �An alle Einheiten: Sie erhalten gleich Ihre Einsatzbefehle. Es ist unabdingbar, dass jede Einheit exakt die erteilten Befehle befolgt.�</p><p>Das Ganze war viel zu kompliziert, um jedem Schiffskommandanten zu erkl�ren, was er zu tun hatte. Die detaillierten Anweisungen wurden rausgeschickt, und zu den angegebenen Zeitpunkten setzte sich die Flotte in Bewegung. W�hrend Geary zusah, wie der Plan von den einzelnen Schiffen seiner breit gestreuten Formation mit den jeweiligen Zeitverz�gerungen umgesetzt wurde, hatte er Zeit genug, um sich dar�ber Gedanken zu machen, ob sich auch wirklich jeder an seine Befehle hielt. Einen solchen Plan h�tte kein Individuum und nicht mal ein ganzer Kommandostab auf die Beine stellen oder gar ausf�hren k�nnen. Und ohne die immense zahlenm��ige �berlegenheit seiner Flotte w�re dieser Plan �berhaupt nicht umsetzbar gewesen.</p><p>Nun sa� er da und beobachtete, wie seine Schiffe auf Kurs gingen, w�hrend die Syndiks weiter in das innere System gerast kamen.</p><p>�Du wirst todm�de sein, wenn du bis zum Beginn des Gefechts hierbleibst�, murmelte eine Stimme neben ihm.</p><p>Geary drehte sich zu Rione um. �Ich wei�. Aber das Ganze funktioniert nur, wenn jeder genau das macht, was er machen soll.�</p><p>�Und wenn das nicht passiert�, gab sie zur�ck, �wirst du es sowieso erst bemerken, wenn es bereits zu sp�t ist. Ob du nun zusiehst oder nicht, es wird am Ergebnis nichts �ndern.�</p><p>Er sah zu Desjani, die in ihrem Kommandosessel ein Nickerchen machte. Geary beneidete sie um diese F�higkeit. Wieder betrachtete er sein Display. Wenn die Syndiks auf ihrem gegenw�rtigen Kurs blieben, w�rden sie in acht Stunden in Gefechtsreichweite kommen. Wenn sie die Geschwindigkeit reduzierten oder Kurs auf eine andere Formation nahmen, dann sollte es noch mindestens zehn Stunden dauern. Falls sie bereits auf die Formation Gamma zusteuerten, konnte er sogar von zehneinhalb Stunden ausgehen. <emphasis>Rione hat recht. Es w�re dumm von mir, auf der Br�cke zu bleiben.</emphasis> �Ich begebe mich f�r eine Weile nach unten�, lie� er die Wachhabenden wissen. �Informieren Sie mich bitte unverz�glich, wenn ein Schiff von seinem vorgegebenen Kurs abweicht oder wenn sich Ver�nderungen bei den Syndiks ergeben.�</p><p>Er stand auf und schaute Rione an. �Und du?�, fragte er leise.</p><p>W�hrend sie �ber seine Schulter blickte, sch�ttelte sie den Kopf. �Ich will keinen Ger�chten Vorschub leisten, wie du deine Zeit verbringst, wenn du dich auf ein Gefecht vorbereitest�, erkl�rte sie sehr leise und sanft. �Du gehst jetzt in deine Kabine und legst dich schlafen. Mach schon.�</p><p>�Ja, Madam Co-Pr�sidentin�, erwiderte er. �Du wirst aber nicht die ganze Zeit hier oben bleiben, oder?�</p><p>�Nein. Ich warte noch eine Weile, dann ziehe ich mich in meine Kabine zur�ck.�</p><p>Das w�rde mit Sicherheit von den zahllosen Augen bemerkt werden, die solche Dinge immer mitbekamen. Er wusste auch, dass sie recht damit hatte und es schlecht aussehen w�rde, wenn die Flotte den Eindruck bekam, Geary w�rde sich vor einem Gefecht noch ausgiebig vergn�gen. �Okay, dann sehen wir uns sp�ter hier wieder.�</p><p>Diesmal nickte Rione. �Ich muss gestehen, ich f�hle mich zum Teil mitverantwortlich, wenn dieser Plan nicht funktioniert. Immerhin habe ich ihn ja gewisserma�en vorgeschlagen.�</p><p>�Richtig, aber ich habe ihm zugestimmt. Die Verantwortung trage nur ich, sonst niemand.�</p><p>Sie sah ihm tief in die Augen. �John, es gab Momente, da habe ich mich gefragt, ob ich meinen Gef�hlen zu dir h�tte nachgeben d�rfen oder ob ich auf Distanz h�tte bleiben sollen, weil es f�r die Allianz und mein eigenes langfristiges Gl�ck besser w�re. Aber Aussagen wie diese wischen alle Bedenken weg.�</p><p>Es schien keine passende, schlichte Antwort auf diese Bemerkung zu geben, daher nickte Geary nur und l�chelte sie an. Dann verlie� er die Br�cke und begab sich auf einem ausgedehnten Umweg zu seinem Quartier, damit er von der Crew der <emphasis>Dauntless</emphasis> auch gesehen wurde, wie er allein unterwegs war. Hier und da legte er einen Zwischenstopp ein, unterhielt sich mit einigen Besatzungsmitgliedern und wiederholte diese l�ngst vertrauten Spr�che, dass sie ganz bestimmt die Syndiks besiegen und sicher nach Hause zur�ckkehren w�rden und wie stolz er war, diese Flotte zu befehligen. Auch wenn es ihm missfiel, die beiden ersten Dinge zu versprechen, die er eigentlich gar nicht versprechen konnte, traf es aber ohne jegliche Vorbehalte zu, dass er wirklich Stolz versp�rte. Das Wissen darum w�rde ihm helfen, ruhig zu schlafen. Als er seine Kabine betrat, stellte er zu seiner Verwunderung fest, wie sehr ihm bereits bewusst war, dass Victoria Rione nicht da war.</p><p>Er wachte auf, als sich der Komm-Alarm meldete, und sah, dass sechs Stunden verstrichen waren. �Geary hier.�</p><p>�Wir haben festgestellt, dass die Syndik-Streitmacht Alpha den Kurs ge�ndert hat, Sir. Sie fliegt jetzt auf die Formation Gamma zu.�</p><p>Sie hatten den K�der also geschluckt. �Ich bin in ein paar Minuten bei Ihnen.�</p><p>Auf dem Weg ins innere System hatte es f�r die Syndiks eine gro�e Bandbreite an m�glichen Kursen gegeben, sodass es nicht m�glich gewesen war, auch nur einigerma�en verl�sslich einzusch�tzen, welche Punkte sie am ehesten passieren w�rden. Der Plan der Allianz hatte daher auch ganz darauf abgezielt, die Syndiks zu einer bestimmten Vorgehensweise zu verleiten und sie zu einem Angriff auf eine kleinere Formation zu veranlassen, die sich allem Anschein nach versehentlich vom Rest der Flotte getrennt hatte und nun schutzlos unterwegs war.</p><p>Als sich Geary auf seinem Platz auf der Br�cke niederlie� und sein Display aktivierte, bekam er einen Kegel angezeigt, der die m�glichen Flugrichtungen der Syndiks abdeckte. An der Basis wies dieser Kegel einen immer noch gro�en Durchmesser auf, doch nach dem Kurswechsel des Feindes verengte der sich zu einem schmalen Kanal, der sich der Flugbahn der Formation Gamma n�herte und dem sie folgen mussten, wenn sie diese Schiffe attackieren wollten. <emphasis>Wunderbar. Wenn sie angreifen, erwischen wir sie. Und wenn sie sich gegen Gamma entscheiden sollten, sind unsere Schiffe sicher. In jedem Fall gewinnen wir, abgesehen von einigem vergeudeten Material.</emphasis></p><p>Der Rest der Allianz-Flotte formierte sich immer noch neu: eine weitere kleine Formation, die von der <emphasis>Witch</emphasis> begleitet wurde�� die aber zu weit von der Position der Syndiks entfernt war, wenn die nicht einen Schwenk quer durch das System unternehmen wollten��, au�erdem zwei gr��ere Formationen, angeordnet um die <emphasis>Dauntless</emphasis> beziehungsweise um die <emphasis>Courageous.</emphasis> Die Eingreiftruppe Furious war fast zwei Lichtstunden entfernt und befand sich auf der anderen Seite der Syndiks, wo sie damit besch�ftigt gewesen war, Syndik-Einrichtungen auf den beiden innersten Welten zu bombardieren. Geary war dankbar daf�r, dass ein gro�er Teil der Schiffe, die die beiden Formationen ausmachten, noch immer unterwegs war. Zu ihrem Plan geh�rte auch, die Syndiks glauben zu lassen, dass die Allianz sich Zeit damit lie�, die Vorbereitungen f�r den Syndik-Angriff zu treffen. Als Folge davon w�rden die Allianz-Schiffe auch nur mit Verz�gerung auf den Kurswechsel des Gegners reagieren k�nnen.</p><p>All das war nur Theater, das die Syndiks dazu bringen sollte, genau dort hinzufliegen, wo die Allianz sie haben wollte.</p><p>Dennoch war es in zunehmendem Ma� nervenaufreibend mitanzusehen, wie die Syndiks auf die Formation Gamma zusteuerten, die nach wie vor ihrem Kurs folgte, aber von 0,05 auf 0,075 Licht beschleunigt hatte. F�r die Syndiks w�rde das nach einem Fluchtversuch aussehen, aber in Wahrheit diente es nur dem Zweck, den Punkt zu verschieben, an dem die Syndiks die Formation Gamma abfangen w�rden. Jetzt war alles nur noch eine Frage der Physik. Um in Feuerreichweite der Formation Gamma zu gelangen, mussten die Syndiks sich an einen bestimmten Punkt begeben, wo die Allianz sie auch haben wollte. Der Trick bestand nun darin, die Syndiks davon abzuhalten, es sich doch noch anders zu �berlegen und einen neuen Kurs einzuschlagen. Deshalb gab sich die Formation Gamma auch solch �bertriebene M�he auf 0,075 Licht zu beschleunigen, wobei sich aber die <emphasis>Goblin</emphasis> zur�ckfallen lie�, als k�nne sie dieses Tempo nicht mithalten. Die anderen Schiffe wurden prompt wieder langsamer, damit das Hilfsschiff aufschlie�en konnte. Es war nur zu hoffen, dass die Syndiks sich von diesem Schauspiel t�uschen lie�en.</p><p>Gearys eigene Formation war mittlerweile vollz�hlig und schwenkte herum, damit sie auf einen Abfangkurs zu den Syndiks gehen konnte. Er hatte die Bezeichnung Formation Delta vom vorangegangenen Man�ver beibehalten, obwohl die Gruppe jetzt aus mehr als doppelt so vielen Schiffen bestand. Auf der anderen Seite der Formation befand sich die neue Formation Beta, die ebenfalls auf den doppelten Umfang angewachsen war. Sie war noch drei�ig Lichtminuten entfernt, setzte sich in diesen Minuten aber hoffentlich auch in Bewegung. Die deutlich kleinere Streitmacht Formation Echo mit der <emphasis>Witch</emphasis> in ihrer Mitte gab vor, noch einmal zum dritten Planeten zu fliegen, um zus�tzliche Vorr�te zu pl�ndern oder weitere Anlagen auf der Oberfl�che zu zerst�ren. Die Eingreiftruppe Furious schlie�lich hatte den Befehl erhalten, auf der anderen Seite des Systems zu warten, um eine letzte R�ckversicherung f�r den Fall zu bilden, dass die Syndiks unbehelligt entwischen konnten. Wenn alle Stricke rissen, w�rde diese Eingreiftruppe hoffentlich einige gute Treffer landen, falls die Syndiks versuchten, sich abermals davonzustehlen.</p><p>�Bestimmt werden die doch dahinterkommen, was Sie vorhaben, oder nicht?�, fragte Rione.</p><p>�Das will ich aber nicht hoffen�, wandte Geary ein. �Es sollte f�r die Syndiks nicht so offensichtlich sein. F�r sie wird es so aussehen, als w�rden wir versuchen zu beschleunigen, aber als k�nnten wir sie nicht mit Gefechtsgeschwindigkeit erreichen, bevor sie auf die Formation Gamma treffen. Das Gleiche gilt f�r die Formation Beta, die sogar noch ein St�ck weiter entfernt ist als wir. Sie werden glauben, sie haben eine schw�chere Formation erwischt, die sich zu weit von uns entfernt hat. Sie haben vor, mit hoher Geschwindigkeit hinzufliegen, dann abzubremsen, Gamma mit allem zu bewerfen, was sie an Waffen zur Hand haben, und dann sofort wieder zu beschleunigen, sodass unsere geplanten Abfangkurse f�r die Formationen Delta und Beta vergebens waren.�</p><p>�Sie sind verschlagener, als ich es Ihnen zugetraut h�tte, Captain Geary�, stellte Rione fest.</p><p>�Captain Desjani hat mir geholfen, diesen Plan zu entwickeln.�</p><p>Desjani grinste sie fl�chtig an.</p><p>�Wenn alles wie erhofft verl�uft, wird das Vorhaben der Syndiks scheitern, noch bevor sie �berhaupt Gamma erreicht haben. Deren Plan wird sich schon lange davor in Wohlgefallen aufl�sen. Die wirkliche Schwierigkeit f�r unser Vorhaben bestand darin, genug Schiffe durch das Gebiet zu schicken, das die Syndiks durchfliegen m�ssen, um zur Formation Gamma zu gelangen, ohne dass sie bemerken, dass wir einen relativ schmalen Streifen vermint haben.�</p><p>�Und�, erg�nzte Desjani, �da der Plan der Syndiks erkennbar vorsieht, sich mit hoher Geschwindigkeit zu n�hern und m�glichst lange mit 0,2 Licht zu fliegen, werden die relativistischen St�rungen ihnen gro�e Schwierigkeiten bereiten, die Sprengladungen rechtzeitig zu entdecken, zumal es sich nicht um ein kompaktes Minenfeld handelt, sondern um verteilt angeordnete Linien.�</p><p>Jetzt blieb ein weiteres Mal nichts anderes zu tun, als das Geschehen zu verfolgen. Alle Beteiligten waren noch mehrere Stunden von einem Kontakt entfernt, und die Darstellungen der verschiedenen Formationen krochen im Schneckentempo �ber das Display. Geary nutzte die Zeit, um seine Formation so umzustellen, wie sie seiner Meinung nach am effektivsten einsetzbar war. Da er davon ausging, dass die Syndiks einen Schlagabtausch mit ihm vermeiden wollten, ordnete er seine Schiffe zu einem rechteckigen Block an�� Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer in der Mitte, umgeben von den leichteren Einheiten, w�hrend die Eskortschiffe den �u�eren Rand bildeten. Wenn er nur eine Gelegenheit bekam, auf die vorbeifliegenden Syndiks zu feuern, dann sollten seine schwersten Einheiten auch so viel treffen, wie es nur m�glich war.</p><p>Von wachsender Unruhe erfasst, stand Geary schlie�lich auf. �Ich werde eine Weile durch das Schiff spazieren.� Die Besatzung hielt seine Spazierg�nge zweifellos f�r ein Zeichen, dass er an den Menschen interessiert war, und das traf ja auch grunds�tzlich zu. Aber in Augenblicken wie diesen half eine Runde auch, die Nervosit�t abzubauen und die Zeit bis zum Gefecht totzuschlagen, das nur langsam n�her r�ckte.</p><p>Die Crewmitglieder, denen er begegnete, wirkten alle erm�det von den vielen Tagen Alarmbereitschaft, die Geary im Sancere-System aufrechterhielt, aber sie waren alle gut gelaunt und zuversichtlich. Die hoffnungsvollen und siegessicheren Mienen, die ihm dabei begegneten, stimmten ihn unver�ndert besorgt, da er wusste, wie fehlbar er war. Wenigstens konnte er sich aber sagen, dass er sie bislang auch nicht nur einmal entt�uscht hatte. Bei seinem Rundgang fielen ihm aber auch einige Crewmitglieder auf, die einen Blick hinter ihn warfen, als ob sie jemanden suchten�� bis ihm klar wurde, dass sie nach Co-Pr�sidentin Rione Ausschau hielten, auch wenn keiner ihn darauf ansprach. Das hatte etwas Beunruhigendes.</p><p>Auf seinem Weg kam er auch an der Gedenkst�tte f�r die Vorfahren vorbei und betrat einen der kleinen R�ume, wo er zun�chst eine Kerze anz�ndete und ein kurzes Gebet sprach. Die lebenden Sterne wussten, dass er jede Hilfe gebrauchen konnte, die er bekam. Aber so verlockend es auch war, noch zu bleiben und eine Weile zu einem Publikum zu sprechen, dessen er gewiss sein konnte�� seinen Vorfahren��, Geary wusste auch, dass er sich nicht hier verstecken konnte, w�hrend die Flotte in den Kampf zog.</p><p>Mit all diesen Dingen konnte er nicht ann�hernd genug Zeit totschlagen. Er lie� sich best�tigen, dass sich an der Situation nichts ge�ndert hatte und alle Beteiligten unver�ndert ihrem Kurs folgten, der die Syndiks in die Minen f�hren w�rde. Dann zwang er sich, die Messe aufzusuchen und so zu tun, als w�rde er etwas essen. Die Mahlzeiten bestanden jetzt gr��tenteils aus Syndik-Rationen, die sie bei Kaliban und nun auch hier bei Sancere aus den Lagern geholt hatten. Die Matrosen, mit denen er sich unterhielt, waren wie er der Meinung, dass man dem Syndik-Essen zumindest eine gute Eigenschaft zuschreiben konnte: Sie lie�en die �blichen Flottenrationen wie Delikatessen erscheinen.</p><p>�Wahrscheinlich w�rden die Syndiks in Scharen zu uns �berlaufen, wenn sie von uns etwas Anst�ndiges zu essen bek�men�, meinte eine Matrosin, w�hrend sie auf etwas herumkaute, das der Beschriftung nach Haschee sein sollte, das aber aus undefinierbarem Fleisch bestand sowie sehr merkw�rdig aussehenden Kartoffeln, die ihrer Struktur und dem Geschmack nach auch Pappklumpen h�tten sein k�nnen.</p><p>Geary kehrte auf die Br�cke zur�ck. Rione war nicht dort, und Desjani schlief wieder in ihrem Sessel. Ein Captain, der so viel Zeit auf der Br�cke verbrachte, konnte seine Crew in den Wahnsinn treiben, aber Desjani br�llte ihre Untergebenen nicht an und versuchte auch nicht jeden Handgriff der Wachhabenden zu kontrollieren. Also war ihre Br�ckenbesatzung von ihrer Anwesenheit auch l�ngst nicht so genervt, wie man h�tte annehmen k�nnen.</p><p>Sie wachte auf, als Geary sich hinsetzte, und nickte ihm zu. �Noch eine Stunde, bis die Syndiks die ersten Minen erreichen. Sie fliegen weiterhin geradewegs darauf zu.�</p><p>�Was glauben Sie, wann die anfangen werden zu bremsen?�, fragte Geary.</p><p>�In etwa einer halben Stunde. Damit bleibt ihnen nur eine minimale Fehlermarge.� Desjani zeigte auf die voraussichtliche Flugbahn, die auf ihrem Display dargestellt wurde. �Wenn sie zu fr�h bremsen, verlassen sie den Kurs, der sie zu den Minen f�hrt, aber dann stehen die Chancen viel besser, dass wir sie mit unserer Formation zu packen kriegen. Falls sie aber die Formation Gamma attackieren wollen, dann m�ssen sie an diesem Punkt ihr Bremsman�ver einleiten.�</p><p>Geary lehnte sich zur�ck und versuchte, sich so gut wie m�glich zu entspannen. Um die Zeit zu �berbr�cken, ging er nochmals die Liste der Vorr�te durch, die die Flotte in diesem System an Bord genommen hatte, und �berpr�fte, wie die Hilfsschiffe mit der Produktion von Ersatzteilen vorankamen. Da die Schiffe bei Sancere zahlreiche Man�ver geflogen waren und damit ein entsprechend hoher Verbrauch an Brennstoffzellen festzustellen war, lie� er Captain Tyrosian von der <emphasis>Witch</emphasis> eine kurze Nachricht zukommen, vor allem neue Brennstoffzellen zu produzieren. Sie konnten noch so viele Kart�tschen, Minen und Raketen im Waffenarsenal haben, aber sie w�rden einem nicht helfen, ein Schiff von der Stelle zu bewegen.</p><p>Co-Pr�sidentin Rione kehrte auf die Br�cke zur�ck und betrachtete die Crew, Captain Geary und Captain Desjani auf ihre �bliche unbeeindruckte und herausfordernde Weise. Als er ihr gr��end zunickte, wurde Geary bewusst, dass er sie angesichts dieser distanzierten Ausstrahlung wohl niemals versehentlich mit Victoria ansprechen w�rde, wenn sie auf der Br�cke war. Die Co-Pr�sidentin, die auf dem Beobachterplatz sa�, mochte zwar wie die Victoria aussehen, die Gearys Bett teilte, aber ihr Auftreten war so ganz anders, dass sie tats�chlich diese andere Person zu sein schien, die seinen Entscheidungen grunds�tzlich mit Misstrauen begegnete. <emphasis>Ich habe sie zwar gebeten, ihre herausfordernde Art beizubehalten, aber mein Gef�hl sagt mir, dass sie sich auch so verhalten w�rde, wenn ich nichts gesagt h�tte.</emphasis></p><p>Desjani nickte ihr ebenfalls mit einem Anflug von Freundlichkeit zu. Dass Rione jetzt privat mit Geary verbandelt war, schien sie in Desjanis Augen vertrauensw�rdiger zu machen als zuvor. Er vermutete allerdings, dass Rione einer solchen Denkweise nichts abgewinnen konnte, weshalb er es ihr gegen�ber auch gar nicht erst zur Sprache bringen w�rde. Es h�tte ihn aber nicht gewundert, wenn sie selbst bereits darauf aufmerksam geworden war, was m�glicherweise auch erkl�rte, warum sie ihm gegen�ber offiziell einen so frostigen Ton anschlug. Vielleicht sollte er sie vorl�ufig noch nicht darauf ansprechen, dass die Crew zu erwarten schien, sie beide zusammen zu sehen. Oder aber sie wollte mit ihm gesehen werden, um aus ihrem Verh�ltnis ein m�glichst �ffentliches Spektakel zu machen.</p><p>Geary widmete sich f�r den Augenblick lieber der viel einfacheren Situation, die die Syndik-Flotte und seine f�nf Formationen betraf. Sein Display zeigte an, dass alle Schiffe sich inzwischen in voller Gefechtsbereitschaft befanden. Er und Tausende von Offizieren und Matrosen hatten vorl�ufig nichts weiter zu tun als zuzusehen, wie die Zeit verging, bis der Moment kam, an dem die Syndiks auf die ersten Minen trafen.</p><p>Die Syndiks drehten fast genau am vorausgesagten Punkt ihre Schiffe um, sodass die Antriebseinheiten nach vorn zeigten und das Bremsman�ver eingeleitet werden konnte. Ein paar Minuten darauf sah Geary, wie die Formation Gamma geringf�gig beschleunigte, damit die Syndiks wieder genau auf den Kurs zur�ckkehrten, der sie in die Minen f�hren sollte. Es war denkbar, dass die Syndiks dieses Man�ver mit Argwohn beobachteten. Offenbar waren sie aber viel zu sehr darauf fixiert, ihre ins Auge gefassten Ziele zu attackieren, denn im n�chsten Moment passten sie ihren Kurs tats�chlich exakt so an, wie die Allianz es gebrauchen konnte.</p><p>F�nfzehn weitere Minuten verstrichen. �Da sind sie�, murmelte Desjani.</p><p>Die komplexen Man�ver der Allianz-Schiffe hatten alle dazu beigetragen, die Falle zu stellen, in die die Syndiks noch w�hrend des Bremsman�vers hineinrasen w�rden. Die Falle bestand jedoch nicht aus einem dicht gestreuten Minenfeld, sondern aus einem Gitternetz aus mehreren Reihen und Linien aus Minen, die im Abstand von mehreren Lichtsekunden entlang der erwarteten Flugbahn verteilt waren. Die Syndik-Schiffe bewegten sich mit dem Heck voran auf diese Minen zu, sodass jeder Treffer die Antriebseinheiten erwischen w�rde, was genau dem Plan der Allianz entsprach.</p><p>Die Syndik-Formation durchflog die ersten beiden Linien, ohne mit einer Mine in Ber�hrung zu kommen. Es war frustrierend, aber die Chancen sprachen eher gegen eine Vielzahl von Treffern. Die dritte Linie war dann jedoch genau richtig platziert.</p><p>Ein Syndik-J�ger bekam einen direkten Treffer am Heck ab, die Mine lie� die hinteren Schilde zusammenbrechen und die Antriebseinheit explodieren, sodass er man�vrierunf�hig weitertrudelte. Ein Schlachtkreuzer steckte zwei Treffer ein, die eine einzelne Antriebseinheit au�er Gefecht setzte. Es folgte eine kurze Pause, w�hrend der die Schiffe weiterflogen, dann erreichten sie die vierte und f�nfte Linie. Diesmal mussten die Syndiks mehr Treffer hinnehmen, und ein Schwerer Kreuzer wurde gar aus seiner Flugbahn geschleudert, wobei er noch mehrere Antriebseinheiten eines Schlachtkreuzers gleich daneben zerst�rte.</p><p>Inzwischen war den Syndiks klar geworden, dass sie in ein Hindernis geraten waren. Die beste Gegenma�nahme w�re es, die Schiffe erneut zu drehen, damit die Bugschilde alle weiteren Treffer einstecken konnten. Dieses Man�ver h�tte aber bedeutet, dass sie ihre Antriebseinheiten nicht l�nger f�r das Bremsman�ver einsetzen konnten, und damit w�ren sie zu schnell, um die Formation Gamma abzufangen. Geary war davon ausgegangen, dass die Syndik-F�hrer lieber ein paar Treffer einstecken w�rden, anstatt sich die Gelegenheit entgehen zu lassen, das Feuer auf die Allianz-Schiffe zu er�ffnen. W�ren die Syndiks mit allen Minen gleichzeitig kollidiert und h�tten dementsprechende Verluste erlitten, w�re der Angriff vermutlich abgeblasen worden. Da aber mal ein, mal zwei Treffer zu verzeichnen waren und das Hauptaugenmerk auf der scheinbar schutzlosen Formation Gamma lag, wurde das Ganze von deren Befehlshaber offensichtlich als nicht so ernst gesehen, bis es zu sp�t war.</p><p>Weitere Treffer waren zu verzeichnen, da die Syndiks immer neue Linien durchflogen. Jede Mine schw�chte die Schilde ein wenig mehr und lie� die Sch�den Schritt f�r Schritt gr��er werden. Inzwischen musste der Syndik-Commander sich Sorgen machen, denn die getroffenen Schiffe fielen bereits zur�ck und w�rden wom�glich nicht mehr folgen k�nnen, wenn die Flotte nach dem Beschuss von Gamma beschleunigte.</p><p>�Captain Tulev hat Geister abgefeuert�, meldete Desjani. �Sieht so aus, als w�ren das alle Geister, die er zur Verf�gung hat. Sie werden genau in dem Moment auf die Syndiks treffen, wenn die die letzte Linie aus Minen hinter sich lassen.�</p><p>�Guter Zug�, sagte Geary.</p><p>Drei Minen in der letzten Linie flammten auf, als sie mit den Schiffen in Kontakt kamen, dann nahmen die Syndik-Schiffe Kurs auf die Formation Gamma. Augenblicke sp�ter kamen ihnen die Geister entgegen. Durch die hohe relative Geschwindigkeit verfehlten einige der Raketen ihr Ziel, aber der Rest traf auf die Schiffe, deren Schilde von den Minen bereits stark geschw�cht waren und sich noch nicht regeneriert hatten. Ein weiterer Schlachtkreuzer erlitt Treffer an den Antriebssystemen, ein J�ger verging in einem Feuerball aus Tr�mmern, und zwei verbliebene Schwere Kreuzer wurden massiv zusammengeschossen. Au�erdem verloren zwei der Schlachtschiffe gleich mehrere Antriebseinheiten.</p><p>�Passen Sie den Kurs an, um die Syndiks abzufangen�, wies Geary Desjani an und gab den gleichen Befehl an Captain Duellos von der Formation Bravo. Die �brigen Schiffe seiner Formation w�rden den Flugman�vern der <emphasis>Dauntless</emphasis> folgen, w�hrend Desjani leichte Korrekturen beim Kurs und bei der Geschwindigkeit vornahm, um auf den besten Abfangkurs zu gehen.</p><p>�Wir werden bald selbst ein Bremsman�ver einleiten m�ssen�, betonte sie.</p><p>Geary schaute auf sein Display. �An alle Einheiten der Formation Delta: Korrigieren Sie die Ausrichtung Ihrer Schiffe um hundertachtzig Grad.� Damit w�rden die Allianz-Schiffe sich so drehen, dass die Hauptantriebssysteme nach hinten wiesen. �Beginnen Sie, auf 0,1 Licht abzubremsen bei Zeit drei eins.�</p><p>Tulev hatte seine Schlachtkreuzer so ausgerichtet, dass sie den Syndiks zugewandt waren. Zugleich waren sie so positioniert, dass sie einen Schutzschild vor der <emphasis>Goblin</emphasis> bildeten. Die Syndik-Formation wurde durch die besch�digten Schiffe, die ihre Position nicht halten konnten, zwar immer weiter auseinandergerissen, doch sie zielte weiter auf die Allianz-Formation zu und verf�gte immer noch �ber mehr als die doppelte Feuerkraft, die Tulevs Streitmacht aufbieten konnte.</p><p>Geary stutzte, da er zu verstehen versuchte, was er soeben gesehen hatte.</p><p>Desjani grinste breit. �Genial!�</p><p>Tulev hatte seine Schiffe drehen und auf maximale Beschleunigung genau in dem Moment gehen lassen, als es f�r die Syndiks zu sp�t war zu reagieren, aber noch gerade rechtzeitig, um dem Gegner den Weg abzuschneiden. Das Man�ver erforderte ein absolut perfektes Timing, und Tulev hatte genau das geschafft. Gleichzeitig hatte er ein Sperrfeuer aus Kart�tschen auf die vordersten Syndik-Schiffe gerichtet, die bereits auf Tulevs Schiffe schossen, dabei aber nur auf jenen Punkt zielten, an dem die Formation noch anzutreffen gewesen w�ren, h�tte sie ihre Geschwindigkeit beibehalten. So konnten die Syndiks erst mit Versp�tung an der Stelle auf die Allianz-Kriegsschiffe zielen, wo sie sich tats�chlich befanden. Die beiden f�hrenden Schlachtschiffe schienen in Flammen zu stehen, als die konzentrierte Salve aus Kart�tschen auf ihre Schilde traf. �Er hat sie erwischt!�, jubelte Desjani, als die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> anzeigten, dass beide Schiffe schwer besch�digt worden waren.</p><p>Dennoch verblieben immer noch etliche gro�e Syndik-Schiffe, die an Tulevs Formation vorbeizogen. Die Schilde der Allianz-Schiffe rings um die <emphasis>Goblin</emphasis> blitzten und flammten auf, als der Beschuss durch die Syndik-Formation sein Ziel erreichte. �Die <emphasis>Leviathan</emphasis> hat mehrere Treffer abbekommen�, meldete ein Wachhabender. �Die <emphasis>Dragon</emphasis> hat zwei Antriebseinheiten verloren sowie die Hauptsteuerkontrolle. Die <emphasis>Steadfast</emphasis> meldet, die H�llenspeer-Batterien Eins Alpha und Drei Alpha sind ausgefallen und haben mehrere Treffer abbekommen. Die <emphasis>Valiant</emphasis> wurde mittschiffs schwer besch�digt, feuert aber weiter.�</p><p>Geary ballte die F�uste und versuchte nicht daran zu denken, wie viele Matrosen auf diesen Schiffen ihr Leben verloren. Wenn er einen oder mehrere Schlachtkreuzer verlieren sollte, w�re das ein hoher Preis, ganz gleich welche Verluste sie den Syndiks zugef�gt hatten.</p><p>�Die meisten schweren Syndik-Schiffe haben sich aus der Feuerreichweite der Formation Gamma entfernt�, meldete ein Wachhabender.</p><p>W�hrend Geary die aktuellen Schadensmeldungen las, die von seinen Schlachtkreuzern eingingen, wurde ihm bewusst, dass die den Syndiks durch Minen, Geister und Kart�tschen zugef�gten Sch�den seine eigenen Schiffe gerettet hatten. Diese Treffer hatten daf�r gesorgt, dass die Syndiks zu einer breit gef�cherten Formation gezwungen worden waren, weshalb der Beschuss nicht so konzentriert ausfallen konnte und die Schilde der Allianz-Schiffe l�nger durchgehalten hatten, als es bei einer geschlossenen Formation des Feindes der Fall gewesen w�re. �Was ist mit der <emphasis>Goblin</emphasis>?�</p><p>�Mehrere Treffer, aber keine schweren Sch�den.�</p><p>Er atmete erleichtert auf. Tulevs Schlachtkreuzer hatten zur�ckgeschlagen, als die Syndiks vorbeiflogen, und ihren Schiffen weitere Treffer zugef�gt. Anders als die Kriegsschiffe der Allianz konnten die Syndiks nicht auf Verst�rkung hoffen, die ihnen zu Hilfe eilte. Sie mussten zwangsl�ufig die Flucht ergreifen, aber vielen von ihnen war es nicht m�glich, schnell zu entkommen. Bedauerlicherweise waren aber immer noch zu viele Schiffe in der Lage, ihnen zu entwischen.</p><p>Wieder ballte Geary die Faust und schlug auf die Armlehne. Er hatte sich zuvor einige Male gefragt, warum sich ausgerechnet an dieser Stelle der Lehne keine Kontrollen befanden, und nun wurde ihm endlich klar, dass man den Bereich ganz bewusst freigehalten hatte, damit frustrierte Commander mit der Faust draufschlagen konnten.</p><p>�Die haben noch immer f�nf Schlachtschiffe, die kaum besch�digt sind, und drei Schwere Kreuzer.� Die Syndik-Formation dehnte sich weiter und weiter aus, da die unver�ndert flugt�chtigen Schiffe davonrasten, w�hrend die besch�digten Einheiten ihnen nur m�hsam folgten. �Die k�nnen wir nicht einholen. Verdammt.�</p><p>�Das m�ssen wir auch gar nicht�, gab Desjani tonlos zur�ck. �Es sei denn, ich irre mich.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>Sie deutete auf die Spitze der Syndik-Flotte. �Da drau�en ist ein Commander unterwegs, der jetzt die H�lfte seiner Streitmacht verloren hat�� oder verloren haben wird, sobald wir uns die besch�digten Schiffe vorgenommen haben. Die verbliebenen Einheiten stellen f�r uns keine Bedrohung dar, die uns davon abhalten k�nnten, das zu tun, was wir in diesem System tun wollen. Der Commander wei�, er kann bestenfalls auf ein Leben im Arbeitslager hoffen. Ein Erschie�ungskommando ist wahrscheinlicher, auch wenn wir von Bestrafungen geh�rt haben, die unter dem Deckmantel der �freiwilligen Teilnahme an medizinischen Forschungen� gef�hrt werden und nichts anderes bedeuten, als dass die Betroffenen zu Tode gefoltert werden.�</p><p>Geary betrachtete sein Display. �Sie glauben, dieser Commander wird es vorziehen, im Kampf zu sterben?�</p><p>�Das ist vielleicht grunds�tzlich nicht die beste L�sung, es sei denn, einen erwartet ohnehin der Tod.� Wieder zeigte Desjani auf die Darstellung. �Sie sind schon drauf und dran.� Die intakten und die leicht besch�digten Schlachtschiffe bremsten tats�chlich ab und kehrten zu den schwer besch�digten Schwesterschiffen zur�ck. �Ob sie nun verzweifelt sind oder nicht�, merkte sie an, �es ist ein tapferer Zug von diesen Schiffen.�</p><p>Als Geary h�rte, dass Desjani diese Syndiks als tapfer bezeichnete, horchte er auf. Sie war im Begriff, den Feind als menschliches Wesen wahrzunehmen. Er w�rde sie warnen m�ssen, dass solche Empfindungen ihr zwar helfen konnten, das Verhalten des Gegners besser zu verstehen, dass es aber damit auch schwieriger wurde, das Notwendige zu tun, wenn es getan werden musste�� beispielsweise die tapferen Matrosen auf diesen tapferen Schiffen zu t�ten.</p><p>Abfangpunkte wurden in rascher Folge auf seinem Display aktualisiert, w�hrend die Syndiks weiter die Geschwindigkeit drosselten. �Ich werde diese Formation unter die Syndiks bringen, w�hrend Formation Bravo dar�ber in Position gehen soll. Bravo wird in der Lage sein, f�nfzehn Minuten nach unseren Salven das Feuer zu er�ffnen. Wir wenden dann und greifen sie danach erneut an.� Geary erteilte die erforderlichen Befehle und lie� die Formation Delta leicht nach Backbord und nach unten fliegen, w�hrend die Formation Bravo ihren Kurs nach Steuerbord und nach oben korrigieren sollte.</p><p>Tulev hatte seine Begleitschiffe dem davonfliegenden Feind hinterhergeschickt. In diesem Moment verging einer der besch�digten Schweren Kreuzer in einer Explosion, da die Allianz-Schiffe ihn erneut unter massiven Beschuss genommen hatten.</p><p>Geary stutzte und sah sich die Bewegungen der Syndik-Schlachtschiffe genauer an. �Eingreiftruppe Gamma, holen Sie Ihre Eskorten zur�ck, sonst sehen die sich gleich Schlachtschiffen gegen�ber. Lassen Sie sie eine Position au�erhalb der Feuerreichweite des Feindes einnehmen, damit sie auf alle Einheiten schie�en k�nnen, die zur�ckfallen und nicht l�nger vom Rest der Streitmacht gesch�tzt werden.� So wie W�lfe, die einer fliehenden Herde nachliefen und sich auf jedes Tier st�rzten, das strauchelte und den Anschluss an die Gruppe verlor.</p><p>Es w�rde allerdings noch einige Minuten dauern, bevor der Befehl die Eskorten erreichte, und es war zu hoffen, dass die Syndiks noch etwas l�nger brauchten, um ihre Formation zu ordnen.</p><p>Die Syndiks brachten ihre Schiffe eben in eine grob w�rfelf�rmige Aufstellung, als sich Geary mit der Formation Delta unter sie begab und von dort mit allen Waffen auf die untersten Schiffe feuern lie�. Zwei besch�digte Schlachtkreuzer bekamen weitere Treffer ab, drei Schlachtschiffe erlitten schwere Sch�den, und die Schweren Kreuzer sowie die wenigen �berlebenden J�ger wurden durch das Feuer der Allianz-Schiffe schlicht ausgel�scht.</p><p>F�nfzehn Minuten sp�ter lie� Geary seine Formation in einer ausholenden Kurve wenden, da schob sich die Formation Bravo von oben �ber die Syndik-Flotte und zerschoss zwei Schlachtschiffe und einen der verbliebenen Schlachtkreuzer.</p><p>Geary bet�tigte die Komm-Kontrolle, als die Formation Delta sich wieder im Anflug auf den Gegner befand. �An den Befehlshaber der Syndik-Flotte, die von uns angegriffen wird. Ihre Situation ist aussichtslos. Ergeben Sie sich, dann werden Sie und die Besatzungen Ihrer Schiffe entsprechend dem Kriegsrecht behandelt.�</p><p>Es kam keine Antwort, aber damit hatte er auch nicht gerechnet. Wahrscheinlich traf Desjanis Vermutung zu, und der Syndik-Commander hatte l�ngst beschlossen, dass ein Tod in der Schlacht jenem Schicksal vorzuziehen war, das seine Vorgesetzten andernfalls f�r ihn vorsahen.</p><p>Der Syndik-W�rfel schrumpfte allm�hlich zu einem flachen Quadrat zusammen und kam nur noch langsam voran, da die halbwegs intakten Schiffe sich an die Geschwindigkeit der stark besch�digten Einheiten anpassten. Die Formation Delta nahm die Restflotte unter Beschuss, danach waren nur noch zwei Schlachtschiffe funktionst�chtig. Der zweite Vor�berflug der Formation Bravo zerschlug dann die noch verbliebenen Reste der Syndik-Streitmacht, und als Bravo sich entfernte, explodierte eines der Syndik-Schiffe wegen eines �berhitzten Kerns.</p><p>Geary atmete gedehnt aus und musterte die Wolke aus Rettungskapseln, die sich auf den Weg in Sicherheit begaben. �Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass der Syndik-Befehlshaber mit diesem letzten Schlachtschiff untergegangen ist?�, fragte er in den Raum.</p><p>Desjani nickte nur.</p><p>Rione deutete auf das Display, auf dem zu sehen war, wie sich Allianz-Schiffe den Wracks n�herten, um sicherzustellen, dass alle feindlichen Einheiten tats�chlich so vollst�ndig zerst�rt worden waren, dass die Syndiks mit den �berresten nichts mehr anfangen konnten. �Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Sieg, Captain Geary.�</p><p>�Sie haben uns auf die Idee gebracht�, gab Geary zur�ck.</p><p>Wieder nickte Desjani. �Ein abschreckendes Beispiel daf�r, wenn man das macht, was der Gegner von einem erwartet.�</p><p>�Ja. Und der Trick besteht darin, herauszufinden, was der Gegner von einem erwartet, damit man wei�, was man nicht machen sollte.� Er sah sich die Anzeigen an, die den Zustand seiner Flotte zeigten. �An alle Einheiten: Kehren Sie zur <emphasis>Dauntless</emphasis> zur�ck und nehmen Sie die allgemeine Flottenformation ein. Captain Tulev, ich brauche Ihre Schlachtkreuzer und die Eskorten mit den Hilfsschiffen, damit die Sie unterst�tzen k�nnen. Lassen Sie mich so bald wie m�glich die gesch�tzten Reparaturzeiten f�r Ihre Schiffe wissen. An alle Schiffe der Formation Gamma: hervorragende Arbeit.�</p><p>Desjani sah ihn von der Seite an. �Werden wir Sancere bald verlassen?�</p><p>�Ganz genau.� Geary musterte das Systemdisplay und dachte daran, auf wie viele Werften, Orbitaleinrichtungen und milit�rische Anlagen die Allianz-Flotte bei der Ankunft in diesem System gesto�en war. Nur wenig davon existierte jetzt noch. <emphasis>Wollen wir doch mal sehen, ob die Syndiks das ihren Leuten auch noch als Sieg verkaufen k�nnen.</emphasis> �Wir haben hier so viel Schaden angerichtet wie n�tig. Au�erdem werden wir bei Ilion gebraucht. Wenn wir Gl�ck haben, warten da einige Schiffe, die sich uns wieder anschlie�en wollen.�</p><p>�Und denen eine gro�e Syndik-Streitmacht im Nacken sitzen wird�, f�gte Rione an.</p><p>�Ja. Ich sollte wohl besser veranlassen, dass die Hilfsschiffe w�hrend des Transits mehr Waffen und mehr Brennstoffzellen herstellen. Ich vermute, wir k�nnen beides bei Ilion gut gebrauchen.�</p><p>Bevor sie in den Sprung �berwechselten, nahm sich Geary noch die Zeit, um unter vier Augen mit Commander Cresida zu reden. �W�ren Sie nicht auf die Idee gekommen, das Hypernet-Portal kontrolliert zusammenbrechen zu lassen, dann w�rden wir uns jetzt sehr wahrscheinlich nicht mehr unterhalten k�nnen. Als Befehlshaber der Flotte kann ich Sie mit dem Silbernen Nebel auszeichnen, und genau das werde ich hiermit auch machen. Ich hoffe, es st�rt Sie nicht, dass die lobende Erw�hnung etwas vage gehalten ist.�</p><p>Cresida err�tete vor Freude. �Danke, Sir. Ich hoffe, wir werden diesen Algorithmus nicht noch einmal anwenden m�ssen.�</p><p>�Das hoffe ich auch�, stimmte er ihr zu. �Als Befehlshaberin einer eigenst�ndigen Formation haben Sie hervorragende Arbeit geleistet.� Er hielt kurz inne. �Ich bef�rdere Sie au�erdem hiermit zum Captain. Meinen Gl�ckwunsch, das haben Sie sich redlich verdient. Wenn die Zeit es erlaubt, werden wir eine angemessene Zeremonie bei Ilion nachholen.�</p><p>�Captain?� Sie l�chelte und sah ihn verbl�fft an. �Vielen Dank, Sir. Ich wei� nicht, was ich noch sagen soll.�</p><p>�Sie m�ssen gar nichts sagen. Schlie�lich haben Sie sich genau das verdient. Die Eingreiftruppe Furious hat sich f�r diese Flotte als �u�erst wertvolle Einheit erwiesen.� Geary lehnte sich zur�ck und entspannte sich ein wenig, nachdem der formelle Teil der Besprechung erledigt war. �Commander Cres� oh, verzeihen Sie. <emphasis>Captain</emphasis> Cresida, es gibt da eine Sache, die mich r�tseln l�sst.� Sie beobachtete ihn aufmerksam, auch wenn die erste offizielle Anrede mit ihrem neuen Dienstgrad sie unwillk�rlich grinsen lie�. �Als das Portal zerst�rt wurde, was geschah da mit den Schiffen, die m�glicherweise auf dem Weg nach Sancere waren?�</p><p>�Da gibt es zwei M�glichkeiten, Sir�, antwortete sie. �Als der Pfad zwischen Sancere und dem Portal, von dem diese Schiffe kamen, unterbrochen wurde, ist es denkbar, dass alles auf diesem Pfad zerst�rt wurde.�</p><p>Geary nickte und malte sich aus, wie Schiffe ohne eine Vorwarnung vernichtet wurden. Feindliche Schiffe zwar, dennoch � �Und die andere M�glichkeit?�</p><p>�Die wird f�r die wahrscheinlichere gehalten, Sir�, erkl�rte Cresida. �Man glaubt, wenn der Pfad aufh�rt zu existieren, dann kehren die betroffenen Schiffe einfach in den Normalraum zur�ck.�</p><p>�Das ist alles?� Kaum hatte er ausgesprochen, wurde ihm die Bedeutung dieser M�glichkeit bewusst. �Sie kehren in den Normalraum zur�ck? Irgendwo zwischen Sancere und dem Stern, von dem sie abgeflogen sind?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�Was an einem Punkt sein k�nnte, der sehr weit vom n�chsten Stern entfernt ist�, f�gte Geary hinzu.</p><p>�Richtig, Sir. Mit etwas Gl�ck, kluger Rationierung und einigen kreativen L�sungen, um Abf�lle zu verwerten, verbrauchte Luft zu regenerieren und Gem�se und �hnliches anzupflanzen, sollten sie in der Lage sein, es bis zum n�chsten Stern zu schaffen, von wo aus sie durch einen Sprungpunkt in Sicherheit gelangen k�nnen.�</p><p>�Aber selbst wenn der n�chste Stern nur ein Lichtjahr entfernt ist, w�rde es Jahre dauern, bis sie ihn erreichen.�</p><p>�Ja, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie sparsam mit ihren Antriebsreserven umgehen m�ssen. Wahrscheinlich sind es mindestens zehn Jahre, vermutlich aber noch viel mehr.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf. �Ich sch�tze, das ist besser als zu sterben. Sie k�nnten einige ihrer Rettungskapseln benutzen und den gr��ten Teil der Crew in Tiefschlaf versetzen, ohne die Kapseln zu starten. Damit w�rden die Vorr�te deutlich l�nger reichen. Allerdings m�chte ich keiner von denjenigen sein, die wach bleiben m�ssen. Die werden lange Zeit auf einen Stern starren, der nur sehr, sehr langsam gr��er wird.�</p><p>�Na ja, es ist ja nicht so, als w�rden <emphasis>wir</emphasis> morgen schon wieder zu Hause sein�, warf Cresida ironisch ein.</p><p>�Stimmt. Und wenn wir daf�r gesorgt haben, dass einige Syndik-Kriegsschiffe f�r die n�chsten zehn Jahre zwischen den Sternen festsitzen, d�rfte das der Allianz zumindest ein wenig helfen.� Er l�chelte fl�chtig. �Vielleicht erfahren sie ja, wenn sie den n�chsten Stern erreichen, dass der Krieg seit Jahren vorbei ist. Ich frage mich, was f�r ein Gef�hl das w�re.�</p><p>Cresida schwieg einen Moment lang. �Manche von uns fragen sich, ob dieser Krieg jemals ein Ende nehmen wird oder ob wir und die Syndiks immer weiter aufeinander losgehen werden.�</p><p>Er musterte sie und hielt sich vor Augen, dass Cresida ihr Leben lang nichts anderes als diesen Krieg gekannt hatte, dessen Anf�nge schon Jahrzehnte vor ihrer Geburt lagen. �Ich vermute, manchmal muss es einem vorkommen, als w�rde der Krieg schon ewig toben. Aber es muss irgendeine M�glichkeit geben, diesen Konflikt so zu beenden, dass die Allianz sicher ist und die Syndiks nicht wieder einen Angriff starten.� Dabei fiel ihm wieder ein, welche verheerende Zerst�rungskraft die Hypernet-Portale besa�en. <emphasis>Mit Hilfe der Portale w�re es m�glich, den Krieg zu beenden und die Bedrohung durch die Syndiks aus der Welt zu schaffen. Werde ich wohl jemals zu der Ansicht gelangen, dass die Vernichtung der Portale die einzige L�sung ist? Oder schlimmer noch: dass es die richtige L�sung ist?</emphasis> �Wir sehen uns bei Ilion, Captain.�</p></section><section><title><p>Zehn</p></title><p>Nach Sancere wirkte Ilion karg und verlassen. Auf einer einzelnen, nur gerade eben bewohnbaren Welt fanden sich ein paar umschlossene St�dte, von denen eine wegen Mangels an Einwohnern bereits aufgegeben worden war. Der Flugverkehr innerhalb des Systems beschr�nkte sich auf ein paar alte Schiffe, die zwischen der bewohnten Welt und einigen veralteten Industrieanlagen in der N�he eines Asteroideng�rtels pendelten. Kriegsschiffe waren nirgends zu sehen, und die Syndik-Milit�rbasis auf einem Mond im Orbit um einen Gasriesen hatte man eingemottet.</p><p>Geary beschloss, mit den Bewohnern der Syndik-Welt erst gar nicht Kontakt aufzunehmen. Er hatte nicht die Absicht, mit der Flotte diesen Planeten anzufliegen, und er konnte sich auch nicht vorstellen, dass sie irgendetwas von Wert zu bieten hatte. Eine genauere Untersuchung der Milit�rbasis ergab, dass man nicht nur alle Vorr�te, sondern auch einen Teil der fest installierten Ausr�stung mitgenommen hatte. �Sieht so aus, als h�tten sie diese Basis �ber einen Zeitraum von einigen Jahrzehnten immer weiter ausgeschlachtet�, �berlegte Desjani. �Da Sancere so nahe ist, muss l�ngst jeder von hier weggegangen sein.�</p><p>�Und was glauben Sie, warum die Syndiks den Planeten nicht l�ngst ger�umt haben?�, fragte Geary.</p><p>�Ich m�chte wetten, es w�re ein teures Vergn�gen, all diese Leute von hier wegzubringen. Wahrscheinlich hat man sie sich selbst �berlassen, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung der Syndiks gegen eine Evakuierung spricht.�</p><p>�Einfach im Stich gelassen, meinen Sie�, sagte er nachdenklich und fragte sich, wie sich die Menschen dort wohl f�hlten. Man lie� Ausr�stung zur�ck, weil ihr Abtransport zu kostspielig war, aber die Menschen mussten bleiben? Er h�tte nicht erwartet, dass jemand so etwas tun w�rde. Wie lange konnten diese Leute von dem leben, was sie anbauten, herstellten und abbauten? Ganz sicher schrumpfte die Bev�lkerungszahl kontinuierlich, sodass es wohl nur eine Frage der Zeit war, bis auch der letzte Mensch auf Ilion sterben w�rde. Er hatte mittlerweile einige Systeme zu Gesicht bekommen, die durch die Einrichtung der Hypernet-Portale in Vergessenheit geraten waren, doch Ilion hatte es bisher von allen am h�rtesten getroffen. �Bringen wir die Flotte in Position, damit der Sprungpunkt von Strena gesichert ist.� Wenn Schiffe unter Falcos Kommando �berlebt haben sollten, dann w�rden sie �ber Strena hereinkommen m�ssen. �Ich m�chte, dass wir zehn Lichtminuten vom Sprungpunkt entfernt sind. Wenn ein Schiff durchkommt, k�nnte es schnelle Hilfe ben�tigen.�</p><p>Er warf einen Blick auf sein Display und sah, dass die Flotte bei der gegenw�rtigen Geschwindigkeit gut zwei Tage ben�tigen w�rde, um den Sprungpunkt zu erreichen. �Ich sch�tze, es wird mal wieder Zeit f�r eine Flottenkonferenz.�</p><p>Es war ein gutes Gef�hl, dass die Befehlshaber der drei�ig Schiffe der Eingreiftruppe Furious wieder mit am Tisch sa�en. Und es war ein gutes Gef�hl zu sehen, dass alle mit dem Verlauf der Geschehnisse bei Sancere sehr zufrieden waren. Zumindest f�r den Augenblick schien niemand bereit, offen Feindseligkeit oder auch nur Antipathie erkennen zu lassen. Einmal mehr hatte Co-Pr�sidentin Rione beschlossen, nicht an der Konferenz teilzunehmen, was Geary zu der Frage brachte, welche Ziele sie eigentlich verfolgte. Warum begn�gte sie sich mit Berichten aus zweiter Hand, anstatt selbst anwesend zu sein, um Fragen zu stellen und Einw�nde zu erheben? Sie musste doch wissen, dass er es nicht falsch auffassen w�rde, solange sie begr�ndete Vorbehalte zur Sprache brachte.</p><p>Die Tage im Sprungraum auf dem Weg von Sancere nach hier hatten nach dem unabl�ssigen Druck der dortigen Operationen weitestgehend der Erholung gedient. Da w�hrend der Schlafphasen kein Alarm losging, hatte Rione tats�chlich schlafen k�nnen, wenn sie mit ihm das Bett teilte, und es schien ihr auch gefallen zu haben. Und doch kam kein erkl�rendes Wort, warum sie nicht an der Konferenz teilnahm. Diese Frau war und blieb ihm ein R�tsel.</p><p>�Wir k�nnen nur mutma�en, was aus den Schiffen geworden ist, die die Flotte verlassen haben�, sagte Geary zu den versammelten Schiffskommandeuren. Dabei vermied er ganz bewusst Begriffe wie <emphasis>Meuterer</emphasis> oder <emphasis>Deserteure</emphasis>. �Unsere Simulationen haben Folgendes ergeben: Falls einige dieser Schiffe die Konfrontation mit einer massiv �berlegenen Syndik-Streitmacht bei Vidha �berlebt haben sollten, d�rften sie am ehesten versucht haben, �ber diese Sterne nach Ilion zu gelangen, wobei sie ihren letzten Zwischenstopp bei Strena eingelegt haben m�ssten.� Er besch�nigte die Situation nicht, weil es die schlichte, wenn auch unerfreuliche Wahrheit war. Falls keines der Schiffe �berlebt hatte, dann sollte sich niemand in seiner Flotte die Frage stellen m�ssen, woran das wohl gelegen haben k�nnte. �Wenn diese Sch�tzungen zutreffen, werden die Schiffe, die sich uns wieder anschlie�en wollen, fr�hestens ab morgen Abend und sp�testens in vier Tagen hier eintreffen.�</p><p>�Wie lange werden wir warten?�, wollte der Commander der <emphasis>Dragon</emphasis> wissen.</p><p>F�r ein paar Sekunden betrachtete Geary das Display, dann antwortete er: �Mindestens bis zum Ende dieser vier Tage. Wie viel l�nger, dar�ber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wir k�nnen nicht unendlich lange warten, aber wenn eines der Schiffe hier eintrifft, dann will ich dabei sein.�</p><p>�Und wenn die Syndiks sich zuerst hier blicken lassen?�, fragte der Captain der <emphasis>Terrible.</emphasis></p><p>�Wenn es innerhalb dieser vier Tage geschieht, werden wir k�mpfen. Danach wird meine Entscheidung von einer Vielzahl Faktoren abh�ngen.� Die Anwesenden nickten, einige zustimmend, andere lediglich in Anerkenntnis der Tatsache, dass er das Kommando hatte. Das war immerhin schon mal etwas. �Wenn die Syndiks den Schiffen auf den Fersen sind, die sich uns wieder anschlie�en wollen, dann erwartet uns ein Kampf. Es ist davon auszugehen, dass wir die eintreffenden Schiffe besch�tzen m�ssen, weil die Syndiks ihnen schwer zugesetzt haben d�rften. Au�erdem m�ssen wir unser Bestes geben, um die Syndik-Streitmacht so umfassend wie m�glich auszul�schen.�</p><p>Geary deutete auf die Darstellung der Sterne. �Sobald wir die fehlenden Schiffe wieder in unsere Flotte aufgenommen und die m�glichen Verfolger abgewehrt haben, beabsichtige ich, Kurs auf Tavika zu nehmen.� Einige der Versammelten begannen zu l�cheln, da sie sich mit Tavika wieder dem Gebiet der Allianz n�herten. �Tavika bietet uns drei M�glichkeiten f�r unseren n�chsten Sprung. Wenn Baidur sicher aussieht, werden wir uns dorthin begeben.� Weitere l�chelnde Gesichter waren zu sehen. Wenn sie Baidur erreichten, hatten sie die Strecke wettgemacht, die sie durch den Sprung nach Sancere verloren hatten. �Zu diesem Zeitpunkt ist in den h�heren Kommandoebenen der Syndiks an vielen Orten�� deren Heimatsystem eingeschlossen�� noch nichts davon bekannt, dass wir Sancere einen Besuch abgestattet haben. Das hei�t, sie ahnen vorl�ufig noch nicht, wo wir eigentlich sind. Wenn sie h�ren, dass wir bei Sancere waren, k�nnen sie ihre Suche nach uns fortsetzen, aber so schnell werden sie unsere F�hrte nicht aufnehmen k�nnen.�</p><p>Er machte eine kurze Pause und sah sich am Konferenztisch um. �Falls Schiffe zu uns zur�ckkehren, m�ssen wir uns ein Bild von deren Zustand machen. Sollten die Sch�den zu gro� sein, werde ich deren Evakuierung anordnen m�ssen. Machen Sie sich also darauf gefasst, zus�tzliches Personal an Bord zu nehmen, falls es dazu kommt. Im Idealfall werden wir kein Schiff zur�cklassen m�ssen. <emphasis>Auf keinen Fall</emphasis> werden wir irgendwelche von unseren Leuten zur�cklassen, ganz gleich wie sich die Umst�nde gestalten. Gibt es noch Fragen?�</p><p>Es gab keine Fragen. Alle verhielten sich fast schon zu gehorsam. Vielleicht war er ja paranoid, aber Geary konnte nicht recht glauben, dass keiner der Commander, die ihm mit Skepsis begegnet waren, auf einmal bereit sein sollte, alles zu schlucken und kein Widerwort zu geben. Aber vielleicht waren sie auch nur m�de und ersch�pft, schlie�lich war es bereits sp�t an diesem Schiffstag. �Ich danke Ihnen.�</p><p>Nachdem die anderen �aufgebrochen� waren, blieb Captain Duellos� Bild noch am Tisch, sein Blick war auf das Display gerichtet. �Es ist frustrierend, dass wir nichts anderes tun k�nnen als abzuwarten und zu hoffen, dass wenigstens ein paar von diesen Schiffen auftauchen, nicht wahr?�</p><p>�Sehr frustrierend�, stimmte Geary ihm zu und lie� sich in seinen Sessel fallen. �Warum ist jeder so ruhig gef�gig? Warum stellt keiner irgendwelche Fragen?�</p><p>Duellos warf Geary einen r�tselhaften Blick zu. �Weil jeder so frustriert ist wie Sie und ich. Die Leute wollen diesen Dummk�pfen helfen, die Falco hinterhergerannt sind. Aber ihnen f�llt auch nichts Besseres ein als zu warten, ob sie es bis nach Ilion schaffen. Selbst der schlimmste Skeptiker in dieser Flotte akzeptiert das Risiko, das Sie mit dieser Entscheidung eingehen. W�re Falco hier, um sie alle mit einem idiotischen Plan dazu zu bringen, von einem System zum n�chsten zu springen, um nach diesen Schiffen zu suchen, s�he es vielleicht anders aus. Aber Falco wollte nicht warten, bis er noch mehr Unterst�tzer auf seine Seite gezogen hatte.�</p><p>�Gl�ck f�r mich, w�rde ich sagen�, kommentierte Geary finster.</p><p>�Gl�ck f�r alle Schiffe, die ihm nicht gefolgt sind�, korrigierte Duellos ihn. �Freuen Sie sich, Captain Geary. Die Dinge laufen gut.�</p><p>�Sie k�nnten schlechter laufen.� Geary hielt inne. �Okay, ich m�chte Ihnen eine pers�nliche Frage stellen. Die mich betrifft.�</p><p>�Die Sie betrifft? Oder die Sie und die Eiserne Lady alias Co-Pr�sidentin Victoria Rione von der Callas-Republik betrifft?�</p><p>Geary l�chelte. �Die eiserne Lady?�</p><p>�Sie ist eine knallharte Frau�, erl�uterte Duellos. �Von der Sorte, die eine wertvolle Freundin und eine gef�hrliche Feindin darstellt.�</p><p>�Das ist eine gute Beschreibung f�r sie�, stimmte er ihm zu.</p><p>�Aber wie ich h�rte, verstehen Sie sich mit ihr momentan ganz gut.�</p><p>�Das kann man so sagen. Die ganze Flotte wei� davon, oder?�</p><p>Duellos nickte. �Ich habe nicht jeden Matrosen in der Flotte pers�nlich befragt, aber es d�rfte schwierig sein, jemanden zu finden, der es nicht wei�.�</p><p>�Niemand sagt irgendetwas dazu.�</p><p>�Was sollen wir sagen?�, gab Duellos zur�ck. �Herzlichen Gl�ckwunsch? Oder sollen wir Sie fragen, welche Taktik Sie angewandt haben, um Ihr Ziel zu erreichen?�</p><p>Geary musste �ber die ironische Retoure lachen. �Ein gutes Argument. Ich will eigentlich nur wissen, ob das irgendwelche Probleme verursacht. Ich wei�, dass Numos und seine Freunde mir aus meiner Beziehung zu Rione bereits einen Strick drehen wollten, als die Ger�chte noch jeglicher Grundlage entbehrten.�</p><p>�Ich habe hier und da etwas mitbekommen�, gestand Duellos ein. �Wie ich Ihnen schon einmal sagte, ist das ganz allein Ihre Sache und hat mit Ihrer Bef�higung als Befehlshaber nichts zu tun. Solange Sie und Co-Pr�sidentin Rione sich in der �ffentlichkeit zur�ckhalten, w�rde ich nicht davon ausgehen, dass irgendjemand sich dar�ber mokiert. Jedenfalls nicht nach au�en. Diejenigen, die gegen Sie eingestellt sind, werden versuchen, das in ein schlechtes Licht zu r�cken. Allerdings glaube ich nicht, dass die Sache viel Staub aufwirbeln wird, wenn Sie beide so weitermachen wie bisher. Die geh�ssigste Behauptung, die jemand aufstellen k�nnte, w�re die Unterstellung, Sie h�tten Co-Pr�sidentin Rione zu einer Art Konkubine gemacht. Aber niemand, der die Frau je kennengelernt hat, w�rde ein solches Ger�cht auch nur einen Moment lang glauben. Da ist nicht nur die Legende, dass Black Jack Geary unersch�tterlich zur Allianz steht�� Co-Pr�sidentin Rione ist ebenfalls daf�r bekannt, ihrer Welt und der Allianz insgesamt loyal gegen�berzustehen.� Er warf Geary einen interessierten Blick zu. �Wie ernst ist es eigentlich zwischen Ihnen, wenn ich das so fragen darf?�</p><p>�Ehrlich gesagt wei� ich das nicht.�</p><p>�Nicht, dass Sie mich um meine Meinung gefragt h�tten, trotzdem muss ich sagen, ich pers�nlich w�rde mit der Zuneigung einer Frau wie Co-Pr�sidentin Rione nicht spielen. Ihrem Zorn m�chte ich lieber nicht ausgesetzt sein.�</p><p>Wieder l�chelte Geary. �Ich bin mir ziemlich sicher, so weit wird es nicht kommen.�</p><p>Duellos betrachtete seine Hand. �Andererseits darf man nicht �bersehen, dass die Frau an der Seite von Black Jack Geary bei der R�ckkehr ins Gebiet der Allianz f�r eine Politikerin eine beneidenswerte Position einnimmt.�</p><p>�Das stimmt�, entgegnete er und achtete auf einen neutralen Tonfall.</p><p>Der Captain sah Geary eindringlich an. �Sie reiten auf einem Tiger, das wissen Sie ja.�</p><p>�Das wei� ich.� Ihm war dieses Sprichwort bereits selbst in den Sinn gekommen sowie der Gedanke, dass nichts dagegen einzuwenden war, auf einem Tiger zu reiten. Das Problem war nur, dass der Tiger einen hinf�hrte, wohin er wollte, und man nicht wagen konnte abzusteigen, weil der Tiger sich sonst gegen einen wenden k�nnte. <emphasis>Sie ist m�chtig und gef�hrlich. Ich frage mich, ob es diese Eigenschaften sind, die mich zu Victoria Rione hingezogen haben.</emphasis></p><p>Gearys Gedanken kreisten noch immer um diese Frage, als er in seine Kabine zur�ckkehrte und dort auf Victoria Rione traf. �Ist die Konferenz gut verlaufen?�</p><p>�Haben deine Spione dir noch nicht Bericht erstattet?�, gab er zur�ck.</p><p>Diese Frage schien ihr nichts auszumachen. �Nicht alle. Es ist f�r sie recht unpraktisch, wenn du Flottenkonferenzen auf den Abend legst.� Sie deutete auf das Sternendisplay �ber dem Tisch. �Ich m�chte dir etwas zeigen.�</p><p>Er setzte sich, den Blick auf die dargestellten Sterne gerichtet. �blicherweise konnte er eine beliebige Region anhand markanter Sterne, Nebel oder anderer Merkmale erkennen, doch jetzt wollte ihm das nicht gelingen. Hier gab es nichts, was eine Erinnerung weckte. �Wo soll das sein?�</p><p>�Das ist die andere Seite der Syndikatwelten. Wundere dich nicht, wenn du das nicht erkennst. Niemand aus der Allianz ist je dort gewesen, au�er vielleicht als Gefangener auf dem Weg zu einem Arbeitslager.� Riones Finger t�nzelten �ber die Tastatur, um die Darstellung zu drehen. �Ich habe mich mit den Aufzeichnungen der Syndiks besch�ftigt, die wir bei Sancere in unseren Besitz gebracht hatten. Das ist die aktuellste Version der Daten �ber die abgewandte Seite der Syndik-Welten. F�llt dir etwas auf?�</p><p>Er sah zu, wie die Sterne langsam ihre Position ver�nderten. Unerforschte oder nicht besiedelte Sternensysteme waren stets un�bersichtlich, weil sich die Anordnung der Sterne im Kosmos nicht an die klar strukturierten Linien hielt, die von Menschen bevorzugt wurden. Etwas an diesem Bild sprach ihn an, doch er konnte nicht erkennen, was es war. �Was soll ich da sehen?�</p><p>�Vielleicht hilft es, wenn ich die Sternensysteme markiere, die innerhalb der letzten hundert Jahre verlassen wurden�, schlug Rione vor. �Und mit verlassen meine ich nicht, dass man sie allm�hlich hat verk�mmern lassen, sondern dass s�mtliche Anwesenheit aus ihnen abgezogen wurde.� Sie bet�tigte eine andere Taste, und verschiedene Sterne leuchteten heller auf.</p><p>Dann wurde Geary auf etwas aufmerksam. �Das sieht nach einer regelrechten Grenze aus�, stellte er fest.</p><p>�Genau�, stimmte Rione ihm zu. �Danach sollte es aber nicht aussehen, weil es nichts gibt, was von der anderen Seite an die Syndikatwelten angrenzt. Es gibt keinen Abschnitt, der besonders reiche Systeme jenseits dieser Grenze einschlie�t, und es existieren auch keine L�cken, weil sich dort �rmere Sterne befinden, die man unbesiedelt belassen hat.�</p><p>�So wie die Grenze zwischen den Syndikatwelten und der Allianz.� Geary beugte sich vor und betrachtete die Region genauer. �Das ist ja interessant.� Er zeigte auf das verlassene Sternensystem, das Rione markiert hatte. �Hier w�re diese �Grenze� durchdrungen worden, die gar nicht dort sein sollte.�</p><p>�Ich musste an die Pufferzone denken, die die Marines in dieser Orbitalstadt schaffen sollten�, merkte Rione an. �Ein Gebiet, das niemand betreten soll, weil es die Syndikatwelten von jemandem oder etwas trennt. Aber von wem oder was? Pass auf: Ich werde jetzt eine Darstellung des Syndik-Hypernets dar�berlegen.� Verschiedene Sterne leuchteten in einer anderen Farbe auf und bildeten ein komplexes Geflecht. �Was siehst du jetzt?�</p><p>Er stutzte sekundenlang, dann fragte er: �Bist du dir da wirklich ganz sicher?�</p><p>�Absolut sicher.�</p><p>Geary starrte die Darstellung an. Ihm war immer wieder gesagt worden, die Hypernet-Portale seien in den Systemen eingerichtet worden, die reich an Vorkommen oder au�ergew�hnlich genug waren, um die Kosten zu rechtfertigen. Systeme, in die die Leute reisen wollten. Sterne, deren Ressourcen und Bev�lkerung gen�gend Wohlstand hervorbrachten, um die Portale rentabel zu machen. Aber das Hypernet diente auch milit�rischen Zwecken, um Streitkr�fte schnell dorthin zu verlegen, wo sie gebraucht wurden. Ein armer Stern, der dennoch strategisch wichtig gelegen war, konnte allein aus diesem Grund ein Portal zugeteilt bekommen. Auf der abgelegenen Seite der Syndikatwelten gab es etliche dieser armen Sterne. �Etwas scheint ihnen Sorgen zu bereiten, nicht wahr?�</p><p>Rione nickte. �Aber wenn deine �berlegung zutrifft, dann haben diejenigen, die der Menschheit Zugang zur Hypernet-Technologie verschafften, den Syndik-Welten in Wahrheit ein Mittel an die Hand gegeben, um Bomben mit der Vernichtungskraft einer Nova in jedem System zu bauen, das dieser uns unbekannten Bedrohung zugewandt ist. Es sieht aus wie ein Schutzwall, aber tats�chlich handelt es sich um ein Minenfeld von unvorstellbaren Ausma�en, das gegen die Leute gerichtet ist, die glauben, sie w�rden sich damit sch�tzen.�</p><p>�Es ist mehr als nur das�, erwiderte Geary. �Ich sprach mit Commander � ach, verdammt, mit Captain Cresida dar�ber, was mit Schiffen passiert, die im Hypernet zu einem Portal unterwegs sind, wenn das Portal aufh�rt zu existieren. Es k�nnte sein, dass die Schiffe zerst�rt werden oder aber irgendwo im interstellaren Raum landen, wo sie Jahrzehnte ben�tigen, um den n�chsten Stern zu erreichen. Wenn die Syndiks versuchen, Verst�rkung in diese Gebiete zu schicken, dann werden die Entladungen dieser Portale zum einen absolut alles in der Region ausl�schen, und zum anderen werden die Kriegsschiffe entweder zerst�rt oder auf Jahre hinaus als Bedrohung ausgeschaltet.�</p><p>�Womit die milit�rischen F�higkeiten der Syndikatwelten zu einem gro�en Teil eliminiert w�rden. Damit w�re jegliche Form von Vergeltungsschlag im Keim erstickt.�</p><p>�Richtig.� Geary versuchte sich das m�gliche Ausma� der Zerst�rung vorzustellen, das die Hypernet-Portale verursachen w�rden, doch es wollte ihm nicht gelingen, da es alle Dimensionen �berstieg. �Wie halten die das unter Verschluss, Victoria? Wie k�nnen selbst die Syndiks verhindern, dass dieses Wissen Verbreitung findet?�</p><p>�Das ist eine Gesellschaft, die jeden Informationsfluss ohnehin streng �berwacht�, machte sie ihm klar. �Dazu kommt der Krieg, der es rechtfertigt, die Leute zum Schweigen zu verdonnern, und nicht zu vergessen, die immense F�lle an verf�gbaren Informationen. Da ist es ein Leichtes, wichtige Fakten in Bergen von unn�tzem Wissen zu verstecken. Wir haben von den verlassenen Einrichtungen bei Sancere ungeheure Datenmengen heruntergeladen, von denen ich mir nur einen winzigen Bruchteil oberfl�chlich angesehen habe. Ich werde weitersuchen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht davon ausgehe, irgendeine Information zu finden, die das hier best�tigt. Die Aufzeichnungen, die wir sammeln konnten, bewegen sich alle auf den untersten Geheimhaltungsstufen. Alles, was nichtmenschliche Intelligenzen und erst recht eine von ihnen ausgehende Bedrohung angeht, w�re streng geheim.�</p><p>�Was bedeuten d�rfte, dass wir vermutlich genau diese Daten vernichtet haben, als wir das Syndik-Hauptquartier bei Sancere zerbombten. Fast w�nschte ich mir, wir k�nnten zu dieser fernen Grenze reisen, um sie zu �berqueren und festzustellen, was dahinter liegt.� Ihm wurde bewusst, dass er in Gedanken bereits m�gliche Routen zur abgelegenen Seite der Syndikatwelten durchgespielt hatte.</p><p>�Das w�re Selbstmord�, erkl�rte Rione. �Selbst wenn die Flotte dir folgen w�rde.�</p><p>�Ja, ich wei�. Und die Flotte w�rde mir nicht folgen. Jedenfalls will ich hoffen, dass sie es nicht tun w�rde.� Er lehnte sich zur�ck und schloss die Augen. �Was k�nnen wir den anderen davon erz�hlen?�</p><p>�Gar nichts, John. Denn genau genommen ist das alles nichts weiter als Spekulation.�</p><p>�Glaubst du, es stimmt?�</p><p>�Ich f�rchte ja.�</p><p>�Ich auch.� Er schlug die Augen auf und betrachtete die ungewohnten Sternensysteme. �Als h�tten wir nicht schon genug Sorgen. Wie ich h�rte, gibt es in den Dateien keine aktuellen geheimdienstlichen Informationen �ber das Voranschreiten des Krieges. Konntest du etwas dazu finden?�</p><p>�Nein, das ist alles veraltet.�</p><p>Geary nickte. Wieder fragte er sich, was sich an der Grenze zwischen Allianz und Syndikatwelten abgespielt haben mochte, als ihm auf einmal deutlich wurde, dass es aus dem Blickwinkel der Syndiks so aussehen musste, als s��en sie zwischen zwei M�chten in der Falle. War das der Grund, dass sich deren F�hrer von zwei Seiten gleichzeitig bedroht f�hlten? �Die Syndiks haben ihren Leuten erz�hlt, dass sie unsere Flotte in ihrem Heimatsystem komplett ausgel�scht haben.</p><p>Das Gleiche werden sie auch der Allianz gesagt haben, und die hat keine Ahnung, dass es sich um eine L�ge handelt. Glaubst du, sie werden sich um einen Friedensschluss bem�hen?�</p><p>�Nein.� F�r einen Moment verzog Rione ihr Gesicht schmerzhaft. �Viele in der Allianz sch�tzen sich gegen die K�lte eines endlosen Krieges, indem sie die Syndiks hassen. Sie w�rden keinem Friedensangebot trauen.�</p><p>�Wir haben gesehen, dass es Gr�nde f�r dieses Misstrauen gibt. Die Syndiks haben jede Abmachung gebrochen und uns Fallen gestellt, wo sie nur konnten.�</p><p>�Was trotz vor�bergehender Vorteile auf lange Sicht gegen sie gearbeitet hat, weil wir nun mit ihnen �berhaupt keine Vereinbarungen mehr treffen, denn wir trauen ihnen nicht mehr zu, dass sie sich daran halten.�</p><p>Er sah sich das Display an. �Da etliche Syndik-Kriegsschiffe damit besch�ftigt sind, uns zu finden und zu vernichten, ist zu hoffen, dass sie die momentane milit�rische Situation nicht ausnutzen konnten.�</p><p>�Au�erdem hast du mehr als nur ein paar Syndik-Kriegsschiffe zerst�rt�, erg�nzte Rione.</p><p>�Das hat die Flotte geleistet�, korrigierte Geary sie. �Trotzdem � Ich frage mich, welche K�mpfe in diesem Moment nahe der Grenze zur Allianz ausgetragen werden. Diese Syndik-Matrosen, die wir bei Scylla gefangen genommen haben, konnten uns dazu gar nichts sagen.� K�mpften verbliebene Teile der Allianz-Flotte verzweifelt auf mehr oder weniger verlorenem Posten, w�hrend die Allianz selbst in aller Hektik neue Kriegsschiffe baute und Besatzungen ausbildete? Wie viele der Kriegsschiffe entlang der Grenze w�rden zerst�rt werden, w�hrend die Flotte unter Gearys Kommando alles daransetzte, nach Hause zur�ckzukehren? �Ich habe eine Gro�nichte auf der <emphasis>Dreadnought.�</emphasis></p><p>Rione zog �berrascht die Augenbrauen hoch. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Michael Geary sagte es mir, kurz bevor die <emphasis>Repulse</emphasis> zerst�rt wurde.� Unmittelbar bevor sein Gro�neffe sich und sein Schiff geopfert hatte, um dem Rest der Flotte die Flucht aus dem Syndik-Heimatsystem zu erm�glichen. �Er gab mir eine Nachricht f�r sie mit.�</p><p><emphasis>�Sag ihr, dass ich dich zum Schluss nicht mehr gehasst habe.� Ich kann ihm nicht mal ver�beln, dass er Black Jack Geary gehasst hat, diesen unerreichbaren Helden, in dessen Schatten er sein Leben lang gestanden hatte. Den lebenden Sternen sei Dank, dass wir beide wenigstens genug Zeit miteinander verbringen konnten, damit er feststellen konnte, dass ich gar nicht jener Black Jack bin, den er zu hassen gelernt hatte. Hat meine Gro�nichte die gleiche Einstellung zu mir? Was k�nnte sie mir �ber die Familie erz�hlen, die mir die Zeit genommen hat?</emphasis></p><p>�Ich hoffe, du findest sie�, sagte Rione leise.</p><p>�Du hast mir nie davon erz�hlt, ob du zu Hause Familie hast�, gab Geary zur�ck.</p><p>�Ich habe einen Bruder und eine Schwester und beide haben sie Kinder. Meine Eltern leben noch. Damit habe ich noch all das, was dir weggenommen wurde. Ich hoffe, du verstehst, warum ich sie noch nie erw�hnt hatte. Mir behagt der Gedanke nicht, dass meine Erz�hlungen dich dazu zwingen, daran zu denken, was du verloren hast.�</p><p>Er nickte. �Das wei� ich zu sch�tzen. Aber wenn du dar�ber reden willst, kannst du das gerne tun. Was ich verloren habe, bekomme ich nicht dadurch zur�ck, dass du verleugnest, was du hast.�</p><p>�Bist du nicht gut im Verleugnen?�, fragte Rione l�chelnd.</p><p>Geary schnaubte vor Selbstverachtung. �Ich denke, ich bin darin so gut wie jeder andere.�</p><p>�Da muss ich widersprechen.� Sie zeigte auf die Darstellung der Sternensysteme. �Du hast etwas gefunden, was uns allen entgangen ist. Oder was wir nicht haben sehen wollen.�</p><p>Diesmal sch�ttelte er nachdr�cklich den Kopf. �Wir haben gar nichts gefunden. Wie du selbst gesagt hast, gibt es keinen einzigen Beweis. Meinst du, die hochrangigen Autorit�tspersonen der Allianz werden das glauben?�</p><p>�Mir macht mehr die Tatsache Sorge, dass wir ihnen vielleicht von der m�glichen Verwendung der Hypernet-Portale berichten m�ssen, um ihnen die Bedeutung dieser Entdeckung deutlich zu machen.�</p><p>Einen Moment lang sa� er schweigend da. �Du glaubst immer noch, sie w�rden sie als Waffen einsetzen?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, aber wenn die Allianz-Regierung davon erf�hrt, ist es durchaus denkbar, dass sie mehrheitlich zustimmt, die Portale als Waffe gegen die Syndiks einzusetzen. Mein Instinkt sagt mir, dass sie so entscheiden w�rden.� Mit betr�bter Miene betrachtete sie die Darstellung der Sternensysteme. �Und im Allianz-Senat k�me sehr wahrscheinlich eine Mehrheit zugunsten dieser Verwendung zustande, wenn man ihm die Gelegenheit zu einer Abstimmung gibt. �berleg doch nur, John. Wir k�nnten Eingreiftruppen in jedes Syndik-System in unserer Reichweite schicken und dort die Tore zerst�ren. Dann reisen sie weiter von System zu System und ziehen eine Spur v�lliger Verw�stung hinter sich her.�</p><p>�So w�rde das nicht funktionieren�, berichtigte er sie. �Du hast den Kollaps des Portals bei Sancere miterlebt. Der Energieaussto� w�rde auch die Schiffe vernichten, die das Portal zerst�ren. Ihr Einsatz w�re nach dem ersten Portal zu Ende.�</p><p>Sie nickte gedankenverloren. �Also m�ssten wir Roboterschiffe konstruieren, die mit k�nstlichen Intelligenzen bemannt und von ihnen gesteuert werden, damit sie losziehen und Sternensysteme zerst�ren. Weil das All so gro� ist, w�rde den Syndiks Zeit bleiben, um zu erkennen, was wir machen. Ihre Spione k�nnten ihnen Bericht erstatten, und sie k�nnten entsprechend Vergeltung �ben. Ganze Flotten von k�nstlichen Intelligenzen, die ein Sternensystem nach dem anderen zerst�ren und nach und nach die gesamte Menschheit ausl�schen. Was f�r einen Albtraum k�nnten wir entfesseln!�</p><p>�belkeit erfasste ihn bei dem Gedanken, denn er wusste, dass Rione vollkommen recht hatte. �Es tut mir leid. Ich hatte nicht vorgehabt, dir so etwas aufzuhalsen.�</p><p>�Dir blieb kaum eine andere Wahl, und du hast gute Absichten verfolgt.� Sie seufzte. �Ich kann nicht erwarten, dass ein einzelner Mann alle Last dieser Flotte auf sich nimmt.�</p><p>�Ich habe dich nicht mal gefragt, ob du diese Last �berhaupt mit mir teilen willst.�</p><p>�Na ja, du bist ein Mann, nicht wahr?� Sie zuckte mit den Schultern. �Es ist ja gut ausgegangen.�</p><p>�Ist es das?�</p><p>Sie legte den Kopf schr�g und musterte Geary. �Was macht dir zu schaffen? Wenn ich mich nicht irre, bezog sich deine Bemerkung nicht auf Syndiks, Au�erirdische oder Killerroboter.�</p><p>Er erwiderte ihren Blick. �Es geht um dich und mich. Ich versuche zu verstehen, was zwischen uns l�uft.�</p><p>�Guter Sex, gegenseitiger Trost, Gesellschaft. Erwartest du noch etwas anderes von unserer Beziehung?�</p><p>�Du denn?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Rione dachte l�nger �ber die Frage nach, dann sch�ttelte sie den Kopf und wiederholte: �Ich wei� nicht.�</p><p>�Dann liebst du mich also nicht.�</p><p>Da war wieder dieser k�hle, belustigte Gesichtsausdruck. �Soweit ich wei�, nein. Bist du entt�uscht?� Gearys Miene oder K�rpersprache mussten ihn verraten haben, da Rione pl�tzlich ernst wurde. �John, es gab in meinem Leben einen Mann, den ich geliebt habe. Das habe ich dir gesagt. Er ist tot, aber das �ndert nichts an meiner Liebe zu ihm. Seitdem habe ich mich ganz der Allianz verschrieben und versuche, den Menschen zu dienen, f�r die mein Mann sein Leben gab. Was noch �brig ist, geh�rt momentan dir.�</p><p>Er musste leise lachen. �Dein Herz bekomme ich nicht, deine Seele geh�rt der Allianz. Was bleibt dann noch f�r mich �brig?�</p><p>�Mein Verstand, und das ist nicht gerade wenig.�</p><p>Er nickte. �Nein, allerdings nicht.�</p><p>�Kannst du mit diesem Teil von mir gl�cklich sein, wenn du wei�t, dass der Rest anderen vorbehalten ist?�, fragte sie ruhig.</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Du bist einfach zu ehrlich, John�, seufzte sie. �Aber ich bin ganz genauso. Vielleicht sollten wir uns gegenseitig bel�gen.�</p><p>�Ich glaube, das w�rde nicht funktionieren�, konterte er ironisch und musste sich unwillk�rlich fragen, ob sie das alles wirklich ehrlich meinte. Oder verfolgte sie heimlich eine andere Absicht, von der er nichts wusste? In vieler Hinsicht erschien ihm Victoria Riones Verstand genauso fremd wie die entlegene Grenze der Syndikatwelten.</p><p>�Nein, da hast du wohl recht.� Sie sah an ihm vorbei. �W�rde denn Ehrlichkeit funktionieren?�</p><p>�Das wei� ich auch nicht.�</p><p>�Das wird die Zeit schon zeigen.� Sie bet�tigte eine Taste und schaltete die Darstellung ab. Dann stand sie auf und betrachtete ihn mit einer Miene, die er einfach nicht deuten konnte. �Ich verga�, dass dir noch ein anderer Teil von mir zur Verf�gung steht. Mein K�rper. Du hast nicht gefragt, trotzdem sage ich es dir. Den habe ich seit dem Tod meines Mannes niemandem angeboten.�</p><p>Er konnte nicht die mindeste Spur von Unsicherheit bei ihr entdecken, und er w�rde den Teufel tun, diese Aussage anzuzweifeln. �Ich verstehe dich wirklich nicht, Victoria.�</p><p>�Ist das der Grund, warum du emotional Abstand wahrst?�</p><p>�M�glicherweise.�</p><p>�Das ist vielleicht auch besser so.�</p><p>�Du bist auch nicht gerade offen zu mir�, machte Geary klar.</p><p>�Das stimmt. Ich habe dir nichts versprochen, und du solltest mir auch nichts versprechen. Wir sind beide Veteranen, was das Leben angeht, John. Wir haben Narben von den Verlusten davongetragen, weil uns die Menschen etwas bedeuteten. Irgendwann solltest du mir von ihr erz�hlen.�</p><p>�Ihr?� Er wusste genau, was Rione meinte, aber er wollte es nicht zugeben.</p><p>�Wer immer sie auch war. Die eine, die du zur�ckgelassen hast. Die eine, an die du manchmal denkst.�</p><p>Er senkte seinen Blick und versp�rte eine Leere, die aus m�glicherweise verpassten Chancen geboren war. �Das sollte ich wirklich. Irgendwann.�</p><p>�Du hast mir gesagt, du warst nicht verheiratet.�</p><p>�Das stimmt. Es ist etwas, das h�tte passieren k�nnen, das aber nicht eingetreten ist. Der Grund ist mir noch immer nicht so ganz klar. Aber es blieb vieles unausgesprochen, was h�tte ausgesprochen werden sollen.�</p><p>�Wei�t du, was nach deinem mutma�lichen Tod im All aus ihr geworden ist?�</p><p>Geary starrte ins Nichts, w�hrend er zur�ckdachte. �Etwas geschah vor meinem Gefecht. Ein Unfall. Ein d�mlicher Unfall. Weil ihr Schiff weit weg war, erfuhr ich davon erst, als sie bereits drei Monate tot war. Ich hatte vorgehabt, mit ihr wieder Kontakt aufzunehmen und mich zu entschuldigen, weil ich so ein Idiot gewesen war.�</p><p>�Das tut mir sehr leid, John.� Die Traurigkeit war ihren Augen deutlich anzusehen. �Es f�llt nicht leicht, Tr�ume sterben zu lassen, auch wenn sie nur Tr�ume geblieben sind.� Sie griff nach seiner Hand und zog ihn hoch, damit er vor ihr stand. �Wenn du dich bereit f�hlst, kannst du mir mehr von ihr erz�hlen. Du hast noch nie mit irgendwem dar�ber gesprochen, oder? Das dachte ich mir. Offene Wunden k�nnen nicht verheilen, John.� Sie kam n�her und k�sste ihn z�rtlich. �Das ist f�r eine Nacht genug Gesellschaft, und du hast f�r uns beide zusammen viel zu viel gedacht. Ich m�chte jetzt lieber das genie�en, was unsere Beziehung noch zu bieten hat.�</p><p>Ihr K�rper f�hlte sich in seinen Armen warm und lebendig an, und f�r eine Weile waren wenigstens die Sorgen der Gegenwart und die Erinnerungen an die Vergangenheit vergessen.</p><p>Die richtige Formation zu finden war das Dilemma. Die Allianz-Flotte befand sich ganz in der N�he des Sprungpunkts, durch den eine Syndik-Streitmacht zum Vorschein kommen konnte. Das bedeutete, ihm blieb nur wenig Zeit, um seine Formation anzupassen, sodass er vermutlich seine Flotte so einsetzen musste, wie sie angeordnet war. Aber er w�rde die Formation der feindlichen Streitmacht erst zu sehen bekommen, sobald die hier eintraf.</p><p>Klar war ihm nur eines: Wenn die Syndiks einer kleinen, schwer in Mitleidenschaft gezogenen Allianz-Streitmacht dicht auf den Fersen waren, w�rden sie mit ihrem Angriff keine Zeit vergeuden. Es war fast mit Sicherheit davon auszugehen, dass schnelle leichte Einheiten den fliehenden Allianz-Schiffen nachstellen w�rden. Die lie�en sich leicht aus dem Weg r�umen, ganz gleich wie Gearys Formation aussah. Das Problem war aber, was danach kam. Schwere Kreuzer lie�en sich auch noch schnell eliminieren, doch wenn die Syndiks den leichten Einheiten Schlachtschiffe folgen lie�en, dann musste Geary sicherstellen, dass die nicht zu viele von seinen eigenen Schiffen mit sich rissen.</p><p>Im schlimmsten Fall bekamen sie es mit einer �berlegenen Syndik-Streitmacht zu tun, und dann musste die Allianz schnell und energisch zuschlagen, um das �berraschungsmoment zu nutzen.</p><p>�Das k�nnte sehr unangenehm werden�, merkte Geary an, nachdem er mit Captain Duellos die m�glichen Optionen durchgesprochen hatte. �Aber da wir uns in der N�he des Sprungpunkts aufhalten, bedeutet es, dass die sich nicht verteilen k�nnen. Ich werde unsere Schiffe eine modifizierte Becher-Formation einnehmen lassen.� Auf dem Display zwischen ihnen erinnerte die Formation tats�chlich an einen Becher mit einem dicken kreisf�rmigen Boden, bestehend aus mehr als der halben Flotte in einer Matrix mit �berlappenden Schussfeldern. Die �brigen Schiffe waren in einem Halbrund angeordnet, das sich in Richtung des Feindes erstreckte. �Wir werden in der Lage sein, sie an einer Stelle massiv unter Beschuss zu nehmen und dann einen weiteren Abschnitt ihrer Formation zu attackieren, wie auch immer die aussehen mag.�</p><p>�Wenn sie uns zahlenm��ig weit �berlegen sind, werden wir sie wie der Teufel bombardieren, selbst wenn wir dabei vernichtet werden�, erwiderte Duellos. �Nicht gerade der ideale Ausgang, aber zusammen mit den Verlusten, die wir ihnen bei Kaliban und Sancere zugef�gt haben, werden die Syndiks im Krieg keinen zahlenm��igen Vorteil mehr haben.�</p><p>Geary nickte und schaute auf das Display. �Also w�rde der Krieg weitergehen.�</p><p>�Der Krieg w�rde weitergehen�, best�tigte Duellos.</p><p>�Ich w�rde gern zu einem besseren Ergebnis gelangen.�</p><p>Duellos grinste zynisch. �Sie k�nnen auf die Flotte z�hlen. Hier kommt alles zusammen: der Stolz der Flotte, der Wunsch, die Schiffe unserer Kameraden zu retten, das aus den j�ngsten Siegen geborene Selbstbewusstsein, die Ausbildung, die wir von Ihnen erhielten. Auch wenn unsere Chancen schlecht stehen, k�nnen wir etwas zustande bringen.� Sein Grinsen wurde noch etwas breiter. �Und gerade f�llt mir etwas ein, wie wir unsere Chancen verbessern k�nnen.�</p><p><emphasis>Man sollte meinen, dass man sich an das Warten gew�hnt, wenn man so viele Jahre bei der Flotte ist,</emphasis> �berlegte Geary, w�hrend er durch die Korridore der <emphasis>Dauntless</emphasis> schlenderte. Sehr viel Zeit bei der Flotte verbrachte man einfach nur mit Warten. Warten darauf, irgendwo anzukommen. Warten, wenn man angekommen war. Warten auf einen Notfall oder eine Krise, die vielleicht gar nicht eintreten w�rden. Warten darauf, dass man herausfand, wie lange man w�rde warten m�ssen. Das schien genauso ein Teil des Lebens eines Milit�rs zu sein wie die miese Verpflegung und die Gefahr, get�tet zu werden.</p><p>Diese Erkenntnis machte es ihm nicht leichter, darauf zu warten, ob irgendwelche Schiffe zu ihnen zur�ckkehren w�rden. Die Flotte war direkt vor dem Sprungpunkt in Position gegangen, durch den Allianz-Schiffe kommen konnten, sofern sie so lange �berlebt hatten. Seine Schiffe hingen quasi im All, w�hrend sie dem Sprungpunkt auf seinem gem�chlichen Weg durch das System folgten. Die Hilfsschiffe waren ausgelastet, da sie neue Waffen und Ersatzteile produzieren mussten, gleichzeitig waren an allen m�glichen Kriegsschiffen Wartungen oder Reparaturen vorzunehmen. Geary hatte pers�nlich getan, was er konnte, um die Flotte vorzubereiten, aber er war zu rastlos, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Also streifte er durch die Korridore der <emphasis>Dauntless,</emphasis> wo er den Matrosen und Offizieren begegnete, deren Gesichter ihm allm�hlich vertrauter wurden und denen er nach und nach auch einen Namen zuordnen konnte. Ganz langsam stellte sich bei ihm das Gef�hl ein, dass er wirklich hierher geh�rte.</p><p>In einem Gang begegnete er Captain Desjani und stellte �berrascht fest, dass sie jene gute Laune ausstrahlte, die ihr sonst nur anzumerken war, wenn sie zusah, wie Syndik-Schiffe zerst�rt wurden. �Sie wirken so gut gelaunt�, sprach er sie freundlich an.</p><p>L�chelnd erwiderte sie: �Ich konnte mich ausf�hrlich mit jemandem von der <emphasis>Furious</emphasis> unterhalten, Sir.�</p><p>Die <emphasis>Furious</emphasis> war weit von der Flotte entfernt, da sie wieder die Eingreiftruppe auf einer weiteren Spezialmission anf�hrte. Einen Moment lang r�tselte Geary, warum Desjani sich ausgiebig mit Captain Cresida unterhalten sollte, zumal eine gro�e Zeitverz�gerung zu ber�cksichtigen war. Dann aber verstand er, was sie meinte. �Wie geht es Lieutenant Casell Riva?�</p><p>Sie err�tete ein wenig. �Sehr gut, Captain. Er ist sehr beeindruckt von Captain Cresida und den neuen Sensoren und Waffen, die wir haben.�</p><p>�Verstehe. Es freut mich, dass ihm die neuen Waffen der Flotte gefallen.�</p><p>�Um ehrlich zu sein, er ist froh dar�ber, befreit worden zu sein, und es schien ihm zu gefallen, mit mir zu reden�, gestand Desjani.</p><p>�Ich nehme an, er ist sogar sehr froh, Tanya. Hat er sich auch gut eingelebt?�</p><p>Ihr L�cheln verblasste ein wenig. �Es gab ein paar schwierige Momente, hat er mir anvertraut. Die andauernde Gefangenschaft im Syndik-Arbeitslager ohne Hoffnung auf eine Heimkehr wird ihn noch lange Zeit verfolgen. Manchmal wacht er in Panik auf, weil er f�rchtet, die Befreiung k�nnte nur eine Halluzination gewesen sein. Aber nat�rlich hat er jetzt wieder Hoffnung gesch�pft.� Nach einer kurzen Pause f�gte sie an: �Cas � Lieutenant Riva war �berrascht �ber die Art, wie Sie die Flotte f�hren. Die Taktiken, die Sie anwenden, und so weiter. Dass Captain Falco die Flotte verlassen hat, irritiert und betr�bt ihn noch immer. Aber er hat alles mitverfolgt, was bei Sancere geschehen ist, und er war sehr erstaunt, Sir.�</p><p>Nun f�hlte Geary sich in Verlegenheit gebracht. �Vieles ist richtig gelaufen. Wir hatten Gl�ck.�</p><p>�F�r einen Gro�teil unseres Gl�cks waren Sie verantwortlich, Sir, wenn ich das so sagen darf.� Wieder verstummte sie kurz. �Er ist immer noch der Mann, den ich in Erinnerung hatte. Vielleicht wird sich daraus wieder etwas entwickeln.�</p><p>�Das m�chte ich hoffen. Dieser Krieg bringt schon genug Menschen Chaos in ihr Leben. Da ist es sch�n, wenn zwei von ihnen eine Chance auf einen Neuanfang bekommen.�</p><p>Desjani nickte, ihre Gedanken waren weit in die Vergangenheit abgeschweift. �Wir werden sehen. Es ist viel Zeit nachzuholen, wir m�ssen viele Erfahrungen teilen. Wussten Sie eigentlich, dass sich unter den bei Sancere heruntergeladenen Dateien auch eine riesige Datenbank befindet, die die Kriegsgefangenen der Syndiks auflistet? Sie ist nicht auf dem neuesten Stand, die j�ngsten Eintr�ge sind auch schon wieder drei Jahre alt, aber es finden sich etliche Namen von Matrosen auf der Liste, die wir f�r tot gehalten haben. Falls wir � entschuldigen Sie, Sir. Wenn wir ins Gebiet der Allianz zur�ckkehren, wird es viele Leute geben, die sich freuen werden, welche Namen aufgelistet sind.�</p><p>Geary sah sie neugierig an. �Wie lange ist es her, dass die Syndiks der Allianz eine Aufstellung ihrer Gefangenen �bermittelt haben?�</p><p>�Mindestens einige Jahre, aber das genaue Datum muss ich nachsehen. Irgendwann beschlossen die Syndiks, dass es der Moral der Allianz mehr schadet, wenn nicht bekannt ist, ob das verschollene Personal tot oder in Gefangenschaft ist. Die Allianz hat im Gegenzug den Syndiks nat�rlich auch keine Listen mehr �berlassen.�</p><p>Das war kein angenehmer Gedanke. Es war schon schlimm genug, Freunde, Geliebte und Angeh�rige in den Krieg ziehen zu lassen, aber wenn man nicht einmal erfuhr, was aus ihnen geworden war, dann kam das einer qu�lenden Folterung gleich. �Wir m�ssen unsere Liste aktualisieren, danach k�nnen wir die Syndiks vielleicht dazu bewegen, dass der Datenaustausch wiederaufgenommen wird.�</p><p>�Wenn das jemandem gelingen kann, dann Ihnen�, erwiderte Desjani. �Ich habe gerade erst begonnen, mir die Liste anzusehen. Es sind unglaublich viele Namen, die auf eine etwas eigenartige Weise sortiert sind, daher bekomme ich bei meinen Suchen meistens Ergebnisse geliefert, um die ich gar nicht gebeten habe. Aber es gibt ein paar Leute, deren Schicksal mich interessiert. Einige von ihnen gerieten angeblich in Gefangenschaft, andere sind mutma�lich im Gefecht gefallen. Vielleicht erhalte ich jetzt eine Best�tigung, was aus ihnen geworden ist.�</p><p>�Ich sch�tze, das werden au�er Ihnen noch viele machen�, sagte Geary. Eine drei Jahre alte Liste w�rde ihm keine Auskunft dar�ber geben, ob es seinem Gro�neffen wie durch ein Wunder doch noch gelungen war, sich unmittelbar vor ihrer Zerst�rung von der <emphasis>Repulse</emphasis> zu retten. Am besten war es, wenn er davon ausging, dass Michael Geary tot war. Dann konnte er sich immer noch angenehm �berraschen lassen, sollte er doch noch leben. Allerdings gab es wenig Grund zu der Annahme, er k�nnte das Ende seines Schiffs �berstanden haben.</p><p>Das brachte seine Gedanken zur�ck zu den neununddrei�ig Schiffen, die Captain Falco bei Strabo gefolgt waren. Wie viele von ihnen hatten �berlebt? Er w�nschte, er w�sste die Antwort darauf bereits, so schrecklich die vermutlich auch ausfallen w�rde. Die Ungewissheit war fast so schlimm wie die Bef�rchtung, dass allenfalls ein paar Schiffe nach Ilion gelangen w�rden.</p><p>�Sie sind da!�</p><p>Geary st�rmte aus seiner Kabine, ohne zuvor noch einen Blick auf sein Display zu werfen. Er rannte durch die langen Korridore und kletterte Leitern nach oben, bis er schlie�lich keuchend auf der Br�cke eintraf, wo er sich in seinen Sessel fallen lie�. Dann aktivierte er sein Display und betete insgeheim, es m�ge so viele �berlebende wie nur irgend m�glich geben.</p><p>Zu seinem Erstaunen wurden drei Schlachtschiffe angezeigt. Die Systeme der <emphasis>Dauntless</emphasis> identifizierten sie als die <emphasis>Warrior</emphasis>, <emphasis>Orion</emphasis> und <emphasis>Majestic.</emphasis> Ein einzelner Schlachtkreuzer, die <emphasis>Invincible,</emphasis> war ebenfalls dabei, hatte aber so schwere Sch�den davongetragen, dass Geary die Statusmeldung zweimal lesen musste, um sie zu glauben. Von den sechs Schweren Kreuzern hatten nur zwei �berlebt. Keiner der vier Leichten Kreuzer war zu entdecken, und die neunzehn Zerst�rer waren auf sieben Schiffe reduziert worden.</p><p>�Diese verdammten Idioten�, fluchte Geary leise. Ein Schlachtschiff und zwei Schlachtkreuzer hatten sie verloren, und von den insgesamt neununddrei�ig Schiffen, die Falco gefolgt waren, hatten es nur dreizehn nach Ilion geschafft.</p><p>Captain Desjanis Gesicht war vor Zorn kreidebleich. �Die <emphasis>Triumph</emphasis> hat es nicht geschafft. Ich muss Sie sicher nicht daran erinnern, dass es die <emphasis>Triumph</emphasis> war, die zur�ckblieb, um uns an einer Verfolgung der Flotte zu hindern, als sich die anderen gro�en Schiffe entfernten.�</p><p>�Das hat der <emphasis>Polaris</emphasis> und der <emphasis>Vanguard</emphasis> nicht viel gebracht�, fauchte Geary, der nur zu gut wusste, dass seine Stimme die Wut verriet, die er empfand. �Sehen Sie sich die <emphasis>Invincible</emphasis> an. Wie kann die sich �berhaupt noch von der Stelle bewegen?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung. Aber auch die anderen Schiffe wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ich wei� nicht, ob die <emphasis>Titan</emphasis> sie �berhaupt wieder so weit wiederherstellen kann, dass sie voll einsatzf�hig sind.�</p><p>�Das werden wir noch herausfinden.� Schlie�lich tippte Geary auf seine Komm-Kontrollen. �Colonel Carabali, nehmen Sie Kontakt mit den Marine-Einheiten auf der <emphasis>Warrior,</emphasis> der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> auf. Die Captains Kerestes, Numos und Faresa werden mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert und sind unverz�glich unter Arrest zu stellen. Das Gleiche gilt f�r Captain Falco, der sich der groben Fahrl�ssigkeit schuldig gemacht und auf verbrecherische Weise den Verlust etlicher Schiffe der Allianz herbeigef�hrt hat.� Eine Anklage wegen Meuterei konnte noch warten. Wichtig war Geary zu wissen, dass Falcos Dummheit sie so viele Schiffe gekostet hatte. Er bet�tigte eine andere Taste. �<emphasis>Warrior, Orion</emphasis> und <emphasis>Majestic,</emphasis> hier spricht Captain Geary, Befehlshaber der Allianz-Flotte. Ihre befehlshabenden Offiziere sind mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Ihre jeweiligen Stellvertreter �bernehmen bis auf Weiteres das Kommando.� Eine weitere Taste, und er war mit der gesamten Flotte verbunden. �An alle Einheiten, die soeben im Ilion-System eingetroffen sind: Beschleunigen Sie, so gut Sie k�nnen, und begeben Sie sich hinter die Flottenformation zu den Schnellen Hilfsschiffen und ihren Eskorten. Wir gehen davon aus, dass Sie verfolgt werden, und ben�tigen ein freies Schussfeld. Die Eingreiftruppe Furious wird hinter Ihnen die Operation Barrikade ausf�hren. Alle anderen Einheiten der Allianz-Flotte machen sich gefechtsbereit. Wir haben eine Menge Kameraden zu r�chen.�</p><p>�Operation Barrikade?� Rione war auf die Br�cke gekommen und schnappte nach Luft, da sie offenbar ebenfalls gerannt war. Als sie auf das Display schaute und das Ausma� der erlittenen Verluste erkannte, wurde sie bleich.</p><p>�Operation Barrikade ist eine nette kleine Idee von Captain Duellos�, erkl�rte er. �Wir haben die Schiffe, die der <emphasis>Furious</emphasis> unterstellt sind, mit den meisten Minen beladen, die wir haben. Im Augenblick passieren sie den Sprungpunkt und legen ein Minenfeld, das so dicht ist, wie es uns in der wenigen uns verbleibenden Zeit m�glich ist.�</p><p>Captain Desjani freute sich bereits sichtlich auf den Anblick, wenn die Syndiks mit den Minen kollidierten. �Was das Ganze so erfreulich ironisch macht, ist die Tatsache, dass wir in der Lage sind, diese Minen einzusetzen, weil die Hilfsschiffe mit den bei Sancere an Bord genommenen Rohstoffen mehr als genug Nachschub produzieren k�nnen. Die Syndiks selbst haben uns in die Lage versetzt, ihnen dieses Hindernis in den Weg zu legen.�</p><p>Auf seinem Display konnte Geary zeitverz�gert mit ansehen, wie die <emphasis>Furious</emphasis> und andere Schiffe der Eingreiftruppe den Ausgang des Sprungpunkts �berquerten, um die Minen abzusetzen. �Was geschieht, wenn Syndik-Schiffe in dem Moment den Sprungpunkt verlassen, w�hrend sich die <emphasis>Furious</emphasis> noch davor befindet?�</p><p>�Das Risiko besteht nat�rlich�, r�umte Geary ein. �Auch wenn die Eingreiftruppe in Bereitschaft stand, um sofort zu beginnen, sobald unsere Schiffe eingetroffen waren, besteht nat�rlich die Gefahr, dass die Syndiks fr�her hier eintreffen, wenn die Minen noch nicht komplett ausgelegt sind. Darum habe ich Captain Cresida auch lediglich gebeten, sich freiwillig f�r diesen Einsatz zu melden.� Wenigstens dachte er endlich daran, ihren neuen Dienstgrad zu benutzen.</p><p>Rione warf ihm einen missbilligenden Blick zu. �Glauben Sie ernsthaft, Captain Cresida w�rde die Bitte, sich freiwillig zu melden, anders behandeln als einen direkten Befehl?�</p><p>Desjani reagierte sichtlich ver�rgert, w�hrend Geary versuchte, keine Miene zu verziehen. Riones Vorwurf war zutreffend genug, um ihm einen Stich zu versetzen. �Madam Co-Pr�sidentin, wenn ich alles vermeiden w�rde, was den Tod einiger meiner Untergebenen zur Folge haben kann, dann w�re ich vor Unentschlossenheit wie gel�hmt, und das w�rde f�r <emphasis>alle</emphasis> meine Untergebenen entweder den Tod oder ein Syndik-Arbeitslager bedeuten.�</p><p>�Solange Ihnen die Konsequenzen Ihres Handelns bewusst sind�, erkl�rte Rione.</p><p>Diesmal schaute Geary sie finster an und fragte sich, warum Rione so vorwurfsvoll agierte. Aber vielleicht wollte sie damit nur unterstreichen, dass sie weiter die Stimme seines Gewissens sein w�rde. �Wenn es Ihnen darum geht, dass ich ehrlich bin�, gab er leise zur�ck, �dann ist Ihnen das gelungen.�</p><p>Er konzentrierte sich wieder auf sein Display und sah, dass die Diskussion ihn wenigstens ein paar Minuten lang von seiner Sorge um die Eingreiftruppe Furious abgelenkt hatte. Der Ausgang des Sprungpunkts war zehn Lichtminuten entfernt, sodass sein Befehl, die Befehlshaber der drei Schlachtschiffe zu suspendieren, jetzt die Schiffe erreichte. Die Syndiks konnten schon vor einigen Minuten ins System gesprungen und mit der Eingreiftruppe kollidiert sein, und er w�rde jetzt noch immer nichts davon wissen.</p><p>Die Anzeige auf seinem Display wurde aktualisiert, und er bekam zu sehen, wo vor fast zehn Minuten die Minen im All verteilt worden waren. Es war ein erfreulich dichtes Feld, da Geary fast keine Minen zur�ckbehalten hatte, auch wenn sie sp�ter noch daf�r w�rden zahlen m�ssen. Seine Schiffe w�rden zweifellos auch noch etliche Kart�tschen und Geister einzusetzen haben und Sch�den beim Gefecht davontragen, die repariert werden m�ssten. Die vier Hilfsschiffe waren nicht in der Lage, alle Ersatzteile gleichzeitig zu produzieren, auch wenn sie noch so viele Rohstoffe aus Sancere mitgenommen hatten. Es w�rde einige Zeit in Anspruch nehmen, das alles herzustellen und zu verteilen. Wenigstens konnten die Hilfsschiffe w�hrend des Sprungtransits die Produktion fortf�hren, und wenn sie Baidur erreichten, sollte ein Gro�teil der Waffen fertiggestellt sein.</p><p>Sofern sie Baidur erreichten, hielt sich Geary vor Augen. Sie waren noch weit von diesem Stern entfernt, und vor ihnen lag wahrscheinlich noch eine gro�e Schlacht.</p><p>�Die <emphasis>Invincible</emphasis> h�ngt wirklich hinterher�, stellte Desjani fest.</p><p>�Mich wundert, dass sie �berhaupt noch von der Stelle kommt�, erwiderte Geary und sah sich wieder die Auflistung der Sch�den an, die dem Schlachtkreuzer zugef�gt worden waren. Beim Blick auf das Display betrachtete er das Vorankommen der fliehenden Allianz-Schiffe und versuchte einzusch�tzen, wann die sie verfolgenden Syndiks auftauchen w�rden. <emphasis>Wir d�rfen uns nicht zu nah am Sprungpunkt aufhalten, wenn die Syndiks eintreffen, aber wenn wir uns jetzt nicht bewegen, dann werden wir wom�glich nicht in der Lage sein, die</emphasis> Invincible <emphasis>zu besch�tzen. Ich muss die</emphasis> Repulse <emphasis>ihrem Schicksal �berlassen, aber die</emphasis> Invincible <emphasis>lasse ich nicht im Stich.</emphasis></p><p>�Alle Einheiten der Allianz-Flotte, beschleunigen Sie auf 0,05 Licht bei Zeit null vier. Bleiben Sie in relativer Position zum Flaggschiff.� Er wandte sich an Desjani. �Captain, halten Sie die <emphasis>Dauntless</emphasis> bitte auf einem Kurs, der auf das Zentrum des Sprungpunkts gerichtet ist.�</p><p>�Ja, Sir.� Desjani erteilte die entsprechenden Befehle und war nach au�en hin so ruhig wie immer.</p><p>Geary �berlegte einen Moment lang. �Eingreiftruppe Furious. Nach Abschluss der Operation Barrikade nehmen Sie eine Position hinter dem Sprungpunkt und ein St�ck oberhalb davon ein.� Musste er noch andere Vorkehrungen treffen? Die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Majestic</emphasis> und die <emphasis>Orion</emphasis> hatten mittlerweile fast den Rest der Flotte erreicht. Mehrere �berlebende Zerst�rer begleiteten sie, w�hrend die beiden verbliebenen Schweren Kreuzer und die restlichen Zerst�rer bei der <emphasis>Invincible</emphasis> verharrten. Er w�rde sich merken m�ssen, dass sie das getan hatten. In Anbetracht des bevorstehenden Gefechts konnte Geary es sich nicht leisten, alle Commander zu suspendieren, die sich Falco angeschlossen hatten. Vielleicht w�rde das auch gar nicht n�tig werden, wenn die Befehlshaber dieser Schiffe den Mut und die Disziplin bewiesen, bei der schwer besch�digten <emphasis>Invincible</emphasis> zu bleiben, obwohl der Rest der Flotte ihnen Sicherheit versprach.</p><p>Ein ganzes St�ck hinter der Allianz-Formation wurden die Hilfsschiffe von vier Eskortschiffen aus der Zweiten Schlachtschiffdivision bewacht, die gen�gen sollten, um jeden auf ihre Schutzbefohlenen gerichteten Angriff abzuwehren. Niemand wollte die Gelegenheit vers�umen, sich an einem Gefecht zu beteiligen, aber Geary hatte den Commandern dieser Schiffe versprochen, dass sie bei der n�chsten Konfrontation mit den Syndiks�� die es ganz sicher geben w�rde�� an vorderster Front der Flotte zum Einsatz kommen sollten.</p><p>Die <emphasis>Majestic,</emphasis> die <emphasis>Warrior</emphasis> und die <emphasis>Orion</emphasis> flogen, als w�re der Teufel hinter ihnen her, und durchquerten die Allianz-Formation ohne auch nur abzubremsen. �Ich h�tte mich ja in die Gefechtslinie eingereiht�, brummte Desjani ver�rgert dar�ber, dass die drei Schlachtschiffe es nicht f�r n�tig hielten, den anderen beim Angriff auf ihre Verfolger zu helfen. Auch wenn diese Schiffe besch�digt worden waren, hatte Desjani nach Gearys Ansicht v�llig recht. <emphasis>Der Austausch des Befehlshabers wird sie nicht zu zuverl�ssigen Bestandteilen der Flotte machen. Die Besatzungen wollen sich vor Angst irgendwo verkriechen, obwohl der Rest der Flotte hier ist, um sie zu besch�tzen. Es sollte mich eigentlich nicht wundern, dass Schiffe unter dem Kommando von Leuten wie Numos oder Faresa �ber keine hochmotivierten Crews verf�gen. Es wird ein gewaltiges St�ck Arbeit bedeuten, diese Leute umzuerziehen und zu inspirieren.</emphasis></p><p><emphasis>Arbeit, die auf mich wartet, wenn die Schlacht geschlagen ist, die zweifellos kommen wird.</emphasis></p><p>Als h�tten sie Desjanis Bemerkung geh�rt, machten die Zerst�rer kehrt, die die drei verwundeten Schlachtschiffe begleiteten, und flogen auf die Geschwader zu, denen sie vor ihrer Abspaltung bei Strabo angeh�rt hatten, und versuchten, ihren Platz in der Flottenformation einzunehmen. Geary warf einen Blick auf die Schadensmeldungen, die von ihnen an die Flotte gesendet wurden, und sch�ttelte den Kopf. �<emphasis>Claymore</emphasis> und <emphasis>Cinqueda,</emphasis> hier ist Captain Geary. Ihre Kampfbereitschaft habe ich mit Stolz und Vergn�gen zur Kenntnis genommen, aber Sie sind zu stark besch�digt. Begeben Sie sich zu den Hilfsschiffen, damit die mit den Reparaturen beginnen k�nnen, und unterst�tzen Sie deren Eskorten.� Er hielt inne und �berlegte, dass da noch eine Sache war, die gesagt werden musste. �Wenn sich die Syndiks den Hilfsschiffen n�hern, dann wei� ich, ich kann mich auf Sie verlassen, dass Sie sie tapfer verteidigen werden.� Das klang ein wenig ungelenk, aber es sollte den Stolz dieser Schiffsbesatzungen ansprechen. Das war das Mindeste, was sie daf�r verdienten, dass sie freiwillig hatten weiterk�mpfen wollen. Kampfgeist hatte tats�chlich einen Platz in dieser Flotte.</p><p>Der Austrittspunkt aus dem Sprungraum war noch mehr als acht Lichtminuten entfernt, und von den Syndik-Verfolgern war bislang nichts zu sehen. Die Eingreiftruppe Furious hatte ihre Arbeit getan und befand sich auf dem Weg zur befohlenen Position. Desjani nahm die Entfernung bis zum Sprungpunkt mit Sorge zur Kenntnis. �Sollten wir nicht besser langsamer werden, Sir? Wenn wir zu dicht sind und die Syndiks tauchen auf ��</p><p>�Noch nicht�, wehrte Geary kopfsch�ttelnd ab. �Wir k�nnen die <emphasis>Invincible</emphasis> so nicht besch�tzen.�</p><p>�Verstanden, Sir�, meinte sie am�siert.</p><p>Sollte er jemals Desjanis R�ckhalt verlieren, dann wusste er, dass er sich einen Fehler geleistet haben musste, der schlimmer nicht ausfallen konnte. �Wir behalten unsere Geschwindigkeit bei, bis wir eine Lichtminute von der <emphasis>Invincible</emphasis> entfernt sind, und wenn die Syndiks dann noch immer nicht aufgetaucht sind ��</p><p>�Feindliche Streitkr�fte verlassen den Sprungpunkt�, rief ein Wachhabender, w�hren der Alarm losgellte.</p><p>Geary schaute verwundert auf sein Display, als die Syndik-Flotte in den Normalraum geschossen kam. Kein Schwarm leichter Einheiten, sondern zw�lf Schlachtkreuzer, die in drei vertikalen Diamantformationen angeordnet waren. Dann begriff er, dass diese Taktik durchaus einen Sinn ergab. Wenn der Syndik-Commander davon ausging, vier besch�digten gro�en Schiffen mit nur wenigen Begleitfahrzeugen gegen�berzutreten, warum sollte er dann leichte Einheiten losschicken, die m�glicherweise bei einem Verzweiflungsangriff zerst�rt werden k�nnten? Da war es doch sinnvoller, die Verluste m�glichst gering zu halten und Schiffe ins System zu schicken, von denen die vier Verteidiger f�rmlich �berrannt werden konnten.</p><p>Zum Leidwesen des Syndik-Commanders und seiner zw�lf Schlachtkreuzer erwartete sie aber der Rest von Gearys Flotte sowie ein dichtes Minenfeld.</p><p>Die Syndik-Schlachtkreuzer schwebten majest�tisch mit 0,1 Licht ein paar Sekunden lang durch den Raum jenseits des Portals. Zweifellos sahen sie dabei die wartende Allianz-Flotte, deren Anblick ihnen verriet, dass die Gejagten den Spie� umgedreht hatten. Geary sah mit an, wie die Syndik-Schlachtkreuzer versuchten, nach unten auszuweichen. Ihm blieb gut eine Sekunde, um sich die Frage zu stellen, warum fliehende Schiffe fast immer �abtauchten�, anstatt �aufzusteigen�, so als w�ren sie Flugzeuge oder sogar Menschen auf einer Planetenoberfl�che. Dabei erforderten beide Man�ver im Weltall den gleichen Aufwand.</p><p>In diesem Fall bedeutete es, dass die Syndiks nicht mit dem Bug, sondern mit der Flanke in das Minenfeld steuerten, womit sie f�r die Minen eine noch gr��ere Angriffsfl�che boten. W�ren Begleitschiffe bei ihnen gewesen, h�tte deren Zerst�rung sie noch warnen k�nnen, doch so waren die Treffer an den Schiffen selbst die einzige Warnung, dass sie in eine Falle geraten waren. Explosionen zuckten �ber die H�llen und lie�en die Schilde kollabieren, sodass die n�chsten Treffer dem eigentlichen Rumpf galten. Die Schlachtkreuzer gerieten ins Schwanken, als die Minen L�cher in die H�lle rissen und Tr�mmerst�cke ins All wirbelten. Ein Kreuzer explodierte aufgrund seines �berhitzten Antriebs, zwei weitere folgten in kurzen Abst�nden, bis nur noch ein sich ausdehnendes Feld aus Metallfetzen von ihrer vormaligen Existenz zeugte. Von den neun verbliebenen Kreuzern waren acht nicht l�nger unter der Kontrolle ihrer Besatzungen, w�hrend sie von weiteren Explosionen ersch�ttert wurden�� mal durch eine einzelne Mine, mal durch �berlastete Schiffssysteme.</p><p>Der letzte Schlachtkreuzer, der noch ramponierter war als die <emphasis>Invincible,</emphasis> brachte das Minenfeld hinter sich, und obwohl der gr��te Teil der Antriebseinheiten und der Gefechtssysteme ausgefallen war, blieb er unerbittlich auf Kurs. Geary betrachtete die Anordnung auf dem Schlachtfeld. �Die <emphasis>Warspite</emphasis> befindet sich gerade innerhalb der maximalen Reichweite der Geister. Ist es den Versuch wert, ein paar Treffer zu landen?�</p><p>Desjani nickte. �Dieser Syndik kann keinem Geschoss ausweichen. Er sitzt auf dem Pr�sentierteller.�</p><p>�So wie es die <emphasis>Invincible</emphasis> f�r sie gewesen w�re�, stimmte Geary ihr zu. �<emphasis>Warspite,</emphasis> hier ist Captain Geary. Beschie�en Sie den vordersten Syndik-Schlachtkreuzer mit Geistern. Alle anderen Schiffe: nicht feuern! Das kann nicht die komplette Verfolgerflotte sein. Sie alle werden noch fr�h genug ausreichende Ziele vorgesetzt bekommen.�</p><p>Vierzig Sekunden sp�ter kam die Antwort von der <emphasis>Warspite.</emphasis> �Aye, aye, Captain. Wir er�ffnen das Feuer auf den f�hrenden Schlachtkreuzer.� Auf seinem Display sah Geary vier Geister, die aus dem Schlachtschiff hervorschossen und in einer weiten, flachen Kurve Kurs auf das Syndik-Schiff nahmen.</p><p>�Ganz gleich, was ihnen noch geblieben ist, aber zw�lf Schlachtkreuzer sind bei Weitem nicht genug, um unsere Verluste wettzumachen�, meinte Desjani.</p><p>�Ja, genau. Wo ist der Rest?�, wunderte sich Geary.</p><p>Die Antwort bekam er fast sofort, da sich der nunmehr keine siebeneinhalb Minuten entfernte Ausgang des Sprungpunkts mit feindlichen Schiffen f�llte. Geary zwang sich, in aller Ruhe die Formation der Syndiks zu analysieren: ein tiefes Rechteck, das mit seiner Breitseite der Allianz-Flotte zugewandt war, schwere Schiffe an den Ecken und in der Mitte, die L�cken dazwischen mit leichteren Einheiten aufgef�llt.</p><p>�Zwanzig gro�e Schiffe�, erkl�rte Desjani. �Sechzehn Schlachtschiffe und vier Schlachtkreuzer. Einunddrei�ig Schwere Kreuzer, zweiundvierzig Leichte Kreuzer und J�ger.�</p><p>�Mehr als genug, um die Allianz-Schiffe auszul�schen, denen sie hierher gefolgt sind�, stellte Geary fest.</p><p>�Warum haben die nicht noch mehr geschickt?�, r�tselte Desjani. �Wenn es f�r die fliehenden Schiffe eine Chance gab, sich uns wieder anzuschlie�en, dann m�ssen sie doch gewusst haben, was sie hier erwarten konnte.�</p><p>�Weil sie nicht wussten, wo der Rest der Flotte abgeblieben war. Sie mussten uns finden und gleichzeitig alle Systeme besch�tzen, in die wir m�glicherweise gereist waren. Da sie versuchten, sich f�r alle Optionen zu wappnen, bedeutete das, dass sie zu wenige Schiffe f�r diese Mission hier abstellen konnten. H�tten wir sie nicht erwartet, w�re es vielleicht gutgegangen, weil sie vor der Konfrontation h�tten davonlaufen k�nnen. Aber so sind wir zu dicht an ihnen dran, als dass sie jetzt noch einem Kampf entkommen k�nnten.� Er tippte auf die Komm-Kontrolle f�r die ganze Flotte. �Alle Schiffe beschleunigen auf 0,1 Licht bei Zeit eins f�nf. Eingreiftruppe Furious, korrigieren Sie Kurs und Geschwindigkeit, soweit das n�tig ist, um der Formation den R�ckweg abzuschneiden. Lassen Sie sie nicht zum Sprungpunkt zur�ckkehren. Alle Einheiten, feuern Sie zuerst auf die gro�en Schiffe.� Er �berpr�fte die Entfernung zur <emphasis>Invincible,</emphasis> die ihnen immer noch eine Lichtminute voraus war und sich zwischen der vorr�ckenden Allianz-Flotte und den �berraschten Syndiks befand. Bei der momentanen Geschwindigkeit w�rden sie in sieben Minuten an die <emphasis>Invincible</emphasis> herankommen.</p><p>Die Hauptgruppe der Syndik-Flotte erreichte das Minenfeld, und viele Schiffe passierten unbehelligt die L�cken im Feld, die die zw�lf Schlachtkreuzer gerissen hatten. Dennoch waren noch immer viele Minen �brig.</p><p>Syndik-J�ger explodierten und wurden von der Wucht der detonierenden Minen zerrissen, wobei ihre Tr�mmer durchs All gewirbelt wurden. Ein halbes Dutzend Leichte Kreuzer wurde in St�cke gesprengt, drei Schwere Kreuzer brachen aus der Formation aus, zwei wurden vollst�ndig zerst�rt und ein dritter au�er Gefecht gesetzt. Die Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer der Syndiks steckten Treffer am Bug ein, hatten aber dank der Opfer der leichteren Einheiten Zeit genug, um die Schilde dort zu verst�rken, sodass sie das Minenfeld zwar mit geschw�chten Schilden, ansonsten jedoch unversehrt hinter sich lie�en. �Das ist f�r die <emphasis>Anelace</emphasis>, die <emphasis>Baselard</emphasis>, die <emphasis>Mace</emphasis> und die <emphasis>Cuirass</emphasis>�, verk�ndete Geary, woraufhin ged�mpfter Jubel ausbrach, als die Br�ckencrew der <emphasis>Dauntless</emphasis> zustimmte, dass mit diesen Minen jene Schiffe ger�cht wurden, die am Sprungpunkt bei Sutrah durch Syndik-Minen zerst�rt worden waren.</p><p>Die <emphasis>Invincible</emphasis> k�mpfte sich m�hsam durch die Flottenformation der Allianz. Unwillk�rlich zuckte Geary zusammen, als er die Sch�den an diesem Schiff genauer betrachten konnte. Das hatte so viele Treffer abbekommen, dass er sich nur wundern konnte, wie es noch in der Lage war, sich von der Stelle zu bewegen. Er �berlegte, ob es wohl angemessen war, einer Schiffsbesatzung eine lobende Erw�hnung auszusprechen, die sich unerlaubt von der Flotte entfernt hatte, kam dann aber zu dem Schluss, dass es ihm egal war, ob es angemessen war oder nicht.</p><p>Hinter den Minen schwenkte die Syndik-Formation nach oben und zielte darauf, �ber der Allianz-Flotte hinwegzufliegen, um die von oben zu beschie�en und dabei au�erhalb der Reichweite der Allianz-Schiffe zu bleiben.</p><p>�Das wird nicht funktionieren�, erkl�rte Geary. �Alle Einheiten der Hauptgruppe: �ndern Sie den Formationskurs nach oben um drei f�nf Grad bei Zeit vier sieben.� Zum angegebenen Zeitpunkt schwenkte die becherf�rmige Formation um die von der <emphasis>Dauntless</emphasis> gebildete Achse nach oben, sodass sie abermals auf die Syndiks ausgerichtet war, die �ber ihr hinwegzufliegen beabsichtigten. �Dann wollen wir doch mal sehen, ob er das rechtzeitig merkt, um ein Ausweichman�ver zu versuchen.�</p><p>�Gesch�tzte Zeit bis zum Kontakt zwanzig Minuten.�</p><p>Die Geister der <emphasis>Warspite</emphasis> erreichten schlie�lich den von den Minen schwer besch�digten Syndik-Schlachtkreuzer. Vier gewaltige Explosionen h�llten das Schiff ein, lie�en alle noch verbliebenen Systeme endg�ltig ausfallen und schleuderten das Wrack zu einer Seite weg.</p><p>Die �berlebenden Syndik-Streitkr�fte waren zahlenm��ig deutlich unterlegen, befanden sich daf�r aber in einer breiter gestreuten Formation. Wenn weder Geary noch der Syndik-Commander an der jeweiligen Flottenformation etwas �nderten, w�rde die Allianz allenfalls die H�lfte der feindlichen Schiffe treffen k�nnen. Dass der gegnerische Befehlshaber irgendetwas in dieser Richtung unternehmen w�rde, konnte sich Geary nicht vorstellen, da die Allianz ansonsten ihre �berlegene Feuerkraft ganz zu ihrem Vorteil w�rde einsetzen k�nnen.</p><p>�Die Syndiks bewegen sich wieder. Sieht so aus, als w�rden sie ihre Formation nach Backbord und unten �ndern.�</p><p>Auf Gearys Display drehte sich die Formation weg und versuchte eine Position einzunehmen, bei der eine Seite der Allianz-Formation �ber das abgeflachte Ende der Syndik-Flotte nach oben steigen w�rde. Das war gar kein schlechter Zug, musste Geary zugeben. Dieser Syndik-CEO war eindeutig kein Dummkopf. �Alle Einheiten, drehen Sie sich nach Steuerbord um neun null Grad, �ndern Sie Kurs nach unten um sechs null Grad bei Zeit null sechs. Eingreiftruppe Furious, passen Sie Ihren Kurs so an, dass Sie weiterhin die Syndik-Flotte davon abhalten, Kurs auf den Sprungpunkt nach Tavika zu nehmen.� Er musste davon ausgehen, dass die Syndiks einen Fluchtversuch unternehmen w�rden, und da der Sprungpunkt, durch den sie hergekommen waren, nach wie vor von Minen versperrt wurde, war der Sprungpunkt nach Tavika der n�chstbeste Fluchtweg.</p><p>�Acht Minuten bis zum Kontakt.�</p><p>Die Syndiks hatten aufgeh�rt, sich innerhalb der Formation so zu drehen, dass der Bug der Schiffe auf die sich n�hernde Allianz-Flotte gerichtet war, was wiederum bedeutete, dass die feindlichen Kriegsschiffe jetzt in ihrer rechteckigen Formation zur Seite zeigten. Die flache Seite dieser Form war nun fast vertikal �nach oben� und �nach unten� ausgerichtet.</p><p>Geary �berlegte, ob er sich beim Einsatz der Feuerkraft seiner Schiffe etwas Schrulliges erlauben sollte, entschied sich jedoch dagegen. �Alle Einheiten: Feuern Sie nach eigenem Ermessen. Vorrangige Ziele sind die gro�en Schiffe. Behalten Sie die Formation bei, es sei denn, dass Ausweichman�ver erforderlich sind, um gegnerische Treffer zu vermeiden. Sie haben die Erlaubnis, das Feuer zu er�ffnen, wenn sich aus Ihrer Sicht eine g�nstige Gefechtssituation ergibt.�</p><p>�Sechs Minuten bis zum Kontakt.�</p><p>Die Syndiks waren noch immer damit besch�ftigt, ihre neue Formation einzunehmen, und sie f�rchteten zweifellos, mitten in einem weiteren Man�ver �berrascht zu werden, als die Allianz-Flotte in Reichweite gelangte. Geary beobachtete auf seinem Display, wie die beiden Flotten aufeinander zuflogen, wobei die becherf�rmige Anordnung der Allianz-Schiffe die hintere H�lfte der Syndik-Formation �berlappte. Er hatte seine Schiffe in Position gebracht, seinen Commandern die Autorit�t �bertragen, das Feuer zu er�ffnen, und nun blieb ihm nichts weiter zu tun als zuzusehen, wie die beiden Flotten sich rasant n�herten.</p><p>�Der Feind er�ffnet das Feuer�, meldete der Waffen-Wachhabende, obwohl Geary die warnenden Hinweise auf seinem Display aufblinken sah. Kart�tschen, die auf jene Punkte konzentriert waren, zu denen die Allianz-Schiffe unterwegs waren. Sie waren am �u�ersten Rand der maximalen Reichweite abgefeuert worden, und Geary konnte nur hoffen, dass die Commander der betroffenen Schiffe die kurze Zeitspanne nutzen w�rden, um den Kurs geringf�gig zu �ndern, damit sie dem schlimmsten Sperrfeuer entgingen. Weitere Warnsymbole leuchteten auf seinem Display auf. Syndik-Raketen.</p><p>Die visuelle Darstellung zeigte helle Lichtpunkte, die aufflackerten, sobald die Syndik-Kart�tschen auf die Schilde der Allianz-Schiffe trafen. Geary sah, wie seine eigenen Schiffe das Feuer erwiderten. Die Daten der am weitesten entfernten Schiffe trafen dabei mit einer Verz�gerung von mehreren Sekunden ein.</p><p>Captain Desjani war ganz auf ihr eigenes Display konzentriert. Sie markierte ein Schlachtschiff. �Das ist unser Ziel�, lie� sie ihre Wachhabenden wissen. �Wollen wir ihm doch mal richtig wehtun.�</p><p>Die Seiten des Allianz-Bechers tauchten in das Syndik-Rechteck ein, wobei jedes Allianz-Schiff nur f�r kurze Zeit feindlichem Beschuss ausgesetzt war, als sich Formation durch Formation schob, w�hrend die Syndik-Schiffe in jenem Bereich von einem Schiff nach dem anderen beschossen wurden. Die leichteren Einheiten der Syndiks rings um die �berlebenden gro�en Schiffe wurden von den wiederholten Treffern in St�cke gerissen, flammten auf und starben.</p><p>Dann erreichte der Hauptteil der Allianz-Flotte die Syndik-Formation.</p><p>Nachdem die letzten Minuten bis zum Kontakt unendlich langsam verstrichen waren, fiel der eigentliche Schlagabtausch so kurz aus, dass er etwas Desorientierendes hatte: W�ren die Gefechtssysteme nicht in der Lage gewesen, unvergleichlich schneller als ein Mensch ein Ziel zu erfassen und darauf zu feuern, h�tte vermutlich keine Seite je einen Treffer gelandet, da die beiden Flotten mit hoher Geschwindigkeit aneinander vorbeirasten. Es kam Geary so vor, als ob das Gefecht so schnell begonnen und wieder geendet hatte, dass er nur einmal h�tte blinzeln m�ssen, um es ganz zu vers�umen. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> erzitterte immer noch unter den Treffern auf ihren Schilden, w�hrend die Schadensbilanz f�r den Schuss zusammengestellt wurde, der es durch einen punktuellen Ausfall in den Schilden geschafft hatte.</p><p>Hinter ihm hatte das von Desjani anvisierte Syndik-Schlachtschiff Treffer von weiteren Allianz-Schiffen einstecken m�ssen, darunter von der <emphasis>Daring,</emphasis> der <emphasis>Terrible</emphasis> und der <emphasis>Victorious.</emphasis> Unter dem massiven Beschuss waren zuerst die Schilde des Kriegsschiffs, einer Dreadnought der S-Klasse, ausgefallen und dann der Rumpf bombardiert worden. Etwas traf das Schiff an der falschen Stelle, und der Antrieb explodierte, w�hrend sich noch immer einige Allianz-Schiffe seiner Position n�herten.</p><p>Sie waren bereits zu nah, als es geschah. Geary konnte nur auf sein Display starren und mit ansehen, wie der letzte Schlachtkreuzer der Allianz-Formation, die <emphasis>Terrible,</emphasis> dicht an dem Syndik-Schiff vorbeiflog und es aus n�chster N�he mit H�llenspeeren beschoss. Die <emphasis>Terrible</emphasis> war bereits wiederholt getroffen worden, was ihre Schilde erheblich geschw�cht hatte. Die Schockwelle des explodierenden Syndik-Schiffs traf den Allianz-Schlachtkreuzer wie eine gewaltige Faust und lie� ihn durch das All wirbeln. Davon h�tte sich der Kreuzer noch erholen k�nnen, aber ein anderer �berlebender Syndik-Schlachtkreuzer war zu nahe und befand sich auf genau dem falschen Kurs. Nicht einmal die extrem schnellen Computer, die f�r die Steuerung der Schiffe verantwortlich waren, damit sie nicht miteinander zusammenstie�en, konnten eben dies noch verhindern. Entsetzt musste Geary zusehen, wie die <emphasis>Terrible</emphasis> und das Syndik-Schiff kollidierten.</p><p>Der Zusammenprall, der sich mit einer relativen Geschwindigkeit von etwa 0,06 Licht oder grob achtzehntausend Kilometern pro Sekunde ereignete, verwandelte beide Schiffe in einen einzigen, gigantischen Feuerball und dann in einen von Menschenhand geschaffenen Nebel aus winzigen Tr�mmern, der die Leere des Ilion-Systems kurzzeitig erhellte.</p><p>Alle auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> hielten schockiert den Atem an. Geary h�rte jemanden �Verdammt, verdammt, verdammt�, sagen und erkannte erst dann, dass er selbst diese Worte sprach. �M�gen die Vorfahren euch besch�tzen und die lebenden Sterne euch willkommen hei�en�, murmelte er an die get�tete Crew der <emphasis>Terrible</emphasis> gerichtet.</p><p>Desjani, die sich zum ersten Mal geschockt zeigte, seit die Flotte aus dem Heimatsystem der Syndiks entkommen war, erteilte Befehle, damit ihre Crew wieder zur Besinnung kam. �Schadensbericht!�</p><p>�Kleinere Treffer am Rumpf. Keine Systeme verloren�, meldete einer der Wachhabenden wie benommen.</p><p>Geary riss sich zusammen und zwang sich, den Blick von der <emphasis>Terrible</emphasis> abzuwenden, um die ganze Situation in Augenschein zu nehmen. In dem Teil der Syndik-Formation, mit dem die Allianz-Flotte zusammengetroffen war, hatten sich acht Schlachtschiffe und zwei Schlachtkreuzer befunden. Drei der Schlachtschiffe hatten �berlebt, waren aber besch�digt worden. Die Leichten Kreuzer und die J�ger um sie herum waren vollst�ndig ausgel�scht worden, und nur ein paar Schwere Kreuzer existierten noch.</p><p>Er atmete tief durch und konzentrierte sich auf die vordere H�lfte der Syndik-Streitmacht, die hart nach Backbord geflogen war und nun beschleunigte, w�hrend sie Kurs auf den Sprungpunkt nach Tavika nahm. Ihnen war ganz offenbar nicht nach K�mpfen zu Mute, wenn sich stattdessen eine Gelegenheit zur Flucht ergab. �Alle Einheiten nach rechts eins zwei null Grad und eins null Grad nach unten, beschleunigen Sie auf 0,15 Licht bei Zeit zwei neun.� Der riesige Becher kippte erneut zur Seite und richtete sich auf die fliehenden Syndiks.</p><p>�Die holen wir nicht mehr ein�, grummelte Desjani.</p><p>�Doch, das kriegen wir hin.� Geary zeigte auf die Eingreiftruppe Furious, die seitlich von oben auf die Syndiks zugeschossen kam. Das Syndik-Man�ver, das erforderlich war, um den Sprungpunkt zu erreichen, hatte die Flotte auf Cresidas Formation hin ausgerichtet, wodurch es m�glich wurde, die f�hrenden Syndiks abzufangen.</p><p>Desjani grinste nicht, sondern bleckte die Z�hne, als die <emphasis>Furious</emphasis> mit ihren Schiffen �ber den Gegner hinwegflog und das Feuer auf die leichteren Kriegsschiffe konzentrierte, um die verbliebenen gro�en Schiffe ihrer Eskorten zu berauben. Dann tauchte Cresidas Formation ab, um die Syndiks von unten zu beschie�en. Ein weiteres Schlachtschiff l�ste sich trudelnd aus der Gruppe, w�hrend es von sekund�ren Explosionen durchgesch�ttelt wurde.</p><p>Geary betrachtete die aktuelle Lage, beurteilte die Geometrie des Gefechts und kam zu einem Entschluss, w�hrend er zusah, wie die drei besch�digten Kriegsschiffe immer weiter hinter den Rest der Syndik-Formation zur�ckfielen. �Zweite Schlachtschiffdivision, Sie sind hiermit von der Bewachung der Hilfsschiffe entbunden. Fangen Sie die drei Syndik-Schlachtschiffe ab, die der Formation zu folgen versuchen, und zerst�ren Sie sie.�</p><p>Aufgrund der Entfernung dauerte es fast eine Minute, ehe die Antwort eintraf, doch die klang daf�r umso begeisterter. �Zweite Schlachtschiffdivision hat verstanden. Wir sind schon auf dem Weg.�</p><p>Geary widmete sich wieder der zusammengeschossenen Syndik-Flotte, die unver�ndert versuchte, der Eingreiftruppe Furious zu entkommen, die ihrerseits wieder und wieder den vorderen Teil der Formation unter Beschuss nahm. Die Syndiks wurden kontinuierlich langsamer, da die noch unversehrten Schiffe sich an die Geschwindigkeit ihrer besch�digten Schwesterschiffe anpassten. Doch Geary erkannte auch, dass die Schilde der Schiffe seiner Eingreiftruppe von den h�ufigen Vorbeifl�gen geschw�cht worden waren. �Alle Einheiten, beschleunigen Sie auf 0,18 Licht.� Aber das w�rde m�glicherweise nicht gen�gen, womit ihm nichts anderes �brigblieb, als einen weiteren Befehl zu erteilen, den er lieber vermieden h�tte. �Alle Einheiten, nehmen Sie die Verfolgung auf. Schnappen Sie sich die Syndiks, bevor die uns entkommen k�nnen.�</p><p>Schon zuvor hatte er das beobachten k�nnen, dennoch versetzte es ihn auch jetzt wieder in Erstaunen, wie schnell seine so sorgf�ltig angeordnete Formation sich aufl�sen konnte, wenn er allen Schiffen freie Hand lie�. Ein Schwarm aus Zerst�rern und Leichten Kreuzern machte bei maximaler Beschleunigung einen Satz nach vorn. Jedes f�r sich h�tten diese Schiffe keine Chance gehabt, einem Schlachtschiff zu schaden, aber ihre gro�e Zahl bedeutete mehr Feuerkraft, als selbst die Schilde eines solchen Schiffs aushalten konnten. Waren dann erst einmal deren Antriebssysteme besch�digt, wurden sie zwangsl�ufig langsamer, sodass zuerst die Schlachtkreuzer und dann die Schlachtschiffe sie einholen und ihr Schicksal besiegeln konnten. �Eingreiftruppe Furious, konzentrieren Sie sich darauf, die �berlebenden gro�en Schiffe zu bremsen.�</p><p>Im Prinzip existierte die Syndik-Formation immer noch, war aber extrem in die L�nge gestreckt worden, w�hrend sie unabl�ssig von der Allianz beschossen wurde. Der einzelne Schlachtkreuzer, der noch �berdauert hatte, befand sich ein deutliches St�ck vor dem Rest seiner Flotte, doch damit war er auch zu weit entfernt, als dass seine eigenen Schlachtschiffe ihm h�tten helfen k�nnen, als die Eingreiftruppe einen Regen aus H�llenspeeren auf seine Heckpartie niederprasseln lie�, die den gr��ten Teil der Hauptantriebssysteme ausschalteten.</p><p>W�hrend der Schlachtkreuzer an Fahrt verlor, kamen die Eskorten in die Reichweite der hinterherh�ngenden Syndik-Schlachtschiffe und feuerten alle verf�gbaren Waffen auf deren Heckpartien ab. Innerhalb von zehn Minuten waren so viele Antriebseinheiten ausgefallen, dass sie unweigerlich langsamer wurden. Sie versuchten noch, sich mit H�llenspeeren zur Wehr zu setzen, doch die konnten der Masse an vorbeirasenden leichten Allianz-Schiffen nichts anhaben.</p><p>Die Verfolger r�ckten unerbittlich n�her, wobei einige Zerst�rer und Leichte Kreuzer besch�digt zur Seite auswichen, sodass der Rest ein Schiff nach dem anderen unter Beschuss nehmen konnte. Die <emphasis>Falcata</emphasis> kam zu nahe und musste eine Reihe von Treffern einstecken, die sie in ein Wrack verwandelten.</p><p>�An die Schweren Kreuzer: Meiden Sie die Schlachtschiffe und erledigen Sie diesen Schlachtkreuzer�, befahl Geary. Er wollte keinen seiner Schweren Kreuzer bei einem Wettkampf mit Schlachtschiffen verlieren, die immer noch gef�hrlich werden konnten. So gehorsam, wie Geary es ihnen noch vor ein paar Monaten niemals h�tte zutrauen wollen, machten sie einen Bogen um die Schlachtschiffe und gingen stattdessen auf einen Abfangkurs zu dem vorauseilenden Schlachtkreuzer, der immer noch gef�hrlich genug war, um die Zerst�rer und die Leichten Kreuzer der Allianz auf Abstand zu halten.</p><p>Die <emphasis>Fearless,</emphasis> die <emphasis>Resolution,</emphasis> die <emphasis>Redoubtable</emphasis> und die <emphasis>Warspite</emphasis> steuerten in einem flachen Winkel auf das hinterste Syndik-Schlachtschiff zu, das der <emphasis>Fearless</emphasis> als f�hrendem Schiff ein Sperrfeuer aus Raketen, Kart�tschen und H�llenspeeren entgegenschickte. Dennoch kamen alle vier Allianz-Schlachtschiffe n�her und n�her und er�ffneten das Feuer erst, als sie nahe genug waren, um ihre eigenen H�llenspeere auf die Syndik-Schilde niederprasseln zu lassen. Die hinteren Schilde waren massiv verst�rkt worden und hielten stand, bis die <emphasis>Fearless</emphasis> nahe genug herankam, um auch die seitlichen Schilde zu beschie�en.</p><p>Die Schilde brachen zusammen, und dann durchbohrten die H�llenspeere den Rumpf. Die Waffensysteme des Syndik-Schiffs verstummten, und auf Gearys Display wurde der Ausfall fast aller Schiffssysteme angezeigt. Die <emphasis>Fearless</emphasis> feuerte eine Null-Feld-Ladung ab, die ein gro�es Loch in den Rumpf fra�. Rettungskapseln schossen zu allen Seiten aus dem Schlachtschiff, erst vereinzelt, dann in Zweier- und Dreiergruppen und schlie�lich in Massen. Als die <emphasis>Dauntless</emphasis> und ihre Schwesterschiffe schlie�lich vor�berflogen, verlie�en nur noch ein paar Nachz�gler das Schiff. �Erledigt ihn�, befahl Desjani ruhig.</p><p>Die H�llenspeere der <emphasis>Dauntless</emphasis> regneten auf ganzer L�nge auf das Syndik-Schlachtschiff herab, fra�en sich durch den Rumpf und zerst�rten jedwedes noch funktionierende System an Bord. Als die <emphasis>Daring</emphasis> folgte, war das Syndik-Schiff eindeutig tot.</p><p>Captain Duellos� Schiff <emphasis>Courageous</emphasis> nahm sich mit der <emphasis>Formidable</emphasis>, <emphasis>Intrepid</emphasis> und <emphasis>Renown</emphasis> ein weiteres besch�digtes Schlachtschiff vor und attackierte es mit solcher Gewalt, dass das Heck abbrach und beide Teile weiter ihrer letzten Flugbahn folgten.</p><p>Der letzte Syndik-Schlachtkreuzer, dessen Antriebssysteme nun auch ausgefallen waren, begann Rettungskapseln auszusto�en, obwohl viele seiner Waffen noch funktionst�chtig zu sein schienen. Geary vermutete, dass diese Systeme auf automatisches Feuer gestellt worden waren, was durchaus ausreichte, um Angreifern Respekt einzufl��en. Allerdings erfolgten die Auswahl von Zielen und der konzentrierte Beschuss nicht ann�hernd so gut wie unter der Handhabung durch einen Menschen. Mehr und mehr Schwere Kreuzer er�ffneten das Feuer auf den Schlachtkreuzer, bis dessen Schilde versagten und schlie�lich auch das letzte Waffensystem verstummte, lange nachdem die Rettungskapseln das Schiff verlassen hatten.</p><p>Geary nahm sich einen Moment Zeit, um sich ein Bild davon zu machen, wo sich die Zweite Schlachtschiffdivision den drei besch�digten Syndik-Schlachtschiffen n�herte. Zu seiner Verwunderung stie� auch dort schon eines der ersten Schiffe seine Rettungskapseln aus.</p><p>�So viel zum Thema, dass sie bis zum Tod k�mpfen�, kommentierte Desjani.</p><p>�Welchen Sinn h�tte das auch?�, wollte Rione wissen. �Die wissen doch, dass sie dem Untergang geweiht sind.�</p><p>�Man k�mpft trotzdem weiter�, beharrte Desjani, die ihren Blick auf das n�chste Syndik-Schlachtschiff gerichtet hielt, das von der <emphasis>Dauntless</emphasis> eingeholt wurde.</p><p>�Warum?�, hakte Rione nach.</p><p>Desjani warf Geary einen verzweifelten Blick zu, der verstand, was sie damit sagen wollte. Wie sollte man diese verquere Logik erkl�ren, dass man manchmal einen aussichtslosen Kampf aus Gr�nden weiterk�mpfen musste, die nichts mit der Hoffnung auf einen Sieg zu tun hatten? �Man macht es einfach�, wandte er sich an Rione. �Wenn Sie es nicht verstehen k�nnen, dann l�sst es sich auch nicht erkl�ren.�</p><p>�Ich verstehe, dass man weiterk�mpft, wenn es noch eine Chance gibt, aber wenn es hoffnungslos ist ��</p><p>�Manchmal siegt man selbst dann, wenn es hoffnungslos zu sein scheint. Und manchmal verliert man dort, aber bewirkt dabei etwas, das anderswo hilft. Zum Beispiel indem man dem Feind noch richtig wehtut, w�hrend der einen t�tet. Oder indem man ihn auf diese Weise f�r eine gewisse Zeit besch�ftigt. Wie gesagt, ich kann es nicht erkl�ren. Das ist etwas, das man einfach macht.�</p><p>�So wie Sie�, entgegnete Rione und sah ihn an. �Vor einem Jahrhundert.�</p><p>�Ja.� Er wich ihrem Blick aus, da er nicht an diesen hoffnungslosen Kampf zur�ckdenken wollte. An dem Tag war er derjenige gewesen, der mit einer erdr�ckenden �bermacht konfrontiert worden war. Er hatte gewusst, dass es f�r ihn eine Chance gab, den �berraschungsangriff auf den Konvoi hinauszuz�gern, den er besch�tzen sollte. Er hatte gehofft, dass sich der Konvoi in Sicherheit bringen k�nnte und dass die anderen Kriegsschiffe entkommen w�rden. Aber es hatte keine Hoffnung gegeben, dass seinem eigenen Schiff ebenfalls die Flucht gelingen w�rde, auch wenn er die ganze Zeit �ber so getan hatte.</p><p>Er versuchte, sich daran zu erinnern, wie es sich anf�hlte�� diese Taubheit in seinem Inneren, die ihn weitermachen lie�, w�hrend sein Schiff um ihn herum zerst�rt wurde und seine Kameraden entkamen. Aber da war jetzt zum gr��ten Teil nur noch eine verschwommene Erinnerung, die ihm in Bruchst�cken zeigte, wie sein Schiff ringsum in St�ck gerissen wurde, wie die letzten Waffen aufh�rten zu feuern, wie er die Selbstzerst�rung aktivierte und durch die Korridore hastete, die durch die Zerst�rungen fremd wirkten. Wie er zu einer Rettungskapsel lief, von der er hoffte, dass sie nicht vernichtet worden war. Sie war dort gewesen, wenn auch besch�digt. Aber da ihm keine Hoffnung und keine Zeit blieb, stieg er ein und lie� sie aus dem Schiff aussto�en. Er versuchte, sich zu erinnern, wie er fast hundert Jahre im k�nstlichen Tiefschlaf verbrachte, weil das Notsignal der Kapsel nicht arbeitete und ihn niemand finden konnte. Bis diese Flotte das gleiche Sternensystem durchflog, um zur Heimatwelt der Syndiks zu gelangen, und ihn fand und auftaute.</p><p>In gewisser Weise war er an diesem Tag gestorben. Als er erwachte, war der John Geary verschwunden, den er kannte, und an seine Stelle war das unglaubliche edle und heldenhafte Bild von Black Jack Geary getreten, des legend�ren Helden der Allianz.</p><p>�Ja�, wiederholte er. �So ungef�hr.�</p><p>Rione sah ihn an, in ihren Augen blitzte eine Gef�hlsregung auf, die er nicht so recht zu deuten wusste.</p><p>�Kart�tsche abfeuern�, befahl Captain Desjani, da sich die <emphasis>Dauntless</emphasis> einem weiteren besch�digten Syndik-Schlachtschiff n�herte, das so langsam flog, dass ein gem�chlicher Vorbeiflug unter gleichzeitigem Beschuss m�glich war. Die Kart�tsche bildete ein Muster aus tanzenden Lichtern, als sie auf den Schild des gegnerischen Schiffs traf. Die <emphasis>Daring</emphasis> und die <emphasis>Victorious</emphasis> feuerten von oben und unten auf den Feind und halfen, die Schilde weiter zu schw�chen. Pl�tzlich feuerte das Syndik-Schiff ein Salve H�llenspeere ab, die konzentriert auf die <emphasis>Dauntless</emphasis> gerichtet waren. Geary sah, wie die Schilde durch den Beschuss geschw�cht wurden, obwohl die Verteidigungssysteme l�ngst damit besch�ftigt waren, Energie aus den Teilen des Schiffs umzuleiten, wo sie nicht ben�tigt wurde. Der Schlachtkreuzer der Allianz erwiderte das Feuer, seine H�llenspeere bohrten sich durch die Panzerung des Gegners und sorgten f�r Chaos innerhalb des Schiffs. Null-Felder, die von der <emphasis>Dauntless</emphasis> und der <emphasis>Daring</emphasis> abgeschossen wurden, l�sten ganze Teile des Schiffs in nichts auf. Da auch die <emphasis>Victorious</emphasis> sich weiter an dem Gefecht beteiligte, war das ohnehin sehr stark in Mitleidenschaft gezogene Schlachtschiff seinen Gegnern hoffnungslos unterlegen. Seine Waffen fielen nacheinander aus, aus den in den Rumpf geschossenen L�chern entwich die Atmosph�re, und die von den Null-Feldern erzeugten Krater wirkten so, als h�tte ein unvorstellbar riesiges Monster St�cke aus dem Schiff gebissen.</p><p>Die <emphasis>Dauntless</emphasis> und ihre Schwesterschiffe �berflogen das verstummte Syndik-Schiff, das seine Rettungskapseln auszusto�en begann, w�hrend es sich um seine eigene Achse drehte und ganze St�cke vom Rumpf abbrachen. �Und das ist f�r die <emphasis>Terrible�,</emphasis> murmelte Desjani.</p><p>Geary verschaffte sich abermals einen �berblick �ber die Gesamtsituation. Die Zweite Schlachtschiffdivision hatte die beiden anderen besch�digten Schlachtschiffe eingeholt, die nach wie vor auf der Flucht waren, und feuerte sie systematisch zu Schrott, w�hrend die leichteren Einheiten daf�r sorgten, dass das aufgegebene Syndik-Schlachtschiff zerst�rt wurde. Nur ein anderes Syndik-Schlachtschiff erwiderte noch das Feuer, und w�hrend Geary zuschaute, erzitterte es unter dem vereinten Beschuss von einem halben Dutzend schwerer Allianz-Schiffe.</p><p>Die J�ger und die Leichten Kreuzer des Gegners waren bereits ausgel�scht worden, und nun unterlag auch noch der letzte Schwere Kreuzer einem Schwarm aus Zerst�rern und Leichten Kreuzern der Allianz. Eine Wolke aus Rettungskapseln war unterdessen auf dem Weg zu der kaum bewohnbaren Welt in diesem System, um Zuflucht zu suchen. Geary lie� seinen Blick �ber seine weit verstreute Flotte und die umhertreibenden Wracks der Syndik-Streitmacht schweifen, die nach Ilion gekommen war, um die Schiffe unter Captain Falcos Kommando zu verfolgen. <emphasis>Wir haben gesiegt. Aber wie lange k�nnen wir noch damit rechnen, dass auch die n�chste feindliche Streitmacht uns zahlenm��ig so sehr unterlegen ist, dass uns der Sieg so leicht f�llt? Und wie viele Schiffe kann ich mir leisten zu verlieren?</emphasis></p><p>Die <emphasis>Invincible</emphasis> und die Hilfsschiff-Flotte hatten fast zu ihnen aufgeschlossen, doch Geary sah keine M�glichkeit, wie der Schlachtkreuzer gerettet werden konnte. Die <emphasis>Triumph,</emphasis> die <emphasis>Polaris</emphasis> und die <emphasis>Vanguard</emphasis> hatten es gar nicht erst bis hierher geschafft, zusammen mit einer ganzen Schar von leichteren Einheiten, die sie bei Vidha verloren hatten. Die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> waren alle schwer besch�digt worden, und sie hatten etliche Besatzungsmitglieder verloren.</p><p>Rettungskapseln der <emphasis>Falcata</emphasis> sendeten Notrufe aus, und einige von Gearys �brigen Zerst�rern waren bereits auf dem Weg zu ihnen. Aber was von der <emphasis>Terrible</emphasis> und ihrer Crew �brig geblieben war, das waren so winzige Partikel, dass nicht einmal die besten Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> sie noch ausmachen konnten. Niemand an Bord war noch in der Lage gewesen, das Schiff zu verlassen.</p><p>Die Allianz-Flotte hatte gesiegt, daf�r aber einen hohen Preis bezahlt.</p><p>Es konnte Gearys Laune nicht bessern, dass es zu dieser Schlacht nicht gekommen w�re, h�tte sich dieser selbstverliebte Captain Falco nicht mit einem Teil seiner Flotte abgesetzt.</p><p>Der Konferenzraum schien �berlaufener als �blich. Das lag nicht nur daran, dass die Commander der dreizehn �berlebenden Schiffe sich ihnen wieder angeschlossen hatten. Es hing auch damit zusammen, dass die Captains Falco, Kerestes, Numos und Faresa auf einer Seite des Raums standen. Die Marines, von denen sie bewacht wurden, waren nicht Teil des holographischen Programms, darum waren sie hier nicht zu sehen. Ihre Anwesenheit war aber zu ahnen, wenn man sah, wie die vier Captains sich verhielten.</p><p>Ein St�ck weiter den Tisch entlang war das Abbild von Co-Pr�sidentin Rione zu sehen, die mit den Befehlshabern der Schiffe der Rift-F�deration und der Callas-Republik zusammensa�. Sie hatte sich nun doch dazu entschlossen, wieder an einer Konferenz teilzunehmen, jedoch nur im virtuellen Modus, indem sie ihr Bild aus ihrer Kabine hierher �bertragen lie�. Geary fragte sich, welche Bedeutung dieser Entscheidung zukommen mochte. Aber vielleicht wollte Rione auch nur sicherstellen, dass sie aus Gr�nden der Politik oder der Moral mit den Vertretern der Schiffe ihrer eigenen Republik gesehen wurde.</p><p>Falco hielt den Kopf hoch erhoben und schaute sich so selbstbewusst um, als rechne er damit, jeden Moment das Kommando �ber die Flotte �bernehmen zu k�nnen. Geary hatte leise Zweifel an der geistigen Verfassung dieses Mannes, der in keiner Weise besorgt zu sein schien und der nicht einmal erkennen lie�, ob ihm klar war, dass er unter Arrest stand. Captain Kerestes dagegen stand vor Angst stocksteif da, er strahlte Schock und Verst�ndnislosigkeit aus. Seine lange und erfolgreiche Karriere, in deren Verlauf er jegliches Verhalten vermieden hatte, das ihm h�tte schaden k�nnen, war nun in sich zusammengest�rzt, nachdem er alle Entscheidungen dem falschen Mann �berlassen hatte. Numos und Faresa dagegen waren nicht ver�ngstigt, sondern un�bersehbar w�tend. Beide hatten nach Gearys Meinung noch irgendetwas in petto. Dabei sollten sie besorgt sein. Numos war nicht gerade der Hellste, aber er war schlau genug, um zu wissen, wann man ihn zur Rechenschaft ziehen w�rde.</p><p>Geary stand auf und lenkte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. �Zun�chst einmal m�chte ich jedem Schiff, jedem Offizier und Matrosen dieser Flotte zu diesem au�erordentlichen Sieg gratulieren. Der Verlust der <emphasis>Terrible</emphasis> und der <emphasis>Falcata</emphasis> war ein hoher Preis, aber die Syndiks mussten noch einen viel h�heren Preis bezahlen. Bedauerlicherweise m�ssen wir auch den Verlust der <emphasis>Triumph,</emphasis> der <emphasis>Polaris</emphasis> und der <emphasis>Vanguard</emphasis> sowie einiger kleinerer Einheiten zur Kenntnis nehmen. Mir wurde au�erdem mitgeteilt, dass die <emphasis>Invincible</emphasis> zu schwer besch�digt wurde, um noch eine Reparatur zu rechtfertigen. Deshalb werden wir sie aufgeben m�ssen.� Alle reagierten best�rzt auf diese Mitteilung. �Der momentane Befehlshaber der <emphasis>Invincible</emphasis> kann an dieser Konferenz nicht teilnehmen, weil die Schiffssysteme so massiv zerst�rt wurden, dass eine �bertragung nicht m�glich ist. Diejenigen, die Captain Ulan pers�nlich kannten, werden mit Trauer zur Kenntnis nehmen, dass er beim Kampf im Strena-System fiel, als die <emphasis>Invincible</emphasis> ihren Schwesterschiffen w�hrend des R�ckzugs aus dem System R�ckendeckung gab.� Viele Offiziere bedachten Kerestes, Numos und Faresa mit finsteren Blicken. Sie hatten einem Schlachtkreuzer den Schutz seiner Kameraden �berlassen. Das war eine Aufgabe f�r ein Schlachtschiff, das besser in der Lage war, anhaltenden Beschuss zu absorbieren. Trotzdem hatten die <emphasis>Warrior</emphasis>, die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> das der <emphasis>Invincible</emphasis> �berlassen.</p><p>�Ich widerspreche der Entscheidung, die <emphasis>Invincible</emphasis> aufzugeben�, lie� pl�tzlich eine energische Stimme verlauten. Ungl�ubig drehte sich Geary zu Captain Falco um, der sein markantes selbstbewusstes und gef�lliges L�cheln zur Schau stellte. �Wir flicken die <emphasis>Invincible</emphasis> weder zusammen, und dann kehren wir zur�ck nach Vidha, wo die <emphasis>Triumph</emphasis> ��</p><p>�Ruhe.� Geary konnte die sich anschlie�ende Stille nicht nur h�ren, sondern auch f�hlen. �Sie sind nur aus dem Grund hier, gemeinsam mit allen anderen den Anlass f�r Ihre Verhaftung zu erfahren. Ich �berlege immer noch, welche Anklagen die richtigen sind f�r Ihre Verfahren vor dem Kriegsgericht, wenn diese Flotte zur Allianz zur�ckgekehrt ist.� Falco konnte noch so beliebt sein, Geary w�rde ihn f�r diesen Akt der Meuterei nicht ungeschoren davonkommen lassen.</p><p>�Warum wollen Sie so lange warten?�, warf Captain Cresida ein. �Halten Sie ein Tribunal ab, und dann erschie�en Sie diesen Hurensohn. Das w�re noch ein gn�digeres Schicksal als das, das die Dummk�pfe ereilt hat, die ihm unbedingt folgen mussten.�</p><p>Daraufhin kam am Konferenztisch Unruhe auf. Einige Commander schienen Cresidas Vorschlag von ganzem Herzen zu unterst�tzen, aber viele andere zeigten sich geschockt oder ablehnend. Geary atmete tief durch, ehe er erwiderte: �Ihre Bemerkung war unangemessen, Captain Cresida. Captain Falco kann auf einen langen und erfolgreichen Dienst f�r die Allianz zur�ckblicken. Wir m�ssen davon ausgehen, dass die Belastung durch die Kriegsgefangenschaft im Arbeitslager bei ihm zu langfristigen Problemen gef�hrt hat, die behandelt werden m�ssen.� Er hatte lange �berlegt, was er �ber Falco sagen sollte, wie er den Respekt, den der Mann bei vielen Offizieren und Matrosen genoss, damit unter einen Hut brachte, dass niemand auf die Idee kam, seinen Arrest infrage zu stellen. �Captain Falco scheint in seiner Urteilsf�higkeit und damit in seiner Kommandotauglichkeit stark eingeschr�nkt zu sein. Erste Berichte von den Schiffen, die das Gefecht bei Vidha �berstanden haben, lassen den Schluss zu, dass er nicht in der Lage war, die Flotte zu f�hren. Zu seiner eigenen Sicherheit und zur Sicherheit dieser Flotte muss Captain Falco bis auf Weiteres in Gewahrsam bleiben.�</p><p>Viele Offiziere machten eine betretene Miene, manche zuckten angesichts seiner Worte zusammen, doch niemand wagte es, ihm zu widersprechen. Merkw�rdigerweise reagierte Falco selbst nur auf seine �bliche Art, indem er die Stirn in Falten zog. �Wenn wir Mut zeigen, dann ist der Sieg zum Greifen nah. Diese Flotte braucht meine F�hrung. Die Allianz braucht meine F�hrung.� Seinen Bemerkungen folgte Schweigen. �Wenn die Syndiks in dieses System kommen, k�nnen wir bereit sein sie zu empfangen.�</p><p>Geary sah kurz zu den anderen Offiziere, ehe er entgegnete: �Captain Falco, die Syndik-Streitkr�fte, die Ihre Schiffe verfolgten, sind bereits eingetroffen und wurden von uns vernichtet. Mir ist nicht klar, wieso Sie davon nichts wissen.� Was ging eigentlich in Falcos Kopf vor? Charisma war eine Sache, Selbstvertrauen war ebenfalls wichtig, aber wie konnte er so reden, als h�tten sich die j�ngsten Ereignisse nie zugetragen?</p><p>Falco stutzte, dann l�chelte er abermals. �Gut. Exakt so, wie ich es geplant hatte. Ich werde mich mit dem Verhalten aller Schiffe w�hrend der Schlacht besch�ftigen und Belobigungen und Bef�rderungen aussprechen, wo sie angebracht sind.� Er schaute sich um und gr�belte einen Moment lang. �Warum findet diese Konferenz auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> statt? Die <emphasis>Warrior</emphasis> ist nach wie vor das Flaggschiff der Flotte�, beschwerte er sich. �Wo ist Captain Exani?�</p><p>Geary musste kurz �berlegen, ehe ihm einfiel, dass Exani der Befehlshaber der <emphasis>Triumph</emphasis> gewesen war. �Er ist wahrscheinlich tot.�</p><p>�Dann ben�tigt die <emphasis>Triumph</emphasis> einen neuen Commander�, erkl�rte Falco knapp und l�chelte die Anwesenden entschlossen, wenn auch etwas betr�bt an. �Jeder Offizier, der an diesem Kommando interessiert ist, soll nach der Konferenz mit mir Kontakt aufnehmen.�</p><p>�Die Vorfahren m�gen uns beistehen�, fl�sterte jemand.</p><p>Captain Duellos meldete sich mit ernster Stimme zu Wort. �Ich f�rchte, Captain Falco ist noch dienstuntauglicher, als wir es vermutet haben.�</p><p>�Captain Falco�, begann Geary behutsam. �Die <emphasis>Triumph</emphasis> wurde zerst�rt, als sie die Schiffe sch�tzte, die sich mit Ihnen aus dem Vidha-System zur�ckzogen.�</p><p>Falcos L�cheln br�ckelte sichtlich. �Vidha? Ich war nicht in Vidha. Das System liegt tief in Syndik-Territorium. Warum war die <emphasis>Triumph</emphasis> dort?�</p><p>Das lie� einige am Konferenztisch erschrocken nach Luft schnappen.</p><p>�Sie folgte Ihnen�, antwortete Captain Tulev.</p><p>�Nein�, widersprach ihm Falco, schwieg sekundenlang und erkl�rte dann entschieden: �Ich muss mit dem Senat der Allianz sprechen. Es gibt eine M�glichkeit, diesen Krieg zu gewinnen, und ich kann das schaffen.�</p><p>Geary hatte einen bitteren Geschmack im Mund, als er die Taste bediente, um mit den Marines auf der <emphasis>Warrior</emphasis> zu reden. �Entfernen Sie Captain Falco von der Konferenz und bringen Sie ihn in sein Quartier zur�ck.� Dann verschwand Falcos Bild aus dem Raum. Geary kniff kurz die Augen zu. Wie sollte er einen Mann vor Gericht stellen, der offensichtlich den Verstand verloren hatte? Duellos hatte mit seiner Vermutung richtig gelegen, dass es Falco zerst�ren w�rde, wenn er sah, dass all seine Tr�ume zerschmettert worden waren, die ihn das Syndik-Arbeitslager hatten ertragen lassen. Wunschtraum und Realit�t waren bei Vidha aufeinandergeprallt. Dann zerplatzte der Wunschtraum wie eine Seifenblase und riss Falcos Verstand mit sich. Vielleicht kam Falco auch nicht mit einer Realit�t zurecht, in der er nicht der Erretter der Allianz sein konnte.</p><p>So schmerzhaft es auch gewesen war, Falcos Auftritt mitanzusehen, machte er aber zumindest allen Anwesenden deutlich, dass dieser Mann nicht in der Verfassung war, eine Flotte zu befehligen.</p><p>Geary schlug die Augen wieder auf und sah Kerestes, Numos und Faresa an. �Haben Sie drei irgendetwas dazu zu sagen?�</p><p>Numos antwortete in seinem gewohnt arroganten Tonfall: �Wir haben die Befehle eines vorgesetzten Offiziers befolgt. Wir haben nichts Verkehrtes getan und m�ssen uns auch nicht rechtfertigen.�</p><p>�Tats�chlich?� Geary sp�rte, wie sich die Wut in ihm regte, die er dicht unter der Oberfl�che zur�ckhielt. �Sie wussten ganz genau, dass Captain Falco nicht zur Befehlshierarchie dieser Flotte geh�rte. Sie wussten, diese Flotte war auf dem Weg nach Sancere. Sie haben meine Befehle geh�rt, zur Flotte zur�ckzukehren.�</p><p>�Captain Falco erkl�rte uns, wir w�rden an einem Ablenkungsman�ver teilnehmen, �ber das Sie informiert gewesen seien, und alle Befehle von Ihrer Seite seien Teil dieses Man�vers�, entgegnete Numos. �Er bestand darauf, dass wir dar�ber schwiegen und nur die Captains der gro�en Schiffe einweihen durften.�</p><p>Captain Tulevs Stimme war so kalt wie die Leere zwischen den Sternen, als er konterte: �Von denen bis auf Sie drei alle tot sind. Und der Mann, der Ihnen das angeblich gesagt hat, ist verr�ckt. Wie praktisch f�r Sie.�</p><p>Numos machte einen ehrlich entr�steten Eindruck. �Wir konnten nicht wissen, dass dieser vorgesetzte Offizier den Verstand verloren hatte, daher haben wir nach besten F�higkeiten seine Befehle befolgt. Wie k�nnen Sie es wagen, meine Ehre infrage zu stellen?�</p><p>�Ihre Ehre?�, warf Geary ein und wusste genau, wie schroff er sich anh�rte. �Sie haben keine Ehre. Sie haben nicht nur gegen Ihren Eid gegen�ber der Allianz versto�en, Sie haben im Angesicht des Feindes wissentlich Befehle missachtet, und jetzt tischen Sie uns L�gen auf und schieben tote Offiziere und einen verr�ckt gewordenen Captain vor, um Ihre L�gen zu decken.�</p><p>�Wir bestehen auf einem Verfahren vor einem Kriegsgericht�, forderte Captain Faresa, die sich zum ersten Mal �u�erte und noch giftiger dreinblickte, als Geary es in Erinnerung hatte. �Darauf haben wir ein Recht.�</p><p>�Ein Kriegsgericht?�, wiederholte Captain Duellos verwundert. �Damit Sie sich f�r unschuldig erkl�ren, weil Sie angeblich geheime Befehle von Captain Falco befolgt haben? Damit Sie die Verantwortung f�r den Verlust von sechsundzwanzig Kriegsschiffen der Allianz leugnen k�nnen? Damit Sie jegliche Beteiligung am Tod dieser Besatzungen von sich weisen k�nnen? Haben Sie eigentlich gar kein Schamgef�hl?�</p><p>�Es gibt nichts, wof�r wir uns sch�men m�ssten�, erkl�rte Numos voll �berheblichem Stolz.</p><p>�Ich sollte Sie daf�r standrechtlich erschie�en lassen.� Geary brauchte ein paar Sekunden, ehe ihm bewusst wurde, dass er diese Worte gesagt hatte. Und noch w�hrend ihm das klar wurde, wusste er, dass er es sogar tun konnte. Offiziere, denen Meuterei im Angesicht des Feindes vorgeworfen wurde, fanden im Gebiet der Allianz nur wenige Verteidiger und noch weniger Freunde. Hier zumindest schienen Numos und Faresa schon keine Freunde mehr zu haben, auch wenn Geary aus bitterer Erfahrung wusste, dass die Freunde solcher Leute sich seinem Blickfeld entziehen konnten. Aber keiner von ihnen war wie Falco, dem Heldenverehrung aus vergangenen Zeiten zuteilwurde und der auf die Schrecken im Arbeitslager verweisen konnte, um Mitgef�hl zu wecken.</p><p>Ja, er konnte sie erschie�en lassen. Er konnte den Befehl dazu erteilen, auch ohne Kriegsgericht oder Tribunal. Das hier war ein Schlachtfeld, und als Befehlshaber der Flotte konnte er auch Urteile verh�ngen. Wer w�rde jetzt und hier versuchen, ihn davon abzuhalten? Und wenn er die Flotte erst einmal nach Hause gebracht hatte, wer w�rde dann noch sein Handeln infrage stellen? Wer w�rde seine Entscheidungen diskutieren, wenn er allein diese Flotte zur�ck nach Hause f�hrte? Niemand in der ganzen Allianz w�rde das wagen.</p><p>Er konnte Numos erschie�en lassen. Faresa ebenso. Vielleicht auch Kerestes, obwohl der Mann die Kugel nicht wert zu sein schien. Niemand konnte ihn aufhalten, und Numos w�rde bekommen, was er verdient hatte. Der Gerechtigkeit w�re damit Gen�ge getan.</p><p>Es war so verlockend, weil es sich so richtig anf�hlte und weil es der Zorn war, der ihn zum Handeln anzutreiben versuchte.</p><p>Geary atmete tief durch. <emphasis>So f�hlt es sich also an, Black Jack Geary zu sein. Ich kann tun, was ich will. Ich kann meine eigenen Regeln aufstellen, ich bin ein Held. Der Held der Allianz. Der Held dieser Flotte. Und ich m�chte Numos und Faresa so sehr f�r das bezahlen lassen, was sie angerichtet haben.</emphasis></p><p><emphasis>So sehr, dass ich von der Macht Gebrauch mache, von der ich immer behauptet habe, ich sei an ihr nicht interessiert? So sehr, dass ich mich wie ein Syndik-CEO auff�hre? So sehr, dass ich zu dem Mann werde, f�r den mich Victoria Rione gehalten hat? Laufen darauf all meine Predigten an diese Menschen hinaus, wenn ich ihnen sage, sie sollen das tun, was ehrbar ist? Dass ich mich �ber meine eigenen Regeln hinwegsetze, weil ich das kann, wenn der Anlass f�r mich Grund genug ist? Wenigstens hat Falco ernsthaft geglaubt, er k�nne die Regeln brechen, weil er etwas Besonderes ist und weil nur er die Allianz retten kann. Ich k�nnte nicht mal diese Entschuldigung vorbringen. Ich w�rde es machen, weil andere mich f�r etwas Besonderes halten, w�hrend ich selbst gar nicht daran glaube.</emphasis></p><p>Er sah zu Rione, die ihn mit ausdrucksloser Miene betrachtete. Doch ihre Augen durchbohrten ihn wie eine ganze Batterie aus H�llenspeeren. Sie wusste, was er dachte und f�hlte.</p><p>Geary schaute nicht zu Numos, da er sich nicht sicher war, ob er beim Anblick dieses arroganten Mannes nicht doch den Befehl zur Hinrichtung geben w�rde. �Ich sollte es, aber ich werde es nicht machen. Dieser Zwischenfall wird gem�� den Buchstaben und dem Geist der Flottenvorschriften gehandhabt werden. Es wird Anklage gegen Sie erhoben, und falls sich die Gelegenheit dazu ergibt, wird noch vor der R�ckkehr ins Allianz-Gebiet ein Kriegsgericht einberufen. Falls nicht, werden Sie den Allianz-Beh�rden �bergeben, die die Anklage weiterverfolgen werden.�</p><p>�Wir verlangen, freigelassen zu werden�, beharrte Faresa. �Es gibt keinen Grund f�r diesen Arrest.�</p><p>�Treiben Sie es nicht auf die Spitze�, warnte Geary sie, erkannte im gleichen Moment aber, dass er Numos und Faresa vermutlich noch eine Freude bereiten w�rde, wenn sie ihn dazu brachten, seinen Prinzipien untreu zu werden und sie beide hinzurichten. <emphasis>Den Gefallen tue ich euch nicht. Nicht jetzt und nicht hier. Jedes Mal, wenn ich aufwache und wenn ich mich wieder schlafen lege, wird mir der Gedanke durch den Kopf gehen, dass ich sie f�r ihr Verhalten bezahlen lassen k�nnte. M�gen die Vorfahren mir helfen, nicht dieser Versuchung zu erliegen.</emphasis> �An Ihren H�nden klebt das Blut von Matrosen der Allianz�, erkl�rte er. �Bes��en Sie einen Funken Ehre, w�rden Sie Ihr Offizierspatent zur�ckgeben. Bes��en Sie Mut, dann w�ren Sie geblieben und h�tten die <emphasis>Triumph</emphasis> entkommen lassen.� Er nutzte seine Macht jetzt aus, indem er sie einsch�chterte, w�hrend die Marines neben ihnen standen und sie es so hinnehmen mussten. Es war einfach viel zu leicht, seine Macht zu missbrauchen. Schlie�lich wandte er sich an die Marines, damit sie die drei wegbrachten, und sie verschwanden aus dem Konferenzraum.</p><p>Er fuhr sich durchs Haar, starrte auf die Tischplatte und versuchte, seinen Zorn abebben zu lassen. Nach ein paar Sekunden wandte er sich wieder den anderen Offizieren zu und hoffte, dass seine Stimme ruhig klang, als er zu reden begann. �Es wird eine Weile dauern, bis die <emphasis>Invincible</emphasis> vollst�ndig evakuiert ist. Ihre Crew hat sich in herausragender Weise verhalten. Sie und das Schiff werden eine lobende Erw�hnung f�r besondere Tapferkeit erhalten, noch bevor die Besatzung von Bord geholt und das Schiff aufgegeben wird. Wir werden das Schiff anschlie�end sprengen, damit es nicht dem Feind in die H�nde fallen kann. Den Verlust der <emphasis>Invincible</emphasis> bedauere ich zutiefst, ebenso den j�ngsten Verlust der anderen Schiffe. Ich m�chte, dass wir morgen bereit sind, das System zu verlassen, vorausgesetzt die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Majestic,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die leichteren Einheiten, die Sch�den davongetragen haben, sind bis dahin zum Sprung bereit. Ich m�chte �ber alle Probleme informiert werden, die sich auf diesen Schiffen ergeben und die unsere Abreise verz�gern k�nnten. Unser Ziel wird Tavika sein. Gibt es irgendwelche Fragen?�</p><p>Eine Frau mit geplagtem Gesichtsausdruck meldete sich zu Wort. �Was beabsichtigen Sie mit den Schiffen zu machen, die Captain Falco gefolgt sind, Sir?�</p><p>Geary betrachtete die Frau. Commander Gaes von der <emphasis>Lorica,</emphasis> einem der �berlebenden Schweren Kreuzer. Ihr Schiff war bei der <emphasis>Invincible</emphasis> geblieben, als die sich schwerf�llig in Sicherheit brachte. �Was denken Sie, was ich tun sollte?�</p><p>Sie setzte ein paar Mal vergeblich zum Reden an, dann sagte sie: �Uns f�r unser Verhalten zur Rechenschaft ziehen, Sir.�</p><p>�Wie schlimm war es bei Vidha?�, wollte Geary wissen.</p><p>Commander Gaes biss sich auf die Lippe und schaute einen Moment lang zur Seite. �Sehr schlimm. Der Gegner besa� eine erdr�ckende �bermacht. Auf dem Weg nach Vidha verloren wir an einem verminten Sprungpunkt bereits zwei leichte Kreuzer und einen Zerst�rer. Bei der Ankunft im Vidha-System fielen vier weitere Schiffe Minenfeldern zum Opfer. Die <emphasis>Polaris</emphasis> wurde so schwer besch�digt, dass sie den Anschluss an die Flotte verlor. Die Syndiks kamen auf uns zu, und als wir nach Befehlen fragten, kam keine Antwort. Die <emphasis>Triumph</emphasis> wies uns an, die Flucht zu ergreifen, w�hrend sie uns den R�cken freihielt. Ohne sie w�re keiner von uns mehr da rausgekommen.� Sie hielt kurz inne. �Mein XO ist bereit, das Kommando �ber mein Schiff zu �bernehmen.�</p><p>Gaes hatte sich vermutlich genauso schuldig gemacht wie Numos, aber immerhin was sie bereit, die Konsequenzen f�r ihr Handeln zu tragen. Und sie war bei der <emphasis>Invincible</emphasis> geblieben, um nach Kr�ften zu helfen, wie ein besch�digter Schwerer Kreuzer einem noch st�rker in Mitleidenschaft gezogenen Schwesterschiff eben helfen konnte. �Noch nicht�, erwiderte Geary. �Sie haben einen schweren Fehler gemacht, und das gilt auch f�r die Commander der anderen Eskortschiffe. Im Gegensatz zu gewissen Captains sind Sie bereit, Ihren Fehler einzugestehen und die Verantwortung zu �bernehmen. Sie waren au�erdem so tapfer und ehrbar, dass Sie die <emphasis>Invincible</emphasis> nicht im Stich lie�en. Das ist mir nicht entgangen. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen bin ich bereit, Ihnen eine zweite Chance zu geben. Werden Sie diesmal bei der Flotte bleiben, Commander Gaes?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�Dann zeigen Sie mir, wie gut Sie als Befehlshaberin sein k�nnen. Sie und die anderen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Sie alle ganz besonders im Auge behalten werde. K�nnen Sie damit leben?�</p><p>Sie sah Geary wieder mit diesem geplagten Blick an. �Ich werde mit den Erinnerungen an Vidha leben m�ssen, Sir.�</p><p>�Da haben Sie recht. Ich hoffe, es wird Sie und die anderen zu besseren Offizieren machen. Wenn einer von Ihnen zu der Ansicht gelangt, dass er die Last seines Kommandos nicht l�nger ertragen kann, dann soll er es mich wissen lassen. Bis dahin f�hren Sie weiter Ihre Befehle aus, Commander Gaes.�</p><p>Sie nickte best�tigend. �Das werde ich machen.�</p><p>�Dann sehen wir uns alle bei Tavika wieder.� Geary blieb sitzen, w�hrend die Bilder der anderen Offiziere rasch verschwanden�� auch das von Victoria Rione. Desjani sa� kopfsch�ttelnd da und schaute Geary mitf�hlend an, dann entschuldigte sie sich, da sie sich um andere Aufgaben k�mmern musste.</p><p>Nach kurzer Zeit war nur Captain Duellos� Bild noch �brig. Er machte eine nachdenkliche Miene. �Ich habe mich nie f�r Captain Falco interessiert, aber so etwas ist traurig mitanzusehen, nicht wahr?�</p><p>Geary nickte und fragte: �Wie ziehen wir einen Mann zur Rechenschaft, der nicht mehr in dieser Welt lebt?�</p><p>�Vielleicht haben die Flotten�rzte ja eine M�glichkeit, ihn zu heilen.�</p><p>�Damit wir ihn dann vor Gericht stellen k�nnen? Damit er seine F�higkeiten einsetzen kann, um wieder das Kommando �ber die Flotte zu beanspruchen?� Geary l�chelte bitter. �Oder sollen wir ihn heilen, damit er begreift, was er diesen Schiffen und ihren Besatzungen angetan hat, die ihm gefolgt sind? Das w�re schon eine Art Rache, nicht wahr? Aber w�rde Falco seine Schuld jemals einsehen? Oder w�rde er einen Weg finden, jegliche Verantwortung von sich zu weisen?�</p><p>�Ich kann nicht behaupten, dass ich wei�, was ich in einem solchen Fall als Gerechtigkeit ansehen soll�, gab Duellos zur�ck. �Aber Captain Falco hat lange Zeit in einem Universum gelebt, das sich nur um ihn drehte. Zugegeben, er war auch voller Hingabe f�r die Allianz, doch in seinem Weltbild sind er und die Allianz ein und dasselbe. Ich glaube, er w�rde niemals verstehen, welche Rolle er bei der Zerst�rung dieser Schiffe gespielt hat.�</p><p>�Und die anderen?�, hakte Geary nach.</p><p>�Sind sie nicht verachtenswert?�, kommentierte Duellos angewidert. �Man kann nur hoffen, dass sie mit diesem Auftritt, mit dem sie jegliche Verantwortung f�r ihr Handeln von sich weisen wollten, auch noch ihre letzten Anh�nger verprellt haben. Aber vielleicht auch nicht. Manche Leute finden immer einen Weg, sich aus der Aff�re zu ziehen. Ich glaube, Sie sind mit Kerestes, Numos und Faresa richtig umgegangen. Aber was die Commander der leichteren Einheiten angeht, sollten Sie wissen, dass nicht alle von denen so wie Commander Gaes ihre Lektion gelernt haben.�</p><p>�Ich wei�, und ich werde sie auch im Auge behalten. Ich hasse es nur, Befehlshaber gleich im Rudel zu suspendieren. Das ist was f�r die Syndiks.�</p><p>�Manchmal ist das aber notwendig.� Duellos hielt inne und betrachtete Geary forschend. �Aber ich vermute, Sie waren etwas zu nachsichtig, nachdem Sie fast etwas zu rachs�chtig geworden w�ren.�</p><p>Geary versuchte, gegen einen Kopfschmerz anzuk�mpfen. �Das ist Ihnen aufgefallen?�</p><p>�Ja, das ist es. Ich wei� nicht, wer es sonst noch gemerkt hat. Aber Sie haben eindeutig die richtige Entscheidung getroffen. Und das aus meinem Mund, wo ich einen Moment lang drauf und dran war, mich freiwillig zum Erschie�ungskommando zu melden.�</p><p>�Danke.� Geary musterte die Darstellung des Systems, die unver�ndert �ber dem Tisch schwebte. �Warum sterben Menschen wie die Besatzung der <emphasis>Terrible,</emphasis> w�hrend Leute wie Numos und Faresa weiterleben d�rfen?�</p><p>�Ich f�rchte, die Antwort darauf �bersteigt meinen Verstand�, gestand ihm Duellos. �Ich wei� aber, dass ich heute Abend mit meinen Vorfahren dar�ber reden werde.�</p><p>�Ich ebenfalls. M�gen sie uns die Weisheit bringen, die wir ben�tigen.�</p><p>�Und den Trost. Wenn Sie anfangen, sich zu sehr auf diejenigen zu konzentrieren, die hier starben, Captain Geary, dann denken Sie an die Matrosen, die diesen Kampf �berlebt haben und die unter Ihrem Kommando aus dem Heimatsystem der Syndiks entkommen sind.�</p><p>�Sie glauben, das w�rde es aufwiegen, wie? Das tut es aber nicht. Jedes Schiff, jeder Matrose, den wir verlieren, versetzt mir einen Schlag.�</p><p>�Und trotzdem ist es das, was wir tun m�ssen�, meinte Duellos zum Abschied.</p><p>Exakt sechzehn Stunden sp�ter beobachtete Geary auf seinem Display, wie das im All treibende Wrack der <emphasis>Invincible</emphasis> durch einen �berhitzten Antrieb in St�cke gerissen wurde. Die Syndiks w�rden aus dem Schiff keinen Nutzen mehr ziehen k�nnen, und die Besatzungsmitglieder waren alle auf die Flotte aufgeteilt worden. Dennoch war es ein trauriger Moment, der ihn unwillk�rlich an das Schicksal der <emphasis>Triumph</emphasis> erinnerte. �Alle Einheiten, beschleunigen Sie auf 0,05 Licht und gehen Sie auf Kurs nach unten eins drei Grad, backbord zwei null Grad bei Zeit f�nf eins.� Der Moment war gekommen, nach Tavika zu springen und sich von Ilion zu verabschieden.</p><p>Er musste sich auf dem Schiff sehen lassen, er musste der Crew zeigen, dass er ihre Anstrengungen zu sch�tzen wusste und dass sie ihm wichtig war, obwohl das vorrangig in Captain Desjanis Zust�ndigkeit fiel. Gem�chlich ging Geary durch die Korridore, gr��te Besatzungsmitglieder, blieb hier und da kurz stehen und unterhielt sich mit Matrosen, die tats�chlich an eine Heimkehr zu glauben begannen. Ihr Vertrauen in ihn machte ihn noch immer nerv�s, doch zumindest konnte er sich damit tr�sten, dass er zwar einige Fehler begangen, aber zugleich auch die Flotte so weit gef�hrt hatte, obwohl immer wieder ernsthafte Hindernisse zu �berwinden gewesen waren.</p><p>Pl�tzlich h�rte er leise, aber w�tende Stimmen, und als er um die n�chste Ecke bog, sah er Captain Desjani und Co-Pr�sidentin Rione, die sich in dem ansonsten menschenleeren Korridor so dicht gegen�berstanden, als wollten sie sich jeden Moment gegenseitig an die Gurgel gehen. Als sie ihn bemerkten, verstummten sie beide. �Stimmt etwas nicht?�</p><p>�Nein, Sir�, antwortete Desjani knapp. �Eine pers�nliche Angelegenheit. Wenn Sie gestatten, Sir.� Dann salutierte sie pr�zise und ging rasch weg.</p><p>Gearys Blick wanderte zu Rione, die Desjani aufgebracht hinterhersah. �Was ist hier los?�</p><p>Sie verbarg ihre Ver�rgerung hinter einer neutralen Miene. �Sie haben Ihren Offizier geh�rt, Captain Geary. Eine pers�nliche Angelegenheit.�</p><p>�Wenn es mich betreffen sollte ��</p><p>�Glauben Sie etwa, wir w�rden um Sie k�mpfen, Captain Geary?�, fragte sie sp�ttisch.</p><p>Wut stieg in ihm auf. �Nein. Aber ich habe ein Recht zu erfahren, wenn es zwischen Ihnen und Captain Desjani Unstimmigkeiten gibt.�</p><p>Rione reagierte wieder mit diesem k�hlen Gesichtsausdruck, der nichts von dem verriet, was in ihr vorging. �Aber nein, Captain Geary. Captain Desjani und ich verstehen uns bestens.� Sie sagte es so, dass es wie eine L�ge klang, und er wusste, sie machte das absichtlich. Der Grund daf�r war ihm allerdings ein R�tsel.</p><p>Er versuchte, sein Temperament zu b�ndigen. �Victoria ��</p><p>Sie hob eine Hand, damit er schwieg. �Co-Pr�sidentin Rione hat zu diesem Thema weiter nichts zu sagen. Wenn Sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen wollen, dann befragen Sie Ihren Offizier. Guten Tag, Captain Geary.� Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging weg. Ihre steifen Bewegungen verrieten ihren Zorn.</p><p>Sie waren noch immer einige Stunden vom Sprungpunkt nach Tavika entfernt, und schon musste er sich mit einem neuen Problem besch�ftigen. Aber was war �berhaupt das Problem? Desjani war in letzter Zeit Rione gegen�ber toleranter aufgetreten, auch wenn sie weit davon entfernt war, ihr vor Freude um den Hals zu fallen. Rione wiederum hatte es geschafft, seit der Konferenz einen Bogen um ihn zu machen. Er wusste noch immer nicht, was sie �ber die Geschehnisse w�hrend dieser Konferenz dachte, und in den kurzen Unterhaltungen seitdem war Rione immer wieder unter dem Vorwand ausgewichen, sie sei mit Recherche und anderen Aufgaben besch�ftigt.</p><p>In seiner Kabine angekommen, setzte sich Geary hin, starrte eine Zeit lang auf sein Display, ehe er die interne Komm-Taste bediente. �Captain Desjani, kommen Sie bitte in meine Kabine, sobald Sie Zeit haben.�</p><p>�Ich bin gleich da, Sir�, meldete sie sich in einem neutralen Tonfall. Wenige Minuten sp�ter betrat sie seine Kabine und machte einen �u�erlich gefassten Eindruck, doch ihre Augen lie�en ihre Besorgnis erkennen.</p><p>�Setzen Sie sich bitte�, bot er ihr an, was sie auch tat, ohne sich dabei aber zu entspannen. Auch sonst sa� sie in Habachthaltung da, doch jetzt wirkte es irgendwie verkrampft. �Es tut mir leid, wenn ich hartn�ckig bleibe, aber ich muss Sie nochmals fragen. K�nnen Sie mir sagen, was der Grund f�r den Streit zwischen Ihnen und Co-Pr�sidentin Rione war?�</p><p>Sie sah �ber seine Schulter an ihm vorbei, ihr Mienenspiel verriet nichts. �Ich muss Ihnen die Antwort darauf bei allem Respekt verweigern, Sir. Es ist eine pers�nliche Angelegenheit.�</p><p>�Das ist Ihr gutes Recht�, gab Geary widerstrebend zur�ck. �Aber ich muss wissen, ob Sie trotzdem weiterhin in der Lage sein werden, problemlos mit Co-Pr�sidentin Rione zusammenzuarbeiten.�</p><p>�Ich versichere Ihnen, Sir, dass ich vorbehaltlos in der Lage bin, meinen Pflichten auf eine professionelle Weise nachzukommen.�</p><p>Er nickte, lie� sich aber seine Unzufriedenheit anmerken. �Mehr als das kann ich von Ihnen nicht fordern. Lassen Sie es mich bitte wissen, wenn Sie das Gef�hl haben, dass sich daran etwas �ndert. Und wenn Sie es irgendwann f�r vertretbar halten, mir zu sagen, um was es bei diesem Streit ging, dann w�re ich Ihnen dankbar, wenn Sie es mir mit Blick auf die Sicherheit dieser Flotte und ihres Personals anvertrauen w�rden.�</p><p>Desjani lie� sich weiterhin nichts anmerken. �Ja, Sir.�</p><p>�Ihnen ist doch klar, dass ich mich hier in einer Zwickm�hle befinde.�</p><p>�Das tut mir leid, Sir.�</p><p>�Na gut.� Geary wollte ihr gerade sagen, sie d�rfe wegtreten, da ging die T�r zu seiner Kabine auf und Rione trat ein�� entweder zuf�llig oder aber in der vollen Absicht, die Tatsache kundzutun, dass sie uneingeschr�nkten Zutritt zu Gearys Quartier hatte. Es war auf jeden Fall ein bemerkenswerter Zufall, dass Rione ausgerechnet diesen Moment w�hlte, nachdem sie ihn seit der Konferenz beharrlich gemieden hatte.</p><p>Rione sah sie ohne eine erkennbare Regung an. �St�re ich?�</p><p>Desjani stand auf und pr�sentierte sich von einer gleicherma�en k�hlen Seite. �Keineswegs, Madam Co-Pr�sidentin. Ich wollte sowieso gerade gehen.�</p><p>Fasziniert beobachtete Geary die beiden, die sich wie zwei Schlachtkreuzer belauerten: die Schilde auf maximaler Leistung, alle Waffen feuerbereit, aber doch v�llig beherrscht, sodass die Situation sich nicht in ein Blutbad verwandeln konnte. Und er hatte nicht die geringste Ahnung, warum die beiden sich so feindselig verhielten. �Danke, Captain Desjani�, sagte er behutsam, w�hrend er sich fragte, ob wohl ein falsches Wort von seiner Seite gen�gen w�rde, um den Streit offen ausbrechen zu lassen. Er war nicht so von sich eingenommen, dass er geglaubt h�tte, die beiden w�rden sich um ihn streiten, aber diese Erkenntnis half ihm nicht weiter, da er nach wie vor nicht wusste, was zwischen ihnen vorgefallen war.</p><p>Desjani verlie� die Kabine, und es kam ihm fast so vor, als w�rde sich die Luke hinter ihr mit besonders viel Wucht schlie�en. Geary atmete schwer aus und sah Rione an. �Ich habe eine Menge um den Kopf, wie Sie wissen.�</p><p>�Das ist mir mehr als einmal deutlich geworden�, stimmte sie ihm in diesem merkw�rdig distanzierten Tonfall zu.</p><p>Einen Moment lang musterte er sie und wunderte sich, wie sie mal so vertraut und mal so fremd erscheinen konnte, was manchmal sogar beides zugleich der Fall war. �Wer stattet mir diesen Besuch ab? Rede ich mit Victoria oder mit Co-Pr�sidentin Rione?�</p><p>�Das kommt darauf an. Rede ich mit John Geary oder Black Jack Geary?�</p><p>�Ich bin immer noch John Geary.�</p><p>�Tats�chlich? Vor Kurzem habe ich Black Jack zu sehen bekommen. Er war im Begriff, jemanden erschie�en zu lassen. Er wollte es wirklich.�</p><p>�Er war nicht der Einzige, der das wollte.� Er wandte den Blick ab. �Mag sein, dass Sie Black Jack gesehen haben. Aber Black Jack hat keine Entscheidung getroffen.�</p><p>�Er stand aber dicht davor, nicht wahr?� Rione war mehr als eine Arml�nge von ihm entfernt, sodass sie k�rperlich und emotional zu ihm auf Abstand blieb. �Was war das f�r ein Gef�hl zu wissen, dass Sie h�tten tun k�nnen, was Sie wollten?�</p><p>�Ein be�ngstigendes.�</p><p>�War das alles?�</p><p>Er atmete tief durch und dachte daran zur�ck, welche Gef�hle ihm da durch den Kopf gegangen waren. �Ja. Es war be�ngstigend, weil es so verlockend war. Weil ich diese Idioten f�r das bezahlen lassen wollte, was sie angerichtet hatten. Und ich wusste, ich w�rde mit dem davonkommen, was ich tun wollte. Und dieses Wissen machte mir Angst.� Geary richtete seinen Blick wieder auf Rione. �Und was f�hlen Sie?�</p><p>�Ich?� Sie sch�ttelte den Kopf. �Warum sollte ich irgendetwas f�hlen?�</p><p>�Hei�t das, zwischen uns ist es aus? Sind Sie hergekommen, um mir das zu sagen? Gehen Sie mir deshalb seit der Konferenz aus dem Weg?�</p><p>�Aus?� Sie schien eine Minute zu ben�tigen, um �ber seine Frage nachzudenken, dann sch�ttelte sie erneut den Kopf. �Nein. Es gibt da � einige andere Dinge, um die ich mich k�mmern muss. Aber ich m�chte gern in John Gearys N�he bleiben. Ich glaube, er k�nnte mich brauchen.�</p><p>�Und was ist mit Black Jack?�, fragte er, da er sich erinnerte, dass Rione ihm ohne Umschweife erkl�rt hatte, ihre oberste Loyalit�t gelte der Allianz, nicht ihm.</p><p>�Wenn er sich wieder zeigt, w�re ich auch gern in der N�he.� Sie sagte es in einem ruhigen, nahezu gef�hllosen Ton, w�hrend sie ihm in die Augen sah.</p><p><emphasis>Um daf�r zu sorgen, dass ich ehrlich bleibe?,</emphasis> �berlegte er. <emphasis>Oder um sicherzustellen, dass du dich in einer Position befindest, um die Macht zu nutzen, von der Black Jack ohne zu z�gern Gebrauch machen w�rde?</emphasis></p><p><emphasis>Oder um sicherzustellen, dass Black Jack der Allianz keinen Schaden zuf�gt, und um das notfalls dadurch zu verhindern, indem du mir im Schlaf ein Messer ins Herz jagst? Ist mir eigentlich je der Gedanke gekommen, dass ich mit einer Frau schlafe, die mich im wahrsten Sinne des Wortes umbringen k�nnte, wenn sie glaubt, nur so das besch�tzen zu k�nnen, woran sie glaubt? Und woran ich ebenfalls glaube?</emphasis></p><p><emphasis>Aber wenigstens kann ich sie auf diese Weise auch im Auge behalten.</emphasis></p><p>�Es ist noch ein weiter Weg zur�ck zur Allianz�, erkl�rte er. �Aber wir werden es schaffen, und wenn sich uns noch so viele Syndiks in den Weg stellen. Diese Flotte wird heimkehren. Und Captain John Geary wird ebenfalls heimkehren. Jegliche Hilfe, die Sie dabei leisten k�nnen, ist gern gesehen. Und Sie selbst sind auch immer gern gesehen.� Jedenfalls fast immer.</p><p>�Dass die Flotte es zur�ck nach Hause schafft, daran glaube ich jetzt auch�, stimmte Rione ihm leise zu. �Ob es John Geary ebenfalls gelingen wird, das werden wir sehen.�</p></section></body><binary id="cover" 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