<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Markus</first-name><last-name>Heitz</last-name></author><book-title>Die Zwerge</book-title><annotation><p>Tapfer bewachen die Zwerge des f�nften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den �blen Gesch�pfen des Gottes Tion zu sch�tzen. Doch eines Tages reicht die Kraft der �xte nicht mehr aus: Orks und Oger st�rmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land dr�ngt voran und bringt Siechtum und Tod �ber die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des B�sen zur�ck. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimt�cke. Der Steinerne Torweg f�llt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der F�nften. Tausend Sonnenzyklen sp�ter wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die m�rderischen Orks. Zwar haben die sechs gro�en Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten k�nnen, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verr�ter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Gehei� des m�chtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang � der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod ger�t �</p></annotation><date>2003</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>en</lang><sequence name="Die Zwerge" number="1"/></title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>087843B0-B4C9-42DC-BE94-5D324B9B2B9A</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Markus Heitz</p><p>Die Zwerge</p></title><epigraph><p>��u�erlichkeiten sind dazu da, um dar�ber hinwegzusehen, denn im kleinsten und seltsamsten Wesen kann das gr��te Herz schlagen. Wer die Augen aus �berheblichkeit verschlie�t, wird dieses h�chste Gut nicht entdecken. Weder in sich noch in anderen.�</p><text-author>entnommen aus �Das Buch der Weisheiten eines unbekannten Toten�, in: �Philosophische Sammlungen und Briefe�, gelagert im Hundert-S�ulen-Tempel Palandiells zu Zamina, K�nigreich R�n Ribastur</text-author></epigraph><epigraph><empty-line/><p>�Zwerge und Gebirge haben eine Gemeinsamkeit: Man kann sie nur mit einem schweren Hammer und unendlicher Ausdauer bezwingen.�</p><text-author>Volksweisheit aus der Nebel-Mark im nord�stlichen Teil des K�nigreichs Idosl�n, m�ndlich tradiert</text-author></epigraph><epigraph><empty-line/><p>�Um eynem wuetenden Zwerg zu entkommen, bedarf es flinker Beine. Und bedenke: Immer muessest du schneller seyn, als seyne geworfene Axt fliegt. Bist du ihm entkommen, veraendere deyn Aussehen. Ihr Gedaechtnis ist toedlich gut. So kann es geschehen, dass nach zwanzig Sonnenzyklen ploetzlich ein Humpen an deynem Kopf zerschellt und grimmiges Zwergengelaechter in deynen Ohren erschallt.�</p><text-author>entnommen aus den �Aufzeychnungen ueber die Voelker des Geborgenen Landes, deren Eygenheyten und Sonderbarkeyten�, Gro�archiv zu Viransi�nsis im K�nigreich Taba�n, verfasst von Magister Folkloricum M. A. Het im Jahr des 4299sten Sonnenzyklus</text-author></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/><image l:href="#2"/></section><section><title><p>Erster Teil</p></title><section><title><p>Prolog</p></title><subtitle>Der Steinerne Torweg des Nordpasses im Reich des F�nften, Giselbart, im Jahr des 5199sten Sonnenzyklus, Sp�tsommer</subtitle><p>Wei�er Nebel f�llte die Schluchten und T�ler des Grauen Gebirges. Die Gipfel der Gro�en Klinge, der Drachenzunge und der anderen Berge erhoben sich trotzig aus dem Dunst und reckten sich der Abendsonne entgegen.</p><p>Z�gernd, als f�rchtete es sich vor den schroffen Felsen, stieg das Gestirn herab und erhellte den Nordpass mit seinem dunkelroten, schw�cher werdenden Licht.</p><p>Glandallin aus dem Clan der Hammerschlags lehnte sich schnaufend an die grob behauene Wand des Wachturmes und legte die Rechte �ber die buschigen schwarzen Brauen, um seine Augen vor der ungewohnten Helligkeit zu sch�tzen. Der Zwerg war durch den Aufstieg au�er Atem geraten, und das Gewicht des dicht geflochtenen Kettenhemdes, der beiden �xte und des Schildes dr�ckte schwer auf seine betagten Beine.</p><p>Doch J�ngere als ihn gab es nicht mehr.</p><p>Die Schlacht, welche die neun Clans des F�nften Stamms vor wenigen Tagen gemeinsam in den Stollen geschlagen hatten, hatte zahlreiche Leben gekostet. Der Tod hatte sich vor allem die Jungen, Unerfahrenen gegriffen. Doch ihr Opfer war nicht vergebens: Der unbekannte Feind war vernichtet.</p><p>Dennoch starben seine Freunde weiter, weil eine t�ckische Krankheit umging, von der keiner wusste, woher sie kam. Sie schw�chte die Zwerge, lie� sie fiebern und raubte ihnen die Kraft, den klaren Blick und die sichere Hand. Und so hatte er als einer der �lteren die Pflicht �bernommen, in dieser Nacht �ber den Steinernen Torweg zu wachen.</p><p>Von dem hoch gelegenen Aussichtspunkt aus f�hrte der Pfad durch das Graue Gebirge und weiter in das Geborgene Land, wo Menschen, Elben und Zauberer in ihren Reichen lebten. Sein Stamm war es, der dem Land im Norden den Frieden sicherte.</p><p>Zwei gigantische Portale aus h�rtestem Granit verweigerten jedem Scheusal ein Durchkommen. Vraccas, der Gott der Zwerge und ihr Sch�pfer, hatte einst die gewaltigen Steinfl�gel geformt und sie mit f�nf Riegeln gesichert, die allein mithilfe geheimer Worte bewegt werden konnten. Nur die H�ter des Pfades kannten die Losung, und ohne die rechte Formel blieb die Pforte fest versperrt.</p><p>Vor den m�chtigen T�ren lagen die ausgeblichenen Knochen und zertr�mmerten R�stungen derer, die sich von dem Hindernis nicht hatten abschrecken lassen. Orks, Oger und andere Scheusale hatten Niederlage um Niederlage erlitten und auf blutige Weise erlebt, dass die �xte der Zwerge auch nach tausenden von Sonnenzyklen noch scharf waren.</p><p>Der einsame W�chter nahm den Lederschlauch vom G�rtel und trank von dem k�hlen Wasser, um die trockene Kehle zu befeuchten. Einige Tropfen rannen aus seinen Mundwinkeln und sickerten in den schwarzen Bart. Es hatte Stunden gekostet, das Gesichtshaar zu solch kunstvollen Z�pfen zu flechten, die nun wie d�nne Seile auf der Brust baumelten.</p><p>Glandallin setzte den Trinkschlauch ab und zog die Waffen aus dem G�rtel, um sie auf die Br�stung des aus dem Berg gemei�elten Turmes zu legen. Die beiden eisernen Axtk�pfe klirrten melodisch, als sie den Fels ber�hrten.</p><p>Ein orangeroter Sonnenstrahl strich �ber die polierten Verzierungen und beleuchtete die Runen und Symbole, die dem Tr�ger Schutz, Treffsicherheit und Ausdauer verleihen sollten.</p><p>Der Zwergenmeisterschmied und Begr�nder des Stammes der Ersten, Borengar Wei�esse, hatte die Klingen selbst geschmiedet und sie ihm, der aus unz�hligen Schlachten am Steinernen Torweg als Sieger hervorgegangen war, zum Geschenk gemacht. Kein Orkschwert, keine Trollkeule, kein Ogerspie� vermochten es, seinen 327 Sonnenzyklen langen Lebensfaden zu durchtrennen � auch wenn es schon gen�gend finstere Kreaturen versucht hatten, wie die Narben an seinem gedrungenen K�rper bezeugten. Aber auch die Macht der Inschriften und seine R�stung hatten ihm stets treu beigestanden.</p><p>So weit der Zwerg blickte, stemmte sich das Bergmassiv als bleifarbener Brocken aus dem h�geligen Land Gauragar empor, das von Menschen besiedelt wurde. Gleich einem R�ckgrat wuchs es in die H�he und schreckte den Wanderer mit Steilh�ngen, unsicheren Wegen und wechselhaftem Wetter, und so geschah es trotz der Reicht�mer des Grauen Gebirges selten, dass sich ein Bewohner Gauragars in diese Gegend begab.</p><p>Allein sein Volk lebte in den Schatten dieser zerkl�fteten Gipfel. Die Zwerge vom Stamm des F�nften, Giselbart Eisenauge, errichteten ihr unterirdisches Reich im harten Fleisch des n�rdlichen Hochlandes. Sie gruben Sch�chte, erbauten kunstvolle Hallen, schufen die hei�esten Feuer und trieben S�le aus dem Fels, um fernab von Sonne und Witterung ihr Leben dem Sch�rfen von Sch�tzen und dem Schmieden zu widmen.</p><p>Glandallin betrachtete die un�berwindbaren Gipfel, die in weiter Entfernung zu einem breiten, dunklen Band schrumpften. Das war seine geliebte Heimat � ein Ort voller unterirdischer Sch�nheit, den er gegen keinen anderen eintauschen w�rde.</p><p>Vraccas, der g�ttliche Schmied, hatte das gesamte Geborgene Land mit dem sch�tzenden G�rtel aus Bergen umgeben, um seine Bewohner vor den Ungeheuern des Gottes Tion zu bewahren. So oblag es allein den Elben, Zwergen, Menschen und anderen Kreaturen, in Frieden miteinander zu leben.</p><p>Als er den Blick nach Norden wandte, folgten seine braunen Augen dem drei�ig Schritt breiten Pass, den sie den Steinernen Torweg nannten und der in das Jenseitige Land, in unerforschtes Gebiet f�hrte. Fr�her hatten die Menschenk�nige Expeditionen in alle Windrichtungen entsandt, aber nur die wenigsten waren zur�ckgekehrt und hatten zudem ungewollt daf�r gesorgt, dass die Orks den Weg zum Tor fanden. Mit den Orks kamen die �brigen Scheusale, die der Gott Tion aus Bosheit schuf, um ihnen das Leben schwer zu machen.</p><p>Forschend suchte er den Weg ab. Die Aufmerksamkeit eines W�chters durfte zu keiner Zeit nachlassen. Die Kreaturen lernten nichts aus ihren Niederlagen. Ihr finsterer, b�sartiger Verstand, den Tion ihnen gab, brachte sie dazu, immer wieder gegen die Portale anzurennen, um in das Geborgene Land zu gelangen. Sie wollten alles und jeden vernichten, denn sie waren zu nichts anderem von ihrem Sch�pfer geschaffen.</p><p>Mal vergingen Sonnenzyklen, mal nur Uml�ufe, bevor sie einen weiteren Vorsto� unternahmen. Bislang kamen die Horden nicht auf den Gedanken, die Angriffe in geordnete Bahnen zu lenken und mit List vorzugehen; daher blieb es beim blindw�tigen Anst�rmen, das f�r die Angreifer stets im Blutbad endete. Die tobenden und br�llenden Bestien gelangten nie weiter als bis an die Zinnen der Wehrg�nge, wo die �xte der Zwerge zur t�dlichen Begr��ung ihrer harrten und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Fleisch, Knochen und R�stungen der Ungeheuer durchtrennten. An solchen Tagen stand deren schwarzer, dunkelgr�ner und gelbbrauner Lebenssaft kn�chelhoch vor den unverw�stlichen Granittoren, an denen Rammb�cke und Katapultgeschosse krachend zersplitterten.</p><p>Auch die Kinder des Vraccas erlitten Verluste, wurden verst�mmelt und verletzt, doch keiner von ihnen haderte mit dem Schicksal. Schlie�lich sie waren die Zwerge, das h�rteste Volk der bekannten Welt und die Besch�tzer des Geborgenen Landes.</p><p><emphasis>Und dennoch haben sie uns �berrumpelt.</emphasis> Glandallin dachte an die r�tselhaften Kreaturen in den Sch�chten, denen so viele Angeh�rige seines Stammes zum Opfer gefallen waren. Pl�tzlich waren sie da gewesen. �u�erlich glichen sie den Elben: hoch gewachsen, schlank und grazil in ihren Bewegungen, aber sie waren grausamer und heimt�ckischer im Kampf.</p><p>�Elben oder unbekannte Bestien?�, r�tselte er halblaut und entschied sich f�r Bestien. <emphasis>Tion der Niedertr�chtige wird sie vor langer Zeit in der Erde vergraben und vergessen haben. Unsere eigenen Mineure m�ssen sie aus ihrem Schlaf gerissen und aus dem Fels befreit haben,</emphasis> suchte er nach einer Erkl�rung.</p><p>Glandallin war sich so gut wie sicher, dass es keine Elben aus dem Geborgenen Land sein konnten. Zwerge und Spitzohren hassten einander; Vraccas und Sitalia, die Sch�pferin der Elben, hatten es so beschlossen, als sie die V�lker ins Leben gerufen und ihnen gegenseitige Abneigung mitgegeben hatten. Daraus entsprang so mancher unvers�hnliche Streit und so manches Scharm�tzel, das Tote forderte, niemals jedoch ein Krieg.</p><p><emphasis>Und wenn sie es doch waren? Ist der Hass derart gewachsen, dass wir in einen Krieg mit ihnen geraten?,</emphasis> dachte er im Stillen. <emphasis>Oder wollen sie einen Krieg wegen unserer Schatzhorte? Sind sie neidisch auf unser Gold?</emphasis> Glandallin wusste keine Antwort darauf und zwang sich, die notwendige Aufmerksamkeit walten zu lassen. Die Gedanken an das Gemetzel in den finsteren Stollen gegen die unheimlichen Krieger, Elben oder nicht, lenkten die Augen ab, machten sie stumpf. Sie glitten �ber die Landschaft, ohne die Berge und den Steinernen Torweg wirklich zu sehen.</p><p>Seine Augenbrauen zogen sich im Zorn zusammen, denn der scharfe Nordwind, der ihm so weit oben eisig um die Bartstr�hnen pfiff, trug ihm einen Geruch zu, den er aus seinem tiefsten Inneren hasste. Orks.</p><p>Sie stanken nach geronnenem Blut, nach Exkrementen und Schmutz; dazu mengte sich das ranzige Aroma ihrer eingefetteten R�stungen. Sie glaubten, die Schneiden der Zwergen�xte w�rden an dem Talg abrutschen und so weniger Schaden am Metall anrichten.</p><p><emphasis>Das Fett wird euch wieder nichts gegen uns n�tzen.</emphasis> Glandallin wartete nicht, bis er die zerlumpten Banner und verrosteten Speerspitzen �ber die letzte Anh�he des Steinernen Torweges kommen sah oder das Scheppern der Panzerhemden vernahm. Er machte einen Schritt zur Seite und stellte sich auf die Zehenspitzen; die schwieligen H�nde legte er um die h�lzernen, rauen Griffe der beiden Blaseb�lge. Die k�nstlichen Lungen f�llten sich mit Luft, ehe der Zwerg ihren Atem mit einer kr�ftigen Bewegung auspresste.</p><p>Die Luft str�mte durch das breite Rohr, schoss in die Tiefe und erweckte das Signalhorn unter der Erde zum Leben. Dumpfes Dr�hnen rollte die Stollen und G�nge der F�nften entlang.</p><p>Der Zwerg bet�tigte die Blaseb�lge im Wechsel, damit der Luftstrom nicht abriss. Das Dr�hnen schwoll zu einem gleichm��igen, durchdringenden Ton an, der selbst den Verschlafensten seines Stammes aus den Kissen jagte. Einmal mehr rief sie die ehrenvolle Pflicht, das Geborgene Land zu verteidigen.</p><p>Schwitzend blickte Glandallin �ber die rechte Schulter, um den Vormarsch der Angreifer abzusch�tzen.</p><p>Sie kamen. Zu Hunderten.</p><p>Die Kreaturen des Gottes Tion schoben sich in breiter Front den Steinernen Torweg entlang, und das zahlreicher als je zuvor. Beim Anblick der Ungeheuer h�tte das Herz eines Menschen vor Furcht ausgesetzt, und die Elben w�ren in den Schutz ihrer W�lder gefl�chtet. Nicht so ein Zwerg!</p><p>Die Attacke gegen den Durchgang �berraschte Glandallin zwar nicht, doch der Zeitpunkt beunruhigte ihn. Seine Freunde und Verwandten brauchten Ruhe, um sich vollst�ndig von den Strapazen der letzten K�mpfe und der schleichenden Krankheit zu erholen. Die nahende Schlacht w�rde gewiss mehr Kraft kosten als gew�hnlich. <emphasis>Mehr Kraft und mehr Leben.</emphasis></p><p>Die Verteidiger besetzten die Wehrg�nge rund um die Pforte eher z�gerlich; einige von ihnen taumelten mehr, als sie gingen, und ihre Finger schlossen sich kraftlos um die Sch�fte der �xte. Die Schar, die sich schleppend zur Abwehr formierte, kam gerade einmal auf einhundert tapfere Seelen. Tausend h�tten sie ben�tigt.</p><p>Glandallin beendete seine Wache, weil er an anderer Stelle dringender gebraucht wurde.</p><p>�Vraccas stehe uns bei! Wir sind zu wenige�, fl�sterte er und konnte die Augen nicht von der Stra�e wenden, auf der sich der breite, stinkende Strom von Orks ergoss. Grunzend und br�llend walzten sie voran und hielten genau auf das Portal zu. Die nackten Bergh�nge warfen ihre animalischen Laute zur�ck, und das Echo verst�rkte das siegessichere Gr�len.</p><p>Die verzerrten Kl�nge drangen tief in sein Gem�t, und ihm kam es pl�tzlich so vor, als h�tten sich die Bestien ver�ndert. Die tobende und l�rmende Masse str�mte eine solche Siegesgewissheit aus, dass er sie f�rmlich greifen konnte.</p><p>Unwillk�rlich machte der Zwerg einen Schritt zur�ck. Zum ersten Mal empfand er Furcht vor den Wesen.</p><p>Und sein Schrecken wuchs.</p><p>Als seine Augen absch�tzend �ber das Heer der Angreifer wanderten, streiften sie auch die kleine Gruppe von standhaften H�hentannen, die den kargen Verh�ltnissen stets getrotzt hatten. Er kannte sie von klein auf, hatte sie wachsen und gedeihen sehen.</p><p>Nun aber senkten sich ihre Zweige nach unten, die Nadeln regneten auf den steinigen Untergrund herab und verschwanden zwischen den Felsen. Sie waren todkrank, starben.</p><p><emphasis>Es geht den Tannen wie uns.</emphasis> Glandallin dachte an seine leidenden Freunde. <emphasis>Welche Kr�fte sind hier am Werk, Vraccas? Besch�tze dein Volk!,</emphasis> betete er und nahm seine �xte vom Sims.</p><p>Angsterf�llt k�sste er die Runen. �Bitte, verlasst mich nicht�, rief er sie leise an, wandte sich um und hastete die Stufen hinab, um der Hand voll Verteidiger beizustehen.</p><p>Er gelangte bei ihnen an, als die erste Angriffswelle gegen die Mauern schwappte. Pfeilschauer sirrten auf die Zwerge herab. Die Orks legten Dutzende Sturmleitern an und kletterten ohne zu z�gern die wackligen Sprossen hinauf. Andere setzten tragbare Katapulte zusammen, um den Sturm auf die Zinnen mit Brandgeschossen zu unterst�tzen. Die prall gef�llten, brennenden Lederbeutel zischten durch die Luft und barsten, sobald sie auf Widerstand trafen. Alles in ihrem n�heren Umkreis wurde mit Petroleum �bersch�ttet und entz�ndet.</p><p>Die ersten Salven flogen zu tief; dass die vordersten Orkabteilungen im eigenen Feuersturm vergingen, st�rte die schwarze Brut nicht. Weder der Steinhagel noch die hei�e Schlacke, die von oben auf sie niedergingen, vermochten ihren Eifer und ihre Gier zu bremsen. F�r einen Gefallenen dr�ngten f�nf neue Bestien auf die Tritte. Dieses Mal wollten sie durch die Pforte hindurch gelangen, dieses Mal sollte der Steinerne Torweg fallen.</p><p>�Gib Acht!� Glandallin stand einem Verteidiger bei, den ein Pfeil in die rechte Schulter getroffen hatte. Eines der Gesch�pfe Tions, ein weniger kr�ftiges Exemplar mit breiten Hauern und platter Nase, nutzte den Moment der Unachtsamkeit. Es schwang sich auf die Mauer und sprang zwischen den Zinnen hindurch auf den Wehrgang.</p><p>Zwerg und Ork starrten einander an, die Zeit schien still zu stehen. Das Geschrei, das Zischen der Pfeile und das Klirren der �xte wurden mit einem Mal leiser, undeutlicher.</p><p>Daf�r h�rte Glandallin das schwere Atmen des Gegners. Verunsichert rollten die rot ge�derten Aug�pfel, die tief im Sch�del sa�en, nach rechts und nach links. Der Zwerg erkannte deutlich, was die Bestie bewegte. Sie war die Erste ihrer Art, die es bis auf den vordersten Verteidigungswall geschafft hatte, und dieses Gl�ck musste sie erst einmal fassen.</p><p>Er roch den Talg, der als gr�ulicher Belag fingerdick auf der Plattenr�stung lag, und der Gestank des ranzigen Fetts brachte all seine Sinne in die Schlacht zur�ck.</p><p>Mit einem Schrei warf sich Glandallin gegen den Ork. Die Kante seines Schildes zuckte nach unten und zerschmetterte dem Wesen den Fu�; gleichzeitig schlug er �ber die Deckung hinweg zu. Die Schneide seiner Axt grub sich knirschend in die ungesch�tzte Stelle unter der Achsel. Sauber abgetrennt fiel der Arm auf den Stein. Dunkelgr�nes Blut schoss in hohem Bogen aus der offenen Wunde.</p><p>Der Ork quiekte gellend auf und erhielt im n�chsten Augenblick einen wuchtigen, senkrecht gef�hrten Hieb gegen die Kehle.</p><p>�Bring deinen Verwandten meinen Gru� und sage ihnen, dass ich auf sie warte!� Glandallin dr�ngte den Sterbenden zur�ck und schob ihn zusammen mit dem n�chsten Angreifer �ber die Brustwehr. Sie fielen �ber die Kante und verschwanden in der Tiefe. Der Zwerg hoffte, dass der Aufschlag ein halbes Dutzend ihresgleichen mit in den Tod riss.</p><p>Von nun an bekam er keine Atempause mehr. Er rannte auf der Balustrade umher, spaltete Helme samt Sch�del und duckte sich unter Pfeilen und Brandgeschossen hinweg, um sich sogleich auf den n�chsten Ork zu st�rzen.</p><p>Die Dunkelheit, die sich mehr und mehr �ber den Steinernen Torweg senkte, bereitete ihm keine Schwierigkeiten; sein Volk vermochte in finsterster Nacht zu sehen. Aber seine Arme, die Schulter, die Beine wogen von Schlag zu Schlag und von Schritt zu Schritt mehr.</p><p>�Vraccas, gew�hre uns eine Rast, damit wir zu Kr�ften kommen k�nnen�, keuchte er, w�hrend er sich das Orkblut mit den Z�pfen seines Barts aus den Augen wischte.</p><p>Und der Gott der Schmiede hatte ein Einsehen.</p><p>H�rner und Trombonen signalisierten den Gesch�pfen Tions, von den Zinnen abzulassen. Gehorsam begannen die Orks mit dem R�ckzug.</p><p>Glandallin schickte einen letzten Feind ins Jenseits, ehe er auf den Steinboden sank und nach seinem Trinkschlauch langte. Er zog den Helm ab und goss sich das Wasser �ber die schwei�nassen Haare. K�hlend rann die Fl�ssigkeit �ber sein Gesicht und erweckte sein Lebensfeuer.</p><p><emphasis>Wie viele sind uns geblieben?</emphasis> Er stemmte sich in die H�he, um nach den Verteidigern des Wehrgangs zu sehen. Aus den einhundert waren siebzig geworden; unter ihnen erkannte er die weithin sichtbare Gestalt von Giselbart Eisenauge, ihrem Urvater.</p><p>Der Erste aller F�nften stand dort, wo die meisten abgeschlachteten Orks lagen. Seine polierte R�stung aus dem h�rtesten Stahl, der in einer Zwergenschmiede jemals geschaffen worden war, schimmerte hell, und die Diamanten, die seinen Waffengurt zierten, funkelten im Schein der brennenden Petroleumlachen. Er erklomm einen Vorsprung, damit ihn jeder sah.</p><p>�Bleibt auf euren Posten�, schallte seine feste Stimme �ber die Zinnen. �Seid standhaft wie der Granit, aus dem wir gemacht sind. Nichts vermag uns zu brechen, kein Ork, kein Oger, keine der Bestien, die Tion zu uns schickt. Wir zerschmettern sie, wie wir es schon seit Tausenden von Zyklen tun! Vraccas ist mit uns!�</p><p>Leiser Jubel und zustimmende Rufe ert�nten. Ihre Zuversicht, die bedrohlich ins Schwanken geraten war, kehrte wieder; an ihrem Stolz und Trotz w�rden die Angreifer scheitern.</p><p>Die ersch�pften Krieger versorgten sich mit Essen und Schwarzbier. Mit jedem Bissen und jedem Schluck f�hlten sie sich lebendiger, frischer. Die tieferen Wunden erhielten eine notd�rftige Behandlung, klaffende Wundr�nder wurden kurzerhand mit feinen Bindf�den zusammengen�ht.</p><p>Glandallin setzte sich neben seinen Freund Glamdolin Starkarm. W�hrend sie a�en, betrachteten sie die gewaltige Orkhorde, die sich etwa hundert Schritt von der Pforte zur�ckgezogen hatte. Ihm kam es so vor, als wollten sie sich zu einem lebendigen Rammbock formieren und Anlauf nehmen, um die Portale mit der Gewalt ihrer Leiber aufzusprengen.</p><p>�So hartn�ckig, so erschreckend furchtlos wie in dieser Nacht habe ich unseren �rgsten Gegner noch nie erlebt�, sagte er leise. �Etwas ist anders als sonst.� Schaudernd erinnerte er sich an die sterbenden B�ume.</p><p>Eine Axt fiel klirrend auf die Steinplatten zu seiner Linken. Der Zwerg drehte sich zu seinem Kampfgef�hrten um und sah ihn gerade noch in sich zusammensacken. �Glamdolin!� Rasch packte er ihn, um ihn zu untersuchen, und erschrak. Seine gl�hende Stirn war voller kleiner, feiner Wasserperlen, die ihm �ber das Gesicht und in den Bart rollten, und die ger�teten Augen blickten fiebrig ins Leere.</p><p>Glandallin wusste sogleich, dass die r�tselhafte Krankheit sich ein weiteres Opfer gesucht und seinen Freund in die Knie gezwungen hatte. Was die Unholde nicht erreichten, das schaffte das t�ckische Leiden.</p><p>�Ruh dich aus. Es wird bestimmt bald besser.� Er zog den r�chelnden Glamdolin zur�ck bis an die Mauer und bettete ihn sorgf�ltig. Doch er hegte kaum Hoffnung, dass sich der Zustand seines Freundes bessern w�rde.</p><p>Das Warten zerm�rbte die Zwerge wie auch die Orks; M�digkeit, der Feind aller Krieger, breitete sich aus. Glandallin d�ste selbst im Stehen immer wieder ein, doch als sein Helm mit einem dumpfen Laut gegen die Br�stung schlug, schreckte er hoch und blickte sich um. In der Zwischenzeit waren noch mehr Zwerge Opfer der Krankheit geworden und mussten die Reihen der Verteidiger verlassen. Es sah nicht gut aus f�r die Kinder des g�ttlichen Schmieds.</p><p>Ein durchdringender Alarmruf brachte sein Herz zum Pochen, die Angreifer erhielten neue Verb�ndete.</p><p>Im kalten Schein des Mondes erblickte der Zwerg die eindrucksvollen Silhouetten gewaltiger Monstrosit�ten, die viermal so gro� wie die Orks waren. Er z�hlte vierzig von ihnen. Die h�sslichen K�rper steckten in schlecht geschmiedeten R�stungen, die prankengleichen H�nde schwangen junge, grob zugehauene Tannen als Keulen.</p><p><emphasis>Oger.</emphasis></p><p>Wenn sie �ber die Zinnen gelangten, m�ssten sie die Verteidigungslinie aufgeben. Die Kessel mit der siedenden Schlacke waren leer, die Steinreserven vorerst aufgebraucht. Doch Glandallins Zaudern w�hrte nur kurz; ein Blick auf die leuchtende Gestalt von Giselbart gen�gte ihm, um den Glauben an einen weiteren Triumph �ber die dunklen Gesch�pfe zur�ckzubringen.</p><p>Die Masse der Orks geriet in Bewegung, die heranmarschierenden Oger wurden mit Freudengebr�ll begr��t.</p><p>Die gigantischen Wesen, welche die Orks an H�sslichkeit und Ungeschlachtheit noch �bertrafen, stapften zur Spitze des Heeres. Dort angekommen, machten sie gro�e eiserne Wurfanker bereit, deren vier Widerhaken jeweils die L�nge eines ausgewachsenen Menschen besa�en. Als N�chstes zogen sie lange Ketten durch die �sen am oberen Ende der Anker.</p><p><emphasis>Als Kletterger�t sind die Konstruktionen ungeeignet,</emphasis> �berlegte Glandallin. <emphasis>Vermutlich wollen die Oger damit die Mauern des Wehrgangs einrei�en. Und so, wie diese Wesen aussehen, k�nnte es ihnen gelingen.</emphasis></p><p>Die Wurfanker wirbelten durch die Luft und verhakten sich an drei Dutzend Stellen des massiven Vorbaus. Auf einen gebr�llten Befehl hin zogen die wartenden Orks zusammen mit den Ogern an den Ketten. Die Metallglieder spannten sich klirrend, Peitschenknall drang herauf.</p><p>Der Zwerg h�rte ein leises Knirschen. Das Bollwerk, erbaut von den H�nden seines Volkes und seit vielen Sonnenzyklen �ber standhaft, rang verzweifelt mit der rohen Kraft der Unget�me.</p><p>�Schnell, bringt die Verletzten von hier weg!�, rief er. Heraneilende Helfer, die zuvor noch die Schlackekessel bedient hatten, trugen Glamdolin und all die anderen Kampfunf�higen davon.</p><p>Eine Zinne riss ab, die Eisenkralle und die Steinst�cke sausten hinab und t�teten zwei der Oger und zehn Orks. Aber die Bestien gaben nicht auf. Nur wenig sp�ter surrte der Anker erneut heran und verkeilte sich an einer anderen Stelle.</p><p>Dieses Mal zogen sich die Zwerge zur�ck. Sie verlie�en den Wehrgang gerade noch rechtzeitig und positionierten sich oben auf den Fl�geln des steinernen Portals. Die Schmiede hatten vor Jahren st�hlerne Verschanzungen angebracht, hinter die sich die Verteidiger nun kauerten.</p><p>Glandallin vernahm das Poltern, als die Balustrade abbrach und auf den Torweg st�rzte. Die Erde erzitterte unter dem Gewicht, und das Freudengeschrei der Gegner war unbeschreiblich.</p><p><emphasis>Meinetwegen sollen sich die Bestien die Sch�del einrennen.</emphasis> Der Zwerg zwang sich zur Ruhe. Diese Pforte w�rde niemals fallen, weil es mehr als ein paar Wurfkrallen bedurfte, um die Barrikade zu zerst�ren.</p><p>Er schaute vorsichtig �ber den Rand der sch�tzenden Verkleidung. Weitere Feinde der Zwerge nahten. Auf stattlichen nachtschwarzen Pferden ritten sie zur Spitze des Heeres aus Orks und Ogern. Der Zwerg erkannte die hoch gewachsenen, schlanken Gestalten mit den spitzen Ohren sofort wieder. Sie waren diejenigen gewesen, welche die Zwerge in den Tunneln angegriffen hatten und unter gro�en Verlusten zur�ckgeschlagen worden waren.</p><p>Die Augen ihrer Pferde glommen dunkelrot, und die Hufe schlugen mit jedem Schritt wei�liche Funken. Zwei Reiter preschten bis vor das Portal und erteilten den Orks und Ogern Anweisungen, die ohne Widerworte ausgef�hrt wurden. Die Scheusale r�umten die Tr�mmer vor der Pforte weg und bereiteten den Weg f�r einen neuerlichen Sturm.</p><p>Die Elben wendeten ihre Pferde und zogen sich zur�ck, um die Ungeheuer aus sicherer Entfernung zu beobachteten. Einer der beiden Reiter nahm einen gewaltigen Bogen von der Schulter und legte einen Pfeil auf die Sehne. Die mit Handschuhen gesch�tzten Finger lagen locker an der geflochtenen Schnur; der Sch�tze wartete, bis sein Einsatz ben�tigt wurde.</p><p>Eilig schleppten die Zwerge Steinbrocken herbei und schleuderten sie auf die Bestien. Einige versuchten, den Wurfgeschossen zu entkommen. Doch kaum wandten sich drei Orks zu Flucht, ruckte der Bogen des Elben in die H�he. Schneller als Glandallin schauen konnte, sandte er das erste, ungew�hnlich lange Geschoss auf die Reise. Schon brach das Ungeheuer getroffen zusammen.</p><p>W�hrend der Ork fiel, hatte der Elb bereits den n�chsten Pfeil auf die Sehne gelegt und geschossen; das zweite Ungeheuer starb quiekend, das dritte nur einen Herzschlag darauf. Die anderen Scheusale verstanden die drastische Warnung und kehrten an ihre Arbeit zur�ck. Keiner wagte es, gegen den Mord an ihren Mitstreitern aufzubegehren; sogar die Unteranf�hrer schwiegen vor Furcht, selbst t�dlich gema�regelt zu werden.</p><p>Es dauerte bis zum Morgengrauen, dann lagen keine Tr�mmer mehr vor dem Tor.</p><p>Die Zwerge vom Stamm des F�nften bestaunten ein bizarres Schauspiel. W�hrend sich der Himmel im Osten allm�hlich hell einf�rbte und das Nahen der Sonne verk�ndete, erhob sich im Norden eine breite Nebelbank. In ihrem Innersten schimmerte es schwarz, silbern und rot; die Farben mengten sich, und ihre Intensit�t wechselte unentwegt.</p><p>Sie bewegte sich �ber die K�pfe der Ungeheuer hinweg und schwebte entgegen der Windrichtung auf das Tor zu. Die sonst so l�rmenden Orks schwiegen, duckten sich �ngstlich zusammen und h�teten sich, mit dem lebendigen Dampf in Ber�hrung zu kommen. Auch die Oger wichen zur�ck. Dem�tig senkten die Elben die H�upter und entboten dem Brodem einen Gru�, wie er einem Herrscher geb�hrte. Der schimmernde Nebel senkte sich vor den Reitern zu Boden und verharrte.</p><p>Dann geschah das Unfassbare: Ein Ruck lief durch das Portal, der Stein bebte, und der erste der f�nf Riegel schob sich zur�ck. Jemand musste das Unfassbare getan und die magische Losung genannt haben, um das Geborgene Land den Horden preiszugeben!</p><p>�Das kann nicht sein!�, rief Glandallin entsetzt und schaute zur anderen Seite des Portals hinab, um den Schuldigen zu entdecken. �Wie ��</p><p>Es war Glamdolin Starkarm. Er stand einsam vor der Pforte, die H�nde beschw�rend gegen das Tor gereckt und die n�chste Losung rufend.</p><p>�Schweig, du Narr!�, schrie er entsetzt zu seinem Freund hinab. �Was tust du da?!�</p><p>Aber der Zwerg wollte ihn nicht h�ren. Schon glommen die Runen der zweiten Sperre auf. �chzend schob sich der Riegel zur�ck.</p><p>�Es kann nur verfluchte Magie sein, die gegen uns wirkt�, mutma�te Glandallin laut. �Der Nebel! Er muss ihn verhext haben!�</p><p>Der dritte Riegel l�ste sich und gab die Eisenb�nder am Portal frei.</p><p>Jetzt kam Bewegung in die Reihen der Verteidiger. Die ersten sprangen auf und rannten zu den Treppen, um nach unten zu eilen und Glamdolin zum Schweigen zu bringen. Aber schon glitt die vierte Sperre aus ihrer Halterung. Nur noch ein Riegel war �brig und von den Zwergen, welche den Verr�ter, den Verhexten aufhalten sollten, nichts zu sehen.</p><p>�Wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig�, erkannte Glandallin grimmig. �Vraccas vergib mir meine Tat, aber es geht nicht anders.� Er nahm seine Axt und schleuderte sie mit aller Kraft und Wut nach dem Freund, mit dem er vorhin noch Seite an Seite gek�mpft hatte.</p><empty-line/><p>Die Klinge wirbelte durch die Luft, drehte sich um die eigene Achse und zischte in die Tiefe. Der Zwerg hatte gut Ma� genommen, seine Waffe fand ihr Ziel.</p><p>Glamdolin �chzte auf, als sich die Schneide in die linke Schulter grub. Ein Schwall Blut schoss aus der klaffenden Wunde, und er st�rzte zu Boden. Glandallin dankte seinem Gott voller Erleichterung, dass er die Axt geleitet hatte.</p><p>Doch es war bereits zu sp�t, der Verr�ter hatte sein schreckliches Ziel erreicht. Die letzte Barriere fiel.</p><p>Die gigantischen Torfl�gel bewegten sich langsam. R�ttelnd, widerstrebend schwangen sie zur�ck, als sp�rte der Granit, dass er sich f�r die Falschen �ffnete.</p><p>Fels rieb auf Fels; aus dem schmalen Spalt wurde eine klaffende L�cke, die sich zu einem wachsenden Durchlass verbreiterte. Nach schier unendlich langer Zeit stand die Pforte offen. Ein letztes Knarren ert�nte, dann lag der Weg in das Geborgene Land zum ersten Mal seit der Erschaffung der Welt frei.</p><p><emphasis>Nein! Das darf nicht sein.</emphasis> Glandallin sch�ttelte seine L�hmung ab. Er folgte Giselbart und den letzten Kriegern die Stufen hinab, um nach unten zu gelangen und das Tor zu verteidigen.</p><p>Er traf als Vorletzter an der breiten �ffnung ein. Seine Gef�hrten hatten sich bereits aufgestellt, die Schilde hielten sie als Schutz vor den K�rper, die andere Hand f�hrte die Axt, die gef�rchtete Waffe der Zwerge.</p><p>Sie standen dicht nebeneinander und bildeten einen kleinen, lebendigen Wall gegen die �berm�chtige Flut aus Orks, Ogern, Trollen und Elben. Vierzig gegen vierzigtausend.</p><p>Ihre Gegner wagten sich nicht vorw�rts. Sie f�rchteten einen Hinterhalt, denn niemals zuvor hatte sich der Durchgang f�r sie ge�ffnet.</p><p>Glandallins Augen schweiften �ber die erste Reihe der widerw�rtigen Feinde, hinter der eine zweite, eine dritte, noch eine, wieder eine und viele weitere lauerten. Seine buschigen Brauen zogen sich zusammen, eine tiefe Furche entstand �ber seinem Nasenbein. Trotz, Hass gegen das greifbar B�se und der unersch�tterliche Glaube an die Pflicht festigten ihn.</p><p>Giselbart hatte die Formel gesprochen, um das Portal wieder zu schlie�en. Die T�ren schwangen gehorsam, aber langsam, viel zu langsam aufeinander zu. Er schritt die Reihe hinter ihnen ab und legte jedem noch einmal die Hand auf die Schulter. Die Ber�hrung wirkte beruhigend und ermutigend zugleich; sie st�rkte die letzten Verteidiger des Geborgenen Landes.</p><p>Die Elben gaben Befehle, Trombonen qu�kten los. Die Orks und Oger br�llten sich selbst Mut zu, rissen die Waffen in die H�he und verfielen in donnernden Trab. Der Sturm begann.</p><p>�Sie k�nnen nur in einer Linie kommen. Gebt ihnen unseren guten Stahl zu fressen!�, rief Glandallin nach rechts und nach links, um seinen Gef�hrten Mut zuzusprechen. �Vraccas ist mit uns! Wir sind die Kinder des Schmieds!�</p><p>�Wir sind die Kinder des Schmieds!�, schrien seine Stammesbr�der zur�ck, die F��e fest gegen den Fels gestemmt.</p><p>Vier der Zwerge stellte Giselbart als letzte Verteidigung ab. Dann warf er seinen Schild weg, zog beide �xte und gab das Zeichen zum Gegenangriff. Die Letzten aus dem Stamm des F�nften rannten los, um ihren Gegnern den Tod zu bringen.</p><p>Zehn Schritte vor dem Torbogen erfolgte der Zusammenprall der ungleichen Streitm�chte. Die H�ter des Torwegs gruben sich wie die Maulw�rfe durch die Reihen der Orks, die vorweg gest�rmt waren.</p><p>Glandallin schwang seine Axt und durchtrennte einen Unterschenkel nach dem anderen. Er hielt sich nicht damit auf, die Bestien zu t�ten; es reichte ihm, sie zu Fall zu bringen und zum Hindernis f�r die Nachfolgenden zu machen.</p><p>�Ihr werdet niemals an mir vorbeigelangen!�, schrie er ihnen entgegen. Bald haftete stinkendes Blut an seinem ganzen K�rper, es troff von der R�stung und dem Helm und brannte in den Augen. Als ihn die Kraft zu verlassen drohte, warf er eine Axt weg und f�hrte die andere mit beiden H�nden. �Niemals!� Knochen brachen, warme Fl�ssigkeiten ergossen sich �ber ihn; ein Schwert und ein Speer verletzten ihn leicht, doch er drosch weiter zu.</p><p>Es ging nicht um sein Leben. Glandallin wollte erreichen, dass die Pforte sich rechtzeitig schloss und das Geborgene Land sicher blieb. Wenn die Kranken sich vom Fieber erholt h�tten, w�rden sie die Verteidigung �bernehmen. <emphasis>Noch ist nichts verloren!,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Die Runen des Meisterschmieds Borengar aber, die bis zu dieser Stunde wahrlich Wunderbares geleistet hatten, mussten ihren Vorrat an Schutz endg�ltig verbraucht haben. Glandallin nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie der Kampfgef�hrte zu seiner Rechten fiel; das Zweih�nderschwert eines Orks spaltete dem Zwerg den Sch�del.</p><p>Getrieben von gl�hendem Hass und dem Willen, den M�rder niederzustrecken, machte er zwei Ausfallschritte, trieb dem schwarzh�utigen Scheusal die Axt in den Wanst und schlitzte ihn der L�nge nach auf.</p><p>Der Schatten, der �ber ihn fiel, warnte ihn zu sp�t. Vergebens versuchte er, sich unter der herabsto�enden Ogerkeule wegzuducken, aber das schwere Ende traf seine Beine und zerquetschte sie. Schreiend fiel er gegen den n�chsten Ork und trennte ihm noch im Sturz den Oberschenkel halb ab. Dann landete er kopf�ber im Gewirr der Beine und hieb knurrend um sich, bis kein Gegner mehr in seine Reichweite gelangte.</p><p>�Kommt her!�, verlangte er w�tend nach neuen Feinden.</p><p>Sie straften ihn mit Missachtung. Ihre Gier war zu gro�, sie rannten an ihm vorbei, um in das Geborgene Land zu gelangen. Was sollten sie mit z�hem Zwergenfleisch, wo doch Besseres auf sie wartete? Einf�ltigen Tieren gleich dr�ckten und schoben sie, um durch das Portal zu gelangen. Sie scherten sich nicht mehr um den Zwerg, er war besiegt.</p><p>Unter Qualen stemmte er seinen Oberk�rper in die H�he, um nach den beiden Granitfl�geln zu sehen. Er hoffte, dass die letzte Zwergenreihe standhielt und den Vorsto� abwehrte.</p><p>Seine Hoffnung blieb unerf�llt. Er war der letzte �berlebende, die anderen Zwerge lagen tot und aufs Grausamste verst�mmelt am Boden, umgeben von den unz�hligen Kadavern ihrer erschlagenen Feinde. Die Diamanten an Giselbarts G�rtel glitzerten und wiesen zu der Stelle, an der ihr Stammesherr gegen drei Oger gefallen war. Der Anblick erf�llte Glandallin mit unertr�glichem Seelenschmerz und trotzigem Stolz zugleich.</p><p>Das Portal hatte sich indes fast geschlossen. Acht Oger stemmten sich verzweifelt gegen die T�ren, um sie davon abzuhalten, sich erneut zu verriegeln. Doch die verhornten Fu�sohlen rutschten �ber den Felsweg, denn selbst ihre titanische Kraft vermochte nichts gegen die Magie des Gottes Vraccas auszurichten. Die wenigen Scheusale, die bisher ins Geborgene Land gelangt waren, bedeuteten gewiss keine �berm�chtige Gefahr f�r die Menschen, Elben, Zauberer und die vielen anderen Wesen.</p><p>Die Morgensonne schob sich �ber den Gebirgskamm �ber dem Steinernen Torweg und blendete Glandallin. Er schirmte die empfindlichen Augen mit der Hand, damit er sehen konnte und die Gewissheit erhielt, dass die Pforte nicht mehr die kleinste L�cke aufwies.</p><p><emphasis>Es ist uns gelungen, Vraccas,</emphasis> dachte er erleichtert, als ein gl�hender Schmerz durch seinen R�cken fuhr. Eine schmale Klingenspitze ragte f�r den Zeitraum mehrerer Lidschl�ge aus seiner Brust, ehe sie wieder herausgezogen wurde. Ihm stockte der Atem. �Wer �?�</p><p>Der heimt�ckische Angreifer umrundete ihn und lie� sich vor ihm in die Hocke nieder. Der Zwerg blickte in ein feines Elbengesicht, Sonnenstrahlen schienen durch die blonden Haare und verwandelten sie in goldene F�den. Die Sch�nheit litt unter einem Furcht einfl��enden Makel: Anstelle der Augen sah der Zwerg zwei mandelf�rmige, unergr�ndlich schwarze L�cher.</p><p>Das Spitzohr trug eine schimmernde Plattenr�stung aus geschw�rztem Stahl, die bis �ber die Knie reichte. Die Beine wurden durch Lederhosen gesch�tzt, die dunkelbraunen Stiefel reichten bis unter die Knie. Dunkelrote Handschuhe bewahrten die Finger vor Schmutz, und die Rechte hielt einen Speer mit einer d�nnen, blutfeuchten Eisenspitze, die das enge Ringgeflecht des Kettenhemdes durchsto�en hatte.</p><p>Der seltsame Elb sprach zu dem Zwerg.</p><p>Glandallin verstand ihn wieder nicht, doch der d�stere Klang der Worte sandte eisige Schauer �ber seinen R�cken.</p><p>�Mein Freund sagte: Sieh mich an. Dein Tod hei�t Sinthoras�, �bersetzte jemand hinter ihm. �Ich nehme dir das Leben, und das Land nimmt dir die Seele.�</p><p>Glandallin hustete dunkles Blut, es rann aus dem Mundwinkel und sickerte in seinen Bart.</p><p>�Geh mir aus der Sicht, niedertr�chtiges Spitzohr! Ich m�chte beobachten, wie sich das Tor schlie�t�, verlangte er mit schroffer Stimme. Er versuchte, den Gegner mit einem Hieb der Axt zu verscheuchen. Beinahe w�re sie ihm entglitten, denn seine Kraft schwand. �Geh weg, oder ich spalte dich wie einen Strohhalm, verr�terischer Elb�, polterte er unger�hrt weiter.</p><p>Sinthoras l�chelte kalt. Er hob den Spie� und f�delte die Spitze in einen schmalen Spalt zwischen den Kettenhemdringen.</p><p>�Du irrst. Wir sind die Albae. Wir sind gekommen, um die Elben zu vernichten�, sagte die Stimme in seinem R�cken sanft. �Das Tor mag sich schlie�en, aber wenn du dich durch die Macht des Landes wieder von den Toten erhebst, wirst du einer von uns sein und es �ffnen. Du kennst die Losung.�</p><p>�Niemals!�, widersprach der Zwerg. �Meine Seele zieht zu Vraccas ��</p><p>�Nein, denn deine Seele geh�rt nun dem Land, und damit geh�rst du ihm auf ewig�, unterbrach ihn die samtene Stimme. �Nun stirb, kehre zur�ck und gib uns das Geborgene Land.�</p><p>Das geschliffene Ende fuhr in das Fleisch des hilflosen, geschw�chten Zwerges. Der Schmerz brachte ihn zum Verstummen.</p><p>Mit sanftem Druck schob Sinthoras die Klinge ein zweites Mal durch den geschundenen K�rper. Er tat es beinahe and�chtig, z�rtlich, voller Gl�ckseligkeit, dann wartete er auf das Sterben. Eingehend betrachtete er Glandallins vom Todeskampf verzerrte Z�ge und sog die Eindr�cke neugierig in sich auf.</p><p>Erst als er sich sicher war, dass alles Leben aus dem letzten H�ter des Steinernen Torwegs gewichen war, stand er auf.</p></section><section><title><p>I</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hling</subtitle><p>Mit lautem Klingen tanzte der Schmiedehammer auf dem gl�henden St�ck Eisen herum. Mit jedem Schlag wurde es runder und formte sich, bog sich der Gewalt aus Kraft und Geschick.</p><p>Urpl�tzlich setzte das Konzert aus. Ein unzufriedenes Grummeln ert�nte, w�hrend die Stahlkiefer einer Zange zuschnappten, das St�ck packten und zur�ck in die Esse warfen. Der Schmied war mit dem Ergebnis seiner Arbeit nicht zufrieden.</p><p>�Was machst du, Tungdil?�, fragte Eiden, der Pferdeknecht des Magus Lot-Ionan, voller Ungeduld und strich dem wartenden Vierbeiner �ber die N�stern. �Soll unser Ackergaul ewig warten? Ich muss das Feld bestellen.�</p><p>Der Zwerg mit dem kurz geschorenen braunen Bart tauchte die H�nde in den Wassereimer und nutzte die kleine Unterbrechung, um sich vom Schmutz zu befreien. Sein gedrungener, nackter Oberk�rper wurde von einer Ledersch�rze bedeckt, die Beine steckten in Lederhosen. Mit seinen kr�ftigen Fingern fuhr er sich durch die langen braunen Haare, um den Schwei� abzuwischen und sich bei der Gelegenheit etwas abzuk�hlen.</p><p>�Das Eisen h�tte dem Schimmel nicht gepasst�, lautete die kurze Erkl�rung. Tungdil bet�tigte den Blasebalg, dessen Fauchen in seinen Ohren wie das Atmen eines uralten Giganten klang. Die frische Luft verlieh den gl�henden Kohlen feuriges Leben. �Gleich.�</p><p>Der Schmied wiederholte die Prozedur und passte den eisernen Schuh an den Huf an. Als das Horn verbrannte, verschwand Tungdil in einer stinkenden, gelbwei�en Wolke. Rasch k�hlte er das Eisen in einem Eimer mit Wasser ab, trieb die N�gel in die vorgesehenen L�cher und setzte den Hinterlauf vorsichtig zu Boden. Er beeilte sich, von dem breiten, starken Pferd weg zu kommen, dessen Gr��e ihn mit Misstrauen erf�llte.</p><p>Eiden lachte und streichelte das Tier. �Na, das hat der Kurze wieder gut hinbekommen, was?!�, sagte er zu dem Schimmel. �Komm, aber pass auf, dass du nicht �ber ihn stolperst.� Die beiden verschwanden aus der Schmiede, um so schnell wie m�glich auf den Acker zu kommen.</p><p>Der Zwerg streckte sich und sch�ttelte die muskul�sen Arme aus, w�hrend er zur Esse ging. Die Geh�ssigkeiten des Knechts prallten an ihm ab. Er war sowohl verletzenden als auch nett gemeinten Spott gewohnt; der geh�rte zu seinem Los, als einziger Zwerg unter den Menschen zu leben, wohl dazu.</p><p>Angeh�rige seines Volkes sah man im Geborgenen Land so selten wie ein Goldst�ck am Wegesrand, und der Ruf der wenigen fahrenden Zwerge, die sich unterwegs als Schmiede und Werkzeugmacher verdingten, war nicht der beste. Sie galten als Sonderlinge und �u�erst verschlossen, und wie er geh�rt hatte, war ihnen nur an M�nzen und guten Preisen gelegen.</p><p><emphasis>Dennoch w�rde ich gern einem begegnen,</emphasis> dachte er. Sein Blick wanderte durch die aufger�umte Werkstatt und �ber die zahlreichen Zangen und H�mmer, die geordnet in ihren Halterungen ruhten. <emphasis>Er k�nnte mir gewiss vieles �ber die f�nf Zwergenst�mme erz�hlen.</emphasis> Tungdil liebte das Halbdunkel der Schmiede, weil es die Sch�nheit der glimmenden Kohlen hervorhob.</p><p>Wieder bet�tigte er den Blasebalg; der Luftsto� fachte die Flammen an und jagte Funken in den Schornstein. Ein breites Grinsen huschte �ber sein Gesicht. Der Zwerg stellte sich vor, dass rot leuchtende Punkte zum Schlot hinaus tanzten und bis zu den Sternen stiegen, um selbst Teil der Gestirne zu werden. Genauso viel Freude bereitete es ihm, den Hammer auf dem roten Eisen auf und ab springen zu lassen. <emphasis>Ob sie anders schmieden, als ich es tue?</emphasis></p><p>�Warum ist es in deiner Schmiede immer so dunkel?� Wie aus dem Nichts war Sunja aufgetaucht, die achtj�hrige Tochter der Magd Frala, ein aufgewecktes Kind, dem das �u�ere Tungdils herzlich gleichg�ltig war.</p><p>Der Zwerg grinste, sodass sich sein freundliches Gesicht in Falten legte. Er wunderte sich, wie schnell die Menschenkinder wuchsen. Es w�rde nicht mehr lange dauern, und sie w�re so gro� wie er. �Katzen und kleine Kinder, man h�rt sie nie kommen.� Er warf ein St�ck Eisen in die Esse. �Komm, wir lassen es gl�hen, und ich erkl�re es dir.�</p><p>Voller Begeisterung half das blonde M�dchen, den Blasebalg zu dr�cken, und Tungdil lie� sie wie immer glauben, dass sie es ganz allein schaffe, die Luft aus den prallen Lederbacken zu pressen. Bald glomm das Metall.</p><p>�Siehst du?� Er fasste es mit der Zange und legte es auf den Amboss. �Es hat nat�rlich einen Grund, weshalb bei mir Zwielicht herrscht. Nur so kann ein Schmied erkennen, ob der Stahl die richtige Temperatur erreicht hat. Warte ich zu lange, verbrennt mir das Eisen, und nehme ich es zu fr�h aus seinem Bett aus feurigen Kohlen, l�sst es sich nicht schmieden oder bricht.� Tungdil freute sich, als er das ernsthafte Nicken der Kleinen sah, die ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten war.</p><p>�Du bist ein Meisterschmied, sagt Mutter.�</p><p>Der Zwerg lachte. �Nein, das nicht. Aber ich kann mein Handwerk ganz gut.� Er zwinkerte ihr zu, und sie lachte fr�hlich zur�ck.</p><p>Dabei hatte ihm niemand die Handgriffe gezeigt. Er hatte dem alten Schmied Lot-Ionans bei seiner Arbeit zugeschaut, mehr war f�r den Zwerg nicht notwendig gewesen. Immer, wenn der Mann nicht am Amboss gestanden hatte, hatte Tungdil die Gelegenheit genutzt und ge�bt. Es hatte nicht lange gedauert, und er hatte die einfachen Dinge beherrscht. Jetzt, nach dem Ablauf von mehr als drei�ig Zyklen, traute er sich jede Schmiedearbeit zu.</p><p>Tungdil und Sunja betrachteten in sich versunken das wechselvolle Farbenspiel. Orange, gelb, rot, wei�, blau � Die Kohlenbrocken gl�hten, knackten und knisterten.</p><p>Er wollte sie gerade fragen, was es zum Mittag g�be, als die Umrisse eines Menschen im hellen Eingang zu sehen waren.</p><p>�Tungdil, komm in die K�che. Wir brauchen dich�, rief ihn Jolosin, ein Famuli der vierten Stufe, befehlend.</p><p>�Geht das ein bisschen freundlicher?�, antwortete er und sagte zu Sunja: �Du fasst nichts an, versprich es.� Schnell steckte er einen kleinen Gegenstand ein, den er geschmiedet hatte, ehe er dem angehenden Zauberer durch die G�nge des unterirdischen Gew�lbes folgte, in welchem die Schule des Geduldigen beherbergt war.</p><p>Etwa zweihundert junge und �ltere ausgew�hlte Menschen lernten unter der Aufsicht von Lot-Ionan, worauf es bei der Kunst des Zauberns ankam. Mit der fl�chtigen, launischen Magie hatte Tungdil nichts am Hut; sein Reich war die Schmiede, in der er sich nach Herzenslust austobte. Er bevorzugte die Handarbeit sowie ab und zu ein gutes Buch. Der Magus hatte ihn f�rs Lesen begeistert.</p><p>Jolosins aufw�ndig gearbeitete dunkelblaue Robe schwang hin und her, und die gepflegten Haare wippten leicht, was Tungdil zum Grinsen brachte. <emphasis>So was von eitel.</emphasis> Sie bogen in den gro�en Raum ein, in dem es nach leckerem Essen roch. �ber zwei gro�en Kochstellen hingen Kessel, in denen es brodelte und blubberte.</p><p>Tungdil wusste sofort, weshalb ihn der junge Mann herbeibefahl. Eine Kette, mit der die Beh�lter �ber einen Flaschenzug bewegt wurden, hatte sich aus ihrer Halterung gel�st, und der dazugeh�rige Kessel sa� auf der Feuerstelle auf.</p><p>F�r eine Frau war die Last zu schwer, und jetzt traute sich keiner von den Magussch�lern, die sich sogar beim K�chendienst f�r etwas Besseres als andere hielten, etwas zu unternehmen. Man k�nnte sich ja die Finger verbrennen oder gar schmutzig machen � was man den H�nden eines Schmieds aber durchaus zumutete.</p><p>Die K�chin, eine stattliche Menschenfrau mit zu vielen Pfunden auf den H�ften, eilte aufgeregt durch den Raum. �Schnell, sonst verbrennt mir mein Gulasch!�, dr�ngte sie und nestelte an dem Haarnetz herum, das in Gefahr war abzurutschen.</p><p>�Das w�re schade. Ich habe n�mlich Hunger.� Ohne zu z�gern stapfte der Zwerg an den Kamin, pr�fte die Kette kurz, ob sie nicht zu hei� geworden war, und umfasste die ru�igen Glieder. Seine Muskeln waren mit den Jahren am Amboss gewachsen, selbst der schwerste Hammer hatte mit der Zeit f�r ihn sein Gewicht verloren. Einen Kessel �ber einen Flaschenzug anzuheben bedeutete da nur eine geringe Schwierigkeit.</p><p>�Halt das�, verlangte er von Jolosin und reichte ihm die dreckige Kette, �ich muss die Halterung reparieren.�</p><p>Der junge Mann z�gerte. �Ist es nicht zu schwer?�, meinte er vorsichtig.</p><p>�Nein. Und falls doch, dann zaubere es dir einfach leichter, wenn du so gut bist, wie du immer tust�, empfahl ihm Tungdil feixend, dr�ckte ihm die Kette in die Hand und lie� los.</p><p>Der Famulus fluchte und stemmte sich mit aller Macht gegen das Gewicht des Kessels. �Sie ist hei߫, jammerte er.</p><p>�Wage es, mein Gulasch zu ruinieren, Bursche�, drohte ihm die K�chin d�ster und gab es auf, gegen die dunkelbraunen Haare zu k�mpfen, die ihr nun mitten ins dickliche Gesicht hingen. �Halt fest, oder nicht einmal der Magus wird dich vor meinem Nudelholz retten k�nnen!� Ihre stattlichen Unterarme zuckten.</p><p>Tungdil fand die Ursache, warum sich die Arretierung gel�st hatte, z�gerte die Reparatur aber ein wenig hinaus, um dem Famulus wegen seiner �berheblichkeit, niedere Arbeiten nicht verrichten zu wollen, eins auszuwischen.</p><p>�Oh, das sieht gar nicht gut aus�, sagte er laut und gab sich M�he, besorgt zu klingen. Frala, die schwarzhaarige Magd mit den h�bschen gr�nen Augen, durchschaute sein Spiel und kicherte, w�hrend sie die Kartoffeln sch�lte.</p><p>Nach einigen geschickten Handgriffen nahm der Zwerg die Kette und klemmte sie wieder am Haken fest. Der Beh�lter hielt, das Gulasch war gerettet. �Du kannst loslassen.�</p><p>Jolosin tat, wie ihm gehei�en, und besah seine schmutzigen H�nde; auch die kostbare dunkelblaue Robe hatte etwas abbekommen. Er blickte verunsichert zu Frala, die nun lauthals lachte, und wurde rot.</p><p>�Du hast das absichtlich getan, du elende Missgeburt!�, fauchte er Tungdil an. Er machte einen drohenden Schritt auf ihn zu und wollte die Hand gegen ihn erheben, �berlegte es sich angesichts der k�rperlichen �berlegenheit des Schmiedes aber anders und lief stattdessen erbost hinaus.</p><p>Der Zwerg griente hinter ihm her und wischte sich die H�nde an seinem Schurz ab. �Ich h�tte mich auch mit ihm gepr�gelt. Schade, dass er gekniffen hat.�</p><p>Frala warf ihm einen Apfel zu, den sie aus dem Korb neben sich geangelt hatte. �Der arme Jolosin�, lachte sie. �Jetzt hat er seine sch�ne Robe ganz schmutzig gemacht.�</p><p>�Habe ich ihm gesagt, dass er sich einsauen soll?�, zuckte Tungdil mit den Schultern und trat zu der Magd, die wie er kleinere Besorgungen und Handreichungen in der Zauberschule Lot-Ionans erledigte. �Aber ich g�nne es ihm schon�, f�gte er hinzu, und die Heiterkeitsf�ltchen um seine warmen Augen wurden tiefer.</p><p>�Ihr beide habt euch gesucht und gefunden�, seufzte Frala. �Eines Tages wird sich jemand bei euren Streitereien noch richtig verletzen.� Eine gesch�lte Kartoffel landete in einem mit Wasser gef�llten Bottich.</p><p>�Wie man ins Bergwerk hineinruft, so schallt es heraus.� Tungdil strich sich �ber die kurzen Stoppeln am Kinn. �Seit er mir den Bart mit irgendeinem Zauberkram gef�rbt hat, ist er mein Erzfeind. Ich habe ihn abrasieren m�ssen!�</p><p>�Ich dachte immer, die Orks seien die Erzfeinde der Zwerge?�, bemerkte sie blinzelnd.</p><p>�Bei ihm mache ich eine Ausnahme. Der Bart eines Zwerges ist sein Heiligtum, und ein echter Zwerg h�tte ihn wahrscheinlich erschlagen. Ich bin einfach zu gutm�tig.� Er biss herzhaft in den Apfel. Seine Linke glitt in die kleine Tasche an seinem G�rtel, dann dr�ckte er sein Mitbringsel in Fralas Hand. �Hier. F�r dich.�</p><p>Sie �ffnete die Finger und erblickte drei Hufn�gel, die der Zwerg mit enormer Akribie zu einem Schutzsymbol zusammengeschmiedet hatte. Die Frau streichelte ihm ger�hrt �ber die Wange.</p><p>�Das ist lieb von dir. Danke.� Sie stand auf, nahm ein St�ck dickes Garn und f�delte den Anh�nger ein. Rasch band sie einen Knoten, sodass Tungdils Geschenk nun auf ihrem Dekollete hing. �Steht es mir?�, fragte sie kokett.</p><p>�Als w�re es nur f�r dich gemacht worden�, antwortete er gl�cklich, weil sich die Magd �ber den einfachen Schmuck freute, als w�re er das edelste Geschmeide des Geborgenen Landes.</p><p>Die beiden verband etwas ganz Besonderes. Tungdil kannte Frala seit ihrem ersten Lebensjahr, er hatte sie aufwachsen und zu einer jungen Frau reifen sehen, deren Anblick den Zaubersch�lern den Kopf verdrehte. Inzwischen hatte sie selbst zwei Kinder, Sunja und eine einj�hrige Tochter namens Ikana.</p><p>Frala bildete sich nichts auf ihr �u�eres ein und blieb im Umgang mit den Bewohnern des Stollens herzlich, was den Zwerg stets mit einschloss. F�r sie war sein Anblick vertraut und so normal wie der eines Menschen, und diese Einstellung hatte sie an ihr �ltestes Kind weitergegeben.</p><p>Der Zwerg bemerkte den Unterschied sehr genau. Die Frauen und M�nner, die ins Reich Ionandar zu Lot-Ionan kamen, um bei ihm die Hohe Kunst der Magie zu erlernen, betrachteten gew�hnlich ihn als Sonderling, als Kuriosum, das man sonst nur mit viel Gl�ck in einer fahrenden Schmiede sah. Die Magd sprach dagegen mit ihm wie mit den Knechten oder der K�chin und gab ihm das Gef�hl, angenommen und gemocht zu werden.</p><p>Tungdil hatte ihr fr�her kleine Fig�rchen aus Zinn gegossen, mit denen sie voller Hingabe gespielt hatte, und ihr seine Werkstatt gezeigt, wo sie den Blasebalg hatte bet�tigen d�rfen. �Drachenatem� hatte sie das genannt und entz�ckt gelacht, wenn die Funken aufgestiegen waren. Frala verga� es ihm nicht, wie er sich um sie und nun um ihre Tochter k�mmerte.</p><p>Sie sch�ttete die restlichen Kartoffeln in eine Wanne und f�llte Wasser nach, dann wandte sie sich ihm zu. Ihre gr�nen Augen musterten ihn. �Es ist schon seltsam�, sagte sie l�chelnd. �Ich dachte eben, dass du dich f�r mich in den vielen Jahren nicht ver�ndert hast.�</p><p>Kauend setzte sich der Zwerg auf den Schemel, der Apfel war schon zur H�lfte in seinem Bauch verschwunden. �Und ich dachte eben, wie gl�nzend wir uns verstehen�, erwiderte er ehrlich.</p><p>�Frala! Komm her und r�hre mein Gulasch!�, befahl die K�chin. �Ich muss noch ein paar Kr�uter holen.� Der langstielige Kochl�ffel, der fast so gro� wie Tungdil war, wechselte die Besitzerin. �Lass es ja nicht anbrennen�, mahnte sie mit warnendem Unterton und ging hinaus.</p><p>Die Magd stellte sich an den Kessel und r�hrte die wohlriechende Mahlzeit kr�ftig durch.</p><p>�Ich habe die Menschen altern sehen, sogar den ehrenwerten Magus�, setzte sie ihre Rede fort, �aber du bist in den dreiundzwanzig Zyklen stets der Gleiche geblieben. Ob du in weiteren dreiundzwanzig Zyklen immer noch so ausschaust?�</p><p>Die junge Frau schnitt eine Frage an, mit der er sich ungern besch�ftigte. Wenn es stimmte, was er �ber die Lebensdauer eines Zwerges gelesen hatte, w�rde er noch dreihundert Sonnenzyklen und mehr leben. Die Gewissheit, dass er eines Tages ihren Tod erleben und die liebenswerte Frala verlieren w�rde, machte sein Herz jetzt schon schwer.</p><p>Nachdenklich schob er sich das Kerngeh�use in den Mund und kaute es. �Warte es ab, Frala�, meinte er und versuchte, die bedr�ckenden Gedanken zu verdr�ngen.</p><p>Aber die Magd schien an diesem Tag in sein Innerstes schauen zu k�nnen. �Versprichst du mir etwas, Tungdil?� Er nickte. �Wirst du dich sp�ter einmal um meine T�chter k�mmern, wenn ich nicht mehr da bin?�</p><p>Er schluckte die bitteren Kerne hinunter; sie kratzten in seinem Hals. �Das hat noch viel Zeit. Du wirst mindestens�, Tungdil schaute an ihr hinab, �na, mindestens einhundert Zyklen alt. Ich bitte den alten Zauberkauz, dass er dir ewiges Leben schenkt. Und Ikana und Sunja gleich mit�, brummte er.</p><p>Die junge Frau lachte. �Keine Sorge, ich habe nicht vor, so schnell vor Palandiell zu treten.� Sie r�hrte sorgf�ltig im Kessel; der Schwei� rann �ber ihre Stirn und lief ihr �bers Gesicht. �Es � ist nur ein gutes Gef�hl zu wissen, dass jemand auf die Kinder aufpasst.� Ein wenig hilflos hob sie die Schultern. �Ich bitte dich, sei ihr Gevatter.�</p><p>�Bis du zu deiner G�ttin gerufen wirst, sind die Kinder alt genug, dass es keinen Aufpasser mehr ben�tigt�, meinte er, aber als er merkte, dass es Frala mit ihrer Bitte durchaus ernst meinte, gelobte er, auf Ikana und Sunja Acht zu geben. �Es ist mir eine Ehre, ihr Pate zu sein.� Der Zwerg rutschte von seinem Sitz. �Falls der Haken abrei�en sollte, schicke Jolosin�, verabschiedete er sich und bekam von ihr noch eine kleine Sch�ssel Gulasch als Wegzehrung mit.</p><p>In der Schmiede warteten Sunja und neue Arbeit auf ihn, die der Pferdeknecht brachte. Die B�nder zweier Vorratsf�sser waren gerissen, also machte er sich daran, sie auszubessern. Dann brach ein St�ck des Pfluges, der eilig repariert werden musste.</p><p>Tungdil freute sich �ber die Auftr�ge. Die Anstrengung und die Hitze des Feuers brachten ihn zum Schwitzen, die Tropfen perlten von seinen Armen und fielen mit einem Zischen in die Esse. Fralas �lteste Tochter beobachtete ihn wie gebannt, reichte ihm die leichteren Werkzeuge und gab sich alle M�he, den Blasebalg zu bet�tigen.</p><p>Das gl�hende Eisen ergab sich unter seinen Schl�gen und wurde zu dem, was er haben wollte. In solchen Augenblicken f�hlte er sich wie ein echter Zwerg und nicht wie ein Findelkind, das von zaubernden Menschen aufgezogen wurde.</p><p>Seine Gedanken schweiften ab. In seinem dreiundsechzig Zyklen z�hlenden Leben hatte er keinen einzigen Zwerg gesehen, und deshalb freute er sich, wenn Lot-Ionan ihn auf Boteng�nge schickte, was viel zu selten geschah. Er hoffte inst�ndig, eines Tages einem Angeh�rigen seines Volkes zu begegnen und mehr �ber es zu erfahren; doch die fahrenden Zwerge machten sich rar.</p><p>Ionandar war ausschlie�lich Menschenland. Gnome und Kobolde gab es so gut wie keine mehr; die wenigen verbliebenen lebten an vergessenen Orten unter der Erde und tauchten nur auf, wenn sie etwas von den Menschen, Zwergen oder Elben stehlen konnten � hatte Frala einmal gesagt. Die letzten Elben lebten in �landur, in den Hainen des Ewigen Waldes, w�hrend die Zwerge sich in den f�nf Gebirgen rund um das Geborgene Land beheimatet waren; die Hoffnung, eines Tages in eines der Zwergenreiche zu gelangen und mehr �ber seine eigene Herkunft herauszufinden, hatte Tungdil fast aufgegeben.</p><p>Das Wissen �ber seinesgleichen stammte aus den B�chern des Magus, doch es war ein sehr trockenes Wissen, es las sich nicht lebendig. Manche Schreiber machten sich �ber die �Unterirdischen� lustig, andere gaben ihnen sogar die Schuld daran, dass der namenlose Schrecken in das Geborgene Land Einzug gehalten hatte. Das konnte Tungdil sich beim besten Willen nicht vorstellen.</p><p>B�cher dieser Art erkl�rten ihm, warum es so wenige Zwerge au�erhalb ihrer Reiche gab. Die �Unterirdischen� waren sicher beleidigt und kehrten den Menschen lieber den R�cken.</p><p>Tungdil hatte den ersten Reifen f�r das Fass gerade ausgebessert, als Jolosin schon wieder auftauchte. Er trug eine neue Robe, wie der Zwerg schadenfroh bemerkte.</p><p>�Komm schnell!�, keuchte er aufgeregt und rang nach Atem.</p><p>�Schon wieder der Gulaschkessel? Lauf und halte ihn fest. Ich bin gleich da�, feixte er.</p><p>�Im Laboratorium �� Jolosins Stimme versagte, er verlegte sich aufs Deuten. �Der Kamin�, schnaufte er und hastete zur�ck.</p><p><emphasis>Das klingt wirklich ernst.</emphasis> Beunruhigt legte der Zwerg den Hammer zur Seite und wischte sich die H�nde an seinem Schurz ab. Nachdem er Sunja wieder zu ihrer Mutter in die K�che geschickt hatte, folgte er dem Famulus durch die in Stein gemei�elten Korridore.</p><subtitle>Das Geborgene Land, am Rand des Zwergenreichs des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6233sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Winzige Sandk�rner prasselten zu hunderten gegen die Helme, Schilde, R�stungen und jeden Zoll unbedeckten Fleisches. Ein kr�ftiger, hei�er Westwind jagte die lose Erde vor sich her, die er von den D�nen abgetragen hatte.</p><p>Inmitten des Sturmes k�mpfte sich die mutige Schar Zwerge auf Ponys voran. Die T�cher vor den Gesichtern sollten vor der Naturgewalt sch�tzen, aber der helle W�stenstaub fand dennoch einen Weg durch den Stoff. Es gab keinen Mund, in dem er nicht knirschte, und keinen Bart, aus dem er nicht rieselte.</p><p>�Verdammter Wind!�, fluchte K�nig Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte, Herrscher �ber den Stamm der Vierten und seine zw�lf Clans, und richtete sein Tuch, um die Nase vor dem Sand zu sch�tzen.</p><p>Der Zwerg galt mit zweihundertachtundneunzig Jahren als erfahrener Herrscher und guter K�mpfer. Er ma� etwas mehr als f�nf Fu�, hatte starke Arme und legte seine aufw�ndig gearbeitete, schwere R�stung selbst unter diesen Umst�nden nicht ab. Unter dem mit Diamanten verzierten Helm quoll dunkelbraunes Haar hervor, sein Bart war von der gleichen Farbe. Unbeirrt lenkte er seine Gefolgschaft durch die D�nen und Ger�llberge.</p><p>�Ich finde den Sand schlimmer. In einem Berg kann so etwas nicht geschehen�, meinte Bislipur, sein Freund und Mentor, der an seiner Seite ritt. Er �berragte den Zwergenherrscher an H�he und K�rpermasse und trug beinahe ebenso viele kostbare Ringe und Spangen aus Gold wie sein Herr. Alles an seiner Haltung verriet den K�mpfer, und sein Kettenhemd zeigte Spuren zahlreicher vergangener Schlachten. Die letzte hatten sie gerade einmal vor f�nf Uml�ufen gegen Orks geschlagen.</p><p>�Ein einzelnes Sandkorn tut nicht weh. Dar�ber beschwere ich mich gew�hnlich auch nicht�, grummelte Bislipur. Doch die Menge und die Wucht, mit der er und die Gesandtschaft bel�stigt wurden, brachten selbst den h�rtesten Zwerg zum Aufst�hnen. �Wir sind kein W�stenvolk. Vraccas wusste, warum er uns aus Stein und nicht aus Sand erschuf�, fasste er die Gedanken des Trupps zusammen.</p><p>Ihre Ponys, mit denen sie sich auf die Reise ins Zweite Zwergenreich gemacht hatten, wieherten und schnaubten �rgerlich, um die pulvrige Substanz aus den N�stern zu blasen. Doch dabei sogen sie nur noch mehr von dem gnadenlosen Sand ein.</p><p>�Es gibt keine andere Strecke�, bedauerte Gandogar. �Aber zu euer aller Trost: Bald ist es geschafft.�</p><p>Der Trupp aus drei�ig Zwergen befand sich in Sangre�n, dem �den Land der Menschenk�nigin Umilante. Hier gab es nichts als karge Steppen, die sich mit noch kargeren Ein�den abwechselten und ein derart trostloses Bild boten, dass die Reisenden die Augen lieber auf die Spitzen ihrer Stiefel oder die zottelige M�hne der Pferde richteten.</p><p>Auf ihrem Weg aus dem Braunen Gebirge in den S�den hatten sie zun�chst die sanften T�ler und steilen Schluchten des bergigen Urgon von K�nig Lothaire durchquert. Danach waren sie durch das weitaus sanftere Idosl�n von K�nig Tilogorn geritten, in dem die H�gel Berge gehei�en wurden und schattiger Wald sich mit saftigen Wiesen abwechselte.</p><p>Nun f�hrte Gandogar seine Gefolgschaft durch das schwierigste St�ck von Sangre�n, den vierzig Meilen breiten G�rtel aus feinstem Sand. Gerade so, als wollte er jeglichen Besuch abwehren, lag er wie eine Barriere um das dahinter liegende Bergmassiv � das Ziel ihrer Reise.</p><p>Gelegentlich, wenn das Brausen des Windes nachlie� und der Sandvorhang aufriss, sahen sie die gewaltige Erhebung wie ein magisches Blendwerk emporragen. Die schneebedeckten Gipfel des Blauen Gebirges lockten mit K�hle, frischem Wasser und der Gemeinschaft ihres Volkes.</p><p>Bislipur r�ckte das Tuch vor Mund und Nase zurecht und strich sich brummend �ber den graubraunen Bart. �Ich bin gewiss kein Freund von Magie, doch nun k�nnten wir einen Zauberer gut gebrauchen.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Sie zw�ngen den verfluchten Wind mit ihrem K�nnen zur Ruhe.�</p><p>Eine letzte B�e strich um die Gesandten, ehe das Tosen �berraschend verebbte. Der H�henzug breitete sich nur mehr f�nf Meilen vor ihnen nach Westen und Osten aus.</p><p>�Mir scheint, du bist ein Zauberer geworden�, sagte Gandogar aufatmend. Er hatte die Welt au�erhalb seines Zwergenreiches noch nie sonderlich leiden k�nnen. Dieses Erlebnis trug dazu bei, dass er sich schwor, das erste und letzte Mal zu einer weiten Reise angetreten zu sein. �Sieh nur, wir sind bald da!�</p><p>Die Bergh�nge warfen lange Schatten und verdunkelten die beeindruckende Festung Ogertod. Sie schmiegte sich an die Ausl�ufer des Gebirges, weshalb ihre Erbauer sie teils im Stein belassen, teils die Wehre vorlagert hatten, woraus sich vier untereinander liegende Verteidigungsterrassen ergaben, die unm�glich einzunehmen waren.</p><p>In der Felswand auf dem obersten Plateau befand sich der acht Schritt breite und zehn Schritt hohe Einlass in das unterirdische Reich. <emphasis>Es sieht aus, als h�tte der Berg einen riesigen Mund und w�rde herzhaft g�hnen,</emphasis> dachte der K�nig.</p><p>Als die Gesandtschaft sich der Festung n�herte, �ffneten sich die beiden Torfl�gel einladend. �ber den T�rmen flatterten erhaben die siebzehn Banner der Clans des Gastgebers.</p><p>�Da reiten wir vom einen Ende des Geborgenen Landes ans andere und sind nun endlich am Ziel angelangt�, lachte Gandogar erleichtert. Die �brigen Zwerge stimmten in die Heiterkeit mit ein. Sie bildeten den waffenstarrenden Tross, der ihren Herrscher sicher nach Bero�n geleitet hatte. Es waren die Oberh�upter, besten Krieger und Handwerker aller zw�lf Clans des Vierten Stammes, die Beil, Axt und Werkzeug vortrefflich zu f�hren vermochten. Die aus Legenden hinreichend bekannte Schlagkraft der Zwerge stellte wohl auch den Grund daf�r dar, weshalb sie unterwegs nicht einen einzigen R�uber zu Gesicht bekommen hatten; dabei w�re das viele Gold, das sie mit sich f�hrten, durchaus einen �berfall wert gewesen.</p><p>Bislipur winkte herrisch, die Geste wurde verstanden.</p><p>Ein drei Fu� kleines Wesen rutschte umst�ndlich vom R�cken seines Ponys und eilte durch den wei�en Sand. Seine weiten Hosen wurden von einem breiten G�rtel gehalten. Auch wenn es sehr sehnig wirkte, so w�lbte sich doch ein stattlicher Bauch unter dem Hemd. �ber dem gelblichen Jutehemd trug es eine rote Jacke, und eine blaue M�tze hatte es tief ins Gesicht gezogen; spitze Ohren ragten darunter hervor. Die Schnallenschuhe schaufelten den Untergrund bei jedem Schritt in die H�he, und um den Hals lag ein silbernes Kropfband.</p><p>Geflissentlich verneigte es sich vor Bislipur. �Swerd steht Euch zu Diensten�, grummelte es missgelaunt. �Wie immer nicht aus freien St�cken.�</p><p>�Schweig, Gnom�, donnerte Bislipur und hob die breite Faust. Swerd duckte sich. �Reite vor und melde uns an. Dann warte, bis wir eintreffen, und r�hre nichts an.�</p><p>�Ich habe es vernommen und gehorche, ohne Gefallen daran zu finden.� Der Gnom verbeugte sich tief und hetzte zu seinem kleinen Pferd. Kurz darauf preschte er an den Zwergen vorbei und jagte auf die Festung zu.</p><p>Man sah selbst von weitem, dass Swerd nicht reiten konnte. Er hopste entgegen den Bewegungen des Ponys auf dem Sattel auf und nieder, dr�ckte mit seinen klauenartigen Fingern die M�tze fest auf den Schopf und �berlie� es dem Tier, den Weg zum vordersten Wall zu finden.</p><p>�Wenn er noch schneller galoppiert, entmannt er sich selbst�, sch�tzte Gandogar. �Wann wirst du ihn frei lassen?�, wollte er von seinem Mentor wissen.</p><p>�Wenn er genug f�r seine Tat geb��t hat�, erwiderte Bislipur knapp. �Lasst uns weiterziehen.� Er dr�ckte die Fersen in die weichen Flanken seines Ponys; gehorsam trabte es los.</p><p>Sie n�herten sich der Festung Ogertod, die sie beide nur aus Erz�hlungen und von Zeichnungen her kannten.</p><p>Es mochten Jahrhunderte verstrichen sein, seitdem der Letzte aus dem Stamm Go�mdils bis ans andere Ende des Geborgenen Landes gereist war. Fr�her hatte sich ihr Volk in regelm��igen Zyklen getroffen, um ihrem Gott Vraccas zu Ehren gemeinsam ein Fest zu feiern und dem Schmied zu danken, dass er sie erschaffen hatte, aber seit der Steinerne Torweg gegen die Orks, Oger und Albae gefallen war und die Clans des F�nften Stammes vernichtet worden waren, war der Zusammenhalt zerbrochen.</p><p>�Es wird h�chste Zeit.� Gandogar hob seinen Hintern ein wenig an. Das Sitzfleisch schmerzte vom ewigen Geschaukel.</p><p>Keiner von ihnen konnte besonders gut reiten. Schweren Herzens hatten sich die Abgesandten auf die Ponys gesetzt; gro�en Pferden h�tten sie als wahre Zwerge schon gar nicht getraut, und zudem sah es unw�rdig aus, wenn man eine Trittleiter zum Aufsteigen ben�tigte.</p><p>Die Ablehnung sa� tief. Zwei ihrer Begleiter verweigerten sich dem Reiten g�nzlich und hatten sich kleine, wendige Streitwagen gebaut, die am Ende des Zuges rollten.</p><p>�Wir freuen uns alle auf das Ende der Reise�, sagte Bislipur knapp und spuckte Sand aus.</p><p>Der Anblick des eindrucksvollen Bollwerks aber entsch�digte sie ein wenig f�r die Strapazen. Gandogars Augen schweiften �ber die kunstvollen Steinmetzarbeiten, welche die Mauern und T�rme zierten; schon die Figuren, Verzierungen, Sockel und S�ulen des ersten Walls versetzten ihn in Staunen. <emphasis>Wir m�gen die besten Edelsteinschleifer sein, aber sie sind wahrlich die besten Steinmetzen.</emphasis></p><p>Das Eingangstor schwang auf und erlaubte dem Tross, in den Hof der ersten Terrasse einzureiten. Swerd stand neben seinem Pony und wartete gehorsam, bis Bislipur ihn mit einer Geste an den Schluss der Gruppe schickte.</p><p>Ein Zwerg kam auf sie zu. Ihm sah man sein Alter tats�chlich an, er musste �ber dreihundert Zyklen alt sein. �Ich begr��e K�nig Gandogar Silberbart vom Stamm des Vierten und sein Gefolge. Ich bin Balendil�n Einarm vom Clan der Starkfinger, Berater unseres Gro�k�nigs Gundrabur Wei�haupt vom Stamm des Zweiten. Seid willkommen.�</p><p>Seine gedrungene Gestalt steckte in einem Kettenhemd; der G�rtel, der seine Streitaxt hielt, wurde von einer aufw�ndig gearbeiteten steinernen Schnalle geschlossen. Mehrere Zierspangen aus dem gleichen Material hatte er in die Str�hnen seines schwarzgrauen Bartes geflochten; ein langer Zopf baumelte auf seinem R�cken.</p><p>Er hob den Kopf. �Folgt mir, gesch�tzte Br�der. Ich zeige euch den Weg.�</p><p>Er wandte sich um und schritt die Steigung hinauf, die auf den Bergeingang zu f�hrte. Dabei konnte jeder sehen, dass dem Berater der linke Arm fehlte.</p><p>Der K�nig vermutete, dass er ihn im Kampf gegen die Ungeheuer eingeb��t hatte. Balendil�n hatte einen sehr kr�ftigen K�rperbau, was sicherlich durch die Arbeit mit den schweren Steinen kam. Die verbliebene schwielige Hand sah fast wie eine B�rentatze aus; Kraft strotzte aus jedem der f�nf Finger und machte seinem Clan alle Ehre.</p><p>Als sie mehrere Tore passiert hatten und auf dem vierten Stufenbau angelangt waren, hielt Balendil�n an. Nun sahen die G�ste, wie durchdacht die Befestigung errichtet worden war. Der Zwerg deutete auf den Eingang in das Bergmassiv. �Steigt nun ab und �berlasst die Ponys unserer Obhut. Sie werden gut behandelt. Wir gehen gleich in die Ratshalle, denn ihr werdet ungeduldig erwartet.�</p><p>Balendil�n setzte sich an die Spitze des Zuges und f�hrte sie in den Stollen, in den ein gro�er Drache mit Leichtigkeit hineingepasst h�tte. Die Arbeit der Steinmetzen aber raubte den Besuchern der Marmorhallen schier den Atem. Neuneckige graue S�ulen von zehn Schritt Umfang und mehr wuchsen wie versteinerte B�ume in die H�he. Der Raum war so hoch, dass man die Decke nicht sehen konnte; die S�ulen ragten anscheinend ins Nirgendwo. <emphasis>Oder sie f�hren nach oben, um die Gipfel des Berges zu st�tzen,</emphasis> dachte Gandogar ehrf�rchtig.</p><p>Zwischen den Pfeilern spannten sich ornamentreiche Steinb�gen, in die Sinnspr�che und Verse aus der Sch�pfungsgeschichte des Zwergenvolkes eingraviert waren.</p><p>Unmittelbar vor ihnen hatten die Bildhauer ein riesiges steinernes Abbild des Zweiten erschaffen. Ein granitfarbener Bero�n sa� auf einem Thron aus wei�em Marmor, die Rechte zum Gru� erhoben; die Linke lag auf dem Griff der Axt. Sein Schuh war so hoch wie ein Zwerg und so lang wie f�nf Ponys.</p><p>Damit nicht genug.</p><p>Die W�nde, einst nackter, unbehauener Fels, waren glatt abgeschliffen. In die matt gl�nzende Oberfl�che hatten Bero�ns Erben weitere Spr�che und Muster gemei�elt. Sie waren so sch�n und exakt gearbeitet, dass Gandogar unwillk�rlich langsamer ging, um sie genauer in Augenschein zu nehmen.</p><p>Nat�rlich schlug auch der Stamm des Vierten Hallen und S�le ins Felsgestein, aber ihre Handwerkskunst hinkte dieser in der Ausf�hrung Meilen hinterher.</p><p>Der K�nig streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingern ehrf�rchtig �ber den grauschwarzen Marmor. Eine solche Pracht h�tte er niemals f�r m�glich gehalten.</p><p>�Bei Vraccas!�, entfuhr es ihm voller Anerkennung und Stolz. �Meisterlicher geht es nicht mehr. Ihr seid die besten Steinmetzen unseres Volkes.�</p><p>Der Berater des Gro�k�nigs verneigte sich. �Ich danke dir f�r dein Lob. Gern richte ich es unseren K�nstlern aus.�</p><p>Ihr Weg verlief zwischen den F��en des regungslosen Giganten hindurch und f�hrte sie in einen etwas kleineren Gang. Die Luft k�hlte nun merklich ab. Es dauerte nicht lange, und sie standen vor der T�r der Ratshalle.</p><p>Balendil�n l�chelte Gandogar zu. �Bist du bereit, deinen Anspruch zu verteidigen?�</p><p>�Nat�rlich ist er das�, antwortet Bislipur scharf, ehe der K�nig das Wort ergreifen konnte.</p><p>Balendil�n runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Stattdessen �ffnete er den Einlass und ging voran, um die lange erwarteten Neuank�mmlinge vorzustellen.</p><p>Die Halle �bertraf alles Gesehene: Runde S�ulen ragten in schwindelnde H�he empor, die W�nde zierten in Stein gehauene Kampfszenen aus der Geschichte des Zwergenvolkes, die an glorreiche Siege und Taten der vergangenen Zyklen erinnerten. Kohlebecken und Leuchter spendeten warmes Licht, und eine angenehme Frische entsch�digte die Reisenden f�r die Hitze, die sie in Umilantes Land erduldet hatten.</p><p>W�hrend Balendil�n sie der Reihe nach vorstellte, warf Gandogar seinem Mentor einen strafenden Blick zu. �Das war unh�flich. Swerd h�ttest du daf�r gepr�gelt�, ma�regelte er ihn leise.</p><p>Bislipurs Kiefer mahlten. �Ich werde den Berater um Verzeihung bitten.�</p><p>Sie wandten sich der Versammlung zu. Die Pl�tze f�r die f�nf Stammesk�nige waren halbkreisf�rmig um einen Tisch angeordnet; f�r die Clananf�hrer standen kunstvoll gemei�elte Steintrib�nen dahinter zur Verf�gung, damit sie die Sitzungen mit verfolgen und ihre Ansichten darlegen konnten.</p><p>Ein Stuhl und die R�nge dahinter blieben unbesetzt und erinnerten schmerzlich an die Vernichtung der F�nften. Der Herrscher sowie die Clangesandten des Ersten Stammes fehlten noch, daf�r sa�en die Zwerge aus den siebzehn Clans des Zweiten auf ihren Pl�tzen.</p><p>Auf dem Tisch lagen verschiedene Karten des Geborgenen Landes ausgebreitet. Vor der Ankunft der Vierten hatten die Zwerge sich �ber die Vorg�nge im Norden ausgetauscht, jetzt wandten sie ihre Aufmerksamkeit Gandogar zu.</p><p>Die Aufregung des K�nigs wuchs. Zum ersten Mal seit mehr als vierhundert Sonnenzyklen versammelten sich die M�chtigsten und Besten aller St�mme; zum ersten Mal sah er so viele entfernte Verwandte und Herrscher von Angesicht zu Angesicht. Namen, die er immer wieder geh�rt und gelesen hatte, verbanden sich nun mit einem Gesicht, und sein Herz pochte vor Freude.</p><p>Die anderen Zwerge erhoben sich, um ihn und seine Gefolgschaft mit einem kr�ftigen Handschlag zu begr��en. Gandogar sp�rte, wie unterschiedlich die Handinnenfl�chen waren: mal schwielig, mal vernarbt, mal muskul�s, dann beinahe schon feingliedrig. Der freudige Empfang r�hrte ihn, wenngleich er in manchen Augenpaaren Misstrauen und Argwohn ihm gegen�ber erkannte.</p><p>Dann aber trat er vor Gundrabur Wei�haupt, K�nig der Zweiten und Gro�k�nig, Herrscher �ber alle St�mme und Clans.</p><p>Er riss sich zusammen, um seinen Schrecken zu verbergen.</p><p>Der Gro�k�nig musste einst ein stattliches Kind des Schmieds gewesen sein, doch nach mehr als f�nfhundert Sonnenzyklen brannte sein Lebenslicht so schwach, dass es schien, als k�nnte der leiseste Windhauch es zum Erl�schen bringen. Die tr�ben, gelblich braunen Augen flackerten und waren nicht imstande, ein Ziel zu finden; Gundrabur schaute durch ihn hindurch.</p><p>Wegen seines Alters verzichtete er auf eine schwere R�stung. Der aufgezehrte Leib war in ein reich besticktes dunkelbraunes Stoffgewand geh�llt; sein Silberbart und das Haupthaar hingen bis auf den Boden herab. In seinem Scho� lag die Krone, das Insignium seiner Gro�k�nigw�rde; selbst sie war seinem K�rper eine Last geworden.</p><p>Neben dem Thron stand der zeremonielle Schmiedehammer, in dessen Kopf Runen graviert waren; Edelsteine und Intarsien aus den verschiedensten Edelmetallen spiegelten das Licht der Kohlebecken und Leuchter. Der gebrechliche Zwergenf�hrer w�rde nicht einmal den Stiel des schweren Werkzeugs hochheben k�nnen.</p><p>Gandogar r�usperte sich und schluckte die Beklemmung hinunter. �Hier stehe ich vor dir, weil du mich gerufen hast, um dir auf den Thron nachzufolgen, mein K�nig�, sprach er die alten Worte.</p><p>Gundrabur neigte das Haupt und wollte etwas erwidern, aber seine Stimme versagte.</p><p>�Er freut sich, dass du seinem Ruf gefolgt bist und den weiten Weg auf dich genommen hast�, antwortete Balendil�n an seiner statt. �Bald, wenn der Rat der St�mme sich daf�r ausspricht, wirst du die Krone tragen.� Er deutete auf einen freien Platz an der Tafel, und der K�nig der Vierten nahm Platz. Bislipur trat hinter ihn. �Ich bin Gundraburs Stellvertreter und nehme den K�nigssitz f�r die Zweiten ein.�</p><p>Gandogar inspizierte die Karten und bemerkte, dass ihn einige der Abgesandten musterten, weil sie anscheinend erwarteten, dass er seinen Anspruch auf das Amt des Gro�k�nigs mit Worten untermauerte. Bislipur aber hatte ihn davor gewarnt, zu fr�h seine Stimme zu erheben. Erst galt es, die Lage im Norden des Geborgenen Landes zu besprechen, und er war sehr gespannt, ob seine Stammesbr�der seinem Plan folgen w�rden.</p><p>�Wo sind die neun Clans von Borengar?�, fragte er mit Blick auf die leeren St�hle der Ersten in die Runde. �Sind sie noch nicht eingetroffen?�</p><p>Balendil�n sch�ttelte den Kopf. �Wir haben keine Nachricht von ihnen erhalten. Seit mehr als zweihundert Zyklen nicht mehr.� Er langte nach seiner Axt und deutete mit der Spitze auf die Karte. Im �u�ersten Westen bewachten die Zwerge Borengars, des Ersten, den Silberpass des Roten Gebirges und verteidigten ihn gegen Eindringlinge. Ihr Reich wurde von dem der Menschenk�nigin Wey IV. umschlossen. �Aber es gibt sie noch. Kaufleute aus dem Land Weyurn haben berichtet, die Pforte des Silberpasses sei fest verschlossen.� Er legte die Axt vor sich auf den Tisch. �Sie werden damit leben m�ssen, dass wir ohne sie abstimmen. Es ist ihre Sache, wenn sie sich nicht einfinden.�</p><p>Die Versammlung murmelte ihre Zustimmung.</p><p>�Bevor du zum Nachfolger des Gro�k�nigs gew�hlt wirst, h�re, welche Herausforderungen auf dich warten. Das Tote Land kriecht immer weiter vorw�rts. Jeder Schritt Land, den die Unholde Tions eroberten, wurde von der unheimlichen, unsichtbaren Macht ergriffen; die Natur wird b�sartig, die gr��eren Pflanzen versuchen, alles Lebendige anzugreifen und zu t�ten. Wer darauf sein Leben verliert, so erz�hlen sich die Menschen, kehrt seelenlos auf die Erde zur�ck und hat keinen eigenen Willen mehr. Man wird zum Sklaven der finsteren Macht und stellt sich in die Reihen der Orks, um fortan gegen das eigene Volk zu k�mpfen.�</p><p>�Es kriecht vorw�rts?� Gandogar sog scharf die Luft ein. Allem Anschein nach versagten die Kr�fte der Zauberer, das Tote Land aufzuhalten. �Ich ahnte es! Die spektakul�re Magie der Langen taugt nichts�, brach es aus ihm heraus. �Nudin, Lot-Ionan, And�kai und wie die �berschlauen Gelehrten hei�en, haben sich mit ihren Famuli in den Laboratorien, Burgen und Festungen verkrochen, um das Zaubern zu vervollkommnen. Sie jagen der Unsterblichkeit der Elben hinterher, um unbegrenzt forschen und ihre Formeln niederkritzeln zu k�nnen. Das haben wir nun davon! Das Tote Land l�sst sich nicht l�nger b�ndigen und legt sich wie Rost �ber Eisen, das nicht gepflegt wurde.�</p><p>Die Zwerge bekundeten lauthals ihre Zustimmung zu seinen offenen Worten.</p><p>�Doch es hat auch Vorteile gebracht. Sie haben die Elben beinahe vernichtet.� Gandogars Herz frohlockte, weil der endg�ltige Niedergang der hochn�sigen Rasse wohl nicht mehr lange auf sich warten lie�e. Er selbst w�rde mit seinen Scharen zur Stelle sein, um ihnen den Gnadensto� zu geben. Sein Vater und sein Bruder waren durch die Hand der Elben get�tet worden, doch jetzt nahte die Stunde seiner Rache. <emphasis>Die Scharm�tzel, die st�ndigen Anfeindungen haben bald f�r immer ein Ende.</emphasis> Es dr�ngte ihn, die anderen in seine Pl�ne einzuweihen.</p><p>�Beinahe? Es klingt, als h�ttest du etwas zu sagen�, meinte Balendil�n stirnrunzelnd.</p><p>�H�rt mich an, ihr Stammesbesten und Clanoberh�upter�, hob Gandogar an. Seine Wangen gl�hten, und die braunen Augen spr�hten vor Begeisterung. �Vraccas gab uns die Gelegenheit, die Sch�pfung Sitalias zu vernichten!� Sein Zeigefinger legte sich auf das kleine Fleckchen auf der Landkarte, das vom Elbenreich �brig geblieben war. �Dort sind die Letzten versammelt. Ich sage euch: Bringen wir ein starkes Heer auf, marschieren in �landur ein und strafen die Elben ein f�r allemal f�r ihre unges�hnten Taten in den letzten Zyklen!�</p><p>Die versammelten Zwerge starrten ihn an; die �berrumpelung war gelungen.</p><p>�Gandogar, wir haben uns eingefunden, um dich zum neuen Gro�k�nig zu w�hlen�, mahnte Balendil�n mit ruhiger Stimme und bem�hte sich, die Aufregung zu d�mpfen, �und nicht, um Kriegspl�ne zu schmieden. Das ist nicht unsere Aufgabe.� An dem Gemurmel rundum aber merkte er, dass die Bemerkungen des Vierten auf fruchtbaren Boden gefallen waren. �Wir verteidigen die V�lker des Geborgenen Landes und bek�mpfen sie nicht! Erinnert euch an die Aufgabe, die uns Vraccas gab!�, beschwor er sie.</p><p>Gandogar schaute sich um. Seine Br�der rangen mit dem F�r und Wider. �Es geht um mehr! Ich bin im Besitz alter Aufzeichnungen unseres Volkes, die Bislipur fand und mir �bergab. H�rt selbst und entscheidet, was wir tun sollen.� Er holte tief Luft, nahm eine Abschrift auf Pergament hervor und zitierte feierlich:</p><cite><p>�Und die Elben wurden neidisch auf die Sch�tze der Zwerge.</p><p>Sie �berfielen den Stamm des F�nften, Giselbarts.</p><p>Der Kampf in den Stollen und am Steinernen Torweg entbrannte.</p><p>Giselbart schloss einige der verr�terischen Elben in ein finsteres Labyrinth, aus dem sie nicht mehr entkamen.</p><p>Aber die Elben setzten ihre Magie ein, um die Kinder des Schmiedes krank zu machen und zu schw�chen.</p><p>Danach metzelten sie die F�nften bis auf einige wenige des Stammes nieder.�</p></cite><p>Stille senkte sich auf die Halle herab. Die getragene Stimme des K�nigs hallte Ehrfurcht gebietend und erweckte die Worte zum Leben.</p><cite><p>�Als Trolle und Orks das Blut der Verwundeten und Get�teten rochen, machten sie sich auf und erschienen an der Pforte zum Geborgenen Land.</p><p>Die Elben fl�chteten feige und �berlie�en den Torweg seinem Schicksal.</p><p>Durch ihre List aber �ffnete sich das Portal. Giselbart und seine letzten Getreuen fochten, wie es nur Zwerge verm�gen.</p><p>Aber die geschw�chten F�nften konnten die Horden nicht aufhalten. Seither zieht das B�se durch das Land.�</p></cite><p>Er hielt inne, um die betroffenen Gesichter zu betrachten. Es bedurfte nur noch weniger Bem�hungen, um sie auf seine Seite zu ziehen; lediglich der Einarmige sch�ttelte sachte den Kopf.</p><p>�Ich zweifele an diesen Zeilen, K�nig. Warum hat unser Volk sie so lange nicht entdeckt? Ist es nicht seltsam, dass Worte �ber die Schuld der Elben ausgerechnet jetzt auftauchen? So passend zu deinem Vorhaben?�</p><p>�Sie wurden absichtlich verborgen, vielleicht von zaudernden Zwergen wie dir, um einen Krieg zu verhindern�, entgegnete Gandogar sp�ttisch, hob seine Axt und bohrte die Spitze in das auf der Karte eingezeichnete �landur. �Ihr habt meine Worte vernommen: Da sitzen die Schuldigen! Und sie sollen f�r ihre Taten und unsere Toten endlich bezahlen!�</p><p>�Und dann?�, fragte Balendil�n hart. �Was dann, K�nig Gandogar? Wem tust du damit einen Gefallen? Doch nur dem Toten Land, aber uns und den Menschen nicht. Wenn man dich h�rt, k�nnte man meinen, wir sollten uns mit den Albae zusammentun, um die Elben zu schlagen�, f�hrte ihn der Berater auf gef�hrliches Eis. �Entsinne dich, wer unsere Feinde sind, K�nig Gandogar! Vraccas hat niemals gesagt, dass wir die V�lker des Geborgenen Landes angreifen sollen. Keiner von uns kann die Elben ausstehen, die G�tter haben es nicht so gewollt. Es gab Streit und Tote, gewiss.� Er legte die Rechte auf seinen Armstumpf. �Ich gab einen Teil meines K�rpers, um vier Orks zu t�ten, doch in einem Krieg w�rde ich meine Klinge niemals gegen einen Elben erheben, eher schl�ge ich meinen anderen Arm auch ab. Sie sind unsere Schutzbefohlenen, trotz unserer Zwiste, und daran haben wir uns stets gehalten. Es ist Vraccas� Gesetz!�</p><p>Gandogar funkelte den Einarmigen w�tend an. Die Worte gingen ihm aus, Balendil�n machte seine Vision einer Rache zunichte. Er h�rte, wie Bislipurs Z�hne knirschten.</p><p>�Ich verstehe mich nicht als Handlanger der Albae�, versuchte er es erneut. �Es geht darum, einen g�nstigen Augenblick zu nutzen. Danach will ich als Gro�k�nig unser Volk in die Schlacht gegen die Horden des Toten Landes f�hren, um jenem Spuk ein Ende zu bereiten, der die Reiche schon viel zu lange heimsucht. Wo die Menschen versagt haben, wird unser Volk St�rke zeigen!�</p><p>�Ich erkenne dich nicht wieder, K�nig Gandogar�, wunderte sich Balendil�n offen, und sein von Erfahrungen und Alter gezeichnetes Gesicht dr�ckte Unverst�ndnis aus. �Hat dein Hass auf die Elben deinen Verstand getr�bt, dass du dich �ber die Worte unseres Gottes hinwegsetzen willst?� Er warf Bislipur einen argw�hnischen Blick zu. �Oder ber�t dich jemand schlecht?�</p><p>Nun kam Bewegung in die Reihen der Clanabgeordneten; ein Zwerg aus dem Breithand-Clan des Stammes der Zweiten stand auf.</p><p>�Ich finde seinen Vorschlag �berdenkenswert�, sagte er mit fester Stimme. �Gandogars Worte k�nnten wahr sein. Wer einmal einen Verrat beging, der tut es wieder. Was ist, wenn die Elben aus dem sterbenden �landur abziehen und ein Menschenreich angreifen, um sich ein neues Reich zu schaffen? W�re das rechtens?�</p><p>�Oder wenn sie dem Feind ein weiteres Zwergenreich ausliefern?�, hakte ein Zweiter aus dem gleichen Clan mit Feuereifer nach und sprang auf die Beine. �Ich traue den Spitzohren alles zu! Ganz gleich, ob sie die F�nften verraten haben oder nicht, sie sollen b��en.� Er verlie� seinen Platz und stellte sich an Gandogars Seite, um seine �berzeugung zur Schau zu stellen. �Auch wenn wir nicht aus dem gleichen Stamm sind, ich bin daf�r.�</p><p>Etliche der versammelten Clanmitglieder riefen begeistert ihre Zustimmung. Ihre lauten, dunklen Stimmen f�llten den Raum und mischten sich zu einem unverst�ndlichen Wirrwarr, aus dem das Wort �Krieg� deutlich herausklang. Balendil�ns Aufforderung zu schweigen ging in dem L�rm unter.</p><p>Gandogar setzte sich auf seinen Stuhl und wechselte einen schnellen, zufriedenen Blick mit seinem Mentor. <emphasis>Die Spitzohren werden bald ganz aus dem Geborgenen Land verschwunden sein,</emphasis> dachte er.</p><p>Ein donnernder Schlag brachte die Halle zum Beben. �Seid ruhig!�, verlangte jemand gebieterisch. Eine strenge Stimme durchschnitt das Get�se.</p><p>Die Anwesenden wandten sich verdutzt um.</p><p>Der Gro�k�nig stand aufrecht vor seinem Thron, die Krone sa� auf seinen wei�en Haaren. Mit einer Hand hielt Gundrabur den Stiel des Schmiedehammers, den er im Zorn gegen seinen Sitz geschmettert hatte; der Marmor wies breite Risse auf.</p><p>Seine Augen schauten mit einem Mal sehr lebendig auf die Vertreter der Zwergenst�mme und Clanoberh�upter herab; in ihnen stand ein einziger Vorwurf. Keiner in dem gro�en Saal wirkte erhabener, majest�tischer als er. Schw�che und Alter schienen verflogen; der Zorn musste sie aus dem K�rper getrieben haben.</p><p>Der wei�e Bart wallte sanft, als er den Kopf hob. �Ihr Kurzsichtigen! Es geht um das Geborgene Land, nicht um die Gelegenheit, unsere alten Feinde zu vernichten. Alles, was dem Toten Land und seinen Kreaturen Widerstand bietet, ist willkommen! Je l�nger die Elben gegen das Finstere bestehen, umso besser.� Seine Augen richteten sich auf Gandogar. �Du bist jung und ungest�m, K�nig der Vierten. Du hast zwei Blutsverwandte durch die Elben verloren, daher sehe ich dir diesen unsinnigen Kriegsvorschlag nach. Aber die anderen, die so bereitwillig in den Ruf einstimmen, sind Narren. Von euch m�sste das Umgekehrte zu h�ren sein.� Gundrabur schaute sie der Reihe nach an. �Wir m�ssen die alte Feindschaft vergessen. Ein B�ndnis, das ist es, was wir brauchen und was ich will! Alle zusammen, die letzten Elben �landurs, die sieben Menschenreiche, die sechs Magier und wir Zwerge m�ssen uns gegen das Tote Land stemmen. Bedenkt ��</p><p>Der Stiel des Hammers l�ste sich aus seinem Griff und prallte auf die Bodenplatte; dort, wo er aufschlug, platzte der Stein weg. Gundrabur wankte, sank �chzend auf seinen Sitz und atmete schwer.</p><p>Balendil�n wies die Zwerge an, sich in die Unterk�nfte zu begeben und auf weitere Kunde zu warten. �Sobald sich der Gro�k�nig erholt hat, beraten wir weiter�, verk�ndete er.</p><p>Die Abordnungen der vielen Clans verlie�en schweigend die Halle. Die Worte ihres Herrschers hatten sie zum Nachdenken gebracht.</p><p>Bislipur warf einen absch�tzenden Blick auf den keuchenden Gundrabur. �Er wird nicht mehr lange leben�, sagte er im Hinausgehen leise zu seinem Sch�tzling. �Wenn seine Stimme f�r immer versiegt, wird es dir ein Leichtes sein, die anderen Clans auf deine Seite zu ziehen. Sie w�ren dir jetzt schon gefolgt.�</p><p>Der designierte Thronfolger antwortete ihm nicht.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hling</subtitle><p>Jolosin rannte durch die Stollen, und Tungdil folgte ihm, so gut es die kurzen Beine ihm erlaubten. Sie kamen an zahlreichen Eichent�ren vor�ber, hinter denen die Famuli hockten und ihre Lektionen von den fortgeschritteneren Sch�lern erhielten. Lot-Ionan unterrichtete nur vier der Famuli pers�nlich; einer von ihnen w�rde eines Tages seine Schule, seine Stollen und sein Zauberreich �bernehmen.</p><p>Der Famulus blieb vor dem Laboratorium stehen und riss die T�r auf. Kleine wei�e Qualmwolken waberten ihnen nebelgleich entgegen. �Beeil dich gef�lligst�, schnauzte er den Zwerg an, der sich dem Eingang n�herte.</p><p>Tungdil trat laut schnaufend in den Raum, in dem der Rauch dicht wie Nebel hing. �Bleib h�flich, Jolosin, sonst kannst du es selbst erledigen�, keuchte er.</p><p>�Steig in den Kamin hinauf�, befahl der Famulus und schob den Zwerg unsanft durch das Zimmer. �Etwas hat den Abzug verstopft.� Wie aus dem Nichts tauchte das Loch der Feuerstelle auf; daneben stand ein kleinerer K�bel, aus dem der Dunst aufstieg.</p><p>�Und wie w�re es mit einem Zauber, gro�er Famulus? Du bist doch einer der Besten, oder etwa nicht?�</p><p>�In diesem Fall brauche ich dich�, lehnte er kategorisch ab. �Du hast keine Ahnung vom Zaubern, Zwerg. Los, meine Sch�ler warten, dass sie wieder etwas erkennen.� Tungdil h�rte gelegentliches Husten und R�uspern.</p><p>�Wie hei�t das Zauberwort?�</p><p>�Was?�</p><p>�Versuche es noch einmal, gro�er Famulus. Du kennst alle Formeln.�</p><p>Jolosin verzog das Gesicht. �Bitte.�</p><p>�Und schon wirkt es.� Grinsend nahm der Zwerg den Sch�rhaken, klemmte ihn in seinen G�rtel und begab sich in den Durchlass, in dem eine schwache Glut leuchtete. Er schaute nach oben, wo der Qualm nach wenigen Schritten dicht wie eine Wand wurde.</p><p>Beh�nde machte er sich an den Aufstieg. Seine kr�ftigen Finger fanden an den hervorstehenden Backsteinst�cken spielend Halt, selbst der �lige Ru� bereitete ihm keinerlei Schwierigkeiten. Tungdil kam langsam, aber best�ndig vorw�rts, bis er sich drei Schritte �ber dem Boden befand, von dem er wegen der dichten Rauchschwaden jedoch nichts sah.</p><p>Seine tastenden Finger stie�en auf Widerstand. �Es f�hlt sich an wie ein Nest, das in den Schacht gefallen ist�, rief er nach unten.</p><p>�Dann hole es raus!�</p><p>�Was denn sonst? Denkst du, ich will noch eins bauen?� Er stemmte sich gegen die Kaminmauer und r�ttelte mit einer Hand an der Vogelbrutstatt, die so gar nicht in den Schlot geh�rte.</p><p>Das Nest gab nach.</p><p>Nun erlebte Tungdil eine b�se �berraschung. Eine stinkende Fl�ssigkeit ergoss sich �ber ihn; sogleich fingen seine Haut zu jucken und die Augen zu tr�nen an. Dann rieselten feine Federn auf ihn herab, die ihn an der Nase und im ganzen Gesicht kitzelten. Er musste niesen, rutschte von dem Backstein ab, an dem er sich fest hielt, und st�rzte in die Tiefe.</p><p>Tungdil schaffte es zwar, sich an den hervorstehenden Mauerenden nicht das Fleisch von den Knochen zu sch�len, erhielt aber vom Schornstein ein paar b�se Rempler in die Rippen. Sein freier Fall endete mit dem Hinterteil voran in den gl�henden Resten des Nests. Aschewolken stoben auf und bedeckten ihn mit einer grauen Schicht. Hastig sprang er auf, um sich vor Brandblasen zu sch�tzen, aber die Glut hatte ihm bereits ein Loch in die Hose gebrannt.</p><p>Das vielstimmige Gel�chter, das ihm entgegenschallte, zeigte ihm, dass er einem schlechten Scherz aufgesessen war.</p><p>Die Nebelwolken hatten sich wie von Zauberhand aus dem Laboratorium verzogen und gaben den zwanzig versammelten Famuli den Blick auf den gedem�tigten, v�llig verdreckten Zwerg frei. In der ersten Reihe stand nat�rlich Jolosin, der sich vor lauter Heiterkeit bog und sich schadenfroh auf die Schenkel klopfte.</p><p>�Seht nur!�, rief er gespielt �ngstlich. �Das schreckliche Rauchm�nnchen steigt aus dem Ofen!�</p><p>�Und es hat sogar das Stinktierelixier gefunden, das in dem Vogelnest lag�, gr�lte ein zweiter Zaubersch�ler.</p><p>�Das merkt man bei seinem Geruch sowieso nicht�, lachte Jolosin und wandte sich dem Zwerg zu. �So, Kurzer. Jetzt bin ich derjenige, der auf seine Kosten kam. Du kannst gehen.�</p><p>Tungdil wischte sich mit dem �rmel �ber das Gesicht. Sein mit Federn und Asche geziertes Haupt senkte sich langsam, die braunen Augen blitzten w�tend.</p><p>�Ach, ein Spa�? Nun, der Spa� ist noch nicht vorbei�, brummte er trotzig und langte nach dem K�bel, der neben dem Kamin stand. Er war kalt, also w�rde der Inhalt den Magussch�ler nicht verbr�hen. Kurz entschlossen holte er aus, um den Inhalt �ber Jolosin zu gie�en, der sich soeben zu seinen Freunden umgedreht hatte.</p><p>Jemand rief ihm eine Warnung zu. Der Famulus wandte den Kopf und sah das Unheil nahen. Geistesgegenw�rtig reckte er die H�nde und sandte einen Abwehrzauber gegen das heranfliegende Wasser. Sofort verwandelte es sich in kleine Eisbr�ckchen, die gegen ihn prasselten, ohne ihn zu durchn�ssen; die frische Robe blieb unbeschadet.</p><p>So gut der Einfall gewesen war, der Zauber hatte durchaus einen Haken, wie die Sch�ler am Klirren hinter sich h�rten. Einige der St�cke flogen in hohem Bogen an ihnen vorbei und trafen die fein s�uberlich aufgereihten Flakons mit den Elixieren, Balsamen, Extrakten und Essenzen, welche f�r die unterschiedlichsten Experimente aufbewahrt wurden.</p><p>Die ersten Substanzen rannen aus den zerbrochenen Fl�schchen und mischten sich. Es knallte und zischte gef�hrlich.</p><p>�Du Narr�, beschimpfte der schreckensbleiche Jolosin Tungdil, der sich indes keiner Schuld bewusst war.</p><p>�Ich? Du bist der Narr, du hast das Wasser doch zu Eis verwandelt�, gab er aufs�ssig zur�ck.</p><p>Ein Regal fiel in sich zusammen, flirrende Funken stiegen an die Decke und verpufften dort in einem r�tlichen Blitz. Im Laboratorium braute sich im wahrsten Sinne des Wortes etwas zusammen. Die ersten Sch�ler rannten hinaus, weil ihnen doch zu mulmig wurde, und Jolosin folgte ihnen.</p><p>�Das hast du zu verantworten! Lot-Ionan wird dich bestrafen, Zwerg. Ich sorge daf�r, dass du von hier verschwindest, Ziehsohn hin oder her�, rief der Famulus erbost und knallte die T�r von au�en zu.</p><p>�Lass mich raus! Ich schw�re, ich lege dich auf meinen Amboss und schmiede dich mit einem gl�henden Hammer durch!� Tungdil r�ttelte an der T�r, ohne etwas auszurichten. Vermutlich belegte der Zaubereranw�rter sie mit Magie, um seine Flucht zu verhindern und ihn als Schuldigen pr�sentieren zu k�nnen.</p><p><emphasis>Das wird er mir b��en,</emphasis> dachte er und zog den Kopf zwischen die Schultern, als es laut krachte. Hastig schaute er sich um, und suchte nach einem Platz, an dem er vor den Explosionen sicher war und warten konnte, bis man ihn befreite.</p><subtitle>Das Geborgene Land, am Rand des Zwergenreichs des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6233sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Balendil�n betrachtete die Zwerge, die soeben die Halle verlie�en, voller Sorge. So hatte er sich den Verlauf der Versammlung nicht vorgestellt! Sogar das Vorhaben des Gro�k�nigs, ein B�ndnis zwischen allen V�lkern des Geborgenen Landes in die Wege zu leiten, stand nun auf t�nernen F��en.</p><p><emphasis>Verflixter Gandogar,</emphasis> �rgerte er sich. <emphasis>Vraccas, ich bitte dich, gib ihm Einsicht.</emphasis></p><p>Als sie allein waren, tastete sich Gundraburs Hand die Lehne entlang, bis sie auf seinem Arm lag.</p><p>�Unser Plan wird scheitern�, sagte der Gro�k�nig matt. �Dem jungen Zwerg vom Stamme Go�mdil fehlt die Erfahrung.� Er l�chelte zaghaft und t�tschelte die Finger Balendil�ns. �Oder der besonnene Berater, mein treuer Freund.�</p><p>M�hsam stemmte er sich empor und zog die schimmernde Krone vom Kopf. Die Rechte, die kurz zuvor noch den Schmiedehammer gef�hrt hatte, erzitterte unter dem geringen Gewicht.</p><p>�Einen Krieg ��, murmelte er verzweifelt. �Einen Krieg gegen die Elben! Was denkt sich Gandogar nur dabei?�</p><p>�Nichts�, meinte sein Berater bitter. �Das ist es ja eben. Und sein Mentor Bislipur scheint ebenso vernagelt zu sein. Wir werden diese seltsamen Zeilen �berpr�fen, denn ich glaube nicht an ihre Echtheit. Sie sind ein Vorwand, um mehr Stimmen f�r den Krieg zu gewinnen. Eine F�lschung ��</p><p>�Aber sie wurden geh�rt�, hielt Gundrabur dagegen. �Es ist zu sp�t. Du hast selbst mitbekommen, dass einige unserer Clans mit Vorliebe gegen die Elben ziehen w�rden, ganz gleich aus welchem Anlass. Du wei�t, dass die Clananf�hrer Sturk�pfe sind.�</p><p>�Ich habe aber auch gesehen, dass andere Clans aus dem Stamm der Vierten stumm blieben. Die Sache ist f�r Gandogar noch nicht gewonnen, denn die Abstimmungen erfolgen frei; jeder Clan kann entscheiden, wie er m�chte. Wir m�ssen sie von unseren Ansichten �berzeugen.�</p><p>Die beiden Zwerge schwiegen. Sie mussten eine L�sung auf Dauer finden, denn sobald der K�nig der Vierten auf dem Herrschersitz s��e, w�rde er sein Vorhaben erneut angehen und auf offene Ohren sto�en.</p><p>Weder Gundrabur noch Balendil�n f�rchteten sich vor den Elben, doch ihre Getreuen befanden sich in der Unterzahl. Die verlustreichen Scharm�tzel und Gefechte gegen die Albae hatten sie dezimiert, w�hrend ihre Gegner aus den Bergen des Nordpasses Nachschub erhalten hatten. Aber ein Krieg f�hrte immer zu Verlusten, auch unter den Kindern des g�ttlichen Schmiedes, und damit schw�chte man die Bewachung an den Pforten zum Geborgenen Land.</p><p>Der Gro�k�nig lie� den Blick durch die leere Versammlungshalle schweifen. �Dieser Raum hat schon bessere Zeiten erlebt. Zeiten der Eintracht und Einm�tigkeit.� Er senkte den Kopf. �Vorbei. Vorbei mit den guten Zeiten und aus f�r das gro�e B�ndnis, das wir schmieden wollten, treuer Freund.�</p><p><emphasis>Das gro�e B�ndnis,</emphasis> dachte Balendil�n und blickte zu den f�nf Stelen, die sich zu den F��en seines Thrones erhoben und auf denen die heiligen Worte seines Volkes eingemei�elt waren. Sie nannten den Namen derer, mit denen sich die anderen St�mme niemals abgaben: die Zwerge des Dritten, Lorimbur, die im Osten lebten.</p><p>�Ich w�re �ber meinen Schatten gesprungen und h�tte den Dritten eine Nachricht geschickt, um Unterredungen zwischen ihnen und uns aufzunehmen�, seufzte der Gro�k�nig. �In den Zeiten der schlimmsten Not darf nur die gemeinsame Herkunft, das Zwergische, gelten.�</p><p>�Nach dem Aufruf von Gandogar zweifle ich daran, dass den anderen an einer Auss�hnung gelegen ist�, meinte sein Berater leise. Dabei brauchte das Land jede Axt, die einen Orksch�del spalten konnte.</p><p>�Sei es, wie es ist. Auch wenn meine Vision von einem vereinten und unaufhaltbaren Zwergenheer an Klarheit verliert, so soll es wenigstens keinen Krieg gegen die Elben geben. Wir brauchen Zeit, Balendil�n�, sprach der Gro�k�nig entkr�ftet. �Ich muss die Clans der St�mme davon abbringen, �landur angreifen zu wollen.�</p><p>�Das liegt ganz an dir�, meinte sein Freund sanft. �Deine Gesundheit bestimmt, wann es den Wechsel geben wird.�</p><p>�Nein. Es muss mehr geben als den Lebensfunken eines alten Zwerges.� Gundrabur strich sich �ber den Bart und ordnete ihn. �Die Gesetze unseres Volkes, damit m�ssen wir sie fangen und die Kriegstreiber zum Verstummen bringen.�</p><p>Er stemmte sich in die H�he, und ging in kleinen, wohl �berlegten Schritten zu den Tafeln. Die Stufen bedeuteten Hindernisse, die mit viel Umsicht �berwunden werden mussten, aber er erreichte sein Ziel. Balendil�n eilte an seine Seite und st�tzte ihn.</p><p>Goldenes Sonnenlicht fiel von oben durch die in den Fels gehauenen �ffnungen und beleuchtete jede einzelne kunstvolle Rune. Gundraburs alte Augen huschten �ber die Symbole.</p><p>�Wenn ich mich recht entsinne, bleibt uns ein Ausweg, die sichere Wahl Gandogars zum Gro�k�nig zu verz�gern. Diese Zeit werden wir f�r Aussprachen mit den Clans nutzen, an deren Ende der Friede und das B�ndnis mit den Elben stehen soll�, erkl�rte er abwesend.</p><p>Er musste so dicht an den Fels herangehen, dass er ihn fast mit seiner Nase ber�hrte, weil seine Sehkraft in den vergangenen Zyklen immer schlechter geworden war. Nach dem Stamm Bero�n folgte Go�mdil, daran gab es nichts zu r�tteln. Nach alter Sitte verlangte der K�nig des jeweils folgenden Stammes das Amt f�r sich, und die Clans der St�mme w�hlten das Oberhaupt, wenn keine triftigen Gr�nde gegen den Bewerber sprachen.</p><p>�Wo ist es nur?�, murmelte er halblaut, w�hrend seine Fingerspitzen �ber die Tafeln glitten.</p><p>Die Suche lohnte sich. Mit einem Laut der Erleichterung senkte Gundrabur den Kopf, schloss die Lider und presste die Stirn gegen die k�hle Steinplatte, die �lter war als er.</p><p>�Der Tag endet nicht so schlecht, wie er begann�, sagte er befreit. �Da steht es.� Er richtete sich auf, und der krumme Zeigefinger der Rechten unterstrich die bedeutungsvollen Worte. �Wenn es mehrere Bewerber aus einem Stamm gibt, m�ssen sich die Clans des Stammes zuerst untereinander einigen, um dem Rat der Zwerge den geeigneten Bewerber vorzustellen�, las er zufrieden vor.</p><p>Sein Berater �berflog die anschlie�enden Zeilen; aufgeregt spielte er mit einer der Zierspangen in seinem schwarzgrauen Bart. Nirgends stand geschrieben, dass man K�nig sein musste, um an die Spitze der St�mme zu gelangen. <emphasis>�Ein einfacher Zwerg kann von heute auf morgen die Krone tragen, denn alles, was er ben�tigt, ist die Unterst�tzung seines Clans und seiner Freunde.�</emphasis></p><p>Balendil�n verstand, was der Gro�k�nig im Sinne hatte. �Wir haben aber keine weiteren Mitstreiter, die Gandogar fordern�, warf er ein. �Die Clans der Vierten sind sich weitgehend einig; es gibt nur wenige, die an ihrem K�nig zweifeln, und �� Das Leuchten auf dem runzligen Gesicht seines Herrn verunsicherte ihn. �Wir haben doch einen Bewerber?�, fragte er vorsichtig.</p><p>�Noch nicht�, entgegnete Gundrabur mit einem verschlagenen L�cheln. Er hatte sich rechzeitig an den Brief erinnert, der ihn vor einigen Uml�ufen erreicht hatte. �Noch nicht. Aber bald. Mir ist soeben einer eingefallen.�</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hling</subtitle><p>Die Flammen der beinahe vollst�ndig herabgebrannten Kerzen auf dem eichenen Arbeitstisch Lot-Ionans flackerten. Die Wachsstummel waren ein sicheres Anzeichen daf�r, dass der Magus lange Stunden in seinem Studierzimmer verbracht hatte, wenngleich sie ihm wie wenige Augenblicke erschienen.</p><p>�chzend beugte er sich vor, um das Pergament mit den vielen Runen zu betrachten. Tage, N�chte, Zyklen hatte er an der Zauberformel gearbeitet. Nur noch ein letztes Zeichen fehlte, um sie zu vervollst�ndigen.</p><p>Er l�chelte. Der gew�hnliche Sterbliche, der selten mit Kr�ften dieser Art zu tun hatte, hegte Scheu vor allem, was mit Zauberei zu tun hatte. F�r die schlichten Gem�ter war es nicht einfach, die Verflechtungen der Elemente zu verstehen. Ein Bauer sprach �ngstlich von �Wunder� und �Hexerei�, f�r Lot-Ionan war es das Ergebnis einer Abfolge von komplizierten Gesten und Worten.</p><p>Und genau um diesen Ablauf ging es. Mit ihm stand und fiel alles. Eine falsche Silbe, eine undeutliche Betonung, eine abweichende Geste mit der Hand oder eine zu schnelle Bewegung mit dem Zauberstab, ja, selbst nicht korrekt gezeichnete Zauberkreise bedeuteten das Ende eines Spruches und l�sten im ung�nstigsten Fall gar eine Katastrophe aus.</p><p>Er kannte Beispiele, bei denen unvorsichtige Sch�ler schwerste Verletzungen erlitten oder albtraumhafte Kreaturen beschworen hatten, ohne es zu beabsichtigen. Dann riefen sie stets kleinlaut nach ihm, auf dass er den Schaden begrenze.</p><p>Lot-Ionan war geduldig mit ihnen, schlie�lich hatte er vor zweihundertsiebenundachtzig Zyklen genau wie sie begonnen. Jetzt trug er den Titel Magus, was die Menschen als Meistermagier �bersetzten.</p><p><emphasis>Zweihundertsiebenundachtzig Zyklen.</emphasis> Seine Hand mit den vielen Altersflecken verharrte mitten in der Bewegung; die wachen hellblauen Augen suchten in dem Gewirr aus Schr�nken, Regalen und B�cherborden nach einem Spiegel und fanden die reflektierende Oberfl�che einer Vase.</p><p>Er musterte seine faltigen Z�ge, die grauwei�en Haare, den grauen Bart, in dem unz�hlige Tintenflecke zu sehen waren. <emphasis>Ich bin alt geworden. Wurde ich auch weiser?,</emphasis> fragte er sich.</p><p>Das hellbeige Gewand wies unz�hlige Flicken auf, aber er mochte sich von dem bequemen St�ck nicht trennen. Im Gegensatz zu manchen seiner Zunftbr�der und -Schwestern achtete er nicht sonderlich auf sein �u�eres. Der einzige Anspruch, den er an seine Garderobe stellte, war die Gem�tlichkeit.</p><p>In einem stimmte der alte Gelehrte mit dem gemeinen Volk �berein: Magie war �beraus gef�hrlich. Das war der Grund, warum er sich in Stollen zur�ckzog: Wenn ihm wirklich ein Versuch misslang, so schadete er keinem seiner Untertanen.</p><p>Doch der Magus tauchte nicht nur aus uneigenn�tzigen Gr�nden ab. Unter der Erde hatte er vor den Menschen und deren allt�glichen Sorgen seine Ruhe; er �berlie� es ausgesuchten Stellvertretern, den so genannten Magistern, die Angelegenheiten und Streitigkeiten im Herrschaftsgebiet zu regeln.</p><p>Sein Reich Ionandar nahm Teile von Gauragar und Idosl�n in Beschlag, dort, wo das s�d�stliche der insgesamt sechs Magiefelder lag. Die allerersten Zauberer hatten die Kraft in der Erde bemerkt, die sich in gewissem Ma� auf sie hatte �bertragen lassen. War das Gespeicherte aufgebraucht gewesen, hatten sie sich durch die Felder mit neuer Energie aufgeladen. Sie hatten das wertvolle Land beschlagnahmt, es in sechs Gebiete aufgeteilt und gegen die weltlichen Herrscher verteidigt, die gegen die Kraft der Zauberer nichts aufzubieten gehabt hatten. Eine Generation von K�nigen nach der anderen hatte es in Kauf genommen, dass Teile ihrer Reiche Fremden geh�rten.</p><p>Diese Magiefelder gaben den Magi ihre Macht. Das Verst�ndnis und das K�nnen der Zauberer waren im Lauf der Zeit gewachsen, bis sie imstande waren, durch Formeln, Runen und Spr�che die sch�nsten, schrecklichsten und heilsamsten Effekte heraufzubeschw�ren.</p><p><emphasis>Konzentriere dich auf die Formel,</emphasis> rief er sich zur Ordnung. Gewissenhaft streifte er die Spitze des G�nsekiels am Tintenfass ab und malte vorsichtig das Symbol des Elements Feuer auf das Blatt. Es kam auf jeden Strich an, die kleinste Unachtsamkeit w�rde all die Arbeit zunichte machen.</p><p>Es gelang. Zufrieden erhob er sich.</p><p>�Das w�re geschafft, alter Junge�, murmelte er erleichtert. Die Formel stand. Funktionierte sie so, wie er es sich anhand der Anordnung der Runen erhoffte, w�rde er in der Lage sein, Magie wahrzunehmen, egal ob sie in Gegenst�nden, in Personen oder in Tieren steckte. Doch ehe er von der Theorie zur Anwendung wechselte, verlangte es ihn nach einer Belohnung.</p><p>Lot-Ionan schlurfte zum �ltesten seiner Ger�teschr�nke, nahm das Fl�schchen mit dem Totenkopf aus dem dritten Regal und g�nnte sich einen gro�en Schluck.</p><p>Das abschreckende Emblem hatte nichts zu sagen. Auf diese Weise bewahrte er den guten, starken Branntwein vor begierigen Schl�nden. Die Vorsichtsma�nahme hatte der Zauberer nicht ohne Grund getroffen, denn gerade seine �lteren Sch�ler g�nnten sich nur allzu gern ein feines Tr�pfchen. Er teilte bereitwillig sein Wissen, nicht aber seinen kostbaren Alkohol. Die Ursprungsf�sser dieses Jahrgangs waren schon lange leer, was das Fl�schchen umso besch�tzenswerter machte.</p><p>Pl�tzlich ersch�tterte eine gewaltige Explosion die Grundfeste der unterirdischen Behausung. Gesteinsbr�ckchen rieselten von der Decke und beschmutzten den Tisch, und die zahllosen Beh�lter h�pften in den Gestellen, dass ihre Deckel klirrten. Alles in dem v�llig �berfrachteten Zimmer geriet in Aufruhr.</p><p>Der Gro�magier stand starr vor Schreck. Das offene Tintenfass tanzte auf der Stelle, neigte sich leicht � und kippte. Ein Zauberspruch, um dem Verh�ngnis Einhalt zu gebieten, kam zu sp�t, und so ergoss sich der gesamte Inhalt �ber das kostbare Pergament. Die sorgf�ltig gemalten Schriftzeichen verschwanden in einer Flut schwarzer Tinte.</p><p>Fassungslos verharrte Lot-Ionan auf der Stelle. �Bei Palandiell der Sch�pferin!�, entfuhr es ihm, und seine freundliche Miene verfinsterte sich, denn er ahnte, woher das Erdbeben stammte. Lot-Ionan st�rzte den restlichen Brandwein hinunter, drehte sich auf dem Absatz herum und st�rmte zur T�r hinaus.</p><p>Er flog f�rmlich durch die dunklen Stollen, vorbei an Zimmern und G�ngen seiner Behausung. Mit jedem Schritt, den er tat, erh�hte sich eine Wut dar�ber, dass all die Anstrengungen nun dahin waren.</p><p>Voller Zorn erreichte er die T�r zum Experimentierzimmer, hinter der man seltsame Ger�usche vernahm. Ein halbes Dutzend seiner Famuli hatten sich davor eingefunden und tuschelten. Niemand wagte es, in den Raum zu schauen.</p><p>�Ehrenwerter Magus�, begr��te ihn Jolosin voller Ehrfurcht. �Wir kamen zu sp�t! Ich habe gesehen, wie der Zwerg in das Laboratorium ging und ��</p><p>�Aus dem Weg!�, befahl Lot-Ionan erbost und entriegelte die T�r.</p><p>Das teure Laboratorium glich einem Schlachtfeld, auf dem sich wahnsinnige Alchimisten ausgetobt hatten. Kleine Gegenst�nde schwebten frei in der Luft, hier und da schwelten Br�nde. Kostbare Elixiere liefen aus den zerst�rten Flakons; sie rannen die Regale hinab, um sich am Boden zu einer stinkenden Br�he zu vermischen.</p><p>Der Schuldige kauerte in der Ecke des Raumes, einen umgedrehten Kessel als Schutz gegen die Detonationen vor sich geschoben. Die Finger steckten in den Ohren, die Augen hatte er fest geschlossen. Trotz der verbrannten Haare und des rauchenden Stoppelbarts war es unzweifelhaft Tungdil Bolofar.</p><p>Es knallte wieder. Blaue Funken schossen durch den Raum und verfehlten den Magus nur knapp.</p><p>�Was geht hier vor?!�, schrie der Magus wutentbrannt, doch der Zwerg reagierte nicht, weil er ihn ganz offensichtlich nicht h�ren konnte. �Tungdil Bolofar, ich rede mit dir!�, rief der Magus, so laut er konnte.</p><p>Verwundert sah sich der Zwerg um und erblickte die schm�chtige Gestalt des Zauberers, der eine drohende Haltung eingenommen hatte. Umst�ndlich erhob er sich aus seiner Deckung.</p><p>�Ehrenwerter Magus, ich war es nicht�, beteuerte er, und seine Augen richteten sich funkelnd auf Jolosin, der zusammen mit den anderen Sch�lern am Eingang stand und �berraschung heuchelte.</p><p>Lot-Ionan wandte sich zu dem Zaubersch�ler um.</p><p>�Ich?�, entgegnete der Famulus �bertrieben erstaunt. �Wie sollte das vonstatten gehen? Die T�r war verriegelt. Ihr habt es selbst gesehen.�</p><p>�Schweigt! Beide!�, rief Lot-Ionan. Angesichts des kostspieligen Durcheinanders drohte der letzte Rest seiner Fassung zu schwinden, und das war seit zehn Zyklen nicht mehr vorgekommen. �Ich habe genug von eurem Kleinkrieg in meinem Stollen!�, sagte er aufgebracht, und sein Bart mit den vielen Tintenflecken geriet in Wallung.</p><p>Der Zwerg dachte gar nicht daran, klein beizugeben, und stemmte sich mit beiden Beinen fest gegen den Boden. �Ich habe nichts getan�, wiederholte er starrk�pfig.</p><p>Der Zauberer zwang sich, seine Ruhe wieder zu finden, f�r die er so ber�hmt war, und setzte sich auf eine eisenbeschlagene Truhe, die Arme vor der Brust verschr�nkt.</p><p>�H�rt gut zu, ihr zwei. Es ist mir gleichg�ltig, wer der Ausl�ser der Katastrophe war. Ich hasse Unterbrechungen in meiner Arbeit, und eine Wiederholung dieser Explosion, die mir das Werk von Sonnenuml�ufen, wenn nicht sogar eines ganzen Zyklus verdorben hat, kann ich schon gar nicht gebrauchen. Also werde ich daf�r sorgen, dass es in den G�ngen ruhiger wird.�</p><p>�Ehrenwerter Magus, Ihr wollt den Kurzen doch nicht etwa von hier verbannen?�, t�uschte Jolosin Mitgef�hl vor.</p><p>�Schweig, Famulus! �ber deinen Anteil in diesem Drunter und Dr�ber sprechen wir noch, doch zuerst m�chte ich Ruhe in meinem Zuhause haben. Je eher, desto besser.� Er schaute den Zwerg an. �Ich schulde einem alten Freund die R�ckgabe von ein paar Dingen.� Tungdil schwante bei diesen Worten �bles. �Du, mein dienstbarer Geist, wirst diesen kleinen Botengang f�r mich �bernehmen.</p><p>Du hast eine Stunde Zeit, deine Ausr�stung zusammenzupacken und dich marschbereit zu machen. Komm anschlie�end zu mir, dann gebe ich dir die Sachen. Sei auf eine lange Wanderung vorbereitet, Tungdil.�</p><p>Der Zwerg verbeugte sich h�flich und eilte aus dem Raum. Mit dieser Wendung der Ereignisse hatte er nicht gerechnet. Ein kleiner Fu�marsch bedeutete keine wirkliche Strafe, seine kr�ftigen Beine w�rden ihn mit Leichtigkeit �ber die Wege und Pfade tragen. <emphasis>Vielleicht treffe ich Zwerge. So eine Strafe lasse ich mir gefallen,</emphasis> dachte er im Stillen.</p><p>Der Magier schaute seinem gedrungenen Gehilfen nach und wartete, bis er verschwunden war, dann wandte er sich Jolosin zu. �Du wolltest Tungdil eins auswischen, Famulus. Ich kenne dich zu gut�, sagte er ihm ins Gesicht. �Solange ihr beide an einem Ort seid, habe ich keine Ruhe. Aber ich m�chte, dass sich das �ndert. Bis Tungdil wieder zur�ck ist, wirst du beim Kartoffelsch�len �ber deine Bosheit nachdenken, und bete zu Palandiell, dass er sich beeilt.�</p><p>Der Mund des jungen Mannes �ffnete sich zum Protest.</p><p>�Sollte ich jetzt auch nur eine Klage von dir oder in den kommenden Tagen von Frala und der K�chin �ber dich h�ren, kannst du deine Sachen packen und verschwinden, Jolosin.� Die Kiefer des Famulus schlossen sich rasch. �Ach, und bevor du deinen Dienst in der K�che antrittst�, der Magus deutete auf das Wirrwarr, das einst das Laboratorium gewesen war, �r�umst du hier auf.�</p><p>Mit einer energischen Handbewegung scheuchte er die anderen Zaubersch�ler hinaus, w�hrend er sich erhob, einen Besen aus der Ecke nahm und ihn dem Zaubersch�ler in die Hand dr�ckte.</p><p>�Nat�rlich wirst du es allein tun und erst frei kommen, wenn hier sauber ist�, verabschiedete er sich und schritt zum Ausgang. �Blitzsauber.�</p><p>Die T�r fiel zu, und der Riegel fuhr ger�uschvoll ins Schloss.</p></section><section><title><p>II</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6233sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Gundrabur wollte aus seinem Vorhaben nicht l�nger ein Geheimnis machen und reichte seinem Berater besagten Brief. �Hier. Absender ist Lot-Ionan der Geduldige, wie ihn die Bewohner in seinem Zauberreich Ionandar nennen.�</p><p>Mit dem Namen konnte Balendil�n etwas anfangen. Der Magus lebte im mittleren Osten des Geborgenen Landes und galt als ein Menschenmagier, der die Einsamkeit liebte. Die meiste Zeit verbrachte er in einem seiner unterirdischen Stollen, um neue Formeln und Spr�che fernab von jeglicher St�rung zu entwickeln.</p><p>�In seiner Gesellschaft befindet sich etwas sehr Ungew�hnliches: ein Zwerg. Ein einzelner Zwerg�, erkl�rte der Gro�k�nig. �In der Botschaft war die Rede davon, dass Lot-Ionan ihm vor vielen Zyklen unter seltsamen Umst�nden begegnet sei und ihn aufgezogen habe. Nun will er wissen, ob ein Stamm den Zwerg vermisst. Er will seine Familie ausfindig machen.�</p><p>Balendil�n �berflog die Zeilen. �Wissen wir etwas �ber den Zwerg?�</p><p>�Die Angelegenheit ist r�tselhaft und spannend zugleich�, meinte Gundrabur. �In den letzten zweihundert Zyklen habe ich nie davon geh�rt, dass unseren Clans ein Kind abhanden gekommen w�re.�</p><p>�Und nun m�chtest du das M�ndel des Zauberers als verschollenen Anw�rter auf den Thron darbieten?�, mutma�te Balendil�n zweiflerisch und legte den Brief auf den Ratstisch. �Wie soll das gelingen? Wenn er bei den Langen aufwuchs, hat er nicht den blassesten Schimmer, was es bedeutet, ein Kind des Schmiedes zu sein. Aus den Clans des Stamms der Vierten wird ihn sicherlich niemand unterst�tzen, und es liegen keine Beweise vor, dass er wirklich zu ihnen geh�rt.�</p><p>Der Gro�k�nig ging langsam zum Beratungstisch und nahm auf dem K�nigsstuhl seines Stammes Platz, bevor die Beine ihm den Dienst versagten.</p><p>�Mag sein�, erwiderte er angestrengt. �Mag sein, Freund, aber bis er hier ist und die Sache nicht gekl�rt wurde, k�nnen sie den Thron nicht besetzen. Selbst wenn ich sterbe, sind sie zum Warten gezwungen.� Er schaute seinen Berater ernst an. �Wenn Vraccas� Hammer mich niederschmettert, ehe der Zwerg eingetroffen ist, liegt es an dir, einen Krieg zu verhindern und unser Volk vor Schaden zu bewahren.�</p><p>Balendil�n presste den Mund zusammen. �Du wirst nicht so rasch von der Erde gehen, deine Lebensesse gl�ht hell und feurig, da bin ich mir sicher.�</p><p>�Du bist ein schlechter L�gner, wie alle Zwerge�, lachte Gundrabur und legte ihm die Hand auf die Schulter. �Dennoch m�ssen wir beide von nun an mit falschen Zungen reden, um unser Volk vor diesem unsinnigen Krieg zu bewahren, der unser Untergang sein k�nnte. Wir werden l�gen wie die Kobolde, Balendil�n. Ausnahmsweise ben�tigen wir die Uneinigkeit der Clans�, schwor er seinen Vertrauten ein. �Und nun komm. Ich brauche deinen wachen Verstand. Es geht darum, ein festes Netz aus Unwahrheiten zu flechten, in dem sich Gandogar und Bislipur auf dem Weg zu meinem Thron verfangen, bis wir ihnen den Krieg ausgetrieben haben.�</p><p>Balendil�n half dem K�nig auf. Er konnte sich zwar nicht im Geringsten ausmalen, dass dieser Plan gel�nge, doch er hielt den Mund verschlossen.</p><empty-line/><p>Als Gandogar am n�chsten Morgen erwachte und wie alle Mitglieder der Gesandtschaften zur Fortsetzung der Beratungen in die Halle gerufen wurde, eilte er gut gelaunt los. Er rechnete damit, dass ihn Gundrabur dem Rat als Nachfolger empfehlen w�rde. Anschlie�end w�rde das Gremium abstimmen, und damit s��e er schon bald auf dem Thron.</p><p>Die Frieden stiftende Rede des Gro�k�nigs hatte ihn ver�rgert, doch inzwischen war der Groll verflogen. Der Alte, der in all den Jahren nichts getan hatte, um in den geschichtlichen Aufzeichnungen der Zwerge besonders in Erscheinung zu treten, w�rde in naher Zukunft in Bedeutungslosigkeit verschwinden. Einem sterbenden Greis konnte er nicht b�se sein.</p><p>Gandogar betrat die Halle und nahm seinen Platz ein; Bislipur stellte sich hinter ihn. Die R�nge f�llten sich schnell mit den �brigen Mitgliedern der Clanabordnungen.</p><p>Einige der Zwerge warfen ihm aufmunternde Blicke zu und klopften dabei auf die Axtk�pfe. Es war nicht als Drohung gemeint, sondern sollte ihm sagen, dass sie seine Kriegspl�ne offen unterst�tzten.</p><p>Ein Clanangeh�riger aus dem Stamm der Zweiten trug eine Kette um den Hals, an der ein zweifelhaftes Schmuckst�ck baumelte. Der K�nig betrachtete das verschrumpelte Ding genauer. Es handelte sich um ein abgeschnittenes Elbenohr, mit dessen Besitz der Abgeordnete sich br�sten wollte, aber als die Ankunft des Gro�k�nigs verk�ndet wurde, versteckte er die Troph�e hastig unter seiner R�stung. Noch war es zu fr�h, den Hass gegen die Schutzbefohlenen so deutlich zur Schau zu stellen.</p><p>Gundrabur erschien und strafte die Ger�chte um sein bevorstehendes Ableben L�gen. Gandogar empfand in seinem Innersten Entt�uschung, den Gro�k�nig in einer solch guten Verfassung zu sehen. W�hrend er so dachte, befiel ihn das schlechte Gewissen. Gleichzeitig w�nschte er dem Greis wahrlich nicht den Tod, doch die Widerworte gegen seine Vergeltungspl�ne lie�en ihn ungewohnte Dinge denken.</p><p>Als die anwesenden Zwerge sich auf das rechte Knie herablie�en, erklang das Klirren und metallische Reiben der R�stungen. Dann reckte die Versammlung dem Gro�k�nig die �xte entgegen. Diese Geste war ein Symbol f�r die unersch�tterliche Treue, die sie ihm hielten, und besagte, dass er �ber ihre Kraft und ihr Leben verf�gten solle.</p><p>Gundrabur antwortete, indem er den Schmiedehammer anhob und ihn vernehmbar auf den Boden prallen lie�. Sie durften sich erheben, und wieder rasselte es laut.</p><p>Balendil�n trat vor und richtete seine braunen Augen voller Ernst auf Gandogar. �Bist du bereit, deinen Anspruch auf den Thron des Gro�k�nigs zu verteidigen, K�nig der Vierten vom Stamme Go�mdil aus dem Clan der Silberb�rte?�, wiederholte er die zeremoniellen Worte, mit denen er den Zwerg bereits willkommen gehei�en hatte.</p><p>Gandogar erhob sich. Er zog seine Waffe aus dem Gurt und legte sie auf den Steintisch. �Hart wie der Fels, aus dem Vraccas uns schuf, und vernichtend wie meine Axt werde ich gegen die Feinde unseres Volkes vorgehen�, antwortete er feierlich. Er war so ergriffen, dass ihm zun�chst nicht auffiel, dass der Berater zu ihm gesprochen hatte und nicht der Gro�k�nig. Erst als Balendil�n ihn am Weiterreden hinderte, bemerkte er es.</p><p>�Du hast deine Bereitschaft erkl�rt, K�nig Gandogar, und wir haben sie alle vernommen. Aber du wirst warten, bis der zweite Bewerber aus deinem Stamm erscheint. Ihr beiden werdet eine Einigung erzielen m�ssen�, erkl�rte der Einarmige. �Bis dahin ist die Nachfolgerschaft nicht entschieden.�</p><p>�Was?!�, entfuhr es dem K�nig, und das Blut schoss ihm in den Kopf. Er wandte sich um und lie� den Blick �ber die Reihen seiner Gefolgschaft wandern, die nicht minder �berrascht war wie er. �Wer von euch wagt es, mich zu verraten?�, grollte er. �Aus welchem Clan du sein magst, tritt vor!� Seine Hand wanderte an den Griff der Streitaxt.</p><p>�Du tust deinen Begleitern Unrecht�, hielt ihn Balendil�n zur�ck. �Es ist keiner von ihnen.� Er entfaltete einen Brief und hielt ihn deutlich sichtbar in die Luft. �Ein junger Zwerg, der vor vielen Zyklen durch einen seltsamen Zufall von seinem Stamm getrennt wurde, hat sich an seine Urspr�nge erinnert und sein Kommen angek�ndigt. Er lebt in Ionandar und bereitet sich derzeit auf die Reise vor.�</p><p>�Ionandar?�, wiederholte Gandogar ungl�ubig. �Im Zauberreich? Was, bei Vraccas, ist denn das f�r eine Missgeburt?� Er richtete sich auf. �Das kann nicht dein Ernst sein! Ein hergelaufener Zwerg schickt eine Botschaft, der du allein Glauben schenkst, und h�lt die Zeremonie auf? Wie ist der Name des Bewerbers?�</p><p>�Sein Name spielt keine Rolle. Er tr�gt einen Menschennamen, weil er von ihnen als Findelkind aufgezogen wurde�, erwiderte der Berater hart. �Aber die Gegenst�nde, die man damals bei ihm fand, weisen ihn als Angeh�rigen deines Stammes aus.�</p><p>�Das glaube ich nicht!�, rief Gandogar erbost. �Es ist eine List!�</p><p>�Dann sind die Zeilen �ber den Verrat der Elben an den F�nften ebenso eine List�, erwiderte Balendil�n unnachgiebig, die Hand locker an die G�rtelschnalle gelegt.</p><p>�Genug!� Gundrabur stemmte sich aus seinem Herrschaftssitz empor. �Du wagst es, meinen Freund einen L�gner zu nennen, K�nig Gandogar?� Die Worte dr�hnten durch die hohe Halle, und der Zorn des Alters verlieh dem Ausbruch Kraft und W�rde. Das Aufbegehren des Vierten wirkte dagegen wie das Gez�nk eines Waschweibs. �Du wirst die Entscheidung so hinnehmen, wie sie von mir getroffen wurde. Sobald der Zwerg in der Festung eingetroffen ist, werden die Clans deines Stammes dar�ber entscheiden, wer von euch beiden der bessere Nachfolger sein wird.�</p><p>Gandogars ausgestreckter Arm deutete auf sein Gefolge. �Wozu warten? Fragt die Clans jetzt! Ihre Meinung wird sich niemals �ndern! Wieso sollten sie einen Unbekannten ��</p><p>Der Gro�k�nig hob die vom Alter gekr�mmte Hand. �Nein.� Seine Finger wiesen auf die Stelen mit den Runen. �Wir befolgen die Gesetze unserer Vorfahren. So steht es geschrieben, so wird es erf�llt.�</p><p>Das darauf folgende Schweigen in dem gigantischen Raum besa� unterschiedliche Qualit�ten. In der �berwiegenden Mehrzahl bestand es aus der �berraschung, der Rest war ohnm�chtige Wut, weil ihnen nichts anderes �brig blieb, als auf den dreisten Bewerber zu warten.</p><p>Gandogar sackte auf seinen Stuhl und zog die Axt zu sich heran; die Schneide hinterlie� einen tiefen wei�en Kratzer in dem polierten Steintisch und zerst�rte die Makellosigkeit, an der die Steinmetzen so lange gearbeitet hatten.</p><p>�Ich beuge mich�, stie� er k�hl hervor; mehr wagte er nicht zu sagen, aus Sorge, die Verzweiflung w�rde aus ihm sprechen und ihn zu Torheiten hinrei�en. Entmutigt schaute er hinter sich. Bislipur bewahrte die �u�erliche Fassung ausgezeichnet, aber diesen Gesichtsausdruck kannte er zu gut. Sein Verstand befasste sich bereits mit den neuen Umst�nden und suchte nach einer raschen L�sung. Er wusste, dass er auf seinen einfallsreichen Freund vertrauen konnte.</p><p>�Von Ionandar bis hierher sind es viele Reisewochen. Was sollen wir so lange tun?�, verlangte Gandogar zu wissen, w�hrend er die funkelnden Diamantsplitter an seiner R�stung betrachtete. �Und woher wissen wir, dass er uns findet, der M�chtegern Gro�k�nig?�</p><p>�Oder ob er lebend ankommt�, f�gte Bislipur hinzu.</p><p>�Wir werden uns beraten�, antwortete Balendil�n. �Es sind einige Dinge zu besprechen, die f�r die St�mme und Clans bald von wichtiger Bedeutung sein werden.� Dann l�chelte er. �Es ist sch�n zu h�ren, dass ihr euch Sorgen um ihn macht, aber wir haben ihm eine Eskorte geschickt, die ihn heil zu uns bringen wird.�</p><p>�So? Dann schicken wir ihm auch eine�, beharrte Bislipur mit aufgesetzter Freundlichkeit. �Schlie�lich geh�rt er zu unserem Stamm. Sag uns, wohin unsere Krieger gehen m�ssen.�</p><p>�Das Angebot ehrt dich, doch es ist nicht n�tig. Er wird der Gast des Gro�k�nigs sein, also sendet Gundrabur unsere Leute�, lehnte Balendil�n diplomatisch ab. �Nach diesem turbulenten Auftakt schlage ich vor, dass wir uns bei dunklem Starkbier eine Erholung g�nnen. Es wird die erhitzten Gem�ter k�hlen.� Er nahm seine Axt und schlug mit der flachen Seite zweimal gegen den Tisch. Der klingende Ton flog durch die Halle und drang bis durch die T�ren.</p><p>Schon wurden F�sser mit gebrautem Gerstensaft hereingetragen. Kurz darauf f�llten sich die Humpen und Trinkh�rner der Gesandten, und man trank auf das Wohl des regierenden und des kommenden Gro�k�nigs. Nur wenige zweifelten daran, dass dessen Name Gandogar sein w�rde.</p><p>Bislipur klopfte seinem Sch�tzling auf die Schulter. �Du musst nur ein wenig warten. Wir ehren die Vorfahren und erf�llen alle Bedingungen deiner Wahl, denn nur so l�sst sich vermeiden, dass es jemals Zweifel an der Rechtm��igkeit deines Amtes geben wird.� Er stie� mit dem K�nig an und nahm einen langen Zug. Das Bier schmeckte malzig, schwer und ein wenig s��lich. �So k�nnen nur Zwerge brauen�, lachte er und wischte sich den Schaum aus dem Bart.</p><p>Als die Gesandten nach und nach �berm�tiger und ausgelassener wurden, setzte sich Bislipur ab und verschwand aus der Halle. Er dr�ckte sich in einen kaum benutzten Nebengang und rief Swerd zu sich, um ihm mit einer ganz besonderen Aufgabe zu betrauen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hling</subtitle><p>Pfeifend kniete Tungdil vor seinem Schrank und verstaute die Dinge, die er mitnehmen wollte, in seinem ger�umigen Ledertornister: ein Zunderk�stchen und einen Feuerstein, falls er unterwegs im Freien �bernachten musste, sowie eine Decke, Angelhaken und Essgeschirr. Dann schnallte er den zusammengerollten Umhang mit einem Lederriemen am Rucksack fest, warf sich das Kettenhemd �ber und r�ckte es mit eingespielten Bewegungen zurecht.</p><p>So f�hlte er sich wohl. Das Geflecht aus Eisenringen gab ihm ein sicheres Gef�hl und bedeutete zugleich etwas Vertrautes. Es war ein Empfinden, das aus seinem tiefsten Inneren kam und f�r ihn selbst unerkl�rlich war.</p><p>Das Gleiche sp�rte er, wenn er an der Esse stand und kleinere Schmiedearbeiten verrichtete. Hufeisen formen, N�gel machen, Eisenbeschl�ge f�r T�ren anpassen, Messer schleifen und Werkzeuge dengeln, das gelang ihm mit Leichtigkeit. Er vermutete, dass das Zwergische in seinem Blut der Ausl�ser daf�r war.</p><p>Und so nahm er seinen prallen Rucksack auf, hakte die Kampfaxt, die er von dem Magus geschenkt bekommen hatte, in den G�rtel und begab sich zu dessen Arbeitszimmer. Den Weg dorthin kannte er blind, Licht brauchte er fast keins, und sein zwergischer Orientierungssinn lie� ihn unter der Erdoberfl�che niemals im Stich. Jeden Tunnel, durch den er einmal gegangen war, erkannte er wieder, denn seine Augen nahmen die feinen Unterschiede in den W�nden wahr; doch sobald er sich im Freien zurechtfinden sollte, versagte er j�mmerlich und war ohne Karte verloren.</p><p>Nach kurzem Klopfen �ffnete er die T�r. Lot-Ionan trug seine geliebte beige Robe und sa� an seinem Schreibtisch. Anklagend hielt er ein tintengetr�nktes Blatt Papier in die H�he, als der Zwerg eintrat.</p><p>�Siehst du das, Tungdil? Das ist dein Wirken.� Er warf es zur�ck auf den Stapel. �Nutzlos. Meine Arbeit von vielen Uml�ufen wurde innerhalb weniger Lidschl�ge zunichte gemacht.�</p><p>�Ich habe es nicht gewollt�, erwiderte der Zwerg ehrlich zerknirscht und doch nach wie vor starrk�pfig. Der ausgepr�gte Eigensinn war ein weiteres Erbe seiner Herkunft.</p><p>�Das wei� ich doch.� Das Gesicht des Magus nahm einen g�tigen Ausdruck an. �Was ist denn wirklich geschehen?�</p><p>Tungdil senkte den Kopf. �Famulus Jolosin hatte mir wieder mal einen Streich gespielt. Ich wollte mich r�chen und sch�ttete ihm einen Eimer Wasser �ber�, druckste er herum. �Er verwandelte es zu Eis, doch die Klumpen zerschlugen die Phiolen. Dann hat er mich eingesperrt, damit Ihr mich f�r den Schuldigen haltet.� Seine braunen Augen richteten sich auf seinen Ziehvater.</p><p>Der Magus seufzte. �Ich dachte mir schon, dass ihr beide euren Anteil tragt. Es tut mir Leid, dass ich laut wurde.� Er deutete auf das Pergament. �F�r mich bedeutet es, dass ich die n�chsten Uml�ufe wieder mit dem Zeichnen von Runen verbringen werde. Du wusstest doch, dass du nichts im Laboratorium zu suchen hast. Ihr Zwerge seid nicht daf�r geschaffen, die fl�chtigen Zauberkr�fte zu beherrschen oder mit den Elixieren zu hantieren.�</p><p>�Es war ein ��</p><p>�Du h�ttest mir von Jolosins Streich berichten k�nnen, und ich h�tte mir eine Strafe f�r ihn ausgedacht. Nun siehst du, wohin die ganze Angelegenheit gef�hrt hat, und als S�hne wirst du auf Reisen gehen, und dieses Mal ist es keine kleine Reise, Tungdil. Aber ich werde mich sehr freuen, wenn du zu mir zur�ckkehrst. Glaube mir, Jolosin hat es mit dem Kartoffelsch�len schlimmer erwischt.� Er grinste. �Er wird so lange sch�len, bis du zur�ckkehrst, und wenn es dir unterwegs einfallen sollte, einen Umweg zu machen �� Lot-Ionan belie� es bei seiner spitzb�bischen Andeutung. �Bist du bereit?!�</p><p>�Ja, ehrenwerter Magus�, antwortete der Zwerg erleichtert, dass sein Ziehvater nicht mehr auf seiner Alleinschuld bestand. �Was soll ich f�r Euch erledigen?�</p><p>Die Atmosph�re in dem mit Apparaturen, B�chern und Regalen zugestellten Raum war ganz im Gegensatz zu der Stimmung vorhin im Laboratorium entspannt und ruhig. Das Feuer knisterte leise im Kamin, und die zahme Eule des Zauberers hatte die gro�en Augen fest geschlossen.</p><p>�Langsam, junger Zwerg.� Lot-Ionan erhob sich, nahm seinen dampfenden Becher und lie� sich in den Ohrensessel vor der Feuerstelle sinken. Er reckte seine Filzschuhe gegen die Flammen und w�rmte sie. �Wir lassen es gem�tlich angehen. Jolosin soll ordentlich was zu tun haben � Ich m�chte dir noch eine Sache mit auf den Weg geben, �ber die du nachdenken wirst, w�hrend du einen Fu� vor den anderen setzt.� Seine Hand zeigte auf den Stuhl neben sich.</p><p>Tungdil stellte den Rucksack auf den Boden und setzte sich. Es klang nach einer besonderen Sache.</p><p>�Ich habe nachgedacht.� Der Magus r�usperte sich. �Du bist von deinen dreiundsechzig Zyklen seit zweiundsechzig in meiner Obhut.�</p><p>Der Zwerg wusste, was nun kam. In r�hrseligen Augenblicken, so wie diesem, wenn es dem Magus richtig gut ging, er ein wenig Grog getrunken hatte und der Kamin seine F��e w�rmte, neigte er dazu, in die Vergangenheit zu reisen und sich an Ereignisse zu erinnern, die l�nger als ein Menschenleben zur�cklagen. Tungdil mochte diese Unterredungen.</p><p>�Es war an einem st�rmischen Abend im Winter, als ein Rudel Kobolde bei mir auftauchte und ein B�ndel anschleppte.� Er schaute seinem M�ndel in die Augen. �Das B�ndel warst du�, lachte er leise. �Da hattest du noch keinen Bart, mein Lieber. Man h�tte dich f�r ein Menschenkind halten k�nnen. Sie boten mir an, dich zu kaufen, oder sie w�rden dich in den n�chsten Fluss werfen. Ich konnte nicht anders, als den Langnasen ihren Lohn zu geben und dich bei mir aufzunehmen.�</p><p>�Daf�r bin ich Euch mein restliches Leben lang dankbar, Lot-Ionan�, warf Tungdil leise ein.</p><p>�Das restliche Leben�, wiederholte er leise. Der Magus schwieg eine Weile. �Ich habe mir �berlegt, dass du vielleicht schon bald aus deiner Schuld entlassen sein wirst�, sagte er nach einer Weile und strich mit der Rechten durch die dichten Haare des Zwergs. �Ich habe schon zu lange gelebt, und du hast mir bereits sehr viele Dienste erwiesen, die deine Schuld, falls es sie jemals gab, abgegolten haben. Wenn meine Versuche, das Altern aufzuhalten, nicht bald von dauerhaftem Erfolg gekr�nt sein werden, wird meine Seele ohnehin in K�rze zu Palandiell gehen.�</p><p>Es schmerzte den Zwerg, an die rasche Verg�nglichkeit der Menschen erinnert zu werden, der sogar Zauberer nicht zu trotzen vermochten. �Ihr werdet Euer Ziel erreichen�, raunte er heiser. �Aber � Ihr wolltet mir doch etwas erz�hlen.�</p><p>Der Zauberer l�chelte traurig, er durchschaute Tungdils Absicht, ihn abzulenken. �Anfangs sagte ich dir, dass deine Familie dich bei mir abgegeben h�tte, um aus dir einen gro�en Zwergenmagus zu machen, aber du hast schnell herausgefunden, dass das nicht die Wahrheit sein konnte. Sp�testens nachdem du lesen gelernt und mehr �ber dein Volk in Erfahrung gebracht hast.�</p><p>�Sie m�gen Magie nicht besonders. Und die Magie mag sie nicht, ich wei߫, antwortete er und musste grinsen. In seine H�nde geh�rte der Schmiedehammer, ab und zu ein Buch aus der riesigen Bibliothek, aber mehr nicht. �Vraccas gab uns so viel handwerkliches K�nnen, dass in unseren K�rpern kein Platz mehr f�r das Zaubern ist.�</p><p>�Genau�, lachte der Magus, als er sich an all die kleineren Ungl�cke erinnerte, die sich immer dann zugetragen hatten, wenn sein Ziehsohn und die unsichtbare Kraft zuf�llig zusammengetroffen waren. �Aber sei nicht zu bescheiden, du hast dir einiges an Wissen angeeignet und bist beinahe ein Gelehrter. Mancher Famulus wei� weniger �ber das Geborgene Land und seine Bewohner als du.�</p><p>�Ihr habt mir viel beigebracht, Lot-Ionan, selbst das Disputieren.�</p><p>�O ja, das war eine Herausforderung, an der ich fast zerbrach. Der zwergische Trotz ist deiner Zunge zuweilen im Weg.� Er wurde wieder ernster. �Ich hatte die Kobolde damals nicht gefragt, wie sie in deinen Besitz gekommen waren, was ich heute sehr bereue.</p><p>Dann k�nnte ich dir wenigstens sagen, wo dein Familienclan, wo dein Stamm zu finden ist.� Er langte neben den Sessel und suchte eine Karte des Geborgenen Landes aus einem Stapel Schriftst�cke. Vorsichtig rollte er sie auf, und sein Zeigefinger tippte auf das Zweite Zwergenreich. �Ich habe einen Boten zum Stamme Bero�ns geschickt und anfragen lassen, ob etwas vom Schicksal eines vermissten Zwerges bekannt ist. Ich m�chte deine Verwandten finden, Tungdil. Bei dem Alter, das ihr Zwerge erreicht, sollten sie noch leben. Was sagst du dazu?�</p><p>Sein M�ndel war ger�hrt. Sein gr��ter Wunsch r�ckte damit n�her. �Das � ist gro�artig von Euch!�, rief er aufgeregt. �Habt Ihr schon Nachricht erhalten?�</p><p>Lot-Ionan freute sich �ber Tungdils Reaktion. �Nein, noch nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Zwerge des Zweiten neugierig genug sind, um sich um einen verlorenen Sohn ihres Volkes k�mmern zu wollen. Es ist nur ein Anfang, erwarte nicht zu viel.�</p><p>�Ich danke Euch nochmals�, sagte der Zwerg feierlich. Mehr Worte wollten ihm nicht einfallen, um seine Gef�hle auszudr�cken.</p><p>�Wo ich die Landkarte schon mal auf dem Scho� habe, zeige ich dir gleich, wohin du gehen musst�, fuhr der Magus fort und deutete zuerst auf den Stollen, in dem sie sich befanden, dann auf eine Erhebung, die Schwarzjoch hie�. Sie lag au�erhalb von Ionandar in Gauragar und hart auf der Grenze zu Lios Nudin, dem Einflussbereich des Magus Nudin, den man den Wissbegierigen nannte. �Es sind dreihundert Meilen, die du nordwestlich laufen musst. Die Wege sind leicht zu finden, und die Karte wird dir helfen, dich zu orientieren. Du kommst unterwegs an gen�gend D�rfern vor�ber, in denen du nach dem Weg fragen kannst.� Er rollte das Pergament zusammen. �Nun zu den Kleinigkeiten, die du meinem Freund Gor�n bringen sollst. Geh r�ber an den Ebenholzschrank, und nimm den kleinen Ledersack mit dem gr�nen Lederband heraus. Darin sind Dinge, die ich vor langer Zeit f�r ein Experiment geborgt hatte und nun nicht mehr ben�tige. Auf dem Tisch liegen ein paar M�nzen, die du unterwegs ausgeben darfst.�</p><p>W�hrend Tungdil sich in Bewegung setzte, nahm der Magus ein Buch auf und gab vor zu lesen. Der Zwerg �ffnete den Schrank und zerrte den Sack heraus.</p><p>�Ich bin so weit�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Nun geh, Tungdil, und denke dar�ber nach, was ich dir gesagt habe. Wenn wir deine Familie finden, �berlasse ich es dir, ob du bei mir bleiben m�chtest oder nicht�, verabschiedete er den Zwerg, ohne von seinem Buch aufzuschauen. Tungdil wandte sich zum Ausgang.</p><p>�Und noch etwas: Sei auf der Hut! Pass auf den Sack auf und verliere ihn nicht, daf�r ist der Inhalt zu wertvoll�, sch�rfte er ihm ein. Dann hob er den Blick und l�chelte. �Am besten ist es, du l�sst das Band zu, wenn du keine Katastrophen erleben m�chtest. Palandiell sei mit dir. Und dein Vraccas nat�rlich auch.�</p><p>�Ihr k�nnt Euch auf mich verlassen, Lot-Ionan.�</p><p>�Daran zweifle ich nicht, Tungdil. Kehre gesund zur�ck und lass es dir unterwegs gut gehen.�</p><p>Der Zwerg verlie� das Zimmer, um in die K�che zu Frala zu gehen. Von ihr wollte er sich Proviant geben lassen und mit ihr die Neuigkeit �ber seine Abstammung teilen.</p><p>Er fand sie am gro�en Trog stehend beim Teigkneten. Der Schwei� lief ihr �ber das Gesicht, denn die Arbeit war sehr anstrengend und die z�he Masse aus Mehl, Wasser und Hefe alles andere als leicht durchzukneten.</p><p>�Ich brauche Proviant�, verk�ndete er strahlend.</p><p>�Aha. Hast du einen Botengang vom Magus erhalten?�, l�chelte sie ihn an und versetzte dem Teig einen letzten Hieb. �Dann wollen wir doch mal schauen, was wir f�r den Kurier des Zaubermeisters alles in der Speisekammer haben.� Frala klopfte sich das Mehl von den H�nden und betrat mit Tungdil jene Kammer, in der eine Maus wohl gern zur Welt k�me.</p><p>Die Magd packte Trockenfleisch, K�se und Dauerwurst sowie einen Laib Schwarzbrot in den Rucksack. �Das m�sste reichen.�</p><p>�F�r dreihundert Meilen?�</p><p>�Dreihundert?�, staunte sie. �Tungdil, das ist kein Botengang mehr, das ist eine richtige Reise. Nein, da m�ssen wir selbstverst�ndlich noch etwas draufpacken.� Sie legte zwei W�rste und etwas Schinken nach. �Aber lass es die K�chin nicht sehen�, sagte sie, w�hrend sie die Klappe des Rucksacks eilig schloss.</p><p>Sie kehrten in die K�che zur�ck. �Und? Wohin wird dich deine lange Wanderung f�hren?�, wollte Frala neugierig wissen.</p><p>�Ich gehe zum Schwarzjoch�, verriet er ihr. �Ich soll einem ehemaligen Sch�ler des Magus ein paar Dinge zur�ckbringen.�</p><p>�Von diesem Berg habe ich noch nie geh�rt�, gr�belte Frala. �Das muss eine sehr weite Reise sein, dreihundert Meilen � Durch welche anderen K�nigreiche l�ufst du?�</p><p>Tungdil lachte. �Ich w�rde dich mitnehmen, aber Lot-Ionan h�tte sicher etwas dagegen. Dein Mann und deine T�chter auch.� Er zeigte ihr die Landkarte und lie� den Finger �ber das Blatt wandern.</p><p>�Idosl�n und Gauragar! Und Lios Nudin liegt fast daneben, ist das nicht aufregend?�</p><p>�Ach, bei Nudin ist es ruhig. Alles, was er macht, ist Wissen zu sammeln�, winkte der Zwerg ab. �Bei Turgur dem Sch�nen, da g�be es sicherlich was zu sehen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Der Magus ist auf der Suche nach unverg�nglicher Anmut f�r jedermann. Der krummbeinigste Bauer und die schiefm�uligste Dirne sollen ihren Makel gegen Elbengleiche Sch�nheit tauschen k�nnen�, erz�hlte er der Magd. �Seine Bem�hungen schreiten jedoch nicht so recht voran, wie ich von Lot-Ionan geh�rt habe. Angeblich leben viele Menschen in Turgurs Land, denen er solche Missbildungen bei seinen Versuchen beschert hat, dass sie sich aus Scham verbergen. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich Turgur fern bleibe, ehe er versucht, mich gr��er zu zaubern.�</p><p>�Wie grausam�, sagte Frala bedauernd, ging in die Hocke und dr�ckte den Zwerg an sich. �Ich w�nsche dir den Segen Palandiells und deines Gottes Vraccas, damit du unterwegs vor allen Gefahren gesch�tzt bist.� Sie nahm ihr Halstuch ab und band es dem Zwerg um den G�rtel. �Hier, dein Talisman. Wann immer du ihn anschaust, denkst du an mich.� Schelmisch zwinkerte sie ihm zu. �Und daran, dass du mir etwas Sch�nes mitbringst.�</p><p>Tungdil sah in ihre lebendigen gr�nen Augen und seufzte. Er hatte die Magd so sehr in sein Herz geschlossen, dass es ihm schwer fiel, sich vorzustellen, fortan ohne sie bei den Zwergen und seiner Familie zu leben, zumal er doch der Pate von Sunja und Ikana geworden war. Er begehrte Frala nicht, solche Gedanken waren ihm fremd, aber weil er sie von klein auf kannte, f�hlte er sich wie ein Bruder.</p><p>�Lot-Ionan hat eine Nachricht an die Zwerge Bero�ns gesandt, um Nachforschungen �ber meine Herkunft anzustellen�, erz�hlte er ihr von der Unterredung mit seinem Ziehvater. �Wenn meine Familie dort lebt, w�rde ich gern ins Gebirge gehen und mich mit ihnen treffen, vielleicht bei ihnen leben. Der Magus hat es mir freigestellt zu w�hlen.�</p><p>Die Magd umarmte ihn ein weiteres Mal und teilte seine Freude �ber die sch�nen Nachrichten. �Es scheint, als ginge noch ein Traum bald in Erf�llung.� Sie grinste frech. �Jolosin wird Luftspr�nge machen, falls du uns verl�sst.�</p><p>�Das w�re ein Grund, nicht zu gehen�, erwiderte Tungdil schmunzelnd, bemerkte aber, dass sich ein Schatten �ber ihr eben noch fr�hliches Gesicht legte.</p><p>�Wirst du uns ab und zu mal besuchen und uns von den Zwergen berichten, die im S�den leben?�, wollte sie wissen. Ein Hauch von Schwermut lag in ihren Worten, auch wenn sie sich f�r ihren besten Freund aus tiefstem Herzen freute.</p><p>�Warte es ab, Frala. Am Ende vermissen sie gar keinen wie mich, und ich bin einfach so aus den Felsen geboren worden�, wiegelte Tungdil ab. �Ich bringe Gor�n sein Eigentum wieder, danach sehen wir weiter.�</p><p>Ein kleines Kind schrie in der Ecke der K�che. Frala eilte, um ihre Tochter Ikana aus der Wiege zu holen, die sie neben den warmen Herd gestellt hatte.</p><p>�Schau, das ist dein Pate, kleiner Wurm�, sagte sie zu dem M�dchen. �Er wird sp�ter auf dich aufpassen, so wie er lange Jahre auf mich Acht gab.�</p><p>Der Zwerg streckte seinen Zeigefinger aus, den das Menschenkind sogleich ergriff und zu sich zog. Tungdil meinte sogar, ein leises Lachen geh�rt zu haben.</p><p>�Sie lacht mich aus.�</p><p>�Unsinn. Sie lacht mit dir. Siehst du? Sie mag dich�, erwiderte Frala.</p><p>�Dir und deiner Schwester bringe ich auch etwas mit�, versprach er Ikana und zog seinen schwieligen Finger vorsichtig aus der kleinen zartrosa Hand. Doch nachdem er seine Scheu vor dem zerbrechlich aussehenden Kind �berwunden hatte, wollte er gar nicht mehr von ihm lassen. Ikana fasste nach und schnappte sich eine braune Haarstr�hne. Mit gro�er Vorsicht entwand er sie ihr wieder. �Du willst wohl, dass ich bleibe?�</p><p>Gemeinsam gingen sie durch den halbdunklen Stollen bis zum Nordtor. Helles Tageslicht schimmerte durch den Spalt. Die Magd k�sste ihn auf die Stirn. �Pass auf dich auf�, verabschiedete sie ihn. �Und komm heil zur�ck.�</p><p>Ein Famulus bet�tigte die Seilwinden des �ffnungsmechanismus, und die eisenbeschlagenen Eichenportale schwangen knarrend zur�ck.</p><p>Die Sonne schien auf die runden, sattgr�nen H�gel, die bl�henden Blumen und Laubw�lder. Der Wind trug den Geruch von warmer Erde in den Tunnel, V�gel sangen ihr Fr�hlingslied.</p><p>�H�rst du das, Tungdil? Das Geborgene Land meint es gut mit dir�, sagte Frala und atmete die Luft tief ein. �Herrliches Wetter! Du wirst eine sch�ne Reise haben.�</p><p>Der Zwerg stand im sch�tzenden Schatten des Ganges und z�gerte. Er war es gewohnt, eine sch�tzende Decke �ber dem Kopf und W�nde um sich zu haben, die ihm Sicherheit gaben. Da drau�en wartete ein wenig zu viel Freiheit auf ihn, an die er sich bei jedem seiner Boteng�nge f�r den Magus von neuem gew�hnen musste.</p><p>Doch er wollte vor Frala nicht wie ein feiger Gnom dastehen, also holte er tief Luft, trat an die sonnenbeschienene Oberfl�che von Ionandar und marschierte los.</p><p>�Bis bald, Tungdil!�, rief die Magd ihm hinterher. Er drehte sich um und winkte ihr, bis sich der Zugang zu Lot-Ionans unterirdischer Behausung schloss; dann setzte er seinen Marsch fort. Allerdings kam er nicht sonderlich weit. V�llig geblendet kniff er schon nach wenigen Schritten die Lider zusammen. Die Zeit unter der Erde, abseits von den Strahlen des m�chtigen Gestirnes, hatte ihn derart empfindlich werden lassen, dass er im Schatten einer m�chtigen Eiche Schutz vor der Helligkeit suchte. Die S�cke mit dem Proviant und den Artefakten landeten neben ihm im Gras.</p><p><emphasis>Das kann eine nette Reise werden,</emphasis> dachte er. Er hockte sich auf den Boden und blinzelte, um einen ungef�hren Eindruck von der Umgebung zu bekommen. Das Bl�tterdach sch�tzte ihn kaum vor dem unbarmherzigen Licht.</p><p>Tungdil erinnerte sich, dass es ihm jedes Mal so erging, wenn er einen Fu� nach drau�en setzte. Aber wenigstens eigneten sich die liebliche Landschaft und der grob angelegte Weg gut zum z�gigen Laufen.</p><p>Er nahm die Karte zur Hand, um sie genauer zu studieren, und hielt sie so �ber sich, dass sie ihm Schatten spendete. Wenn der Kartenzeichner sich nicht irrte, w�rde sich die Landschaft in der N�he des Schwarzjochs ver�ndern. Die Erhebung war von einem dichten Tannenwald umgeben, durch den offenbar kein Pfad f�hrte.</p><p><emphasis>Auch nicht schlimm.</emphasis> Tungdils Daumen fuhr pr�fend �ber die Schneide der Axt. <emphasis>Die B�ume werden zu sp�ren bekommen, was es hei�t, sich mir in den Weg zu stellen.</emphasis></p><p>Die Sonne wanderte weiter.</p><p>Der Zwerg gew�hnte sich allm�hlich an das Licht, das bereits schw�cher wurde und sich in zartes Orange wandelte. Die D�mmerung, die seinen Augen schmeichelte, w�rde bald hereinbrechen, und bis dahin wollte er noch einige Meilen gelaufen sein. Vielleicht w�rde er an einem Geh�ft vorbeikommen, wo man ihm �ber Nacht Unterschlupf gew�hrte.</p><p>Entschlossen stemmte er sich in die H�he, hing sich den Rucksack und den Lederbeutel des Magiers �ber den R�cken, klemmte die Axt in den G�rtel und stapfte los. Eine Weile schimpfte er noch �ber die Sonne, was ihn zwar nicht schneller machte, aber ungemein erleichterte.</p><empty-line/><p>Als Tungdil am f�nften Tag seiner bislang ereignislosen Wanderung aus dem Wald trat und die Palisaden eines umz�unten Gro�dorfes betrachtete, verschwand die Sonne soeben hinter einem H�gel.</p><p>�ber dem Tor erhob sich ein h�lzerner Wachturm, auf dem zwei M�nner auf und ab gingen. Zuerst entdeckten sie seine gedrungene Gestalt nicht, dann aber wurde einer der W�chter auf ihn aufmerksam. Ihrem Verhalten nach stuften sie den Zwerg jedoch nicht als Bedrohung f�r den Ort ein.</p><p>Tungdil freute sich. Nach vier k�hlen N�chten zwischen Eichh�rnchen, F�chsen und zu viel Gr�n warteten auf der anderen Seite der Befestigung bestimmt eine Schenke, gutes Bier, ein warmes Essen und ein weiches Bett auf ihn. Sein Magen grummelte.</p><p>Als er vor dem Tor ankam, blieb der Durchgang verschlossen. Die Wachen lehnten sich �ber die Br�stung und beobachteten, was der Zwerg tat.</p><p>�Meinen Gru�! Lasst mich ein, ich m�chte die Nacht nicht unter freiem Himmel verbringen�, rief er laut und musterte die beiden M�nner. Ihre Plattenr�stungen sahen gepflegt und gut gearbeitet aus; der Schmied, der sie anfertigte, wusste, auf was es ankam, soweit Tungdil das auf die Entfernung beurteilen konnte. Es bedeutete auch, dass die M�nner auf den Schutz angewiesen waren und ihn nicht nur wegen der �u�eren Wirkung trugen. D�rfler waren das nicht.</p><p>Dann machte er eine weitere Entdeckung. Was er im Schein der Fackeln auf den Palisaden f�r Zierk�pfe gehalten hatte, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als echte Sch�del. Die Dorfbewohner spickten ihre Palisaden mit den abgetrennten H�uptern von drei Dutzend Orks!</p><p>Tungdil hatte seine Zweifel daran, dass es ein guter Gedanke war, die Scheusale auf diese Weise zu verh�hnen. Orks lie�en sich durch die aufgespie�ten K�pfe ihrer get�teten Artgenossen ebenso wenig von �berf�llen abhalten wie Kr�hen vom Pl�ndern eines Feldes. Sie verstanden diese Art von Ausstellung eher als Anreiz, die Menschen f�r ihre Taten zu vernichten.</p><p>Daraus erfuhr der Zwerg zwei Dinge. Erstens befand er sich in Idosl�n, zweitens waren die M�nner, die sich die Dorfbev�lkerung zur Bek�mpfung der Orks anheuerte, ausgezeichnet, doch leider ohne Verstand. Er konnte sich das herausfordernde Verhalten nur so erkl�ren, dass die S�ldner Pr�mien f�r die Zahl der abgeschlagenen Sch�del erhielten. Die Soldaten legten ihre grausigen K�der aus, um das n�chste Rudel Orks anzulocken.</p><p>�Was ist nun?�, forderte er ungehalten. �Warum darf ich nicht hinein?�</p><p>�Du stehst vor Gutenauen im sch�nen Idosl�n. Hast du unterwegs Orks gesehen, Unterirdischer?�, erhielt er zur Antwort.</p><p>�Nein, keine�, entgegnete er und gab sich M�he, h�flich zu bleiben; die Bezeichnung �Unterirdischer� empfand er als abwertend. �Und ich bin ein Zwerg, wenn�s recht ist, so wie ihr Menschen und keine Oberirdischen seid.�</p><p>Die M�nner lachten. Einer von ihnen gab ein Handzeichen, der rechte Fl�gel �ffnete sich knarrend und gew�hrte Tungdil Einlass. Zwei weitere schwer bewaffnete S�ldner standen zur Begr��ung bereit und musterten ihn argw�hnisch.</p><p>�Tats�chlich, ein Zwerg�, raunte der eine gebannt. �Sie sind gar nicht so klein, wie man sich immer erz�hlt.�</p><p>Tungdils Laune sank, denn das Angaffen behagte ihm nicht. Er hatte vergessen, wie selten die Menschen Zwerge sahen. �Habt ihr nun genug geschaut? K�nnt ihr mir sagen, wo ich eine Unterkunft f�r die Nacht bekomme?�</p><p>Die W�chter erkl�rten ihm, wo das n�chste Wirtshaus zu finden war. Tungdil schlenderte die staubige Stra�e entlang und erreichte schon bald das Gasthaus. Ein an den T�rbalken genagelter, von der Witterung gezeichneter Holznapf und ein nicht weniger ramponierter Krug versprachen dem Besucher zwar keine K�stlichkeiten, aber immerhin ein solides Mahl und einen Schluck Bier dazu.</p><p>Tungdil gab sich M�he, unauff�llig einzutreten. Als er den Holzriegel nach oben schob und gegen das Holz dr�ckte, schrien die verrosteten T�rangeln auf. Es war die einfachste und zugleich wirkungsvollste Vorrichtung, sich gegen Schleicher zu sch�tzen; diesen Laut des geschundenen Metalls �berh�rte gewiss niemand. Der Zwerg z�gerte und betrat dann den Schankraum.</p><p>Zehn Dorfbewohner sa�en bei Met und Bier an den grob gezimmerten Tischen; Tabak, Essensd�fte und K�rperger�che verbanden sich zu einem gew�hnungsbed�rftigen Bouquet. Die Kleider der Leute waren einfach: Mit Jutehemden oder ungef�rbten Wollstoffen sch�tzten sie sich gegen die K�hle des Fr�hlingsabends. Ihre F��e steckten in dicken Socken und geschn�rten Schuhen.</p><p>Zwei Dorfbewohner nickten ihm z�gernd zu, die anderen beschr�nkten sich darauf, ihn anzustarren.</p><p><emphasis>Das dachte ich mir.</emphasis> Der Zwerg erwiderte den Gru� und ging zu einem freien Tisch. Die M�bel waren zwar wie immer zu gro� f�r ihn, aber das st�rte ihn nicht. Er bestellte sich eine warme Mahlzeit und einen gro�en Humpen Bier. Kurz darauf standen eine Sch�ssel mit dampfendem Getreidebrei und zerkleinertem Fleisch sowie ein Krug Gerstensaft vor ihm.</p><p>Hei�hungrig machte er sich �ber das Essen her. Es schmeckte bodenst�ndig, leicht angebrannt und etwas fad, aber es war warm. Das w�ssrige, hellgelbe Bier wurde seinem zwergischen Anspruch nicht gerecht, doch er trank es. Er wollte keinen Streit vom Zaun brechen und zudem noch ein Bett f�r die Nacht bekommen.</p><p>Einer der M�nner betrachtete ihn so eindringlich, dass er es f�rmlich sp�rte. Tungdil warf ihm einen auffordernden Blick zu.</p><p>�Ich frage mich, was ein Unterirdischer ausgerechnet jetzt bei uns will�, sagte der D�rfler so laut, dass selbst der Schwerh�rigste es vernahm, und stie� den Rauch seiner Pfeife gegen die ru�geschw�rzte Decke.</p><p>�Ein Bett.� Der Zwerg kaute langsamer, senkte den L�ffel in die klebrige Masse und wischte sich die Reste aus dem kurzen Bart. Ein Mensch, der �rger suchte � das fehlte ihm noch zu seinem Gl�ck. Der Ton des Mannes war eindeutig. <emphasis>Aber nicht mit mir.</emphasis> �Ich m�chte keine Scherereien mit Euch�, stellte er fest. �Ich habe die letzten N�chte in der Wildnis verbracht und bin Vraccas dankbar, dass ich ein Nachlager gefunden habe, das nicht aus Laub und Zweigen besteht�, sagte er trotzig.</p><p>Die anderen G�ste feixten und lachten. Manche verbeugten sich �bertrieben vor dem Pfeifenraucher und redeten ihn mit �Ihro Gnaden� und �Ihre Erhabenheit� an; jemand setzte dem Mann einen leeren Humpen als Krone auf. Sie fanden es lustig, dass der Zwerg die h�flichste aller Anreden f�r einen einfachen D�rfler gebrauchte.</p><p>�Oho, der Zwerg hat studiert. Ist wohl ein feiner Pinkel?� W�tend schlug der Mann sich den Krug vom Schopf und wandte sich seinen Leuten zu. �Ja, lacht nur, ihr Deppen! Ich wei�, warum ich misstrauisch bin. Wenn ihn die Orks geschickt haben, um uns auszuspionieren, und er denen heute Nacht das Tor �ffnet, bleibt euch das Gr�len schon noch im Hals stecken!�</p><p>Die Heiterkeit verflog.</p><p>Tungdil erkannte, dass es f�r ihn gef�hrlich werden konnte, wenn er nicht aufpasste. Vor allem musste er aufh�ren, wie ein Gelehrter zu sprechen. Ein Zwerg an sich war schon ungew�hnlich genug.</p><p>�Das Volk der Zwerge und die Orks sind unvers�hnliche Feinde�, erwiderte er ernst. �Ein Zwerg w�rde mit ihnen niemals gemeinsame Sache machen.� Er reckte dem Mann die Hand entgegen. �Da, mein Wort, mein Ehrenwort, dass ich keinen Verrat im Schild f�hre. Das schw�re ich bei Vraccas, der die Zwerge erschuf.�</p><p>Der Pfeifenraucher betrachtete die kr�ftigen Finger und �berlegte, was er tun sollte. Schlie�lich schlug er ein und drehte Tungdil den R�cken zu.</p><p>Der Schankwirt brachte dem erleichterten Zwerg ein frisches Bier. �Du musst ihm verzeihen. Wir sind alle angespannt�, beeilte er sich zu erkl�ren. �Die Orks ziehen bereits seit vielen Uml�ufen durch den oberen Westen Idosl�ns und pl�ndern Siedlungen.�</p><p>�Deshalb die S�ldner?�</p><p>�Ja. Wir haben die Krieger angeheuert, um unser Dorf zu besch�tzen, bis K�nig Tilogorns Soldaten eintreffen und die Horden vernichten.� Er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Warte!� Tungdils Hand legte sich auf seinen fleckigen �rmel. Eine vage Hoffnung keimte in ihm auf. �Sind Zwerge in seiner Streitmacht? Ich habe geh�rt, dass einige in seinem Sold stehen.�</p><p>Der Wirt zuckte mit den Achseln. �Ich wei� es nicht, kleiner Mann. Denkbar w�re es.�</p><p>�Wann kommen sie an?�, wollte er aufgeregt wissen. Sein Botengang zum Schwarzjoch w�rde einen Aufschub vertragen, wenn er daf�r endlich Angeh�rige seines Volkes zu sehen bek�me. <emphasis>Soll Jolosin nur ordentlich sch�len.</emphasis></p><p>�Sie wollten vor drei Uml�ufen hier sein�, antwortete der Wirt und deutete entschuldigend zum Tresen, wo Durstige nach ihrem Bier verlangten. Tungdil lie� ihn ziehen und a� weiter, w�hrend er �ber das Land nachdachte, in das es ihn verschlagen hatte.</p><p>Idosl�n hatte seinen Namen daher erhalten, weil hier etliche Schlachten geschlagen worden waren. Dabei war es immer nur um den Thron gegangen. Die Ido waren einst ein gro�es Herrschergeschlecht gewesen, das selbst in der eigenen Familie um die Macht gerungen und sich gegenseitig bekriegt hatte � worunter vor allem die Untertanen zu leiden gehabt hatten. Das Reich war zersplittert, jedes St�ckchen von einem anderen Familienmitglied regiert worden. Irgendwann war es den einfachen Bewohnern zu viel geworden, und sie hatten die Angeh�rigen des Geschlechts der Reihe nach abgeschlachtet: Idosl�n.</p><p>Ein angetrunkener D�rfler stand auf und hob seinen Becher. �Es lebe Mallen! Auf dass er den Betr�ger Tilogorn vom Thron sto�e!� Als niemand in seinen Trinkspruch einfiel, setzte er sich grummelnd.</p><p>Wenn Tungdil sich recht entsann, war damit Prinz Mallen von Ido gemeint, der letzte Spross des Geschlechts. Er lebte im n�rdlich gelegenen Urgon und betrieb von dort aus ein R�nkespiel, um eines Tages als rechtm��iger K�nig in das Land zur�ckzukehren.</p><p>An der Wand der Gaststube hing eine alte, vergilbte und verr�ucherte Karte von Idosl�n. Das Reich selbst wies harmlose Berge, W�lder und Ebenen auf, die sich in abwechslungsreicher Folge aneinander reihten. Es h�tte ein Paradies sein k�nnen, wenn die Orks nicht gewesen w�ren.</p><p>�Sch�n, nicht wahr?�, sagte einer der G�ste, der die Blicke des Zwergs bemerkt hatte.</p><p>�Bis auf Toboribor�, meinte Tungdil und deutete auf den eingezeichneten schwarzen Fleck, der mitten in Idosl�n lag, ausgerechnet dort, wo sich die fruchtbarsten �cker befanden. Er nahm seinen Humpen und wanderte zum Nachbartisch. �Was hat die Orks aufgeschreckt?�</p><p>�Sie brauchen nicht aufgeschreckt zu werden. Sie ziehen aus Langeweile los, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Ein paar Meilen von hier waren sie schon. Haben �cker und Obsthaine angez�ndet. Scheu�liche Kreaturen! Mord, Raub und Kampf, etwas anderes kennen sie nicht�, berichtete der Mann.</p><p>�Aber sie sind stark�, erg�nzte ein anderer und rollte mit den Augen.</p><p>�Jetzt kommt wieder die alte Geschichte�, st�hnte der Wirt auf und schenkte Bier nach.</p><p>�Ja, die alte Geschichte�, meinte der Erz�hler halb beleidigt, aber es reichte nicht aus, um ihn zum Schweigen zu veranlassen. �Ich stand einst einer ganzen Rotte von besonders gro�en Viechern gegen�ber, als ich noch in Tilogorns Heer diente ��</p><p>�� und er keine Zeit dazu hatte, kleine Kinder zum Grausen zu bringen ��</p><p>�Sei jetzt still, Kr�ger! Ich habe mit ihnen gek�mpft, nicht du! Stell dir vor, Zwerg, sie �berragen einen gew�hnlichen Mann um einen ganzen Kopf. Ihre Fratzen mit den platten Nasen und den hervorstehenden Z�hnen sind einfach widerlich. Die gr�sslichen Augen und ihr Gebr�ll jagen unerfahrenen K�mpfern geh�rig Angst ein.�</p><p>�Das schreiben die B�cher auch�, rutschte es Tungdil heraus, doch gl�cklicherweise h�rte niemand seine Anmerkung. Er kratzte sich am Kopf; seine Haut musste sich erst noch an den st�ndigen Sonnenschein gew�hnen, und w�re es Sommer gewesen, h�tte er schon l�ngst einen Sonnenbrand gehabt.</p><p>�Einen halben Umlauf brauchten wir damals, bis wir sie niederwarfen, so z�h waren sie. Ach, als ich noch bei den Soldaten war, h�tten wir die Orks, die um unser Dorf lungern, selbst besiegt. Dann brauchten wir keine S�ldner zu unserem Schutz anzuheuern. Das Heer ist nicht mehr das, was es einmal war�, sagte er wehleidig und sehnte sich seine Jugend zur�ck. Sein Blick fiel auf die Axt des Zwerges. Er betrachtete die Klinge, die unter dem Einsatz im Wald gelitten hatte; getrocknete Harzspuren und kleine Sp�ne hafteten daran. �Eine so gute Waffe, und du hackst damit Holz?�, wunderte er sich.</p><p>�Ich musste mir einen Weg durch das Dickicht bahnen.� Tungdil wurde rot und flehte im Stillen, dass ihn niemand bat, die viel ger�hmte zwergische Kriegskunst zu demonstrieren. Er h�tte es nicht gekonnt.</p><p>Lot-Ionan besa� als Magus keinerlei Bezug zu Waffen, Schwertkampf und dem Handwerk eines Kriegers. Folglich hatte Tungdil niemals einen Lehrer gefunden, der ihm gezeigt h�tte, wie man die Axt gegen einen Gegner f�hrte. Die M�gde und Knechte brauchten Beile und �xte zum Holzhacken oder um eine Ratte tot zu schlagen. Damit endeten auch seine Versuche, die Handhabung der ber�chtigten Zwergenwaffe zu erlernen, wie es f�r einen Angeh�rigen seines Volkes angemessen w�re. Sollte er eines Tages einem Gegner gegen�berstehen, was angesichts der Orks nicht einmal abwegig erschien, w�rde er drauf losschlagen und hoffen, dass er den Feind verjagte �</p><p>�Ich habe schon viel von den Zwergen und ihrer Kampfkraft geh�rt. Habt ihr es im Blut, oder muss man es euch beibringen?�, fragte der Erz�hler ihn prompt. �Einer von euch gen�gt, um zehn Orks zu t�ten, sagt man. Stimmt das?�</p><p>Tungdil wurde es inmitten der vielen Menschen klarer denn je zuvor: Er war weit davon entfernt, ein echter Zwerg zu sein. Sein Volk w�rde ihn gewiss auslachen, und pl�tzlich w�nschte er sich nicht mehr, einem von ihnen zu begegnen. Selbst der Gedanke an die Liebe mit einer Zwergin verfehlte seinen Reiz.</p><p>�Es stimmt�, antwortete er schwach und hoffte, dass es sich wirklich so verhielt. Dann g�hnte er laut und streckte sich. Es wurde Zeit, dass er in ein Bett fiel, die Gedanken und die neugierigen Zuh�rer absch�ttelte. �Entschuldigt, aber ich m�chte mich nun ausruhen.�</p><p>Sie entlie�en ihn ungern aus ihrer Runde, nachdem sie ihre erste Zur�ckhaltung �berwunden hatten. Der Wirt wies ihm ein Lager im zweiten Stock des Fachwerkhauses zu, ein ger�umiger Schlafsaal, in dem niemand anderer n�chtigte.</p><p>Die Waschsch�ssel nutzte er, um seine hei�en F��e zu k�hlen, die den Stiefeln seit dem Beginn der Reise nun zum ersten Mal entstiegen. W�hrend er sich noch schnell ein drittes Bier g�nnte, schaute er zum Fenster der engen Kammer hinaus und lie� den Blick �ber die Ziegeld�cher Gutenauens schweifen.</p><p>Die Siedlung war recht gro� und musste ann�hernd tausend H�user umfassen. Die Bewohner lebten vermutlich von den Ernten der umliegenden Getreide- und Gem�sefelder sowie den Ertr�gen der Obstb�ume. Dieses bisschen Reichtum wurde nun durch die marodierenden Orks bedroht. Tilogorns angefordertes Heer w�rde sich beeilen m�ssen, wenn es etwas retten wollte.</p><p>Tungdil trocknete die geschundenen F��e ab, legte seine Kleidung auf den Stuhl und verschwand unter der dicken Federdecke.</p><p>Silbriges Licht fiel auf den Sack, den er Gor�n bringen sollte, und stellte seine Beherrschung auf eine harte Probe.</p><p><emphasis>Lass ihn zu,</emphasis> sagte er zu sich selbst. <emphasis>Der Inhalt muss dich nicht k�mmern.</emphasis></p><p>Kurz vor dem Einschlafen dachte er an den Magus und an seine gro�e Schwester Frala, deren Talisman er am G�rtel trug. Er vermisste ihr Lachen. Morgen fr�h wollte er den Kr�ger nach dem Weg zum Schwarzjoch fragen, und er w�rde sich durch nichts aufhalten lassen.</p><empty-line/><p>Ged�mpfte Ger�usche weckten ihn aus seinem Schlummer.</p><p>Zwei M�nner gaben sich gro�e M�he, so leise wie m�glich im Schlafsaal Quartier zu beziehen. Von drau�en gesellte sich das Heulen und Toben eines Sturmes hinzu, der um Gutenauen fegte.</p><p>Deutlich meinte der Zwerg, den Namen seines Ziehvaters geh�rt zu haben. Vorsichtig schaute er nach den Neuank�mmlingen. Es handelte sich um einen schm�chtigen, gut gekleideten Herrn und einen gr��eren, breit gebauten Mann, der eine mit Eisenpl�ttchen verst�rkte dunkelbraune Lederr�stung trug.</p><p><emphasis>Ein Kaufmann und sein Leibw�chter?,</emphasis> �berlebte Tungdil. Ihre Sachen waren sicherlich viele M�nzen wert. Da ersp�hte er ein schlichtes und dennoch besonderes Schmuckst�ck, das am ledernen Aufschlag des Gr��eren der beiden befestigt war und das Siegel des Rates der Magi trug.</p><p><emphasis>Gesandte!</emphasis> �Ihr wollt zu Lot-Ionan?�, fragte Tungdil laut und gab es auf, den Schl�fer zu mimen. Die Neugier hatte �ber die Vorsicht gesiegt.</p><p>Der Gr��ere runzelte die Stirn. �Wie kommst du darauf?�</p><p>�Die Spange an Eurem Gewand�, erkl�rte er den erstaunten M�nnern. �Ihr seid Boten des Rates der Magi.�</p><p>Die beiden wechselten einen raschen Blick. �Wer bist du?�, wollte der Besitzer der Spange wissen. Der Zwerg stellte sich vor. �Nun, dann kannst du uns gewiss sagen, wie es um die Gesundheit deines Herrn bestellt ist. Ist er wohlauf?�</p><p>�Sicher. Wenn Ihr Euch vorstellen w�rdet ��, erwiderte Tungdil h�flich. Sie nannten ihre Namen: Friedegard, Magussch�ler des ersten Grades von der Schule Turgurs des Sch�nen, und Vrabor, ein S�ldner in den Diensten des Rates. �Lot-Ionan geht es gut�, beantwortete er ihre Frage. �Ihr werdet es selbst sehen.� Doch seine Neugier lie� sich nicht z�geln. �Welchen Grund hat es �� Er stockte und verfiel in eine einfachere Sprache. �Was wollt Ihr von ihm?�</p><p>�Ich denke nicht, dass ich dergleichen mit dem Handlanger des Magus bereden sollte�, sagte Vrabor abweisend und griff nach den Schnallen seiner R�stung, um sie zu �ffnen. �Ansonsten tr�ge ich wohl den Titel Ausrufer.�</p><p>Das W�ten des Sturmes klang pl�tzlich doppelt bedrohlich; eine B�e pfiff durch die Ritzen, ein merkw�rdiger Laut entstand. Es war ein grelles, unmenschliches St�hnen, gefolgt von einem schrillen, mehrstimmigen Pfeifen.</p><p>Die Boten zuckten zusammen, und ihre H�nde fuhren an die Griffe der Schwerter.</p><p><emphasis>Keine gute Nacht,</emphasis> dachte Tungdil und blickte nach drau�en, wo mondbeschienene Wolkenfetzen �ber den n�chtlichen Himmel jagten.</p><p>Unvermittelt tauchte ein schmales, anmutiges Gesicht vor dem Fenster auf; graugr�ne Augen blickten Tungdil an und fesselten seinen Verstand. Die Faszination war gr��er als der Schrecken, den das unverhoffte Bild mit sich brachte. Lange schwarze Haare peitschten �ber das Antlitz; einige Str�hnen klebten auf der nassen, fast wei�en Haut fest und wirkten wie Risse auf den Z�gen eines kunstvoll gearbeiteten Elbenabbildes aus edelstem Marmor.</p><p>Der Zwerg konnte sich nicht abwenden, die Augen bannten ihn; doch so h�bsch das Gesicht auch anzuschauen war, erwuchs eine immense k�rperliche Abneigung in ihm. Es war zu h�bsch, und eine unbestimmbare Grausamkeit ging von ihm aus.</p><p>�Da ��, drang es aus seiner Kehle. Es reichte aus, um die M�nner aufmerksam werden zu lassen. Sie blickten auf und gingen auf der Stelle in Deckung.</p><p>Das dicke Glas barst. Ein langer, schwarz gefiederter Pfeil schwirrte hindurch und bohrte sich in die Wand.</p><p>�Verjage sie!�, rief Vrabor seinem Begleiter zu, griff sich den massiven Tisch, hob ihn hoch und verkeilte ihn vor der Fenster�ffnung. Schnell befestigte er die behelfsm��ige Abdeckung und arretierte sie mit einem Balken. F�r einen Pfeil gab es nun kein Durchkommen mehr.</p><p>Friedegard hatte die Augen geschlossen und den Kopf leicht gesenkt; seine Lippen bewegten sich lautlos, w�hrend seine Finger einen m�nzgro�en, mit Gold eingefassten Kristall in seltsamen Bahnen durch die Luft f�hrten.</p><p>�Was ist los?� Tungdil sprang aus dem Bett und packte seine Axt; sie gab ihm ein gewisses Gef�hl der Sicherheit.</p><p>Die M�nner antworteten nicht, sondern lauschten. Die B�en flauten ab, das Rauschen des Regens verst�rkte sich. Vom Angreifer h�rten sie nichts mehr, auch wenn sie ihre Ohren noch so sehr anstrengten; er schien mit dem Sturm gegangen zu sein.</p><p>�Ist der Elb weg?�, fragte der Zwerg.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gestand der S�ldner. �Vielleicht.� Er verstaute sein Schwert und setzte sich auf sein Bett; die H�nde st�tzte er auf die Parierstange. �Oder sie warten auf eine bessere Gelegenheit.�</p><p>�Sie?�</p><p>�Die Albae, keine Elben. Es sind zwei, sie folgen uns seit unserer Abreise aus Porista.�</p><p>�Albae!� Sie waren die Todfeinde der Elben, grausamer als jedes Scheusal des Geborgenen Landes, und sie hassten ihre Verwandten wegen deren Reinheit, die ihnen verwehrt blieb. Nur aus diesem Grund, so stand es geschrieben, kamen sie �ber den Steinernen Torweg. �Ist Lot-Ionan in Gefahr?�</p><p>�Ihm kann nichts geschehen�, beruhigte ihn Vrabor m�de. �Die Albae wissen, dass sie gegen einen Magus nicht bestehen k�nnen. Sie wollen nur Friedegard und mich, um herauszufinden, was wir mit uns tragen. Seit wir aus der Hauptstadt Lios Nudins aufgebrochen sind, belauern sie uns, aber erst jetzt, nachdem ihnen das Ziel unserer Reise deutlich wurde, greifen sie an.� Er sah die unausgesprochene Frage in Tungdils Augen. �Nein, Unterirdischer, du magst sein Handlanger sein und hast uns mit deiner Achtsamkeit bewahrt, aber dennoch kann ich dir nicht sagen, was der Rat der Magi von deinem Meister m�chte. Frage ihn selbst, wenn du zu ihm zur�ckkehrst.�</p><p>�Ich bin ein Zwerg, kein Unterirdischer.� Er spielte mit dem Gedanken, zusammen mit den beiden Boten am folgenden Morgen zu Lot-Ionan zu gehen, um ihm von den Erlebnissen zu berichten, kam aber zu dem Entschluss, dass dies unsinnig sei. Zuerst musste er seinen Auftrag erf�llen. So setzte er sich nieder und legte die Axt quer �ber die Oberschenkel.</p><p>Sie wachten die Nacht �ber schweigend, ohne dass einer von ihnen eingeschlafen w�re. Die Furcht hielt sie munter, auch wenn die r�tselhaften Angreifer nicht mehr auftauchten; Friedegards Schutzzauber hatte sie offenbar vertrieben. Die Anspannung wich mit dem ersten sanften Morgengrauen, danach d�ste der Zwerg auf seinem Lager ein.</p></section><section><title><p>III</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Lot-Ionan sa� im alten Ohrensessel in der Ecke des Studierzimmers, hatte die F��e hochgelegt und bl�tterte zufrieden in einer seiner zahlreichen Formelsammlungen. Er trug seine gem�tliche beigefarbene Robe und die noch gem�tlicheren Pantoffeln; auf dem Beistelltischchen neben ihm lagen eine Pfeife und der Tabak stopfbereit parat. Das Glas mit Kr�utertee stand daneben und dampfte. Der Magus genoss die Stille.</p><p>�H�rst du das, Nula?!�, fragte er die Schleiereule, die es sich �ber ihm auf der Kante des Sessels bequem gemacht hatte und scheinbar mitlas. Er senkte das Buch und seufzte wohlig. �Ruhe. Kein L�rm, keine Explosionen. Auch wenn es mir Leid tat, Tungdil auf die Reise zu schicken, war es eine gute Entscheidung.�</p><p>Die Eule klapperte zur Best�tigung mit den Augendeckeln und gab ein sanftes �Schuhu� von sich. Nicht, dass Nula ihn verstand, aber er redete trotzdem gern zu ihr. Das half ihm, seine Gedanken zu ordnen.</p><p>�Zugegeben, es war ein wenig gemein von mir. Gor�n wohnt seit vielen Zyklen nicht mehr im Tafelberg�, erkl�rte er schuldbewusst. �Mein einstiger Famulus verfiel den geistigen und fleischlichen Reizen einer Elbin und lie� das Schwarzjoch hinter sich.� Die Eule blinzelte. �Woher ich das wei�? Gor�n hat mir voller Begeisterung �ber sein neues Zuhause in Gr�nhain geschrieben und die unendlichen Vorz�ge von Elbinnen ausf�hrlich geschildert.�</p><p>Lot-Ionan merkte wiederum, wie alt er war. An sinnlich-fleischliche Gen�sse dachte er schon lange nicht mehr, es gab f�r ihn weit Wichtigeres.</p><p>�Ich sch�tze, dass Tungdil herausfinden wird, wo Gor�n abgeblieben ist. Und da ich meinen Gehilfen kenne, wei� ich, dass er nicht eher zur�ckkommt, bevor er den Sack abgeliefert hat.�</p><p>Der Zauberer nippte an seinem Tee. Die K�hle im Stollen konnte er auf diese Weise am besten ertragen, aber er wollte es auch gar nicht w�rmer haben. Die frische Temperatur hielt den Verstand klar und unterst�tzte ihn beim Gr�beln.</p><p>Nula klapperte mit den Augendeckeln, es wirkte vorwurfsvoll.</p><p>�Was willst du? Dass ich Tungdil sehr mag, steht wohl au�er Frage�, verteidigte er sich. �Aber ein Desaster wie vor wenigen Uml�ufen, als er und Jolosin mir meine Formel unwiderruflich verdarben, will ich bei einem zweiten Versuch nicht noch einmal erleben. Daher die lange Wanderschaft.�</p><p>Der Vogel blieb unzufrieden.</p><p>�Es wird ihm gut tun. Auf diese Weise lernt er das Geborgene Land kennen, anstelle nur in B�chern dar�ber zu lesen. Tungdil wird bald von seinem Abenteuer zur�ckkehren und gl�cklich sein, dass er seine Aufgabe gemeistert hat. Jolosin wird sich in der K�che die Finger wund sch�len, Kartoffeln bis an sein Lebensende hassen und keine Gemeinheiten mehr gegen ihn aushecken. So gewinnen alle durch diese L�sung.� Sein Blick fiel auf das Sonnenzyklenkalendarium. �Oh, was sehe ich denn da?! Wir bekommen hohen Besuch, Nula.�</p><p>Die Rechenscheiben k�ndigten ihm f�r den heutigen Tag Nudin den Wissbegierigen an. Nat�rlich w�rde sein Magusbruder nicht pers�nlich erscheinen. Sie lebten rund f�nfhundert Meilen voneinander entfernt, und �ber diese Strecke kommunizierten die Zauberer mithilfe von Magie und einem aufw�ndigen Ritual, das nur zu bestimmten Mondphasen m�glich war.</p><p>Die Entfernung war ihm nur recht, denn Nudin entwickelte sich langsam zu dem unsympathischsten Menschen, den Lot-Ionan kannte. Gleichzeitig reifte er jedoch zu einem begnadeten Magus heran, und seine Fertigkeiten wuchsen im Einklang mit seiner Unausstehlichkeit.</p><p>Jeder fand irgendwann seinen eigenen Pfad, die Geheimnisse der Zauberei, der �ars magica�, zu ergr�nden. Nudin versuchte es offenbar, indem er m�rrischer, unfreundlicher, abweisender und fetter wurde.</p><p>�Ich sage dir, Nula, der Mann beherrscht Formeln und Beschw�rungen, die andere sich nicht einmal getrauen anzusehen.� Er griff unter das Beistelltischchen und fischte nach einem Glas sowie der Karaffe mit klarem Wasser. Kurz polierte er das Glas am Rockaufschlag und hielt es pr�fend gegen das Kerzenlicht.</p><p>Dabei dachte er �ber die Behauptung nach, Nudin habe seine wachsende Macht nicht durch Lernen und Forschen erhalten. Geschw�tzigen Zungen zufolge hatte er einen Zauber auf seinen eigenen K�rper gesprochen, damit Magie auf Dauer in ihm wohnte. Lot-Ionan hielt das f�r absurd, dennoch bestritt er nicht, dass sich Nudin ver�ndert hatte. Auch �u�erlich.</p><p>Urpl�tzlich wurde es k�hl im Zimmer, ein heftiger Windsto� fegte durch den Raum und brachte die Kerzen zum Flackern. In der Mitte des Raumes entstand ein leichtes, bl�uliches Flimmern, aus dem sich allm�hlich die Konturen eines Mannes formten. Nach wenigen Lidschl�gen stand die beeindruckende Gestalt Nudins vor Lot-Ionan.</p><p>Dieser musterte den dunkel gekleideten Gast. Er musste ein wenig gewachsen sein, sowohl vom Umfang her als auch von der L�nge. Sein Leib wirkte massiger als fr�her, und vielleicht trug er deshalb das weite malachitfarbene Gewand, um seine F�lligkeit zu verbergen.</p><p>Die halblangen dunkelblonden Haare hingen kraftlos bis zu den Ohrl�ppchen herab, und �ber dem Gr�n seiner sonst munter blitzenden Augen lag ein Schatten. Es war das lebensechte Abbild des tats�chlichen Magus, der sich in Wirklichkeit in seiner Residenz in einem Ritualkreis befand und den Zauber wirkte.</p><p>Die Illusion war vollkommen. So vollkommen, wie Lot-Ionan sie in seinen zweihundertsiebenundachtzig Jahren noch nie zu Gesicht bekommen hatte. �blicherweise schimmerten die magisch erzeugten Nachbildungen durchsichtig oder wiesen andere kleinere Fehler auf. Diese nicht.</p><p>Nudin hielt mit der Linken seinen kunstvoll geschnitzten Gehstab aus Ahorn, auf dessen Spitze ein gro�er Onyx eingefasst war, und wischte sich mit einer l�ssig anmutenden Handbewegung die letzten blauen F�nkchen ab, die auf seiner stilvollen Robe tanzten. Lot-Ionan kam sich in seiner abgewetzten Robe l�cherlich vor.</p><p>�Wie sch�n, dich wiederzusehen, Lot-Ionan. Es ist bestimmt schon eine kleine Ewigkeit her, seit wir uns das letzte Mal von Angesicht zu Angesicht gegen�berstanden�, l�chelte er. Seine Stimme klang kratzig, heiser.</p><p>�Nimm doch Platz.� Lot-Ionan deutete auf einen Sessel, in dem sich sein Gast anmutig niederlie�. Es war eine Abmachung, dass die Illusionen so behandelt wurden, als handelte es sich um die echten Menschen � eine Geste der H�flichkeit und Wertsch�tzung. �Darf es ein Schl�ckchen Tee sein, Nudin? Oder lieber etwas anderes?�</p><p>Das war kein Gehabe. Ein Magus konnte den Geschmack eines Getr�nkes, das sein Trugbild kostete, selbst �ber f�nfhundert Meilen Entfernung nachempfinden.</p><p>Nudin winkte ab. �Nein, vielen Dank, mein Freund. Die Angelegenheiten sind wichtig und dulden keine weiteren Verz�gerungen. Du musst sofort nach Lios Nudin kommen. Das Tote Land regt sich.�</p><p>Lot-Ionans Lippen wurden zu d�nnen Strichen; die Er�ffnung erfolgte f�r ihn �berraschend. �Wann hat es angefangen?�</p><p>�Vor ungef�hr sechzig Uml�ufen. Ich entdeckte es bei einem Besuch an der Grenze�, berichtete der Magus besorgt. �Unsere Bannschranken sind aufgeweicht und durchl�ssig geworden. Ich kann den Schaden daran allein nicht mehr ausgleichen, ich brauche die Macht der Sechs. Die anderen vier sind schon da. Wir warten auf dich.� Er hielt inne.</p><p>�Was noch?�, forderte ihn Lot-Ionan freundlich auf, auch auf die Gefahr hin, noch mehr schlechte Nachrichten zu h�ren.</p><p>�Die Albae ��, begann Nudin. �Sie sind weitab von Ds�n Balsur im s�dlichen Gauragar gesehen worden. Und K�nig Tilogorn ist auf der Suche nach einer gro�en Rotte Orks, die pl�ndernd und vernichtend durch Idosl�n zieht.� Er warf seinem Gastgeber einen besorgten Blick zu. �Das bedeutet nichts Gutes, Lot-Ionan.�</p><p>�Denkst du, dass es etwas mit dem Erstarken des Toten Landes zu tun hat?�</p><p>�Ich kann nicht leugnen, dass ich es f�r m�glich halte�, antwortete Nudin ausweichend. �Warum hast du dich nicht gemeldet, als der Rat der Magi um eine Besprechung bat?�</p><p>�Wie bitte?�, staunte Lot-Ionan. �Ich habe keine Botschaft erhalten.�</p><p>�Man sagte mir, die besten Boten seien aus diesem Grund zu dir gesandt worden. Friedegard und Vrabor, du kennst sie.�</p><p>�Ja, nat�rlich kenne ich sie. Aber sie kamen nicht an�, wunderte sich der Magus und machte sich ernsthaft Sorgen um die beiden. Unwillk�rlich dachte er an die Albae. �Gut, dass du sicherheitshalber vorbeigeschaut hast�, befand er. �Ich werde mich umgehend auf die Reise machen. In wenigen Sonnenuml�ufen bin ich in Lios Nudin.� Lot-Ionan rechnete damit, dass sich das magische Abbild des Wissbegierigen aufl�ste, doch es blieb.</p><p>�Ich muss dich um noch eine Sache bitten�, er�ffnete ihm der Magus. �Im Vergleich zu dem Voranr�cken des Toten Landes ist es eine Lappalie. Meine Utensilien � ben�tigst du sie noch? Ich h�tte sie gern von dir zur�ck, und du k�nntest sie mir bei der Gelegenheit mitbringen.�</p><p>�Ach, ja. Ich erinnere mich.� Lot-Ionan hatte sich vor ewigen Zeiten mehrere Gegenst�nde von Nudin f�r Gor�n ausgeliehen: einen kleinen Handspiegel, zwei armlange St�cke Sigurdazienholz und zwei versilberte Glaskaraffen mit seltsamen Gravuren. Gor�n hatte in einem Kompendium etwas �ber die Gegenst�nde gelesen und sie untersuchen wollen. Der Magus entsann sich nicht mehr, zu welchem Ergebnis sein Famulus gekommen war, vermutlich war es ihm nicht wichtig erschienen. Auf Anhieb wusste er auch nicht, wo er die Sachen aufbewahrte. Er hoffte, dass sie nicht im Laboratorium gestanden hatten, als Tungdil dort gew�tet hatte.</p><p>�Ich werde daran denken�, versicherte er dem Zauberer.</p><p>Nudin aber wollte sich nicht zufrieden geben. �Du hast sie doch noch, Lot-Ionan?� Der Magus nickte und hoffte, dass Nudin ihm sein Geflunkere nicht anmerkte. �Beeile dich, alter Freund. Die Macht der Sechs ist dringend notwendig, um das Geborgene Land vor weiteren Schrecken zu bewahren.�</p><p>Das Abbild des Mannes erhob sich, stellte sich in die Mitte des Raumes und stie� mit dem Stab fest auf den Boden. Die Illusion zerbarst funkelnd. Glitzernder Staub rieselte zu Boden, die puderige Substanz l�ste sich weiter auf, bis man nichts mehr von ihr sah. Die Unterredung endete so spektakul�r, wie sie begonnen hatte.</p><p>Lot-Ionan verharrte in seinem Sessel. <emphasis>Wenn die Orks Toboribors und die Albae Ds�n Balsurs gemeinsame Sache machen, steht die Sicherheit vieler Menschen infrage.</emphasis></p><p>Er w�rde die Reise dazu nutzen, um K�nig Tilogorn zu besuchen und ihm seinen Beistand anzubieten. Gut die H�lfte Ionandars lag auf dem Gebiet von Idosl�n, da war es nur rechtens, dass er seine Magie gegen die dunkle Brut des Gottes Tion einsetzte. Der Magus stand auf. <emphasis>Eile tut Not, Nudin sprach wahre Worte.</emphasis></p><p>Er rief seine Famuli zusammen und gab Anweisungen, welche Gep�ckst�cke er ben�tigte und wer in seiner Abwesenheit das Sagen �ber die anderen Zaubersch�ler hatte. Dann tauschte er die gem�tliche Robe schweren Herzens gegen die ungewohnten Reisegew�nder, die aus schwerem beigefarbenem Stoff geschneidert waren. Dar�ber trug er ein Cape aus dunkelblauem Leder.</p><p>Seine Diener sattelten ihm den Fuchshengst Furo. Das wenige Gep�ck fand Platz in den Satteltaschen, denn mehr als zehn Tage w�rde er f�r die f�nfhundert Meilen bis zum Rat der Magi gewiss nicht ben�tigen.</p><p>Lot-Ionan schwang sich etwas steif in den Sattel. Furo schnaubte voller Vorfreude; der Zauberer beugte sich vor, streichelte ihm �ber die lange M�hne und raunte ihm eine magische Formel ins Ohr.</p><p>Der Hengst wieherte laut und t�nzelte los, den Stollen entlang und durch das Tor hinaus. Sobald er die freie Natur und den Weg vor sich erkannte, beschleunigte er sein Tempo. Aus dem Trab wurde ein gestreckter Galopp. Der K�rper des Fuchshengstes flog �ber die Steine hinweg, und mit jedem Hufschlag �berwand er L�ngen von mehreren Schritten. Die Macht des Magus erm�glichte es ihm, schneller als jeder andere Vierbeiner zu laufen, und das genoss er sehr.</p><p>So jagte Furo mit seinem Herrn, der alle M�he hatte, sich im Sattel zu halten, durch Ionandar und trug ihn sicher seinem Ziel entgegen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>�Ich kenne kein Schwarzjoch, das dort liegen soll.� Schlechter als mit diesen Worten h�tte der Tag wohl kaum beginnen k�nnen. Der Wirt stellte Tungdils Fr�hst�ck auf dem Tisch neben der Karte ab.</p><p>Das Tageslicht schien durch die dicken Scheiben in den Gastraum, Staub flirrte in den breiten, hellen Bahnen. Tungdil stellte voller Freude fest, dass er die Lider nicht mehr zusammenkneifen musste; seine Augen hatten sich der hellen Umgebung angepasst.</p><p>In Idosl�n und dem Gro�dorf Gutenauen schien das Schwarzjoch nicht bekannt zu sein, und auch auf der alten Karte an der Wand war es nicht eingezeichnet.</p><p>�Wei�t du jemanden, der mir behilflich sein k�nnte?�, versuchte er es aufs Neue. �Hat es hier einen Schreiber oder einen Beamten von Tilogorn?�</p><p>Der Wirt verneinte und bedauerte sehr, seinen Besucher entt�uschen zu m�ssen. Lustlos stocherte der Zwerg in dem Getreidebrei herum. Er schmeckte zwar gut, doch infolge der Nachricht war ihm der Appetit vergangen.</p><p>Insgeheim klammerte Tungdil sich an die Hoffnung, dass der einfache D�rfler nicht imstande sei, eine Landkarte zu lesen; vermutlich war der Wirt in seinem ganzen Leben nicht weiter als zehn oder zwanzig Meilen von Gutenauen weg gewesen.</p><p>Dummerweise fand er die Siedlung auch nicht auf seinem Plan eingezeichnet. Mit ein wenig Gl�ck wusste einer der S�ldner, wo sie zu finden war und wo der vermaledeite Berg lag.</p><p>Die Boten des Magi-Rates h�tten ihm bestimmt behilflich sein k�nnen, aber sie waren schon lange verschwunden, als er erwacht war. Sie hatten dem Wirt einige Goldm�nzen gegeben, um f�r den Schaden am Fenster aufzukommen, und sich eilig auf den Weg zu Lot-Ionan gemacht. Den Pfeil hatten sie mitgenommen.</p><p>Auch Tungdil wollte nicht l�nger warten. �Vraccas sei mit dir�, gr��te er den Wirt, warf sich sein Gep�ck und den Sack mit den Artefakten �ber den R�cken und verlie� die Herberge.</p><p>Die Torwachen hatten gewechselt; die stoppelb�rtigen, rauen Gesichter waren ihm fremd, aber seine Vorahnung trog ihn nicht: Die k�uflichen Krieger hatten von seinem Ziel schon geh�rt und wussten vor allem, wo sich das Dorf ungef�hr befand. Kurz nach Mittag brach er auf und folgte der schmalen Stra�e in Richtung Norden, wie es die S�ldner ihm empfahlen.</p><p>�Und wenn du Orks triffst, sag ihnen, wo sie die Sch�del ihrer Freunde finden�, rief einer der M�nner von den Palisaden herab und klopfte mit seinem Speer gegen das m�ckenumschwirrte, faulende Haupt eines Ungeheuers.</p><p>Das Lachen der S�ldner begleitete ihn noch eine Weile, w�hrend sein Weg an den Feldern vorbeif�hrte, die er am vergangenen Abend in weiter Entfernung gesehen hatte.</p><p>Gutenauen machte seinem Namen alle Ehre. Tungdil konnte sich leicht vorstellen, wie sich die �hren im Sommer im Wind wiegten, die reifen �pfel im Herbst an den B�umen hingen und die Menschen die N�sse von den Str�uchern klaubten. Idosl�n gefiel ihm, wenn man davon absah, dass es nicht unter der Erde lag, wo er sich wesentlich wohler gef�hlt h�tte.</p><p><emphasis>Gl�cklicherweise habe ich einen Weg unter meinen F��en.</emphasis> Mit Unwohlsein dachte er daran, dass er sicherlich auch querfeldein laufen m�sste. <emphasis>Wie schaffen es die Spitzohren, sich zwischen all dem Gr�n nicht zu verlaufen?</emphasis> Angeblich, so sagten ihm die B�cher, weilten die Elben tief in den Forsten und Hainen �landurs, um im Einklang mit der Natur, der Kunst und der Sch�nheit zu leben. Ihr Streben nach geistiger Vollendung hatte die eingebildeten Wesen jedoch nicht vor dem Besuch ihrer grausamen Verwandten, der Albae, bewahrt.</p><p><emphasis>Der Alb sah aus, wie ich mir einen Elben vorstelle,</emphasis> erinnerte Tungdil sich an die n�chtliche Begegnung.</p><p>Lesinte�l, das Reich der Elben im Norden, war schon vor langer Zeit gefallen. Zwei Drittel des elbischen �landur geh�rten dem Toten Land, und die Spitzohren der Goldenen Ebene waren bereits Geschichte. Deren Land h�rte nun auf den Namen Ds�n Balsur, von wo aus die Albae ihre Sp�her immer wieder in das Umland von Gauragar sandten.</p><p>Der dortige Menschenk�nig Bruron verf�gte �ber nichts, was sie aufzuhalten vermochte. Gew�hnliche Soldaten standen den Albae in allen erdenklichen Fertigkeiten nach und starben im Falle eines Kampfes schneller, als sie begriffen, wen sie vor sich hatten.</p><p>Tungdil �berschlug die Strecke zwischen dem Stollen Lot-Ionans und dem s�d�stlichsten Zipfel Ds�n Balsurs und kam auf vierhundert Meilen; diese Entfernung war selbst f�r die Albae mehr als wagemutig.</p><p><emphasis>Es sei denn, das Tote Land ist in den letzten Monaten unbemerkt nach S�den vorger�ckt und die Albae sind mit der unheimlichen Macht gewandert,</emphasis> dachte er. Das bedeutete eine Gefahr f�r das Zauberreich von Nudin dem Wissbegierigen und erkl�rte dem Zwerg, warum sich die Boten des Rates der Magi zu Lot-Ionan aufgemacht hatten.</p><p>W�hrend seines Marsches sp�hte Tungdil st�ndig umher, damit er auftauchende Orks auch nicht �bersah und am Ende noch mitten in ihre Horde hineinliefe. Vor un�bersichtlichen Wegbiegungen war er besonders aufmerksam und lauschte, ob er das Klirren von Kettenhemden und Waffen oder das schrille Grunzen der Unholde vernahm. Doch sowohl Kampf als auch Flucht vor einer �bermacht blieben ihm erspart. Vier Stunden nach Einbruch der Nacht erreichte er die bunt bemalten Grenzpfosten, die den �bergang von Idosl�n nach Gauragar anzeigten.</p><p>Weil ihm die F��e brannten, beschloss er, seine Wanderung f�r diesen Tag zu beenden. Tungdil ging bis zu einer gro�en Eiche und schwang sich an ihrem Stamm hinauf; anschlie�end zog er sein Gep�ck mit dem Seil, das er in Gutenauen erstanden hatte, nach oben.</p><p>Sein Leben war ihm so viel wert, dass er lieber wie ein Vogel auf einem Baum schlief und sich somit den Blicken der Ungeheuer entzog. Wenn sie ihn dennoch entdeckten, w�rde er sich schon etwas einfallen lassen. Nachdem er sich das Tau zweimal um den Bauch und den Stamm geschlungen hatte, um nicht versehentlich abzust�rzen oder von dem Baum abgesch�ttelt zu werden, schloss er die Augen �</p><p>� und tr�umte.</p><p>Tungdil sah den Nordpass. Er roch den frischen, eisigen Wind, der �ber die Spitzen der Gro�en Klinge und der Drachenzunge strich, und seine Phantasie flog mit ihm � einem Adler gleich �ber das majest�tische Graue Gebirge.</p><p>Die Harmonie wurde j�h gest�rt, als scheu�liches Gebr�ll von den ehrw�rdigen, jahrtausendealten Felsen widerhallte.</p><p>Er blickte von oben auf die gigantische Pforte des Steinernen Torwegs hinab und sah die Schlacht, in der Giselbart am Ende mit den Clans der F�nften untergehen sollte. �xte krachten durch Metallpanzer in Leiber und wurden hastig aus Knochen und Stahl gezogen, um wenig sp�ter in ein neues Ziel getrieben zu werden.</p><p>Aber die Flut der Feinde endete nicht.</p><p>Der Zwerg erschrak, als er den schier unendlichen Strom der Angreifer erblickte, der sich unaufh�rlich gegen die Befestigung ergoss. Er roch das ekelhafte, gr�ne Blut der Orks, das den Steinboden des Wehrgangs rutschig machte, und schmeckte das ranzige Fett auf ihren R�stungen auf seiner Zunge. Der bittere Geschmack verst�rkte sich auf unertr�gliche Weise, er brachte ihn zum W�rgen und riss ihn aus seinem Traum.</p><p>Tungdil �ffnete die Augen und wunderte sich �ber die Helligkeit. <emphasis>Was �?</emphasis></p><p>Sie stammte von einem Dutzend Feuerstellen, die um die Eiche herum brannten. Kehliges Gel�chter t�nte zu ihm herauf, mischte sich mit tiefem Grunzen, gereiztem Schnauben und dr�hnendem Fluchen.</p><p>Sein Blut gefror. Die von den S�ldnern begierig erwartete Orkhorde hatte ihr Nachtlager kreisf�rmig um den Baum errichtet und ihn gefangen gesetzt. <emphasis>Deshalb</emphasis> hatte er die Illusion von der Schlacht am Nordpass gehabt! Seine Ohren hatten die Wesen vernommen, seine Nase sie gerochen, und sein Verstand hatte daraus ein Trugbild geformt.</p><p>Der Zwerg sa� steif wie eine Statue auf seinem Ast und w�nschte sich, er k�nnte mit dem Baum verwachsen, damit ihn keines der Ungeheuer entdeckte.</p><p>Eines war sicher: Die Hand voll S�ldner in Gutenauen w�rde niemals ausreichen, um diese Horde aufzuhalten.</p><p>Die roten Lohen der Feuer schossen mehrere Lanzenl�ngen zum Himmel hinauf; sie warnten den n�chtlichen Wanderer davor, sich dem Lager zu n�hern. F�r Zwerge auf B�umen kam der Wink jedoch zu sp�t.</p><p>Nach einer raschen Z�hlung der Kreaturen, die er von seinem Beobachtungspunkt ausmachen konnte, kam er auf einhundert Orks. Kr�ftige, starke, muskelbepackte Orks, die nicht aussahen, als schreckten sie vor einer Holzpalisade zur�ck, hinter der fette Beute wartete.</p><p>Tungdil schaute genauer hin und rang neuerlich mit dem Bed�rfnis, sich zu �bergeben. Was manche Bestien �ber den offenen Feuern garten und mit Hingabe verspeisten, hatte die Form von menschlichen K�rperteilen. An zwei eigens errichteten Kochstellen drehten sich Menschentorsi wie Brath�hner am Spie�.</p><p>Der Zwerg beherrschte sich. Es h�tte die Bestien sicherlich gewundert, wenn die Eiche verdauten Brei aus ihren Zweigen ergossen h�tte.</p><p>Die zerrissenen Stofffetzen, mit denen die wenigen verletzten Orks ihre Wunden verbunden hatten, trugen die Farben des Regiments von K�nig Tilogorn. Die Gutenauener konnten lange auf Verst�rkung warten. Allem Anschein nach hatten die Soldaten Idosl�ns die Kampfkraft dieser Horde untersch�tzt und den Fehler mit ihrem Leben bezahlt, um anschlie�end als Speise in hungrigen Orkm�gen zu enden.</p><p><emphasis>Was habe ich den G�ttern nur getan,</emphasis> gr�belte Tungdil, <emphasis>dass sie mich von einem Ungl�ck ins n�chste schicken?</emphasis></p><p>Keiner in Gutenauen ahnte etwas von dem gr�n- und schwarzh�utigen Unheil, das �ber sie hereinbrechen w�rde. Es lag an ihm, das Gro�dorf zu warnen. Das w�rde ihm jedoch nicht gelingen, solange die Bestien rings um ihn herumhockten; also musste er ruhig abwarten, bis sich eine Gelegenheit erg�be, unbemerkt von der Eiche zu verschwinden und sich durch ihre Linien zu schleichen.</p><p>Dann kam ihm ein anderer Gedanke. Wenn es ihm gel�nge, n�her an die Feuerstellen zu kriechen, konnte er vielleicht mit anh�ren, was die Orks beabsichtigten. Schlie�lich beherrschte er ihren Dialekt. Jedenfalls traute er sich zu, das in B�chern Erlernte auch anzuwenden. Es zahlte sich aus, bei einem Magus mit einer gro�en Bibliothek aufzuwachsen; Lesen und Lernen war neben dem Schmieden sein liebster Zeitvertreib.</p><p>Man sollte es nicht glauben, aber das Gr�len, Knurren und Br�llen barg eine gewisse Methode in sich, die eine Unterredung erm�glichte. Die Gelehrten waren durch gefangene Orks hinter die Geheimnisse einer Sprache gekommen, die Unmengen von Drohungen und Schimpfworten beinhaltete.</p><p>Das Herz des Zwergs pochte laut bei dem Gedanken, sich durch die Reihen der stinkenden Monstrosit�ten zu stehlen. Ertappten sie ihn, w�re es um ihn geschehen; aber ein Zwerg durfte nichts unversucht lassen, die Menschen vor ihrer Vernichtung durch die Kreaturen Tions zu bewahren. Das war die Aufgabe, die sein Volk und damit auch er von Vraccas dem Schmied erhalten hatte.</p><p>Seine Entscheidung war gefallen. Tungdil betrachtete den Stamm der Eiche und kundschaftete einen lautlosen Weg auf den Boden aus. Er verzurrte sein Gep�ck gerade in den Zweigen der Eiche, als eine Bewegung durch die Orks ging. Nach und nach erhoben sie sich an den Lagerfeuern, ihre Gespr�che und Rufe wurden lauter. Es trafen G�ste ein.</p><p>Die Streitmacht rottete sich nahe der Eiche zusammen. Der Zwerg kroch den Ast entlang, bis er sich wegen des d�nner werdenden Holzes nicht weiter nach vorn wagte. Wenn er sich sehr anstrengte, w�rde er die Reden der Ungeheuer verstehen. Ihre Anf�hrer br�llten, damit sie jeder h�rte, und das gereichte ihm zum Vorteil.</p><p>Behutsam bog er die gr�nen Zweige zur Seite. Die Orks bildeten einen gro�en Kreis, in dem drei einsch�chternde Sippenoberh�upter standen, deren gewaltige Hauer angespitzt und bemalt waren. Dann wurde es ruhig, und das Gejohle erstarb von einem Augenblick auf den n�chsten.</p><p>Tungdil h�rte das Klappern von Hufen. Zwei Reiter trabten auf ihren Rappen durch die Reihen; die Augen der schwarzen Pferde leuchteten amarantfarben, und wenn die Hufe den Boden ber�hrten, blitzen wei�blaue Funken auf. Die geschmeidige Art, in der sich die Tiere bewegten, erinnerte an Raubkatzen und hatte nichts mit dem schaukelnden Gang eines gew�hnlichen Pferdes gemein.</p><p>Die schlanken, hoch gewachsenen Reiter lenkten die Rappen in den Kreis und stiegen ab. Der Zwerg glaubte zu wissen, was sie waren: Albae.</p><p>Sie trugen kunstvoll gearbeitete Lederr�stungen unter ihren M�nteln. Tungdil sah lange schwarze Lederhosen, dunkelbraune Stiefel, die bis unter die Knie reichten, und dunkelrote Handschuhe.</p><p>Der Alb mit den langen blonden Haaren hielt einen Speer mit einer schmalen Klinge, die nicht dicker als ein kleiner Eiszapfen war; an der linken Seite baumelte ein Schwert.</p><p>Sein Begleiter hatte schwarzes Haar, das, zum Zopf geflochten, unter dem Cape verschwand. Er trug einen geschwungenen Langbogen in der Hand und einen K�cher mit Pfeilen auf dem R�cken; zwei Kurzschwerter waren mit Lederriemen an seinen Oberschenkeln befestigt.</p><p>Ihn kannte Tungdil. Er hatte versucht, ins Zimmer der Herberge einzudringen. <emphasis>Bitte, Vraccas, lass Friedegard und Vrabor den Albae entkommen sein,</emphasis> bat er stumm.</p><p>Der Blonde �bernahm die Verhandlungen, die in der Gemeinsprache gef�hrt wurden; offenbar weigerten sich die Albae, die primitiven Laute der Orks von sich zu geben.</p><p>�Ich bin Sinthoras von Ds�n Balsur. Mein Meister, N�d�onn der Zweifache, der Gebieter �ber das Tote Land, schickt mich, um den drei F�rsten Toboribors die Hand zum Bund zu reichen�, sagte der Alb und gab sich dabei keine M�he, in irgendeiner Weise freundlich zu klingen. Er �berbrachte das Angebot und machte mit seiner Stimme deutlich, dass man es annehmen oder lassen sollte. �N�d�onn erw�hlte euch, F�rst Bashkugg, F�rst Kragnarr und F�rst Ushnotz, die Eroberungen zu machen, wie sie keiner vor euch tat. Ihr sollt an der Spitze der Orks stehen und der m�chtige Arm des S�dens sein, unter dessen Schwert die Sch�del der Menschen zerspringen.�</p><p>�Wer von uns wird der Oberf�rst?�, fragte Kragnarr, der ebenso gro� wie die Albae, aber doppelt so breit gewachsen war; die anderen beiden Anf�hrer standen ihm in ihrem Wuchs nicht nach.</p><p>Bashkugg versetzte ihm augenblicklich einen harten Sto�. �Willst du besser sein?!�, br�llte er streitbar.</p><p>Kragnarr ging auf die Herausforderung ein; er wandte sich schnaubend zu seinem Rivalen um und stellte sich dicht vor ihn, dass sich ihre breiten Stirnplatten ber�hrten. Sie starrten einander an, die Klauen um die Griffe der riesigen Schwerter gelegt. Ushnotz erwies sich als schlauer; er machte einen Schritt zur�ck und wartete ab, wie sich der Zwist entwickelte.</p><p>�Mein Meister schl�gt vor, dass ihr alle gleich m�chtig sein sollt�, sagte Sinthoras laut, um das Schnauben zu �bert�nen.</p><p>�Nein�, kam es sofort aus dem Maul Kragnarrs, und Bashkugg knurrte seine Zustimmung.</p><p>Dem angewidert dreinblickenden Alb sah Tungdil selbst auf diese Entfernung an, dass er die Orks lieber ausgel�scht h�tte, als sich mit ihnen zu besprechen, aber er hatte den Befehl jenes N�d�onn zu befolgen. Der Zwerg h�rte den Namen, der wohl hinter allem �bel steckte, zum ersten Mal.</p><p>�Dann schl�gt mein Meister vor, dass derjenige Oberf�rst sein wird, der das meiste Land erobert.� Seine Finger lagen ruhig um den Schaft des Speeres, aber seine K�rperspannung zeigte, wie wenig er den grobschl�chtigen Kreaturen traute. Sein dunkelhaariger Begleiter wirkte mindestens ebenso wachsam.</p><p>�Land?�, grunzte Ushnotz. �Wieso nicht, wer die meisten Fleischlinge erschl�gt? Das w�re mehr nach meinem Geschmack�, grunzte er und rieb sich �ber den Magen. Die beiden anderen Orks waren sofort seiner Meinung.</p><p>�Nein�, blieb der Alb hart. �Es geht um Land, nicht um die meisten Get�teten.�</p><p>�Warum?�, protestierte Bashkugg polternd. �Die Krieger m�ssen essen.�</p><p>�Haltet euch an die Heere, die euch die Menschen in den Weg stellen�, empfahl er k�hl. �Ihr kennt den Wunsch meines Meisters.�</p><p>�Du kannst ihm gehorchen, Spitzohr, aber er ist nicht unser Meister�, sagte Ushnotz listig. �Im S�den befiehlt er nicht, im S�den befehlen wir.�</p><p>Sinthoras l�chelte mitleidig. �Wie lange noch? Mein Meister n�hert sich mit den Orks unaufhaltsam aus dem Norden, und sie werden euch den S�den schneller streitig machen, als ihr Keulen aus den B�umen schnitzen k�nnt.� Er blickte sie der Reihe nach an. �Entscheidet euch jetzt f�r den Gehorsam, und ihr werdet mit eigenen F�rstent�mern f�r eure Sippen belohnt werden. Toboribor ist erst der Anfang, bald wird jede Sippe eigenes Land besitzen und die Menschen f�r sich arbeiten lassen. Oder aber ihr steht anderen eurer Art gegen�ber.�</p><p>Die Drohung mit den schwarz- und gr�nh�utigen Verwandten aus dem Norden, die ihnen wom�glich ihren Besitz streitig machen w�rden, verfehlte ihre Wirkung nicht. Die drei Orks schwiegen; ihre Gem�ter waren so sehr aufs Nachdenken fixiert, dass sie ihren Streit wieder verga�en.</p><p>Tungdil sp�hte durch die Bl�tter und wollte seinen Augen und Ohren nicht trauen. Dieser N�d�onn, oder wer auch immer das Zepter �ber das Tote Land schwang, holte sich den n�chsten Schrecken in seine Reihen, um die s�dlichen Reiche zu bedrohen. Den Menschen und Elben standen verheerende Zyklen ins Haus.</p><p>�Ich mache es so, wie dein Meister es vorschl�gt�, verk�ndete Ushnotz, dem der Kompromiss sichtlich nicht behagte. �Und ich werde Gro�f�rst werden.�</p><p>Kragnarr funkelte ihn b�se an. �Dann mache ich es auch so�, verk�ndete er gr�lend. �Die Sippe der Kragnarr-Shorr wird mehr Land als eure M�nner zusammen erobern�, verh�hnte er die beiden F�rsten. �Ich werde Gro�f�rst! �ber alle Sippen!�</p><p>�Niemals�, grunzte Bashkugg gereizt. �Wir �berrennen die St�dte der Rotbluter schneller als ihr!�</p><p>�Das werden wir bald sehen. Ihr teilt euch auf und dringt in drei verschiedene Himmelsrichtungen vor�, sagte Sinthoras und langte in seine G�rteltasche, aus der er drei schlichte, dunkelblaue Kristallamulette hervorzog, die er den Orks zuwarf. �Sie sind von meinem Meister f�r euch. Es sind Geschenke, die ihr immer tragen sollt und die euch vor den Zauberkr�ften der Feinde sch�tzen.�</p><p>Ein mutiger Ork trat unterdessen n�her an die Pferde heran und schnupperte pr�fend in deren Richtung.</p><p>Der Sch�del des Rappen ruckte herum, die Kiefer �ffneten sich und schnappten zu. Scharfe Z�hne schlossen sich um die Schulter des Scheusals und rissen einen ordentlichen Brocken Fleisch heraus.</p><p>Hellgr�nes Blut quoll aus der tiefen Wunde. Schreiend sprang der Verletzte zur�ck. Ein Zweiter z�ckte grunzend sein Schwert und hob es, um das bissige Pferd zu schlagen.</p><p>Da zuckte die rechte Hinterhand nach hinten, der Huf traf das Ungeheuer gegen die breite Brust. Es blitzte grell auf, und der Ork wurde mehrere Schritte durch die Luft geschleudert, wo er hart zu Boden fiel.</p><p>Ehe er sich aufstemmen konnte, stand das zweite Tier �ber ihm und stampfte ihm die Vorderl�ufe in den Wanst. Die R�stung wurde verbogen, und ein berstendes Ger�usch erklang, als die Bauchdecke platzte. Der schwarze Kopf stie� nieder, die Z�hne gruben sich in die verwundbare Kehle und fassten zu. Es knirschte laut, und das angst- und schmerzerf�llte Schreien des Orks riss ab.</p><p>Der Zwerg traute seinen Augen nicht, als das Tier das abgebissene St�ck Hals verschlang, w�hrend der zweite Rappe laut und schadenfroh wieherte.</p><p>Der blonde Alb wandte sich um und rief etwas Unverst�ndliches; die Wesen, die nur �u�erlich Pferden glichen, beruhigten sich augenblicklich und trotteten gehorsam zu ihren Herren, die sich elegant in die S�ttel schwangen.</p><p>�Ihr wisst, was von euch erwartet wird. Seid schnell und haltet euch an die Abmachung�, sprach Sinthoras d�ster und wendete sein Reittier. Die Albae r�ckten ab.</p><p>Die Umstehenden wichen hastig vor den Rappen zur�ck und bildeten eine breite Gasse, um den scharfen Z�hnen nicht zu nahe zu kommen. Nach und nach fanden die Orks ihre Stimmen wieder.</p><p>Der Verwundete dr�ngte sich nach vorn. �Schau, was sie gemacht haben, die Spitzohren!�, schrie er w�tend auf Bashkugg ein und presste ihm seine blutverschmierte Klaue ins Gesicht. �Sie haben Rugnarr get�tet, daf�r m�ssen wir sie t�ten!�</p><p>Der st�mmige Anf�hrer wischte sich das Blut aus den Augen. �Halt�s Maul, d�mlicher Idiot�, br�llte er zur�ck und setzte eine Reihe von Schimpfworten hinterher. �Sie geh�ren zu uns.�</p><p>�Die? Zu uns? Wir werden sie genauso fressen wie die Rotbluter�, zeterte der Ork weiter und erhielt Unterst�tzung von drei weiteren seiner Sippe. Derart ermutigt, schickte er sich an, seinen Kurzbogen zu spannen und nach den Boten zu zielen. �Ich will wissen, wie sie und ihre Pferde schmecken!�</p><p>Der Zwerg wusste, dass es keine Pferde waren. Er erinnerte sich: Die B�cher Lot-Ionans nannten sie Nachtmahre, ehemalige Einh�rner, denen das B�se die reine Seele, das wei�e Fell und zu guter Letzt das Horn genommen hatte, um sie zu Wesen der ewigen Nacht zu machen. Sie fra�en Fleisch und trugen einen unstillbaren Hass auf alles und besonders auf das Gute in sich, was sie zu gef�rchteten J�gern machte.</p><p>Bashkugg wurde die Schreierei zu dumm. Er griff sein grob geschmiedetes Schwert und hieb dem Aufs�ssigen von schr�g oben in den Hals; die Klinge drang bis zur Mitte ein und wurde mit brachialer Gewalt herausgerissen. Dann packte der F�rst einen weiteren Ork am Hals und schlug ihm den Kopf ab. Er reckte den triefenden Sch�del weithin sichtbar in die Luft, stie� einen langen Warnschrei aus und zeigte seine Hauer, ehe er ihn zu Boden warf und zerstampfte. Der Sch�delknochen zerbrach in viele kleine St�ckchen, die in der dunkelgrauen Hirnmasse versanken. Auch die letzten beiden Aufst�ndischen starben durch das Schwert. So l�sten die Orks ihre Streitigkeiten.</p><p>Die eingesch�chterte Horde beruhigte sich, die Krieger kehrten grunzend zu ihren Feuerstellen zur�ck und widmeten sich ihrer Siegesfeier. Der vom Nachtmahr niedergemetzelte Artgenosse und die vier vom Schwert Get�teten blieben ausblutend im Staub liegen; niemand k�mmerte sich um sie.</p><p>�Und jetzt?�, wollte Ushnotz wissen.</p><p>�Ich gehe in den S�den, und du�, Kragnarr zeigte auf Bashkugg, �gehst in den Westen. F�r dich, Ushnotz, bleibt der Osten.� Die anderen nickten ihre Zustimmung. �Was ist mit der Stadt der Rotbluter?�</p><p>�Sie liegt sch�n nahe�, quiekte Ushnotz unbeherrscht. �Ich sage, wir greifen sie gemeinsam an und holen uns ihr Fleisch, bevor wir uns trennen.�</p><p>Bashkugg kratzte sich verlegen am Kinn. �Der Alb hat doch verboten ��</p><p>�Wir sind im S�den, noch befehlen wir. Und unser Wettstreit hat noch nicht begonnen�, meinte Ushnotz listig. �Das Spitzohr hat Eroberung von neuem Land gemeint, aber das Land hier geh�rt uns doch schon.� Er lachte grunzend.</p><p>�Au�erdem haben sie die K�pfe meiner Leute auf die Palisaden gespie�t. Ich will Rache�, r�hrte Kragnarr und schlug sich auf die breite Brust, dass die Panzerung klirrte. �Die lasse ich mir von einem Spitzohr nicht nehmen.�</p><p>�Bei Sonnenaufgang?�, fragte Bashkugg und erntete bejahendes Schnauben.</p><p>Tungdil lie� die Zweige langsam los und kroch leise r�ckw�rts. Unheilvolles ging im Geborgenen Land vor, aber zuerst musste Gutenauen gewarnt werden, ehe er Lot-Ionan nach seiner R�ckkehr vom Schwarzjoch von N�d�onn berichtete, dem seltsamen Herrscher des Toten Landes. Der Zauberer w�rde wissen, was zu tun war, und bestimmt den Rat der Magi einberufen. Noch besser w�re es, wenn er alle K�nige und K�niginnen einl�de, um ihnen davon zu erz�hlen.</p><p>Der Zwerg fand es an der Zeit, dass sich Menschen und Magi gemeinsam ein f�r alle Mal gegen das Tote Land stemmten. Wenn die Menschen sein Volk um Hilfe baten und die St�mme Abordnungen schickten, st�nden die Aussichten auf einen Sieg gewiss recht gut.</p><p>Tungdil wartete, bis die Mehrzahl der Orks eingeschlafen war. Dennoch war es nicht leicht zu entkommen, denn drei Dutzend Wachen sorgten daf�r, dass sich keiner dem Lager unbemerkt ann�herte.</p><p>Entschlossen w�hlte der Zwerg sich die Stelle aus, an der ein Wache haltender Ork einen besonders m�den und gelangweilten Eindruck machte; er st�tzte sich auf den Schaft seines angerosteten Speeres, und die Augen fielen ihm immer wieder zu.</p><p>Tungdil rang sich dazu durch, sein Gep�ck und den Sack mit den Artefakten doch mitzunehmen. Bei seinem Gl�ck w�rden die Bestien die wertvollen Gegenst�nde sicherlich entdecken, und damit w�ren sie f�r immer verloren, was er Lot-Ionan und Gor�n gegen�ber keinesfalls zugeben wollte.</p><p>Der Zwerg verbrachte eine kleine Ewigkeit damit, m�glichst keinen L�rm beim Abstieg zu verursachen. Das Knacken eines Astes konnte sein unr�hmliches Ende bedeuten.</p><p>Seine H�nde umfassten die raue Rinde. Auf der schattigsten Seite rutschte Tungdil St�ck f�r St�ck dem Boden entgegen. Gelegentlich blieb sein Kettenhemd an einem Zweig h�ngen, doch es gelang ihm jedes Mal, das Holzst�ckchen vorsichtig aus den Ringen zu befreien und nicht abzubrechen.</p><p>Endlich hatte er Boden unter den F��en und presste sich ins duftende, taunasse Gras; so roch er den �blen Gestank der Orks wenigstens nicht mehr ganz so intensiv.</p><p>Er hatte das Schleichen niemals gelernt. Es blieb ihm nichts anderes �brig, als es einer Raupe gleich zu tun und mit dem Bauch �ber die Erde zu rutschen, stets darauf achtend, den Hintern nicht in die H�he zu strecken, w�hrend er die Rucks�cke vor sich her schob.</p><p>Was Tungdil sich so leicht vorstellte, geriet zu einer Nerven aufreibenden Angelegenheit. Der Axtstiel verklemmte sich immer wieder zwischen seinen Beinen, das Kettenhemd klirrte bei jeder Bewegung, und die Stiefel glitten �ber die feuchten Halme, ohne Halt zu finden.</p><p><emphasis>Ich bin nicht nur ein schlechter Kletterer, ich bin auch ein mieser Schleicher,</emphasis> dachte er und wischte sich den Schwei� aus den Augenbrauen. Zwerge waren nun mal Gesch�pfe, die von Vraccas zum offenen Kampf geschaffen worden waren. Wenn sie irgendwo hinauf wollten, bauten sie eine Treppe, und wenn sie irgendwo hin wollten, liefen sie los. So einfach war das.</p><p>Tungdil passierte die d�sende Wache in knapp zehn Fu� Entfernung. Im Mondlicht erkannte er jede Einzelheit des h�sslichen Ungeheuers: Schmucknarben und bunte Striche prangten in wirren Mustern auf der Fratze. Milchiger Sabber sickerte aus dem Mundwinkel, rann die �berstehenden Hauer hinab und tropfte auf die fettbeschmierte R�stung. Grunzend sog die platte Nase Luft ein.</p><p>Es dr�ngte den Zwerg, dem Ork die Axt in den ungeschlachten Sch�del zu rammen, aber er h�tte sicherlich keinen Erfolg und w�rde Gutenauen auch kaum vor dem Angriff bewahren.</p><p>Erleichtert, dass er die erste Schwierigkeit gemeistert hatte, robbte er weiter, bis er in den Entw�sserungsgraben eines Feldes rutschen konnte und sich au�erhalb der Sicht des Feindes befand.</p><p>Die Vertiefung bot ihm ausreichend Schutz, um in ein nahes W�ldchen zu gelangen, wo er sich endlich aufrichten durfte. <emphasis>Das nenne ich ein Abenteuer.</emphasis> Der Matsch an seiner Kleidung st�rte ihn nicht, Tungdil hatte andere Sorgen. Er erinnerte sich, dass die Baumgruppe nur sehr klein war und er in gerader Linie hindurchmarschieren konnte. Der Zwerg betete, dass er sich nicht verlief.</p><p>Weil er sich weit genug von den Orks entfernt glaubte, nahm er keine R�cksicht auf Ger�usche, die er beim Laufen verursachte. Nur wenn er rechtzeitig im Dorf ank�me, best�nde die Hoffnung, dass sich die Menschen in Sicherheit brachten.</p><p>Tungdil verfiel in einen lockeren Trab und erreichte bald die andere Seite der Schonung. Erleichtert trat er aus dem Unterholz.</p><p><emphasis>Bei Vraccas!</emphasis> Der unverhoffte Anblick lie� ihn erstarren.</p><p>Vierhundert Schritte vor ihm lagerte eine zweite Orkhorde, dreifach so stark wie die erste. Der ganze Acker lag voller schlafender Bestien; sie hatten keine Feuer entz�ndet, und deshalb war er nicht durch den Schein der Flammen gewarnt worden.</p><p>Tungdil machte einen schnellen Satz zur�ck, ehe ihn eine Wache bemerkte. So sehr er sich umschaute und einen Ausweg suchte, es blieb ihm keine andere Wahl, als mitten durch das Leibergewirr der schlafenden Feinde zu schleichen, um ins Dorf zu gelangen.</p><p>Nach anf�nglichem Zweifel meldeten sich der zwergische Trotz und zugleich der Wunsch, die Menschen vor der anr�ckenden �bermacht zu warnen. Tungdil pirschte sich den Waldrand entlang, um im Schutz des Geb�schs nach einer Schneise zwischen den K�rpern zu suchen.</p><p>Da trat seine Sohle auf etwas Hartes, und es klickte leise. Pl�tzlich stob Laub vom Boden auf, zwei Metallklammern klappten zu und umschlossen seinen linken Unterschenkel kurz unterhalb des Knies. Die Erde tat sich auf, und Tungdil verschwand in einem Loch. Nach kurzem Fall schlug er kopf�ber in der Grube auf und verlor das Bewusstsein.</p><empty-line/><p>Die Schmerzen holten ihn aus der Ohnmacht.</p><p>Tungdil erwachte vom peinigenden Klopfen in seinem linken Bein. St�hnend setzte er sich auf und schaute nach oben, wo sich die R�nder der Grube als schwarze Umrisse vom hellen Gr�n dar�ber abhoben. Der Tag war angebrochen.</p><p>Das, was sich mit Gewalt um seinen Unterschenkel klammerte und ihm das Blut abstellte, kannte er: Die Menschen stellten es auf, um W�lfe zu fangen. Zackenbewehrte Stahlkiefer hatten sich durch seine Lederhose gebohrt, dunkelrote Krusten sa�en auf seinen Wunden. Der Unterschenkel pochte dumpf.</p><p>Tungdil hielt sich nicht damit auf, das Fangeisen auseinander zu dr�cken. Er biss die Z�hne zusammen, nahm die Axt und schlug so lange auf die d�nnen Bolzen ein, welche die Federn arretierten, bis sie brachen.</p><p>Jeder Sto� gegen die Falle �bertrug sich auf sein Bein, und ein unterdr�cktes �chzen drang aus seinem Mund. Entschlossen entfernte er das gewundene Eisenst�ck, und der Druck der Klammern lie� nach.</p><p>Vorsichtig befreite er sich vom Fangeisen und schleuderte es w�tend davon. Dann stemmte er sich an der Grubenwand in die H�he, aber als er das verletzte Bein belastete, schoss ein gl�hendes Stechen durch den Schenkel. Rennen k�nnen w�rde er damit nicht; wahrscheinlich konnte er sich schon gl�cklich sch�tzen, wenn es ihm gel�nge, seinem Gef�ngnis zu entkommen.</p><p>Die Sorge um die Menschen in Gutenauen aber verlieh ihm immense Kr�fte. Zuerst warf er sein Gep�ck hinaus, hing sich den Sack mit den Artefakten auf den R�cken und krallte sich in die Wurzeln, die aus dem Erdreich ragten. Keuchend zog er sich nach oben. Mit letzter Kraft schwang er sich �ber den Rand und fiel schwer atmend ins Laub.</p><p><emphasis>In Zukunft werde ich besser auf den Untergrund achten, auf dem ich mich bewege,</emphasis> dachte er. Nach einer Weile kroch er zum Waldrand und wusste schon wegen der frischen Luft, die der Fr�hlingswind herbeitrug, dass die Horden fort waren. Das Ackerland war verlassen.</p><p>Eine gro�e schwarze Rauchs�ule, die am Horizont stand und die Form einer Gewitterwolke hatte, verriet sie. Tungdil rappelte sich auf, nahm den Rucksack an sich und marschierte los, Dreck und trockenes Laub aus den Haaren sch�ttelnd.</p><p>Sein Hass und seine Wut verdr�ngten die Schmerzen in seinem Bein; sie befl�gelten ihn, und auf einmal konnte er doch rennen. Wenn er die Gutenauener wegen seiner Unachtsamkeit nicht hatte warnen k�nnen, so wollte er ihnen wenigstens beistehen.</p><p>Die Warnungen, die ihm sein Verstand einfl�sterte, prallten an seiner Sturheit ab. Tungdil konnte nichts davon abbringen, die Siedlung zu erreichen; der nicht enden wollende Qualm peitschte ihn an.</p><p>Am Nachmittag traf er nass geschwitzt auf dem H�gel �ber dem Gro�dorf ein.</p><p>Gutenauen stand in Flammen. In den Holzpalisaden klafften Breschen von mehreren Schritt Breite, an zwei weiteren Stellen waren sie weggebrannt. �berall lagen die verst�mmelten K�rper und Gliedma�en der Verteidiger umher.</p><p>Er entdeckte die �berreste der S�ldner, ihre K�pfe steckten auf den eigenen Speeren. Mit gebrochenem Blick starrten sie von den Holzt�rmen auf das Brandinferno, das Gutenauen unaufhaltsam in einen Haufen schwarzer Ruinen verwandelte.</p><p>Tungdil h�rte keine Hilfeschreie, keine Befehle, um das L�schen des Feuers zu koordinieren und die verbliebenen H�user zu retten. Alles, was er wahrnahm, was das laute Knistern der Flammen, das Knacken des brennenden Holzes und das Rumpeln der einst�rzenden D�cher und H�user. Im Dorf lebte niemand mehr.</p><p>Er packte die Axt und marschierte in die vernichtete Siedlung. <emphasis>Vielleicht sind Menschen in den Tr�mmern eingeklemmt, die ich retten kann.</emphasis> Tungdil klammerte sich an den Stiel und humpelte weiter, durch das Tor hindurch, die Hauptstra�e entlang.</p><p>Der hei�e Feuerwind roch nach verbranntem Fleisch. Die Stichflammen loderten aus den Fenstern, die Scheiben waren durch die Hitze gesprungen, es brannte �berall.</p><p>Get�tete D�rfler lagen wie erschlagenes Ungeziefer dicht an dicht in den Gassen und auf den Wegen. Einige der Frauen ruhten mit entbl��ten Br�sten und Unterleibern im Dreck, ihre R�mpfe zeigten tiefe Kratzer und Bissspuren. Es war nicht schwer, sich vorzustellen, was die Bestien mit ihnen getan hatten.</p><p>Schaudernd stieg er �ber die Leichen hinweg und lauschte, ob er nicht wenigstens ein St�hnen h�rte, das ihm einen Hinweis auf �berlebende gegeben h�tte. Nichts, nur Grabesstille.</p><p>Die Hitze nahm zu. Die intakten W�nde wirkten wie ein Backofen und steigerten die Temperatur derart, dass der Zwerg das sterbende Dorf verlassen musste.</p><p>Er kehrte auf den H�gel zur�ck, setzte sich und zwang sich, dem Untergang der Siedlung zuzuschauen. <emphasis>Meine Schuld.</emphasis> Verzweifelt barg er das b�rtige Gesicht in den H�nden und weinte. Er vergoss Tr�nen der Wut und der Hilflosigkeit, und es dauerte lange, bis er sich wieder fing.</p><p>Die Orks hatten ihm vor Augen gef�hrt, warum sein Volk an den Gebirgsp�ssen Wache stand; die Menschen konnten sich nicht gegen die Ungeheuer verteidigen. Tungdil sah mit tr�nenverschleiertem Blick auf das Gro�dorf. So durfte es nirgends aussehen.</p><p>Er wischte sich die salzigen Tropfen von den Wangen und rieb die H�nde am Umhang ab; sein Unterschenkel schmerzte so sehr, dass er seinen Aufbruch verschob. So rollte er sich auf der Spitze der Erhebung zusammen, deckte sich zu und verfolgte das Spiel der Flammen, w�hrend die Sonne versank.</p><p>Der Brand tobte die halbe Nacht, ehe das Feuer keine Nahrung mehr fand. Hier und da glomm es rot in den Ruinen; den Zwerg erinnerte es an die schrecklichen Augen der Nachtmahre. <emphasis>Dass man in so wenigen Tagen so viel Furchtbares erleben kann,</emphasis> dachte er traurig.</p><p>Morgen wurde es Zeit, dass er seine eigentliche Aufgabe anpackte und die Artefakte �berbrachte. Danach musste er Lot-Ionan �berzeugen, die Dinge im Geborgenen Land anzugehen, ehe die Albae und Orks zu m�chtig wurden.</p><empty-line/><p>Als Tungdil am n�chsten Morgen erwachte, sah er, dass sich seine vage Hoffnung, in einen b�sen Traum geraten zu sein, nicht erf�llte.</p><p>Die Sonne versteckte sich hinter grauen Wolken, und es roch nach Regen. Gutenauen bestand aus rauchenden Tr�mmern, eingest�rzten W�nden und ausgebrannten Geb�uden, deren Reste wie schwarze Gerippe mahnend in den d�steren Himmel ragten.</p><p>Wei�er Nebel zog von den Feldern und aus den Obsthainen zu den �berbleibseln des Gro�dorfes hin�ber und h�llte es best�ndig ein. Die Erde trauerte um die Menschen und legte einen Schleier �ber den Ort, an dem vor einem Tag noch Leben geherrscht hatte.</p><p>Der Zwerg ertrug den Anblick nicht l�nger, er nahm seine Sachen und brach auf. W�hrend er vorw�rts humpelte, a� er eine Kleinigkeit von seinem Proviant. Das Brot, das er vor seiner Abreise in Gutenauen gekauft hatte, blieb ihm fast im Hals stecken; f�r ihn schmeckte es nach Blut und Schuld, und er steckte es wieder ein.</p><p>Die Wunden in seinem Bein brannten. Wenn er nicht bald ein Mittel gegen die Entz�ndung f�nde, drohte ihm Fieber. Schlimmstenfalls w�rde sich eine Vergiftung im Unterschenkel ausbreiten, was ihn das Bein und sogar das Leben kosten konnte.</p><p>Sein Marsch verlief ereignislos; er �berquerte die Grenze zu Gauragar und rastete am Abend unter seiner Eiche. Ihr Bl�tterdach sch�tzte ihn vor dem Regen, der mitten in der Nacht einsetzte und erst am sp�ten Morgen nachlie�.</p><p>Am f�nften Umlauf seiner Wanderung f�hlten sich die Stellen um die verkrusteten Wunden hei� an, und wenn er gegen die Haut dr�ckte, quoll gelbgr�ner Eiter unter dem Schorf hervor. Tungdil biss die Z�hne zusammen.</p><p>Es brachte nichts, am Wegesrand auf Hilfe zu warten. Er schleppte sich durch den feinen Nieselregen die Stra�e entlang, die sich zusehends in eine Schlammbahn verwandelte. Endlich erreichte er ein kleines Geh�ft mit sechs Bauernh�usern; seine Stirn gl�hte l�ngst.</p><p>Eine hellhaarige Frau in einfacher Bauerntracht kam mit zwei Milcheimern aus dem Stall und wurde auf die torkelnde Gestalt aufmerksam. Sie blieb stehen.</p><p>Tungdil konnte sie nicht mehr klar erkennen, f�r ihn war sie nur ein verschwommener Schatten. �Vraccas sei mit Euch�, bekam er noch �ber die Lippen, dann st�rzte er vorn�ber in den Matsch und schaffte es nicht einmal mehr, die Arme zu heben, um den Sturz abzufangen.</p><p>�Opatja!�, rief die Frau durchdringend und stellte ihre Last ab. �Komm heraus, schnell!�</p><p>Schritte n�herten sich ihm, er wurde auf den R�cken gerollt.</p><p>�Fieber�, sagte ein verformtes, undeutliches Gesicht, und die Stimme hallte laut in seinen Ohren. Jemand machte sich an seinem Bein zu schaffen. �Oha, Wundbrand. Bringt ihn vorsichtig in die Scheune.� Er wurde angehoben und schwebte. �Er braucht Kr�uteraufg�sse.�</p><p>�Was ist das?�, fragte eine Kinderstimme. �So was habe ich noch nie gesehen.�</p><p>�Es ist ein Unterirdischer�, antwortete eine Frau.</p><p>�Aber er l�uft doch auf der Erde. Wieso hei�t er dann ��</p><p>�Geh ins Haus, Jemta, und nimm deine Geschwister mit�, wies eine ungeduldige M�nnerstimme das M�dchen an.</p><p>Tungdil sp�rte W�rme, roch Heu und Stroh und h�rte K�he muhen. Der Regen h�rte auf, es wurde dunkel um ihn herum. �Gutenauen�, sagte er schwach. �Die Orks haben Gutenauen vernichtet.�</p><p>�Was hat er gesagt?� Die Frau klang aufgeschreckt.</p><p>�Er fiebert, gib nichts drauf�, meinte der Mann. �Da, schau. Er ist in eine Wolfsfalle geraten, oder es hat ihn ein Breitmaulork gebissen.� Vielstimmiges Lachen erklang.</p><p>Der Zwerg fasste nach dem Arm des Mannes. �Ich mag Fieber haben, aber ich erinnere mich ganz genau. Sie kommen bald zu euch�, versuchte er, die Bewohner zu warnen. �Sie ziehen nach Westen, S�den und Osten, drei Sippen, dreihundert Orks ��</p><p>Schnelle Schritte n�herten sich. �Hier ist der Kr�utersud�, meldete eine M�dchenstimme. �Oh, so sieht ein Unterirdischer aus!�</p><p>�Ava, geh zu deinen Geschwistern�, kam die bekannte Anweisung, und im n�chsten Augenblick kam es dem Zwerg so vor, als tauchten sie sein Bein in siedendes �l. Er schrie auf, und die Welt wurde schwarz.</p><empty-line/><p>�� aber gar keinen langen Bart, wie Gro�vater es immer erz�hlt�, h�rte er wieder die M�dchenstimme, die dieses Mal entt�uscht klang. �Vaters Gestr�pp ist dichter. Aber das sieht aus wie � kratzige Wolle.�</p><p>�Ob er Gold und Diamanten dabei hat?� Jemand kroch n�her an ihn heran. �Gro�mutter erz�hlt in den M�rchen immer, dass sie sehr reich sein sollen.�</p><p>�Komm zur�ck! Du kannst ihn nicht einfach durchsuchen, das geh�rt sich nicht!�, fauchte das M�dchen.</p><p>Tungdil schlug die Augen auf. Sofort h�rte er Kinder kreischen, Stroh raschelte, sie rutschten hastig von ihm weg. Er richtete seinen Oberk�rper auf und schaute sich um.</p><p>Neun Kinder sa�en um ihn herum; ihr Alter reichte von vier bis vierzehn Zyklen, und sie schauten ihn neugierig und ein bisschen �ngstlich zugleich an. Sie trugen einfache Kleider, nichts, das mehr als einen M�nzling kostete.</p><p>Sein Bein war verbunden und pochte immer noch, aber die Schmerzen waren verschwunden, und seine Stirn gl�hte nicht mehr. Man hatte sich gut um ihn gesorgt.</p><p>�Vraccas sei mit euch�, gr��te er sie. �Wo bin ich, und wer hat mich gepflegt?�</p><p>�Er redet wie wir�, staunte ein Rotschopf mit abstehenden Ohren.</p><p>Das �lteste M�dchen, das seine br�netten Haare zu zwei Z�pfen geflochten hatte, grinste breit. �Nat�rlich redet er wie wir, was hast du denn gedacht?� Sie nickte ihm zu. �Ich bin Ava. Meine Mutter hat dich vor f�nf Uml�ufen gesehen, als du in den Dreck gefallen bist. Opatja und die anderen haben sich um dich gek�mmert.� Sie schickte ein blondes M�dchen namens Jemta, die Erwachsenen zu holen. �Geht es dir gut? Hast du Hunger?�</p><p>�F�nf Uml�ufe?� Er hatte geglaubt, nur kurz eingeschlafen zu sein. Sein Bauch grummelte laut. �Ja, ich glaube, ich habe Hunger. Und Durst.� Er l�chelte, weil ihn die Schar an sein eigenes Zuhause, an Frala, Sunja und die kleine Ikana erinnerte. �Ihr seht mir naseweis aus.� Damit l�ste er eine Flut von Fragen aus, die sich nicht mehr aufhalten lie�.</p><p>�Aus welchem Zwergenreich kommst du?�</p><p>�Bist du reich?�</p><p>�Hast du Gold und Diamanten dabei?�</p><p>�Wie viele Orks hast du schon get�tet?�</p><p>�Seid ihr alle so klein, oder gibt es gr��ere als dich?�</p><p>�K�nnt ihr Felsen mit der blo�en Hand zerschmettern?�</p><p>�Warum ist dein Bart nur so kurz?�</p><p>�Habt ihr mehrere Namen und ��</p><p>�Halt, halt!� Tungdil lachte. �Nicht so schnell auf einmal. Wir fangen der Reihe nach an, aber erst, wenn ich euren Eltern gesagt habe, was in Gutenauen geschah.� Er wollte den Kindern nichts von den Grausamkeiten berichten, sondern die Angelegenheit mit den Erwachsenen besprechen.</p><p>Die hellhaarige Frau, die er vor f�nf Tagen gesehen hatte, ehe das Fieber ihn endg�ltig gepackt hatte, betrat die Scheune, einen Korb voller appetitlich riechender Dinge im Arm. �Ich bin Remsa�, stellte sie sich vor.</p><p>�Ich hei�e Tungdil. Ihr habt mich vor dem Tod bewahrt, und daf�r werde ich Euch ein Leben lang dankbar sein, aber nun m�sst Ihr die Kinder hinausschicken�, sagte er leise.</p><p>�Warum?�, quakte Jemta frech.</p><p>Er grinste sie an. �Weil du die schlimmen Dinge nicht h�ren sollst, von denen ich ihr berichte.�</p><p>�Meinst du den �berfall auf Gutenauen?�, fragte die Frau. �Du hast die ganze Zeit dar�ber phantasiert ��</p><p>�Nein, es geschah wirklich! Die Orks haben sich mit den � Ihr m�sst weg von hier! Sie wollen nach S�den, Osten und Westen, drei Rotten zu jeweils mindestens einhundert Kriegern. Sie machen Euch und Euer Anwesen mitsamt dem Vieh nieder. Geht!�, beschwor er sie.</p><p>Remsa f�hlte seine Stirn. �Nein, an der Temperatur kann es nicht liegen, du hast kein Fieber mehr�, meinte sie nachdenklich. �Dann ist es wahr?� Sie packte Brot, Milch, K�se und Speck vor ihm auf die Decke, damit sie nicht ins Stroh rollten. �Ich sage Opatja Bescheid. Wir senden einen Boten nach Turmweihler. Die k�nigliche Administration wird wissen, was zu tun ist.�</p><p>�Aber sie kommen hierher!�, beteuerte er kauend; vor Hunger hatte er sich nicht mehr zur�ckhalten k�nnen und sich in eine Wurst verbissen.</p><p>�Du lagst f�nf Sonnenuml�ufe im Fieber, Tungdil. Die Orks w�ren schon l�ngst bei uns angekommen, wenn sie es auf uns abgesehen h�tten�, sch�tzte sie. �Aber wir stellen vorsichtshalber einen Sp�her ab.�</p><p>�Gibt es in Turmweihler Meldeboten?� Ihre Reiter und Brieftauben kannten die schnellsten Wege zu den gro�en St�dten des Geborgenen Landes. Ein Dienst war zwar schmerzlich teuer, aber die Nachrichten wurden wenigstens z�gig �berbracht.</p><p>�Du willst eine Botschaft senden? Ich schicke dir jemand, dem du deine Nachricht sagst, damit er sie ��</p><p>�Danke, aber ich kann schreiben�, lehnte er die Hilfe freundlich ab. Er nahm es der Frau nicht krumm, dass sie ihn f�r ungelehrt hielt, zumal die wenigsten einfachen Menschen die Kunst des Schreibens beherrschten. �Papier und Tinte reichen v�llig. Der Bote k�nnte es in der kleinen Stadt abgeben. Es soll zu dem Magus Lot-Ionan in Ionandar.�</p><p>Sie nickte und �berpr�fte seinen Verband. �Dein Bein w�re beinahe verloren gewesen. Ein Tag sp�ter, und wir h�tten dir eines aus Holz schnitzen k�nnen. Die Wolfsfalle muss alt und verrostet gewesen sein. Iss jetzt und ruh dich aus.�</p><p>Die B�uerin scheuchte die Kinder hinaus, damit er in Ruhe essen konnte, doch nach einer Weile kehrten sie kichernd zur�ck, Papier und Feder bei sich tragend.</p><p>Die M�dchen und Buben wichen bald nicht mehr von seiner Seite. Da sie einen Zwerg nur aus M�rchen und Legenden kannten, wollten sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Sie verfolgten jeden Handschwung, als er den Brief an den Magus aufsetzte.</p><p>Darin schilderte er in aller Ausf�hrlichkeit, was sich bei Gutenauen zutrug, was die Albae und Orks vereinbart hatten, dass N�d�onn der Herrscher des Toten Landes war und viele weitere Einzelheiten. <emphasis>Ich hoffe, es kommt rechtzeitig an,</emphasis> dachte er besorgt. Er fertigte sein Schreiben in zweifacher Ausfertigung an, falls eine Taube verloren gehen sollte, und lehnte sich dann m�de zur�ck ins weiche Stroh.</p><p>Kaum bemerkten die Kinder, dass er seine Arbeit beendet hatte, begannen sie von neuem, ihn mit ihren Fragen zu l�chern, aber der Zwerg antwortete mit einer Gegenfrage. �Wisst ihr denn, wo das Schwarzjoch ist?�</p><p>�Ich wei� es�, kr�hte Jemta stolz. �Von hier aus sind es etwas weniger als dreihundert Meilen. In der N�he f�hrt eine Stra�e vorbei, hat Vater gesagt. Er war fr�her Kaufmann und �berall im Geborgenen Land unterwegs.� Sie �berlegte. �Warte, ich hole ihn. Er kann das besser erkl�ren als ich.� Sie sprang auf und rannte wie ein Wirbelwind hinaus, um etwas sp�ter mit Opatja zur�ckzukehren, einem gedrungenen grauhaarigen Mann. Zu Tungdils Freude hatte er einen Krug Bier f�r ihn dabei.</p><p>�Zum Schwarzjoch? Ein seltsamer Ort�, sagte er. �Ja, es geht eine Stra�e daran vor�ber, aber du wirst dich auf den letzten Meilen durch den Wald schlagen m�ssen.� Er nahm die Karte des Zwergs und zeichnete den Weg ungef�hr ein. �Du kannst den Berg nicht verfehlen, du siehst seinen flachen, schwarzen Gipfel durch die Wipfel der B�ume.�</p><p>�Ein flacher Gipfel?�, wunderte sich der Zwerg und nahm das Bier dankend an. Die Kinder r�ckten n�her zusammen und lauschten.</p><p>Opatja nickte. �Er sieht aus wie ein eckiges Seifenst�ck, das Palandiell einfach in den Wald geworfen hat, vierhundert Schritt hoch, eine Meile und zweihundert Schritt lang und dreihundert Schritt breit.� Zur Erkl�rung nahm er den K�se und schnitzte ihn in eine rechteckige Form. Dann schnitt er lange Rillen von oben nach unten hinein, sodass ringsherum Furchen entstanden. �Die kommen vom Regen und dem Wind�, sagte er zu den Kindern.</p><p>�Ich erinnere mich. Man nennt eine solche Form Tafelberg, weil er oben flach wie ein Tisch, eine Tafel ist�, sagte Tungdil. �Ich kenne sie aus den B�chern meines Magus.� Er versuchte sich vorzustellen, wie der Felsbrocken in Wirklichkeit aussah. Als der Kaufmann den Berg beschrieb, glaubte er, eine Legende dar�ber gelesen zu haben; sie fiel ihm allerdings nicht ein. Dreihundert Meilen bedeuteten jedoch genug Zeit, sich zu entsinnen.</p><p>�Was m�chtest du dort?�</p><p>�In der N�he wohnt jemand, ein Einsiedler, ein ehemaliger Sch�ler meines Magus�, antwortete er. �Mein Herr m�chte wissen, wie es ihm geht. Ich soll mich mit eigenen Augen von seinem Wohlbefinden �berzeugen.�</p><p>Opatja betrachtete Tungdils verletzten Unterschenkel. �Warte noch ein paar Tage, ehe du deine Reise fortsetzt. Wir geben dir gen�gend Kr�uter mit, damit du deine Wunde unterwegs behandeln kannst.� Er nahm die Briefe an Lot-Ionan und verlie� die Scheune.</p><p>�Ich stehe tief in Eurer Schuld�, sagte Tungdil dankbar.</p><p>�Ach was�, winkte der einstige Kaufmann ab und lachte. �So viel Ruhe vor der Rasselbande hatten wir schon lange nicht mehr.�</p><p>Er �berlie� den Gast den fragew�tigen Kleinen, die prompt das Verh�r fortsetzten. Sie staunten, als sie h�rten, dass er schon dreiundsechzig Zyklen alt war.</p><p>�Dein Bart m�sste doch viel l�nger sein�, sagte Jemta argw�hnisch. �Gro�vater erz�hlt, dass Unterirdische ihre B�rte bis auf den Boden tragen.�</p><p>�Wir sind Zwerge, keine Unterirdischen. Ich habe ihn seit drei�ig Zyklen, aber ich musste ihn abrasieren, weil ich als Schmied immer L�cher von den Funken bekam und weil ihn mir jemand blau f�rbte�, erkl�rte er geduldig, und schon streckte der Junge mit den Segelohren die Hand aus und langte hinein.</p><p>�Das Haar ist viel h�rter und widerspenstiger als Vaters�, befand er.</p><p>�Es l�sst sich nur mit M�he k�mmen, um aus den Str�hnen einen oder mehrere Z�pfe zu flechten. Es passt zu meinem Volk�, grinste der Zwerg und zeigte, wie er seinen Bart herrichtete. �Wir schm�cken ihn gern und tragen Wettk�mpfe darin aus, wer den l�ngsten und pr�chtigsten Bart besitzt. Nur wenige Zwerge tragen Backen-, Schnur-, Knebel oder ausrasierte B�rte. Die meisten sehen so aus wie ich�, behauptete er. Sein Wissen stammte aus den B�chern Lot-Ionans.</p><p>Die Kinder machten sich lachend B�rte aus Stroh und Heu, die sie sich mit Harzkl�mpchen, die sie im Geb�lk der Scheune fanden, ins Gesicht klebten.</p><p>�Haben alle Unterirdischen � alle Zwerge einen Bart?�</p><p>�Ja. Und wenn ihr einen geschorenen Zwerg trefft, k�nnt ihr sicher sein, dass er f�r etwas bestraft wurde. Er muss so lange in die Verbannung, bis sein Gesichtshaar die L�nge eines Axtstiels erreicht hat, und weil unsere B�rte langsam wachsen, dauert es bis zur R�ckkehr Zyklen.� <emphasis>Wissen aus B�chern, zusammengetragen von Menschen.</emphasis> Er seufzte.</p><p>Sofort schnappte Jemta dem Segelohrjungen die Strohhalme aus dem Gesicht. �So, du bist verbannt! Verschwinde!�</p><p>Jetzt begann die Schlacht um die Kunstb�rte; sie versuchten, sich gegenseitig zu verbannen, bis Remsa erschien und dem Treiben ein Ende bereitete. Nach lautem Protest verlie�en sie ihren neuen Spielgef�hrten und verabschiedeten sich.</p><p>Die Frau schenkte ihm ein herzliches L�cheln. �Sie vertrauen dir�, sagte sie. �Das ist ein gutes Zeichen. Eine angenehme Nacht, Tungdil. Wir beten zu Palandiell, dass sie dich rasch gesund macht.�</p><p><emphasis>Sie m�gen mich, wer h�tte das gedacht?</emphasis> Er freute sich. Frala und ihren T�chtern h�tte es auf dem Geh�ft sicherlich sehr gefallen. <emphasis>Ich habe jetzt schon viel zu erz�hlen, wenn ich zur�ckkehre. Sie werden es mir nicht glauben.</emphasis> Der Zwerg ber�hrte das Halstuch der Magd, sank auf sein Lager und verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf. Die Fragen �ber die Reicht�mer und Besonderheiten der Zwergenreiche schmerzten ihn, weil er den Jungen und M�dchen nur Wissen aus B�chern vortrug. <emphasis>Es wird Zeit, dass ich echte Kinder des Schmieds treffe.</emphasis></p></section><section><title><p>IV</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Tungdil fand bald eine Gelegenheit, sich f�r die Aufmerksamkeit und die Pflege bei den Bauern zu bedanken. Zwei Tage sp�ter, als sein Bein nicht mehr schmerzte, stand er an der Esse der kleinen Geh�ftschmiede, denn der Schmied hatte sich einen Arm gebrochen und war nicht in der Lage, seine Auftr�ge f�r die Bauern der Umgebung zu erledigen. Die kostenlose Hilfe des Zwergs kam ihm gerade recht.</p><p>Die Kinder bet�tigten abwechselnd den Blasbalg und stritten sich bald um die verantwortungsvolle Aufgabe; Tungdil schob die Rohlinge in die Kohlen und wartete darauf, dass sie kirschrot gl�hten.</p><p>Die Kinder standen um ihn herum, w�hrend er den Hammer auf das Eisen niederfahren und die Funken fliegen lie�. Jeder Hieb, jedes Klingen wurde von begl�cktem Lachen begleitet.</p><p>Der Schmied nickte Tungdil anerkennend zu. �Ich habe selten so schnelle und vor allem gute Arbeit gesehen hatte�, lobte er. �Die Unterirdischen haben das Schmieden anscheinend wirklich erfunden.�</p><p>�Es hei�t Zwerge, nicht Unterirdische.�</p><p>�Verzeih�, l�chelte der Mann entschuldigend. �Die Zwerge haben das Schmieden erfunden.�</p><p>Tungdil grinste. �Hier ist trotzdem noch viel zu tun, ich kann so schnell sein, wie ich will. Ich werde noch einen Umlauf anh�ngen, ehe ich zum Schwarzjoch reise.�</p><p>�Wie macht man denn N�gel?�, wollte Jemta wissen und unterbrach die M�nner keck in ihrem Gespr�ch.</p><p>�Du wirst die n�chste Schmiedin, was?� Tungdil fuhr ihr durch die blonden Haare und brachte ihr bei, wie man N�gel machte. Stolz zeigte sie ihren Eltern, was sie zu Stande gebracht hatte, w�hrend der Zwerg sich um eine neue Kurbel f�r den Brunnen k�mmerte.</p><p>Nachmittags verlie� er die Gluthitze der Schmiede, um sich mitsamt seiner mittlerweile recht stark riechenden Kleider in einen Bottich mit Wasser zu legen und sich zu erfrischen.</p><p><emphasis>Ich werde gleich zischen wie das hei�e Eisen, wenn man es in den Eimer taucht.</emphasis> Das Nass war eisig kalt; kurz verschlug es ihm den Atem, dann genoss er die K�hle und sank vollst�ndig unter Wasser, um prustend und schnaubend an die Oberfl�che zur�ckzukehren. Er rieb sich gerade die Augen frei, als ein Schatten �ber ihn fiel. Eisen klirrte, und es roch nach �l.</p><p><emphasis>Ein Ger�steter,</emphasis> dachte Tungdil und blinzelte vorsichtig.</p><p>Ein imposanter Mann von etwa drei�ig Zyklen lehnte an der Wand der Schmiede, die Arme �ber der gepanzerten Brust gekreuzt. Obwohl er etliche Waffen mit sich f�hrte, trug er keinerlei Uniform oder Wappen, die ihn als einen regul�ren K�mpfer gekennzeichnet h�tten.</p><p>�Sucht Ihr mich, Herr?�, fragte er und stieg aus der Wanne. Das Wasser pl�tscherte aus seinen Kleidern und tr�nkte den sandigen Boden.</p><p>�Bist du der Schmied?�, erhielt er zur Antwort.</p><p>�Nein. Ich gehe ihm zur Hand. Wenn Ihr etwas repariert haben wollt, k�nnt Ihr Euch an mich wenden.� Der Zwerg blieb h�flich, obwohl er den Mann auf Anhieb nicht mochte. Dessen graue Augen musterten ihn so eindringlich, als wollte er durch die Kleidung in sein Innerstes blicken.</p><p>�Wir haben zwei Pferde, die beschlagen werden wollen. Kannst du das?�</p><p>Nun hatte er es sich endg�ltig mit Tungdil verscherzt. �Sicher. So wie Ihr vermutlich reiten k�nnt, sonst w�rdet Ihr Euch auch kein Pferd kaufen�, entgegnete er und umrundete die H�tte. Er bem�hte sich, dabei so w�rdevoll wie m�glich auszusehen, auch wenn er eine Wasserspur hinter sich herzog, seine Haare glatt herabhingen und seine Stiefel Ger�usche machten, als h�tte er einen Sumpf unter den Sohlen.</p><p>Auf der schmalen, holprigen Stra�e warteten sechs Pferde und vier M�nner, die aussahen, als z�gen sie geradenwegs in die Schlacht. Das Lasttier trug neben dem Kochgeschirr und mehreren Leders�cken zwei zusammengerollte Netze auf dem R�cken.</p><p>Die M�nner unterhielten sich leise und verstummten, als Tungdil erschien. Sie schauten ihn verbl�fft an, sagten aber nichts.</p><p>Der Zwerg wies einen der Krieger an, den Blasebalg zu bet�tigen. Der Wind fuhr fauchend in die Kohlen und brachte sie zum Gl�hen; Fl�mmchen loderten auf, huschten und zuckten �ber das Brennmaterial. Hitze schlug Tungdil entgegen. Seine Haare und seine Kleidung w�rden innerhalb k�rzester Zeit trocknen. Er f�hlte sich wohl.</p><p>�Seid Ihr S�ldner, Herr?�, wollte er von seinem Helfer wissen und w�hlte in aller Ruhe zuerst den Hammer und dann den Rohling f�r das Hufeisen aus. Ein anderer f�hrte das lahmende Pferd herein. Tungdil legte das Eisen kurz an, es w�rde passen.</p><p>�So etwas �hnliches�, sagte der Mann. �Wir jagen Orks und Gesetzesbrecher, auf deren Ergreifung Gold ausgesetzt wurde.�</p><p>Tungdil bettete das Eisen auf die feurigen Kohlen und wartete. �Habt Ihr viel zu tun, Herr?�, setzte er sein Verh�r fort. �Und habt Ihr etwas �ber die Orks geh�rt, die Gutenauen zerst�rt haben?�</p><p>�Gauragar ist gro�, und die Truppen K�nig Brurons k�nnen nicht �berall sein. Wir k�nnen nicht klagen�, antwortete der Anf�hrer schroff.</p><p>Damit war die Unterredung beendet.</p><p>Schweigend schlug der Zwerg die Hufeisen in Form und passte sie den Pferden an. Gelblich wei�er Qualm zog durch die Schmiede. Wenig sp�ter verlangte er f�r seine Arbeit das Doppelte des �blichen Preises. Die S�ldner beglichen die Geb�hr anstandslos und ritten davon. Der Zwerg verga� sie rasch.</p><p>Endlich kam der Tag des Abschieds, was vor allem die Kinder sehr bedauerten. Sie hatten den kleinen Mann, der ihnen so sch�ne Schmuckst�cke schmiedete, ins Herz geschlossen.</p><p>Tungdil bedankte sich ausgiebig bei seinen Rettern. �Ich bin mir sicher, dass ich ohne Eure Heilk�nste an der schw�renden Wunde gestorben w�re�, beteuerte er und dr�ckte ihnen die M�nzen, die er den S�ldnern zu viel abgekn�pft hatte, in die Hand.</p><p>�Das k�nnen wir nicht annehmen�, widersprach Opatja.</p><p>�Ich werde sie nicht wieder einstecken. Wenn sich ein Zwerg von Gold trennt, ist das eine Besonderheit, die nicht alle Uml�ufe vorkommt�, bestand er mit einer solchen Hartn�ckigkeit darauf, dass die M�nzen letztlich doch in die Beutel der D�rfler wanderten.</p><p>Remsa reichte ihm ein S�ckchen mit Kr�utern. �Die legst du auf die nicht ganz verheilten Stellen, abends, wenn du rastest. Bald wird von deinen Verletzungen nichts mehr zu sehen sein.� Sie reichten ihm zum Abschied die H�nde, dann setzte er seinen Weg fort; die Buben und M�dchen begleiteten ihn ein St�ck, bis sich der Himmel verfinsterte und es zu regnen drohte.</p><p>�Kommst du uns auf dem R�ckweg besuchen?�, fragte Jemta niedergeschlagen.</p><p>�Sicher, Kleines. Ich habe mich sehr gefreut, eure Bekanntschaft zu machen. Wenn du flei�ig �bst, wirst du eine gute Schmiedin.� Er wollte ihr die Hand reichen, aber sie wich aus und dr�ckte ihn stattdessen an sich.</p><p>�Jetzt sind wir Freunde�, verabschiedete sie ihn, winkte und rannte den Weg zur�ck. �Vergiss nicht, uns zu besuchen�, mahnte sie, dann war sie verschwunden.</p><p>Er stand immer noch da, die Hand ausgestreckt und von der Herzlichkeit v�llig �berrumpelt. �Schau an, Vraccas�, murmelte er ger�hrt. �Wer h�tte gedacht, dass ich ein Frauenherz erobere?� Gut gelaunt und gedanklich bei den freundlichen Menschen des Geh�ftes, stapfte er voran.</p><p>Doch die angenehmen Fr�hlingstage schienen vor�ber. Der Himmel klarte nicht mehr auf, und es regnete ununterbrochen. Tungdils Lederstiefel weichten allm�hlich durch, seine F��e quollen auf und waren st�ndig kalt.</p><p>Abgesehen von den widrigen Umst�nden seines Marsches, kam er recht gut voran. Er machte sich jedoch immer noch Gedanken �ber die Orks und das Vordringen des Toten Landes, wie es der Alb vorhergesagt hatte.</p><p>Lot-Ionan hatte ihm einst erkl�rt, wie weit der Schrecken aus dem Norden vorgedrungen war. An der breitesten Stelle, rund um das F�nfte Zwergenreich, nahm es sechshundertf�nfzig Meilen in Beschlag und ragte vierhundert Meilen weit bis in den S�den, wo es sich an seiner Front auf die H�lfte verj�ngte.</p><p>W�hrend einer Rast unter einem sch�tzenden Felsvorsprung nahm er die Karte zur Hand und stellte sich vor, wie sich die unheimliche Macht gleich einem Keil vorw�rts schob. Die Spitze prallte gegen die Kr�fte der Magi, wurde stumpf und flachte ab, das Vordringen hatte ein Ende.</p><p>Nun aber schien es, dass der r�tselhafte Herrscher des Toten Landes, N�d�onn, nicht aufgab; seine Erfolge lie�en sich trotz der Barrieren aus Magie nicht bestreiten. An der �stlichen Seite wucherte das Albaereich Ds�n Balsur gleich einem Geschw�r zweihundert Meilen lang und siebzig Meilen breit in Gauragar hinein. Und solange der Steinerne Torweg nicht geschlossen wurde, walzte der Nachschub an widerlichsten Ungeheuern �ber den Nordpass herein.</p><p><emphasis>Wenn sich die Orks aus Toboribor auch noch auf die Seite des Toten Landes stellen, geraten die Magi in Bedr�ngnis,</emphasis> dachte Tungdil besorgt. Sie vermochten mit ihrer Zauberkraft vieles, aber an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, das war auch ihnen nicht m�glich.</p><p><emphasis>Wenigstens wissen sie nun, dass sich die Orks mit dem Toten Land verb�ndet haben!</emphasis> Seine Nachricht m�sste inzwischen bei Lot-Ionan angekommen sein.</p><p>Der Weg durch die abwechslungsreiche gauragarische Landschaft tat sein M�glichstes, Tungdil f�r die Ereignisse am Anfang seiner Reise zu entsch�digen. Der Fr�hling brachte die Natur dazu, sich trotz des Regens in satten, vollen Farben zu zeigen, aber der Zwerg achtete kaum auf die bunte Pracht der H�gel, W�lder und Ebenen. Bald kam er an einem verlassenen Palandiell-Heiligtum vorbei, einem kleinen, hellen Bau mit vielen Fenstern und eingemei�elten Ornamenten, die f�r Schutz und Fruchtbarkeit standen.</p><p>Es war ein Schrein jener G�ttin, an welche die �berwiegende Mehrheit der Menschen glaubte. Sie war Tungdil zu sanft, zu beliebig; er hielt es eher mit Vraccas, dessen Tempel man nur gelegentlich in gr��eren St�dten sah, wie er aus B�chern wusste.</p><p>Einige Menschen verehrten die Wasserg�ttin Elria, manche den Gott Samusin, der f�r den Wind sorgte und auf den Ausgleich zwischen Gut und B�se bedacht war. Ihm waren die Bestien ebenso recht wie die Menschen, Elben und Zwerge. Tion aber, der Erschaffer der schlimmsten Ungeheuer, war mehr verhasst, als dass er verehrt wurde. <emphasis>Ich kenne niemanden, der sich zu ihm bekennen w�rde,</emphasis> dachte Tungdil. Die Bediensteten Lot-Ionans, darunter auch Frala, beteten Palandiell an.</p><p>Er selbst hatte sich einen kleinen Vraccas-Altar in seiner Schmiede eingerichtet und opferte dem Sch�pfer der Zwerge, der die f�nf Stammv�ter aus dem h�rtesten Granit geschlagen und ihnen Leben gegeben hatte, gelegentlich ein wenig Gold, das er in seiner Esse verbrannte. Er wusste nicht, ob die anderen Zwerge das ebenso hielten wie er, aber er fand es angemessen, Vraccas nur das Edelste darzubieten.</p><p>Seine braunen Zwergenaugen schweiften �ber den einsamen Schrein, an dem Ranken emporwuchsen. <emphasis>Die Menschen werden bald wieder �fter zu ihr beten,</emphasis> sch�tzte er.</p><p>Wenig sp�ter musste er den Weg verlassen, um einem gewaltigen Trupp schwer gepanzerter Reiterei K�nig Brurons Platz zu machen. Scheppernd und rasselnd zogen die K�mpfer an ihm vor�ber; der Schlamm spritzte hoch und beschmutzte seinen Umhang. Er z�hlte zweihundert Soldaten. Ob sie gegen eine Rotte Orks ausreichten?</p><p>Die Kunde �ber die gro�e Zahl von Bestien in Idosl�n hatte sich in Windeseile verbreitet; der Zwerg erkannte es daran, dass ihm immer h�ufiger Patrouillen begegneten. K�nig Bruron von Gauragar wollte sich nicht darauf verlassen, dass K�nig Tilogorn die Orks niederwarf, sondern traf eigene Vorkehrungen, um sie aufzusp�ren und anzugreifen.</p><p>Tungdil freute sich, dass seine Botschaft von den Menschen ernst genommen wurde. Sicher, in den Geschichtsb�chern w�rde sp�ter wohl kaum erw�hnt werden, dass er, Tungdil Bolofar, der Zwerg ohne Stamm und Clan, einer Bauernfamilie vom Untergang Gutenauens erz�hlt und diese es der k�niglichen Administration zu Turmweihler gemeldet hatte. Darauf kam es ihm auch nicht an, aber er wusste es, und es gefiel ihm.</p><p>Der Zwerg �bernachtete meist im Freien, nahm gelegentlich eine Scheune in Anspruch und g�nnte sich nur einmal einen weiteren Aufenthalt in einer Schenke. Lieber sparte er seine schwindende Barschaft.</p><p>Die Wunde war nach neun Sonnenuml�ufen vollst�ndig verheilt. Die Strapazen der Reise hatten ihn etwas von seinem Gewicht gekostet, der G�rtel sa� zwei L�cher enger als gew�hnlich. Er schnaufte nicht mehr so, wenn er Anh�hen hinaufstieg; das Laufen kam der Ausdauer zu Gute, und die F��e hatten sich ebenfalls an das tagt�gliche Marschieren gew�hnt. Nachts befielen ihn gelegentlich Erinnerungen an das zerst�rte Gutenauen. Diese Grausamkeit musste sein Verstand noch verarbeiten.</p><p>Nach einigen weiteren Sonnenuml�ufen entdeckte er endlich den Tafelberg. Der Felsbrocken sah wirklich so aus, wie ihn Opatja ehrfurchtslos mithilfe des K�ses dargestellt hatte, nur dass er nicht gelb war, ganz im Gegenteil.</p><p>Das Licht beschien die breiten, schluchtartigen Risse in der glatten Wand, die senkrecht nach unten abfiel. Der d�stere Felsbrocken lag wie ein St�ck hingeworfener Stein in der Landschaft und wurde von dunkelgr�nen Tannen umschlossen. Angesichts der Ausma�e des Schwarzjochs wirkten sie klein und zerbrechlich, obwohl ihre H�he sicherlich f�nfzig Schritt und mehr betrug.</p><p><emphasis>Das Schwarzjoch war sicherlich einmal ein richtiger, Meilen hoher Berg. Vielleicht hat ein Gott ihm als Strafe die Spitze abgeschnitten und seinen harten Fu� wie die Wurzel eines gef�llten Baumes in der Erde gelassen,</emphasis> dachte Tungdil.</p><p>Die Erhebung strahlte f�r ihn etwas unerkl�rlich Absto�endes aus. Wenn er die Artefakte nicht dorthin bringen m�sste, h�tte er gewiss einen gro�en Bogen um das Schwarzjoch geschlagen. Gor�n schien kein Freund von Gesellschaft zu sein, wenn er sich ein solches Refugium aussuchte.</p><p>Der Zwerg sch�ttelte seine Eindr�cke ab, richtete den Beutel mit den Artefakten und schritt die steinige Stra�e entlang, die eine halbe Meile �stlich des Waldrandes vorbeif�hrte. W�hrend er den Tannenforst umrundete, suchte er nach einem Pfad oder einer Schneise, aber als die Sonne unterging, stand er wieder an seinem Ausgangspunkt, ohne f�ndig geworden zu sein.</p><p><emphasis>Ein seltsamer Wald. Dann werde ich mir morgen eben einen Weg hindurchschlagen, wenn die St�mme keinen Platz machen.</emphasis> Weil er die M�digkeit in den Knochen sp�rte, bereitete er nahe der Stra�e sein Nachtlager und entz�ndete ein Feuer. Dabei behielt er den Waldrand im Auge, falls sich ein Raubtier hervorschleichen sollte.</p><p>Wenig sp�ter bekam er G�ste, die sich sehr dar�ber freuten, nicht allein sein zu m�ssen. Zwei Tr�delh�ndler hielten ihren Planwagen neben dem Feuer an und spannten die beiden Maulesel aus, die den Karren gezogen hatten. Die Pfannen, T�pfe und Deckel, die sie in ihrem Gef�hrt lagerten, klapperten und schepperten noch lauter als die R�stungen der Soldaten.</p><p>�Ist da noch Platz am Feuer?�, fragte der Wagenlenker und �bernahm die Vorstellung. Hil und Kerolus waren f�r Tungdil typische Menschenm�nner. Lange Haare, gro�, unrasiert, einfache Kleidung und grundlos zu laut. Sie scherzten, lachten und lie�en die Flasche mit Branntwein best�ndig kreisen, aber die Heiterkeit erschien aufgesetzt.</p><p>�Versteht meine Frage nicht falsch�, meinte Tungdil, �aber Ihr scheint mir � besorgt zu sein.�</p><p>Hil h�rte auf der Stelle auf zu lachen. �Gut beobachtet, Unterirdischer ��</p><p>�Zwerg. Ich bin ein Zwerg.�</p><p>�Ach? Gibt es Unterschiede zwischen Zwergen und Unterirdischen?�</p><p>�Nein. Es ist die bessere Bezeichnung, so wie ich Euch aus Respekt Menschenkind nicht Oberirdische oder lange Elende nenne.�</p><p>Hil grinste. �Ich habe verstanden.�</p><p>�Um ehrlich zu sein, wir f�rchten uns vor dem Berg und den Kreaturen, die in dem Wald lebten. Wir rasten nur deshalb neben dem Schwarzjoch, weil unsere beiden Mulis nicht mehr weiter wollten�, gestand Kerolus, der vier Eier in die Pfanne schlug und sie briet. Bereitwillig teilte er sein Mahl mit dem Zwerg und seinem Partner.</p><p>�Was hat es mit dem Felsen auf sich?�, fragte Tungdil und schabte das Eigelb mit Brotrinde zusammen.</p><p>Der Tr�dler sah ihn erstaunt an. �Ein Unter� Zwerg, der die Legende nicht kennt? Dann will ich dir gern von dem Berg, der keiner mehr ist, berichten.�</p><p>Hil legte sich nah ans w�rmende Feuer, und sein Partner hob an zu erz�hlen �</p><cite><p>Einst wurde das Schwarzjoch �Wolkenberg� genannt, weil sein Gipfel bis in den Himmel ragte. Er war m�chtiger, stolzer als alle Berge rings um das Geborgene Land. Der Schnee auf seinem Gipfel taute niemals, und die obersten H�nge bestanden aus purem Gold.</p><p>Doch keiner der Menschen gelangte in diese H�he, um sich von dem Reichtum zu holen. Die unteren W�nde, auf denen das Gewicht lastete, waren zu glatt und zu hart. Und das Wei� des Schnees und das Gold schimmerten so stark, dass derjenige, welcher zu lange nach oben schaute, blind wurde.</p><p>Die Menschen verlangte es nach dem Gold, und sie riefen die Zwerge zu Hilfe.</p><p>Die Zwerge schickten eine Abordnung nach Gauragar, um den Wolkenberg mit eigenen Augen zu sehen. Mit ihren Spitzhacken, Mei�eln und Schaufeln schlugen sie auf den Felsen ein.</p><p>Da ihre Werkzeuge besser geschmiedet waren als die der Menschen, gelang es ihnen, einen Gang in den Wolkenberg zu brechen und sich in seinem Inneren nach oben zu graben. Sie h�hlten den Berg aus und trugen das Gold ab, ohne geblendet zu werden.</p><p>Die Menschen Gauragars sahen das nicht gern und verlangten von den Zwergen, ihnen von dem Schatz zu lassen. Als sich die Zwerge und Menschen stritten, erbebte der lebendig gewordene Wolkenberg vor Wut, um die Pl�nderer aus sich herauszusch�tteln, aber die L�cher in seinem Inneren waren so zahlreich geworden, dass er einbrach und die Gierigen unter sich begrub.</p><p>So verlor der Berg seine Sch�nheit und seine Gr��e.</p><p>Seitdem verfolgt er Menschen und Zwerge mit seinem Hass. Der verst�mmelte Fels wurde im Lauf der Zeit schwarz vor Boshaftigkeit.</p></cite><p>Das Feuer knackte laut. Kerolus warf ein Scheit nach, damit die Flammen aufloderten und die Dunkelheit vertrieben.</p><p><emphasis>Ich habe die B�sartigkeit des Schwarzjochs gleich gesp�rt,</emphasis> dachte Tungdil. Dass Gor�n sich ausgerechnet dort wohl f�hlte, verstand er nicht. Es sagte zumindest viel �ber sein Gem�t aus.</p><p>�Im Wald streifen Wesen umher, die jedem Wandersmann den Tod bringen, hei�t es. Der Berg hat sie gerufen und ihnen fette Beute versprochen�, erkl�rte der Tr�dler schaudernd. �Wenn ihr Hunger zu gro� wird, kommen sie zwischen den Tannen hervor, um die D�rfer heimzusuchen. Sie fressen alles, Mensch und Tier.�</p><p>�Es ist gut, Gesellschaft zu haben�, sagte Tungdil ehrlich und machte sich auf einen ungem�tlichen Weg zwischen den St�mmen hindurch gefasst. Seine Axt w�rde ihm notfalls beistehen. �Aber ich kann auch eine Geschichte erz�hlen.�</p><p>Er schilderte seine Erlebnisse in Gutenauen, berichtete von dem Alb und der Vernichtung des Ortes. Seine Erz�hlung geriet ins Stocken, die Erinnerung an das Grauen lebte auf.</p><p>Er brach ab und versuchte, Schlaf zu finden, doch der Wald hielt ihn wach. Es bereitete den B�umen anscheinend Vergn�gen, immer dann laut zu �chzen und zu knarren, wenn er in tiefen Schlummer gleiten wollte.</p><p>Hil und Kerolus st�rte das nicht besonders. Nun wusste der Zwerg, warum sie dem Branntwein so zusprachen: Er bet�ubte ihre Sinne derart, dass sie nichts h�rten. Die M�nner �berlie�en ihm gro�z�gigerweise die Aufgabe, �ber ihr Leben zu wachen.</p><p>Die Ger�usche endeten erst, als der Morgen graute. Die Tr�dler erhoben sich, w�nschten Tungdil noch eine angenehme Reise und fuhren ausgeruht von dannen, w�hrend der Zwerg sich wie ger�dert f�hlte.</p><p>Missmutig starrte er auf das Dunkel, das zwischen den Tannen auf ihn wartete. Es half nichts, er musste zum Schwarzjoch. Gor�n lebte sicherlich in den Resten des Stollens, sollte die Geschichte, die ihm Kerolus vergangene Nacht erz�hlt hatte, einen Funken Wahrheit enthalten.</p><p><emphasis>Ungeheuer oder nicht, ich muss hindurch.</emphasis> Er zog die Axt, hielt sie mit beiden H�nden gepackt und stapfte in den Wald hinein. Sogleich schlug ihm Ablehnung entgegen. Der Berg gab ihm deutlich zu verstehen, dass er ihn nicht in seiner N�he haben wollte.</p><p>Tungdil st�rte sich nicht weiter daran. Je eher er die Artefakte �bergab, desto schneller konnte er in die Geborgenheit seines geliebten Stollens von Ionandar zur�ckkehren. <emphasis>Vielleicht haben die Zwerge vom Stamm des Zweiten bereits an Lot-Ionan geschrieben und sein Gesuch beantwortet,</emphasis> dachte er zuversichtlich.</p><p>Seine trotzige Zielstrebigkeit f�hrte ihn bald durch den Wald und direkt an den Fu� des Tafelbergs, ohne dass er auf irgendwelche Ungeheuer traf. Bei Tag schienen sie keine Lust zu haben, Wanderer anzugreifen. Ihm sollte es recht sein.</p><p>Die senkrecht aufsteigenden W�nde des Schwarzjochs aber schleuderten ihm stumme und derart unheilvolle Zur�ckweisung entgegen, dass er am liebsten kehrt gemacht h�tte.</p><p>Pl�tzlich l�ste sich eine Ger�lllawine. Tungdil schaffte es gerade noch, eine Deckung zu finden; der letzte Steinbrocken schlug eine Handbreit neben ihm ein. Die Gr��e der Tr�mmerst�cke h�tte ausgereicht, um ihn zu erschlagen. Dennoch, es half nichts, er musste Gor�n finden.</p><p>Der Zwerg lief um den Fu� des Tafelbergs, ohne eine H�tte oder den Anfang eines Pfades zu erkennen. Laut rief er den Namen Gor�ns und hoffte, dass er sich zu erkennen gab. Nichts.</p><p>Fluchend umrundete er die schwarzen, rissigen W�nde ein weiteres Mal; dabei entdeckte er schmale Stufen, die von kundigen Steinmetzen in den Fels getrieben worden waren. F�r ihn reichten die Abmessungen der Stiegen aus, aber die gro�f��igen Menschen h�tten Schwierigkeiten, sicheren Halt auf den Tritten zu finden.</p><p>Tungdil erklomm des Schwarzjoch; er gelangte einhundert Schritte hoch, zweihundert Schritte hoch, dreihundert Schritte hoch. Er krabbelte auf allen vieren und hielt sich an den kurzen Stufen fest. Das war die einzige Sicherung, die sich ihm bot.</p><p>Gelegentlich bewarf ihn der Berg mit Ger�ll und kleinen Lawinen, die ihm Schrammen an den H�nden und im Gesicht zuf�gten. Ein Stein schlug ihm eine Platzwunde oberhalb der Stirn. Schwindel erfasste ihn, und Tungdil presste sich gegen den Fels, um nicht abzust�rzen. Als die Umgebung sich nicht mehr drehte, wischte er sich das Blut aus dem rechten Auge und kletterte knurrend weiter.</p><p>�Vraccas schuf uns aus Fels, um �ber den Fels zu herrschen, also wirst du dich gef�lligst vor mir beugen!�, rief er laut. �Du wirst mich nicht absch�tteln.�</p><p>An dem Schatten, den er warf, sah er die Sonne �ber den Zenit steigen und schlie�lich versinken; der Wind pfiff ihm kalt um die Ohren und zerrte an seinen Rucks�cken. Die Gefahr wuchs mit jedem Schritt, den er tat, und ans Runterkommen wollte er gar nicht denken. Dennoch wagte er es, sich umzudrehen und einen Blick auf das vierhundert Schritt unter ihm liegende Gauragar zu werfen.</p><p>Wolken und Sonne schufen auf dem farbenreichen Flickenteppich aus Wiesen, Feldern und W�ldern ein Schattenspiel, das er in dieser Art nie zuvor gesehen hatte. Tungdils Augen ersp�hten in meilenweiter Entfernung St�dte, die aus kleinen Baukl�tzen gemacht schienen. B�che und Fl�sse zogen sich Adern gleich durch die Landschaft, und es roch nach Fr�hling.</p><p>Der herrliche Ausblick raubte ihm fast den Atem. Er f�hlte sich mit einem Mal so erhaben und so gro� wie ein Berg. Nun verstand er, warum das Volk der Zwerge sich die Gebirge als Wohnst�tte erw�hlt hatte.</p><p>Mit neuem Mut setzte er seinen Aufstieg fort, bis er auf gut f�nfhundert Schritt H�he auf eine Nische stie�. Der Zwerg beschloss, die Nacht darin zu verbringen.</p><p>Vorsichtig kroch er in die Felseinbuchtung, die ihm Schutz vor dem rauen Wind und vor weiteren Ger�llangriffen des Schwarzjochs bot. <emphasis>Morgen sehe ich weiter,</emphasis> dachte er.</p><p>Das untergehende Taggestirn beleuchtete sein schlichtes Obdach. Warmes Licht fiel auf die schwarzen W�nde des Tafelbergs und hob die unterschiedlichen Strukturen der Felsen hervor. Je l�nger Tungdil auf die Unebenheiten seiner Nische blickte, desto mehr erinnerten sie ihn an Schriftzeichen.</p><p>Der Zwerg blinzelte. <emphasis>Kann es eine T�uschung sein?,</emphasis> fragte er sich. Seine Hand tastete �ber die Oberfl�che. Da war tats�chlich etwas. Die Witterung hatte den Runen im Lauf der Zyklen arg zugesetzt und sie abgeschliffen, aber sie waren zweifellos vorhanden.</p><p>Das Problem konnte er leicht l�sen! Rasch �ffnete er seine Zunderb�chse und entfachte ein kleines Fl�mmchen, mit dem er den Stiel seiner Axt anbrannte. Tungdil nahm die Landkarte aus dem Rucksack, drehte sie mit der unbemalten Seite nach oben und fuhr mit dem ru�igen St�ck Holz vorsichtig �ber das Papier.</p><p>Die Ru�teilchen hafteten schlecht, aber es gelang: Die Zeichen �bertrugen sich, und die �berbleibsel einer uralten Schrift wurden sichtbar.</p><p>Tungdil ben�tigte lange, bis er die k�nstlerisch vollendeten Runen und die sehr umst�ndliche Formulierung in die gemeine Zwergensprache �bersetzt hatte und verstand.</p><cite><p>Erbaut mit Blut, gef�rbt vom Blut. Geschaffen gegen die Vier, gefallen gegen die Vier. Verflucht von den Vier, verlassen von allen F�nf. Einst erweckt von den Drei gegen den Willen der Drei. Erneut gef�rbt vom Blut aller Kinder.</p></cite><p>Die Worte waren von dem Bildhauer in Form eines Baumes als Zeichen der Erneuerung und der st�ndigen Wiederkehr in den Fels graviert worden.</p><p>Das Alter der Runen konnte Tungdil nicht einordnen, dar�ber hatte nichts in dem Buch gestanden, das er in den Regalen Lot-Ionans �ber die Zwergensprache gefunden hatte. Doch f�r ihn waren die Worte eine Botschaft aus einem vergangenen Zeitalter, das mindestens eintausendeinhundert Zyklen zur�ck lag.</p><p>Er sprach sie laut, um sie zum Leben zu erwecken; ergriffen lauschte er dem fremden und dennoch seltsam vertrauten Klang, der sich vollkommen anders als der Zungenschlag der Menschen anh�rte. Die Silben r�hrten ihn, packten ihn, w�hlten ihn auf.</p><p>Doch auch die H�nge und Schluchten des Schwarzjochs vernahmen die altert�mliche Sprache, der Tafelberg erinnerte sich und erbebte. Der Groll gegen die Zwerge kehrte mit Macht zur�ck und richtete sich nun gegen Tungdil.</p><p>�Ich lasse mich nicht von dir absch�tteln.� Der Zwerg rutschte n�her an die Wand, um von den r�ttelnden Felsen nicht in die Tiefe gest�rzt zu werden.</p><p>Doch auch das Gestein in seinem R�cken bewegte sich; es wich mit mahlenden Lauten vor ihm zur�ck und gab schlie�lich den Eingang zu einem Tunnel frei. Das Beben des Schwarzjochs endete abrupt.</p><p>Tungdil sah zwei M�glichkeiten vor sich. Entweder wollte ihn der Berg in eine Falle locken und ihn f�r immer in seinem Inneren einschlie�en, oder aber Gor�n �ffnete ihm die T�r zu seiner Behausung.</p><p>Er wartete nicht lange. Kurz entschlossen sammelte er seine Sachen ein und hing sich den Beutel mit den Artefakten �ber den R�cken, um forsch in den Gang zu treten.</p><p>Er war erst wenige Schritte gegangen, als eine weitere Ersch�tterung durch den Tafelberg lief. Das steinerne Eingangstor schob sich unaufhaltsam vor den Nachthimmel. Die Sterne �ber dem Geborgenen Land blinkten dem Zwerg zum Abschied zu, dann sa� er im Schwarzjoch gefangen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Die majest�tische Palastanlage wuchs wei� leuchtend in den stahlblauen Himmel; sandfarbene T�rme erhoben sich �ber die Kuppeld�cher und erstrahlten in der warmen Sonne. Ihr selbstbewusstes Blinken und ihre erhabene Gr��e wiesen den Reisenden auf f�nfzig Meilen Entfernung den Weg; nur ein Blinder konnte Porista verfehlen, die Hauptstadt des Zauberreiches Lios Nudin.</p><p>Lot-Ionan freute sich �ber den Anblick und das bevorstehende Wiedersehen mit den anderen, auch wenn ihn der Anlass der Zusammenkunft in Unruhe versetzte. Er z�gelte Furo und ritt gemessen durch das Tor in die Stadt. Der Hengst schnaubte aufs�ssig, weil er lieber laufen und den Wind in der M�hne sp�ren wollte.</p><p>Aus alter Tradition heraus tagte der Rat der Magi in diesem Prachtbau. So hielten es die Zauberkundigen seit mehr als zweitausend Sonnenzyklen. Die Gr�nde daf�r waren verschiedener Natur. Zum einen lag die St�tte im Zentrum des Geborgenen Landes, zum anderen hatte Lios Nudin nicht umsonst die Umrisse eines menschlichen Herzens. Die Magiefelder, die in den f�nf Zauberreichen auftraten, schienen hier ihren Ursprung zu nehmen; �hnlich einer Quelle speiste Lios Nudin die Reiche Ionandar, Turguria, Saborien, Oremaira und Brand�kai mit der Zaubermacht.</p><p>Der Magus lachte und streichelte den Hals des unzufriedenen Fuchshengstes.�Du wirst auf dem Nachhauseweg gen�gend laufen d�rfen�, versprach er ihm und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Treiben rings um ihn herum.</p><p>Poristas Mauern boten vierzigtausend Menschen Schutz und Unterkunft. Da die Stadt in der Ebene der Gr�ser lag, die sich �ber hunderte von Meilen erstreckte, gingen die Bewohner einfacher Landwirtschaft und Viehzucht nach, und davon lie� es sich gut leben. Die Qualit�t ihrer Erzeugnisse konnte es beinahe mit der Taba�ns aufnehmen, das im Nordwesten des Geborgenen Landes lag und auch �hrenebene genannt wurde.</p><p>Lot-Ionan lenkte Furo durch die Stra�en der gesch�ftigen Stadt. Immer wieder musste er Karren und Wagen ausweichen und darauf achten, keine Passanten unter die Hufe zu bekommen. Schon bald sehnte er sich die Abgeschiedenheit des Stollens herbei.</p><p>Endlich stand er vor dem Portal des Palasts, in den einfache Menschen nur auf Einladung des Rates gelangten. Tollk�hne, die versuchten, ungesehen �ber die Mauern zu klettern, hielt eine unsichtbare Sperre auf; wie Fliegen auf Leimruten klebten sie an der Wand, bis sie verhungerten und verdursteten. Erst wenn von ihnen nichts mehr au�er den Knochen �brig war, gab die Fessel sie frei. Die Magi kannten bei diesem Vergehen keine Gnade, denn im Palast hatte niemand au�er den Sechs und ihrem Gefolge etwas zu suchen.</p><p>Lot-Ionan rief die Formel, um die Torfl�gel zu �ffnen. Von unsichtbaren Kr�ften bewegt, schwangen sie zur�ck und gew�hrten ihm den Zutritt.</p><p>Vor der breiten Freitreppe aus chamoisfarbenem Marmor hie� er den Hengst anhalten und rutschte aus dem Sattel. Sein Weg f�hrte ihn �ber die breiten Stufen und durch lichtdurchflutete Arkadeng�nge, deren B�den mit kunstvollen Mosaiken gestaltet waren. Die wei�en S�ulen leiteten das Licht, das durch die halbkugelf�rmigen Glasd�cher fiel, geschickt um und hoben die akkurat gesetzte Farbvielfalt hervor. Der Gang erstreckte sich bis zur Beratungshalle, hinter deren T�ren er erwartet wurde. Auf ein magisches Wort hin gaben sie den Durchlass frei.</p><p>Da sa�en sie, am m�chtigen runden Malachittisch vereint: Nudin der Wissbegierige, Turgur der Sch�ne, Sabora die Schweigsame, Maira die H�terin und And�kai die St�rmische.</p><p>Sie geh�rten zu den m�chtigen Sechs, die �ber geradezu unvorstellbare Kr�fte verf�gten. Jeder von ihnen strebte mithilfe der Magie nach dem Erreichen eines selbst gesteckten Ziels. Die sieben weltlichen K�niginnen und K�nige des Geborgenen Landes zu st�rzen und die L�nder zu erobern w�re ihnen ein Leichtes, aber daran war keinem gelegen. Ihnen ging es um die Vervollkommnung von Magie, nicht um irdische Macht.</p><p>Lot-Ionan gr��te zuerst Sabora, dann die anderen f�nf und begab sich zum Tisch, um zwischen ihr und Turgur Platz zu nehmen. Sie erwiderten seine H�flichkeitsgeste mit knappem, erhabenem Kopfnicken.</p><p>Sabora fasste seine Hand, dr�ckte sie kurz und schenkte ihm ein herzliches L�cheln. �Ich freue mich, dass du da bist, Lot-Ionan.� Sie trug ein hochgeschlossenes, enges und ein wenig strenges Kleid aus gelbem Samt, das bis auf den Boden reichte. Die kurzen Haare waren noch silberner geworden, doch die graubraunen Augen blickten munter und suchten seinen Blick. �Die St�rmische hat es nicht mehr ausgehalten.� Sie senkte die Stimme zu einem Fl�stern, damit nur er sie h�rte. �Ich auch nicht. Aber aus einem anderen Grund.�</p><p>Lot-Ionan l�chelte und f�hlte sich mit einem Mal wie ein verliebter junger Mann. Ihre Zuneigung basierte auf Gegenseitigkeit.</p><p>�Wir haben inzwischen erfahren, warum du unserem ersten Ruf nicht gefolgt bist�, sagte And�kai, und es klang wie ein Vorwurf. Ihre Sch�nheit konnte man getrost als herb bezeichnen, und ihre Gestalt war f�r eine Maga merkw�rdig muskul�s; angeblich k�mpfte sie so gut wie ein Krieger. Die blonden langen Haare trug sie zu einem strengen Zopf geflochten, und ihre blauen Augen schienen best�ndig auf der Suche nach Streit zu sein.</p><p>�Friedegard und Vrabor sind tot�, f�gte Maira hinzu. Sie war hochgewachsener und schmaler als And�kai. Ihre roten Haare fielen offen auf die nackten, wei�en Schultern; das hellgr�ne, schlichte Kleid passte hervorragend zu ihren Augen und dem Goldschmuck, den sie an den Ohren und um den Hals trug �Die Nachricht erreichte uns kurz vor deiner Ankunft, Lot-Ionan.� Sie schaute zu Nudin. �Wir sind uns dar�ber einig, dass nur die Albae als M�rder infrage kommen. Das Tote Land muss sie geschickt haben, um das Zusammenkommen der Sechs zu verhindern.�</p><p>Lot-Ionan runzelte die Stirn. �Es w�re das erste Mal, dass die Macht aus dem Norden ihre gef�hrlichsten Diener tief in den S�den entsendet. Nudin hat mir berichtet, dass unsere Barrieren nachgeben�, antwortete er. �Unser Gegner erh�lt von jenseits des Nordpasses neue Kraft � mehr als bisher. Solange wir das nicht endg�ltig unterbinden, werden wir uns stets aufs Neue in Porista einfinden m�ssen, um die magischen Fangnetze zu spannen.� Sein Zeigefinger pochte energisch auf den Tisch. �Es muss enden! Vernichten wir die Kraft des Toten Landes, Freunde!�</p><p>�Sicher�, fiel ihm Turgur herablassend ins Wort. Ein ebenm��iges, sorgf�ltig rasiertes Gesicht, ein d�nner Oberlippenbart und lange, wallende schwarze Lockenhaare waren die Markenzeichen des Sch�nen. Kein Mann im ganzen Geborgenen Land konnte es mit der Sch�nheit des Magus aufnehmen; Frauen jeden Alters lagen ihm zu F��en, M�nner bewunderten oder hassten ihn deswegen. �Nichts einfacher als das, Lot-Ionan. Gut, dass du es uns sagst. Warum nur kam noch keiner vor dir auf den Gedanken?�</p><p>�Spitzfindigkeit ist hier nicht angebracht�, wies Nudin den Sch�nen mit seiner kr�chzenden Stimme zurecht.</p><p>Der Rat schwieg.</p><p>Die Frauen und M�nner erinnerten sich stumm an all die zur�ckliegenden Versuche, den unsichtbaren Gegner zur�ckzuschlagen.</p><p>�Welche Formeln wir auch angewendet haben, das Tote Land liegt wie ein schwarzes, fettes Tier in Gauragar, Taba�n, �landur, dem ehemaligen Lesinte�l und der Goldenen Ebene, das heute Ds�n Balsur ist�, sagte Lot-Ionan.</p><p>�Mit den Kr�ften, die wir dabei freigesetzt haben, h�tten wir Gebirge sprengen und Seen verdampfen k�nnen�, f�gte And�kai hinzu, die sich mit Zerst�rung sehr gut auskannte. Die Maga bekannte sich zu Samusin, dem Gott der Winde, und strebte danach, auch das kleinste L�ftchen zu beherrschen. So unberechenbar wie der Wind war auch ihr Temperament, und nicht selten hatte sie den Ausbruch eines Sturmes verursacht.</p><p>�Offensichtlich hat es nicht ausgereicht�, meinte Turgur. �Das Tote Land hat seine Krallen in die Erde geschlagen und verharrt.�</p><p>�Eben nicht!�, widersprach And�kai harsch. �Es lauert und scheint nun zum Sprung bereit. Wenn wir nichts unternehmen, wird der Angriff mit Sicherheit erfolgen!�</p><p>Lot-Ionan ergriff wiederum das Wort. �Ich habe nachgedacht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Kr�fte ausreichen, um die Bedrohung in Schach zu halten. Doch wenn wir unsere Sch�lerinnen und Sch�ler nach Porista holen und sie in das Ritual einbinden, k�nnte es uns gelingen, die Kraft zur�ckzuschlagen.� Er schaute abwartend in die Runde. Schon seit einiger Zeit hatte er �ber dieser Frage gebr�tet. Jeder von ihnen hatte mindestens drei�ig junge Famuli und Famulae, die sich zumindest in der Lage befanden, Magie zu nutzen. �Wenn wir die Gewalt von mehr als einhundertachtzig Magiekundigen gegen das Tote Land b�ndeln, werden wir einen Erfolg erzielen.�</p><p>�Oder der Versuch misslingt, und wir gelangen zu der schrecklichen Erkenntnis, dass weder Weltliches noch Geistiges einen ebenb�rtigen Gegner darstellen�, meinte Nudin trocken.</p><p>Lot-Ionan wagte an diese schlimmste aller M�glichkeiten nicht zu denken. <emphasis>Das Geborgene Land fiele der finsteren Macht damit fr�her oder sp�ter in die H�nde. Die Menschen, die Tiere, die Natur w�ren von diesem Augenblick an dazu verdammt, bis in alle Ewigkeiten ihr Dasein als Untote zu fristen und dem Willen der schrecklichen Kraft aus dem Norden zu gehorchen.</emphasis> Ein Schauder der Furcht rann durch seinen K�rper. �Nein, das darf nicht geschehen.�</p><p>And�kai fand als Erste ihre Sprache wieder. Sie wirkte besorgt, als sie sich an die f�nf wandte. �Ich wei�, dass einigen mein Glaube an Samusin Schwierigkeiten bereitet. Doch es ist, wie es ist. Wir m�ssen etwas unternehmen.�</p><p>�Du �berraschst mich�, gestand Lot-Ionan. �Ich h�tte dir zugetraut, dich gegen die Vertreibung auszusprechen.�</p><p>�Samusin ist der Gott des Ausgleichs. Wo nur Dunkel ist, existiert nicht einmal mehr der Schatten. Wir k�nnen nicht zulassen, dass der Albtraum eines unterjochten Landes Wirklichkeit wird. Ich stimme deinem Vorschlag zu�, bekr�ftigte sie. �Wenn das Tote Land geht, wird das Gleichgewicht von selbst wieder hergestellt.�</p><p>Sie stimmten ab; alle waren daf�r, den Vorschlag Lot-Ionans in die Tat umzusetzen.</p><p>�Dennoch sollten wir zuerst die bestehenden Barrieren erneuern. Es n�tzt nichts, wenn unsere Famuli noch auf dem Weg sind und das Tote Land in der Zwischenzeit die Sperren durchbricht�, warnte Nudin heiser. �Ich schlage vor, wir ruhen uns eine Stunde aus und nehmen ein leichtes Mahl zu uns, ehe wir gemeinsam zur Tat schreiten.�</p><p>Der Rat war damit einverstanden und l�ste sich auf. Nudin bat Lot-Ionan, noch ein wenig zu warten, und f�hrte ihn etwas abseits zum Nordfenster des Palastraumes.</p><p>Jetzt, wo sie dicht voreinander standen, bemerkte der Zauberer, wie massig und aufgeschwemmt Nudin war. In seinem Augenwei� entdeckte er Dutzende von geplatzten �derchen, die Pupillen glitzerten fiebrig. <emphasis>Er ist todkrank!</emphasis></p><p>Nudin musste husten und hielt sich rasch ein Taschentuch vor den Mund; mit der anderen Hand klammerte er sich an seinen Ahornstab und suchte Halt. Hastig steckte er das Tuch wieder ein.</p><p>Lot-Ionan meinte, Blut darin gesehen zu haben. �Du solltest dir von Sabora die Hand auflegen lassen�, sagte er besorgt. �Du siehst � mehr als krank aus.�</p><p>Nudin aber winkte ab und bem�hte sich, ein unverbindliches L�cheln auf sein schwammiges Gesicht zu zwingen. �Nur eine ordentliche Erk�ltung, nichts weiter�, schw�chte er ab. �Es schadet dem K�rper nicht, wenn er einmal gefordert wird.� Er nickte seinem Gegen�ber anerkennend zu. �Dein Vorschlag war sehr gut. Da du sogar And�kai �berzeugt hast, werden die anderen dir folgen.� M�hsam unterdr�ckte er einen neuerlichen Hustenanfall; sein Kopf wurde rot. �Wir Magi haben uns viel zu lange nur um uns selbst gek�mmert. Sabora lasse ich dabei einmal au�en vor�, sagte er gepresst. �Es ist gut zu sehen, dass es noch andere Dinge gibt, f�r die wir geschlossen eintreten. Schade, dass es dazu solch be�ngstigender Umst�nde bedurfte.�</p><p>�Nanu?�, meinte Lot-Ionan verdutzt. �F�hrst du einen neuen Beinamen und hei�t nun �der Selbstkritische�� Heute fand er den Zauberer ganz annehmbar, weil er weniger herablassend auftrat als sonst. Falls es an der Erkrankung lag, so w�nschte er Turgur und And�kai dieselbe.</p><p>Nudin lachte; der Heiterkeitsausbruch ging in starkes Husten �ber. Dieses Mal sah Lot-Ionan das Blut, das zwischen den Lippen hervortrat, ehe der Magus es abwischte. �Du wirst zu Sabora gehen�, wiederholte er seine Worte und w�hlte den Befehlston absichtlich. �F�r das Ritual brauchst du Kraft, und die scheinst du dringend zu ben�tigen.�</p><p>Nudin hob abwehrend die Hand. �Du hast gewonnen. Ich besuche sie�, kr�chzte er. �Eines noch: Wo sind meine Artefakte, alter Freund?�</p><p>Um diese Angelegenheit h�tte Lot-Ionan sich gern gedr�ckt. �Ich habe den Beutel vergessen�, gestand er. �Wenn meine Famuli nach Porista kommen, wirst du sie erhalten.�</p><p>Nudin grinste. �Immerhin, du hast sie gefunden. Keine Sorge, es eilt nicht. Das Tote Land hat Vorrang.�</p><p>�Ich habe noch daran gedacht, in den Schrank meines Arbeitszimmers zu sehen und sie zusammenzupacken, aber die Unterredung mit dir hat mich so aufgew�hlt, dass ich alles stehen und liegen lie߫, �rgerte er sich.</p><p>Der Herr �ber Lios Nudin klopfte ihm auf die Schulter. �Lass es gut sein.� Er wankte leicht. �Und nun entschuldige mich. Ich muss mich ein wenig hinlegen�, verabschiedete er sich und schritt zum Ausgang. Sein weites Gewand rauschte leise, und das Ende seines Stabes prallte in regelm��iger Folge hart auf den Boden.</p><p>�Geh zu Sabora!�, rief Lot-Ionan ihm hinterher.</p><p>Nachdenklich schaute er aus dem Fenster �ber die geschmackvoll angelegten G�rten des Palastes und die D�cher der Stadt und hob seinen Blick zum Horizont, wo das Gr�n der Felder und das Blau des Himmels zu einer Linie verschmolzen. Man erkannte von hier aus keinen Unterschied, doch es war da, das Tote Land, nur wenige Meilen von hier.</p><p>Nach einer Weile sp�rte er eine sanfte Hand auf seiner Schulter, roch einen lange nicht mehr wahr genommenen Duft, und sein altes Herz schlug schneller. Er hob die Rechte und legte sie auf die Hand auf seiner Schulter. �Meine liebe Freundin�, sagte er und wandte sich zu Sabora um.</p><p>�Mein lieber Freund�, antwortete sie und strahlte ihn an.</p><p>�ber den Anblick Saboras freute er sich jedes Mal von neuem. Sie hielt es mit dem Alter wie er, sie bekannten sich beide dazu. Es beruhigte ihn ungemein, nicht der einzige faltige Greis unter so vielen jungen Gesichtern zu sein.</p><p>Er war nicht eitel, doch bei den Zusammenk�nften kam er sich stets doppelt so alt vor. And�kai sah mit ihren einhundertf�nfzig Zyklen aus wie drei�ig, Maira trotz ihrer dreihundert Zyklen wie eine F�nfzigj�hrige, und Turgur manipulierte sein Erscheinungsbild ohnehin und bewahrte sich die �u�ere Fassade eines stattlichen Mannes von vierzig.</p><p>Sabora kannte seine Gedanken. �Sie werden auch �lter, Lot-Ionan, gr�me dich nicht�, sagte sie tr�stend, und die beiden umarmten sich lange.</p><p>�Was macht deine Kunst?�, fragte sie schlie�lich.</p><p>�Ich arbeite eifrig daran, aber mein Gehilfe hat mir eine wertvolle Formel ruiniert, ehe ich dazu kam, sie anzuwenden�, berichtete er. �Bald wird es mir gelingen, Magie in Dingen und Menschen sichtbar zu machen, was uns in der Erforschung wesentlich weiter bringen wird. Und du? Sind deine Heilkr�fte bald so weit gediehen, dass du s�mtliche Krankheiten besiegen kannst?�</p><p>Sabora hakte sich bei ihm unter. Gemeinsam schlenderten sie die Arkaden entlang. �Einfache Verletzungen bedeuteten schon lange keine Herausforderung mehr f�r mich. Derzeit k�mmere ich mich darum, die Pest auszumerzen�, berichtete sie. �Und das mit beachtlichem Erfolg. Aber es kommen immer noch gen�gend Menschen zu mir, die an r�tselhaften Erkrankungen leiden. Die G�tter denken sich t�glich neue Plagen aus.�</p><p>�Du wirst es schaffen, dass die Menschen eines Tages ohne Beschwerden leben�, sprach er ihr Mut zu. �Hat Nudin schon mit dir geredet? Er sieht schrecklich aus.�</p><p>Die Maga sch�ttelte das Haupt. �Nein. Er ging an mir vor�ber, ohne etwas zu sagen.� Ein verschmitztes L�cheln stahl sich auf ihr Gesicht. �Aber gegen sein �bergewicht bin ich machtlos. Turgur ist derjenige, der seinen Leib und sein Gesicht durch die Magie nachtr�glich modelliert hat.�</p><p>�Er muss seinem Ziel n�her ger�ckt sein, seine Wohlgestaltetheit im Alter nicht zu verlieren. Ich hatte ihn mit mehr Unebenheiten und Falten im Gesicht in Erinnerung.�</p><p>Sie machten in einem der vielen G�rten Halt und setzten sich.</p><p>Die Frau lehnte sich an Lot-Ionan. �Es ist erstaunlich�, sagte sie leise. �Wir haben alle so unterschiedliche Ziele und sind uns dennoch einig.�</p><p>�Hast du geglaubt, dass Maira als �lteste von uns etwas dagegen haben w�rde? Sie kennt die Auswirkungen des Toten Landes genau und versammelt die edelsten, reinsten Gesch�pfe in ihren W�ldern, um ihnen eine sichere Bleibe vor den Orks zu bieten.�</p><p>�Ja, ich habe geh�rt, dass sich die letzten Einh�rner in ihrem Reich versammeln. Dort sind sie vor den Bestien gesch�tzt�, stimmte sie zu. �Wir sind auf dem besten Weg, dass es bald im ganzen Geborgenen Land wieder so sicher wie vor elfhundert Zyklen sein wird. Es wird auch dringend Zeit.�</p><p>Er genoss ihre seltene N�he und legte einen Arm um sie. �Turgur erstaunte mich�, gestand er. �Ich dachte immer, er kreist nur um sich selbst. Sein Lebensstil wird von kultivierter Gepflegtheit, Sch�nheit und K�nstlerischem beherrscht. Doch jetzt ��</p><p>Sabora lachte. �Er wird Angst um seine vollkommenen Pflanzen und G�rten haben, die er sich mit seiner Magie schuf. Das Tote Land w�rde sich �ber seine Schmuckpl�tze und Parkanlagen sehr freuen.� Sie richtete sich auf. �Ich habe geh�rt, Gor�n sei hier gewesen. War er nicht einer deiner Famuli?�</p><p>�Gor�n? Hier? In Porista? Er lebt doch in Gr�nhain.�</p><p>�Turgur erz�hlte mir, dass er sich nach der letzten Versammlung mit ihm und einem Famulus Nudins getroffen habe.�</p><p>�Wenn ich es nicht besser w�sste�, sagte der Magus im Scherz, �n�hme ich eine Verschw�rung an. Der Sch�ne setzt sich mit den Sch�lern seiner beiden Konkurrenten zusammen und entlockt ihnen die Forschungsergebnisse.�</p><p>�Das w�re eine seltsame Vermischung. Magische Sch�nheit, das Sehen von Magie und �� Sie z�gerte. �Ich wei� gar nicht, was Nudin erforscht. Du?�</p><p>�Nein, er hat nichts dar�ber gesagt�, entgegnete er. �Aber es muss sehr aufw�ndig sein, sodass er kaum dazu kommt, sich zwischen seinen Experimenten zu bewegen.� Ihre Worte hatten seine Neugier geweckt, und er beschloss, Turgur sp�ter nach dem Wiedersehen mit Gor�n zu fragen. Z�rtlich schlang er beide Arme um sie und wiegte sie sanft. �Vergessen wir f�r ein paar Stunden die anderen, Sabora�, bat er sie sanft. �Wir sehen uns zu selten.�</p><p>�Viel zu selten�, best�tigte die Frau mit den kurzen silbernen Haaren. �Ich werde And�kai vorschlagen, das Reich mit ihr zu tauschen, damit wir uns n�her sind.�</p><p>�Ihre Untertanen w�rden den Wechsel begr��en. Nach den St�rmen z�ge die Stille in ihr Land�, neckte er sie.</p><p>�Du wei�t, dass die stillen Wasser die tiefsten sind�, gab sie mit einem schelmischen Funkeln ihrer graubraunen Augen zur�ck.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Tungdils braune Zwergenaugen gew�hnten sich rasch an die Dunkelheit. Die W�nde waren glatt poliert und sauber aus dem dunklen Fleisch des Berges herausgeschlagen worden. Es sah ganz nach zwergischer Bergmannskunst aus, Menschen machten sich diese M�he sicherlich nicht.</p><p>So beeindruckend die Legende �ber den Goldberg auch anzuh�ren gewesen war, der Zwerg glaubte sie nicht mehr. Das Wenige, das er bisher entdeckt hatte, machte auf ihn den Eindruck einer Bleibe, nicht einer Goldmine.</p><p>Tungdil kletterte mehrere Treppen hinab und stand letztlich vor einem ge�ffneten Fallgitter. Dahinter war eine massive Eichent�r angelehnt, dicke Eisenb�nder umfassten das Holz, Stahlplatten verst�rkten es zus�tzlich. Wenn sie zufiele, s��e er in der Falle.</p><p>�Ho?!�, rief er. �Jemand da? Herr Gor�n?!�</p><p>Au�er dem dumpfen Nachhall seiner Stimme war nichts zu h�ren, und nach einer Weile war es wieder still wie in einem Grab. Er ging weiter.</p><p>�Mein Name ist Tungdil. Magus Lot-Ionan schickt mich, h�rt Ihr?�, rief er laut, damit niemand auf den Gedanken k�me, er sei ein Einbrecher. Auf der anderen Seite der T�r erkannte er mehrere Hebel, mit denen sich das Fallgitter heben und senken lie�, wie er durch neugieriges Ausprobieren herausfand. Die Ger�usche, die dabei entstanden, waren sehr laut. Zu laut.</p><p>�Verzeiht�, rief er wieder und eilte weiter, um Gor�n endlich zu finden.</p><p>Es ging tiefer und tiefer in den Tafelberg hinein. Tungdil kam sich vor, als w�re er in einem Zwergenreich gelandet. Treppen und Stufen f�hrten in die steinerne Geborgenheit und gaben ihm einen ungef�hren Eindruck, wie es in den Gebirgen seines Volkes aussehen musste. Schlie�lich stand er in der K�che, einem sauber aus dem Gestein gehauenen, gro�en Raum mit �fen, die ebenso wie das Geschirr schon lange nicht mehr benutzt worden waren.</p><p>�Herr Gor�n?!� Tungdil setzte sich, stellte sein Gep�ck ab und wartete eine Weile. Ihn beschlich ein schrecklicher Verdacht. <emphasis>Ob er gestorben ist?</emphasis> Energisch beschloss er, seine Zur�ckhaltung aufzugeben und nach Hinweisen auf den Verbleib des Famulus zu suchen.</p><p>Er marschierte die erstbeste T�r hinaus und den dahinter liegenden Gang entlang. Zun�chst gelangte er in eine gro�e H�hle, die sich �ber zweihundert Schritt L�nge und vierzig Schritte Breite erstreckte. Ein Garten war darin nach allen Regeln der Kunst angelegt worden, doch das Fehlen einer pflegenden Hand sorgte daf�r, dass er verwildert war. Das ben�tigte Licht fiel �ber Spiegel herein und brachte die Pflanzen trotz der K�hle zum Wachsen. Der Regen, der durch Kan�le im Stein von oben durchsickerte, bew�sserte sie; vereinzelt tropfte Wasser von der Decke.</p><p>Tungdil ging weiter, bahnte sich einen Weg durch das wuchernde Gr�n, folgte dem Gang und fand sich in einem Studierzimmer wieder. Der Anblick war ihm wohl vertraut: lose Pergamente und voll gekritzelte Papyri, aufgeschlagene B�cher, die auf den Tischen und auf dem Boden �bereinander lagen �</p><p>�Ein Teil seiner Aufzeichnungen?�, wunderte er sich laut. <emphasis>Das w�rden andere schon als Bibliothek bezeichnen.</emphasis> Z�gerlich machte er sich an die Arbeit, nach einem Hinweis auf den Verbleib Gor�ns zu suchen.</p><p>Die meisten verstaubten Werke, in denen er herumbl�tterte, verstand er nicht. Sie waren in der Gelehrtensprache der Zauberer verfasst, die nur hochgradige Famuli und Magi beherrschten. <emphasis>Reichtum? Langes Leben? Ewige Gesundheit? Woran mag er geforscht haben?</emphasis> Doch das konnte ihm gleichg�ltig sein, seine Aufgabe bestand darin, den Sack mit den Artefakten endlich an den richtigen Mann zu bringen.</p><p>Hinter einem Schrank fand er einen Packen Briefe. Darin tauschte sich Gor�n mit zwei anderen Gelehrten �ber Besessenheit aus: welche Formen es davon gab, welche bekannt und welche aufgetaucht waren und ob es m�glich sei, durch einen Geist beherrscht zu werden.</p><p>Einer der Gelehrten musste ein hochgradiger Magus sein, denn Tungdil konnte nichts davon lesen. Der andere schrieb wie ein Famulus ersten Grades und beschrieb Ver�nderungen eines Mannes, �u�erlich und charakterlich. Aber einen Hinweis auf den Verbleib Gor�ns entdeckte er nicht.</p><p>Der Zwerg durchforstete weitere, angrenzende Zimmer, betrat kleinere Laboratorien, zum Teil geleerte Bibliotheken, Lagerr�ume f�r Zauberspruchzutaten, und entfernte sich dabei immer weiter vom Mittelpunkt des Tafelberges.</p><p>Dabei �berdachte er seine Lage. Gor�n war ganz offensichtlich nicht mehr hier; gleichzeitig hatte er Lot-Ionan hoch und heilig versprochen, die Dinge abzuliefern. Das bedeutete, dass er nicht eher nach Hause zur�ckkehren w�rde, bis er seinen Auftrag erf�llt h�tte. Auf den Schwur eines Zwerges war Verlass. <emphasis>Und Jolosin wird noch l�nger Kartoffeln sch�len m�ssen. Auch nicht schlecht.</emphasis></p><p>Pl�tzlich stie� Tungdil auf Inschriften, die eindeutig zwergischen Ursprungs waren. Der Schreck fuhr ihm in die Glieder. Hasstiraden, abgr�ndige Feindschaften standen vor ihm f�r die Ewigkeit in Fels graviert. Wer immer den Mei�el gef�hrt hatte, hatte eine inbr�nstige Verachtung und die schrecklichsten Todesw�nsche gegen vier St�mme und all ihre Clans in die Schriftzeichen gelegt.</p><p>Das bedeutete ganz sicher eines. <emphasis>Diese Festung geh�rte einmal dem Stamm Lorimbur!</emphasis> In Gauragar, im Menschenland, stolperte er also �ber ein Kapitel in der Geschichte seines Volkes, das in den herk�mmlichen Aufzeichnungen verborgen blieb.</p><p><emphasis>Geschaffen gegen die Vier, gefallen gegen die Vier,</emphasis> erinnerte er sich an die Worte im Fels. Das mochte hei�en, dass die Dritten eine Befestigung mitten im Geborgenen Land geschaffen hatten. <emphasis>Um was zu tun? Um von hier aus die anderen Kinder des Schmiedes anzugreifen?</emphasis> Offensichtlich hatten sie eine Niederlage gegen ihre Verwandten erlitten, wenn er den Spruch treffend auslegte. <emphasis>Verflucht von den Vier, verlassen von allen F�nf.</emphasis> Anscheinend sollte eine Verw�nschung verhindern, dass das Schwarzjoch jemals wieder bewohnt wurde.</p><p>Der Zwerg glaubte zu ahnen, was geschehen war. Gor�n hatte durch einen gl�cklichen Zufall von den Tunneln und R�umen des Berges erfahren und beschlossen, sich sein eigenes Refugium zu schaffen. Sein K�nnen hatte ausgereicht, um den Zwergenfluch zu verstehen und zu brechen, und er hatte sich hier eingenistet. Die Verse <emphasis>Erbaut mit Blut, gef�rbt vom Blut</emphasis> hatten ihn wohl nicht weiter gest�rt.</p><p>Unvermittelt h�rte Tungdil ein Fl�stern, und seine Nackenhaare stellten sich auf. Die W�nde sprachen zu ihm, Geister schienen ihn zu umkreisen und auf ihn einzuwispern.</p><p><emphasis>Es ist nur meine Einbildung,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Sie lie�en ihn das Krachen der �xte, das Klirren der Kettenhemden und das Schreien der K�mpfer h�ren. Die Ger�usche schwollen an, das Get�se wurde lauter, die Rufe der Verletzten und Sterbenden unertr�glich.</p><p>�Nein!�, rief Tungdil und presste die H�nde auf die Ohren. �Lasst mich!� Doch die Illusion endete nicht, sondern wurde lauter und bedrohlicher, und daher lief er so schnell zur�ck wie er konnte. Ihn hielt nichts mehr hier, er wollte nur mehr aus dem Schwarzjoch und vor den Geistern fliehen.</p><p>Das Wispern, Schreien und Krachen lie�en nach, je weiter er sich aus dem Stollenabschnitt entfernte.</p><p>Tungdil empfand selten Furcht, aber der Tafelberg stellte sein Herz auf eine harte Probe. Lieber stand er in strahlendem Sonnenschein oder im dichtesten Regen, als eine Nacht in diesem Gestein zu verbringen. Jetzt, wo er das entsetzliche Geheimnis der Festung zu einem Teil kannte, sah er die Geister seiner toten Ahnen um sein Nachtlager stehen.</p><p>Nach unz�hligen Stunden der Suche entdeckte er zwar keinen ausdr�cklichen Verweis auf den Verbleib Gor�ns, aber er fand den Namen einer Elbin mehrfach in selbst verfassten Liebesgedichten. Ein Ort war so oft auf den br�chigen Landkarten eingekreist worden, dass Tungdil annahm, Gor�n sei dorthin weiter gezogen: nach Gr�nhain.</p><p>Um dorthin zu gelangen, standen Tungdils F��en weitere dreihundertf�nfzig Meilen nach Nordwesten bevor. Der Famulus hatte sich allem Anschein nach in den Forst zur�ckgezogen, der als Ausl�ufer des Ewigen Waldes galt, welcher wiederum im Elbenreich �landur lag. Legenden sprachen von der besonderen, friedvollen Stimmung, die zwischen den St�mmen herrschte; das Laub fiel und spross stets neu, ohne sich um Winter, Sommer, Fr�hjahr und Herbst zu k�mmern.</p><p>Tungdil z�hlte die Hinweise zusammen und grinste. <emphasis>Er hat sich in ein Spitzohr verliebt und ist zu ihr gegangen.</emphasis> Die unbekannte Elbin bescherte ihm also eine Verl�ngerung seines Abenteuers, und das sorgte nicht unbedingt daf�r, dass er die Spitzohren lieber mochte.</p><p>Der Zwerg wollte in die K�che zur�ckkehren, um von dort aus den Gang nach drau�en zu nehmen, doch in Gedanken versunken verpasste er eine Abzweigung. Auf diese Weise sah er noch mehr von der Festung der Dritten. Er erkannte, dass sich der Stamm Lorimburs zwar M�he gegeben hatte, Eindrucksvolles zu schaffen, aber es war ihnen nicht gelungen. W�nde hingen schief, die Abst�nde zwischen den Tritten passten nicht, waren unregelm��ig gehauen. Der Fluch von Vraccas, der auf ihnen lastete, lie� sie das Elementarste aller Zwergenhandwerke mehr schlecht als recht beherrschen.</p><p>Schlie�lich stand er vor einem Torbogen, den die Erbauer mitten in den Fels gehauen hatten. Laut las er die Runen, die auf dem Schlussstein standen, und schon wurde eine Fuge in der massiven Wand sichtbar. Die Fl�gel aus Stein schoben sich malmend auseinander, um ihn nach drau�en zu entlassen. Kaum hatte Tungdil ihn passiert, verschloss sich der Ausgang hinter ihm. So sehr er tastete und suchte, er entdeckte keine verr�terische Spalte, die auf den Eingang hinwies. <emphasis>Wenigstens das konnten die Dritten.</emphasis></p><p>Der kurze Weg durch den dichten Tannenwald erleichterte ihm die Gew�hnung an das Tageslicht, und als er schlie�lich die Stra�e entlang in Richtung Gr�nhain trottete, machte ihm die Helligkeit schon nichts mehr aus.</p><p>Zum ersten Mal auf seiner Reise freute sich Tungdil �ber das Summen der Bienen, den Geruch von Gras und den hellen Sonnenschein. Alles war besser als das Schwarzjoch.</p></section><section><title><p>V</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Am Abend versammelten sich die sechs Frauen und M�nner im Saal, um ihre Vorbereitungen zu treffen.</p><p>Die St�hle um den Malachittisch herum wurden entfernt. Auf den Marmorboden zeichneten sie einen gro�en Kreidekreis und versahen ihn mit farbigen Symbolen, Runen und Schriftzeichen; diese dienten dazu, die beschworene Magie nach der gelungenen Beschw�rung festzuhalten und eine gewisse Zeit zu binden, damit sie nicht wirkungslos verpuffte. Dann sollten die Energien gleichzeitig in den Tisch in der Mitte geleitet werden.</p><p>Es dauerte Stunden, bis diese Arbeiten beendet waren. Kein Wort wurde gesprochen, denn eine Unterhaltung gef�hrdete die Konzentration, und ein falscher Strich h�tte zur Folge gehabt, dass alles von neuem h�tte aufgemalt werden m�ssen.</p><p>Lot-Ionan war als Erster fertig und betrachtete den dunkelgr�nen Malachittisch, mit dem es eine besondere Bewandtnis hatte. Er hatte das ungew�hnliche M�belst�ck einst bei einem Kr�mer entdeckt und mehr in dem Stein gesehen. Seine Nachforschungen hatten ergeben, dass die Mine, aus der der dunkelgr�ne Malachit stammte, im Ausl�ufer eines Magiefeldes lag. So hatten seine Versuche die besondere Fertigkeit des Gesteins aufgedeckt, Magie zu speichern und auf Befehl freizusetzen. Der Malachit bewahrte die beschworenen Kr�fte und formte daraus geb�ndelte Magie. Diese Erkenntnis kam seinen Nachfolgern und dem Geborgenen Land hunderte von Sonnenzyklen sp�ter zu Gute, denn ohne den Speicherkristall w�re es den Sechs niemals gelungen, das Tote Land aufzuhalten. Generationen von Magi und Magae hatten diese Eigenschaft des Malachits genutzt, und so sollte es heute wieder geschehen.</p><p>Turgur erhob sich und betrachtete seinen Kreis zufrieden; dann beobachtete er Nudin. �Etwas stimmt nicht�, raunte er Lot-Ionan zu. �Gib auf Nudin Acht.�</p><p>�Wieso?�, fragte der Magus verwundert. �Was ��</p><p>Nudin richtete sich auf und schaute zu ihnen her�ber; sein aufgedunsenes Gesicht wirkte misstrauisch, als er die leise tuschelnden M�nner bemerkte.</p><p>�Nicht jetzt. Ich erkl�re es dir und den anderen sp�ter�, meinte Turgur. �Stehst du mir bei?�</p><p>�Dir beistehen?� Der Magus mit dem langen wei�en Bart hatte seinen Verstand voller magischer Formeln; er wusste mit dem geheimnisvollen Getue des Sch�nen nichts anzufangen.</p><p>Bevor er nachfragen konnte, wies sie Maira an, ihre Pl�tze einzunehmen. Der Mond und die Sterne standen am Himmel, als die Zauberkundigen in die Kreise um den Tisch traten. Die Zeremonie konnte beginnen. Die Kuppeldecke �ber ihren K�pfen geriet in Bewegung und schwenkte zur Seite, sodass sie nichts als das Firmament �ber sich hatten.</p><p>Die Sechs breiteten die Arme aus, hielten sie waagrecht von ihren K�rpern abgespreizt und rezitierten mit geschlossenen Augen die Formeln, welche die magischen Kr�fte zusammenzogen.</p><p>Jeder sprach seine eigenen Silben. Maira sang, And�kai zischte w�tend und aufbrausend, Turgurs Formeln klangen so arrogant wie er, wohingegen Sabora kaum vernehmbar fl�sterte. Die Stimmen mischten sich zu einem verworrenen, beschw�renden Choral, dem die Magie nicht widerstehen konnte.</p><p>Nudin und Lot-Ionan h�rten sich beinahe identisch an. Sie trugen die Worte feierlich, erhaben vor, als st�nden sie vor einem K�nig und begr��ten ihn ehrf�rchtig.</p><p>Der Geduldige hatte die seltsamen Worte Turgurs nicht vergessen und sp�hte durch die halb ge�ffneten Lider, was Nudin tat. Erleichtert stellte er fest, dass er sich nicht sonderlich auff�llig verhielt.</p><p>Die Symbole um die H�terin glommen nacheinander grell auf; sie stand in einem glei�enden, irisierenden Strahl, der weithin sichtbar senkrecht nach oben in den schwarzen Himmel strahlte und ihre Gestalt beleuchtete. Maira war bereit.</p><p>Reihum flammten die Kreise auf und badeten die Zauberkundigen in Licht. Die Bewohner Poristas starrten gewiss mit Begeisterung zum Palast des Rates und freuten sich �ber das seltene Schauspiel.</p><p>Die enorme Energie der Magie lud den Raum auf, und �berall knisterte es. Kleine bl�uliche Elmsfeuer sprangen zwischen den S�ulen hin und her.</p><p>Die H�terin legte ihre H�nde auf den Malachit, die anderen f�nf taten es ihr nach. Lot-Ionan sah, dass Turgur die Augen nicht von Nudin wandte und �u�erst angespannt wirkte.</p><p>Die beschworene Macht floss durch sie hindurch und schoss in den dunkelgr�nen Kristall, der daraufhin zu pulsieren begann. Sein Leuchten steigerte sich, bis die Sechs die Finger von der k�hlen Oberfl�che l�sten und einen Schritt zur�ck machten.</p><p>�Begib dich auf die Reise und verst�rke das unsichtbare Band, welche das Tote Land fesselt�, rief Maira und sprach die Formel. Der Malachit und die Magie gehorchten ihr, die Energie trat als funkelnder, wei�licher Schein aus der Mitte des Tisches.</p><p>Nudin aber ergriff unvermittelt seinen Stab und hielt die Spitze direkt in die konzentrierte Macht. Der Stein absorbierte das Wei�. Ein schwarzer Blitz l�ste sich aus dem schwarzsilbernen Schmuckstein und �bertrug die umgewandelte Kraft in den Magus, der grauenvoll schrie und sich unter Schmerzen wand.</p><p>�Verr�ter!� Turgur nahm seinen Zauberstab zur Hand und wollte den Onyx aus dem Stahl schlagen, aber eine unsichtbare Schutzwand hinderte ihn daran.</p><p>Der Stein saugte dem Malachit den winzigsten Rest Magie aus, das Schimmern �ber der Platte erlosch ebenso wie das Glimmen der Zauberkreise. Das Ritual war beendet, die Macht gesammelt und freigegeben worden. Nudin taumelte r�ckw�rts, um sich ersch�pft an eine S�ule zu lehnen.</p><p>Lot-Ionan schaute zu Turgur, der offenbar mehr �ber das Vorhaben Nudins gewusst hatte �Er hat uns verraten!�, schrie der Sch�ne au�er sich. �Er ist auf der Seite des Toten Landes! H�tte ich die Hinweise doch nur fr�her erhalten.�</p><p>�Was sollte das?!�, brauste And�kai auf und lief zu Nudin. Ihre kr�ftigen H�nde packten den Magus bei den Schultern, und es sah aus, als wollte sie ihn schlagen.</p><p>Doch er kam ihr zuvor.</p><p>Seine geballte Faust krachte so pfeilgeschwind gegen ihr Kinn, dass sie keine Gelegenheit erhielt, den Schlag zu parieren. Die St�rmische wurde emporgerissen, flog einige Schritte durch den Raum und fiel r�cklings auf den Malachittisch, wo sie regungslos liegen blieb.</p><p>�Du wirst uns erkl�ren m�ssen, was du angerichtet hast, Nudin�, verlangte Lot-Ionan scharf.</p><p>Der dunkel gekleidete Magus richtete sich auf. �Schweig, du alter Narr�, herrschte er ihn an und reckte den Stecken mit dem Onyx voraus gegen den Mann.</p><p>Die vier Zauberkundigen bereiteten sich vor, auf einen magischen Angriff zu reagieren. Die Krankheit musste seinen Verstand ver�ndert haben, Wahn war bei Magi nichts Ungew�hnliches.</p><p>�Was sollte das, Nudin?�, wiederholte Sabora die Forderung eindringlich. �Geht es dir um Macht? War es eine List, um durch das Ritual an mehr Kraft zu gelangen? Oder entsprachen Turgurs Worte der Wahrheit? Das w�re t�richt.� Sie schaute rasch zu den anderen. �Lege deinen Stab zu Boden, ehe ein Ungl�ck geschieht.�</p><p>�Das Ungl�ck ist bereits geschehen�, hielt er dagegen. �Das Ungl�ck war, dass ihr all die Jahre das Falsche getan habt. Ihr habt es bek�mpft, anstatt mit ihm zu reden. Es hat in vielen Dingen Recht!�</p><p>�Das Tote Land!�, raunte die H�terin entsetzt. �Du hast mit ihm � gesprochen?�</p><p>�Ich habe von ihm gelernt�, stellte er richtig. �Ihr �berlasse euch die Wahl. Seid ihr f�r mich oder gegen mich, wenn ich das Geborgene Land ver�ndere und sch�tze?�</p><p>Lot-Ionan langte nach seinem Stab. Es stand au�er Frage, wie er sich entschied. �Du hast dir mit der heutigen Tat f�nf Feinde gemacht�, sagte er traurig. �Wissbegier und Neugier sind dir zum Verh�ngnis geworden. Du h�ttest nicht auf die Stimme des B�sen h�ren sollen.�</p><p>�Es ist nicht das B�se�, hielt Nudin dagegen und setzte zu einer Erkl�rung an, als d�nne Blutf�den aus seiner Nase und dem linken Auge sickerten; sie zogen dunkelrote Linien �ber das teigige Gesicht. Er stockte.</p><p>�Sieh, was es aus dir macht�, sagte Maira sanft. �Sage dich von ihm los, Nudin!�</p><p>�Nein�, stie� er angsterf�llt hervor. �Nein, niemals! Es wei� so viel, mehr als all meine B�cher, ja, mehr als alle Menschen und Magi zusammen.� Seine Stimme �berschlug sich. �Es ist die Erf�llung meiner Tr�ume. Versteht doch, es allein kann mich weiterbringen!�</p><p>�Du kannst nicht mehr zur�ck, weil du ein Teil des Landes geworden bist. Und f�r das Wissen verlangt es einen solch geringen Lohn wie das gesamte Geborgene Land mit all seinen Menschen und Wesen?�, bemerkte Turgur spitz. �Ja, das klingt nach einem guten Gesch�ft, mein Bester.�</p><p>�Niemand wird dir beistehen, Nudin�, k�ndigte Sabora fl�sternd an. Sie sch�ttelte den silbernen Schopf. �Wie konntest du nur?�</p><p>�Ihr versteht nicht�, sagte er entt�uscht. �Es ist gekommen, um uns alle vor dem Unheil zu bewahren!�</p><p>�Vor dem Unheil zu bewahren?� Maira gab den anderen ein Signal. �Nein, Nudin. Es gibt nichts Schlimmeres als das Tote Land, kein Schrecken kann gr��er sein. Wir m�ssen es aufhalten�, sie atmete tief ein, �und wir m�ssen dich aufhalten.�</p><p>�Narren! Ihr werdet meinem Freund nichts antun.� Nudin murmelte unverst�ndliche Worte und stie� mit dem Ende seines Stabes auf den Boden. Der Marmor sprang, ein Riss bildete sich, hielt geradewegs auf den Speicheredelstein zu und erreichte einen Herzschlag sp�ter den Sockel.</p><p>Der Malachit knackte wie Kandis in hei�em Tee, bevor er in tausende kleiner Splitter zerbarst. And�kai fiel auf die harten Platten und st�hnte nicht einmal; die gr�nen Tr�mmerst�cke kullerten und sprangen um sie herum.</p><p>Lot-Ionan, dem der Gegenzauber zu sp�t �ber die Lippen kam, starrte wie die anderen vier entsetzt auf die Reste des einmaligen Steines. <emphasis>Er hat den Fokus unwiederbringlich vernichtet!</emphasis></p><p>W�hrend er wie gel�hmt auf die gr�n schimmernden Fragmente schaute, zuckte ein blauer Feuerball an ihm vor�ber, um den verr�terischen Magus zu vernichten. Doch das magische Geschoss, das Turgur auf den Weg schickte, zerplatzte an einem Schutzzauber.</p><p>�Alle zusammen!�, rief Maira. �Bewahrt das Geborgene Land vor gr��erem �bel!�</p><p>Ihr Ruf weckte Lot-Ionan. Er verdr�ngte jegliche Gedanken �ber die m�gliche Zukunft seiner Heimat und seine unendliche Entt�uschung �ber den Treuebruch Nudins, um sich auf den ungew�hnlichen Kampf zu konzentrieren. Die anderen ben�tigten seine Unterst�tzung. Doch in seinen zweihundertsiebenundachtzig Zyklen hatte er die Magie niemals zum T�ten und Vernichten einsetzen m�ssen.</p><p>Die Frauen und M�nner attackierten den Abtr�nnigen zuerst mit rasch aufeinander folgenden Energieblitzen und Flammenb�llen, um ihre Magie schlie�lich zu einem einzigen Angriff zu b�ndeln.</p><p>Nudins Schutzwand wurde von den Entladungen und dem Feuer umschlossen, seine Gestalt verschwand in dem Inferno. Sabora brachte zwei S�ulen neben ihm zum Einsturz, worauf ein gewaltiges St�ck Decke des Palastes �ber ihm einbrach; feiner Staub wirbelte auf und nahm ihnen die Sicht.</p><p>Keiner der vier wagte es, sich um And�kai zu k�mmern. Sie ben�tigten ihre ganze Aufmerksamkeit f�r Nudin.</p><p>�Lasst uns sehen, ob es uns gelang.� Maira sprach einen Zauber, um den Dreck zum Dach hinaus zu blasen. Als sich der Schleier lichtete, blickten sie ins Leere � der Wissbegierige war verschwunden. Nichts deutete darauf hin, dass sie ihn vernichtet hatten.</p><p>�Das kann nicht sein�, keuchte Turgur angestrengt. �Er m�sste uns unterliegen. Nudin �� Seine Augen weiteten sich. Voller Grauen schaute er auf seine Hand, die rapide alterte. Die Haut warf Falten, wurde fleckig, bis sie schwarze Stellen bekam und zu verwesen begann. Der Sch�ne stie� einen Gegenzauber hervor, doch es war vergebens. Die Zersetzung wanderte seinen Arm hinauf, ergriff seinen ganzen Rumpf und breitete sich weiter aus.</p><p>�Halte durch!� Sabora sprang ihm bei. Sie legte ihre Hand ohne Scheu auf die sterbenden Stellen, um sie durch ihre Kr�fte zum Heilen zu bringen, aber auch sie scheiterte.</p><p>Turgur fiel hin, da es nichts mehr gab, was seinen K�rper halten konnte. Seine Zunge war ein St�ck stinkendes Fleisch geworden, und so lallte er hilflos. Seine Sch�nheit schwand und kurz darauf sein Leben. Der Magus hatte sich bei lebendigem Leib aufgel�st.</p><p>Lot-Ionan versuchte, die aufkeimende Furcht vor dem Verr�ter niederzuringen. Nudin kannte Zauber, die es im Geborgenen Land nicht gab; das Tote Land lehrte ihn Schreckliches.</p><p>Da trat der Wissbegierige unmittelbar neben Maira hinter einer S�ule hervor. Die H�terin wich vor ihm zur�ck.</p><p>�Ich lie� euch die Entscheidung�, sprach er schnarrend. Er kam auf die drei zu und stellte sich neben die liegende And�kai. �Ihr traft eure Wahl. Seht nun selbst, was ihr davon habt. Ich ��</p><p>Die eben noch regungslos verharrende And�kai schnellte hoch und zog dabei ihr Schwert. Die Klinge sirrte durch die Luft und durchbohrte Nudins Brust.</p><p>�Dein Lohn f�r deinen Verrat!�, rief sie und zog die Schneide mit einem lauten Schrei nach oben. Die Rippen der linken Seite und das Schl�sselbein wurden zerschnitten, dann trat die Waffe aus. Nudin wankte, brach zusammen.</p><p>Im Fallen riss der Sterbende seinen Stab in die H�he und stie� ihn mit enormer Kraft nach vorn. Das Ende fuhr And�kai durch die Brust; sie �chzte auf, st�rzte und krampfte die Finger um die Malachitsplitter. Dann lag sie still.</p><p>�And�kai!� Sabora war sofort an ihrer Seite und bem�hte sich, ihre Wunde mit der Kraft ihrer Magie zu heilen.</p><p>Lot-Ionan und Maira atmeten auf, als sie den Verr�ter in seinem Blut liegen sahen. Sie knieten sich neben die Verletzte, um ihr beizustehen, doch ihre Zauber versagten.</p><p>�Unsere Kr�fte sind vom Ritual und dem Kampf zu ersch�pft�, sagte Sabora und stand hastig auf. �Sorgt daf�r, dass sie nicht zu viel Blut verliert, ich hole einen Famulus Nudins, der sich auf Heilzauber versteht und ausgeruht ist. Das ist besser als nichts.�</p><p>Sie machte zwei Schritte auf die T�r zu und erstarrte in der Bewegung. Ihre Hautfarbe ver�nderte sich, wurde von Kopf bis Fu� blassblau.</p><p>�Sabora?� Lot-Ionan griff nach ihr, um sie zu ber�hren. K�lte biss in seine Finger, seine Hand gefror auf der Stelle fest. Die Schweigsame war zu Eis geworden!</p><p>�Die St�rmische liegt friedlich am Boden, der Sch�ne b��te seine Anmut ein, die Schweigsame ist f�r immer still�, h�rte er Nudins kr�chzende Stimme hinter sich. �Was geschieht wohl mit dem Geduldigen?�</p><p><emphasis>Nudin!?</emphasis> Lot-Ionan l�ste sich mit Gewalt von der Maga. Hautfetzen blieben an ihrem gefrorenen Fleisch kleben, und er schrie auf. Seine geliebte Freundin so enden zu sehen versetzte ihn in unglaubliche Rage. �Du wirst dem Tod nicht noch einmal entfliehen!� Er wirbelte herum, einen schrecklichen Zauber auf den Lippen, und starrte auf den Verr�ter, der in blutbesudelter Robe vor ihm stand, den Onyxstab direkt auf ihn gerichtet. Die tiefe Wunde, die And�kais Schwert angerichtet hatte, existierte nicht mehr; allein der zerschnittene Stoff zeugte von ihrer Attacke.</p><p>Doch ehe Lot-Ionan zu handeln vermochte, l�hmten geheimnisvolle Kr�fte seinen K�rper. Sein Leib wurde immer k�lter, er fror erb�rmlich, die Haut straffte und spannte sich so sehr, dass ihm vor Schmerzen die Tr�nen �ber die Wangen rannen. Einzig die Augen blieben beweglich.</p><p>�Nudin, siehst du nicht, dass es dich lenkt?� Maira wollte aufstehen, glitt jedoch auf den Malachitst�ckchen aus. Schon schlug Nudin zu. Auf seinen Befehl hin richteten sich die unterschiedlich langen Kristallsplitter am Boden wie Dornen auf, dann griff er sie mit einem Zauberspruch an.</p><p>Sie wehrte den schwarzen Blitz ab, aber daf�r fiel sie in die Splitter. Die scharfen Kanten durchschnitten ihre Kleider und die empfindliche Haut, drangen ins Fleisch und verletzten sie schwer.</p><p>�Nudin! Ich bitte dich ��, keuchte sie gepresst.</p><p>�<emphasis>Niemand</emphasis> bittet mich!� Der Magus stand breitbeinig �ber ihr und drosch beidh�ndig mit seinem Stock zu. Der schwarze Edelstein hieb ihr durchs Gesicht und blitzte, Maira schrie gellend auf. �Und auch ich werde niemanden mehr bitten!�</p><p>Wie ein Irrsinniger pr�gelte er auf ihren Kopf ein, bis der Sch�del ger�uschvoll barst und von ihrem einst so w�rdevollen Antlitz nichts mehr �brig geblieben war.</p><p>�chzend richtete Nudin sich auf, und der Triumph leuchtete in seinen wahnsinnigen Augen. Er blickte sich um und betrachtete die Toten.</p><p>�Es ist <emphasis>eure</emphasis> eigene Schuld�, rief er zornig, wie um sich selbst zu verteidigen. �<emphasis>Eure</emphasis> Entscheidung brachte euch den Tod.� Er fuhr sich �bers Gesicht und entdeckte das gerinnende Blut; angewidert wischte er es an seinem Gewand ab. �<emphasis>Nicht</emphasis> ich�, sagte er etwas leiser, �<emphasis>nicht</emphasis> ich.�</p><p>Lot-Ionan weinte voller Verzweiflung, mehr blieb ihm nicht mehr. Sie wurden verraten und vernichtet von einem Mann, den sie fr�her einst als Freund bezeichnet hatten.</p><p>Nudins Anspannung wich. Er sank auf einen der St�hle, legte den Kopf in den Nacken und blickte zu den Sternen.</p><p>�Ich bin N�d�onn der Zweifache�, sprach er zu den flirrenden Punkten. �Nudin der Wissbegierige ist nicht mehr, er ging zusammen mit den anderen F�nf des Rates und kehrt nie mehr wieder.� Seine H�nde klammerten sich um den Stock. �Ich bin zwei und doch eins�, wisperte er gedankenverloren, stemmte sich schwerf�llig in die H�he und schritt zum Ausgang. Lot-Ionan verfolgte ihn mit Blicken.</p><p>�Du wirst sicher sterben, mein alter und falscher Freund�, prophezeite er im Gehen. �Die Versteinerung wird dich bald vollkommen durchsetzt und zu einer Statue gemacht haben.� Er wandte ihm seine ger�teten Augen zu. Sie wirkten sehr m�de und entt�uscht. �Du h�ttest dich auf meine Seite stellen und nicht zu dem Verr�ter Turgur halten sollen. Aber in Erinnerung an unsere alten Zeiten verspreche ich dir, dass du einen sch�nen Platz erh�ltst�, verabschiedete er sich. Seine dicken Finger legten sich um ihn. Er umarmte den Magus und drehte ihn ein wenig, sodass er Sabora sehen konnte. �Sieh zu, w�hrend du vergehst, und stirb mit dem Wissen, dass sie dir bald folgt. Lebe wohl. Ich muss mich daran machen, unser Land zu retten. Allein. Da ihr mich im Stich lie�et.�</p><p>Schon verschwand er aus Lot-Ionans Gesichtsfeld, die T�ren schlossen sich rumpelnd. Der Magus war allein mit den Toten, deren Anblick seine Seele folterte; vor allem die zu Eis erstarrte Sabora brachte ihn schier um den Verstand.</p><p><emphasis>Ihr G�tter, wollt ihr das Geborgene Land untergehen sehen? Ich bitte euch, tut etwas, wenn es nicht so ist!</emphasis> Wut, Hoffnungslosigkeit, Hass und Trauer stauten sich in ihm auf, und seine Verzweiflung wurde so gro�, dass er nicht mehr aufh�ren konnte zu weinen.</p><p>Schlie�lich gew�hrte ihm die Magie Gnade. Die letzten Tr�nen erstarrten als steinernes Zeugnis des Kummers auf seiner marmornen Haut, w�hrend seine Atmung aussetzte und sein Herz sich in Stein verwandelte. Der Tod ersparte dem Geduldigen den Anblick, Sabora am Tag in der unbarmherzigen Sommersonne schmelzen zu sehen. Sp�testens das h�tte den freundlichen Mann umgebracht.</p><p>Als alles still war, schwang sich ein riesiger Krieger durch eines der Fenster, stieg �ber die Toten und kniete sich neben den reglosen K�rper And�kais. Sein lauter, unmenschlicher Schrei hallte durch den Palast.</p><subtitle>Das Geborgene Land, Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>Tungdil kam z�gig voran. Seine Stiefel fra�en Meile um Meile, w�hrend er sich unaufhaltsam in Richtung Nordwesten bewegte und dem Gr�nhain n�herte. Die k�rzeste Route zu seinem neuen Ziel f�hrte ihn durch Lios Nudin, das Zauberreich von Nudin dem Wissbegierigen.</p><p>Es passte ihm gar nicht, dass er immer n�her an die Front zum Toten Land geriet. Die Nordseite des Zauberreiches grenzte unmittelbar an dessen vorderes Ende; der Hain lag allerdings immer noch sichere einhundertzehn Meilen davon entfernt. Sollten die Magi eines Tages nicht mehr Herren der Lage sein, m�sste sich Gor�n mit dem Gedanken anfreunden, den Wald zu verlassen.</p><p>Kurz hinter dem Schwarzjoch entdeckte er eine Niederlassung der Meldeboten. Damit sich Lot-Ionan keine Sorgen um ihn und seinen Verbleib machte, setzte Tungdil einen weiteren knappen Brief auf, in dem er schilderte, was ihm bislang widerfahren war und wohin er nun unterwegs war. Der Auftrag kostete ihn seine letzten geliebten Goldm�nzen.</p><p>Das Wetter meinte es gut mit ihm. Die Sonne schien warm und freundlich vom Himmel, und der Wind sorgte daf�r, dass es ihm unterwegs nicht zu hei� wurde. Wenn die Temperaturen dennoch stiegen, setzte sich der Zwerg in den Schatten eines Baumes und wartete ab, bis es Nachmittag wurde. Seine Beine f�hlten sich viel kr�ftiger an als fr�her, das Gewicht des Kettenhemdes sp�rte er nicht mehr. So hatte die Wanderung noch mehr Gutes.</p><p>Tungdil fand nur wenig Gefallen an Lios Nudin. Das Land war eher flach, und die sanften H�gel wurden von den Bewohnern des Zauberreiches ehrfurchtsvoll �Hochland� genannt. Daf�r gab es Wiesen und Felder, so weit seine Augen reichten. K�he und vor allem Schafe, die von aufmerksamen Hunden geh�tet wurden, standen wiederk�uend umher. Die wenigen W�lder waren licht, daf�r sehr alt. Wo die B�ume einmal ihre Wurzeln eingegraben hatten, schienen sie bis in alle Ewigkeit stehen zu wollen.</p><p>Lios Nudin kannte keine gro�en St�dte. Abgesehen von der Hauptstadt, die er in weiter Entfernung s�dlich passierte, gab es noch Lamtasar und Seinach, in denen mehr als drei�igtausend Menschen lebten.</p><p>Die vielen D�rfer und Geh�fte machten es Tungdil einfacher, unterwegs Gelegenheitsarbeiten als Schmied zu finden, um seinen Proviantbeutel mit ger�uchertem Speck, Brot und K�se als Lohn f�r seine Dienste aufzuf�llen; nach Gold fragte er die einfachen Bauern nicht einmal.</p><p>Seit vier Uml�ufen lief er nun auf der Landstra�e nach Westen. Sobald er die Grenze �berquerte, st�nde er wieder in Gauragar und m�sste schr�g nach Norden gehen, um Gr�nhain zu erreichen.</p><p><emphasis>Ich hoffe, dass Gor�n sich inzwischen nicht mit seiner Elbin zerstritten hat und an einen anderen Ort gezogen ist.</emphasis> Tungdil sah sich in seinen Albtr�umen den Rest seines Lebens damit verbringen, dem ehemaligen Famulus von Lot-Ionan hinterherzulaufen, um die verfluchten Artefakte zur�ckzugeben. Andererseits machte er viele neue Erfahrungen, und auch an das Leben an der Oberfl�che hatte er sich inzwischen gew�hnt.</p><p>Die Eindr�cke des Ork�berfalls lagen nun Wochen zur�ck und hatten allm�hlich ihren Schrecken verloren. Tungdil gefiel es, den Geschichten der Bauern zuzuh�ren, die D�fte des Landes einzuatmen und die verschiedenen Dialekte der Menschen zu h�ren. Das Geborgene Land bot tagt�gliche Vielfalt.</p><p>In einsamen Stunden vermisste er die Geborgenheit des Stollens mit seiner �bersichtlichen Weite, den sch�tzenden G�ngen und niedrigen R�umen. Die B�cher fehlten ihm ebenso wie die Gespr�che mit den rangniederen Famuli und mit Sunja oder Frala, deren Halstuch noch immer an seinem G�rtel hing.</p><p>Dabei hoffte er die ganze Zeit �ber, dass sich sein Volk um ihn als den verlorenen Zwerg k�mmerte und seinem Ziehvater eine Antwort schickte. Tungdil dachte Tag f�r Tag daran und betete zu Vraccas, dass sie ihn �berhaupt sehen mochten.</p><p>Gegen Nachmittag wurde die Umgebung bewaldeter; immer mehr B�ume ragten in den Himmel, bis sie einen hellen, freundlichen Forst bildeten. Es handelte sich um die ersten Ausl�ufer seines Ziels: Gr�nhain lag zum Greifen nahe.</p><p>Laut seiner Karte befand er sich f�nfzig Meilen westlich von Lios Nudin und einhundert Meilen s�dwestlich von der Grenze des Toten Landes entfernt und somit auf sicherer Erde. Es h�tte ihn verwundert, hier auf Orks zu treffen.</p><p>Da brach ein Ast im Wald.</p><p>Da Tungdil die Ger�usche der Natur inzwischen gut kannte, wusste er, dass ein solches Ger�usch nicht von einem kleinen Zweig stammte. Etwas Schweres hatte das Holz zum Krachen gebracht. Er legte die Hand an den Stiel seiner Axt und sp�hte dorthin, woher der Laut gekommen war.</p><p>Wieder knackte es.</p><p>�Holla!�</p><p>Seine fordernde Stimme schreckte das Reh auf, das zwischen den B�umen nach saftigem Gras suchte. Das Wild sprang davon, er sah das wei�e Hinterteil auf und nieder wippen, ehe es von einem Stamm verborgen wurde.</p><p>Erleichtert lachte er auf. <emphasis>Was h�tte es auch sonst sein sollen?</emphasis> W�hrend Tungdil durch den Wald wanderte, f�hlte er, wie Ruhe und Ausgeglichenheit von ihm Besitz ergriffen. Die B�ume schienen einen Frieden zu verstr�men, den er in sich aufnahm; das Vogelgezwitscher klang lebendiger, freudiger als bisher. Die Tiere begr��ten ihn, wie man einen lange vermissten Freund empf�ngt, der nach einer langen Reise zur�ckkehrte.</p><p>Aus der dreckigen, staubigen Stra�e wurde ein mit Gras �berzogenes, gr�nes Band, das sich harmonisch in die Natur einf�gte. Seine Sohlen liefen auf federndem, verf�hrerisch weichem Untergrund. Selbst die dr�ckende Sommerhitze, die ihm in den letzten Tagen zu schaffen gemacht hatte, war im Schatten des hellen Bl�tterdachs ertr�glich. Ein leichter Wind trug die Schw�le davon, und das Marschieren fiel ihm leichter denn je.</p><p>Die Ger�usche des Hains wurden ihm vertrauter, das Knacken wiederholte sich �fter. Er sah Rehe, Hirsche und Wildschweine rasch im Schutz der B�ume verschwinden, wenn er in ihrer N�he vorbeikam. Es wimmelte nur so von Tieren. Sie schienen die Stimmung des Waldes ebenso zu sp�ren wie er und sich wohl zu f�hlen.</p><p><emphasis>Ich werde dem Spitzohr gegen�ber zur�ckhaltend und abwartend auftreten,</emphasis> dachte Tungdil. Das Volk der Zwerge und das der Elben hassten sich, aber er pers�nlich dachte nicht daran, jemanden zu hassen, der ihm nachweislich nichts B�ses getan hatte. <emphasis>Ich will sehen, wie sie mich empf�ngt.</emphasis></p><p>Wieder krachte ein Ast. Dem lauten Ger�usch nach zu urteilen w�rde er gleich vor einem stolzen Hirsch stehen und voller Ehrfurcht dessen Geweih betrachten.</p><p>Die n�chsten d�nnen St�mme brachen, Zweige knackten, dann wurde geflucht. Auf Orkisch.</p><p>Die Harmonie des Hains zerbrach wie d�nnes Glas unter der Wucht eines Schmiedehammers. Tungdil roch durchdringenden Schwei�, ranziges Fett. Eben glaubte er sich noch in Sicherheit, nun purzelten die Orks aus dem Geb�sch und wollten ihn in Scheiben schneiden.</p><p>Vor ihm trat eine besonders h�ssliche Gr�nhaut auf den Weg. Sie war bis an die vorstehenden F�nge ger�stet und beinahe doppelt so gro� wie der Zwerg.</p><p>�Verfluchtes Gr�n! Wir brennen das Zeug nieder, dann ist es einfacher zu marschieren.� W�tend klaubte sich das Ungeheuer einen Ast aus der R�stung. Noch bemerkte es den Zwerg nicht.</p><p>Seine Begleiter, die hinter ihm aus dem Wald kamen, waren aufmerksamer als er. �He, Frushgnar! Vor dir!�</p><p>Der kurze Ruf gen�gte, und der kantige Sch�del fuhr herum. Das breite Maul �ffnete sich zu einem einsch�chternden Drohgebr�ll. Die winzigen, tief in den H�hlen sitzenden Augen richteten sich funkelnd auf Tungdil. �Ein Unterirdischer! Du kommst mir recht�, schrie der Ork und zog sein gezacktes Schwert.</p><p>�Ich wollte, ich k�nnte das Gleiche von dir sagen.� Als der Zwerg �ber seine Schulter schaute, verlor er seine Gesichtsfarbe. Es krochen immer mehr Bestien aus dem Wald, bei drei�ig h�rte er auf zu z�hlen. Ein Kampf war dieses Mal unvermeidbar. Wie ein Kind des Schmiedes wollte er sich den Orks stellen und gegen sie fallen. Vielleicht schaffte er das Kunstst�ck, wenigstens einen zu t�ten und damit vor Vraccas nicht ganz so unzwergisch zu erscheinen. Der Wille z�hlte. �Aber da ihr nun mal da seid, muss ich euch erschlagen.�</p><p>�Du und welches Heer?�, grunzte der Ork h�hnisch.</p><p>Tungdil lie� die Rucks�cke zu Boden gleiten. Es �rgerte ihn, dass er kurz vor seinem Ziel scheitern sollte, und das verlieh ihm unglaubliche Kr�fte.</p><p>�Ich brauche kein Heer. Meine Axt gen�gt mir.� Je mehr er von ihren Ausd�nstungen roch, umso mehr regte sich der angeborene Hass seines Volkes gegen diese Ungeheuer. Wieder sah er das vernichtete Gutenauen und die vielen Toten. Der gelehrte Teil seines Verstands schaltete sich aus, und mit einem Kampfschrei st�rzte er sich auf den ersten Ork.</p><p>Das Scheusal blockte seinen Schlag mit dem Schild, grunzte ver�chtlich und trat ihm vor die Brust. �Du brauchst doch ein Heer�, lachte er quiekend, dann setzte er nach.</p><p>Der Zwerg taumelte r�ckw�rts, ein Baum bremste ihn. Im letzten Augenblick duckte er sich unter dem Schwert weg, das seinen Kopf knapp verfehlte und im Stamm stecken blieb.</p><p>Tungdil sah den dicken, ungesch�tzten Oberschenkel genau vor sich und schlug ohne nachzudenken zu. Die Axt drang in das Bein ein und schlug eine klaffende Wunde, dunkelgr�nes Blut str�mte aus der Verletzung und rann das Knie hinunter. �Ha!�</p><p>Der Ork k�mmerte sich nicht um sein Schwert, sondern z�ckte einen Dolch, um nach dem Zwerg zu stechen. Die Klinge prallte gegen das Kettenhemd, doch die Wucht gen�gte, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Tungdil versuchte, sich auf den Beinen zu halten, stolperte �ber seine beiden Rucks�cke und fiel auf den R�cken. <emphasis>Verflucht!</emphasis></p><p>�Ruf lieber dein Heer, ich bin gleich fertig mit dir.� Die Bestie schleuderte das lange Messer nach ihm, verfehlte ihn jedoch.</p><p>Tungdil verhedderte sich zu allem Ungl�ck in den Riemen der Rucks�cke und versuchte, sich daraus zu befreien, w�hrend sein Gegner das Schwert aus dem Baum riss.</p><p>Der Ork humpelte heran. Schnaubend vor Wut schlug er zu, die Hiebwaffe durchschnitt zischend die Luft.</p><p>Der Zwerg w�lzte sich zur Seite. Der Sack mit den Artefakten rutschte hinterher und lag quer �ber seinem R�cken, da traf ihn die Klinge des Ungeheuers.</p><p>Gor�ns Habseligkeiten fingen den Schwung des Schwertes ab und d�mpften ihn, aber das vielf�ltige Krachen verriet Tungdil, dass mindestens ein Artefakt nicht heil in Gr�nhain ank�me. Wenn sie �berhaupt ankamen. Seine Wut wurde erneut angefacht.</p><p>�Du freust dich zu fr�h!� Er rollte sich herum und schlug mit der Axt aus der Drehung zu; seine Waffe fuhr zu zwei Dritteln in den rechten Unterschenkel. �Da!�</p><p>Der Ork knickte jaulend ein und fiel neben dem Zwerg ins Gras. Tungdil rutschte von dem Angreifer weg und sprang auf, um ihm die Axt in den Nacken zu schlagen, dass es knackte. �Ich brauche kein Heer gegen dich�, schnaufte er. Eine von Tions Kreaturen hatte er get�tet. Er hoffte, dass Vraccas mit ihm zufrieden war, denn mehr durfte er von ihm nicht erwarten.</p><p>Drei�ig weitere Scheusale rannten auf ihn zu. Es waren zu viele, um den Tag zu �berleben.</p><p><emphasis>Einen von euch nehme ich noch mit.</emphasis> Tungdil senkte den Kopf, die H�nde fassten den Stiel seiner Axt. So mussten sich seine Vorfahren am Steinernen Torweg gef�hlt haben, als die �bermacht gegen das Portal angest�rmt war. Er w�rde ihr Schicksal teilen und aufrecht zu Grunde gehen.</p><p>Als die ersten Gegner zehn Schritte vor ihm standen, erschallte ein herausforderndes, fr�hliches Hornsignal, dann krachte und klirrte es, Stahl traf auf Stahl, Orks br�llten sterbend auf. Tungdil hatte unverhoffte Unterst�tzung erhalten. Wer auch immer die Scheusale besch�ftigte, der Zwerg sp�rte unendliche Dankbarkeit.</p><p>�Er ist nicht allein! Los, bringt mir ihr Fleisch�, br�llte der Orkf�hrer. Die vorderen Gr�nh�ute machten auf dem Absatz kehrt und wandten sich den neuen Feinden zu, die am Ende ihrer Rotte aufgetaucht waren.</p><p><emphasis>Die Elbin sandte mir ihre Krieger,</emphasis> dachte Tungdil. <emphasis>Da will ich nicht tatenlos zusehen.</emphasis> Er trabte hinter den Orks her und nahm dabei Anlauf, um einem der Gegner von hinten in die Kniekehlen zu schlagen. Die Bestie st�rzte wie ein gef�llter Baum.</p><p>�Noch einer!�, lachte Tungdil grimmig.</p><p>Ein Ork schickte sich an, mit ihm zu k�mpfen, w�hrend der Rest der Horde in einem dichten Pulk um die K�mpfer der Elbin herum stand und ihm die Sicht versperrte.</p><p>Der Zwerg merkte bald, dass er durch seine beiden unerwarteten Erfolge zu �berm�tig geworden war. Sein dritter Widersacher lie� sich auf keinerlei Spielchen ein, sondern attackierte ihn unentwegt mit einem Anderthalbh�nder.</p><p>Nach f�nf brutalen Schl�gen geriet Tungdil in Bedr�ngnis. Ein m�chtiger Hieb riss ihm seine Waffe aus der Hand, und sie plumpste ins Gras. In seiner Not langte er nach seinem Brotzeitmesser. �Komm her!�</p><p>�Sicher!� Der Ork quiekte laut vor Vergn�gen. �Damit pule ich mir nachher dein Fleisch aus den Z�hnen, Unterirdischer�, br�llte er und setzte zum Schlag an.</p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Urgon, im Fr�hsommer des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Eine gemeinsames Heer?�, lachte Lothaire, Herrscher �ber Urgon, lauthals. Der junge Mann von knapp einundzwanzig Zyklen warf die langen blonden Haare zur�ck und bedeutete einem Diener, frisches Wasser zu bringen. �Gegen das Tote Land?�</p><p>K�nig Tilogorn, ein Mann um die vierzig Uml�ufe mit schulterlangen braunen Haaren und einem schmalen, ernsten Gesicht, nickte. Er hatte sich auf den Weg in den Palast Lothaires gemacht, um Einigkeit unter den Herrschern zu schaffen. Seit vier Stunden redete er in dem d�steren Zimmer auf ihn ein und hatte das Gef�hl, kein St�ck vorw�rts zu kommen, w�hrend drau�en die Sonne �ber die Berge Urgons zog und hinter den Gipfeln versank.</p><p>�Es gibt Ger�chte, dass die magischen Barrieren nicht mehr halten. Und wenn sie brechen, m�ssen wir auf einen Einfall der Orks vorbereitet sein, wie es ihn bislang noch nicht gegeben hat.� Tilogorn deutete auf die Karte des Geborgenen Landes. �Die sieben K�nigreiche m�ssen sich zusammenschlie�en, und wenn Ihr mir zustimmt, wird es leichter, die K�niginnen Umilante, Wey und Isika sowie die K�nige Bruron und Nate zu �berzeugen.�</p><p>Lothaire nahm einen Schluck, schaute �ber den Rand des Glases und fixierte Tilogorn. �Es ist Euch ernst?�</p><p>�Todernst�, nickte er. �Die Gemeinsamkeit entscheidet �ber den Fortbestand, da bin ich mir sicher.�</p><p>�Sollten wir uns nicht zun�chst auf die Kraft der Magi verlassen, ehe wir ��</p><p>�Die Magi versuchen ihren Teil, wir stellen die Truppen�, unterbrach er ihn. �Ich habe einen Boten nach Lios Nudin gesandt, der mit dem Rat aushandeln soll, wann wir uns mit ihm treffen k�nnen. Er muss bald zur�ckkehren.�</p><p>�Glaubt Ihr, dass die Zauberer sich dazu herablassen, mit uns Sterblichen zu reden? And�kai die St�rmische beansprucht zwar einen Teil meines Landes, aber sie hat sich noch nie bei mir gezeigt.�</p><p>Tilogorn lachte. �And�kai ist eine au�ergew�hnliche Maga, der man besser aus dem Weg gehen sollte. So selten man die Zauberer sieht und so wenig sie sich in unsere Angelegenheiten einmischen, in diesem Fall machen sie eine Ausnahme, da bin ich mir sicher. Sie wissen um ihre Verantwortung.�</p><p>Lothaire schaute auf die Zeichnung und betrachtete die Grenzen des Toten Landes, die noch keine Bedrohung f�r ihn darstellten. �Ich wei� nicht. In meinem Reich ist alles in sch�nster Ordnung ��</p><p>�Aber wie lange noch, Prinz?�, sagte Tilogorn und bem�hte sich, seine Stimme beschwichtigend klingen zu lassen. �Sicher, Euer bergiges Reich ist leichter zu verteidigen als das flache Gauragar oder Idosl�n, aber die Orks, die Albae und die ganzen Kreaturen, welche das Tote Land sonst noch beherbergt, lassen sich davon gewiss nicht lange aufhalten.�</p><p>�Ich st�rze sie mit ihren schweren R�stungen von meinen Gipfeln oder ertr�nke sie in meinen Seen�, blieb Lothaire bei seiner ber�chtigten �berheblichkeit. �Meine M�nner sind erfahren, wir k�mpfen t�glich gegen versprengte Trolle, die in den Bergen leben. Ich kann meine Pfade mit nur einem Mann gegen eine Hundertschaft sichern.�</p><p>�Vergleicht die Albae nicht mit den einf�ltigen Trollen. Ein gut gezielter Pfeil und Euer Mann ist tot, begreift das. Ihr Nachschub, der aus dem Norden kommt, ist unersch�pflich, Euch hingegen werden nach und nach die Soldaten ausgehen.� Tilogorn deutete auf die ehemaligen Elbenreiche. �Sie alle bestanden darauf, f�r sich allein zu k�mpfen, und gingen unter. Soll uns das nicht eine Mahnung sein? Ein riesiges Heer, das es mit den Scheusalen aufnehmen kann, das ben�tigen wir!�</p><p>�Was ist mit den Kr�ften des Toten Landes? Die Toten sollen sich in seinem Namen erheben.�</p><p>�Ich habe auch davon geh�rt und mir �berlegt, dass wir die Leichen sofort verbrennen, damit sie nicht als seelenlose Kreaturen zur�ckkehren k�nnen. Wir stellen eigene Abteilungen zusammen, die hinter den Linien entlang gehen und sich um die Toten k�mmern.� Tilogorn verstand die Frage als Zeichen, dass sich Lothaire �berreden lie�. �Ihr seid mit mir im Bunde, Prinz?�</p><p>�Ich f�hre das Heer�, verk�ndete Lothaire augenblicklich.</p><p>�Wir teilen uns die Aufgabe�, hielt der K�nig Idosl�ns dagegen. �Wir haben gen�gend Kampferfahrung, die sich gut erg�nzen wird. Und au�erdem w�rden meine M�nner keinem Anf�hrer folgen, der j�nger ist als sie.� Er hielt ihm die Hand hin. �Seid Ihr einverstanden?�</p><p>Lothaire musste lachen. �Meinetwegen. Wir werden ein Heer aufstellen, wie es das Geborgene Land selten zu sehen bekam. Damit k�nnten wir in Ds�n Balsur einfallen und die Albae �ber den Steinernen Torweg jagen oder sie vollst�ndig vernichten, was das Beste w�re�, teilte er begeistert seine �berlegungen mit. �Danach sind die Orks an der Reihe, und wir machen unsere Reiche zu friedlichen und geborgenen L�ndern. Wahrlich, darauf freue ich mich.� Er schlug ein, doch im n�chsten Augenblick nahm sein Gesicht einen besorgten Ausdruck an. �Ihr solltet noch etwas wissen. Erinnert Ihr Euch an Prinz Mallen von Ido?�</p><p>Tilogorn stie� die Luft aus. �Wer k�nnte den letzten Spross des Geschlechtes der Ido vergessen? Ich habe geh�rt, dass er auf Eurem Boden lebt.�</p><p>�Um genau zu sein, befehligt er meine Truppen�, verbesserte Lothaire. �Aber ich werde ihn aus meinen Diensten entlassen, sobald wir gegen die Orks in Eurem Land ziehen. Es soll nicht hei�en, ich sei schuld an blutigen Zwischenf�llen, weil ich den Letzten der Ido unter einem Vorwand zur�ck nach Idosl�n schmuggelte.�</p><p>Das war keine sonderlich erfreuliche Neuigkeit. �Ich f�rchte, dass die Unruhe fr�her ins Heer getragen wird. Er hat sicherlich eigene Anh�nger in die Reihen der Soldaten aufgenommen.�</p><p>Lothaire nippte an seinem Wasser. �Im Grunde ist er ein vern�nftiger Mensch. Meint Ihr, Ihr w�rt in der Lage, ihn ebenso von unserer Sache zu �berzeugen, wie Ihr es mit mir getan habt?� Ehe Tilogorn zu antworten vermochte, stand Lothaire auf und begab sich zum Ausgang. �Ich lasse ihn rufen. Wenn Ihr ihn �berzeugen k�nnt, solltet Ihr mit den K�nigen und K�niginnen des Geborgenen Landes leichtes Spiel haben.� Er verschwand.</p><p>Sein Gast lehnte sich vor und betrachtete die Karte des Geborgenen Landes.</p><p>�Ich gr��e den K�nig von Idosl�n�, sagte eine schneidende Stimme. �Wer h�tte gedacht, dass wir beide einmal Seite an Seite in eine Schlacht reiten? Das nenne ich eine Ironie des Schicksals.�</p><p>Der Herrscher wandte den Blick zur Seite, um in das durchschnittliche Gesicht eines Mannes um die drei�ig Zyklen zu schauen, der zusammen mit Lothaire eintrat. Die aufw�ndig gearbeitete R�stung mit dem Signum der Ido verriet seinen Reichtum, auch wenn sie nicht mehr dem neuesten Modell entsprach.</p><p>�Prinz Mallen von Ido?�, sagte Tilogorn mehr verwundert, als dass er ihn gr��te. �Ich hatte Euch anders in Erinnerung.�</p><p>�Ihr kennt also noch das Siegel des Geschlechts, dem der Thron des Landes in Wirklichkeit geb�hrt, K�nig Tilogorn?�, merkte er sarkastisch an. �Sitzt Ihr bequem auf dem Kissen, das mir zusteht?�</p><p>�Danke der Nachfrage, Prinz Mallen. Euere R�nke haben es nicht erreicht, mich von dort zu vertreiben. Das Volk liebt meine Familie mehr als das Geschlecht der Ido�, erwiderte Tilogorn knapp. �Ihr dient dem Heer Urgons, wie ich h�rte.�</p><p>�Irgendetwas muss ich ja tun, um mir meinen Unterhalt in der Verbannung zu verdienen.�</p><p>�K�mpfen konntet Ihr Ido schon immer gut. Meistens gegen Euch selbst. Die Selbstzerfleischung und das Leiden des Volkes kostete Eurer Sippe letztlich die Herrschaft �ber das Land.� Er biss sich auf die Lippen. Mit solchen Spitzen w�rde es ihm nicht gelingen, ihn zu �berzeugen. �Es tut mir Leid, ich wollte ��</p><p>�Oh, bitte, K�nig Tilogorn. Fangt nicht an, mir Geschichtsstunden erteilen zu wollen�, sagte Prinz Mallen herablassend und stellte sich vor ihn. �Aber ich rede gern mit Euch dar�ber, wie ich in Ehren in mein Land zur�ckkehren und einen Beitrag f�r seinen Wohlstand leisten kann.�</p><p>�Wenn Ihr einen Beitrag leisten wollt, dann begrabt den Streit unserer Familien so lange, bis wir das Geborgene Land vor der Bedrohung gerettet haben�, meinte Tilogorn beschw�rend. �Ich entschuldige mich f�r meine harten Worte von eben�, unternahm er einen zweiten Anlauf.</p><p>�Ihr entschuldigt Euch also.� Mallens Gesicht blieb misstrauisch. �Nun, in einem habt Ihr Recht. Es bringt Idosl�n nichts, wenn die Orks oder das Tote Land dar�ber herrschen. Dar�ber habe ich bereits mehr als einmal nachgedacht.� Er blickte auf die Karte. �Auch wenn es �berraschend kommt, stimme ich Eurem Friedensangebot zu, wenn Ihr mir daf�r erlaubt, Idosl�n jederzeit betreten zu d�rfen.�</p><p>Tilogorn z�gerte.</p><p>�Ich m�chte einfach nur mein Land und die wenigen Freunde meiner Familie wieder sehen, die dort leben�, erkl�rte der Ido ruhig. �Die R�nke sind vorerst vergessen, ich schw�re es bei Palandiell, K�nig Tilogorn.�</p><p>Dieses Mal bot der K�nig ihm eine Hand dar. �Ich werde Euren Worten Glauben schenken, weil ich die Sorge um das Land in Euren Augen sah.�</p><p>�Ich habe Euch keine Freundschaft geschworen, verwechselt das nicht�, warnte ihn Mallen offen. �Wie es nach unserem Krieg gegen die Horden mit uns beiden weitergeht, wissen die G�tter, aber das soll uns derzeit nicht besch�ftigen.�</p><p>Lothaire, der sich bis dahin absichtlich zur�ckgehalten hatte, ergriff das Wort. �Nun, die Vernunft hat gesiegt, wie mir scheint. Dann schlage ich vor, dass wir die anderen Herrscherinnen und Herrscher von unseren Absichten in Kenntnis setzen, damit wir die Truppen schon bald zusammenziehen k�nnen.� Er geleitete sie pers�nlich durch die G�nge seines Palastes.</p><p>Tilogorn blickte zur Seite, um in den Gesichtern der beiden lesen zu k�nnen.</p><p>Lothaire schien sich auf die bevorstehende Schlacht zu freuen; Mallens verschlossene Miene erlaubte keinerlei Vermutung �ber dessen Gedanken, sondern schuf lediglich die Gewissheit, dass auch er sich sehr sorgte.</p><p>Das Klappern ihrer Stiefelsohlen erklang auf dem harten Marmorboden pl�tzlich im Gleichschritt.</p><p>�H�rt Ihr das?�, machte er sie darauf aufmerksam. �Seltsam, dass erst im Angesicht der Gefahr die Reiche, die benachbart sind und dennoch entzweit wie nie waren, an einem Strang ziehen und sich wie ein Land bewegen.�</p><p>�Es ist zu sp�t, um der Vergangenheit nachzuweinen�, sagte der Herrscher Urgons. �Lasst uns ein Vorbild sein, auf dass die anderen sich uns anschlie�en. Wer bei Verstand ist, wird es tun.�</p><p>Tilogorn nickte ihm zu. �Wohl gesprochen, K�nig Lothaire. Dass wir Verstand bewiesen haben�, er nickte Mallen zu, �ist gewiss.�</p></section><section><title><p>VI</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, Gauragar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hsommer</subtitle><p>�Oink, oink, kleines Schwein�, rief jemand voller Begeisterung auf Zwergisch. �Komm her, damit ich dich schlachten kann!� Ein gedrungener Schatten rutschte zwischen den Beinen des Ungeheuers hindurch, dann zuckten zwei kurzstielige Beile nach oben und drangen tief in die ungesch�tzten Weichteile des Orks.</p><p>Der kleinw�chsige Mann riss die Waffen lachend aus dem K�rper des Gegners, federte trotz seines Kettenhemds wie ein Akrobat in die H�he und drosch erneut zu. Die Klingen trafen den Hals des sich nach vorn beugenden Orks von beiden Seiten. Zu zwei Dritteln enthauptet, sank das Ungeheuer zu Boden.</p><p>�Beim Barte Bero�ns, wie kannst du dir nur die Waffe aus der Hand schlagen lassen?�, ma�regelte er Tungdil.</p><p>�Du bist � ein Zwerg!?�, keuchte dieser verbl�fft und rappelte sich auf.</p><p>�Was denn sonst? Sehe ich aus wie eine Elfe?� Er b�ckte sich, hob die Axt auf und warf sie Tungdil zu. �Nimm und halte sie dieses Mal gut fest. F�r einen Schwatz ist sp�ter Zeit.� Mit grimmigem Gel�chter st�rzte er sich in die tobende Schlacht.</p><p>Tungdil sah, dass au�er seinem Lebensretter ein zweiter Zwerg auf dem Weg stand, der dem Ersten abgesehen von dessen Haartracht in Gestalt und R�stung bis in die kleinste Kleinigkeit glich. Er schlug beherzt mit einem eisernen Kr�henschnabel um sich, einer Art Kriegshammer mit einem unterarmlangen Sporn.</p><p>�So, ihr wollt uns t�ten? Daf�r seid ihr zu wenig!� Mit dr�hnender Stimme verh�hnte sein Besch�tzer die Orks. �Eure h�ssliche Mutter muss sich mit einen Elben eingelassen haben, so scheu�lich seht ihr aus�, reizte er die Horde. �Mit einem r�udigen, einbeinigen, ohrlosen Elben! Und eure Mutter hatte auch noch Vergn�gen dabei!� Sobald einer der Orks grunzend nach vorn sprang, blitzten die Beile des Zwergs auf und brachten den Tod. �Kommt her, ihr anderen d�rft es noch einmal versuchen!�</p><p>Sein Bruder verzichtete auf lautes Gerufe, sondern w�tete pr�zise unter den Angreifern, zerschmetterte Gliedma�en und durchbohrte Leiber.</p><p>Die Zahl der k�mpfenden Orks hatte sich unter ihren Schl�gen auf vier reduziert, die �brigen lagen tot umher und tr�nkten die Erde des Hains mit ihrem Blut. Als sich die letzten Scheusale zu einem gleichzeitigen Angriff entschlossen, stellten sich die beiden Kriegerzwillinge R�cken an R�cken.</p><p>�Hussa, jetzt geht es rund!�, rief Tungdils Retter mit irrem Leuchten in den Augen.</p><p>Sie warteten nicht, bis die Orks heran waren, sondern schraubten sich in die Attacke der Unholde hinein, drehten sich dabei wie zwei Spieluhrfig�rchen um ihre Achse und gaben sich in ihrer Sprache Anweisungen, auf was der Hintermann zu achten hatte.</p><p>Die ungew�hnliche Kampfweise sicherte dem Duo den raschen Sieg gegen die �bermacht. Der letzte Schlag wurde von einem schallenden Lachen und einem h�mischen �Oink, oink� begleitet.</p><p>Tungdil empfand enorme Achtung. Die beiden schickten die ganze Horde Orks in den Tod, ohne auch nur eine Schramme davonzutragen. Er stand wie vom Donner ger�hrt auf dem Weg und bemerkte erst jetzt, dass er zum Zuschauer geworden war.</p><p>�Das Lebensfeuer von Vraccas� Esse m�ge allzeit in dir lodern�, gr��te ihn der andere Zwerg. �Ich bin Bo�ndal Pinnhand aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamme des Zweiten, und das ist mein Bruder Bo�ndil Zweiklinge oder auch Ingrimmsch genannt�, stellte er sich vor, und die braunen Augen musterten Tungdil freundlich.</p><p>�Ja. Er sieht nicht so aus, als w�rde er es mit mehreren Schweineschnauzen aufnehmen k�nnen�, lachte sein Bruder herzlich. �Er hatte ja schon mit einer seine liebe Not. Oder wolltest du die Viecher mit der blo�en Hand erw�rgen? Hast du deine Axt deshalb weggeworfen?�</p><p>�Ihr seid wahrlich im rechten Augenblick erschienen�, erwiderte Tungdil und blinzelte. Etwas in Bo�ndils Augen irritierte ihn; es mochte das seltsame Flackern, das fanatische Leuchten sein, das ihm zuvor schon aufgefallen war. Er schob es auf die Aufregung des Kampfes.</p><p>�Lass das Ge-Ihre und Ge-Euche�, meinte der andere augenzwinkernd, �wir Zwerge bevorzugen das schlichte Du, denn wir sind alle von Vraccas aus dem gleichen Stein gemacht worden.�</p><p>�Gut, ich merke es mir. Ich verdanke euch mein Leben�, sagte Tungdil bewegt und freudig zugleich, weil er zum ersten Mal seit seiner Wanderung auf Angeh�rige seines Volkes stie�. Tausend Fragen und mehr bedr�ngten ihn.</p><p>Bo�ndal sch�ttelte den Kopf, und der lange Zopf bewegte sich wie eine fette schwarze Schlange auf seinem R�cken. �Du musst uns nicht danken, wir stehen allen Zwergen bei.�</p><p>�Und wenn es einer vom Stamm der Dritten ist, verpr�geln wir ihn hinterher�, feixte Bo�ndil, w�hrend er seine Beile im hohen Gras vom Blut und weiteren K�rperfl�ssigkeiten seiner Gegner reinigte.</p><p>�Es hat lange gedauert, bis wir dich fanden.� Bo�ndal z�gerte. �Falls du Tungdil Bolofar bist ��</p><p>�Bolofar, welch ein Name�, grummelte sein Bruder. �Ist das so ein magischer Firlefanz? Soll er dich vor etwas sch�tzen?�</p><p>Die �berraschung stand Tungdil ins Gesicht geschrieben. �Ja, ich bin Tungdil�, gestand er z�gernd. �Woher ��</p><p>�Dann sage mir, wie dein Meister hei�t und wohin du m�chtest.�</p><p>�Er hei�t Lot-Ionan der Geduldige, und mein Weg geht euch, so sehr ich euch Dankbarkeit schulde, nichts an�, kam es widerborstig aus seinem Mund. �Noch kenne ich euch nicht so gut, dass ich meine Geheimnisse mit euch teile.�</p><p>Bo�ndil lachte laut und schallend. �Ja, das nenne ich eine passende Antwort. Auch wenn er gelehrtenhaft daherredet.� Er legte ihm die Hand auf die Schulter. �Wir wissen, dass du zu Gor�n gehen sollst, dein Meister hat es uns gesagt. Es war eine Pr�fung, um sicher zu gehen, dass wir den richtigen Zwerg vor uns haben.�</p><p>�Den Richtigen?�, hakte er nach. �Ich verstehe nicht �� Dann erinnerte er sich an den Brief, den Lot-Ionan an den Stamm des Zweiten geschickt hatte. �Nat�rlich! Mein Stamm will mich sehen!�, freute er sich. �Aber wozu die Eskorte? Wegen der Orks?�</p><p>�Es ging uns eigentlich mehr darum, dich schnell in unser Reich zu bringen. Gro�k�nig Gundrabur schickt uns, dich abzuholen und zu geleiten�, er�ffnete ihm Bo�ndal, w�hrend er die lange Spitze des Kr�henschnabels vorsichtig mit einem Fetzen Stoff abwusch, den er sich aus dem Wams eines Orks riss.</p><p>Sein Bruder z�ckte ein �ltuch und pflegte die blitzenden Klingen der Beile damit. �Eigentlich m�sste man den Orks eine Eskorte schicken, um sie vor uns zu sch�tzen�, gluckste er.</p><p>�Der Gro�k�nig�, raunte Tungdil ehrf�rchtig. �Wie komme ich zu dieser Ehre?�</p><p>�Wir bringen dich in die Feste Ogertod, wo du deinen Anspruch gegen�ber dem anderen Thronanw�rter verteidigen wirst.� Er sagte dies in einem Tonfall, als w�re es das Selbstverst�ndlichste der Welt.</p><p>�Der � andere Thronanw�rter?�, wiederholte Tungdil ungl�ubig und betrachtete die faltigen Gesichter der Zwillinge. �Welch ein Anw�rter? Und auf welchen Thron? Was habe ich damit zu schaffen?�</p><p>�Wir k�nnten ihn Tungdil Ohneahnung nennen.� Bo�ndil lachte hustend. �Da brat mir einer einen Elben! Der Kleine wei� nichts, gar nichts�, dr�hnte er. �Lass uns noch ein paar Schritte von den Schweineschnauzen weggehen, ihr Geruch bringt mich zum Kotzen. Wir schlagen eine Meile von hier ein Lager auf, wo wir ihm alles erkl�ren, Bruderherz�, wandte er sich an sein Ebenbild.</p><p>Offenbar dachte er nicht daran, dass Tungdil etwas gegen seinen Vorschlag haben k�nnte, aber weil dieser zu sehr von der Neugier geplagt wurde, erhob er keinen Einspruch. Die Gruppe marschierte weiter, dann rasteten sie abseits des Weges.</p><p>�Es geht doch nichts �ber ein leckeres Essen nach einem gewonnenen Kampf.� Bo�ndil entfachte ein Feuer und begann, K�se an einem St�ckchen zu braten.</p><p>�Und wenn man den Kampf verloren hat, fastet man dann?�</p><p>�Nein, dann kann es einem gleichg�ltig sein. In Vraccas� ewiger Schmiede gibt es leckere Sachen�, r�hrte er und drehte seinen geschnitzten Spie�.</p><p>Der aufsteigende Geruch stellte Tungdil die Luft ab. �So etwas habe ich schon einmal gerochen. Das war ganz zu Beginn meiner Reise, als meine F��e nach einundzwanzig Uml�ufen in den Stiefeln furchtbar stanken.�</p><p>�Ho, ein Kostver�chter?�, meinte Ingrimmsch und ahmte seinen Abscheu nach. �Es ist der beste K�se, den es im Zwergenreich gibt. Los, Bo�ndal, gib ihm was davon, damit sein Gaumen den rechten Geschmack findet. Die lange Zeit unter den Menschen hat ihn verdorben.�</p><p>Sein Bruder schnitt Brot mit Schinken ab, um es Tungdil mitsamt dem K�se zu reichen. �Ich erkl�re es dir in wenigen S�tzen. Gro�k�nig Gundrabur wird nicht mehr lange leben, und der Thron muss bald von einem Zwerg aus dem Stamm des Vierten besetzt werden. Der Gro�k�nig erfuhr durch den Brief des Magus von deiner Existenz und deinem Geheimnis.�</p><p>�Jetzt habe ich auch noch ein Geheimnis�, st�hnte Tungdil auf, der es noch nicht �ber sich brachte, das K�sest�ck in den Mund zu schieben. Es wurde allm�hlich zu viel des Guten.</p><p>�Es ist wichtig, dass du es erf�hrst. Es waren keine Kobolde, die dich zu Lot-Ionan brachten. Der Kindsraub war eine L�ge des Langen ��</p><p>�Langen?�</p><p>�So nennen wir die Menschen im Scherz. Wegen ihrer Gr��e. Doch zur�ck zu dem Zauberer. Er wollte dich so lange vor der Wahrheit verschonen, bis die rechte Zeit kam�, erkl�rte ihm Bo�ndal und reichte ihm einen Schlauch mit Wasser. �Du geh�rst zum Stamm der Vierten.�</p><p>Er erinnerte sich an die Landkarte. �Das kann ich nicht glauben. Das Reich liegt viel zu weit im Norden.�</p><p>�Das hat aber einen bestimmten Grund�, fuhr der Zwerg mit ernster Miene fort. �Der K�nig der Vierten hinterlie� mit dir einen unehelichen Spross, der verheimlicht werden sollte. Unmittelbar nach der Geburt gab man dich an eine befreundete Familie, die sich um dich k�mmern sollte. Die K�nigin erfuhr von dir und verlangte deinen Tod, damit du als Bankert in den sp�teren Jahren keinen Anspruch auf den Thron erheben k�nntest.�</p><p>�Willst du deinen K�se noch?�, unterbrach Bo�ndil die Rede seines Bruders. �Wenn du noch ein bisschen wartest, f�llt er ins Feuer und ist verloren.� Wortlos reichte er ihm das St�ckchen. �Danke.�</p><p>�Weil die Familie Mitleid empfand, reiste sie mit dir durch das Geborgene Land und erschien bei Lot-Ionan�, fuhr Bo�ndal fort. �Sie vertrauten den Neugeborenen dem Magus aus einem einfachen Grund an: Die K�nigin k�me niemals auf den Gedanken, einen Zwerg bei einem Magus zu vermuten.�</p><p>�Du wei�t doch hoffentlich, dass wir Zwerge von der Magie der Langen gar nichts halten?�, meinte Bo�ndil argw�hnisch.</p><p>�Sei still!�, rief sein Bruder ma�regelnd. �Lass mich zu Ende erz�hlen.� Er wandte sich wieder an Tungdil. �So, nun wei�t du, warum du in Ionandar und weit abseits aller Zwergenreiche aufgewachsen bist. Jetzt, nachdem wir von dir wissen, hat der Rat der St�mme die Pflicht, dich als zweiten Bewerber um das Amt des Oberhaupts der Zwerge anzuh�ren.�</p><p>Tungdil nahm einen langen Zug aus dem angebotenen Wasserschlauch. �Verzeih mir, aber ich glaube euch kein Wort�, stotterte er fassungslos. �Lot-Ionan h�tte mir l�ngst die Wahrheit gesagt.�</p><p>�Er wollte es dir sagen, wenn du von deiner Wanderung zur�ck gekehrt w�rst�, antwortete ihm Bo�ndal. Er �ffnete seinen Rucksack und zeigte ihm einen Brief, der eindeutig die Handschrift des Magus trug. �Er gab ihn uns mit, weil er dachte, dass du uns nicht vertraust.�</p><p>Mit zitternden Fingern �ffnete Tungdil die Schriftrolle und �berflog die Zeilen. Es stimmte. Es stimmte <emphasis>alles,</emphasis> was sie ihm sagten!</p><p><emphasis>Ich wollte nichts weiter, als andere meines Volkes zu treffen, nun aber bin ich pl�tzlich Anw�rter auf den Thron aller Zwergenclans?</emphasis> �Ich kann es nicht�, w�rgte er hervor. �Ich begleite euch gern, aber ich �berlasse meinem Rivalen das Feld.� Er lachte ungl�cklich auf. �Wie sollte ich denn �ber die St�mme regieren? Ich bin in deren Augen nicht einmal ein echter Zwerg. Keiner w�rde mich dulden und ��</p><p>Das St�ckchen mit dem stinkenden K�se schwebte unvermittelt unter seiner Nase. �H�r auf zu jammern�, sagte Bo�ndil m�rrisch. �Wir haben einen langen Weg zur Festung vor uns. Das wird reichen, um aus dir einen von uns zu machen.� Das St�ckchen wippte auffordernd. �Ich habe es mir anders �berlegt, du wirst kosten�, verlangte er, und das fanatische Funkeln in seinen Augen war nicht gewichen. �Je eher du Zwerg wirst, desto besser.�</p><p>Tungdil zog das warme St�ck K�se vom Spie�. Es schmeckte grauenvoll, seine Finger w�rden die n�chsten Tage danach riechen und sein Mund vermutlich auch. �Es geht nicht�, wiederholte er stur. �Ich muss die Artefakte zu Gor�n bringen.�</p><p>�Es dauert nicht mehr lange, bis du in der Siedlung von Gr�nhain bist. Wir warten�, meinte Ingrimmsch g�nnerhaft, �bis du den Sack losgeworden bist.�</p><p>Sein Zwillingsbruder nickte. �Dein Magus ist eingeweiht. Er hat uns erlaubt, dich nach Ogertod zu bringen.�</p><p>�Was w�rde geschehen, wenn ihr ohne mich zur�ckkehrtet?�</p><p>Die Geschwister wechselten einen schnellen Blick.</p><p>�Vermutlich w�rde Gandogar als Gro�k�nig eingesetzt, aber es w�rde stets der Makel an ihm haften, nicht der wahre Herrscher zu sein�, sprach Bo�ndal besonnen und gab seinem Bruder ein aufmunterndes Zeichen.</p><p>�Ja, genau!�, stieg der mit ein. �Daraus k�nnten � Unzufriedenheiten unter den St�mmen entstehen. Manche � k�nnten seine Regentschaft anzweifeln, das Lager der Zwerge w�rde sich spalten und ��, er blickte Hilfe suchend in die Flammen, dann hellte sich sein Gesicht auf, �vielleicht k�me es zum Krieg zwischen den Clans und innerhalb der St�mme. Und du w�rst schuld.� Er schaute sehr zufrieden drein.</p><p>Tungdil war durcheinander. Der Tag brachte zu viel. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Orks get�tet, und kurz darauf sa� er mit einer H�lfte seines Hinterns auf dem k�niglichen Stuhl. Er musste dringend nachdenken. �Ich brauche Bedenkzeit.� Ersch�pft rollte er sich neben dem Feuer zusammen und schloss die Augen.</p><p>Bo�ndil r�usperte sich und begann leise zu singen. Es war eine Zwergenweise, die durch ihre Silben eine ganz eigene Anziehungskraft besa� und von den Zeiten vor den Zeiten sprach �</p><cite><p>�Die G�tter entstanden, weil es ihnen gefiel.</p><p>Einer schuf sich selbst aus einer Flamme, fl�ssigem Stein und Stahl. Das ist Vraccas der Schmied.</p><p>Eine erhob sich aus der Erde. Das ist Palandiell die Fruchtbare.</p><p>Einer bildete sich aus den Winden der Welt. Das ist Samusin der Rasche.</p><p>Eine wollte so zerst�rerisch und schaffend sein wie das Wasser. Das ist Elria die Hilfreiche.</p><p>Eins vereinte Licht und Dunkelheit in sich. Das ist Tion das Zweigeschlecht.</p><p>Sie sind die F�nf ��</p></cite><p>Mehr vernahm Tungdil nicht mehr. Die Worte in seiner Sprache, die er zum ersten Mal aus einem anderen Zwergenmund h�rte, beruhigten ihn so sehr, dass er einschlief.</p><empty-line/><p>Mit dem Erwachen und dem Aroma des durchdringend riechenden K�ses in der Nase stand sein Entschluss fest, die Zwillinge ins Reich der Zweiten zu begleiten. Die Neugier auf andere Angeh�rige seines Volkes siegte �ber die Vorbehalte.</p><p>�Damit ihr es wisst, ich habe weiterhin, nicht vor, Gro�k�nig zu werden�, machte er ihnen deutlich. �Ich komme nur mit, um mehr �ber seine Familie zu erfahren.�</p><p>�Von uns aus�, meinte Bo�ndal zufrieden. �Hauptsache ist, dass du mitgehst.� Er und sein Bruder packten ihre Sachen zusammen, und sie schritten z�gig aus. �Wir m�ssen so schnell wie m�glich zur Siedlung, damit wir noch schneller in die Festung zur�ckzukehren. Die achthundert Meilen werden sich ziehen.�</p><p>�Wir bringen dich bis an den Rand des Dorfes oder was auch immer die Elbin zwischen die B�ume gezimmert hat�, meinte Bo�ndil unfreundlich. �Mit dem Spitzohr wollen wir nichts zu tun haben. Es ist schon schlimm genug, durch einen Elbenhain zu marschieren.� Er bespie den n�chstbesten Strauch.</p><p>�Sie hat dir doch nichts getan.� Tungdil betastete den Sack mit den Artefakten vorsichtig. Es f�hlte sich an, als w�ren ein paar Dinge darin nicht mehr so intakt, wie sie sein sollten; der Schwerthieb war den Gegenst�nden gewiss nicht gut bekommen. F�r diese Tat hatte der Ork den Tod doppelt verdient. �Ich laufe mehr als sechshundert Meilen durch Gauragar und Lios Nudin und entgehe Orks, ohne dass die sorgf�ltig geh�teten Artefakte Schaden nahmen�, seufzte er. �Ausgerechnet drei oder vier Fu�stunden von Gor�n entfernt taucht dieses Scheusal auf und zerst�rt die wertvollen St�cke.� Er hoffte auf die Milde des einstigen Famulus Lot-Ionans.</p><p>Doch der Krieger war in Gedanken noch immer bei der Elbin. �Mir? Nein, sie mir nicht. Aber ihr Volk dem Volk der Zwerge�, stie� er w�tend hervor. �Die Elben und ihr Hochmut, ich k�nnte sie ��</p><p>Der Hass drohte Bo�ndil zu �berw�ltigen, er entlud seine Gef�hle, indem er seine Beile z�ckte und blindw�tig auf einen jungen Baum einschlug, der unter seinen Hieben starb.</p><p>Bo�ndals faltiges Gesicht wurde verschlossen, er stellte das Gep�ck ab, warf den langen Zopf �ber die Schulter und wartete, bis der Tobsuchtsanfall vor�ber war.</p><p>�Das hat er gelegentlich. Seine Lebensesse gl�ht hei�er, als es �blich ist, und wenn sie einen Funkensto� aussendet, bricht bei ihm der Ingrimm aus�, erkl�rte er dem �berraschten Tungdil. �Das brachte ihm den Beinamen Ingrimmsch.�</p><p>�Eine hei�ere Lebensesse?!�</p><p>�Vraccas mag wissen, wozu es gut ist. Kommt er in diesem Zustand in deine Richtung, geh ihm aus dem Weg und wage es nicht, die Waffe zu heben�, lautete sein Ratschlag. �Das Rasen l�sst bald nach, wenn sein inneres Feuer niedergebrannt ist.�</p><p>Der Stamm war rasch durchgehauen. �So, nun geht es mir besser. Verdammte Elben!� Ohne eine Erkl�rung f�r sein Handeln abzugeben, reinigte er die Klingen von Harz und Sp�nen und ging weiter. �Wir m�ssen dir noch einen anderen Namen geben�, grummelte er vor sich hin. �Bolofar, das ist so gut wie Lissemiff, Praddelquatsch oder Bl�ffd�m�ff. Es ist dumm, sinnlos und beileibe kein Ehrenname eines Zwerges. Es wird sich unterwegs schon was ergeben.� Er schaute Tungdil an. �Was kannst du gut?�</p><p>�Lesen ��</p><p>�Lesen? In B�chern?�, brach es aus Bo�ndal belustigt hervor. �Ja, das hat man vorhin deutlich gemerkt, Herr Gelehrter. Aber es taugt nicht wirklich als Ehrenname, wenn wir dich Seitenbl�tterer oder Buchfresser nennen.�</p><p>�Wissen ist wichtig!�</p><p>�Ja, gegen Orks hilft es ungemein, wie wir gesehen haben�, neckte er ihn weiter. �Du h�ttest sie mit dem richtigen Vers t�ten k�nnen.�</p><p>Bo�ndil kniff die Augen zusammen. �Ein guter K�mpfer bist du jedenfalls noch nicht. Aber du hast ein breites Kreuz und breite H�nde, es k�nnte was aus dir werden.�</p><p>Tungdil seufzte. �Ich schmiede gern und gut.�</p><p>�Das tun viele unseres Volkes.� Bo�ndal wollte noch etwas sagen, stattdessen sog er pr�fend die Luft ein, und sein Bruder tat es ihm nach. �Rauch�, meinte er alarmiert.</p><p>�Und verbranntes Fleisch. Das riecht nach einem �berfall.� Bo�ndil zog seine Beile und verfiel in leichten Trab. Die anderen beiden folgten ihm.</p><p>Der Waldweg beschrieb eine leichte Biegung, ehe die B�ume auseinander f�cherten und eine Lichtung preisgaben, auf der vor nicht allzu langer Zeit H�user gestanden hatten. Die Elbin hatte sich inmitten der Harmonie Gr�nhains ein Refugium geschaffen, das gr��tenteils in einem Feuer vergangen war. Die Reste lie�en erahnen, wie anmutig die mehrgeschossigen Bauten ausgesehen hatten. Sie standen um besonders gro�e B�ume herum platziert; geschnitzte Holzb�gen, sorgsam gegl�ttete Balken, mit elbischen Motiven verzierte Fronten, in denen sich hier und da noch schimmernde Goldpl�ttchen fanden, f�gten sich geradezu vollkommen in den Hain ein.</p><p>Aber die Pracht war durch brachiale Gewalt vernichtet worden. Wieder einmal waren die Orks Tungdil zuvorgekommen. Er sp�rte nichts mehr von dem Einklang, der Harmonie. Gr�nhain war gesch�ndet worden. �Bei Vraccas�, st�hnte er entsetzt. �Wir m�ssen nachsehen ��</p><p>�� ob noch ein paar Orks herumlaufen�, erg�nzte Bo�ndil gl�cklich. �Ho, die Plattnasen haben es den Spitzohren ganz ordentlich gezeigt. Wir h�tten es nicht besser machen k�nnen.�</p><p>�Genau�, meinte Bo�ndal g�nzlich unber�hrt und fasste den Stiel seiner Waffe. �Sie haben ganze Arbeit geleistet.� Der Anblick ber�hrte die Zwillinge nicht sonderlich, denn als wahre Kinder des Schmieds empfanden sie kaum Mitleid f�r Elben.</p><p>Tungdil erging es anders. Er wandelte durch die glimmenden Holzruinen und hob da ein Brett und dort einen Balken an, um nach Gor�n zu suchen. An seiner statt entdeckte er viele Leichen, die teilweise grausam verst�mmelt waren. Das Grauen mischte sich mit den Erinnerungen an Gutenauen, er wich zur�ck und schloss die Lider, doch die Bilder wichen nicht, und seine Phantasie machte sie noch schrecklicher.</p><p><emphasis>Nimm dich zusammen,</emphasis> verlangte er von sich selbst. <emphasis>Wenn Gor�n sich unter den Opfern befindet, wie erkenne ich ihn? Und wenn ihm die Flucht gelang, wohin rettete er sich?</emphasis> Seine Augen richteten sich auf das halbwegs intakte Haupthaus. <emphasis>Dort?</emphasis> �Gebt auf die Umgebung Acht�, rief er. �Ich will herausfinden, was mit Gor�n geschehen ist.�</p><p>�Also, unter diesen Umst�nden betrete ich die Siedlung�, h�rte er Bo�ndil heiter sagen. �Vielleicht treffen wir hier auf die eine oder andere Schweineschnauze.�</p><p>W�hrend die Zwillinge ihm auf die Lichtung folgten und die Ruinen sicherten, erklomm Tungdil vorsichtig die halb eingest�rzte, angebrannte Treppe des Haupthauses; die Stiegen �chzten unter seinem Gewicht, doch er erreichte unbeschadet die ru�geschw�rzte Plattform und betrat den ersten Stock.</p><p>Das Haus war f�nfeckig um den gigantischen Baum herum gebaut worden; die G�nge, die von Raum zu Raum f�hrten, waren zum Stamm hin offen gelassen, sodass man ihn von allen Seiten aus sah. Kleinere H�ngebr�cken f�hrten zu den dicken �sten, wo die zerschlagenen �berbleibsel von bunten Lampions traurig hin und her pendelten.</p><p>Die ersten gro�en Bl�tter l�sten sich von den Zweigen und schwebten der Erde entgegen, als trauerte der Baum um die Toten, mit denen er jahrelang in enger Verbundenheit gelebt hatte.</p><p>Tungdil riss sich von dem Anblick des fallenden Laubes los und durchsuchte die Zimmer, ohne auf �berlebende zu sto�en. Daf�r entdeckte er in der vom Feuer weitgehend verschonten Bibliothek einen gesiegelten Umschlag mit Lot-Ionans Namen darauf und einen in T�cher eingewickelten Gegenstand.</p><p>Der Zwerg z�gerte. <emphasis>Es ist eine Notlage,</emphasis> sagte er sich und brach das Siegel, las die Zeilen und seufzte. <emphasis>Noch mehr Dinge, die ich �berbringen soll.</emphasis> Gor�n bedankte sich in dem Brief daf�r, die B�cher gelesen haben zu d�rfen. Er hatte sie wohl bereit gelegt, um sie einem Boten anzuvertrauen. Dieser Bote hie� ab sofort Tungdil.</p><p>Der Zwerg fand darin au�erdem einen weiteren Brief, der in der f�r ihn unverst�ndlichen Sprache der hochgradigen Gelehrten abgefasst war; diese Nachricht konnte nur sein Magus lesen. Er verstaute die neue Last in seinem Rucksack und suchte weiter.</p><p>Ein Beben lief durch das Haus. Es begann mit einem Zittern, das sich verst�rkte und die Balken ordentlich durchsch�ttelte. Krachend und knackend protestierte das Geb�ude, dann endete das Beben so unvermittelt, wie es angefangen hatte. Der Zwerg verstand es als Zeichen, das Baumhaus zu verlassen.</p><p>Er trat hinaus auf den Gang und staunte. Der Baum hatte seine Position ver�ndert, seine kahlen �ste stemmten sich gegen die Pfeiler und dr�ckten dagegen, wie er am Knarren vernahm. Der Stamm neigte sich h�lzern aufst�hnend nach links, ein knorriger Ast schwenkte in die Richtung des Zwerges.</p><p>�Was soll das?! Bo�ndil hat den jungen Baum vorhin zerhackt, nicht ich!�</p><p>Doch das k�mmerte den zornigen Baum nicht, und er schlug nach ihm. Tungdil b�ckte sich rechzeitig. Das keulenartige Endst�ck verfehlte ihn und zerst�rte die Bretterwand hinter ihm. Er hastete zur Treppe und stand vor einer Wand aus Wei�. Zuerst dachte Tungdil, er st�nde in einem Schneesturm, bis er begriff, dass es die abgeworfenen Bl�ten und Bl�tter s�mtlicher Pflanzen des Hains waren, die um ihn herumwirbelten. Der Wald rauschte und schleuderte sein Laub von sich, die zerst�rte Harmonie wandelte sich zu Hass.</p><p>Wieder erbebte das Haus, Balken brachen, Teile st�rzten in die Tiefe. Der Zwerg lief die Stufen hinunter, um auf sicheren Boden zu gelangen.</p><p>Die Zwillinge wunderten sich genauso wie er. Sie hatten ihre Waffen gepackt und verfolgten die wundersame Ver�nderung skeptisch.</p><p>�Das muss verfluchte Elbenmagie sein�, rief Bo�ndil gegen das laute Rauschen. �Sie haben den Hain gegen uns aufgehetzt!�</p><p>�Wir m�ssen von hier weg�, rief Tungdil ihnen zu. �Die B�ume wollen jeden bestrafen, der �� Es verschlug ihm die Sprache, als eine Palandiell-Buche ihr welkes Gr�n um sich herum verteilte und den Blick auf ihre nackten �ste freigab. Sie zeigte ihm Grausiges.</p><p>Er hatte die Elbin gefunden. Ihr schneewei�es, anmutiges Antlitz hob sich ohne den Schutz der blickdichten Bl�tter gegen die dunkle Rinde ab. Vom Hals abw�rts war sie nur mehr ein blutrotes, feucht glitzerndes Skelett, an dem kein St�ckchen Fleisch hing; lange N�gel steckten in ihren d�nnen Knochen und hielten sie aufrecht stehend am Stamm.</p><p>Der Anblick ging selbst den beiden hart gesottenen Zwergen unter die Haut. �Bei den Feuern von Vraccas� Esse, was geht hier vor?�, meinte Bo�ndal.</p><p>�Weg hier�, stimmte sein Bruder zu, �bevor das Gleiche mit uns geschieht.�</p><p>�Erst muss ich wissen, was mit Gor�n ist. Ich sehe mich weiter um.� Tungdil konnte nicht anders, das Grauen zog ihn an, und notgedrungen blieben seine beiden Besch�tzer bei ihm. �Vielleicht liegt seine Leiche in ihrer N�he.�</p><p>Die Knochen der Elbin wirkten regelrecht abgenagt. Die Angreifer hatten ihr zum Abschied einen langen Nagel durch den Mund und den Hinterkopf getrieben, der sie mit dem Stamm verband. Dort, wo sicher einmal ein paar wundersch�ne Augen gewesen waren, g�hnten schwarze L�cher.</p><p>�Schaut euch das an�, rief Bo�ndil. �Da hat sie jemand zuerst an den Baum genagelt und danach bei lebendigem Leib verspeist. F�r Orks ist das hier viel zu aufw�ndig, sie h�tten das Spitzohr an Ort und Stelle gefressen. Und das Mark ausgesaugt.�</p><p>Tungdil schluckte und betrachtete ihr Gesicht, das selbst im Tod und in der Qual die Sch�nheit behielt. Sein Inneres sagte ihm, dass er keine Elben mochte, aber er versp�rte keine Genugtuung �ber ihren erbarmungslosen Tod.</p><p>W�hrenddessen umrundete Bo�ndal den Baum, fand weitere Leichen und gebogene, schwarze Abdr�cke in der Erde. �Hufspuren�, sagte er, �wie in den Boden eingebrannt. Was glaubst du, was das bedeutet, Gelehrter?�</p><p>Tungdil erinnerte sich an die beiden Reiter, welche die Orks in jener Nacht vor dem Angriff auf Gutenauen besucht hatten. �Albae�, sagte er leise. �Die Hufe ihrer Nachtmahre schlagen Funken und versengen die Erde.� Nun wurde ihm die Verst�mmelung der Elbin klar. Den Albae bereitete es besondere Freude, ihre Verwandten grausam zuzurichten.</p><p>�Albae?�, wiederholte Bo�ndil. Das Feuer in seinen Augen flammte auf, die Begeisterung loderte empor. �Hussa, das w�re doch mal was anderes als die tumben Schweineschnauzen. Hast du geh�rt Bruder, wir bekommen Tions Spitzohren vor die Klingen!�</p><p>Ihr Sch�tzling schaute auf das Skelett, seine Vorstellungskraft gaukelte ihm vor, wie die Nachtmahre um die festgenagelte Herrscherin Gr�nhains herumstanden und sie auffra�en, w�hrend sie sich unter Schmerzen wand und schrie. Der Drang, sich zu �bergeben, wuchs; rasch hielt er sich die Hand vor den Mund, weil er das bisschen Achtung, das die Zwillinge vor ihm hatten, nicht vollkommen verlieren wollte.</p><p>Eine m�nnliche Leiche, die in der N�he der Elbin kauerte, fanden sie besonders auff�llig. Sie lag pfeilgespickt auf einem kleinen Flecken unversehrter Erde, doch um sie herum hatte kreisf�rmig ein Flammenmeer gew�tet, wie sie an dem versengten Boden erkannten. In dem exakten schwarzen Kreis z�hlten sie sieben verschmorte Orks.</p><p>Tungdil nahm einen Zauberspruch als Ursache an. �Das k�nnte Gor�n gewesen sein. Mit dem magischen Feuer versuchte er, sich vor den Angreifern zu sch�tzen.�</p><p>Er durchsuchte mit zitternden Fingern die Kleider des Toten und entdeckte eine kleine Blechdose mit Zuckermalzbrocken, in die sein Name eingraviert war: Gor�n.</p><p>�Ein Schild h�tte ihm mehr geholfen�, stellte Bo�ndil trocken fest. �Magie l�sst dich im Stich, wenn es darauf ankommt.�</p><p>Sein Bruder musterte die tobenden B�ume, die mitten im Sommer herbsteten. �Der Elbenhain ist mir nicht geheuer. Wir gehen�, befahl er. �Es klingt, als wollten sie ihre Wurzeln aus dem Boden rei�en und auf uns los marschieren.�</p><p>�Was ist mit den Toten?�, meinte Tungdil. �Wir sollten sie ��</p><p>�Sie sind tot�, erwiderte Bo�ndil k�hl.</p><p>Bo�ndal setzte sich in Bewegung. �Bestien, Elben und Elbenfreunde. Sie gehen uns nichts an.�</p><p>Tungdil sah ein, dass er bei ihnen auf taube Ohren stie�, also lief er neben ihnen durch die Ruinen, um auf den Weg zur�ckzukehren und Gr�nhain zu verlassen.</p><p>Es tat ihm Leid, dass er die Elbin und Gor�n wie totes Vieh zur�ck lie�, und er drehte sich nach ihnen um, um sich mit Blicken bei ihnen zu entschuldigen. Da sah er zwischen den �berresten etwas Bizarres.</p><p><emphasis>Eine Staffelei!</emphasis> Sie stand in den Tr�mmern eines Hauses, als h�tte der Maler eine Pause eingelegt und w�re kurz weggegangen. Der Anblick r�hrte Tungdil. Er konnte sich sehr gut vorstellen, was sich ereignet hatte. Die kunstbeflissene Elbin oder einer ihrer Vertrauten wurde bei seiner Arbeit von Orks unterbrochen und hinterlie� ein unvollendetes Werk, ein stummes St�ck Erinnerung an die Gr�ueltaten.</p><p><emphasis>Was sie wohl gemalt hat?</emphasis> �Ich bin gleich zur�ck.� Er stieg �ber die Ruinen, denn er wollte wissen, was die Pinsel zu Stande gebracht hatten.</p><p>Bo�ndal stie� die Luft aus, der Bart �ber seiner Lippe zitterte. �Es ist nicht leicht mit ihm.�</p><p>�Nein, wirklich nicht�, grummelte Bo�ndil und nutzte seinen schwarzen Haarzopf, um sich den Schwei� aus dem Gesicht zu wischen. Grummelnd folgten sie ihm.</p><p>Ihr Sch�tzling stand vor dem Bild, mit dem etwas sehr Auff�lliges nicht stimmte. <emphasis>Es zeigt die Lichtung in ihrem vernichteten Zustand.</emphasis></p><p>Die Hand, welche den Pinsel gef�hrt hatte, geh�rte einem Meister. Der K�nstler hatte ausschlie�lich Rott�ne benutzt, um die Zerst�rung auf die glatte wei�e Leinwand zu bannen. Jede noch so kleine Einzelheit spiegelte sich peinlich genau wider: Leichen, Geb�udereste, B�ume.</p><p>Tungdil betrachtete die Leinwand genauer. <emphasis>Das sieht nicht wie Linnen aus.</emphasis> Er umrundete die Staffelei und erschrak. Die Hinterseite war rot, nass, und als er sie vorsichtig ber�hrte, zog er die Hand angewidert zur�ck. <emphasis>Haut!</emphasis> Der Maler hatte Haut verwendet, um sein Motiv aufzutragen. Der Makellosigkeit nach zu urteilen hatte er die Herrin des Hains gew�hlt. Der Zwerg ahnte, dass es sich bei dem Rot nicht um gew�hnliche Farbe handelte. Er rief die Zwillinge herbei.</p><p>Ein wenig abseits davon standen zwei weitere, kleinere Bilder. Eines zeigte das leidende Gesicht der Elbin, deren Augen voller Angst und Qual leuchteten, w�hrend das andere ihren abgenagten Leib mit aller Genauigkeit darstellte. Angewidert lie� er die grausamen Werke fallen.</p><p>�Das Bild ist noch nicht getrocknet�, sagte Bo�ndal, nachdem er es genauer betrachtet hatte. �Sein wahnsinniger Sch�pfer kann jeden Augenblick zur�ckkehren.�</p><p>�Darauf freue ich mich�, knurrte sein Bruder. �Wir ziehen ihm auch bei lebendigem Leib die Haut ab.�</p><p>�So etwas Widerliches darf nicht sein�, befand Tungdil voller Abscheu, obwohl er eingestand, selten eine solche Kunstfertigkeit zu Gesicht bekommen zu haben. Er nahm das Malgestell und warf es ins Feuer, die beiden fertigen Bilder folgten.</p><p>Sie machten sich schweigend auf, den Pfad aus der Siedlung zu betreten, als sie das Schnauben h�rten. Es war ein streitbarer, feindlicher Laut, dann folgte ein w�tendes, schneidendes Wiehern.</p><p>Zwanzig Schritt zu ihrer Rechten verlie� ein Rappe den kahlen Wald; die Augen leuchteten Rot, und mit jedem Schlag seiner Hufe stoben wei�e Funken auf und umspielten seine Fesseln.</p><p>Der Nachtmahr trug eine schlanke Albin mit langen, dunkelbraunen Haaren auf seinem R�cken. Ihr K�rper steckte in einer R�stung aus geh�rtetem schwarzem Leder, die zur Zier mit polierten Tioniumst�cken besetzt war.</p><p>�Stinkende Unterirdische?� Hinter ihrem R�cken ragte der Griff eines Schwertes in die H�he, ihre Rechte hielt einen geschwungenen Bogen, die dazugeh�rigen, langen Pfeile befanden sich in einem Sattelk�cher. Tungdil erinnerte sich noch sehr gut an die Geschosse.</p><p>�Ihr habt meine Bilder vernichtet! Also brauche ich frisches Blut, um neue zu malen.� Sie richtete sich ein wenig auf, um die Zwerge besser sehen zu k�nnen. Mit ihrem wohlgestalteten, feinen Antlitz glich sie einer Elbin tr�gerisch genau und w�re als Gesch�pf der G�ttin Palandiell durchgegangen, wenn die schwarzen Augenh�hlen sie nicht verraten h�tten.</p><p>�Ich hoffe, euer Blut klumpt nicht zu sehr.� Ihre freie Hand legte sich an einen Pfeilschaft. �Es muss fl�ssig sein, damit die Feinheiten gelingen.�</p><p>�Hussa, das wird ein Spa�! Wir bekommen unseren Kampf! Aber zuerst zur�ck in die Ruinen�, befahl Bo�ndil freudig auf Zwergisch. �Im Freien kann uns das Spitzohr abschie�en wie die Hasen.� Sie rannten geduckt los und warfen sich hinter einer Holzwand in Deckung.</p><p>Das erste Geschoss sirrte heran. Spielend leicht durchstie� es die Bretter, hinter denen sie lagen, und prallte mit einem vernehmlichen �Ping� gegen Bo�ndals verst�rktes Kettenhemd. Die schwarze Spitze aus Tionium hinterlie� einen Kratzer im Metall. Der Getroffene fluchte.</p><p>Sie krochen tiefer in das rauchende Tr�mmerfeld, um sich vor der Albin zu verbergen und sie aus dem Hinterhalt anzugreifen.</p><p>Tungdil sp�hte um die Ecke. Er sah den schlanken Kopf des Nachtmahrs; er strich raubtiergleich durch die �berbleibsel Gr�nhains, und es zischte leise, wenn die Hufe der entweihten Kreatur des Lichtes auf die Erde trafen und sie brandmarkten. Die N�stern bl�hten sich, er suchte nach ihrer Witterung.</p><p>Der Zwerg f�hlte, wie eine nie gekannte Angst von ihm Besitz ergriff: Der Sattel des Tieres war leer! <emphasis>Wo ist sie hin?</emphasis> Die Albin befand sich irgendwo in der Siedlung. Er schloss die Augen und verdr�ngte alles Wissen, das mit den Albae zu tun hatte.</p><p>Als er die Lider hob, waren Bo�ndal und Bo�ndil ebenso verschwunden, und zu seiner Angst gesellte sich Kopflosigkeit.</p><p>�Wo seid ihr?�, fl�sterte er, die Axt fest gepackt. Wie konnten sie ihm sagen, er sei kein K�mpfer, und ihn allein in den Tr�mmern sitzen lassen, w�hrend zwei der schlimmsten Kreaturen des Geborgenen Landes Jagd auf ihn machten?</p><p>Jemand ber�hrte ihn am Arm. Tungdil fuhr zusammen und schlug sofort zu; seine Axt traf den Mann unterhalb der Rippen in die Brust. Entsetzt starrte der Zwerg auf den Verletzten. �Gor�n?! Ich dachte, du bist tot?!�, stammelte er.</p><p>Der Famulus schaute abwesend auf die Wunde, welche die Schneide riss. Seine Finger betasteten die R�nder, dann blickte er ihn an. �Ich ��, st�hnte er, �sp�re � nichts.� Er zog sich einen Orkpfeil aus dem Leib. �Nichts�, wiederholte er verzweifelt. �Aber � ich � hasse �� Seine Hand griff einen Balken, die gebrochenen Augen gingen durch den Zwerg hindurch.</p><p>�Gor�n, nein, warte, ich �� Als er nach ihm schlug, rutschte Tungdil zur Seite, und das Holzst�ck stie� polternd gegen die Wand.</p><p>Das war laut genug, um von den J�gern geh�rt zu werden. Der Nachtmahr wieherte auf, Hufschlag n�herte sich.</p><p>Der Zwerg robbte hastig weiter, um unter einer eingest�rzten Decke zu verschwinden; der Hengst sollte ihn nicht finden.</p><p>�Ich � f�hle �� Gor�n erhob sich schwankend und torkelte wie ein Betrunkener durch die Reste des Geb�udes auf den Platz hinaus; die Planke zog er hinter sich her.</p><p>Da sprengte der Rappe heran und trampelte ihn einfach nieder. Tungdil sah ganz genau, wie der Vorderlauf Funken stiebend in die Bauchdecke eindrang, doch zu seinem Entsetzen regte sich der Mann wieder!</p><p>Der Anblick �ffnete dem Zwerg die Augen. <emphasis>Das Tote Land hat von Gr�nhain Besitz ergriffen. Alles, was in dem Forst stirbt, kehrt untot zur�ck.</emphasis> Die B�ume trauerten nicht um die Elbin, nein, die finstere Macht sickerte in die Erde und schlich sich durch ihre Wurzeln bis in ihre Spitzen und Wipfel.</p><p><emphasis>Wie ist das m�glich? Wie kam es durch die Schutzbarriere?,</emphasis> dachte er verwirrt. <emphasis>Lot-Ionan muss unbedingt Nachricht davon erhalten, ehe ich mit den Zwillingen nach S�den ziehe. Wenn es dem B�sen gelingt, an einer Stelle durch die Sperre zu dringen, gelingt es ihm vielleicht auch an weiteren Orten.</emphasis></p><p>Doch dazu musste es den drei Zwergen gelingen, lebend aus dem Wald zu entkommen, und daran zweifelte er noch.</p><p>Der Nachtmahr hatte seinen Geruch aufgesp�rt und kehrte zur�ck. Die Hufe stampften gegen Tungdils Versteck, Blitze zuckten, Dielenst�cke wurden zu Splittern gestampft. Der Rappe wollte den Zwerg aus seinem Schlupfwinkel treiben.</p><p>Etwas anderes blieb Tungdil auch nicht �brig. Er rutschte auf der anderen Seite ins Freie, um sich hinter die n�chste Sch�tzung zu werfen, aber das lie� der Nachtmahr nicht zu.</p><p>Mit einem gewaltigen Sprung setzte er �ber das Hindernis. Der Hals des Tieres streckte sich, die Kiefer schnappten zu und fassten die rechte Schulter. Das Kettenhemd verhinderte, dass die scharfen Z�hne schlimmen Schaden anrichteten, doch die Kraft reichte aus, um das Gelenk zu quetschen.</p><p>�Verdammtes Viech�, schrie Tungdil und versuchte, es mit seiner Axt zu treffen. Zwergischer Kampfgeist erwachte in ihm und bezwang die Angst.</p><p>Der Rappe aber gab seine Beute nicht frei. Er riss den Kopf hoch und sch�ttelte Tungdil wie eine Spielzeugpuppe. Abrupt �ffnete sich das Maul, der Zwerg flog trudelnd durch die Luft und schlug im grau gewordenen Gras auf. Der Nachmahr wieherte, der Hinterlauf scharrte und grub eine tiefe Furche in die Erde. W�hrend Tungdil noch versuchte, die Orientierung zur�ckzugewinnen, st�rmte das Wesen heran.</p><p>Pl�tzlich waren die Zwillinge da. Sie sprangen rechts und links des Weges aus ihrer Deckung, als der Hengst auf ihrer H�he vorbeigaloppierte.</p><p>�Komm, mein Pferdchen! Ich mache ein Pony aus dir!� Das beidh�ndig gef�hrte Beil Bo�ndils durchschlug das rechte, der Kr�henschnabel zerschmetterte das linke Knie des Nachtmahrs.</p><p>Die Kreatur Tions st�rzte und �berschlug sich mehrfach. Aschewolken stoben in<emphasis/> die H�he, doch der Rappe versuchte ungeachtet seiner Qualen, wieder auf die Beine zu kommen. Dann waren die Zwergenkrieger �ber ihm.</p><p>�Jetzt k�mpfen wir auf Augenh�he miteinander.� Der Nachtmahr schnappte nach Bo�ndil und erhielt daf�r die Klinge tief in das Maul getrieben. �Friss das!� Der schwarze Kopf schnellte zur�ck, womit das Wesen sein Schicksal besiegelte.</p><p>Die gekr�mmte Spitze von Bo�ndals Waffe rammte sich genau zwischen den Augen in die Stirn, die Muskeln an den Armen und am Oberk�rper schwollen an, die Stiefel stemmten sich gegen den Boden. Nun zeigte er, warum er Pinnhand hie�. Er zog den eingehakten Sch�del des Rappen zu sich und gab seinem Bruder die Gelegenheit, das Beil in dessen Nacken zu schlagen.</p><p>�Willst du immer noch bei�en, Klepper?� Bo�ndil drosch zu. Die Halswirbel brachen, der Nachmahr erschlaffte.</p><p>Bo�ndal stellte seinen Stiefel auf den Kopf des Wesens und hebelte den langen Dorn aus dem Knochen.</p><p>Sein Zwillingsbruder grinste. �Jetzt ist das spitzohrige Reiterlein an der Reihe.� Er deutete hinter Tungdil. �Versteck dich besser und schau zu, wie man k�mpft, damit du es lernst.�</p><p>Sie kauerten sich in der N�he des toten Nachtmahrs nieder und warteten. Tungdil wollte ihnen von seinem Erlebnis mit dem Untoten berichten, aber sie winkten ab. Erst mussten sie sich die Albin vom Hals schaffen.</p><p>Es dauerte nicht lange, da h�rten sie einen lang gezogenen, unmenschlichen Frauenschrei.</p><p>Bo�ndil wackelte fr�hlich mit den Augenbrauen, warf den Zopf nach hinten und hielt sich bereit. �Das klang doch wie Musik in meinen Ohren.�</p><p>Bo�ndal lauschte, ehe er unvermittelt aufsprang; sein Bruder folgte ihm, ohne Fragen zu stellen.</p><p><emphasis>Ich sollte sie begleiten, anstatt feige herumzusitzen.</emphasis> Tungdil f�hlte sich verpflichtet, ihnen gegen die schreckliche Gegnerin beizustehen, und wenn er nur zur Ablenkung taugte. Er packte seufzend seine Axt und wollte gerade aufstehen, als ihn zwei skelettierte H�nde von hinten an den Schultern packten und ihn zu Boden dr�ckten.</p><p>�Wer bist du?�, h�rte er eine feine weibliche Stimme fragen, w�hrend �bel riechende, feuchte Knochenfinger in seinem Gesicht herum tasteten. �Du bist klein. Ein Unterirdischer?�</p><p>Der Zwerg wurde herumgerollt. Er schaute in das gesch�ndete Gesicht der anmutigen Elbin. Auch sie war zur Wiederg�ngerin geworden. Die Herrin des Gr�nhains hatte sich von der Buche losgerissen und irrte blind umher, weil ihr die Albae die Augen nahmen.</p><p>�Lass mich, Elbin!�, schrie Tungdil und versuchte, an seine Waffe zu gelangen. Doch sie hielt seine Arme fest, sodass er nur seinen Dolch greifen konnte. Er stach zu; die Klinge klirrte gegen die blanken Rippen und richtete keinerlei Schaden an.</p><p>�Was macht ein Zwerg in meinem Hain!?�, herrschte sie ihn an, und ihre kn�cherne Hand legte sich um seine Kehle. �Machst du gemeinsame Sache mit den Albae? Ist euer Hass so gro� gegen mein Volk geworden, dass ihr euch mit dem B�sen einlasst, um uns zu vernichten?�</p><p>Er rang seine Angst nieder und bemerkte den Unterschied in ihrem Tonfall. Sie klang nicht wie Gor�n, offenbar verf�gte sie �ber einen Rest eigenen Willens. �Nein, Herrin! Lot-Ionan schickte mich, um Gor�ns Artefakte zu �berbringen ��, w�rgte er hervor.</p><p>Ihre schwarzen Augenh�hlen richteten sich auf ihn. �Was geschieht mit mir?�, raunte sie �ngstlich. �Ich sp�re, dass ich mich ver�ndere. Ich war tot, doch � meine Seele �� Die Elbin stockte. �Lot-Ionan sandte dich? Der Nestor meines Geliebten?� Ihr unbarmherziger Griff lockerte sich. �Es gibt ein Buch, dr�ben im Haupthaus, es liegt in der Bibliothek. Gor�n wollte es deinem Magus bringen lassen, als uns die Albae angriffen ��</p><p>�Ich habe es�, unterbrach er sie.</p><p>�Sie d�rfen das Buch nicht erhalten!�, sch�rfte sie ihm ein. �Bringe es nach Ionandar und gib es dem Magus! Er wird verstehen, wenn er den Brief meines Geliebten liest.� Der Druck der Skelettfinger nahm wieder zu. �Schw�re es!�</p><p>Tungdil stotterte einen Eid auf Vraccas und seinen Ziehvater. Die skelettierte Elbin schien zufrieden und kroch von ihm weg.</p><p>�Schlage mir den Kopf ab�, bat sie leise. �Ich will das Wenige, das ich von meiner Seele noch besitze, nicht an das Tote Land verlieren.� Die Herrin Gr�nhains breitete ihre Knochenarme aus. �Sieh, was sie aus mir gemacht haben. Soll ich f�r alle Ewigkeit umherirren und den Befehlen des B�sen folgen?� Die finsteren L�cher in ihrem Antlitz bannten ihn.</p><p>�Ich ��</p><p>�Alles, was mir lieb und teuer war, nahmen sie mir. Meine Liebe, meine Sch�nheit, mein Zuhause und meinen Wald.� Sie hob die Linke, streckte den Zeigefinger und schob ihn z�gerlich in die leere Augenh�hle. �Ich kann nicht einmal um das Verlorene weinen. Habe Mitleid.�</p><p>Tungdil konnte die grenzenlose Traurigkeit in ihrer Stimme und ihren Anblick nicht l�nger ertragen. Zitternd erhob er sich, stapfte auf sie zu und holte mit seiner Axt Schwung. Als ihr abgetrennter Kopf in die Tr�mmer des Hauses rollte, zerfiel ihr Skelett. Die Elbin war endg�ltig tot.</p><p>Der Wald �chzte auf. In das hundertfache Knarren und Knacken mischte sich der Kampfl�rm, der den Zwerg an die Zwillinge erinnerte, die sich immer noch ein erbittertes Gefecht mit der Albin lieferten.</p><p><emphasis>Das Tote Land! Sie wissen es noch nicht!</emphasis> Tungdil raffte sich auf. <emphasis>Wir m�ssen den Leichen die K�pfe abschlagen, sonst kehren sie als Untote zur�ck.</emphasis></p><p>Bo�ndal und Bo�ndil standen indes einer Widersacherin gegen�ber, die gar nicht daran dachte, nach den Regeln der Zwerge zu fechten. Die Albin war flink wie eine Katze, hopste, sprang und tauchte unter ihren Schl�gen hinweg; doch es gelang ihr nicht, durch die verst�rkte Panzerung der Zwillinge zu dringen.</p><p>�He!� Tungdil machte einen gro�en Ausfallschritt und schleuderte seine Axt nach der Gegnerin. Sie bemerkte das heranfliegende Geschoss und wich beh�nde zur Seite aus.</p><p>Pl�tzlich tauchte Gor�n hinter ihr auf und schlug mit seinem Holzbalken nach ihr. Sie h�rte zwar das warnende Pfeifen des Windes, konnte einen Zusammensto� jedoch nicht mehr verhindern.</p><p>Der Balken traf sie in den R�cken und katapultierte sie nach vorn, wo ihr Bo�ndil irrsinnig lachend mit den Beilen entgegenkam, die d�nner gepanzerten Oberschenkel anvisierend. �Komm runter zu mir, Schwarzauge!�</p><p>Sein Angriff sa�. Schwer getroffen schrie die Albin auf, da bekam sie die flache Seite von Bo�ndals Kr�henschnabel in den Bauch. Sie verstummte und schwieg endg�ltig, als ihr die Beile durch den Hals fuhren.</p><p>�Das war nicht notwendig, Zauberer. Wir h�tten das Spitzohr schon allein klein gekriegt�, sagte Bo�ndil beleidigt zu Gor�n, der auf ihn zugewankt kam. �Warum lebst du eigentlich noch?�, wunderte er sich im n�chsten Atemzug.</p><p>�Wir stehen auf dem Toten Land! Es hat ihn nicht sterben lassen. Du musst ihn k�pfen, nur so vergeht er endg�ltig�, rief Tungdil.</p><p>�Wenn das so ist�, grummelte der K�mpfer und unterlief den tapsigen Versuch des Untoten, ihn zu schlagen. Ein Beil blitzte auf, und Gor�ns Kopf rollte zu Boden. Der Zauberer war tot.</p><p>�Wenn wir schon gerade dabei sind, sollten wir auch mit dem Rest aufr�umen�, empfahl Bo�ndal und nickte die Stra�e hinab.</p><p>Die verbrannten �berreste der Orks und der Bewohner Gr�nhains begannen sich auf Gehei� der finsteren Macht zu erheben. Sie unterschied nicht zwischen Angreifer und Opfer, doch die Zwillinge gingen mit gro�er Umsicht zu Werke. Sie stellten einen Wiederg�nger nach dem anderen, um ihn zu k�pfen und damit von seinem Schicksal zu erl�sen. Tungdil beschr�nkte sich aufs Zusehen.</p><p>�Das war zu einfach�, maulte Bo�ndil, als sie ihre widerliche Arbeit vollendet hatten. �Aber es reichte aus, um mir die Wut aus dem Leib zu treiben.� Das Flackern in seinen Augen lie� allm�hlich nach. �Gehen wir.�</p><p>Eilig marschierten sie durch das, was einmal Gr�nhain gewesen war, in Richtung S�den.</p><p>Die kahlen, nackten B�ume gew�hrten ihnen freien Durchgang. Es schien eine letzte Gef�lligkeit f�r diejenigen zu sein, die wenigstens einen der Albae vernichtet hatten, welche Tod und Verderben �ber die friedliche Siedlung gebracht hatten. Die St�mme und �ste knackten und knarrten, sie neigten sich nach unten, rieben drohend aneinander, mehr taten sie jedoch nicht.</p><p>Die einzigen Laute, die sie sonst noch vernahmen, waren das Knistern und Rascheln des verdorrten Laubs unter ihren Stiefelsohlen. Von den vielen Tieren fehlte jede Spur, kein einziger Vogel wagte es mehr, die Stimme zum Gesang zu erheben.</p><p>�Es ist wichtig, dass ich zuerst zu Lot-Ionan reise�, erz�hlte ihnen Tungdil und gab in knappen Worten die Anweisung der Elbin wieder. �Das Tote Land und die Orks d�rften nicht so weit nach Westen vorgedrungen sein. Mein Magus muss es erfahren und die B�cher erhalten. Sie scheinen sehr wichtig zu sein.�</p><p>�Ionandar? Das bedeutet einen Umweg von sechshundert Meilen�, meinte Bo�ndal wenig begeistert. �So kommen wir noch sp�ter in das Reich der Zweiten.�</p><p>�Es geht nicht anders�, erwiderte Tungdil st�rrisch. �Oder wir gehen nach Lios Nudin, um beim Rat vorzusprechen.�</p><p>Bo�ndil lachte. �So ist�s recht, zeig uns deinen Sturkopf, wie es einem Zwerg geb�hrt.�</p><p>Sein Bruder lenkte ein. �Na, sch�n, gehen wir nach Lios Nudin. Der Gro�k�nig hat so lange gelebt, da wird er diese paar Uml�ufe auch noch �berstehen. Vraccas schenkt ihm sicherlich die notwendige Ausdauer.� Er langte nach seinem Wasserschlauch.</p><p>�Du hast dich �brigens wacker gehalten, daf�r, dass du gar nicht gelernt hast, mit der Axt umzugehen�, lobte ihn Bo�ndil. �Aber ein Zwerg, das merke dir, wirft seine Waffe niemals, wenn er keine zweite dabei hat. Und dein Kampfstil ist noch steigerungsw�rdig. Ich werde dich unterweisen, wie man die Axt schwingt, Tungdil, und bald werden die Schweineschnauzen vor dir ebenso viel Angst haben wie vor mir.�</p><p>Dagegen hatte er nichts einzuwenden. �Je eher ich damit umgehen kann, desto besser.�</p><p>Bo�ndal stimmte abends, als sie gezwungenerma�en rasten und sich erholen mussten, eine neue Zwergenweise an, die von der alten Feindschaft der Elben und Zwerge handelte. Er verstummte, als er die Blicke Tungdils bemerkte. Ein Lied �ber Tod und Verderben sorgte nicht daf�r, dass seine Laune sich hob.</p><p>�Was wisst ihr �ber meinen Stamm?�, fragte er sie.</p><p>�Die Vierten?� Bo�ndal kratzte sich am Bart und packte ein St�ck K�se aus, um ihn wieder �ber dem Feuer zu r�sten. �Sie haben zw�lf Clans, die meisten sind kleiner, schm�chtiger, ein bisschen verweichlicht. Das kommt davon, dass ihr Handwerk das Edelsteinschleifen ist.� Er musterte Tungdil. �Na, du passt. Sie haben zwar keine Gelehrten in ihren Reihen, aber sie haben ungef�hr deine Statur � obwohl, nein, du bist fast schon zu kr�ftig. Dein Kreuz ist zu breit.� Er dachte �ber seine Worte nach. �Das sage ich nicht, um dich zu beleidigen. Es ist einfach so�, erkl�rte er freundlich. �Vraccas hat uns so gemacht, wie wir sind.�</p><p>Tungdil gab sich mit der Antwort nicht zufrieden. Sie war so allgemein, dass sie f�r ihn nichts Neues darstellte. �Ist das alles?�</p><p>Die Zwillinge wechselten Blicke.</p><p>�Die Zwergenreiche haben zu lange schon nichts mehr voneinander geh�rt�, antwortete ihm Bo�ndal ehrlich. �Wir wissen wenig. Warte ab, bis du sie selbst triffst. Aber ich kann dir etwas �ber die Zweiten berichten. Unsere siebzehn Clans sind die begnadeten Steinmetzen unter den St�mmen. Die Feste Ogertod wird dir den Atem rauben. So etwas hast du noch nie gesehen! Selbst die gr��te Burg der Langen kann es damit nicht aufnehmen.�</p><p>Bo�ndal geriet immer mehr ins Schw�rmen und lobte die Pracht der steinernen Bauten, die viele andere St�mme vor Neid erblassen lie�en. Tungdil hing an seinen Lippen und freute sich, die Monumente seines Volkes bald mit eigenen Augen sehen zu d�rfen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sommer</subtitle><p>Sie liefen Tag um Tag, um in die Hauptstadt zu kommen und vor der Versammlung der Zauberer vorzusprechen.</p><p>Zuerst hatte Bo�ndil darauf bestanden, dass sie aus Gr�nden der Sicherheit neben dem Weg liefen. Nach vier Tagen im Unterholz hatten sie genug von kratzenden �sten, Dornenranken, die sich in ihren Kettenhemd verfingen, und st�renden Zweigen, die auf unerkl�rliche Weise stets Tungdils Nase oder seine Augen trafen. Sie kehrten auf die staubige Stra�e zur�ck, immer darauf achtend, wer sich ihnen n�herte.</p><p>Die Geschehnisse hinterlie�en Spuren an Tungdil, er hatte Albtr�ume, und als er sich unterwegs �ber einen Bach beugte, um Wasser f�r seinen Trinkschlauch zu sch�pfen, erschien ihm sein Gesicht �lter, reifer und die braunen Augen ernster als zu Beginn seiner Wanderschaft. Das erlebte Grauen hatte ihn gezeichnet.</p><p>Da er nicht beabsichtigte, Opfer eines Orks zu werden, gab er sich bei den t�glichen Kampf�bungen mit Bo�ndil gro�e M�he und lernte rasch, fast zu rasch, wie ihm sein Lehrer sagte. Bo�ndal sa� daneben, wenn sie Schl�ge, Paraden und Finten exerzierten, schmauchte ein Pfeifchen und betrachtete ihn sehr genau, sagte aber nichts.</p><p>Wo immer das Dreiergespann auf Menschen und Siedlungen traf, da berichtete Tungdil von den Geschehnissen im Gr�nhain und warnte die Menschen davor, sich nahe an die Grenze zum Toten Land zu begeben.</p><p>Untermauert wurden seine Erz�hlungen von den Wagenz�gen der Fl�chtlinge, die t�glich die Stra�e entlangrollten und sich auf das Gebiet von Lios Nudin retteten. Die Orks waren auch an weiteren Stellen aufgetaucht, und die Menschen trauten Nudin dem Wissbegierigen eher zu, der vordringenden Macht widerstehen zu k�nnen, als K�nig Bruron.</p><p>Gegen Nachmittag fiel Tungdil nahe einer Wegbiegung ein paar Schritte zur�ck; das war das Zeichen, dass er in aller Ruhe seine Notdurft verrichten wollte. Die Zwillinge schlenderten weiter.</p><p>Als Tungdil erleichtert auf die Stra�e zur�ckkehrte, gelangte er an eine Kreuzung, aber von den Zwergen entdeckte er keine Spur. Ein Schild wies ostw�rts nach Porista, daher trabte er in diese Richtung los.</p><p>Bald entdeckte er einen h�lzernen, bunten Wohnwagen, der schr�g neben dem Weg stand. Auf den W�nden prangten aufgemalte Scheren, Messer, Beile und �xte, die Zugtiere waren ausgespannt, das Gef�hrt hastig abgestellt worden.</p><p>�Ho?� Die T�r am Heck schloss nicht richtig und gew�hrte einen schmalen Einblick in das finstere Wageninnere. Das erschien ihm dubios. �Seid Ihr wohlauf?�</p><p>Vorsichtshalber griff er nach seiner Axt. Wom�glich war der Besitzer des Wagens Opfer von Orks geworden, und die Plattnasen hielten sich immer noch in der N�he auf. <emphasis>Wo stecken Bo�ndil und Bo�ndal?</emphasis></p><p>�Hallo?�, rief er nochmals und betrat die schmale, zweistufige Holzleiter, die zum Eingang f�hrte. Er schob die T�r mit dem Axtkopf auf und blickte in eine kleine Werkstatt. Die Schubladen waren herausgezogen, die T�ren der Spinde ge�ffnet, in der hinteren Ecke der Gef�hrtes sah er zwei Schuhe unter einem Schrank hervorschauen.</p><p>Tungdil betrat den Wohnwagen. �Sprecht mit mir. Ich will Euch nichts B�ses.� Es roch metallisch, s��. Blut. Er ahnte, dass wer auch immer vor ihm lag, nicht mehr unter den Lebenden weilte. Nun war er sich sicher: Die G�tter verfluchten seine Wanderung, anders lie�en sich die st�ndigen furchtbaren Geschehnisse um ihn herum nicht erkl�ren.</p><p>Er verstaute seine Waffe im G�rtel, seine H�nde ber�hrten die Stiefelsohlen und r�ttelten an ihnen. �Seid Ihr verletzt?� Weil keine Reaktion erfolgte, stemmte er den Schrank in die H�he, um den Eingeklemmten zu befreien. Da bemerkte er, dass es sich um den K�rper eines Zwerges handelte, und zwar nur um den K�rper. Unbekannte hatten ihm den Kopf abgetrennt, vom Sch�del fehlte jede Spur, die Wundr�nder am Hals schimmerten noch feucht und waren kaum getrocknet. Die Mordtat musste sich vor nicht allzu langer Zeit ereignet haben.</p><p>�Was, bei Vraccas, geht hier vor?� In seinem Schrecken glitt ihm der Schrank aus den H�nden und fiel auf die Leiche. Tungdil wich zur�ck und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Er bedauerte den fahrenden Zwerg, der mit seiner rollenden Schmiede das Opfer von brutalen Verbrechern geworden war. Die Gier der Menschen nach Gold und M�nzen hatte sein Schicksal besiegelt.</p><p><emphasis>Ich sollte ihn nicht so liegen lassen,</emphasis> sagte er sich, packte die F��e und zerrte den Leichnam unter dem Schrank hervor, als etwas klirrend auf die Holzdielen fiel.</p><p>�Nanu?� Er betrachtete den Gegenstand genauer. Es war ein blutbesudelter Dolch, und wenn ihn das Zwielicht nicht zu sehr trog, handelte es sich um die Waffe des S�ldners, dem er vor Wochen auf dem Geh�ft das Pferd beschlagen hatte.</p><p>Tungdil h�rte Hufgetrappel. Vorsichtig lugte er aus dem schmalen Fenster, einen derben zwergischen Fluch auf den Lippen. F�nf Ger�stete erreichten soeben den Wohnwagen, also blieb er stehen und presste sich hinter die T�r gegen das Holz. Gegen die erfahrenen K�mpfer w�rde er zweifellos als Verlierer dastehen, daher musste er sich verbergen, wollte er �berleben. Noch f�hlte er sich nicht bereit, gegen eine �bermacht zu bestehen, wie es Bo�ndil und Bo�ndal spielerisch gelang.</p><p>Schwere Schritte n�herten sich dem Gef�hrt, Stiefel betraten die knarrende Leiter, der Wagen wippte, dann schob sich ein Schatten vor das Licht, das durch den Eingang fiel.</p><p>Der Zwerg packte den Axtstiel mit beiden H�nden.</p><p>Der Mann murmelte etwas und ging neben dem Toten in die Hocke. �Es war jemand hier�, rief er. �Der Kurze liegt anders da als vorher. Passt auf, dass mich niemand �berrascht.� Er suchte nach seinem Messer. �Und versteckt den Honigtopf mit dem Kopf darin gut�, befahl er. �Ich m�chte niemandem erkl�ren, warum wir den h�sslichen Sch�del eines Unterirdischen darin aufbewahren.�</p><p>�Das ist doch einfach. Weil es Gold daf�r gibt�, lachte einer seiner Kumpane von drau�en rau.</p><p>�Das geht niemanden was an�, antwortete der M�rder. �Es ist schon schwierig genug, an die Kerlchen heranzukommen, da brauchen wir keine Nebenbuhler.� Er entdeckte den Dolch. �Da bist du ja.� Gr�ndlich wischte er ihn an den Kleidern des Get�teten ab, verstaute ihn in der Scheide und erhob sich.</p><p>Seine R�stung reflektierte den Sonnenschein, der durch das Seitenfenster hereinleuchtete, und der Strahl traf auf die Schneide von Tungdils Axt, die prompt aufblitzte. �Was �� Der M�rder drehte sich um.</p><p>Tungdil musste handeln, solange er durch die �berraschung noch einen Vorteil besa�. Er sprang nach vorn, stie� die Schneide nach unten und fuhr durch das Leder in den Fu�knochen des Mannes. In seiner Aufregung schlug er so stark zu, dass die Axt in den Bodenbrettern stecken blieb. Mit aller Kraft zog er sie heraus.</p><p>Der Krieger schrie laut auf. Sp�testens jetzt wussten seine Begleiter, dass etwas nicht stimmte.</p><p>�Das hast du davon.� Der Zwerg riss die Klinge aus dem Holz und fl�chtete. Er h�pfte aus dem Wagen und br�llte dabei laut herum, um die Pferde scheu zu machen.</p><p>Die erschrockenen Vierbeiner machten einen Satz nach hinten. Die M�nner, die gerade absteigen wollten und in nur einem Steigb�gel standen, verloren das Gleichgewicht und fielen in den Staub.</p><p>Tungdil wartete nicht, sondern rannte nach rechts in den dichten Wald hinein. Die Pferde n�tzten den S�ldnern zwischen den dicht beieinander stehenden St�mmen nichts, und wegen des Gestr�pps w�rden sie auch zu Fu� nicht gut vorw�rts kommen. Seine geringe Gr��e war hier ausnahmsweise von Vorteil. Unter dem dichten Bl�tterdach schwand die Helligkeit des Tages zudem schneller als im Freien, doch das machte Tungdil keine Schwierigkeiten.</p><p>�Fangt den Zwergenbastard!�, br�llte ihr Anf�hrer. �Das gibt eine fette Pr�mie!�</p><p>Der Zwerg hetzte durch den Forst und blieb gelegentlich stehen, um nach seinen Verfolgern zu lauschen. Sie gaben nicht so leicht auf, wie er am Knacken der �ste und am Fluchen erkannte, aber sie fielen zur�ck; irgendwann h�rte er ihre schweren Schritte nicht mehr, er hatte sie abgeh�ngt.</p><p>Keuchend lehnte sich Tungdil an einen Baumstamm und rang nach Luft. Ausdauer war gut und sch�n, aber mit Gep�ck auf dem R�cken um sein Leben zu rennen stellte eine gewaltige Anstrengung dar. Hastig kontrollierte er alles; der Sack mit den Artefakten, in dem es seit dem Schlag des Orks merkw�rdig klirrte und klapperte, baumelte da, wo er hingeh�rte.</p><p>Tungdil nahm einen Schluck Wasser, w�hrend er horchte. <emphasis>Sie jagen mein Volk wegen einer Belohnung!</emphasis> Er konnte das Geh�rte nicht fassen, es �bertraf alles, was ihm bislang unterwegs zugesto�en war. Gold auf Zwergenk�pfe auszusetzen stand nicht mit den Gesetzen des Geborgenen Landes im Einklang, und er mochte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was man mit seinem Sch�del anstellen wollte.</p><p>Nach kurzer Rast hetzte er weiter in gerader Linie durch den Wald, um auf den n�chsten Weg zu gelangen. Seine �berraschung war gro�, als Bo�ndil und Bo�ndal ihm entgegenkamen.</p><p>�Da ist er ja!�, begr��te ihn Bo�ndil. �Du hast dich wohl verlaufen.�</p><p>�Nein, ihr habt euch verlaufen. Ihr wart nicht auf dem Weg nach Porista�, keuchte er.</p><p>Bo�ndal betrachtete ihn genauer. �Was ist los, Gelehrter? Gab es �rger?�</p><p>�Hoffentlich nicht, weil ich ihn dann n�mlich verpasst h�tte�, grummelte sein Bruder. �Oder wollte ein Eichh�rnchen an deine ��</p><p>�Es waren Kopfgeldj�ger�, unterbrach Tungdil ihn. �Sie jagen Zwerge und schneiden ihnen die K�pfe ab, weil ihnen jemand daf�r Geld bezahlt.�</p><p>�Was?!�, br�llte Bo�ndil und rollte mit den Augen; sein stattlicher Bart bebte. �Wohin sind sie?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung, und um ehrlich zu sein, war ich sehr froh, dass sie nicht mehr hinter mir her waren�, gestand er.</p><p>Sie suchten sich eine kleine Lichtung abseits der Stra�e, um zu beratschlagen.</p><p>�Haben sie gesagt, wer ihnen Gold bezahlt?�, erkundigte sich Bo�ndal.</p><p>�Nein. Sie sind mir schon einmal begegnet, aber damals unternahmen sie nichts. Es waren wohl zu viele Menschen auf dem Geh�ft.� <emphasis>Ich bin um Haaresbreite dem Tod entronnen.</emphasis></p><p>�Mh � Es k�nnte eine neue List der Dritten sein, die anderen St�mme auf diese Weise jagen und vernichten zu lassen. Oder sie wollen erreichen, dass wir mit den Langen �hnlich verfeindet sind wie mit den Elben und das Ganze in einen Krieg m�ndet.� Bo�ndal schaute in die Runde. �Auf jeden Fall gibt es eine Menge zu bereden, wenn wir das zweite Zwergenreich erreichen.�</p><p>Tungdil breitete seine Decke �ber sich aus und verbrachte die Nacht unter dem Bl�tterdach der Eiche. Aufs Feuer verzichteten sie, denn Flammenschein sah man in der Dunkelheit meilenweit, und selbst das Knacken eines d�nnen Astes t�nte in der n�chtlichen Stille laut. Er verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf, f�hlte einen K�fer in seinem dichten Haar und zog ihn heraus. �Es ist merkw�rdig�, sinnierte er laut, �dass dieses Kopfgeld ungef�hr zur gleichen Zeit ausgesetzt wurde, als ihr mich suchtet.�</p><p>Bo�ndil, der es sich gem�tlich machte und den langen, schwarzen Zopf zu einem Kopfkissen rollte, runzelte die Stirn. �Du meinst, es ist keine List Lorimbur? Jemand h�tte es auf uns abgesehen?�</p><p>Sein Bruder sch�ttelte den Kopf. �Nein, du bist auf der falschen F�hrte. Unser Gelehrter meint, dass man es in erster Linie auf ihn abgesehen hat, richtig?�</p><p>�Es ist abenteuerlich, ich wei߫, r�umte Tungdil seufzend ein. �Aber ihr hattet erw�hnt, dass es noch einen Anw�rter auf den Thron gibt.�</p><p>Bo�ndal verstand seine Andeutung. �Niemals�, lehnte er strikt ab. �Ein ehrenwerter Zwerg spinnt keine Intrigen. K�nig Gandogar Silberbart ist weit von dem entfernt, was du ihm unterstellen m�chtest.�</p><p>�Du verteidigst ihn, als k�me er aus unserem Stamm�, murmelte sein Bruder ein wenig vorwurfsvoll.</p><p>�Ich verteidige ihn, weil er ein Zwerg ist. Ein aufrichtiger Zwerg mit falschen Ansichten�, beharrte der Zwilling entschieden. �Au�erdem hat der Rat erst nach unserer Abreise etwas von dir erfahren.� Er dachte nach. �Nein�, wiederholte er fest. �Das Kopfgeld ist eine Heimt�cke Lorimburs. Und das ist schon schlimm genug. Alles andere w�re noch viel schlimmer. Wenn wir uns gegenseitig verrieten, br�che alles zusammen. Deshalb darf es nicht so sein.�</p><p>Nachdenklich begaben sie sich zur Ruhe.</p><p>Tungdil tr�umte wirre Sachen. Heerscharen von Orks und Albae verfolgten ihn mit Rasierseife und Messer, um ihm seinen mittlerweile ansehnlichen Bart zu schneiden. Sie schafften es tats�chlich, ihn einzuholen, niederzuringen und zu scheren. Es war ein dem�tigender und verst�render Anblick, im Gesicht nackt wie ein kleines Kind zu sein.</p><p>Das weckte ihn aus seinem keinesfalls erholsamen Schlummer. Er a� von seinem Proviant und betete noch inbr�nstiger als sonst zu Vraccas, damit er allen Kopfgeldj�gern Gauragars entk�me und seine Aufgabe erf�llte.</p><p><emphasis>Du machst es mir nicht leicht, Vraccas.</emphasis> Tungdil sehnte sich nach seinem Heimatstollen und Frala, Sunja und Ikana. Fast war er so weit, dass er sich sogar mit dem Wiedersehen von Jolosin angefreundet h�tte.</p><empty-line/><p>Das gemeinsame Wandern brachte die Zwerge einander n�her. In jedem freien Augenblick nahm ihn Bo�ndil zur Seite und wies ihn tiefer in die Kunst des K�mpfens ein.</p><p>�Na�, fragte ihn Bo�ndal eines Abends am Lagerfeuer leise, als sein Bruder eingeschlafen war. �Was h�ltst du von den ersten Zwergen, die dir in deinem Leben begegnet sind?�</p><p>Tungdil grinste. �Soll ich ehrlich sein?�</p><p>�Ich bitte darum, Gelehrter.�</p><p>�Bo�ndil ist der Aufbrausendere von euch beiden. Seine Gedanken ben�tigen dagegen l�nger als seine F�uste, bis sie in Bewegung kommen. Steht ein Entschluss fest, ist er durch nichts mehr davon abzubringen; und er tut meistens das, was ihm gerade in den Sinn f�llt.�</p><p>�Das war einfach. Und?�</p><p>�Aus seiner Ablehnung von Orks und Elben machte er keinerlei Hehl, das H�chste f�r ihn ist der Kampf, in den er sich mit einem Eifer st�rzt, den ich so noch niemals erlebt habe.�</p><p>�Bei Vraccas! Du hast meinen Bruder schon gut beobachtet�, lachte der Zwilling. �Aber lass es ihn nicht h�ren. Und was meinst du zu mir?�, fragte er neugierig und reichte ihm eine angerauchte Pfeife.</p><p>�Du bist etwas sanfter veranlagt, denkst schneller und l�sst dich durchaus von anderen Vorschl�gen �berzeugen�, sagte Tungdil und nahm einen Zug. �Deine braunen Augen blicken freundlich, aber der Ausdruck in den Augen deines Bruders ist � unbeschreiblich.�</p><p>Bo�ndal klatschte leise Beifall. �Nicht schlecht, Gelehrter.�</p><p>�Wie kam es eigentlich, dass ihr beiden Krieger geworden seid?�</p><p>�Weil wir im Umgang mit Marmor und anderem Gestein kein �bergro�es Geschick aufwiesen, entschieden wir uns, die Wachmannschaften zu verst�rken�, grinste er. �Unser Stamm besch�tzt die Hohe Pforte, wie wir unseren schluchtartigen Durchgang nennen. Der Weg betr�gt eine Breite von f�nfzig Schritt, die Steilh�nge ragen eintausend Schritt senkrecht nach oben und neigen sich ab einer H�he von achthundert Schritt einander zu. Nur wenn die Sonne genau senkrecht �ber dem Einschnitt steht, f�llt Licht in die Schlucht.�</p><p>�Dann sollte sie eher Dunkle Pforte hei�en�, meinte Tungdil.</p><p>�Bislang konnten wir die Hohe Pforte mit wenigen Zwergen gegen jede noch so gro�e �bermacht zu verteidigen.�</p><p>�Habt ihr Portale wie die F�nften?�</p><p>�Nein. Unsere Ahnen hoben einen einhundert Schritt tiefen Graben auf vierzig Meter L�nge aus. Auf ihrer Seite bauten sie eine dicke Festungsmauer, die mit einer mechanischen Br�cke versehen ist. Die Ingenieure t�ftelten so lange an deren Konstruktion wie die Arbeiter ben�tigten, die Senke aus dem Stein des Blauen Gebirges zu schlagen�, berichtete Bo�ndal versonnen von dem technischen Meisterst�ck. �Sie f�gten d�nne, verschiebbare Steinplatten zu einem federleichten und dennoch granitharten �bergang aneinander. Dabei schoben sich zus�tzliche St�tzs�ulen aus dem Boden des Grabens, damit die Br�cke von unten gen�gend Halt bekam. Die Verbindung ist so gebaut, dass wir sie jederzeit mithilfe von Ketten, Zahnr�dern und Seilen wieder zur�ckfahren k�nnen.�</p><p>�Das ist �� Tungdil war sprachlos. �Ich kenne kein Volk, das jemals eine gleichartige Br�cke gebaut h�tte. Aber was, wenn es die Orks und Oger auf den Steg schaffen?�</p><p>�Wir k�nnen sie jederzeit zum Einsturz bringen. Im Graben liegen die �berreste der Scheusale Tions, die vergeblich versucht haben, das Hindernis zu �berwinden.� Er lachte leise. �Sie haben es sogar mit Katapulten versucht und ihre Krieger auf die andere Seite geschossen. Diejenigen, die den Aufprall �berlebten, scheiterten an unseren �xten.�</p><p>Tungdil stimmte in die Heiterkeit ein. �Ich h�tte versucht, den Graben aufzuf�llen. Oder runterzuklettern und auf der anderen Seite wieder hochzusteigen�, meinte er gr�belnd.</p><p>�Darauf sind sie auch gekommen, aber es war ebenso aussichtslos. Nur ein einziges Mal gerieten wir in eine vergleichbare Bedr�ngnis wie der tapfere Giselbart mit seinen Verteidigern�, berichtete Bo�ndal aus den alten Schriften seines Stammes. �Ein Heer aus Ogern versuchte erst gar nicht, einen �berweg bauen zu wollen. Sie hatten den gleichen Gedanken wie du, sie kletterten vorsichtig auf den Boden des Grabens und w�hlten sich durch die Knochen ihrer l�ngst gestorbenen Artgenossen, bis sie auf der anderen Seite zu hunderten emporkletterten.�</p><p>�Aber ihr habt sie aufgehalten.�</p><p>�Sonst hie�e die Feste ja wohl Zwergentod und nicht Ogertod�, n�rgelte Bo�ndil. �Ihr k�nntet leiser reden, ich brauche meinen Schlaf.� Er w�lzte sich zu ihnen herum und schaute ins Feuer. �Nein, ihr habt es geschafft, ich bin wieder wach.�</p><p>Er packte ein St�ck K�se aus und garte es �ber dem Feuer. Dieses Mal nahm es Tungdil an, als es ihm angeboten wurde. Der Geschmack war doch besser, als er anfangs gedacht hatte.</p><p>�Jedenfalls�, nahm Bo�ndal den Faden wieder auf, �h�tten die Bestien um ein Haar die Festungsmauer gest�rmt, wenn der Zweite ihre Anf�hrer nicht erschlagen h�tte und die Oger gewusst h�tten, wie sie daraufhin vorgehen sollten. Das gen�gte unseren Ahnen, um die Gegner mit einem �berraschungsausfall zur�ck in die Senke zu treiben, wo sie zu Tode st�rzten. Aber das geschah, als wir beide noch kleine Windelschei�er waren. Seit mindestens drei Dekaden sind �berhaupt keine Scheusale mehr an der Hohen Pforte gewesen�, endete er.</p><p>�Es hat sich herumgesprochen, dass wir beide dort Wache halten�, rief sein Bruder laut und lachte. �Weil es so ruhig war, hat uns der Gro�k�nig auf die Suche nach dir geschickt, um dich als Thronanw�rter in die Festung zu holen.� Er schaute �ber die Flammen hinweg zu Tungdil, und seine braunen Augen blitzten auf. �Du hattest �brigens Recht: Ich bin f�r den Kampf geboren, ich gehe ihm nicht aus dem Weg, denn es ist meine Bestimmung, ein Krieger zu sein.�</p><p>�Er ist mein Bruder, ich werde ihn nicht allein lassen. Wir sind ein Zweigestirn und werden es auch bleiben. Immer. Wo einer ist, findet sich auch der andere.�</p><p>�Also verf�gt jeder Zwerg �ber eine � Bestimmung, was er einmal tun wird�, fasste Tungdil zusammen. Er war gespannt, was er wohl einmal sein w�rde. �Werde ich ein einfacher Arbeiter, der Stollen gr�bt, oder schlummert in mir die Bef�higung, es zu einem meisterlichen Handwerker zu bringen?�</p><p>�Die Vierten sind die Edelstein- und Diamantschleifer. Hast du ein besonderes H�ndchen f�r Geschmeide?�, fragte ihn Bo�ndal.</p><p>Seltsamerweise hatte Tungdil sich zu keiner Zeit besonders von den schillernden Schmuckst�cken angezogen gef�hlt. Lot-Ionan besa� einige Kleinodien mit Saphiren und Rubinen, Brillanten und Amethysten. Tungdil hatte sie gern betrachtet, weil sich das Licht in ihnen wundersch�n brach, doch er w�re niemals auf den Gedanken gekommen, einen unansehnlichen Rohdiamanten schleifen und zur Geltung bringen zu wollen.</p><p>�Ich glaube nicht. Ich erinnere mich, dass ich die Schmiede von Anfang an, seit ich richtig laufen und denken konnte, anziehender fand�, meinte er nachdenklich, und eine Spur Entt�uschung schwang in seiner Stimme. �Das Flackern der Glut, die den Eindruck macht, als lebte sie, der Geruch von hei�em Eisen, das Klingen des Schmiedehammers und das Zischen, wenn das Eisenst�ck zum Abk�hlen ins Wasser taucht � das war bisher meine Zwergenwelt.�</p><p>�Dann wirst du eben ein Schmied�, meinte Bo�ndil zufrieden. �Ein gelehrter Schmied. Auch gut. Und sehr zwergisch.�</p><p>Tungdil kroch dichter ans Feuer und lauschte in sich hinein. Er dachte an Berge von Diamanten, dann an die tanzenden, orangefarbenen Feuerp�nktchen, die den Kamin hinaufwirbelten. Die Esse sagte ihm wesentlich mehr zu. Und Gold. Er liebte das sanfte, warme Gelb, in dem das Metall schimmerte.</p><p>�Ich sammele jedes noch so kleine St�ckchen herrenloses Gold�, berichtete er murmelnd. �Goldm�nzen, Schmuckst�cke, sogar kleine Goldk�rnchen, die einem unachtsamen Goldsucher aus der Tasche gefallen sind, klaube ich vom Boden auf.�</p><p>Die Krieger lachten. �Du hast dir einen eigenen kleinen Hort angelegt. Wenn das nicht sehr zwergisch ist, k�sse ich eine Schweineschnauze�, nickte Ingrimmsch. �Bis wir bei uns sind, mache ich einen Krieger aus dir, wie w�re es damit?�, bot er ihm an und nahm sich die Pfeife.</p><p>�Ich glaube, daraus wird nichts. Gegen eine �berzahl wie ihr ��</p><p>�Es gibt keine �berzahl�, widersprach der andere sogleich, �nur gr��ere und kleinere Herausforderungen, merke es dir.�</p><p>�Dann lass es mich so sagen. F�r mich wird es immer deutlicher, dass ich hinter einen Amboss geh�rte, wo ich schmieden darf. Das macht mich gl�cklich.� Tungdil beschloss, sich vorerst nicht mehr mit derlei Fragen zu besch�ftigen. Stattdessen zog er den Rucksack, in dem die in Wachspapier eingeschlagenen B�cher Gor�ns ruhten, zu sich und packte sie vorsichtig aus. Die Zwillinge schauten ihm zu.</p><p>�Und? Was steht drin, Gelehrter?�, wollte Bo�ndil wissen. �Vielleicht ist das deine Aufgabe? Du wirst Ingenieur oder Schriftweiser. Wir Zwerge haben gro�e Ingenieure.�</p><p>�Ich kann es nicht entziffern.� Entt�uschung machte sich in ihm breit, als er bereits am Lesen der Einbandschrift scheiterte. �Es muss sich um Werke handeln, die f�r hohe Magi gedacht sind.� Der Zwerg wunderte sich, wie Lot-Ionans einstiger Famulus diese Silben �berhaupt hatte entziffern k�nnen.</p><p>Tungdil klopfte sich gegen die Stirn und schalt sich selbst kobolddumm. <emphasis>Die Elbin, die Herrin des Gr�nhains! Sie war gewiss in der Lage gewesen, ihm die Geheimnisse der Magie zu erkl�ren und ihm bei der �bersetzung der B�cher zu helfen.</emphasis></p><p>Seine Finger strichen erkundend �ber die ledernen Buchdeckel. <emphasis>Was beinhaltet ihr, dass euch die Albae nicht bekommen d�rfen?,</emphasis> fragte er sie stumm. <emphasis>Seit wann f�rchten sich die b�sen Verwandten der Elben vor einem Schriftst�ck?</emphasis></p><p>�Wir m�ssen warten�, vertr�stete er sich und die Zwerge. Als er die B�cher mit viel Sorgfalt in ihre sch�tzende H�lle steckte, fiel sein Blick auf den Ledersack mit den Artefakten. Man sah der widerstandsf�higen Tierhaut an, dass sie einiges erlebt hatte. Sie war von der Sonne gebleicht und bekam feine Maserungen; hier und da hoben sich dunkle Flecken ab, die von seinem Schwei� oder fettreichem Proviant stammten, mit dem das Leder in Ber�hrung gekommen war. Der Schwerthieb des Orks hatte sich als hellbraune Linie verewigt und dem Sack eine echte Narbe beigebracht.</p><p>Je l�nger Tungdil auf das Leder starrte, umso mehr w�nschte er sich, einen Blick hineinzuwerfen. Gegen den Drang, das bunte B�ndchen zu entfernen und hineinzuschauen, k�mpfte er schon lange.</p><p><emphasis>Was soll�s. Gor�n ist tot, und ich will wissen, was ich quer durch das Geborgene Land schleppe.</emphasis> Seine Unbeherrschtheit siegte.</p><p>Mit unbeteiligtem Gesicht langte er nach dem Beh�ltnis, um bei den Zwillingen nicht den Eindruck zu erwecken, dass er gegen die Anweisungen seines Magus handelte. Geschickt nestelte er den Knoten auf, und die Enden glitten auseinander.</p><p>Augenblicklich erschallte ein durchdringender, Mark ersch�tternder Ton. Kleine Leuchtkugeln schossen knatternd in die Luft und explodierten bunt.</p><p>�Bei Vraccas� Hammer und allen leuchtenden Feuern seiner Esse!� Bo�ndil und Bo�ndal sprangen auf, stellten sich R�cken an R�cken und rissen die Waffen aus den G�rteln.</p><p>Tungdil fluchte und band den Riemen rasch zusammen. Das Spektakel h�rte erst auf, als er den Beh�lter wieder mit dem gleichen Knoten verschn�rte. Er war auf eine Sicherung Lot-Ionans hereingefallen. Der Magus hatte mit seiner Neugier gerechnet und ihm eine Lektion erteilt.</p><p>�Was bei allen Gebirgen des Geborgenen Landes war das, Gelehrter?�, verlangte Bo�ndal missvergn�gt zu wissen. �Magischer Firlefanz?�</p><p>�Ich wollte nur sehen, ob � die magische Falle nach so langer Zeit noch funktioniert�, antwortete er und zwang sich, nicht zu schnell zu atmen. Der Schreck sa� ihm mindestens genauso in den Gliedern wie den Zwillingen. �Es ist gegen � Diebe, die den Sack stehlen wollen.�</p><p>�Das kleine Ding hat den L�rm veranstaltet?!� Ingrimmsch schaute ungl�ubig auf das Leder. �Welchen Zweck hat das Spektakel? Soll der Dieb damit die Umstehenden unterhalten und Goldm�nzen verdienen k�nnen?�</p><p>�Nein. So h�re und sehe ich immer, wo er ist, und kann mir mein Eigentum zur�ckholen�, dachte Tungdil sich eine schmeichelhaftere Erkl�rung aus, weil er nicht eingestehen wollte, dass die Vorrichtung gegen seine Wissbegier gerichtet war.</p><p>�W�re es dann nicht geschickter, er h�tte einen Zauber auf das Ding gesprochen, der den Diebstahl verhindert?�, knurrte Bo�ndil und spuckte aus. �Die Magie der Langen, pah. Ist nichts, taugt nichts.�</p><p>Sein Bruder ging auf sein Schimpfen ein. �Ein Hammer m�sste herauskommen und dem Schurken auf den Kopf hauen�, meinte er grinsend.</p><p>�Oder ihm die H�nde zerquetschen, damit er sich nie wieder an fremdem Eigentum vergreift�, f�gte Bo�ndil hinzu.</p><p>Bo�ndal setzte sich wieder. �Verstehe einer die Magi. Da haben sie so viel Macht und denken nicht an die einfachsten Dinge.�</p><p>Tungdil schluckte. Er war seinem Ziehvater dankbar, dass er eine solche brutale Strafe nicht vorgesehen hatte. �Ich werde ihm deine Vorschl�ge unterbreiten�, nickte er ihnen zu.</p><p>�Das k�nnen wir ja selbst tun.�</p><p>�Nein�, wehrte er rasch ab. �Nein, ich sage es ihm. Er mag keine Vorschl�ge. Von Fremden.� Sein Kopf f�hlte sich hei� an, und er wurde rot; gl�cklicherweise schauten seine Begleiter nicht zu ihm, sondern versuchten, den ins Feuer gefallenen K�se mit einem St�ckchen vor den Flammen zu retten.</p><p>�So ein Radau h�tte uns in Gr�nhain das Leben kosten k�nnen�, brummte Bo�ndil. �Lass die Finger von dem Band�, empfahl er ihm nachdr�cklich. Seufzend barg er sein Abendessen aus der Glut, tunkte das K�sest�ck kurz in seinen Wasserbecher, um die Asche zu entfernen, und steckte es sich in den Mund. �Gl�ck gehabt�, meinte er.</p><p>Tungdil war der Vorfall jedenfalls eine Lehre. <emphasis>Ich werde den Sack nur noch anfassen, um ihn auf die Schulter zu heben oder abends abzustellen. Von mir aus kann ein Schatz drin sein, es ist mir gleichg�ltig.</emphasis></p></section><section><title><p>VII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sommer</subtitle><p>Rantja schaute �ber die Menschenmenge. Die einhundertachtzig besten Famuli der Zauberreiche standen wartend in der Vorhalle des Palastes, um von Nudin dem Wissbegierigen empfangen zu werden. Ihre Magi und Magae hatten sie nach Lios Nudin befohlen, um ihnen im Kampf gegen das Tote Land beizustehen. Ungeduldiges Gemurmel erf�llte den hohen, weiten Raum.</p><p>�Es scheint schlimm um die magischen Barrieren zu stehen, wenn selbst die Zaubersch�ler anr�cken m�ssen, um zu helfen, die finstere Macht aus dem Norden zu bezwingen�, sagte ein Famulus neben ihr. �Du wirst immer h�bscher, Rantja.�</p><p>�Jolosin!�, rief sie freudig und reichte ihm die Hand. Da bemerkte sie die neue, dunkelblaue Robe. �Oh, du bist in die vierte Stufe aufgestiegen. Hast du Lot-Ionan so lange ge�rgert, bis er nicht mehr anders konnte?�</p><p>�Und dich hat Nudin mit deinen zweiunddrei�ig Zyklen gleich in die f�nfte Stufe gehoben? Ich bin beeindruckt�, erwiderte der dunkelhaarige Mann flachsend und anerkennend zugleich. �Geht es dir gut?�</p><p>�Sehr�, l�chelte sie, doch dann wurde sie ernst. �Bis auf die Nachricht, dass das Tote Land mehr an Macht gewinnt.� Sie bemerkte zahlreiche kleine Schnitte in seinen Fingern. �Wie ist denn das passiert?�</p><p>Er winkte ab. �Frag nicht. Aber es sei dir gesagt, dass ich an einem Zauber f�r Kartoffelsch�len arbeite�, antwortete er missmutig. �Ich bin froh, endlich von den Kocht�pfen wegzukommen und etwas Sinnvolles zu tun.� Er blickte sich um. �Hast du die Gro�meister schon gesehen?�</p><p>�Sie sind ebenso verschwunden wie mein Magus�, antwortete Rantja besorgt. �Wei�t du mehr?�</p><p>�Alles, was ich erhielt, war die Botschaft, dass ihre Beschw�rungszeremonien volle Aufmerksamkeit verlangen, und daher werde man das Wiedersehen vorerst verschieben�, meinte er unzufrieden und nahm den ledernen Sack mit den Artefakten von der Schulter; ein gr�nes Band hielt ihn verschlossen. �War es jemals so schlimm?�</p><p>Rantja sch�ttelte den Kopf.</p><p>Die T�ren schwangen auf, und Nudin der Wissbegierige erschien, um sie willkommen zu hei�en. Er wankte leicht, wirkte ersch�pft und abgek�mpft.</p><p>�Ich gr��e euch�, rief er kr�chzend. Seine Stimme klang angestrengt und �berschlug sich. Die Wartenden gewannen den Eindruck, als spr�chen ein Mann und eine Frau gleichzeitig. �Heute ist ein schwarzer Tag f�r das Geborgene Land. Folgt mir und seht, was das Tote Land angerichtet hat.� Der Magus bedeutete den Sch�lern, ihn zu begleiten, und schritt vorweg.</p><p>�Ich kenne Nudin von fr�heren Begegnungen, und ich muss sagen, er hat sich ziemlich ver�ndert�, raunte Jolosin Rantja zu. �Er muss mindestens f�nfzig Pfund zugenommen haben und Schuhe mit dicken Sohlen tragen.�</p><p>�Ich wei�. Auf viele wirkt er gr��er als sonst.�</p><p>�Weitaus gr��er. Und massiger. Dass ein Mann in seinem Alter noch w�chst, halte ich f�r ausgeschlossen. Was ist wohl geschehen? Ein fehlgeschlagenes Experiment?�</p><p>Sie liefen nun unmittelbar hinter Nudin und bemerkten einen s��lichen, fauligen Duft. Das Duftwasser, das der Magus verwendete, musste vergoren sein, was er anscheinend nicht wahrnahm.</p><p>Rantja trat auf etwas Rutschiges und glitt aus. Jolosin griff zu und verhinderte, dass es zu einem schweren Sturz kam. �Danke�, sagte die Famula schnell, und sie gingen weiter, weil die Nachfolgenden dr�ngten. Und so sah auch keiner von ihnen den lang gezogenen, dunkelroten Strich auf den Steinplatten. Der Magus verlor Blut.</p><p>Das Ende seines Zauberstabs knallte in regelm��igen Abst�nden laut auf den Steinboden. Nudin schritt z�gig aus, um sie durch ein Gewirr von Arkadeng�ngen und R�umen zu f�hren, bis sie vor einer weiteren doppelfl�geligen T�r anhielten. Seine Linke hob den Stab, und der Onyx glomm d�ster auf.</p><p>�Seid stark�, sprach er zu ihnen und sagte die Silben, welche das Portal �ffneten.</p><p>Die T�rfl�gel glitten auseinander. Verwesungsgeruch str�mte aus dem Raum dahinter, einige der Zauberlehrlinge w�rgten. Rantja wankte und lehnte sich an Jolosin, der sie tapfer st�tzte und gegen den Brechreiz ank�mpfte.</p><p>Der Magus st�rte sich nicht an dem Gestank. �Seht, wie wichtig euer Beistand nun f�r das Geborgene Land geworden ist!� Er ging voran, die Famuli betraten z�gernd den Raum.</p><p>Verst�rte und entsetzte Rufe klangen auf, als sie die verschiedenen �berreste ihrer Mentoren erblickten. Eine Statue, ein Haufen Kleider, verwesende Leichname � Von And�kai konnte man nicht einmal mehr die Z�ge erkennen, so stark war ihr K�rper zersetzt.</p><p>�Bei Palandiell�, st�hnte Jolosin, als er die Statue sah, die einmal sein Lehrer gewesen war. Bei allem Groll, den er gegen ihn wegen der Strafe hegte, h�tte er ihm ein solches Ende niemals gew�nscht. �Wir sind verloren�, stammelte er und stellte die Ledertasche auf den Boden, die er auf Gehei� seines Mentors mitgebracht hatte. �Wenn sie nichts gegen das Tote Land ��</p><p>Nudins Zauberstab stie� kr�ftig auf den Boden, und die Gespr�che verstummten. Alle Augen richteten sich auf ihn.</p><p>�Wir haben das Tote Land str�flich untersch�tzt�, verk�ndete er mit zitternder Stimme. �Als wir den Kristallspeicher aufluden und die erste Phase der Zeremonie abschlossen, schlug der Schrecken aus dem Norden zu. Der Edelstein wurde gesprengt! Ich �berlebte den Angriff mit M�he.� Das Stabende deutete auf das, was von den Magi und Magae geblieben war, traurige �berbleibsel, stinkende Reste, verh�hnende Abbilder. �Ich habe gute Freunde verloren. Ihr seid deren Famuli, die Besten, die es im Geborgenen Land noch gibt.� Nudin hustete und w�rgte einen Klumpen Blut hervor, er wankte und lehnte sich an den zu Stein erstarrten Lot-Ionan. �Seht, ich leide noch immer unter dem Angriff. Wir m�ssen uns beeilen, um den Speicher wieder zusammenzuf�gen�, keuchte er angestrengt. �Nur so halten wir das Tote Land auf. Scheitern wir, sind die Menschen verloren. Ihr Heer wird den Schrecken niemals aufhalten.�</p><p>Die Zauberlehrlinge blickten sich ratlos an. Seine Worte und der Anblick der vernichteten Mentoren ersch�tterten sie bis tief in ihre Seele hinein.</p><p>�Die F�nf, die beinahe als allm�chtig galten, wurden vom Toten Land besiegt�, raunte Jolosin niedergeschlagen. �Und wir sollen ��</p><p>�Wir m�ssen sie beerdigen�, sagte Rantja abwesend. �Wir k�nnen sie nicht im Raum liegen lassen, das ist ihrer nicht w�rdig.� Sie stockte und begann zu zittern.</p><p>�Rei�t euch zusammen!�, beschwor der Magus sie. �Zun�chst z�hlt, dass wir rasch handeln, um uns �berhaupt eine Gelegenheit offen zu halten, etwas gegen unseren Widersacher auszurichten. Danach ist Zeit f�r die Toten.� Sein Stab beschrieb einen Kreis. �Stellt euch auf. Fasst euch bei den H�nden und sprecht meine Worte nach�, befahl er.</p><p>Die Frauen und M�nner folgten seinen Anweisungen. Rantja und Jolosin begaben sich Seite an Seite, die Ber�hrung tat ihnen gut und gab ihnen Vertrauen.</p><p>Nudin legte seinen Stab vor sich auf die Platten und reihte sich neben dem Famulus Lot-Ionans ein. Seine H�nde f�hlten sich weich und klebrig an, und es kostete Jolosin viel �berwindung, die Finger nicht angewidert abzusch�tteln. �Ehrenwerter Magus, ich habe die Artefakte dabei, die sich Lot-Ionan einst lieh.� Er schaute zu seinem Gep�ck, und Nudin nickte knapp.</p><p>Dann begannen sie mit der gemeinschaftlichen Anrufung der Magie, die als geb�ndelte Form zu ihnen kommen und in die Splitter des Malachits fahren sollte.</p><p>Die Stunden verflogen.</p><empty-line/><p>Der Tag begann mit Regen. Starkem Regen.</p><p>Der Sommer, der nun mit aller Macht �ber das Geborgene Land eilte, �berlie� das Land f�r einige Stunden den Wolken, damit es nach der Trockenheit ordentlich Wasser erhielt.</p><p>Die Pflanzen freuten sich sicherlich �ber den Guss, die drei Zwerge jedoch nicht. Sie dr�ngten sich missgelaunt unter einem Baum zusammen und warteten.</p><p>�Das ist der Grund, warum wir in Gebirgen leben�, beschwerte sich Bo�ndil, der die Gelegenheit nutzte, die Seiten seines Kopfes frisch zu rasieren. In den letzten Tagen war er immer unruhiger geworden. Sein Kriegerherz verlangte nach Orkfratzen, in die er schreien, spucken und schlagen konnte. Allerdings war es im Kernland Lios Nudins unwahrscheinlich, auf die Bestien zu treffen.</p><p>�Was tun wir, wenn er einen Anfall von Raserei bekommt?�, fl�sterte Tungdil Bo�ndal heimlich zu. �Sollen wir auf einen Baum klettern?�</p><p>Der Zwerg, der gerade das Wasser aus seinem Zopf wrang, grinste von einem Ohr zum anderen. �Solange ich dabei bin, musst du nichts bef�rchten. Ich kann seine Ausbr�che so lenken, dass er sich an Unbelebtem austobt. Meistens zumindest.�</p><p>Sie beobachteten, wie Karren und Fuhrwerke die nicht weit entfernte Stra�e entlangrollten. Auf einem Kutschbock sa� ein junges, verliebtes Paar, das mehr mit sich als mit den Ochsen besch�ftigt war; die Tiere k�mmerte es nicht, sie trotteten den Weg entlang.</p><p>Der Anblick der Verliebten brachte Lot-Ionans Helfer auf eine alte Ungewisse Frage. Er rang mit sich selbst, ob er die beiden Zwerge darauf ansprechen sollte; weil er st�ndig Fragen �ber sein Volk stellte, kam er sich unglaublich t�richt vor. Zyklenlang hatte er umgeben von hunderten von B�chern gelebt und wusste die einfachsten Dinge �ber Zwerge nicht. <emphasis>Von wegen Gelehrter.</emphasis></p><p>Doch alles Zaudern halft nichts, er ben�tigte Gewissheit. Tungdil vermied es, einen der beiden anzuschauen, und fragte: �Wie sehen Zwerginnen aus?�</p><p>Stille. Das Rauschen des Regens, der auf die Bl�tter ihres Unterstandes prasselte, wurde �berlaut. Die Zwillinge lie�en ihn schmoren.</p><p>�H�bsch�, kam es knapp von Bo�ndil.</p><p>�Sehr h�bsch�, steigerte Bo�ndal die lakonische Beschreibung seines Bruders.</p><p>�Aha�, machte Tungdil.</p><p>Stille.</p><p>Der Schauer verlor an Kraft, das Pl�tschern verebbte und wurde durch ein best�ndiges leises Tropfen ersetzt; das Wasser rann von Zweigen und �sten.</p><p>�Haben sie einen Bart?�, unternahm er einen zweiten Anlauf.</p><p>Stille.</p><p>Tungdil wunderte sich, wie viele Arten von Tropfger�uschen es gab, wenn man genau hinh�rte.</p><p>�Bart w�rde ich es nicht nennen�, begann Ingrimmsch.</p><p>�Eher einen Flaum�, umschrieb es sein Bruder. �Sehr anziehend.�</p><p>Stille.</p><p>Die Sonne bahnte sich einen Spalt durch das Dunkelgrau, und der Sommer kehrte sichtbar ins Geborgene Land zur�ck. Tungdil nahm Anlauf zu seiner n�chsten, etwas heiklen Frage. �Zwerginnen und Zwerge ��</p><p>Die Geschwister wandten sich wortlos zu ihm um, Bo�ndal musterte ihn mitleidig. �Es wird dringend Zeit, dass er sein Volk trifft�, stellte er trocken fest und schaute zur Baumkrone. �Der Regen hat aufgeh�rt. Wir gehen weiter.� Er stand auf, sein Bruder folgte ihm.</p><p>�Du hast nicht geantwortet!�</p><p>�Wir sind Krieger, keine Gelehrten. Au�erdem war das keine Frage.�</p><p>�Sind sie auch Kriegerinnen?�</p><p>�Die meisten Zwerginnen unseres Stammes jedenfalls nicht�, sagte Bo�ndal, w�hrend sie nebeneinander her gingen. �Sie k�mmern sich mehr um das h�usliche Leben. Sie treiben die Tiere auf die Weiden der T�ler, sie sorgen f�r gef�llte Vorratskammern und gutes Bier, machen unsere Kleidung.�</p><p>�Es kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn Mann und Frau nebeneinander stehen und k�mpfen�, brummte Ingrimmsch. Er klang, als h�tte er schon entsprechende Erfahrungen gesammelt, doch der Unterton warnte Tungdil davor nachzuhaken.</p><p>�H�te dich davor, ihre K�nste zu beleidigen. Sie haben einen ebenso gro�en Stolz wie wir. Einige von ihnen reihen sich in die Galerie der besten Steinmetze und Schmiede ein. Ihre H�nde f�hren die Mei�el und H�mmer mit solcher Genauigkeit, dass ihre Rivalen bei Wettk�mpfen aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.�</p><p>�Ausnahmen�, brummte Bo�ndil und machte keinen Hehl daraus, dass er nichts davon hielt, wenn Zwerginnen die Aufgaben eines Mannes �bernahmen. �Sie sind bessere Herdfeuerw�chter. Das ist ihre Bestimmung.�</p><p>Tungdil hatte aufmerksam zugeh�rt. �Dann ist es so �hnlich wie bei den Menschen�, fand er. Er wurde immer neugieriger auf die Zwerginnen und freute sich sehr, einer von ihnen n�her zu kommen.</p><p>Endlich trafen sie in Porista ein. Tungdil bestaunte die T�rme und die Kuppeln des Palastes, aber die Zwillinge hatten nur ein m�des L�cheln f�r die Baukunst der Langen �brig, die der ihres Volkes wohl weit hinterher hinkte.</p><p>Tungdils heimliche Hoffnung, Lot-Ionan zu treffen und es sich sparen zu k�nnen, die B�cher und die zerst�rten Artefakte weiterhin zu schleppen, erf�llte sich nicht. Sie erfuhren, dass die Magi und Magae schon vor Tagen aufgebrochen w�ren, um in ihre L�nder zur�ckzukehren. Nudin der Wissbegierige empfing niemanden, daher blieb den drei Zwergen nichts anderes �brig, als zum Geduldigen nach Ionandar zur�ckzukehren.</p><p>Als sie an einer Nebengasse vorbeigingen, entdeckte Tungdil ein Pferd, das in einem Stall angebunden stand und ihm seltsam bekannt vorkam.</p><p>�Wartet.� Er schlenderte zu der Fuchsstute, denn er glaubte sich zu erinnern, das Tier beschlagen zu haben. Behutsam nahm er den rechten Vorderlauf und betrachtete das Eisen. Es trug seine Handschrift, die Form der N�gel war augenf�llig. �Sie sind es�, wisperte er.</p><p>�Freunde von dir?�, erkundigte sich Bo�ndal, den Kr�henschnabel locker geschultert. Sein Bruder fuhr sich pr�fend �ber die kahlen Kopfseiten, um zu f�hlen, wo noch Stoppeln standen.</p><p>�Wohl kaum.� Tungdil trat zu den prall gef�llten Satteltaschen, nahm einen Eimer, st�lpte ihn um, stieg hinauf und reckte sich, um an die Lederriemen zu gelangen. Die Abdeckung klappte nach hinten, und der Zwerg tastete blind in der Tasche herum, bis er ein gro�es Glas fasste. Ruckartig zog er es hervor.</p><p>�Erinnert ihr euch an den toten fahrenden Zwerg?� Seine Ahnung trog ihn nicht. Er �ffnete das Glas und erblickte den Kopf eines geschorenen Zwerges. Die Kopfgeldj�ger hatten ihrem Opfer r�cksichtslos die Haare gestutzt, damit der Sch�del in den Beh�lter passte. Der Honig schloss den abgetrennten Kopf luftdicht ab und bewahrte ihn auf diese Weise vor der Zersetzung. Das letzte bisschen Blut waberte als rote Schlieren in der goldklaren Fl�ssigkeit. �Das sind seine M�rder.�</p><p>Kettenhemden klirrten und klingelten, dann standen die Zwillinge neben ihm. Keiner von ihnen sprach; sie starrten voller Entsetzen auf das, was ein Mensch von einem ihres Volkes nahm, um zu Gold zu kommen.</p><p>�Bei Vraccas! Ich werde sie in Scheiben schneiden!�, grollte Ingrimmsch. Die Wut schoss hinauf bis in seine Haarspitzen, die Beile flogen ihm von selbst in die Hand. �Lasst ��</p><p>Da schwang die T�r auf, die vom Stall ins Haus f�hrte. Tungdil erkannte den Mann sofort wieder, dem Kopfgeldj�ger ging es ebenso. Er blieb ruckartig stehen und starrte auf die drei Zwerge. �Verdammt!� Das Kr�fteverh�ltnis erschien ihm nicht ausgewogen genug, deshalb drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand im Haus.</p><p>�K�mpfe, Feigling! Sogar die Schweineschnauzen taugen mehr als du!� Bo�ndil befand sich bereits auf dessen Fersen. Aus dem Innern des Geb�udes drang ein kurzer, aber heftiger Kampfl�rm, der mit dem schrillen Todesschrei des S�ldners endete.</p><p>Tungdils Warnung erreichte den rasenden Ingrimmsch zu sp�t. �Er h�tte lebend mehr genutzt!� Doch er machte dem Zwerg keinen Vorwurf. Bo�ndils angestaute Tobsucht blockierte die Vernunft und gab den Verstand erst frei, als er das Blut seines Gegners und den leblosen K�rper wahrnahm.</p><p>�Warten wir eben�, bemerkte Bo�ndal trocken, �bis die anderen zur�ckkommen. Vier fehlen uns noch, wenn ich mich an deine Erz�hlung erinnere.� Tungdil nickte, und sie versteckten sich im Stall.</p><p>Die S�ldner erschienen am fr�hen Abend; ihren Gesichtern nach zu urteilen hatten sie kein Gl�ck gehabt und kehrten ohne Beute zur�ck.</p><p>Ingrimmsch stand schnaubend hinter dem Tor, die Beile in den H�nden haltend, und wartete begierig, dass die Krieger eintraten; sein Bruder hatte den Strohhaufen gew�hlt und lauerte ebenfalls. Tungdil zog es vor, sich im Hintergrund zu halten. Eingespielt, wie Bo�ndil und Bo�ndal im Gefecht waren, behinderte er sie mehr, als er ihnen nutzte.</p><p>Als die vier im Stall standen und von den Pferden gestiegen waren, nickten sich die Zwillinge zu und st�rmten los.</p><p>�Lasst einen von den Halunken am Leben!�, erinnerte Tungdil sie und folgte ihnen.</p><p>Einer der Krieger sah die Angreifer heranfliegen und langte an seinen Schwertgriff.</p><p>Er hatte seine Waffe zur H�lfte aus der Scheide gezogen, als ihn Bo�ndils Beil in die linke H�fte traf; die Wucht des Schlages warf ihn gegen die Wand. Die zweite Schneide schnellte von schr�g unten heran, durchschnitt Haut, Sehnen und zerschmetterte das rechte Knie. Br�llend knickte er zusammen.</p><p>Das sah Ingrimmsch nicht mehr. Er wusste, welche Wirkung seine beiden Hiebe hatten, und sprang bereits lachend auf den n�chsten Gegner zu.</p><p>Sein Bruder k�mmerte sich um die beiden anderen M�rder. Bo�ndal rannte mit gesenktem Haupt auf den vorderen seiner Widersacher zu, und der Kr�henschnabel blitzte auf.</p><p>Dem S�ldner gelang es noch, seinen Schild vom Pferd zu rei�en und ihn sch�tzend vor sich zu halten, doch er hatte die gewaltige Durchschlagskraft der Zwergenwaffe untersch�tzt. Das spitze Ende drang durch den metallbeschlagenen Schutz und trat auf der anderen Seite dort wieder heraus, wo sich der Arm des Mannes befand. Was Holz und Metall besiegte, das st�rte sich auch nicht an Fleisch und Knochen. Der S�ldner schrie auf.</p><p>Der Zwerg riss den Haken aus dem Blech, drehte die stumpfe Seite nach vorne und schlug nach dem ungesch�tzten Knie. Das Gelenk wurde unter dem gewaltigen Druck nach hinten gebogen und brach krachend. Der zweite Gegner war ausgeschaltet.</p><p>�Dir zeige ich, was es hei�t, Zwerge feige zu ermorden!� Der von Wut besessene Ingrimmsch beharkte seinen Feind mit schnellen, tiefen Schl�gen der Beile.</p><p>Tungdil sah, dass sich die S�ldner alle M�he gaben, die Hiebe ihrer rasenden Angreifer zu parieren, aber ihre verzweifelten Mienen sprachen B�nde. Wo Angst war, folgte die Niederlage meist auf den Fu�, und so kam es.</p><p>Bo�ndil wirbelte die Beile, sodass der S�ldner nicht wusste, von wo der Angriff erfolgen w�rde. In seiner Furcht wandte er sich um und versuchte, zu seinem Pferd zu gelangen.</p><p>Er konnte zwar schneller rennen als der Zwerg, war aber nicht flinker als der geworfene Kr�henschnabel Bo�ndals.</p><p>Mit einem dumpfen Laut prallte die Waffe gegen seinen R�cken, als er sich in den Sattel schwingen wollte. Das schwere Ende brach seine Rippen und verz�gerte seine Flucht. Das gen�gte Ingrimmsch, den Vorsprung auszugleichen.</p><p>�Du bist mir zu gro�, Langer�, schnaubte er und durchtrennte dem Mann die Fersensehnen. W�hrend der Kopfgeldj�ger st�rzte, hieb er ein weiteres Mal zu und t�tete ihn mit zwei harten Treffern in die Schl�sselbeine.</p><p>Dann stand Bo�ndil vor dem vierten S�ldner, der hinter dem Stroh kauerte. �Nun du!� Die Augen glitzerten voller Wahn, das Blut seiner Gegner haftete an vielen Stellen des Kettenhemdes. �An welchen Gott glaubst du? Palandiell? Samusin?�</p><p>Der Mann warf seine Waffe weg und reckte die Arme. �Ich ergebe mich�, rief er hastig.</p><p>Der Zwerg bleckte die Z�hne. �Das ist mir gleichg�ltig�, knurrte er und schlug dem Wehrlosen die Beile in den Leib. �chzend brach der S�ldner zusammen. Er starb rasch, aber �u�erst qualvoll, wie Tungdil an seinem Wimmern h�rte.</p><p>Tungdil wandte sich um. Der Anf�hrer, der von Bo�ndil zu Beginn des Gemetzels kampfunf�hig gemacht worden war, lag in einer riesigen Blutlache und verlor zusehends an Lebenskraft. Er eilte zu dem Mann.</p><p>�Wer bezahlte euch euer Handwerk?�, verlangte er zu wissen. �Sag es uns, und wir retten dein Leben.�</p><p>�Oder wir schauen zu, wie du dich in deinem Blut w�lzt�, drohte Ingrimmsch.</p><p>�Bei Palandiell, verbindet mich!�, hielt der Kopfgeldj�ger dagegen und presste seine H�nde gegen die H�ftwunde. Das Rot quoll so stark zwischen seinen Fingern hervor, dass Tungdil nicht glaubte, sein Leben retten zu k�nnen. Lot-Ionan w�re sicher dazu imstande gewesen, doch ein Verband brachte nichts.</p><p>�Sag es�, schrie ihn Bo�ndil aufgebracht an, �oder ich beende, was deine Mutter unter Schmerzen in die Welt setzte!� Doch der Mann starb, ehe er seine Drohung in die Tat umsetzen konnte.</p><p>Die Zwillinge drehten sich um und stapften auf den letzten �berlebenden der M�rderbande zu, dem die lange Spitze von Bo�ndals Waffe Schild und Hand durchbohrte.</p><p>Der S�ldner presste die Z�hne zusammen. Die Schmerzen, die ihm sein zersplittertes Knie bereiteten, stellten seinen Stolz, nicht zu schreien, auf eine �bermenschliche Probe.</p><p>�Seid gn�dig, ich wei� fast nichts�, stammelte er. �Wir haben in Gauragar von der Belohnung geh�rt, die es f�r das Haupt eines Unterirdischen gibt. Es war kurz nachdem wir den da�, er zeigte auf Tungdil, �zum ersten Mal trafen.�</p><p>�Wer hat es euch gesagt?�, grollte Ingrimmsch, und eines seiner blutigen Beile legte sich an die Kehle des Ger�steten.</p><p>�Der Gildenmeister! Der Gildenmeister!�, stie� er �ngstlich hervor. �Er hat uns in diese Region geschickt. Wir sammeln die K�pfe, und einmal pro drei�ig Uml�ufe erscheint ein Bote, um die Gl�ser abzuholen. Wir erhalten daf�r unseren Anteil von der Gilde. Jeder drei�ig M�nzen pro Sch�del.�</p><p>�Welcher Gilde?�, setzte Tungdil nach.</p><p>�Der Kopfgeldj�ger�, erkl�rte der Krieger und st�hnte laut auf, als die Qual zu gro� wurde. �Lasst mich gehen. Ich habe alles gesagt, was ich wei�.�</p><p>Tungdil glaubte ihm das, doch er wusste auch, dass die Zwillinge ihn nicht am Leben lassen w�rden. Die habgierigen Taten verlangten nach S�hne.</p><p>�Du gehst nirgends hin.� Bo�ndils Klinge erledigte ihr Werk schneller, als sie ihn davon abzuhalten vermochten, und der Letzte der S�ldner hauchte sein Leben aus.</p><p>�Weiter�, befahl Bo�ndal tonlos. �Nichts wie weg von hier, ehe die Stadtwache nachschauen kommt.�</p><p>Sie nahmen ihr Gep�ck eilig an sich und verlie�en Porista, um ihren Weg nach Ionandar fortzusetzen. Zuerst f�rchteten sie, dass Gardisten sie verfolgten, aber sie durften unbehelligt ziehen.</p><p>Tungdil f�hlte ein schlechtes Gewissen in sich. �Es war nicht rechtens. Wir h�tten sie der Garde �bergeben sollen, samt des Glases�, meinte er unterwegs, w�hrend sie durch Pf�tzen und Schlamm wateten.</p><p>Bo�ndils Augen verengten sich. �Ist das ein Vorwurf, weil ich keinen der Langen mit dem Leben davonkommen lie�?� Er wischte sich die Regentropfen aus dem schwarzen Bart. �Was h�tte es an ihrem Schicksal ge�ndert? Man h�tte sie verurteilt und hingerichtet.�</p><p>�Sie hatten den Tod verdient. Nur �� Tungdil wusste nicht, wie er seine Schuldgef�hle begreiflich machen konnte, damit Ingrimmsch ihn verstand.</p><p>Bo�ndal sprang seinem Bruder bei. �Nein, Gelehrter. Es gibt kein �Nur�, kein �Wenn� und �Aber�. Sie t�teten f�r Geld, sie starben f�r Geld. Ob wir sie nun umgebracht haben oder die Langen sie hinrichten w�rden, welchen Unterschied macht das? Auf diese Weise haben wir die get�teten Zwerge ger�cht. So war es besser.� Zum Zeichen, dass er von seiner Meinung nicht mehr abr�cken w�rde, warf er sich den Zopf �ber die Schulter.</p><p>Seinen Worten hatte Tungdil nichts entgegenzusetzen. Er war noch zu sehr Gelehrter, um die zwergische Denkweise seiner Begleiter nachvollziehen zu k�nnen.</p><p>�Lass uns weitergehen. Der Rat der Zwerge wartet auf uns�, sprach Bo�ndil vers�hnlicher. Die Schlacht im Stall hatte seine aufgestaute Wut abgek�hlt, und er war wieder umg�nglicher.</p><subtitle>Das Geborgene Land, Lios Nudin im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sommer</subtitle><p>�Ich kann nicht mehr�, �chzte Rantja leise.</p><p>�Ich bitte dich, du musst durchhalten�, raunte ihr Jolosin zu. �Wenn einer von uns den Kreis verl�sst, h�lt die Zeremonie inne. Ich bin es meinem Mentor schuldig � und wir alle zusammen sind es dem Geborgenen Land schuldig.�</p><p>Nudins Stimme ver�nderte sich. Aus dem Kr�chzen wurde ein hohes S�useln, das sich nicht mehr wie der Magus anh�rte. Im n�chsten Augenblick redete er mit dunkler Bassstimme, die in den B�uchen der Famuli vibrierte. Selbst die Erfahrensten unter ihnen erinnerten sich nicht, jemals so etwas vernommen zu haben.</p><p>Doch es wirkte.</p><p>Die Bruchst�cke des Malachits leuchteten dunkelgr�n auf, erhoben sich drei Schritt hoch und schwebten auf einer Ebene frei im Raum. Selbst die Splitter, die im Leichnam Mairas der H�terin steckten, bohrten sich einen Weg durch das verrottende Fleisch und kamen mit einem leisen Schmatzger�usch aus ihr hervor.</p><p>�Sieh nur!� Jolosin dr�ckte ihre Hand. �Gleich haben wir es!�</p><p>Der Wissbegierige �bernahm weiterhin die Rolle des Hauptsprechers. Die M�nner und Frauen wiederholten seine Formeln, bis sie pl�tzlich unverst�ndlich wurden. Nudin stotterte scheinbar wirres Zeug vor sich hin, und die Silben konnten von seinen Helfern nicht repetiert werden. Das Ritual drohte zu scheitern.</p><p>Die Bruchst�cke formierten sich zu einer runden Scheibe mit einem Durchmesser von zehn Schritt, dann begann der leuchtende Kreis, um die eigene Achse zu rotieren.</p><p>�Soll das so sein?�, fragte Jolosin Rantja. �Ich habe so ein Ritual noch niemals mitgemacht.� Sie blieb ihm die Antwort schuldig.</p><p>Die Drehbewegungen wurden schneller, und je mehr die Malachitsplitter an Geschwindigkeit aufnahmen, um so enger r�ckten sie aufeinander zu. Sie verdichteten sich, bis sich die Einzelst�cke zu einem gro�en Kristall f�gten.</p><p>�Der Wissbegierige wei� genau, was er tut�, atmete Rantja auf und verstummte wie auch die �brigen Famuli.</p><p>Die Stille hatte etwas Feierliches. Einhundertachtzig Menschen standen um den kraftvoll leuchtenden Edelstein, dem der Wille Nudins eine neue Form gegeben hatte. Einige der Zauberlehrlinge seufzten erleichtert und freuten sich an dem majest�tischen Anblick, der sich ihnen bot.</p><p>�Wir haben es geschafft�, jauchzte Jolosin und wollte seine Finger von Nudins l�sen, um Rantja in die Arme zu schlie�en, doch der Magus hielt sie eisern fest.</p><p>Der Mund des Wissbegierigen �ffnete sich, um ein einziges, unbekanntes Wort zu sagen.</p><p>Ein Splitter l�ste sich aus dem Verbund und flog Jolosin unbemerkt von den anderen wie ein Geschoss in die Brust.</p><p>�Was �� Der junge Mann �chzte. Er wollte die Hand des Magus absch�tteln, um die Stelle zu betasten, an der das St�ck Malachit einschlug. Das scharfkantige Teil steckte tief in ihm, er sp�rte, wie Blut aus der Wunde sickerte und �ber seinen Bauch lief, aber die kalten, klebrigen Finger gaben ihn nicht frei.</p><p>�Ehrenwerter Magus�, st�hnte Jolosin unter Schmerzen. �Ich � bin verletzt. Der Stein hat mich angegriffen.�</p><p>Nudin wandte ihm das teigige, aufgeschwemmte Gesicht zu. Das Schwarz der Pupillen hatte die Farbe seiner Augen zu einem schmalen Rand schrumpfen lassen; dann ver�nderte sich die Schw�rze und wurde schlagartig silbrigtr�b. In dem Schleier glitzerte es auf.</p><p>�Ich wei�, mein Junge. Es geht nicht anders, ich brauche deine Magie.� Er dr�ckte ihm aufmunternd die Hand. �Du wirst gleich keine Qualen mehr leiden m�ssen.� Der Wissbegierige schloss die Lider.</p><p>Das n�chste winzige Malachitst�ck flog durch den Raum und traf Rantja; immer schneller schossen die Splitter davon, und erst als die H�lfte der Famuli Opfer der Attacken geworden waren, bemerkten die anderen, was geschah. Sie riefen Nudin zu, er solle etwas unternehmen.</p><p>�Bleibt, wo ihr seid! Oder wollt ihr alles zunichte machen?� Er stand noch immer mit geschlossenen Augen da.</p><p>Die Letzten, die noch nicht beschossen worden waren, gaben nichts auf die Worte des Magus. Sie wollten den Kreis verlassen und hinter Deckungen fl�chten, ehe sie Tod bringende Verletzungen davontrugen. Aber es gelang nicht. Voller Entsetzen stellten sie fest, dass ihre H�nde untrennbar an denen ihrer Nachbarn hafteten, und kurz darauf traf auch sie ein Splitter.</p><p>Aus dem Malachit zuckten dunkelgr�ne Strahlen hervor, leckten voller Vorfreude �ber die K�rper der Zauberlehrlinge und glitten durch die Wunden, welche die Splitter ihnen geschlagen hatten, in sie hinein.</p><p>Nudin �ffnete die Lider, die Augen gl�nzten wahnsinnig. Er �ffnete sein Gewand auf Brusth�he und rief ein zweites Wort.</p><p>Ein fingerlanger Kristallsplitter ritt auf einem glei�enden Blitz herbei, um sich in seinen Leib zu bohren. Der Strahl schwoll an, gewann an Umfang, pulsierte und zuckte, w�hrend die gr�nen Energieb�nder, mit denen die Famuli an dem Malachit hingen, schw�cher wurden. Unvermittelt erloschen sie.</p><p>�Vollendet!� Aus dem Mund Nudins drang ein unmenschlicher, kraftvoller Freudenschrei, dann lachte er vor Zufriedenheit. �Es ist vollendet! Nun kann ich die Maskerade fallen lassen und wieder N�d�onn der Zweifache sein.�</p><p>Die Zauberlehrlinge st�rzten zu Boden. Jolosin und Rantja waren wie alle anderen nicht f�hig zu sprechen, der Stein hatte ihnen alle Kraft und die Magie brutal aus den K�rpern geraubt.</p><p>Diejenigen, deren Verfassung weniger stabil war, starben zuerst. Ihre Herzen h�rten auf zu schlagen, die Atmung endete.</p><p>Jolosin und Rantja schafften es zusammen mit einigen wenigen, ihre letzten Reserven zu mobilisieren, und krochen auf den Ausgang zu, um vor Nudin zu fliehen.</p><p>Der Magus langte mit spitzen Fingern nach dem Splitter in seiner Brust, bis er ihn zu fassen bekam. Er zog das blutigrote Fragment heraus, um es versonnen zu betrachten und wieder in sich einzusetzen. Anschlie�end trat er zu der Malachitscheibe.</p><p>�Du hast deinen Dienst getan. Vergehe.� Kaum ber�hrte er den schwebenden Kristall mit dem Onyx, fiel er herab und zerbarst erneut in unz�hlige Teile.</p><p><emphasis>Halte dich nicht auf, beginne mit dem n�chsten Zauber.</emphasis> N�d�onn ging zu dem Sack mit den Artefakten, nahm ihn an sich und eilte zum Ausgang. Er stieg �ber drei Kriechende hinweg und t�tete sie, indem er ihnen die Spitze seines Stabes in den R�cken trieb. Das wei�e Ahornholz f�rbte sich Rot.</p><p>Auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um. Seine Augen wanderten im Saal umher, in dem der Verwesungsgeruch bald st�rker werden w�rde. Es st�rte ihn nicht. Es gab keinen Grund mehr f�r ihn, das Ritualzimmer zu betreten, denn er war beinahe am Ende seines Planes angelangt.</p><p>Da wurde er auf Jolosin und Rantja aufmerksam. Mit einem harten, brutalen Hieb schlug er dem Mann den Sch�del ein; seine eigene Famula schob er mit dem Stiefel von der Schwelle ins Zimmer zur�ck.</p><p>Rantja rollte sich auf den R�cken und versuchte unter Tr�nen, die Formel einer Selbstheilung aufzusagen, doch ihr Zauber scheiterte.</p><p>N�d�onn ging in die Hocke und streichelte ihr behutsam �ber die langen, br�netten Haare. Er kannte sie sehr gut und z�hlte sie zu seinen f�higsten Sch�lern; vielleicht h�tte sie es bis zu seiner Nachfolgeschaft in Lios Nudin gebracht, aber seinen Pl�nen w�re sie niemals gefolgt.</p><p>�Es gelingt dir nicht, weil du den Kristallsplitter in dir tr�gst und leer und verbraucht bist�, erkl�rte er ihr. �Du wirst mit den anderen sterben, Rantja.�</p><p>Die dunklen Augen der jungen Frau blickten den Magus, dem sie zyklenlang vertraut und den sie zu kennen geglaubt hatte, voller Verachtung an.</p><p>Er wich ihr aus, der Anblick der Sterbenden erf�llte ihn dennoch mit Trauer. �Ich bedauere es, die vielen Leben ausl�schen zu m�ssen, um an ihre Kr�fte zu gelangen�, entschuldigte er sich. �Andererseits h�ttet ihr ebenso wie Sabora, Turgur, Lot-Ionan, And�kai und Maira meinem Vorhaben niemals zugestimmt. Es blieb mir nur dieser Weg, der mir gewiss nicht leicht fiel. Das Schicksal verlangte von mir, so zu handeln. Es gilt, Schlimmeres vom Geborgenen Land abzuwehren�, sagte er sanft als Antwort auf ihre stumme Frage.</p><p>�Es gibt nichts Schlimmeres als der Schrecken aus dem Norden�, widersprach sie angestrengt. �Verr�ter! Die G�tter werden dich bestrafen!�</p><p>Nudin blickte sie nachdenklich an. �Mag sein�, antwortete er langsam. �Mag sein. Den Zorn der G�tter nehme ich in Kauf, wenn ich daf�r die Menschen retten kann.� Er erhob sich; auf sein Zeichen hin schwangen die riesigen T�ren aufeinander zu. �Und das gelingt einzig mit der Hilfe einiger Auserw�hlter und des Toten Landes.�</p><p>�Du bist irre�, fl�sterte Rantja, und ihr Blick brach. �Du bist �� Ihr K�rper entspannte sich, der Schopf sank nach hinten und drehte sich leicht zur Seite.</p><p>�Nein�, entgegnete N�d�onn bedr�ckt, �es versteht mich nur keiner. Doch davor hat es mich gewarnt ��</p><p>Abrupt drehte er sich um und eilte durch den Palast, um in die unterirdischen Gew�lbe zu gelangen. Dumpf polternd schlossen sich die T�ren des Raumes, in dem die besten Magiekundigen ihre letzte Ruhest�tte fanden.</p><p>Der Zweifache eilte die Stufen hinab und gelangte in den Bereich, in dem er den Magiestrom, der sein Land durchfloss, am deutlichsten f�hlte. Lios Nudin lag im Zentrum der Kraft, von hier aus rannen die Energien in die f�nf �brigen Zauberreiche. Es w�rde nicht mehr lange so bleiben.</p><p>Die Magi und ihre besten Sch�ler hatte er zwar besiegt, doch er musste sich auch um die Famuli k�mmern, die auf der untersten Stufe der Gelehrtenleiter standen. N�d�onn konnte den magischen Strom nicht aufhalten, daher bezweckte er etwas ganz anderes, um den niedrigrangigen Zauberlehrlingen das bisschen Macht zu nehmen, das sie besa�en.</p><p><emphasis>Aber zuerst k�mmere ich mich um etwas mindestens ebenso Wichtiges.</emphasis> Er entfernte das gr�ne Lederband, �ffnete den Sack mit den Artefakten und st�lpte ihn um, um die Gegenst�nde auf den Boden zu sch�tten.</p><p>Eine Sanduhr fiel heraus und zerschellte auf dem Marmor, dann folgten zwei Amulette, die scheppernd aufschlugen, und eine Schriftrolle.</p><p>W�tend starrte N�d�onn auf die Sachen. <emphasis>Das sind die falschen Dinge!</emphasis> Die Spitze seines Zauberstabs w�hlte im Sand herum. <emphasis>Verflucht!</emphasis></p><p>Er mahnte sich zur Ruhe. Sein Eigentum konnte er sich von den Orks aus dem Stollen Lot-Ionans holen lassen.</p><p>Der Magus konzentrierte sich und tastete gedanklich mit seinen eigenen Fertigkeiten nach dem Magiefeld. Als er sp�rte, dass er eine Verbindung zu ihm gefunden hatte, sagte er den Zauberspruch auf, den ihn das Tote Land lehrte, und gab die von den Famuli geraubten Energien.</p></section><section><title><p>VIII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sp�tsommer</subtitle><p>Die drei Zwerge erstanden Ponys, um schneller voranzukommen, und ritten ununterbrochen; nur wenn ihre Kehrseiten zu sehr schmerzten, stiegen sie ab und liefen neben den Tieren her.</p><p>Die Zwillinge lehrten Tungdil unterwegs einige Zwergenweisen, die von allen St�mmen gesungen wurden und eine letzte Kette von Gemeinschaftlichkeit bildeten, die alle Kinder des Schmiedegottes Vraccas miteinander verband.</p><p>Die Tonfolgen waren einfach und leicht zu merken, denn verschn�rkelte Melodien waren den Zwergen fremd. Dennoch kamen die Weisen Tungdil ein wenig melancholisch vor. Es musste an der st�ndigen Dunkelheit liegen, in der sein Volk lebte. Nur wenn es um Gold und Sch�tze ging, wie in �Goldnes Schimmern in Stollens Ferne� und �Diamantnes Feuer, k�hl und hell�, brach die gute Laune aus. Das Trinklied �Tausend Zecher, tausend Becher� �bten sie mit ihm, nachdem Bo�ndil ein kleines Fass Bier erstanden hatte.</p><p>Der Morgen danach war einer dieser Tage, an denen sich Tungdil w�nschte, keinen Kopf zu haben. Bo�ndal versicherte ihm, dass so etwas bei Zwergenbier nicht gesch�he, das Gebr�u der Langen sei minderwertig.</p><p>Unterwegs erfuhren sie durch den fahrenden H�ndler Sami, einen Menschen mit einfachen Kleidern am Leib und Bartstoppeln im Gesicht, von seltsamen Begebenheiten. �Mancherorts erz�hlt man, dass sich die besten Famuli aus allen f�nf Zauberreichen nach Lios Nudin aufgemacht h�tten�, sagte er, w�hrend sich Tungdil f�r eine Schmuckauslage interessierte. Er hatte Frala versprochen, ihr etwas Sch�nes mitzubringen, und das wollte er besorgen, bevor er es v�llig verga�. Die Zwillinge warteten geduldig.</p><p>�Gab es von Gr�nhain etwas Neues?�</p><p>�Die Elbin unterlag dem Toten Land, und der Wald verwandelte sich in einen Ort des Schreckens. K�nig Bruron erwog, die B�ume in Brand zu stecken, damit keine unachtsamen Wanderer hineingeraten und get�tet werden�, berichtete Sami und wies geflissentlich auf seine Kr�uterseifen. �Das w�rde dir gut tun, Unterirdischer.�</p><p>�Wir sind Zwerge! Hei�t das, wir stinken?�, knurrte Ingrimmsch. �Komm runter, damit ich dich einseife, langes Elend.�</p><p>�Nein, nicht doch. Ich dachte, er sucht etwas f�r eine Dame�, wehrte der H�ndler rasch ab.</p><p>�Aber jetzt, wo du es sagst�, konnte sich Tungdil die Spitze nicht verkneifen und warf Bo�ndil ein St�ck grobe Kernseife zu. �Da.� Er erstand eine Jasminseife, einen Kamm mit Brandmalerei sowie Puppen f�r Ikana und Sunja.</p><p>Bo�ndil roch an der Seife, kratzte ein St�ck davon ab und kostete es. �Bah, waschen! Es schmeckt nicht einmal.� Achtlos packte er sie ein.</p><p>�Das Tote Land ist auf dem Vormarsch?�, hakte sein Bruder indes nach.</p><p>�Das kann man so annehmen. Die Elben sitzen im letzten St�ck ihres Reiches �landur und verteidigen es gegen die unaufh�rlichen Attacken der Albae, hei�t es. Angeblich sind die ersten Elben gefl�chtet und suchen Schutz in der �hrenebene von Taba�n.� Der Mann packte die Geschenke in groben Stoff ein. �Die Albae gewinnen langsam, doch stetig die Oberhand, will man meinen. �landur wird fallen, wenn ihr mich fragt, und dann gibt es keine Elbenreiche mehr im Geborgenen Land.� Er �bergab Tungdil das B�ndel. �Macht einen silbernen M�nzling, werter Herr Unterirdischer.�</p><p>�Zwerg�, verbesserte ihn Tungdil.</p><p>�Bitte?�</p><p>�Wir sind Zwerge, keine Unterirdischen.�</p><p>�Richtig, ich verga߫, entschuldigte Sami sich eilends und schaute misstrauisch zu Bo�ndil, der seine geschorenen Kopfseiten pr�fend in einem Spiegel betrachtete.</p><p>Tungdil machten die Neuigkeiten betroffen. �Ich bin gespannt, was der Rat der Zwergenst�mme dazu sagt.�</p><p>�Er wird jubeln�, zuckte Ingrimmsch mit den Achseln. �Die einen Spitzohren sind erledigt, und die anderen machen wir umso leichter fertig, wenn sie sich in unseren Bergen herumtreiben sollten. Ich werde keine Elbenfratze in unserem Blauen Gebirge dulden, weder Alb noch Elb. Sollen die Fl�chtlinge sehen, wo sie bleiben.�</p><p>Tungdil kratzte sich am braunen Bart. �Und die Orks?�</p><p>�Oh, sie m�ssen sich an drei Orten gleichzeitig aufhalten, wenn man den Geschichten �ber sie Glauben schenken will.� Sami verzog das Gesicht zu einer Leidensmiene. �Es ist unsicher auf den Stra�en. K�nig Bruron gelingt es nicht, Tions Kreaturen zu stellen und zu vernichten. Daf�r pl�ndern sie weiter, und unsereins muss sich Sorgen um Leib und Ware machen.�</p><p>Bo�ndil blickte verlangend und leckte sich die Lippen. Tungdil h�rte ihn �Oink, oink� murmeln.</p><p>Schlie�lich verabschiedeten sie sich von dem Kr�mer und ritten weiter.</p><p>Um M�nzen in die Beutel zu bekommen, schmiedete Tungdil unterwegs; die Zwillinge gingen ihm entweder zur Hand oder versahen die Fenster- und T�rst�rze der Bauern und D�rfler mit wundersch�nen Gravuren. Damit hatten sie ausreichend Schinken und K�se im Beutel und n�herten sich ihrem ersten Ziel, dem Stollen.</p><p>�Du hast K�sekr�mel im Bart�, machte Tungdil Bo�ndil w�hrend einer Rast aufmerksam.</p><p>�Und?�</p><p>�Es sieht � nicht gut aus�, bem�hte er sich um einen diplomatischen Hinweis.</p><p>Ingrimmsch strich einfach nur durch die Gesichtshaare, um die gr��ten Brocken herauszusch�tteln.</p><p>�Da ist noch ��</p><p>�Alles andere bleibt, wo es ist�, meinte er unwirsch. �Das sorgt daf�r, dass der Bart immer sch�n geschmeidig ist.� Wie zur Untermauerung seiner Worte landete ein Brotkr�mel in dem krausen Barthaar.</p><p>Tungdil stellte sich vor, wie die Haare ihr eigenes Leben entwickelten und die Reste verschlangen. Das war gewiss der Grund, weshalb sich kein Ungeziefer darin einnistete. Es krabbelte hinein und wurde einfach gefressen. �Was sagen denn die Zwerginnen, wenn ihr so ungepflegt �?�</p><p>�F�ngst du schon wieder mit den Weibern an?� Bo�ndil grinste dreckig. K�sest�ckchen hingen zwischen seinen Z�hnen, und er schlug Tungdil aufmunternd auf den R�cken.</p><p>�Geduld, Gelehrter. Bald bist du um eine Weisheit reicher, wenn du es geschickt anstellst. Der H�sslichste bist du meiner Meinung nach nicht. Es wird sich schon eine f�r dich finden�, lautete der Ratschlag Bo�ndals.</p><p>�Und � was mache ich dann?�</p><p>Der andere rempelte ihn in die Seite. �Du machst ihr sch�ne Augen. Danach singst du ihr ein Lied und schmiedest ihr einen Ring, um ihr Herz zu gewinnen. Du k�sst ihre F��e, reibst sie ordentlich mit ihrem Lieblingsk�se ein und drehst sie viermal im Kreis. Dann �ffnet sich die Pforte, die in ihr Geborgenes Land f�hrt.�</p><p>�Das ist � so steht es nicht in den B�chern�, meinte Tungdil hilflos. Er blickte Bo�ndal an, in dessen braunen Augen der Schalk funkelte. Im selben Moment prustete Ingrimmsch los und sch�ttete sich aus vor Lachen.</p><p>�Albernes Pack.� Tungdil verzog den Mund. �Ich finde das nicht lustig�, beschwerte er sich beleidigt. �Ich kann nichts daf�r, dass ich keine Zwerginnen kenne.�</p><p>Bo�ndil wischte sich die Heiterkeitstr�nen aus den Augenwinkeln. �Nimm es ihm nicht krumm. Aber mein Bruder hatte auf diese Weise immer Erfolg.�</p><p>Jetzt dr�hnte das Lachen beider Geschwister �ber die sanften H�gel Ionandars.</p><p>�Sei einfach du selbst�, sagte Bo�ndal eine Spur ernster. �Ich kann nat�rlich nicht f�r alle sprechen, aber ich habe gelernt, dass sie eine Maskerade sehr schnell durchschauen.�</p><p>�Er wollte immer ein Poet sein�, gluckste sein Bruder. �Es hat ihm aber niemand abgenommen. Bei dir w�rde das funktionieren.�</p><p>�Welche Geschenke m�gen sie?�</p><p>�Oh, geschickt! Du versuchst es mit Bestechung?! Um das Herz einer unvergebenen Zwergin zu erreichen, gibt es keine Rezeptur, die man aus B�chern lernen kann, Gelehrter�, sagte Bo�ndal. �Entweder sie mag dich und l�sst dich das sp�ren, oder sie mag dich nicht.�</p><p>�Das l�sst sie dich dann auch sp�ren�, rief Ingrimmsch gut gelaunt.</p><p>�Und frage nicht, wie sehr�, lachte Bo�ndal. �Wenn sie dich mag, kann dir alles geschehen. Doch jetzt genug von den Frauen.�</p><p>Sie zogen weiter. Nach mehreren Sonnenuml�ufen erkannte Tungdil die Gegend, also n�herten sie sich mehr und mehr dem Stollen seines Magus.</p><p>Freudig malte er sich das Wiedersehen mit den Famuli und vor allem mit seiner lieben Frala und ihren T�chtern aus. <emphasis>Sie werden Augen machen, wenn sie h�ren, was das Volk der Zwerge von mir will.</emphasis> Damit sie sah, dass er sie nicht vergessen hatte, band er sich ihr Halstuch um.</p><p>Die Gruppe kam an den Fluss. Auf der anderen Seite schaukelte eine F�hre, und auf der B�schung stand das Haus des Schiffmeisters. Rauch stieg aus dem Schornstein.</p><p>Tungdils Hand streckte sich nach der Glocke aus, die neben dem Anlegeplatz an einem Ast baumelte, um dem F�hrmann ein Zeichen zu geben, damit er kam und sie holte.</p><p>Ingrimmsch hielt seine Hand fest. �Was machst du?�</p><p>�Ich rufe den F�hrmeister�, antwortete der Zwerg. �Oder hast du beim Laufen und Reiten gleich schwimmen gelernt und m�chtest so ans andere Ufer gelangen?�</p><p>Bo�ndil betrachtete den Strom, die Wellen gluckerten und schwappten gegen das Ufer. �Wir suchen uns einen anderen Weg�, entschied er. �Mir ist es hier zu tief. Wir k�nnten vom Boot fallen und ertrinken.�</p><p>�Du kannst auch vom Pony fallen und dir das Genick brechen�, hielt Tungdil bissig dagegen. �Die Reise zur n�chsten Furt kostet uns mindestens zwei Uml�ufe!� Er blickte in die verschlossenen Gesichter der Zwillinge und wusste, dass er sich weitere Worte sparen konnte. �Da lang�, seufzte er und deutete flussaufw�rts. �Warum wollt ihr nicht �bers Wasser?�</p><p>Bo�ndal erz�hlte ihm die zwergische Legende, warum das Wasser die Zwerge nicht leiden konnte.</p><p>�Die G�ttin Elria, die sich selbst aus dem Wasser erhob und sich dem Element zutiefst verbunden f�hlte, mochte uns Zwerge nicht. Die Kinder des Schmiedes, die mit Feuer und Flammen zu tun hatten, waren f�r sie der Fleisch gewordene Gegensatz zu ihren Sch�pfungen, die sich im Wasser tummelten.</p><p>Damit wir nicht mit ihren Kreaturen in Ber�hrung kommen, warf sie einen Fluch �ber die Zwerge. Sobald wir uns au�erhalb der Zwergenreiche in Wasser begeben, sollen wir unweigerlich darin ertrinken.�</p><p>Egal ob Meer, See, Fluss, Teich oder Bach, selbst gr��eren Pf�tzen unterstellten die Geschwister Mordabsichten. Die beiden mieden alles, was nach tiefem Wasser aussah.</p><p>�Jedenfalls ist es eine sehr gute Ausrede, um sich nicht waschen zu m�ssen�, meinte Tungdil.</p><p>Sie ritten den Rest des Tages den Fluss entlang und erreichten nach einem Nachtlager die Furt. Die Zwillinge bewegten sich sehr vorsichtig durch das schnell flie�ende Wasser, das ihre Oberschenkel so heftig umsp�lte, als wollte es sie tats�chlich von den Beinen rei�en und ers�ufen.</p><p>Gegen Abend n�herten sie sich dem Stolleneingang, in dem Lot-Ionans Schule beheimatet war. Bei den Zwillingen stieg das Unwohlsein, da sie wieder gef�hrlich nahe an die Magie herankamen.</p><p>�Es war schon schlimm genug, dass wir auf der Suche nach dir bei ihm vorsprechen mussten. Er mag nett sein, aber er ist und bleibt ein Formelprediger�, knurrte Bo�ndil abweisend. �Hokuspokus ist nichts Gutes. Wir Zwerge wissen das und lassen es. Wenn Vraccas gewollt h�tte, dass wir die Magie beherrschen, h�tte er uns die Gabe verliehen.� Er schaute seinen Sch�tzling misstrauisch an. �Du wei�t das doch?�, fragte er eindringlich. �Oder hat er dich verdorben?�</p><p>�Ich kann nicht zaubern und habe es auch nie versucht�, beruhigte Tungdil den gereizten Ingrimmsch und blieb stehen. �Ich m�chte, dass ihr Lot-Ionan auch weiterhin respektvoll gegen�bertretet�, verlangte er, w�hrend er beschw�rend von einem zum anderen schaute. �Er war es, der mich einst aufnahm und rettete. Bedenkt, dass es ohne ihn keinen Thronanw�rter g�be ��</p><p>�Wohlan, mich deucht, ich h�re den Gelehrten wieder reden�, merkte Bo�ndal spitz an und imitierte ihn. �Seine Zunge beginnt gar, ein wenig hochm�tiger zu werden, sie windet die S�tze gar merkw�rdigerdings, um sich auf die Unterhaltung mit anderen Wesen einzustimmen ��</p><p>�Merkw�rdigerweise�, l�chelte Tungdil ihn an. �Ich habe es verstanden, verzeiht mir. Bleibt einfach freundlich oder schweigt, wenn euch das leichter f�llt. Oder wartet vor den Toren, ich nehme es euch nicht krumm.�</p><p>Es wurde Abend, als sie die letzten Meter bis zum Stollen ritten. Schon von weitem entdeckte Tungdil eine Besonderheit: Das gro�e Tor stand einen Spalt offen. Ein nachl�ssiger Famulus hatte wohl vergessen, die T�ren sorgf�ltig zu schlie�en und mit einem Zauber zu sch�tzen.</p><p>Ein b�ses Grinsen stahl sich in sein gebr�untes Gesicht, Falten entstanden um seine Augen. Wer auch immer diese Nachl�ssigkeit verschuldete, er w�rde sie bald schon bitter bereuen. Der Zwerg plante, den Famuli und M�gden einen geh�rigen Schrecken einzujagen.</p><p>�Schaut euch das an�, merkte Bo�ndil tadelnd an, als er die offene Pforte entdeckte. �Bei Vraccas, ist das eine Falle, um umherziehende Wanderer in einen Hinterhalt zu locken, weil sich die T�ren nach seinem Eintreten schlie�en?�</p><p>�Was sollten sie mit einem Wanderer?�, meinte sein Bruder.</p><p>�Um neuen Hokuspokus auszuprobieren. Was wei� ich � An sich selbst werden sie ihre Kunst ja wohl erst anwenden, wenn sie sich sicher sind, dass es tats�chlich funktioniert.� Er sah zu Tungdil, um eine Best�tigung seiner Worte zu h�ren, aber der schwieg vorsichtshalber. Bo�ndil lockerte eines seiner Beile. �Wenn mich einer von den Zauberhuttr�gern schief ansieht, wird er es bereuen�, grummelte er in seinen schwarzen Bart.</p><p>Bo�ndal lachte tief. �Ich werde dich r�chen, wenn sie aus dir eine Maus oder ein St�ck Seife gemacht haben.� Er t�tschelte viel sagend den Kopf des Kr�henschnabels, doch sein Bruder ersparte sich eine Erwiderung, sondern zog nur die Augenbrauen zusammen.</p><p>Tungdil bemerkte, dass beide die K�pfe ein wenig einzogen und von ihren Bewegungen her in das Kampfverhalten der Zwerge �berwechselten. Vorsichtshalber setzte er sich an die Spitze des kleinen Trosses.</p><p>�Seid leise�, bat er sie, �ich m�chte sie �berraschen.�</p><p>Bo�ndil blieb misstrauisch. �Ist das ein guter Einfall? Wenn sie uns nun vor lauter Schreck verhexen?�, gab er zu bedenken. �Was, wenn sie dich nicht wieder erkennen?�</p><p>Tungdil winkte ab und betrat den Stolleneingang, aus dem ein vertrauter Geruch wehte. Papier, Papyrus und Pergament sowie der Staub hunderter B�cher vermengten sich mit dem Eigengeruch des Steins, dazu gesellte sich eine dezente Note des Abendessens. �Es gibt wohl Gesottenes und Gebratenes.�</p><p>Er schaute �ber die Schulter, um nach den Zwillingen zu sehen. Sie aber hatten nur Augen f�r die Beschaffenheit der Tunnelw�nde und unterhielten sich leise dar�ber, wer warum die G�nge gegraben hatte.</p><p>�Das waren Lange. Das sieht man, das fiel mir schon bei unserem ersten Besuch auf�, befand Ingrimmsch mit Kennerblick. �Zu grob und keine Ahnung von der Beschaffenheit des Felsens. Sie haben sich gegen die Schichten gew�hlt, anstatt auf die Adern zu achten.� Er zeigte auf feine Maserungen im Gestein. �Wenn man sich ein bisschen M�he gibt, erkennt man die Hinweise, welche das Gestein gibt. Selbst mir f�llt das auf, und ich bin ein Krieger.�</p><p>�Der Sandgehalt ist sehr hoch.� Bo�ndal betrachtete die Decke, die alle paar Meter mit Balken gest�tzt wurde. �Eine sehr mutige Konstruktion�, sch�tzte der Zwerg. �Das waren keine Bergleute und keine Ingenieure.� Er nahm seine Waffe und schlug vorsichtig gegen die Decke; sofort rieselten kleine Dreckst�cke von oben herab. �Ich bin kein Meister, aber ich h�tte den Gang vollst�ndig ausgeschalt. Die Feuchtigkeit ist wegen der W�rme aus den Sandschichten zwischen dem Fels gewichen und hat sie austrocknen lassen. Dein Magus hat keine Ahnung, auf was man in einem Stollen achten muss. Gut, dass wir noch einmal ��</p><p>�Seid leise�, wies Tungdil sie nochmals mit Nachdruck an. �Ihr verderbt mir die �berraschung!�</p><p>�Sieh nur! Jetzt wei� ich, warum Vraccas uns befahl, auf die Langen aufzupassen.� Bo�ndil verdrehte die Augen. �Keine Wachen, keine Alarmschnur, nichts. Bei uns gibt es das nicht�, wisperte er seinem Bruder zu und war dabei immer noch laut genug, dass Tungdil ihn verstand. �Hier kann man leichter reinspazieren als in den Hort eines toten Drachen.�</p><p>Tungdil schlich vorw�rts. Seine Augen gew�hnten sich schnell an das d�mmrige Licht, doch er fand es ein wenig zu ruhig im Stollen. Weder klapperten T�ren noch h�rte er Stimmengemurmel. W�re da nicht der verf�hrerische Geruch von Essen gewesen, h�tte er angenommen, der Magus und seine Schule h�tten in eine andere unterirdische Behausung gewechselt.</p><p>�Vielleicht haben sie den Koch hier gelassen und sich aus dem Stollen zur�ckgezogen?�, mutma�te Ingrimmsch halblaut. �Kann doch sein, dass sie gemerkt haben, wie es um ihren bauf�lligen Tunnel bestellt ist.�</p><p>Bo�ndal warf seinem Zwillingsbruder einen strafenden Blick zu. �Wieso sollten sie ausgerechnet den Koch zur�cklassen?�</p><p>�Weil er schlecht war�, grinste Bo�ndil. �Zur Strafe muss er bleiben und kochen, bis der Fels einbricht. Oder sie haben ihn in seinem eigenen Sud gegart.�</p><p>Tungdil lie� sie reden und dirigierte sie unmittelbar zum Arbeitszimmer seines Ziehvaters. Er klopfte gegen die gro�e T�r, und als er keine Antwort erhielt, trat er ein.</p><p>�Wir warten lieber, damit wir das Wiedersehen nicht st�ren�, rief Bo�ndal ihm hinterher.</p><p>Der Zwerg stutzte, als er den Blick durch den Raum schweifen lie�. Auf der einen Seite herrschte das reinste Durcheinander. B�cher, Notizen und andere Bl�tter lagen wie immer unordentlich verstreut umher, w�hrend in der anderen H�lfte die hellste Ordnung ausgebrochen war.</p><p>In dem gegenw�rtigen Zustand hatte Tungdil die Behausung Lot-Ionans noch nie gesehen. Die Zauberwerke ruhten alphabetisch geordnet in den Regalen, die Papiere stapelten sich sauber aufeinander, Federkiel und Tintenfass befanden sich in den vorgesehenen Halterungen.</p><p><emphasis>Er muss einen neuen Spruch erschaffen haben, der ihm das Aufr�umen abnimmt,</emphasis> staunte er. Wahrscheinlich hatte er ihn zur Probe nur auf die eine Seite des Zimmers angewendet. <emphasis>Hoffentlich hat ihn der Zauber nicht gleich mit aufger�umt.</emphasis></p><p>Er streifte durch die Kammer, in der Hoffnung, etwas zu entdecken, was die Stille im Stollen und in der Zauberschule erkl�rte.</p><empty-line/><p>Ingrimmsch sog ger�uschvoll die Luft ein. �Warten macht Hunger�, verk�ndete er. �Ich suche die K�che der Langen. Vielleicht geben sie uns etwas ab, wenn wir sie freundlich bitten.�</p><p>�Wir sollten Tungdil mitnehmen�, schlug sein Bruder vor. �Erinnere dich, dass uns niemand kennt ��</p><p>�Ach, die werden uns schon kennen lernen�, lachte Bo�ndil und stapfte los. Sein Hunger setzte sich gegen s�mtliche Vorbehalte durch. �Du kannst gern hier warten, wenn du willst. Mir h�ngt der Magen bis in die Kniekehlen.�</p><p>Bo�ndal wollte ihn nicht allein gehen lassen. Sie waren G�ste der Menschen, und deshalb kam es auf ein einigerma�en anst�ndiges Betragen an, was er seinem Blutsverwandten nicht unbedingt zutraute.</p><p>�Tungdil, wir suchen die K�che. Ich passe auf ihn auf�, rief er laut und lief Bo�ndil hinterher, der um die n�chste Biegung des Ganges verschwunden war.</p><p>Die Zwerge hatten keinerlei Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Vraccas hatte es ihnen in die Steinwiege gelegt, sich unterirdisch bestens orientieren zu k�nnen, ganz gleich, ob sie jemals zuvor schon in der Umgebung gewesen waren oder nicht. Sie sp�rten, ob ein Gang leicht nach unten oder nach oben f�hrte, sie bemerkten feine Richtungs�nderungen und konnten einsch�tzen, in welche Himmelsrichtung sie liefen. In diesem Fall wurde ihr Weg nicht durch die Gestirne, sondern vielmehr durch den leckeren Geruch bestimmt.</p><p>Die Zwillinge passierten offen stehende R�ume, in denen sich kein einziger Mensch aufhielt.</p><p>�Vielleicht sitzen sie alle beim Essen�, mutma�te Bo�ndal und k�mpfte mit dem aufsteigenden Unwohlsein.</p><p>Sie stampften durch den Gang, in dem der Geruch nach gebratenem Fleisch am intensivsten zu riechen war. Ihre Kettenhemden und Panzerteile klirrten leise, die dicken Sohlen der Schuhe trafen klackend auf den Boden des Stollens. Endlich erreichten sie eine T�r, die aufgrund ihrer verschiedensten Flecken ins Reich der K�chenmeister zu f�hren schien.</p><p>Bo�ndal wollte sich rasch nach vorn schieben, um den K�chen einen weniger lauten Aufritt zu bieten, aber Ingrimmsch hatte bereits die Hand auf die Klinke gelegt und dr�ckte sie kr�ftig nach unten.</p><p>Der hohe Raum mit den vier verschiedenen Herdst�tten war scheinbar ebenso verlassen wie der Rest der Behausung. Die Bewohner konnten noch nicht lange weg sein. Die Feuer brannten und heizten den Ofenplatten ein, und es zischte und blubberte in den gro�en abgedeckten Pfannen. �ber den Flammen der beiden Kamine hingen bauchige Kessel, in denen Suppen brodelten. Vereinzelt tauchten Fleischst�ckchen an der braunen Oberfl�che auf, ehe sie wieder in der Fl�ssigkeit versanken.</p><p>Bo�ndals ungutes Gef�hl verst�rkte sich, und er schaute sich sehr genau um. Leere Zimmer und volle Beh�lter gaben keinen Sinn. <emphasis>Was geht hier vor?</emphasis></p><p>�Endlich sind wir richtig�, verk�ndete Bo�ndil gut gelaunt und nahm die Hand vom Beil, um sich ein St�ck vom Brot abzubrechen. Zielstrebig ging er auf den vordersten der Herde zu. Er schob sich einen Schemel vor den Ofen, hob den Deckel ein wenig an und schaute, was ihm das Wasser im Mund zusammen laufen lie�. Es waren saftige St�cke, die in ihrem eigenen Sud garten. �Dann wollen wir mal.�</p><p>Er tunkte ein ordentliches St�ck Brot in die So�e und klappte die Kiefer weit auseinander, um sich seine Vorspeise mit einem Schlag in den Mund zu schieben.</p><p>�Bo�ndil, nein!�</p><p>Der warnende Ruf seines Bruders brachte ihn dazu, in seinem Tun inne zu halten. �Was denn?�, fauchte er unfreundlich. Sein Magen knurrte und rebellierte gegen die Vernachl�ssigung. �Du st�rst mich beim Essen.�</p><p>Bo�ndal stand neben der T�r, in der Linken hielt er den Kr�henschnabel. Es sah aus, als bereitete er sich auf einen Angriff vor. �Du wirst gleich nichts mehr essen wollen. Sieh in die Ecke.�</p><p>Bo�ndil schaute in die angegebene Richtung. Auf dem Schlachtblock, den der Koch zum Ausbeinen und Zerkleinern benutzte, lagen Knochen, die zu keinem ihm bekannten Tier passen wollten, und die vier abgezogenen Sch�del, die daneben lagen, konnten ihrer Form nach nur Langen geh�rt haben.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis er begriff, was er sich um ein Haar als Essen geg�nnt h�tte. Angewidert schleuderte er das Brot weg und sprang auf den Boden zur�ck; dabei zog er seine Beile.</p><p>�Wenn ich den Magus in die Finger bekomme, wird ihm sein Hokuspokus nicht mehr helfen�, versprach er angeekelt.</p><p>�Ich habe noch nie geh�rt, dass Menschen oder Hexer so etwas tun�, gab Bo�ndal zu bedenken. �Es gibt neue Bewohner, wenn du mich fragst. Das offene Tor stammt von einem �berfall.� Er sp�hte aufmerksam zur T�r. �Wir m�ssen sofort zu unserem Gelehrten.�</p><p>R�cken an R�cken liefen sie durch die unheimlichen leeren G�nge, um zu ihrem Ausgangsort zur�ckzukehren.</p><empty-line/><p>Tungdil sa� auf dem Schemel, der vor Lot-Ionans Ohrensessel stand, und wartete ungeduldig auf die R�ckkehr seines Ziehvaters. Dabei wischte er sich den gr�bsten Staub von den Kleidern. Er war gespannt, was der Magus zu seinen Berichten sagen w�rde. Mit dem Wichtigsten w�rde er zuerst anfangen und ihm sofort die B�cher Gor�ns �berreichen. Zwar nahm er nicht an, dass der Zauberer ihn in die Geheimnisse um die mysteri�sen B�cher einweihen w�rde, hoffte es im Stillen aber.</p><p>Leise Schritte ert�nten auf dem Gang. Es waren nicht die Ger�usche, die Bo�ndil und Bo�ndal verursachten, sondern eine leichte, ungepanzerte Person.</p><p>Tungdil erhob sich und huschte hinter die T�r, um sich zu verstecken und dem Famulus einen Schrecken einzujagen; diesen Spa� wollte er sich wenigstens erlauben. Seinen Rucksack und den Beutel mit den Artefakten lie� er stehen, sp�hte hinter der T�r hervor und wartete voller Vorfreude.</p><p>Ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren betrat das Zimmer. Er trug eine malachitfarbene Robe, die ihn als Famulus von Nudin dem Wissbegierigen auswies, und schn�ffelte sich mit einer solchen Selbstverst�ndlichkeit durch die Unterlagen und pers�nlichen Sachen Lot-Ionans, als kennte er keinen Respekt.</p><p><emphasis>Was, bei Vraccas, macht er da?</emphasis> Der Zwerg blieb vorerst in seinem Versteck und beobachtete, wie der Lange die Aufzeichnungen sortierte. Demnach war er f�r die entstandene Ordnung verantwortlich. Er nahm am Schreibtisch des Magus Platz und sichtete die Aufzeichnungen und B�cher mit kritischem Blick, ehe er sie auf die verschiedenen Stapel legte und ihre Namen in eine Liste eintrug.</p><p><emphasis>Was suchen denn die Sch�ler Nudins im Stollen?,</emphasis> staunte Tungdil. <emphasis>Und vor allem: Wer hat ihnen erlaubt, sich so ungeb�hrlich und frech zu benehmen?</emphasis> Wenn Lot-Ionan jemanden zum Aufr�umen ben�tigte, st�nden ihm gen�gend eigene Helfer zur Verf�gung, aber diese Schriften, das wusste der Zwerg ganz genau, geh�rten zu den Dingen, die sein Ziehvater als sehr pers�nlich betrachtete. Die eigenen Famuli durften nicht hineinschauen, da sollte es Fremden schon gar nicht erlaubt sein.</p><p>Schlurfende Schritte n�herten sich vom Gang her, eine zweite Person betrat die Schwelle zur Kammer. Der Famulus blickte auf, ungehalten �ber die St�rung. �Was gibt es?�</p><p>Tungdil presste sein Gesicht dicht an die T�r, um durch den schmalen Spalt einen Blick auf den Neuank�mmling zu werfen. Er sah nur den breiten R�cken, der von einem einfachen Hemd bedeckt wurde.</p><p>�Ich habe meine Arbeiten in der K�che erledigt�, sagte eine tiefe Stimme schleppend. Der Zwerg erkannte sie sofort wieder. Der Mann war Eiden, Handlanger und Knecht f�r alle m�glichen Aufgaben des Magus.</p><p>�Sch�n. Setz dich in irgendeine Ecke und st�re mich nicht weiter�, befahl ihm der Famulus unwirsch.</p><p>Eiden regte sich nicht, sondern verharrte wie ein menschliches Standbild in der T�r. �Ich habe Hunger�, sprach er monoton.</p><p>�Geh in die K�che und sauge ein paar Knochen aus, aber lass die Finger vom Fleisch. Das ist f�r unsere Aufpasser�, erhielt er die harsche Anweisung. �Geh. Verschwinde.�</p><p>�Ich will Fleisch�, beharrte der Mann dumpf.</p><p>�Raus!� Der Famulus nahm den Brief�ffner und schleuderte ihn nach Eiden. Ob Zufall oder nicht, die Spitze bohrte sich in die Brust des Knechts. Er st�hnte auf, bevor er sich umwandte, um die Kammer zu verlassen.</p><p>Der Zwerg sah das vollkommen zerst�rte, aschfarbene Gesicht, dem ein Kolbenhieb die rechte Sch�delseite eingedr�ckt hatte. Die Verletzung machte ihn zu einem grotesken Abbild eines Menschen.</p><p>Tungdil stockte der Atem, als er an ihm herabblickte. Der einst wei�e Stoff seines Hemdes war gr��tenteils von getrocknetem Blut gef�rbt; es musste aus den beiden klaffenden Wunden �ber dem Herzen und dem Schl�sselbein stammen. Die Wundr�nder zeigten erste Anzeichen von Zersetzung, und der Leib unter dem zerrissenen Stoff schimmerte fahl und bleich.</p><p>Tungdil dachte sogleich an die Erlebnisse im Wald der Elbin und die lebenden Toten. <emphasis>Aber das kann nicht sein! Die Barrieren gegen das Tote Land halten doch noch.</emphasis> Lot-Ionan und die anderen Magi speisten die magischen Sperren mit neuer Kraft, sodass ein Vordringen unm�glich war; die Grenze zum unheimlichen Schrecken aus dem Norden lag zudem vierhundertf�nfzig Meilen vom Stollen entfernt. <emphasis>Was ist hier nur geschehen?</emphasis></p><p>Ein Windsto� jagte durch das Zimmer. Neben dem Famulus erschien ein bl�uliches Flirren, aus dem sich die Umrisse eines Menschen formten. Es war Nudin der Wissbegierige.</p><p>Sein Famulus stand auf und verneigte sich vor dem magisch erschaffenen Abbild. �Ich suche, ehrenwerter Magus�, begr��te er ihn. �Aber ich konnte die Sachen noch nicht finden, nach denen Ihr verlangt habt.� Er hob seinen Schopf, um in das feiste Antlitz seines Herrn zu blicken. �Die Stollen sind weitl�ufig. Der alte Mann hatte viele Laboratorien und Bibliotheken�, entschuldigte er sich vorsichtshalber. �Es ist f�r einen einzelnen Menschen eine schwierige Aufgabe, ehrenwerter Magus.�</p><p>�Das ist der Grund, weshalb ich dir bald Gesellschaft leiste�, kr�chzte er.</p><p>Der Zwerg verhielt sich mucksm�uschenstill, um sich nicht zu verraten. Vraccas schien ihn dazu auserkoren zu haben, Gespr�chen als ungewollter Zuh�rer beizuwohnen. Er hatte Nudin in den ganzen Jahren nur einmal gesehen, meinte aber sich zu erinnern, dass der Magus besser, schlanker und vor allem freundlicher aussah. Dieser Nudin wirkte wie eine schlechte Imitation, die von einem Neider angefertigt worden war, um den Zauberer zu verspotten.</p><p>�Lot-Ionan sagte in Porista zu mir, er habe meine Artefakte in einem Schrank vergessen�, fuhr der Magus fort und drehte sich langsam im Kreis, um die Kammer genauestens zu inspizieren. Die Stimme klang hoch und dunkel zugleich. �Hast du dich schon genauer umgesehen?�</p><p>�Nein, Herr�, entschuldigte sich der Sch�ler. �Ich dachte, Ihr wolltet die B�cher zuerst haben, deswegen suchte ich danach.�</p><p>Nudin ging auf das gro�e M�belst�ck zu, aus dem Tungdil damals den Sack mit den Artefakten genommen hatte. �Es ist nicht sicher, dass die Werke tats�chlich bei meinem alten Freund ankamen.</p><p>Die Albae berichteten, dass eine Kriegertruppe in Gr�nhain auftauchte und die B�cher Gor�ns raubte, nachdem die Orks die Siedlung erobert hatten. Sie meinten, es seien Zwerge gewesen.�</p><p>�Wie konnte das passieren?�, entschl�pfte es dem jungen Mann. �Hattet Ihr ihnen nicht befohlen ��</p><p>�Die Albae sind gute Verb�ndete.� Das Abbild des Magus hatte den Schrank erreicht. Er lehnte den Stab gegen die Wand, die geschwollenen Finger legten sich um die Griffe und dr�ckten sie nach unten. Mit ein wenig Kraft gelang es ihm, das M�belst�ck zu �ffnen. �Aber sie handeln in ihrer Kunstfreude manchmal nicht nach menschlichen Ma�st�ben. Das wurde ihrer Botin zum Verh�ngnis.� Er beugte sich nach vorn und nahm einen Ledersack heraus, der Tungdils bis in die kleinste Einzelheit glich. �Es scheint, als verzeichneten wir endlich einen Erfolg�, sagte er zu seinem Famulus.</p><p>Das Band wurde ge�ffnet, der Inhalt, f�nf Schriftrollen, purzelte auf den Boden. Nudin schnaubte, offenbar handelte es sich nicht um das Gesuchte.</p><p>Tungdil lugte hinter der T�r hervor. Sein Gep�ck stand hinter dem Ohrensessel verborgen, und etwas sagte ihm, dass sich Nudin sehr dar�ber freuen w�rde, wenn er es entdeckte.</p><p>Pl�tzlich, als er die Beh�ltnisse nebeneinander liegen sah, fiel es ihm auf: Sein Lederbeutel trug ein blaues Band als Verschluss, aber Lot-Ionan hatte ihm damals befohlen, den Sack mit dem gr�nen Riemen zu nehmen. <emphasis>Ich habe die Farben der B�nder schlicht verwechselt! Ich war mit den falschen Artefakten unterwegs.</emphasis></p><p>Selbst wenn er Gor�n lebend im Gr�nhain angetroffen h�tte, w�re er die vielen Meilen umsonst gelaufen. Dieser Umstand schien sich nun ins Gute zu kehren.</p><p>Dem Zwerg gelang es nicht, aus den Worten schlau zu werden. Der Grund, warum sich Nudin und sein Famulus benahmen, als w�ren sie die neuen Herren des Stollens, erschloss sich ihm noch nicht, aber dass Eiden trotz seiner schweren Verletzungen lebte und sich g�nzlich anders benahm als sonst und Nudin die Albae als Verb�ndete bezeichnete, weckte einen f�rchterlichen Verdacht in ihm. Der Wissbegierige schien aus unerfindlichen Gr�nden die Seiten gewechselt zu haben.</p><p>Er musste herausfinden, wie es seinem Ziehvater und den anderen Sch�lern ergangen war, ohne dabei Nudin in die H�nde zu fallen.</p><p>�Da war noch etwas�, gr�belte der Famulus. Er suchte kurz und zog zwei Briefe aus dem Stapel hervor. Es waren die Nachrichten, die Tungdil unterwegs an seinen Mentor gesandt hatte. �Lot-Ionan erhielt Briefe von einem Tungdil, der Gor�n in seinem Auftrag im Gr�nhain suchte.�</p><p>Er reichte die Schriftst�cke an seinen Herrn weiter, der die Zeilen mit rot ge�derten Augen �berflog. �Ich entsinne mich�, meinte er. �Nat�rlich! Der alte Mann hatte einen Zwerg mit diesem Namen in seiner Obhut. Wom�glich besitzt er die B�cher und die Artefakte.� Nudin warf den Brief auf den Tisch. �Ich werde die Albae auf seine Fersen heften, sie finden seine Spur und bringen ihn mir, tot oder lebendig. Ein Zwerg ist im Geborgenen Land nicht allt�glich.� Er nickte dem jungen Zauberlehrling zu. �Sehr gut, Famulus, auch wenn dir der Einfall ein wenig sp�t kam. Du wirst deinen Lohn erhalten, wenn ich eintreffe. Suche weiter, vielleicht findest du noch mehr N�tzliches.� Das Abbild flackerte, wurde durchsichtig und verschwand.</p><p>Tungdil hatte schon so viel erlebt, dass er dachte, man k�nne ihn nur schwer aus der Bahn werfen, aber seinem eigenen Todesurteil zu lauschen und dabei nicht einen einzigen Ton von sich geben zu d�rfen, stellte eine gro�e Herausforderung dar.</p><p>Der Famulus setzte sich, und auf seinem Gesicht spiegelte sich eine gro�e Zufriedenheit. Er hatte seinen Meister beeindruckt und sich damit ein wenig des begehrten Wohlwollens gesichert. Von neuem vertiefte er sich in die Papiere.</p><p>Als er den Federkiel ins Tintenfass tunkte, um etwas auf seiner Liste zu vermerken, richteten sich seine Augen zuf�llig auf den Ohrensessel. Dabei bemerkte er den hervorstehenden Riemen des Rucksacks.</p><p>�Was, beim �?� Langsam erhob er sich und durchquerte die Kammer, um nach dem Gegenstand zu sehen, der sich vorhin noch nicht dort befunden hatte. Er b�ckte sich und hob den Ledersack mit den Artefakten auf.</p><p>Tungdil nahm seine Axt in die Hand. Er musste den Zauberer so �berraschend wie ein Steinschlag treffen, damit ihm keine Zeit blieb, einen Spruch gegen ihn zu werfen und ihm zu schaden. Seine Muskeln spannten sich.</p><p>Er wollte gerade losst�rmen, da erschallten lautes Gebr�ll und L�rm vom Gang, das beide zusammenzucken lie�.</p><empty-line/><p>Die Zwillinge gaben sich dieses Mal M�he, leise zu sein. Was auch immer in den G�ngen hauste, sie wollten es nicht vorher warnen, wenn sie dar�ber herfielen und es in Scheiben schlugen. Wer Lange fra�, machte sicherlich auch vor Zwergen nicht Halt, doch ein Kr�henschnabel und ein Beil im Schlund sorgten daf�r, dass demjenigen der Appetit verging.</p><p>Irgendjemand kam ihnen mit schweren, langsamen Schritten entgegen.</p><p>Auf Bo�ndils Zeichen hin blieben sie stehen und warteten hinter einer Biegung auf das, was st�hnend durch den Gang schlurfte. Pl�tzlich roch es nach altem, verdorbenem Fleisch, und ein Mensch wankte um die Ecke.</p><p>Ein normales Lebewesen h�tte sich mit diesen Verletzungen nicht l�nger auf den Beinen halten k�nnen, doch der Mann ging unbeirrt vorw�rts. Als er die Zwerge sah, br�llte er voller Freude auf. Seine Bewegungen wurden pl�tzlich schnell, die Gier nach frischem Fleisch spornte ihn an. Das nutzte ihm jedoch nichts gegen die Erfahrung der beiden Krieger.</p><p>Bo�ndal tauchte seitlich unter dem Schlag des Untoten weg und hackte ihm ins Knie, damit er aus dem Gleichgewicht geriet und st�rzte.</p><p>Eiden dr�ckte sich ab und warf sich im Fallen gegen Ingrimmsch, der ihn mit einem Zwergenschrei begr��te, die Arme mit den Waffen angriffsbereit erhoben. Er wich dem K�rper aus, die Klingen zuckten nach vorne und trennten dem Langen den linken Unterarm ab. Eiden schrie und tobte, rutschte vorw�rts und kroch Z�hne fletschend auf die Br�der zu.</p><p>�Sieh dir das an. Er gibt nicht auf! Sein Hass gegen das Leben muss grenzenlos sein.� Bo�ndil schlug ihm den Kopf ab, und augenblicklich kehrte Ruhe in den K�rper ein.</p><p>Die Zwillinge rannten durch die Tunnel, um Tungdil beizustehen. Sie waren sich sicher, dass es mehr als nur eines dieser Ungeheuer gab, und somit bestand f�r den m�glichen Thronfolger h�chste Lebensgefahr.</p><p>Als sie vor der T�r ankamen und einen Blick in die Kammer warfen, entdeckten sie einen jungen Mann in einer malachitfarbenen Robe, der neben dem Ohrensessel stand und den Sack mit den Artefakten ihres Sch�tzlings in den H�nden hielt.</p><p>Wegen des L�rms, den ihr Kampf gegen den Untoten verursacht hatte, hatte er sie wohl erwartet. �Ich werde euch Pack verbrennen!�</p><p>Sein Mund �ffnete sich, der rechte Arm schnellte gestikulierend in die H�he und deutete auf die Zwerge, dann klappte die T�r zu.</p><p>Die Br�der blinzelten sich an. �Hat er daf�r einen Zauberspruch gebraucht?�, wunderte sich Bo�ndil.</p><p>�Magi sind seltsam. Ich h�tte die T�r ohne den Aufwand zugemacht.�</p><p>�Machen wir sie eben wieder auf!� Bo�ndil rammte die Schulter gegen das Holz und st�rmte br�llend in den Raum.</p><p>Der Lange lag r�cklings im Schrank und regte sich nicht mehr, mehrere Regale waren aus ihren Halterungen gerutscht und samt Inhalt auf ihn geprasselt. Die Bretter und die gestapelten Gegenst�nde hatten ihm eine Platzwunde geschlagen.</p><p>Tungdil stand vor ihm und rieb sich den Sch�del. �Jetzt wei� ich, warum man einen Helm anzieht, wenn man dem Gegner den Kopf in den Bauch rammt�, grinste er.</p><p>�Habe ich dir nicht gesagt, dass die �bungsstunden sich lohnen?�, meinte Ingrimmsch anerkennend. �Du bist auf dem besten Weg, ein Zwerg zu werden.�</p><p>�Und jetzt erkl�re uns, was hier los ist. Was hat es mit deinem Magus auf sich, der sich Untote in den Tunneln h�lt und Menschenfleisch kocht?�, wollte Bo�ndal wissen.</p><p>�Es ist nicht Lot-Ionan.� In aller Eile berichtete Tungdil das Wichtigste von der Unterhaltung zwischen dem Zauberlehrling und Nudin, die er belauscht hatte. Die Br�der erz�hlten ihrerseits von dem Gesehenen in der K�che. Beides zusammen ergab die traurige Gewissheit, dass der Wissbegierige die Behausung erobert und auf die ein oder andere Weise alles Leben vernichtet hatte.</p><p><emphasis>Tot?</emphasis> Tiefe Trauer und Best�rzung packten Tungdil, und er musste sich setzen. Die vielen Menschen, die M�dge, die Famuli, Frala, Sunja und Ikana, sie sollten dem wahnsinnig gewordenen Wissbegierigen zum Opfer gefallen sein? Er wehrte sich gegen die Vorstellung, dass der zauberm�chtige Lot-Ionan auf diese Weise geendet war. <emphasis>Er lebt. Er muss leben! Sicher entkam er und versammelt die besten Sch�ler um sich, um Nudin zu bek�mpfen. Ich muss ihn finden.</emphasis></p><p>�Wir brechen sofort auf�, entschied Bo�ndal. �Die Ereignisse sind nun auch f�r den Rat der Zwerge von gr��ter Bedeutung.�</p><p>�Nein�, weigerte sich Tungdil trotzig. �Ich muss wissen, was aus Lot-Ionan �� Er schaute auf den ohnm�chtigen Famulus. �Er wird es uns sagen.� Schon kniete er neben ihm und erteilte ihm mehrere kr�ftige Ohrfeigen, um ihn zu wecken. Die Lider des jungen Mannes flatterten.</p><p>Bo�ndil sicherte die T�r, w�hrend sein Bruder die Spitze des st�hlernen Kr�henschnabels exakt zwischen den Augenbrauen des Gefangenen platzierte. �Wenn du auch nur an einen Zauber denkst, treibe ich dir den guten Stahl ins Hirn�, versprach er ihm rau und blickte mehr als grimmig. �Knochen knacke ich wie du leere Eierschalen.�</p><p>�Wo ist Lot-Ionan?�, verlangte Tungdil aufgeregt zu wissen und f�rchtete sich gleichzeitig vor der Antwort.</p><p>�Die Zwerge aus Gr�nhain?!�, keuchte der Famulus benommen. �Ihr � Ich dachte, ihr seid ��</p><p>�Wo ist Lot-Ionan!?�, polterte Tungdil. Bo�ndal dr�ckte ein wenig st�rker auf das Ende des Kr�henschnabels. Spielerisch durchstach er die Haut; Blut sickerte hervor, w�hrend das Metall unnachgiebig auf die Stirn dr�ckte. �Rede. Oder stirb.�</p><p>�Nein, ich sage alles! N�d�onn hat ihn get�tet�, brach es angsterf�llt aus dem Mann hervor.</p><p>�Der Herrscher �ber das Tote Land?�</p><p>�Er hat sie alle get�tet, in Porista.� Und so erfuhren sie die unglaubliche Wahrheit �ber die Ereignisse in Lios Nudin. Es gab im Geborgenen Land niemanden mehr, der es mit dem letzten Magus aufnehmen konnte. �N�d�onn hat die magischen Felder ver�ndert, sodass ausschlie�lich er sie nutzen kann�, stammelte der Famulus.</p><p>Eine eisige Faust packte Tungdils Herz und dr�ckte es, als er Gewissheit bekam. �Der Wissbegierige ist N�d�onn?! Er ist der Gebieter �ber das Tote Land?� Er hatte die Wahrheit schon vor Wochen gewusst und nicht durchschaut. Ihm war zum Schreien zumute, und er versp�rte nicht �bel Lust, dem Gefangenen die Axt in den Kopf schlagen. �Was hat es mit dem Buch und den Artefakten auf sich?�, herrschte er ihn an. �Rede!�</p><p>�Ich habe keinen blassen Schimmer! N�d�onn sucht sie, mehr wei� ich nicht�, behauptete er.</p><p>Tungdil schlug ihm die flache Seite seiner Axt gegen den Kopf und schickte ihn zur�ck in die Bewusstlosigkeit. Dann fesselten sie ihn und sperrten ihn in den Schrank. Bevor sie gingen, berieten sie �ber sein Schicksal. Im Grunde, das war den drei Zwergen klar, mussten sie ihn t�ten. Jeder gegnerische Zauberm�chtige galt als Gefahr, und solange sie den Famulus auf so einfache Weise ausschalten konnten, w�re es geradezu str�flich t�richt, ihn am Leben zu lassen.</p><p>Die Anspannung fiel von Tungdil ab und machte dem Schmerz �ber den Verlust seiner Freunde, seiner Familie Platz. Tr�nen rollten �ber seine Wangen in den Bart. Er wischte sie sich mit Fralas Halstuch aus den Augen; aus dem Talisman war ein Andenken geworden. <emphasis>Ich werde dich und deine T�chter r�chen,</emphasis> schwor er seiner gro�en Schwester finster.</p><p>Ein bekannter Geruch stieg in seine Nase; er hob den Kopf und blickte zu den Zwergenbr�dern. Sie rochen das saure, ekelhafte Unschlitt, wie es nur die Orks verwendeten, ebenso wie er. Tungdil packte die Axt und stemmte sich hoch. �Lasst uns sehen, ob ich meine Kampflektionen gelernt habe�, sagte er rau und schritt zum Ausgang.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreichs des Zweiten, Bero�n, im Sp�tsommer des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Das Ger�cht machte die Runde, der Gro�k�nig l�ge im Sterben. Es ging sogar so weit, dass offen vermutet wurde, Gundrabur sei bereits von Vraccas� Hammer niedergeschmettert worden und in die Ewige Schmiede eingezogen.</p><p>Es war nicht schwierig zu erkunden, wer die Verbreiter solcher Neuigkeiten waren. Sie stammten von den Clans aus dem Stamm Go�mdil, die es nicht abwarten konnten, ihren K�nig auf dem Marmorthron sitzen zu sehen. Der Krieg gegen das Elbenreich �landur sollte gef�hrt werden, ganz gleich, ob es einen Sinn ergab oder nicht.</p><p>Bislipur fand sich �berall, wo mehrere Zwerge auf einem Haufen standen. Der hinkende Mentor Gandogars ben�tigte anscheinend keinen Schlaf und schmiedete die Eisen, so lange sie warm waren. Er g�nnte sich ebenso selten eine Rast wie Balendil�n, der Berater des Gro�k�nigs, den er als seinen �rgsten Widersacher empfand.</p><p>�Vraccas m�ge mit dem Hammer dreinschlagen�, fluchte Bislipur, als er die Kammer betrat, die ihm die Zweiten als Unterkunft zugeteilt hatten. <emphasis>Es geht nicht voran,</emphasis> �rgerte er sich und setzte sich auf sein Bett. Immer mehr Angeh�rige der eigenen Clans gerieten �ber den Feldzug gegen die Elben in Zweifel. <emphasis>Balendil�n ruiniert mir alles. Ich muss etwas gegen ihn unternehmen.</emphasis></p><p>�Meister, ich habe Neuigkeiten f�r Euch�, sprach eine d�nne Stimme unter seiner Schlafst�tte, �auch wenn ich nur ungern zu Euch zur�ckkehre. Eigentlich wollte ich gar nicht.�</p><p>Der Zwerg stand auf und trat gegen das Bettgestell. �Komm raus, Gnom!� Kaum war Swerd aus seinem Versteck gekrochen, fuhr ihm die schwielige Hand seines Herrn in den Nacken und hob ihn hoch. Bislipur sch�ttelte ihn durch wie eine Katze eine gefangene Maus, ehe er ihn hart in die Ecke schleuderte. �Und wage es nicht noch einmal, dich in mein Zimmer zu schleichen!�</p><p>Der Gnom rappelte sich umst�ndlich auf und zupfte an seiner roten Jacke herum. �Ich habe mich nicht geschlichen, Meister. Ihr wart nicht da, und so wartete ich an einem Ort, wo man mich nicht entdeckt, wie Ihr mir befahlt.� Er zog sein Jutehemd nach unten und bedeckte seinen stattlichen Bauch, auf dem schwarze Haare �ber der gr�nschwarzen Haut wucherten. Die spitzen Ohren ragten steil in die H�he und machten den Eindruck, als hielten sie die blaue M�tze auf dem Kopf. Wesen seiner Art gab es nur noch selten im Geborgenen Land.</p><p>�Wollt Ihr h�ren, was ich zu erz�hlen habe, Meister?�, fragte Swerd mit einem unschuldigen Blick aus seinen gro�en Augen. Staub haftete an den weiten, mitgenommenen Hosen und den ramponierten Schnallenschuhen. Der Gnom war viele Meilen gelaufen. �Darf ich dann gehen?�</p><p>�Du gehst, wenn ich dich nicht mehr brauche�, fuhr ihn Bislipur an, und seine Hand legte sich an den Silberdraht, mit dem er die Weite des Halsbandes auf magische Weise beeinflusste. �Rede, bevor ich dir die Luft abstelle.�</p><p>�Ach, w�re ich doch niemals in Euren Hort eingebrochen�, jammerte der Gnom weinerlich. �Ich bereue es so sehr.� Er schaute abwartend zu dem Zwerg und hoffte vergebens, ein Anzeichen von Milde in dem unerbittlichen Gesicht zu sehen.</p><p>�Es ist kein Wunder, dass es fast keine mehr von euch gibt. Ihr seid schwach und widerlich.� Der Mentor des K�nigs war so kalt wie die vielen kostbaren Spangen und Ringe, die er trug. Er verengte die Schlinge und damit das Lederband, das um den Hals seines Sklaven lag, noch ein St�ck mehr.</p><p>Swerds Finger umschlossen die magische Fessel, um sie am Zuziehen zu hindern, doch er scheiterte ebenso wie in den dreiundvierzig Zyklen zuvor. R�chelnd sank er auf den Stein, doch ehe er vor Atemnot in Ohnmacht fiel, lockerte der Zwerg die Klammer.</p><p>Der Gnom hustete. �Habt Dank, Meister. Ihr schenktet mir einen weiteren sonnigen Tag an Eurer Seite�, keuchte er und schleppte sich auf einen Stuhl. �Euer gemeiner Plan schlug fehl. Der Thronanw�rter ist noch am Leben, wie ich h�rte. Daf�r sind es unsere Kopfgeldj�ger nicht mehr�, begann er mit seinem Bericht. �Ich konnte in der Eile keine neuen Mannen mehr auftreiben, die Euren feigen Anschlag in die Tat umsetzen wollen. Die Zeiten im Geborgenen Land haben sich ge�ndert.�</p><p>Bislipur �berh�rte die Spitzen in den Worten seines gezwungenen Handlangers. Swerd machte das, seit er in seinen Diensten stand, weil er hoffte, sein Herr w�rde ihn in einem Anfall von Zorn erschlagen, doch diesen Gefallen w�rde er ihm nicht tun. Er sollte leiden. �Was ist geschehen?�</p><p>�Ich folgte ihm und den beiden Zwillingen bis zum Stollen Lot-Ionans, wo sie auf Orks trafen ��</p><subtitle>Das Geborgene Land, Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sp�tsommer</subtitle><p>Die rasselnden und klappernden R�stungen verrieten die Bestien auf einhundert Schritt. Ihre widerlichen Stimmen quiekten durcheinander: Sie hatten den get�teten Untoten entdeckt.</p><p>Als die Zwerge um die Ecke des Ganges bogen, standen sie ihren Feinden gegen�ber. Der Ausgang befand sich dreihundert Schritt von ihnen entfernt, und der Tunnel, so hatte es zumindest f�r Tungdil den Anschein, wurde bis zum Tor von den Orks ausgef�llt. Ein Wald aus Waffen stand zwischen ihnen und der Freiheit.</p><p>�Herrlich!�, freute sich Ingrimmsch und senkte angriffslustig das Haupt. �Schau, Bruder, wie eng der Gang ist. So wird uns keiner entkommen.� Er wirbelte die Beile hin und her. �Oink, oink! Vraccas, das wird ein Schlachtfest!�</p><p>�Du wirst heute zum ersten Mal mit uns zusammen k�mpfen, Gelehrter�, er�ffnete Bo�ndal dem Thronanw�rter ernst. �Stell dich mit dem R�cken zu uns, dein Hintern muss unsere Kehrseiten immer sp�ren, so geben wir uns gegenseitig Deckung.� Die braunen Augen suchten Tungdils Blick. �Vertraue uns, wie wir dir vertrauen. Du wirst es schaffen, du bist ein Kind des Schmiedes.�</p><p>Mit pochendem Herzen begab sich Tungdil in Position und sp�rte die K�rper in seinem R�cken. <emphasis>Vertrauen,</emphasis> rief er sich in Erinnerung.</p><p><emphasis>Vraccas stehe mir bei.</emphasis> Er schluckte, und seine Angst schwand. <emphasis>F�r Lot-Ionan, Frala und das Geborgene Land!</emphasis></p><p>�H�rt auf zu reden!�, jubelte Bo�ndil mit irrem Funkeln in den Pupillen. �Lasst uns K�pfe spalten und Knie zertr�mmern!�</p><p>Die Br�der er�ffneten den Tanz des Todes. Tungdil setzte sich ein wenig ungelenk in Bewegung, um sie nicht zu verlieren und die Deckung aufrei�en zu lassen.</p><empty-line/><p>Anfangs, nach den ersten drei, vier Drehungen, nahm Tungdil durchaus Einzelheiten wahr. Er bemerkte Orkfratzen, erkannte die unterschiedlichen R�stungen, mit denen sie sich vor den Waffen der Zwerge sch�tzten, sah die St�tzbalken zwischen dem Beingewirr hervorschauen oder einen der langen schwarzen Z�pfe vorbeihuschen.</p><p>Doch bald verwischte alles, es ging unglaublich schnell. Sein Verstand konzentrierte sich auf die niederzuckenden Schwerter, Dolche und Keulen, um ihnen auszuweichen oder sie zu parieren. Seine Axt traf mehr als einmal auf Widerstand, und weil sich die Schneide irgendwann gr�n f�rbte, nahm er an, dass er in dem Durcheinander tats�chlich Gegner getroffen hatte.</p><p>Die Zwillinge verfolgten die gleiche Taktik wie damals in Gr�nhain. Sie kreiselten vorw�rts, schraubten sich in die gegnerischen Attacken hinein, schlugen und standen einen Herzschlag sp�ter an einer anderen Stelle, um es den Widersachern unm�glich zu machen, einen guten Schlag anzubringen.</p><p>Tungdil war froh �ber seinen Kettenschutz. Da er nicht �ber die Ge�btheit seiner Begleiter verf�gte, erhielt er manchen Schlag und manchen Stich, die jedoch nicht durch sein Eisenhemd drangen. Quetschungen, blaue Flecken, vielleicht sogar Br�che waren zu ertragen, wenn er daf�r am Leben blieb und es N�d�onn nicht gelang, die B�cher und Artefakte in die feisten Finger zu bekommen.</p><p>Er h�rte das grimmige Lachen Ingrimmschs, dem stets ein orkischer Aufschrei folgte. Bo�ndal dagegen k�mpfte ruhiger und sparte sich seinen Atem auf.</p><p>Tungdils Arme wurden allm�hlich schwerer. Nicht nur, dass ihnen Feinde im Weg standen, auch die Gegner hinter ihnen, die nicht Opfer der Zwergenwaffen wurden, dr�ngten nach und setzten ihnen zu. Die Not gebar ihm einen Gedanken.</p><p>�Zickzack�, schrie er, um die Br�der aufmerksam zu machen und das Klingen des Stahls zu �bert�nen. �Zu den St�tzbalken.�</p><p>�Guter Einfall, Gelehrter�, rief Bo�ndal zur�ck, parierte einen Schlag mit dem Kr�henschnabel und verletzte den Ork mit der flachen Seite. Kurz darauf krachte seine m�chtige Waffe gegen den Holzpfosten und drosch ihn zur Seite.</p><p>Die Querstrebe l�ste sich augenblicklich von der Decke, Gesteinsbrocken und Dreck regneten herab. Die drei wiederholten dieses Man�ver noch mehrmals, bis der ungest�tzte Fels hinter ihnen zusammenbrach. Die Scheusale Tions verschwanden in einer Lawine aus tonnenschwerem Ger�ll, der eingest�rzte Stollen hielt ihnen den R�cken frei.</p><p>Aus Angst, ebenfalls versch�ttet zu werden, fl�chteten die Orks hinaus, w�hrend Bo�ndil ihnen tobend folgte und etliche niederschlug. Erst als sie kurz vor den Toren standen, hielt er inne und wartete auf die anderen beiden Zwerge.</p><p>�Los�, keuchte er gl�cklich. �Drau�en warten noch mindestens zwanzig Schweinchen auf uns. Es w�re schade, wenn sie dem Schlachtfest entk�men.�</p><p>Die beiden schlossen zu ihm auf. Bei allem Hass w�nschte sich Tungdil, dass die �brigen Gegner geflohen waren; er zweifelte, seine m�den Arme h�her als bis zur G�rtelschnalle heben zu k�nnen.</p><p>Sie nahmen ihre Kleeblattformation ein und verlie�en die Behausung. Das Sternlicht begr��te sie mit silbrigem Schimmer und beleuchtete die Orks. Die Augen der lauernden Bestien glommen gr�n und verrieten, wo sie standen. Es mussten noch einmal hundert sein, die ihnen leise schn�ffelnd, grunzend und knurrend gegen�bertraten.</p><p>�Zwanzig, ja?�, murmelte Tungdil, und sein Mut sank.</p><p>�Ich gebe zu, dass es eine Hand voll mehr sind, als ich vorgesehen habe�, gab Bo�ndil zur�ck. Seine Stimme klang jedoch nicht so, als machte er sich trotz der �bermacht ernsthaft Sorgen. �Dann ist es eben eine der gro�en Herausforderungen, von denen ich sprach.�</p><p>�Laufen wir links oder rechts an ihnen vorbei?�, fragte Tungdil nach der Vorgehensweise.</p><p>�Mitten durch�, grollte Bo�ndil. �So behindern sie sich gegenseitig, und wir haben die besten Aussichten, einigerma�en unbeschadet zu bleiben. Ich nehme mir ihren Anf�hrer vor. Danach k�nnen wir sie �ber die Flanken angreifen und sie fertigmachen.�</p><p>�Tungdil ist noch nicht bereit dazu�, gab Bo�ndal zu bedenken. �Es geht nicht darum, Orks zu t�ten, sondern ihn sicher ins Gebirge zu bringen, Bruder.�</p><p>Tungdil war �ber den Beistand sehr gl�cklich. Er h�tte es nicht gewagt, Einspruch zu erheben, weil er die Zwillinge nicht entt�uschen wollte, aber Bo�ndal besa� Umsicht und gute Augen, die seine Ersch�pfung sehr wohl registrierten.</p><p>�Na gut, dann brechen wir eben nur durch die Mitte�, meinte Bo�ndil halb beleidigt, �und lassen ihre Flanken in Ruhe.�</p><p>Kaum hatten sie es beschlossen, setzten sie ihren Plan in die Tat um, ehe die Orks auf die Idee kamen, mit Pfeilen nach ihnen zu schie�en. Ihre bew�hrte Kreiseltaktik ging anfangs auf. Sie h�tten es wohl auch geschafft, wenn die Feinde keinen unerwarteten Beistand erhalten h�tten.</p><p>Die gegnerischen Reihen lichteten sich pl�tzlich. Die Orks wichen vor ihnen zur�ck und gaben scheinbar den Weg frei.</p><p>�Halt! Kommt zur�ck, ihr Ausgeburten von verkr�ppelten Elben!� Ingrimmsch schrie seine Entt�uschung �ber die Flucht der Ungeheuer laut heraus. �Ihr werdet meinen Beilen nicht entgehen!�</p><p>Statt der Orks stellte sich ihnen nun ein einzelner gro�er Mann entgegen. Tungdil erkannte ihn sofort wieder, sein Abbild hatte er vor kurzem noch mit dem Famulus sprechen sehen. Die fette, aufgedunsene Figur in der dunkelgr�nen Robe geh�rte dem abtr�nnigen Magus, der seinen Ziehvater umgebracht hatte.</p><p>In Wirklichkeit sah der Mensch noch widerlicher aus. Bluttr�nen liefen ihm �ber die Wangen, das Fett und die Haut hingen weich vom Gesicht und verzerrten die Z�ge. Er stank, als h�tte er sich in einer Grube mit verwesenden Abf�llen gew�lzt.</p><p>�Ihr seid weit gekommen�, sprach er mit s�uselnder Stimme. �Nun ist es genug.� Er richtete seine Augen auf Tungdil, die verquollene Hand reckte sich ihm entgegen. �Gib mir den Lederbeutel mit den Artefakten und die B�cher, die du in Gr�nhain stahlst, danach bist du frei.�</p><p>Tungdil packte trotzig seine Axt. �Nein. Es sind die Sachen meines Herrn, und er hat nicht gesagt, dass du sie bekommen sollst.�</p><p>N�d�onn lachte. �H�rt, wie er spricht, der tapfere Zwerg.� Er machte einen Schritt nach vorn. �Was du mit dir herumtr�gst, ist mein Eigentum. Ich werde nicht weiter verhandeln.� Er rammte den Gehstab in die Erde und neigte das Ende mit dem Onyx leicht nach vorne.</p><p>Der Rucksack und der Beutel mit den magischen Gegenst�nden lebten pl�tzlich, sie zerrten an Tungdil, um sich von ihm zu befreien. Er klammerte sich an die Riemen, um sie aufzuhalten, doch die Kr�fte, welche der Magus einsetzte, waren zu stark. Die Lederschlaufen rissen ab und glitten durch seine Finger. Im letzten Augenblick stellte er den Fu� auf einen Sackzipfel.</p><p>Kurz entschlossen hob er die Axt. �Ich werde die Artefakte vernichten�, drohte er.</p><p>�Nur zu. Du w�rdest mir Arbeit abnehmen�, forderte ihn N�d�onn auf. Er hob die Rechte, spreizte die Finger und ballte sie abrupt zu einer Faust.</p><p>Die Gep�ckst�cke wurden mit enormer Kraft in die Luft gerissen, dass der Zwerg sie nicht mehr zu halten vermochte. Sie fielen einem riesigen Ork auf den Arm, der sie grunzend an sich dr�ckte.</p><p>Der Magus hustete unvermittelt; ein Blutrinnsal sickerte aus der Nase, das er sich mit einer hastigen Bewegung wegwischte. �Kehrt in euer Reich zur�ck, Zwerge, und richtet eurem K�nig aus, dass ich sein Land ben�tige. Er kann es mir �berlassen, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wird, oder aber meine Truppen und Verb�ndeten erscheinen und nehmen es sich mit Gewalt.� Er deutete auf Tungdil. �Den hier k�nnt ihr mitnehmen. Ich habe keine Verwendung f�r ihn.�</p><p>Die beiden Br�der schwiegen; sie hielten ihre Waffen mit eiserner Entschlossenheit und warteten eine g�nstige Gelegenheit ab, um den Magus anzugreifen. Sobald er durch etwas abgelenkt w�rde, wollten sie ihn in Grund und Boden schlagen, doch noch fehlte es an dem passenden Ereignis, das seine Aufmerksamkeit und die der Orks auf sich zog.</p><p>Ein wenig abseits entstand unvermittelt Unruhe unter den Bestien. Es wurde geschoben und geschubst, erste b�se Worte fielen. Ein besonders eindrucksvolles, muskul�ses Exemplar zog sein Schwert und rammte es dem N�chststehenden aufgrunzend bis zum Heft in den Bauch. Innerhalb von Lidschl�gen entspann sich ein blutiges Scharm�tzel in der Rotte.</p><p>Ingrimmsch senkte unmerklich den Kopf � ein untr�gliches Vorzeichen f�r seinen Angriff gegen den Magus. Die braunen Augen richteten sich fest auf die Knie N�d�onns.</p><p>�Du schl�gst seinen Stab entzwei�, befahl er Tungdil auf Zwergisch. �Es w�re gelacht, wenn wir ihn nicht bezw�ngen.� Worte wie Selbst�bersch�tzung oder Zweifel schienen Bo�ndil fremd zu sein.</p><p>�Nein. Mit gew�hnlichen Waffen gelingt es uns nicht.� Tungdil schielte zu dem ger�steten Scheusal, das den Rucksack und den Beutel mit den Artefakten hielt. �Wir brauchen diese Dinge. Wenn er sie vernichten will, so f�rchtet er sie nicht ohne Grund�, wisperte er.</p><p>�Dann kennst du deine Aufgabe, Tungdil. Achtet auf mein Signal�, brummte Ingrimmsch, doch bevor die drei Zwerge losschlugen, kam ihnen jemand zuvor.</p><p>Vom H�gel aus stie� ein glei�ender Strahl herab und traf den verr�terischen Magus in die Seite. Der Mann keuchte auf, die Finger gaben den Stab frei, und er taumelte nach rechts.</p><p>Die n�chste Lanze aus reiner Magie schoss heran und verdampfte zehn Orks zu stinkenden �berresten aus Metall und Fleisch. Die �brigen Bestien gr�lten durcheinander und schauten sich nach dem neuen Angreifer um. Rasch entdeckten sie die schmale Gestalt auf der Anh�he und st�rmten die sanfte Erhebung hinauf.</p><p>N�d�onn fuhr herum und �ffnete die Rechte; sein Stab schnellte vom Boden auf und flog ihm in die Hand.</p><p>Auf diesen Augenblick hatten die Zwerge gewartet. Bo�ndil rannte br�llend auf ihn zu und hackte ihm in die Beine, Bo�ndal schwang seinen Kriegshammer �ber den Kopf, um den notwendigen Schwung zu erhalten, und versenkte den Kr�henschnabel tief im breiten R�cken des Magus. Er riss am Stiel seiner Waffe, und N�d�onn brach durch den doppelten Angriff zusammen.</p><p>Die Orks um den Zauberer herum hatten nur Augen f�r den neuen Feind, der sich zu wehren wusste. Schwarze Wolken entstanden wie aus dem Nichts �ber den K�pfen der Ungeheuer, donnernd formierte sich ein Gewitter.</p><p>Als die ersten Angreifer beinahe die Spitze des H�gels erreicht hatten, entlud sich das Unwetter mit aller Macht. Blitze zuckten knisternd herab und trafen die Bestien, die unter den einschlagenden Energien wie W�rste in kochendem Wasser platzten. Die grellen Bahnen blendeten die nachfolgenden Orks, und der Sturm auf die Anh�he geriet ins Stocken.</p><p>Ein heftiger Wind kam auf, er umtoste die Ungeheuer und fegte sie wie Spielzeugpuppen davon. Sie prallten gegen ihre Artgenossen, wirbelten gegen B�ume oder wurden von den B�en zu Tode geschleift.</p><p>Ingrimmsch sprang seinem Bruder bei, der N�d�onn an seinem Kr�henschnabel aufgespie�t hatte und zu Boden dr�ckte. Viermal drosch er zu, bis die Wirbel brachen und der Kopf des Magus abgetrennt �ber den Weg rollte. Eine stinkende, schwarzrote Fl�ssigkeit ergoss sich aus der Wunde in den Dreck.</p><p>�Die Artefakte!�, erinnerte Bo�ndal seinen Bruder und zog ihn weiter, als dieser lachend Anstalten machte, die Hose zu �ffnen und dem Leichnam als letzte Verh�hnung Zwergenwasser zu geben.</p><p>Tungdil hatte sich in der Zwischenzeit mit letzter Kraft gegen den Ork geworfen, der sein Gep�ck hielt. Er dachte nicht �ber seine Angriffe nach, sondern f�hrte die Axt aus seinem Gef�hl heraus und verband es mit dem erlernten Wissen. Das Ungeheuer fiel rascher, als er angenommen hatte, sein Sieg kam beinahe �berraschend. <emphasis>Ich kann auch ohne die beiden k�mpfen!,</emphasis> dachte er und raffte die S�cke an sich.</p><p>�Es sieht wieder gut f�r das Geborgene Land aus.� Bo�ndal stellte sich an seine Seite, der Zopf pendelte �ber seiner Schulter und wirkte beinahe lebendig.</p><p>Sein Bruder hielt ihnen den R�cken frei und schickte noch schnell zwei Orks in den Tod. �Er war leicht zu �� Seine Augen schweiften zur Seite, und pl�tzlich stie� er einen w�tenden Schrei aus. �Nein! Bei Vraccas, wir haben ihn doch ��</p><p>N�d�onn erhob sich. Sein kopfloser Torso stemmte sich in die H�he, dann streckte er die Hand aus. Der Sch�del schwebte herbei und setzte sich von selbst auf den Halsstumpf; dort, wo die Beile ganze Arbeit verrichtet hatten, blieb nicht einmal eine Narbe �brig. Er wirkte weder verwirrt noch in anderer Weise angeschlagen, als er die restlichen Orks auf die Zwerge hetzte und sich selbst zum H�gel wandte, um den unerwarteten magischen Kontrahenten zu vernichten.</p><p>�Bringt mir die Artefakte und die B�cher�, schallte es durch die Nacht. �T�tet die Zwerge!�</p><p>Der Edelstein seines Gehstabes glomm auf. N�d�onn reckte die H�nde gegen die Anhebung, und die Erde erbebte. Seine Magie grub eine tiefe Furche in das Land und jagte in gerader Linie auf die Gestalt auf dem R�cken der Anh�he zu. Die Blitze, die aus den Wolken nun auf ihn herabstie�en, wurden durch einen Schutzzauber eine Arml�nge vor ihm absorbiert.</p><p><emphasis>Ich dachte es mir. Er ist nicht mit irdischen Waffen zu besiegen.</emphasis> Tungdil wies seinen Begleitern den Weg. �Da lang�, keuchte er. �Dort kommen wir auf den Weg nach S�den.�</p><p>Die drei hasteten los; um den Orks zu entkommen, legten sie sich in einen Graben und h�rten, wie die Feinde ganz in ihrer N�he vor�berhetzten, ohne dass sie entdeckt wurden.</p><p>�Wir h�tten weiter k�mpfen sollen�, beschwerte sich Bo�ndil fl�sternd.</p><p>�Dann w�ren wir gestorben. Hast du gesehen, dass N�d�onn sich wieder erhob? Ohne Kopf?� Tungdil dr�ckte sich in die warme Erde. �Er ist m�chtiger als das Tote Land.� Sein Blick fiel auf das gerettete S�ckchen mit den Artefakten. �Darin steckt der Schl�ssel zu seiner Vernichtung.�</p><p>�Du bist der Gelehrte. Finde heraus, wie wir es anstellen k�nnen�, sagte Bo�ndal. �Wir kehren zu den Zweiten zur�ck und berichten ihnen, was der Magus vorhat. Die Zwergenreiche sind in Gefahr, und wie es aussieht, bist du der Letzte, der die Macht hat, den Zauberer aufzuhalten.�</p><p>�Alleine nicht.� Seine letzten Gedanken, bevor der Schlaf ihn �bermannte, drehten sich um den magischen Widersacher, der N�d�onn unvermittelt angegriffen und der ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet hatte. <emphasis>Bitte, Vraccas, lass es Lot-Ionan gewesen sein,</emphasis> w�nschte er sich.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Sp�tsommer des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�� und so folgte ich ihnen durch den Wald, aber pl�tzlich waren sie verschwunden�, beendete der Gnom seine Schilderungen. Er lockerte das Band ein wenig, das einen dunklen Striemen an seinem Hals hinterlassen hatte. �Ich habe mich aus dem Staub gemacht, um den Orks zu entgehen.�</p><p>Bislipur dachte angestrengt nach. Das waren so viele Neuigkeiten, dass er seine Pl�ne und Vorhaben neu angehen musste. �Also sind sie auf dem Weg hierher�, sagte er vor sich hin.</p><p>�Die Orks oder die Zwerge?� Swerd wurde ignoriert. �Solltet Ihr den Clans nicht Bescheid geben, dass dieser Mensch beabsichtigt, fr�her oder sp�ter auch gegen die Zwerge in den Krieg zu ziehen? Seid Ihr so niedertr�chtig, dass Ihr es tats�chlich verschweigen wollt?�</p><p>Bislipur hinkte zum Ausgang. �Warte hier und lass dich nicht blicken, ehe ich es dir sage�, befahl er ihm und verlie� den Raum.</p><p>�Aber sicher, furchtbarer Meister�, seufzte der Gnom, lie� die Beine baumeln und wartete.</p><empty-line/><p>Bislipur pochte gegen die T�r zu Gandogars Unterkunft. ��ffne�, rief er, �wir m�ssen ein paar Dinge bereden.�</p><p>Gandogar erschien im Eingang und schaute seinen Mentor verwundert an. �Drau�en, Bislipur?�</p><p>�Ein Spaziergang tut uns beiden gut. Zumal ich schon zu sehr ins Gerede gekommen bin, ich w�rde zu viele Stunden hinter verschlossenen T�ren verbringen, um ein Komplott gegen den Gro�k�nig zu schmieden�, meinte er s�uerlich. �Dieses Mal sollen uns die anderen sehen.�</p><p>Gandogar warf sich einen leichten Umhang �ber seine R�stung und folgte Bislipur durch die Felsenlabyrinthe von Ogertod.</p><p>Sie liefen an den gemei�elten Werken der Zweiten vor�ber. Die Clans hatten aus dem einfachen Stein Dinge geformt, die gerade wegen ihrer schlichten Sch�nheit eine enorme Anziehungskraft besa�en; ihr K�nnen vollendete das Allt�gliche und ver�nderte es zu Au�ergew�hnlichem. Die Worte seines Begleiters lenkten Gandogar vom Betrachten ab.</p><p>�Ich sagte�, wiederholte Bislipur leise, �dass uns ein langes Warten zum Verh�ngnis werden kann. Die Haltung des Gro�k�nigs ist reiner Starrsinn, mehr nicht.�</p><p>�Und was schl�gst du vor?�</p><p>�Ich habe in der Zwischenzeit mit vielen anderen Clans gesprochen. Sie sind daf�r, dass wir die Elben endlich angreifen und vernichten, ehe uns das Tote Land zuvorkommt.�</p><p>Gandogar wurde aufmerksam. �W�re das so schlimm? Damit m�ssten wir uns nicht um sie sorgen.�</p><p>�Nein. Es machte die Sache schlimmer als besser�, erkl�rte er. �Erinnere dich an die Macht des Schreckens: Was stirbt, kehrt zur�ck. Unser Volk m�sste dann gegen untote Elben k�mpfen, die kaum aufzuhalten sind. Die Kr�fte des Toten Landes sind gewaltig.� Er humpelte neben dem K�nig her, das Kettenhemd klirrte leise. �Oder die Elben fl�chten sich an einen anderen Ort, an dem wir sie niemals wieder aufsp�ren, um sie ihrer gerechten Strafe f�r ihre Taten an den Zwergen zuzuf�hren. Deine Rache f�r den Tod deines Vaters und deines Bruders w�re dahin.�</p><p>Bislipur redete ged�mpft, aber eindringlich. Die Zwerge, die ihnen unterwegs begegneten, w�rden annehmen, sie berieten sich, um in der n�chsten Versammlung ihre Argumente vorzutragen.</p><p>�Du musst den Thron besteigen und die anderen St�mme gegen �landur f�hren�, beschwor er Gandogar. �Es gibt Anzeichen, dass das Tote Land die l�ngste Zeit still gewesen ist. Sollte es sich regen, m�ssen wir in unseren Festungen sein und warten, bis der Sturm vor�bergezogen ist.�</p><p>�Du hast den Gro�k�nig geh�rt. Er h�lt sich an die Gesetze unserer Ahnen�, machte ihn Gandogar aufmerksam. �Daran muss und werde auch ich mich halten.�</p><p>Sie gelangten in ein wundersch�nes, lichtdurchflutetes Tal, dessen sattgr�ne Grash�nge voller Schafe und Ziegen waren. Die schroffen Gipfel t�rmten sich zu beiden Seiten auf. Auf den K�nig wirkte es, als st�chen sie in die Wolken und zw�ngen sie zum Anhalten.</p><p>�Schau, wie friedlich es ist�, seufzte er und setzte sich auf einen Stein. �Ich w�nschte, unsere Ratversammlungen verliefen ebenso ruhig.�</p><p>�Der Vergleich passt.� Die kalten Augen Bislipurs schweiften zu den steilen Weisen. �Die anderen Zwerge benehmen sich wie Schafe. Sie kommen rein, bl�ken durcheinander, bis sie ihr Futter und ihr Bier erhalten haben, und kehren zufrieden in ihre Verschlage zur�ck.� Er legte seine Hand auf die Schulter des Herrschers. �Du bist ein K�nig, Gandogar, der es nicht verdient, l�nger auf einen dahergelaufenen Anw�rter zu warten. Fordere eine Entscheidung und �berlass es mir, die Mehrheit der Clans zu �berzeugen.�</p><p>�Du verlangst viel von mir.� Gandogar stand auf. Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort und kehrten in die unterirdischen G�nge zur�ck, die sie tiefer ins harte Fleisch des Massivs brachten.</p><p>Sie passierten steinerne Bogenbr�cken und wandelten auf deren gravierten R�cken �ber Sch�chte, deren Grund sie nicht erkennen konnten. Es waren stillgelegte Stollen, in denen es nichts mehr zu holen gab. Der Berg hatte seine Reicht�mer an die Zwerge verloren und trug offene, schwarze Wunden davon.</p><p>Bislipur lief schweigend neben seinem Herrn her. Er lie� ihm Zeit, um �ber seine Worte nachzudenken.</p><p>�Eine neuerliche Abstimmung�, sagte Gandogar in �berlegungen vertieft. �Sie zu verlangen bedeutet, sich �ber die Gesetze unseres Volkes hinwegzusetzen und die Entscheidung des Gro�k�nigs anzuzweifeln.�</p><p>�Dazu geh�rt viel Mut und noch mehr �berzeugung, das Richtige zu tun. Beides hast du�, sprach Bislipur beschw�rend. �Besteige den Thron. Jetzt.�</p><p>Sie gelangten in einen der zahlreichen Steinbr�che, wo feinster Marmor in gro�en Platten geschlagen wurde; rechts davon schl�ngelte sich ein Fluss vorbei. Von einer Br�cke aus, gut hundertachtzig Schritt �ber den K�pfen der Arbeiter, beobachteten sie das Treiben.</p><p>�Was geschieht, wenn Gundrabur pl�tzlich stirbt? Werden wir so lange ohne Gro�k�nig sein, bis dieser Unbekannte erscheint und das Verfahren ablaufen kann?�, fragte Bislipur, um eine Entscheidung herbeizuf�hren. �Und wenn das Tote Land angreift und die Clans ohne F�hrer dastehen? Wer leitet die Verteidigung und den Gegenangriff? Es wird zum Streit kommen, und die Zwerge werden untergehen!�</p><p>Gandogar tat so, als h�rte er Bislipur nicht, wenngleich dessen Worte ihre Wirkung nicht verfehlten. Diese Fragen stellte er sich ebenso, ohne eine Antwort darauf zu wissen. <emphasis>Es sind die Gesetze, die Vraccas uns gab. Aber d�rfen sie uns schaden, nur weil wir auf ihrer Einhaltung pochen? D�rfen wir deswegen Gelegenheiten verstreichen lassen?</emphasis> Er beobachtete die Arbeiter, um sich abzulenken. Obwohl es sich um Stein, lebloses Material handelte, gingen sie mit Umsicht zu Werke und zeichneten penibel ein, wie gro� die n�chste Scheibe sein sollte. Mit Pickeln, H�mmern, Mei�el und Stemmeisen gingen sie daran, dem steinernen Leib des Berges ein St�ck seines Fleisches zu entrei�en. Die Bl�tter der gewaltigen Steins�gen wurden durch Wasserr�der angetrieben.</p><p>Grauer Staub hing wie Nebelschleier in der Luft, gegen den sich die Zwerge mit T�chern vor Mund und Nase sch�tzten. In dicken Schichten lag das Gesteinsmehl auf jenen Werkzeugen, die seltener in Gebrauch genommen wurden.</p><p>Gandogar empfand immensen Stolz, bald Gro�k�nig �ber die St�mme und Clans zu sein, die ein Volk und dennoch so unterschiedlich waren. Die Abstammung, das Blut und die gemeinsamen Feinde einten sie.</p><p><emphasis>D�rfen uns unsere eigenen Gesetze schaden?</emphasis> Er sah die Gesichter seines Vaters und seines Bruders vor sich, die von Elbenpfeilen get�tet worden waren. <emphasis>Ohne Grund.</emphasis> Seine F�uste ballten sich, die Augenbrauen zogen sich zusammen.</p><p>Gandogar hatte genug gesehen und sich entschlossen. �Du hast Recht, Bislipur, wir m�ssen handeln. Ich werde die Kinder des Schmiedes zu einer neuen Gemeinschaft f�hren und kein anderer. Etwas Geeigneteres, als einen siegreichen Krieg gegen einen gemeinsamen Feind zu f�hren, gibt es daf�r nicht�, sagte er bedachtig. �Der Triumph �ber die Elben wird die St�mme von neuem zusammenschwei�en und all ihre Vorbehalte, Zwiste und Streitigkeiten, die es in der Vergangenheit gab, vergessen lassen.�</p><p>�Und dein Name w�re untrennbar mit dem neuen Glanz verbunden�, erg�nzte sein Mentor zufrieden. Seine unaufh�rlichen Predigten schienen nun endlich gefruchtet zu haben.</p><p>�Das Warten muss enden. Ich werde von Gundrabur verlangen, innerhalb der n�chsten drei�ig Sonnenuml�ufe eine Abschlusssitzung einzuberufen, in der meine Nachfolgeschaft best�tigt wird.�</p><p>�Und wenn er vorher stirbt? Er ist alt und gebrechlich ��</p><p>Gandogar z�gerte nicht. �Dann werde ich den Thron besteigen, ganz gleich, ob der Hochstapler eingetroffen ist oder nicht�, erkl�rte er bestimmt. �Lass uns zur�ckkehren. Ich bin m�de und hungrig.�</p><p>Bislipurs Verstand feilte an einer neuen Aufgabe, die ihm der K�nig unausgesprochen und unwissentlich erteilt hatte.</p><p><emphasis>In drei�ig Uml�ufen kann viel geschehen,</emphasis> dachte der Zwerg mit dem graubraunen Bart d�ster. Er hatte schon Schlimmeres als einen Mord begangen, um Gandogars Macht zu st�tzen, da w�rde eine Niedertr�chtigkeit mehr nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Aber dieses Mal verlangte sein Vorhaben eine absolut sichere Planung. �Ich komme, mein K�nig�, rief er.</p><p>Bislipur trat an den Rand der Br�cke und schaute in das g�hnende, unendlich scheinende Loch hinab. <emphasis>Wer in einen solchen Abgrund f�llt, verschwindet f�r alle Zeiten.</emphasis> Swerd bek�me bald wieder etwas zu tun.</p><subtitle>Das Geborgene Land, Ionandar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sp�tsommer</subtitle><p>�Komm auf die F��e, Gelehrter. Es geht weiter�, raunte ihm jemand ins Ohr. Barthaare kitzelten seinen Hals, das Tr�umen von einer besseren Welt hatte ein Ende. Tungdil richtete sich auf und rieb sich die Augen.</p><p>Die Zwillinge sp�hten aus der Mulde hervor, um umherstreifende Orks zwischen den B�umen ausfindig zu machen, doch die Bestien schienen an einer anderen Stelle nach ihnen zu suchen. Somit war ihr eigener Aufbruch nach S�den ins Reich der Zweiten nicht gef�hrdet.</p><p><emphasis>Welch ein Abenteuer,</emphasis> dachte Tungdil bedr�ckt. Es war das Gr�sslichste, was er sich je hatte vorstellen k�nnen. Er brach auf, um einem Menschen ein paar Artefakte zu bringen, und befand sich als Thronanw�rter des Zwergenreiches pl�tzlich mitten im Krieg des wahnsinnigen Nudin gegen das Geborgene Land. Alle, die er einst kannte und mochte, starben, nur er selbst war mit zwei Zwergen auf der Flucht vor dem Verr�ckten, der nach ihrem Leben und den Dingen trachtete, die sie mit sich f�hrten. <emphasis>Und ich habe keinen Schimmer, was ich damit soll.</emphasis></p><p>Tungdil entfernte kleine Zweigreste und Bl�tter aus seinen Haaren und dem Bart. Nudin hatte, wenn er sich dessen Worte ins Ged�chtnis rief, dem ganzen Land, allen K�nigen und Elben den Krieg erkl�rt und schreckte nicht einmal davor zur�ck, den Zwergen zu drohen.</p><p>�Du siehst aus, als machtest du dir Gedanken�, sch�tzte Ingrimmsch und reichte ihm ein St�ck Brot mit K�se. Dann deutete er auf den Wald. �Komm. Du kannst unterwegs essen.�</p><p>Tungdil folgte den Anweisungen des Kriegers. �Nudin muss alles sehr lange vorbereitet haben und sich seiner Sache sehr sicher sein, wenn er uns als Boten einsetzen wollte�, �berlegte er laut.</p><p>Bo�ndil lachte auf. �Aber nur, bis wir ihm seinen Kopf abgehackt haben.�</p><p>�Was ihn nicht sonderlich gest�rt hat�, erg�nzte sein Bruder m�rrisch. �Wei�t du etwas dar�ber, Gelehrter? K�nnen das alle Zauberer?�</p><p>Der Zwerg sch�ttelte den Kopf. �Nein. Magi sind gew�hnliche Sterbliche, die nur l�nger als die �blichen Menschen leben, aber sie bluten und verletzen sich wie andere auch. Ich habe selbst gesehen, wie Lot-Ionan sich einmal mit dem Messer schnitt. Als er sich mit einem Zauberspruch heilte, fragte ich ihn, ob er damit auch den Tod r�ckg�ngig machen kann ��</p><p>Wieder sah er die vertrauten Gesichter seines Ziehvaters und Fralas vor sich; die Trauer �bermannte ihn und brachte ihn zum Schweigen. Seine Begleiter dr�ngten ihn nicht.</p><p>�Sie k�nnen nichts gegen den Tod ausrichten�, sagte er niedergeschlagen. <emphasis>Leider.</emphasis></p><p>�Oder es k�nnen nur die Falschen�, f�gte Bo�ndal an. �N�d�onn stand jedenfalls wieder auf. Dabei hatte er meinen Kr�henschnabel im R�cken und verlor seinen h�sslichen Sch�del!�</p><p>�Das wird ein besonderes Kunstst�ck sein�, meinte Ingrimmsch ver�chtlich. �Das Tote Land wird ihm diese Gabe geschenkt haben.�</p><p>Tungdil fand keine Erkl�rung. Hatte er zun�chst angenommen, Nudin sei zu einem Untoten geworden, wurde seine Vermutung durch die Auferstehung zunichte gemacht. Schlimmstenfalls war es dem Abtr�nnigen gelungen, hinter das Geheimnis des ewigen Lebens zu gelangen, was zur Folge h�tte, dass dem Geborgenen Land ewige Finsternis drohte.</p><p>�Wir h�tten ihn in seine Einzelteile zerlegen und sie verbrennen sollen�, grummelte Bo�ndil.</p><p>�Das h�tte euch auch nicht viel genutzt�, sagte eine helle Stimme, die zwischen den Baumst�mmen widerhallte. �N�d�onn ist mit den bekannten Waffen der Sterblichen nicht mehr zu vernichten, weder Schwert noch Axt noch Magie verm�gen es. Ich habe es selbst versucht und bin gescheitert.�</p><p>Die Zwerge nahmen ihre �xte und Beile zur Hand, Bo�ndil sicherte ihren R�cken. �Es k�nnen keine Orks sein�, wisperte Bo�ndal Tungdil zu.</p><p>�Wir werden sehen, ob das besser ist�, antwortete sein Bruder. �Kleine oder gro�e Herausforderung?�</p><p>Aus dem Schutz der gr�nen Tannen trat eine Gestalt hervor, die Tungdil schier den Atem raubte. Dass Menschen so gro� wurden, h�tte er niemals f�r m�glich gehalten. Dieser war mindestens so hoch wie zwei Zwerge und seine Brust so breit wie ein Fass.</p><p>Den imposanten Anblick einer K�rperr�stung kannte er nur aus seinen B�chern. Der Harnisch mit der hohen Halsberge, die Arm- und Beinschienen waren aus kostbarem Tionium geschmiedet und so geformt, dass sie dem Tr�ger ein muskul�ses �u�eres aus Stahl verliehen. Unter den Metallst�cken schauten die Ringe eines Kettenhemdes hervor, das dem Mann zus�tzlichen Schutz verlieh. Damit sein ehernes Kleid nicht zu sehr klapperte, trug er einen leichten �berwurf zwischen den verschiedenen Metalllagen.</p><p>Die riesigen F��e steckten in beschlagenen Stiefeln, und sein Kopf wurde von einem Helm verborgen, dessen aufw�ndig graviertes Visier in Form eines D�mons gestaltet war. Auf Stirnh�he verlief ein Ring aus fingerlangen Spitzen, der an eine Krone erinnerte.</p><p>Seine Rechte hielt die zweischneidige Axt, als w�re sie so leicht wie ein St�ck Holz, die Linke einen Schild. In seinem Waffengeh�nge baumelten eine kleine Keule und ein Schwert, das an diesem Krieger wie ein Dolch wirkte. Als gen�gte ihm das Gewicht und das Arsenal des Todes nicht, f�hrte er auf dem R�cken einen Zweih�nder mit sich.</p><p>Bo�ndil warf einen raschen Blick �ber die Schulter, um sich einen Eindruck von dem Neuank�mmling zu verschaffen, und schon konnte er die Augen nicht mehr von dem Mann lassen.</p><p>�Lass mich nach vorn�, bat er seinen Bruder flehentlich. ��bernimm du unsere R�ckendeckung, w�hrend ich mich um das Gebirge aus Erz k�mmere.� Seine Augen blitzten begierig. �Das nenne ich eine gro�e Herausforderung. Der taugt gewiss mehr als die Schweinchen.�</p><p>�Sei still�, wies ihn Bo�ndal scharf zurecht. �Noch wissen wir nicht, was er will.�</p><p>�Er hat eine sehr hohe Stimme f�r einen Kerl wie ein Baum�, merkte Tungdil staunend an.</p><p>Eine Frau mit blonden, zu einem Zopf geflochtenen Haaren und einem herben Gesicht trat neben den Krieger. �Es war auch nicht seine Stimme.� Ihre blauen Augen musterten das Trio. �Es war meine.�</p><p>Tungdil �berlegte, ob er sie kannte, aber die markanten Z�ge sagten ihm ebenso wenig wie ihre Art, sich zu kleiden. Ihr athletischer K�rper steckte in einem dunkelbraunen Lederkleid, dessen lange Beinschlitze gr��tm�gliche Beweglichkeit gew�hrleisteten; dazu trug sie hohe schwarze Stiefel und Handschuhe. Sie hielt die rechte Hand am Griff eines Schwertes. Je l�nger er sie betrachtete, umso mehr erinnerte er sich an eine Erz�hlung seines Ziehvaters.</p><p>�Ihr seid And�kai, die man die St�rmische nennt?�, fragte er z�gerlich.</p><p>Die Maga nickte. �Ganz recht. Und du bist Tungdil, der es zusammen mit seinen Freunden schaffte, N�d�onn zu entgehen.� Sie deutete auf den H�nen an ihrer Seite, der sie um beinahe f�nf K�pfe �berragte und wie die Statue eines Kriegsgottes unbeweglich auf der Stelle stand. �Das ist mein treuer Begleiter Djer&#x16F;n.�</p><p>�Und was willst du von ��, setzte Bo�ndal argw�hnisch an, doch Tungdil fiel ihm aufgeregt ins Wort.</p><p>�Was ist mit Lot-Ionan? Lebt er noch, ehrenwerte Maga?�</p><p>And�kai betrachtete ihn, Schmerz und Wut verfinsterten ihr Antlitz. �Er ist tot, Tungdil. So tot wie Maira, Turgur und Sabora. N�d�onn hat ihnen das Leben geraubt, um sich den Weg zur Macht �ber das Geborgene Land zu ebnen.�</p><p>Der Zwerg senkte das Haupt. Die Gewissheit schmerzte, der Gram �ber den endg�ltigen Verlust seines Ziehvaters fra� ein St�ck aus ihm heraus und hinterlie� ein Loch, einen Abgrund.</p><p>�Den Meistern folgten die besten Sch�ler ins Verderben, sodass er nun der unangefochtene Magus ist�, erz�hlte sie unerbittlich weiter.</p><p>�Dann warst du es, der ihn mit Blitzen attackierte! Hast du mehr ausrichten k�nnen als wir?�, warf Ingrimmsch ein.</p><p>�Er trotzte allem�, berichtete sie. �Ich griff ihn mit meinem gesamten K�nnen an, doch er widerstand. Als wir sahen, dass selbst eure Enthauptung ihr Ziel verfehlte, ahnten wir, dass es zu sp�t sein k�nnte. Dann erhielten wir Gewissheit.�</p><p>�Lange�, grummelte Bo�ndal abf�llig. �Da rei�t man sich den Bart aus, um sie gegen die Horden Tions, die vor den Gebirgen lauern, zu bewahren, und was tun sie? Sorgen von innen heraus f�r den Untergang. Vraccas h�tte euch besser eine Amme geben sollen, die euch an der Hand nimmt und auf die Finger klopft, wenn ihr Unsinn anrichtet.�</p><p>�Da magst du Recht haben.� Die Maga schritt auf sie zu. �Ich habe euch gesucht, um herauszufinden, was N�d�onn von euch wollte�, erkl�rte sie ihr Erschienen. Sie ging vor Tungdil in die Hocke. �Du musst etwas besitzen, was er unbedingt haben m�chte. Wir haben es vom H�gel herab beobachtet. Was ist es?�</p><p>�Nein, es ist nichts. Es sind nur Andenken an meinen Herrn�, log er. �Nudin mochte ihn wohl nicht und verlangte nach den Dingen, um sie zu vernichten.�</p><p>�Im Gegenteil, sie verstanden sich einst gut. Mich dagegen mochte dein Herr nicht�, l�chelte sie ihn an.</p><p>Tungdil erinnerte sich. Es ging um ihre Gesinnung und ihren Gott Samusin. <emphasis>Wenn die anderen beiden erfahren, dass sie Orks in ihrem Reich duldete, kann es zu einem ungleichen Kampf kommen.</emphasis> Das lag nicht nur an den magischen Fertigkeiten der Frau, sondern auch an den Kr�ften ihres Begleiters, dem er unbesehen zutraute, einen Baum zu spalten.</p><p>�Ich mag dich auch nicht�, tat Bo�ndil unmissverst�ndlich seine Meinung kund. �Geh deiner Wege und lass uns in Ruhe. Wir haben andere Sorgen.�</p><p>�Andere Sorgen?�, wiederholte And�kai seine Worte sp�ttisch und richtete sich auf. �Ihr werdet gar keine Sorgen mehr haben, wenn der Magus erst einmal die K�nigreiche in seinen Besitz gebracht hat. Die Zwergenl�nder werden ebenso fallen wie die Gebiete der Menschen und Elben. Er und das Tote Land, mit dem er sich verb�ndet hat, streben nach Macht. Grenzenloser Macht.� And�kai reckte ihr Kinn und sah h�hnisch auf Bo�ndil herab. �Fl�chtet nur in euer Refugium in den Bergen. Ich sage dir, die Kreaturen Tions st�rmen eure Festungen bald von zwei Seiten.�</p><p>�Was wirst du unternehmen?�, fragte Tungdil.</p><p>�Von hier fortgehen�, antwortete sie ihm ehrlich. �Ich bin nicht so t�richt zu denken, ich k�nnte das Tote Land aufhalten. Kein Heer wird etwas gegen N�d�onn unternehmen k�nnen, auch wenn es die K�nige meinen und sich darauf verlassen. Was soll ich dann noch hier? Um nach meinem Tod als Untote zur�ckzukehren? Davor m�ge mich Samusin bewahren.� Sie betrachtete die Zwerge. �Und ihr? Reist ihr ins Reich der Zweiten? Wenn es so ist, schlie�e ich mich euch an, gehe durch die Hohe Pforte, und ihr seht mich niemals wieder. Bis dahin sind wir Verb�ndete.�</p><p>Die Zwerge berieten sich kurz und willigten gegen die Stimme Ingrimmschs in ihren Vorschlag ein. Tungdil und Bo�ndal hatten aus der Vergangenheit gelernt und wollten sich auf diese Weise magischen Beistand sichern, damit sie im Verlauf ihrer Reise auf alles vorbereitet waren.</p><p>Bo�ndil n�rgelte zwar, gab sich aber geschlagen, weil er kein besonders guter Streiter mit Worten war; Tungdils Gelehrtenzunge redete ihn an die Wand. �Daf�r�, schwor er ihnen, �werde ich euch die Ohren voll jammern, wenn mit denen was schief l�uft.�</p><p>�Du darfst dich uns anschlie�en�, verk�ndete Tungdil.</p><p>�Aber wir sagen, wo es lang geht, Blondzopf�, setzte Bo�ndil nach, der dem Ger�steten einen absch�tzenden Blick zuwarf. Man sah ihm an, dass er sich zu gern mit dem turmhohen Gegner gemessen h�tte. �Kannst du reden? Holla! H�rst du uns �berhaupt, so hoch da oben und mit dem Eimer auf dem Kopf?�</p><p>�Djer&#x16F;n ist stumm�, schaltete sich die Maga in scharfem Ton ein. �Lass ihn in Ruhe und sei gef�lligst h�flich, sonst k�nnte ich Anmerkungen �ber deine Gr��e und deinen Geruch machen.�</p><p>�Ich entscheide, wann ich h�flich bin�, gab der gema�regelte Zwerg beleidigt zur�ck und warf den Zopf �ber die Schulter. �Und komm mir nicht in die Quere�, richtete er sich an den Krieger, ehe er sich an die Spitze der Gruppe setzte. �Die Orks geh�ren mir. Du wirst dich sch�n anstellen.�</p><p>Der Marsch begann. Tungdil lief hinter And�kai. <emphasis>Ich werde mich mit ihr am Lagerfeuer unterhalten,</emphasis> beschloss er. Er wollte mehr Einzelheiten erfahren, die nicht f�r die Ohren der Zwillinge gedacht waren.</p><empty-line/><p>�Wie ist Lot-Ionan gestorben, ehrwerte Maga?�, fragte Tungdil die Zauberin, die ein wenig abseits vom Feuer auf ihrem Mantel sa� und in die Flammen starrte. Er w�hlte die einfache Gelehrtensprache, um ihr seine Bildung zu zeigen und ihr zu verdeutlichen, dass er mehr als ein einfacher Zwerg war.</p><p>Es hatte lange gedauert, bis er seinen Mut zusammennahm und n�her an sie heran r�ckte, um sie unter vier Augen zu sprechen.</p><p>Neben ihr hockte der Krieger, den R�cken an einen Baumstamm gelehnt. Die Waffen lagen rechts und links neben ihm, fein s�uberlich der L�nge nach geordnet und sofort griffbereit. Der Zwerg konnte nicht sagen, ob der Mann unter seinem Helm schlief oder wachte.</p><p>�Lot-Ionan hat dich einiges gelehrt, wie ich h�re�, antwortete sie langsam und ohne den Blick abzuwenden. �Ein gebildeter Zwerg, das ist selten im Geborgenen Land. Noch seltener als ein Zwerg.� Sie schwieg. �Soll ich uns beide qu�len, in dem ich dir von dem Abend berichte, an dem der Verrat begangen wurde? Was bringt es dir zu wissen, wie dein Herr ums Leben kam?�</p><p>�Ich versuche zu verstehen, warum Nudin sich ge�ndert hat.�</p><p>�Das versuche ich auch, Tungdil.� And�kai drehte ihm ihr herbes Gesicht zu. �Mir gelingt es nicht.� Sie erz�hlte, wie es ihr an jenem Abend ergangen war. �Nudin griff mich ohne Vorwarnung an und schlug mich mit einem magischen Hieb nieder, dass meine Sinne schwanden.� Ihre Hand fuhr an ihr Kinn. �Ich streckte ihn mit einem Schwerthieb nieder, aber er durchbohrte mich mit seinem Stab. Danach erinnere mich nur noch an die Ger�usche jener Nacht, die durch meine Ohnmacht drangen.� Die Frau atmete tief ein, streckte die Beine aus und legte den Kopf in den Nacken, um die Sterne zu betrachten. �Sie m�ssen sich sehr gewehrt haben, ihre Todesschreie werde ich mein restliches Leben nicht vergessen. Ich f�hlte, wie mein Blut aus meinem K�rper lief, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen konnte.�</p><p>�Wie gelang es Euch zu �berleben?�</p><p>Sie schaute z�rtlich auf den regungslosen Krieger. �Djer&#x16F;n. N�d�onn verga�, dass ich ihn mit in den Palast gebracht hatte. Er stahl sich in den Raum, als der Irre gegangen war, und behandelte meine Wunde. Ich war zu geschw�cht, um mich dem Verr�ter zu stellen. Djer&#x16F;n nahm sich eine Leiche aus einer Begr�bnisst�tte in der Stadt, zog ihr meine Sachen an und legte sie stattdessen ins Zimmer zu den anderen Toten, damit N�d�onn annahm, ich sei keine Gefahr mehr f�r ihn.� Sie langte nach einem Ast und warf ihn ins Feuer. Knisternd tanzten die Funken in den schwarzen Himmel. �Ich bin auch lebend keine Gefahr f�r ihn�, sagte sie niedergeschlagen.</p><p>�Und � Lot-Ionan?�, verlangte Tungdil zu wissen.</p><p>�Als mich Djer&#x16F;n wegbrachte, war dein Herr zu Stein erstarrt�, antwortete sie leise. �N�d�onn hat ihn in eine Statue verwandelt.� Eine Tr�ne der hilflosen Wut rann ihr aus dem Augenwinkel.</p><p>�Eine Statue�, wisperte der Zwerg, w�hrend er n�her ans Feuer rutschte. �Ist es m�glich, den Zauber ��</p><p>Die blonde Frau sch�ttelte den Kopf und verzichtete auf weitere Erkl�rungen. Sie sa�en stumm nebeneinander, in den Gedanken an die Ermordeten versunken. Die Sterne drehten sich �ber ihnen, die Zeit verrann.</p><p>�Ihr wollt das Geborgene Land verlassen? Wohin? Was wird aus Eurem Reich?�, erkundigte sich Tungdil m�de. Seine Augen brannten, weil er nicht einziges Mal geblinzelt, sondern das Farbenspiel des Lagerfeuers betrachtet hatte. Die W�rme der Flammen brachte seine Tr�nen zum Verdampfen, das Salz reizte die empfindliche Innenhaut. �Meint Ihr, in der Ferne w�re es besser, ehrw�rdige Maga?�</p><p>�Es ist nicht klug, sich einem rollenden Fels in den Weg zu stellen, wenn man allein ist�, gab sie leise zur�ck. �Mir widerstrebt es, Leiden unn�tig zu verl�ngern, also gebe ich mein Reich freiwillig auf. Was w�rde ich erreichen, b�te ich Widerstand? Ich werde sehen, was hinter den Gebirgen ist. Das Geborgene Land hat seine Namen nicht mehr verdient.� Sie bedeutete Tungdil, dass er sich zur�ckziehen solle. �Ich m�chte schlafen.�</p><p>�Meinen Dank, ehrenwerte Maga.� Tungdil kehrte zu den Zwillingen zur�ck und berichtete von den Vorf�llen in der Hauptstadt Lios Nudin.</p><p>�Also sind die anderen Zauberer wirklich tot?�, staunte Ingrimmsch, w�hrend er sich ein St�ckchen K�se aus seinem schier unersch�pflichen Vorrat grillte. �Dabei hat man sich die tollsten Geschichten �ber ihre Fertigkeiten erz�hlt.�</p><p>�Gegen einen verr�terischen Dolch bringt der st�rkste Schild nichts�, meinte sein Bruder und schob sich ger�stetes Brot zwischen die Z�hne. �Die Langen sind schon ein trauriges Volk. Da hatten die G�tter einen schlechten Tag, als sie erschaffen wurden�, sagte er kauend. �Aber noch trauriger ist, dass sie das gesamte Land mit ins Verderben rei�en.�</p><p>Tungdil nahm den angebotenen K�se und schob ihn sich in den Mund. Inzwischen liebte er den strengen Geschmack geradezu, was er als Zeichen daf�r deutete, dass er immer mehr zu einem seines Volkes geworden war.</p><p>Bo�ndil stie� ihm in die Seite, sein St�ckchen deutete auf das seltsame Paar auf der anderen Seite des Lagers. �Schau, er hat seinen Topf immer noch auf dem Kopf�, lachte er. �Er ist bestimmt festgewachsen.�</p><p>Bo�ndal zeigte ein wenig mehr Erfurcht. �Einen solchen Langen habe ich noch nie gesehen�, r�umte er ein. �Sicher, ich war noch nicht so oft unter Menschen, aber das ist mit Abstand das gr��te Exemplar, das mir je begegnet ist. Da kriegt selbst ein Ork Angst.�</p><p>�Du meinst, es ist gar kein Mensch? Ein junger Oger vielleicht?�, f�rchtete sein Bruder. �In seiner R�stung k�nnte alles M�gliche stecken.� Und schon machte er Anstalten, hin�berzugehen und ihn zu fragen. �Wenn das eine Gr�nhaut oder eine andere Bestie ist, stirbt sie auf der Stelle�, verk�ndete er. �Und seine Herrin gleich mit. Mir doch egal, ob sie eine Zauberin ist oder nicht, die Langen ben�tigen sie ja ohnehin nicht mehr.�</p><p>Tungdil �berlief es siedend hei�. Er traute der Maga durchaus zu, dass sie ein Scheusal Tions an ihrer Seite hatte. <emphasis>Ich muss verhindern, dass er einen Streit vom Zaun bricht. Wenn er den Krieger zum Kampf reizt, wird And�kai sich auf die Seite Djer&#x16F;ns stellen, und das k�nnte b�se enden.</emphasis></p><p>�Nein, warte, das ist ein Mensch�, beruhigte er den Zwerg mit Nachdruck in der Stimme. �Es gibt Menschen im Geborgenen Land, die so gro� werden. Ich habe gelesen, dass sie sich in eigenen Heeren sammeln, vor denen die Orks gro�en Respekt haben.�</p><p>Ihm brach der Schwei� aus, als er Angeh�rige seines eigenen Volkes anlog, aber schlie�lich diente es einem guten Zweck.</p><p>�Und warum werden sie so gro�?� Bo�ndil lie� nicht locker; er spielte mit seinem Beil und hoffte noch immer einen Grund f�r einen Streit mit dem Ger�steten zu finden, damit sie die Kr�fte messen konnten.</p><p>�Die � M�tter �� Tungdil suchte fieberhaft nach einer Ausrede, die nicht unbedingt logisch sein musste, �binden � die Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt mit ein paar Stricken am Rumpf und an den Beinen � und ziehen sie lang. Das machen sie alle Tage, morgens und abends�, redete er drauf los. �Und es wirkt, wie ihr seht. Sie sind als K�mpfer ber�hmt. Sie wachsen in den R�stungen und sind untrennbar mit ihnen verbunden.�</p><p>Die Br�der schauten ihn fassungslos an. �So etwas machen Menschen?� Ingrimmsch konnte es nicht fassen. �Ziemlich grausam, oder?�</p><p>�So steht es in den B�chern.�</p><p>Bo�ndal lie� den Blick �ber den eisernen K�mpfer schweifen. �Ich w�rde zu gern wissen, wie viel er wiegt und wie viel er tragen kann.�</p><p>Die drei Zwerge betrachteten den Mann, von dem sie immer noch nicht wussten, ob er schlief oder nicht. Die grinsende D�monenfratze auf seinem Visier glomm im Schein des Feuers auf und schien sie zu verh�hnen.</p><p>Bo�ndal zuckte mit den Achseln. �Er wird irgendwann essen m�ssen�, murmelte er. �Dann sehen wir sein Gesicht.�</p></section><section><title><p>IX</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Sp�tsommer</subtitle><p>Eine derart au�ergew�hnliche Reisegruppe, wie sie seit mehreren Uml�ufen durch Ionandar und nun durch Gauragar wanderte, hatte das Geborgene Land seit tausenden von Sonnenzyklen nicht gesehen.</p><p>Lange bevor die K�pfe der Zwerge �ber die Kuppe eines H�gels ragten, erhob sich der eindrucksvolle gepanzerte Oberk�rper des Kriegers �ber die Anh�he und sorgte bei den Bauern, die auf den Feldern ihrer Arbeit nachgingen, f�r offene M�nder und erschrockene Rufe.</p><p>Die Zwillinge liefen gew�hnlich vorneweg, Tungdil in der Mitte, und die Maga und ihr Krieger folgten mit ein wenig Abstand. Dabei ging Djer&#x16F;n in ganz kleinen Schritten, um die Frau und die Zwerge nicht st�ndig zu �berholen. And�kai hatte einem P�chter f�r verschwenderisch viele M�nzen ein Pferd abgekauft, auf das sie ihr Gep�ck und einen Teil der Waffen des Mannes geladen hatten.</p><p>Tungdil dachte die ganze Zeit dar�ber nach, ob er der Zauberin von den B�chern erz�hlen sollte, die er mit sich f�hrte. Die in den Schriften verborgenen Geheimnisse schienen N�d�onn ebenso zu beunruhigen wie die Artefakte, und daraus sch�pfte der Zwerg die Hoffnung, etwas gegen ihn ausrichten zu k�nnen. <emphasis>Wenn es mir nicht gelingen sollte, muss And�kai ihre Fluchtpl�ne aufgeben. Sie ist die letzte Maga.</emphasis> Er hoffte inst�ndig, sie �berzeugen zu k�nnen. Also fiel er ein wenig zur�ck, bis er auf der H�he der Frau lief. �Etwas besch�ftigt mich�, hob er an. �Wieso k�nnt Ihr die Magie noch nutzen? Nudin � N�d�onn hat sie doch ver�ndert.�</p><p>�Warum m�chtest du es wissen?�, erwiderte sie.</p><p>�Es ist wichtig.�</p><p>�F�r dich oder f�r mich?�</p><p>�F�r das Geborgene Land.�</p><p>�Oh, wenn es so ist, antworte ich nat�rlich.� And�kai l�chelte schwach. �Weil ich nicht ganz so freundlich bin, wie die anderen Magi es gewesen sind. Mein Gott Samusin ist f�r den Ausgleich, er liebt die Dunkelheit ebenso wie das Licht, und daher kann ich beides nutzen. Die zum Schlechten ver�nderte Magie st�rt mich nicht weiter, auch wenn es mir etwas schwerer f�llt, sie zu speichern und zu nutzen. Der Verr�ter hat nicht damit gerechnet, dass ich lebe. Aber was soll�s, ich z�hle nicht mehr.� Sie legte die Hand �ber die Augen und sp�hte nach vorne. �Es sollte allm�hlich ein Wald kommen, der uns ein wenig Schatten spendet. Die Sonne ist kaum zu ertragen.�</p><p><emphasis>Jetzt oder nie.</emphasis> Tungdil sammelte sich. �Ehrenwerte Maga � Angenommen, es g�be etwas, mit dem man den Verr�ter aufhalten k�nnte, w�rdet Ihr es versuchen?�, fragte er sie ohne Umschweife.</p><p>And�kai ging unbeirrt weiter, sie lie� ihn zappeln. �Geht es um das, was du mit dir herumtr�gst, kleiner Mann?�</p><p>�Wir haben es in Gr�nhain von Gor�n mitgenommen�, berichtete er ihr von ihrem Abenteuer. �Albae und Orks waren auf der Suche danach, aber wir sind ihnen zuvorgekommen.�</p><p>�Darf ich es sehen?�</p><p>Tungdil z�gerte. Doch er war schon so weit gegangen, da machte es auch nichts mehr, wenn die Frau die B�cher zu Gesicht bekam. Sorgsam packte er sie aus, schlug das Tuch auseinander und hielt sie der Maga hin.</p><p>And�kai klappte die Buchdeckel nacheinander auf und bl�tterte vorsichtig weiter, ohne dass ihr Antlitz eine Regung widergespiegelt h�tte.</p><p>Der Zwerg f�hlte eine gro�e Entt�uschung in sich aufsteigen, denn er hatte mit ihrem Erstaunen gerechnet. Dass die Zauberkundige so gelassen blieb, wertete er als schlechtes Zeichen.</p><p>�Ist das alles?�, erkundigte sie sich nach einer Weile und gab ihm die Folianten zur�ck.</p><p>�Was steht drin?�, antwortete er mit einer trotzigen Gegenfrage.</p><p>�Es sind Sammlungen �ber legend�re Gesch�pfe, m�rchenhafte Geschichten �ber Waffen und ein r�tselhafter Reisebericht eines Erkundungstrupps, der einst �ber den Steinernen Torweg ins Jenseitige Land zog. Ein einziger Mann, so steht es im Vorwort, kehrte t�dlich verletzt zur�ck und brachte Schriften mit, die in diesem Buch zusammengefa�t wurden. Ich w�sste nicht, warum N�d�onn daran gelegen sein sollte, es sei denn, er hat sich seine alte Wissbegier bewahrt.�</p><p>�Mehr nicht?�, wunderte sich Tungdil, w�hrend er die B�cher wieder einpackte.</p><p>�Mehr nicht.�</p><p>�Aber � er hat deswegen eine Siedlung angreifen und vernichten lassen. Er hat uns seine Orks auf den Hals gehetzt, um sie in die Finger zu bekommen.� Er schaute sie aufr�hrerisch an. �Ihr irrt Euch, ehrenwerte Maga. Es muss ein Geheimnis darin verborgen liegen, das Ihr nicht zu deuten verm�gt.�</p><p>�Ich nicht zu �?� Die Herrscherin �ber Brand�kai lachte aus vollem Hals. �Djer&#x16F;n, h�r dir das an. Ich laufe auf einer staubigen Landstra�e neben einem Zwerg, der vorgibt, gelehrter zu sein als ich.�</p><p>Der Krieger trottete unger�hrt weiter.</p><p>�Ich bin nicht gelehrter, aber sicherlich weniger eingebildet und hochn�sig als Ihr�, merkte Tungdil an. �Seid Ihr sicher, dass kein Elbenblut in Euch flie�t?�</p><p>�Oha, der Zwerg zeigt seine Z�hne�, sagte sie am�siert. �Man merkt, dass Lot-Ionan dich aufgezogen hat.� Sie nickte zu den Zwillingen hin�ber. �Die h�tten schon l�ngst eine Axt gez�ckt und versucht, die Unterredung auf ihre Art zu beenden.� And�kai wurde pl�tzlich ernst. �Ich werde die B�cher heute Abend noch einmal anschauen, Tungdil, und zwar in aller Ruhe. Vielleicht verbirgt sich wirklich mehr darin als ich dachte.�</p><p>�Danke, ehrenwerte Maga.� Der Zwerg nickte ihr zu und trabte voran, um zu den Geschwistern aufzuschlie�en. �Vielleicht wissen wir schon bald, warum der Magus unsere B�cher wollte�, verk�ndete er ihnen.</p><p>�Hast du der Langen etwa von ihnen erz�hlt?�, fragte Bo�ndil fassungslos.</p><p>�Ich habe sie ihr gezeigt.�</p><p>Der Zwerg sch�ttelte tadelnd den Kopf. �Du bist wahrlich ein gutgl�ubiger Gelehrter. Benimm dich weniger menschlich und sei endlich einer von uns.�</p><p>�Ach? Ich soll ihr den Sch�del spalten, wenn sie anderer Meinung ist?�, gab Tungdil gereizt zur�ck.</p><p>�Das w�re ein Anfang�, erwiderte Bo�ndil nicht weniger b�rbei�ig.</p><p>Bo�ndal schob sich schlichtend zwischen die Streith�hne. �Genug! Spart euren Zorn f�r die Orks, denen wir sicherlich noch begegnen werden�, verlangte er nachdr�cklich. �Es war gut, dass er sie gefragt hat. Ich werde ungern wegen etwas gejagt, wor�ber ich nichts wei�.�</p><p>Sein Bruder grummelte etwas Unverst�ndliches und beschleunigte seine Schritte.</p><p>�Ich habe niemals behauptet, dass es leicht sein w�rde, mit uns zu reisen, Gelehrter�, sagte Bo�ndal grinsend.</p><p>Tungdil musste lachen.</p><empty-line/><p>Gegen Abend rasteten sie. Die Nacht war bereits merklich k�hler geworden; es roch nach Erde und Gras, und die Grillen zirpten ihnen ein Konzert.</p><p>W�hrend die Zwerge ihre letzten Vorr�te verspeisten � sie hatten n�mlich am Horizont die ersten m�chtigen Gipfelspitzen des Gebirges ausgemacht und hofften, bald frische zwergische K�stlichkeiten genie�en zu d�rfen �, befasste And�kai sich wie versprochen mit den B�chern und studierte deren Inhalt.</p><p>Tungdil lie� sie in Ruhe, um sie nicht zu st�ren, was ihn aber nicht daran hinderte, sich zu Djer&#x16F;n zu begeben und ihm sein Essen zu bringen. Wie an den Abenden zuvor stellte er ihm einen Teller mit einem Laib Brot, einem halben K�se und ein gro�es St�ck Fleisch hin.</p><p>Dieses Mal wollte er darauf achten, wann es der Krieger zu sich nahm. Bislang wusste n�mlich keiner, wie er ohne seinen st�hlernen Kopfschutz aussah.</p><p>�Djer&#x16F;n �bernimmt die erste Wache�, sagte And�kai, ohne von dem Buch aufzublicken. �Ihr k�nnt euch hinlegen.�</p><p>�Von mir aus�, brummte Bo�ndil und r�lpste laut. Er sch�ttelte sich die dicksten Kr�mel aus dem Bart, wickelte seinen Zopf zu einem gem�tlichen Kissen und legte sich neben das Feuer. �Aber wenn Schweinchen auftauchen, Langer, wirst du mich artig wecken, damit ich ihnen meine Beile zu kosten gebe�, riet er dem K�mpfer, der wie immer starr auf dem Boden sa�.</p><p>Die Br�der nutzten die Gelegenheit, als Erste zu schlafen; bald drang ihr lautes Schnarchen durch den Wald und brachte die Zweige zum Zittern.</p><p>Entnervt klappte die Maga das Buch zu. �Jetzt wei� ich, warum sie bislang den Anfang mit der Nachtwache gemacht haben�, fauchte sie. �Dieser L�rm ist nur zu ertragen, wenn man selbst tief schl�ft.�</p><p>Tungdil lachte leise. �Wie muss es erst in einem Zwergenreich klingen?�</p><p>�Ich werde nicht lange genug dort sein, um dir diese Frage beantworten zu k�nnen�, erwiderte sie m�rrisch und streckte sich. Die Muskeln ihrer Arme schwollen an, was ihr einen anerkennenden Blick Tungdils einbrachte. Selbst die M�gde im Stollen, die viel k�rperliche Arbeit verrichteten, konnten sich mit ihrer Kraft nicht messen.</p><p>�Habt Ihr etwas �� Tungdil biss ich auf die Lippe. Dabei hatte er sich fest vorgenommen, sie nicht auf die B�cher anzusprechen.</p><p>Sie zog die Beine an, st�tzte die Ellbogen darauf und legte ihr Kinn auf die Handfl�chen. Ihre blauen Augen suchten seinen Blick. �Du denkst, dass ich mich anders entscheiden w�rde, wenn ich ein Mittel gegen N�d�onn in dem Geschrieben f�nde?�</p><p>�Euer Gott ist der Gott des Ausgleichs. Ihr m�sstet es als Verpflichtung sehen, ein Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten im Geborgenen Land herzustellen�, appellierte er an ihre �berzeugung, nachdem Ehre allein ihr anscheinend nicht viel bedeutete. Wie sonst erkl�rte sich, dass sie ihr eigenes Reich im Stich lie�?</p><p>And�kai legte eine Hand auf den Buchr�cken des schwarz eingebundenen Folianten. �Bef�nde sich darin die Formel f�r einen Zauber, mit dem man N�d�onn in die Knie zwingen k�nnte, so w�re ich bereit, mich ihm in den Weg zu stellen�, sagte sie nachdenklich. �Ich habe nichts dergleichen gefunden. Blumige Beschreibungen von Fabelwesen, M�rchen � mehr nicht.�</p><p>�Das bedeutet, Ihr werdet bei Eurem Vorhaben bleiben, dem Land den R�cken zu kehren?�</p><p>�Meine Jahre z�hlen nichts gegen die Macht, die N�d�onn zur Verf�gung steht. Ich hatte M�he, ihm heil zu entfliehen.� Sie schlug aufs Geratewohl eine Seite auf. �Wenn es ein R�tsel gibt, mit dem sich die Silben erschlie�en, so entdecke ich den Schl�ssel nicht.�</p><p>Er entschied sich, der Maga alles zu offenbaren und reichte ihr den Brief, der in der Sprache der Gelehrten verfasst war. �Der lag bei den B�chern�, sagte er. �Vielleicht ergibt sich daraus mehr.�</p><p>�Ist das endlich alles, oder verbirgst du noch mehr Geheimnisse vor mir?�</p><p>�Nein, Ihr wisst nun alles.�</p><p>And�kai nahm das Papier, faltete es und legte es zwischen die Seiten eines Folianten. Dann rieb sie sich die Augen. �Das Licht eignet sich nicht sonderlich zum Studieren, ich werde Morgen damit fortfahren.� Sie barg die B�cher wieder in dem Wasser abweisenden Tuch, schob sich den Stapel als St�tze unter den Kopf und legte sich zur Ruhe.</p><p>�Morgen?� Tungdil, der gehofft hatte, sie w�rde die Zeilen sofort lesen, seufzte laut. Sie war eine schwierige Frau. Bevor er neben das Feuer rutschte, warf er einen Blick zu Djer&#x16F;n.</p><p>Der Teller vor dem Krieger war leer, der Helm sa� fest auf dem Kopf. Nun hatte Tungdil es wegen der Unterhaltung mit der Maga verpasst, ihrem Begleiter beim Essen zuzusehen. Er hatte nicht einmal geh�rt, dass die R�stung einen verr�terischen Laut von sich gegeben h�tte. Allm�hlich wurde ihm der K�mpfer unheimlich.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Sp�tsommer des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Balendil�n kam nicht mehr zur Ruhe. Eben kehrte er in seine Kammer zur�ck, als er die Botschaft erhielt, zwei Zwerge aus der Abordnung der Vierten wollten ihn sprechen.</p><p><emphasis>Das ist ein gutes Zeichen. Noch mehr mit Verstand. Gandogars Clans besinnen sich.</emphasis> Sogleich begab er sich auf den Weg zum erbetenen Treffpunkt, der in der N�he der Viehweide lag.</p><p>Der Berater des Gro�k�nigs hatte gute Laune. In den vergangenen Wochen hatte seine Aufgabe in erster Linie darin bestanden, die Ger�chte um den schlechten Gesundheitszustand Gundraburs zu zerstreuen. Tats�chlich erfreute sich das Oberhaupt der Zwergenst�mme eines starken Herzens und eines noch viel st�rkeren Willens, mit dem es ihm gelang, die Zwerge auf das Eintreffen des zweiten Anw�rters zu vertr�sten. Inzwischen sprach man sogar dar�ber, wie man die sp�rlichen Kontakte zwischen den Zwergenreichen auf Dauer aufleben lassen k�nnte.</p><p><emphasis>Es l�uft fast schon zu gut,</emphasis> dachte Balendil�n, trat aus dem Gang und fand sich am einen Ende einer f�nfzig Schritt langen Bogenbr�cke wieder, die sich zweihundert Schritt hoch �ber den Resten einer Kupfermine spannte. Sorgsam setzte er einen Fu� vor den anderen und hing dabei seinen Gedanken nach.</p><p>Seine Ablenkungsstrategie h�tte noch mehr Erfolg zu verzeichnen, wenn Bislipur nicht immer wieder auftauchte und die Fl�mmchen der Begeisterung �ber einen k�nftigen Elbenkrieg durch seine Hetzreden zum Aufflackern brachte. <emphasis>Er ist verantwortlich f�r Gandogars Ansichten, er fl�stert seine Gedanken dem jungen K�nig ein.</emphasis></p><p>Pl�tzlich bemerkte er eine Bewegung auf der gegen�berliegenden Seite. Als h�tte Bislipur seine Gedanken durch die dicken Felsw�nde des Gebirges vernommen, stand er unvermittelt vor ihm auf dem Gang, die Linke auf den Kopf seiner Axt gelegt. Auf Balendil�n wirkte seine ganze Haltung wie eine stumme Drohung. Er blieb er stehen, um abzuwarten. �Was willst du?�</p><p>�Einige nennen es den �Zwist der Kr�ppel��, rief er ihm entgegen, und die H�hlenw�nde warfen seine Stimme als Echo zur�ck. �Der Hinkende gegen den Einarmigen. Denkst du, dass sie Recht haben?�</p><p>Balendil�n lauschte, ob er die Stimmen anderer Zwerge irgendwo in ihrer N�he ausmachen konnte, doch dem war nicht so. Er war ganz auf sich allein gestellt. �Zwist ist der falsche Ausdruck�, antwortete er. �Wir haben unterschiedliche Ansichten und versuchen, eine Mehrheit zu erlangen.� Er machte einen, dann noch einen Schritt vorw�rts, Bislipur tat es ihm gleich. �Also, was m�chtest du?�</p><p>�Das Beste f�r unser Volk�, entgegnete der grimmige Zwerg.</p><p>�Ich meinte von mir.�</p><p>�Dass du einsiehst, dass Gandogar und ich die Zukunft der Zwergenst�mme und Clans sind. Wie kann ich dich davon �berzeugen?�</p><p>�Solange du einen Kampf gegen die Elben verlangst, wird es dir nicht gelingen, in mir einen F�rsprecher f�r deinen K�nig zu finden�, antwortete Balendil�n ehrlich und blieb stehen; Bislipur tat es ihm gleich. F�nfzehn Schritte trennten sie noch voneinander.</p><p>�Dann verstehe ich es als Zwist�, meinte der andere Zwerg k�hl. �Bis eine Entscheidung gefallen ist, werde ich dich als Feind betrachten, der dem Wohl aller St�mme im Weg steht. Ich werde daf�r sorgen, dass es die anderen Clans genauso sehen wie ich.� Als Balendil�n weiterlief, setzte Bislipur seinen Weg ebenfalls fort, bis sie sich auf Armesl�nge gegen�berstanden. �Und ich werde daf�r sorgen, dass der von dir beeinflusste Gro�k�nig ebenfalls die Klarheit seines Verstandes zur�ckgewinnt.�</p><p>Nun standen sie so dicht beieinander, dass ihre Nasenspitzen sich fast ber�hrten.</p><p>�Du redest von Verstand? Du?� Balendil�n erkannte die Ablehnung in Bislipurs Augen, die unvers�hnliche Feindseligkeit. �Dir sage ich, dass ich den Krieg gegen �landur verhindern werde, mein zwergischer Bruder�, zwang er sich zu sagen, um nicht den Eindruck zu vermitteln, er f�rchte sich vor ihm; und doch ging von ihm eine bislang nie erlebte Gef�hrlichkeit aus. �Deine eigenen Clans geraten ins Gr�beln.�</p><p>�Du wirst mich und Gandogar nicht davon abhalten, den Thron zu besteigen�, prophezeite ihm Bislipur d�ster. Er strahlte eine aufgestaute Gewalt und Brutalit�t, die binnen kurzem auszubrechen drohte.</p><p>�Dich und Gandogar? Was willst du denn auf dem Thron?�</p><p>Regungslos standen sie auf der Br�cke, keiner wandte den Blick ab. Dann aber fiel die bedrohliche Haltung Bislipurs von einem Augenblick auf den anderen in sich zusammen.</p><p>�Ich w�nsche dir viel Gl�ck bei deinem hoffnungslosen Unterfangen und den Segen von Vraccas dazu�, meinte er leichthin, trat auf die Seite und ging an Balendil�n vor�ber.</p><p>Der Berater des Gro�k�nigs schloss kurz die Augen und schluckte. Er hatte so fest mit einem Zweikampf gerechnet, dass er es noch gar nicht fassen konnte, ungeschoren auf die andere Seite der Br�cke zu gelangen. Er h�rte Bislipur ein Lied pfeifen, das Echo hallte und machte aus den wenigen T�nen einen Kanon.</p><p>Wenigstens wusste Balendil�n nun, woran er mit ihm war. Erleichtert lief er �ber den festen Boden des Berges und beeilte sich, zum vereinbarten Treffpunkt mit den Zwergen der Vierten zu gelangen.</p><p>Er bog eben um die Ecke des Ganges, als die Erde unter seinen F��en leicht bebte. Ein Mensch sp�rte solche Schwingungen nicht, doch sein Volk hatte gelernt, die Bewegungen der Berge zu f�hlen. Etwa Schweres kam durch den Tunnel, in dem er stand.</p><p>Dann h�rte er das Donnern vieler Hufe und aufgeregtes Muhen. Etwas musste die K�he seines Stammes auf dem R�ckweg in die Stallungen in Angst versetzt haben.</p><p><emphasis>Verflucht.</emphasis> Balendil�n blickte sich um, entdeckte jedoch nirgends eine Nische, die breit genug gewesen w�re, um darin Schutz vor den H�rnern des Viehs zu suchen. Es gab nur eine M�glichkeit f�r ihn: Er musste zur�ck zur Br�cke und �ber die Br�stung auf den schmalen Rand klettern.</p><p>Hastig drehte er sich um und rannte los. Er h�rte das Rumpeln der Hufe und das Schaben der H�rner an den behauenen Steinw�nden, und das Ger�usch verlieh ihm zus�tzliche Kr�fte. Keuchend erreichte er das Ende des Ganges und sah die rettende Br�cke; hinter ihm schnaubten die Tiere dicht in seinem Nacken.</p><p>Der Zwerg h�pfte aus dem Lauf �ber die Br�stung auf den �u�eren Br�ckenrand und balancierte sich auf den Steinen aus. Der Schwung drohte ihn nach vorn und damit in die Tiefe kippen zu lassen, doch das Kunstst�ck gelang. Die Herde trampelte hinter seinem R�cken vorbei die Br�cke entlang.</p><p><emphasis>Ich danke dir, Vraccas.</emphasis></p><p>Ein lautes Knistern lief durch das Bauwerk. Erste Risse zeigten sich auf der Br�stung, auf der er stand.</p><p>Balendil�n erinnerte sich, dass die Br�cke gew�hnlich nicht dazu diente, die K�he zu tragen. Sie war f�r die Zwerge und nicht f�r deren Vieh errichtet worden. Das tonnenschwere Gewicht der Herde belastete die Konstruktion zu stark; die Schwingungen, die von den Bewegungen der Tiere stammten, wirkten vernichtend.</p><p>Die Br�cke brach an der d�nnsten Stelle in der Mitte an; die Seitenst�tzen knickten weg und l�uteten die n�chste Etappe der Katastrophe ein.</p><p>Ein vier Schritt langes St�ck sackte mitsamt den Tieren, die sich darauf befanden, in den Abgrund. Die Zerst�rung nahm von dort ihren Lauf, St�ck um St�ck brach die Br�cke weg. Die K�he verschwanden in der Tiefe, ihr Muhen wurde leiser und leiser, ohne dass der Zwerg einen Aufschlag vernahm.</p><p><emphasis>Ich muss fort!</emphasis> Balendil�n befand sich in gro�er Gefahr, denn die Bruchkante r�ckte n�her, w�hrend hinter ihm die Herde starb und vor ihm die Schw�rze lauerte.</p><p>Endlich blieb das Vieh stehen, und der Zwerg wagte es, einen Sprung mitten in ihre Reihen zu machen, um auf sicheren Boden zu gelangen.</p><p>Doch das Gl�ck war ihm nicht hold. Kaum ber�hrte er den Boden, gab der Fels unter seinen F��en nach, im Fallen erhaschte er einen hervorstehenden Stein und klammerte sich mit aller Macht daran fest.</p><p>H�tte Balendil�n einen zweiten Arm besessen, so h�tte er sich ohne Schwierigkeiten in die H�he und auf festen Boden ziehen k�nnen; so aber pendelte er �ber dem Abgrund, unf�hig, sich selbst zu helfen und auf Beistand angewiesen. Ewig w�rden es seine Muskeln und Sehnen nicht aushalten.</p><p>�Ho, h�rt mich jemand?�, rief er laut, um auf sich aufmerksam zu machen. Er baute all seine Hoffnungen darauf, dass die Hirten nach der durchgebrannten Herde schauten. �He, hier bin ich!�</p><p>Die K�he beruhigten sich und antworteten auf sein Schreien mit leisem, einf�ltigem Muhen. Zwei der Tiere wagten sich bis an die Kante, schnupperten an seiner Hand und leckten sie ab. Ihr Speichel bildete eine kleine Lache und machte den Fels noch rutschiger.</p><p>Balendil�n dachte, er w�ge so viel wie drei ausgewachsene Orks. Sein Arm wurde immer l�nger und seine Stimme heiser.</p><p>Pl�tzlich bewegten sich die K�he, denn jemand bahnte sich einen Weg durch ihre Leiber.</p><p>�Hierher!�, rief er erleichtert, denn seine Finger drohten abzurutschen. �Ich brauche Hilfe!�</p><p>Es raschelte, Staub rieselte von oben auf ihn herab und setzte sich in seinem Bart und den Haaren fest. Der Zwerg schaute in das dunkelgr�ne Gesicht des Gnoms, auf dessen stattlicher Nase eine noch stattlichere Warze prangte. Die gro�en Augen musterten ihn gierig, und die klauenartigen Finger bef�hlten seinen Arm.</p><p>�Da ist er ja!� Swerds Oberk�rper lehnte weit �ber der Kante, dann machte er sich am G�rtel des Zwergs zu schaffen. �Warte kurz, gleich habe ich es�, beruhigte er den Ungl�cklichen.</p><p>Es klickte, die Schnalle l�ste sich, und zufrieden zog Swerd sich zur�ck. Er hielt den gestohlenen Geldbeutel und die kostbare G�rtelschlie�e vor Balendil�ns Augen. �So! Jetzt kannst du loslassen�, verk�ndete er, lachte meckernd und suchte das Weite.</p><p>�Warte! Komm zur�ck!�, br�llte der Zwerg fassungslos. �Du kannst mich doch nicht �� Seine Finger glitten ab. Alles Nachgreifen fruchtete nicht, denn die Lache aus schmierigem Speichel nahm ihm den Halt. Die Tiefe zog ihn zu sich hinab.</p><p>Da stie� pl�tzlich eine Axt von oben herab. Der kurze Stahlsporn bohrte sich in das Ringgeflecht seines Kettenhemds und verhakte sich, dann ging es aufw�rts. Sein unbekannter Retter zog ihn mit der Waffe wie an einem Anker �ber die Kante.</p><p>Aufatmend sank er neben seinen vor Anstrengung keuchenden Helfer.</p><p>�Gandogar?!� Die �berraschung dar�ber, dass ausgerechnet der K�nig der Vierten ihn vor dem Tod bewahrt hatte, stand Balendil�n deutlich ins Gesicht geschrieben.</p><p>�Wir sind Gegenspieler, aber keine Feinde�, erkl�rte Gandogar mit einem schiefen L�cheln. �Wir sind ein Volk, die Kinder des Schmieds. Unsere Feinde sind die Kreaturen Tions, nicht unsere eigenen St�mme und Clans. Das habe ich �ber unserem Streit nicht vergessen.� Er stemmte sich in die H�he und half auch dem Einarmigen aufzustehen. �Was ist geschehen?�</p><p>Dankbar ergriff der Zwerg die dargebotene Hand. Der Thronanw�rter sprach und handelte voller Aufrichtigkeit, daran zweifelte er nach dieser Gro�tat keinen Lidschlag mehr. �Die Herde muss ihrem Hirten durchgegangen sein�, sch�tzte Balendil�n.</p><p>Mehr wollte er nicht preisgeben. Ehe er Anschuldigungen aussprach, ben�tigte er sichere Beweise, dass Swerd und damit Bislipur hinter dem Anschlag steckten, der gewiss alles andere als ein Zufall war. Das allzu rasche Auftauchen des Gnoms hatte ihn davon �berzeugt, dass Gandogars Mentor es auf sein Leben abgesehen hatte, denn Swerd tat wiederum nichts ohne das Gehei� seines Herrn.</p><p>�Ich verdanke dir mein Leben�, sagte er ernst. �Ich werde in unserem Streit um den Krieg gegen die Elben genauso unnachgiebig sein wie zuvor, aber ich stehe zutiefst in deiner Schuld.�</p><p>�Etwas anderes habe ich nicht von dir erwartet�, antwortete Gandogar freundlich. �Du h�ttest in der gleichen Lage dasselbe f�r mich getan.�</p><p>�Sei dir da nicht allzu sicher�, gab Balendil�n schmunzelnd zur�ck. �Ich h�tte schlie�lich eine sehr gute Ausrede gehabt, dir nicht beizustehen.�</p><p>�So?�</p><p>�Wie sollte ich dich hochziehen, mit nur einem Arm?�, lachte der Zwerg, und der K�nig stimmte nach kurzem Stutzen mit ein. Balendil�n bedauerte es sehr, dass sie unterschiedlicher Meinung waren. <emphasis>Sonst,</emphasis> das sagte ihm sein Gef�hl, <emphasis>w�re Gandogar genau der richtige Thronfolger.</emphasis></p><p>Als er in seine Unterkunft zur�ckkehrte, war er sich sicher, von Anfang an in eine Falle gelaufen zu sein. Die Vierten, die sich mit ihm treffen wollten, gab es nicht.</p><p>Daf�r lagen seine G�rtelschnalle und sein Geldbeutel vor der T�r. Offenbar hatte sich der Gnom eines Besseren besonnen, um keinen Beweis seiner sch�ndlichen Tat zu liefern. Balendil�n nahm seine Sachen an sich. <emphasis>Noch einmal wird es euch nicht gelingen.</emphasis></p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Sangre�n im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Fr�hherbst</subtitle><p>Der Herbst zeigte der Wanderschar, dass man zumindest nachts nicht mehr mit ihm spa�en konnte. Sie gelangten zwar in den S�den und in die ersten kargen Ausl�ufer von K�nigin Umilantes W�stenreich, aber trotz des feinen Sandes, der ihnen unabl�ssig ins Gesicht wehte, war es keineswegs warm.</p><p>Sobald die Sonne ihren Umlauf beendete und die Dunkelheit hereinbrach, sanken die Temperaturen empfindlich, was dazu f�hrte, dass And�kai gegen den Willen der Zwillinge auf einem gro�en Feuer bestand. Bo�ndal vertrat die Ansicht, dass es die Orks und anderes Gesocks anlockte. So kurz vor dem Eintreffen ins Zweite Zwergenreich wollte er nichts mehr riskieren und das Leben des Thronanw�rters um keinen Preis in Gefahr bringen. Selbst Bo�ndil gab seinem Bruder schweren Herzens Recht, doch das hinderte die Maga nicht daran, die Scheite eigenh�ndig in die Flammen zu legen.</p><p>Als sie ungef�hr acht Uml�ufe vom Eingangstor der Festung entfernt waren, g�nnten sie sich eine Unterkunft in einem W�stendorf, welche an einem kleinen, beschaulichen See gelegen war. Entsprechend vielf�ltig und gut bl�hte der Handel.</p><p>Zahlreiche Kaufleute, die aus der Festung Ogertod kamen, wo sie mit den Zwergen Tauschgesch�fte betrieben, g�nnten sich und ihrem Tross eine letzte Pause, bevor sie die langen Strecken durch die �de Landschaft Sangre�ns antraten. Nach dieser Siedlung begegneten ihnen weiter nichts als Steine oder Wegelagerer.</p><p>�Keine Sorge. Die Menschen hier sch�tzen uns Zwerge, denn wir stehen f�r gute, solide Waren, mit denen man auf anderen M�rkten hohe Gewinne erzielen kann�, erkl�rte Bo�ndal.</p><p>Tungdil bemerkte an den Blicken der Menschen, dass sie nur deshalb etwas Au�ergew�hnliches waren, weil Djer&#x16F;n sie wie ein wandelnder Turm aus Eisen begleitete. Kinder standen staunend um den Krieger herum, der den Trubel mit enormer Gelassenheit ertrug. Er kannte die Aufregung um seine Erscheinung zur Gen�ge.</p><p>Wanderer fanden in Zelten am Ufer des Sees eine Unterkunft. Ganz nach Bedarf des Reisenden waren diese Zelte aus Holz und Leinen beliebig erweiterbar, und mithilfe von Zwischenb�den lie�en sich sogar zweist�ckige, haus�hnliche Gebilde errichten.</p><p>Weil der Krieger der Maga in kein gew�hnliches Zelt passte, lie�en sie ein zweist�ckiges errichten und verzichteten auf den Zwischenboden. Sie zogen sich vor dem auffrischenden Wind in den Schutz der Stoffw�nde zur�ck und entfachten in einer Nische ein kleines Feuer, um sich Tee zuzubereiten.</p><p>�Ich freue mich sehr und bin aufgeregt�, gestand Tungdil, w�hrend er an dem hei�en Getr�nk nippte. �Bald werde ich meinen Stamm und meinen Clan treffen.�</p><p>�Ich kann dich verstehen�, meinte Bo�ndal und sah ihn freundlich an. �Mittlerweile d�rfte es der Rat der Zwerge vor Neugier kaum noch aushalten. Sie mussten lange auf dich warten.�</p><p>�Tee!�, rief sein Bruder angewidert dazwischen. �Bei Vraccas! Das trinke ich nicht�, beschied er und stand auf. �Ich sehe mal nach, ob ich in diesem seltsamen Dorf ohne gescheite W�nde irgendwo einen leckeren Schluck Bier auftreiben kann.� Sprach�s und verschwand aus dem Zelt.</p><p>�Was ist so Besonderes an dir, dass man eine Eskorte aussendet, die dich ins Reich des Zweiten bringt?�, fragte And�kai, die �ber den ausgebreiteten B�chern br�tete. Der Brief lag auseinander gefaltet auf ihrem Oberschenkel. Bislang hatte es sie nicht gek�mmert, welche Aufgabe die Zwillinge hatten und warum Tungdil von seinem Volk gesucht wurde.</p><p>Der Zwerg z�gerte. �Man m�chte mich etwas fragen�, antwortete er ausweichend. �Es kann Euch egal sein. Ihr werdet das Geborgene Land ohnehin verlassen.�</p><p>Die Maga hob den Kopf; sie staunte �ber den forschen Ton. �Damit habe ich mir wohl dein ewiges Missfallen eingehandelt, oder? Sollte deine Bemerkung hingegen ein Versuch sein, mich bei meiner Ehre zu packen und auf diese Weise zum Bleiben zu bewegen, so spare es dir. Deine Worte verfehlen ihr Ziel.�</p><p>Bo�ndal hob hilflos die Augenbrauen.</p><p>Tungdil �rgerte sich �ber die Gleichg�ltigkeit der Maga. Ihm stand im Grunde viel Schlimmeres bevor. Er fand sein Volk wieder und kehrte zu ihm zur�ck, um h�chstwahrscheinlich mit ihm unterzugehen, falls sich in den B�chern Gor�ns nicht irgendetwas verbarg, das N�d�onn aufzuhalten vermochte. Wenigstens w�rde er an der Seite seiner Verwandten sterben �</p><p>Leise trappelte es gegen die Zeltw�nde, Regen setzte ein. Die Tropfen dr�ckten den Staub zu Boden und auf die Zelte, wo er wirre Linien auf die Leinwand zeichnete. Das war f�r die W�stenei Sangre�ns im Herbst nichts Ungew�hnliches. N�sse und Trockenheit wechselten einander ab, was den Anbau von Getreide durchaus erm�glicht h�tte, doch in der kargen Erde gedieh nichts. Nur an wenigen Stellen sprossen Halme und B�ume, die von den Besitzern eifers�chtig geh�tet wurden.</p><p>Unvermittelt wurde die Abdeckung des Eingangs zur Seite gefegt, und eine Gestalt in einem Umhang drang ungebeten in ihre Behausung.</p><p>Djer&#x16F;n erwachte wie eine lebendig gewordene Statue aus seiner Starre. Die gepanzerte Linke langte nach dem Zweih�nder, die Rechte fasste nach, und schon schnellte der Krieger in eine kniende Position; die Schneide seines Schwertes pfiff durch die Luft und zielte auf die Kehle des Besuchers.</p><p>�Nein�, rief die Maga laut, und augenblicklich verharrte der Krieger.</p><p>�Verzeiht�, stammelte der vor Angst zitternde Mann, der ein Fass in beiden H�nden trug. �Das hier sollte ich euch bringen. Ich wollte keinesfalls st�ren.� Er verneigte sich, stellte das Fass eilig auf den Boden und rannte hinaus, um nicht doch noch Opfer des Kriegers zu werden.</p><p>�Nicht schlecht�, zollte der Zwilling Djer&#x16F;n seinen Respekt. �F�r einen Ger�steten ist er so schnell, dass es fast nicht mit rechten Dingen zugehen kann.�</p><p>Der Krieger setzte sich wieder im Schneidersitz auf den Boden; weder er noch seine Herrin reagierten auf die Bemerkung des Zwerges.</p><p>Aber der gab nicht auf. �Mein Bruder und ich haben uns bislang nicht weiter um den Riesen gek�mmert, aber wenn er mit Euch zusammen durch die Hohe Pforte m�chte, muss er den Wachen sein Gesicht zeigen und seine Herkunft offenbaren.�</p><p>�Das sind eigenartige Vorschriften�, befand And�kai. �Was gehen die Zwerge die Gesichter derer an, die das Land verlassen wollen?� Ihre Stimme klang gereizt, sie hatte die st�ndigen Unterbrechungen satt. �K�mmert euch um die Verteidigung, nicht um diejenigen, die hinauswollen.�</p><p>�Es wird keine Kreatur Tions lebend in das Reich des Zweiten gelangen�, entgegnete der Zwerg mit Nachdruck. �Egal von welcher Seite.�</p><p>�Er ist ein gestreckter Mensch ��, versuchte es Tungdil.</p><p>�Ich habe das Spiel bislang mitgemacht, damit wir in Ruhe reisen k�nnen. Doch bald sind wir im Blauen Gebirge. Es ist das Gesetz unseres Volkes, dem sich die Reisenden zu beugen haben. Niemand hindert dich, einen anderen Weg durch das Gebirge zu suchen; aber durch unser Reich wirst du nicht laufen, wenn sich unter dem Helm etwas verbirgt, das unser Feind sein k�nnte�, beteuerte Bo�ndal grimmig.</p><p>�Wir werden sehen�, nickte die Maga.</p><p>�Hei�t das, es ist eine Ausgeburt des B�sen, die dich begleitet? Die uns begleitet?�, rief er best�rzt.</p><p>�Das habe ich nicht gesagt. Aber was, wenn es so w�re? Mein Gott Samusin verbietet es mir nicht.�</p><p>�Samusin? Den Namen dieses Gottes h�re ich nicht gern.� Das Gesicht des Zwerges verfinsterte sich. Langsam stand er auf, und seine Hand griff nach dem langen Stiel des Kr�henschnabels. �Was verbirgt sich hinter dem Visier?�</p><p>�Nun habe ich aber genug!�, entfuhr es And�kai, w�hrend sie das Buch zuklappte, dass es knallte. �Selbst wenn N�d�onn pers�nlich in der R�stung steckte oder ein b�ser Geist oder ein Oger, so ginge es dich nichts an, Zwerg!� Nun zeigte die Maga, weshalb sie die St�rmische genannt wurde. �Er reist als mein Begleiter, und im Gegensatz zu dir und deinem Bruder benimmt er sich tadellos! Er stinkt nicht einmal wie ein Stallbock, was man von euch Zwergen nicht behaupten kann!� Ihre blauen Augen blitzten w�tend; sie warf die blonde Haarstr�hne, die ihr ins Antlitz gefallen waren, mit einer energischen Bewegung nach hinten. �Er wird sein Gesicht zeigen, wenn es ihm passt. Und wenn es dir nicht passt, tut es mir nicht einmal Leid.� Sie deutete nach rechts. ��brigens gibt es da vorn ein Badehaus, das ich dir ans Herz legen m�chte. Es ist ein Wunder, dass die V�gel nicht tot vom Himmel fallen, wenn ihr auftaucht.�</p><p>Sie schenkte ihnen einen kalten Blick, ehe sie sich ein anderes Buch nahm und es kraftvoll aufschlug.</p><p>In der darauf folgenden Stille h�rten sie rasche Schritte, die sich ihrem Zelt n�herten, und kurz darauf stand Ingrimmsch im Eingang.</p><p>�Spitzohren! Es sind Spitzohren hier!�, berichtete er aufgebracht. �Sie stammen aus �landur, sagte mir der H�ndler, und �� Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf das Bierfass, das ein wenig verloren vor ihm stand. �Hat denn keiner Durst?�, wunderte er sich und nahm eines seiner Beile, um den Deckel einzuschlagen. Er sch�pfte sich einen Humpen voll und leerte ihn in einem Zug, um lautstark zu r�lpsen. �Nicht schlecht�, freute er sich und tunkte den Beh�lter noch einmal ins Fass.</p><p>�Elben�, erinnerte ihn And�kai scharf an seine Bemerkung, ehe er sich ganz dem Bier widmen konnte.</p><p>�Genau�, best�tigte Bo�ndil und setzte sich auf einen Lederhocker. �Ich kaufte gerade das Fass, als mich der Kr�mer fragte, ob ich denn schon die letzten Neuigkeiten aus �landur geh�rt h�tte und die Niederlage meiner Feinde feiern wollte. Er meinte, die Elben st�nden kurz davor, ihr Reich aufzugeben. Jetzt suchen ihre Kundschafter nach neuen Orten im Geborgenen Land, wo sie sich niederlassen k�nnen.�</p><p>�Und diese Kundschafter sollen sich auf den langen Weg nach Sangre�n gemacht haben?�, warf die Maga ungl�ubig ein. �Hier gibt es nichts, was die Elben m�gen k�nnten. Keine W�lder, nur Staub, Steine und Sand. Ich finde das sehr merkw�rdig.�</p><p>Tungdil blickte zu Bo�ndal und erkannte, dass ihm die gleichen Gedanken durch den Kopf gingen.</p><p>Sein Bruder schien nach dem n�chsten Schluck des Gebr�us einen �hnlichen Geistesblitz zu haben. Wie so oft ben�tigte er etwas l�nger. �Du meinst, es sind Albae?�, fragte er schlie�lich.</p><p>�N�d�onn hat nicht vor, die B�cher aufzugeben�, erwiderte Tungdil. �Und �bersehen konnte man uns unterwegs wohl kaum. Ich wei�, warum sie erst jetzt in der Oase eintreffen�, erkl�rte er. �Nachts gleichen sie den Elben bis aufs Haar, denn die schwarzen Augen k�nnen sie in der Dunkelheit nicht verraten.�</p><p>�Demnach, Gelehrter, k�nnte es sich ebenso gut um echte Elben handeln�, gab Bo�ndal zu bedenken. �Wir werden Wachen einteilen. Wenn es Albae sind, haben sie es auf uns und die B�cher abgesehen. Einen anderen Zweck ihres Besuchs kann ich mir nicht vorstellen. Gleichg�ltig, was heute Nacht geschieht, niemand wird das Zelt verlassen. Wir lassen sie angreifen.�</p><p>�Wir sollten ihnen zuvorkommen�, knurrte Bo�ndil streitlustig; er hatte schon viel zu lange nicht mehr gek�mpft. �Sind es Albae, verdienen sie den Tod. Sind es Elben, verdienen sie auch den Tod. Spitzohren sind tot einfach am besten zu ertragen.�</p><p>And�kai verfolgte die Unterhaltung stumm, dann gab sie Djer&#x16F;n ein knappes Handzeichen und legte sich zur Ruhe.</p><p>�Nein, Bruder, wir werden sie in Ruhe lassen�, entgegnete Bo�ndal nachdr�cklich. �Es k�nnte sein, dass wir die ganze Siedlung gegen uns haben, wenn wir einen Kampf anzetteln. Noch befinden wir uns nicht in unserem eigenen Reich. K�hle dein Gem�t. Ich halte die erste Wache.�</p><p>Tungdil g�hnte und trank noch einen Humpen Bier, ehe er sich mit gemischten Gef�hlen auf dem Stapel Teppiche ausstreckte. Seine Hand umfasste den Axtgriff, der ihm ein wenig Sicherheit vermittelte. Beinahe w�nschte er sich, dass die Albae sie angriffen. Das w�rde die Maga von der Wichtigkeit der B�cher �berzeugen.</p><empty-line/><p>Tungdil war gerade einged�st, als ein gellender Alarmruf durch die Oase schallte. Die Zwerge waren sofort auf den Beinen und hielten die Waffen kampfbereit. Selbst And�kai stand mit gez�cktem Schwert im Zelt und richtetete den Blick abwechselnd auf den Eingang und auf die Zeltw�nde.</p><p>Djer&#x16F;n kniete sich mit Axt und waagrecht gehaltenem Schild vor den Einlass, um eine un�berwindbare Barriere zu bilden. Das Visier in Form der D�monenfratze schimmerte auf und wirkte im Licht des herunterbrennenden Feuers beinahe lebendig. Tungdil glaubte, f�r einen winzigen Moment ein violettes Leuchten hinter den Augen�ffnungen gesehen zu haben.</p><p>Bo�ndal l�schte das Feuer, damit ihre Schatten von au�en nicht zu sehen w�ren und sie verrieten. Die drei Zwerge stellten sich R�cken an R�cken, die Frau verharrte einen Schritt neben ihnen.</p><p>Vorerst blieb es still, doch dann gellten gr�ssliche Todesschreie durch die Nacht. Nun kam Leben in die anderen Zelte, Menschen verlie�en die leichten Behausungen und redeten durcheinander, um zu erfahren, was der Grund f�r den Aufruhr sei. Bald sahen sie die verzerrten Silhouetten und Schatten der vor�bereilenden Kaufleute auf den Leinw�nden tanzen und vernahmen das Klirren von eilig angelegten R�stungen und Panzerungen, Schilde schlugen leise gegen Zeltgest�nge oder Waffenscheiden. Die W�steninsel erwachte zu ungewohnter Stunde und r�stete sich.</p><p>�Eine Ablenkung oder ein echter �berfall?�, raunte Tungdil. �Was denkt ihr?�</p><p>Irgendwo im Lager br�llte jemand voller Entsetzen �Orks!�, dann krachten Schwerter aufeinander. Der Kampf hatte begonnen.</p><p>Sobald die anschleichenden Bestien entdeckt worden waren, bem�hten sie sich nicht l�nger, leise zu sein. Tungdil h�rte ihre grunzenden und quiekenden Rufe. Unwillk�rlich erinnerte er sich an Gutenauen, an den Stollen, an all die Toten �</p><p>Er f�hlte sich hin und her gerissen. Einerseits wollte er hinaus, um den Menschen bei der Verteidigung zu helfen, andererseits lauerten die Albae vielleicht in ihrem R�cken und warteten nur darauf, dass sie sich zeigten.</p><p>�Was tun wir?�, erkundigte er sich nerv�s bei den kampferfahrenen Zwillingen.</p><p>�Warten�, gab Bo�ndal angespannt zur�ck, und seine Hand legte sich fester um den Stiel des Kr�henschnabels.</p><p>Das Geklirr der Waffen wurde lauter und heftiger; der Kampfl�rm und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden erklangen nun in der ganzen Siedlung. Die Orks mussten die Oase umzingelt und von allen Seiten auf einmal angegriffen haben, um zu verhindern, dass die Menschen an einer Flanke ausbrachen und durch die L�cke entkamen.</p><p>Die Gefechte n�herten sich nun ihrem Zelt. Wie bei einem Schattentheater konnten sie die K�mpfe zwischen Menschen und Bestien auf den Stoffw�nden ihrer Behausung verfolgen.</p><p>Bo�ndil beriet sich kurz mit seinem Bruder. �Wir gehen�, verk�ndete er ihren Entschluss. �Die Schweinchen werden siegen, und du, Tungdil, bist zu wichtig, um dich in Gefahr zu bringen. Wir ��</p><p>Da sprang ein bewaffneter Ork grunzend durch den Eingang und prallte aus vollem Lauf gegen Djer&#x16F;ns Schild, der sich ihm wie eine Wand aus Eisen entgegenstemmte.</p><p>Benommen und mit blutender Nase taumelte er einen Schritt zur Seite, als die Axt des Kriegers von oben schr�g in sein linkes Schl�sselbein drang. Knochen und Teile der R�stung gaben unter der Wucht des Hiebes nach; in zwei schr�ge H�lften zerteilt, fiel das Ungeheuer zu Boden. Blut und Ged�rme verteilten sich, und es stank.</p><p>�He! Ich habe dir gesagt, dass sie mir geh�ren, Langer!�, beschwerte sich Bo�ndil augenblicklich. �Den N�chsten l�sst du durch, verstanden?!�</p><p>Ein zweiter Gegner st�rmte ins Zelt. And�kai rief Djer&#x16F;n etwas Unverst�ndliches zu, und schon schwang der Schild zur Seite. Der Ork rannte blindlings vorw�rts, ehe er den toten Artgenossen auf dem Boden und den gewaltigen K�mpfer neben dem Einlass bemerkte.</p><p>�Er hat ihn wirklich durchgelassen!�, freute sich der Zwerg und sprang nach vorn, um den Angreifer niederzustrecken, was ihm ohne Schwierigkeiten gelang. Die Beile verrichteten ganze Arbeit, und das Ungeheuer starb quiekend.</p><p>�Bo�ndil, Schluss mit den Kindereien!�, befahl Bo�ndal ernst. Er schnitt einen Sehschlitz in die Hinterwand und schaute hinaus. �Hier ist noch alles ruhig�, berichtete er. Der scharfe Kr�henschnabel zertrennte den Stoff spielend. Der Zwerg huschte nach drau�en und sicherte die Umgebung, ehe er den anderen ein Signal gab, ihm zu folgen.</p><p>Die Gruppe war ein paar Schritte weit gekommen, als vor Bo�ndal ein langer schmaler Schatten emporwuchs und ihn ohne Vorwarnung attackierte.</p><p>Sein Helm bewahrte ihn davor, dass das gegnerische Schwert ihm den Sch�del spaltete; der harte Treffer reichte jedoch aus, um ihn in die Knie brechen zu lassen.</p><p>�Elb oder Alb, daf�r stirbst du!� Sein Bruder sprang mit einem wilden Schrei herbei und trieb den Widersacher zur�ck.</p><p>Als dessen Umhang zur Seite rutschte, sahen sie eine geschw�rzte Plattenr�stung, die bis zu den Unterschenkeln reichte. Das anmutige Gesicht des Angreifers und die spitzen Ohren verrieten ihnen, wer ihre Flucht vereiteln wollte.</p><p>Auch Djer&#x16F;n stand unvermittelt einem albischen Gegner gegen�ber und lieferte sich einen heftigen Kampf. Auf And�kais Hand erschien eine flirrende schwarze Kugel, aus der sie einen knisternden Blitz gegen einen dritten Alb sandte, der sie zum Ziel seines Angriffs gew�hlt hatte.</p><p>Tungdil dachte, das Spitzohr werde vergl�hen, doch nichts dergleichen geschah. Der Alb streckte den Arm aus, hielt der heranzischenden Energiebahn einen Kristall entgegen, der die magische Entladung anzog und restlos in sich aufnahm, ohne dass dem Tr�ger etwas geschah. Die Maga fluchte laut und zog ihr Schwert.</p><p>Der Zwerg blickte sich um, ob irgendwo ein vierter Gegner abgeblieben w�re. Zu seinem Schrecken sprang ein weiterer Alb von einem Karren und landete genau vor seinen F��en. Rote Handschuhe, langer, schmaler Speer und goldene Haare � <emphasis>Sinthoras!</emphasis> Es war einer der beiden, die er damals bei den Orks vor Gutenauen belauscht hatte. Er sagte etwas zu ihm.</p><p>�Sprich deutlich�, forderte Tungdil ihn bockig auf. Die Angst wich der Aufs�ssigkeit seines Volkes, und der Zwerg weigerte sich, vor dem Wesen zu kapitulieren.</p><p>�Sieh mich an. Dein Tod hei�t Sinthoras�, fl�sterte der blonde Alb mit sanfter Stimme. �Ich nehme dir das Leben, wie ich es allen Unterirdischen genommen habe, denen ich begegnet bin.�</p><p>�Du irrst. Vraccas steht mir bei wie damals in Gr�nhain, als wir eine von euch vernichteten�, erwiderte Tungdil grimmig. Er wollte nicht l�nger warten, bis sich das Spitzohr zu einer Attacke entschied. �F�r Lot-Ionan und Frala!�, rief er und drosch zu.</p><p>Sinthoras lachte und wich den mit Eifer, aber mit wenig Vernunft gef�hrten Axtschl�gen gewandt aus. Er begriff sofort, dass er es mit einem unerfahrenen K�mpfer zu tun hatte und g�nnte sich den Spa�, sein Opfer zu qu�len, bevor er es t�tete.</p><p>Der Spie� mit der langen, d�nnen Spitze bohrte sich schmerzhaft, aber nicht tief zwischen den Kettenringen und der Kleidung darunter hindurch und traf Tungdils linke Schulter. Der Stich reizte den Zwerg; w�tend ging er gegen den Alb vor, ohne zu merken, dass sein Gegner nur mit ihm spielte.</p><p>Dabei lockte Sinthoras ihn immer weiter von seinen Begleitern weg und tiefer ins Gewirr der Zelte hinein. Der Alb t�nzelte �ber die gespannten Schn�re und an den Pfl�cken vorbei, w�hrend Tungdil immer wieder ins Stolpern geriet und alle M�he hatte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.</p><p>Die Angriffe des Speers kamen zu schnell, als dass er sie mit der Axt h�tte parieren k�nnen. Mal stand Sinthoras vor ihm, im n�chsten Moment sp�rte er einen Stich im R�cken; Blut sickerte aus den vielen kleinen Wunden, die verteufelt brannten.</p><p>Erst als Tungdil sich kurz umdrehte und seine Begleiter und sogar Djer&#x16F;n vor lauter Stoffbahnen und Masten nicht mehr sah, bemerkte er seinen Fehler. Doch auch von Sinthoras fehlte pl�tzlich jede Spur; der Alb liebte es, sein t�dliches Spiel zu treiben.</p><p>Die Menschen in der Oase k�mpften mit dem Mut der Verzweiflung und der Gewissheit, keine Gnade von den Orks erwarten zu d�rfen, w�hrend die Bestien alles daran setzten, die G�ter der H�ndler und deren Fleisch zwischen die Z�hne zu bekommen.</p><p>Die ersten Zelte st�rzten zusammen und fingen Feuer. Das Wasser des Sees spiegelte die Flammen und die Grausamkeiten verzerrt wider, bis zu viele Wellen seine Oberfl�che kr�uselten.</p><p>�Wo bist du?� <emphasis>Verdammt, gegen einen Ork zu k�mpfen ist einfacher.</emphasis> Tungdil beschloss, sich auf dem k�rzesten Weg zur�ck zu den anderen zu machen, falls der Alb das zulie�e.</p><p>Sinthoras aber lie� es nicht zu.</p><p>�Du hast mich gerufen?� Wie aus dem Nichts tauchte er in Tungdils R�cken auf und rammte ihm den Speer mit Wucht in die rechte Schulter.</p><p>Der Zwerg glaubte zu sp�ren, wie etwas in seinem Arm riss; schon f�hlte er sich an, als best�nde er aus fl�ssigem Feuer. Die Hand �ffnete sich, und die Axt schlug auf den Boden.</p><p>Sein Gegner zog ihm die Beine unter dem Leib weg, sodass er mit dem Gesicht voraus st�rzte, und schwang sich auf ihn. Einige Ringe des Kettenhemds klingelten leise, als der Alb die lange Speerspitze von hinten auf der H�he des Herzens einf�delte.</p><p>�Ich gab dir das Versprechen, dein Tod zu sein�, wisperte er in Tungdils Ohr. �Ihr h�ttet das Buch in Gr�nhain lassen sollen, dann w�re euch nichts geschehen.�</p><p>�Was ist mit dem Buch?�, �chzte Tungdil. �Sag es mir, ehe du mich t�test.�</p><p>Der Alb lachte. �Ihr wisst nicht einmal, was ihr die ganze Zeit �ber mit euch herumgetragen habt? Bei Tion, so einf�ltig k�nnen nur Unterirdische sein.� Er dachte nach. �Es ist unglaublich wertvoll. Du k�nntest f�r eine Silbe des Geheimnisses einen Sack Gold verlangen und dich zum reichsten Wesen des Geborgenen Landes machen. Oder du w�rdest das Geheimnis selbst anwenden und zu einem Helden erwachsen, wie ihn die Welt nicht kennt. Du hattest den Schl�ssel zu Gro�em in der Hand.� Der Druck der Waffe nahm zu. �Ich finde den Gedanken, dich in diesem Wissen sterben zu lassen, �beraus reizvoll�, sprach er sanft, aber voller Boshaftigkeit.</p><p>Sinthoras wechselte in seine Albaesprache und murmelte Worte, die der Zwerg zwar nicht verstand, die ihm aber eine G�nsehaut verursachten. Gleich w�rde die Klinge durch sein Herz fahren und seinem Leben ein Ende bereiten.</p><p>Da fiel ein gewaltiger Schatten �ber sie. Ein schwerer Gegenstand surrte durch die Luft, und schon sah Tungdil den Alb �ber sich hinweghechten, was dieses Mal keineswegs elegant wirkte. Er st�rzte kopf�ber gegen eine Zeltwand und riss sie ein.</p><p>Djer&#x16F;n schritt an dem Zwerg vorbei und setzte Sinthoras nach. Er gebrauchte die Unterseite seines Schildes wie ein Hackmesser; dessen Kante und die riesige Axt stie�en abwechselnd in das Kn�uel aus Stoff, bis sich die Leinwand von innen rot f�rbte und sich nichts mehr darunter regte. Drei Orks, die ihn an seinem Tun hindern wollten, m�hte er einfach nieder.</p><p>Was nun geschah, wollte Tungdil zuerst nicht glauben.</p><p>Der Krieger, der mit dem R�cken zu ihm stand, beugte sich vor und �ffnete das Visier, wie der Zwerg an der Armbewegung zu erkennen glaubte; dann riss er sich ein St�ck aus einem get�teten Ork heraus und hob den Blut triefenden Fetzen vor sein Gesicht.</p><p><emphasis>Was macht er da?</emphasis> Der Zwerg stemmte sich st�hnend auf die Knie, nahm seine Axt als St�tze und rief nach Djer&#x16F;n.</p><p>Der K�mpfer richtete sich auf, wandte sich ihm �berrascht zu und klappte dabei das Visier nach unten.</p><p>Im Schein der brennenden Zelte erkannte Tungdil eine kn�cherne, hautlose Grimasse, breite Kiefer mit vorstehenden Rei�z�hnen und geschlitzte Augen. Der Sichtschutz arretierte klickend, und wieder glomm es violett hinter den Augenschlitzen der D�monenmaske. Der Klumpen Orkfleisch war verschwunden; nur die Panzerhandschuhe, die vom Blut des Gegners dunkelgr�n und feucht glitzerten, sowie der verst�mmelte Orkkadaver zeugten davon, dass eben etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen war.</p><p><emphasis>Was ist das? Es ist nicht einmal ein Ork, ein Oger oder etwas Vergleichbares!</emphasis></p><p>Djer&#x16F;n deutete mit seiner Axt in die Richtung, aus der er gekommen war, und half dem Zwerg, sich in dem Gewirr aus Zelten zurecht zu finden. Sie liefen zur�ck, wobei Tungdil es dem Krieger �berlie�, auftauchende Orks zu t�ten. Seine Wunden schmerzten zu sehr.</p><p>Auf halber Strecke eilte ihnen Ingrimmsch mit besorgter Miene entgegen. Als er das Blut am Kettenhemd des Thronanw�rters sah, wurden seine Lippen zu d�nnen Strichen, und er presste die Kiefer aufeinander. Der Zwerg ahnte, dass es ohne Djer&#x16F;n f�r seinen Sch�tzling schlecht ausgegangen w�re.</p><p>Als sie zu den anderen gelangten, sahen sie And�kai, die einem auf der Erde kriechenden verletzten Alb gerade den Kopf von den Schultern schlug. Kurzerhand nahm sie sich das Kristallamulett, mit dem er ihre magische Attacke abgewehrt hatte. Sie atmete so heftig, dass die Lederr�stung von ihrer Oberweite beinahe gesprengt zu werden drohte. Die Maga schien am Ende ihrer k�rperlichen Kr�fte.</p><p>Drei Albae waren von ihr, Djer&#x16F;n und den Zwillingen vernichtet worden. Sie nickte Tungdil knapp zu, um sich daraufhin nach S�den zu wenden und die Spitze der kleinen Truppe zu bilden.</p><p>Bo�ndal sickerte Blut den Hals hinab, doch das st�rte ihn nicht weiter, denn Zwerge waren hart im Nehmen.</p><p>Tungdil biss die Z�hne zusammen und stapfte seinen Begleitern hinterher. Zum Verbinden der Wunden bliebe sp�ter gen�gend Zeit; jetzt mussten sie sich und die B�cher vor den Helfern N�d�onns in Sicherheit bringen und so schnell wie m�glich in die Zwergenfeste gelangen.</p><p>Sie liefen einen Sandh�gel hinauf, wo Djer&#x16F;n sich mit drei Orks anlegte, die offenbar Wache halten sollten.</p><p>�Jetzt ist es aber genug!� Ingrimmsch eilte sofort an seine Seite, um sich voller Inbrunst am Kampf gegen die Orks zu beteiligen. Er legte alle Wut, die er wegen seiner Nachl�ssigkeit auf sich selbst hatte, in die Schl�ge und schaffte es, zwei der Gr�nh�ute zu erlegen.</p><p>�Siehst du?�, rief er Djer&#x16F;n zu. �Ich bin schneller als du!�</p><p>Der Kampfl�rm im Lager unter ihnen wurde schw�cher. Wie sie an dem triumphierenden Gequieke und Gejohle erkannten, hatten die Horden ihren blutigen Sieg �ber die Kaufleute und Verteidiger der Oase errungen. Noch mehr Zelte gingen in Flammen auf, Leichen wurden zerteilt und die St�cke zum Abtransport auf Wagen geworfen. Ein Trupp Orks entdeckte die Entkommenen auf der Spitze der Erhebung und machte sich an die Verfolgung. Bald st�rmten zwei Dutzend Bestien zu ihnen herauf.</p><p>�Sie haben noch immer nicht genug.� And�kai wartete und lie� sie weiter herankommen, dann reckte sie die Arme in die H�he und sprach eine Formel.</p><p>Starker Wind erhob sich wie aus dem Nichts und bildete einen Wirbel von vier Schritt Durchmesser, der sich mit jeder Silbe aus dem Mund der Maga vergr��erte. Er sog Sand, Ger�ll und Steine an, ehe er sich auf ihr Gehei� gegen die verunsichert abwartenden Bestien warf.</p><p>Der Wind und das feine Gestein sch�lten ihnen die Haut vom Fleisch. Kreischend und heulend versuchten die Orks vor dem verheerenden Wirbel zu fl�chten.</p><p>�Geht weiter�, befahl sie den Zwergen. �Ich besch�ftige sie noch eine Weile und hole euch dann ein.�</p><p>Die Zwerge taten, wie ihnen gehei�en, und setzten sich in Bewegung. Bald darauf tauchte die Maga wieder in ihrer Mitte auf; Djer&#x16F;n lief am Ende und achtete darauf, dass ihnen niemand folgte.</p><p>Doch dieses Mal hatten die Orks genug. Sie waren im Gegensatz zu Albae nicht darauf vorbereitet, gegen Magie ins Feld zu ziehen. Und sie hatten in dieser Nacht ohnehin genug Beute gemacht.</p></section><section><title><p>X</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Fr�hherbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Ich verlange, dass die Versammlung der St�mme heute eine Entscheidung f�llt�, sagte Gandogar laut, damit ihn alle in der gro�en Halle h�rten. Er hatte seine R�stung angelegt und seinen mit Diamanten besetzten Helm aufgezogen, um auf die Clans Eindruck zu machen. �Wir haben drei�ig Uml�ufe gewartet, doch nichts geschah �� Die Anwesenden h�rten schweigend zu, als er seine Rede fortsetzte.</p><p>Gro�k�nig Gundrabur sa� auf seinem Thron, den Hammer quer auf den steinernen Lehnen abgelegt, und lauschte mit geschlossenen Augen. Sein Berater Balendil�n folgte der Rede mit verschlossener Miene. Es war ihm bisher nicht gelungen, Bislipur oder seinen gnomischen Handlanger Swerd zu belasten, und zu allem Ungl�ck kippte die Stimmung bei den Clans.</p><p>�Wir alle haben den Rauch gesehen, der nicht weit von hier aufstieg.� Gandogar drehte sich einmal im Kreis, damit alle ihn sahen und er in die Gesichter der Zwerge schauen konnte, deren Vertrauen er ben�tigte. �Den Berichten zufolge waren es Orks! Die Brut Tions verl�sst ihr Reich, um das Geborgene Land offen anzugreifen. Unser Volk braucht Gewissheit, wenn es um die Nachfolge Gundraburs geht. Jeder Sonnenumlauf bringt neue Schwierigkeiten; die H�ndler erz�hlen von seltsamen Ereignissen in den Zauberreichen und in �landur. Angeblich suchen die Elben eine neue Bleibe, weil sie ihr Reich aufgeben m�chten. Wir k�nnen nicht l�nger warten!�</p><p>�Mit dem Krieg oder mit der Wahl eines Thronfolgers?�, fragte jemand aus den Reihen der Abgesandten.</p><p>�Mit beidem�, donnerte Bislipur an Gandogars statt. Das Geschw�tz brachte sein Zwergenblut zum Kochen, er konnte die endlosen Reden nicht l�nger ertragen. �Wir m�ssen die Spitzohren angreifen und vernichten, bevor sie unauffindbar in fremden W�ldern verschwinden.� Er ballte seine Finger zusammen. �Rache f�r all unsere Ermordeten!�</p><p>Die Mehrheit der Versammelten rief ihre Zustimmung. Nur ein kleiner Teil blieb stumm oder zeigte seine Ablehnung durch Kopfsch�tteln und abweisende Mienen.</p><p>Gandogars Blick fiel auf den Zwerg, der das abgeschnittene Elbenohr an seiner Kette baumeln lie�. Der Feldzug schien eine sichere Sache zu sein. Was ihm dazu noch fehlte, war der Titel des Gro�k�nigs, an den sich der greise Gundrabur mit aller Macht klammerte.</p><p>Die m�den Augen des Herrschers aller St�mme �ffneten sich langsam. �Schweigt!�, verlangte er gebieterisch. �Ihr benehmt euch wie gierige Bestien, die frisches Fleisch riechen�, schalt er. Seine knorrige Hand deutete auf den Abgesandten, der die Troph�e um den Hals trug. �Nimm es ab.�</p><p>Der Zwerg z�gerte, seine Augen wanderten Hilfe suchend zu Gandogar.</p><p>Gundrabur packte den Hammer, erhob sich vom Thron und stieg die Stufen herab, um sich vor den Ungehorsamen zu stellen. Die faltigen Finger umschlossen die Kette und rissen sie entzwei; das Elbenohr fiel auf die Steinplatten.</p><p>�Noch bin ich der Gro�k�nig�, donnerte er, �ich bestimme die Geschicke der Zwergenst�mme. Wir warten, bis der ��</p><p>�Wir warten nicht l�nger�, unterbrach ihn Gandogar. �Ich bin es Leid, im Gebirge zu sitzen und zu reden, w�hrend die Elben entkommen und die Orks umherstreifen.�</p><p>Balendil�n kam die Stufen herab und stellte sich vor den K�nig der Zweiten, die Hand an die Steinschlie�e gelegt. �Du redest zum Gro�k�nig, Herrscher �ber die Zweiten�, ma�regelte er ihn scharf und ohne R�cksicht auf den Titel.</p><p>�Ich rede zu einem Zwerg, der in seinem Amt zu alt geworden ist, als dass er noch klare Beschl�sse fassen k�nnte�, entgegnete Gandogar aufgebracht. �Ich werde mich dem Starrsinn nicht unterwerfen und zusehen, wie die beste Gelegenheit auf Vergeltung ungenutzt verstreicht. Alles ist im Umbruch, und wir m�ssen handeln und nicht endlose Streitgespr�che f�hren oder uns Bier in den Hals sch�tten, bis wir besoffen auf unser Lager fallen, nur um am n�chsten Tag mit dem Schwafeln und Saufen fortzufahren!�</p><p>Balendil�n neigte seinen Kopf leicht nach vorn. �Was du im Begriff bist zu tun, K�nig Gandogar, gef�llt mir nicht. Du kannst nicht gegen die Gesetze unseres Volkes versto�en.� Sein ausgestreckter Arm deutete auf die Tafeln, auf denen all die Texte eingemei�elt waren. �Wer daran r�ttelt, zerbricht die Grundlage und die letzten Reste unserer Gemeinschaft. Sollte das deine Absicht sein, so nimm deinen Hammer und zerschlage die Platten! Schreibe deine eigenen Gesetze, aber die Geschichte wird dich und deine Taten nicht vergessen.�</p><p>Bislipur stellte sich neben Gandogar, die Hand an der Axt. Die Spannung in der Halle wuchs be�ngstigend, ein offener Ausbruch von Gewalt lag in der Luft.</p><p>Da wurden die Fl�gelt�ren mit Macht aufgesto�en.</p><p>�Kein Bier! Nicht jetzt!�, schrie Gandogar zornentbrannt, weil er dachte, weitere F�sser mit gebrautem Gerstensaft sollten hereingebracht werden.</p><p>�Der zweite Thronanw�rter ist angekommen!�, rief ein Bote stattdessen.</p><p>Die K�pfe der Zwerge schnellten herum; gespannt schauten sie zum Eingang, in dem sich die Silhouetten von drei Zwergen, einer Langen und eines gewaltigen Kriegers abzeichneten. Gemurmel setzte ein.</p><p>�Ich werde zuerst mit ihm reden�, sagte Gundrabur erleichtert, �und ihn willkommen hei�en. Allein.� Er kehrte mit Balendil�ns Hilfe auf den Thron zur�ck und wartete, dass die Abgesandten die Halle verlie�en.</p><p>Sie warfen dem unbekannten Zwerg, der zwischen den Zwillingen stand, neugierige Blicke zu, wagten es aber nicht, ihn anzusprechen. Bis auf Bislipur.</p><p>Drohend baute er sich vor Tungdil auf. �Du bist keiner von uns!�, stie� er ver�chtlich aus. �Kehre zu Lot-Ionan zur�ck und lass die Zwerge ihre Angelegenheit selbst regeln. Wir brauchen dich nicht, wir haben bereits einen Nachfolger.�</p><p>�Und wir bringen einen besseren�, erwiderte Bo�ndal kalt und schob sich vor den Sch�tzling. �Du hast Gundrabur geh�rt. Raus, Bislipur.�</p><p>Ingrimmsch stellte sich an die Seite seines Bruders und grinste Gandogars Mentor an. �Wenn du Streit suchst, Zweiter, lass es mich wissen. Ich rasiere dir den Bart mit meinen Beilen�, zwinkerte er ihm zu. Bislipur schnaubte und ging davon. Die Tore schlossen sich und sperrten auch And�kai und Djer&#x16F;n aus.</p><p>Der Gro�k�nig winkte die drei zu sich. Er und sein Berater blickten freundlich auf Tungdil herab. �Der verlorene Sohn kehrt zu seinem Volk zur�ck�, begr��te er ihn und stand auf, um ihm die Hand auf die Schulter zu legen. �Vraccas sei Dank, dass er uns dich hat finden lassen.�</p><p>Ergriffen beugte Tungdil das Haupt; die Aufregung machte seine Kehle trocken, und er bekam kein Wort heraus. Er f�hlte sich dreckig und verschwitzt, seine Wunden schmerzten trotz der Behandlung durch Bo�ndil noch immer, und der Griff des Gro�k�nigs traf eine empfindliche Stelle. Alles in allem sollte man dem Herrscher �ber alle St�mme der Zwerge so nicht unter die Augen treten, doch der sah �ber seinen ungepflegten Zustand g�tig hinweg.</p><p>Gundrabur richtete sich an die Zwillinge. �Ihr seid eurem Ruf als die besten Krieger mehr als gerecht geworden�, lobte er sie. �Mein Dank ist euch gewiss. Geht nun und ruht euch aus.�</p><p>Ingrimmsch wandte den Blick zu Boden, weil er die Anerkennung nicht annehmen wollte. Seit dem Vorfall in der Oase machte er sich unentwegt Vorw�rfe, versagt zu haben, denn ohne Djer&#x16F;n w�re der Thronanw�rter tot. Das nagte schwer an ihm. Gemeinsam mit seinem Bruder verlie� er die Halle.</p><p>�Bevor ich dir alles erkl�re, berichte uns, was ihr unterwegs alles erlebt habt�, forderte Balendil�n ihn auf auf.</p><p>Tungdil w�rgte seine Aufregung hinunter; er war dankbar, dass er von seiner Reise erz�hlen durfte. W�hrend seines Berichts gewann er mehr und mehr seine Ruhe zur�ck. Doch die riesigen Hallen, die monumentalen Bollwerke und Mauern, die Statuen, das allgegenw�rtig Zwergische drohten ihn zu �berw�ltigen.</p><p>�Bevor ich beginne, bitte ich darum, dass And�kai und Djer&#x16F;n mit allem versorgt werden, was sie ben�tigen. Sie haben mir unterwegs Beistand geleistet.� Unbewusst war er in eine vornehmere Ausdrucksweise verfallen, es mochte an der Umgebung liegen.</p><p>Der Einarmige versprach es. Daraufhin hob Tungdil an zu erz�hlen. Von Lot-Ionan und der Zeit bei den Menschen, von seinem Auftrag, der ihn zum Schwarzjoch und nach Gr�nhain gef�hrt hatte, von Nudins � oder N�d�onns � Verrat an den anderen Zauberern und dem Geborgenen Land, vom Kopfgeld auf Zwerge, von den geheimnisvollen B�chern und den Albae, die sie unbedingt in ihren Besitz bringen wollten, und von N�d�onns Absicht, die Zwergenreiche ebenso zu erobern wie den Rest der bekannten Welt.</p><p>Die Zeit verstrich, w�hrend er mit gl�henden Wangen berichtete und sich gro�e M�he gab, nichts zu sch�nen oder unn�tig auszuschm�cken.</p><p>Nur einmal geriet er ins Stocken, und das aus einem sehr verst�ndlichen Grund. Die T�r �ffnete sich, und drei Zwerginnen brachten ihnen zu essen und zu trinken. Von da an konnte Tungdil den Blick kaum mehr von den Wesen wenden, von denen er in vielen N�chten getr�umt hatte und deren N�he er sich so sehr w�nschte. Sie waren ein wenig kleiner als er, nicht ganz so breit gebaut, aber durchaus robust, was er trotz der roben�hnlichen Gew�nder erkennen konnte. Ihre rundlichen Gesichter waren von einem d�nnen, kaum merklichen Flaum bedeckt, der vom Wangenbein abw�rts bis zum Unterkiefer deutlich zu sehen war. Die H�rchen, die stets die gleiche Farbe wie der Schopf hatten, sahen weich und nicht so borstig aus, kein Vergleich zur Bartpracht eines Zwergenmannes. Daher stammte sicherlich die Legende, dass die Frauen der Zwerge B�rte tr�gen. Tungdil fand ihren Anblick sehr ansprechend.</p><p>Als sie ihn dann auch noch zur�ckhaltend, aber durchaus freundlich anl�chelten, begann sein Herz zu pochen. Erst als die drei Zwerginnen die Halle verlassen hatten, konnte er den Faden seiner Erz�hlung wieder aufnehmen. Gundrabur und Balendil�n sagten nichts zu der Unterbrechung, der Einarmige aber konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.</p><p>Tungdil endete mit dem Bericht �ber den Angriff auf die Oase und fasste den Henkel des Humpens, aus dem es nach Bier roch. Er kostete es mit trockenem Mund und sp�rte den malzigen Geschmack des starken schwarzen Gebr�us auf der Zunge. Ihm gen�gte der vorsichtige Schluck, um zu wissen, dass er den Braumeister jetzt schon umarmen k�nnte. Alle Kunst der Menschen taugte nichts, die Zwerge besa�en die besseren Rezepturen. Er nahm einen gro�en Schluck.</p><p>�Du bringst keine guten Neuigkeiten, Tungdil�, sagte der Gro�k�nig nachdenklich. �Wir wollen ehrlich mit dir sein, also ist es an uns, dir vom Rat der St�mme zu berichten.� Diese Aufgabe �bernahm der Berater des Herrschers, der in knappen Worten schilderte, welche Streitigkeiten es im Gremium �ber den Krieg gegen die Elben und um seine Person gab. �Deine Erz�hlungen beweisen mir, dass wir nur als Gemeinschaft etwas gegen das Tote Land und seine Verb�ndeten erreichen k�nnen: Menschen, Elben und Zwerge.�</p><p>Tungdil holte tief Luft. �Dieses B�ndnis wird nichts bringen, wenn wir das R�tsel der B�cher und Artefakte nicht l�sen�, erinnerte er. �Es muss ein Mittel gegen N�d�onn geben, das er sehr f�rchtet. Aber ohne And�kai die St�rmische und ihr Wissen sind uns die H�nde gebunden. An ihr h�ngt alles, doch sie beabsichtigt, dem Geborgenen Land den R�cken zu kehren. Ohne jenes Wissen sind wir dem Toten Land ebenso ausgeliefert wie die anderen K�nigreiche.�</p><p>�Es ist bitter mit anzusehen, wie schnell das B�se vorankommt�, murmelte Gundrabur bedr�ckt und schloss die Augen. �Ich werde mit der Maga reden und versuchen, sie zu �berzeugen.�</p><p>Tungdil sagte nichts, aber er wusste, dass er sich die Worte sparen konnte. Die Zauberin dachte in anderen Ma�st�ben als die Zwerge. W�hrend er �ber And�kai nachdachte, fiel ihm ein, dass sie in die Festung gelangt waren, ohne dass Djer&#x16F;n die Maske hatte abnehmen m�ssen. Er selbst hatte es ebenso vergessen wie die Zwillinge oder die Wachen an den Toren. Ohne Pr�fung lie�en die Zwerge den riesenhaften Krieger hinter die Mauern! <emphasis>Das kann sie nur mithilfe von Magie geschafft haben,</emphasis> dachte er im Stillen und entschied, vorerst keinen darauf aufmerksam zu machen, am wenigsten Ingrimmsch, der bei seinem halb wahnsinnigen Verstand sicherlich vor Wut im Dreieck spr�nge und den Krieger zum Zweikampf forderte.</p><p>Doch es war an der Zeit, eine weitere Angelegenheit zu kl�ren. �Haltet mich nicht f�r undankbar, ich freue mich sehr, endlich bei meinem Volk zu sein, doch den Thron werde ich nicht besteigen�, lehnte er eine Regentschaft bereits im Vorfeld ab. �Es gibt einen Nachfolger, der weitaus geeigneter ist als ich, denn ich wuchs bei den Menschen auf und beziehe all mein Wissen �ber die Zwerge aus B�chern. Fehlerhaften B�chern, wie ich erkennen muss�, f�gte er hinzu. �Mein Wunsch ist es, den Verzicht auf meinen Anspruch zu erkl�ren und mit den Vierten zu ziehen. Die Zwerge brauchen einen von allen anerkannten Gro�k�nig.�</p><p>�Deine wohl gew�hlten Worte ehren dich, Tungdil, aber du hattest niemals einen Anspruch�, er�ffnete Gundrabur ihm. �Die Geschichte �ber deine Abstammung ist von uns erfunden worden. Wir baten Lot-Ionan unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dieses Spiel mitzumachen. Wir wissen nicht mal, ob du ein Vierter bist.�</p><p>Die Nachricht traf Tungdil bis ins Mark. �Weshalb � habt Ihr mich dann rufen und den ganzen weiten Weg gehen lassen?�</p><p>�Es war gut, oder etwa nicht? So erhielten wir die Gelegenheit, wom�glich etwas gegen das Tote Land zu unternehmen�, erwiderte Balendil�n. �Andernfalls l�gst du nun von Orks erschlagen in Gr�nhain.�</p><p>�Sicher, aber �� Er suchte nach Worten. �Die Gesandten, die Versammlung der St�mme und Clans, das lange Warten, bis ich endlich eintreffe � und dann besitze ich nicht einmal einen Anspruch?�</p><p>Er f�hlte sich, als h�tte man ihm den Boden unter den F��en weggezogen. Nachdem er sich nach all den Strapazen und schrecklichen Erlebnissen endlich zu Hause f�hlte, stie� man ihn wieder in die Ungewissheit zur�ck.</p><p>�Du musst uns verstehen. Wenn der neue Gro�k�nig Gandogar hei�t, wird er gegen die Elben ziehen�, erkl�rte Gundrabur. �Eben das wollen wir verhindern, indem wir seine Wahl so lange wie m�glich verz�gern, um den Rat gegen einen solchen Krieg einzuschw�ren. Wir erhielten den Brief des Magus und erfanden eine Geschichte, um dich und deine scheinbar edle Abstammung als Grund f�r das Warten anzugeben.�</p><p>�Wir hofften, in der Zwischenzeit einen Ausweg zu finden � eine Gesetzespassage oder etwas in der Art�, fuhr Balendil�n fort. �Diese Schlacht bringt niemandem etwas, aber keiner m�chte es einsehen und verstehen. Wir betr�gen nur aus einem einzigen Anliegen heraus wie die Kobolde: um m�glichen Schaden f�r unser Volk abzuwenden.�</p><p>Tungdil verzichtete auf eine Antwort, weil nur Gift und b�se Worte �ber seine Zunge gekommen w�ren. Er goss sich Bier nach und leerte den Becher in einem Zug. �Hattet ihr wenigstens Erfolg?�</p><p>�Nein. Das hei�t, nur zur H�lfte�, gestand der Gro�k�nig. �Daher wollten wir dich bitten, an unserer Verschw�rung teilzuhaben und dich dennoch gegen Gandogar zur Wahl zu stellen.�</p><p>�Wieso?� Tungdil zuckte mit den Schultern. �Ich w�rde nicht bestehen.�</p><p>�Ganz recht. Aber ich kann�, hob Gundrabur zu einer weiteren Erkl�rung an, �den neuen Anw�rter gegen die Stimmen des Rates ablehnen, wenn ich der Meinung bin, dass mein Nachfolger nichts taugt.�</p><p>�Und dann? Du richtest einen Bruderkrieg an�, sch�tzte Tungdil. �Ist das besser, als gegen die Spitzohren zu ziehen?�</p><p>�Dazu wird es nicht kommen. Unsere Ahnen haben ein Gesetz erlassen, das es dem Anw�rter erlaubt, in einem Zweikampf gegen den Mitbewerber anzutreten. Dazu ben�tigt der zweite Anw�rter die Unterst�tzung eines Teils der Clans�, f�hrte Balendil�n aus. �Ich habe in den letzten Wochen ungef�hr ein Drittel der Stammesabgesandten f�r unsere friedliche Sache gewinnen k�nnen. Das reicht aus.�</p><p>�Und dann teilt Gandogar mich in der Mitte entzwei?�, brummte Tungdil missmutig. �Ich verstehe noch immer nicht, was das unserem Volk bringt.�</p><p>Die beiden Zwerge wechselten einen schnellen Blick.</p><p>�Du musst schw�ren, dass du niemandem etwas davon berichtest�, verlangte Balendil�n mit ernstem Gesicht. Tungdil tat, wie ihm gehei�en. �Wir suchen in der Zwischenzeit einen Weg, Bislipur und Swerd aus Gandogars Kreis zu entfernen�, er�ffnete er ihm. �Bislipur ist besessen von dem Gedanken, die Elben zu vernichten, und hat ihn auf seinen Sch�tzling �bertragen. Von morgens bis abends fl�stert er es ihm ein, sodass Gandogar keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen kann.� Balendil�n schaute grimmig drein. �Ich wei�, dass er versucht hat, mich umzubringen, aber beweisen kann ich es nicht. Noch nicht.�</p><p>�Und wenn es dir gelingt, wird man Gandogar dann von seinem Vorhaben abbringen k�nnen?�, fragte Tungdil zweifelnd.</p><p>�Wir �ffnen ihm die Augen, damit er die Niedertracht seines scheinbaren Freundes und die Falschheit seiner Ratschl�ge erkennt. Gandogar ist kein schlechter Zwerg, er hat nur den falschen Berater�, erwiderte Balendil�n. �Aber ich brauche Zeit � die du uns mit deinem Koboldtheater verschaffen kannst.� Er schaute dem Zwerg fest in die Augen.</p><p>�Du leistest deinem Volk einen Dienst, dessen Wert es erst sp�ter erkennen wird�, meinte Gundrabur. �In den Geschichtsb�chern wird geschrieben stehen, dass Tungdil, ein verlorener Zwerg, wie aus dem Stein gemei�elt erschien, um die Kinder des Schmieds vor der Zwietracht und dem Untergang durch die eigene Hand zu bewahren.�</p><p>�Ich bin bereit�, beteuerte Tungdil. �Aber ich werde all eure Unterst�tzung ben�tigen.�</p><p>�Sie ist dir sicher, mein lieber Tungdil. Ehrenvoller als du kann niemand handeln�, pries ihn Balendil�n. �Verzeih, dass wir dir keine Ruhe g�nnten und dich erst zu uns bestellten, aber die Kl�rung dieses Sachverhaltes hatte Vorrang vor allem anderen. Ruhe dich nun aus! Einen Tag r�umen wir dir ein, damit du dich erholst. Danach wartet der Rat auf dich, um deinen Anspruch zu pr�fen.� Der Einarmige l�chelte ihm aufmunternd zu.</p><p>�Verschaffe uns Zeit, Tungdil�, verabschiedete ihn der Gro�k�nig, �damit wir in eine bessere Zukunft ohne Bislipur gehen k�nnen.� Er nahm den Zeremonienhammer und hielt ihn dem Zwerg entgegen. �Schw�re auf diesen Hammer, mit dem uns Vraccas erschuf, dass du niemandem etwas dar�ber erz�hlst!�</p><p>Tungdil kam der Aufforderung nach und wandte sich zum Gehen. Als er die Versammlungshalle verlie�, warteten And�kai und Djer&#x16F;n immer noch auf ihn.</p><p>�Man hat uns angeboten, ein wenig zu bleiben�, erkl�rte sie mit gleichg�ltiger Miene. �Das kommt mir sehr gelegen. Die letzten Reisetage mit dir waren sehr anstrengend.�</p><p>�Mir erging es �hnlich�, meinte Tungdil grinsend und lie� sie dar�ber im Unklaren, ob sich seine Anmerkung auf sie oder die Ereignisse bezog.</p><p>Ein Zwerg f�hrte sie zu ihren Gem�chern. Der Weg dorthin brachte den Thronanw�rter zum Staunen. Die Steinmetzen hatten die W�nde mit enormer Akribie bearbeitet, Landschaften aus dem Stein gehauen und Worte eingemei�elt. Zwergische Schmucksymbole waren mit Edelmetallen ausgelegt, die golden, silbern, rot und gelb schimmerten.</p><p>Noch etwas fiel ihm auf. Die Treppen, die er kannte, waren rechteckig, glatt, einfach.</p><p>Hier nicht. Keine Stufe glich der anderen. Ornamente zierten die Trittfl�chen, die senkrechten Teile dazwischen trugen in den Stein getriebene Silben.</p><p>Zuerst verstand er den Sinn nicht, doch als er die Buchstaben beim Erklimmen zusammensetzte, ergab sich am Ende einer jeden Treppe daraus eine Geschichte. Auf diese Weise vers��ten sich die Zweiten das anstrengende Treppensteigen. Tungdil bemerkte am neugierigen Ausdruck in And�kais Augen, dass sie es ebenfalls bemerkt hatte und mitlas.</p><p>Es handelte sich um Abenteuer aus der glorreichen Zeit seines Volkes, eines glorreicher als das andere. Tungdil freute sich �ber jede Stiege, bis sie vor ihren Unterk�nften angelangten.</p><p>Die Maga verschwand so schnell in ihrem Zimmer, dass er sie nicht mehr nach den B�chern fragen konnte. Wom�glich hatte sie darin etwas entdeckt oder war einer L�sung auf der Spur, anders konnte er sich ihren Stimmungswandel nicht erkl�ren.</p><p><emphasis>Vielleicht erwirkt Gundrabur bei ihr mehr als ich,</emphasis> hoffte er und betrat m�de seine Kammer.</p><empty-line/><p>�Es ist sch�n, wenn man unter Freunden ist. Da muss man sein Zimmer nicht abschlie�en�, wurde Tungdil von einer dunklen Stimme geweckt.</p><p>Verschlafen richtete er sich in seinem Bett auf und erkannte Bislipur, der unmittelbar neben seinem Lager stand.</p><p>�Guten Morgen, Tungdil�, gr��te er ihn nicht unbedingt freundlich. �Wir werden uns sp�ter noch einmal im Rat gegen�berstehen, doch ich dachte mir, es w�re eine gute Idee, wenn wir uns vorher ein wenig unterhielten. Siehst du das anders?�</p><p>�Es kommt ein wenig unvermittelt�, r�umte der Zwerg ein, dem das unangemeldete Eindringen von Gandogars Berater nicht passte. Wenn er genauer dar�ber nachdachte, war es sogar �u�erst unversch�mt. Die anf�nglich versp�rte Sympathie f�r einen Zwergenbruder, die er sich trotz der Anfeindung im Thronsaal bewahrt hatte, schwand zusehends.</p><p>Bislipur setzte sich auf das Bett und betrachtete ihn ganz genau. �Du willst also einer von unserem Stamm sein?�, fragte er sp�ttisch. �Ein Findelkind, das bei einem Zauberer gro� gezogen wurde, und, wie ich h�rte, von k�niglichem Blut. Man soll es nicht f�r m�glich halten� Er lehnte sich vor. �Ich halte es auch nicht f�r m�glich. Ich sage dir auf den Kopf zu, dass du ein Hochstapler bist. Wo sind die Beweise deiner Herkunft?�</p><p>�Die wirst du sehen, wenn es an der Zeit ist�, erwiderte Tungdil st�rrisch. Ohne die Unterredung mit Balendil�n und dem Gro�k�nig h�tte er sicherlich genickt und dem Widersacher gegen�ber sofort seinen Verzicht erkl�rt. Er war sogar kurz vor dem Einschlafen noch einmal ins Wanken geraten, ob er bei dem Spiel mitmachen sollte, doch Bislipurs Verhalten wischte jegliche Zweifel fort.</p><p>�Es kann sich niemand daran erinnern, dass den Vierten ein Zwergenkind verloren gegangen w�re.�</p><p>�Und du kennst tausende von Zwergen der Vierten von Angesicht zu Angesicht, wei�t ganz genau, wo sie im Gebirge wohnen, und erf�hrst von jeder noch so kleinen Trag�die, die sich ereignet?�, konterte er und stand auf. Deutlich sp�rte er, dass die langen Abende in der Bibliothek, das Lesen und die Dispute mit Lot-Ionan, die ihn im Reden geschult hatten, nicht umsonst gewesen waren. Da er sich ohne Kettenhemd und ohne Waffe nackt f�hlte, warf er sich das Ringgeflecht �ber und legte sich den Gurt mit der Axt um. Sogleich kehrte die Selbstsicherheit zu ihm zur�ck. �Warte ab, was ich dir zu sagen habe, und deine Augen werden sehen.�</p><p>�Das glaube ich nicht. Wie w�re es, wenn du gar nicht im Rat erscheintest?�, unterbreitete Bislipur ihm das Angebot. �Lass dein Vorhaben sein, und wir nehmen dich in unserem Stamm auf. Wir geben dir alles, was du ben�tigst, dein ganzes Leben lang. Daf�r unterst�tzt du Gandogar, anstatt ihn zu bek�mpfen.�</p><p>�Andernfalls?�</p><p>�Du hast also verstanden.� Bislipurs breite Hand legte sich auf den Kopf der Waffe. �Andernfalls wirst du sehen, was es bedeutet, sich als Angeh�riger der Vierten, falls du das sein solltest, gegen das Oberhaupt des eigenen Stammes zu wenden. Niemand von uns wird dir Gefolgschaft leisten. Du wirst niemals ein echter Gro�k�nig sein.�</p><p>Tungdil h�rte an der m�hsam beherrschten Stimme, dass es keine leeren Versprechungen waren, die ihm der Zwerg mit dem graubraunen Bart gab. �Die Versammlung entscheidet, nicht du allein�, wies er ihn zurecht und gab sich M�he, ein wenig nach einem m�glichen Herrscher zu klingen. �Geh�, befahl er ihm.</p><p>�Andernfalls?�, imitierte der breit gebaute Zwerg die Frage des Thronanw�rters.</p><p>�Du hast sehr wohl verstanden. Andernfalls bringe ich dich zur T�r. Ich habe Orks und Albae �berstanden, da werde ich mit einem Zwerg, der wie ein Dieb in meine Kammer eindringt und mich aus dem Schlaf rei�t, auch noch fertig werden�, polterte Tungdil. Aus der Sympathie war offene Abneigung geworden. �Raus!�</p><p>Bislipur schien abzuw�gen, ob er es wagen konnte, sich auf eine Kraftprobe einzulassen, entschied sich dann aber zu Tungdils Erleichterung dagegen und verlie� gru�los den Raum. �Du h�ttest auf mich h�ren sollen�, rief er noch.</p><p>�Ich h�tte in meinem Leben schon vieles tun sollen.� Tungdil stemmte die H�nde in die H�ften, neigte den Kopf ein wenig vor und betrachtete sich im Spiegel neben dem Bett. Er machte ein entschlossenes Gesicht, versuchte sich zu merken, welche Muskeln er dazu brauchte, und kleidete sich an. Dabei w�re ihm danach gewesen, sich hinzulegen und unter der Decke zu verkriechen.</p><p>Als er gerade sein Nachthemd auszog, �ffnete sich die T�r nach kurzem Klopfen erneut. Eine Zwergin in Rock und Lederbluse trat ein und brachte einen Stapel frischer W�sche, den sie auf der Steinkommode ablegte. Sie kicherte, als sie Tungdil wie angewurzelt dastehen sah. <emphasis>Was tue ich jetzt?,</emphasis> dachte er verzweifelt. Doch noch ehe er etwas zu ihr sagen konnte, verschwand sie rasch wieder aus seiner Kammer.</p><p>�Ich bin wohl kein Herzensbrecher�, meinte er zu sich selbst und fuhr langsam damit fort, sich anzuziehen, w�hrend er �ber alle m�glichen Dinge nachgr�belte.</p><p>Die Ungewissheit �ber seine Herkunft gr�mte ihn. Er befand sich mitten unter seinem Volk und war dennoch der einsamste Zwerg des Geborgenen Landes. Selbst bei den Menschen hatte er im Grunde bessere Tage erlebt, weil er zu Lot-Ionan und der Zauberschule geh�rt hatte.</p><p>Im Blauen Gebirge aber musste er sich als ein Vierter ausgeben und so tun, als freute er sich, endlich zu seinem Stamm gefunden zu haben. Tungdil empfand sich als zweifacher Betr�ger, auch wenn er hehre Absichten verfolgte.</p><p>Um sich ein wenig abzulenken, las er den Brief des ermordeten Magus und brannte sich jede Einzelheit �ber seine erfundene Herkunft ins Ged�chtnis, um der Befragung im Rat Stand halten zu k�nnen. Dann aber hielt ihn nichts mehr in seiner Kammer, und er streifte mit knurrendem Magen durch die erhaben gestalteten Felsg�nge.</p><p>Unterwegs begegneten ihm zahlreiche Zwerge, die ihrem �u�eren und ihren mit Steinmehl behafteten Ledersch�rzen nach Arbeiter in den Steinbr�chen sein mussten. Sie gr��ten ihn freundlich, und er erwiderte die Geste mit einem Nicken.</p><p>Ein Bote fing ihn unterwegs ab, um ihn zu seinem Fr�hst�ck zu bringen. Das verwunderte Tungdil zwar, aber als er wenig sp�ter Balendil�n gegen�bersa�, verstand er, dass es um die letzten Anweisungen vor dem Auftritt in der Versammlung ging.</p><p>�Wir haben alles vorbereitet, sorge dich nicht�, beruhigte ihn der Berater. Tungdil fand es faszinierend, wie die steinernen Zierspangen in den Bartstr�hnen seines Gegen�bers hin und her pendelten. �Wir haben drei Vern�nftige bei den Vierten auf unserer Seite, die so tun werden, als h�tten sie einmal etwas von einem verlorenen Kind geh�rt�, er�ffnete er ihm. �Zusammen mit den Zeilen deines Magus reicht das f�rs Erste aus, einen halbwegs glaubw�rdigen Eindruck zu schaffen. Du wirst eine Rede halten ��</p><p>�Eine Rede?�, echote Tungdil und wandte den Blick von den intensiv riechenden K�sesorten, den verschiedenen Dauerw�rsten, eingelegten H�hlenpilzen und dem ger�steten Stollenmoos ab. Schinken fehlte ebenso wenig wie Gr�tze und Brot, doch die Nachricht von der zu haltenden Ansprache wirkte sich auf seinen eben noch versp�rten Hunger �u�erst nachteilig aus.</p><p>�Sie muss nicht lang sein. Packe deine Erlebnisse und dein Wissen �ber das Tote Land hinein. Du wirst in der Abstimmung verlieren, was aber nichts macht. Wir gehen nach der Wahl Gandogars zur n�chsten Stufe unseres Plans �ber.� Balendil�n zwinkerte. �Keine Sorge�, beteuerte er aufs Neue.</p><p>�Keine Sorge, das sagt sich leicht�, seufzte Tungdil und lud sich von allem etwas auf seinen Holzteller. Dabei erz�hlte er vom Besuch und dem Angebot Bislipurs.</p><p>�Das passt zu ihm�, meinte Balendil�n nicht im Geringsten erstaunt. �Wei�t du, was das bedeutet? Wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn der Griesgram bei dir vorspricht, ist das ein gutes Zeichen.�</p><p>Tungdil dachte ein wenig anders dar�ber. Er erinnerte sich noch sehr gut daran, dass Balendil�n von einem Anschlag gesprochen hatte, und er traute Bislipur eine �hnliche Tat gegen ihn durchaus zu.</p><p>��brigens�, sagte der Einarmige, �die Zauberin hat uns mitsamt ihrem Krieger verlassen.�</p><p>�Was?�, entfuhr es dem Zwerg entsetzt. <emphasis>Sie hat tats�chlich aufgegeben und ihre Heimat ohne Z�gern verlassen!</emphasis> �Wann ist sie aufgebrochen?�</p><p>�Heute Morgen, direkt nach Sonnenaufgang. Wir haben sie �ber die Br�cke gehen lassen, weil es keinen Grund gab, sie aufzuhalten. Und au�erdem � wie h�lt man eine Zauberin auf?�</p><p>�Gar nicht.� Tungdil schnalzte mit der Zunge. Mit ihr schwand die letzte Hoffnung, N�d�onn einen in etwa gleichwertigen Gegner entgegenzustellen. And�kai war wohl zu der Ansicht gelangt, dass sie die Verschl�sselung der Werke Gor�ns nicht l�sen konnte, und suchte sich lieber eine neue Bleibe, um in der Wildnis nach Magiefeldern zu suchen. <emphasis>Warum haben Maira oder Lot-Ionan nicht �berlebt? Sie w�ren geblieben und h�tten uns gegen den Abtr�nnigen beigestanden,</emphasis> dachte er niedergeschlagen.</p><p>�Jetzt ist es an dir, den Versen der Menschengelehrten die wahre Bedeutung zu entlocken�, ermunterte ihn Balendil�n. �Die Schriftrollen unserer Sammlungen stehen dir offen, falls sie dir eine Hilfe sind.�</p><p>�Eure eigenen Gelehrten sollen sich besser damit befassen�, murmelte Tungdil.</p><p>Balendil�n sch�ttelte den Kopf. �Sie verstehen die Zauberersprache nicht. Niemand kennt die Magi so gut wie du.� Er sah den verzweifelten Zwerg verst�ndnisvoll an. �Die B�rde, die wir dir auflasten, ist schwer, aber der Dank wird umso gr��er sein. Schon jetzt stehen wir in deiner Schuld.�</p><p>�Ich werde es versuchen�, antwortete er tapfer kauend und stie� leise auf. Der K�se hatte es ihm angetan, aber sein Magen gew�hnte sich nur langsam an die rauen Mengen der Kost. Dazu trank er ges�uerte Milch, in die er einen L�ffel Honig tat, um sie sich ein wenig zu vers��en. Die K�che der Zwerge sagte ihm zu.</p><p>Er verlie� Balendil�n und kehrte in seine Kammer zur�ck; dieses Mal richtete er die Augen fest auf den Steinboden und verlor keinen Blick nach rechts oder links, um die in Stein gehauenen Sch�nheiten zu betrachten. Tungdil legte sich eine Rede zurecht, in die er alles, was ihn in den letzten Wochen bewegt hatte, einbringen wollte.</p><empty-line/><p>Z�gig leerte Tungdil den Humpen mit dem schwarzen Starkbier, wischte sich �ber den Mund und wandte sich den Abgesandten zu. Geduldig hatten sie ihm zugeh�rt, wie er den Brief Lot-Ionans verlas und seine k�nigliche Abstammung aus dem Stamm der Vierten zu beweisen versuchte.</p><p>Die eingeweihten Zwerge aus den Clans der Vierten erinnerten sich wie abgesprochen, von einem solchen Vorkommnis ger�chteweise geh�rt zu haben, woraufhin Bislipur sie sogleich der L�ge bezichtigte.</p><p>�Warum ich meinen Anspruch erhebe, wollt ihr wissen�, sagte Tungdil laut in den Tumult hinein. Der Gerstensaft nahm ihm zum einen die Aufregung, zum anderen die Hemmungen, vor den vielen Vertretern der Zwergenst�mme zu sprechen. �Weil ich die Schrecken des Toten Landes besser kenne als ihr und weil ich wei�, dass es auf die Einigkeit unseres Volkes ankommt, das sich nicht im kurzsichtigen Krieg gegen die Spitzohren aufreiben darf. Die Elben sind wenige, aber sie streiten noch immer gut.�</p><p>�Wir haben keine Angst vor ihnen!�, rief Bislipur aufgebracht dazwischen.</p><p>�So sterben wir furchtlos gegen sie. Nur tot sind wir dann allemal�, entgegnete Tungdil heftig. �Sie k�mpfen seit hunderten von Zyklen gegen die gerissenen Albae. Glaubt ihr, wir w�ren da eine Bedrohung f�r sie? Die Elben sind die besten Langbogensch�tzen des Geborgenen Landes. Sobald wir uns ihnen auf dreihundert Schritt n�hern, spicken sie uns mit ihren Pfeilen.�</p><p>�Wir werden uns gewiss nicht ank�ndigen�, mischte sich Bislipur wieder ein.</p><p>�Und du glaubst, dass es den Elben verborgen bleibt, wenn sich ihnen eine Streitmacht von tausenden Zwergen n�hert? Dieser Krieg w�rde uns eine Niederlage einbringen, Clans!�, beschwor er sie. �Unsere von Vraccas gegebene Aufgabe ist es, das Geborgene Land zu verteidigen. Das B�se ist tief ins Innere dieses Landes vorgesto�en. An uns ist es nun, N�d�onn mitsamt den Orks und allen anderen Kreaturen des Schreckens niederzuwerfen. Wenn es sein muss, auch zusammen mit den Spitzohren und Menschen!�</p><p>�Ich h�re den Gro�k�nig sprechen�, meinte Gandogar ver�chtlich, �nicht dich selbst. Man hat dir die Rede eingebl�ut.�</p><p>�Die Vernunft sitzt eben in unser beider K�pfe. Nur in deinem hat sich die Sturheit breit gemacht und dir den Verstand aus den Ohren hinausgedr�ckt�, antwortete Tungdil und erntete verhaltenes Gel�chter.</p><p>�Die Elben�, donnerte Bislipur w�tend und reckte sich zu seiner ganzen Gr��e auf, �m�ssen bestraft werden. Ihr habt die Zeilen �ber ihre Niedertracht am Steinernen Torweg vernommen. Die Spitzohren �bten einst einen Verrat, f�r den wir sie nun endlich zur Rechenschaft ziehen k�nnen!�</p><p>�Und anschlie�end vernichtet uns N�d�onn noch leichter, weil die Schlacht uns geschw�cht hat!� Tungdil h�mmerte mit der Faust gegen eine S�ule. �Wollen wir es dem Verr�ter am Geborgenen Land wirklich noch einfacher machen? Warum �ffnen wir seinen Horden nicht gleich die Tore? Sollen wir sie vielleicht fragen, ob sie mit uns gegen die Elben ziehen?� Er wartete, bis sich der Tumult etwas legte. �Ich bin im Besitz von B�chern des Magus, bei dem ich aufwuchs. Darin wird beschrieben, wie wir den Schrecken aus dem Norden besiegen k�nnen�, behauptete er k�hn. �Ich muss die Schriften nur noch �bersetzen, und dann wird unser Volk in der Lage sein, N�d�onn zu vernichten! �berlegt, welcher Ruhm uns als Rettern des Landes zufiele! Unsere glorreiche Tat w�rde den Elben eine Erniedrigung bescheren, die weit schwerer wiegt als eine gewonnene Schlacht gegen sie.�</p><p>Nun tuschelte die Menge. Ein Mittel gegen das Tote Land, das waren Neuigkeiten!</p><p>�Alles erstunken und erlogen!�, brauste Bislipur auf. �Magie hat uns noch nie geholfen, sondern nur Unheil gebracht. Ohne sie h�tte der Hexenmeister niemals solche Macht erlangt.�</p><p>�Ich sage, wir k�mpfen gegen die Elben und ziehen uns in die Berge zur�ck, bis die Menschen die Angelegenheit selbst geregelt haben�, f�gte Gandogar hinzu, der aufgesprungen war. Er st�rmte in die Mitte des Halbkreises, um die Blicke der Clanabgesandten auf sich zu ziehen. �H�rt nicht auf den dahergelaufenen Zwerg, der uns und unsere Lebensweise nur aus B�chern kennt! Wie k�nnte so einer uns verstehen?� Er lachte laut. �Er und ein Gro�k�nig? L�cherlich!�</p><p>�So l�cherlich kann es nicht sein, sonst regtest du dich nicht so auf�, bemerkte Tungdil spitz und h�rte wieder verhaltene Lacher. Lot-Ionan w�re stolz auf ihn, auch wenn das Bier seine Zunge gef�hrlich lockerte. <emphasis>Ich muss Acht geben,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Gundrabur hatte genug geh�rt. Er hob seinen Hammer, das schwere Ende krachte gegen die Marmorplatten. �Genug! Der Rat hat die Worte vernommen und muss nun eine Entscheidung f�llen. Wer von euch Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte, K�nig der Vierten, als meinen Nachfolger auf dem Thron des Gro�k�nigs sehen m�chte, der hebe die Axt.�</p><p>Die Augen Tungdils wurden gro�, als er die emporgereckten Waffen sah. Die Anh�ngerzahl des Herrschers �ber die Vierten war auf gerade einmal zwei Drittel geschrumpft, und bei der Gegenprobe hoben sich deutlich mehr �xte f�r den Au�enseiter als angenommen. Balendil�n nickte ihm anerkennend zu.</p><p>Doch am Ausgang der Abstimmung �nderte sein Achtungserfolg nichts, die Mehrheit wollte Gandogar und damit den Krieg. Bislipur richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf. Er sah sich seinem Ziel ganz nahe und zeigte seine Zufriedenheit.</p><p>�So w�re K�nig Gandogar der n�chste Gro�k�nig�, sagte Gundrabur fest, �wenn ich ihn f�r geeignet hielte. Aber ich, der amtierende Gro�k�nig, spreche ihm die Tauglichkeit wegen seines Unverst�ndnisses ab, mit dem er die St�mme und Clans in den Untergang zu f�hren gedenkt. Stattdessen schlage ich Tungdil als meinen Erben vor. Finde ich Unterst�tzung bei den Abgesandten der St�mme?�</p><p>Fassungslos sahen Gandogar und Bislipur mit an, wie sich die Axtk�pfe von einem Drittel des Rates hoben und dem Gro�k�nig die notwendige Menge verschafften.</p><p>Gundrabur schmetterte den Hammer wieder auf den Boden. �Dann ist es beschlossen, dass die beiden Bewerber sich in einem Wettstreit messen, damit ihre Fertigkeiten entscheiden. Jeder von ihnen schl�gt eine Aufgabe vor. Zwei weitere kommen aus der Versammlung, die f�nfte wird ausgelost. In sieben Sonnenuml�ufen werden sie beginnen�, verk�ndete er feierlich. �Die Versammlung ist beendet.�</p><empty-line/><p>Tungdil wandelte wie benommen durch das kleine Spalier von Zwergen, die ihm auf die Schulter klopften und ihm Gl�ck sowie den Segen von Vraccas w�nschten. Die unterschiedlichsten Gesichter, B�rte und R�stungen tauchten wie aus einem Nebel vor ihm auf und verschwanden wieder, w�hrend das ungewohnt starke Bier und die Begeisterung �ber sein gutes Abschneiden ihre Wirkung zeigten. Ihm war es gelungen, etliche der Abgesandten von seinem Anliegen zu �berzeugen, doch trotz seiner Freude dar�ber konnte er nicht vergessen, dass sein Erfolg auf einer L�ge aufgebaut war.</p><p>Balendil�n hatte ihm versprochen, dass er in aller Heimlichkeit Nachforschungen anstellen lassen wollte, woher Tungdil stammte, auch wenn er dem Vorhaben nur wenig Aussichten auf ein echtes Resultat einr�umte. Obwohl der Berater es nicht aussprach, so hing immer noch der Verdacht in der Luft, dass Tungdil ein Kind der Dritten vom Stamme Lorimburs sein k�nnte. Das aber bestritt Tungdil heftig, weil er sich den Zwergen hier sehr verbunden f�hlte und kein bisschen Argwohn ihnen gegen�ber sp�rte. Doch darum w�rden sie sich sp�ter k�mmern. Nun galt es, Tungdils Kampfkunst weiter zu verbessern, falls Gandogars Vorschlag auf einen kriegerischen Wettstreit hinausliefe. Er selbst wusste noch nicht, was er als Pr�fung w�hlen sollte.</p><p>Das Los mit der f�nften Disziplin, das als letztes gezogen wurde, blieb ein Quell der Unsicherheit. Jeder von ihnen durfte vier eigene Vorschl�ge niederschrieben und in den Beutel werfen, und was am Ende gezogen wurde, lag in Vraccas Hand �</p><p>Als Tungdil seine Kammer betrat, lagen die B�cher Gor�ns und der ge�ffnete Sack mit den Artefakten auf seinem Bett. <emphasis>And�kai hat die Sachen in Augenschein genommen!</emphasis></p><p>Er sah die �berreste zweier versilberter Karaffen und besah die verschn�rkelten Gravuren. <emphasis>Wie schade.</emphasis> Wenn man nur einen Tropfen einer Fl�ssigkeit hineingab, so stand da geschrieben, f�llten sie sich immer wieder von selbst auf. Zwischen dem Glas blinkten die zerbrochenen �berreste eines Handspiegels, der sein b�rtiges Gesicht verzerrt reflektierte. <emphasis>Damit habe ich sieben Jahre Ungl�ck.</emphasis> Er nahm eine Scherbe in die Hand und grinste voller Galgenhumor hinein. <emphasis>Als ob es darauf noch ank�me.</emphasis></p><p>Als N�chstes begutachtete er zwei armlange St�cke Holz, die grau und metallisch schimmerten und die er nicht genau bestimmen konnte. Die Maserung verlief wirr und in alle Richtungen. <emphasis>Pr�gel? Was hat es denn damit auf sich?</emphasis> Achtlos warf er sie zur�ck aufs Bett.</p><p>Die Maga hatte ihm noch eine Nachricht hinterlassen, die er zuerst nicht lesen mochte, weil er eine rasende Wut auf sie versp�rte und ihren Abschied sowie das Herumschn�ffeln als Verrat empfand; aber die Neugier lie� ihn die Botschaft dann doch zur Hand nehmen.</p><cite><p>Das R�tsel ist zu einem Gro�teil gel�ftet.</p><p>Die B�cher geben tats�chlich einen Rat, was man gegen N�d�onn tun kann, aber es ist unm�glich. Deshalb bin ich gegangen.</p><p>Die Aufzeichnungen aus dem Jenseitigen Land berichten von d�monischen Wesen, die an einem Ort namens �denland hausen und in die Menschen fahren, um von ihnen Besitz zu ergreifen und ihnen unvorstellbare Macht zu geben. Fortan sei der Mensch von dem Wunsch beseelt, alles zu unterwerfen und das Gute zu vernichten, wann immer er ihm habhaft werden k�nne.</p><p>Die Aufzeichnungen in dem anderen Buch berichten von einer Waffe, einer Axt, die von den �Untergr�ndigen� geschmiedet wurde, um die D�monen in den Menschen zu vernichten.</p><p>Die Klinge sei aus dem reinsten, h�rtesten Stahl, die Widerhaken am anderen Ende seien aus Stein, der Griff aus Sigurdazienholz, die Intarsien und Runen aus allen edlen Metallen, die sich in den Bergen finden; die Schneide aber sei mit Diamanten besetzt.</p><p>Geschmiedet soll sie sein in der hei�esten Glut, die eine Esse zu entfachen vermag. Ihr Name sei Feuerklinge.</p><p>Damit muss der Mensch get�tet werden. Die Schneide der Feuerklinge f�hrt durch Fleisch und Knochen des Lebenden, um das D�monische in seinem Innersten zu treffen und zu vernichten. Alles, was es verursacht hat, wandelt sich zur�ck zum Guten.</p><p>Eine Passage hat sich mir verschlossen, somit bleibt ein Rest von Ungewissheit, was die Hoffnung vollends zerst�rt.</p><p>Ich wei� jetzt, warum N�d�onn den Sack mit den Artefakten haben wollte. Es ging ihm um die Holzst�cke, sie sind aus einer Sigurdazie gemacht.</p><p>Es gibt keine Sigurdazien mehr im Geborgenen Land. Ihr Holz war zu hart und zu schwer, um es mit den �blichen Werkzeugen bearbeiten zu k�nnen. Die Menschen glaubten, es sei von den G�ttern verzaubert, und nutzten es wegen des intensiven Geruchs und der dunkelroten Flammen als heiligen Brennstoff, bis alle Sigurdazien ausgerottet waren. Ich sah einst in meinem Reich eine, die bei einem Fest zu Ehren Palandiells angesteckt wurde, und das muss schon vor einhundert Zyklen gewesen sein.</p><p>Selbst wenn es gel�nge, diese Wunderwaffe zu schmieden, wird es nun niemandem mehr gelingen, so nahe an N�d�onn heranzukommen, um ihn damit zu t�ten. Es ist unm�glich, ein Wunschtraum, ein Wahnwitz.</p><p>Wenn die Zwerge Verstand haben, sollten sie das Gebirge verlassen und im Jenseitigen Land nach einer neuen Heimat Ausschau halten. Vielleicht nehmen die Untergr�ndigen sie auf.</p><p>Mich h�lt nichts mehr.</p></cite><p>Tungdil las das Schreiben mehrmals, bis er begriff, dass es eben doch ein Mittel gegen den M�rder Lot-Ionans gab. <emphasis>Es ist alles da. Wir haben selbst das Holz!</emphasis></p><p>Er rannte zu Balendil�ns Kammer, in der kleine �llampen f�r Licht sorgten. Die ganze Einrichtung war wie �berall sorgf�ltig aus dem Stein herausgehauen worden; die umsichtigen Handwerker hatten selbst das Bett und die Schr�nke aus dem Felsen getrieben, sodass es aussah, als h�tte das Gebirge eigens ein Zimmer f�r Balendil�n geformt.</p><p>Tungdil reichte ihm die Zeilen der Maga.</p><p>�Es gibt Schriftrollen, in denen von Verwandten unseres Volkes auf der anderen Seite der Gebirge die Rede ist�, murmelte der Berater nachdenklich, als er �ber die Bezeichnung �Untergr�ndige� stolperte. �Dort scheint man mehr Erfahrung mit dem Toten Land zu haben.�</p><p>Tungdil hob das Blatt. �Nun wundert mich nicht mehr, dass N�d�onn Jagd auf die B�cher und den Sack gemacht hat, aber es ist zu sp�t. Balendil�n, wir kennen jetzt seine verwundbare Stelle! Wir m�ssen den K�nigreichen der Menschen davon berichten, damit sie Hoffnung sch�pfen und ausharren, w�hrend wir die Klinge schmieden�, sagte er begeistert. �Das Menschenheer muss ihn so lange aufhalten.�</p><p>Nachdenklich las Balendil�n den Abschnitt �ber die Zusammensetzung der Feuerklinge. �Wir brauchen die Vierten, welche die besten Diamantschleifer in ihren Clans haben. Unser Volk kann die Steinmetzen stellen, doch die besten Schmiede fehlen uns.�</p><p>�Borengar?�</p><p>�Richtig. Auch die F�nften waren einst Meister darin, aber sie existieren nicht mehr. Die neun Clans vom Stamm der Ersten sind nicht zu unserer Versammlung erschienen.� Balendil�ns Miene verfinsterte sich. �Das ist nicht die einzige H�rde. Die hei�este Esse, die jemals im Geborgenen Land glomm, stand im K�nigreich der F�nften. Sie hie� Drachenbrodem und brachte das h�rteste Metall zum Schmelzen. Doch seit mehr als eintausend Zyklen herrscht dort nun das Tote Land.� Er bedeckte das Gesicht mit seinen breiten H�nden. �Die Zauberin hatte Recht. Es ist unm�glich.�</p><p>�Nein, ich gebe nicht auf. Rufen wir die Versammlung ein und lassen sie entscheiden�, verlangte Tungdil. �Wir sollten wenigstens zu den Ersten reisen und sie um Hilfe bitten. Danach �� Er verstummte. �Ich werde die alten Schriftrollen durchsehen, vielleicht entdecke ich noch etwas, das uns helfen k�nnte.�</p><p>�Ich w�nsche dir dabei viel Gl�ck.�</p><p>Der Zwerg verlie� die Unterkunft, um sich in die Gew�lbe mit dem gesammelten Wissen der Zweiten zu begeben. Nach dem Freudentaumel folgte die schmerzhafte Ern�chterung, trotz der neuen Erkenntnisse kaum gegen den Untergang aufbegehren zu k�nnen.</p><p><emphasis>Nein. Ich gebe nicht auf.</emphasis> Gerade die Aussichtslosigkeit ihrer Lage rief Tungdils Trotz hervor.</p><p>Mit der Eigensinnigkeit und Hartn�ckigkeit, die seinem Volk zu Eigen war, machte er sich daran, die Schriften des Stammes zu lesen. Tungdil schwor, nicht eher in seinen Bem�hungen nachzulassen, bis er einen Ausweg fand.</p><empty-line/><p>Emsig schleppte Tungdil die alten B�cher, Pergamentrollen und Steintafeln durch die herausgemei�elten Gew�lbe, um sie auf einem Tisch zu stapeln, wo er sie in Ruhe studieren konnte.</p><p><emphasis>Lot-Ionan muss geahnt haben, dass ich eines Tages all das Wissen ben�tigen w�rde.</emphasis> Manche der Schriftst�cke hielten der Ber�hrung des Zwerges nicht mehr Stand, sie rissen ein, brachen oder zerfielen gar. Da lobte er sich die Marmorplatten, die Ewigkeiten �berdauerten, wenn man sie nicht fallen lie�.</p><p>Nachdem er etliches gelesen hatte, fand er die vagen Aussagen Balendil�ns best�tigt. Es gab wohl auch auf der anderen Seite des Gebirges Zwerge, die �Untergr�ndige� genannt wurden. Ob Vraccas sie einst geschaffen hatte, wusste er nicht zu sagen, aber sie schienen seinem Volk sehr �hnlich zu sein, verstanden sich aufs meisterliche Schmieden und teilten die Liebe zur Esse und zur Glut.</p><p>Am vierten Umlauf erkundete er das Geheimnis der Feuerung von Drachenbrodem, und seine Zuversicht, die er sich bis dahin tapfer bewahrt hatte, sank.</p><p>Die F�nften hatten dem Gro�en Drachen Branbaus�l, der einst im Grauen Gebirge gelebt hatte, seine wei�e Flamme abgerungen und damit ihre Esse entz�ndet, ehe sie ihn get�tet und seinen Hort erobert hatten. Sein Weibchen, Argamas, war vor den Zwergen in den Feuersee gefl�chtet, ein kleines Meer aus fl�ssigem, brodelndem Stein tief im Inneren des Reiches, und seither nie wieder zum Vorschein gekommen.</p><p>Mit Drachenbrodem war es den Schmieden gelungen, Hitze von nie gekannter Intensit�t zu erzeugen und Metalle miteinander zu verbinden, die als nicht schmelzbar galten. Selbst das schwarze Tionium, das von Gott Tion erschaffen worden war, hatte sich dem Drachenbrodem ergeben und sich mit dem reinen, wei�en Palandium der G�ttin Palandiell vereinen m�ssen.</p><p>Sp�tere Aufzeichnungen berichteten davon, dass die Glut mit dem Untergang des Reichs der F�nften geschwunden war; die Albae und anderen Gesch�pfe Tions hatten mit dem seltsamen wei�en Feuer nichts anzufangen gewusst und es gel�scht.</p><p>Tungdils einzige Hoffnung st�tzte sich auf das Weibchen des Drachen, die den �xten der F�nften entkommen war. Von ihr ben�tigten sie das Feuer und von den Ersten den Schmied, um die Feuerklinge gegen N�d�onn herzustellen.</p><p>�Das wird eine neuerliche Reise�, seufzte er. <emphasis>Zu den Ersten und von dort geradewegs ins verlorene Reich der F�nften, mitten ins Herz des Toten Landes. Aber wie soll ich dorthin gelangen?</emphasis></p><p>Diese Frage stellte er auch Gundrabur und Balendil�n, mit denen er sich in der Halle bei einem Humpen Bier traf, um von seinen Entdeckungen zu berichten; die Zwerge wechselten schnelle Blicke.</p><p>�Es gibt einen Weg�, er�ffnete ihm der Gro�k�nig. �Es ist ein Geheimnis, das in all den Zyklen in Vergessenheit geriet und das mir mein Vorg�nger anvertraute.� Er entz�ndete eine Pfeife und paffte schmatzend. �Es stammt aus der glorreichen Vergangenheit unseres Volkes. In jenen gl�cklichen Tagen bedeutete das Reisen keine besondere Anstrengung. Die Zwerge nutzten unterirdische Tunnel, die kreuz und quer unter dem Geborgenen Land verliefen und die Reiche miteinander verbanden.�</p><p>�Tunnel � Dann k�nnten wir ungesehen bleiben. Wenn wir Ponys nehmen ��</p><p>�Du brauchst keine Ponys. Du kannst sie befahren.� Er ordnete sein Gewand und erbat sich eine weitere Decke, um sich zu w�rmen. Sein Lebensfeuer k�hlte weiter ab.</p><p>Tungdil runzelte die Stirn. �Ich verstehe nicht ��</p><p>�Kennst du die Loren, mit deren Hilfe das Erz aus den Stollen und Gruben gekarrt wird?�</p><p>�Sicher�, nickte er und verstand, was der Gro�k�nig ihm sagen wollte. �Sie sind damit gefahren?�</p><p>Gundrabur l�chelte. �Genau das. Sie reisten in geraden Linien von Go�mdil zu Borengar und wohin auch immer sie wollten. Es gab keine S�mpfe, keine Wildnis, keinen Regen und keinen Schnee, die ihnen die Fahrten erschwert h�tten. So war es ihnen m�glich, die wichtigen Hohlwege und bedeutsamen Passagen des Geborgenen Landes stets mit gen�gend Truppen zu sichern. Innerhalb weniger Uml�ufe bewegten sich ganze Heere tief unter der Erde von Norden nach S�den, w�hrend die Menschen, Elben und Zauberer von alldem nichts erfuhren.�</p><p>�Die Tunnel sind die Rettung�, rief Tungdil aufgeregt. �Wenn sie einigerma�en intakt sind, kann es uns gelingen, die Axt gegen den Verr�ter zu schmieden, ehe er die gesamten K�nigreiche und die Heere der Menschen niederwirft.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob sie noch befahrbar sind�, gestand Gundrabur. �Die alten Aufzeichnungen, in denen die Rede von den R�hren ist, berichten, dass weite Strecken eingest�rzt, unbenutzbar seien. Balendil�n, hole sie uns bitte.�</p><p>�Und warum hat man die Tunnel nicht wiederentdeckt?�</p><p>�Der Bereich, in dem der Eingang liegt, war eines Tages mit Schwefeld�mpfen verseucht, und die Zwerge zogen sich von dort zur�ck. Sie mieden das Gebiet, bis man die Tunnel verga߫, antwortete Gundrabur.</p><p>Kurz darauf brachte Balendil�n zwei alte Karten von den Eing�ngen zu den R�hren der Zweiten und von deren Verlauf tief im Innern des Blauen Gebirges. Sie waren gut verborgen, mehrfach gesichert, und zahreiche mechanische Vorrichtungen und Fallen bewahrten sie davor, von Eindringlingen benutzt zu werden. Das erkl�rte, weshalb sich das B�se nicht heimlich unter dem Geborgenen Land ausbreitete, sondern es auf dem Landweg erobern musste.</p><p>�Auf diese Weise k�nnen wir es schaffen�, sagte Tungdil zu den beiden Zwergen. �Ich bin bereit.�</p><p>�Sehr sch�n�, freute sich Balendil�n und goss von dem Bier nach.</p><p>�Daf�r lassen wir dir die Ehre, das verschollene Wissen entdeckt zu haben. Es wird bei den Clans Eindruck machen.� Sie prosteten einander zu und leerten ihre Humpen.</p><empty-line/><p>�Vraccas lie� mich das verlorene Wissen finden, damit uns die Aufgabe zukommt, das Geborgene Land vom B�sen zu befreien�, beendete Tungdil seine flammende Rede. �Warum sonst sollte er mich die Dinge finden lassen?�</p><p>�Es sind die Hinterlassenschaften aus einer gro�en Zeit�, sagte Gandogar, �auf die du gesto�en bist. Doch ich sehe nicht, dass sich darin eine brauchbare Wahrheit findet. Eine solche Klinge unbemerkt zu schmieden � mitten im Toten Land, in einer Esse, die von Drachenflammen entfacht werden muss �, das ist nicht m�glich! Es ist ein M�rchen, eine Legende, die aus Versehen zwischen die historischen Aufzeichnungen rutschte.�</p><p>�F�r dieses Wissen starben unz�hlige Menschen�, fiel ihm Tungdil ins Wort. �Mich wollte man deswegen t�ten. N�d�onn f�rchtet sich davor, also muss es wahr sein! Schickt eine Expedition aus, die es wenigstens versucht! Vraccas ist auf unserer Seite�, bat er die Versammlung inst�ndig.</p><p>�Und vergesst nicht, sie gut auszur�sten. Einen Drachen zu besiegen ist kein leichtes Unterfangen. Oder du erz�hlst ihm deine Geschichte, und er lacht sich zu Tode�, warf Bislipur voller Spott ein.</p><p>Tungdil verzichtete auf eine Abstimmung; das Gel�chter des Rates verdeutlichte ihm, dass er keine Mehrheit daf�r f�nde. Nach wie vor weigerte sich die Vernunft beharrlich, in die Dicksch�del der Gesandten einzuziehen.</p><p>�Wir sind hier, um den Erben des Gro�k�nigs zu bestimmen�, erinnerte Gandogar die Abgesandten ungeduldig. Er warf seinen Mantel ab, die aufwendig gearbeitete R�stung blinkte auf. Sein Berater reichte ihm Schild und Beil, ein weiterer Helfer zurrte den schimmernden Helm auf seinem Kopf fest. �Ich mache den Anfang und stelle die erste Aufgabe. Hiermit fordere ich den Mitbewerber zu einem Zweikampf heraus. Das erste Blut oder ein Niederschlag sollen entscheiden, wer sich die ersten Z�hler verdient.�</p><p>Bo�ndil und Bo�ndal erschienen sogleich an Tungdils Seite und r�steten ihn; sein Kettenhemd wirkte im Vergleich zu Gandogars strahlendem Harnisch farblos und billig. �Pass auf seinen Schild auf�, raunte ihm Ingrimmsch zu. �Gewiss nutzt er ihn als Ramme.� Er ballte die F�uste. �Oh, k�nnte ich nur an deiner Stelle stehen. Ich w�rde den Vierten in den Marmor schlagen�, grollte er.</p><p>�Ihr wart gute Lehrer, sowohl auf unserer Wanderung als auch in den letzten Tagen�, dankte Tungdil den Zwillingen, w�hrend er den Kinnriemen zurechtr�ckte. �Wenn ich verliere, wird es nicht an euch liegen.�</p><p>Die beiden Kontrahenten traten in den Halbkreis zwischen Thron und Trib�nen. Balendil�n fungierte als Unparteiischer; er warf Tungdil einen freundlichen Blick zu, um ihn zu beruhigen. �K�mpft hart und ehrenhaft�, forderte er schlie�lich und trat zur�ck. Die Arena war freigegeben.</p><p>Gandogar begann sofort mit einer Angriffsserie und f�hrte einen Hieb nach dem anderen gegen den Schild Tungdils; dabei wirkten die flirrenden Diamanten an seiner Klinge zus�tzlich irritierend. Tungdil sp�hte �ber den Metallrand und schaute, wohin die abgestumpfte Schneide als N�chstes niederzuckte; dabei lie� er sich immer weiter zur�ckfallen, bis er eine S�ule im R�cken sp�rte.</p><p>Beim n�chsten Schlag des K�nigs tauchte er weg und drosch seinerseits �berraschend zu. Sein Beil rutschte mit einem h�sslichen Ger�usch �ber den hastig nach oben gerissenen Schild und prallte gegen die untere Helmumrandung. Benommen taumelte Gandogar zwei Schritte zur�ck.</p><p>�Setz nach!�, br�llte Bo�ndil mitfiebernd, und Tungdil sprang, erfreut von seinem Erfolg und angetrieben von seinem Lehrer, ungest�m nach vorn.</p><p><emphasis>Niemals.</emphasis> Bislipur erkannte, dass sich eine unangenehme Wendung f�r seinen Sch�tzling anbahnte, und handelte. Er rempelte Swerd an, der neben ihm stand, und der Kopf des Gnoms kollidierte mit dem Humpen eines Zwergs. Bier schwappte aus dem Gef�� und klatschte zu Boden.</p><p>Tungdil wurde die Pf�tze zum Verh�ngnis. In seiner Hast �bersah er die Fl�ssigkeit auf den Marmorplatten, doch der Untergrund wandelte sich zu einer schl�pfrigen Rutschbahn. Sein rechter Fu� glitt zur Seite, er geriet ins Straucheln und verfehlte Gandogar.</p><p>�T�richter Gnom!� Bislipur schalt Swerd sogleich laut und deutlich wegen seiner T�lpelhaftigkeit und drohte ihm Schl�ge und eine anhaltende Bestrafung mit dem Halsband an.</p><p>�Das war Absicht!�, brauste Bo�ndal auf.</p><p>�Nein, war es nicht. Aber sei beruhigt, ich schlage ihn windelweich.� Bislipur t�uschte Bedauern �ber das Missgeschick vor.</p><p>Das brachte Tungdil freilich nichts. Gandogar erholte sich rasch und schlug in dem Augenblick zu, als sein Widersacher an ihm vorbeischlidderte. Das schwere Beil traf Tungdil hart in den R�cken; die Wucht lie� ihn vollends die Kontrolle verlieren. Fluchend st�rzte er und verlor damit den ersten Wettstreit.</p><p>Einige Clans aus dem Stamm der Vierten und andere Anh�nger Gandogars jubelten und lachten Tungdil aus, der sich m�hsam auf die Beine stemmte. So hatte er sich den Kampf nicht vorgestellt.</p><p>�Ich bin an der Reihe�, rief er laut, um sich gegen das Toben durchzusetzen. Sogleich erstarb das Geschrei.</p><p>�Worin messen wir uns nun?�</p><p>�Wir werden einen Text abschreiben. Der Schnellere gewinnt.�</p><p>�Was?�, machte sein Gegenspieler erstaunt. �Ich soll um meinen Thron dichten?�</p><p>�Nein, nicht dichten. Nur schreiben. Ein guter K�nig muss Wissen und eine sichere Hand haben. Wie sonst willst du Gesetze erlassen?�, erwiderte Tungdil leichthin. �Du kannst beweisen, dass du es hast � oder dass du lediglich ein gutes Beil f�hrst.� Ohne ein weiteres Wort setzte er sich an ein Pult und wartete, dass Gandogar seinem Beispiel folgte.</p><p>�Wenn ich mich weigere?�</p><p>�Hast du diesen Wettkampf verloren, und es steht unentschieden�, ergriff Balendil�n das Wort. �Dann entscheiden die n�chsten Disziplinen dar�ber, wer von euch beiden Gundrabur nachfolgen wird.�</p><p>�Und es w�re kein Zeichen besonderen Mutes�, hakte Bo�ndal geh�ssig ein. �Der Gelehrte hat sich deiner Waffenkunst gestellt. Jetzt zeige uns, dass du dich nicht vor etwas so Zerbrechlichem und Leichtem wie einer Feder f�rchtest, K�nig der Vierten.�</p><p>Die bissige Bemerkung und die darauf folgenden Lacher brachten Gandogar dazu, Helm und Schild abzulegen, sich an den Tisch neben seinen Widersacher zu setzen und es gegen Tungdil aufzunehmen.</p><p>Der Unparteiische lie� Schriftrollen bringen und w�hlte eine davon willk�rlich aus dem Stapel. �Beginnt.�</p><p>Der Gelehrte, wie ihn Bo�ndal neckend nannte, fing beinahe augenblicklich an zu schreiben, w�hrend Gandogar w�tend auf die Runen starrte und dann etwas auf sein Blatt schmierte. Die Zeit verrann, w�hrend die Zwerge eifrig schrieben.</p><p>�Fertig�, verk�ndete Tungdil als Erster. Der Text wurde durchgesehen und f�r fehlerfrei befunden. Gandogar ben�tigte l�nger und arbeitete l�ngst nicht so akkurat wie sein Herausforderer. Balendil�n erkl�rte Tungdil zum Sieger.</p><p>Die Zwillinge jubelten laut und freuten sich, dass ihr Sch�tzling mit einer erlaubten List einen Gleichstand herausgeschlagen hatte. �Ha, Bislipur, der ging daneben, was?!�, rief Bo�ndil gut gelaunt.</p><p>Balendil�n befahl den Clanabgesandten, nun ihre Vorschl�ge niederzuschreiben; dann lie� er die Zettel einsammeln. Zuerst sollte Gandogar ihre n�chste Aufgabe ziehen, dann war Tungdil an der Reihe.</p><p>�Die n�chste Aufgabe�, verk�ndete ihr Schiedsmann, �wird sein, eine Axt aus dem schlechtesten Eisen zu schmieden, das es gibt, und dann damit zehn Hiebe gegen einen Schild zu f�hren, ohne dass die Axt zerbricht.�</p><p>Tungdils Zuversicht wuchs, weil er nicht glaubte, dass ihm Gandogar an der Esse �berlegen sein k�nnte; daf�r hatte er zu lange in Lot-Ionans Schmiede am Amboss gestanden. Balendil�n beraumte eine Unterbrechung an, in der Feuerstellen und Werkzeuge in die Halle des Rates geschafft wurden, und bald ert�nte in dem weitl�ufigen Raum das klingende Lied von Hammer und Schmiedeblock.</p><p>Tungdil kam in Fahrt; er sang im Takt des H�mmerns eine Zwergenweise, die ihm die Zwillinge beigebracht hatten. Prompt fiel Gandogar ihm in die Melodie und schmetterte ein anderes Lied, w�hrend das Krachen seines Hammers lauter wurde.</p><p>�Sie schmieden nicht nur, jetzt singen sie auch noch um die Wette�, grinste Bo�ndal und korrigierte den Sitz seines G�rtels. �Wenn das Vraccas nicht gef�llt, wei� ich es auch nicht.�</p><p>�Tungdil hat die bessere Stimme�, meinte sein Bruder. �Vraccas wird ihm beistehen.�</p><p>Die Kontrahenten sangen so lange, bis die �xte fertig geschmiedet waren. Balendil�n lie� sie die Waffenk�pfe auf Eisenstangen stecken. Dann nahm jeder die Axt des anderen und stellte sich vor die aufgebauten Schilde. So war sichergestellt, dass sie mit ihrer ganzen verbliebenen Kraft dreinschlugen. Auf ein Zeichen hin ging es los.</p><p>�Jetzt wollen wir sehen, wie meisterlich ein K�nig schmiedet�, sagte Tungdil schwei��berstr�mt und drosch drauflos. Der noch schwach gl�hende Axtkopf zog im Zwielicht der Halle einen schimmernden, dunkelorangefarbenen Halbkreis, ehe er auf das Hindernis traf. Kleine F�nkchen stoben auf, aber das Eisen hielt.</p><p>�Besser als du allemal�, gab Gandogar zur�ck. Sein Schlag stand dem Tungdils in nichts nach, aber auch diese Axt hielt der Gewalt stand.</p><p>Beim siebten Schlag h�rte Tungdil Gandogars geschmiedete Waffe leise knacken, und er wusste, dass sie den achten Schlag nicht �berstehen w�rde. �Sieh, was ich mit deinem Werk mache�, rief er ihm zu. Das Eisen zersprang krachend in viele kleine St�cke. Tungdil warf den Stiel keuchend auf den Boden und langte nach dem Wasserschlauch.</p><p>Ein Raunen ging durch den Rat der St�mme. Der K�nig spannte seine Muskeln und legte sich mit seinem ganzen Gewicht in den n�chsten Hieb. Der Schild dr�hnte unter dem Einschlag und gab nach, aber die Schneide hielt.</p><p>�Hussa! Da hat jemand seinen Schmiedemeister gefunden�, gr�lte Ingrimmsch. �Und schon steht es zwei zu eins f�r Tungdil. Das war der gute Gesang, der hat das Eisen geschmeidig gemacht.�</p><p>Gandogar senkte die Axt und legte sie ab, um seinem Gegenspieler zu gratulieren. �Ich h�tte es nicht f�r m�glich gehalten, dass man aus diesem schlechten Metall so eine gute Waffe schmieden k�nnte. Du bist wahrlich ein Meister, aber den Thron wirst du dennoch nicht besteigen. Die n�chste Pr�fung entscheide ich f�r mich.�</p><p>�Versuch es.�</p><p>Balendil�n entfaltete den n�chsten Zettel, um ihnen keine Atempause zu g�nnen. �Die vierte Aufgabe ist ein Wettlauf. Jeder erh�lt einen Becher mit fl�ssigem Gold und wird von hier bis zur ersten Viehwiese, zum gro�en Tor und wieder zur�ck laufen. Dabei tragen beide ihre Kettenhemden und einen Rucksack mit vierzig Pfund Gewicht auf dem R�cken. Wer als Erster mit dem Gold zur�ckkommt und nichts versch�ttet hat, ist der Sieger.�</p><p>Er schickte jeweils zwei Beobachter zur Wiese und zum Eingang, die kontrollieren sollten, ob die beiden Zwerge mit ihrer hei�en Fracht auch tats�chlich dort ankamen.</p><p><emphasis>Das ist eine Pr�fung nach meinem Geschmack,</emphasis> dachte Tungdil, w�hrend er in die Riemen des Rucksacks schl�pfte. Er war die Hitze der Esse gewohnt, und das sonnengelbe Metall mit sich herumtragen zu d�rfen, machte ihn erst recht froh. Gep�ck hatte er w�hrend seiner langen Wanderung auch geschleppt, dass ihn die paar Pfund auf dem R�cken nicht weiter st�rten.</p><p>Ein Zwerg reichte ihnen die dickwandigen Becher aus gepresstem Sand und mit einer d�nnen Eisenwand. Die Hitze, die von dem geschmolzenen Gold ausging, war m�rderisch und betrug einige hundert Grad. Falls es �berschwappte und �ber die Hand liefe, w�rde es sich in die Haut brennen und den Zwergen schwere Verletzungen zuf�gen.</p><p>�Lauft!�, rief Balendil�n, und das Rennen begann.</p><p>Gandogar w�rdigte den Becher keines Blickes, sondern schaute auf den Weg vor sich. Tungdil machte es genau umgekehrt, weil er sich so sehr am Anblick des fl�ssigen Goldes erfreute; seine F��e w�rden von selbst sicher treten, wie sie es schon bei seiner langen Wanderung taten.</p><p>Der K�nig gewann rasch einen Vorsprung und verschwand aus der Halle, doch Tungdil folgte ihm ohne Hast. Balendil�n hatte ausdr�cklich gesagt, dass derjenige gew�nne, der als Erster zur�ckk�me und nichts versch�ttete. Lieber ging er gem�tlicher und brachte alles mit zur�ck, als dass er etwas von dem kostbaren Gut vergoss. Wann immer die Hitze zu gro� wurde und seine vom Schmieden abgeh�rtete Hand zu verbrennen drohte, setzte er den Becher kurz ab.</p><p>Er bog eben in das Tal ein, als ihm Gandogar entgegenkam.</p><p>�So wirst du mich nicht besiegen, Tungdil�, gr��te er ihn im Vorbeigehen herausfordernd. Es roch nach schmorendem Horn, der K�nig setzte den Becher nicht ab, um seine Finger zu schonen. Noch war nichts �bergelaufen.</p><p>Tungdil trat hinaus ins Freie, setzte wieder den Becher ab und nahm die Verfolgung auf. <emphasis>Verflucht, ich habe mich zu sehr darauf verlassen, dass Gandogar einen Fehler begeht,</emphasis> schimpfte er sich selbst.</p><p>Seine Arme begannen allm�hlich zu zittern. Der Kampf und das Schmieden hatten ihm die Kraft geraubt, doch es half nichts, er musste weiter. Er erreichte das Tor, aber Gandogar lief bereits schwitzend und fluchend zur�ck. Er hatte noch immer nichts versch�ttet, sondern grinste siegessicher, als er Tungdil sah.</p><p>�Ich hole mir den Ausgleich. Die letzte Pr�fung wird entscheiden�, versprach er.</p><p>Damit hatte er den Ehrgeiz und den Trotz seines Widersachers geweckt. <emphasis>Das werden wir sehen,</emphasis> dachte Tungdil und beeilte sich, um Gandogar so schnell wie m�glich einzuholen.</p><p>Da wischte ihm eine kleine Gestalt um die F��e und brachte ihn zum Stolpern. �Was, bei Vraccas ��</p><p>Das fl�ssige Gold geriet in Aufruhr, wogte gef�hrlich vor und zur�ck, aber Tungdil dachte nicht im Traum daran, seine Fracht fallen zu lassen. Als eine kleine Welle �ber den Rand schwappte und ihm �ber den Handr�cken rann, biss er die Z�hne zusammen und gab keinen Laut von sich, auch wenn die Schmerzen grausam waren. W�tend schaute er sich im Gang um und suchte, wer ihm da ein Bein gestellt hatte, entdeckte aber niemanden.</p><p>Durch den Vorfall erreichte er die Halle des Rates als Zweiter, zudem hatte er von dem Gold eingeb��t und somit ohnehin verloren. Gandogar bezahlte seinen Sieg mit riesigen Brandblasen an beiden H�nden, die von einer Zwergin mit Eiswasser behandelt wurden.</p><p>Dieses Mal war es an Tungdil, seinem Rivalen zu gratulieren, was er nur mit Worten tat, um die H�nde des K�nigs zu schonen. Dann steckte auch er seine geschundene Hand in das Eiswasser. �Du hast dein Ziel, wie du es mir unterwegs versprochen hast, erreicht.�</p><p>�Ich werde auch meine zweite Ank�ndigung wahr machen�, entgegnete Gandogar und wandte sich ab.</p><p>Tungdil begutachtete seine Verletzung. Das erstarrte Gold wollte sich nicht mehr von Haut l�sen und haftete als m�nzgro�er Fleck darauf.</p><p>Bo�ndil bemerkte, dass die Rechte Tungdils im Schein der Kohlebecken funkelte. �Sieh nur, Bruderherz, was er gemacht hat!�</p><p>�Damit haben wir endlich einen Ehrennamen f�r den Gelehrten�, scherzte Bo�ndal. �Tungdil Goldhand klingt nicht schlecht, wie ich finde. Wir werden es ihm sp�ter vorschlagen.�</p><p>�Es ist besser als Bolofar�, nickte Ingrimmsch.</p><p>�H�rt her, Clans und St�mme! Es steht unentschieden�, verk�ndete Balendil�n. �Damit wird der letzte Wettstreit von entscheidender Bedeutung, sowohl f�r die Thronanw�rter als auch f�r die Zukunft aller St�mme.� Er wies die beiden an, ihre eigenen Vorschl�ge zu Papier zu bringen.</p><p><emphasis>Worin ist er nur zu schlagen?</emphasis> Tungdil z�gerte und dachte nach, dann grinste er. <emphasis>Nat�rlich!</emphasis> Ihm war eine ganz besondere Aufgabe eingefallen.</p><p>Sie falteten die Bl�tter exakt gleich und warfen sie in einen Ledersack, den ihnen der Berater des Gro�k�nigs offen hinhielt. Dann schn�rte Balendil�n den Sack locker zu, sch�ttelte ihn, damit sich die Zettel vermischten, und schritt die Reihen der Abgesandten entlang. Vor Bislipur blieb er stehen.</p><p>�Damit es nicht hei�t, ich h�tte Schuld, wenn eine Aufgabe gezogen wird, die deinen Sch�tzling benachteiligt, m�chte ich, dass du es tust, Freund Bislipur.� Balendil�n hielt ihm den Beutel hin.</p><p>Der grobschl�chtige Zwerg riss ihm den Sack mehr aus der Hand, als dass er ihn ergriff, und l�ste den Riemen. Seine gnadenlosen Augen hielt er fest auf die seines Gegen�bers gerichtet.</p><p>Ohne hinzuschauen, langte er hinein, r�hrte einmal dahin herum und zog die Hand wieder heraus. W�hrend er den Arm hob, rutschte ihm der Zettel aus der Hand, und er musste ein zweites Mal zugreifen. Wortlos hielt er Balendil�n das St�ck Papier hin. Tungdil konnte nicht erkennen, ob es sich dabei um einen seiner Vorschl�ge handelte oder nicht.</p><p>�Nein. Du hast gezogen, du liest vor�, lehnte der Unparteiische ab.</p><p>Erst jetzt senkte Bislipur den Blick; er faltete das Papier auseinander, die Augen huschten �ber die Zeilen. �Nein, das war nicht der Zettel, den ich als Erstes zog�, meinte er dann leichthin und wollte ein weiteres Mal in den Beutel langen.</p><p>�Halte dich an die Regeln.� Balendil�n nahm ihm den Ledersack weg. �Du hast gew�hlt, also verk�nde die f�nfte Aufgabe.�</p><p>Bislipur presste die Lippen aufeinander, als k�nnte er damit verhindern, dass die Worte an die Ohren der Clans drangen. Er holte Luft; es kostete ihn �berwindung, die Tungdil hoffen lie�.</p><p>�Eine Expedition. Die n�chste Pr�fung besteht darin, eine Expedition zu f�hren, die mit der Feuerklinge aus dem Grauen Gebirge zur�ckkehrt�, gab er w�tend kund, �und mit der Waffe den Kampf gegen N�d�onn aufzunehmen.�</p><p>Gundrabur entfuhr ein erleichtertes St�hnen. Balendil�n senkte die Lider und erlaubte sich ein schwaches L�cheln.</p><p>Ausgerechnet Bislipur wollte die Machtbestrebungen seines Sch�tzlings bremsen. In diesem Augenblick wurde deutlich, dass die meisten die Schl�ue des zweiten Thronanw�rters untersch�tzt hatten. Die Versammlung schwieg, die �berraschung l�hmte die Zungen der Clans.</p><p>Bevor jemand das Wort ergriff oder Protest laut wurde, trat Tungdil nach vorn. �Ich nehme die Pr�fung an, da sie von mir niedergeschrieben wurde�, rief er und blickte abwartend zu Gandogar.</p><p>Der K�nig bebte. �Ich nehme die Aufgabe ebenfalls an�, knurrte er.</p><p>�Halt! Das Los ist ung�ltig�, versuchte Bislipur die langwierige Pr�fung abzubiegen, die den Krieg gegen die Elben zunichte machen w�rde. �Dies war nicht der erste Zettel, den ich gezogen habe, ihr habt es gesehen!�</p><p>Balendil�n blieb unerbittlich. �Da weder du noch ich wissen, welches das erste Papier war, das in den Sack zur�ckfiel, wird an der Entscheidung nichts mehr ge�ndert. Die beiden Bewerber haben die Aufgabe angenommen, und somit wird der Ausgang der Pr�fung entscheiden, wer Gundrabur nachfolgt.�</p><p>�Es wird viele Uml�ufe ben�tigen, bis wir Gewissheit erlangen�, begehrte Bislipur weiterhin gegen die Entscheidung auf.</p><p>�Nicht mit den Tunneln. Ich beeile mich�, versprach Tungdil h�flich und erntete wieder Lacher. �Und nun entschuldigt mich, ich muss mir Gedanken �ber meine Reisegef�hrten machen, um so bald wie m�glich aufzubrechen�, verabschiedete er sich. Der Zwerg winkte Bo�ndil und Bo�ndal zu, damit sie ihn begleiteten. �Ich w�rde mich sehr freuen, wenn ich auf euer K�nnen vertrauen d�rfte�, warb er sie an. �Ihr habt mich in einem St�ck in die Festung gebracht. Nun geleitet mich heil in das Graue Gebirge und wieder zur�ck.�</p><p>�Ho, h�rst du, Bruder? Der Gelehrte hat wieder gesprochen.� Ingrimmsch lachte polternd. �Es wird uns eine Ehre sein�, stimmte er dann zu. �Aber nur, wenn du unterwegs nicht so geschwollen daherredest. Ich muss noch einen Makel ausmerzen, der meiner Ehre seit der Oase anhaftet�, f�gte er leise und weniger ausgelassen hinzu.</p><p>Tungdil legte ihm und seinem Bruder die H�nde auf die Schultern. �Keine Sorge, Bo�ndil. Ich bin mir sicher, dass du mich unterwegs mehr als einmal retten musst.�</p><p>Der Zwerg grinste, doch sein Bruder nickte nur. ��brigens, du hast dir heute einen Namen gegeben.� Bo�ndal deutete auf die schimmernde Schicht, die sich mit der Haut verbunden hatte. �Tungdil Goldhand. Was h�ltst du davon?�</p><p>�Goldhand�, wiederholte Tungdil und betrachtete seine Rechte. �Ja, ich denke, das gef�llt mir.� Tungdil bem�hte sich, trotz der Schmerzen zu l�cheln. <emphasis>Goldhand. Ein echter Zwergenname.</emphasis></p><empty-line/><p>Der Rat hatte sich aufgel�st, und auch Bislipur und Gandogar waren hinausgest�rmt, um eilig Vorbereitungen zu treffen. Letztlich blieben Balendil�n und der Gro�k�nig allein in der weitl�ufigen Halle zur�ck.</p><p>�Hast du ihm das geraten?�, fragte Gundrabur und griff nach der Tabakspfeife.</p><p>Sein Berater lachte leise. �Nein, gewiss nicht. So ein wahnwitziger Einfall w�re mir nicht einmal im schlimmsten Albtraum eingefallen. Dieser Zwerg muss uns von Vraccas selbst geschickt worden sein.� Er stieg die Stufen zum Thron hinauf und trat an die Seite des obersten Herrschers. �Tungdil hat wirklich das Zeug zu einem Gro�k�nig. Sein Einfallsreichtum ist pures Gold wert.�</p><p>�Seine Entscheidung war weise�, stimmte ihm der betagte Zwerg zu. �Egal, wer von beiden zur�ckkehrt, unser Volk und das Geborgene Land werden die Gewinner sein. Und wir beide sorgen daf�r, dass sich in der Zwischenzeit nichts Unerfreuliches in unserem Reich ereignet, alter Freund.�</p><p>�Du wei�t, dass du deine Lebensesse noch l�nger am Lodern halten musst�, meinte Balendil�n besogt.</p><p>�chzend stemmte sich Gundrabur aus dem Thron hoch und klemmte sich die Pfeife zwischen die Z�hne. �Vraccas wird ein Einsehen haben und seinen Hammer etwas sp�ter gegen mich schwingen�, gab er sich zuversichtlich und zog sich zur�ck.</p><p>Der Berater schaute dem Gro�k�nig hinterher. Dann nahm er zu F��en des Herrschersessels Platz, um den Inhalt des Lederbeutels durchzusehen und den Zettel zu suchen, den Bislipur zuerst herausgezogen hatte. Balendil�n wusste ganz genau, welches Papier es gewesen war, weil es an der oberen Seite einen kleinen Knick aufwies. Doch als er das Verhalten Bislipurs beim Anblick des zweiten Zettels bemerkt hatte, hatte er lieber geschwiegen.</p><p>Zu Recht, wie er beim Lesen der eigentlichen Aufgabe feststellte. H�tten sich dessen Finger nicht aus Versehen ge�ffnet, m�sste Tungdil im Edelsteinschleifen gegen Gandogar antreten, anstatt auf Reisen zu gehen. <emphasis>Darin w�re er sicherlich gescheitert, und der Thron des Gro�k�nigs w�re an Gandogar gegangen.</emphasis></p><p>Als er die anderen Papiere auseinander faltete, musste er laut lachen. Gandogar hatte das Diamantschleifen viermal als Pr�fung notiert, und genauso oft hatte Tungdil die Expedition ins Graue Gebirge aufgeschrieben.</p><p><emphasis>Ein Hoch auf Bislipurs zitternde H�nde!,</emphasis> l�chelte er erleichtert.</p></section><section><title><p>XI</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Herbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Im Zuge seiner Reisevorbereitungen bat Tungdil den Berater des Gro�k�nigs, ihm den besten Steinmetz aus den Clans der Zweiten auszusuchen. Balendil�n versprach, eine Vorauswahl zu treffen und ihm die Favoriten vorbeizuschicken, aber die letztendliche Entscheidung wollte er ihm �berlassen. Nicht lange darauf trat ein ein�ugiger Zwerg in seine Kammer.</p><p>Erstaunt hob Tungdil den Kopf. �Balendil�n hat streng ausgew�hlt, wie ich sehe�, begr��te er den Steinmetz. �So streng, dass etwa nur einer �brig blieb?�</p><p>�Ich bin Bavragor Hammerfaust aus dem Clan der Hammerf�uste und seit mehr als zweihundert Sonnenzyklen Meister des Steins�, stellte der Zwerg sich vor. Seine H�nde waren so breit wie Tatzen und erinnerten den Thronanw�rter an Balendil�ns. Sein schwarzer Bart war am Kinn und an den Seiten kunstvoll ausrasiert, die schwarzen Haare lagen offen auf den Schultern. �Keiner reicht an mein K�nnen heran. Mein rechtes Auge, mit dem ich jeden noch so geringen Makel im Fels und an der Arbeit entdecke, sieht sch�rfer als zwei Paar zusammen.�</p><p>Tungdil erkl�rte ihm, dass von ihm erwartet wurde, die granitenen Widerhaken f�r eine Axt zu fertigen. Weil die Waffe aber nicht hier, sondern im Grauen Gebirge entstand, k�nnte er die Teile erst dort anpassen. �Das hei�t, du musst mich ins Tote Land begleiten. Was wir unterwegs alles erleben werden, das wissen nur die G�tter�, beendete Tungdil seine knappe Einweisung in die Expedition. Er blickte dem Steinmetz tief ins Auge und bemerkte, dass das Braun am Rand in dunkles Rot �berging. <emphasis>Seltsam.</emphasis></p><p>�Mir soll es recht sein. Ich bin an deiner Seite�, erwiderte Hammerfaust und reckte ihm die Rechte entgegen. �Deine Hand und dein Wort drauf, dass ich dich aus dem Stamm der Zweiten begleite und kein anderer.� Der Thronanw�rter schlug ein, Bavragor grinste, und Tungdil meinte, eine gewisse Erleichterung zu erkennen. �Wann geht�s los?�</p><p>��bermorgen, sobald ich mir einen Diamantschleifer aus den Clans der Vierten ausgesucht habe�, antwortete er.</p><p>�Dann suche ich meine besten Werkzeuge aus, damit die Geburt der Feuerklinge gelingt�, erwiderte Bavragor und verschwand zur T�r hinaus.</p><p>Tungdil fand den kurzen Auftritt seines angeheuerten Steinmetzen zwar ein wenig merkw�rdig, verschwendete jedoch keinen weiteren Gedanken mehr darauf, weil er sich auf das Gespr�ch mit Gandogar vorbereiten musste.</p><p>Da sich wohl keiner der Vierten freiwillig auf seine Seite schl�ge, wollte er sich an ihn wenden, damit er einen aus den Reihen seiner Clans abstellte. Viel konnte dabei nicht schief gehen, denn die Abordnung bestand nur aus den Besten, so wie es Brauch und Sitte war.</p><p>Tungdils Stolz rebellierte zwar gegen den Bittgang, der ihm bevorstand, doch er rief sich entschlossen ins Ged�chtnis, dass es um das Geborgene Land und nicht um seine Eitelkeit ging.</p><p>Als er auf den Felsengang trat, kamen ihm vier Zwerge entgegen, die ihn offensichtlich suchten. Sie stellten sich der Reihe nach vor. �Balendil�n sendet uns, damit du einen von uns ausw�hlst�, erkl�rte ihm einer.</p><p>Tungdil schaute verwundert in die b�rtigen Gesichter, die ihn erwartungsvoll ansahen. �Meine Wahl ist bereits getroffen�, erkl�rte er ihnen und bedauerte, so voreilig gehandelt zu haben. Bavragors Verhalten hatte ihn annehmen lassen, es k�me nur einer f�r die Aufgabe infrage. �Ich habe Bavragor Hammerfaust ausgesucht.�</p><p>�Hammerfaust? Den singenden S�ufer? Der die Steine mit seiner Stimme und seiner Bierfahne zum Erweichen bringt, den hast du genommen?�, platzte es voller Entsetzen aus einem Zwerg heraus.</p><p>�Er war schneller als ihr.�</p><p>�Er kam nicht einmal in die engere Wahl des Beraters! Du musst ihn entlassen! Er versucht schon seit Zyklen, sein Leben durchs Saufen zu verk�rzen�, beschwor er Tungdil. �Seine Finger sind nur ruhig, wenn er vier Humpen intus hat.�</p><p>�Es geht nicht! Ich gab ihm mein Wort und meine Hand darauf.� Tungdil wurde rot; sein Zorn wuchs, da Bavragor ihn offensichtlich hereingelegt hatte. <emphasis>Ich werde ihn fragen, ob er mich von meinen Eid entbindet.</emphasis></p><p>Sie erkl�rten ihm, in welcher Kneipe der Betr�ger zu finden war, und Tungdil stampfte durch die G�nge, um ihm die Meinung zu sagen.</p><p>Er fand die Kneipe schnell. Sie war im Stil eines Tonnengew�lbes angelegt; an den hohen Mittelpfeilern hingen Lampen und von der Decke baumelten Laternen, deren gelbe Scheiben goldenes Licht verbreiteten. Am hinteren Ende stand der steinerne Schanktisch mit vier Zwerginnen dahinter, die Bier aus riesigen, dunklen F�ssern zapften und es den wartenden G�sten brachten. Zwei Krummhornspieler, ein Steinfl�tist und ein Trommler sorgten f�r die Musik � oder besser gesagt, sie sorgten f�r die Begleitung des Chores.</p><p>Hammerfaust hockte mit anderen staubbedeckten Zwergen zusammen, die ihr Tagwerk im Steinbruch beendet hatten, und feierte seine Berufung in die Expedition zum Grauen Gebirge, wie es sich f�r einen Steinmetz geh�rte: Er schwenkte den Krug und schmetterte mit den anderen ein Lied, dass der Fels erbebte. Wei�er Schaum quoll �ber den Rand und troff auf die braune Lederhose.</p><p>�Bavragor!�, rief Tungdil ihn in scharfem Ton zu sich.</p><p>�Da ist der k�nftige Gro�k�nig!�, begr��te der Zwerg ihn und hob den Humpen. �Es lebe Tungdil Goldhand!� Seine Trinkbr�der taten es ihm nach; graue Staubwolken stiegen in die H�he, wenn sie sich zu schnell bewegten.</p><p>Tungdils Wut kochte hoch. Mit gro�en Schritten durchquerte er die Wirtschaft, riss dem Steinmetzen den Becher aus der Hand und stellte ihn hart auf den Tisch. �Du wirst mich aus meinem Schwur entlassen, weil du mich betrogen hast! Balendil�n hat dich gar nicht zu mir geschickt.�</p><p>�Vorsicht mit dem Bier, es w�re schade drum�, erwiderte Hammerfaust unschuldig l�chelnd. �Habe ich behauptet, dass mich jemand zu dir geschickt h�tte?�</p><p>Verdutzt stockte Tungdil. �Nein � aber ��</p><p>Bavragor nahm den Becher in die Hand. �War es eine Voraussetzung?�</p><p>�Nein � zumindest ��</p><p>�Ich sage dir, wie es war. Ich bin in deine Kammer gekommen und habe dich gefragt, ob du mich aufnimmst. Du hast mir dein Wort und deine Hand drauf gegeben. So einfach ging es.� Er nahm einen langen Zug. �Sei beruhigt, denn du hast den besten Steinbildner bei dir, den du im Reich der Zweiten findest, das ist nicht gelogen. Du hast meine Fertigkeit beim Einzug in die Festung bewundert, wie ich annehme. Inschriften, Statuen, �berall habe ich mitgewirkt.� Er hob die Rechte. �In dieser Hand lag die deine, und sie war gut aufgehoben. Geh und suche dir einen Gemmenschneider bei den Vierten, damit wir aufbrechen k�nnen.� Er wandte sich seinen Freunden zu und stimmte das n�chste Lied an.</p><p><emphasis>Ausgetrickst!</emphasis> Wutschnaubend machte sich Tungdil von dannen. Er �rgerte sich und wusste nicht einmal genau, wor�ber. Wom�glich hatte er den besten Steinmetzen gefunden, aber die unversch�mte Art und Weise, wie Bavragor die Wahl f�r sich entschieden hatte, brachte ihn auf.</p><p>Auf halbem Weg zu Gandogar musste er pl�tzlich lachen. Wieder einmal zeigte sich, wie sehr das Sprichwort von der Frechheit, die siegte, sich bewahrheitete. Vraccas h�ngte ihm, dem Hochstapler, einen S�ufer ans Bein, der sich durch seine Unverfrorenheit die Teilnahme an der Expedition sicherte. <emphasis>Ich muss nur daf�r sorgen, dass wir im Grauen Gebirge gen�gend Bier und Branntwein im Gep�ck haben, damit seine Finger ruhig sind. Au�erdem werde ich mich erkundigen, ob ich wirklich den Besten habe. Balendil�n wird es wissen.</emphasis></p><p>Schlie�lich stand Tungdil vor der Halle, in der er sich mit dem K�nig der Vierten treffen wollte, eines der beiden St�cke Sigurdazienholz bei sich tragend.</p><p>Gandogar sa� zusammen mit f�nfen seiner Begleiter am Tisch und wartete. Ihre Kettenhemden und R�stungen wirkten deutlich protziger als die der Zweiten; sie verwendeten mehr Edelsteine und Diamantsplitter, um sie zu schm�cken.</p><p>�Es ist nicht meine Art, andere um etwas betteln zu lassen. Du kannst dir die Worte sparen, Tungdil. Ich wei�, was du m�chtest.� Der Zwerg deutete auf seine Gefolgsleute, die daraufhin aufstanden. �Such dir einen aus. Sie sind alle Meister ihres Fachs und schleifen, schneiden und facettieren Gemmen, Edelsteine und Diamanten wie sonst niemand.�</p><p>Tungdil schritt die Reihe ab, betrachtete die Mienen der Zwerge genau und versuchte, seinem inneren Gef�hl und der Eingebung zu folgen.</p><p>Ausgerechnet vor dem zierlichsten der ohnehin nicht breit gebauten Handwerker blieb er stehen. Eine Ahnung sagte ihm, dass dieser Zwerg genau der Richtige sei. Sein lockiger Bart hing voller Diamantstaub, der sich beim Schleifen der Edelsteine in den Haaren gesammelt hatte. Es sah aus, als h�tte er tausende von kleinen Sternen in seinem Bart gefangen. Tungdil blieb stehen.</p><p>�Sein Name ist Go�mgar Schimmerbart�, stellte ihn Gandogar vor. �Eine gute Wahl�, f�gte er hinzu.</p><p>Die verunsicherte Miene des Edelsteinschleifers entgleiste vollends und spiegelte Angst. Er wandte sich zu seinem Herrscher um. �Nein, Gandogar, K�nig � Verlange das nicht von mir�, bat er inst�ndig. �Du wei�t, dass ��</p><p>�Ich habe versprochen, dass er sich jeden von euch ausw�hlen darf! Soll ich deinetwegen mein Wort brechen?!�, entgegnete Gandogar mit schneidender Stimme. �Du wirst gehen, Go�mgar!�</p><p>�K�nig ��, versuchte es Schimmerbart ein letztes Mal schwach.</p><p>�Mach uns keine Schande. Du wirst den Anweisungen Tungdils gehorchen, und solltet ihr vor uns an der Esse angelangen, wirst du die Edelsteine so gekonnt schleifen, als ob du es f�r mich t�test�, ordnete er harsch an. �Geh und kehre gesund wieder.�</p><p>Gandogar stand auf und bedeutete den vier Zwergen, ihn zu begleiten. In der T�r hielt er inne und blickte seinen Gegenspieler an.</p><p>�Ich w�nsche dir nichts Schlechtes, Tungdil Goldhand, aber auch nichts Gutes. Der Thron steht mir zu, und Vraccas wird den Clans durch meinen Sieg zeigen, dass du ein Schwindler bist. Am Ende werden alle mich w�hlen.�</p><p>�Erlange den Titel, K�nig Gandogar�, antwortete Tungdil freundlich und legte ihm das Sigurdazienholz hin, �aber bewahre anschlie�end das Geborgene Land und damit unser Volk vor N�d�onn.�</p><p>Er drehte sich zur Seite und schritt zur T�r hinaus, ohne eine Entgegnung abzuwarten. Der schm�chtige Edelsteinschleifer folgte ihm niedergeschlagen.</p><empty-line/><p>Die Zwillinge, Bavragor und Schimmerbart sa�en in der Mittelhalle der Bibliothek, einem gigantischen Kreuzrippengew�lbe mit zahlreichen Lampen und Spiegeln, die gen�gend Licht zum Lesen und Arbeiten spendeten. Um sie herum lagerten die Schriftrollen und das gesammelte Wissen aus vielen Jahrhunderten. Umgeben von der Vergangenheit beratschlagten sie, wie sie die Zukunft retten konnten.</p><p>Tungdil entrollte eine Karte, auf der das Geborgene Land in G�nze abgebildet war. �Wir schauen uns den Eingang zum Tunnel an�, erkl�rte er. �Mit Gl�ck und dem Beistand von Vraccas gelangen wir durch die unterirdischen G�nge rasch nach Westen ��</p><p>�S�den�, verbesserte der kr�ftige Bavragor, beugte sich nach vorn und deutete auf das Graue Gebirge. �Wir m�ssen nach S�den.�</p><p>�Sp�ter. Zuerst gehen wir nach Westen, um den Stamm der Ersten aufzusuchen�, erl�uterte Tungdil den Umweg. �Sie haben immer die besten Schmiede unseres Volkes gestellt, und daher werden nur sie in der Lage sein, die Stahlarbeiten der Feuerklinge zu bew�ltigen.�</p><p>�Das denkst du�, erwiderte Bavragor und schaute ihn mit seinem verbliebenen rechten Auge forschend an. �Wer sagt uns, dass es sie noch gibt? Vielleicht sind sie schon lange von Orks ausgerottet worden?� Er griff nach seinem Humpen Bier. �Wir sollten uns hier einen Schmied holen und gleich ins Graue Gebirge ziehen.�</p><p>�Ho! H�rt, wir haben einen neuen Anf�hrer�, rief Bo�ndal laut. �Willst du vielleicht auch noch den Thron f�r dich beanspruchen, Freund Bavragor?�</p><p>�Ein guter Vorschlag. Dann k�nnte ich verbieten, dass Verr�ckte wie dein Bruder frei herumlaufen!�, konterte der Steinmetz eisig.</p><p>Bo�ndil kniff die Lider zusammen, die Hand legte sich wie von selbst an den Griff seines Beiles. �Vorsicht, Einauge, sonst musst du dich bald Keinauge nennen.�</p><p>Bo�ndal wandte sich zu Tungdil. �Sie mochten sich noch nie, und seit der Sache mit Hammerfausts Schwester ist es nicht besser geworden�, raunte er ihm zu.</p><p>Tungdil seufzte, er ahnte, dass er unterwegs mit vielen Schwierigkeiten zu k�mpfen haben w�rde. �Was war mit der Schwester?�</p><p>�Ein anderes Mal, wenn die beiden nicht dabei sind�, wehrte Bo�ndal ab. �Sonst kommt es noch zu einer Schl�gerei. Oder Schlimmerem.�</p><p>�Gibt es einen Plan, wie wir an das Drachenfeuer gelangen?�, wollte Go�mgar wissen, der nur etwa halb so breit wie die Zwillinge und Hammerfaust war. �Ich sorge mich schon ein wenig. Orks, das Tote Land, Albae, Drachen �� Er schluckte nerv�s. �Das sind ziemlich viele � Herausforderungen.�</p><p>�F�r mich klingt es nach einer guten Zeit�, r�hrte Ingrimmsch heiter und schlug dem Vierten auf die Schulter, dass dieser den Mund verzog. �Schweinchen schlachten bereitet jedem Zwerg Freude, oder etwa nicht?!�</p><p>Der Schein der Kerzen zeigte, weshalb man Go�mgar seinen Beinamen gegeben hatte; in seinem Bart funkelte es. �F�r dich mag das sein, aber ich bevorzuge meine Werkstatt.�</p><p>Bo�ndil be�ugte ihn kritisch. �Sag mal, kannst du �berhaupt eine Axt f�hren? Du klingst beinahe wie ein heulendes Langweib und nicht wie ein Kind des Schmieds.� Er sprang auf die F��e und warf ihm ein Beil zu. �Los! Zeig mir, dass du k�mpfen kannst!�</p><p>Die Waffe fiel scheppernd vor Schimmerbart auf die Steinplatte. Der Vierte r�hrte sie nicht an, stattdessen pochte er gegen den Griff seines Kurzschwerts. �Ich bevorzuge das und meinen Schild�, antwortete er verschnupft, weil ihn der Krieger mit seinen Spottreden beleidigt hatte.</p><p>�Ein Kurzschwert? Ich dachte, das ist dein Brotmesser! Bist du ein Gnom, weil du mit der kleinen Klinge k�mpfst?�, lachte der Zwilling ungl�ubig auf. �Bei Vraccas! Dich muss der Gott aus besonders weichem Stein gemei�elt haben.� Kopfsch�ttelnd setzte er sich wieder, Bavragor gluckste in seinen Humpen und leerte ihn, um anschlie�end laut zu r�lpsen. Wenn es gegen Go�mgar ging, waren sie sich anscheinend einig.</p><p>Bo�ndal richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Karte. �Nach Borengar also. Wenigstens kommt uns das Tote Land auf dieser Etappe nicht in die Quere. Ich bin gespannt, was es mit den Tunneln auf sich hat und ob wir sie �berhaupt befahren k�nnen.�</p><p>�Wir werden es wissen, wenn eine Lore aus der Schiene springt und wir in den sicheren Tod st�rzen�, sagte Go�mgar verzagt. �Schon seit vielen Uml�ufen war niemand mehr in den Tunneln. Es grenzt an ein Wunder, wenn die ��</p><p>�Ich wei� jetzt, warum Gandogar uns diesen Weichsteinzwerg �berlie߫, meinte Ingrimmsch abf�llig. �So viel Gejammer habe ich bei keiner Trauerfeier vernommen.�</p><p>�Du h�ttest meine Mutter h�ren sollen, als ��, hielt Bavragor augenblicklich dagegen.</p><p>�Ruhe!�, rief Tungdil laut. Ernste Zweifel keimten bei ihm auf, ob er diese Gruppe von Widersachern zusammenhalten konnte. <emphasis>Vraccas, gib mir Kraft.</emphasis> �Bin ich denn nur von Zwergenkindern umgeben?! Man k�nnte meinen, ich w�re der �lteste von uns�, wies er sie zurecht. �Wir treten an, um das Geborgene Land zu retten. Das ist schlie�lich kein Ausflug, um eine Goldmine oder einen Salzstollen zu betrachten.�</p><p>�Ich dachte, wir setzen unser Leben aufs Spiel, um dir auf den Thron zu helfen�, warf Go�mgar spitz ein. Bavragor drehte den Humpen bedauernd um, fing die letzten Tropfen mit der Hand auf und leckte sie aus der Kuhle.</p><p>Tungdil l�chelte den Diamantschleifer an. �Nein, Go�mgar. Du hast es falsch verstanden. Ich will die Waffe gegen N�d�onn schmieden, damit wir �berhaupt eine Gelegenheit haben, etwas gegen das B�se zu unternehmen. Ohne Feuerklinge wird niemand den Magus aufhalten.� Er verschwieg absichtlich, dass er einen Abschnitt der Schrift nicht �bersetzen konnte.</p><p>�Und auf diese Weise wirst du die Clans der Ersten �berzeugen wollen, dass ihr bester Schmied uns ins Graue Gebirge begleiten soll?�, fragte der Steinmetz. �Vermutlich haben sie nicht mal etwas von dem Magus und dem Toten Land geh�rt.�</p><p>Tungdils Augen wanderten zwischen Bavragor und Go�mgar hin und her. �Warum macht ihr Schwierigkeiten, obwohl wir noch nicht einmal aufgebrochen sind?�, fragte er sie offen.</p><p>Bavragor rieb sich den Bart. �An mir soll es nicht liegen. Aber ich sage dir, wir brauchen mehr als den Segen von Vraccas, um mit der Axt in die Festung zur�ckzukehren.�</p><p>�Dann geh davon aus, dass wir mehr als das bekommen�, erwiderte Tungdil. �Ich habe auf dem Weg zur Versammlung so viele Abenteuer erlebt und �berlebt, dass ich nicht einen Augenblick an unserer Sache zweifle. F�r unser Volk und das Geborgene Land, Bavragor, nicht f�r mich.� <emphasis>Aber f�r Lot-Ionan, Frala, Sunja und Ikana,</emphasis> f�gte er in Gedanken hinzu. �Und Gold finden wir sicherlich auch noch.�</p><p>�Darauf w�rde ich gern ansto�en.� Bavragor erhob sich. �Aber zuerst muss ich Bier holen.�</p><p>Tungdil wandte sich Schimmerbart zu. �Glaubst du mir, was ich sage, Go�mgar?�</p><p>�Ja. F�r das Land�, erhielt er lahm zur Antwort, was ihn keinesfalls �berzeugte. Go�mgar wich seinen Blicken aus und schaute stattdessen auf die Regale, die bis an die Zimmerdecke reichten.</p><p>Bavragor kehrte bald darauf mit einem gewaltigen Humpen zur�ck, den er unterwegs schon wieder zur H�lfte geleert hatte. �Ich trinke auf die Hoffnungen unseres neuen K�nigs�, sprach er laut und lie� offen, ob er nun Tungdil oder Gandogar meinte. �M�gen sie in Erf�llung gehen!� Das Bier rann seine Kehle hinab.</p><p>�Er l�sst es einfach laufen�, staunte Ingrimmsch. �Er muss einen See in sich haben, in den das Zeug hineinl�uft.�</p><p>Hammerfaust wischte den Schaum aus seinem schwarzen Bart. �Der Becher ist schon wieder leer�, wollte er sich entschuldigen.</p><p>�Bleib�, befahl ihm Tungdil freundlich, aber bestimmt. �Du kannst trinken, wenn wir unser Vorhaben besprochen haben.� Missmutig hockte Bavragor sich nieder; der leere Humpen landete achtlos auf dem Boden des B�cherhorts. �Wir gehen zuerst nach S�den, ins Rote Gebirge, um die Ersten von der drohenden Gefahr zu unterrichten, falls sie noch nicht davon geh�rt haben. Wir �berzeugen sie, ihren besten Schmied mit uns zu schicken, und reisen durch die Tunnel ins Graue Gebirge.� Er nahm eine zweite Karte und breitete sie vor den vier Zwergen aus. �Das ist eine alte Karte aus dem 5329sten Sonnenzyklus des F�nften Reichs, die uns die Hauptwege aufzeigt.�</p><p>�Da ist ja der Flammensee�, meinte Bo�ndal, der sich intensiv mit den vergilbten Skizzen besch�ftigte. �Darin finden wir sicherlich den Drachen, von dem die alten Schriften sprachen.�</p><p>�Und dann?�, kam es verzagt aus dem Mund Go�mgars.</p><p>Tungdil lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck. �Ich habe nicht vor, gegen den Drachen anzutreten. Es reicht, wenn wir an sein Feuer gelangen. Bo�ndil wird ihn so lange �rgern und auf seinem Schwanz herumtanzen, bis er nach uns speit. Dann sind wir zur Stelle und fangen die Flammen mithilfe von Fackeln ein, um die Esse zu entz�nden.�</p><p>�Muss ich ihn nur �rgern, oder darf ich ihn auch erledigen?�, erkundigte sich Ingrimmsch voller Vorfreude, was ihm einen schr�gen Blick Go�mgars einbrachte.</p><p>�Wenn du ihn wirklich umbringen willst, lass ihn aber zuerst Feuer spucken�, gab ihm sein Bruder die Anweisung. �Er n�tzt uns nichts mehr, wenn er alle viere von sich streckt und nicht einmal mehr Rauch aus seinen N�stern steigt.�</p><p>�Die Esse befindet sich in der N�he des Eingangs ihrer Festung.� Tungdil bedachte Bo�ndil mit einem besonders eindringlichen Blick. �Ich wei�, du willst Orks t�ten, aber dort sind sie so zahlreich, dass du und damit wir alle nicht als Sieger aus dem Gefecht hervorgehen k�nnen. Sei vern�nftig.�</p><p>�Von mir aus�, grummelte er, verschr�nkte die Arme vor der Brust und gab sich ein wenig bockig. �Lassen wir den Schweineschnauzen eben ihr stinkendes Leben, bis wir ihnen wieder auf dem Schlachtfeld begegnen.� Er schaute in die Runde. �Damit eines klar ist: Wenn wir unterwegs auf eine Rotte von Orks oder anderen Bestien sto�en, geh�ren die ersten zehn mir. Um den Rest d�rft ihr euch pr�geln.�</p><p>�Mit Sicherheit nicht�, entfuhr es Go�mgar so leise, dass nur Tungdil es h�ren konnte.</p><p>�Nur f�r den Fall, dass wir die Tunnel verlassen m�ssen: War einer von euch beiden schon f�r eine l�ngere Zeit an der Oberfl�che und unter Menschen?�, wollte Tungdil von seinen Mitstreitern wissen, die sogleich verneinten. �Gut. Ich werde euch unterwegs noch ein paar Hinweise geben, auf was man im Gespr�ch und bei der Begegnung mit den Langen achten muss. Und nun ruht euch aus, morgen geht es los.�</p><p>Bavragor und Go�mgar erhoben sich, um sich in ihre Unterk�nfte zu begeben.</p><p>�Und was machen wir?�, fragte Bo�ndal.</p><p>�Wir gehen auf Erkundigung.� Tungdil und die Zwillinge nahmen die Stufen, die sie tiefer in das Gebirge hinabf�hrten. Sie begaben sich auf die Suche nach dem Eingang zu den alten R�hren, mit deren Hilfe die Kinder des Schmieds immense Strecken in wenigen Tagen zur�cklegen konnten.</p><p>Bo�ndil und Bo�ndal staunten nicht schlecht, als sie unter der F�hrung Tungdils, der eine Abschrift der Karte mit sich trug, in Gebiete ihrer Heimat vorstie�en, von denen sie bislang nichts gewusst hatten. Der Bereich des Blauen Gebirges war wegen der Schwefelgase seit hunderten von Zyklen nicht mehr betreten worden.</p><p>Die Luft roch modrig, abgestandener als in den Bereichen, in denen die Zwerge lebten, aber nicht nach Schwefel. Gelegentlich stie�en sie auf Skelette von Schafen und Ziegen, die sich bei der R�ckkehr in den Stall verlaufen hatten und qualvoll verdurstet waren.</p><p>Stunde um Stunde erklommen sie die Stufen. Auf breiten Steinbr�cken ging es �ber tiefe Schluchten hinweg, auf deren Grund es geheimnisvoll dunkelgelb leuchtete; sie durchquerten pfeilergest�tzte S�le, die in ihren Ausdehnungen der Versammlungshalle in nichts nachstanden, und kamen an gewaltigen Wasserf�llen vorbei. Sie wagten es nicht, sich zu unterhalten, sondern lauschten and�chtig der Stille, die lediglich durch ihre Schritte und das Tosen der Kaskaden durchbrochen wurde. Bald marschierten sie nur noch bergauf.</p><p>�Diese G�nge waren all die Zyklen �ber vorhanden�, wunderte sich Ingrimmsch schlie�lich laut.</p><p>�So ist das mit Dingen, die nicht mehr benutzt werden�, sagte sein Bruder. �Man vergisst sie. Vermutlich sind die giftigen D�mpfe schon l�ngst abgezogen.�</p><p>�Eben�, stimmte Tungdil ihm zu und wies nach vorn auf ein vier Schritt breites und drei Schritt hohes Portal, in das zwergische Runen in Gold eingegossen waren. �Ich glaube, wir sind da.�</p><p>Im Schein ihrer �llampen befreiten sie die Schriftzeichen so gut es ging vom Schmutz der Jahrhunderte. Es war ein alter Dialekt, den die Erbauer des Tores gebraucht hatten, und Tungdil ben�tigte eine Weile, bis er den Sinn der Worte erfasste und sie vorlesen konnte:</p><cite><p>�Reise, um zu Freunden zu gelangen, reise, um Feinde zu vernichten, reise mit Vraccas� Segen und kehre sicher zur�ck.�</p></cite><p>Sobald Tungdil verstummt war, schoben sich die Fl�gel knarrend auseinander und gaben den Weg f�r die drei Zwerge frei.</p><p>Sie gelangten in einen gigantischen Raum, in dem Tungdil und seine Begleiter einen Wald aus den unterschiedlichsten, mit Gr�nspan, Rost oder Patina bedeckten Zahnkr�nzen entdeckten, die horizontal und vertikal ineinander griffen; weitere Gest�nge verbanden die Mechanik mit einer Reihe bauchiger Kessel; obendrauf sa�en kleine und gro�e Schlote, unten befanden sich Befeuerungsklappen.</p><p>Bo�ndals Blick schweifte aufmerksam durch den Saal. �Wir haben ein beinahe verlorenes Wissen wieder zum Leben erweckt.�</p><p>�Noch nicht ganz.� Tungdil schritt zu den bauchigen Kesseln, an denen kleine Glasr�hrchen mit Bleikugeln darin angebracht waren. Das Glas wies Markierungen auf, auf dem Kessel standen die Runen f�r Wasser geschrieben. Er b�ckte sich, um in den Hohlraum darunter zu blicken, und bemerkte Aschereste. �Bavragor w�rde annehmen, dass es sich um eine Destille handelt�, lachte er und pochte gegen das Blech. �Aber ich w�rde sagen, es ist ein Antrieb.�</p><p>�Und wie soll der gehen, Gelehrter?�, erkundigte sich Bo�ndal, w�hrend Bo�ndil an ihnen vorbei auf die andere Seite der Wand aus Kesseln und Gest�ngen ging.</p><p>Tungdil erinnerte sich an �hnliche Zeichnungen, die er in B�chern aus Lot-Ionans Bibliothek �berflogen hatte. �Wie bei einer M�hle, nur anders�, grinste er. �Die Zahnr�der drehen sich und treiben so etwas an.�</p><p>�He�, erschallte Ingrimmschs Stimme. �Kommt mal her! Hier ist noch mehr.� Sie folgten ihm.</p><p>Mitten in der Halle verliefen acht breite, leicht absch�ssige Eisenschienen, die geradewegs auf acht verschlossene Portale zuf�hrten.</p><p>Am Ende von vier Trassen standen Holzbarrikaden, an denen die verfallenen Reste von Strohs�cken hingen.</p><p>�Darauf werden die Loren gesetzt�, mutma�te Bo�ndal und erntete ein Nicken von Tungdil.</p><p>�Sicherer kann das Reisen nicht mehr sein. Man gleitet auf Schienen dahin.�</p><p>�Das wird Go�mgar beruhigen�, feixte Bo�ndal.</p><p>Tungdil schaute dorthin, wo Bo�ndil stand, ganz am anderen Ende der Halle. Dort lagerten etwa einhundert Loren. �Wir schauen sie uns an.�</p><p>Die Loren waren ganz unterschiedlich gebaut. In manchen waren zehn schmale B�nke hintereinander angebracht, andere hatten nur einen Sitz und dienten zum Transport von Fracht.</p><p>Am vorderen Ende eines jeden Karrens befand sich ein langer Griff. Tungdil r�ttelte vorsichtig daran, und unter der Lore quietschte es. Er b�ckte sich, um nachzuschauen. �Bremsen�, verk�ndete er, �damit drosselt man unterwegs die Geschwindigkeit des Vehikels. Wenn man den Rost abschl�gt, m�sste es gehen.�</p><p>�Aber wie bekommen wir die Loren auf die Schienen, Gelehrter?� Bo�ndal blickte zu den schr�g verlaufenden Startrampen, deren h�chster Punkt sich zwei Schritte �ber dem Felsboden befand. �Von Hand hochhieven? Dazu sind sie zu schwer.�</p><p>�Nein, sieh nur�, meinte Tungdil und deutete zur Decke.</p><p><emphasis>Eine Hebevorrichtung!</emphasis> �Das ist es! Mit den Krallen haben sie die Loren gepackt, angehoben und auf die Rampen gesetzt. Kommt, wir probieren einfach aus, was geschieht, wenn wir sie in Betrieb nehmen.�</p><p>Sie entdeckten Reste von Holzkohlebrocken, die sie mithilfe ihrer �llampen zum Brennen brachten. Das notwendige Wasser, um wenigstens einen Kessel zu f�llen, sch�pften sie sich aus dem Becken eines Wasserfalls.</p><p>�Und jetzt?�, wollte Bo�ndil gespannt wissen.</p><p>�Warten wir ab�, erwiderte Tungdil.</p><p>Sie d�sten eine Weile, um sich von den Anstrengungen der Arbeit auszuruhen. Ingrimmsch packte Tungdil pl�tzlich am Arm. �Da! Das Bleik�gelchen in dem Rohr hat sich bewegt!�</p><p>Tungdil richtete sich auf. Und wirklich tanzte die graue Kugel inmitten des R�hrchens. Aus zwei Ventilen schoss hei�er Wasserdampf.</p><p>�Was kommt als N�chstes?�, murmelte Bo�ndal neugierig.</p><p>Das Gest�nge drehte sich langsam um die eigene Achse, woraufhin sich das Erste der unendlich vielen Zahnr�der laut quietschend in Bewegung setzte, eine halbe Umdrehung schaffte und stehen blieb. Ein drittes Ventil �ffnete sich. Laut zischend entwich Luft.</p><p>�Nat�rlich, es ist der Dampfdruck!�, verstand Tungdil und empfand Hochachtung vor den Ingenieuren der Zwerge, die sich die Konstruktion vor tausenden von Zyklen ausgedacht hatten. �Anstelle von Wasserkraft treibt der Dampf die R�der an!� Die Zwillinge schauten ihn verwirrt an. �Habt ihr noch niemals versucht, einen Deckel auf einem kochenden Topf festzuhalten?�</p><p>�Bin ich ein Koch?�, begehrte Bo�ndil auf.</p><p>�Ich begreife�, nickte sein Bruder. �Durch den Dampf drehen sich die Zahnr�der. Damit kann man die Flaschenz�ge bewegen und die Loren auf die Schiene setzen, ganz ohne Kraft.� Er betrachtete das Gewirr aus Stangen. �Der Dampfdruck eines Kessels wird wohl nicht ausreichen, die Vorrichtung anzutreiben.�</p><p>�Macht nichts�, sagte Tungdil. �Wir brechen sowieso erst morgen auf, und bis dahin ��</p><p>Ingrimmsch fuhr pl�tzlich herum und blickte misstrauisch zum Eingang. �Da war etwas�, knurrte er, und seine Kampfinstinkte erwachten.</p><p>�Bestimmt ein Ork�, zog ihn Tungdil auf. �Geh und sieh nach.�</p><p>�Darauf kannst du dich verlassen�, nickte er und trabte zum Portal, wo er sich genau umschaute. Er nahm einen Stein auf, wog ihn in der Hand, drehte sich nach rechts, um dann unvermittelt herumzuwirbeln und sein Geschoss in die Dunkelheit zu schleudern.</p><p>Tats�chlich kreischte etwas in der Finsternis auf; sie h�rten schnelles Trappeln, als es sich entfernte. Eine kleine, Tungdil merkw�rdig bekannt vorkommende Silhouette huschte durch den Einlass und fl�chtete vor dem Zwerg, der bereits seine Beile gezogen hatte und sich auf einen Kampf vorbereitete.</p><p>�Was mag das gewesen sein?�, fragte Tungdil. �Hast du etwas erkannt?�</p><p>�Nein. Da es uns aber nicht angegriffen hat, kann es nichts Schlimmes gewesen sein�, lautete Bo�ndals Antwort, w�hrend sein Bruder mit entt�uschtem Gesicht zur�ckkehrte.</p><p>�Es war kein Ork�, beschwerte er sich. �Irgendein Viech, das zu schnell rannte, um es zu erledigen.�</p><p>�Wir sehen nach, was sich hinter den kleineren Portalen verbirgt, und kehren dann zur�ck�, beschloss Tungdil. �Das gen�gt f�r heute.�</p><p>�Was soll da schon sein? Schienen vermutlich. Das wei� ich sogar�, erwiderte Bo�ndil m�rrisch, weil sie auf keinen einzigen Widersacher gesto�en waren, an dem er seine Beile wetzen durfte.</p><p>Tungdil legte den Hebel um, der neben der ersten Schiene aus dem Boden ragte, und tats�chlich schwangen die Fl�gelt�ren auf. Dahinter g�hnte ein schwarzes Loch, in das die Trasse hineinf�hrte.</p><p>�Ho, das wird ein Ritt�, meinte Ingrimmsch. �Schw�rzer als im Hintern eines Trolls. Man sieht die Hand vor Augen kaum.�</p><p>�Du siehst ebenso gut im Dunkeln wie ich�, entgegnete sein Bruder am�siert, obwohl er einr�umte, dass die Finsternis des Stollens selbst seine Augen auf eine harte Probe stellte. Mehr als zehn Schritte konnte er nicht voraussehen. �Die Langen brauchten Fackeln�, f�gte er hinzu.</p><p>�Die sollten wir auch mitnehmen und entz�nden�, empfahl Tungdil, �sonst gew�hnen wir uns zu sehr an die Dunkelheit und sind geblendet, wenn uns unterwegs auch nur der geringste Lichtstrahl trifft. Eine Spalte im Gebirge reicht aus und wir sind unsere Sehkraft los.�</p><p>Bo�ndil indes bewies Forscherdrang, indem er einige Schritte in den Tunnel hineinlief, w�hrend Tungdil die verstaubte Inschrift las, die neben der R�hre in die Wand gemei�elt war.</p><p>�Das ist die Strecke ins Reich der Ersten�, �bersetzte er laut f�r die anderen mit. Dabei formte sich ein Bild in seinem Kopf, wie es einst in der Halle zugegangen sein mochte.</p><p><emphasis>Auf diesen Schienen brachen sie zur Reise auf, und dort, wo die Holzw�nde am Ende stehen, kehrten die Loren von ihrer Fahrt zur�ck. Die mit Strohs�cken gepolsterten Barrikaden dienten sicherlich dazu, die Karren aufzuhalten, falls die Bremsen versagten.</emphasis></p><p>Gr�belnd schritt er die Gleise ab, bis er am vierten Tor angelangte. �Schaut nur, hier geht es tats�chlich zum Stamm Lorimbur!�, rief er den beiden zu. <emphasis>Waren die Beziehungen fr�her einmal besser, oder welchen Grund gab es, eine eigene Verbindung zu den Dritten zu unterhalten?</emphasis></p><p>�Das war bestimmt, um Krieg gegen sie zu f�hren�, drang es hohl aus der R�hre, in der Ingrimmsch verschwunden war. �Hier ist es verflucht eng. Wenn die Karren drin sind, passt gerade mal ein Zwerg rechts und links neben die Trasse.�</p><p>Tungdil lie� Bo�ndils Vermutung �ber einen Krieg gegen die Dritten unbeantwortet. �Komm, wir gehen�, dr�ngte er ihn stattdessen, aus dem Tunnel zur�ckzukehren.</p><p>�Ho, ich bin am Ende angekommen und hier � hier f�llt der Weg fast senkrecht nach unten. Das d�rfen wir Go�mgar keinesfalls erz�hlen, sonst wird er nicht einsteigen wollen.� Sein dunkles Lachen dr�hnte dumpf zu ihnen herauf und wurde lauter, als er von seinem Erkundungsgang zur�ckkehrte. �Schaut mal, wie ich aussehe!� Er hing voller Spinnweben, die getrockneten �berreste von Insekten hatten sich in seinem Bart verfangen. Bo�ndal fischte die F�den von seinem Kettenhemd und klaubte sich den Schmutz aus dem Bart.</p><p>�So, wie du aussiehst, wohnen wohl doch noch andere Wesen unter dem Gebirge�, meinte Tungdil und bet�tigte die Vorrichtung, um den ersten Durchlass zu schlie�en.</p><p>�Nichts, wovor man Angst haben m�sste�, winkte Bo�ndil ab. �Und wenn die Spinnen gr��er als ein Zwergenkopf sind, geh�ren sie mir.�</p><p>Sie stimmten in seine Heiterkeit mit ein. Dann l�schten sie das Feuer unter dem Kessel, verriegelten das Tor mit dem Aufsagen der Verse und machten sich auf den R�ckmarsch, der sie hunderte von Treppenstufen nach unten f�hrte. Ohne die Sonne gelang es Tungdil nicht abzusch�tzen, wie lange sie ben�tigten, um aus dem bewohnten in den verlassenen Teil des Zwergenreichs zu gelangen, aber seinem Hunger nach zu urteilen, mussten sie eine ganze Weile unterwegs gewesen sein.</p><p>Verschwitzt und m�de gelangten sie in die gro�e Halle, in denen die Gesandten ihre Mahlzeiten einnahmen, und setzten sich ersch�pft an einen Tisch. Die neugierigen Blicke der anwesenden Zwerge ignorierten sie absichtlich.</p><p>�Wir zeigen ihnen erst morgen, wo sich die R�hren befinden�, erkl�rte Tungdil den Zwillingen. �Ich m�chte nicht, dass Gandogar vor uns aufbricht und sich auf diese Weise einen Vorsprung schafft. Es wird ohnehin hart, gegen ihn und seine Gruppe als Sieger zu bestehen.�</p><p>�Die besten K�mpfer sind jedenfalls auf deiner Seite�, grinste Ingrimmsch, schnitt sich eine handtellergro�e Scheibe eines Riesenpilzes ab und belegte sie mit w�rzig riechendem K�se. �Was soll dich da noch aufhalten?! Ich sage dir, die Tage N�d�onns sind gez�hlt.�</p><p>�Ich teile die Meinung meines Bruders�, stimmte Bo�ndal ihm zu. �Aber mir ist noch eine Sache eingefallen. Mir geht n�mlich die Beschreibung der Feuerklinge nicht aus dem Kopf.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Reinster, h�rtester Stahl, Stiel und Widerhaken aus Stein, die Intarsien und Runen aus allen edlen Metallen, und die Schneide soll dazu mit Diamanten besetzt sein�, z�hlte der Zwerg auf.</p><p>�Wir nehmen uns einen Vorrat davon mit�, erriet Tungdil seine Gedanken. �Ich habe Balendil�n darum gebeten, uns von allen ben�tigten Materialien gen�gend zusammenzustellen. Er meinte, der Hort der Zweiten sei gro� genug, um ein wenig Schwund f�r eine solch wichtige Angelegenheit zu verkraften.�</p><p>�Gold, Silber, Palandium, Vraccassium, Tionium und als Abschluss noch eine Hand voll Diamanten obendrauf?�, staunte Bo�ndal. �Beim g�ttlichen Schmied, damit sind wir die fetteste Beute, die einem Stra�enr�uber und Halsabschneider jemals �ber den Weg laufen kann!�</p><p>�Granit und Eisen sowie Proviant kommen noch dazu�, erg�nzte Bo�ndil. �Wir haben zwar starke Beine, aber was du mitzunehmen planst, kann nicht mal ein Oger schleppen.�</p><p>�Wenn alles gut geht, nutzen wir die R�hren und brauchen uns ohnehin keine Sorgen zu machen. Andernfalls m�ssen wir uns ein Pony kaufen, das unsere wertvolle Fracht unterwegs tr�gt. So einfach ist das.�</p><p>Die Zwillinge schwiegen und widmeten sich ihrer Mahlzeit, aber die Stille zeigte Tungdil, dass sie mit seinem Plan nicht einverstanden waren.</p><p>�Wisst ihr etwas Besseres, oder wollt ihr im Grauen Gebirge die alten Minen der F�nften nach den Metallen und Erzen umgraben?�, seufzte er und schob sich einen Bissen K�se in den Mund.</p><p>�Wir k�nnten gen�gend Diamanten mitnehmen, um den Rest unterwegs zu kaufen�, schlug Bo�ndal vor. �Ehe wir die Grenzen zum Toten Land �berschreiten. Oder noch besser, wir decken uns erst dort mit den Metallen ein.�</p><p>�Zu unsicher�, verwarf Tungdil das Vorhaben. �Am Ende gibt es kein Tionium, und uns fehlt ein entscheidender Bestandteil der Feuerklinge.�</p><p>Er setzte seinen vierten Humpen an die Lippen und leerte ihn in einem Zug.</p><p>�Es bleibt dabei, wir nehmen alles mit, was wir ben�tigen.� Er stand auf und sp�rte die Wirkung des Bieres, weil er zu hastig getrunken hatte. �Wir schaffen es�, munterte er sie auf, dann wandte er sich zum Ausgang und lief schwankend zur�ck in seine Kammer, wo er satt und ein wenig berauscht auf sein Lager fiel. Dabei wollte ihm die kleine Silhouette nicht mehr aus dem Kopf gehen, die sie in der N�he des Portals aufgeschreckt hatten. Er kannte sie von irgendwoher.</p><p><emphasis>Schaffen wir es wirklich? Auf was habe ich mich nur eingelassen?,</emphasis> dachte er, bis die Anstrengung des Marsches ihn �bermannte und er so, wie er war, auf dem Bett einschlief.</p><empty-line/><p>Jemand r�ttelte Tungdil unsanft aus seinen Tr�umen. Verschlafen richtete er sich auf und st�hnte, als er das Klopfen in seinem Sch�del sp�rte. <emphasis>Ich dachte, das passiert bei Zwergenbier nicht.</emphasis></p><p>�Sie sind fort!�, h�rte er Balendil�n rufen. �H�rst du, Tungdil?! Sie sind fort.�</p><p>Er �ffnete die Augen. Der einarmige Berater stand vor seinem Bett, dahinter scharten sich die Zwillinge, Bavragor und Go�mgar, die ihre Kettenhemden trugen und abmarschbereit aussahen. �Unsinn, sie stehen doch hinter dir�, murmelte Tungdil mit schwerer Zunge.</p><p>�Nein, nicht die. Gandogar und seine Gruppe, sie sind fort�, sagte Balendil�n, dieses Mal etwas sch�rfer und lauter. �Ihr m�sst ihnen augenblicklich folgen, sonst wird der Vorsprung zu gro�.�</p><p>Tungdil rutschte aus dem Bett. Sein K�rper und sein Verstand f�hlten sich keinesfalls ausgeruht genug, um sich auf eine Fahrt durch dunkle R�hren und Stollen einzulassen. �Sie werden lange brauchen, bis sie im Grauen Gebirge ankommen�, beruhigte er Balendil�n. �Frag Schimmerbart, wie lange die Vierten bis hierher unterwegs waren.�</p><p>�Sie sind nicht zu Fu� unterwegs�, schaltete sich Bo�ndal ein. �Sie fehlen, bis auf Bislipur, und keiner wei�, wohin sie gegangen sind.�</p><p>�Jedenfalls nicht durchs Tor hinaus�, setzte Bo�ndil hinzu.</p><p>Die Erkenntnis traf Tungdil unvermittelt. <emphasis>Das war kein Tier, das wir da unten gesehen haben.</emphasis> Schlagartig war der Zwerg hellwach. �Swerd!� Es war Bislipurs Gnom gewesen, der ihnen gestern gefolgt war und sie bei den Loren belauscht hatte, ehe ihn Bo�ndil mit seinem Steinwurf verscheucht hatte. <emphasis>Damit wei� Gandogar genau, wo die Karren auf den Weg geschickt werden.</emphasis> Swerd war ihm allm�hlich ebenso unangenehm wie sein Herr.</p><p>Hastig zog Tungdil sein Lederwams an, warf sich das Ringgeflecht �ber, schl�pfte in die Lederhosen und Stiefel, um kurz darauf bereit zu sein, sich in das Abenteuer zu st�rzen. In der Zwischenzeit ordnete er an, dass die Zwillinge Bavragor und Go�mgar zu dem vergessenen Teil des Zweiten Reichs f�hrten und die Kessel anheizten.</p><p>�Die Loren m�ssen auf den Schienen sein, wenn ich zu euch sto�e. Ich unterhalte mich inzwischen ein wenig mit Bislipur�, verk�ndete er und erbat sich Balendil�n als Begleiter.</p><p>�Du hast Bavragor als Steinmetz ausgew�hlt, wie ich sehe�, sagte er unterwegs.</p><p>�Nein, das stimmt nicht ganz. Er hat sich ausgew�hlt, und ich habe ihm vorschnell mein Wort gegeben, ihn mitzunehmen�, seufzte Tungdil. �Ich kann mein Versprechen nicht brechen. Aber was hat es mit ihm auf sich, dass mir die anderen von ihm abraten? Ist sein Durst wirklich so gewaltig?�</p><p>Balendil�n sog die Luft ein. �Er ist ein verbitterter Zwerg, wenn er n�chtern ist, und ein singender Spa�vogel, wenn er genug Bier bekommen hat. Seine gro�en Zeiten als Steinbildner sind vor�ber.�</p><p>�Er ist nicht der Beste?�</p><p>�Doch, er ist der Beste. All die meisterlichen Arbeiten an den Festungsmauern, in den Hallen und G�ngen preisen seine Kunst, doch er hat seit zehn Zyklen oder l�nger den Mei�el nicht mehr angefasst, weil seine H�nde wegen der st�ndigen Sauferei nicht immer das tun, was der Verstand von ihnen verlangt. Bis heute ist es keinem der K�nstler gelungen, seine Werke zu �bertrumpfen. So lange ist er der Beste, den die Clans der Zweiten haben.� Balendil�n kniff die Lippen zusammen. �Ich wollte nicht, dass du ihn mitnimmst. Er ist wankelm�tig, und keiner wei�, wie gut er wirklich noch ist. Aber das l�sst sich wohl nicht mehr �ndern.�</p><p>Sie fanden Gandogars Mentor in der Halle beim Fr�hst�ck, wo er mit mehreren Zwergen der Vierten zusammensa� und sich leise unterhielt. Seine Leute machten ihn auf die beiden Herannahenden aufmerksam.</p><p>�Ihr seid sp�t dran�, begr��te Bislipur sie scheinbar �berrascht. �Nur der fr�he Schmied hat das Eisen rechtzeitig fertig.�</p><p>�Wir w�ren gern mit Gandogar aufgebrochen. Warum ist er schon losgezogen?�, stellte ihn Tungdil zur Rede und unterdr�ckte seinen Zorn. �Und woher wusste er, wo sich die Tunnel befinden?�</p><p>Die braunen Augen Bislipurs betrachteten ihn gleichg�ltig. �Wir haben Nachforschungen angestellt�, erkl�rte er leichthin. �Au�erdem war kein gemeinsamer Zeitpunkt zum Aufbruch vereinbart. Mein K�nig hat seine Gruppe zusammengestellt und ist losgezogen, um mit der Feuerklinge zur�ckzukehren.� Er r�mpfte die Nase. �Er kann nichts daf�r, dass du lieber einen �ber Durst trinkst und so lange in den Federn liegst. Du scheinst dich den Gewohnheiten von Hammerfaust anzupassen.�</p><p>�Ich nehme das Rennen zu den Clans der Ersten und um den besten Schmied sehr gern an. Sein Vorsprung ist nicht so gro�, das kann ich leicht herausholen.�</p><p>Bislipur hob seinen Becher mit hei�er Milch. �Nur zu, reise zu den Ersten. Meinen Segen hast du.� Die Zwerge an seinem Tisch lachten leise.</p><p>�Wo ist dein Gnom?�, fragte Balendil�n scharf. �Spioniert er wieder in deinem Auftrag irgendwo herum? Heckt er eine Gemeinheit gegen Tungdil aus?�</p><p>Bislipur sprang auf die Beine und richtete seine breite Gestalt drohend auf. �Ich bin nicht ohne Ehre! Wenn du zwei Arme h�ttest, Balendil�n Einarm, w�rde ich dich zu einem Zweikampf fordern�, grollte er.</p><p>�Das soll gern geschehen, wenn du im Wettlauf gegen mich antrittst�, konterte er ruhig. �Der Streit um den Thron des Gro�k�nigs soll mit rechten Dingen zugehen, das ist alles, was ich von dir h�ren m�chte.�</p><p>Bislipur stemmte die H�nde in die H�ften. �Ich schw�re bei Vraccas, dass ich mich nicht einmischen werde. Aus genau diesem Grund bin ich in der Festung geblieben, denn alle sollen sehen, dass ich nicht eingreife.�</p><p>�Gilt das auch f�r deinen kleinen Helfer?�, hakte Balendil�n nach.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte er herablassend. �So lange ich wei�, wo er steckt. Manches Mal b�xt er einfach aus.�</p><p>Tungdil glaubte dem Zwerg kein Wort. <emphasis>Umso wichtiger wird es sein, die Augen unterwegs offen zu halten.</emphasis> Er verabschiedete sich br�sk und verlie� den Saal, um zu den Loren zu eilen.</p><p>�Warum bist du wirklich hier geblieben?�, fragte Balendil�n Bislipur leise.</p><p>Der Zwerg lachte grimmig. �Einen Grund habe ich dir genannt. Au�erdem m�chte ich verhindern, dass du allein das Schicksal unseres Volkes bestimmst, falls der Gro�k�nig pl�tzlich sterben sollte. Jemand muss doch darauf achten, dass die Clans der Zweiten die Macht nicht an sich rei�en, w�hrend der legitime Thronfolger auf Reisen ist.� Er senkte seinen Kopf. �Und damit meine ich nicht deine Marionette, Einarmiger. Dieser Zwerg ist kein Vierter.�</p><p>�Doch, er ist einer von euch. Du hast die Beweise daf�r gesehen und vernommen�, beharrte Balendil�n.</p><p>Bislipur kam noch einen Schritt n�her. �Ich sage dir, wohin mein Gnom unterwegs ist�, raunte er ihm zu. �Es ist auf dem Weg in unser Reich, um Nachforschungen in unseren Archiven anzustellen und mit denen zu reden, die von dem Bastard wissen m�ssten.� Seine Augen nahmen einen harten, feindseligen Ausdruck an. �Die Geschichte Tungdils ist ungeheuerlich, eine Beleidigung unseres alten K�nigs, der niemals anderen Zwerginnen nachstahl. Swerd wird mit den Beweisen zur�ckkehren und Tungdil der L�ge, der Anma�ung und der Verunglimpfung �berf�hren, das verspreche ich dir, Einarm. Und dann werde ich pers�nlich die Anklage gegen ihn f�hren. Der Traum des Schwindlers wird platzen wie ein Orksch�del unter meiner Axt, Freund Balendil�n. Alle, die mit diesem falschen Spiel zu schaffen hatten, sind gleichfalls an der Reihe. Auch dies ist ein Schwur.�</p><p>Balendil�n vernahm die drohenden Worte. Bislipur erschien ihm allzu sicher, die T�uschung aufzudecken. Sollte Tungdil zur�ckkehren, m�sste er unter allen Umst�nden gesch�tzt werden, bis N�d�onn vernichtet war. Der Feldzug gegen das B�se hatte Vorrang vor allem anderen.</p><p>�Ich habe deine Rede mit Freude vernommen, denn ich bin ebenso ehrlich wie du und f�rchte die Wahrheit nicht�, antwortete er freundlich. �Warten wir ab, wer von den beiden als Sieger aus dem Grauen Gebirge zur�ckkehrt. Und ich werde pr�fen, wie es sich mit dem Wahrheitsgehalt deiner Worte verh�lt und ob die Elben einst wirklich Verrat an den F�nften begingen. Sollten die Zeilen, die du vorgelegt hast, eine F�lschung sein, so wei� ich, wer sie niederschrieb.� Er nickte knapp und verlie� die Halle.</p><p>Bislipur setzte sich und schaute zu, wie der Einarmige durch das Tor schritt und verschwand. �Und im Gegensatz zu dir wei� ich, wer bald auf dem Thron sitzen wird�, murmelte er.</p><p>Die Posse um den falschen Vierten bremste seine hochfliegenden Pl�ne, aber ans Aufgeben dachte der Zwerg noch lange nicht. <emphasis>Daf�r habe ich in den vergangenen Zyklen zu sehr an den Vorbereitungen gefeilt. Der Krieg gegen die Elben wird stattfinden!</emphasis></p><p>Doch selbst f�r den unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Kinder des Schmiedes pl�tzlich anders besonnen, hielt er einen Plan in der Hinterhand.</p><p>Bislipur drehte sich um, um sich etwas zu essen zu holen. Als er sich Schinken abschnitt und das rote Fleisch mit den feinen, wei�en Maserungen darin betrachtete, hatte er eine Eingebung. <emphasis>Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. So war es schon immer.</emphasis></p><empty-line/><p>Tungdil hatte in aller Eile die wichtigsten Dinge zusammengepackt und trabte den Weg entlang, der ihn zu den Loren f�hrte. Er hatte Balendil�n und Gundrabur rasch zukommen lassen, welches Geheimnis sich im Schwarzjoch verbarg, damit sie die anderen Clanzwerge einweihten und das Geheimnis allen zuteil wurde.</p><p>Als er an seinem Ziel angelangte, empfingen ihn die anderen vier Zwerge mit elbenlangen Gesichtern. Die Luft des gro�en Raums war feucht und hei�, und Schwei� trat ihm aus allen Poren.</p><p>�Jemand hat Vorsorge getroffen, dass uns der Aufbruch m�glichst erschwert wird�, er�ffnete ihm Bo�ndal mit finsterer Miene. �Sieh nur.�</p><p>Die Eisenschiene, die als Abfahrtsrampe ins Reich der Ersten f�hrte, war verbogen und teilweise aus der Verankerung gerissen. Die Schw�le kam vom Dampf, der aus den durchl�cherten Wasserkesseln austrat. Selbst wenn es ihnen gel�nge, die Trasse notd�rftig zu reparieren, fehlte ihnen die M�glichkeit, die schweren Loren zu bewegen.</p><p>�Scheint so, als wollte Gandogar nicht, dass der Bessere gewinnt�, sagte Bo�ndal gereizt. �Es ist ein gutes Zeichen, dass er Angst vor dir hat.�</p><p>�Auf solche Zeichen kann ich verzichten. Au�erdem bin ich mir nicht sicher, ob wirklich Gandogar diese Zerst�rung angerichtet hat�, entgegnete Tungdil nachdenklich, w�hrend er sich b�ckte und die Eisenschiene eingehend betrachtete. Jemand hatte sie mithilfe des Flaschenzugs an der Decke aus der Halterung gezogen. �Bislipur wird sich f�r seinen Z�gling ein wenig n�tzlich gemacht haben, sch�tze ich.� <emphasis>Was mache ich jetzt?</emphasis></p><p>Go�mgar stand abseits und tat so, als ginge all dies ihn gar nichts an. Bavragor lehnte an einem besch�digten Kessel und nahm einen Schluck aus einem Trinkschlauch. Zufrieden schmatzte er, verschloss die �ffnung mit einem Korken und n�herte sich, um die Sch�den zu betrachten.</p><p>�Wir tauschen die Schienen einfach aus�, sagte er beschwingt und deutete auf das Nebengleis, wo die Loren aus dem Reich der Ersten ankommen sollten.</p><p>�Du hast getrunken�, stellte Bo�ndal vorwurfsvoll fest.</p><p>�Ja, und? Du hast gegessen, das ist f�r mich das Gleiche�, antwortete er ihm knapp und ohne den Zwerg anzuschauen. Seine breiten, schwieligen H�nde klopften gegen das Eisen. �Wenn wir einen unserer Schmiede holen, sollte er die B�nder l�sen k�nnen.� Sein rechtes Auge schweifte �ber die zerst�rten Kessel. �Und darum k�mmert sich der Kesselflicker, der in der Handelsstation lebt. Nicht, dass unser Stamm es nicht hinbek�me, aber er wird mehr Ahnung davon haben. Die Zwerginnen, die das Bier brauen, sollen auch herkommen. Sie kennen sich mit Kesseln gut aus.�</p><p>Tungdil staunte den Ein�ugigen an, der pl�tzlich vor Selbstbewusstsein und Tatendrang nur so strotzte. Der Wankelmut, von dem Balendil�n gesprochen hatte, traf den Zustand des Steinmetzen sehr genau. �Das sind gute Vorschl�ge, Bavragor�, lobte er ihn.</p><p>�Ich wei�.� Grinsend erhob sich der Steinmetz und g�nnte sich einen weiteren Schluck.</p><p>Tats�chlich gelang es den Bierbrauerinnen und dem Kesselflicker mitsamt seinen Gehilfen, die Gef��e abzudichten, damit sie wenigstens f�r kurze Zeit dem Druck des Dampfes Stand hielten.</p><p>Es kostete sie jedoch zwei weitere Sonnenuml�ufe, bis alles zur Abfahrt vorbereitet war. Die Kessel wurden mit Wasser gef�llt und befeuert, die Zahnr�der bewegten sich artig und der Flaschenzug verrichtete die von ihm erwartete Arbeit. Am Nachmittag des dritten Umlaufs stand ihre Lore endlich auf der neuen Schiene und war f�r die Fahrt ins Ungewisse bereit.</p><p>Tungdil und Ingrimmsch sa�en vorne, danach folgten Bavragor und Go�mgar, und die hintere Bank besetzte Bo�ndal. Ihr Gep�ck, angefangen vom Proviant bis zu den Rohmaterialien, die sie f�r die Feuerklinge ben�tigten, verteilten sie gleichm��ig zu ihren F��en.</p><p>Tungdil wandte sich zu den anderen um und schaute seinen Begleitern ins Gesicht. Keiner von ihnen wusste, was sie nach der steilen Abw�rtsfahrt erwartete oder wie weit Gandogar inzwischen nach Westen vorgedrungen war. Entsprechend ernst waren die Gesichter seiner Gef�hrten.</p><p>�Unser Leben ist in Vraccas� Hand�, sagte er, bevor er sich wieder umdrehte, die Augen fest auf die Fl�gelt�ren geheftet. Seine Linke legte sich auf den Hebel neben der Schiene. Tungdil zog den Griff nach hinten, die Portale klappten auf und gaben den Weg in die Finsternis frei.</p><p>�Lasst uns das Geborgene Land retten.� Tungdil l�ste die Bremsen der Lore, das Vehikel rollte sachte die absch�ssige Rampe hinab und hielt auf den Schlund zu.</p><p>�Was ist, wenn Gandogar die Schienen verbogen hat?�, fragte Go�mgar furchtsam. �Oder wir zu schwer sind und entgleisen?�</p><p>�Dann werden wir es merken�, lachte Bo�ndil, der mit einem irren Funkeln in den Augen auf die Schussfahrt wartete. �Hussa, das wird ein Spa�!�</p><p>Die Lore legte an Fahrt zu und erreichte die Stelle, an der die Trasse nach unten schwenkte. Langsam neigte sich der Karren nach vorne, die Passagiere hielten sich an den Griffen fest, und dann rauschte das Gef�hrt rumpelnd in die Tiefe.</p><p>Ingrimmsch stie� einen wilden Jauchzer aus. Bo�ndal klammerte sich stumm an den Sitz, Bavragor stimmte ein munteres Lied an, Go�mgar betete laut zu Vraccas, und Tungdil wunderte sich, welch ein Haufen Verr�ckter ihn begleitete.</p></section><section><title><p>XII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, irgendwo tief unter der Erde im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Der Fahrtwind wehte den Zwergen ins Gesicht und wirbelte ihnen die langen B�rte und Haare �ber die Schulter, w�hrend die Lore dr�hnend die Gleise entlangdonnerte und mit Schwung abw�rts ratterte. Die Geschwindigkeit presste die Zwerge hart in die Sitze, Tungdil f�hlte Kr�fte auf sich wirken, wie er sie in seinem ganzen Leben nicht versp�rt hatte.</p><p>Bavragor hatte aufgeh�rt zu singen, nachdem ihm etwas Kleines in den Mund geflogen war und er es aus Versehen hinuntergeschluckt hatte; nur Bo�ndil jauchzte immer noch und genoss es, wie ihm die Luft durch den Magen schoss.</p><p>Go�mgar hielt die Augen fest geschlossen und betete halblaut zu Vraccas, auf dass er sie beh�te und bewahre. Offenbar traute er seinem K�nig durchaus Gemeinheiten zu, sonst h�tte er sich nicht derart gef�rchtet.</p><p>Die akkurat herausgemei�elten Steinw�nde flogen nur so an ihnen vorbei; ihnen blieb nicht einmal gen�gend Zeit, sie genauer zu betrachten. Bald weitete sich der Tunnel, sodass die Lore nun quer durch den Gang gepasst h�tte.</p><p>�Sei still, Bo�ndil!�, herrschte Bo�ndal seinen Bruder an. �Du raubst mir mein Trommelfell, weil der Wind deine Stimme doppelt so laut nach hinten tr�gt.�</p><p>Ingrimmsch lachte �berm�tig. �Das nenne ich eine Fahrt! Ein Pony ist eine Schnecke gegen dieses Ding�, rief er lauthals. �Unsere Ahnen wussten, wie man schnell reist.�</p><p>�Aber trinken kann ich dabei nicht�, beschwerte sich Bavragor mit zusammengekniffenen Lidern und wischte sich den Branntwein aus den Augen. �Das h�tte man besser machen k�nnen.�</p><p>Tungdil musste grinsen. Bei den Zwergen gefiel es ihm; trotz aller Widrigkeiten, die ihm bislang zugesto�en waren, wollte er das Zusammentreffen mit seinem Volk nicht missen, auch wenn es ihn erneut auf Wanderschaft schickte. Dieses Mal war er jedoch nicht allein, und das beruhigte ihn. �Ohne die verfluchte Zwietracht k�nnte es noch viel sch�ner sein�, sagte er leise.</p><p>�Was?�, schrie Bo�ndil. �Was hast du gesagt?� Der Thronanw�rter winkte ab.</p><p>Mit einem Mal endete die Schussfahrt; der Karren beschleunigte nicht l�nger und nahm nun eine angenehme Reisegeschwindigkeit auf, die mal sanft nach oben f�hrte und dann wieder leicht absch�ssig wurde.</p><p>Ihr Gef�hrt rumpelte �ber zwei Abzweigungen hinweg, ohne von den Schienen zu springen.</p><p>�Ich hoffe, wir sind immer noch richtig, Gelehrter�, meldete sich Bo�ndal von hinten. �Hat jemand einen Wegweiser oder dergleichen gesehen?�</p><p>�Kurz vor jeder Weiche war immer ein Hebel�, rief Tungdil zur�ck. �Aber sie sahen beide zugestaubt aus und waren mit Flechten bewachsen. Es kann sie niemand verstellt haben.� Zumindest hoffte er, dass es sich so verhielt.</p><p>Der Tunnel wurde nun nicht mehr breiter, und die Aussicht gestaltete sich jetzt, wo die Zwerge endlich etwas erkennen konnten, als �u�erst langweilig. Am sauber behauenen Stein wuchsen lediglich ein paar Flechten und Moose; zweimal durchbrach die Lore kleine Stalagmiten, die mitten auf der Trasse wuchsen.</p><p>�Das bedeutet doch, dass Gandogar hier nicht vorbeigekommen ist�, tat Bavragor seine Meinung kund, entkorkte seinen Lederschlauch und nutzte die niedrigere Geschwindigkeit, um ein paar Schlucke zu trinken, ehe die n�chste Abfahrt anstand. �Hat er die Weichen vielleicht ��</p><p>�Nein, sie waren unverstellt�, beharrte Tungdil. <emphasis>Welchen Weg haben sie wohl genommen?,</emphasis> fragte er sich im Stillen.</p><p>�Und wenn sie die Loren von Hand umgehievt haben, damit wir nicht merken, dass sie eine Abk�rzung genommen haben?�, schlug Ingrimmsch vor.</p><p>�Das w�re m�glich�, stimmte Tungdil seinem L�sungsversuch zu, dachte dabei aber etwas ganz anderes. <emphasis>Sie k�nnten einen anderen Tunnel benutzt haben, um schneller zu den Ersten zu gelangen.</emphasis> Vielleicht gab es einen Plan, auf dem mehr als nur die Zug�nge und die Ausstiege eingezeichnet waren. Schlimmstenfalls hatte es ihr Rivale geschafft, die Hebel geschickt zu verschieben und sie in die Irre zu lenken, w�hrend er selbst mit vollem Schub nach Westen rollte. Aber solche Gedanken behielt er besser f�r sich.</p><p>Ihr Karren schnurrte die Trasse entlang, als h�tte er in den letzten einhundert Zyklen nichts anderes getan, bis sich der Tunnel pl�tzlich verbreiterte und sie in eine gro�e Halle einfuhren, in die drei weitere Schienenwege m�ndeten. Die Lore rollte aus.</p><p>Steifbeinig sprang Tungdil hinaus. �Los, lasst uns nachsehen, wie es von hier aus weitergeht�, rief er und freute sich, dass er nach der langen Sitzerei ein wenig umherlaufen konnte.</p><p>Die Zwerge erkundeten die Halle, in der sie auf �hnliche Flaschenz�ge und Dampfkessel wie im Reich der Zweiten stie�en.</p><p>�Hier wurden die Karren sicherlich umgestellt�, �berlegte Bo�ndal laut, schulterte seinen Kr�henschnabel und lie� den Blick umherschweifen, damit sie von nichts, was unter der Erde lebte und kein Zwerg war, �berrascht werden konnten.</p><p>�Ho, Schimmerbart!�, rief Bo�ndil pl�tzlich. �Was machst du da?�</p><p>Der Zwerg zuckte ertappt zusammen und wich von der Tafel zur�ck. Sie war so hoch und breit wie ein Gnom, aus hellem Granit gehauen und mit langen, inzwischen verrosteten Eisenstiften an der Wand befestigt. �Ich wollte � sie vom Staub befreien�, sagte er trotzig. �Um zu erkennen, was darauf geschrieben steht.�</p><p>�Es scheint ein Plan zu sein�, sch�tzte Tungdil, als er n�her kam und einen Blick darauf werfen konnte. �Gut gemacht, Go�mgar! Du hast wache Augen.�</p><p>Tungdil hatte ihn absichtlich gelobt, obwohl er beobachtet hatte, dass Go�mgar die feinen Linien im Fels mit seinem Dolch hatte zerst�ren wollen, um sie unkenntlich zu machen und Gandogar einen Vorteil zu verschaffen. Da er dem Diamantschleifer aber nichts nachweisen konnte, behielt er seinen Verdacht f�r sich und zeichnete den Plan ab. <emphasis>Ich werde von nun an misstrauischer sein.</emphasis></p><p>�Wir sind richtig�, meinte Bavragor freudig. �Ich sehe es ganz deutlich.�</p><p>�Sagt der Ein�ugige�, meinte Go�mgar abf�llig und eine Spur zu laut, damit Hammerfaust es auch h�rte.</p><p>Schnaubend fuhr der Steinmetz herum; seine breite Rechte zuckte nach vorn und packte den Vierten am krausen Bart, um ihn dicht an sich heranzuziehen.</p><p>�Komm nur her, du halber Zwerg, damit ich dir etwas erz�hle�, grollte er. Die andere Hand hob die Augenklappe. Darunter verbarg sich ein vertrocknetes �berbleibsel des Auges, in dem deutlich erkennbar ein Steinsplitter steckte. �Eines Tages forderte der Fels, den ich bearbeitete, seinen Tribut. Als ich einen Brocken zu etwas Besonderem formte, sprang das nadeld�nne St�ck Granit ab und raubte mir das Augenlicht. Aber Vraccas segnete das andere und schenkte mir f�r den Verlust die zehnfache Sehsch�rfe auf dieser Seite. Die Zehnfache, h�rst du?!� Er gab den schm�chtigen Zwerg mit einem dunklen Lachen frei. �Ich erkenne die kleinste Unebenheit im Gestein, ich sehe die Poren deiner Haut, und ich erblicke die Furcht in deinen Augen, Schimmerbart. Was sagst du nun?�</p><p>Go�mgar wich hastig vor den prankengleichen H�nden zur�ck und rieb sich das Kinn. Er hatte die Lippen vor Schreck fest aufeinander gepresst, doch jetzt l�ste sich die Wut, unw�rdig behandelt worden zu sein, in einer Drohung. �Das wirst du noch bereuen, Hammerfaust! Wenn Gandogar erst Gro�k�nig ist, denke ich mir etwas ganz Besonderes f�r dich aus.�</p><p>�So? Bist du zu deinem zarten Gem�t auch noch feige?�, h�hnte Bavragor.</p><p>�Schluss! Ihr habt euch beide genug beleidigt�, rief Tungdil sie zur Ordnung. �Keiner von euch hat sich sonderlich freundlich verhalten, also lasst es gut sein. Keiner schuldet dem anderen etwas.� Die Worte Go�mgars zeigten ihm deutlich, welche Einstellung er gegen�ber der Expedition hatte. �Es geht weiter.�</p><p>Er kehrte zur Lore zur�ck, und die anderen vier Zwerge folgten ihm schweigend. Die Spannung zwischen ihnen lag deutlich in der Luft, schlechter h�tte die Ausgangslage f�r eine erfolgreiche Mission kaum sein k�nnen.</p><p><emphasis>Ich hoffe, sie h�ren weiterhin auf mich, sonst m�ndet das Ganze noch in einer Katastrophe.</emphasis> Mit Schrecken erinnerte er sich, dass Bavragor und Ingrimmsch sich ebenso wenig mochten, wie Go�mgar den Steinmetz leiden konnte; nur der ruhige und besonnene Bo�ndal verstand sich mit allen gut. <emphasis>Noch,</emphasis> dachte Tungdil bedr�ckt. <emphasis>Vraccas, gib mir gen�gend St�rke. Ich bin es nicht gewohnt, ein Anf�hrer zu sein.</emphasis></p><p>Bo�ndil war auf der Suche nach m�glichen Gegnern bis zum n�chsten Portal gelaufen, �ffnete es nun und schaute den Tunnel entlang. �Hier geht es wieder abw�rts�, meldete er. �Wir m�ssen unseren Karren ein bisschen anschieben, den Rest besorgt das Gef�lle.�</p><p>Mit vereinten Kr�ften hievten sie ihr Gef�hrt bis zu dem abfallenden Gleisst�ck und sprangen bis auf Bo�ndal, der f�r den letzten Ansto� sorgte, hinein. Der n�chste Abschnitt ihrer Reise wartete auf sie. Das Vehikel trug sie weiter westw�rts; quietschend und rumpelnd kamen sie dem Reich der Ersten n�her.</p><subtitle>Das Geborgene Land, Zauberreich Lios Nudin, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Die Sp�her kehrten von ihrem Erkundungsritt zur�ck und meldeten, dass die Hauptstadt Porista friedlich dalag, als f�rchtete sie sich nicht vor den vierzigtausend Soldaten unter der F�hrung der besten Menschenkrieger des Geborgenen Landes, die von zwei Seiten auf sie zumarschierten.</p><p>Die Herbstsonne beschien die gr�nen Wiesen und die leuchtend bunten Bl�tter an den B�umen und Str�uchern, die vor dem Einzug des Winters noch einmal zeigten, welche Sch�nheit sie besa�en.</p><p>Tilogorn und Lothaire empfingen ihre Aufkl�rer vor dem Versammlungszelt, das als Schutz gegen den empfindlich k�hl gewordenen Wind aufgebaut worden war.</p><p>Der Bote, den sie vor etlichen Sonnenuml�ufen zu N�d�onn nach Porista zu Verhandlungen geschickt hatten, war mit den unannehmbarsten Forderungen zur�ckgekehrt, und als er ihnen zudem die Nachricht �ber den Tod der Zauberer �berbrachte, wussten sie, dass sie zuallererst den Magus vernichten mussten. Von ihm ging die gr��te Bedrohung aus.</p><p>Bei einem Becher hei�em Tee betrachteten sie die Karte mit den Aufzeichnungen �ber die Verteidigungsanlagen der Stadt und wunderten sich, wie wenig Widerstand einem m�glichen Angreifer geboten wurde. Ein einziger Wall sch�tzte die Stadt vor unliebsamen Eroberern.</p><p>Tilogorn, in einen schlichten, aber schweren Panzer geh�llt, freute sich beim Anblick der leicht zu erst�rmenden Mauern. Jedes kleine Dorf in Idosl�n bot mehr gegen Angreifer auf als die Hauptstadt des Zauberreiches. �Es wird schnell gehen, wenn uns der Magus nicht mit seinen magischen Kr�ften zu stark zusetzt. Gut, dass wir ein erstes Heer zusammengezogen haben.�</p><p>�Es wird ausreichen, den wahnsinnigen M�rder zu vernichten. Er kann nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein, eine Seite wird fallen und dann geh�rt er uns�, sch�tzte Lothaire und richtete seine leichte Lederr�stung.</p><p>Die Art der R�stung spiegelte die Weise der Kriegsf�hrung in den Reichen wider. Tilogorn stand in Idosl�n den ger�steten und �u�erst robusten Orks gegen�ber, daher w�hlte man dort einen guten Schutz gegen die �xte und Beile, w�hrend Lothaire aus dem Land der Berge und Seen stammte. Ein schwerer Panzer bedeutete Unbeweglichkeit, hohes Gewicht und bei Fehltritten auf schmalen Bergpfaden den sicheren Tod.</p><p>Noch unterschiedlicher als die Herrscher pr�sentierte sich das Heer. Alle K�niginnen und K�nige hatten Kontingente nach Porista gesandt; den Befehl �ber die bunt zusammengew�rfelten Truppen �berlie� man Tilogorn und Lothaire. Der Nachschub in Gestalt von nochmals vierzigtausend Streitern war auf dem Weg; mit ihm wollten sie in Ds�n Balsur einfallen.</p><p>So sa�en die leicht ger�steten und viel zu d�nn gekleideten Krieger Umilantes neben den eigentlich f�r den Seekrieg ausgebildeten K�mpfern Weys IV. und den Waldstreitern K�nigin Isikas. Keiner der Soldaten hatte jemals eine Stadt st�rmen m�ssen. Die leichte Kavallerie aus Taba�n sowie die eigenen K�mpfer von Lothaire und Tilogorn bildeten das sichere R�ckgrat, an dem sich die anderen orientierten und Halt gewannen.</p><p><emphasis>Ich bin froh, dass wir den Scheusalen Tions noch nicht gegen�berstehen. Die M�nner m�ssen sich erst einspielen.</emphasis> Der blonde Herrscher Urgons deutete auf die Stadttore. �Tilogorn, Ihr �bernehmt das n�rdliche, ich st�rme das s�dliche Tor. Die Leitern sind angefertigt und die Katapulte zusammengesetzt.� Er hob den Kopf. �Ich mache den Anfang, und Ihr haltet Eure zwanzigtausend Mann bereit. Sobald meine Meldel�ufer Euch erreichen, rennt Ihr auf der anderen Seite gegen N�d�onns Zuflucht an.�</p><p>�Dann soll es sein�, nickte Tilogorn und langte nach seinem Helm. �Befreien wir das Geborgene Land von dem ersten �bel, danach sind die Orks und Albae an der Reihe. Palandiell sei mit uns.�</p><p>�Sie wird es sein, daran gibt es keinen Zweifel.� Sie reichten sich die H�nde, verlie�en die Unterkunft, sa�en auf und ritten zu ihren Einheiten, die drei Meilen vor den Zug�ngen nach Porista Stellung bezogen hatten.</p><p>Auf ein Fanfarensignal hin erhob sich ein Fahnenmeer. Lothaires Abteilungen f�hrten wie vereinbart die erste Attacke gegen das S�dtor. Sie verbargen sich bei ihrem Sturm hinter dicken Holzw�nden, die sie auf R�der montiert hatten, um eine fahrbare Sch�tzung zu erhalten.</p><p>Als sie jedoch auf Schussweite heran waren, zeigte ihnen die Hauptstadt Lios Nudins die Krallen. Pfeilschw�rme verdunkelten den Himmel, Geschosse sirrten durch die Luft und gingen auf die Truppen nieder.</p><p>Eilig kauerten sich die Infanteristen hinter die starken Bretter. Die Pfeile forderten nur geringe Opfer unter den Angreifern. Die eigenen Sch�tzen erwiderten den Beschuss, und im Schutz der rollenden W�nde ging es weiter vorw�rts. Am Fu� der Mauern und vor dem Stadttor angelangt, wurden die W�nde nach oben geklappt und mit Pfosten abgest�tzt, um den M�nnern an den Rammb�cken als waagrechtes Dach gegen Steine und andere Geschosse von oben zu dienen; Sturmleitern wurden herangeschafft und angelegt.</p><p>Das war der Augenblick, in dem ihnen N�d�onn eine erste Kostprobe seiner Macht gab.</p><empty-line/><p>Tilogorn sa� ein St�ck vom Kampfgeschehen entfernt auf seinem Pferd und beobachtete, wie sich die Fu�truppen an den Nordzugang heranpirschten. Die Gegenwehr auf ihrer Seite war schlicht zu vernachl�ssigen, man hatte Porista erfolgreich Glauben gemacht, dass der Hauptansturm aus der anderen Richtung erfolgte. Bis sich der zweite Angriff zu den Verteidigern im S�den herumspr�che, w�ren die Portale l�ngst ge�ffnet.</p><p>�Es wird nicht mehr lange dauern�, gab er eine leise Vorhersage ab, �dann liegt es in unserer Hand.� <emphasis>Mit einem Heer gegen Magie.</emphasis> Die Vorstellung behagte ihm nicht. <emphasis>Aber welchen Ausweg haben wir?</emphasis></p><p>Er hatte sich selbst dazu bestimmt, die f�nftausend Streiter umfassende Reiterei durch die Gassen der Stadt zu lenken und den Palast des Zauberers anzugreifen und im Handstreich zu erobern. Schnelligkeit und �berraschung z�hlten, wenn man lebend gegen diesen Magus vom Feld ziehen wollte.</p><p>Zwei einzelne Reiter n�herten sich �ber Umwegen ihrem Standort, reckten die Fahnen und gaben das verabredete Signal.</p><p>�M�ge uns Palandiell beistehen.� Tilogorn pr�fte den Sitz seiner Waffen und probierte, ob er an Dolch und Kurzschwert schnell genug herankommen konnte; dann wies er die Fanfarentr�ger an, zum Angriff gegen das Tor zu blasen. Wie ein Ameisenheer st�rmte die erste Welle aus achttausend Mann gegen den Zugang an, die Strategie war die gleiche, wie sie Lothaire keine zwei Meilen von ihnen entfernt einsetzte.</p><p>Den Angreifern schlug nur wenig Widerstand entgegen. Vereinzelt kamen die Pfeile hinter den Zinnen hervorgeschossen, und so hatten sie kaum Opfer zu beklagen.</p><p>In Windeseile lagen die Leitern an den Mauern. Kurz darauf standen die ersten Krieger auf den W�llen und befanden sich im Nahkampf mit der Hand voll Tapferer, die zur Verteidigung des n�rdlichen Zugangs abgestellt worden waren.</p><p>Er schaute zur Mauerkrone, auf der soeben die Flagge Idosl�ns emporgezogen wurde, und setzte den Helm auf. Kraftvoll klappte er das Visier herab. �F�r das Geborgene Land!�, rief er und preschte zusammen mit den f�nftausend Berittenen auf das sich �ffnende Stadttor zu.</p><empty-line/><p>Der oberste Stein der Zinne l�ste sich wie von selbst aus dem M�rtelbett und schoss wie von einem Katapult abgefeuert auf die Angreifer nieder. Der Quader mit der Kantenl�nge eines Unterarms traf den Brustkorb eines Soldaten und quetschte ihn zusammen, als w�re er nachgiebig wie ein Bienennest.</p><p>Das stellte den Auftakt zu einem grausamen Hagel dar, wie ihn keiner der K�mpfer jemals erlebt hatte und die meisten von ihnen nie mehr erleben w�rden.</p><p>Die Stadtmauer Poristas l�ste sich Stein f�r Stein auf. Von oben nach unten schnellten die Quader von ihren Pl�tzen und krachten mit solcher Wucht in die Reihen der Angreifer, dass s�mtliche Schutzvorrichtungen versagten. Die rollenden W�nde wurden durchschlagen, umgeworfen oder vollkommen zertr�mmert, w�hrend die Truppen dahinter im Splitterregen standen und schreckliche Verletzungen erlitten.</p><p>Jeder der Steine traf sein Ziel. Das Ger�usch der dumpfen Einschl�ge, das Krachen der Knochen und Scheppern der R�stungen wollte nicht mehr enden; aus den Schreckensrufen wurden Hilfeschreie und Todesgebr�ll. Die wenigen Sturmleitern, die noch standen, kippten, weil es nichts mehr zum Anlehnen gab.</p><p>�Zur�ck!�, befahl Lothaire und wendete sein Pferd. Da traf ein Quader den Kopf des Hengstes, der augenblicklich zusammenbrach und zuckend verendete.</p><p>Der Prinz st�rzte schwer zu Boden und brauchte lange Zeit, bis er sich unter dem Leib des Tieres hervorgeschoben hatte. Sein Bein f�hlte sich gebrochen an, an ein Auftreten war nicht zu denken. Zwei seiner Soldaten erkannten die Lage und eilten ihrem Herrscher zu Hilfe, um ihn in einen Graben neben dem Weg zur Stadt zu legen. Das war der sicherste Ort, so lange die behauenen Felsbrocken umherflogen.</p><p>�Verdammter Magus!�, fluchte Lothaire und biss die Z�hne zusammen, als eine Schmerzwelle durch sein Bein fuhr. Die gef�rchtete Magie war zum Einsatz gekommen und brachte mannigfaltigen Tod �ber die verb�ndete Truppe. Er wollte sich lieber nicht ausmalen, aus wie vielen Steinen sich diese Seite der Mauer zusammensetzte und wie viele Geschosse N�d�onn damit zur Verf�gung standen.</p><p>Als das Poltern aufh�rte, wagte es der K�nig, �ber den Rand des Grabens zu sp�hen.</p><p>Der flache Platz vor den Stadttoren war �bers�t mit gro�en und kleinen Quadern; selbst die Fundamentbrocken, die so lang wie ein ausgewachsener Mann waren, hatten ihren angestammten Platz verlassen und waren von den unsichtbaren Kr�ften des Magus umhergewirbelt worden. Hier und da schauten Gliedma�en, geborstene Lanzen, verbogene Schilde und geknickte Speere unter dem Stein hervor und zeigten auf groteske Weise, wo ein Soldat erschlagen worden war.</p><p>Lothaire blickte �ber die Tr�mmer hinweg auf die ungesch�tzten Stra�en und H�user Poristas, die ohne Mauer und v�llig wehrlos vor dem Herrscher Urgons lagen. Nur die beiden T�rme, welche die Tore hielten, befanden sich noch an ihrem Platz.</p><p>�Das ist die Gelegenheit�, presste er unter Qualen hervor. �Wir m�ssen angreifen.� Mithilfe der beiden Krieger verlie� er den Graben, um die Truppen zu einer neuerlichen Attacke anzufeuern.</p><p>Anstelle der zwanzigtausend Krieger hatten die Steine ihm gerade einmal dreitausend gelassen, die sich gr��tenteils auf der Flucht vor den unheimlichen Kr�ften befanden. <emphasis>Ich kann es ihnen nicht einmal verdenken.</emphasis></p><p>Als die Soldaten ihn sahen, sch�pften sie neuen Mut. Eine Schar von f�nfzehnhundert fand sich zusammen, die sich anschickte, in die Hauptstadt des Magus einzufallen und in den Palast vorzudringen.</p><p>Da bewegten sich die Steine erneut. Die gro�en flogen zuerst einer nach dem anderen empor und gingen an der Stelle nieder, an der sie vor dem Hagel gewesen waren; die kleinen folgten und setzten sich aufeinander, bis sich die Stadtmauer vor den entsetzten Angreifern wieder v�llig intakt auft�rmte; dieses Mal schimmerte sie jedoch feucht und rot vom Blut der Erschlagenen.</p><p>Lothaires Mut und die Zuversicht, etwas gegen N�d�onn auszurichten, schwanden; er sank ins nasse, vom Lebenssaft seiner Leute getr�nkte Gras und starrte auf das Bollwerk, das sie niemals �berwinden w�rden. Vereinzelt entdeckte er Metallst�cke, �berbleibsel von Waffen und �berreste seiner Soldaten an der Mauer, die wie Troph�en zur Schau gestellt wurden und die Angreifer verh�hnten, um sie zu einem neuerlichen, vergeblichen Versuch herauszufordern. <emphasis>Was soll ich dagegen ausrichten, ihr G�tter?</emphasis></p><p>Ratlos standen die Krieger mit gez�ckten Waffen umher. Er hoffte noch auf eine Eingebung, als die Stimme des Zauberers von oben auf sie herabschallte.</p><p>�Seid Ihr gekommen, um mir ein Heer zu bringen, K�nig Lothaire?�</p><p>�Erfreut Euch Eurer blutigen Genugtuung, N�d�onn�, rief er w�tend zur�ck, �sie wird nicht lange w�hren.�</p><p>Der Magus, gekleidet in eine dunkelgr�ne Robe, trat an eine Schie�scharte; Lothaire erkannte sein feistes Gesicht als breites, wei�es Oval. �Ihr habt Euch vort�uschen lassen, auf eine wehrlose Stadt zu treffen. Es war nicht das Einzige, auf das Ihr hereingefallen seid. Das menschliche Auge ist leicht zu �bert�lpeln.� Seine H�nde beschrieben eine seltsam anmutende Bewegung. �Ich w�nsche Euch viel Erfolg bei Eurem letzten Kampf, Prinz. Seid versichert, dass Ihr nicht gegen Trugbilder, sondern gegen echte Gegner fechten werdet.� Mit diesen Worten trat er in den Schatten der Zinne und verschwand.</p><p>Lothaire blickte sich um, und das Entsetzen l�hmte ihn. Das gr�ne Gras zwischen seinen Fingern verf�rbte sich zu grauen Halmen, die eben noch farbenpr�chtigen B�ume verloren ihre Sch�nheit und senkten die �ste, deren Bl�tter schon l�ngst am Boden lagen. Der Magus hatte das Heer auf das Gebiet des Toten Landes gelockt und eine Illusion der heilen Welt gewoben, um sie in Sicherheit zu wiegen.</p><p>Lothaire verstand, was das f�r ihn und das Schicksal der f�nfzehnhundert M�nner bedeutete.</p><p><emphasis>Was darauf stirbt, ist nicht tot,</emphasis> erinnerte er sich an die Erz�hlungen �ber die unheimliche Macht aus dem Norden, und Furcht vor dem Kommenden �berw�ltigte ihn. Lothaire schloss die Augen und betete inbr�nstig zu Palandiell und allen guten G�ttern, auf dass sie ihnen zu Hilfe eilten.</p><p>Seine frommen, verzweifelten Gedanken wurden von leisem, aber hundertfachem Aufst�hnen gest�rt, das �berall auf dem Schlachtfeld erklang. Die Toten erhoben sich ungelenk, stemmten sich aus den Kratern, welche die gro�en Brocken hinterlie�en, und schoben sich unter Holztr�mmern hervor. Je nach der Schwere ihrer Verletzungen krochen, hinkten und taumelten sie auf die �berlebenden zu; andere bewegten sich dagegen wie gew�hnliche Menschen und w�ren von ihnen nicht zu unterscheiden gewesen, wenn die t�dlichen Wunden sie nicht verunstaltet h�tten. Aus den ersten hundert, die sich ihnen mit Schwertern, Lanzen und anderen Waffen n�herten, wurden rasch mehr.</p><p>�Wie ist das m�glich? Was sollen wir tun, K�nig Lothaire?�, rief einer der Offiziere voller Furcht.</p><p>�Wir versuchen einen Ausfall nach S�den�, entschied er. �Weg von hier, oder wir enden wie diese einst braven Soldaten und werden zu Sklaven des Toten Landes!� Seine beiden Helfer standen bereit, hakten ihn unter, ein Dutzend Krieger bildeten die Leibwache f�r den verletzten Herrscher. �Schnell! Palandiell sei mit uns.�</p><p>Der Ausbruchsversuch aus dem Ring der Untoten, mit denen sie vorhin noch Seite an Seite gek�mpft hatten, nahm seinen Anfang.</p><empty-line/><p>Die Reiterei hetzte durch die menschenleeren Stra�en Poristas und nahm dabei weder R�cksicht auf sich noch die Pferde. Etliche der Tiere rutschten in den Kurven auf den glatten Pflastersteinen aus und prallten gegen die Hausw�nde. Nachfolgende setzten �ber sie hinweg und galoppierten weiter.</p><p>Das Ziel lag un�bersehbar vor ihnen: Die Palastanlage, in welcher der Rat der Magi zu tagen pflegte, reckte sich weit in den Himmel und wies ihnen den Weg.</p><p>Tilogorn war dar�ber froh, dass sich die Einwohner den Angreifern nicht entgegenstellten. Die wenigen Verteidiger an ihrem Tor hatten sie ohne Schwierigkeiten �berw�ltigt. Nun galt ihre Attacke N�d�onn selbst.</p><p>Der K�nig konnte sich nicht vorstellen, dass es einen Zauber g�be, der gegen eine solche Menge von Angreifern wirkte, und darauf vertraute er vollkommen. Jeder andere Gedanke h�tte die Truppe verunsichert, und Zweifel beg�nstigten stets den Sieg des Gegners.</p><p>Der Kavalleriestrom flutete wie schimmerndes Wasser durch die Stra�en, welche die Vorw�rtsbewegung kanalisierten und geradenwegs auf die Mauer zuf�hrten, welche die Residenz umschloss. Die Reiter trafen von drei Seiten auf dem Marktplatz vor dem Zugang zum Palast ein.</p><p>Tilogorns Truppen sahen sich einer Menschenmenge gegen�ber, die sich sch�tzend vor dem Durchgang versammelte. Der Kleidung nach handelte es sich um einfache Bewohner von Porista � Frauen und Kinder, die sie friedlich und ohne Waffen empfingen.</p><p>Einer von ihnen l�ste sich aus dem Pulk von etwa dreihundert Personen und n�herte sich ihnen mit erhobenen Armen. �Lasst ab von unserem Herrn, ihr M�nner aus dem Osten�, rief er ihnen entgegen. �Er tat euch nichts und will euch nichts B�ses.�</p><p>Prinz Mallen, der seine Ido-R�stung trug, dr�ngte sein Pferd nach vorn, um neben Tilogorn zu gelangen, und lehnte sich zu ihm. �Sie stehen unter dem Einfluss von N�d�onn�, raunte er. �Wir m�ssen sie auseinander treiben, sonst ist der Vorteil unseres schnellen Angriffs dahin.� Nerv�s schaute er zu den Turmfenstern des Palasts. �Wir bieten ihm ein stehendes Ziel.�</p><p>�Prinz Mallen? Solltet Ihr nicht Lothaire ��</p><p>�Der Angriff im S�den ist fehlgeschlagen. Ihr und Eure M�nner seid die letzte Hoffnung f�r das Geborgene Land.�</p><p><emphasis>Ich ahnte es. Verdammte Magie!</emphasis> Tilogorn richtete sich im Sattel auf. �Geht beiseite, ihr Leute! Wir wollen euch nichts tun. Uns geht es nur um den Magus.�</p><p>�Wir weichen nicht�, erwiderte der Sprecher der B�rger. �Ihr m�sst uns niedermetzeln, wenn ihr durch das Tor wollt.� Er wandte ihnen den R�cken zu, ging zur�ck und reihte sich in den Menge ein, die noch enger zusammenr�ckte, damit sich die Pferde nicht so einfach zwischen sie schieben konnten.</p><p>Tilogorn befahl dreihundert Reitern, in einer Linie parallel zum Tor zu reiten und die Menschen vor sich her zu schieben. Die gepanzerten Tierleiber wirkten wie eine Mauer, dr�ckten die ersten Bewohner Poristas zur Seite, w�hrend eine zweite Abteilung daf�r sorgte, dass sie sich nicht mehr vor den Eingang des Palastes begaben.</p><p>Unvermittelt schrie einer der Berittenen auf, hielt sich das Bein und st�rzte aus dem Sattel, in den sich augenblicklich einer der Einwohner schwang. Seine nagelgespickte Keule traf den �berrumpelten Soldaten zu seiner Linken mitten ins Gesicht, eher er von dem Idosl�ner zu seiner Rechten mit einem Schwerthieb get�tet wurde. Im Fallen wandelten sich seine einfachen Kleider zu einer R�stung, und aus dem Mann wurde ein Ork, der grunzend auf der Erde aufschlug und starb.</p><p>Der Zauber fiel, aus den B�rgern wurden ger�stete Orks. Wer noch immer einen Beweis ben�tigt h�tte, dass N�d�onn sich mit den Kreaturen Tions und damit mit dem B�sen eingelassen hatte, erhielt ihn jetzt.</p><p>�Macht sie nieder!�, befahl Tilogorn augenblicklich. �Macht alles nieder! Traut euren Augen nicht mehr!�</p><p>Die scheinbar unbewaffneten Menschen Poristas droschen unvermittelt mit Keulen, �xten und klobigen Schwertern auf die Reiterei ein, und die �berraschung kostete Dutzenden Soldaten das Leben.</p><p>Die Kavallerie erholte sich von ihrem ersten Schrecken und versuchte, sich aus dem Nahkampf zu l�sen, weil das Gedr�nge den Kriegern nicht erlaubte, einen gezielten Schlag gegen einen der gr�nh�utigen Feinde zu f�hren.</p><p>Aber die Orks setzten nach, schlugen den Pferden in die Hinterl�ufe und Flanken, h�ngten sich wie w�tende Hunde an sie und brachten sie dazu, vor Schreck und Schmerz durchzugehen.</p><p>Blind vor Angst rannten die Tiere gegen die wartenden Abteilungen und sorgten f�r noch gr��ere Verwirrung.</p><p>Die Orks tauchten scheinbar �berall auf, schlugen gr�lend zu und verschwanden. Die Vierbeiner traten um sich, trafen Freund und Feind, wieherten und schnaubten, bis sie ihren angeborenen Instinkten gehorchten und sich zur Flucht wandten. Den besten Reitern gelang es nicht, sie aufzuhalten, der Herdentrieb der Pferde war st�rker als Reitsporn und Z�gel.</p><p>Mallen und Tilogorn brauchten lange, bis sie ihre Einheiten geordnet hatten und auf den Platz zur�ckkehrten. Die eigenen Fu�truppen schlossen zu ihnen auf und begleiteten sie, um den Weg vor dem Palasttor freizur�umen.</p><p>Von den Orks fehlte pl�tzlich jede Spur, nur die Toten und Verwundeten verrieten, dass sich vor kurzem eine brutale Schlacht ereignet hatte. K�nig und Prinz verzichteten darauf, lange �ber den Verbleib der Gegner nachzudenken, sondern lie�en die Portale aufbrechen.</p><p>Dreitausend Reiter preschten in den Vorhof der Anlage. Mallen und Tilogorn teilten ihre Abteilungen auf und begannen damit, den Palast eilends nach N�d�onn zu durchsuchen. Die Stufen waren so breit und flach gebaut, dass die Pferde m�helos durch die S�le und Hallen gelangten; auf Verteidiger oder die Orks warteten die Angreifer dabei vergebens.</p><p>�Ihr bleibt hier unten und sucht.� Der K�nig von Idosl�n nahm sich den h�chsten der T�rme vor, weil er den Magus dort vermutete. �Ich gehe hinauf.� Zusammen mit dreihundert Soldaten sa� er ab und erklomm die steiler und enger werdenden Stufen. Dabei �ffnete er sein Visier, um besser atmen zu k�nnen.</p><p>Im ersten Zimmer fiel sein Blick durch die breiten Fenster nach drau�en auf den s�dlichen Teil Poristas, durch den sich weitere Soldaten einen Weg zum Palast bahnten. Im Wind flatterten die Fahnen Urgons und ihrer anderen Verb�ndeten.</p><p>�Seht, Prinz Mallen!�, machte er seinen Begleiter erleichtert auf seine Entdeckung aufmerksam. �K�nig Lothaire hat es doch noch geschafft, das Tor einzunehmen. Jetzt wird dem Zauberer nichts mehr helfen k�nnen.�</p><p>Der blonde Ido war �berrascht. �Ich habe selbst gesehen, wie �� Er schwieg und folgte dem K�nig. Mit frischem Mut und neuer Kraft in den Beinen liefen sie voran, bis sie an eine gewaltige T�r gelangten, die sie mit Gewalt aufbrachen.</p><p>Ihr Mut wurde belohnt. Zwanzig Schritt entfernt stand eine feiste, hohe Gestalt in einer malachitfarbenen Robe mit dem R�cken zu ihnen und beobachtete die Geschehnisse am Fu�e des Turmes und rund um den Palast. Der Magus hielt es nicht einmal f�r notwendig, sich umzudrehen.</p><p>Tilogorn musste nichts sagen. Seine Soldaten f�cherten auseinander, die Bogensch�tzen feuerten ohne Vorwarnung auf den Zauberer, aber die Pfeile erreichten das unverfehlbare Ziel nicht. Je n�her sie dem R�cken kamen, desto por�ser wurden sie; das Metall der Spitzen korrodierte, der Schaft zersetzte sich und zog eine Spur aus Holzmehl hinter sich her. Schlie�lich l�sten sie sich einfach in nichts auf. Kleine Eisensp�ne fielen klimpernd auf die Steinplatten.</p><p>�Willkommen.� Der Magus regte sich noch immer nicht. �Willkommen in Lios N�d�onn, K�nig Tilogorn. Was ist Euer Begehr?�</p><p>�Das Wohl des Geborgenen Landes�, entgegnete Tilogorn mit fester Stimme, zog seine Waffe und hielt sich bereit, gegen den Zauberer zu k�mpfen. �Ihr steht dem im Weg.�</p><p>�Ihr seid in mein Reich einmarschiert, habt meine Stadt angegriffen und wollt mich t�ten. W�re es da nicht an mir, Sorgen um das Wohl meines Land zu haben?�</p><p>�Ihr seid zum Verr�ter und mehrfachen M�rder geworden, wie wir erfahren mussten.�</p><p>�Zum M�rder, ja. Aber aus gutem Grund, denn ich m�chte das Land sch�tzen � genau wie Ihr. Eine Gefahr zieht herauf, vor der nur ich und mein Freund das Geborgene Land erretten k�nnen, und dazu ben�tige ich die Gewalt �ber alle Reiche. Die Herrscher der Menschen, Zwerge, Elben, die Zauberer, sie alle m�ssen gehorchen oder wegen des Wohls aller vergehen.� Endlich wandte er sich um, und seine schleierverhangenen gr�nen Augen schauten traurig. �Einige sind schon vergangen, und es schmerzt mich sehr. Wollt wenigstens Ihr Euch mir anschlie�en?� Er machte einen Schritt nach vorn und hielt dem K�nig die ausgestreckte Hand hin.</p><p>�Niemals!� Ein Dutzend Soldaten st�rmten auf Tilogorns Gehei� vor, um ihn zu ergreifen.</p><p>Doch ihre R�stungen, ihre Waffen, ihre Kleider und schlie�lich sie selbst endeten wie die Pfeile. Die unsichtbaren Kr�fte wirkten so schnell, dass ihnen nicht einmal mehr Zeit blieb, sich aus dem Wirkungskreis des Magus� zur�ckzuziehen. Zu Staub zerfallen lagen ihre �berreste vier Schritt von N�d�onn entfernt. Der Herbstwind wirbelte die pulvrige Substanz davon. Nun wichen die �brigen Krieger eingesch�chtert zur�ck.</p><p>�Ihr habt meine Macht str�flich untersch�tzt, K�nig Tilogorn�, sagte N�d�onn schleppend. �Die Hand, die ich Euch entgegenstreckte, schlugt Ihr aus. Nun bezahlen Eure M�nner den Preis f�r Eure �berheblichkeit.�</p><p>Die k�hle Brise trug neuerlichen Gefechtsl�rm mit sich und brachte Tilogorn zum Aufhorchen.</p><p>�Ihr dachtet, die Schlacht sei geschlagen?� Der Magus deutete auf das Fenster. �Seht, was aus dem Heer Lothaires und dem K�nig selbst wurde.�</p><p>Tilogorn lie� die Augen nicht von N�d�onn, sondern schickte stattdessen einen Soldaten, um in die Tiefe zu schauen und zu berichten.</p><p>�Sie k�mpfen gegen unsere Leute, mein K�nig�, meldete er best�rzt. �Ich sehe ganz deutlich die Banner Urgons, die Soldaten � Sie stehen den Orks bei!� Der Mann hielt inne. �Bei Palandiell! Sie stehen wieder auf � auch wenn sie t�dlich niedergestreckt wurden, stehen sie wieder auf!�</p><p>N�d�onn lachte. �Ihr befindet Euch seit l�ngerer Zeit schon auf Erde, die dem Toten Land geh�rt. Meine Zauberkr�fte haben Euch etwas anderes vorgegaukelt, damit Ihr mir auch wirklich das Heer brachtet, das ich dringend ben�tige ��</p><p>Er wollte noch etwas sagen, aber ein Hustenkrampf sch�ttelte ihn. Blut sickerte aus der Nase und dem Mundwinkel, keuchend brach er auf die Knie, und noch mehr Blut rann in dicken F�den zwischen den Lippen hervor und besudelte die makellos wei�en Bodenplatten.</p><p>�Jetzt oder niemals mehr!�, schrie Tilogorn und rannte los. �F�r das Geborgene Land!� Seine Krieger folgten ihm.</p><p>Die Mehrheit der Mutigen zerfiel zu Staub, doch an manchen Stellen wurde die Wirkung des Zaubers durch N�d�onns Schw�che gemildert. Drei�ig Kriegern gelang es, darunter auch dem K�nig, die Sperre zu durchbrechen und nahe an den Magus heranzukommen. Ein Bogensch�tze jagte drei, vier Pfeile in den aufgedunsenen K�rper, dann waren die Soldaten heran und hackten auf den ermatteten Magus ein. Pl�tzlich war auch Prinz Mallen an seiner Seite.</p><p>Die Angst, im letzten Moment doch noch Opfer eines Zaubers zu werden, verlieh den M�nnern berserkerhafte Kr�fte. Die Klingen stachen und schlugen immer schneller, immer fester zu. Der Stein f�rbte sich rot vom Blut, das in Str�men aus dem zerst�ckelten Leib rann. Es stank bestialisch.</p><p>Tilogorn meinte, eine Bewegung in den klaffenden Wunden gesehen zu haben. <emphasis>Etwas lebt in ihm,</emphasis> durchzuckte es ihn voller Abscheu. Voller H�rte drosch er zu. �Stirb endlich!�</p><p>�Nein!�, schrie N�d�onn. Ein Windsto� trieb die Angreifer zur�ck und hob sie von den Beinen. �Ich muss das Geborgene Land sch�tzen!� Der Onyx seines Zauberstabs spie ein Geflecht aus schwarzen Blitzen. Etliche M�nner vergingen in den Energien samt ihren R�stungen zu Asche.</p><p>�Gebt nicht auf!� Der K�nig sprang nach vorn und holte mit seinem Schwert aus. �Wir m�ssen das Unm�gliche schaffen�, rief er atemlos und reckte seine Rechte gegen den Magus. �Ich ��</p><p>Ein Blitz sirrte heran und w�hlte sich durch das Leder bis zu seinem Herzen vor. St�hnend sank Tilogorn nieder, die Finger l�sten sich vom Griff des Schwertes, es verschwand im Gewirr aus Beinen und Schuhen. <emphasis>Versagt �</emphasis></p><p>�Meinen Gl�ckwunsch, Prinz Mallen�, sagte N�d�onn h�hnisch. �Ihr wurdet soeben ein K�nig und seid der neue Herrscher �ber Idosl�n.� Wieder reckte er die Hand. �Ich frage Euch: Wollt Ihr mir folgen oder Tilogorn und Eure Herrschaft so schnell verlieren, wie Ihr sie erhalten habt?�</p><p>Der Ido �berlegte nicht lange; er b�ckte sich, hob das Schwert auf und zog den Schwerverletzten auf die Beine. �Ich bringe Euch von hier weg, heute ist nicht der Zeitpunkt, um ihn zu besiegen�, sagte er zu Tilogorn und schleppte ihn zum Ausgang. Die Soldaten gaben ihnen Schutz.</p><p>N�d�onn schaute ihm fassungslos hinterher. �Auch Ihr?�</p><p>�Ihr seid das B�se, der Feind Idosl�ns. Wie k�nnte ich mit Euch einen Pakt eingehen?� Mallen st�tzte Tilogorn und humpelte die Stufen hinab, doch N�d�onn folgte ihnen mit gro�en Schritten.</p><p>�Dann sterbt gemeinsam!�, schrie er mit �berschnappender Stimme. �Ich brauche weder den einen noch den anderen von Euch!�</p><p>Als sich die ersten Blitze knisternd durch die Reihen der letzten Krieger fra�en, warf sich Mallen Tilogorn �ber die Schulter und rannte die Treppen hinab. �Ich wei� nicht, ob wir beide es schaffen, aber ich werde Euch sicherlich nicht diesem Wesen �berlassen�, keuchte er unterwegs.</p><p>�Mallen, regiert Idosl�n besser als Euere Vorfahren�, raunte der K�nig sterbend. Blut floss aus seinem Mund und rann �ber die ger�stete Schulter seines Tr�gers. �H�rt zu: Sammelt den Nachschub in sicherer Entfernung zu Porista, rettet die Verwundeten und verbrennt die Leichname � oder Ihr habt ein Heer aus Untoten gegen Euch, dem nichts und niemand mehr gewachsen ist. Ihr d�rft N�d�onn niemals sein unschlagbares Heer geben!�</p><p>�Ihr werdet leben und mir dabei helfen, die Vergeltung vorzubereiten. Ihr habt mehr Erfahrung, Tilogorn�, widersprach der Prinz angestrengt; das zus�tzliche Gewicht dr�ckte schwer auf seine Beine. �Rei�t Euch zusammen, Mann! Wollt Ihr einem Ido den Thron Eures Landes �berlassen?�, sch�rte er die Wut des K�nigs, um ihn am Leben zu halten.</p><p>�Versprecht es! Seid weiser als Euer Gro�vater! Rei�t das Land nicht in St�cke.�</p><p>�Ich verspreche es.�</p><p>�Verbrennt die Toten�, sch�rfte er ihm noch einmal leise ein, �rettet unsere Heimat. Palandiell sei �� Sein K�rper erschlaffte.</p><p><emphasis>Nein! So wollte ich den Thron niemals.</emphasis> Mallen kam am Fu� des Turmes an und legte den Toten sanft auf die Erde. <emphasis>Aber ich werde mein Versprechen halten, Tilogorn.</emphasis> Er nahm sich den Siegelring, die Spange und das Schwert des Herrschers und lief weiter.</p><p>Er und seine restlichen Leute bahnten sich mit knapper Not einen Weg durch die Horde von Untoten.</p><p>Auf dem R�ckzug steckten sie Porista in Brand und schufen ein Flammenmeer, das keine Magie der Welt zum Verl�schen brachte. Selbst der von N�d�onn beschworene Regen konnte nicht mehr verhindern, dass die Stadt bis auf die Grundmauern und den Palast des Zauberers niederbrannte. In diesem Inferno endeten auch K�nig Tilogorn und K�nig Lothaire.</p></section><section><title><p>XIII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, irgendwo unter der Erde, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Inzwischen konnten die f�nf Zwerge vage bestimmen, wie weit sie von ihrem Ziel entfernt waren. Alle f�nfundzwanzig Meilen war eine entsprechende Markierung in den Fels gehauen, die sie zun�chst nicht entdeckt hatten. Binnen kurzem legten sie die Strecke von unglaublichen zweihundert Meilen zur�ck.</p><p>Als sie vor der n�chsten Schwungstelle ausrollten und in einer gr��eren Halle zum Stehen kamen, beschlossen sie, sich hier f�r ein paar Stunden auszuruhen. Sie hatten zwar keinen anstrengenden Marsch unternommen, aber das unbequeme Sitzen, die Kurven und das Auf und Ab hatten ihre Muskeln verspannt, und auch das eint�nige Rattern der Lore hatte sie erm�det.</p><p>Bo�ndil kletterte auf den Rand ihres Gef�hrts und hielt von dort sorgf�ltig nach Fu�spuren in der Dreckschicht des Bodens Ausschau, ehe sie ausstiegen. �Hier war schon lange niemand mehr�, verk�ndete er und sprang auf den Boden, dass Staub aufwirbelte. �Oder sie sind alle zerfallen.�</p><p>�Die Gleise vor uns sind ebenfalls schmutzig. Gandogar muss einen anderen Weg genommen haben�, schloss sein Bruder aus seiner Beobachtung.</p><p>Tungdil entfaltete die Skizze des Tunnelsystems, die er bei ihrem letzten Halt angefertigt hatte. �Es w�re m�glich�, sch�tzte er.</p><p>�Hoffentlich bricht die Decke �ber ihm ein�, grummelte Ingrimmsch und sammelte Holzreste, um damit ein Feuer zu machen; doch kaum ber�hrten seine Finger die Balkenst�cke, zerfielen sie zu S�gemehl und kleinen Brocken. Aus den ger�steten Pilzscheiben mit geschmolzenem K�se wurde nichts.</p><p>Sie nahmen schweigend ihr Mahl ein, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Bavragor trank ordentlich und stimmte seine Ges�nge an, ohne sich um die Einw�nde seiner Begleiter zu scheren. Seine kr�ftige Stimme hallte durch den Raum und pflanzte sich durch die R�hren fort.</p><p>�Sei endlich still! Sonst wei� jedes Lebewesen unter der Erde, dass ein paar Zwerge hier sind�, beschwerte sich Go�mgar.</p><p>�Bei dem Gegr�le, das er unterwegs von sich gab, d�rfte es l�ngst bekannt sein�, grinste Bo�ndal.</p><p>�Unser kleiner Schimmerbart hat wieder Angst, was?!�, stichelte Bo�ndil, w�hrend er seine Beile in den Scho� legte und die Schneiden mit einem Schleifstein bearbeitete. �Keine Sorge, mein Bruder und ich sind bei dir.� Pr�fend fuhr er mit dem Daumen �ber die Klinge. �Sie hat schon lange kein Orkblut mehr getrunken. Sie ist ebenso ungeduldig wie ich.�</p><p>�Glaubst du denn, es gibt hier unten welche?�, fragte Go�mgar bange.</p><p>�Alles kann in diesen Stollen leben�, erwiderte er mit irrem Blick. Bo�ndal und Tungdil verstanden sogleich, dass er sich einen Scherz mit dem Diamantenschleifer erlaubte, um ihn noch mehr zu erschrecken. �Hunderte von Zyklen waren sie ungenutzt. Vielleicht treffen wir auf Bestien, die es sich hier unten gem�tlich gemacht haben.� Er schlug die Beile mit den flachen Seiten gegeneinander, dass es laut klirrte. �Ho, wir m�ssen ihnen den Krieg erkl�ren und sie hinauswerfen.�</p><p>�Genug, tapferer Krieger�, bremste ihn Tungdil.</p><p>Aber Bo�ndil lachte laut, er hatte sich in Kampfstimmung geredet. �Kommt nur, ihr Oger, ihr Trolle, ihr Orks und alle widerlichen Kreaturen Tions! Hier sind die Kinder des Schmieds, die euch vernichten werden!�, rief er laut, um den Gesang des Steinmetzen zu �bert�nen. �Kommt, damit ich euch t�te!�</p><p>�Pst, bitte, sei still!�, bat Go�mgar ihn flehentlich und kroch r�ckw�rts, bis er die sichere Wand im R�cken sp�rte. �Fordere nichts heraus!�</p><p>�Ich habe von Wesen geh�rt, die von Tion eigens als Feinde der Zwerge erschaffen wurden, so wie die Albae die Todfeinde der Elben sind�, mischte Bavragor sich ein und �lte seinen Hals mit einem neuerlichen Schluck aus dem geheimnisvollen Schlauch.</p><p>�Und ich habe von Wesen geh�rt, die nach deinem Gesang qualvoll gestorben sind�, feixte Bo�ndal.</p><p>�Wenn uns die Orks gleich besuchen, halt blo� den Mund. Du schl�gst sie sonst noch in die Flucht�, setzte Bo�ndil nach.</p><p>Bavragor bedachte ihn mit einer unanst�ndigen Geste und setzte zu einem neuen Lied an, doch Tungdil befahl ihm zu schweigen. �Wir wollen doch h�ren, ob sich jemand an uns heranschleicht�, meinte er und erntete sogleich die Zustimmung der Zwillinge und Go�mgars.</p><p>�Von mir aus.� Bavragor verlegte sich aufs leise Summen, baute sich aus Decken sein Nachtlager und schnarchte wenig sp�ter fast lauter, als er gesungen hatte. Die Zwillinge legten sich ebenfalls zur Ruhe, w�hrend Go�mgar sich nicht mehr vom Fleck r�hrte. Tungdil musste ihm die Decke reichen, weil er beabsichtigte, im Sitzen zu schlafen.</p><p>�Ich wei�, was du vorhin versucht hast�, sagte er nach einer Weile leise zu ihm, als er sich sicher war, dass die anderen drei schliefen.</p><p>�Ich verstehe nicht ��</p><p>�Vorhin, in der anderen Halle�, erinnerte er ihn. �Du wolltest den Plan besch�digen, damit er uns nichts mehr n�tzt. Warum hast du das versucht?�</p><p>Der schm�chtige Zwerg funkelte ihn trotzig an. �Ich wollte den Staub abwischen.�</p><p>�Mit deinem Dolch?� Tungdil betrachtete sein Gesicht, suchte seinen Blick. �Ich m�chte, dass du verstehst, dass ich nicht dein Feind bin.�</p><p>�Mein Feind? Nein, du bist nicht mein Feind. Du bist nichts, nicht einmal ein Vierter�, entgegnete er unfreundlich. �Vraccas mag wissen, woher du kommst, aber unserem Stamm geh�rst du nicht an. Ein Dahergelaufener m�chte sich den Thron aneignen, der ihm nicht geb�hrt. Aber es wird dir nicht gelingen. Auch wenn mein K�nig mir befohlen hat, all deine Anweisungen zu befolgen, so werde ich einen Weg finden, deinen Aufstieg zu verhindern und Gandogar zu seinem Recht zu verhelfen.�</p><p>�War das der Grund, warum du nicht mitkommen wolltest?�</p><p>�Vielleicht. Aber vielleicht hasse ich es einfach auch nur zu reisen, zu k�mpfen, Dinge zu erleben, die ich nicht erleben will. Die Reise zu den Zweiten war schon nicht nach meinem Geschmack. Und jetzt setze ich mein wertvolles Leben f�r einen Betr�ger aufs Spiel!�</p><p>�Es geht mir nicht um den Titel des Gro�k�nigs, Go�mgar�, sagte Tungdil beschwichtigend. �Um ehrlich zu sein, er ist mir herzlich gleichg�ltig.�</p><p>Der Zwerg sah ihn �berrascht an. �Was ist dann der Grund f�r den Wettstreit?�</p><p>�Ich m�chte, dass wir die Feuerklinge erschaffen, um N�d�onn damit zu bek�mpfen und zu besiegen�, erkl�rte er eindringlich. �Wenn es f�r das Geborgene Land schlecht l�uft, sind wir Zwerge die Einzigen, die den wahnsinnigen Magus aufhalten k�nnen. Darum geht es mir, nicht um den Thron.�</p><p>�W�re ich an deiner Stelle, w�rde ich den Marmor von der Decke l�gen, um mein Ziel zu erlangen. Woher wei� ich, dass du die Wahrheit sprichst? Und was geschieht, wenn wir zuerst ins Blaue Gebirge zur�ckkehren? W�rst du dann nicht K�nig, obwohl du es angeblich nicht wolltest? Beeilen wir uns deshalb so?�</p><p>Tungdil sah ein, dass er ihn an diesem Abend nicht von seinen ehrlichen Absichten �berzeugen konnte, daf�r war das Misstrauen ihm gegen�ber viel zu stark.</p><p>Au�erdem trafen ihn die Worte �ber seine Abstammung, die f�r ihn nach wie vor im Dunkeln lag. Er musste sich verstellen, beharrlich den Schein wahren, doch im Grunde seines Herzens f�hlte er sich unsicher, einsam. Allein das Schicksal Lot-Ionans und seiner lieben Freundin Frala gab ihm die Kraft, das Schauspiel aufrecht zu erhalten, um die Gruppe in das verlorene Reich der F�nften zu f�hren. Er w�rde alles daran setzen, dem verr�terischen Magus die Macht und das Leben zu rauben.</p><p>�Lass es gut sein�, beendete er die Unterredung bedr�ckt. �Ruh dich aus, ich halte Wache.�</p><p>Tungdil legte die Decke um seine Schultern, um sich gegen die K�hle des Stollens zu sch�tzen. Da ert�nte ein Ger�usch. Es klang wie ein einzelner Hammerschlag gegen einen Felsen.</p><p>Go�mgar, der es sich eben bequem machte, erstarrte in der Bewegung. �Die Oger?�, raunte er �ngstlich. �Oder die Geister der Zwerge, die beim Bau der G�nge starben?�</p><p><emphasis>Es kann alles M�gliche sein.</emphasis> Tungdil antwortete ihm nicht, sondern nahm seine Axt und lauschte in die Finsternis. Das Pochen wiederholte sich nicht mehr. �Ein Stein�, sagte er langsam und entspannte sich. �Ein Stein wird von der Decke gefallen sein und einen anderen Brocken getroffen haben. Kein Grund zur Beunruhigung.�</p><p>�Sollten wir die Zwillinge nicht wecken? Sie haben gewiss mehr Erfahrung als du.�</p><p>�Nein. Es war nichts�, beharrte er. �Schlaf und vergiss das Ger�usch.�</p><p>Der Edelsteinschleifer zog die Decke bis zum Bart hoch, legte den Schild vor seinen Oberk�rper, und Tungdil h�rte, wie er das Kurzschwert zog. Erst dann schlossen sich seine Lider.</p><p><emphasis>Was mag das gewesen sein?</emphasis> Er stand leise auf, ging nach rechts, dann nach links, um in die R�hren zu lauschen, ob er Schritte oder andere Laute vernahm.</p><p>Nichts. Die Stollen blieben ruhig.</p><p>Doch sein mulmiges Gef�hl wollte nicht verschwinden. <emphasis>Es ist nicht abwegig, dass sich andere Gesch�pfe nach so langer Zeit ohne Zwerge als Herren der R�hren betrachten.</emphasis> Die herausfordernden Worte Bo�ndils konnten mehr geweckt haben, als ihnen lieb war.</p><empty-line/><p>Als die Gruppe ihre Reise fortsetzte, erz�hlte Tungdil den anderen von dem Ger�usch, das er und Go�mgar geh�rt hatten. Ingrimmsch freute sich auf die bevorstehenden Scherereien und �rgerte sich gleichzeitig dar�ber, dass sie ihn nicht geweckt hatten, also spielte er den Beleidigten und sprach eine ganze Weile kein Wort mit ihnen.</p><p>Die Lore sauste wie der Wind die Trasse entlang, mal schnell, mal langsam, mal bergauf, mal bergab. Der Schwung reichte zweimal nicht aus, um sie bis zur n�chsten Gef�llestrecke rollen zu lassen, und die f�nf Zwerge mussten den Karren wohl oder �bel schieben.</p><p>Bei der Gelegenheit stimmte Bavragor nat�rlich ein Lied an, das sie bei ihrer Schufterei antreiben sollte, und als er schlie�lich ein Liebeslied sang, brachte er Bo�ndil damit zur Wei�glut.</p><p><emphasis>Er provoziert ihn aus voller Absicht.</emphasis> Tungdil hatte zudem den Eindruck, dass sich der starke Ein�ugige nicht mit seiner gesamten Kraft an der Schinderei beteiligte, um mehr Gewicht f�r Ingrimmsch zu lassen. Bei einer Rast nahm er den Steinmetzen zur Seite und stellte ihn zur Rede.</p><p>�Sicher mache ich das mit Absicht�, gestand er unverhohlen. �Ich werde ihn die ganze Reise �ber leiden lassen.�</p><p>�So geht das nicht�, meinte Tungdil vorwurfsvoll.</p><p>Bavragor zuckte gleichg�ltig mit den Achseln.</p><p>�Ist deine Schwester der Grund daf�r?�</p><p>Er blickte hin�ber zu den Zwillingen, wo Bo�ndal seinem schwei�nassen, erm�deten Bruder den Wasserschlauch reichte. �Ja�, antwortete er gedehnt, w�hrend er seinen eigenen Trinkbeh�lter nahm und entkorkte. Augenblicklich roch es nach scharfem Branntwein. Er nahm einen Schluck und wischte sich einige Tropfen aus dem schwarzen Bart. �Ja�, fl�sterte er dann ein weiteres Mal abwesend und senkte den Blick.</p><p>�Was geschah zwischen ihr und Bo�ndil?�, hakte Tungdil behutsam nach.</p><p>Bavragor reckte den Kopf. Seine Kiefer mahlten, und eine einzelne Tr�ne sickerte unter der Augenklappe hervor. Sprechen konnte er nicht, stattdessen hob er den Schlauch erneut an die Lippen.</p><p>�Willst du dich wegen ihr zu Tode trinken?�</p><p>Er setzte ab. �Nein. Ich trinke, damit ich vergesse, wie gut ich einmal gewesen bin�, antwortete er traurig. �Aber es gelingt mir nicht. Meine Werke h�ngen in jeder Ecke des Zweiten Reichs, schauen auf mich herab und verh�hnen meine untauglich gewordenen H�nde.� Er lehnte sich an die Felswand und betrachtete die Halle, in der sie sich befanden. �Wei�t du, warum ich auf diese Expedition mitgekommen bin?�, fragte er unvermittelt, und Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Um nicht zur�ckzukehren�, erkl�rte er heiser und mit der Ernsthaftigkeit eines Betrunkenen. �Ich ertrage die mitleidigen Blicke der Zwerge nicht l�nger. Ich m�chte als Bavragor Hammerfaust in Erinnerung bleiben, als ungeschlagener Meister des Steins, der die Feuerklinge zum Leben erweckt hat und sein Leben f�r die Zwergen gab � und nicht als der S�ufer Hammerfaust, dem der Mei�el in der Hand so zittert, dass er Felsen graviert, ohne es zu wollen.� Er schaute Tungdil an und l�chelte schwach. �Ich werde meinen Beitrag leisten, um das Geborgene Land und unser Volk zu sch�tzen, aber ich bleibe im Reich der F�nften.� Zur Bekr�ftigung trank er einen weiteren Schluck Branntwein und schwieg dann.</p><p>Seine Worte machten Tungdil betroffen. Er hatte ihn anders eingesch�tzt, als lauten, gelegentlich unfl�tigen, aber gutm�tigen Zwerg, den nichts so leicht aus der Bahn warf. �Nein. Du wirst sicher mit uns zur�ckkehren�, erwiderte er und fand seine �u�erung nach dem ehrlichen Gest�ndnis armselig. �Wir brauchen deine harten F�uste gegen die Truppen N�d�onns!�</p><p>Bavragor legte ihm die Hand auf den Unterarm. �Du brauchst Zwerge wie die Zwillinge, die k�mpfen k�nnen und denen Selbstzweifel fremd sind.� Er lie� ihn los. �Sei unbesorgt. Meine Beherrschung wird ausreichen, die sch�nsten und besten Widerhaken aus Granit zu formen, die das Zwergenreich jemals gesehen hat. Und nun lass mich mit meinem Schlauch allein. Ich erz�hle dir ein anderes Mal, was mit meiner Schwester geschah.�</p><p>Tungdil erhob sich und ging zu den Kriegern, die sich Schinken und K�se g�nnten. <emphasis>Traurig.</emphasis></p><p>Bo�ndal hatte die Unterhaltung aus der Entfernung mitverfolgt, ohne zu verstehen, �ber was sie sprachen, fragte aber nicht nach, um seinen Bruder nicht aufmerksam werden zu lassen. Er reichte Tungdil ein St�ck von dem w�rzigen Ziegenk�se. �Wenn uns die Trasse nicht im Stich l�sst, sind wir �bermorgen schon bei den Ersten, Gelehrter�, sagte er.</p><p>�Gandogar m�sste demnach bereits dort sein�, meinte Tungdil missmutig.</p><p>�Wenn er sich nicht verfahren hat�, lachte Ingrimmsch und wischte sich den Schwei� aus den Augen. �Ich hoffe, dass ihn seine Abk�rzung geradewegs in ein tiefes Loch f�hrte.� Go�mgar warf ihm einen b�sen Blick zu. �Ja, schau mich ruhig an. Da sitzt der Herrscher �ber alle Zwerge�, nahm er die unausgesprochene Herausforderung gereizt an. �Dein K�nig aber ist ein Kriegstreiber, ein Weichzwerg, der ��</p><p>�Genug, Bo�ndil�, rief ihn Tungdil zur Ordnung. �Ich wei�, dass du lieber k�mpfst als herumsitzt, aber du wirst dein Temperament z�geln m�ssen.� Brummelnd verstummte der Zwerg. �Weiter. Je eher wir unsere erste Etappe erreichen, umso besser.� Er erhob sich. Die anderen vier verstanden es als Zeichen, auf die harten Sitze der Lore zur�ckzukehren. <emphasis>Wird jemals Ruhe in die Gruppe einkehren?,</emphasis> fragte Tungdil sich besorgt.</p><p>�Wie es wohl bei ihnen aussieht?�, �berlegte Bo�ndal halblaut, w�hrend er sich bereithielt, das Vehikel anzuschieben. �Es sollen die besten Schmiede unseres Volkes sein. Ich lasse mir von ihnen eine neue Waffe anfertigen, die noch besser als mein Kr�henschnabel ist.�</p><p>�Ho! Das ist ein guter Gedanke, Bruderherz�, rief Ingrimmsch. �Nicht, dass meine beiden Beile schlecht w�ren, aber wenn die Clans der Ersten Besseres bieten, lange ich gern zu.�</p><p>Langsam rollten sie los. Als die Abw�rtsstrecke n�her r�ckte, sprang Bo�ndal auf seinen Platz, und die Reise ging weiter.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Herbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Ich bin deiner Einladung gefolgt, Gundrabur, aber rechne nicht damit, dass du meine Meinung �ndern wirst�, sagte Bislipur und erhob sich wieder, nachdem er vor dem Gro�k�nig niedergekniet war.</p><p>Der Tonfall seiner Stimme verriet Starrsinnigkeit und Ablehnung und verdeutlichte dem Oberhaupt aller Zwergenst�mme und seinem Berater, dass sie sich die einsame Unterredung in der leeren Ratshalle h�tten sparen k�nnen. Aber vielleicht lie� Vraccas ja ein Wunder geschehen und schlug ihm mit seinem Hammer unerwartet Einsicht in den Sch�del. Gundrabur deutete auf den Sessel, auf den sich der kr�ftige Zwerg niederlassen durfte.</p><p><emphasis>Er sieht merklich schlechter aus. Seine Finger zittern, den Arm kann er nicht mehr richtig heben,</emphasis> bemerkte Bislipur voller Zufriedenheit. <emphasis>Sein Alter ist auf meiner Seite.</emphasis></p><p>�Wir w�hlen den Weg, den wir von Anfang an h�tten einschlagen sollen, anstatt Intrigen zu spinnen�, begann Balendil�n und setzte sich neben seinen Herrn. �Es ist nicht unsere Art, Meinungsverschiedenheiten wie unehrliche Kobolde zu l�sen, oder, Bislipur?�</p><p>�Intrige ist sicherlich das falsche Wort daf�r. Ich suche mir Verb�ndete, um das Ziel zu erreichen, das sich unserem Volk in einer einmaligen Lage bietet�, hielt er dagegen.</p><p>�Der Gro�k�nig und ich fragen uns, was dein wahrer Antrieb ist�, gab Balendil�n offen zu. �Wir verstehen nicht, dass du die Kinder des Schmieds in einen Krieg gegen die Elben f�hren willst, wenn eine weit gr��ere Schlacht ruft.�</p><p>Bislipur wirkte gelangweilt, er �rgerte sich nicht einmal mehr. �Gro�k�nig, lass mich gehen. Ich verstehe euer Anliegen ebenso wenig wie ihr meins, und von daher gibt es keinerlei Grundlage f�r eine Unterhaltung. Sie ist reine Zeitverschwendung.�</p><p>�Zeit, die du wof�r ben�tigst?�, hakte Balendil�n ein.</p><p>�Zum Nachdenken�, antwortete Bislipur m�rrisch. Ohne die Erlaubnis abzuwarten stand er auf und humpelte zur T�r.</p><p>�Nachdenken m�chtest du?�, sagte Gundrabur. �Nun, dann denke �ber Folgendes nach: Niemand aus deiner Gesandtschaft kennt deine Familie, Bislipur.�</p><p>Der Zwerg blieb stehen, drehte sich jedoch nicht um. �Was willst du damit andeuten, Gro�k�nig?�</p><p>�Ich m�chte nichts andeuten, ich weise dich auf etwas hin�, erwiderte Gundrabur.</p><p>Balendil�n sprang f�r seinen geschw�chten Herrn ein. �Du zweifelst Tungdils Herkunft an, einverstanden. Aber ein altes Sprichwort sagt: Wer nach anderen mit Feuer wirft, sollte sich vergewissern, dass er die Hitze nicht selbst f�rchten muss.�</p><p>Bislipur kehrte an seinen Platz zur�ck, die breiten H�nde zu F�usten geballt. �Es scheint mir, als spinntet ihr beide eine Intrige, wie es die Kobolde nicht besser k�nnten�, grollte er. �Was f�hrt ihr im Schilde?�</p><p>�Nichts. Aber wir w�rden unsere Zweifel laut anklingen lassen, dass mit deiner Herkunft ebenso etwas im Argen liegt wie mit der unseres favorisierten Nachfolgers�, sagte der Berater ernst. �Und die Zeilen �ber die Schuld der Elben am Untergang der F�nften sind eine F�lschung.�</p><p>�Verleumdung!� Bislipur schlug mit beiden H�nden auf den Tisch, dass der Stein knackte.</p><p>�Sieh dich an. Deine Statur ist breiter als die der Zwerge aus dem Stamm der Vierten, niemand sah dich jemals einen Edelstein schleifen oder an Schmuck arbeiten, und deine Kampfkraft sowie deine St�rke sind bei den Orks gef�rchtet�, hielt Balendil�n kalt dagegen. �Das habe ich erfahren, als ich mich ein wenig umh�rte. Deine Feinde k�nnten annehmen, du seist einer aus dem Stamm Lorimburs.�</p><p>�Du wagst es, mir diese Schm�hung ins Gesicht zu sagen?! Bei meinem Bart, ich w�rde dich augenblicklich zu einem Zweikampf um meine Ehre fordern, wenn du nicht ein Kr�ppel w�rst!�</p><p>Balendil�n jubelte innerlich. <emphasis>Ich habe ihn mit meinen frei erfundenen Worten tats�chlich getroffen!</emphasis> �Wir schlagen dir einen Handel vor. Du verh�ltst dich still, bis eine der beiden Gruppen aus dem Grauen Gebirge zur�ckkehrt, und verk�ndest, dass die Schuld der Elben am Untergang der F�nften nicht erwiesen ist und die Zeilen gef�lscht wurden, von wem auch immer. Wir versprechen hingegen, dass wir das Ger�cht �ber deine zweifelhafte Herkunft nicht verbreiten werden.�</p><p>�Lass den Ausgang des Wettkampfs �ber den zuk�nftigen Herrscher entscheiden und nichts anderes�, bat der wei�h�uptige Gundrabur.</p><p>Z�hneknirschend stimmte Bislipur zu.</p><p>�Wir sollten auf unseren Waffenstillstand ansto�en�, meinte Balendil�n.</p><p>Bislipur wandte sich ruckartig zum Gehen. �Trinkt, wenn ihr wollt. Ich habe noch viel zu tun�, verabschiedete er sich und zwang sich zu einem freudlosen L�cheln. �Ihr m�sst keine Sorge haben, ich werde mich an mein Wort halten und vorerst alle meine Unterredungen sein lassen, aber dass ich unsere Clans zu einer Versammlung einberufe, wird wohl noch erlaubt sein.� Ohne eine Ehrbezeugung gegen�ber dem Herrscher aller Zwerge verschwand er aus der Halle. <emphasis>Ihr werdet euch noch wundern. Ich gebe einen Dreck auf mein Versprechen. Ich muss nur vorsichtiger sein.</emphasis></p><p>Auf seinem Weg kam ihm ein Zwerg entgegen, der einen Krug und drei Becher in der Hand trug.</p><p><emphasis>Das Bier f�r den K�nig? Daraus l�sst sich etwas machen.</emphasis> Als sie auf gleicher H�he waren, strauchelte er und wankte gegen den Bediensteten, der das Gleichgewicht verlor und st�rzte. Geistesgegenw�rtig fing Bislipur das gro�e Gef�� und zwei der Becher auf, der dritte zerschellte auf den Marmorplatten.</p><p>�Verzeih, ich bin auf dem glatten Boden ausgerutscht. Manchmal verfluche ich mein lahmes Bein�, entschuldigte er sich. �Zwei Becher und das Bier sind gerettet.�</p><p>Es dauerte eine Weile, bis der gefallene Zwerg seine Benommenheit absch�ttelte und sich in die H�he stemmte. Er blickte auf die Scherben. �Es w�re dein Becher gewesen. Ich gehe sofort zur�ck und hole einen ��</p><p>�Der dritte mag in Scherben springen, ich h�tte sowieso nichts trinken wollen. Kehre die Bruchst�cke einfach zusammen�, wehrte Bislipur ab, und der Bedienstete widmete seine Aufmerksamkeit den Scherben, die er in seinem Schurz sammelte. �Du kannst mir den Krug und die Becher wieder geben.�</p><p>Bislipur schwenkte gerade den Krug und betrachtete den hellen, festen Schaum, der auf dem dunklen Bier wogte und sich nicht untermischte. �Es ist ein sch�ner Gegensatz�, meinte er nachdenklich. �Das Wei�e steht �ber dem Schwarzen.� Er dr�ckte ihm Krug und Becher in die H�nde. �Hoffen wir, dass es auch im Geborgenen Land so kommt und das Gute �ber das B�se siegt. Nun geh. Dein K�nig ist durstig.�</p><p>Der Zwerg setzte seinen Weg fort, w�hrend Bislipur sich summend zu den Clans seines Stammes aufmachte.</p><subtitle>Das Geborgene Land, irgendwo unter der Erde, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Das letzte Gef�lle hatte ihnen eine Atem beraubende Beschleunigung beschert, und nun rasten sie mit h�chster Geschwindigkeit die Strecke entlang, bis Tungdil zum ersten Mal nach dem Bremshebel griff. <emphasis>Wir werden umkippen, wenn wir noch schneller werden.</emphasis> Funken stoben hinter ihrem Gef�hrt auf, das Quietschen klang schrill und stellte eine Pr�fung f�r ihre Ohren dar.</p><p>�Das ist schlimmer als Bavragors Gesang�, sagte Bo�ndil laut, um den Fahrtwind zu �bert�nen. Prompt begann der Steinmetz, die Tortur zu erh�hen, indem er ein Lied schmetterte. Der Krieger verdrehte die Augen.</p><p>Sie schossen aus dem Tunnel heraus, durchquerten eine nat�rliche Halle und fuhren �ber eine gigantische, aus dem Stein gehauene Br�cke, unter der sich ein gewaltiger Strom ergoss; das Brausen und Donnern �bert�nte selbst das Quietschen der Bremsen. Gischtschleier wehten bis zu ihnen hinauf, und dann befanden sie sich auch schon wieder in der n�chsten R�hre.</p><p>�Habt ihr das gesehen?�, wollte Tungdil beeindruckt wissen.</p><p>�Leider�, wisperte Go�mgar elend. �Wir h�tten runterfallen und sterben k�nnen.�</p><p>Doch Tungdil schw�rmte geradezu von dem Anblick. �Bavragor, hast du jemals ein solches Bauwerk gesehen? Wie haben unsere Vorfahren das errichten k�nnen?�</p><p>Der Steinmetz w�re am liebsten zur�ckgefahren, um die Konstruktion genauer zu betrachten. �Es k�nnen nur die Clans der Zweiten gewesen sein�, gab er stolz zur�ck. �Kein anderer Stamm w�re dazu imstande gewesen.� Er erntete keinen Widerspruch. �Darauf trinke ich einen.� Pl�tzlich begann die Lore zu holpern und zu r�tteln. �Halte das Gef�hrt blo� ruhig, ehe ich was versch�tte oder dem Gemmenschneider schlecht wird und noch ein Ungl�ck geschieht�, unkte er gr�lend.</p><p>Tungdil war weniger zum Scherzen zumute. �Da liegen kleine Steinchen auf der Schiene�, meldete er. �Wir k�nnten ��</p><p>Es gab einen gewaltigen Schlag, ihr Gef�hrt sprang auf der rechten Seite aus der Schiene und stellte sich quer, bis es zu kippen drohte. Orangefarbene Feuerblitze stoben bis zur Decke.</p><p>Doch zum Schauen hatten die Zwerge �berhaupt keine Zeit mehr, ihre Lore kippte, �berschlug sich mehrfach und krachte schlie�lich gegen die massive Felswand, die wie aus dem Nichts vor ihnen auftauchte.</p><p>Tungdil segelte durch die Luft, rollte sich klein zusammen und hoffte, als Kugel weniger Schaden zu nehmen. Er schlug hart auf dem Boden auf, der Stein sch�rfte ihm an einer Stelle des Gesichts die Haut ab, dann prallte er mit dem Helm gegen etwas Massives. <emphasis>Es hatte ja so kommen m�ssen.</emphasis> Benommen richtete er sich auf und schaute nach seinen Begleitern.</p><p>Die Zwillinge waren bereits wieder auf den Beinen. Ihre Lederhosen waren wie seine an manchen Stellen zerrissen und zerschnitten, doch mehr schienen sie sich nicht getan zu haben.</p><p>Bavragor stemmte sich st�hnend in die H�he und hielt sich die H�fte. Nur Go�mgar lag still neben dem verbogenen Gef�hrt, seine Brust hob und senkte sich schwach.</p><p>�Verflucht�, stie� Tungdil laut aus und schwankte zu ihm hin�ber, um nach ihm zu sehen. Ingrimmsch und Bo�ndal �bernahmen eine genauere Untersuchung und stellten zur allgemeinen Erleichterung fest, dass ihm �u�erlich nichts fehlte.</p><p>�Das haben wir gleich�, meinte Bavragor und gab dem Edelsteinschleifer einen Schluck aus seinem Schlauch zu trinken. �Ich hoffe, er wei� mein Opfer zu sch�tzen.�</p><p>Spuckend erwachte der schm�chtige Zwerg, weil er den scharfen Schnaps wohl nicht gewohnt war. Er schrie auf und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die rechte Schulter. �Es brennt! Sie ist gebrochen!� Bo�ndal wollte sie erneut pr�fen, aber Go�mgar wehrte ihn ab. �Nein! Du machst es nur schlimmer.�</p><p>�Ich mache es gleich schlimmer�, knurrte Bo�ndil drohend. �Lass meinen Bruder nach deiner Verletzung sehen!�</p><p>�Go�mgar, bitte�, bat ihn Tungdil. �Er ist ein Krieger, er versteht sich auch aufs Heilen.�</p><p>�Auf Schnittwunden vielleicht, aber nicht auf Br�che�, weigerte Go�mgar sich, ihn an sich heranzulassen. St�hnend stand er auf, die Rechte hing nutzlos an seinem K�rper herab. �Die Schulter ist gebrochen�, jammerte er. �Ich kann sie nicht mehr bewegen.�</p><p>�Da! Trink was gegen den Schmerz.� Bavragor warf ihm den Schlauch zu. Reflexartig fing er ihn auf. Die vier Zwerge schauten ihn vorwurfsvoll an.</p><p>�Wollest du uns eine kleine Kom�die vorspielen, Schwachzwerg?!�, schnarrte Ingrimmsch aufgebracht.</p><p>�Ich habe mich get�uscht�, beeilte sich Go�mgar zu versichern.</p><p>�Es war nur � ausgerenkt. Die Bewegung lie� das Gelenk wieder an den rechten Fleck springen. Habt ihr es auch knacken geh�rt?� Probehalber bewegte er den Arm und t�uschte immer noch leichte Beschwerden vor. �Es tut noch etwas weh, aber es geht.� Er reichte Bavragor den Alkohol zur�ck. �Trink deinen Fusel allein. Er schmeckt gr�sslich.�</p><p>�Wenn du uns noch mal aufs Kreuz legst, sei besser�, empfahl ihm Bo�ndil w�tend, �oder du bekommst eine solche Tracht Pr�gel, dass du denkst, dein kleiner Hintern gl�ht so hei� wie eine Esse.�</p><p><emphasis>Meine Wahl war nicht gut. Ich habe mir selbst einen Klotz ans Bein gebunden.</emphasis> Tungdil �rgerte sich. Die ruhige Art Gandogars h�tte ihn vor Schimmerbart warnen m�ssen, der mehr und mehr zu einem Problem wurde. <emphasis>Ich werde ihm nichts mehr glauben.</emphasis></p><p>Doch es gab Wichtigeres zu tun. Er blickte sich um und besah den Tunnel, der hier endete und von einem Einsturz verschlossen wurde. Ihre Materialien, die sie f�r die Feuerklinge ben�tigten, lagen �berall verstreut. Er rief Bavragor zu sich. �Sieht das nach einem alten oder einem neuen Einsturz aus?�</p><p>Der Ein�ugige musterte die Brocken, kletterte auf ihnen herum, fuhr mit den Fingern pr�fend �ber die Kanten, bis er zu ihm zur�ckkehrte. �Er ist neu. Ich sehe es an den gl�nzenden Bruchstellen, der Staub auf den Steinen stammt von der Decke, nicht von der langen Liegezeit.� Er wackelte an der vollkommen verbogenen Seitenwand der Lore. �Wenn unser Gef�hrt nicht gebockt h�tte, w�ren wir ungebremst gegen den Haufen gefahren.�</p><p>�Hat jemand daf�r gesorgt, dass der Stollen einbricht?�</p><p>Bavragor wischte sich den Staub aus dem Auge. �Kann ich nicht sagen, aber m�glich w�re es.� Er legte liebevoll eine Hand an die Wand. �Ausgerechnet jetzt, nach all den Zyklen, soll der Tunnel einbrechen? Das glaube ich nicht.�</p><p>�Es war sicher dein Gesang�, meinte Go�mgar rechthaberisch. �Dein Gesang und die Schreierei des Verr�ckten.�</p><p>�Oder du hast die Steine mit deinem Gejammer erweicht�, konterte der Steinmetz.</p><p>�Oder sie haben sich wegen deiner Statur kaputtgelacht�, setzte Bo�ndil eins obendrauf, weil er Bavragor in nichts nachstehen wollte.</p><p>Ehe Go�mgar etwas erwidern konnte, wies Tungdil sie an, die Sch�tze einzusammeln und sie mit Steinbrocken abzudecken. �Wir klettern an die Oberfl�che�, verk�ndete er seinen Entschluss.</p><p>�Nicht weit von hier ist ein Ausstieg, dort verlassen wir den Tunnel, suchen uns einen Hof oder eine Stadt und kaufen uns ein Pony.� Er faltete die Karte auseinander. �Da w�re der n�chste Einstieg. Es sind achtzig Meilen bis dorthin.�</p><p>�Dann muss dort nur ein Vehikel auf uns warten, Gelehrter�, hoffte Bo�ndal. �Und wenn nicht?�</p><p>�Kaufen wir uns noch mehr Ponys und reiten die restlichen zweihundert Meilen.� Tungdil rollte die Karte zusammen und half mit, die schweren Barren aus Edelmetall auf einen Haufen zu tragen. Nur das St�ck Holz nahm er an sich.</p><p>Sein Blick fiel auf seine vier Begleiter. <emphasis>Mit ihrer Streiterei ist es keinen Deut besser geworden. Ich muss daf�r sorgen, dass der Zusammenhalt w�chst, sonst zerbricht die Gruppe. Vraccas, gib mir Kraft.</emphasis></p><p>Nach einem kurzen Dankesgebet an Vraccas, der ihnen das Leben bewahrt hatte, marschierten sie durch die R�hre, bis sie an eine schmale Treppe gelangten, die im Zickzack steil nach oben f�hrte.</p><p>�Wo sind wir eigentlich?�, wollte Go�mgar wissen, ehe er Bavragor folgte.</p><p>�Laut der Landkarte in Oremaira, dem Land der H�terin�, antwortete Tungdil. �Oder besser gesagt in dem, was N�d�onn daraus gemacht hat.�</p><p>�Magusland�, meinte Bo�ndil verdrossen, die H�nde an die Griffe seiner Beile gelegt. �Hoffentlich schickt er uns ein paar Schweineschnauzen, die wir zerlegen k�nnen. Aber auf seinen verdammten Hokuspokus kann ich gern verzichten.�</p><p>Stumm pflichteten ihm die anderen vier Zwerge bei.</p><empty-line/><p>Die f�nf Zwerge hielten ihre Waffen bereit, als sie nach einem langen, schwei�treibenden Aufstieg eine runenverzierte T�r �ffneten, die sie ins Freie f�hren sollte.</p><p>Sie gelangten in eine H�hle, die vier Schritt hoch und sieben Schritt breit war. Das Tosen eines Wasserfalls begr��te sie. Wassermassen schossen an der �ffnung der H�hle vorbei und st�rzten brausend in die Tiefe; die Gischt wusch ihnen den Staub von den Kettenhemden, Helmen und Kleidern. Tr�bes Tageslicht fiel von oben herein und malte helle Flecken auf den feuchten Boden.</p><p>�Ich hasse das�, br�llte Bo�ndil gegen das Brausen des Wasserfalls an. �Wenn ich mich waschen will, tue ich das selbst.�</p><p>�Ja, wenn�, schrie sein Bruder zur�ck.</p><p>Sie fanden einen schmalen Weg, der hinter dem Vorhang aus Wasser verlief und zu einem Felsplateau f�hrte. <emphasis>Ein guter Aussichtspunkt,</emphasis> dachte Tungdil.</p><p>�Geht�, wies er die anderen an. �Wir wollen sehen, wo wir gelandet sind.�</p><p>Behutsam schritten sie voran, um auf dem schl�pfrigen Stein nicht auszugleiten. Einer nach dem anderen trat durch die Wassermassen und erhielt eine unfreiwillige Waschung, Go�mgar w�re sogar beinahe umgeworfen worden.</p><p>Es musste um die Mittagszeit sein. Die Herbstsonne zauberte einen Regenbogen in die Wasserschleier, die Luft war frisch und feucht. Sie erreichten die steinerne Hochebene, die vor ihren F��en f�nfzig Schritt steil nach unten abfiel. Die Spitzen dunkler Tannen, Kiefern und Fichten reckten sich ihnen wie Speere entgegen. Die aufziehenden grauen Wolken verhie�en einen baldigen Regenguss.</p><p>Weit entfernt am westlichen Horizont glitzerte es. Dort lag ein gro�er See, w�hrend sie in Richtung Norden H�user und Mauern einer Menschenstadt erkannten, die fast bis an den Wald grenzte und ansonsten von abgeernteten Feldern umgeben war.</p><p><emphasis>Um dorthin zu gelangen, reicht uns ein Sonnenumlauf.</emphasis> �Vraccas war mit uns�, freute sich Tungdil �ber die gute Ausgangslage. �Wir werden unser Pony schon bald haben.�</p><p>�Eine Stadt voller Langer�, sagte Go�mgar wenig begeistert. �Ob sie uns leiden k�nnen?�</p><p>�H�r auf zu jammern, sonst bricht uns noch der Fels unter den F��en zusammen�, schnauzte ihn Ingrimmsch an. �Die Langen sind lang, mehr nicht. Wir werden schon mit ihnen fertig.�</p><p>�Ihr werdet mir das Reden �berlassen�, wies Tungdil sie voller b�ser Vorahnungen an. �Ich kenne die Menschen am besten von euch allen.�</p><p>Die anderen nickten zustimmend. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem Abstieg und fanden einen schmalen Pfad, der sie durch den dichten Forst f�hrte.</p><p>Der Sonnenschein wurde von den Kronen der Nadelb�ume ged�mpft. Ein leichter herbstlicher Nebel hing zwischen den St�mmen; in H�he der Oberschenkel war er sogar undurchdringlich dicht und wirkte wie milchiges Wasser. Das Zwielicht erleichterte es den Zwergen, sich an die Helligkeit zu gew�hnen.</p><p>�Das sind also die W�lder, in denen Maira den Einh�rnern eine Zuflucht vor der Verfolgung gew�hrt�, sagte Tungdil begeistert, das aus B�chern Bekannte mit eigenen Augen zu sehen. �Wenn wir Gl�ck haben, begegnen wir ihnen vielleicht.�</p><p>�Und was soll ich dann mit ihnen?�, meinte Bo�ndil ratlos. �Reiten bestimmt nicht.�</p><p>�Anschauen. Es gibt nicht mehr viele von ihnen, seit sie von den Albae gejagt wurden.�</p><p>�Muss es in einem Wald denn so ruhig wie in einem verlassenen Stollen sein?�, fragte Bavragor. �Ich k�nnte ein Lied singen, damit die Viecher wissen, dass wir hier sind, und sie herkommen, um sich betrachten zu lassen.�</p><p>�Einh�rner sind scheue Tiere. Gesang ��</p><p>�� sein Gesang, Gelehrter�, verbesserte Bo�ndal leise.</p><p>�� hilft da nicht. Angeblich n�hern sie sich nur Jungfrauen�, belehrte ihn Tungdil.</p><p>�Nun, wer k�me da wohl infrage, um als Lockvogel zu dienen?�, sinnierte Bavragor, und Tungdil wurde rot, ohne dass er es verhindern konnte.</p><p>Pl�tzlich stolperte Bo�ndil �ber etwas am Boden, das der Dunstschleier vor seinen Augen verbarg.</p><p>�Nanu?�, wunderte er sich und dr�ckte mit einem seiner Beile vorsichtig auf den weichen Gegenstand, der weiterhin unsichtbar blieb. Die Klinge f�rbte sich hellrot. �Deinen Schild�, verlangte er von Go�mgar und wedelte damit die Schwaden auseinander, damit sie erkannten, was blutend auf der Erde lag.</p><p>�Ein Pferd?�, staunte Bavragor, als der K�rper mit dem wei�en Fell sichtbar wurde. �Oder � ist das ein Einhorn?�</p><p>Tungdil kniete sich neben die tote Kreatur, die etliche Bisswunden eines Raubtieres am Leib trug, die Kehle hing in Fetzen gerissen, das kostbare Horn war mit brutaler Gewalt aus dem Sch�del gebrochen.</p><p>�Es war ein Einhorn�, sagte er traurig und streichelte �ber das weiche Fell. Die B�cher Lot-Ionans schw�rmten von diesen Kreaturen, nannten sie rein, gut, fern von jeglicher Bosheit � was sie aber nicht vor dem Tod durch das B�se bewahrte. �Die Horden N�d�onns m�ssen hier gewesen sein.�</p><p>�Du meinst, sie sind vielleicht immer noch hier und lauern zwischen den B�umen?�, hoffte Bo�ndil, was Go�mgar dazu brachte, ein paar Schritte von dem Kadaver zur�ckzuweichen und prompt zu st�rzen.</p><p>R�cklings verschwand er im Nebel, um kurz darauf schreiend wieder aufzutauchen und sich zu den anderen zu fl�chten. Seine H�nde waren voller Blut. �Da liegt noch eins�, rief er angewidert. �Gib mir sofort meinen Schild zur�ck!�</p><p>Ingrimmsch trat an die Stelle, wo der Vierte gefallen war, und verwirbelte die wei�en Schwaden; ein leichter Wind wehte durch den Wald und half dem Zwerg, den Dunst zu verjagen.</p><p>Ihnen stockte der Atem, als sie das Ungeheuerliche erblickten. Ein Dutzend Einh�rner und die dreifache Menge Orks ruhten tot auf der Erde. Die Bestien waren den Tritten und H�rnern der Vierbeiner zum Opfer gefallen; die Einh�rner aber waren von klaffenden Wunden gezeichnet und mit langen Pfeilen gespickt.</p><p>Die Zwerge erkannten im schwindenden Nebel schemenhaft Barrikaden aus Baumst�mmen, die den Kreaturen des Lichts zum Verh�ngnis geworden waren.</p><p>�Sie haben eine Treibjagd auf die Einh�rner veranstaltet�, sagte Bavragor ersch�ttert. �Wie viele gibt es von ihnen, sagtest du?�, fragte er Tungdil.</p><p>�Etwas mehr als ein Dutzend�, antwortete er nicht minder entsetzt. Selbst jetzt, da die Einh�rner tot waren, konnte er erahnen, welche Friedfertigkeit, welche W�rde und Freundlichkeit von ihnen ausging, ehe sie von den niedersten Kreaturen ausgel�scht wurden. �Es sind alle, die es im Geborgenen Land noch gab.�</p><p>�Es steht schlimm um unsere Heimat�, bemerkte Bo�ndal traurig. �Auf, rasch in die Stadt, ein Pony besorgt und weitergeritten. Je eher wir den Kampf gegen N�d�onn aufnehmen, desto mehr Leben k�nnen wir retten.� Sie rissen sich zusammen, kletterten �ber die Palisaden und setzten ihren Weg durch den Wald fort.</p><p><emphasis>Hat das Sterben niemals mehr ein Ende?</emphasis> Tungdils Schmerz �ber den Verlust Lot-Ionans, Fralas und ihrer T�chter erhielt neue Nahrung.</p><p>Bo�ndil hielt seine Beile kampfbereit, weil er nach wie vor w�nschte, dass ihm ein Ork vor die Schneiden lief, an dem er seine angestaute Wut ablassen durfte. Pl�tzlich nahmen seine Augen einen neuen Ausdruck an, und ein Grinsen legte sich auf sein Gesicht. Sein Bruder fragte nicht, sondern nahm den Kr�henschnabel in die H�nde.</p><p>�Ich rieche sie�, wisperte Ingrimmsch erregt. �Oink, oink, oink!�</p><p>Es dauerte nicht lange, da roch Tungdil das ranzige Fett ihrer R�stungen; es passte so gar nicht zu dem angenehmen Geruch nach frischem Moos, feuchter Erde und w�rzigen Tannennadeln. �Los, wir m�ssen die Stadt erreichen.�</p><p>�Unsinn, wir m�ssen die Sch�del der Biester spalten!�, widersprach Bo�ndil offen. Das lange unterdr�ckte Kampffieber hatte Besitz von ihm ergriffen, sein hei�es Blut leitete ihn. �Wo seid ihr, ihr kleinen Schweinchen? Kommt, euer Metzger wartet!�, rief er, legte den Kopf in den Nacken und stie� ein lang gezogenes Grunzen aus.</p><p>Von irgendwo zwischen den dichten St�mmen wurde das Gegrunze erwidert.</p><p>Go�mgar machte sich hinter seinem Schild so schmal, dass er vollst�ndig dahinter verschwand. �Sei still, du Irrer!�, verlangte er furchtsam. �Sie ��</p><p>Das Klimpern und Scheppern von R�stungen n�herte sich ihnen. Ingrimmsch schloss genie�erisch die Augen. �Sie sind gerade �ber den Pferch gesprungen�, �bersetzte er f�r die anderen die Ger�usche. �Es m�ssen ��, er lauschte kurz, �zwanzig oder mehr Gegner sein.� Seine H�nde schwangen ungeduldig die Beile. �Sie haben uns bemerkt, jetzt traben sie an.�</p><p>Unvermittelt riss er die Lider auf und preschte �Oink, oink, oink� rufend los. Bo�ndal warf Tungdil einen entschuldigenden Blick zu und folgte ihm. Es dauerte nicht lange, dann traf Stahl auf Stahl, laut t�nte das Klirren durch den Forst.</p><p><emphasis>Ich kann es einfach nicht glauben! Seine Lebensesse wird ihm eines Tages den Verstand aus dem Kopf brennen.</emphasis> Tungdil f�hlte sich �berfordert.</p><p>�Wollen wir sie allein k�mpfen lassen?�, fragte Bavragor ungl�ubig und z�ckte seinen Kriegshammer.</p><p>�Ja�, meinte Go�mgar eingesch�chtert. �Sie haben damit angefangen, sie sollen sehen, wie sie damit fertig werden.�</p><p>�Nein. Wir helfen ihnen, und dann nichts wie hinter die Stadtmauern�, ordnete Tungdil an, der schon l�ngst seine Axt in den H�nden hielt.</p><p>Die drei eilten den Zwillingen zu Hilfe. Der Steinmetz st�rmte vorweg und warf sich br�llend auf den ersten Ork, der ihm unterkam. Die Scheusale, die gerade versuchten, die Krieger zu umzingeln, wurden von dem unerwarteten Auftauchen der zus�tzlichen Zwerge �berrascht. Entsprechend schlecht fiel ihre Gegenwehr aus.</p><p>Bald lagen zwei Dutzend Orks erschlagen auf dem Waldboden, wobei sich Go�mgar darauf beschr�nkt hatte, hinter Bavragor zu bleiben und jede Art von Aufeinandertreffen mit einer Gr�nhaut zu vermeiden.</p><p>Das meiste der blutigen Arbeit hatte Ingrimmsch verrichtet, doch auch Bo�ndal und Hammerfaust hatten so besonnen gek�mpft, dass Tungdil beinahe gar nicht zum Zug gekommen war.</p><p>�Die werden keine Einh�rner mehr umbringen�, lachte Bo�ndil, w�hrend er sich mit dem Handr�cken den Schwei� aus der Stirn wischte. �Ha, ihr Schweinchen!� Er trat nach einem Toten. �Den Tritt gebe ich dir noch dazu. Nimm ihn mit und bringe ihn Tion, wenn du ihn im Jenseits siehst.�</p><p>�He! H�rt ihr? Da sind noch welche�, rief Go�mgar �ngstlich und nahm seinen Schild hoch, bis man nur noch die Augen von ihm sah.</p><p>Ingrimmsch rempelte seinem Bruder in die Seite. �Schau, er sieht aus wie ein Schild mit zwei F��en dran�, witzelte er und wandte sich den neuen Angreifern zu. �Heute ist mein Gl�ckstag. Das ist echtes Gold wert�, grinste er. Wieder lauschte er nach den Ger�uschen, welche die Orks verursachten, damit er ihre ungef�hre Zahl einsch�tzen konnte. �Eins, zwei, drei ��, er wurde langsamer und nachdenklicher, die eben noch sorglose Miene ver�nderte sich, �vier, f�nf � Eins, zwei �� Er riss die Augen auf und senkte trotzig den Kopf. �Das wird eine Herausforderung, wie sie Zwergen w�rdig ist.�</p><p>Schon h�rten sie das Rasseln der R�stungen.</p><p>�Wie viele denn?�, wollte Tungdil beunruhigt wissen. Wenn Ingrimmsch von einer �Herausforderung� sprach, konnten es nicht wenige sein.</p><p>�F�nf und zwei�, gab der Zwerg lakonisch zur�ck. �Sie kommen in erster Linie von vorn, aber auch �ber die rechte Flanke.�</p><p>�Sieben?�, atmete Go�mgar auf und wuchs hinter seiner Deckung wieder ein wenig.</p><p>�F�nf Dutzend und zwei Reiter�, �bersetzte Bo�ndal die Z�hlart.</p><p>Tungdil packte Ingrimmsch an der Schulter. �Das ist keine Herausforderung, das ist Wahnsinn. Wir laufen auf der Stelle zu der Stadt�, befahl er. Der Gemmenschneider wandte sich auf dem Absatz herum und lief los.</p><p>�Nein!�</p><p>�Dieses Mal wirst du gehorchen! Du hattest dein Vergn�gen, Bo�ndil. Denk an unsere Aufgabe!�</p><p>Missgelaunt wandte sich der Krieger um. �Na, sch�n. Da haben die Schweinchen einmal mehr Gl�ck als Verstand gehabt�, gab er nach. �Aber wenn sie uns einholen, werden sie sehen, was sie davon haben.� Sein Zeigefinger reckte sich Bavragor entgegen. �Und du lass deinen Hammer von meinen Gegnern, Einauge. Wenn ich deine Unterst�tzung brauche, lasse ich es dich wissen.�</p><p>�Ich habe nicht dir geholfen, ich stand deinem Bruder bei. Zu gern h�tte ich gesehen, wenn ein Ork deinen Zopf und deinen Nacken mit dem Schwert frisiert h�tte�, erkl�rte er geh�ssig.</p><p>�Nicht jetzt! Kommt!�, mahnte Tungdil sie und setzte sich in Bewegung.</p><p>Sie rannten an den B�umen vorbei, brachen �ste und Zweige ab und hetzten vorw�rts, um der Rotte zu entgehen, die sich an ihre Fersen heftete. Go�mgar war zwischen den St�mmen schon nicht mehr zu sehen.</p><p>Signalh�rner erschallten in ihrem R�cken. Die Orks organisierten die Jagd, aber die Zwerge hatten den gro�en Vorteil, dass sie wegen ihrer geringeren Gr��e kaum mit dem Unterholz ringen mussten, sondern zwischen den L�cken hindurchschl�pfen konnten.</p><p>Schon n�herten sich die Zwerge dem Waldrand, der Bewuchs lichtete sich.</p><p>Tungdil warf keuchend einen Blick nach hinten und sah die Umrisse der Ungeheuer deutlicher als zu Beginn ihrer Flucht. <emphasis>Es wird knapp.</emphasis></p><p>Sie brachen aus dem Forst und verfielen in einen leichten Trab. Die rettende Stadtmauer lag etwas mehr als eine halbe Meile von ihnen entfernt, Go�mgar hatte die Strecke bereits zur H�lfte �berwunden.</p><p><emphasis>Was ist das?</emphasis> Zuerst dachte Tungdil, seine Augen spielten ihm einen Streich und gaukelten ihm vor, der dunkle Waldsaum bewegte sich rechts und links von ihnen mit, dann h�rte er das Klirren von Kettenhemden und das Klappern von Plattenpanzern, und er verstand. <emphasis>Wir sind mitten in einen Angriff geraten!</emphasis></p><p>Unmittelbar nach ihnen war eine Orkhorde aus dem Schutz der B�ume gebrochen. Er sch�tzte ihre Zahl auf eintausend, wenn nicht sogar mehr. Sie bildeten bei ihrem Vormarsch eine lebendige schwarze Linie, die sich auf die gro�e Siedlung zubewegte; auch von den anderen Seiten eilten Orks herbei und machten aus der Linie einen Ring, der sich unerbittlich zuzog. Weder f�r die Stadt noch f�r die Zwerge schien es ein Entkommen zu geben.</p><p>�Rennt!�, peitschte er seine Begleiter an, �rennt, so schnell ihr k�nnt!�</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Oremaira, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Go�mgar erreichte das verschlossene Tor, das hinter die sicheren Mauern der unbekannten Stadt f�hrte, und h�mmerte mit den F�usten dagegen. �Lasst mich rein!�, schrie er nach oben, wo er Gesichter hinter den Zinnen erkannte. �Bitte, bei Vraccas dem Schmied, gew�hrt mir Schutz vor den Horden!�</p><p>�Ich finde, er sollte f�r uns alle bitten�, schnaufte Bavragor in einiger Entfernung.</p><p>Eine kleine Pforte �ffnete sich. Go�mgar huschte hindurch, und die T�r wurde wieder geschlossen. Als die anderen vier den Durchlass erreichten, blieb er zu.</p><p>�He! Wir sind auch noch da!�, rief Bavragor.</p><p><emphasis>Er hat es schon wieder getan,</emphasis> dachte Tungdil entt�uscht. <emphasis>Go�mgar ist nicht zu trauen.</emphasis></p><p>W�hrenddessen n�herten sich die Orks unerbittlich. Pfeile flogen in ihre Richtung und verfehlten sie.</p><p>Bo�ndil wandte sich zu den Angreifern um, die Beile fest in den H�nden haltend. �Es sieht so aus, als k�me ich doch noch zu meinem kleinen Gefecht�, lachte er und schlug die R�ckseiten der Waffen gegeneinander, dass sie laut und t�nend klirrten. �Oink, oink!�, verh�hnte er die Horden.</p><p>�Holla! Wir geh�ren zu dem anderen Zwerg!�, begehrte Tungdil Einlass. ��ffnet uns das Tor! Wir sind Zwerge, wir stehen auf eurer Seite!�</p><p>Nichts geschah.</p><p>Pl�tzlich waren die Schnellsten der Orks heran und wurden von Ingrimmsch blutig empfangen. Ihr quiekendes Geschrei alarmierte andere Artgenossen, die herbeieilten, um den Zwergen den Garaus zu machen.</p><p>Bo�ndil und Bo�ndal droschen um sich. Das gr�ne Blut der Ungeheuer spritzte, und keinem gelang es, bis zu Tungdil und Bavragor vorzudringen. Selbst als Ingrimmsch einen Pfeil ins Bein erhielt, blieb er stehen und t�tete lachend einen Ork nach dem anderen.</p><p>Erst als ein Dutzend der Bestien erschlagen vor der Pforte lagen, wurde den Zwergen das Tor ge�ffnet.</p><p>Sie mussten Bo�ndil am Kragen packen und ihn mit Gewalt auf die andere Seite der Mauer zerren, so verbissen widmete er sich den Gegnern. Bo�ndal redete beruhigend auf ihn ein, bis das irre Flackern in seinen Augen erlosch.</p><p>Bavragor nickte Tungdil wissend zu. �Habe ich es nicht gesagt? Er ist wahnsinnig, unberechenbar und gef�hrlich.�</p><p>Tungdil schwieg.</p><p>Auf der anderen Seite standen drei�ig schwer bewaffnete und ger�stete Menschen, welche die Neuank�mmlinge argw�hnisch im Auge behielten. Noch traute man ihnen nicht recht. Go�mgar wartete neben der T�r, sein Gesicht war leichenblass.</p><p>Der Hauptmann trat vor. �Wer seid ihr, und was wollt ihr, Unterirdische?�, verlangte er barsch zu wissen.</p><p>Tungdil �bernahm es, sie der Reihe nach vorzustellen. �Wir sind Zwerge und unterwegs, um nach Orkhorden Ausschau zu halten und sie anzugreifen, wie es Vraccas uns befahl�, versuchte er ihr Erscheinen zu erkl�ren. �Wir h�rten, dass das B�se im Geborgenen Land umgeht, st�rker als jemals zuvor, und da entschlossen wir uns, den Menschen beizustehen.�</p><p>�Mit Erfolg, wie ihr gesehen habt�, f�gte Ingrimmsch fr�hlich hinzu. �Ich w�re drau�en geblieben, um den Schweinchen die Borsten von der Haut zu sch�len, aber die hier wollten es nicht mit der kleinen �berzahl aufnehmen.�</p><p>Bo�ndal kniete neben ihm und begutachtete die Wunde, die der Pfeil angerichtet hatte. Da es sich nur um eine Fleischwunde handelte, beschr�nkte er sich darauf, den Schaft abzubrechen und das verbliebene St�ck auf der anderen Seite herauszuziehen. Sein Bruder verzog nicht einmal die Miene; erst als er ein paar getrocknete Kr�uter zur Blutstillung auflegte und einen Verband anbrachte, zuckte es kurz in seinem Gesicht.</p><p>Der Hauptmann war von der Disziplin des Zwerges sichtlich beeindruckt. �Nun, dann seid willkommen in Mifurdania�, sagte er. �Ihr habt euch einen Zeitpunkt ausgesucht, der f�r euer Anliegen gut, doch f�r unsere Stadt schlecht ist. Ihr werdet bald gen�gend zu tun bekommen. Meldet euch bei mir, wenn ihr bereit seid, zusammen mit uns zu k�mpfen.�</p><p>Er wandte sich ab. Zehn seiner Krieger blieben an der Pforte zur�ck und verbarrikadierten sie mit einer zus�tzlichen Eisenplatte, welche sie quer vor den Einlass legten und mit langen Bolzen sicherten. Auf der anderen Seite rumpelte es, die Orks versuchten, durch den schmalen Durchlass zu gelangen, aber das Metall war zu stark. Schlie�lich zogen sich die Ungeheuer zur�ck.</p><p>�Das war knapp. Warum habt ihr gewartet, ehe ihr uns ge�ffnet habt?�, fragte Bavragor einen der Stadtgardisten.</p><p>Der Mann schaute auf den bleichen Go�mgar, der sich nicht aus der Ecke traute. �Der da hat gesagt, wir sollen gleich hinter ihm wieder verriegeln�, lautete die gleichg�ltige Antwort. �Frag ihn.�</p><p>Die Soldaten k�mmerten sich nicht weiter um die Zwerge, sondern brachten weitere Sicherungen an dem Eisenverschlag an, damit er den rohen Gewalten Stand hielt. Ein ganzer Wald von St�tzstreben erbrachte gen�gend Gegendruck, um den Aufprall eines Rammbocks auszuhalten.</p><p>�Das stimmt nicht�, stammelte der Zwerg. �Ich sagte, dass sie die T�r verriegeln sollen, sobald ihr drinnen seid.� Er wich vor der drohenden Gestalt Hammerfausts zur�ck und trat aus dem Turm auf den Platz vor dem Tor, um in die Gassen Mifurdanias fliehen zu k�nnen.</p><p>�Ich glaube dir nicht!�, erz�rnte sich Bavragor. �Seit wir unterwegs sind, hast du doch nichts als Niedertracht im Sinn.� Er schwang die breiten F�uste. �Komm her, damit du dir eine Tracht Pr�gel abholst.�</p><p>�Und wenn er mit dir fertig ist, bin ich an der Reihe�, stimmte Ingrimmsch ein. �Ich rasiere dir deinen affigen Bart mit meinen Beilen.�</p><p>Das war zu viel f�r ihn. Die Androhungen bildlich vor Augen, drehte sich Go�mgar auf dem Absatz herum und floh in das Gewirr der Stadtstr��chen.</p><p>�Warte!�, rief Tungdil ihm hinterher, doch er lie� sich nicht aufhalten. <emphasis>So etwas musste fr�her oder sp�ter geschehen.</emphasis> Strafend schaute er zu Bavragor und Bo�ndil.</p><p>�Das habt ihr beide <emphasis>hervorragend</emphasis> hinbekommen�, lobte er sie mit bei�endem Spott. �Wir sind von Orks umzingelt, haben eine bedeutende Aufgabe zu erledigen, und ihr verjagt mit eurem kindischen Geschw�tz Go�mgar, damit wir auch noch Verstecken mit ihm spielen k�nnen. Wir haben bessere Sorgen, oder?� Er gab sich keine M�he, seine Wut zu unterdr�cken. Sollten sie nur sehen, dass er sauer war.</p><p>Die beiden Gescholtenen blickten betreten zu Boden.</p><p>�Aber er hat uns verraten�, wagte Bavragor aufzubegehren.</p><p>�Du hast ihn nicht ausreden lassen�, wies ihn Tungdil scharf zurecht. �Du hast die Worte des Gardisten geh�rt und ihn gleich angeschrien.�</p><p>�Und da hat er Fersengeld gegeben�, meinte Ingrimmsch. �Das sieht f�r mich schuldig aus.�</p><p>�Und schon seid ihr einer Meinung! Wir suchen ihn und kl�ren das Ganze. In aller Ruhe�, sch�rfte er ihnen ein. Er entdeckte eine Herberge weiter unten in der Stra�e. �Dort geht ihr beiden hin�, sagte er zu Bavragor und Bo�ndil, �setzt euch an einen Tisch und bleibt dort, bis Bo�ndal und ich zur�ckkehren. Keine Scherereien! Und denkt daran, was ich euch �ber die Menschen gesagt habe.�</p><p>Bavragor kratzte sich am Bart. �Was macht ihr?�</p><p>�Was wohl? Ihn suchen�, fauchte er. �Vor euch h�tte er nur Angst und w�rde sich sofort wieder verkriechen.� Er nickte Bo�ndal zu und lief los.</p><p>Gehorsam wanderten die anderen beiden zu der Wirtschaft, traten ein und suchten sich einen Tisch. Hungrig bestellten sie sich etwas zu essen und einen Humpen Bier dazu, um die Wartezeit ertr�glicher zu machen.</p><p>Die Menschen, die sich hier versammelt hatten, starrten die Zwerge, an denen das getrocknete Blut der Orks klebte, unverhohlen an. Doch die beiden schauten nur grimmig zur�ck und kauten schweigend ihr Mahl.</p><p>Bo�ndil leerte seinen Humpen in einem Zug und nahm Anlauf, die gemeinsame Vergangenheit zu bereinigen. �H�r zu, damals, mit ��</p><p>Doch Hammerfaust hob die flache Hand. �Nein, ich will nichts davon h�ren�, erstickte er den Auss�hnungsversuch im Keim. �Sie h�tte sich niemals mit dir einlassen sollen, aber sie wollte nicht auf meinen Rat h�ren. Deine Schuld wirst du nicht mehr los. Ich vergebe dir jedenfalls nicht. Meinetwegen sollst du bis zum Ende deiner Tage mit deinem geplagten Gewissen leben.� Er langte nach seinem Becher und sch�ttete das Bier in sich hinein, danach r�lpste er laut. �Je mehr ich mich daran erinnere, umso weniger m�chte ich mit dir an einem Tisch sitzen.� Er stand auf und schritt zu T�r. �Wenn Tungdil auftaucht, sage ihm, ich bin ein Pony kaufen gegangen.�</p><p>Der zur�ckgelassene Zwerg kniff die Lippen zusammen. Wortlos stellte ihm der Wirt ein frisches Bier vor die Nase.</p><empty-line/><p>Die beiden anderen trennten sich, um die Gassen und Stra�en Mifurdanias zu durchst�bern. Tungdil erklomm einen Wehrgang der Stadtmauer und verschaffte sich einen ersten niederschmetternden �berblick.</p><p>Die Zahl der H�user war riesig; dicht an dicht schmiegten sich die D�cher aneinander, und nur wo sich Heiligt�mer und Pl�tze befanden, riss die ansonsten beinahe geschlossene Fl�che aus Ziegeln und Stroh auf. F�r einen Zwerg, der sich vor Pr�gel und einer unfreiwilligen Rasur verbergen wollte, boten sich hier tausende M�glichkeiten.</p><p>Alles Seufzen half nichts, Tungdil musste ihn finden und zu den anderen zur�ckbringen. Ehe er sich wieder in das Gassenlabyrinth begab, warf er einen Blick �ber die Wehrbauten, um nach den Orks zu schauen. Die Bestien hatten sich bis in den Wald zur�ckgezogen und errichteten Lager; offenbar sollte die Stadt umzingelt werden.</p><p><emphasis>Wir sitzen in der Falle.</emphasis> Er folgte der Gasse, durch die Go�mgar gerannt war, und rief immer wieder seinen Namen, bis ihn die Bewohner verwundert angafften und er es vorzog, lieber im Stillen weiterzusuchen.</p><p>Die Flucht des Zwergs bildete f�r ihn den traurigen H�hepunkt der Streitigkeiten innerhalb seiner Gruppe. <emphasis>Vraccas, lass mich ihn finden,</emphasis> betete er zum Gott der Zwerge und sp�hte in jede noch so kleine Gasse und jeden winzigen Hof, ohne eine Spur des Vermissten zu entdecken.</p><p>Auf einem gr��eren Platz entdeckte er einen bunt gekleideten und mit Gl�ckchen behangenen Marktschreier, der auf einem hohen Podest stand und mit lauter Stimme die Menschen herbeilockte.</p><p>�Kommet, werte Spectatores, kommet und sehet die Wahrheit �ber Nudin den Wissbegierigen, der sich unter so grauenvollen Umst�nden zu N�d�onn dem Zweifachen wandelte und das Geborgene Land ins Ungl�ck st�rzet!�, rief er mitrei�end. �Das Theater Curiosum mit seiner Schauspielgr��e, dem Unglaublichen Rodario, und dem Magister technicus Furgas entf�hrt sie in eine Welt, in der sich alles zum Guten wendet!�</p><p>Der Mann nahm einen Schluck aus einem kleinen Fl�schchen, griff sich die Fackel und sandte einen Schwall Feuer �ber die K�pfe der B�rger hinweg.</p><p>�Wir bieten den werten Spectatores die noch nie dagewesene Unterhaltung in unserem gro�artigen Theater, und das alles f�r drei bescheidene M�nzlinge!�, redete er weiter. �Heute gibt es die Vorstellung zum Sonderangebot, gesch�tzte Spectatores, weil die Orks vor den Mauern liegen und wer wei�, ob wir morgen noch spielen?! Ohne Kopf?!� Der Ausrufer zog eine Grimmasse, einige der B�rger lachten. �Also, frisch auf und nicht l�nger gez�gert.� Er deutete auf den Eingang des Hauses. �Die B�hne ist bereitet, die Schauspieler warten! Hurtig, hurtig! Lasst euch aus euren Sorgen entf�hren!�</p><p>Tats�chlich str�mten die Menschen durch die breiten T�ren, der Bedarf nach Ablenkung war gro�.</p><p>Tungdil erklomm das Podest des Marktschreiers. �Verzeiht, aber habt Ihr einen wie mich gesehen?�, fragte er.</p><p>�Einen wie dich?�, lachte ihn Mann an. �Oh, daran w�rde ich mich erinnern �� Er rollte mit den Augen, schielte pl�tzlich und schaute dann wieder v�llig normal. �Ha! Sicher! Ein bisschen schmaler? Ein bisschen mehr Bart?� Der Zwerg nickte. �Der Kleine rannte geradewegs ins Curiosum�, behauptete er, und schon sprang Tungdil vom Podest und reihte sich in die Menschenmenge, um ein Billet zu erstehen.</p><p>Er kaufte sich einen Platz in einer der Logen, um einen besseren �berblick zu haben. Was Go�mgar ausgerechnet jetzt in einer Theatervorstellung suchte, war ihm schleierhaft. <emphasis>Vielleicht glaubt er, in der Menge unentdeckt zu bleiben und den Schl�gen von Bavragor und Bo�ndil zu entgehen!</emphasis></p><p>Tungdil betrat den Innenraum, der rund angelegt war, sodass man von allen Seiten auf die B�hne schauen und das Geschehen verfolgen konnte.</p><p>Das Theater war vollst�ndig aus Holz gebaut. Die Bretter und Balken knarrten unter dem Gewicht der Zuschauer, aber sie hielten der Belastung tapfer Stand.</p><p>Schwei� und Parf�m lieferten sich in der Nase des Zwergs einen erbitterten Kampf. Dazu gesellte sich der Geruch der Petroleumleuchter, die an den Streben angebracht waren und ein wenig Licht in den dunklen, fensterlosen Raum brachten. Die Unterhaltungen der Menschen mischten sich zu einem lauten Geschnatter, das dem von G�nsen nicht un�hnlich war.</p><p><emphasis>Wo kann er stecken?</emphasis> Tungdil suchte sich eine Loge. Es war ein enger Verschlag mit d�nnen Seitenw�nden und einer harten Bank, die so niedrig stand, dass er die riesige B�hne nicht sehen konnte, wenn er sa�, daher nahm er auf der R�ckenlehne Platz und stellte die F��e auf das Polster.</p><p>Seine braunen Augen fahndeten nach dem bekannten Gesicht des vermissten Zwerges, entdeckten ihn in der Menge jedoch nicht.</p><p>�Wo bist du, Go�mgar?� Eine Hoffnung blieb ihm jedoch noch. Einen Teil des Innenraums konnte er nicht �berblicken, die langen, dunkelroten Vorh�nge, die von der Decke herab rings um die B�hne hingen, versperrten ihm die Sicht, bis der Sichtschutz sich hob und die Vorstellung begann. Geduldig wartete er ab.</p><p>Auf einen Schlag erloschen die Lampen, das Geschnatter des Publikums wurde zu einem Wispern und erstarb ganz, die Spannung stieg.</p><p>Eine Musikkapelle, die in irgendeiner Etage des Zuschauerraums hockte, begann mit ersten, leisen T�nen und stimmte die Menschen auf das Kommende ein. Winden verrichteten quietschend ihre Arbeit, die Stoffbahnen zogen sich nach oben und gew�hrten einen Blick auf die B�hne, auf der die Kulisse einer kargen Steppenlandschaft nachempfunden worden war.</p><p>Tungdil wunderte sich, weil das Gras wie echt wirkte, er meinte sogar, den Wind zu sp�ren und die Erde zu riechen.</p><p>Hoch �ber den K�pfen der Spectatores ging die Sonne auf, indem Helfer des Curiosums die Abdeckungen von den Glasplatten auf dem Dach nahmen. Die Scheiben waren so angeordnet, dass das Licht nur auf das gro�e Podest in der Mitte fiel und die Szene beleuchtete. Der Zuschauerraum und die Hinterb�hne blieben in schummrigem Halbdunkel.</p><p>Die an die Finsternis gew�hnten Augen des Zwerges glichen das Zwielicht aus; endlich konnte er die andere Seite des Raumes beobachten und nach dem Vierten Ausschau halten.</p><p>Derweil begann das Geschehen auf der B�hne, das Tungdil aber nur am Rande wahrnahm. Ihm stand der Sinn sicherlich nicht danach, verkleideten Menschen bei einer Kinderbesch�ftigung zuzusehen. Angestrengt hielt er nach Go�mgar Ausschau, doch er fand ihn nicht.</p><p><emphasis>Dann muss ich drau�en weitersuchen.</emphasis> Er stand auf und wollte sich umdrehen, als er die Gestalt in der langen, beigen Robe auf der B�hne sah. Ihm stockte der Atem.</p><p><emphasis>Wie ist das m�glich?</emphasis> Der alte Mann mit dem wei�en Bart, der sich eben ersch�pft auf einen Stein setzte und einen Monolog begann, war Lot-Ionan! Und die ger�stete blonde Frau, die sich an seine Seite stellte und ihm aufmunternd die Hand auf die Schulter legte, glich And�kai bis aufs Haar. Er lauschte, ob denn auch die Stimme des Magus genauso klang, wie er sie im Ged�chtnis hatte.</p><p>Kaum konzentrierte er sich auf die Handlung, verga� er sein Anliegen. Die Schauspieler waren so gut, dass sie ihn glauben lie�en, die echten Personen st�nden nur einige Schritte von ihm entfernt, obwohl er genau wusste, dass sein Ziehvater tot und die Maga irgendwo au�erhalb des Geborgenen Landes unterwegs war.</p><p>�Auf, Lot-Ionan�, sagte die St�rmische. �Dies ist nicht die Zeit, geduldig zu sein ��</p></section><section><title><p>Zwischenspiel</p></title><p>�� sondern die Zeit, das Tote Land zu bek�mpfen.�</p><p>�Einmal mehr, ohne dass wir es zur�ckschlagen k�nnen�, seufzte der Magus, w�hrend er mit der flachen Hand �ber das gr�ne Gras strich. Nur eine halbe Meile von ihnen entfernt wandelten sich die Halme in totes Grau, denn das Tote Land erlaubte in seinem Herrschaftsgebiet keinerlei Leben. �Wir halten es auf, aber mehr verm�gen wir nicht.�</p><p>And�kai erwiderte nichts, sondern ging stattdessen die leichte Anh�he hinauf, wo die restlichen Magi und Magae warteten. Er folgte ihr und st�tzte sich dabei schwer auf seinen Stab. Dann waren die Zauberkundigen des Geborgenen Landes auf dem leicht schiefen, grasbewachsenen Plateau versammelt und blickten ihren Feinden ins Angesicht.</p><p>Die Erde fiel vor ihnen steil nach unten ab, der Wind riss an ihren Kleidern und spielte damit und trug ihnen die gr�sslichen Laute zu, welche die Kreaturen Tions ausstie�en.</p><p>Ein gutes St�ck von ihrem Aussichtspunkt entfernt, hatten sie sich hinter der unsichtbaren, von den Magi gewobenen Barriere versammelt, geiferten, grunzten und br�llten voller Vorfreude, endlich auf die andere Seite zu gelangen.</p><p>Von oben sahen die Ungeheuer wie eine sich bewegende, dunkle Masse aus. Schwer ger�stete Orks standen neben Ogern, h�sslichen Trollen und weiteren unbekannten Gesch�pfen, eine Ordnung gab es in diesem Haufen nicht. Die Schreckensgestalten aus dem Norden, die �ber den Steinernen Torweg aus ihrer Heimat hierher gelangt waren, dr�ngten herbei, um Heuschrecken gleich �ber D�rfer und Siedlungen herzufallen und diese sinnlos zu zerst�ren.</p><p>Einmal hatte ein Menschenheer versucht, sich den Horden in den Weg zu stellen, und war von den Ungeheuern einfach �berrannt worden. Seither versahen die Sechs den Dienst, die Invasoren und das Tote Land aufzuhalten.</p><p>�Lasst sie herankommen�, wies And�kai die anderen Magi und Magae an. �Erlaubt ihnen, bis kurz vor die Tore des Dorfes zu gelangen, ehe wir sie angreifen.�</p><p>Maira blickte zu den H�usern, die an den Fu� des Berges gebaut worden waren und sich Schutz suchend an den Hang dr�ckten, als k�nnte der Fels sie vor den Feinden sch�tzen. �Welche Angst muss in den H�tten herrschen?�, sagte sie leise und mitleidig. �Sie glauben sich gewiss verloren.�</p><p>�Umso mehr wird es sie freuen, wenn sie durch uns gerettet werden�, erwiderte Turgur, der in seinen Gew�ndern aussah, als ginge er zu einer Festlichkeit, anstatt in den Krieg zu ziehen.</p><p>Nudin der Wissbegierige schaute �ber die Reihen der Gegner, er freute sich, so viel Neues und Ungewohntes zu erblicken. Er w�rde versuchen, einige der Biester am Leben zu lassen, um mit ihnen nach der Schlacht zu sprechen und mehr �ber sie zu erfahren. <emphasis>Nat�rlich werde ich das im Verborgenen tun, sonst unterstellen sie mir, zu milde mit den Ungeheuern umgesprungen zu sein.</emphasis></p><p>Maira hatte seine Gedanken erraten. �T�te sie alle, Nudin�, sch�rfte sie ihm ein. �Das B�se darf nicht ins Geborgene Land gelangen!�</p><p>Nudin nickte und sammelte seine Konzentration f�r den bevorstehenden Kampf, der im Grunde mit dem rechtzeitigen Erscheinen der Zauberer entschieden sein sollte. Er selbst war es gewesen, der die Schwachstellen in der Sperre mithilfe des Malachitfokus entdeckt und den Rat der Orks an dem Ort zusammengerufen hatte, an dem sich die Bestien vor den Zauberern in Sicherheit w�hnten.</p><p>Ein lautes Knistern erf�llte die Luft. Das Tote Land attackierte die Sperre und durchbrach sie schlie�lich. Mit lautem Gebr�ll rannten die Gesch�pfe Tions auf die Ansiedlung zu. Die Oger und Trolle �berholten die Orks, die kleineren Bogglins fielen zur�ck und kreischten ihre Entt�uschung, die Letzten zu sein, schrill hinaus.</p><p>And�kai beschwor ein Unwetter herauf. Innerhalb von Lidschl�gen verfinsterte sich der Himmel �ber der Anh�he, grummelnd luden sich die Blitze in den auft�rmenden Wolkenbergen, ehe die St�rmische die Strahlen auf die ersten Reihen zucken lie�.</p><p>Ihre Attacke markierte den geeigneten Zeitpunkt, die Diener des Toten Landes anzugreifen. Die Magi und Magae sandten ihre vernichtenden Kr�fte vereint gegen das B�se.</p><p>Flammenkugeln schossen hinab, aus der Erde erhoben sich Wesen aus Staub und Stein, die sich auf die Orks st�rzten. Woanders tat sich der Boden auf und verschluckte Trolle und Oger.</p><p>Der Angriff der Bestien geriet ins Stocken, die kleineren kehrten als Erste um und suchten ihr Heil auf dem vermeintlich sicheren Boden des Toten Landes. Ohne Barriere aber gelangten die magischen Geschosse der Verteidiger auf die andere Seite und vergl�hten eine Unzahl der Gegner.</p><p>Die Magi achteten genau darauf, dass von den Ungeheuern nichts blieb, was die unheimliche Macht �ber ihren Tod hinaus nutzen konnte. Die K�rper vergingen in Feuer und Blitzen, zerfielen zu Staub oder zerbarsten in winzige Einzelteile.</p><p>And�kai entfachte einen gewaltigen Wind, der die letzten Mutigen emporschleuderte und sie zur�ck auf das Territorium des Toten Landes trug. W�hrenddessen trafen die anderen Vorbereitungen, die Barrieren von neuem und noch kr�ftiger entstehen zu lassen.</p><p>Auf den Wink Lot-Ionans hin eilten Zaubersch�ler herbei und brachten den Malachitkristall, der ihre Kr�fte sammelte. Die aufw�ndige Beschw�rung gelang, der Fokus speiste die Barriere und sicherte das Geborgene Land. Die Menschen wagten sich wieder aus ihren Behausungen und jubelten den Zauberern zu.</p><p>So erleichtert sich diese auch f�hlten, es blieb ein schaler Geschmack zur�ck. Denn die Erde, die von den Ungeheuern betreten worden war, beanspruchte das B�se f�r sich, das Tote Land hatte seine Macht nach S�den ausgedehnt, und das gerettete Dorf lag unmittelbar an der unsichtbaren Sperre.</p><p>Turgur winkte den D�rflern zu. �Wir sollten hinunter gehen und uns ein wenig von ihnen feiern lassen�, sagte der Sch�ne entz�ckt. �Seht nur, wie sie sich freuen, die Einfachen.�</p><p>�Und seht nur, wie sich Turgur an den Einfachen erg�tzt�, l�chelte Nudin ersch�pft. �Man k�nnte meinen, er w�rfe sich am liebsten von hier oben in ihre Arme.� Die anderen Magi lachten leise.</p><p>�Lasst uns in die Zelte gehen und bei einem Glas Wein ausruhen�, schlug Maira vor.</p><p>�Geht nur, ich komme nach. Zuerst besuche ich das Dorf und lege ihnen nahe, schnell von hier wegzuziehen�, erkl�rte Nudin. �Bei einem neuerlichen Vorsto� k�nnten die Menschen in Gefahr geraten.�</p><p>And�kai warf ihm einen viel sagenden Blick zu, verzichtete jedoch auf eine Bemerkung.</p><p>Nudin suchte den schmalen Pfad, der von der Anh�he hinab in die Siedlung f�hrte. Gleich am Eingang des Ortes wurde er mit schlichten Gaben �berh�uft, die Menschen boten ihm Brot, Obst und Wein als Ausdruck ihres Dankes an.</p><p>Der Magus nahm einen Schluck vom Wein, um die Aufmerksamkeit zu w�rdigen, und berichtete ihnen vom Ernst ihrer Lage. �Aber ich sende euch M�nner, die euch helfen werden, von hier fortzuziehen�, beruhigte er sie. �Ich finde einen Platz f�r euch, an dem ihr sicherer lebt.�</p><p>Nudin griff sich einen Apfel und w�hlte seinen R�ckweg so, dass er ihn �ber den vorderen Teil des Schlachtfeldes f�hrte, der nicht dem Toten Land anheim fiel.</p><p>An manchen Stellen stieg Rauch aus der Erde, die Energien schmolzen den Sand zu Glas, verdampften den Boden oder hinterlie�en tiefe Furchen und Krater, und es stank nach Tod.</p><p>Ein leises R�cheln brachte sein Herz zum Klopfen. Nudin hielt inne, um in die Stille zu lauschen und die verletzte Bestie ausfindig zu machen. Das gequ�lte Keuchen erklang erneut, und er fand die Richtung, wo es lag.</p><p>Vorsichtig stieg er �ber die Kadaver hinweg und stocherte mit dem Stab in dem Gewirr aus �berresten herum, bis die Kreatur auffauchte. Es war ein Bogglin, der eingeklemmt unter dem gigantischen Torso eines Trolls lag und sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnte. Er sah aus wie ein zu klein geratener Ork.</p><p>�Hab keine Angst. Ich werde dir nichts tun�, redete Nudin ihn in der Sprache der Scheusale an.</p><p>Der Bogglin streckte ihm die Zunge heraus und versuchte, an den Griff seines Schwertes zu gelangen.</p><p>�Ich schlage dir einen Handel vor�, unterbreitete Nudin sein Angebot. �Ich helfe dir, aus deiner Falle zu entkommen, wenn du mir vorher alles �ber dich und deinesgleichen berichtest. Woher du kommst, wie ihr lebt, was ihr tut, wenn ihr uns nicht angreift.� Er nahm eine Pergamentrolle und ein Reisetintenfass aus seiner Umh�ngetasche. �Ein Zauber wird daf�r sorgen, dass du die Wahrheit sprichst.�</p><p>Die seelenlosen Raubtieraugen blinzelten verst�rt. Der Bogglin wusste mit dem verr�ckten Menschen nichts anzufangen, der ihn weder t�ten noch befreien wollte. Ehe es ihm gelang, etwas zu sagen, durchbohrte ein langer schwarzer Pfeil seine Kehle und nagelte ihn an den Kadaver des Trolls.</p><p>�And�kai?� Nudin wirbelte herum und sah eine Gruppe von vier Albae auf sich zukommen. <emphasis>Nein. Schlimmer.</emphasis> Voller Erstaunen beobachtete er, wie der Letzte durch die Barriere trat. Der magische Widerstand k�mmerte sie nicht im Geringsten. Ihr Anf�hrer legte einen weiteren Pfeil auf die Sehne, dieses Mal sollte er das Ziel sein.</p><p><emphasis>Das wird euch nicht gelingen.</emphasis> In aller Eile zog er einen Schutzzauber in die H�he, der den heranschwirrenden Pfeil ablenkte und ihn zu dem Sch�tzen zur�ckleitete. Mit �berraschung in den nachtfarbenen Augen starb der Alb.</p><p>Nudin richtete zwei weitere Albae mit gewaltigen Magieblitzen, die aus seiner linken Hand schossen. Den Vierten bet�ubte er nur, um ihn zu befragen.</p><p>Als er die feinen Z�ge seiner Gegner betrachtete, musste er daran denken, wie sehr Turgur die Verwandten der Elben, die in Gwandalur und der Goldenen Ebene lebten, um ihre Sch�nheit und Perfektion beneidete. Sein Blick blieb an den Kristallamuletten h�ngen, die um ihre H�lse baumelten.</p><p><emphasis>Schutzrunen,</emphasis> staunte Nudin und nahm sie an sich. Das erkl�rte ihm, weshalb die Albae der Barriere unverletzt getrotzt hatten. <emphasis>Wie es aussieht, hat das Tote Land einen Weg gefunden, die gef�hrlichsten seiner Diener durch unsere Barriere zu senden,</emphasis> dachte er beunruhigt. <emphasis>Der Rat muss unbedingt davon erfahren.</emphasis></p><p>Er sprach einen Bannzauber gegen den Alb und holte ihn aus seiner Ohnmacht. Die Lider �ffneten sich; da es helllichter Tag war, sah der Magus anstelle von Pupillen und Wei� nur Schw�rze in den Augenh�hlen. Er hielt ihm die Amulette vors Gesicht. �Wer gab sie euch?�</p><p>Der Alb sah ihn ausdruckslos an.</p><p>Nudin sprach einen Wahrheitszauber auf ihn, und der Alb offenbarte ihm sein Geheimnis, jedoch in seiner eigenen Sprache, die der Gelehrte nicht verstand. Es klang melodisch und elegant wie Elbisch, doch die Einf�rbung war wesentlich d�sterer.</p><p>So kam er nicht weiter. Er stand auf, entfernte sich ein paar Schritte von dem Wesen und lie� es in einer Feuerwolke vergl�hen; das Gleiche tat er mit den Kadavern der anderen Albae und dem Bogglin.</p><p>�Ein Sieg, der nicht lange w�hrt�, murmelte er betr�bt.</p><p><emphasis>Morgen, beim gemeinsamen Fr�hst�ck, werde ich ihnen von den Amuletten berichten; in dieser Nacht sollen sie ihre gute Laune nicht verlieren.</emphasis> Nachdem er den Wachen eingesch�rft hatte, besonders aufmerksam zu sein, begab er sich zur Ruhe.</p><empty-line/><p>Die Nacht bescherte Nudin einen merkw�rdigen Traum.</p><p>Nebel umschloss das Zelt, sickerte durch die Leinwand und umspielte sein Lager. Im Innern des tr�ben Dunstes schimmerte es in rascher Folge schwarz, silbern und rot auf.</p><p>Nachdem er lauernd um die Pfosten gestrichen war, n�herte er sich dem Schlafenden und schwebte bis zur Kante des Bettes hinauf. Es sah aus, als fl�ge Nudin auf einer wei�en, flimmernden Wolke.</p><p>Ein fingerartig geformtes Nebelst�ck tastete sich vorw�rts und ber�hrte die Hand. Der Magus erwachte von dem leichten, samtigen Ansto�.</p><p>�Hab keine Angst. Ich werde dir nichts tun�, sprach eine wispernde Stimme.</p><p>Nudin richtete sich vorsichtig auf und betrachtete den flimmernden Nebel. �Man nennt mich den Wissbegierigen, nicht den �ngstlichen�, erwiderte er ruhig. �Was bist du?�</p><p>�Ich bin die Seele des Toten Landes�, raunte der Nebel. �Ich bin zu dir gekommen, um dich vor die Wahl zu stellen.�</p><p>�Was wird das wohl f�r eine Wahl sein? Entweder bin ich dein Freund oder ich bin dein Feind, und du wirst mich t�ten, oder?�</p><p>Der Nebel stieg noch ein wenig h�her, er umfing Nudins F��e und kroch langsam die Beine hinauf. Seine Ber�hrung f�hlte sich weich und warm an. �Nein. Ich stelle dich vor die Wahl, das Geborgene Land zu retten oder zusammen mit deinen Zauberfreunden seinen Untergang zu verschulden.�</p><p>�Aber wir bewahren unsere Heimat vor dir. Du bist sein Untergang�, widersprach der Magus heftig.</p><p>�Nein, ich kam, um die Reiche und die Menschen, Elben und Zwerge durch meine Macht zu bewahren�, fl�sterte der Nebel. �Ich wollte schneller sein als das Unheil.� Aus dem Dunst formte sich ein menschliches Antlitz, die Lippen und der Mund bewegten sich. �Aber eure Magie hindert mich daran. Bald wird das B�se den Steinernen Torweg oder den Westzugang im Roten Gebirge erreichen und ins Geborgene Land schwappen, zuerst mich hinfortsp�len und dann alles vernichten, was vom Bergg�rtel umschlossen wird.�</p><p>�Das glaube ich dir nicht. Was ist das f�r eine Seele, die von anderen Seelen lebt?�</p><p>�Eine sehr gro�e Seele, die nicht frisst, sondern in sich aufnimmt und vor Schaden bewahrt�, s�uselte der Nebel. �Wenn die Gefahr f�r das Geborgene Land gebannt ist, werde ich sie alle freilassen, damit sie zu den G�ttern des Jenseits gelangen. Doch bis dahin brauche ich ihre Kraft.�</p><p>�Geh!�, befahl Nudin. �Geh, denn ich glaube dir nicht!�</p><p>Der wei�e Schleier wurde durchsichtiger. �So h�re noch, was ich dir unterbreite�, raunte er. �Leih mir deinen K�rper f�r eine kurze Zeit, damit ich eine Gestalt erhalte. Durch mich erlangst du Fertigkeiten und Wissen, von denen du nicht einmal tr�umtest, weil du nicht wusstest, dass es sie gibt. Ich kenne Zauberspr�che aus fernen L�ndern, ersonnen von den kl�gsten Magi, ich wei� Dinge �ber die Sterne, den Menschen, die Natur, das Leben, die Tiere, wie sie in keinen B�chern geschrieben stehen. Du wirst der weiseste und m�chtigste Magus sein, der jemals im Geborgenen Land lebte, und dein Name wird Nudin der Allwissende sein.� Der Nebel l�ste sich auf. �Der Allwissende ��</p><p><emphasis>Der Allwissende!</emphasis> Nudin schreckte aus seinem Traum auf und blickte sich in seinem Zelt um, ohne etwas Ungew�hnliches zu entdecken. Er schalt sich selbst einen Narren und legte sich wieder hin.</p><p>Als er am n�chsten Morgen zusammen mit den Magi und Magae beim Fr�hst�ck sa�, a� er schweigend und gedankenverloren, w�hrend sich die anderen �ber ihre Vorhaben austauschten.</p><p>Seine Begegnung mit dem Nebel und den Albae aber behielt er ebenso wie die Neuigkeit �ber die Amulette f�r sich.</p><empty-line/><p>Nudin lie� die Nachricht sinken, die ihm kurz vor der Nachtruhe �berbracht worden war.</p><p>Lesinte�l, das Reich der Nordelben, war in die Hand der Albae gefallen. Es musste ihnen auf eine geheimnisvolle Weise gelungen sein, die Barriere zu durchbrechen und �ber die arglosen Einwohner herzufallen.</p><p>Die Zeilen berichteten davon, dass die ersten Siedlungen in wenigen Tagen eingenommen worden waren. Als die Elben endlich ihren Widerstand in einem Heer organisierten, standen so viele Albae in ihrem Reich, dass sie von Beginn der Schlacht an zum Scheitern verurteilt waren.</p><p>Das Tote Land sickerte nun nach Lesinte�l ein und vernichtete das bl�hende Leben, das die Elben einst mit viel Aufwand kultiviert und zu h�chster Vollendung gef�hrt hatten.</p><p>Missmutig warf der Magus das Pergament auf den Boden und sank in die Kissen. �bermorgen w�rde der Rat einberufen werden, um die Sperren um das gefallene Elbenreich zu errichten. Die Botschaft sprach davon, dass sich die Albae von ihrer neuen Eroberung aus in Windeseile bis nach Gauragar, Idosl�n und Urgon ausbreiteten, um neue Gebiete f�r das Tote Land zu gewinnen.</p><p>Nudins Gewissen meldete sich mit Vehemenz, denn er glaubte zu wissen, wie es den Albae gelang, die Barriere zu �berwinden: mithilfe der Amulette. Andererseits h�tte es nichts gebracht, wenn er den anderen von seiner Entdeckung berichtet h�tte.</p><p><emphasis>Doch! Sie h�tten die Zauberrunen untersuchen und eine Barriere schaffen k�nnen, gegen welche die Schriftzeichen nicht wirken,</emphasis> warf ihm eine innere Stimme vor. <emphasis>Nur durch dein Schweigen wurde der �berfall m�glich!</emphasis></p><p>�Nein!�</p><p><emphasis>Du bist f�r den Fall Lesinte�ls verantwortlich! Du hast sie betrogen, Elben wie Zauberer!</emphasis></p><p>Er zog sich die Decke �ber den Kopf, und versuchte, schnell einzuschlafen, damit er sein rechthaberisches Gewissen nicht mehr ertragen musste.</p><p>Doch es kam noch schlimmer, denn in dieser Nacht tr�umte er wieder von dem verf�hrerisch redenden Nebel, der Seele des Toten Landes, die nicht von ihm ablassen wollte.</p><p>�Hast du dir meine Worte �berlegte? M�chtest du zu Nudin dem Allwissenden und zum Retter des Geborgenen Landes werden?�, raunte er in seinen Gedanken.</p><p>�Wie hast du die Barriere bei Lesinte�l durchbrochen?�</p><p>�W�rst du Nudin der Allwissende, m�sstest du diese Frage nicht stellen�, wisperte der flirrende Dunst und schl�pfte zu ihm unter die Decke, wo es angenehm warm wurde. �Das erste Reich der Elben ist mein. �landur wird als N�chstes von mir in Besitz genommen, ohne dass ihr etwas dagegen ausrichten k�nnt. Meine Schutzmacht wird sich immer weiter nach S�den ausdehnen, doch die Zeit reicht nicht.�</p><p>�Wenn du uns besch�tzen m�chtest, warum nimmst du dir die L�nder mit Gewalt?�, hielt Nudin dagegen.</p><p>�Niemand, der Freiheit besitzt, gibt sie gern ab, auch wenn es nur einen Wimpernschlag im Gef�ge der Geschichte w�hrt. K�nige, V�lker, sie sind wie kleine Kinder, und ich bin die Mutter, die sie vor Schlimmem bewahren m�chte.� Der Nebel formte wieder die Umrisse eines Gesichts. �Kinder verstehen nicht, warum eine Mutter sie hochhebt, um zu verhindern, dass ein Hund sie bei�t. Sie wehren sich dagegen, bevormundet zu werden, strampeln und wollen spielen, obwohl der Hund nur darauf wartet, seine F�nge in sie zu schlagen. Sie wissen es nicht besser�, sagte er. �Erst nachdem die Mutter den Hund verjagt hat, l�sst sie ihren Nachwuchs zur�ck auf die Erde und nach eigenem Willen entscheiden. Jahre sp�ter, wenn aus dem Kind ein Erwachsener geworden ist und er sich an jenen Tag erinnert, wird er verstehen, warum die Mutter so handelte, und wird froh �ber die auferzwungene F�rsorge sein, die ihm zuteil wurde.�</p><p>Nudin leuchtete die Erkl�rung ein; er verdr�ngte die mahnende Stimme in seinem Innern, die ihn vor den samtenen, honigs��en Worten warnte. �Warum erkl�rst du es den M�chtigen nicht, wie du es mir erkl�rt hast? Und warum hast du Orks, Albae und alle anderen widerlichen Kreaturen gew�hlt, vor denen sich die Menschen f�rchten und denen die Elben und Zwerge mit abgrundtiefem Hass begegnen?�</p><p>Der Nebel umgab ihn nun vollst�ndig, h�llte ihn ein und raubte ihm die Sicht. Er f�hlte sich von tausend H�nden gestreichelt und liebkost. �Die Zeit l�uft gegen das Geborgene Land, ich konnte mir die Verb�ndeten nicht lange aussuchen und nahm, was ich bekommen konnte. Meine Diener erzielen rasche Erfolge, und auf diese Weise kann ich deine Heimat sch�tzen.�</p><p>�Hast du diesem Schrecken schon �fter gegen�bergestanden?�, fragte er schl�frig, abgelenkt.</p><p>�Unz�hlige Male, aber bislang errang ich keinen Sieg gegen ihn. Das Grauen ist stark, schnell und wendig, und nur wenn der Vorsprung gro� genug ist, gelingt die Rettung.� Die Liebkosungen wurden z�rtlicher. �Gib mir eine Gestalt, Nudin. Lass mich in dich und erfahre ein Wissen, wie es kein Sterblicher jemals vor dir besa�. Z�gere nicht l�nger�, wisperte es von allen Seiten. �Wenn wir den gemeinsamen Feind geschlagen haben, verlasse ich deinen K�rper. Und du kannst mich jederzeit aus deinem Leib werfen, solltest du es w�nschen.�</p><p>�Woher wei� ich, dass dein Wissen so gro� ist, wie du behauptest?�</p><p>�Warte, ich zeige es dir.� Der Dunst verdichtete sich rings um seine Schl�fen, das schwarze, silberne und rote Blitzen steigerte sich.</p><p>Die Augen des Magus weiteten sich, als ihm die Seele des Toten Landes in seinem Traum einen Eindruck davon vermittelte, was bald alles ihm geh�ren k�nnte.</p><p>Unbekannte Schriftzeichen schwebten vor ihm, er h�rte fremde Sprachen und erkannte Teile von Zauberformeln, er sah die Bilder von sch�nen und erschreckenden Landschaften, die jenseits der Gebirge liegen mussten, St�dte und Pal�ste, deren Konstruktion er niemals f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Sein neugieriger Verstand sog all die Eindr�cke gierig auf, schrie nach mehr und bekam mehr. Die Bilderflut schien niemals enden zu wollen, und er schwamm darin, badete in Wissen und trank es, bis der Nebel dem ein Ende setzte.</p><p>�Nein, mach weiter!�, forderte Nudin begehrlich.</p><p>�L�sst du mich in dich einziehen?�</p><p>�Ich ��</p><p>Runen blitzten auf und verblassten, aus weiter Ferne h�rte er das Echo von nie vernommenen Sprachen, eine Ebene von atemberaubender Sch�nheit verdunkelte sich und verschwamm, die turmhohen Stapel B�cher gerieten ins Wanken, die Einb�nde, welche die Formeln und Zauberspr�che verhie�en, wurden br�chig und zerfielen zu Staub.</p><p>�Willst du als Allwissender das Geborgene Land retten? Hilf der Mutter, das Kind vor dem rei�enden Hund zu bewahren, Nudin�, fl�sterte der Nebel und brach den letzten Widerstand des Magus.</p><p>�Ja�, antwortete er heiser und starrte in den Nebel. �Ja, ich will dir beistehen.� Zus�tzlich zu den Versprechungen war ihm ein weiterer Gedanke gekommen. Da die Macht in ihm lebte, so lautete seine �berzeugung, w�rde er sie kontrollieren. <emphasis>Wenn das angedrohte Grauen nicht kommt, werde ich von ihm verlangen, die Truppen aus den Reichen der Menschen, Zwerge und Elben abzuziehen und �ber den Nordpass zu verschwinden.</emphasis> Auf die ein oder andere Weise w�rde das Geborgene Land gewinnen. �Was muss ich tun?�</p><p>Der Dunst flirrte st�rker, aufgeregter. �Nichts. Liege einfach nur still da und biete mir keinen Widerstand. Leere deinen Verstand, denke an nichts und �ffne deinen Mund. Du wirst sp�ren, wenn ich bei dir bin.�</p><p>Nudin lehnte sich zur�ck und tat gehorsam, wie ihm gehei�en wurde.</p><p>Die ersten Ausl�ufer des Dunstes schl�ngelten sich aus drei Richtungen in seinen Rachen und f�llten die Mundh�hle aus, als begutachteten sie wie Sp�her zun�chst das Gebiet, ehe sie dem Rest bedeuteten nachzufolgen.</p><p>Dann ging alles sehr schnell. Der Nebel zog sich zusammen und zw�ngte sich in seine Kehle. Nudin hatte das Gef�hl, seine Kiefer w�rden so weit auseinander gedr�ckt, dass sie brachen, und in seinen Ohren knackte es laut. Seine H�nde krallten sich in die Kissen, der Stoff riss unter der Kraft.</p><p>Einmal in seinen K�rper gelangt, bahnte der Nebel sich r�cksichtslos einen Weg, dehnte seinen Schlund, bis Nudin zu ersticken glaubte, und presste ihm die Luft aus den Lungen. Das Blut rauschte viermal so schnell wie gew�hnlich durch seine Adern.</p><p>Rotes Wasser schoss ihm unvermittelt aus der Nase und den Augen, und er erschrak umso mehr, als er begriff, dass es sein Lebenssaft war, der in Str�men aus ihm herausquoll. Aus jeder Pore seiner Haut trat Blut aus; die Tr�pfchen vereinigten sich zu Rinnsalen und benetzten die Laken seines Bettes.</p><p>Unverst�ndliche gurgelnde Laute aussto�end, richtete er sich auf und st�rzte bei dem Versuch, zur T�r zu gelangen, hart zu Boden.</p><p>Die Beine verweigerten ihm ebenso den Dienst wie jedes andere K�rperteil; selbst sein Hirn entglitt seiner Kontrolle, er brabbelte wirr, lachte, keuchte und schrie vor Angst und Schmerzen, w�lzte sich auf den Platten und kroch auf allen vieren durch sein Schlafgemach, eine rote Spur hinter sich herziehend.</p><p>Dabei sp�rte er genau, wie der Nebel sich in jeder Faser seines Leibes ausbreitete; er schob und dr�ckte sein Fleisch, w�hlte in seinen Eingeweiden, folterte seine M�nnlichkeit und gew�hrte ihm keinen Lidschlag lang eine Pause von der Qual.</p><p>Dann endete sein Leiden abrupt.</p><p>Japsend lag Nudin auf dem k�hlen Marmor und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Die Benommenheit wich einer Klarheit, einer ungewohnten Sch�rfe in seinem Denken.</p><p>M�hsam stemmte er sich auf die F��e. Das Blut klebte an ihm, und es roch nach Exkrementen. Angewidert von sich selbst, eilte er durch die Flure seines Palasts und sprang in den erstbesten Brunnen, um sich den Schmutz vom K�rper zu waschen. Das kalte Wasser brachte seine Lebensgeister zur�ck, der Magus f�hlte sich erfrischt und hellwach.</p><p><emphasis>Es ist an der Zeit f�r eine Probe.</emphasis> Er versuchte, sich an die Zauberformel von vorhin zu erinnern. Es gelang ihm auf Anhieb, und nicht nur das: Er wusste, wof�r sie taugte, er kannte alle notwendigen Handbewegungen, jede einzelne Silbe und die exakte Betonung, obwohl er sie zum ersten Mal aus seiner Erinnerung abrief.</p><p>Genau genommen war es nicht seine Erinnerung, nicht sein Wissen, auf das er zur�ckgriff, aber das st�rte ihn nicht.</p><p>Wie im Rausch dachte er an das Gesehene und sah es, schmeckte es, roch es. Die Ebene bekam einen eigenen Geruch, den er wieder erkannte, er wusste, welche Lieder die V�gel dort sangen, er erinnerte sich, dass der idyllische Flecken Pajula genannt wurde und wo er auf der Landkarte lag, auf einer Landkarte, die er erst zeichnen musste, weil sich die Ebene fern der Grenzen des Geborgenen Landes erstreckte.</p><p>Nudin lachte vor Begeisterung und planschte im Wasser des Brunnens herum.</p><p><emphasis>Bist du zufrieden?,</emphasis> hauchte eine Stimme in seinem Kopf. <emphasis>Versprach ich dir zu wenig?</emphasis></p><p>�Nein ��, sagte der Magus laut und stockte. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte er dann. <emphasis>Es scheint, als h�ttest du die Wahrheit gesagt, was das Wissen anbelangt.</emphasis> Er entschied sich zu einem entscheidenden Experiment. <emphasis>Ich m�chte, dass du meinen K�rper wieder verl�sst.</emphasis></p><p>Sofort versp�rte er ein unangenehmes Brennen, eine eisige K�lte, und ein Gef�hl von Einsamkeit, Verlassenheit breitete sich in ihm aus. Der Nebel bereitete sich darauf vor, aus ihm zu entweichen. Nudin f�rchtete sich davor, die durchlittenen Schmerzen ein weiteres Mal ertragen zu m�ssen.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte er hastig, <emphasis>bleib. Ich wollte nur sehen, ob ich dir auch darin vertrauen kann.</emphasis></p><p><emphasis>Du wirst mir vertrauen m�ssen, so wie ich dir meine Erfahrung, mein Wissen anvertraue. Aus zweien ist eins geworden.</emphasis></p><p>�Aus zweien ist eins geworden�, murmelte der Zauberer und verlie� den Brunnen, um sich einen Spiegel zu suchen. Sein Bild verriet ihm nichts Neues, seine �u�ere Gestalt hatte sich nicht ver�ndert, und doch sa� das Hemd, das er sich aus einem seiner Schr�nke nahm, ein wenig eng, die �rmel waren etwas zu kurz.</p><p><emphasis>Ich w�hlte gut,</emphasis> sagte die Seele des Toten Landes, die mit dem Anblick ebenso zufrieden war. <emphasis>Nein, sorge dich nicht. Du begehst keinen Verrat.</emphasis></p><p><emphasis>Du kennst meine Gedanken?,</emphasis> wunderte er sich und f�hlte sich ertappt, da er immer noch einen letzten Hauch von Argwohn hegte.</p><p><emphasis>Wir sind eins.</emphasis></p><p><emphasis>Warum verstehe ich dann deine nicht?</emphasis></p><p><emphasis>Sei geduldig mit dir. Es erfordert �bung, die du erhalten wirst, Nudin der Allwissende. Wir werden gegen�ber den anderen Stillschweigen �ber unseren Pakt bewahren, bis die Zeit gekommen ist, uns ihnen zu offenbaren. Deine Aufgabe wird sein, mir die Zeit zu verschaffen, die ich ben�tige, um die Mutter f�r die Reiche zu werden. Triff deine Vorbereitungen, arbeite im Verborgenen und lass dir nichts anmerken, denn sie w�rden dich in der Tat f�r einen Verr�ter halten, der du nicht bist, mein Freund, mein einziger Freund, mein geliebter Freund.</emphasis> Die wispernde Stimme verhallte und lie� den Mann allein.</p><p>Nudin schritt zum Fenster und blickte �ber das schlafende Porista, �ber dem bald die Sonne stehen w�rde, dann drehte er sich um und betrachtete die zahllosen Buchr�cken der Werke, die in seinem Zimmer standen.</p><p>In seinem Kopf ruhte mehr Wissen als in all seinen Folianten, Kompendien und Lehrb�chern zusammen, und er war gl�cklich, erf�llt, wissend. An was er auch dachte, sein Verstand hielt die Antwort parat und s�ttigte seine Neugier, ohne dass er daf�r forschen, B�cher w�lzen, Reisen unternehmen oder Experimente durchf�hren musste.</p><p>Pl�tzlich �berkam ihn Langeweile, denn es gab nichts mehr f�r ihn zu tun. <emphasis>Die einzige Herausforderung, die mir blieb, ist die Rettung meiner Heimat. Die werde ich mir nicht nehmen lassen.</emphasis></p><empty-line/><p>Nudin war von seiner Aufgabe besessen, er schmiedete Pl�ne und gelangte zu der Einsicht, dass er es nicht allein seinem Freund mit den wunderbaren Erinnerungen �berlassen durfte, die Reiche des Geborgenen Landes zu sch�tzen. Er wollte seinen Anteil dazu beisteuern und den Kampf gegen das Grauen aufnehmen, das in seiner Vorstellung von allen Seiten auf die sch�tzenden Berge um seine Heimat einst�rzte.</p><p>Das Wissen um die neuen Formeln und Zauber war sch�n und gut, aber nicht ausreichend. Um sie umzusetzen, ben�tigte er Macht, noch mehr Macht.</p><p>Der Magus wusste, wie er an diese Magie gelangen, wie er sie in sich aufnehmen und speichern konnte. Bei einer der n�chsten Beschw�rungen, um die hindernden Fesseln um das Tote Land zu erneuern, w�rde er sich die Energien aneignen und die �brigen Zaubergelehrten vor die Wahl stellen, ihn zu unterst�tzen oder ihm nicht l�nger im Weg zu stehen.</p><p>Er konzentrierte sich auf nichts anderes mehr, verbarg sich in seinen Laboratorien und suchte sich aus der Schar seiner Famuli diejenigen heraus, die ihm treu ergeben waren; sie w�rden seine Gefolgsleute sein.</p><p>Die Albae besuchten ihn heimlich, berichteten von ihren Erkundungsz�gen in den Bergen Urgons, in den Ebenen Gauragars und in den sanften H�geln Idosl�ns, erz�hlten von den Orks im Reich Tilogorns, die bereit waren, ihm zu folgen, wenn er es verlangte.</p><p>Nudin f�rchtete Verrat an seiner Sache, die er als Verrat am Geborgenen Land betrachtete. Jeglicher Widerstand durfte nicht toleriert, sondern musste sofort gebrochen werden, um das Unterfangen nicht zu gef�hrden.</p><p>In ganz seltenen Augenblicken beschlichen ihn Zweifel, ob er das alles selbst tat und wollte oder ob er auf die stillen Befehle des Wesens in ihm h�rte.</p><p>Doch seine Besorgnis schwand so unerkl�rlich schnell, wie sie ihn �berfiel. Gelegentlich sprach sein Freund zu ihm, riet ihm Dinge, gab ihm neue Einf�lle, die ihn voranbrachten und die er in seinem Plan �bersehen hatte.</p><p><emphasis>Wir sind eins,</emphasis> dachte er dankbar. <emphasis>Wir bringen den Menschen Sicherheit.</emphasis></p><p><emphasis>Und dennoch wurdest du hintergangen,</emphasis> raunte es.</p><p><emphasis>Wie?</emphasis></p><p><emphasis>Dein Famulus Heltor sprach mit einem Mann namens Gor�n, einem einstigen Famulus Lot-Ionans. Meine Freunde haben sie geh�rt, als sie sich w�hrend der Ratssitzung vor den Toren des Palastes trafen. Er glaubt zu wissen, was mit uns geschah und wie man uns voneinander trennen kann.</emphasis></p><p><emphasis>Trennen? Niemals! Wie sollte das m�glich sein?,</emphasis> dachte Nudin erstaunt. <emphasis>Ich muss es verhindern.</emphasis></p><p><emphasis>Er steckt nicht allein dahinter,</emphasis> warnte es ihn. <emphasis>Er wird im Auftrag seines Magus handeln. Er gab ihm B�cher, in dem unser Geheimnis verborgen steht. Sie trachten nach deiner Macht und deinem Wissen. Lass nicht zu, dass sie uns auseinander rei�en. Wir sind eins, N�d�onn!</emphasis></p><p><emphasis>Ich werde die Albae schicken, ihn zu verfolgen. Sie werden mir die B�cher bringen und ihn bestrafen,</emphasis> sagte er und dachte an den Tod des Zaubersch�lers.</p><p><emphasis>Sein Tod wird die anderen aufschrecken. Vernichte sie alle,</emphasis> raunte es ihm zu.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> widersprach er. <emphasis>Ich werde zuerst mit ihnen reden, wie du mit mir geredet hast. Ich habe die Hoffnung, dass sie Einsicht zeigen, denn wenn wir die Macht der Sechs bes��en, k�nnten wir an vielen Orten gleichzeitig sein und unseren Freunden zu einem noch schnelleren Sieg verhelfen.</emphasis></p><p>Das Wesen hielt seinen Einfall nicht f�r gut. Da es jedoch f�rchtete, der Magus k�nnte sich bei seinen Widerworten von seinem Einfluss befreien, sagte es fast nichts. <emphasis>Du wirst erkennen, dass du dich in ihnen t�uschst, mein einziger und wahrer Freund.</emphasis></p><p>�Ich hoffe, dass ich mich nicht in ihnen irre�, sagte Nudin leise und wandte sich einem Buch zu, das er schon kannte und auswendig wiederholen konnte, denn es gab nichts mehr in seiner Bibliothek, was ihn mit Neuem reizte.</p><p>Ein Blutstropfen klatschte in die aufgeschlagene Seite, deckte vier Buchstaben zu und machte sie unleserlich. Es rann aus seiner Nase, aus seinen Augen, zuerst langsam, dann wie ein unhaltbarer Bach.</p><p>N�d�onn wusste, was ihm bevorstand. Eilig stand er auf und begab sich auf die Liege. Seine Knochen knackten, der Sch�del krachte, knisterte, die Haut spannte sich schmerzhaft, als sein Leib einen weiteren Satz in die H�he machte.</p><p>Er schrie und br�llte, biss sich die Lippen blutig, w�lzte sich so sehr, dass er von der Schlafstelle fiel und besinnungslos wurde.</p><p>Als er erwachte, schienen die Qualen niemals gewesen zu sein, und es verlangte ihn wie immer nach einem opulenten Mahl. Das hatte dazu gef�hrt, dass er immens an Gewicht zulegte, die Schneider mussten seine Garderobe w�chentlich neu anlegen.</p><p><emphasis>Wann h�rt es auf, wehzutun?,</emphasis> fragte er seinen Freund, w�hrend er das Gesicht und die H�nde vom Blut reinigte.</p><p><emphasis>Bald,</emphasis> wisperte es. <emphasis>Dein Wissen ist zu gro� f�r deinen kleinen, menschlichen K�rper, es schafft sich Platz. Sei unbesorgt, du stirbst nicht daran. Wir sind eins.</emphasis></p><p>Hungrig ging er in den Speisesaal und lie� das Essen auffahren, das seine Bediensteten ihm auf die lange Tafel stellten und von dem eine ganze Familie h�tte satt werden k�nnen. Dieses Mal reichte es nicht f�r ihn, der Koch musste zwei weitere knusprig gebratene H�hnchen bringen, ehe sich der Magus voll gefressen erhob. Die �rmel, das stellte er im Hinausgehen fest, waren schon wieder zu kurz geworden.</p><p>Eine Albin betrat den Raum und hielt eine Nachricht f�r ihn in der Hand �</p></section></section><section><title><p>Zweiter Teil</p></title><section><title><p>I</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Oremaira, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Tungdil war von der Handlung v�llig vereinnahmt; er wusste nicht einmal mehr zu sagen, was ihm seine Einbildungskraft dazudichtete und was die Schauspieler auf dem Podest unter ihm wirklich zeigten.</p><p>Aber seine Aufmerksamkeit wurde durch eine flinke Hand abgelenkt, die sich von hinten durch den Logenvorhang schob, den Riemen des Rucksacks griff und ihn vorsichtig zu sich heranzog.</p><p>Das alles sah er nat�rlich nicht, doch er bemerkte das Schleifen in seinem R�cken, als der Dieb zu gierig an dem Lederst�ck riss. Als er sich umwandte, sah er gerade noch den Arm des Langfingers, der mitsamt seinem Gep�ck durch den Vorhang verschwand.</p><p>�He! Halt!�, schrie der Zwerg erz�rnt. �Diebe! Haltet ihn!� Er packte die Axt und rannte auf den Brettergang hinaus, dass die harten, genagelten Sohlen seiner Stiefel nur so rumpelten. �Dir schlage ich gleich Respekt vor dem Eigentum anderer Leute in den Sch�del!�</p><p>H�tte seine drohende Stimme nicht ausgereicht, den Schleier der Illusion im Theater zu zerrei�en, so schaffte es das Poltern. Emp�rte Rufe wurden laut, die sich weniger gegen den Dieb, sondern mehr gegen den Beraubten richteten.</p><p><emphasis>Deren Sorgen m�chte ich haben.</emphasis> Tungdil k�mmerte es nicht, er verfolgte die dunkel gekleidete Gestalt. Seine kurzen Beine hoben und senkten sich rasch und entfachten ein anhaltendes Donnern.</p><p>�W�rde sich der gesch�tzte Spectator bequemen, etwas leiser zu trampeln?�, rief der falsche N�d�onn entr�stet von der B�hne. Die Albin verzog das Gesicht und stemmte die H�nde in die schmalen H�ften. Im Gegensatz zum nachgemachten Magus wirkte sie in ihrer schwarzen R�stung immer noch sehr echt, trotz des geplatzten Gaukelspiels. �Ich versuche hier, die anderen Spectatores zu unterhalten, wenn es recht ist.�</p><p>�Dieb!�, antwortete ihm der Zwerg, ohne anzuhalten. �In Eurem feinen Theater wird gestohlen.�</p><p>�Sicher. Und zwar von Euch, mein murkeliger Freund. Ihr stehlt n�mlich meine kostbare Zeit�, gab der Mime bissig zur�ck, �und meine unbezahlbare Geduld. Da Ihr sie nun habt, schert Euch zusammen mit Eurer Beute hinaus und lasst mich f�r die Kenner der Kunst mein St�ck zu einem gl�cklichen Ende bringen, wie es sich geh�rt.�</p><p>Die Besucher applaudierten ihm, Gel�chter erklang, der Schauspieler verneigte sich.</p><p><emphasis>Narr.</emphasis> Da war Tungdil schon auf der Gasse und blieb vor dem Eingang des Curiosums stehen, um nach dem dreisten R�uber Ausschau zu halten. Er entdeckte ihn, als er um die n�chste Ecke bog. Den Sack hatte er sich auf den R�cken geschwungen, damit er die H�nde frei hatte.</p><p>�Halt! Gib ihn her!�, verlangte er und heftete sich an die Fersen des Diebes.</p><p>Die Verfolgung gelang ihm �ber drei Stra�enz�ge hinweg, aber nach der vierten Gasse und dem wohl zehnten abrupten Richtungswechsel verlor Tungdil ihn aus den Augen und stand ratlos vor einem �berv�lkerten Marktplatz. Die Menschen bildeten einen Blickschutz, hinter dem sein Gep�ck verschwand.</p><p><emphasis>Das St�ck Sigurdazienholz!</emphasis> Siedend hei� �berlief es ihn. Genau das h�tte niemals geschehen d�rfen. <emphasis>Ich bin doch nicht so weit gekommen, um mich von einem einfachen Gauner beklauen zu lassen,</emphasis> spornte er sich selbst voller Grimm an.</p><p>Mit einer Hand fasste er die Axt, mit der anderen schubste und dr�ckte er die Menschen zur Seite, bis er an einem hoch aufragenden Stand mit geflochtenen Weidek�rben anhielt und den Stapel erklomm.</p><p>Doch von hier oben sah es nicht besser f�r ihn aus. Ohne die Hilfe der einheimischen Gardisten w�re es ihm unm�glich, sein Eigentum zur�ckzuerhalten. Aber angesichts der Orks, die vor den Toren lauerten, w�rde er mit seinem Anliegen sicherlich und sogar mit Recht auf taube Ohren sto�en. Wie k�nnte er sie auch von der Wichtigkeit �berzeugen?</p><p><emphasis>Entschuldigt, aber ich habe ein St�ck Holz verloren, mit dem ich die Stadt und das Land vor dem Toten Land bewahren kann � Wer w�rde mir das glauben?</emphasis></p><p>Als er hinabstieg, um zum Wirtshaus zur�ckzukehren, wo Bavragor und Bo�ndil hoffentlich auf ihn warteten, stellte er fest, dass er sich zu allem �berfluss auch noch in Mifurdania verlaufen hatte.</p><empty-line/><p>Tungdil kannte nicht einmal den Namen der Herberge, in die er die anderen beiden geschickt hatte. Das Tor bildete seinen einzigen Anhaltspunkt.</p><p><emphasis>Sind wir durch das Nordtor gekommen oder durch ein anderes?</emphasis></p><p>Brummelnd machte er sich auf die Suche und orientierte sich dabei an den n�chstgelegenen Wacht�rmen der Mauer, die gelegentlich zwischen den Dachgauben hindurchspitzten. Als er an einer dunklen Seitengasse vorbeischritt, h�rte er pl�tzlich ein ersticktes Gurgeln.</p><p>Sofort blieb er stehen, nahm seine Waffe in beide H�nde und betrat die Gasse. Vorsichtig schritt er um eine Biegung herum und sah eine hoch gewachsene, schlanke Gestalt; die Kleidung wurde von einem dunkelgrauen Umhang verdeckt.</p><p>Zu ihren Stiefeln lag der Dieb, der ihn bestohlen hatte. Aus einem Dutzend Stichwunden sickerte sein Blut auf das Kopfsteinpflaster; der Mann, der den Gauner zur Strecke gebracht hatte, w�hlte neugierig in dem Rucksack herum.</p><p>Der Zwerg f�hlte sich gar nicht wohl. Die Statur passte nicht zu einem Menschen, wohl aber zu einem Alb. <emphasis>Vraccas, stehe mir in dieser Pr�fung bei,</emphasis> bat er leise.</p><p>Der neue Besitzer des Rucksacks schloss die Lasche, fasste den Trageriemen mit der Linken und barg ihn unter seinem Umhang, um ihn mitzunehmen, w�hrend der Dieb sich �chzend auf den R�cken w�lzte und sich vor Schmerzen kr�mmte. Die Gestalt schlenderte die Gasse entlang, als w�re sie nicht f�r das Leid des Mannes verantwortlich.</p><p>�Verzeiht, aber das ist mein Rucksack�, rief Tungdil.</p><p>Der Mann wirbelte herum, der Mantel flatterte auf, sodass er zun�chst nichts von dessen Gesicht erkannte, dann sp�rte er zwei harte Schl�ge gegen seine Brust. Die geworfenen Messer prallten von seinem dicht gewobenen Kettenhemd ab und fielen klirrend auf das Pflaster.</p><p>W�hrend Tungdil sich noch von seiner �berraschung erholte, rannte der heimt�ckische Angreifer schon die Stra�e hinunter und verschwand um die n�chste Biegung. Gegen die langen Beine kam er nicht an, und als er um die Ecke bog, sah er weit und breit nichts von dem M�rder.</p><p>Keuchend lehnte er sich an eine Wand, die im Schatten lag, und rang nach Atem. <emphasis>Das Gl�ck l�sst mich allzu oft im Stich. Habe ich Vraccas ver�rgert?</emphasis></p><p>Da legte sich ein Arm von hinten um seinen Hals. Ein d�nnes Messer funkelte vor seinen Augen und ber�hrte seine ungesch�tzte Kehle.</p><p>�Es ist dein Rucksack, Zwerg? So musst du Tungdil sein�, sagte eine ged�mpfte Stimme zu ihm. �Wir haben dich an einem ganz anderen Ort vermutet. Mein Freund ist ganz versessen darauf, dich zu finden, seit du in Gr�nhain warst und seine Gef�hrtin umbrachtest.�</p><p>Tungdil versuchte, den Arm zu heben, doch die Klinge dr�ckte sich fester in sein Fleisch.</p><p>�Nein, halt still. Du wirst mir ein paar Fragen beantworten�, verlangte der Unbekannte.</p><p>�Nein�, widersprach Tungdil trotzig und war sich sicher, auf einen Alb N�d�onns gesto�en zu sein.</p><p>�Nein? Wir werden sehen.� Der Angreifer schleifte ihn r�ckw�rts zu einem Torbogen, der zu einem Hauseingang f�hrte und unter dem es stockdunkel war. �Wohin wolltest du mit dem Artefakt?�</p><p>Der Zwerg schwieg starrk�pfig.</p><p>�M�chtest du sterben?�</p><p>�Du t�test mich sowieso, Alb. Warum sollte ich dir �ber meine Mission berichten?�, erwiderte er.</p><p>�Weil ich dir einen schnellen Tod und kein qualvolles Ende versprechen w�rde�, lachte er. �Versuchen wir es ein weiteres Mal. Bist du allein unterwegs?�</p><p>Schritte n�herten sich ihnen, das Klirren von Kettenhemden erklang. Zwei Personen liefen die Gasse entlang, und der Alb verstummte.</p><p>Das Schicksal musste einen grausamen Sinn f�r Scherze haben, denn es brachte Go�mgar und Bo�ndal dazu, in genau diesem heiklen Augenblick an dem schattigen Versteck vorbeizugehen.</p><p>Bo�ndal redete beschwichtigend auf den Edelsteinschleifer ein und erkl�rte, dass weder Bo�ndil noch Bavragor es wirklich ernst mit ihren Drohungen meinten und er ihn notfalls vor ihrem �bermut sch�tzen w�rde. Dann waren sie um die n�chste Biegung verschwunden.</p><p>�Also f�nf�, raunte der Alb ihm ins Ohr. �F�nf Zwerge auf dem Weg wohin?�</p><p>�Dich und deinesgleichen samt eurem Meister aufzuhalten�, sagte Tungdil laut und entschloss sich, den Alb abzusch�tteln. Er packte den Arm mit dem Messer und warf sich mit Schwung nach hinten, um seinen Angreifer gegen die Mauer zu rammen, doch sein Gegner wich aus, Tungdil prallte gegen die Steine und musste schwer gegen die Kraft der Messerhand k�mpfen.</p><p>Der L�rm gen�gte, um die beiden Zwerge aufmerksam werden zu lassen. Eilig rannten sie herbei.</p><p>�Gelehrter? Bist du das?� Der Krieger stand breitbeinig vor der Nische, den Kr�henschnabel bereit haltend. Go�mgar hielt Abstand und verschmolz mit seinem Schild.</p><p>Das Knie des Albs traf den Nasenschutz von Tungdils Helm. Das Metallst�ck dr�ckte sich schmerzhaft gegen sein Riechorgan, und die Tr�nen schossen ihm aus den Augen. Er bekam noch einen Stich in den linken, ungesch�tzten Unterarm, ehe der Gegner alles daran setzte zu entkommen.</p><p><emphasis>Der bleibt hier.</emphasis> Geistesgegenw�rtig griff Tungdil nach dem Rucksack und erwischte die Lasche. Knurrend klammerte er sich daran fest und hackte nach der Hand des Albs.</p><p>Seine Axt schlug ins Leere. Der R�uber war ausgewichen, aber daf�r schlitzte die Klinge den Rucksack auf, die Lasche riss, und Tungdil fiel zu Boden.</p><p>�Ich habe, was ich wollte.� Die Lage wurde dem Alb zu brenzlig, und so zog er die Flucht vor. Er wollte an dem Zwilling vorbeihuschen, aber der erfahrene K�mpfer Bo�ndal lie� sich von der anget�uschten Bewegung nicht �bert�lpeln und schlug zu. Die Spitze der verheerenden Axt perforierte die Lederr�stung und drang tief in den K�rper ein.</p><p>Der Getroffene stolperte, fluchte unverst�ndlich und geriet in einen einzelnen Sonnenstrahl, der aus seinen eben noch dunkelblauen Augen zwei schwarze L�cher machte.</p><p>Und noch Unheimlicheres geschah mit dem Alb. D�nne, feine Linien zeichneten sich auf seinem blassen Gesicht ab. Mit einem Mal waren sein Gesicht und der Hals �bers�t mit zackigen Linien, die wie Risse aussahen. Er presste die Hand auf die Wunde und rannte die Gasse entlang; der Rucksack h�pfte auf seinem R�cken auf und nieder.</p><p>�Dich kriege dich.� Der Zwilling wollte sich an seine Fersen heften, aber Tungdil rief ihn zur�ck.</p><p>�Nein, lass. Wir wissen nicht, ob er uns nicht am Ende in eine Falle locken will.�</p><p>�Aber er hat den Rucksack!�</p><p>Tungdil wischte sich das Blut unter der Nase weg. Stolz hob er das St�ck Sigurdazienholz. �Nur das ist wichtig. Und ich habe es wieder.�</p><p>�Wie hast du es verloren, Gelehrter?�, wunderte sich Bo�ndal.</p><p>�Das erz�hle ich euch unterwegs.� Er nickte Go�mgar zu. �Sei unbesorgt. Die anderen beiden Griesgrame werden dir nichts anhaben.�</p><p>�Ich habe wirklich gesagt, dass sie erst nach euch die T�r schlie�en sollen�, sagte er leise.</p><p>�Lass es gut sein�, meinte Tungdil, obwohl er sich nicht sicher war, dass er dem Geh�rten Glauben schenken sollte. Er vertraute ihm nicht mehr und beschloss, ihn zu keiner Zeit mehr allein zu lassen, bis Go�mgar verstanden hatte, um was es bei ihrer Reise ging.</p><p>�Wir sollten den Gardisten Bescheid sagen, dass wenigstens ein Alb in den Mauern Mifurdanias sein Unwesen treibt�, sagte Bo�ndal. �Er wird einen Verrat planen, um die Einnahme der Stadt f�r die Orkhorden zu erleichtern.�</p><p>�Und er wei�, dass wir hier sind�, f�gte Go�mgar zaudernd hinzu. �Werden sie uns nun jagen?�</p><p>�Das haben sie wohl schon die ganze Zeit �ber getan�, antwortete Tungdil ehrlich, �aber leider haben sie herausgefunden, wo wir sind. Wir m�ssen so schnell wie m�glich in die Tunnel. Solange sie davon nichts erfahren, sind wir vor den Albae sicher.�</p><p>Hastig durchquerten sie die Stra�en, bis sie zum nahen S�dtor gelangten, wo Tungdil dem Wachhabenden berichtete, dass er einen Alb gestellt habe. Dann machten sie sich auf den Weg zur Herberge, wo Bavragor und Bo�ndil hoffentlich ausharrten.</p><empty-line/><p>Als sie sich der Kaschemme n�herten, h�rten sie die wilden Schreie Ingrimmschs. Holz barst krachend, und darunter mischten sich laute, aufgeregte Rufe von Menschen.</p><p>�Bei Vraccas! Die Albae haben sie gefunden!�, rief Bo�ndal grimmig und rannte los, um seinem Bruder beizustehen.</p><p>Da flog ein Mann in hohem Bogen durch das kleine geschlossene Fenster und landete in einem Scherbenregen auf dem Pflaster. Der N�chste fiel mitsamt der aus den Angeln gerissenen T�r auf die Stra�e, rappelte sich auf und suchte blutend das Weite.</p><p>Die drei Zwerge st�rmten in die Schenke, in der ein Wirbelsturm gehaust haben musste. Nichts befand sich mehr an seinem angestammten Platz, Tische und B�nke waren umgeworfen oder zu Bruch gegangen. St�hnende G�ste lagen umher, manche arg, andere weniger verpr�gelt.</p><p>Mittendrin stand Bo�ndil wie ein kleiner Rachegott und rupfte einem Menschen den Schnauzbart Haar f�r Haar aus. Von Bavragor fehlte jede Spur.</p><p>�Was tust du da?�, fragte ihn sein Bruder und betrachtete fassungslos die Unordnung. �Warst du das?�</p><p>Ingrimmsch drehte sich um, sodass sie seinen verunstalteten Bart sehen konnten. �Ho, das will ich meinen�, lallte er. �Sie haben mich angez�ndet, und daf�r haben sie mit meinen F�usten Bekanntschaft gemacht.� Er kicherte und riss seinem Opfer ein weiteres Haar aus. �Der Lange hat angefangen, er hat meinen Bart angekokelt, und als ich ihn bestrafen wollte, kamen ihm die anderen zu Hilfe. Das fand ich sehr anst�ndig von ihnen. Umso mehr gab�s f�r mich zu tun.�</p><p>�Bitte, sagt ihm, dass es mir Leid tut und er mich loslassen soll�, jammerte der Mann. �Es war ein Unfall, ich wollte ihm blo� einen glimmenden Span f�r seine Pfeife reichen!�</p><p>Bo�ndil packte ihn an den Ohren und blickte ihn aus tr�ben Augen an. �Wirst du auch nie mehr einem aus unserem Volk ein Loch in seinen b�rtigen Stolz brennen?�, keuchte er.</p><p>�Nie mehr!�, wimmerte der Mann.</p><p>�Schw�rst du es?� Er schwor artig, und der Krieger gab ihn frei. �Na, gut. Lauf, Langer.� Zum Abschied rupfte er ihm ein ganzes B�schel Haare aus und trat ihn in den Hintern. Lachend lie� er sich auf den Tisch plumpsen, langte nach seinem Humpen und schl�rfte ger�uschvoll. �So viel Spa� hatte ich schon lange nicht mehr�, r�lpste er. Seine Augen entdeckten Go�mgar. �Ah, da ist ja unsere zimperliche Maid!�</p><p>�Er ist sturzbetrunken�, meinte sein Bruder und kniff die Lippen zusammen.</p><p>�Wo ist Bavragor?�, fragte Tungdil m�rrisch. <emphasis>Schlimmer, als eine Horde Fl�he zu h�ten.</emphasis> �M�ssen wir ihn auch suchen gehen?�</p><p>�Der? Ach, der kommt schon wieder. Das Einauge ist ein Pony kaufen, damit wir unsere Sch�tze ��</p><p>�Bo�ndil! Sei still!�, fuhr Bo�ndal ihn hart an, nahm ihm das Bier weg und zerrte ihn vom Tisch. �Was denkst du dir eigentlich dabei? Wir sind von Feinden umzingelt, und du tust so, als w�rest du der Steinmetz!�</p><p>�Ach?! War er auch auf dem Markt, um Ponys zu erstehen?�, kam es beleidigt von der T�r. �Im Gegensatz zu ihm habe ich etwas geleistet, anstatt mich mit den Langen herumzupr�geln.�</p><p>�Da ist ja das Einauge!�, rief Ingrimmsch fr�hlich, schnappte Bo�ndal den Humpen aus der Hand und leerte ihn rasch. �So. Das wirst du mir nicht mehr wegnehmen�, grinste er breit und r�lpste.</p><p>�Orks!�, schallte es von drau�en, dann rannte ein Gardist herein. �Die Orks sind in den Gassen! Alles zu den Waffen! Das S�dtor ist ge�ffnet worden! Rettet Mifurdania! Eilt, ihr B�rger!� Sein Blick fiel auf die niedergeschlagenen M�nner. �Was ist denn hier ��</p><p>�Zu den Waffen!�, stimmte Bo�ndil jauchzend ein. �Oink, oink, oink! Kommt, wir gehen Schweinchen schlachten!� Er riss die Beile aus dem G�rtel und torkelte zur T�r. Sein Bruder hielt ihn auf und redete beschwichtigend auf ihn ein.</p><p>�Verzeih ihm. Er meint es nicht so�, sagte Tungdil zu Bavragor, um den n�chsten Streit zu verhindern.</p><p>�Er kann es ruhig so meinen, weil er meistens Recht h�tte�, entgegnete er ruhig. �Drau�en warten zwei Ponys, die ich billig bekommen habe. Sie werden uns einen guten Dienst erweisen.�</p><p>�Wir m�ssen sofort von hier verschwinden�, befahl Tungdil, der beschlossen hatte, seine Erlebnisse im Curiosum zu erz�hlen, sobald sie die Stadt heil hinter sich gelassen hatten. <emphasis>Aber wie?</emphasis> �Die Albae wissen, wo wir sind. Sie werden uns jagen.�</p><p>�Wie sollen wir das machen?�, wollte der Steinmetz wissen.</p><p>�Es geht, Gelehrter�, meinte Bo�ndal. �Vor den Toren wird es zu einer Schlacht kommen. Wir brauchen einen Seitenausgang in der Mauer. Durch den verschwinden wir und k�mpfen uns am Rand des Get�mmels durch.� Er warf einen Blick auf seinen pl�tzlich ruhig gewordenen Bruder, der sich an den T�rrahmen gelehnt hatte und erste Schnarchlaute von sich gab. �Auch wenn es unter diesen Umst�nden nicht einfach wird�, f�gte er mit einem Seufzen hinzu.</p><p>Go�mgar erbleichte. �Durch eine Schlacht?�, echote er. Schon sah er die Pfeilschw�rme vor sich, zuckende Schwerter, Speere und Spie�e, grunzende Orks, kreischende Bogglins und die unheimlichen leisen Albae, und alle rannten sie nur hinter ihm her. �M�ssen wir?�</p><p>�Kannst du fliegen? Ich meine, ohne Katapult?�, wollte Bavragor wissen, und Go�mgar verneinte. �Also gibt es keine andere M�glichkeit.�</p><p>Es rumpelte laut, als Ingrimmsch steif wie ein Brett umfiel und sich nicht mehr r�hrte. Nur das Schnarchen bewies, dass er nicht von Vraccas� Hammer getroffen worden war.</p><p>�Ein sch�ner Krieger ist das�, sagte Go�mgar vorwurfsvoll. �Jetzt, wo wir ihn brauchten und er unz�hlige Orks niedermetzeln d�rfte, hat ihn das Bier umgehauen.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, stimmte Bavragor zu, packte den Zwerg zusammen mit Bo�ndal und legte ihn quer �ber einen Ponyr�cken. �Das Bier der Langen taugt doch gar nichts. Wie kann man da nur so besoffen sein?�</p><p>�Hattest du denn auch f�nf Humpen?�, staunte Go�mgar.</p><p>�Nein. Sieben. Und noch zwei auf dem Markt�, zwinkerte er dem schw�chlichen Zwerg zu und dr�ckte ihm die Z�gel der Ponys in die Hand. �Da. Das ist die passende Aufgabe f�r dich.�</p><p>Mit seinem gewaltigen Kriegshammer in der Hand begab er sich nach hinten, um ihren R�cken zu decken. Tungdil und Bo�ndal �bernahmen die Vorhut.</p><p>Vereinzelt h�rten sie das Klirren von Waffen, doch sie bogen jedes Mal rechzeitig ab, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen, was vor allem Go�mgar sehr sch�tzte.</p><p>Um sie herum rannten die B�rger Mifurdanias. Die einen eilten mit Waffen an ihnen vorbei, um sich am Gefecht um ihre Heimat zu beteiligen, die anderen hatten ihre Kinder, ihr Hab und Gut an sich gepresst und suchten Schutz im bislang sicheren Teil der Siedlung.</p><p><emphasis>Und noch eine Stadt sieht ihrem Untergang entgegen.</emphasis> Tungdil hatte die Bilder vom vernichteten Gutenauen vor Augen, er wusste, was auf die Stadt zukam, und rang mit sich selbst, um nicht auf ihre Mission zu pfeifen und den Menschen beizustehen, die eine weitere scharfe Axt sicherlich ben�tigten. Er stand kurz davor, den entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten.</p><p><emphasis>Aber wenn einer von uns stirbt? Ohne die Feuerklinge w�re das ganze Geborgene Land verloren.</emphasis> Er rang mit sich selbst und entschied, dass er auf das Schicksal Mifurdanias keine R�cksicht nehmen durfte, so schwer es ihm auch fiel. Stumm senkte er den Kopf. <emphasis>Die G�tter m�gen euch beistehen.</emphasis></p><p>Bo�ndal legte ihm die Hand auf die Schulter. Sein Blick verriet, dass ihn die gleichen Gedanken besch�ftigten.</p><p>Sie gelangten an die Ostmauer und entdeckten eine Nebenpforte, an der zwei Wachen ihren Dienst verrichteten. Als ein Hornsignal ert�nte, nahmen sie ihre Speere zur Hand und liefen zum Nordtor.</p><p>Der Kampfl�rm, der aus den Pl�tzen und Gassen drang, wurde lauter, die Orks dr�ngten die Verteidiger zur�ck.</p><p>Die T�r, vor der sie standen, war mit vier Eisenriegeln gesichert; dicke Schl�sser und Ketten verhinderten, dass Unbefugte sie entfernten.</p><p>�Was haben wir denn da? F�nf Kegel mit Beinen? Ts, ts, ts, und sie wollen fl�chten?�, sagte eine Stimme missbilligend.</p><p>Ein Mann mit aristokratischen Gesichtsz�gen und einem Kinnb�rtchen trat aus der Seitenstra�e; seine bunten Gew�nder sahen nicht billig aus. Hinter ihm folgte eine schlanke, hoch gewachsene Frau in einer Lederr�stung, die ihre langen schwarzen Haare zu einem Teil unter einem dunkelroten Kopftuch verbarg, sowie ein weiterer Mann mit graugr�nen Augen, schwarzen Haaren und einem d�nnen Schnurbart, der einfach gewandet war. Jeder von ihnen trug einen Seesack.</p><p>�Wisst ihr zu kurz geratenen Riesen nicht, dass es verboten ist, diese Pforte zu benutzen?�, fragte der Kinnbart.</p><p>�Seid ihr Diebe?�, knurrte Bavragor und legte die prankengleichen H�nde um den Stiel seines Hammers.</p><p>Der Mann lachte �bertrieben. �Kinder, h�rt ihr das? Drollig, die Kleinen�, rief er nach hinten. �Nun, mein b�rtiger Freund mit dem verlorenen Augenlicht, wir sind nicht einmal zum gew�hnlichen Volk zu z�hlen, wie k�nnten wir demnach gew�hnliches Verbrecherpack sein?�</p><p>Die Orkrufe wurden lauter und klangen immer n�her.</p><p>�Geht beiseite�, sagte die Schwarzhaarige kurz entschlossen und schritt durch den Pulk der �berrumpelten Zwerge, ohne einen von ihnen zu ber�hren. Sie nahm einen Lederbeutel unter ihrem breiten Waffeng�rtel hervor und w�hlte fingerlange, spitze und gebogene Eisenst�ckchen, mit denen sie sich an den Schl�ssern zu schaffen machte. Nach kurzer Zeit klickte es.</p><p>�Also doch Diebe�, stellte der Steinmetz zufrieden fest.</p><p>�Mitnichten, Gutester�, widersprach das Kinnb�rtchen. �Furgas stellt den besten Magister technicus seit ��, er wedelte in der Luft, weil ihm der passende Zeitraum nicht einfallen wollte, �Menschengedenken dar.� Er deutete auf die Frau. �Des weiteren habe ich das ausgesprochene Vergn�gen, Euch die bezaubernde Narmora vorzustellen, wegen deren Sch�nheit die Rosen am Haus des B�rgermeisters vor Neid verdorren, und ich selbst bin ��</p><p>�Der Unglaubliche Rodario!�, rief Tungdil, der die Stimme des Schauspielers wieder erkannte.</p><p>Die Z�ge des Mimen wurden eine Spur freundlicher. �Ein Verehrer meiner Kunst? Wer h�tte das gedacht. Ich unterstellte Euch �� Er stockte. �Da treffe mich doch eine volle Schale Abort! Ihr seid der Trampler, der Sch�nder meiner Szene, der Vernichter des kunstvoll gewirkten Traumgewebes, in dem ich die Spectatores gefangen hielt!� Seine braunen Augen richteten sich anklagend auf Tungdils Stiefel. �Ja, das sind sie, die �belt�ter! Dies Schuhwerk und dazu die vermaledeite Schreierei ruinierten mein K�nnen!�</p><p>Wieder klickte es. Narmora �ffnete die Schl�sser und zog die Ketten aus den �sen; klirrend fielen sie zu den Boden. �Geht!�</p><p>�Und du?�, fragte Furgas sie besorgt.</p><p>Sie l�chelte ihn an und gab ihm einen langen Kuss auf den Mund. �Ich sperre wieder ab und klettere �ber die Mauer. Ich m�chte nicht, dass es hei�t, wir h�tten den Untergang der Stadt verschuldet, weil wir den Orks die Nebenpforte ge�ffnet haben.�</p><p>Die Zwerge machten den Anfang, danach folgten Rodario und Furgas.</p><p>Ein Blick verriet ihnen, dass die Pulks der Angreifer vor den Toren lagerten und sich gar nicht um die Seiten Mifurdanias k�mmerten. Zwei Gardisten, die auf den Wehrg�ngen standen, riefen sie an, sie sollten stehen bleiben und sich zu erkennen geben, doch sie dachten nicht daran.</p><p>Lediglich der Schauspieler winkte ihnen zu. �Passt mir auf mein Theater auf! Wir kehren zur�ck, wenn ihr die Schlacht geschlagen habt. Ich w�nsche euch alles Gl�ck!�, rief er heiter.</p><p>�Das ist keine Szene aus einem St�ck, Rodario�, sagte Furgas mahnend, weil er sich des Ernstes der Lage wohl nicht ganz bewusst war, und schob ihn weiter.</p><p>�Aber es erinnert mich alles daran�, gab der Mime zur�ck. �Ich k�nnte auch daraus ein St�ck werden lassen, ein ausgezeichneter Gedanke, werter Furgas.� Er stellte sich in eine heldenhafte Pose, die Arme an die H�ften gelegt. �Ich als furchtloser, wackerer Wachmann, der entdeckt, wie die Orks nahen und einen Kampf gegen � na, sagen wir ein halbes Dutzend von ihnen gewinnt und die Stadt vor dem Untergang bewahrt.�</p><p>Ein Seil baumelte pl�tzlich �ber die Mauer. Narmora hangelte sich in Windeseile daran hinab und schloss zu ihnen auf, w�hrend die Gardisten laut rufend angerannt kamen und das Tau wieder nach oben zogen, ehe es die Orks bemerkten.</p><p>Tungdils Gruppe beeilte sich, in den Schutz des nahen Waldrandes zu kommen, und die drei Schauspieler folgten ihnen hartn�ckig.</p><p>�Auf ein Wort, Ihr Freunde von Gold und Sch�tzen. Ihr h�ttet doch nichts dagegen, wenn wir Euch ein wenig bei Eurem oberirdischen Ausflug verfolgen?�, meldete sich der Unglaubliche Rodario mit einem einnehmenden Strahlen im gebr�unten Gesicht, als m�sste er schlechte Fische verkaufen und viel Geld damit machen. �Die Zeiten sind unsicher, und Ihr seht mit Verlaub so aus, als k�nntet Ihr jede gr�ne Gefahr aus dem Weg r�umen. Wir dagegen sind nichts als schw�chliche B�hnenk�nstler.� Er blickte an sich hinab und zeigte ihm die d�nnen Oberarme, die wie Besenstiele aus den teuren Gew�ndern schauten. �Schaut, zwei M�nner, so breit wie einj�hrige Birken, und eine h�bsche, aber nicht eben wehrhafte Frau, die ihre R�stung nur zur Schau tr�gt. Sollte sie in die Klauen der Orks geraten, so m�gen allein die G�tter wissen, was die Bestien mit ihr ��</p><p>�Ihr k�nnt uns begleiten, dagegen ist nichts einzuwenden�, gew�hrte Tungdil ihnen die Bitte. Da Bo�ndil an den Auswirkungen seines Bierdurstes litt und seine Beile in einem m�glichen Kampf ausfielen, brauchte man den Schw�tzer und seine beiden Gef�hrten wom�glich, um einer Rotte Orks eine Ablenkung zu liefern, w�hrend er und seine Freunde die Ungeheuer attackierten.</p><p>�Sagte der nicht eben �auf ein Wort�?�, staunte Go�mgar �ber den nicht enden wollenden Redefluss.</p><p>�Menschen reden viel, wenn sie Angst haben�, gab Bavragor seinen Kommentar dazu ab. �Und der muss den Gehrock geh�rig voll haben. Habt ihr ihre Kinderb�rtchen gesehen? So wenig Haare hatte ich nicht mal in meinen S�uglingstagen�, frotzelte er.</p><p>Tungdil schlug den Weg durch den Hain zum Berg ein, wo sie ihre kostbaren Sch�tze aufladen mussten. Er war froh, dass sie sich in der Zwergensprache unterhielten und die Menschen die Beleidigungen nicht verstanden.</p><p><emphasis>Es wird lange dauern, bis wir die einzelnen Barren die Treppen nach oben und hinter dem Wasserfall hervor bis zu den Ponys getragen haben.</emphasis> Diese Verz�gerung w�rde Zeit kosten, zumal es eine Verz�gerung war, die jemand seiner Ansicht nach mit Absicht herbeigef�hrt hatte, um sie aufzuhalten.</p><p>Er wagte nicht einmal daran zu denken, wie weit Gandogar und seine Begleiter bereits gekommen sein mussten � und fluchte, weil er nun doch daran gedachte hatte. Energisch zwang er sich, sich auf den Weg und die Ger�usche des Forstes zu konzentrieren.</p><p>�Ho, kleiner Mann, der Ihr der Anf�hrer des kleinen Haufens zu sein scheinet�, sprach ihn Rodario an und tauchte an seiner Seite auf; dass er dabei auf trockene �ste trat, diese knackend brachen, und seine Stimme laut durch den Wald hallte, st�rte ihn nicht. �Unterirdische ��</p><p>�Zwerge�, verbesserte Tungdil automatisch.</p><p>�Na sch�n, Zwerge wie Ihr vermag das Auge nicht jeden Tag zu erblicken, und so wunderte ich mich, was Ihr f�nf wohl au�erhalb der Unterwelt zu suchen habt. Seid Ihr von Euren Leuten vertrieben worden?�</p><p>�Es geht Euch nichts an, Herr Rodario.�</p><p>�Wohl gesprochen, es geht mich wahrhaftig nichts an. Aber h�ttet Ihr dann vielleicht ein wenig Mu�e, um mit mir und meinen Freuden zu wandern und bei einem Theaterst�ck mitzuwirken?�, l�chelte er. �Wolltet Ihr einwilligen, schriebe ich ein St�ck, das sich um f�nf Zwerge dreht. Wir w�ren eine solche Besonderheit, dass uns alle Menschen im Geborgenen Land sehen wollten und uns ihre M�nzen nur so zuwerfen w�rden.�</p><p>�Nein, Herr Rodario. Wir haben anderes zu tun.�</p><p>�Anderes? Was mag das sein?� Er legte die Stirn in Falten. �Ihr suchet Sch�tze?�</p><p>�Nein, die Feuerklinge!�, juchzte Ingrimmsch undeutlich vom Ponyr�cken in der Gemeinsprache. �Wir gehen ins Graue Gebirge und schmieden die Waffe gegen N�d�onn, und damit schlitzen wir seinen fetten Wanst ��</p><p>�Sei still, du besoffenes St�ck!�, befahl Bo�ndal ruppig. �Rede in unserer Sprache, wenn du schon alles verraten musst.�</p><p>�H�rt nicht auf ihn�, wandte sich Tungdil zum Schauspieler, dessen Gesichts gef�hrliche Neugier widerspiegelte, und er bem�hte sich, gelassen zu wirken, um den Verdacht nicht noch mehr aufkommen zu lassen, in den �u�erungen k�nnte ein K�rnchen Wahrheit sein. �Er ist betrunken und phantasiert.�</p><p>�Lasst ihn phantasieren, ich bin ein aufmerksamer Zuh�rer. K�nstlern kommt eine jede Inspiration recht�, entgegnete Rodario leichthin. �Und die Sache h�rt sich gut an, das gestehe ich frei heraus. So etwas auf die B�hne gebracht, will das Volk doch h�ren und sehen. Nur � wo finde ich so kleine Menschen? Kinder? Gnome oder Kobolde mit falschen B�rten?� Er warf die Arme in die Luft. �Ach, das w�re alles nichts! Ich brauche kr�ftige Burschen, Unterirdische wie Ihr es seid, damit es echt aussieht. Wollt Ihr nicht doch lieber mit uns kommen?�</p><p>�Wir sind Zwerge, keine Unterirdischen. Merk es dir.� Bo�ndal schaute den Mimen b�se an. �Schweig endlich, oder willst du dich von den Schwertern der Orks in deinem Bauch inspirieren lassen?�</p><p>Der Mann sch�ttelte die langen braunen Haare und kehrte zu seinen beiden Freunden zur�ck, wo sich eine leise Unterhaltung entspann.</p><p>�Schauspieler�, raunte Bo�ndal seufzend. �Ich sehe schon, wie der Lange unsere Geschichte auf jedem Dorfplatz ausbreitet, noch bevor wir im Grauen Gebirge angekommen sind. Wenn N�d�onn auf diese Weise von unserer Absicht erf�hrt �� Er lie� den Satz unvollendet.</p><p>�Bis er ein St�ck zu Ende geschrieben hat, haben wir N�d�onn schon lange niedergeworfen.� Tungdil klopfte Bo�ndal beruhigend auf die Schulter. Als er sah, dass der Unglaubliche Rodario ein Reiseschreibbrett vor dem Hals trug und die ersten Bl�tter mit Notizen voll kritzelte, war er sich nicht mehr ganz so sicher. �Wir nehmen sie mit�, verk�ndete er nach einer Weile des �berlegens.</p><p>�Das ist nicht dein Ernst!�</p><p>�Doch. Wir nehmen sie mit ins Reich der Ersten. Der Schauspieler wird sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Dort setzen wir sie fest, bis unser Vorsprung gro� genug ist oder wir unsere Mission erf�llt haben�, weihte er den Zwerg in seinen Plan ein. �Die Ersten haben sicherlich bequeme, aber ausbruchssichere Kammern, in denen die drei f�r viele Sonnenuml�ufe die Gastfreundschaft unseres Volkes genie�en d�rfen.�</p><p>�Falls sie uns begleiten m�chten.�</p><p>Tungdil zwinkerte ihm zu und freute sich mehr und mehr �ber seinen Einfall. �Sie werden. Ich schwindele ihm die unm�glichsten Dinge �ber das Zwergenreich vor, dass er es mit eigenen Augen sehen muss.� Bo�ndal brummelte etwas in seinen Bart. �Ich sage den anderen Bescheid, damit sie sich nicht wundern.�</p><p>Unter dem fadenscheinigen Vorwand, den Sitz der R�stungen nachzupr�fen, gesellte Tungdil sich zuerst zu Go�mgar und danach zu Bavragor, um sie leise in seinen Plan einzuweihen.</p><p>Sie durchquerten den Wald und kamen wieder an den abgeschlachteten Einh�rnern vor�ber, wo Rodario auf der Stelle Notizen und Skizzen von den einst wundersch�nen und friedfertigen Lebewesen machte.</p><p><emphasis>War unsere Flucht richtig?</emphasis> Tungdil plagte beim Anblick der Kreaturen erneut das schlechte Gewissen, Mifurdania und somit die letzten beiden bekannten Einh�rner des Geborgenen Landes im Stich gelassen zu haben. <emphasis>Ihr G�tter wisst, dass uns keine andere Wahl blieb.</emphasis></p><p>Die Gruppe erreichte den Fu� des Plateaus, an dem der kleine, versteckte Weg auf die Aussichtsplattform f�hrte.</p><p>�Achtung!� Bo�ndals K�rper spannte sich und hob den Kr�henschnabel kampfbereit. Der Steinmetz fasste den Kriegshammer, und Go�mgar verstand es als Aufforderung, sich hinter seinem Schild zu verstecken.</p><p>�Achtung? Wieso Achtung? Gute Leute, was habt Ihr denn vor?�, wunderte sich Rodario, w�hrend die Frau ebenfalls ihre Waffen zog. Eine sah aus, als h�tte der Erschaffer zwei gebogene Sichelenden genommen und sie rechts und links an ein kurzes Mittelst�ck angesetzt; die andere verf�gte �ber gerade Klingen. So, wie die Schneiden schimmerten, waren sie auf den Innen- und Au�enseiten geschliffen. Ihre Finger wurden von einem Metallkorb vor gegnerischen Attacken gesch�tzt.</p><p>Der Schauspieler wandte sich zu ihr um. �Was hast du denn vor, sch�nste Bl�te des Geborgenen Landes?�</p><p>Wenn Tungdil eines in den letzten Wochen gelernt hatte, dann war es, auf die Instinkte seiner Freunde zu vertrauen; also hielt auch er sich bereit, einer Bedrohung zu begegnen.</p><p>Kurz darauf roch er die noch verborgenen Gegner. Ihre Ausd�nstungen waren strenger, s��licher als die der Orks, und dennoch nahm er ranziges Fett in dem sachten Wind wahr.</p><p>Und schon brachen sie aus dem Unterholz.</p><p>Eine Horde Bogglins st�rmte l�rmend auf sie ein. Hinter ihnen traten zwei Orks aus den B�schen, die mit eisensp�nengespickten Peitschen auf sie eindroschen und sie gegen die Menschen und Zwerge hetzten.</p><p>Die an sich feigen Bogglins schwangen schartige Kurzschwerter, an denen das getrocknete Blut ihrer letzten Opfer haftete. Sie hopsten und h�pften wie die Affen heran, schrien vor Angst und Hass gleichzeitig, stachen und schlugen ohne K�nnen nach den Gegnern. Meist vernichteten sie ihre Feinde allein durch ihre �bermacht und nicht wegen ihrer Tapferkeit. Wo ein Bogglin fiel, eilten drei an dessen Stelle, schlugen zu, bissen und kratzten oder sprangen ihre Gegner an und rissen sie von den Beinen.</p><p>�Kreis!�, befahl Bo�ndal knapp. Bavragor eilte zu ihm und zerrte Go�mgar hinter sich her, dem nichts anderes �brig blieb, dieses Mal mit an der Front zu stehen. Rodario war pl�tzlich verschwunden, Furgas und Narmora reihten sich dagegen ein.</p><p>Die Waffen der Zwerge stie�en unaufh�rlich nieder und zerschmetterten Sch�del und Knochen. Dennoch mussten sie Acht geben, dass ihnen keiner der flinken Angreifer in den Arm fiel. Go�mgar verschanzte sich hinter seinem Schild, sein Kurzschwert stie� wie ein kleiner, silberner Blitz hervor und durchbohrte die Leiber, die nur d�rftig von den Lederr�stungen gesch�tzt wurden. Eiterfarbenes Blut spritzte gegen seine Sch�tzung und lief daran herab.</p><p>Die Frau k�mpfte dreifach so schnell wie die Zwerge; ihre leichten, aber unsagbar scharfen Waffen machte sie den Bogglins �berlegen. Bald entwickelte sich das Gefecht zu Gunsten der Menschen und Zwerge, bis die Orks so hart auf ihre kleineren Verwandten einpr�gelten, dass sie sich voller Todesfurcht gegen die Gruppe warfen.</p><p>Ihr Massenansturm dr�ckte den Kreis der Verteidiger zusammen. Die Zwerge behinderten sich bei ihren Ausholbewegungen gegenseitig, die lange Spitze des Kr�henschnabels und der Stiel des Hammers verhedderten sich, Bavragor verlor seine Waffe. Sofort sprangen zwei, drei der Kreaturen den Ein�ugigen an und warfen ihn um; durch die L�cke dr�ngten weitere nach und brachten Tungdil in arge Bedr�ngnis.</p><p>Da ert�nte ein lautes Zischen, und eine giftgr�ne Rauchwolke stob zwischen zwei B�umen auf, die laut heulte und knatterte. Ein gewaltiges Ungeheuer mit zwei K�pfen wurde in dem Nebel schemenhaft sichtbar. Es stie� ein dr�hnendes Gebr�ll aus und spie helle Flammen gegen die Bogglins aus seinem zahnbewehrten Maul. Zwei der Bestien wurden Opfer des Feuers, die anderen standen starr vor Schreck.</p><p>Die Ablenkung reichte den Zwergen aus, damit Bavragor seinen Hammer aufheben und die wenigen Bogglins in ihrem Kreis zu Brei schlagen konnte. Auch Tungdil und Bo�ndal gingen zum Angriff �ber.</p><p>�Ich kn�pfe mir das neue Biest vor, wenn es in unsere Richtung kommt�, sagte der Krieger. �Solange es sich um die Bogglins k�mmert, lassen wir es gew�hren.�</p><p>Narmora scherte aus dem Kreis aus, verschwand in den n�chsten B�schen und tauchte kurz darauf hinter einem der Einpeitscher auf. Die gekr�mmten Klingen durchtrennten den kr�ftigen Nacken des ersten Orks; zuckend st�rzte er auf den Waldboden. Der Peitsche des Zweiten wich sie beh�nde aus. Sie dr�ckte sich von der Erde ab, kam geduckt vor ihm auf und rammte ihm die Waffe mit den geraden Schneiden waagrecht in den Bauch. Die schmalen Spitzen fuhren durch die Kettenringe und die Haut geradewegs in die Innereien und t�teten das Ungeheuer.</p><p>Eingesch�chtert von dem unbekannten Ungeheuer und der Niederlage ihrer gro�en Begleiter, verfielen die Bogglins in eine wilde Flucht, die sie in alle Richtungen verstreute; zur�ck blieben drei�ig Erschlagene.</p><p>�Jetzt zu dir, widerliche Tionbrut�, knurrte Bo�ndal, senkte den Kopf und attackierte den Feuerspeier, der sich hastig in den schw�cher werdenden Nebel zur�ckzog.</p><p>�Halt�, rief Furgas den K�mpfer zur�ck. �Das ist Rodario!�</p><p>�Was?!�, blinzelte Bavragor, der gerade mit seinem Hammer ausgeholt hatte und den Schlagschwung mit einem Kreiseln um die eigene Achse abfing.</p><p>Es raschelte laut, dann erklang ein lautes Lachen. �Die sind vielleicht gelaufen�, h�rten sie den Mimen rufen, ehe er in seiner viel zu langen Lederkleidung aus den Schwaden trat. In der Rechten hielt er die riesigen K�pfe, in der Linken zwei Klappstelzen, mit denen er sich gr��er gemacht hatte.</p><p>�Ich dachte mir schon, dass ich Euch als Ungeheuer einen besseren Dienst erweise denn als K�mpfer. Meine Fechtkenntnisse taugen allenthalben auf der B�hne etwas oder zur Belustigung meiner Gegner. Daher griff ich in aller Eile zu ein paar Utensilien, um den Miniaturbestien einmal etwas zu zeigen, vor dem sie Respekt haben sollten. Alchimie ist etwas Wunderbares.�</p><p>�Ich h�tte dich beinahe get�tet!�, sagte Bavragor fassungslos.</p><p>�Demnach sah ich also echt aus?�, schnarrte Rodario und verstand es als Kompliment. Er verbeugte sich tief. �Was denn, verehrte Spectatores? Kein Handgeklapper?�, meinte er entt�uscht, als sich die Zwerge weiterhin darauf beschr�nkten, ihn verst�ndnislos anzustarren.</p><p>�Menschen sind wahnsinnig�, stellte Bavragor trocken fest. �Ich dachte immer, Bo�ndil w�re durch nichts zu �bertreffen, aber der hier schl�gt alles, was ich an Verr�cktheit gesehen habe.�</p><p>�Aber seine Verr�cktheit hat uns einen sehr gro�en Dienst erwiesen�, hielt ihm Tungdil vor Augen. �Ohne sie w�rst du vermutlich tot, Bavragor. Eine Bestie aus Papier und Stoff, und wir fallen darauf herein �� Er musste lachen, und die anderen Zwerge stimmten nach anf�nglichem Z�gern ein.</p><p>Der Schauspieler verneigte sich wieder, dieses Mal breit grinsend. �Danke, danke. Auch das ist mir Recht, denn ich h�re am Klang der Heiterkeit, dass Euch die Vorstellung gefiel.�</p><p>Tungdil hielt den Zeitpunkt f�r passend und rief die drei Menschen zusammen. �Ich habe mich mit meinen Freunden beraten�, er�ffnete er ihnen mit geheimnistuerischer Miene. �Ihr habt Euch als vertrauensw�rdig erwiesen, und so sollt Ihr die Wahrheit �ber uns erfahren. Wir sind auf dem Weg ins Zwergenreich der Ersten, zu den Clans, welche die Westpassage gegen die Eindringlinge besch�tzen.�</p><p>�Ich verstehe. Ihr sammelt Euch, um Euch gegen N�d�onn zu stellen?�, nahm Rodario voller Eifer an. �War das Gefasel von der Feuerklinge demnach keine Phantasie?� Schon suchte er nach seiner Feder.</p><p>�Was wir Euch vorschlagen m�chten, ist, dass Ihr uns zu den Ersten begleitet, damit Ihr seht, welche Pracht dort herrscht. Das und die Goldm�nzen werden die Belohnung f�r Euren Beistand sein.� Als Tungdil sp�rte, dass seine Worte bislang nur den geckenhaften Schauspieler in Beschlag nahmen, schw�rmte er �ber die Pracht, die er selbst noch nie gesehen hatte, erfand f�r den Techniker Furgas die wunderlichsten Konstruktionen, welche die Zwerge angeblich bauten, und berichtete von R�stungen und Schmuck, dabei hoffend, die Frau damit locken zu k�nnen. Am Ende seiner langen Rede angelangt, wartete er ungeduldig auf die Antwort.</p><p>Voller Schrecken bemerkte er, dass Bavragor die H�nde am Stiel seines blutigen Hammers hatte und sich offenbar bereit hielt, die drei Menschen anzugreifen, sollten sie den Vorschlag ablehnen. Bo�ndal wirkte nicht weniger kampfbereit.</p><p>�Ich k�nnte damit ein neues Theater er�ffnen�, sinnierte Rodario, an seinem Kinnb�rtchen rubbelnd. �Furgas, stell dir vor, was wir an Technik auffahren k�nnten! Wir werden Dinge sehen, wie sie kein Mensch vor uns sah.�</p><p>�Meinetwegen�, stimmte Furgas zu, und nur Narmora wirkte alles andere als gl�cklich. Rodario gab der Frau einen Kuss und strich ihr liebkosend �ber den Kopf, doch sie verzog den Mund. �Und sie wird auch einwilligen, stimmt�s?!�</p><p>Tungdil betrachtete sie ganz genau. Sie war diejenige, welche die Albin im Curiosum darstellte. <emphasis>Aber ihr Gesicht ist nicht elbenhaft genug. Sie ist eine Frau, die durch einen gl�cklichen Umstand mehr Sch�nheit als andere Frauen ihrer Rasse abbekam.</emphasis></p><p>�Darf ich fragen, wo Ihr gelernt habt, auf diese Weise zu k�mpfen?�, fragte er sie unbek�mmert. Er hob den Arm und deutete auf ihre Waffen, die in schmalen Lederh�llen am breiten G�rtel hingen. �Wie nennt man das? Ich habe dergleichen noch nie gesehen.�</p><p>�Sie hei�en Halbmond und Sonnenstrahl. Ich habe sie mir ausgedacht.�</p><p>�Ihr?�</p><p>Furgas gab ihr einen neuerlichen Kuss. �Sie stellt die Albin in unserem St�ck dar, und wir dachten uns, dass wir den Albae Waffen geben sollten, wie man sie seltener sieht�, erkl�rte er strahlend und stolz auf den Einfallsreichtum seiner Gef�hrtin. �Es dauerte lang, bis wir einen Schmied fanden, der sie anfertigen konnte.�</p><p>�Das glaube ich Euch gern�, meinte Tungdil und gab sich mit der ersten Auskunft zufrieden. Er deutete auf den Steilpfad. �Wir gehen da hinauf, ehe die Bogglins ihren Mut wieder finden.�</p><p>Doch Tungdil dachte sich seinen Teil. <emphasis>Solche Waffen denkt man sich nicht einfach aus, und schon gar nicht beherrscht man sie dann so gut wie Narmora.</emphasis></p><p>In den Gesichtern von Bo�ndal und Bavragor las er, dass sie ebenso dachten wie er. Diese Frau, glaubten sie, war eine echte und herausragende K�mpferin, die sich aus irgendwelchen Gr�nden lieber auf einer B�hne als auf dem Schlachtfeld aufhielt.</p><p>Der Zwerg sah Z�rtlichkeit in den Augen Furgas�, als er die Frau in die Arme schloss. <emphasis>Hat die Liebe zu dem Mann bewirkt, dass sie dem Krieg den R�cken kehrte?,</emphasis> gr�belte er. Bei Gelegenheit w�rde er sie danach fragen. <emphasis>Sicherlich ist sie eine S�ldnerin in Idosl�n oder f�r K�nigin Umilante gewesen. Aber daf�r sieht sie noch sehr jung aus.</emphasis></p><p>Furgas und Narmora halfen dem Schauspieler, aus der �berlangen Hose zu steigen. Go�mgar k�mmerte sich um seine verschreckten Ponys, die w�hrend des Kampfes erstaunlicherweise nicht Rei�aus genommen hatten; Bo�ndil lag noch immer schnarchend �ber dem R�cken des kleinen Pferdes und schlief seinen Rausch aus.</p><p>�H�rt euch den an�, meinte Bavragor. �Er s�gt den Hain nieder.�</p><p>�Ich freue mich schon auf sein Gesicht, wenn er h�rt, dass er ein Scharm�tzel verpasst hat�, sagte Bo�ndal voller Schadenfreude. �Er wird aus Gram kein Bier mehr anr�hren.�</p><p>Wie in einer kleinen Prozession stiegen sie hinauf zum Plateau, von wo aus sie Mifurdania und die Umgebung sehen konnten. Dichter Rauch hing �ber der Stadt, kleine schwarze Punkte wimmelten um sie herum. Es sah nicht so aus, als k�nnten die Verteidiger einen Sieg gegen die Horden N�d�onns erringen. Der bedr�ckende Anblick verdunkelte sogar das sonnige Gem�t des Schauspielers. Narmora stand unbeteiligt am Rand der Steinplattform und betrachtete aufmerksam den Wald unter ihnen, w�hrend Furgas zusammen mit den Zwergen zum Wasser ging, um sich das Blut der Bogglins von den Fingern zu waschen.</p><p>�Wohin gehen wir jetzt?�, erkundigte er sich, als er bemerkte, dass es hier oben keinen weiteren Weg mehr gab.</p><p>�Wieder hinunter, sobald wir etwas aufgeladen haben�, antwortete ihm Tungdil. �Ehe wir nach Mifurdania gingen, haben wir die Geschenke f�r die Ersten versteckt. Sie liegen in einer kleinen H�hle hinter dem Wasserfall.�</p><p>�Sollen wir Euch helfen?�, bot Furgas sich an.</p><p>�Nein, nicht n�tig�, wehrte der Zwerg ab, um zu verhindern, dass sie das Geheimnis der Stollen erkundeten. �Rastet ein wenig, damit Ihr sp�ter Wache halten k�nnt, wenn wir uns ausruhen.� Er nickte ihm zu und kehrte zusammen mit Go�mgar, Bavragor und Bo�ndal in den Schacht zur�ck.</p><p>Es wurde eine elende Plackerei. Sie schufteten Stunde um Stunde, bis die Barren aus Gold, Silber, Palandium, Vraccassium und Tionium nach oben geschafft waren. Die Anstrengungen der Schlacht und der Schlepperei sorgten daf�r, dass sie bei Einbruch der Dunkelheit m�de gegen den Fels sanken und einschliefen.</p><p>Bo�ndil war kurz vor ihrer Nachtruhe aus seinem Rausch erwacht und sch�mte sich sehr � nicht, weil er so viel gesoffen hatte, sondern weil er so wenig vertrug, wie ihm Bavragor unmissverst�ndlich klar machte.</p><p>Die Schauspielertruppe betrachtete er mit �u�erstem Misstrauen und zog es vor, nur wenige Worte mit ihnen zu wechseln. Da er die Schlacht gegen die Bogglins verpasst hatte, konnte er ihren Kampfgeist nicht einsch�tzen, und bis sie ihn nicht ebenso �berzeugten wie die anderen, behielt er es sich vor, unfreundlich zu sein. Rodarios Charme prallte wirkungslos an ihm ab.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Herbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Dein Reich geh�rt uns, Gundrabur�, sagte der Alb, der neben dem Bett des Gro�k�nigs stand. Schw�rze umspielte ihn und machte ihn beinahe unsichtbar. �Wir nehmen es uns einfach � so wie wir uns schon das Reich der F�nften nahmen.�</p><p>�Und du wirst nichts dagegen tun k�nnen.� Ein zweites Albgesicht tauchte aus der Finsternis des Zimmers auf und schaute ihn an. Schwarz t�towierte Symbole, die seine fahle Haut noch mehr betonten, prangten in seinem Gesicht und verliehen ihm ein Furcht einfl��endes �u�eres. �Du wirst tot sein und in der ewigen Schmiede bei deinem Gott Vraccas sitzen und jammern.�</p><p>�Man wird dich vergessen, du schw�chlicher alter Zwerg�, prophezeite ihm ein Dritter, der lautlos aus der Dunkelheit erschienen war und nun zu seinen F��en stand. �Du bist der Gro�k�nig, der in seinen letzten Tagen vieles wollte und nichts davon erreichte.� Er lauschte, die violetten Augen zur Decke gerichtet. Ein helles Pochen ert�nte, ein Mei�el wurde in Fels getrieben. �H�rst du das, Gundrabur? Das sind die Clans der Zweiten. Sie entfernen deinen Namen, weil du ein schlechter Herrscher warst.� Aus einem Mei�el wurden schlagartig tausende; das Klirren und H�mmern fra� sich in Gundraburs Sch�del. �Nichts wird an dich erinnern, dein Zeitalter wird das Namenlose Zeitalter genannt werden, dem die Schmach der Niederlage folgte. Durch deine Schuld, Zwerg. Durch ��</p><p><emphasis>�Gundrabur! Gundrabur!�</emphasis></p><p>Die Albae drehten sich zur T�r um, die aufgesto�en wurde. Helles Licht fiel in den Raum.</p><p>�Wir sehen uns bald wieder�, verabschiedeten sie sich gleichzeitig und verschwanden in einer Schw�rze, die nicht einmal seine Augen zu durchdringen vermochten.</p><p><emphasis>�Gundrabur!�</emphasis></p><p>Der Gro�k�nig schreckte zitternd und mit klopfendem Herzen aus seinem Traum und brauchte lange, bis er sich in der Wirklichkeit zurechtfand. �chzend fuhr er sich mit der Hand durchs Gesicht.</p><p>Auf seinem Bett sa� Balendil�n; er wischte ihm den kalten Schwei� von der Stirn und wrang ihn in die kleine Schale, die auf seinem Bauch stand und gef�hrlich ins Wanken geriet. �Du hattest einen Albtraum�, sagte sein Berater beruhigend und dr�ckte seine Hand.</p><p>�Sie warten auf mich�, fl�sterte Gundrabur erschrocken und sah noch �lter aus als sonst � ein uralter Zwerg, der zwischen den Laken zu versinken drohte. �Und sie haben Recht.� Rasch, aber stockend berichtete er ihm von seinem Traum. �Ich werde dieses Bett nicht mehr lebend verlassen, Balendil�n�, seufzte er. �Dabei wollte ich im Kampf gegen N�d�onn sterben oder wenigstens noch einmal in meinem Leben einem Ork den Sch�del spalten.� Er lachte und hustete gleichzeitig. �Die D�monen wissen, woher diese Schw�che kommt.�</p><p>Auch Balendil�n konnte sich die Ursache f�r Gundraburs Befinden sehr genau denken. Nach dem Genuss des Bieres, das sie im Anschluss an die Unterredung mit Bislipur getrunken hatten, hatte er sich drei Tage lang unwohl gef�hlt, sein Magen hatte gegen jegliches Essen und Trinken aufbegehrt, und er hatte Fieber bekommen. Was er mit seiner gesunden Konstitution einigerma�en gut verkraftet hatte, richtete bei dem betagten Gro�k�nig Verheerendes an.</p><p>Inzwischen hate er in Erfahrung gebracht, dass der Bedienstete, der das Essen gebracht hatte, unterwegs mit Bislipur zusammengesto�en war. Bislipur verstand sich auf das R�nkespiel, als w�re er bei den Kobolden in die Lehre gegangen, doch nachweisen lie� sich ihm nichts.</p><p><emphasis>Mit diesem Giftanschlag hat er eine Stufe erreicht, die ihn zu einem M�rder werden lie�. Zu einem M�rder am h�chsten Herrscher unseres Volkes.</emphasis> Insgeheim schwor sich Balendil�n, ihn bei dem geringsten Beweis f�r seine verbrecherischen Taten anzuklagen, zu verurteilen und hinrichten zu lassen. Und wenn sein Gegner nicht bald einen Fehler beging, w�rde er daf�r sorgen, dass ihm einer unterlief.</p><p>�Ich habe keine Nachkommen und deshalb dich zu meinem Nachfolger ernannt�, sagte Gundrabur schwach. �Du wirst die Clans der Zweiten f�hren und ihnen ein besserer K�nig sein, als ich es war.�</p><p>Balendil�n tupfte ihm die Schwei�perlen von der hohen Stirn. �Du bist ein guter K�nig gewesen�, widersprach er, �und du bist es immer noch.�</p><p>Gundraburs Augen wurden feucht. �Ich m�chte zur Hohen Pforte, wo ich meine besten Schlachten focht.�</p><p>�Das ist kein guter Gedanke. Der Ausflug kann dich in deiner Verfassung umbringen.�</p><p>�Dann ist es Vraccas� Wille, und der Platz wird frei f�r dich!� Er stellte die Sch�ssel zur Seite und richtete sich auf. �Meine Axt, meine R�stung�, befahl er und erhielt mit jedem St�ck der R�stung, das er anlegte, mehr von seiner fr�heren Stattlichkeit zur�ck. Lederwams, ein leichtes, knielanges Kettenhemd, steinschmuckbesetzte Metallverst�rkungen f�r den Hals, die Schultern und die Brust, dazu kamen der Helm und die Handschuhe, eisenverst�rkte Stiefel und Lederhosen. Schlie�lich nahm er seine Axt, deren Stiel bis zur H�fte reichte, und schritt zum Ausgang.</p><p>Die bittenden Worte seines Beraters bewirkten nichts, der Gro�k�nig hatte sich zu seinem Vorhaben entschlossen und war durch die zwergische Beharrlichkeit nicht mehr davon abzubringen.</p><p>Gemeinsam marschierten sie durch die G�nge des Zwergenreiches. Balendil�n st�tzte den Gro�k�nig unterwegs und bei all den kleinen Pausen, die sie nach ein paar Treppenabs�tzen einlegen mussten. Endlich gelangten sie an den Damm, den ihre Vorfahren gegen die Flut der Orks und anderen Bestien errichtet hatten, und stiegen auf den h�chsten Wehrgang.</p><p>Aufst�hnend setzte sich Gundrabur auf das niedere Steinst�ck zwischen zwei Zinnen. Der Schwei� stand in seinem Gesicht, die H�nde und Arme zitterten, aber er machte ein gl�ckliches Gesicht. Als der S�dwind mit seinen wei�en Haaren spielte, die durchsichtig wie d�nne Wolle waren, schloss er die Augen.</p><p>�Bislipur hat etwas in das Bier getan, was mich schw�cht, das denkst du sicher�, sprach er. �Und ich denke, dass du damit Recht hast. Aber auch wenn er mit allen Mitteln k�mpft, werde nicht wie er, Balendil�n, um ihn zu besiegen, sonst wirst du ebenso schlecht und niedertr�chtig.�</p><p>Balendil�n trat neben seinen Herrn und betrachtete ihn. �Was soll ich sonst gegen ihn tun? Bek�mpft man Feuer nicht mit Feuer?�</p><p>�Er wird sich verraten, und dann musst du zur Stelle sein, um seine Falschheit allen vor Augen zu f�hren, damit selbst seine besten Freunde von ihm abfallen. Aber vorher bewahre Schweigen, sonst werden dich die Clans des Vierten einen Schreihals nennen. Wasser l�scht das Feuer gr�ndlicher und hinterl�sst keine verbrannten Stellen, wie es ein Gegenfeuer tun w�rde.� Die tr�ben Augen Gundraburs richteten sich auf ihn. �Sei dieses Mal wie das Wasser, Balendil�n, dem Wohl der Zwerge willen.� Sein Blick schweifte �ber den breiten Graben, in dem die verrotteten Gebeine zahlloser Bestien lagen. �Kein Ork kam w�hrend meiner Regentschaft auf diese Seite�, murmelte er, und ein wenig Stolz schwang in seiner Stimme mit. �Wir haben das Geborgene Land vor den Ausgeburten Tions bewahrt. Nun retten wir es vor der Bedrohung von innen heraus.�</p><p>Er schwieg eine Weile, lie� den Anblick der majest�tischen Felsen auf sich wirken und sog den Abendwind pr�fend ein.</p><p>�Hast du sie mir geschickt, mein treuer Freund?�, raunte er dankbar. �Wolltest du mir die Gelegenheit geben, wie ein Krieger zu sterben?� Er hob die Axt und pr�fte ihre Sch�rfe mit dem Daumen.</p><p>Im gleichen Moment schlugen die Wachen auf den Zinnen Alarm: Die sich n�hernden Ungeheuer waren bemerkt worden. Dr�hnende H�rner riefen die Zwerge zu den Waffen, die T�ren der Festung flogen auf, die am Wall stationierten Krieger verlie�en ihre Unterk�nfte und eilten die Treppen zu den Wehrg�ngen hinauf.</p><p>Balendil�n betrachtete das immer j�nger wirkende Gesicht seines K�nigs. Der Geruch der verhassten Orks trug das Feuer in seine Lebensesse zur�ck, machte die Hand um den Griff fest und die Augen klar. <emphasis>Ein Wunder!</emphasis></p><p>�Lass die Br�cke ausfahren�, befahl Gundrabur und sprang auf. Die Beine, die eben noch unter der Last des Kettenhemds gezittert hatten, trugen ihn mit Leichtigkeit, und er schien um einige Fingerl�ngen gewachsen zu sein. �Ich m�chte sehen, ob die Orks immer noch so wenig taugen wie zu meinen gro�en Zeiten und ob sie ein alter Zwerg in die Flucht schlagen kann.�</p><p>Als das Tor sich hob, die St�tzpfeiler aus dem Boden des Grabens fuhren und sich die ersten Steinplatten zu einem Weg verbanden, der �ber die Schlucht f�hrte, formierten sich f�nfhundert Zwerge zu einer Eskorte f�r ihren Gro�k�nig.</p><p>Balendil�n unternahm einen letzten Anlauf. �Du wirst dabei sterben, Gundrabur. Ich bitte dich ��</p><p>Der alte Zwerg legte ihm die Hand auf die Schulter, danach reichte er sie ihm und dr�ckte sie kr�ftig. �Ich will sterben, mein treuer Freund, ehe ich am Gift dahinsieche. Bislipur wird nicht die Genugtuung bekommen, mich heimt�ckisch umgebracht zu haben�, raunte er ihm zu und umarmte ihn lange. �Mein Tod wird ruhmreich sein, wie es sich f�r einen unseres Volkes geb�hrt. Man wird sich mit Achtung daran erinnern.� Er l�ste sich von seinem Freund und Berater. �Die ersten zehn Orks, die durch mich fallen, sind f�r deinen verlorenen Arm. Lebewohl, Balendil�n. In der Schmiede von Vraccas sehen wir uns wieder�, lachte er ihm zu und wandte sich um. �Ihr Krieger aus dem Stamm Bero�ns!�, rief er laut. Die W�nde der Festung warfen seine Stimme zur�ck und trugen sie noch weiter. �K�mpft mit mir und verteidigt unser Reich und das Geborgene Land!�</p><p>Die Zwerge brachen in Jubelrufe aus und freuten sich, dass der Gro�k�nig an ihrer Seite gegen die Orks zog, denn sie ahnten nichts von seinem heimt�ckisch beigebrachten Leid.</p><p><emphasis>Wir sehen uns wieder.</emphasis> Balendil�n schn�rte es die Kehle zu, als er seinem Freund hinterherschaute, wie er erhaben durch das Tor schritt, die Br�cke entlang, gedeckt von dem Feuer der Armbrustsch�tzen und Katapulte, bis er und seine Krieger auf die ersten Reihen der Bestien trafen, um den Nahkampf zu beginnen.</p><p>Es dauerte lange, bis der Schreckensruf erschallte, dass Gundrabur gefallen sei. Im gleichen Augenblick beschloss Balendil�n entgegen des Ratschlags des Gro�k�nigs, Feuer zu sein und Bislipur zu t�ten. <emphasis>Es lag nicht in unserer Natur, Wasser zu sein,</emphasis> dachte er grimmig. <emphasis>Wir lieben das Feuer.</emphasis></p><empty-line/><p>Am f�nften Tag nach dem Tod des Gro�k�nigs ruhten die Gesch�fte im Reich der Zweiten noch immer. Die Zwerge aller Clans versammelten sich zu tausenden in der riesigen Halle der Trauer, deren S�ulen unendlich weit nach oben zu ragen schienen.</p><p>In der Mitte stand der Steinsarkophag, den die besten Steinmetzen des Stammes angefertigt und mit den sch�nsten Gravuren versehen hatten, welche die Taten Gundraburs r�hmten und vor allem nicht die letzte, siegreiche Schlacht gegen die Orks an der Hohen Pforte verga�en.</p><p>In den Deckel war das vollkommene, wenn auch jugendlichere Ebenbild des Zwergs eingemei�elt worden, ein Gundrabur aus Marmor, in seiner besten R�stung, die Finger um den Stiel seiner Axt gelegt.</p><p>Er war erh�ht aufgebahrt worden, damit man ihn auch in der letzten Reihe und aus weiter Entfernung erkennen konnte. D�nne Sonnenstrahlen fielen durch die Licht�ffnungen des Berges aus allen vier Himmelsrichtungen auf ihn und tauchten ihn in einen �berirdischen Glanz.</p><p><emphasis>Die Zeit des Abschieds.</emphasis> Ein ernster Balendil�n schritt die Stufen zum Sarkophage hinauf, n�herte sich dem Fu�ende und blieb davor stehen. Er kniete nieder, und seine Stirn senkte sich, um dem Gefallenen den schuldigen Respekt zu erweisen. Danach erhob er sich und schaute gefasst �ber die Menge der Zwerge, deren Oberhaupt er jetzt sein sollte.</p><p>�Er hat die Feinde an der Hohen Pforte gerochen, ehe die Wachen sie ersp�hten. Er hat unsere Feinde immer vor allen anderen erkannt und uns vor ihnen bewahrt�, rief er laut. Unwillk�rlich schaute er zu Bislipur, der sich mit den Clans der Vierten am Rand der Versammlung aufhielt, es sich aber nicht erlauben konnte, bei der Bestattung Gundraburs abwesend zu sein. �Unser K�nig geht, ehe er seinen Traum von einer erstarkten Gemeinschaft der St�mme unseres Volks in die Tat umsetzen konnte, aber er begann etwas Neues, etwas Gro�artiges. Ich schw�re bei Vraccas dem g�ttlichen Schmied, dass seine Ziele nun meine Ziele sind und ich nicht eher ruhen werde, bis ich sie erreiche.�</p><p>Die Versammelten bekundeten ihre Zustimmung, indem sie mit den Stielen ihrer �xte gegen den Boden stie�en. Ein unterirdisches Gewitter rollte durch den Berg.</p><p>Mehr Worte brachte er nicht heraus, denn die Trauer schn�rte ihm die Kehle zu. So ging er zum Kopfende des Steinsargs, wo er die Stirn des Abbilds k�sste, noch einmal sein Knie beugte und hinabstieg.</p><p>F�nfzig Tr�ger eilten herbei, schoben lange Stangen in die unauff�llig angebrachten �sen des Sarkophags und hoben ihn auf ein Kommando hin an. Sie trugen ihre Last schweigend die Treppen hinab und schritten durch die Halle, sodass die Zwerge sich ein letztes Mal vor dem toten Herrscher verbeugen konnten, ehe er in die Halle der K�nige gebracht wurde.</p><p>Hinter dem Sarg ging Balendil�n, der eine Nacht lang allein Wache bei dem K�nig halten w�rde. Wenn er am n�chsten Morgen aus der Grabkammer zur�ckkehrte, w�rde er die Krone der Zweiten tragen und eines Tages neben Gundrabur seine Ruhe finden.</p><p>Aus den Augenwinkeln heraus nahm er wahr, dass sich Bislipur in die erste Reihe schob. Seine Augen musterten ihn, als wollte er seine Gedanken ergr�nden, um zu wissen, was ihm von ihm drohte. <emphasis>F�rchte dich vor mir, Bislipur. Du entkommst der gerechten Rache nicht.</emphasis> Balendil�n schaute unverwandt nach vorn und tat so, als h�tte er den kr�ftigen Zwerg gar nicht bemerkt.</p><p>Die Tr�ger erreichten die Halle der K�nige und platzierten den Sarkophag auf dem vorgesehenen Basaltpodest. Das neue Lichtloch hoch oben in der Haut des Berges war geschlagen worden, sodass die Sonne des Geborgenen Landes das steinerne Antlitz Gundraburs beleuchtete.</p><p>Die Zwerge verlie�en den weitl�ufigen Raum, in dem sich die sterblichen �berreste der K�nige des Stammes befanden, sechsundzwanzig an der Zahl.</p><p>Balendil�n begab sich an das untere Ende, stellte seine Axt mit dem Griff voran auf den Boden und legte seine Rechte auf den Kopf der Waffe. Seine Augen richteten sich auf die steinernen Z�ge seines Freundes und Herrschers. <emphasis>Lebewohl, Gundrabur.</emphasis> Er wurde selbst zu Stein, sp�rte die Zeit nicht mehr. Seine Gedanken verloren sich beim Anblick des Sarkophages im Nichts, sein Verstand leerte sich v�llig und trieb auf den Wogen des Kummers dahin.</p><p>Gelegentlich bildete er sich ein, dass Stimmen zu ihm wisperten, die Geister der anderen, aber er verstand sie nicht.</p><p>Die Legenden der Zweiten wussten zu berichten, dass die Seelen der verstorbenen K�nige aus der Schmiede von Vraccas kamen und ihre Nachfolger genau pr�ften, weil sie sich vorbehielten, k�nftige K�nige auf ihre Art abzulehnen. Es hatte Thronanw�rter gegeben, die hinter den Toren der Halle geblieben waren und nie mehr gesehen wurden.</p><p>Ihm blieb dieses Schicksal erspart.</p><p>Als er am n�chsten Morgen wie ger�dert, m�de und ersch�pft durch das Tor trat, wurde er von der gleichen Menge Zwerge mit einer Verbeugung und dem Trommeln der Axtstiele empfangen. Sie begr��ten ihren neuen K�nig, man reichte ihm malziges Bier, Brot und Schinken zur raschen St�rkung.</p><p>Balendil�n nahm kleine Bissen, sp�lte sie mit Bier hinunter und erklomm das Podest, auf dem zuvor der Sarg Gundraburs gestanden hatte.</p><p>�Ich wollte dieses Amt nicht�, sagte er laut und deutlich. �Gern h�tte ich Gundrabur nochmals einhundert Zyklen oder mehr auf dem Thron gesehen und ihm treu gedient, aber es ist anders gekommen. Der Hammer Vraccas� traf unseren K�nig, nachdem er vierzehn Orks abschlachtete und von vier Pfeilen getroffen wurde.� Er schaute �ber die Menge. �Doch er hat mich als seinen Nachfolger ernannt, und so frage ich euch: M�chtet ihr mich als neuen K�nig?�</p><p>Ein lautes �Ja� schallte ihm von allen Seiten entgegen, wieder pochte Holz auf Stein, dann riefen sie seinen Namen, und ihm lief vor Ergriffenheit ein Schauder �ber den R�cken.</p><p>�Ihr habt gew�hlt. Lasst uns Gundrabur niemals vergessen und seinen Traum in die Tat umsetzen�, rief er ihnen zu. �Der Schutz des Geborgenen Landes ist unsere gemeinsame Aufgabe, gleich welcher Stamm und Clan.� Er suchte Bislipur in der Menge und fand ihn dort, wo er gestern schon gestanden hatte. �Komm zu mir!�, bat er und streckte die Hand einladend aus.</p><p>Verdutzt machte der Zwerg sich auf, erklomm hinkend das Podest und gr��te den neuen K�nig mit einem Kopfnicken. Die kalten braunen Augen schauten verunsichert.</p><p>�Unsere St�mme haben keinen Gro�k�nig mehr, und die beiden Zwerge, von denen einer das Amt bekleiden wird, befinden sich auf ihrer letzten Pr�fung. Es ist kein Geheimnis, dass Bislipur und ich Gegner in unseren Anliegen sind. Bis einer der beiden Anw�rter zur�ckkehrt, gelobe ich, unseren Streit zu beenden, damit das Verh�ltnis zwischen unseren St�mmen nicht vergiftet wird und es vielleicht sogar zu einer Feindschaft kommen kann.� Er reckte sich. �Bedenkt: Jeder Zwist zwischen uns Zwergen st�rkt das B�se. Was immer auch der n�chste Gro�k�nig befehlen wird, wir werden ihm gehorchen und ihm folgen.� Balendil�n hielt seinem Gegen�ber die offene Hand hin. �Teilst du meine Ansicht?�</p><p>Bislipur konnte nicht anders, er musste einschlagen, aber wirkte dabei keinesfalls gedem�tigt oder w�tend, und das wiederum machte den K�nig stutzig.</p><p>�Ich schw�re, dass ich wie du meine �berzeugungsreden im Rat der St�mme einstelle, bis einer von den beiden Anw�rtern zur�ckkehrt�, wiederholte er die Worte deutlich. �Wir wollen Verschiedenes, aber wir haben denselben Feind: das B�se. Es zu vernichten, gleich in welcher Gestalt es daherkommt, war und wird die Aufgabe unseres Volkes sein.�</p><p>Die Zwerge jubelten den beiden zu, die sich die H�nde sch�ttelten und fest in die Augen schauten. Keiner sah, dass sich ihre Blicke einen ewig w�hrenden Eid der Feindschaft leisteten.</p><p>�Damit ihr seht, wie ernst es mit meinem Eid ist, schlage ich vor, dass wir den Kampf gegen das B�se gleich beginnen�, sprach Bislipur. �K�nnen wir zulassen, dass die Orks vor den Toren von Ogertod morden und brandschatzen?� Er wandte sich den Zwergen zu. �Ich sage nein!�</p><p>Die lauten Rufe gaben ihm Recht und die Gewissheit, dass sie genauso empfanden wie er.</p><p>�Ich habe eine Gesandtschaft durch die Tunnel zu den Clans der Vierten in den Norden geschickt, damit sie mit f�nftausend unserer besten Krieger zur�ckkehren�, er�ffnete er dem �berrumpelten Balendil�n und der Versammlung. �Die Clans der Vierten und der Zweiten werden die Gegend von Orks befreien. Gemeinsam!� Er hob die Arme und riss seine Doppelkopfaxt in die H�he; glei�end reflektierte sie das Sonnenlicht. �Geben wir Gundrabur ein St�ck seines Traumes von einem Geeinten Zwergenheer!�</p><p>Sie jubelten ihm zu und trommelten ihre Begeisterung heraus, dass der Granit erbebte.</p><p><emphasis>Du Bastard.</emphasis> Balendil�n machte gute Miene zum b�sen Spiel. <emphasis>Ich wei�, was du in Wirklichkeit beabsichtigst,</emphasis> dachte er, w�hrend er das harte Gesicht Bislipurs musterte. <emphasis>Du holst dir dein Heer, um dich gegen mich abzusichern. Oder strebst du nun selbst nach dem Thron des Gro�k�nigs, um deinen Elbenkrieg durchzusetzen?</emphasis></p><p>Bislipur wandte sich ihm zu, seine Augen blickten eisig, erbarmungslos. �Die Jagd wird bald er�ffnet, K�nig Balendil�n�, versprach er ihm und schritt die Stufen hinab. Er lie� offen, wer das Opfer seiner Hatz sein w�rde.</p></section><section><title><p>II</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zauberreich Oremaira, im Sp�therbst des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Nach einer kalten, vorwinterlichen Nacht beluden sie am n�chsten Morgen die Ponys mit den Barren und brachen in Richtung Westen auf. Von der Stadt stiegen keine Qualmwolken mehr gen Himmel; die H�user waren verlassen, die dunklen Punkte lagen ruhig vor den Mauern und regten sich nicht mehr. Jeder Fleck bedeutete eine Leiche, und die Ebene um Mifurdania hatte sich schwarz gef�rbt.</p><p>Tungdil hasste die Orks und N�d�onn mehr denn je. <emphasis>Gutenauen, Mifurdania, unz�hlige D�rfer, Geh�fte und Weiler, das halbe Geborgene Land steht in Flammen.</emphasis> In der Ferne, in Richtung Nordwesten, stieg eine Staubwolke auf; dort musste das Orkheer ziehen. <emphasis>Ich gebe niemals auf.</emphasis></p><p>Unterwegs a�en sie getrocknetes Obst und Brot, was die Zwerge nur mit Widerwillen hinabw�rgten, aber es gab nichts anderes mehr. In ihrer Eile hatten sie vers�umt, in Mifurdania neuen Proviant zu beschaffen, und zur�ck wollte keiner mehr. Immerhin fand Go�mgar unterwegs ein paar Pilze, die sich die Zwerge roh g�nnten.</p><p>�Sollen wir sie tats�chlich mit in die R�hren nehmen?� Bo�ndil warf einen Blick �ber die Schulter nach hinten, wo die drei Menschen liefen.</p><p>�Warten wir ab, was wir nach achtzig Meilen vorfinden�, sagte Tungdil. �Vielleicht gibt es den Eingang nicht, und wir m�ssen weiterhin laufen.�</p><p>�Dann bin ich daf�r, dass wir Ponys f�r alle kaufen�, meldete sich Go�mgar.</p><p>�Es schadet deinen d�nnen Beinchen gar nichts, wenn du sie gebrauchst�, sagte Ingrimmsch geringsch�tzig. �Selbst das Menschenweib ist st�rker als du. Streng dich an und benimm dich wie ein Kind des Schmieds.�</p><p>Nach zwei Sonnenuml�ufen in str�mendem Regen gelangten sie in eine Ebene, die n�rdlich von Bergen ums�umt wurde. Tungdils Karte nannte die Erhebungen �K�nigssteine�, und zu ihren F��en lag die Stadt K�nigsstein. Der Zwerg erinnerte sich, dass er von dem Protz der Stadt in Lot-Ionans B�cher gelesen hatte. Hier unterhielten die meisten niederen Adligen des K�nigreichs Weyurn kostspielige H�user und kleine Pal�ste. Nicht, weil die Luft besonders gut war, sondern des Prestiges und der B�lle wegen.</p><p>�Wir kaufen Ponys und reisen weiter�, verk�ndete er, w�hrend sie auf die Tore von K�nigsstein zumarschierten. �Aber wir gehen nicht bis zum Kern der Stadt, wo die Reichen ihre Behausungen errichtet haben. Unseren Proviant und die Tiere sollten wir auch in den einfacheren Vierteln bekommen.�</p><p>��u�erst bedauerlich�, meinte Rodario n�selnd und ahmte den blasierten Tonfall eines Adligen nach. �Da lebte man in Nachbarschaft zu den Reichen und hatte doch niemals die Gelegenheit, einen Abstecher nach K�nigsstein zu t�tigen.� Es beruhigte ihn, die massiven Mauern und zahlreichen Soldaten zu sehen. Diese W�lle boten ausreichend Schutz vor den Gr�n- und Schwarzh�uten. �Wir k�nnten ein kleines improvisiertes Gastspiel geben�, richtete er sich mit blitzenden Augen an seine beiden Begleiter. �Ein Stegreiftheater, wie w�re es? Mit dem bescheidenen Lohn f�llen wir unsere leeren Beutel, damit wir nicht l�nger Hunger darben.�</p><p>�Kannst du auch normal sprechen?�, knurrte Ingrimmsch und fuhr sich �ber die stoppeligen Kopfseiten; eine Rasur wurde dringend notwendig.</p><p>�Ich spreche, wie mir es passt, Herr Zwerg�, gab der Schauspieler gekr�nkt zur�ck. �Es gibt Wesen, die beherrschen mehr Ausdrucksm�glichkeiten als Grummeln, Knurren und R�lpsen. Warum sollte ich meine Bildung verhehlen, wenn Ihr das Fehlen nicht hinterm Berg haltet?�</p><p>�Ich bin gespannt, was dir das Geschw�tz gegen eine Schweineschnauze einbringt�, murmelte der Zwergenkrieger geh�ssig.</p><p>Bo�ndal dagegen wollte wissen, wie er den Flammenstrahl gegen die Bogglins zum Einsatz bringen konnte.</p><p>Rodario strahlte. �Das hat sich Furgas ausgedacht, es ist ein R�hrchen voller leicht brennbarer B�rlappsamen, die ich �ber einen glimmenden Docht aus dem falschen Bestienkopf blase, und schon speit es Feuer.� Er wickelte seinen �rmel auf. �F�r meine Auftritte als Magus gibt es das auch noch in der kleineren Variante. Ich habe ein R�hrchen am Unterarm befestigt. Das eine Ende mit dem kleinen Feuerstein zeigt nach vorn, am anderen Ende ist ein kleiner Lederbeutel, der mit Luft und B�rlappsamen gef�llt ist.� Er gestikulierte wild, um seine Beschreibung anschaulicher zu machen. �Wenn ich auf den Beutel dr�cke, schie�en die Samen vorne heraus. Gleichzeitig wird durch das Dr�cken ein Schn�rchen bet�tigt, der Feuerstein wird nach hinten gezogen, ein Funken spr�ht und entz�ndet die herausfliegenden Samen.� Seine H�nde t�uschten die Bewegungen eines Feuerballs nach. �Fertig ist die Zaubermacht und mit ihr das magische Feuer.�</p><p>Bo�ndal hatte aufmerksam zugeh�rt, dann schenkte er Furgas einen anerkennenden Blick. �Eine pfiffige Erfindung.� Der Magister technicus bedankte sich mit einem Kopfnicken.</p><p>Vor dem Tor stauten sich die Karren und Wagen von H�ndlern und Fl�chtlingen, die dem Inferno von Mifurdania entkommen waren.</p><p>Die Gardisten untersuchten die Ladungen und hielten genau fest, was die Kaufleute und Bauern nach K�nigstein brachten; danach zogen sie Zoll von ihnen ein. Das blieb auch den Zwergen nicht erspart, und sie verloren etliche M�nzen an die Beamten. Dar�ber hinaus durften sie als Fremde nur in die einfachen Stadtgebiete vordringen und erhielten genaue Anweisungen, wo sie �bernachten sollten.</p><p>So marschierten sie eine steile, enge Stra�e hinauf und bogen in eine Gasse ein, durch die gerade einmal ein Mensch passte. Die oberen Stockwerke der Fachwerkh�user r�ckten so dicht zusammen, dass ihre W�nde einander fast ber�hrten. Das Tageslicht fiel nur sp�rlich auf das unebene Pflaster. Die Zwerge f�hlten sich sogleich an einen Stollen erinnert, nur stank es unter der Erde nicht nach Abwasser und F�kalien. Ein Schild ragte von der Wand mitten ins G�sschen, auf das ein tanzendes Pony gemalt worden war; sie hatten die Kneipe gefunden.</p><p>Angewidert kramte Rodario in seinem nassen Mantel und holte ein Tuch hervor, das er sich vor Mund und Nase hielt.</p><p>�Bei allem Respekt, aber hier residiere ich gewiss nicht�, bekundete er, und auch Furgas und Narmora stand Abscheu ins Gesicht geschrieben. �Ich sage Euch, was wir machen: Wir suchen uns eine f�r uns angenehmere Bleibe und treffen uns morgen fr�h wieder am Tor, einverstanden? Bis dahin kann ein jeder von uns seiner Wege gehen. Meine Truppe und ich geben in einer Kneipe eine Vorstellung. Ist das ein akzeptabler Vorschlag?�</p><p>Ingrimmsch nickte sofort, weil er froh war, den Schw�tzer loszusein.</p><p>Der Mime machte auf dem Absatz kehrt. Seine leuchtend bunten Gew�nder flatterten im Wind, und wenn er seinen Seesack nicht geschleppt h�tte, w�re er dem Bild eines Adligen wirklich sehr nahe gekommen. Narmora und Furgas folgten ihm; schmatzend l�sten sich ihre Stiefel aus dem stinkenden Schlamm der Stra�e.</p><p>�Um ehrlich zu sein, ich finde es auch nicht besonders einladend�, meldete sich Go�mgar und sp�hte in das Str��chen.</p><p>�Du hast die Garde geh�rt. Wir sollen hier absteigen.� Bo�ndal nahm die Ponys und f�hrte sie in den Stall, w�hrend die vier auf den Eingang zusteuerten. �Ich passe auf sie und unsere Barren auf. Im Stall sind sie sicherer als im Zimmer, nehme ich an. Wenn ihr mein Horn h�rt, kommt mir zu Hilfe.�</p><p>�Einverstanden. Wir lassen dir Essen bringen.� Tungdil dr�ckte die T�r auf und fand sich in einer Kaschemme wieder, in der die Rauchschwaden vom Kamin und den Pfeifen einen beinahe undurchdringlichen Dunstvorhang bildeten; der Schlot zog offensichtlich nicht so, wie er sollte. Sie schritten an den G�sten vorbei zu einem Tisch neben dem Kamin und reckten die nassen Schuhe hin zum Feuer.</p><p>�Wenigstens haben wir ein Dach �ber dem Kopf�, verk�ndete Go�mgar etwas vers�hnter. �Ich hasse Regen.� Stumm stimmten ihm die Zwerge zu, denn nass wurden sie in ihren steinigen Reichen nur, wenn sie es wollten, und das war selten genug. �Nur � es h�tte ein wenig angenehmer sein k�nnen.�</p><p>Tungdil war die Umgebung egal, solange kein Regen durchs Dach kam. Nach wenigen Lidschl�gen sp�rte er die W�rme, die langsam in das Leder kroch, schloss die Augen und seufzte wohlig. Die Gespr�che wurden undeutlicher, w�hrend die M�digkeit seinen Verstand �bermannte und ihn zum D�sen brachte. �Habt Ihr ein Zimmer f�r uns, das warm und trocken ist?�, fragte er den Wirt, als der ihnen auf Bavragors Wunsch hin Bier und Essen brachte.</p><p>�Sicher�, nickte er. �Folgt mir.� Der Mann ging voran, und die Zwerge schnappten sich ihre Sachen und das restliche Essen. Auf die Gesellschaft der wenig vertrauensw�rdig aussehenden Menschen im Schankraum verzichteten sie gern.</p><p>Der Kr�ger lotste sie in eine Dachkammer, durch die der Schlot des Kamins f�hrte. Der gemauerte Abzug strahlte enorme W�rme ab und heizte den Raum. �Noch ein Bier?� Bavragor nickte.</p><p>Sie hingen die nassen Kleider mithilfe eines Taus um den Kamin. Bo�ndil warf sich sein Kettenhemd �ber den blanken Oberk�rper und stapfte nach drau�en, um seinen Bruder als Stallwache abzul�sen.</p><p>Nachdem Bo�ndal zu ihnen gesto�en war, stellte Tungdil die Stiefel zum Trocknen an das warme Mauerwerk, kletterte in das schlichte Bett und deckte sich zu. �Ich werde nach dem Mittagsschl�fchen die Stadt erkunden und mich nach den Clans der Ersten umh�ren�, sagte er. �Wir brauchen jeden Hinweis auf sie, damit wir wissen, was uns dort erwartet.�</p><p>�Die Zeit des langen Schweigens kann alles M�gliche bedeuten�, befand Bavragor, w�hrend er den Humpen schwenkte und dem Bier beim Tanz zusah. �Ob es sie �berhaupt noch gibt?�</p><p>�Es werden solche Griesgrame sein wie du�, zog ihn Bo�ndal mit einem Augenzwinkern auf und legte sich in Unterw�sche und Kettenhemd in die Kissen.</p><p>Der Steinmetz trank das Bier, r�lpste und leerte die Platte vom letzten Kr�mel, den der Zwilling ihm gelassen hatte. �Ich bin sehr neugierig auf die Ersten�, gestand er und stopfte sich die Pfeife. �Ich bete zu Vraccas, dass mit ihnen alles in bester Ordnung ist.�</p><p>Tungdil schaute zu den rissigen Deckenbalken auf. Die feinen Linien erinnerten ihn an die Begegnung mit dem Alb und den Spr�ngen, die sein Antlitz erhalten hatte. �Er kannte meinen Namen.�</p><p>�Was, Gelehrter?�, machte Bo�ndal im Halbschlaf.</p><p>�Der Alb kannte meinen Namen�, wiederholte Tungdil bedr�ckt. Unwillk�rlich tastete er nach dem Halstuch Fralas, es gab ihm Halt und bedeutete Gutes, Vertrautes. �Ich bin bekannter als ich annahm.�</p><p>�Das B�se f�rchtet sich vor einem Zwerg�, lachte Bavragor leise und steckte die Pfeife an. Bald roch es im Zimmer nach Tabak, der mit einer Spur Branntwein verfeinert worden war, und es roch nicht einmal schlecht. �In meinen Ohren klingt das gut.�</p><p>�Ich verstehe deine Sorge. Mir w�re auch nicht wohl, wenn ich w�sste, dass die Albae nach mir suchten und dabei genau wissen, wie ich aussehe�, meinte Go�mgar mitf�hlend.</p><p>�Du bist ja auch ein Feigling�, kam es Bavragor schneller �ber die Lippen, als er wollte.</p><p>�Leg dich hin, ehe du noch mehr dummes Zeug von dir gibst�, wies ihn Tungdil zurecht. <emphasis>Sie geben keine Gelegenheit, Frieden entstehen zu lassen.</emphasis></p><p>Go�mgar schaute ihn kurz an, ehe er Kurzschwert und Schild in die Hand nahm und sich so auf sein Bett setzte, dass er das Fenster und die T�r gleichzeitig im Auge behielt.</p><p>Der Thronanw�rter dachte dar�ber nach, ob Go�mgar zum Schutz aller oder in erster Linie zu seinem eigenen Wohl die Augen offen hielt und die erste Wache �bernahm, und w�hrend sein Verstand noch arbeitete, schlief er ein.</p><empty-line/><p>Es war bereits dunkel, als Tungdil erwachte.</p><p>Seine Kleidung und sein Schuhwerk waren trocken wie schon lange nicht mehr. Die anderen drei Zwerge schliefen, Go�mgar lehnte mit dem Kopf an der Wand und schnarchte mit. Der Schild verdeckte ihn bis zur Nasenspitze.</p><p>Er beschloss, sich um die Ponys und den Proviant zu k�mmern, schl�pfte in die noch warmen Kleider und das trockene Leder, warf sich das Kettenhemd �ber und klemmte seine Axt in den G�rtel. Das wertvolle St�ck Sigurdazienholz lie� er dieses Mal im Zimmer. Dann ging er die Stiegen zum Schankraum hinunter, gab dem Wirt rasch Bescheid, dass er seinen Freunden ausrichten sollte, er w�re in ein paar Stunden wieder zur�ck, und trat hinaus.</p><p>Es regnete immer noch. Kalt wehte der stinkende Wind durch die engen Gassen. Die sch�bige Unterstadt lie� nichts von dem Prunk ahnen, der weiter oben herrschte. <emphasis>Ganz oben hocken die Reichen, unten leben die �rmeren vor sich hin und bewundern und hassen die, die �ber ihnen thronen und sich alles leisten k�nnen.</emphasis></p><p>Mehrmals musste er sich gegen aufdringliche Bettler wehren; zwei alte, verlebte Dirnen machten sich �ber ihn lustig und fragten, ob alles so klein und haarig an ihm w�re.</p><p>Tungdil ignorierte sie, denn sie zogen sein Bild von der romantischen Liebe, wie er es aus den B�chern oder von Frala und ihrem Mann kannte, in den Schmutz. Er ber�hrte ihr Halstuch und dachte wiederum an sie. Dass er sie und seine Patenkinder nicht mehr wieder sehen w�rde, schmerzte mehr als der Tod Lot-Ionans. So gern h�tte er auf Sunja und Ikana Acht gegeben.</p><p>Seine Stimmung sank, und der Regen und die grauen Wolken, die ganze Trostlosigkeit K�nigssteins machten es nicht besser. Weitab von ihrer zweifelhaften Herberge fand er einen Pferdeh�ndler, der ihm die notwendige Anzahl von Ponys verkaufen wollte, doch dazu sollte er morgen noch einmal vorbeischauen. Bei einem Kr�mer bestellte er Proviant f�r die weitere Reise und erstand einen Kuchen, weil ihn der Anblick zu sehr lockte. Die Obstschnitze, die aus dem aufgegangenen braunen Teig hervorschauten, machten ihn hungrig. Hier und da hatten sich in der d�nnen, goldgelben Schicht aus Zimtbutterstreuseln leckere Kl�mpchen gebildet, und die darunter gemischten Rumrosinen schauten als dunkle Punkte hervor. Tungdil musste schlucken und kaufte ihn ganz, um ihn mit in die Herberge zu nehmen. Vielleicht schaffte es der Kuchen, seine schlechten Gedanken zu vertreiben.</p><p>Als es in der Stadt stockdunkel geworden war, machte er sich zusammen mit seinem dick eingepackten Kuchen auf den R�ckweg. Mit widerlichen Ger�uschen hoben sich seine Stiefel aus dem Schlamm und Unrat; der Regen verwandelte den ungepflasterten Teil der Stra�e in eine schmierige Matschfl�che.</p><p><emphasis>Wie kann man nur freiwillig in so einer Stadt leben?</emphasis> Nat�rlich rutschte er aus. Sein rechter Fu� glitt in aufgeweichtem Pferdedung aus, er stolperte vorw�rts und st�tzte sich mit einer Hand ab, um nicht ganz in den Dreck zu fallen. Der Kuchen entkam dem Schlammbad nur um Haaresbreite. <emphasis>Ein Stollen oder ein Gebirge sind mir tausendmal lieber.</emphasis></p><p>Ein scharfer Wind zischte an seinem Kopf vor�ber und streifte sein linkes Ohrl�ppchen. Ein brennender Stich lie� ihn vor �berraschung und Schmerz aufschreien. Er tastete nach seinem Ohr und f�hlte warmes Blut an seinem Hals hinablaufen.</p><p>Tungdil wirbelte herum, die Axt flog in seine freie Hand. �Ihr werdet mir meine B�rse und meinen Kuchen �� Er verstummte. <emphasis>Sie haben uns gefunden!</emphasis></p><p>Am Ende der Gasse stand der Alb, der ihm in Mifurdania beinahe den Hals durchgeschnitten h�tte; sein Umhang wehte im stinkenden Gossenwind. Ein zweiter Pfeil lag auf der Sehne seines gro�en Bogens, und die Finger gaben ihn in ebendiesem Augenblick frei.</p><p>Etwas Gro�es flog seitlich heran. Tungdil sah lilafarbenes Leuchten und eine gl�nzende Fratze aus Silber, dann erhielt er einen unglaublich harten Sto�, der ihn kopf�ber in die n�chste Seitenstra�e schleuderte. Er fiel in den Matsch und rutschte vier Schritte weit, eine breite Spur hinter sich her ziehend.</p><p><emphasis>Was</emphasis> � Benommen rollte er sich auf den R�cken, zog die Axt heran und rechnete damit, dass der Alb erschien, um ihn zu t�ten, doch es tat sich nichts. St�hnend richtete er sich auf. Br�unlicher Schlamm hatte sich in den kleinsten Ring seines Kettenhemds gedr�ckt. Er sah aus wie ein Schwein, das sich gesuhlt hatte.</p><p>Vorsichtig pirschte er um die Ecke. Die Gasse war bis auf den Kuchen leer, die wenigen Spuren wurden vom starken Regen verwaschen. Alles, was er fand, war ein schwarzer Albaepfeil und eine seltsame grellgelbe Fl�ssigkeit, die sich mit dem Wasser mischte.</p><p><emphasis>Wieso hat er mich verschont?</emphasis> Sein Ohrl�ppchen brannte. <emphasis>Und wer hat mich gerettet? Es f�hlte sich an wie eine Wand, die mich fortgeschleudert hat.</emphasis> Er versuchte, sich genauer zu erinnern. <emphasis>Wenn ich nicht w�sste, dass Djer&#x16F;n �</emphasis></p><p>Eilig und um den leckeren Kuchen trauernd, lief er zur�ck zu ihrer Unterkunft. Dabei hatte er seine Augen �berall, um nicht doch noch dem Anschlag eines Albs zum Opfer zu fallen. Er fegte in das Wirtshaus und rannte ins obere Stockwerk, wo sich Bo�ndal gerade anzog und zu einem Ausflug bereit machte.</p><p>�Was ist passiert, Gelehrter?�, wollte er sofort wissen. �Du hattest einen abwechslungsreichen Abend, wie ich sehe.�</p><p>�Auf den ich h�tte verzichten k�nnen.� Rasch berichtete Tungdil von dem Zusammentreffen mit dem Alb und der r�tselhaften Rettung.</p><p>�Wir m�ssen morgen sofort verschwinden.� Bo�ndal sah sehr besorgt aus. �Wie bist du auf den Gedanken gekommen, allein durch eine fremde Stadt zu gehen, Gelehrter? Denkst du, dein Wissen und deine Axt sch�tzen dich ausreichend?� Er dachte nach. �Die Albae sind also nicht mehr hinter dem St�ck Holz her. N�d�onn hat sie auf uns angesetzt, um uns zu t�ten, weil wir sein Geheimnis kennen.� Er weckte Bavragor und Go�mgar, um sie zu unterrichten, danach ging er zu seinem Bruder, um gemeinsam Wache zu halten. An Schlaf war nicht mehr zu denken.</p><p><emphasis>Und wenn es doch Djer&#x16F;n war?,</emphasis> gr�belte Tungdil und verwarf den Gedanken gleich wieder. Der Krieger befand sich zusammen mit seiner Herrin And�kai im Jenseitigen Land.</p><empty-line/><p>Der Unglaubliche Rodario, Narmora und Furgas warteten wie vereinbart bei den ersten Sonnenstrahlen am Tor, wobei sich der Schauspieler nerv�s nach allen Seiten umblickte; seine Garderobe sah aus, als h�tte er sie in gro�er Eile angelegt. Narmora trug einen Lederumhang um ihre Schultern, das rote Kopftuch schien sie niemals auszuziehen. Furgas sch�tzte sich mit einem Kutschermantel gegen die N�sse, die von oben auf sie herabtrommelte.</p><p>Die Zwerge kamen mit Ponys und Proviant.</p><p>�Albae?�, fragte Bo�ndil sofort. �Habt ihr Albae gesehen?�</p><p>�Es sind Ehem�nner, die mein Freund f�rchtet�, sagte der Techniker mit einem Tonfall, als h�tte sich das Spiel in der Vergangenheit bereits oft zugetragen. �Nach unserem kleinen Auftritt gab der Unglaubliche eine Sondervorstellung bei der Frau des Wirtes und ihrer Tochter.�</p><p>�Schweig! Soll es die ganze Stadt erfahren und mich hetzen?�, zischte Rodario, und sein Kopf ruckte hin und her, um in der Menge nach Gesichtern zu fahnden, vor denen er Rei�aus nehmen musste. �Sie haben beide besagt, sie seien geschieden.�</p><p>�Ja, eine Ausrede hast du schnell�, grinste Narmora. �Nur zu dumm, dass es dir bei den beiden geh�rnten Gatten nichts bringen wird.�</p><p>�Die Mutter und die Tochter?�, lachte Ingrimmsch.</p><p>�Vierundrei�ig und sechzehn Lenze. Sommer und Fr�hling in einem einzigen Bett, mit dem K�nig der Jahreszeiten�, sagte der Mime prahlerisch.</p><p>�Es ist wohl eher ein br�nstiger Bauer, der jede Furche beackert, die er sieht�, ruinierte Narmora seinen Vergleich. �Ich muss nicht hinzuf�gen, dass die meisten Furchen sehr dankbar f�r das Umgraben sind, weil sie von ihren eigenen Bauern selten gepfl�gt werden. Oder sie haben gar Mitleid mit dem kleinen Pflugblatt�, stichelte sie weiter.</p><p>Rodarios Aufmerksamkeit wurde durch ihre Bemerkungen abgelenkt; er wandte sich ihr zu, um das Rededuell anzunehmen. �Du h�ttest mein gewaltiges Ackerger�t gewiss gern zu sp�ren bekommen, liebste Narmora, ich wei�, aber ich suche mir nur ausgew�hlte Felder. D�rre Wiesen, auf denen man sich blaue Flecken holt, wenn man darauf liegt, �berlasse ich gern anderen.� Er l�chelte Furgas an, um dann schlagartig ernst zu werden. �Albae? Sind sie in der Stadt? Wieso ��</p><p>�Da ist der Verf�hrer!�, br�llte ein Mann. Eine Mistgabel wurde geschwenkt, und der Mime nahm die Beine in die Hand, rannte zum Tor hinaus und tauchte geschickt zwischen den wartenden Wagen ab. Kurz darauf eilten vier Leute an ihnen vorbei und nahmen die Verfolgung auf.</p><p>Bavragor und Bo�ndil bogen sich vor Lachen, Bo�ndal sch�ttelte nur den Kopf, Go�mgar klammerte sich an seinen Schild und hielt sich bereit, ihn notfalls sch�tzend vor sich zu halten, sollten die Menschen ihre Wut an ihnen auslassen wollen.</p><p>Aber die Geh�rnten und ihre Freunde dachten gar nicht daran, sondern richteten ihr Augenmerk allein auf die Ergreifung Rodarios, dem es gelang, sich ungesehen davonzustehlen und die R�cher im Regen stehen zu lassen.</p><p>Die Zwerge, Narmora und Furgas verlie�en K�nigsstein weniger �berst�rzt.</p><p>�Albae?�, nahm die Mimin den Faden auf. �Wo?�</p><p>�Gestern�, sagte Tungdil. �Es war einer. Aber Ihr habt keine gesehen?� Er f�hlte eine leichte Abneigung gegen sie, vielleicht war es der leichte elbische Zug an ihr. <emphasis>Sie ist eine Schauspielerin,</emphasis> rief er sich in Erinnerung. <emphasis>Mehr nicht.</emphasis></p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein, man lie� uns in Ruhe. Aber gut, dass du uns gewarnt hast.� Ihre Rechte legte sich an die Halbmond-Waffe.</p><p>Nicht lange darauf trafen sie auf den Weiberheld, der gut eine Meile vom Tor entfernt zum Schutz vor dem Regen unter einer m�chtigen Tanne stand und auf sie wartete.</p><p>�Waren sie die Aufregung wenigstens wert?�, konnte es sich Bavragor nicht verkneifen zu fragen.</p><p>Rodarios Gesicht bekam einen abwesenden, sehr genie�erischen Ausdruck. �O ja. Auch wenn ich das Gef�hl hatte, dass ich nicht der Erste war, der die Kunst des gemeinsamen Verw�hnens der beiden Frauenzimmer sp�ren durfte.� Er trottete neben den Ponys her. �Aber das ist nun Geschichte! Sodann lasst uns ins Reich der Ersten ziehen und die Pracht sehen, die kein Mensch jemals zu Gesicht bekam.� Das Schmatzen des Schlamms unter seinen Sohlen beeintr�chtigte die Wirkung seiner getragenen Worte ein wenig, aber als Entdecker gab er eine ganz passable Figur ab.</p><p>Tungdil verband mit der stolzen Menschenstadt K�nigsstein alles andere als gute Eindr�cke. Er blickte auch nicht mehr zur�ck, sondern ging schneller, um Weyurns Stolz rasch hinter sich zu lassen. Die Banner konnten noch so herrlich im Wind flattern, die ziegelgedeckten Hausd�cher und Kuppeln noch so sch�n leuchten, der Zwerg dachte nur an die m�rderischen Augen des Albs.</p><p><emphasis>Ich hoffe, der unbekannte Retter hat ihn get�tet.</emphasis></p></section><section><title><p>III</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Weyurn im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Bei der n�chsten Gelegenheit erstanden die Reisenden einen kleinen Wagen f�r das Gep�ck sowie zwei Pferde; eines davon mussten sich Narmora und Furgas teilen. Danach ging es wesentlich einfacher und schneller in Richtung Westen.</p><p>Vor allem Rodario dr�ngte darauf, rasch vorw�rtszukommen, da er sich noch immer vor der Rache der geh�rnten Gatten f�rchtete � was ihn unterwegs nicht an neuen Eroberungen hinderte, die er mithilfe seines Charmes und seiner Redegewandtheit machte.</p><p>Der Nordwind jagte die ersten Schneeschauer �ber das Land, die Flocken blieben auf dem gefrorenen Boden liegen und bildeten eine wei�e Schicht. Dieser Winter schien schneller und h�rter als gew�hnlich �ber die Natur und die Bewohner hereinbrechen zu wollen. Die Gruppe suchte sich nur noch wettergesch�tzte Orte, wo sie ihr Lager errichtete, und rastete unter B�umen, Felsvorspr�ngen oder den Ruinen verlassener H�user und Festungen.</p><p>Die riesigen Seen, von denen Weyurn zu mehr als drei Vierteln bedeckt wurde, glitzerten eisig. Die Wolken sorgten f�r erhabene Licht- und Schattenspiele auf ihren Oberfl�chen, welche die Zwillinge schauernd betrachteten. Die Gefahr, in die nasse Tiefe gezogen zu werden, war ihnen einfach zu gro�, und sie wollten Furgas und Rodario nicht einmal beim Eisangeln begleiten.</p><p>�Eis und Wasser sind gleich heimt�ckisch�, belehrte sie Ingrimmsch, w�hrend er ein Feuer in der alten Tempelruine entz�ndete, in der sie Zuflucht gesucht hatten. �Sie locken dich, und ehe du dich versiehst, verschwindest du f�r immer darin.�</p><p>�Das ist wie mit der Ehe. Zuerst locken dich die Weiber, aber wenn du brav in ihren Armen bleibst, ist das Leben allzu bald vor�ber�, �bertrug Rodario den Vergleich. �Ein Mann wie ich ist dazu geschaffen ��</p><p>�Anderen M�nnern die H�rner aufzusetzen, verpr�gelt zu werden und eines Tages an einer schmerzhaften Geschlechtskrankheit zu sterben�, f�gte Narmora l�chelnd an.</p><p>�Dein Neid ist meine Freude.� Er bleckte die Z�hne und folgte Furgas zum Ufer des nahe gelegenen Gew�ssers.</p><p>�Er erinnert mich an einen Gei�bock, den wir mal hatten�, sagte Bo�ndil. �Das Vieh besprang alles, was bei drei nicht aus dem Weg war.�</p><p>�Und wie endete er?�</p><p>�Er hat eine Gei� bestiegen, die nahe am Abgrund stand. Im �bermut sind beide die Klippen runtergefallen.� Er machte sich daran, die Haarstoppeln zu rasieren, damit sein schwarzer Zopf besser zur Geltung k�me.</p><p>�Das hei�t, dass er bei einem seiner Abenteuer aus dem Bett f�llt und sich den Hals bricht?�, grinste Tungdil.</p><p>�Oder aus dem Fenster�, f�gte Bo�ndal lachend hinzu, weil er die Vorstellung zu komisch fand, welch unr�hmliches Ende f�r den Mann damit verbunden w�re.</p><p>�Stellt euch vor, er landet nackt auf dem Kopfsteinpflaster, nur ein Tuch bedeckt seine M�nnlichkeit, und die ganze Stadt steht drum herum�, prustete Bo�ndil und erklomm das obere Ende eines schr�g liegenden Tr�mmerst�cks, von dem aus er die Umgebung bestens �berblickte. Dort setzte er sich nieder und steckte sich eine Pfeife an. Sein Bruder warf ihm etwas zu essen hoch. �Irgendwie w�re das ein Ende, das zu dem Schw�tzer passte�, lautete seine letzte Bemerkung, ehe er sich �ber den K�se hermachte.</p><p>Go�mgar beteiligte sich nicht an der Unterhaltung, er schien zu schlafen und hatte sich in zwei Decken eingeh�llt, den Schild wie eine dritte Decke �ber sich gelegt und die Augen geschlossen.</p><p>Schatten tanzten an den moosbewachsenen W�nden. Die Malereien waren im Lauf der Zyklen verblasst, und der abgesprungene Putz riss faustgro�e L�cher in die Darstellungen von irgendwelchen Menscheng�ttern, die den Zwergen v�llig fremd waren. F�r sie gab es ma�geblich nur Vraccas, alles andere h�tte nicht sein m�ssen.</p><p>Das gro�e Feuer brachte rasch W�rme in den Raum, und das weiche Licht machte die von Rissen �berzogenen Statuen lebendig.</p><p>Tungdil musste an die Auff�hrung im Curiosum denken, wo er vieles gesehen hatte und immer noch nicht wusste, ob es sich auf der B�hne ereignet oder ob ihm seine Vorstellungsgabe einen Streich gespielt hatte. <emphasis>Es sah so echt aus.</emphasis></p><p>Bavragor kehrte zur�ck, nachdem er die eingefallenen R�ume durchstreift hatte. Brummelnd begutachtete er die Steinmetzarbeiten. �Sie waren zwar gute Handwerker, aber nicht gut genug, um sich mit den Zwergen zu messen�, lautete sein Urteil.</p><p>Tungdil reichte ihm Brot und Schinken. �Darf ich dich etwas fragen?�</p><p>Bavragor nahm das Essen entgegen. �Das klingt nach einer ernsten Angelegenheit.�</p><p>�Es besch�ftigt mich die ganze Zeit. Die Sache mit deiner Schwester ��</p><p>�Smeralda.� Bavragor legte sein karges Mahl auf den Stein nahe der Flammen, damit es w�rmer wurde und sich der Geschmack des Fleisches besser entfaltete. �Er wird seine Schuld von mir niemals vergeben bekommen�, sagte er bitter, nachdem er sich einen langen Schluck aus seinem mit Branntwein gef�llten Trinkschlauch geg�nnt hatte.</p><p>Tungdil dr�ngte ihn nicht; er sp�rte, dass er die Geschichte an diesem Abend zu h�ren bek�me, und behielt Recht.</p><p>�Smeralda war ein junges Ding von gerade einmal vierzig Sonnenzyklen, als er seine wahnsinnigen Augen auf sie warf und beschloss, dass sie sein werden sollte. Sie war fast so kriegerisch wie er, sie �bte den Umgang mit der Axt und tr�umte davon, ihm beizustehen�, begann Bavragor, und seine F�uste ballten sich, w�hrend seine Erinnerung die Vergangenheit lebendig machte. �Wir haben ihr verboten, ihn zu sehen, weil wir Angst hatten, dass er ihr in seinem Wahn etwas antun k�nnte. Doch sie widersetzte sich unserem Vater, und sie trafen sich weiterhin. Eines Tages, als sie ihm an der Hohen Pforte im Kampf beistehen wollte �� Bavragor bedeckte das verbliebene Auge mit der Linken, die Rechte f�hrte den Trinkschlauch an den Mund. �Er hat sie erschlagen. Sein vom Kampfrausch geblendeter Verstand erkannte sie nicht und hielt sie f�r eines der Ungeheuer.�</p><p>Tungdil schluckte, um den Klo� in seiner Kehle hinunterzuw�rgen.</p><p>�Smeralda und ein Ungeheuer � Sie sprachen danach von einer Trag�die und einem schrecklichen Ungl�ck, und er selbst sagte, er k�nne sich an nichts erinnern. Doch mir ist es gleich, Tungdil. Er hat meine Schwester get�tet. W�rdest du jemandem so etwas vergeben? Ich will es nicht.�</p><p>Tungdil wusste nicht, was er dem Steinmetzen antworten sollte.</p><p>Die Geschichte r�hrte ihn zutiefst. Mitf�hlend legte er eine Hand auf Bavragors Arm. �Verzeih, dass ich dich so gequ�lt habe�, sagte er und belie� es dabei.</p><p>Die eigenen Erinnerungen an den Verlust von Lot-Ionan und Frala, die er wie eine Schwester geliebt hatte, packten ihn. <emphasis>Ich kann ihn zu einem Teil verstehen.</emphasis></p><p>�Sei�s drum.� Bavragor atmete tief ein und sp�lte die Erinnerungen mit Branntwein herunter; sein Essen r�hrte er an diesem Abend nicht mehr an.</p><p>Tungdil hob den Kopf und schaute zu Bo�ndil, der auf seinem Posten sa�, die Pfeife zwischen den Lippen, und aufmerksam �ber ihre Sicherheit wachte. Die blauen Rauchkringel stiegen in den Himmel, und er glaubte das Zischen zu h�ren, wenn eine Schneeflocke auf den hei�en Tabak traf.</p><p>�Seine hei�e Lebensesse ist ein Fluch�, sagte Bo�ndal traurig. �Er wei� bis heute nicht, was damals auf der Br�cke geschah, und erinnert sich nur daran, wie er Smeralda tot vor sich liegen sah. Er dachte, die Orks h�tten ihm seine Liebe genommen, aber als er von Bavragor und den anderen h�rte, dass er selbst es gewesen sein sollte ��</p><p>�Und wo warst du?�</p><p>�Ich war verwundet, und Vraccas wei�, wie sehr ich diesen Umstand bis heute verfluche. Ich bilde mir ein, dass sie noch leben k�nnte, wenn ich an seiner Seite gewesen w�re.� Er kratzte an einer rostigen Stelle seines Kettenhemds und behandelte sie mit �l. �Manchmal ruft er ihren Namen in seinen Tr�umen. Er leidet mindestens so sehr wie Bavragor, das kann ich dir versichern, aber zugeben w�rde er es niemals, Gelehrter.�</p><p>Sie stopften eine zweite Pfeife und wechselten sich mit dem Rauchen ab, w�hrend jeder seinen Gedanken nachhing. Durch die zerst�rten Fenster beobachtete Tungdil, dass sich der Schneefall verst�rkte.</p><p>Als Furgas und Rodario zur�ckkehrten, sahen sie aus wie wandelnde Schneem�nner. Der Techniker hatte zwei ausgewachsene Karpfen dazu gebracht, in den Haken zu bei�en, w�hrend der Schauspieler missmutig eine kleine Schleie entschuppte.</p><p>�Ein Pfl�ger vor den G�ttern, aber keine Ahnung vom Fischen haben�, zog ihn Bavragor auf, um sich von den bedr�ckenden Erinnerungen abzulenken.</p><p>�Ja, die G�tter�, meinte Rodario nur und schaute �ber die verblichenen und von der Feuchtigkeit besch�digten Wandbemalungen. �Da, seht, was aus ihnen wird, wenn man sich nicht um sie k�mmert. Sie verblassen und verschwinden, weil sie ohne die Sterblichen keinen Grund haben zu existieren.�</p><p>�Vraccas braucht keinen Grund�, erwiderte Bo�ndal voller �berzeugung. �Er erschuf sich auch, weil er wollte, und nicht, weil ihn jemand schuf.�</p><p>�Ich kenne die Entstehungslegenden, vielen Dank, und ben�tige deine Nachhilfe sicherlich nicht, mein Guter�, wehrte der Mime ab und besch�ftigte sich weiter mit dem Fisch. �Fr�her haben wir sie auf der B�hne umgesetzt und Erfolge damit gefeiert. Ich sage es ja immer: Die alten Stoffe sind meistens die besten, auch wenn unsere N�d�onn-Auff�hrung aus gegenw�rtigem Anlass sehr gut aufgenommen wurde.�</p><p>Das erinnerte Tungdil daran, dass er die Mimen nun endlich nach den Kniffen fragen k�nnte, die sie im Curiosum anwendeten, um die Illusionen t�uschend echt zu gestalten.</p><p>�Wie das geht?� Rodario wies mit dem schmutzigen Messer auf Furgas. �Da sitzt unser Magister technicus.�</p><p>Furgas nahm sich bereits den zweiten Karpfen vor, w�hrend sein Freund die Schleie mehr maltr�tierte als entschuppte. �Ich habe mich viel mit Alchimie besch�ftigt. Damit schaffen wir den ganzen Rauch, den wir ben�tigen�, erkl�rte er. �Ich kann ihn schwer machen oder leicht, mal rot, mal schwarz. Die Lehre von den Elementen ist faszinierend.�</p><p>Tungdil wusste, dass Lot-Ionan Alchimie unterrichtet hatte, und er kannte verschiedene Zutaten vom Schleppen. �Aber wie ging es, dass die Kerzen alle auf einen Schlag verloschen?�</p><p>�Magie�, wisperte Rodario und zog eine Fratze. �Ich bin in Wahrheit der letzte noch lebende Magus des Geborgenen Landes.� Er n�herte sich dem Zwerg, fummelte an seinem Ohr herum und hielt eine Goldm�nze in der Hand. �Was sagst du nun?�</p><p>�Sie geh�rt mir�, antwortete Tungdil und schnappte sie sich, doch ein kurzer Biss darauf gen�gte, um den Schwindel auffliegen zu lassen. �Blei mit minderwertigem Blattgold�, lautete seine Einsch�tzung, und er warf die Scheibe zur�ck. �Dein Zauber taugt nichts.�</p><p>�Ein Taschenspielermagus, mehr ist er nicht�, lachte Bo�ndal und wies mit dem Mundst�ck der Pfeife auf ihn.</p><p>Rodario hob den Zeigefinger. �Aber das Entscheidende ist, dass die Zuschauer darauf hereinfallen. Und das taten selbst die kleinen, h�sslichen Bogglins. Ich nenne so etwas einen Erfolg.�</p><p>�Also sind eure Kniffe Fingerfertigkeit, Geschwindigkeit und Alchimie?�, fasste Tungdil zusammen.</p><p>Furgas nickte und warf einen kurzen Blick zu der hoch gewachsenen Frau. �Und Schminke�, f�gte er hinzu. �Sie macht viele Einbildungen wahr. Narmora verwandelt sich durch sie in eine Albin, vor der sich die j�ngeren Spectatores auch schon mal f�rchten und zu ihren Eltern fl�chten.� Er lachte. �Und wir lieben es nat�rlich, wenn dergleichen geschieht.�</p><p>�Seid froh, dass der Wahnsinnige nicht in eurem Theater war�, meinte Bavragor finster. �Er h�tte die B�hne gest�rmt.�</p><p>�Sie sieht wirklich fast aus wie ein Spitzohr�, meinte Bo�ndal abwesend. �Die Natur hat es nicht gut mit ihr gemeint.�</p><p>F�r diese Bemerkung erntete er b�se Blicke von Narmora und ein breites Grinsen der M�nner. Tungdil und Bavragor mussten so laut lachen, dass Go�mgar aufschreckte und hinter seinem Schild hervorschaute.</p><p>�Oh, verzeih, ich habe es nicht so gemeint�, entschuldigte sich Bo�ndal schnell, und man sah ihm die Verlegenheit an.</p><p>�Vielleicht bin ich ja eine Albin und bringe euch heute Nacht einen Albtraum?�, erwiderte Narmora mit einem erbosten Funkeln in den fast schwarzen Augen. �Wundert euch nicht, wenn ihr schreiend erwacht.� Sie stand auf, richtete ihr Kopftuch und verlie� die sch�tzende Ruine. Sogleich verschmolz sie mit der Dunkelheit.</p><p>�Ihr G�tter, ist sie gut in ihrer Rolle!�, rief Rodario entz�ckt. �Sie gl�nzt ganz ausgezeichnet darin, findet ihr nicht auch? Aber sagen w�rde ich es ihr niemals. Am Ende verlangt sie noch mehr Lohn.� Begeistert wandte er sich den Zwergen zu, die seine Meinung stumm teilten. Bo�ndal machte sich ernsthaft Sorgen �ber das, was er in seinem Schlummer erleben w�rde.</p><p>Die M�nner k�mmerten sich weiter um ihren Fang, und bald roch es nach gebratenem Fisch. Hungrig langten die Reisenden zu.</p><p>�Eines muss ich noch wissen. Wie habt ihr das alles auf der B�hne entstehen lassen?�, erkundigte sich Tungdil bei Furgas. �Den Wald, den Palast � Es sah so echt aus.�</p><p>�Beh�ltst du es f�r dich?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wirklich und ehrlich?�</p><p>�Sicher!�</p><p>�Schw�rst du es bei deiner Axt?�</p><p>Tungdil schwor es. �Und?�</p><p>�Magie�, sagte Furgas, blinzelte ihm heiter zu und wischte sich �ber den Oberlippenbart.</p><p>�Ach�, machte der Zwerg entt�uscht und �rgerte sich, auf die vorget�uschte Geheimnistuerei hereingefallen zu sein.</p><empty-line/><p>Als Bo�ndal aus seinem Traum aufschreckte, gab er sich alle M�he, nicht aufzuschreien. Zugleich war er froh, seinen wirren n�chtlichen Phantastereien entkommen zu sein.</p><p>Der n�chste Schreck aber lie� nicht lange auf sich warten. Als er zur Sicherheit nach dem Kr�henschnabel griff, war die Waffe verschwunden, und eine feingliedrige Hand schloss sich fest um seine.</p><p>Der Zwerg wandte sich um und schaute geradewegs in das schmale, grausame Gesicht einer Albin, die in voller R�stung neben ihm hockte und ihn aus kalten schwarzen Augen anstarrte. <emphasis>Das kann nicht sein! Ich tr�ume immer noch!</emphasis></p><p>�Lass es dir eine Lehre sein�, raunte sie drohend, und schon fielen ihm die Lider zu, ohne dass er etwas dagegen unternehmen konnte.</p><p>Als er geraume Zeit sp�ter wieder aufwachte, sprang er keuchend auf die F��e und schaute sich um. Seinen Kr�henschnabel fand er dieses Mal sofort und ergriff ihn hastig.</p><p>Narmora kuschelte sich in den Armen von Furgas, Rodario hatte sich am schwach brennenden Feuer zusammengerollt und lag mit dem Gesicht in den Schuppen der Schleie.</p><p>Bo�ndal betrachtete die drei ganz genau, fand aber keinen Hinweis darauf, dass sie einen Scherz mit ihm trieben. Sein wild pochendes Herz erholte sich langsam von dem Schrecken, und er schwor sich, nie mehr eine abf�llige Bemerkung �ber die Frau zu machen.</p><p>Er schaute nach Go�mgar, der auf dem Bruchst�ck sitzen und Wache schieben sollte. Der erh�hte Platz war leer. Fu�spuren f�hrten nach drau�en, doch die Ponys und Pferde standen noch dort, wo sie angebunden worden waren.</p><p><emphasis>Er wird doch nicht so verr�ckt sein, im Schneesturm fl�chten zu wollen?</emphasis> Der Zwerg machte ein paar Schritte ins Freie. Sogleich st�rzte sich der Schnee auf ihn, die Flocken versuchten, ihn niederzuringen. Er entdeckte eine Gestalt auf dem verschneiten Boden.</p><p>�Go�mgar!�, rief er und eilte zu ihm, doch der schm�chtige Zwerg r�hrte sich nicht. Blut sickerte aus einer schmalen Wunde an der Stirn. Bo�ndil trug ihn in die Ruine, legte ihn neben das Feuer und warf zwei Scheite nach.</p><p>�Ich ��, sagte er Z�hne klappernd, �bin hingefallen.�</p><p>Der Krieger legte ihm zwei Decken um. <emphasis>Beim Pissen beinahe erfroren,</emphasis> dachte er und behielt die Worte lieber f�r sich, um ihn nicht vollends zu entw�rdigen. Ihm war es r�tselhaft, wieso Tungdil ausgerechnet dieses Gemmenschneiderlein mitgenommen hatte, wo die Auswahl doch so gro� gewesen war. <emphasis>Vraccas wird sich etwas dabei gedacht haben,</emphasis> dachte er bei sich, w�hrend er das H�uflein Elend betrachtete, das nach und nach auftaute. Eis und Schnee schmolzen aus Bart, Haaren und Augenbrauen.</p><p>Er beugte sich vor. �Go�mgar, wolltest du etwa da drau�en sterben?�</p><p>�Nein�, kam es langsam.</p><p>�Pass besser auf dich auf. Du bist wichtig f�r unsere Mission.�</p><p>�Wichtig f�r den Hochstapler, um auf den Thron zu kommen, der ihm nicht geb�hrt�, erwiderte der bibbernde Zwerge feindselig.</p><p>Bo�ndal sparte sich seinen Atem; Go�mgar hatte es noch immer nicht begriffen, dass es um mehr ging als um das Amt des Gro�k�nigs, und das trotz aller gut gemeinten Predigten Tungdils. <emphasis>So etwas Uneinsichtiges. Er verschlie�t sich nur aus Trotz der Einsicht und dem Verst�ndnis f�r die Verantwortung, die auf uns lastet.</emphasis></p><p>Go�mgar hatte aufgeh�rt zu zittern und schaute an ihm vorbei in den r�ckw�rtigen Teil des Raumes, in dem die Statuen standen. Er schluckte. �Wie viele?�, raunte er.</p><p>�Was?�</p><p>�Wie viele Statuen standen bei unserer Ankunft hier?�</p><p>Der K�mpfer �berlegte. �Sieben. Drei kleine und vier gr��ere.�</p><p>Go�mgar schloss die Augen. �Es sind acht�, fl�sterte er, �davon f�nf gr��ere. Was machen wir jetzt?�</p><p>�Welche ist die neue?� Bo�ndals Finger fassten den Griff des Kr�henschnabels, und sein K�rper spannte sich.</p><p>�Es m�sste die dritte von rechts sein ��</p><p>�Ich schlage gleich zu und schreie dabei laut, damit die anderen erwachen. Du nimmst deinen Schild und stehst mir bei, bis Bo�ndil an meiner Seite ist.�</p><p>�Ich?�</p><p>�Wer sonst?�</p><p>Seine Arme rissen die schwere Waffe urpl�tzlich in die H�he und beschrieben eine halbkreisf�rmige Bewegung. Die lange Spitze hielt genau auf den Punkt etwas oberhalb der H�fte zu. An dieser Stelle gab es keine Knochen, welche den Kr�henschnabel aufhalten konnten, die Wunde w�rde tief und t�dlich. Wie eine kleine, d�nne Fahne folgte der Zopf seiner Bewegung.</p><p>�Vraccas!�, dr�hnte sein Kampfruf.</p><p>Klirrend barst die Statue unter der Wucht des Schlages. Wie eine Spitzhacke fuhr der Kr�henschnabel in das por�s gewordene Gestein und brachte es zum Splittern. Das Kunstwerk, das einst von einem Bildhauer zu Ehren eines Menschengottes geschaffen worden war, zersprang in viele kleine St�ckchen.</p><p>�Nein, von mir aus rechts�, korrigierte Go�mgar ungl�cklich, doch da war es bereits zu sp�t.</p><p>Die riesige, bis dahin leblose Gestalt erwachte zum Leben. Hinter dem Visier glommen violette Augen auf.</p><p>�Du Idiot!�, beschimpfte Bo�ndal ihn, ehe er zu einem neuerlichen Schlag ansetzte.</p><p>Das aber lie� sein titanischer Gegner nicht zu. Schneller, als der Zwerg es ihm wegen der Gr��e zutraute, war er heran. Die Pranken schlossen sich um seine Oberarme, dann wurde er emporgehoben und befand sich mindestens zwei Schritte �ber dem Boden. Scheppernd prallte die Waffe auf die gerissenen Platten.</p><p>Sein Bruder stand schon auf seinem Lager und erfasste die Lage mit einem Blick. �Lass ihn los!� Er riss die Beile hoch und wollte sich eben auf den �berm�chtigen Gegner werfen, als ihn ein glei�endes Licht blendete und er sich abwenden musste.</p><p>�Zur�ck, Bo�ndil!�, befahl ihm eine Frauenstimme. Die grelle Helligkeit wandelte sich zu einem schwachen Schimmern, das ausreichte, den Innenraum zu erleuchten.</p><p>Eine Frau in einem scharlachroten Mantel, auf dem die letzten Schneeflocken schmolzen, trat aus dem Schutz einer Statue und stellte sich an die Seite des Giganten; in ihrer Hand schwebte eine Lichtkugel. �Du kannst ihn absetzen, Djer&#x16F;n. Ich denke, sie haben verstanden, wer wir sind.�</p><p>�And�kai!�, rief Tungdil �berrascht und senkte seine Axt. �Also doch!�</p><p>Sie schlug die Kapuze zur�ck, um ihnen ihr Gesicht zu zeigen.</p><p>�Die St�rmische?�, hakte Rodario nach, der nicht bemerkte, dass Fischschuppen auf seiner Wange hingen und ihn nicht gut aussehen lie�en. �And�kai die St�rmische? Die Maga? Ich dachte, sie sei tot?� Er betrachtete sie schamlos von oben bis unten. �Nein, sie lebt. Sie lebt! Verdammt!� Er wandte sich zu Furgas und Narmora. �Wir m�ssen das St�ck umschreiben.�</p><p>�St�ck?� And�kai begab sich ans Feuer, lie� die Sph�re aus Licht verschwinden und hielt die H�nde gegen die Flammen, w�hrend ihr Begleiter den Zwerg absetzte. �Von was redet er? Wer ist er �berhaupt?�</p><p>�Schauspieler�, meinte Tungdil entschuldigend und konnte sich kaum zur�ckhalten, sie mit Fragen zu �berh�ufen.</p><p>�Oh? Dann wurde ich schon Gegenstand einer Auff�hrung? Ich hoffe, es ist eine Ehre ��</p><p>Rodario setzte zu einer schmeichelnden Erkl�rung an, wurde aber r�de daran gehindert.</p><p>�Was sollte das mit deinem Ungeheuer?�, wollte Bo�ndal aufgeregt wissen. �Wieso hat er uns bespitzelt? Ich h�tte ihn um ein Haar get�tet!�</p><p>�Er hat euch nicht bespitzelt, er lauerte. Und get�tet h�ttest du ihn sicherlich nicht�, stellte sie herablassend richtig und legte ihren Mantel ab, damit die W�rme des Feuers schneller zu ihr drang. Darunter trug sie ihre R�stung, dicke Winterkleidung und ihr Schwert. Die Vielzahl der Sachen lie� sie noch breiter wirken, als sie ohnehin schon war. �Er eilte auf mein Gehei� voraus, um die Albae abzufangen, die euch seit Mifurdania verfolgen.�</p><p>�Ich wusste es�, stie� Go�mgar ungl�cklich hervor.</p><p>Ingrimmsch lachte. �Das h�tte mir noch gefehlt, dass eine Bestie uns vor anderen Bestien rettet.� Seine Finger streichelten die kurzstieligen Beile. �Wir machen sie schon fertig.�</p><p>�Wenn ihr sie bis jetzt nicht bemerkt habt, h�ttet ihr sie auch nicht wahrgenommen, wenn sie in euer Lager gekommen w�ren�, meinte die Maga ernst. �Djer&#x16F;n hat zwei von ihnen drei Meilen von hier get�tet, zwei weitere entkamen. Weil ich annahm, sie w�rden sich nicht l�nger auf eure Verfolgung beschr�nken, sandte ich ihn voraus.�</p><p>�Ich wusste es! Er war es, der mich in K�nigsstein vor dem Pfeil gerettet hat�, sagte Tungdil.</p><p>And�kai nickte. �Der Alb entkam ihm leider.�</p><p>�Ich h�tte die Spitzohren nicht entkommen lassen�, grummelte Bo�ndil. �Mir entkommt kein Gegner, und wenn ich hinter ihm herlaufen muss.�</p><p>�Er wurde von ihm angeschossen.� Sie schenkte ihm einen mitleidigen Blick. �Wenn du jedem hinterherrennst, ist es leicht, dich in eine Falle zu locken.�</p><p>�Ich lasse mich in keine Falle locken�, widersprach der Zwerg bockig und erklomm den umgest�rzten Pfeiler, um seine alte Wachposition einzunehmen.</p><p>Oben angekommen, befand er sich mit dem Kopf des H�nen auf einer Ebene. Neugierig sp�hte er in den Helm, wollte die Schw�rze darin erkunden, aber selbst seine an die Dunkelheit gew�hnten Augen erkannten nichts. Es war, als bef�nde sich ein bodenloser Abgrund unter dem Metall.</p><p>Die anderen nahmen rings um die Feuerstelle Platz.</p><p>Die Menschen waren hellwach, Rodario hielt sein Schreibpapier in der Hand, um dann festzustellen, dass die Tinte eingefroren war. Narmora hatte ihre wundersamen Waffen bereits wieder verstaut, Djer&#x16F;n gesellte sich zur�ck ins Halbdunkel des hinteren Teiles der Ruine und wurde wieder zu einem Denkmal.</p><p>�Was hat Eure Meinung ge�ndert, Maga?�, wollte Tungdil endlich wissen, nachdem sich die Aufregung gelegt hatte. �Und wie habt Ihr uns gefunden?�</p><p>�Kann ich denn frei vor euren neuen Reisegef�hrten sprechen?�</p><p>�Sie haben uns geholfen, Ihr k�nnt ihnen vertrauen.�</p><p>�Na, na, na�, grummelte Ingrimmsch von oben.</p><p>�Und wie man uns vertrauen kann�, rief Rodario laut hinauf und �bernahm in seiner unnachahmlichen Weise die Vorstellung seiner Truppe. �Wir wissen von der Feuerklinge und sprangen den angehenden Helden und Figuren k�nftiger Epen in h�chster Not bei, um sie vor den Schwertern und Klauen der Bogglins zu erretten, ehrenwerte Maga�, schloss er gestenreich ab. �Wir sind treue Begleiter.�</p><p>Sein L�cheln brachte gew�hnlich das dickste Eis zum Schmelzen und Steine zum Erweichen, doch bei And�kai versagte es, sie blieb unbeeindruckt.</p><p>�Du bist schuld.� Ihre blauen Augen fixierten Tungdil. �Deine Rede ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Ich h�rte dich st�ndig �ber die Verantwortung meinem Reich gegen�ber sprechen. Es gelang mir nicht, mein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Und den Tod hat N�d�onn aus hunderten von Gr�nden verdient.�</p><p>Die zuckenden Flammen nahmen ihrem Antlitz einen Teil des Herben, zeichneten die Z�ge weicher, weiblicher. Rodario blickte sie unentwegt an und hing an ihren Lippen. Ihr strenger Charme und ihre Spr�digkeit schienen ihn als Verf�hrer herauszufordern.</p><p>�Also kehrte ich zu den Zweiten zur�ck und nahm mir die Passage vor, die ich zun�chst nicht �bersetzen konnte. Du erinnerst dich, die letzte Unsicherheit in eurem Plan?�, sprach sie und schaute ins Feuer. Sie machte eine Handbewegung, und aus den wirbelnden Funken formten sich Buchstaben in der Gemeinsprache. Worte entstanden und verschwanden gleich darauf wieder.</p><p>�Die Feuerklinge, geschmiedet von den Untergr�ndigen, wird ihre Wirkung gegen das B�se erst entfalten, wenn sie von dem Feind der Untergr�ndigen gef�hrt wird�, las Rodario laut mit. Er langte neben die Feuerstelle, wo ein verkohltes St�ckchen Holz lag, und kritzelte sich Stichworte auf. �Ich muss es notieren. Ich w�rde mich ohrfeigen, verg��e ich das alles.�</p><p>�Ohrfeigen? Da helfe ich dir gern dabei�, bot sich Bavragor an.</p><p>�Die G�tter m�gen mich vor diesen Pranken bewahren�, lehnte er ab. �Das wird das beste St�ck, das jemals im Geborgenen Land aufgef�hrt wurde�, schwelgte er vor sich hin und kratzte mit der Kohle auf dem Papier herum. �Die H�user werden sich f�llen �� Furgas versetzte ihm zum Zeichen, dass er still sein sollte, einen Sto� mit dem Ellenbogen.</p><p>�Der Feind der Untergr�ndigen�, sagte Tungdil leise. Seine Entt�uschung in der Stimme konnte er nicht verbergen. <emphasis>Was kann damit gemeint sein?</emphasis></p><p>�Feinde haben wir wahrlich genug�, meinte Bo�ndal ratlos. �Orks, Oger�, dabei schaute er kurz zu Djer&#x16F;n, �Bogglins und alles, das Tion gegen uns und die Menschen und Elben schuf. F�llt dir nichts ein, Gelehrter? Dein Wissen w�re endlich von echtem Nutzen�, sagte er halb neckend.</p><p>Bavragor nahm seinen Lederschlauch mit Branntwein. �Das wird ein Spa�. Sollen wir uns einen Ork fangen und ihn abrichten, damit er sich auf den Magus st�rzt? Oder m�ssen wir einen Oger bitten, N�d�onn eins mit unserer Waffe �berzubraten?�</p><p>�Das war es wohl f�r die Expedition�, fasste Go�mgar die Bedeutung der von And�kai �bersetzten Passage schwarzseherisch zusammen. Pl�tzlich wurde er bleich. �Mein K�nig! Er wei� es nicht!�</p><p>Tungdil atmete laut aus. �Seid Ihr sicher, was die �bersetzung angeht?�, fragte er z�gerlich.</p><p>Sie nickte. �Leider. Ich habe mich zu lange damit besch�ftigt, um einen Fehler zu begehen.�</p><p>�Welchen Vorschlag k�nnt Ihr machen?� Er schaute zu Djer&#x16F;n.</p><p>Sie l�chelte. �Djer&#x16F;n ist kein Ungeheuer, das versichere ich dir. Er kommt nicht infrage.�</p><p>Tungdil kratzte sich in seinem lang gewordenen Bart. �Dann stehen wir vor einer gro�en Schwierigkeit.� Er blickte in die Gesichter seiner Freunde und der Menschen. �Mir f�llt nichts ein.� Er legte sich nieder und zog die Decke zu sich. �Vielleicht sendet mir Vraccas im Schlaf eine Eingebung. Ruht euch aus, wir brauchen unsere Kraft.�</p><p>Sie legten sich um das Feuer, Djer&#x16F;n wachte �ber sie.</p><p><emphasis>Mir muss eine L�sung einfallen, ich bin der Anf�hrer.</emphasis> Unruhig w�lzte er sich hin und her. Wenn ihm nichts in den Sinn kam, stand es f�r die Zukunft des Geborgenen Landes mehr als schlecht. Dieses Wissen erleichterte ihm das Einschlafen nicht.</p><empty-line/><p>Sie brachen am fr�hen Morgen auf, ohne dass Tungdil eine hilfreiche Eingebung von Vraccas erhalten hatte. Dennoch entschieden sie sich, ins Rote Gebirge zu reiten, vielleicht w�rde ihnen unterwegs oder zusammen mit den Ersten eine L�sung einfallen.</p><p><emphasis>Es wird uns gelingen,</emphasis> dachte Tungdil fest, als er sich sein frisch entrostetes und mit �l behandeltes Kettenhemd �ber das Lederwams warf.</p><p>And�kai ritt bei Rodario mit. Hatte er sich gefreut, die Maga vor sich auf dem Sattel zu haben, damit er sie heldenhaft halten und ber�hren durfte, geschah das Umgekehrte. Sie nahm den Sattel ab, um mehr Platz zu haben, und verlangte von ihm, dass er vor ihr sa�, w�hrend sie die Z�gel in der Hand hielt, was ihm sp�ttische Bemerkungen von Furgas einbrachte.</p><p>In der Nacht war der Neuschnee anderthalb Ellen hoch gefallen, die Pferde mussten den Ponys einen Weg bahnen. In einer Linie trotteten sie hintereinander her, am Ende stapfte Djer&#x16F;n und wirkte wie eine lebendig gewordene Statue aus der Ruine, die ihnen nachlief, weil es ihr in dem toten Gem�uer zu langweilig geworden war.</p><p>Die seltsam anzuschauende Truppe kam immer z�her voran. Der Winter machte es ihnen schwer, rasch an Meilen zu gewinnen, und zeigte Tungdil, wie wichtig die Tunnel mit den Schnellbahnen waren, um von den Ersten rasch hin�ber ins Graue Gebirge zu gelangen. Zu Fu� oder selbst auf ihren Reittieren dauerte es viel zu lange. Die Strecke von zweihundert Meilen, f�r die sie eine Woche ben�tigten, h�tten sie mit ihren Loren in ein oder zwei Sonnenuml�ufen bew�ltigt.</p><p>Als sie ihren Pferden nachmittags eine Rast g�nnten, sprach er die Maga noch einmal darauf an, wie sie zu ihnen gefunden hatte.</p><p>�Es war nicht sonderlich schwierig�, berichtete sie. �Ich kehrte aus dem Jenseitigen Land zur�ck, verhandelte mit den Zwergen und benutzte den Tunnel, den ihr nahmt. Bei Mifurdania kam ich heraus, Djer&#x16F;n fand eure Spuren, und alles andere ging leicht. Eine Gruppe von Zwergen f�llt auf. Das macht es auch den Albae einfach, euch zu finden.�</p><p>Er schaute zu Narmora, die Furgas half, Schnee in einen Topf zu schaufeln, um ihn auf dem Feuer zu schmelzen.</p><p>Die Maga wandte den Blick zu Rodario. �Diese Schauspieler � wie seid ihr an sie geraten?� Tungdil erz�hlte es ihr. �Aha, Narmora ist demnach eine Frau mit vielen Talenten�, lachte sie leise, als sie h�rte, dass sie Schl�sser aufbrach. �Hast du das Theaterst�ck gesehen?�</p><p>�Oh, ja. Es nennt sich �Die Wahrheit �ber Nudin den Wissbegierigen, der sich unter so grauenvollen Umst�nden zu N�d�onn dem Zweifachen wandelte und das Geborgene Land ins Ungl�ck st�rzet�. Das Curiosum war �brigens ausverkauft.�</p><p>�Ein sehr langer Titel�, grinste sie.</p><p>Tungdil sah zum ersten Mal, wie sich ihre Mundwinkel nach oben bewegten, und fand, dass ihr die Freundlichkeit viel besser stand als die strenge Mine, die sich sonst zur Schau trug. Rodario schaute ausgerechnet jetzt hin�ber und l�chelte zur�ck, in der Annahme, ihr Schmunzeln gelte ihm.</p><p>�Und das ist die Schauspielgr��e schlechthin, der Unglaubliche Rodario. Er tr�gt seinen Titel zu Recht. In jeder Stadt hat er eine Liebschaft, nehme ich an�, erkl�rte er.</p><p>�Das passt. Wer stellte mich dar?�</p><p>�Das habe ich nicht mehr gesehen, ich musste einen Dieb verfolgen, ehrenwerte Maga.� Er winkte Rodario zu. �Wir k�nnen ihn fragen.�</p><p>Der Schauspieler eilte herbei und wurde von der Frau verh�rt. �Wir haben die besten Schauspieler des Geborgenen Theaters, ehrenwerte Maga, und so gab Narmora Eure Person, da ihre Kampfk�nste gut genug sind, die Eurigen darzustellen.� Nach ihrer Aufforderung erz�hlte er ihr von dem St�ck, bis sie ihn unterbrach.</p><p>�Wie bist du darauf gekommen, die Geschichte �ber den Vormarsch des Toten Landes und die Ver�nderung Nudins auf diese Weise darzustellen?�, wollte sie wissen.</p><p>�Ich habe viel dar�ber geh�rt, habe mir alte Legenden herausgesucht und das Ganze mit viel k�nstlerischer Freiheit gemischt�, erkl�rte er strahlend. �Findet es Euren Gefallen?�</p><p>�Es ist erstaunlich dicht an der Wahrheit, jedenfalls was die Ver�nderung Nudins angeht�, bemerkte Tungdil.</p><p>�Oh�, machte Rodario ehrlich verbl�fft. �Dann hat die Kunst einmal wieder bewiesen, dass sie einen wahren Kern enth�lt, nicht wahr?!�</p><p>�Danke, du kannst wieder zu deinem Feuer gehen�, schickte ihn And�kai unfreundlich weg. �Und vergiss nicht, das St�ck umzuschreiben, da ich noch lebe.�</p><p>�Und wie Ihr lebt, ehrenwerte Maga�, sagte er zuckers�� und schaute in ihre blauen Augen, um ihr Herz zu erobern. �Ein Mann, der Eure ��</p><p>�Geh�, befahl sie ihm und schaute zu Tungdil.</p><p>Rodarios herrliches L�cheln erlosch abrupt. Fast hatte es den Anschein, das Kinnb�rtchen h�nge traurig zu Boden �Nur, weil Ihr darauf besteht�, sagte er ohne jeglichen Schmelz in der Stimme.</p><p>�Aha, der abgewiesene Pfau packt seine Federn ein und verschwindet�, lachte Bavragor, der die Szene beobachtet hatte. �An der wird er sich die Z�hne ausbei�en, der Schauspieler.� Er suchte nach seinem Trinkschlauch, ein Lied vor sich hin summend.</p><p>�Wird er nicht�, meinte Furgas zuversichtlich, der sich nach hinten fallen lie�. �Rodario gibt selten auf, wenn er eine Frau haben m�chte. Sie reizt ihn mit ihrer Spr�de nur noch mehr.� Er gab Narmora einen Kuss und dr�ckte sich eng an sie. �Eines Tages wird er aufh�ren, mit den Frauen zu spielen.�</p><p>�Wenn er nicht vorher von w�tenden Ehem�nnern zu Tode gepr�gelt wurde�, f�gte Bo�ndil johlend hinzu. �Er muss ein guter L�ufer sein, denn k�mpfen kann er nicht.�</p><p>Nach kurzer Rast bereiteten sie sich auf die Weiterreise vor. Auch Tungdil und die Maga unterbrachen ihr Gespr�ch. Djer&#x16F;n trat zu ihr und beugte sich auf ein Knie, sie setzte sich in seine gefalteten H�nde. Rodario sah es mit Missfallen, denn jetzt sa� er wieder allein auf dem Pferd.</p><p>Die kommenden Tage ritten sie durch die Schneeverwehungen Weyurns und hatten M�he, einen sicheren Weg zu finden. Wo die Pferde bis zum Bauch einsanken, kamen die Ponys gar nicht mehr durch; Djer&#x16F;n trug seine Herrin, und ihr beider Gewicht zog ihn bis zu den H�ften ins kalte Wei�.</p><p>Mehr als einmal mussten sie umkehren und sich einen besseren Pfad suchen, aber das Rote Gebirge konnte ihnen nicht mehr entkommen. Deutlich sichtbar wies es ihnen mit seinen roten H�ngen den Weg, und in den seltenen Augenblicken, in denen die Wintersonne durch das Wolkengrau drang, leuchteten sie auf, als st�nden sie in Flammen.</p><p>Schlie�lich entdeckten sie den Eingang zu einem schmalen Tal, das sich auf einen tiefroten Berg zuschl�ngelte. Am Eingang und in allen f�nf Biegungen des Tales ragten Mauern auf. F�r Feinde gab es hier kein einfaches Durchkommen, die Zwerge vom Stamme Borengar waren vorsichtig.</p><p>�Wir haben es geschafft�, freute sich Tungdil. Ersch�pft rieb er sich �ber den Bart, und das d�nne Eis, das sich in den Haaren unter der Nase gebildet hatte, l�ste sich. Seine Haut f�hlte sich kalt an, seine F��e sp�rte er fast nicht mehr, und wenn er sein Kettenhemd l�nger mit blo�er Hand ber�hrt h�tte, w�rde sie festfrieren. <emphasis>Ein gutes Bier wird die K�lte aus meinem K�rper vertreiben.</emphasis> �Da vorne liegt der Eingang!�, rief er laut.</p><p>Die Kriegerzwillinge blickten skeptisch auf die sechs Hindernisse, die zu �berwinden waren. �Ich frage mich, warum sie diese vielen Vorsichtsma�nahmen getroffen haben�, machte Bo�ndal sein Unbehagen angesichts der vielen Mauern deutlich. Er hatte seinen Zopf wie einen Schal um den Hals gewickelt, um sich vor der K�lte zu sch�tzen. �Man k�nnte meinen, dass die Kreaturen Tions von dieser Seite und nicht von Westen gegen den Durchgang anrennen.�</p><p>�K�nnen wir dar�ber nachdenken, wenn wir im Warmen angelangt sind?�, bat Rodario z�hneklappernd. �Meine Zehen lassen sich nicht l�nger hinhalten und drohen zu erfrieren.� Auch bei ihm hingen kleine Eiszapfen unter der Nase.</p><p>�Schauspieler sind wie kleine M�dchen�, meinte Bavragor absch�tzig, �oder wie Schimmerbart. Was �berhaupt keinen Unterschied macht.�</p><p>�Trink doch noch etwas von deinem Branntwein, damit du besoffen in den Schnee f�llst und stirbst�, zischte Go�mgar w�tend.</p><p>�Du wirst mit deinen zittrigen H�nden nicht einen einzigen Widerhaken f�r die Klinge passend fertigen, das sp�re ich.�</p><p>�Was du sp�rst, das ist Dr�cken zwischen deinen Backen, weil du st�ndig die Hosen voll hast, mein Kleiner�, gab er zur�ck und w�rdigte ihn nicht mal eines Blickes.</p><p>Bo�ndal wies sie an, in einer kreisf�rmigen Formation zu reiten. Vorsichtig und mit gez�ckten Waffen bewegten sie sich durch das Tal und n�herten sich schlie�lich dem ersten verwitterten Bollwerk, das vierzig Schritte vor ihnen in den Winterhimmel ragte. Ein eisernes, runenverziertes Tor versperrte ihnen das Weiterkommen. Die Ersten k�mmerten sich nicht sonderlich um das Verzieren der Steine, sondern hatten einfache Quader aufeinander geschichtet.</p><p>Tungdil las die alten Zeichen laut vor, das Portal blitzte auf, die Fl�gel schwenkten zur�ck und erlaubten ihnen den Eintritt. �Wenn nur alles so einfach w�re wie Lesen und Schmieden.� Der Tross setzte sich in Bewegung.</p><p>�F�r dich ist es einfach. Wissen lohnt sich zuweilen, Gelehrter�, meinte Bo�ndal lachend und deckte ihnen den R�cken. �Du beweist es mir immer wieder. Ohne dich �� Die Ringe seines Panzerhemds klingelten leise. Er verstummte abrupt, und seine Augen weiteten sich. �Was, bei Vraccas ��, stammelte er und langte hinter sich.</p><p>Ein schwarzer Pfeil ragte aus seinem R�cken, und schon zischte ein zweiter heran, durchbohrte seine Hand und die R�stung und verschwand in seinem Leib. Das Geschoss flog mit solcher Wucht, dass die Spitze vorn wieder austrat. �chzend rutschte Bo�ndal aus dem Sattel.</p><p>�Halt!�, rief Rodario voller Schreck, um die anderen aufmerksam zu machen, und z�gelte sein Pferd. Er h�rte, wie etwas gef�hrlich nahe an seinem Hals vorbeiflog und statt ihn das Tier in den Nacken traf. Wiehernd brach es zusammen, und der Schauspieler verschwand in einer wei�en Schneestaubwolke.</p><p>Djer&#x16F;n wandte sich um und erhielt ebenfalls einen Treffer. Mit einem seltsamen Ger�usch durchschlug der lange Pfeil die R�stung knapp neben And�kais Brust, doch selbst jetzt h�rte man hinter dem Helm keinen Laut hervordringen. Sofort drehte er sich um, damit seine Herrin nicht von einem der Geschosse getroffen wurde.</p><p>Die Maga fluchte laut und wirkte einen Zauber.</p><p>�Was ist?�, rief Furgas und wendete wie alle anderen der Gruppe.</p><p>�Da!�, machte Narmora sie auf die hoch gewachsene Gestalt mit den langen blonden Haaren am Eingang des Tales aufmerksam. Der Alb legte soeben den n�chsten Pfeil auf die Sehne des langen Bogens. Das Geschoss flog heran und hielt geradewegs auf Tungdil zu.</p><p>Er wollte aus dem Sattel springen, um dem gefiederten Tod zu entkommen, verhedderte sich dabei aber in den Steigb�geln, sodass er nicht mehr rechzeitig ausweichen konnte. Leise sirrend flog der Pfeil heran, um eine Fingerl�nge vor ihm regungslos in der Luft zu stehen, die Spitze genau auf sein Herz gerichtet. Er erschauderte.</p><p>�Schnell, nehmt Bo�ndal und lasst uns von hier wegreiten�, keuchte die Maga. �Ich kann den Zauber nicht mehr lange aufrecht halten.�</p><p>�Verfluchter Alb!�, schrie Bo�ndil, die Tobsucht in den Augen, und wollte sein Pony antreiben. �Da ist noch einer! Sie geh�ren mir!�</p><p>�Nein�, hielt ihn Tungdil auf und schaute nach vorn. Tats�chlich standen nun zwei Albae nebeneinander; sie warteten auf einen Hinweis, dass der Schutzzauber brach. �Du w�rdest And�kais Schutz verlassen und von den Geschossen durchbohrt werden. Dein Bruder ist wichtiger als sinnlose Rache.� Er griff in die Z�gel des Ponys.</p><p>�Weg!� Ingrimmsch starrte ihn an, ohne ihn zu erkennen. Ein Beil hob sich zum Schlag.</p><p>Bo�ndal richtete sich blutend auf. �Bruder, nein! Lass es nicht noch einmal geschehen�, st�hnte er und versuchte, sich mithilfe seines Kr�henschnabels auf die Beine zu stemmen, schaffte es aber nicht. Eine Hand war ihm durch den Pfeil auf den R�cken genagelt. Der Schmerz trieb ihm das Wasser in die Augen, dann verstummte er, und sein K�rper entspannte sich.</p><p>�Nein! Vraccas, lass nicht zu, dass er stirbt!� Bo�ndil sprang aus dem Sattel und kniete neben ihm nieder. �Sein Herz schl�gt noch.� Hastig schnitt er die Sch�fte der Pfeile ab und hob seinen Bruder auf. �Wir m�ssen ihn in die Festung bringen.�</p><p>Schnell hievten sie den Leblosen auf das Pony und zerrten das vom Geschrei v�llig verst�rte Tier auf das n�chste Tor zu.</p><p>Tungdil befiel das kalte Grausen, als er die Blutspur des Zwergs im pulvrigen Wei� sah. <emphasis>Selbst �ber die Krieger bringt die Expedition Verderben.</emphasis></p><p>Er warf einen Blick zu den Albae hin�ber. In dem Blonden glaubte er Sinthoras wieder zu erkennen. <emphasis>Verfluchte Bestie! Er muss den Angriff Djer&#x16F;ns in der Oase �berstanden haben.</emphasis> Jetzt kehrte er zur�ck und nahm Rache f�r sich und seine Gef�hrtin, die sie in Gr�nhain get�tet hatten.</p><p>Sinthoras riss sich ein Band vom Hals, wickelte es um sein n�chstes Geschoss und zielte. Der Abstand bis zu ihnen betrug zweihundertf�nfzig Schritt, aber Tungdil zweifelte nicht daran, dass der t�dliche Pfeil bis zu ihnen gelangte. Die Sehne schnellte nach vorn, und kurz darauf schoss auch Sinthoras� Begleiter.</p><p>�Gebt Acht!�, warnte Tungdil die anderen und verlor die Pfeile aus den Augen; sie waren zu schnell, um ihren Flug zu verfolgen.</p><p>Der magische Schild, den And�kai errichtet hatte, flimmerte, als der erste Pfeil ihn brach. Der zweite schlug im R�cken Djer&#x16F;ns ein und bohrte sich durch das Metall.</p><p>Dieses Mal drang ein dumpfer Laut unter dem Kopfschutz des Kriegers hervor, und aus der Wunde spr�hte eine grellgelbliche Fl�ssigkeit, als h�tte die Spitze eine prall gef�llte Blase getroffen.</p><p>Tungdil hatte dieses Zeug in K�nigsstein gesehen, es schwamm in der Pf�tze, kurz nachdem er gerettet worden war. <emphasis>Er wurde damals wirklich verletzt.</emphasis> Der Krieger schwankte, sch�ttelte benommen den Kopf und ging weiter, dieses Mal deutlich langsamer. �Nicht stehen bleiben!�</p><p>Sie rannten und ritten auf das zweite Tor zu. Tungdil �ffnete es, und als das Portal sich hinter ihnen schloss, f�hlten sie sich einigerma�en sicher.</p><p>�Schneller!� Bo�ndil trieb sie zur Eile an, w�hrend das Blut seines Bruders die Flanke des Ponys tr�nkte.</p><p>Aus der gelblichen Fl�ssigkeit, die aus Djer&#x16F;ns Wunde sickerte, war eine dunkelgraue geworden, und seine Geschwindigkeit verringerte sich best�ndig.</p><p>Die Beine der Zwerge, Menschen und Tiere sanken im tiefen Schnee ein, als sie sich den sanften Abhang hinunter auf das n�chste Tor zuk�mpften.</p><p>Tungdil erinnerte sich bei dem Anblick an den sanften Abhang neben dem Stollen in Ionandar, auf dem er mit Frala und Sunja im Winter Schlitten gefahren war. Kurz entschlossen nahm er Go�mgar den Schild weg und drehte ihn um. �Legt Bo�ndal drauf. Wir rutschen hinunter, das geht schneller.�</p><p>Sie legten den Schwerverletzten darauf, Ingrimmsch kauerte sich �ber ihn, und so sausten sie �ber die wei�e Fl�che, direkt auf den dritten Durchgang zu, der sich �berraschenderweise f�r die beiden �ffnete.</p><p>Die glatte Unterseite des Schildes glitt immer schneller �ber den Schnee, und Bo�ndil konnte weder steuern noch bremsen. Dann raste er genau auf eine Gruppe von Zwergen zu, die hinter dem Portal Aufstellung genommen hatte und mit ihren �xten auf die Neuank�mmlinge wartete.</p><p>Tungdil legte die H�nde an den Mund. �Bei Vraccas, wir sind Zwerge vom Stamm der Zweiten�, rief er den Verteidigern zu, und sein Atem stand als wei�e Wolke in der kalten Luft. �Senkt die Waffen!�</p><p>Die Ersten erkannten die nahenden Freunde noch rechtzeitig und bildeten eine Gasse, um das seltsame Gef�hrt passieren zu lassen, das umgeben von glitzernder Gischt durch ihre Reihen rauschte. Wie durch ein Wunder geschah niemandem etwas.</p><p>Der Rest der Gef�hrten keuchte heran und wurde von den Wachen argw�hnisch betrachtet, von denen wegen der R�stungen und Pelze zum Schutz gegen die K�lte nur die Augenpartien zu erkennen waren. Ein Wald aus langen Spie�en, �xten und Kriegsh�mmern reckte sich ihnen entgegen.</p><p>�Der Segen von Vraccas, der unser Sch�pfer ist, sei mit euch! M�ge das Feuer der Lebensesse niemals erl�schen. Mein Name ist Tungdil Goldhand�, stellte er sich nach Luft ringend vor und warf einen Blick �ber die Schulter, um nach den Albae Ausschau zu halten. �Das sind meine Freunde und Begleiter. Wir m�ssen mit eurem K�nig sprechen, der Rat der St�mme hat uns gesandt, um mit euch die Rettung des Geborgenen Landes zu bereden.�</p><p>Der Wald aus Stahl und Eisen lichtete sich. Ein Zwerg in Kettenhemd, Lederhose und einem besonders sch�n gearbeiteten wei�en Pelzumhang trat nach vorn. �Wir haben schon seit vielen Zyklen nichts mehr von den anderen St�mmen und Clans geh�rt, und nun, wo das Tote Land erwacht ist, taucht eine bunte Ansammlung aus Langen und Zwergen auf?� Die Stimme war ungew�hnlich f�r einen Mann.</p><p>�Wie sprichst du zu uns, Zwerg, der keinen Namen zu haben scheint?!�, grollte Bavragor und trat vor; er �berragte den Sprecher um einen Kopf. �Ich bin Bavragor Hammerfaust aus dem Clan der Hammerf�uste, ein Kind des Schmiedes aus dem Stamm Bero�ns und dir ebenb�rtig. Sieht so die Gastfreundschaft der Ersten aus?�</p><p>�So kann nur ein Zwerg poltern�, meinte der andere und zog den Schal nach unten, damit man das Gesicht erkennen konnte.</p><p>Tungdil verschlug es die Sprache. Er schaute in das Antlitz einer Zwergin! Die weichen Z�ge waren unverkennbar, und anstelle eines Bartes trug sie zarten dunkelbraunen Flaum, der an den Seiten dichter und dunkler wurde.</p><p>�Mein Name ist Balyndis Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger. Ich besch�tze die Hauptpforte der Ersten, und von daher ist es meine Pflicht, G�ste genau zu betrachten, ehe ich sie hereinbitte�, sagte sie keineswegs eingesch�chtert.</p></section><section><title><p>IV</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Ersten, Borengar, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Du bist ein Weib�, sagte Bavragor verbl�fft.</p><p>�Gut gesehen, Bavragor Hammerfaust aus dem Clan der Hammerf�uste�, entgegnete sie l�chelnd mit sp�ttelndem Unterton. �Dein Auge ist scharf.� Dann gab sie Anweisung, dass man sich um den verletzten Bo�ndal k�mmern sollte. Vier Zwerge hoben ihn samt Schild auf und trugen ihn auf das vierte Tor zu. Sein Bruder wich nicht von seiner Seite, nachdem es ihm Tungdil mit einem knappen Kopfnicken erlaubte. �Wir bringen euch in die gro�e Halle. Dort werdet ihr unsere K�nigin treffen.�</p><p>Die W�chterin musterte Tungdil neugierig, dann wandte sie sich um, und sie folgten ihr. Tungdil warnte sie vor dem Alb, worauf Balyndis die Krieger anwies, die Mauern des dritten Walles zu besetzen, auf dem gro�e Speerkatapulte und Steinschleudern aufgebaut waren.</p><p>�Wozu braucht ihr die?�, wollte er wissen.</p><p>�Wir hatten vor vielen Zyklen mit Trollen zu k�mpfen, die Tion in unserem R�cken aussetzte. Unsere Vorv�ter errichteten die W�lle, um ihre Angriffe zu behindern, und schlie�lich unterlagen die Bestien.� Sie schaute nach oben. Eine Wache signalisierte ihr, dass alles ruhig war. �Scheint, als h�tten sich die Albae zur�ckgezogen. Was wollten sie von euch?�</p><p>�Verzeih, aber das berede ich mit deiner K�nigin�, wich er ihrem forschenden Blick aus.</p><p>�Das ist ja h�chst aufschlussreich�, meinte Rodario ganz aufgeregt. �Scheint so, als h�tten die Frauen hier die Hosen an. Ein Aufstand der Zwerginnen! Wenn meine verdammte Tinte nicht eingefroren w�re�, jammerte er. �Das kann ich mir niemals alles merken!�</p><p>�Ein Aufstand?� Balyndis lachte. �Nein, kein Aufstand. Ist es nicht �blich, dass sich Mann und Frau die Aufgaben teilen?�</p><p>Djer&#x16F;n hatte And�kai abgesetzt und schwankte hinter ihnen her, bis er im letzten Torbogen stehen blieb und sich an einen Pfeiler lehnte.</p><p><emphasis>Es geht dem Krieger sehr schlecht,</emphasis> stellte Tungdil fest. Er f�hlte sich mit verantwortlich, weil Djer&#x16F;n seinetwegen bereits in K�nigsstein verletzt worden war.</p><p>�Er muss es nur noch ein paar Schritte weit schaffen�, sagte die Zwergin, �danach k�mmern sich unsere Heiler um ihn.� Sie schien sich keine Gedanken dar�ber zu machen, dass seine Gr��e nicht zu der eines gew�hnlichen Menschen passte.</p><p>�Nein, das ist nicht notwendig. Ihr k�nnt vorgehen, ich muss mich selbst um ihn k�mmern�, schickte And�kai sie vor. Djer&#x16F;n rutschte langsam an der Steinwand hinab und sank in den Schnee. �Wir folgen euch nach. Eure Kunst reicht nicht aus, um seine Verletzungen zu kurieren; nur meine Magie kann ihm helfen.� Ohne R�cksicht auf ihren eigenen geschw�chten Zustand kniete sie sich neben ihn und zog ihre letzten innerlichen Reserven zusammen. �Geht!�, befahl sie hart, und die anderen wandten sich um, ohne zu widersprechen.</p><p><emphasis>Das ist also die Heimat der Ersten.</emphasis> Tungdil schaute zu den roten H�ngen des Berges. An seinem Fu� hatten die Ersten eine Festungsanlage mit neun Schwindel erregenden T�rmen herausgeschlagen. Der Baustil sah anders aus als der der Zweiten, weniger hart und kantig, sondern geschwungener, aber nicht weniger best�ndig und solide. Auf aufw�ndige Ornamente hatten sie ganz verzichtet.</p><p>Die Gruppe lie� ihre Pferde zur�ck und stieg auf eine h�lzerne Plattform am Ende eines Turms. �Bewegt euch nicht und bleibt ruhig stehen. Das erste Mal ist es sicherlich ungewohnt.� Balyndis legte einen Hebel um, und schon schossen sie nach oben, flogen an engen und steilen Wendeltreppen vorbei.</p><p>Tungdil h�rte unterwegs das Rasseln von Ketten, die sich abspulten und aufwickelten. <emphasis>Ein Flaschenzug f�r Leute!</emphasis> �Ihr hattet das Treppensteigen satt?�, fragte er die Zwergin.</p><p>Balyndis schenkte ihm ein L�cheln, und ihre Z�ge wurden f�r ihn dadurch noch h�bscher. �Es macht das Leben leichter.�</p><p>Sie gelangten an die Spitze des h�chsten der neun T�rme und zu einem Wehrgang. Auf ihm schritten sie entlang, bis sie �ber eine breite, frei tragende Bogenbr�cke auf den Eingang zumarschierten.</p><p>Rechts und links von ihnen ging es zweihundert Schritt in die Tiefe. Kr�hen und Dolen kreisten um sie, und der Wind pfiff eisiger denn je. Narmora achtete darauf, dass das rote Kopftuch nicht davonflog.</p><p>Die gro�en, gut zehn Schritt breiten und f�nfzehn Schritt hohen Portale blieben ihnen verschlossen; stattdessen �ffnete Balyndis ihnen eine T�r, durch die sie in die gro�e Halle gelangten.</p><p>Bavragor wirkte sehr zufrieden. �Wusste ich�s doch�, murmelte er und brauchte nichts weiter zu sagen, denn alle wussten, dass er soeben ein Qualit�tsurteil �ber die Steinmetzarbeiten der Ersten abgegeben hatte.</p><p>Was ihn nicht sonderlich beeindruckte, sorgte bei Furgas, Rodario und Narmora indes f�r unverkennbares Staunen und Begeisterung.</p><p>�Ich habe immer davon geh�rt, aber niemals geglaubt, dass man solche Hallen in den Fels treiben kann�, sagte Furgas ehrfurchtsvoll und senkte seine Stimme.</p><p>�Wir brauchen unbedingt ein neues Theater�, beschloss der Schauspieler. �Es muss noch gr��er sein, damit wir den Spectatores den Eindruck dieser Herrlichkeit vermitteln k�nnen.� Er ber�hrte den Stein mit den Fingern. �Tats�chlich, er ist echt. Keine Pappe. Sagenhaft, nein, es ist m�rchenhaft!�</p><p>Sie bewunderten die Statuen und Standbilder aus Bronze und Kupfer, an deren Detailreichtum sich vor allem die Zwerge erfreuten. Es waren Darstellungen von Schlachten gegen die Kreaturen Tions, aber auch einzelne Zwerge, wie der Stammvater der F�nften oder herausragende Krieger und Kriegerinnen der Ersten.</p><p>�Hier entlang�, wies sie ihre F�hrerin an, die einige Schritte vorausgeeilt war, und zeigte ihnen das n�chste Wunder.</p><p>Dieses Mal musste Bavragor eingestehen, dass zumindest die Ingenieure der Ersten unerreicht waren. Dort, wo der Stein nicht ausgereicht hatte, um eine Br�cke �ber die unendlich tiefen Schluchten zu schaffen, hatten sie gl�nzende Stahlplatten in die L�cken eingesetzt und sie mit wundersch�nen schmiedeeisernen Gel�ndern und Zierrat aus Silber versehen.</p><p>Bei der letzten Br�cke erzeugten die genagelten Stiefel bezaubernde T�ne, jede Platte klang anders. Der Schall drang durch die hohe H�hle, und die T�ne mischten sich zu einem einfachen, doch herrlichen Konzert.</p><p>�Ich kapituliere�, meinte Rodario erschlagen von den Eindr�cken des Zwergenreichs. �Wir lassen das Projekt fallen und f�hren irgendeine bl�dsinnige Posse auf. Nicht die beste Illusion vermag das hier nachzuahmen.�</p><p>�Doch, das bekommen wir schon hin�, meinte Furgas zuversichtlich. �Es wird nur sehr teuer.�</p><p>Das letzte Eis und der letzte Schnee schmolzen von ihrer Kleidung und den R�stungen, sie f�hlten sich wohler und sehr m�de.</p><p>Balyndis blieb vor einer gro�en Pforte stehen und klopfte. Ein goldener Schimmer fiel durch den Spalt und gab ihnen einen Vorgeschmack auf die Pracht, die sie im Innern erwartete.</p><p>Der rechteckige Saal war ganz mit Blattgold ausgekleidet. Die W�nde reflektierten das warme Licht der aufgestellten Kerzen und Leuchter; s�mtliche Statuen bestanden aus Gold, Silber, Vraccassium und weiteren wertvollen Metallen, welche die Clans der Ersten aus dem Leib des Berges gesch�rft hatten. Die Skulpturen waren mit losen Schmuckst�cken versehen, die man nach Belieben austauschen konnte.</p><p>Die K�nigin sa� zwanzig Schritt von ihnen entfernt auf einem Thron, der offenbar aus purem Stahl bestand. Zwerginnen und Zwerge in vergoldeten R�stungen wachten �ber sie. Kunstvolle Mosaikbilder aus gewalzten Silber-, Gold- und Vraccassiumpl�ttchen hingen �ber ihren K�pfen und funkelten.</p><p>�Sagte ich teuer?�, raunte Furgas Rodario zu. �Ich meinte, sehr teuer.�</p><p>�Kommt n�her und seid im Reich der Ersten willkommen�, erlaubte ihnen die Herrscherin den Eintritt.</p><p>Tungdil setzte sich an die Spitze des kleinen Zuges. H�flich verneigte er sich vor der K�nigin und sank auf ein Knie nieder. Die anderen Zwerge taten es ihm nach, und nur die Menschen begn�gten sich mit einer tiefen Verbeugung. Dann stellte er sie der Reihe nach vor und verga� auch nicht, die Zwillinge und die Maga zu erw�hnen.</p><p>�Ich bin Tungdil Goldhand vom Stamm der Vierten�, beendete er seine kurze Rede und hoffte, dass er alles richtig gemacht hatte. �Ein wichtiges Anliegen f�hrte uns quer durch das Geborgene Land bis zu dir.�</p><p>�Sehr sch�n, Tungdil Goldhand. Ich bin K�nigin Xamtys II. Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirne und seit zweiunddrei�ig Zyklen Gebieterin �ber das Rote Gebirge. Euer Besuch macht mich neugierig, denn ich habe schon lange nichts mehr aus den Reichen meiner Br�der geh�rt.� Sie trug eine R�stung aus goldenen Ringen und eine vierzackige Keule als Zepter, ihre braunen Augen blickten neugierig und freundlich zugleich.</p><p>Sie bekamen Getr�nke gereicht; hei� stieg der Dampf aus den Bechern auf. Rodario schl�rfte mit wohligem Seufzen und freute sich �ber die W�rme, die sich seit langer Zeit wieder in ihm ausbreitete.</p><p>�Und welches wichtige Anliegen f�hrt dich und deine Freunde in mein Reich?�, fragte die K�nigin.</p><p>�Es ist leider nichts Gutes.� Tungdil begann mit seinem Bericht, schilderte die Ver�nderungen im Geborgenen Land, den Tod der Magi und Magae und verheimlichte ihr auch nicht die Streitfrage um den n�chsten Gro�k�nig. Schlie�lich kam seine Sprache auf die Feuerklinge.</p><p>�Und dazu ben�tigten wir den besten Schmied, den dein Reich zu bieten hat. Er muss in der Lage sein, die Waffe gegen N�d�onn zu schmieden�, sagte er beschw�rend. �Hilf uns und rette damit auch dein Reich, K�nigin.�</p><p>Xamtys musterte ihn mit ihren dunkelbraunen Augen und spielte mit einer Str�hne ihres dichten blonden Flaums. Abrupt lie� sie sie los. �Es klingt ernst, was du berichtest, Tungdil�, meinte sie gedankenvoll. �Der andere Bewerber, Gandogar, ist noch nicht bei uns erschienen. Das l�sst mich das Schlimmste f�r ihn bef�rchten. Vielleicht hatte er gegen die Albae weniger Beistand von Vraccas als ihr.�</p><p>�Niemals!�, begehrte Go�mgar auf. �Vraccas sch�tzt ihn! Er ist der einzige rechtm��ige Anw�rter auf den Thron!�</p><p>�Das habe ich nicht zu befinden�, erwiderte sie freundlich und wandte sich an Tungdil. �Deinen Wunsch erf�lle ich dir gern. Kann es einen besseren Zeitpunkt geben, die alte Gemeinsamkeit der St�mme aufleben zu lassen?� Sie wies mit ihrer Keule auf Balyndis. �Sie wird euch begleiten. Sie ist nicht nur meine beste K�mpferin, sondern auch die beste Schmiedin.�</p><p>�Verzeiht, o edle K�nigin, wenn ich mich einmische, aber wie kam es, dass eine Zwergin auf den Thron gelangte?�, erkundigte sich Rodario neugierig. �Ich dachte immer, die M�nner ��</p><p>�Ein wissbegreriger Langer, wie es scheint? Nun, ich erkl�re es dir. Es begann mit einem Streit. Mein Vater Boragil sch�tzte den Rat meiner Mutter, aber sprach ihr die Bef�higung ab, das Reich f�hren zu k�nnen. Sie �rgerte sich und verlangte, dass sie den Gegenbeweis antreten d�rfe. Schlie�lich einigten sie sich darauf, dass sie vierzehn Uml�ufe lang die Geschicke der Ersten lenken durfte. Genau in diese Zeit fiel der Angriff der Trolle, aber meine Mutter dachte gar nicht daran, das Amt deswegen aufzugeben. Sie trat den Ungeheuern an der Spitze eines Heeres entgegen und schlug sie mit Kraft und List in die Flucht. Damit war bewiesen, dass sie sogar besser herrschte als mein Vater. Als dieser den Thron nach vierzehn Uml�ufen zur�ckverlangte, widersetzte sie sich, und die Clans folgten ihr.� Sie stand auf. �Als meine Mutter vor zweiunddrei�ig Zyklen starb, folgte ich ihr auf den Thron.�</p><p>�Vielen Dank, o gro�e K�nigin. Ihr werdet eine herausragende Rolle in meinen St�ck erhalten.�</p><p>Eine Botin betrat den Saal und berichtete, dass es Bo�ndal sehr schlecht gehe; die Magierin sei bei ihm und versuche, ihm zu helfen. Die Besorgnis der Zwerge wuchs.</p><p>�Ich lasse euch ein Nachtlager zuteilen, wo ihr euch von den Strapazen erholen k�nnte. Danach lasse ich euch Kleider und Pelzm�ntel gegen die K�lte anfertigen�, sagte Xamtys. �Ich nehme an, dass ihr morgen gleich Weiterreisen wollt? Die Eing�nge zu den Tunneln lasse ich euch zeigen, wenn ihr ausgeruht seid.�</p><p>�Du kennst das Geheimnis?�, fragte sie Tungdil �berrascht und musste ein G�hnen unterdr�cken. �Und dennoch sind die Ersten niemals darin gefahren?�</p><p>�Meine Mutter sorgte sich, dass ihre Throneroberung von den anderen St�mmen schlecht aufgenommen werden k�nnte. Um Streitereien zu verhindern, verhielt sie sich still, und so hielt ich es auch.�</p><p>�Dann bitte ich dich im Namen des Rates der St�mme, dass du wenigstens eine Gesandtschaft deiner Clans ins Blaue Gebirge schickst, um an den Beratungen teilzuhaben.� Tungdil legte viel Nachdruck in seine Rede. �Du hast vorhin die Gemeinschaft der St�mme erw�hnt. Hilf, dass sie wieder entsteht.�</p><p>�Er hat mit seinen Berichten �ber das Tote Land nicht �bertrieben, gro�e K�nigin�, unterst�tzte ihn Rodario. �Wir haben gesehen, was die Orks anrichten. N�d�onn treibt sie voran, und nur Euer Volk kann sie aufhalten. Sprecht mit den K�nigen und Clanf�hrern der Vierten und Zweiten und f�rchtet Euch nicht vor dem, was sie zu Euch sagen k�nnten. Es ist keine Zeit zum Zaudern.�</p><p>Tungdil warf ihm einen dankbaren Blick zu. <emphasis>Wer h�tte das gedacht?</emphasis></p><p>Xamtys blickte sie g�tig an. �Sobald ihr zur Reise ins Graue Gebirge aufbrecht, werden meine Clans und ich nach langen Zyklen unsere Br�der und Schwestern treffen.� Sie schaute entschlossen, die Keule schlug gegen den Thron. �Ihr habt Recht, die Sache duldet keinen Aufschub.�</p><empty-line/><p>�Das ist sehr freundlich von dir�, presste Bo�ndal unter Schmerzen stockend hervor, �doch ich will deine Hilfe nicht. Ich werde die Verwundung ohne deine Magie �berstehen.�</p><p>Die Helfer hatten ihn in eine warme Kammer getragen, sein Kettenhemd abgenommen und seine Wunden freigelegt, damit sie behandelt werden konnten. Die ersten Verb�nde waren durchgeblutet, nun wartete er auf neue.</p><p>And�kai, die nicht weniger blass war als er, sa� neben seinem Bett, die Einsch�sse betrachtend. Sein K�rper rang mit den Auswirkungen der Albaepfeile: Einige innere Organe waren von der Spitze verletzt worden, und dazu kam der nicht unwesentliche Blutverlust. �Ich kenne mich mit Verwundungen aus, und das, was ich sehe, l�sst mich an deinen Worten zweifeln�, meinte sie aufrichtig, und die blauen Augen spiegelten ihre Besorgnis wider. ��berwinde deinen Stolz und denke daran, dass wir weiter m�ssen.�</p><p>�Es geht nicht um Stolz�, sprang ihm sein Bruder aufgebracht bei, der auf der anderen Seite neben der Schlafst�tte stand und sorgsam �ber alles wachte. Er hatte sich nicht einmal erlaubt, etwas zu essen, nur seinen Mantel hatte er abgelegt. �Wir wollen deine Magie nicht, es ist schlechte Magie. Du betest Samusin an und k�nntest das B�se in ihn hineinzaubern.�</p><p>�Unsinn�, wies sie den Vorwurf zur�ck.</p><p>Bo�ndal schloss die Augen, und seine Atmung wurde schneller. �Ich � will � nicht.�</p><p>�Ohne deine zwergische Robustheit und deinen Dicksch�del w�rst du schon lange tot�, sagte sie k�hl. �Wie lange m�chtest du mit deinem Leben spielen? Lass mich dir helfen, so lange ich es noch kann. Auch meine Kraft schwindet.�</p><p>Doch er antwortete nicht mehr; stattdessen nickte Bo�ndil zur T�r. �Sieh nach deinem eigenen Verletzten, Zauberin, und lass die Zwerge ihre Verwundeten selbst pflegen.�</p><p>Die Maga stand auf, eine Hand an ihren Schwertgriff gelegt, und schritt schweigend zur T�r.</p><p>�Er meint es nicht so�, raunte Bo�ndal. �Ich danke dir f�r dein Angebot, aber Vraccas wird daf�r sorgen, dass ich �berlebe.�</p><p>And�kai warf sich den Mantel um die Schultern. �Ich w�nsche dir, dass dein Gott dich erh�rt.� Laut fiel die T�r ins Schloss, und es wurde still in der Kammer.</p><p>�Ich bin mir nicht mehr so sicher ��, sagte Bo�ndal nach einer Weile.</p><p>�Sei ruhig, Bruder�, unterbrach Bo�ndil ihn. �Vraccas hat dich gesehen und wird dir ein langes Leben schenken. Wenn einer den Tod verdient, bin ich es. Sei also unbesorgt.� Er gab ihm noch einen Schluck Wasser zu trinken und verlie� das Zimmer ebenfalls, um die Helfer mit den frischen Verb�nden herbeizuscheuchen.</p><p>�Vraccas stehe ihm bei!� Seine R�stung lastete tausendmal schwerer als sonst, die Beine f�hlten sich an, als stemmten sie Tonnen, und seine Gedanken kreisten einzig um Bo�ndal. Sein w�chsernes Gesicht machte ihm Angst, die Pfeilwunden trennten ihn um Haaresbreite vom Einzug in die Ewige Schmiede. Die Zauberin hatte mit ihrer Bemerkung �ber die Z�higkeit seines Volkes Recht. Ein Mensch �berstand solche Verletzungen nicht, und ob sie ein Zwerg �berst�nde, das w�rden die kommenden Uml�ufe zeigen.</p><p>Im Gang stie� er auf Tungdil, der sich anschickte, den Verwundeten zu besuchen. �Wie geht es ihm?�, wollte er beunruhigt wissen.</p><p>�Er schl�ft. Die Verb�nde sind durchgeblutet, und er ben�tigt dringend neue�, sagte der Krieger fahrig. Das irre Funkeln in seinen Augen war unendlich gro�er Sorge gewichen.</p><p>�Ich dachte, And�kai wolle nach ihm sehen? Hat ihre Magie nichts erreicht?�, wunderte er sich.</p><p>�Wir wollen nicht, dass sie uns hilft�, antwortete Ingrimmsch. �Magie ist nichts, taugt nichts. Mit Samusin wollen wir schon mal gar nichts zu tun haben.� Er ging an ihm vorbei und rief nach den Pflegern, die daraufhin angelaufen kamen und frische Verb�nde brachten.</p><p>Tungdil wusste, dass er sich einen Streit �ber Magie mit den Zwillingen sparen konnte. �berzeugung und Starrsinn lagen allzu dicht beieinander. <emphasis>Eher w�rde Bo�ndal sterben, als sich von der Maga heilen zu lassen.</emphasis></p><p>Leise betrat er die Kammer und betrachtete den Zwerg, der wie tot in den Kissen lag, das Gesicht bleich, die Brust hob und senkte sich kaum. Die Pfleger wuschen das verkrustete Blut sorgsam ab und n�hten die klaffenden Wunden wieder zusammen. Anschlie�end deckten sie eingeweichte Moose dar�ber, deren Saft die Qualen linderte.</p><p>�Wir werden ohne ihn Weiterreisen m�ssen�, meinte Tungdil halblaut zu Ingrimmsch. �In seiner Verfassung macht er keine hundert Schritt, ohne dass er uns stirbt.�</p><p>�Nein � Ich schaffe es, Gelehrter�, kam es leise, aber bestimmt aus Bo�ndals Mund. Er richtete seine Augen flehend auf ihn, fasste seine Hand. �Nach zwei Uml�ufen geht es wieder. Es ist nur ein Kratzer!�</p><p>Tungdil blickte fragend zu einem der Pfleger, der den Kopf sch�ttelte. �Nein, das wird nicht gehen. Die �u�eren Wunden sind nicht die Schwierigkeit, sondern die inneren Verletzungen. Jede Bewegung sorgt f�r eine Verschlimmerung. Er w�rde qualvoll zu Grunde gehen. Er kann nicht reisen.�</p><p>�Bleib hier und genese, Bo�ndal. Wir treffen uns rechtzeitig zur gro�en Schlacht gegen N�d�onn�, entschied Tungdil schweren Herzens. �Du hast deinen Anteil geleistet.�</p><p>�Ich gehe mit! Wo einer von uns beiden ist, da ist auch der andere. Es ist die gr��te Tat, die jemals von unserem Volk ��</p><p>Er wollte sich aufrichten, aber sobald er seinen Oberk�rper ein wenig r�hrte, st�hnte er laut auf, und ein dunkelroter Fleck entstand auf den frisch angelegten Verb�nden. �Es scheint, als ob du Recht h�ttest, Gelehrter�, knurrte er durch die zusammengebissenen Z�hne hindurch und schaute zu seinem Bruder. �Du wirst ihn und die anderen allein besch�tzen m�ssen.�</p><p>Bo�ndil stand stocksteif neben dem Bett, er wusste nicht, was er sagen sollte. �Zum ersten Mal in unseren Leben werden wir getrennt sein�, sprach er mit belegter Stimme und fasste die Hand Bo�ndals. �Ich werde dich bei den K�mpfen vermissen. Die ersten einhundert Schweineschnauzen sind f�r dich.�</p><p>�Du hast Gro�es vor�, l�chelte er schwach. �Aber �bernimm dich nicht. Ich kann dir nicht den R�cken frei halten.� Sie umarmten sich, Tr�nen rannen �ber ihre b�rtigen Wangen. Einen solchen Abschied hatten sie noch niemals begangen.</p><p>�Und z�gle deine Tobsucht, Bruder. Du wirst deine Wut besser kontrollieren m�ssen als sonst, versprich es mir!�</p><p>�Ich verspreche es�, schwor Ingrimmsch feierlich. �Doch nun ruh dich aus.� Zusammen mit Tungdil verlie� er die Kammer. �Wann brechen wir auf?�</p><p>�So fr�h wie m�glich�, antwortete Tungdil. �And�kai hat Djer&#x16F;n auf magische Weise zusammengeflickt. Ihm es geht es so weit gut, dass er reisen kann, auch wenn ich noch nicht genau wei�, wie wir ihn in eine Lore bekommen.�</p><p>�Wir brauchen sowieso mehrere�, sch�tzte Bo�ndil. �Hammerfaust, Schimmerbart, die drei Schauspieler, unsere Metalle, die Maga und ihr Scho�krieger, das passt niemals in einen Karren.�</p><p>�Und Balyndis�, f�gte Tungdil hinzu.</p><p>�Wer?�</p><p>�Die Schmiedin.�</p><p>�Ein Weib also.�</p><p>�Du klingst ebenso begeistert wie Bavragor�, merkte er spitz an.</p><p>�Oh, ich bin der Letzte, der Frauen geringsch�tzt. Ich mag gut gebaute Zwerginnen, an denen man sich festhalten und w�rmen kann, mit ordentlichen Br�sten und runden Gesichtern, aber ��</p><p>�Bei den Clans der Zweiten gibt es auch etliche Schmiedinnen. Und Smeralda konnte angeblich k�mpfen wie �� <emphasis>Verflucht!</emphasis></p><p>Bo�ndil versteinerte, als er den Namen seiner toten Liebe h�rte. �Sie soll mitkommen. Ich bin m�de.� Er stapfte den Gang entlang zu seiner Unterkunft.</p><p>Besorgt schaute Tungdil ihm hinterher. <emphasis>Das war dumm. Ein d�mlicher Ausrutscher,</emphasis> �rgerte er sich.</p><p>�Glaube mir, ich kenne mich mit Hammer und Amboss sehr gut aus�, sagte eine weibliche Stimme hinter ihm. Erschrocken drehte Tungdil sich um. �Verzeih, ich wollte dir keinen Schrecken einjagen.� Balyndis stand vor ihm, sie trug noch immer ihr Kettenhemd, und ihr langes dunkelbraunes Haar umrahmte ihr rundliches Gesicht. �Ich wollte dir nur sagen, dass ich mich darauf freue, mit euch zu ziehen.�</p><p>Sein Herz pochte ein wenig schneller, und der Gedanke daran, mit ihr die n�chsten Uml�ufe gemeinsam durch das Geborgene Land zu ziehen, gefiel ihm so sehr, dass er die Sorge wegen Bo�ndal verdr�ngte. Gebannt schaute er in ihre dunkelbraunen Augen und brachte keinen Ton heraus.</p><p>�Ich f�hre die Axt so gut und sicher wie den Hammer.�</p><p>Tungdil l�chelte, seine Stimme versagte weiterhin.</p><p>Balyndis wusste mit seinem Verhalten nichts anzufangen. �Glaubst du mir, oder willst du in einem Probekampf sehen ��</p><p>�Nein, bei Vraccas!�, rief und hob die Arme. �Ich glaube dir! Ich wei�, dass Zwerginnen k�mpfen k�nnen.�</p><p>Auch wenn er es nicht so gemeint hatte, ver�belte die Schmiedin ihm seine Worte. �Nun, Tungdil, jetzt bestehe ich auf einer Probe�, sagte sie und zog ihre Axt; dabei zuckten die Muskeln an den Oberarmen und ihrer Brust.</p><p>�Nein, ich habe es ehrlich gemeint�, versuchte er sich zu retten. �Ich habe nur Bedenken, dass ich � dich � verletzen k�nnte.�</p><p>�Ach? Meinst du, du k�nntest es schaffen, mich zu verletzen?�</p><p><emphasis>Sie dreht mir aus allem einen Strick!</emphasis> �H�chstens aus Unachtsamkeit�, versuchte er weiter, die Situation zu retten, w�hrend sie den Stiel ihrer Axt streitlustig hin und her drehte. �Ich glaube dir, Balyndis ��</p><p>�Ich nicht�, sagte Bavragors tiefe S�ngerstimme und trat an sie heran, die Rechte um den Hammer geschlossen. �Ich m�chte sehen, ob sie uns bei Gefechten zur Last wird oder ob sie k�mpft wie der kleine Go�mgar.�</p><p>Sie senkte den Kopf. �Du wirst gleich Sterne vor deinem verbliebenen Auge sehen�, prophezeite sie ihm, und gerade noch rechtzeitig sprang Tungdil nach hinten, um nicht zwischen Hammer und Axt zu kommen.</p><p>Klirrend trafen die Waffen aufeinander. Bavragor grunzte anerkennend und geriet bald in Bedr�ngnis, da er nicht damit gerechnet hatte, dass sie �ber solche Kraft und Schnelligkeit verf�gte. Sie griff immer �ber seine blinde Seite an und zwang ihn, den Kopf zu drehen. W�hrend er die Axt abwehrte, zuckte pl�tzlich das Ende ihres Stiels hoch und traf ihn genau an den Helm. Benommen taumelte er gegen die Wand und sackte auf den Hintern.</p><p>Verdutzt schaute er zu der grinsenden Balyndis auf, dann tastete er ungl�ubig nach seinem Sch�del. Seine Schultern bebten, erst langsam, dann immer heftiger, bis das Lachen aus seiner Kehle stieg und laut durch den Gang hallte.</p><p>�Das geschieht mir recht�, am�sierte er sich immer noch, stemmte sich auf die Beine und reichte ihr die schwielige, raue Hand, die sie gern ergriff. �Da schau sich einer das Prachtweib an. Sie langt ordentlich zu.�</p><p>�Nachdem wir das gekl�rt haben und wissen, dass du sehr gut k�mpfst, sollten wir zu Bett gehen, damit wir morgen f�r die Weiterreise ausgeruht sind.� Tungdil nickte ihr zu und freute sich, dass ihm der Kampf erspart geblieben war.</p><p>Balyndis l�chelte und wollte sich umdrehen, als Bavragor ihren Arm ergriff. �Ich habe einen besseren Einfall. Wie w�re es, wenn du mir die beste Schenke im Roten Gebirge zeigst und ich vom Bier der Ersten koste? Daf�r singe ich dir ein St�ndchen.� Ohne zu zaudern willigte sie ein und ging mit ihm den Korridor in die andere Richtung.</p><p>�Kommst du mit, Tungdil?�, wollte sie kurz vor der Biegung wissen.</p><p>�Nein, er kommt nicht. Er ist unser Anf�hrer, er muss sicherlich Karten w�lzen und schauen, in welchem Zustand die R�hren sind�, meinte Bavragor halb im Ernst und halb im Spa�.</p><p>��bertreib es nicht mit dem Bier�, riet er ihm. �Die Tunnel haben viele scharfe Kurven.� Er winkte ihnen, um in seine Unterkunft zu gelangen und �ber die Ereignisse nachzudenken. Eine Schw�rmerei f�r Balyndis, so sch�n die Vorstellung auch sein mochte, kam nicht infrage. Es w�rde ihn lediglich ablenken.</p><p>In seinem Zimmer brannte ein einsames �llicht und erhellte die Steinw�nde nur sp�rlich. Die Stimmung lud vor der gro�en Fahrt zum Entspannen ein.</p><p>�Tungdil?�</p><p>Erschrocken sprang er zur�ck, als er die Stimme in seinem R�cken h�rte, und nahm die Axt zur Hand, um sich zu verteidigen. Misstrauisch sp�hte er in die dunkle Nische neben der T�r. �Narmora?!�</p><p>Sie trug ihre schwarze Lederr�stung und wirkte auf eine unbestimmte Weise gef�hrlich. Unwillk�rlich dachte Tungdil an Sinthoras.</p><p>Er l�ste die Hand nicht von der Waffe, seine schlummernde Abneigung gegen die Frau wuchs. <emphasis>Das ist Unsinn. Sie ist eine Menschenfrau.</emphasis> �Was kann ich f�r dich tun?�, fragte er und zwang sich zu einem L�cheln.</p><p>�Ich habe nachgedacht�, begann sie z�gernd. ��ber die Zeilen, die And�kai am Feuer sichtbar machte.�</p><p>�Dass die Feinde der Zwerge die Axt f�hren m�ssen?� Er horchte auf. �Du hast eine L�sung?�</p><p>�Albae�, sagte Narmora vorsichtig. �Zu euren Feinden z�hlen doch auch Albae, oder etwa nicht?�</p><p>�Echte�, schr�nkte Tungdil ein, �keine geschminkten. Dein Vorschlag ehrt dich.�</p><p>Sie zog ihr Kopftuch ab, darunter kamen spitze Ohren zum Vorschein.</p><p>Tungdil wich noch weiter zur�ck, die Finger umschlossen die Axt noch fester. �Du bist ein Alb? Das kann nicht sein�, fand er nach langem, entsetztem Schweigen seine Stimme wieder. �Aber deine Augen wurden tags�ber nicht schwarz.� Er lachte erleichtert. �Einen Moment lang habe ich dir geglaubt.�</p><p>Narmora richtete den Arm gegen die Lampe, die Handfl�che nach oben gereckt, und murmelte unverst�ndliche Worte. Sogleich schrumpfte die Flamme, bis nur noch der Docht glomm.</p><p><emphasis>Wie hat sie das gemacht? Alchimie?</emphasis> Voller �berraschung schaute er auf das verl�schende Licht. Als er sich zu ihr umwandte, war sie verschwunden. �Wo �?�</p><p>Unvermittelt wuchs sie hinter ihm in die H�he. �Halb Mensch, halb Alb�, fl�sterte sie ihm rau ins Ohr. �Meine Mutter vermachte mir ihre Gaben und ihre Waffen. Von meinem Vater bekam ich wenig, aber seine Augen sind von Vorteil.� Innerhalb eines Lidschlags fiel das Bedrohliche von ihr, sie erhob sich und entfachte die Lampe durch sanftes F�cheln zu neuem Leben. �Verzeih mir, dass ich dich erschreckt habe. Glaubst du mir jetzt?�</p><p>Tungdil sch�ttelte seine L�hmung ab. <emphasis>Das erkl�rt meine Abneigung gegen sie.</emphasis> �Und wie ich dir glaube�, nickte er. �Damit h�tten wir die Frage gekl�rt, wer die Feuerklinge f�hrt.� Er bedachte Narmora mit einem anerkennenden Blick. �Es war mutig, dich mir zu offenbaren. Und dar�ber hinaus musst du Gro�es vollbringen.�</p><p>Sie schaute ihn an, die Wildheit und die Gef�hrlichkeit waren gewichen. �Wer k�me sonst infrage? Orks und echte Albae wohl kaum.� Ihre H�nde legten sich an die Griffe ihrer Waffen. �Einer von euch Zwergen wird mich allerdings unterweisen m�ssen, wie man eine Axt f�hrt, sonst mache ich im Kampf gegen den Magus keine gute Figur.�</p><p>�Wir sollten es den anderen sagen.�</p><p>Narmora �berlegte. �Ja, das m�ssen wir wohl. Ich bin neugierig, wie sie es aufnehmen.� Damit meinte sie vor allem Bo�ndil.</p><p>Tungdil l�chelte ihr aufmunternd zu. �Es wird dir nichts geschehen, das schw�re ich.�</p><p>Sie grinste b�se, und ein Anflug von Albischem legte sich auf ihre Z�ge.</p><p>Eilig riefen sie die Gef�hrten zusammen und trafen sich in seiner Unterkunft. Dort erz�hlte er ihnen von der neuen Wendung. �Wir schaffen es, N�d�onn zu besiegen�, endete er und wartete gespannt auf eine Reaktion.</p><p>�Ich m�sste sie eigentlich t�ten�, meinte Ingrimmsch nachdenklich, sah aber nicht danach aus, als wollte er seine Worte in die Tat umsetzen.</p><p>�Nein, eigentlich m�sstest du die H�lfte von ihr t�ten. Und in welcher H�lfte steckt wohl das Albische? In der rechten oder in der linken? Oben oder unten? Vraccas wird es uns verzeihen, weil wir mit ihrer Hilfe die Reiche retten�, gab Tungdil zur�ck. �Es gibt keinen anderen Weg.�</p><p>Furgas hielt Narmora umschlungen und schaute besorgt, was der Zwerg sehr gut verstand. Seine Liebste w�rde sich gegen den Magus stellen, der als unbesiegbar galt.</p><p>�Ihr beiden�, er richtete sich an Rodario und Furgas, �k�nnt bei den Clans der Ersten bleiben und auf unsere R�ckkehr ��</p><p>�Niemals lie�e ich sie allein�, erkl�rte Furgas bestimmt. �Ihr werdet einen Techniker unterwegs sicherlich gebrauchen k�nnen.�</p><p>�Und einen einmaligen Schauspieler ebenso�, f�gte Rodario eilends hinzu, bemerkte aber im selben Atemzug, dass er nicht richtig erkl�ren konnte, wozu er auf dieser Reise taugte. Daher versuchte er es mit einem gewinnenden L�cheln auf dem fein geschnittenen Antlitz.</p><p>�Stimmt�, bekam er unerwartet Beistand von Bo�ndil. �Er wird die Gegner durch sein Geschw�tz ablenken.�</p><p>Die Zwerge grinsten, nur Go�mgar blieb ernst, bis es aus ihm herausbrach. �Gandogar ist bestimmt schon im Grauen Gebirge�, zischte er aus der Ecke. �Er wird die Feuerklinge zuerst schmieden und Gro�k�nig werden, und ihr werdet ihn nicht daran hindern.� Er blickte ver�chtlich zu Narmora. �Mit ihr wird es niemals gut gehen. Sie ist nur zur H�lfte ein Alb.� Mit diesen Worten stand er auf und ging hinaus.</p><p>�Dann schl�gt sie N�d�onn eben zur H�lfte tot�, brummte Bavragor in die Stille hinein und nahm einen Schluck aus seinem Humpen, den er sich mitgebracht hatte. �Den Rest �bernehmen wir.�</p><p>Die Bemerkung l�ste die Spannung, und sie lachten erleichtert auf.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen schritten sie zusammen mit K�nigin Xamtys und ihrer Clangesandtschaft �ber die schimmernden Br�cken durch die G�nge des Roten Gebirges, die sich nur unwesentlich von denen der Zweiten unterschieden.</p><p>Bavragor konnte es nicht lassen, immer wieder mit seinen Fingern pr�fend �ber die W�nde zu streichen, hier zu stampfen und da zu pochen. �Nicht schlecht, aber auch nicht besser�, lauteten seine erstaunlich diplomatischen �u�erungen.</p><p>Bald standen sie vor einem massiven Tor aus Stahl, in dem zwergische Runen golden funkelten. Die K�nigin sprach die Worte, und es �ffnete sich f�r sie. Die Halle dahinter glich jener, von der aus Tungdil und seine Begleiter aufgebrochen waren, bis in die kleinste Einzelheit; Dampfkessel und Zahnr�der waren ebenso hier zu finden wie die acht Schienen. Die Ingenieure setzten die Maschinerie in Gang, und wenig sp�ter zischte, brodelte und ratterte es und roch nach hei�em Metall und Schmiere.</p><p>�Die Ersten haben das R�hrensystem gut gewartet�, sagte Furgas bei dem Anblick. �Kein Rost, kein Staub. Sie h�tten in der Vergangenheit jederzeit losfahren k�nnen, sch�tze ich.�</p><p>�Es war ein Fehler, genau das nicht zu tun�, bedauerte Xamtys und gab Anweisungen, die Loren f�r sich und die Expedition bereit zu machen und zu beladen.</p><p>Eine war f�r Djer&#x16F;n bestimmt, dem man seine Verletzung nicht mehr anmerkte. Die schadhaften Stellen seiner R�stung waren noch in der gleichen Nacht von den Schmieden ausgebessert worden; dem unge�bten Auge fiel es schwer, einen Unterschied zur sonstigen R�stung zu entdecken. F�r ihn bauten sie die Sitzreihen aus dem Karren aus, damit er sich hinlegen konnte. Sie f�rchteten, dass er ansonsten wegen seiner Gr��e mit dem Kopf h�ngen bleiben und sich auf diese Weise selbst enthaupten k�nnte.</p><p>In einem anderen Gef�hrt fanden die Zwerge Platz, und im letzten die Schauspieler sowie And�kai und das Material, das sie zur Schaffung der Feuerklinge ben�tigten.</p><p><emphasis>Sie sieht m�de aus.</emphasis> Tungdil trat an And�kai heran. �Wie geht es Euch und Euren Kr�ften? Ihr sagtet, Ihr seid ersch�pft?�</p><p>Die Maga fasste ihr blondes Haar mit einem Lederband zusammen, um zu verhindern, dass es bei der anstehenden Fahrt zu sehr umherwirbelte. �M�chtest du die Wahrheit h�ren, oder soll ich dich anl�gen?�</p><p>�Die Wahrheit.�</p><p>Sie setzte sich auf den Rand eines Vehikels und schaute den Vorbereitungen zu. �Meine Zauber werden bald restlos ersch�pft sein. Ich war schon zu lange nicht mehr in einem Gebiet mit Magiefeldern, aus denen ich neue Kraft sch�pfen k�nnte.�</p><p>�Ist das der Grund, weshalb die Magi ihre Reiche niemals verlassen?�</p><p>Ihre Augen richteten sich auf Tungdils b�rtiges Antlitz. �Ja, das ist das Geheimnis der Magi. Nat�rlich k�nnen wir auch Magie au�erhalb der Felder benutzen, aber die Energien, die wir in uns tragen, gehen schnell verloren und sind noch schneller aufgebraucht. Stell es dir vor wie einen l�chrigen Lederschlauch. Er verliert auch Wasser, ohne dass du davon trinkst. Ein paar m�chtige Zauber, und die Kunst ist dahin.� Sie schaute zu Djer&#x16F;n. �Deshalb habe ich gelernt zu k�mpfen und habe ihn stets in meiner N�he. Ich will ohne Zauber nicht wehrlos sein.�</p><p>Tungdil dachte nach. �Ist das ein Weg, um N�d�onn zu besiegen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Darauf w�rde ich mich nicht verlassen. Das Wesen, das in ihm wohnt, hat ihm unbekannte Macht verliehen.�</p><p>Der Zwerg schaute zu Narmora und erinnerte sich, was sie mit der Lampe angestellt hatte. �Sie beherrscht Magie ��</p><p>�Nein, sicherlich nicht. Ich wei� zwar nicht viel �ber ihr Volk, aber es k�nnen keine sonderlich starken Fertigkeiten sein, die sie besitzt. Ich denke, es handelt sich um angeborene Dinge � Dunkelheit heraufbeschw�ren, Feuer l�schen, Tr�ume ver�ndern. Kleinigkeiten, die Menschen in Furcht erstarren lassen und die f�r all die Legenden rund um die Albae sorgen.�</p><p>�Nicht mehr? Sinthoras hat Euren magischen Schutzschild durchbrochen.�</p><p>�Das war List, kein Zauber. Du erinnerst dich, dass wir bei den get�teten Albae Kristalle fanden?� Tungdil nickte. �Sie haben sie von N�d�onn bekommen, um sich gegen Zauber der Magi zu sch�tzen. Er band eines davon um den Pfeil und zerst�rte damit meinen Spruch.� And�kai erhob sich. �Es ist so weit. Wir k�nnen los.� Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, und auch die Lore der K�nigin wurde auf die Gleise gehievt. �Denke daran, Tungdil: Ich werde meine Kr�fte schonen. Verlasst euch nicht darauf, dass ich st�ndig eingreifen kann.�</p><p>�Ich werde es den anderen sagen.� <emphasis>Es wird auch ohne Magie gehen.</emphasis></p><p>Sie kehrten zu den Rampen zur�ck, wo Xamtys soeben die Karren inspizierte. �Ich bin gespannt, wie so eine Fahrt ist.� Sie strich sich �ber den hellen Flaum. �Und ich freue mich auf die Gesichter der Mannsbilder.� Sie sprang auf ihren Sitz und l�ste die Bremsvorrichtung. �Wir warten auf euch und die Feuerklinge. Vraccas sei mit euch.� Schon rollten sie los und verschwanden im Tunnel.</p><p>�Und mit dir�, rief Tungdil ihr nach und schritt zur n�chsten Rampe, um sich in seinen Wagen zu setzen. Die Karte mit den R�hrenverbindungen, die ihm die K�nigin gegeben hatte, schob er unter sein Kettenhemd. Neben ihm sa� Bo�ndil, hinter ihnen lachten Bavragor und Balyndis miteinander.</p><p>�Seid still�, zischte Ingrimmsch nach hinten. Seine Laune konnte man getrost als schlecht bezeichnen; ohne seinen Bruder f�hlte er sich unwohl und gereizt.</p><p>Rodario schrieb hastig seine letzten Zeilen auf und verkorkte die wieder aufgetaute Tinte gut, damit unterwegs nichts herausschwappte und seine Kleider ruinierte. �Das wird ein Spa�!�, freute er sich. �Wir sollten auch so etwas bauen, Furgas. Die Kundschaft k�nnte eine Fahrt wie die Helden unseres St�ckes erleben.�</p><p>�Nein, es wird kein Spa߫, widersprach Go�mgar s�uerlich. �Der Magen wird dir zusammengedr�ckt, der Bart weht dir ins Gesicht, und du wirst das Verlangen sp�ren, dich zu �bergeben.�</p><p>�Ach, was. So schlimm kann es nicht sein. Ich bin einiges gew�hnt�, meinte er und versuchte, sich das Sicherungsseil um den Bauch zu legen.</p><p>Nachdem ihre Lore die Beschleunigungsstrecke erreichte und fast senkrecht nach unten st�rzte, schrie Rodario seine Angst laut heraus. Danach rang er mit dem heftigen Wunsch, sich zu �bergeben. Seit langer Zeit sah man auf Go�mgars Gesicht wieder einmal ein breites Grinsen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Balendil�n stand in seinem Quartier, wog die Kriegsaxt absch�tzend in seiner Hand und f�hrte ein paar Probeschl�ge, bis er sich sicher war, die Klinge auch mit nur einem Arm schnell genug schwingen zu k�nnen.</p><p>�Es werden immer mehr, mein K�nig�, schallte der besorgte Ruf von drau�en. �Komm und sieh es dir an.�</p><p><emphasis>Man k�nnte meinen, Bislipurs Rede habe sie angelockt.</emphasis> Er trat hinaus und schritt die nicht enden wollenden Reihen der schweigenden Krieger der Zweiten und Vierten entlang, bis er von der obersten Terrasse der Festung Ogertod aus auf das Land vor den Toren blickte.</p><p>Es wimmelte nur so von ihnen, tausende gro�er und kleiner Punkte bewegten sich hin und her. Die Luft stank nach saurem Fett und den Ausd�nstungen der Orks, die sich in einer Meile Abstand niedergelassen hatten und sich f�r den Angriff vorbereiteten. Ged�mpft drang ihr Br�llen bis zu ihm hinauf.</p><p>In der Ferne sah Balendil�n gigantische h�lzerne Sturmt�rme, die unaufhaltsam zur Festung gerollt wurden; sie ma�en vierzig Schritt und mehr in der H�he. <emphasis>Damit ist es ihnen m�glich, auf die Zinnen des ersten Walls zu gelangen.</emphasis></p><p>Die h�sslichen Konstruktionen aus Holz sahen windschief aus, was die Bestien nicht weiter st�rte, solange sie ihren Zweck erf�llten und ihnen �ber das erste Hindernis auf dem Weg ins Herz des Zweiten Zwergenreichs halfen. Die T�rme waren zum Schutz gegen Brandgeschosse mit Menschenh�uten verkleidet worden; sobald der Angriff beg�nne, w�rden sie gew�ssert werden, damit das Holz nicht zu rasch Feuer fing.</p><p>�Ich h�tte nicht geglaubt, dass sie so bald die Zwergenreiche angreifen�, sagte Bislipur, der neben ihn getreten war und die Ansammlung betrachtete. Er trug seine volle R�stung und war das Abbild eines Kriegers, wie es wenige im Zwergenreich gab. �Es sind mindestens zehntausend. Wie gut, dass ich Verst�rkung aus meiner Heimat kommen lie�.� Vergebens wartete er auf ein Lob des K�nigs.</p><p>�Orks, Bogglins, eine Hand voll Oger, Trolle und einige Albae�, sch�tzte Balendil�n ihre Zahl. �Tungdil hat nicht gelogen, als er uns N�d�onns Absichten voraussagte.� Er beobachtete, wie die Zwerge den ersten Verteidigungsring besetzten und sich auf den Ansturm der Bestien vorbereiteten. <emphasis>Der Zauberer kann seine Diener nur in solch gro�er Zahl zu uns senden, wenn er sich der Eroberung der Menschenreiche sicher ist. Das gef�llt mir gar nicht.</emphasis></p><p>�Wenn die Ringe gefallen sind, ziehen wir uns tief in die Gebirge zur�ck.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Folgen sie uns dahin, sind sie verloren. Wir kennen uns dort besser aus als sie.�</p><p>�Rechnest du damit, dass wir die Mauern nicht halten k�nnen?�, fragte Bislipur verwundert. �Deine und meine je f�nftausend Krieger sollten ausreichen, die Festung bis in alle Ewigkeiten zu verteidigen.�</p><p>�Ich rechne mit allem, seit das B�se die Oberhand im Geborgenen Land gewann.� Der K�nig wies seine besten Krieger an, die Wachen an den Tunneleing�ngen zu verst�rken. <emphasis>Mit allem.</emphasis></p><p>Dann begab er sich auf den Wehrgang, wo sich ihm das ganze Ausma� der Meute erschloss: ein bunt zusammengew�rfelter Haufen aus den Niederungen von Tions Sch�pfung, die begierig geifernd darauf warteten, die Zwerge auszul�schen und ihren Verwandten die Hohe Pforte zu �ffnen.</p><p><emphasis>Die R�stungen der Bogglins und Orks geh�rten bis vor kurzem den S�ldnern von K�nigin Umilante. Sie konnten die Ungeheuer nicht bezwingen.</emphasis> Balendil�n beobachtete, wie sich die Bestien zu ungeordneten Gruppen zusammenfanden, um sich am ersten Sturm zu beteiligen und zu sehen, womit die Zwerge gegen sie aufwarteten. �Zweitausend K�mpfer hinter das gro�e Tor!�, befahl er mit fester Stimme. �Haltet euch bereit.�</p><p>Als die Orks grunzend und schnaubend herankamen, lie� er das Portal �ffnen und seine Krieger einen Ausfall unternehmen.</p><p>Voller Zufriedenheit sah er, wie die �xte seines Stammes unter den Orks w�teten, die mit einem derart heftigen Gegenangriff nicht gerechnet hatten und ihr Heil in der Flucht suchten, ehe sie von Trollen zur�ckgetrieben wurden.</p><p>Aber da befanden sich die Zwerge schon wieder hinter den sch�tzenden Mauern von Ogertod und verzeichneten gerade einmal drei Dutzend leicht Verletzte. Dagegen lagen viele hundert Bestien verst�mmelt oder tot auf der staubigen Erde vor den Toren. Der Jubel bei der vereinten Streitmacht des Zwergenvolkes war riesig.</p><p>�Seht ihr, zu was wir in der Lage sind, wenn wir gemeinsam k�mpfen?!�, rief ihnen Balendil�n voller Stolz von oben herab zu und schaute sich nach Bislipur um, ob er vielleicht auch etwas zu seinen Leuten sagen wollte.</p><p>Doch er entdeckte ihn nirgends.</p><subtitle>Das Geborgene Land, unter dem K�niginnenreich Weyurn, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Die Karren schossen durch die R�hren, rissen Spinnweben mit sich und wirbelten den Staub von Jahrhunderten auf. Gelegentlich fl�chtete ein gro�er Schatten vor den ratternden, l�rmenden Loren aus dem Schein ihrer Fackeln in die Dunkelheit der Seiteng�nge und zeigte ihnen, dass es durchaus Leben tief unter dem Geborgenen Land gab. Doch es musste harmloses, �ngstliches Leben sein, denn ihre Fahrt verlief ohne Zwischenf�lle.</p><p>Sie n�herten sich dem F�nften Zwergenreich von Westen her. Tungdil z�hlte die Markierungen an den W�nden mit und errechnete am Ende ihres ersten Reisetages, dass sie mehr als zweihundertf�nfzig Meilen gefahren waren.</p><p>�Damit sind wir in vier Uml�ufen bei den F�nften�, gab er den Freunden bei der Rast am Feuer freudig bekannt. �Es geht schnell voran.�</p><p>Sie hatten sich in einer gro�en Halle niedergelassen, durch die zwei Trassen f�hrten und die als Knotenpunkt diente. Nat�rliche Steins�ulen und gemauerte B�gen trugen die Decke, Zwergenrunen an den W�nden und auf den S�ulen lie�en keinen Zweifel aufkommen, wer die Erbauer gewesen waren. Das Holz, das ihnen knackend W�rme gab, stammte von den �berresten nicht benutzter St�tzbalken, die sie gefunden hatten.</p><p>�Ich glaube nicht, dass sich der Drache von uns �berlisten l�sst�, sagte Go�mgar verzagt. �Er wird uns mit seinem Atem verbrennen.�</p><p>�Ach, was. Wir stopfen ihm den Langen in den Hals, dann kommt nichts mehr aus seinem Schlund�, meinte Bo�ndil kauend. �Das schmeckt hervorragend, Balyndis. Die Ersten verstehen etwas vom Salzen und R�uchern�, lobte er. Neugierig zupfte er einzelne Kr�uterst�ckchen ab, die eine Kruste �ber dem Schinken bildeten.</p><p>Bavragor stie� Tungdil in die Seite. �Schau sie dir an! Ist sie nicht ein Prachtkerl von Schmied � Schmiedin?� Sein rotbraunes Auge gl�nzte gl�cklich. �Das Kettenhemd, die einzelnen Eisenschienen, das sind die Arbeiten einer Meisterin.�</p><p>�Seit wann kennst du dich mit Schmiedearbeiten aus?� Tungdil grinste breit und gab ihm im Stillen Recht, was den Wert der Arbeiten anging. �Da habe ich schon ganz andere T�ne von dir geh�rt.�</p><p>�Vor dem Kampf�, griente er. �Dann hat sie mitten in mein Herz getroffen.�</p><p><emphasis>Es scheint so.</emphasis> Seit sie ihn beim Zweikampf besiegt hatte, schien sich st�ndlich mehr zwischen den beiden zu entwickeln. Er g�nnte es dem Ein�ugigen. �Hat sie dich nicht am Kopf getroffen?�</p><p>�Redet nicht so schnell. Ich komme fast nicht mit.� Rodario sa� dicht am Feuer, hatte ihren leisen Wortwechsel mit angeh�rt und schrieb eifrig. �Ich m�chte das St�ck so echt wie m�glich halten.�</p><p>Furgas untersuchte derweil die Trasse, und Narmora stand neben ihm und hielt Wache. Djer&#x16F;n hockte abseits von ihnen am Boden, das Waffenarsenal um sich ausgelegt und unbeweglich wie immer.</p><p>�Sie h�tte ihn ruhig h�rter treffen k�nnen�, murmelte Go�mgar leise, sodass nur Tungdil ihn h�rte. �Wenn ich meinen K�nig nicht so sehr liebte, m�sste ich ihn hassen, weil er mich mit euch auf die Reise schickte.� Wie an den meisten Abenden war er der Erste, der sich unter seiner Decke verkroch und die Augen schloss.</p><p>Bavragor grinste und bemerkte, dass der Schauspieler sich wie immer nicht von seinem Sack mit den Kost�men trennte und ihn in Reichweite behielt. �H�tten wir den nicht bei den Ersten lassen k�nnen?�</p><p>Rodario schenkte ihm einen missbilligenden Blick. �Niemals! Der Inhalt ist zu wertvoll, und wer wei�, ob wir die Kost�me nicht doch ben�tigen.�</p><p>Ein lauter Schlag lie� sie aufhorchen. Er klang wie ein einzelner Hammerhieb gegen Stein, rollte durch die G�nge und verebbte.</p><p>Sie wandten die K�pfe und schauten zu Furgas, der die Metallschienen begutachtete. �Ich war es nicht�, sagte er sofort. �Es kam aus dem Tunnel vor uns.�</p><p>Go�mgar richtete seinen Oberk�rper auf. �Das habe ich schon einmal geh�rt!� �ngstlich griff er nach seinem Schild. �Das sind die Geister der toten Arbeiter�, raunte er und schrumpfte unter seiner Deckung zusammen. �Vraccas, besch�tze uns.�</p><p>Tungdil erinnerte sich ebenfalls. �Es war kurz vor Mifurdania�, sprach er leise, �und es klang genauso wie eben.� <emphasis>Ein Signal? F�r wen und was?</emphasis></p><p>�Seid leise.� Bo�ndils Kriegerinstinkte erwachten. Er stand auf und trabte zum Tunneleingang, w�hrend Narmora die andere Seite sicherte. Aufmerksam lauschte er in die Finsternis hinein. Die Zeit verrann, ohne dass einer von ihnen zu atmen wagte.</p><p>Nur And�kai packte unger�hrt ihre Pfeife aus, stopfte sie und entz�ndete sie mit einem Span. Balyndis grinste sie breit an und folgte ihrem Beispiel. Unger�hrt packte sie ein St�ckchen Glut mit ihrem Handschuh, um den Tabak anzubrennen. Die Gesichter der ungleichen Frauen verschwanden in einer Dunstwolke.</p><p>Schlie�lich kehrte Ingrimmsch ans Feuer zur�ck. �Da war nichts. Ich habe weder etwas gerochen noch etwas geh�rt.�</p><p>�Wir m�ssen aufpassen. Das letzte Mal, nachdem ich das Ger�usch h�rte, st�rzte ein Teil der Decke ein�, warnte Tungdil und bereitete sich auf die Nachtruhe vor.</p><p>Furgas und die Halbalbin stie�en zu ihnen. �Es kann sein, dass wir nicht die Einzigen sind, die die R�hren benutzen�, setzte Furgas den Zwerg in Kenntnis. �Die Schienen vor uns sind ohne Rost, ohne jegliche Patina.�</p><p>�Das spricht daf�r, dass Loren in regelm��igen Abst�nden dar�ber gleiten.�</p><p>�Ich wollte, dass du es wei�t.�</p><p>�Danke, Furgas. Behalte es bitte f�r dich. Ich will nicht, dass uns Schimmerbart vor Angst wegstirbt�, bat er ihn.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Kann ich dir helfen, Bislipur?�, fragte der rechte der beiden W�chter freundlich, als er den Hinkenden sah, der sich ihm und dem Tor zu den Tunnelbahnen n�herte.</p><p>�Ja. Du k�nnest sterben, ohne einen Laut von dir zu geben�, antwortete er ebenso nett. Schon zuckte seine Axt hoch und traf den Zwerg schr�g von oben in den ungesch�tzten Hals.</p><p>Gegen den beidh�ndig gef�hrten Hieb gab es kein Gegenmittel, und der W�chter starb mit einem leisen R�cheln.</p><p>Der andere Krieger schaffte es noch, die rechte Hand ans Signalhorn und die linke an den Griff seines Streitkolbens zu legen, da schlitzte die blutige Schneide seinen Hals auf und fuhr ihm durch den Helm bis ins Hirn.</p><p><emphasis>Das war leicht.</emphasis> Bislipur wischte sich das Blut aus dem Gesicht, wandte sich um und stie� einen kurzen Pfiff aus, worauf zweihundert seiner treuesten Krieger aus dem Gang traten.</p><p>�Ihr wisst, worauf es ankommt�, meinte er knapp und sprach die Formel, um den Zugang zu der dahinterliegenden Halle zu den Trassen zu �ffnen. �Keine Gnade f�r die Betr�ger an Gandogar, denn ihr w�rdet auch keine von ihnen erfahren.�</p><subtitle>Das Geborgene Land, unter dem K�niginnenreich Weyurn, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Es geschah, als sie die Markierung der dreihundertsten Meile erreichten, die R�hre verlie�en und auf eine schmale Br�cke abbogen. Unter ihnen befand sich nichts als Luft und endlose Schw�rze.</p><p>Die vordere Lore mit den Zwergen begann bei voller Geschwindigkeit zu hopsen, die R�der sprangen aus der F�hrung und verkanteten sich. Funken spr�hend rutschte das Vehikel auf zwei R�dern, bis es trotz aller Versuche der Insassen umkippte und sich einmal �berschlug.</p><p>Die nachfolgenden Karren bremsten gerade noch rechzeitig, um die Verungl�ckten nicht zu �berrollen.</p><p>Tungdil, Balyndis und Bo�ndil hatten Gl�ck, sie landeten auf der Br�cke und wirbelten mehrmals um die eigene Achse, ehe sie ruhig zum Liegen kamen. Die R�stungen und Handschuhe verhinderten, dass sie sich b�se Absch�rfungen zuzogen.</p><p>Tungdil landete letztlich auf der Schmiedin, was ihm sichtlich peinlich war. Die R�te stieg ihm ins Gesicht. Sie schaute in seine Augen und wollte etwas sagen, doch dann hielt sie inne und starrte ihn nur an.</p><p>Da drangen Go�mgars verzweifelte Schreie an sein Ohr. �Verzeih�, sagte er verlegen und stemmte sich auf, um nach ihm zu sehen.</p><p>Der schm�chtige Zwerg pendelte wimmernd an der Mauerkrone. Die H�nde suchten auf der glatten Oberfl�che verzweifelt nach Halt, doch das Gewicht seines Rucksacks und der R�stung zogen ihn unnachgiebig nach unten. �Tut doch was! Ich st�rze ab!�</p><p>Tungdil rannte los. Bavragor lag wenige Schritte von Go�mgar entfernt auf der Br�stung, erhob sich brummend und hielt sich den Sch�del. �Es muss ein Oger gewesen sein, der mir hinterr�cks einen Tritt verpasst hat.� Erst jetzt bemerkte er den Kampf des Gef�hrten, warf sich nach vorn und griff nach dessen Arm.</p><p>Zu sp�t.</p><p>Go�mgars entsetztes Gesicht verschwand, sie h�rten sein gellendes Aufschreien, das leiser und leiser wurde.</p><p>�Bei Vraccas!�, war alles, was der Steinmetz hervorbrachte. Bo�ndil, Tungdil und Balyndis erreichten die Stelle, nur um hilflos zusehen zu m�ssen, wie die Gestalt immer kleiner und von der Dunkelheit verschlungen wurde.</p><p>�Beiseite!� Pl�tzlich schnellte And�kai an ihnen vorbei, sprang mit einem gewaltigen Satz auf die Mauer und stie� sich kraftvoll ab, die Arme wie ein Klippenspringer ausgebreitet. Ihr scharlachroter Mantel wehte wie eine Standarte hinter ihr her, dann tauchte auch sie in die Dunkelheit ein.</p><p>Die Zwerge h�rten den Stoff flattern und knattern, doch es gab nichts, was sie h�tten tun k�nnen. Rodario entz�ndete eine Fackel, doch ihr Schein reichte nicht aus, um die Umgebung ein wenig zu erhellen.</p><p>Nach langer Zeit glomm ein winziges hellblaues Licht weit unter ihnen in der Schw�rze auf.</p><p>�Ist sie aufgeschlagen und geplatzt?�, fragte Bo�ndil. �Ist das Leuchtende ihre Seele?�</p><p>Tungdil schaute zu Djer&#x16F;n, der statuenhaft wie immer dastand. Seinem Verhalten nach zu urteilen sorgte er sich nicht um seine Herrin, was dem Zwerg wiederum Hoffnung machte. <emphasis>Sie wird wissen, was sie tut, denke ich.</emphasis></p><p>�Das Licht kommt n�her!�, rief Balyndis aufgeregt. �Es fliegt nach oben!�</p><p>Ein heftiger Wind schoss aus der Tiefe empor und trug zwei Gestalten mit sich. And�kai und Go�mgar ritten auf der B�e, die sie sanft auf der Br�cke absetzte und dann erstarb.</p><p>Die langen blonden Haare der Maga hingen ihr zerzaust ins Gesicht, der schimmernde Bart des Zwergs sah aus, als h�tte ihn eine Schar M�use auf der Suche nach Futter durchw�hlt. Sein Gesicht war leichenblass, aber sonst fehlte ihm nichts.</p><p>�Das war � unbeschreiblich�, staunte Rodario. �Ich fasse es nicht, ehrenwerte Maga! Wie selbstlos und mutig von Euch, dass Ihr Euer eigenes wertvolles Leben in die Waagschale werft, um ihn zu retten.� Er bedachte Go�mgar mit einem entschuldigenden Blick. �Das soll nat�rlich nicht bedeuten, dass dein Leben weniger wert ist als ihres.�</p><p>�Du solltest nach der Lore sehen�, wies And�kai Furgas an, als w�re nichts geschehen, richtete ihren Mantel und flocht den Zopf neu. �Kannst du sie flicken?�</p><p>Der Mann ging zu dem Gef�hrt und sch�ttelte schon von weitem den Kopf. �Die R�der sind verbogen und laufen nicht mehr gerade.� Er b�ckte sich. �Die Trasse ist bearbeitet worden, wir hatten Gl�ck, dass es uns nicht ebenfalls aus der Spur warf.�</p><p>�Das Gold und das Tionium!�, rief Ingrimmsch, der den Wagen umrundete, um nach der Ladung zu sehen. �Sie sind verschwunden!�</p><p>Missmutig blickte Bavragor in den Abgrund. �Ich kann dir sagen, wo sie abgeblieben sind. Sie werden irgendwo da unten sein und immer noch fallen, bis sie am Ende der Welt angekommen sind.� Er schaute die Zauberin an.</p><p>�Nein�, wehrte sie den stummen Vorschlag ab. �Wir werden eine andere L�sung finden m�ssen.�</p><p>Sie schwiegen. Nun fehlten ihnen zwei wesentliche Bestandteile, um die magische Waffe anfertigen zu k�nnen.</p><p>�Ich wusste es, dass wir scheitern�, meinte Go�mgar klagend, aber nicht ohne Genugtuung.</p><p>�Der kommt mir gerade Recht. Eigentlich k�nnen wir ihn wieder hinunterwerfen�, bemerkte Bo�ndil knurrend. �Jetzt, wo uns die Barren fehlen, brauchen wir auch keinen heulenden Gemmenschneider mehr.�</p><p>�Und wenn schon?!�, versuchte Tungdil die gedr�ckte Stimmung zu heben. �Niemand kann mir weismachen, dass wir in einem Zwergenreich nicht genug Gold und Tionium finden, um die Feuerklinge herzustellen.�</p><p>�Und schon haben wir eine L�sung�, nickte ihm And�kai zu, die mit einem letzten Handgriff den Sitz ihrer Lederr�stung korrigierte.</p><p>�Sehr sch�n. Der Schreck ist �berwunden, es geht weiter. Verteilt euch neu auf die Loren�, ordnete Tungdil an und f�hlte sich in seiner Rolle als Anf�hrer immer wohler. �Wir wechseln uns mit Schieben ab, bis wir zur n�chsten absch�ssigen Stelle kommen.�</p><p>�Nicht n�tig�, sagte die Maga und deutete auf Djer&#x16F;n.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Dieses Mal r�ckte das Heer N�d�onns �ber die Seiten an. Als die Belagerungst�rme vorw�rts walzten, stanzten die Geschosse der Zwerge L�cher in die nassen Menschenh�ute und das Holz dahinter oder rissen Balkenst�cke heraus, ohne jedoch alle zum Einsturz bringen zu k�nnen.</p><p>Drei der Konstruktionen standen schlie�lich vor den Zinnen. Die Sturmrampen klappten auf, und die Orks preschten schreiend aus dem Bauch der T�rme, doch gegen die grimmigen Zwerge gab es kein Durchkommen.</p><p>Balendil�n dirigierte seine Verteidiger geschickt genug, dass es nicht einem einzigen Angreifer gelang, durch die Reihen zu kommen.</p><p>�In den Turm, und gie�t Petroleum �ber das Holz�, befahl er, nachdem die erste Angriffswelle verebbt war und die n�chsten Bestien in die H�he stiegen.</p><p>Sein Plan gelang. Bald darauf loderten die T�rme in hellen Flammen, das harzreiche Holz brannte wie Zunder, die Stricke rissen, und die Belagerungsger�te st�rzten polternd in sich zusammen. Quiekend zogen sich die Angreifer zur�ck.</p><p>Dieses Mal gab es allerdings Verluste. Vierzehn Zwerge waren von den Pfeilen eines Albaescharfsch�tzen niedergestreckt worden, der sich auf der Plattform des letzten Sturmturmes versteckt hatte. Die z�ngelnden Flammen schreckten ihn nicht; selbst als sein Gewand schon brannte, sandte er seine Geschosse gegen die Verteidiger. Erst als die Sehne des Bogens durchgeschmort war, endete der Beschuss.</p><p>Trotz der Toten war die Stimmung unter den Zwergen gut. Nichts wies darauf hin, dass Ogertod fallen k�nnte.</p><p>�Ihr habt gut gek�mpft�, lobte Balendil�n sie. �Die gefallenen Br�der werden wir niemals vergessen, ihre Namen werden in Gold in die Wand der Ratshalle geschrieben werden.� Seine Augen schweiften �ber die Ansammlung der b�rtigen Verteidiger, die verschwitzt, aber gl�cklich und noch lange nicht ersch�pft zu ihm aufschauten. �Vraccas hat ��</p><p>�Orks!�, unterbrach ihn der Schrei eines Zwergs, der auf dem Beobachtungsturm stand und sich kurz umgewandt hatte. �Die Orks sind in unseren Mauern!�</p><empty-line/><p>Es waren hunderte, die sich br�llend gegen jeden Widerstand warfen. Bald hatten sie das erste Plateau vollst�ndig besetzt. Sie schwenkten ihre Schilde, �xte, Schwerter und Lanzen, um die Zwerge zu verh�hnen.</p><p><emphasis>Die Tunnel! Sie sind durch die Tunnel gelangt!</emphasis> �Wir m�ssen sie vernichten, ehe sie die Hohe Pforte �ffnen! Los, ihr Kinder des Schmieds!�, peitschte Balendil�n seine Krieger an und riss sie aus ihrer Schreckensstarre. �Kein Ork soll diesen Tag �berleben!�</p><p>Ein Ruck ging durch die Streitmacht der Zwerge. Sie st�rmten den Hang hinauf und warfen sich gegen die Urfeinde ihres Volkes. Ihr einarmiger K�nig stand mitten unter ihnen und war ihnen ein Beispiel an Tapferkeit.</p><p>Da trat ein Oger aus der Halle, die Lippen an ein riesiges Rufhorn gesetzt, und ein durchdringender Ton erschallte, der von der anderen Seite der Festung mit lautem Jubel beantwortet wurde. Der zweite Sturmangriff der Belagerer begann.</p></section><section><title><p>V</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p><emphasis>Wie konnte das geschehen? Die Tunnel waren gesichert.</emphasis> Balendil�n hatte keine Zeit, um nach dem Eingang zu sehen, denn er f�hrte seine M�nner gegen eine �bermacht aus Ogern, Orks und Bogglins, deren Strom nicht versiegen wollte. F�r einen erschlagenen Feind standen zwei neue vor dem K�nig; er konnte mit seiner Axt blindlings nach vorn hacken und traf immer einen Gegner.</p><p>Aber er es gelang ihm und seinen Zwergen, die �berraschend aufgetauchten Bestien zur�ck in die Stollen zu treiben. In einer blutigen Schlacht, in der zahlreiche Zwerge ihr Leben verloren, dr�ngten sie die Angreifer bis zur Vorhalle der Tunnel zur�ck. Weiter ging es nicht mehr.</p><p><emphasis>Es sind zu viele!</emphasis> Balendil�n erschrak, als er die Zahl der wartenden Feinde sah, die sie zwar eingefangen hatten, aber nicht bezwingen konnten. Aus den R�hren kletterten immer neue Orks.</p><p>Von hinten n�herte sich ein Bote, der ihnen eine neue Schreckensmeldung �berbrachte. �Die Biester haben dich umgangen�, keuchte er. �Wir wurden hinterr�cks von ihnen angegriffen, die Tore Ogertods stehen offen, der erste und der zweite Ring sind gefallen.�</p><p>Balendil�n witterte Verrat. �Flutet die Ebenen mit siedendem �l. Das wird ��</p><p>�Es geht nicht. Sie haben die Vorrichtungen zerst�rt.�</p><p><emphasis>Zerst�rt?</emphasis> Seine Zuversicht, das Gefecht siegreich beenden zu k�nnen, geriet ins Wanken. <emphasis>Das ist nur m�glich, wenn ihnen jemand gesagt hat, wo sich die Anlagen befinden.</emphasis> �Richte den unsrigen aus, sie sollen sich zur�ckziehen und den Eingang schlie�en. Die �u�ere Festung wird aufgegeben, wir verteidigen unser Reich von innen.� Er schlug ihm anfeuernd auf die Schulter. �Rasch!�</p><p>Der Bote nickte und rannte davon.</p><p>Die Geschehnisse hatten nichts mit ungl�cklichen Zuf�llen zu tun, da war sich der K�nig sicher. Zuerst kamen die Orks durch die Tunnel, von denen sie seit hunderten von Zyklen nichts wussten, dann setzten die Bestien die Verteidigungsmechanismen f�r die Au�enterrassen der Festung au�er Kraft, und schlie�lich umgingen sie die Zwerge.</p><p><emphasis>Sie kennen sich bestens aus.</emphasis> Jemand hatte sie auf das Unternehmen vorbereitet und ihnen alles �ber die Zweiten verraten. <emphasis>Welcher Zwerg w�rde so eine sch�ndliche Tat begehen?</emphasis> Er konnte sich niemanden vorstellen, der sich freiwillig mit den Orks verb�ndete. <emphasis>N�d�onn! Er kann einen von uns mit seinem Zauber verhext haben!</emphasis> Schnell fasste er einen Entschluss, denn jeder Augenblick z�hlte.</p><p>�Zweihundert kommen mit mir, der Rest h�lt die Bestien hier in Schach�, befahl er und trabte den Gang entlang.</p><p>Sein Ziel war die Hohe Pforte. Er beabsichtigte, die Br�cke �ber den Graben zu zerst�ren, bevor die Orks dorthin gelangten und sie ausfuhren, um den Gesch�pfen des Jenseitigen Landes den Zutritt zu erm�glichen. Seine Wut und sein Hass auf N�d�onn wuchsen mit jedem Schritt, den er tat.</p><subtitle>Das Geborgene Land, unter dem K�niginnenreich Weyurn, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Braucht er denn keine Pause?�, erkundigte sich Rodario neugierig bei And�kai. �Er schiebt die beiden Karren nun schon so lange.�</p><p>�Djer&#x16F;n ist Arbeit gewohnt, im Gegensatz zu dir�, entgegnete sie unfreundlich.</p><p>Der Mime blickte emp�rt drein und reckte sein Kinn. �Was habe ich denn der ehrenwerten Maga getan, dass Ihr mich st�ndig ��</p><p>Sie wandte sich nach hinten. �Steig ein, Djer&#x16F;n, da vorn kommt ein absch�ssiges St�ck.�</p><p>Gehorsam schwang sich der gepanzerte Krieger in die hintere Lore und machte sich so klein wie es ging, um niemanden zu verletzen und keinesfalls mit dem Kopf an der Decke h�ngen zu bleiben.</p><p>�Ihr k�nnt gern versuchen, mich zu ignorieren�, fuhr der Schauspieler beharrlich fort, �doch es wird Euch nichts nutzen. Bedenkt, dass es vielleicht einen schlechten Eindruck auf mich macht, und ich schreibe immerhin das St�ck, in dem Ihr auftreten werdet. Versteht Ihr?�</p><p>Die Augen der Maga bohrten sich in seine. �Ich werde Djer&#x16F;n in die Vorstellung schicken. Du wirst an seinem Verhalten erkennen, ob ich mit dem St�ck einverstanden bin oder nicht. Sollte er die Axt ziehen, dann lauf.� Rodario hielt ihrem Blick vergebens stand. �Ich habe nichts gegen dich, aber ich kann deine Art nicht ausstehen. Du gibst dich zu affig, das missf�llt mir.�</p><p>Er verzog die Mundwinkel, seine gute Laune schwand. �Sagt es ruhig, dass Ihr mich nicht als einen echten Mann betrachtet. In Euren Augen muss ein Mann ein Schwert schwingen k�nnen, Muskeln haben und zaubern k�nnen.�</p><p>�Ich entschuldige mich bei dir�, sagte sie sp�ttisch. �Du verstehst mich besser, als ich annahm. Wie du siehst, erf�llst du keine der drei Kriterien, und daher kannst du auf deine Werberei um meine Gunst verzichten. Sie ist st�rend, f�r mich wie f�r die anderen.�</p><p>Wie immer hielt es die Maga nicht f�r n�tig, ihre klare Stimme zu senken. Rodario wurde dunkelrot und setzte zu einer Entgegnung an, als sich die Lore abrupt nach vorn neigte und an Fahrt gewann. Der Inhalt seines Tintenfasses schwappte heraus, lief �ber das Blatt und seine Kleider. Er schwieg beleidigt.</p><p>Tungdil hatte seine Hand um den Bremshebel gelegt und sp�hte in die Dunkelheit, damit er ein m�gliches Hindernis erkannte und das Vehikel notfalls rechzeitig bremste � auch wenn er sich keine Illusionen dar�ber machte, dass er eine verbogene Schiene sehen k�nnte. Bo�ndil, der neben ihm sa�, starrte ebenso angespannt nach vorn.</p><p>Die Loren fuhren mit gro�z�gigem Abstand zueinander und erreichten bald ihre H�chstgeschwindigkeit. Die K�hle um sie herum wich, und der Fahrtwind trug ihnen den bei�enden Gestank von faulen Eiern zu.</p><p>�Da vorn ist Licht!�, rief Ingrimmsch pl�tzlich. �Orangefarbenes Licht.�</p><p>Sie schossen aus dem Tunnel und fuhren �ber eine neuerliche Br�cke, die auf Basaltst�tzen stand und sie �ber einen riesigen See f�hrte, dessen Grund intensiv leuchtete. Lava kroch am Boden entlang, das kristallklare Wasser kochte und schlug Blasen, der aufsteigende Dampf erhitzte die Luft und verbreitete eine dr�ckende Schw�le, die ihnen den Schwei� aus den Poren trieb; das Atmen fiel ihnen schwer, und der Gestank nach Schwefel machte es nicht leichter.</p><p>Die gl�hende Lava beleuchtete die W�nde der unregelm��ig geformten H�hle, deren Durchmesser gut zwei Meilen betrug und die vom See bis zur Decke gewiss f�nfhundert Schritt hoch war.</p><p>Sie rollten �ber die lange Br�cke. <emphasis>So sch�n es von oben aussieht, ich bin froh, in den Tunnel zur�ckzukehren,</emphasis> dachte Tungdil.</p><p>Dann h�rten sie das H�mmern wieder.</p><p>Es begann mit einem einzigen Klopfen, ein durchdringender Laut, der das leise Blubbern und Brodeln �bert�nte.</p><p>Go�mgars Kopf ruckte aufgeregt hin und her, angestrengt versuchte er, die Ursache zu entdecken. �Es sind die Geister unserer Ahnen�, wisperte er. �Ich kenne die Geschichten, die mir meine Urgro�mutter erz�hlte, von Zwergen, die sich den Gesetzen Vraccas� nicht beugten und deshalb nach ihrem Tod keinen Eingang in die Schmiede fanden. Sie sind dazu verdammt, in den Stollen zu leben, und lauern den Lebenden auf, um sich an ihnen f�r ihre Qualen zu r�chen.�</p><p>�Hast du auch die Geschichten �ber die Menschen fressenden Orks geglaubt?�, lachte Bavragor ihn aus.</p><p>�Ich kann dir sagen, dass sie stimmen�, brummte Bo�ndil von vorn, und Go�mgar wurde noch kleiner, bis seine Augen knapp �ber den Rand der Lore schauten. �Vielleicht hatte sie mit dem Spuk auch Recht.�</p><p>�H�rt auf�, befahl ihnen Tungdil, und da dr�hnte das zweite Klopfen durch die nat�rliche, in r�tliches Licht getauchte Halle.</p><p>Aber dabei blieb es nicht.</p><p>Das Pochen verst�rkte sich, wurde schneller, das klirrende H�mmern schwoll zu einem klangvollen Stakkato an. Der Schall reichte aus, die lockeren Steine aus der Decke zu l�sen. Kleinere Brocken st�rzten nieder, verfehlten die Br�cke um wenige Schritt und klatschten in den hei�en See.</p><p>�Da!�, schrie Go�mgar au�er sich vor Furcht. �Bei Vraccas! Die Geister! Sie kommen, uns zu holen und ins Verderben zu rei�en!�</p><p>Sie folgten seinem Fingerzeig und entdeckten die Wesen, die wie aus dem Nichts hinter Felsen hervorgekommen waren und von oben auf sie herunterschauten. Bei mehr als dreihundert h�rte Tungdil auf, sie zu z�hlen.</p><p>Es wurden immer mehr. Kein Zweifel, sie sahen aus wie Zwerge und Zwerginnen, mal trugen sie R�stungen, mal gew�hnliche Kleider, mal fast nichts au�er einer Ledersch�rze. Krieger, Schmiede, Handwerker, die bleichen Gesichter blickten anklagend zu ihnen herab, und das Klopfen wollte nicht nachlassen. Gleichzeitig hoben sie die Arme und deuteten in die entgegengesetzte Fahrtrichtung der Gef�hrten.</p><p>�Sie wollen, dass wir gehen�, wisperte Go�mgar. �Lasst uns umkehren, bitte. Ich schw�re, ich laufe freiwillig quer durchs Tote Land und k�mpfe gegen die Orks.�</p><p><emphasis>Geister.</emphasis> Tungdil sp�rte einen eisigen Schauer �ber den R�cken laufen, als er die hohlen Blicke der Gestalten sah. Das r�tliche Licht der Lava tauchte die wei�en Gesichter in blutigen Schein. Lot-Ionans B�cher berichteten von Spukgestalten, und nun sah er sie leibhaftig vor sich. <emphasis>Ihr werdet mich dennoch nicht abhalten.</emphasis></p><p>Der Spuk endete schlagartig, sie rauschten in den n�chsten Tunnel und lie�en die Halle mit dem See und den Gespenstern hinter sich. Schlie�lich verebbte auch das H�mmern.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Balendil�n hatte mit seinen schlimmsten Bef�rchtungen Recht behalten.</p><p>Als er und seine Krieger das Bollwerk an der Hohen Pforte erreichten, fanden sie die ersten erschlagenen Zwerge auf den Steinplatten liegen; ihr Blut lief �ber den grauen Stein. Sie hatten nicht einmal die Zeit gehabt, die Waffen zu ziehen und sich zur Wehr zu setzen, was daf�r sprach, dass sie von einem Freund get�tet wurden. <emphasis>Einem Freund, den N�d�onn verhexte und zum Verr�ter machte! Verfluchte Magie!</emphasis></p><p>Der Wind trug ihnen den Gestank von Orks entgegen, sie h�rten das Rattern der Zahnr�der und das Rumpeln der Steinplatten, die St�ck f�r St�ck aneinander gef�gt wurden. Der Verr�ter war schneller als sie gewesen.</p><p>�Lauft!�, rief Balendil�n. Mehr musste er nicht sagen, denn jeder seiner Begleiter wusste, worum es ging.</p><p>Sie rannten die Treppen der Befestigung entlang, um in den Raum zu kommen, von dem aus die Br�ckenmechanik in Gang gesetzt wurde. Das erwartungsvolle Geschrei der Kreaturen, die auf der anderen Seite der Schlucht standen und zusahen, wie der �berweg f�r sie zusammengebaut wurde, gellte in ihren Ohren.</p><p>Pl�tzlich standen sie vor einhundert Orks, gro�e, kr�ftige Bestien und bis an die Z�hne bewaffnet, mit denen sie sich ein heftiges Gefecht liefern mussten, um bis zu der entscheidenden Kammer vorzudringen.</p><p>Beide Verb�nde fochten mit enormer Verbissenheit, jeder wollte den Tod des anderen mehr denn je. Rotes und gr�nes Blut spritzte, Gliedma�en und Z�hne flogen durch die Luft, und zu dem brachialen Kampf l�rm mischte sich das Heulen der wartenden Horden jenseits des Grabens, deren Gier wuchs und wuchs.</p><p>Balendil�ns Arm wurde immer schwerer, das st�ndige Zuschlagen ersch�pfte ihn mehr und mehr, doch noch siegte sein Trotz �ber das m�de Fleisch. �Macht sie nieder!�, schrie er. �Wir m�ssen die Br�cke zerst�ren, oder alles ist verloren!�</p><p>�Es ist bereits alles verloren, Balendil�n�, h�rte er die Stimme Bislipurs von den W�nden widerhallen, und sie klang nicht so, als bedauerte er das Gesagte. �Die Clans der Zweiten werden zusammen mit den Besten der Vierten untergehen. Ein Kinderspiel, nachdem die Orks von den Tunneln erfahren haben.�</p><p>�Du warst es?� Der K�nig schlug einem Angreifer die Axt in die widerliche Fratze, Knochen brachen, das Gesicht wurde zu einer blutenden Masse, und der Ork st�rzte. Der Eingang war frei, und die Zwerge st�rmten hinein, wo ein letztes Dutzend Feinde auf sie wartete und die Mechanik verbissen verteidigte. Balendil�n blieb keuchend zur�ck. �Warum?�</p><p>�Ich hatte es anders vorgesehen, aber deine Posse um den falschen Anw�rter verdarb mir meine Pl�ne. Du und der Gro�k�nig zwangen mich zu improvisieren. Nun, so wird es auch gehen. Was die Elben im Krieg gegen euch geschafft h�tten, �bernehmen nun die Orks. Wahrscheinlich sogar viel besser.�</p><p>Balendil�n versuchte zu erkennen, wo Bislipur stand, doch das Echo war tr�gerisch. �Ich werde dich f�r deinen Verrat eigenh�ndig umbringen!�, schwor er voller Hass.</p><p>Als Antwort erhielt er ein geh�ssiges Lachen. �Das habe ich schon so oft geh�rt, aber keiner konnte seine Drohung wahr machen. Auch du wirst es nicht schaffen, K�nig Balendil�n, der bald ohne Reich und Volk sein wird.�</p><p>Er k�mmerte sich nicht weiter um den Verr�ter, sondern st�rmte in den Festungsraum, um seinen verbliebenen K�mpfern beizustehen. Schlie�lich wagte er es, einen raschen Blick aus der Schie�scharte zu werfen und nach der Br�cke zu sehen.</p><p>Sie hatte sich bereits zu zwei Dritteln ausgefahren, und die ersten ungeduldigen Bestien versuchten, sie mit einem Sprung zu erreichen. Einige st�rzten bei ihrem Unterfangen in die Schlucht, andere gelangten bis zur Kante und klammerten sich daran fest, um dann in die Tiefe zu gleiten.</p><p><emphasis>Nein! Es darf ihnen nicht gelingen.</emphasis> Mit einem Schrei warf sich Balendil�n gegen den letzten Ork und trieb ihm die Axt mit all seiner Kraft in die Seite. Die Schneide fra� sich durch die eingefettete R�stung, dunkelgr�nes Blut schoss in hohem Bogen heraus. Er riss die Waffe aus der Wunde, wehrte den Schwerthieb seines Gegners ab und hackte ihm nochmals in dieselbe Stelle. Der Feind taumelte in seinen dritten Schlag und starb.</p><p>Erst jetzt sah Balendil�n die vielen verbogenen Hebel und abgeschlagenen Griffe, die in ihrer intakten Form dazu dienten, die Br�cke zu steuern.</p><p>�Sie ist ausgefahren�, erstattete ihm ein Zwerg Bericht. �Die Bestien st�rmen das Land, mein K�nig.�</p><p>Balendil�n schaute gel�hmt auf die zerst�rte Apparatur, die �ber das Schicksal seines Stammes und des Geborgenen Landes entschied. Alles R�tteln half nichts, der passende Hebel sa� fest.</p><p>�Vraccas, das darf nicht sein!�, schrie er seine Verzweiflung laut hinaus und stemmte sich mit aller Gewalt dagegen. Schlie�lich schlug er den Hebel ab, rammte seine Axt mit Wucht in den Schlitz und gebrauchte sie als Ersatz. Dann schaute er hinaus.</p><p>Es gelang! Die St�tzpfeiler fuhren zur�ck, die Br�cke gab in der Mitte nach. Das Knacken und Krachen der berstenden Steinplatten drang bis zu ihnen, und dazu mischte sich das �ngstliche Aufkreischen der Kreaturen, die sich auf dem �berweg befanden und verstanden, dass sie in den Abgrund st�rzen sollten. Dann brach die Br�cke endg�ltig und riss die Bestien in den Tod. Zur�ck blieben hunderte von wartenden Orks, die am Graben der Hohen Pforte standen und ihre Entt�uschung laut herausschrien.</p><p>�Du bist verletzt, K�nig�, machte ihn ein Krieger aufmerksam, und Balendil�n sah, wie Blut aus seiner linken Seite sickerte. Das Kettenhemd wies einen klaffenden Schnitt auf, der vom Schlag eines Orks stammte.</p><p>�Es ist nichts�, knurrte er und riss seine Axt aus der Apparatur. �Lasst uns die Scheusale vernichten, die es bis �ber die Br�cke schafften, und zu den anderen zur�ckkehren�, erteilte er neue Befehle. �Danach machen wir uns auf die Suche nach dem Verr�ter Bislipur.�</p><p>Auf dem R�ckweg stellten sie fest, dass es keinen sicheren Fleck mehr im Blauen Gebirge gab. In jedem Korridor, in jedem Gang, in jeder Halle trafen sie auf kleinere und gr��ere Gruppen Orks und Bogglins, die sich Scharm�tzel mit den Zwergen lieferten.</p><p><emphasis>Wie lange werden wir uns noch gegen sie halten k�nnen?,</emphasis> dachte er. <emphasis>Vraccas, sende uns Beistand!</emphasis></p><p>Als sie sich der Vorhalle zu den Schnelltunneln n�herten, h�rte Balendil�n die animalischen Schreie und das Aufbr�llen von Orks, die in gro�er Zahl niedergemacht wurden.</p><p>�Verflucht, ich sagte, dass sie aufpassen, aber nicht angreifen sollen! Es sind zu viele f�r einen offenen Kampf.� Er hastete mit seinen Leuten vorw�rts, um den zur�ckgelassenen Wachen beizustehen, und entdeckte etwas v�llig Unerkl�rliches.</p><p>Eine Zwergentruppe m�hte sich von der anderen Seite durch die Reihen der Orks, die von den unerwartet aufgetauchten Gegnern �berrascht wurden. Seine eigenen Krieger hatten daraufhin einen Angriff unternommen, um die Orks zwischen den Fronten aufzureiben.</p><p>Balendil�n befahl seinen Begleitern den Angriff und st�rzte sich ins Get�mmel. Bald trafen sich die beiden Zwergengruppen in der Mitte, und die letzten Feinde wurden von den blitzenden �xten in H�lften getrennt.</p><p>�Ich komme gern p�nktlich zu einer Schlacht�, gr��te ihn ein Zwerg in einem wundersch�n gearbeiteten Kettenhemd. Die Stimme war ein wenig hoch, der Bart sehr fein, und die R�stung schlug an zwei Stellen des Oberk�rpers Beulen, wie sie f�r einen Mann nicht passen wollten. In der Rechten hielt er einen vergoldeten Streitkolben, an dem das Blut der Orks klebte.</p><p>�Ich bin Xamtys II. Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirne, K�nigin der Ersten des Stammes Borengar.� Sie drehte einen Kadaver mit dem Stiefel herum. �Ich wollte zu einer Ratsversammlung, und was sehe ich? Orks. Waren sie auch eingeladen, um f�r ein wenig Auflockerung zwischen den Disputen zu sorgen?�</p><p>Balendil�n �berwand seine �berraschung schnell. �Ich bin froh, dass die Ersten sich in dieser heiklen Stunde an die Gemeinschaft unserer St�mme erinnern und uns dringend ben�tigte Hilfe bringen. Ich bin Balendil�n Einarm vom Clan der Starkfinger, K�nig der Zweiten. Wer hat euch erreicht? Tungdil oder Gandogar?� Stumm bat er, dass sie Tungdil sagen w�rde.</p><p>�Ich sprach mit Tungdil, und er half mir, mich zu entschlie�en, das Schweigen zu beenden.� Sie reichte ihm die Hand, er schlug ein. �Und was geschah hier?�</p><p>In aller Eile berichtete er ihr von den Ereignissen in Ogertod und dem Verrat eines Zwerges an seinem eigenen Volk. W�hrend er noch erz�hlte, erhielten sie die Nachricht, dass das gro�e Tor kurz davor stand, von den �u�eren Angreifern eingenommen zu werden.</p><p>�Ihr m�sst das Gebirge verlassen�, riet Xamtys. �Wenn ihr verraten wurdet, kennen sie jeden noch so kleinen Gang, in dem ihr Widerstand leisten k�nnt.� Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. �Kommt mit zu uns, wir gew�hren euch Gastfreundschaft, bis wir N�d�onn besiegt und die Ungeheuer aus eurer Heimat geworfen haben.�</p><p>�Nein�, widersprach er sofort.</p><p>�K�nig Balendil�n, jetzt ist nicht die Zeit f�r Trotz. Du wirst mit deinem Stamm gegen die �bermacht untergehen, und dann? Dann haben ich und meine Ersten doppelt so viel Arbeit, das Geborgene Land zu retten�, sagte sie in freundschaftlichem Tonfall. �Wir nehmen die R�hren und kehren zu uns zur�ck. Boten werden Tungdil und Gandogar �ber die neue Lage unterrichten.� Erleichtert bemerkte sie, dass er ihren Vorschlag innerlich bereits angenommen hatte.</p><p>�Sie sollen die Frauen und Kinder hierher bringen und so viele wie m�glich in die Loren setzen�, gab er Anweisungen. �Diejenigen, die wir nicht mehr erreichen, m�ssen ausharren, bis wir zu ihrer Befreiung zur�ckkehren. Die Minen sind weitl�ufig genug, um als Verstecke f�r Einzelne zu dienen. Sie sollen auch die wichtigsten Br�cken zum Einsturz bringen. Die Orks werden sie nicht so schnell finden.�</p><p>Balendil�n empfand es als bittere Niederlage, dass sie den R�ckzug antraten, wusste aber keine andere L�sung, um dem drohenden Untergang zu entgehen. <emphasis>Ohne Bislipur w�re es niemals so weit gekommen,</emphasis> dachte er voller Hass.</p><p>Entschlossen organisierte er ihren Abzug, w�hlte die Freiwilligen aus, die in die abgelegeneren Regionen des Zwergenreiches laufen sollten, um die Familien der Clans zu warnen und aufs Schlimmste vorzubereiten. �Sagt ihnen, dass sie nur kurze Zeit ausharren m�ssen�, sch�rfte er ihnen ein. �Wir kehren in wenigen Wochen zur�ck und t�ten die Orks. Das ist ein Versprechen.�</p><p>Danach begab er sich in die Ratshalle, um den Zeremonienhammer zu holen und ihn vor Sch�ndungen zu bewahren. Den Hort seines Stammes w�rden sie niemals finden, nur Gundrabur und er kannten die Runen, die den Weg dorthin freigaben.</p><p>Er nahm den verzierten Hammer, der neben dem verlassenen Thron stand, und h�rte das Dr�hnen der Rammb�cke, mit denen die Angreifer das gro�e Tor bearbeiteten. Das Rumpeln ging ihm durch Mark und Bein, es verk�ndete das nahende Unheil f�r das Reich der Zweiten, gerade so als klopfte das Unheil selbst mit Macht gegen die Pforte.</p><p>Wehm�tig betrachtete er den Thron, die Steintrib�nen, die Stelen mit den Gesetzen seines Stammes, die S�ulen der Halle und die kunstvoll gehauenen Szenen an den W�nden, von den goldenen Sonnenstrahlen, die durch die L�cher fielen, in freundliches Licht getaucht. <emphasis>Ob sie noch da sein werden, wenn ich zur�ckkomme?</emphasis></p><p>�Ein K�nig wird doch nicht weichen wollen?�</p><p>�Bislipur!� Balendil�n wirbelte herum und schaute zu den Steintafeln. Hinter einer von ihnen hatte der Verr�ter sich verborgen, die Steinspangen in seinen Bartstr�hnen stie�en leise klirrend aneinander.</p><p>�Ich wartete darauf, dich allein anzutreffen, ohne deine eifrigen Helfer. Du hast mir an der Br�cke einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich fand es sehr schade, dass es dir gelang, sie zum Einsturz zu bringen.� Er nahm seine Streitaxt und hieb damit gegen die Gesetzestafel, die daraufhin Risse bekam und in gro�e Teile zersprang. �Aber ich bin ein geduldiger Zwerg. So wie ich diese Gesetze der Zweiten vernichte, so werdet ihr gegen die Orks fallen.�</p><p>Der K�nig ging die Stufen hinab. �Alles, was du zerst�rst, ist Stein, auf dem Worte geschrieben stehen. Wir k�nnen sie neu mei�eln. Du wirst scheitern! Die Zwerge fanden zu neuer Gemeinschaft zur�ck. Die Clans der Ersten sind angekommen und haben einen Gro�teil deiner Verb�ndeten vernichtet. Wei�t du das?�</p><p>�Sie sind nicht meine Verb�ndeten, sie sind Handlanger, Werkzeuge meiner Rache�, stellte er ruhig fest und zertr�mmerte die Tafel vollst�ndig. �Feiert nur euren kleinen Erfolg! Aber gegen N�d�onn werdet ihr auf Dauer nicht bestehen. Er ist zu m�chtig und zu wahnsinnig.� Schon zerbarst die zweite Tafel unter seinen Schl�gen; der polierte Granit polterte auf die Steinplatten und verteilte sich.</p><p>�Genug!� Balendil�n stand am Fu� der Throntreppe und n�herte sich dem Verr�ter. Unterwegs stellte er den Zeremonienhammer ab und nahm seine Axt aus dem G�rtel, wohl wissend, dass ihm der Hinkende an Kraft �berlegen war; daf�r fehlte es ihm gl�cklicherweise an Wendigkeit. �Sag mir, warum du das getan hast!�</p><p>�Das wird ein Kampf�, lachte Bislipur. �Zwei Kr�ppel messen sich.�</p><p>�Dieses Mal jedoch nicht mit Worten�, f�gte der K�nig grimmig hinzu.</p><p>Bislipur grinste. �Und schon wieder werden die Clans der Zweiten einen neuen K�nig w�hlen m�ssen.� Ansatzlos schlug er zu, doch der Herrscher tauchte unter der Axt hinweg und nutzte den Schwung, um seinerseits einen Hieb zu f�hren.</p><p>Bislipur sprang fluchend nach hinten, aber der Dorn am Ende des Stiels erwischte ihn am ungesch�tzten Unterschenkel. Leder und Stoff rissen, Blut quoll aus dem Schnitt hervor.</p><p>�Warum hast du uns verraten?�, wollte Balendil�n erneut wissen. �Weil dein Sch�tzling nicht Gro�k�nig wurde und es keinen Krieg gegen die Elben gab, deshalb? Warst du so versessen darauf?�</p><p>Bislipur sprang vor und attackierte ihn mit einer Serie von Ausf�llen, doch Balendil�n durchschaute die Finten, wich zur�ck und wartete aufmerksam darauf, dass der echte Angriffsschlag erfolgte. Sie hatten die breite Halle durchquert und k�mpften sich einen Gang entlang, der sie auf eine Br�cke f�hrte. Darunter g�hnte ein Abgrund von zwanzig Schritt Tiefe.</p><p>�Es ist mir gleich, wer auf dem Thron sitzt�, antwortete Bislipur. �Ich wollte einzig und allein, dass es zum Krieg kommt. Die Elben h�tten euch vernichtet.�</p><p>Sein Schlag kam mit einer Heftigkeit, die unm�glich zu parieren war. Balendil�n gelang es gerade noch, die Schneide aus der Bahn zu lenken, doch beinahe verlor er dabei seine eigene Axt.</p><p>�Ich verstehe es noch immer nicht, Bislipur. Hat N�d�onn dich verhext, oder weshalb stellst du dich gegen deinen eigenen Stamm?�</p><p>�Meinen eigenen Stamm? Nein, die Vierten sind gewiss nicht mein Stamm. Du warst einmal so dicht dran, dass ich dachte, ich sei verraten.� Wieder durchschnitt seine Axt pfeifend die Luft. Balendil�n blockte sie mit einem Gegenschlag, doch der Aufprall und die Ersch�tterung lie�en seine Hand kraftlos werden.</p><p>�Du hast es selbst gesagt, Einarm. Ich bin zu stark und ein zu guter Krieger, als dass ich einer von den schw�chlichen Vierten sein k�nnte.� Er schlug nochmals zu, die Finger des K�nigs �ffneten sich, die Axt klirrte auf die Br�cke. �Ich bin vom Stamm Lorimbur und werde als derjenige in die Geschichte eingehen, der den Niedergang der anderen St�mme einl�utete�, grollte er finster. �Mir gelang, was keinem anderen zuvor gl�ckte.�</p><p>Balendil�n fiel ihm in den Schlagarm und fing den n�chsten Hieb ab, daf�r rammte ihm der Verr�ter mit einem Kopfsto� den Helm ins Gesicht. Mit rotem Nebel und tanzenden Sternen vor den Augen schwankte er nach hinten, das siegessichere Lachen Bislipurs in den Ohren.</p><p>�Schade, dass Tungdil ein Dritter ist, sonst k�nnte er sich nach seiner R�ckkehr um deinen Posten bewerben. Oh, er wird weinen, wenn er die Tr�mmer von Ogertod sieht. Vielleicht verberge ich mich in der N�he, um ihn und die anderen aus dem Hinterhalt zu t�ten. Das w�re ein Spa�.�</p><p>�Tungdil einer aus dem Stamm Lorimbur? Niemals.� Mit M�he hielt Balendil�n sich auf den Beinen.</p><p>�Ich erkenne einen der unsrigen, wenn ich ihn sehe, wir haben ein Gesp�r f�r einander. Und glaube mir, dein Thronfavorit ist einer von meinem Stamm, ein Zwergent�ter, so wahr wie ich dich erschlage und zusehen werde, wie die Orks deine warmen Innereien fressen.�</p><p>�Du l�gst!� Der K�nig lehnte sich an das Gel�nder, seine Beine gaben nach.</p><p>Bislipur grinste b�sartig und schlug zu. �Mag sein. Es kann dir egal sein.�</p><p>Die niedersto�ende Axt nahm Balendil�n nur mehr als huschenden Schatten wahr.</p><subtitle>Das Geborgene Land, unter dem K�nigreich Taba�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Das Rumpeln des Felsens warnte sie, sodass Tungdil rechtzeitig die Bremse bet�tigen konnte. Der Aufprall der Lore gegen die aufget�rmten Felsbrocken war immer noch heftig genug, dass sie durchgesch�ttelt wurden und das Fahrzeug aus der Trasse sprang.</p><p>�Die Geister haben sich knapp verrechnet�, meinte Bavragor und wischte sich den Staub aus dem Gesicht. Danach half er Balyndis, die ihn gew�hren lie�. �Wir h�tten bestimmt unter dem Schutt begraben werden sollen.� Er suchte nach seinem Schlauch mit Branntwein und nahm einen Schluck.</p><p>�Ach, nur ein kleiner Einsturz�, meinte Rodario und h�pfte vom Vehikel aus auf den Boden. �Der gute Djer&#x16F;n wird einige Stunden schuften, und wir k�nnen unsere Fahrt fortsetzen. Oder hat die ehrenwerte Maga vielleicht noch etwas Wind in der Tasche, um die R�hre freizupusten?� Sein Tonfall war merklich schnippischer geworden, die Abfuhr der Frau vor aller Augen und Ohren hatte ihn gekr�nkt, was er ihr zu zeigen gedachte.</p><p>Der vor Furcht bleiche Go�mgar blieb, wo er war, und zog es vor, die Decke argw�hnisch zu betrachten. And�kai n�herte sich der Stelle und wies ihren Begleiter an, Tr�mmer aus dem Weg zu r�umen, doch bald wurde klar, dass zu viel Gestein im Weg lag.</p><p>�Ich vermute, dass die gesamte R�hre eingest�rzt ist�, sagte Bavragor, der auf den Bl�cken herumkletterte und die W�nde besah. �Es sieht so aus, als w�ren Vorarbeiten vorgenommen worden.�</p><p>Furgas eilte zu ihm, betrachtete das Gestein aus der N�he und tastete daran herum, bis er dem Zwerg zunickte. �Das sehe ich ebenso. Da hat jemand mit einer Picke kleine L�cher in den Stein gehauen, sodass der Gang einst�rzen musste, sobald die St�tzbalken entfernt wurden.�</p><p>�Die Geister haben das Holz zerbrochen�, wisperte Go�mgar mit Beben in der Stimme. �Sie wollten uns vernichten, nachdem wir ihre Warnung missachteten.�</p><p>�Ich h�tte niemals gedacht, das zu sagen, aber die Singerei des S�ufers ist mir tausendmal lieber als dein st�ndiges Herumgegreine!�, herrschte ihn Ingrimmsch grob an. Sein hei�es Blut, das schon lange keine Gelegenheit mehr erhalten hatte, sich nach Lust und Laune auszutoben, meldete sich.</p><p>�Bo�ndil, z�hme deine Wut�, sagte Tungdil beschw�rend. �Ich wei�, dass es dir immer schwerer f�llt, doch du musst sie im Zaum halten.� Er nahm seinen Rucksack, um nach der Karte zu suchen, die ihnen Xamtys mitgegeben hatte, und studierte sie. �Wir gehen zur�ck. Eine Meile von hier ist ein Ausstieg.� Er schaute zu Go�mgar. �Es sieht so aus, als w�rden die Gespenster dir deinen Wunsch erf�llen und dir zu einem Spaziergang an der Oberfl�che verhelfen.�</p><p>�Wo sind wir?�, wollte And�kai wissen.</p><p>�Nach meiner Berechnung befinden wir uns im S�dosten des K�nigreiches Taba�n�, meinte er. �Ein Marsch bis zum n�chsten Eingang sollte uns leicht fallen. Es wird auch das Flache Land genannt, weil es wie eine einzige Ebene daliegt.�</p><p>�Hervorragend�, grummelte Bavragor wenig begeistert. �Kaum w�nscht sich der Schmalzwerg etwas, geht es in Erf�llung. Ich bin nicht zum Laufen an der Oberfl�che gemacht und mag auch die Sonne nicht sonderlich. Die Reiterei hat mir gelangt.�</p><p>�Man gew�hnt sich dran�, erwiderte Bo�ndil. �H�ttest du �fter Wachdienst an der Hohen Pforte geschoben, w�sstest du, dass ihre W�rme auf der Haut auch angenehm sein kann.�</p><p>�Es war mir zu gef�hrlich, in deiner N�he zu stehen�, gab er �tzend zur�ck. �Ich hatte nicht vor, wie meine Schwester zu enden.�</p><p>Balyndis horchte auf. Die unvermittelt entstandene Spannung zwischen den beiden brachte sie dazu, sich vor Bavragor zu schieben, um eine handfeste Auseinandersetzung zu verhindern, doch er packte ihren Arm und schob sie zur Seite.</p><p>�Pass auf. Dreh ihm niemals den R�cken zu, wenn er den Hass und die Wut in sich tr�gt�, warnte er sie vor Ingrimmsch. �Er t�tet schnell und ohne nachzudenken.�</p><p>Die Muskeln des Zwillings spannten sich, die H�nde legten sich an die Griffe seiner Beile. �So, tue ich das, Einauge?!�, grollte er und senkte angriffslustig das Haupt.</p><p>�Schluss! Ihr seid beide still�, untersagte Tungdil ihnen jedes weitere Wort. �Damit ihr eure Kraft loswerdet, tragt ihr die Metallbarren, bis ihr nicht mehr k�nnt und Djer&#x16F;n es f�r euch �bernimmt.� Widerstrebend kamen sie seinem Befehl nach.</p><p>�Bei dem einen verhindert der Schmerz, bei dem anderen die Wut, dass die Einsicht siegt�, erkl�rte er Balyndis, nachdem er an ihre Seite getreten war. Rasch erz�hlte er ihr den Hintergrund der schwelenden Feindschaft zwischen den beiden Zwergen.</p><p>�Das ist sehr traurig�, bedauerte sie, und ihr rundes Gesicht zeigte Mitgef�hl. �Traurig f�r beide.�</p><p>�Auch wenn ich es mir nicht wirklich w�nsche, w�re es wohl das Beste, auf Gegner zu treffen, an denen sich Bo�ndil austoben kann�, sagte er leise zu ihr, und dabei geriet ihr Geruch in seine Nase. Sie duftete himmlisch wie frisches �l und sauberer Stahl.</p><p>�Kommst du?�, rief Go�mgar, der aus der Lore kletterte und den anderen folgte. �Anf�hrer sollten doch immer vorn gehen, oder irre ich mich?�</p><p>�Nein, du irrst dich nicht.� Er eilte an ihm vorbei und schloss zu Bo�ndil und Bavragor auf, die schweigend ihre Last schleppten. Keiner wollte vor dem anderen als schw�cher dastehen und dem Krieger das Tragen �berlassen.</p><p>Pl�tzlich ratterte es laut vor ihnen. Eine Lore rauschte die Trasse entlang, und sie schafften es im letzten Augenblick, dem herrenlosen Karren auszuweichen.</p><p>Djer&#x16F;n sprang auf die Seite, zog seine Axt und schlug aus der Bewegung zu, woraufhin sie entgleiste und gegen die Felswand prallte. Sofort war der Krieger dort, hob das Gef�hrt an und schaute hinein, um einen Passagier ausfindig zu machen. Sie war leer.</p><p>�Sie kann in einem Seitengang gestanden und sich gel�st haben�, meinte Rodario. �Welch ein Gl�ck, dass ich die Reflexe eines Katers besitze, sonst h�tte es mich glatt erwischt.� Furgas warf ihm einen vielsagenden Blick zu.</p><p>�Es waren die Geister�, beharrte Go�mgar leise. �Sie wollten uns damit t�ten.�</p><p>�Sicher.� Bo�ndil legte die Barren ab, ging n�her heran und schnupperte pr�fend. �Orks sa�en mit Sicherheit nicht drin, das Fett ihrer R�stung w�rde ich sehen und riechen.� Er kroch in der Lore herum und gab nicht eher Ruhe, bis er auf etwas gesto�en war. �Die Schnalle eines Schuhs�, verk�ndete er und hob sie in die H�he. �Billiges gestrecktes Silber. Sie ist jedenfalls nicht alt, aber sie sieht sehr mitgenommen aus. Kratzer, Dreck.� Er steckte sie ein.</p><p><emphasis>Ich kenne sie von irgendwoher.</emphasis> �Das R�tsel l�sst sich auf diese Weise nicht l�ften�, entschied Tungdil. �Wir gehen weiter.�</p><p>Sogleich b�ckte sich Ingrimmsch nach seiner Last, und die Gruppe setzte sich in Bewegung.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Im letzten Augenblick lie� sich Balendil�n fallen. Die Schneide zischte �ber ihn hinweg und prallte klingend gegen die Steinbr�stung der Br�cke. Er trat Bislipur von unten ins Gem�cht, zog seinen Dolch und rammte ihn in die Stiefelspitze. Aus dem St�hnen des Verr�ters wurde augenblicklich ein lauter Aufschrei.</p><p>Der Schleier vor seinen Augen lichtete sich, er sah Bislipur wieder klar vor sich � rechtzeitig genug, um dem mit viel Wut ausgef�hrten Hieb zu entkommen. Er rollte sich nach rechts, und die Axt schlug wirkungslos auf die Br�cke.</p><p>Dieses Mal hatte Bislipur mit der Bewegung des K�nigs gerechnet und schwang die Waffe wie eine Keule von unten nach oben hinter ihm her. Die Klinge durchtrennte Kettenglieder und drang schmerzhaft in seine verletzte Seite; die Spitze verhakte sich im Ringgeflecht.</p><p>�Hab ich dich! Flieg, Einarmiger�, lachte er, packte den Stiel mit beiden H�nden, zerrte seinen Gegner an der Waffe hinter sich und schleuderte ihn hart gegen die Br�stung. Balendil�n rutschte �ber die Steine und sah pl�tzlich den Abgrund unter sich. �Oh, ich habe vergessen, dass dir das Wedeln mit den Armen schwer fallen d�rfte.�</p><p>�Zeig mir, ob ein Dritter ebenso gut fliegt wie ein Zweiter�, rief der K�nig, streckte sich, um mit seinem Dolch zuzusto�en, und jagte diesen durch den Unterarm des Verr�ters. Dann sp�rte er, wie er �ber die Kante rollte.</p><p>Balendil�n klammerte sich an den Griff des Dolches und zog den schreienden Bislipur mit sich in die Tiefe. <emphasis>F�r deinen Verrat stirbst du mit mir!</emphasis></p><p>Zu seinem eigenen Erstaunen endete sein Flug nach zwei Schritt auf festem Untergrund. Der Dolch glitt aus dem Arm seines Feindes. Balendil�n war auf den Resten eines Steinbogens gelandet, der sich einst zur Zierde unter die Br�cke gespannt hatte und wegen seiner Instabilit�t abgerissen worden war.</p><p>Bislipur schoss an ihm vorbei; instinktiv gab er den Griff der Axt frei, um sich an der vorderen Kante des Bogens festzuhalten, was ihm auch gelang. Doch ihm blieb nur die Rechte, weil der Dolch ihm den anderen Arm vom Ellbogen bis zum Handgelenk aufgeschlitzt hatte.</p><p>�Es ist noch nicht vorbei�, keuchte er vor Schmerz und Anstrengung, w�hrend er sich mit einer Hand nach oben zog. Seine Augen loderten vor Hass. �Mir reichen f�nf Finger aus, um dich zu erw�rgen, Balendil�n.� Langsam schob er sich �ber den Vorsprung.</p><p>Mit einem lauten Schrei riss sich der K�nig die Axt aus dem Kettenhemd. �Doch, es ist vorbei�, rief er und schlug dem Verr�ter die Schneide durch den Helm in den Sch�del. Es knirschte und knackte, dann lief Bislipur das Blut in die Stirn. �Ich versprach, dass ich dich t�te, und meine Versprechen halte ich.�</p><p>Er lie� den Griff los, trat dem Sterbenden ins Gesicht und schob ihn �ber die Kante zur�ck. Der K�rper st�rzte in die Tiefe; es knallte dumpf, als er nach mehr als zwanzig Schritt auf dem Stein aufschlug und zerschmetterte.</p><p><emphasis>Vraccas, verbrenne seine Seele in deiner Esse.</emphasis> Balendil�n schloss die Augen und lehnte sich an den Steinbogen. Die Schmerzen raubten ihm das Bewusstsein.</p><p>Gerade als er halb ohnm�chtig von seinem schmalen Sitz rutschen drohte, fanden sie ihn und trugen ihn zu den Schnelltunneln. Seine Lore setzte sich als Letzte in Bewegung.</p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Taba�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Die Sonne versank am ebenen Horizont und brachte den Schnee ein letztes Mal zum Glitzern, ehe die D�mmerung hereinbrach. Tausende kleiner Diamanten blinkten auf der wei�en Ebene.</p><p>Mitten in der unber�hrten Fl�che geriet ein einzelner Steinbrocken in Bewegung. Der Schnee rieselte von ihm herab, dann schob er sich zur Seite, und eine Frauengestalt schwang sich aus dem Loch darunter ins Freie. Ihre Fu�spuren zerst�rten die Makellosigkeit.</p><p>�Bei Samusin!�, entfuhr es And�kai, als sie sich aufrichtete und �ber die tellerflache Ebene blickte. �berall dort, wo kleine Punkte in weiter Entfernung Siedlungen markierten, stiegen Rauchs�ulen in den Himmel. Sie kniete sich hin, um sich kleiner zu machen, und zog den Mantel zum Schutz gegen die bei�ende K�lte enger um sich. �Die Orks sind schon hier. Sie m�ssen aus dem Norden gekommen sein.� Die saubere, klirrend kalte Winterluft fuhr in ihre Lungen, und sie musste husten.</p><p>Vereinzelt erkannte sie gro�e dunkle Flecken, die sich langsam vorw�rtsbewegten und dorthin zogen, wo sich die n�chste, noch nicht brennende Stadt, ein unverw�stetes Geh�ft oder ein unversehrtes Dorf befanden.</p><p>And�kai schloss die Augen und konzentrierte sich. Sogleich sp�rte sie die Ausl�ufer eines schwachen Energiefeldes im Boden, das sich jedoch unter dem Einfluss N�d�onns zum Schlechten hin gewandelt hatte.</p><p>�Wir stehen auf den Resten des Zauberreichs Turguria�, sprach sie langsam. �Das Land unter unseren F��en war einst reich an Magie. Jetzt kann ich sie kaum nutzen.� Dennoch nutzte sie die Gelegenheit, ihren inneren Vorrat aufzustocken, doch dabei verzerrte sich ihr Antlitz vor Schmerzen.</p><p>Ein Zwergenhelm erschien in der �ffnung, ein paar wachsame braune Augen folgten, die umhersp�hten. �Dann nichts wie weg von hier�, verlangte Bo�ndil m�rrisch und stemmte sich ins Freie; die anderen folgten ihm die letzten Stufen der Treppe hinauf. �Jetzt wei� ich, warum ich mich die ganze Zeit �ber so unwohl f�hle. Hokuspokus, pah. Ist nichts, taugt nichts.� Er sch�ttelte sich und schob den Stein, der den Zugang zu den R�hren verbarg, wieder an seinen alten Platz. �Gehen wir.�</p><p>�Warte.� Tungdil folgte And�kais Blick. Er fr�stelte; sein Atem wurde wieder zu wei�en W�lkchen und die Barthaare �berzogen sich mit einem Eisfilm. �Ich gebe Euch Recht. Sie m�ssen aus dem Gebiet des Toten Landes stammen, die Rotten aus Toboribor w�ren niemals so schnell hierher gelangt.�</p><p>�Umso schlimmer f�r uns�, meinte Go�mgar in seiner gewohnt n�rgelnden Art. �Ich ��</p><p>�Sei still, oder du erlebst was�, grollte Bo�ndil drohend. �Wir denken nach.�</p><p>�Du? Nur weil ��</p><p>Ingrimmsch wirbelte herum und st�rmte schreiend auf ihn zu. Schnell riss Go�mgar seinen Schild in die H�he und schrie um Hilfe.</p><p>�Nein, Bo�ndil!� Doch der Zwerg h�rte nicht. <emphasis>Er wird ihn in St�cke rei�en!</emphasis> Tungdil warf sich ohne zu z�gern gegen Bo�ndil, Bavragor folgte ihm, und die drei verschwanden in einer Schneewolke, aus der Fluchen, das Klatschen von Schl�gen und Keuchen drangen.</p><p>Mit Djer&#x16F;ns Hilfe gelang es, sie wieder zu trennen. Wie durch ein g�ttliches Wunder hatte Ingrimmsch darauf verzichtet, seine Waffen zu ziehen, die sicherlich verheerende Folgen f�r die anderen gehabt h�tten. Die blauen Flecken am Kopf und das Blut unter ihren Nasen bewiesen, welche Kr�fte der Krieger besa�.</p><p>�Es tut mir Leid�, schnaubte Bo�ndil. �Es ist mein hei�es Blut�, suchte er nach einer Entschuldigung, w�hrend er seinen Helm im Schnee suchte. �Er hat mich gereizt und ��</p><p>�Schon gut.� Tungdil sparte sich eine Standpauke, seine rechte Gesichtsh�lfte pochte und f�hlte sich hei� an. �Wir werden bald auf Orks sto�en, gegen die du ganz allein k�mpfen darfst.�</p><p>Balyndis k�mmerte sich um ihre Verletzungen; sie formte Schneeb�lle, mit denen sie die getroffenen Stellen k�hlten. Schweigend setzten sich die Gef�hrten in Bewegung, um nach Nordosten zu marschieren.</p><p>And�kai gesellte sich an die Seite Tungdils. �Vor uns sind keine Rauchs�ulen zu sehen. Die Orks haben wohl auf Gehei� N�d�onns zuerst den letzten Rest an Widerstand in den Zauberreichen erstickt, ehe sie sich an die Eroberung der weltlichen K�nigt�mer machen.� Sie deutete nach Osten. �Da dr�ben, auf der Gemarkung Taba�ns, liegt eine befestigte Stadt, dort sollten wir die Nacht verbringen. Es wird eisig kalt werden, und wir sind nicht darauf eingerichtet, im Freien zu schlafen. Sie werden �ber jede Hand froh sein, die ein Schwert halten kann.�</p><p>Tungdil stimmte ihr zu, und so kam es, dass sie lange nach Einbruch in die Stadt einzogen, die sich auf der Karte Gr�schacker nannte.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten, Bero�n, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Unterwegs stellte sich den Zwergen eine neue Schwierigkeit: Die Truppen N�d�onns hatten damit begonnen, die Tunnel zu besetzen und die Schienenverbindungen zu unterbrechen.</p><p>Die erste Sperre �berrollten sie noch, doch bei der n�chsten warteten au�er Orks auch Oger und Trolle, die sie mit Gesteinsbrocken bewarfen.</p><p>Auf diese Weise verloren sie vier Loren. Gl�cklicherweise gelang es ihnen, an einer Weichenstelle abzubiegen; daf�r ratterten sie nordw�rts anstatt nach Westen.</p><p>Xamtys gab vor der n�chsten Schwungstelle das Zeichen zum Anhalten, um sich mit Balendil�n zu beraten. �Der Weg in mein Reich ist uns versperrt�, sagte sie z�hneknirschend, w�hrend sie sich zur Lore des K�nigs begab. �Es ist zu gef�hrlich, die Tunnel weiterhin zu nutzen. Die n�chste Trasse k�nnte von Orks verbogen worden sein und uns geradewegs in einen Abgrund lenken.�</p><p>�Bislipur muss ihnen schon vor l�ngerer Zeit von den R�hren verraten haben�, meinte Balendil�n, w�hrend seine Begleiter die Unterbrechung nutzten, um ihm einen neuen Verband anzulegen. <emphasis>Es ist grausam. Die Erfindung unseres Volkes, die zum Schutz des Landes gedacht war, wird nun von den Kreaturen Tions dazu benutzt, es schneller zu erobern.</emphasis> Er dachte nach. �Wir schicken Sp�her an die Oberfl�che.�</p><p>�Wir k�nnen nicht laufen, Balendil�n.� Xamtys betrachtete seine Wunden und sch�ttelte den Kopf. �Es ist Winter, und unterwegs wird es kaum gen�gend zu essen geben, geschweige denn, dass wir auf einen Marsch durch Schnee und Eis vorbereitet w�ren. Die H�lfte von uns w�rde verhungern und erfrieren.� Sie nahm den Helm ab, die beiden Z�pfe fielen auf ihre Schultern. �Wir m�ssen uns etwas anderes einfallen lassen. Das Rote Gebirge ��</p><p>�Nein, Xamtys.� Er hielt die Luft an, als seine Wunde schmerzte. Seine breite Hand umklammerte den Rand der Lore, bis der Verband gewechselt war. �Ich habe nicht vor, ins Rote Gebirge zu gehen.� Balendil�n zog die Landkarte hervor und deutete auf eine Stelle fast mitten im Geborgenen Land. �Dahin gehen wir, auch wenn es mir nicht gef�llt. Es ist ein verfluchter Ort mit zweifelhafter Vergangenheit, aber das einzig sichere Refugium.�</p><p>�Wieso?� Sie fuhr sich durchs Gesicht, als k�nnte sie die schweren Gedanken und die M�digkeit wegwischen.</p><p>�Weil er nicht mit den Tunneln oder sonst irgendeinem Stollen in Verbindung steht. Wir m�ssen nur wenige Meilen oberirdisch gehen, daf�r w�ren die Kinder und Frauen in Sicherheit. Das Gel�nde der Umgebung ist flach und �berschaubar, wir sind sicher und harren aus, bis Tungdil oder Gandogar uns finden.� Er verfluchte Bislipur nachtr�glich f�r die beigebrachte Verletzung, die seine Bewegungsf�higkeit so stark einschr�nkte und ihn noch mehr schw�chte.</p><p>�Das Geborgene Land ist gro�, und ihnen Boten zu schicken ist eine unsichere Sache.� Xamtys betrachtete den Ort, auf den der Zeigefinger des K�nigs der Zweiten deutete. �Davon habe ich noch nie geh�rt.�</p><p>�Wir brauchen keine Boten. Wir m�ssen daf�r sorgen, dass jeder wei�, wohin sich die Zwergenstreitmacht zur�ckgezogen hat, dann erfahren es die beiden unterwegs von selbst. Sie merken sicherlich bald, dass die Orks die Tunnel besetzt halten, und werden Nachforschungen anstellen.�</p><p>�Hm�. Die Zwergin wirkte nicht recht �berzeugt. �Damit locken wir die Bestien ebenfalls dorthin. Ist das gut?�</p><p>�Es ist viel mehr als das. Es ist meine Absicht�, nickte er, und seine braunen Augen blickten sie ernst an. �Ich will, dass N�d�onn selbst sein Heer zu uns f�hrt.�</p><p>Xamtys blickte ihn an, als h�tte er den Verstand verloren. �Ich glaube nicht, dass er das tun wird. Und wenn er es tut, sind wir tot, Balendil�n. M�chtest du einen schnellen Untergang? Dann h�tten wir im Blauen Gebirge bleiben k�nnen, und unsere Flucht w�re sinnlos.�</p><p>�Nein, Xamtys. Er muss zu uns kommen. Wenn er glaubt, wir bes��en die Artefakte und die B�cher, die er so verzweifelt in seinen Besitz bringen m�chte, wird er alle Horden in Bewegung setzen.�</p><p>�Den Grund, Balendil�n�, sagte sie beschw�rend und st�tzte sich auf die Lore. �Nenne mir den Grund, warum ich meine Krieger in den sicheren Untergang f�hren soll.�</p><p>Er hielt ihrem besorgten Blick stand. �N�d�onn muss sich in unserer N�he aufhalten. Nur auf diese Weise bekommen Gandogar und Tungdil die Gelegenheit, die Feuerklingen gegen ihn einzusetzen. Ansonsten wird er irgendwo im Geborgenen Land sitzen, unauffindbar und unnahbar.�</p><p>Die K�nigin verstand seinen Plan. �Wir sind der K�der. Das hat allerdings den Haken, dass wir nicht wissen, wann einer von ihnen auftaucht.�</p><p>�Oder ob�, f�gte er ehrlicherweise hinzu und schloss f�r einen Moment die Augen. Ihm war schwindelig, der Blutverlust laugte ihn aus. �Und dennoch ist es die einzige M�glichkeit.�</p><p>�Gut.� Xamtys l�ste die H�nde von der Lore. �Aber zuerst muss ich die Clans der Ersten warnen.�</p><p>�Daf�r wird es zu sp�t sein. Die Orks kennen die Tunnel, sie werden sicherlich schon bei ihnen eingefallen sein. Ich h�tte es an ihrer Stelle so gemacht.� Er fasste ihre Hand. �Geh davon aus, dass wir die letzte Streitmacht unseres Volkes bilden, K�nigin. Umso wichtiger ist es, N�d�onn zu vernichten.�</p><p>Sie atmete tief durch und betrachtete seine rissige Hand. �Es ist grausam zu ahnen, was im Roten Gebirge geschieht, und nichts daran �ndern zu k�nnen.� Eine Tr�ne rann in ihren flaumigen Bart. �Wir r�chen unsere Toten tausendfach, Balendil�n. Die Felder des Geborgenen Landes werden mit dem Blut der Bestien getr�nkt werden, und mein Streitkolben wird nicht eher ruhen, bis er an einem Ogersch�del birst.� Er wusste, dass diese Waffe niemals zerbrechen w�rde. Ihr Blick wurde unsicher. �Was ist, wenn N�d�onn uns �berwindet, bevor einer der beiden mit der Feuerklinge zur�ckkehrt?�</p><p>Er l�chelte sie an und versuchte, mehr Zuversicht auszustrahlen, als er wirklich in sich trug. �Bis dahin d�rfen wir uns nicht �berwinden lassen.�</p><p>Xamtys hob den Kopf, ihre braunen Augen schauten �ber die Vehikel, die bangenden und trotzigen Gesichter; kleine Kinder schrien, Kettenhemden und Waffen klirrten leise, weil sich ihre Tr�ger unruhig hin und her bewegten. Die Luft im Tunnel roch verbraucht.</p><p>�Also gut, Balendil�n. Ich folge dir.� Sie reichte ihm die Hand, dann kehrte sie zu ihrem Vehikel zur�ck.</p><p>Die Kunde �ber das neue Ziel verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bisher waren die Zwerge mit einem unguten Gef�hl gereist, doch der Ort, an den sie Balendil�n nun f�hren wollte, sorgte bei den meisten, die davon geh�rt hatten, f�r Unglaube, bei manchen f�r Entsetzen und bei einigen f�r blanke Angst.</p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Taba�n, Gr�schacker im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Wieder geschah es, dass die Torwachen die mehr als merkw�rdige Reisegruppe passieren lie�en, ohne auch nur eine misstrauische Frage �ber Djer&#x16F;ns ungew�hnliche Gr��e zu stellen.</p><p>Die Stadt war gigantisch gro�. Tungdil erinnerte sich, in Lot-Ionans B�chern einmal die Zahl siebzigtausend gelesen zu haben, und das Buch war damals schon �lter.</p><p>�Ho, es wundert mich nicht, dass die Orks die Finger von ihr lassen�, sagte Bo�ndil. �Wenn die B�rger zu den Waffen greifen, stehen den Schweineschnauzen vorneweg drei�igtausend Gegner im Weg.�</p><p>�Es wird nicht lange dauern, bis sie eine entsprechend gro�e Zahl zusammengerottet haben oder die Albae es mit List versuchen�, sch�tzte And�kai. Mifurdania hatte gezeigt, dass keine Stadt mehr sicher war. �N�d�onn kann notfalls einen seiner Famuli entsenden, der den Orks die W�nde niederrei�t. Sind sie erst einmal in der Siedlung, kann man sie nicht mehr aufhalten, dazu k�mpfen sie zu stark.� Sie deutete auf ein Gasthaus, in dem noch Licht im Schankraum brannte. �Kehren wir ein?�</p><p>�Ich wollte in einer solchen Ebene nicht leben�, meinte Bavragor zu Balyndis. �Es gibt keinen Schatten, und das Schlimmste ist, dass die Sonne immer da ist. Es wird sicherlich so hei� wie in einem Backofen.�</p><p>�Ich habe nichts gegen Hitze, wenn sie von meiner Esse stammt�, sagte sie und lie� ihm den Vortritt ins Wirtshaus.</p><p>�Ja. Es gibt nichts Sch�neres, als den Hammer auf dem gl�henden Eisen tanzen und ihn immer neue Melodien singen zu lassen�, stimmte ihr Tungdil zu. �Ich vermisse meine Schmiede sehr.�</p><p>�Du? Ich dachte, du bist ein Vierter?�, wunderte sie sich. �Seid ihr eigentlich nicht die Gemmenschneider?�</p><p>�Ha�, machte Go�mgar rechthaberisch. �Eigentlich sind wir das. Er ist ja auch kein ��</p><p>�Ich bin ein Vierter, ja, aber ich f�hle mich mehr zu dem Handwerk hingezogen, das unser Volk quer durch alle St�mme verbindet�, gestand er.</p><p>�Er ist kein Vierter�, vollendete Go�mgar herablassend seinen begonnenen Satz. �Er ist ein Findelzwerg und wuchs bei den Langen auf, bis man ihm den Floh ins Ohr setzte, dass er einer von uns w�re und er Gandogar seinen Titel streitig machen k�nnte.�</p><p>�Aha�, machte sie verwirrt. �Und bei den Menschen hast du das Schmieden f�r dich entdeckt?!�</p><p>�Ich kann mir fast nichts Sch�neres vorstellen�, gestand Tungdil, �auch wenn der Schwei� in den Augen brennt, die Arme schwer wie Blei sind und die Funken die Haare versengen.�</p><p>Sie lachte, ihre Augen leuchteten. �Ja, das kenne ich.� Balyndis raffte ihr Kettenhemd am rechten Arm hoch und zeigte ihm ein Brandmal. �Schau, das habe ich mir zugezogen, als ich ein Schwert schmieden wollte. Vraccas hat es nicht gefallen, dass ich etwas anderes als eine Axt oder einen Streitkolben aus dem Erz mache, und da sandte er mir die Botschaft durch die Esse. Seitdem habe ich niemals wieder versucht, ein Schwert zu schmieden.�</p><p>Voller Begeisterung zog Tungdil seinen linken Handschuh aus und zeigte ihr einen dunkelroten Strich, der in seiner Handfl�che verlief. �Hier, von einem Hufeisen�, sagte er. �Es w�re vom Amboss in den Dreck gefallen, und ich fing es auf, ohne lange nachzudenken. Es war das beste Eisen, das ich geschmiedet habe, und ich wollte meine Arbeit nicht ruinieren.�</p><p>Seine unvermutete Begeisterung riss die Zwergin mit, sie versanken im Fachsimpeln �ber die Schmiedekunst und verga�en das Drumherum, bis And�kai sich r�usperte und sie aus dem Gespr�ch riss.</p><p>�Ihr k�nnt sp�ter weiter reden, zuerst sollten wir uns um die Zimmer k�mmern�, schlug sie vor.</p><p>Tungdil bemerkte erst jetzt, dass sie in einem gro�z�gig bemessenen Raum standen, der voller Menschen war, die sie neugierig anstarrten. Der riesige Djer&#x16F;n wirkte wie ein falsch platziertes Standbild, das eher auf den Marktplatz als in die gute Stube eines Wirtshauses geh�rte.</p><p>Der Wirt �berlie� ihnen den gro�en Gemeinschaftsschlafsaal, in dem �blicherweise fahrende H�ndler n�chtigten. Wegen der unsicheren Lage im Geborgenen Land war der meiste Warenaustausch zum Erliegen gekommen, und somit konnten sie es sich f�r wenig Geld gem�tlich machen. Sie bestellten ihr Mahl in ihre Unterkunft, weil keiner von ihnen sonderliche Lust empfand, sich mit den anderen Menschen zu unterhalten.</p><p>Bavragor erkannte, dass er bei dem Gespr�ch �ber die Kunst des Schmiedens rasch ins Abseits geriet, und daher versuchte er, Balyndis� Neugier f�r die Bildhauerei zu wecken, was ihm nur leidlich gelang.</p><p>Als er gerade anfing, ein Clanlied der Hammerf�uste zu singen, packte Tungdil das St�ck Sigurdazienholz aus, um es n�her zu betrachten. Balyndis sah es und wandte sich ihm neugierig zu. Bavragor klappte den Mund zu und grummelte Unverst�ndliches vor sich hin.</p><p>�Ist das ein Metall?� Die Zwergin runzelte die Stirn, ihre Augen glitten fasziniert �ber die Oberfl�che. �So etwas habe ich noch nie gesehen. Im Roten Gebirge gibt es dergleichen nicht.�</p><p>Tungdil erkl�rte ihr in K�rze, um was es sich bei dem Holz handelte, und reichte es ihr. �Und da es die B�ume nicht mehr gibt, ist dies das letzte St�ck. Ohne es wird die Feuerklinge nicht entstehen. Nur Gandogar besitzt ein weiteres.�</p><p>Ehrfurchtsvoll bef�hlte sie es, um mehr von ihm zu erfahren. Bavragor blickte neidisch zu.</p><p>�Seht, dem Ein�ugigen f�llt gleich sein letztes Auge raus.� Go�mgar lachte lauthals. �Verstehst du es nicht? Du bist f�r sie langweilig geworden. Du bist ein Steinschl�ger, du hast nichts mit der Esse zu tun�, wieherte er boshaft. �Du hast die falsche Gabe, um sie f�r dich gewinnen zu k�nnen.� Er stopfte sich eine Pfeife und schwenkte mit dem Mundst�ck auf Tungdil. �So ist das mit den Hochstaplern, sie bekommen oft, was ihnen nicht zusteht.�</p><p>Tungdil wurde rot, teils vor Scham, teils vor Wut. �Ich bin deine ewige Giftzunge leid, Go�mgar!�, sagte er nachdr�cklich. �Sp�rst du nicht, dass sie dir nichts bringt als Verdruss?�</p><p>�Im Gegenteil, mir geht es gl�nzend�, giftete er. �Ihr hackt doch auch auf mir herum.�</p><p>�Du hast noch nicht verstanden, dass es um die Rettung des Geborgenen Landes geht und nicht um den Titel des Gro�k�nigs�, unternahm er einen neuerlichen Anlauf, beschloss dann aber, ihm die Meinung zu sagen. �Nein, du <emphasis>willst</emphasis> es nicht verstehen! Deine Rolle <emphasis>gef�llt</emphasis> dir!�</p><p>�Meine Ansichten sind meine Angelegenheit. Es war nicht mein freier Wille, euch zu begleiten, und daran erinnere ich euch immer wieder gern. Das ist mein Recht.�</p><p>�Nein, es ist genug, Go�mgar! Wenn ich noch eine L�sterei aus deinem Mund h�re, noch ein einziges Wort, eine b�se Bemerkung, dann n�he ich dir eigenh�ndig die Lippen mit gl�hendem Draht zusammen�, drohte Tungdil. �Auf deine H�nde und deine Kunst sind wir angewiesen, auf deine Gemeinheiten nicht.� Er wandte sich mit blitzenden Augen an Bavragor und Bo�ndil. �Ihr werdet ihn in Ruhe lassen. Keine Sticheleien mehr, keine Bemerkungen.�</p><p>Go�mgar paffte schnell, die blauen Rauchwolken stiegen in die H�he, dann stand er auf und ging zu T�r. �Keine Sorge, ich werde nicht noch einmal weglaufen�, sagte er herablassend, als er das besorgte Gesicht Tungdils sah. �Ich gehe die Stra�e auf und ab, um meine L�stereien, meine Gemeinheiten, meine b�sen Bemerkungen aufzusagen, und keiner von euch wird mich daran hindern.�</p><p>Er ging hinaus und gab sich dabei keine M�he, die T�r leise zu schlie�en.</p><p>�M�chte jemand das k�stliche St�ck Wurst?�, fragte Rodario vorsichtig in die gespannte Stille hinein. �Ich habe noch Hunger, wollte aber so h�flich sein, erst die Meinungen der �� Er verstummte, weil ihm niemand antwortete, was er als Erlaubnis verstand, sich die Reste nehmen und gen�sslich verspeisen zu d�rfen. Danach wusch er sich mit dem warmen Wasser und der Seife, die ihnen der Wirt gebracht hatte.</p><p>Bo�ndil bedachte ihn mit einem fassungslosen Blick. Er seufzte leise und machte deutlich, was er von der Angelegenheit hielt. Dann schaute er an Djer&#x16F;n hinauf, der sich auf den Boden gesetzt hatte, w�hrend And�kai einen pr�fenden Blick aus dem Fenster warf und die groben Vorh�nge zuzog. Sie hatte ihren Mantel abgelegt. �Sag mal, Langer, hast du auch so Lust, ein Dutzend Schweineschnauzen zu t�ten?�, wollte er von dem Krieger wissen. �Sollten wir bald auf welche treffen, wei�t du ja: Die ersten zehn geh�ren mir.�</p><p>Wie immer entgegnete der Krieger nichts.</p><p>Ingrimmsch zuckte mit den Achseln, �ffnete ein Fenster und kletterte hinaus, um vom Dach aus nach Go�mgar zu sehen. �Er l�uft wirklich in der Gasse auf und ab�, meldete er nach drinnen.</p><p>�Ruf ihn zur�ck�, bat ihn Tungdil, der �ber der Karte hockte.</p><p>Er traute der vermeintlichen Sicherheit der Stadtmauern nicht. <emphasis>Die Albae haben uns schon ein paarmal bewiesen, dass sie sich durch solche Dinge nicht aufhalten lassen.</emphasis> Wenn sie Sp�her in der N�he oder sogar in der Stadt hatten, w�ssten sie l�ngst, dass eine merkw�rdig anzusehende Gruppe in Gr�schacker angelangt war. <emphasis>Sie werden kommen und nicht eher ruhen, bis sie ihren Auftrag erledigt haben.</emphasis></p><p>�Er will nicht�, sagte der Zwilling laut durchs Fenster.</p><p>�Sag ihm, du h�ttest einen Alb gesehen, dann kommt er�, riet ihm Bavragor, der sich mit Balyndis ein St�ck echten Zwergenk�se teilte. And�kai roch den herben Duft und verzog angewidert das Gesicht, sagte aber nichts.</p><p>Nach wenigen Lidschl�gen h�rten sie den Gemmenschneider die Treppe hinauflaufen; er flog ins Zimmer und schlug die T�r zu, um sie sofort mit dem dicken Eichenbalken zu versperren.</p><p>Bo�ndil kehrte von seinem Aussichtspunkt zur�ck. Das Kettenhemd klirrte leise, als er auf den Boden sprang. �Du hattest Gl�ck�, meinte er todernst und wickelte sich seinen langen Zopf zum Kissen. �Er war dicht hinter dir.�</p><p>Go�mgar wurde aschfahl.</p></section><section><title><p>VI</p></title><p>Tungdil erwachte, weil er ein sanftes metallisches Schaben h�rte, und �ffnete die Augen.</p><p>Djer&#x16F;n hatte sich erhoben und stand vor dem Eingang. Die Rechte hielt sein gewaltiges Schwert mit der Spitze waagrecht nach vorn, die Klinge zielte auf die T�r.</p><p>And�kai lag in ihrem Bett. Sie war ebenfalls wach und schaute zu Tungdil, um ihm mit einem knappen Zeichen zu bedeuten, so zu tun, als schliefe er noch.</p><p>Ein d�nnes St�ck Holz wurde durch einen schmalen T�rspalt geschoben, dann wanderte es nach oben, wobei es den Eichenbalken lautlos aus der Halterung schob und die Sicherung entfernte.</p><p>St�ckchen f�r St�ckchen wurde die T�r ge�ffnet. Ein schwacher Lichtschimmer fiel herein und zeichnete einen gedrungenen Schatten auf den Boden.</p><p>Die Gestalt war so gro� wie ein Zwerg, sie trug einen Helm und hatte einen sehr krausen, buschigen Bart, wie Tungdil im Gegenlicht erkannte. In der Linken hielt sie ein S�ckchen. Sie erschrak, als sie Djer&#x16F;n erblickte, und And�kai gab dem Krieger einen Befehl.</p><p>Seine freie Hand ruckte nach vorn, um den Eindringling zu fassen, doch dieses Mal reichte die �bermenschliche Schnelligkeit nicht aus.</p><p>Der Zwerg b�ckte sich unter den Fingern weg und rannte ins Zimmer hinein anstatt hinaus.</p><p>�Nicht so eilig!� Tungdil sprang aus dem Bett und stellte sich dem unbekannten Zwerg in den Weg, um ihn aufzuhalten, aber auch er untersch�tzte seine Wendigkeit. Alles, was ihm zu seinem Erstaunen in der Hand blieb, war eine kratzige Bartlocke.</p><p>Der unbekannte Zwerg hopste zum Fenster hinauf und warf das S�ckchen nach ihm, ehe er �bers Dach fl�chtete. Der Beh�lter prallte gegen Tungdil. Klingelnd verteilte sich der Inhalt auf den grob behauenen Dielen.</p><p>Der L�rm reichte aus, um die anderen zu wecken, Bo�ndil lief mit gez�ckten Beilen im Raum umher und schrie nach den Orks, die ruhig kommen sollten, jeder langte nach den Waffen.</p><p>Balyndis stand in der Unterw�sche auf ihrem Bett, die Axt mit beiden H�nden umklammert. Mondlicht fiel durch den Vorhangspalt und machte ihre Kleidung durchsichtig. Jedenfalls dachte Tungdil, dass er mehr von ihrem K�rper erkennen konnte, als ihr vielleicht lieb war, aber die Rundungen, die er sah, gefielen ihm zu gut.</p><p>�Was war?�, verlangte Ingrimmsch streitlustig zu wissen.</p><p>�Wir hatten einen ungebetenen Besucher, einen Zwerg�, sagte And�kai und schaute aus dem Fenster, um zu sehen, wo er abgeblieben war, �der erstaunlicherweise meinem Zauber trotzte. Er ist weg.�</p><p>�Gold�, meinte Tungdil �berrascht, als er die gelben Scheiben am Boden sah. Er b�ckte sich und sammelte sie auf. Manche klebten aneinander, und seine Finger wurden feucht.</p><p>�Und ein Dolch�, machte Go�mgar sie aufmerksam, der sich in eine Ecke kauerte.</p><p>Bo�ndil hob ihn auf und betrachtete ihn absch�tzend. �Das ist Zwergenarbeit�, meinte er und hielt ihn Balyndis hin. �Was sagst du dazu?�</p><p>Das Poltern von schweren Stiefeln, die die Stiegen hinauftrampelten, drang zu ihnen ins Zimmer. Ger�stete Stadtwachen st�rmten in den Raum, die Hellebarden drohend nach vorn gerichtet.</p><p>�Licht!�, br�llte jemand. Lampen wurden herbeigeschafft, und noch mehr Bewaffnete dr�ngten herein.</p><p><emphasis>Nur weg damit.</emphasis> Tungdil wollte das Gold rasch aus dem Fenster werfen und Bo�ndil anweisen, die Waffe verschwinden zu lassen, doch es war zu hell und damit zu sp�t f�r ein verstecktes Man�ver. Im Schein der Lampen sah er, dass sich seine Finger rot gef�rbt hatten; an den M�nzen und der Klinge haftete fremdes Blut.</p><p>�Bei Palandiell, das nenne ich dreist!�, wetterte der Hauptmann der Garde, ein kr�ftiger Mann von vierzig Zyklen mit einer kleinen Narbe auf der linken Wange. �Da sind die missratenen Spitzbuben und halten frech Rat, wie sie ihre Beute aufteilen sollen.� Sein Blick fiel auf den Dolch in der Hand des Zwillings. �Und hier haben wir die Waffe!� Er winkte seinen Gardisten zu. �Festnehmen. Alle. Auch den Gro�en und die anderen. Die Befragung wird ergeben, ob sie etwas mit der Sache zu haben.�</p><p>�Welche Sache denn, H�ter der st�dtischen Sicherheit?�, erkundigte sich Rodario in seinem zuvorkommend h�flichen Tonfall, als plauderte er mit dem Ger�steten �ber das Wetter. Er richtete seine Unterw�sche mit Bewegungen, wie sie einem Adligen w�rdig gewesen w�ren. �W�rt Ihr wohl so freundlich, ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen?�</p><p>�Es geht um den Raubmord an Patrizier Darolan, gerade eben, nur drei Gassen weiter.� Er blickte auf Bo�ndil. �Pech f�r dich. Du wurdest von uns gesehen und verfolgt.� Er wandte sich an einen Unteroffizier. �Es scheint sich um eine ganze Bande zu handeln. Wom�glich betreibt sie es als Handwerk.�</p><p>�Das ist ein gro�es Missverst�ndnis�, begehrte Tungdil auf und erkl�rte, was sich vor dem Eintreffen der Stadtwache im Zimmer abgespielt hatte. Zum Beweis hielt er ihnen die Locke hin, die sich bei genauerem Hinsehen als ein St�ck ungesponnene Wolle entpuppte.</p><p>Der Hauptmann lachte ihm ins Gesicht. �Sicher doch, Unterirdischer. Du denkst, ich falle auf diesen Schwachsinn herein?�</p><p>�Zugegeben, es klingt abenteuerlich ��</p><p>�Es klingt l�cherlich. Du und deine Kumpane sind verhaftet, im Namen des K�nigs�, entschied er. �Wir finden heraus, wer von euch gemordet hat. Die Folter hat bisher jeden Mordbuben gest�ndig gemacht.�</p><p>�Wie ich schon erw�hnte, wir haben nichts mit den Zwergen zu tun�, sagte Rodario mit gewohnter Selbstverst�ndlichkeit, wobei er Tungdil kurz zuzwinkerte. �Wir sind die Begleiter der Dame, ihr Gefolge, und trafen die ��</p><p>�Das kl�ren wir in der Zitadelle�, unterbrach ihn der Hauptmann harsch. Sein eben noch m�rrisches Gesicht wurde pl�tzlich freundlicher. �Andererseits � die Beweise eurer Unschuld liegen auf der Hand.� Er nahm die falsche Bartlocke, wandte sich um und deutete zur T�r. �Abmarsch. Wir wurden an der Nase herumgef�hrt. Der M�rder muss noch drau�en unterwegs sein.�</p><p>�Hauptmann?!�, wunderte sich sein Unteroffizier unverhohlen. �Wir haben doch gesehen, wie der Zwerg in die Schenke ��</p><p>�Wir suchen drau�en�, wiederholte er. �Wird�s bald? Sonst entkommt uns der wahre M�rder.� Da er sich von seiner Ansicht nicht mehr abbringen lie�, leisteten seine verdutzten Untergebenen seinen Anweisungen Folge und kehrten auf die Stra�e zur�ck. Nicht lange darauf t�nte das Scheppern ihrer R�stungen durch das ge�ffnete Fenster.</p><p>�Das war knapp. Wie gut, dass er zur Besinnung kam�, atmete Rodario auf. �Schlafen wir weiter?�</p><p>And�kai packte ihre Sachen zusammen. �Wir m�ssen von hier verschwinden. Mein Zauber wird nicht ewig halten, sein Verstand kehrt bald zur�ck.�</p><p>Bo�ndil kratzte sich am Bart. �Meinst du den Schauspieler?�</p><p>�Nein, sie meint den Hauptmann�, erkl�rte Tungdil und musste grinsen. Nun wusste er auch, warum alle sich so wenig um Djer&#x16F;n k�mmerten. Die Maga schien die Gedanken beeinflussen zu k�nnen. �Sie hat ihn verhext, oder warum sollte er sonst so gehandelt haben?� Nachdenklich betrachtete er einen Fetzen der groben Wolle, die zwischen seinen Fingern geblieben war. <emphasis>Jemand wollte uns eine Falle stellen, die beinahe zugeschnappt w�re.</emphasis> �Eine verfluchte Falle.�</p><p>�Ho, und wie es uns beinahe erwischt h�tte! Der M�rder hat sich als einer unseres Volkes getarnt�, �rgerte sich Ingrimmsch und begann zu packen. �Daf�r werde ich ihn in kleine Scheibchen schlagen, wenn ich ihn in die Finger bekomme.�</p><p>�Ein Kind kann es unm�glich gewesen sein, dazu war er zu flink�, sagte Balyndis, w�hrend sie sich wie die anderen abreisebereit machte. �Ein Gnom oder ein Kobold ��</p><p>Tungdil klopfte sich gegen den Kopf �Swerd! Der Handlanger Bislipurs! Er ist ein Gnom!� Sie eilten zur T�r und die Treppe hinab, w�hrend er weitersprach. �Er muss uns gefolgt sein und auf eine Gelegenheit gewartet haben, uns auf Gehei� seines Herrn richtig in Schwierigkeiten zu bringen.�</p><p>�Ein z�her Schei�er�, zollte ihm Bavragor Respekt, den Rucksack fester verzurrend. �Seine Nase muss verdammt gut sein.�</p><p>�Unsinn, es war ein Leichtes, uns zu folgen�, hielt Bo�ndil dagegen und sicherte den Schankraum.</p><p>�So leicht auch wieder nicht. Immerhin muss er sich irgendwie bei den Ersten eingeschlichen haben und bis zu unseren Tunnels gelangt sein�, meinte Balyndis beeindruckt.</p><p>�Die leere Lore mit der Schuhschnalle, erinnert ihr euch?� Tungdil pirschte zur T�r, um einen vorsichtigen Blick hinauszuwerfen. �Die Schnalle kam mir gleich so bekannt vor.� Er huschte hinaus, Bo�ndil blieb an seiner Seite. �Ihr k�nnt kommen, sie suchen in einer anderen Gasse nach uns�, rief er.</p><p>�Und nicht rennen�, sch�rfte Ingrimmsch Go�mgar ein. �Wer nachts rennt, ist verd�chtig.�</p><p>Sie schlenderten die Stra�en von Gr�schacker entlang, als h�tten sie nichts Besseres zu tun, unterhielten sich leise und erweckten f�r einen zuf�lligen Beobachter nicht den Eindruck, etwas Verbotenes zu tun oder fl�chtige Verd�chtige zu sein; Djer&#x16F;n hielt sich im Schatten, um so unsichtbar wie m�glich zu sein.</p><p>Kurz vor dem Tor kam ihnen eine Abteilung Gardisten entgegen, die sich auf ihrer gew�hnlichen Patrouille befand.</p><p>�Nicht die Nerven verlieren�, raunte Bo�ndil.</p><p>�Je �fter du es sagst, umso nerv�ser machst du ihn�, zischte Balyndis, der das Zittern Go�mgars nicht entgangen war.</p><p>Die beiden Gruppen n�herten sich und befanden sich auf gleicher H�he, als eine d�nne Stimme laut schrie: �Haltet sie! Sie sind gesuchte M�rder! Haltet sie! Wachen, kommt her! Da laufen sie!�</p><p>�Ich werde Swerd seinen kleinen Hals zudr�cken�, grollte Ingrimmsch und zog seine Beile, um sich gegen die Gardisten zu verteidigen, die verunsichert zu ihrem Anf�hrer blickten.</p><p>Da erschien der Hauptmann des ersten Suchkommandos und br�llte Befehle, alle festzusetzen. Kerzen flackerten hinter den Scheiben der Stra�e auf, L�den wurden ge�ffnet, die Stadt erwachte mitten in der Nacht.</p><p>�Wir haben keine Zeit, ihnen die Sache zu erkl�ren�, stellte And�kai fest und zog ihr Schwert. �Sie w�rden uns nicht glauben und in den Kerkern verrotten lassen.�</p><p>�Was sollen wir tun?�, wollte Bavragor wissen und hielt den Stiel seines Hammers umschlossen, bereit, sich den Weg durchs Tor freizuk�mpfen.</p><p>�Ich trenne mich von euch, um sie zu verwirren. Wir treffen uns auf der anderen Seite der Mauer�, verabschiedete sich Rodario hastig, nahm seinen wertvollen Seesack mit den Requisiten und Kost�men und enteilte in ein G�sschen, ehe sie von den Wachen vollst�ndig umringt waren. �Ich stehe doch nur im Weg herum.�</p><p>�Schauspieler�, st�hnte Narmora grinsend und z�ckte ihre Waffen.</p><p>�T�tet nur, wenn es nicht anders geht�, gab Tungdil die Parole aus und hob seine Axt mit der stumpfen, abgeflachten Seite voran. �Wir verlassen Gr�schacker. Mit oder ohne Erlaubnis.�</p><empty-line/><p>Tungdil merkte, dass die Gardisten wenig Kampferfahrung besa�en. Wer tagt�glich Diebe hetzte oder Betrunkene einsperrte, hatte keinerlei Vorstellung, was es bedeutete, sich gegen entschlossene Zwerge, eine Maga, eine Halbalbin und einen riesigen Krieger zu stellen.</p><p>Furgas als K�mpfer zu z�hlen w�re �bertrieben gewesen, aber er bem�hte sich redlich, wenigstens f�r Ablenkung zu sorgen, um Narmora einen ungehinderten Schlag zu erm�glichen. Go�mgar erhielt die verbliebenen Barren zur Aufsicht.</p><p>Nach einem eher kurzen Gefecht gelangten sie vor das Tor, wo Rodario stand und sich mit einem W�chter unterhielt. Der war auf diese Weise gen�gend abgelenkt, dass sich die Gruppe n�hern konnte, ohne dass er Alarm schlug, und als die Maga neben ihm auftauchte, war es zu sp�t.</p><p>�Du wirst uns hinauslassen und niemandem sagen, dass du uns gesehen hast�, sprach And�kai mit dunkler Stimme zu ihm, und tats�chlich machte sich der Gardist wie im Rausch daran, das Tor zu �ffnen.</p><p>�Na, wie war ich? Habe ich seine Sinne nicht herrlich in meine Worte verstrickt und Euch die Gelegenheit gegeben, ungesehen heranzukommen? Die Magie ist schon eine sehr praktische Sache�, befand Rodario. �Wenn Ihr bei unserem St�ck vielleicht hinter der B�hne ein wenig zaubern k�nntet, w�re die Auff�hrung nicht zu imitieren. H�ttet Ihr Interesse an so ��</p><p>�Halt den Schnabel�, sagte Furgas kopfsch�ttelnd.</p><p>�Fragen wird man wohl noch d�rfen. Ich mache mir lediglich Gedanken um die Zeit nach unserem gro�en Abenteuer.�</p><p>Bavragor lachte. �Wenn du es lebend �berstehst.�</p><p>Die ratternden Ger�usche, welche die Winde f�r das Gatter verursachte, weckte neuerliche W�chter, um die sich Bo�ndil mit Hingabe k�mmerte. Zwar schlug er nur mit den stumpfen Seiten seiner Beile zu, dennoch h�rte Tungdil es mehr als einmal krachen.</p><p><emphasis>Er kann sich kaum zur�ckhalten.</emphasis> Beunruhigt betrachtete er das blut�berstr�mte und merkw�rdig deformierte Gesicht eines Gardisten, der nach einem Hieb Ingrimmschs zuckend zusammenbrach. Damit gab es wenigstens einen Toten, und sie wurden wegen Mordes gesucht.</p><p>W�hrenddessen hob sich das Gatter, doch Swerd verfolgte im Verborgenen, was sie taten, und hielt sich bereit, um ihnen die Stadtwache ein weiteres Mal auf den Hals zu hetzen. �Hier, am Tor!</p><p>Da sind sie! Die M�rder fl�chten!�, schrie er laut aus dem Schatten einer Seitengasse.</p><p>Sein Gezeter riss den Letzten aus dem Schlummer, er kreischte alles zusammen, was Beine hatte und eine Waffe halten konnte, sodass die ersten mutigen Angeh�rigen der B�rgerwehr mit hastig �bergeworfenen Kleidern aus den H�usern liefen.</p><p>�Maga, tut etwas!�, rief Tungdil, der ein Blutvergie�en sondergleichen f�rchtete, sollte sich Bo�ndil in seinem Kampfrausch gegen die schlecht ger�steten Bewohner Gr�schackers wenden. �Es sind zu viele!�</p><p>Dieses Mal zauberte sie nicht. �Djer&#x16F;n�, sagte And�kai und f�gte unverst�ndliche Silben hinzu.</p><p>Der Krieger trat nach vorn. Die zuckenden Fackeln der Menschen beleuchteten seine R�stung und hauchten der unheimlichen Fratze auf dem Visier Leben ein. Ein Laut drang hinter dem Helm hervor, den Tungdil noch niemals in seinem Leben geh�rt hatte. Es war eine Mischung aus einem reptilienhaften Fauchen und dem dumpfen, tiefen Grollen eines Erdbebens, voller Angriffslust, voller Gefahr und voller Warnung, nicht n�her zu kommen. Seine Nackenhaare richteten sich auf, und Angst kroch in seinen K�rper; unwillk�rlich wich er vor dem Wesen zur�ck.</p><p>Hinter dem Sehschlitz der Maske steigerte sich das violette Schimmern und wurde zu einem Leuchten, das sogar das Licht der Fackeln �berdeckte. Die entsetzten Gesichter der Menschen badeten in heliotroper Helligkeit, die sich bis zur Schmerzgrenze steigerte.</p><p>Djer&#x16F;n stie� den Ton erneut hervor, noch kr�ftiger und Furcht einfl��ender als beim ersten Mal, und die B�rger, sogar die Wachen, wandten sich voller Furcht zur Flucht und rannten in die sch�tzenden Gassen und Stra�en zur�ck.</p><p>Das Gatter hatte sich weit genug ge�ffnet. �Wir gehen�, befahl Tungdil stockend und noch immer beeindruckt von Djer&#x16F;ns Stimme. <emphasis>Falls es seine Stimme war.</emphasis></p><p>Sie liefen hinaus in die Nacht, folgten dem verschneiten Weg und vergewisserten sich immer wieder, dass ihnen niemand folgte. Der Auftritt des riesigen Kriegers musste die St�dter �berzeugt haben, von einer Jagd abzusehen.</p><p>Tungdils Neugier, was sich in dem Kleid aus Eisen und Stahl verbarg, erhielt neue Nahrung, obwohl er sich nicht mehr ganz sicher war, es wirklich wissen zu wollen. <emphasis>Ein Mensch steckt jedenfalls nicht darin.</emphasis></p><p>Schweigend eilten sie �ber die verschneite Stra�e. Bavragor, der hinter Go�mgar trabte, musterte irgendwann dessen R�cken. �Wo ist der Sack mit den Barren?�, schnaufte er und erhielt keine Antwort. �He, ich habe dich was gefragt!�</p><p>Der Edelsteinschleifer beschleunigte seine Schritte, um mehr Abstand zu gewinnen, ehe er antwortete. �Eine Wache hat ihn mir aus der Hand geschlagen, und in dem ganzen Get�mmel kam ich nicht mehr an ihn heran. Es tut mir Leid�, gestand er klagend. �Ich habe es nicht mit Absicht getan.�</p><p>�Nicht mit �?! Was ich gleich machen werde, geschieht dagegen mit voller Absicht�, rief Bavragor, aber Tungdil hielt ihn mit eisernem Griff zur�ck.</p><p>�Lass es gut sein.�</p><p>Der Steinmetz konnte es nicht fassen, sein rotbraunes Auge spr�hte vor �rger. �Aber wir k�nnen nicht mehr zur�ck, um die Barren zu holen! Wie sollen wir die ��</p><p>�Wir gehen ins Reich der F�nften, dort wird sich etwas finden lassen�, unterband Tungdil den Disput; seine Stimme klang selbstsicher und fest wie die eines Anf�hrers.</p><p>�Du hast damals selbst gesagt, dass du dich darauf nicht verlassen willst�, hielt ihm Bavragor st�rrisch vor. �Und nun ��</p><p>�� ist es nicht mehr zu �ndern. Finde dich damit ab�, entgegnete Tungdil. Er lie� seinen Arm los und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. �Ganz gleich, was uns noch alles zusto�en wird, wir werden nicht verzagen, denn wir k�nnen es uns nicht erlauben! Wir sind die Retter des Geborgenen Landes, und wer sonst au�er uns k�nnte das vollbringen, was wir tun m�ssen, Bavragor?�</p><p>�Er macht es schlimmer�, grummelte er in Richtung Go�mgar. �Ohne ihn w�re uns viel �rger erspart geblieben.�</p><p>�Es wird seinen Sinn haben, dass Vraccas mich ihn ausw�hlen lie�. Und nun sei still und achte auf deine Atmung, sonst bekommst du Seitenstechen. Go�mgar kann jedenfalls besser laufen als du.�</p><p>�Feiglinge k�nnen immer gut laufen�, war die letzte Bemerkung Bavragors, ehe ein Scheppern erklang und er pl�tzlich steif wie ein Brett wurde. Seine Beine knickten ein, und er st�rzte, wo er stand, in den Schnee; eine glitzernde Wolke stob in die H�he, die Kristalle legten sich wieder und �berzogen ihn mit einer d�nnen, pudrigen Schicht. Aus seinem Nacken ragte der Schaft eines Armbrustbolzens.</p><p>Augenblicklich warfen sie sich � au�er Djer&#x16F;n � zu Boden, um nicht von dem Sch�tzen getroffen zu werden, And�kai gab dem Krieger wiederum eine unverst�ndliche Anweisung, woraufhin er seinen Blick �ber die Ebene schweifen lie� und unvermittelt davonpreschte.</p><p><emphasis>Albae waren es nicht.</emphasis> Tungdil konnte den heimt�ckischen Angreifer im Gegensatz zu Djer&#x16F;n nicht ausmachen. <emphasis>Gardisten? Aber ihre Fackeln m�ssten zu sehen sein.</emphasis></p><p>Die Maga robbte durch den Schnee und kam an die Seite des Steinmetzen, um seine Verletzung zu pr�fen, Balyndis n�herte sich ebenfalls.</p><p>�Die Spitze hat sein R�ckgrat knapp verfehlt�, erkl�rte sie nach einer ersten Begutachtung. �Sein Umhang und der eisenbeschlagene Ledernacken des Helms haben dem Geschoss die Wucht genommen.� Ohne zu z�gern packte sie das herausragende Bolzenst�ck und zog es aus der Wunde. Dann legte sie die Rechte auf das Loch, aus dem Bavragors Blut schoss. �Ich sch�tze, er wird mir verzeihen, dass ich meine Samusinmagie einsetze, um sein Leben zu retten�, sagte sie und schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu k�nnen. �Die Heilung von Zwergen geh�rt nicht zu den Disziplinen, die ich besonders gut beherrsche. Ich hoffe, es gelingt mir.�</p><p><emphasis>Das hoffe ich auch.</emphasis> Etwas zischte knapp an Tungdils Kopf vorbei, ein drittes Geschoss prallte gegen den Schild Go�mgars, dann erscholl ein gellender, heller Schrei, der unvermittelt abriss. Djer&#x16F;n hatte den Sch�tzen gestellt.</p><p>Er kehrte mit seiner kleinen Beute zur�ck und warf sie ins Wei�. Dort, wo das B�ndel auftraf, f�rbte sich der reine Untergrund gelbgr�n; der Kopf mit den langen, spitzen Ohren fiel daneben.</p><p>Go�mgar versp�rte Entsetzen. �Swerd!� Es war tats�chlich der Gehilfe Bislipurs. Schaudernd blickte er auf die Leiche, danach auf die Einschlagstelle auf seinem Schild, wo man deutlich den Abdruck des Bolzens sah. �Wieso hat er auch auf mich �� Hastig schwieg er.</p><p>�Geschossen?�, vollendete Tungdil den Satz. Er betrachtete die gebrochenen Augen des Gnoms. Auf diese Frage h�tte auch er gern eine Antwort erhalten, aber die kompromisslose Art, mit welcher der Krieger f�r das Ende der Bedrohung gesorgt hatte, verhinderte das. �Du bist mit dem falschen Anw�rter unterwegs, das wird er gedacht haben.�</p><p>Er b�ckte sich, um das d�nne Kropfband an sich zu nehmen, das nun nutzlos geworden war. Die Zeit als Sklave endete f�r den Gnom anders, als er es sich erhofft hatte. Nachdenklich steckte er es ein, um es beim n�chsten Zusammentreffen mit Bislipur als Beweisst�ck vorzulegen. Dabei fiel ihm ein buttergelber, gl�nzender Fleck am Hals auf. <emphasis>Gold!</emphasis> Es war wohl wirklich der Gnom gewesen, der ihm bei dem Wettlauf mit Gandogar ein Bein gestellt hatte.</p><p>�Dieser Hinkende ist Abschaum�, brachte Bo�ndil es w�tend auf den Punkt und wischte sich den Schnee von der dicken Kleidung und aus dem Bart. �Hetzt seinen Lakai auf uns, um uns zu t�ten! Zwerge t�ten absichtlich keine Zwerge, das ist das schlimmste Verbrechen, dem man sich schuldig machen kann.�</p><p>�Er h�tte uns ja auch nicht get�tet�, meinte Tungdil noch immer sinnierend, �der Gnom macht die Drecksarbeit. Bislipur w�re sicherlich wieder eine Ausrede eingefallen.�</p><p>�Vraccas, ich bitte dich, lass uns Gandogar treffen, damit ich ihn windelweich pr�geln kann�, flehte der Zwilling inbr�nstig.</p><p>Go�mgar sch�ttelte abwesend den Kopf, noch immer rang er mit seiner Fassung. �Nein, niemals h�tte Gandogar ein solches Spiel betrieben und Bislipur beauftragt, uns zu t�ten. Bislipur muss in seinem Wahn auf eigene Faust gehandelt haben. Er �� Der Zwerg verstummte hilflos, sein Vertrauen war ersch�ttert.</p><p>�Du willst doch auch, dass Gandogar auf den Thron kommt, oder etwa nicht?�, meinte Ingrimmsch lauernd.</p><p>�Sicher. Ich habe von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht. Aber einen unseres Volkes t�ten?� Er erschauderte. �Er ist wahnsinnig geworden�, wiederholte er leise und schaute auf den regungslos daliegenden Bavragor. �Bislipurs Verstand ist von dem Wunsch verblendet, Gandogar zum Gro�k�nig zu machen, nur so kann es gewesen sein.�</p><p>Balyndis hielt die Hand des Steinmetzen und lie� ihn sp�ren, dass man sich um ihn k�mmerte. Langsam verwuchs die offene Stelle im Nacken, bis nur noch eine kleine Narbe zu sehen war. Ersch�pft sank And�kai in den Schnee und k�hlte ihr Gesicht.</p><p>�Ich habe die Verletzung geheilt�, erkl�rte sie schwach. �Er m�sste gleich ��</p><p>�Samusinmagie�, murmelte Bavragor schl�frig, �ich habe es mir �berlegt. Sie taugt doch was.� Etwas benommen, doch mit aller Ernsthaftigkeit nickte er der ausgelaugten Maga zu. Mehrer Worte bedurfte es nicht, seine Dankbarkeit auszudr�cken.</p><empty-line/><p>�Eine Frage, Anf�hrer unserer glorreichen Truppe.� Ein bibbernder Rodario erschien bei Sonnenaufgang an Tungdils Seite, den Sack mit Kost�men eisern schleppend, und deutete versteckt auf Djer&#x16F;n. Das Ereignis der vergangenen Nacht hatte ihm wie auch allen anderen ins Ged�chtnis gerufen, dass der Krieger wahrlich kein hoch gewachsener Mensch war. �Was <emphasis>ist</emphasis> das?� Er war kaum zu verstehen, weil er sich den Schal mehrfach um den Kopf gewickelt hatte.</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, antwortete Tungdil ihm ehrlich, ohne seinen Marsch zu unterbrechen.</p><p>Rodario lie� wie immer nicht locker. �Nein? Aber du bist doch schon so lange zusammen mit ihm unterwegs, wie ich h�rte.�</p><p>�Sie hat uns gesagt, dass es kein Ungeheuer ist.� Unwillk�rlich dachte er an die Nacht in der Oase, in der er einen Eindruck davon erhalten hatte, was sich hinter dem fratzenhaften Visier verbarg, und er sch�ttelte sich.</p><p>Der Schauspieler blies sich warme Luft auf die blau angelaufenen Finger. �So? Kein Ungeheuer? Was ist es dann? Ich kenne keinen Menschen, dessen Augen imstande sind, eine dunkle Gasse hell zu erleuchten. Wenn es ein Trick sein sollte, muss ich ihn unbedingt erfahren, um ihn bei unserem Theater zur Anwendung zu bringen.�</p><p>Tungdil sagte einfach nichts mehr und hoffte, dass Rodario verschwand; er stapfte energisch durch den Schnee und betrachtete die Karte, um sich zu orientieren.</p><p>�Sch�n, dann nehme ich einfach an, es ist eine Ausgeburt Tions.� Rodario sah sehr zufrieden aus und steckte die H�nde wieder in die Taschen des Pelzmantels. �Das verleiht dem St�ck zus�tzliche Dramatik. Meine G�te, es wird brillant, unerreicht! Das ganze Geborgene Land wird kommen, um sich unsere Auff�hrung anzusehen.� Er fluchte laut. �Wenn es nur nicht so kalt w�re, dass die Tinte gefriert. Ich werde alles vergessen, bis wir wieder zu Hause sind.�</p><p>�Trage das Fass am K�rper�, riet ihm der Zwerg. �Damit h�ltst du es warm und d�rftest schreiben k�nnen.�</p><p>Rodario versetzte ihm einen freundschaftlichen Schubs. �Ein heller Verstand lebt unter deinen vielen Haaren, mein kleiner Freund. Nicht, dass ich nicht gerade eben selbst darauf gekommen w�re, dennoch meinen herzlichen Dank.�</p><p>Sie liefen �ber eine verschneite Stra�e, auf der sich kein einziger Fu�abdruck fand. Der Winter und die Orks sorgten daf�r, dass die Bewohner Taba�ns in ihren warmen H�usern blieben und sich verbarrikadierten.</p><p>In dem flachen Land sah man Angreifer auf riesige Entfernungen nahen. Die Sp�ht�rme erreichten bei klarem Wetter Ausblicke von einhundert Meilen, aber die Vorwarnung brachte in diesem Fall nichts. Gegen die Orks aus dem Norden half nur ein gut gef�hrtes Schwert, und daran mangelte es derzeit an allen Ecken und Enden.</p><p>Tungdil verglich ihre Position mit dem Standort auf der Landkarte. Sie kamen den alten Grenzen des Toten Landes immer n�her. <emphasis>Es ist sicherlich weiter vorgedrungen. Der Winter macht es unm�glich herauszufinden, wie weit sein Einfluss reicht.</emphasis></p><p>�Orks�, rief Bo�ndil nach hinten. �Etwa zwanzig Meilen westlich von uns. Sie � kehren um und ziehen nach Osten�, wunderte er sich. �Sie marschieren schnell. Aber wohin wollen sie nur? Suchen sie uns?�</p><p>Bavragor machte sie auf das Geh�ft aufmerksam, das sich auf der urspr�nglichen Route befunden hatte. F�r gew�hnliche Augen w�re es nicht zu erkennen gewesen, aber seine Sehkraft erm�glichte es ihm. �Das w�re ihre n�chste sichere Beute gewesen. Sie haben es nicht anger�hrt.� Er wischte sich den Schwei� von der Stirn; sein Gesicht hatte eine intensive r�tliche F�rbung angenommen.</p><p>�Ist mit dir alles in Ordnung?�, erkundigte sich Balyndis. �Du siehst aus, als h�ttest du Fieber.�</p><p>�Wundbrand�, verbesserte Ingrimmsch. �Kann es sein, dass der Hokuspokus doch nicht so wirkte, wie er sollte?�</p><p>And�kai lie� es mit dem Vorwurf nicht auf sich beruhen. Sie ging zum Steinmetzen und bat ihn, den Nacken zu beugen, um die Wunde zu betrachten, Bo�ndil stand sofort daneben. Beide kamen zur gleichen Ansicht.</p><p>�Die Stelle ist sauber verheilt�, bescheinigte er ihr, �daran gibt es nichts zu r�tteln.�</p><p>�Es wird der Blutverlust sein�, versuchte Bavragor die allgemeine Sorge um ihn, die ihm sichtlich unangenehm war, zu zerstreuen, doch die resolute Schmiedin zog einen Handschuh aus und legte die Linke auf seine Stirn.</p><p>�Bei Vraccas! Darauf k�nnte ich ein Hufeisen schmieden, so hei� ist sie!�, entfuhr es ihr besorgt.</p><p>�Bei seinem Dicksch�del m�sste es auch gelingen�, neckte ihn Tungdil. �Unser Hammerfaust wird so leicht nicht umgeworfen.�</p><p>�Er hat Fieber. Hohes Fieber. Es kann auch eine Erk�ltung sein�, warnte sie. �Wir m�ssen uns eine Unterkunft suchen, um es zu senken, sonst kann es eine Gefahr f�r sein Leben werden.�</p><p>�Unsinn�, trotzte Bavragor dem Ratschlag der Zwergin. �Ich bin �� Er fing an zu husten und wollte sich fast nicht mehr beruhigen; der Anfall sch�ttelte ihn durch, dass er einknickte. Tungdil st�tzte ihn, damit er nicht in den Schnee fiel.</p><p>�Ha, eine Erk�ltung.� Balyndis schaute sich um. �Wir m�ssen uns einen warmen Platz f�r ihn suchen.�</p><p>Tungdil nickte. �Das n�chste Geh�ft wird uns aufnehmen. Tot n�tzt du uns nichts, alter Steinmetz.�</p><p>�Eine Erk�ltung�, gluckste Go�mgar schadenfroh. �Wer von uns beiden ist nun der Schw�chere? Ich mag nicht so breit gebaut sein, aber ich verkrafte die Strapazen besser als du.� Man sah und h�rte seine Genugtuung, endlich einmal nicht der Unterlegene zu sein. Hoch erhobenen Hauptes schritt er an dem Kranken vor�ber, ein L�cheln auf den Lippen, wof�r er von Furgas einen Schneeball ins Gesicht bekam.</p><p>Sie wurden entt�uscht; auf ihrem Weg zum Grauen Gebirge gab es weder einen Hof noch ein Dorf, und einen Umweg lehnte Bavragor ab. Daher unterbrachen sie ihre Wanderung nicht mehr, sondern liefen ohne l�ngere Rast, um schnell an den n�chsten Tunneleinstieg zu gelangen.</p><p>Als sie endlich die Stelle erreichten, erlebten sie eine b�se �berraschung. Der Schacht war zu einem mit Eis gef�llten T�mpel geworden.</p><p>�Was soll�s. Laufen wir eben die restlichen Meilen�, verk�ndete Bavragor, der sich m�hte, trotz seines angeschlagenen Zustandes frisch zu wirken und seine Schw�che zu �berspielen. Aber sein hochrotes Antlitz und die dicken Schwei�perlen, die trotz der K�lte unter seinem Helmrand hervorquollen, straften ihn L�gen. �Ich kann das Graue Gebirge schon sehen.�</p><p>�Wir sehen das Gebirge, seit wir in Taba�n sind�, meinte Go�mgar wenig erfreut dar�ber, noch l�nger an der Oberfl�che laufen zu m�ssen. �Wir werden noch alle schneeblind werden, wenn es so weitergeht.�</p><p>Schlecht gelaunt stapfte er voran, und die Gef�hrten folgten ihm, bis sie gegen Abend doch an eine verlassene Scheune kamen, in der ein Bauer Stroh eingelagert hatte.</p><p>Sie machten es sich darin gem�tlich und entz�ndeten vorsichtig ein Feuer. Bavragor legten sie nahe an die Flammen und begruben ihn mit drei Decken, damit er das Fieber und die Erk�ltung ausschwitzte. Rodario rutschte ebenfalls nahe ans Feuer, nur Djer&#x16F;n wachte am Eingang und erlaubte es den anderen, sich um den Erkrankten zu k�mmern. Sie lie�en sich um ihn herum nieder.</p><p>�Es ist nichts.� Er hustete und spie aus, und ein gro�er Brocken geronnenes Blut flog heraus. Sein Atem ging pfeifend, er �chzte mehr, als dass er Luft einsog, und sein Zustand verschlechterte sich rapide. Die W�rme machte es wohl nur schlimmer. �Gebt mir einen Schluck Branntwein, dann geht es wieder.�</p><p>�Das ist keine Erk�ltung�, sagte Bo�ndil �berzeugt und stand auf. �Es muss Wundbrand sein. Er kann sich auch unter der Haut ausbreiten, obwohl die Verletzung schon lange verheilt ist.�</p><p>�Nein. Ich habe die Stelle sauber verwachsen lassen�, widersprach And�kai gereizt.</p><p>Tungdil beschlich ein �bler Verdacht. Er erhob sich ebenfalls, ging zu Go�mgar und nahm sich den Schild, um die Einschlagstelle des Bolzens genau zu betrachten. Ringsherum entdeckte er leichte Verf�rbungen und eine gefrorene klare Fl�ssigkeit, die zuvor weder ihm noch Go�mgar aufgefallen war. Das konnte nur Schlechtes bedeuten. Was immer sich an der Spitze befunden hatte, es war am Metall haften geblieben und vereist.</p><p><emphasis>Vraccas, besch�tze ihn!</emphasis> �Vermag Eure Magie etwas gegen Gift auszurichten?�, fragte er And�kai heiser. �F�r mich sieht es danach aus, als h�tte sich Swerd nicht allein auf seine Treffk�nste verlassen.�</p><p>�Gift�, hustete Bavragor und musste grinsen. Dabei sahen sie alle, dass seine Z�hne voller Blut waren, es lief am Zahnfleisch herab und f�rbte sie. �Seht ihr?! Keine Erk�ltung. Um was wetten wir, Go�mgar, dass du schon lange tot gewesen w�rst? Der Branntwein und das Bier haben mich z�h gemacht.�</p><p>Die Maga schloss die Augen. �Nein, ich kann nichts gegen Gift ausrichten. Es ist nicht � meine Art von Zauberkunst�, sagte sie leise und entschuldigend zugleich. �Zumal mich seine Heilung stark geschw�cht hat. Ich trage kaum mehr Magie in mir.�</p><p>Eine f�rchterliche Stille senkte sich auf die Gruppe herab. Jeder ahnte, was es f�r den Zustand des ein�ugigen Zwerges bedeutete. Balyndis fasste die schwielige, rissige Hand und dr�ckte sie aufmunternd, die Sorge schn�rte ihre Kehle zu.</p><p>�Ihr k�nnt ruhig sagen, dass es nicht zum Besten um den alten, singenden S�ufer steht�, kr�chzte Bavragor nach einer Weile. �Ich hatte eh nicht vor, ins Reich der Zweiten zur�ckzukehren.� Er schaute zu Tungdil. �Doch eigentlich wollte ich im Grauen Gebirge ankommen und meine Aufgabe erf�llen, um ruhmreich zu sterben. Nun ende ich hier, in einer armseligen Scheune, weit weg von meinen geliebten Bergen.�</p><p>Die ersten winzigen Blutstropfen dr�ckten sich durch seine Haut. Aus den Tropfen formten sich Rinnsale, die aufs Stroh fielen und die Halme benetzten. Seine Kleidung sog sich voll.</p><p>�Du wirst nicht sterben�, presste Tungdil, und sein L�cheln, das eigentlich Zuversicht ausstr�men sollte, geriet zu einer Grimasse. Er packte die andere Hand des Zwerges. �Du darfst nicht sterben�, setzte er verzweifelt hinterher. �Ohne dich k�nnen wir die Feuerklinge nicht fertig stellen! Du bist der Beste, den dein Stamm hat.�</p><p>Der Steinmetz schluckte sein Blut, um sprechen zu k�nnen. �Doch, ihr werdet sie erschaffen. Und ich werde bei euch sein.� Er blickte zur T�r. �Bringt mich dahin, wo das Tote Land herrscht. Nur auf diese Weise kann ich euch nach meinem Tod von Nutzen sein.�</p><p>�Du � w�rdest zu einem Untoten�, stie� Bo�ndil angewidert hervor. �Deine Seele ��</p><p>�Ich kann meine Aufgabe erf�llen, nur das z�hlt�, polterte Bavragor drauflos und bezahlte das Aufbegehren mit einem neuerlichen Hustenanfall.</p><p>�Aber wer sagt uns, dass du uns nicht hintergehen wirst und versuchst, uns zu t�ten oder zu fressen, wie es die anderen getan haben?� Ingrimmsch schaute sich um und blickte in die teils betretenen, teils ergriffenen Gesichter.</p><p>�Bindet mich gut fest und wartet�, empfahl er ihnen. �Mein Trotz wird st�rker sein als das Verlangen, B�ses zu tun. Das Zwergische ergibt sich niemals dem B�sen.� Die Lider flatterten. �Ich glaube, ihr m�sst euch beeilen ��, keuchte er, dann schwappte der blutige Mageninhalt aus seinem Mund und sickerte in den kunstvoll rasierten Bart.</p><p>�Djer&#x16F;n�, rief And�kai und erteilte ihm Anweisungen. Er packte den sterbenden Zwerg vorsichtig und nahm ihn behutsam auf den Arm, wie eine Mutter ihr Kind in den Schlaf wiegt, dann verlie� er den Schober, und sie h�rten ihn davonlaufen.</p><p>Seine langen, unerm�dlichen Beine trugen Bavragor gen Norden, dorthin, wo das Tote Land bereits seine volle Macht besa� und alles, was darauf starb, zu unheiligem Leben erweckte.</p><empty-line/><p>Der Rest der Gef�hrten packte zusammen und folgte dem Krieger, so schnell es der funkelnde Schnee und die k�rzeren Beine der Zwerge erlaubten.</p><p>Tungdil blickte zu den Sternen und weinte stumme Tr�nen um Bavragor, der sein Wertvollstes opferte, um die Waffe entstehen zu lassen, mit der das Geborgene Land befreit werden konnte. Bei allem Poltern und den Eigenarten des Zwerges hatte er ihn doch in sein Herz geschlossen.</p><p>Er h�rte Balyndis neben sich schniefen und wandte sich zu ihr. Sie l�chelte ihn mit ger�teten Augen an und reichte ihm die Hand. Es war eine Geste, die ihm den Mut zur�ckgab, den er in der Scheune beinahe verloren h�tte.</p><p>Es war viel, im Grunde zu viel geschehen. Aus dem anf�nglichen Abenteuer war Gr��eres und Schrecklicheres f�r die Beteiligten erwachsen, das verstand inzwischen sogar der einst wichtigtuerische Rodario, der sich mit Bemerkungen zur�ckhielt und stumm verarbeitete, was sich zugetragen hatte.</p><p>�Ich hoffe, dass die Bewohner des Geborgenen Landes das wert sind, Vraccas�, murmelte Tungdil hinauf zu dem funkelndem Firmament. �Wenn dies alles vorbei ist, werde ich daf�r sorgen, dass unser Volk miteinander spricht und nicht l�nger abgeschottet voneinander in den Gebirgen lebt.�</p><p>Balyndis dr�ckte einmal mehr seine Hand, doch seine Finger �ffneten sich, und er eilte an die Spitze des Zuges zu Bo�ndil. Es war nicht die Zeit, um an etwas anderes als die Feuerklinge zu denken.</p><p>�Sie gef�llt dir�, begr��te ihn der Zwilling und blickte weiterhin geradeaus.</p><p>�Das fehlte mir noch, mich mit dir dar�ber zu unterhalten.�</p><p>�Gib es ruhig zu. Sie sieht auch sehr gut aus und f�r einen wie dich, der noch wenig mit Frauen zu schaffen hatte, wird sie einer Tochter Vraccas� gleichen.�</p><p>�Ich wollte mir dar�ber eigentlich erst Gedanken machen, wenn wir N�d�onn besiegt haben. Das Geborgene Land hat Vorrang.�</p><p>�Ah, der Gelehrte muss erst dar�ber nachdenken.� Noch immer wandte er sich Tungdil nicht zu, er redete scheinbar mit dem Schnee und den Fu�spuren Djer&#x16F;ns. �Wenn du etwas gefunden hast, das dir etwas bedeutet, z�gere nicht, dich darum zu bem�hen, denn schneller, als die Axt einen Ork spaltet, �ndern sich so manche Dinge, und du stehst mit leeren H�nden da.�</p><p>�Warum sagst du mir das?�</p><p>�Nur so. Einfach nur so.� Er kniff die Lider zusammen. �Da vorn ist der Eisenmann.� Er z�ckte seine Beile. �Wir werden gleich sehen, ob sich der Verstand des singenden S�ufers gegen die Macht des Toten Landes behauptet hat.� Sollte das nicht der Fall sein, sprachen die Beile in seinen H�nden ihre eigene Sprache.</p><p>Die Maga rief Djer&#x16F;n etwas zu. Als Antwort hob er seinen gepanzerten Arm und winkte sie n�her. Bavragor stand neben ihm, die Arme hingen am K�rper herab, seine Augen starrten ausdruckslos auf das Graue Gebirge.</p><p>�Bavragor?�, redete Tungdil ihn behutsam an, w�hrend er das bleiche Gesicht musterte, um eine Regung zu erkennen. Die Z�ge wirkten gealtert, w�chsern, tot.</p><p>�Ich f�hle � nichts�, sprach er beh�big, als kostete es ihn unendliche M�he, den Mund zu �ffnen und Worte hervorzubringen. �Ich sp�re meinen K�rper nicht, mein Kopf ist eigenartig leer.� Langsam wanderten die seelenlosen Augen umher und richteten sich auf ihn. �Alles, was ich sp�re, ist � schlecht. Ich hasse Dinge, die ich vorher liebte. Und Dinge, die ich hasste�, er blickte an ihm vorbei auf Ingrimmsch, �w�rde ich am liebsten in St�cke rei�en und verschlingen. Es ist besser, wenn ihr mir Fesseln um die H�nde legt, weil ich nicht wei�, wie lange ich mich gegen diesen Drang erwehren kann�, presste er hervor. �Das B�se wohnt in mir.�</p><p>�Wenn du es w�nschst, machen wir das.� Tungdil nahm den Lederriemen ab, mit dem Go�mgar sich den Schild auf den R�cken h�ngen konnte, und zurrte die H�nde Bavragors auf dessen R�cken zusammen.</p><p>�Fester�, verlangte er knurrend. �Du kannst mir das Blut nicht abstellen, mein Herz schl�gt nicht mehr und treibt es nicht mehr durch die Adern.� Erst als Tungdil seinem Wunsch nachgekommen war, wirkte er erleichtert, und die Anspannung fiel von ihm ab. �Weiter.� Er schaute Tungdil an. �Wenn ich meine Arbeit beendet habe, musst du mir den Kopf abschlagen. Ich will nicht als Diener des Toten Landes enden und auf ewig durch die verlassenen Stollen der F�nften irren oder Menschen t�ten, nur weil es mir der Schrecken aus dem Norden befiehlt.�</p><p>�Kein Zwerg soll der finsteren Macht dienen�, versprach ihm Tungdil. �Ich werde deinen Wunsch erf�llen.�</p><p>�Und du�, rief der Steinmetz Ingrimmsch zu, �kommst mir nicht zu nahe. Meine Z�hne w�rden sich voller Freude in deine Kehle bohren und sie zerfetzen!� Er senkte den Kopf; das rotbraune Auge funkelte voller Grausamkeit, ehe er sich rasch wegdrehte und in den Schnee schaute. Dann setzte er einen Fu� vor den anderen. �Kommt. Ich m�chte nicht l�nger als n�tig ein Ding ohne Seele sein.�</p><p>Auf einen Wink And�kais hin �bernahm Djer&#x16F;n die Aufgabe des Aufpassers. Er schritt hinter dem Verwandelten her und bildete eine eiserne Schutzwand, an der die Z�hne Bavragors scheitern w�rden.</p><empty-line/><p>Sonnenumlauf f�r Sonnenumlauf stapften sie durch die endlosen Weiten von Taba�n. Die �hrenebene, wie sie im Sommer genannt wurde, war so kalt, dass alles, was l�ngere Zeit regungslos blieb, zu Eis erstarrte.</p><p>Tungdil erinnerte sich gelesen zu haben, dass die Helligkeit, die vom Schnee ausging, die Augen angriff und sogar dauerhaft verletzen konnte. Daher ordnete er an, Augenbinden mit winzigen Schlitzen zu tragen, um sich auf diese Weise vor der Blindheit zu sch�tzen.</p><p>Es war ein m�hsamer Marsch. Die Einzigen, denen es nichts auszumachen schien, waren Djer&#x16F;n und der untote Bavragor, die ihnen einen Weg durch die Schneeverwehungen bahnten. Ihr Proviant gefror und musste abends am Feuer langwierig aufgetaut werden, ehe man ihn verzehren konnte. Ohne die w�rmenden Kleider, die sie von Xamtys erhalten hatten, w�ren sie sicherlich erfroren.</p><p>Ingrimmsch wurde immer unruhiger, er wollte k�mpfen, Bavragor dagegen hatte alles verloren, was ihn fr�her ausgemacht hatte. Er trank nicht mehr, er sang nicht mehr, er lachte nicht mehr und glotzte nur stur geradeaus. Seinen Hunger stillte er mithilfe eines gefangenen Schneehasen, den er bei lebendigem Leib verschlang; nur das Fell und die ausgesogenen Knochen blieben �brig. Sein gieriges Schmatzen und das Krachen der Knochen machten Go�mgar noch �ngstlicher, dessen Hand nun stets am Griff seines Kurzschwertes lag.</p><p>Das Graue Gebirge schob sich n�her und n�her. Die Gipfel erweckten bald den Eindruck, zum Greifen nah zu sein, und dennoch dauerte es lange, bis sie sich durch Taba�n gek�mpft hatten, die Grenze zu Gauragar �berschritten und nach weiteren anstrengenden Wandertagen in den Ausl�ufern des bleifarbenen Massivs standen.</p><p>Sie trafen weder auf Orks noch auf andere Scheusale, nur gelegentlich auf ihre Spuren. Gewaltige Heeresverb�nde mussten sich in den S�den aufgemacht haben, denen sie immer um Haaresbreite entgingen.</p><p>Schlie�lich n�herten sie sich dem ersten Verteidigungsring der Festung der F�nften; schon von weitem erkannten sie, dass hier niemand stand, um Eindringlinge aus dem Geborgenen Land abzuwehren.</p><p>Die Wesen aus dem Norden hatten keinen Stein auf dem anderen gelassen, Mauern waren eingerissen und T�rme abgetragen worden, damit nichts mehr an die Macht der ehemaligen Bewohner erinnerte. Tungdil und die anderen konnten sich nicht einmal mehr vorstellen, wie es zu Lebzeiten Giselbart Eisenauges, dem Stammvater der F�nften, im Grauen Gebirge ausgesehen haben musste, denn das vollkommene Vernichtungswerk der Bestien lie� es nicht zu. Die Fragmente zeugten allerdings von gro�er Handwerkskunst der Erbauer. Nun waren aus den kunstfertig errichteten Verteidigungsanlagen traurige Ruinen geworden, deren Anblick die Zwerge schmerzte.</p><p>Dennoch trauten sie dem tr�gerischen Frieden nicht, als sie sich den steilen Pfad hinaufschleppten und dem Einlass n�herten.</p><p>�Seid leise�, mahnte Ingrimmsch. �Narmora und ich sehen nach, ob sie tats�chlich keine Aufpasser aufgestellt haben.�</p><p>Die beiden huschten davon und bewegten sich im Schutz der grauen Felsen und Mauerfragmente, die aus dem Schnee herausragten, auf das ge�ffnete, haushohe Tor zu, das unmittelbar in den Berg hineinf�hrte.</p><p>Tungdil schaute und h�rte sich um. Der eisige Wind pfiff und s�uselte an den zerkl�fteten W�nden eine zuf�llige Melodie. Eiszapfen hingen wie gl�serne Stalaktiten an den Bergvorspr�ngen, und ein Wasserfall, f�nfzig Schritt von ihnen entfernt zu ihrer Linken, war zu einer bizarren Skulptur gefroren.</p><p>Nichts, keine Orks, keine Oger, keine Albae oder sonstige Angreifer.</p><p>�Seid leise, hat er gesagt�, lachte Go�mgar bitter. �Der sollte sich selbst mal zusehen und zuh�ren.�</p><p>�Eine Ausgeburt an Grazie ist er jedenfalls nicht, auch wenn der Vergleich mit der reizenden Narmora ein wenig unlauter ist�, best�tigte Rodario.</p><p>Tungdil sah zu, wie sie sich anpirschten. Der Zwerg nutzte seine geringe Gr��e aus, w�hrend die Halbalbin elegant wie eine T�nzerin zwischen den Bl�cken hin und her sprang. Das Wei� unter ihren F��en gab keinen verr�terischen Laut von sich, sie schien leicht wie eine Feder dar�ber zu schweben. Bo�ndils Kettenhemd dagegen l�rmte regelrecht, obwohl er einen Pelz dar�ber trug.</p><p>Sie gelangte als Erste an den Eingang, presste sich an die Wand und lauschte in den nachtdunklen Stollen hinein, ehe sie sich hineinbegab. Ihre Silhouette verschmolz mit der Finsternis, und sie verschwand.</p><p>Furgas wollte gar nicht mehr damit aufh�ren, an seinen Handschuhen herumzunesteln. �Sie war schon immer zu wagemutig�, raunte er.</p><p>�Ach, Unsinn. Sie ist eine Frau, die um ihre F�higkeiten wei� und sich darauf verl�sst, alter Freund�, beruhigte ihn Rodario. �Du wei�t, was sie alles vor unserer gemeinsamen Zeit am Theater gemacht hat. Da wird sie mit den paar Herausforderungen hier gewiss auch fertig werden.�</p><p>�Ich will nicht wissen, was sie gemacht hat�, sagte Go�mgar rasch. �Sie ist mir auch so unheimlich genug.�</p><p>Inzwischen erreichte auch Bo�ndil den Eingang ins Reich derer, die vor mehr als eintausend Zyklen gegen die Macht des Toten Landes unterlagen. Ein wenig ratlos stand er herum und sp�hte umher, ohne etwas Gef�hrliches entdecken zu k�nnen.</p><p>Pl�tzlich glitt Narmora aus dem Dunkel. Die Schw�rze des gigantischen Tunnels haftete wie Spinnweben an ihr, umschmeichelte sie und gab sie nur z�gerlich frei. Sie winkte ihnen, ihre gel�ste Haltung verriet, dass es nichts gab, wovor sie sich f�rchten mussten.</p><p>�Habt ihr das gesehen? Wie Tinte, die von ihr abperlt�, raunte Go�mgar verschreckt. �Das ��</p><p>�Halbmagie. Es ist eine angeborene Fertigkeit�, sch�tzte die Maga. �Die Albae sind Kinder der Dunkelheit.�</p><p>�Sie wird gewiss die Seiten wechseln, wenn wir auf Albae treffen�, prophezeite er bang. �Blut ist dicker als Wasser.�</p><p>�Aber nicht st�rker als die Liebe, die uns verbindet�, widersprach Furgas energisch. �Eher stirbt sie, als dass sie mich hintergeht. Und ich w�rde eher sterben, als dass ich zulasse, dass ihr ein Leid geschieht.�</p><p>Der schm�chtige Zwerg brummelte etwas vor sich hin und folgte der Gruppe zum Eingang. Den Schild hielt er abwehrbereit vor sich.</p><p>�Hier ist niemand�, sagte sie und hielt es nicht f�r notwendig, die Stimme zu senken. �Sie haben sich damit begn�gt, die Mauern zu schleifen und die Tore so zu besch�digen, dass man sie nicht mehr schlie�en kann.�</p><p>�Aber wo sind die ganzen Viecher?� Bo�ndil wirbelte kampflustig mit den Beilen.</p><p>�Am Steinernen Torweg vermutlich�, sch�tzte Tungdil, der sich an die Karte in einem der vielen B�cher aus Lot-Ionans Bibliothek erinnerte. �Wir k�nnen froh sein, dass sie dort sind.� Er wandte sich dem Eingang zu. �Gehen wir die Esse Drachenbrodem entfachen.�</p><p>Seinen ersten Schritt machte er mit Bedacht, mit Ehrfurcht, Zaudern und einer geh�rigen Portion Regung in seiner Brust. Das Reich der F�nften wurde zum ersten Mal wieder von einem lebendigen Zwerg betreten.</p><p>Rodario und Furgas entz�ndeten Lampen, und das rotgelbe Licht erweckte das Leben im Gebirge neu. Der Schein, den die W�nde zur�ckwarfen, blendete sie, sodass sie schnell die Leuchtkraft verringerten.</p><p>Sie standen in einem Gang, dessen W�nde mit poliertem und geh�rtetem Palandium verkleidet worden war. Tausend Zyklen in Einsamkeit hatten dem wei�en Metall nichts von seinem Glanz geraubt. In die Platten waren Bildnisse der K�nige getrieben worden; die b�rtigen Gesichter der Zwergenherrscher schauten freundlich auf sie herab und hoben ihre aus rotgelbem Vraccassium gegossenen �xte zum Gru�.</p><p>�Welch ein Reichtum�, raunte Rodario.</p><p>Ergriffen sanken die Zwerge auf die Knie und beteten zu Vraccas. Selbst Bavragor konnte sich trotz seiner Ver�nderung der Wirkung nicht entziehen. Sein Gebet gelang ihm nur mit gr��ter Konzentration, das B�se in ihm versuchte, seinen Willen, seine Gedanken, seine �berzeugung zu brechen und stattdessen die Kontrolle zu �bernehmen, doch mit der Beharrlichkeit des zwergischen Verstands, der viel ger�hmten Dickk�pfigkeit, hatte es nicht gerechnet.</p><p>Die Menschen, And�kai und Djer&#x16F;n warteten geduldig.</p><empty-line/><p>Tungdil erhob sich und atmete ein. Der Gang roch alt, staubig, ehrw�rdig, die Horden von Orks und anderen Bestien hatten ihm nichts nehmen k�nnen. �Wir m�ssen uns umsehen, um den Weg zum Feuersee zu finden�, erkl�rte er und setzte sich in Bewegung. Bo�ndil lief an seiner Seite.</p><p>Staub wirbelte zu ihren F��en auf, gelegentlich huschte ein kleines Tier vor ihnen davon, hier und da lagen Knochenst�cke, Reste von Kettenhemden und Schilden am Boden.</p><p>Schweigend legten sie die Strecke bis zu einem aus den Angeln geschlagenen Tor zur�ck, das sie in eine s�ulengetragene Halle f�hrte. Sie war f�nfeckig aus dem Stein getrieben worden und enorm gro�; f�nfzehn Ausg�nge gingen von hier aus ab, und die Hinweistafeln lagen zerschlagen am Boden.</p><p>�Das nenne ich einmal eine Auswahl�, meinte Rodario ungl�cklich. �Leider haben wir es eilig und nicht den ganzen Tag, um wie die M�use herumzurennen und den richtigen Durchgang zu suchen.�</p><p>�Wir sollten den Gang w�hlen, in dem wir die wenigsten Fu�spuren finden�, schlug Tungdil vor. �Die Orks werden kaum st�ndig zum Feuersee gehen. Da gibt es f�r sie nichts von Bedeutung.�</p><p>�Guter Einfall�, nickte Ingrimmsch und machte sich gleich daran, die vielen G�nge zu untersuchen. Narmora, Djer&#x16F;n und And�kai unterst�tzten ihn dabei. W�hrenddessen wagten es die anderen, sich einen gesch�tzten Platz in der Halle zu suchen und sich auszuruhen.</p><p>Rodario schrieb sich einige Dinge auf, ehe er sich mit Furgas das Essen teilte. Bavragor stand einfach nur da, die Augen blickten teilnahmslos geradeaus. Go�mgar versteckte sich halb hinter seinem Schild, kaute auf getrocknetem W�rzfleisch herum und achtete sorgsam auf die Umgebung. Die vielen Ausg�nge, die in die Halle m�ndeten, waren ihm nicht geheuer.</p><p>�Ich m�chte wetten, er macht sich Gedanken dar�ber, was mit Gandogar geschehen ist�, sagte Balyndis leise zu Tungdil.</p><p>�Da ist er nicht der Einzige�, gab er nachdenklich zur�ck. �Wir haben unterwegs nichts von einer zweiten Zwergengruppe geh�rt, und bei deinem Stamm ist er ebenfalls nicht aufgetaucht. Ich hoffe, dass ihm nichts zugesto�en ist.� Seine Besorgnis war echt; m�de schloss er die Augen, nur um sie mit einem Ruck wieder zu �ffnen. Er kn�pfte den Pelzmantel auf. Im Stollen war es lange nicht so kalt wie im Freien, und die W�rme machte ihn noch m�der.</p><p>�Nein, schlaf ruhig�, beruhigte ihn die Zwergin. �Ich halte Wache und wecke dich, falls sie etwas gefunden haben.�</p><p>�Ich bin der Anf�hrer, ich d�rfte nicht schlafen.�</p><p>�Unausgeschlafene Anf�hrer begehen Fehler�, hielt sie energisch dagegen und dr�ckte ihn an den Schultern nach hinten, bis er sich str�ubend umsank. �So, nun liegst du. Schlaf und tr�ume von der Rettung unserer Heimat.� Balyndis l�chelte ihm zu, wischte sich eine Haarstr�hne aus dem Gesicht und wandte sich der Halle zu.</p><p>Sie sa� dicht neben ihm, eine Hand auf den Griff ihrer Axt gest�tzt, und blickte wachsam umher. Sie war das Abbild einer Kriegerin.</p><empty-line/><p>�Der Weg muss es sein.� Bo�ndil hatte seine Wahl getroffen und war, was niemanden verwunderte, nicht mehr davon abzubringen.</p><p>�Fangen wir einfach mit ihm an�, sagte Tungdil und gab das Zeichen zum Aufbruch. �Solltest du falsch liegen, probieren wir den aus, den And�kai vorschlug.�</p><p>Die Zeit der Ruhe war vor�ber, sie hatten sich alle einen kurzen Schlaf geg�nnt, um f�r den Kampf gegen das Drachenweibchen ausgeruht zu sein.</p><p>�Sie hei�t Argamas und ist das Weib des gro�en Drachen Branbaus�l, der im Grauen Gebirge lebte�, erkl�rte Tungdil Balyndis. �Die F�nften nahmen seine wei�en Flammen und entz�ndeten damit ihre Esse, ehe sie ihn t�teten und seinen Hort eroberten. Argamas fl�chtete in den Feuersee ��</p><p>�� und kam nie wieder zum Vorschein�, erg�nzte Go�mgar erleichtert. �Um ehrlich zu sein, ich w�re froh, wenn die Geschuppte in dem See bliebe. Unsere Strategie klingt mir nicht so, als k�nnten wir damit Erfolg haben. Drachenschuppen sind hart wie Stahl.�</p><p>�Alles, was wir ben�tigen, ist ihr Feuer, nicht ihr Leben�, sagte And�kai, die sich wenig sorgte. �Gerade du m�sstest dich dar�ber freuen.�</p><p>�Und ich bedauere es, dass wir dem Viech nicht den Garaus machen. Etwas Gr��eres zu erlegen wird im Geborgenen Land schwer m�glich sein�, meinte Ingrimmsch beleidigt, weil ihn keiner verstehen wollte. �Drachen! Wo gibt es sie heute denn noch? Da m�sste man doch jede Gelegenheit nutzen, die sich einem Beil bietet, oder?�</p><p>�Nein, die ehrenwerte Maga spricht wahr�, leistete Rodario ihr Beistand.</p><p>�Dass du nicht der Mutigste sein kannst, ist mir klar�, wehrte ihn Bo�ndil ab. �Aber, Balyndis, wie sieht es mit dir aus? Lass uns den Drachen ��</p><p>�Sei still�, verlangte Tungdil. Er roch Schwefel, die Luft im Gang erw�rmte sich. Nach unz�hligen Treppenstufen abw�rts und zahlreichen R�hren n�herten sie sich ihrem Ziel. �Keinen Ton mehr, bis wir uns umgeschaut haben. Ich will Argamas nicht fr�her als notwendig bei ihrem Bad in der Lava st�ren.�</p><p>Der schm�chtige Go�mgar klammerte sich an den Griff seines Schildes. �Mir kam der Gedanke, dass wir sie bitten k�nnten, uns zu helfen. Drachen sind schlau, und vielleicht ist sie einsichtig.�</p><p>Ingrimmsch schaute ihn vorwurfsvoll an. �Du willst mir das letzte bisschen Spa� auch noch nehmen, indem du sie anbettelst, uns das Feuer freiwillig zu geben?�, schnaubte er. �Niemals, h�rst du!?�</p><p>�Zwerge haben ihren Gatten get�tet. Was glaubst du, wie ihre Hilfsbereitschaft aussehen w�rde?�, meinte Tungdil. �Wir m�chten nicht, dass einer von uns stirbt, deshalb wird es vollkommen ausreichen, wenn wir sie nur zum Feuerspeien bringen, um uns etwas davon zu nehmen.� Er klopfte auf die mitgef�hrte Fackel.</p><p>�Schlimm genug�, grummelte Bo�ndil. �Nun vermiest man mir auch noch diese Herausforderung.�</p><p>Sie verlie�en den Gang und wurden in dunkles, gelbliches Licht getaucht. Es roch nach faulen Eiern, das Luftholen gelang nur mit M�he und verursachte ein Stechen, doch der Anblick entsch�digte sie f�r die Unannehmlichkeiten.</p><p>Eine Hitzewelle schlug ihnen vom Ufer des Sees entgegen, dessen fl�ssige Lava unaufh�rlich brodelte, blubberte und Blasen an der Oberfl�che warf. Mal bl�hten sie sich weit auf, ehe sie barsten und ihre gl�henden Tropfen verspritzten, mal vergingen sie einfach und sanken in sich zusammen.</p><p>Die Ausma�e des Sees konnte Tungdil schwer sch�tzen, aber im Durchmesser betrug die kochende Fl�che mindestens viertausend Schritt. Vereinzelt ragten Inseln aus der Lava, und von der Decke hingen bizarre Basaltzapfen, die sich im Lauf der Zyklen durch emporgeschleudertes und abgek�hltes Magma gebildet hatten. Sie glommen im Schein des Sees honigfarben.</p><p>�Darin soll ein Drache leben k�nnen?�, staunte Go�mgar, der von dem Anblick ebenso �berw�ltigt war wie die anderen. �Gut, dass wir nicht mit ihr k�mpfen. Was k�nnen unsere Waffen gegen ein Wesen ausrichten, das in diesem Inferno herumschwimmt?� Heimlich hoffte er, dass sie einfach untertauchte und sich nicht zeigte.</p><p>Djer&#x16F;n hob sein Schwert und deutete auf einen Punkt etwa eintausend Schritt von ihnen am Ufer entfernt, um And�kai auf seine Entdeckung aufmerksam zu machen. �Wir m�ssen uns um Argamas keine Sorgen mehr machen�, sprach sie. �Schaut dorthin.�</p><p>Entsetzt erblickten sie die �berreste des gigantischen Gerippes, das der Form nach einem Drachen geh�rte.</p></section><section><title><p>VII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das F�nfte Zwergenreich, Giselbart, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Ingrimmsch scharrte mit den Stiefeln in den gewaltigen Knochen�berresten herum. Dazwischen lagen gebrochene Pfeilst�cke, Lanzen, Speere und kleinere Knochen. �Schweineschnauzen. Sie haben den Drachen get�tet. Das muss schon ein paar Zyklen her sein, wenn ich mir das so ansehe.� Absch�tzend begutachtete er das Gerippe, und seine Augen spiegelten Wehmut. �Es muss ein guter Kampf gewesen sein.�</p><p>Go�mgar zuckte mit den Schultern. �Es hat keinen Sinn! Lasst uns nach Hause gehen. Ich w�re gern bei meinem Stamm, wenn es losgeht und N�d�onn vor den Toren unseres Reiches steht.�</p><p>�Du und k�mpfen?�, h�hnte Bo�ndil und pr�fte die Festigkeit eines Drachenknochens. Die Rippe hielt seiner Kraft stand.</p><p>�Ich m�chte bei meinem Volk sein, wenn es zu Ende geht, das ist alles. In der Gemeinschaft eines kampfgierigen Idioten wie dir, eines Hochstaplers und eines untoten Zwerges zu sterben, das will ich nicht.� Er nickte der Schmiedin zu. �Gegen dich habe ich nichts.�</p><p>�Und wenn wir die Esse mit einfachem Feuer in Gang setzen?�, meinte Furgas.</p><p>Tungdil schaute �ber die Lava. �Wir haben keine andere M�glichkeit. Wir m�ssen es versuchen�, sagte er. �Was bleibt uns denn sonst? Ich kehre nicht mit leeren H�nden zur�ck und sehe N�d�onn bei seinem Krieg einfach nur zu.� Er betrachtete die t�nzelnden Fl�mmchen auf der Lava genauer und wischte sich den frischen Schwei� aus den Augen. Er kannte Feuer aus seiner Esse in allen Farben, doch dieses sah anders aus. �T�usche ich mich, oder brennen die Flammen heller?�, fragte er Balyndis, die sich wie er am besten von allen mit Feuer auskannte.</p><p>�Es sieht so aus�, gab sie ihm Recht und verstand, auf was er hinauswollte. Sie nahm eine Fackel, entz�ndete sie an einer der zuckenden Flammen, und tats�chlich spendete sie mehr Licht als gew�hnlich.</p><p>�Narmora, versuche, ob du sie mit deinen Fertigkeiten l�schen kannst�, bat And�kai die Halbalbin.</p><p>Die Schwarzhaarige nickte, schloss die Augen und sammelte ihre Konzentration, um sie gleich darauf wieder zu �ffnen. Die Fackel brannte noch immer. �Es geht nicht�, gestand sie voller Verwunderung. �Gew�hnliches Feuer ��</p><p>�Eben�, lachte die Maga erleichtert. �Tungdil hatte mit seiner Vermutung Recht. Argamas hat dem See etwas von ihrem Drachenbrodem hinterlassen.�</p><p>Balyndis gab Tungdil vor �berschw�nglicher Erleichterung einen Kuss auf die Wange, und er grinste sie verlegen an �Wir haben das, was wir brauchen�, sagte er fest. �Wir entz�nden alle Fackeln und gehen zur�ck. Die Esse wartet darauf, zum Leben erweckt zu werden.� Er ging los und strebte auf den Tunnel zu, aus dem sie gekommen waren.</p><p>�Herzallerliebst�, kommentierte Rodario. �Ein Gl�ck, dass es hier so warm ist. Meine Tinte l�uft herrlich aus der Feder, und dieser Augenblick voller �berw�ltigender Gef�hle schreit danach, festgehalten zu werden.� Im Gehen schrieb er weiter. �Furgas, mein lieber Freund und Compagnon, die Dimensionen unseres Abenteuers drohen allm�hlich den Rahmen eines gew�hnlichen Theaterst�ckes zu sprengen. Wir k�nnten bereits vormittags anfangen�, gr�belte er. �Doppelter Eintritt, mehr Statisten. Schaffen wir das?�</p><p>Furgas betrachtete den Feuersee noch einmal, bevor sie in den Stollen zur�ckkehrten und sich an den Aufstieg machten. �Den lassen wir weg�, entschied er. �Die Kohle, um die Hitze zu simulieren, w�re zu teuer.�</p><p>�Ja, das ist schon besser. Wir sollten sparsam vorgehen. Au�erdem, bei dem Gestank w�rden sich die Spectatores reihenweise �bergeben.�</p><p>�Es k�nnte auch an deiner Schauspielkunst liegen�, bemerkte Bo�ndil trocken und dr�ckte ihm eine Fackel in die Hand. �Nimm das. Du wirst nicht k�mpfen m�ssen und hast die Hand f�r diesen Ballast frei. Und wehe, du l�sst sie verl�schen.�</p><p>�Ich schw�re bei allen Windrichtungen, den G�ttern und sogar dem B�sen, dass, wenn mir dieses Missgeschick passieren sollte, was wiederum alle Gottheiten und Wesenheiten verhindern m�gen, auf der Stelle und sofort, ganz gleich, wo ich mich befinde, der Blitz in dich fahren soll�, sagte er feierlich.</p><p>Der Zwerg nickte zufrieden, bis sich ihm der Sinn der gestelzten Worte erschloss. �Sehr lustig�, knurrte er und belie� es dabei, w�hrend sich Go�mgar und Rodario aussch�tten wollten vor Lachen. �Das Lachen wird euch beiden noch vergehen�, drohte er.</p><empty-line/><p>Bavragor wurde zunehmend unheimlicher.</p><p>Seit dem Betreten des Zwergenreichs sprach er �berhaupt nicht mehr, sondern rollte nur noch wild mit seinem Auge. Gelegentlich knurrte und st�hnte er ohne ersichtlichen Grund auf, die Fesseln um seine Handgelenke spannten sich und knirschten gef�hrlich. Djer&#x16F;n wachte dar�ber, dass er niemandem zu nahe kam.</p><p>Ingrimmsch beschwerte sich unentwegt, dass sie mit den Fackeln noch leichter und fr�her von Feinden gesehen werden konnten, aber eine andere M�glichkeit wollte ihnen nicht einfallen.</p><p>Er hatte Recht. Die grellen Feuer erhellten die mit Vraccassium, Palandium, Gold- und Silberplatten vert�felten G�nge, und so sahen sie zwar auf zwanzig Schritt jede kleine Einzelheit, aber ebenso wurden die Bestien auf sie aufmerksam.</p><p><emphasis>Sie m�ssen geahnt haben, dass wir es brauchen.</emphasis> Tungdil ber�hrte die Platten. Auch auf die Gefahr hin, die Ahnen zu erz�rnen, entschied er sich, St�cke davon herauszubrechen und einzustecken. Mit Djer&#x16F;ns Kr�ften war es ein Leichtes, und bald hatten sie gen�gend zusammen, um daraus die Intarsien der Axt fertigen zu k�nnen. Nur Eisen fehlte ihnen noch. Tungdil betrachtete die Axt, die Lot-Ionan ihm geschenkt hatte. <emphasis>Notfalls werde ich sie einschmelzen.</emphasis></p><p>Nachdem sie lange durch das verlassene Reich der F�nften marschiert waren, gab Bo�ndil pl�tzlich das Zeichen zum Anhalten. �Vor uns ist etwas�, begr�ndete er seine Entscheidung, und seine Haltung wurde lauernd. �Ich rieche den Gestank von Bestien, aber Orks sind es keine.�</p><p>Tungdil schnupperte und bemerkte die Duftspur, die in der Luft lag. �Sie m�ssen vor uns sein.� Er blickte zu Narmora, die nur nickte und sich anschickte, den Gang zu erkunden.</p><p>�Kommt nur her! Hier steht ein Zwerg, der sich nicht vor euch f�rchtet!�, schallte pl�tzlich eine laute Stimme durch den Gang, dann prallten Waffen und Schilde scheppernd zusammen, und d�nne Schreie erklangen. �Ich mag der Letzte sein und euch unterliegen, aber von euch nehme ich sicher vier Dutzend mit. Vraccas ist mit mir!�</p><p><emphasis>Diese Stimme kenne ich,</emphasis> dachte Tungdil, doch bevor es ihm einfiel, kam ihm jemand zuvor.</p><p>�Gandogar!�, rief Go�mgar �bergl�cklich. �Mein K�nig, halte aus! Ich komme!� Er warf seinen schweren Mantel ab, packte den Schild, riss sein Schwert aus der Scheide und st�rmte vorw�rts.</p><p>�Schau sich einer mal den Schimmerbart an�, wunderte sich Rodario. �Der kann richtig Mut aufbringen. Woher hat er den nur genommen?�</p><p>�Ho, das h�tte ich nicht geglaubt. Aber wir sollten ihn nicht allein gehen lassen�, sagte Ingrimmsch, und die Vorfreude auf ein ordentliches Gefecht mit Tions Gesch�pfen stand ihm ins Gesicht geschrieben. �Und du, Langer, kennst meine Spielregeln. Pass du nur sch�n auf den Ein�ugigen auf, damit er mir nicht in den R�cken f�llt.� Auch er warf den hinderlichen Mantel ab und schaute abwartend zu Tungdil.</p><p>Der zog seine Axt in der Erwartung, dass der K�nig der Vierten seinen Beistand verdiente. �Helfen wir unseren Rivalen br�derlich und schlagen den Feinden die K�pfe ab�, verk�ndete er und rannte los.</p><p>Sie gelangten in eine kleinere, sp�rlich beleuchtete Halle, die mit haarigen, buckligen bogglinhaften Bestien gef�llt war. Kreischend schwangen sie Keulen und schartige Schwerter und dr�ngten in ihren zu gro�en R�stungen die Steinstufen hinauf, die zu einer goldenen Statue von Vraccas f�hrten.</p><p>Davor stand Gandogar in seiner schweren R�stung wie ein Abbild des Gottes. Er f�hrte seine Doppelklingenaxt mit beiden H�nden, holte weit aus und m�hte die erste Reihe der Angreifer mit einem Schlag nieder. Die Diamanten auf seinem Helm warfen Lichtreflexionen an die W�nde und die S�ulen und verliehen ihm durchaus etwas �berirdisches.</p><p>Rechts und links der Treppe lagen die enthaupteten oder verwundeten Bestien, die aus zehn Schritt H�he herabgest�rzt waren. Das hell- und dunkelgr�ne Blut rann die Stiegen hinab und machte sie glitschig, was den Feinden den Sturm zus�tzlich erschwerte.</p><p>Doch sie gaben nicht auf; krakeelend schoben sie sich die Stufen hinauf, begierig, in die vorderste Linie zu gelangen, nur um von der sausenden Klinge Gandogars in den Tod geschickt zu werden.</p><p>Bo�ndil hatte alle �berholt und blies in sein Rufhorn, um die Meute auf sich aufmerksam zu machen.</p><p>�Ho! Hier kommt noch ein Zwerg!� Irre lachend warf er sich in die Menge und verwandelte sich in den w�tenden Ingrimmsch, dem sich kein Schutz widersetzen konnte. Die Beile fanden wie von selbst eine L�cke in den R�stungen oder trafen ungesch�tzte Stellen, und schon nach seinem ersten Angriffsschlag lagen sechs Feinde zuckend am Boden.</p><p>Er fr�ste sich vorw�rts und zog eine Schneise hinter sich, in die Tungdil und die anderen stie�en. Selbst der ansonsten z�gerliche Go�mgar begab sich in die Schlacht. Zum ersten Mal hatte er ein Ziel vor Augen, f�r das sich die Anstrengung, ja sogar das Sterben lohnte.</p><p>Bavragor war es im Get�mmel gelungen, seine Lederfessel abzustreifen. Da er keine Waffen besa�, zerriss er die ersten Angreifer mit den blo�en H�nden, w�hlte sich mit seinen blutigen, kr�ftigen Fingern durch ihr Fleisch und verletzte sie t�dlich. Schwertstiche lie�en ihn unbeeindruckt, schlie�lich nahm er zwei Streitkolben vom Boden auf und drosch mit unheiliger St�rke um sich.</p><p>Djer&#x16F;ns Keule schleuderte die Wesen, die ihm gerade bis an die Knie reichten, durch die Luft; sie schlugen zwischen ihren Artgenossen ein und rissen etliche durch die Wucht des Aufpralls in den Tod.</p><p>�Die Treppe hinauf�, befahl Tungdil, der gesehen hatte, dass Gandogar in Bedr�ngnis geriet. Er schien der einzige �berlebende seiner Gruppe zu sein; jedenfalls konnte er in dem Durcheinander aus Leibern keine weiteren Zwerge ausmachen.</p><p>Sie droschen sich vereint durch die Bestien. Djer&#x16F;n blieb am Fu� der Treppe stehen und verteidigte den Aufgang mit m�rderischer Gewalt gegen nachr�ckende Bogglins, w�hrend die Menschen und Zwerge die Gegner von hinten angriffen, bis die letzten auf den Stufen fielen und sie keuchend vor dem K�nig der Vierten standen.</p><p>Gandogar sah schrecklich aus, abgeh�rmt, blass, m�de. Zwei tiefe Schnitte, die von einer m�chtigen Waffe stammen mussten, durchzogen sein blutverkrustetes Kettenhemd.</p><p>�Mein K�nig!�, gr��te ihn Go�mgar freudig und nahm sich die Zeit, vor ihm auf ein Knie zu sinken.</p><p>Tungdil nickte ihm knapp zu. �Wo sind die anderen?�</p><p>�Tot�, antwortete er, mit der Fassung ringend. �Lasst uns zuerst von hier verschwinden, ehe die ��</p><p>F�nf Gestalten schoben sich von der anderen Seite in die Halle, vier Schritt hoch, breit, h�sslicher und widerw�rtiger als die Orks und umso st�rker.</p><p>�Oger!�, jauchzte Ingrimmsch. �Jetzt wird es richtig lustig! Heja, Langer, das kleine Gesocks lasse ich dir.� Er schlug die flachen Seiten seiner Waffen zusammen und leckte sich �ber die Lippen. �Die da sind genau meine Kragenweite.�</p><p>Die kleineren Bestien wichen zur�ck und bildeten bereitwillig eine Gasse f�r die Oger.</p><p>�Ihr lauft, ich und Djer&#x16F;n halten sie auf. Dar�ber wird nicht gestritten�, ordnete And�kai an. �Mal sehen, was ich mit meinem Rest von Magie erreiche.�</p><p>Sie steckte ihr Schwert ein und murmelte Zauberformeln, als sich aus der Felswand neben dem Heiligtum ein basaltener Gigant rumpelnd aus dem Fleisch des Berges riss. Das lang gezogene steinerne Gesicht mit den Augenl�chern richtete sich auf die Maga, die Faust stie� auf sie nieder.</p><p>And�kai bemerkte die Gefahr und leitete ihre magischen Kr�fte gegen den unerwartet aufgetauchten Angreifer. Es gelang ihr, den Hieb aufzuhalten, doch sie ging dabei in die Knie. �Ein Golem�, keuchte sie. �Sie haben einen Magus. Sucht und t�tet ihn, bevor meine Kr�fte vollends schwinden und ich die Kreatur nicht aufzuhalten vermag.�</p><p>Als die �berlebenden Bogglins sahen, dass die zuerst so �berragenden Feinde Schw�che zeigten, kreischten sie schrill und feuerten sich gegenseitig an, bis sie als Masse aus Armen, Beinen, gefletschten Z�hnen und wirbelnden Waffen heranschwappten, um ihr Kampfgl�ck ein weiteres Mal auf die Probe zu stellen.</p><p>Die anst�rmende Menge trieb Djer&#x16F;n langsam die Stufen hinauf, bis er sein Visier �ffnete und die ersten Reihen der Bestien in violettes Licht tauchte. Wieder erklang der furchtbare, drohende Laut. �ngstlich fiepend zuckten sie vor dem Krieger zur�ck, der die Gelegenheit sogleich nutzte, mit Schwert und Streitkolben gleichzeitig zu attackieren und den verlorenen Raum zur�ckzuerobern.</p><p>�Da dr�ben ist er!�, rief Narmora und deutete auf eine menschengro�e Gestalt in einer Robe, wie sie die Famuli N�d�onns trugen. Er stand einhundert Schritt von ihnen entfernt, umgeben von einer Horde kr�ftiger Orks, die ihm als Leibwache dienten. Anhand seiner Bewegungen erkannten sie, dass er den zum Leben erweckten Golem gegen And�kai dirigierte.</p><p>�Scheint, als wollte man uns davon abhalten, bis zur Esse zu gelangen�, sagte Tungdil. <emphasis>Der Magus f�rchtet die Feuerklinge. Wir sind auf dem rechten Weg.</emphasis></p><p>Gandogar schaute auf die nicht enden wollende Zahl der Ungeheuer, die eine lebendige Wand bildeten. �Es ist aussichtslos. Das Tor zur Esse befindet sich am Ende der anschlie�enden Halle und ist mit Vraccas� Runen gegen das Eindringen der Bestien gesichert�, erkl�rte er knapp. �Wir waren kurz davor, doch die Gegner haben uns aufgelauert. Sie wussten, dass wir kommen.�</p><p>Tungdil dachte fieberhaft nach. �Einer von uns beiden muss mit denjenigen, die von Bedeutung f�r die Entstehung der Feuerklinge sind, durch das Tor gelangen�, verk�ndete er. �Ich hatte niemals die Absicht, den Thron zu erlangen, Gandogar, ich schenke ihn dir. Mir geht es einzig um das Wohl des Geborgenen Landes und unseres Volkes.� Er sah ihm fest in die Augen. �Versprich, dass du daf�r zusammen mit Narmora und der Feuerklinge gegen N�d�onn ziehen wirst. Sie werden dir erkl�ren, wieso sie wichtig ist.�</p><p>Gandogar neigte den Kopf. �Bei Vraccas und Giselbart Eisenauge, in dessen Reich wir stehen, ich schw�re, dass ich nicht eher ruhen werde, bis N�d�onn tot ist.� Sie reichten sich die H�nde. �Aber du wirst dabei an meiner Seite sein�, setzte er hinzu.</p><p>Sie wandten sich gemeinsam zu den Stufen um und hoben ihre Waffen. Tungdil setzte sein Horn an die Lippen und blies zum Angriff.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das F�nfte Zwergenreich, Giselbart, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Djer&#x16F;n setzte einen Fu� vor den anderen und bildete die Spitze des Ausfalls. Die Zwerge flankierten ihn, dahinter folgten Rodario mit den Fackeln und Furgas, der ihn und die wertvollen Flammen vor den Angriffen der Bogglins besch�tzte.</p><p>W�hrenddessen setzte sich And�kai auf den Stufen noch immer gegen den Golem zur Wehr. Die Attacken gaben ihr keine Gelegenheit, den Magus anzugreifen und damit die Wurzel des �bels auszuschalten. �Rasch! Mehr als ein bis zwei Zauber sind mir nicht mehr m�glich�, rief sie angestrengt.</p><p>�Ich k�mmere mich darum�, verk�ndete Narmora und sprang aus dem Stand auf die Schulter Djer&#x16F;ns, stie� sich ab und flog f�nf Schritte durch die Halle, ehe sie auf dem Kopf eines Bogglins landete und sich erneut abdr�ckte. Sie benutzte die Sch�del und Schultern der �berrumpelten Feinde wie Trittsteine und �berwand so die Distanz zum Zauberer, doch kurz bevor sie ihn erreichte, traf sie ein Dolch in den Unterschenkel. Sie trat fehl und verschwand in der johlenden Menge.</p><p>�Narmora!�, schrie Furgas entsetzt und vernachl�ssigte seine Aufgabe als Bewacher. Die Bestien setzten sofort nach und drangen auf Rodario ein.</p><p>�Hinfort!�, schrie er sie an und drosch mit den Fackeln nach ihnen. Kreischend wichen sie vor der Hitze zur�ck, Funken stoben auf, und die Getroffenen standen augenblicklich in Flammen und taumelten davon. Das Drachenfeuer verbrannte die Kreaturen Tions in Windeseile zu Asche.</p><p>Seine Verteidigung verlief erfolgreich, daf�r verloschen die Lichtquellen und wurden von den Schwertern der Bogglins zerst�rt, sodass er pl�tzlich mit nur einer einzigen Fackel dastand. �Furgas!�, machte er seinen Freund auf seine Lage aufmerksam. �Zu Hilfe!�</p><p>Doch Furgas beobachtete voller Sorge die Stelle, an der seine Gef�hrtin verschwunden war.</p><p>�Furgas, verdammt!�</p><p>Balyndis scherte aus der Reihe aus und �bernahm es, die Bestien auf Abstand zum Schauspieler zu halten.</p><p>Pl�tzlich trat die Halbalbin wie aus dem Nichts hinter dem ersten Leibw�chter des Magus hervor und trennte ihm mit einem �blen Hieb ihrer Waffen den Kopf ab. Bevor sich die anderen Orks auf die neue Lage einstellen konnten, starben auch sie.</p><p>�Beeindruckend�, kommentierte der Magus w�tend und richtete seinen Stab gegen sie, �dennoch nicht gut genug!�</p><p>Ein breiter Strahl schoss auf Narmora zu, sie wich zur Seite aus, aber die Energien folgten ihren Bewegungen.</p><p>Ehe sie getroffen wurde, prallten sie unvermittelt gegen ein unsichtbares Hindernis und l�sten sich auf. Gleich darauf zuckte ein breiter Blitz vom Heiligtum her�ber und schlug knisternd in den Mann ein. Das Glei�en endete erst, als der Magus zu einem schmorenden, stinkenden B�ndel verbrannt war. Im n�chsten Augenblick zerfiel der Golem in Einzelteile. Die schweren Brocken erschlugen Dutzende der Bestien und drei der Oger, die sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnten.</p><p>Die beiden �brigen Oger hielten inne; schlie�lich wichen sie aus Angst vor der siegreichen Magierin in die n�chste Halle zur�ck und verschwanden aus ihrer Sicht.</p><p>Narmora hob den Arm gr��end in Richtung And�kais; diese erwiderte die Geste und zog in einer flie�enden Bewegung ihr Schwert. Mehr besa� sie nicht mehr, um sich zu verteidigen.</p><p>�Na, also. Narmora lebt. W�rdest du mir nun bitte wieder zur Hand gehen, oder hast du jemand anderen dazu auserkoren, die Hauptrolle im n�chsten St�ck zu spielen, und willst mich einen heldenhaften Tod finden lassen?�, sagte Rodario liebensw�rdig zu Furgas.</p><p>And�kai st�rmte die Stufen des Heiligtums herab; ihre Klinge w�tete schrecklich gegen die Feinde.</p><p>�Verflucht, die feigen Oger verschwinden! Deine Herrin verdirbt mir alles�, �rgerte sich Bo�ndil und st�rzte sich umso w�tender auf die fl�chtenden Bogglins. �Wenigstens habe ich mit denen meinen Spa�.�</p><p>Er rannte ihnen hinterher, ohne auf die Warnungen Tungdils zu achten; die Beile schlugen in die H�lse der Feinde, und er scheuchte sie wie eine Herde Schweine vor sich her. Auf der Schwelle zur anschlie�enden Halle blieb er wie angewurzelt stehen.</p><p>�Was ist? Hat dich die Vernunft ereilt?�, fragte Go�mgar geh�ssig, w�hrend sie zu Ingrimmsch aufschlossen. Dann aber erstarrten auch sie.</p><p>�Diese Szene lassen wir auch weg�, raunte Rodario mit trockenem Mund. �Sie gef�llt mir nicht.�</p><p>Die Ausma�e des Raumes betrugen sicherlich dreitausend Schritt in der L�nge und zweitausend in der Breite; die verlassenen Hoch�fen, Rampen und Seilz�ge, die umherstehenden oder umgest�rzten Schlacke- und Roheisenpfannen und die Kohlehalden verrieten, was die F�nften hier einst trieben.</p><p>Wo fr�her Eisen und Stahl entstanden, lagerte nun eine Streitmacht von mindestens eintausend Orks, Bogglins und Trollen, die ihnen den Zugang zur Esse verwehrten.</p><p>Schon trafen die in die Flucht geschlagenen Bogglins und Oger auf die ersten Reihen der Bestien und berichteten hastig, was sich in der anderen Halle zugetragen hatte. Ein Ruck lief durch die Masse, die Ersten standen auf und packten gr�lend ihre Waffen, um sich kampfbereit zu machen.</p><p>�Das ist �� Bo�ndil wusste nicht, was er zu diesem Anblick sagen sollte, und seine Arme mit den Beilen senkten sich kapitulierend. Dieses grauenvolle Heer bedeutete f�r ihren tapferen Haufen mehr als eine �gro�e Herausforderung�, von der er so gern sprach. Selbst er sah ein, dass es f�r sie kein Durchkommen gab.</p><p>�K�nnt Ihr auf die andere Seite schweben und uns mitnehmen, so wie Ihr es bei Go�mgar tatet, um ihn zu retten?�, schlug Tungdil der Maga heiser vor.</p><p>�Ich bin vom Gefecht gegen den Golem und den Magus ersch�pft, meine Magie ist verbraucht.� And�kai schaute mit bitterer Miene �ber die Ungeheuer. �H�tte ich geahnt, was uns erwartet, h�tte ich mich vorhin zur�ckgehalten. Und selbst dann ��</p><p>�Lasst uns nach Hause gehen�, bat Go�mgar flehentlich und wandte sich an Gandogar. �Mein K�nig, du bist ��</p><p>Tungdil brachte ihn mit einem Blick zum Verstummen. �Wir k�nnen nicht gehen. Allenfalls sterben wir bei dem Versuch, unser Ziel zu erreichen�, sagte er, und sein Kopf senkte sich trotzig. �Au�er uns kann keiner mehr an diesen Ort vordringen, wir sind das letzte Aufgebot gegen N�d�onn.�</p><p>�Wir bleiben.� Gandogar nickte zu Go�mgars Entsetzen. �Ich stehe euch bei.� Er hob die doppelk�pfige Streitaxt.</p><p>�Wir sind Zwerge�, setzte Ingrimmsch grollend hinzu, der sich wieder gefangen hatte. Auch er neigte den Kopf, zog ihn zwischen die Schultern und holte tief Luft. �Wir werden niemals aufgeben!�, schrie er den Bestien entgegen, schlug die Axtr�cken gegeneinander und lie� das Klirren durch die Erzschmelze fliegen. �H�rt ihr das, ihr Scheusale!? Das ist der Laut eures Untergangs.�</p><p>Tungdil betete stumm zu Vraccas. �Der Kampf durch die Reihen ist das Einzige, was mir einf�llt.� Er schaute in die Gesichter seiner Begleiter. �Vermutlich werden nicht alle von uns auf der anderen Seite der Halle ankommen. Achtet darauf, dass die Richtigen zur Esse gelangen.� Er schaute zu Balyndis. �Ich bin entbehrlich, ich werde mein Leben geben, damit das Geborgene Land mit all seinen V�lkern weiterhin hoffen kann.�</p><p>Furgas k�sste Narmora leidenschaftlich und mit Tr�nen in den Augen; sie geh�rte zu denen, die unter allen Umst�nden durchkommen mussten. Sie strich ihm z�rtlich �bers Gesicht.</p><p>�Eins zu Hundert�, sch�tzte Bo�ndil die Verh�ltnisse ab. �Es h�tte schlimmer kommen k�nnen.� Dieses Mal �bernahm er es, das Horn zu blasen und ein altes Zwergensignal erschallen zu lassen, das von den Gegnern mit aufforderndem Rufen erwidert wurde. �Wer zuerst auf der anderen Seite ankommt�, knurrte er, �hat gewonnen.�</p><empty-line/><p>Nach f�nfhundert Schritten hatten sie sich festgek�mpft, es ging weder vorw�rts noch r�ckw�rts.</p><p>Eingekreist von den widerlichsten Kreaturen, standen sie Schulter an Schulter und mussten sich darauf beschr�nken, ihr Leben zu verteidigen, bis die Arme zu schwer w�rden, um den Attacken l�nger standzuhalten.</p><p>Schlimm genug war, dass sie Rodario auf den ersten zehn Schritten einb��ten; er verschwand zun�chst unbemerkt zwischen den R�stungen der Orks, und zu sp�t merkte Tungdil, dass der Schauspieler Opfer eines Schlages geworden war.</p><p>Damit verloren sie das notwendige Drachenfeuer, um die Esse anzufachen.</p><p><emphasis>Ich bin so dicht vor meinem Ziel, Vraccas.</emphasis> �Wir m�ssen umkehren�, rief er �ber die Schulter. �Rodario und die letzte Fackel gingen verloren.�</p><p>And�kai setzte zu einer Entgegnung an, als helle Flammen am Durchgang emporloderten.</p><p>�Zur�ck�, h�rten sie eine kr�chzende, herrische Stimme. �Sie geh�ren mir.�</p><p>Die Bestien verstummten abrupt; sie stoben augenblicklich auseinander und bildeten eine Gasse, um Platz zu schaffen. Tungdil erkannte die feiste Gestalt in der malachitfarbenen Robe wieder, die sich nach vorne schob, und der letzte Hauch Hoffnung, der sich mit zwergischem Trotz gehalten hatte, verfl�chtigte sich.</p><p>�N�d�onn�, ging das Raunen ehrf�rchtig durch die Reihen der Ungeheuer, die gebannt auf ihn starrten. Einige verneigten sich oder fielen vor ihm auf die Knie.</p><p>�Ich dachte mir, dass ich euch bei der Esse antreffe�, begr��te er sie schnarrend und musste husten. Ein hellroter Speichelklumpen klatschte dem n�chsten Bogglin ins Gesicht, der ihn freudig ableckte. �Daher sandte ich meine Diener, um euch aufzulauern.� Schritt f�r Schritt kam er auf sie zu. �Das Vergn�gen, euch eigenh�ndig zu vernichten, wollte ich mir nicht entgehen lassen.�</p><p>Ein Ork sprang diensteilig vor, riss sein Schwert heraus. �Ich tue es f�r dich, Herr!�, quiekte er.</p><p>�Unw�rdiger!� Der Magus reckte seine Hand; es blitzte kurz auf, und ein Flammenstrahl traf den Ork, der sofort brannte und blind umhertaumelte, bis er ohnm�chtig vor Schmerzen auf den Steinboden fiel. �Weichet!�, befahl er wieder. �Macht Platz, damit ich sie mit meinen Kr�ften vernichten kann, ohne euch zu schaden.� Das bleiche Gesicht war unter der Kapuze, die er trug, nur mehr als heller Fleck zu erkennen.</p><p>�Ich werde es versuchen�, fl�sterte And�kai Tungdil zu. �Ihr lauft los.� Sie wischte sich die blonden Haare aus dem herben Antlitz, packte ihr Schwert und setzte zu einem Sprung an, hielt aber inne.</p><p>Tungdil bemerkte ihr Z�gern. �Was ist?�</p><p>Sie wirkte irritiert. �Er hat seinen Stab nicht dabei. Der echte N�d�onn w�rde seinen Stab niemals ablegen, so wenig wie ich mein Schwert anderen �berlie�e. Es ist eine T�uschung ��</p><p>�Bei allen G�ttern! Es ist Rodario!�, raunte ihr Furgas zu und bem�hte sich, nicht zu gl�cklich zu wirken und die Maskerade des Freundes zu verraten. �Was immer er auch von uns verlangt, wir m�ssen sein Spiel mitspielen.�</p><p>Der Zwerg machte gro�e Augen. Die Verwandlung in den Verr�ter gelang dem Mann ebenso vollendet wie damals im Theater, doch dieses Mal stand er vor einem Publikum, das ihn aufspie�en w�rde, wenn sein K�nnen zu gering w�re. <emphasis>Wie hat er das geschafft?</emphasis></p><p>�Und ihr�, wandte er sich kr�chzend an sie, �werdet leiden. Ich gew�hre euch die Gnade, bis ans Tor der Schmiede zu gehen und das ersehnte Portal zu ber�hren, ehe ihr in tausende kleiner St�cke zerrissen werdet! Ist das nicht grausam?!�, rief er laut, und die Bestien um ihn herum br�llten ihre Zustimmung.</p><p>Die Masse teilte sich hinter der Gruppe und gew�hrte ihnen einen schmalen Korridor, der bis zum verschlossenen Einlass f�hrte. Der verkleidete Rodario folgte ihnen schwankend, hustete und kr�chzte die w�stesten Drohungen, die mit frenetischem Gekreisch seiner Rotte begr��t wurden.</p><p>Sie waren zehn Schritt von dem Eingang entfernt, als der Schauspieler noch st�rker taumelte und nach vorn st�rzte.</p><p>�Bleibt�, hielt Tungdil Narmora und Furgas zur�ck, die ihm aufhelfen wollten. �Das w�rde ihn und uns verraten.�</p><p>M�hsam stemmte er sich auf. Ein Helm rollte unter seinem Fu� hervor, und das linke Bein erschien pl�tzlich ein gutes St�ck k�rzer. Die behelfsm��ige Stelze, die dazu gedient hatte, die Gr��e des wahren Magus nachzuahmen, war dahin und der Schwindel aufgeflogen. Dennoch ben�tigten die Kreaturen eine Zeit lang, bis sie die Zusammenh�nge erfassten.</p><p>�Das ist nicht der Herr!�, belferte ein Ork und sprang mit erhobener Waffe vor. Rodario humpelte in die Reihen seiner Freunde zur�ck, das Gefecht begann von neuem.</p><p>�Wo ist die Fackel?�, wollte Tungdil wissen.</p><p>Der Schauspieler hielt sich die Seite und spuckte erneut Blut, das von einer echten Verletzung und nicht von einem Farbstoff stammte. Mit einem verzerrten Grinsen hielt er eine kleine Sturmlampe hoch, deren Docht glomm. �Das war besser. N�d�onn h�tte mit einer Fackel d�mlich ausgesehen.�</p><p>Sie schlugen und fochten sich mit neuem Mut bis zum Portal durch, w�hrend die Orks die kleineren Wesen nach hinten scheuchten und einen brachialen Angriff unternahmen. Dieses Mal sollten die Menschen und Zwerge nicht mehr zu retten sein.</p><p>Nacheinander wurden sie von den Beilen, Schwertern und �xten getroffen, die kleinere und gr��ere Wunden schlugen, doch eisern hielten die Zwerge ihre Position. Tungdil bem�hte sich, die Runen zu entziffern, die ihnen Einlass verschaffen sollten. Dieses Mal aber versagte sein Wissen.</p><p>�Ich verstehe sie nicht�, rief er And�kai verzweifelt zu. �Es muss ein R�tsel sein.�</p><p>�Wie ungelegen�, meinte Rodario gepresst. Er lehnte sich gegen das Tor, weil die Beine ihn nicht mehr tragen wollten. �Nun, mein Verlust wird euch nicht allzu sehr schmerzen. Aber das Geborgene Land, das sei noch angemerkt, verliert einen formidablen Mimen�, �chzte er und schloss die Augen. Sein K�rper erschlaffte und sank auf die Sturmlampe; der Docht drohte zu ersticken.</p><p>�Nein�, wisperte Gandogar, der den Tod des Schauspielers aus dem Augenwinkel verfolgte. �Die Flamme! Sie darf nicht verl�schen!� Er wandte sich um und versuchte sie zu retten, als sich ein gewaltiger Ork in die Bresche schob und br�llend sein gezacktes Schwert gegen den R�cken des abgelenkten Zwerges schwang.</p><p>�Mein K�nig!�, schrie Go�mgar warnend, aber erkannte, dass es seinem Herrscher nichts mehr n�tzen w�rde. Kurzerhand warf er sich in den Schlag, den Schild nach vorn gereckt und den Kopf eingezogen.</p><p>Die Schneide traf singend auf den Rand des Schildes. Die Wucht des Treffers dr�ckte ihn nach unten, sodass der Zwerg bis zum Hals sichtbar wurde.</p><p>Der Ork schnaubte ihm seinen stinkenden Atem entgegen, dass sein Bart wehte, und zeigte ihm die gewaltigen Hauer. Dann zog er die lange Klinge von rechts nach links und nutzte die Schildkante als F�hrungslinie.</p><p>Go�mgar hielt ihm sein Kurzschwert entgegen. Klirrend zerbrach sein Eisen unter der Kraft des Angreifers, und im n�chsten Augenblick glitt die Schneide durch Haut, Sehnen, Muskeln und Wirbel.</p><p>Go�mgars abgetrennter Sch�del fiel nach rechts, sein zuckender Torso st�rzte nach links gegen Balyndis, die vor Wut aufschrie und umso wilder k�mpfte.</p><p>Gandogar drehte sich um und sah Go�mgar f�r ihn sterben. Als der Kopf des Toten auf den Boden schlug, erlosch die Lampe, ein d�nner Rauchfaden kr�uselte zur Hallendecke hinauf. �Zu Tion mit dir!� Gandogar spaltete den M�rder Go�mgars vom Kopf bis zum Nabel.</p><p>Der Tod der beiden Gef�hrten und das Verl�schen des Drachenfeuers l�hmten die Arme der �briggebliebenen, ihre Gegenwehr wurde schw�cher und schw�cher.</p><p>�Hast du uns so weit kommen lassen, um uns zu vernichten, Vraccas?�, rief Tungdil anklagend, w�hrend er einem Ork seine Axt in den ge�ffneten Rachen schlug.</p><p>Da ert�nte ein erl�sendes Knarren, und der rechte Torfl�gel schob sich unvermittelt zur�ck.</p><empty-line/><p>Ein lautes, dunkles Horn ert�nte und wiederholte die Melodie, die Bo�ndil zu Anfang ihres Angriffs hatte erklingen lassen, dann stapften gedrungene Gestalten aus dem Portal und warfen sich gegen die Ungeheuer. Ihre �xte und Kriegsh�mmer w�teten gnadenlos.</p><p>Tungdil ben�tigte mehrere Augenblicke, bis er sie als Zwerge erkannte.</p><p>Einer von ihnen, dessen polierte R�stung hell leuchtete, was nur durch das Blitzen der Diamanten an seinem Waffengurt �bertroffen wurde, nickte auf das ge�ffnete Tor.</p><p>�Rasch. Wir k�nnen es nicht lange aufhalten�, befahl er, und seine tiefe Stimme lie� Tungdil schaudern.</p><p>Er hatte ihn erkannt, denn nach dem langen Weg durch das Reich der F�nften hatten sie mehr als einmal seine in Gold und Vraccassium getriebenen Z�ge an den W�nden prangen sehen. Es war Giselbart Eisenauge, der Stammvater der F�nften.</p><p>�Du bist ��</p><p>�Sp�ter�, unterband der Urahne jedes weitere Wort. �Rein mit euch.�</p><p>Tungdil kam der Aufforderung nach, Furgas legte sich Rodario �ber die Schulter, Gandogar trug die Leiche Go�mgars. Als sie sich auf der anderen Seite befanden, beendeten die F�nften ihren Ausfall, und das Tor zur Schmiede schwang zu. Bald darauf h�rten sie das w�tende Trommeln der Bestien, die mit ihrer blinden Wut dennoch nichts ausrichten konnten.</p><p>�Ich gr��e euch�, sagte Giselbart ernst, �wer immer ihr auch seid. Ich hoffe, euer Auftauchen bedeutet Gutes.�</p><p>Sie blickten auf insgesamt zehn Zwerge mit bleichen Gesichtern, deren Augen leicht abwesend wirkten, als bef�nden sie sich in Trance. Sie trugen herrlich gearbeitete R�stungen. Ihre B�rte reichten bis auf den G�rtel, und die Entschlossenheit, die Vraccas seinem Volk mitgegeben hatte, war von jedem Antlitz abzulesen.</p><p>�Wir sind die Letzten der F�nften, die den Horden des B�sen seit dem Niedergang meines Reiches vor nunmehr elfhundert Zyklen trotzen�, erkl�rte Giselbart, der von allen den erhabensten Eindruck machte. �Wir fielen gegen die Albae und wurden durch das Tote Land zur�ck ins Leben gebracht, doch anstelle ihm zu dienen, stellten wir uns gegen es.�</p><p>Tungdil warf einen raschen Blick auf Bavragor, der von oben bis unten mit dem Blut von Orks und Bogglins bedeckt war; in allen Gr�nt�nen rann es von seinen Unterarmen herab und tropfte auf den Boden.</p><p>�Auch wenn wir nur noch schwer zu t�ten waren, so verloren die meisten von uns ihr Leben doch endg�ltig, und wir zogen uns zur Esse zur�ck, dem Heiligsten, was unser Stamm besitzt.� Er schaute Tungdil in die Augen.</p><p>�Und ihr versp�rt keinen Hass gegen andere Zwerge oder alles Leben?�, fragte er misstrauisch nach.</p><p>Giselbart sch�ttelte den Kopf. �Wir haben gelernt. Elfhundert Zyklen reichen aus, um den Hass in sich zum Schweigen zu bringen.� Sein Blick richtete sich auf den Eingang. �Lange beschr�nkten sich die Kreaturen darauf, uns zu bewachen, doch seit einigen Sonnenuml�ufen versuchen sie, die Esse zu erobern. Ihr seid vermutlich der Grund f�r ihr Verhalten, oder?�</p><p>�Ja, das mag sein.� In aller Eile stellte er sich und seine Begleiter vor, um danach eine kurze Zusammenfassung von dem zu geben, was sich im Geborgenen Land tat und was der Grund ihres Auftauchens war. �Aber die Hoffnung ist verloren. Das Drachenfeuer, das wir mitbrachten, um die Esse in Gang zu setzen, ist vor dem Tor verloschen.�</p><p>Giselbart legte ihm eine Hand auf die Schulter und zeigte ein freundliches L�cheln in dem tausende von Zyklen alten Gesicht, das nur aus Falten und Furchen zu bestehen schien. �Nein, bewahre dir die Zuversicht, Tungdil Goldhand, denn die Glut brennt hell und hei� wie immer.� Er horchte auf. �Wir haben sie von Anfang an gegen die Eindringlinge verteidigt. Vraccas muss gewusst haben, dass wir sie eines Tages noch einmal dringend brauchen w�rden.� Er und seine Begleiter traten zur Seite, damit sie die Schmiede in G�nze sahen.</p><p>Sie war gut f�nfzig Schritt lang und ma� drei�ig in der Breite. Zwanzig erloschene Essen standen in zwei Reihen nebeneinander, die vierfache Anzahl von Ambossen kam hinzu. Sie waren um eine besonders gro�e Feuerstelle angeordnet, deren Glut wei�lich glomm.</p><p>Zwischen den unz�hligen S�ulen, welche die achtzig Schritt hohe Decke trugen, hingen Zangen, H�mmer, Feilen, Mei�el und andere Schmiedewerkzeuge sauber aufgereiht. Der Boden war mit feinem Sand ausgestreut. An der Decke und den oberen W�nden hatte sich eine dicke Ru�schicht gebildet; Steinstufen f�hrten zu dem Rauchabzug hinauf.</p><p>Durch mehrere �ffnungen im Fels liefen Eisenketten, die �ber Umlenkrollen und Flaschenz�ge mit Blaseb�lgen neben den Essen sowie Schleifsteinen verbunden waren; offenbar funktionierten sie nach einem �hnlichen Prinzip wie die Hebevorrichtungen der Loren.</p><p>Tungdil konnte sich vorstellen, wie die F�nften einst hier schmiedeten und die sch�nsten R�stungen und besten Waffen des Geborgenen Landes schufen. Er atmete auf und bat Vraccas stumm um Verzeihung f�r seinen Zweifel. �Das ist die erste gute Wendung, seit wir von zu Hause aufgebrochen sind�, sagte er voller Freude. <emphasis>Nichts war vergebens, dabei standen wir knapp davor, uns aufzugeben.</emphasis></p><p>�Rodario! Er lebt!�, sagte Furgas freudig. �Ich h�re sein Herz schlagen.�</p><p>�Lass mich nach ihm sehen.� And�kai warf ihr Haar zur�ck, kniete sich neben den Verletzten und schaute nach der Wunde, um sie mit Branntwein aus dem Trinkschlauch Bavragors zu reinigen und Schlimmeres zu verhindern. �Ein leichter Stich in die Seite und ein Schlag ins Gesicht�, stellte sie fest.</p><p>Er schlug ruckartig die Augen auf. �Meinen Dank, ehrenwerte Maga�, presste er durch die Z�hne hervor. Der Alkohol auf der frischen Wunde verursachte ein scharfes Brennen. �Ich h�tte den Ork bitten sollen, mich auf den Mund zu treffen, damit Ihr mich mit Euren Lippen zur�ck ins Diesseits k�sstet.�</p><p>�Wenn du ein Krieger w�rst, s�hen die Dinge anders aus�, antwortete sie erstaunlich freundlich auf sein Werben.</p><p>�Ein Schauspieler ist vieles, auch ein Krieger.�</p><p>�Letztlich ist es vorget�uscht.�</p><p>�Im Gem�t bin ich ein K�mpfer. Reicht Euch das nicht?�</p><p>�Das ist wohl wahr�, nickte sie. �Aber dein Gem�cht hat mir zu viele Schlachten im ganzen Land geschlagen, als dass ich dem Tr�ger vertrauen k�nnte, dass er niemals die Seiten wechselt, wenn sich eine Gelegenheit bietet.� And�kai blinzelte ihn mit ihren blauen Augen an und t�tschelte seine Wange. �Bleib bei den Frauen, die dich verehren, gro�er Junge.�</p><p>Giselbart deutete auf eine Nische in der Schmiede. �Legt euch hin und ruht euch aus. Das Portal wird nicht fallen, daf�r sorgen wir�, sagte er zu Tungdil. �Genehmigt euch so viel Schlaf, wie ihr ben�tigt, und dann machen wir uns ans Werk. Es gibt vieles vorzubereiten.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>Er lachte gutm�tig. �Erst werdet ihr euch erholen. Zu essen k�nnen wir euch leider nichts bieten, aber die Unterkunft ist wenigstens sicher.�</p><p>Keiner murrte, als es ans Ausruhen ging, und selbst Bo�ndil war ersch�pft genug, dass er sich die Gedanken �ber das Dasein der F�nften als Untote ersparte. Sie hatten ihr Leben auf diese Weise bewahrt und bewiesen, dass sie alles andere als b�sartig waren.</p><p>Tungdil trat zu Gandogar, der stumm neben den �berresten Go�mgars sa�. Er hatte seinen ramponierten Helm abgenommen, sodass das braune Haar auf seine breiten Schultern fiel. �Er hat sein Leben f�r mich gegeben�, meinte er nachdenklich. �Ohne zu z�gern stellte er sich gegen den Ork, obwohl er genau wusste, dass er ihm nicht gewachsen war. Das h�tte ich ihm nicht zugetraut.� Er schaute zu Tungdil. �Als du dir Go�mgar w�hltest, freute ich mich, weil ich zu wissen glaubte, wie sehr er ein K�nstler und wie wenig er ein Zwerg w�re. Er hat bewiesen, dass er mehr Zwerg war, als ich annahm.�</p><p>Tungdil nahm das S�ckchen mit den Diamanten und legte es in die H�nde des K�nigs. �Jetzt ist es an dir, seine Aufgabe zu �bernehmen.�</p><p>�Das werde ich, auch wenn ich weit hinter seinen Fertigkeiten als Handwerker zur�ckstehe.�</p><p>Tungdil z�gerte. �Es wird dir nicht gefallen, was ich dir noch zu sagen habe, Gandogar. Es geht um Bislipur.� In wenigen Worten erz�hlte er ihm vom Plan des Gro�k�nigs und der Heimt�cke des Hinkenden. Zum Beweis seiner Anschuldigungen pr�sentierte er das Kropfband, das sie Swerd abgenommen hatten.</p><p>Der K�nig erkannte es auf der Stelle wieder. �So sehr ich meine Augen gegen deine Vorw�rfe verschlie�en m�chte, das widerliche Schmuckst�ck spricht f�r sich. Der Gnom w�re niemals imstande gewesen, ohne den Auftrag seines Herrn zu handeln.� Er sch�ttelte fassungslos den Kopf. �Was hat ihn so verblendet? Wie konnte er mich so verblenden?�</p><p>�Du willst keinen Krieg mehr gegen die Elben f�hren?�</p><p>�Einen Krieg? Jetzt, wo es so schlimm um das Geborgene Land bestellt ist?� Er holte tief Luft. �Ganz im Gegenteil, Tungdil. Ich erkenne endlich die Wahrheit, die in den Worten des Gro�k�nigs Gundrabur lag. Wir haben unterwegs zu viel gesehen und erlebt, um weiterhin gegen die Spitzohren ziehen zu wollen. Wir brauchen ein B�ndnis mit ihnen.� Er hob die Augenbrauen. �Ich sagte nicht, dass wir sie zu unseren Br�dern machen und sie von nun an m�gen sollen. Der Verrat an den F�nften ��</p><p>�Es gab keinen Verrat durch die Elben�, unterbrach sie ein Zwerg, der in ihrer unmittelbaren N�he gestanden und einen Teil ihrer Unterredung mit angeh�rt hatte. Seinen dichten schwarzen Bart hatte er zu kunstvollen Z�pfen geflochten; sie baumelten bis auf seine Brust.</p><p>�Sicher gab es den�, beharrte er. �Ich habe die Zeilen gesehen, die ihre Schuld bezeugen.�</p><p>�Die Zeilen, die Bislipur dir gab?�, erinnerte ihn Tungdil.</p><p>Der fremde Zwerg l�chelte schwach. �Ich bin Glandallin Hammerschlag aus dem Clan der Hammerschlags und war im Gegensatz zu dir an diesem tr�ben Tag dabei, als der Steinerne Torweg durch Verrat fiel.�</p><p>�Also doch die Elben?�, mutma�te Gandogar stur.</p><p>�Eines Zwerges�, sagte Glandallin ruhig, w�hrend die Zwerge und Balyndis fassungslos auf ihn starrten. �Es war Glamdolin Starkarm aus dem Clan der Starkarme, der die Losung zum ersten Mal nannte und die Riegel �ffnete.�</p><p>�Weshalb?�</p><p>�Er wartete schon sehr lange auf die Gunst des Augenblicks. An jenem schrecklichen Morgen t�uschte er vor, unter dem r�tselhaften Fieber zu leiden, das die Albae uns brachten, und im Laufe der Schlacht achteten wir nicht weiter auf ihn. Er schlich sich vors Tor und gab das Land den Horden preis. Er war es auch, der den Albae einen geheimen Pfad in unsere Stollen wies, um uns hinterr�cks anzugreifen.�</p><p>�Ich verstehe nicht ��</p><p>�Er war ein Dritter�, machte es Glandallin kurz. �Glamdolin war ein Dritter, ein Zwergent�ter, der sich in unseren Stamm einschlich und sich voller Schl�ue maskierte, um uns in unserem geschw�chten Zustand dem Untergang zu weihen. Er starb durch meine Hand, aber er erhob sich wieder durch die Macht des Toten Landes und nannte ihnen die Losung ein zweites Mal. Wir haben ihn nach unserem zweiten Erwachen verh�rt; danach verlor er seinen Sch�del und verging endg�ltig.�</p><p>�Schreib das f�r mich auf�, raunte Rodario Furgas zu. �Das St�ck wird ein Kassenerfolg ohnegleichen!�</p><p>�Die Elben haben nichts damit zu tun?� Tungdil freute sich dar�ber, da es ihnen den Weg zu einem B�ndnis erleichterte. <emphasis>Bislipurs Vorhaben ist gescheitert!</emphasis></p><empty-line/><p>Sie begruben die �berreste Go�mgars in einer Ecke der Schmiede unter einem Stapel Steine und sandten seine Seele zu Vraccas. Sobald sie sich ausgeruht hatten, begannen sie mit den Vorbereitungen, um die Feuerklinge zu schmieden.</p><p>�Die Klinge sei aus dem reinsten, h�rtesten Stahl, die Widerhaken am anderen Ende seien aus Stein, der Griff aus Sigurdazienholz, die Intarsien und Runen aus allen edlen Metallen, die sich in den Bergen finden; die Schneide aber sei mit Diamanten besetzt�, zitierte Tungdil die alten Verse und nahm die Abschrift mit den Runen heraus, die als Vorlage dienen sollten.</p><p>S�uberlich legten sie alles Gold, Silber, Palandium und Vraccassium auf den Tisch, das S�ckchen mit den Diamanten gesellte sich ebenso hinzu wie das St�ck Sigurdazienholz, aus dem der Griff bestehen sollte. Roheisen f�r die Klinge und den Granit f�r die Widerhaken brachten die F�nften.</p><p>Pl�tzlich wusste Tungdil, was sie vergessen hatten, und er schalt sich wegen seiner Gedankenlosigkeit. �Es fehlt uns Tionium!�, rief er entsetzt. �Habt ihr das?�</p><p>�Nicht hier�, antwortete Glandallin nach einigem Z�gern. �Wir geben uns mit dem Metall Tions nicht gern ab und verwenden es nur �u�erst selten.�</p><p>Narmora streifte ein Amulett von ihrem Hals und legte es auf den Tisch. �Es besteht aus reinem Tionium. Meine Mutter gab es mir, um mich vor den M�chten des Guten zu besch�tzen. Da ich mich f�r die andere Seite entschlossen habe, ben�tige ich es nicht mehr�, erkl�rte sie. �Ich hoffe, es reicht aus.�</p><p>Tungdil bedachte sie mit einem anerkennenden Blick; ihre Taten lie�en ihn alle Vorbehalte und Gef�hle der Ablehnung vergessen. �Nun wirst du schon zweifach wichtig f�r das Geborgene Land. Auch wenn wir die Waffe schmieden, geb�hrt dir der ganze Dank der V�lker. Unsere Kunst n�tzt nichts ohne dich.�</p><p>�Das Volk meiner Mutter tr�gt Schuld an vielem Leid, das im Geborgenen Land herrscht. Es ist nur rechtens, wenn ich davon ein wenig zur�ckzahle�, erwiderte sie, das Lob ablehnend.</p><p>Er blickte zu der Esse, die leicht glomm. �K�nnen wir beginnen?�</p><p>�Nein, so einfach ist es nicht�, widersprach Giselbart. �Sie gl�ht noch, aber die Hitze wird nicht ausreichen. Die Apparaturen, die den gro�en Blasebalg bewegen, um der Esse Drachenbrodem Leben einzuhauchen, sind eingerostet und nicht mehr zu bewegen.�</p><p>�Welch ein Gl�ck!� Furgas erhob sich. �Ich dachte schon, ich bin nichts anderes als der Gef�hrte jener Frau, die das Geborgene Land rettet�, lachte er, und die anderen stimmten ein. �Endlich kann ich meine Fertigkeiten als Magister technicus unter Beweis stellen.�</p><p>Narmora k�sste ihn, nahm eine Axt und �bte mit Ingrimmsch die unterschiedlichsten Man�ver. And�kai sa� auf ihrem Lager, Djer&#x16F;n hockte unbeweglich wie immer neben ihr. Tungdil wartete aus irgendeinem Grund darauf, dass es hinter dem Stahlgesicht zu leuchten begann.</p><p>�Du fragst dich, was sich hinter der Maske verbirgt?�, meinte Narmora, als sie eine Pause einlegte. Sie nahm sich von dem Wasser und trank es durstig.</p><p>Er wandte sich ihr zu. �Du klingst, als ob du es w�sstest.�</p><p>Narmora lehnte sich an den Felsen und atmete tief; die �bungsstunden strengten sie an, denn Ingrimmsch verlangte ihr alles ab. �Meine Mutter erz�hlte mir von einem Wesen, dem K�nig unter den Bestien und allen Gesch�pfen Tions und Samusins. Es ist der J�ger aller, das Raubtier der eigenen Art, es vernichtet die Schwachen und ringt mit den Starken, um sie noch st�rker zu machen oder sie zu t�ten, wenn sie es nicht verdienen zu herrschen.� Sie tupfte sich die Schwei�perlen von der Stirn. �Seine Augen sollen blauviolett leuchten, und sein Anblick reicht aus, um die Schw�chsten davonlaufen zu lassen. Sie f�rchten ihn alle, den Sohn Samusins.� Narmora grinste. �Ich hatte unwahrscheinliche Angst, wenn sie diese Geschichte erz�hlte, wie du dir vorstellen kannst.� Sie vermied es, in die Richtung des Gepanzerten zu schauen. �Was viel schlimmer ist: Nun wei� ich, dass es ihn gibt.�</p><p>Es ergab einen Sinn. And�kai, als Anh�ngerin des Gottes Samusin, w�rde es als Ehre empfinden, mit einer Kreatur durch die Gegend zu ziehen, die der Sage nach der Sohn ihres Gottes war. Ob die Maga und Djer&#x16F;n tats�chlich mehr verband als das Verh�ltnis Herrin und Untergebener, wollte Tungdil nicht wissen. �Dann ist es kein Wunder, dass die Bogglins vor ihm gefl�chtet sind.�</p><p>�Jeder w�rde vor ihm fl�chten, Bestie oder nicht.� Narmora stand auf, um weiter zu �ben.</p><p>Er beobachtete, wie Balyndis eine Esse mit gew�hnlichem Feuer in Gang setzte, das Kettenhemd und das Lederwams auszog und sich eine Ledersch�rze vor Bauch und Brust band; die Unterw�sche verdeckte wenig von ihrer Haut. Er schlenderte zu ihr, die Neugier trieb ihn. �Was machst du?�</p><p>�Stahl.� Sie bat ihn, die B�ndel hinter ihrem R�cken zu verknoten. Er trat hinter sie und erhaschte zum ersten Mal einen Blick auf die nackte Haut einer Zwergin. Sie war rosig und von einem d�nnen, hellen Flaum �berzogen. Da sie wie alle unterwegs kaum Gelegenheit gehabt hatte, sich zu waschen, ging ein intensiver, aber keineswegs schlechter Duft von ihr aus, weniger sauber, aber sehr anregend. �Da wir nicht an die Hoch�fen kommen, um aus dem Roheisen Stahl zu machen, behelfe ich mich mit einem einfachen Kniff.�</p><p>Seine H�nde hatten den Knoten schon lange fertig gebunden, doch nun legten sich seine Finger wie von selbst an ihre kr�ftige H�fte. Die Haut f�hlte sich glatt und warm an, er ertastete die feinen H�rchen.</p><p>�Komm nach vorn, damit du siehst, was ich mache.� Er folgte ihrem Wunsch. �Um die Verunreinigungen auszutreiben, gebe ich das Metall in eine flache Pfanne und erhitze es. Der gr��te Teil der Verunreinigungen verbrennt dabei. Der Nachteil ist, dass wir so nur geringe Mengen Stahl herstellen k�nnen. F�r einen Axtkopf sollte es genug sein.� Geduldig stand sie da und beobachtete, wie die Temperatur h�her wurde und das Metall schmolz. �Hast du so etwas nicht gemacht?�</p><p>�Nein�, sagte er bedauernd. �Ich war nur Schmied.�</p><p>�Wie viele Schl�ge brauchst du f�r einen Hufnagel?�</p><p>�Wenn ich mich anstrenge, sieben, wenn ich gedankenlos bin, neun.�</p><p>�Das ist sehr gut, Tungdil�, l�chelte sie ihn an, und er schmolz wie das Eisen. �Du bist darin so gut wie ich.�</p><p>�Und wie lange brauchst du f�r eine Axt?�</p><p>�Wenn ich mich anstrenge, sieben, wenn ich gedankenlos bin, neun�, antwortete sie. �Uml�ufe nat�rlich, nicht Schl�ge. Aber da wir wenig Zeit haben und ich keine Pause machen werden, m�sste es in f�nf Uml�ufen zu schaffen sein, ohne dass die G�te darunter leidet.� Sie deutete zum Portal. �Giselbart m�chte etwas von dir. Er steht da und winkt.�</p><p>Tungdil hob die Hand zum Zeichen, dass er sich auf den Weg machte. �Findest du es nicht auch seltsam, Zwergen zu begegnen, die �lter als alles sind, was wir kennen, von den Gebirgen einmal abgesehen?�</p><p>�Ich finde es seltsam, dass sie ihre Seelen an das Tote Land verloren haben�, entgegnete sie. �Seltsam und traurig. Ich w�nschte, wir k�nnten ihnen helfen, ihre Seelen zur�ckzubekommen.�</p><p>�Das vermag Vraccas, wir nicht. Und ich bedauere es sehr.� Er lief zu Giselbart, der mit sorgenvoller Miene auf ihn wartete.</p><p>�Die Bestien bereiten sich auf einen Angriff vor.�</p><p>Tungdil betrachtete die massiven T�ren aus Eisen und B�ndern, die von den Runen ihres Gottes zus�tzlich gesch�tzt wurden. �Sagtest du nicht, die Esse sei sicher?�</p><p>�Sie war es, weil sie wohl keinen Grund hatten, sie unbedingt einnehmen zu wollen. Aber da ihr hier seid und die Waffe schmiedet, die N�d�onns und ihren Fall bedeutet, haben sie ihre Ansichten ge�ndert.� Er zeigte ihm ein verborgenes Guckloch, und Tungdil sp�hte hinaus.</p><p>Aus dem ungeordneten Haufen war innerhalb eines Sonnenumlaufs ein organisiertes Heer geworden, das von Albae geleitet wurde.</p><p>Die Oger schafften umgerissene S�ulen und Stalaktiten herbei, um sie als Rammb�cke zu benutzen. Hinter ihnen rotteten sich verschiedene Abteilungen zusammen, die an Apparaten herumschraubten, aus denen Seilz�ge werden k�nnten.</p><p>�Das sieht nicht gut aus. Ich berichte es meinen Freunden�, entschied er. �Welche Verteidigungseinrichtungen haben wir?�</p><p>Wortlos hob Giselbart seine Axt.</p><p>�Mehr nicht?�</p><p>Er hob eine zweite Axt und grinste b�se. �Ich verstehe, dass dir das nicht ausreicht. Wir ��</p><p>Pl�tzlich h�rten sie ged�mpfte Schreie und das Scheppern von R�stungen; die Oger br�llten auf, die Orks quiekten alarmiert, und die Bogglins kreischten in heller Aufregung.</p><p><emphasis>Was geht da drau�en vor?</emphasis> Schnell presste Tungdil sein Auge ans Guckloch und sah, wie die Feuer des Lagers erstarben und zwergengro�e Krieger mit aschwei�en Gesichtern zwischen den Ungeheuern umhersprangen und etliche niederstreckten; sie zielten dabei auf die K�pfe, um keine Untoten zu schaffen.</p><p>Der �berfall w�hrte nicht lange. Sobald die Flammen von neuem entfacht waren, fand sich von den Angreifern keine Spur mehr.</p><p><emphasis>Die Geister der gestorbenen Zwerge!</emphasis> Er erinnerte sich ganz genau an die bleichen Erscheinungen, die ihnen die r�tselhafte Warnung gesendet hatten. Dieses Mal fielen sie �ber diejenigen her, die ihre Ermahnung missachteten und sich weiterhin in ihrem Reich aufhielten. �Wei�t du etwas �ber die Geister der Ahnen?�</p><p>�Geister? Nein. Aber solange sie auf unserer Seite k�mpfen, habe ich nichts gegen sie�, meinte er und ging los, um den anderen von dem bevorstehenden Angriff der Truppen N�d�onns zu berichten. Diejenigen, die nichts mit dem Schmieden und den Vorbereitungen zu tun hatten, begannen damit, Steine aus den W�nden zu brechen und sie vor dem Portal aufzustapeln.</p><p>Zuerst ging es darum, die Orks drau�en zu halten. Dar�ber, wie sie mit der Feuerklinge hinausgelangen w�rden, w�rden sie sich sp�ter Gedanken machen.</p><empty-line/><p>Furgas schaffte es, die in ihn gesetzten Erwartungen noch zu �bertreffen. Er hatte nur einen Sonnenumlauf gebraucht, um hinter die Funktionsweise der Ausgleichgewichte des Blasebalgs zu kommen, und verglich das System gern mit dem des B�hnenvorhangs.</p><p>Die schadhaften Stellen hatte er bald entdeckt; beim Ausbessern improvisierte er so sicher, wie er es sonst unter den Brettern des Podiums tat, falls eine Vorrichtung w�hrend der Theaterauff�hrung versagte. Auch die Schleifsteine drehten sich wieder.</p><p>W�hrenddessen schichteten die anderen Stein um Stein auf, denn die Ungeheuer unternahmen bereits den ersten Eroberungsversuch, wobei sich die Stalaktiten als zu fragil erwiesen und an dem Portal barsten.</p><p>Am zweiten Umlauf besch�ftigte sich Gandogar unter den widrigsten Umst�nden mit dem Schleifen der Diamanten; die Werkzeuge Go�mgars halfen ihm dabei immerhin ein wenig. Bavragor hockte an einem Tisch und formte mit seinen Arbeitsger�ten die Widerhaken aus dem Stein; seine H�nde bewegten sich mechanisch und ruckartig wie die einer Puppe.</p><p>Giselbart bereitete die Schmelzformen f�r die Edelmetalle vor, w�hrend Balyndis sich anschickte, die Axt samt der unterarmlangen Halterung zu formen.</p><p>Dazu hatte sie sich in den mittleren Teil begeben, wo die Esse Drachenbrodem stand. Mit jedem Seufzer des mechanisch betriebenen Blasebalgs fauchten die Kohlen, und gelegentlich zuckten wei�e Fl�mmchen auf.</p><p>Die Zwergin nutzte drei unterschiedlich geformte Ambosse gleichzeitig; zielsicher w�hlte sie aus der Reihe von Wolfsmaulzangen, Biberzangen, Winkelzangen und etwa siebzig weiteren die passende aus, um die in der Glut erhitzten Stahlst�cke herauszuziehen, sie grob in Form zu schlagen und wieder in ihr hei�es Bett zu schieben, wenn die Temperatur nicht mehr passte.</p><p>Eine solche Schmiede hatte Tungdil noch nie gesehen. Hatte er sich bei Lot-Ionan mit vier unterschiedlichen H�mmern zufrieden gegeben, so hingen hier f�nfzig mit den unterschiedlichsten K�pfen. Dazu kamen Mei�el, Feilen, Eisens�gen und weitere Werkzeuge, mit denen die Zwergin als Meisterin sicher hantierte.</p><p>�Komm, hilf mir�, verlangte sie unerwartet und dr�ckte ihm eine Zange in die Hand. �Schlage das Stahlst�ck flach, ungef�hr so dick wie eine Messerklinge. Danach trennst du es mit dem Keil und schmiedest die St�cke �bereinander zusammen.�</p><p>Tungdil tat, wie ihm gehei�en, ergriff eine der langen Zangen und n�herte sich den wei� leuchtenden Kohlenst�cken, die eine nie gekannte Hitze ausstrahlten.</p><p>Als er das St�ck aus der Esse nahm, gl�hte es wei�. Mit raschen Schl�gen walzte er es aus, und legte es wieder zur�ck in die Esse.</p><p>Sobald es gl�hte, holte er es heraus, trennte es in der Mitte, legte die St�cke �bereinander und schmiedete sie mit kr�ftigen Schl�gen zu einem St�ck zusammen.</p><p>Sein Herz jubelte, als er nach so langer Zeit wieder den Schmiedehammer f�hrte und das geliebte Klingen h�rte. Das war die Magie der Zwerge, durch ihre Fertigkeit entfalteten sich geheimnisvolle Kr�fte im Metall, die ein Magus niemals verstehen w�rde.</p><p>Er blickte zufrieden zu ihr hin�ber; ihre Schl�ge erklangen gleichzeitig, ohne dass sie sich abgesprochen hatten.</p><p>Dann legte er sein Werkst�ck zur�ck. �Ich gehe zu den anderen und helfe Steine schleppen, ehe sie murren, ich w�rde deine Arbeit zunichte machen�, erkl�rte er. �Wie viele Lagen wird die Axt haben, wenn sie fertig ist?�</p><p>Sie h�mmerte weiter. �Um die dreihundert. Der Stahl ist sehr gut, er wird es mitmachen. Danke f�r deine Hilfe.�</p><p>Tungdil winkte ihr zu und schloss sich den Steineschleppern an. Die F�nften brauchten so gut wie keine Rast, ihre untoten K�rper verlangten nicht danach, aber Bo�ndil und Tungdil teilten sich ihre Kr�fte genau ein; ihr Proviant ging allm�hlich zur Neige, und Nachschub gab es keinen.</p><p>�Ich habe die ganze Zeit dar�ber nachgedacht, welche Weitsicht Vraccas besa�, als er die Wege von so vielen verschiedenen Leuten sich kreuzen lie߫, sagte Ingrimmsch irgendwann.</p><p>�Wie meinst du das?� Der Zwerg verbl�ffte Tungdil mit �berlegungen, die er ihm nicht zugetraut h�tte.</p><p>Er wandte ihm sein mittlerweile tief gebr�untes, b�rtiges Zwergengesicht zu. �Jeder von uns hat seine Aufgabe zu leisten, um die Feuerklinge zu schmieden. Ohne dich h�tten wir niemals den Vorsatz gefasst, ohne die Zwerge h�tten wir sie niemals schaffen k�nnen, ohne den Schauspieler w�ren wir nicht lebend durch die Schweineschnauzen gelangt. Furgas repariert die Vorrichtungen, und das Spitzohr wird die Waffe letztlich gegen das B�se f�hren.� Er setzte sich auf einen Stein. �Wir sind die beste Truppe f�r diese Expedition ��</p><p>�Was ist mit Go�mgar?�</p><p>�Mh � Na, ohne ihn h�tte Gandogar sein Leben verloren.�</p><p>�Du hast dich und deinen Bruder vergessen. Ihr habt uns mit euren Beilen Wege durch die Reihen der Feinde gebahnt, wo andere aufgegeben h�tten�, sagte er bestimmt. �Ohne euch w�ren wir nicht bis zur Esse gelangt.� Er klopfte ihm auf den R�cken.</p><p>Ingrimmsch grinste. �Wer h�tte gedacht, dass wir aus dem Gelehrten einen echten Zwerg machen? Na, es m�ssen die guten Veranlagungen sein. Wir haben sie nach der Zeit bei den Langen aus ihrem Schlummer geholt und ordentlich aufpoliert.� Er schlug spielerisch nach ihm. �Du kannst inzwischen sogar richtig gut k�mpfen.�</p><p>�Meine Veranlagungen�, wiederholte er behutsam. Im Stillen dachte er daran, dass er nach wie vor nicht wusste, welchem Stamm er angeh�rte.</p><p>Bo�ndil hatte ausnahmsweise ein Gesp�r f�r seine Sorgen. �Keine Sorge. Wenn die Vierten dich nicht wollen, nehmen wir dich gern in unsere Reihen auf�, versprach er ihm augenzwinkernd. �Ich w�re immer bereit zu behaupten, dass du der nichteheliche Vetter meiner unbekannten Tante vierunddrei�igsten Grades w�rst.� Sie lachten.</p><p>Giselbart kam von dem Guckloch zur�ck, durch das er in regelm��igen Abst�nden nach drau�en blickte, um die Lage zu �berpr�fen, und seine Miene verhie� nichts Gutes. �Sie haben sich neue Rammb�cke gebaut. Dieses Mal k�nnten sie Erfolg haben, f�rchte ich.�</p><p>�Gibt es einen anderen Weg hinaus?�, erkundigte sich Tungdil. �Der Trick mit dem falschen Magus wird nicht noch einmal funktionieren.� Sein Blick fiel auf den Abzug der Esse. �Was ist damit?�</p><p>�Ho, der Gelehrte hat einfach die besten Gedanken�, lobte ihn Ingrimmsch.</p><p>�Es k�nnte gelingen, aber es wird ein schwieriger Aufstieg.�</p><p>�Den wir meistern�, sagte Tungdil sofort. �Nichts wird uns mehr daran hindern, das Geborgene Land zu befreien, schon gar nicht jetzt, wo wir die Feuerklinge so gut wie fertig geschmiedet haben.�</p><p>Es krachte, als wollte der Berg �ber ihnen einst�rzen.</p><p>Das Portal erbebte, Gesteinsbrocken rieselten herab, und das Metall der Torfl�gel gab einen leidenden Laut von sich. Der Angriff hatte begonnen.</p></section><section><title><p>VIII</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das F�nfte Zwergenreich, Giselbart, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Drei Sonnenuml�ufe lang dr�hnte unabl�ssig der Schlag gegen das Portal durch die Schmiede, und die Anstrengungen der Bestien zeigten Erfolge. Das harte Eisen des Tores hatte sich verbogen, und an manchen Stellen war es kurz davor zu bersten und der enormen Gewalt nachzugeben.</p><p>Tungdil schuftete inzwischen auch an der Esse und schmiedete Eisenstangen, um sie auf der R�ckseite der T�rfl�gel zu befestigen und diese damit zu stabilisieren, was auf Dauer jedoch nicht gegen die Bem�hungen der Angreifer ausreichen w�rde.</p><p>Balyndis kam indessen gut voran und stand vor dem Abschluss der Grobarbeiten. Giselbart trieb die Linien f�r die Intarsien und die Runen in den warmen Stahl. Gandogar hatte seine Edelsteine an der notd�rftig eingerichteten Schleifbank in Form gebracht und sie spitz zulaufen lassen, damit sie sich bei einem Schlag durch die Haut des Magus bohrten. Die Widerhaken, die Bavragor aus schwarzem Granit formte, waren so lang wie der Zeigefinger einer M�nnerhand geworden und standen bereit, eingesetzt zu werden.</p><p>Das St�ck Sigurdazienholz wurde von Tungdil nach Narmoras Anweisungen in Form gebracht. Mit Eisens�ge, Feile und Schleifstein passten sie das Holz, das sich beinahe so hart wie Metall verhielt, ihren Fingern an. Das Glattschleifen �berlie� er ihr und k�mmerte sich sogleich wieder um die Verstrebungen am Tor. Nach vier Sonnenuml�ufen waren die Widerhaken eingesetzt, und die Diamanten wurden entlang der Schneide in den erhitzten Stahl eingebracht.</p><p>Balyndis arbeitete hoch konzentriert, jeder Schlag musste sitzen, das Material kannte keine Nachsicht mit ihr. T�te sie nur einen falschen Handgriff an entscheidender Stelle, w�re die Feuerklinge verloren, und sie m�ssten von vorn beginnen. Diese Zeit aber besa�en sie nicht. Das stete, glockentonartige Rumpeln machte es den Handwerkern nicht leicht, ihre Gedanken beisammenzuhalten.</p><p>Giselbart bereitete sich darauf vor, die Edelmetalle zu einer einzigen Legierung zu schmelzen, was in einer normalen Glut nicht gelingen w�rde. Der Vorgang faszinierte die Zwerge, sie standen staunend um die Schmelzgef��e, in denen dunkelgelbes Gold, schimmerndes Silber, rotgelbes Vraccassium, wei�liches Palandium und das m�nzgro�e St�ck schwarzes Tionium brodelten.</p><p>Nacheinander nahm er die Beh�ltnisse und sch�ttete die Fl�ssigkeiten behutsam in die glockenf�rmige Gussbirne, ein Gef��, das im Inneren mit gepresstem Sand ausgekleidet war. Als er das schwarze Metall einf�llte, zischte es unheilvoll; seine Bosheit, die es von seinem Sch�pfer Tion erhalten hatte, verband sich schwer mit der Reinheit des Palandiums.</p><p>Da krachte es wieder, Eisentr�ger gaben aufkreischend nach, und der Rammbock schob einen Fl�gel einen halben Schritt weit auf. Sofort quetschte sich ein Bogglin hindurch und schaute sich mit gro�en Augen um. Er fiepte aufgeregt.</p><p>�Ho, du kleines h�ssliches Ferkel!�, begr��te Ingrimmsch ihn gl�cklich und rannte los. Endlich erhielt er wieder die Gelegenheit, seiner Wut freien Lauf zu lassen. �Zum Lohn f�r deinen Mut erh�ltst du eines meiner Beile!�</p><p>�Ihm nach�, befahl Tungdil rasch. �Narmora, du bleibst zur�ck.� Balyndis und Giselbart, And�kai und Djer&#x16F;n begaben sich zum Portal, um Bo�ndil, wenn auch gegen seinen Willen, gegen die ersten Widersacher beizustehen.</p><p>Die S�ulen krachten weiter und heftiger gegen das Tor. Schon sahen die Bestien die Stunde des Sieges n�her r�cken und verdreifachten ihre Anstrengungen. Dann war der Spalt breit genug, dass ein Ork hindurchpasste. Pfeile flogen zu ihnen herein, f�gten ihnen aber gl�cklicherweise nicht mehr als Kratzer zu.</p><p>Tungdil erkannte, dass sie die Bresche halten w�rden, wenn der Durchgang nicht breiter werden w�rde. <emphasis>Ich treibe euch mit Drachenfeuer zur�ck.</emphasis> Er rannte zur Esse Drachenbrodem, warf noch mehr Kohlen darauf und fachte die Glut mit dem Blasebalg unaufh�rlich an, bis sie grellwei� gl�hte.</p><p>Schnell gab er ein paar Schaufeln der feinsten St�cke in eine fahrbare Esse und rollte damit zum Eingang. Entschlossen nahm er eine ordentliche Schippe voll davon und schleuderte sie mit Schwung �ber die K�pfe und Schilde der ersten gegnerischen Reihe.</p><p>Der feurige Regen prasselte auf die Bestien nieder und fiel auch durch die Ringe der Kettenhemden; er rieselte in den Nacken hinab und traf die Gesichter der Ungeheuer. Lautes Schmerzengeheul setzte ein, das sich nach der zweiten Ladung verst�rkte. Es stank nach schmorendem Leder, verbrannten Haaren und kokelnder Haut. Kaum hoben die Orks die Schilde, um sich dagegen zu sch�tzen, schlugen ihnen die Zwerge die �xte und H�mmer in den Unterleib.</p><p>Furgas eilte mit Nachschub heran, bis sich die Orks zur�ckzogen und darauf beschr�nkten, wieder Pfeile abzuschie�en.</p><p>�Es wird nicht lange dauern, und sie bauen einen Schildwall�, sch�tzte And�kai. �Wir m�ssen weg. Fr�her oder sp�ter gelangen sie in die Schmiede.�</p><p>Gemeinsam versuchten sie den Eingang zu verschlie�en, doch die Bestien waren schlau genug, Keile einzuschlagen, die dies verhinderten.</p><p><emphasis>And�kai hat Recht. Wir sollten besser gleich von hier verschwinden.</emphasis> Tungdil kehrte zur Esse zur�ck. �Wie lange braucht es, bis die Legierung fertig ist?�, wollte er von Giselbart wissen.</p><p>�Sie muss einen halben Umlauf kochen, damit sich das Tionium mit dem Palandium verbindet, nur dann werden die anderen Metalle in das Gemenge aufgenommen�, erkl�rte er. �Danach kann ich die Rillen ausgie�en, doch es wird lange dauern, bis es abgek�hlt ist. H�lt das Tor?�</p><p>�Es muss�, knurrte Tungdil entschlossen. �Und es wird.�</p><p>N�d�onns Diener aber gaben keine Ruhe mehr. Sie st�rmten unentwegt, und es kam, wie die Maga es vorausgesagt hatte. Sie formten einen Schildwall �ber ihren K�pfen gegen die gl�hende Kohle, w�hrend sie erneut angriffen.</p><p>Zwei Zwergen aus dem Stamm der F�nften schlugen sie die H�upter ab und t�teten sie damit endg�ltig. Die Zahl der Verteidiger sank gef�hrlich, und ein neuer Rammbock nahm seine Arbeit auf. Das B�se selbst, der Schrecken aus dem Norden, peitschte sie an.</p><empty-line/><p>�Es ist so weit.� Nach langem, zerm�rbendem Warten begann Giselbart die vorgepr�gten Linien und zwergischen Symbole mit dem Gemenge aus den Metallen des Berges zu f�llen. Die Fl�ssigkeit war von einer Farbe, die Tungdil nicht bestimmen konnte; es war ein Zwischenton aus Orange und Gelb mit einem seltsamen Funkeln und schwarzen Punkten darin. Wie Wasser rann sie in die vorgesehenen Stellen, als w�sste sie von selbst, wohin sie geh�rte. Die Menge ging genau auf, nichts war zu wenig oder zu viel.</p><p>�Geschafft�, atmete der Stammvater auf. �Nun wird es einen halben Umlauf dauern, bis es ausgek�hlt ist. Danach k�nnen wir den Kopf auf den Griff setzen und verkeilen. Es ��</p><p>Der Rammbock durchbrach das geschundene Eisen am Tor. Hastig zogen die Angreifer das S�ulenende wieder heraus und stie�en kurz darauf ein St�ck oberhalb des Lochs erneut zu, um die fassgro�e L�cke zu erweitern. Sie bauten sich einen zweiten Eingang.</p><p>Tungdil atmete tief ein. Seine Arme taten weh, er hatte Hunger wie noch nie zuvor in seinem Leben, und am liebsten h�tte er einen ganzen Umlauf lang geschlafen. Dennoch hob er die Axt. �Halten wir sie auf, bis das Metall sich abgek�hlt hat.�</p><p>Er ignorierte seine Schmerzen im R�cken und in den Schultern, da er als ihr Anf�hrer ein gutes Beispiel geben wollte. Gandogar unterwarf sich vorbildlich seinen Anweisungen und f�gte sich als Teil der Gruppe ein, ohne die F�hrung f�r sich zu beanspruchen. Das rechnete Tungdil ihm hoch an.</p><p>�Oink, oink!�, br�llte Ingrimmsch, dessen Begeisterung am Kampf niemals zu enden schien, und hackte auf die eindringenden Orks ein, dass die Splitter ihrer R�stungen und die Fetzen ihres Fleisches nur so flogen.</p><p>Doch auch sein Einsatz vermochte immer weniger auszurichten. Je l�nger der Kampf dauerte, umso mehr gewannen die Angreifer die Oberhand. Nur Djer&#x16F;n und den kaum zu �berwindenden F�nften war es zu verdanken, dass sie das inzwischen zu einem Drittel ge�ffnete Tor �berhaupt noch gegen die Horden hielten. Die Zeit arbeitete gegen sie.</p><p>Giselbart erschien an Tungdils Seite. �Ihr k�nnt gehen, die Intarsien der Feuerklinge sind erkaltet genug.� Er hob seine Axt. �Wir halten sie so lange auf, bis ihr weit genug in den Abzug gestiegen seid, danach schlie�en wir die Abzugsklappen und zerst�ren den Mechanismus. Das sollte ausreichen, um euch einen entsprechenden Vorsprung zu verschaffen. Bis sie die Klappen von Hand ge�ffnet haben, werden Sonnenuml�ufe vergehen.�</p><p>Er nickte und befahl seinen Freunden den R�ckzug.</p><p>Der fertig gestellte Axtkopf lag auf dem gro�en Amboss und leuchtete im Schein von Drachenbrodem geheimnisvoll. Die Diamanten funkelten, die Einlegearbeiten und Runen schimmerten warm und pulsierten beseelt vom Feuer der Esse.</p><p>�Seht, was wir mit dem Segen von Vraccas m�glich gemacht haben.� Voller Respekt betrachtete Tungdil das gemeinsame Werk.</p><p>�Und nun vollenden wir es�, sagte er feierlich zu Balyndis, die den Griff nahm und ihn in die unterarmlange geschlossene Halterung schob. Ihr Gesicht wurde bleich.</p><p>�Vraccas stehe uns bei, es ist zu klein�, sagte sie mit belegter Stimme. �Wir haben zu viel abgeschnitten, das Holz wackelt, es passt nicht! Beim ersten Schlag fliegt der Kopf davon. Ich verstehe das nicht, wir haben es genau ��</p><p>Nacheinander leuchteten die Runen auf. Stiel und Stahl erstrahlten, dann verdickte sich das Holz von selbst, es knackte und knirschte und presste sich in den Hohlraum, bis es mit dem Eisenkopf eine Einheit bildete.</p><p>Tungdil nahm dies als Zeichen, dass sie ihre Aufgabe zur Zufriedenheit ihres Gottes bew�ltigt hatten. Seine Finger glitten �ber das Metall, es war ein gutes Gef�hl. Nur widerstrebend reichte er die Feuerklinge an Narmora weiter; am liebsten h�tte er die Axt selbst gef�hrt.</p><p>Giselbart griff nach der Waffe. �Darf ich?�, fragte er mit bebender Stimme.</p><p>�Sicher. Ohne euch w�re sie nicht geschmiedet worden.�</p><p>Der Stammvater der F�nften hielt sie zun�chst nur ehrf�rchtig, ehe er einige Probeschw�nge damit vollf�hrte und sie feierlich der Halbalbin �bergab.</p><p>�Nun ergibt es einen Sinn � all die Zyklen des Ausharrens, des Kampfes, die Qualen des Untodes�, sprach er bewegt. �Vraccas sei Dank und Ehre.� Er reichte ihnen allen die Hand, Tungdils Finger hielt er etwas l�nger. �Besiedelt die Hallen neu, wenn ihr das B�se aus dem Geborgenen Land vertrieben habt. Lasst das F�nfte Zwergenreich nicht l�nger von Bestien beherrscht sein.� Seine Augen wurden durchdringend. �Versprich es mir, Tungdil Goldhand!�</p><p>Er konnte nicht anders, er nickte, gebannt von den erschreckend fanatischen Augen des Stammvaters der F�nften.</p><p>Giselbart nahm seinen diamantbesetzten Waffengurt ab und legte ihn dem Zwerg um. �Behalte ihn als Andenken an die F�nften und verbreite die Kunde, dass wir unser Reich bis zum letzten Mann verteidigt haben, �ber unseren Tod hinaus.�</p><p>Tungdil schluckte. �Dein Geschenk ist zu viel der Ehre.�</p><p>�Es geb�hrt dir, nach allem, was ich h�rte und sah, wie keinem anderen.� Sie umarmten sich wie Freunde, dann stand der Abschied bevor.</p><p>�Wir gehen�, wies Tungdil sie an. Er schaute zu den schmalen Treppen, die nach oben zum Eingang des Schlotes f�hrten und in der Dunkelheit verschwanden, und danach zum Tor, wo die letzten F�nften einen harten Kampf gegen die Orks fochten.</p><p>�Und was wird aus euch?�, wollte Bo�ndil von Giselbart wissen.</p><p>Der reckte sich und schaute zum Portal. �Wir bleiben und verteidigen eure Flucht, bis sie uns �berw�ltigen und endlich die K�pfe abschlagen, damit unser Dasein beendet ist�, verk�ndete er voller Stolz. �Geht! Die Stufen werden im oberen Teil des Kamins schmaler, Djer&#x16F;n wird aufpassen m�ssen, damit er nicht fehltritt und st�rzt.�</p><p>Narmora setzte sich an die Spitze, um mit ihrer Geschicklichkeit die Festigkeit der Stufen zu pr�fen, danach folgten die Menschen und Zwerge; der Krieger bildete den Schluss. Nur Bavragor stand neben der Esse, einen neuen Kriegshammer gepackt, und r�hrte sich nicht.</p><p>�Kommst du?�, bat ihn Tungdil behutsam.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Ich sagte, dass ich auszog, um niemals mehr zur�ckzukehren und ein ruhmreiches Ende zu finden. Es ist so weit. Ich bin dort angekommen, wo ich hinwollte.� Er blieb v�llig gelassen; die Unruhe, an der er seit seiner Verwandlung in einen Untoten litt, fiel von ihm ab. Sein rotbraunes Auge richtete sich auf Tungdil. �Ich danke dir, dass du mich mitgenommen hast und an dem Unterfangen teilhaben lie�est.�</p><p>�Ich gab dir mein Wort.�</p><p>�Du h�ttest es jederzeit zur�ckziehen k�nnen, niemand h�tte es dir �bel genommen, wenn du den singenden S�ufer abgelehnt h�ttest, doch du tatest es nicht.� Er kam n�her und blickte ihm ins Gesicht. �Ich habe mein Lebenswerk mit einer Arbeit abgeschlossen, die von keinem anderen �bertroffen werden kann. Jedenfalls hoffe ich, dass man keine zweite Feuerklinge mehr im Geborgenen Land ben�tigen wird.�</p><p>�Du l�sst dich nicht mehr umstimmen, Freund?�</p><p>Bavragor lachte, es war ein freundlicher Klang, in dem die alte Heiterkeit seiner Lieder wohnte. �Zwerg sein und sich umstimmen lassen, passt das zusammen? Meine Entscheidung fiel vor etlichen Uml�ufen.� Er nickte in Richtung des Tores. �Ich muss zu ihnen. Mein Tod vollzieht sich in der Gemeinsamkeit mit den Ahnen der F�nften, den Ehrw�rdigsten und �ltesten unseres Volkes. Was kann ich noch mehr verlangen?� Seine schwieligen Finger schlossen sich um Tungdils. �Du bist ein guter Zwerg, nur darauf kommt es an, nicht auf die Abstammung. Vergiss mich nicht. Und den kleinen Schimmerbart auch nicht.�</p><p>Sie umarmten sich, und Tungdil sch�mte sich seiner Tr�nen nicht. Er lie� einen weiteren Freund zur�ck, den er in diesem Leben nicht mehr sehen w�rde.</p><p>�Wie k�nnte ich? Nein, Bavragor Hammerfaust, ich werde dich nicht vergessen.� Er bedachte das Grab Go�mgars mit einem langen Blick. �Ich werde keinen von euch vergessen.�</p><p>Der Steinmetz l�chelte ihm zu und stapfte zum Tor, um den F�nften beizustehen. Nach zwei Schritten blieb er noch einmal stehen, sein Auge suchte Ingrimmsch. �Richte Bo�ndil aus, dass ich ihm seine Tat vergebe�, sagte er leise.</p><p>Tungdil sah ihn �berrascht an. �Er wird es mir nicht glauben, wenn ich es ihm einfach nur so sage. Er wird denken, ich h�tte es mir ausgedacht, um seinem Gewissen Erleichterung zu verschaffen.�</p><p>�Dann sage ihm, ich h�tte verstanden, dass er meine Schwester ebenso sehr liebte wie ich. Ich habe es gehasst, sie zu verlieren. Da ich den Umstand nicht hassen konnte, hasste ich den, der die Axt f�hrte. Trauer und Schmerz wurden durch Hass verdr�ngt, so war es leichter zu leben. Ich wusste immer, dass es ein Unfall war und dass er sie geliebt hat.� Er lachte leise. �Der Tod scheint weiser zu machen, Tungdil. Vraccas sei mit euch und vor allem mit dir.�</p><p>Mit einem Lied auf den Lippen st�rzte er sich gegen die �bermacht; sein Streithammer zerschmetterte das Knie eines Orks und kurz darauf dessen Sch�del, und sein Gesang riss dabei nicht ab.</p><p>Tungdil schluckte und folgte den Gef�hrten, die sich inzwischen schon weit nach oben gearbeitet hatte. Narmora schickte sich soeben an, den Schlot zu betreten.</p><p>Die Lieder Bavragors begleiteten sie lange bei ihrem Aufstieg in den dunklen Schacht hinauf, bis Giselbart die Vorrichtungen in Gang setzte und sich die schweren Stahlplatten vor den Abzug schoben. Danach ert�nte ein klirrendes Ger�usch, Ketten rasselten und wickelten sich ab, der Mechanismus war zerst�rt.</p><p>Als das Rasseln endete, h�rten sie Bavragor immer noch, viel ged�mpfter und leiser, doch er war noch da.</p><p>Sie schwiegen und lauschten kletternd seinen Ges�ngen, die vom Heldentum der Zwerge und der Glorie des Krieges gegen die Orks handelten. Er verh�hnte die �bermacht, er reizte und provozierte sie, lockte sie in den Tod.</p><p>Dann verstummte seine Stimme.</p><empty-line/><p>�Es ist alles frei. Wir und die Berge sind weit und breit die Einzigen�, rief Narmora hinab. Tungdil sah kurz ihre schlanke Silhouette, die sich als schwarzer Umriss vom Hellgrau des Himmels abhob, dann verschwand sie wieder.</p><p>Einer nach dem anderen schoben sie sich aus dem Schlot, der an seinem oberen Ende breit genug war, um ein kleines Haus darin verschwinden zu lassen.</p><p>Der Zwerg erklomm die letzten Stufen mit m�den, schweren Beinen. Bei dreitausend hatte er aufgeh�rt, die dunkelgrauen, vom Ru� verschmierten Stiegen zu z�hlen, die sich an den W�nden des Kamins in die H�he schraubten. Ihr Aufstieg war gelungen, niemand von ihnen war ausgerutscht oder in Gefahr geraten abzust�rzen; selbst Djer&#x16F;n hatte trotz seiner R�stung keine Schwierigkeiten gehabt.</p><p><emphasis>Wir sind entkommen.</emphasis> Tungdil verlie� den Schutz des Rauchabzugs und stand auf einer schneebedeckten Erhebung inmitten des Grauen Gebirges. Der eisige Wind spielte mit seinem Bart und lie� den Zwerg schaudern.</p><p>Die Aussicht auf die unz�hligen Schluchten und T�ler brachte ihn zum Staunen. Er betrachtete den m�chtigen Gipfel der Gro�en Klinge, er sah die Spitze der legend�ren Drachenzunge und die schroffen Abh�nge der Goldwand. Erhaben und majest�tisch wuchsen sie in die Wolken, windumtost, schneeverweht, ewig w�hrend. Gewaltsam riss er sich von dem Panorama los, das wohl nur die Wenigsten in dieser einzigartigen Weise zu Gesicht bekamen.</p><p>Tungdil schickte die Halbalbin als Sp�herin vor. Diese Entscheidung fiel ihm nicht leicht: Auf der einen Seite war sie zu bedeutend, um sie in Gefahr zu bringen, auf der anderen Seite verf�gte sie �ber die besten Voraussetzungen, sich auf unsicherem Gebiet eher gefahrlos zu bewegen. Ihr schien es weitaus weniger auszumachen als Furgas, der vor Sorge beinahe krank wurde. Und so stapften sie auf der Route, die Narmora ihnen vorgab, durch den Schnee.</p><p>Es ging �ber glitzernde Gletscherbr�cken hinweg, vorbei an Steilw�nden, die senkrecht in die H�he aufragten, und tiefen Abgr�nden. Mitunter mussten sie �ber abgegangene Ger�lllawinen steigen oder unter Steinbogen durchwandern, die aussahen, als ob sie sogleich einst�rzten.</p><p>Noch immer sprachen sie kein Wort, die M�digkeit und das Erlebte l�hmten ihre Zungen, und jeder konzentrierte sich einzig darauf, einen Fu� vor den anderen zu setzen und nicht zu straucheln.</p><p>In Gedanken war Tungdil bei Giselbart und Bavragor. Er sah sie gegen die Orks und Albae k�mpfen, und wenn er die Augen schloss und sich konzentrierte, h�rte er den Gesang des Steinmetzen noch immer. <emphasis>Der singende S�ufer,</emphasis> dachte er traurig.</p><p>Abends dr�ngten sie sich in eine H�hle, in der sie Schutz vor dem zunehmenden Wind suchten, und entz�ndeten eine Fackel, die Licht spendete. Ingrimmsch schien die K�lte nichts auszumachen. And�kai sch�ttelte die Schneeschicht von ihrem Mantel ab, zog ihn enger um sich und lehnte sich ermattet gegen den nackten Felsen. Fluchend schloss sie die blauen Augen.</p><p>�Ich muss so schnell wie m�glich wieder auf ein St�ck Land, in dem sich ein magisches Feld befindet�, sagte sie und brach damit das anhaltende Schweigen. �Meine Kr�fte sind aufgezehrt. Ich h�tte nicht gedacht, dass so etwas geschehen kann. Es ist kein sehr angenehmes Gef�hl.�</p><p>�Und vor allem brauchen wir Eure Magie sicherlich noch.� Tungdil nahm fr�stelnd den Plan zur Hand, auf dem die unterschiedlichen Eing�nge eingezeichnet waren. �Da N�d�onn um die Tunnel wei�, wird es schwierig. Er kann sich denken, dass wir sie benutzen wollen, um nach Hause zur�ckzukehren.� Sein aufmerksamer Blick wanderte �ber die Zeichnung und blieb an einem Einstiegspunkt h�ngen, der sich zweihundert Meilen von ihnen entfernt befand. <emphasis>Das ist es! Damit rechnet er nicht.</emphasis> �Wir gehen nach �landur.�</p><p>�Was? Zu den Spitzohren?!�, begehrte Bo�ndil auf, der sich gerade vorsichtig das Eis aus dem Bart rieb. �Warum?�</p><p>�Der Tunneleingang liegt in dem Teil des Elbenreiches, der vermutlich noch nicht gefallen ist�, erkl�rte er seine Entscheidung. �Und wir werden sie bitten, mit uns gegen N�d�onn zu ziehen, wie Gro�k�nig Gundrabur es wollte. Oder hast du einen besseren Vorschlag, Bo�ndil?�</p><p>�Nein�, gab Ingrimmsch z�gernd zu. �Ich � muss mich nur erst an den Gedanken gew�hnen. Es sind unsere Feinde � an und f�r sich.�</p><p>�Mir ergeht es nicht anders.� Balyndis nickte zustimmend und reckte die H�nde gegen die Flamme der Fackel.</p><p>�Es ist erstaunlich, wie einfach es einem f�llt, etwas nicht zu m�gen�, merkte Rodario philosophisch an und dr�ckte auf seinem Bauch herum, aus dem laute Knurrger�usche drangen. Er hatte gro�en Hunger, und niemand in der H�hle erging es anders. In seiner Not brach er sich einen Eiszapfen ab und lutschte daran.</p><p>�Die G�tter haben uns zu verschieden gemacht. Sitalia, die Sch�pferin der Elben, lie� die Spitzohren das Oberirdische und das Gr�n lieben, Vraccas gab uns die H�hlenwelten der Berge.� Die Schmiedin zog die Beine an. �Sie schauen auf uns herab, sie verachten uns, weil wir nicht so sch�n sind wie sie.�</p><p>�Und daf�r verachtet ihr sie?�, sch�tzte der Schauspieler. �Also muss nur einer mit dem Verachten aufh�ren, und schon hat der andere keinen Grund mehr. So einfach ist das, Feindschaft beendet.� Er grinste und hielt sich die verletzte Stelle. �Verfluchter Ork! Habt ihr noch Feinde, wo meine Beratung euch helfen k�nnte?�</p><p>�Die Dritten�, sagte Ingrimmsch langsam. �Der Stamm Lorimbur, wie du von Giselbart geh�rt hast. Aber mit ihnen werde ich niemals Frieden schlie�en.� Seine Faust ballte sich. �Jetzt erst recht nicht, wo ich die Wahrheit �ber den Untergang der F�nften erfahren habe.�</p><p>Rodario setzte sich aufrecht gegen die Wand. �Und was hat es mit dieser Feindschaft auf sich? Wir Menschen wissen leider viel zu wenig �ber die Zwerge, wie ich merke.� Er nahm sein Schreibzeug zur Hand. �Aber bitte nur die kurze Fassung, meine Tinte ist bald leer.�</p><p>Balyndis grinste. �Wir hassen sie.�</p><p>Seine Feder verharrte. �Das war zu kurz, begnadete Schmiedin aus dem Stamm der Ersten�, l�chelte er hinrei�end.</p><p>�Das dachte ich mir fast.� Und sie hob an, die ganze Geschichte zu erz�hlen.</p><cite><p>�Vraccas schuf die Stammv�ter der F�nf St�mme, und ein jeder von ihnen erhielt von ihm einen Namen. Aber der Begr�nder des Dritten Stammes wollte seinen Namen nicht und w�hlte sich einen eigenen. Fortan nannte er sich Lorimbur.</p><p>Vraccas erteilte jedem der vier St�mme eine besondere Gabe, die Z�nfte der Steinmetzen, Edelsteinschleifer, Eisenschmiede und Goldschmiede entstanden. Aber zu Lorimbur sagte er: �Du hast dir deinen Namen selbst gesucht, also lerne selbst, etwas zu tun. Von mir wirst du keine Gabe mehr erhalten�</p><p>Lorimbur gab sich M�he, etwas zu erlernen, ging bei seinen vier Br�dern in die Lehre, doch nichts wollte ihm gelingen. Das Eisen zersprang, das Gold verbrannte, die Edelsteine splitterten, und der Stein zerbarst unter seinen Fingern.</p><p>Und so wurde er eifers�chtig auf seine Br�der. In seinem heimt�ckischen Herzen erwuchs der Hass gegen alle Zwerge.</p><p>Im Verborgenen widmete er sich allein der Kampfeskunst. Nicht nur, um Feinde des Geborgenen Landes zu erschlagen, sondern auch um darin der Beste von allen zu werden und sie auszurotten, damit es keinen mehr seiner Art gab, der besser war als er.�</p></cite><p>Rodario schrieb alles mit. �Das ist gro�es Theater�, murmelte er vor sich hin. �Das ist Stoff f�r die n�chsten einhundert Zyklen.�</p><p>Balyndis r�usperte sich. �Nun wei�t du, warum wir die Dritten f�rchten. Ihnen ist nicht zu trauen.�</p><p>And�kai versuchte, eine bequemere Haltung am Felsen einzunehmen. �Die Dritten sind mir im Augenblick gleichg�ltig. Die Elben sind es, die sich zun�chst von uns �berzeugen lassen m�ssen�, sagte sie. �Ihr F�rst Li�tasil ist bekannt daf�r, dass er keine neuen Freundschaften schlie�t. Dass ausgerechnet Zwerge ihn um Beistand bitten, wird es nicht einfacher machen.� Sie verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf.</p><p>Tungdil l�chelte, die Schatten betrachtend, die sie im Schein der Fackel warfen. �Ich habe durch unsere Reise gelernt, dass vieles m�glich ist, an das ich zuerst nicht geglaubt habe. Das gibt mir Zuversicht, bei den Elben erfolgreich zu sein.�</p><p>Balyndis lie� sich von Narmora die Feuerklinge geben. Vorsichtig entfernte sie mit der Feile �berstehende Reste der Einlegearbeiten, danach begann sie das Metall zu polieren. Fasziniert schaute Tungdil ihr dabei zu, bis sie ihre T�tigkeit unterbrach.</p><p>�Meine Finger�, sagte sie entschuldigend. �Es ist zu kalt, um genau zu arbeiten.�</p><p>Er �ugte zu Furgas und Narmora, die sich unter die Decke verkrochen hatten. �Du kannst gern n�her zu mir kommen, wenn dir kalt ist�, bot er ihr an. Sein Mund wurde pl�tzlich trocken.</p><p>Sie rutschte zu ihm und dr�ckte sich an ihn. �Warm wie an einer Esse�, seufzte sie zufrieden.</p><p>Vorsichtig legte er ihr einen Arm um die Schulter. Balyndis� N�he schenkte ihm ein mehr als gutes Gef�hl.</p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Sie wanderten sehr schnell, und sobald sich das Gel�nde dazu anbot, verfielen sie in Laufmarsch und durchquerten die s�dlichen Ausl�ufer des Grauen Gebirges z�gig. Bald kamen sie in den h�geligen Teil Gauragars und lie�en die m�chtigen Gipfel hinter sich.</p><p>Zur Unterhaltung blieb ihnen kaum Gelegenheit, das Laufen strengte sie zu sehr an. Als Tungdil Ingrimmsch die letzten Worte Bavragors ausrichtete, sagte der Krieger nichts, aber seine Lippen wurden zu d�nnen Strichen, und seine Augen schimmerten feucht.</p><p>Unterwegs umgingen sie Siedlungen so weit es ging, nur einmal schickten sie Furgas und Rodario als fahrende Schuhflicker zu einem Geh�ft, um Proviant zu kaufen. Rodario h�tte sich lieber als verarmter Adeliger ausgegeben, doch Tungdil bestand darauf, dass sie so wenig Aufsehen wie m�glich erregten.</p><p>Es schmeckte nicht sonderlich gut; das Tote Land verdarb das k�mmerliche Getreide, die verschrumpelten Winter�pfel und das harte Brot lagen wie Blei in ihren M�gen, aber es reichte aus, um ihnen einen Teil ihrer k�rperlichen Kr�fte zur�ckzugeben. Ihren Durst stillten sie mit geschmolzenem Schnee, dessen Geschmack besser war als das Wasser aus dem Boden.</p><p>Djer&#x16F;n erlegte eine ausgezehrte Hirschkuh, deren Fleisch sie nach kurzem R�sten �ber dem Feuer hungrig verschlangen. Den schimmeligen Beigeschmack versuchten sie zu ignorieren.</p><p>Orks trafen sie keine mehr. Aus der Freude dar�ber wurde nach sieben Sonnenuml�ufen offene Verwunderung; nicht einmal ein Bogglin kreuzte ihren Weg, obwohl sie sich auf dem Terrain des Toten Landes befanden.</p><p><emphasis>Es sollte eigentlich von Ungeheuern nur so wimmeln.</emphasis> Das erschien Tungdil derart merkw�rdig, dass er Furgas und Rodario in eine Stadt schickte, um in Erfahrung zu bringen, was sich zutrug.</p><p>Sie kehrten mit erschreckenden Neuigkeiten zur�ck.</p><p>�Sie wurden abberufen�, sagte der Mime und unterst�tzte seine Erz�hlung wie immer gestenreich, um die passende Theatralik zu erreichen. �Die Lager, in denen die Orks sich auf die Eroberung der Menschenreiche sammelten, stehen leer, weil sie zu tausenden nach S�den marschieren. Es geht um die Einnahme einer Felsenfestung, hat man uns berichtet.� Er machte ein angestrengtes Gesicht. �Verflucht, wie hie� der Ort noch gleich?�</p><p>�Im S�den? Dann kann es nur Ogertod gewesen sein�, rief Ingrimmsch aufgeregt. �Ha, die Schweinchen brauchen tausende, um das Reich der Zweiten niederzuwerfen, habt ihr das geh�rt?! Oh, ich w�re gern dort, um unseren Br�dern und Schwestern zu helfen!�</p><p>�Nein, der Name war es nicht�, widersprach Rodario zu ihrem Erstaunen. �Dunkel � Braun � Verdammich, dabei konnte ich meine Texte stets memorieren. Es hatte etwas mit Ochsen zu tun.� Er fuchtelte mit den H�nden. �Schnell, das Ding, das man �ber ihre Nacken legt.�</p><p>�Joch!�, riet Balyndis.</p><p>Tungdil f�gte sich den Rest zusammen. �Das Schwarzjoch! Sie belagern das Schwarzjoch!�</p><p>And�kai gr�belte. �Das sagt mir nichts. Was hat es damit auf sich?�</p><p>�Es ist ein Tafelberg, den die Dritten in eine Festung verwandelten, um gegen die anderen Zwergenst�mme Krieg zu f�hren. Der Berg liegt mitten im Geborgenen Land.� <emphasis>Aber wozu brauchen sie die vielen Orks?</emphasis></p><p>�Vielleicht haben sich bedeutende Menschen dorthin gefl�chtet, die N�d�onn unbedingt in seine Hand bekommen m�chte?�, schlug Narmora vor. �Die K�nige von Gauragar und Idosl�n vielleicht?�</p><p>Tungdil erinnerte sich, dass er Balendil�n und Gundrabur von seiner Entdeckung berichtet hatte, konnte sich aber nicht erkl�ren, weshalb sie sich an den verfluchten Ort begeben hatten. �Wir schauen nach, was sie am Schwarzjoch wollen, es liegt ohnehin auf unserer Strecke.�</p><p>Sie marschierten weiter.</p><empty-line/><p>Nach zw�lf Sonnenuml�ufen seit ihrem Aufbruch aus dem Reich der F�nften betraten sie den Boden �landurs. Dazu brauchte Tungdil nicht einmal in die Karte zu schauen, die Natur zeigte es ihnen.</p><p>Sie durchliefen ein flaches, schneebedecktes Tal und sahen von weitem das satte Gr�n der Buchen, Eichen und Ahorne; davor stand eine sch�tzende Wand aus Nadelb�umen. Der Anblick der intensiven Farben und lebendigen Pflanzen bewies ihnen, dass das letzte der Elbenreiche entgegen aller Ger�chte nicht gegen die Horden N�d�onns gefallen war und sich unbeugsam hielt. Die Macht des Toten Landes endete hier.</p><p>�Dass ich mich einmal �ber den Anblick von B�umen freuen w�rde�, meinte Ingrimmsch. Das Wissen, die vielen Tage �ber in totem Land unterwegs gewesen zu sein, dr�ckte auch auf sein Gem�t. Seine Augen schweiften �ber die St�mme, die sich eng aneinander reihten, eine nat�rliche Palisade gegen jegliche Eindringlinge bildend. Sogleich langte er nach seinen Beilen. �Scheint, als m�ssten wir uns da einen Weg hindurchhacken.�</p><p>�Und den Ansto� zum Krieg gegen die Elben geben?�, meinte And�kai. �Wir gebrauchen keine einzige Waffe, wenn wir den Wald betreten. Unser Eindringen wird nicht lange unbemerkt bleiben.� Auch sie betrachtete das vor ihnen liegende Terrain. �Wir sind bereits bemerkt worden�, verbesserte sie, als vier hoch gewachsene Gestalten aus dem Schutz der B�ume traten. Pfeile lagen schussbereit auf den Sehnen ihrer Langb�gen. �Wer m�chte mit ihnen reden?�</p><p>�Ich�, sagte Tungdil sofort. Er machte einen Schritt nach vorn und legte seine Axt so deutlich ab, dass die Elben es sehen mussten. Dann schritt er langsam auf sie zu.</p><p>�Die W�lder �landurs haben schon vieles gesehen�, hallte ihm die Stimme eines W�chters entgegen, �aber einen Unterirdischen noch nicht. Bleib stehen. Was willst du?�</p><p>Er betrachtete die vier vom Volk des Waldes. Sie trugen wei�e Lederr�stungen und wei�e Pelzumh�nge, an ihrer Seite baumelte ein Schwert. Ihre langen hellen Haare lagen offen auf den Schultern, und f�r Tungdil sahen sie mit ihren ebenm��igen Z�gen fast gleich aus. Er mochte sie nicht.</p><p>�Ich bin Tungdil Goldhand vom Stamm der Vierten und mit meinen Freunden ausgezogen, um die Feuerklinge zu schmieden, die N�d�onn den Zweifachen vernichten wird�, entgegnete er mit fester Stimme. �Gute Freunde sind bereits f�r dieses Ziel gestorben. Nun wollten wir darum bitten, dass ihr uns Zugang zu eurem Zuhause gew�hrt.�</p><p>�Wozu? N�d�onn wirst du hier nicht finden.�</p><p>�In eurem Reich gibt es einen Eingang zu einem H�hlenlabyrinth meines Volkes. Wir m�chten unter der Erde entlang zum Schwarzjoch�, erkl�rte er knapp. �Der Magus soll sich dort aufhalten.�</p><p>�Und ihr wollt ihn mit der Feuerklinge, was auch immer das sein m�ge, t�ten? Ihr Hand voll Krieger?�, fragte der Elb ungl�ubig. �Ich denke, dass ihr von N�d�onn geschickt wurdet.�</p><p>�Ein feiner Plan w�re das!�, entfuhr es Tungdil aufgebracht, der dem langen Gesicht am liebsten eine Ohrfeige verpasst h�tte. �Der Verr�ter schickt Zwerge zu Spitzohren, sicherlich, bei meinem Bart, das ergibt Sinn. Ihr w�rdet uns schlie�lich sofort mit offenen Armen empfangen, weil sich unsere V�lker so sehr lieben, und wir k�nnten uns bei euch leicht einschleichen, um euch an N�d�onn zu verraten.�</p><p>�Hei, der Magus ist gewitzt, was?!�, sagte Balyndis leise und m�rrisch, aber nicht leise genug.</p><p>Tungdil musste grinsen, und wenn er sich nicht sehr t�uschte, so huschte �ber eines der schlanken, h�bschen Elbengesichter ein kleines L�cheln. Er mochte sie trotzdem nicht wirklich leiden. �Was k�nnen wir tun, um euch von unseren guten Absichten zu �berzeugen?�</p><p>Die Elben berieten sich in ihrer Sprache. �Nichts. Ihr werdet warten�, kam die unfreundliche Antwort. �Solltet ihr unser Land betreten wollen, werdet ihr sterben.� Mit diesen Worten verschwanden sie zwischen den m�chtigen St�mmen.</p><p>�Immerhin�, grinste der Zwilling und kreuzte die Arme vor der breiten Brust. �Wir haben sie verunsichert.�</p><p>Sie machten aus der Not eine Tugend und rasteten. Umherliegende �ste dienten ihnen als Brennholz f�r ein w�rmendes Feuer. So verging viel Zeit, und die Sonne senkte sich schon hinter den Tannen herab, als die Elben wieder auftauchten. Sie brachten zwanzig Krieger und einen ranghohen Elbenk�mpfer mit sich, wie sie an dessen R�stung aus schimmerndem Palandium erkannten.</p><p>�Meine Sp�her berichteten mir von einer seltsamen Gruppe und einem noch seltsameren Vorhaben�, sprach er, und Vorsicht schwang in seiner Stimme mit. Sein Antlitz war makellos und eine Spur zu h�bsch, sodass er �berheblich wirkte. Die offenen dunkelroten Haare rahmten sein Gesicht ein und betonten die dunkelblauen Augen. �Lasst mich sehen, ob ihr die Wahrheit sagt.�</p><p>Er hob die Arme, seine Finger formten Zeichen in die Luft, und augenblicklich reagierte And�kai, in dem sie zu einem Verteidigungsspruch anhob.</p><p>Der Elb sah es und brach seine Vorbereitungen verwundert ab. �Ihr scheint in der Lage zu sein, Magie zu nutzen. Daf�r kommen nicht viele Kurzlebige infrage. Man berichtete uns, dass sie allesamt das Opfer von N�d�onn wurden.� Er musterte sie. �Euer �u�eres gleicht der Frau, die man And�kai nannte.�</p><p>�Ich bin And�kai die St�rmische.� Sie deutete eine Verbeugung an. �Ich w�re in einem magischen Zweikampf kaum eine Herausforderung, F�rst Li�tasil, denn unsere Reise schw�chte mich.� Sie tippte gegen den Griff ihres Schwertes. �Aber da meine k�mpferischen Fertigkeiten �ber einen gewissen Ruf Verf�gungen, w�re ich dazu bereit, mit dir die Klinge zu kreuzen und auf diese Weise meine Echtheit unter Beweis zu stellen.�</p><p>Tungdil hob die Augenbrauen. <emphasis>Die Sp�her haben tats�chlich ihren obersten Herrscher zu uns gebracht.</emphasis></p><p>Li�tasil lachte, sanft, freundlich, dennoch �berlegen. �Ihr seid die Maga, daran zweifle ich nun nicht mehr, aber trotzdem werde ich mich absichern. Die Albae haben schon zu viele Listen versucht, um uns zu �berwinden.� Seine Finger vollf�hrten anmutige Gesten, bis sich ein goldenes Leuchten aus ihnen l�ste und die Gruppe umh�llte.</p><p>Die Ersch�pfung, die Tungdil in jedem einzelnen Knochen sp�rte, verschwand von einem Lidschlag auf den n�chsten, selbst sein Hunger verebbte. Daf�r h�rte er das schmerzerf�llte Aufst�hnen von Narmora und den schrecklichen Laut, den Djer&#x16F;n am Stadttor von sich gegeben hatte.</p><p>Die Elben legten auf sie an, knirschend spannten sich die Sehnen, die Augen nahmen Ma�.</p><p>Der F�rst lie� die Arme sinken. �Nun, And�kai, Ihr habt zwei Gef�hrten unter Euch, denen ich nicht erlauben werde, �landurs W�lder zu betreten�, sagte er achtsam.</p><p>�Wir wissen, dass sie nicht zu den Gesch�pfen Palandiells und Vraccas� geh�ren, sondern ihre Vorfahren unter den Kreaturen Tions und Samusins haben�, erhob Tungdil die Stimme. �Sie stehen auf unserer Seite und sind unentbehrlich, um N�d�onn zu vernichten.� Er deutete auf die Halbalbin. �Sie muss die Feuerklinge f�hren, und er ist den Kampfk�nsten meines Freundes Bo�ndil beinahe ebenb�rtig.� Er griff zu der kleinen Flunkerei, damit sich der Zwerg geschmeichelt f�hlte. �Sein Anblick reicht aus, um Ungeheuer in die Flucht zu schlagen.�</p><p>Li�tasil schwieg und dachte nach, w�hrend ein Elb unaufh�rlich leise, aber bestimmt auf ihn einredete.</p><p>�Ihr seid wirklich eine ungew�hnliche Reisegesellschaft�, sprach er, und am Ton erkannte der Zwerg, dass sich der Elb zu einer f�r sie guten Entscheidung durchgerungen hatte. �Ich kann daher nicht anders, als euch zu glauben. Ihr sollt nach �landur, um in die Tunnel hinabzusteigen.� Er wollte sich abwenden.</p><p>Tungdil sah es als Zeichen, einen weiteren Anlauf zu unternehmen. �F�rst Li�tasil, verzeiht, dass ich noch einmal das Wort an Euch richte. Wir wissen, dass Euer Reich von den Albae bedroht wird und in arge Bedr�ngnis geraten ist. Allein werdet Ihr den Untergang �landurs nicht aufhalten k�nnen, doch wenn Ihr uns helft, N�d�onn zu besiegen und damit den Herrscher des Toten Landes zu vernichten, habt auch Ihr wieder eine Gelegenheit, Euer Land zur�ckzuerobern. Wir helfen Euch dabei.�</p><p>Ernst blickte der Elb den Zwerg an. �Dein Angebot ehrt dich. Doch um unser Land zur�ckzuerobern, bedarf es mehr als ein paar �xte und Beile.�</p><p>�Er meinte nicht uns, die Ihr hier seht�, stellte Gandogar richtig. �Er meinte die Clans vom Stamm der Vierten, deren K�nig ich bin. Und auch die Clans der Zweiten werden sich gewiss nicht verweigern, den Albae ihre Schneiden in die K�rper zu rammen.�</p><p>�Darin haben wir Erfahrung�, f�hlte sich Bo�ndil verpflichtet hinzuzuf�gen. �Wir haben die Reste Gr�nhains von ihnen ges�ubert.�</p><p>Jetzt konnte Li�tasil seine �berraschung nicht mehr verbergen. �Ein Zwergenk�nig? Nun, bin ich neugierig geworden und will mehr von euch erfahren�, gestand er. �Lasst uns dar�ber reden, warum erbitterte Feinde der Elben helfen sollten, das Reich ihrer Gegner vor dem Untergang zu bewahren.�</p><p>Er schritt voran, die Gruppe folgte ihm, und die Elbeneskorte nahm sie in die Mitte.</p><p>�Das war weise�, sagte Tungdil zu Gandogar.</p><p>Gandogar l�chelte. �Es war das einzig Richtige, auch wenn es mir selbst nicht ganz behagt, aber nur so k�nnen wir die Elben davon �berzeugen, dass wir die Zwietracht begraben werden.�</p><p>Sie schoben sich um die Baumst�mme. Nur Djer&#x16F;n tat sich mit seiner R�stung schwer hindurchzugelangen. Auf einen elbischen Befehl Li�tasils hin neigten sich die Tannen zur Seite und erleichterten ihm das Vorw�rtskommen.</p><p>Nachdem sie den Wall hinter sich gelassen hatten, betraten sie den dahinterliegenden Laubwald, der seine Bl�tter trotz des Winters nicht abwarf und dessen �ste unter der Last des Schnees nicht brachen. Stolz zeigten die riesigen Eichen, Buchen und Ahorne ihre Pracht, wie sie zumindest Tungdil und Ingrimmsch aus Gr�nhain kannten, ehe das Tote Land sich den Forst genommen und den B�umen den Hass auf das Leben eingegeben hatte.</p><p>Sie staunten dar�ber, wie gewaltig ein Baum werden konnte; zehn ausgewachsene M�nner reichten nicht aus, um mit ausgestreckten Armen einen Kreis um einen Stamm zu bilden.</p><p>Inmitten des Waldes herrschten Friede und Ruhe, die schlechten Erinnerungen fielen nach und nach von ihnen ab, und mit jedem Schritt, den sie taten, entspannten sie sich.</p><p>Gegen Einbruch der Dunkelheit schritten sie auf ein Geb�ude zu, das Tungdil an die immensen Hallen seines Volkes erinnerte. Doch hier bildeten die B�ume die Pfeiler, und in zweihundert Schritt H�he f�gten sich die Kronen zu einem sch�tzenden Dach zusammen, das vor Schnee und Regen sch�tzte. Das Licht von unendlich vielen Gl�hw�rmchen sorgte f�r angenehme Helligkeit.</p><p>Die Elben vervollst�ndigten die nat�rliche Anmut und Erhabenheit der Natur mit ihrer filigranen Architektur. Tungdil erinnerte sich wieder an die geschwungenen Holzb�gen und die sorgsam gegl�tteten Balken mit den vielen elbischen Runen und Zeichen Gr�nhains.</p><p>Der uneroberte Teil �landurs war ein Beispiel vollendeter Harmonie. Das Sternenlicht beschien kunstvolle Mosaiken aus hauchd�nnen Gold- und Palandiumpl�ttchen zwischen den St�mmen, die funkelten und flirrten. Bald durchschritten sie die Halle aus B�umen und bewegten sich auf ein Runenmosaik zu, das ihnen mit seiner Pracht den Atem raubte.</p><p>�Ich kann die Spitzohren zwar noch immer nicht wirklich leiden, aber das�, meinte Balyndis und zeigte verstohlen auf die Arbeiten, �k�nnen sie wirklich gut.�</p><p>�H�user aus B�umen�, meinte Ingrimmsch zweifelnd. �Ich w�rde mich darin nicht wohl f�hlen. Ein fester Fels �ber dem Kopf ist mir lieber, er �bersteht einen Sturm sicher, und er brennt nicht.�</p><p>�Es sei denn, es w�re ein Vulkan�, meinte Rodario besserwisserisch.</p><p>�Ein Berg brennt dennoch nicht, es ist die Lava�, korrigierte ihn Tungdil leise.</p><p>�Aber was ist denn Lava anderes als �� Der Mime sah den b�sen Blick Narmoras und verstummte. �Ein Disput mit einem Zwerg ergibt sowieso keinen Sinn�, f�gte er an.</p><p>Die Elben, an denen sie vorbeigingen, sahen ihnen staunend hinterher. Niemals begaben sich Zwerge in ihr Reich, und noch niemals hatten sie Zwerge gesehen.</p><p>�Sie sehen alle gleich aus�, sprach Bo�ndil seine Gedanken laut aus, wenn auch in der Sprache seines Volkes. �Lange Gesichter, kein bisschen Bart und diese Eingebildetheit, die ihnen angeboren zu sein scheint. Sie denken sicher, dass das Geborgene Land dankbar sein m�sste, dass sie hier leben.� Er sch�ttelte sich, sein schwarzer Zopf h�pfte hin und her. �Auch wenn sie mit dem Verrat der F�nften nichts zu tun haben, es wird dauern, bis ich mich an sie gew�hnt habe.� Die Schmiedin nickte zustimmend.</p><p>Tungdil, die H�nde an den G�rtel Giselbarts gelegt, war froh, dass Lot-Ionan ihn aufgezogen hatte; die grunds�tzliche Ablehnung gegen die Elben schlummerte zwar in seinem Herzen, doch es fiel ihm weniger schwer, diese H�rde zu �berwinden.</p><p>Li�tasil erreichte seinen h�lzernen Thron, der mit Intarsien aus Palandium reich verziert war; Bernstein und Halbedelsteine rundeten das Bild ab. Den G�sten wurden Hocker gebracht, nur Djer&#x16F;n blieb stehen.</p><p>Rodario h�rte gar nicht mehr auf zu schreiben, machte Skizzen und bewunderte das Gesehene mit immer neuerlichen Ausrufen. Furgas beschr�nkte sich auf stilles Staunen, w�hrend Narmora sich sichtlich unwohl f�hlte; das dunkle Erbe ihrer Mutter machte ihr zu schaffen. Ihre Lippen waren zu d�nnen Strichen geworden, sie klammerte sich an die Sitzfl�che und wirkte fahrig.</p><p>Li�tasil gab einige Anweisungen, die z�gernd ausgef�hrt wurden. Schlie�lich brachte man den mehr als ungew�hnlichen G�sten Brot, Wasser und andere Dinge, die ohne Zweifel zum Essen gedacht waren. Misstrauisch kostete Ingrimmsch.</p><p>�Schluck es einfach, ganz egal, ob es dir schmeckt oder nicht�, riet ihm Tungdil scharf. �Wage es nicht, dein Gesicht zu verziehen oder den Bissen auszuspucken.�</p><p>In dem faltigen Zwergengesicht, das erste Ans�tze von Abscheu gezeigt hatte, entstand ein schiefes L�cheln; Bo�ndil w�rgte das, was er im Mund hatte, lautstark hinunter und langte nach dem Wasser, um den Geschmack hinabzusp�len. �Nicht das Gelbe�, warnte er Balyndis leise und beschr�nkte sich auf das Brot.</p><p>W�hrend sie sich st�rkten, gesellten sich weitere Elben zu ihnen, die sich rechts und links von ihrem Herrscher auf geschnitzten St�hlen niederlie�en und sie unverhohlen musterten.</p><p>Rodario nahm etwas von dem Wasser, um seine kaum noch vorhandene Tinte zu verd�nnen. �So h�lt sie l�nger�, zwinkerte er.</p><p>�Nun�, hob der Elbenf�rst an, �lasst uns �ber das sprechen, was euch nach �landur f�hrte. Wir wollen auch noch die letzte Kleinigkeit eurer Abenteuer erfahren, damit wir eine Entscheidung treffen k�nnen. Sprecht die Wahrheit, denn eine L�ge w�rden wir sofort erkennen.�</p><p><emphasis>Ich muss es schaffen, sie zu �berzeugen.</emphasis> Nach einem kurzen Blick in die Runde erhob sich Tungdil. Er schaute in die aufmerksamen Gesichter der Wesen, die bis vor wenigen Sonnenuml�ufen als �rgste Widersacher seines Volkes angesehen wurden, doch das Treffen mit Giselbart hatte die Lage ver�ndert. Jetzt lag es in seinen H�nden, jenes B�ndnis zu schmieden, von welchem der Gro�k�nig Gundrabur getr�umt hatte. <emphasis>Sei ein Gelehrter,</emphasis> mahnte er sich selbst. Seine Aufregung wuchs, er musste erst einen Schluck Wasser nehmen, dann begann er seinen Bericht, eine Hand an den Gurt des F�nften gelegt.</p><p>Er redete und redete, sah die Sterne hinter dem Mosaikfenster wandern, sah, wie aus dem schwarzen Himmel ein dunkelblauer wurde, wie die Gestirne verblassten und der Morgenr�te wichen, und als die Sonne sich vollends �ber dem Geborgenen Land erhob und durch die grauen Schneewolken schien, endete seine Erz�hlung.</p><p>Li�tasil hatte seine dunkelblauen Augen nicht einen Moment abgewandt, sondern die ganze Zeit �ber aufmerksam zugeh�rt. �So wurde aus dem Wettstreit um den Thron des Gro�k�nigs ein viel bedeutenderes Unterfangen�, sagte er langsam. �Ihr habt viel erlebt, man sieht es euren Gesichtern an.�</p><p>�Das ist wahr gesprochen, wir haben sehr viel erlebt und �berlebt.� And�kai stand auf, ihre Augen blitzten, ihr st�rmisches Temperament ertrug das Warten nicht l�nger. �Es bleibt uns keine Zeit mehr. Wir haben genug geredet, F�rst Li�tasil. Entscheidungen sind zu f�llen, um �berhaupt noch etwas an den Geschicken unseres Landes ver�ndern zu k�nnen.� Sie trat einen Schritt nach vorn und war sich ihrer Wirkung durchaus bewusst. �Wie entscheidest du dich, Li�tasil?� Ihr Blick schweifte herausfordernd �ber sein feines Antlitz. �Wie entscheiden sich die Elben?�</p></section><section><title><p>IX</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das Elbenreich �landur, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>�Ich fasse es nicht!� Bo�ndil wollte gar nicht mehr aufh�ren, sich aufzuregen, und schwang sich in Lore. �Bedenkzeit! Die Spitzohren haben sich Bedenkzeit erbeten! Wenn ich das nur h�re! Wie lange wollen sie denn denken? Wenn N�d�onn gewonnen hat und die Albae ihren Wald niederbrennen, ist es zu sp�t.� W�tend hieb er gegen den Haltegriff. �Ich k�nnte vier El� Orks in der Mitte durchhauen!�</p><p><emphasis>Der Gro�k�nig wird entt�uscht sein.</emphasis> Tungdil begab sich ern�chtert neben ihn auf den Sitz. �Mir ergeht es ebenso wie dir�, gestand er. �Ich habe geglaubt, Li�tasil setzt sich gegen die Stimmen der Zauderer mit einem Machtwort durch, aber da habe ich mich wohl geirrt.�</p><p>Furgas betrachtete derweil die Schienen und lief einige Schritte in den Tunnel, um den Zustand der Gleise zu pr�fen. �Es sieht gut aus. Sie sind zwar verrostet, doch ihre Festigkeit haben sie nicht verloren. Die Holzbalken sind hart wie Eisen.� Zufrieden kehrte er zu ihnen zur�ck und setzte sich neben Narmora. �Unsere Fahrt kann beginnen.�</p><p>Sie hatten die Nacht bei den Elben verbracht und in den weichsten Betten geschlafen, die es im Geborgenen Land gab, was den Menschen zwar gefiel, aber den Zwergen bereitete das ungewohnte Lager Kreuzschmerzen. Nach einem einfachen Mahl suchten Tungdil und seine Gef�hrten den Einstieg zu den Tunneln und fanden ihn; der �ffnungsmechanismus am Felsen, der unter einem dicken Farn verborgen lag, funktionierte tadellos. Sie stiegen hinab und fanden eine einfache Gleisanlage mit vier Loren.</p><p>�So.� Rodario verstaute seine Schreibutensilien. �Ich habe den Elben keinen sehr r�hmlichen Auftritt in dem Theaterst�ck verpasst�, verk�ndete er zufrieden und strahlte. �Das Geborgene Land soll ruhig wissen, dass sie sich aus dem Kampf um die Heimat herausgehalten haben.�</p><p>�Immerhin haben wir den Eingang zu dem Tunnel gefunden�, versuchte Balyndis die schlechte Stimmung zu heben.</p><p>Ingrimmsch pr�fte die Sch�rfe seiner Beile. �Ja, immerhin. Wir werden sehen, ob wir mit dem Gef�hrt weit kommen oder ob wir in den Leibern von Schweineschnauzen stecken bleiben, die in den Stollen auf uns warten.� Ein b�sartiges Grinsen entstand auf seinem Gesicht. �Das wird endlich wieder ein Schlachtfest nach meinem Geschmack. Ich schlage uns den Weg schon frei.� Wie immer blickte er in solchen Augenblicken zu Djer&#x16F;n, um ihn wortlos daran zu erinnern, dass der Krieger im Kampf gef�lligst die zweite Geige zu spielen habe.</p><p>Tungdil betrachtete Narmora, die viel ruhiger wirkte, seit sie �landurs Land verlassen hatten. �Geht es wieder?�</p><p>Sie l�chelte. �Es war zu viel Elbisches um mich herum, das Erbe meiner Mutter machte es mir schwer, mich dort wohl zu f�hlen.�</p><p>Er r�usperte sich. �Bist du � aufgeregt?�</p><p>�Weil meine gro�e Stunde n�her r�ckt?� Sie fasste Furgas� Hand. �Aufregung ist das falsche Wort, noch sp�re ich nichts davon. Sie wird kommen, wenn ich dem Magus gegen�berstehe. L�uft alles so, wie wir es geplant haben, m�sste es uns gelingen.�</p><p>�Genau! Wir preschen mitten durch die hinteren Linien, und ehe sich die Schweineschnauzen erkl�ren k�nnen, was geschieht, hackst du dem Zauberer die Axt in den Leib�, meinte Ingrimmsch. �Das ist todsicher.�</p><p>�Um ehrlich zu sein, dachte ich an etwas Gewagteres�, offenbarte sie ihr Vorhaben. �Ich werde ich mich als Albin ausgeben, leichter kann es nicht gehen. Auf diese Weise gelange ich an seinen Leibwachen und seinen Famuli vor�ber, ohne einen Verdacht zu wecken.�</p><p>�Verstehe das nicht falsch�, sagte And�kai zweifelnd, �aber warum sollte er sich mit einer gew�hnlichen Albin abgeben?�</p><p>Narmora zurrte ihr Kopftuch fest. �Mir wird schon etwas einfallen.�</p><p><emphasis>Nat�rlich!</emphasis> Tungdil grinste, er erinnerte sich an eine Geschichte, die er in Lot-Ionans Bibliothek gelesen hatte. Die Helden nutzten darin einen einfachen, aber wirkungsvollen Trick, der auch bei ihnen funktionieren k�nnte. �Weil sie ihm Gefangene bringt, auf die er sehns�chtig wartet.�</p><p>�Und wer soll das sein?�, wunderte sich Bo�ndil, bis ihm der Einfall kam, dass er selbst gemeint sein k�nnte. �Was? Wir sollen uns in die Hand der Bestien begeben?�, protestierte er. �Bei meinem Bart, nein, wir schlagen uns zu N�d�onn durch!�</p><p>�Ich erinnere dich ungern an das Erlebnis im Reich der F�nften�, schaltete sich Rodario zuckers�� ein, �doch da vermochten deine Beile nichts gegen die �bermacht auszurichten.�</p><p>�Eben�, nickte Tungdil. Sieh es ein, mein Freund. �Rodario, Furgas und And�kai werden sich als S�ldner ausgeben, mit deren Hilfe sie uns geschnappt hat. Djer&#x16F;n wird in der N�he warten, seine Gestalt w�rde uns sofort verraten.�</p><p>�Der Plan ist riskant, aber gut�, stimmte And�kai ernst zu. �Ich bin daf�r.�</p><p>Rodario tippte sich gegen die Unterlippe. �Ich k�nnte schw�ren, ich habe von diesem Einfall schon mal irgendwo gelesen.�</p><p>�Das Buch hie� <emphasis>Der Tod Herengards</emphasis> und handelte von einem Anschlag. Die Helden gingen genau so vor wie wir und hatten damit Erfolg�, l�ftete Tungdil das Geheimnis.</p><p>�Du hast es aus einem Buch?�, begehrte Bo�ndil auf. �Ich ��</p><p>�Ich sagte doch schon bei unserem ersten Zusammentreffen, dass Lesen wichtig ist, erinnerst du dich?�, feixte er und schlug ihm auf die Schulter. �Jetzt siehst du, was ich gemeint habe. Stimmen wir dar�ber ab?�</p><p>Die Abstimmung ergab nur eine Gegenstimme. Beleidigt, dass man nicht auf ihn h�ren wollte, schmollte Ingrimmsch und jauchzte anfangs nicht einmal, als die Lore die Gef�lle hinabrauschte.</p><p>Tungdil aber behielt f�r sich, dass die Helden der Geschichte nach der Ermordung Herengards von seinen Leibwachen get�tet wurden. <emphasis>Doch die Idee war gut.</emphasis></p><empty-line/><p>Wieder rollten sie unter dem Geborgenen Land hindurch. Ihr Ziel war das Schwarzjoch, wo sich die Streitmacht aus Orks und s�mtlichen Wesen sammelte, die N�d�onn folgten.</p><p>Unterwegs machten sie eine seltsame Entdeckung.</p><p>Sie durchfuhren einen Abschnitt, in dem die Leichen von mindestens zweihundert Orks rechts und links neben der Trasse lagen; ihre Loren standen verteilt um sie herum. Da sie wegen des Schwungs nicht anhalten wollten, beschr�nkten sie sich darauf, im Vorbeihuschen nach den Bestien zu schauen.</p><p>�Das war die Arbeit von �xten�, brummte Bo�ndil. �Die Schweineschnauzen sind von Zwergen niedergem�ht worden. Es scheint nicht so schlecht um unsere Freunde bestellt zu sein.�</p><p>�Warum sollten sie in den Tunneln sein anstatt im Schwarzjoch?� Tungdil betrachtete die Kadaver, die fein s�uberlich von der Schiene entfernt worden waren. <emphasis>Jemand hat daf�r gesorgt, dass sich uns niemand in den Weg stellt.</emphasis> Er dachte sofort an die Geister der Ahnen, die ihnen schon zweimal begegnet waren. �Die Geister! Sie haben uns im Reich der F�nften geholfen und tun es wieder.�</p><p>Balyndis deutete auf eine Nische, in der eine zusammengekr�mmte kleinere Gestalt lag. Ein Orkspeer ragte aus der Seite. �Das ist ein toter Zwerg, keine Spukgestalt!�, machte sie ihn auf ihre Entdeckung aufmerksam. �Einen Geist kann man nicht umbringen.�</p><p>�Was w�re, wenn Zwerge in den Stollen leben?�, schaltete sich Furgas ein. �Ich habe deutlich gesehen, dass die Gleise ab einem bestimmten Punkt unserer Reise ohne Rost waren, als w�rden sie �fter ben�tzt.�</p><p><emphasis>Andere Zwerge.</emphasis> Da kein Stamm seines Volkes die Loren in Anspruch genommen hatte, fand Tungdil nur eine vage Erkl�rung f�r das Geschehen. <emphasis>Unbemerkt von den alten St�mmen haben sich Zwerge in den R�hren niedergelassen und eine eigene Gemeinschaft gebildet!</emphasis></p><p>Nun ergriff Aufregung jede Faser seines K�rpers. Es konnte durchaus sein, dass in den hunderten von Zyklen die Versto�enen der Zwergenst�mme durch einen gl�cklichen Umstand auf die R�hren aufmerksam geworden waren und sich ihr eigenes Reich geschaffen hatten. <emphasis>Ist es m�glich, dass sie hier und unter ihresgleichen geblieben sind, anstatt nach Hause zur�ckzukehren?</emphasis></p><p>�Schnell, Papier und Feder�, verlangte er von Rodario, der ihm das Gew�nschte �berlie�, woraufhin Tungdil hastig und mit furchtbarer Schrift, weil der Karren so sehr ruckte, eine Nachricht schrieb, in der er ihnen f�r die Hilfe dankte. Als sie an einem Stalagmiten vor�bersausten, spie�te er den Zettel darauf.</p><p>�Was sollte das?�, wollte And�kai wissen. �Eine Botschaft an die Ahnen?�</p><p>�Keine Ahnen�, entgegnete er. �Wenn meine Annahme stimmt, sind es Zwerge, Ausgesto�ene aus allen Zwergenreichen, die sich ihr eigenes Herrschaftsgebiet eingerichtet haben. Wir und die Orks sind darin eingedrungen.� In aller K�rze erkl�rte er ihnen, wie er auf diese Vermutung kam. �Sie haben uns mehrfach gewarnt, erinnert euch. Das Klopfen, der Einbruch des Stollens, ihr Auftreten in der Steinhalle. Sie wollten, dass wir ihr Reich verlassen, denke ich.�</p><p>�Ha, ich verstehe! Als die Orks auftauchten, haben sie nicht l�nger gez�gert und sind uns zu Hilfe gekommen, anstatt uns weiterhin verjagen zu wollen. Blut ist eben doch dicker als Wasser. Gro�artig, einfach gro�artig!� Rodario nahm seine Utensilien augenblicklich wieder an sich. �Gib her. Das muss ich notieren.�</p><p>�Die Reise brachte so viel Neues�, sagte Balyndis leise. �Wenn am Ende das Gute �berwiegt, bin ich zufrieden.�</p><p>�Es wird�, beruhigte er sie. Als die Lore um die Ecke ratterte und der Stalagmit gerade aus dem Sichtfeld verschwand, glaubte er, eine Gestalt gesehen zu haben, die nach dem Zettel griff.</p><empty-line/><p>Als sie die Trasse durch das einstige Lios Nudin f�hrte, nutzte And�kai die Gelegenheit, um neue magische Kr�fte zu sch�pfen. Sie schloss die Augen, und nicht lange darauf begannen die W�nde des Tunnels zu gl�hen, das Gestein erhellte sich, zeigte ihnen seine Einschl�sse und Maserungen. And�kai atmete schneller, das Leuchten wurde st�rker und wurde glei�end, bis es abrupt endete.</p><p>Z�gernd �ffnete sie die Lider, neigte ihren Kopf nach rechts und �bergab sich mehrfach �ber den Rand der Lore.</p><p>�Was ist?� Tungdil wollte die Reise unterbrechen, aber sie winkte ihm zu, dass er weiterfahren solle.</p><p>�Nur zu, es ist nichts. N�d�onn hat die Felder beinahe v�llig unbrauchbar f�r mich gemacht.� Sie lehnte sich zur�ck, Balyndis reichte ihr einen Wasserschlauch. �Noch geht es, aber mehr Energie kann ich nicht aufnehmen, sonst wird es mich umbringen.� Ihre Lippen pressten sich aufeinander, sie rang mit einer neuen �belkeitsattacke.</p><p>Nach zwei Sonnenuml�ufen, an einer Stelle, an der zwei Trassen kurz nach einer Weiche parallel nebeneinander her liefen, zischte pl�tzlich eine zweite Lore heran und schob sich auf gleiche H�he mit der ihren. Das Dutzend Orks, das darin hockte, schaute genauso verdutzt auf die Zwerge und Menschen wie diese zu den Feinden.</p><p>Ingrimmsch �berwand seine �berraschung als Erster und tat das, was man von ihm erwartete.</p><p>�Oink, oink! Schweinchen!�, schrie er voller Begeisterung, und die Beile flogen ihn seine H�nde. �Sie geh�ren mir!�</p><p>Ehe ihn jemand zur�ckhalten konnte, machte er einen gewaltigen Satz in das Vehikel der Bestien, landete mitten unter ihnen und w�tete mit seinen Waffen. Da er in seinem Kampfrausch zuerst den Bremser t�tete und sich dann um die weiteren Gegner k�mmerte, kam die Lore nicht zum Stehen, sondern rollte in voller Fahrt weiter die Schienen entlang.</p><p>Sie zischten unter einer Reihe von Stalaktiten hindurch, was Bo�ndil zu seinen Gunsten ausnutzte. Geschickt brachte er einen unvorsichtigen Ork dazu, dem zuckenden Beil so ungl�cklich auszuweichen, dass sein Gesicht mit einem der Kalkgesteine kollidierte. Eine Blutwolke spr�hte auf, und das Ungeheuer wurde unter dem geh�ssigen Gel�chter des Zwergs aus dem Karren gerissen.</p><p>Ingrimmsch m�hte sich durch die Reihen der Gr�nh�ute, die sich mehr schlecht als recht zur Wehr setzten; die �berraschung und die beengten Verh�ltnisse spielten dem Zwerg in die H�nde. Sein freudiges Lachen, das Knurren und seine Schreie mischten sich ins Rattern der Lore. Endlich stand er vor dem letzten seiner Widersacher, einem kr�ftig gebauten Exemplar mit einer besseren R�stung.</p><p>�Nein! Lass den Anf�hrer leben!�, rief Tungdil. �Wir m�ssen ihn befragen.�</p><p>Aber der Zwilling war vollends in seinem Kriegsrausch versunken. Schon fuhren die Beile auf den Ork hernieder, der beide Angriffe nicht gleichzeitig abwehren konnte.</p><p>And�kai gab Djer&#x16F;n einen Befehl. Er reckte seinen gepanzerten Arm, packte die todgeweihte Bestie im Genick und hievte ihn wie ein Lastkran zu ihnen, wo er ihm das Schwert an die Kehle setzte. Der Wiederstand erstarb auf der Stelle.</p><p>�He! Das ist Betrug!� Bo�ndil hopste unerschrocken zur�ck auf seinen Platz wollte sich zum Heck des Karrens begeben, um dem Ork den Sch�del zu spalten, doch And�kai stellte sich ihm in den Weg.</p><p>�Nimm Vernunft an, Bo�ndil. Meine magischen Kr�fte sind erholt genug, um dich gegen deinen Willen ruhig zu stellen�, warnte sie ihn mit eisigem Blick. �Erst m�ssen wir erfahren, was sich �ber unseren K�pfen tut.�</p><p>Deutlich erkannten sie, wie die Urteilskraft Ingrimmschs mit dem Wahn rang. Keuchend lie� er sich auf die Holzbank sinken, die Einsicht hatte gesiegt. �Von mir aus. Ich hatte meinen Spa� und werde bald noch mehr haben.�</p><p>Tungdil wandte sich dem Ork zu, seine Augen suchten ihren Gefangenen zu ergr�nden. �Was geschieht am Schwarzjoch?�, fragte er die Kreatur in der eigenen Sprache.</p><p>�Ich sage dir nichts, Unterirdischer�, �chzte er.</p><p>Der Zwerg langte nach Djer&#x16F;ns Visier und �ffnete es. Violettes Licht fiel in das h�ssliche Gesicht des Gefangenen, das sich nun zu einer Maske des Entsetzens und der puren Angst wandelte. �M�chtest du es ihm sagen?� Er vermied es, in das Antlitz des Kriegers zu blicken; der kurze Eindruck in der Oase w�rde ihm sein ganzes Leben lang reichen. �Oder soll er dir zuerst einen Arm abbei�en?�</p><p>Der Ork quiekte in den schrillsten T�nen eine Bezeichnung, die er nicht verstand. �Nein, halte ihn zur�ck!�</p><p>�Was wollt ihr am Schwarzjoch?�</p><p>�Wir belagern die Unterirdischen, die sich dort versteckt halten�, berichtete er mit sich �berschlagender Stimme. �N�d�onn will sie vernichtet sehen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Er will es eben!�</p><p>�Ist er dort?�</p><p>Der Ork schwieg, wobei er Djer&#x16F;n nicht aus den Augen lie�.</p><p>Tungdil konnte seine Angst riechen. �Ist er der Magus am Tafelberg?�, wiederholte er seine Frage. Da immer noch nichts geschah, �bernahm der Krieger die Initiative. Sein Kopf schnellte vor, und es krachte laut.</p><p>Der Ork jaulte auf und starrte auf den blutenden Stumpf, wo eben noch sein Unterarm gewesen war. �Er ist da! Er ist da!�, br�llte er die Antwort voller Schmerzen heraus.</p><p>�Wann wird der Angriff beginnen?�, verlangte Tungdil unbarmherzig zu wissen.</p><p>�Ich kann es nicht sagen. Ich soll mit meinen Soldaten in vier Uml�ufen dort sein�, st�hnte das Ungeheuer und versuchte, das hervorschie�ende gr�ne Blut mit seiner unverletzten Hand zu stoppen, aber der Druck war zu gro�. �Mehr ��</p><p>Djer&#x16F;n schien ausgehungert zu sein, und die Aussicht auf ein frisches Mahl machte ihn gierig. Er wartete nicht auf die Erlaubnis von And�kai oder Tungdil, sondern st�rzte sich auf den Ork, um ihn zu t�ten und den zuckenden Leichnam aufzufressen. Da er es mit dem R�cken zu den anderen tat, sah wieder niemand sein Gesicht.</p><p>Die Maga gab ihm eine Anweisung. Augenblicklich lie� er von dem Kadaver ab, schloss sein Visier und hockte sich hin. Die Vorderseite und der Helm waren gr�n gef�rbt, und es stank widerlich nach den Innereien des zerfetzten Orks.</p><p>�Wirf ihn hinaus�, befahl sie ihm. Djer&#x16F;n schleuderte die �berreste der Gr�nhaut aus der Lore.</p><p>�Wenn wir ihn nicht brauchten ��, sagte Ingrimmsch dumpf und belie� es bei seiner Andeutung. �Es ist ein dressiertes Raubtier, mehr nicht.� Er schaute zu And�kai. �Hoffentlich ist dir dein Gott gewogen genug, dich immer die Macht �ber ihn haben zu lassen.� Der Zwerg verstaute seine Beile. �Falls nicht, sag mir Bescheid, und ich stehe dir bei.�</p><p>Sie verzichtete auf eine Antwort.</p><p><emphasis>Der Sohn Samusins frisst die Sch�pfungen seines Vaters.</emphasis> Tungdil betrachtete gebannt die eiserne D�monenfratze, hinter der es immer noch blauviolett loderte, als brennte dort ein unl�schbares Feuer, dann warf er Narmora einen Blick zu. �Wenn die Orks innerhalb von vier Sonnenuml�ufen dort sein m�ssen, sollten wir es auch sein.� Er wandte sich wieder nach vorn. Der Fahrtwind wirbelte ihm frische Luft zu und trieb ihm den Gestank des toten Orks aus der Nase. <emphasis>Bald schon entscheidet sich, ob das Geborgene Land vom �bel befreit wird oder ihm zum Opfer f�llt.</emphasis></p><subtitle>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Unterwegs fanden sie einen Trupp von f�nfzig Orks, der tot in den R�hren lag, abgeschlachtet von ihren unsichtbaren Schutzm�chten, die sich ihnen weiterhin nicht zeigen wollten.</p><p>Unbehelligt verlie�en sie die Tunnel, um ganz in der N�he des Schwarzjochs im ehemaligen Gauragar an die Oberfl�che zu treten.</p><p>Tungdil erkannte die Gegend gleich wieder. �Wir m�ssen in diese Richtung.� Er f�hrte sie den sanften H�gel hinauf, von dem aus er den Tafelberg zum ersten Mal erblickt hatte. Vorsichtig krochen sie auf die Spitze der Erhebung, um nicht von Wachen gesehen zu werden. Noch waren sie nicht f�r ihre Maskerade bereit.</p><p>�Bei Vraccas!�, raunte er. �Wir kommen gerade rechzeitig.�</p><p>Der finstere Tannenwald um den Tafelberg herum war verschwunden. Stattdessen erhoben sich h�lzerne Konstrukte um das Schwarzjoch, auf deren Plattformen kleine Punkte hin und her liefen. Die Orks bauten Schwindel erregende Rampen, um Einstiege in den Berg zu entdecken oder auf den flachen Gipfel zu gelangen und von oben in die Festung einzudringen. Vermutlich hatten sie sich zuvor an den H�ngen die K�pfe eingerannt oder waren zu Dutzenden von dem w�tenden Fels abgesch�ttelt worden.</p><p><emphasis>Der d�stere Felsbrocken wirkt ohne die Tannen drum herum noch bedrohlicher.</emphasis></p><p>Gelegentlich ergoss sich aus verborgenen �ffnungen schwarze, dampfende Fl�ssigkeit und schwappte �ber die anst�rmenden Orks am Boden, die darin vergingen. An einer anderen Stelle schnellten gl�hende Kugeln aus den Rillen, die nach kurzem Flug mitten in den Pulks der Angreifer aufschlugen. Die Blasen zerbarsten und setzten das Petroleum frei, um in ihrem Umkreis alles in Feuer zu h�llen.</p><p><emphasis>Sie haben die alten Verteidigungsvorrichtungen zum Leben erweckt.</emphasis></p><p>Doch es mochten noch so viele Bestien ihr Leben lassen, nichts brachte die Truppen N�d�onns zum Aufgeben. Wie die Ameisen schw�rmten sie in dem flachen Land umher, immer auf der Suche nach etwas, was sich beim Bau von weiteren Belagerungsger�ten verwenden lie�e.</p><p>Die Oger spalteten die Tannen in zwei H�lften, f�gten sie aneinander und bildeten auf diese Weise T�rme und Rampen, die von den Verteidigern bislang jedoch rechzeitig genug in Brand geschossen oder mit langen Eisenketten zum Einsturz gebracht wurden, ehe sie von den Orks zum Sturm gegen den Berg genutzt werden konnten.</p><p>Geduldig sammelten die gigantischen Wesen die �berreste ein und setzten daraus neue Rampen zusammen, w�hrend die Orks darauf dr�ngten, endlich in die Festung zu gelangen.</p><p>�Welch eine Ironie�, sagte Tungdil zu Balyndis und Bo�ndil, ohne den Blick vom Tafelberg zu nehmen. �Die Dritten erbauten sie gegen die anderen St�mme, und ausgerechnet dieser Ort dient nun dazu, uns Zwerge vor dem Untergang zu bewahren.� Die alten Zeilen, die er in der Nische gefunden hatte, kamen ihm in den Sinn. <emphasis>Einst erweckt von den Drei gegen den Willen der Drei. Erneut gef�rbt vom Blut aller Kinder. Was sie wohl bedeuten?</emphasis></p><p>�Wie viele werden es sein?�, meinte die Schmiedin, die mit gro�en Augen auf das Gewimmel starrte.</p><p>In einer Meile Abstand zum Fu� des Schwarzjochs hatten die Angreifer ringf�rmig ihr Lager errichtet. Schlecht aufgebaute Zelte sch�tzten sie leidlich vor dem Schnee und dem Wind, und hier und da stiegen schwarze Wolken in den Himmel.</p><p>�Achtzigtausend, wenn es reicht�, sch�tzte Ingrimmsch besonnen, dann klopfte er Tungdil auf die Schulter. �Du hattest Recht. Dein Plan ist in diesem Fall der bessere, auch wenn er aus einem Buch ist. Ich k�nnte die Beile nicht so schnell aus den W�nsten der Schweineschnauzen ziehen, wie sie auf uns einst�rmen.�</p><p>Rodario wies nach Westen. �Seht einmal dort dr�ben, das k�nnte N�d�onns Unterkunft sein.� Sie entdeckten ein prunkvolles malachitfarbenes Zelt, das von den Ausma�en alle anderen �bertraf. �Als Magus w�rde ich darin wohnen wollen und nicht in den sch�bigen Zelten des P�bels.�</p><p>�Du hattest schon immer D�nkel�, meinte Furgas. �W�rst du als Adeliger zur Welt gekommen, h�tten dich deine Untertanen l�ngst aufgekn�pft.�</p><p>�Und du h�ttest ihnen eine Konstruktion ersonnen, damit es lange dauert, bis ich st�rbe, ich wei�.� Sie grinsten sich verstehend an.</p><p>��brigens.� Furgas machte sie auf eine Stelle abseits des eigentlichen Kampfgeschehens aufmerksam, wo die Oger einen fahrbaren Turm errichteten, der weitaus stabiler aussah und beinahe zweihundert Schritt H�he erreichte. �Damit werden sie ihr Ziel erreichen�, vermutete er. �Sie haben zum Schutz gegen die Brandgeschosse Ziegel vor den Streben befestigt.�</p><p>Hunderte Orks sprangen herbei und erklommen die verschiedenen Plattformen. Pfeil- und Speerkatapulte wurden geladen und feuerbereit gemacht. Die Oger vollendeten derweil ihre letzten Handgriffe und stemmten sich in die Speichen, um den Turm an den Berg zu rollen. �berall dr�hnten schrille H�rner auf und gaben das Signal zu einem gemeinsamen Angriff.</p><p>�Es wird h�chste Zeit�, beschloss Tungdil. �Bring N�d�onn seine Gefangenen, Narmora.�</p><p>Sie nickte entschlossen und legte ihre Albr�stung an.</p><p>Innerhalb von wenigen Lidschl�gen wurde aus der Frau eines der gef�rchtetesten Wesen des Geborgenen Landes. Sie ver�nderte nicht nur ihre Kleidung; mit jedem St�ck R�stung, das sie anlegte, wandelte sich ihr Antlitz, es verlor an Farbe, nahm h�rtere und vor allem grausamere Z�ge an. Sie zog das rote Kopftuch ab und fuhr sich durch die schwarzen Haare. Dann erhob sie sich. �Und nun das Wichtigste�, sagte sie mit dunkler Stimme. Ihre Augen tr�bten sich ein, das Wei� verschwand und wich der Schw�rze, durch die sich die Albae tags�ber verrieten.</p><p><emphasis>Wenn ich es nicht besser w�sste.</emphasis> Tungdil h�tte sie von einem echten Alb nicht mehr unterscheiden k�nnen, und damit sollte es ihnen gelingen, ihren Plan in die Tat umzusetzen. �Vollkommen, Narmora.�</p><p>And�kai legte ihr das schlichte dunkelblaue Kristallamulett um, das sie in der Oase einem Alb abgenommen hatte. �Es wird dich vor den magischen Angriffen N�d�onns bewahren�, erkl�rte sie. �Nur zur Sicherheit, da ich nicht wei�, ob wir getrennt werden und du dich auf eigene Faust durchschlagen musst.�</p><p>Sie l�chelte die Maga an. �Wartet hier. Ich gehe und besorge den S�ldnern ihre R�stungen.� Lautlos huschte sie davon und verschwand nach wenigen Schritten aus ihrem Sichtfeld.</p><p>Tungdil bemerkte, dass Balyndis die H�nde um den Griff ihrer Axt gelegt hatte. �Sie ist � unheimlich geworden�, verteidigte sie ihre unbewusste Geste. �D�ster, drohend. Wie ein richtiger Alb.�</p><p>�Was machen wir, wenn ihre dunkle Seite es sich anders �berlegt?�, sprach Ingrimmsch seine Bedenken offen aus. �Sie hat die Feuerklinge und die Macht, N�d�onn zu vernichten. Mit dem Amulett ist sie auch gegen die Magie der Zauberin immun geworden. Wie sollen wir sie denn notfalls klein kriegen, wenn sie uns verr�t?�</p><p>�Verr�t? Niemals! Sie ist Narmora�, beruhigte Furgas sie, er klang energisch und verteidigend. �Und sie ist eine Schauspielerin. Ganz gleich, was sie unterwegs sagt und wie sie sich verh�lt, zweifelt nicht an ihr. Sie h�tte l�ngst gen�gend M�glichkeiten gehabt, uns zu ��</p><p>Narmora kehrte zur�ck, blutverschmierte R�stungen einer unvorsichtigen Patrouille mit sich tragend. Sie warf ihre Beute in den Schnee. �Ihr m�sst sie ein wenig abreiben�, war alles, was sie sagte.</p><empty-line/><p>Nachdem Rodario noch �einige spezielle Vorbereitungen� getroffen hatte, wie er es nannte, traten sie den gef�hrlichsten Weg ihrer ganzen Reise an.</p><p>Tungdil, Balyndis und Bo�ndil liefen in der Mitte, umgeben von den scheinbaren S�ldnern, die ihre Gesichter unter den stinkenden Helmen verbargen. Narmora bildete die Spitze, die mit Lumpen umh�llte Feuerklinge auf dem R�cken tragend. Djer&#x16F;n wartete auf dem H�gel und hielt sich bereit, auf ein Zeichen seiner Herrin hin zu ihnen zu sto�en und durch sein Erscheinen f�r Wirbel zu sorgen.</p><p>Vor allem Bo�ndil tat sich schwer, ohne seine geliebten Beile zu sein und dazu noch die H�nde gefesselt zu haben, aber er sah ein, dass es keine andere M�glichkeit gab, an N�d�onn heranzukommen. �Wie geht das Buch eigentlich aus?�, fiel ihm die ungem�tliche Frage doch noch ein.</p><p>Rodario �ffnete den Mund, aber Tungdil kam ihm zuvor. �Gut. Es geht gut aus�, behauptete er und schickte dem Schauspieler einen bittenden Blick. Der rollte mit den Augen, schwieg aber gl�cklicherweise.</p><p>�Umso besser�, brummte Ingrimmsch und belie� es dabei.</p><p>Ihre Waffen hatte Furgas in einem Sack verstaut und hielt ihn so, dass er ihn den Zwergen jederzeit zuwerfen konnte. Die Lederriemen um die Handgelenke der Gefangenen w�rden bei der geringsten Kraftaufwendung rei�en und sie freigeben. Es ging einzig um den Schein.</p><p>Im Zwielicht des Nachmittags betraten sie das Lager.</p><p>Die Wachen, drei Orks und vier Bogglins, lie�en sie passieren, nachdem Narmora sie einfach nur finster anblickte und ihnen sagte, dass sie zu N�d�onn wollte, um die Gefangenen pers�nlich abzuliefern.</p><p>Einer der Bogglins eilte davon, um den Magus vom Kommen der heldenhaften Albin zu unterrichten. Zielstrebig eilten sie zwischen den Zelten entlang und steuerten genau dorthin, wo der Bote verschwunden war.</p><p>�Ich hatte Recht�, kam es dumpf unter Rodarios Helm hervor. �Das konnte nur die Feldunterkunft N�d�onns sein.�</p><p>�Schweig�, herrschte ihn die Albin mit ihrer ver�nderten, dunklen Stimme an, und der Mime verstummte abrupt.</p><p>N�her und n�her r�ckten die dunkelgr�nen Leinw�nde, hinter denen sich das B�se befand, bis sie nur noch zwanzig Schritt vom Eingang entfernt waren. Da glitten die Stoffbahnen auseinander, und ein alter Bekannter trat ins Freie: spitze Ohren, ebenm��ige Gesichtsz�ge und lange blonde Haare. �Sinthoras�, entfuhr es Tungdil entsetzt.</p><p>Bo�ndil beugte sich zu ihm her�ber. �Stand der auch im Buch?�, raunte er.</p><p>Der Alb l�chelte falsch. Sein Oberk�rper steckte in einer schweren, schwarzen R�stung aus Tionium, seine Beine wurden durch einen knielangen Eisenrock aus Kettengliedern desselben Metalls gesch�tzt. Er hatte sich zum harten Kampf ger�stet. �Es ist mir immer wieder eine Freude, wenn wir uns begegnen�, gr��te er den Zwerg und verneigte sich, danach betrachtete er Narmora. �Ich begl�ckw�nsche dich zu deinem Fang ��</p><p>�Morana�, half sie sich mit einem Albaenamen aus.</p><p>�Morana�, wiederholte Sinthoras. �Tion muss dich mehr m�gen als mich oder Caphalor, denn wir hetzten die Unterirdischen quer durch das Geborgene Land, ohne sie zu erwischen.� Seine grausam kalten Augen wanderten �ber die Zahl der Gruppe, es war nicht auszumachen, wen genau er anblickte. �Immerhin haben wir ihnen Verluste zugef�gt, wie ich sehe.�</p><p>�Es reichte aber nicht aus, sie zu fangen�, meinte sie ver�chtlich. Sie hatte sich dazu entschlossen, die unfreundliche Albin zu spielen und sich von ihm nicht einsch�chtern zu lassen.</p><p>�Nein, leider�, seufzte Sinthoras gespielt leidend. �Geh und �berlasse sie mir. Ich f�hre sie zu N�d�onn.�</p><p>Narmora bewegte sich nicht. �Ich habe sie gefangen, und ich will mir das Lob des Magus abholen, wie du es getan h�ttest.�</p><p>Sinthoras umrundete sie einmal, lauernd. �Du bist mutig, junge Albin. Wie kommt es, dass ich deinen Namen noch nie h�rte?�</p><p>�Ds�n Balsur ist gro� genug, um einander nicht zu begegnen.�</p><p>�So, du kommst aus Ds�n Balsur? Ich kenne jede Ecke unseres Reiches, denn schlie�lich war ich es, der es schuf.� Er blieb vor ihr stehen. �Wie hei�t deine Mutter? Wie hei�t dein Vater? Wo lebst du, Morana?�</p><p>�Es geht dich nichts an�, antwortete sie unerschrocken. �Geh und melde mich N�d�onn oder verschwinde.�</p><p>�Der Meister schl�ft.�</p><p>�Dann geh und wecke ihn.�</p><p>Tungdil sa� der Schreck noch immer in den Gliedern. <emphasis>Was sollen wir tun? An ihm vorbeilaufen? Um an ihm vorbeizukommen, werden einige von uns sterben,</emphasis> f�rchtete er und schaute zum Eingang des nahen Zeltes. Zu lange konnten sie nicht warten, sonst w�rden sie noch mehr Aufmerksamkeit wecken und den Anschlag auf N�d�onn mehr als erschweren. <emphasis>Wir m�ssen es riskieren.</emphasis></p><p>�H�rst du das, Caphalor?�, Sinthoras hob den Kopf und lachte. �Sie hat zu viel Mut. Es k�nnte eines Tages ihr Tod sein.�</p><p>�Ich h�tte ihr schon lange Respekt beigebracht�, kam die Antwort in ihrem R�cken.</p><p>Erschrocken drehte sich Rodario um. Seine etwas zu gro� geratene R�stung schepperte, und die Lanzenspitze verfehlte Balyndis� Kopf um Haaresbreite.</p><p>Hinter ihnen stand ein Alb mit langen schwarzen Haaren, den Tungdil von seinem Erlebnis aus Gutenauen und aus dem Reich der Ersten kannte. Seine Gedanken �berschlugen sich, er wusste nicht, was sie machen sollten.</p><p>�Ich kannte eine Morana, aber sie ist schon lange tot und sah zu Lebzeiten anders aus�, sagte Caphalor, und die schwarzen Augenl�cher hefteten sich auf die Albin. Er trug eine tioniumverst�rkte Lederr�stung, die alles Licht absorbierte. �Du bist nicht aus Ds�n Balsur.� Er legte seine spindeld�rren Finger an den Griff seiner Kurzschwerter. �Aber woher bist du dann, und warum hast du gelogen?�</p><p>Nun wurde auch Ingrimmsch unruhig, seine Augen huschten hin und her, er suchte Tungdils Blick und wartete auf einen Befehl.</p><p><emphasis>Sollen wir angreifen? Aber sie sind zu stark.</emphasis> Tungdil war ratlos. Sie waren unversehens zwischen die Albae geraten, und wie es aussah, hatten weder Sinthoras noch Caphalor vor, Narmora mit ihren Gefangenen zu dem Magus zu f�hren.</p><p>�Euer Spiel ist langweilig. Wenn ihr mich nicht zu dem Magus bringt, rufe ich ihn eben�, sagte sie mit leichtem Zittern in der Stimme. Die Furcht hatte sie trotz aller Schauspielkunst gepackt. Sie rief laut nach N�d�onn.</p><p>Die Albae lachten.</p><p>�Du hast einfach kein Gl�ck, Morana�, sagte Sinthoras heiter. �Ich habe dich angelogen. Der Magus ist bei den Truppen, dort, wo der Turm ist. Wir wollten gerade zu ihm. Mein Speer trank zu lange kein Zwergenblut mehr.�</p><p>�Beim Turm?� Sie schaute zu den Zwergen und den S�ldnern. �Dann werde ich sie eben hintreiben.� Sie machte Anstalten, an Sinthoras vorbeizugehen, als er blitzschnell sein Schwert zog, um es an ihre Kehle zu legen. Narmora parierte den Schlag jedoch mit ihrer Waffe. �Wenn du es noch einmal versuchst, stirbst du�, sagte sie drohend zu ihm.</p><p>Ein Messer schwirrte �ber die K�pfe der Zwerge hinweg, die geschliffene Spitze bohrte sich unter die Achsel der Halbalbin, und sie schrie auf.</p><p>�Die Morana, die ich kannte�, sagte Caphalor finster, �klang auch anders als du.�</p><p>Au�er sich vor Wut stie� Furgas nach dem Angreifer. Der Alb wich dem Speer elegant aus, zog dabei seine Kurzschwerter und schlug zum Schein nach dem Kopf des Mannes. Furgas fiel auf die Finte herein, und noch w�hrend er versuchte, die erwartete Attacke oben abzuwehren, trafen ihn die Klingen des Schwarzhaarigen in den Leib. �chzend sank er zusammen.</p><p>�Schnell!�, rief Tungdil zu Rodario, der seinen Schrecken erst �berwinden musste und ihnen den Sack mit den Waffen zuwarf. Die Zwerge zerrissen ihre Fesseln, packten ihre �xte und st�rzten sich auf die verhassten Gegner.</p><empty-line/><p>Rodario wich vor dem l�chelnden Sinthoras zur�ck, Bo�ndil sprang dazwischen, und seine Beile wirbelten hin und her.</p><p>�So, Schwarzauge, Zwergenblut wolltest du deinem Zahnstocher zu trinken geben?� Er attackierte ihn auf H�fth�he und zwang ihn damit von dem Schauspieler weg. Das gab Rodario die Zeit, die er ben�tigte. �Das trifft sich gut. Meine Beile d�rstet es nach Spitzohrensaft.� Zwischen den beiden entbrannte ein heftiges Gefecht, Balyndis sprang ihm bei und achtete nicht auf sein Gezeter, dass er den Alb allein besiegen wolle.</p><p>And�kai �bernahm es zusammen mit Tungdil, Caphalor zu besch�ftigen, w�hrend die verletzte Narmora nach ihrem Gef�hrten schaute.</p><p>Sie hatte Gl�ck gehabt. Das Wurfgeschoss hatte sie neben der Ader getroffen, sodass sie nicht mehr davontrug als eine leicht blutende Fleischwunde. Aber um Furgas stand es schlimmer. Sein Atem ging flach, er hechelte und versuchte kraftlos, das Visier zu �ffnen, um frische Luft zu bekommen.</p><p>�Liebster�, versuchte sie ihn zu beruhigen, w�hrend sie auf seine Wunde dr�ckte, um die Blutung zu stillen. Ihre Augen verwandelten sich zur�ck und wurden menschlich. Doch es gelang ihr nicht, den Blutfluss zu b�ndigen. Mit einem w�tenden Schrei schnellte sie in die H�he, dr�ngte And�kai zur Seite und beharkte den Alb mit einer Reihe von Angriffen. ��berlass ihn mir! K�mmere dich um Furgas�, bat sie die Maga knapp. �Er stirbt sonst.� Und ihre Augen wurden wieder schwarz.</p><p>And�kai nickte und zog sich zur�ck.</p><p>�Wie r�hrend�, sagte Caphalor mit bei�endem Hohn. �Sorge dich nicht, denn ich sende dich zu deinem Gef�hrten. Doch zuerst�, er wich ihrem Angriff aus und trat Tungdil dabei elegant gegen die Brust, dass der sich auf den Hosenboden setzte, �m�chte ich ein wenig Spa� mit dir haben.�</p><p>Wieder parierte er ihren Schlag und drosch ihr die Faust ins Gesicht. Sie taumelte r�ckw�rts und schaffte es, unter seinen Stichen abzutauchen; daf�r bekam sie sein Knie auf die Nase. Im Reflex zuckte sie zur�ck und bewegte sich geradewegs in die Reichweite seiner Klinge hinein.</p><p>Tungdil z�gerte nicht. Er warf seine Axt, auch wenn er keine zweite dabeihatte und gegen den Ratschlag des Zwillings handelte.</p><p>Die Axt flog, ihr Pfeifen warnte Caphalor jedoch vor der Gefahr.</p><p>Ohne dass der Zwerg erkennen konnte, wie er es anstellte, fing er die Waffe am Stiel auf und schleuderte sie zur�ck. Aus dieser Bewegung heraus wirbelte er um Narmora herum und zog ihr die Beine weg, um ihr mit seinen Schwertern im Fallen den Tod zu bringen.</p><p>Dem Zwerg gelang es nicht mehr auszuweichen, doch die Axt prallte gl�cklicherweise mit der stumpfen Seite gegen seine Brust. Die Rippen knackten, und es schmerzte h�llisch.</p><p>�Zur�ck, Caphalor! Sie ist mein�, dr�hnte eine heisere Stimme. Der Alb hielt inne und starrte auf N�d�onn, der wie aus dem Nichts erschienen war.</p><p>�Herr? Ihr ��</p><p>Der Augenblick der Ablenkung gen�gte Narmora, ihrem �ber sie gebeugten Gegner die Spitzen ihrer Waffen von unten in den Hals zu rammen. Beinahe vollst�ndig enthauptet stach er ein letztes Mal nach ihr und verletzte sie am Hals, dann kippte er vorn�ber und begrub sie unter sich.</p><p>Ein gr�sslicher Schrei ert�nte. Sinthoras sah den Tod seines Freundes mit an und verstand, dass es sich nicht um den wahren Magus handelte, der f�r die fatale Ablenkung gesorgt hatte. Er �berschlug seine Chancen, sie zu besiegen, und entschloss sich zu einem R�ckzug. Gegen die Kr�fte der Maga konnte er allein und ohne sein Schutzamulett nicht bestehen. �Wir sehen uns wieder. Euer Tod wird meinen Namen tragen!� Mit diesen Worten rannte er zur�ck in das Prunkzelt.</p><p>Tungdil und seine Gef�hrten verfolgten ihn und standen letztlich in einer leeren Unterkunft. <emphasis>Verflucht, der Alb hat es geschafft, uns zu t�uschen.</emphasis></p><p>W�hrenddessen blieb Rodario, der sich einmal mehr angema�t hatte, N�d�onn zu sein, auf dem Platz zur�ck, sandte die herbeieilenden Ungeheuer zur�ck an die Front und wies sie an, jeden Feigling in der Truppe sofort niederzumetzeln. �Um die Verr�terin k�mmere ich mich selbst. Seht her!� Er reckte die Hand gegen And�kai und murmelte unverst�ndliche Silben. And�kai spielte mit und lie� sich in den Staub sinken. Die Orks und Bogglins verneigten sich beeindruckt und kehrten um, um seinen Willen zu erf�llen.</p><p>�Einfaches Publikum ist ein Segen der G�tter�, murmelte Rodario erleichtert unter der Kutte hervor. Sein Herz klopfte bis zum Hals. �Sie sind weg, es sieht keiner zu uns�, rief er ihr zu und stellte sich vor die verletzte Narmora, um sie mit seinem weiten Gewand zu verdecken. �Rasch, versorge sie.� Sie kroch zu der Halbalbin und wirkte heilende Magie, um ihre Wunden zu schlie�en. ��brigens, Ihr habt durchaus Talent�, meinte der Mime, �ber die Schulter sprechend. �Ich habe selten auf der B�hne jemanden so sch�n umsinken sehen.�</p><p>�Sei still, Schw�tzer�, zischte sie und konzentrierte sich.</p><p>In aller Eile und so unauff�llig wie m�glich trugen sie die Verletzten und den toten Alb ins Zelt und beratschlagten im Verborgenen. Ingrimmsch stand am Eingang und hielt Wache.</p><p>�Sinthoras ist gefl�chtet, um den Magus vor uns zu warnen�, sch�tzte Tungdil und betrachtete den regungslosen K�rper Furgas�, den And�kai in einen Heilschlaf versetzt hatte, ohne den er die schwere Verletzung nicht �berleben w�rde. Narmora hielt seine Hand, dabei zitterte sie selbst am ganzen Leib. Ihr Hals glitzerte dunkelrot von ihrem eigenen Blut.</p><p>�Es wird unser Vorhaben nicht einfacher machen�, meinte And�kai und sah sich im Zelt um. �Aber wir haben eine Albaer�stung.� Kurzerhand zog sie den toten Alb aus und legte sich die R�stungsteile an. Sie sa�en an manchen Stellen zu knapp, an anderen zu weit, aber mit einem geschlossenen Helm und in der Begleitung Narmoras sollte eine erste T�uschung gelingen. �N�d�onn wird den Unterschied im Kampfget�mmel zu sp�t bemerken.�</p><p>�Rodario, du musst uns als falscher N�d�onn dorthin bringen, wo sich der echte befindet. Schaffst du das?�, legte Tungdil seinen neuen Plan zurecht.</p><p>�Sicher. Es macht Spa�, ein gef�rchteter Magus zu sein�, grinste er und zog die Riemen um die Helme zurecht, die ihn gr��er machten. Dann schob er die mit Luft gef�llten Leders�cke in Position, um die Fettleibigkeit N�d�onns nachzuahmen, und verga� auch nicht, seinen Flammenwerfer zu �berpr�fen. �Der Tanz kann beginnen, die gesch�tzten und verachteten Spectatores warten.�</p><p>�H�te dich davor, zu �bertrieben zu sein, sonst werden sie dich schneller in Fetzen rei�en, als wir es verhindern k�nnen. Wenn uns jemand aufhalten sollte: Wir�, Tungdil deutete auf Balyndis und Bo�ndil, �sind von dir magisch beherrschte �berl�ufer, die den Orks den Weg in den Berg zeigen wollen.�</p><p>And�kai nahm den Helm von Furgas und setzte ihn auf. Er passte nicht recht zu der aufw�ndig gearbeiteten R�stung, aber anders ging es nicht.</p><p>�Verdammt�, stie� Ingrimmsch aus und schaute durch eine Spalte im Stoff. �Sie haben den Turm in Stellung gebracht! Das wird dieses Mal b�se enden.� Er kniff die Augen zusammen. �Ich glaube, ich sehe den Magus! Er steht auf der mittleren Plattform und �� Betroffen schwieg er.</p><p>Sie eilten zum Durchgang, um mit eigenen Augen zu sehen, was N�d�onn tat.</p><p>Der Tafelberg erbebte unter den Gewalten, mit denen der Magus an ihm r�ttelte. Schwarze Blitze schossen aus dem Onyx und strichen �ber das Gestein. Das Knacken und Knistern h�rten sie bis ins Lager.</p><p>Das Schwarzjoch leistete hartn�ckig Widerstand, der Fels weigerte sich zu bersten, bis die Magie mit Macht in ihn hineinfuhr und ihn sprengte.</p><p>Ger�lllawinen donnerten staubumtost nach unten, die sch�tzenden Vorspr�nge brachen weg und gaben die Stollen dahinter frei, die ins Innere des Tafelberges f�hrten.</p><p>Die Mannschaften des Turmes fuhren sofort die Rampen aus; aus jeder Etage schoben sie die eilig zusammengezimmerten Br�cken und legten sie an die entstandenen L�cher. Noch w�hrend die breiten Stege ausgefahren wurden, rannten die ersten Orks darauf entlang und sprangen in die G�nge, wo sie von den �xten der Zwerge empfangen wurden.</p><p>N�d�onn wartete, bis die Mehrzahl der ersten Angreifer von den Plattformen in die Festung gest�rmt war, dann setzte er sich gem�chlich in Bewegung, um ins Innere zu gelangen.</p><p><emphasis>Jetzt wissen wir wenigstens, wo er ist.</emphasis> Tungdil atmete tief durch. �Wir lassen Furgas hier, einen sichereren Ort gibt es im weiten Umkreis wohl kaum�, entschied er. �Seid ihr beiden bereit?�</p><p>Narmora und Rodario nickten.</p><p>Als sie durch die Reihen der ehrf�rchtig niederknienden Bestien schritten, die mit ihrem tumben Verstand auf ihre Maskerade hereinfielen, hatte Bo�ndil unvermittelt das Gef�hl, dass sie in der Aufregung etwas Wichtiges vergessen hatten. Doch er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, worum es sich handeln mochte. *</p><empty-line/><p>Sie blieben hoch wachsam, immer damit rechnend, dass Sinthoras auftauchte und sie aus dem Hinterhalt attackierte. Ihr Vorteil bestand darin, dass er in diesem Get�mmel keinen sauberen Bogenschuss abgeben konnte, so musste er dicht an sie herankommen. Doch der Alb lie� sich nicht blicken.</p><p>Ungehindert erreichten sie den vordersten und gr��ten der insgesamt f�nf Belagerungst�rme, erklommen die breiten Treppen, die zu den Plattformen f�hrten, und benutzten die gleiche Rampe, �ber die N�d�onn eben noch geschritten war.</p><p>Wie durch ein Wunder gelangten sie unversehrt durch den Stein- und Pfeilschauer, den die Verteidiger von oben gegen sie sandten, in das Innere des Schwarzjochs. Schon von weitem drang der Kampfl�rm zu ihnen, das Gebr�ll der Orks mischte sich mit dem Krachen der Schwerter, Keulen und �xte.</p><p>�Ich sorge daf�r, dass sie keinen Nachschub erhalten�, sagte And�kai und wandte sich dem gigantischen Turm zu, wo Oger an den Seitenw�nden hinaufkletterten, um von der Spitze bis auf das Plateau des Tafelberges zu gelangen. Die Tunnel waren zu klein f�r sie, daher wollten sie den flachen R�cken der imposanten Erhebung erklimmen, um die Verteidiger anzugreifen und zu vernichten.</p><p>�Verausgabe dich nicht zu sehr�, warnte Tungdil sie, aufmerksam um sich sp�hend, ob ein Ork auftauchte. �Wir sind gegen N�d�onn auf deine Kr�fte sicherlich angewiesen.�</p><p>�Es braucht nicht viel.� Die blonde Maga zeichnete blau leuchtende Runen in die Luft, die sich zu einer Kugel verbanden. Das magische Gebilde flog fauchend in die unterste Etage des Turmes und barst auf einen Befehl And�kais hin auseinander.</p><p>Es pfiff wie bei einem starken Sturm, die B�e zerriss die Halteseile und knickte die dicken St�mme, als w�ren es d�rre Zweige. Die erste Plattform wurde durch die Kraft des Windes zerbrochen, woraufhin die Konstruktion ihre Stabilit�t verlor und sich �chzend nach links neigte.</p><p>Unter dem immensen Druck brachen weitere Streben, und die Oger fielen wie abgesch�ttelte K�fer und mit den Armen rudernd hinab, mitten in das schwarze Gewimmel aus Orks, Bogglins und anderen Kreaturen. Schlie�lich st�rzte der Belagerungsturm in sich zusammen und begrub hunderte von Ungeheuern unter sich. Das entsetzte Br�llen und Kreischen klang wie Musik in ihren Ohren. Die Tr�mmer lagen genau vor dem Zugang zum Berg, und die kleineren Belagerungst�rme w�rden erst herangeschafft werden k�nnen, wenn die st�renden �berreste wegger�umt w�ren.</p><p>�Das wird sie eine Weile besch�ftigen�, sagte And�kai zufrieden.</p><p>�Wir m�ssen uns einen Weg zu dem Verr�ter bahnen�, befahl Tungdil und gab sein Dasein als williger Sklave N�d�onns auf. �Schluss mit dem Mummenschanz, ehe dich die Zwerge f�r den echten Magus halten und dich voller Freude zerteilen.�</p><p>Rodario stieg von seinen improvisierten Stelzen und legte die Robe ab, unter der er eine R�stung trug. Eilig verstaute er die Utensilien in seinem Rucksack.</p><p>Balyndis hatte das Treiben vor den H�ngen des Tafelberges beobachtet, wo nun eine dicke Staubwolke aufstieg. �Es kommen noch mehr�, alarmierte sie die �brigen. �Wir m�ssen uns beeilen! Bei Vraccas, will es denn gar kein Ende nehmen?�</p><p>Tungdil besch�ftigte angesichts der Vielzahl der Bestien eine ganz andere Frage. <emphasis>Es m�ssten alle Zwergenst�mme und Heere des Geborgenen Landes gegen sie antreten, um sie zu vernichten.</emphasis> Er stellte sich neben die Schmiedin und fasste ihre Hand. Die Ber�hrung gab ihm neue Zuversicht und Kraft. �Erst N�d�onn, danach sehen wir weiter�, sagte er mehr zu sich selbst als zu ihr.</p><p>Sie drehten sich um, die Waffen schlagbereit erhoben, und bereiteten sich vor, die Orks vor ihnen im Tunnel von hinten anzugreifen, worauf sich vor allem Bo�ndil freute.</p><p>�Oink, oink, oink�, raunte er, die Augen glommen, und der Kriegswahn nahm von seinem Verstand Besitz. �So liebe ich es. Der Tunnel schmal, der Feinde viel. Ho, Vraccas, die ersten zehn sind f�r meinen Bruder, der Rest ist f�r dich.�</p><p>�Was auch geschieht, Narmora muss besch�tzt werden, bis wir zu N�d�onn gelangen�, schwor ihr Anf�hrer sie ein. �Alles Weitere muss sie erledigen.�</p><p>Gandogar packte seine Doppelklingenaxt. �Notfalls gebe ich mein Leben f�r sie. Der Tod des Magus ist das Wichtigste f�r das Geborgenen Land.�</p><p>Rodario hielt sich vornehm zur�ck und machte keinen Hehl daraus, dass er mehr in der hinteren Reihe zu finden sein w�rde. Eilends warf er einen Blick hinaus, w�hrend seine Gef�hrten auf die Orks zuliefen.</p><p>�Wartet mal!� Er betrachtete die Banner der aus Osten anr�ckenden Streitmacht. �Das sind die Farben von � Ido?�, wunderte er sich laut. �Ist Prinz Mallen gr��enwahnsinnig geworden?� Er erkannte immer mehr Flaggen in dem eindrucksvollen Heer. <emphasis>Das sind Streiter aller K�nigreiche des Geborgenen Landes!</emphasis></p><p>Voller Erstaunen beobachtete er, dass sich die ersten Reihen der anr�ckenden Streitmacht gegen die �berrumpelten Nachschubtruppen N�d�onns warfen und sie niedermachten.</p><p>Es dauerte, bis die Bestien begriffen, dass sich kein Freund n�herte, sondern eine zweite Front entstanden war. Ganz in der N�he verdunkelten Pfeilschauer den Himmel; zu hunderten stiegen die Geschosse in den Himmel, glitzerten in der Sonne und st�rzten Tod bringend in die Reihen der Bestien. Noch mehr unerwartete Gegner stellten sich den Horden des B�sen entgegen. Brandbomben flogen surrend durch die Luft, barsten inmitten der Orks und h�llten sie in Feuer. Panik brach unter den Bestien aus.</p><p>�Die Elben! Hervorragend�, jubelte Rodario und rief seinen Kampfgef�hrten die Neuigkeit zu.</p><p>Gandogar grinste. �Die Menschen und die Spitzohren scheinen ihren Mut wieder gefunden zu haben.�</p><p>�Lasst uns endlich anfangen�, dr�ngte es Bo�ndil, das Blut der Orks spritzen zu lassen. �Irgendwo vor uns wartet N�d�onn darauf, von uns vernichtet zu werden.�</p><p>Zuversichtlich st�rmten sie los.</p><empty-line/><p>Die Gegner zu besiegen stellte sich als sehr einfach heraus. Die Orks leisteten der pl�tzlich erfolgten Attacke kaum Widerstand, und ehe sie sich organisieren konnten, starben vierzig Ungeheuer. Die Freunde standen mitten auf einer Gangkreuzung, von Zwergen war nichts zu sehen.</p><p>�Ho, das war ein Spa�! Wohin m�ssen wir, Tungdil?�, keuchte Ingrimmsch gl�cklich. �Du kennst dich aus, wohin wird der Magus wohl gegangen sein?�</p><p>�Vermutlich wird er seine Truppen dort unterst�tzen, wo sie aus eigener Kraft nicht weiterkommen�, �berlegte er fieberhaft und hoffte, dass die W�nde des verfluchten Schwarzjochs wieder zu ihm spr�chen, doch es tat sich nichts. �Mir will kein bestimmter Ort einfallen�, stie� er verzweifelt hervor. �Es ist ��</p><p>Ein dumpfes Grollen brachte den Fels unter ihren F��en zum Beben. Die W�nde des linken Ganges erhellten sich und spiegelten das Feuer, das am Ende des Stollens aufloderte und wieder erlosch.</p><p>Wortlos rannten sie in den Tunnel. Der Geruch von verbranntem Fleisch lag in der Luft; der fette, schwarze Qualm brannte in ihren Augen und brachte sie zum Husten.</p><p>Sie gelangten in die erste von drei aufeinander folgenden Hallen. Die R�ume wurden nur von grob geschliffenen, d�nnen Steinw�nden getrennt, die mit aneinander gereihten, neun Schritt hohen Bogendurchg�ngen versehen waren und es ihnen erm�glichten, von der ersten bis in die letzte Halle zu sehen.</p><p>�berall schlugen sich die Zwerge mit den Eindringlingen. Sie verteidigten ein breites Tor an der Stirnseite der letzten Halle, von wo das Klirren am lautesten ert�nte. Die zahlreichen Clanbanner der Zweiten und Vierten wehten neben denen der Ersten.</p><p>Nachl�ssig gearbeitete schwarze S�ulen trugen die f�nfzig Schritt hohe Decke; br�chige Wendeltreppen ohne sicherndes Gel�nder wanden sich um die St�tzen herum und f�hrten nach oben. Etwa von der Mitte der Pfeiler spannten sich Br�cken quer durch den Raum, auf denen ebenfalls hart gek�mpft wurde.</p><p>�Weiter. Er muss hier sein�, meinte Tungdil entschlossen.</p><p>Zun�chst fielen sie in dem Get�mmel nicht besonders auf, doch das �nderte sich, als sie die hintere Halle erreichten und N�d�onn entdeckten. Er lief hoch oben auf einer Br�cke entlang und schaute auf die Verteidiger herab, die sich immer weiter zum Tor zur�ckzogen.</p><p>�Da! Er will sie sicherlich mit seiner Magie angreifen.� Bo�ndil setzte sich an die Spitze und st�rmte auf die S�ule zu, deren Treppen sie auf die Br�cke brachten. Doch das Schicksal hatte f�r sie eine andere Auseinandersetzung vorgesehen.</p><p>Ein schwarzer Pfeil sirrte von rechts heran. Die Spitze bohrte sich in Tungdils Oberschenkel, das nachfolgende Brennen lie� ihn st�hnen.</p><p>�Euer aller Tod hei�t Sinthoras�, spie der Alb ihnen entgegen. Er f�hrte eine Horde von f�nfzig kr�ftigen Orks an, und seine Finger legten bereits das n�chste Geschoss auf die Sehne. �Ich werde euere Leben nehmen, und das Land raubt euch die Seelen.�</p><p><emphasis>Mir raubt es sie gewiss nicht.</emphasis> Der zweite Pfeil flog heran. Tungdil blieb gerade noch Zeit, seinen Schild hochzurei�en, der dem gefiederten Tod den Gro�teil seiner Wucht nahm.</p><p>Fluchend st�rmte Sinthoras auf sie zu und befahl den Angriff.</p><p>�Rasch, Narmora und Bo�ndil, die Treppe hinauf�, befahl Tungdil. �Vernichtet N�d�onn, so lange er uns noch nicht bemerkt hat. Wir halten euch den R�cken frei.� Gepresst st�hnend brach er den Schaft des Pfeils, der in seinem Bein steckte, entzwei und bereitete sich auf den Zusammenprall mit den Gegnern vor. <emphasis>Vraccas, lass es ein gutes Ende nehmen,</emphasis> sandte er ein Sto�gebet an seinen Gott und holte aus, auf die Knie des ersten Orks zielend.</p><empty-line/><p>Teile der Steintritte platzten ab. Die Dritten hatten das Material nicht gut gew�hlt, es war im Lauf der Zyklen rissig geworden und machte den Aufstieg des Zwergs und der Halbalbin zu einem gef�hrlichen Unterfangen.</p><p>Sie umrundeten den Pfeiler und schraubten sich h�her und h�her, ohne nach den K�mpfenden zu schauen. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt der kolossalen Gestalt in der malachitfarbenen Robe, die gelegentlich in ihrem Blickfeld erschien. Die Luft wurde w�rmer, der Geruch von Blut und Orkinnereien schwebte allgegenw�rtig in der Halle.</p><p>Als sie den Absatz erreichten, der sie auf die Br�cke f�hrte, wuchs ein Famulus wie aus dem Nichts vor ihnen in die H�he. Er hatte unbemerkt im Schatten des Pfeilers gestanden.</p><p>�Was willst du hier?�, fragte er Narmora schroff, die er offenbar f�r eine Albin hielt. �Du sollst die Orks anf�hren und nicht ��</p><p>Bo�ndil sprang um die Ecke und schlug ihm zuerst das linke Beil ins Gem�cht, danach hackte er dem Magiesch�ler in die rechte Seite, sodass er gegen die S�ule st�rzte und zusammensackte.</p><p>�Die �berraschung ist der Feind der Zauberer�, grinste er seine Begleiterin an. Er lugte um den Vorsprung. �N�d�onn ist allein. Ich bleibe hier, damit er keinen Verdacht sch�pft.� Sein Blick suchte den ihren. Narmoras Augen hatten sich wegen der Dunkelheit und dem sch�tzenden Berg zur�ckverwandelt. �Ich werde zur Stelle sein, wenn du in Schwierigkeiten ger�tst.� Ingrimmsch z�gerte. �F�hlst du dich stark genug?�</p><p>Narmora entfernte die Lumpen von der Feuerklinge und lockerte sie in der Halterung, damit sie die Waffe sofort greifen konnte. �Du hast Sorgen, dass meine dunkle Seite mich zur Verr�terin macht?�</p><p>Er nickte. �Ja.�</p><p>�Nun, Bo�ndil Zweiklinge, du bist ehrlich zu mir�, sie beugte sich vor und legte ihm eine Hand auf die Schulter, �aber sollte ich tats�chlich eine �berl�uferin sein, k�men deine Bedenken ein wenig sp�t.� Ihr Gesicht hatte die H�rte und die Grausamkeit ihrer albischen Natur nicht verloren, sie wirkte Furcht einfl��ender denn je zuvor.</p><p>Nerv�s rieb er die Beilk�pfe aneinander, ihr Gerede und ihr Gehabe bescherten ihm Unruhe. �Tu was, damit ich wei�, wie es weitergeht�, verlangte er m�rrisch.</p><p>Sie l�chelte und trat aus der Deckung der S�ule. �So soll es geschehen. Ich gehe und tue etwas.� Ihre Z�ge blieben ausdruckslos.</p><empty-line/><p>N�d�onn stand in der Mitte der Br�cke. Er streckte seinen rechten Arm aus und beschrieb erste Runen, um einen vernichtenden Zauber gegen die beharrlich k�mpfenden Zwerge des ersten und zweiten Stammes zu schleudern. Die aufgequollene Linke hielt den Zauberstab aus wei�em Ahorn, der silbrig schwarze Onyx am oberen Ende glomm Unheil verk�ndend.</p><p>Sich anzuschleichen w�re auf der Br�cke nicht gegl�ckt, ein offener Angriff fruchtete ebenso wenig. Also blieb Narmora nur die List, um in die Reichweite des gef�hrlichsten und m�chtigsten Magus des Geborgenen Landes zu kommen.</p><p>Sie presste sich eine Hand an die Halswunde, wo ihr getrocknetes Blut noch haftete, und tat so, als w�re sie verwundet. Sie gab sich M�he, so echt wie m�glich zu spielen, und setzte taumelnd und wankend einen Fu� vor den anderen.</p><p>�Meister�, �chzte sie. �Sie haben den Belagerungsturm zerst�rt � And�kai ��</p><p>Er hielt inne, und sein Kopf wandte sich ihr zu. Durch die schnelle Bewegung schwabbelte das aufgedunsene Gesicht, als bef�nde sich unter der w�chsernen Haut Wasser und kein Fleisch. �And�kai?�, kr�chzte er. �Wo hast du sie gesehen?�</p><p>�Sie ist drau�en, Meister, vor dem Berg, und setzt unseren Truppen mit ihren Zaubern zu�, sprach sie angestrengt und wankte weiterhin auf den fetten Mann zu. Zehn Schritte trennten sie noch von ihm. Zehn unendlich weite Schritte. �Was sollen wir gegen sie tun?�</p><p>N�d�onn wandte sich ihr nun vollends zu. Sie sah seinen feisten Leib, die aufgeschwemmten Z�ge, die nichts mehr mit dem Gesicht Nudins gemein hatten, und das Blut, das aus seinen Poren trat, wo es sich in d�nnen Rinnsalen sammelte und in die Robe sickerte. Der Stoff starrte vor Schmutz, �berall zeichneten sich braune Flecken ab, mal glitzerten sie feucht, mal waren sie eingetrocknet. Der Magus stank �belkeit erregend.</p><p>�Ihr k�nnt nichts gegen sie ausrichten�, sagte er zu ihr mit seiner zweifachen Stimme. �Bring mich an den Ort, wo sie euch zuletzt angegriffen hat, ich k�mmere mich selbst um sie. Ihrer Magie seid ihr nicht gewachsen. Geh voraus.�</p><p>F�nf Schritte.</p><p><emphasis>Ich muss n�her an ihn herankommen.</emphasis> Narmora blieb stehen und brach in die Knie. �Meister, ich bin schwer verletzt. K�nntet Ihr mir zuerst die Gnade erweisen, mich von den Wunden zu heilen, damit ich Euch mit ganzer Kraft dienen kann?�</p><p>�Dazu ist sp�ter Zeit�, schmetterte er ihr Gesuch ab. �Steh auf und �� Sein Blick fiel auf die Gruppe um Tungdil und Gandogar, die sich erbittert gegen die Orks und Sinthoras zur Wehr setzten. �Sie? Wie ist das m�glich? Ich dachte, die Artefakte �� Er verstummte und sammelte seine Konzentration. �Umso besser.�</p><p>Als er die Augen schloss, handelte die Halbalbin, denn eine bessere Gelegenheit w�rde sich wahrscheinlich nicht mehr ergeben.</p><p>Langsam und lautlos erhob sie sich, um ihn nicht auf sich aufmerksam zu machen, dann setzte sie vorsichtig einen Fu� vor den n�chsten.</p><p>Vier Schritte, drei Schritte, zwei Schritte, ihre Hand legte sich an den Griff der Feuerklinge. <emphasis>Noch einen Schritt �</emphasis></p><p>�Meister, Obacht!�, hallte ein warnender Ruf �ber die Br�cke.</p><p>Narmora riss die Axt aus der Halterung und schlug zu. Da lenkte N�d�onn den gegen Tungdil gedachten Zauber auf sie.</p><empty-line/><p>Narmora hatte das Gef�hl, sie blicke unmittelbar in die Sonne, so grell leuchtete es vor ihren Augen auf. Die Helligkeit blendete sie schmerzhaft, sie wurde von den F��en gehoben und in gerade Linie nach hinten geschleudert. Blind landete sie auf der Br�cke, doch ihre Finger gaben die Feuerklinge trotz der H�rte des Aufschlags nicht frei.</p><p>Sie wusste, dass es ihr nicht gelungen war, N�d�onn zu treffen, dazu musste sie nichts sehen. <emphasis>Aber wieso lebe ich noch?</emphasis> Sie tastete sich vorsichtig ab und ber�hrte das Schutzamulett, dass And�kai ihr gegeben hatte. <emphasis>Deshalb!</emphasis></p><p>�Erledige das�, h�rte sie den Magus sagen, �und bring mir die Axt.� Das scharfe Klacken, das vom Zauberstab herr�hrte, wenn das Ende auf den Steinboden traf, entfernte sich.</p><p>Ihre Sicht kehrte zur�ck, verschwommen erkannte sie die malachitfarbene Robe am anderen Ende der Br�cke. St�hnend stemmte sie sich auf, um hinter dem Feind herzurennen, ihn einzuholen und zu stellen. Das Amulett gab ihr Sicherheit.</p><p>Ein dunkler Schatten sprang unvermittelt �ber sie hinweg und kam drei Schritte elegant vor ihr auf. Die Spitzen zweier Kurzschwerter reckten sich ihr entgegen.</p><p>�Das Tote Land gab mir eine Gelegenheit, mich an dir zu r�chen�, begr��te sie Caphalor; die schwere Verletzung, die sie ihm am Hals zugef�gt hatte, war deutlich sichtbar.</p><p>�Wir haben dir vorhin nicht den Kopf von den Schultern geschlagen�, erwiderte Narmora kalt, �um dir zu zeigen, wie wenig wir uns vor dir f�rchten. Du bist leicht zu schlagen.� Sie hob die Feuerklinge. Wenn er ihre Angst sp�rte, h�tte er gewonnen. �Dieses Mal wirst du nicht noch einmal aufstehen.�</p><p>Caphalor fletschte die Z�hne und begann seine Attacken. Narmora sp�rte bald, dass sie mit der Geschwindigkeit des untoten Kriegers nicht lange mithalten k�nnte. Daher erwiderte sie die Angriffe mit einem Ausfall und traf ihn sogar. Die Axt grub sich in die linke Schulter. Mehr geschah nicht.</p><p>Der Alb sprang zur�ck und hob die Waffen. �Ich werde dich verzehren, und mit deinem Blut male ich ein Bild von deinem zerst�ckelten K�rper�, versprach er ihr und setzte ihr nach. Dabei dr�ngte er sie so geschickt zur�ck, dass sie gef�hrlich nahe an den Br�ckenrand geriet. Im letzten Augenblick bemerkte sie, dass sie nur mehr eine Handbreit Stein von der Tiefe trennte.</p><p>Caphalor tauchte blitzartig ab und schlug nach ihrem Unterschenkel. Sie sprang �ber ihn, wirbelte einmal um die eigene Achse und schlug dabei nach seinem Hals, um ihn dieses Mal endg�ltig zu vernichten.</p><p>Er lie� sich fallen, rollte sich auf den R�cken und stie� mit den Kurzschwertern senkrecht nach oben, als sie sich vorbeugte, den Streich mit der Feuerklinge f�hrend.</p><p>Die Schneide der Axt schrammte Funken stiebend �ber den Steinboden der Br�cke, ehe sie seitlich in den Hals des Albs eindrang und das Vernichtungswerk vollendete. Caphalors Augen weiteten sich �berrascht.</p><p>Aber auch er hatte getroffen.</p><p>Narmora hing aufgespie�t auf seinen Kurzschwertern, die sich durch die R�stung unterhalb der Schultergelenke in ihre Brust gebohrt hatten. Die Schmerzen raubten ihr schier den Verstand. Durch einen dunklen Schleier sah sie, wie das Schutzamulett von ihrem Hals fiel; das durchschnittene B�ndchen und der Kristall prallten auf den Alb und trudelten in die Tiefe.</p><p><emphasis>Ich muss �</emphasis> Sie versuchte zu rufen und auf sich aufmerksam zu machen, aber es gelang ihr nicht. Sie war zu schwach und die beiden neuerlichen Verwundungen zu schwer. Narmora sp�rte genau, wie die Ohnmacht in sie hineinkroch, und konnte doch nichts dagegen unternehmen.</p><p>Sie verlor das Bewusstsein, ihre Knie gaben nach, und sie sackte auf den Kadaver Caphalors, dessen Kurzschwerter und steife Arme sie immer noch gefangen hielten. Ihr wurde eisig kalt. Unf�hig, irgendeine Bewegung zu machen, kauerte sie �ber ihrem Angreifer.</p><p><emphasis>Furgas �</emphasis> Ihre Kraft schwand, die Finger, die sich um den Griff der Feuerklinge klammerten, �ffneten sich gegen ihren Willen. Die Axt fiel klirrend auf die Br�cke, prallte ab und rutschte �ber die Kante in die Tiefe.</p></section><section><title><p>X</p></title><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar, Schwarzjoch, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Tungdil hatte den Kampf Narmoras mitverfolgt, ohne von unten eingreifen zu k�nnen. Ihr Ende zu sehen versetzte ihn in rasende Wut.</p><p>N�d�onn umrundete unterdessen die weiter von ihnen entfernte S�ule nach unten und w�rde in wenigen Augenblicken bei ihnen sein. <emphasis>Ohne die Feuerklinge ist jeder Widerstand gegen den Magus sinnlos.</emphasis></p><p>�Ich hole die Axt�, rief er Balyndis zu. �Haltet mir die Orks vom Leib und gebt auf N�d�onn Acht! And�kai muss ihn besch�ftigen, bis ich zur�ckkehre.�</p><p>Sie nickte grimmig und f�llte die Bestie, die sich gerade auf ihn st�rzen wollte, mit einem einzigen Schlag. �Geh!�</p><p>Tungdil l�ste sich aus dem Scharm�tzel und gab den Kriegern der Ersten, Zweiten und Vierten mit seinem Horn auf der anderen Seite der Halle das Signal, dass er ihre Unterst�tzung ben�tigte. Vereinzelt schmetterten sie ihre Antworten, und an manchen Stellen nahm das Klirren der Waffen an Intensit�t zu. Die Ablenkung w�rde hoffentlich dazu f�hren, dass sich die Orks weniger um ihn scherten.</p><p>�Vraccas, wenn du willst, dass im Geborgenen Land weiterhin dein Name verehrt wird, steh mir bei�, betete er knapp und st�rzte sich in das Dickicht aus stinkenden R�stungen und Beinen.</p><p>Er verzichtete darauf, den Wald mit seiner Axt zu lichten und auf sich aufmerksam zu machen, sondern bem�hte sich, in gebeugter Haltung m�glichst ohne Widerstand zwischen den Bestien hindurchzugelangen. Einem Gnom wie Swerd w�re das leicht gefallen, einem gedrungenen Zwerg aber bereitete es Schwierigkeiten.</p><p>Gelegentlich bemerkten sie ihn, doch ehe sie ihn greifen konnten, hatte er sich wieder davongemacht. Zweimal musste er seine Waffe einsetzen, um eine gr�nh�utige Hand zu kappen, die ihn festhalten wollte.</p><p>So gelangte er zu der Stelle, wo er die Feuerklinge nach ihrem Fall von der Br�cke hatte verschwinden sehen. Seine Augen suchten aufmerksam den Boden ab, doch sie war verschwunden.</p><p>�Ho, Tungdil! Ich habe etwas f�r dich�, rief ihm jemand von hinten zu. Er wandte sich um, sah gerade noch einen Zwergenk�rper verschwinden und die Intarsien am Kopf der Feuerklinge aufblinken. �Komm und hol es dir.�</p><p><emphasis>Ein schlechter Zeitpunkt f�r einen Scherz.</emphasis> Mit seinem schmerzenden Bein machte er sich an die Verfolgung und verlie� im Schutz einer S�ule die Horde Orks, die weiterhin gegen die Zwergenkrieger anrannten und sich kaum um das scherten, was in ihren R�cken vorging.</p><p>Zu seiner �berraschung stand er jenem Zwerg gegen�ber, mit dem er am wenigsten gerechnet hatte und der ihm nun die Axt entgegenhielt. �Du?�</p><p>�M�chtest du sie?�, fragte Bislipur lauernd, den ein Sturz aus gro�er H�he gr�sslich entstellt hatte. Sein ganzer K�rper war deformiert, und den Anblick seines zerschmetterten Gesichts mit der klaffenden Wunde im Sch�del konnte Tungdil kaum ertragen.</p><p>�Du bist f�r deine Machenschaften bestraft worden, wie ich sehe�, erwiderte er finster und hielt seine eigene Axt angriffsbereit. <emphasis>Das Tote Land hat ihn.</emphasis> �Gandogar ��</p><p>�Gandogar ist mir gleichg�ltig.�</p><p>�Dein Herr, f�r den du auf hinterlistige Weise den Thron des Gro�k�nigs erringen wolltest, ist dir unversehens gleichg�ltig?�</p><p>�Nicht unversehens, sondern schon immer. Mein Bestreben war es, denjenigen auf den Thron zu setzen, den ich lenken und leiten kann, wie es mir gef�llt�, sagte er und lie� die Axt spielerisch kreisen. �Der Krieg gegen die Elben, das war mein Ziel. Daf�r habe ich Gandogars Vater und seinen Bruder get�tet und es den Elben in die Schuhe geschoben, um seinen Hass zu sch�ren.� Er lachte und deutete auf die K�mpfe um sie herum. �Die Spitzohren ben�tige ich nicht mehr. Und es l�uft sogar besser, als ich erwartet habe.� Bislipur erkannte den Unglauben in den Augen seines Gegen�bers. �Ich bin ein Dritter, Tungdil. Genau wie du.�</p><p>�Nein�, wisperte er. Die Gefechte und das Geschrei verblassten, er sah einzig das �berlegene L�cheln des Zwergs vor sich, mit dem er sich anfangs auf unerkl�rliche Weise verbunden gef�hlt hatte. �Ich bin kein Dritter � Ich bin ein Vierter.�</p><p>�Wie ich?!�, lachte er ihn aus. �Wir sind dazu bestimmt, uns an den anderen zu r�chen, Tungdil. Sie haben Lorimbur und uns nichts gelehrt, sie haben uns verspottet, weil sie sich f�r etwas Besseres hielten. Ihr K�nnen machte sie �berheblich wie die Elben. Erinnere dich, was sie mit dir anstellten.� Er kam n�her. �Der feine Balendil�n und der edle Gundrabur, sie haben dich benutzt, weil es ihnen in den Kram passte! Meinst du, sie h�tten sich um dich gesorgt, wenn sie dich nicht f�r ihre Posse ben�tigt h�tten? Du s��est noch immer bei Lot-Ionan und w�rst ihnen gleichg�ltig, sie h�tten den Brief einfach weggeworfen.� Sein Blick wirkte hypnotisch, die Worte fra�en sich in Tungdils Verstand fest. �Verabscheuungsw�rdig, so sind sie alle. Deshalb m�ssen sie sterben.�</p><p>�Nein�, wagte er z�gernd Widerspruch. �Balyndis ��</p><p>Bislipur lachte meckernd. �Ein Weib, das du magst? Was wird sie tun, wenn sie erf�hrt, dass du ein Zwergent�ter und Verr�ter bist wie ich? Deine Zukunft ist bei den Dritten, nicht hier. Hier ist nur der Tod.�</p><p>�Ein Verr�ter �� Fassungslos starrte er auf das Gemetzel in der Halle. Erst jetzt erkannte er die Tragweite der Worte. �Du warst es! Du hast die Bestien in die Zwergenreiche gef�hrt ��</p><p>�Ich habe in N�d�onn jemanden gefunden, der ein viel gr��erer Verb�ndeter ist. Ich versprach ihm, dass sich die Dritten ihm nicht in den Weg stellen w�rden, wenn er die anderen St�mme daf�r vernichtete. Die Gelegenheit musste ich einfach nutzen.�</p><p>Tungdil schluckte, seine H�nde umfassten den Stiel fester. �Du bist wahnsinnig. Du hast das Geborgene Land in die Hand des B�sen gegeben, nur um ��</p><p>�Nein!�, schrie Bislipur unvermittelt. �Nicht �nur�, sondern um unsere Bestimmung zu erf�llen, um endlich das zu vollenden, was unser Stamm seit tausenden von Zyklen versucht. Ein gr��eres Ziel gibt es f�r uns beide nicht! Uns geh�ren alle Gebirge, wenn sie nicht mehr sind.�</p><p>�Rede nicht, als betr�fe es mich. Ich bin ausgezogen, um N�d�onn aufzuhalten und die Zwergenst�mme zu retten. Ich <emphasis>kann</emphasis> kein Dritter sein!�, schrie er verzweifelt.</p><p>�Doch, du bist einer von uns�, blieb Bislipur �berzeugt. �Ich sah es sofort, als du in die Halle tratest, aber du verleugnest den Hass in deinem Herzen. Lausche in dich hinein, und du wirst die Wahrheit meiner Worte erkennen.�</p><p>�Die Wahrheit aus dem Mund eines Verr�ters?� Tungdil blickte ihn ver�chtlich an und holte tief Luft. �Gib mir die Feuerklinge.�</p><p>Er blickte lauernd. �Um was damit zu tun?�</p><p>�N�d�onn zu vernichten. Gandogar und die anderen werden entscheiden, was mit dir geschieht.�</p><p>�Dann wirst du sie mir abnehmen m�ssen. Du hast den Tod gew�hlt, Tungdil. Sehr schade�, meinte Bislipur bedauernd und klopfte auf die Axt. �Wenn man bedenkt, dass du so viele Entbehrungen auf dich genommen hast, nur um deine eigene Hinrichtungswaffe zu schmieden ��</p><p>Ohne Vorwarnung attackierte Tungdil den Verr�ter, aber sein Angriff wurde abgeblockt. Bald entspann sich ein heftiges Gefecht zwischen den Zwergen, doch keiner gewann die Oberhand.</p><p>�Du willst deine Abstammung immer noch verleugnen?�, meinte der Hinkende h�hnisch. �Wie sonst h�ttest du in der kurzen Zeit so gut zu k�mpfen gelernt, wenn es dir nicht vererbt worden w�re?�</p><p>�Nein!�, schrie Tungdil w�tend und schlug zu. �Ich <emphasis>will</emphasis> kein Dritter sein!�</p><p>Bislipur hielt dagegen und zertr�mmerte Tungdils Waffe. Der Holzschaft brach ab, der schwere Kopf trudelte gegen den Nasenschutz seines Helms und lie� ihn Sternchen sehen.</p><p>Sofort setzte sein Gegner nach. Tungdil wich aus und st�rzte dabei, im Fallen streckte er die H�nde aus und riss ihn mit sich.</p><p>Sie w�lzten sich am Boden, und Bislipur verlor schlie�lich die Feuerklinge. Stattdessen z�ckte er einen Dolch und rammte ihn tief in den Oberarm seines Widersachers. Tungdil keuchte auf und antwortete mit einem Stich seines Messers in Bislipurs Hals.</p><p>�Du kannst mich nicht mehr t�ten�, lachte er ihn aus. �Das hat Balendil�n schon vor dir versucht und ist an dem Toten Land gescheitert, wie du siehst.� Er schlug ihm wuchtig ins Gesicht, dass der Helm davonflog, und wand sich unter ihm hervor. Ein harter Tritt, und Tungdil verlor sein Messer. �Es ist ein ungleicher Kampf, den du dazu noch verlieren wirst.�</p><p>Seine Finger griffen in Tungdils Haare und rissen ihn in die H�he.</p><p>�Weil du einer von uns bist, frage ich dich ein letztes Mal�, schnarrte er. �M�chtest du mit dem Abschaum zu Grunde gehen, oder kehrst du mit mir ins Reich der Dritten zur�ck, um unseren Triumph zu feiern?�</p><p>Waffenlos wie Tungdil nun war, blieb ihm nur ein letzter Versuch. Er ertastete das Halsband Swerds in seinem kleinen Lederbeutel, riss er heraus und legte es dem verbl�fften Bislipur um.</p><p>�Das Band des Gnoms? Was soll das? Nur zu, versuche, mich zu erw�rgen! Denkst du, ich brauche noch Luft zum Atmen?�</p><p>�Was du brauchst, ist dein Kopf.� Tungdil stie� ihn zur�ck und verlor dabei ein gutes B�schel Haare. Dabei schnappte er sich den Silberdraht vom G�rtel. �Und genau den nehme ich dir.�</p><p>Ruckartig zog er die Schlinge zusammen. Die Lasche verkleinerte sich, und gleichzeitig schn�rte sich der Hals immer tiefer ein. Nun verstand Bislipur, was er beabsichtigte.</p><p>Er kr�chzte unverst�ndlich, weil sein Kehlkopf bereits zerdr�ckt war, und wollte den Dolch in Tungdil rammen, da verengte dieser den Draht mit einem Ruck. Das silberne Kropfband glitt durch die Haut, durchschnitt Bislipurs Wirbel, und als der Draht ganz durch die �se lief und die Lasche sich aufl�ste, fiel der Kopf des Verr�ters abgetrennt zu Boden. Der Verschluss des widerlichen Halsbands �ffnete sich und zersprang, der Zauber war gebrochen.</p><p>Zum Triumphieren blieb Tungdil keine Zeit. Er hob die Feuerklinge auf und rannte, so schnell es ihm seine Verletzungen erlaubten, zur�ck zu seinen Freunden, um ihnen gegen N�d�onn beizustehen.</p><p>Nun fehlte ihnen nur noch ein Feind der Zwerge, der die Waffe gegen den Magus f�hren w�rde.</p><empty-line/><p>Die Orks wichen zur Seite und machten N�d�onn Platz, der Kampf wurde unterbrochen.</p><p>�And�kai�, sagte er kr�chzend und neigte seinen aufgedunsenen Kopf. �Es w�re besser gewesen, du h�ttest mich unterst�tzt, anstatt dich in nutzlosem Widerstand aufzureiben. Wenn die Gefahr aus dem Westen kommt, brauchen wir alle Kr�fte.�</p><p>�Du bist die Gefahr, Nudin�, erwiderte sie, den Abwehrzauber mit ihren letzten Kr�ften aufrecht haltend, weil sie nichts riskieren wollte. �In dir lebt ein d�monisches Wesen, das dich diese verworrenen Dinge denken l�sst, das dich lenkt und benutzt.�</p><p>�Es ist mein Freund, es ist der Freund des Geborgenen Landes�, widersprach er verzweifelt. �Ihr versteht es nicht! <emphasis>Warum</emphasis>?�</p><p>Sie nickte. �Da stimme ich dir zu, wir verstehen es nicht. Tod und Verderben �ber die Menschen, Zwerge und Elben zu bringen erscheint mir ein zu gro�er Preis f�r einen angeblichen Schutz vor einem Feind, der nur in deinem verblendeten Verstand existiert, Nudin.�</p><p>�Ich bin <emphasis>N�d�onn</emphasis>!�, schrie er sie mit schriller Stimme an. �Ihr werdet erkennen, dass mein Freund und ich Recht hatten, wenn wir euch alle vor dem bewahren, was aus dem Westen kommt. Legt die Waffen nieder, und ich schone euch.� Seine zweifache Stimme nahm einen beschw�renden Tonfall an, er schien von dem, was er sagte, vollkommen �berzeugt. �Ich tue das alles doch nur, weil ihr mich dazu zwingt. H�ttet ihr eure Macht freiwillig abgetreten, w�re es nicht zu diesen Kriegen gekommen.�</p><p>And�kai hob ihr Schwert, die Schneide blitzte auf. �Du hast zu viel Leid �ber uns gebracht, als dass wir dir Glauben schenken k�nnten.�</p><p>�Dann�, sagte er bek�mmert, �m�ssen wir es zu Ende bringen. Ihr hattet die Wahl.� Eine einzige Geste gen�gte, und ihre Schutzwand barst mit einem hellen Ger�usch.</p><p>Sinthoras sprang augenblicklich nach vorn und stach mit seinem Speer nach ihr. Sie parierte den Angriff und wurde daraufhin von drei Orks gleichzeitig attackiert, die sie von den Zwergen abdr�ngten.</p><p>Pl�tzlich ragte der Alb wie aus dem Nichts neben ihr in die H�he, sein Speer stie� genau auf ihre K�rpermitte zu � und prallte von einem polierten Schild ab.</p><p>Violettes Licht flammte �ber Sinthoras auf, ein grollendes Knurren erklang, dann hackte Djer&#x16F;ns Schwert nach dem Alb, der es gerade noch schaffte, den Schaft seiner Waffe in die H�he zu rei�en.</p><p>Kein Holz der Welt, vermutlich nicht einmal das einer Sigurdazie, h�tte diesem Schlag standgehalten, und so zerteilte die Klinge des riesigen Schwertes zuerst den Speer und danach den entgeisterten Sinthoras, um ihm mit einer bogenf�rmigen Bewegung den Kopf von den Schultern zu schlagen. Tot, gespalten und gek�pft st�rzte er auf den Stein.</p><p>Die Orks wichen �ngstlich quiekend vor dem K�nig der Bestien zur�ck, der sich br�llend aufrichtete, das Visier ge�ffnet und sein wahres Antlitz in dem grellen Licht verbergend. Die Furcht vor ihm verschaffte den Freunden die dringend ben�tigte Atempause.</p><p>Tungdil tauchte humpelnd an And�kais Seite auf, in den H�nden die Feuerklinge haltend. �Hier ist sie.� Er deutete auf Djer&#x16F;n. �Ist er eine Bestie und ein Feind der Zwerge?�, wollte er schnaufend wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte sie. �M�chtest du ihm die Feuerklinge anvertrauen?�</p><p>�Haben wir denn eine Wahl?� Er warf sie ihm zu.</p><p>Djer&#x16F;n rammte sein Schwert kurzerhand durch zwei Orks und lie� es stecken, um die Hand freizuhaben und die Axt zu fangen.</p><p><emphasis>Bringen wir es zu einer Entscheidung.</emphasis> Tungdil nahm sein Horn und blies laut hinein; die Zwerge des Ersten, Zweiten und Vierten Stammes antworteten ihm mit H�rnerklang und Jubelrufen. �F�r das Geborgene Land, im Namen von Vraccas!�, rief er und st�rmte gegen den Magus; seine Freunde folgten ihm, Balyndis und Gandogar befanden sich unmittelbar an seiner Seite.</p><p>Sie hieben sich durch die Orks und Bogglins, dass es nur so spritzte, und endlich war Djer&#x16F;n so nahe heran, dass er nach einem knappen Befehl der Maga einen Angriff gegen N�d�onn wagte. And�kai schuf einen grellen Blitz, der zu nichts anderem diente, als den Magus zu blenden.</p><p>Unvermittelt stand der Krieger vor dem irritierten N�d�onn und schlug mit solcher Wucht zu, dass die Feuerklinge von hinten in den ungepanzerten K�rper eindrang und vorn wieder austrat. Ein Schwall stinkender schwarzer Fl�ssigkeit ergoss sich �ber die Umstehenden.</p><p>Der Magus br�llte laut, und noch w�hrend sein Schrei durch die Hallen gellte, schlossen sich seine Wunden bereits wieder.</p><p>�Nein�, raunte Tungdil entsetzt. �Das � sie h�tte ihn t�ten m�ssen!�</p><p>N�d�onn sprach einen Zauber gegen den gigantischen K�mpfer, der von schwarzen Blitzen getroffen in die Orks st�rzte und sich nicht mehr regte. �Selbst das wollte euch nicht gelingen!�, rief ihnen der Mann entgegen, an dem nur noch die zerfetzte Robe von der Verletzung zeugte.</p><p><emphasis>Es soll nicht umsonst gewesen sein!</emphasis> W�tend f�hrte Tungdil seinen Angriff fort, und w�hrend seine Freude alles unternahmen, um den Magus zu besch�ftigen, was ihnen zusehends schwerer fiel, suchte er zum zweiten Mal nach der Feuerklinge.</p><p>Hastig entwand er sie den steifen, eisernen Fingern Djer&#x16F;ns. Ein eigenartiges Kribbeln lief durch seine Finger. Was �?</p><p>Die Intarsien glommen auf, die Diamanten strahlten und funkelten wie tausend Sonnen. Zuerst glaubte er, er sei ein Opfer von N�d�onns Zauberspr�chen geworden, doch dann begriff er, dass die Wirkung einzig von der Axt ausging, die zu sp�ren schien, dass ihre einzigartigen Kr�fte gegen den D�mon gefordert waren.</p><p><emphasis>Bei Vraccas, ich bin ein Dritter,</emphasis> verstand er die Bedeutung des Geschehens und erkannte seine Herkunft. <emphasis>Aber meine Abstammung wird zu Gutem f�hren, das schw�re ich.</emphasis></p><p>Er packte den Stiel und rannte mit leicht eingezogenem Kopf auf den Magus zu. Die Orks, die sich ihm in den Weg stellten und die er mit der schimmernden Schneide traf, vergingen in einem aufflammenden wei�en Feuer. Bei jedem Schlag zog die Waffe einen glei�enden Schweif hinter sich her, und Tungdil sp�rte die Hitze, die von ihm ausging. Es war die gleiche, die er von der Esse im Reich der F�nften kannte.</p><p>N�d�onn bemerkte die Gefahr sofort. Seine bislang so selbstsichere Miene ver�nderte sich und nahm einen Ausdruck immenser Furcht an. Die Zauberspr�che, die er gegen den anst�rmenden Zwerg sandte, vergingen; die Runen der Feuerklinge besch�tzten ihren Tr�ger und lie�en nicht zu, dass ihm etwas geschah.</p><p>�Wenn du mich t�test, wirst du das Geborgene Land vernichten! Die Gefahr, die ihr nicht aufzuhalten verm�gt, macht sich bereit, um uns aus dem Westen anzugreifen�, prophezeite er und stie� mit der Spitze des Ahornstabes nach ihm. Tungdil wehrte den Angriff ab und sprang ganz nah an den Mann heran. �Du wirst seinen Untergang verschulden. Du musst mich leben lassen!�</p><p>Tungdil zerschlug den Ahornstab; der Onyx auf dem oberen Ende barst, und die dunklen Edelsteinsplitter regneten zu Boden.</p><p>�Nein. Wir besch�tzen das Geborgene Land selbst, so wie wir es vor dir besch�tzen�, entgegnete Tungdil grimmig und schlug zu. <emphasis>F�r Lot-Ionan, Frala und ihre T�chter.</emphasis></p><p>Die Ausweichbewegung des feisten Mannes erfolgte zu sp�t, und selbst hastig gewirkte Magie konnte den Hieb nicht mehr aufhalten. Die Schutzsymbole flirrten in der Luft und wurden von der Feuerklinge vernichtet. Dann fuhr die diamantenbesetzte Schneide in N�d�onns Wanst.</p><empty-line/><p>Der Bauch platzte wie eine �berreife Frucht. Innereien, Magen, Darm, die Lunge, alles Menschliche ergoss sich als halb zersetzter Brei mit ungeheurem Druck auf den Boden. Ein fingergro�er Malachitsplitter wurde von der widerlichen Flut davongesp�lt.</p><p>Aus dem spr�henden Blut l�ste sich ein schimmernder Nebel, in dem es schwarz, silbern und rot flackerte. Er dehnte sich rasch aus, wuchs f�nf Schritt in die H�he und nahm allm�hlich Konturen an.</p><p>Zwei schwarze Augenh�hlen entstanden, aus denen faustgro�e leuchtende Sterne voller Bosheit und Hass rot gl�hend auf den Zwerg hinabstarrten. Dann wandten sie sich blitzschnell zu And�kai.</p><p><emphasis>Der D�mon hat sich ein neues Opfer gesucht!</emphasis></p><p>Der wirbelnde Dunst flog zielstrebig auf die Maga zu, die vor ihm zur�ckwich. Ihr Schwert glitt wirkungslos durch ihn hindurch. Jetzt verkleinerte er sich wieder, einzelne durchsichtige Arme entstanden und umschlossen die blonde Frau.</p><p>�Tungdil!� Sie �chzte auf, schwankte und brach in die Knie, w�hrend die ersten tastenden Nebelfinger ihre Kiefer auseinander dr�ckten. Das Wesen machte sich bereit, in eine neue Tr�gerin zu fahren, dieses Mal ohne deren Einverst�ndnis.</p><p>Tungdil sprang an ihre Seite, und als der flirrende, lebendige Nebel in ihre Mundh�hle sickern wollte, schlug der Zwerg zu.</p><p>Die Runen der Klinge schimmerten auf, und die Feuerklinge zerteilte das Gespinst. Ein lautes Zischen ert�nte, der Nebel zog sich wie ein verletztes Tier zur�ck, aber Tungdil setzte ihm nach. Die Hiebe der Feuerklinge trennten kleinere Schwaden ab, die verblassend durch die Halle trudelten und sich aufl�sten, doch der Rest des D�mons blieb bestehen und schien zur Decke ausweichen zu wollen.</p><p><emphasis>Dann eben auf andere Weise.</emphasis> Tungdil stieg auf eine umgest�rzte S�ule, ignorierte seine schmerzenden Wunden im Bein und am Arm, rannte auf ihr entlang und dr�ckte sich mit viel Schwung ab, die Waffe zum Schlag erhoben. �Vraccas!�</p><p>Sein gut gezielter Sprung brachte ihn ins Zentrum des Nebels, die Schneide traf. S�mtliche Runen erstrahlten in hellem Schimmer und schufen einen glei�enden Schweif hinter dem Axtkopf. Die Diamanten flammten grell auf.</p><p>Einen Augenblick hing Tungdil im Innern des D�mons und hatte das Gef�hl, bei seinem Flug langsamer zu werden, dann erklang ein Ger�usch wie von rei�endem Leinen, und ein lautes St�hnen folgte.</p><p>Tungdil landete auf der anderen Seite des Nebels und st�rzte, doch das Kettenhemd bewahrte ihn vor Schrammen. <emphasis>Habe ich es geschafft?</emphasis> Er blickte �ber die Schulter und sah das Loch, das er in den Nebel geschlagen hatte. Der Dunst sank zu Boden und verf�rbte sich, er wurde grau, dann schwarz und l�ste sich schlie�lich ganz auf. Nichts erinnerte mehr an ihn.</p><p>Niemand im Schwarzjoch regte sich. Freund und Feind standen da und starrten. Sie alle hatten beobachtet, wie N�d�onn durch seine Hand get�tet und der D�mon vernichtet worden war. Es war grabesstill.</p><p>Einer der Albae, der die Horden eben noch gegen die Zwerge getrieben hatte, griff aufschreiend nach seinem Schutzkristall. Im n�chsten Augenblick verging das Amulett in einer gewaltigen Explosion und zerriss den Krieger. Die Geschenke des Magus vernichteten sich selbst, ein Alb starb nach dem anderen, und auch einige Orkanf�hrer verloren ihr Leben.</p><p>Ein lautes Horn erklang und schmetterte das Signal zum Angriff, die Zwergenkrieger der drei St�mme wollten nicht l�nger warten.</p><p>Die Bogglins wandten sich als Erste zur heillosen Flucht, die Orks folgten ihnen, doch die Zwerge hetzten sie vor sich her und holten sie sp�testens bei den engen Tunneln wieder ein. Schonung und Mitleid gab es nicht. Das Krachen und Scheppern der w�tenden �xte schallte hinauf bis zur Decke der Halle.</p><p>Tungdil stemmte sich in die H�he. Balyndis stand neben ihm und half ihm beim Aufstehen. �Du hast es geschafft!�, freute sie sich und dr�ckte ihm einen langen Kuss auf den Mund.</p><p>Dies hatte er sich sehr lange herbeigesehnt, und doch empfand er nur wenig Freude dabei. Die Gewissheit plagte ihn. �Weil ich ein Dritter bin�, f�gte er bitter hinzu. <emphasis>Ein Lorimbur, ein Zwergent�ter.</emphasis></p><p>Sie nickte. �Vraccas sei Dank, dass es so ist. Wie h�tten wir den N�d�onn sonst besiegen k�nnen?�, l�chelte sie. �Du bist ein echter Zwerg, durch und durch, deine Abstammung spielt f�r mich keine Rolle. Mein Herz sagt mir, dass ich dir vertrauen kann. Nur darauf kommt es mir an.�</p><p>Dankbar dr�ckte er ihre Hand. <emphasis>Ich hoffe, dass die anderen es genauso sehen.</emphasis></p><p>And�kai befand sich oben auf der Br�cke und k�mmerte sich um die verletzte Narmora und den verwundeten Bo�ndil, der gegen Caphalor nicht bestanden hatte; mehrere Zwerge halfen ihr dabei. Djer&#x16F;n stand schon wieder, das Visier seines Helmes hatte er geschlossen und machte immer noch ein Geheimnis aus seinem Gesicht.</p><p>Die ersten zwergischen Heilkundigen n�herten sich ihnen mit Wasser, Salben und Verb�nden, um nach ihren Wunden zu schauen. Nachdem die Anspannung des Kampfes von ihm abgefallen war, sp�rte Tungdil, wo es �berall wehtat. Dankbar lie� er die Prozeduren �ber sich ergehen, die Feuerklinge unter den G�rtel Giselbart Eisenauges gehakt.</p><p>Zeit zum Ausruhen blieb ihm keine. Rodario lief mit sorgenvollem Gesicht zu ihm.</p><p>�Ich wei�, der Zeitpunkt kommt ung�nstig, tapferer und verwundeter Held des Geborgenen Landes, aber wir m�ssen nach Furgas sehen�, bat er. �Er liegt immer noch im Zelt und ��</p><p>�Ein Held?� Tungdil grinste. <emphasis>Was aus einem Gelehrten nicht alles werden kann. Ich hoffe, dass Frala und Lot-Ionan mich sehen k�nnen.</emphasis> Er stand auf, pr�fte den Sitz seiner Verb�nde. �Wenn ich ein Held bin, muss ich wohl weiterk�mpfen, wie es in den B�chern steht.�</p><p>�Verdammte Albae, sie sind wie die Schatten. Ich habe das Spitzohr nicht kommen h�ren. Er hat mich hinterr�cks niedergestochen.� Bo�ndil, einen breiten wei�en Verband �ber der Brust, hinkte die Stufen hinab und feixte. �Genau. Wie es in den B�chern steht, Gelehrter. Mein Bruder w�re stolz auf dich.�</p><p>�Gut, dass du da bist.� Tungdil klopfte ihm vorsichtig auf die Schulter und f�hlte eine enorme Erleichterung. Ein weiterer toter Gef�hrte h�tte ihm noch gefehlt. �Dann sehen wir nach Furgas.�</p><p>Tungdil, Rodario, Balyndis, Bo�ndil und Djer&#x16F;n eilten die Stufen hinab, And�kai holte sie nach einigen Schritten ein. Sie hatten es gemeinsam als Fremde begonnen, und sie wollten es gemeinsam als Freunde zu Ende bringen.</p><subtitle>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar, Schwarzjoch, im Winter des 6234sten Sonnenzyklus</subtitle><p>Ein k�hler Wind wehte �ber das Plateau, doch die Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke brachen, w�rmten und gaben einen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Fr�hling.</p><p>�Aus dem Berg, der einst das Verh�ngnis f�r die Zwerge werden sollte, entsteht an diesem Tag ein Ort der Hoffnung und der Zuversicht, dass das Geborgene Land in neuer Gemeinsamkeit erbl�hen und erstarken wird.� Gandogar lie� den Blick �ber den R�cken des Tafelberges schweifen und betrachtete die bunt gemischte Versammlung, die sich eingefunden hatte.</p><p>Vor einem halben Zyklus h�tte er jeden f�r verr�ckt erkl�ren lassen, der ihm vorausgesagt h�tte, dass die Elben, Menschen und Zwerge auf dem stumpfen Gipfel des Schwarzjochs zusammenfanden, wohlgemerkt nach einer Schlacht, an der alle drei V�lker teilgenommen hatten, doch nicht als Gegner.</p><p>Prinz Mallen von Ido sa� neben Elbenf�rst Li�tasil von �landur, es folgten Balendil�n Einarm vom Clan der Starkfinger aus dem Stamm der Zweiten und Xamtys II. Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm der Ersten. Dahinter hatten sich die Menschenk�nige der verbliebenen sechs Reiche eingefunden, und nicht zuletzt befand sich auch And�kai die St�rmische unter ihnen.</p><p>In geb�hrendem Abstand zu den Herrschern standen die besten Krieger der Schlacht, Menschen, Zwerge und Elben, nebeneinander auf dem Plateau und lauschten, was ihre F�hrer besprachen. Gandogar erkannte auch Tungdil und Balyndis unter ihnen. Djer&#x16F;n ragte wie ein Fels aus der Masse heraus.</p><p>�N�d�onn, die Kreatur, die aus Nudin dem Wissbegierigen und einem Wesen entstand, das aus dem Norden kam, ist besiegt und vernichtet. Die Macht des Toten Landes ist gebrochen, und die Natur kehrt zu ihren alten Gesetzen zur�ck�, fuhr er fort. �Das gelang uns nur, weil die Menschen, die Elben und die Zwergenst�mme zueinander standen und im Augenblick der Bedrohung nach langer Zeit ihre althergebrachten Abneigungen und ihren Hass verga�en, um das B�se zu besiegen.� Er hob die Arme. �Und es gelang! Kann es ein besseres Zeichen daf�r geben, unsere Feindschaften zu begraben?�</p><p>Er schwieg eine Weile, um seine Worte wirken zu lassen.</p><p>�Ihr, Prinz Mallen von Ido, habt die Streiter der K�nigreiche nach der Niederlage in Porista zusammengef�hrt und ein Heer gebildet, um zum Schwarzjoch aufzubrechen und den Versuch zu wagen, N�d�onn niederzuwerfen�, sagte er zu dem blonden Mann, dann wandte er sich Li�tasil zu. �Ihr, Li�tasil, F�rst der Elben �landurs, vernahmt unsere Worte, als wir Euch um Hilfe baten, und kamt trotz der Bedenken, die Ihr in Eurem Herzen trugt.� Er schaute zu den Zwergen. �Und ihr, meine Stammesbr�der und -Schwestern, habt euch an unsere Gemeinschaft und die Aufgabe erinnert, die uns Vraccas einst gab.� Er ballte die Faust. �Wir haben das Geborgene Land besch�tzt.�</p><p>Die Krieger aller V�lker trommelten gegen ihre Schilde und schlugen ihre Waffen aneinander.</p><p>�Der Hass muss aus unseren Herzen verschwinden, die Kriege geh�ren der Vergangenheit an und sollen vergessen werden. Und wisset, dass von heute an die Chroniken des Friedens, der Anteilnahme und der Freundschaft in unserem Land geschrieben werden.� Er reckte seine Axt in die H�he, die Herrscher und F�rsten erhoben sich, und gemeinsam schworen sich die K�nigreiche Freundschaft.</p><p>Dieses Mal brandete lauter Jubel auf, Balyndis k�sste Tungdil in ihrem �berschwang, froh und gl�cklich �ber den Ausgang des Abenteuers, dessen Verlauf sie bis zum Schluss nicht h�tte vorhersagen k�nnen. �Du kannst stolz auf dich sein�, sagte sie zu ihm.</p><p>�Dass ich ein Dritter bin?�, meinte er halb ver�chtlich, halb belustigt.</p><p>�Nein. Dass du der erste Dritte bist, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die anderen Zwergenst�mme zu retten, anstatt sie zu vernichten�, l�chelte sie ihn an. �H�r auf mit diesen Gedanken, sondern freue dich, dass wir mit dem Leben davongekommen sind.�</p><p>Er dachte an Narmora und Furgas, die im Schwarzjoch den heilenden H�nden der Wundheiler �berlassen worden waren. Beinahe w�ren sie im Tode wieder zu einem Paar vereint worden, nur der letzte Rest der Gabe And�kais und die Heilkr�uter bewahrten sie vor dem Einzug ins Jenseits. Und er gedachte ihrer Toten. <emphasis>Ich gr��e euch, Bavragor und Go�mgar! Ihr werdet in der Schmiede von Vraccas stehen.</emphasis></p><p>Gandogar streckte die Hand nach ihm aus, und der Schreck fuhr ihm in die Glieder. �Da steht der Zwerg, dem wir alle wohl am meisten zu danken haben. Tungdil Goldhand, trete vor.�</p><p>Unsicher kam er der Aufforderung nach.</p><p>�Seht! Ohne ihn, seine Schl�ue, seine Hartn�ckigkeit und seinen Glauben an das Gelingen unseres Unterfangens st�nden wir alle nicht hier, sondern w�ren tot oder Diener N�d�onns.�</p><p>Tungdil glaubte zu f�hlen, wie ihn s�mtliche Augenpaare auf dem Plateau anstarrten; er wurde rot und unglaublich verlegen. So klammerte er sich an den Axtkopf der Feuerklinge, die ihm Sicherheit gab.</p><p>�Wir k�nnen die Schuld, in der wir alle bei dir stehen, niemals begleichen�, sprach der K�nig der Vierten mit fester Stimme. �Ich verspreche dir, Tungdil, dass ich dir bis an dein Lebensende jeden Wunsch erf�llen werde, den ich zu erf�llen imstande bin.�</p><p>Das schmale, anmutige Gesicht Li�tasils wandte sich ihm zu. �Wir Elben z�hlen nicht zu den innigsten Freunden deines Volkes, Tungdil Goldhand, aber wir wissen, was Dankbarkeit ist. Was immer du begehrst, wir geben es dir.�</p><p>Der Reihe nach leisteten die Menschenk�nige �hnliche Gel�bnisse, und die Verlegenheit des Zwergs stieg ins Grenzenlose.</p><p>�Nein, wartet, ihr Herrscher, F�rsten und K�nige�, hob er abwehrend die H�nde.</p><p>Bo�ndil verdrehte die Augen. �Da, seine Gelehrtenzunge redet gleich wieder los, h�rt ihr?�</p><p>Tungdil atmete tief ein. �Ich will nichts von euch. Was ich von euch verlangen k�nnte, habt ihr mir bereits gegeben: Ihr schwort, dass die V�lker des Geborgenen Landes sich nur noch zu gemeinsamen Festen und nicht mehr zu gegenseitigen Kriegen sehen. Mehr m�chte ich nicht. Was n�tzt mir alles Gold, wenn die Feindschaft in unserer Heimat fortbestehen w�rde? Ich nehme Euren Dank auch im Namen von Bavragor Hammerfaust aus dem Clan der Hammerf�uste vom Stamm der Zweiten und Go�mgar Schimmerbart vom Clan der Schimmerb�rte aus dem Stamm der Vierten entgegen, die wie ich ihr Leben einsetzten, aber es verloren. Ohne sie w�re die Feuerklinge niemals entstanden.�</p><p>Der Elb neigte seinen dunkelroten Schopf vor dem Zwerg. �Du sprichst wie ein weiser Herrscher, Tungdil Goldhand. Sobald du denkst, wir seien dabei, wieder in die alten Gewohnheiten zu verfallen, was den Umgang miteinander angeht, komm zu uns und erinnere uns an diesen Tag. Der Ewige Wald steht dir jederzeit offen.�</p><p>Wieder donnerten die Krieger gegen die Schilde, H�rner wurden geblasen, die Jubelrufe wollten nicht enden, und schnell kehrte Tungdil an die Seite von Balyndis zur�ck.</p><p>�Zeig deine Zunge�, verlangte Bo�ndil gespielt m�rrisch. �Sie hat doch einen Knoten bekommen, oder?�</p><p>Tungdil grinste. Es hatte ihm Spa� gemacht, seine Redekunst zu zeigen, die Lot-Ionan ihm beigebracht hatte.</p><p>Die Versammlung wurde aufgel�st, die Truppen der Menschen, Zwerge und Elben gingen ins Innere des Berges, feierten zusammen ihren Sieg und begannen mit der ersten vorsichtigen Ann�herung.</p><p>Balendil�n und Gandogar gesellten sich zu ihnen. �Welch ein Gl�ckstag�, meinte der Einarmige fr�hlich. �Wer h�tte gedacht, dass es f�r uns alle so gut endet?� Er schlug Tungdil auf die Schulter. �Vraccas hat seinen besten Zwerg geschickt, und wenn einer das Gegenteil behauptet, werde ich ihn zu einem Wettlauf herausfordern.� Er lachte, und die anderen stimmten mit ein. Tungdils Lachen gelang nicht ganz, was von Gandogar sofort bemerkt wurde.</p><p>�Was hast du?�</p><p>�Es ist nichts.�</p><p>�Doch, es ist etwas. Ist es der Umstand, dass du denkst, ein Dritter zu sein?�</p><p>�Ich bin ein Dritter, wie sonst h�tte die Feuerklinge ihre Macht entwickelt?�</p><p>�So sei ein Dritter und diene uns als Beweis, dass nicht alle aus diesem Stamm Ausgeburten an Hinterh�ltigkeit sein m�ssen, wie es Bislipur und Glamdolin waren�, sprach Balendil�n feierlich. �Wirst du zu uns zur�ckkehren, oder folgst du dem Herzen?�, blinzelte er verschmitzt.</p><p>�Ich gehe mit Balyndis, ja, aber nicht zu den Ersten�, best�tigte er die Vermutung feixend. �Unsere Vorliebe f�r die Esse und die Erfahrungen der Reise haben uns aneinander geschmiedet. Wir reisen ins Reich der F�nften. Bo�ndil begleitet uns, und unterwegs wird Bo�ndal zu uns sto�en. Ich habe Giselbart Eisenauge ein Versprechen gegeben, und ich werde es halten.�</p><p>Der aufsteigende Wind trug ihnen den Geruch von F�ule her�ber. Er stammte vom Schlachtfeld rings um das Schwarzjoch, wo die toten Orks, Oger, Bogglins und Albae lagen. Sie waren von den vereinten Streitm�chten der Elben und Menschen vernichtet worden, und die wenigen Orks, die ihnen entkommen waren, bedeuteten keine Gefahr mehr. Ohne die Macht des Toten Landes waren sie zu Kadavern geworden. Die Sonne taute ihre gefrorenen Leichen auf, die Zersetzung begann, ehe der Frost sie die Nacht �ber konservierte.</p><p>�Es wird lange dauern, bis wir alle bestattet haben�, sagte Gandogar betr�bt. �Ich hoffe, dass der Boden so viel Tod vertr�gt.�</p><p>Rodario n�herte sich ihnen, einmal mehr notierte er sich, was er sah und h�rte. �Ein sehr sch�ner Schluss f�r ein Theaterst�ck, nur die vielen Leichen, die lassen wir weg. Das ist auf der B�hne ohnehin nicht umsetzbar.� Er reichte Tungdil die Hand. �Es war mir eine Ehre, mit dir gereist zu sein. Wenn du nach Mifurdania kommen solltest, schau ins Curiosum, das es bald wieder geben wird.� Er zwinkerte ihm zu. �Du hast als Hauptfigur nat�rlich freien Eintritt. Und Balyndis auch.�</p><p>�Wann brecht ihr auf?�</p><p>�Sobald mein Technicus und meine Albin wieder auf einem Pferd sitzen k�nnen. Das wird in zwei Wochen sein. Man hat uns Unterkunft gew�hrt.�</p><p>And�kai gesellte sich zu ihnen. �Djer&#x16F;n und ich verabschieden uns ebenso�, sagte sie in die Runde. �Ich muss in meinem Reich nach dem Rechten sehen und so schnell wie m�glich eine neue Schule aufbauen.�</p><p>�Weshalb die Eile, meine Sch�ne?�, neckte sie Rodario.</p><p>Sie blieb ernst. �Ich m�chte die Freude ungern tr�ben.�</p><p>�Nur zu. Bei diesem grandiosen Erfolg ist es kaum m�glich�, sagte er �bertrieben heiter und gel�st.</p><p>�Darauf w�rde ich nicht wetten.� Ihre Lippen wurden schmal. �Was ist, wenn in N�d�onns Worten ein Funken Wahrheit steckte?�</p><p>�Die Gefahr aus dem Westen?�, lachte der Mime ungl�ubig. �Seid Ihr auf den Trick hereingefallen, gesch�tzte Maga? Ihr entt�uscht mich.�</p><p>�Sagen wir einfach, dass ich wachsam bleiben werde.� Sie legte eine Hand auf Tungdils Oberarm. �Der wichtigste Mann mit der passenden Waffe sitzt jedenfalls in der N�he des Tores, an dem das �bel klopfen wird, sollte Nudin sich nicht get�uscht haben.� Jetzt l�chelte And�kai doch. �Du schaffst es notfalls auch allein, bei deinem Dicksch�del, Tungdil.�</p><p>Sie verabschiedeten sich mit einer langen Umarmung voneinander, nur Rodario ging leer aus. Er zog eine Schnute und stakste davon, nur um sich auf halbem Weg umzudrehen und ihnen zuzuwinken. �Geht nur, bezaubernde Maga. Wie Ihr sagtet, ich suche mir Frauen, die mich sch�tzen. Ha, und <emphasis>wie</emphasis> die mich sch�tzen!�</p><p>And�kai ging, Djer&#x16F;n folgte ihr wie immer. Die anderen blickten dem seltsamen Paar hinterher und hingen ihren Gedanken nach, bis sich Balendil�n r�usperte.</p><p>�Ich gehe ebenfalls, liebe Freunde. Ich muss die n�chste Versammlung der Zwergenst�mme vorbereiten, die bald stattfinden wird.� Er nickte Gandogar zu. �Es gibt keinen Zweifel daran, wer zum Gro�k�nig gew�hlt werden wird, nachdem du aus dem Schatten Bislipurs getreten bist. Du hast dich bew�hrt und wirst Gundrabur ein guter Nachfolger sein.�</p><p>�Selbst ich w�rde ihn w�hlen�, grinste Tungdil. Der K�nig der Vierten schlug in die dargebotene Hand ein und sch�ttelte sie fest. Die Ergriffenheit stand in seinem Gesicht. �Denkt daran, dass jeder Stamm einhundert seiner besten Krieger und Handwerker ins Reich der F�nften entsendet, damit Balyndis und ich nicht so einsam sind und wir den Steinernen Torweg schlie�en. Das Graue Gebirge soll mit neuem Leben erf�llt werden�, erinnerte er sie und hatte dabei Giselbarts Bitte an ihn genau im Ged�chtnis. �Die Hallen d�rfen nicht l�nger verwaist sein. Ich werde sehen, ob die Zwerge in den Schnelltunneln mit sich reden lassen. Vielleicht m�chten sie ein neues, besseres Zuhause als die zugigen Stollen.�</p><p>�Auf jeden Fall werden wir sie fragen�, stimmte ihm Gandogar zu.</p><p>�So bilden sich neue St�mme, ohne dass Vraccas sie schaffen muss. Und was machen wir mit dem Stamm der Dritten?�, wollte Balendil�n wissen.</p><p>Tungdil schaute vom Schwarzjoch in Richtung Osten zum Schwarzen Gebirge, wo sich das Reich der Nachfahren Lorimburs befand.</p><p>�Ich bin sicherlich nicht der Einzige von ihnen, der keinen Hass im Herzen tr�gt�, antwortete er leise. �Wenn wir im Reich der F�nften Ordnung geschaffen haben, gehe ich zu ihnen und rede mit ihnen.� Er schaute in die Gesichter der K�nige. �Es war mir ernst, als ich mir von euch allen Frieden w�nschte. Davon m�chte ich die Dritten nicht ausschlie�en.�</p><p>Balyndis l�chelte und fasste seine Hand, er dr�ckte sie.</p><p>Nach und nach verschwanden die Menschen, Elben und Zwerge vom Plateau. Balyndis und Tungdil blieben, bis die Sonne sank, die Nachtgestirne �ber dem Geborgenen Land aufgingen und die Luft klirrend kalt wurde, denn noch regierte der Winter.</p><p>Ihre Finger hatten sich noch immer nicht voneinander gel�st, und er dachte nicht im Traum daran, die Schmiedin herzugeben.</p><p>Eine Sternschnuppe zog ihre leuchtende Spur von Osten nach Westen, ihr Schweif wandelte sich von wei� zu rot, je n�her sie nach Westen kam, dann leuchtete sie grell und l�ste sich auf. Zur�ck blieben dunkelrote P�nktchen, die langsam vergl�hten und Tungdil an Bluttropfen erinnerten.</p><p>�War das ein gutes oder ein schlechtes Omen?�, fragte ihn Balyndis verunsichert.</p><p>Er zuckte mit den Achseln, trat hinter sie und schlang seine Arme um sie. �Ein gutes�, antwortete er nach einer Weile und streichelte ihren Bartflaum.</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>Seine Augen wanderten durch die Dunkelheit und sahen vereinzelte Lichtflecke der Siedlungen aufleuchten. Er freute sich �ber die Stille, die ihnen der Frieden gebracht hatte. Der Zwerg war auf den Fr�hling gespannt, wenn das Geborgene Land zum ersten Mal wieder �berall gr�nen und bl�hen w�rde. <emphasis>Zum ersten Mal seit mehr als eintausend Zyklen.</emphasis></p><p>�Wir haben so viel Schlechtes erlebt, da kann es nur etwas Gutes bedeuten�, raunte er in ihr Ohr. �Der Schweif war rot, wie die Farbe der Liebe, also mach dir keine Sorgen. Komm, wir gehen zu den anderen. Mir ist nach langer Zeit wieder nach feiern zumute.�</p><p>Hand in Hand liefen sie �ber das Schwarzjoch, das seinen Schrecken f�r die Zwergenst�mme verloren hatte.</p><p>W�hrend sie die Stiegen ins Innere hinabgingen, tauchte von ihnen unbemerkt ein zweiter, st�rzender Himmelsk�rper auf.</p><p>Zischend schoss auch er in Richtung Westen. Ohne zu vergl�hen, sank er weiter in Richtung Boden, durchstie� die Wolkendecke, einen tiefroten Schweif hinter sich her ziehend, und verschwand am Horizont hinter dem Gebirge der Ersten. Als er mit einem dumpfen Grollen einschlug, erbebte das Geborgene Land ganz sanft, und auch der Tafelberg sch�ttelte sich.</p><p>Dann war es vor�ber �</p><subtitle>ENDE</subtitle></section></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Nach Ulldart rief ein Projekt, an das ich mit Spannung und einem merkw�rdigen Gef�hl in der Magengegend heranging: die Zwerge. Wenn man sich als Autor einer Sache annimmt, die bei vielen Fantasy-Leserinnen und -Lesern mit festen Vorstellungen verkn�pft ist, l�uft man schnell Gefahr, eben diese Vorstellungen zu entt�uschen oder aber in Beliebigkeit zu verfallen.</p><empty-line/><p>Ich habe �meine� Zwerge erschaffen, sie St�mmen und Clans zugeordnet, ihnen unterschiedliche F�higkeiten gegeben, ohne den klassischen Zwerg aus den Augen zu verlieren, ihm dabei aber neue Facetten und neue Aspekte verliehen. Dazu kam die Geschichte, welche die Zwerge in den Mittelpunkt stellt und sie nicht zum Stichwortgeber f�r Elben und Menschen verkommen l�sst. Sie spielen die wichtigste Rolle, sie sind die Besch�tzer des Geborgenen Landes und erf�llen diese Aufgabe, koste es ihr Leben.</p><p>Es hat mir Spa� bereitet, Tungdil und seine Gef�hrten vielf�ltige Abenteuer erleben zu lassen. Selbstlosigkeit, Liebe, Trotz, Humor, Kampf und Tod sind die Zutaten der Geschichte auf den kommenden Seiten, Unterhaltung ist das erkl�rte Ziel. Nicht mehr, nicht weniger.</p><empty-line/><p>Dieses Mal m�chte ich vor allem denen danken, die mich darin unterst�tzten, das Buch noch interessanter und besser zu gestalten: meinen Lektorinnen Martina Vogl und Angela Kuepper sowie Bernd Kronsbein.</p><p>Unter den Erstlesern besonders zu erw�hnen sind Nicole Schuhmacher, Sonja R�ther, Meike Sewering und Dr. Patrick M�ller, die mich mit ihren exakten Anmerkungen und genauen Hinweisen von Anfang an sowie einmal mehr unterst�tzten.</p><p>Mein Dank geht auch an den Heyne Verlag, der mir die Zwerge anvertraute.</p><cite><text-author>Markus Heitz, im Juli 2003</text-author></cite></section><section><title><p>Dramatis personae</p></title><subtitle>Die Zwergenst�mme</subtitle><p><strong>DIE ERSTEN</strong></p><p><strong>Xamtys II. Trotzstirn</strong> aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm des Ersten, <emphasis>Borengar,</emphasis> auch nur �die Ersten� genannt, K�nigin</p><p><strong>Balyndis Eisenfinger</strong> aus dem Clan der Eisenfinger, Schmiedin</p><p><strong>DIE ZWEITEN</strong></p><p><strong>Gundrabur Wei�haupt</strong> vom Clan der Hartsteins aus dem Stamm des Zweiten, <emphasis>Bero�n,</emphasis> auch nur �die Zweiten� genannt, Zwergengro�k�nig</p><p><strong>Balendil�n Einarm</strong> vom Clan der Starkfinger, Berater des Zwergengro�k�nigs</p><p><strong>Bavragor Hammerfaust</strong> aus dem Clan der Hammerf�uste, Steinmetz</p><p><strong>Bo�ndil Zweiklinge,</strong> auch <strong>Ingrimmsch</strong> gerufen, und <strong>Bo�ndal Pinnhand</strong> aus dem Clan der Axtschwinger, Krieger und Zwillinge</p><p><strong>DIE DRITTEN</strong></p><p>�</p><p><strong>DIE VIERTEN</strong></p><p><strong>Gandogar Silberbart</strong> aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, <emphasis>Go�mdil,</emphasis> auch nur �die Vierten� genannt, K�nig der Vierten</p><p><strong>Bislipur Sicherschlag</strong> vom Clan der Breitf�uste, Berater Gandogars</p><p><strong>Tungdil Bolofar,</strong> sp�ter Goldhand, Lot-Ionans Ziehsohn</p><p><strong>Go�mgar Schimmerbart</strong> aus dem Clan der Schimmerb�rte, Edelsteinschleifer</p><p><strong>DIE F�NFTEN</strong></p><p><strong>Giselbart Eisenauge,</strong> Begr�nder des Stammes des F�nften und des Clans der Eisenaugen</p><p><strong>Glandallin Hammerschlag</strong> aus dem Clan der Hammerschlags vom Stamm des F�nften, <emphasis>Giselbart,</emphasis> auch �die F�nften� genannt.</p><subtitle>Die Menschen</subtitle><p><strong>Lot-Ionan der Geduldige,</strong> Magus und Herrscher des Zauberreichs Ionandar</p><p><strong>Maira die H�terin,</strong> Maga und Herrscherin des Zauberreichs Oremaira</p><p><strong>And�kai die St�rmische,</strong> Maga und Herrscherin des Zauberreichs Brand�kai</p><p><strong>Djer&#x16F;n,</strong> And�kais Leibw�chter</p><p><strong>Turgur der Sch�ne,</strong> Magus und Herrscher des Zauberreichs Turguria</p><p><strong>Sabora die Schweigsame,</strong> Maga und Herrscherin des Zauberreichs Saborien</p><p><strong>Nudin der Wissbegierige,</strong> Magus und Herrscher des Zauberreichs Lios Nudin</p><empty-line/><p><strong>Gor�n,</strong> Lot-Ionans ehemaliger Famulus</p><p><strong>Frala,</strong> Magd in der Behausung Lot-Ionans, und ihre T�chter <strong>Sunja</strong> und <strong>Ikana</strong></p><p><strong>Jolosin,</strong> Magussch�ler Lot-Ionans</p><p><strong>Eiden,</strong> Pferdeknecht Lot-Ionans</p><p><strong>Rantja,</strong> Maga-Sch�lerin Nudins</p><empty-line/><p>Der Unglaubliche <strong>Rodario,</strong> Mime</p><p><strong>Furgas,</strong> Magister technicus</p><p><strong>Narmora,</strong> Gef�hrtin von Furgas und Mimin</p><empty-line/><p><strong>Hil</strong> und <strong>Kerolus,</strong> Tr�delh�ndler</p><p><strong>Vrabor</strong> und <strong>Friedegard,</strong> Boten des Rates der Magi</p><empty-line/><p>Prinz <strong>Mallen von Ido</strong> aus dem Geschlecht der Ido, Thronfolger Idosl�ns im Exil</p><p>K�nig <strong>Lothaire,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Urgon</p><p>K�nig <strong>Tilogorn,</strong> Herrscher �ber Idosl�n</p><p>K�nig <strong>Nate,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Taba�n</p><p>K�nig <strong>Bruron,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Gauragar</p><p>K�nigin <strong>Umilante,</strong> Herrscherin �ber das K�nigreich Sangre�n</p><p>K�nigin <strong>Wey IV.</strong> Herrscherin �ber das K�nigreich Weyurn</p><p>K�nigin <strong>Isika</strong> , Herrscherin �ber das K�nigreich Ran Ribastur</p><empty-line/><subtitle>Die anderen</subtitle><p><strong>Sinthoras</strong> und <strong> Caphalor,</strong> Albae aus Ds�n Balsur, dem Albae-Reich</p><p><strong>Li�tasil,</strong> F�rst des Elbenreichs �landur</p><p><strong>Bashkugg, Kragnarr</strong> und <strong>Ushnotz,</strong> Orkf�rsten des Orkreiches Toboribor</p><p><strong>Swerd,</strong> Gnom-Handlanger Bislipurs</p></section></body><binary id="cover" 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