<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges</book-title><annotation><p>Die Asche des Weltenbebens ruht �ber den so unterschiedlichen K�nigreichen Azeroths. W�hrend sich die geschundene Welt langsam von den Folgen der gewaltigen Katastrophe erholt, setzt die ber�hmte Zauberhexerin Lady Jaina Prachtmeer alles daran, die Beziehung zwischen Allianz und Horde wieder zu verbessern. Denn unl�ngst haben wachsende Spannungen die beiden Fraktionen an den Rand eines neuen Krieges gef�hrt, der den letzten Rest an Stabilit�t zu zerst�ren droht in der � WORLD OF WARCRAFT�</p><p>D�stere Nachrichten erreichen Jainas geliebtes St�dtchen Theramore. Eines der m�chtigsten Artefakte des Blauen Drachenschwarms � die Fokussierende Iris � wurde gestohlen. Um die mysteri�sen Umst�nde der Tat zu kl�ren, entschlie�t sich Jaina zu einem ungew�hnlichen B�ndnis mit dem ehemaligen Blauen Drachenaspekt Kalecgos. Gemeinsam wollen die beiden ruhmreichen Helden dem dreisten Diebstahl auf den Grund gehen. Doch es droht bereits weiteres Unheil am Horizont.</p><p>Garrosh H�llschrei versammelt die Armeen der Horde zu einer Invasion Theramores. Ungeachtet steigender Unzufriedenheit in den eigenen Reihen, strebt der skrupellose Kriegsh�uptling eine neue �ra der Herrschaft der Horde an. Seine unstillbare Gier nach Macht, l�sst ihn dabei zu den brutalsten Mitteln greifen, um jene mundtot zu machen, die es wagen k�nnten, seine Position als Anf�hrer in Frage zu stellen.</p><p>Allianztruppen sammeln sich in Theramore um den Angriff der Horde abzuwehren. Doch sie rechnen nicht mit dem tats�chlichen Ausma� der verschlagenen und heimt�ckischen Strategie des Kriegsh�uptlings. Garroshs Angriff wird Jaina unwiderruflich ver�ndern und die Friedensh�terin in eine chaotische, alles verschlingende Macht verwandeln � auch bekannt als: Gezeiten des Krieges.</p></annotation><date>2012</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Mick</first-name><last-name>Schnelle</last-name></translator><sequence name="World of Warcraft" number="11"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Jaina Proudmoore: Tides of War</book-title><date>2012</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2016</date><id>de60cf12-9979-4bae-85d3-61843be76e7e</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info><publish-info><publisher>Panini</publisher><year>2013</year><isbn>9783833226908</isbn></publish-info></description><body><title><p>Jaina Prachtmeer</p><p><sup>Gezeiten des Krieges</sup></p><p>Von Christie Golden</p></title><epigraph><p>Dieses Buch ist meinem geliebten Vater gewidmet:</p><p>James R. Golden</p><p>1920�2011</p><p>Ein wahrer Paladin ist ins Licht hin�bergegangen.</p><p>Ich liebe dich, Dad.</p></epigraph><epigraph><empty-line/><p>Denn nicht Licht ist von N�ten, sondern Feuer; nicht sanfter Regen, sondern Donner. Wir brauchen das Unwetter, den Sturm und das Erdbeben.</p><text-author>� Frederick Douglass</text-author></epigraph><section><title><p>1</p></title><p>Die D�mmerung stand kurz bevor, und die zumindest ansatzweise warmen Farben des Tages machten k�lteren Blau- und Lilat�nen Platz. Stechende, messerscharfe Schneeflocken wirbelten hoch �ber Kaltarra durch die Luft. Andere Wesen h�tten hier gezittert und ihre Augen abgeschirmt, ihr Fell oder ihre Federn aufgeplustert oder ihre M�ntel enger um die Schultern geschlungen. Der gro�e blaue Drache hingegen schenkte Schnee oder Wind keinerlei Beachtung, w�hrend er mit tr�ge schlagenden Fl�geln dahinglitt. Er war losgeflogen, um die scharfen Z�hne der eisigen, schneegepeitschten Luft zu sp�ren, in der vergeblichen Hoffnung, sie m�ge seine Gedanken reinigen und seinen Geist beruhigen.</p><p>Obgleich noch jung � nach den Ma�st�ben seiner Art �, hatte Kalecgos bereits gewaltige Ver�nderungen innerhalb seines Volkes erlebt. Zudem war er der Auffassung, die blauen Drachen h�tten schon unendlich viel ertragen m�ssen. Zweimal hatten sie ihren geliebten Aspekt, Malygos, verloren; erst f�r mehrere Jahrtausende an den Wahnsinn, dann schlie�lich an den Tod. Die blauen Drachen � die kl�gsten Wesen und Besch�tzer der arkanen Magie in der Welt Azeroth � waren der Schwarm, der am meisten nach Ordnung und Ruhe strebte, und es war ebenso ironisch wie tragisch, dass sie am wenigsten in der Lage zu sein schienen, mit einem solchen Chaos umzugehen.</p><p>Doch selbst inmitten dieses Umbruchs waren ihre Herzen rein geblieben, und so hatte der blaue Drachenschwarm nicht den kompromisslosen Pfad gew�hlt, den Malygos� verstorbener Blutserbe, Arygos, repr�sentierte, sondern den friedlicheren, lebensbejahenderen Weg, den Kalecgos ihnen gewiesen hatte. Diese Wahl hatte sich als die richtige erwiesen, denn Arygos hatte gar nicht vorgehabt, ein hingebungsvoller Verwalter des Schwarms zu sein, vielmehr hatte er sie alle betrogen. Er hatte versprochen, sein Volk dem finsteren � und ganz und gar wahnsinnigen � Drachen Todesschwinge auszuliefern, sobald es beschlossen h�tte, ihm zu folgen. Stattdessen hatten sich die blauen Drachen mit den roten, gr�nen und bronzenen Schw�rmen � und einem wahrlich einzigartigen Orc � zusammengetan, um dieses m�chtige Monster zu besiegen.</p><p>Als Kalecgos nun am dunkler werdenden Himmel dahinflog und sich der Schnee lavendelfarben unter ihm t�nte, musste er daran denken, dass die Schw�rme durch diesen Sieg auf gewisse Weise auch sich selbst geopfert hatten. Es gab keine Aspekte mehr, auch wenn die Drachen, die dieses Amt fr�her innegehabt hatten, noch leben mochten. Der Kampf gegen Todesschwinge hatte ihnen alles abverlangt, und obwohl Alexstrasza, Nozdormu, Ysera und Kalecgos am Ende noch gestanden hatten, waren ihre Aspekt-M�chte doch verschwunden � aufgezehrt in jenen letzten Augenblicken der Schlacht. Die Aspekte waren nur f�r diesen einen Zweck erschaffen worden, und nun, da ihr Ziel erreicht war, hatten sie ihr Schicksal erf�llt.</p><p>Es gab allerdings auch noch eine andere, weniger deutliche Nebenwirkung: Die Schw�rme waren sich ihrer Rolle in der Welt und ihrer Aufgaben stets v�llig sicher gewesen. Aber nun, da der Moment, f�r den man sie erschaffen hatte, gekommen � und wieder verstrichen � war, welchen Sinn hatte ihre Existenz da noch? Viele blaue Drachen waren bereits davongeflogen; einige von ihnen hatten um seine Erlaubnis gebeten, bevor sie den Nexus verlie�en. Auch wenn er nicht l�nger die M�chte eines Aspekten besa�, war Kalecgos doch noch immer ihr Anf�hrer. Sie hatten ihm erz�hlt, dass sie rastlos seien und herausfinden wollten, ob es einen anderen Ort auf dieser Welt gab, wo ihre F�higkeiten und Talente willkommen w�ren. Die anderen waren einfach verschwunden � an einem Tag hier, am n�chsten schon fort. Die Drachen, die noch auf Kaltarra geblieben waren, steigerten sich entweder immer mehr in eine Aufgew�hltheit hinein oder ergaben sich der Niedergeschlagenheit, die sich wie eine Krankheit unter ihnen ausbreitete.</p><p>Kalecgos raste dem Boden entgegen und drehte eine Schleife, sodass die kalte Luft seine Schuppen streichelte. Dann breitete er die Fl�gel aus und lie� sich von einem Aufwind wieder in die H�he tragen. Doch seine Gedanken waren noch immer gr�blerisch und traurig.</p><p>So viele Jahre, selbst w�hrend Malygos� Wahnsinn, hatten die blauen Drachen eine Aufgabe gehabt, aber die Frage, was sie in einem Augenblick wie diesem tun sollten, war nur lautlos gedacht oder leise gefl�stert worden. Kalecgos konnte nicht anders, als zu �berlegen, ob er seinen Schwarm vielleicht entt�uscht hatte. W�re es ihnen unter der F�hrung eines wahnsinnigen Aspekts besser ergangen? Die Antwort war �Nat�rlich nicht�, aber dennoch � dennoch.</p><p>Er schloss die Augen, allerdings nicht wegen des nadelspitzen Schnees, sondern allein aufgrund des Schmerzes.</p><p><emphasis>Mit ihren Herzen haben sie darauf vertraut, dass ich sie anf�hren kann, und damals, glaube ich, habe ich sie w�rdig gef�hrt. Aber � jetzt? Welchen Platz haben die blauen Drachen � haben irgendwelche Drachen �berhaupt � in einer Welt, in der die Stunde des Zwielichts vereitelt wurde? Steht uns nur noch eine endlose Nacht bevor?</emphasis></p><p>Er f�hlte sich schrecklich einsam. Was die F�hrerschaft des blauen Drachenschwarms betraf, so hatte er sich selbst von Anfang an f�r die denkbar unwahrscheinlichste Wahl gehalten. Schlie�lich hatte er sich nie wirklich wie ein typischer blauer Drache gef�hlt. W�hrend er nun dahinflog, mutlos und von wachsenden Zweifeln geplagt, erinnerte er sich aber, dass es zumindest eine gab, die ihn besser als alle anderen verstehen konnte. Er legte sich auf die Seite und kr�mmte seinen gewaltigen K�rper leicht, dann schlug er mit den Fl�geln und sauste in Richtung des Nexus zur�ck.</p><p>Er wusste, wo er sie finden konnte.</p><empty-line/><p>Kirygosa, Tochter von Malygos und Schwester von Arygos, sa� in ihrer menschlichen Gestalt auf einer der magischen, leuchtenden Plattformen, die um den Nexus herum in der Luft schwebten. Sie trug nur ein langes, weites Kleid, und ihr blauschwarzes Haar war nicht geflochten. Mit dem R�cken hatte sie sich an einen der schimmernden silberwei�en B�ume gelehnt, die einige der Plattformen schm�ckten. Hoch �ber ihr zogen blaue Drachen ihre Kreise, ganz genau so, wie sie es schon seit Jahrhunderten getan hatten, eine endlose Patrouille, auch wenn es inzwischen keine Gefahr mehr f�r den Schwarm zu geben schien. Kirygosa schenkte ihnen keinerlei Aufmerksamkeit, ihr Blick war tr�be und ziellos, so als h�tte sie sich in Gedanken verloren. Doch was es war, das ihren Geist besch�ftigte, vermochte Kalecgos nicht zu sagen.</p><p>Sie drehte sich zu ihm herum, als er n�herkam, und sie l�chelte schmal, als sie erkannte, dass er keiner der W�chter des Nexus war. Er landete auf der Plattform und nahm seine Halbelfengestalt an, und nun wuchs ihr L�cheln in die Breite, w�hrend sie ihm eine Hand entgegenstreckte. Er k�sste sie liebevoll und setzte sich dann neben Kirygosa auf den Boden, seine langen Beine ausgestreckt, die Arme hinter dem Kopf verschr�nkt, darum bem�ht, einen gelassenen Eindruck zu machen.</p><p>�Kalec�, sagte sie liebevoll. �Was f�hrt dich an diesen Ort der Reflexion?�</p><p>�So etwas soll das hier also sein?�</p><p>�F�r mich schon. Der Nexus ist mein Zuhause, und ich m�chte mich nicht zu weit davon entfernen, aber es ist gar nicht so einfach, dort drinnen einen stillen Ort zu finden, wo man allein sein kann.� Sie wandte sich ihm zu. �Darum ziehe ich mich hierhin zur�ck, wenn ich nachdenken m�chte. Du scheinst aus einem ganz �hnlichen Grund gekommen zu sein.�</p><p>Kalec seufzte. Seine Freundin, von der er oft wie von einer Schwester dachte, war einfach zu scharfsichtig, als dass er seine Sorgen vor ihr verbergen k�nnte. �Ich bin geflogen�, sagte er.</p><p>�Vor deinen Pflichten kannst du nicht davonfliegen, ebenso wenig wie vor deinen Gedanken�, erkl�rte Kirygosa sanft, w�hrend sie die Hand ausstreckte und seinen Arm dr�ckte. �Du bist unser Anf�hrer, Kalec. Und du hast uns weise gef�hrt. Arygos h�tte den Schwarm vernichtet � und die ganze Welt mit ihm.�</p><p>Kalec zog die Augenbrauen zusammen, als er an die trostlose Vision dachte, die Ysera, der fr�here Aspekt der gr�nen Drachen, vor nicht allzu langer Zeit mit ihnen geteilt hatte. Es war die Stunde des Zwielichts gewesen � eine, in der alles Leben ausgel�scht wurde, vom Gras und den Insekten �ber die Orcs, Elfen, Menschen und all die anderen Gesch�pfe von Land und Meer bis hin zu den m�chtigen Aspekten selbst, von denen jeder durch seine eigenen, einmaligen F�higkeiten get�tet wurde. Am Ende war sogar Todesschwinge gestorben, gemeinsam mit dem Rest von Azeroth � aufgespie�t wie eine groteske Troph�e auf dem Turm des Wyrmruhtempels. Kalecgos erschauderte. Selbst jetzt noch verst�rte ihn die Erinnerung an Yseras melodi�se, aber gebrochene Stimme, die erklungen war, w�hrend sie den anderen diese Vision gezeigt hatte.</p><p>�Ja, das h�tte er�, brummte Kalec. Diesem Teil ihrer Aussage stimmte er zu. Einem Teil ihrer Aussage stimmte er zu, aber nicht allem.</p><p>Ihre blauen Augen suchten seinen Blick. �Lieber Kalec�, sagte sie, �du warst schon immer � anders.�</p><p>Trotz seiner d�steren Stimmung flackerte kurz ein wenig Heiterkeit in ihm auf, und er verzerrte seine attraktiven Halbelfenz�ge zu einer Grimasse. Kirygosa lachte. �Genau das meine ich.�</p><p>�Es ist nicht immer gut, anders zu sein�, entgegnete er.</p><p>�Aber es ist deine Natur, und weil du anders als die anderen bist, hat dich der Schwarm auserw�hlt.�</p><p>Sein Frohmut schmolz dahin, und als er sie ansah, war er wieder vollkommen ernst. �Aber glaubst du auch�, fragte er traurig, �dass sie mich jetzt noch immer auserw�hlen w�rden, meine liebe Kirygosa?�</p><p>Die Wahrheit auszusprechen war f�r Kirygosa schon immer eine der gr��ten Tugenden gewesen. Sie erwiderte seinen Blick und suchte nach einer Antwort, die einerseits wahr, aber auch tr�stlich war, doch sie schien keine finden zu k�nnen. Kalecs Herz wurde schwerer. Wenn ihm nicht einmal seine geliebte Freundin, seine Schwester im Geiste, ermutigende Worte anbieten konnte, dann hatte er mehr Grund zur Sorge, als ihm bislang klar gewesen war.</p><p>�Was ich glaube, ist ��</p><p>Er sollte nie erfahren, was sie dachte, denn in diesem Augenblick unterbrach ein pl�tzlicher, schrecklicher Laut ihre Unterhaltung � die verzweifelten und entsetzten Schreie der blauen Drachen. �ber ein Dutzend von ihnen stob aus dem Nexus hervor und flog wild durcheinander. Einer von ihnen brach pl�tzlich von den anderen fort und raste gezielt auf die Plattform zu. Kalec sprang auf die Beine, w�hrend s�mtliches Blut aus seinem Gesicht wich. Kiry stand neben ihm, eine Hand vor dem aufgerissenen Mund.</p><p>�Lord Kalecgos!�, schrie Narygos. �Wir sind am Ende! Alles ist verloren!�</p><p>�Was ist denn geschehen? Beruhige dich und sprich langsamer, mein Freund!�, sagte Kalec, obwohl die schiere Panik und das Grauen, das Narygos ausstrahlte, auch sein Herz schneller schlagen lie�en. Der andere Drache war eigentlich nur selten aus der Ruhe zu bringen, und auch zu der Zeit, als Kalec und Arygos um das Amt des Aspekts gestritten hatten, war er einer der besonneneren und aufgeschlosseneren gewesen. Ihn so aufgew�hlt zu sehen, erschreckte Kalecgos.</p><p>�Die Fokussierende Iris ist verschwunden!�</p><p>�Verschwunden? Wie meinst du das?�</p><p><emphasis>�Man hat sie gestohlen!�</emphasis></p><p>Kalec starrte ihn an. Ihm wurde ganz �bel vor Grauen, und die Gedanken rasten durch seinen Kopf. Die Fokussierende Iris war f�r die blauen Drachen nicht nur ein Gegenstand von ungeheurer arkaner Macht, sondern auch ein wertvoller Schatz, der sich schon l�nger im Besitz ihres Schwarmes befand, als sich irgendjemand erinnern konnte. Wie viele solcher Gegenst�nde war er an sich weder gut noch b�se, aber er lie� sich sowohl f�r edle als auch f�r finstere Zwecke einsetzen � beides war in der Vergangenheit schon geschehen; so hatte man ihn benutzt, um die arkane Energie von Azeroth zu b�ndeln, aber ebenso, um eine schreckliche Kreatur zum Leben zu erwecken, die nie auch nur einen Atemzug h�tte tun d�rfen.</p><p>Der Gedanke, dass die Iris nun nicht mehr da war, sondern verschwunden, in den H�nden eines anderen, der ihre Kr�fte einsetzen k�nnte �</p><p>�Darum haben wir sie doch an einen anderen Ort gebracht�, murmelte Kalecgos. Noch keine zwei Tage war es her, da hatten er und ein paar andere vorgeschlagen, die Fokussierende Iris aus dem Auge der Ewigkeit fortzuschaffen und in einem geheimen Versteck unterzubringen � aus Angst, dass genau so etwas geschehen k�nnte. Er erinnerte sich noch, wie er den anderen blauen Drachen seine Begr�ndung vorgetragen hatte: <emphasis>Viele unserer Geheimnisse sind bereits bekannt, und jeden Tag verlassen mehr Br�der und Schwestern den Schwarm. Einige dort drau�en werden sich dadurch ermutigt sehen. Schon fr�her sind Fremde in den Nexus eingedrungen und haben die Fokussierende Iris f�r finstere Zwecke eingesetzt. Wir m�ssen sie bewachen � denn falls sich in einigen Teilen von Azeroth bereits herumgesprochen hat, dass sich dieses Artefakt im Nexus befindet, k�nnen wir davon ausgehen, dass es eines Tages wieder ungesch�tzt sein wird.</emphasis></p><p>Nun war dieser Tag also gekommen, wenn auch nicht so, wie Kalec es vorausgesehen hatte. Die blauen Drachen hatten beschlossen, eine kleine Gruppe solle das Artefakt auf die Gefrorene See hinaustragen, auf dass es � wie er gehofft hatte � sicher in verzaubertem Eis eingeschlossen werde. Dort w�rde niemand es finden, ein Brocken gefrorenen Wassers, der in Wahrheit aber so viel mehr war.</p><p>Kalec k�mpfte um seine Beherrschung. �Warum sagst du, dass sie gestohlen wurde?� <emphasis>Bitte</emphasis>, flehte er, auch wenn er nicht wusste, an welche Macht diese Bitte gerichtet war, <emphasis>bitte, lass es nur ein Missverst�ndnis sein!</emphasis></p><p>�Wir haben nichts von Veragos oder den anderen geh�rt, und die Fokussierende Iris ist auch nicht dort, wo sie sein sollte.�</p><p>Die blauen Drachen, die im Verlauf der langen Jahrhunderte die meiste Zeit mit dem Artefakt verbracht hatten, waren besonders empf�nglich f�r seine Aura, und Kalecgos hatte sie gebeten, der Reise der Iris mit ihren Sinnen zu folgen. Inzwischen h�tte der Schatz l�ngst gut gesch�tzt am Grunde des Meeres liegen m�ssen, und diejenigen, die ihn dorthin gebracht hatten, h�tten auch schon wieder zur�ck sein sollen. Nat�rlich gab es andere Erkl�rungen daf�r, die l�ngst nicht so d�ster waren. Dennoch wechselte Kalecgos sofort in seine Drachengestalt und flog schnell zum Nexus hin�ber, dicht gefolgt von Kirygosa und Narygos.</p><p>Er wusste, dass diese anderen M�glichkeiten nichts als falsche Hoffnungen waren, wenn er auch nicht sagen konnte, warum er sich da so sicher war. Kalecgos leitete sein Volk erst seit ein paar Monaten, zun�chst als Aspekt und nun als Anf�hrer. W�hrend dieser kurzen Zeit waren schon zwei der schlimmsten Katastrophen eingetreten, die dem blauen Drachenschwarm �berhaupt widerfahren konnten.</p><empty-line/><p>Kalecgos landete im kalten, h�hlenartigen Inneren des Nexus und wurde von einem vollkommenen Chaos begr��t.</p><p>Alle schienen gleichzeitig aufeinander einzureden, und jede Faser ihrer riesigen, reptilienartigen K�rper verstr�mte Angst und Zorn. Einige Drachen sa�en indes zusammengekauert und seltsam still da, was Kalecgos noch mehr als das Geschrei alarmierte. Zugleich fiel ihm auf, wie viele Mitglieder des Schwarms schon fort sein mussten. Und die wenigen, die noch geblieben waren, w�nschten sich nun ohne Zweifel, dass auch sie den Nexus verlassen h�tten, bevor dieses Unheil �ber sie gekommen war.</p><p>Er behielt seine wahre Gestalt bei und rief den anderen zu, still zu sein, doch nur eine Handvoll gehorchte diesem Befehl, die anderen schrien weiterhin durcheinander.</p><p>�Wie konnte das nur geschehen?�</p><p>�Wir h�tten mehr Drachen losschicken sollen; ich hatte doch <emphasis>gesagt</emphasis>, wir h�tten mehr Drachen losschicken sollen!�</p><p>�Das war von Anfang an eine n�rrische Idee. W�re die Iris hiergeblieben, wir h�tten sie jede Sekunde bewachen k�nnen!�</p><p>Kalecgos donnerte seinen Schwanz auf den Boden. �Ruhe!�, br�llte er, und das Wort hallte durch den Raum.</p><p>Die Drachen verstummten abrupt, und nun richtete sich jeder Kopf auf den Anf�hrer des Schwarms. In einigen Gesichtern sah Kalec das schwache Schimmern der Hoffnung, es werde sich hier gewiss nur um ein Missverst�ndnis handeln, das er irgendwie aufkl�ren k�nnte. Andere starrten ihn aus w�tenden, missmutigen Augen an; ohne Zweifel gaben sie ihm die Schuld f�r das, was geschehen war.</p><p>Sobald er ihre volle Aufmerksamkeit hatte, begann Kalecgos zu sprechen. �Bevor wir uns in wilden Spekulationen ergehen, sollten wir erst einmal �berlegen, was wir wirklich wissen�, erkl�rte er. �Der blaue Schwarm zittert nicht vor �ngsten, die allein einer fiebrigen Fantasie entstammen.�</p><p>Einige der Drachen senkten bei diesen Worten die K�pfe, w�hrend ihre Ohren besch�mt nach unten sackten. Ein paar andere aber zuckten emp�rt hoch. Um sie w�rde sich Kalec sp�ter k�mmern. Jetzt musste er erst einmal die Fakten in Erfahrung bringen.</p><p>�Ich habe es zuerst gesp�rt�, sagte Teralygos. Er war einer der �ltesten des blauen Schwarms, der entschieden hatte hierzubleiben. Einst hatte er sich auf die Seite von Kalecs Rivalen Arygos gestellt, doch seitdem dieser als Verr�ter enttarnt und anschlie�end get�tet worden war, hatte Teralygos gemeinsam mit den meisten anderen Kalec die Treue gehalten, auch noch, nachdem er seine Aspekt-F�higkeiten eingeb��t hatte.</p><p>�Du bist schon seit Langem ein W�chter unseres Heimes, Teralygos; und gro� ist der Dank, den wir dir alle schulden�, erwiderte Kalec, die Stimme voller Respekt. �Was hast du gesp�rt?�</p><p>�Der Pfad, den Veragos und die anderen nehmen sollten, war nicht der direkteste Weg�, erkl�rte Teralygos. Kalec nickte. Man hatte beschlossen, dass es zu riskant w�re, wenn jemand eine Gruppe von blauen Drachen zu sehen bek�me, die kerzengerade auf ihr Ziel zuflogen, noch dazu mit einem r�tselhaften Gegenstand. Stattdessen war die Gruppe in Form zweibeiniger Gestalten aufgebrochen. Das lie� die Reise zwar l�nger und umst�ndlicher werden, aber so w�rden sie wesentlich weniger Aufmerksamkeit erregen, sollten feindlich gesonnene Augen sie entdecken. Falls sie tats�chlich auf dem Boden angegriffen worden waren, dann h�tten sie eigentlich in Sekundenschnelle ihre menschen�hnliche Gestalt ablegen und ihre wirkliche annehmen k�nnen. F�nf Drachen sollten es mit jedem aufnehmen k�nnen, der in der �dnis lauerte und hoffte, eine kleine Karawane ausrauben zu k�nnen.</p><p>Dennoch �</p><p>�Ich kenne s�mtliche Biegungen auf dieser Route�, fuhr Teralygos fort. �Ich und die anderen � Alagosa und Banagos �, wir haben jeden Schritt unserer Br�der und Schwestern verfolgt. Und bis vor ungef�hr einer Stunde war noch alles in Ordnung.�</p><p>Teralygos� Stimme klang rau vom Alter, und bei dem letzten Wort bebte sie. Kalec behielt den Blick fest auf den Drachen gerichtet, doch er sp�rte, wie Kirygosas Kopf in einer Geste der Unterst�tzung an seiner Schulter entlangstreifte.</p><p>�Was ist dann geschehen?�</p><p>�Dann sind sie stehen geblieben. Bis zu diesem Moment waren sie marschiert, ohne auch nur eine Sekunde haltzumachen. Nach einer kurzen Pause bewegte sich die Iris zwar wieder, nun aber nicht mehr nach Westen, nicht auf die Gefrorene See zu � sondern nach S�dwesten, und zwar viel schneller, als Veragos und die anderen sie zuvor transportiert hatten.�</p><p>�Wo haben die Tr�ger haltgemacht?�</p><p>�An der K�ste des Meeres. Inzwischen befindet sich die Iris schon weit im S�den. Und je weiter sie sich von mir entfernt�, schloss Teralygos niedergeschlagen, �desto schw�cher wird die Verbindung.�</p><p>Kalecgos blickte Kirygosa an. �Nimm ein paar Drachen mit und flieg zur K�ste! Seid aber vorsichtig! Findet heraus, was dort geschehen ist!�</p><p>Sie nickte, dann wandte sie sich an Banagos und Alagosa, und einen Moment sp�ter hoben die drei schon ab und flogen mit m�chtigen Fl�gelschl�gen aus dem Nexus. Auf dem Luftweg war es nicht weit bis zum Meer; sie w�rden bald wieder zur�ckkehren.</p><p>Zumindest hoffte Kalec dies.</p><empty-line/><p>�Oh nein!�, wisperte Kirygosa. Sie z�gerte einen Moment und verharrte dann schwebend �ber dem Boden, w�hrend sie versuchte, eine Bedrohung in der N�he aufzusp�ren. Doch sie konnte nichts sp�ren. Die Feinde waren schon lange fort; zur�ckgeblieben war nur, was sie hier angerichtet hatten.</p><p>Sie faltete ihre Fl�gel zusammen und lie� sich grazil auf den Boden fallen, dann beugte sie traurig den geschmeidigen Hals.</p><p>Vor gar nicht allzu langer Zeit war diese Stelle nur ein unauff�lliger, wenngleich unwirtlicher Streifen Schnee gewesen � pur, rein und in seiner Schlichtheit beruhigend. W�re hier jemand vorbeigekommen, er h�tte eine wei�e Weite gesehen, unterbrochen allein vom gelegentlichen Braun oder Grau eines Felsens. Hier und da gab es auch Streifen gelblichen Sandes, die sich dem hungrigen, kalten Ozean furchtlos entgegenstreckten.</p><p>Nun hatte sich der Schnee in einen roten Matsch verwandelt, in dem ein paar gezackte schwarze Krater klafften, die aussahen, als w�ren Blitzschl�ge in den gefrorenen Boden gefahren, den der wei�e Schnee einst bedeckt hatte. Felsbrocken waren vom Boden empor- oder von den Steilw�nden abgerissen und in die Ferne geschleudert worden, und sogar an einigen dieser Steinbl�cke klebte trocknendes Rot. Als Kirygosa und die anderen in der Luft schn�ffelten, nahmen sie den kupfernen Geruch von Blut wahr, aber auch den nachwirkenden Gestank d�monischer Aktivit�t und das einzigartige, unbeschreibliche Odeur von einer Milliarde anderer Zauber.</p><p>Doch die Angreifer hatten auch herk�mmliche Waffen verwendet; ihre scharfen Augen entdeckten Wunden in der Erde, die das Werk von Speeren waren. Einige Pfeile hatten sich bis zur Fiederung in den Boden gebohrt.</p><p>�Die niederen Rassen�, grollte Banagos. Ihr Herz schmerzte zu sehr, andernfalls h�tte ihn Kirygosa f�r solch beleidigende Worte getadelt. Doch das �nderte nichts an der Tatsache, dass er recht hatte, auch wenn es nat�rlich unm�glich schien, genau zu sagen, welche Rasse f�r dieses Blutbad verantwortlich war oder welchem B�ndnis die Angreifer angeh�rten.</p><p>Kirygosa verwandelte sich in ihre menschliche Gestalt, und nachdem sie sich eine Locke langen blauschwarzen Haares hinter das Ohr gestrichen hatte, n�herte sie sich respektvoll den Leichen ihrer gefallenen Schwarmbr�der. F�nf von ihnen waren einmal aufgebrochen, um die Fokussierende Iris zu sch�tzen, und f�nf waren bei dem Versuch gestorben, diese Aufgabe zu erf�llen. Der sanftm�tige und weise Veragos, der �lter als die anderen und der Anf�hrer der Gruppe gewesen war. Rulagos und Rulagosa, Lebensgef�hrten, die in menschlicher Gestalt wie Zwillinge aussahen. Die beiden waren gemeinsam gestorben, dicht nebeneinander und in derselben Haltung, ihre H�lse von Pfeilen durchbohrt � im Tod waren sie sich ebenso �hnlich gewesen wie zuvor im Leben. Tr�nen f�llten Kirygosas Augen, als sie sich umdrehte und zu Pelagosa hinabblickte. Man konnte sie nur noch anhand ihrer zierlichen Gestalt erkennen; Pelagosa hatte schon immer zu den Kleinsten des blauen Schwarms geh�rt, und obwohl sie noch jung gewesen war (nach den Ma�st�ben der Drachen zumindest), war sie im Umgang mit dem Arkanen weit �ber ihr Alter hinaus erfahren gewesen. Wer auch immer sie niedergestreckt haben mochte, er musste ebenfalls mit Magie gek�mpft haben, denn sie war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.</p><p>Lurugos hatte vermutlich die meiste Gegenwehr geleistet, lag seine Leiche doch ein St�ck abseits der anderen. Versengt, steif gefroren, teilweise unter dem Wasser am Strand verborgen, gespickt mit Pfeilen, die wie Stacheln aus seinen Schultern und Beinen ragten; doch er hatte nicht aufgegeben, und Kirygosa war �berzeugt, dass sein K�rper sogar dann noch ein oder zwei Herzschl�ge weitergek�mpft hatte, als man ihm mit einem pr�zisen Hieb einer scharfen Waffe bereits den Kopf von den Schultern gehackt hatte.</p><p>Banagos trat in seiner menschlichen Gestalt hinter sie und dr�ckte ihre Schulter. Rasch legte sie ihre Hand auf die seine.</p><p>�Ich wei� nur wenig �ber die niederen Rassen�, sagte er. �Aber ich sehe hier alle m�glichen Arten von Waffen und Anzeichen daf�r, dass Magie benutzt wurde � d�monische ebenso wie arkane.�</p><p>�Jede Rasse k�nnte hierf�r verantwortlich sein�, erkl�rte Kiry.</p><p>�Dann w�ren wir vielleicht gut beraten, wenn wir sie alle ausl�schen�, brummte Banagos. Seine Stimme zitterte vor Trauer, und seine blauen Augen waren von nicht vergossenen Tr�nen rot. Er hatte die kleine Pelagosa geliebt, und sobald sie das richtige Alter erreicht h�tte, w�ren sie zu Partnern geworden.</p><p>�Nein�, schnappte Kiry scharf. �Diesen Weg w�hlen nur die Gedankenlosen, Banagos, und das wei�t du auch. Pelagosa hat ebenfalls daran geglaubt. Es sind nicht �sie alle�, die das hier getan haben, ebenso wenig, wie �alle� Drachen die j�ngeren Rassen zum Vergn�gen angreifen und Unschuldige niedermetzeln. Wir wissen, warum unsere Br�der und Schwestern get�tet wurden. Es war nicht der Hass auf unser Volk, der die Feinde antrieb. Jemand m�chte die Fokussierende Iris f�r seine � oder ihre � eigenen Machenschaften einsetzen, nur darum geht es hier.�</p><p>�F�nf Drachen�, st�hnte Alagosa. �F�nf von uns. F�nf unserer Besten. Wer k�nnte stark genug sein, um sie zu �berw�ltigen?�</p><p>�Das�, erkl�rte Kiry, �m�ssen wir eben herausfinden. Banagos, kehr zum Nexus zur�ck und �berbring den anderen die traurige Nachricht! Alagosa und ich werden hierbleiben und � uns um die Leichen unserer Gefallenen k�mmern.�</p><p>Sie hatte ihm dadurch weitere Pein ersparen wollen, aber Banagos sch�ttelte den Kopf. �Nein. Sie w�re meine Partnerin geworden. Ich � m�chte mich selbst um sie k�mmern. Und auch um die anderen. Du stehst Kalecgos am n�chsten, also wird es wohl das Beste sein, wenn er es von dir erf�hrt, und zwar so bald wie m�glich.�</p><p>�Wie du w�nschst�, entgegnete Kiry sanft. Ein letztes Mal blickte sie auf die leblosen K�rper der blauen Drachen hinab. Im Tod waren sie in ihrer menschlichen Gestalt gefangen, einer Gestalt, die die meisten von ihnen verabscheuten. Anschlie�end schlug sie die Augen traurig nieder und schnellte in den Himmel hinauf. Ihre Fl�gel peitschten die Luft, als sie nach einer Rolle zur�ck in Richtung des Nexus raste. Nun galten ihre Gedanken nicht l�nger den Gefallenen, sondern den M�rdern. Wer mochte stark genug sein, um einen solchen Angriff erfolgreich durchzuf�hren? Und aus welchem Grund hatten sie die Drachen �berfallen?</p><p>Sie konnte die schlimmsten Bef�rchtungen bez�glich der verschollenen Gruppe best�tigen, aber das war auch schon alles, was sich mit Gewissheit sagen lie�, und Kiry hoffte inst�ndig, dass Kalec in ihrer Abwesenheit etwas Neues herausgefunden hatte.</p><empty-line/><p>Kalecgos wusste, dass die Fokussierende Iris mit jeder verstreichenden Sekunde weiter in Richtung S�den getragen wurde. So wurde es schwerer und schwerer, sie zu orten. Doch er hatte einen Vorteil, den seine Br�der nicht besa�en. Obwohl er nicht l�nger der Aspekt der blauen Drachen war, f�hrte er sie noch immer an, und dieses Band zwischen ihm und seinem Schwarm, welches durch das Echo der Aspekt-F�higkeiten noch verst�rkt wurde, schien seine Verbindung mit der Iris zu vertiefen. Als Teralygos gesagt hatte, dass er das Artefakt kaum noch sp�ren konnte, hatte er die Augen geschlossen und tief eingeatmet. Nun stellte er es sich in seinem Geist bildlich vor, hatte sich ganz darauf konzentriert, bis er es f�hlen konnte, und �</p><p>Und da war es. �Die Iris befindet sich jetzt in der Boreanischen Tundra, nicht wahr?�, fragte er Teralygos, die Lider noch immer zusammengekniffen.</p><p>�Ja, und jetzt �� Die Worte endeten in einem kurzen, entsetzten Schrei. �Sie ist fort!�</p><p>�Nein, sie ist noch da�, widersprach Kalec. �Ich kann sie noch immer sp�ren.�</p><p>Einige der Drachen seufzten erleichtert. Da sagte eine leise Frauenstimme: �Sie wurden alle ermordet, Kalecgos. Alle f�nf.�</p><p>Er �ffnete die Augen und blickte Kirygosa traurig an, w�hrend sie beschrieb, was sie, Banagos und Alagosa entdeckt hatten. �Und du kannst nicht sagen, ob es Menschen, Elfen oder Goblins waren?�, fragte er, als sie fertig war. �Gab es da vielleicht ein St�ck Stoff von einem Banner oder eine besondere Pfeilfiederung?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Die Farben, die wir fanden, machten einen willk�rlichen Eindruck. Fu�spuren gab es auch keine. Der Schnee war zu stark geschmolzen, und sie waren schlau genug, den weicheren Sand zu meiden und keine Blutspuren auf den Felsen zu hinterlassen. Kalecgos, alles, was wir mit Bestimmtheit sagen k�nnen, ist, dass jemand gewusst hat, wo sie zu finden war. Diese Angreifer waren stark genug, um f�nf Drachen abzuschlachten, bevor sie sich mit der Fokussierenden Iris davonstahlen. Wer immer sie sind, sie wussten ganz genau, was sie taten.�</p><p>Ihre Stimme wurde bei diesem letzten Satz noch ein wenig leiser. Kalec nickte ihr zu. �Vielleicht stimmt das. Aber wir wissen auch, was wir tun m�ssen.� Er sprach diese Worte mit einer �berzeugung aus, die er nicht einmal ganz empfand. �Ich kann sp�ren, in welche Richtung sich die Iris bewegt, und ich werde ihr folgen und sie zur�ckbringen.�</p><p>�Du bist unser Anf�hrer, Kalecgos�, protestierte Kirygosa. �Wir brauchen dich hier!�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, das tut ihr lieber nicht�, erkl�rte er leise. �Ich bin euer Anf�hrer, und genau aus diesem Grund muss ich gehen. Es wird Zeit, dass wir uns den Tatsachen stellen. Der Schwarm l�st sich auf. Viele unserer Br�der und Schwestern sind bereits in die weite Welt davongeflogen. Fr�her einmal wussten wir, welche Rolle wir zu spielen hatten; aber jetzt fehlt uns dieser Antrieb. Und nun ist auch noch unser wertvollstes magisches Relikt, das uns nicht nur als Werkzeug dient, sondern auch als Symbol, gestohlen worden. F�nf Drachen liegen in ihrem Blut, weil sie es bewachten. Es ist meine Aufgabe, euch zu f�hren und zu sch�tzen, aber ich � ich werde dieser Aufgabe nicht gerecht.�</p><p>Es schmerzte, das zuzugeben. �Ich habe versagt, in dieser Sache und vielleicht auch in anderen. Ihr braucht mich hier nicht, und ich kann nicht bei euch bleiben, mich sorgen und auf und ab gehen, w�hrend andere ausziehen, um unseren gestohlenen Schatz zur�ckzuholen. Diese Pflicht f�llt mir zu � nur, indem ich mich ihr stelle, kann ich euch wirklich f�hren und sch�tzen.�</p><p>Einige der Drachen wechselten Blicke, aber keiner von ihnen erhob Einspruch. Kalecgos hatte jedes Wort, das er ausgesprochen hatte, ernst gemeint. Doch in einem Punkt hatte er nicht die ganze Wahrheit gesagt; ja, es war seine Pflicht, die Iris zur�ckzuholen, aber er hatte verschwiegen, dass er auch gehen <emphasis>wollte</emphasis>. Wenn er sich unter die niederen Rassen mischte, f�hlte er sich mehr zu Hause als hier im Nexus, wo er den Schwarm angeblich anf�hrte. Er bemerkte, dass Kiry ihn anblickte. Zumindest sie schien seine tieferen Beweggr�nde zu erkennen � und sie billigte sie.</p><p>�Kirygosa, Tochter von Malygos�, sagte er, �st�tze dich auf die Weisheit von Teralygos und den anderen und sei meine Stimme, solange ich fort bin!�</p><p>�Niemand kann deine Stimme ersetzen, mein Freund�, entgegnete sie sanftm�tig, �aber ich werde mein Bestes tun. Falls jemand unsere Fokussierende Iris in dieser gro�en Welt wiederfinden kann, dann bist du es, denn keiner von uns kennt Azeroth besser als du.�</p><p>Mehr gab es nicht zu sagen. Schweigend katapultierte sich Kalecgos in die Luft, dann flog er in den kalten, verschneiten Tag hinaus, immer diesem schwachen, zerrenden Gef�hl nach, das ihm sagte: <emphasis>Hier entlang, hier entlang</emphasis>. Kirygosa glaubte also, dass er Azeroth besser kannte als jeder andere blaue Drache. Er konnte nur hoffen, dass sie damit recht hatte.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Baine Bluthuf blickte sich unsicher um, als er und seine kleine Gruppe die Stadt Orgrimmar betraten. Als einziges Kind von Cairne, dem zu Lebzeiten innig geliebten und nun im Tod tief betrauerten Oberh�uptling der Tauren, hatte Baine die Stellung eingenommen, die sein Vater so viele Jahre innegehabt hatte. Es war eine Verantwortung, nach der er eigentlich nie wirklich gestrebt hatte, und er war zu gleichen Teilen von Demut und Bedauern erf�llt gewesen, als er sie schlie�lich angenommen hatte. Das war noch gar nicht so lange her, und doch hatte sich die Welt in der kurzen Zeit, die seither vergangen war, in scheinbar jeder Hinsicht ver�ndert.</p><p>Seine pers�nliche Welt war in der Nacht zerschmettert worden, als sein Vater in einem <emphasis>Mak�gora</emphasis>, einem rituellen Duell, get�tet worden war. Cairne war gegen Garrosh H�llschrei angetreten, der erst vor Kurzem von Thrall zum neuen Kriegsh�uptling der Horde ernannt worden war. Eigentlich hatte er vorgehabt, ehrenhaft zu k�mpfen, doch jemand anders hatte etwas dagegen gehabt: Magatha Grimmtotem, eine Schamanin, die lange einen Hass gegen Cairne gehegt hatte und danach strebte, die Tauren anzuf�hren. Sie hatte die Klinge von Garroshs Axt Blutschrei nicht mit Salb�l, sondern mit Gift bestrichen. Dieser Betrug hatte den edlen Cairne das Leben gekostet.</p><p>Garrosh hatte sich aus dem Konflikt herausgehalten, der im Anschluss an diese Ereignisse ausgebrochen war, als Magatha die F�hrung der Tauren unverfroren f�r sich in Anspruch gennommen hatte. Baine hatte die M�chtegern-Thronr�uberin besiegt und sie verdammt, gemeinsam mit allen anderen, die sich weigerten, ihm loyal zu folgen. Anschlie�end hatte er selbst dem Kriegsh�uptling der Orcs die Treue geschworen, und zwar aus zweierlei Gr�nden � erstens, weil sein Vater es so gewollt h�tte, und zweitens, weil er wusste, dass er nur auf diese Weise sein Volk besch�tzen konnte.</p><p>Seitdem war Baine Bluthuf nicht mehr nach Orgrimmar gekommen. Er hatte niemals das Verlangen danach gesp�rt, und jetzt, da er hier war, w�nschte er sich noch mehr, dass er diesem Ort f�r immer h�tte fernbleiben k�nnen.</p><p>Doch Garrosh hatte die Anf�hrer der verschiedenen Rassen vorgeladen, und da er Grom H�llschreis Sohn nun einmal seine Unterst�tzung zugesichert hatte, war Baine dieser Einladung nachgekommen, ebenso wie all die anderen auch. Sich Garroshs Wunsch zu widersetzen, h�tte einen offenen Krieg bedeuten k�nnen.</p><p>Baine und sein Gefolge ritten auf ihren Kodos durch die schweren Stadttore, und mehr als einer der Tauren blickte dabei mit nerv�s zuckenden Ohren zu dem hoch aufragenden Ger�st und dem gewaltigen Kran empor, der �ber ihnen von einer Seite auf die andere schwang. Orgrimmar war nie so l�ndlich und idyllisch gewesen wie Donnerfels, aber nun wirkte es durch und durch martialisch. Riesige Eisenkonstruktionen, schwer und schwarz und unheilvoll, hatten die einfachen Holzh�tten ersetzt, angeblich, um �einen weiteren Brand zu verhindern�, wie Garrosh gesagt hatte. Baine wusste aber, dass es H�llschrei ebenso darum ging, Erinnerungen an die alten Hochzeiten der Horde zu erwecken. Jeder sollte wissen, dass man die Orcs, und infolgedessen die gesamte Horde, ernst nehmen musste � auch nach dem Chaos des Kataklysmus und der folgenden Schreckensherrschaft von Todesschwinge. In Baines Augen dr�ckten diese h�sslichen Ver�nderungen aber keinesfalls St�rke aus, vielmehr stellte das �neue Orgrimmar� f�r ihn ein Sinnbild der Dominanz, der Eroberung, der Unterdr�ckung dar. Das harte, gezackte Metall, das hier allgegenw�rtig schien, war eine Bedrohung, kein Schutz. Er f�hlte sich jedenfalls alles andere als sicher an diesem Ort, und er glaubte, dass es jedem anderen Wesen, das kein Orc war, ebenso ergehen musste.</p><p>Garrosh hatte sogar die Festung Grommash aus dem Tal der Weisheit, wo sie seit der Gr�ndung der Stadt unter Thralls Herrschaft gestanden hatte, ins Tal der St�rke versetzen lassen � eine Entscheidung, die, wie Baine fand, viel �ber das Wesen des Kriegsh�uptlings verriet. Als sich die Tauren der Festung n�herten, schloss sich ihnen in ihrem roten und goldenen Ornat eine Gruppe von Blutelfen an. Lor�themar Theron, der seine lange hellblonde M�hne zu einem Haarknoten nach oben gebunden hatte und sein Kinn mit einem kleinen Streifen Bart schm�ckte, blickte zu Baine hin�ber und nickte ihm gelassen zu. Bluthuf erwiderte die Geste.</p><p>�Baine, mein Freund!�, rief da pl�tzlich eine �lige, fr�hliche Stimme. Baines Kopf ruckte nach rechts herum, dann nach unten. Ein verschlagen wirkender, fettb�uchiger Goblin mit einem leicht l�dierten Zylinder auf dem Kopf winkte ihm gutgelaunt zu, w�hrend er auf seiner Zigarre herumkaute.</p><p>�Du musst Handelsprinz Jastor Gallywix sein�, sagte Baine.</p><p>�Der bin ich, in der Tat, der bin ich�, erwiderte der Goblin enthusiastisch und schenkte ihm ein z�hnestarrendes, leicht raubtierhaftes Grinsen. �Und ich bin genauso erfreut, heute hier sein zu d�rfen, wie du es sicher auch bist. Mein erster offizieller Besuch an Kriegsh�uptling Garroshs Hofe!�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich es einen Hof nennen w�rde�, erwiderte Baine.</p><p>�Ah, wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Ich bin trotzdem erfreut, ja. Wie geht es euch denn so, dr�ben in Mulgore?�</p><p>Baine musterte Gallywix. Es war keineswegs so, dass er prinzipiell etwas gegen Goblins hatte; um die Wahrheit zu sagen, stand er sogar tief in der Schuld von Gazlowe, dem Goblin-Herrscher �ber die Hafenstadt Ratschet. Als Magatha n�mlich Donnerfels angegriffen hatte, hatte Gazlowe Baine seine Zeppeline, Waffen und Krieger f�r einen (nach Goblin-Standards) wirklich gro�z�gigen Preis zur Verf�gung gestellt. Diese Unterst�tzung war f�r Bluthuf von unsch�tzbarem Wert gewesen. Nein, Baine hatte nichts gegen Goblins im Allgemeinen, nur gegen <emphasis>diesen einen</emphasis> Goblin. Falls es stimmte, was seine Kundschafter ihm erz�hlten, gab es aber niemanden, der Gallywix leiden konnte, nicht einmal seine eigenen Leute.</p><p>�Wir bauen unsere Hauptstadt wieder auf und treiben die Stacheleber zur�ck, die in unser Territorium dr�ngen. Die Allianz hat erst vor Kurzem Camp Taurajo zerst�rt, und wir haben ein gro�es Tor errichtet, damit sie nicht weiter vordringen k�nnen.�</p><p>�Oh, tja, das tut mir leid. Und Gl�ckwunsch!� Gallywix lachte. �Und viel Gl�ck mit alldem, hm?�</p><p>��h � danke�, sagte Baine. Trotz ihrer geringen Gr��e schl�ngelten sich die Goblins durch den Strom der anderen Horderassen, um als Erste die Festung Grommash zu betreten. Baine zuckte mit dem Ohr, dann seufzte er und stieg von seinem Kodo. Nachdem er einem wartenden Orc die Z�gel in die Hand gedr�ckt hatte, stapfte anschlie�end auch er selbst durch den Eingang der Festung.</p><p>Diese Inkarnation von Grommash war, wie alles andere im �neuen� Orgrimmar auch, weniger pers�nlich und daf�r deutlich kriegerischer � bis hin zum Thron des Horden-Kriegsh�uptlings. Unter Thralls Herrschaft waren der Sch�del und die R�stung des D�mons Mannoroth, dessen Blut einst die Orcs verdorben hatte, und der auf heldenhafte Weise von Grom H�llschrei besiegt worden war � auf einem gewaltigen Baumstumpf am Eingang der Feste ausgestellt gewesen, als Symbol seines gr��ten Triumphes. Aber Garrosh hatte sie von dort entfernt, um seinen eigenen Thron damit zu schm�cken. Was Thrall f�r die gesamte Horde zug�nglich gemacht hatte, war durch ihn zu einem pers�nlichen Tribut geworden. Er trug sogar zwei Hauer des D�mons als Schulterpanzer. Jedes Mal, wenn Baine den neuen Kriegsh�uptling sah, sackten seine Ohren angesichts dieses Affronts herab.</p><p>�Baine�, rief eine raue Stimme, und als sich der Taure umdrehte, stieg zum ersten Mal, seit er Donnerfels verlassen hatte, eine Woge der Freude in ihm hoch.</p><p>�Etrigg�, sagte er in freundschaftlichem Ton und umarmte den alten Orc. Es schien, als w�re dieser ehrenhafte Veteran das letzte Mitglied von Thralls urspr�nglichem Beraterstab, das noch �brig geblieben war. Er hatte Thrall gut und loyal gedient, und auf seinen Wunsch hin war er in Orgrimmar geblieben, um Garrosh mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dass der neue Kriegsh�uptling noch keine Intrige gesponnen hatte, um den alten Orc aus dem Weg zu r�umen, lie� Baine hoffen. Etrigg war es gewesen, der als Erster das Gift an Garroshs Waffe, Blutschrei, entdeckt hatte, und ebenso war er es gewesen, der dem jungen Kriegsh�uptling erkl�rt hatte, dass man ihn benutzt hatte, um Cairne auf unehrenhafte Weise zu ermorden. Baine hatte Etrigg schon immer respektiert, aber durch diese Tat hatte sich der Orc seine ewige Freundschaft verdient.</p><p>Baine kniff die braunen Augen zusammen, als ihm der Ausdruck auf Etriggs Gesicht auffiel. Er versuchte, m�glichst leise zu sprechen � keine leichte Aufgabe f�r einen Tauren � und fragte: �Ihr seid nicht gl�cklich �ber das Thema der heutigen Zusammenkunft, nicht wahr?�</p><p>Etrigg schnitt eine s�uerliche Grimasse. �Das ist noch eine Untertreibung. Und ich bin nicht mal der Einzige, der so denkt.� Er klopfte dem jungen Anf�hrer der Tauren auf den Arm, dann trat er zur�ck und bedeutete Baine, sich zum traditionellen Platz seines Volkes zu begeben, links vom Thron des Kriegsh�uptlings. Zumindest hatte Garrosh nicht versucht, die Tauren von ihrem Platz zu verbannen. Baine fiel aber auf, dass Lor�themar nun auf der rechten Seite des Thrones sa�, und neben der rot-goldenen Pracht der Blutelfen leuchtete die gr�ne Haut der Goblins. Sylvanas und ihre Verlassenen hatten direkt den Orcs gegen�ber Platz genommen, und Vol�jins Trolle sa�en neben Baine. Die Orcs, denen die Ehre zuteilwurde, diesem Treffen beiwohnen zu d�rfen � die meisten von ihnen waren Kor�kron, die traditionellen Leibw�chter des Kriegsh�uptlings �, standen kerzengerade in einem Kreis um die versammelten Abgesandten herum.</p><p>Baine erinnerte sich noch daran, wie ihm sein Vater von �hnlichen Treffen in Orgrimmar erz�hlt hatte. Damals waren solche Anl�sse ebenso von Lachen, Festm�hlern und festlicher Atmosph�re bestimmt worden wie von Debatten und Diskussionen. Baine sah jedoch keinerlei Anzeichen, dass es heute ein Festmahl geben w�rde. Im Gegenteil, dachte er, und nahm einen Schluck abgestandenen Wassers aus dem Trinkschlauch, der von seinem G�rtel hing. Es war eine gute Idee gewesen, dass er und seine Leute ihr eigenes Wasser mitgebracht hatten. Andernfalls w�ren die Tauren inzwischen wohl schon zusammengebrochen, in dieser Stadt unter der gl�henden Sonne, wo die Eisengeb�ude all die Hitze absorbierten.</p><p>Die Sekunden verrannen, und allm�hlich wurden die versammelten Anf�hrer und ihre Begleiter unruhig. Leises Gemurmel breitete sich unter den Verlassenen aus, und Baine gewann den Eindruck, als w�re �Geduld� eine Tugend, die nicht jeder der Untoten beherrschte, obwohl sie dieses Wort nur allzu gerne benutzten, wenn sie andere tadelten. Seine scharfen Taurenohren schnappten ein gezischtes Fl�stern von Sylvanas auf, und daraufhin erstarb das Gemurmel abrupt.</p><p>Ein Orc in der Uniform der Kor�kron trat nach vorn. An einer Hand hatte er nur noch drei Finger, und eine fahle Narbe, die sich scharf von seiner dunkleren Haut abhob, beschrieb ein Zickzackmuster �ber sein gesamtes Gesicht, und dann bis hinunter zu seinem Hals. Rote Kriegsbemalung, die wie vergossenes Blut aussah, zierte seine Z�ge und Arme. Doch es waren nicht diese Eigenheiten, die Baine veranlassten, die Augen zusammenzukneifen, als er den Neuank�mmling betrachtete. Es war der Farbton der rot bemalten Haut.</p><p>Dunkelgrau.</p><p>Das bedeutete zweierlei. Zum einen, dass der Orc ein Mitglied des Schwarzfelsclans war � ein Clan, der viele ber�chtigte Mitglieder hervorgebracht hatte �, und zweitens, dass dieser Orc schon seit Jahren nicht mehr das Licht der Sonne gesehen hatte. Er hatte im Inneren des Berges Schwarzfels gelebt und Thralls Feinden gedient.</p><p>Namen, die sein Vater nur mit ernster Stimme ausgesprochen hatte, hallten in Baines Kopf wider: Schwarzfaust, der Zerst�rer, Kriegsh�uptling der Horde und geheimes Mitglied des Schattenrates, unter dessen Herrschaft die ersten Hexenmeister aufgetaucht waren, die es in seinem Volk je gegeben hatte; sein Sohn Dal�rend, genannt �Rend�, der sich jahrelang in den Tiefen der Schwarzfelsspitze verborgen hatte und Thralls Herrschaft nicht anerkennen wollte. Von all den Orcs des Schwarzfelsclans hatte Thrall nur von den wenigsten mit Respekt gesprochen. Eine Handvoll unter viel zu vielen. Dass diesem augenscheinlich kampferfahrenen Veteran die Ehre zuteil wurde, die Zeremonie zu er�ffnen � sogar noch vor den Kor�kron �, verst�rkte Baines Sorge �ber das, was da kommen mochte.</p><p>Der Veteran machte eine herrische Geste, und mehrere gr�nh�utige Orcs traten vor, in den H�nden lange, verzierte Schim�renh�rner. Mit pr�zisen Bewegungen hoben sie die H�rner an ihre Lippen, dann holten sie tief Luft und bliesen hinein. Ein lang gezogener, tiefer, hohler Laut dr�hnte durch den Saal, und trotz der gegenw�rtigen Situation sp�rte Baine, wie sein Geist diesem Aufruf zur Ordnung folgte. Als der Klang verhallt war, traten die Orcs in die Schatten zur�ck.</p><p>Der Schwarzfelsorc ergriff mit einer tiefen, rauen Stimme, die den gesamten Raum erf�llte, das Wort.</p><p>�Euer Anf�hrer, der m�chtige Garrosh H�llschrei, kommt n�her! Zeigt ihm eure Ehrerbietung!� Der Orc schlug sich mit der heilen Hand gegen die st�mmige Brust und wandte sich dem Eingang zur Festung Grommash zu.</p><p>Garroshs brauner K�rper war mit T�towierungen bedeckt, und selbst auf seinem Unterkiefer waren schwarze Muster zu erkennen. Seine Brust war nackt, doch auf den Schultern trug er Mannoroths gewaltige Hauer, bedeckt mit Stacheln, und um seine Mitte lag ein G�rtel mit einem geschnitzten Totensch�del, welcher in seiner Form an den Kopf des gro�en D�mons erinnerte, der den Thron zierte. Als er Blutschrei, die legend�re Waffe seines Vaters, in die H�he reckte, hallte der Saal kurz vor Jubelschreien und -rufen wider, und Garrosh stand genie�erisch da und saugte es in sich auf. Dann senkte er die Axt wieder und �ffnete den Mund.</p><p>�Ich hei�e euch alle willkommen�, sagte er, w�hrend er die Arme in einer allumfassenden Geste ausbreitete. �Ihr seid wahre Diener der Horde. Euer Kriegsh�uptling hat euch gerufen, und ihr seid gekommen.�</p><p><emphasis>Wie abgerichtete W�lfe</emphasis>, dachte Baine. Er versuchte, ein Stirnrunzeln zu unterdr�cken, schaffte es aber nicht. Thrall hatte niemals so zu seinen Untertanen gesprochen.</p><p>Garrosh fuhr indes fort: �Viel ist geschehen, seit ich zum Kriegsh�uptling wurde. Wir haben uns Herausforderungen und Gefahren gegen�bergesehen, Feinden, die unsere Welt und unsere Lebensweise bedrohten. Und doch haben wir obsiegt. Wir sind die <emphasis>Horde</emphasis>. Wir werden niemals zulassen, dass jemand unseren Willen bricht!�</p><p>Noch einmal hob er Blutschrei, und noch einmal brachen die versammelten Orcs daraufhin in ein lautes Geheul aus. Die anderen Mitglieder der Horde stimmten in den Jubel mit ein, selbst Baine, denn hier ging es darum, ihre Unterst�tzung f�r die m�chtige Horde zu zeigen, der sie alle angeh�rten. Zumindest in diesem Punkt hatte Garrosh recht: Wer sich ein Mitglied der Horde nannte, der w�rde sich von nichts und niemandem entmutigen lassen � nicht von einer zerschmetterten Welt, nicht von einem wahnsinnig gewordenen Aspekt und auch von sonst nichts.</p><p>Nicht einmal von dem Mord an einem Vater.</p><p>Garroshs Lippen um seine Hauer verzogen sich zu einem zustimmenden L�cheln, als er zu seinem Thron hin�berging, dann hob er den Arm, um Stille einzufordern. �Ihr habt mich nicht entt�uscht�, erkl�rte er. �Ihr seid die besten Vertreter eurer Rassen � ihre Anf�hrer, ihre Gener�le. Und genau darum habe ich euch hierhergerufen.�</p><p>Er setzte sich und bedeutete den anderen mit einem Winken, dass sie ebenfalls Platz nehmen durften. �Es gibt eine Bedrohung, die diese Welt schon viel zu lange heimsucht, und jetzt ist die Zeit gekommen, sie ohne jede Gnade auszul�schen. All die Jahre, die wir bereits im Schatten dieser Gefahr stehen, haben wir sie ignoriert, in dem Irrglauben, dass es nur eine kleine Schande w�re, sie zu tolerieren, eine Schande, die der m�chtigen Horde nicht zu schaden vermag. Doch damit ist jetzt Schluss. Ich habe es schon fr�her gesagt, und jetzt sage ich es wieder: <emphasis>Jede</emphasis> Schande ist eine gro�e Schande! <emphasis>Jede</emphasis> Bedrohung ist eine gro�e Bedrohung! <emphasis>Und wir werden sie nicht l�nger dulden!</emphasis>�</p><p>Ein Schauder rann durch Baines K�rper, und er musste an Etriggs Reaktion auf seine Frage vorhin denken. Schon, als der Befehl an die Anf�hrer der Horde ergangen war, sich in Orgrimmar zu versammeln, hatte er geahnt, was Garrosh ihnen allen sagen wollte, aber er hatte gehofft, dass er sich irrte.</p><p>Der Orc sprach weiter: �Wir m�ssen unser Schicksal erf�llen. Und es gibt ein Hindernis auf dem Weg zu diesem Schicksal � eines, das wir unter unseren F��en zermalmen sollten wie das unbedeutende Insekt, das diese Gefahr in Wahrheit darstellt. Die W�rmer der Allianz begn�gen sich nicht l�nger damit, die �stlichen K�nigreiche in ihrem W�rgegriff zu halten. Viel zu lange � denn auch nur ein <emphasis>Moment</emphasis> w�re schon zu lange! � haben sie sich in <emphasis>unsere</emphasis> Lande hineingegraben, in <emphasis>unser</emphasis> Territorium. Nach Kalimdor.�</p><p>Baine schloss einen Moment lang gequ�lt die Augen.</p><p>�St�ck f�r St�ck stehlen sie uns unsere Bodensch�tze, und ihre blo�e Anwesenheit beschmutzt unsere Erde! Sie wollen uns verkr�ppeln, verhindern, dass wir wachsen und uns zu den H�hen aufschwingen, von denen ich wei� � mit absoluter Sicherheit <emphasis>wei�</emphasis> �, dass wir sie erreichen k�nnen! Denn mit ganzem Herzen glaube ich, dass es nicht unser Schicksal ist, auf unseren Knien herumzurutschen und die Allianz um einen Frieden anzubetteln. Es ist unser Recht, dieses Land Kalimdor zu bewohnen und zu beherrschen. Es geh�rt uns, und als solches werden wir es zur�ckfordern!�</p><p>Garroshs Orcs br�llten zustimmend. Das hei�t, zumindest die meisten, die, die bei den Kor�kron und dem Schwarzfelsorc standen. Einige andere murmelten jedoch nur leise vor sich hin. Viele Mitglieder der Horde folgten dem Beispiel der Kor�kron, wobei einige voller �berzeugung skandierten, w�hrend andere deutlich weniger Enthusiasmus an den Tag legten, wie Baine auffiel. Er selbst blieb ruhig sitzen. Ein paar seiner Tauren applaudierten und stampften mit ihren Hufen auf den Boden � ihr Volk war von den j�ngsten Ver�nderungen nicht verschont geblieben. Die Allianz hatte sich von der Feste Nordwacht aus vorgearbeitet, angetrieben von falschen Nachrichten, wonach die Tauren einen Angriff planten, und dann hatten sie Camp Taurajo dem Erdboden gleichgemacht. Die einzigen Einwohner, die das Dorf jetzt noch aufwies, waren Pl�nderer. Viele Tauren waren bei dem Angriff gestorben, andere waren zur Vendettakuppe geflohen, von wo aus sie sporadische Angriffe auf die Sp�her der Feste Nordwacht starteten, und wieder andere hatten sich im Camp Una�fe in Sicherheit gebracht, ihrer �Zufluchtsst�tte.�</p><p>Bei seiner Reaktion auf diese Aggression hatte Baine den Schwerpunkt darauf gelegt, sein Volk zu sch�tzen. Die Stra�e nach Mulgore war einst offen gewesen; nun hatten sie das Gro�e Tor, wie sie es nannten, geschlossen, um jede M�glichkeit f�r einen gro� angelegten Vorsto� der Allianz im Keim zu ersticken. Die meisten Tauren waren damit zufrieden, dass man dieses Tor gebaut hatte; es d�rstete sie nicht nach Rache. Ein paar andere wollten den Angriff nicht einfach so vergessen. Baine konnte ihnen keinen Vorwurf machen. Er herrschte nicht mit eiserner Hand �ber sein Volk; die Tauren folgten ihm aus eigenem Willen und voller Zuneigung � und vermutlich nicht zuletzt auch aus Respekt vor seinem Vater. Dennoch waren sie ihm gegen�ber offen, und jeder, der mit Baines Entscheidung nicht einverstanden war, so wie Grimmtotem, oder sich entschloss, die Allianz von der Vendettakuppe auf eigene Faust anzugreifen, wurde zwar aus Donnerfels verbannt, musste dar�ber hinaus aber keine Bestrafung f�rchten.</p><p>Seine Gedanken richteten sich wieder auf das Hier und Jetzt, als der Jubel leiser wurde und Garrosh mit seiner Rede fortfuhr.</p><p>�Darum beabsichtige ich, die Horde auf eine Mission zu f�hren, die uns auf unseren rechtm��ig vorbestimmten Pfad zur�ckbringen wird.� Er hielt inne und lie� seinen Blick �ber das Meer aus Gesichtern schweifen, um den Augenblick in die L�nge zu ziehen. �Unser erstes Ziel wird die Feste Nordwacht sein. Wir werden sie bis auf die Grundmauern niederbrennen. Und nachdem wir dieses Gebiet als unser Land zur�ckgefordert haben, werden wir uns dem n�chsten Schritt zuwenden � <emphasis>Theramore</emphasis>!�</p><p>Baine konnte sich nicht erinnern, von seinem Stuhl hochgefahren zu sein, aber pl�tzlich stand er auf seinen Hufen � und er war nicht der Einzige. Nat�rlich erf�llte Jubel die Luft, doch kurz darauf folgten protestierende Rufe.</p><p>�Kriegsh�uptling! Lady Jaina ist zu m�chtig!�, schrie jemand. Es klang wie einer der Verlassenen. �Sie hat sich die ganze Zeit �ber zur�ckgehalten. Doch provoziert Ihr sie jetzt, dann bedeutet das Krieg � einen Krieg, auf den wir nicht vorbereitet sind!�</p><p>�Mehr als einmal hatte sie Gelegenheit, uns durch Gewalt oder Betrug zu schw�chen, doch stets hat sie sich gerecht verhalten!�, donnerte Baine. �Ihre diplomatischen Bem�hungen und ihre Entscheidung, mit Kriegsh�uptling Thrall zusammenzuarbeiten, haben zahllose Leben gerettet! Ohne Grund in ihr Reich einzufallen, das mehrt ganz sicher nicht die Ehre der Horde, und ein n�rrisches Unterfangen w�re es obendrein!�</p><p>Viele der Anwesenden murmelten zustimmend. Andere Anf�hrer der Allianz waren ihnen verhasst, aber Lady Jaina genoss in Teilen der Horde gro�en Respekt. Es machte Baine Mut, als er dieses Murmeln h�rte. Garroshs n�chste Worte schleuderten ihn jedoch in den Sog der Verzweiflung zur�ck.</p><p>�Zun�chst einmal�, schnappte Garrosh, �hat Thrall mir die F�hrung der Horde �bertragen. Was auch immer er getan oder nicht getan hat, jetzt ist es bedeutungslos. Von nun an z�hlen allein meine Entscheidungen. Ich bin der Kriegsh�uptling, dem ihr alle Treue geschworen habt, und diejenigen unter euch, die meinen Plan jetzt schon ablehnen, wissen noch nicht einmal, worum es dabei wirklich geht. Also schweigt und h�rt zu!�</p><p>Das Stimmengewirr verebbte, aber nicht all jene, die von ihren St�hlen aufgesprungen waren, setzten sich wieder hin.</p><p>�Ihr reagiert so, als w�re die Eroberung von Theramore das Ziel unserer Mission. Doch lasst mich euch sagen, das ist nur der Anfang! Ich spreche nicht nur von der Vernichtung der menschlichen Siedlungen in Kalimdor, sondern auch, und zwar noch vehementer, von der Vertreibung der Nachtelfen. Sollen sie doch in die �stlichen K�nigreiche fliehen, w�hrend wir ihre St�dte zerst�ren und uns ihre Vorr�te nehmen!�</p><p>�Sie alle vertreib�n?�, fragte Vol�jin verwirrt. �Sie leb�n schon l�nger hier als wir. Und wenn wir so etwas versuch�n, wird sich die Allianz auf uns st�rz�n wie die Bienen auf den Honig! Ihr w�rdet ihnen nur den Vorwand biet�n, den sie brauch�n!�</p><p>Langsam wandte sich Garrosh zum Anf�hrer der Dunkelspeertrolle herum, und Baine erschauderte innerlich. Vol�jin hatte nach dem Tod von Cairne zu Garroshs lautesten Kritikern geh�rt, und zu sagen, dass die beiden nicht viel f�reinander �brig hatten, w�re eine Untertreibung gewesen. Garrosh hatte die Dunkelspeertrolle in die Elendsviertel von Orgrimmar gezwungen, und in seinem Zorn �ber diese Schm�hung hatte Vol�jin seinen Leuten befohlen, Orgrimmar ganz zu verlassen. Heute kam der Anf�hrer der Trolle nur noch dann in die Stadt, wenn man es ihm befahl.</p><p>�Das Hin und Her in Eschental dauert nun schon beinahe seit dem Tag an, als wir in diese Welt kamen. Es macht mich krank�, grollte Garrosh. Baine wusste, dass der Orc noch immer nicht �ber die letzte Niederlage hinweg war, die ihm Varian Wrynn dort beigebracht hatte. �Und was mich mit noch mehr �belkeit erf�llt, ist unsere eigene Unf�higkeit, zu erkennen, was wir tun k�nnen und tun m�ssen. Die Nachtelfen behaupten, sie w�ren barmherzig und weise, und doch ermorden sie unsere Br�der, blo� weil sie auf der Suche nach lebensspendendem Schutz ein paar B�ume f�llen! Die Nachtelfen haben lange genug hier gelebt. In Zukunft soll man sie in diesen Landen nur noch als b�se Erinnerungen kennen. Die Zeit ist gekommen, da die Horde �ber diesen Kontinent herrscht! Also lasst uns herrschen! Aus diesem Grund ist Theramore auch so wichtig, seht ihr das denn nicht?� Er starrte die Mitglieder der Horde an, als w�ren sie kleine Kinder. �Wir zermalmen Theramore, und falls die Allianz Verst�rkung aus dem S�den schickt, dr�ngen wir sie zur�ck. Und dann � bekommen die Nachtelfen, was sie verdienen.�</p><p>�Kriegsh�uptling!� Einer Frau geh�rte diese Stimme, die zugleich melodisch und eisig klang. Sylvanas Windl�ufer, einstige Befehlshaberin der Windl�ufer der Hochelfen und nun die Anf�hrerin der Verlassenen, erhob sich und blickte Garrosh aus hell leuchtenden Augen an. �Vielleicht schickt die Allianz wirklich keine Verst�rkung. Zumindest nicht sofort. Stattdessen werden sie sich uns in den �stlichen K�nigreichen zuwenden und ihren Zorn an uns auslassen � an meinem Volk und den Sin�dorei.�</p><p>Beinahe flehend blickte sie zu Lor�themar hin�ber, doch das Gesicht des Blutelfenf�hrers blieb regungslos. �Varian wird gegen meine Grenzen ziehen und uns vernichten.� Die Bemerkung galt zwar Garrosh, aber Sylvanas� Augen blieben weiter auf Lor�themar gerichtet. Baine f�hlte mit ihr; sie hoffte auf die Unterst�tzung von jemandem, der sie ihr nach allen Regeln der Vernunft eigentlich auch geben sollte, doch sie erhielt keine.</p><p>�Kriegsh�uptling? D�rfte ich kurz mit Euch sprechen?� Das war Etrigg, der sich mit all dem Respekt, den er seinem Herren schuldete, an Garrosh wandte.</p><p>�Ich kenne deine Meinung bereits, mein Berater�, brummte der Orc.</p><p>�Aber <emphasis>wir</emphasis> nicht�, rief Baine. �Etrigg war ein Freund meines Vaters und einer von Thralls Ratgebern. Er kennt die Allianz besser als die meisten von uns. Gewiss werdet Ihr nichts dagegen haben, wenn wir h�ren, was solch ein weiser �ltester zu sagen hat, oder?�</p><p>Der Blick, den ihm Garrosh daraufhin zuwarf, h�tte selbst Steine zum Schmelzen gebracht. Der Taure hielt ihm jedoch mit gespielter Ruhe stand. Schlie�lich nickte der H�uptling Etrigg dann aber doch zu. �Sag, was du zu sagen hast!�, befahl er barsch.</p><p>�Es ist wahr, dass die Horde schon viel getan hat, um sich von dem Kataklysmus zu erholen�, begann der alte Orc. �Und das alles unter Eurer Herrschaft, Kriegsh�uptling Garrosh. Ihr habt recht. Dieser Titel steht Euch rechtm��ig zu, und es ist an Euch, die Entscheidungen zu treffen. Aber ebenso tragt Ihr auch die Verantwortung. Denkt bitte eine Sekunde �ber die Konsequenzen nach, die diese Entscheidung haben w�rde!�</p><p>�Die Nachtelfen w�ren endlich fort, die Allianz h�tte Angst, uns anzugreifen, und Kalimdor w�rde wieder der Horde geh�ren. Das w�ren die Konsequenzen, <emphasis>�ltester</emphasis>.� Garrosh sprach das Wort ohne jeden Respekt aus. Tats�chlich klang es aus seinem Mund geradezu ver�chtlich. Baine fiel auf, dass zwei oder drei Orcs ob seines Tonfalls die Brauen zusammenzogen, bevor sie neugierig Etriggs Worten lauschten.</p><p>Der Berater sch�ttelte den Kopf. �Nein�, entgegnete er. �Das ist es, was Ihr hofft. Ihr hofft, Euch diesen Kontinent zu eigen machen zu k�nnen. Und vielleicht wird es Euch auch gelingen. Aber Ihr w�rdet dadurch einen Krieg beginnen, der Armeen in allen Ecken der Welt betreffen w�rde. Horde und Allianz w�rden sich in einem Konflikt gegen�berstehen, der Jahre andauern und unsere Ressourcen aufzehren w�rde. Ist denn der Preis, den wir gezahlt haben, nicht schon hoch genug?� Die Orcs, die so aufmerksam gelauscht hatten, nickten nun. Einen von ihnen erkannte Baine als einen Ladenbesitzer hier aus Orgrimmar. Ein anderer, der zustimmend den Kopf neigte, war �berraschenderweise eine der Wachen, wenn auch kein Mitglied der Kor�kron-Elite.</p><p>�Preis?�, echote eine leicht schrille Stimme. �Ich habe nicht geh�rt, dass Kriegsh�uptling Garrosh einen Preis erw�hnt hat, Etrigg, mein Freund.� Nat�rlich war es Handelsprinz Gallywig. Die Spitze seines Zylinders war alles, was man von ihm sehen konnte, aber die wogte lebhaft auf und ab, w�hrend er seine Rede schwang. �Ich h�re nur eines aus seinen Worten heraus: Profit f�r uns alle. Warum nicht expandieren und die Ressourcen unserer Feinde �bernehmen, w�hrend wir sie von unserem Land vertreiben? Selbst ein Krieg kann ein gutes Gesch�ft sein, wenn man es nur richtig anstellt!�</p><p>Baine hatte genug. Wie dieser gierige, selbstgef�llige Goblin leichtfertig Scherze �ber das Blut von Helden und Feinden machte, das nur der Profite wegen vergossen werden sollte, dies zwang ihn, sein besonnenes Schweigen zu brechen.</p><p>�Garrosh!�, rief er. �Es gibt keinen hier, der behaupten wird, dass ich die Horde nicht liebe. Und ebenso kann niemand bestreiten, dass ich Euren Titel ehre.�</p><p>Garrosh sagte nichts. Er hatte bestimmt nicht vergessen, dass er Baine seine Hilfe vorenthalten hatte, als sie dringend ben�tigt wurde, dennoch respektierte ihn der Taure nach wie vor als Kriegsh�uptling. Davon abgesehen hatte Baine einmal sogar Garroshs Leben gerettet. Darum verbot er ihm nicht das Wort � zumindest noch nicht.</p><p>�Ich kenne diese Lady. Ihr nicht. Sie hat unerm�dlich auf den Frieden hingearbeitet, weil sie wusste, dass wir keine Monster sind, sondern Personen � so wie jene Personen, die die Allianz bilden.� Seine stechenden Augen glitten �ber die Menge hinweg, und jeder Hitzkopf, der versucht war, hochzufahren und zu protestieren, weil er Menschen, Nachtelfen, Zwerge, Draenei, Worgs und Gnome als �Personen� bezeichnete, war schlau genug, sich auf die Zunge zu bei�en, als er seinem Blick begegnete. �Sie hat mir in ihrem Haus Hilfe und Unterkunft gew�hrt. Sie stand mir bei, wenn nicht einmal Mitglieder der Horde dies getan h�tten. Sie hat es nicht verdient, so verraten zu werden, und ��</p><p>�Baine Bluthuf!�, knurrte Garrosh, w�hrend er mit wenigen Schritten zum Oberh�uptling der Tauren hin�berstampfte. Baine �berragte ihn zwar um ein ganzes St�ck, doch davon lie� sich der Orc nicht einsch�chtern. �Ich rate dir, h�te deine Zunge, falls du nicht das Schicksal deines Vaters teilen m�chtest!�</p><p>�Ihr meint, durch Betrug zu sterben?�, schnappte Baine zur�ck.</p><p>Garrosh br�llte. Der Erzdruide Hamuul Runentotem trat im selben Augenblick vor wie Etrigg, und dann schob sich jemand zwischen Baine und Garrosh � der Schwarzfelsorc. Er ber�hrte Baine nicht, aber der Taure konnte dennoch das Feuer des Hasses f�hlen, das die paar Zentimeter zwischen ihnen erf�llte. Die Augen des Orcs blitzten, aber ihr eisiger Blick k�hlte die Hitze seines Zornes nicht ab, sondern verst�rkte sie sogar noch. Ein Schauder des Unbehagens rann durch Baines K�rper. Wer <emphasis>war</emphasis> dieser Krieger?</p><p>�Malkorok�, zischte Garrosh. �Das reicht.�</p><p>Eine gef�hlte Ewigkeit blieb der Orc reglos vor ihm stehen. Baine hatte keine gro�e Lust zu einem Kampf � nicht hier, nicht jetzt. Garrosh oder seinen grauh�utigen Krieger anzugreifen, dessen einzige Aufgabe es offenbar war, ihn zu besch�tzen, das w�rde den Zorn des jungen Kriegsh�uptlings nur weiter sch�ren, und dann w�re er der Stimme der Vernunft wahrscheinlich gar nicht mehr zug�nglich. Schlie�lich stie� Malkorok den Atem in einem ver�chtlichen Zischen durch die Nase aus und tat, wie ihm gehei�en.</p><p>Nun schob sich Garrosh nach vorn und reckte das Gesicht zu dem des Tauren hoch.</p><p>�Jetzt ist nicht mehr die Zeit f�r Frieden! Jetzt ist es Zeit f�r Krieg � f�r einen Krieg, der schon l�ngst <emphasis>�berf�llig</emphasis> ist! Dein eigenes Volk leidet unter der Expansion der Allianz. Ohne provoziert worden zu sein, haben sie sich in eurem Land ausgebreitet. Falls jemand w�nschen sollte, dass wir zumindest die Feste Nordwacht zerst�ren, wenn nicht noch mehr, dann solltet ihr Tauren es sein! Du sagst, Jaina Prachtmeer hat dir einmal geholfen. Hei�t das, deine Loyalit�t gilt ihr und der Allianz, die deine Leute umgebracht hat � oder stehst du noch immer zu mir und der Horde?�</p><p>Baine atmete lange und tief ein und lie� die Luft dann durch seine N�stern wieder entweichen. Anschlie�end beugte er seinen Kopf vor, sodass ihn nur noch zwei Zentimeter von Garrosh trennten. Er fl�sterte so leise, dass nur der Orc es h�ren konnte: �H�tte ich mich gegen Euch und die Horde gestellt, dann h�tte ich das schon lange vor dem heutigen Tage getan, Garrosh H�llschrei. Auch wenn Ihr sonst kein Wort glaubt, das ich sage � <emphasis>das</emphasis> k�nnt Ihr glauben.�</p><p>Einen Herzschlag lang sah es aus, als w�rde ein besch�mter Ausdruck �ber Garroshs braunes Gesicht huschen, doch dann kehrte die Wildheit in seine Z�ge zur�ck, und der Orc wirbelte herum, um sich wieder an die versammelte Menge zu wenden.</p><p>�Das ist der Wille eures Kriegsh�uptlings�, erkl�rte er geradeheraus. �Das ist der Plan. Erst die Feste Nordwacht, dann Theramore, und dann vertreiben wir die Nachtelfen und nehmen uns, was ihnen geh�rt. Was die Bedenken bez�glich der Allianz betrifft�, fuhr er mit einem Seitenblick in Sylvanas� Richtung fort, �versichere ich euch, dass wir jede ihrer Bem�hungen schnell zerschlagen werden. Ich bin f�r eure Loyalit�t in dieser Sache dankbar, aber etwas anderes habe ich auch nicht von der gro�en Horde erwartet. Kehrt nun in eure St�dte zur�ck und bereitet euch vor. Bald schon werdet ihr wieder von mir h�ren. F�r die Horde!�</p><p>Der inbr�nstige Jubel, der diesen Worten so oft folgte, erf�llte auch in diesem Augenblick die Festung. Baine stimmte in die Rufe mit ein, aber seinem Herzen war nicht nach Triumphgeschrei zumute. Nicht genug damit, dass Garroshs Plan in gef�hrlichem Ma�e skrupellos war � was an sich schon ausreichen w�rde, um ihn zu missbilligen �, nein, er fu�te auch noch auf Verrat und Hass. Die Erdenmutter k�nnte einem solchen Unterfangen nie ihren Segen geben.</p><p>Ein letztes Mal schwenkte Garrosh Blutschrei �ber seinem Kopf, und als der Wind dabei durch die L�cher in der Klinge pfiff, schien die Waffe zu singen. Anschlie�end senkte der Kriegsh�uptling die Axt und verlie� den Raum. Der Schwarzfelsorc � Malkorok, so hatte Garrosh ihn genannt � ging unmittelbar hinter ihm, noch vor Etrigg und selbst vor den Kor�kron. Die Orcs, die entlang der W�nde der Festung Stellung bezogen hatten, nahmen Haltung an, dann folgten sie ihrem Anf�hrer nach drau�en.</p><p>Nun begann sich die Menge auch aufzul�sen. Als Baine sah, wie sich ein blauh�utiger, rothaariger Trollanf�hrer auf ihn zuschob, verlangsamte er seine Schritte.</p><p>�Du hast ihn gereizt�, sagte Vol�jin ohne Umschweife.</p><p>�Ja. Das � war nicht klug.�</p><p>�Nein, war es nich�. Darum hab ich den Mund gehalt�n. Ich muss an meine Leute denk�n.�</p><p>�Ich verstehe.� Die Trolle lebten nicht weit von Orgrimmar entfernt und w�rden Garroshs Zorn darum viel unmittelbarer sp�ren, sollten sie ihn erz�rnen. Baine machte Vol�jin keinen Vorwurf. Er musterte den Troll. �Aber ich wei�, was dein Herz dir sagt.�</p><p>Vol�jin seufzte traurig und nickte. �Wenn wir diesen Pfad beschreit�n, wird uns das nichts Gutes bring�n.�</p><p>�Sag mir, wei�t du, wer dieser Malkorok ist?�</p><p>Der Troll schnaubte. �Ein Schwarzfels. Man sagt, er kann das Sonn�nlicht in Durotar noch immer nich� aussteh�n, weil er so lang im Berg Schwarzfels gelebt und Rend gedient hat.�</p><p>�Dachte ich mir schon�, brummte Baine.</p><p>�Er hat sich von Rend losgesagt und um Vergebung f�r seine fr�her�n Verbrech�n gebet�n. Garrosh hat ihn in seine Reih�n aufgenomm�n, und er bietet jedem dasselbe an, der schw�rt, ihn mit seinem Leb�n zu sch�tz�n. Tja, und jetzt hat er dies�n h�bsch�n, groߒn Hund mit den scharf�n Z�hn�n, der ihn bewacht.�</p><p>�Aber � wie kann man so jemandem vertrauen?�</p><p>Vol�jin lachte kurz. �Es gibt Leute, die w�rd�n sag�n: Wie kann man einem Grimmtotem vertrau�n? Und doch l�sst du die, die dir Treue schw�r�n, in Donnerfels leb�n.�</p><p>Baine zog die Brauen zusammen. Er musste an Tarakor denken, einen schwarzen Bullen, der unter Magatha gedient hatte. Er hatte den Angriff gegen Baine gef�hrt, sp�ter aber f�r sich und seine Familie um Vergebung gebeten. Baine hatte ihm verziehen und es nie bereut, ebenso wenig wie bei den anderen, denen er diese Gnade erwiesen hatte. Doch irgendwie war ein Grimmtotem nicht das Gleiche wie ein Schwarzfelsorc f�r ihn.</p><p>�Vielleicht sind es nur Vorurteile�, meinte er. �Ich habe eine h�here Meinung von Tauren als von Orcs.�</p><p>�In letzter Zeit�, fl�sterte Vol�jin, nachdem er sich versichert hatte, dass niemand sie belauschte, �hab� ich das auch.�</p><empty-line/><p>Garrosh wartete drau�en, damit diejenigen, die diese Gelegenheit nutzen wollten, ihm die Treue zu schw�ren, dies ohne unn�tige Umst�nde tun konnten. Jetzt gerade kniete ein weiblicher Goblin vor ihm und plapperte irgendetwas vor sich hin, da sagte Malkorok pl�tzlich: �Da ist er.�</p><p>�Bring ihn her!�</p><p>Er unterbrach die Goblinfrau, t�tschelte ihren Kopf und erkl�rte: �Ich akzeptiere deinen Eid.� Dann schob er sie mit seinem Fu� aus dem Weg, als Malkorok zur�ckkam, neben sich den Anf�hrer der Blutelfen. Lor�themar neigte in einer Geste des Respekts das bleiche, blonde Haupt.</p><p>�Ihr wolltet mich sprechen, Kriegsh�uptling?�</p><p>�Ja, das wollte ich�, brummte Garrosh, w�hrend er den Blutelfen ein paar Schritte von den anderen fortf�hrte, sodass sie sich unter vier Augen unterhalten konnten. Malkorok stellte sich vor sie und verschr�nkte die m�chtigen grauen Arme vor der Brust, um daf�r zu sorgen, dass niemand sie st�rte. �Von all den Anf�hrern, mit Ausnahme allenfalls von Gallywix � der mich aber nur unterst�tzt, weil er einen Profit wittert �, bist du der einzige, der seinen Kriegsh�uptling nicht anzweifelt. Nicht einmal, wenn Sylvanas versucht, an dein Mitgef�hl zu appellieren. Ich wei� das zu sch�tzen, Elf. Du sollst wissen, dass deine Loyalit�t zur Kenntnis genommen wird.�</p><p>�Die Horde hat mein Volk aufgenommen und unterst�tzt, als sonst niemand uns helfen wollte�, entgegnete Lor�themar. �Das werde ich nicht vergessen. Und darum gilt meine Loyalit�t � und die meiner Leute � ganz und gar der Horde.�</p><p>Unruhe breitete sich in Garrosh aus, als ihm auffiel, wie der Blutelf die Betonung auf das letzte Wort legte. �Ich bin der Kriegsh�uptling der Horde, Lor�themar. Und als solcher <emphasis>bin</emphasis> ich die Horde.�</p><p>�Ihr seid der Kriegsh�uptling�, best�tigte Lor�themar bereitwillig. �Ist das alles, was Ihr von mir wolltet? Meine Leute warten ungeduldig darauf, nach Hause zur�ckzukehren und die Vorbereitungen f�r den Krieg zu treffen.�</p><p>�Gewiss�, sagte Garrosh. �Du darfst gehen.�</p><p>Der Blutelf hatte nichts Aufwieglerisches gesagt, dennoch wollte Garroshs Nervosit�t nicht weichen, als er dem Meer aus Rot und Gold nachblickte, das in Richtung der Tore von Orgrimmar verschwand.</p><p>�Den sollten wir im Auge behalten�, meinte er, an Malkorok gewandt.</p><p>�Wir sollten sie alle im Auge behalten�, erwiderte der Schwarzfelsorc.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Ich erinnere mich noch an diesen schmutzigen Mantel�, sagte das Bild von Prinz Anduin Wrynn mit einem Grinsen.</p><p>Lady Jaina Prachtmeer erwiderte das L�cheln. Sie und ihr �Neffe�, die einander zwar nicht durch Blut, aber durch eine tiefe Zuneigung verbunden waren, unterhielten sich mittels eines verzauberten Spiegels, den Jaina f�r gew�hnlich gut verborgen hinter einem B�cherschrank aufbewahrte. Sprach man den richtigen Zauber, verschwand die Reflexion des jeweiligen Raumes von seiner Oberfl�che, und was gerade noch ein simpler Spiegel gewesen war, verwandelte sich in ein Fenster. Es war eine Variation des Zaubers, der es Magiern erlaubte, sich und andere von einem Ort an einen anderen zu teleportieren.</p><p>Anduin war einst unerwartet aufgetaucht, als Jaina von einem ihrer geheimen Treffen mit dem damaligen Kriegsh�uptling Thrall zur�ckgekehrt war. Schlau, wie er war, hatte der Prinz schnell erkannt, was da vor sich ging, und nun teilten sie dieses Geheimnis.</p><p>�Ich konnte dich noch nie t�uschen�, erkl�rte Jaina. �Wie ergeht es dir unter den Draenei?� Doch sie wusste schon, was er ihr sagen w�rde, bevor er auch nur den Mund �ffnete, um eine Antwort zu geben. Anduin war gewachsen � und nicht nur k�rperlich. Selbst im Spiegel, wo er nur eine Ansammlung blauer Farbt�ne war, konnte sie sehen, dass sein Kiefer entschlossen vorragte und seine Augen in einem ruhigeren und weiseren Schein gl�nzten.</p><p>�Es ist wirklich unglaublich, Tante Jaina�, erkl�rte er. �Da geschieht gerade so viel in der Welt, das ich ver�ndern m�chte � aber ich wei�, dass ich hierbleiben muss. Fast jeden Tag lerne ich etwas Neues. Es qu�lt mich zwar, dass ich nicht helfen kann, aber ��</p><p>�Die Aufgabe, uns eine Zukunft zu sichern, in der du gl�cklich aufwachsen kannst, obliegt nicht dir, Anduin�, unterbrach ihn Jaina. �<emphasis>Dein</emphasis> Schicksal ist es, genau das zu tun, was du jetzt tust � also streng dich an! Lerne flei�ig! Du hast aber recht: Du musst dortbleiben, denn dort geh�rst du jetzt hin.�</p><p>Er verlagerte das Gewicht von einem Fu� auf den anderen, und pl�tzlich wirkte er wieder viel j�nger. �Ich weiߓ, seufzte er. �Ich <emphasis>wei�</emphasis>. Nur ist es eben manchmal � schwierig.�</p><p>�Die Zeit wird kommen, da du wehm�tig an diese einfacheren, ruhigeren Tage zur�ckdenkst�, sagte Jaina. Kurz musste sie an ihre eigene Jugend denken. Geliebt von ihrem Vater und ihrem Bruder, sicher in der Obhut ihrer Gouvernanten und Lehrer, war ihr Leben trotz der milit�rischen Pr�gung ihrer Familie von der Freude am Lernen und den Pflichten einer jungen Lady erf�llt gewesen. Damals hatte sie sich gegen diese Lektionen gestr�ubt, aber nun erschienen ihr die Erinnerungen daran so s�� und lieblich wie Bl�tenbl�tter.</p><p>Anduin verdrehte in gespielter Verzweiflung die Augen. �Richte Thrall sch�ne Gr��e von mir aus�, sagte er.</p><p>�Das w�re ziemlich t�richt�, entgegnete Jaina, l�chelte jedoch, w�hrend sie sprach. Anschlie�end schob sie sich die Kapuze des Umhangs �ber das goldene Haar. �Alles Gute, Anduin! Es war sch�n zu h�ren, wie es dir geht.�</p><p>�Ich komme schon zurecht, Tante Jaina. Sei du lieber vorsichtig!� Sein Bild verschwand, und Jaina, die gerade versucht hatte, die Kapuze zuzubinden, hielt mitten in der Bewegung inne. <emphasis>Sei du lieber vorsichtig!</emphasis> Oh ja, er wurde wirklich erwachsen!</p><p>Wie schon so oft in der Vergangenheit machte sie sich allein auf den Weg, wobei sie, ganz wie Anduin es gew�nscht hatte, Vorsicht walten lie� und darauf achtete, dass ihr niemand folgte. Sie paddelte mit ihrem Boot nach S�dwesten, zwischen den kleinen Inseln hindurch, die das als Tidenbucht bekannte Gebiet sprenkelten. Hin und wieder schnappten Matschpanzerklacker w�tend mit ihren Zangen nach ihr, doch davon abgesehen wurde sie auf ihrer Reise durch die Gew�sser nicht gest�rt.</p><p>Am Treffpunkt bugsierte Jaina das Boot an Land, �berrascht, dass Thrall nicht bereits eingetroffen war. Ein leichtes Gef�hl der Unruhe �berkam sie. So viel hatte sich ver�ndert: Er hatte die F�hrung der Horde an Garrosh abgetreten, die Welt war aufgebrochen wie ein Ei und w�rde nie wieder dieselbe sein, und dann war da noch dieses gewaltige �bel gewesen, das verzehrt von Hass und Wahnsinn �ber das Angesicht von Azeroth gew�tet hatte, bis man es schlie�lich besiegte.</p><p>Der Wind drehte sich. Er streichelte ihr Gesicht und wehte ihr die Kapuze vom Kopf, obwohl sie sie unter ihrem Kinn zugebunden hatte. Ihr Umhang bl�hte sich hinter ihrer zierlichen Gestalt auf, und pl�tzlich musste Jaina l�cheln. Es war eine warme Brise, vom Geruch von Apfelbl�ten geschw�ngert, und ehe sie sichs versah, hob dieser Windsto� sie aus dem Boot, als w�re er eine gro�e, sanfte Hand. Sie wehrte sich nicht; sie wusste, dass sie v�llig sicher war. Die Brise wiegte sie und setzte sie mit derselben Behutsamkeit am Ufer ab, mit der sie sie zuvor in die Luft emporgehoben hatte. Nicht ein einziger Tropfen des schlammigen Wassers hatte ihre Stiefelspitzen ber�hrt.</p><p>Einen Moment sp�ter trat er hinter einem Fels hervor, und Jaina erkannte einmal mehr, dass sie sich noch immer nicht an seine neue Erscheinung gew�hnt hatte. Anstatt seiner R�stung trug Thrall, der Sohn von Durotan, schlichte Roben und eine Kette aus roten Gebetsperlen um den Hals, dazu eine einfache Kapuze, die seinen gro�en Kopf mit dem schwarzen Haar bedeckte. Die Roben entbl��ten einen Teil seiner breiten gr�nen Brust, und seine Arme waren nackt. Kein Zweifel, jetzt war er wirklich ein Schamane und kein Kriegsh�uptling mehr. Allein der Schicksalshammer, den er sich hinter den R�cken geschnallt hatte, erinnerte sie noch an den alten Thrall.</p><p>Er streckte die H�nde aus, und Jaina ergriff sie.</p><p>�Lady Prachtmeer�, sagte er, w�hrend seine blauen Augen in einem freudigen blauen Schein strahlten. �Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal so getroffen haben.�</p><p>�Ja, in der Tat, Thrall�, stimmte sie zu. �Vielleicht zu lange.�</p><p>�Ich bin jetzt Go�el�, erinnerte er sie sanft. Sie nickte, wenn auch ein wenig zerknirscht.</p><p>�Entschuldige! Dann also Go�el.� Jaina blickte sich um. �Wo ist Etrigg?�</p><p>�Er ist beim Kriegsh�uptling, wo er hingeh�rt�, antwortete Go�el. �Ich bin jetzt der Anf�hrer des Irdenen Ringes, dem ich dem�tig diene. Ich halte mich nicht f�r besser oder m�chtiger als irgendein anderes Mitglied des Bundes.�</p><p>Der Hauch eines am�sierten L�chelns umspielte ihre Lippen. �Es gibt nur wenige, die einen ganz normalen Schamanen in dir sehen w�rden�, meinte sie. �Und ich geh�re nicht dazu. Oder sind die Geschichten, dass du dich mit vier Drachen-Aspekten verb�ndet hast, um Todesschwinge zu besiegen, nur M�rchen?�</p><p>�Es war eine Ehre und eine Lektion in Demut, der Welt so zu dienen�, entgegnete Go�el. Bei jedem anderen w�ren diese Worte nichts als h�fliche Bescheidenheit gewesen, aber Jaina wusste, dass er es tats�chlich so meinte. �Ich habe lediglich den Platz des Erdw�chters eingenommen. Wir alle, die wir gemeinsam gek�mpft haben � die Drachen ebenso wie die tapferen Vertreter aller anderen Rassen dieser Welt � haben den Sieg errungen. Der Tod dieses gewaltigen Monsters ist das Verdienst vieler.�</p><p>Sie suchte seinen Blick. �Dann bist du also mit <emphasis>allen</emphasis> Entscheidungen, die du getroffen hast, zufrieden.�</p><p>�Das bin ich�, sagte er. �H�tte ich mich nicht zur�ckgezogen, um dem Irdenen Ring beizutreten, ich w�re nicht bereit gewesen, zu tun, was das Schicksal von mir verlangte.�</p><p>Sie dachte an Anduin und seine Ausbildung, die ihn weit von seiner Familie und seinen Lieben fortgef�hrt hatte. <emphasis>Da geschieht gerade so viel in der Welt, woran ich teilhaben m�chte � aber ich wei�, dass ich hierbleiben muss. Fast jeden Tag lerne ich etwas Neues.</emphasis></p><p>Und ihm hatte sie gesagt, dass er genau da war, wo er sein sollte. Jetzt sagte Go�el mehr oder weniger dasselbe, und ein Teil von ihr wollte ihm auch zustimmen. Die Welt war ganz sicher ein besserer Ort, ohne dass Todesschwinge und der Zwielichtkult das Land verw�steten und terrorisierten! Und dennoch �</p><p>�Alles hat seinen Preis, Go�el�, meinte sie. �Du hast einen Preis gezahlt, um dein Wissen und deine F�higkeiten zu erwerben. Der � der Orc, dem du deinen Platz auf dem Thron �berlassen hast, richtete in deiner Abwesenheit gro�en Schaden an. Ich habe geh�rt, was in Orgrimmar und Eschental vor sich geht, und ich bin sicher, du ebenfalls!�</p><p>Seine Miene, die bislang so friedlich gewesen war, verd�sterte sich nun. �Nat�rlich habe ich davon geh�rt.�</p><p>�Und � du willst nichts unternehmen?�</p><p>�Fr�her bin ich einem anderen Pfad gefolgt�, erkl�rte Go�el. �Du hast ja gesehen, wohin dieser Pfad gef�hrt hat. Ich habe eine Gefahr heraufbeschworen, die ��</p><p>�Go�el, ich wei� das, aber diese Herausforderung liegt nun hinter uns. Garrosh versucht, einen Streit zwischen der Allianz und der Horde zu sch�ren � einen Streit, den er allein heraufbeschworen hat. Ich kann schon verstehen, dass du ihn nicht �ffentlich blo�stellen m�chtest, aber � vielleicht k�nnen wir beide zusammenarbeiten. Wir k�nnten eine Art Gipfel einberufen. Bitte Baine, sich uns anzuschlie�en; ich wei�, dass er nicht mit Garroshs Pl�nen einverstanden ist. Und ich k�nnte mit Varian sprechen. In j�ngster Zeit scheint er viel zug�nglicher geworden zu sein. Jeder kennt und respektiert dich, selbst in der Allianz, Go�el. Du hast dir diesen Respekt durch dein Handeln verdient. Garrosh hingegen hat bis jetzt nichts au�er Misstrauen und Hass erworben.�</p><p>Sie deutete auf ihren Umhang, der ihr von derselben B�e von den Schultern geweht worden war, durch die er auch sie ans Ufer getragen hatte. �Als Schamane kannst du die Winde kontrollieren. Aber nun zieht der Sturm des Krieges auf, und falls wir Garrosh nicht bald aufhalten, werden viele Unschuldige den Preis f�r unser Z�gern bezahlen.�</p><p>�Ich wei�, was Garrosh getan hat�, sagte Go�el. �Aber ich wei� auch, wof�r die Allianz verantwortlich ist. Es gibt Unschuldige, ja, aber nicht einmal du kannst Garrosh die alleinige Schuld an diesen j�ngsten Spannungen geben. Nicht all die Angriffe der letzten Zeit wurden von der Horde angezettelt. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, als g�be sich die Allianz gro�e M�he, den Frieden zu bewahren.�</p><p>Seine Stimme war ruhig, doch ein warnender Unterton schwang darin mit. Jaina zuckte zusammen � aber nicht etwa wegen dieses Tonfalls, sondern aufgrund der Wahrheit seiner Worte. �Ich weiߓ, gestand sie mit einem tiefen Seufzen ein, dann setzte sie sich entmutigt auf einen Felsen, der aus der Erde emporragte. �Manchmal f�hle ich mich, als w�rde niemand meinen Worten Geh�r schenken wollen. Der Einzige, der wirklich daran interessiert zu sein scheint, einen dauerhaften Frieden zu schmieden, ist Anduin Wrynn � und der ist erst vierzehn Jahre alt!�</p><p>�Das ist nicht zu jung, um sich Sorgen um die Zukunft der Welt zu machen.�</p><p>�Aber zu jung, um deswegen etwas zu unternehmen�, entgegnete sie. �Es ist, als m�sste ich mich jedes Mal durch einen Morast vork�mpfen, damit man mir zuh�rt oder mich auch nur beachtet. Es ist � schwierig, diplomatisch zu bleiben und weiter auf echte, vern�nftige Ziele hinzuarbeiten, wenn sich sonst niemand mehr um die Vernunft zu scheren scheint. Ich frage mich oft, ob ich nur meinen Atem verschwende.�</p><p>Sie war selbst �berrascht, wie viel Ehrlichkeit und M�digkeit in diesen Worten lag. Warum hatte sie das gesagt? Da erkannte Jaina, dass es niemanden sonst gab, mit dem sie wirklich sprechen, dem sie all ihre Zweifel anvertrauen konnte. Anduin blickte wie zu einem Vorbild zu ihr auf, darum konnte sie ihm nicht erz�hlen, wie mutlos sie bisweilen war, und Varian und die anderen Anf�hrer der Allianz � nun, zumindest die meisten von ihnen � wollten keines der Argumente gelten lassen, die sie anbrachte. Alle waren gegen sie. Allein Thrall � Go�el � schien sie zu verstehen, und sogar er verleugnete nun, welch schreckliche Folgen seine Entscheidung, Garrosh zum neuen Kriegsh�uptling der Horde zu machen, haben k�nnte.</p><p>Jaina blickte auf ihre H�nde hinab, w�hrend die Worte sich weiter ungefiltert zwischen ihren Lippen hervordr�ngten. �Die Welt hat sich so sehr ver�ndert, Go�el. Nichts ist mehr wie fr�her. <emphasis>Niemand</emphasis> ist mehr so wie zuvor.�</p><p>�Jeder und alles ver�ndert sich, Jaina�, sagte er leise. �Es liegt in der Natur der Dinge, zu wachsen und zu etwas anderem zu werden. Der Same wird zum Baum, die Knospe wird zur Bl�te, das ��</p><p>�Ich weiߓ, schnappte sie. �Aber wei�t du, was sich nicht ver�ndert? Der Hass. Der Hass und die Gier nach Macht. Die Leute haben eine Idee oder entwickeln einen Plan, irgendetwas, von dem sie sich einen Vorteil erhoffen, und dann verbei�en sie sich darin und wollen nicht mehr davon ablassen. Sie ignorieren alles, was ihren Ansichten widerspricht, selbst wenn es direkt vor ihren Augen liegt. Worte der Vernunft und des Friedens allein werden sie nicht dazu bringen, ihren Irrtum einzusehen.�</p><p>Go�el zog eine Augenbraue hoch. �Vielleicht hast du recht�, erkl�rte er, ohne sich aber wirklich auf ihre Seite zu stellen. �Jeder muss seinen eigenen Pfad w�hlen. Vielleicht gibt es etwas anderes, auf das du dich konzentrieren solltest.�</p><p>Fassungslos blickte sie zu ihm hoch. �Diese Welt liegt bereits in Fetzen. Glaubst du wirklich, ich sollte aufh�ren, darum zu k�mpfen, dass ihre Bewohner nicht auch noch sich selbst zerfleischen?�</p><p>Um ein Haar h�tte sie noch hinzugef�gt: �So, wie du es getan hast.� Doch das w�re nicht gerecht gewesen. Man konnte Go�el wohl kaum vorwerfen, dass er unt�tig war. Er hatte viel f�r Azeroth getan. Trotzdem � es war engherzig von ihr, so zu denken, nichtsdestotrotz f�hlte sie sich von ihm im Stich gelassen. Sie schlang den befleckten Umhang wieder um ihre schmale Gestalt, aber selbst als sie erkannte, wie abweisend diese Bewegung war, bedurfte es einer bewussten Anstrengung, bevor sich ihre Schultern wieder lockerten. Sie seufzte, w�hrend Go�el schweigend neben ihr auf dem Felsen Platz nahm.</p><p>�Du musst tun, was du f�r das Beste h�ltst, Jaina�, erkl�rte er. Ein leichter Wind spielte mit den Z�pfen in seinem Bart, und er blickte in die Ferne, w�hrend er fortfuhr: �Ich kann dir nicht sagen, was das ist, denn sonst w�re ich nicht anders als diese anderen, die du so sehr zum Verzweifeln findest.�</p><p>Er hatte recht. Es hatte eine Zeit gegeben, da war ihr sofort klar gewesen, wie sie sich in einer beliebigen Situation verhalten sollte, selbst wenn diese Entscheidung oftmals schrecklich bitter gewesen war. Der Entschluss etwa, nicht an der Seite ihres Vaters zu bleiben, als er gegen die Horde gek�mpft hatte, war ein solcher einschneidender Moment gewesen, genauso wie die Entscheidung, Arthas zu verlassen, als er plante, was schlie�lich zum Untergang von Stratholme werden sollte. Doch jetzt �</p><p>�Nichts scheint mehr gewiss, Go�el. Ich habe den Eindruck, die Dinge sind unsicherer als je zuvor.�</p><p>Er nickte. �Dein Eindruck t�uscht dich nicht.�</p><p>Sie wandte den Kopf und blickte ihn forschend an. Er hatte sich ver�ndert, auf vielerlei Weise. Es war nicht nur seine Kleidung oder der Name oder das Verhalten, es war �</p><p>�Also�, sagte sie schlie�lich. �Das letzte Mal, als wir uns trafen, gab es ein fr�hliches Ereignis zu feiern. Wie gef�llt dir das Leben mit Aggra?�</p><p>Seine blauen Augen f�llten sich mit W�rme. �Mehr als gut�, antwortete er. �Sie hat mich geehrt, indem sie mich als Mann akzeptiert hat.�</p><p>�Ich glaube eher, du bist es, der sie ehrt�, meinte Jaina. �Erz�hl mir ein wenig von ihr! Ich hatte leider kaum Gelegenheit, mit ihr zu sprechen.�</p><p>Go�el musterte sie mit einem nachdenklichen Blick, so, als wunderte er sich, warum sie sich daf�r interessierte, doch dann zuckte er unmerklich mit den Schultern.</p><p>�Sie ist nat�rlich eine Mag�har, geboren und aufgewachsen auf Draenor. Darum ist ihre Haut auch braun; sie und ihr Volk wurden nie durch Kontakt mit D�monenblut befleckt. Azeroth ist eine neue Welt f�r sie, aber sie liebt es von ganzem Herzen. Wie ich ist sie Schamane, und sie widmet ihre ganze Kraft der Aufgabe, diese Welt zu heilen. Diese Welt�, f�gte er leise hinzu, �und mich.�</p><p>�Musstest du denn � geheilt werden?�, forschte Jaina nach.</p><p>�Wir alle m�ssen geheilt werden, ob wir uns nun dessen bewusst sind oder nicht�, erwiderte Go�el. �Selbst wenn wir nie eine Wunde davontragen, hinterl�sst das Leben doch Narben auf unserer Seele, allein dadurch, dass wir es leben. Ein Partner, der in dir das sieht, was du wirklich bist, wirklich und vollst�ndig � ah, das ist ein Geschenk, Jaina Prachtmeer! Ein Geschenk, das einen an jedem Tag aufs Neue heilt und st�rkt. Ein Geschenk, das man nicht als selbstverst�ndlich hinnehmen darf. Indem sie mir dieses Geschenk gew�hrte, hat mich Aggra zu einem Ganzen gemacht. Erst jetzt verstehe ich, welche Aufgabe und welchen Platz ich in dieser Welt habe.�</p><p>Sanft legte er ihr die gro�e gr�ne Hand auf die Schulter. �Ich w�rde mir auch f�r dich ein solches Geschenk und diese Einsichten w�nschen, meine liebe Freundin. Ich m�chte dich gl�cklich sehen, dein Leben zu etwas Ganzem geworden und die Aufgabe deines Lebens offenbart.�</p><p>�Mein Leben ist vollst�ndig. Und ich wei�, welche Aufgabe ich habe.�</p><p>Hinter seinen Hauern l�chelte er. �Wie ich schon erkl�rte: Nur du wei�t, was richtig f�r dich ist. Aber lass mich dir eines sagen, aus tiefstem Herzen: Auf welchem Pfad du auch unterwegs bist, wohin immer er dich f�hren mag � ich f�r meinen Teil habe herausgefunden, dass diese Reise viel angenehmer ist, wenn man einen Lebensgef�hrten an seiner Seite hat.�</p><p>Jaina dachte an Kael�thas Sonnenwanderer und Arthas Menethil, und obwohl es ihr sonst eigentlich gar nicht �hnlich sah, �berkam sie dabei ein Hauch von Verbitterung. Beide M�nner waren so klug und wundervoll gewesen, und beide hatten sie geliebt. Den einen hatte sie respektiert und bewundert, die Liebe des anderen hatte sie in vollen Z�gen erwidert. Doch dann waren beide dem Ruf der dunklen M�chte und den Schw�chen ihrer eigenen Natur erlegen. Sie l�chelte, allerdings ohne jede Leichtigkeit.</p><p>�Ich f�rchte, ich habe kein gl�ckliches H�ndchen, wenn es darum geht, einen Lebensgef�hrten zu w�hlen�, meinte sie, dann zwang sie ihre Verzweiflung und Trauer zur�ck und legte ihre kleine, blasse Hand in seine Pranke. �Aber bei der Wahl meiner Freunde habe ich mehr Gl�ck.�</p><p>Die beiden sa�en noch lange, lange nebeneinander.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Als Jaina nach ihrem Treffen mit Thrall in Richtung Theramore zur�ckruderte, begann es zu regnen. Und obwohl die K�lte und N�sse ihr Unbehagen bereiteten, war sie doch froh darum, denn bei solch schlechtem Wetter w�rden sich nur die wenigsten Leute vor die T�r wagen. Sie machte das kleine Boot bei den Docks fest, wobei sie auf dem glitschigen Holz kurz um ihr Gleichgewicht k�mpfen musste, dann huschte sie, unbemerkt im Schutze des best�ndigen Regens, zu dem Geheimeingang des Turms, der durch Magie verborgen blieb. Kurz darauf war sie schon wieder in ihrem gem�tlichen Begr��ungszimmer, wo sie zitternd ein Feuer entz�ndete, indem sie einen Zauber murmelte und mit den Fingern schnippte. Anschlie�end trocknete sie mit demselben Zauber ihre Kleider und nahm den Umhang ab.</p><p>Nachdem sie Tee aufgebr�ht hatte, nahm sie sich ein paar Pl�tzchen und stellte sie mitsamt der Kanne auf einen kleinen Tisch, dann machte sie es sich vor dem Feuer bequem. Ihre Gedanken kreisten noch immer um das, was Thrall gesagt hatte. Er hatte einen so � zufriedenen Eindruck gemacht. So ruhig. Doch wie konnte er jetzt ruhig sein? Es lie� sich nicht daran r�tteln: In gewisser Weise hatte er seinem Volk den R�cken gekehrt, und weil er die Z�gel ausgerechnet an Garrosh weitergereicht hatte, sahen sie nun einem unausweichlich erscheinenden Krieg entgegen. Wenn Anduin doch nur �lter w�re, dann k�nnte er ihr jetzt ein wertvoller Verb�ndeter sein. Aber die Jugend war ohnehin schon viel zu kurz, und Jaina bedauerte sofort, dass sie einen solchen Wunsch auch nur einen Moment lang gehegt hatte. Anduin sollte keinen Tag dieser kostbaren Zeit verpassen.</p><p>Was Thrall betraf � Go�el; es w�rde noch eine Weile dauern, bevor sie sich an diesen neuen Namen gew�hnt hatte �, so war er jetzt verheiratet. Was bedeutete das f�r die Horde? Wollte er vielleicht, dass sein Sohn oder seine Tochter eines Tages den Thron bestieg? W�rde er wieder die F�hrung der Horde �bernehmen, falls ihm seine Aggra ein Kind gebar?</p><p>�Habt Ihr mir auch ein paar Pl�tzchen �brig gelassen, Lady?� Es war eine weibliche Stimme, jugendlich, ein wenig schrill.</p><p>Jaina l�chelte, drehte sich aber nicht herum. Sie war so in ihre Gedanken vertieft gewesen, dass sie das charakteristische Summen des Teleportationszaubers gar nicht geh�rt hatte. �Kinndy, falls du Pl�tzchen m�chtest, kannst du dir gern welche backen.�</p><p>Ihre Sch�lerin lachte fr�hlich und h�pfte Jaina gegen�ber auf einen Stuhl, der neben dem lodernden Feuer stand. Dann griff sie nach einer Teetasse und einem der angesprochenen Pl�tzchen. �Aber meine sind nur <emphasis>Lehrlings</emphasis>-Pl�tzchen. Eure sind <emphasis>Meister</emphasis>-Pl�tzchen. Die schmecken viel besser.�</p><p>�Ich bin sicher, du kommst bald dahinter, wie man die Schokoladenst�ckchen richtig unter den Teig mischt�, erkl�rte Jaina, noch immer mit unbewegtem Gesichtsausdruck. �Und deine Apfelriegel sind doch schon aller Ehren wert.�</p><p>�Freut mich, dass Ihr das so seht�, sagte Kinndy Funkenleuchter. Selbst f�r einen Gnom war sie au�ergew�hnlich kess, und so, wie sie ihre hellrosafarbenen Haare zu Z�pfen nach hinten gebunden hatte, wirkte sie viel j�nger als zweiundzwanzig � was nach den Ma�st�ben ihrer Rasse aber ohnehin nur eine Jugendliche aus ihr machte. Es w�re leicht gewesen, sie als munteres kleines Ding abzutun, das zwar s��, aber substanzlos war, ebenso wie die Zuckerwatte, an die ihr rosafarbenes Haar erinnerte. Aber blickte man erst in ihre gro�en blauen Augen, so konnte man dort einen wachen Geist erkennen, der ihr unschuldiges Gesicht L�gen strafte. Jaina hatte sie vor mehreren Monaten als ihre Sch�lerin angenommen; nicht, dass sie wirklich eine Wahl gehabt h�tte.</p><p>Rhonin, der die Kirin Tor durch den Nexus-Krieg gef�hrt hatte und auch jetzt noch ihr Oberhaupt war, hatte Jaina kurz nach dem Kataklysmus zu sich gebeten. Sie hatte ihn noch nie zuvor so nachdenklich gesehen wie an jenem Tag, als er sie im Purpursalon empfangen hatte, einem besonderen Raum, der � soweit Jaina wusste � nur durch ein Portal zu erreichen war. Nachdem er zwei Gl�ser mit prickelndem dalaranischem Wein gef�llt hatte, hatte er sich neben sie gesetzt und sie durchdringend gemustert.</p><p>�Rhonin�, hatte sie leise gefragt, ohne auch nur an dem k�stlichen Getr�nk zu nippen. �Was habt Ihr? Ist etwas geschehen?�</p><p>�Nun, mal �berlegen�, entgegnete er. �Todesschwinge treibt sein Unwesen; die Dunkelk�ste ist ins Meer gest�rzt ��</p><p>�Mit <emphasis>Euch</emphasis>, meine ich?�</p><p>Er l�chelte schmallippig �ber seinen eigenen, dunklen Humor. �Mit mir ist alles in Ordnung, Jaina. Na ja, zumindest fast alles � ich habe da eine Sorge, die w�rde ich gern mit Euch teilen.�</p><p>Sie zog die Brauen so zusammen, dass eine kleine Furche auf ihrer Stirn entstand, und stellte das Glas ab. �Mit mir? Warum gerade ich? Ich geh�re nicht zum Rat der Sechs. Ich bin nicht mal mehr ein Mitglied der Kirin Tor.� Einst hatte sie zu ihnen geh�rt, als sie noch eng mit ihrem Meister Antonidas zusammengearbeitet hatte. Doch nach dem Ende des Dritten Krieges, als sich die verstreuten Mitglieder der Kirin Tor wieder neu formiert hatten, war es nicht mehr dasselbe f�r sie gewesen.</p><p>�Und genau aus diesem Grund muss ich mit Euch sprechen�, erkl�rte er. �Jaina, wir haben alle unendlich viel ertragen m�ssen. Wir waren so besch�ftigt damit, zu � nun, zu k�mpfen und zu planen und unsere Schlachten zu schlagen. So sehr, dass wir vers�umt haben, einer anderen, vermutlich noch wichtigeren Pflicht nachzukommen.�</p><p>Ein verwirrtes L�cheln huschte �ber ihr Gesicht. �Malygos zu bek�mpfen und uns davon zu erholen, dass die Welt wie eine Ratte im Maul einer Dogge gebebt hat, erscheint mir ziemlich wichtig.�</p><p>Rhonin nickte. �Das ist es. Aber mindestens ebenso wichtig ist es, die n�chste Generation auszubilden.�</p><p>�Was hat das mit mir � oh!� Entschlossen sch�ttelte sie das goldene Haupt. �Rhonin, ich w�rde Euch ja gerne helfen, aber ich kann nicht nach Dalaran kommen. Ich habe meine eigenen Probleme in Theramore, und auch, wenn der Kataklysmus Horde und Allianz gleicherma�en geschw�cht hat, gibt es dort noch so viel ��</p><p>Er hob die Hand, um sie zu unterbrechen. �Ihr versteht nicht, worauf ich hinauswill�, sagte er. �Ich werde Euch nicht bitten, in der Violetten Zitadelle zu bleiben. Hier haben wir genug Leute � aber drau�en in der Welt sind zu wenige.�</p><p>�Oh!�, entfuhr es ihr noch einmal. �Ihr � wollt, dass ich einen Sch�ler nehme.�</p><p>�Das ist unser Wunsch. Falls Ihr dazu bereit w�rt. Ich habe da schon eine ganz spezielle junge Dame im Auge, und ich m�chte, dass Ihr sie Euch einmal anseht. Sie hat gro�e M�glichkeiten, sie ist klug, und sie besitzt eine uners�ttliche Neugier, was die Welt jenseits der engen Grenzen von Eisenschmiede und Dalaran betrifft. Ich glaube, Ihr zwei w�rdet gut zueinander passen.�</p><p>Da begriff Jaina. Sie lehnte sich auf den bequemen lilafarbenen Kissen zur�ck und griff nach dem Wein. Nach einem kleinen Schluck sagte sie: �Und ich bin sicher, sie w�rde Euch �ber jeden meiner Schritte Bericht erstatten.�</p><p>�Na, na, Lady Prachtmeer. Ihr k�nnt doch nicht erwarten, dass wir eine so m�chtige und einflussreiche Magierin dort drau�en in Theramore ganz allein lassen.�</p><p>�Im Ernst? Ich bin �berrascht, dass Ihr mir nicht schon l�ngst einen Aufpasser geschickt habt.�</p><p>Er schenkte ihr einen reuevollen Blick. �Im Augenblick herrscht viel Durcheinander�, erkl�rte er. �Es ist nicht so, als w�rden wir Euch nicht vertrauen. Wir m�ssen einfach nur � nun ��</p><p>�Ich verspreche, ich werde keine Dunklen Portale �ffnen�, sagte Jaina und hob die Hand zu einem sp�ttischen Eid.</p><p>Das entlockte Rhonin ein Lachen, aber er wurde schnell wieder ernst und legte seine Hand auf die ihre, w�hrend er sich fl�chtig zu ihr hin�berbeugte.</p><p>�Ihr versteht doch, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, nickte sie. Und sie verstand wirklich. Zuvor hatte niemand Zeit f�r irgendetwas anderes als den blo�en Kampf ums �berleben gehabt, und jeder Magier, der sich Malygos nicht angeschlossen hatte, war von ihm als Bedrohung betrachtet worden. Nun war er zwar besiegt, aber ebenso wie die Welt waren auch die alten B�ndnisse zersplittert � und Jaina galt sowohl als eine m�chtige Magierin wie auch als eine allseits gesch�tzte Diplomatin.</p><p>Die Erinnerungen an Antonidas, der sie vor einer gef�hlten Ewigkeit � und erst nach langem Bitten und Betteln � als Sch�lerin angenommen hatte, erf�llten ihren Geist. Er war ein weiser und guter Mann gewesen, mit einem ausgepr�gten Verst�ndnis von richtig und falsch, mit der Bereitschaft, andere zu besch�tzen � und er hatte sie inspiriert und geformt. Pl�tzlich sp�rte sie den Drang, der Welt zur�ckzugeben, was sie ihr geschenkt hatte. Sie war eine Magierin mit enormen F�higkeiten, das wusste sie, und jetzt, da die Rede auf dieses Thema gekommen war, gefiel ihr der Gedanke immer besser, jemandem ihr Wissen zu vermitteln. So m�sste sie sich au�erdem nicht wieder den Kirin Tor anschlie�en, um anderen dabei zu helfen, die Magie zu verstehen und einzusetzen, ganz so, wie sie es seinerzeit gelernt hatte. Das Leben war unberechenbar, dieser Tage noch mehr als sonst. Zudem fehlten ihr die gelegentlichen Besuche von Anduin; vielleicht k�nnte eine junge Person ihr altes, dunkles Zuhause wieder mit neuem Leben erf�llen.</p><p>�Wisst Ihr�, meinte sie, �ich erinnere mich noch gut an eine gewisse schrecklich st�rrische junge Dame, die Antonidas keine Ruhe lie�, bis er sie als Sch�lerin nahm.�</p><p>�Und falls ich mich recht erinnere, hat sie sich pr�chtig entwickelt. Manche behaupten sogar, sie w�re die beste Magierin in ganz Azeroth.�</p><p>�Die Leute sagen viele Dinge.�</p><p>�Dann sagt Ihr mir bitte, dass Ihr sie ausbilden werdet�, bat Rhonin, w�hrend seine Stimme von nichts anderem als v�lliger Aufrichtigkeit erf�llt war.</p><p>�Ich glaube, es w�re eine gute Idee�, sagte sie fest.</p><p>�Sie wird Euch gefallen�, l�chelte Rhonin, und ein schelmischer Ausdruck schlich sich in seine Z�ge. �Sie wird Euch wirklich fordern.�</p><p>Doch Kinndy hatte nicht nur sie gefordert, sondern auch die Leidende. Jaina musste ein L�cheln unterdr�cken, als sie daran dachte, wie die Nachtelfin zun�chst auf das Gnomenm�dchen reagiert hatte. Die Leidende war eine Kriegerin, die an Jainas Seite geblieben war, seitdem man sie der Magierin bei der Schlacht am Berg Hyjal zugewiesen hatte. Sie diente ihr als unerschrockene Leibw�chterin, ob Jaina nun eine brauchte oder nicht, und wich nur dann von ihrer Seite, wenn die Magierin sie auf eine geheime Mission schickte. Jaina hatte der Leidenden schon oft betont, dass sie jederzeit zu ihren Leuten zur�ckkehren k�nne. Die Nachtelfin hatte daraufhin aber meist nur mit den Schultern gezuckt und erkl�rt: �Lady Tyrande hat mich nicht offiziell von dieser Pflicht befreit�, und damit jede weitere Frage abgeblockt. Jaina verstand die Gr�nde f�r die Sturheit der Leidenden und ihre unerkl�rliche Ergebenheit zwar nicht, war aber nichtsdestotrotz daf�r dankbar.</p><p>Nun, einmal war Kinndy jedenfalls gerade dabei gewesen zu lernen, w�hrend Jaina die Reagenzien in ihrem Schr�nkchen methodisch durchging, um diejenigen neu zu beschriften, deren Schildchen nicht mehr zu entziffern waren, und jene auszusortieren, die ihre Wirkung verloren hatten, damit man sie sp�ter ordnungsgem�� entsorgen konnte. Die St�hle in Theramore waren f�r Menschen gemacht, weswegen Kinndys F��e den Boden nicht ber�hrten, und so lie� das Gnomenm�dchen geistesabwesend die Beine baumeln, w�hrend es an einer Tasse Tee nippte und einen Folianten studierte, der beinahe ebenso gro� war wie sie selbst. Ganz in der N�he hatte die Leidende ihr Schwert gereinigt, und aus den Augenwinkeln hatte Jaina bemerkt, wie ihr Blick immer wieder zu Kinndy hin�bergewandert war � und jedes Mal hatte sie noch irritierter gewirkt.</p><p>Schlie�lich war es aus der Nachtelfin herausgeplatzt: �Kinndy? Macht es dir etwa <emphasis>Spa�</emphasis>, so fr�hlich zu sein?�</p><p>Das Gnomenm�dchen hatte das Buch geschlossen, den kleinen Finger zwischen die Seiten geklemmt, damit sie wusste, wo sie war, und dann eine ganze Weile �ber die Frage nachgedacht. Anschlie�end hatte sie erwidert: �Die Leute nehmen mich nicht ernst. Das verhindert oft, dass ich mich n�tzlich machen kann. Ich finde das eher frustrierend. Also: Nein, es macht mir keinen Spa�, fr�hlich zu sein.�</p><p>Die Leidende hatte genickt, gesagt: �Ah, dann ist es ja gut�, und sich wieder ihrem Schwert gewidmet. Jaina hatte sich rasch entschuldigen m�ssen, um nicht vor ihren Augen laut loszulachen.</p><p>Doch abgesehen von ihrer unbeabsichtigten Fr�hlichkeit hatte Kinndy auch sie gefordert. Das Gnomenm�dchen hatte mehr Energie als sonst jemand, dem Jaina je begegnet war, und der Strom ihrer Fragen kannte kein Ende. Zun�chst waren diese Fragen am�sant gewesen, dann nervt�tend, und dann war Jaina eines Tages aufgewacht und hatte erkannt, dass sie nun wirklich und wahrhaftig eine Mentorin war. Eine Meisterin, zusammen mit einer Sch�lerin, die heranwachsen und sie stolz machen w�rde. Rhonin hatte nicht �bertrieben � vermutlich hatte er ihr den besten Sch�ler gegeben, den die Kirin Tor zu bieten hatten.</p><p>Kinndy war besonders neugierig, was Jainas Rolle als weibliche Anf�hrerin und Magierin anging, und nur zu gerne h�tte sie dem Gnomenm�dchen jetzt von ihrem geheimen Treffen mit Go�el erz�hlt � Kinndy schien die Art von Person zu sein, die Jainas Gedankeng�nge verstehen konnte. Doch nat�rlich ging das nicht. Sosehr sie die Kleine auch ins Herz geschlossen haben mochte, letzten Endes war Kinndy doch der Ehre halber verpflichtet, alles, was sie erfuhr, an die Kirin Tor weiterzugeben. Der Zwischenfall mit Anduin hatte Jaina gelehrt, besondere Vorsichtsma�nahmen zu treffen, und sie war sicher, dass Kinndy nicht von diesen Treffen wusste � zumindest noch nicht.</p><p>�Wie geht es Meister Rhonin?�, fragte Lady Prachtmeer.</p><p>�Oh, ihm geht es hervorragend. Ich soll Euch herzliche Gr��e von ihm ausrichten�, antwortete Kinndy. �Er schien ein wenig abgelenkt�, f�gte sie nachdenklich hinzu, dann hielt sie inne, um ein weiteres Mal von dem Pl�tzchen abzubei�en.</p><p>�Wir sind Magier, Kinndy�, bemerkte Jaina trocken. �Wir sind immer abgelenkt.�</p><p>�Das ist wohl wahr!�, sagte das Gnomenm�dchen fr�hlich und wischte ein paar Kr�mel fort. �Dennoch schien mein Besuch etwas gehetzt.�</p><p>�Konntest du denn wenigstens ein wenig Zeit mit deinen Eltern verbringen?� Kinndys Vater Pakke war mit der ehrenhaften Aufgabe betraut worden, in der Abendd�mmerung s�mtliche Stra�enlaternen in Dalaran zu entz�nden. Und wenn man Kinndy Glauben schenken durfte, erf�llte ihn diese Arbeit mit solcher Freude, dass er sogar besondere St�be verkaufte, damit andere dieses Gef�hl auch ein paarmal erleben konnten. Und ihre Mutter Jaxi die ihre Backwaren oft der Hochelfin Aimee zum Verkauf an ihrem Stand zur Verf�gung stellte, war in der Stadt ebenso beliebt wie ihre rot-violetten T�rtchen. Das war auch einer der Gr�nde, warum es Kinndy so verzweifeln lie�, dass ihre Backk�nste � zumindest in ihren eigenen Augen � so unterdurchschnittlich waren.</p><p>�Oh ja, das habe ich!�</p><p>�Und du m�chtest trotzdem immer noch Pl�tzchen?�, scherzte Jaina.</p><p>Kinndy zuckte mit den Schultern. �Was soll ich machen? Einem Leckerbissen kann ich einfach nicht widerstehen�, meinte sie mit dieser heiteren Einstellung, die Jaina inzwischen schon von ihr erwartete. Doch es war offensichtlich, dass irgendetwas das Gnomenm�dchen bedr�ckte. Jaina stellte ihren Teller auf dem Tisch ab.</p><p>�Kinndy, ich wei�, dass du den Kirin Tor Bericht erstatten sollst. Das war Teil unserer �bereinkunft. Aber du bist auch meine Sch�lerin. Falls du irgendwelche Probleme mit mir als deiner Meisterin hast ��</p><p>Die blauen Augen wurden weit. �Mit Euch? Oh, Lady Jaina, nein, das ist es nicht! Es ist nur � ich hatte das Gef�hl, etwas in Dalaran w�rde nicht stimmen. Man konnte es in der Luft sp�ren. Und Meister Rhonins Verhalten hat mich auch nicht gerade beruhigt.�</p><p>Jaina war beeindruckt. Nicht alle Magier entwickelten diesen sechsten Sinn, der ihnen verriet, wenn <emphasis>etwas nicht stimmte</emphasis> � um es mit Kinndys Worten zu sagen. Jaina selbst besa� diese F�higkeit nur bis zu einem gewissen Grad: Sie konnte nicht immer erkennen, wenn es ein magisches Ungleichgewicht gab. Aber wenn dieses Gef�hl sie einmal �berkam, dann h�rte sie auch darauf. Und Kinndy war gerade mal zweiundzwanzig.</p><p>Sie l�chelte ein wenig wehmutsvoll. �Meister Rhonin hatte recht, was dich angeht�, meinte sie. �Er sagte, du h�ttest gro�e M�glichkeiten.�</p><p>Kinndy wurde rot � aber nur ein bisschen.</p><p>�Nun, falls wirklich etwas nicht stimmt, werden wir es noch fr�h genug herausfinden�, fuhr Jaina fort. �Einstweilen interessiert mich mehr, ob du das Buch zu Ende gelesen hast, das ich dir mitgegeben habe.�</p><p>Kinndy seufzte. �<emphasis>Eine Ausf�hrliche Analyse der Temporalen Effekte von Beschw�rungen auf Nahrungsmittel?</emphasis>�</p><p>�So hei�t es, ja.�</p><p>�Ich hab�s gelesen. Aber �� Sie z�gerte und vermied es, Jaina ins Gesicht zu blicken.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Nun � ich f�rchte, da ist jetzt ein Glasurfleck auf Seite dreiundvierzig.�</p><empty-line/><p>Die Nacht fiel �ber Orgrimmar, und obwohl die Hitze nachlie�, schwand sie doch nicht ganz; der hartgebackene Sand, der bar jeglicher Vegetation war, speicherte die Glut der Sonne, ebenso wie die gro�en, neu errichteten Metallgeb�ude. Was das Klima betraf, so war Durotar nicht gerade ein angenehmer Ort, und Orgrimmar machte da keine Ausnahme. Doch auch wenn die Stadt noch nie besonders einladend gewesen war, jetzt wirkte sie ganz besonders abweisend.</p><p>Malkorok war das nur recht.</p><p>Er mochte die Hitze von Durotar, war es doch auch im Inneren des Berges Schwarzfels siedend hei� gewesen. Das tat gut. Die beste Entscheidung, die das Volk der Orcs je getroffen hatte, war ohnehin gewesen, die Bequemlichkeit von Orten wie Nagrand auf ihrer Heimatwelt Draenor hinter sich zur�ckzulassen. Dies hier war eine Welt, in der man sich beweisen musste, die einen auf die Probe stellte und herausforderte. Es war schlecht, wenn man zu sehr verweichlichte. Darum geh�rte es auch zu Malkoroks Aufgaben, daf�r zu sorgen, dass kein Orc zu selbstgef�llig wurde.</p><p>Einige der Orcs, die an der j�ngsten Versammlung teilgenommen hatten, waren ihm allerdings viel zu selbstgef�llig erschienen. Sie waren zu sehr davon �berzeugt, dass ihre Ansichten die richtigen waren, und sie hatten sogar offen ihren Unwillen zum Ausdruck gebracht und Meinungen unterst�tzt, die der ihres Kriegsh�uptlings widersprachen � des Anf�hrers ihrer Rasse. Des F�hrers der <emphasis>Orcs</emphasis>! Diese Arroganz lie� Malkorok jetzt noch vor Zorn mit den Z�hnen knirschen, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben, w�hrend er sich lautlos durch die Stra�en bewegte.</p><p>Er hatte Garrosh gesagt, dass man sie alle im Auge behalten sollte, und zun�chst hatte der Kriegsh�uptling angenommen, dass er damit nur die Anf�hrer der verschiedenen Rassen meinte, aus denen die Horde bestand. Aber der Schwarzfelsorc sah die Dinge in einem viel gr��eren Zusammenhang. Wenn er sagte, man sollte sie �alle� im Auge behalten, dann <emphasis>meinte</emphasis> er auch alle.</p><p>Jedes einzelne Mitglied der Horde.</p><p>Darum lie� er einige der unzufriedenen Orcs von seinen besten Leuten beschatten � diejenigen, die es gewagt hatten, still zu bleiben, w�hrend die anderen jubelten. Daran, dass Etrigg ungestraft Kritik �ben durfte, konnte er im Augenblick leider noch nichts �ndern; der alte Orc wurde von allen geliebt und respektiert, und Garrosh hatte es Thrall versprechen m�ssen, dass er seine Ratschl�ge beachten w�rde.</p><p>Doch vielleicht nicht mehr lange.</p><p>Andere, die sich auf Etriggs Seite gestellt hatten, mussten hingegen schon jetzt den Preis f�r ihr Verhalten zahlen, das in Malkoroks � und Garroshs � Augen nichts anderes war als offener, unverfrorener Hochverrat. Seine Gedanken wanderten zu jener Zeit vor einigen Jahren zur�ck, als er noch in Diensten Rend Schwarzfausts gestanden hatte. Voller Genugtuung erinnerte er sich an das Schicksal, das jene Abenteurer erwartet hatte, die sich unklugerweise ins Herz des Berges vorgewagt und Rend herausgefordert hatten. Doch noch lebhafter als dies waren die Erinnerungen daran, wie er selbst mit den anderen Orcs umgesprungen war, die Kritik an Schwarzfaust ge�bt hatten, wenn sie sich in den Schatten sicher w�hnten.</p><p>Er hatte ihnen aufgelauert und seinem eigenen, unstillbaren Verlangen nach Gerechtigkeit Gen�ge getan. Als ein weiterer dieser Verr�ter pl�tzlich von der Bildfl�che verschwunden war, hatte Rend ihn darauf angesprochen, aber Malkorok hatte nur mit den Schultern gezuckt, woraufhin Schwarzfaust ihm ein anerkennendes Grinsen geschenkt hatte. Danach verlor er niemals wieder ein Wort �ber diese Sache.</p><p>Jetzt lagen die Dinge zwar anders, doch so gro� waren die Unterschiede gar nicht, und Malkorok musste nun auch nicht mehr allein durch die Schatten schleichen; vier Kor�kron, eigens von Garrosh ausgew�hlt und darauf eingeschworen, jedem Befehl des Schwarzfelsorcs zu gehorchen, als w�ren es die Worte des H�uptlings selbst, begleiteten ihn und bewegten sich dabei so verstohlen, als w�ren sie selbst blo� Schatten.</p><p>Kor�jus lebte in der Kluft der Schatten, einem der heruntergekommeneren Teile von Orgrimmar, und wenn man sein Haus sah, konnte man ohne Weiteres den Eindruck gewinnen, dass er in finstere Machenschaften verstrickt war. Tats�chlich aber war der Name seines Ladens, Dunkle Erde, lediglich eine Beschreibung des Bodens, den er brauchte, um seine Waren heranzuz�chten � Pilze. Soweit Malkorok wusste, war Kor�jus zwar ein gesetzestreuer Einwohner, aber dass er hier lebte, machte seine Aufgabe deutlich einfacher. Die paar vermeintlichen Zeugen brauchten jedenfalls keinen weiteren Anreiz als ein Zwinkern und ein paar Goldm�nzen, um mit einem Nicken in die andere Richtung zu sehen.</p><p>Kor�jus kniete auf dem Boden und benutzte ein scharfes Messer, um die Pilze zu ernten, die er morgen verkaufen wollte. Er schnitt die Stiele mit geschickten Bewegungen dicht �ber dem Boden ab, dann warf er sie in einen Sack und wandte sich den n�chsten zu. Sein R�cken war der T�r zugewandt, vor der sich ein halb zugezogener Vorhang befand. Ein Schild �ber dem Eingang verk�ndete GESCHLOSSEN. Obwohl er nicht sehen konnte, wie sich seine Besucher n�herten, schien er ihre Gegenwart doch zu sp�ren, denn er versteifte sich. Anschlie�end stand er langsam auf und drehte sich herum. Als er Malkorok und seine Begleiter sah, wurden seine Augen zu schmalen Schlitzen.</p><p>�Lest das Schild�, raunzte er. �Der Laden ist erst morgen fr�h wieder ge�ffnet.� Malkorok fiel auf, dass der Pilzbauer die Finger fester um sein kleines Messer schloss. Als ob ihm das helfen w�rde!</p><p>�Wir sind nicht wegen der Pilze hier�, erkl�rte er mit leiser Stimme. Dann kamen er und die vier anderen Orcs n�her. Einer von ihnen zog den Vorhang zu. �Sondern wegen dir.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Sanft, aber beharrlich bahnte sich das Licht der Morgenr�te einen Weg durch die Spalten in den Vorh�ngen von Jainas Schlafgemach. Doch sie war daran gew�hnt, um diese Zeit aufzustehen, und so blinzelte sie mit einem verschlafenen L�cheln und streckte ihre Glieder. Anschlie�end schwang sie die Beine aus dem Bett, stand auf, um sich eine Robe �berzuwerfen, und zog die dunkelblauen Vorh�nge zur�ck.</p><p>Es war ein wundervoller Morgen, rosa, golden und lavendelfarben, denn die Sonne hatte die Schatten der Nacht noch nicht g�nzlich vertrieben, und als sie das Fenster �ffnete und die salzige Luft tief einatmete, brachte der Wind ihr vom Schlaf zerzaustes Haar noch ein wenig mehr durcheinander. Das Meer, immer das Meer. Sie war die Tochter eines Lordadmirals, und ihr Bruder hatte einmal gescherzt, dass in den Adern der Familie Prachtmeer Salzwasser flie�e. Ein Schleier der Melancholie fiel �ber sie, als sie an ihren Vater und ihren Bruder dachte. Einen Moment lang blieb sie noch an dem offenen Fenster stehen, in Erinnerungen versunken. Dann wandte sie sich um.</p><p>Nachdem sie ihr Haar gek�mmt hatte, setzte sie sich an einen kleinen Tisch. Hier entz�ndete sie durch ihre Gedanken eine Kerze und starrte dann in die flackernde Flamme. Sie begann jeden Tag auf diese Weise, falls sie Zeit daf�r hatte; es half ihr, sich zu konzentrieren und sich auf all die Herausforderungen vorzubereiten, die die Welt heute f�r sie bereithalten �</p><p>Ihre blauen Augen weiteten sich, und mit einem Mal war sie hellwach. Etwas w�rde geschehen. Sie erinnerte sich an das Gespr�ch, das sie gestern Abend mit Kinndy gef�hrt hatte (das Gnomenm�dchen schlief sicher noch � sie h�tte ebenso gut als Nachtelfin geboren sein k�nnen, so lange, wie sie immer aufblieb) � an das, was ihre Sch�lerin �ber den Besuch in Dalaran gesagt hatte, und an ihr besorgtes Gesicht nach diesen Worten. <emphasis>Es ist nur � ich hatte das Gef�hl, etwas in Dalaran w�rde nicht stimmen. Man konnte es in der Luft sp�ren</emphasis>.</p><p>Jaina sp�rte nun ebenfalls etwas, so wie ein alter Seemann, der es in seinen Knochen f�hlt, wenn ein Sturm heraufzieht. Da war ein vages Zittern der Vorahnung in ihrer Brust. Ihr morgendliches Ritual w�rde warten m�ssen. Rasch badete sie und zog sich an, und als einer ihrer vertrautesten Berater, der Erzmagier Tervosh, an der T�r klopfte, war sie bereits unten und hatte Tee gemacht. Im Gegensatz zu Kinndy hatte er keine offiziellen Bande mit den Kirin Tor; er war lieber auf sich allein gestellt, so wie Jaina, und w�hrend ihrer Zeit in Theramore war zwischen den beiden Einzelg�ngern eine tiefe und bereichernde Freundschaft entstanden.</p><p>�Lady Jaina�, begr��te er sie. �Ich � nun � da ist jemand, der dich sehen m�chte.� Dabei machte er keinen sehr gl�cklichen Eindruck. �Er will seinen Namen nicht nennen, aber er hatte diesen Geleitbrief von Rhonin. Ich habe ihn bereits �berpr�ft; er ist echt.�</p><p>Er reichte ihr die Schriftrolle, die mit dem vertrauten Augensymbol der Kirin Tor versiegelt war. Als Jaina das Siegel gebrochen hatte und zu lesen begann, erkannte sie sofort Rhonins Handschrift.</p><cite><p>Werte Lady Jaina,</p><p>ich bitte Euch, diesem Mann zu geben, was immer er ben�tigt. Seine Aufgabe ist von erschreckender Wichtigkeit, und er braucht alle Unterst�tzung, welche wir, die wir die Magie beherrschen, ihm nur bieten k�nnen.</p><text-author>� R.</text-author></cite><p>Jaina atmete schwer aus. Was ging hier vor, dass Rhonin solch drastische Worte w�hlte?</p><p>�F�hr ihn herein�, sagte sie. Tervosh, der so best�rzt dreinschaute, wie Jaina sich f�hlte, nickte und zog sich zur�ck. W�hrend sie wartete, schenkte sie sich eine Tasse Tee ein und nippte nachdenklich daran. Einen Augenblick sp�ter trat ein Mann mit einem Mantel in den Salon, die Kapuze tief vors Gesicht gezogen. Er trug schlichte Reisekleidung, die allerdings keine der Spuren aufwies, wie man sie nach einer so langen Strecke erwarten k�nnte. Ein blauer Umhang aus edlem Stoff flatterte bei seinen geschmeidigen, schnellen Bewegungen hinter ihm her, als er sich verbeugte und dann wieder aufrichtete.</p><p>�Lady Jaina�, begann er mit h�flicher Stimme. �Verzeiht, dass ich Euch zu so fr�her Stunde und ohne Ank�ndigung aufsuche. Ich w�nschte, meine Ankunft hier h�tte unter besseren Umst�nden stattfinden k�nnen.�</p><p>Mit diesen Worten zog er die Kapuze zur�ck, die seine Z�ge bislang verborgen hatte, und warf ihr ein verunsichertes L�cheln zu. In seinem Gesicht vermischten sich die besten Eigenschaften von Mensch und Elf, eingerahmt von blauschwarzem Haar, das bis auf seine Schultern herabfiel, mit blauen Augen, die vor Entschlossenheit leuchteten.</p><p>Sie erkannte ihn sofort. Ihre Augen weiteten sich, die Tasse entglitt ihren Fingern und zersprang auf dem Boden.</p><p>�Oh, das ist meine Schuld�, sagte Kalecgos, der einstige Aspekt des blauen Drachenschwarms, rasch. Er machte eine Handbewegung, und der versch�ttete Tee verschwand, w�hrend die Tasse sich wieder zusammensetzte und leer in Jainas Hand zur�ckkehrte.</p><p>�Danke�, brachte sie hervor, gefolgt von einem leicht schiefen L�cheln. �Da Ihr mich au�erdem der M�glichkeit beraubt habt, mich auf geb�hrende Weise vorzustellen, lasst mich Euch wenigstens eine Tasse Tee anbieten.�</p><p>Er erwiderte das L�cheln, aber nur mit dem Mund, nicht mit den Augen. �Das w�re jetzt wirklich wohltuend, danke! Ich bedaure, dass wir keine Zeit f�r Formalit�ten und H�flichkeiten haben. Aber es ist sch�n, Euch wiederzusehen, selbst unter diesen Umst�nden.�</p><p>Jaina schenkte ihnen beiden mit ruhiger Hand Tee ein � von dem anf�nglichen Schock hatte sie sich in Sekundenschnelle erholt. Sie war Kalecgos bei der Bindungszeremonie von Go�el und Aggra begegnet und hatte ihn auf Anhieb sympathisch gefunden, obwohl sie keine Zeit f�r eine l�ngere Unterhaltung gehabt hatte. Nun hielt sie ihm die Tasse hin und sagte voller Aufrichtigkeit: �Lord Kalecgos vom blauen Drachenschwarm, ich kenne Eure noblen Taten und wei�, dass Ihr ein gutes Herz habt. Ihr seid in Theramore willkommen. Der Brief, den Ihr bei Euch hattet, enthielt eine Anweisung, Euch all die Hilfe zu gew�hrleisten, die ich anbieten kann, und genau das will ich tun.�</p><p>Sie nahm auf dem kleinen Sofa Platz und bedeutete ihm, sich zu ihr zu setzen. Zu ihrer �berraschung wirkte dieses Wesen, das so m�chtig und uralt war, beinahe � sch�chtern, als es den Tee entgegennahm.</p><p>�Auch mir ist es eine Ehre, mit Euch zusammenzuarbeiten, Lady�, erkl�rte Kalecgos. �Euer Ruf ist weithin bekannt � und ich bewundere Euch schon seit langer Zeit. Euer Verst�ndnis der Magie und die Besonnenheit, mit der Ihr diese Macht einsetzt � ebenso wie Eure, nun, sagen wir, weltlicheren Talente der Diplomatie und der F�hrung � dies alles gebietet Respekt.�</p><p>�Oh!�, machte Jaina. �Nun � danke! Aber so geschmeichelt ich mich auch f�hle, ich bezweifle, dass Ihr den ganzen Weg von Nordrend gekommen seid, um Komplimente auszutauschen.�</p><p>Er seufzte und nahm einen Schluck Tee. �Ungl�cklicherweise habt Ihr recht. Lady ��</p><p>�Jaina, bitte! In meinem eigenen Zuhause gibt es keinen Grund f�r solche F�rmlichkeiten.�</p><p>�Jaina �� Als er wieder zu ihr aufblickte, lag keinerlei Freude mehr in seinen blauen Augen. �Wir sind in Gefahr. Wir alle.�</p><p>�Euer Schwarm?�</p><p>�Nein, nicht nur mein Volk. Jedes Wesen auf Azeroth.�</p><p>�Das kann doch nur eine L�ge sein.� Kinndy stand in der T�r und blickte sie gleicherma�en verwirrt wie skeptisch an. �Oder zumindest eine �bertreibung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass <emphasis>jedes einzelne Wesen</emphasis> auf Azeroth von den Schwierigkeiten in Mitleidenschaft gezogen werden k�nnte, die sich der blaue Drachenschwarm eingehandelt hat.�</p><p>Ihr Haar sah zum F�rchten aus, und Jaina vermutete, dass sie es zu Z�pfen gebunden hatte, ohne es vorher �berhaupt zu k�mmen. Kalecgos schien ob der scharfen Zunge des kleinen Gnomenm�dchens mehr am�siert denn emp�rt, und als er fragend zu Jaina hin�berblickte, erinnerte sich diese an Kinndys Behauptung, niemand nehme sie ernst. Sie war sicher, dass zumindest dieser blaue Drache schon bald lernen w�rde, sie ernst zu nehmen.</p><p>�Kalecgos, darf ich Euch meine Sch�lerin vorstellen, Kinndy Funkenleuchter.�</p><p>�Guten Tag�, sagte Kinndy, w�hrend sie sich selbst ein wenig Tee einschenkte. �Ich habe geh�rt, wie Ihr drau�en mit Erzmagier Tervosh gesprochen habt. Da bin ich neugierig geworden.�</p><p>�Es freut mich, Euch kennenzulernen, Sch�lerin Funkenleuchter. Ich bin sicher, jeder, den Lady Prachtmeer ihrer Mentorschaft f�r wert h�lt, muss ein w�rdiger Lehrling sein.�</p><p>Kinndy roch an dem Tee und trank einen Schluck. �Vergebt mir, mein Herr�, meinte sie. �Nach all dem, was in j�ngster Zeit geschehen ist, sind ich und die anderen dalaranischen Magier ein wenig � misstrauisch, was Euren Scharm betrifft. Ich meine, Ihr wisst schon � der Krieg, der Versuch, alle Magier abzuschlachten, dies alles.�</p><p>Innerlich zuckte Jaina zusammen. Eine zweiundzwanzigj�hrige Sch�lerin beschuldigte hier vor ihren Augen den ehemaligen Aspekt des blauen Drachenschwarms, dass er die Verantwortung f�r die Taten seines Vorg�ngers trage, wenn nicht gar, dass er selbst verr�terische Absichten hege.</p><p>�Kinndy, Kalecgos ist ein Drache des Friedens. Er ist nicht wie Malygos. Er ��</p><p>Kalec hob die Hand und unterbrach sie h�flich. �Das ist schon in Ordnung. Niemand wei� besser als ich, was mein Volk jenen angetan hat, die auf dieser Welt ebenfalls der arkanen Magie m�chtig sind. Ich bin inzwischen daran gew�hnt, dass jeder, der � nun, der kein blauer Drache ist, mir mit derselben Einstellung begegnet wie � Kinndy.� Er schenkte dem Gnomenm�dchen ein schmales L�cheln. �Ich bin kein Aspekt mehr, aber doch noch immer der Anf�hrer meines Schwarms, und als solcher war es in j�ngster Zeit eine meiner Hauptaufgaben zu beweisen, dass nicht alle von uns den Nexuskrieg wollten. Und darauf hinzuweisen, dass wir seit dem Tod von Malygos keinerlei Versuche unternommen haben, andere, die das Arkane beherrschen, zu kontrollieren oder zu manipulieren.�</p><p>�Aber ist nicht genau dies die Aufgabe des Schwarms?�, hakte Kinndy nach. �Wurde der Aspekt nicht mit eben dieser Pflicht betraut? Und f�llt Ihr nicht in gewisser Weise noch immer dieses Amt aus, auch wenn Eure F�higkeiten nun verschwunden sind?�</p><p>Ein abwesender Ausdruck trat in Kalecgos Augen, und als er antwortete, war seine Stimme sanfter und tiefer als zuvor, wenngleich es immer noch unverkennbar seine eigene war. �Die Magie muss geregelt, verwaltet und kontrolliert werden. Aber ebenso muss sie gesch�tzt und respektiert werden. Man darf sie nicht horten. Das ist der Widerspruch, mit dem wir uns auseinandersetzen m�ssen.�</p><p>Jaina sp�rte, wie ein Schauder �ber ihren R�cken rann, und selbst Kinndy wirkte mit einem Mal kleinlaut. Kalecgos Augen wurden wieder hell und aufmerksam, als er sie beide anblickte. �Das waren die Worte, die einst Norgannon sprach, der Titan, der Malygos die Kr�fte eines Aspekts verlieh.�</p><p>�Womit Ihr all meine Vorbehalte best�tigt h�ttet�, sagte Kinndy.</p><p>Inzwischen war offensichtlich, dass Kalecgos keinen Ansto� an den Worten des Gnomenm�dchens nehmen w�rde, und so lehnte sich Jaina auf den Polstern zur�ck. Es war wohl das Beste, wenn sie sich aus dieser Sache heraushielt, damit die beiden sie allein kl�ren konnten; f�rs Erste wollte sie sich damit begn�gen, zuzuh�ren und zu beobachten.</p><p>�Es h�ngt immer davon ab, wie man die Worte interpretiert�, meinte Kalecgos. �Malygos hat es so verstanden, dass er der h�chste W�chter �ber die Magie ist. Weil ihm nicht gefiel, wie andere die Magie benutzten, beschloss er, die gesamte arkane Macht f�r sich und seinen Schwarm zu beanspruchen � in dem Glauben, dass nur er sie wirklich wertsch�tzen und respektieren konnte. Ich hingegen ziehe es vor, nur meine eigene Magie zu regulieren, zu verwalten und zu kontrollieren. Ich will den anderen mit meinem Beispiel vorangehen, sie ermutigen, die Magie ebenfalls zu sch�tzen und zu respektieren. Denn, Kinndy � wenn man etwas wirklich sch�tzt und respektiert, dann m�chte man es auch richtig nutzen. Dann m�chte man es nicht nur f�r sich beanspruchen, sondern teilen. Diesem Ziel habe ich mich verschworen, als ich zum W�chter �ber die Magie in dieser Welt wurde. Jetzt bin ich kein Aspekt mehr, nur noch der Anf�hrer eines Schwarms, und, Kinndy, Ihr k�nnt mir glauben, in dieser neuen Rolle wei� ich jede Unterst�tzung durch die Kirin Tor oder jeden anderen, der mir helfen will, sehr zu sch�tzen.�</p><p>Kinndy dachte dar�ber nach und lie� dabei einen ihrer F��e baumeln, der auch hier nicht den Boden ber�hrte. Die Gnomen-Kultur sch�tzte kaum ein Gut h�her als die Logik, und ihr methodisch arbeitendes Gehirn w�rde gewiss anerkennen, was Kalec gerade gesagt hatte. Nach einer Weile nickte sie.</p><p>�Dann erz�hlt uns mal, was f�r eine Gefahr das ist, die jedes Wesen auf Azeroth bedroht�, forderte sie. Sie w�rde sich nicht f�r ihr Benehmen entschuldigen, aber zumindest hatte sie ihr Misstrauen dem Anf�hrer des blauen Drachenschwarmes gegen�ber �berwunden.</p><p>Auch Kalec schien diesen Wandel in ihrer Haltung zu bemerken, und als er antwortete, richtete er seine Worte an beide Frauen. �Ich nehme an, Ihr seid vertraut mit dem, was man die Fokussierende Iris nennt. Seit langer Zeit schon befindet sie sich in der Obhut des blauen Drachenschwarms.�</p><p>�Malygos hat diese Iris benutzt, um die Sognadeln zu erschaffen, die die Leylinien von Azeroth zum Nexus umgeleitet haben�, sagte Kinndy. Jaina kam ein schrecklicher Verdacht, aber selbst jetzt noch hoffte sie, dass sie sich irrte.</p><p>�Ja�, nickte Kalec. �Das war die Iris. Und nun wurde dieses uralte Relikt gestohlen.�</p><p>Jaina starrte ihn voller Grauen an. Kinndy sah aus, als m�sste sie sich gleich �bergeben. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie sich dann erst Kalecgos f�hlen musste. Der erste Gedanke, der nach seinen Worten durch ihren Geist raste, platzte aus ihr heraus.</p><p>�Danke � danke, dass Ihr bereit seid, uns um Hilfe zu bitten�, sagte sie. Dann streckte sie aus einem Impuls heraus den Arm vor und dr�ckte seine Hand. Er blickte erst auf ihre Hand hinab, danach zu ihrem Gesicht hoch. Dann nickte er.</p><p>�Ich habe nicht �bertrieben, als ich sagte, diese Gefahr betreffe uns alle�, erkl�rte er. �Ich sprach mit Rhonin dar�ber, dann bin ich direkt hierher geflogen. Ihr, junge Dame�, fuhr er mit einem Blick zu Kinndy fort, �seid erst der dritte Nicht-Drache, der davon erf�hrt.�</p><p>�Ich � f�hle mich geehrt�, stammelte Kinndy. Die Abneigung, mit der sie Kalec eingangs begegnet war, hatte sich inzwischen in Luft aufgel�st, und nun enthielt sie sich weiterer Bemerkungen �ber �L�gen� oder �bertreibungen. Kalecgos sagte die Wahrheit.</p><p>�Was k�nnt Ihr uns �ber den Diebstahl erz�hlen?�, fragte Jaina, um die Unterhaltung endlich auf die praktischen Aspekte ihres Problems zu lenken � was sie wussten, was es noch herauszufinden galt, und hoffentlich auch, was sie tun konnten, um das Schlimmste zu verhindern.</p><p>In knappen Worten erkl�rte ihnen Kalecgos die Lage, und mit jedem Satz wurde Jainas Herz schwerer. Unbekannte Feinde sollten die Iris gestohlen haben, nachdem sie f�nf Drachen �berw�ltigt hatten?</p><p>�Hat Rhonin dir Unterst�tzung angeboten?�, fragte sie, erschrocken �ber den schwachen, hoffnungslosen Klang ihrer eigenen Stimme. Kinndys Gesicht war so bleich wie Pergament geworden, sie hatte schon seit einer ganzen Weile nichts mehr gesagt.</p><p>Kalecgos sch�ttelte unter dem blauschwarzen Haar den Kopf. �Nein, jedenfalls noch nicht. Ich konnte sp�ren, in welche Richtung die Iris gebracht wurde � zwar nur schwach, aber die Verbindung war da. Darum bin ich nach Kalimdor gekommen � und zu Euch, Jaina.� In einer beschw�renden Geste breitete er die H�nde aus. �Ich bin der Anf�hrer der blauen Drachen. Wir kennen uns mit Magie aus. Wir haben unsere alten B�cher, die noch viel �lter sind als alle Schriften, die Ihr kennt. Aber wir verf�gen nicht �ber Eure Mittel. Ich bin nicht so arrogant zu glauben, wir w�ssten alles. Ich bin mir durchaus der Tatsache bewusst, dass Magier, die nicht als Drachen geboren wurden, Entdeckungen gemacht haben, zu denen kein Drache je in der Lage war. Darum bitte ich Euch, mir zu helfen � falls Ihr dazu bereit seid.�</p><p>�Nat�rlich�, rief Jaina. �Ich hole den Erzmagier Tervosh, dann k�nnen wir alle gemeinsam nach einer L�sung suchen.�</p><p>�Wie w�re es vorher mit einem Fr�hst�ck?�, fragte Kinndy.</p><p>�Nat�rlich�, nickte Kalecgos. �Wer kann sich schon mit einem leeren Magen konzentrieren?�</p><p>Langsam fasste Jaina wieder Mut, zumindest ein wenig. Kalec konnte dem Weg des gestohlenen Artefakts folgen, und er war bereit, Hilfe anzunehmen � mehr noch, er bat sogar darum. Zudem hatte er recht: <emphasis>Wer</emphasis> konnte sich schon mit einem leeren Magen konzentrieren?</p><p>Ihre Blicke trafen sich, und als er l�chelte, f�hlte sich Jaina gleich noch ein wenig besser. Sie mussten daran glauben, dass sie die Iris rechtzeitig finden konnten. Gemeinsam mit Kalecgos und Kinndy ging sie ins Speisezimmer, und jetzt hatte sie die Hoffnung, dass es ihnen wirklich gelingen w�rde.</p><empty-line/><p>Zu f�nft � Jaina, Kalecgos, der Erzmagier Tervosh, die Leidende und Kinndy � machten sie sich an die Arbeit, mehr herauszufinden. Kinndy w�rde aus diesem Grunde wieder nach Dalaran zur�ckkehren, wo sie mit Rhonins Erlaubnis Zugang zu der Bibliothek erhalten sollte. Jaina beneidete sie um dieses Privileg.</p><p>�Ich erinnere mich noch an die Zeit, als das meine Aufgabe war�, erz�hlte sie dem Gnomenm�dchen, nachdem sie es zum Abschied kurz umarmt hatte. �Nichts tat ich lieber, als mich in diesen alten B�nden und Schriftrollen zu vergraben und einfach nur zu lernen.� Sie sp�rte einen kurzen Stich; das <emphasis>neue Dalaran</emphasis> war wundersch�n, aber sie geh�rte nicht mehr dorthin.</p><p>�Vermutlich macht so etwas mehr Spa�, wenn einem dabei nicht das Schicksal der Welt auf den Schultern lastet�, bemerkte Kinndy verdrie�lich. Jaina konnte ihr nicht widersprechen.</p><p>Die Leidende, die Jainas Netzwerk von Spionen �berwachte, brach ebenfalls auf, nachdem sie von den Ereignissen erfahren hatte. �Ich werde mich selbst unter die Leute mischen und herausfinden, was ich kann�, erkl�rte sie. �Meine Spione sind flei�ig, aber vielleicht wissen sie nicht, wonach sie in dieser Situation Ausschau halten m�ssen.� Ihr Blick wanderte zu Kalecgos hin�ber. �Ich hoffe, Ihr seid hier sicher mit dieser � Person.�</p><p>�Ich denke doch, meine eigenen F�higkeiten und die Talente eines ehemaligen Aspekts sollten ausreichen, mich zu besch�tzen, f�r den Fall, dass wir uns einer Gefahr gegen�bersehen�, entgegnete Jaina, wobei sie aber jegliche Ironie aus ihrer Stimme verbannte. Sie wusste genau, wie ernst die Leidende ihre Pflichten nahm. Die Augen der Nachtelfin huschten noch ein letztes Mal zu Kalec und wieder zur�ck, dann salutierte sie.</p><p>�Lady.�</p><p>Nachdem Kinndy und die Leidende losgezogen waren, um ihre jeweiligen Aufgaben zu erf�llen, wandte sich Jaina Tervosh und Kalecgos zu und sagte mit einem kurzen Nicken: �Dann wollen wir uns mal an die Arbeit machen. Kalec � vorhin habt Ihr erw�hnt, dass Ihr die Fokussierende Iris f�hlen k�nnt. Warum seid Ihr dieser Spur nicht einfach gefolgt? Warum habt Ihr stattdessen mich aufgesucht?�</p><p>Er senkte den Blick, sah aber aus, als w�re ihm �bel. �Ich sagte, ich <emphasis>konnte</emphasis> f�hlen, wohin sie gebracht wurde. Aber die Spur � sie ist <emphasis>verschwunden</emphasis>, kurz nachdem ich Kalimdor erreichte.�</p><p>�Wie?� Tervosh war irritiert. �Eine solche Verbindung kann nicht einfach abbrechen.�</p><p>�Doch�, sagte Jaina mit schwerer Stimme. �Es gibt eine M�glichkeit. Wer immer dieses Artefakt gestohlen hat, sie m�ssen auf gro�e Macht zur�ckgreifen k�nnen, sonst w�ren sie nicht in der Lage gewesen, f�nf Drachen zu besiegen. Aber zum Zeitpunkt des Diebstahls wussten sie noch nicht genug �ber die Iris, um sie vollst�ndig verbergen zu k�nnen. Darum konnte Kalec sie bis hierher verfolgen.�</p><p>�Genau das denke ich auch�, best�tigte Kalec. �Entweder haben sie selbst einen Weg gefunden, die Aura der Iris vor mir zu verbergen, oder sie haben einen Magier gefunden, der m�chtig genug war, es f�r sie zu tun.�</p><p>Tervosh vergrub einen Moment lang das Gesicht in den H�nden. �Das � m�sste aber wirklich jemand <emphasis>sehr</emphasis> M�chtiges sein.�</p><p>�Richtig�, stimmte Jaina zu. Trotz dieser schlechten Neuigkeiten schob sie das Kinn vor. �Sie m�gen einen m�chtigen Zauberer auf ihrer Seite haben, vielleicht auch mehr als nur einen, aber das Gleiche gilt f�r uns. Au�erdem haben wir einen Vorteil: Wir kennen jemanden, der alles �ber die Fokussierende Iris wei�. Kalec sollte uns also erst einmal auf den neuesten Stand bringen.�</p><p>�Was m�chtet Ihr denn wissen?�</p><p>�Alles�, antwortete sie mit fester Stimme. �Erz�hl uns nicht nur das Wesentliche! Wir brauchen <emphasis>alle</emphasis> Einzelheiten. Selbst das, was du zum jetzigen Zeitpunkt f�r unbedeutend h�ltst, k�nnte sich als n�tzlich erweisen. Tervosh und ich m�ssen alles wissen, was du wei�t.�</p><p>Kalecgos l�chelte reuevoll. �Das k�nnte eine Weile dauern.�</p><empty-line/><p>Und das tat es auch. Er erstattete Bericht, bis es Zeit f�rs Mittagessen war, und nachdem sie eine kurze Pause gemacht hatten, um sich zu st�rken, erz�hlte er bis zum Abendessen weiter, doch auch dann war er noch nicht fertig. Selbst die Stimme eines Drachen, so schien es, konnte heiser werden, wenn man sie �berforderte. Es wurde sp�t, und in jener Nacht schlurften sie alle drei mit schweren Lidern in ihre jeweiligen Schlafgem�cher. Jaina wusste nicht, wie die anderen schliefen, aber sie jedenfalls hatte schreckliche Albtr�ume.</p><p>Als sie am n�chsten Tag aufwachte, f�hlte sie sich benommen und alles andere als erholt. Diesmal konnte ihr das morgendliche Ritual keine Zuversicht schenken, und der Himmel drau�en war wolkenverhangen und unheilvoll. Jaina sp�rte, wie sich ein schweres Gewicht auf ihre Brust herabsenkte � und seufzte. Sie wollte nicht in diesen grauen Tag hinausblicken m�ssen, und so schob sie die Vorh�nge wieder zu und ging nach unten.</p><p>Kalecgos schenkte ihr ein freundliches L�cheln, als sie den kleinen Salon betrat, doch dann fiel ihm auf, wie blass sie war, und das L�cheln verschwand wieder.</p><p>�Habt Ihr gut geschlafen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Und Ihr selbst?�</p><p>�Es ging. Auch wenn ich von schlechten Tr�umen geplagt wurde. Aber daran hat sicher Euer Koch Schuld. Das Abendessen war zwar k�stlich, doch irgendwo muss sich da in diesem vorz�glichen Mahl ein Bissen halbgare Kartoffel versteckt haben.�</p><p>Obwohl der Ernst der Lage nur allzu deutlich war, musste Jaina kichern. �Dann k�nnt Ihr von jetzt an selbst all unsere Gerichte zubereiten. Das wird Euch lehren, Euch zu beschweren!�, tadelte sie ihn.</p><p>Er warf ihr einen Blick gespielten Entsetzens zu, doch als sie diesem Blick begegnete, wurden sie rasch wieder ernst.</p><p>�Es f�hlt sich � falsch an, in einer solchen Situation Scherze zu machen�, sagte sie mit einem weiteren Seufzen, dann bereitete sie den Tee vor, mit dem pr�zisen Augenma�, das sie schon immer gehabt hatte, und stellte den Kessel auf den Ofen.</p><p>�Es mag sich falsch anf�hlen�, stimmte Kalec ihr zu, w�hrend er sich an den Eiern, der Eberwurst und dem hei�en Haferbrei g�tlich tat, ungeachtet seiner vorherigen, scherzhaften Kritik an den F�higkeiten des Kochs. �Aber es ist nicht falsch.�</p><p>�Allerdings � sicher ist Humor doch unangebracht in solchen Zeiten.� Jaina f�llte ihren eigenen Teller und setzte sich neben Kalec.</p><p>�Manchmal�, erwiderte er und nahm einen Bissen Eberwurst. �Aber Freude ist nie unangebracht. Zumindest nicht, wenn es echte Freude ist � die Art von Leichtigkeit in der Seele, die unsere Last ertr�glicher macht.� W�hrend er kaute und schluckte, blickte er sie aus den Augenwinkeln an. �Ich habe Euch und Kinndy nicht alles berichtet, was Norgannon damals � nun, <emphasis>erz�hlt</emphasis> ist nicht das richtige Wort. Wohl eher, was er uns <emphasis>�bermittelt</emphasis> hat.�</p><p>Der Kessel begann zu pfeifen, und Jaina stand auf, um ihn zu holen, dann schenkte sie ihnen beiden Tee ein. �Wirklich? Was hat er denn noch gesagt?�</p><p>�Fr�ulein Kinndy schien mir nicht die richtige Einstellung zu haben, um es unvoreingenommen aufzunehmen.�</p><p>Sie reichte ihm die Tasse und nahm wieder Platz. �Habe ich denn die richtige Einstellung?�</p><p>Ein merkw�rdiger Ausdruck huschte �ber sein Gesicht. �Vielleicht.�</p><p>�Dann erz�hlt schon!�</p><p>Er schloss die Augen. Seine Stimme ver�nderte sich wieder, wurde tiefer, wurde � zu <emphasis>der Stimme eines anderen</emphasis>.</p><p>�Ich bin sicher, ihr werdet erkennen, dass mein Geschenk an euch nicht nur eine bedeutsame Pflicht ist � und das ist sie durchaus � sondern ebenso eine Freude. Auch das ist sie! � M�gt ihr eure Pflicht erf�llen � und dabei Freude empfinden.�</p><p>Bei diesen Worten sp�rte Jaina ein seltsames Stechen in ihrem Herzen, und erst als Kalec die blaue Augenbraue nach oben zog, um sie zu einer Entgegnung aufzufordern, wurde ihr bewusst, dass sie mehrere Sekunden lang schweigend in seine Augen gestarrt hatte. Sie blickte auf ihre Schale hinab und stocherte in dem Haferbrei herum.</p><p>�Was ich Kinndy erz�hlt habe, traf zu. Ich habe es genossen zu lernen�, sagte sie schlie�lich, ein wenig z�gerlich. �Ich habe es sogar geliebt, um die Wahrheit zu sagen. So, wie ich alles an Dalaran geliebt habe.� Ihre Mundwinkel wanderten nach oben, als sie sich erinnerte. �Ich wei� noch � ich habe gesummt, w�hrend ich meine Arbeiten erf�llte�, fuhr sie fort und lachte, als die Hitze der Scham in ihre Wangen stieg. �Die Ger�che, der Sonnenschein, das Vergn�gen, wenn ich Zauberspr�che erlernte und �bte und sie dann schlie�lich meisterte, wenn ich mich mit K�se und �pfeln und Schriftrollen zur�ckzog ��</p><p>�Freude�, kommentierte Kalec leise.</p><p>Vermutlich war es das gewesen, ja. Sie verweilte in dieser Erinnerung, genoss ihren s��en Geschmack. Doch da kristallisierte eine weitere Erinnerung in ihrem Geist � wie Kael�thas sie eines Tages angesprochen hatte, und dann sp�ter � Arthas. Das L�cheln verschwand.</p><p>�Was ist geschehen?�, fragte Kalec sanft. �Die Sonne ist hinter einer Wolke verschwunden.�</p><p>Jaina presste die Lippen zusammen. �Es ist nur � wir alle haben Geister, die uns verfolgen. Drachen vermutlich auch.�</p><p>�Ah!�, sagte er mit einem Blick in ihr Gesicht. �Du denkst an jene, die du geliebt und verloren hast.� Sie zwang sich, mehr Haferbrei zu essen, auch wenn das f�r gew�hnlich so k�stliche Fr�hst�ck nun in ihrem Mund wie Schlamm schmeckte, und nickte stumm. �Geht es vielleicht um � Arthas?�</p><p>Jaina schluckte hart und �ffnete den Mund, um das Thema zu wechseln, doch da fuhr Kalec bereits fort. �Wir alle haben Geister, Jaina. Selbst Drachen. Sogar Aspekte. Die Trauer um ihren Geist hat einst beinahe Alexstrasza zerst�rt, die gro�e Lebensbinderin selbst.�</p><p>�Korialstrasz�, murmelte Jaina. �Krasus. Ich sah ihn oft, als er in Dalaran war, aber ich habe ihn nie richtig kennengelernt. Ich hatte keine Ahnung, wer er wirklich war.�</p><p>�Das wusste kaum jemand. Und ja, du hast recht, Korialstrasz war dieser Geist. Er gab sein Leben, um uns alle zu retten, und wir hielten ihn zun�chst f�r einen Verr�ter.�</p><p>�Selbst du und Alexstrasza?�</p><p>�Wir wollten es nicht glauben, aber die Zweifel stahlen sich auch in unsere Herzen.� Kalec gestand das nur z�gernd ein. �Selbst ich habe einen solchen Geist, Jaina. Es ist ein Menschenm�dchen. Mit blondem Haar�, f�gte er mit einem leichten Nicken hinzu, �und einem gro�en Herzen. Aber sie war � so viel mehr als nur ein M�dchen. Sie war etwas Wundersch�nes und Tiefgr�ndiges und unbeschreiblich M�chtiges, doch ihre Zeit als einfache junge Frau bereicherte diese Macht um Mitgef�hl und Liebe.�</p><p>Jaina blickte ihn nicht an. Sie wusste, von wem er sprach � Anveena, die einst die reinkarnierte Kraft des Sonnenbrunnens gewesen war. Und sie wusste auch, was mit ihr geschehen war. Das M�dchen, das kein M�dchen war, hatte diese Gestalt f�r ihr wahres Wesen aufgegeben, und dadurch ihr Leben geopfert.</p><p>�Dann gibt es da noch einen Geist, ein Drachenweibchen, so lieblich wie Eis und Sonnenlicht, das einst mein Partner werden sollte.� Erst jetzt schien ihm wieder aufzufallen, dass Jaina ihm gegen�ber sa�, und er warf ihr rasch ein L�cheln zu. �Ich denke nicht, dass Ihr Euch sonderlich gut mit ihr verst�ndet. Sie hat nie begriffen, warum ich solches Interesse an den, �hm ��</p><p>�Niederen Rassen?�</p><p>�Niemals habe ich Euch so genannt�, erkl�rte Kalec, und zum ersten Mal sah Jaina einen Funken von Zorn in den Augen des blauen Drachen. �Nur weil jemand kein Drache ist, hei�t das noch nicht, dass er ein niederes Wesen ist. Es hat lange gedauert, bis Tyrygosa dies begriffen hat. Ihr seid einfach � anders als wir. Und in mancherlei Hinsicht vielleicht sogar besser.�</p><p>Jaina zog die goldenen Brauen in die H�he. �Wie um alles in der Welt k�nnt Ihr so etwas nur sagen?�</p><p>Er l�chelte. �K�se, �pfel und B�cher�, antwortete er. �Ihr kanntet wahre, einfache Freude, bevor noch Euer zweites Lebensjahrzehnt angebrochen war. Das macht Euch � bemerkenswert.�</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Es dauerte nicht lange, bis sie ihre eindeutigen Befehle erhielten. Baine hasste, was er nun tun musste, aber falls er sich weigerte, w�rde sich Garrosh mit der gesamten Macht der restlichen Horde gegen ihn wenden � und gegen die Tauren. Er machte sich keine Illusionen �ber den Idealismus der Verlassenen, der Blutelfen oder der Goblins; sie verfolgten ihre eigenen Pl�ne. Die Orcs waren traditionell Freunde der Tauren, doch gab es nur wenige unter ihnen, die an ihrem neuen Kriegsh�uptling Kritik �bten, und die Trolle, nun, die konnten es sich nicht leisten, ein solches Risiko einzugehen. Falls die Tauren also offen Position gegen Garrosh bezogen oder sich weigerten, seine Befehle auszuf�hren, w�rde niemand ihnen helfen.</p><p>Baine zerkn�llte das Schreiben in seiner Hand und wandte sich mit grimmiger Miene zu Hamuul Runentotem um. �Bereiten wir uns vor�, sagte er. �Zumindest dieser Teil des Krieges, in den uns Garrosh da hineinzieht, hat den Hauch einer Berechtigung.�</p><p>Die Befehle waren unmissverst�ndlich gewesen. Baine sollte �mindestens zwei Dutzend tapfere Krieger�, Kodos und Waffen mobilisieren und sich von Westen aus der Feste Nordwacht n�hern. Die Trolle w�rden sich ihnen anschlie�en, auch wenn der Weg von den Echoinseln nach Mulgore ein sehr langer war. Die Orcs w�rden derweil von Orgrimmar aus losmarschieren, und nachdem sie sich in Ratschet mit den Verlassenen, den Goblins und den Blutelfen zusammengetan hatten, die auf dem Seeweg dorthin reisen sollten, w�rden sie schnell vorsto�en und vor der Feste Nordwachte mit den Tauren zusammentreffen.</p><p>Einst hatte es im Brachland zwischen Mulgore und Nordwacht au�er �dem, trockenem Land und einem kleinen Dorf namens Camp Taurajo nichts gegeben, und das gr��te Problem der Einwohner war es gewesen, die Stacheleber auf Distanz zu halten. Jetzt w�rde Baine seine Leute an den Ruinen von Taurajo vorbeif�hren m�ssen, und dann durch die Region, die inzwischen als die Felder des Blutes bekannt war.</p><p>Gem�� den Anweisungen, die er so verabscheute, versammelte Baine seine Krieger unauff�llig auf ihrer Seite des Gro�en Tores. Schweigend, wie er es ihnen befohlen hatte, standen die Tauren da, und nur das gelegentliche Knarzen einer R�stung oder das Hufscharren eines Kodos durchbrach die Stille. Baine konnte die Anspannung f�hlen, und er fragte sich, ob die Allianz auf der anderen Seite der Mauer sie nicht vielleicht auch wahrnehmen w�rde. Er hatte mehrere Sp�her vorgeschickt, um sicherzugehen, dass sie die Kundschafter der Allianz mit ihrem Angriff �berraschen w�rden. Sie waren alle mit der Nachricht zur�ckgekehrt, dass zu dieser Stunde nur wenige Wachen ihrer Feinde patrouillierten. Zwei Tauren, wohl darauf bedacht, unbemerkt zu bleiben, kletterten von den Aussichtsplattformen herab und eilten davon, um tiefer im Feindesland die Lage auszukundschaften. Sie konnten im Dunkel besser sehen als die Menschen, und davon abgesehen waren ihre Feinde oft dumm genug, die Lagerfeuer auch nachts brennen zu lassen.</p><p>�Oberh�uptling�, sagte einer der zur�ckgekehrten Sp�her, indem er seine Stimme m�hsam zu einem Fl�stern senkte. �Die Trolle � sie sind �berall in den H�geln. Und warten nur auf Euren Befehl.�</p><p>�Den Feuern nach zu schlie�en, sind zurzeit nicht mehr Menschen in der N�he als sonst�, erkl�rte ein anderer. �Sie rechnen nicht mit einem Angriff.�</p><p>Angesichts dessen, was er nun tun musste, schmerzte Baines Herz. �Macht Meldung bei Vol�jin und sagt ihm, dass seine Leute angreifen k�nnen. Sobald sie die Allianz in ein Gefecht verstrickt haben, werden wir das Gro�e Tor �ffnen und ihnen mit unseren eigenen Waffen den Rest geben.�</p><p>Der Sp�her nickte, wandte sich um und rannte den H�gel hinauf bis zu der Stelle, wo ihn die Mauer kreuzte. Baine lie� seinen Blick derweil �ber die versammelte Menge der Tauren schweifen, deren Umrisse im Licht der wenigen Fackeln aber kaum auszumachen waren. Da standen mehrere Dutzend Krieger und noch zahlreiche andere versammelt, die wichtige Pflichten erf�llen w�rden, sobald der Kampf in ein paar Sekunden begann: Druiden, Schamanen, Heiler und andere K�mpfer aller Arten.</p><p>Er hob den Arm, sodass die anderen ihn auch sehen konnten, und wartete. Sein Herzschlag beschleunigte sich: eins, zwei, drei �</p><p>Da erschallten die blutd�rstigen Kampfschreie der Trolle. Sie griffen an. Baines Arm sauste nach unten, und w�hrend auf der anderen Seite des Tores das Klirren von Waffen, die trotzigen Rufe der Menschen und das dumpfe Donnern einer Balliste h�rbar wurde, erklang auf dieser Seite das Grunzen und St�hnen der beiden Tauren, die, w�hrend ihre st�mmigen K�rper vor Anstrengung zitterten, an den dicken Tauen zerrten. Und dann �chzte das Tor.</p><p>Die Soldaten der Nordwacht waren v�llig �berrumpelt, als die Taurenkrieger aus dem Spalt hervorst�rmten und sich br�llend ins Kampfget�mmel warfen. Die Menschen und Zwerge hatten nicht den Hauch einer Chance; sie waren ihren felltragenden und gr�n- oder blauh�utigen Gegnern zahlenm��ig weit unterlegen. Ihre Waffen mochten zwar gef�hrlich sein, aber man musste sie doch erst ausrichten und vorbereiten. Bei ihrer verzweifelten und zum Scheitern verurteilten Gegenwehr hatten sie weder f�r das eine noch f�r das andere Zeit.</p><p>Ein leichtsinniger Soldat st�rmte auf Baine selbst zu und br�llte dabei: �F�r die Allianz!� Sein schlichtes Schwert war nicht mehr als milit�rische Standardausr�stung � und zerbrach, als Baine seinen Streitkolben schwang. Die Klingenspitze flog davon und blitzte noch kurz im schwachen Licht auf, bevor sie von den Schatten verschluckt wurde. Aber da hatte der Taure bereits ein zweites Mal ausgeholt. Der Kettenpanzer des Menschen bot ihm keinerlei Schutz gegen die stumpfe Waffe, und sein K�rper wurde von der Wucht des Hiebes durch die Luft geschleudert.</p><p>Hier und da ert�nten noch ein paar Rufe von Tauren und Trollen, dann verstummte das Klirren der Waffen.</p><p>�Trolle, haltet ein!�, befahl Vol�jin.</p><p>�Tauren, zu mir!�, donnerte Baine.</p><p>Kurze Zeit herrschte Stille, dann erf�llten Triumphschreie die Nachtluft. Baine blickte sich um. Es war vorbei, nur ein paar Augenblicke, nachdem es �berhaupt begonnen hatte.</p><p>�Ein gutes Vorzeich�n f�r den Angriff�, erkl�rte Vol�jin.</p><p>Es dauerte nicht lange, ein paar Sp�her auszuw�hlen, die den Weg voraus auskundschaften sollten, w�hrend sich der Rest der Armee aus Tauren und Trollen neu formierte und zum Marsch gegen die Feste Nordwacht aufbrach. Vol�jin lenkte seinen Raptor neben Baines Kodo, als sie sich in Bewegung setzten.</p><p>�Nachdem wir Orgrimmar wieder verlieߒn�, erz�hlte der Troll, �sind einige der Orcs, die nickt�n, als der alte Etrigg seine Meinung zum besten gab � von der Bildfl�che verschwund�n.�</p><p>Es war, als w�rde ein Stromschlag durch Baines K�rper jagen. �Garrosh l�sst die Leute <emphasis>hinrichten</emphasis>, die eine andere Meinung haben?�</p><p>�So weit ist es noch nich�. Aber die Kor�kron und vor allem dieser grauh�utige Kerl, die schleich�n durch die Straߒn und wart�n nur drauf, dass sie was h�r�n, was ihnen nich� gef�llt, und dann � na ja, dann sperr�n sie die �belt�ter sofort ein. Manchen Orcs statt�n sie auch �berraschungsbesuche ab. Dieser Pilzverk�ufer zum Beispiel, der musste seinen Laden f�r ein paar Tage schlieߒn, und als er sich wieder zeigte, war er gr�n und blau, so als w�r er in �ne Schl�gerei gerat�n und h�tt ordentlich was eingesteckt. Tja, und dann gibt�s noch die � die gar nich� mehr auftauch�n.�</p><p>�Politische Gefangene?�</p><p>Vol�jin nickte. �Wir Trolle halten lieber gleich ganz den Mund.�</p><p>Baine schnaubte. �Vielleicht, wenn jemand Garrosh erz�hlen w�rde, was die Kor�kron da treiben � er ist ein Hitzkopf � aber sicher w�rde er nie den Befehl zu so etwas geben.�</p><p>Vol�jin stie� einen abf�lligen Laut aus und winkte mit seinem langen Arm ab. �Niemand kommt an Garrosh ran. Ich hab� geh�rt, dass sogar Etrigg ihn nur noch sieht, wenn Garrosh gerade der Sinn danach steht, und dann ist der H�uptling immer von sein�n Leibw�chtern umgeb�n. Die ganze Zeit posaunt er: �Die Horde kann dies, die Horde kann das� � so voller Zuversicht, obwohl es eigentlich gar kein�n Grund daf�r gibt. Ich wei� nich�, ob er wirklich wei�, was da um ihn rum passiert, aber ich kann auch nich� mit Bestimmtheit sagen, dass er�s nich� wei�. Sei es, wie es sei � ich hab� dieser Tage jedenfalls mehr Angst vor Orgrimmar als vor dem d�sterst�n Voodoo.�</p><p>�Dann � kann ihn niemand aufhalten. Wenn man nicht zu ihm durchdringen, nicht vern�nftig mit ihm reden kann, dann wird dieser Wahnsinn immer weiter um sich greifen.�</p><p>�So sieht�s aus, mein Freund.�</p><p>Baine brummte leise, w�hrend er zu seinen Truppen blickte. Eine Idee nahm in seinem Kopf Gestalt an. Sie war tollk�hn, sie war gewagt, und sie k�nnte ihn seinen Kopf kosten.</p><p>Doch sie mochte das Volk der Tauren retten.</p><p>Vielleicht sogar die ganze Horde.</p><empty-line/><p>�Warum nur k�nnen wir nichts finden?�</p><p>Die Worte kamen wie aus eigenem Willen �ber Jainas Lippen, und sie w�nschte sie zur�ck in ihren Mund, kaum dass sie sie ausgesprochen hatte. Kalec, Tervosh und Kinndy � Letztere war inzwischen wieder aus Dalaran zur�ckgekehrt, im Gep�ck zwei Truhen voller Schriftrollen, magischer Gegenst�nde und B�cher, die die Kirin Tor f�r n�tzlich hielten � blickten alle von den W�lzern hoch, in die sie vertieft gewesen waren, und starrten sie an.</p><p>Sie biss sich auf die Lippe. �Tut mir leid�, sagte sie. �Ich � bin normalerweise nicht so unbeherrscht.�</p><p>Tervosh setzte ein g�tiges L�cheln auf. �Nein, Lady, das seid Ihr wirklich nicht�, meinte er. �Aber dies hier ist ja auch keine normale Situation.�</p><p>F�r gew�hnlich war sie ebenso idealistisch wie pragmatisch. Arthas hatte sie seinerzeit als �praktisch denkend� bezeichnet, und genau diese Kombination war es, die sie zu einer so talentierten Magierin machte. Ihr neugieriger Geist kreiste so lange methodisch um ein Problem, bis sie die L�sung fand, und diese Einstellung erwies ihr auch bei ihren diplomatischen Pflichten gute Dienste. W�hrend sie sich n�mlich einerseits Gedanken �ber den Ausgang ihrer Arbeit machte, arbeitete sie gleichzeitig beharrlich auf ihr Ziel hin, mit Betonung auf <emphasis>arbeiten</emphasis>. Es war nicht ihre Art, einfach mit dem Fu� aufzustampfen und so quengelnde Fragen zu stellen wie <emphasis>Warum k�nnen wir nur nichts finden?</emphasis></p><p>�Der Erzmagier hat recht�, meinte Kalecgos. �Wir stehen alle unter einem gro�en Druck. Vielleicht sollten wir eine kurze Pause einlegen.�</p><p>�Wir haben schon f�rs Mittagessen eine Pause gemacht�, entgegnete Kinndy.</p><p>�Aber das war vor vier Stunden�, erinnerte Kalec sie. �Seitdem haben wir uns nicht mehr gestreckt oder uns bewegt oder sonst irgendetwas getan, au�er in B�cher zu starren. Vielleicht sind unsere Sinne inzwischen schon so abgestumpft, dass wir es nicht einmal registrieren w�rden, wenn wir auf einen n�tzlichen Hinweis stie�en.�</p><p>Jaina rieb sich die schmerzenden Augen. �Ich entschuldige mich noch einmal. Ich glaube, Kalec k�nnte gerade den Grund daf�r beschrieben haben, warum wir noch nicht f�ndig geworden sind.� Sie sprach ganz betont, um den anderen zu zeigen, dass sie wusste, wie sie eben geklungen hatte.</p><p>�Ich glaube nicht, dass ��, begann Kinndy.</p><p>�Du bist jung�, sagte Tervosh. �Du brauchst keine Pausen. Wir alten Leute hingegen m�ssen uns hin und wieder ausruhen. Falls du also weiter diese Dokumente durchforsten m�chtest, nur zu, aber ich werde jetzt ein wenig im Garten arbeiten. Da gibt es noch ein paar Kr�uter, die gepfl�ckt werden wollen.�</p><p>Er erhob sich, und als er mit der Hand gegen sein Kreuz dr�ckte, erklang ein deutliches Knacken. Jaina wusste, dass auch ihre Knochen knirschen w�rden, wenn sie nach den endlosen Stunden des Sitzens aufstand. Sie und Tervosh waren keine �alten Leute�, wie er scherzhaft gesagt hatte, aber die scheinbar unerm�dliche Energie der Jugend, die sie durch die schwierigen Zeiten der Seuche und des Krieges mit den D�monen getragen hatte, schien sie nun, da sie die Drei�ig erreicht hatte, verlassen zu haben.</p><p>�M�chtet Ihr mich vielleicht ein wenig herumf�hren?� Kalecs Frage schnitt in ihre Gedanken.</p><p>Sie blinzelte. �Oh! Ja, nat�rlich!� Sie erhob sich und versuchte, ihre Scham dar�ber zu verbergen, dass man sie beim Tagtr�umen ertappt hatte. �Ich bin sehr stolz auf die Ordnung und die Harmonie, die hier in Theramore herrschen. Der Kataklysmus hat die Stadt zwar besch�digt, aber wir haben sie entschlossen wiederaufgebaut.�</p><p>Sie stiegen die lange, geschwungene Treppe von Jainas Turm hinab und traten dann in einen �berraschend sonnigen Tag hinaus. Lady Prachtmeer nickte erst den Wachen zu, die zackig vor ihr salutierten, und dann Leutnant Aden, der auf seinem Pferd sa�. Kalecgos blickte sich mit offenem Interesse um.</p><p>�Dort dr�ben liegt die Wehrzitadelle�, erkl�rte Jaina. Als sie weitergingen, sahen sie rechts von sich einen �bungsplatz, auf dem die Wachen von Theramore gegen Attrappen �k�mpften�, und das dumpfe Ger�usch, mit dem ihre Schwerter gegen das Holz stie�en, begleitete die beiden kurze Zeit, bevor das Klirren von Stahl gegen Stahl, das von links herbeischallte, es �bert�nte. Dort trainierten die jungen Rekruten an der frischen Luft, w�hrend ihre Kommandanten ihnen Befehle zubr�llten und Priester sie aufmerksam be�ugten, dazu bereit, vom Heiligen Licht zu zehren, um jeden zu heilen, der sich verletzte.</p><p>�Das ist ziemlich � martialisch�, kommentierte Kalec.</p><p>�Auf einer Seite der Stadt befindet sich der Zugang zu einem �u�erst gef�hrlichen Sumpf, und auf der anderen liegt das Meer�, sagte Jaina. Sie setzten ihren Spaziergang fort, und die �benden Soldaten verschwanden au�er Sicht, als sie ein Gasthaus passierten. �Es gibt viel, wogegen wir uns verteidigen m�ssen.�</p><p>�Ihr sprecht sicher von der Horde.�</p><p>Sie warf ihm einen bedeutsamen Blick zu. �Wir sind zwar die gr��te milit�rische Macht der Allianz auf diesem Kontinent, aber, um ehrlich zu sein, wir machen uns mehr Sorgen um wilde Tiere und verschiedene zwielichtige Gestalten.�</p><p>Kalec hob die Hand vor seine Brust und riss die Augen in gespieltem Schrecken auf. Jaina l�chelte. �Keine Sorge. Die einzigen Drachen, mit denen ich �rger habe, sind die schwarzen Drachen im Sumpf�, erkl�rte sie. �Die Horde l�sst uns in Ruhe, solange wir auch auf Distanz bleiben. Das ist eine �bereinkunft, mit der ich leben kann, selbst dann noch, wenn viele das nicht verstehen wollen.�</p><p>�Dr�ngt die Allianz auf einen Krieg?�, fragte Kalec leise, und Jaina schnitt eine Grimasse.</p><p>�Ah, da habt Ihr einen wunden Punkt getroffen�, sagte sie. �Lasst uns sp�ter dar�ber sprechen. Wie ergeht es denn dem blauen Schwarm, Kalec? Die meisten Magier hassen ihn, so wie Kinndy es tat, aber ich wei�, dass Ihr viel durchleiden musstet. Erst den Nexuskrieg, dann habt Ihr einen neuen Aspekt gesucht und wieder verloren, und jetzt dieser Diebstahl ��</p><p>�Nun habt <emphasis>Ihr</emphasis> einen wunden Punkt ber�hrt�, entgegnete Kalec, doch seine Stimme klang sanft.</p><p>�Verzeiht�, entschuldigte sich Jaina. Ihr Weg f�hrte sie aus der Stadt hinaus, wo das Kopfsteinpflaster weniger gepflegt und der Boden leicht schlammig war. �Ich wollte Euch nicht beleidigen. Seht mich nur an � und ich soll eine Diplomatin sein.�</p><p>�Ich f�hle mich nicht beleidigt. Au�erdem zeichnet es einen guten Diplomaten aus, dass er deutlich erkennt, was sein Gegen�ber besch�ftigt�, bemerkte Kalec. �Es war in der Tat schwer f�r uns. So viele Zeitalter geh�rten wir zu den m�chtigsten Wesen in Azeroth. Wir allein hatten die Aspekte, die �ber unsere Schw�rme und die ganze Welt wachten. Selbst die niedersten unserer Rasse lebten so lange, dass wir Euch unsterblich erscheinen mussten, und wir hatten F�higkeiten, die vielen Drachen ein Gef�hl der �berlegenheit gaben. Todesschwinge hat uns gelehrt � wie lautet noch gleich die Wendung, die Ihr Menschen benutzt? �, kleinere Kuchen zu backen.�</p><p>Jaina musste an sich halten, um nicht zu kichern. �Ich glaube, der richtige Ausdruck ist �kleinere Br�tchen�.�</p><p>Leise lachte er. �Es scheint, obwohl ich die j�ngeren Rassen mehr sch�tze als die meisten meiner Br�der, habe ich doch noch viel zu lernen.�</p><p>Jaina winkte ab. �Menschliche Umgangssprache geh�rt sicher nicht zu den wichtigsten Dingen, die Ihr lernen m�sst�, entgegnete sie.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte sagen, dass ich im Augenblick nichts Wichtigeres zu tun h�tte�, erwiderte Kalec, und damit wurde er wieder ernst.</p><p>�Halt!�, rief da eine schneidende Stimme. Als sich ihnen mehrere Wachen mit gez�ckten Schwertern und �xten n�herten, blieb Kalecgos stehen und blickte Jaina �berrascht an. Doch dann hob die Lady den Arm, und da erkannten die Uniformierten sie. Hastig steckten sie ihre Waffen wieder fort und verbeugten sich, w�hrend einer von ihnen, ein hellhaariger, b�rtiger Mann, vor ihr salutierte.</p><p>�Lady Jaina�, sagte er. �Man hatte mir nicht gesagt, dass Ihr und Euer Gast hierherk�met. W�nscht Ihr, dass Euch eine Eskorte begleitet?�</p><p>Die beiden Magier tauschten einen leicht am�sierten Blick. �Danke, Hauptmann Wymor! Ich wei� das Angebot zu sch�tzen, aber ich glaube, dieser ehrenwerte Herr ist durchaus in der Lage, mich zu besch�tzen�, erkl�rte Jaina, ohne eine Miene zu verziehen.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Mylady.�</p><p>Kalec wartete, bis sie au�er H�rweite der Wachen waren, bevor er mit ganz und gar ernster Stimme bemerkte: �Ich wei� nicht, Jaina; vielleicht bin ich derjenige, der gerettet werden muss.�</p><p>�Nun, dann werde ich eben <emphasis>Euch</emphasis> retten�, erwiderte Jaina, deren Gesicht jetzt ebenso ernst war wie seines.</p><p>Kalec seufzte. �Das tut Ihr doch schon�, murmelte er leise.</p><p>Sie blickte ihn an, die Stirn in Falten. �Ich helfe Euch�, erkl�rte sie. �Aber ich rette Euch nicht.�</p><p>�Auf gewisse Weise schon. Und nicht nur Ihr, Jaina. Ihr alle. Wir � wir sind nicht mehr das, was wir einmal waren. Alles, was ich will, ist, meinen Schwarm zu besch�tzen und mich um ihn zu k�mmern.�</p><p>Da verstand Jaina pl�tzlich. �So, wie Ihr Anveena besch�tzen wolltet.�</p><p>Ein Muskel an seiner Wange zuckte, doch er hielt in seinen Schritten nicht inne. �Ja.�</p><p>�Ihr habt sie nicht im Stich gelassen.�</p><p>�Doch, das habe ich getan. Sie wurde gefangen genommen und benutzt.� Kalecs Stimme war rau vor Zorn auf sich selbst. �Durch sie wollte man Kil�jaeden zur�ck nach Azeroth bringen. Und ich konnte sie nicht retten.�</p><p>�Falls ich richtig unterrichtet bin, hattet Ihr keinen Einfluss auf diese Ereignisse�, erwiderte Jaina mit sanfter Stimme. Sie wollte sich langsam vorarbeiten, denn sie war nicht sicher, wie viel Kalecgos mit ihr teilen w�rde. �Ihr wart selbst von einem Schreckenslord befallen, und nachdem Ihr Euch von dieser grausigen Existenz befreit hattet, seid Ihr sogleich zu ihr geeilt.�</p><p>�Aber ich konnte nichts tun. Ich konnte nicht verhindern, dass sie ihr Leid zuf�gten.�</p><p>�Oh, doch, das habt Ihr�, sagte Jaina, die das Thema nicht auf sich beruhen lassen wollte. �Ihr habt Anveena erlaubt, das zu werden, was sie wirklich war � der Sonnenbrunnen. Und nur durch Eure Liebe und ihren Mut konnte Kil�jaeden besiegt werden. Ihr seid selbstlos genug gewesen, ihr nicht ihr Schicksal zu verwehren.�</p><p>�Und es war den Aspekten vorbestimmt, ihre M�chte f�r den Sieg �ber Todesschwinge zu opfern, ich weiߓ, brummte Kalec. �Es ist nicht falsch, was geschah. Aber � es ist hart. Es ist hart, sehen zu m�ssen, wie andere ihre Hoffnung verlieren, und ��</p><p>�Und zu wissen, dass Eure Hoffnung ebenfalls schwindet?�</p><p>Er wirbelte herum und sah sie an. Kurz f�rchtete sie, zu weit gegangen zu sein, aber was sie in seinen Augen sah, war nicht Zorn, sondern Verzweiflung. �Ihr�, begann er, �seid l�ngst nicht so alt wie ich. Wie kann es sein, dass Ihr es versteht, so tief in andere hineinzusehen?�</p><p>Sie h�ngte sich bei ihm ein, als sie weitergingen. �Weil ich mit denselben Problemen ringe.�</p><p>�Warum seid Ihr hier, Jaina?�, fragte er, und ihre goldene Augenbraue wanderte ob der Forschheit dieser Frage nach oben. �Ich habe geh�rt, dass Ihr zu den besten Magiern des Ordens gez�hlt wurdet. Warum seid Ihr nicht in Dalaran? Warum hier, zwischen einem Sumpf und einem Ozean, zwischen der Horde und der Allianz?�</p><p>�Weil jemand hier sein muss.�</p><p>�Wirklich?� Seine Stirn lag in Falten, als er stehen blieb und sie zu sich herumdrehte.</p><p>�Nat�rlich!�, erwiderte sie schroff. Wut stieg in ihr hoch. �<emphasis>Wollt</emphasis> Ihr etwa einen Krieg zwischen der Allianz und der Horde, Kalec? Vertreiben die Drachen sich dieser Tage damit die Zeit? Herumzufliegen und �rger heraufzubeschw�ren?�</p><p>Ihre Worte waren wie ein Schlag, und der Schmerz in seinen blauen Augen zeigte, dass dieser Hieb getroffen hatte. Sie zuckte zusammen. �Es tut mir leid. Ich habe es nicht so gemeint.�</p><p>Kalec nickte. �Was habt Ihr <emphasis>dann</emphasis> gemeint?�, fragte er, doch nun lag kein Zorn mehr in seiner Stimme.</p><p>Stumm starrte sie ihn an. Sie wusste es nicht. Doch dann brachen die Worte aus ihrem Inneren hervor. �Ich wollte nicht mehr Teil des Ordens sein, nachdem Dalaran gefallen war. Nachdem so viele gestorben waren. Nachdem � Antonidas gestorben war. Arthas ermordete ihn, Kalec. Er t�tete so schrecklich viele. Der Mann, von dem ich einst geglaubt hatte, dass ich ihn einmal heiraten w�rde. Den ich geliebt hatte. Ich konnte � konnte dort nicht bleiben. Ich hatte mich ver�ndert, und die Kirin Tor waren auch nicht mehr dieselben. Sie sind nicht einfach nur neutral � Ich glaube, sie schauen auf alle herab, die nicht zu ihnen geh�ren, und vermutlich bemerken sie es nicht einmal. Ich habe aber gelernt, dass man den Frieden nur dann wirklich f�rdern kann, wenn man die Leute auch anerkennt � und zwar alle. Davon abgesehen habe ich ein gewisses diplomatisches Talent, auch wenn ich selbst am allerwenigsten damit gerechnet h�tte�, erkl�rte sie ernst.</p><p>Der Schmerz war wieder von einem g�tigen Gesicht verschwunden, und er hob die Hand, um ihr goldenes Haar zu streicheln, fast so, als w�rde er ein kleines Kind tr�sten. �Jaina?�, fragte er. �Falls Ihr das glaubt � und ich sage nicht, dass Ihr Euch irrt �, warum m�sst Ihr dann noch versuchen, Euch selbst davon zu �berzeugen?�</p><p>Das war es. Er hatte den Dolch in ihr Herz gesto�en, scharf und kalt und dabei so qualvoll, dass sie wie unter einem echten Schlag keuchte. Sie starrte zu ihm hoch, unf�hig, ihren Blick abzuwenden. Die Tr�nen stachen in ihren Augen.</p><p>�Sie wollen nicht auf mich h�ren�, wisperte sie, so leise, dass man es kaum h�ren konnte. �Niemand will auf mich h�ren. Nicht Varian, nicht Thrall und erst recht nicht Garrosh. Ich habe das Gef�hl, allein an einer Klippe zu stehen, und der Wind rei�t mir die Worte von den Lippen, noch w�hrend ich sie ausspreche. Ich sp�re, dass, ganz gleich, was ich tue oder sage, alles � sinnlos ist. Es wird nichts �ndern. Ich � werde nichts �ndern.�</p><p>W�hrend sie sprach, sah sie, wie ein trauriges L�cheln der Verbundenheit Kalecs Lippen streifte.</p><p>�Wir haben also noch etwas gemeinsam, Lady Jaina Prachtmeer�, entgegnete er. �Wir f�rchten, dass wir nichts tun, nicht helfen k�nnen. Dass alles, was wir je getan haben, sinnlos war.�</p><p>Die Tr�nen rannen �ber ihre Wangen, und er wischte sie sachte fort. �Aber eines wei� ich. Diese Dinge unterliegen einem Rhythmus, einem Kreislauf. Nichts bleibt ewig gleich, Jaina. Nicht einmal wir Drachen, die wir so langlebig und angeblich auch so weise sind. Wie sehr m�sst erst Ihr Menschen Euch dann wandeln? Einst seid Ihr eine junge Sch�lerin gewesen, neugierig und strebsam, zufrieden damit, in Dalaran zu leben und Zauber zu erlernen. Dann riss Euch die Welt aus Eurem sicheren Heim heraus. Ihr habt Euch ver�ndert. Ihr habt �berlebt, und in Eurer neuen Rolle als Diplomatin seid Ihr aufgebl�ht. Noch immer gab es Fragen und Herausforderungen, doch nun waren sie von einer anderen Art. Und so habt Ihr einen Nutzen erf�llt. Diese Welt �� Er sch�ttelte den Kopf und blickte zum Himmel hoch. �Diese Welt ist nicht mehr das, was sie einmal war. <emphasis>Alles, jeder</emphasis> hat sich ver�ndert. Hier � lasst mich Euch etwas zeigen.�</p><p>Er hielt die Hand in die H�he, und als sich seine langen, gelenkigen Finger bewegten, stob arkane Energie von ihren Kuppen. Sie formte einen wirbelnden Ball, der vor ihnen in der Luft schwebte.</p><p>�Seht Euch das an�, forderte er sie auf.</p><p>Jaina betrachtete den Ball, und als sie ihre t�richten Tr�nen � wo kamen sie �berhaupt her? � niederzwang, wurden die Muster darauf klarer. Einen Moment lang fragte sie sich, gleicherma�en verbl�fft und fasziniert, ob sie wirklich eine Kugel aus Energie betrachtete oder doch eher einen gnomischen Schaltplan. Zeichen und Symbole huschten umher, dann flossen sie zusammen und ordneten sich in einer bestimmten Formation an.</p><p>�Es ist � wundersch�n�, hauchte sie.</p><p>Kalec spreizte die Finger und schob seine Hand durch den Ball. Als w�re es ein Nebelgespinst, das er aufgewirbelt hatte, wallte die Kugel auseinander, allerdings nur, um sich auf neue Weise zusammenzusetzen. Sie ver�nderte ihr Aussehen unabl�ssig, ein Kaleidoskop der Magie, voller pr�ziser Muster und Anordnungen.</p><p>�Versteht Ihr, Jaina?�, fragte er. Weiterhin starrte sie wie hypnotisiert auf diesen wundersamen Ball, dessen Muster sich anordneten, zerbrachen und eine neue Form annahmen.</p><p>�Das � ist mehr als ein Zauber�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Er nickte. �Es ist das, woraus Zauber gemacht sind.�</p><p>Einen Moment lang verstand sie nicht, was es bedeuten sollte. Bei Zaubern ging es um Spr�che, Gesten, manchmal auch um Reagenzien � und dann traf sie die Erkenntnis mit einer solchen Wucht, dass sie beinahe gestolpert w�re.</p><p>�Es ist � <emphasis>Mathematik</emphasis>!�</p><p>�Gleichungen. Theoreme. Ordnung�, best�tigte Kalec zufrieden. �Auf eine Weise verbunden, bedeuten sie das eine � doch setzt man sie anders zusammen, stehen sie f�r etwas vollkommen anderes. Sie sind immer gleich und doch stets anders, so wie das Leben. Alles ver�ndert sich, Jaina, ob nun durch �u�ere Einfl�sse oder von innen heraus. Und manchmal reicht eine winzige �nderung in der Gleichung schon aus.�</p><p>�Dann � sind wir also auch Magie�, fl�sterte Jaina. Sie riss die Augen von dem unbeschreiblich sch�nen Wirbel aus lyrischer, poetischer Mathematik los und setzte zu einer Frage an.</p><p>�Lady Jaina!�</p><p>Der Ruf erschreckte sie beide, und als sie sich umdrehten, sahen sie Hauptmann Wymor auf einem rotbraunen Pferd herbeireiten. Er zerrte so hart an den Z�geln, dass sich das Tier aufrichtete und auf das Zaumzeug biss.</p><p>�Hauptmann Wymor, was ��, begann Jaina, bevor ihr die Wache das Wort abschnitt.</p><p>�Die Leidende ist mit Neuigkeiten zur�ckgekehrt�, berichtete er, nach dem kurzen, aber gehetzten Galopp noch keuchend. �Die Horde � sie sammelt sich. Ihre Truppen sind von Orgrimmar und Ratschet aus losgezogen, ebenso von Mulgore. Es sieht aus, als w�rden sie alle auf die Feste Nordwacht zumarschieren!�</p><p>�Nein�, keuchte Jaina, und ihr Herz, gerade eben noch von der Sch�nheit der Erkenntnis befl�gelt, die Kalecgos mit ihr geteilt hatte, wurde ihr schwer in der Brust. �Bitte, nein � nicht jetzt � nicht jetzt!�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Korporal Teegan hatte sein Expeditionslager am Rande der mysteri�sen, dschungelartigen �berwucherung aufgeschlagen, die scheinbar �ber Nacht aus dem Boden gesprossen war. Nun war die Reihe am alten Pete, Wache zu halten. Obwohl er normalerweise, nun ja, eigentlich beinahe st�ndlich, einen Krug Bier zu sch�tzen wusste, war der wei�b�rtige Zwerg doch schlau genug, seine Aufgabe ernst zu nehmen. Seit Anbruch der Nacht hatte er keinen Tropfen mehr getrunken, und jetzt n�herte sich bereits die Morgend�mmerung.</p><p>Er streichelte seine Donnerb�chse � die er liebte, obwohl sie in letzter Zeit ein wenig unberechenbar geworden war (h�mische Zungen h�tten vermutlich behauptet, dass der alte Pete unberechenbar war, nicht sein Gewehr) � und seufzte. Bald w�re seine Schicht vorbei, und dann k�nnte er endlich diesen Kirschgrog anstechen, den er sich aufgespart hatte �</p><p>Irgendetwas raschelte im Unterholz. Der alte Zwerg stand auf, schneller als es ihm die meisten Leute wohl zugetraut h�tten. Da drau�en gab es alle m�glichen Arten von Tieren, die ihn angreifen konnten. Raptoren, Ebenenschreiter oder diese gro�en, h�sslichen Blumen- oder Moosdinger �</p><p>Eine Frau, in einen �berrock gekleidet, auf dem ein goldener Anker zu sehen war, stolperte aus den B�schen, starrte ihn einen Moment an und brach zusammen. Pete konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie auf dem Boden landete.</p><p>�Teegan!�, r�hrte er. �Wir haben ein Problem!�</p><p>Ein paar Sekunden sp�ter bem�hte sich eine der Wachen bereits, die Wunden der jungen Sp�herin zu verbinden. Aber es war offensichtlich, dass es das kleine Fr�ulein nicht schaffen w�rde, wie Pete traurig erkannte. Ihre H�nde griffen wild um sich, und als sich Hannah Br�ckwasser �ber sie beugte, packte die Sp�herin ihren Arm.</p><p>�H-horde�, �chzte sie. �T-tauren. Haben das Tor ge�ffnet. Ziehen nach Westen. Ich glaube � zur Nordwacht ��</p><p>Ihre Augen klappten zu, und ihr Kopf mit dem schwarzen, vor Blut ganz matten Haar sank schlaff nach hinten gegen Petes breite Brust. Betreten t�tschelte er ihre Schulter.</p><p>�Hast deine Nachricht �berbracht, Kleines�, sagte er. �Gut gemacht. Jetzt ruh dich aus, ja.�</p><p>Teegan, der nach Petes Ruf herbeigeeilt war, warf ihm einen w�tenden Blick zu. �Sie ist tot, du Idiot.�</p><p>Mit sanfter Stimme meinte Pete: �Ich wei�, Freund. Ich wei� ja.�</p><p>Zwei Minuten sp�ter rannte die Schnellste von ihnen, Hannah, los, so rasch ihre langen, starken Beine sie trugen, nach Osten zur Nordwacht, und sie betete zum Licht, sie m�ge doch noch rechtzeitig dort ankommen.</p><empty-line/><p>Admiral Tarlen Aubrey erwachte, wie gew�hnlich, noch bevor es hell wurde. Er stand ohne Umschweife auf, streifte seine Kleider �ber und rasierte sich. Als er dabei seine eigenen Augen im Spiegel sah, fielen ihm die dunklen Ringe darunter auf, und er zog die Brauen zusammen, w�hrend er behutsam den Bart stutzte, das einzige physische Zugest�ndnis an die Eitelkeit, das er sich gestattete. In den letzten Tagen schien sich der Donnerschreiclan � oder was noch davon �brig war � neu zu formiert zu haben. Es war zu mehreren Scharm�tzeln gekommen, und wie ihm mitgeteilt worden war, hatten einige der Orcs dabei Beleidigungen gebr�llt in der Art von �Die Allianz wird bekommen, was sie verdient hat�. Andere hatten trotzige Kommentare abgegeben, w�hrend sie starben, etwa, dass ihr Tod ger�cht werden w�rde.</p><p>Doch das war nichts allzu Au�ergew�hnliches. Nach Aubreys Erfahrung gab es fast keinen Orc, der nicht zuversichtlich und �berheblich war, erst recht nicht beim Donnerschreiclan. Doch er w�re nicht zu seiner gegenw�rtigen Position aufgestiegen, w�rde er solche m�glichen Gefahren nicht ernst nehmen. Dass sich die Donnerschreiorcs nach ihrer Niederlage wieder gesammelt hatten, war merkw�rdig, und er wollte herausfinden, was es damit auf sich hatte. Darum hatte er Spione ausgesandt, die �berpr�fen sollten, ob sich die Horde tats�chlich auf einen Krieg vorbereitete, vor allem aber, ob sie vorhatte, gegen die Nordwacht zu ziehen. Bislang hatte keiner von ihnen Bericht erstattet; es war noch zu fr�h.</p><p>Nachdem Aubrey gefr�hst�ckt hatte � eine Banane und eine Tasse starken Tees �, war es Zeit f�r seinen gewohnheitsm��igen Rundgang. Er nickte Signaloffizier Nathan Blaine zu, der trotz der fr�hen Stunde zackig salutierte, dann blickten die beiden M�nner gemeinsam auf das Meer hinaus. Die Morgenr�te zeigte ihre ganze Pracht und tauchte den Ozean und den Hafen in mehrere Schattierungen von Rosa, Scharlach- und Karmesinrot, w�hrend die Wolken, die dar�ber schwebten, hier und da mit einem schwachen, goldenen Rand versehen waren.</p><p>�Roter Himmel am Morgen, Seem�nner, macht euch Sorgen�, brummte Aubrey nachdenklich, dann nippte er an seinem Tee.</p><p>�Roter Himmel am Abend, Matrosen, gl�cklich und labend�, beendete Blaine das Sprichwort. �Aber wir sind nicht auf See, Sir.� Er warf dem Admiral ein schiefes, nichtsdestotrotz aber respektvolles Grinsen zu.</p><p>�Wohl wahr�, meinte Aubrey, �aber wir werden immer Seem�nner sein. Halt die Augen offen, Nathan!� Seine eigenen Augen wurden ein wenig schmaler. �Da ist etwas ��</p><p>Er sch�rzte die Lippen und sch�ttelte den Kopf, dann wandte er sich um und stieg rasch zum Fu� des Turms hinunter, ohne den Satz zu beenden.</p><p>�Er ist ein wenig abergl�ubisch, nicht?�, sagte eine Zwergenwache zu Blaine.</p><p>�Vielleicht�, entgegnete Nathan, bevor er sich wieder zur Bucht herumdrehte. �Aber ich m�chte wetten, du trittst auch noch immer mit dem rechten Fu� zuerst aufs Deck, wenn du auf ein Schiff steigst, oder?�</p><p>��hm�, machte der Zwerg, und seine Wangen r�teten sich ein wenig. �Aye. Man muss das Pech ja schlie�lich nicht herausfordern, nicht wahr?�</p><p>Nathan grinste.</p><empty-line/><p>Es war ein Meer aus Gr�n und Braun, das sich in best�ndigem Tempo auf der Goldstra�e durch das n�rdliche Brachland schob, Ratschet entgegen. Die meisten der Orcs waren zu Fu�, aber eine kleine Elite, darunter auch die Kor�kron, Malkorok und der Kriegsh�uptling selbst, ritten auf W�lfen. Einige andere sa�en auf dem R�cken von Kodos, von wo aus sie die Trommeln des Krieges schlugen, die die Erde mit ihrem Donnern zum Vibrieren brachten.</p><p>Die Nachricht, dass die Horde in den Krieg zog, war ihnen nat�rlich vorausgeeilt, und in jedem Dorf, das sie passierten, warteten mehr Leute, um sich dem Marsch auf die Nordwacht anzuschlie�en. Doch auch, wer nicht aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen konnte � und derer gab es wenige; ein paar, die zu alt oder noch zu jung waren und die M�tter von S�uglingen �, eilte herbei, um Garrosh zuzujubeln. Niemand stellte infrage, dass er siegreich sein w�rde.</p><p>Der Kriegsh�uptling, hoch aufgerichtet und stolz auf seinem schwarzen, muskul�sen Wolf, dankte ihnen diesen Jubel, indem er Blutschrei in die H�he reckte. Aber er stieg nur selten von seinem Reittier. Aufgrund seiner gem�chlichen Geschwindigkeit war der Heerzug schon aus der Ferne zu sehen, und die neu hinzukommenden Krieger, Magier, Heiler und Schamanen konnten sich diesem Strom der Horde anschlie�en, ohne dass die Kolonne langsamer werden musste. Als sie das Wegekreuz hinter sich gelassen hatten, wo ihre Zahl weiter angestiegen war, lenkte Malkorok sein Reittier neben Garrosh. Er schlug sich zum Gru� gegen die Brust, und der H�uptling nickte best�tigend.</p><p>�Irgendwelche Neuigkeiten?�, fragte er.</p><p>�Scheint, als w�re Baine uns gegen�ber wirklich loyal, zumindest f�r den Augenblick�, teilte ihm Malkorok mit. �Er und die Trolle haben die Sp�her der Allianz am Gro�en Tor niedergemetzelt und marschieren nun nach Osten zur Nordwacht, genau so, wie sie es versprochen haben.�</p><p>Garrosh drehte den Kopf zu dem Schwarzfelsorc herum. �Deine Wachsamkeit ist bewundernswert, Malkorok�, sagte er. �Sicher erkennst du nun, dass ich Baine in der Hand habe. Er ist seinem Volk verpflichtet und w�rde nie seine Sicherheit aufs Spiel setzen. Ich habe keine derartigen Skrupel, wenn es um die Tauren geht, und das wei� er. Sein Besch�tzerinstinkt ihnen gegen�ber ist gleicherma�en bewundernswert und verachtungsw�rdig. Und�, f�gte er hinzu, �n�tzlich ist er auch.�</p><p>�Trotzdem � hat er offen das Wort gegen Euch erhoben�, grollte Malkorok.</p><p>�Ja�, erwiderte Garrosh. �Aber wenn er gebraucht wird, nimmt er seine Pflicht wahr. Genau wie Vol�jin, Lor�themar und Sylvanas.�</p><p>�Und Gallywix.�</p><p>Garrosh verzog das Gesicht. �Er ist nur auf Profite aus und geht dabei so feinsinnig wie ein wild gewordener Kodo vor. Solange er in der Horde seine Tasche f�llen kann, ist er auch loyal.�</p><p>�W�ren doch nur alle unsere Verb�ndeten so berechenbar.�</p><p>�Lass Baine f�rs Erste gew�hren�, sagte Garrosh.</p><p>�Aber ist das nicht die Aufgabe, die Ihr mir gestellt habt, gro�er Kriegsh�uptling?�, erwiderte Malkorok. �Diejenigen aufzusp�ren, die sich Eurer F�hrung widersetzen und sich dadurch zu Verr�tern an der Sache der glorreichen Horde machen?�</p><p>�Aber wenn wir all unsere Verb�ndeten verd�chtigen, werden sie ihr Vertrauen verlieren�, beharrte Garrosh. �Nein, Malkorok. Jetzt ist es an der Zeit, gegen die Allianz zu k�mpfen, nicht gegeneinander. Oh, und was f�r ein Kampf das zu werden verspricht!�</p><p>�Und falls Baine oder Vol�jin oder andere ein Komplott gegen Euch schmieden?�</p><p>�Sollte es handfestere Beweise geben als im Zorn gesprochene Worte, dann hast du nat�rlich wie immer freie Hand � ein Privileg, das du bereits ausgenutzt hast, wie ich wohl wei�.�</p><p>Malkoroks Lippen verzogen sich zu einem L�cheln, das ebenso b�sartig wie h�sslich wirkte.</p><empty-line/><p>Die Schiffe � beladen mit Verlassenen, Blutelfen und Goblins � waren fr�her als geplant in Ratschet eingelaufen, und als er sie sah, konnte Garrosh seine Aufregung nur mit M�he verbergen. Der Hafen der Stadt quoll geradezu �ber vor ihnen, und die brennende Vorfreude des Orcs auf das Blutbad, das nun ohne jeden Zweifel bevorstand, wurde nur durch den Gedanken getr�bt, dass es einige Zeit dauern w�rde, all die Truppen und Vorr�te, nach denen er verlangt hatte, an Land zu bringen. Doch auch dies geh�rte zum Leben eines Kriegsh�uptlings, und wenngleich er diese Aufgaben eher l�stig fand, konnte er doch nichts daran �ndern.</p><p>Trotz des hektischen Treibens am Hafen blieb auch die Ankunft der Orcs nicht unbemerkt, und schon bald erklangen Jubelschreie. Garrosh winkte und stieg von seinem Reittier, als sich drei Gestalten auf ihn zuschoben. Eine von ihnen erkannte er � es war der korpulente und aalglatte Handelsprinz Gallywix. Den anderen, einer Blutelfin und einem Verlassenen, war er jedoch noch nicht begegnet, und als er sie sah, runzelte er die Stirn.</p><p>�Kriegsh�uptling Garrosh!�, rief Gallywix begeistert aus, und mit hell leuchtenden Schweins�uglein streckte er die Arme zum Gru� aus. Bei den Vorfahren!, dachte Garrosh, begleitet von einem stechenden Gef�hl der Abscheu, wollte dieser Goblin ihn etwa <emphasis>umarmen</emphasis>?</p><p>Er beschloss, ihm gar nicht erst die Gelegenheit dazu zu geben, und wandte sich der Blutelfin zu. Sie hatte goldenes Haar, blasse Haut und steckte in einer hellen, gl�nzenden R�stung, die sie als Paladin ihres Volkes auszeichnete. �Wo ist Lor�themar?�, fragte Garrosh ohne Umschweife.</p><p>Ihre vollen Lippen pressten sich ver�rgert zusammen, doch als sie antwortete, erklang ihre Stimme ruhig und angenehm. �Er hat mich geschickt, die Blutelftruppen zu f�hren. Mein Name ist Kelantir Blutklinge. Ich habe mit Lady Liadrin trainiert und diene unter Waldl�ufergeneral Halduron Wolkenglanz.�</p><p>�Doch weder sie ist hier noch er�, brummte Malkorok, w�hrend er sich sch�tzend n�her an Garrosh heranschob. �Stattdessen haben wir hier diesen kleinen, drittklassigen Welpen.�</p><p>Kelantir wandte sich beherrscht zu dem Schwarzfelsorc um. �Ich habe zwei Schiffe voller Blutelfen, die alle bereit und willens sind, f�r die Horde zu k�mpfen und zu sterben�, erkl�rte sie. �Es sei denn, ihr habt schon so viele Soldaten und Vorr�te, dass unser bescheidener Beitrag nicht n�tig ist.�</p><p>Garrosh hatte noch nie sonderlich viel f�r Blutelfen �brig gehabt, und diese Frau bereitete ihm eine G�nsehaut. �Du sollst heute noch Gelegenheit bekommen, den Wert deiner Leute im Kampf zu beweisen�, sagte er. �Gib nur acht, dass du diese Chance nicht vertust.�</p><p>�Meine Leute sind mit Krieg, Schlachten und Opfern durchaus vertraut, Kriegsh�uptling Garrosh�, schnappte Kelantir. �Ihr werdet nicht von uns entt�uscht sein.� Mit diesen Worten machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte zum Hafen zur�ck, wobei ihre Kettenr�stung � <emphasis>ein Wunder, dass sie nicht unter dem Gewicht zusammenbricht, so winzig und d�rr, wie sie ist</emphasis>, dachte sich Garrosh � bei jedem Schritt leise klimperte.</p><p>�Kriegsh�uptling ��, warf einmal mehr Gallywix ein, doch Malkorok brachte den redseligen Goblin mit einem einzigen Blick zum Schweigen, sodass Garrosh seine Aufmerksamkeit dem Verlassenen zuwenden konnte. Der Klinge nach zu schlie�en, die an seiner knochigen H�fte in der Scheide steckte, handelte es sich bei ihm um eine Art Krieger, und er hatte sich so tief verbeugt, dass es beinahe schon unterw�rfig wirkte; ein krasser Gegensatz zu der �berheblichkeit, die die Blutelfin an den Tag gelegt hatte. Er hatte kein Haar � offenbar war es bereits verrottet �, und seine Haut war von der blassgr�nen Farbe des Verfalls.</p><p>�Hauptmann Frandis Farley, mein Herr�, erkl�rte er mit schnarrender, tiefer Stimme. �Im Namen von Sylvanas Windl�ufer befehle ich �ber die Einheiten der Verlassenen. Wir sind hier, der Horde und Euch zu dienen.� Sein Kiefer bewegte sich normal, solange er die Worte formte, danach aber klappte er herunter, als w�re sein Mund in ewiger �berraschung aufgerissen.</p><p>�Und wo ist deine dunkle F�rstin?�, wollte Garrosh wissen.</p><p>Farley hob die Hand, w�hrend seine Augen in einem gelben Schein gl�nzten. �Nun�, begann er in �berraschtem Tonfall, �sie ist nat�rlich bei der Reserve, bereit, das Kommando �ber unsere Truppen zu �bernehmen, wenn wir nach Eurem unausweichlichen Sieg an der Nordwacht gegen Theramore marschieren.�</p><p>Die Antwort war dreist, aber raffiniert, und Garrosh warf lachend den Kopf in den Nacken. �Vielleicht sollten wir dich vorschicken. Ich bin sicher, Lady Jaina w�rde kampflos die Waffen strecken, nachdem du mit ihr gesprochen hast.�</p><p>�Mein Kriegsh�uptling schmeichelt mir. Au�erdem w�rde das die Horde um einen wohlverdienten Sieg bringen, nicht wahr?�</p><p>�Falls du heute mit dem Schwert ebenso geschickt bist wie mit der Zunge, wird dein Kriegsh�uptling mit dir zufrieden sein.�</p><p>�Ich werde mein Bestes geben.� Eine eitrige Fl�ssigkeit hatte sich im Mundwinkel des schlaff herabh�ngenden Kiefers gesammelt und tropfte nun auf die hart gebackene Erde hinab. �Mit Eurer Erlaubnis werde ich mich nun wieder um das Verladen der Fracht k�mmern, die meine Herrin geschickt hat.�</p><p>Nach diesem Gespr�ch f�hlte sich Garrosh etwas aufgeheitert, aber er war noch immer w�tend, dass sowohl Sylvanas als auch Lor�themar Untergebene geschickt hatten, anstatt selbst nach Ratschet zu kommen. Nun hatte er au�erdem keine andere Wahl mehr, als sich Gallywix zuzuwenden. Der Goblin hatte die Maske der zuvorkommenden Hilfsbereitschaft fallen lassen und kaute s�uerlich auf seiner Zigarre herum. Der Zylinder rutschte ihm bei jedem Biss tiefer in die niedrige Stirn.</p><p>�Du, Handelsprinz, scheinst der Einzige zu sein, der nach Ratschet gekommen ist, um seine Krieger selbst in die Schlacht zu f�hren. Das werde ich nicht vergessen.�</p><p>Sofort war die Maske wieder aufgesetzt. �Nun, streng genommen f�hre ich sie nicht in die Schlacht. Ich habe sie auf der Reise hierher �berwacht und sorge daf�r, dass sie richtig ausger�stet sind. Au�erdem k�mmere ich mich darum, dass die Vorr�te, die Ihr verlangt habt, von Bord gebracht werden, falls Ihr versteht ��</p><p>Garrosh klopfte Gallywix auf die Schulter, ohne ihm zuzuh�ren, und ging dann zum Hafen hinunter, wo er sich ein genaueres Bild von den Schiffen und ihrer Ladung machen wollte.</p><p>Auf den ersten Blick erschien diese wie eine seltsame Wahl, denn au�er den warmen Leibern, die in der bevorstehenden Schlacht angestrengt k�mpfen w�rden, beherbergten die Schiffe keine Schwerter, B�gen oder R�stungen, sondern sorgf�ltig gestapelte und mit Seilen ordentlich festgezurrte Holzplanken und Karren mit Felsbrocken.</p><p>Doch Garrosh nickte zufrieden. Er seufzte und dr�ngte seine Ungeduld zur�ck, dann bedeutete er einigen der gr��eren, kr�ftigeren Orcs, den schlanken Blutelfen und den Verlassenen, die nur aus Haut und Knochen bestanden � in einigen F�llen sogar wortw�rtlich �, beim Entladen dieser Fracht zu helfen.</p><p>Bald, vielleicht schon in ein paar Stunden, w�rde die Feste Nordwacht fallen.</p><p>Schlie�lich war es das Schicksal der Horde, diesen Krieg zu gewinnen.</p><empty-line/><p>Als Hannah Br�ckw�sser von einem der Soldaten der Nordwacht aufgehalten wurde, der an der westlichen Stra�e patrouillierte, waren ihre Kleider von ihrem eigenen Schwei� durchn�sst, und ihre Beine zitterten vor Ersch�pfung. Ihre Nachricht wurde sofort an Admiral Aubrey weitergeleitet, und er fluchte mit einem einzelnen harschen Wort, bevor er sich wieder fasste. An den Soldaten gerichtet, der ihm die Botschaft �berbracht hatte, sagte er: �Gib allen Bescheid. Sie sollen sich auf eine Schlacht vorbereiten. Die Tauren und die Trolle n�hern sich aus dem Westen. Verst�rkt die Verteidigungsanlagen auf dieser Seite und ��</p><p>�Sir!�, keuchte Blaine. Er stand neben Aubrey, die Augen auf den Signalgeber gerichtet, der unten am Hafen wie wild mit seinen Flaggen wedelte. �Schiffe der Horde segeln von Ratschet aus hierher � sechs St�ck! Voll bewaffnete Kriegsschiffe!�</p><p>�<emphasis>Sechs!</emphasis>�</p><p>�Aye, Sir.� Blaine streckte den Hals, um weitere Mitteilungen abzuwarten, dann sagte er: �Sie scheinen die Zeichen von � Goblins, den Verlassenen und Blutelfen zu tragen!�</p><p>Aubrey antwortete nicht. Erst Trolle und Tauren, und nun die Verlassenen, die Sin�dorei und die Goblins. Fehlten nur noch �</p><p>�Orcs�, schnappte er. �Sag Dockmeister Lewis, er soll ein paar Sp�her nach Ratschet schicken. Sie werden sich am Donnerschreiclan vorbeischleichen m�ssen, aber daran sollten sie inzwischen ja gew�hnt sein.� Sofort, als er das Wort �Tauren� geh�rt hatte, h�tte ihm klar sein m�ssen, dass sie nicht allein kommen w�rden. Die Tauren h�tten niemals einen Angriff forciert, nicht, nachdem der verstorbene General Hawthorne daf�r gesorgt hatte, dass die Zivilisten von Camp Taurajo unbehelligt abziehen durften. Das war nicht ihr Stil.</p><p>Er h�tte wissen sollen, dass die eigentliche Bedrohung aus dem Norden kam. Aus Orgrimmar.</p><p>Was die Kriegsschiffe mit den anderen Rassen der Horde betraf � �Sag den Kanonieren Whessan und Smythe, sie haben Feuererlaubnis, sobald diese Schiffe in Reichweite kommen. Wir werden nicht zulassen, dass ihre Truppen hier landen.�</p><p>�Aye, Sir.�</p><p>Aubreys Gedanken rasten. Welche Strategie verfolgten die Orcs? Die Tauren und Trolle w�rden sich auf dem Land n�hern, ja, und die anderen Rassen auf dem Seeweg � ja. Doch es war ausgeschlossen, dass Hunderte von Orcs in einem geballten Sturm aus dem Norden gezielt gegen die Feste Nordwacht losschlugen. Die Donnerschreiorcs waren ihm ein l�stiges �bel, gewiss, aber sie hatten noch bei keinem ihrer Angriffe gen�gend Krieger mobilisieren k�nnen. Ihre St�tzpunkte waren kaum mehr als kleine, vorstechende Inseln zwischen der Feste und Ratschet. Wie k�nnte eine Armee von �</p><p>Er sp�rte das Ger�usch, bevor er es h�rte. Es war kein Kanonenfeuer; beim Licht, dieses Ger�usch hatten sie w�hrend der letzten Monate nur zu oft geh�rt. Dies hier war anders � ein tiefes Beben in der Erde. Eine Sekunde lang glaubten Aubrey und mit ihm die meisten der anderen, deren Nerven nach dem Kataklysmus noch immer blank lagen, dass es ein weiteres Erdbeben w�re. Doch es kam zu gleichm��ig, zu � rhythmisch �</p><p>Trommeln. Kriegstrommeln.</p><p>Er griff nach dem Fernrohr, das von seiner H�fte hing, hastete zur Mauer des Turms hin�ber und blickte nach Norden. Bislang hatten sie immer nur versprengte Donnerschreiorcs gesehen, die am Fu�e der Festung herumschlichen und manchmal auch die Soldaten der Nordwacht in leichtsinnigen �berf�llen attackierten, f�r gew�hnlich mit einem f�r die Angreifer t�dlichen Ausgang. Jetzt war nichts von ihnen zu sehen.</p><p>�Warte noch mit den Befehlen f�r die Sp�her!�, rief er Blaine zu. �Der Donnerschreiclan ist wieder da, weil er sich den anderen Orcs angeschlossen hat. Sie werden ��</p><p>Die Worte erstarben ihm in der Kehle. Jetzt konnte er sie sehen, auf der Kuppe des H�gels: eine gewaltige Welle von Orcs, deren Kleidung von den einfachen Stoffroben der Schamanen und Hexenmeister �ber willk�rlich zusammengew�rfelte Lederst�cke bis hin zu beeindruckenden Kettenpanzern reichte. Sie zogen Karren mit Holzbrettern und Felsbrocken hinter sich her. Die Donnerschreiorcs schlossen sich ihnen an � offenbar hatte man sie bereits erwartet. Dann begannen die h�nenhaften gr�nen Schl�ger Steinbl�cke von den Karren zu heben und sie mit lautem Br�llen und noch lauterem Platschen ins seichte Wasser zu schleudern. Die ohrenbet�ubenden Trommeln pochten derweil unerm�dlich weiter und weiter. Inzwischen war der Feind nahe genug, dass Aubrey und die anderen auch die orcischen Kriegsges�nge h�ren konnten, die sie gr�lten. Hinter dieser Horde kamen jetzt auch Katapulte, Rammb�cke und gewaltige Kriegsmaschinen in Sicht. Doch wie konnten sie nur hoffen, die Feste �</p><p>Da begannen die Orcs, die Holzplanken �ber die Felsbrocken zu legen, und nun erkannte Aubrey die teuflische Gerissenheit, die in ihrer Taktik lag.</p><p>�Schlie�t die Tore!�, br�llte er. <emphasis>Oder was noch von ihnen �brig ist �</emphasis>, dachte er. �Bereitet euch auf einen Angriff von drei Fronten vor � vom Hafen, aus dem Norden und aus dem Westen!�</p><p>Mit dem Donnerschreiclan waren sie fertig geworden, ebenso mit den vereinzelten �berf�llen der Tauren, die von Zeit zu Zeit auf den Feldern des Bluts stattfanden.</p><p>Doch dies hier �</p><p>�M�ge das Licht uns beistehen�, wisperte er.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Die Tauren und Trolle hatten ihren Marsch fortgesetzt, w�hrend die Nacht in die Morgend�mmerung �bergegangen war, und dabei einen weiten Bogen um den vorgelagerten Gefechtsstand der Allianz gemacht. Bislang waren sie auf keinerlei Widerstand gesto�en, doch als sie sich einen Weg durch die �berwucherung bahnten, entdeckten sie die �berreste eines Lagers. Das Feuer hatte man gel�scht, doch die Asche war noch warm. Wer hier gerastet hatte, lie� sich nicht sagen. In diesem Gebiet trieben sich sowohl Mitglieder der Horde als auch der Allianz herum, und eigentlich gab es fast immer jemanden, der hier von einem Ort zum n�chsten wanderte. Der Kataklysmus hatte die Leben der Leute ebenso durcheinandergewirbelt wie das Land. Vorsichtig gingen sie weiter, aber Baine begann sich allm�hlich zu fragen, ob es sein konnte, dass man ihren Vormarsch noch gar nicht bemerkt hatte?</p><p>Kurz darauf stie�en sie auf ein kleines Taurenheiligtum, und Baine lie� haltmachen. �Das ist ein Zeichen�, sagte er. �Hier wurden unsere Br�der und Schwestern von ihren K�rpern befreit. Hier werden wir Rast einlegen, um unsere Herzen auf die Schlacht und unsere Seelen auf die M�glichkeit des Todes vorzubereiten. Trollbr�der, ich wei�, das ist nicht euer Ritual, aber ihr k�nnt euch gerne zu uns setzen, um �ber das Leben nachzusinnen und �ber jene, die vor uns dahingeschieden sind. Au�erdem�, f�gte er noch hinzu, �wollen wir den Segen unserer Vorfahren erbitten. M�gen sie uns f�hren, auf dass wir tun, was f�r unser Volk das Richtige und Beste ist.�</p><p>Baine schlug jedoch nicht vor, dass seine Leute die Vorfahren um ihren Segen f�r die kommende Schlacht bitten sollten. Die alten Tauren w�ren mit so etwas gewiss nicht einverstanden gewesen. Er dachte an Cairne Bluthuf: Nein, <emphasis>der</emphasis> h�tte einem solchen Vorhaben niemals seinen Segen gegeben. Eine Mischung aus wilder Kampfeslust und Beunruhigung herrschte unter den Trollen und Tauren, als sie sich versammelten, und Baine, der seine Leute gut kannte, konnte ihren inneren Konflikt sp�ren. Einen Konflikt, der auch im Herzen ihres Anf�hrers w�tete.</p><p>Nach ein paar Sekunden � in denen einige Ges�nge anstimmten, andere sich zum Gebet hinknieten und wieder andere einfach nur respektvoll dastanden � wurde es Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen. Der Gro�e Graben klaffte zu ihrer Linken, und der Pfad neigte sich ein wenig, bevor er sie in eine wellige H�gellandschaft f�hrte.</p><p>�Sieht aus, als h�tt�n wir Gl�ck gehabt�, meinte Vol�jin.</p><p>�Ich glaube nicht, dass irgendwelche Sp�her es noch geschafft haben, sie zu warnen�, sagte Baine grimmig.</p><p>Vol�jin blickte von seinem Raptor zu dem Tauren auf. �Sie hab�n Camp Taurajo zerst�rt, Freund�, erinnerte er ihn.</p><p>�Ja�, nickte Baine. �Sie haben ein milit�risches Ziel ausgeschaltet. Aber ihr General hat sich geweigert, die Zivilisten niederzumetzeln. Er h�tte jederzeit den Befehl geben k�nnen, sie alle abzuschlachten, doch er hat es nicht getan.�</p><p>Vol�jins Augen wurden schmal. �Wirst du den Leuten der Allianz dieselbe Gnade erweis�n?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es in der Festung Zivilisten gibt�, entgegnete Baine. Falls er Gefangene nehmen sollte, da war er sich sicher, w�rde Garrosh ihm ohnehin befehlen, sie hinzurichten. Aber das sprach er nicht laut aus. Ja, es war eine milit�rische Einrichtung, und dass der Kriegsh�uptling sie zu ihrem ersten Ziel erkl�rt hatte, zeugte von guter taktischer F�hrung.</p><p>Das Problem war nur, Garrosh war an der Feste nicht als einem milit�rischen Ziel interessiert. Der Allianz die Kontrolle �ber die Nordwacht zu entrei�en, war f�r ihn weniger eine Strategie, sondern vielmehr ein Sprungbrett. Sein echtes Ziel war Theramore. Dort hatte die Allianz zahlreiche Soldaten und Seem�nner stationiert. Doch gab es hier auch ein Gasthaus und viele H�ndler und Familien, die in der Stadt lebten. Ebenso wie die eine, die Baine Bluthuf stets gerecht und freundschaftlich behandelt hatte.</p><p>Sie umrundeten eine Biegung des Weges, und als sich das Gel�nde vor ihnen �ffnete, konnte der Taurenh�uptling in der Ferne grauen und wei�en Stein sehen: die T�rme der Nordwacht. Er hob eine Hand, woraufhin der Heereszug stehen blieb, um sich auf den Sturmangriff vorzubereiten � und fast gleichzeitig wurde die Stille des Brachlandes von Gewehrfeuer zerrissen. Die Trolle und Tauren reagierten sofort, indem sie ihre eigenen Gewehre und Pfeile auf die Allianzsoldaten richteten, die aus der Richtung der H�gel angriffen.</p><p>Wut wallte in Baine hoch. Er h�tte damit rechnen m�ssen, doch er hatte sich von dem falschen Gef�hl der Sicherheit einlullen lassen, und jetzt fielen seine Leute, wo sie gestanden hatten, und zahlten den Preis f�r seine Torheit.</p><p>�Vorw�rts!�, schrie er, und seine vom Zorn noch verst�rkte Stimme hallte weithin. �Schamanen! Unterbrecht ihr Feuer!�</p><p>Die Schamanen gehorchten, w�hrend die �brigen Trolle und Tauren losst�rmten, so schnell ihre F��e sie trugen. Einen Augenblick sp�ter wurden die Sch�tzen der Allianz auch schon durch pl�tzlich heranpeitschende Windb�en von den F��en gerissen, und einige andere kreischten vor Schmerzen, als ihre Kleider in Flammen aufgingen. Der Versuch der Menschen, sich neu zu gruppieren, endete in v�lligem Durcheinander, denn inzwischen hatten die Krieger von Mulgore bereits die Stra�e zur Feste erreicht und st�rzten sich blutd�rstig in die Schlacht.</p><empty-line/><p>�Die Tauren sind hier!�</p><p>Der Ruf wanderte die Reihen der Orcs entlang, w�hrend sie von Norden aus auf die Festung der Allianz zumarschierten. Diesen Worten folgte lauter Jubel. Garrosh, der Blutschrei �ber dem Kopf schwang, w�hrend er pers�nlich den Angriff anf�hrte, g�nnte sich einen Moment, um Malkorok zuzugrinsen. Er konnte das Ger�usch h�ren, mit dem die gewaltigen Felsbrocken gegen die ohnehin schon besch�digten Mauern der Feste prallten, und dann warf er den Kopf zur�ck, um einen freudigen Schrei auszusto�en.</p><p>Er w�nschte sich, diesen Plan schon viel fr�her umgesetzt zu haben. Der Kataklysmus hatte einige der Mauern der Burg zum Einsturz gebracht, und die Narren der Allianz hatten nicht einmal versucht, sie wieder richtig aufzubauen. Jetzt w�rden sie es bitterlich bereuen und f�r dieses Vers�umnis mit Blut bezahlen.</p><p>Die Orcs st�rmten �ber die behelfsm��igen Br�cken aus Felsen und Planken. Eine Wache rannte ihnen entgegen, direkt auf Garrosh zu. Es war ein Mensch, stark und schnell und im Umgang mit seiner Waffe erfahren, aber gegen die Kor�kron, die einen Kreis um den Kriegsh�uptling bildeten, hatte er keine Chance. Die Orcs br�llten ihre Kriegsschreie hinaus, w�hrend sie sich auf ihn st�rzten, mit ihren Schwertern auf ihn einhieben und mit ihren Streitkolben seinen von Metall umh�llten K�rper zermalmten. Einer dieser Hiebe traf mit einem so lauten Knacken, dass es selbst �ber den L�rm der Trommeln, der K�mpfe und des Kanonenfeuers noch zu h�ren war. Danach sank die Wache zu Boden. Die Kor�kron und Garrosh st�rmten �ber seinen gefallenen K�rper hinweg, aber im Vorbeirennen gew�hrte der Kriegsh�uptling dem Toten ein anerkennendes Nicken.</p><p>Die Donnerschreiorcs hatten ihnen s�mtliche Schwachstellen der Feste aufgez�hlt, Garrosh wusste also ganz genau, wohin er seine Leute zu f�hren hatte. Die erste Welle schlug sich ausgezeichnet und st�rmte die Stra�en zu den Hofbereichen hinauf, w�hrend der Kriegsh�uptling auf eine erh�hte Position kletterte, um die Lage abzusch�tzen.</p><p>Links von ihm kamen die Schiffe der Blutelfen, Goblins und Verlassenen n�her, genauso wie geplant. Trotz des Kanonendonners, der klang, als w�rde die Allianz ohne Unterlass feuern, hatten es mehrere Beiboote bereits an Land geschafft, und ihre Insassen rannten nun auf ihre Feinde zu und streckten sie gnadenlos nieder.</p><p>Zu seiner Rechten h�mmerten die Trolle und Tauren derweil unerm�dlich auf die Mauern ein, und w�hrend Garrosh noch hin�berblickte, brach eine von ihnen in sich zusammen, woraufhin eine Woge brauner, fellbedeckter oder blauh�utiger Leiber durch die Bresche str�mte.</p><p>Unmittelbar vor ihm waren schlie�lich die Orcs � seine Orcs, sein Volk, die einzig wahren und urspr�nglichen Mitglieder der Horde � und metzelten und schrien und lachten.</p><p>Es sollte nicht mehr als eine Stunde dauern, die Schlacht zu entscheiden; dann w�ren seine Krieger tief genug in die Feste vorgedrungen, dass keine schlaue List und keine verzweifelte Strategie von Admiral Aubrey die Angreifer noch zur�ckdr�ngen konnte. Doch Garrosh hatte nicht vor, so lange zu warten. Sein Blick huschte �ber das Kampfgeschehen hinweg. Der Gro�teil seiner Armee war weitergest�rmt, nur ein paar Orcs waren hier am Rande der Schlacht zur�ckgeblieben, um die Wachen auszuschalten, die noch versuchten, den Angreifern den Weg in die Festung zu versperren. Sie w�rden keine weiteren Br�cken bauen m�ssen.</p><p>Es war Zeit, den finalen Schlag anzubringen und diese Schlacht mit einem schnellen, entschlossenen Sieg zu beenden.</p><empty-line/><p>Ein paar Fu� unter ihm k�mpfte Malkorok gerade mit drei Wachen � zwei Menschen, einer von ihnen war ein Mann, der andere eine Frau, sowie einem Zwerg. Die meisten Orcs bevorzugten gro�e Waffen wie beidh�ndige Breitschwerter, schwere �xte oder H�mmer, doch der Schwarzfelsorc benutzte in der Schlacht lieber zwei kleine, aber scharfe �xte, die sich wunderbar schnell wirbeln lie�en. Als die drei auf ihn zust�rmten und ihn zu umzingeln versuchten, lachte er vor Hohn. �Tod der Allianz!�, br�llte er, nach vorn gebeugt und grinsend, dann schnellte er vor, viel schneller, als seine Gegner erwartet hatten. Die �xte verschwammen in der Luft, zwei gl�nzende Wirbel des Todes. Bevor sie �berhaupt wusste, wie ihr geschah, hatte er die gl�cklose Menschenfrau bereits fast in zwei Teile gehackt, aber Malkorok wurde danach nicht langsamer. Stattdessen wirbelte er herum und lie� dem Hieb mit der einen Axt einen Schlag mit der anderen folgen. Der Zwerg konnte zwar noch mit seinem Schwert ausholen, aber die Klinge prallte von Malkoroks R�stung ab, ohne Schaden anzurichten, und dann hatte ihm der Orc seine Axt auch schon tief in die ungesch�tzte Stelle zwischen Hals und Schulter gerammt. W�hrend der Zwerg zusammenbrach, drehte Malkorok seinen K�rper und wirbelte erneut die beiden �xte; dass ihm an einer Hand zwei Finger fehlten, behinderte ihn dabei in keiner Weise. Die m�nnliche Menschenwache riss ihr Schwert hoch, um die Schl�ge zu parieren, doch sie konnte nur einen abwehren. Mit einem Br�llen hob Malkorok die zweite, blutbesudelte Axt �ber den Kopf und begrub sie in der Brust des Mannes.</p><p>Anschlie�end wirbelte er herum, und seine Augen suchten schon nach einem neuen Ziel. Aber als sein Kriegsh�uptling seinen Namen rief, zuckte sein Blick sofort zu ihm hoch.</p><p>�Die Schamanen!�, rief Garrosh. �Schick sie hinein!�</p><p>Malkorok grinste und reckte die Faust in die H�he, um anzuzeigen, dass er den Befehl verstanden hatte. Garrosh nickte ihm kurz zu, dann schloss er seine H�nde fester um Blutschrei, warf den Kopf zu einem wilden Heulen in den Nacken und sprang von seinem Aussichtspunkt herunter. Er landete auf einem Felsblock, st�rmte danach durch das Wasser und kletterte auf mehrere ungleichm��ig platzierte Planken hinauf, um ans Ufer zu eilen. Garrosh H�llschrei hatte den letzten Befehl ausgesprochen, den er in dieser Schlacht geben musste, und Malkorok konnte sehen, wie sehr es ihn freute, dass er nun endlich Schulter an Schulter mit seinen Orcbr�dern k�mpfen und die Streiter der Allianz mit der ber�hmten Waffe seines Vaters niedermetzeln konnte.</p><p>Der Schwarzfelsorc streckte den Arm aus, packte den Kor�kron, der ihm am n�chsten stand, und wiederholte den Befehl. Der Krieger nickte und rannte zur�ck in Richtung Norden, wo die meisten der Schamanen bislang als Reserve gewartet hatten. Doch nun war ihr Augenblick gekommen.</p><p>Es dauerte nur ein paar Minuten, dann eilten mehrere von ihnen in die Schlacht. Die meisten waren Orcs, die aber nicht die schlichten wei�en und erdbraunen Roben trugen, wie es eigentlich typisch f�r ihren Rang war; stattdessen steckten sie in bedrohlicher wirkenden Kleidern, die sie ein wenig wie Hexenmeister aussehen lie�en. Mit kaum verhohlener Aufregung st�rmten sie nach vorn.</p><p>Die Krieger, die die Schamanen begleiteten, bahnten ihnen einen Weg durch die Gruppen hektisch miteinander k�mpfender Allianz- und Horde-Streiter, wobei sie ihre Schutzbefohlenen mit den schweren Panzerr�stungen vor dem Feind abschirmten. Die Schamanen machten keinerlei Anstalten, ins Kampfget�mmel einzugreifen. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt vielmehr den Felsbl�cken, die einige Meter vor ihnen in Schlamm und Wasser lagen.</p><p>Als sie sich der Stelle n�herten, wurden die Schamanen langsamer, und w�hrend sie ihren Atem beruhigten, warfen sie einander Blicke zu und teilten ein verstohlenes L�cheln. Einen Moment sp�ter hoben sie die H�nde und stie�en die Befehle hervor, die die Elemente zum Gehorsam zwingen sollten.</p><p>Malkorok wusste bereits, was nun kommen w�rde, dennoch hielt er kurz im Kampfget�mmel inne, um es sich anzusehen. Sein Herz war von orcischem Stolz erf�llt. Da lagen mindestens zwei Dutzend Felsbrocken im Wasser; erst hatten sie den Truppen und den schwereren Waffen den Weg zur Feste gebahnt, und nun w�rden sie ihren zweiten Zweck erf�llen.</p><p>Unter dem erwartungsvollen Blick des Schwarzfelsorcs begannen die Felsen zu beben. Ihre Farbe wechselte, erst vom dunklen Rot und Braun einfachen Steins zu einem tieferen Rot, dann zu einem fleckigen Orange, und danach � schmolzen sie. Das Wasser konnte diese Verwandlung nicht aufhalten, das Magma nicht wieder in Stein verwandeln, wie es eigentlich der Fall sein m�sste. Diese Felsen lie�en sich nicht mehr abk�hlen. Stattdessen fing das Wasser zu kochen und zu verdampfen an, als w�rde es voller Furcht vor diesem Zauber zur�ckschrecken, der in seiner Mitte gewirkt wurde. Die Steine bebten auch weiterhin, sie pulsierten regelrecht, w�hrend sie ihre Form verloren und sich verfl�ssigten. Ihre Hitze war so gewaltig, dass selbst die Schamanen, die sie kontrollierten, den Kopf abwenden oder ein paar Schritte zur�ck machen mussten.</p><p>Eine Ranke schoss aus einem der Felsen nach oben, dicht gefolgt von einer zweiten und einer dritten und dann noch einer. W�hrend auch aus den anderen Steinbl�cken diese Tentakel in die H�he schnappten, wurden die Ranken des ersten Felsens bereits k�rzer und dicker, und nun wuchsen Finger und Zehen aus ihnen hervor. Ein Kopf barst aus der Spitze, und ein Maul �ffnete sich klaffend unter kleinen, gl�henden Augen, die sich erst umblickten, dann an ihrem K�rper hinab- und schlie�lich zu den Schamanen hin�bersahen, die sie kontrollierten. Eines der Wesen grollte und drehte sich langsam herum, den Arm nach dem Schwarzfelsorc ausgestreckt. Doch als Malkorok gebieterisch die Hand hob, zuckte der geschmolzene Riese � denn nichts anderes war er � vor ihm zur�ck und stapfte nach vorn auf die Feste zu. Er w�rde gehorchen.</p><p>Selbst die Orcs, die mit dem Auftauchen der Titanen gerechnet hatten, schienen ob dieses Anblicks vor Ehrfurcht erstarrt. <emphasis>Und ihr habt auch allen Grund dazu</emphasis>, dachte Malkorok.</p><p>�Allianz!�, schrie er. �Seht die Macht, �ber die Garrosh H�llschrei gebietet! Seht und zittert und sterbt!�</p><empty-line/><p>Baine schwang seinen Streitkolben und dr�ngte zwei Soldaten mit Piken zur�ck. Die Luft rings um ihn war von L�rm erf�llt: das Krachen von Gewehrfeuer, das Donnern von Kanonen, das Pfeifen, mit dem Pfeile von Sehnen schnellten, die Schreie der Horde und der Allianz, als ihre Krieger miteinander rangen und starben. Einer der Soldaten sprang auf ihn zu, aber Baine bewegte sich schneller, als der Mensch erwartet hatte, sodass die Pike nur leere Luft durchbohrte. Als der Soldat nach vorn stolperte, f�llte ihn der Streitkolben des Tauren. Der andere K�mpfer der Nordwacht glaubte, diese Chance nutzen zu k�nnen, aber Baines Waffe zerbrach den Schaft seiner Pike, als w�re sie ein Zweig, und dann � auf dem R�ckschwung � zerschmetterte der Kolben den Sch�del des Menschen wie eine Walnuss.</p><p>Der Taure sch�ttelte den Kopf, Bedauern erf�llte ihn. Zumindest war es ein schneller Tod gewesen.</p><p>Da erkannte er, dass sich die Ger�uschkulisse ver�ndert hatte; ein neues Ger�usch war hinzugekommen: ein tiefes, zorniges Br�llen, als h�tte der Boden selbst eine Stimme bekommen. Baines Ohren stellten sich auf, und sein Kopf ruckte herum, um dem Ger�usch zu folgen. Seine Augen weiteten sich, doch bevor er etwas sagen konnte, erhob sich eine zweite Stimme, laut und voll von gerechtfertigtem Zorn.</p><p>�Im Namen der Erdenmutter!�, bellte Kador Wolkenlied. �Garrosh! Was hast du getan?�</p><p>�Was sind das f�r � Dinger?�, fragte Baine.</p><p>Kador drehte sich zu ihm herum, sein Fell str�ubte sich vor Wut. �Das sind geschmolzene Riesen�, erkl�rte er, �m�chtige Elementarwesen des Feuers, die nicht freiwillig mit den Schamanen zusammenarbeiten, sondern erst gezwungen werden m�ssen, ihren Befehlen zu gehorchen. Die Erdenmutter ist w�tend, dass ihre Kinder so benutzt werden. Der Irdene Ring hat einen derartigen Missbrauch untersagt, weil man bef�rchtet, dass die Erde dadurch weiter ersch�ttert wird.�</p><p>�So wie durch den Kataklysmus�, murmelte Baine.</p><p>Die treffend betitelten geschmolzenen Riesen erg�tzten sich offenbar an der Zerst�rung. Sie marschierten hierhin und dorthin, hoch �ber den K�pfen von Allianz und Horde aufragend, und schwangen ihre Arme, um zu zerschmettern, was immer sich in Reichweite befand.</p><p>Baine hatte genug gesehen. �R�ckzug!�, schrie er. �R�ckzug! Zieht euch zur�ck, Tauren von Mulgore!� Er hatte sein Wort gehalten, seine tapferen Krieger auf das Schlachtfeld gef�hrt. Und sie hatten furchtlos gek�mpft: Seine Pflicht dem Kriegsh�uptling gegen�ber war erf�llt. Er w�rde nicht danebenstehen und zusehen, wie diese Monster im Namen von Garroshs t�richter � und gef�hrlicher � Arroganz �ber die Menschen herfielen.</p><empty-line/><p>�Seht und sterbt!� Die Krieger der Horde nahmen den Ruf auf, ihr Blutdurst war durch etwas angefacht, das h�mischer Schadenfreude nahekam.</p><p>Dieser Moment entschied die Schlacht, genau wie Garrosh vorhergesagt hatte. Die Verteidiger der Allianz sahen voller Grauen zu, wie fast ein Dutzend Titanen aus geschmolzenem Fels auf sie zustampften, und viele von ihnen wurden unter den F��en der Riesen zermalmt. Andere starben, als die verbliebenen Mauern mit gleichg�ltigen Schl�gen zerschmettert wurden.</p><p>�Haltet eure Positionen, Soldaten der Allianz!� Der Ruf erklang von einem der T�rme herab. Mit einem leisen Lachen legte Malkorok den Kopf in den Nacken, um den Menschen dort oben sehen zu k�nnen. Er trug den Hut eines Admirals und versuchte ebenso verzweifelt wie erfolglos, seine Truppen zu mobilisieren. Es war ein n�rrischer Versuch, dennoch konnte der Schwarzfelsorc nicht anders, als diesem zum Tode verurteilten Menschen Respekt zu zollen. Zumindest w�rde er in Ehre sterben.</p><p>Die meisten der Soldaten, die er befehligte, ergriffen jedoch die Flucht, und Malkorok wollte ihnen keinen Vorwurf machen, schlie�lich war es genau die Reaktion, auf die Garrosh gez�hlt hatte.</p><p>Vor Angst keines klaren Gedankens mehr f�hig, hatten viele der Menschen einfach ihre Waffen fallen lassen, und nun rannten sie der vermeintlichen Sicherheit des Wassers oder der H�gel entgegen. An jedem Ort wollten sie lieber sein als hier, wo ihnen der sichere Tod durch Kreaturen aus fl�ssigem Fels und Hass bevorstand. So wurden die fl�chtenden Soldaten aber nur zu noch leichterer Beute f�r die Krieger der Horde, die an s�mtlichen Ausg�ngen warteten. Es war beinahe schon zu einfach. Sollte es tats�chlich jemandem gelingen zu fliehen, dann m�sste er schon �u�erstes Gl�ck haben.</p><p>Malkorok setzte ebenfalls den Allianz-Soldaten nach, die ihr Heil in der Flucht suchten. Sie hatten zu viel Angst, um auch nur gut zu k�mpfen, und er streckte sie ohne gro�e Gegenwehr nieder. Nach ein paar Sekunden waren die Auseinandersetzungen in seiner unmittelbaren Umgebung abgeebbt, und die einzigen Allianz-Mitglieder, die er noch sehen konnte, lagen reglos auf dem Boden. Mit zusammengekniffenen Augen blickte er sich nach weiteren K�mpfen um, in die er eingreifen k�nnte, ohne jedoch f�ndig zu werden. Die geschmolzenen Riesen setzten derweil ihren Marsch durch die Feste fort, wobei sie die �berreste der Mauern br�llend niederrissen und Kanonen und andere Kriegsmaschinen durch die Luft wirbelten, als w�re es Kleinholz.</p><p>Nun erblickte Malkorok Garrosh, der �ber die Leiche eines Worgen gebeugt stand. Der Sch�del des Wesens lag einen Meter von seinem K�rper entfernt, die wolfsgleichen Z�ge zu einem Z�hnefletschen erstarrt, seine Augen jedoch vor Furcht geweitet. Garrosh drehte sich zu dem Schwarzfelsorc herum, sein Gesicht und sein K�rper waren mit Blut bespritzt, und grinste wild hinter seinen Hauern hervor.</p><p>�Nun?�, rief er.</p><p>�Wir haben gewonnen, mein Kriegsh�uptling!�, antwortete Malkorok. �Ich sehe keine Allianz-K�mpfer mehr, die noch auf ihren Beinen stehen.�</p><p>Garroshs Grinsen wurde noch breiter, er warf den Kopf zur�ck, die Arme ausgebreitet, und stie� einen durchdringenden Triumphschrei aus. �Ein Sieg f�r die Horde! Ein Sieg f�r die Horde!�</p><p>Schnell fanden sich andere, die den Ruf wiederholten, und kurz darauf breitete er sich unter den Truppen wie ein Lauffeuer aus. Malkorok sah, wie die geschmolzenen Riesen langsamer wurden und dann schlie�lich ganz stehen blieben, und erkannte, dass die dunklen Schamanen, die sie herbeibeschworen hatten, nun ebenfalls die freudigen Jubelschreie vernahmen und die Elementarwesen dorthin zur�ckschickten, wo sie hergekommen waren.</p><p>Das hie� � sie versuchten es zumindest.</p><p>Es schien n�mlich, als wollten die geschmolzenen Riesen ihre Gestalt nicht wieder aufgeben. Sie wandten sich langsam herum, und ihre kleinen K�pfe mit den winzigen roten Augen schwenkten hin und her, w�hrend sie nach ihren �Meistern� suchten. Dann setzten sie sich wieder in Bewegung.</p><p>Malkorok und Garrosh blickten sich ebenfalls nach den schwarz gekleideten Gestalten um, die mit einer an Panik grenzenden Vehemenz ihre Gesten in die Luft zeichneten. Kurze Zeit standen sich Elementarwesen und Schamanen in einem Kampf des Willens gegen�ber, anschlie�end �ffneten die geschmolzenen Riesen im Gleichklang ihre M�uler und stie�en einen furchterregenden Schrei aus, in dem sich Zorn und Verzweiflung vermengten.</p><p>Die Erde selbst antwortete auf diesen Hilferuf.</p><p>Malkorok sp�rte, wie der Boden unter seinen F��en erbebte, zun�chst kaum merklich, dann aber immer heftiger. Alarmiert blickte er sich um, doch in der N�he gab es keinen Ort, wo er Schutz suchen konnte. Da waren nur Leichen und Waffen und Tr�mmer, wo einst die Festungsmauern gestanden hatten.</p><p>Warnende Schreie hallten in der Luft wider, als einige der Krieger das Gleichgewicht verloren und hart st�rzten. Sie klammerten sich am Boden fest, obwohl er nun ihr Feind war. Wie aus dem Nichts ballten sich am Himmel dunkle Wolken zusammen, und Blitze zuckten, sofort gefolgt von einem beinahe ohrenbet�ubenden Donnergrollen.</p><p>Die M�nder der geschmolzenen Riesen �ffneten sich weiter und dann noch weiter, w�hrend ihre Sch�del und Schultern allm�hlich verschmolzen und sich aufl�sten. Die Elementarwesen verloren ihre feste Form, K�rper und Glieder flossen zu einer Masse zusammen, dann schwand auch ihre Farbe, sie wurden dunkelrot und schlie�lich wieder braun. Einen weiteren Augenblick sp�ter schrumpften sie zu ihrer urspr�nglichen Gestalt zusammen � nun waren sie nur noch Felsbrocken, sonst nichts.</p><p>Ein letztes Mal b�umte sich der Boden noch auf und bebte, dann kam auch er wieder zur Ruhe. Die folgende Stille f�hlte sich an, als w�ren Malkoroks Geh�rg�nge mit Baumwolle gef�llt. Seine Ohren brannten nach all dem L�rm, und nachdem sich die gest�rzten Mitglieder der Horde vorsichtig wieder auf die F��e gestemmt hatten, konnte er erneut Jubelrufe h�ren.</p><p>�Wir haben nicht nur die Allianz besiegt�, sagte Garrosh, als er neben den Schwarzfelsorc trat und ihm auf den R�cken klopfte, �wir haben auch unsere Herrschaft �ber die Elemente unter Beweis gestellt!�</p><p>�Was Ihr unter Beweis gestellt habt�, fuhr eine tiefe, grollende Stimme dazwischen, der gewaltiger Zorn einen eisigen Unterton verlieh, �ist lediglich Euer Leichtsinn, Garrosh H�llschrei!�</p><p>Die beiden Orcs wirbelten herum und erblickten Baine Bluthuf und einen seiner Schamanen. Der H�uptling der Tauren stand in voller Kriegsmontur da, sein Gesicht war mit Farbe verschmiert, wenn es auch keine Kriegsbemalung war, seine R�stung schien mit Blut besprenkelt. Doch er erfreute sich nicht an ihrem Sieg.</p><p>Baine fuhr fort: �Kador Wolkenlied hat mir gesagt, der Irdene Ring soll diese Verwendung der Elemente ausdr�cklich verboten haben, H�llschrei.�</p><p>Malkorok zog die Brauen zusammen. �Du wirst ihn gef�lligst als <emphasis>Kriegsh�uptling</emphasis> ansprechen�, knurrte er mit leiser Stimme.</p><p>�Nun gut. Kriegsh�uptling�, zischte Baine, �Eure Entscheidung, diese � diese geschmolzenen Riesen einzusetzen ist ein Frevel an der Erdenmutter � und an der Horde, auf die Ihr Anspruch erhebt! Begreift Ihr �berhaupt, was Ihr da tut? Habt Ihr nicht den Zorn der Erde selbst gesp�rt? Ihr k�nntet einen zweiten Kataklysmus heraufbeschw�ren. Bei den Vorfahren, habt Ihr denn gar nichts gelernt? Soll die Welt noch ein weiteres Mal untergehen?�</p><p>�<emphasis>Ich habe den Kataklysmus f�r uns zum Vorteil gewandelt!</emphasis>�, brauste Garrosh auf. �Das� � er deutete mit dem Finger auf die Tr�mmer, die einst die Feste Nordwacht gewesen waren � �ist der erste gro�e Schritt in Richtung der v�lligen und absoluten Eroberung dieses Kontinents! Als N�chstes wird Theramore fallen � und ich werde jedes Werkzeug einsetzen, das n�tig ist, um diese Ziele zu erreichen, Taure!�</p><p>�Ihr k�nnt doch nicht die Welt ��</p><p>Malkorok packte Baine am Arm und reckte dem Tauren sein Gesicht entgegen. �Schweig! Du dienst dem Kriegsh�uptling, Baine Bluthuf. Sein Wille ist f�r dich Gesetz! Wagst du es etwa, ihn zu beleidigen? <emphasis>Wagst du es?</emphasis> Denn falls du dies tats�chlich tust, dann fordere ich dich hier und jetzt zum Mak�gora heraus!�</p><p>Er kochte vor Wut � und betete, dass der Taure die Herausforderung annehmen m�ge. Wie sein Vater vor ihm war auch dieser Bluthuf ein Stachel im Fleisch der Orcs. Die Tauren waren generell zu weich, zu friedliebend, aber die Bluthufs waren die Schlimmsten, und � ganz gleich, wie Cairne nun gestorben sein mochte � soweit es Malkorok betraf, war sein Tod ein echter Gl�cksfall gewesen. Es w�re eine Ehre f�r ihn, Garrosh auch von seinem Sohn, Baine Bluthuf, zu befreien.</p><p>Die Augen des Taurenh�uptlings blitzten vor Zorn, dann brummte er leise: �Ich habe heute viele tapfere K�mpfer verloren, als wir dem Befehl des Kriegsh�uptlings Folge leisteten. Ich sp�re kein Verlangen danach, die Horde grundlos um einen weiteren Krieger zu bringen.� Sein Blick richtete sich wieder auf Garrosh. �Ich erhebe meine Stimme allein aus Sorge um das, was geschehen k�nnte. Das wisst Ihr, Kriegsh�uptling.�</p><p>Garrosh nickte. �Ich nehme deine � <emphasis>Bedenken</emphasis> zur Kenntnis, wenn sie auch unbegr�ndet sind. Ich wei�, was ich tue. Ich wei�, wozu meine Schamanen imstande sind. Das sind meine Methoden, H�uptling. Und mein n�chster Schritt wird der Marsch auf Theramore sein. Dort werde ich die Versorgungsader der Allianz auf Kalimdor durchtrennen und die Prachtmeer vernichten, diese H�ndin, die Diplomatie mit Einmischung verwechselt. Auch f�r die Mondfederfeste, Teldrassil, die Mondlichtung und Lor�danel habe ich schon Pl�ne � sie werden alle fallen. Dann wirst auch du es sehen. Dann wirst du erkennen, wie die Dinge wirklich stehen.�</p><p>Er lachte. �Und dann werde ich deine Entschuldigung gerne entgegennehmen. Bis dahin aber� � Garrosh wurde wieder ernst � �will ich aber kein Wort mehr h�ren �ber � deine <emphasis>Bedenken</emphasis>. Verstehen wir uns?�</p><p>Baine legte die Ohren an den Kopf an. Seine N�stern zuckten. �Ja, mein Kriegsh�uptling. Ihr habt Euch mehr als klar ausgedr�ckt.�</p><p>Malkorok blickte ihm nach, als er davonstapfte.</p><empty-line/><p>Baine f�hlte sich, als h�tte der Zorn auch sein Innerstes geschmolzen. Es hatte ihn die gr��te M�he gekostet, nicht vor Wut zu explodieren, als Malkorok seine Herausforderung ausgesprochen hatte. Er hatte keine Angst, dass ihn der Orc besiegen k�nnte � bevor Magathas Gift ihn dahingerafft hatte, hatte Cairne in seinem Duell mit Garrosh klar die Oberhand gehabt. Nein, er hatte nur abgelehnt, weil es f�r ihn keine M�glichkeit gab, wirklich zu gewinnen. Es w�rde ohne jeden Zweifel wieder Gift verwendet werden, wenn diesmal vermutlich auch besser getarnt. Doch selbst wenn er Malkorok niederstreckte, w�rde man ihm in den Schatten einen Hinterhalt bereiten. Was sollte dann aus seinem Volk werden? Es gab noch keinen klaren Nachfolger f�r das Amt des H�uptlings, und Garrosh w�rde gewiss daf�r sorgen, dass ein Taure gew�hlt wurde, der mehr nach seinem Geschmack war � oder sich leicht beeinflussen lie�.</p><p>Nein. Seine Leute brauchten ihn jetzt lebend. Also w�rde Baine weiterleben und tun, was man ihm befohlen hatte. Genau das, <emphasis>nur</emphasis> das, und nichts anderes. Wenn dann der Tag kam, an dem sein glorreicher Plan Garrosh das t�towierte Genick brach, w�rden er, Vol�jin und die anderen besonneneren F�hrer bereit sein, die Scherben einzusammeln und die Horde zu besch�tzen � oder was Garrosh dann noch von ihr �brig gelassen hatte.</p><p>Doch Baine Bluthuf war nicht hilflos. Der Gedanke, der sich w�hrend des Marsches in Richtung Nordwacht in seinem Kopf herauskristallisiert hatte, war inzwischen noch konkreter geworden, und jetzt, da er gesehen hatte, wie Garrosh gedankenlos, ohne Achtung und Respekt die Elemente missbraucht hatte, war auch sein Kopf von der Richtigkeit dieser Idee �berzeugt, die seinem Herzen entsprungen war. Er blieb nicht, um den Siegesfeierlichkeiten beizuwohnen, und �berlie� seine Truppen Kadors f�higen H�nden.</p><p>Stattdessen zog er sich zu seinem Reisetipi zur�ck, um diesen Plan auszuf�hren. Bevor er die Zeltklappe anhob, blickte er sich noch einmal sorgf�ltig um, konnte aber keine Spur lauschender Ohren ausmachen. Anschlie�end wandte er sich dem jungen Krieger zu, der vor dem Tipi Wache stand. �Schick Perith Sturmhuf her. Ich habe eine wichtige Aufgabe f�r ihn.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Wir sollten doch eigentlich in der Lage sein, dieser Sache auf den Grund zu gehen�, sagte Jaina, w�hrend sich Zorn � eine Emotion, die sie nur h�chst selten empfand � in ihre Stimme stahl. �Wir haben einen blauen Drachen, zwei �u�erst talentierte Magier und eine scharfsinnige Sch�lerin. Und sogar auf die Hilfe der Kirin Tor k�nnen wir bauen.� Sie fuhr sich mit der Hand durch das blonde Haar und zwang die Emotion zur�ck, bevor sie ihre Gedanken tr�bte. Wut und Verzweiflung waren ein Luxus, den sie sich im Augenblick nicht leisten konnte. Sie musste logisch nachdenken.</p><p>�Lady, es gibt <emphasis>nirgendwo</emphasis> Aufzeichnungen �ber einen Zauber, der ein magisches Objekt vor den Sinnen eines �berlegenen Magiers verbergen k�nnte�, entgegnete Kinndy. �Und wir k�nnen ja wohl davon ausgehen, dass Kalecgos hier jedem Magier der kurzlebigeren Rassen von Azeroth �berlegen ist. Verzeiht mir au�erdem, wenn ich sage, dass es nicht einfach ist, hier ruhig sitzen zu bleiben, nachzudenken, zu gr�beln und D�umchen zu drehen, w�hrend die Nordwacht wom�glich jetzt gerade der Horde in die H�nde f�llt!�</p><p>�Es liegt mir fern, Eure Bedenken auf die leichte Schulter zu nehmen, Kinndy�, warf Kalecgos ein, �aber falls ich die Fokussierende Iris nicht rechtzeitig wiederfinde, k�nnte sie eine Woge der Zerst�rung �ber diese Welt bringen, gegen die sich der Fall der Feste Nordwacht wie ein verlorener Bauer in einem Schachspiel ausnimmt.�</p><p>Kinndy runzelte die Stirn und wandte den Blick ab. �Wir alle sind abgelenkt�, erkl�rte Jaina, w�hrend sie ihren Geist zur Ruhe zwang. �Aber Kalec hat recht. Je schneller wir herausfinden, wie die Diebe die Fokussierende Iris vor seinen Sinnen verbergen, desto sicherer werden wir alle sein.�</p><p>Das Gnomenm�dchen nickte. �Ich wei�, ich weiߓ, murmelte sie. �Es ist nur so � schwer.�</p><p>Jaina musterte ihre Sch�lerin und dachte dabei an das letzte Mal, als sie ihren eigenen Meister, Antonidas, gesehen hatte. Gemeinsam hatten sie in seinem auf sympathische Weise chaotischen Studierzimmer gestanden, und sie hatte ihn gebeten � oder vielmehr darum angefleht �, bleiben zu d�rfen, um gemeinsam mit ihm Dalaran gegen Arthas Menethil zu verteidigen. Arthas war zu diesem Zeitpunkt bereits in der Stadt gewesen; um die Wahrheit zu sagen, er hatte sogar schon direkt vor der T�r gestanden und h�hnische Bemerkungen gerufen, die Jaina so hart getroffen hatten, als w�ren es echte Pfeile. Wie verzweifelt ihr Wunsch doch gewesen war, die wundersch�ne Stadt der Zauberer zu verteidigen � und wie bitter die Erkenntnis gewesen war, dass es Arthas, ihr Arthas, war, der sie bedrohte. Doch Antonidas hatte ihr nicht erlaubt, noch l�nger zu bleiben. �Du hast andere Aufgaben�, hatte er gesagt. �Sch�tze jene, um die dich zu k�mmern du geschworen hast, Jaina Prachtmeer. Ob hier nun einer mehr oder weniger ist � das wird keinen Unterschied machen.�</p><p>Jaina war davon �berzeugt, dass sie und Kalec bei der Nordwacht einen Unterschied machen konnten, falls sie rechtzeitig dort eintr�fen. Doch selbst wenn ihnen dies gelang, was dann? Jetzt z�hlte jede Minute, und sie wussten noch immer nicht, in wessen H�nden sich dieses verfluchte Artefakt befand, oder was er oder sie damit plante. Ebenso, wie es damals das Richtige gewesen war, Antonidas zur�ckzulassen, auch wenn er gestorben und Dalaran gefallen war, so war es jetzt das Richtige, hierzubleiben und die Iris zu finden. Zumindest versuchte sie, sich das einzureden.</p><p>Auch nach all dieser Zeit sp�rte sie bei einer solchen Erinnerung noch Tr�nen in den Augen. Sie streckte den Arm aus, um Kinndys schlaff herabh�ngende Hand zu dr�cken. �Wenn man ein Magier werden und mit dieser gro�en Verantwortung umgehen will, dann muss man auch lernen, schwere Entscheidungen zu treffen. Ich verstehe, wie du dich f�hlst, Kinndy. Aber wir sind dort, wo wir jetzt sein m�ssen.�</p><p>Das Gnomenm�dchen nickte. Sie war m�de, so wie sie alle; ihr rosafarbenes Haar war schlampig zu Z�pfen gebunden, und unter ihren gro�en Augen lagen dunkle Ringe. Tervosh wirkte um Jahre �lter, als er eigentlich war, und selbst Kalec hatte die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Jaina wollte gar nicht wissen, wie <emphasis>sie</emphasis> aussah. In letzter Zeit hatte sie einen gro�en Bogen um jeden Spiegel gemacht.</p><p>Ihre Stirn furchte sich, w�hrend sie sich der n�chsten Schriftrolle zuwandte, dann legte sie sie abrupt beiseite und starrte die anderen an. �Kinndy hat recht: Es gibt keine bekannten Aufzeichnungen �ber einen Zauber, der bewirken kann, was gerade geschieht. Aber <emphasis>weil</emphasis> es gerade geschieht, muss doch irgendjemand einen Weg gefunden haben. Er verbirgt das Artefakt vor Kalecgos. Und ich weigere mich einfach, zu glauben, dass wir nichts dagegen unternehmen k�nnen!� Sie schlug mit der Hand auf den Tisch, woraufhin ihre Mitstreiter sie erschrocken anblickten. Sonst hatte Jaina eigentlich niemals solche Gef�hlsausbr�che. �Falls wir herausfinden, welcher Zauber eingesetzt wurde, oder auch nur absch�tzen k�nnen, welche Art von Zauber es ist, sollten wir eine M�glichkeit finden k�nnen, ihn aufzuheben.�</p><p>�Aber ��, begann Kinndy noch, doch dann biss sie sich auf die Lippe, als Jaina ihr einen scharfen Blick zuwarf.</p><p>�Kein <emphasis>Aber</emphasis>. Keine Ausfl�chte.�</p><p>Niemand wusste, was er darauf erwidern sollte. Kalecgos musterte sie neugierig, w�hrend sich seine Lippen zu einem leicht besorgten Ausdruck verzogen hatten. Einmal mehr suchte Jaina in ihrem Inneren nach Ruhe. �Es tut mir leid, dass ich meine Stimme erhoben habe, aber ich bin mir sicher, dass wir einen Weg finden werden, dieses R�tsel zu l�sen!�</p><p>Kinndy stand auf, um ihnen allen frischen Tee zu bringen, und die anderen blieben in Schweigen geh�llt sitzen, bis schlie�lich Kalecgos mit stockender, unsicherer Stimme die Stille brach.</p><p>�Wir sind uns also darin einig, dass es keinen bekannten Zauber gibt, um einen so m�chtigen Gegenstand vor einem so begabten Magier wie mir zu verschleiern. Vor allem, da ich au�erdem eine besondere Verbindung mit der Fokussierenden Iris habe�, sagte er. Jaina nahm einen Schluck Tee und lie� sich von dem vertrauten Geruch und Geschmack des Getr�nks beruhigen. Dann bedeutete sie ihm mit einem Nicken, fortzufahren. �Die logische Schlussfolgerung muss darum diejenige sein, dass es dort drau�en entweder einen Magier gibt, der schlau genug ist, einen solchen Zauber zu ersinnen �, oder dass wir es hier mit etwas anderem zu tun haben.�</p><p>�Was meint Ihr mit <emphasis>etwas anderem</emphasis>?�, keuchte Kinndy. �Was sollte es denn bitte sonst sein?�</p><p>Jaina hob die Hand. Sie zitterte leicht � vor neu erwachter Hoffnung. �Warte einen Augenblick�, sagte sie. �Kalec � ich glaube zu wissen, worauf Ihr hinauswollt.�</p><p>Er l�chelte, strahlend und fr�hlich. �Ich nahm an, dass Ihr es erkennen w�rdet.�</p><p>�Die Iris wird nicht wirklich vor Euch verborgen�, fuhr Jaina fort, ermutigt durch seine Reaktion. Im Kopf ging sie es Schritt f�r Schritt durch, dann erhob sie sich von ihrem Stuhl und wanderte auf und ab, w�hrend sie sprach. �Wir glauben es nur, weil wir sie nicht sp�ren k�nnen.�</p><p>�Und wir k�nnen sie nicht sp�ren, weil es nicht sie ist, nach der wir suchen�, beendete Kalec den Gedankengang. �Genau!�</p><p>�K�nnte sich vielleicht jemand erbarmen, auch uns arme Sterbliche einzuweihen?�, fragte Tervosh trocken. Er hatte sich weit zur�ckgelehnt, sodass die vorderen beiden Stuhlbeine in der Luft schwebten. �Ich verstehe n�mlich gar nichts mehr.�</p><p>Jaina drehte sich zu ihm herum. �Was warst du w�hrend der letzten Schlottern�chte?�, fragte sie, w�hrend sie versuchte, die stechende Erinnerung an eine ganz besondere Schlotternacht zu verdr�ngen. Damals hatte Arthas sie nach Lordaeron eingeladen, um dem traditionellen Entz�nden des Weidenmannes beizuwohnen. Zweck dieser Figuren war es, auf metaphorische Weise die Dinge, von denen die Zuschauer gerne befreit w�ren, <emphasis>hinfortzubrennen</emphasis>. Jaina hatte den Weidenmann mit einem Zauber entz�ndet, sehr zur Freude der Anwesenden, aber sp�ter in dieser Nacht hatten sie und Arthas noch einen anderen, wesentlich m�chtigeren Zauber gewirkt. Im Licht der Flammen hatte sie seine Hand genommen und ihn zu ihrem Bett gef�hrt, wo sie zum ersten Mal zu Liebenden geworden waren.</p><p>�Ich � ich verstehe nicht.� Tervosh blickte sie an, als hielte er es durchaus f�r m�glich, dass sie den Verstand verloren hatte. Mit einer bewussten Willensanstrengung lenkte Jaina ihre Gedanken zur�ck in die Gegenwart � und auf das Problem, dessen L�sung sie nun vielleicht gefunden hatten.</p><p>�Zu was wurdest du, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen?�, fragte sie den anderen Magier.</p><p>Da weiteten sich Tervoshs Augen, und Erkenntnis d�mmerte darin auf. Er beugte sich vor, w�hrend die Stuhlbeine wieder mit einem Knall auf dem Boden landeten. �Der dumme, kleine Zauber dieses primitiven Stabs hat mich in einen Piraten verwandelt�, sagte er.</p><p>�Ich versuche, auf magische Weise einen Gegenstand aufzusp�ren, aber man hat ihm eine andere Form gegeben. Dieser �dumme, kleine Zauber�, von dem Ihr sprecht, ist gerade Ablenkung genug, dass ich mich nicht auf die Fokussierende Iris konzentrieren kann�, erkl�rte Kalecgos. Kurze Zeit schien sein Blick abwesend, aber dann l�chelte er wieder. �Zumindest � bis <emphasis>jetzt</emphasis>!�</p><p>�Ihr sp�rt die Iris wieder!�, rief Kinndy aufgeregt.</p><p>Er nickte. �Ja � und nein. Das Gef�hl kommt und geht.�</p><p>�Das kann nur eines bedeuten: Wer auch immer das Artefakt mit diesem dummen, kleinen Zauber belegt hat, wei�, dass er ihn von Zeit zu Zeit ver�ndern muss, damit seine Wirkung nicht nachl�sst�, meinte Jaina.</p><p>�Exakt!� Kalec, der w�hrend der Unterhaltung ebenfalls aufgestanden war, reichten drei Schritte seiner langen Beine, um die Entfernung bis zu ihr zu �berbr�cken. Kurze Zeit glaubte Jaina, er werde sie umarmen, aber dann schloss er lediglich seine H�nde um ihre und dr�ckte sie fest. Seine Ber�hrung f�hlte sich warm und beruhigend an.</p><p>�Jaina, Ihr seid ein Genie�, sagte er.</p><p>Die R�te stieg ihr ins Gesicht. �Ich habe lediglich Euren Gedanken nachvollzogen�, wiegelte sie ab.</p><p>�Ich hatte eine vage Ahnung�, entgegnete er. �Doch Ihr habt herausgefunden, was genau geschehen ist und wie man diese Illusion durchschauen kann. Jetzt, da ich wei�, wo sich die Iris befindet, muss ich sofort aufbrechen.� Er z�gerte. �Ich wei�, dass Ihr Euch wegen der Nordwacht Sorgen macht, aber � bitte bleibt hier! Ich kann der Spur des Artefakts folgen, aber noch habe ich es nicht zur�ck. Vielleicht brauche ich ein zweites Mal Eure Hilfe.�</p><p>Jaina stellte sich dem schmerzhaften Gedanken, was wom�glich jetzt gerade an der Feste Nordwacht geschah � oder was bereits geschehen war. Einen Moment lang biss sie sich auf die Lippe, anschlie�end nickte sie.</p><p>�Ich werde hierbleiben�, versprach sie.</p><p>Er hob ihre H�nde an seine Lippen und k�sste sie. �Danke! Ich wei�, wie schwer das f�r Euch sein muss.�</p><p>�Viel Gl�ck, Kalecgos�, sagte Tervosh.</p><p>�Ich hoffe, Ihr findet die Iris m�glichst schnell wieder�, f�gte Kinndy hinzu.</p><p>�Ich danke Euch. Jetzt stehen meine Chancen zumindest um ein Vielfaches besser. Ich hoffe, dass ich mich bald wieder mit guten Neuigkeiten an Euch wenden kann.�</p><p>Er machte sich auf den Weg zum Ausgang, und Jaina folgte ihm. Keiner von ihnen sagte ein Wort, als sie die gewundene Treppe ins Erdgeschoss hinabstiegen. Aber die Stille f�hlte sich nicht unbehaglich an. Schlie�lich trat Kalecgos ins Sonnenlicht hinaus und drehte sich ein letztes Mal zu ihr herum.</p><p>�Ihr werdet sie finden�, erkl�rte Jaina fest.</p><p>Er l�chelte sanft. �Wenn Ihr das mit solcher �berzeugung sagt, fange ich sogar selbst an, daran zu glauben�, erwiderte er.</p><p>�Gebt auf Euch acht�, sagte sie, auch wenn sie sich sofort wie eine Idiotin vorkam. Schlie�lich war er ein <emphasis>Drache</emphasis>, und mehr noch, nicht nur irgendein Drache, sondern ein fr�herer Aspekt. Was auf diesem Kontinent konnte ihm schon gef�hrlich werden? Doch dann wanderten ihre Gedanken zu den Drachen, die get�tet worden waren, als die Diebe die Fokussierende Iris geraubt hatten, und pl�tzlich f�hlte sich ihre Sorge gar nicht mehr so t�richt an.</p><p>�Das werde ich�, erkl�rte er ernst, aber dann konnte er sich ein Grinsen nicht l�nger verkneifen. �Ich werde zur�ckkommen. Allein schon, um noch ein wenig von Euren k�stlichen Pl�tzchen zu kosten, die Ihr mit dem Tee serviert.�</p><p>Jaina lachte. Einen Moment lang blieb er noch stehen � warum, vermochte sie nicht zu sagen �, dann verbeugte er sich und ging davon.</p><p>Seine Gestalt ver�nderte sich dabei so schnell, dass es ihr den Atem verschlug. Wo gerade noch der attraktive Halbelf gestanden hatte, war nun pl�tzlich ein gewaltiger blauer Drache, auf seine eigene Art nicht weniger attraktiv, aber unglaublich m�chtig und auch ein wenig angsteinfl��end. Ihn einfach nur <emphasis>blau</emphasis> zu nennen, war eigentlich eine Beleidigung, wenn man all die verschiedenen Schattierungen dieser Farbe betrachtete, die seinen Leib zierten. Azur, Kobalt, C�linblau, ja sogar der einmalige, helle Farbton von Eis � Kalecgos, der Drache, vereinte sie alle. Er spannte seine m�chtigen Fl�gel, und sie war sich sicher, dass er dieses Gef�hl genoss, nachdem er so lange in seiner Halbelfenform verblieben war. Wundersch�n, t�dlich, gef�hrlich, pr�chtig � all das war er, und Jaina wurde pl�tzlich ganz blass, als sie daran dachte, wie grob sie ein paarmal mit ihm umgesprungen war.</p><p>Er konnte ihre Gedanken nicht lesen, aber vielleicht musste er das auch gar nicht. Kalecgos schwenkte seinen Schwanz, der mit Stacheln wie Eiszapfen geschm�ckt war, dann drehte er den gewaltigen, h�rnerbewehrten Sch�del auf seinem langen, sehnigen Hals und blickte sie an. Sie konnte die Augen nicht von ihm abwenden.</p><p>Schlie�lich zwinkerte er ihr zu. Ja, er war Kalecgos, der m�chtige Drache, der fr�here Aspekt, aber er war auch Kalecgos, der fr�hliche, verst�ndnisvolle Freund, der ihr die wahre Sch�nheit und Gro�artigkeit des Arkanen gezeigt hatte.</p><p>Die beinahe schon �ngstliche Ehrfurcht, die sie vor einem Augenblick noch vor ihm empfunden hatte, schmolz wie eine Schneeflocke im Sonnenschein dahin, und die Spannung wich von ihrem K�rper, beinahe so, als w�rde sie einen zu schweren Mantel abwerfen. Sie l�chelte ihm zu und winkte, und dann neigte er ganz kurz anerkennend den Kopf, bevor er zum Himmel emporblickte. Die riesigen Beine unter seinem Leib angewinkelt, spannte er sich wie eine Katze vor dem Sprung.</p><p>Einen Moment sp�ter hatte sich Kalecgos bereits in die L�fte emporgeschwungen, und seine gewaltigen Fl�gel erzeugten bei jedem Schlag einen angenehmen Windhauch, als er entschlossen in die H�he schoss. Jaina schirmte die Augen gegen die Sonne ab, w�hrend er seinen Steigflug fortsetzte und zu einem winzigen Punkt in der Ferne zusammenschrumpfte, bevor er schlie�lich ganz verschwand.</p><p>Kurz blieb sie noch stehen, und als sie sich umdrehte und in den Turm zur�ckkehrte, wunderte sie sich, warum sie pl�tzlich so traurig war.</p><empty-line/><p>Schlotternachtkost�me.</p><p>Kalecgos schnaubte, w�hrend er dahinflog, und obwohl er versuchte, nicht weiter dar�ber nachzudenken, musste er sich doch selbst tadeln. Wie hatte er etwas so Simples nur �bersehen k�nnen? Andererseits: Die Analogie, die Jaina auf die Natur des Zaubers aufmerksam gemacht hatte, gr�ndete sich auf einen Feiertag, den es in seiner Kultur nicht gab. Die Schlottern�chte waren kein Drachenfest, und auch sonst trugen die riesigen Kreaturen keine Kost�me � es sei denn, nat�rlich, man bezeichnete ihre Menschengestalt als Kost�m. Doch sie war eigentlich nur eine andere Manifestation ihrer selbst, kein Trick und keine Illusion. Sie diente nicht als Verkleidung.</p><p>Oder vielleicht doch? Schlie�lich benutzten die Drachen ihre F�higkeit zur K�rperwandlung, um sich unbemerkt unter die j�ngeren Rassen zu mischen. Kritische Stimmen mochten es also durchaus als Trick bezeichnen, selbst wenn Kalecgos nie das Gef�hl gehabt hatte, dass er sich <emphasis>verkleidete</emphasis>, wenn er zu Kalec wurde. Er war noch immer er selbst und sah einfach nur anders aus.</p><p>Diese Vorliebe der j�ngeren Rassen, Magie auf so leichtfertige Weise einzusetzen, war mehr als verwirrend. Erst durch Jainas Hilfe � die sich mit solchen kleinen, schlichten Zaubern auskannte � war es ihm gelungen, zwei und zwei zusammenzuz�hlen. Darin sah er ein weiteres Beispiel daf�r, dass die Drachen anfangen mussten, Dinge anzuerkennen, die sie einst als frivol abgetan hatten, wenn sie in dieser Welt, die der Stunde des Zwielichts entgangen war, bestehen wollten.</p><p>Nun, da er wusste, was f�r ein Spiel seine Gegner spielten, konnte er die Fokussierende Iris wieder f�hlen, genauso wie er es Jaina erz�hlt hatte. Er musste nur mit seiner Magie nach dem <emphasis>suchen</emphasis>, was sie wirklich war, nicht nach dem, was die Diebe in ihr sahen; er musste sich auf die wahre, arkane Essenz des Artefakts konzentrieren und das <emphasis>Kost�m</emphasis> vergessen, in das sie geh�llt war. Zwar sp�rte er die Aura der Iris nicht mehr so deutlich wie vor ihrem Verschwinden, aber das Gef�hl war noch immer da, wie eine vage Duftfahne in seinem Geist. Immer wieder gab es Momente � lang andauernde Momente �, in denen er das Gef�hl hatte, die Verbindung w�rde wieder abrei�en. Doch dann zehrte Kalecgos von der Geduld seiner Rasse und verharrte einfach in der Luft, im Vertrauen auf sein neues Verst�ndnis der Fokussierenden Iris, bis sich ihm das Artefakt wieder zeigte.</p><p>Etwas, das ihn zugleich verwirrte und besorgte, war die Geschwindigkeit, mit der das verteufelte Ding dahinraste. Es schien geradezu, als w�rde es � fliegen. Eigentlich sollte keine der j�ngeren Rassen in der Lage sein, sich so schnell zu bewegen. Wie also konnte das sein? Wer war zu einer solchen Geschwindigkeit in der Lage? Falls es ihm gel�nge, diesem R�tsel auf den Grund zu gehen, k�nnte er sicher auch den Rest dieses Mysteriums l�sen.</p><p>Ein Gedanke, ebenso verlockend wie herzzerrei�end, stahl sich in seinen Geist: W�rde er die Fokussierende Iris vielleicht schneller finden, wenn er noch die Kr�fte eines Aspekts bes��e?</p><p>W�tend sch�ttelte er den Kopf. Solche Gedanken f�hrten auf einen gef�hrlichen Pfad, der in Verzweiflung enden mochte. Er hatte jetzt keine Zeit f�r diese so kleinen und doch so gewaltigen Worte wie <emphasis>h�tte</emphasis>, <emphasis>w�re</emphasis> und <emphasis>wenn</emphasis>. Das war der Sirenengesang des Verderbens, gekleidet in das Kost�m des Wunschdenkens. Er musste der Realit�t ins Gesicht sehen, und er brauchte all die Weisheit, Klarheit und Zuversicht, die er nur mobilisieren konnte, um das Schlimmste noch zu verhindern.</p><empty-line/><p>Jaina �berraschte es selbst ein wenig, aber sie erkannte, dass sie Kalecs Gegenwart vermisste. Er hatte den Ernst ihrer Lage niemals auf die leichte Schulter genommen � die Aufgabe, die Iris zu finden, lastete schwerer auf ihm als auf sonst jemandem, schlie�lich geh�rte das Artefakt seinem Schwarm �, aber er hatte dieser sonst so d�steren und be�ngstigenden Aufgabe eine gewisse Leichtigkeit verliehen. Sein Humor war ebenso angenehm wie sein Geist scharf und sein Verhalten zuvorkommend und g�tig. Au�erdem war er �u�erst verst�ndnisvoll gewesen. Er schien genau zu wissen, wann er eine Pause in ihrer Arbeit vorschlagen sollte und wann er weiter auf der Suche nach einem Durchbruch beharren musste, ebenso wie er stets wusste, wo sie zu suchen hatten und welche frischen Ans�tze er einbringen konnte, um den anderen einen neuen Blickwinkel zu zeigen. Er hatte es geschafft, sie alle vier zu motivieren, obwohl die Chancen auf den Erfolg so verschwindend gering gewesen waren.</p><p>Davon abgesehen musste sie zugeben, dass er in seiner Halbelfengestalt gar nicht mal so schlecht ausgesehen hatte. Mit leiser �berraschung erkannte sie, wie lange es schon her war, dass sie sich solche einfachen Freuden wie m�nnliche Gesellschaft und entspannte Unterhaltungen geg�nnt hatte. Noch l�nger war es aber her, seit sie sich zum letzten Mal wirklich � nun � <emphasis>sicher</emphasis> genug gef�hlt hatte, um sich jemandem zu �ffnen und so uneingeschr�nkt mit ihm zusammenzuarbeiten. Bittere Erfahrungen hatten Jaina gelehrt, dass man nur dann ein guter Diplomat sein konnte, wenn man stets wachsam blieb und sich nicht in die Karten schauen lie�. Wer sich nicht daran hielt, der gab sich eine Bl��e und machte sich verwundbar. Und auch wenn die Gesten des Vertrauens selbstverst�ndlich zur Arbeit eines Diplomaten geh�rten und er aufrichtig und ehrlich auf das hinarbeiten musste, was das Beste f�r die Allgemeinheit war � er durfte doch niemals verwundbar werden, denn das hie� dann, alles zu verlieren. Jaina hatte auch einmal geglaubt, alles verloren zu haben, damals, als Arthas der Dunkelheit anheimgefallen war. Und selbst wenn es ein Irrtum gewesen war, wie sie sp�ter erkannt hatte, so hatte sie doch nie wieder jemanden so nahe an sich herangelassen � nicht als Diplomatin und auch nicht als Frau.</p><p>Nun wurde ihr klar, dass sie sich bei Kalecgos verwundbar gemacht hatte. Ohne es �berhaupt zu merken, kitzelte er dieses Gef�hl der Vertrautheit aus ihr heraus. <emphasis>Wie bizarr</emphasis>, dachte sie, und die Komik der Situation verzog ihre Lippen zu einem Schmunzeln. <emphasis>Ich f�hle mich ausgerechnet bei einem</emphasis> Drachen <emphasis>sicher</emphasis>. Andererseits hatte sie sich doch auch bei Go�el sicher gef�hlt, und der war ein Orc, beim Licht! Mehr noch, er war der Kriegsh�uptling der Horde gewesen. Doch bei ihm hatte sie es nie gewagt, ihre Deckung ganz sinken zu lassen.</p><p>Auch wenn sie alle hofften, dass Kalec die Fokussierende Iris finden w�rde, nun, da er sie wieder richtig erkennen konnte, es gab doch noch immer mehr als genug f�r sie zu tun; schlie�lich konnten sie nicht ausschlie�en, dass die F�hrte wieder kalt wurde. Tervosh widmete sich gerade dem Studium von Zauberspr�chen, mit denen man jemanden �ber gro�e Distanzen hinweg bewegungsunf�hig machen konnte, und Kinndy war wieder nach Dalaran zur�ckgekehrt, um eine Truhe mit Schriftrollen zu durchforsten, die sie in der hintersten Ecke der Bibliothek entdeckt hatte. �Ihr w�rdet mich beneiden�, hatte das Gnomenm�dchen gesagt, als Jaina sich das letzte Mal durch den Spiegel mit ihr unterhalten hatte. �Da ist <emphasis>�berall</emphasis> Staub.�</p><p>Doch sie konnten sich nicht allein auf ihre Hoffnungen verlassen, und auch wenn es brutal war, sie mussten praktisch denken. Darum hatten Jaina, Tervosh und die Leidende begonnen, sich Mittel und Wege zu �berlegen, sowohl magische als auch weltliche, um die gro�en Allianzst�dte schnellstm�glich zu evakuieren, sollten die Diebe beschlie�en, die Fokussierende Iris f�r einen Angriff zu benutzen. Jaina hatte sich gerade laut gefragt, ob sie vielleicht auch der Horde �ber die Gefahr berichten sollten, aber die Leidende warf ihr daraufhin einen schneidenden Blick zu. �Mylady�, erkl�rte sie, �wir k�nnen nicht ausschlie�en, dass Mitglieder der Horde f�r diesen Diebstahl verantwortlich sind.�</p><p>�Ebenso wenig k�nnen wir aber ausschlie�en, dass Mitglieder der <emphasis>Allianz</emphasis> hinter der Sache stecken�, entgegnete Jaina. �Beide Seiten k�nnen mit Magie umgehen, Leidende. Kel�Thuzad zum Beispiel war fr�her ein Mitglied der Kirin Tor. Vielleicht geh�ren die T�ter aber auch zu einer v�llig anderen Spezies. Kalimdor ist schlie�lich ein gro�er Kontinent.�</p><p>�Dann sollten wir uns auch ein paar Szenarien �berlegen, um die Horde zu sch�tzen�, schlug Tervosh vor, der sich schon vor langer Zeit daran gew�hnt hatte, einen Kompromiss zwischen den Ansichten dieser beiden Frauen zu finden. �Es kann ja nicht schaden.�</p><p>�Und sollte die Horde tats�chlich angegriffen werden, dann k�nnen wir ihr Vertrauen gewinnen, wenn wir ihnen rasch zu Hilfe eilen�, meinte Jaina, die Diplomatin. Die Leidende schnitt eine Grimasse, sagte aber nichts weiter dazu.</p><p>Nachdem sie so lange das Gef�hl gehabt hatte, mit leerer Luft zu ringen, ohne einen Plan oder auch nur eine klare Vorstellung von dem, wonach sie suchten, war es eine gewaltige Erleichterung, sich nun etwas so Konkretem wie einer Evakuierungsstrategie f�r die gro�en St�dte von Kalimdor zu widmen. Jainas Geist schaltete m�helos, beinahe wie von selbst, auf logisch-rationales Denken um. Kalec hatte ihr gezeigt, was sie bereits gewusst, aber nie bewusst zur Kenntnis genommen hatte: dass Magie Mathematik war. Es gab immer eine M�glichkeit, die Dinge in einer passenden Gleichung zu vereinen. Und falls man diese M�glichkeit nicht erkannte, nun gut, dann hatte man einfach noch nicht gr�ndlich genug gesucht.</p><p>Der Nachmittag ging in den Abend �ber, und nachdem sie die letzten Tage bis weit in die Nacht wach geblieben und schon fr�h am Morgen wieder aufgestanden war, genoss sie es nun, sich einfach ausruhen zu k�nnen. Sie kroch in ihr Bett, kaum dass die Sonne untergegangen war. Die Zuversicht, dass Kalec die Iris bald schon finden w�rde und sie dann zumindest von diesem Problem befreit w�ren, wiegte sie schnell in den Schlaf.</p><empty-line/><p>�Mylady.�</p><p>Jaina war so benommen, dass sie zun�chst glaubte, die dr�ngende Stimme nur in einem Traum zu h�ren. Aber als sie blinzelnd erwachte, sah sie eine hochgewachsene Gestalt mit langen Ohren, die sich als Silhouette vor dem Fenster abzeichnete. �Leidende?�, murmelte sie.</p><p>�Ein Bote ist hier. Wir haben ein Mitglied der Horde gestellt. Der Gefangene� � die Stimme der Leidenden gab deutlich ihre Zweifel wieder � �sagt, er m�sse unbedingt mit Euch sprechen.�</p><p>Jetzt war Jaina wach. Sie rutschte aus dem Bett und griff nach einem �berwurf, w�hrend sie mit einer schnellen Handbewegung die Lampen entz�ndete. Wie �blich trug die Leidende ihre R�stung. �Er behauptet, man h�tte ihn von der Feste Nordwacht losgeschickt, wo die Allianz von der Horde �berrannt wurde.�</p><p>Jainas Atem stockte. Vielleicht h�tte sie doch zur Nordwacht gehen sollen, nachdem Kalecgos aufgebrochen war. Sie seufzte bitterlich. �Ich sollte wahrscheinlich schon froh sein, dass ihm die M�nner, die ihn gefasst haben, nicht sofort an die Kehle gegangen sind.�</p><p>�Er ist ihnen offen entgegengetreten�, teilte ihre Leibw�chterin mit. �Und er hatte dies hier dabei, als Zeichen seiner Ernsthaftigkeit. Er hat den Wachen versichert, Ihr w�rdet es erkennen und mit ihm sprechen wollen. Die M�nner waren zumindest bereit, so lange zu warten, bis Ihr seine Geschichte best�tigt h�ttet.�</p><p>Die Leidende hielt ihr ein gro�es, in wei�es Tuch geh�lltes B�ndel hin, und als Jaina es entgegennahm, fiel ihr auf, wie schwer es war. Behutsam faltete sie den Stoff auseinander. Ihre Augen weiteten sich.</p><p>Es war ein Streitkolben, eine Waffe von gewaltiger Sch�nheit und beeindruckender Handwerkskunst, deren Spitze silbergl�nzend und mit ineinander verwobenen goldenen B�ndern verziert war. Hie und da schimmerten kleine Edelsteine, und auch Runen waren in den Kolben geritzt.</p><p>Jaina starrte die Waffe einen Augenblick lang fasziniert an, dann blickte sie zur Leidenden hoch. �Lass ihn herbringen� war alles, was sie sagte.</p><p>Ein paar Augenblicke sp�ter f�hrten die Wachen den Boten der Horde � Jaina hielt ihn nicht l�nger f�r einen Spion � herein.</p><p>Er war von h�nenhafter Gestalt, sein K�rper unter einem weiten Umhang verborgen. Und so, wie er die Wachen �berragte, bekam Jaina das Gef�hl, dass er die beiden M�nner in Sekundenschnelle h�tte �berw�ltigen k�nnen, ohne auch nur ins Schwitzen zu geraten. Doch stattdessen lie� er sich grob vor ihnen herschubsen.</p><p>�Lasst uns allein!�, befahl Jaina.</p><p>�Mylady?�, fragte einer der Soldaten. �Wir sollen Euch mit dieser � dieser Kreatur � � allein lassen?�</p><p>Sie ma� die Wache mit einem scharfen Blick. �Er ist in gutem Glauben zu mir gekommen, und ich werde nicht dulden, dass man so �ber ihn spricht.�</p><p>Der Mann err�tete sichtlich, w�hrend er und sein Kamerad sich vor ihrer Herrin verbeugten. Dann zogen sie sich zur�ck und schlossen hinter sich die T�ren des Salons.</p><p>Die massige Gestalt richtete sich auf, und eine Hand tauchte zwischen den Falten des Umhangs auf, um die Kapuze zur�ckzuschieben. Nun blickte Jaina in das beherrschte, stolze Gesicht eines Tauren hinauf.</p><p>�Lady Jaina Prachtmeer�, sagte er und neigte den Kopf. �Mein Name ist Perith Sturmhuf. Ich komme auf Befehl meines Oberh�uptlings zu Euch. Er hat mir aufgetragen, Euch den Streitkolben zu geben. Er meinte � Ihr w�rdet meinen Worten eher glauben, wenn ihr ihn gesehen habt.�</p><p>Jaina schloss ihre Finger fester um die Waffe. �Ich w�rde den Furchtbrecher an jedem Ort erkennen�, erkl�rte sie und erinnerte sich noch an jenen Tag, als Baine Bluthuf und Anduin Wrynn in diesem Raum hier zusammengesessen hatten. Ger�hrt von Baines Verlust und seiner Verunsicherung, da er den Titel seines ermordeten Vaters �bernehmen sollte, war der Menschenprinz in sein Gemach geeilt. Und als er zur�ckgekehrt war, hatte er diesen Streitkolben in H�nden gehalten. Er war ein Geschenk von K�nig Magni Bronzebart gewesen, und es hatte Jaina tief bewegt, als Anduin die Waffe an Baine weitergereicht hatte: Der Sohn eines K�nigs der Allianz schenkte dem Sohn eines H�uptlings der Horde etwas so Sch�nes und Wertvolles. Als Baine den Streitkolben angenommen hatte, hatte auch der Furchtbrecher sein Einverst�ndnis gezeigt, indem er in der riesigen Hand des Orcs leicht aufgegl�ht war.</p><p>�Darauf hat er gez�hlt. Lady Jaina � mein Oberh�uptling denkt voller Wertsch�tzung und Respekt von Euch, und wegen des Gedenkens an jene Nacht, als er den Furchtbrecher erhalten hat, l�sst er Euch diese Warnung �berbringen. Die Feste Nordwacht ist an die Horde gefallen.� Er sprach diese Worte ohne jede Freude aus; tats�chlich wirkte Perith grimmig und betr�bt. �Was meinen Oberh�uptling noch weiter besorgt, ist, dass dieser Sieg durch den Einsatz dunkler Schamanenmagie errungen wurde. Er verachtet dieses Vorgehen, aber um sein Volk zu besch�tzen, hat sich Baine einverstanden erkl�rt, der Horde weiter zu dienen, sollten seine Dienste wieder erbeten werden. Er m�chte jedoch betonen, dass ihm diese Pflichten keinerlei Freude bereiten.�</p><p>Jaina nickte. �Das glaube ich ihm nur zu gern. Dennoch hat er sich an einem Akt der Aggression gegen die Allianz beteiligt. Die Feste Nordwacht ��</p><p>�Ist nur der Anfang�, unterbrach Perith sie. �H�llschrei will viel mehr einnehmen als nur einen simplen Au�enposten.�</p><p>�<emphasis>Was?</emphasis>�</p><p>�Sein Ziel ist nichts anderes als die Eroberung des gesamten Kontinents�, fuhr Perith fort, und nicht einmal die ruhige Stimme dieses Tauren konnte den Worten etwas von ihrem gnadenlosen Schrecken nehmen. �Schon bald wird er der Horde den Befehl geben, gegen Theramore zu marschieren. Und h�rt auf meine Worte, wenn ich sage, dass seine Armee gewaltig ist. So, wie es im Moment steht, werdet Ihr unterliegen.�</p><p>Diese Aussage machte er nicht, um sie einzusch�chtern. Er konfrontierte sie einfach nur ehrlich und direkt mit der Wahrheit. Jaina schluckte.</p><p>�Mein Oberh�uptling hat nicht vergessen, wie Ihr ihm einst geholfen habt, darum hat er mich gebeten, Euch zu warnen. Er m�chte nicht, dass Euch der Angriff unvorbereitet trifft.�</p><p>Diese Geste �berw�ltigte Jaina. �Euer Oberh�uptling�, sagte sie mit �berquellendem Herzen, �ist wahrlich ein ehrenwerter Taure. Es erf�llt mich mit Stolz, dass er eine so hohe Meinung von mir hat, und ich danke ihm f�r diese fr�hzeitige Warnung. Bitte sagt ihm, dass er auf diese Weise geholfen hat, unschuldige Leben zu retten!�</p><p>�Er bedauert, nicht mehr f�r Euch tun zu k�nnen, als Euch zu warnen, Mylady. Und � er bittet Euch, den Furchtbrecher entgegenzunehmen und ihn demjenigen zur�ckzugeben, der ihn ihm einst so gro�z�gig zum Geschenk machte. Mein Oberh�uptling glaubt, dass er diese Waffe nicht l�nger tragen sollte.�</p><p>Jaina nickte, obwohl rasch emporsteigende Tr�nen in ihren Augen brannten. Sie hatte gehofft, jene Nacht m�ge der Beginn eines Heilungsprozesses gewesen sein, der Beginn eines gegenseitigen Verst�ndnisses. Doch dies hatte nicht sein sollen. Was ihr Baine auf die f�r ihn so typische, sanfte Weise mitteilte, war, dass ihre Freundschaft nur bis zu einem gewissen Grad reichte � er war kein Mitglied der Allianz und w�rde auch niemals eines sein. Nein, er w�rde bei der Horde bleiben und mit ihr k�mpfen. Sie verstand das, da sie wusste, wie verwundbar das Volk der Tauren w�re, falls es sich jetzt gegen Garrosh stellte. Und auch sie wollte nicht, dass ihnen Leid widerfuhr.</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, dass der Furchtbrecher seinem vorherigen Besitzer zur�ckgegeben wird�, versprach sie, und in diesen wenigen Worten klangen all die Schattierungen und die Widerspr�che in ihrem Herzen wider.</p><p>Perith war ein ausgezeichneter Kurier. Er begriff, was sie meinte, und verbeugte sich tief, w�hrend Jaina zu dem kleinen Schreibtisch auf der anderen Seite des Raumes hin�berging. Nachdem sie Pergament, Tinte, Federkiel und Wachs hervorgeholt hatte, schrieb sie mit flinker Hand einen kurzen Brief, anschlie�end st�ubte sie Puder auf die Tinte, damit sie schneller trocknete. Dann faltete sie das Pergamentpapier zusammen. Zu guter Letzt versiegelte sie den Brief noch mit rotem Wachs und ihrem eigenen, pers�nlichen Stempel, dann stand sie auf und hielt ihn dem wartenden Tauren hin.</p><p>�Das garantiert Euch sicheres Geleit durch das Gebiet der Allianz, solltet Ihr gefangen genommen werden.�</p><p>Er lachte. �Niemand wird mich gefangen nehmen, aber ich wei� Eure Sorge zu sch�tzen.�</p><p>�Und sagt Eurem noblen Oberh�uptling, dass es keine Ger�chte �ber einen Taurensp�her geben wird, der mich besucht hat! Allen, die mich fragen, werde ich sagen, dass wir die Nachricht von einem Kundschafter der Allianz erhalten haben, der vom Schlachtfeld entkommen konnte. Nehmt Euch Proviant und kehrt sicher zu Eurem Volk zur�ck!�</p><p>�M�ge die Erdenmutter auf Euch herabl�cheln, Lady�, sagte Perith. �Jetzt, da ich Euch begegnet bin, kann ich die Entscheidung meines Oberh�uptlings noch besser verstehen.�</p><p>Sie l�chelte ihn traurig an. �Das Licht sei mit Euch, Perith Sturmhuf.�</p><p>�Das Licht? Vielleicht eines Tages. Aber heute ist dieser Tag noch nicht gekommen.�</p><p>Sie blickte ihm nach und musste den unsinnigen Drang unterdr�cken, ihm nachzurufen und allen Tauren Asyl anzubieten. Sie wollte Baine nicht in der Schlacht gegen�berstehen, wollte nicht Zauber wirken m�ssen, die diese sanften, weisen Kreaturen t�ten w�rden. Doch die Tauren waren J�ger, Krieger, und als solche w�rden sie sich nie vor ihrer Pflicht dr�cken. Baine hatte bereits alles getan, was er tun konnte � und um ehrlich zu sein, war es sogar viel mehr, als Jaina erwartet hatte. Nicht wenige w�rden eine solche Warnung als Hochverrat bezeichnen.</p><p>Sie konnte nur hoffen, dass diese Geste f�r den Oberh�uptling der Tauren nicht zu einem Stolperstein wurde.</p><p>Jaina begrub das Gesicht in den H�nden und sammelte St�rke. Als sie sich wieder gefasst hatte, rief sie nach der Leidenden.</p><p>�Weck Tervosh und ruf Kinndy zur�ck! Sie sollen sich in der Bibliothek mit mir treffen.�</p><p>�Darf ich fragen, worum es geht?�</p><p>Jaina blickte ihre Leibw�chterin und Freundin mit m�dem Gesicht an. �Krieg� war alles, was sie sagte.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Es schien, als w�ren der Fokussierenden Iris Fl�gel gewachsen, so schnell bewegte sie sich, und Kalecgos hatte den Gro�teil des Tages damit verbracht, ihrer Spur pflichtbewusst zu folgen, wie eine Dogge, die einer F�hrte nachging. Als er von Theramore aufgebrochen war, hatte ihn das Artefakt von der Insel aus nach Nordosten gef�hrt, und Kalecgos hatte vermutet, dass sie sich nun in Mulgore befand, vielleicht in der N�he von Donnerfels. Als der Drache dann das Gro�e Tor erreichte, verharrte die Iris einen Moment lang und begann anschlie�end nach Nordwesten zu wandern, in Richtung Orgrimmar. Kalec folgte ihrer Aura, so schnell ihn seine Fl�gel durch die Luft tragen konnten, um den Abstand zu verringern. Aber kaum dass er das Wegekreuz passiert hatte, schlug die Iris einen weiteren Haken, und nun bewegte sie sich beinahe direkt nach S�den.</p><p>Da traf eine pl�tzliche Erkenntnis den Drachen � so heftig wie ein Blitz. Kurz stockte sein Fl�gelschlag.</p><p>�Ihr seid schlau, meine Feinde�, fl�sterte er.</p><p>Man konnte ihnen jedenfalls nicht vorwerfen, Narren zu sein. Er hingegen hatte sich w�hrend dieser Reise schon mehr als einmal wie ein solcher verhalten. Erst war es ihm nicht gelungen, einen schlichten Zauber zu durchschauen, und dann war er in seiner �berheblichkeit davon ausgegangen, dass die Diebe, die mit der Fokussierenden Iris geflohen waren, nicht mit einem Verfolger rechneten.</p><p>Doch nat�rlich hatten sie geahnt, dass man ihnen nachsetzen w�rde. Man stahl einem Drachenschwarm nicht einfach so ein unsch�tzbar wertvolles Artefakt, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Sie hatten gewusst, dass sich ein Drache, vermutlich Kalecgos selbst, auf die Suche nach der Iris machen w�rde. Darum hatten sie mehr getan, als diesen Gegenstand nur zu tarnen. Auf irgendeine Weise transportierten sie ihn jetzt von Ort zu Ort, um ihren Verfolger zu ersch�pfen, der den Bewegungen der Iris folgte, ohne jemals nahe genug heranzukommen, um sie tats�chlich zu finden.</p><p>Wenn er sich nicht irrte, nannten die Menschen so etwas einen <emphasis>Metzgergang</emphasis>.</p><p>Einen Moment lang konnte er sein Temperament nicht mehr beherrschen und br�llte seine Wut hinaus. Nicht einmal ein Drache konnte endlos weiterfliegen. Er w�rde die Iris nie einholen, wenn sie in Bewegung blieb. Noch w�hrend diese Erkenntnis in sein Bewusstsein sickerte, �nderte das Artefakt einmal mehr seinen Kurs und raste in s�dwestlicher Richtung weiter.</p><p>Kalecgos� Schwanz peitschte die Luft, seine Fl�gel schlugen heftig, aber dann beruhigte er sich wieder. Es stimmte: Solange die Diebe weiter so mit ihm spielten, w�rde er ihnen nie nahe genug kommen, um sich die Fokussierende Iris zur�ckzuholen.</p><p>Aber auch sie konnten nicht st�ndig in Bewegung bleiben. Doch solange das Artefakt in wildem Zickzackkurs durch das Land transportiert wurde, war Azeroth sicher; um den Gegenstand einzusetzen, m�ssten Kalecgos� Feinde schon haltmachen.</p><p>Er war zwar gezwungen gewesen, eine Pause einzulegen, um sich zu erholen, aber w�hrend der vergangenen Stunden hatte ihn sein Weg dennoch �ber Silithus, den Krater von Un�Goro und Feralas hinweggef�hrt, dann weiter durch Mulgore und das Brachland, und jetzt �</p><p>Dort lag die Feste Nordwacht vor ihm, oder besser: das, was noch davon �brig war.</p><p>Einst hatte die Burg ihre T�rme emporgereckt und die Bewohner mit ihren Mauern gesch�tzt. Sie war ein milit�risches Bollwerk gewesen, von dem aus Sp�her und Belagerungswaffen, Krieger und Gener�le ins Feindesland vorstie�en. Die Truppen, die Camp Taurajo zerst�rt hatten, waren hier stationiert gewesen. Jetzt aber sah es aus, als h�tte die Hand eines Riesen die Feste wie ein Spielzeug zerschmettert. Von den T�rmen zeugten nur noch Tr�mmerhaufen, ebenso von den Mauern. Die Kanonen schwiegen und Rauch stieg in einer d�nnen grauen Linie von einem gro�en Feuer auf. Rings um die Ruinen des einst so stolzen Allianzst�tzpunktes schw�rmten Hunderte winziger Gestalten umher.</p><p>Die Horde. Kalec flog zwar zu hoch, um ausmachen zu k�nnen, welche Rassen dort unten versammelt waren, aber er erkannte doch die Hauptfarben der einzelnen Banner. Alle St�mme waren hier versammelt. Da drehte der Wind, und der Drache verzog das Gesicht, als seine empfindliche Nase einen s�uerlichen Geruch wahrnahm. Die Sieger verbrannten Leichen in der Feste � aber ob es nun eine and�chtige Zeremonie war, um ihre eigenen Gefallenen zu bestatten, oder ob sie ihre Feinde auf den Scheiterhaufen warfen, Kalec konnte es nicht mit Gewissheit sagen � und er wollte es auch gar nicht wissen.</p><p>Die Spur der Fokussierenden Iris zog sich unbeeindruckt von alledem weiter dahin, dann beschrieb sie einen zus�tzlichen Knick, wieder zur�ck in Richtung Mulgore. Doch Kalec beschloss, ihr nicht weiter zu folgen. Mit einem m�chtigen Fl�gelschlag drehte er stattdessen seinen K�rper und �nderte den Kurs, sodass er direkt nach S�den flog. Er hatte einen neuen Plan gefasst.</p><p>Kalec konnte der Aura der Fokussierenden Iris auch von Theramore aus folgen � genau dies w�rde er also tun. Er w�rde warten, bis das Artefakt endlich an einem Ort verharrte, bis die Diebe ihres Spieles m�de wurden, und dann w�rde er so schnell wie m�glich dorthin fliegen. In der Zwischenzeit wollte er zu Jaina Prachtmeer zur�ckkehren.</p><p>Nach dem, was er gerade gesehen hatte, w�rde sie jede Hilfe brauchen, die sie nur bekommen konnte.</p><empty-line/><p>�Wie viele, hat er gesagt?�, fragte die Leidende. Sie, Tervosh, Kinndy und Jaina hatten sich in der Bibliothek versammelt, aber der lange Tisch, an dem sie in letzter Zeit so viele Stunden verbracht hatten, war nun nicht l�nger mit B�chern und Schriftrollen bedeckt. Stattdessen hatte man dort eine gro�e Karte von Kalimdor ausgebreitet, und die einzigen B�cher, die noch auf der Tischfl�che lagen, dienten dazu, die Ecken des Pergamentpapiers niederzudr�cken.</p><p>�Er hat keine Angaben gemacht�, antwortete Jaina. �Zumindest keine genauen. Er meinte nur, die Armee der Horde werde gewaltig sein.�</p><p>�Seid Ihr sicher, dass Ihr ihm vertrauen k�nnt?�, wollte Kinndy wissen. �Ich meine, kommt schon � er ist ein Mitglied der Horde. Das k�nnte eine Falle sein. Wir rufen Verst�rkung und ziehen unsere Truppen um Theramore zusammen, und dann greifen sie stattdessen Sturmwind an oder so etwas.�</p><p>�F�r jemanden, der noch so jung ist, seid Ihr schon bemerkenswert misstrauisch�, sagte in diesem Augenblick eine Stimme.</p><p>Jaina wirbelte herum, und ihr Herz schlug leichter, als sie Kalec in das Zimmer treten sah. Ihre Freude wurde jedoch deutlich getr�bt, als sie in sein Gesicht blickte. Es war noch immer attraktiv, und der Drache l�chelte auch, aber er war bleicher, als sie ihn in Erinnerung hatte. Tiefe Furchen hatten sich in seine Stirn gegraben.</p><p>�Ihr konntet sie nicht finden�, stellte sie leise fest.</p><p>Kalec sch�ttelte den Kopf. �Sie spielen ein kleines Spiel mit mir�, erkl�rte er. �Wann immer ich mich der Fokussierenden Iris n�here, bringen sie sie an einen anderen Ort.�</p><p>�Sie versuchen, Euch zu erm�den�, nickte die Leidende. �Keine schlechte Strategie.�</p><p>�Schlecht oder nicht, es ist ebenso frustrierend, wie mit einem Goblin zu feilschen�, meinte Kalec. �Ich kann das Artefakt von hier aus sp�ren, also werde ich warten, bis sie langsamer werden und anhalten. Dann will ich wieder danach suchen.�</p><p>�K�nnt Ihr es Euch denn leisten zu warten?�, fragte die Leidende.</p><p>Jaina antwortete an seiner statt. �Wir wissen nicht, was sie vorhaben, aber ein so altes Artefakt f�r ihre Pl�ne vorzubereiten � wie immer die auch aussehen m�gen �, wird sie Zeit und M�he kosten. Vor allem, da sie keine blauen Drachen sind und daher auch keine tiefer gehende Verbindung mit der Fokussierenden Iris haben. Kalecgos hat recht. Sobald die Iris zur Ruhe kommt, kann er sie aufsp�ren.�</p><p>�Ich hoffe nur, Ihr habt genug Zeit, sie zu erreichen�, sagte Kinndy.</p><p>�W�re es Euch lieber, ich w�rde dort drau�en endlos herumfliegen?�</p><p>�Nun, wenn Ihr so fragt � nein.�</p><p>Er nickte und wandte sich an Jaina. �Ich bin auch aus einem anderen Grund zur�ckgekehrt�, erkl�rte er. �Ich vermute, Ihr habt schon davon geh�rt, aber die Feste Nordwacht wurde von der Horde gest�rmt. Ich habe gesehen, was noch von ihr �brig ist.�</p><p>�Wir wissen davon�, best�tigte sie. �Durch eine �u�erst vertrauensw�rdige Quelle. Aber � nun, Ihr habt es selbst gesehen. Au�erdem wurde ich gewarnt, dass die Horde von dort gegen Theramore marschieren will.�</p><p>Kalec wurde noch ein wenig blasser. �Jaina � Ihr seid nicht im Geringsten auf einen solchen Angriff vorbereitet.�</p><p>�Man hat uns gesagt, ihre Streitmacht sei groߓ, f�gte Jaina hinzu. �Ja, und auch, dass wir ihnen zurzeit nichts entgegensetzen k�nnen. Aber dank dieser Warnung habe ich nun die Gelegenheit, eine Bitte um Hilfe an die V�lker der Allianz zu schicken.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob das reichen wird�, brummte Kalec. �Jaina, s�mtliche Rassen der Horde waren dort. Sie haben die Nordwacht f�rmlich vom Angesicht Azeroths getilgt. Das Einzige, was man jetzt noch dort finden kann, sind Tr�mmer � und Scheiterhaufen. Aber die Truppen haben sich nicht aufgel�st. Ihre Armee ist noch immer eine Armee. Ich w�nschte, ich k�nnte Euch wirklich zeigen, was ich gesehen habe. Falls Eure Bitte um Hilfe abgeschmettert werden sollte, werdet Ihr diesen Angriff nicht �berleben.�</p><p>�Und dann wird Garrosh auch die restlichen Allianzst�tzpunkte hier vernichten�, sagte Tervosh. Kalec nickte, seine Augen waren voller Trauer.</p><p>Jaina blickte erst die beiden M�nner an, dann die Leidende und Kinndy. �Ihr tut ja alle so, als h�tte die Horde bereits gewonnen. Ich werde das nicht einfach so hinnehmen.� Sie kniff die Augen zusammen und schob das Kinn trotzig vor. �Ich glaube Kalec, wenn er sagt, dass eine Armee der Horde bei der Nordwacht ihr Lager aufgeschlagen hat. Aber falls sie jetzt dort sind, dann hei�t das doch auch, dass sie noch nicht marschieren. Und falls sie nicht marschieren, sind sie noch nicht bereit, uns anzugreifen. Und dies wiederum bedeutet, dass wir noch Zeit haben.�</p><p>Sie ging zu dem Tisch zur�ck, wobei sie Kalecs neugierigen Blick auf sich sp�rte. �Seht! Hier liegt die Nordwacht.� Ihr schlanker Finger tippte auf die Karte. �Und hier, das ist Theramore.� Ihr Finger glitt nach rechts unten �ber das Pergament. �Da dr�ben liegt Brackenwall; einige Mitglieder der Horde leben dort, aber es ist kein milit�rischer Au�enposten. Allerdings liegt dieses Dorf zwischen der Triumphfeste und uns.� Besagte Triumphfeste war eine noch relativ junge Milit�rbasis, und Jaina war sicher, dass � w�re mehr Zeit gewesen � die Besatzung dieses Forts Verst�rkung zur Nordwacht entsandt h�tte. F�r die Feste mochte es inzwischen zu sp�t sein, aber sie betete, dass es f�r Theramore noch eine Chance gab.</p><p>�Falls die Soldaten aus der Triumphfeste durch die D�stermarschen kommen, sollten sie sich unbemerkt an Brackenwall vorbeischleichen k�nnen. Sie m�ssen nur vorsichtig sein. Au�erdem k�nnen wir Boten zum Gefechtsstand schicken.�</p><p>�Falls dort �berhaupt noch jemand ist�, warf Kalec ein. �Als ich �ber den St�tzpunkt hinwegflog, machte er einen ziemlich verlassenen Eindruck.�</p><p>�Die meisten Soldaten sind wahrscheinlich losgeeilt, um der Nordwacht zu helfen�, vermutete Kinndy.</p><p>Was bedeutete, dass die meisten von ihnen nun wohl tot waren, �berlegte Jaina. Ein schmerzhafter Stich begleitete den Gedanken, und sie sch�ttelte das goldene Haupt, wie um das Bild durch eine physische Bewegung vor ihrem inneren Auge zu verscheuchen.</p><p>�Alle, die vom Schlachtfeld fliehen konnten, werden sich vermutlich eher bei der Triumphfeste gesammelt haben als in Ratschet�, erkl�rte sie. �Das ist also der erste Ort, an dem wir nach �berlebenden suchen sollten.�</p><p>Kalec trat neben sie und blickte konzentriert auf die Karte hinab. Sie musterte ihn fragend, in der Erwartung, dass er einen Kommentar anbieten werde. Doch er sch�ttelte nur den Kopf. �Fahrt fort�, sagte er.</p><p>�Theramore ist zugleich h�chst verwundbar und leicht zu verteidigen. Es kommt ganz darauf an, wie schnell die Verst�rkung da sein wird. Falls wir uns beeilen, k�nnte uns Sturmwind noch rechtzeitig einen Teil seiner Flotte schicken, dann kommen die Schiffe der Horde nicht nahe genug heran, um ihre Mannschaften an Land zu entlassen.� Sie platzierte ihren Finger auf der Karte und zeichnete einen Halbkreis um Theramore.</p><p>�Falls die Horde den Hafen aber zuerst erreicht�, murrte die Leidende, �haben wir nicht die geringste Chance.�</p><p>Jaina drehte sich zu ihr herum. �Das stimmt�, sagte sie. �Vielleicht sollten wir einfach unsere Waffen niederlegen und uns am Hafen aufstellen, um die Horde zu begr��en. So w�rden wir uns die M�he sparen, gegen sie k�mpfen zu m�ssen.�</p><p>Die lila-rosafarbenen Wangen der Nachtelfin nahmen eine noch tiefere F�rbung an. �Ihr wisst, dass ich auf so etwas nicht hinauswollte.�</p><p>�Nat�rlich wolltest du das nicht. Aber wir m�ssen mit der Hoffnung � nein, mit der <emphasis>�berzeugung</emphasis> � an diese Schlacht herangehen, dass wir gewinnen werden. Falls jemand Fehler in meinem Plan entdeckt, kann er das gerne sagen.� Das galt vor allem Kalecgos; die Leidende, Kinndy und Tervosh wussten bereits, dass sie f�r konstruktive Kritik jederzeit offen war. �Aber solche Kommentare, Leidende, senken nur unsere Moral. Theramore hat sich in der Vergangenheit schon oft verteidigt. Und wir werden es wieder tun.�</p><p>�Wem habt Ihr bislang schon Hilfeschreiben geschickt?�, fragte Kalec.</p><p>Jaina l�chelte schwach. �Hilfeschreiben? Niemandem. Und ich habe mich auch nirgendwohin teleportiert. Ich habe eine M�glichkeit, mich direkt mit K�nig Varian, dem jungen Anduin und dem Rat der drei H�mmer in Verbindung zu setzen.�</p><p>�Das m�ssen interessante Gespr�che sein�, meinte Kalec. �Nach dem, was ich geh�rt habe, scheinen die drei Zwerge nur in den wenigsten Dingen einer Meinung zu sein.�</p><p>Vor gar nicht allzu langer Zeit war Magni Bronzebart noch das Oberhaupt von Eisenschmiede gewesen. Doch als die Erde vor dem Kataklysmus immer mehr in Aufruhr geriet, hatte er versucht, diesem R�tsel auf den Grund zu gehen, und darum ein Ritual durchgef�hrt, das ihn �eins mit der Erde� werden lassen sollte. In gewisser Weise war es auch ein Erfolg gewesen, denn Magni war im wahrsten Sinne des Wortes eins mit der Erde geworden: Er hatte sich in einen Diamanten verwandelt.</p><p>In dem folgenden Chaos hatte Magnis Tochter Moira versucht, mithilfe der Dunkeleisenzwerge den Thron und die Macht f�r sich in Anspruch zu nehmen. Doch schon bald war die Ordnung wiederhergestellt worden, und anstatt die Tradition eines einzelnen Herrschers fortzusetzen, hatten die Zwerge einen Rat ins Leben gerufen, in dem jeder Klan � Bronzebart, Wildhammer und Dunkeleisen � durch einen Repr�sentanten vertreten war. Dieses F�hrungsgremium wurde der <emphasis>Rat der Drei H�mmer</emphasis> genannt, und auch, wenn die einzelnen Mitglieder zusammenarbeiteten, war es doch jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung f�r sie, eine einstimmige Entscheidung zu finden.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem von ihnen die Vorstellung gef�llt, die Horde beherrsche Kalimdor�, sagte Jaina. ��ber einige Details m�gen sie streiten, aber in der Sache werden sich alle drei einig sein.�</p><p>Pl�tzlich wirkte Kalecgos beklommen, und Jaina glaubte, auch zu wissen, warum. Sanft legte sie ihm die Hand auf den Arm. �Ihr seid ein Drache, Kalecgos�, sagte sie. �Ihr m�sst Euch nicht an diesen Vorbereitungen beteiligen. Vor allem, da Ihr ein ehemaliger Aspekt seid und mit der Suche nach einem gestohlenen Artefakt schon genug zu tun habt.�</p><p>Er l�chelte. �Danke f�r Euer Verst�ndnis, Jaina! Aber � ich m�chte nicht, dass hier jemand zu Schaden kommt.�</p><p>�Lady Jaina wei� schon, was sie tut�, meinte Kinndy. �Die Allianz wird kommen und ihre Mitglieder besch�tzen.�</p><p>Kalecgos sch�ttelte den Kopf. �Das ist mehr als ein Scharm�tzel oder ein Angriff auf ein kleines Dorf. Falls die Horde Erfolg hat, w�ren Garroshs Tr�ume, ganz Kalimdor zu kontrollieren, gar nicht mehr so weit hergeholt. Ich � brauche Zeit, um nachzudenken, bevor ich Euch Hilfe anbieten kann. Es tut mir leid, Jaina.�</p><p>Er blickte ihr direkt in die Augen, und da erkannte sie ohne jeden Zweifel, wie sehr ihn diese Sache qu�lte. Als h�tten sie einen eigenen Willen, bewegten sich ihre und Kalecs Hand aufeinander zu, dann schlossen sie sich umeinander. Am liebsten h�tte Jaina ihn gar nicht mehr losgelassen, aber sie wusste, dass sie sich jetzt ganz auf die Verteidigung von Theramore konzentrieren musste.</p><p>�Wir sollten sofort erste Schritte einleiten�, erkl�rte sie. �Ich werde mit Varian sprechen. Leidende, geh du zu den Soldaten � zu denen hier in Theramore und zu denen, die entlang der Stra�en postiert sind. Falls es in der Sp�herwacht nicht mindestens ein Pferd gibt, besorg ihnen eines. Sie m�ssen in der Lage sein, schnell wie der Wind in die Stadt zu reiten, um Meldung zu machen, sobald sich die Horde auf der Stra�e n�hert.�</p><p>Die Nachtelfin nickte, salutierte und rannte eilends aus dem Raum. �Was ist mit den Zivilisten?�, fragte Kinndy. �Sollen wir es ihnen auch sagen?�</p><p>Jaina dachte dar�ber nach, die Stirn in gr�blerische Falten gelegt. �Ja�, sagte sie schlie�lich. �Urspr�nglich war Theramore eine kriegerische Stadt. Wer sich entscheidet, an diesem Ort zu leben, wei� um seine strategische Position. Bislang war uns das Gl�ck hier stets hold. Sie werden die Lage verstehen und unseren Befehlen gehorchen.�</p><p>Sie wandte sich Tervosh zu. �Du und Kinndy, ihr geht von T�r zu T�r und sagt den B�rgern Bescheid. Keine Schiffe d�rfen den Hafen mehr verlassen � wir brauchen jeden Kahn, den wir haben. Diejenigen Zivilisten, die trotzdem aus der Stadt verschwinden m�chten, k�nnen das tun, auch wenn ich glaube, dass sie hier sicherer sind als irgendwo drau�en in den Marschen, wenn die Horde kommt. Die Tore bleiben noch bis zum Sonnenuntergang ge�ffnet, dann werden wir sie schlie�en. Und sie werden erst wieder ge�ffnet, wenn die Gefahr vor�ber ist. Abgesehen davon werde ich eine Ausgangssperre verh�ngen, die zwei Glockenschl�ge nach Einbruch der Dunkelheit in Kraft tritt.�</p><p>�Warum nicht schon bei Sonnenuntergang?�, wollte Kalec wissen.</p><p>�Weil das Menschen sind, Personen, und sie sollen sich auch wie Personen f�hlen, nicht wie eingesperrte Tiere. Bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang werden sie alle noch einmal Gelegenheit haben, mit ihrer Familie in einer Taverne zu essen oder am Feuer mit ihren Freunden zu trinken. Wenn der Feind kommt, werden gerade so einfache Dinge wie diese sie an das erinnern, wof�r sie k�mpfen; nicht nur f�r irgendein Ideal oder f�r ihr Leben, sondern auch f�r ihr Zuhause, f�r ihre Familien und ihre Lebensart.�</p><p>Kalecgos wirkte �berrascht. �Daran � habe ich gar nicht gedacht.�</p><p>�Gleichzeitig sind zwei Stunden aber zu kurz, als dass sich irgendjemand in gro�e Schwierigkeiten bringen k�nnte�, meinte Kinndy. Jaina warf ihr einen verwirrten Blick zu und fragte sich, woher das Gnomenm�dchen solche Dinge nur wusste? �Gute Idee.�</p><p>�Danke, Allwissende�, sagte sie, und als Kinndy daraufhin die Augen verdrehte, musste sie l�cheln. �Gibt es noch Fragen?�</p><p>�Nein�, erkl�rte Kinndy. �Kommt schon, Tervosh! Ich �bernehme den Hafen, und Ihr sprecht mit den Soldaten an der Wehrzitadelle. Und wenn Ihr schon da seid, fragt auch gleich nach, welche Mittel Doktor van Howzen ben�tigen wird, um die Verwundeten zu behandeln. Es gibt viele Zivilisten in der Stadt, die wissen, wie man Erste Hilfe leistet. Ich bin sicher, sie werden ihm gerne helfen.�</p><p>Tervosh unterdr�ckte ein Grinsen. �Jawohl, Boss�, sagte er, w�hrend Kinndy Jaina und Kalec noch kurz und abwesend zuwinkte, um dann schnellen Schrittes die Treppe hinabzusteigen. Mit einem Schulterzucken folgte der Erzmagier ihr.</p><p>�Eure Sch�lerin scheint sehr selbstbewusst zu sein�, kommentierte Kalecgos.</p><p>�Und ich hoffe, dass sie das auch bleibt�, meinte Jaina. �Kaum etwas ist gef�hrlicher als ein verunsicherter Magier. Ein Z�gern zu einem kritischen Zeitpunkt kann viele Leben kosten.�</p><p>Er nickte. �Wohl wahr. Und � was kann ich tun, um Euch zu helfen?�</p><p>�Das lasse ich Euch noch wissen. Jetzt muss ich mich erst einmal mit K�nig Varian in Verbindung setzen�, erkl�rte sie, bevor sie in entschuldigendem Ton hinzuf�gte: �Ich f�rchte, er w�re nicht gerade gl�cklich, wenn er w�sste, dass ein blauer Drache bei dieser Unterredung zugegen ist.�</p><p>�Oh ja, ich verstehe�, nickte Kalec. �Ich werde in mein Zimmer zur�ckkehren, bis Ihr nach mir rufen lasst.�</p><p>�Nein, Ihr k�nnt ruhig mitkommen�, sagte Jaina. �Stellt Euch nur nicht vor den Spiegel!�</p><p>Sie l�chelte, als sie seinen verwirrten Blick auffing.</p><empty-line/><p>Kalecgos folgte Jaina aus der Bibliothek, wo sich Tausende von B�chern aneinanderreihten, in ihren Salon, wo es vermutlich nur ein paar Dutzend gab. Die Lady von Theramore trat vor ein Regal und ber�hrte drei dieser B�cher, in einer ganz bestimmten Reihenfolge, wie Kalec auffiel. Daher war er nicht sonderlich �berrascht, als das Regal zur Seite glitt und einen ovalen Spiegel enth�llte, der hinter den B�chern verborgen gewesen war. Der Drache blinzelte. Innerhalb des unscheinbaren Rahmens konnte er nur Jainas und seine eigene Reflexion sehen.</p><p>�Ihr erw�hntet einen Spiegel. Aber ich hoffe doch, dies ist mehr als nur ein diskreter Fingerzeig, dass ich mich rasieren sollte�, scherzte er.</p><p>�Viel mehr�, versicherte sie ihm. �Es basiert auf derselben Methodik, derselben Mathematik� � sie verbeugte sich leicht � �wie ein Portal, nur dass es eben wesentlich schlichter und einfacher ist. Portale m�ssen in der Lage sein, jemanden an einen anderen Ort zu transportieren. Dieser Spiegel hingegen zeigt mir nur einen anderen Ort und, falls alles richtig abgestimmt ist, auch andere Personen. Ich werde ihn jetzt aktivieren, um Varian zu erreichen. Hoffen wir, dass er in der N�he ist, sonst m�ssen wir es sp�ter noch einmal versuchen.�</p><p>Kalec sch�ttelte den Kopf, einmal mehr fasziniert von der wundervoll unkomplizierten Herangehensweise der j�ngeren Rassen an die Magie. �Ich kenne diese Art von Zauber. Sie ist sehr alt und �u�erst simpel, genau wie der <emphasis>Kost�m</emphasis>-Zauber, den die Diebe benutzt haben, um die Fokussierende Iris vor meinen Sinnen zu verbergen.�</p><p>�Und Euer Schwarm benutzt sie dennoch nicht?�</p><p>�Die meisten Drachen halten es f�r unter ihrer W�rde, solche Wald- und Wiesenzauber einzusetzen�, erkl�rte er, nur um dann rasch hinzuzuf�gen: �Aber ich f�r meinen Teil finde, sie sind brillant.�</p><p>�Dann will ich mal versuchen, mich nicht beleidigt zu f�hlen�, sagte Jaina. Aber obwohl sie die Worte in freundschaftlichem Ton aussprach, hatten sich ihre Augenbrauen wieder zusammengezogen.</p><p>�Verzeiht�, begann Kalec und griff nach ihren H�nden, �ich bin unbeholfen und unh�flich. Ich halte diese Zauber <emphasis>wirklich</emphasis> f�r gro�artig. Wir Drachen �� Er �berlegte, wie er ihr die Einstellung der Drachenschw�rme verst�ndlich machen k�nnte, vor allem die des blauen Schwarms. �Drachen scheinen zu glauben, dass die Qualit�t einer Sache mit ihrer Komplexit�t zusammenh�ngt. Je l�nger es dauert, etwas auszuf�hren, je mehr Zutaten n�tig sind, je mehr Personen daran beteiligt sein m�ssen, desto besser. Das gilt f�r Kleider, Mahlzeiten, Magie, Kunst � einfach f�r alles. Sie w�rden sich eher tagelang zur�ckziehen und einen komplizierten Zauber ersinnen, der einer Speise die richtige W�rze verleiht, als einfach aufzustehen und den Pfefferstreuer zu holen.�</p><p>Das entlockte ihr ein L�cheln, wie er erleichtert feststellte. �Dann gef�llt Euch also, wie einfach und unkompliziert ich bin?�, fragte sie nach.</p><p>Jeglicher Humor schmolz dahin. �<emphasis>Ihr</emphasis> gefallt mir� war alles, was er sagen konnte. �Ich habe Euch einfach und offen erlebt, und ich habe Euch kompliziert und vielschichtig erlebt. All das steht Euch gut zu Gesicht. Das alles ist Jaina. Und � ich mag Jaina.�</p><p>Sie lie� seine Hand nicht los, blickte stattdessen auf sie hinab. �Solche Worte von einem Drachen, das ist ein gro�es Kompliment�, meinte sie.</p><p>Er legte ihr einen Finger unter das Kinn und dr�ckte ihren Kopf sanft nach oben, sodass sie ihm in die Augen sehen musste. �Falls das ein Kompliment ist, habt Ihr es Euch redlich verdient.�</p><p>Ihre Wangen r�teten sich, als sie einen Schritt nach hinten machte und seine Hand loslie�, dann strich sie ihr Kleid glatt, auch wenn das �berhaupt nicht n�tig war. �Nun � danke! So � wenn Ihr Euch jetzt bitte dort in diese Ecke stellen w�rdet. Ihr m�sst au�erhalb von Varians Blickfeld sein.�</p><p>�Euer Wunsch ist mir Befehl, Mylady�, sagte er und zog sich in die Ecke zur�ck, auf die sie gezeigt hatte.</p><p>Jaina wandte sich derweil dem Spiegel zu, und nachdem sie noch kurz innegehalten hatte, um sich eine widerspenstige Str�hne aus der Stirn zu streichen, nahm sie einen tiefen, beruhigenden Atemzug. Nun wieder v�llig beherrscht, murmelte sie eine Formel und bewegte ihre H�nde. Vor Kalecs Augen erhellte ein bleiches blaues Leuchten ihr Gesicht, ein Schein, der weder den Lampen noch der Sonne entstammte.</p><p>�Jaina!�, sagte Varian. �Es tut gut, Euch zu sehen.�</p><p>�Ich freue mich ebenfalls, Varian. Auch, wenn ich w�nschte, ich w�rde Euch nur sprechen, um mich nach Anduins Fortschritten zu erkundigen.�</p><p>�Das klingt, als sollte ich mir dasselbe w�nschen. Was ist geschehen?�</p><p>Mit knappen Worten weihte sie ihn in die Lage ein. Die Nachricht vom Fall der Feste Nordwacht hatte den K�nig noch nicht erreicht, und er lauschte Jainas Ausf�hrungen gr��tenteils schweigend, nur ab und zu fragte er nach, um Unklarheiten auszur�umen. Zu guter Letzt erz�hlte sie ihm auch von der Warnung, dass die Ambitionen der Horde weit �ber die Nordwacht hinausreichten.</p><p>�Garrosh will ganz Kalimdor f�r sich�, erkl�rte sie leise. �Erst wird er Theramore einnehmen, und dann wird er seine Truppen �ber den Kontinent aussenden, bis nach Teldrassil.�</p><p>�Und falls Theramore f�llt, k�nnte er damit sogar Erfolg haben�, knurrte Varian. �Verflucht, Jaina, hab ich Euch nicht immer wieder gewarnt, dass die Horde, auf die Ihr so gro�e St�cke haltet, sich eines Tages gegen Euch wenden w�rde wie eine gez�hmte wilde Bestie?�</p><p>Kalec zog die Augenbraue hoch, aber Jaina blieb ruhig. �Es ist ganz offensichtlich, dass Garrosh die treibende Kraft hinter diesen Pl�nen ist. Unter Thralls F�hrung h�tte die Horde niemals etwas Derartiges gewagt.�</p><p>�Aber Thrall f�hrt die Horde nicht mehr, und vielleicht muss nun Theramore � oder sogar ganz Kalimdor � den Preis bezahlen!�</p><p>Sie ging nicht auf den Vorwurf ein. �Ihr begreift also, wie ernst unsere Lage ist.�</p><p>Ein Seufzen. �Allerdings�, sagte Varian dann. �Und um Eure unausgesprochene Frage zu beantworten, ja, Sturmwind wird Theramore beistehen. Ich werde der Flotte der Siebten Legion sofort den Befehl zum Aufbruch geben.� Kurz z�gerte er. �Und da zumindest in einigen Teilen dieser Welt so etwas wie Ruhe eingekehrt zu sein scheint, werde ich auch einige meiner besten Gener�le von ihren Posten abziehen und nach Theramore schicken. Sie werden Euch bei der Verteidigung der Stadt helfen, und ich bin mir sicher: Gemeinsam werdet Ihr eine Strategie ausarbeiten, um die Horde zu besiegen, damit diese Hunde mit eingezogenem Schwanz nach Hause zur�ckrennen.�</p><p>Dankbar l�chelte sie ihn an. �Varian � ich danke Euch.�</p><p>�Wartet noch etwas mit dem Dank�, ermahnte sie der K�nig von Sturmwind. �Es wird ein paar Tage dauern, schlie�lich sollt Ihr die Horde mit einer ordentlichen Streitmacht begr��en k�nnen, und einige der Gener�le, die ich f�r diese Aufgabe im Sinn habe, sind zurzeit in entlegenen Gebieten stationiert.�</p><p>Kalecs Herz schlug schwerer. Die Horde war nur einen, h�chstens zwei Tagesm�rsche entfernt, und ihre Armee hatte sich bereits an der Nordwacht gesammelt. Grunds�tzlich gab es an Varians Strategie nichts auszusetzen, aber all seine Schiffe und alle seine Gener�le w�rden Theramore nicht retten k�nnen, wenn sie eine Stunde zu sp�t kamen. Er w�nschte, er k�nnte dies dem K�nig sagen, doch stattdessen musste er sich damit begn�gen, frustriert die F�uste zu ballen. Schlimmer als seine eigene Entt�uschung war nur, den verbl�fften, sorgenvollen Ausdruck auf Jainas Gesicht zu sehen.</p><p>�Seid Ihr sicher? Varian, Ka� einer meiner Sp�her sagte, dass er die Armee der Horde noch immer in voller St�rke bei der Nordwacht gesehen habe.�</p><p>�Nun, solange sie dort sind, marschieren sie zumindest nicht nach Theramore�, �bte sich Varian in Zuversicht. �Sie scheinen gar nicht an einer schnellen Eroberung interessiert zu sein. Vermutlich haben sie ganz eigene Pl�ne. Ich werde alle zur Eile antreiben, Jaina, aber es braucht seine Zeit, eine Flotte zusammenzustellen, die gegen einen solchen Feind etwas ausrichten kann. Und an dieser Tatsache l�sst sich auch nichts �ndern. Es tut mir leid, das ist alles, was ich tun kann.�</p><p>Jaina nickte. �Ich wei�, Varian. Eure Einsch�tzung gibt mir Hoffnung. Ich werde mich auch mit den anderen Anf�hrern der Allianz in Verbindung setzen. Vielleicht k�nnen uns die Kaldorei Schiffe und Soldaten schicken, und die Zwerge Krieger und ein paar Greife. Ich glaube, sogar die Draenei w�ren unter diesen Umst�nden bereit, uns zu helfen.�</p><p>�Ich werde mit Graum�hne sprechen�, versprach Varian. �Ich kenne ein paar Worgen, die auf dem Schlachtfeld selbst den monstr�sesten K�mpfern der Horde das F�rchten lehren.�</p><p>�Danke�, sagte Jaina noch einmal. �Wenn man auf einer Insel lebt, f�hlt man sich schnell ein wenig verlassen.�</p><p>�Daf�r gibt es keinen Grund�, versicherte Varian mit g�tiger Stimme. �Meldet Euch in ein paar Stunden noch einmal, dann wollen wir uns dar�ber austauschen, was wir inzwischen herausgefunden haben. Gebt acht, Jaina! Wir werden gewinnen.�</p><p>�Ich weiߓ, sagte sie.</p><p>W�hrend das sanfte blaue Licht des magischen Spiegels schwand und ihre Z�ge wieder ihre �bliche Farbe annahmen, traf Kalecgos einen Entschluss: Was immer geschehen mochte, er w�rde alles in seiner Kraft Stehende tun, um daf�r zu sorgen, dass Jainas Hoffnung nicht entt�uscht wurde.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Vier Tage. Vier ganze Tage wartete die geballte Armee der Horde nun schon auf den Befehl, gegen Theramore zu marschieren, aber Garrosh war die ganze Zeit �ber in seinem Kriegszelt geblieben, und jede Bitte um eine Audienz wurde abgeschmettert.</p><p>So loyal die Mitglieder der Horde ihrem Kriegsh�uptling auch folgen mochten, Geduld z�hlte nicht zu ihren St�rken, und so waren schon bald gemurmelte Klagen sowie Fragen, die im Fl�sterton gestellt wurden, unter ihnen laut geworden. Baine, der keinen Mangel an Klagen und Fragen hatte, hatte diesem Gemurmel mit seinen scharfen Ohren gelauscht und im Geheimen mit jenen gesprochen, die wegen der unbegr�ndeten Verz�gerung beunruhigt waren.</p><p>Gemeinsam mit Hamuul Runentotem hatte er ein Treffen organisiert, ein St�ck von den Ruinen entfernt, in der N�he eines riesigen Baumes, auf der rechten Seite des Gro�en Grabens, wo sich die Erde w�hrend des Kataklysmus aufgetan hatte. Als der Zeitpunkt gekommen war, fand sich Baine als Erster dort ein. Die anderen tauchten einer nach dem anderen auf: Hauptmann Frandis Farley und ein paar seiner Gef�hrten von den Verlassenen; Kelantir Blutklinge, Hauptmann Zixx Mahlzahn, der das Kommando auf einem der Zeppeline hatte; Margolag, der f�r Etrigg sprach; sowie ein paar seiner eigenen Tauren. Die Letzten, die am Treffpunkt eintrafen, waren Vol�jin und zwei seiner Trolle. Baine war gleichzeitig erfreut und besorgt, seinen Freund bei dieser Zusammenkunft zu sehen.</p><p>Einen Augenblick lang standen sie alle nur schweigend da und sahen Baine an, und er blickte im Gegenzug in ihre Gesichter, eines nach dem anderen. �Niemand hier verr�t die Horde�, sagte er dann mit seiner tiefen, grollenden Stimme. �Es ist kein Widerspruch, loyal zu sein und zugleich den Sinn bestimmter Entscheidungen zu hinterfragen. Aber alle, die wir uns hier versammelt haben, wissen auch, dass jeder sein eigenes Verst�ndnis von Verrat hat und dass Malkorok uns ohnehin schon mit argw�hnischem Auge betrachtet.�</p><p>Abgesehen von den leisen Ger�uschen, mit denen ein paar der Anwesenden das Gewicht von einem Fu� auf den anderen verlagerten, blieb alles still. Baine fuhr fort.</p><p>�Wir alle lieben die Horde, und genau deshalb habe ich euch gebeten hierherzukommen. Noch kann keiner von euch eines verr�terischen Verhaltens beschuldigt werden, darum bitte ich diejenigen, die Zweifel haben, jetzt zu gehen. Niemand wird euch �bel nehmen, wenn ihr in eure Zelte zur�ckkehrt. Aber ich erwarte von euch, dass ihr vergesst, wer heute Nacht au�erdem noch hier war, sollte man euch gefangen nehmen oder befragen, ebenso, wie wir vergessen werden, dass ihr jemals hier gewesen seid. Lebt frei und zieht in Frieden dahin!�</p><p>Ein Taure, den Baine im Licht des kleinen Lagerfeuers nur als h�nenhafte Silhouette ausmachen konnte, wandte sich um und ging, ebenso wie zwei der Untoten. Die anderen blieben, wo sie waren.</p><p>�Ihr habt Mut�, sagte Baine, dann bedeutete er ihnen, sich zu setzen.</p><p>�Das hat weniger mit Mut zu tun als mit Angst�, brummte Zixx� erster Maat. �Hat jemand was zu trinken dabei?� Einer der Trolle reichte ihm wortlos einen Weinschlauch, und der Goblin nahm einen gro�en Schluck.</p><p>�Blar hat recht, auch wenn man es sicher besser h�tte ausdr�cken k�nnen�, betonte Janir Leuchtklinge. �Wir haben geh�rt, was mit denen geschieht, die sich gegen Garrosh aussprechen. Thrall h�tte sich zumindest angeh�rt, was man zu sagen hat! Und er h�tte uns niemals auf einen solchen Feldzug gef�hrt! Die Allianz wird ��</p><p>Baine hob die Hand. �Ruhig, mein Freund. Alles, was du sagst, mag zwar stimmen, aber Thrall ist nicht l�nger unser Kriegsh�uptling. Garrosh H�llschrei f�hrt uns jetzt. Und wir sind heute nicht hier zusammengekommen, um einen Aufstand zu planen, sondern um �ber seine bisherigen Taten und die Weisheit � oder Torheit � seiner Entscheidungen zu sprechen.� Er nickte Hamuul zu, der ihm daraufhin einen mit Federn, Perlen und Knochenst�cken behangenen Stock reichte. �Das ist der Redestab. Nur wer ihn h�lt, hat das Wort.� Er hielt ihn in den Kreis der anderen. �Wer m�chte zuerst sprechen?�</p><p>�Ich w�rde gerne etwas sagen, Oberh�uptling Bluthuf.� Das kam von Frandis Farley. Baine neigte den Kopf, und der Stab wurde von Hand zu Hand weitergereicht, bis er den Anf�hrer der Verlassenen-Truppen in Garroshs Armee erreichte. �Ich diene der Horde. Aber ich habe das Gef�hl, dass die Horde nicht l�nger mir oder meiner Lady dient. Einst waren wir Menschen; ich selbst lebte damals in der Stadt Sturmwind, deren Soldaten ohne jeden Zweifel bald gegen uns in die Schlacht ziehen werden. Die Allianz wei� inzwischen sicher, was geschehen ist, und ich glaube, Lady Jaina ist schlau genug, um zu erkennen, dass Theramore Garroshs n�chstes Ziel sein k�nnte.�</p><p>Seine Vermutung war zutreffender, als er auch nur ahnen konnte, aber Baine lie� sich nichts anmerken. Sein Gesicht blieb reglos, w�hrend er dem Verlassenen lauschte.</p><p>�Und obwohl sie all das wusste, hat Lady Sylvanas zugestimmt, den Kriegsh�uptling bei seinem Plan zu unterst�tzten. Doch wof�r? Wir sind alle versammelt! Die Horde hat ausreichend Ausr�stung und Vorr�te, und bei denen von euch, denen noch Blut durch die Adern flie�t, bin ich mir sicher, dass dieses Blut in Erwartung des Kampfes kochen wird. Worauf wartet er also noch? Mit jedem Tag, der vergeht, w�chst die Verunsicherung in seinen Reihen. Das ist nicht das Handeln eines weisen Anf�hrers. Das ist einfach nur �� Er suchte nach dem richtigen Wort. �Verantwortungslos.�</p><p>Blutklinge streckte ihren Arm aus und nahm den Redestab. �Ich stimme Hauptmann Farley zu. Seine L�nder und unsere werden einen hohen Preis zahlen, sollten die Menschen beschlie�en, dort Rache zu nehmen, anstatt ihre Schiffe nach Theramore zu schicken. Je schneller wir zuschlagen, desto schneller ernten wir auch die Fr�chte des Sieges. Ich kann nicht verstehen, dass Garrosh den Angriff hinausz�gert. Jede Minute, die vergeht, n�tzt unseren Feinden und schadet uns.�</p><p>�Ich wei� nicht, warum er ��, begann der erste Maat der Goblins.</p><p>�Erst wenn du den Stab h�ltst, Freund�, brummte Baine. Blar sah sich ein wenig verlegen um, dann nahm er den Stock mit beiden H�nden und r�usperte sich.</p><p>�Was ich sagen wollte, war: Ich wei� nicht, warum er diesen Feldzug �berhaupt begonnen hat. Handelsprinz Gallywix mag zwar von �berquellenden Goldtruhen tr�umen, aber soweit ich das sehen kann, werden wir Goblins nur als Kanonenfutter benutzt. F�r uns l�sst sich kein echter Profit aus diesem Unterfangen ziehen.�</p><p>Vol�jin lie� sich den Stock geben. �Danke, mein kleiner Freund�, sagte er. �Ihr alle wisst, dass die Trolle ein stolzes und uraltes Volk sind. Wir hab�n uns der Horde angeschloss�n, weil Sen�jin die Vision hatte, dass Thrall uns helf�n k�nnte. Und er hat uns geholf�n. Er war ein guter Anf�hrer. Jetzt is� Thrall weg, und Garrosh hat sein�n Platz eingenomm�n. Thrall, der wusste, wie wichtig die Elemente und die Geister sind. Er war der erste neue Schamane, den sein Volk seit viel�n Jahr�n hervorgebracht hat. Wir Trolle wiss�n auch um die Elemente und die Geister, und lasst mich euch sag�n, was Garrosh und sein dunkler Schamane da getan hab�n � das hat die Geister erz�rnt. Ich wei� nich�, wie lange er diese geschmolz�n�n Ries�n noch kontrollier�n kann, aber wenn es ihm nich� mehr gelingt, dann �� Er lachte. �Nun, wir alle hab�n den Kataklysmus erlebt. Damals hat Todesschwinge die Welt verletzt. Wie viel schlimmer wird�s erst werd�n, wenn die Horde die Geister beleidigt? Und wer wird drunter leid�n, wenn sie sich r�ch�n? Genau, wir, meine Freunde.�</p><p>�Ja, du wirst leiden, Freund, aber nicht durch die Hand von Geistern!�</p><p>Die tiefe, raue Stimme erklang scheinbar aus dem Nichts. Baine sprang auf die Hufe, ebenso wie die anderen, die sich hier versammelt hatten, und viele von ihnen z�ckten ihre Waffe. Doch dann erkannte Baine die Stimme, und er rief den anderen zu: �Legt Eure Waffen nieder! <emphasis>Legt sie nieder!</emphasis>�</p><p>�Ausnahmsweise macht der Bulle einen weisen Vorschlag�, sagte Malkorok, w�hrend er vortrat, sodass die anderen ihn im Schein des Lagerfeuers sehen konnten. �Falls ich nach den n�chsten drei Herzschl�gen noch eine Waffe sehe, werde ich denjenigen t�ten, der sie in der Hand h�lt.�</p><p>Er sprach diese Drohung ganz ruhig aus, aber er musste auch gar nicht br�llen, um ihnen das Blut in den Adern stocken zu lassen. Langsam kamen die Mitglieder der Horde, die ihre Dolche und Schwerter gezogen oder Pfeile an die Sehnen ihre B�gen gelegt hatten, Baines Aufforderung nach.</p><p>�Ich kann es nicht glauben�, ert�nte eine weitere Stimme, und sie war alles andere als ruhig. Sie bebte vor Zorn, gleichzeitig aber, erkannte Baine, klang sie auch verletzt.</p><p>Garrosh H�llschrei trat nach vorne und betrachtete die Versammelten voller Abscheu. Baine konnte sehen, dass die beiden nicht allein gekommen waren; zahlreiche Umrisse bewegten sich in der Finsternis ringsum: Kor�kron.</p><p>�Ich wusste von eurem kleinen Treffen�, sagte Garrosh, dann blickte er zu Hauptmann Zixx hin�ber und nickte. Der Goblin eilte hastig zu ihm hin, und obwohl er versuchte, einen ruhigen Eindruck zu machen, war doch offensichtlich, dass er sich hinter der massigen Gestalt des Orcs verstecken wollte. �Ich kam her, um mit meinen eigenen Augen und Ohren zu sehen und zu h�ren, ob Malkoroks Verdacht begr�ndet ist.�</p><p>Baine wandte sich ihm zu. �Falls Ihr alles gesehen und geh�rt habt�, erkl�rte er, �dann wisst Ihr, dass es niemandem hier um Verrat ging. Keiner von uns will Euch st�rzen. Niemand hier hat �Tod Garrosh� gerufen. Was gesagt wurde, wurde allein aus Sorge um die Horde gesagt, der wir <emphasis>alle</emphasis> verpflichtet sind.�</p><p>�Den Kriegsh�uptling der Horde zu kritisieren, hei�t, die Horde zu kritisieren�, schnappte Malkorok.</p><p>�Falls du das denkst, dann sind zwei und zwei f�r dich f�nf�, entgegnete Baine. �Unsere Sorge ist begr�ndet, Kriegsh�uptling. Viele von uns haben um eine Audienz bei Euch gebeten, damit wir Euch unsere Bedenken von Angesicht zu Angesicht vortragen k�nnen und Ihr uns Antworten gebt und Euren Plan erkl�rt. Der einzige Grund, warum wir heute Nacht hier zusammengekommen sind, ist der, dass Ihr uns nicht sehen wolltet!�</p><p>�Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Taure!� Garrosh spuckte die Worte f�rmlich aus. �Oder dir, Troll�, f�gte er mit einem Blick zu Vol�jin hinzu. �Ihr habt mir nichts zu befehlen. Ihr seid keine Puppenspieler, nach deren Takt ich tanze. Ihr dient als das Schwert der Horde. Und ich schwinge dieses Schwert. Ich wei� Dinge, von denen ihr keine Ahnung habt, und ich sage euch, ihr werdet hier <emphasis>warten</emphasis>. Ihr werdet so lange warten, bis ich sage, dass die Zeit gekommen ist weiterzumarschieren.�</p><p>�Thrall h�tte uns eine Audienz gew�hrt�, erkl�rte Hamuul w�tend. �Er hatte kein Problem damit, einen guten Ratschlag anzunehmen. Und er hat seine Pl�ne und Wege nicht vor uns geheim gehalten, wenn es nicht n�tig war. Er war zwar der Anf�hrer der Horde, aber er wusste, dass es die Horde als Ganzes war, die z�hlte.�</p><p>Garrosh trat auf den �lteren Tauren zu, dann deutete er auf seine braune Haut und seine schwarzen T�towierungen. �Sieht das etwa wie die gr�ne Haut von Thrall aus?�</p><p>�Nein, Kriegsh�uptling�, antwortete Hamuul. �Niemand w�rde Euch <emphasis>je</emphasis> mit Thrall verwechseln.�</p><p>Es klang beinahe respektvoll, aber Baine sah, wie sich Malkoroks Augen bei diesem Kommentar zu Schlitzen verengten. Garrosh hingegen schien bes�nftigt.</p><p>�Der unerkl�rliche Respekt, den einige von euch f�r diesen friedenshungrigen Schamanen empfinden, �bersteigt mein Verst�ndnis�, sagte er, wobei er in dem Kreis herumging und von einem Gesicht zum n�chsten blickte. �Ihr w�rdet gut daran tun, euch ins Ged�chtnis zu rufen, dass wir �berhaupt nur wegen Thrall in dieser Lage sind! Es war Thrall, nicht Garrosh, der zugelassen hat, dass sich die Allianz n�her und n�her an unsere Grenzen heranschob. Thrall, der an geheimen Treffen mit der Menschenmagierin Jaina Prachtmeer teilnahm und wie ein Scho�hund um ihre Beine gestrichen ist. Thrall, dessen Fehler ich jetzt korrigieren muss!�</p><p>Blutklinge setzte zu einer Entgegnung an. �Aber, Kriegsh�uptling ��</p><p>Garrosh wirbelte zu der Blutelfin herum und schlug ihr mitten ins Gesicht. Ein w�tendes Raunen ging durch die Runde, und einige der Versammelten taten einen Schritt nach vorn. Einen Moment sp�ter hielt Garrosh Blutschrei in den H�nden, w�hrend die Kor�kron ringsum ihre Schwerter und Streitkolben z�ckten.</p><p>�Sei froh, dass dein Kriegsh�uptling so gn�dig ist�, knurrte Garrosh. �Du darfst am Leben bleiben, um mir zu dienen, Blutelfin!�</p><p>Blutklinge nickte langsam. Es war offensichtlich, wie sehr diese Geste sie schmerzte.</p><p>�Ja�, fuhr Garrosh fort, und seine Aufmerksamkeit richtete sich auf Baine und Vol�jin. �Euer Kriegsh�uptling ist in der Tat gn�dig. Auf deine eigene Taurenart hast du recht, Baine. Deine Sorge gilt der Horde. Als dein Anf�hrer wei� ich das zu sch�tzen, auch wenn du deine Sorge auf eine Weise zeigst, die ein weniger verst�ndnisvoller H�uptling als Verrat betrachten w�rde. Ich brauche dich � euch alle brauche ich. Wir werden zusammenarbeiten, zum Wohl der Horde. Und wenn die Zeit gekommen ist, dann, glaubt mir, werdet ihr mehr als genug Gelegenheit haben, den Allianz-Abschaum niederzumetzeln. Jetzt hingegen ist es Zeit, in eure Zelte zur�ckzukehren � und auf die Befehle eures Kriegsh�uptlings zu warten.�</p><p>Baine, Vol�jin und die anderen verbeugten sich, als Garrosh an ihnen vorbeiging. Die Kor�kron folgten ihm wie Schatten.</p><p>Ein erleichtertes Seufzen drang �ber Baines Lippen. Offenbar hatte Garrosh � und wichtiger noch, Malkorok � nicht von Perith Sturmhufs geheimer Mission erfahren, andernfalls w�rde er jetzt nicht mehr atmen. Baine wurde klar, dass Garrosh in gewisser Weise ebenso auf seinen guten Willen angewiesen war wie er auf den des Kriegsh�uptlings. Garrosh wusste augenscheinlich, dass ihm viele Mitglieder der Horde nicht willentlich folgten, und Baine war f�r seine gem��igte Einstellung bekannt. Ein gro�er Teil der Horde vertraute seinem Urteil. Wohin er ging, dorthin gingen auch sie. Einen Moment lang blieb der Taure noch reglos stehen und dachte �ber diese Erkenntnis nach, dann zog er sich in sein Zelt zur�ck. Nach den Ereignissen der heutigen Nacht wollte er erst einmal seinen Geist mit dem Rauch der Weisen reinigen, denn wie jedes Mal, wenn er Garrosh H�llschreis Anweisungen klein beigeben musste, f�hlte er sich schmutzig.</p><empty-line/><p>�Ihr h�ttet mir erlauben sollen, ein paar von ihnen zu t�ten�, grummelte Malkorok. �Oder zumindest, sie auf andere Weise zu bestrafen.�</p><p>�Das sind alles gute K�mpfer, und wir werden sie noch brauchen�, entgegnete Garrosh. �Jetzt haben sie Angst. Das wird gen�gen. F�rs Erste zumindest.�</p><p>Ein j�ngerer Orc rannte auf Malkorok zu und fl�sterte ihm etwas ins Ohr. Der Krieger des Schwarzfelsklans l�chelte.</p><p>�Ich habe gute Neuigkeiten f�r meinen Kriegsh�uptling�, sagte er. �Genau das Richtige nach einer so unangenehmen Konfrontation. Phase zwei unseres Planes ist soeben angelaufen.�</p><empty-line/><p>Hauptmann Gharga kniff ein Auge gegen das helle Sonnenlicht zusammen und sp�hte mit dem anderen durch sein Fernrohr. Die Wellen waren ihnen hold � sie kamen rasch voran. Was er sah, lie� ihn die Lippen hinter seinen Hauern zu einem Grinsen zur�ckziehen, und nachdem er das Fernrohr wieder gesenkt hatte, drehte er den Kopf, um sich zu vergewissern, dass die anderen Schiffe in der Flotte des Kriegsh�uptlings noch immer dicht hinter ihnen waren.</p><p>Die <emphasis>Blut und Donner</emphasis> und die anderen Kriegsschiffe n�herten sich ihrem Ziel, allesamt mit Kanonen und Orcs beladen, die es kaum noch erwarten konnten, sich in die bevorstehende Schlacht zu st�rzen.</p><p>Anfangs hatte es Gharga als Beleidigung empfunden, dass die Flotte der Orcs im Allgemeinen und die <emphasis>Blut und Donner</emphasis> im Besonderen von der letzten Schlacht ausgeschlossen worden war � der Vernichtung der Feste Nordwacht, wie sie inzwischen �berall genannt wurde. Doch seine Laune hatte sich rasch gebessert, als Garrosh ihm erkl�rt hatte, dass er Goblins, Verlassenen und Blutelfen bei der Nordwacht nur deshalb den Vortritt lie�, weil er die Kr�fte seiner Orcs f�r eine andere, noch viel glorreichere Schlacht schonen wollte. �Du, Kapit�n Gharga, wirst die Flotte gegen Theramore f�hren!�, hatte der Kriegsh�uptling gesagt.</p><p>Ghargas breite Brust war bei diesen Worten vor Stolz angeschwollen. Es war nicht das erste Mal, dass Garrosh der <emphasis>Blut und Donner</emphasis> seine Gunst zeigte. Der Orc erinnerte sich noch gut daran, wie er, damals als erster Maat, dabei geholfen hatte, mehrere Magnatauren von Nordrend nach S�den zu bringen, damit sie gegen die Allianz eingesetzt werden konnten. Bei einem schrecklichen Sturm w�hrend der �berfahrt waren zwei der Magnatauren verloren gegangen, und Briln, der Kapit�n, hatte die volle Verantwortung �bernommen, obwohl er wusste, dass er f�r diesen R�ckschlag wahrscheinlich hingerichtet werden w�rde. Doch Garrosh hatte den Kapit�n nicht bestraft, sondern ihn vielmehr bef�rdert � eine Geste, die Gharga den Posten des Kapit�ns einbringen sollte.</p><p>Die <emphasis>Blut und Donner</emphasis> war vom Gl�ck gek�sst, so schien es. Jeder wollte auf diesem Schiff Dienst tun, sodass Gharga frei w�hlen konnte, welche Seeratten er in seine Mannschaft aufnahm. Darin sah er ein gutes Vorzeichen f�r die Schlacht.</p><p>W�hrend sich die Schiffe der Blutelfen, Goblins und Verlassenen in Ratschet versammelt hatten, waren die Orcschiffe in Richtung Theramore aufgebrochen. In den Gew�ssern der Horde, sicher und vor dem Auge des Feindes verborgen, hatten sie auf weitere Instruktionen gewartet � und gewartet � und gewartet � bis schlie�lich der Falke auftauchte, an dessen Bein die Nachricht befestigt war:</p><cite><p>Begebt euch in Position, aber achtet darauf, dass ihr nicht in das Gebiet der Allianz eindringt! Wir wollen die Beute nicht zu fr�h aufscheuchen. Wartet auf meinen Befehl!</p></cite><p>Nun waren sie endlich nahe genug, dass Gharga durch sein Fernrohr die T�rme von Theramore sehen konnte. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie sich streng genommen noch immer in den Gew�ssern der Horde befanden, befahl er br�llend, den Anker auszuwerfen.</p><p>Zwei Besatzungsmitglieder hievten den riesigen Eisenhaken mit viel Ge�chze ins Wasser, wo er mit einem lauten Platschen auf den Grund des Ozeans hinabsank.</p><p>Gharga fiel dabei auf, dass sein erster Maat gleicherma�en betr�bt und m�rrisch dreinschaute, und er verpasste dem j�ngeren Orc einen sanften Klaps auf den Hinterkopf. �H�r auf, so eine Miene zu ziehen. Da wird ja der Rum schlecht�, sagte er.</p><p>Der Maat zuckte hoch und stand stramm, den Arm zum Salut erhoben. �Verzeiht, Kapit�n, Sir! Ich war nur ��</p><p>�Nur was?�</p><p>�Sir! Ich habe mich gefragt, warum wir �berhaupt losgesegelt sind, wenn wir nicht angreifen.�</p><p>�Eine verst�ndliche Frage, aber auch eine t�richte�, entgegnete Gharga. �Wir sind jetzt nahe genug, um sofort reagieren zu k�nnen, wenn wir den Befehl erhalten, gleichzeitig sind wir aber nicht im Hoheitsgebiet der Allianz. Sie werden uns nat�rlich entdecken, aber ihnen wird nichts anderes bleiben, als sich h�nderingend den Kopf zu zerbrechen, denn solange wir ihre Grenzen nicht �berschreiten, d�rfen sie nichts gegen uns unternehmen. Selbst hier, so weit von der K�ste entfernt, werden wir die Herzen der Allianz-Hunde mit Furcht erf�llen. Unsere Aufgabe ist es, diese Position bis auf Weiteres zu halten, Lokhar. Garrosh wei� mehr als wir. Also werden wir hierbleiben, bis er uns mitteilt, dass der richtige Zeitpunkt f�r den Angriff gekommen ist. Mach dir keine Sorgen�, f�gte er dann noch mit etwas nachsichtigerer Stimme hinzu. �Das Blut der Allianz wird gewiss fr�h genug flie�en, und du wirst einer von denen sein, die es vergie�en. So wie wir alle!�</p><p>Lokhar l�chelte, und die Mannschaft der <emphasis>Blut und Donner</emphasis> jubelte.</p><empty-line/><p>Jaina hatte gehofft, dass sich der Dockmeister nur geirrt hatte. Sie hatte sogar darum gebetet. Doch als sie nun selbst im obersten Raum des Turmes stand und durch das Fernrohr blickte, zerbrach diese Hoffnung.</p><p>�Es sind so viele�, murmelte sie.</p><p>Anschlie�end sp�hten auch Kalec, Kinndy, die Leidende und Tervosh der Reihe nach durch das Fernrohr. Ihre Mienen verh�rteten sich.</p><p>�Sieht so aus, als tr�fen die Nachrichten zu�, meinte Tervosh.</p><p>�Und Ihr sagtet, Varians Flotte wird in fr�hestens einem, vermutlich aber erst in zwei Tagen hier eintreffen�, murmelte Kinndy d�ster. �Ich habe wenigstens acht Kriegsschiffe gez�hlt. Falls sie sich entschlie�en anzugreifen, bevor die Siebte Theramore erreicht, k�nnen wir uns schon mal an den Geschmack von Kaktus�pfeln gew�hnen. Das bekommen Gefangene doch vorgesetzt, oder?�</p><p>Jaina legte dem Gnomenm�dchen eine Hand auf die Schulter. �Ich bin mir nicht sicher, ob Garrosh �berhaupt Gefangene nimmt, Kinndy.�</p><p>�Mylady�, warf die Leidende ein. �Lasst uns jetzt zuschlagen! Sicherlich wird Garrosh nicht nur ein paar Schiffe schicken. Denkt an die Armee, die an der Nordwacht versammelt ist und dort wartet! Wir werden nat�rlich Verluste hinnehmen, aber zumindest ��</p><p>�Nein�, sagte Jaina entschlossen. �Sie befinden sich nicht in Allianz-Gew�ssern. Ich werde Theramore zwar verteidigen, aber nicht den ersten Schlag ausf�hren. Uns bleibt nichts anderes �brig, als zu warten.�</p><p>�Und zu hoffen�, schob Tervosh murmelnd nach.</p><p>Kalecgos hatte sich w�hrend der Unterhaltung zur�ckgehalten, ohne Zweifel, weil er neutral bleiben wollte. Nun �ffnete er den Mund, um etwas zu sagen, aber da plapperte Kinndy dazwischen.</p><p>�Lady � ich bin der Meinung, Ihr solltet nach Dalaran gehen.�</p><p>Jaina runzelte die Stirn. �Aber � warum sollte ich das tun?�</p><p>�Ihr habt dort Freunde � � und Bewunderer.�</p><p>�Dem mag so sein, aber die Kirin Tor bestehen sowohl aus Magiern der Allianz als auch der Horde. Sie k�nnen sich nicht auf unsere Seite stellen; sie d�rfen ihre Neutralit�t nicht gef�hrden.�</p><p>�Vielleicht, vielleicht aber auch nicht�, beharrte Kinndy. �Ich meine � sie k�nnen doch auch nicht wollen, dass es hier zu einem solchen Blutbad kommt, wie Garrosh es plant. Und wir wissen, dass es sogar in der Horde selbst Leute gibt, die bereit waren, alles zu riskieren, nur um uns zu warnen. Wir sollten es auf jeden Fall versuchen.�</p><p>�Da hat sie recht�, best�tigte Kalec, beeindruckt von ihrer Argumentation. �Hier geht es um das gr��ere Wohl.�</p><p>Jaina sah Tervosh an. �Ich stimme Kinndy zu�, meinte er.</p><p>�Und er hat auch allen Grund dazu�, erkl�rte das Gnomenm�dchen. Die Leidende nickte ebenfalls.</p><p>Jaina seufzte. �Nun gut, dann sehen wir mal, was Meister Rhonin zu sagen hat. Aber ich bitte euch � versprecht euch nicht zu viel davon. Leidende, rede mit den Soldaten! Wir sollten bereit sein, falls die Kapit�ne dieser Schiffe fr�her als erwartet beschlie�en, dass der richtige Zeitpunkt f�r einen Angriff gekommen ist.�</p><p>Anschlie�end wandte sie sich Kalec zu. Er schenkte ihr ein aufmunterndes L�cheln � und sie erwiderte es, auch wenn sie sich nicht wirklich ermutigt f�hlte. Dann machte sie sich auf den Weg in den Salon.</p><p>Dort angekommen ber�hrte sie die drei B�cher, und das Regal glitt zur Seite, um den Spiegel zu enth�llen. Nachdem sie die Beschw�rung angestimmt und die H�nde bewegt hatte, starrte Jaina noch einen Moment in ihre eigenen Augen, bevor ein blauer Wirbel die Reflexion des Spiegels tr�bte. Mehrere angespannte Herzschl�ge fragte sie sich, ob Rhonin vielleicht zu weit von seinem eigenen Spiegel entfernt war. Aber dann tauchte sein Gesicht auf, in viele verschiedene Blaut�ne getaucht. Seine kr�ftigen Z�ge wirkten m�de, doch als er Jaina erkannte, hellten sie sich sichtlich auf.</p><p>�Lady�, begann er. �Bitte sagt mir, dass Ihr mich nur trefft, um mir mitzuteilen, dass Kalecgos die Fokussierende Iris inzwischen gefunden hat.�</p><p>�Leider nein. Aber wir haben zumindest herausgefunden, wie er sie wieder aufsp�ren kann. Es scheint allerdings, als bewegten die Diebe das Artefakt hin und her, um ihn von der F�hrte abzubringen. Darum wartet er nun � falls sie die Iris einsetzen wollen, werden sie irgendwann an einem Ort bleiben m�ssen.�</p><p>Rhonin nickte und rieb sich die Augen. �Das setzt aber voraus, dass er die Diebe rechtzeitig erreicht, bevor sie das Artefakt benutzen k�nnen � wof�r auch immer.�</p><p>�Dessen ist er sich bewusst�, versicherte sie ihm. �Doch es scheint keine andere M�glichkeit zu geben.�</p><p>�Selbst Drachen werden also m�de�, meinte Rhonin. �Nun, wenn es nicht das ist, wor�ber Ihr mit mir sprechen wolltet, was dann?�</p><p>Andere fanden seine direkte, schn�rkellose Art oft irritierend, ganz anders aber Jaina. Auf sie wirkte es vielmehr erfrischend. Er war nicht gerade ein typischer Anf�hrer f�r die Kirin Tor, und vermutlich wusste das niemand besser als er selbst. Dass man ihn dennoch ausgew�hlt hatte, lag aber nicht zuletzt genau daran, dass er sich im Verlauf der Zeit eine andere Sichtweise angew�hnt hatte als viele der fr�heren Anf�hrer. Davon abgesehen war er ein verteufelt guter Magier.</p><p>�Habt Ihr schon geh�rt, was an der Nordwacht geschehen ist?�, fragte sie.</p><p>�Nein�, sagte er. �Ist das nicht nur ein kleiner Au�enposten?�</p><p>�Es ist � es <emphasis>war</emphasis> eine Garnison von mittlerer Gr��e, erbaut, um die Aktivit�ten der Horde im s�dlichen Brachland im Auge zu behalten.� Als sie die Vergangenheitsform benutzte, nahm Rhonins Gesicht einen alarmierten Ausdruck an. �Vor vier Tagen hat die Horde die Feste v�llig zerst�rt. Es hei�t, dass sie sich dabei elementarer Magie der finstersten Sorte bedient hat. Jemand, der in dieser Schlacht gek�mpft hat, warnte mich, dass die Horde nun vorhabe, gegen Theramore zu marschieren.�</p><p>Rhonins Augen wurden schmal. �Und Ihr wollt den Namen dieser Quelle nicht nennen.�</p><p>�Das kann ich nicht�, erkl�rte sie. �Dass er �berhaupt hierherkam, war ein Vertrauensbeweis, den ich nicht entt�uschen will.�</p><p>�Hmm�, machte Rhonin und zupfte einen Moment lang nachdenklich an seinem Bart. �Aber � Ihr sagtet doch, dies sei vor vier Tagen gewesen. Warum ist die Horde dann nicht sofort nach S�den gezogen, um Theramore dem Erdboden gleichzumachen?�</p><p>�Das wissen wir nicht�, sagte sie. �Aber wir wissen, dass eine ganze Flotte ihrer Kriegsschiffe direkt an den Grenzen der Horden-Gew�sser Stellung bezogen hat.�</p><p>Darauf reagierte Rhonin nicht sofort, und als er schlie�lich sprach, w�hlte er seine Worte mit gro�em Bedacht. �Das ist �u�erst besorgniserregend f�r die Allianz und nat�rlich auch f�r Theramore. Aber was hat das mit mir zu tun?�</p><p>�Garrosh hat nicht vor, sich mit der Eroberung von Theramore zu begn�gen�, erkl�rte Jaina. �Das ist nur ein Sprungbrett f�r ihn, um den gesamten Kontinent zu erobern. Ihr kennt doch Garrosh: Er ist ein Hitzkopf.�</p><p>�Das bin ich auch�, entgegnete er.</p><p>Darauf ging Jaina nicht ein, stattdessen erkl�rte sie aber: �Das m�gt Ihr vielleicht einmal gewesen sein, aber seit Ihr ein Ehemann und Vater und obendrein auch noch der Anf�hrer der Kirin Tor seid, scheint Ihr viel vern�nftiger geworden zu sein.�</p><p>Rhonin zuckte mit den Schultern und l�chelte schwach. Er wusste, dass sie recht hatte.</p><p>�Tausende werden sterben�, fuhr Jaina fort, nun dr�ngender. �Die Allianz wird von den Ufern Kalimdors vertrieben, und jene, die das Massaker �berleben, werden zu Fl�chtlingen. Dank dem Kataklysmus gibt es bereits jetzt schon zu viele, die nichts zu essen und kein Dach �ber dem Kopf haben. Die �stlichen K�nigreiche k�nnen nicht die Bev�lkerung eines halben Kontinents versorgen!�</p><p>�Ich frage Euch noch einmal, Jaina Prachtmeer�, sagte Rhonin leise. �Was hat das mit mir zu tun?�</p><p>�Die Kirin Tor ergreifen nicht Partei; das wei� ich�, begann Jaina. �Aber selbst Kalecgos war der Auffassung, dass Ihr uns vielleicht helfen w�rdet.�</p><p>�Wir sollen eine Stadt der Allianz vor einem Angriff durch die Horde sch�tzen?�</p><p>Wortlos nickte sie, und einen langen Moment blickte Rhonin geistesabwesend zur Seite. Schlie�lich sagte er: �Ich kann eine solche Entscheidung nicht allein treffen. Ihr werdet noch andere au�er mir �berzeugen m�ssen. Aber versucht, das Gute daran zu sehen. Um diese Jahreszeit ist Dalaran ganz besonders sch�n.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Jedes Mal, wenn Jaina nach Dalaran reiste, wurde sie aufs Neue daran erinnert, wie atemberaubend sch�n es hier war. Die tiefvioletten T�rme streckten sich dem Himmel entgegen, wenngleich die Stadt selbst schon hoch �ber Nordrend schwebte, unber�hrt und nicht beeinflusst von den Problemen unten auf dem Boden. Die Stra�en leuchteten, ihr rotes Kopfsteinpflaster war bar jeglichen Schmutzes, und die Einwohner, von denen die meisten ebenso unber�hrt und sorgenfrei blieben wie die Stadt selbst, schlenderten ungezwungen dahin. Hier konnte man Gegenst�nde kaufen, die man sonst nirgends sah, angeboten von H�ndlern, die sich auf das Seltene und Kuriose spezialisiert hatten; hier konnte man Zauber erlernen oder sich in leisen, friedlichen Hallen im Fl�sterton die Geschichte von Azeroth erkl�ren lassen.</p><p>Einst war Dalaran fester Bestandteil eines v�llig anderen Kontinents gewesen, und die meisten von Jainas Erinnerungen an die Stadt stammten gerade aus jener Zeit. Damals war sie durch die G�rten gewandert und hatte Goldrinden�pfel, warm vom Kuss der Sonnenstrahlen, von den B�umen gepfl�ckt.</p><p>Doch dann war Arthas gekommen.</p><p>Er hatte Dalaran zwar zerst�rt, es aber nicht ausl�schen k�nnen. Die Kirin Tor waren zur�ckgekehrt und hatten die Hauptstadt der Magier wieder aufgebaut, gesch�tzt durch eine Kuppel violetter Magie, bis die Zeit gekommen war, da Dalaran erneut aufbl�hte, diesmal als schwebende Insel. In dieser Form war der Stadtstaat zu einem der Brennpunkte des Nexuskrieges gegen Malygos geworden, und auch im anschlie�enden Kampf gegen den Lichk�nig hatte es eine Rolle gespielt. Dennoch musste man schon lange suchen, bevor man hier etwas entdeckte, was noch an dieses martialische Erbe erinnerte. Dalaran war am produktivsten und seine Bev�lkerung am gl�cklichsten, wenn Wissen und Lernen im allgemeinen Fokus lagen.</p><p>Jaina selbst hatte hier ein Monument zum Andenken an Antonidas errichtet. Normalerweise besuchte sie �ihn�, wann immer sie in der Stadt war, und manchmal sa� sie dann im Schatten der Statue dieses gro�en Mannes und sprach ihre Gedanken laut aus, als k�nnte er sie h�ren. Doch heute hatte ihre Mission Vorrang.</p><p>Sie materialisierte im Inneren der Violetten Zitadelle, und das erste Gesicht, das sie sah, war dasjenige Rhonins. Zwar begr��te er sie mit einem L�cheln, doch seine Augen waren voller Sorgen.</p><p>�Willkommen, Lady Jaina�, sagte er. �Ihr kennt die anderen ja bereits.�</p><p>�In der Tat�, nickte Jaina. Neben ihm stand seine Ehefrau, die wei�haarige, wundersch�ne Vereesa Windl�ufer, Gr�nderin des Silberbundes und Schwester von Sylvanas, die nun die Verlassenen anf�hrte, und Alleria, welche in der Scherbenwelt verschollen war. Die Familie Windl�ufer hatte also mehr Trag�dien als genug erleiden m�ssen, und dennoch schien Vereesa in ihrer Rolle als Frau eines gro�en Magiers und stolzer Mutter von zwei wundervollen Kindern Freude gefunden zu haben. Diese h�uslichen Aufgaben hinderten die Hochelfin aber nicht daran, auch ins �ffentliche Rampenlicht zu treten. Wie Jaina wusste, hatte Vereesa als Leiterin des Silberbundes �ffentlich und erbittert dagegen protestiert, dass Blutelfen in die Reihen der Kirin Tor aufgenommen werden sollten.</p><p>Dass diese Bem�hungen gescheitert waren, bewies die Gestalt zu Rhonins Linker: Erzmagier Aethas Sonnenh�scher, der Blutelf, der so hart darum gek�mpft hatte, den Kirin Tor beitreten zu d�rfen, ohne sich dabei von Vereesas Verbotsversuchen abschrecken zu lassen. Der vierte Anwesende war eine Menschenfrau, die, ihrem schneewei�en Haar zum Trotz, aussah, als k�nnte sie es in einem Kampf mit ihnen allen aufnehmen � und auch noch gewinnen. Erzmagierin Modera nahm einen ganz besonderen Platz im Kreis der Kirin Tor ein, sa� sie doch schon seit dem Zweiten Krieg � und damit l�nger als jeder andere � im hohen Rat der Magier, dem Rat der Sechs.</p><p>Zum Gru� nickte Jaina ihnen allen respektvoll zu, bevor sie sich wieder an Rhonin wandte. Er machte einen Schritt nach hinten und bewegte seine H�nde mit der Ungezwungenheit einer Person, die daran gew�hnt ist, Zauber zu wirken. Ein Portal erschien, und Jaina runzelte die Stirn. Normalerweise konnte man genau erkennen, an welchen Ort man teleportiert wurde, aber dieses Portal schien nicht in einen Raum zu f�hren � oder an irgendeinen anderen Ort an Land �, sondern einfach nur in die leere Luft hinein. Sie warf Rhonin einen fragenden Blick zu.</p><p>�Die �brigen Mitglieder der Sechs haben sich dort bereits versammelt�, erkl�rte er, ohne ihre wortlose Frage zu beantworten. �Lassen wir sie nicht noch l�nger warten, in Ordnung?�</p><p>Jaina vertraute ihm bedingungslos, und so ging sie durch das Portal.</p><p>Der Boden, auf den sie hinaustrat, bestand dankenswerterweise doch aus festem Stein, der von schlichtem Grau war, verziert mit einem Diamantmuster. Aber das schien auch alles zu sein, was wirklich feste Form hatte. �ber ihr und ringsum sah sie einen sich best�ndig ver�ndernden Himmel. Jetzt gerade war er von einem hellen Blau, durchzogen von tr�ge dahinziehenden Wolken. Aber nur einen Herzschlag sp�ter erschienen pl�tzlich die Sterne, und eine tiefe Schw�rze ergoss sich wie versch�ttete Tinte �ber das Firmament.</p><p>�Willkommen in der Kammer der Luft, Lady Jaina�, sagte eine Stimme � oder waren es mehrere Stimmen, die gleichzeitig sprachen? Jaina war sich nicht sicher, zu sehr verwirrte sie der endlose, best�ndig wechselnde Ausblick. Sie riss ihre Augen von der faszinierenden, beinahe schon hypnotischen Himmelswand fort und blickte die Sechs an, die rings um sie einen Kreis bildeten.</p><p>In der Vergangenheit, das wusste sie, hatten die Mitglieder des Rates ihre Identit�ten verborgen, selbst vor den anderen Kirin Tor. Vor Kurzem war es jedoch zum Bruch mit dieser Tradition gekommen, sodass sie nun jeden der Anwesenden ohne Schwierigkeiten erkennen konnte. Neben Modera, Aethas und Rhonin sa� da Ansirem Runenweber, der eigentlich nicht oft in Dalaran war; seine neuen Pflichten verlangten von ihm, dass er oft und lange verreiste. Welche Missionen er dabei erf�llte, konnte Jaina nat�rlich nicht sagen. Der Runenweber-Platz war nach diesem scharf�ugigen, entschlossenen Menschen benannt worden. Ebenfalls anwesend war Karlain, Alchemist und Magier in einem. Fr�her einmal seinen Gef�hlen hilflos ausgeliefert, hatte Karlain inzwischen gelernt, sie zu kontrollieren. Es gab kaum jemanden, der so beherrscht und wohlbedacht war wie er.</p><p>Der Letzte, aber gewiss nicht der Unbedeutendste in dieser Runde war ein Mann, in dessen gealtertem Gesicht Jaina noch immer den jungen Mann sah, der er einst gewesen war � Khadgar, einer der m�chtigsten Magier in der Geschichte von Azeroth. Obwohl er aussah, als k�nnte er ihr Gro�vater sein, wusste sie doch, dass er gerade mal zehn Jahre �lter war als sie. Einst ein Lehrling von Medivh, dann ein Beobachter f�r die Kirin Tor und schlie�lich derjenige, der das Dunkle Portal geschlossen hatte, lebte er inzwischen in der Scherbenwelt, wo er mit dem Naaru A�dal zusammenarbeitete. Dass er sich heute hier eingefunden hatte, um �ber den Schutz von Theramore zu sprechen, gab ihr Hoffnung.</p><p>�Seht mich nicht nur mit offenem Mund an�, sagte er tadelnd, aber mit einem lustigen Funkeln in den Augen. �Ich werde gewiss nicht j�nger.�</p><p>Voller Respekt beugte Jaina den Kopf. �Lasst mich zun�chst sagen, dass Ihr mir eine gro�e Ehre erweist, indem Ihr meiner Bitte Geh�r schenkt. Ich will mich kurz fassen. Ihr alle kennt mich als gem��igte Diplomatin. Seit Jahren arbeite ich ohne Unterlass auf einen Frieden in Azeroth hin, auf einen Frieden zwischen der Allianz und der Horde. Dass ich nun hier stehe und die Kirin Tor bitte, bei der Verteidigung einer Allianz-Stadt gegen die Horde zu helfen, zeigt Euch hoffentlich, wie kritisch und einseitig die Situation wirklich ist.�</p><p>Sie drehte sich langsam im Kreis, w�hrend sie sprach, um den Magiern einem nach dem anderen so ins Gesicht zu blicken, dass sie sehen konnten, wie ernst sie es meinte. Khadgar, vermutete sie, war geneigt ihr zuzustimmen, in Karlains Z�gen lie� sich hingegen nicht so leicht lesen, ebenso wenig in Ansirems; die beiden blickten sie mit ausdruckslosen Mienen und vor der Brust verschr�nkten Armen an.</p><p>�Die Horde hat die Feste Nordwacht zerst�rt. Garrosh H�llschrei aber hat nicht nur eine gewaltige Armee s�mtlicher Horderassen versammelt, seine Schamanen haben auch dunkle Magie eingesetzt, um geschmolzene Riesen zu kontrollieren � unberechenbare, gewaltt�tige Feuerelementarwesen. Ein solcher Missbrauch k�nnte eine Katastrophe von �hnlich verheerenden Ausma�en haben, wie sie der Kataklysmus heraufbeschwor, sollten die Elemente in ausreichendem Ma�e erz�rnt werden.�</p><p>Ihre Augen wanderten weiter zu Modera, die ihr ein unmerkliches L�cheln schenkte, und dann zu Aethas, der, seinen Helm auf dem Kopf, dastand, als w�re er aus Stein gemei�elt. �Als n�chstes Ziel haben sie sich Theramore ausgesucht. Wir haben eine starke Verteidigung, und K�nig Varian Wrynn hat sich bereit erkl�rt, uns mit seiner Siebten Flotte zu unterst�tzen.�</p><p>�Warum braucht Ihr dann unsere Hilfe?�, fragte Karlain. �Theramore ist doch f�r sein Milit�r ber�hmt. Und wenn Euch auch noch eine Flotte zur Verf�gung steht, dann k�nnt Ihr die Horde sicher in ihr Territorium zur�ckjagen, mit der Schamesr�te im Gesicht.� Aethas Kopf drehte sich bei dieser Bemerkung unter dem Helm, aber der Mund des Blutelfmagiers blieb geschlossen.</p><p>�Ich brauche Eure Hilfe, weil die Horde bereits versammelt und zum Aufbruch bereit ist�, erkl�rte Jaina. �Und die Flotte Seiner Majest�t befindet sich noch mehrere Tage entfernt.� Sie wandte sich um und sprach nun Aethas direkt an. �Ich w�rde ein Treffen am Verhandlungstisch dem auf dem Schlachtfeld vorziehen, aber ich muss meine Leute verteidigen. Sie z�hlen darauf, dass ich sie besch�tze. Ich m�chte nicht gegen die Horde k�mpfen, aber falls es keine andere M�glichkeit gibt, dann werde ich es tun. Falls sich die Kirin Tor bereit erkl�ren, Theramore in dieser Lage zu helfen, in der es so verwundbar ist, k�nnen wir den geplanten Angriff vielleicht in eine Chance auf neuen Frieden verwandeln.�</p><p>�Trotz all Eurer Jahre als Diplomatin, Jaina Prachtmeer�, sagte Aethas mit seidenweicher Stimme, �scheint Ihr nur wenig �ber die Horde zu wissen. Glaubt Ihr denn ernsthaft, sie w�re bereit die Waffen beiseitezulegen, wenn sie den Sieg schon wittern kann?�</p><p>�Vielleicht werden sie ihre Waffen beiseitelegen, wenn sie die Magier der Kirin Tor sehen�, entgegnete Jaina. �Bitte � viele Familien leben in Theramore. Ich werde sie mit meinem Leben sch�tzen, ebenso wie die Soldaten, die in der Stadt stationiert sind. Aber vielleicht wird das nicht ausreichen. Und falls Theramore f�llt, dann f�llt auch Kalimdor. Nichts k�nnte die Horde noch von einem Angriff auf das Eschental oder auf Teldrassil abhalten. Sie w�rden die Nachtelfen aus ihrer angestammten Heimat vertreiben. Garrosh will den gesamten Kontinent f�r sich � und, bei allem Respekt, das kann unm�glich das sein, was sich die Kirin Tor f�r Azeroth w�nschen. Nicht, wenn Ihr wirklich an die Neutralit�t glaubt.�</p><p>�Wir verstehen Eure Lage�, meinte Karlain. �Ihr m�sst uns nicht �ber unsere Pflichten belehren.�</p><p>�Das will ich auch gar nicht�, erwiderte Jaina. �Aber ich z�hle auf Eure Weisheit. Ihr m�sst erkennen, dass dies keine Bitte ist, Partei zu ergreifen. Dies ist eine Bitte, unschuldige Leben zu retten � und ein Gleichgewicht zu bewahren, das ohnehin schon viel zu empfindlich ist.�</p><p>Die Magier mussten ein unmerkliches Zeichen untereinander ausgetauscht haben, denn nun machte einer nach dem anderen einen Schritt nach hinten. �Danke, Lady Jaina�, sagte Rhonin mit einer Stimme, die klarmachte, dass sie gehen sollte. �Wir werden erst noch mit anderen sprechen und ihre Meinung einholen, bevor wir eine Entscheidung treffen. Ich werde Euch benachrichtigen, sobald wir zu einer Einigung gekommen sind.�</p><p>Mit einem Summen �ffnete sich ein weiteres Portal, und Jaina trat hindurch � in die beinahe schon zu sauberen Kopfsteinstra�en von Dalaran. Dabei f�hlte sie sich wie ein kleines M�dchen, dem man gesagt hatte, es solle gef�lligst sein Zimmer aufr�umen, sonst g�be es kein Abendessen. Sie war nicht daran gew�hnt, dass man ihr Befehle erteilte. Aber falls es jemanden gab, der das Recht dazu hatte, �berlegte sie, dann war es wohl der Rat der Sechs.</p><p>Sie war schon dabei, ein Portal zur�ck nach Theramore zu erschaffen, da hielt sie pl�tzlich mitten in der Bewegung inne. Da waren noch zwei Personen, die sie aufsuchen musste, bevor sie die schwebende Stadt wieder verlassen konnte.</p><empty-line/><p>Nachdem Jaina die Kammer der Luft verlassen hatte, wandten sich die f�nf anderen Mitglieder des Rates erwartungsvoll zu Rhonin herum, doch bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, hob er die Hand. �Wir wollen uns in einer Stunde wieder versammeln.�</p><p>�Aber wir sind doch schon alle hier�, bemerkte Modera ein wenig verwirrt.</p><p>�Ich � ich m�chte mir ein paar Pr�zedenzf�lle ansehen�, erkl�rte er. �Und schlage vor, Ihr tut das ebenfalls. Wie auch immer wir uns dann entscheiden � ob wir Theramore nun beistehen oder uns zur�ckhalten und die Horde kommen lassen � diese Entscheidung wird weitreichende Auswirkungen haben, und ich m�chte mehr als nur meine eigene Meinung kennen, bevor ich meine Stimme abgebe.�</p><p>Er sah in ein paar s�uerliche Gesichter, aber dann nickten die anderen, und Rhonin teleportierte sich in seine Kammer zur�ck. Dort blieb er einen Moment lang stehen, seine roten Augenbrauen dicht zusammengezogen. Anschlie�end ging er zu seinem Schreibtisch hin�ber, der fast bis auf den letzten Zentimeter mit leerem Pergament, Schriftrollen und B�chern bedeckt war, und hob die Hand.</p><p>Das Durcheinander schwebte in die Luft empor und verharrte ungef�hr einen Meter �ber der Tischfl�che, die nun aufklappte und eine kleine, schlichte Kiste enth�llte. Was in ihrem Inneren lag, war jedoch alles andere als schlicht.</p><p>Rhonin nahm die Kiste aus dem Tisch, klappte ihn wieder zu und lie� die Bl�tter, B�cher und Schriftrollen in ihre vorherige Position zur�cksinken, dann ging er zu einem Stuhl hin�ber und setzte sich. �Alter Freund, in Zeiten wie diesen vermisse ich dich mehr, als ich es in Worte fassen kann�, murmelte er. �Aber ich muss zugeben, es tut gut zu h�ren, dass du auch nach dem Tod noch zu mir spricht � selbst wenn du dich in R�tseln ausdr�cken musst.�</p><p>Er �ffnete die Kiste mit dem winzigen Schl�ssel, den er um den Hals trug, und blickte gedankenverloren auf den kleinen Stapel von Schriftrollen hinab. Jede davon enthielt eine Prophezeiung von Korialstrasz, dem verstorbenen Gef�hrten von Alexstrasza, der Lebensbinderin. Die Visionen hatten sich ihm im Verlauf der Jahre offenbart, und als er sie an Rhonin weitergegeben hatte, hatte er mit einem Grinsen gesagt: �Das wird dir vielleicht helfen zu verstehen, warum ich manchmal so verdammt schlau wirke.� Rhonin war zutiefst geehrt gewesen. Anschlie�end hatte Krasus ihn gebeten, die Weisheit dieser Prophezeiungen zu verbergen, und nach seinem Tod sollte Rhonin den Schl�ssel nur einer einzigen Person anvertrauen. �Sie d�rfen nicht in die falschen H�nde fallen�, hatte er ihn gewarnt.</p><p>In jener Nacht war Rhonin bis in die fr�hen Morgenstunden wach geblieben, um die Schriftrollen zu lesen, und eine von ihnen wollte er sich nun noch einmal zu Gem�te f�hren.</p><p>�Andererseits�, sagte er laut. �Warum musstest du deine Weisheiten nur in so kryptischer Form niederschreiben, Krasus?�</p><p>Er war sicher, dass der gro�e rote Drache jetzt irgendwo sa� und lachte.</p><empty-line/><p>Es war erst Jainas zweiter Besuch bei der Familie Funkenleuchter; beim ersten Mal war sie gekommen, um ihre Tochter in ein weit entferntes Land mitzunehmen. Damals waren sie alle vor Stolz auf Kinndy beinahe geplatzt, aber Jaina hatte auch erkannt, wie stark die Bande in dieser Familie waren, was vielleicht daran liegen mochte, dass sie nur aus drei Personen bestand. Es war jedenfalls deutlich zu sp�ren gewesen, dass ihnen dieser Abschied schwergefallen war, doch sie hatten Jaina nicht wie einen Eindringling behandelt, der ihnen ihre Tochter wegnahm, sondern waren ihr mit weit offenen Armen begegnet, als w�re sie ein lange verschollener Verwandter. Nichtsdestotrotz z�gerte Jaina nun vor der T�rschwelle. Hierherzukommen war eine pl�tzliche Entscheidung gewesen. Sie hatte das Gef�hl gehabt, dass sie es den Eltern ihrer Sch�lerin schuldig war; sie sollten wissen, wie sehr sie von Kinndys F�higkeiten beeindruckt war, au�erdem wollte sie ihnen sagen, dass dieses beeindruckende M�dchen, das sie so innig liebten, bald schon einer gro�en Gefahr ins Auge sehen w�rde.</p><p>Nachdem sie sich f�r diese Begegnung gewappnet hatte, klopfte sie an der T�r. Wie beim letzten Mal �ffnete sich daraufhin quietschend eine kleinere T�r, die in die eigentliche T�r eingelassen war, und ein �lterer, ganz in Violett gekleideter Magier sp�hte hinaus, erst nach links, dann nach rechts, und schlie�lich nach oben.</p><p>�Guten Tag, Magier Funkenleuchter�, sagte Jaina l�chelnd.</p><p>Rasch nahm er seinen spitz zulaufenden Hut ab und verneigte sich tief. �Lady Prachtmeer!�, rief er. �Was verschafft uns diese Ehre �� Seine Augen weiteten sich unmerklich. �Mit unserer kleinen Kinndy ist doch alles in Ordnung, oder?�</p><p>�In bester Ordnung sogar. Sie wird den Pflichten eines Lehrlings in bewundernswerter Weise gerecht�, erkl�rte Jaina. Zu diesem Zeitpunkt entsprachen beide Aussagen schlie�lich noch der Wahrheit. �D�rfte ich hereinkommen?�</p><p>�Oh, gewiss, gewiss!� Pakke Funkenleuchter duckte sich wieder nach drinnen, schloss die kleine T�r und �ffnete die gro�e Hauptt�re, damit Jaina eintreten konnte.</p><p>Die ordentliche kleine Wohnung war mit vollendeten Miniaturen richtiger M�bel ausgestattet � zumindest kamen sie Jaina wie Miniaturen vor. Auch wenn die Decke hoch genug war, dass sie aufrecht stehen konnte, w�re es ihr also unm�glich gewesen, sich auf einen der kleinen St�hle zu setzen. Gl�cklicherweise holte Pakke einen <emphasis>Gro�e-Leute-Stuhl</emphasis>, wie er es nannte, herbei.</p><p>�Hier. Setzt euch doch ans Feuer!� Jaina blickte zum Kamin hin�ber, in dem zwar Holzscheite platziert waren, aber kein Feuer brannte. Sie musste ein Schmunzeln unterdr�cken. Das war ein alter Witz der Familie Funkenleuchter, und sie hatte nicht vor, Pakke die Pointe zu verderben. Der Gnom stie� ein gespieltes �chzen aus. �Oh, das Feuer brennt ja gar nicht!�, entfuhr es ihm, dann zog er einen Stab hervor, murmelte ein paar leise Worte und richtete die Spitze seines magischen Werkzeuges auf den Kamin. Im selben Moment flackerten helle Flammen auf und verliehen der ohnehin schon heimeligen Wohnung einen noch fr�hlicheren Eindruck.</p><p>Ein verlockender Geruch wehte herbei, als eine grauhaarige Gnomenfrau durch die K�chent�r sp�hte. Ihr Gesicht war mit Mehl verschmiert. �Pakke, wer war an der � oh, Lady�, sagte sie. �Was f�r eine �berraschung! Gebt mir nur einen Moment, um diese Kuchen in den Ofen zu schieben. Ich bin gleich wieder da.�</p><p>�Lasst Euch nur Zeit, Frau Funkenleuchter.�</p><p>�Ich hatt� es Euch doch schon gesagt, als wir uns zum ersten Mal trafen: Nennt mich Jaxi, sonst gibt es keine Apfelt�rtchen�, tadelte sie sanft, und zum ersten Mal seit einer gef�hlten Ewigkeit konnte Jaina nicht anders, als zu lachen.</p><p>Sie setzte sich in den gem�tlichen, ihrer Gr��e entsprechenden Stuhl und nahm dankbar eine Tasse Tee und ein paar Pl�tzchen entgegen. Nachdem Pakke und Jaxi ebenfalls Platz genommen hatten, auf ihren eigenen, kleineren Sitzgelegenheiten, ergingen sie sich ein paar Minuten in ungezwungenem Geplauder.</p><p>Schlie�lich stellte Jaina ihre Tasse beiseite und blickte die beiden Gnome an. �Eure Tochter�, begann sie, �ist eine gute Sch�lerin. Nein�, korrigierte sie sich dann, �eine ausgezeichnete Sch�lerin sogar. Jeden Tag beeindruckt sie mich mehr, und ich bin sicher, eines Tages, wenn ihre Ausbildung abgeschlossen ist, wird sie die ganze Welt beeindrucken. Viele Lehrlinge haben das Potenzial, aber l�ngst nicht alle k�nnen es auch aussch�pfen.�</p><p>Das Ehepaar Funkenleuchter strahlte f�rmlich, dann blickten die beiden einander an und schlossen die H�nde fest um die des anderen. �Sie ist unser einziges Kind, m�sst Ihr wissen�, erkl�rte Pakke. �Ich bin sicher, es ist Euch nicht aufgefallen, aber ich werde allm�hlich alt.� Dies sagte er mit einem Funkeln in den Augen; der lange wei�e Bart war nicht zu �bersehen. �Jaxi und ich hatten die Hoffnung auf ein Kind schon aufgegeben. Kinndy ist unser kleines Wunder.�</p><p>�Wir machen uns zwar Sorgen um sie, weil sie so weit entfernt in Theramore ist�, f�gte Jaxi hinzu, �aber wir freuen uns, dass sie uns so h�ufig besuchen kommt.�</p><p>�Mich freut es auch�, meinte Jaina. �Wenn ich daran denke, dass sie jedes Mal einige Eurer gebackenen K�stlichkeiten mitbringt, w�rde ich sie am liebsten jeden Tag hierherschicken! Es ist wirklich eine Schande, dass ich sie nicht immer entbehren kann.�</p><p>Da mussten sie alle lachen. Die Atmosph�re in dem heimeligen, altmodisch eingerichteten Raum mit dem knisternden Kaminfeuer war so fr�hlich, dass Jaina einen Augenblick lang von dem Gedanken an die Gefahr befreit war, die Theramore drohte. Sie w�nschte sich, es k�nnte immer so einfach sein.</p><p>�Oh, Lady Jaina�, sagte Jaxi. �Welche ungl�cklichen Gedanken machen Euch so traurig?�</p><p>Sie seufzte. Sosehr sie sich auch w�nschte, dass die Situation eine andere w�re, diese guten Gnome hatten ein Recht darauf, zu wissen, in welcher Gefahr ihre Tochter schwebte.</p><p>�Theramore braucht die Hilfe der Kirin Tor�, erkl�rte sie leise. �Um die Wahrheit zu sagen, es war sogar Kinndys Idee, hierherzukommen und um Unterst�tzung zu bitten. Mehr kann ich Euch leider nicht sagen, aber ich f�rchte, ich werde mit leeren H�nden nach Theramore zur�ckkehren.�</p><p>�Was f�r eine ��, setzte Jaxi zu einer Frage an, aber Pakke legte eine faltige Hand auf die ihre und dr�ckte sie.</p><p>�Na, na. Lady Jaina scheint wichtige Dinge zu tun zu haben�, sagte er. �Wenn sie meint, sie k�nne es uns nicht sagen, dann will ich ihr das glauben.�</p><p>�Ich nat�rlich auch�, sagte Jaxi hastig. Ihre andere Hand glitt zu der ihres Mannes hin�ber. �Es ist nur � ist Kinndy ��</p><p>�Kinndy hat unerm�dlich gearbeitet, und ihre Hilfe ist von unsch�tzbarem Wert f�r mich�, versicherte ihr Jaina. �Ich gebe Euch mein Wort, ich werde sie besch�tzen, so gut ich nur kann. Schlie�lich� � und sie versuchte, wieder unbesorgt zu klingen � �habe ich schon zu viel Zeit in ihre Ausbildung investiert. Es w�re doch eine Schande, wenn ich noch einmal von vorn anfangen m�sste, mit einem Sch�ler, der ganz gr�n hinter den Ohren ist!�</p><p>�Macht Euch keine Sorgen wegen der Kirin Tor�, meinte Pakke, um sie aufzumuntern. �Sie w�rden Euch und Theramore nicht einfach so im Stich lassen. Sie werden das Richtige tun. Ihr werdet schon sehen!�</p><p>Sie dr�ngten ihr noch eine Tasche mit mehreren eingepackten Kuchen auf und w�nschten ihr zum Abschied herzlich alles Gute. Dabei waren sie so zuversichtlich und fr�hlich, dass Jaina wieder Hoffnung sch�pfte. Vielleicht � vielleicht w�rde sich diese Reise nach Dalaran ja doch noch auszahlen.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Kleines Fr�ulein Sch�lerin�, sagte Kalec, w�hrend er die Figuren auf dem Spielbrett betrachtete, �ich glaube, Ihr habt dieses Spiel schon mehr als einmal gespielt.�</p><p>Kinndys gro�e Augen wurden noch gr��er, als sie ihren Unschuldsblick aufsetzte. �Ich? Oh, wohl kaum! Tervosh hat es mir erst in der letzten Woche beigebracht.� Der Drache hob den blau�ugigen Blick von den Spielfiguren und zog eine indigofarbene Braue in die H�he, woraufhin sich Kinndys Miene in ein Grinsen aufl�ste. �Na sch�n�, gestand sie, �es gibt vielleicht doch einen Grund, warum sonst keiner mit mir spielen will.�</p><p>�Dann bin ich also nur ein weiteres Opfer f�r Euch?�</p><p>�Mmm�, machte Kinndy, als wollte sie sich nicht festlegen. Kalec war schon im Begriff, seinen n�chsten Zug zu machen, da h�rte er das vertraute Ger�usch eines Teleportationszaubers, und mit einem Mal war das Spiel vergessen. Er drehte sich herum und sah, wie Jaina in dem Salon materialisierte. Sie l�chelte, ein Ausdruck, den er noch nicht sehr oft auf ihrem Gesicht gesehen hatte. Im Stillen dankte er der Person oder dem Umstand, der es auf ihre Lippen gezaubert hatte.</p><p>�Deine Eltern�, sagte Jaina, an Kinndy gewandt, �sind wirklich die freundlichsten Leute in ganz Azeroth. Und die gro�z�gigsten.� Sie griff in die Tasche und reichte dem Gnomenm�dchen eine kleine Schachtel mit Backwaren. Kinndy �ffnete das P�ckchen, das eine beeindruckende Vielfalt an K�stlichkeiten enthielt: T�rtchen, Pasteten, cremegef�llte Taschen, Teigb�llchen und allerlei andere Leckerbissen, bei deren Anblick einem das Wasser im Munde zusammenlief.</p><p>�Und, wie lief es?�, fragte Kinndy, bevor sie einen Bissen von etwas Glasiertem und k�stlich Duftendem nahm.</p><p>Jainas Gesicht wurde wieder ernst. Sie lie� sich auf ihren eigenen Stuhl fallen, um sich etwas Tee einzuschenken. �Nicht sehr gut�, berichtete sie. �Aber ich glaube, es ist mir gelungen, zumindest ein paar Leute zum Umdenken zu bewegen. Also blick nicht so niedergeschlagen drein�, f�gte sie hinzu, als Kinndy auf ihrem Platz in sich zusammensank. �Sie haben mir ihre Entscheidung in der Sache noch nicht mitgeteilt. Was bedeutet, dass sie noch weiter dar�ber beratschlagen m�ssen. Vielleicht unterst�tzen sie uns zu guter Letzt ja doch. Aber wie auch immer, es war jedenfalls eine gute Idee, Kinndy.�</p><p>�Es w�re eine bessere Idee gewesen, wenn Ihr mit einer ganzen Gruppe von Kirin Tor zur�ckgekommen w�rt�, brummte das Gnomenm�dchen.</p><p>�Da kann ich dir nicht widersprechen�, erwiderte Jaina. �Aber ich werde nehmen, was ich nur bekommen kann. Und alles, was das zurzeit ist, sind Beerent�rtchen.�</p><p>�Ich bin froh, dass Ihr noch nicht alles Gute aus Eurer Welt gewichen w�hnt�, sagte Kalec, w�hrend auch er sich eine von Jaxis K�stlichkeiten nahm. �Aber ich bedaure, dass das Treffen nicht besser verlief.�</p><p>Jaina winkte mit einer zuckerverschmierten Hand ab. �Ich kann mir noch genug Sorgen machen, wenn sie mir ihre Entscheidung mitgeteilt haben�, sagte sie. �Aber ich h�tte nichts dagegen, wenn Ihr ein paar gute Nachrichten �ber die Lage hier h�ttet.�</p><p>�Leider nein�, sagte Kalec voll tief empfundenem Bedauern. �Die Horde wartet weiter vor unserer T�rschwelle, vorsichtig darauf bedacht, uns nicht zu nahe zu kommen. Und die Fokussierende Iris irrt ungl�cklicherweise ebenfalls weiter durch Kalimdor, mit einer Geschwindigkeit, die mich jetzt noch verbl�fft.�</p><p>Kinndy beobachtete sie, w�hrend sie an ihrem T�rtchen knabberte, die Augen nachdenklich zusammengekniffen. �Ich glaube, ich werde das oben in meinem Zimmer zu Ende essen�, erkl�rte sie. �Da ist noch ein Buch, das ich mir ansehen wollte. Vielleicht finde ich ja etwas Hilfreiches darin.�</p><p>Sie stellte Teetasse und T�rtchen auf einem Tablett ab und verlie� den Salon ohne ein weiteres Wort. Jaina zog eine goldene Augenbraue nach oben, w�hrend sich ihre Stirn verwirrt furchte.</p><p>�Was hatte das denn zu bedeuten?�, fragte sie.</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, antwortete Kalec, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Er hatte zwar eine Vermutung, warum das Gnomenm�dchen sie beide allein lassen wollte � aber das war ein Gedanke, mit dem er sich nicht weiter besch�ftigen konnte.</p><p>Sie wandte sich ihm zu und blickte ihn neugierig an. �Warum seid Ihr hier, Kalecgos vom blauen Drachenschwarm?�</p><p>Die Frage erf�llte ihn mit Unbehagen, wenn er auch nicht genau sagen konnte, warum. �Ich suche nach der ��</p><p>�Der Fokussierenden Iris, ja, das wei� ich. Das hat Euch urspr�nglich hierhergef�hrt, aber � warum seid Ihr zur�ckgekehrt? Ihr h�ttet an jedem Ort auf diesem Kontinent warten k�nnen, bis die Iris stehen bleibt und sich stabilisiert. Und dennoch seid Ihr hiergeblieben.�</p><p>Kalec sp�rte, wie seine Wangen zu gl�hen begannen. Es war eine einfache Frage: Warum blieb er hier, anstatt die Stille der Wildnis zu suchen? Die Spur des magischen Objekts, die ihn hierhergef�hrt hatte, k�nnte er an jedem anderen Ort ebenso deutlich sp�ren. Dennoch war er zur�ckgekehrt, hatte von einem Gnom gelernt, wie man Schach spielte, mit einer Nachtelfin �ber milit�rische Strategien philosophiert, sich mit Tervosh �ber die Natur des Arkanen unterhalten, und Jainas Gesellschaft genossen �</p><p>Jaina.</p><p>Sie war der Grund, warum er geblieben war.</p><p>Erwartungsvoll blickte die Lady Prachtmeer ihn an, w�hrend sie mit einer schlanken Hand eine Str�hne goldenen Haares hinter ihr Ohr strich, den Kopf zur Seite geneigt, einen fragenden Ausdruck auf dem Gesicht � und dann trat diese so unverwechselbare Falte auf ihre Stirn, die sonst so glatt und unber�hrt vom menschlichen Alterungsprozess schien.</p><p>Sie wollte eine Antwort, doch er konnte ihr keine geben. Zumindest keine, die der Wahrheit entsprach. Als er aber den Mund zu einer dahingesagten Antwort �ffnete, erkannte er, dass er sie nicht anl�gen wollte.</p><p>�Es gibt mehrere Gr�nde�, meinte er also nur und wandte den Blick ab.</p><p>Jaina beugte sich vor. �Oh!�</p><p>�Nun � unter Euresgleichen seid Ihr eine Meisterin der Magie, Jaina. Ich f�hle mich in Eurer Gegenwart wohl. Vielleicht m�chte ich bei den j�ngeren Rassen bleiben, weil mein Volk Eures einst verfolgt hat, ohne irgendeine Legitimation au�er einer nebul�sen, w�rtlich �bermittelten Prophezeiung, wonach wir die W�chter der Magie sind. Der Nexuskrieg hat so schrecklich viele Leben gekostet, sowohl unter den Drachen als auch unter den j�ngeren Rassen. Sie sind grundlos und brutal hingeschlachtet worden.� Seine blauen Augen richteten sich auf ihr Gesicht, und diesmal war sie es, die den Blick abwenden musste. �Vermutlich denke ich, dass ich es Euch schuldig bin zu helfen. Au�erdem �� � er l�chelte schmal, wohl wissend, dass dieser Teil der Wahrheit entsprach � �seid Ihr eine vorbildliche Gastgeberin.�</p><p>�Oh, das bezweifle ich�, sagte Jaina.</p><p>�Ich nicht.� Seine Stimme war sanft, und er erkannte, dass sie zitterte. Am liebsten h�tte er ihre Hand in die seine genommen, aber er wagte es nicht. Er wusste selbst nicht, woher sein Interesse an der Magierin Lady Jaina Prachtmeer r�hrte, und er wollte erst genau erforschen, was er wirklich f�hlte, bevor er sich vorwagte und sie fragte, ob sie denn auch so empfand.</p><p><emphasis>Aber vermutlich werde ich es nicht tun</emphasis>, dachte Kalecgos. Malygos hatte seinerzeit den Nexuskrieg angezettelt, mit dem Ziel, die arkane Magie aus ganz Azeroth fortzuleiten, mit Ausnahme seines eigenen Reiches. Es war ein Zeichen ihres guten Willens, dass sie ihm ihre Freundschaft anbot, aber er wollte nicht das Risiko eingehen, indem er nach mehr fragte, erst recht jetzt nicht, da ein Angriff auf Theramore drohte.</p><p>�Nun, �ber Geschmack l�sst sich eben streiten�, bemerkte Jaina schnippisch. Kalec sp�rte eine Welle des Zornes in sich aufsteigen, auf wen oder was auch immer, der ihr ein so schlechtes Bild von sich selbst vermittelt hatte. War es Kael�thas gewesen? Arthas? Ihr Vater, dem sie sich so mutig entgegengestellt hatte, obwohl alle Logik und all ihre Gef�hle zweifelsohne danach verlangt hatten, es nicht zu tun? Da war eine Trauer in ihr, eine Betr�btheit, die nichts mit der bevorstehenden Schlacht zu tun hatte � diese Sorge hatte schon in ihren Augen gelegen, als er zum ersten Mal in Theramore angekommen war.</p><p>Sie brauchte ihn nun. Die Kirin Tor w�rden ihr vermutlich den R�cken kehren und zulassen, dass sie und ihre Stadt den �xten der Orcs, Trolle, Tauren, Verlassenen, Goblins und Blutelfen zum Opfer fielen. Vor seinem geistigen Auge sah er Jaina schon allein dastehen, wie sie sich mit ihrer m�chtigen Magie gegen die Feinde verteidigte, ihr bezauberndes Gesicht erschiene in ihrer unnachgiebigen Entschlossenheit, ihre Stadt zu sch�tzen, noch sch�ner.</p><p>Doch alles Talent der Welt w�rde nicht ausreichen, wenn nur eine einzelne Person sie einsetzen konnte. Theramore w�rde fallen, und Jaina ebenfalls.</p><p>Er �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch in diesem Augenblick sp�rte er pl�tzlich ein leichtes Prickeln von Magie in der Luft. Jainas Augen weiteten sich ebenfalls, dann sprang sie auf die F��e und eilte in die Ecke, um die drei B�cher in dieser ganz besonderen Reihenfolge anzutippen. Das Regal glitt zur Seite, und als der Spiegel dahinter zum Vorschein kam, wallte bereits Nebel darin.</p><p>�Sprich�, sagte Jaina, w�hrend ihre Stimme vor Hoffnung zitterte.</p><p>Auf diesen Befehl hin nahm der Dunst im Spiegel die Form eines m�nnlichen Menschengesichtes an.</p><p>Erzmagier Rhonin.</p><p>�Ihr seid eine �u�erst �berzeugungskr�ftige Frau�, begann er. �Es ist zwar weiterhin die Auffassung der Kirin Tor, dass wir neutral bleiben sollten, aber Eure Bitte hat uns bewogen einzuschreiten. Selbst Aethas Sonnenh�scher hat zu Euren Gunsten gestimmt. W�rden wir Euch nicht gegen eine so gewaltige �bermacht helfen, so w�rde das bedeuten, passiv die Horde zu unterst�tzen. Das war zumindest die Logik, mit der er seine Entscheidung begr�ndet hat.�</p><p>�Bitte richtet Erzmagier Aethas aus, dass wir seine Logik zu sch�tzen wissen�, sagte Jaina. Ihr schlanker K�rper bebte, und augenscheinlich musste sie sich zusammenrei�en, um ruhig zu bleiben. Am liebsten h�tte sie wohl vor Freude Luftspr�nge machen m�gen. Kalec ging es nicht anders.</p><p>�Ich und einige andere werden bald nach Theramore kommen, um Euch bei der Verteidigung der Stadt beizustehen. Die Betonung liegt aber auf <emphasis>Verteidigung</emphasis>. Wir werden sch�tzen, nicht angreifen. Unsere gr��te Hoffnung ist ohnehin, dass unsere Gegenwart den Angriff verhindern kann. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>�Unmissverst�ndlich, Erzmagier. Es ist auch meine Hoffnung, dass wir irgendwie eine friedliche L�sung finden werden.�</p><p>Rhonin seufzte, und seine eben noch so ernste Miene wurde nun weicher. �Ich vermute, niemand kann sagen, wie diese Sache ausgeht, aber wir werden ganz sicher nicht einfach nur danebenstehen und D�umchen drehen. Wir werden in K�rze bei Euch sein.�</p><p>Das Bild verblasste, und nach einem letzten Wirbel des magischen blauen Dunstes zeigte der Spiegel nur noch eine Reflexion von Jaina und Kalecgos.</p><p>Die Lady von Theramore sackte erleichtert in sich zusammen. �Dem Licht sei Dank�, murmelte sie. �Sie werden rechtzeitig hier ankommen, selbst wenn �� Sie sch�ttelte den Kopf, als wollte sie die Bef�rchtung verscheuchen, dass Varians Flotte nicht vor dem Beginn des Angriffs hier eintreffen k�nnte, dann setzte sie ein strahlendes L�cheln auf, und Kalecs Herz machte einen Sprung in seiner Brust.</p><p>Er wollte seine Gedanken aussprechen, konnte es aber nicht. Eine innere Stimme � er wusste noch immer nicht, ob es seine Vernunft oder seine Furcht war, die da zu ihm sprach � sagte: <emphasis>Nein. Nicht jetzt. Vielleicht � nie.</emphasis> Es war klar, was Kalec jetzt tun musste, um ihrer beider willen. Doch dieses Wissen war wie eine Klinge, die in seinem Bauch steckte.</p><p>�Das sind in der Tat erfreuliche Neuigkeiten�, sagte er stattdessen. �Sie werden Theramore ebenso gut besch�tzen, wie ich es k�nnte, vielleicht sogar besser.�</p><p>Ein Teil ihres �berschwangs verschwand. �K�nnte?�, wiederholte sie.</p><p>Er nickte. �Ja. Ihr habt mich an die Pflicht erinnert, um die ich mich k�mmern muss. Jetzt, da ich wei�, dass Ihr Verb�ndete an Eurer Seite habt, werde ich noch einmal den Kontinent �berfliegen. Vielleicht gelingt es mir ja, n�her an die Iris heranzukommen.�</p><p>�Ich verstehe. Nat�rlich, das ist eine ausgezeichnete Idee.� Sie l�chelte rasch, und die Besorgnis kehrte in ihre Augen zur�ck. Ohne Zweifel glaubte sie, dass er sie im Stich lie�.</p><p><emphasis>Und das tue ich auch</emphasis>, dachte er. <emphasis>Aber es ist zu ihrem eigenen Besten</emphasis>. Er wusste, dass � w�rde er bleiben � er irgendwann nicht mehr anders k�nnte, als ihr zu sagen, was er in seinem Herzen empfand. Das w�re eine zus�tzliche Last f�r Lady Jaina Prachtmeer, die sie jetzt, da Theramore seiner wom�glich schw�rzesten Stunde entgegenblickte, ganz sicher nicht brauchen konnte.</p><p>Erzmagier Rhonin und die anderen Kirin Tor w�rden sie besch�tzen, so gut sie konnten, und keiner von ihnen w�rde Jaina von ihren Pflichten ablenken, denen im Augenblick ihre ganze Aufmerksamkeit gelten musste.</p><p>�Ich nehme an, dann hei�t es jetzt Abschied nehmen�, meinte sie mit einem L�cheln, dem aufrichtigen, einge�bten L�cheln eines Diplomaten, und streckte die Hand aus. Kalecgos nahm sie, schloss seine Finger um die ihren und genoss diesen schlichten Handschlag als das, was er gewiss war, n�mlich seine letzte Gelegenheit, Jaina zu ber�hren.</p><p>�Ihr seid in guten H�nden�, sagte er.</p><p>�In den besten von ganz Azeroth�, erwiderte sie fr�hlich. �Ich w�nsche Euch viel Erfolg, Kalecgos. Ich wei�, Ihr werdet finden, wonach Ihr sucht. F�r Euren Schwarm � und f�r die ganze Welt. Solltet Ihr die Iris nicht sofort aufsp�ren �, k�nnte ich Euch dann nach der Schlacht vielleicht noch einmal behilflich sein?�</p><p>Er schluckte hart und lie� ihre Hand los. �Falls ich sie noch nicht gefunden habe, wenn die Schlacht vorbei ist, werdet Ihr die Erste sein, die es erf�hrt�, erkl�rte er ernst.</p><p>Anschlie�end schritt Kalecgos schneller, als es eigentlich angebracht gewesen w�re, aus dem Turm hinaus ins Freie. Als er eine Stelle erreichte, die gro� genug war, verwandelte er sich und sprang dem Himmel entgegen, seine Sinne ausgestreckt, als k�nnte er die Iris allein mit seinem Willen zwingen, ihre Geschwindigkeit zu verlangsamen, damit er sie rasch finden und zu Jaina zur�ckkehren konnte. Doch das Artefakt tat ihm diesen Gefallen nicht, und sein rasantes Hin und Her schien ihn zu verh�hnen, w�hrend er mit den Fl�geln schlug und davonflog, auf einer Suche, die vermutlich schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.</p><empty-line/><p>Kalecs abrupter Aufbruch �berraschte Jaina. Wie ihr erst jetzt klar wurde, war sie fest davon ausgegangen, er w�rde bleiben und helfen. Doch dies war nicht sein Kampf, �berlegte sie; vermutlich hatte er schon viel mehr in dieser Angelegenheit getan, als er urspr�nglich vorgehabt hatte. So charmant er in seiner Halbelfenform auch sein mochte, letzten Endes blieb er noch immer ein Drache, und die Drachen ergriffen nicht Partei, wenn es um die Probleme der j�ngeren Rassen ging. Nichtsdestotrotz empfand sie ein merkw�rdiges Gef�hl des Verlusts. Er war ihr w�hrend dieser wenigen, angespannten Tage zu einem Freund geworden, und sie w�rde ihn mehr vermissen, als sie erwartet hatte.</p><p>Sie hatte aber keine Zeit, noch l�nger �ber sein Verschwinden nachzugr�beln, denn Rhonin hielt sein Wort und materialisierte, kaum eine halbe Stunde nachdem er sich bei ihr gemeldet hatte, auf dem Hof vor dem Turm � und auch sein zweites Versprechen l�ste er ein, denn er war nicht allein.</p><p>Knapp ein Dutzend Gestalten begleiteten den Erzmagier, und wenn auch niemand sonst aus dem Hohen Rat unter ihnen war, erkannte Jaina doch in vieren die ber�hmten Mitglieder der Kirin Tor. Die anderen hatte sie noch nie gesehen, mit einer Ausnahme: Vereesa Windl�ufer. Offensichtlich wollte sie an der Seite ihres Mannes sein, wenn er sich schon in solche Gefahr begab. Jaina l�chelte ihr zum Gru� zu und widmete sich dann den anderen Magiern.</p><p>Die vier ber�hmten Kirin Tor, die Rhonin f�r diese Mission ausgew�hlt hatte, waren Tari Zahnradd, eine der besten Gnomenmagierinnen in ganz Dalaran; Amara Leeson, eine Menschenfrau mit langem schwarzem Haar, deren verkniffener Gesichtsausdruck nicht �ber ihr g�tiges Herz hinwegt�uschen konnte; Thoder Windermere, der mit seinem st�mmigen K�rper und seinen harten Z�gen mehr an einen Krieger erinnerte, tats�chlich aber einer der geschicktesten Magier war, den Jaina je getroffen hatte; und zu ihrer �berraschung war da auch Thalen Sangweber, ein Sonnenh�scher, schlank, mit scharfen Z�gen und Haaren von der Farbe milchigen Mondlichts.</p><p>�Einigen von Euch bin ich bereits begegnet, und ich freue mich darauf, Euch andere auch noch kennenzulernen�, sagte Jaina mit einladender Stimme. �Ich danke Euch von tiefstem Herzen, dass Ihr meinem Hilferuf gefolgt seid. Magier Sangweber, Euch m�chte ich meinen ganz besonderen Dank aussprechen. Es muss eine sehr schwere Entscheidung f�r Euch und Erzmagier Aethas gewesen sein.�</p><p>�Nicht so schwer, wie Ihr vielleicht denkt�, erwiderte der Elf mit rauchiger, aber wohlklingender Stimme. �Es war mein Herr Aethas, der die entscheidende Stimme zu Euren Gunsten abgegeben hat.�</p><p>�Obwohl ich mit einer Elfin verheiratet bin, kann ich ihre Logik noch immer nicht nachvollziehen�, meinte Rhonin, woraufhin Vereesa ihn in gespieltem Zorn anstarrte. Der Erzmagier zwinkerte seiner Frau zu und drehte sich dann wieder zu Jaina herum. �Also gut, hier sind wir. Ich muss unter vier Augen mit Euch sprechen, Lady Prachtmeer, aber zun�chst warten meine Kollegen hier noch auf ihre Befehle.�</p><p>�Nennen wir es doch lieber Bitten�, sagte Jaina, dann blickte sie zu Tervosh hin�ber. �Tervosh, Kinndy, Leidende? W�rdet Ihr unsere G�ste bitte mit dem Aufbau der Stadt vertraut machen und sie Hauptmann Mumm und Hauptmann Ebenstab vorstellen?�</p><p>Die Leidende nickte lediglich, aber Tervosh ereiferte sich: �Es w�re uns eine Ehre. Wir sind �u�erst dankbar f�r Eure Unterst�tzung.� Kinndy indes wirkte ein wenig �berw�ltigt, und ausnahmsweise schien sie nicht zu wissen, was sie sagen sollte. Jaina blickte der Gruppe nach, als sie davonging, dann wandte sie sich wieder an Rhonin.</p><p>�Ihr wisst hoffentlich, dass Ihr viele Magier emp�rt habt�, sagte er ohne Umschweife.</p><p>�Ich?�, fragte Jaina verwirrt.</p><p>�Ich wei�, ich wei�, das ist normalerweise nicht gerade mein Spezialgebiet�, gab der rothaarige Magier mit einem selbstironischen Grinsen zur�ck. �Manche Leute hegen eben gerne einen Groll. Ich w�rde also nicht so weit gehen zu sagen, dass Ihr Euch w�hrend des Dritten Krieges Feinde gemacht habt, aber sagen wir so: Eure Entscheidungen haben Euch nur sehr wenige Sympathien eingebracht.�</p><p>�Was habe ich denn getan?�</p><p>�Es geht eher um das, was Ihr <emphasis>nicht</emphasis> getan habt. Einige Dalaraner f�hlten sich von Euch im Stich gelassen, als Ihr entschieden habt, nicht weiter mit den Kirin Tor zusammenzuarbeiten, sondern auf eigene Faust davongezogen seid.�</p><p>�Ich wurde nicht gebraucht�, erkl�rte Jaina. �Mir war ein anderer Weg � nun, man k�nnte wohl sagen, <emphasis>vorherbestimmt</emphasis>. Ich ging dorthin, wo ich meiner Meinung nach am meisten bewirken konnte. Ich hatte keine Ahnung, dass sich andere Magier durch diese Entscheidung beleidigt f�hlen k�nnten.�</p><p>�Es ist eine alte Verstimmung, mehr nicht�, beruhigte sie Rhonin. �Manche Leute sind einfach nicht gl�cklich, wenn sie nicht b�se auf jemanden sein k�nnen. Und der einzige Grund, warum diese Geschichte nicht schon l�ngst verj�hrt ist, ist der, dass viele Magier Euch f�r die Zukunft des Rates hielten und nicht irgend so einen dahergelaufenen rothaarigen Besserwisser.� Als er ihren erschrockenen Gesichtsausdruck sah, f�gte er hinzu: �Kommt schon, Jaina, wie oft habe ich schon aus Eurem Munde geh�rt, dass es ein ebenso gro�er Fehler ist, die eigenen Talente herunterzuspielen, wie sie k�nstlich aufzubl�hen. Ich bin gut. Verdammt gut. Und das Gleiche gilt auch f�r viele andere bei den Kirin Tor. Ein paar von ihnen sind heute sogar hier. Aber Ihr �� Er sch�ttelte bewundernd den Kopf. �Ihr seid eine gute Diplomatin, daran gibt es keinen Zweifel. Azeroth hat Euch viel zu verdanken. Aber selbst ich denke, dass Ihr Eure Talente hier in Theramore verschwendet.�</p><p>�Theramore ist eine Nation, ein Leuchtfeuer der Hoffnung in dieser Welt, und ich habe versprochen, mich um sie zu k�mmern und sie zu besch�tzen. In Dalaran w�re ich nur eine weitere Kirin Tor. Hier hingegen �� Sie machte eine Handbewegung, die das Treiben ringsum einschloss. �Ich kann die Stadt nicht verlassen, nicht jetzt. Vermutlich nie, Rhonin. Ihr wisst das. Theramore braucht mich. Und was immer Ihr auch sagt, ich kann nicht glauben, dass ich Azeroth als eine Magierin unter vielen in Dalaran besser dienen kann als hier mit meiner Diplomatie.�</p><p>Er nickte, ein wenig bedauernd, wie es ihr schien. �Ihr <emphasis>seid</emphasis> Theramore�, stimmte er dann zu. �Mehr, als je einer von uns die Kirin Tor verk�rpern k�nnte. Diese Welt ist in einem bemitleidenswerten Zustand, Jaina. Man hat ihr keine Gelegenheit gegeben, sich zu erholen. Erst der Krieg gegen Malygos und die blauen Drachen, dann der Kampf gegen diesen Bas�, vergebt mir, gegen den Lichk�nig, der so viele Leben gekostet hat. Und anschlie�end ist Azeroth praktisch entzweigebrochen. Ohne Eure Bem�hungen schm�lern zu wollen, aber ich glaube, weder die Horde noch die Allianz wissen, was sie mit sich anfangen sollten, wenn es zu einem Frieden k�me.�</p><p>Jaina wusste, dass Rhonin mit seinem Kommentar keine Kritik an ihr �ben wollte. Er bedauerte lediglich die Tatsache, dass Azeroth und seine Bewohner gezwungen gewesen waren, so viele Katastrophen und so viel Gewalt zu erdulden � ein Umstand, den sie selbst ebenso bedauerte. Dennoch erstarrte sie. Seine Worte gingen ihr viel zu nahe. Verschwendete sie vielleicht <emphasis>wirklich</emphasis> ihre Zeit in Theramore? Und hatte sie nicht selbst eingestanden, vor Kurzem erst in einem Gespr�ch mit Go�el, dass sie f�rchtete, ihre Worte k�nnten ungeh�rt verhallen? Sie erinnerte sich noch genau daran, was sie damals gesagt hatte: <emphasis>Es ist, als m�sste ich mich jedes Mal durch einen Morast vork�mpfen, damit man mir zuh�rt oder mich auch nur beachtet. Es ist � schwierig, diplomatisch zu bleiben und weiter auf echte, vern�nftige Ziele hinzuarbeiten, wenn sich sonst niemand mehr um die Vernunft zu scheren scheint. Ich frage mich oft, ob ich nur meinen Atem verschwende.</emphasis></p><p>Kalecgos hatte dieselben Bedenken ge�u�ert. <emphasis>Warum seid Ihr nicht in Dalaran? Warum hier, zwischen einem Sumpf und einem Ozean, zwischen der Horde und der Allianz?</emphasis></p><p><emphasis>Weil schlie�lich jemand hier sein muss</emphasis>, hatte sie ihm geantwortet � und weil sie glaubte, dass sie die n�tigen F�higkeiten hatte, um sich als Diplomatin durchzusetzen.</p><p><emphasis>Falls Ihr das glaubt � und ich sage nicht, dass Ihr Euch irrt �, warum m�sst Ihr dann noch versuchen, Euch selbst davon zu �berzeugen?</emphasis></p><p>Hatte sie etwa all diese Zeit das Falsche getan, am falschen Ort?</p><p>Sie zwang sich, den Gedanken zu verdr�ngen. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, sich in Bedauern zu verlieren. Nein, jetzt war es an der Zeit, zu handeln und ihr Volk vor der Schlacht zu sch�tzen, die sich � durchaus auch im w�rtlichen Sinne � bereits am Horizont abzeichnete. �Zun�chst einmal muss ich daf�r sorgen, dass meine Leute sicher sind�, erkl�rte sie Rhonin. �Nicht mal ich kann �ber Frieden sprechen, solange sie in Gefahr schweben. Gehen wir.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Die Sonne sank, rot und angeschwollen. Ihr Schein lie� den Tauren und den Troll aussehen, als w�ren das Fell des einen und die Haut des anderen in Blut getr�nkt, w�hrend sie schweigend, mit ebenm��igen Schritten, den H�gel zu den Ruinen der Feste Nordwacht hinaufschritten. Es gab dort keine Allianzpr�senz mehr, noch nicht einmal in Form von Leichen. Stattdessen schlief nun Garrosh H�llschrei in dem Turm, den einst der Admiral bewohnt hatte. Der Kriegsh�uptling der Horde war es auch, zu dem Troll und Taure wollten.</p><p>An diesem Abend war Garrosh guter Laune. Die Lagerfeuer, die seinen Leuten Licht und W�rme spendeten, aber auch zum Kochen benutzt wurden, waren bereits entz�ndet worden, und weil er wollte, dass die Spione der Allianz genau sehen konnten, wie viele Krieger der Horde sie gegen sich hatten, hatte er weder die Zahl der Feuer noch ihre Gr��e beschr�nkt. �ber einem solchen Feuer drehte sich nun auf einem Spie� die Keule eines Zhevras, und dem gebratenen Fleisch entstr�mte sowohl Fett, das zischend in die Flammen tropfte, als auch ein k�stlicher Duft, bei dem Garrosh das Wasser im Mund zusammenlief.</p><p>�Lass sie vortreten�, sagte er und gestikulierte in Malkoroks Richtung. �Vol�jin, Baine, ihr seid die Anf�hrer eurer V�lker. Kommt und setzt euch zu mir! Rei�t euch doch ein St�ck von diesem k�stlichen Fleisch ab!�</p><p>Der Taure und der Troll blickten einander an, dann n�herten sie sich dem Feuer. Jeder von ihnen hatte einen Dolch an der H�fte, und nachdem sie sich damit einen Streifen von dem tropfenden Fleisch abgeschnitten hatten, spie�ten sie ihn mit der Klinge auf. Als Garrosh auch einen Krug mit Kirschgrog herumgehen lie�, tranken sie h�flich davon.</p><p>�Nun�, fragte der Orc anschlie�end. �Welchem Umstand verdanke ich das Vergn�gen eures Besuches?�</p><p>�Kriegsh�uptling�, begann Baine, �Eure Krieger sitzen herum und warten auf Eure Befehle. Ihr Blut brennt in Erwartung der Schlacht. Ihr kennt unsere Meinung in dieser Sache. Wir sind gekommen, um Euch, offen und untert�nig, zu sagen, dass Ihr bald zuschlagen m�sst, sonst geben wir der Allianz zu viel Zeit, sich einen Verteidigungsplan zurechtzulegen!�</p><p>�Ich dachte, du magst die Allianz, Baine Bluthuf�, entgegnete Garrosh gedehnt. Der scharfe, aufmerksame Blick seiner kleinen, dunklen Augen strafte seine zusammengesackte K�rperhaltung L�gen.</p><p>�Ihr wisst, wem meine Treue gilt�, erkl�rte Baine, und seine Stimme war so tief, dass es beinahe wie ein Knurren klang. �Ich habe kein Verlangen danach, meine tapferen Krieger in eine Schlacht zu f�hren, in der sie niedergemetzelt werden � nicht, wenn ich sie stattdessen in eine Schlacht f�hren kann, aus der sie als klare Sieger hervorgehen.�</p><p>�Und du teilst diese Ansicht�, stellte Garrosh fest, w�hrend er sich an Vol�jin wandte.</p><p>Der Troll breitete die Arme aus. �Ihr habt schon mal geh�rt, wie wir �ber diese Sache denk�n, Kriegsh�uptling. Meine Leute sind bereit, Allianzblut zu vergieߒn, aber falls Ihr sie noch weiter zur�ckhaltet, werd�n sie unruhig. Die Verlass�n�n m�g�n Geduld ja f�r �ne Tugend halt�n, aber ich muss Euch frag�n � was denkt Ihr Euch dabei? Ihr seid ein gro�er Krieger! Ihr habt keine Angst vor der Allianz. Also, warum schlag<emphasis>�</emphasis>n wir nicht sofort zu?�</p><p>�Du hast recht, ich bin ein gro�er Krieger. Und ich wei� auch viel �ber Strategie�, entgegnete Garrosh. �Ich bin es allm�hlich leid, dass du in dieser Sache die Richtigkeit meiner Entscheidung anzweifelst.� Verschwunden war nun pl�tzlich die heitere, entspannte Haltung; Garrosh hatte weder zu viel getrunken noch zu viel gegessen, und seine Augen waren scharf und entschlossen, als er sie noch einmal musterte.</p><p>�Wir zweifeln nicht an Euch�, korrigierte Baine vorsichtig. �Wir sind ebenfalls Krieger von einem gewissen Ruf. Auch wir wissen, dass eine gute Taktik n�tig ist. Darum wollen wir Euch unseren Rat anbieten, den wir mit dem Blut unserer Leute teuer bezahlt haben. Wir wollen unn�tiges weiteres Blutvergie�en verhindern und bitten Euch inst�ndig, uns Geh�r zu schenken.�</p><p>Baine atmete tief ein, dann stand er auf, trat zu Garrosh hin�ber und kniete vor ihm. Diese Geste der Untert�nigkeit nagte an ihm, war aber nichtsdestotrotz ernst gemeint. Garrosh <emphasis>musste</emphasis> ihn ganz einfach anh�ren. Sein Volk � nein, die ganze Horde � mochte davon abh�ngen.</p><p>�Die Tauren und die Trolle sind seit jeher Freunde der Orcs�, sagte er. �Wir bewundern und respektieren Eure Rasse. Aber Ihr seid viel mehr als nur der H�uptling der Orcs. Ihr seid der Kriegsh�uptling der Horde, Garrosh H�llschrei.� Sein Blick huschte zu der einsch�chternden Erscheinung von Malkorok hin�ber, der neben Garrosh stand, die Arme vor der breiten grauen Brust verschr�nkt, die hasserf�llen Augen auf Baine gerichtet. �Ihr f�hrt uns alle, und Ihr seid schlau. Warum also �bergeht Ihr einfach unseren Rat in dieser Sache? Warum schenkt Ihr nur diesem Schwarzfelsorc Geh�r?�</p><p>Malkorok knurrte tief und machte einen Schritt nach vorn, doch als Garrosh die Hand hob, erstarrte er mitten in der Bewegung. �Du musst eine Nachricht an die <emphasis>Blut und Donner</emphasis> und die anderen Schiffe �bermitteln, die vor dem Hafen von Theramore versammelt sind�, erkl�rte er, w�hrend seine Augen aber nicht auf Malkorok gerichtet waren, sondern auf Baine. �Sag ihnen, dass ich neue Befehle f�r sie habe!�</p><p>Baine und Vol�jin tauschten einen hoffnungsvollen Blick aus. Vielleicht h�rte Garrosh nun doch noch endlich auf sie.</p><p>Der Kriegsh�uptling l�chelte hinter seinen Hauern, aber als er sprach, war seine Stimme kalt und hart. �Sag der Flotte, sie soll sich weiter von Theramore zur�ckziehen! So weit, dass man sie auch mit dem besten Allianz-Fernrohr nicht mehr sehen kann. Ihre Pr�senz dort ist nicht l�nger vonn�ten.�</p><p>�<emphasis>Was?</emphasis>� Vol�jins Stimme war ein Schrei abgew�rgter Fassungslosigkeit.</p><p>�Ich habe mein Ziel erreicht. Ich wollte, dass sich die Allianz der m�glichen Gefahren an ihren K�sten bewusst wird.�</p><p>Langsam stemmte sich Baine auf die Hufe. �Ihr � wollt die Flotte fortschicken?�, sagte er mit hohler Stimme.</p><p>�Das tue ich� best�tigte Garrosh, w�hrend er ebenfalls aufstand. Die beiden starrten einander an.</p><p>�Anstatt auf einen Angriff zu dr�ngen, bevor Theramore Verst�rkung rufen kann � ziehen wir uns zur�ck.�</p><p>�Ja. So, jetzt wei�t du es, Taure. Das sind meine Befehle. Willst du sie etwa infrage stellen?�</p><p>Der Moment dehnte sich in die L�nge, angespannt und still, wenn man einmal von dem Zischen absah, mit dem der Saft des Fleisches ins Feuer tropfte. Niemand bewegte sich, obwohl jeder darauf vorbereitet war.</p><p>�Ihr seid der Kriegsh�uptling der Horde, Garrosh H�llschrei�, sagte Baine schlie�lich. �Tut, was Ihr f�r richtig haltet. Ich bete nur zur Erdenmutter, dass es noch so etwas wie eine Horde geben mag, wenn dieses Debakel einmal vor�ber ist.�</p><p>Bevor Garrosh ihn weiter verh�hnen konnte, wandte sich der Taure um und stapfte davon, Vol�jin direkt neben sich, und als sie zu ihren Zelten zur�ckstapften, erklang hinter ihnen ein lautes, raues Orcgel�chter.</p><empty-line/><p>Die Stimmung in Theramore war entschlossen und grimmig, und der milit�rische Aspekt der Stadt, der schon immer sp�rbar gewesen war, r�ckte nun in den Vordergrund. Das Gasthaus war jetzt nicht l�nger ein Ort, an dem man bei einem Bier und guter Unterhaltung am Feuer sa�, sondern einer, wo sich Soldaten einquartiert hatten, manchmal bis zu acht in einem Zimmer. Andere mussten im Freien auf Pl�tzen schlafen, wo man Betten aufgestellt hatte, und tief im Herzen der Wehrzitadelle wurden Vorr�te an getrockneten Bohnen, Getreide, R�ucherfleisch sowie Kr�ge mit Trinkwasser angeh�uft.</p><p>Kurz verlieh ein Schimmer der Hoffnung den B�rgern neue Zuversicht, als die Segel der Siebenten Flotte am Horizont auftauchten. Die Schiffe, alles in allem zwanzig an der Zahl, hatten nicht nur Sturmwinds beste Seem�nner an Bord, sondern auch einige Gener�le von gro�em Ruhm und hohem Ansehen. Die Stimmung wurde beinahe schon festlich, als das Flaggschiff, die <emphasis>Geist von Tiffin</emphasis>, an der Spitze der gesamten Armada im Hafen von Theramore vor Anker ging. Obwohl die Zeit dr�ngte, lie�en es sich die Mannschaftsmitglieder des Flaggschiffes nicht nehmen, eine zwar abgek�rzte, aber doch pr�zise Zeremonie durchzuf�hren, w�hrend sie von Bord gingen, begleitet vom martialischen Rat-tat-tat einer Trommel. Anschlie�end nahmen sie in einer Reihe Aufstellung, die Gesichter Jaina, der Leidenden, Tervosh, Kinndy, Vereesa und den Magiern der Kirin Tor zugewandt. Hinter dieser kleinen Gruppe hatten sich die Einwohner von Theramore zusammengedr�ngt. Ihre m�den, argw�hnischen Gesichter wirkten so entspannt wie schon lange nicht mehr, als sie den M�nnern und Frauen zujubelten, die gekommen waren, um bei ihrer Verteidigung mitzuwirken.</p><p>Varian hatte gesagt, dass er so viele Leute schicken w�rde, wie er entbehren konnte, aber er hatte keine Namen genannt, da er selbst nicht genau gewusst hatte, wen er rechtzeitig erreichen w�rde. Nun blickte Jaina, die Augen mit der Hand gegen die Sonne abgeschirmt, zu den M�nnern und Frauen hin�ber, die hoch aufgerichtet und kerzengerade die Planke hinab an Land marschierten.</p><p>�Marcus Jonathan, General von Sturmwind, Oberkommandierender der Verteidigungstruppen von Sturmwind�, stellte einer der Menschen sich vor. Er war ein gro�er, imposanter Mann in schwerer Kettenr�stung, der aber mit beeindruckender Leichtf��igkeit vom Schiff stieg. Sein Bart war lang und voll, sein rotbraunes Kopfhaar hingegen recht kurz geschoren. Jonathan wirkte gleichzeitig entspannt und bereit, sich in Sekundenschnelle in den Kampf zu st�rzen. Jaina war nicht gerade eine kleine Frau, doch als er vor sie trat und die Hand zur Begr��ung ausstreckte, kam sie sich geradezu winzig vor.</p><p>�Ich war der Erste, an den sich Varian gewandt hat, und auch der Erste, der sich bereit gemeldet hat�, erkl�rte er. �Ihr habt so viel f�r die Allianz geleistet, Lady Prachtmeer, dass es eine Ehre ist, Euch unterst�tzen zu d�rfen.�</p><p>�Danke General�, sagte sie. �Ihr bringt uns neue Hoffnung.�</p><p>Die beiden n�chsten Gestalten, die vor sie traten, waren Zwerge. Jaina hatte sie noch nie zuvor gesehen, wusste aber, wer sie waren. Und sie kannte auch den tragischen Grund, warum ausgerechnet diese beiden hier waren und nicht zwei andere.</p><p>�Thaddus Starkschlag vom Wildhammerklan�, brummte der Erste schroff. Und anstatt ihr die Hand zu sch�tteln, salutierte er zum Gru� nur mit seinem Hammer.</p><p>�Horran Rotm�hne vom Basislager der Siebten Legion�, verk�ndete anschlie�end der Zweite.</p><p>�Ihr seid hier h�chst willkommen�, erwiderte Jaina. �Au�erdem m�chte ich Euch mein Mitgef�hl aussprechen. Der Tod von General Donnerknall und General Marstein ist h�chst bedauerlich.�</p><p>Thaddus Starkschlag nickte br�sk. �Aye, der Tod unserer Vorgesetzten war nicht die Art, wie wir uns ein eigenes Kommando verdienen wollten, so viel ist mal sicher.�</p><p>�Aber wir werden sie r�chen�, f�gte Rotm�hne an. �Es freut uns, hier helfen zu k�nnen, Lady. Solange wir die Krieger der Allianz niederstrecken d�rfen, ist uns gleich, wo wir k�mpfen.�</p><p>Obwohl die Allianz ihr Lager praktisch direkt vor ihrer T�rschwelle aufgeschlagen hatte, bedauerte sie es, dass ein Kampf unausweichlich schien, und der Blutdurst dieser beiden Zwerge versetzte ihr einen Stich. Dennoch brachte sie ein knappes Nicken zustande, bevor sie sich zu dem n�chsten Heerf�hrer herumdrehte.</p><p>Seine Hufe klapperten leise auf dem Holz der Planke, als Draenei-General Tiras�alan zu ihr herabstieg. Es war eine �berraschung, ihn hier zu sehen, aber eine �u�erst angenehme, vor allem nach der offenen, wenngleich nat�rlich verst�ndlichen Feindseligkeit, die die beiden Zwerge der Horde gegen�ber empfanden. Tiras�alan war in jenem historischen Augenblick zugegen gewesen, als Lady Liadrin von den Blutrittern mit dem Naaru A�dal gesprochen hatte. Erst war er w�tend gewesen, dass sie es wagte, ihn aufzusuchen, nach allem, was ihr Volk getan hatte. Doch sie hatte Kael�thas abgeschworen und der Offensive der Zerschmetterten Sonne ihre Treue zugesichert. A�dal hatte Nachsicht und Mitgef�hl mit ihr gezeigt. Tiras�alan war es gewesen, der ihr an jenem Tag den Wappenrock der Zerschmetterten Sonne �berreicht hatte.</p><p>Jaina begr��te den Draenei herzlich, der zu gleichen Teilen St�rke und Sanftheit ausstrahlte, ebenso wie seine R�stung goldenes Licht auszustrahlen schien, als er sich vor ihr verbeugte.</p><p>�Ich bin gekommen, um zu sch�tzen und zu verteidigen�, sagte er. �Die Kunde Eurer gro�en Taten und Bem�hungen um den Frieden haben selbst Shattrath erreicht, Lady.� Seine Stimme war melodi�s und tief. �Theramore muss dem Angriff trotzen. Die Horde darf nicht triumphieren.�</p><p>Von einem �Tod der Horde� war hier keine Rede, dennoch wirkte sein Versprechen, ihr beizustehen, ebenso entschlossen wie das der Zwerge.</p><p>�Eure Weisheit ist uns hier mehr als willkommen�, erkl�rte Jaina. �Vom Licht eines Paladins zehren zu k�nnen, wird sich in der kommenden Schlacht gewiss als Vorteil erweisen.�</p><p>Als N�chster stieg eine lilah�utige, blauhaarige Nachtelfin von Bord des Schiffes herunter, wobei sie gegen das Sonnenlicht blinzelte. Jainas Augen wurden gro�, und sie l�chelte, als sie diese ganz besondere Verb�ndete � Shandris Mondfeder, General der Schildwachenarmee � wie einen alten Freund willkommen hie�.</p><p>�Kampfschwester�, sagte Shandris, ebenfalls mit einem sanften L�cheln. �Der Erzdruide und die Hohepriesterin schicken mich mit Freuden an Eure Seite, und ich und meine Wachen empfinden dieselbe Freude, dass wir Euch beistehen d�rfen.�</p><p>�Die Freude ist ganz meinerseits�, versicherte ihr Jaina. Falls Shandris von einigen ihrer Leute begleitet wurde, �berlegte die Lady Prachtmeer, durfte sie wohl hoffen, dass auch die anderen Gener�le die besten ihrer Soldaten, die andernorts gerade nicht zwingend gebraucht wurden, mit nach Theramore gebracht hatten. Garrosh w�rde alle Rassen der Horde gegen die Stadt f�hren, und nun sah es so aus, als sollte ihnen ein geb�hrender Empfang bereitet werden.</p><p>Der Letzte, der das Schiff verlie�, war zwar kein General, Jaina aber dennoch wohlbekannt. Erst vor Kurzem hatte sie erfahren, dass er die Vernichtung der Feste Nordwacht �berlebt hatte; er war schwer verletzt zusammengebrochen, die Horde musste ihn f�r tot gehalten haben und lie� ihn liegen. Die Freude, ihn zu sehen, wurde fast augenblicklich durch den Schock und die Trauer ged�mpft, die sein Aussehen in ihr hervorriefen. Die Schlacht um die Nordwacht hatte ihre Spuren an ihm hinterlassen: Er hatte ein Auge verloren, und eine gezackte Narbe verunstaltete, was einmal ein gut aussehendes Gesicht gewesen war. Als er auf sie zukam, fiel ihr au�erdem auf, dass er das eine Bein etwas nachzog. Er bemerkte, wohin ihr Blick huschte, und als ein mitf�hlender Ausdruck auf ihr Gesicht trat, l�chelte er, soweit dies mit seinem entstellten Gesicht eben m�glich war.</p><p>�Admiral Aubrey�, rief Jaina voller W�rme aus, dann eilte sie ihm entgegen, die Arme zum Gru� ausgestreckt.</p><p>�Lady Prachtmeer�, sagte er. �Ich bin noch am Leben, und meinen Verstand hat die Horde mir auch nicht geraubt. Das ist alles, worauf es ankommt. Ich will mein Bestes tun, Euch zu dienen.�</p><p>�Euer Bestes ist mehr, als die meisten anderen bieten k�nnen. Es freut mich ja so, Euch zu sehen. Die Allianz darf sich gl�cklich sch�tzen, auf Euren Verstand bauen zu d�rfen. Und jemanden zu haben, der aus erster Hand �ber die Strategie der Horde berichten kann, das sollte ebenfalls hilfreich sein.� Sie dr�ckte seine H�nde und fragte: �Habt Ihr noch andere M�nner dabei �?� Doch als sich seine Miene verh�rtete, brach sie mitten im Satz ab.</p><p>�Nicht viele haben �berlebt, und nur ungef�hr ein halbes Dutzend hatte noch gen�gend Glieder am Leib, um sich mir anzuschlie�en�, erkl�rte er. �Ich habe aber Neuigkeiten �ber die Flotte der Horde, die ich Euch so schnell wie m�glich mitteilen muss.�</p><p>�Aye, Admiral Aubrey hat recht�, warf Thaddus Starkschlag ein. �Jetzt ist nicht die Zeit f�r Tee und ungezwungenes Geplauder.�</p><p>�Da kann ich Euch nicht widersprechen�, sagte Jaina ohne das geringste Z�gern. �Auch wenn ich mir w�nschte, wir h�tten die Zeit f�r eine richtige Begr��ungszeremonie. Hauptmann Mumm wird Eure Mannschaften und Soldaten mit der Stadt und ihren Verteidigungsanlagen vertraut machen. Gener�le � und Admiral �, bitte folgt mir in den Turm! Es gibt vieles zu besprechen.�</p><empty-line/><p>Ein paar Minuten sp�ter sa�en Jaina, die f�nf Gener�le, die f�nf Mitglieder der Kirin Tor, Waldl�ufergener�lin Vereesa und der Admiral bereits um einen gro�en Tisch herum. Tinte, Federkiele und Papier lagen bereit, und auch f�r Gl�ser mit frischem Wasser war gesorgt. Nicht einmal die Zwerge wagten es, nach Alkohol zu fragen; sie wussten alle, dass ihr Verstand klar und scharf bleiben musste.</p><p>�Lasst mich Euch noch einmal willkommen hei�en�, begann Jaina, bevor einer der anderen das Wort ergreifen konnte. �Gener�le, Waldl�ufergener�lin, Admiral, die Magier, die Ihr hier vor Euch seht, sind allesamt Kirin Tor � unter ihnen auch Thalen Liebweber. Sie sind gekommen, uns bei der Verteidigung von Theramore ihre Weisheit und Erfahrung anzubieten.�</p><p>Marcus Jonathan blickte zu Rhonin hin�ber. �Bei der Verteidigung�, wiederholte er. �Liege ich dann richtig in der Annahme, dass Ihr in der bevorstehenden Schlacht trotzdem keine Partei ergreifen werdet?�</p><p>�So unwahrscheinlich dieser Ausgang zu diesem Zeitpunkt auch erscheint, es ist meine Hoffnung, dass es gar nicht erst zu einer Schlacht kommt�, erkl�rte Rhonin mit einer Ruhe, die Jaina so gar nicht an ihm kannte. Als rings um den Tisch leises Gemurmel ausbrach, hob er die Hand. �Falls unsere Pr�senz hier kein ausreichendes Abschreckungsmittel ist, um ein Blutvergie�en zu verhindern, werden wir diese Stadt verteidigen, um m�glichst viele unschuldige Leben zu sch�tzen. In der Zwischenzeit� � er l�chelte � �k�nnen wir bei der Planung der Defensive vielleicht behilflich sein. Einige von uns haben sich die H�nde schon auf dem Schlachtfeld schmutzig gemacht.�</p><p>�Das Licht schickt seine Hilfe auf vielerlei Weise, und in vielerlei Form�, erkl�rte Tiras�alan, der bei diesen Worten den Sonnenh�scher anblickte. �Ich f�r meinen Teil begr��e Eure geballte Weisheit.�</p><p>Die Gestalten am Tisch nickten, einige von ihnen aber mit deutlich weniger Enthusiasmus als andere. �Wir alle sehen also, dass wir einen gemeinsamen Feind haben�, sagte Jaina. �Gut. Um diesen Tisch herum sind viele Jahre der Erfahrung versammelt, und ich bin f�r jeden von Euch dankbar, der hierhergekommen ist.�</p><p>Aubrey beugte sich vor. �Bevor wir anfangen �ber Strategien und die Planung der Verteidigung zu sprechen, Lady Jaina, muss ich Euch erz�hlen, was wir auf dem Weg zum Hafen gesehen haben.�</p><p>Jaina sp�rte, wie das Blut aus ihren Wangen wich. �Lasst mich raten�, murmelte sie. �Mehrere Hordeschiffe.�</p><p>Jonathans Stirn furchte sich leicht. �Man kann sie vom Hafen aus nicht sehen, und die Schiffe von Theramore bleiben dicht an der K�ste. Woher habt Ihr das gewusst?�</p><p>�Vor ein paar Tagen waren sie noch hier, ganz darauf bedacht, innerhalb der Grenzen der Hordegew�sser zu bleiben�, teilte ihm die Leidende mit. �Es scheint, als h�tten sie sich nicht wirklich zur�ckgezogen.�</p><p>�Wir waren bereit, sie anzugreifen, h�tten sie uns auch nur den geringsten Anlass dazu gegeben�, erkl�rte Jonathan. �Aber ihre Schiffe lagen einfach nur in der D�nung, ganz so, als bef�nden sie sich auf einem Vergn�gungsausflug. Keiner von ihnen hat auch nur einen Finger ger�hrt.�</p><p>Machthieb blickte finster drein. �Was zumindest ich �u�erst bedauerlich fand.�</p><p>�Wir wollen in diesem Krieg nicht den ersten Stein werfen�, sagte Jonathan, aber Jaina entging nicht, dass auch er so aussah, als w�nschte er sich, die Horde h�tte sie unter Beschuss genommen. So w�re zumindest die Anspannung, unter der sie standen, endlich gebrochen worden. �Aber wir werden ganz sicher den <emphasis>letzten</emphasis> Stein werfen. Sie sind dort drau�en, sie sind bewaffnet, und sie � sie warten.�</p><p>Tiras�alan r�usperte sich. �D�rfte ich? Lady Jaina, wir haben geh�rt, dass Ihr � vor diesem Angriff gewarnt wurdet. Haltet Ihr es f�r m�glich, dass das vielleicht eine List war? M�chte Garrosh wom�glich nur, dass Ihr glaubt, das Ziel w�re Theramore, obwohl es eigentlich ganz woanders liegt.�</p><p>�Auf dem Landweg k�nnen sie kein and�res lohnendes Ziel erreichen�, warf Rotm�hne mit zusammengezogenen Augenbrauen ein. �Ich kann mir nich� vorstellen, dass diese Schiffe einfach nur so, ohne Grund, da drau�en vor Anker liegen. Die Horde is� gro�, gewiss, aber nicht <emphasis>so</emphasis> gro�.�</p><p>�Der Gedanke kam uns auch schon�, schaltete sich Shandris in die Unterhaltung ein. �Es gibt keine Beweise daf�r, dass Ihre Angriffspl�ne einem anderen Ort als Theramore gelten.�</p><p>Jaina dachte einen Moment nach, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Nein. Ich bin mir sicher, es war nur ein Trick. Meine � Quelle ist ein gro�es Risiko eingegangen, um mich zu warnen, und ich vertraue ihr bedingungslos.� Sie hatte an Baines Seite gesessen, als er den Tod seines Vaters durch einen hinterlistigen Verrat betrauert hatte, hatte gesehen, wie eine dem Licht heilige Waffe in seinen H�nden zufrieden aufgeleuchtet hatte. Er w�rde sie nicht betr�gen.</p><p>Der Draenei musterte sie und nickte anschlie�end. �Dann wollen auch wir dem Wort dieser namenlosen Quelle glauben. Die gegenw�rtige Lage scheint seine Worte zu bekr�ftigen.�</p><p>Shandris rutschte auf ihrem Stuhl nach vorn. �Admiral Aubrey�, sagte sie. �Wir hatten die Ehre, bereits auf der Fahrt hierher mit Euch zu sprechen. Lady Jaina und die anderen hatten aber noch keine Gelegenheit dazu. Warum berichtet Ihr Ihnen nicht, was Ihr auch mit uns geteilt habt?� Sie l�chelte, aber es war kein angenehmes L�cheln. Shandris Mondfeder war ein Raubtier, und Jaina konnte deutlich sehen, dass sie mit der Jagd beginnen wollte. �Anschlie�end k�nnen wir �ber unsere Strategien beraten.�</p><p>Jaina nahm sich einen Moment, um dem Licht � und mit ihm Varian Wrynn, A�dal, der Hohepriesterin Tyrande, dem Erzdruiden Malfurion, Rhonin und dem Rat der Drei H�mmer � f�r die gro�e Weisheit dieser kampferfahrenen M�nner und Frauen zu danken. Mit etwas Gl�ck w�rden sie nicht nur dem Ansturm der Horde trotzen, sondern diesen Angriff auch mit m�glichst wenigen Opfern auf beiden Seiten abwehren.</p><p>Wenn Garrosh H�llschrei dann erkannte, dass nicht einmal seine vehementesten Bem�hungen Fr�chte trugen, w�re er vielleicht bereit, der Gewalt abzuschw�ren und �ber einen Frieden zu verhandeln.</p><empty-line/><p><emphasis>Erdenmutter, zeige mir den Weg</emphasis>, betete Baine stumm. Er hatte die kleine Gedenkst�tte aufgesucht � das Tauren-�quivalent eines Friedhofes �, ganz in der N�he des Lagers, das sie auf dem Weg zur Nordwacht passiert hatten. Hier, wo die wohlwollenden Geister der Verblichenen noch lebendig sein mochten, fand er Ruhe und Trost.</p><p>Die Tage krochen dahin, w�hrend die Horde wartete � und wartete, und mit jedem solchen Tag verst�rkte die Allianz die Verteidigungsanlagen um Theramore weiter. Wie Baine von Perith erfahren und auch zuvor schon vermutet hatte, hatte Jaina seine Nachricht voller Respekt und Dankbarkeit entgegengenommen, ganz so, wie er es von der Lady von Theramore erwarten konnte. Doch er hatte sie gewarnt, um ein Massaker an der Allianz zu verhindern, und nicht, damit die Allianz die Chance bekam, die Horde zu massakrieren. Genau darauf lief es nun aber hinaus. Die Schuld daf�r war nat�rlich nicht bei Jaina zu suchen; es war Garrosh, dessen Gedankeng�nge ebenso unergr�ndlich wie besorgniserregend waren. W�hrend die wertvollen Sekunden verstrichen, schien er v�llig zufrieden damit, hier, inmitten seiner Kor�kron, zu verharren, mit dem Schwarzfelsorc an seiner Seite.</p><p>Sie hatten geh�rt, dass die ber�hmte Siebte Flotte in Theramore eingetroffen war und dass die Decks ihrer Schiffe vor Gener�len der Allianz, deren Namen Garrosh Herz eigentlich mit Grauen h�tten erf�llen m�ssen, sogar �berquollen. Stattdessen hatte Baine aus dem Lager seines Kriegsh�uptlings nur Gel�chter und markige Kommentare geh�rt, w�hrend die grimmige Neuigkeit im Fl�sterton unter den Fu�soldaten die Runde machte. Doch sie konnten nach wie vor nichts tun, als blo� dazusitzen und auf Befehle zu hoffen.</p><p>Inzwischen fehlte selbst Baine der Mut, weiter gegen Garroshs Verz�gerung des Angriffs zu protestieren. Bestenfalls w�rde man ihn wieder verspotten und an die Grenzen seiner Selbstbeherrschung treiben, bevor man ihn fortschickte, ohne dass er irgendetwas erreicht h�tte � und schlimmstenfalls, das wusste er, w�rde man ihn des Verrats beschuldigen und wom�glich hinrichten.</p><p>Baine war ein Krieger, und als solcher kannte er sich mit Taktiken und Strategien aus. Er wusste, dass hinter manchen auf den ersten Blick t�richten Z�gen eine tiefere Weisheit steckte. Garrosh hatte die Feste Nordwacht angegriffen und einen beeindruckenden Sieg davongetragen. W�re er ein oder zwei Tage sp�ter in Richtung Theramore weitermarschiert, w�re ihm ein zweiter ebenso eindeutiger Triumph sicher gewesen. Doch stattdessen hatte Groms Sohn gewartet und dadurch zugelassen, dass Jaina von seiner geplanten Attacke erfuhr, dass sie Nahrungsmittel und Waffen hortete, um fremde Hilfe bat � und diese Hilfe auch bekam.</p><p>�Warum?�, fragte Baine laut. Er dachte an seine Leute, stoisch und stark, und an seinen Treueschwur gegen�ber Garrosh als dem Anf�hrer der Horde. Vor seinem geistigen Auge sah er die Tauren als steif werdende Leichen, dahingemetzelt auf dem Schlachtfeld, aber eigentlich weniger ein Opfer der Allianzwaffen als vielmehr eines von Garroshs Torheit und v�llig unerkl�rlichen Entscheidungen. Er hob das Gesicht dem Himmel entgegen, und scharfe, stechende Tr�nen f�llten seine Augen, als er, allein mit den Geistern seiner Vorfahren, die Faust sch�ttelte und all die Verwirrung, Trauer und Wut in seinem Herzen hinausbr�llte. �<emphasis>Warum</emphasis>?�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Nichts. Er hatte einfach kein Gl�ck. Die Fokussierende Iris setzte ihren Zickzackkurs quer durch Kalimdor fort, als wenn sie von einem Wahnsinnigen gesteuert w�rde. Zudem tr�bten gewisse Gef�hle Kalecgos Sinne w�hrend der Suche: Sorge, Furcht, Verzweiflung, Zorn und � am schlimmsten von allen � ein schreckliches, nagendes Gef�hl ohnm�chtiger Hilflosigkeit.</p><p>Normalerweise war er f�r die Arroganz, die so viele Drachen an den Tag legten, ganz besonders die des blauen Schwarms, nicht anf�llig. Doch er war nun einmal ein blauer Drache, und, mehr noch, der fr�here Aspekt der blauen Drachen. Die Fokussierende Iris geh�rte ihnen. Wie konnte es jemandem gelingen, einen so m�chtigen Gegenstand erst zu stehlen und ihn dann auch noch so gut vor seinem Zugriff zu sch�tzen?</p><p>Warum f�hlte er au�erdem diesen Wunsch, nach Theramore zur�ckzufliegen und die Stadt gegen den bevorstehenden Ansturm zu verteidigen, anstatt seine Suche weiter fortzusetzen? Nun, zumindest die Antwort auf diese Frage war einfach. Aber er weigerte sich dennoch, sie hinzunehmen. Frustriert peitschte er die Luft mit seinem Schwanz, dann ging er in einen fast senkrechten Sturzflug, vollf�hrte eine Rolle und wandte sich wieder gen Osten.</p><p>Die Horde blieb noch immer, wo sie war: eine gewaltige Ansammlung kleiner, tatenlos herumsitzender und -stehender Gestalten, umgeben von winzigen Kriegsmaschinen. Selbst jetzt, am Tage, konnte Kalec die kleinen, gl�henden Punkte erkennen, die auf Lagerfeuer hindeuteten.</p><p>War die Armee � gr��er als zuvor? Hatte Garrosh den Angriff darum so lange hinausgez�gert � um seinem Heer weitere Truppen einzuverleiben? Oder waren seine K�mpfer jetzt nur weiter verteilt?</p><p>Die Erkenntnis kam so pl�tzlich wie ein Blitzschlag, und der Donner, der ihm folgte, war das Gef�hl, endlich zu wissen, was er tun sollte. Er schlug mit seinen gewaltigen Fl�geln, einmal, zweimal, dreimal, dann wandte er seine sehnige, azurfarbene Gestalt um und sauste zur�ck in die Richtung, aus der er gekommen war.</p><p>Die Fokussierende Iris war nat�rlich auch weiterhin sein Hauptziel. Sollten die Diebe das Artefakt f�r einen zerst�rerischen Zweck einsetzen wollen, k�nnten sie der Welt unbeschreiblichen Schaden zuf�gen. Doch im Augenblick konnte die Iris nicht benutzt werden, und solange sie weiter wie irr kreuz und quer durchs Land getragen wurde, sollte das auch so bleiben. Sie war eine gewaltige Gefahr, gewiss, aber keine unmittelbare.</p><p>Die Horde hingegen schon.</p><p>Ihm war klar, dass er seine Priorit�ten eigentlich anders h�tte setzen m�ssen. Kein anderer Drache aus dem blauen Schwarm h�tte dieselbe Entscheidung getroffen.</p><p>Doch Kalecgos war nun einmal kein anderer Drache. Mit jedem Schlag seiner m�chtigen Fl�gel pochte sein Herz leichter.</p><empty-line/><p>Sie hatten sich zur Planung zur�ckgezogen und sich ganze viereinhalb Stunden Karten, Miniaturen, belegten Broten und teilweise hitzigen Diskussionen gewidmet, bevor Marcus Jonathan schlie�lich eine Pause vorschlug.</p><p>Jaina stellte sicher, dass sie diese wertvollen Minuten der Erholung alle allein und in Ruhe verbringen konnten. Sie hatte das Gef�hl, als w�rden sie schon viel zu lange von einer Krise direkt in die n�chste schlittern, in Situationen hinein, wo alle ihrer Aufmerksamkeit bedurften, ihrer Ratschl�ge, ihrer F�higkeiten, ihres Wissens. Zuletzt war es die Suche nach der Fokussierenden Iris gewesen � eine Suche, an die sie zurzeit nicht allzu viel denken wollte, denn sie k�mpfte mit der wachsenden Furcht, dass sie erfolglos bleiben k�nnte und nicht einmal ein einstiger Aspekt der blauen Drachen den Dieben rechtzeitig auf die Spur kommen mochte. Und nun das � die Horde zerst�rte die Feste Nordwacht und wandte ihre Augen anschlie�end auf Jainas Stadt.</p><p>Als junge Frau war sie nie sonderlich gesellig gewesen; sie hatte das Vergn�gen, allein in einer stillen Ecke �ber B�chern und Schriftrollen zu sitzen, der lebhaften Hektik von B�llen oder Feiern vorgezogen, und auch jetzt � als Erwachsene � hatte sich nicht viel an dieser Einstellung ge�ndert. Als wichtige Diplomatin hatte sie sich zwar daran gew�hnt, zahllosen offiziellen Pflichten nachzukommen, am liebsten verhandelte sie aber unter vier Augen, von Angesicht zu Angesicht, sofern das m�glich war. Zudem sehnte sie den Moment herbei, da die Verhandlungen abgeschlossen und die Vertr�ge unterzeichnet w�ren, da sie dann nach Hause zur�ckkehren konnte, in das vergleichsweise isolierte Theramore, wo die Dinge einen viel langsameren Gang gingen. Nun war Theramore allerdings von mehr hektischer Aktivit�t erf�llt, als Jaina je bei einem ihrer Besuche in Lordaeron erlebt hatte. Auf den Stra�en dr�ngten sich M�nner und Frauen, die Autorit�t und Entschlossenheit ausstrahlten. Die Einsamkeit von Jainas Refugium war zerschmettert wie ein kaputter Spiegel, in dessen gezackten Scherben sich nur noch Chaos und Eile spiegelten.</p><p>Nicht jeder hier in Theramore mochte den durchdringenden Geruch des nahen Sumpfes, aber als sie nun nach drau�en trat und tief die Luft in ihre Lungen sog, musste Jaina l�cheln. Mitnichten war das der angenehme Duft von Apfelbl�ten, wie sie ihn noch aus dem Dalaran ihrer Kindheit kannte, und auch nicht der saubere Piniengeruch, der Lordaeron erf�llte. Doch f�r sie war es der Duft der Heimat.</p><p>Ein Schatten fiel auf sie, und als sie den Kopf hob und die Augen abschirmte, sah sie, dass ein kleiner Umriss die Sonne aussperrte. Er kreiste �ber ihr, und w�hrend er sich tiefer und tiefer senkte, wurde er gr��er und gr��er. Jainas Lippen verzogen sich zu einem noch breiteren L�cheln, und sie winkte Kalecgos zu.</p><p>Nachdem all die Truppen in der Stadt angekommen waren, gab es nun nicht mehr sehr viele Pl�tze, wo er landen konnte, und sie folgte ihm mit den Augen, als er in Richtung der Schreckensmoork�ste abdrehte und zu dem sandigen Strand dort hin�berflog. Sie machte sich auf den Weg zu den Toren � die nun verschlossen und zu jeder Tages- und Nachtzeit bewacht waren � und winkte den Soldaten ungeduldig zu, den Riegel zur�ckzuschieben. Anschlie�end eilte sie �ber die H�gel zur K�ste, wobei sie den vielen, langsam dahinkriechenden Schildkr�ten auswich, die hier an Land kamen oder sich wieder ins Meer zur�ckschoben.</p><p>Der Sandstreifen war eigentlich zu schmal, um ihn wirklich als Strand zu bezeichnen, doch bot er Kalecgos gen�gend Platz, um vorsichtig zu landen. Und noch w�hrend ihm Jaina entgegenhastete, verwandelte er sich in seine Halbelfenform. Als sie ihn fast erreicht hatte, verlangsamte sie ihre Schritte, und pl�tzlich erkannte sie, wie impulsiv und m�dchenhaft es von ihr gewesen war loszurennen. F�r eine Frau in ihrem Alter und ihrer Position geziemte sich so etwas nicht. Ihre Wangen gl�hten, aber ob nun aus Scham oder Ersch�pfung, das konnte sie nicht sagen.</p><p>Als er sie sah, hellte ein L�cheln sein attraktives Gesicht auf, und sie f�hlte neue Hoffnung, w�hrend sie seine ausgestreckten H�nde umfasste. �Habt Ihr sie inzwischen gefunden?�</p><p>Kalecs L�cheln wurde schmaler. �Leider nicht. Sie bewegt sich noch immer viel zu willk�rlich, als dass ich ihr wirklich n�her kommen k�nnte.�</p><p>Mitf�hlend rang sie die H�nde. �Das tut mir leid�, fl�sterte sie. �F�r uns alle.�</p><p>�Mir ebenfalls. Aber sagt � warum wirkt Ihr so besorgt? Machen die Gespr�che keine Fortschritte? Ich dachte, bei so vielen weisen Beratern m�sstet Ihr schon l�ngst einen Plan ausgearbeitet haben, um die Horde so vernichtend zu schlagen, dass ihre Krieger nach Hause zu ihren M�ttern rennen, um in Zukunft nur noch zu stricken und sich um kleine K�tzchen zu k�mmern.�</p><p>Diese Bemerkung lie� sie auflachen. �Wir k�nnen in der Tat von Gl�ck reden, dass so viele erfahrene Krieger an unserer Seite stehen. Aber � vielleicht erweist sich genau das als Problem.�</p><p>Kalec blickte �ber ihre Schulter zu den Toren von Theramore. �M�sst Ihr sofort zur�ck?�</p><p>�Ein wenig Zeit kann ich entbehren.�</p><p>Er dr�ckte ihre H�nde, dann lie� er eine von ihnen los, aber die andere hielt er weiter in der seinen, w�hrend er mit einem Wink vorschlug, ein wenig am Strand entlangzuspazieren. �Sagt mir, was Euch bedr�ckt�, forderte er sie auf.</p><p>�Sie sind � sehr kriegerisch.�</p><p>�Schlie�lich sind es Gener�le.�</p><p>Verzweifelt hob sie den Arm, gleichzeitig fragte sie sich aber, warum sie noch immer Kalecs Hand hielt, w�hrend sie �ber den Sand schritten. �Nat�rlich, aber � es ist nicht so, als w�re dieser Krieg unausweichlich. F�r viele von ihnen ist das eine pers�nliche Angelegenheit. Ich wei�, auch damit h�tte ich rechnen m�ssen, aber � Ihr kennt meine Geschichte, Kalec. Ich habe meinen Vater und meinen Bruder an die Horde verloren. Falls irgendjemand Grund hat, verbittert und hasserf�llt zu sein, dann bin ich es. Dennoch habe ich mich entschieden, nicht diesem Pfad zu folgen, sondern nach Frieden zu streben. Und wenn ich h�re, wie einige von ihnen �ber die Horde sprechen � mit beleidigenden, grausamen Worten �, dann f�hle ich nichts als Bedauern. Ja, ich m�chte meine Heimat verteidigen, und ebenso m�chte ich die Horde zur�ckdr�ngen, damit sie nicht l�nger eine unmittelbare Bedrohung darstellt. Aber ich � ich m�chte sie nicht ausweiden oder ihre K�pfe auf Piken spie�en!�</p><p>�Niemand k�nnte es Euch �bel nehmen, falls Ihr es doch t�tet�, meinte Kalec.</p><p>�Aber ich habe keine solchen Gedanken! Ich will nicht �� Sie verstummte kurz, suchte nach den richtigen Worten. �Mein Vater wollte nicht einfach nur gewinnen. Er hasste die Orcs. Er wollte sie vernichten. Sie vom Angesicht von Azeroth tilgen. Und einige dieser Gener�le empfinden genauso wie er!� Sie konnte sein Gesicht nur von der Seite sehen. Seine Z�ge waren so glatt und ebenm��ig, als h�tte ein K�nstler sie mit ein paar vollendeten Strichen seines Stiftes gezeichnet, aber seine Stirn furchte sich, als er ihren Worten lauschte, und seine Augen blieben auf den Boden gerichtet, damit keiner von ihnen �ber eine Schildkr�te stolperte. Schlie�lich sp�rte er Jainas Blick auf sich, und er drehte den Kopf zu ihr herum. Sie hatte noch gar nicht bemerkt, wie unglaublich <emphasis>blau</emphasis> diese Augen tats�chlich waren.</p><p>�Ihr habt sie sehr geliebt�, bemerkte er leise. �Euren Vater Daelin und Euren Bruder Derek.�</p><p>�Nat�rlich�, entgegnete Jaina, aber pl�tzlich konnte sie nicht mehr in diese g�tigen blauen Augen sehen. Also starrte sie auf ihre Stiefel hinab, die sich einen Weg durch Sand und Treibholz bahnten. �Ich habe mich � schuldig gef�hlt, als sie starben.�</p><p>�Euer Vater ist durch die Hand eines Orcs gestorben, dennoch wurdet Ihr und Thrall sp�ter gute Freunde. Und was Euren Bruder betrifft�, erkl�rte er, wobei seine Stimme weicher wurde. �Er ist von den roten Drachen get�tet worden, auf denen die Orcs ritten.�</p><p>�Und jetzt bin ich mit einem Drachen befreundet, ich weiߓ, sagte Jaina, um dem Augenblick seine dr�ckende Schwere zu nehmen. Kalec l�chelte kurz, aber seine Augen blieben ernst.</p><p>�Und Ihr fragt Euch, was Euer Vater wohl von Euren Entscheidungen gehalten h�tte�, f�gte er hinzu. Jaina nickte, verbl�fft dar�ber, wie gut er sie zu verstehen schien. �Glaubt Ihr, dass an seinen �berzeugungen etwas Richtiges war?�</p><p>�Nein�, antwortete sie und sch�ttelte das blonde Haupt. �Aber es ist schwer f�r mich, jetzt die gleichen hasserf�llten Phrasen zu h�ren. Es ist � wie ein Echo aus der Vergangenheit, und ich glaube, ich hatte nicht damit gerechnet, es zu vernehmen. Ich war jedenfalls nicht bereit daf�r. Wie kann ich ihnen nur klarmachen, dass ihr Zorn und Schmerz der falsche Weg sind, zumal sie doch so vieles und so viele verloren haben?�</p><p>�Es sind nicht ihr Zorn und ihr Schmerz, die Euch Sorgen bereiten�, erwiderte Kalec. �Ihr hattet schon oft mit beidem zu ringen, das wei� jeder. Die Schlussfolgerung, die sie aus ihren Erfahrungen gezogen haben � das ist es, was Ihr ablehnt. Es ist nichts Falsches daran, eine andere Meinung zu vertreten. Aber glaubt Ihr, dass der Hass diese Heerf�hrer in der Schlacht unberechenbar machen wird?�</p><p>Jaina dachte eine Weile �ber diese Frage nach, dann sagte sie: �Nein.�</p><p>�Und ich glaube, sie denken ebenso wenig, dass Euer Streben nach Frieden <emphasis>Euch</emphasis> beeinflussen k�nnte, wenn es um die Verteidigung Eurer Stadt geht.�</p><p>�Dann � ist das also alles bedeutungslos. Wie sie f�hlen, und wie ich f�hle?�</p><p>�Oh, es ist alles andere als bedeutungslos. Aber Ihr seid Euch alle darin einig, dass Theramore nicht fallen darf. Und im Augenblick ist dies das Wichtigste.�</p><p>Da war etwas an der Art, wie er das sagte, das sie innehalten lie�, eine Dringlichkeit, die nichts mit dem Thema ihrer Unterhaltung zu tun hatte. Fragend blickte sie zu ihm hoch. �Kalec � ich wei�, es ist von gr��ter Bedeutung, dass Ihr die Fokussierende Iris wiederfindet. Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte nicht damit gerechnet, dass Ihr noch einmal zur�ckkehren w�rdet, auch nicht, nachdem Ihr sie gefunden h�ttet � dass Ihr �berhaupt zur�ckkehren w�rdet. Also, <emphasis>warum</emphasis> seid Ihr wieder hier?�</p><p>Sie hatte gedacht, es w�re eine recht einfache Frage, doch Kalec schien von ihr �berfordert. Er antwortete nicht sofort und blickte ihr auch nicht in die Augen, stattdessen wandte er den Kopf ab, als k�nnte er etwas sehen, das ihr verborgen blieb. Jaina wartete geduldig, bis er sich ihr schlie�lich wieder zuwandte und nach Ihren H�nden griff.</p><p>�Auch ich musste eine Entscheidung treffen. Ich h�tte weiter der Fokussierenden Iris folgen k�nnen, in der vermutlich unbegr�ndeten Hoffnung, sie werde in n�chster Zeit an einer Stelle bleiben. Oder ich konnte hierher zur�ckkehren, um Euch zu sagen, dass ich bereit bin, meinen Teil zur Verteidigung von Theramore beizutragen.�</p><p>Ihre Lippen teilten sich, aber es dauerte einen Moment, bis die Worte ihren Mund verlie�en. �Kalec � das ist �u�erst ehrenhaft von Euch, aber � Eure Sorgen sollten nicht dieser Krise gelten. Ihr m�sst die Fokussierende Iris finden.�</p><p>�Glaubt nicht, dass ich die Pflicht meinem Schwarm gegen�ber vergessen h�tte�, entgegnete er. �Ich werde meine Suche bis zum letzten Moment fortsetzen � aber wenn dieser Moment gekommen ist und Ihr, Jaina Prachtmeer, als die m�chtige Magierin, die Ihr seid, einen blauen Drachen an Eurer Seite haben wollt � dann werde ich Euch in der Schlacht beistehen.�</p><p>Eine Woge der Dankbarkeit und neuen Hoffnung �berw�ltigte Jaina und raubte ihr einen Augenblick lang ihre Kraft, sodass sie sich an Kalecs H�nden festhalten musste. Er blickte weiter zu ihr hinab, aber sie wusste nicht, wie sie ihren Dank in Worte fassen sollte. Eine Freude erf�llte ihr Herz, die sich so anf�hlte, als sollte sie ihr eigentlich vertraut sein. Rasch verscheuchte sie diesen Gedanken. Kalecgos war der Anf�hrer des blauen Drachenschwarms, und w�hrend ihrer Gespr�che hatte sie erfahren, dass er keineswegs ein <emphasis>typischer</emphasis> Drache war, wie er es selbst mehrmals genannt hatte. Sein Verhalten ihr gegen�ber offenbarte gewiss nur sein lebhaftes Interesse an den Angelegenheiten der j�ngeren Rassen. Dass mehr dahintersteckte, war eine Hoffnung, der sie sich nicht hingeben durfte. Sie war noch nie besonders geschickt darin gewesen, die Gef�hle eines Mannes abzusch�tzen. Aber � warum hielt er dann weiter ihre Hand? Seine Finger waren warm und stark, als sie sch�tzend �ber den ihren lagen.</p><p>�Theramore und die Allianz werden Euch auf ewig dankbar sein�, brachte sie schlie�lich hervor, ohne ihm dabei aber in die Augen zu sehen.</p><p>Er schob den Zeigefinger unter ihr spitzes Kinn und dr�ckte ihren Kopf hoch, so hoch, dass sie seinem Blick nicht l�nger ausweichen konnte.</p><p>�Ich tue das nicht f�r die Allianz und auch nicht f�r Theramore�, erkl�rte er mit sanfter Stimme. �Sondern f�r die Lady von Theramore.� Anschlie�end trat er rasch einen Schritt nach hinten, so als f�rchtete er, er k�nnte zu viel gesagt haben. �Ich muss meine Suche fortsetzen, aber ich werde niemals weit von hier entfernt sein�, erkl�rte er, nun wieder viel sachlicher. �Bevor die Horde hier eintrifft, werde ich zur�ckkehren. Das verspreche ich Euch.�</p><p>Er dr�ckte ihr einen Kuss auf die Handfl�che, dann trat er mehrere Meter nach hinten, um sich erneut in seine Drachengestalt zu verwandeln. Einmal mehr ein blauer Riese, senkte er in einer h�flichen Drachenverbeugung den Kopf, fast bis auf den Boden vor Jainas F��en hinab. Dann schnellte er dem Himmel entgegen.</p><p>Jaina blickte ihm nach und legte langsam die Finger �ber ihre Handfl�che, so als k�nnte sie damit den Kuss festhalten, den sie noch immer auf ihrer Haut sp�rte.</p><empty-line/><p>Zu guter Letzt erhielten sie ihre Befehle.</p><p>Die Horde sollte sich zum Aufbruch bereit machen.</p><p>Zelte, die zu lange schon von ungeduldigen Kriegern bewohnt worden waren, wurden rasch und mit Feuereifer abgebaut. Waffen, endlos gesch�rft und neu gefiedert, um sich die Lageweile und Rastlosigkeit der erzwungenen Unt�tigkeit zu vertreiben, wurden in K�cher und Scheiden gesteckt oder auf andere Weise verstaut, bis sie Allianzblut kosten w�rden. R�stungen, die im roten Licht der Morgend�mmerung gl�nzten, mit �l eingerieben, damit sie geschmeidig blieben, wurden �bergestreift. Und dann setzte sich die Horde in Bewegung.</p><p>Wie wilde Tiere an einer Leine schienen sich die ersten Divisionen darum zu streiten, wer die F�hrung �bernehmen durfte, aber Garrosh hatte mit diesem �bereifer schon gerechnet. Die Kor�kron unter dem Kommando von Malkorok ritten mit ihren gro�en schwarzen W�lfen zwischen den einzelnen Gruppen dahin, im Schlepptau einige Trommler, die allm�hlich einen gleichm��igen Marschrhythmus vorgaben. Daraufhin beruhigte sich das erwartungsvolle Durcheinander der Truppen St�ck f�r St�ck, und die Fraktionen nahmen ihre Stellungen ein � zuerst die Orcs, dann die Tauren, Trolle, Verlassenen und als Schlusslicht die Blutelfen, w�hrend die Goblins in kleineren Gruppen neben den furchterregenden Kriegsmaschinen dahinstapften � und nun in Gleichschritt fielen.</p><p>Die Erde schien unter all diesen stampfenden F��en zu vibrieren, die dem donnernden Takt der Kriegstrommeln folgten � Trommeln, die in der Vergangenheit die Herzen der Feinde mit Furcht erf�llt hatten, lange bevor sie die Krieger auch nur zu Gesicht bekamen. Die Allianz sprach gerne von den Mitgliedern der Horde, als w�ren sie �Wilde�, damit man sich selbst �zivilisiert� und deshalb �berlegen f�hlen konnte.</p><p>Doch welcher Zwerg, der sicher in seinen steinernen Hallen hockte, wusste schon, wie es war, sich an einem gefallenen Feind zu laben, so wie die Verlassenen es taten? Welcher Mensch konnte sich bei all seiner Selbstgef�lligkeit so sehr im Kampfrausch verlieren, dass er erst Minuten nach dem Ende der Schlacht wieder zu sich kam, blinzelnd gegen das Blut in seinen Augen, die Stimme heiser wegen der mordl�sternen Kriegsschreie und zu seinen F��en die Leichen seiner Feinde? Welcher kleine Gnom kannte schon die Freude, die Geister der Vorfahren zu sehen, die als spektrales Echo ihrer selbst an der Seite ihrer S�hne und Enkel in der Schlacht k�mpften?</p><p>Keiner.</p><p>Dies war die Horde. Dies war ihr Ruhm. Der Boden vibrierte unter ihren nackten oder beschuhten F��en, mit Zehen oder Hufen, w�hrend sie dahinmarschierten. Muskeln w�lbten sich unter straffer gr�ner, blauer, brauner oder bleich rosafarbener Haut oder Fell; M�uler und M�nder wurden im Kriegsgesang aufgerissen. Speere und Schwerter, B�gen und Klingen waren gez�ckt, zum Angriff bereit.</p><p>Die gewaltige Woge rollte nach S�den, auf Theramore zu, Tausende Krieger stark, alle beseelt von nur einem Ziel.</p><p>Ehrenvoll und ruhmreich zu k�mpfen und vielleicht auch zu sterben.</p><p>F�r die Horde.</p><empty-line/><p>Es ergab keinen logischen Sinn, und Kalecgos war zu klug, um das nicht auch selbst zu erkennen. Aber dennoch erf�llte sein Abschied von Jaina den Drachen mit neuer Hoffnung. Die �berraschung und Freude auf ihrem Gesicht, als er ihre Hand gek�sst hatte � er hatte nicht gewagt, weiter zu gehen, noch nicht �, lie� ihn die Welt mit v�llig neuen Augen sehen. Er hatte von der Freude der Menschen gesprochen; aber jetzt erkannte er, dass auch er ein so starkes Gl�cksgef�hl versp�ren konnte.</p><p>Theramore w�rde sich gegen die Horde behaupten, das wusste er ganz einfach. Sie w�rden Garroshs Hochmut enth�llen, sodass auch die Horde ihn erkennen musste, und dann w�rden kl�gere K�pfe an den Verhandlungstisch treten � vielleicht Baine, oder Vol�jin �, auf dass ein neues Zeitalter beginnen konnte.</p><p>Alles war m�glich, falls Jaina wirklich so f�hlte wie er � und er wagte inzwischen zu hoffen, dass es tats�chlich so war.</p><p>Fast war es, als h�tte seine neue, �berschw�ngliche Zuversicht bewirkt, dass sich die bis dato so willk�rlichen Bewegungen der Fokussierenden Iris pl�tzlich verlangsamten, wenngleich sie auch nicht v�llig zum Stillstand kamen. Kalecgos hielt inne und schlug heftig mit seinen gewaltigen Fl�geln, w�hrend er, in der Luft schwebend, seine durch Magie gesch�rften Sinne �ffnete.</p><p>Das Artefakt war langsamer geworden, und � es hatte sich ge<emphasis>n�hert</emphasis>. N�her war es, als er es je zuvor gesp�rt hatte. Da � es befand sich im Norden. Der Drache st�rzte in die Tiefe, dann wirbelte er herum und raste mit einem wiedererstarkten Gef�hl der Entschlossenheit in diese Richtung, der Spur der Iris folgend. Seine Augen waren fest auf den Boden gerichtet, und so dauerte es nicht lange, bis er mit einem Schrecken, so heftig wie ein Stromschlag, erkannte, dass er sich zu fr�h Hoffnungen auf einen Sieg gemacht hatte.</p><p>Die Horde war wieder in Bewegung.</p><empty-line/><p>�Sie sind beschwichtigt�, stellte Malkorok fest, w�hrend er neben seinem Kriegsh�uptling dahinritt.</p><p>�Nat�rlich sind sie das�, erwiderte Garrosh, und sein stolzer Blick wanderte �ber die gewaltige Menge, die gleichm��igen Schrittes gen Theramore marschierte. �Das sind Krieger. Es d�rstet sie nach dem Blut der Allianz, und nun, nachdem ich sie eine Weile zur�ckgehalten habe, ist dieser Durst nur umso gr��er � und mein Plan umso sicherer.� Er dachte an Baine und Vol�jin. Cairnes Tod hatte Garrosh eine wichtige Lektion erteilt, und wenngleich die Anf�hrer der Tauren und Trolle ihn Mal um Mal zur Wei�glut trieben, wusste er doch, dass es t�richt w�re, einen der beiden zu einem Ritualkampf herauszufordern. Ihr Volk liebte und respektierte sie, und sowohl Baine als auch Vol�jin waren der Horde treu ergeben, wenn auch nicht unbedingt Garrosh pers�nlich. Bald schon w�rden sie ihren Irrtum einsehen und zugeben m�ssen, dass seine Taktik mehr als brillant gewesen war � und dass er mehr f�r die Horde bewirkt hatte als je ein Kriegsh�uptling zuvor, einschlie�lich Thrall.</p><p>Ja, dann w�rden sie ihn ebenso ehren wie die Horde, und er w�rde seinen Gro�mut an ihnen demonstrieren, ebenso, wie er es bei Kapit�n Briln getan hatte. Garrosh gestattete einem zufriedenen und durchaus auch selbstgef�lligen L�cheln, seine Lippen zu verzerren.</p><p>Da ert�nte pl�tzlich lautes Geschrei. Ringsum zeigten seine Krieger br�llend in den Himmel, und als Garrosh die Augen gegen das jetzt schon blendend grelle Sonnenlicht zusammenkniff, konnte auch er die schwarze Silhouette erkennen. Sie war lang und schlank und �</p><p>�Ein Drache!�, grollte er. �Holt ihn vom Himmel!�</p><p>Noch w�hrend er den Befehl br�llte, begannen die Windreiter mit ihrem Angriff. Die Horde verf�gte nicht nur �ber Boden-, sondern auch �ber Lufttruppen, die neben den geliebten Wyvern der Orcs auch aus Flederm�usen, Drachenfalken und anderen Kreaturen bestanden, die die Horde gez�hmt hatte, um ihre einzigartigen F�higkeiten nutzen zu k�nnen. Der Drache ging tiefer, als die Angreifer auf ihn zurasten, und setzte zu einem ungleichm��igen Zickzack an, um den langen Piken, Wurfspeeren und den Dutzenden von Pfeilen zu entgehen, die ihm entgegenflogen und ohne jeden Zweifel alle auf die empfindlichen Augen des Titanen zielten. Anschlie�end riss er den Rachen auf, und einer der Windreiter erstarrte, eingeschlossen in eine wie aus dem Nichts entstandene H�lle aus �</p><p>�Eis!�, rief Garrosh, warf den Kopf in den Nacken und lachte, obwohl der ungl�ckselige Wyvern und sein Reiter wie ein Stein auf die Erde hinabst�rzten. Dann klopfte er Malkorok auf den R�cken. �Eis!�, wiederholte er noch einmal. �Sieh nur, Malkorok, es ist ein blauer Drache, der uns angreift!�</p><p>Die Mitglieder der Horde um ihn herum wussten nicht, warum er lachte, nichtsdestotrotz regte sie das Ger�usch an, und die Krieger auf dem Boden begannen nun, ihre fliegenden Kameraden anzuspornen, die in einem wilden Luftkampf um den Drachen herumrasten, so wie Spatzen um einen Falken herumflattern. Einige von ihnen spannten Ballisten und Katapulte und luden Kanonen, bevor sie die Waffen gen Himmel ausrichteten.</p><p>Garrosh war ganz aufgeregt vor Vergn�gen, er ritt zwischen seinen Kriegern umher und br�llte ihnen ermutigende Worte zu. Er war es auch, der den Befehl gab, den ersten brennenden Bolzen abzufeuern, der beinahe senkrecht nach oben schoss. Sein Jubel �bert�nte den der anderen noch, als die Bewegungen des blauen Drachen pl�tzlich ungleichm��iger wurden. Der Bolzen hatte sein Ziel getroffen.</p><empty-line/><p>Schmerz zuckte durch Kalecgos K�rper. Er war so darauf konzentriert gewesen, der Spur der Fokussierenden Iris zu folgen, dass er blindlings in die Gefahr hineingeflogen war. Die Horde hatte schnell reagiert, und die Art, wie sie ihn nun angriff, erinnerte ihn in alarmierendem Ma�e an jene Schlacht, die vor gar nicht allzu langer Zeit am Wyrmruhtempel gew�tet hatte.</p><p>Der lodernde Bolzen hatte eine schwarze Furche in seine Seite gebrannt; es war keine t�dliche Verletzung, und sie holte ihn auch nicht vom Himmel, aber sie erinnerte ihn daran, dass er allein war. Und nicht einmal die Tatsache, dass er ein Drache war, �nderte etwas an seinen Chancen. Falls er aus dem t�richten Impuls heraus, k�mpfen zu wollen, hierblieb, w�rden sie ihn besiegen, und tot w�re er Jaina wohl kaum eine gro�e Hilfe. Davon abgesehen war die Fokussierende Iris zwar nahe, aber sie bewegte sich noch immer nach Norden, wohingegen die Truppen der Horde nach S�den marschierten. Seine schlimmste Furcht � dass die Horde das Artefakt gestohlen hatte � schien sich also nicht zu best�tigen, denn h�tten sie einen solch m�chtigen Gegenstand in ihrem Besitz, w�rden sie ihn mit sich nach S�den nehmen und in der bevorstehenden Schlacht gegen die verhasste Allianz einsetzen.</p><p>Er k�mpfte gegen den bei�enden Schmerz in seiner Seite an und schlug mit seinem Schwanz aus, woraufhin sich eine der Flederm�use wild �berschlug. Ihre Fl�gel peitschten die Luft, w�hrend sie darum k�mpfte, nicht abzust�rzen. Doch ihr Reiter fiel dem Boden � und damit seinem sicheren Ende � entgegen. Nicht einmal ein Verlassener w�rde einen solchen Aufprall �berstehen.</p><p>Der Schlag seiner m�chtigen Fl�gel trug Kalec schnell weiter, und schon bald war er sicher au�erhalb der Reichweite der Waffen, mit denen die Horde vom Boden aus auf ihn zielte. Die Wyvern, Flederm�use und Drachenfalken konnten mit diesem Tempo nicht mithalten und blieben ebenfalls hinter ihm zur�ck. Sobald er sicher sein konnte, dass er der unmittelbaren Gefahr entgangen war, streckte Kalec seinen langen, sehnigen Hals und zog die Klauen an, damit sein K�rper dem Wind m�glichst wenig Widerstand bot. Anschlie�end flog er direkt nach S�den, entschlossen, Theramore � und seine Lady � so fr�hzeitig wie nur m�glich zu warnen, dass die Horde schon bald an ihr Tor pochen w�rde.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Das wird eine Schlacht an drei Fronten�, erkl�rte Jonathan. Er hatte sich �ber den Tisch gebeugt und deutete auf die Karte von Theramore, die darauf ausgebreitet war. Sie alle standen inzwischen, auch wenn die kleineren Zwerge den Hals strecken mussten, um etwas zu sehen. �Erst einmal werden sie nat�rlich den Hafen angreifen. Aber zumindest k�nnen wir absch�tzen, wie viele Schiffe bereits dort drau�en lauern.�</p><p>�Falls ich Garrosh w�re, so w�rde ich ein paar als Reserve zur�ckhalten und sie erst ein paar Stunden nach Beginn der Schlacht losschicken�, f�gte Aubrey hinzu.</p><p>Jonathan nickte. �Wir sollten das in unserer Planung ber�cksichtigen. Wann wird die <emphasis>Sternenschwert</emphasis> ungef�hr zur�ckkehren?�</p><p>Kurz nach der Ankunft der Siebten Flotte hatte Jaina darauf bestanden, dass eines ihrer Schiffe, die <emphasis>Sternenschwert</emphasis>, wieder lossegelte, um die Zivilisten aus der Stadt zu entfernen, die sich lieber andernorts in Sicherheit bringen wollten. Au�erdem hatte sie alle Kinder an Bord geschickt, und einige Familien hatten sie begleitet. Doch viele andere waren geblieben. Schlie�lich war Theramore ihre Heimat; sie liebten diese Stadt ebenso, wie Jaina es tat, und sie wollten sie verteidigen. Eigentlich h�tte das Schiff Ratschet ansteuern sollen, das offensichtlichste Ziel in der Region, um dann von dort aus weiter zum Schlingendorntal zu segeln. Doch obwohl die Orcs, die Ratschet kontrollierten, nicht mit Garrosh verb�ndet waren, war vor Kurzem eine betr�chtliche Flotte der Horde dort durchgekommen. Darum hielten die Gener�le die Stadt nicht mehr f�r sicher genug, um Fl�chtlinge dorthin zu schicken. Also hatte die <emphasis>Sternenschwert</emphasis> Kurs auf Gadgetzan genommen.</p><p>�Die Draenei-Schamanen haben mir versichert, dass die Wind- und Wasserelementare ihnen helfen werden, die Reise so kurz wie m�glich zu machen�, erkl�rte Jaina.</p><p>�Das mag ja so sein�, brummte Machthieb, �aber das Schiff is� erst vor ein paar Stunden losgesegelt. Wir k�nnen fr�hestens morgen mit seiner R�ckkehr rechnen.�</p><p>�Kinder geh�ren nicht in eine Schlacht�, sagte Tiras�alan leise. �Selbst wenn das bedeutet, dass uns ein Kriegsschiff fehlt, es war die richtige Entscheidung, sie von hier fortzubringen.�</p><p>�Die Jungen sind in der Tat zu wertvoll, um sie in Gefahr zu bringen�, stimmte Shandris ihm zu. �Au�erdem � stehen Zivilisten doch nur immer im Weg herum.�</p><p>Es war eine harsche Aussage, aber auch eine zutreffende, wie Jaina und die anderen wussten. Eine Schlacht verlangte jenen, die darin k�mpften, viel ab, da wollte man sich nicht auch noch Sorgen darum machen m�ssen, dass Kinder im Get�mmel umherirrten. Sie aus der Gleichung zu nehmen, war nicht nur moralisch richtig gewesen, sondern schlichtweg auch die richtige, weil vern�nftige Entscheidung.</p><p>�Die Stra�e nach Norden macht mir mehr Sorgen als die Stra�e gen Westen�, erkl�rte Jonathan, womit er die Aufmerksamkeit der anderen wieder auf das eigentliche Thema dieser Besprechung lenkte. �Wir haben keine Berichte dar�ber, dass sich Truppen in Brackenwall versammelt haben.�</p><p>�Noch nicht�, brummte Rhonin.</p><p>�Noch nicht�, nickte Jonathan. �Aber wir k�nnen wohl davon ausgehen, dass Garroshs Armee durch das Dorf marschieren wird und dass sich ihnen dort entweder weitere Krieger anschlie�en oder sie einen Teil ihrer Leute zur�cklassen, als Reserve, die dann � falls n�tig � zu einem sp�teren Zeitpunkt ins Schlachtgeschehen eingreifen soll. Au�erdem ist Brackenwall ein guter R�ckzugspunkt, wo die Horde sich neu formieren kann. Wir verf�gen leider �ber keinen solchen Luxus.�</p><p>�Was ist mit den Belagerungswaffen, die zurzeit entlang der westlichen Stra�e platziert sind?�, fragte die Leidende. �Wir k�nnten sie n�her an die Stadt heranziehen und sie vor beiden Toren platzieren.�</p><p>�Und die Grimmtotem?�, warf Kinndy ein.</p><p>�Ich bezweifle, dass sie uns �rger machen werden�, sagte Jaina. �Wir k�mpfen jetzt gegen die Horde, und selbst wenn sie Garrosh ihre Dienste angeboten h�tten, Baine w�rde sich dagegen aussprechen. Vermutlich w�rde nicht einmal Garrosh selbst ihnen vertrauen. Nicht nach dem, war Magatha Cairne angetan hat.�</p><p>�Sie k�nnten aber versuchen, unsere Abgelenktheit in der Schlacht zu ihrem Vorteil zu nutzen�, gab Vereesa zu bedenken. �Was, wenn sie die Gelegenheit ergreifen und in die Stadt eindringen, sei es nun, um zu pl�ndern oder einfach nur zu morden?�</p><p>�Das w�rde ihnen nur gelingen, falls wir versagen�, entgegnete die Leidende br�skiert. �Solange unsere Verteidigung h�lt, werden sie nichts dergleichen wagen.�</p><p>�Dann w�re das ja gekl�rt�, meinte Jonathan. �Wir ziehen die Kriegsmaschinen zur Stadt und ��</p><p>Die T�r zum Korridor wurde aufgesto�en. Kalecgos stand im Eingang, leicht schwankend, eine Hand an die Seite gepresst. Hinter ihm befanden sich zwei Wachen, die sich aber mehr Sorgen um den Zustand des Drachen zu machen schienen als um die Tatsache, dass er gerade unangek�ndigt in den Versammlungsraum geplatzt war.</p><p>Als Jaina sah, dass Blut zwischen den Fingern des Drachen hervorquoll, sprang sie auf und eilte zu ihm hin�ber, noch w�hrend sich Kalec an die Anwesenden wandte.</p><p>�Die Horde ist wieder in Bewegung�, erkl�rte er. �Sie marschiert nach S�den und wird in wenigen Stunden hier sein.� Jaina legte ihm den Arm um die Schulter und blickte besorgt zu ihm auf. Sie hatte das Gef�hl, als w�ren die n�chsten Worte, die er sprach, mehr f�r sie als f�r die anderen bestimmt. �Ich bin nicht schwer verletzt. Ich bin zur�ckgekommen, um Euch zu warnen. Um Euch zu helfen.�</p><p>�Ich w�sste nicht, was diese Sache den blauen Drachenschwarm angeht�, sagte Rhonin. Einige der anderen, die Kalecgos nicht sofort erkannt hatten, zogen leicht die Augenbrauen zusammen, als die Erkenntnis sie traf.</p><p>Jaina wandte sich zun�chst an Kalec, dann an die Gener�le und Magier. �Kalec � lass dich erst von den Wachen zu einem Heiler bringen, bevor du irgendetwas anderes unternimmst. Du kannst uns Bericht erstatten, sobald deine Wunde versorgt ist.� Den anderen erkl�rte sie: �Wir m�gen bis vor Kurzem im Krieg mit dem blauen Drachenschwarm gestanden haben, aber jeder in diesem Raum, auch die Mitglieder der Kirin Tor, wissen, dass Kalecgos niemals den Streit mit den j�ngeren Rassen gesucht hat. Ohne seine Hilfe h�tten wir Todesschwinge nicht besiegen k�nnen, und es ist eine Ehre und, ganz ehrlich, auch ein Gl�cksfall, dass er sich bereit erkl�rt hat, uns bei der Verteidigung von Theramore zu helfen.�</p><p>Rhonins Blick huschte kurz von Kalec zu Jaina, dann nickte er. �Wir k�nnen jede Hilfe brauchen� war alles, was er sagte, aber das reichte schon. Die anderen Kirin Tor unterbrachen ihr leises Gemurmel, und sogar einige der Gener�le nickten zustimmend.</p><p>�Seien wir ehrlich�, schlug Rotm�hne mit einem Lachen vor. �Eine gro�e blaue Bestie am Himmel, zus�tzlich zu uns allen am Boden, das k�nnte Garrosh vielleicht einsch�chtern.�</p><p>Die Entscheidung war also getroffen. Jaina wandte sich zu Kalec herum. Seine Wunde war augenscheinlich ernster, als er sie glauben machen wollte, aber es gab viele gut ausgebildete Heiler, die in Erwartung der Schlacht nach Theramore gerufen worden waren. Bald schon w�rde er wieder so weit genesen sein, dass er bei der Verteidigung der Stadt mitwirken konnte.</p><p>�Das wird schon wieder, Jaina�, meinte er mit einem sanften L�cheln, dann f�gte er etwas leiser hinzu: �Macht Euch keine Sorgen!�</p><p>Nun schenkte sie ihm ihrerseits ein L�cheln. �Ich m�sste schon eine N�rrin sein, um mir keine Sorgen zu machen, Kalec�, erkl�rte sie, gleichfalls im Fl�sterton. �Aber ich habe auch in der Vergangenheit Schlachten �berstanden. Schlachten, die � f�r mich pers�nlich viel schwerer zu ertragen waren als diese. Habt keine Angst! Ich werde Theramore verteidigen, und ich werde nicht davor zur�ckschrecken zu tun, was getan werden muss.�</p><p>Bewunderung lie� seine blauen Augen aufleuchten. �Vergebt mir�, sagte er. �Wom�glich seid Ihr kampferprobter und abgebr�hter, als ich es bin, Lady Jaina.�</p><p>Ihr L�cheln verlor ein wenig an Strahlkraft. �Ich musste schon schwierige Entscheidungen treffen�, sagte sie, �aber ich bete, dass ich niemals abgebr�ht sein werde. Nun geht! Wir wollen unsere Informationen austauschen, sobald Ihr zur�ckgekehrt seid.� Als die Wachen Kalec zu den Priestern eskortierten, wandte sich Jaina wieder den anderen zu. �Schickt sofort einen Boten nach Sturmwind! Varian muss erfahren, dass der Angriff unmittelbar bevorsteht.�</p><empty-line/><p>Das Gef�hl der Dringlichkeit, das die Stadt erf�llt hatte, noch bevor die Gener�le mit ihrer Flotte eingetroffen waren, schien nun noch allgegenw�rtiger. Wie Jaina vorhergesagt hatte, war Kalecgos in k�rzester Zeit geheilt, wenn er auch weiterhin einen ersch�pften Eindruck machte. Und er berichtete ihnen rasch, was er gesehen hatte. Dank dieser Mitteilungen wussten sie nun, welche Route die Horde gew�hlt hatte, und die Triumphfeste im Nordosten von Theramore war sofort �ber den geplanten Angriff verst�ndigt worden. Die Soldaten dort w�rden dem Feind erbitterten Widerstand leisten, und es blieb zu hoffen, dass die Horde ihre Ressourcen, Truppen und ihre Energie nicht an eine Garnison verschwenden w�rde, die nicht ihr eigentliches Ziel war. Die Gener�le gaben sich zuversichtlich, dass die tapferen M�nner und Frauen der Triumphfeste der Horde empfindlich schaden und ihren Vormarsch abbremsen k�nnten, ohne selbst vollst�ndig aufgerieben zu werden � ein Risiko, das sich leider nicht vermeiden lie�.</p><p>Ihre Pl�ne wurden beinahe sofort in Befehle umgewandelt, die Ballisten und anderen Belagerungswaffen nach Osten transportiert, den Toren von Theramore entgegen, w�hrend gleichzeitig Reiter zur Sp�herwacht aufbrachen, die ein St�ck n�rdlich der Stadt lag. Im Gep�ck befanden sich Anweisungen, dass die Besatzung des Vorpostens sofort eine Warnung schicken sollte, wenn sie die Horde sichtete. Hauptmann Wymor und seine Soldaten erhielten au�erdem den Befehl, die Horde, falls m�glich, aufzuhalten � wenn es ihnen aber nicht gelang, sollten sie sich in Richtung Stadt zur�ckziehen, wo sie von weiteren Truppen unterst�tzt werden w�rden.</p><p>Die Stadttore sollten bis zum Ende der Schlacht geschlossen bleiben, es sei denn, die Horde riss sie nieder. Wymor verstand, was das bedeutete.</p><p>Sechzehn Kriegsschiffe machten derweil kehrt und verlie�en den Hafen. Bis Nummer siebzehn, die <emphasis>Sternenschwert,</emphasis> von ihrer Hilfsmission zur�ckkehrte, w�rde die Schlacht vermutlich schon entschieden sein. Wie die Flotte der Horde blieb auch die Siebte auf ihrer Seite der maritimen Grenze � wenn auch nur knapp � und wartete dort. Der Plan sah vor, die Schiffe der Horde zu vernichten, sobald die Schlacht begann, sodass zumindest die Bedrohung aus dieser Richtung schnellstm�glich ausgeschaltet w�rde. Die drei restlichen Schiffe der Flotte blieben im Hafen vor Anker, als letzte Verteidigungslinie gegen einen Angriff vom Meer aus. Aber jeder hoffte, dass sie nicht zum Einsatz k�men.</p><p>Es war Mittag, als der erste Reiter eintraf.</p><p>Er trug keine R�stung, sondern gew�hnliche Kleidung, die mit Schlamm und Blut bespritzt war. Gewiss hatte er sich von seinem K�rperpanzer getrennt, um das Pferd zu entlasten, auf dem er herbeigaloppiert war. Dennoch �chzte das Tier schwer, und Schaum stand vor seinem Maul, als es mit klappernden Hufen zum n�rdlichen Tor hinaufritt. Die Wachen, die dort postiert waren, mussten dem zitternden Boten helfen, als er sich kraftlos vom R�cken des Pferdes fallen lie�, das dem Zusammenbruch ebenfalls nahe zu sein schien. Sie fingen ihn auf, so behutsam es ihnen eben m�glich war, und als sein Umhang dabei zur Seite rutschte, sahen sie, dass ein Gro�teil des Blutes auf seiner Kleidung von dem dunkelhaarigen, b�rtigen Reiter selbst stammte. Er versuchte, ihnen etwas zu sagen.</p><p>�D-die Triumphfeste i-ist gefallen�, war jedoch alles, was er noch hervorbrachte.</p><p>Und so begann es.</p><empty-line/><p>Die Armee der Horde war inzwischen um mehrere Klingenwerfer, Ballisten und Katapulte reicher, welche in ihrem Aussehen m�chtigen Adlern nachempfunden waren. Waffen der Allianz, die nun gegen ihre Erbauer eingesetzt werden sollten. Einige der Krieger hatten auch andere, grausigere Erinnerungsst�cke als Troph�en aus der j�ngsten Schlacht mitgenommen, vor allem die Trolle, denen es Spa� zu machen schien, sich mit Fingern und Ohren zu schm�cken.</p><p>Ohne Zweifel hatte die Besatzung der so unpassend betitelten Triumphfeste geglaubt, sie k�nnte der Horde trotzen und ihren Marsch nach S�den � nach Theramore � aufhalten. Doch sie hatten ihre eigenen F�higkeiten heillos �ber- und die ihres Feindes v�llig untersch�tzt.</p><p>Kriegsges�nge erf�llten die Luft, begleitet vom Donnern der Trommeln. Das Knirschen der gewaltigen Kriegsmaschinen � teils von der Horde, teils von der Allianz herr�hrend � f�gten dieser Musik ihre ganz eigene Melodie hinzu.</p><p>Die Horde hatte die Soldaten der Feste Nordwacht �berrascht und sie aus diesem Grund auch besiegt. Doch als sie sich nun ihrem n�chsten Ziel n�herten, machten sie keinen Hehl aus ihrer Gegenwart, sondern gr�lten auf dem Weg nach S�den vor sich hin, voller Zuversicht ob ihrer gewaltigen Zahl. Theramore hatte mehrere Tage Zeit gehabt, sich auf den Angriff vorzubereiten, aber seine Anwohner hatten auch mehrere schlaflose N�chte durchlitten, gequ�lt von Albtr�umen �ber die Horde, wie sie ihre Tore niederriss.</p><p>Doch auch Furcht konnte eine Waffe sein.</p><p>Die wilden Tiere des Brachlandes machten einen gro�en Bogen um den Heereszug, und die Zhevras und Gazellen, die sich doch zu nahe heranwagten, wurden erlegt und den hungrigen Truppen vorgesetzt. Die Armee hatte sich inzwischen in einer d�nneren, l�ngeren Linie angeordnet, um auf der schmalen Stra�e durch die D�stermarschen besser voranzukommen. Und die hei�en Strahlen der Sonne wurden inzwischen durch hohe, moosbedeckte B�ume gefiltert. Nachdem sie die Ruinen des Gasthauses <emphasis>Zur s��en Ruh</emphasis> passiert hatten, machten sie an einer Kreuzung halt, von der aus Stra�en zur Insel Theramore, zum Morastwinkel und nach Brackenwall f�hrten. Hier teilte Garrosh die Armee auf. Er selbst wollte die eine H�lfte nach Brackenwall f�hren, wo sich ihnen neue Rekruten anschlie�en w�rden � mehr Orcs und vermutlich sogar ein paar Oger �, bevor er von Norden aus den Angriff auf Theramore startete. Malkorok w�rde indes das Kommando �ber die restlichen Truppen �bernehmen und auf der Stra�e nach Osten weiterziehen.</p><p>Die beiden Heeresteile w�rden dann bei Theramore wieder zusammentreffen, um die Stadt zwischen sich zu zermalmen und einen Sieg zu feiern.</p><p>Malkorok und seine Soldaten marschierten tief ins Herz der D�stermarschen und in den Morast, wo sie die Banner der Allianz niederrissen und lachend in den Schlamm warfen. Fr�her war dieser Weg von Kriegsmaschinen und den Soldaten Theramores blockiert gewesen, doch nun schien er v�llig frei zu sein, genauso, wie sie es vermutet hatten.</p><p>Von den Grimmtotem gab es ebenfalls keine Spur, doch auch damit hatten sie gerechnet. Die Nachricht vom Nahen der Armee musste sich herumgesprochen haben, und die feigen Tauren, die von der Allianz und der Horde gleicherma�en verachtet wurden, hatten sich in ihre Verstecke verkrochen.</p><p>�Ohne Zweifel wei� der Feind, dass wir kommen�, sagte Malkorok. �Ich werde ein paar L�ufer ausschicken, und wir werden ab jetzt mit gro�er Vorsicht ��</p><p>W�tendes Gebr�ll unterbrach ihn. Nicht weniger als zehn wilde Bestien st�rmten pl�tzlich aus den Marschen, wo sie, getarnt von den zahlreichen kleinen H�geln und den tief h�ngenden �sten der B�ume, auf der Lauer gelegen hatten. Zwei Hexenmeister, ein Magier und ein Schamane gingen zu Boden, bevor sie auch nur die ersten Worte eines sch�tzenden Zaubers aussto�en konnten. Und die Krieger hinter ihnen fanden sich im Nahkampf mit den Bestien wieder. Klauen zerfetzten Fleisch, gewaltige Kiefer schlossen sich um Kehlen, und als die Horde �berhaupt erst realisierte, dass sie von gestaltgewandelten Allianzdruiden angegriffen wurde, hatten einige andere im Schutz der Unsichtbarkeit bereits �ber ein Dutzend Soldaten niedergestreckt, die nun mit Messern im R�cken auf dem Boden lagen. Weitere Tiere st�rmten aus dem Schutz des Sumpfes hervor, Kreaturen der Arktis und der W�ste, die sich eigentlich niemals in dieses schw�le Klima verirrt h�tten, die nun aber dennoch hier waren, um sich auf die Krieger der Horde zu st�rzen.</p><p>Der Kampf hatte kaum mehr als ein paar Sekunden gedauert, und schon jetzt lagen mehr als zwei Dutzend Soldaten tot oder sterbend im Dreck.</p><p>�Hinterhalt! Angriff!�, schrie Malkorok, dann lie� er diesen Worten Taten folgen und st�rmte auf einen gewaltigen B�ren zu, dessen braunes Fell ein aufgemaltes Muster zierte. Das Tier zerfleischte gerade einen untoten Hexenmeister, w�hrend dieser noch versuchte, dem Druiden seine Lebenskraft zu entziehen und damit seine eigenen magischen F�higkeiten aufzuladen. Malkoroks Zwillings�xte wirbelten durch die Luft und schnitten dann in einem solchen Winkel durch das dichte, sch�tzende Fell am Hals des B�ren, dass sich die Klingen in der Mitte trafen und der Sch�del des Druiden beinahe vollst�ndig von den Schultern getrennt wurde.</p><p>Die Schmerzensschreie und das R�hren von Zorn und Blutdurst wurden nun um andere Ger�usche erg�nzt: das Singen von Pfeilen, die von den Sehnen der B�gen zischten, sowie das Donnern von Gewehrfeuer. Die J�ger � die die Spinnen und Skorpiden, die W�lfe und Krokolisken und Raptoren kontrollierten � griffen jetzt auch direkt ins Kampfgeschehen ein. Malkorok stie� einen gezischten Fluch aus und sprang �ber die Leichen eines Goblins und einer Hy�ne hinweg, die in t�dlicher Umarmung vereint auf dem Boden lagen, die Klinge des Goblins im Auge des Tieres versenkt, ihre Kiefer in seiner gr�nen Kehle verbissen. Die Augen des Schwarzfelsorcs waren auf eine dicht gedr�ngte Gruppe von Hordekriegern gerichtet, die gegen einen einzigen Feind k�mpften. Und als er n�her kam, seinen Kriegsschrei auf den Lippen, teilte sich die Menge einen Moment lang, sodass Malkorok den Allianzk�mpen sehen konnte. Es war eine Nachtelfin, die sich so schnell bewegte, dass ihre Bewegungen verschwammen, in der Hand hielt sie ein beinahe schon blendend grell leuchtendes Schwert. Ein langer blauer Zopf peitschte hinter ihr durch die Luft, sodass er beinahe wie eine azurblaue Schlange wirkte. Zwei schlanke Leiber lagen zu ihren F��en, und ein dritter Blutelf war neben ihnen zusammengesunken, die H�nde auf seine Seite gepresst, bereit, sich ihnen im Tode anzuschlie�en.</p><p>Einen Augenblick lang hielt die Allianzkriegerin inne. Ihr Blick begegnete dem Malkoroks, dann fiel ihr seine graue Haut auf, und sie grinste. Mit einem wilden Schrei sprang er auf sie zu.</p><empty-line/><p>Es hatte zahlreiche Warnzeichen gegeben, man konnte also wohl kaum von einem �berraschungsangriff sprechen. So nickte Hauptmann Wymor lediglich, als die L�uferin zur�ckkehrte und ihm atemlos berichtete, wie gro� die Streitmacht war, die sich auf dem Weg zum Nordtor von Theramore auf die Sp�herwacht zubewegte.</p><p>�Auf eure Stellungen�, befahl er, um dann hinzuzuf�gen: �Ich bin stolz, mit euch zu k�mpfen. An diesen Tag wird man sich noch lange erinnern.� Die Wachen, von denen ihm einige noch so schrecklich jung erschienen, salutierten. Die meisten von ihnen hatten bislang nur in kurzen Scharm�tzeln mit ein paar Mitgliedern der Horde gek�mpft, oder die Grimmtotems und die wilden Tiere aus den S�mpfen zur�ckgeschlagen, aber kaum einer brachte die Erfahrung aus einer richtigen Schlacht mit. Das sollte sich nun �ndern. In den Ohren das Pochen der fernen Trommeln, bereiteten sie sich auf den Kampf vor.</p><p>General Marcus Jonathan war pers�nlich zur Sp�herwacht geeilt, um eine Strategie mit ihnen auszuarbeiten. Wie die Bezeichnung �Sp�herwacht� schon sagte, war der St�tzpunkt mehr eine Aussichtsstation als eine Bastion zur Verteidigung von Theramore. Doch genau dazu musste sie werden, falls Garroshs Truppen beschlossen, von Norden aus gegen die Stadt zu marschieren.</p><p>�Und das werden sie�, hatte Jonathan erkl�rt. �Sie werden uns von Norden, Westen und vom Hafen aus angreifen. Waffentechnisch seid Ihr ihnen unterlegen, also m�sst Ihr schlauer sein als sie.�</p><p>Man gab der L�uferin einen Schluck Wasser und schenkte ihr einen Augenblick, um wieder zu Atem zu kommen, dann stieg sie auf ihr Pferd und galoppierte in Richtung Theramore davon. Die restlichen Wachen unter Wymors Kommando hielten ihre Stellungen und warteten.</p><p>Es dauerte nicht lange, dann hob der einsame Wachtposten oben auf der Spitze des Turmes den rechten Arm und lie� ihn scharf nach unten sausen. Der Gnom, der neben Wymor stand, ein Geselle namens Adolphus Sprengspieler, hielt ein kleines Ger�t in den H�nden, und auf das Signal hin, das vom Turm kam, dr�ckte er grinsend einen Knopf darauf. Abrupt wurde das Ger�usch der Trommeln von einem kolossalen Donnergrollen verschluckt. Einen Moment sp�ter stieg schwarzer Rauch zum Himmel empor. Die Soldaten jubelten, und als sie verstummten, waren keine Trommeln mehr zu h�ren.</p><p>Die Bomben, die so sorgf�ltig auf der Stra�e platziert worden waren, mochten zahlreiche Feinde get�tet haben, doch die Bedrohung blieb bestehen.</p><p>�Zieht eure Waffen!�, sagte Wymor. In der unheimlichen Stille klang das Schaben, mit dem die Schwerter aus ihren H�llen glitten, erstaunlich laut. Angespannt standen die Soldaten da, bereit f�r den Kampf. Die Minuten zogen sich dahin, aber das Einzige, was sie h�ren konnten, war das unerm�dliche Zirpen der Insekten, das Gekr�chze der Meeresv�gel, das Rauschen, mit dem sich die Wellen am nahen Strand brachen, und das Klirren ihrer eigenen R�stungen, als sie vor Unbehagen das Gewicht verlagerten.</p><p>Da erschallten pl�tzlich die Kriegsschreie der Horde, und den Soldaten gefror das Blut in den Adern, w�hrend sich ihnen die Armhaare aufstellten. Gleichzeitig wurden auch die Trommeln wieder h�rbar, doch nun waren sie viel n�her, und ihr Rhythmus erschien viel schneller, dr�ngender. Einen Moment sp�ter tauchten aus den Schatten des d�steren Sumpfes Dutzende, vielleicht Hunderte von Gestalten auf. Allesamt laut br�llend st�rmten sie auf die Sp�herwacht zu, in den H�nden Waffen, die aussahen, als w�rden sie mehr wiegen als ein Mensch mitsamt K�rperpanzer.</p><p>�Lauf, Adolphus!�, rief Wymor dem Gnom zu, der vor Grauen wie erstarrt dastand. Sprengspieler zuckte zusammen und starrte einen Augenblick lang panisch zu dem Hauptmann hinauf, aber dann rannte er los, so schnell seine kurzen Beinchen ihn nur trugen, Theramore entgegen, den Z�nder noch immer mit beiden H�nden umklammernd. Indes zog Wymor sein Schwert und ging in Kampfstellung.</p><p>Der Sturmangriff der Orcs, Trolle, Tauren, Verlassenen, Blutelfen und Goblins wurde von einem Orc in gl�nzender R�stung angef�hrt. Er hielt direkt auf Wymor zu, und als er dabei eine gewaltige Axt �ber dem Kopf schwang, schien die Waffe vor Blutdurst laut zu jaulen. Die Schulterpanzerung dieses Orcs bestand aus riesigen Hauern, und zwischen ihnen und den gro�en Handschuhen war braune, t�towierte Haut zu erkennen.</p><p>Wymors goldener Bart teilte sich in einem Grinsen.</p><p>Garrosh H�llschrei.</p><p>Die Klinge von Wymors Schwert prallte klirrend gegen den Schaft von Blutschrei, und als ihn Garrosh, der um ein Vielfaches st�rker war als der Mensch, nach hinten stie�, taumelte der Hauptmann. Doch er konnte seine Klinge gerade noch rechtzeitig hochrei�en, um einen abw�rts gef�hrten Hieb der Axt zu parieren, dann duckte er sich nach vorn, unter den massigen K�rper des Kriegsh�uptlings. Sein Schwert zog er dabei hinter sich her, und Garrosh grunzte �berrascht, als die Klinge eine blutige Linie �ber die Innenseite seines Armes zog.</p><p>�Der erste Tropfen meines Blutes, der in dieser Schlacht vergossen wurde�, sagte der Orc anerkennend. �Gut gek�mpft, Mensch. Du wirst in Ehre sterben.�</p><p>Wymor wich mehrere Schritte zur�ck und schwang sein Schwert. �Du nicht�, rief er, um Garrosh zu reizen. Der Orc br�llte keuchend und st�rmte vor.</p><p>Genauso, wie Wymor gehofft hatte.</p><p>�Jetzt, Sprengspieler!�, schrie der Hauptmann, h�rte noch einen lauten Donner und sp�rte, wie er in die Luft geschleudert wurde. Dann wurde alles schwarz.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Die Elfin war gut, das musste Malkorok ihr lassen. Dass sie zuvor schon Schlachten �berlebt hatte, verriet nicht zuletzt die lange Narbe, die ihr Gesicht verunstaltete. Die anderen Mitglieder der Horde hatten erkannt, dass sich ihr Anf�hrer selbst um diesen Feind k�mmern wollte, und sich verteilt, um gegen andere Angreifer zu k�mpfen. Von den Vorfahren gab es noch immer mehr als genug.</p><p>Die blauhaarige Nachtelfin war unglaublich schnell, obwohl das schwere Schwert, das sie schwang, ihre Bewegungen verlangsamen musste. Malkorok selbst war f�r einen Orc auch alles andere als tr�ge, zudem waren seine Waffen viel leichter als die ihre. Und dennoch schnitten die beiden kleinen �xte nur durch leere Luft, als er sie angriff. Im einen Augenblick stand Blauhaar noch hier, im n�chsten hatte sie sich bereits unter seinen Hieben hinweggeduckt und stand dort dr�ben. Mehr als einmal verhinderte nur seine R�stung Schlimmeres, als ihre Klinge gegen seine Mitte schlug. Sollte die gl�hende Schwertspitze die ungesch�tzte Stelle zwischen Torso und Arm finden �</p><p>Er hieb mit einer Axt zu, w�hrend er die andere �ber dem Kopf wirbelte, und sie tauchte zwar zu Seite weg, doch diesmal schnitt seine Klinge tief in ihren Schenkel. Die Elfin �chzte.</p><p>�Ha!�, schnaubte Malkorok. �Wenn du blutest, kann ich dich auch t�ten.�</p><p>Doch da sprang sie unglaublich schnell auf ihn zu, den Mund zu einem Z�hnefletschen ge�ffnet, das jedem Worgen Ehre gemacht h�tte. Der Orc riss beide �xte hoch und kreuzte sie sch�tzend vor seinem K�rper. Zu seinem Schrecken ignorierte Blauhaar ihre Wunde vollkommen und <emphasis>sprang</emphasis> stattdessen mit ihrem verletzten Bein auf die �xte zu, so leichtf��ig, als h�tte er ihr mit verschr�nkten H�nden eine R�uberleiter gebaut. Die Spitze ihres Schwertes sauste von oben auf seinen Hals hinab.</p><p>Gerade noch rechtzeitig drehte er sich seitlich weg, auch wenn er dabei um ein Haar gest�rzt w�re. Er riss die Axt in seiner Linken hoch, doch die Elfin stand nun hinter ihm, und Malkorok wirbelte herum, bereit dazu, den Kampf von Neuem zu beginnen.</p><p>Da ert�nte pl�tzlich ein Horn. Doch es war kein Horn der Horde, daf�r klang es zu hell und melodi�s und fr�hlich. Die Mitglieder der Allianz, die noch gegen seine Krieger k�mpften, wirbelten sofort herum und rannten auf das offen stehende Stadttor zu. Blauhaar warf Malkorok noch ein h�hnisches Grinsen zu, und als er seine �xte auf die Stelle hinabsausen lie�, an der sie eben noch gestanden hatte, war sie bereits mit den anderen verschwunden.</p><p>Der Orc br�llte vor Verzweiflung und st�rmte ihr hinterher.</p><empty-line/><p>Es schien ein v�lliges Durcheinander zu sein, aber tats�chlich geschah alles genau nach Plan. Wie Jonathan vorhergesagt hatte, wollte die Horde Theramore von drei Seiten aus angreifen. Die Ger�uschkulisse war ohrenbet�ubend und be�ngstigend � das beinahe ununterbrochene Donnern von Kanonenfeuer, die Explosionen im Norden, das Klirren von Schwertern und das Schrillen von Kriegsschreien im Westen.</p><p>Jaina und Kinndy standen auf einem der Wehrg�nge, die den Blick nach Westen freigaben; zun�chst hatte Jaina vorgehabt, das Gnomenm�dchen an einem sicheren Ort einzuschlie�en, wo sie au�er Gefahr w�re, aber dann hatte sie doch erkannt, dass sie ihrem Lehrling dadurch keinen Gefallen t�te. Kinndy war hierhergekommen, um zu lernen, und es gab keinen besseren Weg, etwas �ber die Grauen des Krieges zu lernen, als sie aus erster Hand mitzuerleben. Nat�rlich beharrte sie darauf, dass das Gnomenm�dchen nicht von ihrer Seite wich, aber dennoch hatte Kinndy einen guten Blick auf das Schlachtenget�mmel unter ihnen.</p><p>Als das Horn erschallte, blickte Jaina ihre Sch�lerin an. �Mach dich bereit! Tu, was ich dir gesagt habe, und schlag zu, wenn ich es tue!� Kinndy nickte, musste aber hart schlucken, w�hrend Jaina die H�nde hob und auf den richtigen Zeitpunkt wartete. Dutzende Allianzstreiter rannten, so schnell sie konnten, auf die Stadt zu, der Sicherheit von Theramore entgegen. Die Pl�tzlichkeit und Geschwindigkeit des R�ckzugs hatte ihnen ein oder zwei wertvolle Sekunden verschafft, aber nun setzte ihnen die Horde nach.</p><p>Doch die Angreifer wurden bereits erwartet � von �ber zwei Dutzend Kriegsmaschinen.</p><p>�Jetzt!�, schrie Jaina. Sie, Kinndy und die anderen, die nicht mit Schwertern k�mpften, griffen alle gleichzeitig an. Gutturale Schreie erf�llten die Luft, als Tauren und Orcs, Goblins und Blutelfen, Verlassene und Trolle in Flammen aufgingen oder unter einem Hagel aus Pfeilen zu Boden gingen.</p><p>�Gut gemacht!�, rief Jaina. �Die Kriegsmaschinen werden sie f�rs Erste aufhalten, danach kommen wir wieder hierherauf. Los jetzt!�</p><p>Hastig rannte sie die Stufen zum Tor hinab. Beinahe alle Verteidiger der Allianz hatten es inzwischen heil ins Innere der Stadt geschafft, doch es gab noch ein paar Nachz�gler, deren Schritte durch ihre Wunden verlangsamt wurden � oder durch das Gewicht der Verletzten, die sie auf den Schultern trugen.</p><p>�Sie werden es nicht schaffen!�, keuchte Kinndy, ihre Augen weiteten sich so sehr, dass sie ganz rund wurden.</p><p>�Doch, das werden sie�, entgegnete Jaina, und betete, dass sie recht haben m�ge. Sie w�rden die Tore in wenigen Sekunden schlie�en m�ssen. <emphasis>Kommt schon, kommt schon</emphasis> �</p><p>Die letzten �berlebenden taumelten herein, und die Tore fielen mit einem widerhallenden Donnern hinter ihnen zu. Kinndy und Jaina eilten nach vorn und belegten diesen Eingang mit Schutzzaubern. Thoder Windermere schloss sich ihnen dabei an, und w�hrend sie ihre Beschw�rungen aufsagten, schien die Luft um die Torfl�gel einen Moment lang in einem bleichen blauen Glanz zu schimmern.</p><p>�Magier Thoder, bleibt mit Kinndy hier und behaltet das Tor im Auge! Verst�rkt es, sollte es dem Feind nachgeben!�</p><p>�Aber ��, setzte Kinndy zu einem Protest an. Jaina wandte sich zu ihr herum und sprach mit gehetzter, aber eindringlicher Stimme.</p><p>�Kinndy, falls dieses Tor f�llt, werden Dutzende � sogar Hunderte � Soldaten der Horde in die Stadt eindringen. Wir m�ssen es also so gut sichern wie nur irgend m�glich. Das ist vermutlich die wichtigste Aufgabe w�hrend dieser ganzen Schlacht. Du k�nntest unser aller Leben retten.� Dies straf zu. Falls das Tor fiel, w�rden die Verluste schrecklich sein.</p><p>Kinndy nickte, dann wandte sie ihren Kopf mit dem rosafarbenen Haar den Toren zu. Den Mund entschlossen zusammengekniffen, streckte sie die H�nde aus und unterst�tzte den Zauberer der Kirin Tor mit ihren eigenen F�higkeiten.</p><p>Jaina erkannte, dass die Magier eine wichtige Rolle in dieser Schlacht spielen w�rden, allerdings nicht so, wie sie es vielleicht vermutet h�tten. Dabei ging es nicht nur um die scheinbar so passive Verst�rkung der Tore; nein, auch jedes der Allianzschiffe vor dem Hafen hatte mindestens einen Magier an Bord, der sich im Umgang mit Feuerzaubern auskannte. Aubrey hatte erkl�rt, dass ein einziger gut platzierter Feuerball schon ausreichen k�nnte, um ein ganzes Schiff zu versenken, wenn er die Segel oder das h�lzerne Deck traf. Und so, wie es aussah, hatte der Admiral mit dieser Einsch�tzung recht gehabt.</p><p>Sie drehte sich um und eilte zu der Leidenden hin�ber, die als eine der Letzten in die Stadt gefl�chtet war. Die Elfin hatte eine klaffende Wunde an ihrem rechten Schenkel, lie� sich aber bereits von einer Priesterin behandeln, als die Lady Prachtmeer sie erreichte.</p><p>�Berichte!�, forderte Jaina ihre Leibw�chterin auf.</p><p>�Wir haben sie v�llig �berrumpelt�, sagte die Leidende mit einem aufrichtigen, aber grausamen L�cheln. �Genau, wie Jonathan vermutet hatte. Mindestens ein paar Dutzend von ihnen haben wir erschlagen und selbst nur eine Handvoll verloren. Jetzt nehmen die Kanonen sie unter Beschuss, das sollte sie zumindest f�r eine Weile aufhalten.�</p><p><emphasis>F�r eine Weile</emphasis>, dachte Jaina, <emphasis>aber nicht ewig</emphasis>.</p><p>Die Leidende nickte der Heilerin dankbar zu, und w�hrend sie aufstand und ihre R�stung wieder anlegte, fuhr sie fort: �Da ist ein Schwarzfelsorc bei ihnen. Seine R�stung kennzeichnet ihn als einen der Kor�kron. Und er kann wirklich k�mpfen.�</p><p>�Ein <emphasis>Schwarzfelsorc</emphasis>? Ist Garrosh denn so tief gesunken?�</p><p>Die Leidende zuckte mit den Schultern. �Mir ist vollkommen gleich, ob sie gr�n, braun, grau oder orange sind; solange sie die Heimat meiner Lady angreifen, werde ich sie alle t�ten.�</p><p>�Noch ist es ja nicht so weit�, sagte Jaina. �Aber ich f�rchte, es wird nur eine Frage der Zeit sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Schlacht ohne weitere Nahk�mpfe endet. Aber jetzt geh bitte erst einmal zu den Verwundeten und hilf dort, Leidende!�</p><p>�Ja, Mylady.�</p><p>Nun richtete Jaina ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Nordtor. Sprengspieler, der gnomische Zerst�rungsexperte mit dem passenden Namen, der all die wohlplatzierten Bomben gez�ndet hatte, stand ein paar Meter vor dem Eingang. Jaina l�chelte, als sie neben ihn trat.</p><p>�Eure Arbeit hat sich bezahlt gemacht, Sprengspieler�, sagte sie.</p><p>Mit betretener Miene blickte er zu ihr auf. �Ja�, brummte er, �aber es waren Hauptmann Wymor und die anderen, die daf�r gesorgt haben, dass die Krieger der Horde an der richtigen Stelle standen.�</p><p>Jainas Herz schlug schwerer. �Sie � sie sollten sich doch zur�ckziehen! Sie kannten den sicheren Fluchtweg!�</p><p>Der wei�haarige Sonnenh�scher hielt in seinen Bem�hungen, das Tor zu verst�rken, inne und blickte zu ihnen hin�ber. �Wymor und seine Soldaten sind geblieben�, erkl�rte er leise. �Das war eine wahrhaft heroische Geste. Viele unserer Feinde wurden in den Tod gerissen. Aber das h�lt die anderen nicht davon ab, ihren Angriff fortzusetzen.�</p><p>�Mylady�, rief ein Sp�hposten von der Mauer herab. �Der Magier Sonnenh�scher hat recht. Sie rennen einfach �ber die Leichen ihrer Gefallenen hinweg!�</p><p>�Sch�tzt weiter das Tor�, schrie Jaina, w�hrend sie bereits zum n�chsten Wehrgang hinaufrannte. Wie eine dunkle Woge brandete die Horde weiter auf die Stadt zu. Die Br�cke war in die Luft gesprengt worden, und Tr�mmerteile und Leichen trieben im Wasser, was einige der Hordek�mpfer aber nicht davon abhielt, auf die andere Seite zu schwimmen. Der Rest kletterte �ber die leblosen K�rper der Kameraden hinweg, so wie der Wachtposten berichtet hatte. Jaina hob die Arme und fl�sterte einen Zauberspruch.</p><p>Scharfe Eissplitter regneten auf die K�mpfer der Horde herab, und viele von ihnen gingen tot oder verletzt zu Boden. Mit einer weiteren Bewegung aus dem Handgelenk lie� Jaina mehrere �berlebende mitten in der Bewegung zu Eis erstarren, nur, um diese gefrorenen Statuen dann mit einem Feuerball zu zerschmettern. Die erste Welle der Gegner zog sich zur�ck, aber Jaina wiederholte die Zauber dennoch in regelm��igem, geradezu methodischem Rhythmus, und bei jeder ihrer Handbewegungen fiel mindestens ein Dutzend Gegner. Knapp au�erhalb ihrer Reichweite konnte sie die Gestalt eines Orcs sehen, der wild Befehle br�llte. Anhand der unverwechselbaren D�monenhauer, die ihm als Schulterpanzer dienten, erkannte sie ihn.</p><p>�Garrosh�, wisperte sie. Er h�tte die Explosion eigentlich nicht �berstehen d�rfen, die Wymor get�tet hatte � doch aus irgendeinem Grund lebte er noch, und obwohl er ihr leises Fl�stern unm�glich h�ren konnte, blickte er genau in diesem Moment nach oben, mitten in ihr Gesicht hinein. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem sp�ttischen Grinsen, dann hob er Blutschrei und deutete mit der Waffe auf sie.</p><empty-line/><p>Malkorok sch�umte vor Wut � Wut auf sich selbst, weil er nicht mit einem solchen Hinterhalt gerechnet hatte; Wut auf die Sp�her, weil sie die Angreifer nicht entdeckt hatten; Wut auf die Gener�le der Allianz, die sich diesen Plan ausgedacht hatten, und Wut auf ihre verfluchte Gerissenheit. Die erste Welle der getarnten Schurken, Druiden und J�ger samt ihrer tierischen Gef�hrten hatte viele Krieger der Horde das Leben gekostet, und das anschlie�ende Handgemenge hatte ihnen dann noch deutlich mehr Verluste eingebracht. Als w�re dies noch nicht genug, wurden sie jetzt von Kanonen und Ballisten unter Beschuss genommen, die Reihe um Reihe niederm�hten, als die Horde sich n�her an die Stadt heranzuarbeiten versuchte.</p><p>Er war eine andere Taktik n�tig, und so blies er in sein Horn, auf dass sich die Krieger zur�ckzogen. W�hrend die Heiler hektisch darangingen, die Verwundeten zu versorgen, gab Malkorok br�llend seine neuen Befehle aus.</p><p>�Gegen ihre Kriegsmaschinen haben wir keine Chance�, erkl�rte er, die Hand erhoben, um jeden w�tenden Protest im Keim zu ersticken. �Wir m�ssen diese Waffen ausschalten � oder die Kontrolle �ber sie gewinnen. Diejenigen von euch, die sich auf unbemerktes Schleichen und Morden verstehen � geht! Wir werden ihr Feuer auf uns ziehen. Schleicht euch in den R�cken dieser Allianzw�rmer, die sich feige hinter ihrem Ger�t verstecken, und rammt ihnen eure Messer zwischen die Rippen! Dreht dann ihre Kriegsmaschinen herum und setzt sie gegen Theramore selbst ein!�</p><p>Die zornigen Widerworte verwandelten sich in Jubelrufe, und auch Malkorok brummte zufrieden. Diese Strategie konnte gar nicht fehlgehen. Die Gener�le der Allianz mochten schlau sein, gewiss.</p><p>Aber er war es ebenfalls.</p><p>�F�r die Horde!�, br�llte er, und die anderen stimmten in den Ruf mit ein: �F�r die Horde! F�r die Horde! <emphasis>F�r die Horde!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Kalec flog �ber den Schiffen im Hafen dahin. Aus der Ferne sahen sie wie Spielzeuge aus � Spielzeuge, die Kanonen abfeuerten, in Flammen aufgingen und versanken. Doch die Verluste beschr�nkten sich nicht auf eine Seite; die Horde hatte ebenfalls erkannt, dass es ein Vorteil war, Magier an Bord zu haben, die feindliche Schiffe in Brand setzen konnten. Und auf mehr als einem der Kriegsschiffe der ber�hmten Siebten Flotte entfalteten sich Bl�ten aus rotem und goldenem Feuer. Der Drache jagte im Tiefflug �ber ihnen hinweg und erstickte die Flammen mit seinem eisigen Atem, wo er nur konnte, begleitet von den Jubelrufen der erleichterten Besatzungsmitglieder. Anschlie�end kr�mmte er seinen K�rper und wirbelte herum, bereit dazu, sich den Schiffen der Horde und der grimmigen Aufgabe zu stellen, nicht l�nger nur zu verteidigen, sondern auch anzugreifen. Der blaue Drache flog in die H�he, bis er direkt �ber einer kleinen Gruppe aus drei feindlichen Schiffen schwebte. Dann zog er die Fl�gel an den Leib und st�rzte auf sie hinab, so schnell, dass die Kanoniere ihn erst sahen, als es schon zu sp�t war, ihr Feuer noch auf ihn zu richten. In der letzten Sekunde breitete Kalecgos die Fl�gel wieder aus und hieb mit seinem Schwanz nach unten. Der Mast des mittleren Schiffes brach wie ein morscher Zweig entzwei, und w�hrend sich Kalec wieder in die H�he schraubte, sprach er einen Zauber, der Eissplitter auf die Feinde herabprasseln lie�, die gro� genug waren, um gewaltige L�cher in die Decks zu schlagen. Nun donnerten schlie�lich die Kanonen, aber Kalec war bereits au�er Reichweite.</p><p>Er flog zur�ck in die Richtung der Stadt, wohl wissend, dass die Schlacht auch dort in der Luft ausgetragen wurde. Als er eine Gruppe von Hordek�mpfern sah, die einer Handvoll gepanzerter Greife zusetzte, schwenkte er herum und st�rzte sich in den Kampf.</p><empty-line/><p>Die Horde hatte das Nordtor erreicht, und das furchterregende, gleichm��ige H�mmern eines Rammbocks mischte sich in die Ger�uschkulisse der Schlacht. Wie sie die Ramme bis vor die Stadtmauern geschafft hatten, war Jaina ein R�tsel � vermutlich, �berlegte sie, w�hrend sie zu dem Tor hastete, mussten mehrere Tauren das gewaltige Kriegswerkzeug auf ihre Schultern genommen haben und so durch den Sumpf gewatet sein, nachdem die Br�cke zerst�rt worden war.</p><p>Eigentlich wollte sie die Stufen zum Wehrgang wieder hinaufeilen, um denen, die bereits oben standen, mit m�glichst vielen magischen Angriffen zu helfen. Aber dann sah sie etwas, das sie zur�ckhielt: Die Torfl�gel erbebten unter den St��en des Rammbocks.</p><p>Eigentlich h�tten sie sich nicht r�hren d�rfen.</p><p>Vor allem nicht, da doch ein Mitglied der Kirin Tor sie mit einem steten Strom m�chtiger Zauberspr�che verst�rkte. Ein schrecklicher Gedanke schlich sich in ihren Kopf.</p><p><emphasis>Bumm! Bumm! Bumm!</emphasis></p><p>Die schweren Balken w�lbten sich unter dem Aufprall, und die Angeln und Metallstreifen �</p><p>Sie rollten sich zusammen �</p><p>Jaina wirbelte herum und schickte einen gewaltigen Sto� arkaner Energie direkt auf Thalen Sangweber.</p><p>In seinem Hochmut hatte er mit einem solchen Angriff nicht gerechnet und stolperte nun nach hinten. Doch einen Moment sp�ter hatte sich der Blutelf bereits wieder erholt und starrte Jaina an. Kurz hatte es den Anschein, als wollte er seine Unschuld bezeugen, aber dann zogen sich seine wei�en Augenbrauen zusammen, und er hob mit einem Schnauben die H�nde zum Himmel.</p><p>Nur, um pl�tzlich leblos in sich zusammenzubrechen. Die Leidende stand hinter ihm, in der Hand das Schwert, dessen Griff den Feind auf eine so wenig elegante, aber effektive Weise au�er Gefecht gesetzt hatte.</p><p>�Ich bin �berrascht, dass du ihn nicht get�tet hast�, sagte Jaina, als die beiden Frauen zu Sangweber hin�berrannten, um ihn an H�nden und F��en zu fesseln.</p><p>�Einen Verr�ter in der Hand zu haben, kann sich als n�tzlich erweisen�, bemerkte die Leidende. �Mit ein wenig Gl�ck � werden wir ihn �berreden k�nnen, alles auszuspucken, was er wei�.�</p><p>�Wir sind nicht der Scharlachrote Ansturm, Leidende�, mahnte Jaina, bevor sie Augen und Aufmerksamkeit wieder auf das Tor richtete. Aber zwei andere Magier, ein Mensch und ein Gnom, waren bereits vorgetreten, um es zu besch�tzen.</p><p>�Ich hoffe doch, es ist nicht geplant, ihn auf eine Tasse Tee einzuladen�, brummte die Leidende.</p><p>�Nein. Ich werde ihn Hauptmann Ebenstab �bergeben. Er und die anderen k�nnen ihn verh�ren, wenn sie gerade etwas Zeit haben.� Sie nickte ein paar Soldaten zu, die den bewusstlosen Blutelfen daraufhin fortschleiften. Es dauerte aber noch ein paar Sekunden, bis Jaina erkannte, dass Rhonin neben sie getreten war.</p><p>�Ich kann es nicht glauben�, murmelte er. �Ich habe mich pers�nlich daf�r eingesetzt, dass er mit uns kommt.�</p><p>�Ich bin sicher, Ihr seid nicht der Einzige, den er get�uscht hat�, meinte Jaina.</p><p>�Allerdings�, sagte Rhonin verbittert. �Das ist ein herber R�ckschlag f�r Aethas und sein Streben.�</p><p>�Glaubt Ihr, Thalen hat eigenm�chtig gehandelt?�</p><p>�Ja�, nickte Rhonin. �Denn w�rde ich es nicht glauben ��</p><p>Das Tor zersplitterte und fing Feuer, und dann st�rmte die Horde hindurch.</p><empty-line/><p>Kinndy zitterte vor Anstrengung, und das, obwohl sie von einem Kirin-Tor-Magier unterst�tzt wurde! Zuversichtlich l�chelte Thoder zu ihr herab, einen g�tigen Ausdruck auf seinem harten Gesicht. �Du schl�gst dich gut�, sagte er. �Da hat sich Lady Jaina einen hervorragenden Lehrling ausgesucht.�</p><p>�Es w�rde mir besser gehen, wenn ich nicht das Gef�hl h�tte, dass ich jeden Augenblick umkippen k�nnte�, murmelte das Gnomenm�dchen.</p><p>�Dann ruh dich ein wenig aus�, schlug Thoder vor. �Iss etwas. In ein paar Minuten wirst du wieder kr�ftiger sein. Solange kann ich das Tor auch allein halten.�</p><p>Kinndy nickte dankbar und stolperte davon. An die Steinwand gelehnt verschlang sie ein St�ck Brot und nahm mehrere gierige Schlucke Wasser. Dabei fragte sie sich, ob sie je auch nur ansatzweise so gut sein w�rde wie Thoder oder Lady Jaina. Das Gnomenm�dchen hatte voller Ehrfurcht beobachtet, wie Jaina Welle um Welle der heranst�rmenden Hordekrieger zur�ckgeschlagen hatte, und vor allem: Es schien ihr keinerlei M�he bereitet zu haben. W�hrend sie a�, wanderten Kinndys Gedanken zu den Ger�uschen der Schlacht hin�ber, die nur wenige Meter entfernt, auf der anderen Seite der Mauer tobte � und sie sp�rte, wie sie davor zur�ckschreckte. Sich ganz darauf konzentrieren zu k�nnen, das Tor zu befestigen, hatte sie mehr vom Grauen des Kampfes abgelenkt, als ihr �berhaupt klar geworden war. Von dieser Erkenntnis beunruhigt, richtete sie sich auf, und nachdem sie sich die Kr�mel vom Mund gewischt hatte, eilte sie zu Thoder zur�ck, um ihm bei seiner Aufgabe zu helfen.</p><p>Sie hatte ihn noch nicht ganz erreicht, da sah sie, wie sich die Holzbalken des Tores verbogen, und alles Blut wich aus ihrem Gesicht. Die Schlacht drau�en verlief nicht zu ihren Gunsten.</p><p><emphasis>Kinndy, falls dieses Tor f�llt, werden Dutzende � sogar Hunderte � Soldaten der Horde in die Stadt eindringen. Wir m�ssen es also so gut sichern wie nur irgend m�glich. Das ist vermutlich die wichtigste Aufgabe w�hrend dieser ganzen Schlacht. Du k�nntest unser aller Leben retten.</emphasis></p><p>Sie beschleunigte ihre Schritte w�hrend der letzten paar Meter noch weiter, und dabei streckte sie die Arme schon aus und murmelte einen Zauber. Dass das Zittern des Holzes daraufhin abebbte, erf�llte sie ebenso mit Stolz wie mit �berraschung.</p><p>�Die Horde ist durch das Tor gebrochen! Die Horde ist durch das Tor gebrochen!�</p><p>In einem kurzen Moment der Verwirrung dachte Kinndy: <emphasis>Nein, die Tore halten doch!</emphasis> Aber dann begriff sie. Die Magier am Nordtor hatten offensichtlich nicht so viel Erfolg gehabt wie sie hier.</p><empty-line/><p>In seiner ganzen Geschichte war Theramore selten Zeuge solcher Gewalt geworden. Die Horde str�mte durch das Tor wie eine Woge durch eine L�cke im Deich.</p><p>Dass die Angreifer fr�her oder sp�ter in die Stadt eindringen w�rden, sei es nun, indem sie einen Eingang st�rmten oder �ber die Mauer kletterten, war von vornherein erwartet worden, und so hatten die Verteidiger entsprechende Vorbereitungen getroffen. Womit allerdings niemand gerechnet hatte, war, dass es in den Reihen der Kirin Tor einen Verr�ter geben k�nnte. Die Schlacht verlagerte sich viel zu fr�h ins Innere von Theramore, und die Soldaten der Allianz, die in einem solchen Fall die Eindringlinge im Nahkampf binden sollten, erholten sich noch von ihren fr�heren Verletzungen.</p><p>Ein altes Sprichwort besagte, das Gener�le Kriege aus dem Hintergrund planten, w�hrend andere darin k�mpften und starben. Von diesen Gener�len konnte man das jedoch sicher nicht behaupten. Ohne auch nur einen Moment zu z�gern, st�rmten Jonathan, Rotm�hne, Machthieb, Shandris und Tiras�alan in die Bresche, in voller R�stung und bewaffnet, damit sich die K�mpfer der Horde nicht nur unerfahrenen Soldaten gegen�bersahen, sondern auch einigen der besten Krieger, die die Allianz je hervorgebracht hatte.</p><empty-line/><p>Kalecgos flog �ber Theramore dahin, um zu beobachten, wie sich die Schlacht entwickelte und wo man ihn am meisten brauchte. Als er sah, wie die Horde in die Stadt dr�ngte, ging er sofort zum Angriff �ber. Er hauchte ihnen eine Wolke aus Frost entgegen, um ihre Bewegungen zu verlangsamen. Dann stieg er wieder in die H�he, wendete und setzte zu einem zweiten Sturzflug an.</p><p>Als er diesmal in die Stadt hinabeilte, griff er mit seiner vorderen Klaue nach Jaina und trug sie darauf mit sich in die L�fte empor � nicht, um sie aus dem Schlachtgeschehen fortzurei�en, sondern damit sie die ganze Lage aus dem Blickwinkel eines Drachen betrachten konnte.</p><p>�Wo braucht Ihr mich am dringendsten?�, fragte er. �Und wo m�sst Ihr sein?�</p><p>Sie schien im Griff seiner riesigen Vorderpranke vollkommen entspannt, w�hrend sie, die H�nde auf einer seiner gewaltigen Klauen ruhend, nach unten sp�hte. Die Windst��e seiner Fl�gel wirbelten ihr das Haar ins Gesicht.</p><p>�Das Nordtor!�, rief sie. �Die meisten von ihnen sind noch immer vor der Stadt � wir m�ssen verhindern, dass noch mehr hereingelangen! Kalec � k�nnt Ihr ein paar B�ume und Felsbl�cke herbeischaffen, um den Eingang zu versperren, und dann daf�r sorgen, dass die Horde vor den Toren bleibt? K�nntet Ihr sie vielleicht sogar zur�ckdr�ngen?�</p><p>�Ich werde einen Weg finden�, versprach er. �Und Ihr?�</p><p>�Setzt mich oben auf dem Dach der Zitadelle ab�, wies sie ihn an. �Von dort kann ich fast alles �berblicken und die Horde angreifen, ohne mich selbst zum Ziel zu machen.�</p><p>�Aber was ist mit den Feinden, die aus der Luft kommen?�, warnte Kalec.</p><p>�Ich wei�, es ist ein Risiko, aber daran k�nnen wir jetzt nichts �ndern. Beeilt Euch, bitte!�</p><p>Sogleich nahm der Drache Kurs auf die Zitadelle, und dort angekommen setzte er Jaina mit gr��ter Behutsamkeit auf dem Dach ab. Sie dankte es ihm mit einem herzlichen L�cheln, als Kalec sich dann aber wieder in die H�he emporschwingen wollte, streckte sie die Hand aus, um ihn zur�ckzuhalten.</p><p>�Kalec, wartet! Ihr m�sst wissen � Garrosh ist bei den Truppen am Nordtor! Falls wir ihn gefangen nehmen k�nnten ��</p><p>�K�nnten wir diesen Krieg hier und heute beenden�, erg�nzte er den Satz. �Ich verstehe.�</p><p>�Versperrt den Zugang durch das Tor � dann versucht, Garrosh zu finden!�</p><p>Er nickte, flog steil nach oben und wendete dann, um seinen frostigen Atem noch einmal �ber die Krieger der Horde am Nordtor zu ergie�en, bevor er in Richtung Sumpf davonflog.</p><empty-line/><p>Von ihrem neuen Standort aus konnte Jaina die ganze Stadt sehen. Sie richtete ihren Blick auf den Hafen. Es schien, als st�nden sich die Fraktionen dort ebenb�rtig gegen�ber; sie ersp�hte sowohl Schiffe der Horde als auch der Allianz, die in hellen Flammen standen, au�erdem flatterten �ber mehreren halb versunkenen Wracks klagend die Fahnen beider Seiten. Das Westtor schien zu halten, und bei diesem Gedanken durchstr�mte Jaina ein tiefer Stolz auf Kinndy. Zudem dr�ngten sich mehrere J�ger, Magier, Hexenmeister und andere, die sich auf den Fernkampf verstanden, auf den Wehrg�ngen in der N�he dieses Eingangs.</p><p>Nun richtete sie ihren Blick nach Norden, und dabei empfand sie sowohl Bedauern als auch Entschlossenheit. Verteidiger und Angreifer k�mpften dort auf engstem Raum, sie w�rde also ganz genau zielen m�ssen, um die Feinde zu verwunden oder zu t�ten, ohne dabei auch Mitglieder der Allianz in Mitleidenschaft zu ziehen.</p><p>Als sie Baine entdeckte, sp�rte sie einen schmerzhaften Stich. Der Taurenh�uptling war gerade in einen Kampf mit der Leidenden verstrickt, aber Jaina erkannte, dass sie es nicht �ber sich brachte, ihn anzugreifen, zumindest nicht, solange es andere Feinde gab, um die sie sich k�mmern konnte. Und, beim Licht, es herrschte wahrlich kein Mangel an Zielen � Untote, die mit ihren halb verrotteten Armen Schwerter schwangen; h�nenhafte Orcs; flinke Goblins; wundersch�ne Sin�dorei, die sich mit der Grazie von T�nzern bewegten.</p><p>Sie konzentrierte sich auf einen Orcschamanen, dessen dunkle Kleidung aber mehr an einen Hexenmeister erinnerte; es bestand jedenfalls keinerlei �hnlichkeit mit den angenehmen, nat�rlichen Farben, die Go�el getragen hatte. Jaina murmelte einen Zauberspruch, und Dornen aus Eis prasselten auf den Schamanen hernieder. Sie durchbohrten seine schwarzen Roben wie Dolche, und noch w�hrend er fiel, suchte Jaina � traurig, aber ohne innezuhalten � nach einem neuen Ziel.</p><empty-line/><p>Als er das Donnern h�rte, mit dem der erste Felsbrocken vor dem zerst�rten Tor landete, erkannte Vol�jin alarmiert, dass Garroshs Plan wom�glich einen Fehler hatte. Einen gro�en Fehler.</p><p>Mit vielen anderen seiner Krieger stand er im Hof jenseits des Tores und nutzte seine Verbindung zu den Loa, um seinen Br�dern und Schwestern zu helfen. So wand sich beispielsweise gerade eine zischende Schlangenwache vor einigen Mitgliedern der Horde und schirmte sie vor der Allianz ab. Doch als der Felsen dann aufprallte, wirbelte der Troll kurzzeitig abgelenkt herum.</p><p>Vol�jin fluchte in seiner Muttersprache und blickte sich um. Baine k�mpfte an Garroshs Seite. Die blauhaarige Nachtelfin, die ihm gegen�berstand, schien ihm einen guten Kampf zu liefern. Mehrere Verteidiger der Allianz, unter ihnen auch zwei Zwerge in formell wirkender R�stung, st�rmten derweil auf Garrosh ein. Vor ein paar Sekunden war der blaue Drache �ber ihnen vorbeigeflogen; nun war die Kreatur wieder da � und offenbar hatte sie vor, das Tor erneut zu verschlie�en.</p><p>Vol�jin k�mpfte sich zu Garrosh und Baine durch, dann br�llte er auf Orcisch gegen den L�rm an, der ihn umgab. �Der Drache versucht, uns hier drin� einzusperr�n!�</p><p>Baines lange Ohren zuckten nach vorn, anschlie�end trieb der Oberh�uptling seine Gegnerin gekonnt zur�ck, damit auch er sehen konnte, was Vol�jin meinte. Seine Augen weiteten sich, aber da st�rzte sich auch schon wieder die Elfin auf ihn. Baine konnte seinen Streitkolben noch rechtzeitig hochrei�en und sie von sich fortsto�en, aber sie rollte sich sofort wieder aus dem Sturz heraus und auf die Beine. Rasch setzte Vol�jin die Schlangenwache auf sie an, damit der Taure einen Moment lang Atem sch�pfen konnte. �Garrosh!�, schrie Baine. �Sie wollen uns den R�ckweg abschneiden!�</p><p>Der Kriegsh�uptling grunzte und riskierte einen kurzen Blick �ber die Schulter. Merkw�rdigerweise schien er nicht wirklich besorgt zu sein. �Also gut. R�ckzug, meine Horde! Lasst euch zu euren Br�dern zur�ckfallen!�</p><p>Gerade als das Hornsignal gegeben wurde, st�rzte ein gewaltiger Baumstamm neben den Felsen. Ein Schamane musste die Hilfe der Elemente beschw�ren, damit der Gesteinsbrocken ein St�ck zur Seite rollte und der Spalt breiter wurde. Die Mitglieder der Horde, die eben noch so eifrig in die Stadt gest�rmt waren, verlie�en sie nun hastigen Schrittes wieder, und die Allianz tat alles in ihrer Macht Stehende, um ihre Flucht zu unterbinden. Mit neuer Vehemenz drangen sie im Nahkampf auf ihre Feinde ein, w�hrend andere das zerst�rte Tor fast ebenso schnell wieder blockierten, wie die Horde es zuvor niedergerissen hatte.</p><p>Obwohl er sich noch immer der Angriffe der hartn�ckigen Nachtelfin erwehren musste, blieb Baine ein wenig hinter den anderen zur�ck, um seinen Kriegern mehr Zeit f�r ihre Flucht zu verschaffen. Vol�jin rief die Trolle zur�ck, doch es war offensichtlich, dass ihr Blutdurst inzwischen fast �berm�chtig geworden war und sie nur h�chst ungern von ihren Gegnern ablie�en. Garrosh eilte merkw�rdigerweise ohne Umschweife nach drau�en, und nur einmal hielt er inne, um jenen zuzurufen, die ihm nicht gleich folgten.</p><p>�Baine!�, schrie er. �Zieh dich sofort zur�ck! Ich habe keine Lust, eine Befreiungsmission zu starten, nur, um dein stinkendes Fell zu retten!�</p><p>Mit einem lauten Br�llen zwang Baine die Nachtelfin, sich zu ducken, dann hieb er ein letztes Mal mit seinem Streitkolben nach ihr und st�rmte durch die immer schmaler werdende L�cke vor der T�r nach drau�en.</p><empty-line/><p>Sie zogen sich zur�ck! Einmal mehr hallte der tiefe Klang der H�rner durch die Luft, und ihr Lied begleitete nicht nur den R�ckzug der Angreifer aus dem Norden, als sie zur�ck in den Sumpf fl�chteten, sondern auch den R�ckzug der Hordetruppen im Westen, die sich ebenfalls eilends in Sicherheit brachten.</p><p>Jaina wandte sich herum, da sie sehen wollte, ob derselbe Befehl auch auf den Schiffen im Hafen gegeben worden war. Es hatte ganz den Anschein � noch w�hrend sie hinsah, ein wenig zitternd, als die Spannung von ihr abfiel, segelten die verbliebenen Schiffe der Horde aufs offene Meer hinaus. Die Siebte Flotte versuchte nicht, sie zu verfolgen � ohne Zweifel auf Admiral Aubreys Befehl hin.</p><p>Jaina atmete lang gezogen aus, und als ein gewaltiger Schatten die Sonne verdeckte, hob sie den Kopf. Kalecgos schwebte �ber ihr, und nach einem kurzen Moment ging er tiefer und hielt ihr seine Vorderklaue hin. Bereitwillig kletterte sie zwischen seine Krallen.</p><p>�Wir haben gewonnen, Kalec!�, rief sie. �Wir haben gewonnen!�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>�Er ist verschwunden!�, schnappte die Leidende. �Dieser verfluchte Verr�ter Sangweber � er ist verschwunden! Den Berichten zufolge hat ihn eine kleine Gruppe der Horde befreit, als sie in die Stadt eingedrungen sind!�</p><p>�Ich werde ein paar Schildwachen mitnehmen und nach ihnen suchen�, erkl�rte Shandris. �Sie d�rfen nicht entkommen.�</p><p>�Allerdings nicht�, meinte Vereesa. �Ich werde nicht zulassen, dass ein Blutelf der Horde Einzelheiten �ber uns preisgibt. Sucht Ihr auf der n�rdlichen Stra�e nach Sangweber, ich und ein paar andere werden uns im Westen umsehen.� Sie wandte sich an Rhonin. �Ich denke, wir werden bald zur�ck sein.�</p><p>�Ich w�rde dir ja sagen, dass du auf dich achtgeben sollst, meine Liebe, aber das wei�t du bereits�, sagte der Erzmagier. Die beiden sahen v�llig ersch�pft aus; Vereesa war mit Blut verschmiert, das gl�cklicherweise nicht ihr eigenes war, und Rhonin wirkte so geschw�cht, als k�nnte ihn ein Windsto� von den Beinen fegen. Dennoch kannten sie beide ihre Pflichten, und nichts konnte sie davon abbringen, ihnen gerecht zu werden.</p><p>Anschlie�end umarmten sie einander und k�ssten sich, ganz so vertraut wie Liebende, die den K�rper des anderen genau kennen. Der Kuss war z�rtlich, dauerte aber nicht besonders lange.</p><p>�Ruh dich aus, falls du kannst�, murmelte Vereesa, und als Rhonin nur schnaubte, grinste sie. �Ich sagte doch: <emphasis>falls du kannst</emphasis>.�</p><p>�Ich werde es versuchen. Es gibt viele Verwundete, aber selbst diejenigen unter uns, die keine Heilzauber beherrschen, um eine arme Seele zu retten, verstehen es, einen Verband anzulegen.�</p><p>�Genau darum liebe ich dich so�, fl�sterte sie. �Ich werde bald zur�ck sein, Geliebter.� Shandris und ihre Schildwachen waren bereits durch das Nordtor verschwunden, und nun stiegen auch Vereesas Krieger in die S�ttel. Kurze Zeit mussten sie noch warten, w�hrend die Waldl�uferin selbst zu einem neuen Pferd hin�bereilte, dann schwang sie sich mit leichtf��iger Eleganz auf den R�cken des Tieres und ritt voran in Richtung Westtor, ohne noch einmal zu den anderen zur�ckzublicken. Rhonin hatte allerdings auch nicht damit gerechnet. Seine Frau hatte sich verabschiedet, und nun widmete sie sich ganz ihren Pflichten. Es wurde Zeit, dass er dasselbe tat.</p><empty-line/><p>Bereits w�hrend jener ersten Momente, als die Erkenntnis, dass sie gewonnen hatten, gerade noch in ihr Bewusstsein sickerte, galt Jainas dr�ngendste Sorge wie immer ihrem Volk. Sie sprach kurz mit Jonathan, der ihr den neuesten Bericht �ber ihre Verteidigungslinie lieferte. Die schwersten Verluste hatten offenbar die Greifstaffeln und die anderen fliegenden Besch�tzer von Theramore erlitten. Aber er versicherte ihr, dass die Seem�nner der gesamten Siebten Flotte an Land k�men, um den Verwundeten zu helfen.</p><p>�Glaubt Ihr, sie werden zur�ckkommen?�, fragte Jaina.</p><p>�Ich bezweifle es. Sie haben viele Krieger verloren und werden Zeit brauchen, um sie neu zu formieren. Davon abgesehen haben wir ja einen Drachen f�r den Fall, dass sie mehr als nur Bodentruppen schicken.�</p><p>Bei diesen Worten musste Jaina l�cheln. �Dann lasst uns jetzt denen helfen, die Hilfe brauchen�, sagte sie. Ein kurzer Blick zeigte ihr, dass sich auch die anderen Gener�le der Verwundeten annahmen. Inzwischen setzten die J�ger ihre tierischen Gef�hrten darauf an, zwischen den Tr�mmern nach �berlebenden zu suchen, und noch w�hrend Jaina sie beobachtete, wurden zwei Menschen unter Haufen aus Stein und Holz hervorgezogen. Sie waren verwundet, doch sie lebten � und l�chelten.</p><p>Doktor Van Howzen hob den Kopf, als sie die Krankenstube betrat. �Lady Jaina�, sagte er, �k�nntet Ihr bitte drei Schritte nach hinten machen?�</p><p>Rasch tat sie, wie ihr gehei�en, und zwei Soldaten, die einen dritten auf einer Bahre trugen, eilten an ihr vorbei. Die Krankenstube quoll �ber vor Patienten, aber das Geb�ude machte noch immer einen stabilen Eindruck, auch wenn man durch ein gro�es Loch in der Decke den blauen Himmel sehen konnte. �Was braucht Ihr, Doktor?�, fragte Jaina.</p><p>�Wir m�ssen auch auf dem Hof Verwundete unterbringen�, erkl�rte er. �Und sagt den erfahrensten Heilern, sie sollen hierherkommen � zu mir. Wir k�nnen ihre Hilfe jetzt brauchen. Alle anderen w�rden jetzt vermutlich nur im Weg herumstehen.�</p><p>Jaina nickte rasch, woraufhin Van Howzen einen blutigen Finger auf sie richtete. �Und was Euch und die anderen Magier angeht, Ihr solltet etwas essen. Ich m�chte Euch nicht auch noch behandeln m�ssen. Diese Soldaten hier brauchen mich dringender als Ihr.�</p><p>Sie l�chelte schwach. �Habe verstanden.� Anschlie�end drehte sie sich um und ging wieder nach drau�en, darauf bedacht, den Helfern aus dem Weg zu gehen, die mit Verwundeten in die Krankenstube eilten. Sie zauberte etwas Brot und Wasser herbei, eine einfache Beschw�rung, um ihre ersch�pften Energiereserven wieder ein wenig aufzuf�llen, und zwang sich zu essen, obwohl sie gerade jetzt alles andere als hungrig war.</p><p>Sie hatten gewonnen, dachte Jaina traurig, w�hrend sie sich umblickte, aber der Preis war hoch gewesen. All die Greifen und Hippogryphen waren mitsamt ihren Reitern get�tet worden, und ihre pelzigen oder federbedeckten Leichen lagen noch immer dort, wo sie in die Stadt herabgest�rzt waren, durchbohrt von Pfeilen oder versengt durch Zauber, ihre Horste zerst�rt von den Eindringlingen der Horde, die auch Sangweber befreit hatten. Diese Tiere waren jedoch nicht die einzigen, die heute ihren Tod gefunden hatten; die Kadaver riesiger Flederm�use, Drachenfalken und l�wenartiger Wyvern lagen ebenfalls zerschmettert auf den Stra�en von Theramore.</p><p>Jaina erblickte eine kleine Gestalt, die ziellos durch die Ruinen irrte, wo sich einst das Gasthaus befunden hatte. Rasch lief sie zu Kinndy hin�ber, erleichtert, dass ihre Sch�lerin den Kampf �berlebt hatte. Aber als das Gnomenm�dchen den Kopf hob, versetzte ihr Gesichtsausdruck Jainas Herz einen schmerzhaften Stich.</p><p>Kinndy war totenblass, selbst aus ihren Lippen schien das Blut gewichen. Ihre Augen waren riesig, aber trocken. Jaina streckte die Hand aus und streichelte tr�stend ihr wirres rosafarbenes Haar.</p><p>�Ich dachte, ich w�sste � wie es werden w�rde�, sagte das Gnomenm�dchen leise. Dass diese sanfte, leise Stimme einst freche Witze mit Tervosh ausgetauscht oder einen Drachen beleidigt hatte, war in diesem Augenblick kaum zu glauben.</p><p>�Du kannst alle B�cher der Welt lesen, Kinndy, aber niemand wei� wirklich, wie sich eine Schlacht anf�hlt, bis er in einer gek�mpft hat�, erkl�rte Jaina.</p><p>�Ihr � ging es Euch denn genauso?�</p><p>Sie dachte an ihre erste Begegnung mit den auferstandenen Toten in jenem Gebiet zur�ck, das unter dem Namen Pestl�nder bekannt werden sollte, und die Erinnerungen sp�lten �ber sie hinweg, viel lebhafter, als ihr lieb war: wie sie in eines der Bauernh�user gegangen war und den �belkeiterregend s��en Geruch der Verwesung gerochen hatte; wie das schlurfende Wesen, das einmal ein lebender Mensch gewesen war, gekreischt hatte, als es sich auf sie st�rzte; wie sie sich mit einem Feuerball verteidigt und dem widerlichen Gestank dadurch noch den Geruch verkohlten Fleisches hinzugef�gt hatte. Sie hatte das Bauernhaus niedergebrannt und damit noch weitere der lebenden Leichen in den wahren Tod geschickt. Diese Schlacht war nat�rlich ganz anders gewesen als die heutige, gleichzeitig aber doch auch sehr vergleichbar. Soweit es Jaina betraf, war ohnehin alles dasselbe, was Gewalt und T�ten und Get�tetwerden beinhaltete. Selbst jetzt noch sp�rte sie bei der Erinnerung ein Kribbeln, wie die Ber�hrung einer Knochenhand. Sie schauderte.</p><p>�Ja�, sagte sie dann, �mir ging es genauso!�</p><p>�Gew�hnt man sich daran � so etwas zu sehen?� Kinndy breitete die kurzen Arme aus und deutete auf die Leichen, die auf dem Boden ringsum verstreut lagen. �Gew�hnt man sich daran, Leute, die vor ein paar Stunden noch quicklebendig und wohlauf waren � pl�tzlich <emphasis>so</emphasis> zu sehen?�</p><p>Ihre Stimme kippte bei den letzten Worten, und Jaina war erleichtert, als jetzt endlich Tr�nen in die Augen des Gnomenm�dchens traten. Trauern zu k�nnen war der erste Schritt auf dem Weg zur Heilung, wenn man ein solches Grauen miterlebt hatte.</p><p>�Nein, daran gew�hnt man sich nie�, sagte Jaina. �Es tut jedes Mal aufs Neue weh. Aber das Gef�hl der Hoffnungslosigkeit verblasst, und man erkennt, dass man nach einem solchen Erlebnis trotzdem weitermachen kann. Man erkennt, dass diejenigen, die man verloren hat, wollen w�rden, dass man weitermacht. Du wirst lernen, wieder zu lachen, dankbar zu sein und das Leben zu genie�en, aber du wirst nie vergessen, was hier geschehen ist.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass ich je wieder lachen kann�, entgegnete Kinndy, und fast wollte Jaina ihr glauben. �Warum ich, Lady? Warum habe ich denn �berlebt und all die anderen nicht?�</p><p>�Die Antwort darauf werden wir nie erfahren. Alles, was wir tun k�nnen, ist, diejenigen zu ehren, die nicht mehr hier sind, indem wir unser Leben bis zum Letzten auskosten. Wir m�ssen daf�r sorgen, dass sie nicht umsonst gestorben sind. Denk daran, wie sehr deine Eltern dich lieben, und wie dankbar sie sein werden, dass du noch lebst!� Sie schenkte ihrer Sch�lerin ein schmales L�cheln, aber auch Melancholie schwang darin mit. �Denk daran, wie dankbar <emphasis>ich</emphasis> bin, dass du noch lebst!�</p><p>Das Gnomenm�dchen blickte forschend zu ihr hoch, dann huschte auch �ber ihre blassen Lippen das Phantom eines L�chelns, und Jaina sp�rte, wie sich ein weiterer Knoten in ihrem Magen l�ste. Kinndy war stark. Sie w�rde sich erholen.</p><p>Sie brach ein St�ck Brot ab und hielt es dem M�dchen hin. �Du hast dich gut geschlagen, Kinndy. Du hast mir und deinen Eltern gro�e Ehre gemacht.�</p><p>Jaina wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber ganz sicher nicht das, was nun geschah. Kinndy, diese besserwisserische, schnippische, unabh�ngige Kinndy, lie� das St�ck Brot auf den blutgetr�nkten Boden fallen, drehte sich zu ihrer Lehrerin herum und schlang die Arme fest um sie, w�hrend sie schluchzte, als w�rde ihr Herz zerbrechen.</p><p>Jaina lie� den traurigen Blick ihrer blauen Augen noch einmal �ber die Folgen der Schlacht schweifen, dann kniete sie sich hin und nahm ihre Sch�lerin fest in den Arm.</p><empty-line/><p>Von all den Rassen, die der Horde ihre Treue geschworen hatten, waren die Tauren ganz ohne Zweifel eine der friedliebendsten. Standhaft und charakterfest, wie sie auftraten, konnte man sie nur schwer ver�rgern, daf�r umso leichter beschwichtigen. Doch wenn ein Taure einmal einen Grund fand, w�tend und emp�rt zu sein, dann tat man gut daran, ihm aus dem Weg zu gehen.</p><p>Die Reihe der Hordesoldaten teilte sich hastig, als Baine zwischen ihnen hindurchstampfte.</p><p>Mit schweren, zornigen Schritten ging er nach vorn, sein Schwanz peitschte hin und her, die Ohren waren dicht an seinen Kopf angelegt. Er bat nicht um eine Audienz beim Kriegsh�uptling, sondern forderte br�llend sein Recht darauf ein, so wie sein Vater es vor ihm getan hatte.</p><p>�Garrosh!� Der Ruf des sonst so besonnenen Bullen brachte jede andere Unterhaltung in der N�he zum Verstummen und lie� zahlreiche K�pfe herumrucken. Gefolgt von Hamuul Runentotem und Vol�jin marschierte Baine zum westlichen Rand der Br�cke, die �ber die Bucht der D�stermarschen f�hrte, hin zu der Stelle, wo der Kriegsh�uptling mit vor der Brust verschr�nkten Armen stand und nach Theramore blickte. Garrosh drehte sich nicht um, als Baine seinen Namen br�llte. Ohne an die Folgen zu denken, die das f�r ihn haben k�nnte, packte der Taure den Orc am Arm und wirbelte ihn zu sich herum, sodass er ihm ins Gesicht sehen musste. Noch im selben Augenblick st�rmten die Kor�kron herbei, Malkorok nat�rlich an vorderster Front, aber Garrosh sch�ttelte den Kopf, bevor einer von ihnen den w�tenden Tauren niederstrecken konnte.</p><p>Baine grollte vor unb�ndigem Zorn und rieb dem Kriegsh�uptling ein St�ck blutgetr�nkten Stoffes ins Gesicht. Das entlockte dem Orc schlie�lich eine Regung; er riss Baine den Fetzen aus der Hand und zischte ihn an.</p><p>�Das ist das Blut eines jungen Tauren, der starb, als er Eure Befehle befolgte! Befehle, wegen denen nun viel zu viele in diesen schlammigen Wassern treiben und steif werden! Und wir haben nichts erreicht!�, bellte Baine. �Sein Blut ist ein passenderer Schmuck f�r dich als diese T�towierungen, Garrosh!�</p><p>Malkorok trat vor und stie� den h�nenhaften Bullen so heftig zur�ck, dass Baine tats�chlich einen Schritt nach hinten stolperte. Dann packte der Schwarzfelsorc seine H�nde und begann sie brutal zu verdrehen. Dass ihm zwei Finger fehlten, verringerte nicht die Kraft seines Griffes. Da sagte Garrosh, der sich inzwischen das Blut vom Gesicht gewischt hatte: �Lass ihn los, Malkorok!�</p><p>Einen Moment lang schien es, als ignorierte der Orc diesen direkten Befehl, aber dann l�ste er schlie�lich doch seinen Griff, wenn auch mit sichtlichem Widerwillen. Nachdem er vor Baine auf den Boden gespuckt hatte, trat er zur�ck.</p><p>Garrosh musterte den Tauren, und dann � Baine konnte es kaum glauben � fing er zu lachen an, ein zun�chst tiefer, langsamer, grollender Laut der Belustigung, der dann aber zu einem lauten Wiehern anschwoll, das �ber das Wasser hallte. �Du dummer Ochse�, sagte er schlie�lich, noch immer prustend, w�hrend er sich Baine zuwandte. Sein ausgestreckter Arm deutete auf Theramore. �Der Moment unseres Sieges ist gekommen!�</p><p>Baine starrte ihn an. Hinter ihm fand Vol�jin als Erster die Stimme wieder. �Wovon bei all�n Geistern sprecht Ihr da? Wir hab�n verlor�n, mein Freund! Und nich� nur verlor�n � es war ein Desaster!�</p><p>�Desaster�, wiederholte Garrosh, wobei er das Wort dehnte, als wollte er es sich auf der Zunge zergehen lassen. �Nein, da irrst du dich. Ihr seid alle so w�tend gewesen, weil ich euch bei der Nordwacht warten lie�. Ihr habt geheime Treffen abgehalten. Und ihr habt euch beschwert, immer und immer und immer wieder. Ihr habt nicht auf meine Weisheit vertraut. Auf meine Pl�ne. Und jetzt, sagt mir, was hat meine Entscheidung zu warten uns gebracht?�</p><p>�Eine Niederlage.� Runentotem spuckte das Wort aus, als w�re es S�ure.</p><p>Noch einmal lachte Garrosh dieses unerkl�rliche und unpassende Lachen, das nur noch mehr �l ins Feuer von Baines Zorn und Trauer sch�ttete. Erneut musste er an all jene denken, die er verloren hatte, ohne dass ihr Tod einem h�heren Ziel gedient h�tte, als Garrosh H�llschreis Selbstsucht zu befriedigen. Doch bevor Baine das aussprechen konnte, schwand der belustigte Ausdruck vom Gesicht des Orcs, und er richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf.</p><p>�Seht, was mit jenen geschieht, die es wagen, sich gegen den Willen des Kriegsh�uptlings der Horde zu stellen!�</p><p>Wie um Baines Verwirrung noch zu vergr��ern, schwenkte H�llschreis Arm herum, fort von Theramore und dem Hafen, wo die Wracks der versunkenen Hordeschiffe lagen. Stattdessen deutete er nun nach oben.</p><p>Erst jetzt fiel Baine das surrende, summende Ger�usch auf. So �berw�ltigt, wie er von seinem Schmerz und seiner Wut gewesen war, war ihm bislang gar nicht aufgefallen, dass er und die anderen gegen diesen Laut angebr�llt hatten. Doch nun kam das Ger�usch n�her, und Baine sp�rte, wie es seine Knochen zum Vibrieren brachte. Weit in der Ferne, jenseits des Hafens, flog etwas dahin und kam schnell n�her. In den vergangenen Kriegen h�tte man es sofort f�r einen Drachen gehalten, doch war es keiner � es war eine riesige Himmelsgaleone der Goblins, an deren Unterseite man einen gro�en, runden Gegenstand befestigt hatte. So unerwartet war dieser Anblick, dass es ein paar Augenblicke dauerte, bis Baine �berhaupt erkannte, was er da eigentlich anstarrte.</p><p>Doch dann begriff er, und seine Augen weiteten sich vor Grauen.</p><p>Inzwischen fuhr Garrosh mit seiner Ansprache fort, auch wenn er schreien musste, um �berhaupt noch geh�rt zu werden. �Wir haben gewartet. Auf meinen Befehl hin haben wir gewartet. Wir haben gewartet, bis beinahe die vollst�ndige Siebte Flotte im Hafen von Theramore einlief. Wir haben gewartet, bis die gr��ten Gener�le der Allianz � unter ihnen sogar Marcus Jonathan und Shandris Mondfeder � herbeieilten, um der armen Lady Jaina mit ihren besten Soldaten und ihren brillanten Strategien zur Seite zu stehen. Wir haben gewartet, bis Kalecgos vom blauen Drachenschwarm hierherkam und bis f�nf Mitglieder der Kirin Tor einschlie�lich ihres Anf�hrers Rhonin dazukamen. Schiffe und Soldaten, Magier und Gener�le, alles in einer Stadt. Alles in Theramore. Wir warfen uns gegen die Tore, die unser Freund Thalen Sangweber schon f�r uns geschw�cht hatte � und seine Loyalit�t hat sich bezahlt gemacht. W�hrend die Allianz ihre ganze Aufmerksamkeit auf uns richtete, konnte eine kleine Gruppe unbemerkt in Theramore eindringen. Sie sollten dort gleich zweierlei Aufgaben erf�llen � zum einen Thalen befreien und zum anderen die Luftverteidigung der Allianz verkr�ppeln. Und jetzt � ist die Zeit des Wartens endg�ltig vorbei!�</p><empty-line/><p>Kalec hatte das Gef�hl, jede Rasse habe ihre eigene Art, die Gefallenen zu ehren. Manchmal diktierte die gnadenlose Notwendigkeit zwar, dass die Bed�rfnisse der Lebenden Vorrang vor denen der Toten haben mussten, sodass man die Rituale verschob und die Verstorbenen auf eine oberfl�chlichere Form bestattete, als die Trauer der Hinterbliebenen es eigentlich gebot. Doch hier und heute gab es keinen Grund, aufgrund von Zweckm��igkeit ein Massengrab auszuheben oder einen Scheiterhaufen zu errichten. Hier und jetzt war genug Zeit und ausreichend Platz, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Kalec half den �berlebenden der Schlacht von Theramore dabei, die zerschmetterten K�rper vom Boden zu heben, sie zu identifizieren und auf Karren zu laden. Sp�ter sollten sie gebadet und in Eisenr�stungen gekleidet werden, welche die grausigen Schnitte in ihrem Fleisch verbargen. Und dann w�rde es eine formelle Zeremonie geben, bevor man die Toten schlie�lich auf dem Friedhof vor der Stadt zur letzten Ruhe bettete.</p><p>Der blaue Drache empfand gleichzeitig tiefe Melancholie und eine Art ernster Freude. Sie hatten den Angriff der Horde zur�ckgeschlagen. Er hatte �berlebt, und Jaina ebenfalls. Es w�rde �</p><p>Pl�tzlich zog sich ihm das Herz in der Brust zusammen. Er blieb taumelnd stehen und musste sich an der Wand abst�tzen, um nicht den K�rper des toten Soldaten fallen zu lassen, den er auf den Armen trug.</p><p>W�hrend der Schlacht hatte die Pr�senz der Fokussierenden Aura am Rande seines Bewusstseins geflackert. Er hatte bef�rchtet, sie w�re vielleicht der Horde in die H�nde gefallen, doch dann war das Artefakt irgendwo im S�den zur Ruhe gekommen, und Kalec hatte beschlossen, ihm vorerst keine weitere Beachtung zu schenken. Stattdessen wollte er sich ganz auf den Kampf konzentrieren.</p><p>Nun bewegte sich die Iris wieder, rasend schnell.</p><p>Und sie bewegte sich nach Nordwesten. Auf Theramore zu.</p><p>Hastig, aber dennoch behutsam, legte Kalec den Leichnam, den er trug, auf den Karren, dann rannte er los, um Jaina zu suchen.</p><empty-line/><p>Sie k�mmerte sich um die Verletzten, deren Wunden noch nicht behandelt worden waren, und Kalecgos fand sie auf dem Platz gegen�ber der Zitadelle, wo fr�her einmal Rekruten mit ihren Ausbildern den Kampf ge�bt hatten. Jaina schritt zwischen den Liegenden herum und brachte einige von ihnen durch Portale in Sicherheit. Mehrere Soldaten, die auf dieselbe Weise hierhergelangt waren � sie geh�rten jedenfalls ganz augenscheinlich nicht zu den Wachen von Theramore � halfen ihr bei dieser Aufgabe. Wohin man die Verwundeten brachte, wusste Kalec nicht; vielleicht nach Sturmwind oder nach Eisenschmiede � jede gro�e Stadt, die tiefer im Territorium der Allianz lag, w�re ein sicherer Ort als Theramore.</p><p>Doch noch w�hrend er auf sie zueilte, schien etwas fehlzugehen. Das Portal erschien zwar, brach aber noch im selben Augenblick wieder in sich zusammen. Jaina runzelte die Stirn, sodass wieder jene kleine Falte zwischen ihre Brauen trat, die so charakteristisch f�r sie war. �Irgendetwas blockiert die Portale�, h�rte er sie zu einem ihrer Assistenten sagen.</p><p>Schlie�lich wandte sie sich mit m�dem, aber l�chelndem Gesicht zu Kalec herum und streckte ihm die Hand entgegen. �Kalec, was ist los? Stimmt etwas nicht?�</p><p>�Die Fokussierende Iris�, antwortete er. �Sie ist auf dem Weg hierher. Jetzt in diesem Moment.� Er sp�rte, wie Furcht seine Kehle zuzuschn�ren drohte, schluckte sie jedoch hinunter.</p><p>�Aber wie kann das sein? Hat die Horde die Iris? Das ergibt keinen Sinn, Kalec. Falls sie das Artefakt gestohlen haben, warum haben sie es dann nicht gleich gegen uns eingesetzt?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, sodass seine blauschwarzen Locken wild hin und her wirbelten. �Ich wei� es nicht�, gestand er, und in diesem Moment wurde ihm klar, dass seine Furcht genau daher r�hrte. Weil er nicht wusste, nicht verstand, <emphasis>warum</emphasis>.</p><p>Die Falte grub sich tiefer in Jainas Stirn. �Vielleicht ist das der Grund, warum die Portale nicht mehr funktionieren�, �berlegte sie, dann wandte sie sich an ihre Freunde. �Vielleicht verursacht die Fokussierende Iris St�rungen � oder die Horde hat einen anderen Weg gefunden, die Portale zu beeinflussen, einen Trick, den wir nicht kennen. Bitte � geht und sucht Rhonin! Bringt ihn her! Vielleicht k�nnen wir ein Portal trotz dieses st�renden Feldes gemeinsam lange genug offen halten.�</p><p>Sie nickten und eilten davon, w�hrend Jaina sich wieder Kalecgos zuwandte. �Wo ist sie jetzt?�</p><p>�Ich kann sie nicht genau orten. Aber sie kommt n�her. Ich muss sie finden. Falls die Horde sie als Waffe einsetzt �� Er brachte es nicht �ber sich, den Satz zu beenden. Mehr als alles andere wollte er Jaina in diesem Moment in seine Arme schlie�en und sie k�ssen. Aber er verbot sich, dieses Risiko einzugehen.</p><p>Er wagte es nicht einmal, ihr einen Abschiedskuss zu geben.</p><p>Jaina kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, was gleich geschehen w�rde. Und so machte sie hastig ein paar Schritte zur�ck. Eilends, aber auf die Sicherheit der Verwundeten bedacht, die ringsum auf dem Boden lagen, verwandelte er sich in seine Drachenform und schnellte in den Himmel empor. Nach einem fast senkrechten Steigflug drehte er sich dem Hafen zu � und der Fokussierenden Iris.</p><p>Er konnte nur hoffen, dass es nicht zu sp�t war.</p><empty-line/><p>Rhonin half gerade bei der Suche nach �berlebenden und durchk�mmte die Tr�mmer, die einmal die Burg gewesen waren, in der er, Jaina und die anderen ihre Strategie f�r die Schlacht ausgearbeitet hatten. Mit einem Ohr lauschte er den Worten der f�nf Gestalten, die Jaina geschickt hatte, und w�hrend sie ihm mit zunehmender Panik Bericht erstatteten, setzte er in seinem Kopf die Teile des Puzzles zusammen. Falls Kalec das Nahen der Fokussierenden Iris sp�rte, waren sie in gr��erer Gefahr, als er bislang geahnt hatte. Rhonin zweifelte nicht daran, dass Garrosh und die anderen einen Weg gefunden hatten, sie alle zu �berrumpeln � einschlie�lich Kalecgos, und ja, auch einschlie�lich seiner selbst. Es war also doch die Horde gewesen, die das Artefakt gestohlen hatte, und sobald Garrosh die unglaubliche Macht der Iris erst fest in seinen H�nden hielte, g�be es sprichw�rtlich nichts, was er nicht damit tun k�nnte.</p><p>Ein Ger�usch lenkte ihn von seinen Gedanken ab; zun�chst war es noch leise, doch dann nahm es rasch an Lautst�rke zu � ein surrendes, hackendes, mechanisches Ger�usch. Rhonin hob den Kopf, und einen Augenblick lang blieb sein Herz stehen.</p><p>Eine Himmelsgaleone der Goblins kam aus dem S�dosten auf die Stadt zu. Ihre unverwechselbare Silhouette verriet das Luftschiff, doch au�erdem sah es aus, als w�re etwas unter seinen Bug geschnallt, etwas, das sich nur nach und nach aus den Schatten hervorsch�lte. Doch dann �nderte die Galeone ihren Kurs um ein paar Grad, und Rhonin sah diesen Gegenstand im nachmitt�glichen Sonnenlicht aufblitzen.</p><p>Eine Manabombe.</p><p>Die Blutelfen hatten diese verteufelten Waffen ersonnen � Bomben, mit purer, arkaner Magie gef�llt, die in Sekundenschnelle t�teten. Es gab sie in den verschiedensten Gr��en, aber Rhonin hatte bislang nur Modelle gesehen, die ungef�hr so gro� wie Menschen waren. Dieser Sprengk�rper, der so zerbrechlich wirkte wie ein Glasfasergespinst, erstreckte sich hingegen fast unter der gesamten L�nge der Galeone. Und falls er sich wirklich aus der Fokussierenden Iris speiste �</p><p><emphasis>Vereesa</emphasis> �</p><p>Trotz des Grauens, das von ihm Besitz ergriffen hatte, sp�rte er einen Schauder der Erleichterung. Vereesa war schon l�ngst nach Westen unterwegs, und noch hatten sie keine Nachricht erhalten, dass die Suchmannschaften umgekehrt waren. Sie befand sich also au�erhalb des Sprengradius. Seine Frau war in Sicherheit.</p><p>Das hie�: je nachdem, wo die Horde die Bombe abwerfen w�rde.</p><p>Er wandte sich Jainas Boten zu, die noch immer auf seine Antwort warteten. �Ja, bitte sagt Lady Jaina, dass ich eine Art aktives Hemmfeld aufgesp�rt habe! Darum funktionieren die Portale nicht. Sagt ihr auch, dass ich sie im obersten Raum des Turmes erwarte! Und sie soll sich beeilen.�</p><p>Sie eilten davon, um seine Nachricht zu �berbringen, und auch Rhonin z�gerte nicht l�nger. Er rannte auf den vereinbarten Treffpunkt zu, w�hrend die Gedanken durch seinen Kopf rasten. Der Turm war durch allerlei Abwehrzauber gesch�tzt worden, eine standhafte Festung, ideal, wenn ein solcher Angriff drohte. Es k�nnte funktionieren � aber viele, viele Faktoren mussten da zusammenspielen.</p><p>Nun, dachte Rhonin, dann w�rde er eben daf�r sorgen m�ssen, dass sie es auch taten.</p><empty-line/><p><emphasis>Eine Manabombe!</emphasis></p><p>Kalecs Gedanken �berschlugen sich, als er erkannte, wobei es sich bei dieser so tr�gerisch harmlos wirkenden Kugel tats�chlich handelte. Daf�r hatten die Diebe der Horde die Iris also gestohlen! Niemals h�tte er es f�r m�glich gehalten, dass man eine so gewaltige Bombe bauen k�nnte. Wenn sie explodierte, w�rde Theramore f�rmlich dem Erdboden gleichgemacht werden.</p><p>Es sei denn, sie explodierte noch in der Luft �</p><p>Nat�rlich war das ein Selbstmordunternehmen, und einen kurzen Moment lang sp�rte Kalec einen scharfen stechenden Schmerz, als er sich vorstellte, dass er niemals wieder die anderen blauen Drachen sehen w�rde, allen voran Kirygosa, die er so liebgewonnen hatte; und auch Jaina Prachtmeer w�rde er nicht wieder zu Gesicht bekommen. Doch nur durch dieses Man�ver konnte er Jaina und ihr Volk noch retten. Falls sein Leben der Preis f�r das ihre war, dann war es eigentlich gar keine so schwere Entscheidung. Er hatte mit ansehen m�ssen, wie Anveena sich selbst opferte � er k�nnte es nicht ertragen, wenn noch jemand starb, den er liebte, obwohl er etwas dagegen unternehmen konnte.</p><p>Er war ein Drache � doch das Luftschiff der Goblins w�rde vermutlich schwer bewaffnet sein, sowohl mit Magiern als auch mit herk�mmlichen Waffen. Sein Angriff durfte also nicht nur auf blo�er Gewalt beruhen, sondern musste gut durchdacht sein. Ein paar wertvolle Sekunden schwebte er auf der Stelle und versuchte abzusch�tzen, was ihm die Feinde entgegenschleudern w�rden, doch diese Denkpause wurde j�h unterbrochen, als drei Kanonen das Feuer auf ihn er�ffneten.</p><empty-line/><p>Jaina war verwirrt und mehr als nur ein wenig aufgebracht, dass Rhonin ausgerechnet jetzt auf einem Treffen beharrte. Die Verwundeten, die eigentlich durch die Portale in Sicherheit gebracht werden sollten, waren doch noch hier � was wollte sie da im Innern des Turms? Dennoch taten sie und ihre Assistenten, worum der Erzmagier sie gebeten hatte, und rannten auf das Bauwerk zu. Rhonin wartete bereits an der Spitze des Turmes auf sie, und als sie eintraten, stie� er eines der mit Glasmalereien verzierten Fenster auf und deutete zum Himmel hinauf. Jaina keuchte.</p><p>�Ist das die Fokussierende Iris?�</p><p>�Ja�, best�tigte Rhonin. �Sie speist die gr��te Manabombe, die je erbaut wurde. Darum haben sie dieses Hemmfeld �ber Theramore geworfen � damit niemand entkommen kann.� Er drehte sich zu ihr herum. �Ich kann die Energie der Bombe umleiten. Aber zun�chst m�sst Ihr mir helfen � ich schaffe es, das Hemmfeld lange genug zur�ckzudr�ngen, um diese Leute in Sicherheit zu bringen.�</p><p>Jaina lie� den Blick �ber ihre unersch�tterlichen Begleiter schweifen. �Worauf warten wir dann noch?�</p><p>Rhonin murmelte eine Beschw�rung, und seine Finger flatterten, w�hrend er sich konzentrierte. Anschlie�end nickte er Jaina zu. Sie stimmte den Zauber an, der das Portal �ffnete, aber was sie darin sah, verwirrte sie. Eigentlich hatte sie vorgehabt, die Verwundeten direkt nach Sturmwind zu transportieren, doch statt wie erwartet die gro�e Stadt aus Stein zu erblicken, gab es da nur eine Insel auf der anderen Seite. Sie war kaum mehr als ein gro�er Felsen, wie sie das Gro�e Meer zu Dutzenden sprenkelten. �berrascht drehte sie sich zu Rhonin herum.</p><p>�Warum leitet Ihr mein Portal um?�</p><p>�Das verbraucht � weniger Energie�, �chzte der Magier. Schwei�tropfen standen auf seiner Haut und klebten ihm das rote Haar an die Stirn.</p><p>Seine Argumentation ergab keinerlei Sinn, aber als sie den Mund �ffnete, schnappte er: �Diskutiert jetzt nicht mit mir! Geht � geht einfach hindurch! Ihr alle!�</p><p>Jainas Begleiter gehorchten und rannten durch das wirbelnde Portal, doch Jaina z�gerte noch. Irgendetwas stimmte hier nicht. Warum war er �</p><p>�Ihr k�nnt die Bombe nicht entsch�rfen! Ihr wollt hier sterben!�</p><p>�Haltet den Mund! Und geht durch das Portal! Ich muss die Galeone hierherziehen, <emphasis>genau hierher</emphasis>, um Vereesa und Shandris zu retten, und � so viele andere, wie ich nur kann. Die Mauern dieses Turmes sind mit Magie durchtr�nkt. Ich sollte die Explosion eind�mmen k�nnen. Seid nicht dumm, Jaina! Geht doch!�</p><p>Voller Grauen starrte sie ihn an. �Nein! Ich kann nicht zulassen, dass Ihr das tut! Ihr habt eine Familie. Ihr seid der Anf�hrer der Kirin Tor!�</p><p>Seine Augen, die er geschlossen hatte, um sich besser zu konzentrieren, klappten bei diesen Worten auf, und er starrte sie gleicherma�en w�tend wie bittend an. Sein K�rper zitterte unter der Anstrengung, das Portal offen zu halten und das Hemmfeld zu blockieren.</p><p>�Und Ihr seid die <emphasis>Zukunft</emphasis> der Kirin Tor!�</p><p>�Nein! Das bin ich nicht! Theramore ist meine Stadt. Ich muss hierbleiben und sie verteidigen!�</p><p>�Jaina, falls Ihr nicht bald durch das Portal schreitet, werden wir beide sterben. Dann werden meine Bem�hungen, diese verfluchte Bombe hierherzuziehen, damit sie nicht im Herzen der Stadt detoniert, umsonst gewesen sein. Ist es das, was Ihr wollt? <emphasis>Ist es das, ja?</emphasis>�</p><p>Nat�rlich nicht. Doch sie konnte nicht danebenstehen und zulassen, dass er sich f�r sie opferte. �Ich werde Euch hier nicht allein lassen!�, rief sie, wirbelte dann herum und sah zu der Bombe hin�ber. �Vielleicht k�nnen wir gemeinsam die Explosion verhindern!� Sie musste schreien, um sich �ber den L�rm der Himmelsgaleone verst�ndlich zu machen. Sie kam immer n�her, und wie Jaina nun entdeckte, schwirrten mehrere kleine fliegende Gestalten um das Luftschiff herum.</p><p>Und eine gro�e.</p><p><emphasis>Kalec</emphasis>!</p><empty-line/><p>Sofort faltete Kalec die Schwingen zusammen und lie� sich wie ein Stein fallen. Dennoch verfehlten ihn die Kanonenkugeln nur knapp. Rasch schlug er wieder mit den Fl�geln und schraubte sich von unten auf die Galeone zu, seine Augen fest auf die Manabombe fixiert. Er riss den Rachen auf, um das Ding einzufrieren und es dann zu zerschmettern. Die folgende Explosion w�rde ihn nat�rlich t�ten, ebenso wie die Goblins, die den Sprengk�rper transportieren. Doch das wenige an Restenergie, das sich dann noch �ber Theramore ergie�en k�nnte, richtete gewiss nur leichten Schaden an. Die Stadt � und Jaina � w�rden �berleben.</p><p>Da durchzuckte ihn ein scharfer Schmerz. Er hielt inne und wirbelte herum, seinem Widersacher entgegen. Es war ein Verlassener auf einer riesigen Fledermaus. Seine Stangenwaffe hatte Kalec dort getroffen, wo sein Vorderbein vom K�rper abknickte � eine der wenigen Stellen, wo sein Leib nicht durch dicke Schuppen gesch�tzt war. Die Waffe hatte sich tief ins Fleisch des Drachen gebohrt. Als er sich so abrupt herumgedreht hatte, hatte er dem Verlassenen die Waffe aus der Hand gerissen, und nun folgte Kalecs Vergeltung in Gestalt eines instinktiven Schwanzschlages, der die Fledermaus samt ihrem Reiter vom Himmel fegte.</p><p>Die Galeone war inzwischen tiefer gegangen, sodass ihn die nach oben gerichteten Kanonen wieder im Visier hatten. Kalec versuchte noch, zur Seite wegzutauchen, aber da wurde er pl�tzlich von Dutzenden Windreitern attackiert. Einen Augenblick sp�ter erklang auch schon lauter Donner, und diesmal konnte der Drache den Kanonenkugeln nicht ausweichen.</p><empty-line/><p>Jaina schrie auf, als sie sah, wie Kalecgos vom Himmel fiel. Im selben Moment warf die Galeone ihre Fracht ab.</p><p>Sie w�rde niemals mit Gewissheit sagen k�nnen, was anschlie�end wirklich geschah. Sie sp�rte, dass man sie auf das noch immer wirbelnde Portal zuschob und -zerrte, registrierte, dass sie protestierend schrie und sich zu befreien versuchte. Und als sie dann den Hals streckte, um �ber die Schulter zu blicken, da sah sie die H�lle.</p><p>Die Welt wurde ganz und gar wei�, der Turm explodierte, und Rhonins K�rper, der hoch aufgerichtet vor ihr stand, die Arme ausgebreitet, w�hrend er seinem Schicksal trotzig entgegenblickte, verwandelte sich in eine violette Silhouette. Den Bruchteil eines Herzschlages schien er in dieser Haltung erstarrt, dann explodierte er in einer Wolke azurblauer Asche. Als das Wabern des Portals sie umschloss und sie immer weiter und weiter fortgezerrt wurde, konnte sie auch die violette Sturmflut arkaner Energie sehen, die �ber Theramore hinwegbrandete. Schreie, ausgesto�en infolge eines umfassenden, endlosen Grauens, marterten ihre Ohren, und danach � konnte sie sich an nichts mehr erinnern.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Baine war ein Krieger. Seine Augen hatten mehr von den Schrecken des Krieges in Augenschein genommen, als die meisten verkraftet h�tten. Er hatte D�rfer und Festungen und sogar seine Heimatstadt Donnerfels in Flammen gesehen, hatte K�mpfen beigewohnt, die mit Magie ausgetragen wurden, und solchen, in denen Klingen und Feuer und Muskeln �ber Sieg oder Niederlage entschieden. Er wusste, dass Zauber ebenso t�dlich und brutal sein konnten wie die Wirkung von Eisen. Seine Stimme hatte den Befehl zum Angriff gegeben, und seine beiden H�nde hatten viele Leben genommen. Doch das �</p><p>Der Nachthimmel war hier kein schwarzer Hintergrund vor dem tr�ben orangefarbenen Leuchten der Flammen, die Geb�ude und Fleisch verschlangen, auch wenn einige H�user w�hrend der vorherigen Schlacht tats�chlich Feuer gefangen hatten. Nein, heute war die Nacht von einem violetten Gl�hen erf�llt, das �ber der Stadt hing und dabei beinahe anheimelnd wirkte, etwa so wie Sonnenlicht auf Schnee. Oberhalb dieses tr�gerisch fr�hlich wirkenden Leuchtens brannte der Himmel sein eigenes Feuerwerk ab. Grelle Blitzkeile zuckten in allen Farben des Regenbogens durch die Schw�rze, und hier und da schienen diese gezackten Lichtstreifen in der Luft zu verharren, sich zu winden und zu drehen, nur um dann doch zu verschwinden und an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Die Horde war nahe genug gekommen, dass man das Donnern und Knistern h�ren konnte, als das Gewebe der Realit�t zahllose Male auseinandergerissen und anschlie�end wieder zusammengen�ht wurde. W�hrend sich das farbenpr�chtige Spektakel �ber den Himmel ausbreitete, musste Baine unwillk�rlich an ein Naturschauspiel denken, das er selbst schon in Nordrend gesehen hatte. Nordlichter nannte man es, und so, wie ihn damals Ehrfurcht erf�llt hatte, erf�llte ihn auch jetzt Ehrfurcht, wenngleich sie mit fassungsloser, beinahe schon k�rperlich �belkeiterregender Abscheu vermischt war.</p><p>Der sanfte violette Glanz k�ndete von der Decke arkaner Energie, die sich auf Theramore gelegt hatte, und die Blutelfen, die die Manabombe eigens f�r diese Schlacht konstruiert hatten, standen nun bei den anderen Hordek�mpfern, die Garroshs Plan bejubelten, und feierten die Verw�stung. Ihre Waffe war �ber einer ganzen Stadt explodiert und hatte deren Einwohnern und Bauwerken nicht einfach nur Schaden zugef�gt, sondern sie vollst�ndig ausgel�scht. Baine hatte schon zu oft gesehen, wie Freund und Feind Angriffen mit arkaner Magie zum Opfer fielen, um nun bei diesem Anblick irgendetwas anderes empfinden zu k�nnen als puren Zorn. Die Menschen, die die Explosion erfasst hatte, waren davongeschleudert worden, w�hrend die Magie sie Blutstropfen f�r Blutstropfen verzerrte und verwandelte. Auch die Geb�ude waren von innen heraus ver�ndert worden. So gewaltig, wie die Explosion gewesen war, hatte Baine keinen Zweifel, dass jede Kreatur, jeder Grashalm, jede Handvoll Erde dort dr�ben nun tot war � oder dass Schlimmeres geschehen war.</p><p>Hinzu kam: Die grausige Magie schien sich nicht zu verfl�chtigen. Baine kannte sich nicht mit Zaubern aus, darum konnte er auch nicht sagen, wie lange dieses unheimliche violette Gl�hen wohl noch �ber der Stadt und den Gefallenen h�ngen w�rde, als w�re es ein Banner f�r Garroshs eiskalt kalkulierte Grausamkeit. Doch er war sicher, dass es sehr lange dauern w�rde, bis Theramore wieder bewohnbar w�re.</p><p>Tr�nen rannen an seiner Schnauze hinab, und er machte keine Anstalten, sie fortzuwischen. Rings um ihn dr�ngten sich Gruppen von Kriegern, die jubelten. Als er sich aber umblickte, entdeckte er im Schein dieses unheimlichen, arkanen Gl�hens auch Gesichter, die ebenso schockiert und angewidert wirkten wie sein eigenes. Was war mit dem Kriegsh�uptling geschehen, der gesagt hatte: �Ehre � ganz gleich, wie hoffnungslos die Schlacht auch ist, bewahrt stets eure Ehre!�? Wo war der Kriegsh�uptling, der einen anderen Orc, Oberanf�hrer Krom�gar, von einer Klippe in den Tod geschleudert hatte, nachdem dieser eine Bombe �ber unschuldigen Druiden abgeworfen und nichts als einen Krater zur�ckgelassen hatte? Die Parallelen waren geradezu unheimlich und trafen Baine bis ins Mark. Garrosh hatte sich von einem Anf�hrer, der solche Morde verurteilte, in einen Anf�hrer verwandelt, der solche Morde beging.</p><p>�Sieg!�, gellte der Kriegsh�uptling, der auf den h�chsten H�gelkamm einer kleinen Insel im Kanal geklettert war. Er hielt Blutschrei in die H�he, und die scharfe Klinge der Waffe blitzte im violetten Licht �ber den versammelten Kriegern der Horde. �Zuerst habe ich Euch eine glorreiche Schlacht geschenkt, in der wir die Feste Nordwacht f�r uns eingenommen haben, dann habe ich eure Geduld auf die Probe gestellt, damit wir anschlie�end einen noch ehrenvolleren Kampf f�hren konnten � gegen die besten K�mpfer und die kl�gsten K�pfe der Allianz. Jeder von euch kann sich nun einen Veteran aus der Schlacht gegen Jaina Prachtmeer nennen, aus der Schlacht gegen Rhonin, aus der Schlacht gegen General Marcus Jonathan und Shandris Mondfeder! Und um unseren Sieg vollkommen zu machen, habe ich direkt unter der Nase der besten Magier dieser <emphasis>Welt</emphasis> ein Artefakt geraubt. Ein Artefakt, das m�chtig genug ist, eine ganze Stadt zu zerst�ren!�</p><p>Er deutete auf Theramore, als w�rden seine Krieger nicht bereits alle wie gebannt auf dieses Bild unvorstellbarer Zerst�rung starren. �Seht, was wir heraufbeschworen haben! <emphasis>Seht die Pracht der Horde!</emphasis>�</p><p>Fiel es denn niemandem auf? Baine konnte es nicht verstehen. So viele, so unglaublich viele, schienen sich am Anblick der toten Stadt zu erg�tzen, wo nun zahllose Tote lagen, die auf die schrecklichste und schmerzhafteste vorstellbare Weise ums Leben gekommen waren. Dabei schien sich die Horde nicht im Geringsten daran zu st�ren, dass man sie belogen und in eine Schlacht gegen Theramore gef�hrt hatte, obwohl Garrosh von Anfang an �ber die n�tigen Mittel verf�gt hatte, um diesen Kampf zu gewinnen, ohne dass auch nur einer seiner Krieger zu Schaden kam. Baine war nicht sicher, was ihn mehr anwiderte.</p><p>Der Jubel klang ohrenbet�ubend. Garrosh drehte sich herum, und dabei fing er Baines Blick auf. Eine ganze Weile starrte er ihn an, aber Baine wandte nicht die Augen ab, und schlie�lich verzog der Kriegsh�uptling die Lippen zu einem h�hnischen Grinsen, bevor er auf den Boden spuckte und davonstapfte. Die Woge der Triumphschreie folgte ihm.</p><p>Malkorok blieb jedoch noch auf dem Kamm stehen, und nach einer kurzen Weile fing er zu lachen an. Es begann leise und tief und verwandelte sich dann in ein wahnsinniges Gackern. Baines empfindliche Ohren klingelten ob dieses irren Gel�chters, ob der Rufe, die das verursachte Leid bejubelten � und ob der Ger�usche, die er nur in seinem Kopf h�rte. Es waren die Ger�usche einer ganzen Stadt, die vor Qualen aufschrie, bevor die Faust der Vernichtung gnadenlos auf sie herabsauste.</p><p>Baine Bluthuf konnte diesen L�rm nicht l�nger ertragen, ebenso wenig, wie er seinen Selbsthass noch weiter aushielt, weil er trotz allen Z�gerns und aller Unwissenheit Teil dieser Zerst�rung war. Der Oberh�uptling der Tauren presste sich die H�nde auf die Ohren, drehte sich um und suchte in der feuchten W�rme des Sumpfes wenigstens nach der Illusion von Ruhe.</p><empty-line/><p>Der Morgen hatte keine Gnade mit den Ruinen von Theramore.</p><p>Ohne den Schleier der Dunkelheit war die schreckliche Verw�stung nur allzu deutlich zu sehen. Rauch kr�uselte von den gr��tenteils bereits erloschenen Feuern empor, und die arkanen Anomalien, die w�hrend der Nacht noch f�r ein Lichtspektakel gesorgt hatten, entpuppten sich nun als Beweise geborstener Realit�ten und Dimensionen. Hie und da konnte man sogar in andere Welten blicken. Felsen und Erdbrocken, die aus dem Boden gesprengt worden waren, schwebten in der Luft, allerdings auch H�usertr�mmer und Waffen. Selbst Leichen drehten sich tr�ge �ber dem Boden, als w�ren es groteske Puppen, die im Wasser trieben. Das st�ndige Knistern und Donnern lie� auch jetzt keine Sekunde nach.</p><p>Ghargas Blick schweifte �ber die Stadt, und seine Brust schwoll vor Stolz dar�ber an, dass er an dieser Schlacht beteiligt gewesen war. Gewiss wurden bereits Lok�tras �ber den glorreichen Kampf gegen die Allianz verfasst. Angeblich gab es zwar auch kritische Stimmen, die im Fl�sterton Garroshs Entscheidungen infrage stellten � und Ger�chten zufolge stammten die meisten von ihnen aus den Reihen der Tauren und Trolle. Aber zumindest seine Orcs schienen ebenso erfreut �ber den Ausgang der Schlacht wie er, und auch das machte ihn stolz.</p><p>Er wartete auf der Br�cke, w�hrend der Bote von Kriegsh�uptling H�llschrei in einem Ruderboot zur <emphasis>Blut und Donner</emphasis> her�bergebracht wurde. Als die Gestalt dann in dem kleinen Boot aufstand und beh�nde die Strickleiter hinaufkletterte, erkannte Gharga, dass es nicht nur irgendein Orc war, sondern einer von Garroshs elit�ren Kor�kron. Und in diesem Augenblick streckte der Kapit�n seine Brust stolz noch weiter vor.</p><p>Der Kor�kron salutierte vor ihm. �Kapit�n Gharga�, sagte er. �Der Tag bricht �ber den Ruinen von Theramore an, und ich habe zwei Nachrichten f�r dich.� Keiner der beiden Orcs konnte sich ein L�cheln verkneifen, als sie einander anblickten. �Eines ist eine pers�nliche Botschaft von Kriegsh�uptling Garrosh, das andere sind deine neuen Befehle. Du, Kapit�n, wirst w�hrend der n�chsten Phase der Eroberung von Kalimdor eine entscheidende Rolle spielen.�</p><p>Ghargas Augen leuchteten vor Vergn�gen, aber davon abgesehen lie� er sich nichts anmerken, als er den Kopf h�flich neigte. �Ich lebe nur, um dem Kriegsh�uptling und der Horde zu dienen.�</p><p>�So sieht es in der Tat aus, und diese Art von Loyalit�t bleibt nicht unbemerkt. Ich habe Anweisung, hier zu warten, w�hrend du deine Befehle durchliest, und dann mit deiner Antwort zu Garrosh zur�ckzukehren.�</p><p>Gharga nickte und entrollte die zweite Schriftrolle. Als seine Augen die kurze Nachricht �berflogen, konnte er seine Freude nicht l�nger zur�ckhalten. Garrosh war kein Gro�maul, hinter dessen Worten nur hei�e Luft steckte. Er hatte sein Versprechen gehalten und Theramore zerst�rt, und zwar auf eine Weise, so dramatisch und unglaublich, dass selbst seine treuesten Gefolgsleute davon �berw�ltigt waren. Die Flotte der Horde, die nun im Hafen der Stadt versammelt war, sollte wieder auf das Meer hinaussegeln und eine Blockade um den Kontinent bilden. Sie w�rden nicht nur verhindern, dass jemand Verst�rkung nach Theramore schickte, nein, denn dann w�rde auch Lor�danel von jeder Hilfe abgeschnitten werden, ebenso wie die Mondfederfeste, Rut�theran und die Azurmythosinsel.</p><p>Ghargas erste Station w�rde die Mondfederfeste sein. Von dort aus sollte er seine schnellsten Boten nach Orgrimmar schicken, damit auch die Orcs in der Hauptstadt erfuhren, dass der Triumph der Horde alle Vorstellungen gesprengt hatte. Sie sollten au�erdem daf�r sorgen, dass bis zu Garroshs R�ckkehr die gr��te Siegesfeier vorbereitet wurde, die es je im Reich der Horde gegeben hatte.</p><p>Nachdem er die Schriftrolle wieder aufgerollt hatte, sagte er voller Zuversicht: �Melde deinem Kriegsh�uptling, dass ich seine Befehle verstanden habe! Die Flotte wird binnen Stundenfrist lossegeln, um sie zu befolgen. Ich bin sicher, dass � wenn ich die Nachricht in Orgrimmar verk�nde � Garrosh den Jubel noch hier wird h�ren k�nnen.�</p><empty-line/><p>Das Erste, was Jaina registrierte, als sie das Bewusstsein wiedererlangte, war der Schmerz. Sie konnte sich zwar nicht daran erinnern, warum ihr alles wehtat, aber jeder Tropfen Blut, jeder Muskel, jeder Nerv und jeder Millimeter Haut schien in eisigen Flammen zu stehen. Die Augen noch immer geschlossen, �chzte sie leise und rollte sich herum, doch nur, um laut zu st�hnen, als die Schmerzen schlimmer wurden. Selbst ihre Lungen mit Luft zu f�llen war eine Qual, und ihr Atem f�hlte sich seltsam k�hl an, als er ihren Lippen entfloh.</p><p>Sie schlug die Augen auf und blinzelte. Nachdem sie sich aufgesetzt und den Sand von ihrem Gesicht gewischt, die Z�hne gegen den Schmerz zusammengebissen hatte, versuchte sie, sich zu erinnern. Etwas war geschehen � etwas unbeschreiblich Schreckliches. Und kurz kl�rten sich ihre Gedanken weit genug, um ihr zu sagen, dass es besser f�r sie w�re, sie w�rde sich gar nicht erst an dieses Ereignis erinnern.</p><p>Ein pl�tzlicher Windsto� blies ihr das Haar vors Gesicht. Instinktiv hob sie die Hand, um es beiseitezustreichen, aber dann erstarrte sie mitten in der Bewegung und blickte fassungslos diejenige Str�hne an, die da zwischen ihren Fingern gefangen war.</p><p>Ihr Haar war stets blond gewesen. �Die Farbe des Sonnenscheins�, wie ihr Vater gesagt hatte, als sie noch ein Kind gewesen war.</p><p>Jetzt war es so wei� wie der Mondschein.</p><p>Kurz schwankte sie am Rand der vollst�ndigen Erinnerung, und pl�tzlich �berkam sie Angst. Sie wollte wirklich nicht wissen, was geschehen war. Doch dann kippte sie �ber den Abgrund.</p><p><emphasis>Meine Heimat � mein Volk �</emphasis></p><p>Unsicher stand sie auf, wenngleich ihr K�rper dabei heftig zitterte. Von den anderen, die sie begleitet hatten, war nichts zu sehen. Sie war allein � allein mit dem Anblick, gegen den sie sich nun wappnete.</p><p>Als sie schlie�lich glaubte, bereit zu sein, drehte sie sich herum. Der Himmel hing in Fetzen vor ihr. Es war sp�ter Morgen, aber durch die Risse konnte Jaina Sterne sehen. Arkane Anomalien blitzten auf und verschwanden wieder, bunte Farbflecken, die durch ihre tr�nengef�llten Augen wie offene Wunden und h�ssliche Bluterg�sse aussahen und sp�ttisch �ber den Ruinen tanzten, wo sich einmal eine stolze Stadt erhoben hatte.</p><p>Ein Schatten fiel �ber sie, doch sie war benommen, von �belkeit geplagt, und es wollte ihr einfach nicht gelingen, die Augen von dem Schrecken abzuwenden. Ihr war gleich, was da neben ihr vom Himmel sank, bis eine Stimme durch die Trance schnitt.</p><p>�Jaina?�</p><p>Es war eine ersch�pfte Stimme, in der Schmerz und Sorge mitschwangen, aber auch W�rme, und sie h�rte das Knirschen von Stiefeln im Sand, als er zu ihr her�bereilte.</p><p>Langsam wandte sie sich zu Kalec herum. Durch die Tr�nen, die ihr in den Augen standen, erkannte sie, dass er eine Hand an seine Seite dr�ckte, und auch wenn sie kein Blut sah, wirkte er doch blass und ausgelaugt. Trotzdem fand er die Kraft, leicht humpelnd auf sie zuzurennen. Als er bis auf ein paar Schritte herangekommen war, bemerkte er die Ver�nderung in ihrem Aussehen � und sie bemerkte seine Reaktion darauf.</p><p>Er streckte die Arme nach ihr aus, gerade als die Beine unter ihr wegknickten, und bevor sie zusammenbrechen konnte, fing er sie auf und dr�ckte sie an seine Brust. Sie schaffte es, ihre H�nde nach oben zu schieben und sie fest um seinen Nacken zu schlie�en. Dann vergrub sie ihr Gesicht an seinem Hals. Er hielt sie ebenso innig wie sie ihn, eine Hand an ihrem Hinterkopf, seine Wange auf ihrem nunmehr wei�en Haar, und als sie sich einen langen, wortlosen Augenblick so umklammert hielten, sp�rte Jaina seinen leisen Trost.</p><p>�Tot�, murmelte sie mit einer Stimme, die vor Schmerz und Schock rau klang. �Alle sind tot, alles ist zerst�rt � wir haben so hart gek�mpft, so tapfer, und wir h�tten <emphasis>gewonnen</emphasis>, Kalec, wir h�tten <emphasis>gewonnen</emphasis> ��</p><p>Er dr�ckte sie noch fester an sich, versuchte gar nicht erst, sie mit Worten zu beruhigen. Es gab keine Worte, die ihr jetzt Trost spenden konnten, und sie war froh, dass er das erkannte.</p><p>�Mein K�nigreich � all die Gener�le � Machthieb, Tiras�alan, Aubrey, Rhonin, oh, der herzensgute, liebe Rhonin � warum hat er es getan, Kalec? Warum hat er <emphasis>mich</emphasis> gerettet? Ich bin doch diejenige, die f�r all das die Verantwortung tr�gt!�</p><p>Nun sagte der Drache doch etwas, wobei er den Kopf nach hinten bog, um ihr tief in die Augen blicken zu k�nnen. �Nein�, erkl�rte er, seine Stimme war scharf und voller Entschlossenheit. �Nein, Jaina. Nichts davon ist Eure Schuld. Macht Euch keine Vorw�rfe! Wenn es jemandes Fehler ist, dann meiner � und der meines Schwarms. Schlie�lich haben wir zugelassen, dass diese verfluchte Fokussierende Iris �berhaupt erst gestohlen wurde. Die Explosion � Ihr h�ttet nichts dagegen ausrichten k�nnen. Niemand w�re in der Lage gewesen, das noch zu verhindern. Die Manabombe zehrte von der Energie der Iris. Ich war weiter von der Detonation entfernt als die meisten anderen, aber selbst mich hat die Wucht vom Himmel gefegt. Glaubt mir, es gibt nichts, was Ihr h�ttet tun k�nnen � was irgendjemand h�tte tun k�nnen.�</p><p>Eine starke Hand schloss sich um die ihre, als sie dicht beisammenstanden, und sie klammerte sich daran fest, als w�re sie ein Rettungsring. Vielleicht war sie das auch. Dennoch erkannte sie, was sie nun tun musste.</p><p>�Ich werde zur�ckgehen�, erkl�rte sie mit belegter Stimme. �Es � k�nnte �berlebende geben. Vielleicht kann ich ihnen helfen.�</p><p>Seine blauen Augen weiteten sich. �Jaina, nein! Bitte! Es ist nicht sicher.�</p><p>�Sicher?� Das Wort barst f�rmlich zwischen ihren Lippen hervor, und sie wand sich in seinen Armen, als sie versuchte, sich loszurei�en. �<emphasis>Sicher?</emphasis> Wie k�nnt Ihr von meiner Sicherheit sprechen, Kalec? Das ist � war � mein K�nigreich. Das waren meine Leute. Ich bin es ihnen schuldig nachzusehen, ob ich vielleicht etwas tun kann.�</p><p>�Jaina�, sagte Kalec und trat beschw�rend einen Schritt auf sie zu. �Dieser Ort ist von arkaner Magie erf�llt. Ihr konntet zwar entkommen, aber die Kr�fte haben Euch bereits ��</p><p>�Ja�, schnappte sie. Der Schmerz in ihrem Herzen war inzwischen weit schlimmer als der in ihrem K�rper. �Was haben diese Kr�fte mit mir gemacht, Kalec?�</p><p>Er z�gerte, und als er sprach, war seine Stimme v�llig ruhig. �Euer Haar ist wei� geworden. Aber eine einzelne blonde Str�hne ist noch �brig. Und Eure Augen � sie gl�hen ebenfalls wei�.�</p><p>Jaina starrte ihn an, w�hrend sich ihr der Magen umdrehte. Falls die Explosion schon so viele sichtbare Ver�nderungen bewirkt hatte, was mochten dann erst die <emphasis>unsichtbaren</emphasis> Konsequenzen sein? Einen Moment lang presste sie die Hand �ber ihr Herz, als k�nnte sie den verzehrenden Schmerz auf diese Weise von dort verdr�ngen.</p><p>Kalec fuhr fort: �Ich wei�, Ihr wollt etwas unternehmen, Euren Leuten helfen. Aber es ist niemand mehr �brig, Jaina. Ihr w�rdet Euch selbst nur noch gr��erer Gefahr aussetzen. Es gibt andere Dinge, die wir tun k�nnen. Sp�ter, wenn es sicherer ist, werden wir gemeinsam zur�ckkehren und ��</p><p>�Es gibt kein <emphasis>wir</emphasis>, Kalec�, unterbrach sie ihn verbittert. Der Schmerz, der sein h�bsches Gesicht bei diesen Worten verzerrte, lie� ihre eigenen Qualen nur noch unertr�glicher werden, aber nun begr��te sie den Schmerz. Sie wollte leiden, denn nur ihr Leid konnte das Gef�hl ertr�glicher machen, dass sie jetzt allein war. Von all den Seelen, die in Theramore gewesen waren, um ihr zu helfen, hatte nur sie �berlebt. Auf eine harte, brutale Weise f�hlte sich der Schmerz in dieser Situation gut an, reinigend. �Es gibt nur mich � und meine Entscheidungen � und meine Verantwortung f�r die Leichen dort dr�ben. Ich werde nachsehen, ob ich vielleicht noch irgendetwas tun kann. Falls ich dadurch auch nur ein einziges Leben rette, ist es das Risiko wert. Und ich werde allein gehen. Ich war schon immer eine Einzelg�ngerin. Also folgt mir nicht!�</p><p>Rasch sprach sie einen Teleportationszauber. Hinter sich h�rte sie noch, wie er ihren Namen rief. Aber sie weigerte sich, ihre Tr�nen zu vergie�en.</p><p>Sie schmerzten sie mehr, wenn sie in ihrem Inneren gefangen blieben.</p><empty-line/><p>Jaina hatte geglaubt, dass sie auf das vorbereitet w�re, was sie zu sehen bek�me. Doch das war ein Irrtum gewesen. Nichts konnte einen gesunden Geist auf das vorbereiten, was die Manabombe in Theramore angerichtet hatte.</p><p>Das Erste, was ihr auffiel, war der Turm � oder besser, die Stelle, wo er einst gestanden hatte. Fort war das wundersch�ne wei�e Steinbauwerk, in dem sich ihre umfassende Bibliothek und ihr gem�tlicher Salon befunden hatten. An seiner Stelle befand sich nur noch ein rauchender Krater, der auf grausige Weise der Vertiefung im Vorgebirge des H�gellandes �hnelte. Doch es gab einen Unterschied: Jener Krater war entstanden, als eine Stadt vor dem Krieg floh, dieser hingegen war das Ergebnis von Rhonins verzweifeltem Versuch, eine Katastrophe abzuwenden. Ein Versuch, der ihn das Leben gekostet hatte.</p><p>Sie war von Tod umgeben, er �berflutete sie f�rmlich, und sie drohte davon �berw�ltigt zu werden. In den Reihen zertr�mmerter H�user, von denen keines mehr unversehrt geblieben war, sah sie den Tod. Im Durcheinander des Himmels, der von Anomalien zerrissen war: Tod. Tod auch im Boden, den sie unter ihren F��en sp�rte. Doch am deutlichsten war der Tod in den Leichen, die ringsherum um sie lagen, wo immer sie gefallen waren.</p><p>Heiler, verkr�mmt, die Verwundeten noch immer in ihren Armen. Reiter und Pferde, im Tod ebenso eng miteinander verbunden wie im Leben. Soldaten, die keine Gelegenheit gehabt hatten, ihre Schwerter zu z�cken, so schnell und unausweichlich war der Angriff gekommen. Die Luft knisterte, knackte und summte und lie� ihr wei�es Haar sich aufstellen, als sie wie ein Traumwandler dahinschritt und sich vorsichtig zwischen den Ruinen ihres Lebens hindurchman�vrierte.</p><p>Mit einem seltsamen Gef�hl der Teilnahmslosigkeit betrachtete sie die Dinge, die die Manabombe wie willk�rlich umhergewirbelt hatte. Da dr�ben lag ein Kamm, dort hinten eine abgetrennte Hand. Am Rande des Kraters flatterten die Seiten eines Buches. Eine der Seiten war durch die Wirkung der Bombe zu Staub zerrieselt, als Jaina die Hand danach ausstreckte. In der N�he der Waffenkammer lag ein Soldat in einer Lache roten Blutes � drei Schritte weiter hing ein zweiter Toter auf Augenh�he, und aus einem Riss in seiner R�stung schwebten kleine Blasen einer violetten Fl�ssigkeit nach oben.</p><p>Als ihr Fu� auf etwa Weiches trat, sprang sie unwillk�rlich zur�ck und blickte nach unten. Es war eine Ratte, deren K�rper in einem lila Leuchten aufgl�hte, in ihrem Maul hing noch immer ein St�ck ganz gew�hnlichen K�ses. Kalecs Warnung, dass niemand die Explosion h�tte �berleben k�nnen, hallte in ihrem Kopf wider. Noch nicht einmal die Ratten, so schien es, waren in der Lage gewesen, sich zu retten �</p><p>Jaina sch�ttelte den Kopf. Nein. Nein, <emphasis>irgendjemand</emphasis> musste doch �berlebt haben � es war v�llig unm�glich, dass schlichtweg alles und jeder vernichtet worden war. Mit grimmiger Entschlossenheit ging sie weiter und durchsuchte die Tr�mmer, wo es nur m�glich war. Dabei hielt sie immer wieder inne und lauschte, in der Hoffnung, eine Stimme zu h�ren, die �ber das Knistern und Summen des zerfetzten Himmels hinweg um Hilfe schrie. Nach einer Weile entdeckte sie die Leidende; sie war �ber dem K�rper des Orcs zusammengebrochen, den sie noch im Augenblick des Todes erschlagen hatte. Jaina kniete sich neben die Kriegerin und strich ihr langes dunkelblaues Haar zur�ck, doch dann zerbrachen die Haare wie gesponnenes Glas. Jaina keuchte. Die Leidende hatte den Tod mit dem Schwert in der Hand gefunden, mit dem vertrauten, entschlossenen Ausdruck auf ihrem Gesicht. Sie war so gestorben, wie sie gelebt hatte, bei der Verteidigung von Jaina und Thermore.</p><p>Der Schmerz, bislang durch das Grauen bet�ubt, regte sich wieder in ihr, kribbelnd wie ein eingeschlafenes Bein, doch Jaina zwang ihn nieder und ging weiter. Dort lag der liebgewonnene Aubrey, daneben fand sie Marcus Jonathan, Tiras�alan und die beiden Zwerge. Auf einem der eingest�rzten D�cher entdeckte sie den verkr�mmten K�rper von Leutnant Aden, dessen gl�nzende R�stung durch die Explosion violett verf�rbt war.</p><p>Pl�tzlich war Jainas Kopf wieder klar, ihre Gedanken schienen ihr vern�nftig.</p><p><emphasis>Du solltest aufh�ren. Kalec hatte recht. Verschwinde von hier, Jaina! Du hast genug gesehen, um sicher sein zu k�nnen, dass niemand �berlebt hat. Geh!</emphasis> Jetzt gleich. <emphasis>Bevor du zu viel siehst.</emphasis></p><p>Doch sie konnte nicht. Sie hatte die Leidende gefunden, also musste sie die anderen auch noch finden. Tervosh, der schon so lange ihr Freund war � wo konnte er sein? Und wo war Byron, die Wache, und Allen, der Priester, und Janene, die Gastwirtin, die darauf bestanden hatte, in der Stadt zu bleiben? Wo waren sie? Wo waren �</p><p>Der Leichnam erweckte zun�chst ihre Aufmerksamkeit, weil er aussah wie ein Kind. Doch sie hatten alle Kinder in Sicherheit gebracht! Wer �</p><p>Da wurde es ihr klar.</p><p>Einen Moment lang stand sie reglos, kaum in der Lage zu atmen, unf�hig, den Blick abzuwenden, auch wenn sie nichts lieber getan h�tte. Anschlie�end bewegten sich ihre F��e mit langsamen, abgehackten Schritten auf die Tote zu, beinahe ohne Jainas Zutun, wie es schien.</p><p>Kinndy lag mit dem Gesicht nach unten in einer Pf�tze ihres eigenen Blutes. Das Karmesinrot hatte ihr rosafarbenes Haar befleckt und ihm seinen Glanz genommen. Jaina erkannte, dass sie das Gnomenm�dchen am liebsten in eine Wanne hei�en Wassers gesetzt h�tte, damit es sich waschen konnte, und dann wollte sie ihm frische Kleider bringen und �</p><p>Sie fiel auf die Knie und legte dem M�dchen eine Hand auf die Schulter, um es auf den R�cken zu drehen. Da zerfiel Kinndys K�rper zu violett schimmerndem Staub.</p><p>Jaina schrie.</p><p>Sie schrie voll unbeschreiblichen Grauens, w�hrend sie wie wild mit den Armen wedelte, um den kristallinen Staub einzufangen, der alles war, was ihr noch von ihrer schlauen, lebhaften jungen Sch�lerin blieb. Sie schrie ihren Verlust hinaus, ihre Trauer, ihre Schuldgef�hle und immer und immer st�rker auch ihren Hass.</p><p>Den Hass auf die Horde. Auf Garrosh H�llschrei, auf diejenigen, die ihm folgten. Hass auch auf Baine Bluthuf, der sie zwar gewarnt, es aber dennoch zugelassen hatte, dass diese Grausamkeit ihren Lauf nahm. Der vielleicht sogar <emphasis>gewusst</emphasis> hatte, dass dies hier geschehen werde. Ihr Schrei verwandelte sich in ein tiefes, heiseres Schluchzen, das ihr den Hals zu zerrei�en schien. Noch immer schaufelte sie den violetten Sand vom Boden, um Kinndy festzuhalten. Und als der Staub hartn�ckig durch ihre Finger rann, wurde das Schluchzen noch verzweifelter.</p><p>Das war kein <emphasis>Krieg</emphasis>. Das war nicht einmal ein <emphasis>Blutbad</emphasis>. Das war die v�llige Vernichtung, bequem aus der Entfernung ausgel�st. Ein Massenmord, wie er in Jainas Augen brutaler und feiger nicht sein konnte.</p><p>Da blitzte etwas auf der toten Erde vor ihr auf, als w�re es ein Leuchtsignal. Sie starrte es einen Moment an, dann stemmte sie sich langsam und unsicher auf die F��e. Sie stolperte, wie eine Betrunkene schwankend, auf dieses merkw�rdige Licht zu.</p><p>Die Scherbe silbrigen Glases war nicht gr��er als ihre Handfl�che, und als Jaina sie aufhob, dauerte es eine Weile, bis sie durch den Schleier des Schocks hindurch erkannte, um was es sich eigentlich handelte. Doch dann traf sie erneut der Stich des Schmerzes. Viele Erinnerungen stellten sich ein � Anduins fr�hliches Gesicht, als er sich mit ihr unterhielt; Varians narbenverzerrte Z�ge; Kalec, der in der Ecke des Raumes stand, w�hrend sie den Spiegel benutzte; Rhonin �</p><p>Aus den Augenwinkeln schnappte sie eine Bewegung auf � und wirbelte herum, wider alle Vernunft hoffend, dass vielleicht doch jemand �berlebt hatte.</p><p>Sie waren gro�, die Haut unter ihren R�stungen schimmerte gr�n. Da waren mindestens f�nfundzwanzig von ihnen, vielleicht sogar drei�ig, allesamt Orcs, die eifrig zwischen den Tr�mmern herumw�hlten. Einer von ihnen steckte gerade etwas in seinen Sack, danach wandte er sich an die anderen, und nachdem er etwas Unverst�ndliches gesagt hatte, �bert�nte raues Orcgel�chter die unabl�ssigen, rei�enden und ploppenden Ger�usche des Himmels.</p><p>Jaina ballte die F�uste, obwohl sie in einer davon noch immer die Spiegelscherbe hielt. Doch sie bemerkte den Schmerz kaum, als das Glas ihre Finger und ihre Handfl�che aufschlitzte.</p><p>Es dauerte eine ganze Minute, doch dann erkannte einer der Orcs sie schlie�lich, wie sie inmitten der Verw�stung stand. Er verzog die gr�nen Lippen hinter seinen gelben Hauern zu einem Grinsen und stie� seine Kameraden an. Der Gr��te von ihnen, der auch die beste R�stung trug, grunzte. Unzweifelhaft war es der Anf�hrer dieser kleinen Bande von Pl�nderern, die der Feigling Garrosh geschickt hatte, um sicherzustellen, dass auch wirklich alle seine Feinde tot waren. Dann rief er etwas in der Gemeinsprache, wenn auch mit starkem Akzent.</p><p>�Kleine Menschenlady, keine Ahnung, wie du �berlebt hast, aber wir werden diesen Fehler korrigieren.�</p><p>Daraufhin zogen sie alle ihre Waffen � �xte, Breitschwerter und Messer, die nur dumpf schimmerten, weil ihre Klingen mit Gift eingeschmiert waren. Jaina sp�rte, wie sich ihre eigenen Lippen zu der Grimasse eines Grinsens verzogen. Die Orcs starrten sie an, sichtlich verwirrt ob ihrer unerwarteten Reaktion, bis ihr Anf�hrer lachte. �Wir d�rfen Jaina Prachtmeer t�ten!�, sagte er.</p><p>�Bringen wir Kriegsh�uptling Garrosh ihren Kopf!�, grollte ein anderer.</p><p>Garrosh.</p><p>Jaina w�rdigte sie nicht einmal einer Entgegnung, stattdessen lie� sie die Spiegelscherbe fallen und hob die H�nde. Eine Woge arkaner Energie, noch verst�rkt durch die Nachwehen der Manabombe, traf die Gruppe der Orcs. Sie taumelten nach hinten, zitternd und geschw�cht. Einem von ihnen entglitt der Dolch zwischen den zuckenden Fingern, w�hrend er um sein Gleichgewicht k�mpfte. Aber die st�rkeren unter den Orcs sch�ttelten den magischen Schlag ab, und nachdem sie ihre Waffen wieder erhoben hatten, st�rmten sie auf Jaina los.</p><p>Ein Schmunzeln huschte �ber das Gesicht der Lady von Theramore, und einen Moment sp�ter erstarrten ihre Gegner im wahrsten Sinne des Wortes mitten in der Bewegung, ihre Beine waren in einem Panzer aus Eis gefangen. Jainas Finger tanzten durch die Luft und woben einen Zauber. Aus dem Nichts erhob sich zwischen ihren H�nden Feuer, dann schoss es als glei�ender Ball auf die Orcs zu. Sechs von ihnen, die noch von der ersten Woge arkaner Energie geschw�cht waren, erlagen dem Spruch sofort. Sie hatten kaum noch Zeit zu einem letzten Schrei, als sie bei lebendigem Leibe verbrannten. Zehn weitere trugen schwerste Brandwunden davon und kr�mmten sich vor Schmerz; auch sie w�rden nicht mehr lange leben. Sekunden sp�ter hatte der Zauber seine Wirkung verloren, und die Orcs, die noch auf den Beinen standen, kamen noch immer n�her, wenn nun auch deutlich vorsichtiger.</p><p>Da h�llte ein Kegel aus gefrorener Luft sie ein. Ihre Bewegungen verlangsamten sich, als w�rden sie durch Schlamm waten, und Jaina f�llte vier weitere mit Feuerb�llen. Ihre Opfer gingen sofort zu Boden, und nach einem weiteren arkanen Energiesto�, der Jaina nicht die geringste M�he kostete, waren pl�tzlich nur noch zehn Orcs �brig.</p><p>Sechs von ihnen konnten sich nur mit M�he auf den Beinen halten, die vier anderen waren gr��tenteils unverletzt geblieben. Doch da schoss erneut Feuer von ihren Fingern, und nun brachen alle zehn in sich zusammen. Mit einem letzten Sto� arkaner Energie besiegelte Jaina ihr Schicksal.</p><p>Als sie die H�nde schlie�lich wieder senkte, w�hrend der Schwei� das Haar an ihr Gesicht klebte, r�hrte sich keiner ihrer Feinde mehr � bis auf einen. Seine Brust hob und senkte sich wie ein Blasebalg, als er kr�chzend um Atem rang, und sein K�rper zitterte und sch�ttelte sich unter Kr�mpfen.</p><p>Jaina b�ckte sich und hob die Spiegelscherbe auf, ohne auf das St�ck Glas hinabzublicken. Langsam, mit steifen Bewegungen stieg sie �ber die Leichen hinweg, ohne darauf zu achten, wenn sie auf einen der leblosen K�rper trat. Ein eisiges Gef�hl des Vergn�gens stieg in ihr hoch, als sie sich dem einzigen �berlebenden n�herte.</p><p>Er hustete, wobei rotschwarzes Blut aus seinem hauerbewehrten Maul floss. Der Gro�teil seines K�rpers war von Verbrennungen bedeckt, der Kettenpanzer auf seiner Haut geschmolzen. Er musste schreckliche Schmerzen leiden, �berlegte Jaina.</p><p>Gut.</p><p>Sie beugte sich �ber den Orc, sodass ihr Gesicht dicht �ber seinem hing und sie seinen fauligen Atem riechen konnte, als er nach Luft schnappte. Er blickte zu ihr hoch, seine winzigen Augen hatten sich vor Angst geweitet � Angst vor Jaina Prachtmeer, der Freundin der Orcs, der Diplomatin.</p><p>�Dein Volk besteht aus erb�rmlichen Feiglingen�, zischte sie. �Ihr seid nichts weiter als tollw�tige Hunde, man sollte euch alle t�ten. Ihr spuckt auf das Gebot der Gnade? Dann sollt auch ihr keine erfahren. Ihr wollt ein Blutbad? Ihr werdet so viel Blut bekommen, dass ihr darin ertrinkt.�</p><p>Die Worte verwandelten sich in einen wilden Schrei, und sie rammte die Glasscherbe in den schmalen Spalt zwischen dem Ringkragen und dem Schulterpanzer des Hordek�mpfers. Blut spritzte aus der Wunde und besprenkelte ihr Gesicht.</p><p>Der sterbende Orc versuchte noch, sich wegzurollen, aber sie hielt seinen Kopf mit ihren H�nden fest und zwang ihn, sie anzusehen, w�hrend das Leben mit jedem Herzschlag aus seinem K�rper herausstr�mte. Erst als er schlie�lich v�llig still dalag, stand sie auf. Die Scherbe des Spiegels lie� sie in seinem Hals stecken.</p><p>Anschlie�end setzte sie ihre grimmige Expedition durch das Tr�mmermeer fort, in das die Horde Theramore verwandelt hatte, und bei jeder Facette der Zerst�rung, die sie sah, schlugen die Flammen der kalten Wut in ihrem Inneren h�her. Der Hafen war vollst�ndig verschwunden, aber w�hrend ihr Blick dort �ber die Ruinen glitt, f�hlte sie sich merkw�rdigerweise besser als in der N�he des Kraters, wo �</p><p>Sie blinzelte. Sie wollte es nicht, aber ihr K�rper zwang sie, kehrtzumachen und zu der Stelle zur�ckzugehen, wo sich ihr Turm befunden hatte. Das Prickeln, an dem sich die Konzentration der arkanen Energie messen lie�, war hier st�rker. Gewiss, die ganze Stadt war in diese Restenergie geh�llt, aber sie sp�rte, dass sie sich nun dem Brennpunkt der Katastrophe n�herte. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, ebenso wie ihre Schritte. Dann schloss sie kurz die Augen. Sie wollte nicht in den Krater blicken, wusste aber, dass sie es tun musste.</p><p>Was sie sah, war ebenso schlicht wie wundersch�n � eine einfache gl�hende Kugel, die vor arkaner Energie pulsierte. Sie wirkte zerbrechlich, doch sie hatte die Explosion, die eine gesamte Stadt in Asche verwandelt hatte, ohne den kleinsten Kratzer �berstanden.</p><p>Kalecgos hatte nicht �bertrieben, was die Macht dieses Artefakts anging � und auch nicht, was die Zerst�rung betraf, die es in den falschen H�nden anrichten konnte. Bei diesem Gedanken bohrte sich erneut der Stachel der Trauer in Jainas Seele. Sie hatte das Gef�hl, die arkane Energie w�rde hier, in der N�he der Kugel, fast schon k�rperlich sp�rbar um sie herumwallen. Ihre Haare stellten sich auf, und kurz schmerzten auch ihre Augen. Als dieses Stechen nachlie�, wusste Jaina instinktiv, dass ihre Augen nun heller leuchteten als noch zuvor. Zielbewusst begann sie, in den Krater hinabzuklettern. Rhonins �berreste waren nirgendwo zu sehen. Es schien, als w�re es ihm gelungen, die Bombe zu sich heranzuziehen, und alles, was jetzt noch von ihm �brig war, bestand in seinen beiden Kindern, einer trauernden Witwe � sofern Vereesa weit genug von der Stadt entfernt gewesen war, um die Explosion zu �berleben � und seinem Andenken. Ein bitterer Geschmack breitete sich in Jainas Mund aus, als dieser Gedanke durch ihren Kopf kroch. Er war gestorben, weil er sie hatte retten wollen, und sie w�rde nicht zulassen, dass dieser Tod umsonst gewesen war.</p><p>Schlie�lich erreichte sie den Grund der Vertiefung. Die Fokussierende Iris war mindestens doppelt so gro� wie sie, und vermutlich auch ziemlich schwer. Jaina k�nnte dennoch mit ihr von hier verschwinden, wenn sie ein Portal benutzte. Aber erst einmal musste sie herausfinden, wie sie das Artefakt vor Kalecgos verbergen konnte. Die L�sung dieses Problems erschloss sich ihr schon nach k�rzester Zeit. Kalec kannte sie inzwischen gut, so gut sogar, dass er sich um sie sorgte. Jaina b�ckte sich, um ihre Hand auf die Iris zu legen, dann, als sie das sanfte Vibrieren der Energie sp�rte, erf�llte sie es k�hl und berechnend mit ihrem tiefsten Selbst. Sie umgab es mit ihren gr��ten St�rken und Schw�chen, sodass der Drache nur sie sp�ren w�rde, wenn er nach der Fokussierenden Iris suchte. Ja, sie wollte seine Gef�hle f�r sie ausnutzen, um ihn zu t�uschen. Als einzige �berlebende und Herrscherin von Theramore beanspruchte Jaina Prachtmeer die Fokussierende Iris f�r sich.</p><p>Die Horde wollte also einen Krieg. Sie hatte sich die gr��te M�he gegeben, um ihren Feind zu zermalmen.</p><p>Nun, dann sollten sie eben einen Krieg bekommen. Jaina w�rde ihnen diesen Wunsch erf�llen.</p><p>Mit Vergn�gen.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Endlich zeigte ihre Arbeit Wirkung.</p><p>Die verwundete Erde bebte noch immer gelegentlich, und w�tende Blitze zuckten �ber den Himmel, so wie auch der Wind noch heulte und die See toste, w�hrend die Schamanen Tag f�r Tag inmitten der Elemente standen und all ihre Kr�fte aufwendeten, um die Seele von Azeroth zu heilen. Doch bislang hatten sie keinerlei Fortschritte gemacht.</p><p>Nun schien sich der Ozean allerdings hin und wieder f�r ein paar Sekunden zu beruhigen, und der Regen ebbte f�r einen l�ngeren Zeitraum ab, sodass sich Flecken blauen Himmels zwischen den Wolken zeigten. Einmal hatte es ganze drei Tage lang keine Erdbeben gegeben.</p><p>Die Mitglieder des Irdenen Ringes � Nobundo, Rehgar, Muln Erdenwut und die anderen � sch�pften aus jedem kleinen Zeichen neuen Mut. Genau wie bei einem schwer Verwundeten w�rde es seine Zeit brauchen, Azeroth zu heilen. Doch wenn sie w�hrend dieses langen und schmerzhaften Prozesses niemals in ihren Bem�hungen nachlie�en, w�rden sich die Elemente fr�her oder sp�ter wieder beruhigen.</p><p>Thrall stand hoch aufgerichtet auf der zitternden Erde, fest darin verwurzelt, w�hrend er den Schmerz aus dem Boden zog. Er stellte sich seine Seele vor, wie sie sich mit dem gro�en Geist des Lebens vereinigte, wie sie steil in die H�he stieg, um den Himmel zu ber�hren. Er zog die von Gischt durchn�sste Luft in die Lungen, reinigte sie in seinem Inneren und atmete sie dann wieder aus. Es war eine harte, fordernde Arbeit, und bislang war ihm noch keine Minute der Rast verg�nnt gewesen. Doch zugleich war es auch das Bereicherndste und � ja, tats�chlich � auch Sch�nste, was er je in seinem Leben getan hatte.</p><p>Die Erde beruhigte sich wie ein ver�ngstigtes Kind, das langsam in den Schlaf abdriftet, und das Beben lie� nach. Die w�tenden Winde wollten sich nicht gar so leicht beschwichtigen lassen, aber der Regen wurde ebenfalls schw�cher. Die Schamanen �ffneten ihre Augen, und nachdem sie in die einfache, physische Realit�t zur�ckgekehrt waren, tauschten sie ein m�des L�cheln aus. Es war Zeit, neue Kraft zu sch�pfen.</p><p>Aggras starke braune Hand legte sich auf diejenige Thralls, und sie blickte ihn voller Anerkennung und Bewunderung an. �Mein Go�el hat sich von einem Wirbelwind in einen Fels verwandelt�, meinte sie. �Seit deiner R�ckkehr haben wir gewaltige Fortschritte gemacht.�</p><p>Er dr�ckte ihre Hand. �Wenn ich ein Felsen bin, dann bist du der feste Boden, auf dem er ruht, meine Liebe.�</p><p>�Ich bin dein Seelenverwandter, und du der meine�, erwiderte sie. �Wann immer die Zeiten schwerer werden, wird der eine dem anderen das Element sein, das er braucht. Stein, Wind, Wasser � oder Feuer.� Aggra zwinkerte. Sie war es gewesen, die ihn gezwungen hatte, seine wahre Bestimmung zu erkennen, obwohl er in jenen Tagen noch alles andere als gut auf die Schamanen zu sprechen gewesen war. Sie war keine Frau der feineren Anspielungen, und auch wenn Thrall damals w�tend auf sie gewesen war, hatte er doch erkannt, dass sie recht gehabt hatte. Seit seiner R�ckkehr waren sie praktisch unzertrennlich � sie arbeiteten zusammen, als w�rden sie miteinander tanzen, und erfreuten sich an der Gegenwart des anderen, wenn sie sich erholten. Er musste wieder an die Worte denken, die er bei ihrem letzten Treffen an Jaina gerichtet hatte, und schickte ein Stummes Gebet an jede Macht, die ihm zuh�ren mochte, auf dass sie die Lady von Theramore mit demselben Gl�ck segnete wie ihn.</p><p>Mit seiner guten Laune war es jedoch schnell vorbei, als er ins Lager zur�ckkehrte und einen jungen Orc in leichter Lederr�stung sah, der in Habtachtstellung auf ihn wartete. Der Staub und Schlamm auf seiner Kleidung wiesen ihn als Boten aus, und der grimmige Blick auf seinem Gesicht sprach B�nde �ber die Nachricht, die er �berbringen sollte.</p><p>Der Orc salutierte zackig. �Go�el�, sagte er, gefolgt von einer Verbeugung. �Ich bringe Euch Neuigkeiten aus Orgrimmar. Und � von anderer Stelle.�</p><p>Eine frostige K�lte schloss sich um Thralls Herz. Was hatte Garrosh getan? Nun kamen auch noch andere herbei und blickten den Fremden in ihrer Mitte mit mildem Interesse an. Thrall �berlegte, ob er die Botschaft unter vier Augen entgegennehmen sollte. Letzten Endes entschied er sich aber dagegen. Er war nicht l�nger der Kriegsh�uptling der Horde. Eine Nachricht f�r ihn war eine Nachricht f�r sie alle.</p><p>Er wartete, bis sich die restlichen Mitglieder des Irdenen Ringes versammelt hatten, und bedeutete ihnen dann vorzutreten. Der junge Orc verlagerte voller Unbehagen das Gewicht. Offenbar erwartete er bereits den Befehl, den Thrall ihm geben w�rde. �Bitte trag uns allen deine Botschaft vor, mein junger Freund�, sagte Thrall leise.</p><p>Der Bote holte Luft, wie um sich zu wappnen. �Mit schwerem Herzen muss ich Euch von einem Ereignis berichten, das nichts weniger ist als ein Desaster f�r die Friedensbem�hungen auf diesem sorgengeplagten Kontinent � seine Auswirkungen werden vielleicht sogar ganz Azeroth betreffen. Garrosh hat die Armeen der Horde versammelt und die Feste Nordwacht bis auf die Grundmauern zerst�rt. Anschlie�end wartete er mehrere Tage, damit die Allianz die Verteidigung von Theramore planen konnte. Um gegen unsere Flotte und Armee zu bestehen, hat Lady Prachtmeer die Siebte Flotte und mehrere bekannte Milit�rberater nach Theramore gerufen, unter ihnen Marcus Jonathan, Shandris Mondfeder, Vereesa Windl�ufer und Admiral Aubrey. Die Horde hat tapfer gek�mpft, aber zun�chst hatte es den Anschein, als w�rde sie besiegt werden.</p><p>Go�el, Garrosh hat geschmolzene Riesen versklavt und sie bei der Schlacht um die Feste Nordwacht zu seinem Vorteil eingesetzt. Und um Theramore zu zerst�ren, hat er ��</p><p>Der Bote hielt inne, als ein St�hnen und Keuchen aus den Reihen der ehemaligen Horde- und Allianzmitstreiter ringsum erklang. Sie hatten ihren Fraktionen gegen�ber zwar nicht die Treue aufgek�ndigt, sie aber doch in den Hintergrund ger�ckt, um einem gr��eren Wohl zu dienen. Sie waren Schamanen geworden, und als Schamane h�ren zu m�ssen, dass Elementarwesen � und obendrein noch <emphasis>solche</emphasis> Elementarwesen! � als Kriegswerkzeuge versklavt wurden, war schrecklich. Die Worte �um Theramore zu zerst�ren� hingen schwer in der Luft.</p><p>�Fahr fort!�, forderte Thrall grimmig.</p><p>�Um Theramore zu zerst�ren, hat er ein Artefakt der blauen Drachen gestohlen und es als Energiequelle f�r die gr��te Manabombe verwendet, die je erbaut wurde. Theramore wurde vollst�ndig vernichtet. Es ist nichts mehr �brig, au�er Ruinen, die von arkaner Energie verseucht wurden. Unsere Sp�her melden, dass niemand innerhalb der Stadtmauern �berlebt hat.�</p><p>Niemand hat �berlebt. Jaina, seine Freundin, die beharrliche Stimme des Friedens, war tot. Thrall rang um Atem, w�hrend Aggra seine Hand dr�ckte. Er verst�rkte ebenfalls den Druck seiner Finger, sogar so sehr, dass es sie schmerzen musste; dennoch lie� Aggra seine Hand nicht los. Sie wusste besser als die meisten anderen, welch tiefen Stich diese Nachricht seinem Herzen zugef�gt hatte, und wollte ihn voller Liebe unterst�tzen.</p><p>Leises Schluchzen wurde h�rbar, als sich eine der Draenei auf der Suche nach Trost zu ihrem Trollfreund umdrehte. Der Troll umarmte sie zwar sanft, doch der Zorn stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Alle waren sie fassungslos, selbst diejenigen, von denen Thrall wusste, dass sie sich gegen den Frieden stellten. Ein so mutwilliger Massenmord barg keine Ehre f�r die Horde, und die Skrupellosigkeit, die ihm zugrunde lag, durfte nicht ungestraft bleiben.</p><p>Doch so unglaublich es auch schien, die Nachricht war noch nicht zu Ende. Unf�hig, selbst zu sprechen, bedeutete Thrall dem Boten fortzufahren.</p><p>Der junge Orc kam dem Befehl nach, aber seine Stimme war belegt vor Bedauern. �Unsere Flotte hat sich aufgeteilt, um eine Blockade rings um Kalimdor zu bilden. Die Allianz wird also keine Hilfe zur Mondfederfeste oder nach Teldrassil oder in eine andere Stadt schicken k�nnen, und es wird auch nur den wenigsten gelingen, von dort zu fliehen. Garrosh hat sich �ffentlich damit ger�hmt, dass er den gesamten Kontinent erobern wird und alle Spuren der Allianz vertreiben oder <emphasis>ausl�schen</emphasis> m�chte. Die einzig gute Nachricht, die ich f�r Euch habe, mein Freund, ist die, dass nicht alle Mitglieder der Horde Garroshs Pl�ne unterst�tzen. Einige von uns sehen durchaus, wie gef�hrlich der Pfad ist, auf den er uns f�hrt, und wir f�rchten, dass die Horde darunter leiden wird. Voller Sorge um unser Volk verbleibe ich, Euer Freund, Etrigg.�</p><p>Thrall gab mit einem Nicken zu verstehen, dass er die Botschaft vernommen hatte, aber in Gedanken h�rte er andere Worte, gesprochen vor nicht allzu langer Zeit von einer Frau, die nun tot war.</p><p><emphasis>Alles hat seinen Preis, Go�el. Du hast einen Preis gezahlt, um dein Wissen und deine F�higkeiten zu erwerben � Garrosh versucht, einen Streit zwischen der Allianz und der Horde zu sch�ren � einen Streit, den er allein heraufbeschworen hat � Als Schamane kannst du die Winde kontrollieren. Aber nun zieht der Sturm des Krieges auf, und falls wir Garrosh nicht bald aufhalten, werden viele Unschuldige den Preis f�r unser Z�gern bezahlen m�ssen</emphasis>.</p><p>Nun waren wirklich viele Unschuldige gestorben. Eine ganze Weile stand Thrall einfach nur da, versunken in einen schmerzhaften Gewissenskampf, w�hrend die anderen Mitglieder des Ringes ihre Bedenken zum Ausdruck brachten. Hatte sie recht gehabt? H�tte das alles verhindert werden k�nnen, wenn er die Arbeit hier anderen �berlassen h�tte?</p><p>Es hatte eine Zeit gegeben, da h�tte ihn eine solche Frage tagelang gequ�lt. Doch nun dachte er ruhig dar�ber nach, so, wie der Verstand es gebot, und verwarf den Gedanken dann. Jaina hatte stets betont, die eigenen F�higkeiten zu untersch�tzen w�re ebenso t�richt, wie sie zu �bersch�tzen. Er hatte w�hrend der Schlacht gegen Todesschwinge f�r die vier Aspekte das Element der Erde repr�sentiert, und auch wenn er gewiss nicht allein f�r den Heilungsprozess verantwortlich war, der sich hier zutrug, wusste er doch, dass er einen gro�en Beitrag dazu geleistet hatte.</p><p>Er hatte die Welt im wahrsten Sinne des Wortes ver�ndert, indem er sie geheilt hatte.</p><p>Nat�rlich beunruhigte es ihn ebenso sehr wie die anderen Schamanen, dass Garrosh geschmolzene Riesen einsetzte, und er teilte auch ihre Trauer angesichts des ehrlosen Angriffes auf Theramore, der Zweckentfremdung eines gestohlenen Artefakts und des feigen Massenmordes aus der Ferne. Doch zugleich wusste er, dass er � mehr noch, dass sie alle � jetzt hier gebraucht wurden. Diesen Ort konnten sie nicht verlassen.</p><p>Nobundo fasste gerade genau diesen Gedanken in Worte, als sich Thrall mit schwerem Herzen wieder der Unterhaltung zuwandte. �Wir sehen die ersten Fortschritte. Wir k�nnen jetzt nicht aufh�ren � keiner von uns.�</p><p>�Aber was wird er wohl als N�chstes tun?�, fragte Rehgar. �Geschmolzene Riesen f�r seine eigens�chtigen Zwecke zu versklaven, das k�nnte alles zunichtemachen, worauf wir hingearbeitet haben!�</p><p>�Wir haben uns mit dem Zirkel des Cenarius und den Aspekten verb�ndet, um Nordrassil zu retten�, warf Muln Erdenwut ein. �Eine solche Zusammenarbeit hat es noch nie zuvor gegeben, und sie hat das bewirkt, was wir alle erhofft haben. Nordrassil ist geheilt, und deswegen gibt es auch f�r die gesamte Welt eine Chance auf Heilung. Doch falls Garrosh zu so etwas in der Lage ist, was kann er dann erst unserem Weltenbaum antun?�</p><p>Thrall blickte zu seinen Freunden hin�ber. Ihre Gesichter spiegelten seine eigene Unentschlossenheit wider, und nachdem Muln und Nobundo einen Blick gewechselt hatten, trat Letzterer vor.</p><p>�Diese Nachricht erf�llt mich mit Wut und Trauer�, erkl�rte er. �Nicht nur, weil die Elementarwesen missbraucht wurden, sondern wegen � � allem. Es stimmt, die Erde k�nnte sich wieder im Zorn erheben, weil sie so gesch�ndet wurde, und � richtig, auch Nordrassil selbst ist in Gefahr. Aber falls wir jetzt in unserem Streben innehalten, um Garrosh in die Schranken zu verweisen � und ich bin mir nicht sicher, wie die Horde auf solche Bem�hungen reagieren w�rde �, dann gehen wir ein gro�es Risiko ein. All das Gute, das wir bewirkt haben, k�nnte umsonst gewesen sein. Go�el � einst f�hrtest du die Horde. Du hast Garrosh als deinen Nachfolger bestimmt. Au�erdem wissen wir alle von deiner Freundschaft mit der nach Frieden strebenden Lady Jaina Prachtmeer. Falls du dich um diese Angelegenheit k�mmern m�chtest, wird niemand deine Beweggr�nde infrage stellen. Dasselbe gilt auch f�r euch andere. Wir sind hier, weil wir hier sein wollen � weil wir dazu berufen sind. Doch falls ihr diesen Ruf nicht l�nger h�rt, dann steht es euch auch frei, zu gehen. Ihr habt unseren Segen.�</p><p>Lange schloss Thrall die Augen. Er war ersch�ttert, schockiert, w�tend, und er wollte nichts lieber, als eine R�stung anlegen, den Schicksalshammer in die Hand nehmen und nach Orgrimmar marschieren. Er wollte Grom H�llschreis Sohn f�r all die t�richten, �berheblichen, zerst�rerischen Untaten bestrafen, die er begangen hatte. Garrosh war sein Fehler, und wenn jemand die Pflicht hatte, diesen Fehler zu korrigieren, dann er. Thrall hatte versucht, Garrosh das orcische Ehrgef�hl zu vermitteln. Doch statt den besten Taten seines Vaters nachzueifern, hatte sich der junge H�llschrei nur die schlimmsten zum Vorbild genommen.</p><p>Aber er konnte nicht gehen, durfte seinen Schmerz nicht stillen. Noch nicht. Selbst wenn jetzt, in diesem Augenblick, Jaina Prachtmeers Geist auftauchen und nach Rache verlangen w�rde � er m�sste ihr sagen, dass es nicht ginge.</p><p>Also blickte er aus betr�bten blauen Augen zu Nobundo auf und erkl�rte: �Ich bin voller Trauer. Und voller Zorn. Aber es ist mir bestimmt, hier zu sein. Im Augenblick ist nichts wichtiger als diese Pflicht.�</p><p>Nach diesen Worten schwiegen sie alle, selbst Aggra. Sie wussten, welch gewaltigen Preis er bereits gezahlt hatte. Schlie�lich streckte Rehgar den Arm aus und klopfte Thrall auf die Schulter.</p><p>�Wir werden nicht zulassen, dass auch nur ein einziges Opfer dieser Katastrophe umsonst gestorben ist, ob es nun Mitglied der Horde oder der Allianz war. Lasst sie uns durch unser Tun hier ehren. Also los, gehen wir wieder an die Arbeit!�</p><empty-line/><p>Jaina trat durch das Portal in Sturmwinds Tal der Helden, direkt unter der Statue von General Turalyon. Einst hatte General Jonathan hier patrouilliert, aber jetzt konnte sie keinen berittenen Soldaten sehen, der darauf wartete, Besucher zu begr��en oder Botschaften in Sekundenschnelle an den K�nig weiterzugeben. Ihr Blick fiel auf die Ger�ste, die um mehrere der T�rme herumstanden; die Zerst�rung, die Todesschwinge angerichtet hatte, war noch immer nicht g�nzlich behoben.</p><p>Sie hatte die Fokussierende Iris an einem sicheren Ort versteckt, nahe genug, dass ihre Aura und die des Artefakts f�r Kalecgos� suchende Sinne zu einem verschwammen. Davon abgesehen aber hatte sie keine <emphasis>Vorbereitungen</emphasis> f�r ihr Treffen mit Varian getroffen. Ihr Gesicht und die Roben waren noch immer schmutzig, ihr K�rper von kleinen Schnitten �bers�t und von Bluterg�ssen verf�rbt. Doch es k�mmerte sie nicht. Dies war kein formelles Abendessen, keine festliche Soiree. Was sie hierherf�hrte, war ein viel d�sterer und ernsterer Anlass, und sie sah keinen Grund, sich daf�r zu baden und zu schminken oder auch nur saubere Kleider anzulegen. Das einzige Zugest�ndnis an ihr Erscheinungsbild war der dunkle Umhang, dessen Kapuze sie tief in ihr Gesicht gezogen hatte, um ihr nunmehr wei�es Haar mit der einzelnen blonden Str�hne zu verbergen.</p><p>Die Nachricht vom grausigen Schicksal Theramores schien bereits bis nach Sturmwind vorgedrungen zu sein. Die Stadt war f�r gew�hnlich rund um die Uhr ein Ort reger Betriebsamkeit, aber nun war jegliche Unbek�mmertheit aus diesem Treiben gewichen, stattdessen wohnte ihm eine d�stere Verbissenheit inne. Die Soldaten, die auf den Stra�en patrouillierten, gr��ten die B�rger nicht mehr zwanglos, sondern marschierten zielstrebig dahin, w�hrend ihre Augen wachsam �ber die Menge schweiften. Die leuchtenden blauen und goldenen Banner waren eingeholt und durch schlichte schwarze Trauerfahnen ersetzt worden.</p><p>Jaina zog den Umhang enger um ihre Schultern und machte sich auf den Weg zur Burg. �Halt!�, rief da eine Stimme so schneidend und herrisch, dass Jaina instinktiv die H�nde zu einem Zauber hob, als sie sich eilig umdrehte. Doch dann hielt sie inne. Es war kein Mitglied der Horde, das sie angreifen wollte, sondern eine der Wachen von Sturmwind. Der Mann hatte sein Schwert gezogen, als sie sich so abrupt umgewandt hatte, und nun betrachtete er sie mit zusammengezogenen Augenbrauen. Einen Moment sp�ter, als seine Augen den ihren begegneten, verwandelte sich der grimmige Ausdruck auf seinem Gesicht in �berraschung.</p><p>Jaina zwang ein L�cheln auf ihre Lippen. �Euer Pflichtbewusstsein ist lobenswert, Sir�, sagte sie. �Ich bin Lady Jaina Prachtmeer � und bin hier, um eine Audienz bei Eurem K�nig wahrzunehmen.� Mit diesen Worten schob sie die Kapuze ein wenig zur�ck, um der Wache ihr Gesicht zu zeigen. Sie konnte sich nicht erinnern, diesem Mann schon einmal pers�nlich begegnet zu sein, aber es war davon auszugehen, dass er sie bei einem ihrer zahlreichen offiziellen Besuche bereits gesehen hatte. Doch selbst wenn nicht: Sie war eine ber�hmte Pers�nlichkeit, und viele Leute erkannten sie.</p><p>Es dauerte eine Sekunde, dann schob er sein Schwert in die Scheide zur�ck und verbeugte sich. �Verzeiht, Lady Jaina! Wir h�rten, es h�tte keine �berlebenden gegeben, au�er in den Au�enbezirken der Stadt. Dem Licht sei Dank, dass Ihr verschont bliebt!�</p><p><emphasis>Mit dem Licht hat das nichts zu tun</emphasis>, dachte sie. <emphasis>Der ganze Dank gilt Rhonin und seinem Opfer</emphasis>. Sie wusste noch immer nicht, warum sich der Erzmagier entschieden hatte, zur�ckzubleiben und zu sterben, w�hrend sie in Sicherheit gebracht wurde. Er war ein Ehemann und Vater von Zwillingen, au�erdem der Anf�hrer der Kirin Tor. Er besa� mehr, wof�r es sich zu leben lohnte als Jaina Prachtmeer. Sie h�tte mit ihrer Stadt untergehen sollen, jener Stadt, die sie nicht hatte retten k�nnen, weil sie zu vertrauensselig gewesen war.</p><p>Nichtsdestotrotz waren die Worte der Wache freundlich gemeint. �Danke�, erwiderte sie darum.</p><p>Der Soldat fuhr fort. �Wie Ihr sehen k�nnt, bereiten wir uns auf den Krieg vor. Jeder � wir waren alle entsetzt, als uns die Nachricht erreichte, dass ��</p><p>Jaina ertrug es nicht, noch mehr dar�ber zu h�ren und hob die Hand. �Ich bin dankbar f�r Eure Sorge�, erkl�rte sie. �Varian erwartet mich.� Das traf nat�rlich nicht zu. Er glaubte, dass sie gestorben sei, so wie Kinndy und die Leidende und Tervosh und � �Ich kenne den Weg.�</p><p>�Daran zweifle ich nicht, Lady. Falls Ihr irgendetwas braucht, ganz gleich was, w�re es eine Ehre f�r jede Wache von Sturmwind, Euch zu helfen.�</p><p>Er salutierte noch einmal und setzte anschlie�end seinen Patrouillengang fort, w�hrend Jaina in Richtung der Burg Sturmwind weiterging. Die Banner der Allianz, die hier f�r gew�hnlich hinter der Statue von K�nig Varian Wrynn hingen, waren ebenfalls durch schwarze Fahnen ersetzt worden. Jaina, die die Statue schon zuvor gesehen hatte, schenkte ihr kaum Beachtung, ebenso wenig dem Brunnen, auf dem sie stand. Schnellen Schrittes stieg sie die Stufen zum Haupteingang der Burg hinauf, und nachdem sie ihren Namen und ihr Begehr genannt hatte, sagte man ihr, dass Varian sie selbstverst�ndlich so bald wie m�glich empfangen werde.</p><p>Die Wartezeit wollte Jaina nutzen, um jemand anders einen Besuch abzustatten. Also schl�pfte sie durch eine Seitent�r in die K�nigliche Galerie.</p><p>Der Saal hatte den Angriff des gro�en schwarzen Drachen nicht unbesch�digt �berstanden, ebenso wenig wie die darin ausgestellten Kunstwerke. Einige der Statuen waren zerschmettert, Bilder von den W�nden geschleudert worden. Die Werke, die nicht mehr zu retten waren, hatte man bereits entfernt, und die Gem�lde, Schnitzereien und Statuen, die noch hier standen, warteten auf die Zuwendung des Restaurateurs.</p><p>Hier blieb Jaina stehen, so reglos, als w�re sie selbst aus Stein gehauen, und als die Gef�hle, die sich durch ihr Inneres w�hlten, sie erneut zu qu�len begannen, w�nschte sie, sie w�re es wirklich. Einen Moment sp�ter gaben ihre Knie nach, und sie fand sich auf dem Boden vor einer gro�en Statue wieder. Dieses Kunstwerk stellte einen stolzen Mann dar, mit langem Haar, das unter einem breiten Hut hervorwallte. Sein Schnurrbart war ordentlich gestutzt, sein gemei�elter Blick in die Ferne gerichtet. Eine Hand, an der nun zwei Finger fehlten, ruhte auf dem Griff seines Schwertes, die andere umschloss seinen G�rtel. Ein Riss zog sich im Zickzack vom rechten Stiefel aus �ber die Statue und bis hinauf zur Mitte seiner Brust. Jaina streckte die zitternde Hand aus und schloss sie um den steinernen Stiefel.</p><p>�Ist es wirklich erst f�nf Jahre her, seit ich meinen Pfad gew�hlt habe?�, fl�sterte sie. �Ich zog es vor, mich auf die Seite von Fremden zu schlagen, von Feinden, von Orcs, und nicht bei dir zu bleiben, Papa. Bei meinem eigenen Blut. Ich habe dich intolerant geschimpft, habe gesagt, dass Friede der richtige Weg sei. Und als du sagtest, du w�rdest sie immer hassen, du w�rdest niemals aufh�ren, gegen sie zu k�mpfen, erwiderte ich, sie w�ren auch nur � Leute. Dass sie eine Chance verdient h�tten. Jetzt bist du tot. Und meine Stadt ist auch tot.�</p><p>Tr�nen rannen an ihrem Gesicht hinab. In einem Teil ihres Gehirns, der von ihren Gedanken losgel�st war, nahm sie zur Kenntnis, dass diese Tr�nen violett waren und gl�hten � fl�ssige arkane Energie. Sie tropften auf den steinernen Sockel, auf dem die Statue ruhte, und verdampften zu lila Dunst.</p><p>�Papa � vergib mir! Vergib mir, dass ich die Horde so stark werden lie�! Vergib mir, dass ich ihnen die Gelegenheit gab, so viele unserer Leute abzuschlachten!� Sie hob den Kopf und blickte durch einen violett-wei�en Schleier zu der unerbittlichen Statue hinauf. �Du hattest recht, Papa. <emphasis>Du hattest recht!</emphasis> Ich h�tte auf dich h�ren sollen! Jetzt, jetzt, da es zu sp�t ist, habe ich es verstanden. Leider musste erst diese � Katastrophe geschehen, bevor ich begreifen konnte.�</p><p>Sie wischte sich mit dem �rmel �ber die tr�nennassen Augen. �Aber noch ist es nicht zu sp�t, um dich zu r�chen. Um K-kinndy zu r�chen, und die Leidende und Tervosh und Rhonin und Aubrey und all die Gener�le � und auch die anderen, die letzte Nacht in Theramore gefallen sind. Sie werden daf�r bezahlen. Die Horde wird bezahlen. Ich werde Garrosh vernichten, du wirst sehen. Wenn m�glich mit meinen eigenen H�nden. Ich werde ihn zerst�ren und jeden seiner verfluchten gr�nh�utigen Schl�chter auch. Ich verspreche es dir, Papa, ich werde dich nicht noch einmal entt�uschen. Ich werde nicht zulassen, dass sie noch mehr von unseren Leuten t�ten. <emphasis>Nie wieder</emphasis>. Das schw�re ich. Ich <emphasis>schw�re</emphasis> es ��</p><empty-line/><p>Jaina brauchte ein paar Sekunden, um sich zu sammeln, bevor sie nach drau�en zur�ckkehrte, um auf ihre Audienz bei Varian zu warten. Doch diese neu gewonnene Beherrschung wurde schon bald wieder zerschmettert, nachdem man sie angek�ndigt und in die Privatgem�cher des K�nigs gef�hrt hatte, denn dort begr��te sie nicht der hochgewachsene dunkelhaarige Mann, der einst ein Gladiator gewesen war, sondern ein schlanker flachsblonder Junge.</p><p>�Tante Jaina!�, rief Anduin und eilte zu ihr hin�ber, sein Gesicht voller Erleichterung. �Du lebst!�</p><p>Jaina wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie dachte an die Scherbe des Spiegels, und �</p><p>Er schlang die Arme fest um sie, aber Jaina stand wie erstarrt in dieser Umarmung. Der Junge merkte es sofort und trat einen Schritt nach hinten. Erst jetzt bemerkte er, wie sehr das Arkane sie ver�ndert hatte. Seine Augen weiteten sich.</p><p>�Was tust du hier?�, fragte sie, strenger, als sie eigentlich gewollt hatte.</p><p>�Ich habe mir Sorgen um dich gemacht�, sagte er. �Als wir erfuhren, was mit Theramore geschehen ist � Ich wollte hier sein. Ich wusste, falls du �berlebst, w�rdest du nach Sturmwind kommen.�</p><p>Sprachlos starrte sie ihn an. Was konnte sie auch schon sagen? Wie sollte sie diesem naiven Kind das Grauen begreiflich machen, das sie miterlebt hatte? Er war so unschuldig, wusste so wenig von der wahren Natur ihres Feindes. <emphasis>Ich war ganz fr�her auch einmal so naiv und unwissend wie er �</emphasis></p><p>�Jaina! Dem Licht sei gedankt!� Sie atmete auf und drehte sich herum, als der Kriegerk�nig in den Raum trat. Varian hegte schon lange einen pers�nlichen Groll gegen die Orcs. Anduin war noch zu jung, um Jaina zu verstehen, aber eines Tages w�rde er ihre Beweggr�nde begreifen; Varian hingegen verstand sie jetzt schon � jetzt, als es am meisten z�hlte.</p><p>Er war leger gekleidet und machte einen ersch�pften, gehetzten Eindruck. Aber da war auch Erleichterung und Freude auf seinem Gesicht, und als er sah, wie sie sich ver�ndert hatte, gesellte sich ein verwirrter Ausdruck hinzu.</p><p>Irritiert ob dieses Blickes schnappte Jaina: �Ich habe nur �berlebt, weil mich Erzmagier Rhonin durch ein Portal gesto�en und so in Sicherheit gebracht hat. Dennoch ging die Explosion auch an mir nicht spurlos vor�ber.�</p><p>Varian zog infolge der Direktheit ihrer Aussage eine Braue in die H�he. Aber dann nickte er und akzeptierte ihre Erkl�rung, ohne weiter nachzufragen. �Es wird Euch sicher freuen zu erfahren, dass Ihr nicht die einzige �berlebende seid�, sagte er. �Vereesa Windl�ufer, Shandris Mondfeder und ihre Sp�hmannschaften sind ebenfalls heil davongekommen. Die beiden sind in ihre jeweiligen Heimatst�dte zur�ckgekehrt und beraten sich mit ihrem Volk �ber den Krieg.�</p><p>Jaina wollte nicht an die verwitwete Vereesa oder ihre beiden vaterlosen Kinder denken. �Es freut mich, dies alles zu h�ren�, meinte sie. �Oh, Varian, ich muss Euch um Vergebung bitten. Ihr hattet recht. Schon die ganze Zeit �ber. Wieder und wieder habe ich Euch gesagt, wir k�nnten irgendwie zur Horde durchdringen, einen Weg f�r den Frieden finden. Aber das war eine Illusion. Was mit Theramore geschehen ist, beweist, was Ihr schon wusstet, als ich noch von der Hoffnung geblendet war und es nicht sehen wollte: Es kann keinen Frieden geben. Wir m�ssen Vergeltung an der Horde �ben. Jetzt. Sie werden alle nach Orgrimmar zur�ckkehren. Die Versuchung, seinen triumphalen Sieg �ber die Allianz zu feiern, ist zu gro� � Garrosh wird ihr nicht widerstehen k�nnen.�</p><p>Unmerklich zuckte Anduin zusammen, als er die Verbitterung in ihrer Stimme vernahm. �Es wird ein gewaltiges Gelage geben, seine ganze Armee wird sich dort versammeln. Einen besseren Zeitpunkt f�r den Gegenschlag gibt es nicht.�</p><p>Varian wollte etwas sagen. �Jaina ��</p><p>Doch sie fuhr unbeirrt fort und ging gestikulierend auf und ab. �Die Kaldorei werden sich sicher �berreden lassen, unsere Flotte mit ihren Schiffen zu verst�rken. Wir werden sie v�llig �berraschen, alle Orcs t�ten und die gesamte Stadt dem Erdboden gleichmachen. Wir werden ihnen einen Schlag versetzen, von dem sie sich nie wieder erholen. Wir werden ��</p><p>�Jaina.� Varians tiefe Stimme klang ruhig, als er nach ihren Handgelenken griff und sie mit sanfter Gewalt zwang, in ihrem hektischen Auf und Ab innezuhalten. �Beruhigt Euch bitte!�</p><p>Fragend blickte sie zu ihm auf. Wie konnte er jetzt von Ruhe sprechen?</p><p>�Ich bin sicher, Ihr wisst noch nicht davon, aber die Horde hat eine h�chst wirkungsvolle Blockade um den gesamten Kontinent errichtet. Die Kaldorei k�nnten uns nicht einmal helfen, falls sie es wollten. Das soll nat�rlich nicht hei�en, dass wir nicht zur�ckschlagen werden. Aber wir m�ssen dabei wohl�berlegt vorgehen. Wir brauchen eine Strategie, einen Plan, wie wir die Blockade durchbrechen und die Nordwacht zur�ckerobern k�nnen.�</p><p>�Wisst Ihr denn nicht, was sie mit der Feste getan haben?�, schnappte Jaina.</p><p>�Doch�, nickte Varian, �aber sie ist und bleibt ein strategisch wichtiger Au�enposten, den wir unter unsere Kontrolle bringen m�ssen, bevor wir gegen die Horde losschlagen k�nnen. Und wir m�ssen die Flotte wieder aufbauen. Viele gute M�nner sind bei Theramore gestorben; es wird eine Weile dauern, geeignete Leute von ihren Posten abzuziehen und diese L�cken zu schlie�en. Jaina, wir m�ssen das richtig in Angriff nehmen, sonst werden nur noch mehr Leute ihr Leben verlieren.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein. Daf�r haben wir keine Zeit.�</p><p>�Nein, wir haben keine <emphasis>Wahl</emphasis>�, entgegnete Varian. Auch jetzt lie� er seine Stimme ruhig und besonnen erklingen, und aus irgendeinem Grund machte das Jaina w�tend. �Wir haben es hier mit einem Krieg zu tun, der sich �ber zwei ganze Kontinente ausbreiten k�nnte, vielleicht sogar bis nach Nordrend. Falls ich in einen solchen Weltkrieg eintrete, in dem es keine sicheren Grenzen mehr gibt, werde ich mir vorher einen Plan zurechtlegen. Falls wir dagegen einfach Hals �ber Kopf losst�rmen, werden wir der Horde nur die Arbeit abnehmen.�</p><p>Jaina blickte zu Anduin hin�ber. Schweigend stand er da, sein Gesicht war blass, die blauen Augen betr�bt, aber er machte keine Anstalten, seinen Vater und seine Freundin bei dieser Auseinandersetzung �ber einen weltumspannenden Krieg zu unterbrechen. Kurz darauf richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Varian.</p><p>�Ich habe etwas in meinem Besitz, das uns helfen k�nnte�, erkl�rte sie. �Eine sehr m�chtige Waffe ist mir in den Scho� gefallen. Sie kann Orgrimmar zerst�ren, ebenso sicher und vollst�ndig, wie die Horde Theramore zerst�rt hat. Aber wir m�ssen jetzt handeln, solange ihre Armeen so t�richt in Orgrimmar versammelt sind. Andernfalls vertun wir eine einmalige Gelegenheit!�</p><p>Bei den letzten Worten wurde ihre Stimme lauter, und sie stellte fest, dass sie die H�nde zu F�usten geballt hatte. Es w�re mehr als gerecht, die Fokussierende Iris gegen Garrosh und sein geliebtes Orgrimmar einzusetzen. �Wir k�nnen sie allesamt ausl�schen. Jeden einzelnen dieser gr�nh�utigen ��</p><p>�Jaina!� Das Wort war ein einziger gequ�lter, scharfer Ausruf, und er stammte aus Anduins Mund. �berrascht verstummte sie.</p><p>�Was in Theramore geschehen ist, war mehr als nur eine Trag�die�, sagte Varian, w�hrend er Jaina sanft herumdrehte, n�mlich so, dass sie wieder ihn ansah. �Es war ein unwiederbringlicher Verlust und ein feiger, verabscheuungsw�rdiger Akt. Aber wir d�rfen diesen Verlust nicht noch schlimmer machen, indem wir weitere Allianzsoldaten unn�tig in den sicheren Tod schicken.�</p><p>�Gewiss gibt es auch in der Horde einige, die �ber diese Ereignisse w�tend sind�, warf Anduin ein. �Die Tauren zum Beispiel. Und sogar die meisten Orcs sch�tzen nichts mehr als die Ehre.�</p><p>Jaina neigte den Kopf. �Nein. Nicht mehr. Daf�r ist es zu sp�t, Anduin. Viel zu sp�t. Was geschehen ist, l�sst sich nicht r�ckg�ngig machen. Du hast nicht gesehen, was �� Ihr versagte die Stimme, und es dauerte einen Augenblick, bevor sie weitersprechen konnte. �Wir m�ssen zur�ckschlagen. Und wir d�rfen nicht damit warten. Wer wei� schon, welche Grausamkeit Garrosh und seine Horde aushecken, sollten wir es doch tun? Es darf kein zweites Theramore geben, Varian! Seht Ihr das denn nicht?�</p><p>�Keine Sorge, wir werden gegen sie k�mpfen � aber zu unseren Bedingungen.�</p><p>Sie wand sich aus dem Griff seiner H�nde frei und trat zur�ck. �Ich wei� nicht, was mit Euch geschehen ist, Varian Wrynn, aber Ihr habt Euch in einen Feigling verwandelt. Und du, Anduin: Es tut mir leid, dass ich dich in dem Irrglauben an eine heile Welt gelassen habe, du Kind. Es gibt keine Hoffnung auf Frieden; und wir haben keine Zeit mehr zu taktieren. Ich habe das Werkzeug ihres Untergangs in meiner Hand. Und Ihr seid ein Narr, diese Gelegenheit nicht zu ergreifen, Varian!�</p><p>Vater und Sohn stie�en gleichzeitig ihren Namen hervor, auf unterschiedliche Weise zwar, zugleich aber doch sehr �hnlich. Und dann machten sie bittend einen Schritt nach vorn.</p><p>Doch Jaina wandte ihnen beiden den R�cken zu.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Mit Wunden am K�rper und Schmerz im Herzen kehrte Kalecgos nach Nordrend und zum Nexus zur�ck. Trotz Jainas Worten war er ihr gefolgt, teils, weil er um ihre Sicherheit und geistige Gesundheit f�rchtete, teils aber auch, weil er gesp�rt hatte, dass sich die Fokussierende Iris noch immer in Theramore befand. Er war hinter ihr zur�ckgefallen � schlie�lich musste er fliegen, behindert durch die nicht unerheblichen Wunden, die er aus der Schlacht davongetragen hatte, w�hrend sie sich einfach teleportieren konnte.</p><p>Kalec hatte den gewaltigen Krater gesehen, und das wenige � das schrecklich wenige �, was die Manabombe von Theramore �brig gelassen hatte. Doch die Fokussierende Iris hatte er nirgendwo gefunden. Jemand musste sie geholt haben, und der Drache vermutete, dass es Garrosh war; die Leben von ein paar hordetreuen Untertanen waren nichts im Vergleich zur Macht dieses Artefakts. Gewiss hatte der Kriegsh�uptling eine Bergungsmannschaft losgeschickt, die ihm die Iris zur�ckbringen sollte.</p><p>Also hatte Kalec Kalimdor verlassen und war m�hsam und gequ�lt nach Norden geflogen. Er wusste, dass seine Suche au�er einer verw�steten Stadt, die stumm Zeugnis von seinem Versagen ablegte, keine Resultate erbracht hatte, von denen er seinen Br�dern und Schwestern beim blauen Schwarm erz�hlen konnte. Gewiss, er hatte sich ebenso unerwartet wie unzweifelhaft verliebt, aber wegen seiner Taten � oder seiner Vers�umnisse � war Jaina nun am Boden zerst�rt. Ein Teil von ihm wollte einfach abdrehen, in irgendeine Richtung davonfliegen und nie wieder anhalten. Doch das war nat�rlich unm�glich. Die blauen Drachen hatten ihr Vertrauen in Kalecgos gesetzt. Es war seine Pflicht, ihnen zu berichten, was geschehen war, au�erdem musste er herausfinden, welche Vorgehensweise sie nun von ihm erwarteten.</p><p>Kirygosa flog ihm entgegen, als er sich dem Nexus von S�den n�herte. Einen Augenblick lang sauste sie um ihn herum, um ihre Freude �ber seine R�ckkehr zu zeigen, dann setzte sie sich f�r den Rest des Weges neben ihn.</p><p>�Du bist verwundet�, sagte sie besorgt. Viele Schuppen waren von Kalecgos azurblauem K�rper gerissen worden, und auf der Haut darunter prangten h�ssliche Bluterg�sse. Er vermochte zwar noch zu fliegen, aber jeder Fl�gelschlag bereitete ihm Schmerzen.</p><p>�Ein wenig tut es weh, ja�, erkl�rte er.</p><p>�Das glaube ich�, erwiderte sie. �Was ist geschehen? Wir haben etwas Schreckliches gesp�rt � und warum hast du die Fokussierende Iris nicht bei dir?�</p><p>�Das ist eine Geschichte, die ich nur einmal erz�hlen m�chte�, erkl�rte er, und seine Stimme verriet, wie tief der Schmerz in seinem Herzen war. �W�rdest du bitte die anderen versammeln, liebste Kiry.�</p><p>Zur Antwort lie� sie sich unter ihn sinken, wobei sie seinen Kopf z�rtlich mit ihrem eigenen streifte, dann eilte sie davon, um seinen Befehl auszuf�hren. Als er im Nexus eintraf, wurde er bereits erwartet, und voll stiller Verzweiflung nahm er zur Kenntnis, dass der Schwarm in seiner Abwesenheit weiter zusammengeschrumpft war. Doch es freute ihn, dass zumindest Narygos, Teralygos, Banagos und Alagosa noch geblieben waren.</p><p>Er landete zwischen ihnen und blickte sich um, wobei er seine Drachengestalt beibehielt. �Ich bin zur�ck, doch die Nachrichten, die ich bringe, sind alles andere als erfreulich.� Sie standen schweigend um ihn herum, w�hrend er Bericht erstattete � �ber die Unterst�tzung, die Rhonin und die Kirin Tor ihm gew�hrt hatten, ebenso wie Jaina; �ber seine Probleme, den Standort der Fokussierenden Iris zu orten; und schlie�lich auch dar�ber, wie die Horde das Artefakt auf so verheerende Weise gegen die Allianz eingesetzt hatte. Dabei hielt er seine Stimme bewusst k�hl, denn er h�tte es nicht ertragen, all diese Dinge noch einmal zu durchleiden.</p><p>Die anderen lauschten schweigend, niemand stellte Zwischenfragen, keiner unterbrach ihn. Er hatte erwartet, dass sie w�tend sein w�rden, stattdessen schien der Gedanke, dass ihre Magie, ihre Fokussierende Iris, f�r solch b�sartige Verw�stung missbraucht worden war, sie nur noch melancholischer zu machen. Es sah aus, als w�re etwas in ihrem Inneren zerbrochen. Kalec konnte sie verstehen. Er empfand denselben Schmerz.</p><p>Mehrere Minuten lang sagte niemand etwas, dann schlie�lich hob Teralygos den Kopf, um traurig zu Kalecgos hin�berzublicken. �Wir haben versagt�, meinte er. �Unsere Aufgabe war es, daf�r zu sorgen, dass die Magie weise eingesetzt werde. Wir sollten sie h�ten. Aber nun seht, wie wenig wir dieser Pflicht gerecht geworden sind.�</p><p>�Ich trage die Schuld f�r dieses Versagen, Teralygos�, entgegnete Kalec. �Ich war der Aspekt. Ich konnte die Fokussierende Iris sp�ren. Und ich habe es nicht geschafft, sie noch rechtzeitig zu finden.�</p><p>�Sie wurde unter unser aller Augen gestohlen, nicht nur unter deinen, Kalecgos. Wir alle m�ssen die Verantwortung f�r dieses grausige Ereignis �bernehmen.�</p><p>�Ich bin euer Anf�hrer, solange ihr mich an eurer Spitze wollt�, erkl�rte Kalec, obwohl die Worte in seinem Mund wie Asche schmeckten, als er sie aussprach. �Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie wieder zur�ckzuholen.� <emphasis>Auch wenn sie jetzt wieder verschwunden ist. H�tte ich sie doch nur zerst�ren k�nnen, als sie noch unter der Himmelsgaleone hing!</emphasis></p><p>�Du bist genauso ratlos wie zu Beginn dieser Misere�, meinte Alagosa, und obwohl jetzt nur Trauer in ihrer Stimme lag und kein Tadel, trafen die Worte Kalecgos tief. Sie hatte recht.</p><p>�Die Iris befand sich in Theramore�, sagte er. �Sie wurde w�hrend des Angriffs nicht zerst�rt. Jemand hat sich wieder damit davongestohlen, und ich bin sicher, dass es die Horde gewesen ist.�</p><p>�Ich bin mir da nicht so sicher. Ich vermute, dass sie sich im Besitz von Jaina Prachtmeer befindet. Du sagtest, sie habe Theramore vor dir erreicht, und als du dann dort eintrafst, war die Fokussierende Iris verschwunden.�</p><p>Es waren nicht so sehr die Worte selbst, die Kalecgos �berraschten, vielmehr war es die Person, von der sie kamen. Die Anschuldigung, ausgesprochen in sanftem Tonfall, deshalb aber nicht weniger verbl�ffend, stammte n�mlich aus Kirygosas Mund. Sie hatte sich in die letzte Reihe zur�ckgezogen und stumm zugeh�rt, doch nun trat sie nach vorn.</p><p>�Jaina hat mir geholfen, sie zu finden�, entgegnete Kalec, der instinktiv Partei f�r die Lady Prachtmeer ergriff. �Sie wusste bereits vor der � sie wusste, welche Vernichtung die Iris anrichten k�nnte. Warum sollte sie das Artefakt denn willentlich an sich nehmen, ohne mir etwas davon zu sagen?�</p><p>�Vielleicht vertraut sie nicht darauf, dass sie bei dir sicher w�re�, meinte Kiry. Auch jetzt war keine Kritik in ihrer Stimme zu h�ren oder in ihrem Gesicht zu lesen, aber Kalec f�hlte sich nichtsdestotrotz verletzt. �Vielleicht hat sie auch vor, das Artefakt gegen die Horde einzusetzen.�</p><p>�Jaina w�rde nie ��</p><p>�Du wei�t doch gar nicht, was sie tun w�rde und was nicht�, unterbrach ihn Kirygosa. �Sie ist ein Mensch, Kalec, und du bist ein Drache. Ihr K�nigreich wurde von der Weltkarte getilgt, als h�tte man es mit Tinte �bermalt. Sie ist eine m�chtige Magierin, und die Fokussierende Iris � das Instrument, das den Tod ihrer Untertanen herbeif�hrte � war in ihrer Reichweite. Wir d�rfen diese M�glichkeit also nicht ausschlie�en. Vielmehr gilt es, entsprechende Ma�nahmen zu ergreifen. Falls sie �ber die Iris verf�gt, m�ssen wir das herausfinden � und sie uns zur�ckholen. Ganz gleich, um welchen Preis. Dieses Artefakt geh�rt uns, ein Teil des Blutes, das vergossen wurde, klebt also an unseren H�nden. Wir d�rfen nicht zulassen, dass es noch ein weiteres Mal eingesetzt wird.�</p><p>An ihrer Logik gab es nichts auszusetzen. Kalec erinnerte sich daran, dass Jaina vor Zorn und Trauer ganz au�er sich gewesen schien, als sie durch das Portal vor ihm geflohen war. Davon abgesehen hatte die arkane Magie der Explosion deutlich sichtbare Spuren an ihr hinterlassen. Ihr Haar war wei� verf�rbt, ihre Augen gl�hten � wenn das schon die Folgen f�r ihren K�rper waren, wie mochte die Manabombe dann erst ihr <emphasis>Wesen</emphasis> beeinflusst haben?</p><p>�Ich werde die Fokussierende Iris finden�, erkl�rte er mit schwerer Stimme. �Wer immer sie bei sich hat � Garrosh oder Jaina.�</p><p>Kiry z�gerte kurz und wechselte einen Blick mit Teralygos. �Vielleicht w�re es das Beste, wenn dich einige von uns bei der Suche begleiten w�rden.�</p><p>Kalec musste die w�tende Entgegnung, die ihm auf der Zunge lag, hinunterschlucken. Kiry war ihm stets eine gute Freundin gewesen; sie war ihm eine Schwester im Geiste, wenn auch keine Gef�hrtin. Sie lenkte den Verdacht nicht einfach nur auf Jaina, um ihn zu verletzen, sondern weil sie sich Sorgen machte. Dar�ber, dass seine Gef�hle f�r die Lady Prachtmeer stark genug sein k�nnten, um ihn bei seinen Pflichten dem Schwarm gegen�ber zu behindern. Zudem wusste sie, dass � falls sie recht hatte und Jaina die Iris besa� und einsetzte � Kalec sich das niemals verzeihen k�nnte.</p><p>�Ich bin dankbar f�r deine Sorge�, sagte er, �und ich wei�, du hast nur das Wohl unseres Volkes im Sinn, wenn du so sprichst. Bitte glaube mir, auch ich habe kein gr��eres Anliegen. Aber ich kann � und muss � mich allein um diese Angelegenheit k�mmern.�</p><p>Anschlie�end wartete er. Sollte aus den Reihen der Drachen vehementer Protest erschallen, w�rde er nachgeben und tun, was der Rest des Schwarms f�r das Beste hielt. Schlie�lich hatten ihnen seine eigenen Entscheidungen bislang wirklich nicht zum Vorteil gereicht.</p><p>Gl�cklicherweise teilten die meisten der blauen Drachen Kirys Skepsis nicht. Vermutlich hielten sie es f�r ausgeschlossen, dass Jaina, eine einzelne Menschenfrau, eine echte Bedrohung darstellen konnte. Allein Kiry wusste, wie au�ergew�hnlich m�chtig die Lady Prachtmeer wirklich war. Und das war auch der Grund daf�r, warum sie sich nicht der Meinung der anderen anschloss.</p><p>�Dann ist es also entschieden�, meinte Kalec. �Ich werde euch nicht noch einmal entt�uschen.�</p><p>Er sprach die Worte ohne echte �berzeugung, aber wider alle Wahrscheinlichkeit hoffte er, dass sie am Ende doch der Wahrheit entsprechen w�rden. Denn wer konnte schon sagen, ob die verwundete Erde es �berst�nde, sollte er sich wieder irren?</p><empty-line/><p>Vor nicht allzu langer Zeit hatte der damalige Kriegsh�uptling der Horde ein Gelage abgehalten, um die Veteranen zu empfangen, die im Nexuskrieg in Nordrend gegen Arthas gek�mpft hatten. Garrosh erinnerte sich noch lebhaft an die pr�chtige Parade nach Orgrimmar � er selbst hatte sie schlie�lich vorgeschlagen. Davon abgesehen hatte ihn Thrall an jenem Abend geehrt und ihm die Waffe seines Vaters �berreicht, deren beruhigendes Gewicht er nun auf seinem R�cken sp�rte.</p><p>Garrosh war stolz auf die Art, wie die K�mpfer der Horde in jenem Krieg gek�mpft hatten. Doch noch gr��er war sein Stolz auf das, was er bei der Feste Nordwacht erreicht hatte. In Nordrend hatte zumindest ein Teil des Sieges der Allianz geb�hrt, und bei diesem Gedanken schmeckte er Abscheu, so trocken wie Asche, auf seiner Zunge. Jetzt hingegen war alles ganz so, wie es sein sollte. Jetzt k�mpften sie <emphasis>gegen</emphasis> die Allianz. Gewiss, auch Thrall h�tte einen solchen Krieg beginnen k�nnen, an der n�tigen Macht h�tte es ihm nicht gemangelt. Doch er hatte vor dieser hellhaarigen Menschenmagierin klein beigegeben und stattdessen f�r den <emphasis>Frieden</emphasis> gek�mpft, als ob es zwischen den Orcs und ihren einstigen Unterdr�ckern �berhaupt so etwas geben k�nnte. Garrosh war fest entschlossen, das f�r die Allianz zu werden, was Grommash H�llschrei f�r die D�monen gewesen war; und genauso, wie sein Vater die Unterdr�ckung und Versklavung durch die D�monen beendet hatte, als er Mannoroth t�tete, so w�rde sein Sohn die nur auf den ersten Blick unscheinbareren Ketten des <emphasis>Friedens</emphasis> mit der Allianz sprengen. Fr�her oder sp�ter, da war er sich sicher, w�rden sogar Sturk�pfe wie Baine und Vol�jin von der Richtigkeit seiner Entscheidungen �berzeugt sein, und dann k�nnte es einen echten Frieden geben � nach den Regeln der Horde, auf Blut errichtet und durch Blut bewahrt.</p><p>Darum hatte er befohlen, dass dieser Empfang, dieser Triumphzug der Sieger in die Hauptstadt der Horde, selbst Thralls Feierlichkeiten in den Schatten stellen sollte. Zudem w�rde es nach der Parade weit mehr geben als nur ein Festgelage. Nein, Garroshs Anweisungen lauteten, dass sechs Tage lang gefeiert werden sollte. Es w�rde Raptork�mpfe in der Arena geben, Sparringsk�mpfe, in denen die besten Krieger der Horde ermittelt und mit gro�en S�ckeln voll Gold belohnt werden sollten! Dazu ein Gelage nach dem anderen, begleitet von Lok�tras und Lok�vandnods, w�hrend man die Stra�en der Stadt mit gutem orcischem Bier �berfluten w�rde.</p><p>Als er sich mit seinem Gefolge nun den Toren von Orgrimmar n�herte, sah Garrosh voller Freude, dass sich die Menge jubelnder Hordemitglieder nicht vor ihm teilte. Stattdessen riefen sie seinen Namen, bis er laut wie Donner erschallte, und Garrosh warf Malkorok einen zufriedenen Blick zu, w�hrend er die Lobpreisungen in sich aufsaugte.</p><p><emphasis>�Garrosh! Garrosh! Garrosh! Garrosh!�</emphasis></p><p>�Sie lieben Euch zu sehr, um Euch einfach durchzulassen�, meinte der Schwarzfelsorc. Er musste schreien, um das Johlen zu �bert�nen. �Erz�hlt Ihnen von Eurem Sieg! Sie m�chten die Geschichte von Euren Lippen h�ren!�</p><p>Garrosh lie� seinen Blick noch einmal �ber die Menge schweifen, dann br�llte er: �Soll ich Euch von meiner Vision erz�hlen?�</p><p>Er hatte nicht gedacht, dass es m�glich w�re, doch das Jubeln der Orcs wurde jetzt noch ohrenbet�ubender. Garroshs Grinsen zog sich in die Breite, als er ihnen mit einer Handbewegung bedeutete, still zu sein.</p><p>�Mein Volk! Ihr k�nnt euch gl�cklich sch�tzen. Nicht alle Orcs leben in einer so geschichtstr�chtigen Zeit wie dieser. In einer Zeit, da ich, Garrosh H�llschrei, Kalimdor f�r die Horde zur�ckerobern werde. Die Menschen sind wie eine Krankheit, und sie haben sich in Theramore festgesetzt. Die Insel musste durch die Essenz arkaner Magie gereinigt werden. Jetzt gibt es dort keine Menschen mehr! Jaina Prachtmeer wird unser Volk nicht l�nger mit ihren sanftm�tigen Parolen des Friedens kastrieren. Wir haben uns nicht von ihren Worten lenken lassen, und jetzt ist ihr K�nigreich nichts weiter als Staub. Doch das ist noch nicht genug. Als N�chstes werden wir uns um die Nachtelfen k�mmern. So lange schon haben sie uns die grundlegendsten Bed�rfnisse verwehrt. Wir werden ihnen ihre St�dte nehmen und ihr Leben, und die wenigen, die wir nicht t�ten, sollen Fl�chtlinge in den �stlichen K�nigreichen werden. Ich, Garrosh, werde ihnen ihren Hochmut austreiben und daf�r sorgen, dass sie um ein paar Brotkr�mel und einen Platz zu schlafen betteln, w�hrend wir, die Horde, uns ihre Reicht�mer aneignen. Ihre St�dte sind durch die m�chtigen Kriegsschiffe der Horde von jeder Unterst�tzung abgeschnitten, und sobald wir bereit sein werden, in ihre Gebiete einzufallen, werden sie unter unseren Klingen fallen wie das Getreide unter der Sense!�</p><p>Darauf folgte weiteres Jubeln, Lachen, Applaudieren, und schon bald erhob sich ein weiterer Gesang, ganz pl�tzlich, aber von seinen Worten inspiriert.</p><p><emphasis>�Tod der Allianz! Tod der Allianz! Tod der Allianz!�</emphasis></p><empty-line/><p>Baine sa� in einer Ecke des dunklen, nasskalten Gasthauses bei Klingenh�gel. Das wenige Licht, das durch die T�r hereinfiel, reichte nicht aus, um die Schatten aus dem Schankraum zu verscheuchen; alles, was die Sonnenstrahlen enth�llten, waren Staubpartikel, die in der Luft tanzten. Das Bier war schlecht, das Essen noch schlechter, aber der Taure war lieber hier als einige Kilometer im Norden, wo jetzt gerade ein Festmahl abgehalten wurde, wie die Horde noch nie eines erlebt hatte.</p><p>Garrosh hatte erkl�rt, die Armee d�rfe sich nicht aufl�sen. S�mtliche Krieger der Horde mussten in Durotar bleiben, der Kriegsh�uptling hatte Baine jedoch nicht angewiesen, an den Gelagen in Orgrimmar teilzunehmen. Dieses <emphasis>Vers�umnis</emphasis> war eine Beleidigung � und Baine zeigte sich genug, um das zu erkennen. Doch er war froh, nicht dort sein zu m�ssen. Der Kriegsh�uptling hatte die Horde unn�tiger Gefahr ausgesetzt und einen unendlich feigen Massenmord begangen. Der Taure war sicher, h�tte er auch nur einen Moment l�nger mit anh�ren m�ssen, wie man ihn daf�r mit Lobpreisungen �bersch�ttete, h�tte er vermutlich die Beherrschung verloren und diesen gr�nh�utigen Narren zum Duell herausgefordert � und h�tte er das getan, so h�tte die Horde darunter gelitten, ganz gleich, wer den Kampfplatz als Gewinner verlie�.</p><p>Doch es gab noch andere, die heute keineswegs in Feierlaune waren. W�hrend er sich an dem schlechten Bier g�tlich tat, behielt er den Eingang im Blick, und so sah er, wie nach und nach weitere Tauren eintraten. Sie nickten ihm zu, bevor sie sich setzten, und eine Weile sp�ter kam auch Vol�jin herein. Der Troll nahm nicht an Baines Tisch Platz, aber ihre Blicke trafen sich kurz. Ein paar Minuten sp�ter blickte der Oberh�uptling erneut auf, und zu seiner �berraschung sah er nun das helle Gold und Rot von Sin�dorei-Roben � und daneben die abgewetzten Fetzen der Verlassenen. Der Gedanke, dass andere sahen, was er sah, und f�hlten, was er f�hlte, gab ihm neuen Mut. Vielleicht gab es ja doch noch eine M�glichkeit, Garroshs Wahnsinn aufzuhalten � bevor die Horde einen schrecklichen Preis daf�r bezahlen musste.</p><empty-line/><p>Die salzgeschw�ngerte Luft vibrierte unter den Ger�uschen reger T�tigkeit, und das schon seit zwei Tagen � seit die Nachricht vom Untergang Theramores Varian erreicht hatte. Es stand zu bezweifeln, dass wieder Ruhe einkehren werde, bevor diese Krise vor�ber w�re. Die Ger�uschkulisse war von Hektik gezeichnet � Bretter wurden zurechtgeschnitten, N�gel in Holz geschlagen, Kriegsmaschinen adjustiert. Das Bellen von Zwergen und die hellen Stimmen von Gnomen setzten die Akzente in diesem L�rm, der von best�ndiger Betriebsamkeit herr�hrte.</p><p>Nicht ein B�rger von Sturmwind beschwerte sich �ber die Ruhest�rung, denn diese Ger�usche bedeuteten Hoffnung. Sie waren wie die Stimme der Allianz, die damit erkl�rte, dass sie sich nicht durch einen einzelnen feigen Akt einsch�chtern lie�.</p><p>Broll B�renfell, Varian und Anduin standen nebeneinander und blickten auf den Hafen hinaus. Der Tag war gerade erst angebrochen, und die Segel, die auf einem der gro�en, neuen Schiffe gehisst wurden, leuchteten im Schein der rosafarbenen Sonne, die �ber den Horizont sp�hte.</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Arbeiter auf einem Fleck gesehen zu haben � nicht einmal in Eisenschmiede�, sagte Anduin. Der Junge hatte darum gebeten, in Sturmwind bleiben zu d�rfen, bis die Flotte aufbrach. Erst dann wollte er wieder zu den Draenei und seinen Lehrb�chern zur�ckkehren. Die Begegnung mit Jaina hatte sowohl Vater als auch Sohn verwirrt und ersch�ttert, und vor allem Anduin k�mpfte noch immer unter dem Schock, die sonst so friedliebende <emphasis>Tante Jaina</emphasis> derart hasserf�llt erlebt zu haben. Nach ihrem Besuch hatten sich die beiden bis sp�t in die Abendstunden unterhalten, der Mann, der einst Jainas neue Einstellung geteilt hatte, und der Junge, der vor solchen Gedanken zur�ckschreckte. Sie hatten dar�ber gesprochen, wie Trauer und Verlust einen Menschen ver�ndern konnten, und �ber das, was Krieg und Gewalt mit einem anzustellen vermochten.</p><p>Schlie�lich hatte Anduin traurig, aber entschlossen zu seinem Vater aufgeblickt. �Ich wei�, das sind schreckliche Dinge�, hatte er gesagt. �Und � ich wei� auch, dass wir die Horde angreifen m�ssen. Sie haben uns gezeigt, wozu sie in der Lage � und auch bereit � sind, und wir d�rfen nicht zulassen, dass noch mehr unschuldige Personen zu Schaden kommen. Aber ich m�chte nicht wie Jaina sein. Nicht, wenn es um diese Sache geht. Wir m�ssen unser Volk besch�tzen � aber das hei�t nicht, dass wir es mit Hass in unserem Herzen tun sollten.�</p><p>Bei diesen Worten hatte Varians Herz vor Stolz h�her geschlagen. Diese Einsicht, so widerstrebend sie auch �ber Anduins Lippen gekommen war, hatte er nicht von seinem Sohn erwartet. Gleichzeitig war er verbl�fft, dass er selbst Jainas Gef�hle nicht teilte. Da hatte er einmal mehr erkannt, wie sehr sich der Mann, der er einmal gewesen war, gewandelt hatte.</p><p>Einst war er so voller Zorn und Hass gewesen, ein Teil von ihm hatte st�ndig im Krieg mit der Welt gestanden. Damals war er im wahrsten Sinn des Wortes in zwei Pers�nlichkeiten gespalten gewesen, und diese beiden H�lften k�rperlich wieder zusammenzuf�hren, war nur ein Teil des Kampfes gewesen.</p><p>Anschlie�end hatte man ihm beigebracht, wie er mit dem Segen des Wolfgottes, Goldrinn, diesen w�tenden Teil seiner selbst wieder in seine Seele zur�ckholen konnte. Seit jener Zeit hatte er f�rwahr gro�e Fortschritte gemacht.</p><p>Vielleicht w�rde er eines Tages ja sogar so weise wie sein Sohn sein.</p><p>Broll war auf magischem Wege von Teldrassil hierhergekommen, eine F�higkeit, die die meisten seiner Leute jetzt wohl gerne bes��en. Die Nachricht von der Blockade war ern�chternd gewesen, aber nicht unerwartet gekommen.</p><p>�Es tut gut, diese Vorbereitungen zu sehen�, bemerkte der Druide, als die drei nun Seite an Seite standen. �Aber glaube nicht, dass ihr allein segeln werdet, Varian. Ein gro�er Teil unserer Flotte sitzt zwar hinter dem Blockadeg�rtel der Horde fest, aber wir haben auch andernorts Schiffe. Und Malfurion und Tyrande brennen ebenfalls darauf, dich nach Kr�ften zu unterst�tzen. Nicht mehr lange, dann siehst du vermutlich auch ein paar Dutzend unserer stolzen Schiffe neben den deinen vor Anker liegen.�</p><p>Anduin drehte sich herum und musterte den Druiden, aber er musste schon den Hals strecken, um zu diesem Freund seines Vaters hochzublicken. Der Junge wusste, dass auch Broll schon mit Verlust und Zorn und Hass gerungen hatte. Dass der Druide und Varian, beides ehemalige Gladiatoren, nun hier standen und sich so �ber das Geschehene unterhielten, ohne Freude, sondern eher mit Bedauern, das gab dem Prinzen gewiss neue Hoffnung, �berlegte der K�nig. Mehr noch, beim Licht, es schien ihn zu <emphasis>ermutigen</emphasis>.</p><p>�Dann werdet Ihr also nicht versuchen, Euch einen Weg durch die Blockade freizuk�mpfen?�, fragte Anduin.</p><p>�Nein. Unsere Energien sind zu diesem Zeitpunkt am sinnvollsten genutzt, wenn wir zusammenarbeiten. Die Leben, die wir opfern, sollen nicht umsonst zugrunde gehen, Anduin. Und unsere Chancen auf einen Sieg stehen besser, wenn wir gemeinsam an unserer Strategie arbeiten.�</p><p>Anduins goldenes Haupt wandte sich wieder den Schiffen im Hafen zu. �Warum hat die Horde das getan? Sie wussten nicht, dass wir die Zivilisten in Sicherheit gebracht hatten. Sie haben einfach �� Seine Stimme verhallte, und sanft legte Varian die Hand auf die Schulter seines Sohnes.</p><p>�Die einfache Antwort ist, dass die Horde nur aus Monstern besteht. Was sie getan haben, war ohne Zweifel monstr�s. Au�erdem fallen mir zu Garrosh und seinen Kor�kron noch ein paar Worte ein, die ich nicht in der Gegenwart eines Kindes aussprechen m�chte.� Kurz lag der Hauch eines Grinsens auf Anduins Lippen, dann wurde er wieder ernst, als Varian fortfuhr: �Ich wei� nicht, warum, Sohn. Ich w�nschte, ich k�nnte dir sagen, warum manche Personen solch schreckliche Dinge tun. Ich wei�, dass auch viele, die nicht zur Allianz geh�ren, im Stillen Kritik an Garrosh �ben, aber das kann nichts an meinem Beschluss �ndern.�</p><p>�Allerdings � wir werden doch nicht so k�mpfen wie Garrosh, oder?�</p><p>�Nein�, antwortete Varian. �Das werden wir sicherlich nicht.�</p><p>�Aber falls er bereit ist, Dinge zu tun, vor denen wir zur�ckschrecken � bedeutet das denn nicht, dass er uns besiegen wird?�</p><p>�Nicht, solange noch Leben in diesem K�rper steckt�, brummte Broll.</p><p>�Oder in diesem�, f�gte Varian hinzu. �Die Welt ist � aus den Fugen geraten. Ich habe in der Grube Gewalt und Blut und Wahnsinn gesehen, aber niemals h�tte ich erwartet, dass ich einmal so etwas sehen w�rde wie das, was Jaina miterleben musste.�</p><p>�Glaubst � glaubst du, sie wird sich wieder erholen? Von dem Schmerz, den ihr diese Ereignisse zugef�gt haben?�</p><p>�Ich hoffe es.� Diese Worte waren alles, was Varian darauf erwidern konnte. �Ich hoffe es.�</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Die Violette Zitadelle wirkte still und d�ster, als Jaina die Steinstufen aus der Eingangshalle langsam hinaufstieg. Schmerz erf�llte diesen Ort. Einst hatte sie sich in Dalaran fr�hlich und unbeschwert gef�hlt, was nat�rlich zum einen Teil an der Eleganz der Bauwerke und Verzierungen lag, vor allem aber daran, dass die Magie an diesem Ort allgegenw�rtig schien. Jetzt hingegen f�hlte sich die Stadt an, als lastete � ein schweres Gewicht auf ihr. Jaina, die ihre eigenen B�rden tragen musste, konnte es sp�ren, und sie empfand ein tiefes Mitgef�hl mit all denen, die so viel verloren hatten.</p><p>Mehrere �u�erst m�chtige Magier, einschlie�lich des Anf�hrers der Kirin Tor, dazu ein Verr�ter, der zumindest einen Teil der Verantwortung f�r diese bitteren Verluste trug. Kein Wunder, dass selbst die Luft in Dalaran mit Trauer vollgesogen schien.</p><p>�Lady Prachtmeer�, sagte eine br�chige Stimme hinter ihr, und als Jaina sich umdrehte, traf sie ein erneuter Stich des Mitgef�hls.</p><p>Vereesa Windl�ufer stand allein in der gro�en Eingangshalle, gekleidet in einen neuen Plattenpanzer, der in mehreren Silber- und Blaut�nen schimmerte. Alle Wunden, die sie w�hrend der Schlacht davongetragen haben mochte, waren inzwischen wieder vollst�ndig oder zumindest gr��tenteils verheilt � alle bis auf eine, die nie verheilen w�rde, wie Jaina wusste.</p><p>Die Witwe von Rhonin wirkte so teilnahmslos, als w�re sie nicht mehr als eine zum Leben erwachte Statue. Allein der Zorn, der in ihren blauen Augen funkelte, st�rte dieses Bild, und Jaina fragte sich, ob diese Wut wohl der Horde galt, die ihren Ehemann umgebracht hatte, oder vielleicht ihr? Oder gar sich selbst, weil sie �berlebt hatte?</p><p>�Waldl�ufergener�lin Vereesa�, gr��te sie. �Ich � mir fehlen die Worte.�</p><p>Vereesa sch�ttelte den Kopf. �<emphasis>Worte</emphasis> sind bedeutungslos�, erkl�rte sie rundheraus. �Allein Taten z�hlen. Ich habe auf Euch gewartet, seit ich h�rte, dass Ihr noch lebt, denn ich wusste, Ihr w�rdet kommen. Nun stehe ich also vor Euch und bitte Euch: Helft mir, das zu tun, was ich tun muss. Ihr habt �berlebt; mein geliebter Gatte nicht. Ihr, ich und eine Handvoll Nachtelfen aus der Schildwache sind die Einzigen, die noch Zeugnis von dem Blutbad in Theramore ablegen k�nnen. Ihr seid gewiss hier, um mit den Kirin Tor zu sprechen. D�rfte ich fragen, was Ihr ihnen zu sagen gedenkt?�</p><p>Jaina wusste, dass Vereesa die Leiterin des Silberbundes war, einer Vereinigung, die die Hochelfin selbst gegr�ndet hatte, um einem m�glichen Verrat durch die Sonnenh�scher entgegenzuwirken � das waren jene Blutelfen, denen man Zutritt zu den Reihen der Kirin Tor gew�hrt hatte. In dieser Funktion suchte Vereesa die �ffentlichkeit und �bte auch offen Kritik, im Kreise der Kirin Tor hatte sie jedoch offiziell keine Stimme. Jaina eigentlich ebenso wenig, aber sie war die einzige �berlebende, die aus erster Hand von dieser Katastrophe berichten konnte. Au�erdem hatte Rhonin ausgerechnet sie durch ein Portal in Sicherheit gebracht, noch w�hrend er die Manabombe zu sich herangezogen hatte � Vereesa wusste also, dass man ihr eine Audienz gew�hren w�rde. Jetzt, da Rhonin fort war, musste Jaina pl�tzlich wieder an ihre Unterhaltung denken, daran, wie er ihr gesagt hatte, dass viele bei den Kirin Tor w�nschten, sie h�tte einen anderen Pfad gew�hlt und sich ihren Reihen angeschlossen.</p><p>Es traf zu, Jaina war kein Mitglied der Kirin Tor, aber sie w�rde ohne jeden Zweifel vor ihnen sprechen d�rfen.</p><p>Vereesa blickte sie noch immer an, ihr Gesicht stellte eine undurchdringliche Maske dar, hinter der sich sicherlich ein Mahlstrom aus Verzweiflung und Wut verbarg. Pl�tzlich von ihren eigenen Gef�hlen �berw�ltigt, trat Jaina auf sie zu, und die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. �Rhonin dachte nur an zwei Dinge, als er starb. Er wollte die Gewissheit, dass Ihr �berlebt � und er wollte mich in Sicherheit bringen. Er hat unser beider Leben gerettet, indem er sein eigenes opferte.�</p><p>�� was?�</p><p>�Die Bombe landete nur deshalb an dieser Stelle, weil Rhonin sie zu sich heranzog. Der Turm war schwer befestigt und durch Magie gesch�tzt. Er glaubte, dort richte die Explosion weniger Schaden an als ��</p><p>Erste Risse zeigten sich in der Fassade, als Vereesa eine zitternde Hand an die Lippen hob, doch sie lauschte weiter auf Jainas Worte.</p><p>�Er � er sagte mir, ich m�sse �berleben, weil ich die Zukunft der Kirin Tor w�re, und dass wir beide sterben w�rden, falls ich nicht durch das Portal ginge, das er unter solchen M�hen offen hielt � dann w�ren all seine Anstrengungen umsonst gewesen. Als ich mich weigerte zu gehen, da stie� er mich hindurch. Vereesa, ich wei� nicht, warum er das getan hat. Theramore war doch meine Stadt; ich h�tte f�r sie sterben sollen. Stattdessen war er es, der sich opferte. Und solange ich lebe, werde ich das nicht vergessen. Ich werde alles tun, um mich seines Opfers als w�rdig zu erweisen. Ich war <emphasis>dort</emphasis>, Vereesa. Ich wei�, was er getan hat. Und ich werde dem Rat vorschlagen, daf�r zu sorgen, dass die Horde nie, niemals wieder eine so m�chtige Stellung innehaben wird. Damit niemals wieder jemand so entsetzlich leiden muss wie wir.�</p><p>Vereesas Lippen verzogen sich zu einem bebenden L�cheln. Bevor sich Jaina versah, hatte die andere Frau sie fest umarmt, und sie sp�rte warme Tr�nen an ihrem Hals.</p><empty-line/><p>Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche stand Jaina in der Kammer der Luft. Alles sah genauso aus wie bei ihrem letzten Besuch, sofern etwas, das sich st�ndig ver�nderte, �berhaupt <emphasis>genauso aussehen</emphasis> konnte. Der schlichte graue Steinboden unter ihren F��en war derselbe, und das Bild eines ewig von Tag zu Nacht und von Sturm zu Sternenzelt wechselnden Himmels schien ihr zumindest vertraut zu sein. Dennoch war nun nichts mehr so wie noch vor ein paar Tagen. Der erhabene Ausblick faszinierte sie nicht l�nger, ebenso wenig f�hlte sie sich geehrt, vor dem Rat der Sechs sprechen zu d�rfen. V�llig unger�hrt blickte sie in die Gesichter der verbliebenen Ratsmitglieder.</p><p>Neben ihnen � wenn sie auch nicht offiziell eine von ihnen war � stand die wie versteinert wirkende Vereesa. Jaina war froh, dass man ihr gestattet hatte, an diesem Treffen teilzunehmen. Das Recht dazu hatte sie sich teuer verdient, als sie den einen verlor, den sie mehr liebte als alles andere in der Welt.</p><p>�Der Anlass, der Lady Jaina Prachtmeer ein zweites Mal in diese Hallen f�hrt, ist ein �u�erst betr�blicher. Dennoch freut es uns zu sehen, dass Ihr �berlebt habt.� Es war Khadgar, der das Wort ergriff, und so, wie er dastand, schien er pl�tzlich wirklich so alt zu sein, wie sein Aussehen glauben machte. Seine Stimme war m�de, au�erdem st�tzte er sich schwer auf seinen Stab. Und selbst seine einst so lebhaften Augen wirkten tr�be und alt. Seine Gef�hrten machten einen ebenso ausgelaugten Eindruck. Modera hatte dunkle Ringe unter den Augen, und der disziplinierte Karlain hatte ganz offensichtlich die gr��te M�he, seinen Zorn und Schmerz zur�ckzuhalten. Aethas, der Anf�hrer der Sonnenh�scher, der Thalen Sangweber nach Theramore geschickt hatte, trug noch immer seinen Helm. Darum konnte Jaina seine Miene nicht erkennen, aber sein K�rper wirkte angespannt.</p><p>�Danke, dass Ihr mich empfangt�, sagte Jaina. �Vergebt mir, wenn ich f�r Formalit�ten keine Zeit verschwende! Als ich vor nicht allzu langer Zeit hierherkam, war es, um die Hilfe der Kirin Tor bei der Verteidigung von Theramore zu erbitten. Ihr habt mir diese Unterst�tzung gew�hrt, und ich bin Euch daf�r dankbar. Doch nun trauere ich mit Euch, denn Erzmagier Rhonin ist tot. Er starb als Held, und nur ihm verdanke ich es, dass ich noch lebe. Seine Geste ehrt mich, und ich habe geschworen, ihr gerecht zu werden, so gut ich nur kann. Aber ich will keine langen Reden halten, also werde ich direkt zum Punkt kommen: Ich bin hier, weil ich m�chte, dass Ihr die Allianz bei einem Angriff auf die Horde unterst�tzt. Garroshs Armeen haben sich in Orgrimmar versammelt, um zu speisen und zu trinken und ein Massaker zu feiern. Falls wir jetzt zuschlagen, k�nnen wir sie so vernichtend besiegen, dass sie nie wieder in der Lage sind, solche Gr�ueltaten zu begehen.�</p><p>�Dalaran ist neutral�, erkl�rte Modera. �Wir sind nur nach Theramore gekommen, um zu beraten und zu besch�tzen.�</p><p>�Und h�ttet Ihr mehr als nur das getan, w�rde Theramore auf zuk�nftigen Karten vielleicht noch verzeichnet sein�, schnappte Jaina. �Rhonin gab sein Leben, um die Zerst�rung durch die Manabombe m�glichst gering zu halten. W�ren mehr Magier dort gewesen � h�tten die Kirin Tor ihre ganze Macht auf die Seite von Theramore gestellt �, dann k�nnte er jetzt noch leben.�</p><p>�Ich bin � angewidert von Garroshs Grausamkeit�, sagte Aethas. �Und ich �bernehme die volle Verantwortung f�r den Schaden, den einer meiner Sonnenh�scher angerichtet hat. Aber Orgrimmar anzugreifen, das kann unm�glich die Antwort sein.�</p><p>�Euch Sonnenh�schern darf man nicht trauen�, zischte da pl�tzlich Vereesa. Beschw�rend blickte sie die anderen Mitglieder des Rates an. �Warum ist er �berhaupt noch hier? Sie sind Verr�ter, bis zum letzten Blutelfen! Ich habe Euch gewarnt! Ihr h�ttet nie gestatten d�rfen, dass sie den Kirin Tor beitreten!�</p><p>�Die Geschichte ist voller menschlicher und hochelfischer und gnomischer und orcischer Verr�ter�, entgegnete Aethas mit bemerkenswerter Beherrschung. �Ich werde tun, was ich kann, um Wiedergutmachung f�r den Verrat dieses Sonnenh�schers zu leisten. Ich habe ihn als Zeichen meines guten Willens nach Theramore geschickt, und die bittere Ironie dieser Tatsache ist mir durchaus bewusst. Aber wir d�rfen uns nicht in Rachegedanken ergehen. Wir m�ssen an unserer Neutralit�t festhalten.�</p><p>Ein paar andere nickten, und Khadgar blickte nachdenklich drein, als ginge er alles Geh�rte in seinem Kopf noch einmal durch. Jaina war fassungslos ob dieser Reaktionen, ob dieses Z�gerns.</p><p>�Was muss noch geschehen, bevor Ihr erkennt, dass sich die Horde fr�her oder sp�ter auch gegen Euch wenden wird? Sie wissen nicht, was das Wort <emphasis>neutral</emphasis> bedeutet, ebenso wenig wie <emphasis>Diplomatie</emphasis> oder <emphasis>Anstand</emphasis> zu ihrem Wortschatz geh�ren. Sie werden Kalimdor einnehmen, und danach werden sie sich den �stlichen K�nigreichen zuwenden. Und dann werden sie hierherkommen. Wenn Ihr Euch heute weigert, sie aufzuhalten, werden sie morgen oder �bermorgen ihre Klauen nach Dalaran selbst ausstrecken! Darum bitte ich Euch: Schlagt mit uns zu, solange wir es noch k�nnen! Wir haben die Stadt schon einmal angegriffen � lasst es uns nun ein zweites Mal tun! Tragen wir den Krieg nach Orgrimmar. Greifen wir von oben an, w�hrend sie noch betrunken auf dem Boden liegen und von weiteren Eroberungen tr�umen! Ihr habt Rhonin und eine ganze Stadt verloren? Reicht Euch das denn nicht? Wollt Ihr erst handeln, wenn Teldrassil gefallen ist? Wenn sie einen Weltenbaum niedergebrannt haben?�</p><p>�Lady Jaina�, sagte Modera, �Ihr habt unaussprechliches Leid durchstanden. Ihr musstet zahlreiche Gr�uel mit ansehen und erleben, wie ein Freund starb, um Euch zu retten. Glaubt mir, hier gibt es niemanden, der die Taten der Horde guthei�t. Aber � wir m�ssen uns besprechen, bevor wir �ber unser weiteres Vorgehen entscheiden. Sobald wir eine �bereinkunft getroffen haben, werden wir es Euch mitteilen.�</p><p>Jaina biss sich auf die Zunge, um die Flut an w�tenden Entgegnungen zur�ckzuhalten. Der Rat der Sechs w�rde das Richtige tun. Er <emphasis>musste</emphasis> es ganz einfach.</p><empty-line/><p>Pakke und Jaxi Funkenleuchter fand sie in einer ruhigen Nische des Gasthauses <emphasis>Zum Gefeierten Helden</emphasis>. Das sonst so lebhafte und helle Gasthaus war von Stille und Schatten erf�llt; �Gefeiert� wurde hier im Augenblick beileibe nichts. Jaina z�gerte auf der T�rschwelle, unsicher, ob sie das Ehepaar nicht vielleicht doch besser alleine trauern lassen sollte. Zudem wusste sie nicht, ob sie das Leid ertragen k�nnte, das sie in den Augen der beiden zu sehen bek�me. Sie hatten ihr Kinndy anvertraut, und sie hatte es nicht geschafft, ihre Tochter zu besch�tzen. Es war nicht einmal genug von ihr �brig geblieben, um sie zu beerdigen.</p><p>Jaina schloss die Augen gegen das Brennen der Tr�nen und wandte sich ab, um das Gasthaus zu verlassen. Doch genau in diesem Moment drang eine Stimme an ihre Ohren. �Lady Prachtmeer?�</p><p>Sie zuckte zusammen, drehte sich aber wieder herum. Die beiden Gnome waren hinter ihrem Tisch hervorgerutscht und kamen auf sie zu. Wie alt sie inzwischen wirkten!, dachte die Lady von Theramore. Kinndy war Pakke und Jaxi erst sp�t geschenkt worden, ein kleines <emphasis>Wunder</emphasis> hatten sie sie genannt. Nun hallten auch Jainas eigene Worte in ihrem Kopf wider: <emphasis>Ich gebe Euch mein Wort, ich werde sie besch�tzen, so gut ich nur kann.</emphasis></p><p>Sie hatte vorgehabt, Kinndy wortreich zu loben, um dem M�dchen gerecht zu werden und ihrer trauernden Familie etwas Trost zu spenden. Sie sollten wissen, dass ihre Tochter gut und tapfer gek�mpft hatte, dass sie das Leben jeder Person erhellt hatte, der sie begegnet war. Dass sie bei dem Versuch gestorben war, andere zu verteidigen.</p><p>Was stattdessen aus ihr hervorplatzte, war: �Es tut mir leid. Es tut mir so leid!� Nun waren es die Funkenleuchters, die Jaina Prachtmeer Trost spenden mussten. Nach einigen Sekunden setzten sie sich wieder an den Tisch und begannen �ber Kinndy zu sprechen, allesamt erf�llt von dem Wunsch, dass ihr pers�nlicher Heilungsprozess bereits weiter vorangeschritten w�re.</p><p>�Ich habe die Kirin Tor um Hilfe gebeten�, sagte Jaina schlie�lich, als sie das Gef�hl hatte, ihre Gef�hle w�rden sie �berw�ltigen, wenn sie noch weiter �ber ihre Sch�lerin sprach. �Ich hoffe, sie werden sich der Allianz beim Angriff auf Orgrimmar anschlie�en. Damit nicht noch mehr Leute so enden m�ssen wie � wie Kinndy.�</p><p>Pakke wandte einen Moment den Blick ab, und Jaina erkannte, dass er dem L�uten des Glockenturms lauschte. Doch bevor sie sich daf�r entschuldigen konnte, dass sie die beiden so lange aufgehalten hatte, rutschte der Gnom von seinem Stuhl. �Es ist neun Uhr.�</p><p>�Oh ja!� Jetzt fiel es ihr wieder ein. �Ihr entz�ndet die Stra�enlaternen in Dalaran. Ich m�chte Euch nicht weiter aufhalten.�</p><p>Der kleine Magier schluckte hart, und dann funkelten seine hellen Augen noch heller, als sie sich mit Tr�nen f�llten. �Begleitet mich doch auf meiner Runde�, schlug er vor. �Ich habe � eine Sondergenehmigung. Zwar nur f�r einmal, aber � es w�rde mir viel bedeuten.�</p><p>Kurz flackerte wieder Jaxis altes Selbst auf, w�hrend sie die beiden vor sich her zum Eingang des Gasthauses scheuchte. �Ich habe ihn schon auf seiner Runde begleitet�, erkl�rte sie. �Ich glaube, es w�re gut, wenn Ihr mit ihm ginget.�</p><p>Jaina war verwirrt, aber Schmerz und Schuldgef�hle hatten sie noch immer so fest in ihrem Griff, dass sie vermutlich alles tun w�rde, worum die Funkenleuchters sie bitten mochten. So folgte sie Pakke nach drau�en, wobei sie ihre Schritte verlangsamte, damit sie den Gnom nicht sofort �berholte.</p><p>Er schlurfte auf die Stra�e, und nachdem er unter einer der Laternen stehen geblieben war, zog er einen kurzen Stab mit einem beinahe schon kindisch wirkenden Stern an der Spitze hervor. Mit mehr Anmut, als man ihm eigentlich zutrauen wollte, richtete er den Stab auf die Lampe.</p><p>Ein Funke stob von der Spitze und tanzte wie ein Gl�hw�rmchen durch die Luft. Doch die gl�hende magische Flamme entz�ndete die Laterne nicht sogleich; stattdessen malte sie Linien in die Luft oberhalb der Lampe. Jainas Augen weiteten sich, dann f�llten sie sich mit Tr�nen.</p><p>Denn das goldene Licht zeichnete die Gestalt eines lachenden Gnomenm�dchens mit Z�pfen nach. Nachdem die letzte Linie gezogen war, erwachte die winzige Gestalt kurz zum Leben, und als sich kleine H�nde vor einen lachenden Mund hoben, h�tte Jaina schw�ren k�nnen, dass sie Kinndys Stimme h�rte. Das Bild verschwamm vor ihren Augen, und als sie zu Pakke hinabblickte, sah sie, dass auch der Gnom weinte. Seine Lippen hatten sich jedoch zu einem liebevollen L�cheln verzogen. Einen Moment sp�ter l�sten sich die goldenen Linien auf und flossen zu einem gr��eren Feuerball zusammen, der anschlie�end unter den Schirm der Lampe glitt. Nun, da die Laterne entz�ndet war, schlurfte Pakke zur n�chsten hin�ber. Jaina blieb, wo sie war, und beobachtete, wie der Magier seiner ermordeten Tochter auch dort Tribut zollte, indem er sie f�r ein paar Sekunden wieder zum <emphasis>Leben</emphasis> erweckte. Sie war sich sicher, dass er dieses Ritual von nun an jede Nacht zelebrieren w�rde. Irgendwann, wenn die Trag�die aus dem Ged�chtnis der Leute von Dalaran verblasst w�re, w�rde man ihn wahrscheinlich bitten, die Stra�enlaternen wieder auf die �bliche Weise zu entz�nden. Doch f�rs Erste sollten die Bewohner der schwebenden Stadt Gelegenheit bekommen, Kinndy noch einmal so zu sehen, wie Jaina und ihre Eltern sie gekannt hatten � strahlend und fr�hlich, mit einem Lachen auf dem Gesicht.</p><empty-line/><p>Es dauerte nicht lange, und Jaina wurde wieder in die Kammer der Luft bestellt. Zum nunmehr dritten Mal stand sie in der Mitte jenes bizarren, aber wundersch�nen Raumes und musterte die Mitglieder des Rates mit erzwungener Ruhe.</p><p>�Lady Jaina Prachtmeer�, sagte Khadgar. �Bevor ich Euch unsere Entscheidung mitteile, sollt Ihr dies wissen: Jedes einzelne Mitglied dieses Rates verurteilt den Angriff auf Theramore aufs Sch�rfste. Es war ein Akt der Grausamkeit und Feigheit. Wir werden unser Missfallen der Horde gegen�ber unmissverst�ndlich zum Ausdruck bringen und sie warnen, nie wieder eine derart skrupellose Zerst�rung zu s�en. Aber dies sind schwere Zeiten, vor allem f�r jene von uns, die Magie beherrschen, einsetzen und kontrollieren. Vor wenigen Tagen beschlossen wir, Euch mit unserer Erfahrung und unserer Weisheit zu unterst�tzen. Wir erkl�rten uns sogar bereit, bei der Verteidigung von Theramore mitzuwirken. Wegen dieser Entscheidung wurden wir durch einen unserer eigenen Magier verraten und haben mehrere wertvolle Mitglieder verloren, darunter auch unseren Anf�hrer, Erzmagier Rhonin. Die Magie steht in dieser Welt nun auf schwerem Posten, Lady. Niemand wei�, wer was tun soll. Die blauen Drachen haben nicht l�nger einen Aspekt, sie haben ein wertvolles Artefakt verloren. Und nun wurde dieser Gegenstand benutzt, um eine Stadt zu zerst�ren. Auch wir haben keinen Anf�hrer mehr, der uns f�hren oder die Verantwortung �bernehmen k�nnte.�</p><p>Jaina sp�rte ein Prickeln in ihrer Magengegend und musste an sich halten, um die H�nde nicht zu F�usten zu ballen. Sie wusste, was jetzt kommen w�rde.</p><p>�Wir k�nnen uns nicht um Azeroth k�mmern, solange wir nicht Ordnung in unsere eigenen Reihen gebracht haben�, fuhr Khadgar fort. �Wir m�ssen uns neu sammeln und herausfinden, was in der Vergangenheit fehlgegangen ist. Wir k�nnen Euch nicht anbieten, was wir nicht haben, Lady. Und wir haben keine Gewissheit dar�ber, was als N�chstes geschehen muss. Ihr habt darum gebeten, dass wir die geballte Macht aller Magier gegen Orgrimmar wenden und eine ganze Stadt mit Zerst�rung �berziehen. Das k�nnen wir nicht tun, Jaina. Es ist unm�glich. Erst vor Kurzem sind wir reif genug geworden, um Vertreter der Horde � die Sonnenh�scher � in unseren Reihen zu akzeptieren, und nun sollen wir auf Euer Dr�ngen hin Orgrimmar vernichten? Die Welt w�rde in einem B�rgerkrieg versinken. Mehr noch, wir selbst w�rden daf�r sorgen, dass diese Stadt, die schon so viel durchleiden musste, ebenfalls auseinanderbr�che. Doch auch, wenn dem nicht so w�re, falls Dalaran und die Kirin Tor so fest geschlossen w�ren � es gibt H�ndler und Handwerker und Gastwirte und Reisende in Orgrimmar, die nicht gegen Theramore marschiert sind. Beim Licht, es gibt sogar ein Waisenhaus in der Stadt, Mylady! Wir k�nnen � und wir werden � nicht Krieg gegen Unschuldige f�hren.�</p><p>Es dauerte eine Weile, bevor sich Jaina wieder so weit beruhigt hatte, um beherrscht sprechen zu k�nnen. �Die Waisen werden zu Kriegern der Horde heranwachsen�, sagte sie. �Man wird ihnen beibringen, uns zu hassen und gegen uns zu k�mpfen. Es gibt keine Unschuldigen in dieser vom Licht verlassenen Stadt, Khadgar. Es gibt �berhaupt keine Unschuldigen. Nicht mehr.�</p><p>Bevor Khadgar etwas erwidern konnte, �ffnete Jaina ein Portal. Das Letzte, was sie sah, bevor sie hindurchtrat, war, wie sich die jungen � alten � Augen des Magiers mit Bedauern f�llten.</p><empty-line/><p>Sie teleportierte sich nicht weit fort. Ihr Ziel war die Hauptbibliothek, ein Ort, den sie zum letzten Mal gesehen hatte, als sie noch in Dalaran gelebt und studiert hatte. Als sie, von einem der Bibliothekare begleitet, �ber die Schwelle trat, sp�rte sie kurz, wie die Luft in dem Raum gegen ihren K�rper dr�ckte, bevor sie sich teilte. In der Vergangenheit hatte sie einen Erkennungszauber wirken m�ssen, um die Bibliothek sicher betreten zu k�nnen; diesmal hatte der Bibliothekar, der sich noch immer an sie erinnerte, dies f�r sie �bernommen.</p><p>Der Mann respektierte ihren Wunsch, sich allein zwischen den B�chern umzusehen. Er blickte sie mit einem traurigen, mitf�hlenden L�cheln an, das sie an Khadgar erinnerte, und auch wenn sie sein Mitgef�hl nicht wollte, w�rde sie es doch bereitwillig benutzen, um ihr Ziel zu erreichen. Denn ihre Bitte, er m�ge sie in dem gewaltigen Saal mit den unz�hligen B�chern allein lassen, hatte nichts mit dem Bed�rfnis nach Ruhe und Reflexion zu tun, das sie ihm vorspielte.</p><p>Sobald das Ger�usch seiner Schritte verhallt war und sie sicher sein konnte, nicht mehr gest�rt zu werden, wandte Jaina ihre Aufmerksamkeit den Regalen zu. Es war eine einsch�chternde Aufgabe, die sie sich gestellt hatte. Reihe um Reihe an B�chern erstreckte sich �ber die ganze Weite des Raumes, bis hoch unter die Decke. Jaina wusste aus Erfahrung, dass es keine echte Ordnung gab; Chaos und willk�rliche Ablagesysteme sollten gew�hnliche Diebe verwirren, ohne Magier bei ihrer Suche zu behindern.</p><p>Sie hob die rechte Hand, und kleine gl�hende Punkte erschienen �ber ihren Fingerkuppen. Anschlie�end presste sie die Finger einen Augenblick lang gegen ihre Schl�fen, und als sie nun wieder den Arm ausstreckte, l�sten sich die schwachen, violett leuchtenden Lichter von ihren Fingerspitzen und glitten zum obersten Fach eines Regals hoch, wie winzige Ranken aus gl�hendem Dunst. W�hrend Jaina mit ihren normalen Sinnen die Titel der B�cher und die Beschriftungen auf den K�stchen �berflog, in denen Schriftrollen gesammelt waren, unterst�tzten die arkanen Dunstf�den ihre Suche auf magische Weise.</p><p>Die Zeit verging. Immer wieder stie� sie auf W�lzer, mit denen sie sich fr�her bereitwillig mehrere Tage lang in ihr Zimmer zur�ckgezogen h�tte. Nun hatte Jaina jegliches Interesse an ihnen verloren. Ihre Gedanken galten einzig und allein ihrem Ziel. Titel um Titel arbeitete sie sich an den Reihen der B�cherr�cken entlang, und ein ums andere Mal sch�ttelte sie nur den Kopf. Doch es musste hier sein. Dies war schlie�lich Dalaran.</p><p>Da sah sie pl�tzlich aus den Augenwinkeln, wie in einer Ecke der Bibliothek ein Licht aufgl�hte. Sie drehte sich mit einem L�cheln herum. Eine der kleinen arkanen Ranken war f�ndig geworden, in einem Regal, das einige der seltensten und gef�hrlichsten B�nde in der gesamten Bibliothek enthielt. Dort standen B�cher, die man mit magischen Siegeln verschlossen hatte, und sogar solche, die unsichtbar waren.</p><p>Rasch huschte Jainas Blick �ber die Titel. <emphasis>Tr�umen mit Drachen: Die Wahre Geschichte der Aspekte von Azeroth. Tot, Untot und Was Dazwischen Liegt. Das Wissen der Titanen.</emphasis></p><p><emphasis>Das Sechste Element: Fortf�hrende Methoden der Arkanen Verst�rkung und Manipulation.</emphasis></p><p>Vorsichtig legte sie die Hand auf den R�cken des Buches. Es f�hlte sich an, als w�rde sie ein lebendes Wesen ber�hren. Es � schien sich unter ihren behutsamen Fingern regelrecht zu winden, und kaum dass sie es aus dem Regal gezogen hatte, begann es violett zu gl�hen, w�hrend das Summen von Warnzaubern ert�nte. Jaina keuchte, und beinahe h�tte sie das Buch fallen gelassen, als eine Wolke purpurnen Rauches aufstob und ein Bild formte.</p><p>Es war das Gesicht von Erzmagier Antonidas, der sie ernst und warnend anzublicken schien. �Dieses Buch ist nicht f�r unvorsichtige H�nde oder neugierige Augen bestimmt�, erkl�rte seine vertraute, geliebte Stimme. �Wissen darf nicht verloren gehen, aber es darf auch nicht leichtfertig eingesetzt werden. Also halte deine Hand zur�ck � oder fahre fort, so du denn den Weg kennst!�</p><p>Jaina biss sich auf die Lippe, als sich Antonidas Z�ge aufl�sten. Jeder Magier, der ein Buch in die Bibliothek stellte, belegte es mit seinem oder ihrem eigenen Siegelzauber. Das bedeutete, dass Antonidas diesen Folianten einst entdeckt und anschlie�end hier auf dieses Regal gestellt haben musste, beides vermutlich schon lange vor Jainas Geburt. Der Staubschicht nach zu urteilen, die sich darauf gebildet hatte, war es seither nicht mehr gelesen worden. Musste dies vielleicht als eine Art Zeichen verstanden werden? War es ihr bestimmt gewesen, diesen W�lzer zu finden?</p><p>Das Buch gl�hte weiter vor sich hin, und da Jaina nicht die entsprechenden Worte kannte, um es zu �ffnen, musste sie auf eine weniger vornehme Methode zur�ckgreifen. Es war m�glich, das arkane Siegel zu brechen, aber dabei war schnelles Handeln gefragt, weil sonst die magischen Alarme ausgel�st w�rden. Sie lie� sich auf einen der bequemen St�hle in der Bibliothek fallen und legte das Buch auf ihren Scho�, dann holte sie tief Luft, um ihre Atmung zu beruhigen und ihren Geist zu befreien. Anschlie�end blickte sie auf ihre rechte Hand hinab und murmelte eine Zerschlagungsbeschw�rung. Ein heller violetter Schein h�llte ihre Finger ein.</p><p>Nun hob sie auch die Linke und konzentrierte sich. Die Hand begann, vor ihren Augen zu verschwinden, und nur der blasse purpurne Schimmer rings herum blieb sichtbar.</p><p>Es konnte gelingen, aber sie musste schnell handeln. Nach einem letzten, beruhigenden Atemzug legte sie ihre rechte Hand auf das Buch.</p><p><emphasis>Brich das Siegel!</emphasis></p><p>Das violette Gl�hen, das ihren Fingen entstr�mte, tanzte und zuckte in winzigen Blitzen �ber den Einband. Jaina konnte sp�ren, wie die magischen Ketten, die Antonidas um das Werk geschlungen hatte, zerbrachen, wie sich das Buch � unter Schmerzen wand, als es gegen seinen Willen aufgezwungen wurde. Sie starrte darauf hinab, wagte es nicht zu blinzeln, und dann, genau in dem Augenblick, in dem die violetten Blitze verblassten, schlug sie mit der linken Hand auf das Buch hinunter.</p><p><emphasis>Still!</emphasis></p><p>Ein Feld aus hellem, wei�em Licht h�llte den W�lzer ein und brachte den magischen Schrei zum Verstummen, der den Seiten entfloh. Nach ein paar Sekunden lie� der Schimmer um ihre H�nde nach, w�hrend gleichzeitig ihre Linke wieder sichtbar wurde.</p><p>Sie hatte es geschafft.</p><p>Rasch, aber vorsichtig, mit R�cksicht auf das Alter des Buches, bl�tterte sie sich durch die Seiten, auf denen Illustrationen zahlreicher magischer Artefakte abgebildet waren. Die meisten von ihnen erkannte Jaina nicht; so vieles, schien es, war im Laufe der Zeit verloren gegangen �</p><p>Ah, da war es! Die Fokussierende Iris. Hastig las Jaina, wobei sie die faszinierenden, im Moment aber f�r sie uninteressanten Abschnitte �bersprang, in denen erkl�rt wurde, wie die blauen Drachen den Gegenstand dereinst erschaffen hatten. Auch das, wof�r die Iris in der Vergangenheit eingesetzt worden war, k�mmerte sie jetzt nicht. Schlie�lich hatte sie schon mit eigenen Augen gesehen, was das Artefakt anrichten konnte. Nein, sie wollte viel eher wissen, was sie nun mit der Iris tun konnte.</p><p><emphasis>� Verst�rkung. Jeglicher arkane Befehl gewinnt an Macht, wenn das Objekt in die entsprechende Richtung gerichtet wird. Es ist die Theorie dieses Autors, dass das Arkane ein eigenes Element darstellt, und er verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass die Fokussierende Iris in mindestens einem dokumentierten Fall benutzt wurde, um mehrere Elementarwesen zu versklaven, zu f�hren und zu kontrollieren.</emphasis></p><p>Jaina wurde beinahe schwindelig. Sie stand auf, und nachdem sie sich noch einmal umgeblickt hatte, um sicherzugehen, dass sie allein sich in dem gewaltigen Saal befand, h�llte sie das Buch behutsam in ihren Umhang. Anschlie�end ging sie zur T�r und stieg dann hastig die Stufen der Treppe hinab. Einen einzigen Ort gab es noch, den sie in Dalaran besuchen musste, bevor sie sich auf ihren einsamen Rachefeldzug begab.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Jaina selbst hatte die Statue entworfen, und sie hatte auch die Kosten f�r das Material �bernommen und den K�nstler ausgew�hlt. Jetzt wachte Antonidas �ber der Stadt, f�r die er sein Leben gegeben hatte. Zudem war die Statue mit einem Zauber belegt, sodass sie zwei Meter �ber dem Gras schwebte. Unter dem Bildnis des gro�en Mannes verk�ndete eine Plakette:</p><cite><p>ERZMAGIER ANTONIDAS, GROSSMAGUS DER KIRIN TOR</p><p>DIE GROSSE STADT DALARAN STEHT ERNEUT � ZEUGNIS DER BEHARRLICHKEIT UND DES WILLENS IHRES GR�SSTEN SOHNES.</p><p>EURE OPFER WERDEN NICHT UMSONST GEWESEN SEIN, GELIEBTER FREUND.</p><p>IN LIEBE UND BEWUNDERUNG, JAINA PRACHTMEER</p></cite><p>Jaina trat auf das weiche Gras und blickte zu ihrem Freund hinauf. Der Bildhauer war �u�erst talentiert gewesen, hatte er es doch geschafft, Antonidas� Mischung aus Ernst und G�te einzufangen. In der einen Hand des Magiers drehte sich eine kleine Kugel, die vor magischer Energie leuchtete, in der anderen trug Antonidas seinen Hohestab, Archus.</p><p>Das Buch hatte Jaina noch immer unter ihrem Umhang verborgen, wo es in die Falten des Stoffes hineingewickelt war, damit kein wachsames Auge es ersp�hen konnte. Es f�hlte sich fest und beruhigend an, und sie legte ihre Hand darauf.</p><p>Die Erinnerungen str�mten durch ihren Geist. Und hier, im Schatten der Statue ihres Mentors, waren sie zum gr��ten Teil sogar schmerzlos. Dieser Mann hatte ein gro�es Potenzial in ihr gesehen und sie mit Freude, Enthusiasmus und Stolz ausgebildet. Sie dachte an die langen Gespr�che, die sie �ber esoterische Angelegenheiten und die Feinheiten der Magie gef�hrt hatten, zum Beispiel in welchem Winkel zum K�rper man die Finger bei einer Beschw�rung halten sollte. Damals waren sie beide sicher gewesen, dass Jaina schnell in der Hierarchie von Dalaran aufsteigen und eines Tages vielleicht sogar zu den Kirin Tor geh�ren k�nnte. Weder er noch sie hatten daran gezweifelt, dass die Stadt ihre Heimat bleiben w�rde.</p><p>Das sanfte L�cheln, das ihre Lippen umspielte, verblasste. So viel � <emphasis>zu</emphasis> viel � war seit jener Zeit geschehen. Sie klammerte sich an die Hoffnung, dass ihr Mentor sie �ber das Grab hinaus auf ihrem Weg begleitete und dass er es gewesen war, der sie zu diesem Buch gef�hrt hatte, das ihr in allen Einzelheiten verraten w�rde, wie man die Fokussierende Iris benutzte. Sie w�nschte, er k�nnte ihr f�r das, was sie vorhatte, seinen Segen geben. Ohne Zweifel w�rde er ihr Handeln verstehen, h�tte er sehen k�nnen, was sie gesehen hatte.</p><p>Eine sanfte Ber�hrung an der Schulter lie� sie zusammenzucken, und beinahe w�re das Buch unter ihrem Umhang herausgefallen. In letzter Sekunde hielt sie es fest, dann drehte sie sich um.</p><p>�Es tut mir leid, ich wollte Euch nicht erschrecken�, sagte Kalecgos.</p><p>Verunsicherung �berkam sie. Hatte er sie durchschaut? �Woher wusstet Ihr, dass ich hier bin?�, fragte sie, um einen lockeren, gleichg�ltigen Ton bem�ht.</p><p>�Ich bin zum Nexus zur�ckgekehrt, nachdem wir � nachdem Ihr fortgegangen seid. Ich sp�rte es dort, als Ihr in Dalaran ankamt.� Seine blauen Augen wirkten ungl�cklich. �Ich glaube, ich wei�, warum Ihr hergekommen seid.�</p><p>Sie wandte den Blick ab. �Ich kam hierher, um Hilfe von den Kirin Tor zu erbitten. Ich dachte, sie w�rden mich im Kampf gegen die Horde unterst�tzen, nach dem, was mit Theramore geschehen ist. Aber sie haben sich geweigert.�</p><p>Er z�gerte einen Moment, dann fl�sterte er: �Jaina � auch ich bin in Theramore gewesen. Falls die Bombe auf die Stadt fiel � und wir beide wissen, dass das der Fall ist �, h�tte die Fokussierende Iris dort sein m�ssen. Doch ich konnte sie nirgendwo finden.�</p><p>�Ich m�chte wetten, die Horde hat jemanden geschickt, um sie zur�ckzuholen�, meinte Jaina. �In den Ruinen habe ich jedenfalls gegen einige Orcs gek�mpft.�</p><p>�Vermutlich habt Ihr recht�, stimmte er ihr zu.</p><p>�K�nnt Ihr sie noch immer sp�ren?�, wollte sie nun wissen.</p><p>�Nein. Aber w�re sie zerst�rt worden, dann h�tte ich es gewiss gemerkt. Ich muss also davon ausgehen, dass ein m�chtiger Magier sie einmal mehr vor meinen Sinnen abschirmt, und diesmal ist er sogar noch wirkungsvoller darin als beim letzten Mal. Falls das Artefakt noch immer existiert, kann es auch noch immer eingesetzt werden, um gro�en Schaden in dieser Welt anzurichten. Wie wir beide ja gesehen haben.�</p><p>Also � hatte ihr Abschirmungszauber gewirkt. �Dann solltet Ihr Euch wohl besser auf die Suche danach machen.� Es gefiel ihr nicht, ihn anl�gen zu m�ssen, aber sie wusste, dass er es nicht verstehen w�rde. Oder � vielleicht doch? Falls er wirklich in Theramore gewesen war � und gesehen hatte, was sie gesehen hatte � dann teilte er wom�glich ihre Gef�hle.</p><p>�Kalec � die Kirin Tor werden mir nicht helfen. Ihr sagtet einst, Ihr w�rdet f�r mich k�mpfen � f�r die Lady von Theramore. Theramore gibt es nicht mehr, aber ich, ich lebe noch.� Aus einem Impuls heraus streckte sie den Arm aus und griff nach seiner Hand. Er umschloss sie fest mit seinen Fingern. �Helft mir! Bitte! Wir m�ssen die Horde zerst�ren. Sie wird sich nicht mit diesem einen Sieg begn�gen, und das wisst Ihr.�</p><p>Sie konnte sehen, wie sich die widerstreitenden Gef�hle in seinem Inneren auf seinem Gesicht spiegelten. Da wurde ihr klar, wie viel er tats�chlich f�r sie empfand. Gleichzeitig sp�rte sie, dass ihre Gef�hle f�r ihn ebenso stark waren. Doch jetzt war nicht die Zeit, einander den Hof zu machen, nicht die Zeit f�r s��e Z�rtlichkeiten und �berhaupt nicht die Zeit f�r jedwede Romantik. Solange die Horde noch existierte und in der Lage war, weiterhin solch schreckliche Untaten zu begehen, gab es keinen Platz f�r Zuneigung. Sie brauchte jede Waffe, die sie nur finden konnte, und ungeachtet ihrer eigenen W�nsche und Bed�rfnisse wusste Jaina, dass sie ihr Herz in Stahl verwandeln musste.</p><p>�Ich kann das nicht tun, Jaina�, erkl�rte er, und seine Stimme klang belegt � vor Leid. �Dieser unvers�hnliche � nun, Hass � das seid nicht Ihr. Die Jaina, die ich kennenlernte, hat nach Frieden gestrebt, hat versucht zu verstehen, noch w�hrend sie sich darauf vorbereitete, ihr Volk zu verteidigen. Ich kann nicht glauben, dass Ihr wirklich dieselben Gr�ueltaten begehen wollt wie die Horde. Kein gesunder Verstand, kein g�tiges Herz sollte einem anderen jemals solches Leid w�nschen.�</p><p>�Dann glaubt Ihr also, ich h�tte den Verstand verloren?�, fragte sie, und obwohl sie versuchte, es ein wenig fr�hlich klingen zu lassen, war sie w�tend und zog ihre Hand zur�ck.</p><p>�Nein�, entgegnete er, �aber ich glaube, Euch fehlt der n�tige Abstand, um Eure n�chsten Schritte richtig zu w�hlen. Ich glaube, Ihr w�rdet Euer Handeln von Schmerz und Zorn diktieren lassen. Niemand kann Euch einen Vorwurf machen, weil Ihr so f�hlt. Aber Ihr d�rft nichts unternehmen, solange Ihr nicht logisch denken k�nnt! Ich kenne Euch � und wei�, dass Ihr es sp�ter bereuen w�rdet.�</p><p>Ihre Augen wurden schmal, und dann tat sie einen Schritt nach hinten. �Ich wei�, Ihr macht Euch Sorgen um mich, und alles, was Ihr sagt, meint Ihr nur gut. Aber Ihr irrt Euch. Dies hier � das <emphasis>bin</emphasis> ich. Das hat die Horde aus mir gemacht, als sie ihre verfluchte Bombe �ber meiner Stadt abwarf. Ihr wollt mir nicht helfen? Ihr wollt die Stimmen nicht h�ren, die nach Gerechtigkeit schreien? Sch�n. Dann helft mir eben nicht. Aber ganz gleich, was Ihr auch tut, versucht nicht, mich aufzuhalten!�</p><p>Er verbeugte sich, als sie herumwirbelte und davonmarschierte, eine Hand fest um das Buch geschlossen � das Buch, das Antonidas versiegelt hatte. Es war das Buch, das ihr helfen w�rde, den Gefallenen Frieden zu schenken. Das Buch, das ihr die Macht geben w�rde, um der Horde zur�ckzuzahlen, was sie ihrem Herzen angetan hatte.</p><empty-line/><p>Das Gasthaus in der N�he von Klingenh�gel machte in diesen Tagen viel Umsatz, und dem Wirt Grosk war es nur recht. Klingenh�gel war schon immer ein recht �rmliches Dorf gewesen, wurde es f�r gew�hnlich doch ausschlie�lich von Soldaten oder Durchreisenden bev�lkert, von denen weder die einen noch die anderen l�nger hier verweilten. Nun, da sich die Festivit�ten in Orgrimmar fortsetzten, besuchten Krieger aber fast zu jeder Tages- und Nachtzeit das Gasthaus, um ein Mahl zu genie�en und Grog zu trinken. W�hrend Grosk wieder einmal einen halbherzigen Versuch unternahm, die Gl�ser zu s�ubern, �berlegte er, wie lange er darauf hatte warten m�ssen, dass sich das rege Treiben in der Hauptstadt auch f�r ihn bezahlt machte. Dass nicht alle Gespr�che, die im Schankraum gef�hrt wurden, voll des Lobes und der Zustimmung waren, k�mmerte ihn nicht weiter. Na und? �ber Thrall hatten sich die Leute auch beschwert. Sie liebten es einfach, zu murren und zu klagen, ob nun �ber den Kriegsh�uptling oder das Wetter, den Krieg oder die anderen Rassen der Horde, die Allianz oder die Ehefrau. Das war gut f�rs Gesch�ft. Einer der Gr�nde, eine Taverne aufzusuchen, war schlie�lich der, seine Sorgen zu ertr�nken.</p><p>Grosk hingegen h�tte nicht gl�cklicher sein k�nnen, nun, da der Schankraum bis zum letzten Platz mit Gestalten s�mtlicher Horderassen gef�llt war.</p><p>Bis die Kor�kron auftauchten.</p><p>Sie blieben in der T�r stehen, ihre h�nenhaften Gestalten sperrten das Licht aus, und der Raum wurde noch dunkler. Frandis Farley, der wieder mal eine billige Ausrede gefunden hatte, sich mit Kelantir Blutklinge zu treffen, drehte sich bei dem Anblick herum.</p><p>�Das gibt �rger�, fl�sterte Kelantir.</p><p>�Nicht unbedingt�, erwiderte Frandis ebenso leise, und bevor seine Begleiterin erkannte, was ihr untoter Freund vorhatte, winkte dieser schon mit dem Arm und rief fr�hlich: �Malkorok, mein Freund! Willst du dich unters gemeine Volk mischen? Die Br�he, die einem dieser Schlingel Grosk hier anbietet, schmeckt sogar noch schlechter als der Inhalt eines Nachttopfs. Aber sie ist billig, und wie ich h�re, erf�llt sie ihren Zweck. Also, kommt herein! Wir geben euch ein Glas aus.�</p><p>Die Kor�kron blickten ihren Anf�hrer an, und Malkorok nickte. �Grosk�, sagte der Schwarzfelsorc dann, �die n�chste Runde geht auf mich.� Er schlug Frandis auf die Schulter, der daraufhin beinahe nach vorn auf den Tisch geflogen w�re. �Ich h�tt es mir denken k�nnen, dass ich hier Tauren und Verlassene antreffe�, zischte er abf�llig, w�hrend Grosk hastig ein paar schmutzige Gl�ser und eine gro�e Kanne mit Grog herbeibrachte. �Aber ich muss sagen, du passt nicht gerade in ein solches Etablissement.�</p><p>�Wei� nicht, was das hei�en soll�, meinte Kelantir, die Augen zusammengekniffen. �Ich war schon in schlimmeren Spelunken als dieser.�</p><p>�Mag sein�, brummte Malkorok. �Aber warum bist du �berhaupt hier? Solltest du nicht in Orgrimmar sein?�</p><p>�Eisenallergie�, antwortete Kelantir. Einen Moment lang starrte Malkorok sie an, dann warf er den Kopf zur�ck und stie� ein gutturales Lachen aus.</p><p>�Es scheint, als w�rden du und einige andere eine eher rustikale Umgebung vorziehen�, sagte er. �Wo ist dieser junge Bulle Baine, und wo bleibt seine Hauskr�te Vol�jin? Ich wollte mit ihnen sprechen.�</p><p>�Ich hab die beiden schon seit einer Weile nicht mehr gesehen�, erkl�rte Kelantir, dann legte sie die Stiefel auf den Tisch. �Ich habe nicht viel mit den Tauren zu tun.�</p><p>�Ach, wirklich?� Malkorok wirkte verwirrt. �Und doch haben wir Zeugen, die aussagen, dass du und Frandis euch erst letzte Nacht angeregt mit dem Tauren und dem Troll und einigen anderen unterhalten habt, gerade hier, in diesem Gasthaus. Diese Zeugen erz�hlten weiter, dass solche Dinge gesagt wurden wie �Garrosh ist ein Narr�, �Thrall sollte zur�ckkommen und ihn in die Unterstadt jagen� und dann auch �Es war feige, die Manabombe gegen Theramore einzusetzen�.�</p><p>�Und die Elementarwesen�, f�gte einer der Kor�kron im Plauderton hinzu, w�hrend er nach der Kanne mit dem Grog griff, um sein Glas aufzuf�llen.</p><p>�Ja, die Elementarwesen � wenn ich mich richtig an die Aussage unserer Zeugen erinnere, dann hie� es n�mlich, es sei eine Schande, dass Cairne Garrosh nicht get�tet habe, als er die Gelegenheit dazu hatte, weil Thrall niemals die Elemente auf solch grausame und beleidigende Weise missbraucht h�tte.�</p><p>Die Blutelfin und der Verlassene blieben schweigend sitzen, und Malkorok fuhr fort. �Aber wenn ihr sagt, ihr habt Baine und Vol�jin in letzter Zeit nicht gesehen, dann m�ssen diese Zeugen sich wohl irren.�</p><p>�Sieht ganz so aus�, meinte Frandis. �Du brauchst bessere Kundschafter.�</p><p>�Absolut�, stimmte ihm der Schwarzfelsorc zu. �Denn nat�rlich w�rde keiner von euch beiden solche Dinge �ber Garrosh und seine F�hrerschaft sagen.�</p><p>�Freut mich, dass du das erkennst�, nickte Frandis. �Danke f�r den Grog! Aber die n�chste Runde geht wirklich auf mich.�</p><p>�Ich f�rchte, ich muss ablehnen. Wir sollten uns jetzt wieder auf den Weg machen. Vielleicht finden wir Vol�jin und Baine woanders, da sie ja leider nicht hier sind.� Malkorok stand auf und nickte. �Genie�t euren Grog!�</p><p>Die beiden blickten den Kor�kron nach, und als sie wieder durch die T�r verschwunden waren, schloss Kelantir die Augen und atmete tief aus.</p><p>�F�r meinen Geschmack war das zu knapp.�</p><p>�Allerdings�, murmelte Frandis. �Ganz kurz hatt ich schon damit gerechnet, er w�rde uns festnehmen � oder direkt angreifen.�</p><p>Die Blutelfin drehte den Kopf, um noch eine Runde Grog zu bestellen, dann runzelte sie die Stirn. �Komisch�, meinte sie. �Grosk ist verschwunden.�</p><p>�Was? Obwohl der Schankraum voller G�ste ist? Er sollte mehr Leute einstellen, anstatt sich einfach so davonzustehlen, w�hrend durstige Kunden auf ihr Getr�nk warten.�</p><p>Da trafen sich ihre Augen. Kein weiteres Wort wurde gesprochen, als die beiden gleichzeitig von ihren St�hlen aufsprangen und zur T�r hin�berrannten.</p><p>Sie h�tten es beinahe geschafft, doch dann explodierte eine Frostgranate und verwandelte sie auf der Stelle in Statuen. Einen Moment sp�ter segelten drei Schrapnellgranaten an ihnen vorbei, und das Gasthaus von Klingenh�gel ging in einem Flammenball auf.</p><empty-line/><p>K�nig Varian Wrynn und Prinz Anduin standen in einem gro�en, weitr�umigen Saal, der zur Burg Sturmwind geh�rte und wegen der gewaltigen Karte, die einen Gro�teil seiner Fl�che beanspruchte, f�r gew�hnlich einfach nur der Kartenraum genannt wurde. Zwei brennende Kohlebecken erw�rmten den Saal, an dessen W�nden sich zahlreiche Kriegswaffen aneinanderreihten, von Donnerb�chsen �ber Schwerter bis hin zu drei Kanonen. In einigen Ecken stapelten sich B�cher �ber Strategie, doch zurzeit interessierten sich Varian und die anderen, die hier versammelt waren, ausschlie�lich f�r die namensgebende Karte.</p><p>Neben K�nig und Prinz waren Vertreter s�mtlicher Allianzrassen zugegen: Taluun repr�sentierte die Draenei, Broll sprach f�r die Nachtelfen, und K�nig Genn Graum�hne vertrat die Interessen der Worgen von Gilneas. Zudem hatten sich auch Gelbin Mekkadrill, ein Hocht�ftler der Gnome, und drei Zwerge eingefunden, einer von jedem Klan: der joviale Thargas Ambossar von den Bronzebartzwergen, der m�rrische Eisenzwerg Drukan und der fr�hliche Kurdran Wildhammer. Sie alle hatten ihre Differenzen f�r den Augenblick beigelegt � selbst Drukan schien willens, sich h�flich auszudr�cken und den Worten der anderen mit Interesse zu lauschen.</p><p>Die Blockade betraf sie alle, selbst diejenigen, die aus den �stlichen K�nigreichen stammten. Denn keiner konnte es sich leisten, einfach in die andere Richtung zu blicken, w�hrend wom�glich ein ganzer Kontinent erobert wurde.</p><p>Varian stand gedankenverloren zwischen seinen G�sten, und als Broll sich r�usperte, blickte der K�nig nur kurz auf, um dem Nachtelfen mit einer Geste das Wort zu erteilen, bevor er sich wieder seinen Gr�beleien hingab.</p><p>�Ich spreche f�r mein Volk und sicher ebenso f�r all die anderen Mitglieder der Allianz, die unter dieser Tat der Horde leiden�, begann Broll. �Auch wenn es eigens�chtig erscheinen mag, wenn ich vorschlage, dass die Dunkelk�ste als Erstes befreit werden muss, ist das doch nicht nur eine Bitte, sondern auch eine M�glichkeit. Wir haben dort mehrere Schiffe samt Elfenbesatzung, die nur darauf warten, uns zu unterst�tzen, sofern wir ihnen Gelegenheit dazu verschaffen. Trotz der Notlage, die der Kataklysmus heraufbeschworen hat, ist die Dunkelk�ste au�erdem noch immer ein Knotenpunkt, von dem aus Schifffahrtsrouten nach Rut�theran und zur Mondfederfeste f�hren. Haben wir also erst die Dunkelk�ste befreit, dann haben wir schon einmal einen gewaltigen Vorteil.�</p><p>�Den Berichten unserer Spione zufolge glaubt die Horde, dass wir uns zuerst der Mondfederfeste zuwenden werden�, erkl�rte Graum�hne mit einem schmalen L�cheln. �Und ich werde auch weiterhin alles tun, um sie in diesem Glauben zu lassen. Erw�hnte ich �brigens schon, dass die Grimmtotem von Feralas einen Angriff auf die Horde planen? Sie wollen den Moment nutzen, solange ihre Feinde abgelenkt sind. Wie schrecklich f�r die Horde!�</p><p>Leises Lachen breitete sich in dem Raum aus, nur Varian blickte noch immer mit leicht gerunzelter Stirn auf die Karte.</p><p>�Soweit wir das sagen k�nnen, h�lt die Horde Shandris Mondfeder f�r tot�, warf Broll ein. �In der Eroberung der Mondfederfeste sehen sie darum nicht nur einen milit�rischen Sieg, sondern vor allem einen symbolischen. Sie werden eine gro�e �berraschung erleben, wenn sie Shandris an der Spitze ihrer Truppen sehen.�</p><p>Die Stimmung wurde nach diesen Worten ganz pl�tzlich wieder ernst. Von all den brillanten Kriegern und Taktikern, die die Allianz nach Theramore geschickt hatte, waren nur Shandris und Vereesa noch am Leben. So viele waren gestorben, und bei all der Entschlossenheit der Anwesenden, zur�ckzuschlagen und den Vormarsch der Horde aufzuhalten, waren sie doch auch noch immer voll der Trauer.</p><p>�Ist � ist schon jemand � in Theramore gewesen?�, fragte Gelbin leise.</p><p>Es folgte ein Augenblick unbehaglichen Schweigens. �Lady Jaina�, sagte Anduin dann.</p><p>�Ja, richtig�, erwiderte Gelbin. �Was f�r ein Gl�ck, dass sie �berlebt hat. Da wir gerade von ihr sprechen, ich nehme an, es gibt einen guten Grund, warum sie heute nicht hier ist, um eine Strategie mit uns auszuarbeiten, oder?�</p><p>�Lady Jaina nimmt sich des Problems auf ihre eigene Weise an�, schaltete sich Varian nun schlie�lich in die Unterhaltung ein. Alle Blicke wandten sich ihm zu. �Sie ist zu � ungeduldig, um mit uns zusammenzuarbeiten. Und ich kann ihr keinen Vorwurf daraus machen. Nach dem, was sie durchgemacht hat � nicht einmal ich wei�, wie sie sich f�hlen muss, obwohl ich schon ganz �hnliches Leid durchstehen musste.�</p><p>�Was in Theramore geschehen ist, darf sich nicht wiederholen�, erkl�rte Taluun. �Nie wieder. Jedes vernunftbegabte Wesen muss solche Akte der Grausamkeit verurteilen und ihnen auf ewig abschw�ren, andernfalls k�nnten wir alles verlieren, was es uns erlaubt, das Licht zu ber�hren.�</p><p>Zustimmendes Gemurmel erklang. Varian sah zu Anduin hin�ber und nickte unmerklich. Die blauen Augen des Jungen hatten sich mit Trauer gef�llt, als die Rede auf Jaina gekommen war, aber nun verengten sie sich leicht, als ein schwaches L�cheln �ber sein Gesicht huschte.</p><p>�Ich stimme Euch zu�, sagte Varian anschlie�end. �Aber in einem Punkt hat Lady Jaina vielleicht doch recht. Ich habe viel dar�ber nachgedacht, und � ich glaube, wir sollten nicht versuchen, die Blockade zu durchbrechen. Noch nicht zumindest.�</p><p>Ein Chor �berraschter Stimmen antwortete ihm, die teils h�flich, teils ungest�m protestierten. Varian hob die H�nde. �Lasst mich aussprechen�, forderte er, ein wenig lauter nun, um das Gemurre zu �bert�nen, ohne dabei aber wirklich zu schreien. Die anderen verstummten, wenn sie auch nicht sonderlich gl�cklich dreinblickten.</p><p>Er fuhr fort: �Normalerweise w�rde uns die Weisheit gebieten, das zu tun, was Broll und Genn vorgeschlagen haben: die Horde glauben machen, dass wir die Blockade bei der Mondfederfeste angreifen, um dann an der Dunkelk�ste zuzuschlagen. Wir durchbrechen ihren Sperrg�rtel, befreien die Flotte der Elfen und setzen den Kampf daraufhin mit mehr Schiffen und Kriegern fort.�</p><p>�Das w�rde die Weisheit gebieten, ja�, brummte Drukan zustimmend, mit einem ver�rgerten Ausdruck auf dem Gesicht.</p><p>�Ich denke aber, dass wir diesen Plan � anstelle der Mondfederfeste die Dunkelk�ste anzugreifen � durchsickern lassen sollten. Um das Ganze noch glaubw�rdiger zu machen, werden wir nat�rlich ein paar falsche F�hrten legen m�ssen. Daraufhin wird Garrosh den Gro�teil seiner Flotte dorthin schicken, zur Dunkelk�ste � w�hrend wir direkt nach Orgrimmar segeln. Greifen wir ihn in seiner eigenen Hauptstadt an. Ich habe ebenfalls Spione, Genn, und sie melden mir, dass l�ngst nicht jeder mit dem F�hrungsstil von H�llschrei zufrieden ist. Es f�llt mir zwar schwer, das zu glauben, aber � es scheint auch in der Horde viele zu geben, die ebenso angewidert von den Ereignissen in Theramore sind wie wir. Also nehmen wir Garrosh gefangen und besetzen die Stadt. Chaos wird ausbrechen, und mit ein wenig Gl�ck werden die Unzufriedenen in der Horde darin ihre Chance zum Aufstand erkennen. Doch selbst falls nicht, wird es noch immer ein wildes Durcheinander geben, und ich bin mir sicher, wir k�nnen ihre Hauptstadt gegen ihre Truppen halten.�</p><p>�Meine Leute werden die Leidtragenden sein, Varian�, murmelte Broll leise.</p><p>Varians Miene wurde weicher. �Ich wei�, mein Freund�, sagte er. �Aber das ist jetzt unsere Chance, dem Monster den Kopf abzuschlagen. Au�erdem werden die Schiffe der Horde die Dunkelk�ste sofort wieder verlassen und Orgrimmar zu Hilfe eilen.�</p><p>�Das klingt nach Wahnsinn�, erkl�rte Genn mit einem knurrenden Unterton in der Stimme, w�hrend er Varian aus zusammengekniffenen Augen musterte. �Aber so tollk�hn und �berraschend, wie dieser Plan auch klingen mag, er k�nnte fast gl�cken.�</p><p>�Er w�rde au�erdem eine Zeitersparnis bedeuten�, warf Taluun ein. �Der Weg nach Orgrimmar ist nicht so weit wie der zur Dunkelk�ste.�</p><p>Varian blickte sich um. Ein paar der Anwesenden schienen noch immer nicht zufrieden, aber zumindest erhob keiner mehr Widerworte. Er hoffte, dass sein Plan aufginge, denn sollte Garrosh ihnen auf die Schliche kommen oder der Angriff aus einem anderen Grund scheitern, dann w�rden sie beinahe die gesamte Flotte der Allianz verlieren. �brig w�ren dann nur noch die Schiffe der Elfen, und die sa�en bei der Dunkelk�ste und andernorts hinter der Blockade fest.</p><p>Doch er hatte das Gef�hl, dass er das Richtige tat, und dieses Gef�hl lie� sich nicht absch�tteln. War es au�erdem nicht das, was einen K�nig ausmachte � die Bereitschaft, Entscheidungen zu f�llen und die Verantwortung zu �bernehmen, f�r den Erfolg ebenso wie f�r die Niederlage?</p><empty-line/><p>Zu guter Letzt war die Flotte im Hafen bereit. Verst�rkt wurde sie durch mehrere pr�chtige Schiffe der Elfen und Draenei, die das Gl�ck gehabt hatten, andernorts unterwegs zu sein, als die Blockade um Kalimdor errichtet wurde. In ihrem Prunk und ihrer Sch�nheit standen sie den zweckm��igeren Schiffen aus den Werften der Menschen, Zwerge und Gnome in nichts nach, und in ihrer Gesamtheit schien diese Flotte das Hafenbecken beinahe zu sprengen. Es sah in der Tat ganz so aus, als erstreckte sich das Heer der Schiffe bis zum Horizont.</p><p>Entlang den Anlegestellen dr�ngten sich die Schaulustigen, die meisten von ihnen waren Einwohner Sturmwinds, aber auch viele waren darunter, die teils weit gereist waren, um diesem historischen Ereignis beizuwohnen. Es war ein Meer aus lebenden Wesen am Rande des echten Meeres, dachte Varian, und er fragte sich, wie viele dieser Leute, die hierhergekommen waren, um sich von Geliebten, Freunden und Familienmitgliedern zu verabschieden, diese wohl heil und unversehrt wieder in Empfang nehmen k�nnten.</p><p>Das Wetter h�tte f�r ihren Plan nicht geeigneter sein k�nnen: Es war ein heller Tag mit blauem Himmel und genug Wind, um die Schiffe voranzutreiben, ohne aber die See �ber Geb�hr aufzurauen. Eine Kapelle spielte festliche, inspirierende Kriegsm�rsche und die traditionellen Hymnen jeder Nation und Rasse, um sie alle daran zu erinnern, dass sie zusammengeh�rten.</p><p>Doch trotz dieser feierlichen Stimmung sah Varian einige ernste Mienen und sogar Tr�nen, als er seinen Blick �ber die Menge gleiten lie�. Dies war ein Krieg, nicht nur ein Scharm�tzel, von dem die Soldaten heute Abend wieder zur�ckk�men. Er hatte alles vorausgeplant, so gut es ihm m�glich gewesen war, und obwohl die Adeligen versucht hatten, ihn davon abzubringen, w�rde er die Truppen selbst anf�hren. Er konnte von diesen M�nnern und Frauen nicht verlangen, dem Tod ins Angesicht zu schauen, wenn er nicht Schulter an Schulter neben ihnen stand. Als er nun auf die dritte Ebene des mehrstufigen Hafens hinaustrat und unter der gewaltigen Statue des br�llenden L�wen von Sturmwind stehen blieb, jubelten und winkten ihm seine Untertanen zu. Varian senkte die Arme, um Ruhe zu erbitten.</p><p>�B�rger der Allianz�, begann er, und seine Stimme hallte laut an die Ohren der erwartungsvollen Zuh�rer. �Nur ein paar Tage ist es her, dass die Horde einen Akt der Grausamkeit begangen hat, der so kalkuliert, so hinterh�ltig war, dass die einzige Antwort darauf nur ein Aufruf zum Krieg sein kann. Ihr seid diesem Aufruf gefolgt. Ihr steht hier vor mir, bereit, zu k�mpfen und falls n�tig auch zu sterben, um zu verteidigen, was gut und richtig ist in dieser Welt. Die Horde hat diesen Krieg begonnen, nicht wir � aber, beim Licht, <emphasis>wir</emphasis> werden ihn beenden!�</p><p>Die Menge jubelte. Auf vielen Gesichtern gl�nzten zwar Tr�nen, doch diese Gesichter l�chelten.</p><p>�Der Angriff auf Theramore kann mit Worten nicht beschrieben werden. Es gibt Gegner, und es gibt Feinde; es gibt zivilisierte Wesen und � Monster. Ich gebe zu, einst habe ich keine solchen Unterscheidungen gemacht. Doch jetzt wei� ich: Nur wer diesen Unterschied kennt, kann den Pfad der Rechtschaffenheit klar vor sich sehen. Indem er �ber einer Stadt mit so vielen B�rgern eine Manabombe explodieren lie� � ein verabscheuungsw�rdiger Akt purer Feigheit �, hat Garrosh H�llschrei der Welt gezeigt, was er ist. Er und all jene, die ihm folgen, haben sich entschieden, Monster zu sein. Und genau so werden wir sie auch behandeln.�</p><p>Er fuhr fort: �Wir werden diesen Gr�uel nicht mit einem ebenso gro�en Gr�uel vergelten, denn wir haben eine andere Wahl getroffen. Aber wir werden k�mpfen. Wir werden sie aufhalten, damit sie ihren methodischen Eroberungszug nicht fortsetzen k�nnen. Wir werden vereint stehen und vereint alles verk�rpern, was die Allianz so gro�artig macht. Ich bin heute nicht alleine hier. Bei mir ist K�nig Genn Graum�hne. Sein Volk hat einen Fluch in ein Geschenk verwandelt. Die Worgen unter euch werden mit gr��erem Herzen k�mpfen, als ihr anderen es je erlebt habt, und sie werden beweisen, dass sie, im Gegensatz zu unseren Feinden, keine Monster sind. Au�erdem sind da noch unsere Br�der und Schwestern von den Zwergen und Gnomen. Ohne sie w�ren diese pr�chtigen Schiffe niemals rechtzeitig fertiggestellt worden, um Kalimdor zu retten, bevor es an die Horde f�llt. Da sind die Kaldorei, seit Langem schon unsere Verb�ndeten, denen auch wir stets helfend zur Seite stehen � ihre Schiffe warten in gro�er Zahl, um bei der Befreiung ihres Kontinents mitzuwirken. Und auch die Draenei, die seit ihrer Ankunft auf unserer Welt ein verl�sslicher Kompass der Gerechtigkeit waren, stehen hier, bereit, ihr Blut f�r das Wohl anderer zu vergie�en.�</p><p>Varian machte einen Schritt nach hinten und breitete die Arme aus, auf dass die Menge diesen Verb�ndeten Respekt zollte. Er selbst h�tte gar nicht dankbarer f�r ihre Unterst�tzung sein k�nnen. Nie zuvor, so schien es, war es wichtiger gewesen, wahre Freunde und k�hle K�pfe um sich zu haben. Viele, viele Minuten lang verschluckte der Jubel der Zuschauer jedes andere Ger�usch.</p><p>Schlie�lich trat Varian wieder nach vorne. �Wie ihr alle wisst, werde ich eure tapferen Seeleute begleiten, wenn wir heute aufbrechen. Aber ich werde jemanden hierlassen, der euch an meiner statt w�rdig zu f�hren vermag, sollte es zum �u�ersten kommen. Jemanden, der auch fr�her schon gef�hrt hat.�</p><p>Er nickte, und Anduin, der ein paar Meter entfernt hinter einer der gewaltigen Kanonen gewartet hatte, trat nun neben seinen Vater. Der Prinz trug die Farben der Allianz, Blau und Gelb, dazu einen schlichten silbernen Reif um sein goldenes Haupt, und flankiert wurde er von zwei Draeneipaladinen in pr�chtiger, glei�ender R�stung. Doch obwohl er viel kleiner war als die beiden, richteten sich alle Blicke auf ihn. Jubel und Applaus brandeten ihm entgegen, und seine Wangen r�teten sich ein wenig; er war noch nicht an �ffentliche Auftritte gew�hnt. Nach ein paar Sekunden hob er den Arm, damit die Menge verstummte, und �ffnete den Mund.</p><p>�Ich f�rchte, ich werde nie in der Lage sein, M�nner und Frauen bereitwillig in die Schlacht zu schicken�, erkl�rte er. �Aber auch ich muss anerkennen, dass es wohl kaum eine bessere Rechtfertigung f�r einen Krieg gibt. Die Horde hat uns auf eine Weise angegriffen, die nicht ignoriert werden kann. Jeder, der an die Gerechtigkeit und das Gute glaubt, muss das Grauen von Theramore verurteilen.� Varian, der seinem Sohn aufmerksam lauschte, dachte daran, wie sich die Nachwirkungen dieses Angriffes gezeigt hatten, wie Jaina, bis dahin eine n�chtern denkende Frau voller Mitgef�hl, zu einer Person geworden war, die sich f�r Rache entschied � mehr noch, die sich nach Gewalt verzehrte.</p><p>�Falls wir <emphasis>jetzt</emphasis> nicht handeln � falls diese tapferen Soldaten und Seem�nner der Allianz nicht Segel setzen �, dann billigen wir doch, was geschehen ist. Wir ermutigen sie, mehr noch, wir laden sie dazu ein, weiter Gewalt zu s�en und noch mehr Unschuldige abzuschlachten. Garrosh H�llschrei hat offen erkl�rt, dass er die Allianz von dem gesamten Kontinent vertreiben will. Wir k�nnen das nicht einfach so hinnehmen. Es kommt eine Zeit, da muss selbst das sanftm�tigste Herz sagen: �Genug!� Und jetzt ist diese Zeit gekommen.�</p><p>Er hob die Arme und schloss die Augen. �Und um die Rechtschaffenheit unserer Entscheidung und die Reinheit unserer Absichten zu bezeugen, nun, da diese Flotte ausl�uft � beschw�re ich das Heilige Licht, dass es all jene segnet, die bereit sind, ein Opfer darzubringen, um die Unschuldigen zu sch�tzen.�</p><p>Ein schwacher Schimmer begann um seine erhobenen H�nde zu leuchten. Er glitt an seinem K�rper hinab, bis er ihn ganz einh�llte, und schwebte dann nach oben, �ber die Menge, sodass sein Leuchten auf die Soldaten und Seem�nner und ihre Lieben hinabregnete.</p><p>�Ich bete, dass ihr mit vollem Mut, vollem Anstand und voller Ehre k�mpft! Ich bete, dass die Rechtschaffenheit unserer Sache eure Waffen f�hren m�ge. Und ich bitte euch, lasst auch in der Hitze der Schlacht den Hass nicht in eure Herzen einziehen. Sie sollen ein Heiligtum sein, ein Tempel, dem Gedenken an die tragischen Opfer von Theramore geweiht. Denkt in jeder Sekunde daran, dass ihr f�r die Gerechtigkeit k�mpft, nicht um der Vergeltung willen! Wir wollen einen Sieg, keinen V�lkermord. Und ich wei�, wei� es mit jeder Faser meines Seins, dass kein Zorn euch ersch�ttern, kein Schmerz euch schrecken kann, wenn ihr diese Dinge nur fest in euren Herzen behaltet. Dann werden wir triumphieren. Seid alle gesegnet, ihr K�mpfer der Allianz!�</p><p>Varian sp�rte beinahe k�rperlich, wie ihn das Licht ber�hrte. Es schien ihn zu streicheln, in sein Herz zu str�men, so, wie Anduin gesagt hatte, und mit einem Mal f�hlte er sich ruhiger, st�rker, mehr im Reinen mit sich selbst.</p><p>Er beobachtete, wie sein Sohn mit der ganzen Leidenschaft seiner Seele weitersprach, sah, wie ihn das Licht segnete, rasch und liebevoll. Und er sp�rte, wie sehr das Volk Anduin verehrte.</p><p><emphasis>Oh, mein Sohn, schon jetzt bist du der Beste von uns allen! Was f�r einen K�nig du eines Tages erst abgeben wirst!</emphasis></p><p>Ein Horn erklang. Es war Zeit aufzubrechen. �berall am Hafen nahmen Familien nun Abschied � �ltere Ehepaare von ihren erwachsenen Kindern, rotgesichtige J�nglinge von ihren Liebsten. Anschlie�end schob sich ein Strom von Uniformierten auf die wartenden Schiffe zu. Hinter ihnen wurden K�sse in die Luft gehaucht und Taschent�cher geschwenkt.</p><p>Varian wartete, w�hrend Anduin, noch immer von den beiden Paladinen flankiert, auf das Flaggschiff zuging. Einmal musste er kurz l�cheln.</p><p>�Gut gesprochen, mein Sohn�, sagte er.</p><p>�Es freut mich, dass dir meine Worte gefallen haben�, erwiderte Anduin. �Ich habe nur ausgesprochen, was mir auf dem Herzen lag.�</p><p>Varian legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter. �Was du aussprachst, ist gro� gewesen. Ich war � und bin � sehr stolz auf dich, Anduin.�</p><p>Ein schelmisches Grinsen erhellte das Gesicht des Prinzen. �Dann glaubst du also nicht mehr, ich w�re nur ein quakender Friedensnarr?�</p><p>�Ah, das habe ich nie gesagt�, entgegnete Varian. �Und ich denke es auch nicht. Ich freue mich nur, dass du die Richtigkeit unserer Entscheidung erkannt hast.�</p><p>Anduin wurde wieder ernst. �Das habe ich�, erkl�rte er. �Ich w�nschte, es w�re nicht so, aber es gibt keine andere L�sung. Ich � ich bin froh, dass du nicht wie Jaina geworden bist. Ich habe auch f�r sie gebetet.�</p><p>Daran hatte Varian keinen Zweifel gehabt. �Anduin � dieser Krieg, von dem wir beide wissen, dass wir ihn f�hren m�ssen � Du wei�t, dass ich vielleicht nicht daraus zur�ckkehren werde.�</p><p>Er nickte. �Ja, Vater.�</p><p>�Und falls ich sterben muss � sollst du wissen, dass du mehr als bereit bist, meinen Platz einzunehmen. Ich wei�, dass du gut und gerecht herrschen wirst. In besseren H�nden k�nnte Sturmwind nicht sein.�</p><p>Anduins Augen schimmerten feucht. �Vater � ich � danke dir. Ich w�rde mein Bestes tun, ein guter K�nig zu sein, aber � es w�re mir lieber, wenn noch einige Jahre vergingen, ehe es so weit ist.�</p><p>�Mir auch�, meinte Varian. Er zog Anduin in einer festen, unbeholfenen Umarmung zu sich heran und legte seine Stirn gegen die seines Sohnes, dann wandte er sich um und rannte leichtf��ig zu den Schiffen hin�ber. Einen Augenblick sp�ter war er bereits im Meer der Seem�nner und Soldaten verschwunden, die dem Flaggschiff entgegenmarschierten.</p><p>Und dem Krieg.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Mit schwerem Herzen flog Kalec dahin. Die schreckliche Sorge, dass Kirygosa mit ihrer Vermutung �ber Jaina recht haben k�nnte, nagte an ihm. Drachen konnten zwar keine Gedanken lesen, aber die Art, wie Jaina reagiert hatte, als das Gespr�ch auf die Fokussierende Iris gekommen war, erschien mehr als verd�chtig. Nun war er sich beinahe sicher, dass sie das Artefakt selbst aus Theramore fortgeschafft hatte � und plante, es gegen die Feinde einzusetzen, die ihr damit zuvor schon so viel Leid zugef�gt hatten. Was diese f�rchterliche Schlussfolgerung noch weiter st�tzte, war der Umstand, dass die Iris einmal mehr verschwunden war, diesmal aber deutlich geschickter als zuvor vor seinen Sinnen verborgen wurde. Es war ein unangenehmer Gedanke, und er w�nschte sich, daran glauben zu k�nnen, dass der Wandel in dieser Frau, f�r die er so viel empfand, nur das Resultat der arkanen Energie der Bombe w�re. Vielleicht traf das teilweise sogar zu, aber alles lie� sich damit leider nicht erkl�ren.</p><p>So kehrte er nun also zum Nexus zur�ck, um sich mit seinem Schwarm zu beraten. Au�erdem � <emphasis>wollte</emphasis> er nach Hause.</p><p>Als er sich dem Nexus n�herte, fiel ihm auf, dass nun keine Drachen mehr sch�tzend ihre Kreise um die S�ule zogen, obwohl es seit Urzeiten Sitte war. So verst�rkte der Anblick seine Trauer nur noch weiter. Kalec beschloss, nicht sofort zu landen. Er wollte erst mit jemandem sprechen, der seine Seele tr�sten, aber auch die schweren Worte aussprechen konnte, die er jetzt h�ren musste.</p><p>Er fand Kirygosa an ihrem �Ort der Reflexion�, wo er auch schon mit ihr gesprochen hatte, als ihn die Nachricht vom Diebstahl der Iris erreicht hatte. Wie damals sa� sie auch jetzt in ihrer menschlichen Gestalt an den leuchtenden Baum gelehnt, und obwohl sie nur ein leichtes, �rmelloses blaues Kleid trug, schien sie die K�lte �berhaupt nicht zu sp�ren.</p><p>Er landete auf der schwebenden Plattform, und nachdem er sich in seine Halbelfenform verwandelt hatte, ergriff er die Hand, die Kiry ihm hinhielt, und nahm neben ihr Platz.</p><p>Eine Weile sa�en sie einfach nur schweigend da, bis Kalec schlie�lich sagte: �Ich habe niemanden Wache fliegen gesehen.�</p><p>Kirygosa nickte. �Die meisten von ihnen sind fort�, erkl�rte sie. �Jeden Tag beschlie�t erneut jemand, dass dieser Ort nicht l�nger sein oder ihr Zuhause ist.�</p><p>Gequ�lt schloss Kalec die Augen. �Ich habe das Gef�hl, versagt zu haben, Kiry�, murmelte er leise. �Bei allem. Als Anf�hrer, auf der Suche nach der Fokussierenden Iris, bei dem Versuch, Jaina zu helfen � �berall habe ich versagt. Ich habe noch nicht einmal erkannt, wie schwer die Geschehnisse in Theramore sie wirklich getroffen haben.�</p><p>In ihren blauen Augen lag nicht die geringste Spur von Genugtuung, als sie ihn musterte. �Dann hat sie die Iris also?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich kann sie nicht mehr f�hlen, zumindest nicht deutlich. Aber � ja, ich glaube, Jaina k�nnte sie haben.�</p><p>Sie wusste, wie schwer diese Worte ihm fielen � und dr�ckte seine Hand. �Ich wei� nicht, ob dich das tr�stet, aber ich finde nicht, dass es ein Fehler gewesen ist, dich in sie zu verlieben. Oder sie noch immer zu lieben. Dein Herz ist gro�, aber es muss dem Gebot der Vernunft gehorchen.�</p><p>�Wei�t du�, begann er, um die Unterhaltung aufzulockern, �es gibt nicht wenige, die behaupten, wir beide w�rden ein gutes Paar abgeben. Du w�rdest mich jedenfalls davon abhalten, mich auf die falschen Frauen einzulassen.�</p><p>Kiry lachte und legte ihren Kopf an seine Schulter. �Ich bin sicher, eines Tages wirst du einen Partner sehr gl�cklich machen, Kalecgos, aber ich werde es nicht sein.�</p><p>�Da geht sie dahin, meine letzte Hoffnung, doch noch ein normaler Drache zu werden.�</p><p>�Ich bin froh, dass du kein normaler Drache bist�, entgegnete sie, und die Zuneigung in ihren Augen lie� ihm warm ums Herz werden. Ja, er liebte sie � aber nicht wie einen Partner. Kalec seufzte, und die Melancholie legte sich wieder auf sein Gem�t. �Oh, Kiry, ich bin vom Pfad abgekommen. Ich wei� nicht, was ich tun soll.�</p><p>�Ich glaube, du wei�t ganz genau, was du tun solltest, und du bist auch nicht vom Pfad abgekommen�, entgegnete sie. �Du stehst nur an einer Kreuzung, mein geliebter Freund. So wie wir alle. Entweder brauchen dich die blauen Drachen als einen Anf�hrer, der sie weise leitet � oder sie m�ssen ihren eigenen Weg finden und ihr Leben selbst leiten. Gibt es denn eine gr��ere Pflicht als die Verantwortung sich selbst gegen�ber? Und was die j�ngeren Rassen betrifft: Vielleicht haben ja auch sie das Recht, �ber ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Ihre eigenen Entscheidungen zu treffen � und mit den Konsequenzen zu leben.�</p><p><emphasis>So wie Garrosh</emphasis>, dachte Kalecgos. <emphasis>Und so wie es nun auch Jaina vorhat.</emphasis></p><p>�Ver�nderung�, murmelte er, als ihm einfiel, was er einst zur Lady Prachtmeer gesagt hatte. <emphasis>Die Dinge unterliegen einem Rhythmus, einem Kreislauf. Nichts bleibt sich ewig gleich, Jaina. Nicht einmal wir Drachen, die wir so langlebig und angeblich auch so weise sind.</emphasis></p><p>Angeblich.</p><p>�Wohin wirst du gehen?�, fragte er leise, und durch diese vier Worte teilte er Kirygosa seine Entscheidung mit.</p><p>�Ich bin nicht so weit in der Welt herumgekommen wie du�, sagte sie. �Ich habe geh�rt, dort drau�en soll es warme Ozeane geben, die nicht mit Eis gef�llt sind. Wo die Winde s�� duften und nicht frostig in den Augen stechen. Ich glaube, ich w�rde diese Orte gerne sehen. Mir einen neuen Ort der Reflexion suchen.�</p><p>Jedes weitere Wort w�re �berfl�ssig gewesen. Kiry stand auf, als h�tte sie nur darauf gewartet, dass er ihr seinen Segen gab. Er erhob sich ebenfalls, dann umarmten sie einander fest.</p><p>�Leb wohl, bis wir uns wiedersehen, Kalec�, fl�sterte sie. �Solltest du mich je brauchen, such in tropischen Breiten nach mir!�</p><p>�Und falls du meine Hilfe ben�tigst, begib dich zum unwahrscheinlichsten Ort, an dem ein Drache nur leben kann! Ich bin sicher, dort wirst du mich finden.�</p><p>Seine Brust zog sich zusammen, als er zusah, wie sie sich verwandelte, ihre Fl�gel ausbreitete und nach oben eilte. Einmal drehte sie sich noch kurz um, ein stummer Abschied, dann flog sie gen S�den davon.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter stand Kalecgos allein auf der Spitze des Nexus. Teralygos, einst sein Feind, nun sein Freund, war der Letzte, der den Turm verlassen hatte. Er war in nord�stlicher Richtung verschwunden; im Gegensatz zu Kirygosa sehnte sich der alte Drache nach der friedlichen Stille der kalten Lande, der traditionellen Heimat des blauen Schwarmes.</p><p>Kalecs Entscheidung hatte keinen der anderen Drachen, die noch zur�ckgeblieben waren, wirklich �berrascht, und keiner von ihnen schien die Schuld f�r diesen Exodus bei ihm zu suchen. Ver�nderungen. Sie waren gekommen, und alle Gegenwehr der Welt, alle Proteste, all die W�nsche, es k�nnte wieder so sein wie in der guten, alten Zeit, waren machtlos gegen sie. Die Ver�nderungen lie�en sich nicht aufhalten. Was w�rde nun aus ihm werden, dem einzigen verbliebenen Bewohner dieses nunmehr verlassenen K�nigreiches? Wohin f�hrte sein Pfad?</p><p><emphasis>Alles ver�ndert sich, Jaina, ob nun durch �u�ere Einfl�sse oder von innen heraus. Und manchmal reicht eine winzige �nderung in der Gleichung schon aus</emphasis>, hatte er einst zu der Frau gesagt, in die er sich verliebt hatte.</p><p><emphasis>Dann � sind wir also auch Magie,</emphasis> hatte sie erwidert.</p><p>�Ja�, wisperte er. �Das sind wir.�</p><p>Und da wusste er, was er tun musste.</p><empty-line/><p>Jaina hatte ihr Bestes getan, um sich zu verkleiden. Und anstatt sich einfach dorthin zu teleportieren, war sie auf herk�mmlichem Wege nach Ratschet gereist. Dort angekommen, kaufte sie einem anderen Reisenden, einer armen Seele, die offenbar das Gl�ck verlassen hatte, einen Greif ab und setzte die Reise nach S�den fliegenderweise fort. Dabei war ihr nur allzu bewusst, dass sie �ber dem Pfad dahinglitt, auf dem zuvor schon die Horde zur Nordwacht marschiert war. Sie nutzte dieses Wissen, um die Flammen ihres Zorns zu sch�ren.</p><p>Als die Ruinen der Feste in Sicht kamen, die nun von ihren Feinden besetzt wurde, musste sie gegen einen Klo� in ihrem Hals anschlucken. Einige Hordetruppen waren hier zur�ckgeblieben, w�hrend sich der Rest der Flotte zur�ckgezogen hatte, und der Anblick ihrer schwarz-roten Banner verwandelte das Feuer von Jainas Zorn in Eis.</p><p>Sie lie� den Greif landen und stieg ab, wobei sie behutsam auf die kleine Tasche achtete, die sie seit Beginn ihrer Reise eng an sich gedr�ckt hielt. Anschlie�end versetzte sie dem Tier einen heftigen Klaps auf seinen L�wenk�rper, und als es irritiert vom Boden hochsprang, nickte sie ihm zu. Der Greif w�rde gewiss allein nach Ratschet zur�ckkehren und dort einen neuen Besitzer finden. Jaina hatte jedenfalls keinen weiteren Nutzen f�r ihn. Sie wandte sich nach Osten und fl�sterte einen Teleportationszauber, und ein paar Sekunden sp�ter fand sie sich auf dem Pr�geleiland wieder.</p><p>�He, Fr�ulein�, sagte eine raue Stimme. Der Mensch, der sie angesprochen hatte, trug abgeschnittene Kniehosen, ein offenes Hemd und ein Entermesser. �Bist wohl hergekommen, um mit den Piraten zu spielen, eh?�</p><p>Sie richtete den Blick ihrer wei� gl�henden Augen auf ihn. �Ich habe keine Zeit f�r Spiele�, erkl�rte sie, dann schleuderte sie dem Totschl�ger fast beil�ufig einen Feuerball entgegen. Er schrie, als sein K�rper in Flammen aufging, taumelte noch ein paar Schritte und st�rzte dann sich windend zu Boden.</p><p>Unger�hrt von diesem Anblick wandte sich Jaina den Kameraden des Schl�gers zu, die jetzt mit w�tenden Rufen auf den Lippen herbeieilten. Sie geh�rten nicht zur Horde � zumindest nicht alle �, aber sie waren Halsabschneider und M�rder. Niemand w�rde um sie trauern. Ohne jede Gnade marschierte sie durch das Lager und streckte die Kriminellen mit Feuer, Eis und arkaner Energie nieder. Menschen, Trolle und Zwerge gingen vor ihr zu Boden, ebenso wie ein Oger, der mit dem winzigen Hut auf seinem kahlen Sch�del geradezu l�cherlich aussah.</p><p>Nun brannte sie auch die H�user nieder, damit es sp�ter keine unangenehmen �berraschungen geben k�nnte. Anschlie�end griff sie in die Tasche und holte die Fokussierende Iris hervor � das Buch, das sie aus der Bibliothek von Dalaran gestohlen hatte, hatte ihr verraten, wie man sie verkleinerte. Mit dem Artefakt in der Hand, wandte sie sich gen Norden und begann mit den Vorbereitungen.</p><empty-line/><p>Die Mitglieder des Irdenen Rings waren der Ersch�pfung nahe. Die Elemente schienen heute w�tender als sonst, und auch wenn niemand es laut aussprach, war Thrall doch sicher, dass sie sich alle fragten, ob ihre Bem�hungen vielleicht an Wirkung verloren.</p><p>Es ergab einfach keinen Sinn. Der Fortschritt hatte sich zwar nur langsam eingestellt, das stimmte, aber er war durchaus messbar und best�ndig gewesen. Die m�den Schamanen zogen sich in ihr Lager zur�ck, um etwas zu essen und wieder zu Kr�ften zu kommen. Muln Erdenwut, der offizielle Anf�hrer des Irdenen Ringes, schien sich am meisten verausgabt zu haben.</p><p>Aggra musterte den Tauren mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen. �Das Schweigen macht mir zu schaffen�, sagte sie. �Wir alle denken dasselbe, aber niemand wagt, es zur Sprache zu bringen. Komm, lass uns mit Muln reden!�</p><p>Thrall l�chelte und sch�ttelte den Kopf. �Wir denken wirklich �hnlich, mein Herz, aber stets bist du es, die zuerst auf ein Handeln dr�ngt.�</p><p>Sie zog die Schultern hoch. �Ich bin in Nagrand aufgewachsen. Da lernt man, schnell zu handeln, wenn sich Schwierigkeiten abzeichnen�, erkl�rte sie. Und w�hrend sie dann durch das Lager schritten, dr�ckte sie seine Hand.</p><p>Muln blickte den beiden Orcs entgegen und seufzte. �Ich wei� schon, was Ihr sagen wollt�, meinte er. �Aber nein, ich wei� nicht, warum sich unsere Fortschritte in Luft aufzul�sen scheinen. Die Elemente sind schon zu lange so angespannt, dass es schwer ist, ihre Stimme noch klar zu h�ren.�</p><p>Thrall sagte: �Vielleicht sollten wir ��</p><p>Da jagten ganz pl�tzlich Schmerzen durch seinen K�rper, und er brach auf die Knie zusammen, die H�nde an seinen Sch�del gepresst. Aggra b�ckte sich neben ihn und griff nach seinen Schultern. �Go�el, was ist?�, schrie sie.</p><p>Seine Lippen bewegten sich, doch er brachte keine Worte hervor. Das Gesicht seiner Frau verblasste vor seinen Augen, und einen Moment lang sah er �berhaupt nichts. Danach aber sah er pl�tzlich zu viel.</p><p>Wasser, blaugr�n, kalt und w�tend, brandete �ber ihn hinweg. Er keuchte, w�rgte, versuchte zu atmen. Da hob ihn auch schon die n�chste Woge empor, doch nur, um ihn wieder nach unten zu schleudern. Die Fluten schlugen �ber ihm zusammen. Er wurde im Innern einer gewaltigen Welle umhergewirbelt, dennoch sah er hier und da kleine, w�tende Augen, dann den Umriss eines Armes, einen Kopf, das Glitzern von Fesseln. Dies war mehr als nur eine gew�hnliche Meereswoge � er war der Spielball der versklavten Elemente.</p><p>Doch war er nicht allein. Da gab es Dutzende, Hunderte von Orcs, die ebenfalls in dieser Welle gefangen waren und ums �berleben k�mpften. Zudem entdeckte Thrall nun auch Tr�mmer, die in der Woge dahinwirbelten und eine weitere t�dliche Gefahr darstellten. Einen Moment sp�ter packte ihn eine Hand aus Wasser und dr�ckte ihn nach unten. Dort, in der Tiefe, sah er �</p><p>Die D�cher von Orgrimmar! Wie konnte das sein? Doch es gab keinen Zweifel; da war das Tor, und dort trieben die Tr�mmer eines der Eisenger�ste in die H�he, die Garrosh errichtet hatte, wie Thrall wusste.</p><p><emphasis>Hilf uns!</emphasis>, fl�sterten Stimmen.</p><p>Er konnte nicht atmen, f�hlte, wie das Wasser in seine Lungen drang.</p><p><emphasis>Hilf uns! Wir wollen das nicht!</emphasis></p><p>Die Wasserhand, die ihn hielt, begann zu zittern, und zwar so, als w�rde auch sie gegen etwas ank�mpfen. Dann lie� sie ihn abrupt los. Thrall schoss hoch an die Oberfl�che und saugte keuchend und hustend die saubere Luft ein.</p><p><emphasis>Du musst es beenden, andernfalls werden deine Leute sterben. Wir werden sie t�ten m�ssen, und wir werden um sie trauern, w�hrend wir in ewiger Sklaverei leiden.</emphasis></p><p>Thrall sammelte seine Gedanken, und nach einem weiteren Husten fragte er: �Wo?�</p><p>Diesmal h�rte er zwar keine Stimme, stattdessen sah er aber ein Bild in seinem Kopf: ein Fleckchen Land vor der K�ste des N�rdlichen Brachlandes, weit von Orgrimmar entfernt. Doch was k�mmerten das Meer Entfernungen, wo es doch alle K�sten ber�hrte?</p><p>�Go�el�, rief eine geliebte Stimme, die ihn zur�ck in die Gegenwart holte. �Go�el!�</p><p>Das grausige Bild der ertrunkenen Leichen und der zerst�rten Stadt verschwand wieder, und Thrall atmete erleichtert auf, als er nach einem Blinzeln erneut Aggras Gesicht �ber sich sah und nicht l�nger die Vision � denn das musste es gewesen sein: eine Vision. Sie l�chelte und streichelte seine Wange.</p><p>�Was habt Ihr gesehen, mein Freund?�, fragte Muln. Auch andere hatten sich inzwischen um den Orc versammelt. Thrall versuchte sich in die H�he zu stemmen, aber Muln dr�ckte ihn auf den Boden zur�ck. �Erhol dich erst und erz�hl � dann steh auf und st�rke dich!�</p><p>Thrall nickte. �Ihr habt nat�rlich recht, Muln�, meinte er. �Die Elemente gew�hrten mir eine Vision. Es k�nnte die Erkl�rung daf�r sein, dass sie pl�tzlich so aufgebracht sind.� Rasch und mit pr�gnanten Worten, doch ohne auch nur eine wichtige Einzelheit auszulassen, berichtete er, was er gesehen hatte.</p><p>�Kennt Ihr diese Insel?�, wollte Nobundo wissen.</p><p>�In der Tat�, nickte Thrall. �Es war das Pr�geleiland, s�dlich von Durotar.�</p><p>Die Schamanen wechselten mehrere Blicke. �Falls die Elemente so klar um Hilfe rufen, m�ssen wir darauf reagieren�, erkl�rte Muln.</p><p>Doch Nobundo sch�ttelte den Kopf. �Nein�, widersprach er. �Falls sie unsere Hilfe wollten, h�tten sie uns allen diese Vision gezeigt. Sie wissen, dass wir nicht von hier fortk�nnen. Und doch � haben sie um Unterst�tzung gebeten.�</p><p>Thrall nickte bed�chtig. Aggra wirkte gequ�lt, aber schicksalsergeben. �Sie haben sich direkt an mich gewandt�, sagte er. �An mich allein. Also ist es auch an mir, ihrem Ruf zu folgen und das Blutbad an meinem Volk zu verhindern. Aggra, Geliebte, du wei�t, ich w�rde dich mitnehmen, aber ��</p><p>Sie l�chelte hinter ihren Hauern. �Es ist deine Aufgabe, Go�el�, erkl�rte sie, �und ich werde jedem den Sch�del spalten, der es wagt, in meiner Gegenwart zu sagen, dass du ihr nicht gewachsen bist.�</p><p>Unmerklich schmunzelte er. Ja, er musste der Aufgabe <emphasis>gewachsen</emphasis> sein. K�nnte er wirklich Hunderte von versklavten Wasserelementaren befreien, damit sie nicht eine gesamte Stadt dem Erdboden gleichmachen mussten? Er hoffte es. Doch die Elemente waren weise; er wollte ihnen vertrauen. Langsam stemmte sich Thrall auf die Beine, und nachdem er seine Frau umarmt hatte, ging er zu seinem kleinen Zelt hin�ber, um das wenige zu packen, das er f�r die Reise brauchen w�rde.</p><empty-line/><p>Vol�jin hatte genug.</p><p>Als er von dem <emphasis>Unfall</emphasis> bei Klingenh�gel h�rte, hatte er darin ein Zeichen gesehen. Der Troll w�rde nicht riskieren, dass seinen Leuten noch mehr solcher <emphasis>Unf�lle</emphasis> zustie�en. Er hatte Thrall gemocht und ihm vertraut, und als der Orc ihn gebeten hatte, bei der Horde zu bleiben, hatte er sich dazu bereit erkl�rt. Nat�rlich hatte bei seiner Entscheidung auch Vorsicht eine Rolle gespielt, andernfalls h�tte er Garrosh wohl kaum weiterhin die Treue gehalten, als der Kriegsh�uptling ihn beleidigte und sein Volk zwang, in den �rmlichsten Vierteln zu hausen. Inzwischen lebten die Trolle auf den Echoinseln, aber auch dort waren sie Orgrimmar noch zu nahe, um sich wirklich sicher f�hlen zu k�nnen.</p><p>Doch vielleicht war nun die Zeit gekommen, sich zur�ckzuziehen, oder sich zumindest einen entsprechenden Plan zurechtzulegen. Die Gelegenheit war g�nstig. Garrosh und die <emphasis>loyalen</emphasis> Mitglieder der Horde � also diejenigen, die in den Tavernen in der Hauptstadt feierten und nicht in Klingenh�gel � waren noch immer damit besch�ftigt, auf ihre abscheulichen Taten anzusto�en. Die Kor�kron, oder zumindest dieser Abschaum Malkorok, der sie f�hrte, hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er vom endg�ltigen Sieg seines Kriegsh�uptlings �berzeugt war. Darum schreckte er auch nicht davor zur�ck, Hordemitglieder zu t�ten, wenn sie es wagten, im Geheimen oder in der �ffentlichkeit schlecht �ber Garrosh zu sprechen.</p><p>Unter Thralls Herrschaft war die Horde gut zu den Trollen gewesen, aber jetzt � Vol�jin hatte viele gute Krieger w�hrend der letzten beiden Schlachten verloren, und das sollte sein Lohn sein? Nein, danke! Es war Zeit, nach Hause zu gehen, zumindest vorl�ufig, denn schlie�lich lag dieses Zuhause direkt unter Garroshs Nase. Zeit auch, intensiv zu meditieren und herauszufinden, was die Loa zu sagen hatten. Er erinnerte sich noch an die Worte, die er vor einer Weile an Garrosh gerichtet hatte: dass der Orc den Gro�teil seiner Herrschaft damit verbringen w�rde, �ber die Schulter zu blicken � und dass er w�hrend seiner letzten Atemz�ge genau wissen w�rde, wer ihn get�tet hatte.</p><p>Es schien, als w�re seine Entscheidung, sich zur�ckzuziehen, die richtige gewesen. Noch bevor er die Echoinseln erreichte, kam ihm ein Kanu entgegen. Der Schamane in dem Boot hatte die Arme erhoben, w�hrend sich die Wellen unter dem Rumpf schneller bewegten, als es eigentlich der Fall sein sollte; er benutzte die Elemente, um so schnell wie m�glich zu seinem Anf�hrer zu gelangen.</p><p>Vol�jin wartete gar nicht erst, bis das Kanu neben seinem Boot zum Stehen kam. Er bat die Loa, seine Stimme zu verst�rken und rief dann: �Was is�, mein Freund? Was is� gescheh�n?�</p><p>Der Schamane antwortete, und der unruhige Wind trug seine Stimme an Vol�jins lange Ohren heran. �Die Allianz! Sie is� unterwegs hierher! Mit einer riesig�n Streitmacht!�</p><empty-line/><p>Garrosh br�llte vor Zorn und schleuderte seinen Krug quer �ber den Tisch. �Die Allianz? Hier? Unsere Spione sagten doch, sie w�rden sich an der D�sterk�ste sammeln!�</p><p>Der bemitleidenswerte Troll, dessen Aufgabe es war, dem Kriegsh�uptling Meldung zu machen, zuckte ein wenig zusammen, obwohl der Krug nicht in seine Richtung geflogen war. �Davon wei� ich nix, Kriegsh�uptling. Ich wei� nur, sie n�hern sich der Messerfaust-K�ste mit Dutzend�n von Schiff�n. Was soll�n wir tun?�</p><p>Schnell hatte sich Garrosh wieder von seinem Wutausbruch erholt. �Sag Baine, er soll Druiden in jeden Hafen schicken, den wir besetzt halten! Unsere Flotte muss sofort verst�rkt werden. Die Truppen an der Nordwacht sollen herkommen. Bis zum letzten Schiff! Und so schnell wie m�glich!�</p><p>Sehr zur Verwirrung des Trollboten verzerrte nach diesen Worten ein durchtriebenes L�cheln das Gesicht des Kriegsh�uptlings. �Und die Magier � schick auch sie alle zu mir. Mein Plan war zwar f�r die Dunkelk�ste gedacht, aber an der Messerfaust-K�ste wird er ebenso gut aufgehen.�</p><empty-line/><p>Varian stand an Deck der <emphasis>Wellenl�we</emphasis>, als sie sich Kalimdor n�herten. Die Draeneischamanen hatten ganze Arbeit geleistet und den Wind und die Wogen �berzeugt, ihnen zu helfen, sodass die Flotte den Ozean in Rekordzeit �berquert hatte, beg�nstigt von treibenden Winden und ruhigem Seegang. Nun waren sie nur noch ein paar Kilometer von der Messerfaust-K�ste entfernt. Varian war zwar der Anf�hrer der Allianztruppen, aber nicht der Kapit�n der <emphasis>Wellenl�we</emphasis>, darum hielt er sich im Hintergrund und lie� Telda Steinfaust ihre Arbeit machen. Das fiel ihm nicht weiter schwer, denn Telda wusste, was sie zu tun hatte, und trotz ihrer kleinen Statur hastete ein jeder Seemann auf seinen Posten, wenn sie einen Befehl bellte.</p><p>Als Varian nun neben sie trat und der Wind ihr Haar mit Gischt besprenkelte, reichte sie ihm ein Fernrohr. �Hier, der erste Blick auf die Bucht�, sagte sie.</p><p>Varian hob das Ger�t vor sein rechtes Auge. Im Hafen lag nur ein einziges Schiff, dennoch wusste er, dass der Weg ins Herz von Orgrimmar schwer bewacht sein w�rde. �Sieht aus, als w�re dieses Schiff im Hafen von der Bauart, die man von den Goblins kennt.�</p><p>�Was bedeutet, dass ein gut gezielter Schuss reich�n sollte, das Ding in die Luft zu jag�n�, kommentierte Telda mit einem Grinsen.</p><p>Varian sp�rte ein leichtes Unbehagen. Seine Sinne � und zwar alle, nicht nur die herk�mmlichen f�nf � waren �bernat�rlich scharf, eine Gabe, die er sich aus seiner Zeit als Lo�Gosh erhalten hatte. Er hielt das Gesicht in den munter wehenden Wind und zog die Nase hoch, dann hob er das Fernrohr wieder ans Auge. Alles, was er sehen konnte, waren Himmel und Meer, die verschiedenen T�ne von Blau.</p><p>Langsam drehte er sich im Kreis. Blaue See, blauer Himmel �</p><p>Doch dann ersp�hte er etwas, das nicht blau war, einen kleinen Fleck am Horizont.</p><p>�Da�, rief er und deutete nach S�den. �Schiffe!�</p><p>Irgendwie hatte Garrosh ihren Zug vorhergesehen.</p><p>�Alle Mann auf Gefechtsstation!�, br�llte Telda, deren Stimme eigentlich viel zu laut f�r einen so kleinen K�rper war. Ringsum erwachte das Deck zu hektischer T�tigkeit. Die gut ausgebildeten Seem�nner eilten zu den Kanonen, w�hrend Magier die Wanten hinaufkletterten, damit sie ihre Feuerb�lle � die bei diesen h�lzernen Segelschiffen so schreckliche Sch�den anrichteten � zielgenauer und sicherer abfeuern konnten. Die Schamanen hasteten derweil zu den Seiten des Schiffes, obwohl sie dort ein leichtes Ziel waren; indem sie ihre Opferbereitschaft zeigten, wollten sie die Elemente um ihre Unterst�tzung bitten.</p><p>H�rnersignale erklangen, und eines nach dem anderen wendeten die Schiffe, die bis eben noch direkt nach Osten gesegelt waren, bereit, sich der Bedrohung aus dem S�den zu stellen. Varian kletterte ebenfalls die Takelage hinauf, dann hielt er sich mit einer Hand fest und presste mit der anderen das Fernrohr an sein Auge.</p><p>Mehrere Schiffe der Horde kamen ihnen direkt entgegen, waren der Allianz-Flotte zahlenm��ig aber deutlich unterlegen. Varian nickte. Er wusste nicht, wie Garrosh ihren Plan hatte vorhersehen k�nnen � vielleicht hatte ein Hochseefischerboot die Armada entdeckt und war zur�ckgeeilt, um Alarm zu geben. Doch im Augenblick schien das eher nebens�chlich. Alles, was z�hlte, war, dass sich die Horde weiter auf ihre Blockade konzentrierte und der Allianz nur die Schiffe entgegenwarf, die sie dort entbehren konnte. Und das waren nicht viele.</p><p>�Jaina�, murmelte er, w�hrend er rasch wieder nach unten aufs Deck kletterte. �In einem Punkt hattet Ihr wom�glich recht. Vielleicht k�nnen wir es hier und jetzt beenden.�</p><p>Zun�chst herrschte eine beinahe schon aufgekratzte Stimmung an Deck. Es war offensichtlich, dass die Horde auf die Fehlmeldungen hereingefallen war, die die Spione der Allianz gestreut hatten, und sich weiterhin auf den Schutz der K�stenstreifen konzentrierte, auf die �berhaupt kein Angriff geplant war. Die wenigen Schiffe von der Feste Nordwacht auszuschalten sollte kaum mehr als eine Ziel�bung sein. Die Messerfaust-K�ste, sonst so ruhig und still und beinahe schon langweilig, w�rde nun Zeuge einer Seeschlacht werden.</p><p>Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, hangelte sich Varian ein zweites Mal die Takelage empor, um auf den Ozean hinauszusp�hen. Er z�hlte lediglich drei oder vier Schiffe, die, so schnell sie konnten, auf die Flotte zusegelten. Auch ihre Segel waren vom Wind gebl�ht, und es sah aus, als w�rden sie den Elementen alles abverlangen; was aber nicht weiter verwunderlich war, denn schlie�lich setzte die Horde schon sehr viel l�nger als die Allianz Schamanen ein.</p><p>�Hart nach Backbord!�, rief Telda, und Varian schlang die Hand fester um die nassen Taue, als die <emphasis>Wellenl�we</emphasis> sich j�h nach links drehte, der Gefahr aus dem S�den entgegen. Einen Augenblick lang empfand er beinahe � aber wirklich nur <emphasis>beinahe</emphasis> � Mitleid mit den Besatzungen dieser Schiffe, die schon in wenigen Minuten ein nasses Grab auf dem Meeresgrund finden w�rden.</p><p>�Feuer!�</p><p>Das Flaggschiff erzitterte unter dem Donnern seiner eigenen Kanonen, als die Waffen dem Feind ihre Geschosse entgegenspien. Einige Kanonenkugeln fuhren ins Wasser, ohne Schaden anzurichten, aber die meisten trafen ihr Ziel � das f�hrende Schiff � mit t�dlicher Pr�zision. Jubel wurde laut, als das Hordeschiff in sich zusammensank.</p><p>Doch da setzten sich die Planken pl�tzlich wieder zusammen. Offenbar konnte die Besatzung dieser Schiffe nicht nur auf die Dienste von erfahrenen Schamanen setzen, sondern auch auf die von erfahrenen Druiden. Varian fluchte, dann kletterte er rasch die Takelage hinab. Die letzten paar Meter legte er mit einem Sprung zur�ck.</p><p>�Hexenmeister, macht euch bereit!�, rief er. Wenn die Dienste jener n�tig wurden, die mit D�monen zusammenarbeiteten, f�hlte er sich immer etwas unbehaglich, auch dann, wenn es zum Wohle der Allianz geschah. Doch er wusste: Sie beherrschten gewisse Zauber � und obendrein gewisse Kreaturen �, die sich nun als �u�erst hilfreich erweisen konnten. Ihre in Schwarz und Violett und anderen dunklen Farben gehaltenen Roben flatterten um ihre Leiber, als die Hexenmeister an die Reling eilten. Dann hoben sie in vollendetem Gleichklang die Arme und stimmten ihre misst�nenden Beschw�rungen an.</p><p>Feuer regnete vom Himmel auf das ohnehin schon besch�digte Hordeschiff herab, ein steter, unwiderstehlicher Regen, und kleine, gackernde D�monen, die unter dem Namen Wichtel bekannt waren, tanzten �ber das feindliche Schiff und schleuderten dabei Flammen um sich. Diese Zerst�rung anzurichten schien nicht nur eine Aufgabe f�r sie zu sein, sondern ihnen obendrein auch noch wirklich Spa� zu machen.</p><p>�Magier!�, br�llte Varian nun, die Augen weiter fest auf das feindliche Schiff gerichtet. Gewaltige Feuerb�lle mischten sich in den unabl�ssigen t�dlichen Flammenregen, und als dann auch wieder die Kanonen grollten, war die Belastungsgrenze des Schiffes �berschritten. Es brach entzwei, und Varian sah voller Genugtuung, wie zahlreiche Soldaten der Horde mit hektischen Bewegungen ins Wasser der Bucht sprangen. Die meisten von ihnen gingen aber mit dem Schiff unter.</p><p>Siegreich wendete die <emphasis>Wellenl�we</emphasis>, als die Schamanen die Winde beschworen, sich zu drehen. Danach richtete sich ihr Bug auf das n�chste Feindesschiff. �Einer hin, drei im Sinn!�, kr�hte Telda. �Kommt schon, ihr Helden und Heldinnen! Heute Abend schlag�n wir uns in Orgrimmar die B�uche voll!�</p><p>Einen Moment sp�ter senkte sich pl�tzlich ein grauer Nebel �ber das Schiff.</p><p>Varian fluchte. Das war das Werk von Schamanen. Doch seine Hexenmeister reagierten bereits und schickten gr�n gl�hende B�lle nach oben, �ber den heraufbeschworenen Dunst hinweg. Anschlie�end meldeten sie, was sie sahen. Eine von ihnen, eine Menschenfrau, die viel zu jung f�r ihr wei� schimmerndes Haar zu sein schien, das ihre Schultern umschmiegte, rief Varian zu: �Majest�t � irgendetwas tut sich im Ozean, aber ich kann nicht genau erkennen, was es ist.�</p><p>Erneut erklang Kanonendonner, doch diesmal konnte Varian nicht sagen, wer feuerte und wer unter Beschuss stand. Dann aber h�rte er ein grausiges, knirschendes Ger�usch. Es war nicht das Knarzen, mit dem sich das Deck unter dem Feuer von Kanonen aufb�umte, sondern etwas anderes, Schreckliches, irgendwo dort drau�en, wo er es nicht erkennen konnte. Doch eines wurde ihm nun schlagartig klar: Die Truppen der Horde mochten seiner Flotte zahlenm��ig unterlegen sein, doch sie waren viel gef�hrlicher, als er gedacht hatte.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>Es dauerte lange � l�nger, als es Jaina lieb war, aber sie wusste, dass sie gr�ndlich sein musste. Antonidas hatte ihr das beigebracht: Man durfte beim Erlernen eines Zaubers nicht �berhastet vorgehen, da man sonst riskierte, dass er fehlging. Im besten Fall bedeutete dies, dass gar nichts geschah, wenn man ihn einsetzte, und im schlimmsten Fall, dass man eine Katastrophe ausl�ste. �Es ist genauso gef�hrlich, als w�rde man mit einer Waffe, die man zum ersten Mal in der Hand h�lt, in die Schlacht ziehen�, hatte er mahnend erkl�rt.</p><p>Darum setzte sich Jaina auf einen der kleinen H�gel des Pr�geleilands und las noch einmal alles durch, was ihr das gestohlene Buch �ber die Fokussierende Iris sagen konnte. Dabei �berflog sie auch einen Abschnitt, in dem stand, dass die arkane Energie so viel �hnlichkeit mit den gew�hnlichen Elementen hatte, dass man sie nach magischen Gesichtspunkten eigentlich auch zu diesen hinzurechnen konnte. Pl�tzlich musste sie daran denken, was ihr Kalec �ber die Magie beigebracht hatte � dass es eine logische, pr�zise Wissenschaft war. W�hrend sie weiterlas, streckte sie abwesend die Hand aus und strich �ber die Oberfl�che der Fokussierenden Iris, die sich selbst hier noch, in der Hitze der Sonne, k�hl anf�hlte.</p><p>Sie hatte bereits einige Experimente mit dem Artefakt durchgef�hrt, und bislang waren sie alle erfolgreich gewesen; allein schon, dass die Kugel nun auf eine so handliche Gr��e zusammengeschrumpft war, bezeugte dies. Doch nach ihrer Ankunft auf der Insel war es an der Zeit gewesen, sie in ihren urspr�nglichen Zustand zur�ckzuversetzen und mit anderen Tests zu beginnen. Zwei Tage lang hatte sie kaum geschlafen und nur gegessen, was sie sich herbeizauberte. Es war schwer, ihre Ungeduld zu unterdr�cken, aber ihre kleinen Erfolge spornten sie an. Und nun sp�rte sie endlich, dass sie bereit war. Kurz darauf sah sie aus zusammengekniffenen Augen, wie die meisten der Schiffe von der Feste Nordwacht aufbrachen. Vermutlich segelten sie nach Orgrimmar, �berlegte sie. Die Vorstellung erf�llte sie mit Vorfreude.</p><p><emphasis>Ja, geht nur heim</emphasis>, dachte sie.</p><p>Anschlie�end wandte sie sich dem Ozean zu. Die salzige Brise zerzauste Jainas wei�es Haar, w�hrend sie sich konzentrierte und die H�nde auf die Fokussierende Iris legte. Falls sie die Wirkungsweise des Artefakts richtig verstanden hatte, war es im Grunde ein Leiter � und in den richtigen H�nden auch ein Verst�rker � arkaner Energie. Unter ihren Fingern sp�rte sie ein kaltes Prickeln, dann zog sich pl�tzlich ein d�nner Riss �ber die Oberfl�che der Kugel. Wie ein riesiges Auge begann sie sich zu �ffnen.</p><p>Jaina keuchte, brach den Kontakt aber nicht ab. Solange sie den Fluss der Magie kontrollierte, w�rde ihr das Artefakt gehorchen. Es gab einen blendend grellen Blitz, und dann fuhr ein Lichtstrahl von der Fokussierenden Iris ins Meer.</p><p>Eine Hand noch immer auf der Kugel, hob Jaina den anderen Arm und beschrieb damit die inzwischen vertrauten Bewegungen eines ganz bestimmten Zaubers.</p><p>Bei ihrem ersten Versuch hatte dieser Spruch ein einziges Elementarwesen herbeibeschworen, doch nun sah sie pl�tzlich gleich zehn vor sich. Zehn schimmernde, versklavte Wasserwesen, die auf den Wellen standen, ihre Augen funkelten, die Extremit�ten, die ihnen als Arme dienten, waren mit Ketten gebunden.</p><p>Jaina lachte. Anschlie�end erschuf sie noch mehr Elementare und dann noch mehr, bis zwischen ihren K�rpern kaum noch das Meer zu sehen war. Normalerweise w�re sie nicht zu so vielen Beschw�rungen in der Lage gewesen, und selbst falls doch, so h�tte sie jetzt vor Ersch�pfung am ganzen Leib gezittert. Doch die Fokussierende Iris erledigte nun die ganze Arbeit f�r sie, und Jaina f�hlte sich noch immer genauso kr�ftig wie zu Beginn des Zaubers. Sie erkannte jetzt, warum die Horde das Artefakt gestohlen hatte, ebenso wie sie verstand, warum Kalec so besorgt gewesen war.</p><p>Einen kurzen Augenblick lang � als das Bild des blauen Drachen, wundersch�n und anmutig in jeder Gestalt, vor ihrem inneren Auge auftauchte � schweiften ihre Gedanken ab. Sie erinnerte sich an seine G�te, sein Lachen, und auch daran, wie ihr Herz schneller geschlagen hatte, als er ihre Hand k�sste.</p><p>Doch dann war dieser Moment vorbei, und Jaina richtete ihre Aufmerksamkeit grimmig auf die Elementarwesen. In ihrer Welt gab es keinen Platz mehr f�r G�te oder Lachen. Nicht, solange auch nur ein einziger Orc noch atmete.</p><p>Ein paar Elementare hatten w�hrend ihrer kurzen Unachtsamkeit an Kontur verloren, doch es kostete sie kaum mehr als einen Gedanken und ein Fingerschnippen, um sie jeweils wieder in die Gestalt zur�ckzubringen. Nun war es Zeit, sie zu vereinen.</p><p>Jaina hatte keinen Zauber daf�r, und soweit sie wusste, gab es auch keinen. Doch die Fokussierende Iris scherte sich nicht um derartige L�cherlichkeiten. Jaina musste sich nur auf ihre Absichten konzentrieren, und ihre Finger bewegten sich in Gesten, die ihr wie intuitiv in den Sinn kamen.</p><p>Einen Moment sp�ter gehorchte die Iris � und mit ihr die Menge der Elementarwesen.</p><p>Sie begannen miteinander zu verschmelzen, Tausende von ihnen, ohne dabei aber wirklich ihre Gestalt zu verlieren. Stattdessen wurden sie einfach zu Teilen eines einzigen, gr��eren Umrisses. Jaina l�chelte, und ihr Herz raste, als sie das erfolgreiche Ergebnis ihres Zaubers betrachtete, dann lie� sie die Elementare noch enger zusammenwachsen. Wo gerade noch Tausende einzelner Wesen auf den Wellen getanzt hatten, ragte nun eine titanische Woge auf.</p><p>Eine Monsterwelle.</p><p>Noch h�her wurde sie und noch breiter, als die Lady von Theramore ihre Hand nach oben ausstreckte. Die Augen und verzauberten Fesseln an den Armen der Elementarwesen waren in dem titanischen Wall aus Wasser noch immer deutlich zu erkennen, doch sie w�rden sich nicht teilen. Nicht, solange Jaina ihnen befahl: <emphasis>Bleibt zusammen!</emphasis></p><p>Sie lie� sich Zeit. Es war ein weiter Weg vom Pr�geleiland bis zum Ziel der Flutwelle, und falls ihr Plan Erfolg haben sollte, w�rde sie noch mehr Elementarwesen ben�tigen und sie alle unter v�lliger Kontrolle halten m�ssen. Einige Minuten sp�ter hatte sie schlie�lich das Gef�hl, fast bereit zu sein. Die Welle musste nur noch vier oder f�nf Meter h�her werden, und dann �</p><p>�Jaina!�, rief eine Stimme, tief und voll und zu gleichen Teilen von Freude und Schmerz erf�llt.</p><p>Die Welle erbebte, als Jaina sich umdrehte, ihre Hand nach wie vor auf der Fokussierenden Iris.</p><p>�Thrall!�, entfuhr es ihr. Ganz bewusst benutzte sie seinen <emphasis>echten</emphasis> Namen nicht. �Was tust du hier?!�</p><p>Die Wiedersehensfreude schwand aus seinem Gesicht. �Ich bin ja so froh, dass du lebst, meine alte Freundin. Aber ich wurde hierhergerufen � um dich aufzuhalten.�</p><p><emphasis>Alte Freundin</emphasis> nannte er sie. Und warum auch nicht? Das waren sie doch schlie�lich, oder? Alte Freunde, die zusammengearbeitet hatten, um Kriege zu verhindern, um die Leben von Unschuldigen zu retten, sowohl in der Allianz als auch innerhalb der Horde.</p><p>Doch nun konnten sie keine Freunde mehr sein.</p><p>Der Schicksalshammer blieb, wo er war, auf den R�cken des Orcs geschnallt, der auf sie zuging, die H�nde beschw�rend ausgestreckt. �Ich hatte eine Vision � von einer Monsterwelle, die �ber Orgrimmar hinwegfegt. Und diese Insel war ihr Ausgangspunkt. Die Elemente haben mich gebeten hierherzukommen, und nun bin ich da, um dieses Grauen zu verhindern. Doch nicht in meinen sch�nsten Tr�umen und schlimmsten Albtr�umen h�tte ich erwartet, dich hier vorzufinden. Am Leben � aber als Ausl�serin dieser schrecklichen Katastrophe. Bitte, Jaina, lass sie frei! Lass sie gehen!�</p><p>�Das kann ich nicht�, sagte sie mit br�chiger Stimme. �Ich muss es tun, Thrall.�</p><p>�Ich habe geh�rt, was in Theramore geschah�, erkl�rte er, wobei er sich nach wie vor langsam auf sie zuschob. �Ich trauere mit dir um all die Seelen, die auf so brutale Weise aus dem Leben gerissen wurden. Aber Orgrimmar zuzuf�gen, was die Horde Theramore zugef�gt hat, das wird keinen von ihnen zur�ckbringen, Jaina. Alles, was du damit erreichen wirst, ist, noch mehr Unschuldige zu t�ten.�</p><p>�Du <emphasis>trauerst?</emphasis>�, schnappte sie. �Aber was in Theramore geschehen ist, ist <emphasis>deine</emphasis> Schuld, Thrall! Du hast Garrosh das Kommando �ber die Horde �berlassen! Und ich habe dich noch angefleht, zur�ckzukommen und ihn vom Thron zu verscheuchen. Ich wusste, dass er fr�her oder sp�ter etwas Grausames tun w�rde, und er hat mich nicht entt�uscht. Im Gegensatz zu dir. Ja, es war Garrosh, der Theramore vernichtet hat � aber du hast ihm die Macht gegeben, es zu tun!�</p><p>Thrall erstarrte mitten in der Bewegung, schockiert von diesen Worten.</p><p>�Dann � gib mir die Schuld, Jaina! Die Vorfahren wissen, ich tue es selbst. Aber versuche nicht, die Toten von Theramore zu r�chen, indem du meine Leute vernichtest!�</p><p>�Leute?�, echote Jaina. �Ich kann sie nicht einmal mehr so nennen. Das sind keine <emphasis>Leute</emphasis>. Es sind Monster. Und du bist eines von ihnen! Mein Vater hatte recht � aber erst musste eine ganze Stadt voller Unschuldiger zerst�rt werden, bevor ich es erkannte. Ich habe nicht gesehen, wie die Orcs � sind, weil du mich geblendet hattest. Du hast mir vorgegaukelt, es k�nnte einen Frieden geben und dass die Orcs mehr seien als nur blutr�nstige Tiere. Aber du hast gelogen. Das ist Krieg, Thrall, und Krieg bedeutet immer <emphasis>Leid</emphasis>. Krieg ist h�sslich. Aber <emphasis>ihr</emphasis> habt ihn begonnen! Deine Horde hat Theramore dem Erdboden gleichgemacht, und jetzt hat sie eine Blockade um alle Allianzst�dte auf Kalimdor errichtet. Zahllose Unschuldige werden belagert und versklavt und angegriffen. Aber � noch w�hrend wir hier stehen, f�hrt Varian einen Angriff, um diese Blockade zu durchbrechen, und sobald meine Aufgabe erledigt ist, werde ich ihm helfen. Dann werden wir ja sehen, wer wen versklavt! Zun�chst aber werde ich die Stadt zerst�ren, die nach Orgrim Schicksalshammer benannt wurde, und mit ihr das ganze Land, dem dein Vater seinen Namen gegeben hat!�</p><p>�Jaina! Nein, bitte, nicht!�</p><p>Mit einem L�cheln und einer einfachen Handbewegung entsandte Jaina die Sturmwelle.</p><p>Die gequ�lten Schreie Hunderter versklavter Elementarwesen zerrissen die Luft, w�hrend die Mauer aus Wasser nach Norden st�rzte.</p><empty-line/><p>�Nein!�, br�llte Thrall. Verzweifelt riss er die Arme vor, und im Stillen betete er: <emphasis>Geist der Luft, halte sie auf! Lass nicht zu, dass sie zum Instrument all dieser Morde werden.</emphasis></p><p>Er griff in seine Tasche und ber�hrte die kleinen Schnitzereien, die die Elemente repr�sentierten. Ihre Essenzen manifestierten sich als gl�hende, pulsierende Abbilder dieser Figuren zu seinen F��en, w�hrend die Luft seinem Ruf bereitwillig folgte und der brodelnden Flutwelle einen heftigen Wind entgegenschleuderte, um sie aufzuhalten.</p><p>Jaina knurrte und bewegte die H�nde. Die Elementarwesen heulten vor Pein, als sie gezwungen wurden, gegen die Fesseln des Windes zu k�mpfen, und Thrall grunzte, zitternd vor Anstrengung; Jaina war eine m�chtige Magierin, aber eigentlich h�tte sie nicht stark genug sein d�rfen, um ihm zu trotzen � zumal ihr die Elemente, die sie einsetzte, nicht willentlich folgten. Thrall hatte die Fokussierende Iris noch nie zuvor gesehen, aber er wusste doch, wie sie aussah. Einst hatte sie die m�chtigen Sognadeln gesteuert, die die arkane Energie von Azeroths Leylinien zum Nexus umgelenkt hatten; au�erdem hatte sie dem f�nfk�pfigen chromatischen Drachen das Leben geschenkt. Nun stand sie unter der Kontrolle einer meisterhaften Magierin.</p><p>Voller Unbehagen wurde ihm klar, dass sein Gedankengang einen Fehler aufwies: Das Wunder lag nicht darin, dass Jaina inzwischen st�rker war als er. Das Wunder war vielmehr, dass er ihr �berhaupt etwas entgegensetzen konnte.</p><p>�Jaina�, stie� er hervor, die Z�hne vor Anstrengung zusammengebissen, �dein Schmerz ist gerechtfertigt. Was geschehen ist, war eine Abscheulichkeit. Doch es ist nicht richtig, unschuldigen Kindern den Atem zu rauben, um Rache an Garrosh zu nehmen!�</p><p>Ihr wei�es Haupt mit der einen goldenen Str�hne ruckte zu ihm herum, und ihre unheimlichen Augen starrten ihn eisig an, dann spreizte sie pl�tzlich die Finger und streckte ihm die Hand entgegen. Etwas Lavendelwei�es, Gl�hendes traf Thrall mit einer unglaublichen Wucht und schleuderte ihn nach hinten. Kurz wurde die Welt um ihn herum grau, und er fand sich auf dem R�cken liegend im Sand wieder, nach Atem ringend. Sein ganzer K�rper bebte, doch er zwang sich, wieder aufzustehen und seine Energie zu konzentrieren, um die Sturmwelle zur�ckzuhalten.</p><p>Jaina hatte ihn nicht angegriffen, damit er die Kontrolle �ber die Elemente verlor, das wusste er. Sie hatte ihn angegriffen, um ihn zu t�ten. Doch er konnte es nicht �ber sich bringen, dasselbe zu tun, zumindest noch nicht. Jaina war ihm eine treue Freundin gewesen, und vielleicht war sie es noch immer. Diese Gef�hle behinderten ihn und verliehen Jaina einen Vorteil, wurde sie von derartigen Gef�hlen doch augenscheinlich nicht zur�ckgehalten.</p><p>Einmal mehr bat der Orc die Winde um Hilfe. Eine B�, stark wie ein Wirbelsturm, heulte Jaina entgegen, so heftig, dass sie nach hinten taumelte und r�cklings in den Sand fiel. Dabei rutschte ihre Hand von der Fokussierenden Iris, und der jaulende Wind riss ihr die befehlenden Worte von den Lippen.</p><p>Thrall nutzte diese wertvollen Sekunden, um der hoch aufragenden Wand aus Wasser seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. <emphasis>Geist des Wassers, k�mpfe gegen diesen Zauber, der dich versklavt! Nimm meine St�rke; nutze sie �</emphasis></p><p>Er h�rte und sp�rte, wie sich die Hitze hinter ihm zusammenballte, und obwohl er es zutiefst bedauerte, musste er seine Sinne nun vom Geist des Wassers abwenden und sich auf den Geist des Feuers konzentrieren. Thrall wirbelte herum, die H�nde erhoben, um sich vor dem gewaltigen Flammenball zu sch�tzen, der auf ihn zuraste. Der Geist des Feuers war in seiner Pein in einen rasenden Zorn verfallen, und eine Sekunde lang f�rchtete der Orc, dass seine Stimme nicht mehr rechtzeitig geh�rt werden w�rde. Um sich zu verteidigen schleuderte er drei der Kugeln aus Wasser, die um ihn herumkreisten, in die H�he. Doch obwohl sie ihm neue Kraft schenkten, schloss er die Augen und wappnete sich gegen die versengende Hitze und den Schmerz, die gemeinsam in der Gestalt des Feuerballs auf ihn zukamen. Erst im letzten Moment brach die Flammenkugel auseinander, und ihre Teile wirbelten in alle Richtungen davon. Nur ein paar von ihnen trafen den Schamanen, aber das war schon genug, um seine Roben zu versengen und sein Fleisch mit qu�lenden Brandblasen zu �berziehen.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass du mich aufh�ltst!�, schrie Jaina. Sie hatte sich auf H�nde und Knie hochgek�mpft und kroch nun auf die Fokussierende Iris zu. Bevor Thrall reagieren oder die �chzenden, sich windenden Elementare befreien konnte, die die Flutwelle bildeten, legte die Magierin die Hand auf das Artefakt und verlieh ihrem Zauber dadurch neue Kraft. Anschlie�end kr�mmte sie die Finger ihrer freien Hand zu einem arkanen Befehl. Verbl�fft sah Thrall zu, wie die beiden verbliebenen Kugeln aus Wasser aus dem sch�tzenden Ring um seinen K�rper fortgerissen wurden. Sie vergr��erten sich, und noch w�hrend sich magische Fesseln um sie legten, wuchsen ihnen <emphasis>Arme</emphasis>. Dann schwebten sie zu ihren Br�dern hin�ber � damit dienten sie nun Jaina. Der Orc erkannte, dass das Artefakt ihren Zaubern nicht nur zus�tzliche Energie verlieh � durch die Fokussierende Iris hatte sie auch Kontrolle �ber seine Zauber.</p><p>�Siehst du, Thrall? Begreifst du jetzt, womit du es hier zu tun hast?�</p><p>�Ich sehe es, Jaina!�, rief er zur�ck, dann verst�rkte er seine Totems und konzentrierte sich erneut darauf, die Flutwelle zur�ckzuhalten. Wenn seine Worte doch nur bis zu ihr durchdringen w�rden � �Ich sehe, dass du gebrochen bist und trauerst. Ich sehe auch, dass du im Begriff stehst, ein weiteres Opfer von Garroshs Angriff auf Theramore zu werden. Aber ich kann dir helfen!�</p><p>�Mir helfen? Wohl eher Garrosh! Woher soll ich denn wissen, dass du nicht f�r ihn arbeitest? Vielleicht hast du von Anfang an mit ihm unter einer Decke gesteckt!�</p><p>Diese Anschuldigung schockierte Thrall so sehr, dass sich sein Zauber abschw�chte. Der gewaltige Berg aus sch�umenden Wasserelementaren brauste mehrere Meter nach vorn, und Thrall konnte ihn nur dadurch noch aufhalten, dass er ihm seine ganze Willensst�rke entgegenschleuderte.</p><p>Pl�tzlich erschien eine riesige S�ule aus Feuer, die sich wie ein Wirbelwind �ber den Strand auf ihn zubewegte und dabei den Sand in die Luft peitschte. Thrall wusste, dass er diesen Zauber nicht so leicht aufl�sen konnte wie eben noch den Flammenball, au�erdem hatte sich nun beinahe all seine Energie auf die monstr�se Welle gerichtet, die er zur�ckhalten wollte.</p><p>Die Welle �</p><p><emphasis>Wasser, lass mich �ber dich schreiten, und schlie�e mich in deine Arme!</emphasis></p><p>Er wirbelte herum und rannte vom Strand auf das Meer hinaus, als w�re es fester Boden. Seine Schritte trugen ihn geradewegs auf die riesige, alles �berragende Woge zu, und er hoffte, dass er Jainas Zauber gegen sie einsetzten k�nnte, so, wie sie seine Magie gegen ihn verwandt hatte. Nun hatte er die bebende Wand der Elementare erreicht, und als er das Wasser bat, ihn zu halten, fiel er wie ein Stein in die Tiefen des Ozeans hinab. �ber ihm donnerte die Feuers�ule, die ihm Jaina hinterhergeschickt hatte, gegen die Sturmwelle.</p><p>Die Flammen erloschen schlagartig, und die Welle schwankte, deutlich geschw�cht. Thrall tauchte tief hinab, fort von dem brodelnden Chaos an der Oberfl�che, und n�herte sich mit kr�ftigen Z�gen wieder der K�ste. Als er zwischen den Wellen auftauchte, sah er, dass Jaina nun hektisch versuchte, die Flutwelle wieder zu reparieren, indem sie weitere Elementare herbeirief und sie zwang, mit den anderen zu verschmelzen.</p><p>Der Orc bat den Geist des Lebens um einen letzten Gefallen und beschwor zwei Spektralwesen an seine Seite � Geisterw�lfe, durchsichtig und nebelhaft, doch nicht minder gef�hrlich als ihre Verwandten aus Fleisch und Blut. Schon fr�her hatte er solche Manifestationen erschaffen, doch jetzt, da ihm der Geist des Lebens ganz bewusst seine Kraft lieh, waren die W�lfe st�rker als je zuvor. Mit einem Geheul, das die Luft erzittern lie�, sprangen die geisterhaften Raubtiere Jaina an und lenkten sie von ihrer grimmigen Beschw�rung ab.</p><p>�Du z�gerst das Unausweichliche nur hinaus�, zischte die Magierin, w�hrend ihre H�nde Muster in die Luft malten, und pl�tzlich explodierte rings um sie lavendelwei�e arkane Energie. W�hrend sie nun vor Schmerzen heulten, kehrten die W�lfe in die Existenzebene zur�ck, aus der Thrall sie herbeigerufen hatte. �Du kannst mich nicht besiegen. Nicht, solange ich die Fokussierende Iris besitze. Sie �� Ohne Vorwarnung verwandelte sich ihr Zorn in Schmerz. �Du kannst das nicht verstehen. Du hast es nicht gesehen. Du wei�t nicht, was sie Theramore angetan haben � und mir ��</p><p>Sie so leiden zu sehen war Thrall noch unertr�glicher als ihr Zorn. Jaina war eine einzige offene Wunde, die denjenigen wehtun wollte, die ihr dieses Leid zugef�gt hatten. Mehr noch, sie wollte all jenen wehtun, die ihr Hoffnung geschenkt hatten. Tiefes Mitgef�hl breitete sich in ihm aus, doch an seiner Entschlossenheit konnte sie keinen Augenblick lang r�tteln.</p><p>�Du hast recht�, sagte er, woraufhin sie �berrascht zu ihm hin�berblickte. �Ich war nicht dort. Aber ich kann sehen, was aus dir geworden ist. Was Garrosh dir angetan hat. K�mpfe gegen Garrosh! Ich werde dich nicht aufhalten. Aber lass nicht zu, dass Unschuldige � es sind Kinder, Jaina, Kinder! � den Preis mit ihrem Blut bezahlen! Du w�rdest nicht nur sie t�ten; du w�rdest die ganze Zukunft t�ten!�</p><p>�F�r die, die unter Qualen in Theramore gestorben sind, gibt es auch keine Zukunft mehr�, schnappte Jaina zur�ck. �Warum sollten die Orcs eine Zukunft bekommen, wenn mein Volk keine hat? Wenn Kinndy und Tervosh und all die anderen guten, rechtschaffenen Bewohner von Theramore tot sind?� Die n�chsten Worte schienen mehr ihr selbst zu gelten als Thrall. �Warum sollte irgendjemand dann noch eine Zukunft haben?�</p><p>In diesem Augenblick riss sich die Welle los.</p><p>Der Orc kr�mmte den R�cken und warf die H�nde �ber den Kopf. Seine Muskeln schrien gequ�lt, und seine brennenden Lungen rangen um Atem, als er all seine St�rke mobilisierte, um die Woge zur�ckzuhalten.</p><p>Der Kamm der Welle ragte schon gef�hrlich weit vor, aber dann verharrte sie, ebenso heftig bebend wie Thrall unter den Kr�ften, die auf sie einwirkten. Luft und Wasser rangen miteinander, in einem Kampf, den keines der Elemente wirklich wollte, und das Beben der Woge nahm noch zu. Thrall konnte keinen Gedanken, keine Handbewegung mehr an seine eigene Verteidigung verschwenden, sp�rte nur noch, wie sich das Wasser loszurei�en versuchte, wie der Wind dagegen anblies und es zur�ckhielt.</p><p>Er selbst war nun auf Gedeih und Verderb einer Frau ausgeliefert, die nur ein paar Meter entfernt stand, die er einst �Freundin� genannt hatte, die nun aber mit aller Macht versuchte, zur Verk�rperung des Todes zu werden.</p><p>�Ruf die Luft zur�ck, Thrall!�, br�llte Jaina. Eine ihrer H�nde ruhte noch immer auf der Fokussierenden Iris, die andere zog sie nun an den K�rper, und dann begann die arkane Energie auch schon um sie herumzuwirbeln. Ihre Robe und ihr wei�es Haar bauschten sich auf. �Oder ich werde dich hier und jetzt t�ten! Verlieren wirst du so oder so!�</p><p>�Dann t�te mich!�, keuchte der Schamane. �Streck mich nieder! Kehre allem den R�cken, was dir einst Vertrauen und Mitgef�hl schenkte! Denn solange ich noch Atem in mir habe, werde ich nicht zulassen, dass diese Welle Orgrimmar zerst�rt!�</p><p>Einen Moment lang schien es so, als lie�e Jainas Entschlossenheit nach. Doch dann verh�rtete sich ihr Gesicht.</p><p>�So sei es�, murmelte sie und sammelte die Energie in ihrer Hand.</p><p>Da fiel ein Schatten �ber sie beide, und ehe Thrall und Jaina sichs versahen, landete auch schon eine gewaltige reptilienhafte Gestalt im Sand und schob ihren massigen blauen Leib zwischen den Orc und die Menschenfrau. �Jaina! <emphasis>Nicht</emphasis>!�, rief sie.</p><p>Thrall konnte es nicht glauben. Kalecgos � hier! Wie hatte er sie nur gefunden? Doch noch im selben Moment fiel ihm die Antwort auf diese Frage auch schon ein. Der blaue Drache hatte nach der Fokussierenden Iris gesucht. Nun war diese Suche zu Ende: Der Drache hatte sowohl das Artefakt als auch seine grausame Meisterin gefunden. Erleichtert, dass er jetzt einen Verb�ndeten auf seiner Seite hatte, konzentrierte der Orc einmal mehr seine ganze Energie darauf, die sch�umende, bebende Flutwelle zur�ckzuhalten.</p><empty-line/><p>Jaina taumelte, als Kalecgos vor ihr landete. �Geh zur Seite!�, fauchte sie, noch w�hrend sie versuchte, sich von ihrer �berraschung zu erholen. Dabei bemerkte sie kaum, dass sie ihn duzte. �Das ist nicht dein Kampf!�</p><p>Er verwandelte sich zwar in seine Halbelfenform, stand aber noch immer zwischen ihr und Thrall. �Oh doch, das ist es�, sagte er, und nun duzte auch er sie. �Die Fokussierende Iris geh�rt nicht dir, sondern dem blauen Drachenschwarm. Sie wurde uns gestohlen und f�r einen feigen und schrecklichen Angriff missbraucht. Ich kann und will nicht zulassen, dass so etwas noch einmal geschieht.�</p><p>�Was ich tue, ist nicht feige!�, schrie Jaina. �Es ist gerecht! Du bist nach Theramore zur�ckgekehrt, Kalec. Du hast gesehen, was dort geschah. Du kanntest sie nicht so gut wie ich, aber die Leidende und Tervosh und K-kinndy � sie waren auch deine Freunde! Nichts au�er Staub war noch von ihnen �brig, Kalec. <emphasis>Staub</emphasis>!�</p><p>Bei diesem letzten Wort kippte ihre Stimme. Er machte keinerlei Anstalten sie anzugreifen, wohingegen sie noch immer in Kampfhaltung dastand, die Hand fest auf der Fokussierenden Iris.</p><p>�Auch ich habe die verloren, die ich liebe�, entgegnete er. �Ich verstehe also zumindest einen Teil deines Schmerzes.� Er machte einen Schritt auf sie zu und streckte beschw�rend die Arme aus.</p><p>�Halt! R�hr dich nicht von der Stelle!� Wieder knisterte arkane Energie um ihren K�rper. �Du hast <emphasis>keine Ahnung</emphasis>, wie ich mich f�hle!�</p><p>�Bist du da so sicher?� Kalec war stehen geblieben, aber nicht zur�ckgewichen. �Dann sag mir, ob dir das vertraut vorkommt: Zun�chst kann man es gar nicht begreifen, dann kommen die Schuldgef�hle, aber auch die Zweifel und die Taubheit, weil man noch immer nicht in der Lage ist, es ganz und gar zu verarbeiten. Man kann sich nur St�ck f�r St�ck damit auseinandersetzen, so, als w�rde man den Vorhang vor dem Fenster der Seele Zentimeter um Zentimeter zur�ckziehen. Und jedes Mal, wenn einem aufs Neue klar wird, dass man diese geliebte Person niemals wiedersehen wird, erfasst einen dieser merkw�rdige Schock � wieder und wieder und wieder. Und dann kommt der Zorn. Der Hass. Der Wunsch, denjenigen wehzutun, die dir wehgetan haben. Die zu t�ten, die jenes geliebte Wesen get�tet haben. Aber wei�t du was, Jaina? <emphasis>So l�st es sich nicht!</emphasis> Was �ndert sich, falls du das tust und Orgrimmar unter dieser Welle begraben wird? Wird Kinndy in Theramore auf dich warten, wenn du zur�ckkehrst? Wird Tervosh wieder in seinem Kr�utergarten stehen und Unkraut j�ten? Wird die Leidende wieder ihr Schwert sch�rfen und dabei finster vor sich hin blicken, wie sie es so gerne tat? Jaina, keiner von ihnen wird zur�ckkommen.�</p><p>Ihr Herz zog sich vor Qualen zusammen. Sie wollte nicht auf seine Worte h�ren, denn alles, was er sagte, war so schrecklich wahr. Sie durfte sich nicht eingestehen, dass er recht hatte, denn dann musste das Feuer des Zorns in ihr erl�schen.</p><p>�Nun, dann sollen sie zumindest Gesellschaft bekommen�, schnappte sie.</p><p>�In diesem Fall solltest du bereit sein, dich ihnen bald ebenfalls anzuschlie�en�, fuhr Kalec unbeirrt fort, �denn ich wei�, du k�nntest nicht mehr mit dir selbst leben, wenn du es tats�chlich tust. Jaina � all die Dinge, die ich beschrieben habe, habe ich durchlitten. Ich habe sie so tief, so intensiv gef�hlt, dass ich nicht wusste, wie mein Herz es �berhaupt noch ertragen konnte weiterzuschlagen. Ich wei�, wie es sich anf�hlt. Und � ich wei� auch, dass diese Wunde geheilt werden kann. Es dauert lange, und es geschieht nur St�ck f�r St�ck, aber sie <emphasis>kann</emphasis> verheilen. Es sei denn, du gibst nach und tust etwas, von dem du dich nie wieder erholen wirst. Und glaub mir � falls du diese Welle nach Orgrimmar schickst, wirst du innerlich so tot sein wie diejenigen, um die du angeblich trauerst.�</p><p>�Ich trauere sehr wohl um sie!�, kreischte Jaina. �Mehr, als du dir vorstellen kannst. Ich vermag kaum noch zu atmen vor Trauer um sie, Kalec. Ich kann nicht mehr schlafen. Und wann immer ich an sie denke, sehe ich ihre Gesichter � und dann ihre Leichen. Die Horde muss zahlen!�</p><p>�Aber nicht durch deine Hand, Jaina, und auch nicht so.� Es war nicht Kalec, der diese Worte aussprach, sondern Thrall, und ihre Augen huschten zu ihm hin�ber. �Es gibt Gerechtigkeit, und es gibt Rache. Falls du den Unterschied zwischen beidem nicht erkennst, ist alles, was du tust, nur ein Verrat an denen, die dich geliebt haben.�</p><p>�Garrosh ��</p><p>�Garrosh ist ein Dieb und Feigling und Schl�chter�, sagte Thrall mit ruhiger Stimme. �Und du tust jetzt genau das Gleiche, was er getan hat � bis hin zum Einsatz desselben Artefakts, das Theramore vernichtete. Ist es das, was du willst? Wirklich? Soll das das Erbe sein, das du deinem eigenen Volk hinterl�sst?�</p><p>Jaina stolperte nach hinten, als h�tte ein Faustschlag sie getroffen. Aber nein, er war ein Orc; er war genauso wie die anderen. Ihr Vater hatte recht gehabt. Er wollte sie nur verwirren. Heftig sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>�Ich wei�, dass richtig ist, was ich tue!�, rief sie.</p><p>�Das dachte Arthas gewiss auch, als er jeden in Stratholme niedergemetzelt hat�, sagte Kalec. Jaina starrte ihn an, ungl�ubig und angewidert, doch er fuhr fort, als bemerkte er ihren Blick �berhaupt nicht. �Aber zumindest war sein Herz nicht mit Hass gegen jene erf�llt, die er t�tete. Thrall hat recht. Soll das wirklich dein Erbe sein, Jaina Prachtmeer? Willst du als der n�chste Garrosh, der n�chste Arthas in die Geschichte eingehen?�</p><p>Jainas Beine gaben nach, sie sackte in den Sand. Aber ihre Hand ruhte noch immer auf der Fokussierenden Iris. Ihre Gedanken, erf�llt von nebul�ser Ungewissheit und Verzweiflung, �berschlugen sich.</p><p>Arthas �</p><p><emphasis>Ich kann nicht mit ansehen, wie du das tust.</emphasis></p><p>Diese Worte hatte sie an ihn gerichtet, nachdem sie ihn angefleht hatte, er m�ge seine Entscheidung noch einmal �berdenken, und anschlie�end war sie mit Uther davongeritten, weinend ob der Person, in die sich Arthas verwandelt hatte. Langsam, als w�ge ihr Kopf eine ganze Tonne, drehte sie sich herum und blickte ihre Hand an, die sich gegen die Fokussierende Iris presste. Dass ein so simpler Gegenstand so viel Macht haben, so viel Leid anrichten konnte, dachte sie. Das Artefakt war benutzt worden, um die f�nfk�pfige Monstrosit�t Chromatus zum Leben zu erwecken, hatte s�mtliche arkane Energie in Azeroth zum Nexus umgeleitet, und zuletzt hatte es eine Manabombe gespeist, mit der unschuldige junge M�dchen zu Staub verbrannt worden waren.</p><p>Um damit Orgrimmar auszul�schen �</p><p>Sie erinnerte sich daran, wie Arthas Antonidas verspottet hatte, bevor Archimonde Dalaran zerst�rte, und dann sah sie wieder das Gesicht ihres alten Mentors vor sich, gebildet aus violettem Rauch: <emphasis>Dieses Buch ist nicht f�r unvorsichtige H�nde oder neugierige Augen bestimmt. Wissen darf nicht verloren gehen, aber es darf auch nicht leichtfertig eingesetzt werden. Also halte deine Hand zur�ck � oder fahre fort, so du denn den Weg kennst!</emphasis></p><p>Sie hatte so sehr nach Vergeltung gestrebt, dass sie die Worte als Einladung betrachtet hatte � doch es war keine Einladung gewesen, andernfalls h�tte sie das magische Siegel nicht aufbrechen m�ssen.</p><p><emphasis>Fahre fort � so du denn den Weg kennst!</emphasis></p><p>Hatte sie den Weg gekannt? Nein, sie war verloren, irrte blind umher. Wenn �berhaupt, war Antonidas� fl�chtige Erscheinung eine Warnung gewesen, kein Ausdruck der Zustimmung. Sie wusste, wie er reagieren w�rde, k�nnte er sehen, was sie gerade tun wollte, und dieses Wissen war wie ein Messer in ihrem Leib.</p><p>Die Hand auf der Fokussierenden Iris ballte sich zur Faust.</p><p>Langsam stand Jaina auf. Ihr tr�nen�berstr�mtes Gesicht wandte sich erst Kalec zu, dann Thrall.</p><p>�Nach dem, was er getan hat, kann Garrosh nur noch mein Feind sein � und ebenso die Horde, solange er ihr Kriegsh�uptling ist. Ich habe Hunderte von Elementarwesen unter meinem Befehl, und ich werde sie auch einsetzen.�</p><p>Sowohl der blaue Drache als auch der Orc spannten ihre K�rper an.</p><p>Jaina schluckte hart, und die n�chsten Worte mussten sich erst einen Weg an dem Klo� in ihrem Hals vorbeibahnen. �Ich werde sie benutzen, um der Allianz zu helfen. Um meine Leute zu sch�tzen. Ich werde nicht eine ganze Stadt vernichten, denn ich bin nicht Garrosh. Und ich werde auch keine unbewaffneten Zivilisten ermorden, denn ich bin nicht Arthas. Ich bin mein eigener Herr.�</p><p>Nach diesen Worten brach die Flutwelle auseinander. Sie war nicht l�nger eine hoch aufragende Mauer aus Wasser, sondern bestand wieder aus Hunderten einzelner Wasserelementare, deren K�rper in der Str�mung auf und abh�pften, w�hrend sie auf Jainas Befehle warteten.</p><p>�Du hast jedes Recht, Krieg gegen die Horde zu f�hren, Jaina�, erkl�rte Thrall. �Aber das Blut, das von nun an an deinen H�nden kleben wird, wird das von Soldaten sein, nicht das von Kindern. Bald schon wird dein Herz froh sein, dass du diese Entscheidung getroffen hast.�</p><p>�Du kennst mein Herz nicht mehr, Thrall�, entgegnete sie. �Ich bin keine Schl�chterin, aber ich werde auch nicht l�nger um jeden Preis nach Frieden streben. Die Horde, die du nicht l�nger anf�hrst, ist eine Gefahr, und wir m�ssen ihr die Stirn bieten, wo immer sie sich zeigt. Wir m�ssen sie besiegen. Vielleicht kann es danach Frieden geben � aber auf keinen Fall vorher.�</p><p>Trotz dem, was sie �ber ihr Herz gesagt hatte, sp�rte sie einen schmerzhaften Stich, als sie seinen reuevollen Gesichtsausdruck bemerkte. Die Personen, die in Theramore und der Feste Nordwacht das Leben verloren hatten, waren nicht die einzigen Opfer dieses Feldzuges. Auch ihre Freundschaft, die so viele Jahre �berdauert hatte, auf die sie so stolz gewesen waren und die sie so behutsam gepflegt hatten, hatte den Angriff der Horde nicht �berlebt. Es w�rde viele, viele Jahre dauern, bis sie Thrall wieder einen �Freund� nennen konnte � falls �berhaupt. Und das musste auch ihm klar sein.</p><p>�Der kommende Krieg wird Azeroth ebenso ersch�ttern wie der Kataklysmus, allerdings auf andere Weise�, meinte der Orc. �Und ich habe geschworen, diese Welt zu heilen. Darum will ich nun zum Mahlstrom zur�ckkehren. Lady Jaina, ich w�nschte, wir k�nnten uns unter anderen Umst�nden voneinander verabschieden.�</p><p>�Ich ebenfalls�, sagte Jaina. Und meinte es ernst. �Aber dieser Wunsch �ndert rein gar nichts.�</p><p>Thrall verbeugte sich tief, dann beschwor er einen Geisterwolf und stieg auf seinen R�cken. Kurz darauf verlie�en der Schamane und seine mystische Kreatur das Pr�geleiland, und das Wasser des Ozeans trug ihr Gewicht, als w�re es fester Boden. Jaina und Kalec blickten ihnen schweigend nach, dann aber wandte sich die Herrscherin von Theramore zu dem Drachen um.</p><p>�Und was wirst du tun, Kalec vom blauen Drachenschwarm?�, fragte sie leise.</p><p>�Ich werde Lady Jaina hintragen, wohin auch immer sie m�chte�, erkl�rte er.</p><p>�Ich muss dorthin, wo die Flotte der Allianz gerade gegen die Horde k�mpft�, sagte sie. �Aber zuerst � m�chte ich Orgrimmar sehen.�</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Garrosh war sofort zur Messerfaust-K�ste aufgebrochen, nachdem ihm der Troll seine Nachricht �bermittelt hatte, und er war so schnell geritten, wie sein Terrorwolf ihn nur tragen konnte. So war er vor der Flotte der Allianz dort angekommen und hatte das Kommando �ber das Goblinschiff �bernommen, das schon seit Urzeiten dort vor Anker zu liegen schien, sehr zur �berraschung, aber auch zur Freude des kleinen gr�nen Kapit�ns. Mit Garrosh, Malkorok und vielen anderen an Bord brachen sie nun auf, dem Treffpunkt mit den anderen Schiffen entgegen, die von der Nordwacht herbeigesegelt waren.</p><p>Das Ganze verlief zwar nicht ganz unbeobachtet, aber gl�cklicherweise war die Allianz noch nicht in Feuerreichweite. �Schneller!�, befahl Garrosh, aber leider hatten sie keinen Schamanen an Bord, der die Ozeane zu ihren Gunsten beeinflussen konnte. Am liebsten w�re Garrosh sofort l�ngsseits zu einem der Allianzschiffe gegangen und an Bord gesprungen, um endlich das Blut seiner Feinde zu vergie�en. Aber das war nat�rlich nicht m�glich. Noch nicht zumindest. Er br�llte verzweifelt auf, w�hrend die Allianz schnell und brutal das erste Schiff der Horde unter Beschuss nahm, und als es unterging, von Einschlagsl�chern �bers�t und von Flammen eingeh�llt, wurde sein Zorn nur noch gr��er.</p><p>Die Nachricht hatte Garrosh zun�chst zwar �berrascht, doch dann hatte er sich schnell wieder gefangen, denn auch wenn die Flotte der Horde noch immer um ganz Kalimdor herum verstreut war, lie� sich ihre Geheimwaffe doch �berall einsetzen. Er wusste also: Auch wenn sie dem Feind zahlenm��ig deutlich unterlegen waren, w�rde der Sieg bald schon ihnen geh�ren.</p><p>Als das Goblinschiff tapfer auf die Allianzflotte zuhielt, wurden pl�tzlich mehrere feindliche Galeonen von Nebel eingeh�llt. Garrosh lachte. �Geben wir ihnen ein wenig Zeit, Angst zu haben vor dem, was auf sie lauert�, rief er Malkorok zu. �Sie sollen den Schrecken f�hlen, nicht zu wissen, was wir wissen � und dann werden wir ihnen unsere wahre Macht zeigen.�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte auf Varians Schiff sein und selbst gegen ihn k�mpfen�, grollte der Schwarzfelsorc. �Ich w�rde ihm keinen schnellen Tod gew�hren und auch keinen ehrenhaften.�</p><p>�Er hat es verdient, seine Begleiter gerade so lange zu �berleben, dass er noch ihre Verzweiflung miterleben kann, bevor auch er stirbt�, stimmte Garrosh zu. Einigen der Allianzschiffe war es gelungen, dem Nebel zu entgehen, ein paar andere waren schon zuvor au�er Reichweite des Dunstes gewesen. Diese nahmen nun gnadenlos die drei �brigen Hordeschiffe unter Beschuss. Dennoch f�hlte sich Garrosh ruhig, h�chstens ein wenig erwartungsfroh, als der Goblinkapit�n sie l�ngsseits neben die <emphasis>Knochenbrecher</emphasis> brachte und der Orc und die anderen leichtf��ig auf das Deck des anderen Schiffes sprangen.</p><p>�Ruf sie!� war alles, was er dem Kapit�n sagte, und der Troll gab den Befehl mit lauter Stimme weiter. Kurz darauf wurde er von einem Schiff zum n�chsten gebr�llt: �Ruft sie! Ruft sie!� Die Schlacht ging indessen weiter, die Luft war vom Rauch der Kanonen geschw�ngert. Auf beinahe jedem Deck lagen blutende oder tote Hordek�mpfer, aufgespie�t von Holzsplittern, die so lang wie der Unterarm eines Menschen waren. Heiler eilten hin und her, um so viele Verwundete zu behandeln wie m�glich, ohne dabei selbst zu einem Opfer der Schlacht zu werden.</p><p>Die Oberfl�che des Ozeans, die bereits unter den Einschl�gen von Kanonenkugeln, den schamanischen Verst�rkungszaubern und den Tr�mmern der besch�digten Schiffe sch�umte und brodelte, begann nun noch unruhiger zu werden. Wei�er Schaum breitete sich zwischen den Wellen aus, und dann schoss explosionsartig etwas aus den Tiefen nach oben.</p><p>Die Besatzung des ungl�ckseligen Allianzschiffes, das der Stelle am n�chsten war, hatte gerade noch Zeit, die Kreatur voller Schrecken anzustarren, dann schlug sie auch schon zu. Gewaltige Tentakel schossen auf das m�chtige Schiff zu und schlangen sich in der grausigen Parodie einer Umarmung um seinen Rumpf. Der Kraken � denn nichts anderes war es � begann seine Arme zu spannen und zuzudr�cken, bis das Schiff zerbarst. Garrosh warf den Kopf in den Nacken und lachte.</p><p>Weitere Monster tauchten aus den kalten Tiefen des Meeres empor, w�tend und hasserf�llt, weil man sie versklavt hatte, doch unf�hig diesen Zorn gegen jene zu richten, die sie knechteten. So entlud sich ihr Hass stattdessen auf die Flotte der Allianz; die Kraken streckten ihre Tentakel aus und packten und sch�ttelten und zerbrachen die Schiffe. Manchmal schleuderten sie die Einzelteile anschlie�end auf andere Schiffe. Allianzsoldaten aller Rassen st�rzten schreiend von den geborstenen Decks in die tosenden Wasser, wo die Meeresungeheuer sie gierig verschlangen.</p><p>�Komm, Malkorok!�, rief Garrosh. �Lass uns selbst ein paar Allianzleben beenden! Die Kraken sind m�chtige Werkzeuge, aber ich m�chte nicht, dass all meine Feinde zu Fischfutter werden!�</p><p>�Wie immer bin ich ganz Eurer Meinung, mein Kriegsh�uptling�, sagte Malkorok. Vor ihnen befand sich ein gegnerisches Schiff, das von den Tentakeln der Kraken bislang verschont geblieben war. Es hatte gewendet, und anstatt mit seinen Kanonen auf der Steuerbordseite die verbliebenen Hordeschiffe unter Beschuss zu nehmen, feuerte es nun aus allen Rohren auf eines der Meeresungeheuer.</p><p>�Kapit�n, bringt uns l�ngsseits!�, bellte Garrosh. �Es d�rstet mich nach Allianzblut!�</p><p>Der Troll kam diesem Befehl nur zu gerne nach, und nach einem letzten, beunruhigten Blick auf die blauschwarzen, gl�nzenden Viecher, die sich im sch�umenden Wasser wanden, brachte er sie auf der Backbordseite neben die <emphasis>Wellenl�we</emphasis>. Einige Besatzungsmitglieder des Allianzschiffes schrien eine Warnung heraus, doch die meisten Soldaten an Bord konzentrierten sich voll und ganz auf die Steuerbordseite und die Kanonen. Mit einer Leichtf��igkeit, die ihre Gr��e und ihr muskelschweres Gewicht L�gen strafte, sprangen die beiden Orcs �ber den schmalen Spalt zwischen den Schiffen und st�rzten sich in den Kampf.</p><p>Malkorok schwang seine �xte, noch bevor er auf dem Deck der <emphasis>Wellenl�we</emphasis> landete. Ein Draeneipriester, vertieft in einen Heilzauber, um die Schmerzen eines Matrosen zu lindern, ging unter dem Hieb zu Boden, ohne �berhaupt zu wissen, was ihn getroffen hatte. Blutschrei sang derweil ein unheilvolles Lied von Tod und Blut und k�ndigte Garroshs Gegenwart an, w�hrend er einem Worgen den pelzigen Kopf von den Schultern trennte. Noch in derselben Bewegung wirbelte der Orc herum, da er sp�rte, dass jemand hinter ihm stand, und Blutschrei prallte gegen die �berdimensionierte Axt eines h�nenhaften D�mons. Das abscheuliche graue Gesicht der Teufelswache teilte sich zu einem gelbz�hnigen Grinsen.</p><p>Garrosh lachte. �Mein Vater hat schon D�monen erschlagen, die um ein Vielfaches gr��er waren als du�, schnaubte er.</p><p>Die Teufelswache erwiderte das Lachen, ein d�sterer, b�sartiger Laut. �Und ich habe schon die S�hne vieler V�ter erschlagen�, grollte er zur�ck.</p><p>Wieder prallte Axt gegen Axt. Die Teufelswache war gro� und stark, aber Garrosh wurde von famili�rem Stolz angetrieben. Er dachte daran, wie sein Vater mit Mannoroth gek�mpft hatte, einem der m�chtigsten Grubenlords aller Zeiten, und er sp�rte das Gewicht der Hauer, die er in Erinnerung an jenen Kampf auf seinen braunen Schultern trug. Das Lachen des D�mons endete j�h, und seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als sich Blutschrei tief in seinen Unterleib bohrte. Ein zweiter Hieb folgte, dann ein dritter, und die Teufelswache landete in zwei H�lften auf dem Deck.</p><p>�Kriegsh�uptling!�, rief da Malkorok, von dessen Klingen inzwischen das Blut tropfte. Nicht weniger als vier Leichen lagen zu seinen F��en. �Hinter Euch!�</p><p>Garrosh drehte sich gerade noch rechtzeitig herum, um Blutschrei zwischen sich und den erstaunlich schnellen schwarzhaarigen Mann zu bringen, der sein gewaltiges Schwert bereits zum Schlag erhoben hatte. Der Orc kannte diese Klinge: Schalamayne. Varian stie� ein lautes, w�tendes Geheul aus, das mehr nach dem Geisterwolf klang, der einst sein Namenspate gewesen war, als nach einem Menschen, und Garrosh grunzte, als das Schwert in seinen Arm schnitt und sein Blut kostete. Doch bevor die unvergleichliche Klinge tiefer schneiden konnte, parierte er den Hieb und stie� Blutschrei vor. Varian stolperte nach hinten, aber noch in R�ckw�rtsbewegung sauste Schalamayne ein zweites Mal herab.</p><p>�Die Vorfahren sind uns gewogen!�, rief Garrosh. �Ich wusste, du w�rdest heute sterben, aber ich h�tte nicht gedacht, dass ich der Gl�ckliche w�re, der die Gelegenheit bekommt, dich auszuweiden!�</p><p>�Ich bin �berrascht, dass du �berhaupt den Mut hattest, auf mein Schiff zu kommen�, knurrte Varian. �Seit unserer letzten Begegnung hast du dich in einen Feigling verwandelt. Erst l�sst du Magnatauren die Drecksarbeit f�r dich erledigen, dann Elementarwesen und jetzt Kraken. Was hast du getan, nachdem du die Manabombe auf Theramore abgeworfen hattest � bist du davongerannt und hast dich versteckt? Ich bin sicher, du warst weit vom Schlachtfeld entfernt!�</p><p>Blutschrei sang zur Antwort, als die Axt in einem tiefen Bogen vorsauste, um Varians Beine zu durchtrennen. Der Mensch sprang �ber die Klinge hinweg und wirbelte noch in der Luft herum, doch beinahe h�tte er seinen Kopf verloren, als Garrosh seine Waffe auf dem R�ckschwung nach oben riss.</p><p>�Und <emphasis>du</emphasis> bist langsamer als bei unserer letzten Begegnung�, zischte der Orc. �Du wirst alt, Varian. Vielleicht h�ttest du deinem weinerlichen Sohn den Thron �berlassen sollen. Wenn die Kraken deine m�chtigen Schiffe erst in Feuerholz verwandelt haben, werde ich nach Sturmwind marschieren, und dann werde ich mir deinen kleinen Jungen schnappen, ihn in Ketten schlagen lassen und an einer Leine durch die Stra�en von Orgrimmar f�hren!�</p><p>Er hatte gehofft, den Menschen durch diese Worte so zu erz�rnen, dass er vor Wut die Beherrschung verlor und wild vorst�rmte, anstatt weiter besonnen zu k�mpfen. Doch zu seiner Verwirrung grinste Varian nur, w�hrend er sich unter dem Axthieb hinwegduckte und seinen n�chsten Schlag plante. �Anduin w�rde dich �berraschen�, sagte er. �Selbst Friedliebende hassen Feiglinge.�</p><p>Pl�tzlich war Garrosh dieser sp�ttischen Beleidigungen �berdr�ssig. �Dreimal haben wir die Klingen gekreuzt�, schnaubte er, �und das ist dreimal zu viel. Du wirst heute sterben � und mit dir alle, die du liebst.� Er schnellte vor und schwang Blutschrei, doch Varian wich t�nzelnd vor ihm zur�ck. Garrosh setzte ihm nach. Jeder Gedanke an Finesse oder Taktik war nun vergessen. Die Welt schrumpfte zusammen, bis es nur noch diesen Menschen und seinen bevorstehenden Tod gab. Die Waffen der beiden prallten erneut gegeneinander, ebenso wie ihre K�rper. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander � da wurden sie unvermittelt in die Luft geschleudert.</p><p>Garrosh ruderte wild mit den Armen, und nur durch schiere Willenskraft gelang es ihm, Blutschrei festzuhalten. Er landete hart auf dem Deck, dann wurde aus der Waagerechten pl�tzlich eine Schr�ge, und er rutschte nach unten, w�hrend ein gewaltiges berstendes Ger�usch in seinen Ohren widerhallte. Einen Moment sp�ter fiel er der blauen Oberfl�che des Ozeans entgegen. Seine eigene R�stung wurde nun zum Feind, und er sank wie ein Stein in die Tiefe, w�hrend ihn die Tr�mmer der <emphasis>Wellenl�we</emphasis> auf dem Meeresboden festzunageln drohten.</p><p>Doch er hatte nicht vor, sich in diesen scheinbar so sicheren Tod zu f�gen. Die Axt seines Vaters noch immer in der Hand, nutzte er die Schiffsteile, die an ihm vorbeisanken, zu seinem Vorteil und begann an den Tr�mmern nach oben zu klettern. Seine Lungen brannten, doch er k�mpfte sich weiter, das Gesicht nach oben gewandt, dem Licht entgegen, bis er schlie�lich durch die Oberfl�che stie� und heftig hustend die s��e Luft einatmete.</p><p>H�nde streckten sich ihm entgegen und zogen ihn aus dem Wasser, hin zu der Strickleiter, die man an der Seite eines der Hordeschiffe � er wusste nicht, welches es war � hinabgelassen hatte. Er kletterte nach oben und stolperte, Blutschrei fest umklammernd, auf das Deck.</p><p>�Kriegsh�uptling!� Es war Malkorok, der ebenfalls �berlebt hatte. Die beiden schlossen ihre Hand um den Arm des anderen.</p><p>�V-varian�, keuchte Garrosh. �Was ist mit ihm geschehen?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gestand der Schwarzfelsorc. �Aber seht!�</p><p>W�hrend er noch immer Salzwasser aushustete, drehte sich Garrosh um und folgte Malkoroks ausgestrecktem Finger mit den Augen. Der Anblick lie� seine Brust vor Stolz anschwellen.</p><p>Wohin er auch sah, trieben zerborstene oder brennende Allianzschiffe im Wasser, und die �brigen versuchten verzweifelt, die Kraken anzugreifen. Die Tr�mmer Dutzender Wracks tanzten auf den Wellen. Garrosh warf den Kopf zur�ck und br�llte truimphierend.</p><p>�Seht die Macht der Horde!�, schrie er. �Vier Schiffe gegen Dutzende! Und wir sind es, die den Sieg davontragen! F�r die Horde! <emphasis>F�r die Horde!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Kalecgos hielt Jaina sanft in seiner rechten Vorderpfote, w�hrend sie die Fokussierende Iris dicht an ihren K�rper presste. Sie flogen nach Norden, denn auch wenn Jaina nicht genau wusste, warum sie die Hauptstadt der Horde so unbedingt sehen wollte, schien Kalec doch ausreichend von der Aufrichtigkeit ihres Gesinnungswandels �berzeugt, um kein einziges Wort des Protests von sich zu geben. Wollte sie sich davon �berzeugen, dass es wirklich noch Unschuldige in Orgrimmar gab, dass ihre Entscheidung richtig gewesen war? Oder hoffte sie, irgendwo Garrosh zu ersp�hen und ihn in tausend St�cke zu zerfetzen? Jaina konnte es selbst nicht sagen.</p><p>Die Wasserelementare, die noch immer an sie gebunden waren, eilten gehorsam unter ihnen dahin. Ohne Schwierigkeiten schienen sie mit dem raschen Tempo des Drachen mitzuhalten, der noch nicht verlangt hatte, dass Jaina sie wieder freilie�; und auch die Iris hatte er nicht zur�ckgefordert. F�r dieses unausgesprochene, aber doch so offensichtliche und so unersch�tterliche Vertrauen war sie Kalec dankbarer, als er auch nur ahnen konnte.</p><p>Sie eilten dahin, vorbei an den Echoinseln, und als sie auch die Schipperk�ste passierten, beschwor Jaina noch ein paar weitere, unkontrollierbar w�tende Elementarwesen, die sich ihren w�ssrigen Artgenossen anschlossen. Die Wracks, die sie dort unter sich sah, waren zwar alt, dennoch erf�llte ihr Anblick die Lady von Theramore mit Sorge, und sie w�nschte sich, zu wissen, wo Varian die Horde angreifen wollte.</p><p>Der Wunsch wurde ihr gew�hrt, als sie sich der Messerfaust-K�ste n�herten. Jaina keuchte, ihre Augen weiteten sich vor Schrecken. Die Flotte! Sie hatte gedacht, die Allianz w�rde die Mondfederfeste oder die Dunkelk�ste angreifen, aber nein, hier war sie. Hier � und in gr��ter Bedr�ngnis.</p><p><emphasis>Ich h�tte sie zerst�rt</emphasis>, schoss es ihr durch den Kopf. <emphasis>H�tte ich die Flutwelle losgeschickt � h�tte ich nicht nur Orgrimmar vernichtet, sondern auch die gesamte Flotte der Allianz.</emphasis></p><p>Bei diesem Gedanken �berkam sie ein Gef�hl der �belkeit, aber sie sp�rte Thrall und Kalecgos gegen�ber auch Dankbarkeit. Doch jetzt war nicht die Zeit, sich schwach und machtlos zu f�hlen. Sie musste handeln, denn Varians Flotte wurde nicht nur von ein paar Kriegsschiffen der Horde attackiert � es schien, als h�tte Garrosh auch mehrere Kraken herbeigerufen, um sich seiner Feinde zu entledigen. Wie schon bei der Feste Nordwacht, wo er geschmolzene Riesen eingesetzt hatte, und in Theramore, wo er die Manabombe gez�ndet hatte, griff er wieder einmal auf Hilfsmittel zur�ck, und ob er dabei nun die Wesen der nat�rlichen Welt oder magische Objekte manipulierte, sein Verhalten war und blieb feige und respektlos.</p><p>�Flieg n�her heran!�, rief sie Kalecgos zu, den sie auch jetzt noch duzte. Der Drache winkelte die Fl�gel an und st�rzte dem Meer entgegen, und erst im letzten Moment breitete er die Schwingen wieder aus, sodass ihre Spitzen mit Salzwasser besprenkelt wurden, als sie sanft �ber die Wellen streiften. Jaina hielt die Fokussierende Iris fest in einer Hand, dann malte sie mit der anderen Muster in die Luft und fl�sterte eine Beschw�rungsformel.</p><empty-line/><p>Varian wischte sich die M�hne nassen Haares aus den Augen, die vom Salzwasser brannten, und w�hrend er sich an die Tr�mmer eines Schiffes klammerte � welches, konnte er nicht sagen �, versuchte er, die Lage einzusch�tzen.</p><p>Inzwischen waren zahlreiche Schiffe der w�tenden Umarmung der Kraken zum Opfer gefallen und untergegangen, und die Matrosen, die ins Wasser gest�rzt waren, versuchten, zu einem der intakten Schiffe oder zur K�ste hin�berzuschwimmen. Doch vor den Augen des hilflosen K�nigs wurden sie von gl�nzenden, schleimigen Tentakeln gepackt und in die hungrigen M�uler der Meeresungeheuer gezerrt.</p><p>Er hatte keine Ahnung, was mit Telda geschehen war � oder mit der wei�haarigen Hexenmeisterin � oder mit �berhaupt irgendeinem der tapferen Besatzungsmitglieder der <emphasis>Wellenl�we</emphasis>. Doch dann musste er sich verbittert eingestehen, dass das nicht stimmte; er wusste, welches Schicksal zumindest einen Teil der Seem�nner ereilt hatte, mehr noch, er hatte gesehen, wie viele von ihnen ihr grausiges Ende fanden. Ihm blieb nur die Hoffnung, dass Garrosh und sein h�nenhafter Schwarzfelsorc diesen guten M�nnern und Frauen in den B�uchen der Kraken Gesellschaft leisteten.</p><p>Ein paar Schiffe waren noch unbesch�digt, und sie feuerten weiter auf die vielarmigen Monster. Doch, beim Licht, da waren so viele dieser verfluchten Bestien, und jede von ihnen richtete ein Unma� an Zerst�rung an. Schreie und das Knirschen berstenden Holzes erf�llten die Luft. Varian erkannte, dass ihn Panik und Verzweiflung zu �berw�ltigen drohten, und eisern dr�ngte er diese nutzlosen St�renfriede zur�ck. Sie konnten ihm nicht helfen; noch nicht einmal Zorn oder Hass w�rden ihn jetzt weiterbringen. Er sprang zu den �berresten eines weiteren Schiffes hin�ber, den Blick nun fest auf die verbliebenen Galeonen seiner Flotte gerichtet. Im Augenblick musste er sich mehr vor fehlgeleiteten Kugeln aus seinen eigenen Kanonen in Acht nehmen als vor den Kraken; f�r die einen w�re er ein leichtes Ziel, f�r die anderen nur ein Kr�mel auf einer Festtafel. Tats�chlich k�mmerten sich die gewaltigen Meeresungeheuer nicht weiter um ihn, und durch schiere Willenskraft schaffte er es, nahe an eines der Schiffe, die <emphasis>Lady des Meeres</emphasis>, heranzukommen. Nun bildete er mit den H�nden einen Trichter vor dem Mund und schrie.</p><p>Ein Worge, der �ber das Deck eilte, h�rte den Ruf, und seine scharfen Augen huschten in Varians Richtung, anschlie�end eilte er zur Reling und winkte mit einem seiner muskelbepackten Wolfsarme. �Majest�t! Wir schicken sofort jemanden, um ��</p><p>�Zieht euch zur�ck! Sofort!�, br�llte Varian. Falls sie blieben und weiter gegen die Kraken k�mpften, w�rden von der einst so m�chtigen Flotte nur noch eine Liste von Namen und trauernde Familien �brig bleiben. �Das ist ein Befehl! Zieht euch zur�ck, jeder von euch!�</p><p>�Wir k�nnen ein Ruderboot schicken, um Euch ��</p><p>�Nein! Ich werde zur K�ste schwimmen, so wie die anderen auch�, rief der K�nig. �Nehmt die Schiffe und bringt euch in Sicherheit, solange ihr noch k�nnt!�</p><p>Verzweifelt starrte der Worge zu ihm hin�ber und legte die Ohren ungl�cklich an den Kopf. Ein paar Sekunden sp�ter begann die <emphasis>Lady des Meeres</emphasis>, sich langsam nach Steuerbord zu drehen � nach Osten, zur�ck in Richtung Sturmwind.</p><p>Doch die Kraken wollten sie nicht davonkommen lassen. Vor Varians Augen setzten sie den fliehenden Schiffen nach. Der Sieg der Horde w�rde also doch ein eindeutiger sein.</p><p>Der K�nig warf die Schultern zur�ck und stie� einen gutturalen, aus Zorn und Trauer geborenen Schrei aus. Das durfte � konnte! � nicht geschehen! Sie hatten es nur mit vier Schiffen zu tun gehabt! Und doch hatte Garrosh sie vernichtend geschlagen.</p><p>Varian beabsichtigte nicht l�nger, zur K�ste zu schwimmen, wie er es dem Worgen versprochen hatte. Er wollte sich nicht davonstehlen und �berleben, um den Kampf an einem anderen Tag fortzusetzen. Vermutlich h�tte er es versucht, w�re die Flotte entkommen. Doch jetzt � jetzt gab es keine Hoffnung mehr. Es gab gar nichts mehr, nur noch die Chance auf ein glorreiches Ende, w�hrend er so viele Feinde wie m�glich mit sich in den Tod nahm. Die Kraken sollten sich heute nicht nur am Fleisch der Allianz laben.</p><p>Er trug noch immer Schalamayne, und nun schloss er die Finger fest um den Griff und zog das Schwert. Anschlie�end blickte er sich um, auf der Suche nach Hordek�mpfern, die sich, wie er, auf eines der Wrackteile gerettet hatten. Da � ein klatschnasser Taure klammerte sich an ein gew�lbtes Tr�mmerst�ck, das aussah, als w�re es einmal Teil eines Rumpfes gewesen. Er versuchte, sich ganz aus dem Wasser zu ziehen, doch es gelang ihm nicht. Mit einem Zischen und katzenhafter Geschmeidigkeit sprang Varian von Wrackteil zu Wrackteil und landete breitbeinig auf dem Rumpfabschnitt. Sein Schwert sauste hinab, Blut spritzte auf. Es besprenkelte sein Gesicht und f�gte dem salzigen Geschmack in seinem Mund ein kupfriges Aroma hinzu.</p><p>Das w�re schon mal einer.</p><p>Der K�nig von Sturmwind blickte sich nach einem zweiten Opfer um, doch in diesem Moment fiel ganz pl�tzlich ein Schatten �ber ihn. Er hob den Kopf und sah die Silhouette eines �</p><p>Eines Drachen?</p><p>Das Wasser um ihn herum sprudelte auf und nahm dabei Form und Festigkeit an. Es war wie eine Gestalt, die sich auf und ab h�pfend �ber die Wellen hinwegbewegte, ein blaugr�nes Wesen mit einem kleinen Kopf, hasserf�llten Augen und zwei mit Fesseln gebundenen Armen. Ein Wasserelementar � nein, nein, nicht nur einer. Da waren Hunderte von ihnen, die alle wie aus dem Nichts auf der Meeresoberfl�che auftauchten.</p><p>Sie warfen sich gegen die Kraken, die die Allianzflotte verfolgt hatten. Eines der Ungeheuer hatte sich so weit aus dem Wasser geschoben, dass man seine gro�en, flachen Augen sehen konnte. Es stie� einen markersch�tternden, schrecklichen Schrei aus, als Dutzende entschlossener Elementarwesen auf es einst�rmten. Varian konnte gerade noch rechtzeitig beiseitespringen, als ein wild umherwirbelnder Tentakel mit einem ohrenbet�ubenden Donnern auf die Wellen herniedersauste. Er erkannte, dass er nun im Wasser sicherer w�re als an der Oberfl�che. Also holte er tief Luft und tauchte unter.</p><p>Hier bot sich ihm ein faszinierendes Spektakel. Die riesigen Kraken schlugen mit ihren Fangarmen um sich, w�hrend die kleineren Elementare wie ein Schwarm um sie herumwirbelten. Kurz darauf f�rbten Fahnen dunklen Rots das Wasser, wundersch�n trotz all der Brutalit�t, als die Wasserwesen die Meeresungeheuer im wahrsten Sinne des Wortes in St�cke rissen. Varian tauchte fort von den Tr�mmern der Schiffe, in Richtung des offenen Meeres. Dort k�mpfte gerade ein weiterer Kraken ums �berleben, sein tr�ges Gehirn war vermutlich mehr �berrascht als ver�ngstigt, dass irgendetwas den Mut hatte, ihn anzugreifen. Ein zweiter trieb an der Oberfl�che, und zwei abgerissene Tentakel tanzten auf den Wellen um ihn herum.</p><p>Varians Lungen begannen zu brennen, also schwamm er mit kr�ftigen Z�gen zur�ck nach oben. Doch kaum dass er die Wasseroberfl�che durchbrochen und keuchend eingeatmet hatte, packte ihn pl�tzlich etwas und riss ihn nach oben. Er wollte schon um sich schlagen, da rief ihm eine vertraute Stimme etwas zu.</p><p>�Varian!�</p><p>Nat�rlich � die Wasserelementare � Er drehte sich im Griff des blauen Drachen herum und sah Jaina in der anderen Vorderpfote der riesigen Kreatur. Ihr wei�es Haar bauschte sich im Wind, ihre Augen aber waren noch immer von diesem merkw�rdigen arkanen Gl�hen erf�llt. Doch da war noch etwas � ein Ausdruck der Trauer, der Resignation auf ihrem Gesicht und zugleich auch ein Gef�hl des Friedens, das zuvor noch nicht dort gewesen war.</p><p>Sie deutete nach unten, und er sch�ttelte beim Anblick des Spektakels in der Tiefe den Kopf. Er konnte keine Hordeschiffe mehr sehen, daf�r aber mehrere seiner eigenen, die sich in K�stenn�he versammelt hatten, bereit dazu, in die Schlacht einzugreifen, sollte noch jemand versuchen zu fliehen. Die Kraken � Varian z�hlte acht � stellten nicht l�nger eine Bedrohung dar. Ihre gewaltigen K�rper trieben leblos auf den Wellen, gl�nzend im Sonnenlicht. Dennoch sp�rte Varian ein Gef�hl des Verlusts, als er erkannte, wie viele Schiffe die grotesken Meeresungeheuer zerst�rt hatten, auch wenn einige noch �brig waren.</p><p>Die Wasserelementare, die noch immer Jainas Willen gehorchten, wirkten von diesem Blickwinkel aus winzig, als sie auf neue Befehle ihrer Herrin warteten.</p><p>�Ihr habt die Kraken angegriffen�, rief Varian. �Nicht Orgrimmar.�</p><p>�Nein�, nickte sie. �Nicht Orgrimmar.�</p><p>Er l�chelte schwach. �Ihr habt die Flotte gerettet, Jaina. Dank daf�r. Und jetzt � falls dieser Drache die G�te h�tte, mich auf einem meiner Schiffe abzusetzen � auf zur Nordwacht!�</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Die Reste der Allianzflotte segelten ungehindert in die Gew�sser vor der H�ndlerk�ste. Es schien, als w�re Garrosh wirklich nicht auf den Angriff auf die Messerfaust-K�ste vorbereitet gewesen, und die vier Schiffe, die die Flotte angegriffen hatten, waren von ihrem ungef�hrdeten Posten bei der Nordwacht vermutlich kurzfristig abgezogen worden. Ohne die Kraken unter ihrem Kommando hatte die Horde Varians Streitmacht aber nicht mehr viel entgegenzusetzen gehabt, so schwer besch�digt, wie ihre Schiffe gewesen waren.</p><p>Doch das bedeutete nat�rlich nicht, dass die Horde kampflos aufgeben w�rde. Inzwischen war genug Zeit gewesen, um die Truppen bei der Feste Nordwacht zu warnen, und als Varians Schiffe dort eintrafen, wurden sie auch schon mit donnernden Kanonen und Felsgeschossen aus Katapulten begr��t.</p><p>�Erwidert das Feuer!�, befahl der K�nig, und die Allianzschiffe vergolten den Feinden die Kanonade von der K�ste mit einer vollen Breitseite.</p><p>Ein Blick nach oben zeigte Varian, dass sich Kalecgos ebenfalls der Nordwacht n�herte, und als der Drache tiefer ging, konnte er auch Jaina sehen, die auf seinem breiten blauen R�cken sa�. Da �ffnete Kalecgos den gewaltigen Rachen und spie blauen Nebel aus. Einen Moment sp�ter ebbte das Kanonenfeuer von der K�ste pl�tzlich ab.</p><p>Die Katapulte und Ballisten setzten ihren Beschuss jedoch vehement fort. Varian eilte an die Seite des Schiffes und blickte durch sein Fernrohr. Ein L�cheln verzog seine Lippen. Garrosh war zu �berheblich gewesen, zu sehr davon �berzeugt, dass die Blockade der K�stenst�dte von Kalimdor den Widerstand der Allianz brechen w�rde. So hatte er nur sehr wenige seiner Krieger hier zur�ckgelassen, um diesen strategisch bedeutsamen Hafen zu bewachen.</p><p>Varian blinzelte, als er einige dieser Krieger sah, wie sie in kleine Boote kletterten und auf das Meer hinauspaddelten. Im ersten Moment glaubte er, sie versuchten zu fliehen, doch dann musste er erkennen, dass sie direkt auf das vorderste der Allianzschiffe zuhielten.</p><p>�Beim Licht�, murmelte er, �sie wollen uns entern!�</p><p>Es war Selbstmord, aber er konnte nicht anders, als den Mut dieser Trolle und Orcs und Tauren zu bewundern, w�hrend sie ihre Waffen �ber dem Kopf schwenkten und in der gutturalen Sprache der Orcs trotzige Fl�che ausstie�en. Ihre B�gen und Zauber zeigten sogar eine gewisse Wirkung � Varian sah, wie mehrere Allianzmatrosen mit Pfeilen im Hals auf dem Deck zusammenbrachen oder bei lebendigem Leib verbrannten. Ein brennender Bolzen durchschlug erst einen der Nachtelfen und dann die Segel des Schiffes, die daraufhin Feuer fingen. Doch da sauste schon wieder der gewaltige Schatten des Drachen �ber ihnen hinweg und l�schte die Flammen mit seinem kalten Atem.</p><p>Im selben Augenblick formten sich ohne jede Vorwarnung Dutzende Wasserelementare, die sogleich auf die kleinen Boote einst�rmten und sie umkippten, und dann packten sie die verzweifelt um sich schlagenden Hordesoldaten mit ihren gefesselten Armen und zogen sie voll Schadenfreude in ihr nasses Grab hinab. Einige andere Elementare rasten der K�ste und den Verteidigern dort entgegen. Alarmierte Rufe wurden laut, und Varian sah, wie ein paar Orcs und Trolle die Flucht ergriffen. Doch die meisten hielten ihre Stellung und br�llten todesverachtend bis zu ihrem letzten Atemzug, als ihnen Pfeile, Kanonenfeuer und Zauber den Garaus machten.</p><p>Eine ganze Weile herrschte Stille, dann erschallte lauter Jubel vonseiten der Allianzschiffe. Varian grinste und gab seinen Leuten ein wenig Zeit, diesen zweiten Sieg zu genie�en, bevor er die Stimme erhob. �An Land! Die Standarte der Allianz soll einmal mehr �ber der Feste Nordwacht wehen!�</p><p>Beiboote wurden zu Wasser gelassen, besetzt mit fr�hlich rufenden Seem�nnern und -frauen. Varian runzelte die Stirn, dann hob er den Kopf. Kalec schwebte �ber ihm. Der K�nig winkte mit beiden Armen, danach deutete er auf die K�ste, und der Drache neigte verstehend den Kopf. Anschlie�end hastete Varian zur Reling und kletterte in eines der Beiboote, sehr zur �berraschung � aber auch Bewunderung � der Besatzung.</p><p>Als der K�nig die K�ste erreichte und leichtf��ig an Land sprang, war Kalecgos bereits gelandet und hatte seine zweibeinige Gestalt angenommen. Jaina stand neben ihm, und Varian ging zu den beiden hin�ber und reichte erst ihr, dann ihm die Hand zum Gru�.</p><p>�Zweimal habt Ihr beide heute die Allianz gerettet�, sagte er. �Und nun haben wir einen verlorenen St�tzpunkt in Kalimdor zur�ckgewonnen.�</p><p>�Es freut mich, dass ich Euch helfen konnte�, erwiderte Jaina. �Was nun?�</p><p>�Jetzt werden wir tun, womit Garrosh vermutlich schon gerechnet hat�, erkl�rte Varian mit einem schr�gen Grinsen. Jaina blickte ihn verwirrt an. �Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich mit der Flotte gegen die Blockade der Horde vorgehen will. Nach der empfindlichen Niederlage, die sie gerade eingesteckt haben � und dazu dem Verlust der Feste Nordwacht �, wird Garrosh seine Flotte noch enger um sich zusammenziehen. Was bedeutet, dass wir unsere Hafenst�dte ohne weiteres Blutvergie�en zur�ckerobern k�nnen.� Er wurde wieder ernst. �Bislang wurde leider schon zu viel Allianzblut vergossen�, brummte er. �Diese Kraken h�tten all unsere Schiffe versenkt, w�rt Ihr nicht rechtzeitig gekommen. Und w�re nach der Nordwacht und Theramore auch noch unsere Flotte zerst�rt worden �� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich will gar nicht daran denken, was das f�r die Allianz bedeutet h�tte.�</p><p>Jaina wirkte beklommen. �Varian, was einige der Dinge betrifft, die ich zu Euch und Anduin sagte ��, begann sie, doch er hob die Hand.</p><p>�Ich�, bemerkte er trocken, �bin vermutlich die letzte Person auf dieser Welt, die das Recht hat, andere zu verurteilen, weil sie aus Zorn oder Rachsucht gehandelt haben. Und Anduin hat f�r Euch gebetet. Ich freue mich schon darauf, ihm mitteilen zu k�nnen, dass seine Gebete erh�rt wurden.�</p><p>�Danke�, sagte Jaina aufrichtig.</p><p>�Und Ihr? Was habt Ihr nun vor?�, wollte Varian wissen, w�hrend er die beiden abwechselnd anblickte. Kalec drehte sich fragend zu Jaina herum.</p><p>�Theramore�, fl�sterte sie.</p><p>Varian nickte. �Sobald wir hier fertig sind, werde ich ein Schiff nach Theramore schicken. Um � das N�tige zu veranlassen.�</p><p>Jaina nickte nur. �Daf�r w�re ich Euch dankbar. Es gibt viel zu tun.� Sie wandte sich an Kalecgos. �Gehen wir.�</p><empty-line/><p>Garrosh trieb gerade seinen hechelnden Wolf an, um die Feste noch rechtzeitig zu erreichen, da sah er die Standarte der Allianz im Wind �ber der Nordwacht flattern. Vor Zorn sch�umend brachte er sein Reittier zum Stehen, dann riss er den Kopf zur�ck und br�llte seine Wut hinaus. Malkorok, Baine und Vol�jin, die ihn begleiteten, versuchten gar nicht erst, ihn zu beruhigen, und sie taten gut daran.</p><p>�<emphasis>Wie</emphasis> konnte das nur passieren?�, grollte der Kriegsh�uptling, und seine goldbraunen Augen huschten �ber die Gesichter der anderen. �Wir hatten doch alle Tr�mpfe in der Hand! Ich habe Theramore zerst�rt, um ihren Willen zu brechen. Ich habe ihre Leute hinter einer Blockade gefangen. Ich habe ihnen Elementarwesen und selbst die Monster aus den Tiefen des Meeres entgegengeworfen. Und dennoch haben sie uns besiegt!�</p><p>Einer von Baines Fernl�ufern kam in raschem Tempo n�her, bevor er seine Schritte verlangsamte. Dabei schien er alles andere als gl�cklich zu sein: der sprichw�rtliche �berbringer schlechter Nachrichten. Baine bedeutete ihm mit einem Nicken, n�her zu kommen, und der betreten dreinblickende Bote ging � sicherheitshalber ein paar Meter von Garrosh entfernt � auf die Knie.</p><p>�Kriegsh�uptling, ich bringe Euch Neuigkeiten von der Nordwacht�, begann er.</p><p>�Ich sehe die Neuigkeiten von der Nordwacht selbst�, schnappte Garrosh und deutete auf die blau-wei�e Standarte in der Ferne.</p><p>Der Taure sprach dennoch weiter. �Es gibt noch andere Neuigkeiten, von aufmerksamen Ohren vernommen.� Garrosh gab sich sichtlich M�he, seinen Zorn unter Kontrolle zu bringen, dann winkte er dem Boten ungeduldig zu, er m�ge fortfahren. �Varian plant, mit seiner Flotte loszusegeln, um die Blockade zu durchbrechen. Die Allianz hat noch immer gen�gend Schiffe, um eine Bedrohung f�r unsere besetzten Hafenst�dte darzustellen. Mehrere Quellen stimmen darin �berein, dass dies Varians Absicht ist.�</p><p>Garrosh sprang von seinem Terrorwolf, der darauf einen Schritt nach hinten machte, die Ohren flach an den Sch�del gelegt. Dann packte der Orc den Fernl�ufer am Arm. �Welche Quellen sind das?�, fragte er.</p><p>�Garrosh�, warf Baine ein, seine Stimme gleich einer grollenden Warnung. �Lasst meinen Fernl�ufer los! Er wird Euch besser Bericht erstatten k�nnen, wenn er nicht f�rchten muss, get�tet zu werden, allein aus dem Grund, dass er Euch die Wahrheit �berbringt.�</p><p>Der Blick, den Garrosh dem Tauren daraufhin zuwarf, h�tte jede R�stung durchbohrt. Aber dann erkannte der Kriegsh�uptling, dass Baine recht hatte, und nahm seine Hand vom Arm des Boten. �Also, welche Quellen sind es?�, wiederholte er.</p><p>�Druiden, die von der Messerfaust-K�ste herbeigeflogen sind, melden, dass die Flotte der Allianz Vorbereitungen trifft, um unsere Blockade anzugreifen.�</p><p>Einen Moment lang empfand Baine beinahe Mitleid mit Garrosh, denn es war deutlich sichtbar, wie sich sein Zorn in Pein verwandelte, und kurz sackte der Kriegsh�uptling der Horde in sich zusammen, als w�re s�mtliche Lebensenergie und Leidenschaft ganz pl�tzlich aus seinem K�rper gewichen. Schlie�lich brummte er, an Malkorok gewandt: �Befiehl einen vollst�ndigen R�ckzug! In der gegenw�rtigen Lage k�nnen wir einen Krieg an mehreren Fronten nicht riskieren.�</p><p>Malkorok bem�hte sich um einen n�chternen Gesichtsausdruck, als er antwortete. �Wie mein Kriegsh�uptling befiehlt.� Anschlie�end rammte er seinem Terrorwolf die Fersen in die Flanken und eilte zu einigen anderen Kor�kron hin�ber, um die Order an sie weiterzuleiten. Mehrere Orcs blickten �ber die Schulter zu Garrosh hin�ber, als sie die Neuigkeiten h�rten.</p><p>�Ich danke dir f�r deine Nachricht�, sagte Baine zu seinem Fernl�ufer. �Geh jetzt und st�rke dich, und lass deine Wunden verbinden!� Der andere Taure verbeugte sich erleichtert und stapfte davon, um zu tun, wie ihm gehei�en. Nun wandte sich Baine an Garrosh. �Ihr habt meine Bewunderung, Kriegsh�uptling.�</p><p>Der Orc blickte ihn mit schr�g gelegtem Kopf an. �Warum dies?�</p><p>�Weil Ihr erkannt habt, dass es sinnlos ist, diesen Pfad weiterzuverfolgen. Der Krieg war von Anfang an eine schlechte Idee, und es freut mich zu sehen, dass Ihr ihm abgeschworen habt und ��</p><p>�Ich habe �berhaupt nichts �abgeschworen�, Taure, und ich rate dir, deine Zunge zu h�ten�, knurrte Garrosh drohend. �F�r jemanden mit so langen Ohren verstehst du viel zu oft falsch, was du h�rst. Ich habe keineswegs vor, diesen Krieg zu beenden. Nein, ich werde ihn sogar ausweiten. Dieser R�ckzug ist eine Neuformierung meiner Truppen, ein strategischer Neuanfang � aber keinesfalls eine Kapitulation vor der <emphasis>Macht</emphasis> der Allianz!�</p><p>Baine versuchte, seine Entt�uschung zu verbergen, und neben ihm bem�hte sich Vol�jin ebenfalls um eine ausdruckslose Miene.</p><p>�Wir m�ssen unsere Anstrengungen verdoppeln�, erkl�rte Garrosh, und w�hrend er sprach, wandte er sich von Baine ab und stolzierte auf und ab, die H�nde abwechselnd gespreizt und zu F�usten geballt. Malkorok beendete seine Unterhaltung mit den Kor�kron, und nachdem er zu ihnen zur�ckgekehrt war, nahm er Haltung an und lauschte aufmerksam Garroshs Worten. �<emphasis>Mehr</emphasis> Schiffe. <emphasis>Mehr</emphasis> Waffen. Mehr Elementarwesen und Bestien und D�monen, die unseren Befehlen gehorchen. Wir m�ssen einfach mehr Soldaten einziehen. M�nner, Frauen, Kinder � sie k�nnen doch alle ihren Beitrag zum Ruhm der Horde leisten.�</p><p>Seine Laune verbesserte sich wieder, als seine Augen in die Ferne abschweiften und sich von der bitteren Niederlage der Gegenwart in die Zukunft richteten. �Ich habe meine Ziele zu kurz gesteckt � das war das Problem. Von jetzt an wird es nicht l�nger um die Eroberung von Kalimdor gehen. Nun ist das Ziel, die gesamte Allianz zu zermalmen! Diesen Abschaum vom Angesicht Azeroths zu tilgen! Wir werden Sturmwind bis auf die Grundmauern niederbrennen, und Wrynn soll in den Flammen verrecken! Dieser Krieg dreht sich nicht l�nger um die Kontrolle �ber einen Kontinent, sondern um die Eroberung der ganzen Welt. Wir k�nnen es schaffen � wir sind die Horde! Doch der Sieg wird nur dann unser sein, wenn unsere Pl�ne mit Bedacht geschmiedet sind, unser Wille eisern und unser Herz von St�rke und Hingabe erf�llt ist!�</p><p>�Garrosh H�llschrei�, erkl�rte Baine mit ruhiger Stimme. �Ich reite jetzt mit meinen Kriegern nach Mulgore. Ihre Zahl ist deutlich geschrumpft, seitdem ich mit ihnen von dort aufbrach, um dem Ruf meines Kriegsh�uptlings zu folgen. Meine Loyalit�t der Horde gegen�ber ist tief und aufrichtig, und das wird niemand infrage stellen. Doch lasst mich Euch dies eine sagen: Ich k�mpfe f�r die wahre Horde, nicht f�r einen Anf�hrer, der sich unn�tiger und sch�ndlicher Methoden bedient, um seine Schlachten zu schlagen. Es darf niemals ein zweites Theramore geben � nicht, wenn Ihr die Unterst�tzung von Baine Bluthuf wollt!�</p><p>Garrosh starrte ihn aus zusammengekniffenen Augen an, und dabei schmunzelte er auf eine Weise, die Baine nicht einordnen konnte. �Deine Worte wurden zur Kenntnis genommen�, sagte der Orc.</p><p>W�hrend er die Z�gel seines Kodo in die Hand nahm, warf Baine Vol�jin noch einen Blick zu. Der Troll musterte ihn traurig und sch�ttelte unmerklich den Kopf. Baine nickte kurz. Er verstand Vol�jins Beweggr�nde nur zu gut, waren es doch dieselben, die auch seine eigene Entscheidung diktierten � der Troll musste sein Volk vor dem Zorn eines erbosten Garrosh sch�tzen.</p><p>Also w�rde es einen Weltkrieg geben.</p><p>Baine ritt nach Westen, nach Hause, der Idylle der rollenden H�gel in seinem geliebten Mulgore entgegen, und w�hrend der gesamten Reise fragte er sich, ob Garrosh nun machttrunken war � oder einfach nur wahnsinnig?</p><empty-line/><p>Wie viel Zeit, fragte sich Jaina, war wohl seit ihrem eigenen, pers�nlichen Kataklysmus vergangen. Sie hatte die Tage nicht gez�hlt, aber sicher waren es nicht viele gewesen; von zwei Wochen auszugehen, w�re vermutlich schon zu gro�z�gig. Weniger als zwei Wochen also, seit sie sich dar�ber ge�rgert hatte, dass Thrall Garrosh nicht vom Thron entheben wollte, seit sie mit Kinndy k�stliche Pl�tzchen gegessen hatte, seit ihre gr��te Sorge der Gedanke gewesen war, dass ihr Lehrling ihre B�cher mit Glasur verschmiert hatte.</p><p>Wie ein Schwert in der Esse war sie abgeh�rtet worden, gnadenlos und h�chst wirksam � aus dem Feuer der Verzweiflung war sie in die K�lte von Hass und Rachegedanken getaucht worden und dann wieder zur�ck in die Flammen. Dabei war sie neu geformt, neu geschmiedet worden � um nun wie Stahl zu sein. Jetzt konnte sie so viel mehr ertragen. Sie w�rde nicht nachgeben, w�rde nicht zerbrechen, weder an der Trauer noch an dem Schmerz oder Zorn. Von nun an nicht mehr.</p><p>Diesmal erreichte sie Theramore nicht durch ein Portal und auch nicht allein, sondern auf dem breiten R�cken eines gro�en blauen Drachen. Kalecgos landete vor den Stadttoren, auf dem Strand, wo sie einst Hand in Hand einen Spaziergang gemacht und sich unterhalten hatten. Dann kr�mmte er sich zusammen, damit sie leichter auf den Boden hinabrutschen konnte.</p><p>Nachdem er wieder seine Halbelfengestalt angenommen hatte, trat er neben sie. �Jaina�, sagte er, �es ist noch nicht zu sp�t, deine Meinung zu �ndern.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein. Es ist schon in Ordnung, Kalec. Ich � ich muss es mir ansehen. Mit eigenen Augen. Jetzt, da sie klarer sind.�</p><p>Ihre Augen waren in der Tat klarer geworden, sowohl im �bertragenen wie auch im w�rtlichen Sinne. Die arkane Energie, die sie vergiftet hatte, war aus ihrem K�rper gewichen, und auch wenn ihr Haar weiterhin wei� war, mit einer einzelnen blonden Str�hne � diese Ver�nderung lie� sich nicht mehr r�ckg�ngig machen �, war doch das unheimliche wei�e Gl�hen aus ihren Augen gewichen. Die arkane Restenergie, die Theramore eingeh�llt hatte, war ebenfalls verschwunden. Nun war es f�r Jaina sicher geworden, in die zerst�rte Stadt zur�ckzukehren. Zumindest f�r ihren K�rper gab es hier keine Gefahr mehr.</p><p>Sie schritten den niedrigen H�gel zur Stra�e hinauf. Dort lagen keine Toten mehr. Offenbar hatten die Soldaten vor dem Abwurf der Bombe noch Zeit gehabt, die Leichen von Wymor und den anderen, die die Stadt am Meer so heldenhaft verteidigt hatten, hinter die Mauern zu bringen, wenngleich sie nat�rlich keine Gelegenheit mehr bekommen hatten, die Gefallenen zu begraben. Die Horde, so schien es, hatte ihre Toten ebenfalls fortgeschleppt. Der Himmel war zwar nicht l�nger von arkanem Gl�hen erf�llt, aber noch immer zerrissen. Hier und da gew�hrten sich windende B�gen von Energie den Blick in andere Welten, selbst jetzt noch, bei Tageslicht. Jaina starrte erst zu dem verwundeten Himmel hoch, dann auf das offene Stadttor. Sie musste schlucken.</p><p>Warme Finger schlossen sich um die ihren. Kalecs Ber�hrung war z�gerlich; er w�rde seine Hand sofort zur�ckziehen, falls sie das wollte. Doch sie wollte es nicht, und so gingen sie gemeinsam mit langsamen Schritten auf die Stadt der Toten zu.</p><p>Da sie schon einmal durch das verw�stete Theramore gewandelt war, w�hnte sich Jaina zumindest bis zu einem gewissen Grad auf den Anblick vorbereitet. Doch obwohl ihr das Bild der Zerst�rung nun vertraut war, war es doch noch immer von einer f�rchterlichen Tragik. Ihr Herz brach entzwei, wieder und wieder und wieder, als sie die Gefallenen sah. Die Geb�ude standen noch immer krumm und schief, durch das Arkane verformt und teilweise zum Einsturz gebracht. Doch zumindest der Boden schien allm�hlich zu heilen, denn die Erde, die sie unter den Sohlen ihrer F��e sp�rte, f�hlte sich nicht mehr so schrecklich falsch an.</p><p>Jaina erschauderte, als sie einen kalten Lufthauch sp�rte, dann drehte sie sich fragend zu Kalecgos herum, der diesen Windsto� hervorgerufen hatte. Doch einen Moment sp�ter begriff sie � und eine Woge reuevoller Dankbarkeit durchstr�mte sie. Sowohl die K�lte als auch die St�rke des Windhauchs verhinderten, dass der Gestank der zahllosen Leichen sie �berw�ltigte.</p><p>�W-wir k�nnen sie doch nicht einfach hier liegen lassen�, sagte Jaina, wohl wissend, dass ihre Stimme zitterte.</p><p>�Das werden wir auch nicht�, erwiderte Kalec rasch, in zuversichtlichem Tonfall. �Jetzt, da es sicher ist, k�nnen wir uns auf angemessene Weise von ihnen verabschieden.� Er vermied ganz bewusst das Wort �Beerdigung�, denn von einigen Toten war gar nichts mehr �brig, was noch beerdigt werden konnte. Die Leichen, die bei ihrem ersten Besuch noch auf so widernat�rliche Weise in der Luft geschwebt waren, hatten sich inzwischen der Schwerkraft ergeben und lagen auf dem Boden.</p><p>Die Gegenst�nde hingegen, die beim letzten Mal so willk�rlich �ber die Tr�mmer verstreut gewesen und ihr deshalb ins Auge gestochen waren, waren nun gr��tenteils gepl�ndert worden. Kurz sp�rte sie eine Woge des Zorns in sich hochkochen, doch dann erkaltete dieses Gef�hl wieder. Sie hatten die Horde zur�ckgeschlagen, zumindest f�rs Erste, und sie hatten Garrosh dabei eine vernichtende, sogar besch�mende Niederlage beigebracht. Sie war nicht hier, um sich Hass und Zorn hinzugeben, sondern um eine Bestandsaufnahme zu machen und zu trauern.</p><p>Ihr Fu� rutschte aus, und sie verdrehte ihn sich ein wenig, als sie auf etwas trat, das teilweise im Boden begraben war, einen silbernen metallischen Gegenstand, auf dem sich nun das Sonnenlicht spiegelte. Jaina b�ckte sich, und als sie ihn aus dem Staub gezogen hatte, war sie verbl�fft, und es �berkam sie etwas, das schon beinahe Bewunderung nahekam. Als sie die ebenso wundersch�ne wie uralte Waffe in die H�he hob, fiel jeglicher Schmutz davon ab, als k�nnte etwas so Einfaches wie Erde sie gar nicht beflecken. Und einen Moment sp�ter sah sie wieder genauso neu aus wie an dem Tag, da man sie geschmiedet hatte. Voller Ehrfurcht hielt Jaina diese Waffe vor sich hin, doch sie gl�hte nicht in ihren H�nden, wie sie es einst im Griff eines jungen Menschenprinzen und sp�ter auch in den H�nden eines Taurenoberh�uptlings getan hatte.</p><p>�Der Furchtbrecher�, murmelte sie und sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Ich kann es nicht fassen.�</p><p>�Eine beeindruckende Waffe�, bemerkte Kalec, w�hrend er den Streitkolben betrachtete. �Sie wurde von Zwergen geschmiedet, falls mich meine Augen nicht tr�gen.�</p><p>�Richtig�, erwiderte Jaina. �Magni Bronzebart gab ihn Anduin, und er wiederum hat ihn an � Baine Bluthuf �bergeben.�</p><p>Kalec zog eine blaue Augenbraue nach oben. �Eines Tages musst du mir erz�hlen, wie es dazu kam.�</p><p>�Eines Tages�, sagte sie mit einem Nicken. Es gab keinen Grund hinzuzuf�gen: <emphasis>aber nicht heute</emphasis>. �Wie merkw�rdig, dass ich ausgerechnet diese Waffe finde.�</p><p>�Das ist �berhaupt nicht merkw�rdig�, entgegnete Kalec. �Dies ist augenscheinlich ein magischer Streitkolben. Er wollte, dass du ihn findest.�</p><p>�Damit ich ihn Anduin zur�ckgeben kann�, meinte sie, und einmal mehr versp�rte sie Trauer wegen der Entwicklung, die die Dinge genommen hatten. Einst hatten sie alle drei, die sie mit dieser Waffe verbunden waren, gro�e Hoffnungen gehabt. Doch diese Hoffnungen waren zerbrochen � wie ein Schiff, das vom Sturm gegen eine Klippe geschleudert wurde. Garrosh H�llschrei war dieser Sturm gewesen, und die Klippe das schreckliche Grauen der Manabombe. �Jetzt habe ich zumindest einen Vorwand, mit ihm zu sprechen. Um � mich bei ihm zu entschuldigen. Ich war so harsch, als wir uns das letzte Mal trafen. Ich bedaure inzwischen vieles von dem, was ich gesagt habe. Ich � bedaure �berhaupt vieles.� Sie befestigte den pr�chtigen Streitkolben an ihrem G�rtel und nickte dann Kalec zu, dass sie bereit sei weiterzugehen.</p><p>Hand in Hand schritten sie zwischen den Tr�mmern dahin, schweigend und respektvoll, und dann zog sich Jainas Herz pl�tzlich noch einmal zusammen. Dort lag die Leiche der Leidenden, an derselben Stelle, wo sie ihre Leibw�chterin zuvor schon gefunden hatte, und daneben Aubrey und Marcus �</p><p>�Ihre Leichen�, murmelte sie. �Sie wirken so ��</p><p>�Unver�ndert�, beendete Kalec den Satz f�r sie. �Die arkane Energie ist von ihnen gewichen.� Das war alles, was er sagte; jedes weitere Wort w�re auch �berfl�ssig gewesen. Jaina erkannte, dass die Haare der Leidenden nicht wie Glasfasern zerbrechen w�rden, falls sie sie streichelte. Dieses Mal nicht.</p><p>Unversehens traf sie eine neue Woge der Trauer. �Oh, Kalec � h�tte ich Kinndy nicht ber�hrt ��</p><p>�Wir werden ihre �berreste einsammeln, Jaina, vorsichtig und voller Liebe�, erkl�rte der Drache, bevor sie sich in Selbstbeschuldigungen ergehen konnte. �Nach dem, was ich geh�rt habe, haben ihre Eltern ohnehin schon einen besseren Weg gefunden, ihr Gedenken zu ehren.�</p><p>Pl�tzlich brach Jaina in sich zusammen. Ein scharfer Laut der Trauer und Hilflosigkeit brach aus ihrer Brust hervor, und bevor sie es �berhaupt registrierte, hatte Kalecgos sie schon in die Arme genommen. Er hielt sie in dieser Umarmung, warm und fest, und w�hrend sie ihre Wange gegen seine Schulter presste und schluchzte, wiegte er sie sanft, als w�re sie ein kleines Kind. Aus dem gequ�lten Schluchzen wurde ein leises Weinen, und w�hrend sie ihrer Trauer freien Lauf lie�, h�rte sie zweierlei: erst nur Kalecs best�ndigen Herzschlag in ihrem Ohr und dann seine Stimme � die ein leises, sanftes Lied sang.</p><p>Sie verstand die Sprache nicht, in der er sang, aber das musste sie auch gar nicht. Es war ein Klagelied, s�� und traurig, um der Gefallenen zu gedenken, ein Lied, das vermutlich schon vor Kalecs Geburt gesungen worden war, ja, wahrscheinlich sogar schon, bevor es �berhaupt Aspekte gegeben hatte. Denn so sicher, wie ein neuer Tag aus der Nacht geboren wurde, starb er sp�ter im Abendgrauen. Nichts war �lter als der Tod � au�er dem Leben.</p><p>Kalecs Stimme war ebenso wundersch�n wie der Rest von ihm, und das Lied fand seinen Weg in ihre Seele und schenkte ihr Frieden. Sie sp�rte, wie er ihr die Lippen auf das wei�e Haar dr�ckte, einen liebevollen, z�rtlichen Kuss, eine Geste des Trostes, f�r die er im Gegenzug nichts erwartete. Dennoch sp�rte Jaina, wie ihr Herz sich regte, selbst hier noch, an diesem so tragisch ver�nderten Ort. Eine gef�hlte Ewigkeit hatte es kalt und hart in ihrer Brust gelegen, wie ein d�sterer Diamant. Doch nun erwachte es wieder. Wie ein Same im Fr�hling war es vom kalten Eis des Winters erl�st, frei, Licht und W�rme entgegenzustreben.</p><p>Sicher und sanft in Kalecs Armen gewiegt, musste sie pl�tzlich an die letzte Unterhaltung denken, die sie und Thrall als Freunde gef�hrt hatten.</p><p><emphasis>Musstest du denn � geheilt werden?</emphasis></p><p><emphasis>Wir alle m�ssen geheilt werden, ob wir uns nun dessen bewusst sind oder nicht</emphasis>, hatte Thrall geantwortet. <emphasis>Selbst, wenn wir nie eine Wunde davontragen, hinterl�sst das Leben doch Narben auf unserer Seele, allein dadurch, dass wir es leben. Ein Partner, der in dir das sieht, was du wirklich bist, wirklich und vollst�ndig � ah, das ist ein Geschenk, Jaina Prachtmeer</emphasis> � <emphasis>Auf welchem Pfad du auch unterwegs bist, wohin immer er dich f�hren mag � ich f�r meinen Teil habe herausgefunden, dass diese Reise viel angenehmer ist, wenn man einen Lebensgef�hrten an seiner Seite hat.</emphasis></p><p>Kalec hatte ihr dabei geholfen, sich zu heilen � und zwar nicht nur in Bezug auf die Wunden des einfachen Lebens. Er hatte sie in ihren besten und in ihren schlimmsten Augenblicken gesehen, hatte ihr den Weg zu ihrem wahren Selbst gewiesen, als sie in einem Labyrinth aus Verzweiflung und Zorn verloren gewesen war. K�nnte er ihr Lebensgef�hrte sein, ebenso wie Aggra Thralls Lebensgef�hrtin war? Es schien unm�glich, diese Frage zu beantworten. Zurzeit gab es nur eine Sache, derer Jaina sich sicher war: Nichts war gewiss. Die Winde der Ver�nderung wehten, wie immer es ihnen beliebte.</p><p>Doch vorl�ufig war sie zufrieden. Sie legte den Kopf in den Nacken und sah zu ihm auf, und er erwiderte ihren Blick, w�hrend er die eine Str�hne goldenen Haares streichelte, die ihr noch geblieben war.</p><p>�Rhonin�, sagte sie.</p><p>Kalec nickte. Als sie voneinander ablie�en, sp�rte Jaina einen kalten Wind zwischen ihnen hindurchstreichen, doch ihre Hand lag noch immer warm zwischen seinen Fingern. Langsam und bed�chtig gingen sie auf den Krater zu, und sie schauderte, als sie an die letzten Momente im Leben des Erzmagiers denken musste � wie er sie durch das Portal geschoben hatte, w�hrend der Turm in sich zusammengefallen war, wie er zu violetter Asche geworden war, die der Wind inzwischen l�ngst aufgewirbelt und in alle Ecken von Azeroth verteilt hatte.</p><p>�Sein Opfer war nicht umsonst�, erkl�rte Kalec, wie um sie daran zu erinnern. �W�re die Wirkung der Bombe nicht zumindest ein wenig durch die Magie des Turmes eingeschr�nkt worden, h�tte sie noch viel mehr Verw�stung angerichtet.�</p><p>�Er wollte Vereesa retten�, sagte Jaina. �Er wollte, dass sie �berlebt � dass seine Kinder eine Mutter haben, auch wenn sie daf�r ihren Vater verlieren mussten �� Einen Moment lang versagte ihr die Stimme, dann fuhr sie fort: �Er kam hierher � weil ich ihn darum gebeten hatte.� Sie wandte sich zu Kalecgos um. �Noch vor Kurzem habe ich mit aller Macht versucht, auf ein harmonisches Miteinander hinzuarbeiten. Ich f�hlte mich auf verlorenem Posten, weil ich das Gef�hl hatte, niemand wolle einen Frieden.�</p><p>�Willst <emphasis>du</emphasis> denn noch einen Frieden?�, fragte er.</p><p>Sie dachte einen Moment lang dar�ber nach, den Kopf auf die Seite geneigt, die Stirn in Falten. �Es ist nicht so, als ob ich ihn nicht l�nger wollte. Ich will schon Frieden. Ich bin nicht mehr so, wie ich vorher war � ich brenne nicht mehr darauf, Rache zu nehmen. Aber � ich bin auch nicht mehr die Frau, die so verzweifelt auf Harmonie zwischen Horde und Allianz gehofft hat. Es � es kann keine Harmonie geben, Kalec. Nicht, solange Garrosh die Horde anf�hrt, und nicht nach dem, was er getan hat. Ich glaube nicht mehr, dass der Frieden die Antwort ist. Und das bedeutet � ich wei� nicht mehr, wo ich hingeh�re.�</p><p>Er kr�uselte seine Augenbraue. �Oh, ich denke, das wei�t du durchaus!�</p><p>Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, aber dann erkannte sie, dass er recht hatte.</p><p>Sie wollte nach Hause. Nach Hause, also zu einem Ort, der einst eine Zufluchtsst�tte voller Freude und Gewissheit gewesen war, bevor sie ihn widerstrebend verlassen hatte, um dem Ruf ihres Schicksals zu folgen. Ihr fiel wieder ein, was Kalec gesagt hatte: dass alles einen Rhythmus und ein Muster hatte. Vielleicht hatte sich der Kreis f�r sie nun ja geschlossen.</p><p>�Dalaran�, sagte sie. �Die Kirin Tor. Vor langer Zeit habe ich ihre Lehren gewissenhaft studiert. Es f�hlt sich richtig an, jetzt dorthin zur�ckzukehren, mehr als je zuvor.� Ihr Blick wanderte erneut �ber die Tr�mmer ringsum. �Rhonin hielt das ebenfalls f�r meine Bestimmung. Nicht zuletzt darum wollte er, dass ich �berlebe. Er sagte mir, dass ich in seinen Augen die Zukunft der Kirin Tor w�re. Also sollte ich ihnen zumindest meine Dienste anbieten und ihnen die Chance geben, mich h�flich abzuweisen.�</p><p>�Du bist erstaunlich m�chtig geworden, ganz ohne ihre Hilfe�, erkl�rte Kalec. �Ich glaube, sie k�nnten sich gl�cklich sch�tzen, dich in ihren Reihen zu haben � und vermutlich wissen sie das auch selbst. Rhonin war gewiss nicht der einzige Magier, der so gedacht hat.�</p><p>�Und was ist mit dir, Kalec?� Innerlich bereitete sie sich schon darauf vor, dass er sagte, er werde sie verlassen und wieder zum Nexus zur�ckkehren. Schlie�lich war er der Anf�hrer des blauen Drachenschwarmes. Dort, wo er lebte, gab es keinen Platz f�r ein Mitglied der j�ngeren Rassen.</p><p>�Nun � falls du nichts dagegen hast � w�rde ich dich gerne nach Dalaran begleiten.� Sie konnte ihre Freude nicht verbergen, und als er dies bemerkte, l�chelte auch er, seine Augen voll W�rme und Zuneigung. �Ich hoffe, das hei�t, du hast keine Einw�nde.�</p><p>�Nein, ich � ich w�rde mich sogar sehr freuen. Aber was wird dann aus den blauen Drachen?�</p><p>Sein L�cheln verblasste. �Der Schwarm hat sich aufgel�st�, erkl�rte er. �Wir sind jetzt nicht mehr aneinander gebunden. Ich finde, dass wir nach allem, was die Welt unter unserer ungl�cklichen F�hrung erdulden musste, Wiedergutmachung leisten sollten, auch und gerade gegen�ber den Kirin Tor.� Er schenkte ihr ein schiefes Grinsen. �Einmal haben sie bereits einen Drachen in ihre Reihen aufgenommen, auch wenn viele vielleicht nicht wussten, wer Krasus wirklich gewesen ist. Glaubst du, ich h�tte eine Chance?�, fragte er, bevor er mit unsicherer Stimme anf�gte: �Bei ihnen und � bei dir?�</p><p><emphasis>Ver�nderung</emphasis>, dachte Jaina. <emphasis>Sie bringt den Schmerz, sie bringt die Freude, und sie ist unausweichlich. Wir sind unser eigener Ph�nix, der aus der Asche unseres alten Selbst aufsteigt, falls wir ihn nur lassen. Wir alle k�nnen wiedergeboren werden.</emphasis></p><p>Sie trat einen Schritt nach vorn und streckte zur Antwort ihr Gesicht nach oben. Mit einer Z�rtlichkeit, die sie nicht l�nger �berraschte, und einer Innigkeit, die sie daf�r umso mehr verbl�ffte, nahm Kalecgos vom blauen Drachenschwarm ihr Gesicht zwischen seine warmen H�nde, und w�hrend seine Augen tief in die ihren blickten, beugte er sich vor und k�sste Lady Jaina Prachtmeer � die Magierin.</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Als Jaina und Kalecgos Dalaran erreichten und um eine Audienz beim Rat der Kirin Tor baten, waren sie darauf vorbereitet, dass man sie fortschicken oder auf einen sp�teren Zeitpunkt vertr�sten werde, doch stattdessen versicherte ihnen der Magier, der sie am Eingang begr��te, dass der Rat sie empfangen wolle. Jetzt gleich. Ein paar Sekunden sp�ter fanden sich die beiden dann auch schon in der ewig erhabenen, sich stets verwandelnden Kammer der Luft wieder, und Kalec, der zum ersten Mal hier war, konnte nicht anders, als sich umzusehen und das Spektakel der Himmelsbilder zu bewundern.</p><p>�Der Rat hei�t Kalecgos vom blauen Drachenschwarm und Lady Jaina Prachtmeer willkommen�, sagte Khadgar, seine Stimme war zwar altersschwer, aber doch voller Energie. �Die Welt hat sich ver�ndert, seit wir Euch zum letzten Mal hier sahen, Lady. Warum seid Ihr und Euer Freund gerade an diesem Tage hier, um uns zu sprechen?�</p><p>�Aus vielerlei Gr�nden�, antwortete Jaina. �Zun�chst einmal � schulde ich Euch allen eine Entschuldigung.� Sie hielt das Buch hoch, das es ihr erlaubt hatte, die Fokussierende Iris in Anspruch zu nehmen. �Ich behielt dies ohne �� Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ich will es nicht sch�nreden. Ich habe es gestohlen, und ich habe das Siegel gebrochen, um eine schreckliche Waffe gegen meinen Feind einzusetzen.�</p><p>�Aber Ihr habt diese Waffe doch nicht verwendet?�, fragte Khadgar. �Denn sofern meine Quellen nicht jegliches Pflichtgef�hl vergessen haben � und das w�rde ihnen kaum �hnlich sehen �, dann steht Orgrimmar noch, auch wenn sich Garrosh H�llschrei schmollend in die Feste Grommash zur�ckgezogen hat.�</p><p>�Ich habe sie nicht gegen Orgrimmar eingesetzt, das stimmt�, nickte Jaina. �Kalecgos hier und Thrall haben mich wieder zur Vernunft gebracht. Aber ich habe ein Artefakt benutzt, um die Flotte der Allianz zu verteidigen. Jetzt gebe ich Euch dieses Buch zur�ck, ebenso wie ich Kalecgos zuvor die Fokussierende Iris zur�ckgegeben habe.�</p><p>�Und ich�, f�gte Kalec �berraschenderweise hinzu, �w�rde dieses Artefakt gerne den Kirin Tor zum Geschenk machen.�</p><p>Gemurmel erhob sich in dem Raum. Selbst Jaina war verbl�fft. �Kalec � die Iris gilt doch seit Urzeiten als Schatz des blauen Drachenschwarms.�</p><p>�Doch jetzt ist der Schwarm in alle Winde verstreut�, erkl�rte Kalec, �und es gibt niemanden mehr, der auf diesen Schatz aufpassen kann. Zu meiner gro�en Schande ist es uns nicht gelungen, ihn zu besch�tzen, und ich halte mich nicht l�nger f�r einen w�rdigen W�chter dieses Artefakts. Bitte � werdet Ihr die Fokussierende Iris annehmen? Ich wei�, es gibt zahlreiche wertvolle Artefakte in Dalaran. Ich k�nnte mir keinen sichereren Ort f�r die Iris vorstellen.�</p><p>Modera trat vor und nahm sowohl das gestohlene Buch als auch die miniaturisierte Iris entgegen, wobei sie eine Verbeugung vor dem Drachen andeutete. �Die Sorge um das Wohl anderer ist Euch wichtiger als Euer Selbst, Kalecgos. Das soll nicht vergessen werden.�</p><p>Karlain richtete sich zu seiner ganzen Gr��e auf und musterte Jaina mit vor der Brust verschr�nkten Armen. �Lady Jaina Prachtmeer�, sagte er. �Ihr seid doch nicht nur hierhergekommen, um das Buch zur�ckzugeben.�</p><p>�Nein�, best�tigte sie. �Ich bin � ich bitte ergebungsvoll darum, als Novizin in die Reihen der Kirin Tor aufgenommen zu werden.�</p><p>Nachdem sie Dalaran so viele Jahre ferngeblieben war, h�tte dies die Ratsmitglieder eigentlich �berraschen m�ssen, doch falls sie verwirrt waren, lie� sich zumindest keiner von ihnen etwas anmerken. Khadgar hob die Hand, woraufhin die anderen vier zu ihm traten. Kurz unterhielten sie sich leise fl�sternd, und Jaina wandte sich h�flich von ihnen ab, damit sie m�glichst ungest�rt ihre Meinungen austauschen konnten. Kalec griff nach ihrer Hand.</p><p>�Ich w�rde dir ja gern sagen, du solltest dir keine Sorgen machen, aber das w�rde wohl nicht viel n�tzen�, sagte er.</p><p>Sie l�chelte kurz, dann meinte sie: �Ich bin � nicht sicher, was ich tun werde, falls sie mich ablehnen. Obwohl ich in letzter Sekunde innegehalten habe, bevor ich Orgrimmar zerst�ren konnte � und ich bin froh, dass ich das getan habe �, glaube ich doch noch immer, dass Garrosh vom Thron des Kriegsh�uptlings enthoben werden muss. Das ist nicht gerade eine � neutrale Einstellung.�</p><p>�Du bist eine f�hige, kluge und gro�herzige Frau, Jaina�, entgegnete Kalec mit sanfter Stimme. �F�r jemanden wie dich gibt es immer einen Platz.�</p><p>�Lady Prachtmeer?�</p><p>Es war Khadgar, der gerufen hatte, und Jaina wandte sich mit rasendem Herzen wieder zu ihm um. �Wir m�ssen Eure Bitte, diesem ehrenvollen Orden als Novizin beizutreten, leider ablehnen.�</p><p>Sie sp�rte den schmerzhaften Stachel der Entt�uschung, und er sa� tiefer, als sie erwartet hatte. �Ich verstehe�, sagte sie leise. �Meine Taten sind unverzeihlich.�</p><p>Khadgar fuhr fort. �Aber sie k�nnen wiedergutgemacht werden. Und Ihr k�nntet ja wohl kaum eine Novizin der Kirin Tor sein, wenn wir in Euch gerne die Anf�hrerin des Ordens sehen w�rden, nicht wahr?�</p><p>�Was?� Das Wort platzte in einem �berraschten Keuchen aus ihr heraus, wie man es dem M�dchen nachgesehen hatte, das sie einst gewesen war, nicht aber der Frau, die nun hier in der Kammer der Luft stand. �Aber ich � ich war doch �� Ihre Stimme versagte, und eine Weile starrte sie Khadgar einfach nur stumm an.</p><p>�Rhonin hat sein Leben gegeben, um Euch zu retten, Jaina. Er sagte Euch, dass Ihr die Zukunft der Kirin Tor w�ret.�</p><p>Sie nickte. �Aber das ergab keinen Sinn f�r mich. Ich war ja nicht einmal ein Mitglied des Ordens.�</p><p>�F�r uns ergab es ebenso wenig Sinn, als er immer und immer wieder darauf beharrte�, warf Modera ein. �Aber Vereesa hat in seinem Schreibtisch eine Schatulle gefunden, die mehrere Schriftrollen enthielt. Auf ihnen hat kein Geringerer als Korialstrasz selbst seine Prophezeiungen niedergeschrieben.�</p><p>Jaina und Kalec blickten einander an. �Und � wurde ich in einer dieser Prophezeiungen erw�hnt?�</p><p>�Nicht namentlich�, sagte Khadgar. Er zog eine Schriftrolle aus seiner Tasche und hielt sie Jaina hin. �Bitte, lest es selbst vor!�</p><p>Jaina nahm die Schriftrolle mit zitternden H�nden entgegen und begann mit unsicherer Stimme zu rezitieren:</p><poem><stanza><v><emphasis>Auf das Rot folgt das Silber,</emphasis></v><v><emphasis>Und die Lady, einst eine goldene Pracht;</emphasis></v><v><emphasis>Nun, gequ�lt und verbittert,</emphasis></v><v><emphasis>Richtet ihre Gedanken auf die Schlacht.</emphasis></v></stanza><stanza><v><emphasis>Wie Saphir und Diamant leuchtet sie nun,</emphasis></v><v><emphasis>Die f�hren soll die Kirin Tor,</emphasis></v><v><emphasis>�K�nigin� eines gefallenen Reiches</emphasis></v><v><emphasis>F�hrt an des Krieges Chor.</emphasis></v></stanza><stanza><v><emphasis>Doch seid gewarnt � die Gezeiten des Krieges</emphasis></v><v><emphasis>Tragen nicht jeden an die Gestade des Sieges</emphasis></v></stanza></poem><p>Tats�chlich, es passte. Auf Rhonin folgte Lady Jaina Prachtmeer, deren goldenes Haar sich in Silber verwandelt hatte. Ihre Augen hatten die Farbe von Saphiren, und eine Zeit lang hatten sie wie Diamanten geleuchtet. Sie war gequ�lt gewesen und verbittert, ihr Reich war gefallen, und auf gewisse Weise hatte sie eine kriegerische Ansicht vertreten. Ungl�ubig blickte sie zu den Mitgliedern des Rates auf.</p><p>�Aber � mich nur auf der Grundlage dieser Prophezeiung auszuw�hlen ��</p><p>�Oh, das ist nicht alles�, meldete sich nun �berraschenderweise Aethas Sonnenh�scher zu Wort. �Ihr seid immer stark gewesen, Mylady. Sowohl in Euren F�higkeiten als auch in Eurem Willen. Selbst als Ihr in Versuchung gef�hrt wurdet, und letzten Endes sogar, als ihr unter den Nachwirkungen der Manabombe littet, habt ihr einen gerechten Weg gew�hlt, anstatt dem dunklen Pfad der Rache zu folgen. Ihr m�sst zugeben, es ist unwahrscheinlich, dass Euch jemals wieder etwas so auf die Probe stellen k�nnte wie der Untergang von Theramore. Und ich glaube, es gibt selbst in diesem Kreis niemanden, der unter den gegebenen Umst�nden besser gehandelt h�tte. Um die Wahrheit zu sagen � wir h�tten uns wom�glich nicht halb so gut geschlagen.�</p><p>�Ihr versteht nicht�, entgegnete sie. �Ich brauchte Hilfe, um nicht zu � etwas Schrecklichem zu werden. Ohne Kalecgos h�tte ich es nie geschafft.�</p><p>�Nun�, meinte Khadgar, w�hrend sein Blick zu dem blauen Drachen hin�berwanderte, �dann sollten wir wohl daf�r sorgen, dass er nie fern von Eurer Seite ist. Ihr habt uns bereits viel �ber Euch verraten, indem Ihr uns die Fokussierende Iris anvertraut habt, Kalecgos. W�rdet Ihr vielleicht selbst gern ein Mitglied der Kirin Tor werden? Es klingt, als h�tte Eure Gegenwart einen guten Einfluss auf die Erzmagierin Prachtmeer. Vorausgesetzt nat�rlich, sie nimmt unser Angebot an.�</p><p>Und schon hatten die Kirin Tor einen zweiten Drachen in ihren Reihen � und eine noch immer v�llig verwunderte Jaina Prachtmeer als neues Oberhaupt.</p><empty-line/><p>Kaum dass sie die offizielle Einweisung hinter sich gebracht hatte, war die neue Erzmagierin und F�hrerin der Kirin Tor nach Theramore zur�ckgekehrt. Varian hatte Wort gehalten und ein Schiff von der Nordwacht geschickt, dessen Besatzung sich um die Leichen der Gefallenen und sogar um den violetten Staub gek�mmert hatte. Vor den Toren der Stadt befand sich nun ein Massengrab, schockierend und deprimierend in seiner Gr��e. F�r Jaina war es schwer gewesen, sich diesem Anblick zu stellen, aber nicht so schwer, wie sie bef�rchtet hatte; immerhin hatte sie bereits von ihren Freunden Abschied genommen, gemeinsam mit Kalecgos.</p><p>Nun nahm sie an einer Zeremonie teil, von der sie sich mit ganzem Herzen w�nschte, dass sie nicht stattfinden m�sste. Es war ein wundersch�ner Sonnenuntergang in Dalaran; der Himmel f�llte sich noch einmal mit Farbe, bevor er der Dunkelheit Platz machen musste. Und in gewisser Weise spiegelte das auch die gramvolle Natur des Rituals wider.</p><p>Heute nahmen sie Abschied von Rhonin.</p><p>Seine Kinder waren da, eines auf jeder Seite seiner Ehefrau, eineiige Zwillinge mit dem feuerroten Haar ihres Vaters und den Augen und dem schlanken Wuchs ihrer Mutter. Jaina hatte erfahren, dass sie erst vor Kurzem Geburtstag gehabt hatten, und sie war froh, dass Rhonin zumindest lange genug gelebt hatte, um diesen Tag noch gemeinsam mit ihnen zu feiern. Giramar war um ein paar Sekunden �lter als sein Bruder, und er schien auch ein wenig gefasster zu sein als Galadin, dessen Unterlippe w�hrend der Zeremonie bebte. Nichtsdestotrotz standen beiden Jungen nicht vergossene Tr�nen in den Augen. Sie trugen verzierte Roben, wie sie f�r ein solches Ritual angemessen waren. Doch im Gegensatz zu ihrem Aussehen gab es in ihrer Kleidung Unterschiede; Giramars Robe war indigoblau, mit silbernen Borten, w�hrend Galadin einen dunkelgr�nen Stoff mit goldener Verzierung gew�hlt hatte.</p><p>Ihre Mutter trug nicht die R�stung, in der Jaina sie so oft gesehen hatte, sondern ein Kleid. Einige der Anwesenden schienen irritiert, dass es weder schwarz noch sonderlich zur�ckhaltend war. Doch Vereesa Windl�ufer war eine stolze und wundersch�ne Frau, und ihre Ehe mit dem ebenso temperamentvollen wie gutm�tigen Erzmagier war von Leidenschaft und Hingabe erf�llt gewesen. Darum hatte sie sich f�r dieses flie�ende rote Kleid entschieden, das man eher bei einem Ballabend als auf einer Beerdigung erwartet h�tte; sie wollte das wundervolle Leben mit Rhonin feiern, nicht dessen Ende betrauern. Vereesas Augen waren trocken; sie hatte all ihre Tr�nen schon zuvor vergossen. Jaina empfand tiefstes Mitgef�hl mit ihr, aber auch die gr��te Bewunderung. Rhonins S�hne hatten nun keinen Vater mehr, aber daf�r eine Mutter, die sie gut erziehen w�rde.</p><p>Es war erstaunlich, wie viele Trauerg�ste sich vor der Violetten Zitadelle eingefunden hatten. Jaina sch�tzte, dass beinahe jedes Mitglied der Kirin Tor, das nicht dringend andernorts gebraucht wurde, in die schwebende Stadt gekommen war. Und warum auch nicht? Rhonin hatte es verdient, dass man ihm den letzten Respekt zollte.</p><p>�Es ist noch gar nicht so lange her�, begann Jaina ihre Ansprache, �da haben die Kirin Tor eine mutige Entscheidung getroffen, indem sie Rhonin zu ihrem Anf�hrer w�hlten. Er war unorthodox und unverbl�mt, st�rmisch und stur. Er hatte einen wundervollen Sinn f�r Humor und endlose Liebe f�r seine Freunde und seine Familie.� Sie l�chelte den Zwillingen zu, die zwar leise schnieften, aber mit bebenden Mundwinkeln die Geste erwiderten. Anschlie�end wandte sich Jaina den anderen Mitgliedern im Rat der Sechs zu und fuhr fort: �Er hat Dalaran eine neue Richtung gegeben und die Kirin Tor durch einen Krieg mit dem Aspekt gef�hrt, der eigentlich dazu auserw�hlt war, die Magie in dieser Welt zu �berwachen und zu kontrollieren. Er starb so, wie er lebte � w�hrend er anderen half und sie besch�tzte.�</p><p>Nun drohte ihre eigene Stimme zu zittern, und sie machte eine kurze Pause, um sich zu sammeln. �Mit seinem letzten Atemzug hat er mich durch ein Portal gesto�en � und damit mein Leben gerettet, obwohl er dadurch sein eigenes verlor. Er glaubte daran, dass ich die Zukunft der Kirin Tor sei, und weil Ihr derselben Meinung wart, stehe ich nun hier. Ich kann ihm nur nachfolgen; niemals werde ich ihn ersetzen k�nnen.�</p><p>Sie blickte �ber das Meer aus purpurnen Roben hinweg, und ihr Herz schmerzte noch ein wenig mehr, als sie in der Menge auch das Ehepaar Funkenleuchter entdeckte. �Der Wind der Ver�nderung weht dieser Tage st�rker; Azeroth steht am Rande eines Krieges. Wir Kirin Tor k�nnen ruhig im Auge des Tornados stehen, falls wir das wollen. Wir k�nnen die Stimme der Vernunft sein, wenn die ganze Welt dem Wahnsinn anheimf�llt. Wir k�nnen uns unserer eigenen F�higkeiten und unseres Wissens entsinnen, doch auch der F�higkeiten und des Wissens der anderen. Ich bin zur�ck in Dalaran, aber der Weg hierher war ein verschlungener und r�tselhafter. Lange war ich fort, und nun bin ich froh, wieder hier zu sein und alles, was ich gelernt habe, sowohl durch Schmerz als auch durch Liebe, in diese Aufgabe mit einflie�en zu lassen. Und auch wenn ich mein Verhalten in j�ngster Vergangenheit bedaure, bedaure ich doch nicht, wie ich mich dadurch ver�ndert habe. Ich werde Euch anf�hren, so gut ich es nur kann. Es ist Zeit, die schwebende Stadt zur�ck auf die Erde zu bringen. Ich werde das aber nicht allein tun, sondern stets Euren Rat einholen. Rhonin soll mir als Beispiel dienen. In seinen Fu�stapfen will ich ehrenhaft herrschen. All das verspreche ich � aber ich werde auch weiterhin die Auffassung vertreten, die viele unter Euch bereits kennen: dass diese Welt nicht sicher sein kann, solange Garrosh H�llschrei Kriegsh�uptling der Horde ist. Wie meine Pflichten und �berzeugungen sich vers�hnen lassen, kann ich noch nicht sagen. Aber ich bin sicher, dass es eine M�glichkeit geben wird.� Sie dachte an die Prophezeiung und musste schmunzeln. �Ein sehr weises Wesen schien jedenfalls davon �berzeugt zu sein.�</p><p>Jaina streckte die Arme nach oben. �Nicht einmal Eure Asche k�nnen wir verstreuen, mein Freund. Aber Euer Geist lebt weiter. Im Herzen Eurer tapferen Frau und Eurer wundervollen Kinder und in der Weisheit der Kirin Tor.�</p><p>Nun begann sie ihre Finger in einer webenden Bewegung zu kr�mmen. Kalecgos und die anderen Mitglieder im Rat der Sechs, die neben ihr standen, taten es ihr gleich, ebenso wie alle anwesenden Magier. Jaina musste an eine ganz besondere Unterhaltung mit Kalec denken, die inzwischen schon so schrecklich lange zur�ckzuliegen schien, und noch einmal umspielte ein L�cheln ihre Lippen, als ein blasser lavendelfarbener Ball arkaner Energie in ihrer Hand entstand.</p><p>�Es gibt einen Rhythmus, einen Kreislauf � ein Muster.� Sie schob ihre Finger in den Ball arkaner Magie, und er brach auseinander, aber nur, um sich wieder neu zusammenzusetzen � zu einer Kugel aus Zeichen, Symbolen und Zahlen. �Alles ver�ndert sich, ob nun durch �u�ere Einfl�sse oder von innen heraus. So ist die Magie. Und auch wir sind Magie.�</p><p>Sie streckte die Handfl�che nach oben, und zwar so, dass die kleine Kugel in die H�he schwebte. Andere Magieb�lle folgten ihr, erst Dutzende, dann Hunderte, als auch die Bewohner von Dalaran, die auf dem Platz vor der Zitadelle keinen Platz mehr gefunden hatten, ihren Teil zu der Zeremonie beitrugen und sich dieser Abschiedsgeste anschlossen. Die Lichter trieben dem Himmel entgegen und hoben sich wie Gl�hw�rmchen aus lavendelfarbener Magie vor dem dunkler werdenden Zwielicht ab. Trotz allem � trotz des tragischen Schicksals von Theramore und der Katastrophe, die sie um ein Haar ausgel�st h�tte, ja, selbst trotz des Verlustes von Rhonin � sp�rte Jaina, wie ihr Herz mit diesen Kugeln in die H�he flog.</p><p><emphasis>Alles ver�ndert sich</emphasis>, dachte sie. Ich, Thrall, Garrosh, Varian � Azeroth.</p><p>Eine warme Hand schloss sich um die ihre, und sie l�chelte Kalecgos zu. Welche Ver�nderungen sie auch erwarten mochten, sie war dazu bereit.</p><empty-line/><p><emphasis>Klink, klink, klink, zschhhh �</emphasis></p><p>Der Zwerg stand mit nacktem Oberk�rper in der gro�en Schmiede von Eisenschmiede, und das Feuer schimmerte auf seiner schwei�bedeckten Brust, w�hrend er arbeitete. Die Esse der Schmiede brannte immer, doch noch nie war sie zu einem solchen Zweck genutzt worden wie heute. Unter der Erde gab es keinen Tag und keine Nacht, und darum gab es auch keine Pausen bei der Arbeit, erst recht nicht jetzt, da der Krieg in der Luft lag und die Allianz vorbereitet werden musste. Der Zwerg legte die fertiggestellte Waffe beiseite, dann presste er die H�nde auf seinen R�cken und streckte sich. Als seine Wirbel dabei knackten und knirschten, zuckte er zusammen, aber er g�nnte sich nur einen kurzen Moment, um einen Schluck aus dem Wasserbeutel zu nehmen und sich �ber den roten Bart zu wischen, bevor er sich wieder an die Arbeit machte.</p><p>Derweil wurden in Sturmwind neue Schiffe gebaut, und die Arbeiter in den Werften verfeinerten dabei best�ndig ihre Methoden, um die Schiffe schneller und noch schneller fertigzustellen. Das Licht wusste, die Flotte brauchte sie. Garrosh mochte sie untersch�tzt haben, aber sie durften sich nicht darauf verlassen, dass er ihnen ein zweites Mal diesen Gefallen t�te. Die Horde war mit ihrer Flotte noch immer unversehrt, auch wenn sie sich zur�ckgezogen hatte. Von der Allianz konnte man das leider nicht behaupten. Varian stand in der N�he des Hafens und beobachtete noch eine ganze Weile die Arbeiten, dann wandte er sich um und ging zur Burg.</p><p>Er musste einen Krieg vorbereiten.</p><empty-line/><p>Garrosh marschierte in der Feste Grommash auf und ab. Seine Befehle waren bereits �berall in der Stadt angeschlagen:</p><cite><p>AN S�MTLICHE K�RPERLICH GESUNDEN MITGLIEDER DER HORDE!</p><p>KRIEGSH�UPTLING GARROSH H�LLSCHREI RUFT ALLE B�RGER ZU DEN <strong>WAFFEN</strong>!</p><p>ERWACHSENE, M�NNER UND FRAUEN! MAN WIRD EUCH AUSBILDEN, UM IN EINEM <strong>KRIEG</strong> GEGEN DIE ALLIANZ ZU K�MPFEN, EINEM KRIEG, AUS DEM DIE HORDE ALS <strong>SIEGER</strong> HERVORGEHEN WIRD!</p><p>KINDER UND ANDERE, DIE KEINE WAFFEN TRAGEN K�NNEN � IHR WERDET DABEI HELFEN, WAFFEN HERZUSTELLEN, UND EUCH UM DIE BED�RFNISSE DER <strong>KRIEGER</strong> K�MMERN!</p><p>JEDER, DER SICH SEINER PFLICHT ENTZIEHT, MACHT SICH DES <strong>HOCHVERRATS</strong> SCHULDIG UND WIRD VON DEN KOR�KRON UNTER <strong>ARREST GESTELLT.</strong></p><p><strong>ES WERDEN KEINE AUSNAHMEN GEMACHT.</strong></p><p>F�R DIE HORDE!</p></cite><p>Die ohnehin schon rege T�tigkeit, die Orgrimmar w�hrend der letzten Monate erf�llt hatte, war nun noch um das Tausendfache hektischer geworden. Feuer brannten zu jeder Tages- und Nachtzeit, und die Kor�kron zogen best�ndig neue Wehrpflichtige ein.</p><p>Garrosh H�llschrei befand sich unterdessen allein in der Feste Grommash. Er blieb stehen und starrte auf die Karte der �stlichen K�nigreiche hinab, die auf einem der Tische ausgebreitet lag, beleuchtet vom Schein der Kerzen. Dabei drehte er gedankenverloren einen Dolch zwischen seinen Fingern und tippte mit dem Daumen gegen die Klingenspitze. Seine Augen hingen an einem Namen, einem Wort:</p><cite><p>STURMWIND</p></cite><p>Anschlie�end hob er den Dolch hoch �ber den Kopf und rammte ihn fast bis zum Heft in die Mitte des <emphasis>M</emphasis>s.</p><p>�Ich werde zusehen, wie deine Stadt um dich niederbrennt, Varian Wrynn�, brummte er, w�hrend ein Grinsen seine Hauer umspielte. �Schlie�lich � kann es nur einen Sieger in diesem Krieg geben.�</p></section></body><binary id="cover" 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